Ur. 334. AdoiMtmeMs Kedinglmgen: Sbonnsmint«-Prel» pränumerando! vierteljährl. Z.Z0 Mk.. monalL 1,10 SRI., wöchenllich 28 Pfg. frei inj HauJ. Tiiuelne Numm-r S Pfg. EonnlagJ- ?Iummer mir illuNrieriep Ssnniagj- Beilage„Die Neue Well« 10 Pfg. Post- Abonnement: i,id Mar! pro Mona», Singelragen in der Post- Zeitung!» Pr-iJliste für 1908 unter Nr. 7878. Unter streuzband für Deutfchland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Mona». 19. Jahrg. Die Instrttons-«My» beträgt für die sechsgespaliene Kölonet- »eiie oder deren Raum 40 Pfg., für polilifche und gewerkschaftliche Vereins- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anieigen" jede! Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Ins erate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag« in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Erfiklelnk täglich«uster Montag». Devlinev Volksblstt. Telegramm- Adresse r „«»rialdruiolirat Berlin" Csntralorgan der lorialdemokratischen tyaxizx Deutsclilands. Nedalikio»: SW. 19, Ventlz-Skrshe 2, Fernsprecher! Slnit I, Nr. IR08. Donnerstag, den Ä» September tUOÄ. Gxpedikiou: sw. 19, Venllz- Strafe 3. Fernsprecher: Stint l, Nr. kilLl. Redaktion und Expedition unsres Blattes sowie die Buchhandlung Vorwärts befinden sich vom 30. September ab im Hause Lindeuftrafie 69. Fleifchtenernng und Viehzölle. i. In dem raschen Tempo, mit dem die MehrheilSparteien i» der ErkeniitniS, dah es zwischen ihnen und der Regierung bei der zweiten Lesung der Tarifvorlage in der Zollkommission doch noch nicht zu einem fertigen Kompromib kommen wird, jetzt auch über jene Zoll- Positionen hinwegstiirmen, die ihnen als Diffcreuzpunkte gelten und des halb von ihnen zur Special-Erörterung zugelassen sind, gelangte bereits am Dienstag und Mittivoch die Beratung bis zur Erledigung der Viehzölle. Von den Rednern der Opposition, den Abgeordneten Miillev Sagan und Stadthagen, wurde die Gelegenheit zu einem wuchtigen Ausfall gegen die Agrarpolitik der Regierung benutzt, die durch ihre angeblich von gesundheitlichen Gründen diktierte Erschiveruug der Vieh und Fleischeinfuhr die jetzige Fleischteuerung heraufbeschworeil hat. Besonders Stadthagen Ivies nuter Bezugnahme auf die jetzige Lage ausführlich nach, Ivie die von der Zollkommission angenommenen. weit über die Regiernngsfordc�iingen hinausgehenden Viehzoll- erhöhnnge» notwendig die Fleischteuerung zu einer allgemeinen Fleischnot steigern müßten, die den unteren Volksschichten den Genuß von Fleisch völlig unmöglich machen würde. Der den auf der Elchjagd befindlichen Landivirtschaftsminister vertretende G e h eimra t Dr. Kap p hatte zur Verteidigung der Regierungsmaßnahmen keine andre Antwort als Wiederholungen aus der von Herrn v. Podbielski in Düsseldorf gehaltenen Rede und Entlehnungen aus dem bekannten jüngsten Flugblatt des Bundes der Laudivirte. Wie dieses sah auch der Herr Geheimrat in der Grenzsperre nur eine gesundheitliche Maßregel, die mit dcu Vieh- und Flei schzöllen eben sowenig im Zusammenhang stehe, tvie mit der jetzigen Fleisch- teuerung; denn die Grenzsperre bestehe schon seit etwa einem Jahr- zehnt, ohne daß bisher in ähnlicher Weise von einer Fleischteuerung die Rede gewesen wäre, tvie jetzt. Daran schloß sich die naive Erklärung, sein Chef sei der Meinung, die Fleischteuerung sei nur eine vorübergehende Erscheinung, dagegen der Zolltarif eine dauernde Einrichtung. Auch die in der Mittwoch- Debatte von agrarischer Seite bei- gebrachten Gründe bewegten sich indemaltenausgefahrenenGeleise- Herr v. Wangenheim behauptete die Milderung der Maul- und Klauen- seuch« durch die Grenzsperre; der nationalliberale Ueber- Agrarier Sieg schob alle Schuld au der Fleischteuerung auf Viehhändler und Schlächter, und der.Sachverständige" des Centrums, Herr Dr. Heim, sprach von„erzieherischen Viehzölicn". Selbst der numnehr persönlich erschiene L a n d>v i r t s ch a f t s m i n i st e r wußte nichts zur Verteidigung der Grcnzsperrmaßnahmcn anzuführen. Er bezog sich auf seinen Kommissarius, der sich gestern auf ihn als Autorität bezogen hatte, und erklärte, durch die drakonischen Ausfuhrmaßregeln der russischen Regierung wäre zivar die Einschleppung von seuchenkranken Rindern und Schweinen fast völlig ausgeschlossen, aber von Gänsen wären in diesem Jahre wieder Seuchen herübergeschleppt, und des- halb müßte die Grenzsperre aufrecht erhalten bleiben I Es ist dieselbe in allen möglichen Variationen wiederholte Litanei, die schon seit Wochen in der agrarischen Presse, von der„Kreuz- Zeitung" bis zum kleinsten Kreisblättchen, ertönt und in dem Flugblatt des Bundes der Laudivirte ihren Wiederhall findet: die Behauptung, die Grenzsperre könne doch nicht an der jetzigen Fleischteuerung schuld sein, da erstere iveit älter sei, als letztere, mit der Hinzufügung, auch in andern Ländern, vor- nehmlich in den Vereinigten Staaten, seien die Fleischpreise gestiegen. Das Flugblatt der Landbündler ivußte sogar zu berichten. daß die jetzigen hohen Schiveinepreise, die ihm als ganz„n o r m a I e". nur .die Kosten der Fütterung deckende" gelten, lediglich eine Folge der Haussespekulationen der Herren Armour und Konsorten in Chicago sind. An diesem Geschwätz ist nur soviel richtig, daß die Grenzsperre nicht die alleinige Ursache der heutige» Fleischteuerung ist; wie immer in solchen Fällen haben auch diesmal eine Reihe Umstände zusammengewirkt: die verschiedenen Fleischeinfuhr- Beschränkungen der letzten Jahre, Ernteverhältuisse, Veränderungen in der Viehproduktion verschiedener Länder usiv.; aber erstens wurde die Wirkung dieser Faktoren auf den deutschen Viehmarkt erst dadurch möglich, daß auf diesem durch die Grenzsperre und Einfuhr- Erschwerungen die fremde Konkurrenz hintenangehalten wurde, und zweitens beiveist die Thalsache, daß neben der Grenzsperre auch noch andre Faktoren in Betracht kommen, noch lange nicht. daß eine Aufhebung der Sperre und Erleichterung fremder Zufuhr nicht beträchtlich abschivächend auf die jetzigen Fleischpreise zurück- tvirken ivürde. Vor den jetzigen Einfuhrerschiverungen, in den Jahren 1391/93, führte Deutschland, obgleich damals durchweg höhere Zollsätze in Anwendung kamen, als nach dem Inkrafttreten der Caprivischen Handelsverträge, jährlich durchschnittlich für 166 Millionen Mark Rindvieh und Schweine ein. Unter dem Einfluß der Absperrungs- maßregeln ging diese Einfuhr aber alsbald rapide zurück und stellte sich in 1899/1901 nur noch auf 69 Millionen Mark. Be- sonders nahm die Einfuhr von Schweinen ab. Rechnet man von der Einsuhr in Deutschland die Ausfuhr ab, zieht also nur die Netto- i Zufuhr in Betracht, die der deutsche Markt von auswärts zur Deckung des einheimischen Konsums erhielt, so ergiebt sich für 1392 eine Zufuhr von 259 353 Stück Rindvieh und 930 523 Schweinen und Spanferkeln, dagegen für 1393 nur von 176 168 Stück Rindvieh und 70 604 Schweinen. Die Agrarier hatten behauptet, daß die deutsche Landwirtschaft den durch die Einfuhrerschtverung entstehenden Ausfall leicht decken würde. Wie iveit das zutraf, lehrt folgende Ueberstcht über die Ergebnisie der Viehzählungen. ES ivaren vorhanden in Deutschland: Rindvieh Schweine Schafe 1873.. 15 776 702 Stück 7 124 088 Stück 24 999 406 Stück 1883.. 15 786 764„ 9 206195„ 19189 715„ 1892.. 17 555 694„ 12 174 288„ 13 589 612„ 1897.. 18 490 772„ 14 274 557„ 10 866 772„ 1900.. 18 939 692„ 16 807 014. 9 692 501„ Die Ziffern zeigen, weini man von der Schafzüchtung absieht, eine recht ansehnliche Zunahme der Viehproduktion, doch ergiebt sich, wenn man die Zunahme der Bevölkerung berücksichtigt, trotzdem eine Abnahme des Viehbestandes pro Kopf der Bevölkerung; denn auf 100 Eimvohuer kamen: Rindvieh Schiveme Schafe 1873.. 38,4 Stück 17,4 Stück 60,9 Stück 1883.. 34,5„ 20,1, 42,0„ 1892.. 35,3„ 24,6„ 27,5, 1897,. 35,4„ 27,3„ 20,8„ 1900.. 83,7. 29,6. 17,2„ Doch auch diese Berechnung ergiebt noch keine vergleichbaren Zahlen. Man erhält diese erst, wenn man nach den von den Schlachthofverwaltungcn ermittelten Durchschnitts- Gewichtssätzen Schweine und Schafe in Großvieh umrechnet. Es konime» dann auf 100 Einwohner: 1873.. 48.8 Stück Großvieh 1883.. 43,7.. 1892.. 44,4.. 1897.. 44,3. 1900.. 42,3 ,. Das Ergebnis ist also zivar eine beträchtliche Zunahme der Gc- samt-Vichproduktion, aber ein Zurückbleiben hinter der Bevölkerungs� zunähme: ein Fehlbetrag, der durch vcnnehrte Zufuhr aus dem Auslände infolge der Spcrrmaßregeln nicht ausgeglichen wurde; vielmehr ging, wie wir vorhin sahen, die Vieheinfuhr alsbald auf weit unter die Hälfte zurück. Die Folge war. daß nach lleberwindung der flauen Jahre 1893/95 und nach dem Einsetzen des industriellen Aufschivnngcs, der die Konsumkraft steigerte, die Preise alsbald anzii- ziehen begannen, vornehmlich für Schweine, die sich im Durchschnitt des Jahres 1393 in Berlin auf 111,3 M, pro 100 Kilogramm Lebend gewicht für zweite Qualität stnit 20 Proz. Tara) stellten, während in 1895 der Preis nur 90.1 M. betragen hatte. Der flotte Absatz und die hohen Preise, die der Landtvirt mit Leichtigkeit erzielte, bewogen ihn. sich der Schiveineaufzucht mit be- sonderen» Eifer zuzuwenden, klebcrall findet man in den JahrcS- berichten der Landwirtschaftskammern, Laiidwirtschaftsräie und ähnlicher Korporationen für 1893 die hellste Freude über das Aufblühen der Schweinezucht, die als tentabelstcr Zweig der Landwirtschaft gepriesen wird. Unterstützt durch die reichliche Futtermittel-Ernte, erfolgte, teiliveise auf Kosten der Rinder- und Schafzucht, eine allgemeine Hinwendung der Landwirtschaft zur Schweinezucht, die sich deutlich darin zeigt, daß von 1897 bis 1900, also in dem kurzen Zeitraum von drei Jahren, obgleich in diesen der Konsum von Schweinefleisch infolge der guten Beschäftignng der Arbeiterbevölkerung nicht unerheblich steigt, der Schwcinebcstand um 2'/« Millionen Stück zunimmt, während die Anzahl der Rinder sich nur um rund 449 000(gegenüber 940 000 in den Jahren 1892—97) vcr- mehrt und die Zahl der Schafe um 1,17 Millionen abnimmt. Diese rasche Zunahme der Schweincproduktion, zu der sich, angelockt durch die hohen Preise, eine bedeutende Einfuhr von frischem und einfach zubereitetem Fleisch(meist aus den Vereinigten Staaten, Holland»>nd Dänemark) gesellte, die sick, in 1898 aNein auf 835 970 Toppclcentner im Werte von 72,5 Millionen Mark stellte, hatte schon in 1399 einen außergewöhn- lichen Antrieb zur Folge. Vom Januar 1899 ab, in ivelchcm in Berlin der Durchschnittspreis für Schweine ziveiter Qualität noch 104,3 M. pro Doppelcentner Lebendgeivicht beträgt, sinkt der Preis im Juni auf 90,3 M, Dann tritt nach der Ernte ivieder ein leichtes Aufsteigen des Preises ein, das jedoch nicht lange anhält; im Dezember stellt sich der Preis auf 91,2 M. Aber diese Preissenkung gilt nur für Schiveine; für Rinder steigt der Preis pro Doppelcentner iveiter um 2,6 M., für Kälber um 12,8 M.. für Hammel um 1,6 M._ politische Mebeestcht. Berlin, den 24. September. Mißbrauch der Religio». Die katholische„Germania" legt zun» zehutansendstenmal den socialdemokratischen Programmsatz, der die Religion zur Privatsache erklärt, so ans. als ob er jede Kritik nicht nur der Religion, sondern auch des MißbrauchS der Religion ausschlösse. Und nachdem sie diese unsinnige Deutung gegeben, die die Social- demokratie katholischer machen würde als der KatholiciSmus, folgert sie. daß das erneute Bekenntnis deS Münchcncr Parteitages zu diesem Programmsatz eitel Heuchelei sei. Gewiß, wenn unser religiöser Programmsatz nach der„Germania"- Vernunft aufgefaßt werden müßte, dam» wäre eS eine Heuchelei, und nicht nur eine Heuchelei sondern der vollendete Blödsinn. Wie sollte eine Partei wohl ihren Anhängern verbieten, daß sie als Individuen religiöse Fragen kritisch erörtern, wie sollte die Socialdemokratic vollends dazu kommen, darauf zu verzichten, den Mißbrauch der Religion zu Gunsten der herrschenden Klassen, wie ihn namentlich das Centrum übt, auch als Partei wie jede andre Art der Ausbeutung entschieden zu bekämpfen. Die Socialdemokratie erklärt die Religion zur Privatsache— das sollte die„Germania" doch endlich kapieren—, d. h. sie bestreitet, im Gegensatz zum KatholiciSmus. der staatlichen Macht das Recht, den Geivissen zwangsweise religiöse Vorschriften zu machen. Die Socialdemokratie läßt, ivieder im Gegensatz zur katholischen Kirche, jeden nach seiner Fa?on selig werden, jeder darf seine metaphysischen Bedürfnisse in einer ihn» passenden Weise befriedigen; die religiösen Empfindungen gehen die Partei als solche gar nichts an. Deshalb ist unser Programmsatz— Erklärung der Religion zur Privat- sache— so ivenig irgend einer taktischen Heuchelei entsprungen, daß er vielmehr gerade eines der aufrichtigsten und wichtigsten Kampf- mittel gegen das Centrum darstellt, daS die Religion zur Partei- und zur StaatSfache macht, das die Religion als Organ der Aus- beutung mißbraucht. Erklärung der Religion zur Privatsache— das ist keine feige Zweideutigkeit, kein unehrlicher Opportunismus, sondern gerade die heftigste Kampfparole wider das Centrum. das die religiösen Be- dürfnisse und Vorstellungen der Massen für die Zwecke der Partei, der Kirche und der herrschenden Klassen ausbeutet und verrät. Fiiv daS Centrnm ist eben die Religion keine Privatsache. Es giebt kaum einen besseren Beweis für die Erscheinung, daß die Religion nur als Privatsache ihr Heiligstes und Bestes gesichert erhalten kann, als das Centrum und den Klerikalismus. Unter dem Vorivand der Religion ist diese Partei irreligiös, antichristlich. Die ganze Politik des Centrums ist ein Hohn auf das Christentum. Un- christlich ist der Militarismus, unchristlich der Brotivucher, unchristlich! die Welt- und Kolonialpolitik. Echie Religion findet als Privatsache bei der Socialdemokratie höheren Schutz, während sie als Partei- und Staatssache vom Centrum und der katholischen Kirche mißhandelt und vergewaltigt wird. Nicht unser Programmsatz ist eine Heuchelei, sondern eine grobe und gemeingefährliche Heuchelei ist das Christentum des Centrums. mit dem es seine infame Unchristlichkeit in der Politik lackiert.— Russische Achtgroschenjungen in Deutschland. Man schreibt uns: Wiederholt ist in der socialistischen Presse die Aufmerksamkeit der deutschen Regierungsbehörden auf die Treibereien der Agenten der russischen Gendarmerie auf der preußisch- russischen Grenze gelenkt worden. Der Arbeiterbund für Litauen und Polen»nachte vor kurzem die Mitteilung, daß die russischen Agenten ihr Handwerk so unverschämt treiben, daß sie sich sogar er- dreisten, auf deutschem Boden offen nach verbotenen Büchern herum- zuschnüffelii. Die offiziöse Presse dementierte die Mitteilung. Darauf verwies aber die Presse auf den Fall Kugel, ans den» die unumstöß-. liche Thatsnche hervorgeht, daß verwerfliche Beziehungen der russischen Gendarmerie zun» deutschen Boden bestehen. Den Regierungsbehörden mußte doch bei den» Fall Kugel als erste! Frage auftauchen, auf Grund welchen Zeugenmaterials denn die! angebliche Anklage der rnssischen Behörden gegen Frau Kugel auf-j gebaut ist. Es steht jetzt fest, daß Frau Kugel nicht verhaftet ivordcnj ist, iveil man geglaubt hätte, sie sei mitschuldig an irgend einem Verbrechen; Frau Kugel ist zum Zweck der Erpressung von Zeugen- aussagen ins Gefängnis geschleppt worden. Sollte dies die deutsche Regicrnng nicht gewußt haben, so mußte sie doch auf jeden Fall die Fäden aufzudecken suchen, die den bezahlten russischen Denunzianten den weitesten Spielraum ließen und deren Fortbestehen für die deutscheu Grcnzbcivohner nicht ohne Gefahr ist. Man hat aber von einem Vorgehen und einen» Erfolg der deutschen Behörden in dieser Richiung nicht das geringste vernommen, wollen wir ihnen deshalb behilflich sein, indem wir hier einige von den» Gesindel näher bezeichnen, die auf deutschem Boden schon seit Jahren thätig sind. Man wird dabei sehen, von Leuten ivelcher Qualität die persönliche Sicherheit deutscher Staats- angchöriger abhängig ist. Da ist zunächst Mikelis Bahba, genannt auch die„Kleine Kette"(Masais Kehde). Der Mann ist schon 13 Jahre Schmuggler und oft für verschiedene Verbrechen eingesteckt gewesen. Im April 1900 wurde er ivieder einmal von der Grenzivache gefaßt und er sollte Zwangswohnsitz im Innern deS Reiches erhalten. In der Not wandte er sich an die Gendarmerie und bot ihr seine Dienste an. Diese legte sich auch für ihn ins Zeug und Bahba durfte in seinen» alten Wohnort bleiben. Seitdem befindet er sich im Dienst der Gendarmerie in Libau, die ihn mit großen Machtbefugnissen ausgerüstet hat; so darf er z. B. zu jeder Zeit unbehindert die Grenze überschreiten. Er hat unter anderm auch eine nicht geringe Rolle bei der Ver- Haftung der beiden Letten Klaiva und Rolniv gespielt, gegen die Frau Kugel aussagen sollte. Bahba ist jetzt etiva 36 Jahre alt, seinen ständigen Wohnsitz hat er i» Rutzan, unweit Polangen. Er ist stark gebaut und besitzt einen kleinen blonden Schnurrbart. Unter den nächsten Gehilfen des Bahba wäre vor allem die Familie G i r n a zu nennen, deren Mitglieder iveit im ganzen Um- kreis als Pferdediebe bekannt sind. Fast immer ist einer von ihnen im Zuchthaus, so auch jetzt, Ivo im Februar dieses JahreS das Bezirksgericht in Libau einen der Brüder Juris Girna wegen Meineid zu SVe Jahren Zuchthaus verurteilte. In Juris Girna verlor Bahba einen tüchtigen Mitarbeiter. Jetzt trifft man ihn an» meisten mit dem andren Bruder JahniS Girna zusammen. Wir nennen noch den Schnmggelcr Slihperneeks aus Polaiigen, der die beiden Klaiva und Rolaw dem Polizeimeister Nikitin in Polangen verriet. In Polangei» hat die Gendarmerie von Kurland außerdem noch vier Polizeisoldaten, die oft über die Grenze gehen. Unter ihnen zeichnet sich besonders einer Namens Wilks aus. Wiiks ist mittleren Wuchses, ziemlich korpulent und hat schwarzen Vollbart. In dir Gesellschaft Baljb.is befinden sich außerdem noch die folgenden Unterbeamten der Acciseverivaltiing von Rntzau: L e p s ch i S, Benfon, Simanow und Puke. Emil LepschiS ist jetzt 40 Jabre alt, hat einen großen roten Schnurrbart und das Gesicht eineS Trunkenboldes, sein Kopfhaar ist kraus, etwas rötlich schimmernd. LepschiS war früher Ueversetzer von schundlitterarischen Erzeugnissen für den Verlag Schablowsli in Mitau, widmete sich aber dann dem einträg« licheren Geschäft der M uschenfängerei. Benson ist 35—87 Jahre alt, mittlerer Größe, hat kleinen, schwarzen Spitzbart. Er hat eine Kreisschule absolviert, ist Ladenbesitzer in Hasenpot gewesen, hat Bankrc t gemocht und ist jetzt ans dem besten Wege.' die Karriere eines Geudarnien zu machen. Andreas Simanow ist fünf I. hre Gendarm in dem kurländischen Gendarmeriekommando ge- wesen, siedelte dann nach Libau über, wo er in den Dienst der Kriegshasen- Ge darmerie rat. Puke ist ein noch junger Mann von 2b Jahren, aber sehr diensteifrig; er that sich ganz besonder? im Frühjahr 1SOO bei dem Ausspionieren einer Sendung litauischer Bücher hervor. Puke ist schlank gewachsen und hat kleinen, blonden Schnurrbart. Alle die Genannten sind treue Knappen des PolizeimcisterZ in Polangen, Nikitin, und der Gendarmerie in Libau. Der Gehilfe der Gouvernement?- Gendarmerie von Kurland macht jede Woche nach Polangen Ausfahrten, wo die Agenten ihre Jiistruktioneu erhalten. Nach der Verhaftung des Rolaw und Klawa hielt er sich dort in der Begleitung de« Prokurators für politische Angelegenheiten in Libau L e b e d e w mehrere Tage aus. die Agenten erhielten damals den Auftrag, um jeden Preis jemand herüber- zuschaffen. den man als Zeuge» verwenden könnte. AIS Opfer fiel ihnen bekanntlich am 1. September die sechszigjährige alte Frau in die Hände. Als Treffpunkt auf deutschem Boden dient den zarischcn Treibern das Feinsteinsche Restaurant gegenüber Polangen, zwei bis drei Kilometer von der Grenze ent- f e r n t.-- *•* Deutsches Fieich. Tie Partei der Zollverständigmig. Die.Kölnische Volkszeitimg" erzählt recht aufrichtig, Warinn das C e n t r u m besonders berufen ist. das Znstandekonnncn des Wuchertarifs mit allem Eifer zu bewirken. Das CentrumSblatt knüpft an die Erörterungen B e b e ls in München an, der ans- führte, daß daS Centrum in große Schivierigleiten geraten müsse, wenn bei der künftigen Reichstagswahl die Zollvorl'age zur Ent- fcheidung steht und die dem Enitrum angehörigen Arbeiter niedrige und die Landwirte hohe Zölle lordern. Darauf führt die.Kölnische Volkszeitung" aus: .Daß die Wünsche in dieser Beziehung etwas anseinander- gehen, ist eigentlich ganz natürlich, aber bei näherer Ueberlegung werden sich�beide Teile sagen, daß das Heil in der Verständigung liegt. Setzen wir den— übrigens undenkbaren— Fall, bei den nächsten Wablen würde» 50 CentrnmS- Abgeordnete gewählt, die sich anheischig gemacht hätte», für mög- lichst niedrige, und 50. die versprochen hätten, für möglichst hohe Zölle zu wirken, so ist doch klar, daß diese beide» Richtungen sich gegenseitig aufheben würden. Sachlich hatte also niemand etwa? gewonnen. weder die.Ccntrnms- agrarier- noch ihre Gegner, und erreicht würde damit nur die politische Ausschaltung d e S C c n t r u in s. ll n s r e P a r t e i würde bei Erledigung der ganzen Frage überhaupt nicht mehr in Betracht kommen, und das ist ja gerade. was die Gegner wollen. Sie hätten die Frage aNein zu ordnen, wenn die beide» Hälften des Centrums wie die beiden Löwen in der Fabel sich gegenseitig verzehren würden. Nun verlange» aber die höch st en Interessen des Centrums dringend, daß es in dieser Frage eine ent scheidende, ausschlaggebende Rolle spielt. Von diesen» Standpunkte aus wird eine vernünftige Parte i- l e i t u n g alle diejenige» Bestrebungen, welche auf V e r- st ä n d i g u n g hintvirken, mit Freuden z u begrüßen haben. Wer das Ccntrnm allzu entschieden in die eine oder andre Richtung drängen will, bewirkt dadurch nur, daß auch die entgegengesetzte Ausfassung sich desto kräftiger geltend zu machen sucht. Daß es nicht möglich ist. das ganze Centrum auf irgend einen extremen Staudpunkt zu einigen, sollte doch schon längst jedermann eingesehen haben; wer dennoch diesen Weg beschreitet, arbeitet bewußt öder unbewußt aus eineSpaltung der Partei hin." Die„Köln. VolkSztg." hält die für ihre Partei verhängnisvolle Aussicht des AnseinanderfallcnS in Vertreter niedriger und Vertreter hoher Zölle für„undenkbar". Dennoch ist es die Furcht vor dem Undenkbaren, die da« Centrum mit allen Mitteln an der Beseitigung des ZollzwisteS unter den Zollparteien und an der Durchführung des Tarifs arbeiten läßt.— Regierungen und Fleischuot. Auch die sächsische Re- gierung hat sich jetzt entschlossen, eine Nntersuchung über die Ursachen der Fleischpreissteigeruug vorzunehmen. Der b a d i s ch e Minister Dr. Schenkel hatte eine Aussprache mit den Oberbürgermeistern von Karlsruhe und Mannheim, in der er anerkannte, daß nach den bisherigen Ergebnissen der auf An- ordnung des Ministeriums des Innern erfolgten Feststellungen über die Markt- und PreiSverhältniffe ein gewisser Rückgang d e S Auftriebs, insbesondere von Schweinen, und eine Steigerung der Fleischpreisc nachgewiesen ist. und er erklärte, wie die„Südd. Reichskorr." mitteilt, ferner, daß die großherzogliche Regierung demgemäß in eine Prüfung der Frage eingetreten sei, ob nicht etwa durch eine Milderung der be st eben den Vorschriften die Möglichkeit einer Einfuhr lebender Schweine herbeizuführen sein werde.— Das sind noch überaus gering« Hoffnungen, die das badische Ministerium der von der Fleischnot bedrückten Be» völkerung eröffnet. Aber diese Erklärnnge» scheinen immerhin einen winzigen Anfang einer ernsthafteren Behandlung dieses dringenden Problems zu bedeuten.— Der Fleischer-Verband verbreitet ein Flugblatt, in dem er sich gegen die agrarischen Adleugnnngen der Fleiichnot sowie gegen die Behauptung wendet, daß die Fleischer die Urheber der Preissteigerung seien. Das Flugblatt geht Stück um Stück die agrarischen Schein- beweise durch und widerlegt sie gründlich. Es gipfelt in dem Satze: „Diese Verhältnisse verlangen gebieterisch, daß die Zufuhr von Schlachtvieh aus unsren viehreichen Nachbarstaaten in größerem Um- fange als bisher ermöglicht wird, und zwar soll dies unter solchen SicherungSmoßregelu geschehen, die jede Bedrohung des heimischen Liehstandes mit Seuchengefahr ausschließt."— DaS ZollgeheimniS. Wo immer eine politische Situation un- entwirrbar dunkel erscheint, da hat man sich gewöhnt, nach dem Kaiser zu suchen, der hinter den Conlissen die Drähte zieht. Aus dieser Gewohnheit heraus, wird jetzt das Gerücht verbreitet, daß Graf Bülow persönlich den Agrariern eine Erhöhung der Getreide- zölle um 50 Pf. über die Regierungsvorlage hinaus zugesagt habe, hierfür aber ebenso wie bei seiner Befürwortung der G e w ä h r u n g von Diäten die Zustimmung des Kaisers nicht erlangt habe und sich auch nicht getraue, eine solche fonnell nach- zusuchcn. Wenn dem so ist, so würde das allerdings bis zu einem gewissen Grade sowohl den Widerstand der Minister gegen die Ucber- zölle als au» den Trotz der Agrarier erklären; die Lausekanal- Stimmung herrscht!— Freisinnige Hilfsleistungen für den Zollwnchrr. Die frei- sinnige Volkspartei setzt ihre wundersame Taktik fort, die zur Wirkung hat, den Zollentwurf der Regierung zu stände zu bringen. In der Kommission hatten die Socialdemokraten selbstverständlich gegen den Quebrochozoll von t M. gestimmt und für die bisherige Zollfreiheit; dadurch kam der 7 Mark-Satz in den Entwurf. Nun lamentiert die„Freis. Ztg.", daß die Socialdemokratie den Agrariern in die Hände arbeite; sie findet daS.unglaublich". Wenn wir nicht längst wüßten, daß die Freisinnigen unter Müller-Sagans Leitung in der Kommission durch ihre unsinnige Taktik des öfteren der Regierung direkt in die Hände arbeiten, so würden wir das Verhalten der Freisinnigen für unglaublich erklären. Nach der Theorie vom kleineren Uebel müffen wir natürlich die an sich möglichen Zollsätze der„mittleren Linie" zu Falle bringen, während die agrarischen Ueberzollfordernngen wegen ihrer llnfinuig- keit ungefährlich sind. Die höheren Zölle sind in Wirklichkeit daS kleinere Uebel. Wir vermuten, daß die Freisinnigen— gemäß ihrer bisherigen Taktik— auch für den 5,50 Zoll auf Getreide stimmen werden, damit nicht etwa der bündlerische 7,50 Mark-Zoll„siege".— Kavallerie Attacken gegen den„Kleinen Cohn". Von einen» neuen Reiterfest erzählt die Breslauer.BolkSwacht": Eine an 1000 Köpfe zävlende Voiksmena- hatte sich am So-ntag zu Wagen, zu Rad, mit der Bahn und zu Faß an? Beuthen. G-ogau, Neusalz. Grünberg, Primkcnan, Sagan, Frehstadt, Züllichau, sogar Breslau hier eingefunden, um am Nachmittage dem Neiterfeste bei- zuwohncn, das Graf Pückler mit seinem MnsikcorpS»nd seinen 50 Reitern auf seiner Feldmark an der Bahn veranstaltete. ES wurden Quadrillen gevitle», Attacken aufgeführt und ein Parade- marsch geritten. Während des letztern stieg zum allgemeinen Gaudium ein Ballon über der Rcilerschar auf, ivelcher als Gondel das Bildnis des„Kleinen Cohn" in Lebensgröße trug. Gegen 3 Uhr erfolgte der Rückritt nach dem GutShose, wo der Graf eine Generalpauke an seine Ritter hielt. Bei den hervorragenden kavalleristischen Neigungen des Dresch- grasen ist eS wunderbar, daß er, da die Kavallerie doch hochmodern ist, noch immer nicht in der Armee ein« leitende Stellung e» halten hat. Für die Führung von Manövern neuesten Stils, die immer mehr zu Reiterfesten werden, wäre der Herr von Klein-Tjchirne der rechte Man».— Schutz für Fälschnngrn verlangen nicht nur CentrumSblätter, sondern merkwürdigerweise auch manche Staatsanwälte... Im Jniii dieses Jahres wurde eine Nummer der.AngSburger Stadlzeitnng". worin die Aachener Heiligtümer verbö'.mt wurden, konfisciert. Endlich, nach viermonatlicher Unteriuchung. ist. der „Leipziger BolkSzeilung" zufolge, daS Verfahren eingestellt worden mit der Begründung, daß die einzelnen Relignien nicht unter dein Schutze des Gesetzes stehe» und daß daher das Gericht wegen einer Bcjchrinpfuug des kirchlichen Gebrauchs der Rcliquienverebinng keinen Anlaß hat, gesetzlich vorzugehen. Die Kosten trägt die Staatskasse und die Beschlagnahme wird aufgehoben. Vielleicht entschließt sich nun der eifrige Staatsanwalt, zu prüfen, ob er nicht gegen die belrügeriiche finanzielle Ausbeutung unechter „Reliquien" einzuschreiten hat.—.- Eiscnbahiitarisrcforin in Sachsen. Die sächsischen Finanzen sind schwer trank, sie leiden inSbeixmdere riiitcr der Ungunst der Eisenvabneinnahmen, die seit einer Reibe von Jahren in leinem Ver« bällnis stehen zu den stark gewachsene» Ausgaben. Wie die„Magde- burgische Zeitung" erfährt, bat sich die sächsiiche Siegimmg zu einer Peisonclitarif.eform entichlvssen, von der sie Abhülfe der Finanznot erhofft. Die sächsische Regierung will damit thimlichst bald und zwar auch in dem Falte vorgehen, daß andre Eiienbabn- Verwaltungen, namentlich aber die p r e wß i s ch e n Staatsbahnen, sich zmiächst noch abwartend verhalten-sollten. Die Reform wird sich auf folgender Grundlage vollziehen: Beseikignng aller Rücklahrkarten, Herabsetzung des Preises für einfache Karle» ans die Halste der jetzigen Rücksahikarlenpreise, Erhebung eines Znichlages für die Be« »ntznng von Schnellzügen, Abschaffung des Freigepäcks und Er- Mäßigung der Gepäckfracht. Die Regierung siebt in der Reform das einzige Mittel, eine BerkehrSsteigcrung und damit zugleich die io wünschenswerte Vermehrung derEin nahmen herbei- zuführen.— Der„schöne Sinklanft", der nach den Worten deS Herrn Dr. Max Hirsch„trotz der verschiedene» Richlunge»" i» der Berlepsch- Gesellschaft für iociale Reforin herrscht, ist in der von miS gestern schon besprochenen Abendversaminlung in Köln schließlich doch er- hcvlich gestört worden. DaS Wölfische Telegraphenburean. das gestern über die Vcrsanimluiig berichlete, als fei sie ein politisches Ereignis, hat freilich von dieieii Mißklängen nichts berichtet. Unser Kölner Korre-pondent berichtet»ns darüber folgendes: Der naiional-fociale Herr Tischen dörfer hatte seine Rede mit der stolzen Erklärung degoimen: AnS der Anordmiiig. daß ein Arbeiter nach einem so bohen Staatsmann wie Freiherr» v. Berlcpsch, und vor einem Politiker von solchem Rnf. wie Herrn Justizrat Trimbor». rede» könne, ersehe man, daß die Gesellschaft für sociale Reform Ernst mache niit dem Gedanken voller Gleichberechtigung der Stände. DaS Entzücken des Herrn Tiichendörfer über die vornebme Nachbarichaft hielt aber nicht über den Abend binanS. Gleich nach seiner Rede verabfolgten ihm Herr Trinidorn und der Vorsitzende der Kölner OrtS- gruppe, Banrat Slübben, eine eiskalte Donche. Herr Tischen- dörfer verlangte in seiner Rede«in Reichs- Vereinsgesetz nach den» Vorbild der badischen und ivürtlcnibergischen Gesetze. Ter Redner citierte eine Menge von wiükürlichen und rechtswidrigen Verl'alnmlnngsverboten und-Aiiflöfiingeii und Verfolgungen der organisierten Arbeiter ans Grund des§ 153 der Gewerbe-Ordnnng. Er kritisierte ferner die Rechtsprechung. Immer nur seien eZ die Arbeitervereinignngen. die man chikaniere und unterdrücke, während man das Recht der Unternehmer, sich zu koalieren, nicht beschränke; dadurch ivcrde bei den Arbeitern der Eindruck erweckt, daß mit zweierlei Maß gemessen iverde. Mit wawsendcm Unbehagen hatten die bourgeoisen Social- reformer und ihre Freunde die AuSsührunaen angehört und manche sogar den Saal Verlaffen. Herr T r I m b o r n, der Kölner CenlrnmSabgeordnele, der mit Herrn Tiichendörfer in der Leitung der Gesellschaft für sociale Reform sitzt, beeilte sich, zn versichern. daß man durchaus nicht mit jedem Satz de« Vor« redners einverstanden sei, wenn man auch die Unfehlbarkeit der vercinS« und veriammlungSrrchllicheii Bcstimmniigcn erkenne. Er betone, daß man weit entsenit sei, für jeden Mißgriff die betreffende Polizeibehörde oder für wunderliche Entscheidungen daS betreffende Geriwt verantwortlich zu machen. Baurat S t ü b b e n erklärte in Ucbereinstimmiing mit den an- wescndcn Mitgliedern de? Vorstandes der Kölner OrtSgnippe. daß er mit den Zielen in dem Vortrage deS Herrn Tischendörfer ein« verstanden sei; aber die Art der Begründung, so sagte der Herr, „ist für n»S in einzelnen Teilen nicht recht genehm gewesen Sehr richtig I)... und ich hätte im Ton und der AnS« ü h r u n g manches anders gewünscht". Man wolle gewiß eintreten für die Koalitionsfreiheit der Arbeiter, für einen besseren Schutz der Arbeiter; aber daS sei doch nicht der ganze Inbegriff der beabsichtigten Thätigkeit; eS gebe noch«ine ganze Reibe social- politischer Interessen. Er habe geglaubt, das sogen zu müssen, n m nicht einen falschen Schein auf die Kölner Ortsgruppe kommen zu lasten. Bielleicht erkennt auch Herr Tischendörfer, daß die lampsbewußte Arbeiterschaft recht handeli. indem sie die ehemaligen Minister, Komoierzienräte, HandelSkammersekretäre-c. dem Bunde mit den Vertretern der schwarzen Partei deS socialpvlitischen Betruges überläßt.— Ei» Lieutenant#10 Soldatenquäler. Ans Thorn wird berichtet: Wegen vorschu-:Swidrig«r Behandlmig Untergebener»nd Unterdrückung einer Meidimg hatte sich der Lieutenant Danimami von der dritten Tompagnie deS Pionier-Bataillons Nr. 17 vor dem Kriegsgericht der 35. Division zu verantworten. Der Pionier Schubert bekundete, daß, wenn er in der JiistruktioiiSstmide schlecht geantwortet hatte, er in dieW»hnung deSLieutenantS D a m m a n n befohlen worden sei. Hier mußte er dann Gewehr- strecken mit Kniebeugen 2Ov biS 250 mal dreiviertel bis eine Stunde lang vornehmen. Dadurch sei er dann so angestrengt worden, daß er noch am nächsten Tage Zittern in den Knien ver- spürt habe. Schubert hat eine derartige Behandlung zu zehn ver- schieden«» Malen erfahren. Auch der Pionier Jenba hallt sich einmal gleich nach den» Dienst bei Lieutenant Tammann zu melden nnd muffte dann Gewehrstrccken und Kniebeugen längere Zeit, fast bis zur Erschöpfung, üben. Die Meldung eines Unteroffiziers über eine drohende Aeuffernng eines Pioniers halte Lieuteiiant Damman» als unbedeutend nicht weitergegeben. Das Kriegsgericht verurleilte ihn wegen unterlassener Meldung und vorschristswidriger Behandlung von Untergebenen in ll Fällen zu vier Tagen Stubenarrest. So milde Strafe wird kaum erzieherisch wirken.— Centrnmszöllner und Crntrumsprrffe. Ans Baden schreibt man unS: Nicht bloß im Rheinland, auch bei uns in Baden beginnt denjenigen CentnimSleulen, die eS mit dem Volke noch ehrlich meinen, ob der unverblümt zoll- wucherischen Haltung ihrer Berliner Parteifraktion nachgerade das Geiviffen zu schlagen Der„Ba bische Landsmann" in Ettlingen, ein niit anerkennenswertem �.eimut redigiertes CentrnmS- blättchcn, besten Redactenr in der praktischen Örganisanon und Agitation unter den katholischen Arbeitern ciwig thätig ist, unterbreitet heute seinen Lesern den auch vom„Vor- wärlS" mitgeteilten Aufruf deS München- Gladbacher CentxnmsvereinS zum Protest gegen die Zollwucher- Politik der klerikalen ReickStagSsraktion und knüpft daran die iolgcndcn, als Symptom gewisser Unlerströmuiigen in seiner Partei nicht uninteresianten Bemerkniigen: „DaS sind keine erfreulichen Anzeichen für die RetchStagSwahlen; sie verralen, daß daS Cciitrinn diesmal, einen schwierigeren Stand haben wird, als bei früheren Wahlen, veranlassen' aber hoffentlich die Partei, die engste Fühlung mit allen Volkskreisen zu nchnien. In diesen wirtschaftlich gegensätzlichen Fragen läßt sich nicht so einfach von einer Stelle an««ine Direktive geben, wie etwa in religiösen Fragen. die schon durch die Kirche bestimmt sind, sondern da will jede Interesse ii tengr n ppe gehört und berücksichtigt sein, sonst thut sie nicht mit." Der erwäbine rege Verkehr des.Landsmann"-NedacteurS mit der katholischen Jndustrie-Arbei terschaft hat ihm wohl die Kenntnis vermillelt von der gewaltigen Erbittening. die auch hier- zulande in jenen Kreisen gegen die agrarische Verteueruiigs- und Hungerpolitik der maßgebenden preußischen CentruuiSgrafen vor- handen ist. Wie der guie Mann es fertig bringen will, den Wünschen aller Jntereffenleiigruppen gerecht zu werden, also den Bauern zu bohen Vieh- nnd Kornpreisen, den Arbeitern zu billigem Fleisch und Brot zu verhelfen, daS ist freilich ein Rätsel. Er wird es also wohl erleben, daß bei den nächsten ReichStagSwahlen die einen oder die andren„nicht mitthun".— Hiobsnachrichten anS Kiantschon. Die„Times" veröffentlichen eine Nachricht über verheerende Urnvelteikatastrophen in»nsrem„Platz an der Sonne". Danach haben kürzliche Regengüsse großen Schaden an den Bahnlinien, namentlich zwischen Kiautschou und Kaumi und zwischen Kmimi nnd Weihsien angerichtet. Dämme seien weggeschwemmt, Brücken, die eine Million Mark gekostet, unterminiert und der Berkehr sei unterbrochen worden. Auch die Bevölkerung und deren Häuser und Felder hätten schwer gelitten. In dem niedrigen Haoli-Dfftrikt. westlich von Kaumi. seien vier Dörfer fast verschwunden und mehrere Todesfälle vorge- kommen. Die Bahngesellschaften behaupteten, solche Regengüsie seien fast nie dagrivesen und die Bahndämme seien ein Vorzug- licher Schutz gegen die Hochfint. Die Chinesen erklärten jedoch, schon im ersten Jahre der deutschen Occnpation 1bS8 seien gleiche Regengüsse infolge der Abwesenheit von Bahndämmen un- schädlich abgelaufen. Als der Damm vor drei Jahren gebaut wurde. protestierte die Bevölkerung, weil er nicht genug BbzngSöffnnngen habe, und da man nicht darauf achtete, tnig sie den Damm ab. Die Kiautschou-Rcgierung habed>rauf eine Expedition ent- sandt, die eine Anzahl Einwohner tötete und die Dorf« mauern abtragen ließ. Ein Beweis, daß die Chinesen recht gehabt, sei, daß die Regierung jetzt die D a m m ö f f n n n g e n bauen lasse, um welche die Bevölkerung damals gebeten habe. Der„Lokal- Anzeiger' erfährt hierzu von.wohlinformierter Seite", daß die Thatsnche der verheerenden Ueberschwenmiungen richtig sei. Die Bahndämme seien zum Teil fortgespült, die Brücken eingerissen worden. In Kiautschou habe teilweise daö Waffer l'/e Meie» hoch gestanden. Viele Häliser seien eingestürzt und gegen sechzig Einivohner ertrunken! Auch Kaumi und mehreren benachbarte» Dörfern sei eS nicht bester ergangen, auch hier hätten viele Menschen in den Wassern ihr Grab gefunden. Die„ivohlivformierte Seite" bestreitet jedoch, daß die chinesische Bevölkerung schon seiner Zeit die unheilvolle Wirkung des mit ungenügenden Durchlässen versehenen Bahndammes erkannt und aus diesem Grunde gemeutert habe. 1839 hätten sich die Chinesen viel- mehr auS allgemeinem Freindenhaß erhoben. Diese Widerlegung erscheint unS absolut nicht überzeugend. Viel wahrscheinlicher ist eS vielinehr, daß die chinesische Bevölkerung, die ihr Klima nnd die Gefahr der Waffcrkatastrophen auS Erfahning kennen mnßle, auch speciell wegen der durch den Bahnbau herauf- beschworenen Lebensgefahr revoltierte, als Borstellungen nichts halfen. DaS Achtmillimettige brachte sie zum Schweigen. Die nun wirklich eingetretene Wafferkataftrophe, die durch die Stauungen infolge deS Bahndammes in ihrer verheerend«» Wirkung verschärft Ivnrde, hat den deutschen Technikern nun zwar ihren Irrtum gründlich nachgetviesen, aber gleichzeitig auch Hunderten von Chinesen daS Leben gekostet! Ueberau» seltsam aber ist eS, daß diese Nachricht erst durch einen in einem englischen Blatte veröffentlichten Brief in Deutsch- lnnd bekannt werden mnßte,»vährend mau in Deutschland selbst über daS traurige Vorkommnis längst unterrichtet sein müßte, und, wie die„wohlinsormierte Seite' deS„Lokal-Anz." beweist, auch unterrichtet war! Wie auch daS lange Schweigen üoer die Cholera-TodeSfälle in Kiautschou beweist, scheint man es mit einem systematischen Schiveigeshstem über alle un- angenehmen Nachrichten zu thim zu haben!— Ausland. Ein neuer russisch-chinesischer Vertrag. Ein in Port Arthur erscheinendes Blatt„Nowv KraS' ent- nimmt dem„Ostas. Lloyd' die von K a n t o n e r Blattern ver- öffentlichtcn näheren Mitteilnngen über den Tibet-Bertrag. Die 12 Vertragspunkte lauten: 1. Um den Friede» im Lande aufrecht zu erhalten, tritt China, da eS selbst machtlos ist, seine Rechte auf Tibet an Ruß- I a n d ab. 2. Rußland garantiert China die Unabhängigkeit seiner (E h i n a S) P r o v i n z e n. 3. Wenn China im Falle eines Krieges oder von Unruhen nicht im stände fein sollte, die Rnhe wiederherzustellen, s o hat Ruß' landdaS Recht, sich einzumischen, um selb st Ruhe zu schaffen. 4. Rußland übernimmt Tibet nnd wird eS durch seine Vertreter verwalten lassen. 5. China darf in Tibet Konsulate errichten. 6. Rußland verpflichtet sich, die chinesischen Kaufleute zu unter- stützen. 7. Wenn sich in Tibet chinesische Flüchtlinge aufhalten. so soll Rußland sie ausliesern. 8. Rußland darf von chinesischen Waren in Tibet seine Ab- gaben erbeben. 9. Rußland muß der einheimischen Bevölkerung eine gute Be- Handlung zu teil werden lassen. 10. Rußland darf der einheimischen Bevölkerung keine Religion urit Gewalt aufdrangen. 11. Rußland steht das Recht zu, in Tibet Eisenbahnen zu bauen und Bergwerke anzulegen. ES muß den Chinesen jedoch gestattet sein. Aktien derartiger Unternehinungen zu erwerben. 12. Beim Eisenbahn- und Festungsbau dürfen die chinesischen Tempel nirbt zerstört werden. Tie„R o w o st i" geben die Mitteilungen des offiziösen„Nowy Kras" wieder, obne ein Wort hinzuzufügen. Dnrcb die Abtretung Tibets— das sich übrigens nur formell unter Chinas Oberhoheit befunden hat— an Rußland wäre die RribilUgsfläckie zwischen Rußland und Brilisch-Jndien, die bisher in Pamir und Riijsijch Turkestan vorhanden war, außerordentlich ver- größerr worden. Ob Rußland für das bislang ganz unbekannte, erst durch Sven Hedins Forichuugsreisen geographisch und ethnologisch entdeckte Hoch- plateaugebiet Tibet die annektierte Mandschurei nun wirklich tvicder herausgeben wird, i;. noch die Frage. Da durch den obigen Ver- trag Rußland ausdrücklich das Recht eingeräumt wird, im Falle von „ Unruhen" auf chinesischem Gebiete durch seine eignen Truppen „Ruhe z» schaffen", so hat es Rußland ganz in seiner Hand, In- vaflons truppen in der Mandschurei unter dem Vorwand noch nicht völlig nulerdrückter Unruhen beliebig lang zu unterhalten.— Ein Aufruf der Boerengenerale, unterzeichnet von Botha, De Wet und D e l a r e h ist am Miltivoch erschienen. In demselben heißt es zunächst, die Boere» seien nach einem Kampfe von mehr als 2>/s Jahren gezwungen gctvesen, die ihnen gestellten Friedesbedinguugen anzunehmen. Die in Vereenigiug versammelten Vertreter hätten die Generale beauftragt, sich nach Euglaird zu begeben, um dort eine Linderung des unermeßlichen Notstandes zu erlangen, der die ehe- inaligc» Republiken betroffen. Da es den Generalen nicht gelungen sei, in England Hilfe zu finden, so mußten sie einen Aufruf an Europa und Amerika richten. Sie dankten für die den Frauen und Kindern in den Konzentrationslagern gewährten ilnterstützluigen. Die Angehörigen der Republiken seien nach dem Kriege völlig zu Grunde gerichtet, die gänzliche Ver- Wüstling des Landes sei unbeschreiblich, 30 000 Häuse» und viele Dorfschaften seien niedergebrannt und zerstört. Die Generale bitten deshalb um Liebesgaben zur Unterstützung der Witiven und Waisen, der Verstümmelten und Bedürf- tigcn, sotvie zur Erziehung der Kinder und erklären, sie besprächen die schrecklichen Folgen deS Krieges nur, um zu zeigen, wie groß die Not sei, keinesivegS aber, um die Gemüter von neuem zu erregen. Der kleine Betrag, welchen England nach den Bedingungen der Uebergabe leisten werde, sei, auch wenn er um das Zehnfache vermehrt werde, völlig ungenügend, um allein die durch den Krieg erlittenen Verluste zu decken. Da die Boeren ja jetzt englische Unterthanen geworden sind, ist wohl auch, analog einer früheren Aktion zu Gunsten der hungernde» Indiek, eine Anregung Wilhelm? II. bei der hohen Finanz zu Gulisten der ausgeplünderten Boeren zu erwarten.— Oestreich-Nngarn. Eine grofffitrstllchc„Strecke". A»S B u d a p e st wird gemeldet: Der als Jagdgnst beim Grafen Zichy ans dem Gute Scant Jvanie weilende russische Großfür st Konstantino- witsch erschoß gestern während der Jagd fünf Treiber. Der Großfürst dürste damit wohl den Rekord gemeingefährlicher Sonntagsjägerei erreicht haben. Wie er fünf Treiber erschießen konnte, ist geradezu unverständlich, selbst wenn er alle drei Läufe eines Drillings auf eine Treiberkette abgefeuert haben Die Wiedereröffnung der Schulen nach Schluß der großen Ferien ist in vielen Departements bereits erfolgt. Nirgends hat sich ein Mangel an Lokalitäten bemerkbar gemacht, selbst dort nicht.>vo viele Ordensschulen geschlossen wurden. jJn Finistöre sind die Schulen in 32 Kommunen eröffnet worden.— England. Englische Barbarei nach dem Friedcnsschlnst. Wie die Engländer die australischen Freiwilligen zurücksandten, geht zur Genüge aus einem Bericht hervor, den man der„Frankfurter Ztg." unterm 7. August ans Sydney sendet. Darin heißt es: Zustande der haarsträubendsten Art scheinen auf dein gestern nachmittag auS Durban im Melbourner Hafen eingetroffenen TrauSportdampfer „Drahton G r a n g e" geherrscht zu haben. Z,, stände, die eS mit sich gebracht haben, daß von den mit dem Schiffe heim- beförderten Freiwilligen fünf Mann unterwegs gestorben sind. während neunzig Mann zum Teil sehr schwer erkrankt daniederliegen. Die„Drayton Grange" hat Raum für aller- höchstens 1500 Passagiere, Ivos aber, wie es scheint, die englische» Transportbehörden nicht weiter angefochten hat. Sie haben es auf jede» Fall fertig gebracht, in Durban 2000 Mann ans dem Danipfer einzuschiffen. Man kann sich ungefähr vorstellen, was die Folge ge- wesen ist. Die Art und Weise, wie die 2000 Mann an Bord zu- sannnengepfercht waren, mußte die Disciplin natürlich schon vom ersten Tage ab vollständig lockern. Zum Unglück war dazu die Ueberfahrt sehr stürmisch,' so daß die Leute fast ohne Ausnahme an der Seekrankheit gelitten haben, ohne dabei des schlechten Wetters wegen im stände zu sein, sich an daS Deck zu schleppen und auf diese Weife dem Gestank, der in den unleren Räumen herrsche, zu cut- rinnen. Kein Wunder, daß sich alsbald Krankheiten zeigten. Nun hatte der Dampfer ztvar ei» Hospital, dasselbe war indessen nur für 35 Kranke vorgesehen, während die KrankheitS- fälle sich bald so erschreckend niehrten. daß zeitweilig nicht weniger als fünf verschiedene Krankenstationen auf dem Schiffe eingerichtet werden mußten. Und welcher Art sind diese geivcsenl Ein miserabler Holzverschlag auf dem Verdeck bat bei'pielSweise zur Aufnahme von 15 notdürftig aus Kisten und dergleichen zusammen« gezimnierten Betten dienen müssen. Das ganze„Hospital" war so beschaffen, daß die armen Kranken bei jedem Regenguß biS auf die Haut durchnäßt wurden. Und obendrein hat es sogar a» den not- wendigsten Arzneimittel» gefehlt. In diesem Znstand ist das Schiff in Albany(Westaustralien) eingetroffen. Hier haben zwar die Schiffsärzte sofort sich beschwert und die Verbringung der erkrankten Maunfchaften an Land verlangt; die dortigen Behörden haben die? Ersuchen aber abgeschlagen, angeblich weil es an den nötigen Räumlichkeiten fehle und auch sonst keine Vorkehrungen für die Pflege fo zahlreicher Patienten getroffen worden seien I— Die Viehzötte. 105. Sitzung der Zolltarif-Kom, nission. Berlin, 24. September. In der Generaldiskussion über die Viehzölle ergreift das Wort v. Wangcuheim: Er. Redner, habe bekanntlich seine Anträge auS der ersten Lesung ivieder eingebracht. Nach einigen Sätzen über Mnrgarineprodnktion und Viehmast will Redner„mit einige» Worten über die berübnite Flciichnot" sprechen. Die Viehzucht sei im Fortschreiten und es sei nicht zu leugnen, daß qegenivärtig hohe Flcischpreise beständen. Aber das sei nicht den Viehzüchtern zur Last zu legen. Wolle man die niederen Preise genießen, müsse man auch mal die hohen in Rauf nehmen. Die Maul- und Klanenseuche sei milder aufgetreten als früher, aber mrt der Oeffnung der Grenzen erhöhe man sofort die Gefahr. Außerdem nehme die Aufhebung der Grenzsperre den Schweinezüchtern iin Innern den Mut, die deutsche Zucht werde zurückgehen. Sieg: Nach Stodthagens Rede sei er mit sich zu Rate ge- gangen, ob er zu denen gehöre, die das Volk ausbeuten; zu ver Erkeimtnis sei er nicht gekommen. bielmehr sei er zu der Ansicht gelangt, daß er und diejenigen, die durch die hier beschlossenen Zölle einen wirtschaftlichen Ausgleich herbeiführen wollten, die größten Wohlthäter des Volkes seien. Jetzt, da der Brotwucher nicht ziehe, muffe die Fleischnot herhalten. Nur die Presse habe die Beunruhigung hinaus- getragen.(Zuruf: Macht sie die Preise?) Redner behauptet sodann, daß die Viehhändler durch Zurückhaltung von gekauftem Vieh die Preise in die Höhe treiben und macht Angaben über die Preise, die den Vieh- züchtern gezahlt werden. Die Fleischtheuerung gebe er zu, aber sie falle nur den Fleischern und Händlern zur La st. WaS der Landwirtschaftsminister gesagt habe, sei richtig, mir die Zahlen seien nicht ganz richtig.(Heiterkeit.) Der Minister habe als praktischer Mann, der Erfahrung besitze, geredet, er möge und dürfe die Maßnahmen der Greiizenöffnung nicht ergreifen. Kohlenprcise und Wohnungsmiete seien wucherisch gestiegen, dagegen kehre man sich. In Bezug auf die Fleischpreise werde über- trieben, vorübeigehend seien hohe Preise wünschenswert, dadurch habe der kleine Mann Vorteile, der Ferkel pflegend mit der Flasche aufziehe und besser behandle, wie die Kinder, weil eS sich um sein Kapital handle. Er freue sich über de» Laudwirtschafts- niinister(Große Heiterkeit!), der sich nicht beeinflussen lasse. Hebe man die Sperre auf, werde im Umkreise von vier Meilen alles Vieh entwertet.(Heiterkeit.) Pachuicke: Sieg habe ziemlich nervös und so agrarisch geredet, daß eine Veröffentlichung seuier Rede tvünschenswert wäre.(Zu- stimmung.) Als Nationalliberaler habe er Herrn v. Wangenheim, den BiinMer,' übertroffcn und Unwahrheiten ausgesprochen. Gegen die Kohlcnnot sei das Volk in hoher Erregung änfgetreten, auch gegen die MietSsteigernngen tverde dauernd Front gemacht. Die Regierung möge nur recht schnell ihre Erhebungen machen, ohne die man wisse, daß der Auftrieb von Vieh geringer sei und auch die Schlachtunge» zurückgegangen seien. Der Berliner Schlachthofdirektor habe geäußert, er könne sich einer solchen Schiveinenot, wie sie heute vorhanden sei, überhaupt nicht erinnern. WaS die Seuchengefahr anlange, so würde diese von den Agrariern übertriebe», Fachmänner stellten fest, daß bei guten veterinärpolizei« lichen Bestimmungen die Gefahr einer Sencheneinschlcppung bei der Grcnzöffnung vermieden werden könne. Die Sperre führt" zu einer künstlichen Erhöhung der Preise, daS habe Sieg bestätigt, indem er sagte, daß bei Aufhebung der Sperre das Vieh im Umkreise von vier Meilen völlig enlivrrtet werde. Es sei unmöglich, die beschlossenen bohen Viehzölle durchzusetzen, sie schüfen einen Konflikt mit Oestreich- Ungarn und Rußland. Handelsverträge seien mit ihnen unmöglich zu erreichen. Gehcimrat Kapp erwidert Pachuicke, er habe den Mangel an Vieh nicht zugestanden, dagegen habe er von der Preissteigerung gesprochen, die eine vorübergehende Erscheinung sei. Ferner habe er betont, daß die Grenzsperre in keinem oder nur in losem Zusammen- haiige niil der Flrischnot stehe. Bayrischer BundeSrntS-Bevollmächter l>. Geyger kommt eben- falls auf seine gestrigen AuSführnngen zurück. Heim meint, ein Schutzzoll ans Vieh tverde rasch erzieherisch auf die deutsche Viehzucht wirken. Insofern freue er sich, daß der Fleischnotrummel gekommen sei. denn er zwinge z» streng r Er- örtcrung der Frage. Die Aufhebung der Grenzsperre werde hinsichtlich der Rindviehpreise keine' Besserung bringen, das gebe die«Internationale Fleischerzeituug" zu, da der Preis für gutes Lebeiidbieh in Oestrelch ziemlich hoch stehe. Und in Rußland gebe eS gar keine exportfähige Ware. Bezüglich der deutschen Viehzucht tveise die Statistik nach, daß— außer den Schafe»— der Viehbestand sich gehoben habe, der Zoll tverde dies noch fördern. Bezeichnend sei, daß der Fleisckcrtag in Stuttgart 10 000 M. zur Agitation ausgeworfen habe; der„rollende Rubel" spiele in der Agitation gegen die Fleischnot eine große Rolle und die Presse werde beeinflußt. Die Seuchengefahr werde erhöht bei Aufhebung der Grenzsperre. Landwirtschaftsminister v. PodbielSki antwortet ans die Frage, ob der Fleischbedarf für Deutschland durch die deutsche Viehzucht ge- deckt werden könne, er beziehe sich zunächst auf die Aeußeruilgen seines Kommissars. Dan» giebt Redner Zahlen bekannt, wie viel importierte Tiere in de» letzten Jahren von Seuchen befallen waren. Auf Drängen der deutschen Regienmg habe die nissische Regiermig drakonische Ansfuhrmaßregeln angeordnet, weil der russische» Regie- rung an dem Export viel gelegen war. Innerhalb 5 Tage» wurden die Tiere dreimal und vor Ucbergang über die Grenze noch einmal nntersucht. Seit dieier Zeit schien die Gefahr der Einschleppnng von seucheiilrankem Vieh so gut wie ausgeschlossen.(Hört! hört!) Durch Gäiffe wurden allerdings in diesem Jahre Seuchen herübergeschleppt. In der preußische» Monarchie gab eS nur 5 Gehöfte in Ostpreußen, wo Seuchen hauste». Wenn wir also daS Inland schützen, iverden wir der Seuchengefahr Herr werden. Für die Reichslande kann ich keine Auskunft geben. Dem Reichstage will ich gern das ganze Material unterbreiten. Graf PosadowSky erweitert die AuSkiinfte deS Landwirtschafts- miiiisterS und giebt zahlenmäßig die Viehpreise Englands und Oestreich-Ungarns bekannt, die ebenfalls gestiegen seien. Ferner bestehe Fleischteuerung in Spanien, Finnland und Belgien. Be- sonders die Schwcinepreise seien im Laufe des Jahres 1301 in Wien, Paris, Rotterdam, Kopenhagen und in de» Vereinigten Staaten gestiegen. Die Fleischteuernng habe weltwirtschaftliche Ursachen, da§ möge mit in Betracht gezogen iverden. Bayrischer Bundesratsbevollmächtigter v. Geiger verwahrt die bayerische Regierung gegen den Vorwurf HeimS, daß sie bezüglich der Maßnahme der' Schlachtfristverlängcriing ein unglaubliches Entgegenkommen den Agitatorelt gegen die Fleischteuerung gezeigt habe; die Regierung sei durch' die Verhältnisse dazu gedrängt worden. Ein Schlußantrag beendet die Generaldebatte. Gemeinsame Specialdiskusston wird über die Positionen 33—107 eröffnet(Pferde, Maulesel, Rindvieh, Schafe, Ziegen, Schweine, Federvieh, Fleisch). Die Socialdemokraten beantragen Zollfreiheit. Herold behauptet, die Pnrtei-Agitation habe sich außer- gewöhnlich der Fleischpreissteigerung bemächtigt, sonst wäre eine solche Beunruhigung nicht entstanden. Die Fleischpreise ichwantten oft, die Metzger brächten de» Konsumenten immer nach und nach bei, aber diesmal sei Lärm ge- schlagen worden. Die beschlossenen Zollsätze erster Lesung seien nottvendig, um die Landwirtschaft zu schützen. DaS Ausland habe dasselbe Interesse an Handelsverträgen wie wir, eS ließen sich also trotzdem Wege zum Abschluß von Handelsverträgen finden. Dem Grundsatz:'Handelsverträge unter allen Umständen— könne er, Redner, nicht folgen. Habe' man Mindestsätze für Getreide beschlossen, müßten sie auch für Vieh eingestellt iverden; ohne diese sei der Tarif für ihn und seine Ar-unde unannehmbar. Graf PosadowSky: Handelsverträge umjedenPreiS will niemand Aber nachdem Deutschland in daS System der Handelsverträge ein- getreten sei, müsse es darin verharren. Ferner betont der Staats« sckretär entschieden, daß für die verbündete» Regierungen der Zolltarif mit Mindrstsäheu für Vieh sowie mit den dazu in er st er Lesung beschlossenen Zollsätzen«»annehm- bar sei. Stadthagen: Die Situation ist heute die gleiche, wie die in erster Lesung, als der Staatssekretär eine ähnliche Erklärung abgab und Bebel damals meinte, man lönne nach derselben die Ver- Handlungen abbrechen. Damals erklärten die Agrarier, ohne Mindestsätze sei der Tarif für sie unannehmbar, ivährend die Re- gierung sie ablehnte. Die Erklärung Herolds sei fiir ihn, Redner, ivertlos, denn seiner Zeit habe daS Ccntrum feierlich erklärt, die bekanntei, Marmepläne seien für diese Partei unannehmbar, dann habe eS doch bewilligt. Die Minderheit habe ihre Pflicht gethan und in der Zwischenzeit die Unmöglichleit immer betont, mit dieser Wirtschaftspolitik zu einem guten Endziel zu kommen. Die Behauptungen bezüglich der Notwendigkeit der Grenz- sperre seien hinfällig, es sei nachgewiesen, daß Seuchen durch die Uureinlichkeit mancher Viehzüchter und Landwirte im Jnlande entstehen. Herold sagte, könnten wir die Grenzsperre ewig behalte», brauchten wir keine Viehzölle. Das beleuchte klar die Situation. Wieder habe man vom Schutz der kleinen Landwirte geredet; dieselben werden jedoch durch die Zölle in vielen Beziehungen geschädigt. Nachdem Heim Futterzölle und andre den Kleinbauern ruinierende Zölle mit beschlossen habe, komme er nun und wolle dem Kleinbauer durch Viehzölle helfen. DaS sei eine Täuschung der Kleinbauern. Nun sagt mau, die Großgrundbesitzer sacke» die hohen FWfatipmse nicht ein, sondern die Händler und Fleischer. Dem Publikum kann es gleich sein, wer sie einsackt, es tvciß. daß eS zahlen mutz und wehrt sich dagegen. UebrigenS stimme die Abwälzung der Schuld an den hohen Preisen auf die Händler allein nicht. Allerdings sei bei einem schnellen Sinken der Schweiuepreise der Preis für Schweinefleisch nicht entsprechend gesunken, das gebe er zu. Aber mit allen Mitteln betrieben die Agrarier die Steigerung der Preise; auf eine Hebung der Viehzucht kommt es ihnen nicht a». Solle der deutsche Markt nur deutsches Vieh konsumiere», so müsse eine Ausfuhrsperre beschlossen werden; er zweifle, ob Herold dem zustimmen würde. Der Landwirtschaftsrat habe sonderbare Berechnungen aufgestellt, nach denen daS Lebendgelvicht von Schweinen unter einem Jahr im Durchschnitt mit 65 Kilogramm, über ein Jahr mit 113 Kilogramm, das Schlachtgewicht unter einem Jahr mit 80 Kilogramm, über ein Jahr mit 125 Kilogramm angegeben. Hiernach tviirden also Schweine unter einem Jahr ausgeschlachtet 15 Kilo- gramm, über ein Jahr 6 Kilogramm schwerer sein, als im lebenden Zustande. Er bitte den Landwirtschastsminiftcr, bei seinen Berechnungen, die ja auch nicht stimmten, sich nicht an die Berechnung des LandwirtschastSrats zu halten, denn ein Berliner Genieindeschüler 1. Klasse könne besser rechnen. alS dieser Landlvirtschaftsrat. Sollen die Jnteressen der Allgemeinheit gewahrt iverden, dann müsse man die Zölle beseitigen und eine rationelle Wirtschaft einführen, die zur Vergesellschaftung führt. Schaffen Sie die Futterzölle und Getreidezölle ab, dann nutzen Sie dem kleinen Landwirt biiildertmal mehr, als Sie ihm durch Viehzölle angeblich helfen lvollen. Landwirtschaftsminister v. Podbielöki sucht die Berechnung des Landivirtschaflslates zu erklären.„Im Lebendgewicht sitzen die Ferkel mit drinnen". Redner kommt nochmals auf seine AuS- führiingen über die Seuchengefahr zurück. Sittart(CentrumS- Abgeordneter für Bachen) bestreitet, daß Herold seine Bemerkungen über die Mindestsätze im Namen deS Cent rums gemacht babe, er habe für seine Person gesprochen. Redner erklärt, er persönlich mache seine Stellung abhängig davon, welche Rücksicht in Bezug auf die Grenzöfsnung genommen werde. Die Fleischnot in Deutschland entspringe gegemvärtig nicht den Weltmarkts- Verhältnissen. Der Import betrage ui>r 5 Proz., macht sich aber doch sehr fühlbar, besvnders i» Grenzdiftrikten.(Zur Regierung ge- wandt:) Oeffnen Sie uns die Grenze wenigstens in dem Maße, wie in Schlesien, die Grenze, damit die größte Kalamität beseitigt werde. Der Gesundheitsstand deS Viehes sei in Holland ein äußerst günstiger, die Gefahr für die Einsckleppung von Seuchen sehr gering. S».� wie es jetzt i» Aachen stehe, könne eS nicht weiter gehen. Der Metzger bezahle im Stalle 50 Pfennig pro Pfund Lebendgewicht. Widersprüche, das erwidere er Stadthagen, bestünden in seiner Partei nicht. Ein Schlußantrag HeimS wird abgelehnt. Ganip sucht die Acnßerunge» Herolds zu erklären; ferner wider- sprickr er den Aussührungeu Sittarts über die holländischen Ver« hältnisse. Die Wünsche für Aachen könnte» erfüllt werden, wenn die dortige Konminnalabgabe für Fleisch aufgehoben würde. Im Lauf von tveuigcn Monaten iverden wir eine starke Ueberproduktion in Schiveinen habe», die Preise werden also sinken. Handelsverträge mit den Zollsätzen der öiegierungcworlage für Vieh iverden in diesem und dem zukünftigen Steichstage keine Zustimmung sinden. Gras Kunitz: Als die Kohlennot herrschte, wurden viel welliger eindringliche Stimmen laut, als jetzt gegen die Fleischteuerung. Die jetzige Lage gebe keine Veranlassung zu Ausnahmemaß- regeln. In landivirtschaftlichen Kreisen konnte keine Ueber- einstimmig über die von Stadthagen monierte Verzollmig von Futtermitteln erzielt werden. Der Großgrundbesitzer des Ostens habe allerdings ein andre? Interesse daran, als der kleine Landwirt im Westen'sc. Redner äußert sich über die Seuchengefahr, serner über die Einfuhr von Rindvieh ans Oestreich. Es sei alles geschehen be- züglich der Grenzsperre, ivas gethan iverden könne. Wenn der in- diistrielle Arbeiter 16 Tage für Zölle arbeiten ninsse, wie behauptet ivorden sei. wie müsse' da der Landarbeiter thun, wenn ihm ein Schivein falle, dann bedeute das für ihn soviel, wie der Verlust von 150 Arbeitstagen. Der Zolltarif sei die Hauptsache, die Handels- Verträge Nebensache, das bemerke er zu den Ausführungen PosadöwskyS. Ein Handelsvertrag, wie der früher mit Oestreich abgeschlossene, werde im Reichstage nie Annahme finden. Wie kommen ivir Landwirte dazu, unsre Zölle herabsetzen zu lassen, damit die Jndustriezölle so giilistig wie möglich gestellt werden können I Man mag die letzteren stellen, tvie man will, aber die landwirtschaftlichen Zölle müssen höhere sein. Amerika kommt bei niederen Zölle», tvie sie hier erstrebt werden, in die Lage, Deutschland noch mehr mit Mehprodukten zu überschütten. Der Arbeiter soll billiges Brot, billiges Fleisch haben, überhaupt billige Konsumartikel, und dazu hohen Lohn, das ist nach meiner Meiitung praktisch unvereinbar. Wenn der Arbeitsverdienst fehlt, nützt das billigste Brot und Fleisch nichts. Die Produktion muß durch Zölle gebobe» iverden, das kommt dem Arbeiter zu gute. Dazu seien die Beschlüsse erster Lesung nötig. Speck geht auf die früheren Handelsverträge ein. Redner er- klärt, im Kreise seiner politisch cn Freunde bestehe nicht die Absicht, von Mindestsätzen derZöllc für Vieh und Fleisch abzugehen, die weitaus über- iviegende Mehrheit seiner Freunde sei dafür, darin gebe er dem Abg. Herold reckt. Er habe noch nie einen Metzger gesehen, der mit Verlust gearbeitet habe. Gras PosadowSky erläutert gegenüber dem Borredner, der ihn mißverstanden habe, feine abgegebene Erklärung. Dem Grafen Kanitz erwidere er, wenn ein Stand, tvie der landtvirtschaftliche, gar kein Jntereffe daran habe, wie die Zollverhältnisse über Industrie- Produkte geregelt würden, dann zerfalle der Staat in Atome; diese Politik sei unmöglich. Pachuicke: Die Industrie könne nicht bestehen ohne Handels- Verträge, und von dem Stande der Jndnstrie sei auch die Landwirtschaft abhängig. Er begreife die Kanitzschen Aeußernnaen nicht. Nach der Er- klärung Herolds, die von Speck noch besonders festgenageil ivorden sei, sei derRnckzug deS Centrums abgeschnitten.(Widerspruch d. d. Socialdem.) Dann sei es auch aussichtslos, hier weiter an dem Werke fort- zuarbeiten. Ei» Schlußantrag wird angenommen. Die Beschliisse 1. Lesung werden angenommen. Auch v. Wangenheim stimmt dafür. Zu Position 114, Gesalzene Heringe» ersticht Herold, die Regierungsvorlage— 3 M. Zoll— iviederherzusteNen.! Molkenbuhr: Es sind 3— 4 Millionen Mark, die der HeringSzoll bringe. Wie stimme es zu der Miltelstandspolitil, die angeblich auch das Centrnm betreibt, daß mau diese vier Millionen den ärmeren und Mittel�tandSkreiseii abnimmt. AuS Zrifall sei die Zollfreiheit nicht beschlossen; es sei bezeichnend, wenn Mitglieder der Kommisstoi» anS Zufall für Zollfreibeit gestimmt hätten, tvie Herold behauptete. DieHeringsfischerci habe keinen derartigen Zoll»ölig. Englische HeringS- fischer haben mit erheblich höheren Heuern zu rechnen als die deutschen Heringsfischer, die englische Koitkurrenz sei also nicht zu befürchten. Schtvedcn und Norivegen liefern nur zur Heringseinfnhr nach Deutschland, komme also mich nicht in Betracht. Forelle» und andre teuere Fische, die mir ans den Tisch des Reichen kommen, gehen zollfrei ein, aber der Fisch des arnie» ManneS, derHering, werde ver- t e u e r t. ®rnf PosadowSky tritt für Wiederherstellung der RegierungZ Vorlage sin. Der A n t r a g H e r o l d wird angenommen, die Zoll' freihcit auf Heringe beseitigt und 3 M. Zoll nach der Vorlage fesb gesetzt. » Zu Position 131, Milch und Rahm, beantragt Herold fiir M i I ch 4 M a r k, für R n h in 2 0 M a r k Zoll.' Der Zoll sei nicht drückend für die Konsumenten. Er, Redner, beantrage jetzt eine Mark mehr gegen früher, aber in den Handelsverträgen' könne auf 3 M. zurückgegangen werden, soviel sei zum Schutze dieses Produkts nötig. Speck betont, daß die Landwirtschaft nur geringen Nutzen von dem Zoll habe. Man sollte der Agitation gegen landwirtschaftliche Zölle durch derartige Anträge nicht neue Nahrung geben. Aber ivcil dieser Zoll als handelspolitisches Konipensationsöbjekt dienen könne, stinime er dafür. Redner beantragt Zollfreiheit für S Kilo Milch für Grenzbewohner. Geheinirat Mermuth und der bayrische Bundesratsbevollmächtigte d. Geiger treten für Wiederherstellung der Regierungsvorlage ein. Stadthage» erörtert die zolltcchn'ischen Schivierigkeiten.' Das Centrum raube mit seinem Antrage den Zollbeamten die Nachtruhe und die Sonntagsruhe, denn die Milch erfordere sofortige Zoll- abfertigung, sonst verderbe sie. Die künstliche Verteuerung dieses not- wendigen Nahrungsmittels habe den häßlichsten agrarischen Charakter Der beantragte Zoll betrage 40 Proz. des Milch'preiscs, bei Nahm fiar ca. 100 Proz. Damit fördere man die Milchverfälschung, es ei also ein Milchversälschungs-Zoll. Spahn tritt für den Antrag ei», Müller-Sagan wendet sich dagegen. Der Antrag Herold wird abgelehnt, die Wiederherstellung der Regierungsvorlage beschlossen. Die Abschnitte C, D und E werden ohne Diskussion an- genommen. Schluß Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 9 Uhr. Ans Fttdultviv und HÄttdol. Zur Erneuerung des Siegerländer Roheisen- Syndikats wird der„Köln. Vollsztg." von sachverständiger Seite ans dem Siegerlande berichtet:„In den letzten Tagen wußte die„Köln. Ztg. z» melden, daß die Schivierigkeiten bezüglich der Verlängerung des Noheisen-Syndikats jetzt fast ganz gehoben zu sein schienen. indes der Abschluß des Vertrages voraussichtlich noch so lange sich hin- ziehen werde, bis auch der Vertrag innerhalb der rheiiiisch-ivesi sälischen Gruppe des Roheisen- Syndikats erneuert und eine Verständigung mit demselben erzielt worden sei. „Diese Meldung, welche jedenfalls die Wünsche der Leitung deS Syndikats wiedergiebt, und deren Ursprung leicht zu erraten ist, stellt die Thatsachen vollständig auf den Kopf und hat in den großgewerblichen Kreise» des Siegerlandes nicht ivenig über rascht, zumal es bekannt ist, daß die Schivierigkeiten betreffs einer Verlängerung des Rohciscu-Syndikats gegenwärtig größer sind als zuvor. Die bisherigen Schwierigkeiten� welche' bekannt' lich in dem Streit gipfelien. den die«reinen" mit den „gemischten" Hochofenwerlen wegen Anrechnimg des Selbstvcrbrauchs sührcn, scheinen vorläufig zurückgetreten zu sein; linnmehr sind aber neue Schivierigkeiten dadurch entstanden, daß die Birkenbacher Hütte ihren Wiederbeitritt versagt, während die Agnescnhiiite, deren Beitritt von den andren Hütten bedungen ivird, entschieden abgelehnt hat. Die allgemeine Ungunst der Verhältnisse, insbesondere der durch den beispiellosen Rückgang des SchweißeiscngeivcrbeS hervorgerufene Maugel an Roheisen-Äufträgen hat die einmal vorhandenen Gegensätze wesentlich verswärft, so daß eine ganze Anzahl von Hütten,»n- zufrieden mit der Leitung des Syndikats und in der Voraussicht des doch in nicht ferner Zeit eintretenden Zusammenbruches, es mit Freuden begrüßen würden, wenn das Syndikat nicht ivicder zu stände käme. Bei dem großen Vorsprung, Ivelchen Flnßeisen infolge seiner Billigkeit und seiner allmählich verbesserten Beschaffenheit gegenüber dem teueren Schtveißeisen in den letzten Jahren gewonnen hat, ist es undenkbar, daß das Roheisen- Syndikat mit Erfolg noch weiter bestehen kann, um so weniger, als vorauszusehen ist. daß bei dem venninderten und von den großen Stahlwerken durch eigne Erzeugung zu deckenden Verbrauch von Schiveißeisen die Syndikatshüttcn dauernd mit mindestens 50 Proz. Einschränkung arbeiten müßten." Laurahütte. In der heutigen, in Königshiitte abgehaltenen Sitzung des Aufsichtsrats der Vereinigten Königs- und Laurahütte legte die Direktion den Abschluß für das Geschäftsjahr 190l/02 vor. Der Bruttogewinn betrug nach Deckung aller Geschäfts» Unkosten und der Obligationszinsen 6 243 444.26 M. Nach Ab- setzung der ordentlichen und außerordentlichen Abschreibungen von den Anlageiverten in Höhe von zusammen 3 000 314.81 M. verbleibt ein Reingewinn von 3 243 129,45 M., von welchem nach Kürzung der statutenmäßigen Tantiemen zuzüglich des Vor- träges aus dem Vorjahre 3 082 902,97 M. zur Verfügung bleiben. Der Aufsichlsrat ivird der am 29. Oktober statt- findenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 10 Proz. des Aktienkapitals an die Aktionäre und von dem verbleibenden Rest Zuwendungen an die auf den Werken zu Gunsten der Beamten und Arbeiter bestehenden Pensions- und llnterstützungs- lasse» aus Anlaß des 100jährigen Jubiläums der Königshlltte i» Hohe von 300 000 M., außerdem an mehrere andre Wohlfahrts- einrichtnngen, Kirchen und Waisenhäuser in Höhe von 45 853 M. vorschlagen. Rheinisch- Westfälisches CoakSsyndikat. Der„Rheinisch- Westfälischen Zeitung" zufolge Ivird nach einem Rundschreiben des CoakssyndikatS für Oktober eine Fördcreinschränkung von 27 Prozent erforderlich. Bezüglich der am 1. Oktober notivendigen Umlage er- scheint es geboten, zunächst die Umlage von 4 Prozent auf 6 Prozent zu erhöhen. Russische Getreide-Ernte. Ueber den Ausfall der diesjährigen Ernte im europäischen Rußland wird amtlich mitgeteilt: Die Weizen- ernte übertraf den Durchschnitt der letzten Jahre; der Ertrag au Roggen übertraf iin Durchschnitt ebenfalls das Mittel der letzten Jahre; die Haferernte siel mittelgut aus; der Ertrag an Gerste war um einiges besser. Der Gesamtertrag der diesjährigen Weizenernte beträgt 810, der Roggenernte 1325, der Haferernte 750 und der Gerstenernte 375 Millionen Pud. GelveMsÄiAftlikszes. Berlin und Umgegend. Die Kühuemänncr haben ihren Arbeitsnachweis in der Garteustraße wieder geöffnet. Dazu schreibt uns der Borstand des Metallarbeiter-Verbandes: Unbequem ist uns diese Maßnahme nicht gerade gewesen. Da die Herren zweifellos davon eine andre Wirkung erivarteten, als sie thatsächlich erzielten, haben sie sich eben genötigt gesehen, dw vor 14 Tagen getroffene Maßnahme wieder rückgängig zumachen. Selbst wollten sie eine große Aussperrung nicht vornehmen. Wir ließen uns nicht zu einem Generalausstand drängen und so war eben die Schließung des Nachweises ein Lufthieb, der uns keinen Schaden zufügte...... Es war uns auch nicht unbekannt geblieben, daß eine Reihe von größeren Firmen, die Arbeiter brauchte», während der Sperre des Nachweises Leute ohne den Nachtveisschein einstellten. Auch soll es nicht ohne Einfluß ans die schnelle Aufhebung des vor 14 Tagen gefaßten Beschlusses gewesen fein, daß Herr Kühnemann selbst Leute brauchte und für Herrn Kühnenianu war es denn doch nicht gut angängig, gleich verschiedenen Großbetriebe», den Beschluß zu umgehen. Uebrigens ist für Dreher auch jetzt der Nachweis noch geschloffen. Herr Kühneinann braucht jedenfalls keine Dreher. Die Rabitzputzer, Spanner und Plattcuaufsetzer faßten in ihrer gestrigen kombinierten Versammlung den Beschluß, überall dort. wo die Rabitzputz-, Lnaiiio- und sogenannten Rauharbciten nicht im Stundenlohn von 30 Pf. pro Stunde, sondern noch im Accord aus- geführt werde», heute, Donnerstag früh die Arbeit nieder, ulegen. Die Bleiglaser, Glasmaler und Messingglascr BertiuS befinden sich nunmehr schon seit vier Wochen im Slreik. ES handelt sich für die Unternehmer nicht nur um Ablehnung unsrer bescheidenen Forderungen, sondern sie. wollen uns ihre Gewalt fühle» lasten. Ein großer Teil unsrer Kollegen erhielt schon vor dem Streik 62 Pf., die übrigen mit wenigen Ausnahmen 57 Pf. die Stunde. Den Arbeits- »achweis hatten wir schon seit drei Jahren in unsren Händen, aber gerade um diesen handelt es sich bei den Unternehmern haupisächlich. Bekanntlich hatten dieselben beschlossen, ihren Bedarf an Leuten nur durch den Nachweis der Innung zu beziehen, und dieser Beschluß wurde gerade von den größeren Firmen in letzter Zeit strikte zur Durchführung gebracht, so daß»lau beobachten konnte, wie gerade zu der Zeit, als die Arbeitslosigkeit in Berlin eine er- Ichreckende war, in den Fachblättern fortwährend versucht wurde, Leute von außerhalb heranzuziehen. Uin diesen Zustand zu beseitigen, stellten wir an den Unternehmerverbaud die Forderung auf Anerkennung unsres Arbeitsnachiveiies. Laut Beschluß vom September 1900, welcher außer von uns noch von 7 Herren der Lohnkommission des Arbeitgeberverbandes. den Herren Karl Jost, Otto Viltnli. Jos. Scheerer, Paul Förster, Didden u. Busch, Georg Engel und Herrn Nolvotni unterzeichnet ist, innßte» nunmehr die beiderseitigen Kommissionen verhandeln. Das geschah aber nicht. Wir wurden, anstatt zur Verhandlung geladen zu werden, von dem Vorsitzenden. Herrn Georg Röhlich. und dem gar nicht gefragten Herrn Obermeister der Innung rundweg ab- geivicsen und uns zur regen Benutzung der Glaser-Jnnuugsnachweis empfohlen. In der vierten Woche befinden sich unsre Kollegen nunmehr im Kanipf. Die Begeisterung ist trotz der begreiflichen Entbehrungen größer als zu Anfang. Die Herren Unternehmer suchen in der letzten Nummer des„Diamant" Leute in Massen. Wir bitten alle Kollegen, sich nicht verlocken zu lassen und uns nicht in den Rücken zu fallen, sondern uns»ach Kräften in jeder Weise zu unterstützen, denn unser Sieg ist auch Euer Sieg. Alle Anfragen und Sendungen sind an unterzeichnete Kommission zu richten.' Wir bitten dringend alle arbeiterfreundlichen Blätter, insbesondere die von Süddeutschland der Schweiz, soivie von Oestreich und Ungarn um Abdruck. Die Lohnkommission der Bleiglaser, Glasmaler und Messing glaser Hollmannstr. 33, Restaurant Hensel. Die Lohnkonlinijfio» der Bauarbeiter schreibt imS: Die Arbeitsverhältnisse auf den Neubauten der städtischen Irrenanstalt in B u ck> wurden schon im vorigen Jahr in der Berliner Stadtverordneten» Versammlung besprochen. Besonderen Anlaß zur Kritik boten die niedrigen Löhne, welche der Unternehmer Lindner den Bauarbeitern zahlt, denn die Folge dieser schlechten Eni- lohnung war die, daß die Bauten oft wegen Arbeitseinstellung still liegen mußten. Den socialdemokratischen Stadtverordneten, welche diese Verhältnisse zur Sprache brachten, wurde von gegnerischer Seite vorgehalten: Die Berliner Arbeiter hätten ja nicht nötig, in Buch zu arbeiten, ES gäbe in der Umgegend von Buch Leute genug, die mit den dort gezahlten Löhneu zufrieden wären. DaS ist jedoch, wie an einem Beispiel gezeigt werden kann, durchaus nicht der Fall. Zwei Firmen, die in Buch Bauten aufführen, beschäftigen fast nur Arbeiter auS der dortigen Gegend, aber auch diese Arbeiter sind mit Recht»»zufrieden init den geringen Löhnen, welche die Firma Lindncr zahlt. Da alle Vorstellungen um Ausbesserung der Löhne keinen Erfolg hatten, so haben die Betreffenden am 8. d. M. die Arbeit eingestellt. Dieselbe ist bis jetzt noch nicht wieder aufgenommen, weil Herr Lindncr keinen Ersatz fiir die Streikenden inden konnte. Die Bauarbeiter, welche bisher einen Stundenlohn von 35Pf. bekamen, beanspruchen 40 Pf., und die bisher mit 45 Pf. entlohnten Trüger fordern 50 Pf. Herr Lindner erklärt, seine Abschlüsse mit der Stadt Berlin gestatten ihm nicht, die geforderten Lohne zu zahlen. wäre doch wünschenswert, wenn einmal an zuständiger Stelle untersucht würde, ob die Behauptung des Herrn Liudner auf Wahr- heit beruht, und ob er ivirklich so niedrige Preise bekommt, daß er in solcher Weise die Löhne drücken muß. Glaubhaft erscheint eS nicht, denn die Firma Schneider ans Französisch-Buchholz. die ebcn- alls an der BananSführung in Buch beteiligt ist, zahlt anstandslos die von den Arbeitern geforderten Löhne. Was diese Firma kann, daS muß doch der Firma Lindner auch möglich sein. ES ist dringend zu fordern, daß die städtische Verwaltung in Zukunft bei der Vergebung von Bauarbeiten nur solche Unternehmer berücksichtigt, die nicht Lohn- drückerei treiben, mn konkurrenzfähig zu sein. Diese Forderung ist umsoniehr gerechtfertigt, als durch den berechtigten Ausstand der Bauarbeiter auch die Handwerker zum Feiern gezwungen sind. Im vorliegenden Fall sind mehr als 40 Maurer und eine Anzahl Stein- metzen durch den Bauarbeilersireik arbeitslos geworden. Gnind genug, daß sich die bauanSführende Behörde um diese Angelegenheit kümmert. Radler! Bei der Firma H e i n z e i u Lichtenberg ind wegen Lohnabzuges in Höhe von 10 Proz. Differenzen ent- tanden. Zuzug von Nadlern ist streng fernzuhalten. DaS Streit- objekt ist ein Drahtzaun, 2 Meter hoch, 180 Meter lang, fiir das Gesundheitsamt in Charlottenbnrg. Bei der Vergebung dieser Arbeit hat die Finna Heinze 7 M. pro Quadratmeter gefordert. Zivei andre Firmen forderten 11 M. und 10,50 M. pro Quadratnmsr. Wenn sich so die Unternehmer unterbieten, ist eS kein Wunder, wenn den Kollegen Abzüge gemacht werden. Metallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. Achtung! Former! Die Kollegen von Grünauer haben die Arbeit niedergelegt. Zuzug fernhalten. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltnng Berlin. Deutsches Reich. Tie Aussperrung der Klempner Hamburgs ist durch deren Organisation am Dienstag als beendet eiklärt worden, jedoch st der Zuzug von Klempnern, Mctalldnickern, Installateuren und Rohrlegern uach Hamburg noch fernzuhalten, da noch 110 an der Aussperrung Beteiligte arbeitslos sind. Jeder Versuch der Arbeit- geber, den vor zwei' Jahre» anerkannten Lohntarif zu durchbrechen, oll zurückgewiesen werden. Die Aussperrung hat 14 Ve Wochen gedauert. Ausgesperrt haben die vereinigten Aluminiumschlagermeister von Nürnberg. Fürth und Schwabach ihre sämtlichen Gehilfen und Beschneiderinnen. In der Kisteufabrik von Robert Bahr in Leipzig ist dem Arbeilgeber von den dort beschäftigten Gehilfen ein Lohntarif unter- breitet worden, der jedoch mit dem Bemerken abgelehnt worden ist, daß lieber die ganze Fabrik leer stehen könnte. Die Gehilfen habe» hierauf die Arbeit eingestellt. Die Vcrschmelznng der beiden Textilarbriier-Organi- atioueu(Deutscher Textilarbeiter-Verband und Niederrhciiiischcr Äeberverband) ist, wie unsre Leser wissen, auf der Gencral-Vcr- sammlung des letzteren Verbandes beschloffen worden gegen den Widerspruch einer starken Minderheit. Bekanntlich bezeichnet die Opposition im Niederrheinischen Webcrverband den Beschluß der Generalversammlung als nicht dem Statut entsprechend. Wie uns aus Krefeld geschrieben wird, hat sich am vergangenen Sonntag die Opposition auf einer Konferenz. welche von einer Anzahl Filialen beschickt war, wieder als Niederrhciiiischcr Weberverband konstitniert. Man hat auf dieser Konferenz einen neuen Haupt- vorstand gewählt und die Herausgabe eines neuen Fach- Organs beschlossen. Gleichzeitig soll gerichtlich gegen einen der Vereinsbcamte», welcher sich weigert, Kasse und Vereinsntensilien, die er im Besitz hat und welche er am 1. Oktober dieses Jahres an den Textilarbeiler-Verbaiid abliefern wollte, vorgegangen werden. So hat also der Verschmelzungsbeschluß nicht die gewünschte, ür die beteiligten Arbeiter so notwendige Einigung zur Folge ge- habt. Es scheint, als sollten die Organisationsstreitigkeitcn unter den Webern am Niederrhcin ärger werden alS zuvor. Das ist gerade ini Jntereffe der betreffenden Arbeiter lebhaft zu bedauern. Die Schneider in Kempten befinden sich in Differenzen mit den Arbeitgebern. Es handelt sich um einen bedeutend reducierteir Lohntarif,' der von feiten des dortigen Arbeitgeberverbandes den Gehilfen vorgelegt wurde. Der Tarif sollte am 22. d. M. in Kraft treten. Nach einem Bericht der betreffenden Arbeiter soll der wöchentliche Lohnausfall bei eventueller Einführung dieses famosen Tarifs 5 bis 6 M. betragen. Ausland. Rohrlegerstreik in Schweden. Die Rohrleger in Göteborg haben die Arbeit niedergelegt, iveil die Unternehnier sich weigern, auf eine geringe Lohiierhöhmig ciiizugchen. Die Unternehnier haben sich gegenseitig verpflichtet, nicht mehr als 33 Oere Stundenlohn zu zahlen.' Textilarbciterstreik in Schweden. I» Göteborg habe» 800 bis 900 Arbeiter und Arbeiieriunen der Spinnerei-Abteilung der Gauilestadens Fabrik wegen Maßregelung eines ihrer Kollegen die Arbeit eingestellt. In Como und den umliegenden Orten dauert der Streik der Weber fort; mit Como stehen noch 28 Orlschaflen im Streik. In 6 Dörfern haben die Streikenden, beeinflußt von den Priestern, die Arbeit wieder aiifgenoilnne»._ Vevssnnmluttgen. Der Wahlverciu deS sechste« KreiseS hielt am Diensiag bei Wernau, Schwedlerstraße. jeine regelmäßige Versammlung ad. Daselbst sprach Genosse M. Schütte über das Leben nnd Treiben. foivie das traurige Ende der beiden Polizeispitzel L e s s i» g und Wo lff. Eine Disknssio» schloß sich an de» beifällig aufgenonmienen Portrag nicht an. Unter„Verschiedenes" erinnerte der Vorsitzende A r e li d f e e an die am 7. Oktober statlfindende Generalverscunuilung. in welcher die Bcrichterstatlnng von der Provinzialkonferenz und dem Parteitag z» erfolgen hat. Ferner ermahnte er die Anivesenden, noch mehr ivie bisher für die Verbreitung des„Vorwärts" zu wirken und in Anbetracht der kommenden Wahlen eine rege Agitation im engeren Kreise zu betreiben. Die Graveure und Cisclenre hielten ihre ordentliche Ver- sanimluiig am 16. September ab. In derselben sprach B r ü ck u e r über unsre Stellnugiiahme z» den Jndustrieverbänden. Er trat für eine bedingte Ausiiabme der Gold- und Silberarbeiter in uniern Verband ein und empfahl eine entsprechende Resolution, welche jedoch abgelehnt Ivurde. Eine vom Kollege» Sieiver; gestellte Gegeiircsolntio», Ivelche die Anfnahme der genannten Berilsskollegen in unsren Verband entschieden ablehnt,' lvnrde mit übergroßer Mehrheit au- genonimen. Steglitz. In einer am Sonntag abgehaltenen öffentlichen Ver- sammlung crstallete der Obmann Bericht über die Thätigkeit der hiesigen GcwerkschaftS-Kommission der Bailarbeiterschiitz-Koniniission. DaS finanzielle Ergebnis bei ersterer war folgendes: Im Jahre 1901 betrug die Einnahme 802.84 M., die Ausgabe 586,73 M.; während im laufenden Jahre bis jetzt 550,60 M. eingeiiommen und 405,94 M. ausgegeben wurden. Von der Schutzkoinmisfioii wurden der Polizeibehörde in ca. 30 Fällen Mitteilnng von Mängeln ans Bauten ge- macht, worauf stets sofort Abhilfe geschaffen wurde. Aufs schärfste gerügt zu werden verdient jedoch die polizeiliche Praxis, dein Unter nehm er den Namen des Beschwerdeführers zu nennen. Die Polizei-Organe scheinen nicht zu bedenken, daß da- durch den betreffenden Personen wirtschaftliche Nachteile zugefügt werde». Der Punkt der Tagesordnung: Neuwahl des Obmannes, der durch AmtSinüdigkeit des Genossen Döhring veranlaßt war, erledigte sich naih längerer Debatte dadurch, daß der bisherige Obmann sich bereit erklärte, sein Amt bis zum Jahresschluß weiter zu verwalten, nach- dem die Vcrsanimliliig ihm ihr volles Vertrauen ausgesprochen hatte. — AnS der Mitte der Versammlung ivurde» die Lohn- und Arbeits- vcrhälNiisse in der Gärtnerei von Metz einer Kritik unterzogen. Die Firma zahlt bei clfstündiger Arbeiiszeit einen Tagelohn von 1,50 M., nnd für diesen Hungerlohn müssen sich die Arbeiter noch eine Be- handlimg gefallen lassen, die durchaus nicht anständig genannt werden kann. Friedrichshageu. Der Arbeiter- BildungSverein hielt am 20. d. M. seine Mitgliederversammlung ab, in ivelcher als erster Punkt der Tagesordnung behandelt wurde:„Welche Maßnahmen hat die GefuUdheitS-Konimission zur Herbeiführung besserer sanitärer Verhältniffe im hiesigen Orte getroffen?" Po» sämtlichen eingeladeneu KonimissioiiSiuitglicderu war nur Genosse Sonnenburg erschienen, ivelcher in ausführlicher Weise die Anfgaben und Thätigkeit der Kommission darlegte. Es wurden von 261 besichtigten Grundstücken 232 als den polizeilichen Vorschriften nicht genügend befunden und circa 400 Anfforderungcn crlnsscn. Hierauf berichtete ftramm als Delegierter von der Kreis- und Provinzialkonferenz. Unter„Verschiedenes" teilte Somienburg mir. daß die letzte Gemeindevertreter-Sitzung den von»nsren Genossen und andren Vertretern gestellten Antrag betreffend Stellungnahme der Gemeindevertrctmig zur Anfhebnng des Vieh- und Fleisch-Einfuhr- Verbots, ohne ihn gehört zu haben, als nicht in den Rahmen der Gemcinde-Äufgaben gehörig, einfach mit Uebergang zur Tages- ordiiung erledigt hat. Vorher hatte man einen Antrag eingebracht, sämtlichen Vureaubenniten, Gemeindevorsteher mit einbegriffen, 20 Proz. Gehaltszulage zu bewilligen, weil die WohnungSinieten und LebenZmittel jetzt so teuer find! Bei den Arbeitern der Ge- nieiude ivar man iioäi nicht so fest überzeugt, daß sie unter der jetzigen Kalamität zu leiden hätten, da hat man erst i» Aussicht ge« stellt, daß man»emnächst eine Anfstellung vorlegen werde, ivonach der kärgtiche Sohn ausgebeffcrt iverten könnte. Der Antrag betreffs der Gchaltscrhöbniig wurde einem Ausschuß überwiesen, und wird da von unsren Gcniissen die richtige Würdigung erhalte». Trhko und DepesZlsxen. Sverdnips Nordpol- Expedition. Kristiania, 24. September.(W. T. B.)„Aftenposlen" meldet: Sir Clemens Markham, der Präsident der Britische» Geographischen Gesellschaft, hat an Dr. Hans Reusch ein Schreiben gcrichtel, in Ivelchem er Sverdnips Expedition als die glücklichste tmd beste arktische Expedition zur Nntersuchnng von Land ve- zeichnet und nieint, die Expedition ivcrde die ivcrtvollstcn Ergebnisse haben, die jemals von einer solchen Expedition seil Franklin cricichl worden seien. Die Expedition Sverdrnps und Jsaachsens nmsaßten zusainnien 372 Reisetage, in ivelcher jie 3000 englische Meilen zurückgelegt»nd 1500 Meilen ncnentdeckteS Land durchquert hätte». Außer diesen Expeditionen seien noch andre ivichtigc Reise» mitenloinmen worden. Soerdnip habe Kaue, Hayes, Hall, Grcely und Baldwin überflügelt. Marburg, 24. September.(B. H) Wie die„Hessische Landes- zeitung" meldet, hat Professor Orih-Göltingen gestern die Berufung nach Berlin als Nachfolger R u d o l f V i r rt> o>v s angeiiomuicn. Wien, 24. September.(W. T. B.) Die Berntnngcu über den Ausgleich, an denen die beiderseitigen Ministerpräsidenten und die Aesiortminister teilnahmen, dauerte» heute von 10—1 nnd von 4—',»8 Uhr. Arn Vormittage wurde Aver den autoiiomeu Zolltarif und am Nachmittage über finanzielle Fragen verhandelt. Die Kon- ferenzen iverden morgen fortgesetzt. Comincutry, 24. September.(99. T. B.) Dem hier tageiidcu Kongreß der frauzösischeii Grupeuarbeiter ging heute»achniiltag aus Dorignies die telegraphische Mitteilung zu, daß dort 3 000 Grubenarbeiter in den Ausstand eingetreten sind. Brüffcl, 24. September.(„Franks. Ztg.") Die Arbeit» geber d e r G a S i n d u st r i e I e h n t e n die Forderungen d e r A r b e i t e r ab. Der Streik zum 1. Oktober ist damit unver- meidlich geworden. Peking» 24. September.(Meldung des„Reuterschen BureanS".) Vicekönig Tseng niir zivei Balailloueit Sbanfi-Gorde traf anßcrhalv der Maliern von Tscheiigtufu auf die Boxer und schlug sie. Das cdinesische Auswärtige Amt erklärt, dies militärische Vorgehen gegen die Rebellen stoße auf keinen ernsten Widerstand. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierz» 1 Beilage n. Unterhaltnngsblatt. Nr. 224. 19. Ilihrgany. irilage Ks„Mmrls" AMer pll{6blttE9«««�t«5.2ww Pjivfci-Ita�vidilcn. Bebel in Nürnberg. Am Dienstag sprach Genosse Bebel in Nürnberg vor einer von mehr als 6000 Personen besuchten Ver- sammlung über die socialpolitische Lage in Dentschlnnd. Unser Parteiführer wurde bei seinem Eintritt iii de» Saal niit stürmischen Huibrufen empfangen und mit einem von Arbeitersängern gesungenen Masscnchor begrübt. Bebel nahm alsdann das Wort und schilderte in längerer Rede, häufig von stürmischen ssustinnnnngs- und Beifallsrufen unterbrochen, die gegemvärtige Situation in Deutschland. Er behandelte hauptsächlich die herrschende Wirtschafts- krise, die Frage, was aus unsrer Handelsvertrags- und Zollpolitik werden solle, und die chronisch gewordene Fleischnot, und forderte schliefilich anm energischen Protest gegen die gegenwärtigen»nhalt- baren Zustände auf, was am wirksamsten bei den'»ächsteil'Reichstags- Wahlen durch eine kolossale Vermehrung der Abgabe socialdcino kralischer Stimmzettel geschehe. Gegner meldeten sich trotz Ausi forderung nicht zum Wort. Die Rede Bebels war von ungeheurer agitatorischer Wirkung. Totenliste der Partei, Einen braven Mitkämpfer verloren die Chemnitzer Parteigenossen in der Person des Schnüedes Ra M. Werner. Während des Ausnahmegesetzes hat der Per- storbene unter den schwierigsten Verhältnissen an den. Parteileben regen Anteil genommen. Die Genossen betraute» ihn mit ver- schicdenen Ehrenämtern; unter andrem war er von 1868 bis 1890 Mitglied des Alt-Chemnitzer Gcmeinderates; sein Mandat erlosch, als er sich im letztgenannten Jahre ansässig machte. Bis 1894 war es ihm noch vergönnt, mit vollen Kräften für die Partei thätig zu sein. Da lvurde er von einer ebenso langivicrigcn als hartnäckigen Krankheit heimgesucht, einer Krankheit,' von der ihn jetzt nach achtjährigem Leiden endlich der Tod erlöst hat. Wie treu Genosse Werner zur Partei stand, beiveist auch die Thatsache, daß er trotz seiner Krankheit im Jahre 1897 sich bereit erklärte, die Kandidatur als Stadtverordneter anzunehmen. Er wurde als Ersatz mann gewählt und 1898 bis 1899 eingezogen. Als die Wahl- Verschlechterung erfolgte, war seiner Thätigkeit ein Ziel gesetzt. DaS zehnte socialdemokratische Organ Hollands. Unter dem Titel„Do Voorpost", Arbeiter-Wochenblatt für Zaan und Um- gegend, ist dieser Tage die erste Nummer einer neuen socialdemo- kratischen Zeitung, der zehnten in Holland, erschienen. Redactenr des Blattes ist M. Mendels._ Sociales. Zur Krankenversicherung der Heiniarbeiter. Bekanntlich plant der Bundesrat die endliche Einbeziehung der Heiniarbeiter in ganz Deutschland in die Krankenversichcrnng. Nach dem von ihm ausgearbeiteten Entivurfe, der zur Zeit noch den Rc- gierungsbehörden zur Begutachtung vorliegt, sollen vernünftiger- weise die eigentlichen Unternehmer. also zum Beispiel in der � Konfektionsbranche die Konfektionäre, die Unternehmer- beitrage für die Versicherten zahlen und dafür haften. und nicht der Zwischenmeistcr. Das ist nicht nur insofern gerecht, als diese ja auch in der That die wirklichen Unternehmer sind, es ist auch der einzige Weg, die Krankenkassen vor vielfachen Verlusten zu schützen und die Versicherung der Heimarbeiter praktisch durchzuführen. Den Herren Konfektionären paßt daS aber nicht. Es haben deshalb die Berliner Konfektionäre ani Dienstag folgende Ansprüche beim Bundesrat erhoben, auf die dieser hoffentlich' nicht eingehen wird: ,1. Feststellung einer Einkommensgrenze, über ivelckie hinaus die dem Arbeitgeber der Hansindustriellcn auferlegte Vcrsichcrungs- Pflicht aufhört, und letzterer dann als selbständiger Unternehmer die Lasten für seine Hilfspersonen zu tragen hat. 2. Festsetzung dieser EinkommenSgrenze durch Orts- oder KreiSstatut unter Zugrundelegung der Lebensbedürfnisse und der Lebenshaltung der besser siuiierten Klein- gewerbetreibenden und Handwerker in den einzelnen Hausindustrie- Bezirken Deutschlands. 3. Gerechte Verteilung der BeitragSleistnng ans die einzelnen Arbeitgeber der zu versichernden Hansgewerbe'- treibenden und ihrer Hilfspersonen nach Prozenten des thalsächlich gezahlten Lohnes. 4. Von der Haftung der Arbeilgeber der HauS- gewerbetreibenden für die Kassenbeiträge der letzteren und der An- und Abmeldungen ihrer Hilssperionen ist abzusehen; daS auf den Arbeitgeber faüende Drittel des Versicherungsbeitrages ist vom HauS- gewerbetreibende» direkt zu zahlen." „Alle guten Geister". Dem internationalen Arbciterschutz kann es nun nicht mehr fehlen, der hl. Vater hat der „Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz" den erbetenen Segen erteilt. In dem offiziellen Bericht über die Versammlung dieser Vereinigung am Dienstag wird mitgeteilt: „Es wurde sodann ein Schreiben vom Kardinal Rampolla vom 17. September 1902 an den Vorsitzenden der Internationalen Vereinigung verlesen, welches mitteilt, das} der Papst mit Interesse den Bericht über den ersten Kongrefi der Vereinigung in Basel vernommen und gern den Wunsch erfülle, einen Delegierten des h. Stuhles mit der Teilnahme an den Beratungen des Komitees zu beaustrugen. Hierzu sei Graf Eduard Sodcrini. Geh. Kammerherr Sr. Heiligkeit, ernannt. Das Schreiben schliefit:„Der h. Vater ziveifelt nicht, daß Ihre Vereinigung wie bisher so auch in Zukunft ihr Bestes thun wird, um die Lage der Arbeiter zu bessern, welche ihm so sehr am Herzen liegt." Graf Soderini: DaS große Interesse des PapstcS an den socialen Bestrebungen sei bekannt. Se. Heiligkeit freue sich, daß sich i» dieser Bereinigung so viele Männer aus den verschiedenen Staaten zusammen- gefunden, um diese Bestrebungen zu fördern, und hoffe für dieselben aus dieser Vereinigung einen glücklichen Fortgang." Amenl Ueber die Beschlüsse der„Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz" wird genreldet, daß das Reglement für das geplante internationale Arbeitsamt festgestellt wurde, das in den Hauptzügen besagt: DaS Internationale Arbeitsamt ist ein wissenschaftliches Institut. ES hat die ihm durch das Statut der Internationalen Vereinigung beziehungs« weise die ihm auf Grund des Statuts durch das Komitee der Vereinigung zugeiviesenen Aufgaben durchzuführen. Das Internationale Arbeitsamt wird den Charakter strengster politischer Neutralität wahren. DeS weiteren wurde ein Beschluß gefaßt, worin die Versammlung daS Verbot der Nachtarbeit für Frauen grundsätzlich für gerechtfertigt erklärt und eine Kommission beauftragt, diesem Verbot Geltung zu verschaffen. Ferner gelangte«ine Erklärung zur Aniiahine, in der die Einsetzung einer Kommission beschlossen wurde, die Mittel und Wege suchen soll, um ein die gesundheitsschädigenden Wirkungen des Phosphors und des Bleiweißes behebende Einschränkung der Ver- Wendung des weißen Phosphors und des Bleiweißes herbeizuführen, und die den Gebrauch des BleilveißeS soiveit als möglich unter- drücke» soll. Das Bureau soll dahin wirken, daß die Staats- und Gemeindebehörden bei den von ihnen zu vergebenden öffentlichen Arbeiten die Verwendung des BleiweißeS gänzlich verbieten. Die Kontraktbruch-Strafe. Als zweischneidige Waffe mußte ein hiesiger Unternehmer die Kontraktbruch-Strafe kennen lernen. Der Siickereffabrikant Kietz- mann hatte mit der Paffementerie-Arbeiterin G. eine vicrwöchcnt- liche Kündigung vereinbart mit der Bestimmniig, daß der Kontraktbrüchige eine Konventionalstrafe von 600 Mark zahlen solle. Das war am 20. August. An, 26. August verließ Fräulein G. die Arbeit, um ein vorteilhafteres Arbeits- Verhältnis mit � einem Herrn Cohn einzugehen. Dies verhinderte Kietzmann, indem er Cohn von der Verpflichtung der G. ihm gegenüber Mitteilung machte und die Nichtbeschästigung des Fräuleins verlangte. Nun stellte sich Fräulein G. Herrn Kietzmann am 30. August wieder zur Verfügung. Als sie eine Stunde gearbeitet hätte, kam Kietzmann ins Geschäft und entließ sie, weil er glaubte, wegen eines Briefes von ihr nicht mehr mit ihr arbeiten zu können. Auch verwies er sie auf den Ausgang einer Klage, die er wegen Kontraklbrnchs beim Gewerbcgericht angestrengt hatte. Er verlangte die 500 M. Konventionalstrafe. Auf dem Geiverbegericht in der Verhandlung vor der Kammer II lvurde de», Kläger vom Vertreter der Beklagten, den» Genossen N. Ahrens, sowie auch vom Vorsitzenden vorgehalten, daß er doch nun die Beklagte hätte beschästigen müssen, nachden, sie sich ihn, am 30. August wieder zur Verfügung gestellt hatte. Da sich die Beklagte bereit fand, nach 3 bis 4 Tagen der Abwesenheit den Vertrag zu erfülle», könnte Kläger höchstens den Schaden ersetzt verlange», der ihin durch die Abwesenheit der Be- klagte» von, 26. August bis zum 30. August erwachsen sei. Der Kläger ivollte einen großen Schaden erlitten haben durch das Wegbleiben der Arbeiterin, war jedoch nicht im stände, einen Schade» nachzuweisen. Der Brief des Fräulein G., der verlesen wurde, enthielt keinerlei Beleidigungen. Dagegen drehte nun der Vertreter der Klägerin den Spieß um und bca'itlragte, den Unternehmer wegen Kontraktbrnchs zur Zahlung der vereinbaltcn Entschädigung von 500 M. an die Klägerin zu verurteilen. So entschied das Gericht auch. Es ging von der Erwägung auS, daß der Kläger einen Schaden hätte»achtveise» müssen, da sich die Beklagte nach einigen Tage» wieder zur Verfügung gestellt habe und deshalb nicht davon die Rede sein könne, ihr die Kouventionalstrafe aufznerlegen. Kläger habe auch keinen Grund gehabt, die Beklagte am 30. August nicht wieder zu beschäftige», denn in den, Briefe sei eine grobe Beleidigung nicht enthalten. Habe er aber die Beklagte, als sie sich zur Ver- fügnng stellte, unberechtigt nicht weiter beschäftigt, so sei das un- zweife'thaft ein Kontraktbruch seinerseits und die Beklagte und Wider- klägcrin könne die 500 M. Konventionalstrafe beanspruche». Berliner Partei-Angelegenheiten. Fünfter KrciS. Heute abend 8>/s Uhr spricht in, Alte» Schiitzenhaufe, Linienstr. 5, Kraukenkassen-Rendant Genosse Albert K o h n über das Thema„ W o h n u n g s e I e n d und Krankenkassen". Gäste, besonders Frauen, sind erwünscht. Zahlreiche Beteiligung erivartet Der Vorstand des Wahlvereins. Die Speditiv» deS„Vorwärts" für N o s e n t h a l e r Vorstadt und Gesundbrunnen befindet sich vom 1. Oktober ab Brunnenstr. 93, Hof parterre links. Rahnsdorf bei Friedrichshagen. Sonntagnachmittag 2 Uhr findet bei Wille eine Volksversammlung statt. Die Genossin Frau Hedwig Kiesel spricht über das Thema:„Die Lebens- mittelvert eurer und das notleidende Volk." Uokstles. Ei» Kanipf nm VirchowS Leichenbegängnis ist in der evangelischen Kirche entbrannt. Virchow war Atheist, ivas den Prediger K i r n, ß nicht hinderte, sich des nach rechtgläubiger Anschauung unzweifelhaft Verdammten liebevoll anzunehmen und bei der Leichenfeier im Rathanse den Wunsch auszusprechen, daß der Entschlafene von der irdischen zur himmlische» U n st e r b l i ch- keit, zu dem Vater der Geister, zu de», Urquell deS Lichts und der Wahrheit eingehen möge. Auch der Domchor setzte sich über seine Rechtgläubigkeit in christlicher Liebe himveg und sang in Hinsicht auf Virchow: Selig sind die Toten, die in dem Herrn st c r b e n. In dem Herrn ist Virchow nun aller Wahrscheinlichkeit„ach mit nichten gestorben. Wie viele andre so ist auch ein Pastor Julius Koch dieser Ansicht. Ganz folgerichtig macht der Geistliche in einer Monatsschrift, de», Nachrichtenblatt des Parochialvereius derSamariter- Kirchengemeinde, nun seinem Unmut über die Inkonsequenz seines Amtsbruders Luft. Herr Pastor Koch erinnert zunächst deutlich an Vircholvs AuZ- sprnch, daß er Taufende von Leichen seciert, dabei aber keine Spur der menschliche n Seele gefunden habe. Ebenso weist der Geist- liche auf eine Rede hin, die Virchow am 6. März 1396 in, Abgeordnetenhause über religiöse Dinge gehalten hat. In einer Polemik gegen Stöcker sagte Virchow damals, daß er das a p o st o I i s ch e G l a u b e n S b e k e n n t n i S nicht als den Ausdruck gcoffenbarter Wahrheit aiicrlcniie, daß die kirchlichen Synoden sich zu einer wirklichen Belästigung eines großen Teils deS Volkes e»t- ivickelt hätten und daß der Glaube an den Himmel der alten Inden, der sich fortgepflanzt habe in die moderne Vorstellung verschiedener Kirchen, mit dem gegenwärtigen Zustande des Wissens nicht mehr recht verträglich sei. Alle diese Aussprüche reibt Pastor Koch seinem Kollegen Kirmß derbe unter die Rase und kommt zu dem Schluß, daß die Kirche und ihre Diener nicht dazu da seien, Menschen, die im Leben Spötter und Verächter des göttlichen Wortes waren, den Jüngern Christi gleichzustellen und selig zu preisen. DaS ist unzweifelhaft richtig. Und wir müsse» gestehen, so ivenig wir sonst von der Orthodoxie jedes Religionsbekenntnisses erbaut sind, der „positive" Pastor Koch ist»nS in diesem Fall sympathischer als der ivahrscheinlich liberale Pastor Kirmß. Pastor Koch spricht eine für die Kreise, die VirchowS Leichenbegängnis arrangiert habe», recht beschämende Wahrheit anS, wem, er spöttelnd auSrnft: Aber es sieht doch nun einmal besser auS, wenn ein Geist- l i ch e r mitgeht. Unter all den liberale» Herren, die bei der Leichenfeier im Rathause an VirchowS Bahre standen, waren gewiß nur wenige, die in religiösen Dingen nicht ähnlich dachten, wie der Tote. Aber da ihnen der Mut fehlt, offen ihre Anschauung zu äußern, da sie»in» Himmels willen eben nicht anstoßen wollen, muß man auch im An- gesicht deS Todes der Wahrheit Gewalt anthun, muß nm des chöne» Scheines willen bei der Leichenfeier des Atheisten der volle Ornat der Kirche aufgerollt werden. Und wenn diese Kirche noch den Mut hätte, durch einige energische Rippenstöße dem Liberalismus eine innere Hohlheit zu Gemüthe zu führe» I Das Deficit im StadthauShalts-Etat für 1S01. Das Jahr 1901 ist seit langem da§ erste. daS für den Berliner StadthauShaltS-Etat(wie bereits mitgeteilt wurde) mit einem Deficit abgeschlossen hat. Der Betrag, um den die Ausgaben die Einnahmen überstiegen haben, ist ja verhältnismäßig nicht groß. Er beläuft sich nach dem jetzt fertiggestellten Jahresabschluß der Stadthauptkasse auf nicht ganz 86 000 M. Aber wenn man so lange mit Ueberschüssen, und maiuhmal sogar mit recht beträchtlichen, hat wirtschaften dürfen, dann wird selbst ein geringfügiger Fehlbetrag schon schmerzlich empfunden. Dazu kommt, daß die Besorgnis, es werde bei diesem einen Deficitjahr nicht bleiben, keineswegs»in- begründet ist. Es ist leicht möglich, daß daS Jahr 1902 nicht besser, sondern noch schlechter als 1901 abschließt. Verschiedene Umstände haben zusammengewirkt, daS Ergebnis deS Etatsjahres 1901 zu einem wenig günstigen zu gestalten. Unter ander», wird besonders auf die Mehrausgaben hingewiesen, die für die Bauten sowie für die Straßenreinigung(wegen der starken Schneefälle) gcniacht werden mußten. Aber trotz dieser allerdings recht beträchtlichen Mehrausgaben wäre immer noch kein Deficit herausgekommen. wen» nicht zugleich der wirtschaftliche Niedergang, den uns die letzten Jahre gebracht haben, seinen Einfluß auf Einnahmen und Ausgaben der Kommune ausgeübt hätte. Infolge des N o t st a n d e s. unter dem ein großer Teil der unbemittelten Bevölkerung Berlins zu leiden gehabt hat, ist zum Beispiel bei der Armcnve, waltung eine Etatsüberschreitung von rund 319 000 M. notwendig geworden. Die Wohnungs- not ist an diesem Ergebnis nicht Iveniger beteiligt als die Arbeitslosigkeit. Auch für die Waisenpflege hat, wesentlich aus demselben Grunde, mehr ausgegeben werden müssen, desgleichen für die Kranken- und Jrrenpflege. Hier spricht übrigens auch die Lebens n» ittelteuer nng mit, die bei der Beköstigung der zahlreichen Insassen der städtischen Anstalten begreiflicheriveise stark ins Gewicht fallen»miß. Die Lebensmittelteucrung wird in den, laufenden Etatsjahr 1902 noch stärker ans den städtischen Etat ein- wirken, und auch die Wirkungen der Arbeitslosigkeit dürften erst in diesem Jahre einerseits in dem Stenercrträgnis, andrerseits in der Beanspruchung der Armenpflege usw. voll zur Geltung kommen, so daß in der That für 1902 ein noch ungünstigerer Abschluß befürchtet iverden muß. Da der Ausweg, die K o m in u n a I st e n e r n zu erhöhen, in dem gegenwärtigen Zeitpunkt kaum viele Freunde finden Ivird, so wird man sich darauf gefaßt machen niiissen, daß in der Berliner Kommunalverwaltung in den nächsten Jahren so manche Aus- gäbe st ark eingeschränkt, wenn nicht ganz unter- lassen werden wird. Wahrscheinlich wird man dabei, wie ge- wöhnlich in solche» Fällen, wieder ander unrechten Stelle zu sparen versuchen. Den, Schultvesen, dem Krankenhaus- wesen usw. wird eine Kürzung der Ausgaben zugemutet werden, gegen die weitere Aufbesserung der Löhne der städtischen Arbeiter wird man sich sträuben. Nur für Fürstenempfänge wird zweifellos nach wie vor Geld da sein._ Nach dem vorliegenden Hanpt-Jahresabschlnfi für 1901 ergaben die Steuern einen Mehr-llcberschnß von 381 551 M. Die Gemeinde- G r n n d st e u e r brachte 19 104 000 M. oder 296 560 M. mehr als im städtischen Hanshaltsetat angesetzt. Dieser Mehr-Ueberschnß ist darauf zurückzuführen, daß der gesamte Nutz- ertrag sich bei der Veranlagung der steuerpflichtigen Grundstücke höher stellte und die Rückzahlungen geringer als sonst waren. Bei der Gewerbe st euer lag es ebenso; sie ergab 8970000 M. oder einen Mehr-Ueberschnß von 166 360 M., Iveil das Ergebnis der Ver- anlagnng höher war und neue Gewerbe hinzugetreten sind. Die Betriebs st euer erzielte einen Mehrüberschnß von 35 000 M.; das Gesamtergebnis war 287 000 M. Bei der G e in e i» d e- E i n- kam„i e n st e u e r ist erwähnenswert, daß zahlreiche Steuer- Pflichtige mit Einkommen über 3000 Mark infolge von Beanstandung der Steuererklärungen höher veranlagt worden sind und daß die Rückzahlungen hinter de», Etatsansatz zurückgeblieben sind. Die Gemeinde- Einkommen- st e u e r brachte dem Stadtsäckel das hübsche Sümmchen von 31 195 000 M und damit einen rdspektabeln Mehrüberschuß von rund 389 000 M. Gering war der Mehrüberschnß bei der Hundesteuer mit nur 3700 M. bei einen, Gesamtergebnis von 597 100 M., die für 3 0 00 0 Hunde erlegt werden mußte. Ungünstig war der Er- trag deS Branmalzstcuer-Zuschlages mit 760 000 M. Der Ertrag blieb um 13 000 M. hinter den, Etatsansatze zurück. Noch un- günstiger ist das Ergebnis der Wanderlager-Stencr, die in 'srllher'en Jahren noch ansehnliche Beträge' lieferte und 1901 nur noch 1000 M. einbrachte, d. h. 500 M. oder 33�s Proz. weniger als veranschlagt worden war. Die Umsatzsteuer ergab 1 691 698 M. oder 3924 M. mehr als veranschlagt, was darauf zurückzuführen ist, daß die Ausgabe» um 11 121 M. geringer waren, als nach de», Etat angenommen.— Ans den, Etat geht eins hervor, daß er in der Hauptsache durch die Mehransgaben von 7 882 611 M. im Extra-Ordinarium beeinflußt worden ist. Dieser Mehrausgabe steht nur eine Mchreinnahme von 4 362 302 M. beim Ordinarium gegenüber. Hierdurch ist eine Mehrausgabe von g>/2 Millionen Mark entstanden, die von dem Bestände von 9 Millionen Mark, der Ende März 1901 verblieb, in Abzug konnnen. Der Bestand bat sich dadurch gegen den vorhergehenden Etat um 8Vz Millionen Mark verringert. Der Magistrat hatte einen Preis von 3000 M. für eine Preisaufgabe ausgeschrieben, die dazu dienen sollte, Mittel ausfindig zu machen zur Verhütung von Rostschäden bei eisernen Dampfrohr- leitungen. Diese Schäden sind ganz beträchtlich. Da die ein- gegangenen Arbeiten nickit befriedigte», konnte der Preis nicht ver- teilt tvcrden. Der Verein zur Forderung des Gc'.verbcflcißcs hat nun gebeten, den Preis ihm zur Verfolgung des gleichen Zweckes zur Verfügung zu stellen. Die Baudeputation I hat beschlossen, das Gesinb des' Vereins dem Magistrat zur Berücksichtigung zu empfehlen. In der gestrigen Sitznng der Hochban-Dcpntafion unter dem Vorsitz des Stadtrats Namslan wnrdee die Vorentwürfe zu einer neue» K o ch k ü ch e für mehrere tausend Personen, einem großen Frauen bade und zu der Erweiterung des Kesselhauses ans dem städtischen Grundstück des Obdachs in der Fröbelstraße genehmigt. Ferner gab die Deputation ihre Zustimmung zu dem Kostenanschlag für verschiedene Nenanlagen ans den, Grundstück dcS städtischen Arbeitshauses in Rnmmelsburg und den Anschlag für die Herstellnng eines iienen Pflasters auf dem städtischen Viehhof in Höhe von einer halben Million Mark. Milchkrieg und MilchprriS. Eine neue Verschärfmig deS Milchkricges st cht zum I.Oktober bevor. Wie in der gestrigen außerordentlichen Genealversanimlung des Ver- eins Berliner M i l ch p ä ch t e r vom Vorsitzenden W i e s e n e r mitgeteilt wurde, beabsichtigt die M i l ch c e» t r a l e i h r e b i s- herige Taktik zn ändern und die den Milchhändlern an- gcdrohte scharfe Konkurrenz in der Weise wahr zn machen, daß sie, im Verein mit der Firma Bolle, vom I.Oktober ab ihre Milch zn Schlenderpreisen an die Abnehmer der Milchpächter, die Milch-Detailhändler abgeben wolle. In der letzten Woche sei zwischen Volle„ n d den, M i l ch r i» g ei» neuer Vertrag geschlossen Ivorden. Außcrdcn, soll die Firma Bolle ihre Liefernuten mit allen Mitteln zum Anschluß an die Milchcentrale zu bewegen suchen. Beide vereint wollten alles versuchen, um den Berliner Milchhändlern ihre ringfreien Bezugsquellen abzuschneiden und sie an die Wand zu drücken. Nach längeren Debatten wurde beschlossen, festzustellen, wie viel Milch den Berliner Milchhändlern noch fehlt und dann Maßnahmen zu treffen, nm die Zufuhr ringfreier Milch nach Berlin zu vermehren, was durch die Auflösung' verschiedener bisher der Milchcentrale angeschlossener Genossenschaften wesentlich erleichtert wird. Die Kosten dieser Vorkehrungen übernimmt die Bereinskasse. SelbsterkcuntniS ist der erste Schritt zur Besserung. Wen» dies Sprichwort auch auf unsre Eisenbahnbehörde zuträfe, dann könnten die Armen, die unter dem Regiment des Herrn Budde ein Ende der Nero Thielen hcrbeiseukzen, erleichtert aufatmen. AuS dem Munde des verflossenen EisenbahnministerS hat die erstaunte Oeffentlichkeit immer und immer wieder hören müsse», daß die Löhne der Angestellten und Arbeiter ausreichend seien, so ausreichend, daß nach einer am 13. Juui 1300 in, Dreiklassen- parlamcntabgegebenenErkläruiigdieBeamtenbesoldungenaufabsehdare Zeit als abgeschlossen zu betrachten sind. Die Löhne und Gehälter waren nach diesem Minister so hoch, dah in einem kurz nach dieser Rede veröffentlichten Erlaß eS als Leichtfertigkeit betrachtet wurde, wenn einer der Untergebenen Schulden machte und jedem An- gestellten kategorisch erklärt wurde, daß ihm sein Dienstverhältnis gekündigt werde, wenn er Schulden kontrahiere, die sein zwei- monatliches Einkommen übersteigen. Nunmehr scheint es, als ob die Eisenbahnbehörde sich allmählich zu der Ansicht durchgerungen hat, daß die Löhne, welche sie zahlt zum erheblichen Teil nicht so hoch find, daß ein Mensch damit seine Existenz fitsten kann. Ein Berliner Arbeiter war bei der königlichen Eisenbahn-Jnspcktion 13 in Berlin um Anstellung eingekommen. Er erhielt die Antivort, daß zwar in Berlin keine Stellung für ihn vor- Händen sei, daß er aber wahrscheinlich in Lübbenau Beschäftigung erhalten werde, wenn er sich dort an die Bahnmeisterei I wende. Dies that der Arbeiter denn auch, worauf ihm folgendes geantwortet wurde: Urschriftlich dem Herrn Antragsteller mit dem Bemerken zuriickgewicsen, daß seiner Einstellung als Arbeiter bei der Bahn- meisteret nichts entgegensteht. Bei den hiesigen teueren Ver- hältnissen und der Wohnungsnot, entgegen dem tfig- lichen Verdienste von 1,30 M., im Winter 1,80 M., bleibt eS wohl zu überlegen, ob Sie sich eine g ü n st i g e r e Arbeitsstelle suchen. Werden Sie doch nial bei dortiger Bobnmeisterei vorstellig. Die Arbeiter bei diesseitiger Bahnmeisterei sind gezwungen, sich Nebenverdienst durch Ackerbau zc. zu verschaffen. Sollten Sie trotzdem gelnillt sein, die Arbeit aufzunehmen, so steht Ihrem jedcrzeitigen Beginnen nichts entgegen. Nachdem so offiziell anerkannt ist, daß die von der Eisenbahn- vertoaltung bezahlten Löhne angesichts der theueren Veihältnisse am Orte zum Leben�so wenig ausreichen, daß die Eisenbabnarbeiler, wenn sie nicht verhungern wolle», auf Nebenarbeit angewiesen sind, werden wir wohl bald von einer Vorlage hören, welche diesen Arbeitern ein zum Leben annähernd ausreichendes Einkommen zu- sichert. Und damit müßten die Löhne der Eiseiibahnarbcitcr allgemein aufgebessert werden, denn wer in einem kleinen Ort wie Lübbenau nach Ansicht der Behörde mit 1,30 M. nicht zu leben vermag, kann im noch viel theuereren Berlin mit 2.30 Pf. erst recht nicht auskomnien. Angesichts dieser Aussichten sehen wir schon im Geiste, wie die zufriedengestellten Eisenbahner sich in Massen von der Socialdemokratie abwenden. Der Umfang deS diesmaligen Oktober-Umznged wird nach Mitte. lang aus den Kreisen der Möbeltransporleure ganz erheblich gegen diqcnigeli in den Vorjahren zurückbleiben. Di« Zahl der Aufiräge auf Möbelfnhrwerke für die Zeit vom 23. Scpteniber bis 4. Oktober ist so unerheblich, daß viele sifuhrwerksbesitzer in diesen Tagen nur verhälwismäßig geringe Beschäftigung haben und noch immer Aufträge entgegennehmen können. In den Vorjahren ver- mochten größere Fuhrgeschäfte schon anfangs September Be- stellungen auf Möbeltransporte nicht mehr anzunehmen. Nach Bezirke» eingeteilt werden die meisten Wohnungswechsel in der nördlichen Luisenstadt, in dem Schönhauser Thor- Viertel, im Frankfurter Thor- Viertel, sowie im Wedding- Stadtteil erfolgen. Besonders erheblich ist dieser Wohnungsivcchsel in der Schönhauser Vorstadt und im Frankfurter Thor-Viertcl. Er wird beeinflußt durch die Fertigstellung großer Gebäude im Norden zwischen der Ringbahn und Pnnkoiv, im Osten zwischen der Frank- furter Allee und Eldenaerstraße, woselbst völlig neue Stadtviertel entstanden sind. Bedeutend sind auch die Zahlen der Umzüge in> äußeren Südwesten und sin südlichen Westen. In Moabit macht sich der Uinzngstermin im nordwestlichen und westliche» Teile des aus- gedehnten Stadtviertels geltend. Ii» Centrum tvird die Zahl der Wohnungsverschiebungen eine ganz unbedeutende sein. Die Verhaftung eines Berliners auf dem Hauptpostamt in Hamburg ist erfolgt. Es handelt sich um den KoimniS Denker, ivelcher nach Verübnug zahlreicher Betrügereien und Schwindeleien der Reichshauptstadt den Rücken gekehrt und von der Staatsamvalt- schaft in Berlin und ander» Städten steckbrieflich verfolgt wurde. Als man ihn festnahm, geberdete er sich wie ein Rasender und rief in einem fort, wie man anständige Leute belästige» und festhalten könne, auch beschiverte er sich auf dem Wege zur Wache über die Frechheit, ihn, einen völlig unbescholtenen Mann zu verhaften. Ein vom Stadthause herbeigerufener Beamter konnte alsbald feststellen, daß der Sisticrte thatiächlich der steckbrieflich verfolgte Kommis Denker sei. Der Verhaftete räumte schließlich auch ein, mit dem Gesuchten identisch zu sein. Lum Brande des Botöhanfes in Grünau wird weiter ge- meldet, daß der Besitzer, Botsbauer Ne»hotd Graßnick, unter dem Verdachte der Brandstiftung vorläufig in Haft genoimneu worden ist. Zwei Zeugen wollen beobachtet haben, daß unter dem Dampfer ein brennender Holzstapel aufgeschichtet war, von dem sich die Flammen ausbreiteten. Die Vermögensloge des Botöbauers G. wird als ungünstig geschildert. Das BotShauS war mit 26 000 M. im Juni versichert worden. Der Anbau des Kunstgewerbe-MuseumS ist bereits bis zur Höhe der ersten Etage gediehen und wird im nächsten Jahre unter Dach gebracht werden. Die Fassade wird abweiebend von dem alten Museuinsgebäude nur aus glattem Sandstein hergestellt und jede Ornamentik nach Möglichkeit vermieden werden. Der Anbau wird hauptsächlich den Unterrichlszwecken der Kunstgewerbc-Schule dienen, während in dem alten Gebäude die Ausstellungs-Räumlickikeiten dafür erivcitcrt werden. Der Anbau wird mit dein eigentlichen Mnseumsgebäude durch einen Säulengang verbunden werden. In Sachen der verkrachten Volks- Kraukeukaffe giebt der Polizeipräsident bekannt: Unter B.gugnnhme auf nieine Bekaimt- machnngen vom 7. Juli, bezieh». igstveife 31. August 1900, die Sthließung der Allgemeinen Volks-Krankcnkasie, eingeichriebene Hilfskasse Nr. 126 betreffend, bringe ich hierdurch zur Kenntnis der Be- teiligten, daß die Herren Liquidatoren Bethge und Werner ihr Geschäftslokal bo» der Alexaudersrr. 33 nach Berlin IiO. 43. Georgenlirchslr. 1, III verlegt haben und daß einer der Liquidatoren stets wochentäglich von 2—3 Uhr nachmittags dort zu sprechen ist. Vor Wechselschwindlrrn und Kafscuräuber» haben sich jetzt insbesondere die Verkäuferliiiic» i» den Bäckerläden in acktt zu nehme». Mehrere Fälle zeigen, daß diese Spitzbuben augenblicklich mit Vor- liebe diese Läden heimsuchen. Bei einer Verläuserin ini Süden der Stadt führte sich einer vormittags als Händler mit Schmucksachen ein. Abends kam er wieder und bat, ihm ein Zehnmarkstück zu wechseln. Als die vorsichtige Verkäuferin erst das Goldstück zu sehen verlangte, stellte sich herrnis, daß der Mann gar keins besaß. Nun ergriff der Schiviudler eineu Thaler, der hinter der Kaffe log rannte davon und entlam, obwohl er sofort verfolgt wurde.— In der Karlstraße.arbeiteten" zwei Mann zusammen. Einer kaufte sehr umständlich für 40 Pf. Theckuchen und gab ein Zivauzigmarlstück in Zahlung. Während die Verkäuferin dieses wechselte, trat der andre ei», forderte für 20 Pf Kuchen, griff aber sofort in die Kasse und entkam mit dem Goldstück, das der erste Kunde soeben gegeben hatte und für das er natürlich Ersatz verlangte. Ein wtldgewordener Strahenbohuwage» venirsachte in der Grcifsivalderstrnße eine üusgedehnte Verkehrsstörung und große Menschenansammlung. Ein von Weißeniee kommender mit Anbänger versehener Stratzenbahnzng der Äiiie 62 sWeißensee- Dönhoffplotz) passierte an der Ecke der Greifstvalder- und Danzigerstraße die Um- fahrnngsweiche, in ivelche vernuillich ein Stein oder irgend ei» andrer Gegenstand hineingcrnten war. Der Molorivagen sprang plötzlich aus dem Geleise und jagte auf die Mittcl-Promenade hinauf, nach- dem er einen Baum umgerannt hatte. Die Räder blieben in den» Sande des PromcnadenwegeS stecken. Der«»Hängewogen war eben- falls aus den Schienen herausgerissen worden nnd stellte sich quer auf dieselben. Obwohl sofort telepbonisch von benachbarten Straßen- bahnhöfen Rettnngskoloimen herbeibeordert wurden, dauerte es doch längere Zeit, bis das Geleise wieder frei gemacht werden konnte. Fruerbcrlcht. In der Zwischenzeit hatte die Wehr mehrere Brände abzulöschen. Mittwoch früh Vit Uhr wurde sie nach der Frankfurter Allee 66 gerufen. Hier war auf noch nicht ermittelte Weise kurz nach 1 Uhr in einein einstöckigen Gebäude Feuer aus- gekommen, das in kurzer Zeit dort lagernde Fleisch- und Wurstwaren ergriffen hatte und bei Ankunft der Wehr auch bereits auf den Dachstuhl übergesprungen war. Die II. Compagnie hatte daher längere Zeit mit einer Schlauchleitung Wasser zu geben, um die Flammen zu ersticken. Grober Unfug am öffentlichen Feuermelder lag einer Alarinierung zu Grunde, die nachmittags die Wehr»ach dem Arkouaplatz führte. Leider gelang eS nicht, des Thäters habhaft zu werden. In der Haqenauerstr. 12 hatte die Wehr in der Nacht zum Mittwoch einen Brand zu beseitigen, der den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Gardinen und Kleidungsstücke gingen gegen 9 Uhr in der Koblanckstr. 14b in einer Wohnung i» Flammen auf. Eine Stunde später wurde die Wehr nach der Roß- straße 1 gerufen, wo i» einem Keller ein Feuer emstandeii war. das allerlei Gerümpel, Körbe usiv. ergriffen hatte, aber vom Zuge 20 in kurzer Zeit abgelöscht werden konnte. Außerdem hatte die Wehr in den lrtzlcn 24 Stunden noch Alarminnigen von der Pntbuserstr. 10 und von der Halleschenstr. 3 zu verzeichnen, die jedoch beide auf un- bedeutende Anlässe zurückzuführen waren. Rennsport. Im Sportpark Friedenau haben soivohl Ryser als auch der kleine Engländer Jini my Michael ihre Arbeit für das am Sonutag, den 28. September, bevorstehende Dauer-Rennen bereits aufgeiiönuuen. R o l> l und Dickentmauu habe» ihre Ankunft für heute abend angemeldet. In der Leitung des Sportparks Friedenau hat sich. wie die„Rad-Welt" erfährt, ein Wechsel vollzogen. Herr Direktor Hölscber hat seine Stellung niedergelegt, und die Sportpark-Aktien- gesellschaft bat den in sportlichen Kreisen wohlbekannte» Herrn Ferdinand Knarr eiiistwcilc» ermächljgt, das Tauer-Neimen am Soiiiilag noch Maßgabe der Ausschreivung abzuhalten. Der Grnnd zllm Rücktritt des Herrn Direktors Hölscher ist in finanzielle» Schwierigkeiten zu suchen, mit denen Herr Hölscher schon seit einiger Zeit zu kninpfcn hatte. Die völlig verunglückte Maladaren-AnSstellung auf der Kurfürflendamni-Bahn. sowie das uiigünslige finanzielle Ergebnis deS großen Preises von Deutschland dürfte» die Haiiptursache» deS Zusammenbruches fein. Jufolgedesscn war Herr Hölscher bisher auch nicht in der Lage, die Preise ailszuznhte». Wie jedoch mitgeteilt ivird, soll bestimmte Aussicht vorhanden sein, daß die Aiigelegenheit in kurzer Zeit zur Zufriedenheit aller Beteiligte» geregelt ivird.— R o b l und Dicke ntman n beabsichtigen mit den nötigen FübrungSmaichinen Anfang Noveniber nach Australien zu gehen. Äuiem Vernehmen»ach steht der Abschluß der EilgagcmeiiiS- vei haudluiigen iiinnittelbar bevor. Australien soll gegenwärtig 53 Rad- Reuiibahncn besitzen._ Aus den Nachbarorten. Steglitz. Au« der letzten Genieiiidevertreter-Sitzung ist noch folgendes zu berichten: Bei der Abnahme der Jnhresrcchmnig über de» KanalisationSfondS pro 1300 fragte Genosse Rapp an, wie eS zu erkläre» fei, daß für 1301 die Löhne 856 M. iveiiiger betrage», trotzdem anS den gezahlten VersichcrungSbciträgeii hervorzugehen scheine, daß die Arveiterzahl dieselbe sei. Herr Buhrow blieb die Antivort schuldig, angeblich iveil die Frage nicht zur Sache gehöre. Alis die ivcitere Frage, ob dem Gemeindevorstand ein An- trag der Gemeinde-Arbciler um Loh» erhöh iiiig zugegangen nnd ob eS der Wahrheit entspreche, daß den Arbeitern von einem Gcnieindcbcamien geanlwortet sei, so lange sie noch C i g a r r e» raiichen könnten, wären die Löhne ausreichend, antwortet der Vorsteher, daß der Antrag eingegangen fei und erwogen werde» ivlirde, daß hingegen eine derartige Antivort. wie oben angeführt, nicht erteilt ivorden fei.— Das OrtSstatut betr. Errichtmig einer Schuldeputation wurde mit den von der Regierung gewünschten Abänderungen, durch welche die Rechte der Gemeinde- Vertretung bedeutend beschnitten werden, angenommen.— Da? Gewerbegericht soll nunmehr am 1. November in Kraft treten. Die einzelnen Gruppen und deren Vertreter fz»r Hälfte Arbeitgeber nnd Arbeitnehmer) wurden wie folgt festgesetzt: Be- kleidinigSindnstrie 2. Nahrungsmittel 2, Graphische Gewerbe und Blichbinder 6, Metallindustrie 4. Bnngewerbe 4. verschiedene Ge- iverbe 6.— Die von der Mehrheit in verstünniielter Form zu- gelasseiie W o h» u n g S st a t i st i k soll Anfang Oktober auiginommen iverden.— Ueber die Deckung der mit Fertigstellniig deS T e l t o w- k anal 8 für unfre Gemeinde erwachsenden jährlichen Kosten im ungefähre» Betrage von 80 000 M. konnte man sich»ort» nicht schlüssig werden,»nd auf«ine Anfrage von bürgerlicher Seite, ab der Gemeindevoriiand nicht icho» jetzt Vorkehrungen treffen wolle, um der für den Winter wieder zu erwariende» großen Arbeits- l o f i g k e i t zu steuern, versprach der Vorsteher, die Sache in Er- wägung zu ziehe». Nu« Schöneberg. Die Errichtung eines zweiten R a l h a u i e s soll sür Schöneberg in nächster Zeit i» die Wege geleitet werden.— Die g e.» e i n i a m e O r t«» K r a n t« n k a>>« von Schöneberg und Friedenau erfährt am 1. Oktober d. I. eine Teilung, iudci» letzterer O>t eine eigne Kasse sür sich erhält.— Nach der Feststellung deS Einivohner-Melde-AiutS beung die B e- Völkern ugszahl am 13. Sepieniber einschließlich Militär- Personen 106 666. Seit der Volkszählmig von 1300 hat sich die Einwohnerschaft um 10 563, und seit 1830, wo Schöneberg nur 11 180 Einwohner zählte, um 36 386 Personen verniehrt. Geritfzks-'Äeitunq. Wie der hochvrrrätertschrn Schar zn wehren ist. Ein neues Mittel zur Bekämpfung der Socialdemokratie hat der Ktttasterichreiver Karl PeterS au» Eharlottenburg ent- deckt und zur Anwendung gebracht. Der Man» hatte sich gestern vor der ersten Strafkammer am Landgericht II wegen vollendeten Betruges in a ch t Fällen und wegen verjuchteii Betrüge« in s i e V e n Fällen zu verantworten. Der Angeklagte ist Unteroffizier beim ziveiten westfälischen Artillerie-Regiment Nr. 12 gewesen. Diese That- fache nutzte er in folgender Weise auS: Er verfaßte Briefe, in denen er schrieb, daß sich in Charlotleiiburg ein Verein ehemaliger Kameraden seines ReginiciitS gebildet habe. Die Begründer feien von dem Gedanke» ausgegangen, daß dieKrieaervereine durchaus notwendig feien, um der Socialdemokratie einen D a»> m entgegenzusetzen. Der Verein zähle bereits 27 Mit- glieder, aber es fehle ihm an Mitteln, um feiner Aufgabe gerecht zu werden. Die Beschaffmig einer Fahne sei i» Aussicht genommen. und gerade zur Zeit fei dem Verein Gelegenheit ge- boten, ein sehr passnideS und billiges Vereinslokal zu er- halten, aber der Wirt verlange die JahreSmicte prä- »umerando. Da jedoch kein Geld in der Kaffe fei, müffe sich der Verein die günstige Acquifition entgehen lassen, wenn ihm nicht von außen Hilf- käme. Deshalb wende sich der Vorstand ver» trauensvoll an die aktiven Herren Offiziere mit der Bitte nnt einen Beitrag zu den EinrichtungSkosten deS Vereins. Etwaige Spenden beliebe man dem Vorzeigcr dieses Schreibens gleich auszuhändigen, der darüber quittieren werde. Mit diesem Schreiben suchte der Augeklagte eine Reihe von Offizieren in Berlin und den Vororten auf. Bei General- major Wille, bei Lieutenant M u t h S, Hauptmann Jaeger, Major von Oven. Lieutenant von TreSckow. Major Friedrich, Oberlieutenant Petersen u. a. m. gelang ihm der Schwindel. Er erhielt Betrüge von 6—10 M., in siebe» weiteren Fällen fiel er ab. weil die Heimgesuchten Mißtrauen hegten. Die Sache sprach sich herum und schließlich ließ Generalmajor Schulz den Schwindler verhaften. Natürlich existierte der.Verein ehemaliger Kameraden de» zweiten westfälischen Artillerie-RegimentS Nr. 12* nur in der Phantasie des Angeklagten, der vor Gericht geständig war, sich aber mit großer Notlage entschuldigte. Der Gerichtshof glaubte dem Angeklagten auch, daß er sich in Not befunden habe und ließ eS daher bei sechs Monaten Gefängnis beivenden. Eine etwa« alte Rechnung sollte der Metalldrücker O b e r- miller begleiche», der am 22. September vor der Berufungs- kammer des Landgerichts II wegen Streikvergehens stand. AIS im Jahre 1899 in der F e i st e rf ch e n F a b r i k in O b c r- f ch ö n e w e i d e ein Streik ausgebrochen war, wurden einige Arbeitswillige auf dem Wege zum Bahnhofe beschimpft. Zioar konnte niemand feststellen, wer bestimmte Worte gebraucht hätte, doch wurden drei Streikende darunter O. angeklagt, weil sie unter de» Schinipscnden gewesen wären. Die andren wurden schon im Jahre 1300 abgeurteilt und freigesprochen, gegen Obermiller aber, der außerhalb Arbeit an- genommen hatte, wurde erst im Februar 1302 verhandelt, und obgleich die Sache bei ihm nicht anders lag, als bei den andern, ivnrde er vom Schöffengericht zu Köpenick zu einer Woche Gefängnis verurteilt. In der Berufungsinstanz warf der Verteidiger. Rechtsanwalt Wolf- gang Heine die Frage auf, zu welchem Zwecke denn die Schimpfwort« ausgesprochen worden sein möchten, ob nur aus Aerger über das unsolidarische Verhalten der Arbeilswillige» oder um sie zur Teilnahme am Streik zu bewegen. Da für das letzte nichts bei- zubringen war, mußte der Angeklagte freigesprochen lverden, denn eine solche Absicht ist Voraussetzung der Verurteilung aus <5 153 Gewerbe-Ordnung. Wegen Beleidiginig konnte keine Ver- nrteilung eintreten, weil die Arbeitswilligen keinen Strafantrag ge- stellt ballen. Zwei Scrnen an« dem dunkelsten Berlin beschäftigten gestern daS Schwurgericvt am Landgericht I. In beiden Fällen handelte es sich um Gewaltakte, die von verkommenen Menschen auf offener Straße ausgeführt worden sind. Die erste«cene spielte in der Nackt des 18. Juni a» einer verlorenen Strecke der Linienstraße. Al§ in jener Nackt der Schmied Hermann Schulz seiner Wohnung zustrebte, gesellten sich mehrere Männer zu ihm, deren einer ihn er- suchte, ihm eine» Groschen zu schenken. Der in gemütlicher Stimmung befindliche Schmied Schulz entsprach diesem Wunsche, entnahm seinem Portemonnaie ein Zehnpfennigstück, zeigte aber auf diese Weise den andren, daß er Geld bei sich führte. Gleich darauf trat einer aus der Stalte mit dem seltsamen Vorschlag an ihn heran, aus Scherz mit ihm einen Ringkampf zu veranstalte», um die Kräfte gegen- seitig zu messen. Schulz hatte hierzu gar keine Lust, er lehnte auch eine wiederholte Aufforderung ab. Plötzlich umspaimten ihn zivei kräftige Anne und der nach dem Ringkampf lechzende Mensch drückte ihn mit aller Gewalt zu Boden. Als er unten lag, fragte ihn fein Angreifer nach seiner Uhr. die er z» seinem Glück nicht bei sich hatte, dann spürte er einen Druck au seiner Hosentasche»nd alS ihn der Ringkämpfer freigelassen und mit seine» Kumpanen schleunigst Reißaus genommen hatte, vermißte Schulz sofort sein Portemonnaie mit 3 Es ivar zweifellos, daß der sonderbare Preisringer ihn beraubt hatte. Schulz legte sich nun Nacht für Nacht in der Linienstraße auf die Lauer, in der Erwartung, daß ihm der freche Straßenränder»och ein- mal in den Weg laufen Ivürde. Dirse Hoffnung hatte ihn nicht geläuicht, denn wenige Nächte darauf kann'« er ihn in der Linienstraße durch einen Schutzmann festnehmen lassen. Er entpuppte sich auf der Polizei als der schon füusmal wegen TalcheudiebstahtS vorbestrafie.Arbeiter' Johannes Witt. Er gab zu, den Ringkampf iusceniert zu haben, bestritt aber die Wegnahme des Portemonnaies. Die Geschwornen sprachen ihn des Straßenraubes schuldig und der Gerichtshof verurteilte ihn zu zwei Jahren Gefängnis.— Im ziveiten Fall war der .Arbeiter* August Hampel, ein vollkommener Srrolch. wegen Notzucht und Körperverletzung angeklagt. Er hat nächt- licherweile in der Gegend der Krautstraße eine ihm begegnende Frauensperson vergewaltigt, indem er ihr einen Knebel in den Mund steckte und sie so ani Schreien verhinderte. Nur der Umstand, daß es sich um eine moralisch gesunkene Frauensperson handelte, beivog die Geschwornen, die Frage»ach mildernden Umständen zu bejahen. Der Augeklagte wurde zu V/t Jahren Gefängnis verurteilt. Eingegangene Trnckfchriften. Im Verlag von I. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart ist soeben er- schienen: der Stitliilidoud der Gesammelten Schriften von Karl Marx und Friedrich GugclS.(Dritter Band: Von Mai t84» bis Oktober 18S<1.) Preis broich. 7.— M.. gebd. 8,60 M.— Die Äesamt- ansgabc de» Litterarischen NachlaficS von Karl Marx, Friedrich GiigelS und Ferdinand Lassalle liegt damit lomplett in 4 Bände» vor. Der erste Band enthält die Schriften von Marx nnd Engels, in denen ste stch bis zur Schwede des Soeialismus entwickeln, den begründet zu haben ihr unsterbliches Verdienst ist Der zweite Band enthält alle», was ste in der theoretischen Begründung und Entwicklung ihres»e» ge> wonneuen StandpuulteS gearbeitet und mit andren Richtungen der Zeit durchkämpft haben, bis zum Komiiiunistischen Manisefte, der llasstschen Geburts- urliindc des moderne» wiüevschasttichcn KouiniuniSmus. Der dritte Band veröffentlicht evdlick ihre Aufsätze aus der.Neuen Rheinischen Zeitung« und und deren Revue, also die praktlschen Proben aus die Richtigkeit itirer theoretiiche» Resultate. Damit ist die erste Periode in der öffentlichen Wirksamkeit für Marx und Engels abgeschloffen. Der vierte Band enthält die Briese Laffalles an Marx und Engelö, die zwar in keinem un- mittelbaren Zusammenhang mit der vorliegenden Sammlung stehen, aber ste ihrem Wesen nach für die fünfziger Jahre fortsetzen, indem ste für dies Jahrzehnt die sicherste»riundliche Grundlage bieten, sowohl für die Geschichte deS uiobeinen wiffenschastlichen Kommunismus, als auch für die Biographien seiner klasstichen Vorkämpfer.— Aste vier Bände zusammen drosch, üb M., gebd. in engl. Leinw. 31 M. Der Toelalift von Nazareth. Eine LebenSgeschicht« Jesu nach der neuesten Forschung, verbunden mit einer Kritik deS Straubsche» Standpunktes und der diesbezüglichen soeialistischen Parteischriften. Bon Oskar Zimmer. Preis 60 Pf. Zu bezieh«» von O. Zimmer. Berlin, Nuheplatzstr. 21. lv>it»eru»»sitberstcht vom 24. September 1902, morgens 8 Uhr. lvlettrr. Prognose kür DonnerStag. de» 25. September 1002. Etwas wärmer, vielfach wolkig bei ziemlich lebhaften südlichen Winde»; keine erhebltchca Niederschläge. Berliner Wetterdureau- Briefkasten der Redaktion. Die smlstliilir Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme deS Sonnabends von 7V, bis 9>/, lidr abeubS statt. L. 200. Teilen Sie unS zunächst mit, zu welchem Zwea Sie die Auskunft wünschen. Bösche. Die erste Pferdebahn-Ltnie(Berlin- Eharlottenburg) ist 1865 eröffnet worden. F. P. 1. Im 130. Armenbeztrk(Prenzlauerstraste) ist Herr Gold- arbrtrer G r a h l, Prenzlauerstr. 60, Armenkommissions-Vorsteher. 2. Der „Vorwärts*. Raaich. Nur Kinder unter 4 Jahren sind frei. K. R. Für Schlafstelle» sind pro Kopf 3 Quadratmeter Bodenfläche und 10 Kubikmeter Luftraum vorgelchrieben. Für Kinder unter 6 Jahren genügt Vj. für Kinder unter 14 Jahren»/, der Mäste. Betforter. Wenden Sie sich an den Vorstand Ihrer Krankenkasse, und wenn Sie keiner angehören, a» den Schriftführer des VolksheilstättenvereinZ vom Lioien Kreuz, Herrn SiabSarzt Dr. Pannwitz, Eharlottenburg, Knesebcckstr. 29. Klose. Vielleicht giebt man Ihnen in einer der nachstehenden Anstalten einen Rat: Erziehimgsanstaü des Vereins zur Erziehung sittlich verwahr- lost« Kittder zu Zehlendors, Bureau Berlin, Jägerstr. 21, und ErziehmigS- anstatt Zoar, Borsigstr. 6. BS. L. 100. Bis zum 21. Lebensjahre wären solche Mastregeln möglich: gegen dieselben ist aber Beschwerde an daS Vommidschastsgeacht zulässig.- F. H.«. 10. F. D. 70. F. F. 99: Nein.- AdlerShof. Solche Art Konzesston ist unmöglich. Sprechen Sie eventuell mit derselben in der Sprechstunde vor— Richard SchSbel. DaS Gericht, daS in erster Instanz daZ Urteil gefällt hatte, ist zu der Klage auf Aufhebung des rechts- kräftigen Urteils wegen veränderter Umstände zuständig.—ortn«g. Tlirnter. Donnerstag, 25. Sept. Osiernliaus. Der Ring des Nibc- lungen. Vierter Abend: Götter- bämmerung. Anfang 7 Uhr Schauspielhaus. Schuapphähne. Ansang 7>/, Uhr. Neues Opern- Theater iKrollj. Das süß- Mädel. Ans. 7'/, Uhr. Deutsches. Stichwahl. Hierauf: Der Schatzgräber. Ans. 7>/z Uhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7-/- Uhr. Lesstng. Der Heerohme. Ansang 7>/, Uhr. Westen. Colornbine. Hierauf: La Main.(Die Hand.)— Zum Schluß: L'Homrne anx poupses.(Seine Puppe.) Anfang 7»/, Uhr. Neues. Ledige Leute. Anfang 7>/, Uhr. Residenz. Der Fall Mathieu (L'allairs Mathieu.).Vorder: Ich liebe Sie. Anfang?>/, Uhr. Thalia. Er und seine Schwester. Ansang?>/, Uhr Ceutral. Wie man Männer sesseU. Anfang 7t/, Ubr. Schiller. O.(Wallner- Theater.) Sappho. Ansang 8 Uhr. Schiller.(Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater.) Jugend. Anfang 8 Uhr. Sari Weist. Eine Paria. An- fang 8 Uhr. Luisen. Di« Fledennaus. Aniang 8 Uhr. Easino. Ehrliche Arbeit. Ansang 8 Uhr. Kleines. Serenissimus. Anfang 8 Uhr. Apollo. Lnststrata. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. «vintergarte». Specialitäten. An- fang 8 Uhr. Buntes Theater. Die Enthüllung deö Heine-Denkmals. Der Hund. Bunter Teil. Ansang 8 Uhr. Metropol. Berlin bleibt Berlin. Anfang 8 Uhr. «ilhelm. Dorf und Stadt. An- sang 8 Uhr. spalaft. Eine Nacht im Ballhause. Anfang 8 Uhr. Trianou. Die Liebesschaukel.(La Bascule.) Ansang 71/, Uhr. Stetdl Specialitäten Anfang 8 Uhr. RrichsbaNen. Stettiner Sänger. Ansang 3 Ubr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Passage- Pauoplikni». Specials- täten-Borstellniig. Urania. Tanbenstr. 48/40,(Im Thealersaal.) Abends 8 Uhr: Tausend Jahr« deutscher Kultur. Invalide» si raste 57/02. Täglich: Sternwarte. CvuRnaI» Theater. Heute und folgende Tage: Gastspiel von äoiapbln« vor», llepl Weiss, Marie Manci, Toni CrUnfeld:„Wie man Männer fesselt." Große Ausstattungsposse mit Gesang in einein Vorspiel und 3 Bildern von Mart und Henneguin.— Sonntag- nachmittag halbe Preise:„Drei Paar Schuhe". Gastspiel zo-aplilns liora. Abends:„Wie man Männer fesselt." Zur Eröffnung der Winter- Operetten-Saison am I Oktober d.J. wird ein Freitag- Abonnement zu halben Kaffenpreisen eingerichtet. Die Abonnenients- Billets sind an der Kasse zu haben.__ Tbalia- Theater. DreiidenerntraHso 72— 73. Novität! Ansang 7',', Uhr. Novität! kr um! seine Schwester. Posse mit Gesang und Tanz in 4 Alten. l-ulito TKIelacbar als Orchestcr-Dirig. Im 2. Akt: Kitzel-Couplet. Gariia Walde. Frlti Helmerdlng. Herbert PaulmUller. August Reiff Morgen und folgende Tage: Er und seine Schwester._ Buntes Theater. Köpenickerstraße 68. Ansang 8 Uhr. Die Enihüllniig des Hcine-De»k- malS. Von Alex. Moszkowski.— Der Hund. Von Mctenier. Bunter Teil. Leitung: Osbar Strauss Tlny Senders n. G. Bozens Bradsky. Marcell Salzor. Bokken-Lasson. SA» der Spaudauerbrücke 3.» Größtes Bergnügungslokal P Berlins. Ej Internationale Konzerts T I pon 5 Künstler- Kapellen, p « Im 6. u. 7. Bogen erstklassige k " Theater- und Specialitäten-Yoisteilg.? Täglich Matinee von ii-i Uhr. P Urania. Tauben-Strasee 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Tausend Mre deutscher Ms. Sternwarte. InvaliOeneitr. 67/62. Täglich geöffnet von 7—11 Uhr. Passage-Tlieater. Auf das glänzendste renoviert. Aufgang nur Unter den Linden 22. 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Lustspiel in 4 Akten v. M. Donnay. Anfang 7'/, Uhr. Parkett 2 M, Apollo-Theater Zum 178. Mal: Lysisirafaft Operette in 2 Akten v. Paul Llncke. Lüftballett„Grigolatis". Carola x steidl x Rieck Kettner X Kröchert X Lleban X Runge Malkowska X Pen-y y Herold. Die vier Australierinnen. Savonnas X Elttott X Welsons. Lebende Photographien. Kassen- Eröffnung 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Casino- Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr, Sonntag» 7'/, Uhr. Neu! htell» Khxi». Neu I Schmuck. Origin. Neubertp. Dazu andauernder großer Erfolg: Ehrliche Arbeit. Enlree 30, Park, bv, Faut. ,c. bi» 2 M. iKcdilllSi'-TIivat«»'. Schiller-Theater O.(Wallner-Theater) Donnerst agabend 8 Uhr: Sltpph». Trauerspiel in 5 Aufzügen von Franz Grillparzer. Freitagabend 8 Uhr: Zum erstenmal: l>«r TartttfT. Hierauf: Der Arzt wider Willen. Sonnabendabend 8 Uhr: Der TartttlT. Hierauf: Der Arzt wider Willen. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilhelm- städtifcheS Theater) Donnerstagabend 8 Uhr: Angend. Ei» LiedeSdrama in 3 Aufzügen von Max Halde. Freitagabend 8 Uhr: Dl« Braut von nesdina. Sonntagabend 8 Uhr: Die Freie Volksbühne. Sonnabend, den 4. Oktober, abends 8 Uhr, in der Brauerei Frieoriohshain. Schubert-Abend. Vokal- nnd Instrnmental-Sonzert Mitwirkende: Kerliner To«Künstler- Orchester. Dirigent Franz von Blon. Gesangssolisten: Fräulein Betsy Schot, Herr August Pfltzner. Festmarken in allen Zahlstellen a 50 Pf. d./5. Abteilnne: I.esslng-Theatcr, ——— Sonntag, den 28. September:—— Ute Kleinbürger. 9./10. Abteilung, im Metropol-Theater! John Crabrlel Borkman. Die nitglieder werden dringend ersucht, die in den Zahlstellen aiinlicgcnden Fragebogen betrefls obligatorischer Elnl'iihrnng des BUhncn- liertcs etc. aiisznfüilen. 230.5 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Clianssee- Str. 103. Arnold Scholz. Heute Donnerstags I. Grosses iiter-Mti-tert 1 ausgeführt von der RegimenlsniaMik des IV. Garde- Regiments zn Fuss in Uniform O» unter persönlicher Leitung des königl. Musikdirektors Herrn Frz. A. Bergtor. 61442« Anfang 8 Uhr. Bona gelten. Eintritt 30 Pf. 0 Naclidem; Familien-Kränzchen. •••••••eSeieees jfi. Cohns Festsäle. Benth-�trasse 30. ,84««» Die Sonnabende 44., 18. und 25. Oktober sind frei geworden und unter coulanten Bedingungen zu vergeben. Luisen-Theater. Gastspiel des Theater» dcS Westens. vis fielieniisus. Operette in 3 Alien von Iah. Strauß. Anfang 8 Uhr. Mrverkauf 10-2 Uhr Theaterkasse, Invaliden- und Künstlerdank. Morgen: Marie-Anne. Sonnabend: Hamlet. Sonntag 3 Unr: Robert nnd Bertram. Abends: Marte-Anne. Kleines Ihestei' (Schall und Rauch) Unter den I.Inden 44. __ Anfang 8 Uhr. An»— Zum erstenmal:"MW Serenissimus. Eine Hof- Komödie in 4 Akten von Leo Feld. Friedvichltv. 336. 5 otf iinh Stahl. Schauspiel In 5 Aufzügen von Chart. Birch-Pseifser. Aassenerössnuiig 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Morgen: Dorf nnd Stadt._ W. Noicls Theater. (Direltion Robert Dill.) »>r»> neiihiuge>>- Der Wchtthönig. Posse mir Gesang in 4 Alten von W. Mannstadt. Musik vo» Stessens. Heute: Kanzkriinzchen. sHWl-sllSSlKI Heute: Bcrilu bleibt Beriln. Grosse Aujstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Erik Moyer- Helmund. Emil Thomas a.Q, Josef Joseph). Henry Bender. Flora SIdIng. Hansl Reichsberg. Wlnl Grabitz. — Johanna Junker- Schatz.— Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet."MW as Palast- Theater früher Feen-Palast, Burgstr. 22. Durchaus renoviert. Direktion: Bichard iVIokler. Bollstiindig neu«mgestaltet. »Uhr: Riesemfolll!°Uhr- kllic Ut im Bcllbacsc. Schwank in 4 Alten von R. Kneifet. Küster Hänfling.. Dir. R. Winkler. Lotte Mende, beste deutsche Soubrette. Lee Premiers, Akrobat-Canotiers. Fritz Brandt, Humorist, hoch aktuell. The Cronays, Sport-Juggler. Verität, serbisches Damen-Sextett. Entree SO Pf. Anfang: Sonntags 7 Uhr. _ Wochentags 8 Uhr. Achtung! Vereine! Totensonntag, der erste Weih- nachtstag nnd Sonnabend, den 22. November, ist»och zu vergeben. ütabllMsement„BUd-Ostt", Waiden, arstr. 75.[6107L» Stadt-Theater Alt- Moabit 47/4» Donnerstag, den 25. Septbr.: Gastspiel des Bernhard Rvse-Tbeater-Ettsemdle Die Barbaren. Lustspiel in 4 Akten von Stobitzer. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Ball. » Badstr. 35/38, Gesundbrunnen. Dir. R. Wagner. Jeden Donnerstagabend 8 Uhr: Uomorlat. Solree der Hamburger Säuger. (Otto Steidl, Wölkt etc.) Abwechselndes TSDä hochfeines Familien- Programm. Eutree: JmVorverk.LS, reserv.Platz40Pf. Abendkasse.30,„, 50„ Nach der Soiree: Tanzkränzchany Cbte Alb. Schümm. Cirkus Renz-Gebäude. Karlstrasse. Donnerstag, den 25. September 1S02, abends präc. 71/, Uhr: Nnsterordentl. grofie Vorstellung. Zum erstenmal in Europa. 25 Gerettete von der Insel Martinique 12 Frauen. 10 Mnuner, 3 Kinder in ihren heimatlichen Gebräuchen, Ge- _ sängen, Tänzen:c. &LV Schluß-Apotheose:'MQ Der huRbrach des Hont- Pelee. 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Verband der Hafenarbeiter u. verw. Berufsgen. Dentscblands(Mitgliadscliaft Berlia). Donnerstag, 25. Septbr.. abends 81/, Ulir, in: GewerkschaftShanse, Engel-Ufer IS, Saal VII: Oeffentl.Versamml.(IerHafeiiarbeiter,Bootslenteii. Scliiffer T.-O.: 1. Vortrag des Herrn J. Kallski über:..Weshalb organisieren wir uns". 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Bcr'chiedenes. 283/1 Per Vorstand. Die Berufskollegen werden hiermit aufgefordert, die am 22. d. Mts. gefaßte Resolution zu beachten, nach derselben ist die von anarchistischer Seite einberufene Versammlung zum Donnerstag, den 23. d. Mts., nicht z« besuchen, umsomehr da durch Erhebung eines festen Entrees nur ein Teil der Kollegenschaft zugelassen wird. i-4/ig Me Ortsverwattung der Aereilllgung. empfehleu wir S02ZL» Tuch- Kammgarn» edelstes prima Berarbeitnng, beste Sehr wichtig ist der WV«(i«m- V ortrag' morgen, Freitagabend 8', 2 Uhr, Kommaiidanteustr. 20> Eintritt 21) Mtäiigtil, GtslhwiilSe, Krebs, Ausflöße, Mtiißriiiltioiiöflörilillien, Nüttl'ltibssfsüiltl'zeit vom prakt. Frauenheilkundigen/- bis 2 Uhr nachmittags. Sonn- und Feiertags geschlossen. 2Z2Sb Per Vorstand. Konfirmanden-Anzfige in siluMtn Wertuhtu Fsysus u. Luulitöteu. Slls besonders vorteilhaft offerieren wir: HodieleZante Einsegnungs- Anzüge aus prima Kanimgarii(fciligewedU, ein- und zweireihig per- arbeitet, prima Alisstattung und sauberste Näh-Arbeit zum Preise von Mk. 1.2,50 resp. 15,—. Ferner: t?-inseg»ii»gs- Anzüge nus Material(Aachener Fabrikat), Zuthateu a 15. 18 u. 20 Mk. 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