Nr. 333. Aboimiment»- Bedingungen: kldonnemenis-Prel« pränumerando: vierleljährl. ZM Mt, monarl. 1,10 Sit., wöchenllich 28 Pfg. frei ins HauS. Sinrelne Numw'r s Pfg. Sonntage- Nummer mit illuntirriec Sonntags- «eilage„Die Neue Welt' 10 Pfg. Pofl» Abonnement: 1,1V Marl pro Mona». Singelragen in der Post- Zeltunge» Preisliste für IVOS unter Dr. 7878. Nnter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland Z Marl pro Monai. 19. Jahrg. Ate Instrtisns-MeliNy» betrügt für die fechSgefpallene Kolcmsl» »eile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. «Kleine Anfeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur da« erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS 1 Uhr nachmittags in derExpeditlon abgegeben werden. Die Erpcdition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich nutzer Moutng«. Berliner Volksblnkk. Telegramm-Adreffer »Sorlnldemokrnt Verlin« Csntralorgcrn der socittldemokratischen Partei Deutschtands. Redalttiou: sw. 19, Beuch-Skraste 2. Fernsstrecher: Amt I Nr. ISO«. Dienstag, de» 2*3. September 190Ä. Expedition: sw. 19, Beuch-Striche 3. Ferusstrecher: Amt I, Nr. R131. Die Aussichten der Zollvorlage. Die von der Zollkommission begomiene z Iv e i t e Lesung d e S ZolItarif«Ent wurfs Hot in den letzte» Togen eine Reihe hochschntzzöllnerischer Blätter zur Aufwerfung der Frage ver- anlaht, welche Situation die zweite Lesung vorfindet uud ivelche Aussichten für eine Annohme des Entwurfs bestehen. Die Antworten bieten ein buntes Gemisch der verschiedenartigsten Vermutungen und Prophezeiungen. Sogar innerhalb derselben Partei fehlt es nicht an den seltsamsten Widersprüchen: eine Buntscheckigkeit, die jedoch weniger daraus entspringt. dag die Artikel schreiber selbst noch nicht wissen, wie die eigne Partei zu handeln Willens ist. sondern die weit mehr durch das Bestreben verursacht wird, die von der eignen Partei für das Schlußspiel geplanten taktischen Züge vorläufig noch nicht aufzudecken und doch darauf hinzuivirken, daß die eigne Partei wie die zu einer Einigung mit ihr geneigten andren parlamentarischen Gruppen sich in einer Richtung halten, die am Ende der Posse jene taktische» Schlußzüge gestattet. Als im vorigen Monat nach 102 langen Sitzungen die Zolltarife kommission die erste Lesung schloß, verkündete die liberal-frci- händlcrische Presse mit der ihr eignen Hoffnungsfreudigkeit, die Kommissionsverhandluiigen hätten die Situation nur noch mehr ver wirrt, und die Aussichten für Erreichung eines positiven Er gebniffes fast gänzlich vernichtet, den» die der Regierungsvorlage aufgepfropften weiteren Zollerhöhungen hätten den Tarif noch griind- licher verballhontt, so daß er nun erst recht keine Grundlage für erfolgreiche Handelsverlrags-Verhandluugen mit dem Ausland böte. Zudem aber, so hieß es Iveiter, bestände zwischen dem Ergebnis der ersten Lesung und dem Entwurf der Regierung eine solche Kluft. daß es der Regierung, nachdem sie sooft in dcrZolltarif-Kommission auf die Zollheranfsetzniigen der agrarischen Mehrheit mit, U n annehmbarl' geantwortet habe, ganz unmöglich sei, sich den Komniissionsbcschlüssen zu fügen, wolle sie nicht ihre Autorität völlig aufs Spiel setzen. Von diesem Stand- Punkt au? forderten verfchiedeüe Blätter mit dem Handels- vertragsvercin, daß, da das Zustaudekomnien eines General« torifs, der als Grundlage für Handelsvertrags-Verhandlungen dienen könne, auf Grund des jetzigen Entivurfs als ausgeschlossen erscheine, die verbündeten Regierungen, ohne das weitere Ergebnis der parlamentarischen Beratungen abzuwarten, alsbald in Verhandlungen mit den bisherigen Vertragsstaaten treten sollten, um auf Grund des bestehenden Zolltarifes init ihnen neue Handelsverträge ab- zuschließen. In dieser Beweisführung ist nur der Vordersatz richtig, nicht die Folgerung. Man kann den liberalen Handelsvertrags- Freunden von der Art des Herrn Barth völlig bei- stimmen, daß der Entwurf keineswegs in der Zoll- kommmission verbessert worden ist, und doch die Ansicht für völlig verkehrt halten, daß durch die Konlinissiousbeschliisse die Situation noch verwirrter und komplicierter geworden ist. Thatsäch- lich bedeutet vielmehr der Entwurf, ivie er die Zolltarif-Konmüssiou verlassen hat, eine gewisse Klärung der Situation— nicht weil er als reifes Kompromißprodukt der Mchrheitspartcic» gelten kann, obgleich ganz unbestreitbar in seiner jetzige» Fassung bereits eine gegenseitige Anpassung und Abschleifung der von den Hochschutzzöllnerischen Interessengruppen gc- stellten Zollforderungen zum Ausdruck kommt, sondern Iveil durch ihn die Stellung der einzelnen, einen Kompromiß erstrebenden Parteien zu einander geklärt worden ist, iveil jede dieser Parteien eine bessere Ucberstcht darüber er- langt hat, welche Zugeständnisse die andern gegebenenfalls zu gewähren bereit sind. Kurz, der in der Kommission um- gestaltete Tarif ist noch keineswegs ein fertiger Konipromitz, aber er bietet immerhin eine g ü n st i g e r e Unterlage für iv e i t e r e Kompromißverhandlungen. Und als eine solche Grund- läge wird er auch von den Zollivuchcrparteien aufgefaßt, wie der von den Vertretern dieser Parteien in der Subkommission gemachte Vorschlag beweist, nur über jene Positionen einzeln zu beraten, über die zwischen den Mehrheitsparteien noch gegensätzliche Ansichten be- stehen, sonst aber gewisserniaßen im Bausch n»d Bogen zu ver- Handel». Und noch in andrer Hinsicht haben die Beratungen der Zolltarif- Kommission zur Klärung der Situation beigetragen. Sie haben den hochschutzzöllnerischen Parteien gezeigt, auf welche Zollsätze die Reichs- regierung sich den einzelstaatlichen Regierungen gegenüber durch Zu- sicherungen festgelegt hat, von ivelchen sie deshalb nicht abgehen zu können glaubt; während andrerseits die Regierung sich näher Über die Stellung und Stärke der verschiedenen Jnteressenteugruppen und ihren Einfluß auf die parlamentarischen Parteien zu unterrichten vermochte. Die optimistische Meinung, die Lage sei heute dem Zustandekommen eines Kompromisses zwischen den Zollparteien noch ungünstiger als früher, und wenn man nur die Interessengegensätze in ihrem An- prall aufeinander nicht hindere, würden sie schon ans sich selbst. ohne fremdes Zuthun, die Vorlage zn Fall bringen. mag für die Abschivächungstendenzen der freisinnigen Politiker vom Schlage des Herrn Müller-Sagau passen; der wirklichen Sachlage entspricht sie leider recht wenig. Eine nüchterne Abivägung des Verhaltens der der hochschutzzöllnerischen Parteien zeigt im Gegenteil, daß trotz aller schönen Verwahrungen. Prineipienverkündigungen und fortgesetzter Versicherungen unverbrüchlichen Festhaltens an den gestellten Forde- rungen bei den Zoll lvucherparteien das u»verkenn- bare Bestreben besteht, sich einander zu nähern. Sie alle lockt das hohe Ziel eines profitablen Zollschutzes und alle wissen, daß sie, um zu diesem hehren Ziel zu gelangen, auf die Hilfe andrer Interessentenkreise angeiviesen sind und diesen Konzessionen machen müssen. In der konservasiven Fraktion zeigt sich dieS deutlich an der Kluft, die zwischen dem reinen Landbündlertum und den so genannten Rcgierungskonservativcn entstanden ist und sich mehr und mehr eriveitert, an der resignierten Stimmung der Bundesführer, die selbst bei derartigen Heerschau- Veranstal tmigen, wie sie neulich in Düsseldorf stattfanden, nicht mehr ganz zu verdecken ist. Ilud nicht minder kenn zeickmeud ist das in der Presse der Großindustriellen, besonders sowe t sie Beziehungen zum Centralverband deutscher Industrieller hat,» letzter Zeit»och mehr als früher hervortretende aufdringe liche LiebeSiverben um die Gunst der Ost-Agrarier. solvie die ver fängliche Haltung des C e n t r» m S, das, nachdem eS während der ersten Lesung des Tarifs in der Zollkommission in„Bauern- schütz' machte, neuerdings zur Ausgleichung der vaterländischen Interessen auch den„ I n d u st r i e s ch u tz' wieder mehr in den Vordergrund rückt und sich bereits in der letzten Fraktionssitzung dazu bereit erklärte, für höhere Bammvollgarnzölle eintreten und in der Qnebrachoholzfrage seine früher eingenomniene Stellung revidieren, zu wollen. Ein deutlicher Wink für den Centralverband deutscher Industrieller, in dem bekanntlich»eben den Eisenindustricllen die „Spinner' den größten Einfluß haben. Und neben dem Zvllinteresse treibt die hochschutzzöllnerischen Parteien die Rücksicht auf de» nächstjährigen Wahl kämpf, der. Ivenn nicht vorher ein Kompromiß zwischen ihnen und der Regierung zn stände kommt, nicht nur nach Außen, sondern auch gegen die rebellischen Elemente im eignen Lager ge- führt werden muß,— ohne volle Unterstützung der Regiernngs Maschinerie. Besonders das Ccntrum brächte ein solcher Wahlkampf in eine unangenehme Lage. So unbehaglich es sich bei den extremen Ansprüchen der rheinischen und bayrischen Bauern fühlt, so unbequem ihm die Opposition des auf- geklärtcren Teiles der rheinisch-weslfälischen Jndustrie-Arbcitcr ist, so sagt es sich doch, daß, wenn es die Zollsache vor dem Wahlkampf im Reichstage zum Austrag zu bringen vermag, es ihn, leichter fein wird, die klaffenden Gegensätze iu seine» Reihen unter Zuhilfenahme trügerischer Waisenversorgungs-Anträgc und andrer Pflästerchen zn überkleistcrn, alS ivenn diese Gegensätze vorher durch einen das innere Gefüge des CentrnmSturmS erschütternden, erbitterten Wahl kämpf aufgewühlt werden. Die Beschlüsse, an dem Eiltwnrf erster Lesung festhalten zn wolle», wie sie in den letzten Tagen vom Centrum und der Reichs Partei gefaßt sind, habe» deingegeniiberZkaum mehr als taktische Bc deutung. Was sie wert sind, zeigt schon die Thatsache, daß einer seit« das Centrnm sich den AnSweg offen läßt, im einzelnen Aus- glcichnngen an den Zollpositionen vornehmen zu können, und daß andrerseits erst vor ivenigen Tagen ein Führer der Freikonservativen in der Zollfrnge. Freiherr vk Zedlitz, im.Tag' erklärt hat. es könne „nur mit dem Zustandekommen der Vorlage in einer von den, E n t>v u r f e(der Regierung) nicht sehr ivesentlick ab iv eichenden Gestalt gerechnet werden' und Minimalzölle seien für die Landlvirtschaft „nicht von solcher praktischen Bedeutung', um daran die Zolltarif-Bor läge scheitern zu lassen, Selbst der �Beschluß der deutsch- konservativen Fraktion, der den Zolltarif-Entwurf der verbündeten Regierungen für„nicht annehmbar' erklärt und hinzufügt:„An der B i» d u n g d e r G e t r e i d e- und Viehzölle ist unbedingt festzuhalten", schließt, wenn er auch ungleich energischer als der Centriims-Bcschluß lautet, eine spätere Einigung mit den andren Zollparteien nicht ohne iveitereS aus, dem, auch seine Fassung gestattet noch inimer die Ausrede, ein etwaS veränderter Regiernngsentwurf sei ja nicht mehr der Entwurf, den der Fraktionsbeschluß gemeint habe. Der- artige Versicherungen, es unter einem gewissen Preis nicht thun zu können und dem andren Kontrahenten schivere Opfer gebracht zu haben, gehören nun einmal ebenso zu den Gepflogenheiten des parlamentarischen Schachers, ivie zum gewöhnliche» Roß- und Schweiuehandel. Dazu kommt, daß in den wenigen Wochen vor der Aufnahme der Zollberatungen i», Plenum des Reichslags doch keine Einigung mehr zu erwarte» ist und voraussichtlich der Schacher erst später seinen Abschluß findet. Weshalb also vorzeitig die Trümpfe ans der Hand geben? Sind aber die Zollivuchdeparteien einig, dann wird auch die Regierung sich zum Kompromiß bequemen, kann doch ohnehin eine Einigung der betreffenden Parteien nur in der Richtung stattfinden, daß der ans der ersten Lesung der Zollkommission hervorgegangene Eutwurf wieder der Regierungsvorlage angenähert wird. Es sind schon andre Zusagen und Drohungen— erinnert sei nur an die Haltung der preußischen Regierung in der Kanalfrage— ver- gessen werden, als die Deklamationen des Grafen Posadowsky in der Zollkommission., An dem Gegensatz zwischen den, Kraut- und Schlotjunkertum wird die Zolltaris-Vorlage nicht scheiten,; aber es giebt»och einen andren HemmnngSfaktor. mit de», die hochschutzzöllnerischen Parteien in ihren, Kampf um die Zollbeuteverteilung zu rechnen haben iverde: die Socialdemokratie. Das sieht der größte Teil der am Beutezug beteiligten Politiker selbst ein, und der Reichstags- Abgeordnete Dr. Otto Arendt spricht nur aus, was die meisten seiner GeisteSverivandten denken, wenn er in eine», kürzlich veröffent- lichten Artikel über»die Aussichten der Zolltarif- Vor- läge" offen zugesteht, von allen Umständen, an denen die Vorlage scheitern könne, sei der, de» er„gewaltsame Obstruktion durch die Socialdemokratie' nennt, am gefährlichsten. Wie die Socialdemokratie den Kampf führen wird, das wird sich»ach dem Vorgehen der Gegner richten; in jedem Fall wird sie ihre Schuldigkeit thun, um die Zoll- rage vor den Richlerspruch de? Volkes zu bringen und dieses selbst über die Lasten, die ihm auferlegt werden sollen, entscheide» zu lassen.__ I pottkische Aebevlkchk. Berlin, de» 22. September. Der Wiederbeginn der Zollkoinniissions-Bcratnng. Die zweite Lesung dcS Zolltarifs in der Zollkommission hat bereits in der ersten Sitzung»ach den Ferien be- gönnen. Selbst die Regierung hatte nur mit einer rein geschäftSordnungSmäßigen Debatte über die Behandlung der Vorlage in zweiter Lesung gerechnet. Aber einzelne Zollparteicn und auch die Regierung hatten ihre Bc- denken gegen die Vorschläge der Subkommission aufgegeben wohl in Rücksicht auf die Thatsache, daß es ja der Opposilion un- benommen bleibt, gegen ein summarisches Verfahren ihrerseits jeder- zeit Matznahmen treffen zu können. Und so kam es denn, daß schon in der 1. Sitzung die Getreidezölle bezw. die Zölle auf viele landwirtschaftliche Produkte(siehe Bericht an andrer Stelle d. Bl.) einer Generaldebatte unterzogen wurden, die Abgeordneter Stadt- hagen mit einer dreistündigen Rede einleitete. Während dieser Rede befleißigten sich die Zöllner einer störenden Unruhe, die den Vorsitzenden hinderte, Stadthagens Rede im Zn- sammenhange hören zn könne». Als er deshalb den Redner unter- brach, kam es infolge des Mißverständnisses zn eine», heftigen Zn- sammenstoß zwischen Stadthagen und dem Vorsitzenden, der sich durch einen Ordnungsruf gegen StadthagenS zutreffende Bemerkungen zu Ivehren suchte. Die bereits eiugebrachlen Anträge der Subkommission zeigen, daß die Mehrheit gewillt ist, nur über die Positionen, bei denen Differenzen vorliegen, zn beraten, un, zu einer Verständigung mit der Regierung zu gelangen. Daran ändert nichts die lächerliche Wiedereinbringung der Anträge des Bundes der Landlvirte durch den Abgeordneten v. Wangenheim, die nur dazu dienen sollen, die bäuerlichen Kreise im Banne dcS Bundes zu halten. Die Opposition sieht nicht diese agrarischen Uebergebote, sondern den Regierungsentwurf als das Grundübel an und richtet ihre Aufgabe auf seine Beseitigung. Davon wirb sie durch die tollen Forderungen der Bündler nicht abgelenkt werden. Zu bemerke» ist noch, daß als Stadthagen bei steigender Unruhe meinte, die Ruhestörer wollten die vorgetragenen Gründe nicht hören, Abg. Pansche den Zwischenruf, machte: Wir wollensieauch nicht h ö r e n I Im Namen der Neichsregierung gab Graf Posadowsky Erklärungen ab, die darauf abzielten, durch scharfe Angriffe auf die extremen Bündler der Zollmehrheit die Brücke zur Regierungsvorlage zu schlage». Die Ausführungen des Grafen Posadowsky sind in der später» Abendstunde»och im Wortlaute durch das Wölfische Depeschenbureau verbreitet worden. Die Regierung legt anscheinend besonderes Geivicht auf dieselben. Graf Posadowsky erklärte, hinsichtlich der Gctreidezölle keine neuen Erklärungen abgeben zu brauchen, er habe sich lediglich auf die früheren zu beziehen. Dann wandte er sich gegen die Ueberzölle des Bündlerhäuptlings von Wangenheim. Die von diesem beantragten Zölle brächten allerdings die Gefahr mit sich. „die LebcuShaltiing weiter Volkskreise in einer in der That bedenkliche» Weise zu verteuern und gleichzeitig ihre Arbeitsgelegenheit zu veriuinderu". Warum diese Folgen erst bei den Wangenheimschen Zollsätzen eintreten sollen, aber bei den RegierungSzöllen nicht— das ist daS Geheimnis des Grafen v. Posadolvsky! Weiter erklärte Graf Posadolvsky die bllndlerischen Zollsätze als derartige, daß mit ihnen Handelsverträge unmöglich seien. Aber wiederum bliebe es Geheimnis des Regiernngsvertreters, wie mit den Zollsätzen der Regierungsvorlage Handelsverträge zn stände kommen sollen, die nicht die Industrie, den Handel und die gesamte Arbeiterschaft fühlbar schädigen würden! Graf Posadowsky legte sodann dar. daß die Regierung nicht auf Grund ihres neuen Tarifs, ohne daß dieser Gesetz gelvorden sei, mit den auswärtigen Staaten in HandclSvertragS-Verhandlnugen ein- treten könne. Werde der Tarif nicht Gesetz, so könne die Re- giernng nur auf Grund des bisherige», auch der Industrie nicht mehr genügenden Tarifs verhandeln. Endlich wandte sich der Staatssekretär gegen den Vorwurf der Zollparteien, daß die Regie- rung sich diktatorisch zeige, indem sie den weitergehenden Zolllvünschen nicht entgegenkommen wolle. Die Regierung könne nicht entgegen- kommen, nicht iveil sie diktatorisch gesonnen sei, sonder» iveil sie wisse, daß höhere Zölle gegenüber der Vertragsstaateu nicht erreichbar seien. Graf Posadolvsky schloß mit de» Worten: „Aon diesen Gesichtspunkten ans bitte er die Haltung der verbündeten Regierungen gegenüber einem Teil der von der Kommission gefaßte» Beschlüsse, namentlich soweit es sich nm Mindestsätze handelt, zu beurteile». Die Vertreter der laudlvirlschastlichen Richtung aber, ivelcher die Vorschläge der Re- gierung noch nicht ivcir genug ginge», bitte er gerade im Interesse der Landwirtschaft, ernstlich zu erwägen, ob in der Zukunft die politische Wahrscheinlichkeit vorläge, ihre weitergehenden Wünsche durchzusetzen.' Die Regierung beharrt also vorläufig hinsichtlich der Mindest- zölle auf ihrer Vorlage. Dagegen läßt der HimveiS des Staats- ekretärs, daß die von ihm gegebenen Darlegungen sich nur auf einen Teil der abweichenden Kömmissionsbeschlüsse beziehen, die Aussicht offen, daß es den Mehrheitsparteien desZollivucherS immerhin gelingen kau», bei einer Anzahl andrer Positionen ihre Forde- rungen durchzusetzen. Die gesamten Darlegungen dcS Staatssekretärs und die Art, wie er sie in der Kommiisio» vortrug, bewiesen eine starke Zuversicht der Regierung. Wahrscheinlich ist der Staatssekretär jetzt s i ch dcS Rückzuges der Kom missionS in ehrheit auf die Regierungsvorlage sicher!-- Stadtrat Kanffinann ist endlich mürbe geworden. Wie magistratsoffiziös mitgeteilt Ivird, hat Herr Kauffmann dem Stadtverordnetenvorfteher Herrn Dr. Langer« haus am 20. September mitgeteilt, daß er auf die Rechte aus der Wahl zum zweiten Bürgermeister nunmehr verzichte. Damit hat eine jener Tragikomödien ihr Ende erreicht, die in der Geschichte be- sonders dcS Berliner Freisinns ja keine Seltenheit sind. Kauffmanns Schicksal ist bekannt. Am 2b. April 1301 wählte die Stadtverordneten- Versammlung ihn mit 67 gegen 59 Stimmen, die auf den Syndikus Doive fielen, zum ziveiton Bürgermeister. ES dauerte eine Weile, bis am 5. Juli desselben Jahres die Mitteilung in die Presse ging. daß der Kaiser den Geivählten nicht bestätigen werde. Diese Nachricht war um so wunderlicher als das preußische Gcsamtministerilim sich für die Bestätigung erklärt hatte und der Grund, weshalb der Kaiser dem Wunsche des Ministeriums entgegenhandelte, allgemein auffiel, mochte er auch urprcußischer Natur sein. Kauffmann hatte 18L2 auf seine Würde als Landwehr- offizier verzichten müssen, weil er Borsttzender eines fortschrittlichen Vereins war und als solcher für die liberale Sache gewirkt hatte. Seit dieser Zeit mangelt Herrn Kauffmann die RepräsentationS- fähigkeit bei Hofe, eine Eigenschaft, die wenigstens in Preußen durch eine noch so hohe Tüchtigkeit im Amte nicht aufgewogen werden kann. Die Stadtverordneten-Versammlung wählte nunmehr Herrn Kauffmann einstimmig wieder. Aber mittlerweile begann unter den ob solcher That ängstlich gewordenen Wadenstrümpflern sich ein Spiel zu entwickeln, das mit der Jnternierung KauffmannS in der maisou äs sirnte in Schöneberg und der falschen Nachricht, daß der Unglückliche auf das ihm zum zweitenmale von der Stadtverordneten-Versammlung angetragene Mandat ver- zichte, in diesem Frühjahr sich vor der Welt offenbarte. Am 15. April brachte der.Vorwärts' das Jntriguenstttck ans Licht. Die Ableugnungsversuche von freisinniger Seite hatten die Wirkung, daß Kauffmann bald darauf unsre Mitteilungen Wort für Wort be- stätigte. Aber was nun auch noch geschehen mochte: Der FreistnuSklüngel hatte sein Ziel erreicht, und es war nur noch eine Frage der Zeit, daß Kauffmann sich selber aus dem Wege räumte. Das ist nun geschehen. Die Bahn ist frei. Von neuem gaukelt sich eine wahrlich nicht kleine kommunale Clique die Seligkeit vor, oben in Gnaden aufgenommen zu sein. Dies Streben wird erkauft mit dem Rest des Anscheus, das der Freisinn hier und da noch in der Be« völkerung haben mochte. Aber was will das für die bedeuten, die sich hinter den Wällen des Dreiklassen-Wahlrechts sicher geborgen fühlen? PestetnnS Reden. Paris, 19. September. lEig. Ber.) PelletanS festrednerische Ein- und Ausfälle gegen Italien, Deutschland und England bieten der bürgerlichen Presse der Großmächte willkommenen Ferienstoff zu mehr oder minder hochpolitischen Kannegießereien, die dann von der Pariser Presse in langen Citaten wiedergegeben werden. Thatsächlich aber ist der chauvinistische Redefluß des Marineministers nur für die französischen Linksradikalen beschämend, deren hervorragendster Ver- treter Pelletan ist. Den europäischen Frieden bedroht er ebenso- wenig wie die gegenwärtigen freundlichen frauko-italienischcn Be« Ziehungen. Dagegen hat er das Ansehen des Kabinetts Combes nicht gerade erhöht. Eine auf der„ministeriellen Solidarität' beruhende Regie« rung darf sich nicht durch einen einzelnen Minister vor der ganzen Welt bloßstellen lassen. Selbst das Pelletan innerpolitisch am nächsten stehende Blatt„Le Radical' forderte gebieterisch von der Regierung ein„dringliches Dementi" des anti-italieniscken Ausfalls namens der„tiefbetrübten Patrioten von dicSseitZ und jenseits der Alpen'. Das Dementi blieb natürlich auS, weil PelletanS Worte sich nicht wegleugnen ließen. Der aufgeknöpfte Festredner hat dann selbst eine Abschwächung seiner Aeußerung versucht, indem er in einer weiteren Rede sich für„einen der bewährtesten Jtalophilen" erklärte usw. Inzwischen aber hatte er noch mit der Rücksichtslosigkeit eineS chauvinistischen PrivatpolitikcrS von der„alten germanischen Barbarei" und der englischen Gewalt- anbetung gesprochen... Der Chauvinismus steckt eben auch den radikalsten unter den französischen Radikalen tief im Blute. Selbst der ausgiebige reaktionäre Gebrauch, den die Nationalisten auS dem Chauvinismus gemacht haben und noch machen, hat sie davon nicht geheilt. In feiner jüngsten Tischredg zu Bizerte in Tunis erinnerte sich Pelletan noch feines„Socialismns": Die Republik müsse vollständig republikanisch werden, sie müsse die„Republik der Arbeiter, folglich s o c i a l i st i s ch werden, aber nicht kollektivistisch... Die Zeit des Kollektivismus ist nicht gekommen und ivird niemals kommen. Der Socialismus, aufgefaßt als ein Kampf gegen die Macht des Geldes, gegen die Tyrannei der Kapitalien, vereinigt alle Republikaner, denn sie alle wünschen die. Befreiung der Arbeit. DaS Jahr 1793 hat uns unser Programm gegeben.. Der kleinbürgerliche Phrasensocialismus als gemeinsames Programm„aller' Republikaner— das ist eine ganz neue Entdeckung, gegen die vor allem PelletanS Minister- kollege, der Finanzmann Rouvier, protestieren muß, obwohl er mit dem„Socialisten" Pelletan von der Unerfüllbarkeit de§ Socialismns(ohne Gänsefüßchen), des Kollektivismus, überzeugt ist. Tie nnnisteriell-sociatistische„Petite Röpublique' hat in ihrem Bericht über PelletanS Rede die angeführte Stelle einfach fort- gelassen. Sie erspart sich damit die ihr offenbar unangenehme Kritik der vom Minister feierlich aufgenommenen, hierzulande üblichen Verfälschung des Socialismus. Eine solche Kritik thäte gerade in Frankreich am meisten not, aber freilich patzt sie nicht zu der intimen Freundschaft der ministeriellen Socialisten zu den Radikalen. „Admiral Bombardon' hat sich übrigens nach all den offiziellen und inoffiziellen Rippenstößen abermals bewogen gefühlt, seine ab« solute Harmlosigkeit durch eine neuerliche Chamade zu beweisen. Auf der Rückreise von Biserta hielt er in Bastia auf Korsika eine Rede, in welcher er, wie der„Matin' meldet, sagte: „Ich habe nur e i n e n F e h I e r, ich bin bisher zu f r i e d« l i ch gewesen. Ich empfinde eine tiefe Freundschaft für Italien und habe eS unter allen Umständen verteidigt. Ich bin ein Freund der ganzen M e n s ch h e it und erstaune, daß man aus mir einen Eroberer machen will; das ist ein schlechtes Manöver, daS jedermann durchschaut.' Für einen„Eroberer" hat den guten Pelletan auch nach seinen famosen Reden schwerlich irgend jemand gehalten, wohl aber für einen gedankenlosen Schwätzer. Mit künftigen Reden des französt« scheu Kriegsministers wird man sich freilich nach jenen bisherigen rednerischen Leistunzen nicht mehr zu beschäftigen brauchen.— » CombcS desavouiert Pelletan. Bei einem am Sonntag veranstalteten Festmahl der repnblika« Nischen Wähler in St. Jean wÄngäly wandte sich der Ministerpräsident ostentativ gegen PelletanS Reden. Er sagte u. a.: „Entschlüpft ein ein wenig sensationelles Wort den Lippen eines Ministers im Feuer der Improvisation, in der warnten mitteilsamen Stimmung eines Banketts, hatte es auch in dem Geiste dessen, der es aussprach, nur den Wert einer stilistischen Ausschmückung eines rednerischen Bildes— gleich wird es für die Feinde des Kabinetts zu einem Worte der Regierung selbst. Sie bekümmern sich nicht einmal darum, in Er- fahrung zu bringen, ob dieses Wort richtig gemeldet und von dem Redner als der authentische Ausdruck seines Gedankens anerkannt worden ist. Als Präsident deS Ministerrats protestiere ich gegen derartiges Vorgehen. Nie« mand kann es unbekannt sein, daß unter dem parlamentarischen Regime die Regierung niemals durch individuelle Erklärungen eines Ministers gebunden wird. Sie wird nur gebunden durch die Erklärungen des Chefs der Regierung, der allein vor den Kammern und dein Lande für die der Politik erteilte Richtung verantwortlich ist. Jeder Mini st er für sich ist nur zuständig und maß- gebend für die Verwaltung seines ResjortS.'— »» Deutsches Zieich. Der Zollbeschluß der konservativen ReichStagS-Araktiou, den wir im Leitartikel kritisch behandeln, hat folgenden Wortlaut: „Die konservative Partei steht nach wie vor fest auf dem Boden des ausreichenden Schutzes der gesamten nationalen Arbeit. Daher ist 1. der Zolltarif-Entivurf der verbündeten Regierungen nicht annehmbar. 2. Auch die Beschlüsse der ersten Lesung in der Kommission berücksichtigen die berechtigten Wünsche der Land- Wirtschaft nicht genügend. An der Bindung der Getreide- und Viehzölle ist unbedingt festzuhalten. 3. Sollten die Forderungen der Landivirtschaft nicht eine wesentlich weitergehende Beriick- sichligung finden, so ist eine namhafte Herabsetzung der Industrie- zölle notivendig.'— Eine neue Militärvorlage gegen den Preis der gleichzeitigen definitiven Einführung der zweijährigen Dienstzeit fordert die „M i l i t ä r- Z e i t u n g", daS Organ des„Deutschen Offiziervereins'. DaS Blatt stellt eine— wenn auch nicht bedeutende(?)— Erhöhung des Heeresstandes und eine namhafte Erhöhung des RekrutenkontingentS in Aussicht, wobei eS die seltsame Behauptung anfstellt, daß das Rekruteukontiugent seit zwei Decennien nicht mehr erhöht worden sei und eigentlich seit 35 Jahren fast dasselbe geblieben sei. Das militärische Fachblatt weiß also nicht, daß allein 1893 daS Rekrutenkontingent um 54 000 Mann erhöht worden ist, und behauptet, daß daS Rekrutenkontingent binnen 35 Jahren„fast daS gleiche" geblieben sei, obwohl vor dreißig Jahren, also 1872. die Friedens- Präsenz 359 000 Mann betrug und 1302 ca. 600 000 Mann! Aber von der Unrichtigkeit der Zahlen ganz abgesehen— will die Forderung der„Militär-Zeilung" eine neue Militärvorlage an- kündigen?! Uebrigens soll, wie der„Sachsenspiegel" ankündigt, dem Reichs- tag in der konnnenden Session das neue PensiouSgcsetz vorgelegt werden, das Regierung und Reichstag seit Jahren be- schäfligte. Während nach dem allen Gesetz der Offizier nach zehn- jähriger Dienstzeit mit �/eo oder>/« seines pensionsfähigen Ein- lominens beginnt, nach vierzigjähriger Dienstzeit den Höchst- ruhegehalt mit �/'so oder s/4 seines Einkommens erreicht, soll er nach dem neuen Gesetz nach 10 Jahren schon w/ioo oder Ve seines Einkommens(1!) erhalten, von Jahr zu Jahr um Vieo steigend, so daß er nach 35 Jahren die Hvchstpension, also 75/ioo oder 8/i seines GehalteS bezieht. Die Herren Offiziere sollen also, während alle andren Beamten« kategorien erst in 25 Jahren Anspruch auf eine Pension in der Höhe der Hälfte ihres Diensteinkommcns haben, schon nach zehnjähriger Dienstzeit in den Besitz dieses PensionSsatzeS gelangen! DaS iväre ja eine ganz nette Nebeneinnahmc für unsere notleidenden Junker, die sich nach zehnjährigem Amüsement bei der Armee auf ihr Väter- liches Erbe zurückzuziehen Luft verspürten! Dabei soll sich nach der „Münchener Allgein. Ztg." der Fehlbetrag im nächstjährigen Reichs« hauShaltS-Voranschlag auf mindestens 150 Millionen belaufen!— Centrum und Kaiser. AuS München wird gemeldet: Am Somuag hat in Tüntenhausen unter freiem Himmel die 49. General- Versammlung deS bayrischen patriotischen Bauernvereins stallgefunden. Reichs- und Landtags-Avgeordneler Dr.-S ch ä d l e r hielt dabei eine Rede, in der er auf das Kaiscr-Telegramm in der 100 000 Mark- Affaire zu spreche» kam. Er verwahrte sich entschieden gegen eine solche Einmischung in eine interne bayrische Angelegenheit. Wenn sich jemand auf dem öffentlichen Markt des politischen Lebens ergehe, dann dürfe er auch keinen besondren Schutz für sich in Anspruch nehmen. Das Centrum iverde die Antivort nicht schuldig bleiben. Als Mitglied des deutschen Reichstages und des bayrischen Landtages weise er die Einmischung des Präsidiums des Reiches mit aller Entschiedenheit zurück, er wisse sich darin eins mit sämtlichen Mitgliedern der Partei des Königreiches und des Reiches. Aber der Freund und Parteigenosse deS Abg. Schädler, der Abg. Dr. Pichler hat doch erst vor ivcnigen Tage» bedauert, daß die bayrischen Prinzen nicht so reichliche Lebenszeichen von sich geben als das ReichSoverhaupt. Wenn den Centrumsherreu das vielfache Hervortreten der Fürsten wertvoll erscheint, so sollten sie nicht so anspruchsvoll sein, zu verlangen, daß dabei immer nur andre, nie« malS aber das Centrum den tretenden Fuß verspüre!— Die Ehrenrettung des Hänge» PeterS wird von dessen Freunden sowohl als ihm selbst mit großem Eifer, betrieben. Die „Leipziger N. N." schreiben: Die Anklage gegen Dr. Karl PeterS beruhte in erster Linie auf der Belundnng des Lieutenants a. D. B r o n s a r t von Schellenoorf im Hauptverfahren. In zweiter Linie stützte sich die Anklage auf eine ebenfalls von PeterS bestrittene Aussage dcS verstorbenen Dr. O S c a r B a u m a n n. Dr. Baumann starb kurze Zeit später in geistiger Umnachtung in einer Irrenanstalt. Als er, nach dem Fall Peters, ähnliche Anklagen gegen Major von Wißmann und andre deutsch« ostafrikanische Beamte vorbrachte, wurde ihm im Plenum des Reichstages die Glaubwürdigkeit abgesprochen. Seine Glaubwürdigkeit im Fall PeterS ist dadurch eben- falls in Frage gestellt. Mit dem Z u s a m m e n b ruch dieser beiden HauptbelastungSzeugen zerfliegt die An« klage gegen Dr. Karl PeterS in Fetzen.... Im Juni d. I. erhielt PeterS Anzeichen dafür, daß der Ur« Heber des inzwischen ja als gefälscht erkannten T n ck e r« Briefes der ehemalige Lieutenant Bronfart von Schellendorf sei. Deshalb ließ PeterS am 2. August d. I. in der Londoner„Finanzchronik" erklären, daß, falls Herr Bronfart v. Schellendorf der Urheber des bekannten Briefes nicht sei. er, PeterS, eine Beleidigungsllage gegen sich erwarte, um den Fall aufzuklären. Nun hat Bronsarl weder der Milteilung der „L. N. N." im Juni, daß sich der verdacht der Fälschung deS Tncker-BriefeS gegen ihn richte, widersprochen, noch hat er PeterS wegen Beleidigung verklagt. ES bleibt abzuwarten, wa« Bronfart von Schellendorf auf diese erneuten Provokationen zu antworten haben wird. Dr. Baumami ist ja tot, aber daraus, daß er im Wahnsiiiii gestorben ist. zu schließen, daß auch sein Zeugnis gegen PeterS der Ausfluß von Wahnvorstellungen gewesen sei, ist eine überaus kühne Annahme. UebrigenS ist eS unrichtig, daß Bau- mann gegen Major Wißmann dieselben Anklagen erhoben habe, wie gegen PeterS; seine beriichtigten.Balgenskizzen' schilderten nur das überaus summarische und unter eigenartigen Formen sich ab- spielende System kolonialer Justiz. Daß man im Reichstag die „Galgenfkizzen' für iinglanbhaft erklärt, beweist natürlich nichts gegen die Naturtreue, mit der Baumann die Verhältnisse geschildert hätte. Wer da weiß, mit welchem CyniSmuS europäische Zuschauer den Boxerhinrichtungen während des China-Rachezngcs beigewohnt haben, daß man Momentphoiographien aufnahm und dergleichen, das ivird auch die Baumannschen Schilderungen nicht unglaublich finden. Aber selbst wenn die Zeugenaussagen Bronfart v. Schellen- d o r f s und B a u m a n n s im Prozeß Peters fortgefallen wären, so hätte das Urteil gegen ihn nicht milder ausfallen köniien als eS ausgefallen ist. Die TH a tfach e, daß er den Ma b ru k hat hänge ii und die f ch w a r z e n K o n k n b i n e n, über die ihm nach' dem Urteil des Disciplinar-Gerichtshofs keinerlei Besitz- rechte zustanden, barbarisch hat auspeitschen lassen, hat PeterS ja selbst nicht geleugnet. Er hat sich sogar zu dem G e st ä n d n i S bequemt, daß bei dein von ihm ausgesprochenen Todesurteil über den Mabruk dessen geschlechtliche B c- ziehungen zu seinen Beischläferinnen erschwerend ins Gewicht gefallen seien! Und ferner hat PeterS, immer nach der Urteilsbegründinig deS DiSciplinar-Gerichtshofs, die Hinrichtung einer Schwarzen selbst nicht einmal mit dem angeblichen Interesse an der Sicherheit der Station zu begründen geivagt. Und für alle' diese Thaten wurde Peters nur mit Dienst- e n t l a s s u ii g und Tragung der Prozcßkosten bestraft. Ein milderes Urteil für Vergehen, die auch ohne die Aussagen der Bronfart von Schellendorf und Oskar Baumann bewiesen sind, ist nicht gut denkbar. Es gehört also wirklich eiir�ganz eigenartige Moral dazu, sich dieses traurigen Kolonialhelden noch öffentlich anzunehmen.— Der 23. Parteitag der deutschen VolkSpartci fand am Sonnabend und Sonntag in O f f e n b n r g statt. Es waren über 100 Delegierte anwesend. Ten Parieibericht gab Dr. Rößler; er forderte die Einigkeit der linlsstchenden Parteien und mahnte ab von„uimötigen Raufereien mit der Socialdemokratie". Ueber die Reichspolitik sprach Abg. Hoffmann-Hall: er betonte u. a., daß es der Volkipartei und besonders Herrn Sonnemann zu danken sei, wenn die Frage der ArbeilSlosen-Versicherung auf die Tagesordnung deS öffentlichen Lebens gekommen sei; Herr Sonnemann erachtet es als das beste, daß zunächst die Stadtgemeinden Träger dieser Ver- sicheruiig werden. Ferner wurde eine große Wahlkreis-Einteilmig für die ReichStagswahlen gefordert, sodann die WohnungS-, die Kartell- und die Ministerverantwortlichkeits-Frage behandelt.— Zollkanipf im Ceiitrumsturm. AuS Köln wird uns geschrieben: Am Sonnabend fand im Saale des«Colosseuins' ein von dem durch die Zollgcgner im Centrnmslager, meist katholische Arbeiter, nengegriliideten„Centrnmsvereiu" einberufene Versammlung für CeittriimSwähler statt. Die„Kölnische Vollszeitnng' hatte schon vor- her durch einen langen Artikel„Unter falscher Flagge" vor der Versammlung und dem Centrumsvcrein getvanit. Völlig die Wahrheit auf den Kopf stellend, behauptete der Artikel: Die Leute des Centrnmsvereins seien„durchweg solche Persönlichkeiten, von deren Thätigkeit für die Centrumspartei man bisher ganz und gar nichts gehört hat, die aber um so mehr geneigt sind, der Centriinispartei, der sie angeblich dienen wollen, in schwierigen Sitnationeii Knüppel zwischen die Beine zu werfen". Der das geschrieben hat. kann diese Behauptnngen mir wider besseres Wissen aufstellen. Denn die Wortführer der Zoll- opposition unter den kaiholischen Arbeitern in und nni Köln sind sämtlich bei den bisherigen Wahlen die denkbar eifrigsten Werber für die Sache des Ceiitrums und eben so heftige Widersacher der Socialdemokratie gewesen. Wie sie sich frei- lich bei der nächsten Wahl verhalten werden, das steht auf einem andern Blatte. Daß eS gelingen werde, die aufbegehrenden tatho- liichen Arbeiter bis zur RcichStaqswabl zur Ruhe zu bringen, daS erscheint nach der Versammlung vom Sonnabend zweifelhafter als je. Den Kampf mit„geistigen Waffen" hat die Centrumspartei gegenüber der Opposition' innerhalb ihrer eignen Reihe anscheinend völlig aufgegeben. Wiederholt sind katholische Arbeiter öffentlich aufgetreten mit der Beschnldignng: sie seien auf Betreiben von EentruinSseite infolge ihrer Opposition brot- los gemacht worden. Die betreffenden Arbeitgeber sind bis jetzt die Antwort schuldig geblieben. Anstatt daß ani Soimabend die in Köln in erheblicher Zahl an« sälfigen namhaften Centrumsführer in die Versammlung gingen, um ihre so scharf angefeindete Haltung in den Zollfragen zu recht- fertigen, that sich eine Schar von Centrumsanhängern, auS jenen Kreisen, welche die Kleinarbeit machen, zusammen um die Ver- samnilnng zur höheren Ehre des Brotwucher-Centnims nieder- zubrüllen. Man sah dort schon zeitig und fast vollzählig den Kölner Windthorst-Bimd. die Leiter des christlichen Holz- arbeiler-Verbandes, daS Personal der Firma I. P. Bachem („Kölnische VolkSzeitung" und„Kölner Lokalanzeiger") und ähnliche Elemente, die für das Eeiitruni durch Dick und Dünn gehen. Als nach 8>/, Uhr die Versammlung eröffnet wurde und der Vorsitzende des Cenirnmsvereins dem angekündigten Redner das Wort erleilte. erhob sich ein vielseitiges lautes Rufen nach Bureauwahl! Und nun enlspann sich, da die Einberufer die Versammlung nicht aus der Hand geben wollten, ein zweistündiger Kampf. Man pflog erregte GeichäftSordnmigsdebatten. Meist aber- veranstaltete man einen Roda» durck, Füßetrampeln, taklmätziges Händellatschen, Trommeln mit Biergläfer», Singen und Heulen. Etwas AehnlicheS dürfte im Versammlnngsleven des Centrums nicht dagewesen sein. Sonst lassen sich diese Anhänger des Centrums in ihren Vereinen und Versammlungen von der Geistlichkeit schlimmer leithamineln, als wenn sie unmündige Kinder wären; hier aber forderten sie ans einmal eine deinokratiscbe Handhabung. Allerdings galt es hier, Arbeiter iiiederziiknüppeln, die sich gegen die Ver- teiierimg ihrer notdürftigsten Lebensmittel wehren. Endlich gegen 11 Uhr ergaben sich die Einbernfer der Versammlung und die Radaumacher besetzten das Bureau. Die Beriammlnng dauerte b>S nach! 2 Uhr nachts. Von feiten des Centrumsvereins wurde scharf die LebenSmittel-Verteuerimgspolltik der eignen Partei angegriffen und dem Centrum wiederholt die Verleugnung der christ- lichen Grundsätze vorgeworfen. Der Vorsitzende der Versammlung, ein ullramontancr Stadtverordneter, drückte schließlich eine Resolution durch, die ein Vertrauensvottmi für die CentrnmSfraktion darstellt. An den Thatsachen, die dem Brotwncher-Centrum ja entsetzliche Schwierigkeiten bereiten, ändert diese Resolution nichts.— Mit der Zwölf- Millionen- Dotation zur Erbauung eigner Beaintenwohnungen in der„Ostmark" soll es nach den„Berliner Pol. Nachr." nicht« fein. Dagegen sollen Zulagen für Beamte und Lehrer in den zweisprachigen Landesteilen vergesehen sein. Nach der„Pos. Ztg." wird geplant, de» Lehrern ohne Unterschied der Nationalität vom sechsten Dienstjahre an eine widerruf- l i ch e, aber penstonSberechtigte Gehaltszulage von 200 M. zu gewähren. Die Staatsbeamten dagegen sollen 10 Proz. ihres Einkommens als Zulage erhalten. Dieselbe soll in Fortfall kommen, wenn sie ein Einkommen von 3600 M. erreicht haben, oder der Erivartung, in- und anßcrbalb des Amtes in deutsch- natioimlei.i Sinne zu wirken, nicht entsprechen. Jedenfalls soll durch diese widernck'chen Zulagen der G nniani- sierungSeifer der Lehrer und Beamten küns. ich angestachett werden.— Hessische LaiidtagSwahlriistniig. Ans Hessen schreibt man unS unterm 18. September: Der Rufmarsch der Parteien zu der Ende Oktober statt- findenden LandtagSwaht hat begonnen. Znerst rüstten n ii s r e Genossen auf ihrer letzten Landeskonferenz in Worms und präcifierten ihre Stellung dahin, daß sie den Kampf unter der Parole der Erring ung eines allgemeineit gleichen und direkten Wahlrechts führen werde». Auch das C e n t r u m will demnächst Farve bekennen. So verkündet ivenigstens sein Haupt- organ in Heflen, daS„Mainzer Journal", indem es bekannt giebt, daß auf dem allgemeinen hessischen Katholikentag, der am 12. Oktober in der Mainzer Stadthalle stattfinden soll, seitens der Pnrteileitung auf Grund dcs in den nächsten Tagen erscheinenden Rechenschaftsberichts der Centrumsfraktion des hessischen Landtages die Stellung der Partei zu den Landtogswahlen näher dargelegt tuird. Wie diese Stellungnahme ausfallen wird, hat daS Mainzer Journal kürzlich selbst schon als Privatmeinung angedeutet. Unter Verleugnung aller principicllen Scheidun�sgriinde bieten sich die Herren vom Ccntrum den Nationalliberalen zu einem traulichen Kartell gegen die Socialdeinokraten a n. Die sich sonst zum Fressen lieb habenden Freimaurer und Jesuiten Arm in Arm— ein erhebendes BildI In Osicnbach hat diese Verkörperung der Grnndsatzlostgkcit schon bei den vorjährigen Stadtverordnetenwahlen die Feuerprobe bestände» und jetzt bei den Landtagswahlen erhält dieselbe eine zeit- gemäße Auffrischung. Was die Stellung dieser beiden Parteien zur Wahlrefornr anlangt, so sind beide gleich unsichere Kantonisten in Bezug auf das direkte gleiche und allgemeine Wahlrecht. Wenn die nationallibcralen Herren Jockel. Hei'denreich, Kock und Mölltnger sich als direkte Gegner des direkten Wahlrechts erklärten, so brachte es der nltcamontane Herr v. Brentano fertig, ganz im Widerspruch zu einem ausdrücklichen Ccntrnmsantrag zu erkläre», daß ein kautelenfreies Wahlrecht für ihn unannehmbar sei. Er befürwortet daher die Stcuerzablungsklausel, die noch dadurch verschärst wurde, daß man die Ausübung dcs Wahlrechts auch von der Zahlung der Kommunalsteuer abhängig machen wallte; ferner vefnrwortete dieser Centiumsman» das Plural- Wahlrecht nach belgischem Muster. Diese Proben zeigen, was das für Freunde des direkten Wahlrechts sind, die da in die Schranken gegen die Social- dcniokraten treten. Auch in ihren agrarischen Neigungen passen beide Parteien gut zusammen, ja sie können da als iveitere Bundesgenossen noch die Antisemiten und Bauernbünd ler au ihr Herz schließen. Auch im Schreien nach hohen Korn- und Viehzöllcn bilden sie alle eine reaktionäre Masse, gegen welche die Socialdcmokratie nur auf sich angewiesen ist. Mögen daher auch die Chance» für unsre Partei angesichts dieser Koalition der Gegner nicht gerade allzu günstig scheinen, so werden unsre Genossen doch in den Wahlrampf gehen in dem Bewußtsein, stets und überall ihre volle Pflicht und Schuldigkeit zu thnn für Volkswohlfahrt und Volksfreiheit. Und hoffentlich wird dies von der breiten Masse des Volkes auch anerkannt.— Marinistischc Kavallerie-Attacke. Unser Kieler Bruderorgan macht auf einen seltsamen Manöver- sieg anfmerksai», den der Kaiser unmittelbar nach seiner viel- besprochenen Kavallerie- Attacke errungen hat. Eine Kuxhavener Meldung vom 17. September lautete: „Nach einem heftigen Feuergefccht durchbrach heute mittag zwischen 12 und 1 llhr der Kaiser auf der„Hohen- zollern' an der Spitze desAngriffsgcschivaders die Sperren und»ahm die Elbe.— Die Manöver sind beendet; die Flotte wird nach der Kritik aufgelöst. Die Flotte mit der Kaiserjacht„Hohenzollern" kehrte 2 Uhr 30 Minuten zurück und ankert in der Grodener Bucht." Unser Kieler Parteiblatt weist mit Recht darauf hin, daß eine derartige Aktion im Ernstfalle sicherlich überhaupt nicht einmal Vers u ch t worden wäre. Und in der That, das s ch lv a ch arniierte, ungepanzerte Luxus- und Parade schiff „Hohenzollern" ist ganz ungeeignet, a» einem ernsthaften Seegefecht überhaupt teilzunehmen, gcichweige, daß es zur Durchbrechung eines feindlichen Geschwaders verwendbar wäre. Ein Paar Granatschüsse schweren Kalibers würden das Fahrzeug ijum Sinken bringe», zum mindesten manövrierunfähig machen. Die„Hohenzollern" ist wohl gegen haitianische Kriegskanoes zu gebrauche», nicht aber gegen moderne Panzer. Als Verwendung der lediglich dem Privatgebrauch des Kaisers reservierten Jacht wird denn auch in dem vom Konter- admiral z. D. Aschcnborn redigierten Abschnitt des Werkes„Die Heere und Flotte» der Gegenwart" angegeben:„Fährt im Frieden." Nichtsdestoweniger bricht die„Hohenzollern" unter dem SiegeSpanicr der Kaiserstandarte im Manöver die schwierigsten Sperren I— Zur Berhiituna der Eisenbahuunfälle hat der Minister der öffentlichen Arbeiten den königt. Eisenbahndirektionen ein H e f t ch e n Beschreibungen von E i s e n b a h n- U n f ä l l e n und B e- triebSgefährdungcn in je 100 Exemplaren zngehen lasse», die beim Unterrichte des Betriebs- und BnhnbewachungS- Personals zu benutzen sind. Den Vorständen der Inspektionen und den Dienst- stellen-Vorstehern ist es zur Pflicht gemacht, das unterstellte Personal an der Hand dieser Beschreibungen, aus denen hervorgeht, in wie hohen» Maße Pflichtvernachlässig un gen und Verstöße gegen einfache und klare Dienstvorschriften znUn- fällen Anlaß geben, bei jeder sich darbietenden Gelegenheit zu belehren»nd ihm dabei auch vorzuhalten, daß gegen die schuldigen und in ihren Dicnstobliegenheitcn lässigen Beamten m i t aller Strenge vorgegangen werden würde. DaS ist ja ganz schön und gut; aber so lange man bei dem be- rüchtigten Sparsystem verharrt,' an allen Ecken und Enden Personal spart und die Arbeitszeit gerade für den so verantivorlungsreichen Eisenbahndienst übcrinäßig ausdehnt, wird man durch noch so strenges Vergehen gegen„lässige" Beamte die Verantwortung für Unfälle nicht von sich abz»iwälzen vermögen.— Sin Säbel-Duell in der Kieler Marine-Akademie. Am Mitiwochnachmiltag hat in Kiel in, Turnsaal der Marine-Akademie ein Säbel-Ducll zivischen zwei Fähnrichen zur See stattgefunden. Die Duellanten tvurdc» beide mehrfach verwundet. Zwei Offiziere und zivei Fähnriche zur See waren bei dein Duell zugegen.— Unser Kieler Bruderorgan beinerkt zu dem Vorgang: DaS Duell ist eine strafbare Handlung. Wie ist es möglich, daß meiner d e in Reiche gehörenden Erzieh uiigsan st alt Handlungen vor sich geben, die st r a f b a r e Vergehen d a r st e II c n. Wer trägt die Verantwortung dafür? Ein untergeordneter Bcanitcr kann doch schwerlich den Mut gehabt haben, diese Ver- höhnung uiisres Reichsrechtcs in einem Reichsgcbäude geduldet oder veranlaßt zu haben. Aufklärung und Bestrafung der Schuldigen ist d r i n g e n d st e Pflicht der Reichs-Marinebehörden.— Ausrand. Der bürgerliche Pyrrhussieg in Amsterdam. Amsterdam. 19. Sept.(Eig. Ber.) Mit 3330 Stimmen, daS heißt mit 98 Stimmen Mehrheit, hat im neunten Amsterdamer Wahlkreise der Klerikale gesiegt. DaS Mißverhältnis wird also fort- dauern, daß der anerkannte Führer der socialdemokratischen Partei außerhalb des Parlaments bleibt. Unsre wackeren Genossen haben ihr Möglichstes gethan; der Rlerikalismus hat aber alles aufgeboten, un, sich seinen gestirchteten Gegner vom Halse zu halten. es ist ihm gelungen, 300 bezahlte Famuli, Geistliche und Laienbrüder, wurden wie Krähen auf die Wählerschaft losgelassen und haben die in abentenerlichcr Furcht vor der Politik lebenden Kleinbürger für „Dynastie, Religion tt»d Familie" ans ihren Zwergbetrieben nach der Wahlurne geschleppt. Der 20 000 Einwohner zählende Wahlkreis hat 9137 Wähler, von denen die kleinen Bürger die Mehrheit bilden. Die Arbeiter sind zum größten Teil politisch rechtlos, viele Hunderte, die Wähler sein töni.te», wenn sie einige oder einen Gulden Steuer bezahlen wollten, haben aus anarchistischer Abneigung gegen den Parlamentarismus sich um ihr Bürgerrecht nicht bekümmert. Jetzt kommt das Bedauern, aber zu spät. Die Klerikalen haben aber nicht gesiegt ohne die Hilfe der Liberalen. Bis zun, letzten Manne haben diese für den Klerikalen g e st i m m t. ein Jahr nachdem sie vom Klerikalismus aus ihrer seit einen, halben Jahrhundert lang be- hauptete» Machtstellung vertrieben sind! Die Versumpfung der libe- ralen Bourgeoisie vollzieht sich in Holland schnell; in dieser Hinsicht wenigstens beeilt das Land sich, seine Rückständigkeit gegenüber andern Nationen einzuholen!—- Oestreich-Ungaru. Vom Lemberger MnstergesängniS. Die Exccsse im Lemberger Strafhause haben sich Freitag Abend wiederholt. Blättermeldungen zufolge ist die Ursache der Excesse Haupt- sächlich die, daß ein Sträfling infolge einer DiS- ciplinarstrafe drei Tage und Nachte in einem Dunkelarrest ohne jedeNahrung gelassenwurde.— Frankreich. Eine klerikale Parade. Am Sonntag fand in Le Folgoet ein großer Umzug der„freien Schulen" statt. Vom Morgen an trafen die Landbewohner in Prozession ein, an ihrer Spitze Kreuz und Bonner und die Geistlichkeit, welche Gesänge in keltischer Sprache sang. Es nahmen ungefähr SO 000 Erwachsene«nd 15 000 Kinder teil. Auf freiem Felde war ei» Altar errichtet; dort wurde eine Messe abgehalten. Die Volksmenge sang knieend das Credo. Der Pfarrer von Le Folgost hielt eine Ansprache, in der er zu einem Gebet für die Nonnen aufforderte. In der Ortschaft selbst fanden Ansammlungen statt: die Menge brachte Hochrufe auf die Freiheit(Ij, die Schtvestern und die Religion aus. Oberstlieutenant St. RSmy zur Disposition gestellt. Der Kriegsiiiiinstcr Andrö hat am Donnerstag in Uebereiiistimnumg mit de», Beschluß des Ministerrates die Dieiisienthebmig des Oberst- lieutenants St. RSmy bekannt gegeben, der zur Disposition ge- stellt wurde.— Ganz wie bei nnS. Die„Petite Rcpublique" berichtet über de,, Spruch eines Kriegsgerichts in Tonkin. Dasselbe verurteilte einen Soldaten, der einen Korporal durch eine Geste beleidigt haben sollte, zu 3 Jahren Gesängiiis. Das genannte Blatt zieht den nahe- liegenden Vergleich mit de» milden Urteilen, die gegenüber den Offizieren üblich sind.— Asien. In der Provinz Szetschwan soll sich die Lage inzwischen weniger bedrohlich gestattet haben. Französische und englische Kanonenboote sind in den Kiatingfluß, eine» Nebenfluß des Jangtse- stromes eingelaufen. Der Kapitän des französische» Kanonenbootes ist mit 12 Matrosen an Land gegangen und wird sich mit seiner Maniisibaft»ach Tschengtiifu begeben, um den französische» Konsul in Sicherheit zu bringe». Ein weiteres Telegramm ans Shanghai vom Sonntag besagt! Die Boxerunruhen in der Provinz Szetschwan sind nicht ernster Natur; ihre Ursachen sind in erster Reihe lokaler Art, besonders Reibungen zivischen zum Christentum übergetretenen und heidnischen— Afrika. Ter Ankauf portugiesisch Ostafrika in Sicht? Gerücht- weise steht England mit Portugal ivegen der„Pachtung" des an der Delagoabay belegenen, zwei Meile» von Lourcnzo Marguez entfernten Hafens von Motela in Unterhandtting.— Pavlvi Ter Vertrauensmann für die Provinz Pommern erstattet zu dem am 28. und 29. September i» Stettin stattfindenden Pro- vinzial- Parteiwge einen Thätigkeitsbericht, der die Zeit vom 15. September 1899 biS 81. Juli 1902, also beinahe drei Jahre um- faßt. Er hatte in dieser Zeit zwar eine Einnahme von II 135,75 M., doch kamen davon 8075 M. aus der Hauptkasse„nd 1682,85 M. waren Kassenbestand, so daß die wirkliche Ein- nähme aus der Provinz nur 1377.90 M. betrug. Unter de» Aus- gaben von 10 030.50 M. sind 3055 M. für Agitation einschließlich Kaleiiderverbreitmig, 2864 M. für Drucksachen einschließlich der Kalenderherstellung' und 3000 M. für die Nachtvahle» in Greifswald und Randow. Die Organisation macht nur sehr langsam Fortschritte. Die politische Organisation ist in Stralsund, Wolgast, Britz, Randow- Greifeiihagen, Stettin, Kolberg, Kösli» und Stolp in Vereinen zusammengefaßt. In den übrigen Orten besteht i sie in der losen Verbindung der Versammlungen, welche gelegentlich zusammentreien. Aber selbst diese zwangslose Organisation ist in vielen Orten wegen des Lokalmangels nicht durchführbar oder doch nur beschränkter Weise aufrecht zu erhalten. Die gewerkschaftliche Organisation ist fast überall vertrete», steht auch in Bezug auf die Zahl der Mitglieder, zur politischen wie 10 zu 1. In einigen Orten habe» wir bei den Wahlen zu den Gemeinde- vertrctiiiigei, Erfolge zn verzeichne» gehabt, so in Stetn», wo wir zur Zeit 9 Vertreter haben. Rcmbi» auf Rügen, Jatznick bei Pasewalk haben 1 beziv. 2 Vertreter, in 5 Gemeinde» in, Wahlkreise Nandow-Greifcnbageii habe» wir 8 und im Kösliner Bezirk i» einer Gemeinde 3 Vertreter unsrer Partei. DaS Parteiblatt entwickclt sich nach dem Bericht gut. Einzel- Heitel, werden noch nicht mitgeteilt. Poliiriliches, Grrichkliches usw. — Polizeilicher Uuternehinerschutz tu Schwede,>. Der Social- demokrat N. E. F a st befindet sich zur Zeil auf einer Agitatiousreise in Nordland. Kürzlich sollte er in Sollesta sprechen, wo sich ein großes Sägewerk mit ca. 1000 Arbeitern befindet, und da kein Lokal zu haben war, wurde die Versammlung a» der Landstraße abgehalten. Mitten während des Vortrages erschien plötzlich der Lensniann und er- klärte Fast aus Grund des Betteleigesetzes für verhaftet. Es»ützle nichts, daß unser Parteigenosse nachwies, daß er geiiügend Geld i» der Tasche hatte, er mußte mit auf die Polizei- siation und die Versammlung löste sich auf. Selbstverständlich wird gegen den Lensmann Anklage erhoben. Bei einem ähnlichci, Vorfall, der vor einigen Jahren während dcs großen Holzarveite, strciks in Sundsvall paisierte, wo der Norweger Tynäs verhaftet wurde, ver- urteilte das Gericht den schuldigen Lensniann zu 300 Kr. Geldstrafe und Schadensersatz für den verhafteten Agitator.— Aus Juduttrie und Mündel. Erster allgemeiner deutscher Banktertag. Die erste Plenar- sitzimg wurde Frcitagvonniltag 10 Uhr in, großen Saale dcs Saal- baues in Anwesenheit von Vertretern der Reichs-, Landes-, Provinzial- und städtische» Behörden durch den Vorsitzenden des Central- Verbandes des deutschen Bank- und BankiergcwerbeS. Justizrat Dv.Niessrr-Berlin eröffnet. Ungefähr 800Teilnehmer sind erschienen. Die Versammlling wählte Justiz, at De. Riesicr-Berlii, durch Acclamntioii zum Vorsitzenden. Dr. Riesser dankte für die Wahl und begrüßte dann im Name» deS Centraiverbandes die Berlammttmg. Der Redner legte dam, die Ziele und Aufgaben de? als dauernde organische Ein- richtung gedachte» Bai...ertages dar. Es gelte, der lähmende» Mut- losigkeit und Apathie, die den deutschen Bankierstand ergriffen, ein Ende zu bereiten und das fast cntschimmdene Standesbewnßsein zu stärke». Man wolle keine besonderen Vorrechte oder Vor« teile erstreben, aber auch nicht länger daS Versuchsobjekt der Gesetzgebung sein. Er hoffe, daß die Negierimg die Novelle zum Börsengesetz im Reichstage mit aller Energie vertreten werde.„Trotz allem. waS vorgekommen ist, stehen wir nicht a», rückhaltlos zu erklären, daß der deutschen Bank weit die gedeihliche Entwicklung auch unsrer Land- Wirtschaft an sich und schon deshalb am Herzen liegt, weil der Bankier st and aus seinen Ersah- rungen seinerseits schon längst die Lehre gezogen hat, daß die Gesamt Wirtschaft leiden mutz unter der Notlage eines einzelnen Stande»". Darauf erfolgte die Wahl des Bureau«»md der Vorsitzenden der einzelne» Abteilungen. In Bertreiung des ReichsapitS des Innern begrüßte sodann Geheimer Ober-Regier»»gsrat Hauß den Ersten deutschen Bankiertag. Für das wirtschaftliche Lebe» sei es eine bedeutsame Erscheiiiimg. daß zum erstenmal eine hochansehnliche Versammlung von Vertretern deS Bankier- standeS sich hier zusammengefunden habe, um ihre Wünsche und Befürchtungen, ihre Hoffnungen«nd Beschwerden in j persönlichem Meinungsaustausch zu erörtern. Die hier zu verhandelnden Gegenstände seien für das jjanze Erwerbsleben Deutschlands von eingreifender Wichtigkeit. AuS dieser Betrachtung heraus hätten die betciliglen Ressorts der Reichsverwaltuiig die Einladung zur heutigen Tagung angenommen. DaS Ergebnis der Beratungen werde an zuständiger Stelle lebhafte Würdigung finden.(Lebhafter Beifall.) NamenS des preußische» HaiidelSniinisterS Möller gab Geheimer OberregierungSrat Wendelstadt dem Bedauern des Ministers AuS- druck, nicht fdurch persönliches Erscheinen sein reges Interesse für das deutsche Bank- und Börsenwesel, bell», den zu können. Es löinie nicht Wunder nehmen, daß der deutsche Bankier- stand, der an der Gestaltung»nsrer wirtschaftliche» Gesetz- gebung ein so großes Interesse habe, das Bedürfnis em< psilnden habe, sich zu eiiic», Verbände zusaiiiiiienzuschließeii, Mögen, so schloß Redner, Ihre Verhandlungen so gründlich„nd so anregend, so fruchtbar und so vornehm verlaufe», wie es der Würde und der Bedeutung Ihres Standes entspricht.(Lebhafter Beifall.) Der Obcrpräsident der Provinz Hcssen-Naffau, Graf von Zedlitz und Trützschler, sprach die besten Wünschender Provinzialbchörde für einen gedeihlichen Verlauf der Verhandlungei, ans. Weitere Ansprachen hielte» Senator Dr. Nebelthau als Vertreter des Bremer Senates, Oberbürgermeister Adickes im Namen der Stadt Frankfurt, Ober- landesgerichtS-Präsideiit Wirkl. Geh. Oberjustizrat Dr. Hageiis namens der Rechtspflege des Oberlandesgerichts-Bezirkes Frankfurt und der Vräsideut der hiesigen Handelskammer, Generalkonsul Andrcae. Kommerzienrat Seligmami-Köl» und Direktor Dr. Ende- mann- Haimover erstatteten sodam, die Referate über die Revision des Börsengesetzes. Ersterer besprach das Verbot des Börsen-Terminhandels und die Einführung dcs Börscnregisters und legte eine Reihe von Abänderungsvorschlägen vor. Dr. Endemaim bcläinpfte namentlich die Rechtsprechung des Reichsgerichts über den Differenzeinwand. Nachmittags fanden Äb t e i l u» g s- S i tz u u g e n st a t t. Die erste Abteilung trat in die Erörterung des Börsen- gesetzes ein und nahm schließlich cinstimmig drei Erkiärungen an. Die erste derselben geht dahin, daß das Börsengesetz die Wirt« schnftlichen Zwecke, denen es dienen sollte, in keiner Weise erreich t, dagegen schädliche Wirkungen aller Art im Gefolge gehabt hat.' Die zweite Erklärung verlangt die Abschaffung des Börse, ircgisters, Aufhebung des Verbots dcs Terminhandels in An» teilen voi, Bergwerks- u»d Fabrikuiiternehinlmgen, sowie in Getreide- „nd Mühlenfabrikatei, und Streichung oder Aendernng des Z 764 des Bürgerl. Gesetzbuches betr. den Differeiizeinwaiid. Falls diese Wünsche undurchführbar sein sollten, werden drittens folgende Maßnahmen verlangt: Der Kreis der Personen, welche sich durch Börsen-Teriningeschäfte rechtsgültig verpflichten könneir, muß erweitert werden. Als Termingeschäfte im Sinne des Börsen- gesetzes sollen lediglich diejenigen Geschäfte gelten, auf ivelche die Definition des tz 48 zutrifft. Die civilrechtliche Wirksamkeit ab- geschlossener Geschäfte soll durch das Verbot des Börsen-Terminhandels nicht berührt werden. Zeitgeschäfte in Waren zivischen Erzeuger und Verbraucher sollen nicht als Termingeschäfte gelte». Endlich soll die Anfechtung von Geschäfte» auf Grund dcs Differeiizeimvaiidcs zeitlich begrenzt, die Gültigkeit der Anertemitnis und die Haftung bestellter Sicherheit ausgesprochen und die Nückfordermig dcs einmal Geleisteten ausgeschlossen werden. Ferner erklärt der Bankiertag. daß reine Disferenzgeschäfte im Sinne des§ 764 an deutschen Börsen nicht vorkommen, ebensowenig Abschlüsse ohne ein tvirktlich ausgeführtes Termingeschäft. In der dritten Abteilung hielten Professor Lotz-München und Direktor Steinberg-Bonn Vor- träge über die ivirtschaftliche Krisis. Am zweiten Verhandlungstage, Sonnabend, den 20. d. M., hielt der Bankiertag vormittags zwei Abteittmgs- sitzuiigen ab. In der ersten Sitzung sprach Geh. Kommerzienrat v. Pflaum- Stuttgart u. a. über die»achteiligen Folgen der Börsensteuer- Erhöhung. Der anivcsende Vertreter des Handelsniinistcriums, Geheimer Ober- Ncgiernngsrat Wendelstadt, erllärte darauf,»der Minister sei überzeugt, daß eine kräftige gesunde Börse nicht nur eine unentbehrliche ivirlschastliche Organisation, sonder» auch �ein politischer Machtfaktor allererste.» Ranges sei, aber wenn die Regierung die Wünsche der Börse wirksam vertreten solle, so' müsse sie ziffernmäßige Unterlagen haben. Der Central- verband möge daher eine ziffermnäßige Darstellung der Wirkungen der Börsensteuer vorlegen. Die Versammlung nahm dann eine Erklärung au, ivelche verlagt, daß die Erhöhung der Umsatzsteuer und des Stempels auf Wertpapiere sowie die Stempelrevision bei Privatfirmen wieder beseitigt werde. In der zweiten Sitzung sprach Direktor Thorwart-Frankfnrt über die Schreckgesetzgebung und legte ciiie» Antrag vor, welcher den Erlaß eines Schrcckgesetzes für dringend wünschcnsivert erklärt; der Bankiertag schloß sich jedoch der Erklärung des deutschen Handelstages an, daß die Ordnung des Scheckverkehrs zivar eine Aufgabe der deutschen Gesetzgebung, aber kein so dringendes Bedürfnis sei, um zur Zeit deshalb Anträge an die Reichsregierung zu stellen. A in Nachmittage fand eine zweite Bollsitzimg statt, in welcher Geheimer Oberfinanzrat Hartnng-Bcrlin einen Vortrag über die wirtschaftliche Stellung und die Aufgaben des Baukierstandes hielt. Redner besprach die Wichtigkeit der Mitivirkung des Bankiers bei», Umsatz von Wertpapiere» mid bei großen Fiiianzgeschüfie»„nd gedachte rühmend der großen Verdienste der Reickisbank, deren Kreditpolitik bei der vorjährige» Krisis bewunderns- wert geivesci, sei. Geheimrat Härtung verlangte dann aber auch, daß der Bänkierstand für Vertretung seiner Interessen nach außen sorge,»nd schloß seine Ansführnngeil mit den Worten:„Wir heischen Beachtung". Darauf wurden die in den einzelnen Abteilungen be- schlösse»«» Erklärungen einstin,», ig autgeheißen und der Bankiertag durch de» Vorsitzenden Justizrat Riesser geschlossen. Neue russische Anleihe. Rußland pumpt weiter; warum sollte es a»ch die sogen.„Geldflüssigkeit" nicht zum Vorteil seiner leeren Kassen aiiSnützeii. Nachdem es seine letzte Anleihe in Deutschland aufgelegt, beglückt es jetzt die französische Hochfinanz mit seiner Gunst. Die Petersburger Staatsbank veröffentlicht eine Bekannt- niachung über die Emission einer fünfprozeiitige» Goldanlcihe von 1902, garantiert durch die Einklinfie von Tabak, für immer bo» jeder Abgabe frei. Der NcmNvert des Kapitals beträgt 106 Millionen Frank, ivelche zun, Kurse von 90,25 in 212 000 Obligationen zu 500 Frank aufgelegt werde». Vom New Borkcr chrldmarkt. Wie der„Voss. Ztg." aus Nelv Dork gemeldet wird, hat nach dem letzten WocheiiauSweiS der Vereinigten Natioiialbanken die lleberschiißrcserve um 2 357125 Dollar' abgenommen. Danach ergiebt sich ein Fehlbetrag von 1 638 500 Dollar gegenüber de» gesetzliche» Vorschriften. Der 3>!etaN- bestand hat um 5 770 000 Dollar, der Notenbestaiid um 1563 000 Dollar abgcnomme»._ GeivevkfilMftliLhes. Verllu und llingegeud. Die HandwerkSkauttner zu Berlin hat in einer Vollversammlung, die am Montag im Sitzungssaal des Pl ovinziattandeshauses tagte, über die Dauer der Lehrzeit in den verschiedenen Geiverben beraten. Vom Vorstände der Kammer mar der Versammlung eine Vorlage unterbreitet,»ach der für 61 Ge- werbe die dreijährige, für das Kupfer- ,i»b Stahldrucker- Gewerbe die gVzjährigc, für Buchdrucker, Büchsenmacher, Elektro- techuiker, Lithographen und Steindrncker, Glasmaler, GlaS- und Metallinstrumentenmache,. Schornsteinfeger, Mechaniker. Mühlen- bauer, Uhrmacher»nd Zlylographen die vierjährige Lehrzeit festgesetzt iverden soll. Außerdem heißt es in dieser Borlage: Bei denjenigen Gemelbc», bei welche» die Lehrzeit auf Weniger als vier Jahre festgesetzt ist, kann dieselbe bis auf vier Jahre v e r I ä n g e rt werden, sofern der Lehrherr dem Lehrling gewisse Leistungen gewährt, als Kost, Kostgeld, Wohnung. Kleidung'oder Teile derselben. Die Vereinbarung einer längeren als vierjährigen Lehrzeit ist in jedem Falle unzulässig und nichtig. Vom Gcsellennusschub der Kommer wurde qe�eir die Vorloae ein Protest eingebracht mit der Begründung, dost sich der Vorstand bei seiner Umfrage nur an die Jnnnngsvorsitzenden, teilweise sogar an einzelne Meister gewandt hat und die G e s e l I e n- Aus schü sse, entgegen de» gesetzlichen Vorschriften, nicht befragt Ivorden sind. Ferner beantragte der Gcscllen-Ansschnh den oben an- geführten Passus der Vorloge zu streichen und im übrigen die Lehrzeit allgemein auf drei Jahre fe st zusetzen. Der Protest kam nicht zur Verhandlung, sondern wurde glatt abgelehnt. Nach der Geschäftsordnung gelangen überhaupt nur Anträge zur Beratung, welche von mindestens IS Personen die Zu- stimmung erhalten haben. Durch diese Geschäftsordnung ist es also dem Gesellenansschust der Kammer, der nur aus 1t Personen besteht, von vornherein»»möglich gemacht, ohne Unterstützung der Meister- Vertreter selbständig Anträge zu stellen, ganz abgesehen davon, ob sie jemals bei den 50 Meister-Vertretern die Majorität erlangen würden. Nach einer längeren Debatte wurde gegen den Widerspruch des Gescllen-Ausschilsses der beanstandete Passus mit 40 Stimmen an- genommen. Damit haben amh diejenigen Gewerbe, für die eine dreijährige Lehrzeit festgesetzt wird, die Berechtigung erhalten, die Lehrzeit auf vier Jahre festzusetzen. Bei der Abstimmung über die Dauer der Lehrzeit wurde auster den oben angeführten Gelverben auch noch für die Nadler und Siebmacher, sowie Feilenhauer die vierjährige Lehrzeit festgesetzt. Hingegen wurde die Lehrzeit der Schornsteinfeger, Uhrinacher und Tylographen von vier auf drei Jahre reduziert. Von der hiesigen Tischler- Innung wurde auch für das Tischlerhmidwerl die vierjährige Lehrzeit beantragt, der Antrag aber nach langer, leb hafter Diskussion, in der auster den Mitgliedern des Geselien-Aus schnsses auch Vertreter aus der Provinz für die dreijährige Lehrzeit eintraten, schlicstlich abgelehnt. Diese Bestimmungen sollen am 1. Januar 1903 in Kraft treten. Der Gesellcn-Ausschust der Kammer hat seine Zustimmung ver- weigert._ Die Berliner Tischler-Innung wendet alle möglichen Mittel an, um Arbeitskräfte nach Berlin zu locken, mit deren Hilfe sie ihre gegen die hiesige» Holzarbeiter gerichteten Pläne verwirklichen möchte. Gleich der optischen Firma in Rathenow, die unter den Reservisten Streikbrecher sucht, haben auch die Berliner Holzindustriellen ihr Augenmerk auf die jungen Leute gerichtet, welche gegeiiwärtig den bunten Rock mit dem Arbeitskittel vertauschen. Ein Holzarbeiter, der aus Anlast des Konflikts wegen des Arbeitsnachweises von Berlin abgereist ist. schreibt uns: „Ich bin auf n, einer Wanderung durch Iburg, zlvischen Osnabnick und Münster, gekommen. Diese Gegend ist Manövergelände und deshalb traf ich bei einem Bäckermeister mit Soldaten des 56. Infanterie-Regiments zusammen, welche in einigen Tagen los- kommen und mir die interessante Mitteilung machten: Der Hauptmann hat beim Appell v o r g e l'e s e n, Tischler, welche Arbeit haben>v ollen, sollen nach Berlin gehen, es werden nötig welche gebraucht. Es sei die Mit- teilung und die Bitte um Leute direkt an das Regiment er- gangen!" Vermutlich haben die Berliner JnnungSführer sich mit ihrem Ersuchen nicht nur an ein Regiment, sondern— jedenfalls durch Verniittlung einer höheren militärischen Instanz— an alle Regimenter gewandt. Dies eifrige Werben um Arbeitskräfte beweist.'dah es eitel Flunkerei ist, ivenn die Jnnnngshelden in ihren Zeitungen und Versammlungen so thun, als ob der Arbeitsnachweis im stände wäre, Arbeitskräfte jeder gewünschten Art und in jeder gewünschten Zahl zu besorgen. Man sieht aus dem Verhalten der Jnnnngsführer, dast der Kampf der organisierten Holzarbeiter gegen den Arbeitsnachiveis der Innung den beabsichtigte» Erfolg gehabt hat. Dast die Werbung unter de» Reservisten mit Hilfe der militärischen Vorgesetzten nicht die von den Meistern so sehnsüchtig erivarteten Raüsreister nach Berlin führen wird, dafür iverden die organisierten Arbeiter, nachdem ihnen dies neueste Jnnungsmauöver bekannt geworden ist, ganz gewiß sorgen, und so wird es auch mit den ersehnten, noch an nnlitärische Fügsamkeit gewöhnten Gesellen nichts sein. Achtung, Töpfer! Auf dem Bau des Töpfermeisters Wcickert, Oudenarderstraste. haben sämtliche Kollegen wegen schroffer Behandlung durch Herrn Weickert die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fern- zuhalten. Vorstand der Filiale Berlin deS Centraiverbandes der Töpfer. Achtung, Leistenvergolder! Ein Herr Weinstock versucht, Leistenvergolder nach Leipzig zu locken. Wir wariien alle Kollegen vor solchen Lockungen, da in Leipzig kein Mangel an Arbeitskräfte» herrscht. Man will nur eine Anzahl älterer Arbeiter aufs Pflaster werfen, und da sollen die neuen Arbeitskräfte dazu dienen, das Schrcckcnsregiment der Werkmeister in der Goldleisten-Fabrik von B. Grost weiterzuführen. Der Hauptvorstand. Zum Streik der Bleiglaser wird mitgeteilt dast Ahl- grimm, der regelmästig seine Streiknnterstütznng bezog, dabei aber des Nachts Streikarbeit anfertigte, jetzt bei der Firma Bade- lv i tz, Stallschreibcrstraste. als Werkführer eingestelll ist Infolge- dessen legte» 6 Mann daselbst die Arbeit nieder. Bewillig! haben bis jetzt 18 Firmen, bei 86 Firmen stehen noch 166 Mann im Streik. Bei der Firma H. Schreiber, Lcipzigcrstraste, Ivo n u r Lehr- l i n g e beschäftigt sind, werden ebenfalls Streikarbeiten für Verbands- meister angefertigt. Am Donnerstagabend SVe Uhr findet wieder eine Versammlung der Streikenden in den Arminhallen statt. Der Manrerstrcik in Brandenburg a. H. ist, dem Veschffist einer am Sonntag abgehaltenen Manrervcrsnmmlung zufolge, ver- tagt worden, weil er vorläufig aussichtslos ist. Die Haltung der Streikenden war während der siebzehnwöchigen Dauer des Ans- standes eine vorzügliche. Von 460 Streikenden sind nur fünf in die Reihen der Arbeitswilligen getreten. DeuifcheS Reich. Ter Ccntralverband der Civil-BernfSniusikcr Deutsch- landö hat in Hamburg vom 16. bis 19. d. M. seinen ersten Verbandstag abgehalten. Nach dem vom Vorsitzenden erstatteten Geschäftsbericht sind dem Verbände, der durch Beschlutz des vorigen Kongresses ins Leben gerufen ist, ll von den damals bestehenden Mnsikervereinen beigetreten mit 669 Mitgliedern. Gegenwärtig zählt der Verband 513 Mitglieder. Die Veränderungen der Mitgliederzahl sind ungewöhnlich grost. Die Einnahmen der Verbandskasse beliefcn sich auf 3111,53 M., die Ausgaben auf 2857,91 M.— Um eine wirksame Agitation entfalten zu können, beschlost der Verbandstag, dast Deutschland in Agitationsbezirke eingeteilt werde, und zwar so, dast sich im Mittelpunkt eines jeden Bezirks eine Ortsvcrivaltung oder ein Vertranensmann befindet. Wo solche nicht vorhanden, ist die baldige Errichtung in Angriff zu nehmen.— Bei der Statuten- beratnng wurde beschlossen, der Hauptvorstand sowie die Orts- Verwaltungen sollen dahin wirken, dah die Musiker, welche Nebenbeschäftigung in einem andern Beruf suchen, sicki der Organisation dieses Berufes anschliesten und nicht als Lohndrücker austreten. Der Verbandstag beschäftigte sich auch mit dem Lehrlings- Wesen. Mit Rücksicht darauf, dast im Musikerbenif eine ungeheure Ausbeutung der Lehrlinge herrscht, wodurch diese geschädigt und die Lage der Gehilfen immer mehr herabgedrückt werde, beschlost der Verbandstag: Von den gesetzgebende» Körperschaften de» Erlast gesctz- licher Bestimmungen zu fordern, durch welche 1. den Inhabern von Musikschulen(Stadt- und sonstiger Kapellen) verboten wird,»eben einem Gehilfen mehr als fünf Lehrlinge zu halten; 2. die Inhaber solcher Institute verpflichtet werden, die Unterknnftsränme der Lehr- linge so zu gestalten, dah niindestens 10 Kubikmeter Luftraum auf jeden Insassen entfallen; 3. die höchstzulässige Arbeitszeit der Lehr- linge auf acht Stunden pro Tag beschränkt wird. Ferner beschlost der Verbandstag. eine Agitation zu entfalten gegen den noch häufig vorkommenden Brauch, tvonach die Musik- gehilfcu Kost und Logis beim Arbeitgeber erhalten. Zur Frage der rechtlichen Stellung der Musiker gelangte eine Resolution zur Annahme, welche fordert, dast auf die Musiker die Gewerbe-Ordnung sowie die Arbeiterschutz- und Versicherungsgesctze angeivandt iverden, und daß bei der Anwendung dieser Gesetze lediglich die Höhe des Einkommens der Musiker, und nicht die jeder festen Norm entbehrende Unterscheidung nach Künstlern und Gewerbe gehilfen maßgebend sein soll. Zu dem schon oft beklagten Miststand, daß die Militärkapellen den Civilmusikern eine erdrückende Konkurrenz bereiten, nahm der Verbandstag eine Resolution an, welche das gänzliche Verbot der gewerblichen Thätigkeit der Militärmusiker fordert. Weiter wird in der Resolution gesagt: Gegen die von der Reichsregierung zur Ver teidigung der Militärmusiker-Konkurrenz angeführten Gründe: dast dadurch der Militärelat entlastet werde, erhebt der Verbandstag ent schieden Protest, da eine solche Ersparnis nur auf Kosten' eines einzigen Berufes erfolgt und sich als eine ungerechtfertigte, indirekte Besteuerung eines einzelnen Bernfes erweist. Das die Konkurrenz der Militärmnsiker betreffende Material soll der socialdemokratischen Reichstagsfraktion zur Verwendung übev sandt werden. Eine andre, gleichfalls angenonnnene Resolution wendet sich gegen das gewerbsmäßige Musizieren von Beamten, wo- durch die Erwerbsverhältnisse der Civilmufiker ebenfalls schwer beeinträchtigt Iverden. Hierzu wurde beschlossen, dast die Ortsverwaltungen des Verbandes bei den Staats- und Gemeindebehörden dahin vorstellig werden sollen, dast den bei diesen Behörden angestellten Beamten das gewerbsmäßige Musizieren untersagt wird, und die Beamten, welche derartigen Ver boten zuwider handeln, bei der vorgesetzten Behörde angezeigt werden. Als Vorsitzender des Verbandes wurde F a u t h, als Kassierer wurde Alten, beide in Hamburg, wiedergewählt. Der Vorsitzende erhält eine Entschädigung von 1000 M., der Kassierer eine solche von 150 M. jährlich. Der Äusschust hat seinen Sitz in Berlin. Der nächste Verbandstag findet in Hannover statt. Die Vergeßlichkeit, in deren Folge die christlichen und Hirsch Dunckerschen Gewerkschaften in Mannheim um eine Vertretung im Gewerbegericht kommen werde», soll nun noch den örtlichen Führern der Hirsch-Dunckersche» Orgaiiisationc», welche die Schuld an dem Vergessen des Einreichens der Kaudidatenlisien für die Proportional. wähl tragen, verhängnisvoll werde». Der Ortsverein der Schneider beschlost nach heftiger Debatte, in der Versammlung des Orts Verbandes zu beantragen, daß sämtliche schuldige Mitglieder des Ortsverbands-Ansschusses wegen Unfähigkeit, die Jntercssc» der Mit- glieder zu vertreten, abgesetzt werden. Ausland. Keine Elektromontenre nach Schwede»! Der„Schwedische Eisen- und Metallarbeiter-Verband" teilt mit, dast die Filiale der Allgcineine» Elektricitäts-Gesellschaft in Malmö durch Annoncen Monteure zur Herstellung der Anlagen in den ge- sperrten Klagshamms Kalkvrüchen und Cemcntwcrken sucht. Die genaimte Filiale hat den Lohntnrif des Verbandes nicht anerkannt. Die schwedischen Monteure weigern sich, die Arbeit auszuführen und deshalb sucht man im Auslande nach Arbeitswilligen. Vor Zuzug wird gewarnt. Die Zahl der Streiks in Frankreich war im Monat August eine äutzerst geringe; es wurden dem Arbeitsamt nur 15 neue Kon- flikte, an welchem 4703 Personen beteiligt waren. gemeldet. Im Juli wurden 25 Streiks mit 104 642 Personen und im August 1901 32 Streiks mit 10 129 Personen gezählt. Die Veränderungen in der Lohnhöhe waren dagegen sehr zahlreiche. 112 158 Per- sonen. in der Mehrzahl Bergarbeiter, wurden von Lohnvcränderungen betroffen; von dieser Zahl erlangten nur 953 eine Lohnerhöhung, während der ganze Rest Lohiiherabsetznngcn sich gesallen lassen mustte. Die Lohnverminderung betrug 50 Pf. pro Kopf und Woche. TaS internationale Komitee der Bergleute trat dieser Tage in Lille tFranlreich) zusammen, um über einen Antrag der Deutschen — Verlegung des internationalen Sekretariats von England nach Brüssel— zu beraten. Die deutschen Delegierte» Sachse und Huö verteidigten mit großer Energie ihre Anträge. Die Engländer er- klärten sich dagegen, 72 Vertreter von 480 000 Bergarbeitern hätten ich gegen die Äenderung erklärt. Die Franzosen und Belgier er- klärten, daß ihre Organisationen noch nicht Stellung dazu genonmicil hätten. Es wurde beschlossen, die Entscheidung bis zur»ächste» Sitzung auszusetzen, die Ostern 1903 in Brüssel stattfindet. VevsÄmmlungen. Töpfer. Eine Versammlung aller zum Organisationsgebiet Berlins und Umgegend gehörenden Töpfer, die vom Vorstände der Berliner Verbandsfiliale» einberufen worden war, tagte am Freitag im großen Saale des Gewerkschaftshauscs. Hermann John berichtete über die Stellungnahme der Berliner Gewerkschafts- koimuisfion zu den Beschlüssen der öffentlichen Topferversammlniigen vom 18. Juli und vom 14. August, die in Sachen deS paritätischen Arbeitsnachweises undZder Stellungnahme der Anhänger des Lokalvereins dazu gefaßt worden sind. Hierbei ging er auch auf die Verhandlungen in der vom Gewerlschafts-Kartell zum 17. September nach Kellers Saal einberufenen Versammlung ein. Die Bebanptniigcn, welche die dort angenommene Resolution enthält, bezeichnete er als unrichtig und führte zum Beweise hiersür an, was schon in der Versammlung der Geiverkschaftskomniifsion vom 3. September gesagt Ivorden ist. Insbesondere hob Redner hervor, dast die sehr stärk besuchten Versammlungen vom 18. Juli und 14. August nichtjt Verbandsversammlungen, sondern öffent- lichc Versammlungen gewesen seien. Es handele sich also nicht um eine Majorisierung der Töpfer anderer Richtung durch den Verband. Der Einwand der BerbandSgegner, ie brnnchtcn sich an die Beschlüsse jener von ihnen als Verbands- Versammlungen bezeichneten Versammlungen nicht zu kehre», sei schon deshalb total verfehlt und thatsächlich nur ein Vorwand. Ganz alsch sei es, wenn es so hingestellt werde, als würden die Lokaliften zekämpst, weil sie gegen den paritätischen Arbeitsnachweis eien. Nur gegen Streikbrecher, nur gegen Leute, die das Errungene störten, gehe man vor. John konnut zu dem Schlntz, daß kein Grund vorliege, an den früher» Beschlüssen etwas zu ändern, und schlägt folgende Resolution vor: „Die Versammlung spricht ihr Einverständiiist aus mit dem Be- chlust der Delegicrten-Versammliing der Berliner Gewerkschasts- kommission. Mit dieser ist sie der Meinung, dast die wirtschaftliche Lage der Arbeiter durch die Gewerkschaften nur dann gehoben werden kann, wenn in denselben nach demokratischen Grundsätzen der Wille der Minderheit sich dem der Mehrheit unterordnet. Hiergegen haben die sogenannten Lokalistcn des Töpfergewerbes in der frivolsten Weise verstosten, indeni sie glaubten, für die 150 Mitglieder ihres Vereins (gegenüber 2000 im Verband organisierten Töpfer») Bcschlüffe z» fassen und durchzuführen, die im Gegensatz stehen zu Beschlüssen, die nahezu einstimmig in öffentlichen Töpferversniiimlungen von ca. 1400 Kollegen gefaßt wurden.— Nach der letzten bei dem Restaurateur und Töpfer- ineister Streck»mternommenen Handlungsweise ist klar ersichtlich, daß nicht nur die Einführung des paritätischen Arbeitsnachweises dazu dienen muß. um Streikbruch zu entschuldigen, sondern dast das Be- streben der Sonderbündler darauf hinausläuft, Maßnahme» des Ver- bandes oder seiner Mitglieder nicht zur Durchführung kommen zu lassen und seine Aktionsfähigkeit zu hindern. Einem derartigen Verhalten gegenüber erklärt die Versammlung die Bcschlüffe der öffentlichen Töpfer-Versammlungen vom 13. Juli und vom 14. August für durchaus korrekt und die Versammelten verpflichten sich, für die Durchführung dieser Beschlüsse und für die sich daraus ergebenden Konseqnenzen voll und ganz einzusteheii." An der Debatte beteiligten sich eine ganze Anzahl Redner im Sinne des Referats und der vorgeschlagenen Resolution. Die Resolution wurde dann einstimmig angenommen. Unter„Gewerkschaftlichem" wurde zur Sperre Streck, über die schon im„Vorwärts" berichtet ist, von Neumann mitgeteilt, daß die Lokaliften, die bei Streck an die Stelle der Centralisten traten, davon unterrichtet gewesen seien, daß Streck die VerbandSmitglieder zu entlassen beabsichtigte, weil sie nicht mit einem nu- organisierten Arbeiter zusanimen arbeiten wollten. Bei Richter haben jetzt dreizehn Töpfer die Arbeit niedergelegt, die auf einem Bau in der Pappel-Allee arbeiteten, weil auf einem andern Bau desselben Meisters Lokaliften arbeiteten, die ohne Benutzung des paritätischen Arbeitsnachweises eingestellt worden waren. Die Versammlung beschlost die Sperre über die Firma und erklärte sich in einem weiteren Beschluß mit der Taktik des Vorstandes ein- verstanden. Ferner wurde beschlossen, es dem Vorstand zu über- lassen, über die Geschäfte, wo es sich als notwendig erweise, die Sperre zu verhängen. Es entspann sich dann eine längere Debatte über die Handhabung der Arbcitsvermittelnug auf dem paritätischen Arbeitsnachweis, die einige Redner noch reformbedürftig fanden. Zur F e n st e r f r a g e wurde beschlossen:„Da durch den in Aussicht stehenden Banglaserstreik die Kollegenschaft Berlins beim Inkrafttreten der Fcnsterfrage in besonders großen! Umfange in Mitleidenschaft gezogen wird, ersucht die Versanimlnng den Central- vorstand, für die nächste Zeit den Zuzug nach Berlin fernzuhalten. Weitere Vorschläge zur Regelung beziehungsweise Durchführung der Fcnsterfrage sind den demnächst stattfindendcii Bezirksversanmilungen zur Diskussion zu unterbreiten." Die LiixuSpapierarbciter und-Zlrbeitcrinnen tagten am 16. September in öffentlicher Versanimlung in den Arminhallen. Nach einem mit Beifall aufgenommenen Referat Brückners vertrat Scherwart die Ansicht, daß man auch in der Luxnspapierbranche dazu übergehen müffe, die Kollegen branchenweise zu organisieren, die Buchbinder, Presser, Präger, Beschneider. Zuschneider usw. zu Sitzungen einzuberufen, um die in den verschiedenen Werkstuben überall abweichenden Löhne sestzustellcn. Dieser Vorschlag wird allgemein gutgeheißen. Die Klempner hielten am Sonntag eine allgemeine Verfamm- lung im Gewerkschaftshause ab. in welcher die Beendigung der Lohn- beivegnng und die dadurch geschaffene Situation eingehend be- sprachen wurde. Cohen gab nochmals eine Uebersicht über Ent- stchung und Verlauf des Streiks und erläuterte sodann die einzelnen Punkte der zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern getroffenen Vereinbarungc». Redner kam zu dem Schlnst, daß die Errungen- schaften dieses Streiks als ein schöner Erfolg der Organisation zu be« zeichnen seien; doch gelte es jetzt, ein wachsames Auge auf die Unter- nehmer zu haben, damit diese nicht, wie es bereits versncht sei. durch wiNkürlicheAuslegniigderVereinbarungendasErriingene teilweise wieder illusorisch niachcn. Was die Accordarbeit anbelange.'so sei es jetzt wieder lediglich Schuld der Arbeiter selber, wenn solche in Zukunft noch geleistet werde und empfehle es sich, Kollegen, die nicht von der Accordarbeit lassen wollen, in der Organisation zur Bsrontwortung zu ziehen. Da sich die Mehrheit der Diskussionsredner ebenfalls in diesem Sinne äußerte, so gelangte schlicstlich eine entsprechende Resolution zur Annahme. Des weiteren wurden 7 Kollegen in die gemischte Kommission gewählt, die mit den Meistern zusammen einen voni 1. April 1903 ab gültigen Tarif auszuarbeiten hat. Mit dem Streik der Dreher bei Borsig beschäftigte sich eine öffentliche Meto llarbeitei-Versanimlung in Spandau. Wiesenthal referierte über die Kämpfe in der Meiallindustrie in der letzten Zeit und ihre Bedeutung für die Spandauer Staatsorbeiter! Dabei schilderte er insbesondere auch die Ursachen des Borsigschen Streiks und beklagte es, dast sich bei früheren Gelegenheiten leider von den Spandaucr Metallarbeitern eine kleine Anzahl gefunden hatte, die sich dem bedrängten Unternehmertum als will- kommene Raüsreister, zu deutsch: Streikbrecher hergaben. Er sowohl wie B ö h l e appellierten an das Solidaritäts- und Ehrgefühl der Versammelten, mit aller Energie dahin zu wirken, dast sich daZ tief beschäincnde Schauspiel nicht wiederhole und sich zukünftig keine Streikbrecher unter den Spandauer Metallarbeitern finden möchten. Eine entsprechende Resolution fand einstimmige Annahme. Interessante Thatsachen ergab eine Versammlung in Fürsten- walde. Die Weltfirnia Julius P i n t s ch, die ihr Hauptburean in Berlin, Andreasstraste, hat und Filialen in Fürstenwalde, Bocken- heim und Breslau besitzt, lästt in ihrem Fürstenwalder Werk gegen- wärtig bis zu 16 Stunden arbeiten. Da die Arbeiter daselbst nur teilweise organisiert sind, müssen sie sich die Willkürlichkeiten der Werkleitung schon gefallen lassen, denn wem es nicht paßt, kann gehen. Die Verbandsleitung wird dieser Firma in nächster Zeit auch eine erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden. Zehlendorf. Im hiesigen Socialdemokratischen Wahlverein sprach in der letzten Versammlung Genosse Köster über unser Programm. Unter Verschiedenem wurde lebhaft bebauen, daß die Zahlstelle des Verbandes der Bauarbeiter ein Vergnügen in einein gesperrten Lokal abgehalten hat. Nachdem der betreffende Wirt aus Furcht vor dem Amtsvorsteher wiederholt abgelehnt hatte, seinen Saal zu dem Vergnügen herzugeben, hat man den Amtsvorsteher gebeten, und dann konnte das Vergnügen statlsinden. Dies Verhalten der Arbeiter wurde als beschämend bezeichnet. Ju Wilhelmsruh, im Lokal von Apelt, hielt Per Wahlverein für Reinickendorf und Umgegend am Mittwoch seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Der Vortrag des Genossen Brückner über„Krach und Krise" fand lebhaften Beifall. Unter Vereins- angelegenheiten machte der Vorsitzende bekannt, daß einem Beschluß der Parteigenossen zufolge Nordend nunmehr zu Reinickendorf gehört und laut Vereinsbeichlust als selbständiger Bezirk gilt. Uetzte MschLirtztett und Depeschen. Frauen- und Kinderschuh. Kol», 22. September.(W. T. B.) Die Generalversammlung der .Gesellschaft für sociale Reform" beschäftigte sich eingehend mit dem gewerblichen Arbciterschutz für Frauen und 5liuder. Die Redner sprachen sich sämtlich für eine zehnstündige Arbeitszeit für Frauen und für Heranfsetzung der Altersgrenze der jugendlichen Arbeiter von 16 auf 18 Jahre aus. TyPhuS. Mainz» 22. September. einzutreten, gegen den Widerspruch der Sorialdemokrnten und deren Stimme» a n g e n o m in e». Etadthagcn erörtert in dreistündiger Rede die Gründe, die gegen die Verzollung dieser lvichtigcn Lebensmittel: Getreide, Hülsen- snichte, Oelfrüchte iiiib Sämereien, Knollen und Wurzelgewächse, Grün» und Rnnhfntter, Gärtnereiprodukte, Obst, Südfrüchte, Frucht- säsle, Kolonialwaren ustv.— sprechen. Die Rückstäudigkeit der Kultur dürfe nicht durch Lebensmittel verteuernde Zölle belohnt werden. Ans landwirtschaftlichen Kreisen seien inzivischen den Soeial- demokrate» dringende Bitten zugegangen, mit alle» Mitteln zur Ver- Hinderung der Lebensmittelverteuerung beizutragen. Kornzölle be- deuten eine AuShmigeruug des Volkes. Aver auch die Reichskasse wird belastet. Redner fragt die Regierungen direkt, wie hoch sich die Summen belaufen würden, die für die Versorgung dcS Heeres und der Marine mit Getreide, überhaupt allen Lebensmitteln, durch deren Verteuernng mehr ausgegeben werden müssen. Diese Mehrausgabe werde das voraussichtliche Deficit des Reiches erhöhen, die Finanz- not verschlimmern. Die arbeitenden Klasse», eiuschlietzlich der kleinen Landwirte, iverden da»» schärfer noch zur Deckung herangezogen. Und das solle zu Gunsten nur der Grohgrundbesitzer ge- schehen, die trotz ihrer keineswegs notleidenden Lage änfeerst geringe Löhne den Landarbeitern zahlen. D ie Be- lastung der arbeitenden Klassen würde für diese ungeheuerlich sein und pro Jahr bei einem Euikonmien von ca. 750 M. bedeuten, das', der Arbeiler zwei bis vier Wochen im Jahre nur für diese Liebes- gäbe an die Grohgrundbesttzer, die ihnen allein der Brotzoll zu- schiebt, roboten müsse. Das sei ein Diebstahl cn gros Ein Teil der Großgrundbesitzer würde, wie Kollege Bräsickc dies in eister Lesung darlegte, cS als eine Schmach betrachten, die durch derartige Ansranbung der ämieren Klassen erlangten Summen entgegenzunehmen. W e r f ü r B r o t z ö l l e stimmt, stimmt für den Bürgerkrieg, wenn auch von andrer Seite vc- hauptet wird, Throne würden krachen, Revolten würden entstehen, ivenn der Hungerzoll ans Brot nicht in der Höhe, wie ihn der Bund der Landwirte fordere, bewilligt werde. Für 50 Pf. höheren Zoll, als die Kommission leider in erster Lesung beschlossen habe, soll die Monarchcntreiie jener Kreise eingekauft Iverden. Das sei bezeichnend, zumal ja nur Großgrundbesitzer Vorteile, die kleinen Bauern aber Nach- teile von dem Zoll hätten. Der Zoll konime einer progressiven Einkommensteuer gleich, die für die besselsitnierten Klasse» nur 0,3 Proz. für die untersten Klassen aber über 7 Proz. betrage. Diese Ungerechtigkeit erteile Schläge auf den Magen der Armen. Die Gesundbeil und Kraft des Volkes»verde erschüttert, eine Verelendung herbeigeführt. Charakteristischeriveise stimmen die Parteien für Hnngerzölle, die den Arbeitern das Koaltitionsrecht verkümmern wollen; dazu gehöre auch das Centrnm, das den Land- arbeitern das Koalitionsrecht nicht geivähre. So schüre man den Klassenkampf. Es sei unlvahr, daß die Arbeiter höhere Löhne durch den Zolltarif zu erwarten hätten, das umgekehrte sei der Fall. Die Verteuerung der Lebensinittel beschwere die Gemeinde- Etats, verniehre die Armenlastcn. Wie beeinflußt der Kornzoll den Arbeitsmaikt? Derselbe lvird durch den Zoll abhängig gemacht vom Ausland und ungünstiger gestaltet, die Krise verschärst. Es ist Humbug, zu sagen, die nationale Selbständigkeit»verde durch den Zoll erhöht, denn Repressalien iverden unsre Produktion schivächen, die Ausfuhr vermindern. Wirtschaftliche Prosperität kräftigt eine Nation; wirtschaftlicher Niedergang dezimiert besonders die Mittelschichten des Volkes. Redner erörtert dann die Wirkung des Zolles für den einheimischen Getreidebau, für die Industrie, für den Handel, soivie die internationalen Beziehungen des Reiches und kommt zu dem Schluß, daß unberechenbarer Schaden dem ganzen Volke drohe, tvie er noch nie gedroht habe. Die Arbeiterklasse»verde daruin mit aller Energie gegen diese Veniichtnng des Wirtschaftslebens und somit ihrer Existenz ankämpfen. Ferner bespricht Redner das Verhältnis zivischen Grundrente und Lohn. Die abermals eingerifiene störende Unterhaltung vieler Kom- Missionsmitglieder giebt dein Redner Anlaß zu der Bemerkung, daß die Zöllner kein Geivickt aus fachliche Emiväiide legen und die Ent- scheidung über den Zolltarif von der Schlacht im Plenum erivarte». Jetzt habe ich trotzdem noch die Hosinimg, daß die zweite Lesung im Plenuin im Gegensatz zu den Beschlüssen der Kominission über die hier in Frage stehenden Lebensmittel die Last von den arbeitenden Klassen abwenden und die Zölle auf Lebensmittel abschaffen wird. Das»väre ein Gelvinn für die Nation und»viirde ihr Wohlergehen fördern, das dem einer Handvoll unersättlicher Großgrundbesitzer vorgehe. v. Wangenheim tritt für höhere Zölle ein. da die Preise der letzten 10 Jahre sie erforderten; anderntalls»verde die Konkurrenz deS Auslandes gestärkt, die die Preisbildung ungünstig beeinflusse. Man habe den Fehler begangen, die Jndnstriezölle zu hoch zu be- messen, die für die Landlvirtschaft zu niedrig. Davon habe die Industrie Vorteile gehabt, nun müßten die Agrarzölle erhöht werden. damit ein Ausgleich erzielt»verde. Pachnicke erividert dem Vorredner. Ivenn derselbe eine Herab- setznng der Jndnstriezölle zum Ausgleich»vünsche, finde er ihn. Redner, an seiner Seite. Der Vertreter des Bundes der Landlvirte habe heute im Gegensatz zu seiner Presse sehr friedlich geredet. Es handle sich um eine Belastung von mehreren hundert Millionen Mark, die unmöglich nach irgend einer Richtung Vorteile bringen könne. Die lächerlich hohen Forderungen WangenheimS seien nicht diskutabel. Auch die Sätze der Kommissionsmehrheit, sowie die der Vorlage seien unannehmbar. Heim»vendet sich gegen Stadthagen, der alte Gründe»vieder- holt habe, deren Wahrheit nicht feststehe. Derselbe habe eine Rede geHalle», die er Ivahrscheinlich auf dein Parteitag in München nicht habe halten dürfen.(Zlvischenruf: Lächerlich!) Die Socialdemo. kratie»verde es einmal zu büßen haben, daß sie den Standpunkt von heute einnehine. Die Märcben von Auspowerung. Diebstahl. Mord und Totschlag, die an den Zolltarif geknüpft»vürden.»vider- lege er nicht, v. Wangcnheim sei ei» Eingänger, der Bund der Landlvirte könne unmöglich auf den von ihin heute wieder ein- gebrachte» Forderungen stehen. Redner tritt dann für einen Zoll von S M. im Minimaltarif auf Gerste ein. Die Einfuhr öst- reichischer ec. Gerste habe die Wirkung einer Knli-Einfuhr. Mit einem Zoll,»vie ihn Wangenheim wolle, sei kein Handelsvertrag abzu- schließen. In Bayern tritt kein Abgeordneter, auch solche von, Bunde der Landwirte, für solche Forderungen ein. Redner»vill jetzt seine Zustiminung zu den Beschlüffen der Kommission gebe»,. Graf PosadowSky: Die Herren, die solch' hohe Forderungen stellen wie Herr v. Wangenheim, übersehen, wie die Bevölkerungs- ziffer sich zu Ungunsten der Landbevölkerung verschiebt. Politisch läßt sich ein so hoher Schutz für die Landlvirtschaft nicht vertreten. Selbst ivenn solch' hohe Zölle sachlich berechtigt»vären, könnte man sie nicht belvilligen, man schaffte dadurch eine politisch und social- politisch u», mögliche Situation. Der Industrie»viirde damit ein Schlag versetzt. Die Regierung könne ihren Standpunkt nicht bester präcisicren, als es vorhin Pachnicke gethan habe. Zölle dürften nicht höher bemessen werden, als in dem Maße, daß sie die Produktionskosten ausgleichen. Handelsverträge könnten auf Grund eines so erhöhten Tarifs kaum ab geschlossen»verde»,. DaS sei politisch und zolltcchnisch undenkbar. ES gebe nur zwei Wege, entweder man acceptiere den Ent- »vurf wie er vorlieg e, oder es gelte im GegeusaUe der alte Tarif weiter. Er bestreite auf das entschiedenste, daß die Jndustriezölle so erhöht»vorden seien,»vie v. Wangenheim heute behauptet habe; nur zun, Ziveck handelspolitischer Verhandlungen seien einige Zölle erhöht. Man habe gesagt, die Regierung nehme hier in der Kommission einen diktatorischen Standpunkt ein. Das sei»»richtig. Die Regierung habe der Noflvendigkeit zu folgen, die Zölle so zu bemessen, daß sie andrenStaaten noch annehmbar erscheinen. Kommen »vir auf Grund des neuen Tarifs zu keinen Handelsverträgen, dann bleibt der alte Tarif bestehen. Ob damit gedient sei, möge man er- messen. Miiller-Sagan bemerkt, die Freisinnige» hätten den alten Tarif als beste Grundlage für den Absclilnß von Handelsverträgen er- achtet, ihr Standpunkt sei also gerechtfertigt. Jetzt solle der Groß. betrieb in der Landlvirtschaft zum Nachteil des Kleinbetriebes noch mehr begünstigt Iverden. Das solle verhindert iverden. Spahn beantrag» Schluß der Debatte, der angenoinmen lvird. Stadthageu bemerkt persvntich, daß der Avg. Hein, der zlvciten Lesung den Abg. Heim der ersten Leimig heute totgeschlagen habe und er, Stadihage», ai»f dem Parteitag der Socialdcniolratie in München nicht verhindert»vorden sei, eine Rede zu halten, auf iocialdemokraiischen Parteitage» gehe es nicht zu»vie auf Katlioliken- tagen. Ivo man Redner vclhiiiderc. in die Diskussion einzutreten Darauf c>»t»pi»illl sich eine tNcschästsordiiungs-Dcbatte über die Specialbeyrmdlung der Tarisposilione»». Beichlosseii lvird, nach der Generaldisknssio» Beschluß darüber zu fasten,»velche Positionen des betreffenden Avschnilics zur Speciatdtslufsio» zugelassen»verde»» sollen. Der Antrag Pachnicke, seine Anträge zn de» Positionen 1 bis 4 und 7 zuzulassen. w»rd abgelehnt gegen die Stinunen der Socialdemokrate» und Freisinnigen Pasilion 10 und lOl, Reis, poliert und nnpoliert,»verde» zur Diskaisio» gestellt. Spnhii veairtragt. die Regierungsvorlage»vieder h e r z u st e l l c n u»d begründet den Antrag. Molkeubnhr»vendei sich gegen die Verzollung, die nur wenige Grohkapitatisten begünstige. Der Zoll sei ei» reiner Finauzzoll, der die Masse» schädige, denn es trete eine Verteuerung von 2 Pf. pro Kilo ein. Der Autrag Spahn»vird mit 1b Stinunen angenommeu. Dann lomint Posllion 23. Kartoffeln, zur Beratung. Beschluß der ersten Lesung: in der Zeit von, 15. Februar bis 3l. Juli 2.50 M., vom 1. August bis 14. Februar frei. Geheimrc» Wermut spricht gegen den Zoll. Die Socialdemokraten beantragen die Wiederherstellung der Regierungsvorlage: ZoUsreihrit. Pachnicke und lviolkenbuhr treten für diesen Antrag ei». Herold lviistatieri, daß bei der l. Lesung ei» Kompromiß zu stände kain zwischen Konservativen, Reichsparteiler» und Cenlrum. Auf Grund des Konipromisses kam der Beschluß zu sta>»dc, an dem das Centrnm jetzt festhalte. Herr v. Wangenheim habe seine Aicträge auf Erhöhung der Zollsätze nur gestellt,»veil er »visse, daß sie»ich» angenommen»vürden. Mut gehöre nicht dazu, solche Anträge zu stellen. Arrndt erreg» große Heiterkeit, da er behauptet, es handele sich »m keinen Kartoffelzoll. Es sollten nur die Luxnskarloffeln gc- troffen werden. V. Wangcnheini, der 1 Mark Zoll für Kartoffeln überhaupt beantragt, hal es sich z>»m Grundsatz gemacht, die Zollerhöhungen zn beantragen, über die sich landivirtschaftliche Korporationen geeinigt hätten. Molkenbuhr: Arendt scheine die Beschlüsse der 1. Lesung nicht gelesen zu habe»; es handle sich nicht um Frühkartoffeln, denn die Dänen, die in der festgesetzten Zeit Kartoffel» bei»»s einführen, versorgen uns nicht mit Frühkartoffeln. Der Zoll trifft auch alte Kartoffeln. Herold behauptet, allerdings sollten Nlir Frühkartoffeln getroffen werden. Der Beschluß erster Lesung wird angenommen. Darauf wird Vertagung beschlossen. Ferner wird beschlösse», täglich von 9—3 Uhr zu tagen. Freitags von 9—12 Uhr. Schluß 6 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 9 Uhr. Krankenkasse und Aerzte. Unter diesem Titel veröffentlichte Frl. Dr. Wygodzinski in Nr. 2l8 deS„Borlvärls" eine» Artikel, dein ein Vorgang bei der Orts- Krankenkasse der Gastwirte zu Grunde liegt, und in den, das Urteil der breite» Oeffentlichkeit angeruse» wird. Um ein gerechtes Urteil zu ermögliche», erscheint es aber doch nollvendig, ivenigstenS die wesentlichsten hierbei in Betracht kommenden Verhältnisse, die von Frl. Dr. W. gar nicht berücksichtigt»vorden sind, klarzustellen, denn»nil bloßen Behauptungen ist noch nichts belvicsen. Der Sachverhalt ist folgender: Auf Anregung des Vorstandes hat die Generalversaminlung der Krankenkasse beschlossen, die Zahl der Aerzte von 19 auf 30 zu erhöhen, das Ansangshonorar so»vie bisher bei 1000 M. zu belaste» und als Maximum, das nach etiva einjähriger Thätigkeit erreicht»verde», soll, 1200M. festzusetzen. Motiviert ist dieser Beschluß damit, daß sich die Wohimngsverbältuiffe der Kaffenmitgtieder iin Laufe der Jahre erheblich verändert,»vas zur Folge hatte, daß ein Teil der Kassenärzte im Gegensatz zu de» andren zu sehr in Anspruch genommen und von diesen selbst und zivar öllig berechtigt, eine Entlastung geivünscht»vurde. Uin dem abzuhelfen und um den Mitgliedern die Konsultierung eines ArzteS zu erleichtern, sollten die Bezirke geändert und namentlich die be- lastete» wesentlich verkleinert»verde». Um eventuellen Ein- Wendungen zu begegnen, mag hier gleich erivähnt»Verden. daß die Mitgliederzahl der Kasse nicht etwa gestiegen, sondern im verflossenen Jahre um circa 1000 zurückgegangen ist und ein weiterer Rückgang nach Lage der Sache zu erwarten steht. Auch wäre es zweifellos ein unbilliges Verlangen,»venu von den Aerzten gefordert würde, entweder in einen andren Stadtteil zu ver- ziehen oder die Thätigkeit für die Kasse aufzugeben. Eine solche Forderung wäre da»» gerechtfertigt,»venu die Aerzte von der Kaste besoldet»vürden und auf die Privat- und anderweitige Kasieupraxis verzichten könnten. Wenn das aber nicht der Fall und ivenn man ferner weiß, daß sich der Arzt zumeist erst dadurch, daß er in einen, Bezirk längere Zeit»vohut, eine größere Praxis erivorbe», hat, so kann die Forderung der Wohimugsäiiderung doch erst in letzter Linie gestellt»verde». Es ist noch eins, was der Vorstand beziehnugs- weise die Generalversammlung zu diesen, Beschluß veranlaßt hat, und zivar soll für gleiche Leistungen auch eine gleiche Bezahlung erfolge»,. Bei dein bisherige» System ist nämlich der Uebelstand eingetreien, daß das Honorar in, Verhältnis zn der Thätigkeit ganz ungeheuer differiert. Nach de», letzten Statistiken von den Jahren 1900 und 1901, die aus eigne» Ailfzeichuuligen der Kassenärzte zusanunengestellt sind, ergiebt sich, daß mehrere Aerzte mit 21. 28, 31. 34 Pf., andre mit 62, 67, 70. 78 und 80 Pf. pro Konsultation honoriert werden. Für einen Besuch, der als drei Konsultationen rechnet, erhält der eine Arzt 63, der andre 240 Pf., also fast das Vierfache. Um diese» Uebelstand in, Interesse der Aerzte zu beseitigen, hat der Vorstand schon im Jahre 1898 de», Kassenärzten de» Vorschlag gemacht, das Point- oder das Bonds- Systein einzusühreii. Die Kasse»vollte sogar gleichzeitig das damals gezahlte Arzthonorar von 24 900 auf 30 000 M., also um 5100 M. erhöhen. Dieser Vorschlag»vnrde von den Aerzten rundiveg ab- gelehnt und der Zahlungsmodus, bei den, der Umfang der Thätigkeit nicht in Betracht gezogen»vird, blieb bestehen. Das Bestreben, die einzelnen Aerzte zu entlaste» und eine gleichmäßige Bezahlung für die gleiche Thätigkeit herbeizuführen,»var ein»vesentlicher Grunb für den Beschluß der Generalversammlung. Es mutz noch betont»verde»,, daß das Arzthonorar insgesamt nicht erniedrigt sondern mit diesem Beschluß um 4800 M. erhöht »vordeu ist. Allerdings tritt dennoch bei den, seit längerer Zeit für die Kasse thätigen Aerzte eine Reducierung der Gehälter ein, aber andrerseits auch eine erhebliche Entlastung durch die bedeutende Ver- kleiuerung der Bezirke. Von den» ausführlich motivierten Beschluß der General- Versammlung»vurde», die Kassenärzte am 23. August in Kenntnis gc- setzt mit den, Ersuchen, bis zun, 3. Scpteinber, also 16 Tage später, sich hierüber zu äußern. Eine Konferenz der Kassenärzte erklärte sich mit Ausnahme des Frl. Dr. Wygodzinski und eines Herrn, der finanziell an, stärksten beteiligt ist, mit dein ganzei, Plan priucipiell einverstanden; eine größere Zahl der Herren iviinschte aber, daß das Maxcmnn, des Honorars ans 1500 statt 1200 M. festgesetzt»vird. Eine spätere gemeinsame Konferenz der Kassenärzte und des Vorstandes zeitigte dasselbe Resultat und ist nun die Sache der am 19. d. M. abgehaltenen Generalversanimlung zur nochinaligen Beichlnßfassung unterbreitet»vorden. Auch privatim»vurde von be- »eiligle» und»»beteiligten Aerzten der Plan gutgeheißen und als völlig gerechtfertigt anerkannt. Zivcifellos»väre die ganze Au- gelegenheit in ruhiger Weise zur beiderseitigen Zufriedenheit erledigt »vorden,»venu nicht ans Veranlassung des obenerivähnten Arztes die Vertragskommission des Vereins der freigeivählten Kassenärzte Plötz- lich bcschlvsse» hätte, daß die Aerzte aus diese Bediiigungeu nicht eingehen und mit der Kasse nur ein Vertrag geschloffen iverden darf, der dem§ 19 der Vereinssatzungen entspricht und ei» Arzthonorar von 3.50 M. pro Kopf zusicherl. Abgesehen dabo»,, ob die Vertrags- kommisfioi, i» diesen, Falle überhaupt berechtigt»var, einzugreifen ldie Aerztekammer crachleu»vir hierzu nicht für vefugt), so ist doch i'uindestcns sondervar. daß dies in einen, Augenblicke geschieht,>vo thalsächlich eine Verbesserung für die Aerzte im allgemeinen vor« genommen>v>rd. Es ist auch eigentümlich, daß Frl. Dr. W., die dem Vorstaude Voriviirfc»nacht, daß er sich nicht vorher mit den Kassen- ärzten ins Einvernehuie», gesetzt, tcineii Tadel übrig hat für das Vorgehe» der Bertragskoinmissio», die einfach über eine große Krankenkasse einen so bedeutungsvollen Beschluß faßt, ohne sich erst von den einschlägigen Vcrhällnisie» zu informieren oder die Be- teiligten zu hören. Der Verein der freigeivählten Kassenärzte bezlv. desieu Kommission hat die verbesserten Zahlungsbedingungen bei unsrer Kasse für„standesunlvürdig" erklärt. Auch Fräulein Dr. W. ist. obwohl sie erst vor einigen Monaten einen Verlrag mit der Kasse abgeschlossc» hat, plötzlich derselben Meinung gelvorden, sie verlangt die Anerkennung der von dem Verein aufgestellten Forderungen mid scheut sich nicht, diejenigen,»velche nicht die Befähigung besitzen, ihre Meinung so schnell zn ändern, in der Oeffentlichkeit anzu» greife»,. Da Fräulein Dr. W. sich auch darüber nicht den Kopf zer« brocke,, hat. ob die Kasse jetzt überhaupt in, stände ist, die Forderungen des Vereins der freigeivählten Kassenärzte durch- zuführen, so sind»vir leider noch gezivungen, auch diese Frage zu crvrlern. Zunächst»vollen wir darauf hinlveisen, daß das Arzlhpnorar dauernd und mehr als die Mitgliederzahl gestiegen ist. Das Honorar pro Kopf iin Jahre 1900 bei unsrer Kasse 2,14 M., bei den gesammten Berliner Orts-Krankenkaffen im Durchschnitt 2.99 M., liei den gesamten Berliner Jimungs-Krankeirkaffen 1,89 M., und die Jininngs-Krankenknsse der Gastivirte, die bis heute noch nicht als„sta»bes»Hlvürdig" bezahlende Kaste bezeichnet ist, bezahlte pro Kopf 1.34 M. Also die gesamten JnnungSkassen bezahlen be- deutend»veniger als die Orts-Krankenkasse der Gastivirte. Nach dein vescyloffenen Plan»vürde sich daS Honorar auf 2,27 M. erhöhen. Allerdings entipricht auch dieser Satz nicht de», von den Ortskasse», bezahlten Durchichnittshonorar, aber hierbei muß in Betracht gezogen »Verden, baß bei unsrer Kasse ein ungeivöhnlich hoher Prozentsatz der Mitglieder, lediglich auf Grund der geiverbliche» Verhältnisse, in den Rrnntenhäusern iintergebracdl»verde» muß und folgedessen für die kaffenärzltiche Tbäligkeit gänzlich ausscheidet. Während die ge- iamle» Berliner Orts-Kranlenkassen 3.91 M. und die Jnnungskaffen nur 3.78 M. pro Mitglied bezahlen, inntzte die Orts-Krankenkasse der Gastivirte 8,14 M. pro Mitglied an Krankenhauskosten bezahlen. Dieser Umstand mutz bei der Berechnung des Arzthonorars berück- sichtigt»verde», und dann»vird sich herausstellen, daß der von den Berliner Orls-Krankenkaffe» geleistete Durchschnittssatz auch bei unsrer Kasse bezahlt»vird. Thatsächlich»verde», bei unsrer Kasse trotz der angeblich standesunwürdigen Zahlungsbedingungen die Leistmigen der Aerzte»veit höher honoriert. Bei der freien Arztivahl kommen auf die Konsultation durchschnittlich etiva 35 Pf.,»vährend bei der Ortskasse der Gastivirte iin vorigen Jahre 45 Pf. pro Konsultation bezahlt wurde. Dieser Satz»vird»ach de» nenen Honorarbedingungen im nächsten Jahre ans mindestens 50 Pf. steigen. Es ist niemand vom Vorstände oder den Kaffenbertretern ein- gefallen, das Arzthonorar herabzusetzen, sondern es ist in der That das Bestreben vorhanden,»ach Möglichkeit eine Verbesserung vorzunehmen. Aber mehr zu thnn, wie gethan worden ist,»st unter den obivaltenden Verhältnissen einfach unmöglich. Trotz- dem der Beitrag bei der Orts-Krankenkasse der Gast- »virte 20,87 M. pro Kops und Jahr beträgt und den Mit- gliedern eigentlich nur die gesetzlichen Mindestleistungen ge- währt Iverden können, muß der Beitrag jetzt»vieder aus Verfügung des Oberpräsidenten beträchtlich erhöht»verde»,. Die Ausdehnung der Unterstützungsdauer von 13 auf 26 Wochen ist nicht genehmigt»vorden. Bei der lieben Jiinungskasse der Gastivirte, ein Konkurrenzunternehmen in,»vahren Sinne des Wortes, beträgt der Beitrag iiur 14.32 M.; auch ein Umstand, der dazu angethan ist, der Orts-Krankenkasse bedeutende Schivierigkciten zu bereiten. Aber das sind ja alles Dinge,»velche für Frl. Dr. W. gar nicht in Betracht kommen. Sie stellt einfach eine ganze Anzahl von Be- Häuptlingen auf, ohne sich auch nur im geringsten zu beinühcn, die Beiveise hierfür zu erbringe»; dafür aber»vird das beliebte Mittel angeivandt. die Kaffenmitglieder gegen den Vorstand auszuspielen. Im übrigen versucht Frl. Dr. W. in erstaunlich uaiver Weise zu begründen. daß der Vorstand die au die Kasse gestellten Forderungen bedingungslos auerkenneii mutz. Sie argumentiert folgeudermaßev: Der Verein der freigeivählten Kassenärzte ist eine»virtschaftliche Organisation und weil sich i», Kasieuvorstande orgauisierte Arbeiter befinde», deshalb dürfe» die Forderungen nicht abgelehnt werden. Dieser Verein fordert die Einführnng der freie» Arztivahl und hat als»staudesivürdigcs" Honorar den Satz von 3,50 M., für !das nächste Jahr 4 W. pro Kopf festgesetzt. Mit der von Dr. Frl. W Beliebten Arguinentatioii könnte dieser Verein den Honorarsatz wenigstens bei den Kassen, die von organisierten Arbeitern verwaltet werden, fortgesetzt in beliebiger Weise erhöhen, ohne Riicksicht darauf ob die Kassen im stände sind, die hierzu notivendigen Mittel auf zubringen. Aus den Ausführungen des Frl. Dr. W. ist nicht klar ersichtlich, ob sie eine Orts- Krankenkasse als Organisation oder als ei» privatkapitalistilches Unternehmen betrachtet. Wenn sie das erstere annimmt, so hätte sie sich»ach den von uns gemachten Darlegungen gegen das Vorgehen der Vertragskommission wenden müssen i'nimmt sie aber das letztere an. so hätte sie sich ihre ganzen Belehrungen über die Pflichte» einer Organisation und deren Vertreter sparen können. Wir sind gar nicht im Zlveifel darüber, daß das von Fräulein Dr. W. angerufene Urteil der breiten Oeffentlichkeit nicht durch schön klingende Redensarten beeinflußt und unter Würdigung der mitgeteilten Thatsachen sich zn unsren Gunsten aussprechen wird. Der Vorstand der Orts-Krankenkaffe der Gastwirte und verw. Gewerbe. Arbtiitriilm Berlins, wahret Eure Rechte! Die Bestimmungen der Gewcrbe-Ordnung. die zum Schutze der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter erlassen sind, werden viel- fach seitens der Unternehmer nicht beachtet und die Rechte der Arbeiterinnen werden oft gekürzt. Das Gesetz bestimmt: Die Arbeitszeit dauert für Arbeiterinnen über IS Jahre 11 Stunden täglich, mit einstündiger Mittagspause: an Vorabenden von Sonn- und Festtagen nur 19 Stunden, und es muß die Arbeits- stätte an diesen Tagen bis spätestens Ws Uhr verlassen sein. Jugendliche Zlrbciter von 14—16 Jahren dürfen täglich nur 10 Stunden mit ciustündiger Mittagspause sowie je l/eftüudiger Frühstücks- und Vcsperpause beschäftigt werden. Kündigungen und Entlassungen. Gründe für sofortiges Ver- lassen der Arbeit sind z. B.: Unsittliche Angriffe der Unternehmer oder ihrer Vertreter. Thätlichkeiten. grobe Beleidigungen. nn- regelmäßige Lohnzahlung, bei Accordarbeit nicht ausreichende Bc- schnftigung usiv. Die Kündigungsfrist ist eine 14tägige: sie kann durch gegen- seitige Vereinbarung ausgeschlossen werde». Wenn Kündigungsfristen bestehen, müssen sie für beide Teile gleich sein. Ausstellung von Zcnguisscn. Die Arbeiterin hat das Recht, ein Zeugnis über Art und Dauer ihrer Beschäftigung zn verlangen: besondere Merkmale, welche die Schädigung der Arbeiterin zur Folge haben können, sind ungesetzlich und sind zurückzuweisen. Strafgelder. Bcstimnmngen über Lohnabzüge in Form von Strafgeldern müssen in der Fabrikordnung, die sichtbar aushängen nmß, bekannt gegeben sein. Die Verhängung jeder Strafe muß'der Arbeiterin ohne Verzug mitgeteilt tverden. Hygienische und Tchiitzniastregeln. Arbeitsräume, Betriebs Vorrichtungen, Maschinen und Gerätschaften sind so einzurichten und zu unterhalten, daß die Arbeiterinnen gegen Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt sind. Es ist für genügend Licht, reine gute Luft, Beseitigung von Staub und Abfällen zu sorgen: ebenso sind Schutzvorrichtungen an Maschinen anzubringen. In Anlagen, deren Betrieb es mit sich bringt, daß die Arbeiterinnen sich umkleiden und nach der Arbeit reinigen, müssen ausreichende, für beide Geschlechter geircnnte Ankleide- und Waschräume vorhanden sein. Bedürfnis- anstalten müssen in genügender Zahl vorhanden und so eingerichtet fein, daß Sitte und Anstand nicht verletzt werden. Arbeiterinnen, achtet darauf, daß diese zn Eurem Schutze er- lassenen gesetzlichen Bestimmungen durchgeführt und iuucgehaltc» werden. Wir ivciscn darum von neuem darauf hin. daß nachstehende Personen bereit sind, nn« es den Arbeiterinnen zu ermögliche», ohne Nachteile für ihre Existenz auf Beseitigung der Mißstände in den Arbeitsstätten hinzuwirken, wahrheitsgetreue Beschwerden entgegenzunehmen und für schleunigste Abhilfe Sorge zu tragen. D i c N a ni c n der B e s ch w e r d e f ü h r e r iv e r d e» streng geHeini geholte u I Beschwerden nehmen entgegen: Frl. Baader, Großgörschen- straße 38. 2. Hof II. Frau B a u s ch k e. Rostockerstr. 47, Qncrgeb. I. Frau Dr. W c y l, Lothringerstr. 67. 1. Frau Lutz, Waterloo-Ufer 9, ini Laden. Frau M e s ch, Lychenerstr. 3, linker Ausg. IV. Frau T i e tz, Blumenstr. 63, I rechts. Frl. H e i d c in a n n. Alte Jakobstr. 118,1V. Frl. G r n n b c r g, Köpiiickcrstr. 8 b. I V. Frau I e e tz e, Nixdorf, Steiimietzstr. 129. Hof I. Sprechzeit jeden Mittwochabend von 7—9 Uhr. G e w e r k s ch a f t s b n r e a u, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 1ö, im Laden. Vorm. 9—1 und nachm. 6—8 Uhr. Die G c w e r b e- I n s p e k l i o n s- A s s i st c n t i n n e n Frl. Reichert, Engcl-Ufcr 4, Frl. Kümmert, Gcorgenkirchplatz 21, Frl. v. B e n u i g s c n- F ö r d c r. Prinzen- Allee'88, sind für Arbeiterinnen allein jeden Donnerstag von 7—8 Uhr abends und jeden erste» Sonntag im Monat von 9—19 Uhr vormittags zu sprechen._ Eine Agitatiouö- und Beschwerdckommission haben die Gcuossinnen in Che m n i tz gebildet. Sie besteht aus den Frauen Ida Köhler und Bertha Riemann. Sie soll Beschwerden der Arbeiterinnen über Mißstände in den Fabriken cutgcgennehmeii, um sie der Fabrikinspektion zu überiiiittelii. Zum Vcrciusrrcht der Frauen. In der Generalversammlung des Vereins für Socialpolitik, die gegenwärtig in Köln stattfindet, sollte Helene Simon einen Vorttag halten. Der Polizeipräsident unter- sagte den Vortrag auf Grund des§ 8 des Vereinsgesetzcs. Frauen dürfen nach Anordnung der Polizei nur in dem berühmten Segment anwefend sein. Das Ermessen der Polizei findet also auch die bürgerliche Soeial- reform für gefährlich genug, um die Anwesenheit der Frauen in den Vereinsversammlungen nicht zn dulden. Socisles. Die Löhne der preußischen Bergarbeiter sind im Jahre 1991, wie aus einer Zusammenstellung des„Reichs-Anzeigers" hervor- geht, bereits erheblich zurückgegangen gegen das Jahr 1999. Auf sämtliche Arbeiter aller Reviere berechnet, ergab sich im Jahre 1991 ein Durchschnitt von nur 1076 M. gegen 1138 M. im Jahre 1990, während der Durchschnitt des Jahres 1899 1979 M. betrug. Das Jahr 1992 wird einen weiteren Rückgang bringen, es wird die Löhne unter den Stand des Jahres 1899 erheblich hillunterdrücken. Im Dortmunder Revier stehen sie 1901 schon tiefer wie 1899. Sie be- trugen dort 1899: 12öS M.. 1999: 1332 M.. 1991: 1224 M. Am stärksten fielen dabei die Löhne der unterirdisch beschäftigten eigent- lichen Bergarbeiter im Dortmunder Revier, nämlich von 1592 M. auf 1447 M. Banarbcttcrschntz und Arbeiterkontrolle. Die Bauarbeiterschntz-Kommission in Schwerin hatte an den dortigen Magistrat eine Anzeige gerichtet, daß auf verschiedenen Bauten in der Stadt die Unfallverhütungs-Vorschriften nicht beachtet würden. Darauf antwortete der Magistrat; „Die von Ihnen erstatteten Anzeigen über ungenügend beachtete Unfallverhütiings-Vorschriften bei Herstellung der Bau- gerüste zu den Bauten des Jnfanterie-Kasernement's und zu hiesigen Privatbauten sind an das Stadt-Bauanit bezw. an die Bau-Polizeibebörde zur Berichterstattung abgegeben. Es wird Ihnen auf dieselben erwidert, daß nach den erstatteten Berichten die nötigen Abhilfen eingetreten bezw. aufgegeben sind. Der Magistrat." Die Antwort giebt also zu, daß die gerügten Mißstände vor- Händen ivaren, d. h. daß die Anzeige der Arbeiter den Thatsachen entsprach und daß die polizeiliche lleberwachimg der Baubetriebe miznreichciid war. Damit ist erwiesen, daß die Heraiiziehnng der Arbeiter zur Kontrolle der Schutzvorschriftcn nötig ist und daß die Arbeiter, was noch so häufig bestritten wird, auch im stände sind, eine sachgemäße Kontrolle zu üben. Kapital und Arbeit. Die Kohlenbergwerke des Lütticher Bassins haben nach den Berichten des Herrn Ficket, des General- inspektors der Bergwerke, i. 1. 1991 eiiien Gcivinn von 16,47 Millionen Frank gebracht: dabei haben von den 42 in Betrieb gewesenen Minen 8 mit Verlust gearbeitet. Der Generalinfpcktor bezeichnet dieses Resultat als ein sehr befriedigendes und in der That liegt für die Bcrgwerksbcsitzer kein Grund vor, unzufrieden zu sein; in den Jahren 1897—1991 hat der Gesamtüberschnß nur vier- mal, nämlich 1899, 1891, 1899 und 1999. die Sumnie von 19Mill. Fr. überschritten. Die letzten Jahre Ivaren für die Besitzer außerordcnt« lich geivinnbriugend, trotzdem haben die Arbeiter um jede, auch die geringste Lohnfordermig kämpfen müssen. Der Gcsamtlohn der Arbeiter betrug im Jahre 1991: 42.86 Mill. Fr., eine Summe, die nur wenig mehr als 2Vs mal soviel ausmacht, als der Profit des Kapitals. Während hier aber nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Personen beteiligt ist, verteilt sich der oben bezeichnete Gesamtloh» auf 34 999 Arbeiter. Rechnen wir die bezüg- lichen Zahlen der letzten fünf Jahre zusammen, so gelangen wir zn folgendem Resultat: Tie Arbeiter erhielten in den Jahren 1897— 1991 für rund 59 Millionen Arbeitstage insgesamt 191,33 Mill. Fr.: die Kapitalisten steckten 73,79 Mill. Fr. ein. Ein schreiendes Miß- Verhältnis! Unteruehmcrprotcst gegen den Kinderschutz. Die Schul- Verwaltung in Bergen in N o r w c g e n richtete vor kurzem eine Ein- gäbe an das Kirchciideparlemcnt, um einige kleine Verbesserungen des Gesetzes über die Voksschulen i» den Städten herbeizuführen. DaS hat aber starken Widerspruch bei den llnternchniem hervorgerufen, die darin eine zu weit gehende Einschränkung der Kinder- arbeit erblicken, und sie zn einer Gegcneingabe veranlaßt, in der ver- langt wird, daß das Schulgesetz abgeändert werde, daß eine intensive Ans- beutung der Kinder imdjnngen Leute möglich wird. Der Centralvorstand der Arbeitgeber-Vcreiiiigniig schreibt an das Departement: man sei schon viel zu weit gegangen in der Richtniig, den norwegischen Arbeitgebern allerlei Verantwortung und zeitraubende Arbeit auf- zucrlegcn und das Resultat davon sei, daß sich unter ihnen eine immer mehr steigende lliilnst, Kinder und junge Menschen in Arbeit zu nehmeii, geltend mache, wodurch die Entwicklung von Arbeits- lust und Arbeilstüchtigkeit zum Schaden der Allgemeinheit gehemnit werde. Glücklicherioeise sind diese Herren in dein demokratischen Nor- wegen nicht die Alleinherrscher, sonst würden sie jedenfalls die im- beschränkte, das Volks degenerierende Kiiideransbentnng wieder ein- führen. Die Arbeiter Norwegens haben der Verfassnng nach die Macht in Händen, derartige reaktionäre Strömungen zurückzudrängen und eine zweckmäßige Ausdehnung der Socialgesetzgcbung herbeizu- führen. Jedenfalls werden sie bei den i ni n ä ch st e n I a h r e st a l t- findenden S t o r t h i n g s w a h l e n dafür sorgen, daß einige Socialdemokratcu in die Lage kommen, der socialpolitischen Strömung im norwegischen Parlament neue Nahrung zuznsühren.— Lese- und Diskutierklub„Siidoft«. Donnerstag, dm 25. d. M., Vorttag über:„Kautsch und die sociale Revolution". Gäste, auch Gegner, willkommen._ Briefkasten der Redaktion. Die furisiische Tprechstimde finde« täglich mit AuSiiahme des Soiiiiabends von?>/, bis SV- Uhr abends statt. I. F., Jena. Fragen Sie an in jder„Königsberger Volks-Zeitmig", Königsberg i. Pr., Knochenstr. 32 Schröder 150. Die von Ihnen gewünschten Firmen finden Sie im Adreßbuch, II. Band, Theil IV, S. 310-312. H. R. 84. Verloren gegangen. Bitte, wiederholen Sie Ihre Frage. Bauarbeiter in Friedrichshagen. Ihre Einsendung ist zur Ans- nähme nicht geeignet. Näheres ersahren Sie eventuell mündlich auf der Redaktion. Wette 27. 1. Die angegebene Mischung, auf einmal genommen, wird in der Mehrzahl der Fälle tödlich wirken. Auch die Halste wird häufig schon genügen. 2. 1,0= 1 Gramm. 0,1— 1 Zehntel(Decigrainm), 0,01— 1 Hundertstel(Centigramm), 0,001= 1 Tausendstel(Milligramm), 0,0001— 1 Zehntaulendstel(Decimilligrauini). Die deutschen Aerzte rechnen nur hiernach, während z. B. die englischen und amerikanischen Aerzte noch teilweise beim Rezeptschreibe» die alten sogenannten„Medizmalgewichte" (Unze, Drachme w'w.) verwenden. R. P. 71. Der betrefsende Verein nimmt nur dann Spareinlagen an, wenn Sie Mitglied werden. Haben Sie dazu keine Neigung, dann legen Sie Ihr Geld in der Berliner städtischen Sparkasse oder in der Schöneberger Sparkasse an. die auch Geld von Berliner Einwohnern nimmt. E. D. 21. Aus Ihrer Anfrage geht nicht hervor, ob Ihre Tochter Haudlungsgehilstn oder ob sie gewerbliche Arbeiterin ist. Ist erstcres der Fall(ist sie also z. B. Verkäuferin), so ist das Krankengeld nicht vom Lohn abzuziehen, sonst ja. Für die Klage auf Zahlung des widerrechtlich vor- enthaltenen Lohnes der Handlungsgehilfin ist das Amtsgencht, nicht das Gewerbegericht zuständig.— H. lt. S. Die Erben haften. Wenn der Testamentsvollstrecker die Forderung nicht anerkennen will, kann auch er verklagt werden.— F. B. 48. Wenn Sie nicht— das ist wahrscheinlich— in Ihrem schriftlichen Mietsvertrag eine solche Verpflicbmng übernommen haben: nein.—(kharlotteiiburg. Nein. — R. S. 99. 1. Ja. 2. Nein. 3. Die anfangs vereinbarte, salls der Angestellte sich nicht mit der später allgemein vereinbarten einverstanden erklärt hat.— H. M. 1. 1. Nein. 2. Ja. Der Vertrag kann wie jeder Verttag nur mit Zustimmung der Verttagickließenden, nicht aber einsettig, geändert werden.— H. K. 10. Ihre elf Fragen find ohne Kenntnis des Eibvachtvertragcs und ohne KennMis des Ortes, in dem die Baulichkeit besteht, nicht zu beantworten. Ihr Onkel thut am besten, sich bei einem Anwalt seiner Gegend zu erkundigen, weil die Beanttvortung einiger Fragen vom lokalrechtlichen Baurecht abhängen kann.— D> Nein. — A. W. Ein Recht zur Aushebung des Vertrages haben Sie nicht, sondem können nur mif Einräumung des Ihnen versprochenen Boden- raumes und auf Schadensersatz wegen Nichtgewährung beim Amtsgencht klagen.— F. H. Aus Grund eines Urteils können wiederholt Beitreibungs- versuche gemacht werden. Die Forderung verjährt erst in 30 Jahren nach dein letzten Psändungsversuch.— V9. Jeder, auch Ihr Schwiegervater, kann bei Lebzeiten fein Gmndstück verkaufen oder verschenken an wen er will. DaS Erbrecht erstreckt sich nur auf das beim Tode vorhandene Ver- niögen. Zu einer Enterbung liegen keine Gründe vor.— Jersch, Fürsten- walde. Eine Klage hätte keine Aussicht auf Erfolg.— X. D. Z. Nein. — H. R. 84. 1. Sie müssen zahlen. 2. Versicherungspflicht liegt vor.— Näherin 109. Ihre Frau ist nicht kranken-, fondern lediglich invaliden- versicherungspflichtig.— Tamm, Stiiccateur. Wenden Sie sich an das- Bezirkskomniando.— S. 20. 1. Wiederholt haben wir erwidert, daß wir über die Güte von privaten Feuer-, Lebens-. Hagel-Verficherungsgesellschafte» Auskinift nicht erteilen, aber vor Beittttt zu Versicherungsgesellschaften aus Gegenseitigkeit mit Nachschußpflicht warnen müssen. 2. Ja. - 3ch. 21. 6-20 Mark.- W.-H. 53. Nein.-«tust B. L Leider wird entgegen dem Wortlaut und dem Zweck der betteffenden Vorschrift des Kcaiikeliveisicherungs-Gesetzes der Begriff„Brillen, Bruchbänder und ähnliche Heilmittel" in der Rechtsprechung(Entscheidung des Ober-Berwaltungs- gerichts vom 19. 12. 1887) dahin eingeengt, daß unter„ähnliche" Heilmittel nur solche zu verstehen sind, die bezüglich des Kostenpunktes Brillen und Bruchbändern ähnlich sind. 2. Ein Antrag an die Landes- verflchcriiiigs-Aiistalt, Geradchalter u. dgl. zwecks Verhütung vorzeitiger Invalidität zu gewähren, ist in Berlin meistens von Erfolg.— 1873 I. G. Wenn Sie nach dem 30. September 1874 in Preußen geboren sind, so ist zur Erteilung der Gcbiirtsurkmide der Standesbeamte zuständig, sonst die Kirchengmieinde.— E. B. 1805. 1. und 2. Ja.— W. W. 888. Ja. — M. Z. 100. Die betreffende Dame muß zahlen, da sie die Reklamatioiisftist hat verstreichen lassen. Entgegen den wiederholten An- trägen, die sogenannten Viernrarkstcuer-Leutc einzeln zu benachrichtigen, daß sie eingeschätzt sind, wird für diese die Beranlagimg nur öffentlich ausgelegt. Auf die Auslegung und die Reklamalioilsfrist hatten wir seiner Zeit wieder- holt hingewiesen.— 100. Pankow. Nur mit Einwilligung Ihres Gläubigers können Sie Ihre Schuld vorzeitig zahlen. Sie lassen dann auf Grund einer notariell oder gerichtlich beglaubigten löschungsfähigen Quittung Ihres Gläubigers die Hypothek löschen.— de. B. 104. Bei diesem Sachverhalt kann Anklage wegen Urkundenfälschung erhoben werden.— O. N. 15. Sie leben außerhalb Gütergemeinschaft. Ihre Frau haftet nicht für Ihre Schulden. Ein Schenkungöverlrag, den Sie schließen, um vorbandeiic Gläubiger zu benachteiligen, ist ungültig und sttasbar. Bor- handen ist ein Gläubiger auch vor und ohne Anstellung einer Klage. Witteriiiigsübersicht vom 22. September 1902, morgens 8 Uhr. Wetter ! 2hlv.bed. 2wolkellk i bedeckt llwolkenl !SS 2 1 IS 11 Wetter-Prognose für Dienstog, den 23. September 1902. Trocken und vorwiegend heiter, ein wenig wärmer bei ziemlich frischen östlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Schavtipell!! Wir gratnlieren zum Fünfzigsten! Berlin 0., 22. September 1902. MV. CK. LZ FM OZ. RB. WL. HS. FR. FT. RK. CA. CV. OP. WD. LV MB. CL. OSch. HM RB. PF. JL. HJ. RR OScli. PSch. CT. RL. AG. AB usw. Nodos" Nnzoige Nach fünf Woche» schweren Leidens eiitschlief unser lieber Sohn KsH Forkel im Alter von 16 Jahren 4 Tage» am Sonnabend, den 20. September, II-/, Uhr abends. Dieses allen Freunden und Bekannten zur Nachricht. Die trauernden Eltern und Bruder. C. Färkel, Zimmeriiieister. Die Beerdigmig findet Mittwoch, den 24. September, unchliiittags 3 Nbr, vom Angustd-Hospital, Scharnhorst- straße, nach dem Dankes-Kirchhos. Tegeler Chaussee, stall. 229bb mmmmuKmaamammm' J Verspätet! ITuimreinFichte.l Am 18. September verstarb nach langem schweren Leiden das Mitglied der 3. Männer- Abteilung L289b Ml» BusctUi. Ein dauerndes Andenke»' werden wir ihm stets bewahren. Die Beerdigung fand bereits gestern nachmittag auf dem neuen St. Michaels- Kirchhof, Niariendorser Weg, statt.I Der Vorntand. Am Soiniabend, den 20. d. M., verstarb nach längerem Leiden unser Kollege 22976 Michel Komm. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. d. M., nachm. 4 Uhr, vom Krankenhailse Friedrichshain nach dem Friedhofe der Markusgemeindc in Wiihelmsberg statt. Die Kollegen der Pfanofortefabrlk von HlrscUfeld. Nach kurzem schweren Leiden ent- schlief am Freitag, den 19. September, unsergutcr Sohn, der Kartonzuschneider Boltxe. Dies zeigen tiesbetrübt an Die trauernden Hitern u. Geeckwlater. Die Beerdigung findet heute nach- mittag um 4 Uhr von der Leichenhalle des Zions-Kirchhoses in Nieder- schönhaufen statt. 2293b Danklagnng. Allen Kollegen und Kolleginnen meines Mannes, der Posamenten- brauche, Filiale Berlin II, d. T.-A.-B. sowie der Firma Engel u. Vogel- meyer für die Teilnahme und Kranz- spende an der Gruft sage ich hiermit meinen besten Dank. 2293 Wltrve Schuffeihauer nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teitnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Putzers Julius Ii* ml er, sage ich hierdurch allen Freunden und Bekannten ineinen tiesgesühlteslen Dank. 2284b Witwe Irmler geb. DrenKow. I Danksagung. Für die vielen Beweise der herz- lichstcn Teilnahme sowie die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unsrcr liebe» Mutter und Schwieger- mutier Agnes Ulrich sagen wir allen, insbesondere dem Sängerchor der Handschuhmocher, für den erhebenden Gesang am Grabe, unfern innigsten Dank. 51328 Hiuie n. Martlia Clallrein. Onatav u. Eliae Hahn. Danksagung. 22946 Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und reichen Kranzipenden bei der Beerdigmig meines lieben Mannes sage allen Bekannten und Kollegen innigsten Dank. Frau Hoch nebst Kindern. Dr. med. Schapen homöop. Arzt«. Spez.-Arzt f, Haut- ii. Harnleiden, Frauenkrankh eiten, Küniggrätzcrstr. 27. Spr. 9-1. 4-7. Dr. Schünernann, Specialarzt für Hont-, Harn- und Frauenleiden, Seydelatr. O. r/,12—>/,3, Vi«— Vs8, Sonnt. 9 11. Kranz- und Blninenbinderei von ködert Mejer, nur Mrillnutil- Straße 2. Vcrciiis-K ranze, Palmen- u. Blumen- Arrangements, Bouquets, Gutrlanden usw. werden sein u. preiswert gekiesert. Achinng, Vereine! Empfehle meine gänzlich neu- renovierten Säle zu Versanimluiigen und Festlichkeiten. Einige Sonnabende und Sonntage noch frei. 5037L» Heues Kl übte, 72, Kommandanten«tr. 72. Achtung! Vereine! Totensonntag, der erste Weih- nachtstag und Souiiabeiid, den 22. November, ist noch zu vergeben. Etahllaaement„SUd-Oat", Waldcmarftr. 75.[5107L* Die beste Cigarre, 25 Stück in Kisten 1 M., wegen Umzug. Hlnneh«»«, Schillingstraße 36. Patentanwalt DaDimann, Morltzplatz 57. Auskniift bis abends iiemi.[4539S* Gänae, Enten, 1002er. 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Neues Opern- Theater(Kroll». Die Geisha oder: Eine japanesische Theehausgeschichte. Ans. 7Vz Uhr. Deutsches. Stichtoahl. Der Schatz- gj-äber. Anfang 7� Uhr. ,»inrr. Alt-Heidslberg. Anfang 7Vz Uhr. Lessing. Der Heerohme. Anfang �/- Uhr. Westen. Wiener Blut. Anfang 7'/- Uhr. Ncnrs. Ledige Leute. Anfang 7-/- Uhr. Ncsidenz. Der Fall Maihieu. (l/aLaire Mathieu.) Vorher: Ich liebe Sie. Anfang 7'/, Uhr. Thalia. Er und seine Schwester. Anfang 7l/z Uhr. Central. Wie man Männer fesselt. Anfang 7>/z Uhr. Schiller. O.(Wallner- Theater.) Doktor Klaus. Ans. 8 Uhr. Schiller. Itz.(Friedrich- Wilhelm- städtisches Theater.) Jugend. Air fang 8 Uhr. Carl Weih. Ein« Paria. Am sang 8 Uhr. Luisen. Marie-Anne, ein Weib aus . dein Volke. Anfang 8 Uhr. Cafino. Ehrliche Arbeit. Anfang . 8 Uhr. Meines. Serenissimus- Zwischen spiele. Schiffbrüchige. Kollegen. Schöne Seelen. Anfang 8 Uhr. Ilpollo. Lyststrata. Specialitätcn Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Specialitätcn. An- 3 fang 8 Uhr. Buntes Theater. Susanne im Bade. Bunter Teil. Anfang 8 Uhr. Metropol. Berlin bleibt Berlin. Anfang 8 Uhr. Wilhelm. Der Walzerkönig. An- a fang 8 Uhr. Balast. Eine Nacht im Ballhaufe. Anfang 8 Uhr. Steidl. Specialitäten. Anfang 8 Uhr. Beichshallen. Stettiner Sänger. . Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäteiil VorsteNung. Anfang 8 Uhr. Passage- Paiioptiknn«. Specialis täten-Vorstellung. »rania. Tanbenstr. 48/4S.(Im Theatcrsaal.) Abends 8 Uhr: Tausend Jahre deutscher Kultur. � Jnvaltdenstrahe 57/0«. Täglich; Sternwarte. Central- Theater. . Heute und folgende Tage: Gastspiel Von Josephine Dora, Pepl Weiss, {Harle Mauel, Toni GrUnfeld:„Wie man Männer feffelt." Grobe Ausstattungsposse mit Gesang in einem Borspiel und 3 Bildern von Mars und Hennequin.— Sonntag- nachmittag halbe Preise:„Drei Paar Schuhe". Gastspiel losepklne bore. Abends:„Wie man Miinner fesselt." Zur Eröffnung der Winter- Opcretten-Gaifon am l. Oktober d.J. ird ein Freitag- Abonnement zu ialben Kassenpreisen eingerichtet. Die lbonnements- BillctS find an der Sasse zu haben. Vimlia-'nleater. Dresrteneratrasse 7S— 73. Novität I Anfang 7Vi Uhr. Novität! Er und seine Schwester. Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten. Guläo Tblelseber als Orchester-D irig. r Im 2. Akt: Kitzel-Cmiplet. Gerda Walde. Fritz Helmerding. Herbert PaulmUller. August Reiff Morgen und folgende Tage: Er «ud seine Tchlvester. Izuisvu-'rkester. 5 Reichenbergerstrahe 34. Drei Minuten vom Kottbuscr Thor. Marie-Anne, «In Wcl>> aus dorn Volke. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 10—2 Uhr Theaterkasse, Invaliden, und Künstlerdank. � Morgen: Opern- Gastspiel des Theaters des Westens. Troubadour. Oper in 4 Akten von Verdi. b Donnerstag: Operetten- Gastspiel des Theaters des Westens. Die Aledcrmans. Operette in 3 Akten von Joh. Straub. fforl W ci ss-Tli eatcr. Grosse Frniiksurterstr. 133. Eine Paria. Lebensbild in 5 Akten(8 Bildern) von Ernst Jiilterseldt gBjp Anfang 8 Uhr.-<5*3 Morgen: Dieselbe VorsteNung. > Sonnabend, den 27. September päd, mittags 3 Uhr: Kindervorstellung. .Aschenbrödel". . Sonntag, den 28. Scptbr., nachm. 3 Uhr:»Der Leiermann und fein Pflegekind"._ siiissonci Kottbuscrstr. 4 a, Station der Hochbahn. Donnerstag, Sonntag und Montag: HoITii, 11111,8 Korddtiltsche Länger Nach lcdcr Vorstellung TaazkrUuzchcn ((iiiree: Sonntags 50 Pf., Sperrsip 75 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Wochentags 30 Pf.,_ Sperrsitz 60 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. i Urania. Tauben-strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Tausend Mre deutsctisr Kultur. Sternwarte. Invalidenstr. 57/(1%. Täglich geöffnet von 7—11 Uhr. CASTANS Panoptikum Frledrlch-Strasse 165. Die sensationellen lebenden Bilder, dargestellt v. 6 jungen Damen. Kii'chmeicrs Berliner Original- Seliranmicln. Passage-Theater. Auf das glänzendste renoviert. Aufgang nur Unter den Linden 22. Anfang Sonntags 3 Uhr. Ende 11 Uhr. Wochentags Anfang 8 Uhr. Hella Collier Deutschlands beste Vortrags- Soubrette. Sayely Gore, neuer russischer Tenor.— Diane d'Aiuirofr, hohe Schule, geritten auf einer Plattform. 14 erstklassige Nummern. z OOIOCISCHER GARTEN Täglich nachmittags 4 Uhr: Grosses iitär-Konzert. Entree IM., ab 6 Uhr abends 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Irianon-Tlifiatßr. Georqenstrasse, Bahnhof Friedrichstr. Sonnabend, 27. Septbr.; Die Liebesschaukel. (La Busculc.) Lustspiel in 4 Akten v. H. Donnay. Anfang 8 Uhr. Parkett 2 M. Apollo Theater Zum 17G. mal: Lyslstratsi Operette in 2 Akten v. Paul Llncke. Luftballett„Grigolatis". Carola x sieldl x Rjeck Kettner X Kröchert X Lleban X Runge Malkowska X Perry X Herold. Die vier Australierinnen. Savonnas X Elllott X Welsons. Lebende Photographien. Kassen- Eröffnung 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. 1 i An der Spandauerbrücke 3. fe, Grösstes Aergniigungslokal f Berlins. fe Internationale Konzerte k von 5 Künstler- Kapelle». A Im 6.». 7. Bogen erstklassige b Tiieater- und Specialitäten-Vorstellg. f Täglich Marines van 12-2 Uhr. 9 Buntes Theater. („Ueberbrettl".) Köpenickerstrasie 68. Anfang 8 Uhr. Die Enthüllung des Heine-Denk- mals. Von Alex. Moszkowski.— Ter Hund. Von Fischer. Bunter Teil. Leitung: Oskar Strauss. TIny Senders a. G. Bozena Bradsky. Marcell Salzer. Wiiyin-Mr. �viedvichztv. 236. Dorf ttnii Stobt. Schauspiel in 5 Aufzügen von Charl. Birch-Pfciffer. Kasseneröffnung 7 Uhr. Anfang 3 Uhr. Morgen: Torf»nd Stadt. Casino-I'beater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr, Sonntags 7>/z Uhr. Neu! Stella Xaza. Neu! Schmuck. Origin. Neubcrty. Dazu andauernder grosser Erfolg: Ehrliche Arbeit. Entrec 30, Park. SO, Fant. zc. bis 2 M. Heute: Deri bleibt Berlin. Grosse Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund, Musik von Erik Meyer- Heimund. Emil Thomas a.G. Josef Josephi. Henry Bender. Flora Sidlng. Hansl Reichsberg. Winl Grabitz. — Johanna Junker- Schatz.— Anfang 8 Uhr. giy'Rauchen gestattet. Kleines Theater (Schall und Rauch) Unter den Linden 44. Anfang 8 Uhr. Serenissiiuus-Zwisclienspicle Schiffbrüchig.— Kollegen. Schöne Seelen. W. Hoacks Theater. (Direktion Robert Dill.) Brnnnenftrasse In. Der Mlilmüiiiilg. Posse mit Gesang in 4 Alten von W. Mannstädt. Musik von Steffens. Hcut�Tanzbriinzchen. Palast- Theater früher Feen-Palcst, Bnrgstr. 22. Durchaus renoviert. Direktion: Richard Winkler. Vollständig neu»nigestaltet. 9 Wr- Riestilersslg!»uhr- Diu« DuM im Ballhaose. Schlvauk in 4 Akten von R. Kneifet. Küster Hänfling.. Dir. R. Winkler. Lotto Mende, beste deutsche Soubrette Los Premiers, Akrobnt-Canotiers. Prltz Brandt, Humorist, hoch aktuell. The Cronays, Sport-Jnggler. Veritas, serbisches Damen-Sextett. Entree Z0 Pf. Anfang: Sonntags 7 Uhr. Wochentags 8 Uhr. Zteil!!»Tkesten Linienst.132 am Oranien- burger - Thor.- Täglich Humorist. Soiree u. a.: SMenten Lust o. Leid. Anfang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Vorverkauf 11—1 Uhr. Sonnt, u. Donnerstag im Festsaal äMT- Tanzkränzchen."WG !§cliiSlei*-Tlieater. Schiller-Theater«.(Wallner-Thealer) Dienstagavend 8 Uhr: Ooktor Klans. Lustspiel in 5 Akten von Adolph LArronge. Mittwochabend 8 Uhr: velttnr Klan«. Donnerstagabend 8 Uhr: Süuppho. Schiller-Theater>.(Friedr.-Wilhelm städtisches Theater) D t e n s t a g a b e n d 8 U h r: .? ngend. Ein Liebesdrama i» 3 Aufzügen von Max Halbe. Mittwochabend 8 Uhr: Llnsrune Menschen. Donnerstagabend 8 Uhr: «JugeixL_ Louis Keilers Festsäle, Koppenstrasse ÄS. Dienstag, den 2». September, wie jeden Dienstag: Zur Eröffnung der Wiuter-Saison. Große humonstisch-theatraUsche Soiree dkö Willttr-Kröillilli Bttliiier Rtsiheilz-Eusemblks, Quartette, Operetten, Specialitäten ersten Ranges. Mignoru Carmen, Palladiuo. prima Beflertno. GyiiinastlUcr-Trnppe«alllnl. 5126S* Iii ritt zu lzoril hinuus"WU Genrebild aus dem Berliner Bolksleben in l Akt. - Anfang 8 Uhr. Entree 20 Pf., reserviert 40 Pf. Nach der Vorstellung: Uaniillen-TanslirttMeheii. 15 Personen. Cirkus Alb. Schumann Cirkus Renz-Gebäude. Karlstrasse. Dienstag, den 23. September 1902, abends präe. 7V2 Uhr: Vierte große Vorstellung. Rtesen-Erfolg des kolossalen für Berlin vollständig neuen Programms. Ferner: Zum viertemnal: 35 Gerettete von der Insel Martinique 12 Franc», 10 Männer, S Kinder in ihren heimatlichen Gebräuchen, Ge- fängeu, Tänzen-e. mF" ldchluss-Apotheose: tpQ Der Ausbruch des Hont- Felde. Grobartige Essett-Beleuchtung. Vorführung der neuesten Originaldressuren des Direktors 411». Scliumann. Robinson Baker, Springer. „In den Alpen", Tanzquartett. Angelina von Loo, Sängerin vom kgl. Theater, Brüssel. Maud Grlselda, Hunde-Dresseuse, Josle de Witt, Sängerin u. Geigerin. Die Vlcentinas, ßollsohuhläufer. Roflx, athletische Produktionen. Helene Gerard,„Hohe Schule". Die Kelllno-Tmppe, ital. Akrobaten. Claudinc Polalre, Pariser Sängerin. W, C. Flelds, komischer Jongleur. Cleo de Merode) Tänzerin v. d. gross. 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September, abends 8'/2 Uhr: Venssmm lung bei Wernau, Schwedterstrasse Nr. 83/84. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Schriftstellers Genossen ZL Schutte über: Zwei Lockspitzel. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 249/5 Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Für die besonders eingeladenen Frauen ist der sich unmittelbar anschliessende kleine Saal als„Sigment" reserviert._ D. O. IMer Hnlznrbtitkr-Verbiliih. MuMniWlMkNlkN-Allikiltr! Mittwoch, den 84. September, abends 8'/- Uhr, im Getoerkschafts» haus, Engel-Nfer 15, Saal V: Branchen- Versauinilnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:..Moderne Proletaricr-Dichtungen." Referent: Ge» »osse Nr. naVidsohii, 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 76/5 Zu zahlreichem Besuch ladet ein_ Tie Ortsberwaltnng. '.»I und.Arbeiterinnen Deutschlands.(Zahlstelle Berlin.) Mittwoch, de» 84. September er., abends 8>/z Uhr, bei Baabe, Kolbergerstrasse 83: MUg-lieder-Versanimlnng. Tages-Ordnnng: 1. Stellungnahme zur Gankonferenz, a) Anträge, b) Wahl bet Delogierten. 2. Berbandsangelegenheilen. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheine» ist erforderlich. 64/19 Die Ortsvci-waltnng. NB. Gäste haben Zutritt und können in der Versammlung als Mitgiiedek aufgenommen werden.__ Lese- u. Diskutierklnb„Südost". Donnerstag, den 25. September, S1/, Uhr, bei Tolksdorf, Görlitzerstr. 58: Vortrug des Cenosseil K. Wermiith: Kaatsky«ild die soeiule Nevolntion. /r 22836 // Gäste, auch Gegner, ivillkommen. Der Borstand. f » ......Kinimiflger. Am Mittwoch, de» 84. September, abends 7>/z Uhr, findet ins Lokale dcZ Herm 7lLlöl, Vcrgstrassc 151, eine W ei'8tasiiiEtlnisg' statt. Tagesordnung und Referent wird in der Bersammlung bekannt gegeben. 33/9 Die Kollege« NixdorfS sind besonders cingeladew. Der Einberufe». Loergiselizr Nonteur ssir Md-, Forst-«iiki Znhiistricliohiitii, Drahtstilbahiieii, Bremsbtrge!t. pcr l- Januar k. I. gesucht. Bewerber haben als Rescrenzen grössere, selbständig ansgefiihrte Arbeite» anzugeben. Schriftliche Anträge an 39/2 E. Gieldzinski, Wicil I, Koloivratring 8. Achlmg! Achim, g! Die Mitglieder werde» daratif hiiigetviesett, daß die neucu Statute» erschiene»«ud in alle» Zahlstelle» erhältlich sind. 127/5__ Der Vorstand. üixclffirf. Mittwoch, de» 24. September, abends 8 Uhr, im Lokale deS Herrn TThiel, Bergstrasse 151/152: Socialdemokiatische Partei Uerjammlimg Tages-Ordnnng: 1. Berichterstattung vom Miiuchcner Parteitag, Referenten: Genosse Luiil Dttslee und Frau T'hlel-Tcmpelhof. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 203/11 Parteigenossen und Genossinnen! ES ist Eure Pflicht, zahlreich in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Lliiheruker. Liipnowandputzer usw. Mittwori), den£4. September, abends 8� Uhr, in den Arminhallen, Kvmmcindanteustr. 20: Große öffentliche Persamininng aller im Rabitzgewerbe beschäftigten Arbeiter. Die lipniic in iiiismn keiverbe niil)»ic"infen sich dieselben beseitige«? -■--------- Der Giuberufer.[389/3 Daö Erscheinen aller Kollegen erwartet Gentralverband der Maurer etc. Intzlpkelto Nerlitt. Dienstag, den Ä3. September, abends%9 Uhr: Ausserordentlicbe Mitglieder- Versammlung im Gewerkschafthaus, Engel. Ufer 45. Tagesordnung: I.Vortrag des Genossen Itiioll über:„Das Arveitshocr. Kandidaten zur Gewcrbegerichtswahl. Die wichtige Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Mitglieder. 2. Aufstellmig der 143/2 Die Bervandleitung. Grosses Lager in Brillant-, Opal-, Törkis-, SimilK Barallan- und Cranat-Sclnnucks. Cioldene Ketten n. Gewicht u. billigster Faijonbereohnung. Dukaten-Trauringe in jedem Gewicht am Lager. Em gnter Hausfrenud ist dieser beinahe so laut wie natürlich sprechender, singender spielender jtpptratifl an Tonfiille mierreidit und setzt alle Hörer in Erstaunen und Entzücken. Trotzdem verkaufe diesen Apparat mit»HA auf Teil> 5 Walzen-«V»-»? zahlung. 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Die Spekulation hielt sich in Befürchtung einer weitere» Zunahme der dortigen Geldversteifung und einer Disconterhöbung der Bank von England anfangs vor- sichtig zurück, und da dem Angebot in spekulativen Werten nur äußerst geringe Kauflust gegenüberstand, erlitten diese durchweg Abschläge, vornehmlich Hütten- und Kohlenaktien, während Bank- und Bahnaltien meist ihren Kursstand besser zu be- Haupte» vermochte». Als aber am Freitag der Bericht über den Ausweis der Bank von England eine Zunahme des Barvorrats und der Totalreserve zeigte und zugleich von der Nelv Dorker Börse ein Nach- lassen der Spannung gemeldet ivurde, vollzog sich ein Umschlag der» Stimmung, der günstig auf die Kurse der Montaulverte zurückivirkte. Auch am Sonnabend hatte auf günstigere Nachrichten aus der Wall- street und vom amerikanischen Eiseumarkt die zuversichtlichere Auf- fnssung der Wirtschaftslage die Oberhand, so daß die Woche mit kleineren Kurssteigerungen der leitenden Kohlen- und teilweise auch der Hütlenaktien schließt. Unter dem Einfluß des New Dorker Geldmarktes stand übrigens nicht nur die Berliner, sondern im gleichen Maße auch die Londoner und Pariser Börse. Leicht begreiflich, da trotz der jüngsten Bar- niittel-Zufuhren der New Dorker Markt Ivcnig von seiner Versteifung verloren hat. Um größere Umlaufsmittel zu schaffen, hat sich, ivie schon gemeldet wurde, das Schatzamt bereit erklärt, die im Oktober fälligen Zinsen der Staatsobligationen, im ganzen ungefähr 4,2 Millionen Dollar(ca. 17.6 Millionen Mark) bereits jetzt aus- zuzahlen, die sogenannten Regierungs-Depositen(die Einlagen der Negierung bei den Banken) um 4 Millionen Dollar zu erhöhen und ferner den Banken, die mehr Staatsobligationen im Besitz haben, als zur Deckung ihrer Notenausgabe erforderlich ist, gegen Ver- Pfändung des überschiissigen Teils entsprechende Barbeträge aus der Staatskasse zur Verfügung zu stellen. Außerdem sind von einzelnen Plätzen, speciell von Chicago, größere Barmittel sebcn- falls etiva 17 Millionen Mark) nach Nelv Jork geworfen worden, und zugleich melder der„New Dork Herald�, daß die National-Cith-Bank für 2>/i Millionen Dollar Gold nbernonmien hat. das zur Zeit noch in Kapsladt zun, Transport nach London verladen wird oder sich bereits auf dem Wege nach der Themse-Metropole befindet. Weitere Mengen Goldes, die auf den südafrikanischen Markt konnnen, sollen ebenfalls angekauft werden. Wie weit durch diese verschiedenen Maßregel» der Nelv Dorker Geldmarkt eine Erleichterung erfahren wird, läßt sich von hier ans kanui beurteilen. Der letzte Wochenansiveis der Nelv Dorker Banken, der bis Sonnabend der vorletzten Woche reicht, ergiebt keineswegs ein günstiges Resultat, lvenn er auch nicht ganz so im- befriedigend lautet, lvie mehrfach erlvartet worden ist. Die so- genannte Surplusreserve, d. h. der Uebcrschuß des VcrfüguugS- vestandes(über den gesetzlichen Mmdestbcstaiid von 25 Proz. der Einlagen hinaust hat nun ivcitcre 3,38 Millionen Dollar abgenommen und stellt sich jetzt nur auf 719 000 Dollar gegen 7,12 Millionen Dollar vor einrin und 20,84 Millionen Dollar vor zwei Jahren. Und wenn auch die gewährten Vorschüsse upd die Wechsclforderungen sich um 6,87 Millionen Dollar vcnnindert haben, so sind andrer- seits den bei den Banken gemachten Einlagen weiter 14,13 Millionen Dollar entzogen worden, und zugleich ist der Barbestand um 5,81 Millionen, der Notenvorrat um 1,22 Millionen Dollar zurückgegangen. Ein recht mißliches Ergebnis, wenn man berücksichtigt, daß die Verminderung der Vorschüsse und DiSconten nicht die Folge einer natürlichen Abnahme des Geldbedarfs, sondern lediglich durch die Politik der Banken Herbeigeführt Ivorden ist, die gewährten ausstehenden Darlehen heranzuziehen und niit neuen zurückzuhalten. Wie wenig sich die Nachfrage nach Geld ver- mindert hat, zeigt die Thatsache, daß in der letzten Woche für so- genanntes tägliches Geld bis zu 15 Proz. und in einzelnen Fällen * sogar bis zu 20 Proz. Zinsen verlangt und gewährt wurden. Die ganze Situation zeigt, wie so manche andren Vorkommnisse des amerikanischen Wirtschaftslebens, wie sehr sich seit ungefähr einem Jahre die amerikanischen Wirtschaftsverhältnisse in ihre» Beziehungen zu den europäischen Märkten verschoben haben. Noch sind es kaum zwei Jahr her, als die Vereinigten Staaten auf dem Welt- Geldmarkt die erste Rolle spielten, als die deutsche Regierung sich lvegen der 80 Millionen Mark-Anleihe für den China-Feldzug nach Nelv Dork lvandte, England seine Kriegsanleihen und Schuldschein- Emissionen erst gesichert fand, als die New Dorker Finanz sich beteiligte. und alle kreditbedürftigen Staaten sehnsüchtig»ach dem großen Geldbeutel jenseits deS Oceans blickten. Damals verkündeten amerikanische Fiuancicrs ini Gefolge von Brooks Adams die ökonomische„Suprematie' der Vereinigten Staaten und die Monopolhcrrschast des New Dorker Geld- Marktes. Und heute? Heute befindet sich der New Dorker Fiuanzmarkt selbst in größer Verlegenheit und sieht sich genötigt, nicht nur von den großen europäischen Börsenplätzen— speciell von Paris, Ivo seit längerer Zeit in bedeutendem Maße Nelv Dorker Wechsel angeboten .werden— krampfhaft die Mittel zur Aufrechterhallimg seines Wirt- schaftsgetriebes heranzuziehen, sondern auch bereits auf dem Londoner Markt als Goldkänfer aufzutreten. Die unaufhörlichen Gründungen neuer Trusts, die Ausdehnungen des Eisenbahnnetzes, die Ankäufe fremder Schiffe, der zunehmende Bezug fremder Eisen- und Stahlfabrikate aus dem Auslände haben drüben eine Geldknappheit hervorgerufen, gegen welche die Geldversteifung des deutschen Marktes vor dem Ausbruch der jetzigen Krise sich fast zwerghaft ausninnnt. Und doch dauern die Gründungen in den Vereinigten Staaten fort. Im Juli betrug das Aktien- und Obligationen-Kapital der in diesem Monat zu stände gekommene» Neugründung 470 Mill. Dollar gegen 236 Mill. Dollar im Juli 1901 und im Angust-September wird sich dieser Betrag noch weit höher stellen, da lieben verschiedenen andren Trust-Gründungen in die letzten Wochen die Gründung des Fleischversand-Trusts fällt mit einem Kapital von 500 Millionen Dollar— einer echten Ueber- kapitalifierung nach amerikanischem Muster. denn der wirkliche Wert der zu diesem Trust vereinigten Unternehmungen stellt sich iQUm 0ui mehr als 150—180 Millionen Dollar amd der bisherige Jahrcsgewiun betrug nur etwa 20 Millionen Dollar. Zwar nehmen solche Trustgründlingen die genannten Kapitalsummen nicht ganz in Anspruch, denn einen großen Teil der Aktien und Obligationen erhalten die bisherigen Besitzer der den, Trust an- gegliederten Unternehmungen als Entschädigung, immerhin aber bleiben noch recht respektable Massen von Trustwerten übrig, die an den Markt gebracht und deren Erträge in Betricbserweitcrungen neuer Werke, Umgestalwngen zc. festgelegt werden. Zudem aber hat vielfach eine Vergrößerung des Aktien- und Obligationen-Kapitals älterer Gründungen stattgefunden. Zu diesen mehr allgemeinen Ursachen kommt weiter, daß wenn auch die amerikanischen Getreide-Exporle regelnräßig einen Goldstrom aus Europa in die Union leiten, sie doch zunächst einen Abfluß der Barmittel aus den östlichen Haupt-HandelSplätze». speciell aus dem finanziellen Centraiplatz New York,„ach dem Westen zur Folge haben. Ganz natürlich, denn die Getreide-Erporteure bezahlen zunächst die Farmer und Händler der lvestlichen Staaten und erhalten erst später von den europäischen Großhändlern das Geld für ihre Lieferungen zurücküberwiesen. Deshalb und weil in diesem Jahre die Ernte reichlicher ausgefallen ist, als man erlvartet hat, also auch die Verschiffungen größere Ausdehnung anzunehmen versprechen, wird denn auch von feiten verschiedener omerikanischer Finnnzpolitiker, darunter von dem Schatzsekretär Shaw. die jetzige Gcldversteisung als eine bald vorübergehende betrachtet, die sofort abnehmen wird, sobald erst für die Getreideexporte neue Gelder des„Vswilrls" dem Markte zufließen. Daß diese Rechnung nicht unrichtig ist, muß zu« gegeben werden; nur kommt dabei in Betracht, daß in diesem Jahre insofern ein Unterschied vorhanden ist, als während der letzten Zeit Ne>v Dork in den europäischen Staaten starke Anleihen gemacht hat und deshalb lvnhrscheinlich ein Teil der amerikanischen Forderungen für Getreidcliefernngen jc. durch europäische Gegenforderungen kom- pensiert wird. Von der amerikanischen Finanzpresse wird verlangt, daß, falls die Geldanspannung andauert, der Schatzsekretär den Banken größere Mittel aus dem Staatsschatz zur Verfügung stellt, in dem, da die letzten drei Jahre starke staatliche Einnahme-Ueberslbüsse ergeben haben, sich eine bedeutende Goldreserve angehäuft hat. Sobald es znni äußersten kommt, ivird sicherlichdasSchatzamtmiteinemTeildieserftaat- lichen Mittel einspringen; dafür garantiert schon die nahe Verbindung der amerikanischen Hochfinanz mit der jetzigen republikanischen Re- gierung, Doch können auch diese Mittel nur im beschränkten Maße m Anspruch genommen werden, denn da es in den Vereinigten Staaten an einer Central-Notenbank, wie die Bank von England oder die deutsche Reichsbank ist, fehlt und im Gegensatz zu andern Gebieten des amerikanischen Wirtschaftsgctriebes das Bankwesen eine eigentiim- liche Decentralisation aufweist,'so fällt dem Schatzamt geivissermaßen zugleich die Funktion eines Central-Geldreservoirs zu, dessen Bestand außerdem gesetzlich zur Deckung der ausgegebenen Goldcertifikate und der sogenannten Greenbacks dient. Entscheidend für die weitere Gestaltung bleibt, wenn auch natürlich die Goldznfuhren vorläufige Erleichterungen schaffen könne» und in den letzten Tagen thatsächlich auch schon geschaffen haben, lvie sich in nächster Zeit die Grüuduugsthätigkeit gestaltet und in lvelchem Maße sie dem Geldmarkte weitere Mittel entzieht. Gerade in dieser Hin- ficht aber bestehen die schwersten Bedenken, denn statt abzunehmen, tauchen immer größere, verwegenere Gründnngsprojekte ans. Und während am Horizont des amerikanischen WirtschaftS- getricbcs sich die Wolken drohend zusammenballen, niehren auch auf einzelnen Gebieten des deutsche» Wirtscbnftsmarktes sich die Anzeichen einer erneuten Abflauung. Wenigstens gilt das von der Kohlen- industrie, deren Absatz in den letzten Wochen lvciteren Rückgang erlitt, da der inländische Konsum von solchen Kohlcnsorte», die von den industriellen Werken gekauft werden, beträchtlich nachgelassen hat, und selbst die stärkere Nachfrage nach Hausbrandkohleu, die sonst mit Beginn des Septembers einsetzt, sich vorläufig noch ziemlich schwächlich äußert. Vornehmlich trifft dieser Ausfall das rheinisch-ivestfälische Revier; doch auch ans Oberschlesicn wird berichtet, daß dort in der ersten Hälfte des Septembers die Nachfrage nach Jndustrickohlen und Cooks sich merklich ver- ringert hat: eine Abnahme, die in diesem Revier durch den Mehr- verbrauch von Hausbrandkohlen allerdings teilweise ausgeglichen wurde. Infolge dieses Rückganges des inländischen Bedarfs hat die Kohlen- und Coaksindustrie ihren Absatz nach dem Auslände noch stärker forciert. Wie die letzten Verladungs- und Versaudziffern zeigen, mit einem gelviffen Erfolg; doch bleiben die Preise, die für die ausgeführte» Mengen erzielt werde», natürlich ivcit hinter den Inlandspreise» zurück, so daß die Ausfuhr- slcigcrnng die Aonsumabnahine des einheimischen Marktes keineswegs ersetzt. Zugenommen hat vornehmlich die Aus- fuhr voii Fett- und GaSkohlcn, besonders nach Nord-Frankreich, Belgien und den Niederlanden, während der Absatz von Magerkohlen im In- lvie im Auslande gleichmäßig stockt. Auch der Coakscxport hat größere AliSdehnmig angenommen. Die Folge ist, wie die „Rhein.-Westfäl. Ztg." meldet, daß das Kohlensyndikat seine jetzige, erst vor wenigen Wochen von 3�/2 Proz. auf 4 Proz. erhöhte Umlage (ans der die Exportprämien bestritten werden) vom 1. Oktober ab um weitere 2 bis 3 Proz., also auf 6 bis 7 Proz. z» erhöhen beabsichligt, da. lvie es in der Begründung heißt,„der Sce-Export und die Bonifikationen an die Eisenindustrie große Opfer erfordern". Es wird dadurch nachträglich bestätigt, was schon vor 14 Tagen im „Wochenbericht" ausgeführt wurde, nämlich daß die Verminderung der Produklionseinschränkung des Coakssyndikats von 33 auf 27 Proz. keineswegs als ein Symptom der steigenden Vcschäfligung der deutschen Eistninduslrie aufgefaßt lvcrdcn dürfe, sondern sich einfach aus der„Forcierung des Exports nach dem Auslande" erkläre. Dat. UoltAles. Aus der Stadt der MictSkascrnc». Die Häufung der Bevölkerung auf den einzelnen Grundstücken ist in Berlin schon seit Jahrzehnten eine sehr be- deutende, im letzten Jahrsüufl aber hat sie»och beträchtlich zu« g c n o in m e n. Zwischen den Volkszählungen von 1895 und von 1900 ist die sogenannte BehansimgSziffer Berlins von 72.auf 77 ge- stiegen. Auf jedes bewohnte Grundstück kamen also 1895 durch« schnittlich 72 Bewohner, 1900 dagegen diirchschnitllich 77 Bewohner. Diese Erhöhung ist dadurch zu stände gekommen, daß sich im letzten Jahrfünft besonders die G r n n.d stücke mit mehr als 10 0 Bewohnern, die eigentlichen Mietskasernen, ganz außerordentlich vermehrt haben. Ihr Anteil hat sich von 1895 bis 1900 für ganz Berlin von 5263(unter insgesamt 23 255 bewohnten Grundstücken) ans 6248(u»ter insgesamt 24 493 bewohnten Grundstücken) das heißt von 22,6 Proz. aller be- wohnten Grundstücke auf 25,5 Proz. erhöht. Gegenwärtig beherbergen also bereits mehr als ein Viertel der Grundstücke mehr als je 100 Be- wohner. Reich an Mietskasernen sind, lvie bekannt, besonders die äußeren Stadtteile, so weit sie vorwiegend von der Arbeiterbevölkerung bewohnt sind. Von niebr als je 100 Personen bewohnt waren bei der Volkszählung von 1900 z. B. im östlichen Teil des Stralauer Viertels 621 von 1291 Grundstücken, im westlichen Teil von Moabit 517 von 1105, im nördlichen Teil der Rosenthaler Vorstadt 672 von 1214, im östlichen Teil der Luisenstadt 396 von 727 Grundstücken. Infolgedessen ist für diese Stadtteile die Behausungsziffer auch bedeutend höher als für ganz Berlin, für das östliche Stralaner Viertel 103, für das ivestliche Moabit 104, für die nördliche Rosenthaler Vorstadt 114, für die östliche Luisenstadt sogar 120, während dagegen in der inneren Stadt die BehausnngSziffer weit unter den Durchschnitt von ganz Berlin herabgcht, z. B. bis ans 22 im Stadtteil Friedrichswerder. Die Ergebnisse der wohnstatistischcn Aufnahme, die für Berlin mit der letzten Volkszählung verbimdeii war, sind vom Statistischen Amt der Stadt noch nicht vollständig veröffentlicht, aber bereits jetzt ist zu erkennen, daß die Berliner Wohnungsverhältnisse sich zwischen 1895 und 1900 in mancher Hinsicht nicht gebessert, sondern eher verschlechtert haben. Die unbemittelte Bevölkx- rnng hat ihr WohnungsbedürfniS offenbar noch mehr eingeschränkt und sich noch enger zusammengedrängt— genötigt durch den im Jahrsnnft 1895/1900 auf dem Berliner WohnungSmarkt eingetretenen völligen Umschlvung. der einen empfindlichen Mangel an kleinen Wohnungen und eine maßlose Steigerung der Mieten gebracht hat._ Statistisches vom Feuerlöschwesen. Die großen Brände haben in Berlin dank der vorzüglichen Einrichtung unsrer Feuerwehr an Zahl und Umfang abgenommen. In dem EtatSjahre 1900/1901 betrug die von der städtischen Feuersocietät zu zahlende Entschädigung nur 664 746 M. gegen 936 000 M. im Jahre vorher und l'/e Millionen Mark in, Jahre 1896/97. Die größte Entschädigung für einen Dienstag. 23. September lW2. Brandschaden betrug nur 17 733 M. und das obgleich der Versicherungs- wert der Grundstücke um rund 92 Millionen Mark und die Zahl der Grundstücke um 202 gegen das Jahr 1900 gestiegen ist. Die Gesamlveisicheruiigssumme sämtlicher bei £>er städtischen Feuersocietät versicherten Baulichkeiten ist auf 4109 Millionen Mark gestiegen und die Zahl der Gebäude auf 24 421, Die Zunahme an Grundstücken und Versicherungswert war in den letzten 10 Jahren sehr schwankend. So betrug die Zunahme 1891/92 noch 388 Grundstücke im Werte von 139 Millionen Mark um im Jahre 1894/95 auf 267 Grundstücke und 90 Millionen Mark zu fallen. Die Abnahme würde noch bedeutender sein, wenn nicht im Centrum von Berlin zahlreiche große Geschäftshäuser in den letzten Jahren neuerbaut worden wären. Von den Grund- stücken der Stadtgemeinde Berlin waren am 1. Oktober 1901: 424 mit 190 356 200 M. bei der städtischen Feuersocietät versichert. An Feuer- kaffenbeitrag waren dafür rund 78 000 M. zu zahlen. Für das Feuerlöschwesen zahlt die Feuersocietät einen erheblichen Beitrag von rund 1 Million Mark. Die staatlichen Gebäude sind nicht ver- sichert; der Fiskus trägt auch ganz minimal(80000 M.) zu den Kosten des Berliner Feuerlöschwesens bei, wofür er aber für seine Gebäude erhöhten Schutz genießt. Die Fleischnot. Nach den Ermittelungen des Statistischen Amts der Stadt Berlin sind die Preise für Fleisch gestiegen, besonders in den letzten Wochen, für die aber noch keine abschließende Zahlen und ZnsammensteNungen vorliegen. Nach dem amtlichen Bericht der Direktion der städtischen Markthallen kostet Rindfleisch I. Qualität im Monat Juli durchschnittlich schon 63�/4 M. im Großhandel und im August 64,68 pro 50 Kilo, die II. Qualität 57�/« M. bezw. 59�/2 M., Kalbfleisch In 70>/s M. bezw. 721/2 M., Hanmielfleisch la 663/4 M. bezw. 68>/4 M., Schweinefleisch 6202 M. bezw. 66'/2 M., Speck mager 80 M. bezw. 80 M.,' Speck, fett 70 M. bezw. 72�/2 M. Dem entsprechend sind auch die Preise im Kleinhandel in den Markthallen uuanfhaltsäm gestiegen. Im Monat August d. I. wurden bezahlt für Rinderfilet bis zu 1,20 M. pro 1/2 Kilo, für Oberschale 85 Pf., für Brust 80 Pf., für Bauchflcisch 70 Pf. Die Preise für andre Lebensmittel haben sich im August gegenüber denen im Jilli nur wenig verändert. Der Haupt- Jahresabschluß der Stadt- Hauptkasse ist fertig- gestellt und schließt, wie vorauszusehen war, statt mit einem lieber- tchuß, wie in den letzten Jahren, niit einem Fehlbetrage von rund 86 000 M. ab. während der vorletzte Abschluß für das Etatsjahr» 1900 noch mit einem Ileberschuß von 6 382 502 M. abschloß und auch die früheren Jahre Uebcrjchüsse von 6 bis 12 Millionen Mark gebracht hatten. Diese Ucberschnsse sind nun verschtvimden. DaS ncilc„Rcglenient" für die städtischen Jrrenanstaltc» betreffend die Ausnahme. Behandlung und Entlassung Geisteskranker wird jetzt vom Magistrat amtlich publiziert, nachdem eS die Gc- nehmignng der Minister der geistlichen sc. Angelegenheiten und des Innern erhalten hat. Nach§ 14 dieses Reglements sind, falls ein Kranker in der Anstalt ft i r b t, das Standesamt, die A n- gehörigen, der Vormund und der Staatsanwalt„un- v e rz ü glich zu benachrichtigen". Im Fall A ck e r m a n n ist dies bekanntlich unterblieben, weil ans dem Personalbogen, welchen die Polizeibehörde bei Einlieferung Ackermanns vorschrifts- mäßig mitsandte, nicht hervorging, daß derselbe v e r h c i r a t tvar. Diciistinädchc» oder Gelverbcgchilfi»? Durch die gewerbliche Rechlsprechung ist allgemein der Grundsatz anerkannt worden, daß eine im Gastwirtsbetriebe beschäftigte weibliche Person als Gc- werbcgchilfin anzusehen und in ihrem Arbeitsverhältnis den Bestim- mungen der Gewerbe-Ordnnng gemäß zu behandeln ist, wenn sie als Dienstmädchen desGastwirts nnßerin den Privatrännien des Dienstgebcrs auch in dessen Betriebe irgend welche Thätigkeit verrichtet. In einer Vcrwaltnngsstreitsache hat kürzlich der BczirkSansschuß von Berlin diesen Slechtsgrundsatz in beachtcnswerterWcise weiter ansgebaüt, indem er feststellte.' daß ein bei einem innimgSpflichtigeii S ch n e i d e r- m eiste r beschäftigtes Dienstniädchcn als G e w e r b e g e h i l f i n anzusehen und demgemäß bei der JuNmtgS- Krankenkasse zur Krankenversicherung a n z n in e l d e n ist, lvenn das Mädchen neben der häuslichen Thätigkeit auch noch tägliche Ausgänge zu Kunden und das Reinigen der Werkstatt zu besorgen hat. Es handelt sich in dem unter de» Aktenzeichen II A 84/3 02 registrierten Fall darum, daß der Orlsarmcu-Vcrband Berlin im Verwnltungs-Streitverfahren von der Jlmimgs-Krankcnkasse der Schneiderimmiig die KrankenhanSkosten ersetzt verlangte, welche für die in einer öffentlichen Heil- anstalt notwendig gewesene Behandlung eines erkrankten Dienst« Mädchens erwachsen waren, das in der erwähnten Weise bei einem Schneidermeister in Beschäftigung stand. Die JnnnngS- krankenkasse hatte Abivcisnng der Klage beantragt und angeführt, daß das Mädchen nicht als Gewerbcgehilsin angesehen werden könne, da jeder kleine GcschäftSniann die üblichen Gänge zur Post durch sein Dicnstinädchcii besorgen lasse, ohne daß dieses dadurch seine Eigenschaft als Dienstmädchen verliere. Nachdem das Mädchen be- kündet hatte, daß es nach Verrichtung der in der Hauswirtschaft üblichen Arbeiten auf Veranlassung deS Schneidermeisters täglich zu Kunden ge- schickt worden sei, um dort fertige Sachen abzuliefern und daß es auch die Werkstatt täglich gereinigt habe, erkannte das Gericht dahin, daß das Mädchen als Geiverbegehitfin zu betrachten und versicherungs- pflichtig sei und die Kasse daher zu zahlen habe. Hoffentlich getvinnt dieser Rcchtsgrnndsatz allgemein Geltung. Es ivürden dann nicht allein eine beträchtliche Anzahl Dienstmädchen in Krankheitsfällen einigermaßen gesichert dastehen, sondern auch den entwürdigenden Bestimmungen der Gesinde-Ordnung entrückt seist. Und das käme im stockreaktionären Preußen immerhin als ein wenn auch noch so unbeträchtlicher Kulturfortschritt in Betracht. Der Herr Baron. Wegen großer Schwindeleien ist ein falscher Freiherr v. Erlanger festgenommen worden. Es handelt sich um einen gewissen Erlanget, der aus einer reichen rheinischen Faniilie stammt und wie sein Vater entmündigt ist. Der Mann legte sich den Namen des Freiherrn Karl v. Erlanger bei und verschaffte sich unter diesem Namen so viel Geld, als er zu einem fürstlichen Leben brauchte. Nachdem er vor kurzem erst ans einem Sanatorinm in Pankow entlassen worden war, richtete er sich in der Kiirfürsteiistraße eine prächtige Wohnung ein. Mit Hilfe von Leuten, die ihm als Kommissionäre dienten, legte er sich auch einen Rennstall zu und ließ einige Pferde bereits laufen. An seinen Vermittlern ge- hören u.' a. der bekannte Herr Juharcz und ein Pferdehändler Mertens, zu den Leidtragenden, denen Pferde abgeschwindelt wurden, auch der Pferdehändler Levy. Da Erlänger mit Wechseln und Checks abzahlte, die er als Freiherr von Erlanger auf das Bankhaus von Erlanget fälschte, so erhielt er überall, was er haben wollte, bis«die Geschichte zuni klappen kam". In einem prächtigen Wagen umherfahrcnd, machte er in den großen Häusern seine Eiukäufe. In einer Wirtschaft mit weiblicher Bedienung in der Fricdnchstraße, wo er auch so vorgefabren kam, machte er eine große Zeche. Als sich herausstellte, daß er znsällig nicht genügend Geld ein- gesteckt hatte, war der Wirt nicht nur froh, die Zeche anschreiben zu dürfen, sondern er pumpte dem„Herrn Baron" noch 3000 M. dazu. Von einem Amsterdamer Hause kaufte er auf Kredit für 33 000 M. Brillanten, uni sie sofort für 10 000 M. zu versetzen. So verschaffte er sich Geld, wenn zeitweilig die Pferdegeschäfte einmal nicht gingen. StaatsamvattschaftSrat Kraut, der diese Sache bearbeitet, wird wohl noch etwas zu thun haben, um den ganzen Umfang der Schwindeleien festzustellen. Denn täglich melden sich wieder ncrie Opfer. Erlanger, der einige Tage im Gewahrsam deS Polizeipräsidiums gehalten wurde, sitzt jetzt im Untersuchungsgefängnis und wird dort vorläufig noch bleiben. Wie die Billethändler zu den BilletS kommen, darüber hat der Leiter eines hiesigen artistischen Unternehmens ganz eigne Er- fahrunqen machen müssen. Verschiedene Umstände deuteten darauf hin, dast die Händler, die sich stets im Besitze einer großen Menge Eintrittskarten befanden, niit dem Personal deS Instituts in Ver< dindung stehen mutzten. Da die Kassierer außer Verdacht standen. so ließ der Direktor nach Verabredung mit jenen einen doppelte Serie Eintrittskarten drucken und nun bemerkte er zu seinem Er staunen, � daß die zlveite an der Kasse nicht zum Bertauf gekommene Kontrollserie in den Besitz der Händler gelangt war. Die iveitere Untersuchung ergab dann, daß fast das ganze Bedienungspersonal bei der Schiebung beteiligt war, darunter Angestellte, die schon seit langen Jahren im Institute bcdienstet sind und sich deS größten Ver trauens erfreuten. Die Schuldigen wurden allesamt entlassen. Ucber den unberechtigte» Nuöschlust eines weiblichen Mib glicdes aus der OrtS-Kraukenkasse der Lithographen und Stein- dr, icker brachten wir in Nr. 210 unsres Blattes einige Mitteilungen. Das Mitglied, eine Heimarbeiterin, war ausgeschlossen worden, weil es seinen Wohnsitz von Berlin noch Rumnielsburg verlegt hatte. Jetzt hat die Gewerbedeputation deS Magistrais sich mit der von der Heimarbeiterin erhobenen Beschwerde beschäftigt und entschieden, daß sie Mitglied der Kasse bleiben darf. Es wurde angenommen, daß die Klägerin bei der Firma, bei der sie thätig ist, in einer die gesetzliche Krankeiiversicherungspslicht begründenden Beschäftigung stehe. Selbstmord eines Architekten. Unglückliche Liebe hat den Architekten Patriz Hubcr, der erst im Frühjahr von Darmstadt nach Berlin übergesiedelt war, in den Tod getrieben. Huber, der sich trotz seiner 24 Jahre bereits einen geachteien Namen geschaffen und besonders auf der Darmstädter Ausstellung durch seine Entwürfe für Innenarchitektur Aufsehen erregt hatte, stand kurz vor der Verlobung mit einer Dame ans seiner Heimatstadt. Die Verlobung ging indessen zurück, und die Dame verlobte sich niit dem besten Freunde Hubers. Dieser reiste nach Berlin und suchte Huber, der in Charlottenburg. Fasanenstraße 24, eine Wohnung inne hotte, auf, um ihm die Mit- teilung von seiner Verlobung zu überbringen. Es kam zu einer erregten Auseinandersetzung, die zur Folge hatte, daß Huber kurze Zeit, nachdem ihn der frühere Freund verlassen hatte, Hand an sich legte. Er nahm einen Revolver und erschoß sich. Der im selben Hanse wohnhafte Arzt Dr. von Bardeleben tvurde sofort herbei- gerufen, er konnte indessen nur noch de» bereits eingetretenen Tod feststellen. Die Leiche des unglücklichen jungen Künstlers wurde vor- läufig nach dem Charlottenburger Schauhause geschafft. Durch eine» schweren Unfall wurde Soimtagnachmittag das Schützenfest in Pctershagen an der Ostbahu gestört. Die' Seil- tänzerin Frau Emmy Pusch aus der Ackerstr. 13, die aus dem Fest- platze auftrat, stürzte vom Seil herab und zog sich einen Beckenbruch und andre schwere Verletzunge» zu. Da es sonst keine BcförderungS- gelcgcnhcit gab, so wurde die Verunglückte mit einem Bäckcrwagen nach Berlin in die Charitö gebracht, wo sie schwer danieder liegt. Durch einen Sturz vom Karussell verunglückte Sonntag- nachmittag in Weimanns VolkSgarten ans dem Gesundbrunnen der 44 Jahre alte Schlosser Hermann Hell aus der Pankstr. 42». Ob- wohl er seit einiger Zeit kränkelte, wollte Hell das Fahrradkarusiell versuchen. Er fiel aber bald herab, wahrscheinlich infolge Schwindels, zog sich einen Kniescheibenbruch zu und mutzte mit einem Lückschen Rettungswagen nach der Charite gebracht werden. Spitzbuben-Frechheit. Schnell gefaßt wurde die Einbrecher- bände, welche dem Speiseeishändler R. aus der LandSbergerstratze seiüe Ersparnisse geraubt hatte. Dem Händler war mehrfach ein junger Mensch aufgefallen, der sich in der Nähe seines Standes auf- gehalten hatte und an dem Tage, an dem er bestohlc» wurde, niit mehreren reduciert gekleideten Burschen in einer Droschke 1. Klasse die LandSbergerstratze entlang fuhr. Am Sonnabendnachmittag trat der junge Mann an den Stand deS Händlers, ließ sich eine Portion Eis geben und bezahlte niit einem Zwanzigmarkstück, wobei der Käufer die Bemerkung fallen ließ:„Das ist von dem Ihnen ge- stohlcnen Gelde, den FuchS können Sie sich ivieder eintvechsel».* Obwohl diese Aeutzerung in scherzhaftem Ton« fiel, hielt der Händler den Verdächtigen fest und übergab ihn einem hinzu- kommenden Schutzmann. Auf der Polizeiwache tvurde der Verhaftete als der Schreiber Richter erkannt. Der obdachlose junge Mann, bei welchem man 60 M. vorfand, wurde dem Polizei- Präsidium zugeführt, wo er nach längerer Vernehmung da« Ge- stäudniS ablegte, in Gesellschaft von vier Komplicen den Einbruch verübt zu haben. Die von ihm benannten Mitglieder der Cbaivruse, 17— 20jährige Burschen, die zum Teil schon wegen Diebstahls vor- bestraft sind, konnten noch im Laufe des gestrigen TageS fest- genommen werden. Die Verhafteten stehen im Verdacht.' bei den seit einigen Monaten im nordöstlichen Stadtteil vorgekommenen Einbruchsdiebstählen beteiligt geivcsen zu sein, ivaS sie allerdings mit Entschiedenheit bestreiten. R., der bei dem obengenannten Dieb- stahl als„Schmieresteher' mitgewirkt hat, hat sich allem Anscheiii nach der Bande erst jetzt angeschlossen. Verschwunden ist der hiesige Lehrer Rudolf P a s e>v a I d. Pasewald hat auf einem Wechsel über 300 M. die Unterschriften deS Ausstellers und des Annehmers gefälscht. Der Wechsel wurde präsen- tiert, aber nicht eingelöst und nach dem Prolest der Staalsanwall- schaft übergeben und von dieser beschlagnahmt. Die Staatsanwalt- schaft verfolgt jetzt den Flüchligen. Die Ehekomödie Salviac-Kanter hat ihr Ende erreicht. In nicht öffentlicher Sitzung sprach gestern vormittag das Amtsgericht I die Ehescheidung aus. Die gegen de» Grafen erhobene AnfechtnngS- klage fiel mangels Beweises.' Ueber die Details des Abkommens, welches zwischen den beiden Parteien getroffen Ivorden ist, wird, wie leicht erklärlich, Stillschweigen beobachtet. Ei» gewaltiger Dachstnhlbrand beschäftigte gestern die 2. und S. Compagnie der Feuerwehr stundenlang i» der Rasiborstr. 19. Dort stand um ll'/e Uhr der Dachstuhl des Vorderhauses in grotzer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten, aus unbekannt gebliebener Ursache entstanden, in kurzer Zeit, von dem HauSrnt der Mieterund großen Vorräten an Breniimalerial genährt, eine große Ausdehnung erlangt und gefährdeten nicht nur die unteren Stockwerke, sondern auch die angrenzenden Gebäude. Da das Vorgehen über die total verqualmten Treppen für die Rohrführer sehr erschwert war, drangen sie über die am Hause aufgefahrenen großen mechani- schen Leitern mit ihren Schlauchleitungen, nachdem das Dach an mehreren Stellen geöffnet worden tvar, bis zum Brandherd auf dem Boden vor. Um die unteren Etagen vor allzu großem Schaden zu bewahren, wurden Feuerwehrmänner dorthin kommandiert, die in großen Mollen das durchsickernde Wasser auffangen mußten. Der Dachstuhl war nicht mehr zu retten, er ist vernichtet. Die Mieter erleiden beträchtlichen Schaden, da mehrere nicht versichert sind. Fenerbericht. Eine größere Zahl Brände hatte die Wehr in der Zwischenzeit abzulöschen. Montag früh 7 Uhr wurde sie nach der Flensburgerstr. 7 gerufen, wo in einer Badestube ei» Feuer aus- gekommen war, während gleichzeitig in der Markusstr. 16 Gardinen in einer Schlafstube in Flammen aufgingen. In der Nacht zum Montag war in der Birkenstr. 22 in einer Wohnung ein Brand ent« standen, der in der Hauptsache Möbel und Kleidungstücke beschädigte. Sonntagabend 9 Uhr hatte die Wehr in der Königin Augustastr. 1 ein Feuer abzulöschen, das Säcke, Sägespäne ic. ergriffen halte. Kurz darauf wurde die Wehr nach der Wörtherstr. 37 gerufen, weil hier auf dem Boden ein Brand ausgekommen war, dessen Ablöschung indes bald erfolgen konnte. Iii der Wallner-Theaterstr. 16 hatte die Wehr gegen 11 Uhr zu thun. Hier war in einem Keller ein Feuer ausgekommen. daS Kisten. Verpackungsmaterial erfaßt hatte. aber bald abgelöscht wurde. Bein, Teeren eines Daches ivar in der Köpnickerstr. 148 Teer übergekocht und hatte Feuer ge- fangen, während in der Ackerstr. 14 Sägespäne und Holzspäne brannten. Wäschestücke wurden eine Stunde später in der Turm- straße 18 ein Raub der Flammen. Kleidungsstücke und Möbel waren in der Dalldorferstr. 26 in einer Wohnung in Brand geraten, der aber bald abgelöscht wurde. In der Mühlen- straße 5 hatte die Wehr nachmittags ein Feuer in einer Bäckerei ab- zulöschen, das durch Ueberlochen von Fett entstanden war. Einen größeren Keverbrand hatte die 6. Compagnie abends in der Fried- richstr. 208 zu beseitigen. Bücher, Regale und Kisten wurden Haupt- sächlich durch Feuer zerstört. Außerdem hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden noch Alarmierungen von der Manteuffelstr. 10 und von der Lortzingstr. 4 zu verzeichnen, die aber beide auf geringfügige Anlässe zurückzuführen waren. Orgelkonzert. Herr Musikdirektor Otto Dienel, Frl. Martha Dziobek, die Violinistin Lrl. Ball» Paasch, H. v Felix Lederer-Prina und Herr Adots Balte werden Mittwoch, den 24. September, mittags IL Uhr, in der Marien- kirche Kompostttonen von Sebastian Bach(Duette, Arte« aus■ Eantaten, die große A■ moU» und E- rnoll- Fuge ulw.) aufführen. Der Eintritt ist stet. Cirkus Schumann ist wieder in Berlin eingezogen. In der Eröffnungsvorstcllung kamen alle Reize a»S Licht, die ein echter und rechter Cirkus seinem Publikum bietet und die daS Vergnügen eines Cirkusbesuchs immer noch in seiner Besonderheit bestehen lassen. Wohl sucht die Variötöbühue sich mit Eifer der Darbietungen zu bemächtigen, die früher nur in der Manege möglich schienen. Man prunkt dort mit Clown- und Akrobatenlcistimgen und trachtet selbst die Sckiulreiterei auf dem Brettl heimisch zu machen. Aber die rechte Art ist es doch nicht, und wer ein Kenner in dem Plaifier ist, schwierige Reiterkunststücke niit harmlosen Spaßen abwechseln zu sehen, tver zeigen null, daß er„Pferdeverftand' besitzt, der bleibt der Karl- straße tre». Die erste Vorstellung in dieser Spielzeit bewies von neuem, daß Herr Schumann seiner von Renz her vererbten Eigen- art, vor allem die schwierige, wenn apch nicht sehr sensationelle Kunst der Schiilreiterei zu pflegen, in jeder Hinsicht treu geblieben ist. Ans diesem Gebiete zeigte der Direktor, daß ihm die Grenzen durchaus nicht eng gezogen und immer neue Trics denkbar, immer neue Ver- vollkommnuiigcn möglich sind. Wohlverdient war denn auch der Bei- fall, den Herr Schumann in reicher Hülle einheimste. Neben dem Direktor traten namentlich die BrüderEldrad als waghalsige Reiter, die spanischen Springer Alonfo Bracco und vor allem der Neitkünstler Dangerfield aus dem umfangreichen Programni hervor. Ans der Siadrennbahn um Kursiirstcndamm tvurde am Somitng der große Preis von Dentichland ausgefahren. Das gute Wetter hatte ein immerhin zahlreiches Publikum herbei- gelockt, tvohl an 8000 Personen mochten erschienen sein. Die Ehre des Sieges fiel Arend zu. der mit Biiiision und Schilling zn kämpfen hatte. Die Rennen hatten folgenden Verlans: 1. Großer Preis von Deutschland. Hoffnungslnuf: I» den Vorläufen siegten: Schilling, Rütt, Kurzmcier(uiiplaciert Hnber), Mündner. Endlauf: 1. Schilling.— Zwischenlänfe: Die Sieger komme» in den Eiitscheidiinaslouf. die Ziveiten erhalten je 100. die Dritten je 50 M. 1. Lauf: 1. Arend Unplaciert: Seidl, Kndrla. 2. Lauf: 1. Schilling. Unplaciert: Ellcgaard, Hering. 3. Lauf: 1. Bnisson. Ulipl. Grogna, Eros. E»t- scheii-ungSIauf: 3000 Meter. 8000, isoo. 500 M. 1. Arend, Bnisson. 3. Schilling. 2. Handicap. 1609 Meter. Ivo. 80, 40. 20 M. 1. Snchetzki(70). 2. Althoff(90). 3. Scheuermann(80). 4. Vcjtruba(90). In den Vorläufen u. a. ausgeschieden: Grogna(20), Hnber(20), Bnisson(20). Rütt(0). 3. Tandem-Hauptfahren. 2000 Meter. 300, IVO. 80 M 1. Ellegaard-Arend. 2. Käser-Peter. 3. EroS-Dixio. Unplaciert Hnber-Seidl. 4. Tandem- Prämienfahren. 3000 Meter. 100, V0, 30 M., Prämien 20 M. 1. Scheuermann- Atthoff. 2. Herina- Kndcla. 3. Kraufc-Demke. Die Prämien balcn Ferrari-Mündncr(2). Hcring« Kndela, Scheuermann-Alihoff und Kraufc-Demke. I» Leipzig ist am Sonntag daS 100 Kilomcler-Neimeu von N o b l gewonnen worden, der Contcnet und Michael besiegte. Robl legte die 100 Kilometer in 1: 28: S2Vo zurück. Michael war anfänglich Robl bis zu 9 Runden voraus, halte dann aber an den Folgrii eineS MaschinendefektS zu leide». AnS den Nachbarorten. Obcr-Echönrweidc. Morgen, Mittwochabend 8'/» Uhr. findet bei Kausholt die Mitgliederversammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vortrag. Vereinsangelegenheiten. Die Grmeindevertrrtuilg von Filcdrichöhagrn sollte sich in ihrer Sitzung am Freitag mit der F l e i s ch n o t beschäftigen. Unsre Genossen Albrecht, Barth, Kramm und S o n n e» b u r g, »»terstützt von noch zwei andren Vertretern, hatten den Antrag ge- stellt:„Die Gemeindevertretung möge den Gemeiiidevorstand ersuchen, bei den Reichs- und Staatsbehörden die Aufhebung des Fleisch- und Vieh-Einfudrverbots zn beantragen.' Doch mit des Geschickes Mächten ist kein cw'ger Bund zu flechten und— flugs eilte als StaatSrettcr Herr Vertreter S ch e l l e r noch vor der Ver« lesung des Antrages herbei und beantragte Uebergang zur Tages« ordnung. Der Antrag sei politischer Natur und nach den 8Z 102»nd 140 der L.-G.-O. dürste sich die Gemeindevertretung ausschließlich nur mit Gemeindeangelegeuheiten beschästigen. Der Vorsteher schloß sich diesen Ansfühnnigen an, auf eine Ober« verwaltungSgerichls- Entscheidung hinweisend. Unsre Genossen verlangteii, energisch die Beratung des Antrages. Lediglich im Interesse der Gemeindemitglieder habe die Vernelung die Pflicht, gegen die Fleischverteuernng Stellung zu nehme». Doch linisoiist war der Mühe Schweiß. Der Antrag war der Mehrheit höchst uiibequem und es wurde über ihn gegen V Stimmrn zur Tagesordnung übergegangen.— Doch iver da glaubt, daß in der Gemeinde kein Notstand besteht, der irrt sich. Ein Antrag der G e- m e i n d e b e a m t e n nni Gewährung ein«8 Wohnung»« geld-ZuschusseS rief eine längere Debatte hervor. Vom Gemeindevorstand wurde beantragt, sämtlichen Gemeindebeamte» einschließlich des Gemeindevorstehers angesichts der teuren Lebens- mittelpreise sotvie der hohen Miete» 20 Proz. des GehaltS als WohnungSgeld-Zuschnß zu zahlen. Hierfür würde eine JahreS« auSgabe van circa 8000 Mark erforderlich sein. Der Antrag des GemcindevorstandeS fand allseitigen Widerspruch. Die Genoffen Barth, Kramm und Sonnen bürg lehnten einen WohmmgSgeldzuschuß ab. Erweise sich daS Gehalt der Gemeindebeamte» den Zeitverhältnissen nicht entsprechend, so würden sie selbstverständlich für eine Erdöhung eintreten. Bei der Neuregelung der Beamtengehälter miiffe aber endlich auch der G e m e inde-Arbeiter gedacht werden. Et wurde schließlich eine Kommission geivählt, welche in Gemeinschaft mit dem Gemeinde- vorstand die GehaltSverhältnisse der Beamten sorgfältig zu prüfen und dann der Vertretung wieder vorzulegen hat. Steglitz. Eine heillose Verivirrung scheint die F I e i s ch n o t in unterm Dorfe schon angerichtet zu haben. Diese Enipfindung drängte sich einem in der gestrigen GemeinderatS-Sitzuug auf, wenn man nichl etwa dre blinde Wut eines Teiles unsrer Gemeindcverordneten gegen alle», was von socialdemokratischer Seite kommt, als Ursache ihres Handelns annehmen will. Uns» Genosie» R a p p und S ch e l l h a s e hatten zu dieser ersten Sitzung nach den Ferien folgenden Dringlichkeilsaiitrag eingebracht:„Der Gemeindevorsland istzu beaustrage». beim Bundesrar wegen Beseitigung der Vichenifnhr-Verbote vorstellig zu iverden, um die die Steglitzer Ein- wohnerichaft in ihrer Ernährung schwer schädigende Fleichteucrung einzuschränken." Der Antrag Rapps, diese Angelegenheit als ersten Punkt zu verhandeln, wurde abgelehnt und dieselbe an den Schluß der Tagesordnung verwiesen. Jedoch als dieser erreicht war, sckiien der Vorsitzende den Dringlichkeitsantrag vergessen zu haben, so daß Ropp erst daran erinnern mußte. Nunmehr wurde die Dringlichkeit zur Debatte gestellt. Der Schöffe Meyer, Ober-Stadtsekretär von Berlin, konnte e» wieder einmal nicht unterlassen. unsren Bertretern vorzuwersen, daß sie nur zum Fenster hinauSsprecheu möchten und Stoff zur Agitation brauchten, während der Schöffe Kühne seiner Antipathie gegen den Antrag dadurch Ausdruck gab, daß er beantragte, jetzt erst in die geheime Sitzung einzutreten und nach Schluß dieser wieder öffentlich, wenn noch Lust vorhanden sei. über die Sache zu verhandeln. WaS bisher noch niemals üblich war, die Fleisch- not brachte eS zu stände: der Antrag wurde angenommen. Damit wurde wenigstens erreicht, daß von den Zuhörern, als nach dreiviertel Stunden die Oeffentlichkeit wieder hergestellt tvurde, nur noch ein kleiner Teil wieder erschien, während die Vertreter der Lokalpresse verschwunden waren. Ob diese Folge vorausgesehen und gewollt war? Fast scheint es so. Genosse Rapp begründete nunmehr den Antrag. Bürgernieister Buhrow führte aus, daß die Gemeindevertretung nicht berechtigt sei, einen solchen Beschluß zu fassen, da sie sich nach der Landgemeinde-Ordnung nicht mit Politik zu befassen habe; würde trotzdem der Antrag angenommen, so würde und müßte er den Beschluß beanstanden, selbst auf die Gefahr hin, daß ein Konflikt zwischen der Vertretung und ihm daraus resultiere. Schösse RegienmgSrat Kühn sucht der Versammlung aus dem ihm vor- liegenden Flugblatt des Bundes der Landwirte zu beweisen, daß gar keine Flcischlenerung und Fleischknappheit, geschweige denn eine Grenzsperre exi>tiert, während Schöffe Meyer niinmhr— iver weiß wie daS geschah— den socialdemokratischen Antrag befürwortete, jedoch mit dem Erfolg, daß er abgelehnt wurde- Ein„gezähmter" Eventual-Antrag Weinhausen fand' schließlich mit 10 Stimmen An- nähme.— Nun soll jemand behaupten, daß der Gemeiiidevorstand und die Gcmeiiidevertreluilg nicht auf der Höhe der Situation stehe» l FrlrdrichSfelde. Der der Stadt Berlin gehörige Rieselgraben, welcher das„geklärte" Wasser von den Rieselfeldern in die Spree leitet, wird jetzt durch einen unterirdischen Kanal ersetzt. Der offene Graben ivar außer seiner Gefährlichkeit für Kinder auch durch seineu Geruch lästig.— In letzter Zeit ist es wiederholt zu Zusammen- rottungeii halbivüchstger Burschen gekommen, wobei das Messer eine Hauptrolle spielte. Der Schauplatz dieser Thaten ist in der Regel die Grenze zwischen Lichtenberg und Friedrichsfelde. Für Passanten ist dann stets Lebensgefahr vorhanden. Polizei ist selten zur Stelle. Hier auF Ort ist ein Gendarm stationiert, ein zweiter versieht den AnfjkrhiSdienst zum Teil in Lichtenberg-Ost, zum Teil hier om Ort. Die Hausbesitzer klagen Über zn wenig Polizei, die Ai beiler sind eiilgegcngesetzter Meinung; sind doch diese beiden Silherheitsbeamtcii bei Versammlungen, natürlich nur socialdemokratischen. während des ganzen Abends im Versammlungs- lokal anwesend, Relnickendors. Die Gemeindeverlretung bewilligte in der letzten Sitzung zunächst 15 000 M. zur Herstellimg weiterer Filter für die Kläranlage des Wasserwerks. Ferner wurde das neu- znerlassend? Ort'sstatut für daS Gewerbegericht geiiehmigt. Dasselbe sieht statt der bisherigen 12 Beisitzer jetzt deren 16 vor; die Entschädigung für die Beisitzer winde von 4 auf S M. erhöht; endlich wurde von der vorherigen Aufstellung von Wählerlisten Abstand grnommcn; die Listen iverden während des Wahlaktes geführt. Zum Sckilnß wurde»och die Anlegung von Schulgärten beiwlossen. Eine Anregung des Genossen Ohl, dahin zn wirken, daß möglilbst jedem Schüler der obere» Klassen ein Stückchen Garten« lan'd zur Pflege zugeteilt erhalte, versprach der Gemeindevorstand im Auge zu behalten. Friedenau. Die letzte Gemeindevertreter-Sitziing beschloß de» Bau eines Wohnhauses für de» Direktor imires iienen Gymnasiums mit der Maßgabe, daß die Kosten 40 000 M. nicht übersteigen sollen. Die Gemeinde mußte in de» saueren Apfel beiße», weit daS Provinzial- Schulkolleginm die Genehmigung zur Abti.iltuiig der erste» Reifcpriisnng von der Erbauung eines Direktor- Wobnhame» abhängig macht.— Die Nachbeivillignng von 1281.78 M. für Beiträge der Gemeinde an die Ties- bau- B e rn f s g e n o s s e n s ch a ft verdient deshalb Er- iväbnilng, weil' es bezeichnend für die Kenntnis der socialpolitischen Gesetze in unsrer Gemcindeverwaltuiig ist. daß sie es„versänmen" konnte, diesen Betrag zu zahlen. Ferner wurde gegen sechs Stimmen der Bau eines Rathauses mit einem Kostenanfwand von 350 000 M. und schließlich die Aufnahme einer Anleihe von 3 717 000 M. einstinimig beschlossen. Mit Hilfe dieser Anleihe sollen ältere Schulden im Betrage von 1 100 000 M, geiilgt und außerdem die erivähilteu Neubauten,«in Bolksschul- gebände für 350 000 M. und ein Armenhaus für 60 000 M. errichtet sowie 700 000 M. für Straßenpflasterung oerwandt werden. ant- nicht den ein Govi�hks-'Jeiktm.q. El» ganz unbegreiflicher RoheitSakt führte den Schiffet G» stav H ei d r i ch vor das S ch Iv u r g e r i ch t am Landgericht I, ivelches gestern unter dem Vorsitz des LandgerichtSdirektors V o n h o f f eine neue Tagung begann. Der Angeklagte war der Körperverletzung mit tötlickcm Erfolge beschuldigt. Am 29. Mai lag solvohl der Kahn der Schisiscigentümerin Schutz, auf dem der Angeklagte beschäftigt ivar, als auch der Kahn des Schiffseigners Karl Zeitz Hierselbst am Urbanhafcn. Zivischen beiden hatte ein dritter Kahn gelegen. Als dieser ahgcfahren war, rückte der Angeklagte mit scinem Fahrzeug dicht an den Zeitz'schen Kahn heran und ersuchte den Sohn des Zeitz. da? Vorderteil seines Kahnes mittels TaneS an dem seiiiigen zn bc- festigen. Er erhielt die Antwort, daß dieS augenblicklich nicht ginge, da der Soh» eine andre Arbeit erst vollenden müsse. Er wurde darüver sehr aufgebracht und schimpfte zn dem auf dem Vorderteil beschäftigten Sckiiffseigner Zeitz hinüber. Dieser ivortcte ganz ruhig mit der Frage„ob er denn warten gelernt habe"? Diese Bemerkung versetzte Angeklagten in eine nnbegreifliche Wut: er ergriff schweres, keulenartiges Stück Holz, einen sogenannten Ankerhaken und versetzte damit dem Zeitz eincii so ivuchtigen Hieb gegen den Kopf, daß dieser sofort lautlos zu Boden sank. Er wurde nach dem Urban- Krankenhause transportiert und ist daselbst am nächsten Tage gestorbeu. Nach dem Gutachten de§ Professors Dr. S t r a ß m a» n und des GerichtSarztcS Dr. Puppe lag eine sehr schtvere Kopfverletzung vor; die Hauptschlagader Ivar verletzt, daS Gehirn gequetscht uild die Wuilde' absolut tödlich. Der Staatsanwalt legte den Geschworenen nahe, daß ein Mann, der ohne jegliche Veranlassung in dieser rohe» Weise ein Menschenleben vernichtere. Milde nicht verdiene und das Zuchthaus verwirkt habe. Die Geschworenen billigten aber dem Angellaglen, der nur wegen Bettelns unerheblich vorbestraft ist. mildernde Umstände zu uild der Gerichtshof ver« urteilte ihn zu 3 Jahren Gefängnis. Stäche am tvactofen. Wegen des Vergehen» der versuchten Sackibeswädigung ivar der Bäckermeister Jakob Janetzkj vom Schöffengericht zu«l»em Monat Gefängnis verurteilt ivorden. In einem Hause in der Nauiiynstraße hatte der Angeklagte eine Bäckerei gemietet. Am 15. März dieses Jahres wurde er wegen rückständiger Miete exmittiert. AIS an diesem Tage der Gerichts- Vollzieher seines Amtes» waltete. wurde bemerkt, daß der An- geklagte sich am Backofen zu schaffen machte. DaS Innere desselben wurde genau untersucht, bevor der Nachfolger des Angeklagten den Ofen beizen ließ. Man fand in einer der vorderen Ecken ein Fläichchen, ivelches mit Cardolvl gefüllt ivar. Wäre der Ofen geheizt ivorden, ohne daß man das Fläschchen entdeckt hätte, so würde nicht nur die ganze Backware verdorben ivorden sei», sondern der Ofen hätte wegen deS nicht auszurottenden Geruchs auch später nicht mehr benutzt werden können. Das Schöffengericht hielt für eriviefen, daß der Angeklagte seinem bisherige» Wirt und zugleich seinem Nachfolger einen niedrigen Streich hatte spielen wolle»»nd belegte ihn mit der erwähnten hohen Strafe, trotzdem der An- schlag mißglückt war. Der Verurteilte legte Berufung ei» und wollte im gestrigen Teimine vor der zweiten Instanz seine Handlungs- weise deshalb milder beurteilt wissen, weil er den Backofen aus eignen Mitteln hatte bauen lasse» und entrüstet darüber war. daß er ausziehen und dem Wirt den Ofen überlassen mußte. AlS der Vorsitzeude ihm zu verstehen gab, daß er keine Aussicht habe, eine Ermäßigung der Strafe zu erzielen, zog der Angeklagte es vor, seine Berufung zurückzuziehen._ Eingegangene Truckschriften. «ewerte-Ordnuug für das Deutsche Reich. Sechzehnte vermehrte Auflage, bearbeitet von H. Spangenbera, Ober-VermaltungSgerichtSrat. Berlin 1902. I. Guttentag, Verlagö-Buchhandlung. PreiS geb. 3 M. Verantwortlich» Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Susuat enteil verantwortlich: Tb. Glocke in verltn. Druck und Verlag von Mar Badiug in Berlin.