Nr. 844. Abmmement«- Kedinguirgt«: WoimementS» PrciZ pränumerando! Vierteljährig 3�0 m., monatl. 1,10 Ml,, wöchentlich 28 Pfg. frei inS Hau». Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- ilbonnsmcnt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post- ZeitmigS- Preisliste für 190» unter Nr, 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» Übrige Ausland Z Marl pro Monat. «rstpwt täglich«uRic»ontag«. 19. Jahrg. Dit InstMons- Gebühr Seträgt für die fechsgefpaltene Koloiiel, zelle oder deren Raum 40 Pfg,, für politische und gewerlschaftliche Vereins. und VerlammlungS-Anzeigen 20 Pfg, „Kleint flnzelgin" jedes Wort B Psg. (nur da» erste Wort fett), Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittag» geöffnet. Verliner Volksbltttk. Telegramm-Abreffe: nSozUldrmofiral»erlitt". Centralorgan der soeialdemokrattsthen Partei Deutschtands. K-eeUKNorn 8 Cd. 68, Lindctietraeec 69. Ferusprechcr: Amt IV, Rr. 1983. Expedition t 8 Lt. 68, Lindenetraeee 69. Zhernfprecher: Amt IV, Nr. 1984. Ein ostprenßisches Schnl-Jdyll. Die ostpreiibischen Schulziistände stehen ja längst im iiMsten Verruf. Die fast täglich in der Presse cirluliereiiden Meldungen über den Einsturz drohende ostelbische Schnlpolnste haben die Oeffcnt- lichkeit längst daran gewöhnt, sich über keine Kunde mehr zu wundern, die aus den gesegneten Gefilden des Junkertums zu uns herüberdringt. Man weih ja zur Genüge ans Aussprüchen aus junkerlichem Munde, wie uusre Edelsten und Besten über die Schulbildung und ihre Träger denken. Das Wort, das Nor Jahren einmal einer aus der rühmlichen Sippe der Puttkamer geprägt hat:„Die Landlinder haben zum K a r t 0 f f e l s a>n m e l n immer übergenug gelernt", kennzeichnet ja hinlänglich das oft- elbische Kultnrideal, in dem das Junkertum das ländliche Pro- letariat zu erhalten bestrebt ist und leider bis heute mit Glück zu erhalten verstanden hat. Und dah die Junker unter solchen Um- ständen über den Berns und die Person des Lehrers mit besonderer Hochachtung denken könnten, ist natürlich ausgeschlossen. Für die Herren Junker, die in ihren GntSbezirkcn oder als Repräsentanten des GtaatsfiSknS ein gestrenges Regiment Über die ihrem Patronat unterstellten Lehrer führen, ist der„Schulmeister" auch heute noch nichts andres, als der verächtlich behandelte Hungerleider, der der proletarischen Jugend Gottesfurcht und Respekt vor der Guts- Herrschaft und der Obrigkeit einznbläuen hat. Das Wissen, das er seinen Zöglingen beizubringen hat, kann gar nicht geringfügig genug sein.— Jedermann weih, dah die Dinge so liegen•, und doch, ein Schnl- Idyll, wie es der Beleidigungsprozeh enthüllt hat, der sich gegenwärtig vor dem Berliner Landgericht I abspielt, hätte selbst der ärgste Pessimist für unmöglich gehalten! DaS Schul-Jdyll, auf das die Gerichtsverhandlung, die unsee Leser an andrer Stelle eingehender wiedergegeben finden, ein so unbarmherzig grelles Licht fallen lüht, spielt sich ab in dem preiihi- scheu Hauptgestüt Trakehnen, allwo die Lehrer als A n st a lt s a n g e st e ll t e den Vorzug geniehen, statt den Proviuzial- Schulbehörden und dem llnterrichtsministerium dem— Land-Stall- meister und deinLandwirtschaftsininifter— gegenwärtig also dem eine so„jebildete" Ausdrucksweise liebenden P 0 d b i e l s k i, uiiierstellt zu sein. Welche Vorzüge diese wundersame AnSnahmestcllung für die Trakehner Lehrerschaft mit sich brachte, ergab eben die erwähnte Gerichtsverhandlung. Dah das ostprenhische Knlturbild überhaupt entrollt wurde, verdanken wir einer Beleidigungsklage, die der Vorsteher des Trakehner Gestüts, der L a n d st a l l m e i st e r v. Dettingen, gegen zwei angebliche Verleumder, einen Sanitäts- rat und einen Lehrer, anzustrengen wahrscheinlich behördlich vernnlaht worden ist. Wir wollen versuchen, in kurzen Strichen die Hnnptlinien des Kultnrgemäldes zu zeichnen, daS die Zeugenvernehmung ergebe» hat. Die Lehrer des Gestüts waren mit ihrem eigenartigen Vorgesetzten ans der Pferdezüchterbranche in Konflikt gerate», weil sie die ihnen auferlegte Pflicht nicht anerkennen wollten, bei ihm um Ur- l a u b S g e w ä h r 11 n g n a ch z n s u ch e n. Diese U> laubsgeivährnng sollte auch dann nachgesucht werden, sobald die Lehrer einmal das Gestütsareal zu überschreiten, also etlva den Kollegen des Nackibardorfes einen Besuch abzustatten beabsichtigten! AlS die Lehrer auch dann noch auf ihrer Weigerung beharrten. als das Ministerium daS Recht deS Landstallineisters v. Dettingen bestätigt hatte, wandte sich der Herr Vorgesetzte nicht etwa beschwerdeführend an die vorgesetzte Behörde, sondern er bcschloh, die Lehrer durch höchst eigne Mittel kirre zu machen. Er organisierte ein vollständiges System von Chikaiiierungcn kleinlichster und demütigendster Art. Zunächst verhängte er einen Fuhrwerksbohkvtt. War deu Lehrern bisher das traditionelle Recht zugestanden worden, auch für private Zwecke ein Gestütsfnhrwerk zu benutzen, so wurde ihnen dies wegen ihres weltabgelegenen Domizils nur zu begreifliche Recht mmmehr glatt abgelehnt. Darin ging man so weit, dasi man sich weigerte, einer entbundenen, noch le i d e n d e n LehrerSftan das Fuhrwerk zu stellen, um sie zur Kirche zu bringen, wo die Taufe ihres Kindes stattfinden sollte. Wollten die Lehrer Konferenzen beiwohnen, so mutzten sie nun- mehr den meilcnweiten Weg ans Schusters Rappen zurücklegen. DaS im Ueberflutz vorhandene Fuhrwerk war wohl siir G e st ü t s- beamte, nicht aber für die Dolksbildner vorhanden. Ging eö aber gar nicht an, den Lehrern die Siellung eines Fuhrlvnks zu verweigern, so wählte man Vehikel aus, die sonst zum Mist- karren verwendet wurden, Leiterwagen, die von Schmutz strotzten. So mutzte ein Lehrer, der zur Mi n i st e r a u d i e n z fuhr und sich der ihm zu teil gewordenen Ehre entsprechend in Frnck und Cylinder geworfen hatte, einen derartigen M i st w a g e n be- steigen. Zur Erhöhung des Respekts der Dorfjngend vor ihren Lehrern dürsten solch feierliche Aufzüge außerordentlich beigetragen haben. Aber damit hatte sich der grausame Humor des die Schnl- behörde repräsentierenden Gestntsgewaltigen bei weitem noch nicht erschöpft. Während andre Gestiiisbeamte das Gesuch um lieber- lasjnng eines Fuhrwerks schriftlich bei dem in Betracht kommenden Inspektor einreichen durften, mntzicn die Lehrer um diese Gunst persönlich vorstellig werden. Das Anbringen der persönlichen Bitte hatte denn natürlich seine Schwierigkeiten, die vermutlich durch ein oerständnisiunigeS Eingehen des Inspektors ans die löblichen Intentionen des Herrn Landstallmeisters noch künstlich vermehrt wurden. Die armen im Stall nniichambriereuden Lehrer warteten nur zu oft vergebens, sie mutzten oft dreimal wieder- kommen imd dem Herrn Jnspektsr nachlausen, wie der ersrbeste Gcharwsrksstmge! Und wenn den gepeinigten und entwürdigten Lehrsklaven die Kalle allzusehr überlief und einer sich bei dem gestrengen Herrn Landstallmeister selbst zu beschweren wagte, so erhielt er die Antwort: Jawohl, der gnädige Herr wolle die Lehrer „zwiebeln und knechten". Und wenn die Gezwiebelten mit einer Beschwerde an den Minister drohten, so lautete die höhnische Antwort etwa:„Gestatten Sie sich nur den Scherz, Entweder wandert Ihre Eingabe sofort in den Papierkorb, oder aber sie g e h t mir zur Berichterstattung zu, und dann werde ich schon für d a s N ö t i g e s 0 r g c n." Der Herr Landstallmeister hatte also eine geradezu russische Vorstellung von dem Be- schw« derecht und den Rechtsgarantien„gezwiebelter" Untergebener! Wie der Herr Landstallmeister sich räusperte, so spuckten begreiflicherweise auch seine Inspektoren. Als ein Lehrer einmal wegen der nicht ganz standeSgemätzen Beförderung durch einen— Leiterwagen— Federwagen in grotzer Zahl erholten sich in der Remise von ihren Strapazen— schriftlich Beschwerde bei einem Inspektor erhob, sagte derselbe cynisch zu dem den Zettel über- bringenden S t a l l j u n g e 11, der Lehrer möge sich mit der Schreiberei„Wurst kochen!" Vergebens war auch die Klage der Lehrer über die s ch l e ch t e 11, gesundheitsschädlichen Schill räume. Der Herr Landstallmeister antwortete kategorisch:„Vor den S ch u l r ä u»1 e n haben die Pferde den Vorzug." Kein besseres Resultat hatten die Beschwerden über de» traurigen Znstand der Lehrer- Wohnungen selbst. So konnten z. B. die verfaulten F e n st e r l ä d e n ruhig herabfallen: wozu braucht auch ein kgl. preußischer GestütS-Schulmeister Feusterläden! Nun könnte man vielleicht den Herrn Landstallme ister zwar für einen Tnodeztyraunen und Bildnngsseind, aber sonst für das Muster eines preußischen Gestiitsbeamten halten, dessen geistiger Horizont über die rationelle Züchtung Trakehner Halbbluts nicht hinausgeht. Leider aber war der gegen alle Klagen der Lehrer taube Herr Landstallmeifter sich s e l b st gegenüber durchaus nicht der stramme Bureautrat, den er den armen Lehrern gegenüber herausbiß. Die Lehrer dursten' ohne llrknnbserlmibneS— ihr dürftiges Gehalt wurde sonst um zehn Mark Strafgeld gekürzt— zwar nicht einmal nach einem Nachbardorf einen Abstecher machen, der Herr Landstallmcister dagegen sah es sich schon nach, daß er einmal das Land seines Knltnrideals, Rußland, besuchte, obwohl ihm nur für eine Reise nach Süd- deutschland Urlaub erteilt war l Aber auch sonst war er sich kein Stiefvater. So schuf er sich ans Koste» der Regierung„eigen- »1 ä ch t i g" einen Karpfenteich, so legte er sich einen u in f a n g- reichen D b st- und Gemüsegarten auf Staatskosten an, dessen malerische Krönung ein 8000 M. kostender Pavillon bildete. Den Bau dieses Pavillons rechtfertigte der Herr steilich damit, daß er für die K 0 n t r 0 l l e u r e der V e s ch ä l e r, die Trakehnen zweimal im Jahre mit ihrem Besuche beehrten, eine standes- gemäße Unterkiinst habe schaffen müsse»!— Das wesenilichste all' dieser Thatsachen wurde bereits im Februar 1900 von dem freisinnigen Abgeordneten Kopsch im Abgeordnetenhaus vorgebracht. Und trotzdem wird erst der im Oktober 1902 stattfindende Prozeß dazu bei- tragen, die beispiellosen Zustände in Trakehnen zn beseitige» I Die parlamentarische Geißelung genügte der Regierung nicht, es Wird erst der 1'/« Jahre später stattfindenden gerichtlichen Feststellungen bedürfen. Denn daß nichts von der Regierung geschehen ist, die ungeheuerlichen Mißsiiinde in Trakehnen zu beseitige», beweist ja gerade die heurige Gerichtsverhandlung. Wäre auf Grund der Rede des Abg. Kopsch eine energische D i s c i p l i n a r n n t e r s u ch u n g erfolgt, so würde der Prozeß unterblieben sein. Im tJnereffc der Deffentlichkeit ist das nun gewiß nicht bedauerlich. Ob es aber zur Er- höhung des Vertrauens in die Regierung beiträgt?! politilcke dcbcrficbt Berlin. den 17. Oktober. Eine inidändijit Verachtiin« der Regtcrimg äußern jetzt»nablässig die bernfeiisteii Vertreter der staatserhnltenden Parteien. Was der selige Diest-Daber im CIrktts Busch einst den Ministern zugerufen hat, das ist in milderer Form der Refrain aller ReichStagS-Redner der konservativen und agrarischen Ueber- Zöllner. Denn ist es etwas andre» als bitterster Hohn und schneidende Verachtung, wenn Herr v. Kanitz und der CentnmiS- mann Herold, wie sie das am Freitag im Reichstag munter thaten, rnicft nach den Erklärungen deS Grafen Bülow immer noch eine Bekehrung der Regierung zu den Ueberzöllner» erwarten. Die Freitags-Sitzimg des Reichstags währte von 12 Uhr bis l/z7 Uhr. Hatte Tags zuvor Graf Bülow bewiesen, wie ein deutscher Reichskanzler au« dein Jahre 1902 lange Reden halten kann, ohne mich nur in die Elemente seines Stoffs eingedrungen zu sein, so zeigte nnscr Genosse A 11 t r i ck. der am Freitag zuerst sprach, in welcher Weise sich ein vielgestaltiger Stoff ernsthaft be- wältigen läßt. Ii: einer dreieinhalbsti'mdtgen Rede— der längsten, die jemals im Reichstag gehalten worden ist— prüfte er alle Argumente der Zollwncberer und wies ihre Nichtigkeit»ach. Mit einem reiche» statistische», zwingeiiden Material legte er dar, wje alle Klaffe» der Bevölkerimg, mit Ausnahme einer winzigen Minder- hcit, durch die Zölle geschädigt würden. Die strenge Sachlichkeit der Rede Antrilks bewies zugleich, wie mützig das Geschwätz ist, datz die Soeialdemokraten mit künstlichen Mitteln Obsirnktio» treiben wollen. Gäbe in diesem Reichstag die Vernunft und die Wahrheit, nicht das niedrigste Erwerbsinteresse den Ausschlag, so würde nach den grirnd- lichen Darlegungen sicher niemand mehr für Getreidezölle einzutreten wagen. Während der Rede unsreS Genossen erschienen die Boerengeneral« auf der Tribüne. Antrick hatte— als einziger Redner— ihrer gleich am Anfang seiner Rede gedacht, indem er den Grafen Bülow auf die Geschichte des offiziellen Boerenempfanges mit einem kräftigen Schlage hinwies. Prof. Paaschs hielt es dann für notwendig, sich über laiige Reden zu beklagen; in lebhaften Unterbrechungen wurde der geschwätzige Herr belehrt, daß er darüber nichts zu urteilen habe. Er selbst bekannte sich dann im Namen seiner Nationalliberalen zu der mittleren Linie Bülows; das nattonalliberale Häuflein ist einst- weilen die einzige Regierungspartei. Der Philosoph der Agrarier, der einst die Wertlosigkeit der Geireidezölle klipp und klar nachgewiesen hat, Graf Kanitz, er- klärte darauf mit heiserem Pathos, datz die Mehrzahl der Kon- servativen es für Brotgetreide nickt unter 7,50 M. thun könne; beim Fiittergetreide würden sie mit sich reden lassen— natürlich, denn die Ostelbier haben kein Interesse an der Verteueriing der Geiste. für die mir die süddeutschen Agrarier begeistert sind. Käme der 7,50 Mark-Zoll nicht zu stände, so würden die Konservativen die— Jndustriezöllc herabsetzen. S�odann trat der Eeiitramsagrarier Herold auf. Mit naiver Offenherzigkeit schilderte er die Geheimnisse des agrarischen Kuh- Handels. Die 7,50 Mark- Zöllner glaubten gar nicht an ihre Forderung, die nur der Agitation wegen gestellt sei, nur um möglichst viel herauszuschlagen. Er verleugnete in schärfster Form einen am Freitag eigenmächtig eingebrachten Antrag seines Fraklionskollegen Dr. Heim, der für die vier Getreidearten je 6 M. Zoll haben will. Dmm kanzelte er Paaschs ab wegen seiner Nachgiebigkeit gegenüber der Negierimg und fauchte die Regierung selbst wegen ihres?lbf lntiSntlis wie ein wilder Demokrat aiv Die„mittlere Linie" Wangenheims ist fiir das Eentriiin unannehmbar, mich die mittlere Linie der Regierungsvorlage und des Dr, Heim ist falsch, daS Heil liegt allein in der mittelsten mittleren Linie, wie sie die Kommissionsvvrfchläge ziehen. Schließlich erklärte er feierlich, datz da« Cenlrm» sich noch— das verräterische Wort wurde durch Zwischenrufe unterstrichen— nichts abhandeln lassen würde, und sprach dieHoffmmg ans— eine Hoffnung der hohnvollsten Verachtung— datz die Erklärung des Reichskanzlers nicht für alle Stadien der Verhandlung gelten werde. Nach einer Rede des fteisinnigen Volksparteilers F i s ch b e ck gegen die Vorlage ivnrde die Debatte aus Sonnabend vertagt. Nach der heutigen Diskussion scheinen die Gegensätze der Zöllner imtereiiiander und mit der Negierung nicht zu überivinden. Aber es scheint nur so. Sie werden sich ans der mittleren Linie finden.— Ei» Armeebefelfl gegen die Bocre». Wie nian uns mitteilt, ist am Donnerstagmittag folgender Armeebefehl bei den militärischen Behörden und den Truppen- teilen Berlins eingelaufen: „S. M. der Kaiser hat z» defelfle» geruht, daß es den Bertreiern der Regierung»»d des Militärs verboten ist, sich an de», Empfang und de» Verfnmuil»»gcn der Boere» zu beteilige»." Den Mannschaften soll da« Verbot jeder Teilnahme noch be- sonders eingeschärft worden sein. Dafür durste die Polizei um lo eifriger sich bei den Feierlichkeiten bethätigen.— Die Boere» im Reichstag.' Am Donnerstagmittag gegen 8/$ Uhr erschienen die Voeren- generale, nachdem sie das am Bismarck-Dciiknial besichtigt hatten, im Reichstag. In der Wandelhalle gingen sie am Präsidenten v. Ballestrem vorüber, der einer Vorslellung auswich. Unter ostentativer Führung Herbert Bismarcks, der offenbar bestrebt war, den Männern deS neuen Kurses auch bei dieser Gelegenheit eine Liebenswürdigkeit zu erweisen— hoffentlich hat er seine Boerenliebe durch die Spende einer kleinen Million von seinen Reichtümern bethättgt— kamen die Generale in de» RestanrationS- saal, wo sie an den Tischen des Bundesrats und der Konversativen längere Zeit verweilte». Unter dem Gefolge befanden sich Herr Liebermann von Soniienberg und der vermutlich staiiimesverwandte Boereiikämpfer Dr. Arendt. Ans der Journalisten- tribiine wurde die Situation, die die Männer in die Gesellschaft der-'nitzachtesten deutschen Abgeordneten ftihrte, durch das Wort schar gekennzeichnet:„Die Boere» bleiben ihrer alten Taktik treu: sie tauchen immer gerade dort auf, wo man sie am w e» t g st e 11 vermutet," Ein starker Zulauf von M- geordneHcn, Dienern, Kellnern nmschwirrtc die Rastenden: auch ein Photograph ivar zur Stelle, der diese nicht gerade angenehm wirkende Schaustellung verewigte. Für kurze Zeit erschienen die Generale dann noch auf der ReichstogS-Tribüne, weder in der Hof- noch in der Diplomatenloge, sondern ans der für die prentzischen Abgeordneten reservierten Zn- schaner-Tribüiie neben den Journalisten, unmittelbar bei dem Sitz des„Vorwärts". Bon den„amtlichen Kreisen" war gerade Graf Posadowsky im Saale.anwesend. Eingedenk des strikt«» Befehls hielt er sich ein Aktenstück vor die Augen, um keine Notiz von den Güsten nehmen zu müssen. Genosse Anttick hat im Eingang seiner Rede die Rolle der aint« lichen Kreise gebührend gezeichnet... Russische llüisiilngen gcarn den Zolltorif. Wolffö Bureau ver- breitet eine Meldung der.Ostdeutschen Grenzboten", ivonack Rußland eine Beschiiinlmig der Preußengiingerti sicher vornehme» wird. Man beruft sich aus die zunehmetide» Klagen der Großgrundbesitzer im ussischen Weichselgebiete, daß sie infolge der überaus starken Svinmertvanderungen einheimischer Leute unter empfindlichem Arbeiternrangel zu leiden haben. Deshalb ist die Einrichtung von sog. Arbeirerbörse», wie sie bereits in, Innern des Reiches vielfach bestehen, für jeden einzelnen Kreis des russischen Weichsel- gouvernementS angeordnet worden. In diesen VermittelungSstellen melden die polnischen Besitzer ihren Bedarf an Arbeitskräften an. Erst wenn dieser gedeckt ist, soll. Erlaubnis zur Abwandening nach Deutschland erteilt werden. Deshalb ist vorgeschrieben lvorden, daß kein Preiißciigängrr über die Grenze gelassen werde» darf, der nicht eine Bescheinigung aufweisen kann, daß er im In- lande keine Beschäftigung erhalten konnte. Die Grenzkontrolle ist er- heblich verschärft worden. Trifft diese Meldung zu, so hat damit Rußland die Möglichkeit, die deutschen Agrarier Lstclbiens tödlich zu treffen— als Rache für die geplanten Zollerhöhungen. Denn unsre nationalen Junker wollen zwar die Grenze für alle außcrdeutschen Lebensmittel sperren, aber die ausländischeit lohndrückenden Arbeitskräfte ziehen sie in Blassen ins Land.— Die Beruf»»» des preußischen Landtages. Eine parlamentarische Korrespondenz meldet: Wie wir aus verläßlicher Quelle erfahren, ist eine Berufung des preußischen Landtages vor Weihnachten nicht zu erwarten. Die gegeitteilige Behauptung kennzeichne sich als eine willkürliche Kombinänon, die von der irrtüm- lichen Voraussetzung ausgeht, daß die Verträge wegen Ankaufs der Privatbahncn vor Neujahr endgültig erledigt werden inüßtcn. Dies ist nicht der Fall. Die' Vorträge find mit dein üblichen Vorbehalt ihrer nachträgliche» Genehmigimg seitens des Landtages abgeschlossen worden mit der Maßgabe, daß die Nebergabe der fraglichen Privatbahncn eventuell zurück- datiert wird.— Eine schwere Niederlage der Zollwnchercr. Aus Elsaß- Lothringen wird uns geschrieben: Der Obcragraricr des Laudesanschusses und reichsparteiliche Reichstags- Abgeordnete Dr. Höffe! ans Btichsweiler hafte sich am letzten Sonntag nach S a a r u n i o n begeben, um dort in einer öffentlichen Vcrsanunlung für die Erhöhung der Getreide- und Viehzölle Propaganda zu machen. Viele Hunderte von Zuhörern waren erschienen, der Referent hafte aber die Rechnung ohne den Sekretär des HandelsverftagS-Vereins, Herr» Schwarz aus Straßburg ge- macht, der mit dem Referat Höffels unter lauten Beifalls- kundgebungen der meist aus Bauern der Umgebung Saarburgs be- steheuden Versammlung scharf ins Gericht ging. Als gar noch ein Gutsbesitzer aus dem Unterelsaß. Herr Wolf vom Hofe Grasersloch, sich Herr» Schwarz anschloß und unter wachsender Zu- slimmung der Versaminlung den Nachweis erbrachte, daß die Folge der Annahme des Zolltarifs n i ch t eine Förderung, sondern einmal infolge der darin enthaltenen Futter»rittelzölle und Zölle aus landioirtschaftliche Bedarfsartikel, dann besonders infolge der Verkümmerung des Wirt- schaftlichen Lebens und Schädigung der Kon- sumenten masse eine schwere Gefahr auch für den Bauernstand bedeuten würde— da war die Position Dr. Höffels verloren. Er verzichtete unter dem Eindruck der zollgcgncrischen Stimmung der Vcrsanunlung auf das ihm zur Verfügung gestellte Schlußwort, und Herrn Schwarz wäre es ein leichtes gewesen, einen Beschluß der Versamm- luug im Sinne seiner Ausführungen herbeizuführen. Selbst die zollfreundliche„Straßburger Post" giebt in ihrem Bericht über die Versaminlung zu, daß die Ausführungen der Herren Schwarz und Wolf mehr Anklang bei der Versamnrlung gefunden hätten als die- jcnigen Dr. Höffels. Die Versammlung lieferte aufs neue den Beweis, daß die Gegnerschaft gegen die landwirtschaftlichen Zölle selbst in bäuerlichen Kreisen lebhaft zum Ausdruck kommt, so- bald ihnen die wahre Bedeutung derselben in richtiger Weise klar gemacht wird.— Znr Fleischnot, die die agrarischen Blätter fortdauernd als„ Mache" zu bezeichnen sich erdreisten, wird uns auch ans Thüringen wieder nach amtlichen Materialien ge- schrieben: Einen lvie hohen Grad die F l e i s ch n o t und Fleischte u.erung auch in Thüringen erreicht hat, geht sicherlich auch außerordentlich deutlich daraus hervor, daß selbst sonst gut reaktionäre Stadtbek>v alt un gen jetzt mit Pefttionen um Behebung der Notstände an die oberen Behörden herantreten. So hat der Magistrat von Erfurt an den stieichökanzlcr einen Antrag gestellt, in dem unter aiiderm darauf hingewiesen wird, daß dort die Großhandels- preise für Schweine seit dem Jahre liXXZ von 50 Mark auf 68 Mark pro Centner gestiegen seien, daß im Erfurter Schlacht- hause z. B. im August dieses Jahres nur 21l8 Schweine gegen 2525 ini Vorjahre geschlachtet seien u. a. m. Sehr eindringlich weist auch der Antrag auf die doppelte Schwere hin. mit der die unteren Volksschichten in Folge der wirtschaftlichen Kr i s i s diesen besonderen Notstand noch zu tragen hätten. Sehr iifteressant ist, daß dieser Antrag des Magistrates zweifel- los der regen Agitation unsrer Erfurter Parteigenossen zu verdanken ist, obwohl sie nicht in der Stadtverordneten-Versamm- lung vertaten sind. Unser Erfurter Partei-Organ weist nämlich darauf hin, daß am 4. September sich der Erfurter So�aldemo- kratische Verein mit der Flcischnot beschäftigt habe, am 6. September die„Tribüne" die dort gefaßte Resolution publiziert habe und erst am 8. September die erste amtliche Anordnung des Magistrates an den Schlachthaus- Direktor erfolgte, durch welche derselbe zum Bericht aufgefordert wurde. Kaum nöftg zu sagen, daß der Ersiirter Magistrat mit Entrüstung diesen offensichtlichen Zusammenhang zurückwies. Auch der Gemeinderat von E i s e n a ch beschloß, einer an das weinmrische Staatsniinisterium zu richtenden Peftfton der dorftgen Fleischerinnung beizutreten. Aus einer Statistik, die dieser Petition beigegeben wurde, heben wir einige charakteristische Zahlen hervor: Schweine kosten jetzt in Eisenach pro Centner 73—74 Mark statt früher 50-60 Mark. O ch s c n f l e i s ch 70—73 statt 60—63 Btark. Die Zahl der geschlachteten Schweine ist von ca. 8000 auf ca. 7000 zurückgegangen, der Pferdefleischkonsum gestiegen, die Oualirät der Fleischsorten schlechter geworden. Ein gleiches Gegenstück hierzu bilden auch Zahlen, die aus dem ersten Bezirk von Pößneck bekannt gegeben werden. Im dritten Vierteljahr vorigen Jahres wurden dort 187 Rinder und 538 Schweine geschlachtet, dieses Jahr im gleichen Zeitraum nur 156 Rinder und 458 Schweine.— Sächsische Kersmnmlungsfrriheit. Aus Dresden schreibt man unS: Die hiesige theosophische Gesellschaft, die aus lauter polittsch und religiös recht lammfrommen Leutchen besteht, hatte die Absicht, den Sanskritforscher Dr. Hartman n aus Florenz in einer öffent- lichen Versammlung den Dresdnern als Redner vorzustellen und im Anschluß an den Vortrag eine allgemeine Debatte zu ver- anstalten. Da der Verein aus eignen Mitteln die Miete eines großen Saales nicht bestatten vennag, so wünschte er durch die Erhebung eines Eintrittsgeldes die Unkosten zu decken. In dem Plane des Vereines liegt doch sicherlich nichts Staatsgefährliches. Auch hat der Staat nach gesundem Menschenverstand kein Interesse daran, den unschuldigen Passionen der buddhistischen und spiritistischen Schwärmer, die einen großen Teil jenes Vereins ausmachen, Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Und doch. Der Verein konnte seinen Plan nicht verwirklichen. Die Versammlung wurde zwar Mittwochabend abgehalten, aber unter Bedingungen, die öffentlich verbucht werden müssen, weil sie typisch sind fiir Sachsen. Bei der Anmeldung der Versammlung er- klärte die Polizei, die Erhebung eines Eintrittsgeldes zur Kosten- deckung gestatte sie n i ch t. Im sächsischen Vereins- und Ver- sammlungSrecht steht zwar kein Wort darüber, daß die Erhebung eines Eintrittsgeldes für öffentliche Versammlungen verboten sei. Die Polizcipraxis hat aber zu dem Verbot geführt. Eine Ministerial- Verordnung voni 6. August 1891 erklärt:„Erhebung von Eintritts- cld ist nicht verboten, nur an die polizeiliche Genchnngung ge- undcu." Tie Polizei erteilt aber die Genehmigimg nicht. Was sollten nun die Versanunlnngs-Veranstaltcr beginnen? Die Polizei war so freimdlich, ihnen einen Ausweg zu zeigen. Sie mußten den rcligionsphilosophischen Vortrag des Florenzcr Gelehrten als öffentliche Lustbarkeit anmelden und die tarmäßige Lustbari eitsstener— wie für ein öffentliches Tanzfest— entrichten. Jetzt erlaubte ihnen die Polizei, Eintrittsgeld zu erheben, verbot aber die Diskussion. Nach langem Bitten wurde endlich die Stellung schriftlicher Fragen und deren Beantwortung gestattet. Ein köstliche Illustration der sächsischen Versammlungsfreiheit! Ucbrigens ist durch dieselbe Behandlung, die hier die Polizei einer wissenschaftlichen Gesellschaft angedeihcn ließ, die Dresdener Arbeiterschaft schon immer betroffen worden.— Militärisches aus Badem Man schre'bt uns: Ein grausamer S o l d a t e n s ch i n d e r hatte sich dieser Tage in der Person des Sergeanten Banz von der 8. Comvagnie des Infanterieregiments Nr. III vor dem Kriegsgericht zu Rastatt zu verantworten. Das Treiben des Angeklagten war, wie die Verhandlung zeigte, eine Kette von Leiden und Drangsalen für die ihm untergebenen Sol- denen. Sein nuglücklichstes Opfer war der ehemalige Musketier Stahl aus Wilferdingen. Dieser erkrankte infolge der er- littenen Mißhandlungen, nmtzte als G a n z i n v a I i d c entlassen werden und verfiel in S i e ch t u m, das am 18. August dieses Jahres seinen Tod herbeiführte. Bezeichnend fiir die Zu- stände in unsrer Annee ist der llmstand, daß die Sttaf- Verfolgung gegen Banz nicht etwa durch die Militärbehörde selbst veranlaßt wurde, die bei der Entlassung des unglücklichen Stahl und bei der Nachforschung nach den Ursachen seiner Invalidität doch ans die Schandthaten seines Peinigers hätte anfmcrksam werden müssen, sondern erst auf hie Anzeige hin erfolgte, die der Vater des Soldaten nach dem Tode seines Sohnes beim K o m in a n d o des 14. A r m e e c o r p s e r st a t t e t e. Zur Ver- Handlung vor dem Kriegsgericht waren 17 Zeugen geladen, meist ehemalige Rekruten der Banzschcn Korporalschnft, sowie zwei Aerzte als Sachverständige. Auf Grund des Beweis- gebnisses wurde der Angeklagte zu drei Jahren Gefängnis und Deg ratio n verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, daß trotz der neunjährigen tadellosen Führung und Dienstzeit des Angeklagten auf eine hohe Strafe erkannt werden mußte, da Banz in roher und herzloser Weise Miß- Handlungen fortgesetzt verübt habe. Eine interessante Mitteilung wurde am Sonnabend im Karlsruher Stadtrat gemacht. Ein Unteroffizier des dortigen Lcibdragoner-Regiments war in wiederholte» Fällen auf öffentlichen Promenadenwegen geritten, hatte die Passanten dadurch in schwerster Weise belästigt, durch die Behandlung seines Pferdes Aergernis erregt und war schließlich mit seinem Pferde über eine Bank weggesetzt, auf der Kinder spielten. Die des- halb von der Militärbehörde über ihn verhängte Strafe bestand in einer Geldbuße von einer Mark, so daß sich der Stadttat im Interesse der Sicherheit des öffentlichen Verkehrs genötigt sah,- dagegen Protest einzulegen.— Wie die„wahren und echten" Banernfrennde über dir Bauern denken. Wir haben bereits in Nr. 227 die Fälschung festgenagelt, mit der die„Konservative Korrespondenz" und nach ihr andre Blätter und Blättchen Bebel eine Beschimpfung der Bauern in den Mund legen möchten. Wir wollen himmt der Oeffentlichkcit zeigen, wie die„wahren und echten Baiienifrennde" die Bauern insgeheim verhöhnen. Da hat nämlich ein bayrischer Eentnimsmann ein Spottlied auf die bayrischen Bauern gedichtet, das an Derb- heit und Bosheit nichts zu wünschen übrig läßt, also auf die nämlichen Bauern, die das bayrische Centrum so gern ei»fangen möchte und denen es ins Gesicht hinein unentwegt schmeichelt. Das Spottlied lautet: Bauernbunds- Marscllaise. Auf ös Bauern rührtts Enk alli, Loantsst net länger mm wie Lallt*), Aufhör n muß jetzt mit dem Zahl'», Gar nix lass' mir uns mehr g'fall'm S tisch drauf los! Mir san g sund I ivat Hoch I der Baucrnbund I Nächstens wählt ma uns in K aminah Denn die mehrern Sttmma Hammah, Nachher zoag'n ma eana scho, Was a Bauer alles ko. Frisch drauf los je. Die Minister werd'n ma kriag'n Alli z'samma müssen's fliag'n, Lauter Bauern müss'n nein, Selber Exccllenzen sein. Frisch dranf los! je. Wir san festi Batzenlüppih, g'annna hau'» ma alli Kriippi8), Mit d e m Messer t h e a n in a st u p f' n, Und an G'schmalzlcih theam ma schnnpf'n. Frisch draus los! ic. Oes Beamte werd's uns g'stohl'n, Enk soll der Teuft hol'n. Kimmt da Oaner um die Ecken, Springen mutz er über'» Stecken! Frisch drauf los! je. Und dem Pfarrer leg» ma scho Vor sein Thür an Hansa no. Buab'n aufpaßt! Dös werd fei' I Bal h er rausgeht, tritt er nci'l Frisch dranf lös! Je. S ch i m p f a theanma spat und fr nah, M i t d i e M a ß k r ü a g h a u' n m a z u a. Unser Schäd'l, unser Mag'», Der kann alles z'samm' vertrag'». Frisch dranf los! je. Haba hamina, Heu und Troad#), Foasli"h, Viecher auf der Woad"), Ochsen, Küh und Kaibi'h hamina, Doch die größten Viecher sammath. Frisch dranf los! je. Ja mir san und bleib'» Lackl Rössa hanuna, Säu und Fackl, Goaß und Lampl, Schaf und Hammel, H a l t' s nur z' a m m, ös g' s ch e e r t i R a m m e l l Frisch dranf loS! je. Auf der Kirtha") thean ma tanz'n, Messer steck'» uns in Ranz'n�), Fress'n, Saufen, nach Speib'n�), Kartenspiel'n und Kegelscheib'n, Frisch drauf los! je. S ch n e n tz' n thean in a uns in B r a tz'», Wo's uns juckt, da woll'n ma kratz'n, Saufen an Champaniwein, Schmeiß'» Thür und Fenster ein. Frisch drauf los! je. >) Lehnt, h Dumme langweilige Kerle, h Landtag, h haben wir. 5) Dumme Kerle. 6) Krüppel.•) Schmalzler(schlechter Schnupftabak). 8) Wenn. 8) Getreide. 10) Frist.") Weide. ,2) Kälber. 13) Sind wir selbst.") Kirchwcih. ,s) Bauch. ,s) Erbrechen. n) Massakrieren. 18) Maulschelliert. Alli lef'it ma mitananv Dottor Sigl's Vaterland. Wo ma find'n so an Preiß'n Thean nta'n Han n und außischmeiß'n. Frisch drauf los! je. Kimmt uns Oaner, der's probiert. Sakra, der wird massakriert, Ganz derwuzelt'st, prügelt, g'fozzt�), Bis er blut' und speibt und rotzt! Frisch drauf los! je. Dieses.Spottlied zeigt zur Genüge, mit welcher Verachtung die bayrischen CentnimSgrößen auf den Bauern heimlich herabsehen. Huetand. Der Generalstreik der ftaiizösischeu Bergarbeiter. Vom französischen Bergarbeiter- Streik liegen viel neue Nach- richten nicht vor. Im Kohlengebiete des Pas-de- Calais und des Nordens ist der Staik jetzt allgemein. Eine ganze Anzahl der Streikenden ist bei der Rübeneritte beschäftigt; die Zugewanderten verlassen das Gebiet.— Der Gemeindcrat von St. Ettenne hat fiir die arbeitslosen Bergleute 80 000 Fr. bewilligt.— In der Kammer werden außer Basly auch Briand und Janrös die Regierung wegen ihrer Halttmg interpellieren.— St. Etienne, 17. Oktober.(B. H.) In einer gestern abend in der Arbeiterbörse abgehaltenen Versammlung von Ausständigen wurde beschlossen, den Kohlenttansport, wenn nötig, mit Gewalt zu verhindern. Der Präfekt des Loire-DepartcmentS teilte daraufhin mit, daß er alle Riaßnahmen zum Schutze der Kohlenttansporte tasten»verde.— Für nächsten Montag haben mehrere weitere Bc- rufsgcnossenschaften ihren Einttitt in den Ausstand angekündigt.— Die" französischen Socialisten veröffentlichen in der„Petite Republique" einen Ausruf an das Proletariat, in welchem alle Arbeiter aufgefordert werden, zu reden und zu handeln. Die Arbeiter müßten in diesem Augenblick alle Kräfte einsetzen, um den Sieg zu erkämpfen! jeder müsse sein Geld, sein Talent, sein Herz und sein Gewissen in diesem Kampfe in den Dienst der Arbeiter- fache stellen. Der Anfrnf schließt mit der Warnung, jede Heraus- forderung, Gclvaltthatigkeit. Beleidigung der Regierung je. zu ver- meiden, denn das Ansstandsgebiet dürfe nicht in ein Schlachtfeld verwandelt werden.— Tie Bccndignng des pennsylvanischen Bergarbeitrrstreiks. Der Präsident des Grubcnarbeiter-Verbandes Mitchell hat dem Präsidenten Roosevclt den Beschluß von drei Bezirken mitgeteilt, welche der Konvention der Grubenarbeiter empfehlen, zur Arbeit zurück- zukehren und die schwebenden Fragen der Entscheidung der K o in m i s s i o n zu überlassen. New syork, 17. Oktober. Der Grnbenarbeiter-Ausstand ist so gut wie beendet. Die Zahl der Streikenden ist seit gestern auf den vierten Teil zurückgegangen.— Oestreich-Nngarn. Das östreichische Abgeordnetenhaus setzte die Verhandlung über die DringlichkeitSauttäge betreffend die Landtags-Wählerlisten fort. Nach einer Rede des Abgeordneten Weißkirchner, welcher wiederholt von lärmenden Protesten von feiten der Christlichsocialen unter- krochen wird, nimmt Mitisterpräsident v. Koerber den nieder- öftteichischen Statthalter gegen die gestrigen Angriffe in Schutz und versichert, derselbe werde seiner Aufgabe m vollem Umfang nachkommen und nur dein Gesetz gentäß vorgehen. An der Debatte beteiligen sich noch die Abgeordneten V o e l k l, Schwarz, Ellenbogen und R o S k e. worauf nach den Schlußworten der Antragsteller Vogler und Schumayer die Dring- lichkeit des Antrages auf amtliche Prüfung der Wiener Landtags- Wählerlisten abgelehnt wird. Nach der Abstimmung kommt es zu erregten Scencn zwischen den Socialdemok raten und den C h r i st l i ch- S o c i a l e n. Das.Haus verhandelt sodann über die Dringlichkeitsanträge betteffend die auf dem D i s c i p l i n a r w e g e erfolgte Suspendierung des Abgeordneten Lupnl vom Amte. Wie die„Nene Freie Presse" meldet, ist das Entlassuiigsgesuch des Justizministcrs Barons Spcns von Booden angenommen und Ministerpräsident von Koerber mit der Leitung des Justizministeriums bettaut worden.— Frankreich. Der Abgeordnete Jonnart, früher Geiieralgouberneur von Algier, hat am Donnerstag in der Kammer eine antiklerikale Rede gehalten, die deshalb besonderes Aufsehen erregte, weil Jonnart bisher den rechtsrepublikanischen Parteigruppen angehörte und Schwiegersohn des Meliiiistischeii Lyoner Deputterten Aynard ist. Jonnarts Rede bedeutete einen vollen Bruch mit seinen bisherigen Partetgenossen. denen er vorwarf, daß sie nichts gelernt und nichts vergessen hätten. Am Schlüsse seiner Rede deutete' er an. daß er nicht mehr, wie bisher, jedem Zusammengehen mit den Socialisten abgeneigt sei.— Die Rede Jonnarts wird von einem Teil der Preste als bedeutungsvolles Ereignis erörtert. Eine Anzahl Blätter meint, Jonnart habe sich bei seiner Rede endgültig von den gemäßigten Republikanern losgesagt, und er werde in Betracht kommen, wenn es sich um den Nachfolger Contbes handeln sollte. Jedenfalls dürfte es ihm gelungen sein, eine Anzahl von Melinisten z u m Anschluß an den Block der republikanischen Mehr« heit zu veranlassen..— Der Brief der französischen Bischöfe an die Senatoren und Deputierten in Angelegenheit der Kongregationen ist von 72 Erzbischöfcn und Bischöfen miterzeichnet worden. Nur der Erz- bischof von Ronen und drei Bischöfe haben ihre llnterschrift ver- weigert. Es heißt, die Regiernng beabstchttge. über die Unter- zeichner des Schriftstückes die Gehalts sperre zu verhängen. Einzelne radikale Blätter verlangen, daß die Regierung das Koni ar bat kündige.— Belgien. Rechtsgarantien im Kongostaak. Brüssel, 10. Oktober. Mitmifimst eines jeden Kongodampfcr» gelangen auch regelmäßig Nachrichten über die unmenschliche Be- Handlung der cingebornen Arbeiter, über die„aftikattische" Rechtssprechung je. im Kongostaat ein. Trotz oder wegen der Häufigkeit solcher Fälle regt sich unsre Presse int allgemeinen sehr wenig auf. Alles fttmtpft eben ab. Dieser Tage endigte ein Fall, der in Neu-Antwcrpen(Kongostaat) begonneii, vor einem' Brüsseler Gerichte. Obwohl dieser nicht ein- mal' zu den„pioces brillantes" gezählt werden kann, lüftet er doch zur Genüge den Schleier von unsrer Kongojustiz. Hier kurz die Thatsachen: Ain 4. Januar d. I. verurteilte das Tcrritorialttibunal zu Neu-Autwerpeii(Kongostaat) zwei Neger zum Tode. Der Staatsainvalts- Stellvertreter Schmitz, der dem urteil- sällenden Gericht angehört, legte am 0. Januar in seiner Eigenschaft als„Bormund der Schwazren" vor dem Appellattonsgerichtshof in Borna(am Kongofluß) Berufung ein. Tags darauf ver- langte der erste Justizbeamte des Staates die sofortige Zusendung des Protokolls über die H i n r i ch t u n g der beiden Neger. Nach Erhalt dieses Schreibens ließ Schmitz, ohne daß die gesetzlich fixierte Appellfrist verstrichen war, den einen der Neger— der andre hatte in der Flucht sein Heil gesucht— hinrichten um seinem Vorgesetzten das verlangte Protokoll zusenden zu können. Schmitz wurde dieser Handlung wegen angeklagt. Das Gericht im Kongostaat, das darüber zu richten hatte, erklärte das Delikt für straffrei, wenn bewiesen würde, daß Schmitz„im guten Glauben die Hinrichtung habe vollziehen lassen". Das heißt, daß er geglaubt habe, das Verlangen der obersten Justizbehörde das Hiurichnmgsprotokoll„sofort" zuzuseuden, enthebe ihn der Pflicht, die gesetzliche Benistmgspflicht erst berftreichen u laffcn. Der Staatsanwalt dermochte nicht die Höhe dieser Kongo- judikawr zu erklimmen und legte Benifung ein und verlangte die Verurteilung des Sritmitz wegen Mord(assausinat) zu dem Minimum von 10 Jahren Gefängnis. Demzufolge stand Schmitz vor dem Obergericht des Kongo st aates(Conseil superieur de l'Etat Indepcudam, du Congo) in B r ii s s e l. Entgegen dem Antrag des Staatsimwalts sprach auch das Jnstanzgericht den Angeklagten kostenlos frei. In dein Urteil heißt es, daß wohl ein Fehler(!) begangen worden sei, da die Hinrichtimg des Negers vor Ablauf der gesctzlicken Frist vollzogen ivnrde, daß jedocb, wenn der„gute Glaube" vorliege, eine Bestrafung nicht möglich seil Wird dieser Spruch Gemeingut, dann genügt die bloße An- gäbe, in gutem Glauben gehandelt zu haben, mn einen Menschen ungestraft dem Galgen zu überliefern, ohne die(ohnehin u n- genügenden!) Rcchtsgarantien zu beobachten.— England. Dem Parlamentsskandal wird von den Morgenblättern große Bedeutung beigemessen. Sie konstattercu, daß die gestrige Unterhaus- Sitzung die stürmisthte gewesen ist. welche in den letzten zehn Jahren staltgestindeu hat.„Daily News" sagen, die Jrländer seien von Beginn der Sitzung an entschlossen gewesen, der Regierung Widerstand zuleisten. Balfour undWyndhamtourden von derOpposition mit Percat-Rufen empfangen. O'Brien beantragte, die irischen Angelegenheiten in einer Spccialsitzung zu beraten. Als Balfour sich dem widersetzte, lärmte die Opposition;. C'Bricu rief Balfour zu:„Ich verachte Sic!" Ein Handgemenge zwischen der Re- gicrungs- und der Oppositionspartei schien bevorzustehen und konnte nur durch das rechtzeitige Eingreifen der Saaldiener verhindert werden. „Daily News" erklären, die Vorgänge in der gestrigen Unterhaus-Sitzung seien eine notwendige Folge der eng- tischen Regierungs-Politik. Mehrere irische Parlamentsmitglieder(ivic O'Donncll) seien ohne jede Veranlassung mit Gefängnis b e st r a f t worden, während andre zu Zwangsarbeit verurteilt worden seien, und zwar nicht durch die ordentlichen Gerichte, jondcnl durch hohe R e g i c r u n g s b e a m t c. Die Antwort ans solche Mißgriffe der Regierung könne nur heftiger Statur sein.— Türkei. Konstautiuopcl, 17. Oktober. Die Nachrichten der Blätter über die Borgäuge in Macedoiiic» sind übertriebe». Die der Pforte und den Botschaften aus den Provinzen zugegangenen Meldungen be- stätigen, daß das Bandenunwesen in der Abnahme begriffen ist. Die bulgarische Bevölkerung, welche, von Banden gezwungen oder freiwillig, in die Berge geflüchtet war. kehrt wieder zurück. Die Meldung, es seien 30 kleinastatische Bataillone nach Macedonien beordert worden, ist unrichtig; die dortigen Streitkräfte sind aus- reichend. Asien. Englischer Protest wegen der Räumung Shanghais. Nach einer .,Laffan"-Mcldung erhebt Großbritannien Einspruch gegen die von Deutschland und Frankreich bezüglich der Räumung Shanghais gestellten Bedingungen. Eine dieser Be- dingungen spricht allen Mächten gleiche Rechte im Jangtse-Thale zu, und diese bilde das Hindernis für die Räumung Shanghais, die am 1. November stattfinden sollte.— Lehrerdrefsnr in Trakehnen. Die Verhandlung einer umfangreichen Anklage wegen Beleidigung. bei welcher es sich um Traichner Zustände handelt, begann gestern vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landaerichtsdircktors H e i d r i ch. Wegen Beleidigung des Landstallmeisters v. Oettingen in Trakehnen wurden der Sanitätörat Dr. Felix Pa alz o w und der Lehrer Otto Nickel in Trakehnen zur Verantwortlmg gezogen. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Beeck, die Verteidigung führen Rechtsanwalt Sonnenfeld und Justizrat P i n k u s I.— Zur Anklage steht ein vom Sanitätsrat Dr. Paalzotv verfaßter, in Nr. 5 der Fachzeitschrift„Der Pserdcfteund" vom 10. Februar 1900 veröffentlichter Artikel unter der Uebcrschrift„Graf Lehn- dorff und die preußische Gestütsverwaltung." In diesem Artikel besprach der Verfasser die Verhandlungen des Hauses der Abgeordneten vom 1. Februar 1900 über den Gesnitsetat. Es hieß darin u. a.:„Die Reden der Abgg. Kopsch und Rickert über Trnkehncr Schul- und Lehrerverhältnisse und die Ehikanierungeu der Lehrer durch Herrn v. Oettingen berichten uns sehr traurige Dinge. Die Sache hat sehr ernste Seiten. Durch die Ehikanierungeu der Lehrer, die Bevorzugung der eignen Person, Verschwendung, Ucbcr- tretung bestehender Gesetze durch den Landstallmeister hat die Socialdemokratie im Gestüt Trakehnen riesig zu- genommen, das beweist die Vermehrung der socialdcmokratischcn Ssimmen bei der letzten RcichStagswahl."— Angekl. Dr. Paalzow giebt zu, den inkriminierten Artikel verfaßt zu haben. Er sei, so führt er auf Befragen aus, seit 1878 für hippologische Interessen littcrarisch thätig. Er sei in der Nähe eines Haupt- gestüts aufgewachsen und habe sich von jeher für Gestütsangclcgcn- .eiten lebhaft interessiert. Ueber die Trakehncr Zustände seien ihm zahlreiche Mitteilungen zugegangen, schon che er den Mitangeklagten Lehrer Nickel um weitere Auskunft über einzelne Mißstände an- gegangen fei. Für alle Behauptungen, die in dein Artikel auf- gestellt seien, glaube er den Beweis der Wahrheit führen zu können. — Angckl. Nickel erklärt, daß sich SanitätSrar Dr. Paalzow eines Tages an ihn gewandt habe um Auskunft über Trakchner Schulzustände und sonstige Trakehncr Angelegenheiten zu erhalten. Seit Landstallmeister v. Oettingen nach Trakehnen gekommen, seien dieLehrer sehr schlecht behandelt worden und diese Behandlung sei immer schlechter geworden. Auch er selbst habe unter diesen Verhältnissen schwer zu leiden gehabt, er habe sich mit einer BcsckNverde an das Ministerium gewandt, habe aber kein Ohr gefunden. Was er Herrn Dr. Paalzow mitgeteilt, beruhe durchaus auf Wahrheit, er habe diesem die Mitteilungen gemacht, nachdem ihm auf seine Anfrage versichert worden, daß sie zur Unterlage von Besprechungen in einem konservativen Blatte gemacht werden sollen. Zum Trakehncr Bezirke gehören elf Vorwerke und fünf Schulen, die fast dnrchlveg von den Kindern der GestütSbeamtcn und den Kindern aus dem dazu gehörigen Gut Amalienhof besucht werden. Er sei f. Z. als Elementarlehrer angestellt worden. Er sowohl wie seine Kollegen haben dem Landstallnicister v. Oettingen nicht als ihren Urlaubsvorgesctzten ansehen können, sie haben sich darin ursprünglich in Ucbereinstimmung mit dem Schulinspcktor be- funden und es sei über die Frage, ob sie bei dem Landstallmeister um Urlaub nachzusuchen haben, zu einem Konflikt gekoimnen. Die Regierung habe dann entschieden, daß Herr v. Oettingen der UrlaiibSvorgescifte der Lehrer sei. Nachträglich sei der Modus der Anstellung der Lehrer geändert werden.— Auf Autrag der Verteidigung wird ein Teil der Rede des Abg. Kopsch über die Schnlzustände in Trakehnen verlesen.— Der als Zeuge vernommene Landstallmeister v. Oettingen läßt sich auf Befragen dahin aus: Als er 1805 nach Trakehnen gekommen, habe er kein gutes Verhältnis ztvischen den Lehrern und den Beamten vorgefunden und sich überzeugt, daß der größere Teil der Schuld auf feiten der Lehrer sei. So seien in den Schulchroniken manchmal unfreundliche Worte über die Beamten enthalten gewesen. In einer solchen Chronik hieß es beispielsweise über seinen Amts- Vorgänger: er habe für Lehrer und Schulen kein Interesse gezeigt. Er, der Zeuge, habe nach seinem Amtsantritt einen Befehl über die Anbringung und Erledigung der Urlaubsgesuche für fänitliche Beamte in Trakehnen erlassen, der bei allen Beamten und auch bei den Lehrern kursierte. Die Lehrer haben sich g e- w e i g e r t, die Kenntuisnahine dieses Befehls durch Unterzeichmmg zu bestätigen. Er habe sich deshalb an die Regierung gewandt, und diese habe entschieden, daß die Lehrer unmittelbar dem Land- stallmeister unterstellt seien. Es habe nichts geholfen, die Lehrer seien bei ihrer Weigerung geblieben, und da habe er den Befehl erlassen, daß, so lange die Lehrer den Befehl nicht unterzeichneten, kein Lehrer F u h r w e r k f ü r Privatzwecke erhalte. In dieser Zeit seien ans diesem Grunde mehrfache Anträge auf Stellung von Fuhrwerk abgelehnt worden. Die Sache sei dann ans Ministerium gegangen, und das Ergebnis sei gewesen, daß sich die Lehrer wegen Urlaubs an ihn zu wenden haben. Die Lehrer seien AnstaltSlehrer, denn ihre Gehälter figurieren in dein GeftütSetat. Ucbcr die Fuhrwcrksgestellnng habe er zwei Ber- fügungen erlassen: Die erste habe im allgemeinen die Fuhrwerks- ftage geregelt und die zweite habe principiell bestimmt, daß alle Fuhrwerke für Privatzwecke der Lehrer abzulchnc» seien, so lange diese den Urlaubsbefchl nicht unterschrieben hätten. Einen Rechtsairspruch auf Fuhrwerk für Privatzwecke haben die Lehrer überhaupt nicht, vielmehr habe er über jedes Fuhrwerk für Privatzwecke von Fall zu Fall zu entscheiden. Die erste Verfügung habe er erlassen, iveil er glaubte, daß in iiianchen Fällen Mißbräuche eingerissen seien.— Rechtsanwalt Sonnen- fe l d weist darauf hin, daß die Lehrer in Trakehncii von Alters her Fuhrwerk für Privatzwecke erhalten haben und »ach cmcm Ministerialerlaß ihnen für dienstliche Zwecke Fuhrwerk sogar gestellt werden müsse. Die Verfügung des Land- stallineisters v. Oettingen bedeute daher eine vollständige Neuerung zu Uiigmlsten der Lehrer.— Angckl. Dr. Paalzow hebt hervor, daß der Zeuge i» seiner Verfügung auch die mit einer freien Eiitwickellmg doch schwer zu vereinbarende Bestimmung getroffen, daß kein Lehrer das Areal des Gestüts ohne Urlaubsgesuch verlaficn dürfe,— Zeuge v, Oettingen giebt die Thatsachc zu! er habe aber den einzelnen Lehrern gesagt: wenn sie regelmüßig in eines der Nachbardörfer gehen ivolllen, so sollten sie es ihm nur sagen, dann würde er ihnen ftändigeit Urlaub erteilen.— Dr, Paalzow meint, aus den Aeußenuigen des Zeugen gehe hervor, daß er die cinzcliieit Lehrer und Beamten verschieden behandle.— In dem iilkriminierten Artikel werden bestimmte einzelne Fälle an- geführt. So wird behauptet: der leidenden Frau des Lehrers Lamprecht aus Jonasthal sei das Fuhrwerk zum ersten Kirchgang nach der Entbindung verweigert worden, ebenso das Fuhrwerk zur Taufe,— Lehrer L a in p r e ch t, als Zeuge vernommen, bestätigt im allgemeinen diese Behauptung. Aus Befragen durch den Vor- sitzenden erklärt er aber, daß es sich um die Zeit nach dem allgemeinen Fnhrwerksgcbot handelte und der Zeuge mit Rück- sicht auf dieses Verbot keinen Antrag ans Fuhrwerk gc- stellt habe. Der Zeuge Lamprecht erklärt auf Befragen iveitcr: Er sei seit 1885 Lehrer in Trakehnen, er sei von der königlichen Regierung in Gmnbinnen angestellt worden und habe es als eine umnotivievte Bedrückung cmpsiuiden, daß er Plötzlich bei jedem Besuche eines Nachbardorfes in jedem einzelnen Falle um Urlaub einkominen sollte. Auf Befragen erklärt der Zeuge es für richtig, daß Herr v. Oettingen, als sich die Lehrer in einer An- gelcgenheit an ihn gewandt, gesagt habe: er werde die Lehrer zwiebeln und tucchtcn. Zeuge v. Oettingen erklärt, daß über diese Aenßerimg ein Mißverständnis obgewaltet habe. Bei jener Unterredung habe ihm ein Lehrer die Frage vorgelegt:„Herr Stall- meister, wollen Sie uns zwiebeln und knechten?" Daranf habe er in ironische m Sinne geantwortet:„Jawohl, j a- wohl, Zwiebeln und knechten!" Er habe, als er gehört, daß ihm selbst diese Aeußerung irrtümlich in den Mund gelegt wurde, diesen Ausdruck als ein Mißverständnis widerrufen. Er würde es für eine niedrige Gesinimng halten, wenn er die Absicht haben würde, die Lehrer zu„zwiebeln und zu knechten". Rechts- auwalt S o n n e n f e l d stellt fest, daß der Widerruf des Herrn v. Oettingen erst stattgeftuiden habe, als Abg. Kopsch im Ab- geordnetcnhanse die Rede über die Schulzustände in Trakehnen schon gehalten hatte.— Angeklagter Nickel und Zeuge Lamprecht bestreiten, daß die Darstellung des Zeugen von Oettingen über das„Zwiebeln und Knechten" zutreffend sei. Justizrat P i n k u s 1 läßt sich durch den Zeugen Lamprecht bestätigen, daß keiner der Vorgänger der Herrn v. Oettingen jemals ein solches Fuhrwerks-Verbot erlassen habe. Die Lehrer sühlten sich auch dadurch beschwert, daß sie, im Gegensatz zu den übrigen Beamten, ihre Olesuche um Fuhrwerk an dieVorwerkS-Vorsteher und zwar nicht schriftlich, sondern m ii n d l i ch zu richten haben. TaS sei um so empfindlicher für dieselben, als die Vorwcrks-Vorstehcr Unterbcamte seien und die Lehrer wiederholt Veranlassung hatten, sich über die Vorwerks-Vorsteher zu beschweren.— Zeuge v. Oettingen sucht diese Anordmmgen zu rechtfertigen, während der Angckl. Nickel und die Verteidiger'behaupten, daß bei der Gestellung von Fuhrwerk für die Lehrer diese etwa ans das Niveau der Knechte gestellt worden seien und Herr v. Oettingen diese Mißstände gekannt habe. Obwohl an Federwagen kein Mangel vorhanden gewesen, seien den Lehrern Leiterwagen zur Verfügung gestellt worden. Im übrigen hätten manche Beamte lvohl an 100 Fuhrwerke im Jahre ge- stellt erhalten, die Lehrer aber vielleicht nur IL. Ueber dies Thema erhebt sich eine längere Debatte, in welcher Zeuge v. Oettingen die vielen Angriffe zu widerlegen sucht,— Justizrat P i n k u s laßt sich durch den Zeugen Lamprecht bestätige», daß keiner der Vorgänger des Herrn v, Oettingen jemals zu emer derartigen Verfügung Veranlassung gehabt babe.— R-A, Sonnen feld erwähnt einen besonderen Fall, der in thatsächlicher Beziehung von den Zeugen bestätigt tvird. Danach habe der Lehrer Lamprecht einmal sich mit einem Fuhrwerksgesuch persönlich an den Inspektor Hagen gewandt. Er habe diesen dreimal nicht getroffen. Lamprecht sei dreimal durch den Stalljungen abgefertigt worden. Ein viertes Mal habe er einen Zettel mit dem Gesuch durch ein Schullind dem Hagen zustellen lassen, der letztere habe aber dem Schulkinde gesagt: „Damit soll sich der Lehrer Wnrst koche» lassen!" Er habe sich darüber bei Herrn v. Oettingen beschwert, dieser habe aber nicht dem Hagen, sondern ihm eine Rüge erteilt. In einem andern jm Sprache gebrachten Fall handelt es sich darum: Als der LandwtrtschaftSnnnister in Trakehnen war. haben die Lehrer ihn um Gewährung einer Audienz gebeten. Diese Audienz sei auch zugesagt worden und Lehrer Lamprecht habe sich eines Sonntags vormillags in Frack und Eylinder zur Audienz begeben. Dazu sei ihm ein Leiterwagen gestellt worden, dessen Geschirr jeder Beschreibung gespottet habe, denn es habe der Schmutz von Monaten daraus geruht und es sei ein ganz elender Klappcrlvaaen gc- Wesen.— Zeuge v. Oettingen verweist daranf, daß er von der Gestellung dickes Wagens absolut nichts gewußt habe. Ihm ivird erwidert, daß er später einen solchen Wagen für Lehrer vollständig genügend erklärt habe. Er entsinnt sich einer solchen Aeußerung nicht,»icint aber, er selbst würde sich nicht genieren, auf einem solchen Wagen zu fahren.— Justizrat P i n k n s: Aber doch wohl nicht, wenn Sie in Frack und Eylinder zur Audienz fahren?— Zeuge: Nein.— Die Verteidiger behaupten, daß auf solchen Wagen»lilunter auch Schweine transportiert werden, was vom Zeugen v. Oettingen zugegeben wird. Lehrer Z i p p l i c s bekundet, daß Herr v. Oettingen thak- sächlich die Aeußerung gethan habe:„Ich werde die Lehrer zwiebeln und knechten." Von einem Widerruf dieser Aeußerung sei ihm nichts bekannt. Ter Zeuge ist bis zum Jahre 1901 Lehrer in Trakehnen gewesen und ist jetzt Hauptlehrer in der Skähe von Gum- binnen. Er erklärt, daß er unter den Chikancn, die den Lehrern bereitet wurden, entsetzlich zu leiden gehabt habe. Das ganze Leben sei ihm verbittert worden, so daß er am Leben vollständig verzagte. Eine sehr deprimierende Bestimmung des Herrn v. Oettingen sei die gewesen, daß sich die Lehrer wegen der Fuhrwerke an die Vorwerks- Vorsteher, und noch dazu persönlich, zu wenden hatten. Sic waren oft gezwungen, dem Inspektor wie die Scharwerksjungen nachzulaufen und der Inspektor sei oft mich den Lehrern offenbar auR dem Wege gegangen. Auf eine bezügliche Beschwerde habe Herr v, Oettingen geantwortet:„Wenn Sic sich mit Ihrem Vorwerks- Vorsteher verzanken, dann fressen Sie es auch aus! Der Vorwerks- Vorsteher ist mir zehnmal lieber als ein Lehrer, er kriegt immer recbt!"— Auf weiteres Befragen durch Rechtsanwalt Sonnen- feld bekundet der Zeuge n. a. noch: Seiue Schulhausränme seien außerordentlich schlecht, ungesund und unzulänglich gewesen f auf eine Beschwerde bei Herrn v. O e t t i n g e u habe dieser sich etwa dahin ausgelassen:„Für die Schule wird nichts gethan. s ii r d i e S t ä l l e a l l e S; vor den Schulbauten hätte» die Pferde den Vorzug." — Zeuge v. Oettingen: Er könne sich ans den Fall nicht mehr erinnern. Jedenfalls habe er sich s o nicht ausgedrückt. Er werde wahrscheinlich gesagt haben, daß hippologische Bauten, landwirt- schaftliche Bauten und die Bauten für Beamte gleichzeitig aus- geführt werden müßten. Das sei auch geschehen.— Weiter erklärt der Zeuge Z i p p l i e s auf Befragen des Rechtsanwalts Sonnen- f e l d es für richtig, daß bis zu den. Tage, Ivo v. Oettingen sein Amt antrat, zur Bestellung der Ländercien der Lehrer Leute des Gestüts zur Verfügung gestellt worden waren, und daß v. Oettingen plötzlich eine Aenderung dahin eintreten ließ, daß, wenn bei solchen Gelcgeii- Heiken unbeschäftigte Leute des Gestüts verwendet würden, dieselben zu bezahlen seien. Rechtsanwalt Sonnenfeld glaubt, daß dies mir dem§ 12 der Schulordnung im Widerspruch stehe. Er behauptet Iveiter unter Beruftmg auf den Zeugen Z i p p l i e L, daß den Lehrern die erforderlichen Arbeitskräfte zur Beackeruug erst nach den Beamten und in der Regel zu spät gestellt wurden. Ihre Aecker seien schlechter gedüngt worden, wie die Aecker der Beamten. Seit dem Jahre 1899 sei ihnen das Hintergetreide verweigert worden usw. Zeuge Z i p p l i c S bringt eine ganze Reihe von Beschwerden über Zurückstellung bei der Bestellung seines Ackers usw. zur Sprache; er habe Herrn v. Oettingen Beschwerden darüber unterbreitet, es sei aber alles beim alten geblieben. Die Zustände seien ganz unerträglich gewesen. An seiner Amtswohnung seien die Fensterläden Mangel- hast befestigt gewesen,, er habe um Reparatur gebeten, es habe aber nichts genutzt. Mittlerweile seien die Fcusterlädenhcru n t e r- gefallen gewesen, er habe die Reparatur dann selbst aussichren lassen, als er aber die große Rechnung von 1,00 M. eingereicht habe, sei ihm der Ersatz des Geldes abgelehnt worden. Ferner sei eS richtig, daß allgemein, auch abgesehen von den Lehrern, über die willkürliche Verwaltung in Trakehnen geredet worden sei. Seine und seiner Kollegen Auffassung, daß sie Urlaub beim Schulinspcktor und nicht bei Herrn v. Oettingen nach- zusuchen hätten, sei seiner Zeit vom Schulinspcktor geteilt worden. Es sei auch vorgekommen, daß ein Lehrer bestrast wurde, weil er einen ihm vom Schulinspettor gewährten Urlaub benutzt habe. Er selbst sei mit 10 M. durch Herrn v. Oettingen bestraft worden, weil er sich einen Urlaub nach Gumbinnen hatte geben lassen und infolge Plötz- lich eintretender Notweirdigkeit statt dessen nach Jvsterburg gegangen war.— Rechtsanwalt S o n n c n f e l d: Hat sich der Herr von Oettingen nicht selbst einmal Urlaub nach Süddcutschland erwirkt und ist daranf einfach nach Rußland gefahren?— Zeuge o. Oettingen: Das ist möglich.— Staatsanwalt B c eck bitter, die Behauptungen doch auf das notwendigste. Maß zu beschränken und die Verhandlung nicht ins Uferlose auszudehnen. Daß Be- schwerdcn über alle möglichen Punkte erhoben Iverden, beweise doch noch keineswegs, daß es sich um Chitanen des Herrn V. Oeningen handle.— Wirtschaftsdirigent Conradi: Er sei seit 1 897 in seiner Stellung. Er habe n i e Aniveisung bekommen, daß bezüglich der Ackerbcstcllung usw. die Lehrer schlechter gestellt werden sollen, wie die andern Beamten.— Die Angeklagten bleiben dabei, daß die Lehrer das Gefühl des direkten Gegenteils gehabt haben. Zeuge Lehrer L i e b r» ck s bekundet, daß auch er daS Gefühl chikanöscr Behandlung durch Herrn v. Oettingen gehabt habe. Als er seinen Sohn, der augenkrank gewesen, nach der Stadt bringen mußte, habe er vergeblich um Fuhrwerk gebeten. Er habe den Sohn mit verbundenen Auge» über eine Strecke von 7 Kilometer führen inüsscn. Er sei über 21 Jahre lang Lehrer in Trakehnen. Man habe ihm auch kein Fuhrwerk gegeben, um an Konferenzen teilnehmen zu können. Er sei dann beschwerdeführend an den Minister heran- getreten. Einmal habe ihm Herr v. Oettingen gesagt: Wenn Sie an den Minister gehen, so wird Ihnen das nichts nützen; der wirst an den Minister gehen, so wird Ihnen das nichts nützen; der wirst Ihre Beschwerde entweder in den Papierkorb oder er fordert mich znü, Bericht ans und dieser wird schon so nnSfallen, daß Sie kein Fuhrwerk erhalten. Zeuge v. Oettingen kann sich auf den Fall des äugen- kranken Sohnes nicht mehr besinnen. Aehnliche bewegte Klagen über chikanösc Behandlung, ins- besondere über Fuhrlvcrksverweigerung, sühn Lehrer S ch i c w e ck» der 30 Jahre Lehrer dortselbst ist. Herr v. Oettingen babe ihn u. a. aufgefordert, nicht mit Nickel z» halten und ihm vcrsicckt angedroht, daß sein Sohn, der als Lehrer hingekommen, doch auch wieder weg- kommen könne. Thntsächlich sei er auch wieder weggekommen. Lehrer G e s ch lv a n d t n c r. jetzt in Königsberg, bekundet, daß er sich um eine andre Stelle beworben habe, weil er die Behandlung durch Herrn v. Oettingen für unerträglich hielt. Auch er hat die Urlaubs- und FuhrwerkS-Angelegenheit für chikanös gehakte», glaubt auch, daß seine von Herrn v. Oettingen betriebene Versetzung nach einem andern Ort des GestütS-Areals eine Folge seiner kommissarischen Aussage in dieser Strafsache ge- Wesen sei. Herr v. Oettingen habe sogar Andeutungen gemacht, ans denen er fürchten mußte, daß sich Herr v. Oettingen an den Re- gierungspräsidcnten von Gumbinnen behufs seiner Versetzung wenden würde.— Zeuge v. Oettingen bestreitet, jemals solche Aeuße» rung gemacht zu haben.— Auf Befragen des Rechtsanmatt» Sonnenfeld bestätigt der Zeuge, daß Herr v. Oettingen einmal gesagt habe: der Angeklagte Nickel sei„geisteskrank" und der Lehrer Eggert sei ein„frecher Denbel". Ebenso sei es richtig, daß seinem Schwiegervater auf der Regierung zu Gumbinnen gesagt worden sei: gegen ihn(Zeugen) läge durchaus nichts vor, er müsse aber an« Trakehnen weg, weil er ganz im Schlepptau des Angeklagten Nickel sich befinde. Kassenschrciber Engelhardt bekundet, daß Herr von Oettingen einen Bericht an die Regierung erstattet habe, in welchem es hieß: die Lehrer in Trakehnen seien s o c i a l d e m o- k r a t i s ch e r Gesinnung. Letzteres ist nach der Behauptung des Rechtsanwalts Sonnenfeld keineswegs der Fall. Zeuge Engel- Hardt behauptet auf Befragen weiter, daß ihni wegen seiner Aussage vor Gericht bon Herrn v. Oettingen Vorwürfe gemacht worden seien. Auch der Zeuge S ch i e w c ck erklärt aus Befragen, daß Herr v. Oettingen ihm gedroht habe, ihm sein Wohlwollen zu entziehen, falls er mit Nickel verkehre. Zeuge v. Oettingen bestreitet, dag seine Vorwürfe bezw. seine Aeußerung in dem behaupteten Sinne und Zusammenhange gefallen seien. Zeuge S ch i e w c ck bleibt dabei und erklärt in lebhafter Erregung, daß er infolge der ihm zu teil ge- wordenen Behandlung wiederholt der Verzweiflung nahe gewesen sei.— Justizrat P i n k u s stellt fest, daß der Zeuge Engel- Hardt seinerseits dem Angeklagten Nickel keinerlei Mitteilung über den Bericht an die Regierung bezüglich der sonaldemokratischen Gesinnung der Lehrer gemacht habe.-— Der Vorsitzende will nun zur Verlesung der Aussagen der zahlreichen kommissarisch vernommenen Entlastungszeugen übergehen, ans eine vom Gcrichtstische aus ge- gebene Anregung verzichten jedoch die Verteidiger auf die Verlesung und behalten sich vor, darauf für den Fall zurückzukommen, daß der Gerichtshof ohne sie nicht zu einem Frcispruch kommen sollte. Ter Gerichtshof Hütt es doch für zweifelhaft, ob ein solcher Ber- zicht angängig sei und beschließt die Verlesung der kommissarischen Aussagen. In dem Artikel wird dem Zeugen v. Oettingen u. a. auch Verschwendung aus Staatsmitteln vorgeworfen. Zu diesem Thema geht aus der Bekundung des Vorwerksvorstehers Hill hervor, daß Herr 0 Oettingen sich an Stelle eine? eingegangene» Gartens einen neuen Obst-, Blumen- und Gemüsegarten und ein Gewächshaus habe bauen und den Garten mit einer hohen Stein- niauer und einem Drahtzaun umgeben lasse». Mitten in den An- lagen sei ein Padillon zum Preise von 3ÜÜV M. erbaut worden. Zu dem Neubau desselben sei der Ncparaturfonds verwendet worden. — Zeuge b. Dettingen erklärt hierzu, dag von einer Per- schlvendung keine Rede sein könne-, er habe den Pavillon teils zur Aerschönerung, teils zur Aufnahme der Kommission zur Besichtigung der Beschäler erbaut.— Justizrat P intus: Der Bau des Pavillons sei ohne ministerielle Genehmigung aus dein Reparatur- fonds erfolgt. Letzterer sei aber doch wohl zu Reparaturen und nicht zu Neubauten da, abgesehen davon, dag die Wohnungen der Lehrer doch sehr reparaturbedürftig waren. Zeuge Nechnungsrat(Sichert hat bekundet, dag die Lehrer- Wohnungen sich im allgemeinen in schlechterer Verfassung befunden haben, als die andrer Beamten; namentlich sei die Wohnung des Lehrers Nickel für cindn verheirateten Lehrer unzulänglich gewesen. Ter Zeuge hat sich weiter über die von Herrn v. Dettingen vor- genommenen Bauten, über die Anlegung von Karpfenteichen, Er- richtung eines Laivntennis-Platzcs usw. ausgelassen. Es geht daraus u. a. hervor, dag Herr v. Dettingen 10 Gestütspfcrde für eigenen Bedarf zur Perfügung hatte, d. h. 3 mehr als sein Vorgänger. Zeuge v. Dettingen sucht nachzuweisen, dag alle die von ihm vor- genommenen Neubauten notwendig waren, während Rechtsanwalt Sonnenfeld betont, daß Herr v. Dettingen die Karpfenteiche 18g� angelegt, 1899 die ministerielle Genehmigung nachträglich nach- gesucht und die Ausgaben für dieses sein privates Unternehmen erst 1900 nach Erscheinen des inkriminierten Artikels geleistet habe.— Staatsanwalt Beeck: Tie Sache liege einfach so: der Herr v. Dettingen habe die Teiche allerdings eigenmächtig angelegt, der Staat sei aber dadurch nicht zu Schaden gekommen, denn die Teiche seien verpachtet worden.— Rechtsanwalt Sonne nfeld: Der Zeuge V. Dettingen soll den. Rechnungsrar Eichert Vorwürfe über seine Aussage gemacht habe», so dag dieser mit Entrintnng es zurückgewiesen habe, sich einen Einspruch gegen seine Aussage ge- fallen zu lassen.— Zeuge v. Dettingen erklärt, dag er sich lediglich über eiiie Stelle der Aussage Escherts beschwert habe.— Rechts- anwalt S o n n e n f e l d: Hat der Zeuge nicht vom Minister einen Hinweis darauf erhalten, dag es nicht angängig sei. dag er seine Beamten wegen ihrer gerichtlichen Aussagen zur Rede stelle?— Zeuge v. Dettingen bestreitet dies. Nack längerer Erörterung dieser Teich- und Fischzuchtfrage, bei welcher Zeuge v. De. den Standpunkt vertritt, dag er diese ganze Sache nur als Knlturaufgabe betrachtet habe, wird die Sitzung um 6'/- Uhr geschlossen. Die Verhandlung wird Sonnabend 9 Uhr fort gesetzt._ GewerkrchaftHcbee. Deutsches Reick. Der Wrbcestreik in Meerane. Die Fabriken, in denen die Arbeiter und Arbeiterinnen bei elenden Löhnen den Reichtum der Fabrikanten seit Jahren gemehrt haben, liegen verödet da, und die sonst so rastlos schaffenden Weber durchwandern in zuversichttichcr Stimmung die Strogen der Stadt Auf ihrer Seite ist die Sympathie der weitesten Kreite. Die Streik Posten werden von unbeteiligten Einwohnern mit Kaffee u»t Nahrung bewirtet. Andrerseits sind die Fabrikanten eifrig beinübt sich nnS der fatalen Lage zn befreien. Ein Anschlag den sie in den verödeten Z-abriksäle» anheften liegen wodurch den Arbeitern bekannt gegeben wird, dag jeder, der nicht bis Freitag zur Arbeit zurückkehrt, entlassen ist, hat natürlich nicht die germgste Wirkung gehabt. Die Fabrikbesitzer versuchen»im, ihre Ardei:u in den benachbarten Weberstädten anfertigen zn lassen aber die Solidarität der auswärtigen BenifSangehörigen macht mich diesen Plan z» Schande». Von den mit Nebenarbeiten sexpedieren packen jc.) beschäftigten Mädchen, die meistens auch weben gelernt haben wurde verlangt, dag sie die Streikenden jetzt ainWebstnhl ersetze» sollten. aber auch hier blitzte» die Fabrikanten ab. Die Mädchen weigerten sich, Streikbrecherdienste zu leisten. Jiffolge des Weberstreiks ist bereits die Arbeitszeit in den Färbereien verkürzt worden auch hat man schon Arbeiter entlassen, weil der Betrieb stockt. Die Zahl der Weber, die in Glauchau die Arbeit einstellten, weil sie Streikarbeit für Mcerane anfertigen sollten, wird auf 300 angegeben, In W e r d a u fand am Miitlvoch eine stark besuchte Weber- Versammlung statt, die den Meeraner Streikenden ihre volle Sym- pathie bekundete, Die Fabrikanten in Gera haben jetzt den Lohntarif, den ihnen die Kominisston der Textilarbeiter einreichte, endgültig abgelehnt Sie wollen mit den Webern nicht verhandeln, sondern selbst einer Tarif aufstellen. Die Konimissioa der Textilarbeiter hat darauf be- schlössen, ihren Tarif aufrecht zu erhalten und die Fabrikanten auf- zufordern, dag diese ihren Tarif bis spätestens 1. November bekannt geben. Wenn dieser Tarif für die Arbeiter nnannchmbar ist, oder eine Antwort nicht erfolgt, wollen die Arbeiter die Bcrnirttelnng de- Einiguiigsamtes nachsuchen. Die Klempner und Jnstallatenre in Burg stehen in einer Lohn- beweaung. Sie fordern für Jnstallatenre 50 Pf., für Klempner 40 Pf. Mindest-Stnndcnlohn. Die Arbeitgeber haben die Forderung abgelehnt, darauf hat der grögte Teil der Arbeiter gekündigt Wenn keine Einigung erfolgt, kommt es zur Arbeitsniederlegnng. Der Gubener Manrcrstreik ist vertagt worden, da er nach einer Dauer von 15 Wochen den gewünschten Erfolg nicht gehabt und zur Zeit keine Aussicht ans eine» Sieg vorhanden ist. Da ein Teil der Ausständigen noch nicht wieder in Arbeit steht, so ist der Zuzug nach wie vor fernzuhalten. Bom Zwist im Lager der christliche» Getverkschaften. Der Vorstand des Gesamtverbandes der christlichen Gelverkichaftcu Deutsch- lauds lBrnft, Ellcrkantp und Schiffers wendet sich in einer längereu Erklärung an die christlichen Gewerkschaften Deutschlands, nni folgendes mitzuteilen:„Nachdem die am 8. September gctagte Ge- neralvcrsaminUing des Duisburger Metallarbeiter- VerbäudeS sich schroff auf den Standpunkt ihres Vorsitzenden Wieber gestellt, ist das letzte Band zerrissen, das uns bis dahin noch mit dem Duisburger Metallarbeiter- Verband lose zu- sannnenhielt. Entschieden lehnen wir es nuinnehr auch ab, noch fürderhin mit der jetzigen Leitung des Duisburger Verbandes in irgendwelche Beziehungen zu treten. Das Verhalten der General- Versammlung des Duisburger Metallarbeitcr-Verbandes nötigt uns nicht allein, den Ausschluß des Verbandes aus dem Gesmntverbande der christliche!-, Gewerkschaften aufrecht zu erhalten, sonder» zwingt uns, den Verband nmunehr auch von künftigen Kongressen der christlichen Gewerkschaften auszuschließen." Und weiterhin heißt es: „Mittlerweile sind wir dann dem weiteren Beschlüsse der Gcneralversannnlnna deS Gesamtverbandes zu München auch nachgekommen:„die Bildung eines ncnen Verbandes der christ- lichen Metallarbeiter Deutschlands baldigst in die Wege zu leiten". Am 5. Oktober er. ist denn auch zu Siegen die Gründung des iicue» „EeniralvervanbeS der christlichen Metall- und Hüttenarbeiter Deutsch- lands", mit dein Sitze in Siegen, vollzogen worden." Wieder ist bekanntlich als Gegner der Dnitivucherpolitik des Centrumö mit Brust und dessen Krenndsit in Konflikt geraten und dafür von den Anhängern des Wucherzolles in den christlichen Gewerkschaften mit dem Bann belegt worden, was ihn nicht gehindert hat. und hoffentlich auch ferner nicht hindern wird, den Kampf mit den feindlichen christlichen Brüdern fortzusetzen. Ausland. Streiks in der Schweiz. Fn Flawil(Kanton St. Galle») streiken die Maurer und Handlanger, in Montreux die Schuhnuicher, in Trabers die Tischler. Die Arbeitervereine von Zirres habe»— wie das„B. H." meldet— den allgemeinen Ausstand beschlossen. Man befürchtet gleichfalls einen Generalstreik der Landarbeiter in der ganzen Provinz Cadix. Sociales. Zu der Massknvergistmig von Schauerleuten in Hamturg meldet das„Wolffsche Bureau"„aus authentischer Quelle": .Zu dein von den Schauerleuten eingenommenen Mahle wurden etwa 50 bis 60 Dosen Büchsenfleisch benutzt. Ob die Er- krankungen aber hiervon herrühren, läßt sich nicht sagen. Die Entleerungen sind noch gestern abend deni hygienischen Institut überwiese» worden. Epidemie- oder infektiousartig sind die Erkrankungen nicht. Das hygienische Institut hat keine Jnfettious- bazilleu feststellen können. Die Kranken sind sämtlich außer aller Gefahr; teilweise sind sie heute schon aus dem Krankenhause entlassen ivorden, der Rest wird morgen wieder entlassen. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen; bis diese beendet ist, ist au Bord der„Patricia" alles mit Beschlag belegt. Nach den bisherigen Fest- ftelllingen trifft niemand ein Verschulden an den Erkrankungen. Sämtliche Dampfer der Hrnnburg-Aincrika-Liiiic sind mit Eislühlung vorzüglicher Art versehen." Man»inß die Gelegenheit beim Schöpfe fassen, hat die „authentisch« Quelle" wohl gedacht; nicht alle Tage kann inan die Schädlichkeit des Büchsenfleisches so trefflich illustrieren. Es kommt aber nicht darauf an. ob es Büchsenfleisch war, sondern ob es ver- derben war. Die Redaktion des„Hamburger Echo" hat fest- gestellt, daß die ihr vorgelegte Probe von dem Fleische pestileuzialisch gcsimikc» hat und ihre GeivährSlente haben ihr gesagt, daß sie es nur uiii großem Ekel gegessen babe», weil es so stank. Sic hatten aber nichts andres und mußten es deshalb essen. Diese Behauptungen kann man weder durch die billige Denunziation deS Büchsenfleisches, noch durch die Bemerkung abthnn, daß nie- mand schuld sei. Man muß prüfen, ob das Fleisch so beschaffe» ivar, daß es von vornherein als verdorben zn erkennen war. Ebenso»mß man Ansknnft geben über die Behanptinig, daß den «chanerleiiten bei ihrer gefährlichen Hantierung jede Gelegenheit zum Waschen gefehlt habe. Tie Beschüstigtiug jugendlicher Arbeiter in Hechelriinmen und dergleichen war laut Bundes. aisverordnung voni L9. April 1393 vom 1. Lktober fenes Jahres ah auf zehn Jahre verboten und zwar ging die Verordnung dahin, daß„in Hechelräninen solvie in Räumen. in welchen Maschinen zum Oessncn. Lockern, Zerkleinern, Entstäuben, Aniettcn oder Mengen von rohen oder angenetzten Faserstoffen, von Abfällen oder Lumpen im Betriebe sind, jugendliche» Arbeitern wälirend des Betriebes eine Bestitäftigiiiig nicht gewährt»nd der Aufenthalt nicht gestattet werden darf. Die Karden(Krempel) für Wolle und Bammvolle fallen inner die vorstehenden Bestimmungen nicht", Diese Verordnung war am 30. September d. I. abgelaufen; der Bundesrat bat sie nun zwar wieder verlängert, aber nur ans dreiviertelJabre.bis zum 1. Oktober 1903, wie eine soeben dem Reichstage zugegangene Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 34. Junt d. I betamu giebt. Sollie die Regierung die Absicht haben»nd die allerdings von den Fabritanter gewünschte, für die .ugendlichen Arbeiter aber durchaus gesundheitsschädliche Be- schäftigung wieder zu gestatten? Zur Entschuldigung, daß nur auf so kurze Zeit diese Verordnung verlängert wird, könnte die Rc- giernng höchstens anfuhren, daß sie, wie fie im Sommer mitteilte. ihre Erhebungen über die Gesnndheitsschädlichkeit dieser Beschäf- rigung noch nicht abgeschlossen hat. Das wäre aber sonderbar genug; denn es bedarf wirklich keiner großen langen Studien, um zu er- eniien, dag die Beschäftigung in Hcchelräiinien durchaus gesundheitsschädlich ist, und zivar nickt nur für jugendliche Arbeiter, sondern auch für Erwachsene, besonders für Arbeiterinnen. Beim Hecheln eniwickelt sich eine so außerordentliche Menge Staub, daß die Arbeiter förmlich in Wolken gehüllt sind. Abfänger können ihn zwar mtfenien, aber nach den bisherige» Konstruktionen nicht hindern, daß der Arbeiter eine ganz gehörige Portion des schädlichen Staiibcs schluckt. Am vorigen Somuag sprach der Bremer Gewerbe- - a i W e g c n e r in einer Textilarbeiterversaminluug auch über diese Gefahren, die den Arbeitern droben, und wies dabei darauf hin, daß das Anfkocker» der Jute den meisten Staub verursache und weit- gehende Versuche, hier der Stanbcntwicklstug wirksam entgegenzutreten, nicht den gewünschten Erfolg gehabt hätten. In den Hechel- äunien. führte der Gewerberat weiter ans ist die Staitbentwicklnitg zuuz cnorui und der Arbeiter, der in solchem Raum arbeiten muß. sollte deshalb alle möglichen persönlichen Vorsichtsmaßregeln anwenden. Jugendliche Arbeiter seien besonders gefährdet und sollen daher nicht in Hechelräumen beschäftigt werden.— Will der Bundesrat die Verordnung erivciter», indem er auch verbietet, Arbeiteriniien bei solch ruinierender Thätigkeit zu beschäftigen, so wird er das Interesse der arbeitenden Bevölkerung wahren. Sollte aber die jetzt nur aus ein halbes Jahr erfolgende Verlängerniig der Verordnung der Vorläufer einer Aufhebung sein, so würdea die Arbeiter den schärfsten Protest dagegen erheben. Eiseiibahititrbcitcr-Eutsassuiigci» i» Suchse». Bekanntlich hat schon der Abg. Zu b eil im Reichstage Gelegenheit genommen, dem Vertreter der sächsischen Regierung nachzittpeisen. daß er falsch nformiert war, als er bestritt, daß die sächsische Staatsbahn- Verwaltung Arbeiter entlassen habe. Auch in der Sitzung vom 15. Oktober wurde diese Frage wieder aufgerollt. Aber es scheint, als haben die offiziellen Vertreter der sächsischen Regierimg mit der Staats- öahii-Verivaltnng keine Fühlung, so daß sie nicht erfahren, ivas hier vor- geht. Wie«vir aus obsolnt sicherer Quelle erfahren, sind auch jetzt wieder, und zwar erst vor zwei Tage», in der Bahnmeisterei Leipzig- Hof 9 etivn zehn Streckenarbeiter entlassen worden.?l1s Grund wurde ihnen(es sind acht Familienväter darunter!) angegeben: Mangel au Arbeit. Wir sind neugierig, ob nran auch jetzt noch die Arbeiter- E-.ltlassttngen abstreiten wird,— Neber die Bekäu'pfung der Arbeitslosigkeit durch die Kviiimnnc inachte der Bürgermeister der Industriestadt Kalk iRheinland) bei der Begründung der 7000 M. bclrogenden AnnenetatS-Ueberschreitung interessante Angaben. Im vorigen Winter fand eine von allen Gewerkschaften Kalks einberufene Arbeitslosen- Versammlung statt, weiche die Etadtvcrwaltnng ersuchte, imigehend die Ausführung von NolstandSarbeite» in Angriff zn nehmen. Die Leiter der örtlichen Gewerkschaften wurden ersucht, alle Beschäftigungslose» an die Behörde zu verweisen. Maßnahme» zur Linderung der Arbeitslosigkeit wurden nicht getroffen, weil sich nur>0 Arbeitslose gemeldet hälleii, iiifolgedesjcu von einem Notstande nickt gesprochen werde» könne. Nnnmebr teilt der Biirgerineisler mit, daß die größere Belnstniig des Annenetats durch die wirtschaftlich« Krise herbeigeführt sei. Es hätten viele sonst fleißige und solide Arbeiter, die stets tüchtig für die Ihrigen gesorgt hätlen, wegen Ar- beiislosigkeit die Annenkasse in Anspruch nehmen müssen. Als man seiner Zeit beschlossen habe, statt Rotstandsarbeiten auszuführen lieber Armengeld zu geben, habe er schon auf die größere Etats- belastung hingewiesen. Ein drastischer Beweis socialpolitischer Unfähigkeit, der die Blüte der Bürgerschaft darstellenden Komiminalverwa'timg. Haben die Kalker Jrdtlstrielle» die Arbeiter ausgepreßt oder gehen die Geschäfte etwas flau, so beschließen dieselben Herren als Stadtverordnete die brotlos gewordenen Arbeiter auf den Armenbettel zu verweisen, womit sie auch noch ihrer Rechte als Wähler beraubt werden. Tic LnndcS-VerfichcruiiiiSansiltlt fiir dnS Königreich Sachsen, die bereits drei eigne Lungenheilstätten besitzt, bar soeben den Plan zu einer vierten sich gesichert. Ein herrliches, ichloß- ähnliches Grundstück, das mitten im Hochwalde, 3V, Stunde» von S e b n i tz entfernt liegt, ist soeben vom Vorstand der Anstalt an- gekaust worden. Der Kaufpreis beträgt 17» Millionen Mark, wovon sofort als erste Rate eine Million angezahlt wurde. Die Heilanstalt ist für L50 Kranke bestimmt und wtrd die größte und schönste aller bisher bestehenden Lungenheilstätten ivcrde». Zu der- selben gehören über lb Hektar Waldung, Ferner beschloß der Vorstand der VersicheningSaiistalt, das bisher gepachtete Genesungsheim Gottleuba anzukaufen. Nachdem soeben erschienenen Bericht der VersichmingS« Anstalt verfügt dieselbe über ein Vermögen von rund 95'Millionen Mark l Das Bedürfnis für Heilanstalten ist in Sachsen besonders groß, da, wie der Bericht sagt, schon jetzt sehr viele Genesung- suchende nach andren außerfäcksischen Heilanslalten(Görbersdors. Römhild und Sülzhain(Thimiigeii) überwiesen werden mußten. Tie Kinderarbeit in den Agrardistrikp-n Italiens ist sehr auZ- gedehnt. Nach der letzten Benifszählting kamen ans 8 173 389 Personen, die in der Landwirtschaft beschäftigt sind, 617 326 oder 7,5 Proz. Kinder. Dazu kommen noch auf 73 399 in der Gärtnerei beschäftigte Personen 3743 oder 5,1 Proz. Kinder; bei der Vieh- zncht, an der 244 452 Personen beschäftige sind, waren 56 973 Kinder, das sind 23,3 Proz., beteiligt. Die Löhne für diese Kinder sind miserabel; sie betragen für junge Leute unter 15 Jahren, vor- ausgesetzt, daß diese sehr stark entwickelt sind, höchstens 40 Pf. pro Tag, für die übrigen 20 bis höchstens 30 Pf. Hua der frauenbewegung» Die Fordeninz des Franen-Wahlrechts muß in Holland, wo der größte Teil der Männer des arbeitenden Volkes noch wähl- recktslos ist. ans taktischen Gründe» hinter der Forderung des all- gemeinen Wahlrechts für Männer zurücktreten und demgemäß beschränkt sich auch die socialdeuiokratische Partei bei der WahlrecktSbeivegung vorläufig im wesentlichen auf diese Forde- rung, ungeachtet der Angriffe und Vcrdächttgungen, die deswegen Intens der bürgerlichen Frauenbewegung gegen sie gerichtet werden. Die Stellung unsrer holländischen Parteigenossen zu dieser Frage kommt sehr klar in einem Artikel m„Het Volk" zum Ausdruck, der wie folgt beginnt: „Mit der Oberflächlichkeit, die misrer bürgerlichen Franen- bcwegnng eigen ist, hat man es bis jetzt perstanden, die sokialdeinokransche Partei int allgemeinen und Troelstra im besonderen als Gegner des Franen-Wahlrechts zu brandmarken, obgleich un>re Partei das Franen-Wahlrechi getreu den Beschlüssen der internationalen Kongresse stets aus ihrem Programm gehabt hat und dafür kämpft. Die Gründe. die für jene unwahre Be- Häuptling angeführt werden, bestehen unter andrem darin, daß die Partei bei der Zusanniienietztmg des Niederländischen Komitees für allgemeines Wahlrecht es wünschensivert erachtete, die Agitation des Komitees für das allgemeine Wahlrecht nicht an die Forderung der Aufnahme des Franen- Wahlrechts in die Verfassung zu binden, weil dadurch verschiedene Freunde der Verfaffungsrevision vom Kampf daftir abgehalten werden könnten. Außerdem erkannte Man, daß die Bewegung für Frauen- Wahlrecht sich auf einer weniger borgeschrittene» EnUvicklnngssinfe befindet, als die für Männer- Wahlrecht, so daß beide nicht unzerttenntlich mit- einander verbunden werden konnien, weil das allgemeine Wahlrecht für Männer mehr Aussicht auf Verwirklichung hatte, als das für Frauen. Dazu kommt die Befürchtung, daß von bürgerlicher Seite beabsichttgt werde. Mißbrauch mit der Forderung des Frauen-Wahl- rechts zu treiben dadurch, daß man nicht das allgemeine Frauen-Wahlrecht, sondern. D a m e n"- W a h l r e ch k verlangt, das Wahlrecht für„die gebildete Frau", das heißt eine Verstärkung deS bürgerlichen Elementes unter den Wählern; der Bourgeoisie doppeltes Wahlrecht, während mau der Arbeiterklasse noch nicht ctnmal halbes Wahlrecht gewährt." Zum Schluß wird in dein Artikel aus die diesen Punkt be- handelnde Resolution der Miinchcner Frauenkonferenz Beziig genommen, in der in gleicher Weise das Interesse des proletari- scheu Klasseutampfes den speciellen Jitteressen der Frauen voran- gestellt wird.— Letzte JVaebridrten und Depcfcbcn. Dir klerikale Frag«. PariS, 17. Oktober.i wünsche» übrig ließ. Wer aber die Politik unsrer Regierung in den letzten Jahren verfolgt hat,— heute Zick und morgen Zack, heute so und morgen so— der giebt auf solche Erklärungen nichts. Wir lverden uns nicht täuschen lassen, wir werden nicht auf den Leim gehen, sondern wir miisjeu die Regierungsvorlage an sich als das bettachten, zu dessen Beseittgung wir alle unsre Kräfte einsetzen müssen. Warum verlangt ma» denn überhaupt Muimalzölle? Der Gruud dafür liegt im innersten Wesen darin, daß auch die Agrarier dieser Regierung nicht ttaue», obgleich doch diese Regierung eS sich ganz oder fast ausschließlich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Interessen des Großgrundbesitzes, der Junker zu vertreten. Trotzdem dieses Mißtrauen der Agrarier 1 In, Cirkus Busch erklärte der Geheime Ob er bau er Herr vvil Wangen- heim: Zu den einzelnen Ministern könute man schon Vertrauen haben, die seien auch persönlich ffanz zulänglich: aber dort, wo die Minister herdenweisc auf- treten— ein schönes Wort, den, ein warmer Stallgeruch anhostet (Heiterkeit), verdienten sie kein Vertrauen. Den Herren Rhein- baben, Podbielski usw. bringen die Herren wohl Verttauen ent- gegen, nicht aber der Gesamtheit der Minister, dem Bundesrat. Die Herren vom Bunde der Landwirte sind sehr gute Geschäftsleute. Sie wollten vor allem eine Sicherung ihrer Beute in den Mini malsätzen haben. Im übrigen werden sie s ch o n m i t sich reden lassen. Was bedeutet denn ein solcher Minimal- und Marimaltarif? Es ist doch nichts weiter als ein völliges Offenlegcn der Karten. Dadurch kommen unsre Unterhändler bei den Vertragsverhandlungen in eine wenig schone Situation. Die Folge der Minimalsätze wird auch sein, daß die andern Staaten ebenfalls Minimalsätze einsetzen fiir unsre Jndustrieprodukte. Die ganzen Verhandlungen werden lauf diese Weise zum ordinären Schachergeschäft. Daher verwerfe» wir die Einführung solcher Minimalsätze im Interesse einer günstigen handelspolitischen Entwicklung. Aber gewisse Leute wolle» ja mich gar keine Handelsverträge. In der Konnnission wurde das offen ausgesprochen, die Hauptsache sei der Zolltarif, Handelsverttäge kämen erst in zweiter Reihe. Diesen Herren käme es nicht daraus an, Deutschland in emen Zollkrieg zu verwickeln, in dem dann die Satze des autonomen Tarifs Geltung hätten. Man verweist zur Verteidigung des Doppcltarifs auf Frankreich. Frankreich wurde aber durch seineu Doppeltarif in Zollkriege mit der Schweiz und Italien verwickelt, die dem französischen Handel sklpuere Wunden geschlagen haben, Wunden, die zum Teil heute uodi nicht geheilt sind. Die Aussicht dieser Länder nach Frankreich ist ganz außerordentlich gefallen. Frautteich mußte damals n a ch geben und unter die Sätze seines Riinimaltarifs hinabgehen. Seine Industrie wurde zum großen Teil durch Deutschland und England verdrängt. Welches sind nun die Wirkungen der Vorlage? Die von der Regierung eingestellten Sätze fiir Roggen und Weizen allein hätten eine Belastung von 058 Millionen Mark zur Folge.(Hört I hört I bei den Socialdcmokraten.) Es kommt aber hierbei das Wohl und Wehe so großer Kreise der armen Bevölkerung in Betracht, daß wir es gar nicht vcrantlvorten könnten, wenn wir diesen Wuebertarif nicht bis anfs äußerste bekämpften.(Sehr richtig I bei den Social demokraten.) Es wird nun zunächst bestritten, daß von den Zöllen nur der Großgrundbesitz Borteil hat. Es wird von agrarischer Seite be hanptet, die hohen Getteidezölle nützten der ganzen Landwirtschaft, einschließlich der landwtttschaftlichen A r b e i t e r, die, wenn nicht als Konsumenten, so doch als Produccnteu einen Vorteil hätten. Die deutsche Landwirtschast komme— so wird weiter behauptet durch die Zollerhöhungen in die Lage, den ganzen Getreidebedarf Deutschlands selbst zu decken. Man sieht, das ist ein ganzes Pro- gramm. ES fehlte nur noch die Behauptung, daß man mit den Zöllen die ganze sociale Frage lösen könne.(Sehr gnt l links,) Man muß die Frage nicht stellen: Wer produziert Getreide? sondern Wer produziert Getreide im lleberschiiß iilier seinen eignen Bedarf hinaus?(Sehr richtig I links.) Nach einer Zählung von 1893 gab es in Deutschland 5 558 000 landwirtschaftliche Bcttiebe. Davon uinfaßten bis 1 Hektar 2 529 000 Bettiebe, 1 bis 2 Hektar 707 000, 2-3 Hektar 458 000, 3—4 Hektar 324 000, 4-5 Hektar 244 000, 5-10 Hektar 666 000, 10—20 Hektar 393 000, 30—50 Hektar 240 000, 50—100 Hettar 42 000, 100—200 Hektar 11000, 200-500 Hektar 9600, 500-1090 Hektar 1600 und über 1000 Hektar nur 572 Betriebe. Von diesen Betrieben haben alle bis zu 4 Hektar überhaupt kein Getreide verkauft, die von 4—5 Hektar haben allerdings schon etwas verkauft, aber mir 2'/z Doppelceutner pro Jahr(Hört! hört I links), die von 5—10 Hektar 8" Doppelceutner, 10— 20 Hektar 24 Doppelcenttier, 30—50 Hektar 48 Doppelceutner, 100—200 Hektar 297 Dow'elcenttier, 200—500 Hektar 702 Doppel centner und 500— IOOO Hektar 1468 Doppelcentucr, Von den Preiserhöhungen des Getteides infolge der Getreidezötte haben also alle landwirtschaftlichen Besitzer bis zu einem Besitz von 4 Hektar überhaupt keinen Nutzen, die Be- sitzer von 4—5 Hektar hatten bei dem 3,50 Mark- Zoll eine Mehreiiuiahme von 8,75 M., von 5—10 Hektar von 28 M,, von 10—20 Hektar 84 SR, 30—50 Hektar 208 M„ 50—100 Hektar 459 M., 100—200 Hektar 1089 SR, 200—500 Hektar 24 57 SR, 500— 1000 Hektar 5128 SR und die Bettiebe über 1000 Heftar von 10 818 M. pro Jahr, Diese Jahrcseiimahme erhöht sich bei einem Gctteidczoll von 5 SR, wie ihn die Regierungsvorlage als Svtinimalzoll will, für Besitzer von 10— 20 Hektar auf jährlich 120 SR, 80-�50 Hektar auf 290 SR, von 50—100 Hektar auf 686 SR, von 100—200 Hektar ans 1485 SR, von 500— 1000 Hektar auf 7846 SR und für Besitzer über 1000 Hektar auf 15 453 SR jährlich. Bei dem Maximalzoll der Regierungsvorlage ivnrden sich die Mehreinuahmen stellen für Bettiebe von 10—20 Hektar auf 164 SR, 30—50 Hektar auf 406 SR. 50—100 Hektar auf 959 SR. 100-200 Hektar auf 2079 SR, fiir 200—500 Hektar auf 6914 SR. für 500-1000 Hektar auf 10 256 SR und fiir Bcttiebe über 1000 Hektar auf 21638 Silk, Aus diesen Zahlen können Sie ersehen, warum die Herren vom Bunde der Landwirte alles darnu setzen, diese Getteidezölle durchzusetzen. Etwa 77 Proz. der Landwirte Haien aber gar keinen Vorteil von den Getteidezöllen, etwa 22 Proz. verkaufen Getreide mit Vorteil, einen Riescnvorteil hat aber nur'/e Proz. der Landwirte.(HörtI hört! bei den Soeialdemottaten.) Der geringe Vorteil der 22 Proz. wird durch die Verteuerung der Futtermittel, und die Jndusttiezölle wieder aufgehoben. Die Land- Wirtschaft als solche, hat also keinen Vorteil von den Getteidezöllen, sondern nur eine Handvoll Großgrundbesitzer. Die Folge der Zölle wird lediglich die Verteuenmg des Gruud und Bodens sein. Davon haben aber die Landwirte keinen Vorteil, sondern Nachteil lSehr richtig! bei den Socialdemokratcn), denn der Gruud und Boden ist ein Produktionsmittel der Landwirtschaft. Auch die Bauern, die etwa nur Gerste bauen, haben von Gersten- zöllcn keinen Vorteil, denn sie müssen ja andrerseits das Getteidc, das sie nicht selbst bauen, teurer bezahlen.(Sehr richtig! b. d. Soc.) Wenn mau die Mehreinnahmen, die ich vorher anführte, kapitalisiert, so würden die Grundstücke von 10 bis 20 Hektar um 2400 SR im Werte steigen, die Grundstücke von 30—50 Hektar um 5800 SR, die Grundstücke von 50—100 Hektar um 13 700 M.(Hört! hört! bei den Soeialdemottaten.), die Grundstücke von 100—200 Hektar um 29 700 M.. die Grundstücke von 500—1000 Hektar um 146800 M. und endlich die Grniidstucke über 1000 Hektnr um 309 100 M. (Hört! hört I bei den Socialdemokraten.) Allein die Groß- grundbesiyer würden eine Wrrtstrigeruug ihres Grund nnd Bodens nm 16 Milliarde» Mark erzielen.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Aus diesen materiellen Interessen allein erklärt sich der furchtbare Kampf der Agrarier um die Getteidezölle. bei dem sie Mttel anwenden, die sie sonst andren zum Borwurf machen. Ich erinnere nur au die Aeußeruugen des Organs der sächsischen Konservativen, des sächsischen„Vaterlands", Throne würden ttachcn, Blut würde fließen, wenn die Zölle nicht bis auf 7,50 M. erhöht würden. Der Patriotismus und die Äönigstreue dieser Herren geht eben nur bis zum Geldbeutel. Die kleinen Bauern andrerseits werden durch die Ge- tteidezölle direft geschädigt. Ihre Haupteinnahme liegt in der Bich- zucht. Durch die Zölle auf Gerste und Mais werden sie nach meiner Schätzung nm ca. 80 Millionen Mark geschädigt. Die kleine Land- Wirtschaft wird also doppelt geschädigt: erstens durch die Verteuerung von Grund und Boden, ztveitens durch die Verteuerung der Futter- mittel, deren sie als Koilsnintionsmittel für ihre Viehzucht bedarf. Es wird uns nun eingeworfen, daß ja trotz dieser Verhältnisse so viel kleine Bauern dem Bunde der Landwirte angehören. Es wird diesen Leuten eben in der Agitatton das Unglaublichste in Aussicht gestellt: ich selbst habe gehört, wie man ihnen in einer Versanmrlnng das Blaue von, Himmel herunter versprochen hat. Die Bauern sagen sich: Wer uns solche enormen Vorteile verspricht, das ist unser Mann!, und so treten sie dem Bunde der Landwirte bei, der dann mit seinen großen Zahlen paradieren kann. Jeder Getteidezoll kommt im Brotprcis zum Ausdruck. Je höher ctteidezoll, desto höher der Brotprcis. Je mehr die Kou- sumenten für Brot ausgeben müssen, desto weniger sind sie im stände, für andre KousimttionSmittel auszugeben. Der Roggen- preis betrug 1886 pro 100 Kilogramm 13,06 M., das Kilogramm Roggenbrot kostete damals 20.80 Pf., und das Gewicht des 60 Pfennig- broteS war 2,4 Kilogramm. 1887 kosteten 100 Kilogramm Roggen 12,09 M„ 1 Kilogramm Roggenbrot 20,65 Pf., und das Gewicht des 50 Pfcnnig-Brotes war 2,52 Kilogramm. 1888 Rvggenpreis 13,5 M„ 1 Kilogramm Roggenbrot 21,22 Pf., Gewicht des Brotes 2.36 Kilogramm. 1801 ivar das Jahr der Hungerpreise, der Roggen kostete über 21 M., ein Kilogramm Roggenbrot 31,66 Ps. und daS Gewicht des 50 Pfennig-BroteS betrug 1,53 Kilo- gramm. 1894 war ein Jahr billiger Gctreidepreise. Der Roggenpreis bettilg 11,47 EH., der Roggenbrotpreis 20,53 Pf. pro Kilo und das Brotgelvicht 2,55 Kilogramm. Somit folgen die Brotpreise stets den Schwankungen der Getteidepreise. Die agrarische Theorie möchte mm noch die Erhöhung der Brotpreise gern den Bäckern zuschieben und diese als Broiwucher bezeichnen. Die Bäcker sind vielfach gezwungen, ihre Waren auf Kredit zu geben, lvas eine Preiserhöhung bedingt. Der Absatz der Bäcker pflegt in den ärmeren Gegenden größer zu sein als in den reicheren und da ist es die zweite Art von Vampyren der heutigen bürgerlichen Gesellschaft, die Hausagrarier, die bei einem großen Umsatz der Bäcker die Mieten enorm steigern. Weiter wird von agrarischer Seite behauptet, durch die Zölle würde das Getreide überhaupt nicht verteuert, sondern die Getteidezölle trüge da? Ausland. Diese Bismarcksche Auffassung ist längst als unrichtig uachgewiesc» worden. Als Epigone des Fürsten Bismarck hat lein Geringerer als Herr v, Podbielski eine ähnliche Theorie neulich in der Kommission aufgestellt, indem er sagte, die Zölle würden zur Hülste vom Auslände getragen. Damit be- wies der Minister. daß er nicht einmal die Be- g r ü n d u u g der Vorlage gelesen hat. Wir gewöhnlichen Sterblichen müssen das alles lesen, ein preußischer Minister aber darf sich hinstellen und einfach solche Theorien in die Welt setzen. Welchen Vorteil hätten denn die Agrarier von hohen Getteidezöllen, wenn das Ausland die ganze Zollbelnstuug trüge und keine Erhöhung des Inlandspreises eintrete I Das ganze Wesen dieser Vorlage beruht ans dem agrarischen Wunsch einer möglichen Preis- steigcrung des Getreides.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) In der Thai wird der Zoll allein auf die Konsumenten von Brot und Fleisch abgewälzt. Der Herr Reichskanzler freilich meinte, die Belastung sei nicht so groß, ja die Zölle nützten den Arbeitern. Wie hoch ist denn eigentlich die Belasiung der Konsumenten? Wenn man nur 180 Kilogramm pro Kopf Getteidcverbrauch annimmt, so würde die Belastung pro K o p f betragen bei einem 3 Mark-Zoll 6,65 M.. bei 5 M. Zoll 9 M. und bei 7,50 M. Zoll 13,50 M. Eine Familie von 3 Köpfen würde belastet mit 45 M. bei 5 M. Zoll mit 07 M. bei 7,50 M. Zoll. Das nennt der Herr Reichskanzler eine Stärkung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter! Wenn man diese Summen in Vergleich setzt mit den Einkommensverhältnissen der verschiedenen Bevölkerungsklassen, so wird die Belastung der Armen noch augenscheinlicher. In Preußen sind 64 Proz. der Bevölkerung zu einem Einkommen von unter 900 M. eingeschätzt, 2'/, Millionen Haushalttmgen haben ein Einkommen von unter 500 Mark. Für diese Familien bedeutet der 5 Mark-Zoll eine Belastung von 9 Proz. ihres EinkonunenS, der 7,50 Mark-Zoll eine Belastung von 13,5 Proz. Wie hoch stellr sich dagegen die prozentuale Belastung der Leute mit hohe m Einkommen. Bei 10 000 M. Einkommen beträgt die Belastung durch den 3,50 Mark- Zoll 0,33 Proz., beim 7,50 Mark- Zoll 0.675 Proz. Also die Armen werden mit 13,5 Proz. ihres Einkommens belastet, die reichsten mit»och nicht einmal 1 Prozent. Das ist die sogeuamite mittlere Linie des Grasen Bülolv. Ich habe dafür eine andre Bezeichnung. Ich nenne das eine Raub- und Anspliiiidenuigs- Politik der Armen und eine llnterstützuna der Reichen nnd Nstichtigen.(Sehr gut I bei den Soeialoemolraten.) Man behauptet nun, die Arbeiter hätten auch bei steigenden Lebensmittelpreisen doch keinen Nachteil von den Zöllen, weil ihre Löhne stiegen, Herr Möller hatte sogar den dringenden Wunsch, in einem industriellen Kreise zu kandidieren, um den Arbeitern den Nutzen des Tarifs klar zu machen. Nun, wes» halb legt er nicht sein Minifterportefeuille nieder, das deutsche Vater» land würde dadurch nicht viel verlieren.(Abg. Singer: Sehr richtig!>— (Die B o er en- G en er ale erscheinen auf der Zuschauer- tribüne und in der darauf entstehenden Unruhe inr Hause bleiben die nächsten AuSsühruugen des Redners unverständlich.) Redner berechnet die Zahl der Jndiistrie-Arbeiter, die für den Auslaiidsbedarf arbeiten, auf 1,7 Millionen, und weist darauf hin, daß jede Beschränkung der Exportindustrie infolge des neuen Zoll« tarifS Hnnderttausrude ins Bagabundenttim hinalistoßc» müsse. Nun wird treuherzig versichert, daß die Industriellen gern erbötig seien, die kleine Mehrbelastung des Arbeiters ihm in Gestalt höherer Löhne wieder zu vergüten. Allein selbst unter der Voraussetzung des guten Willens ist es manchem Unternehmer gar nicht so ohne weiteres möglich, eine Mehrbelastung in Gestalt höherer Löhne zu tragen. Eine gauze Reihe von Exportindustrien müsse schon jetzt die Zölle selber tragen, sie werden immer mit dem Einwand kommen, sie seien nicht in der Lage, höhere Löhne zu geben, weil sie dann nicht mehr mit dem Ausland konkurrieren können. Die schwere» Industrie», die durch diese Rücksicht nicht gebunden sind, besinden sich aber in den Händen der ärgste» Arbeitrrfciude, in den Händen des Unternehmer- Verbandes, der systematisch darauf ausgeht, die Arbeiter zu Grunde zu richten, sie immer mehr zu fesseln, zu lnechteu und ihr Einkommen zn schmäler».(Lebhafte Zustimmung bei den Socialdemokraten.) Zu diesem Zwecke greifen sie selbst nach der Klinke der Gesetzgebung. Ich erinnere nur an das Zuchthansgesetz,(Die B v e r e n g e n e r a l e verlassen wieder die Zuschauer-Tribüne. Ein großer Teil der Rechten, der Nationallibcralen und des CenttmnS, die unverwandt nach oben geblickt und sich laut unterhalten haben, verläßt jetzt wieder geräuschvoll den Saal.) Ich will Ihnen nur die Wirkung einer Verschlechterung der Lebenslage der Arbeiter auf die kleine Land- Wirtschaft vor Augen führen. Ich benutze dazu eine Reihe von Haushaltungs-BudgetS, die von den Professoren Neumann und Lötz und Fräulein Diire»fürt ermittelt worden sind. Redner verliest die einzelnen Positionen von vier HauShaltungS-Budgets und zwar zuerst die eines sehr gut besoldeten Ardeiters, der mit seiner Familie ein Einkommen von 1600 bis 1700 Mark jälirlich hat, dann das Budget einer zlveilcu Arbeiterfamilie, eineS Maschinenbauers aus Pasewalk, der ein Einkommen von e t Iv a 10 0 0 Mark hat, dann das Budget eines dritten Arbeiters mit einem Einkommen von 8 0 0 bis 9 0 6 Mark und schließlich das Budget einer Berliner Näherin mit einem Einkommen von ö 0 0 b i s 600 Mark. Er verglich die Ausgaben, die in diesen vier Budgets für Fleisch ausgeworfen sind. Im Budget I ist ein Pfund Fleisch täglich eingesetzt, im Budget II>/, Pfund, im Budget 3 für 20 Ps. täglich, wofür höchstens Pferde-, Hunde- oder Ahf«»fleisch eingekauft werde» kann, im Budget 4 fehlt die Ausgabe für Fleisch gänzlich. Genau so sieht es.mit Butter, Wurst und Käse. Beim ersten Budget sind»och Ausgaben für Bier, Gemüse, Salat und Obst augegeöe». Wird diese Familie durch Getteidezölle um 50 bis 60 M. belastet, so wird sie gerade an derartigen Produkten, die von den kleineu Landwirten geliefert werden, sparen. Die kleinen Landwirte werden also ganz besonders schwer darunter zu leiden haben, wenn die Arbeiter sich in dein Konsum ihrer Produkte einschräiikeil müssen.(Lebhafte Zustimmung bei den Socialdemo» kralen.) Weiterhin kommen die kleinen Beamten, die Post-, Bahn- beamten usw. in Betracht, die ein ebenso kleines Einlommen haben. Man weist hier auf die Teuerungszulagen hin. Wie schwer aber hat sich die Regierung im Jahre 1891 bei den hohen Getteidepreise» entschlossen, die Teuerungszulage zu gewähren! Tie Tcuerungsznlagr» fingen an beim dcnljchen Kaiser, der war der erste Notleidende.«Große Unruhe rechts.) Erst lange nachher bekamen auch die kleinen Beamten Zulagen. Alles aber, was die Beamten an Teuerungszulagen je bekommen haben oder noch bekommen werden, wird ihnen durch Annahme dieses Zolltarifs mit einem F e d e r st r i ch wieder genommen. Ich erinnere Sie an t.u Streik der Rangierer in Kottbus. Diese Leute, deren achtstündige Arbeitszeit ans zwölf Stunden heraufgesetzt wurde, stellten bei der enormen Erhöhung der Getteitepreise die höfliche Forderung einer Erhöhung ihres EiukominenS 9on 2,10 auf 2,50 SR Bei unsre» Regierungen aber, die doch nichts sind als die Vertrete» der besitzenden Klassen, rührte sich kein Mensch. Als nun du Leute nach monatelangcm Huugem zu dem letzten uuveräußerlichea Menschenrechte der Arbeitseinstellung, griffen, da holte man Arbeits- kräfte aus noch schlechter bezahlten Gegenden herbei, und schliehlich wurde den Arbeiten: eine Erhöhung ihrer Löhne in Aussicht gestellt! Aber feiuft wenn sie 2,50 M. Lohn bekämen, würde das nicht reiiben, um die Verteuerung des Getreides aus diesem Zolltarif auszugleichen. lHört! hört l bei den Socialdcmokraten. Ich komme nun zum sogenannten Mittelstand, den kleineren Geschäftsleuten iislo.� Für diese kommt eine Mehrbelastung von über 100 M. pro Jahr in Frage. Man will diesen Leuten den Ver- zweifluugskaiupf, den sie gegen das Grostkapital, gegen die grasten Warenhäuser zu führen haben, noch durch diese neue graste Steuer erschweren! Schon baben die Schlächter und Bäcker angefangen, dies zu erkennen. Bald werden auch die andren Handwerker ein- sehen,>00 ihre wahren Freunde sitzen, ob rechts und im Centrum oder in unsren Reihen I sSehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Die groste Masse des Volkes, besonders die Arbeiter, werden durch diese Erhöhung der Gctreidezölle nicht nur materiell, sondern auch sittlich geschädigt. sSehr wahrl bei den Socialdemokraten.) Die schlechte Ernährung zerstört nickt nur den Leib, sondern auch die seelischen Kräfte. sSehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Die erwähnten vier Arbeiter-Haushaltungsbudgets bilden ein Stück Leben unsrer Arbeiterklasse, an dem man' die ganze Ungeheuerlichkeit des Wuchertarifs ermessen kann. Daraus geht deutlich hervor, dast je ärmer die Familie ist, um so größer die Belastung durch die Gr- treidezölle. Die Höhe des Blutgeldes aber— anders kann ich es nicht nennen— steigt mit der Größe des Grostgrnndbesitzes. Je reicher der Großgrundbesitzer, desto größer das Sündengeld, das er in die Tasche steckt!(Lebhafte Zustiimnung bei den Socialdemo- krateu.) Was wird nun die Folge dieser Mehrbelastung sein? Zunächst werden die Arbeiter sparen müssen. Sie haben früher vielleicht jedes Jahr einen Anzug kaufen können! jetzt können sie es nur noch alle zwei Jahre. Weiter werden sie sparen müssen an den Stiefeln, an den Möbeln usw. Allmählich wird die ganze Lebenshaltung eines Arbeiters herabgedrückt auf die Stufe desjenigen, der nicht so gut gestellt ist. Diese sinken auf die nächst Tieferen und das Ende diefes Sinkens des gesamten Lebensunterhaltes ist Not, Entbehrung, Prostitution und Verbrechen.(Lebhafte Zustimmung bei den Socialdemokraten.) Wenn jemals eine Vorlage geeignet gewesen ist, künstlich das Elend zu vermehren, die Prostitution, Trunksucht und Verbrechen zu fördern, so ist es dieser Wuchertarif.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Unterstaatssrkretär von Mahr, ein S ch u tz z ö l l n e r, sagt in einer Abhandlung des„Handwörterbuches der Staatswissenschaften": Man kann nicht anstehen, zn be- kennen, daß so zienilich jeder Sechser, jedes 5 Pfennig Stück, um das der Getreidcpreis gestiegen ist, auf je 100 000 Einwohner einen Diebstahl mehr hervorgerufen hat.(Hört! hört! bei den Soc.) Andrerseits hat das Fallen der Getreidevreise um 6 Pf. je einen Diebstahl bei gleicher Zahl der Einwohner vermieden. 'Die Einschränkung der Nachftage nach Kleidern, Schuhen. Möbeln usw. wird eine Verringerung des Absatzes in diesen Artikeln zur Folge haben. Das erzeugt wiederum Steigerung der Arbeitslosigkeit. Eine Summe von Not und Elend wird gezüchtet, nur um einer Hand voll Leuten, die nie genug kriegen können. Hunderte von Millionen in die unergründlichen Taschen fliesten zu lassen. Ob das Volk dabei zu Grunde geht ist Ihnen ganz egal.(Lebhafte Zustimmung bei den Socialdemolraten.) Ist es nicht der helle Wahnsinn, in einer Zeit, wo man Kongresse über Kongresse einberuft, wo man besonders die Tuberkulose lebhaft bekämpfen will, andrerseits durch Ver- teuerung der wichtigsten Lebensmittel die Ursache der Tuberkulose zu verstärken. Nach den Ergebnissen der Orts-Krankenkafsen in der Hauptstadt meines Wahlkreises in der Niederlausitz entfielen in der Textil-Jndnstrie von 42 Todesfällen 20 auf die Tuberkulose.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Die Höhe der Löhne richtet sich auch absolut nicht nach der Höhe des Einkommens der Unternehmer, sondern nach dem Verhältnis von Angebot und Nachftage der Ware Arbeitskrast.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Die Steigerung der landwirtschaftlichen Löhne ist lediglich verursacht worden durch die Leutenot. Aus gutem Willen werden die Löhne der Arbeiter seitens der Herren Landwirte nie erhöht werden.(Sehr richttg! bei den Socialdemoftaten.) Zu Zeiten der größten Blüte der Landwirtschaft waren die Löhne der ländlichen Arbeiter durchaus nicht hoch, sondern niedriger als heute. Die Löhne sind zu Zeiten sogar bei steigenden Kornpreisen gesunken.(Hört, hört! bei den Socialdemokraten.) Unter diesen Umständen könne» Sie den Arbeitern nicht zumuten, daß sie daran glauben, mit höheren Getreide- preisen würden auch die Löhne steigen.(Sehr richtig! b. d. Socialdem.) Es wird doch auch behauptet, die Mehreinnahmen aus den Zöllen würden die Landwirte benutzen, um intensiver wirtschaften zu können. Das heistt aber nichts andres, als dast neue Maschinen in der Land- Wirtschaft eingeführt würden, und die Folge davon wäre, dast wieder eine Reihe von Arbeitern arbeitslos würden. Wie das gute Herz der Agrarier für die Arbeiter in der That aussieht, belveist der folgende Fall. Eine arme Arbeiterin kam um eine Er- höhung ihrer Armenunterstützung ein, da sie mit 8 M. pro Woche mit zwei Kindern nicht auskommen könne. Diese Erhöhung wurde ihr abgeschlagen mit der Begründung, sie müsse mit 8 M. auS- kommen.(Hort! hört l bei den Socialdemokraten.) Und wer war es, der diesen abschlägigen Bescheid erteilte? Es war der Reichs- tags-Abgrordnetr»nd stellvertretende Landrat Frhr. von Richlhose». (Hört I hört! bei den Socialdemokraten.) Wenn nun, wie ich bewiesen habe, alle Bevölkerungsschichten in ihrer Konsmnfähigkeit herabgcdrnckt werden, soll dann etwa die Kauskrast der Agrarier allein durch die Zölle so gesteigert werden, daß sie alles kon- sumieren werden, was über den Bedarf des Auslandes bei uns produziert wird? Ja, wenn lvir nur Hummern, Austern, K aviar und Sett produzierten, oder wenn es sich nur um edle Pferde und schöne Frauen handelte! (Groste Heiterkeit und Sehr gut! bei den Socialdeinokrateil.) Auch davon ist keine Rede, daß die Landlvirtschaft in die Lage kommen könnte, den ganzen einheimischen Bedarf an Ge- treibe zn decken. So lange das Privateigentum an Grund und Boden besteht, haben die Landwirte gar kein Interesse daran, für eine ausreichende Ernährung der Bevölkerung zu sorgen, fondern sie werden lediglich auf ihren Profit bedachttsein. — Wenn uns nachgewiesen würde, daß die Notlage der Landlvirt- schast so grost ist, dast öffentliche Mittel aufgewandt werden müssen, um die Landwirtschaft als solche und ihre Kultur zu fördern, dann sind wir bereit, alle Mittel dazu zu bewilligen. Aber wir haben keine Ver- anlasfung, allein für die Interessen einer Handvoll Großgrundbesitzer zu sorgen. Die Mittel zur Unterstützung der Landwirtschaft dürften auch auf keinen Fall durch indirekte Steuern, sondern nur durch eine progressive Einkommensteuer aufgebracht werden.(Sehr richttg!) So aber versucht man der Landwirtschaft aufzuhelfen, indem man ihr den Verdienst, der mit Strömen von Arbeiterschlveist erworben werden muß. in die Taschen schanzt.(Lachen rechts.) Diesen Raub gelüsten des Junkertums wollen wir ein energisches:„Bis hierher und nicht weiter!" e n t g e g e n st e l l e n. Das Junkerttlm, das seine Macht in Preußen dem elendesten aller Wahlsysteme verdankt, verhindert jeden Fortschritt in der Gesetzgebung, alle reaktionären Mastnahmen'werden von ihm angeregt. Wir werden nie zu einer freiheitlichen Entwicklung unsrer Polittk kommen, wenn wir nicht alle Lebensniittelzölle ablehnen. Wir werden daher, wie auch unser Antrag zeigt, gegen den Kompromiß- antrug der Kommission und auch gegen die Regierungsvorlage stimmen. Ich möchte fchliesten mit dem Wunsche(Rufe rechts: Ah! Endlich!)— wenn Sie es wünschen, kann ich auch noch weiter reden(Sehr gltt! links. Große Unruhe rechts.)—, ich schließe mit den, Wunsche, dast die Regierung uns Gelegenheit gebe, durch Anflösnng des Reichstages eine Volksbewegung im Lande zu entfachen, die so stark und mächtig ist, daß sie nicht bloß den Zolltarif, sondern auch seine Freunde und Anhänger und vor allen Pingen daS ganze preußische Jmikcrtnm in den CrkuS hiuabschleudert.(Lebhafter Beifall bei de» Socialdemokraten, anhaltende Unruhe im Centrum und rechts.) Slbg. Pansche(natl.): Gestern haben wir eine fteisiunige Rede von säst drei Stunden gehört, und die soeben gehörte Rede, die b'/g Stunden dauerte, überttifft alles, was je von der Tribüne des Reichstages herab geleistet worden ist.(Lebhafte Zwischenrufe bei den Socialdemokraten.) Dem Abg. Stadthagen traue ich allerdings zu, dast er noch länger redet. Mg. Stadthagcn ruft: Gewist! Heiterkeit links. Groste Unruhe rechts.) Traurig genug!(Lebhaste Zurufe bei den Socialdemokraten.) Präsident Graf Ballesttem: Ich bitte um Ruhe. Es ist jedem Gelegenheit gegeben, seine Meinung auszusprechen. Abg. Paasche(fortfahrend): Ich habe nur die Thatsache konstattert, dast mein Vorredner die quantitattv größte Leistung voll- bracht hat, die je auf der Reichstagstribüne vollbracht ist. Sie(zu den Socialdemokraten) stellen unö logar noch mehr in Aussicht. WaS das Ansehen des Parlaments und die Führung der Geschäfte anlangt, so sollten Sie(zu den Soc.) diese ruhig andren Leuten überlassen. (Groste Unruhe und Zurufe bei den Socialdcmokraten.) Glauben Sie doch nicht, dast solche Reden uns veranlassen werden, Ihnen in derselben Weise zu antworten.(Zuruf bei den Socialdemokraten: Können Sie nicht!— Heiterkeit.) Wem, ich auch über die Länge der socialdemokratischen Rede nicht erstaunt bin, so hätte ich doch Herrn Gothein etwas„rehr politischen Taft zugeftaut.(Leb- hafte Oho-Rufe links.) Präsident Graf Ballesttem: Ich bitte wiederholt um Ruhe. Auch Ihr Redner hat ruhig sprechen können. Abg. Paasche: Es liegt keine Beleidigung darin, wenn ich sage, dast ich Herrn Gothein in der hochgespannten polittschen Situation, wie sie gestern nach der Rede des Reichskanzlers bestand, mehr politischen Takt zugetraut hätte. Solche Dauerreden nenne ich nicht eine gründliche Berattmg, sondern eine ziemlich unnütze Zeitvergeudung. Die Zoll- ftagen sind in der ersten Lesung nach allen Richtungen erörtert, dann hat die Kommission 110 Sitzungen abgehalten, und da will man bei der zweiten Lesung noch einmal von von, anfangen. Ich will auf die Ausführungen des Abg. Antrick nicht weiter eingehen. Die Notlage der Landwirtschaft kam, ernstlich von nie- », and bestritten werden. Und iveun ich mit Engelzungen redete, ich könnte Sie nicht bekehren.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Sie wolle» eben hinausgehen in daö�Land, um diesen„Wuchertarif" zu bekäuipfen.(Sehr wahr I bei den Socialdemokraten.) Sie wollen nns nicht bekehren und wollen nicht bekehrt werden— wozu also vierstündige Reden?(Oho I bei den Socialdemokraten.) Die werden nur zum' Fenster hinaus gehalten. Wir werden Sie daran nicht hindern.(Zuruf bei den Socialdemokraten: Können S,e nicht!) Thun Sie, so lange die Geschäftsordnung des Hauses es zuläßt, was Sie für richtig halten. Ich könnte Sie(zu den Socialdemokraten) mit Ihren eignen Partei- fteunde» schlagen.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Abgeordneter Schippel ist anwesend(Zuruf: So I— Heiterkeit I); sein vortreffliches Buch über die Handelspolittk könnte man in Volks- Versammlungen kapitelweise vorlesen.(Zuruf bei den Socialdemo- krateu: Bitte!— Große Heiterkeit.) Darin steht gerade das Gegen- teil von dem, was eben Herr Antrick ausgeführt hat.(Wiederholte Zurufe bei den Socialdemokraten, die zun, Teil, ebenso wie zahl- reiche Abgeordnete der Rechten, den Redner dicht umstehen.) Präsident Graf Ballesttem: Meine Herren, wenn Sie den Redner aus unmittelbarer Nähe unterbreche,, wollen, dann muß ich Sie bitten, auf Ihre Plätze zu gehen.(Heiterkeit.— Die Abgeordneten begeben sich auf ihre Plätze.) Abg. Paasche(fortfahrend): Die Stellung meiner Freunde ist folgende. Wir wollen lang- fristige Handelsverträge und Sicherung des ausländischen Marktes für unsre hochentwickelte Industrie. Die Landwirtschaft bedarf eines höheren Zollschutzes als bisher. Herr Kardorff behauptete gestern, dast die Industriellen beim Abschluß der Handelöverttäge die Landwirtschaft im Sttck gelassen hätten. Ich stelle fest, daß der Centraiverband der Industriellen da,„als erklärt hat, er würde keinen Handelsverträgen zustimmen, die nur auf Kosten der Landwirtschaft zu stände kämen. Nach der gestrigen Erklärung des Hern, Reichskanzlers ist es ganz ausgeschlossen, daß die Regierung von ihrem kundgegebenen Standpunkt abweicht. Daraus erwächst für jeden wahren Freund der Landwirtschaft die Pflicht, das was in dem Tarif der R e- g i e r u n g, der Landwirtschaft, deren Notlage auch ich stets an- erkannt habe, geboten wird, zu a c c e p t i e r e n. Es wäre ein trauriges Zeichen, wenn sich der Reichstag unfähig erweisen würde, eine so wichttge Grundlage für das ganze wirtschaftspolitische Leben zusammen znit den verbündeten Regierungen hier festzulegen,(lln- ruhe links.) Die Folgen ftir unsre Stellung nach innen und außen wären sicher keine erfteulichen, aber auch allein im wirtschastö- polittfchen Interesse wäre es dringend wünschenswert, wem, diese Arbeit, die mit so viel Sorgfalt begonnen, so gewissenhaft vorbereitet ist, nicht einfach zun. Scheitern gebracht würde. Sowohl die Landwirtschaft wie Industrie und Handel haben ein Interesse daran, jetzt zu nehmen, was noch zu erreichen ist. Wem, dieser Tarif ab- gelehnt wird, so wird keine Regierung imstande sein, dem Reichstag einen aiidren Tarif vorzulegen. Das ist nach der jahrelangen Vor- bereitung dieser Vorlage ganz ausgeschlossen. Die sichere Perspektive ür die Landwirtschaft ist dann in, Maximum der autonome gegen- lvärttge Tarif, wahrscheinlich weniger. Also nur auf dem Wege der Annahme der Regierungsvorlage ist die Möglichkeit geboten, der Landwirtschaft schnell zu helfen. Ich wiederhole also meine Mah- nung, daß sowohl die Landwirtschaft wie auch Industrie und Handel alle Ursache haben, zu stände zu bringen, waS möglich ist.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Graf v. Kanitz(k.): Der Herr Reichskanzler hat mit vollem Rechte gestern betont, dast eine Obstruktion das Anfchen des Parlamentarismus schädigen würde. Er befindet sich damit in Uebereinstimmung mit de», Abg. Eugen Richter, der auch erklärt hat, die Minorität müsse sich der Majorität fügen. Auf der andren Seite aber bcdaure ich, daß der Herr Reichskanzler uns die Möglichkeit abgeschnitten hat oder ab- schneide» loill, diejenigen Aendrrungen an dem Tarif vorzunehmen, die wir für absolut notwendig betrachten. Darin liegt eine gewisse Härte, und man kann sich nicht wunden,, wenn man sagt, warum sitzen wir dann noch hier, warum gehen lvir nicht unsren Geschäften zn Hause nach, wenn es uns doch vollkommen unmöglich gemacht wird, irgend welche Aenderungen vorzunehmen.(Sehr richtig! rechts.) Fürst Bismarck hat seiner Zeit kein Bedenken gettagen, von seinem Vorschlage eines 6 Mark-Zolles auf den Vermittelungsvorschlag des Centrums von 5 Mark herabzugehcn. Wenn im Jahre 1880 schon ein höherer Zollschutz nottvendia war, so ist er jetzt doppelt notwendig. Daß heute die Gefahr für die deutsche Landwirtschast eine überaus groste ist. darüber besteht doch wohl nirgends ein Zweifel. Die Not ist wirkl'ch aufs höchste gestiegen. Durch die Miquelsche Steuer- reform müssen wir jetzt ein Mehrfaches von Steuern bezahlen wie früher. Andre Lasten kommen hinzu. Wir köimen sie nur ttagen, wenn wir einen angemessenen Preis für unser Getreide bekommen. Herr Antrick hat sich eingehend mit den ftanzösischen Zöllen beschäftigt. Er hat darin recht gehabt, dast bisher die ftanzösischen Getreidezölle ihre Wirkung verfehlt haben. Daraus folgt doch aber nicht, dast wir nicht auch einen gleich hohen Zoll einführen dürfen. I a u r s s, der Führer der ftanzösischen Socialdemokraten, arbeitet auf die Er- Haltung des Kleingrundbesitzes hin. Er sagte in einer Rede: Wir schulde» den, Kleinbesitzer einen ausreichenden Zollschutz. Er hat einen Weizenpreis von 250 Frank pro Tonne als durchaus notwendig für die Existenz der Landwirtschast bezeichnet. Im Wahl- kampfe werden wir diese Ansichten der ftanzösischen Socialdemokraten den Ihrigen entgegenhalten. Das Schlagwort von der Brot- Verteuerung wird ja von Ihnen(nach links) weidlich gebraucht werden. Es ist die melkende Kuh ftir Sie. Aber es ist doch nur ein hohles Schlagwort. Bei einer Familie von fünf Personen würde eine Berteucrnng der Lebenshaltting um 20 M. Pro Jahr erfolgen. Diese Berechnung stützt sich auf ganz einwand- freie Statisttken. Wenn Sie erwägen, in tvelchem Maße die Arbeiterlöhne gestiegen sind, natürlich abgesehen von der gegen- wärttgen Krise, so kam, diese Verteuerung nicht in Bettacht kommen. Der Zolltarif kommt aber nicht nur der Landwirtschast, sondern auch der Industrie zu gute, und dadurch wird auch das Einkommen der Industrie- Arbeiter wieder erhöht, mindestens sicher gestellt. Wie verhält sich nun der Brotprcis zum Getteidepreis? Früher begnügten sich die Bäcker mit bescheidenem Nutzen. Trotz des Fallens der Getteidepreise ist der Brotpreis nicht gefallen. In einer Stadt wie Kassel beträgt jetzt die Spannung des Brotpreises und des Getreidepreises das Dreifache des ganzen Ge- tteidepreiseS. Ziehen Sie doch auch in Rücksicht, daß die städtischen Abgaben nach Annahme des Tarifs wegfallen werden. Das wird eine Verbilligung der Preise herbeiführen. Von den Oktrois hatten natürlich die Landwirte»eben den Konsumenten auch Schaden, da sie infolge der Abgaben billigere Preise erhielten. Die Erhöhung der Getteidezölle kann wesentliche Schwierigkeiten beim Abschluß von Handelsverträgen nicht machen, höchstens bei Rußland. Aber auch ein russischer Nationalökonom hat neulich erklärt, Rußland brauche höhere Getreidezölle in Deutschland nicht zn fiirchten, wenn nur die andren Produkte Rußlands gegenüber den amerikanische» nicht schlechter gestellt würden. Ich fürchte, der Ab- schlust von HandelSverttägeu wird um so schlvieriger werden, je mehr wir betonen, daß Handelsverttäge absolut nötig sind. Es tvird uns dann so gehen wie einem Pferdehändler der auf dem Pferdemarkt erklären würde: Dies Pferd muß ich unter allen Umständen kaufen: er wird schließlich den Preis zahlen müssen, der von ihm verlangt wird.(Sehr richttg! rechts.) Ich lege den größten Wert darauf, dast wir mit Rußland in ftiedlichem Ver- hältniS bleiben, nicht allein aus handelspolitischen, sondern auch aus ganz andren Gründen. Das könnte sehr leicht erreicht werden, wenn wir Rußland in Bezug auf den Peftoleumzoll Konzessionen machten. Ich komme zu den vorliegenden Anttägen. Der weitestgehende ist der Anttag Wangenhein,.(Zurufe bei den Socialdemolraten: Den nehmen wir nicht ernst!) Ich habe zu erklären, dast die groste Mehrzahl meiner Freunde denjenigen Zollerhöhungen dieses Antrages, die sich auf Weizen und Roggen beziehen, z u st i m>n e n.(Hört I hört!) Ferner habe ich zu erklären, daß uusre Fraktion mit einer angemessenen Hcrubfctzung der Industrie- zölle vorgehen wird für den Fall, dast die Interessen der Landwirtschaft in diesem Tarif nicht ausgiebig gewahrt werden. Ich bedauere es sehr, dast wir keinen Doppcltarif haben; es wäre eine groste Erleichterung, wenn wir im voraus wüßten, bis zu welchen Sätzen d,e Jndustriezölle vertragsmäßig ermäßigt werden dürfen. So wie die Dinge liegen, besteht bei uns die Befürchtung, dast infolge zu hoher Jndustriezölle die Notlage, in der sich die Landlvirtschaft besindet, auch für die Zukunft bestehen bleiben wird.(Sehr richtig l rechts.) Ich hoffe, Sie haben aus meinen Ausführungen ersehen, dast ich-besondere Vorteile auf Kosten andrer Erwerbszweige nicht ver- lange-(Lachen links.), mein Wunsch geht lediglich dahin, dast alle Produktionszweige gleichmäßig gegen die Konkurrenz des Auslandes geschützt werden möchte,»(Bravo l rechts.) Es ist inzwischen ein Anftag D r. Heim(C.) eingegangen, der für Roggen und Weizen Minimalzölle von 6 M. fordert. Abg. Herold(C.): Ich will aus den bisher erörterten Punkten nur zwei hervor» heben. Zunächst die Bezugnahme des Abg. Gothein auf Professor Coitrad, der gesagt hat, daß die Erhöhung der Getreidezölle nur den Preis von Grund und Boden erhöhen und dadurch nur den gegen- wärttgen Besitzern nütze. Ich bewundere die Enthaltsanrlcit des Abg. Gothein. Er hätte für diese Ansicht noch weit mehr Professoren nennen können. Aber ebensoviel könnte ich für die Gegenansicht an- führen.(Zuruf links I Nennen Sie mal ein paar!) Mit Professorcnanfichtcn kann man schließlich alles beweisen.(Heiterkeit.) Dast dieLandwirtschaftsich insehrbedrängter Lagebefindet, ist unbestrcit- bar. Der Betrieb der Landwirtschaft ermangelt hente jeder Rentabilität. Sie(nach links) reden von„Brotwucher". Wer aber tteibt den Brotwucher, derjenige, der die Landwirtschaft einige, rnatzen rentabel gestalten will, oder derjenige, der das Brot auf jeden Fall so billig bezahlen will, dast dadurch Tausende von Existenzen ruiniert iverden i (Lebhaste Zustimmung rechts und in, Centrmn. Lachen links.) Zu dem Antrage der Abgg. von Wange„heim, Dr. R ö s i ck e und Dr. Hahn werden die verbündeten Re- aierun gen niemals ihre Zustimmung geben. Die Verivirklichung dieser Forderung ist sowohl in diesem wie in einem künftigen Reichstage aussichtslos. Wenn man trotzdem mit solchen Anttägen konunt, so können sie keinem andren Zwecke dienen als der Agitation. Diese Agitatton machen wir nicht mit. (Große Unruhe hei den Bllndlern.) Wir beschränken uns daher auf das, wofür eine Majorität zu haben ist und auf dessen Ver« wirklichung lvir noch hoffen können. Ich ftaue den Herren Vor» sitzenden des Bundes der Landwirte auch so viel klares Urteil zu, un, beurteilen zu können, daß ihre Forderung niemals verwirklicht werden wird. Sie stellen diefen Anttag auch nur, um die Agitation immer und für alle Zeit aufrecht erhalten zu können.(Sehr richttg! links.) Wenn eine Forderung verwirklicht ist, dann kann man nicht mehr agitieren; deswegen schrauben sie ihre Forderung von vornherein so hoch, daß sie nicht durchgesetzt werden kann. Der Bund der Landwirte befolgt hier keine andre Takttk als die Socialdeinokratie(Anhaltendes Gelächter bei den Socialdeinokrateil, Unruhe bei den Bündlern) nach der entgegengesetzten Seite hin. Von diesem Gesichtspunkt aus beklage ich, daß dieser Anttag überhaupt gestellt worden ist. Damit wird den Interessen der Land- Wirtschaft nicht gedient. Trotzden, hoffe ich aus eine Ver- ständigung.(Zuruf links: Also doch!) Ich hoffe, dast die Freunde der Landwirtschaft diese Zersplitterung vermeiden und sich konzentrieren auf die Kommissionsbeschlüsse. Wenn nun Graf Kanitz erwähnt hat, ein großer Teil seiner Freunde würde für den bündle- tischen Anttag stimmen, so kann ich darüber nur mein austerordent- liches Beftemden aussprechen, nachdem die konservattve Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses, in der doch ein großer Teil derselben Herren sitzt, wie hier im Reichstage, die sich von der konservativen Reichstags-Fraktton nur dadurch unter- scheidet, daß sie im preußischen Abgcordneteuhause dreimal so stark ist, nachdem also diese Fraktton sich einstimmig ftir den Konchromist« anttag, der jetzt vorliegt, ausgesprochen hat.(Groste Unruhe rechts.) Nur eine Stinmre, soweit ich verfolgen kann, fehlte, die des Ab- geordneten v. Wangenheim.(Hört, hört!) Sie(nach rechts) wollen nur nach außen hin dokumentieren, dast Sie besonders viel für die Landwirtschast leisten. Nun lrcgt der Antrag Heim vor. Diesen Anftag habe ich vorhin zu meinem Erstaunen hier liegen sehen.(Hört, hört!) Ob- gleich Dr. Hein, bei unsren Fraktionsberatungen zugegen gewesen ist, ist dieser Antrag mir s 0>v i e allen meinen Freunden vollständig überraschend gekommen. (Allgemeine Bewegung. Wiederholte Rufe: Hört, hört!) Dr. Heim ist nicht'hier.(Zuruf links.) Seine Mottvc kenne ich nicht, ich kann aber auch gegenüber diesem Anttag nur die Bitte aussprechen, einmütig fe st zuhalten an den Kon, missionsbeschlüssen. Wenn Dr. Hein, sich etwa auf die süddeutschen Boucrnvereine beruft, so steht dem gegenüber der Beschluß der katholischen Bauernvereine, die, weil sie die Verwirklichung höherer Zölle für aussichtslos halten, beschlossen haben, einmütig ftir die KommifsionSbeschlüsse einzutteten und wenigstens dies Erreichbare anzunehmen. Dieser Beichlust wurde einstimmig gefaßt.(Hört! hört!) Nur der rheinische Bauern- verein schlägt eine andre Resolutton vor, die man nur dahin aus- legen kann, dast auch dieser möglichst viel zn erreichen wünscht (Sehr wahr! bei den Socialdemoftaten.— Groste Heiterkeit), aber eventtiell, wenn nicht mehr zu erreichen ist, noch unter die KonimissionSbeschlüsse hinuntergehen will. Mit dieser milderen Richtung ist der rheinische Bauernverei» allein geblieben. Alle übrigen Bauernvereine haben die Konmussionsbeschlüsse als das Mindeste dessen bezeichnet, was im Interesse der Landwirtschaft gefordert werden muß.(Zuruf links.) Gewist giebt es noch mehr Bauern. Sie alle wissen sehr gut, daß nicht alle Bauern sich in Vereine zusamnieiischliesten. ebenso wie es nicht alle Arbeiter thmn Mt den allgemeinen wirtschastspolitischen Grundsätzen, die der Herr Reichskanzler gestern erörtert hat. sind wir durchaus ein- verstanden, nicht aber mit den Konsequenzen die er für die Praxis daraus gezogen hat. Der Herr Reichskanzler sprach von der not- wendigen Sorge für die allgemeine Volkswohlfahrt, vom Schutz der Landioirtschaft und der Notwendigkeit langfristiger Handelsverträge. Ich glaube, eine Partei von der Vergangenheit, der ich angehöre (Heiterfeit links.), kann es für sich in Anspruch nehnren, dast sie die allgemeinen Interessen und die Volkswohlfahrt stets im Auge gehabt hat.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Wir verlangen aber, dast >nan auf die bedrückte Lage des Bäuernftaudes gebührende Rücksicht nimmt, die Lohnarbeiter führen ein auskömmliches Dasein, während die Bauern sich in eiUer unbestreitbaren Not- läge befinden. Wir glauben nicht, das; das Volkswohl gefährdet werden kann durch 50 Pf. mehr Zoll, wie ihn die Konmüssions- beschlüsse verlangen, und was die Viehzölle anlangt, so halten wir es für keine Gefährdung des Volkswohls, wenn 4,2Proz. der eignen Fleisch- Produktion— mehr wirdnicht eingeführt— mit einem mäßigen Zoll belegt wird.(Der Präsident bittet den Redner, nicht von den Viehzvllen zu sprechen.) Soweit wirklich eine geringe Mehrbelastung des Volkes eintreten sollte, hat das Centrum Vorsorge mit dem Antrag getroffen, der die Mchrerträge ans den LebenSmittelzvllen für eine Witwen- und Waisenversorgung flüssig machen will.(Lachen links.) Die Be- Häuptling, daß mit der einen Hand gegeben werde, waS mit der andren genommen werde, ist unrichtig, denn ein großer Teil des Zolls wird vom Ausland geWagen(Lachen bei den Socialdemokraten), ein andrer Teil von den Besitzenden, die sich und ihre Bediensteten ernähren. Haben wir erst die Witwcnversorgung und es Witt dann die Frage auf: Wollen wir die Witwenversorgung oder die Zölle aufheben, so wird einstimmig der Ruf ertönen: Wir wollen die Witwen- und Waisenversorgung behalten.(Sehr gut! imCenwum. Lackieu links.) Die Berufung des Reichskanzlers auf den 5 Mark- Zoll ist deshalb hinfällig, weil inzwischen die ausländischen Frachten viel billiger geworden sind. Ich meine, die Regierung muß Nachgiebigkeit gegen die Volksvertretung zeigen, denn die Ver- Weier des Volkes haben mehr Fühlung mit dem Volke, als die Verweter der Regierung.(Sehr gut! im Cenwum.) Wenn eine große Fraktion, wie die unsre, sich unter Zurück- stellung mancher Wünsche geeinigt und mit andren Fraktionen auf eine Mittellinie geeinigt hat, dann verdient das Beachwmg. Die Regierung wechselt so oft in ihren Anschauungen (Sehr gut! im Centrum), sooft, wie die Mini st er gehen und häufig noH mehr.(Große Heiterkeit im Centrum und links.) Die Meinung des Herrn Paasche, nach der Erklärung der verbündeten Regierungen sei es nur noch möglich. Ja zu sagen, wundert mich bei einem deuffchen Bolksverwc'tcr. Damit toird ja die absolute Unfähigkeit des Reichstages zu einer selb- ständigen Meinung proklamiert!(Sehr gut! im Cenwum und links.) Herr Paasche sprach von Beständigkeit der Regierung, Wo ist denn die Beständigkeit. Denken wir doch an die Gegensätze der Aera Bismarck und der Aera Caprivi. Als zweites Moment fiihrte der Reichskanzler die Handelsverwäge an. Er hat aber früher selbst gesagt: Nicht Handelsverwäge um jeden Preis. Diesen Standpunkt teilen auch die Landwirte. Handelsverwäge. die die Landwirtschast schädigen, wollen wir nicht. Ich glaube nicht, daß die 50 Pf., die wir mehr wollen und die Bindung der Biehzöllc Handelsverwäge unmöglich machen. Gewiß hat hier die Regierimg mehr Fühlung als der einzelne Abgeordnete. (Heiterkeit bei den Nationalliberalen.) Ich erinnere nnch da an Windthorst, der. nachdem er viel mit RegienmgSleuten verhandelt hatte, zur Fraktton kam und meinte, von den vielen Verhandlungen bin ich ordentlich angekränkelt, ich will bei der Frattion wieder gesund werden.(Heiterkeit.) So mag es auck bei der Regierung infolge der Vorverhandlungen sein, sie sollte sich jetzt bei der Volksverwetung Rats erholen. Ich bin überzeugt, daß an den Kommissionsbeschlüssen neue Handelsverwäge nicht sckieitem werden. Wenn der Reichskanzler mm erklärt hat, die Kommissions- beschlüsse seien unannehmbar, so glaube ich nicht, daß diese Erklärung für alle Stadien der Verhandlung abgegeben ist.(Heiterkeit links.) Die ganze Rede des Reichskanzlers tväre dann eine einzige Kette von Widersprüchen. Was sollten dann die Worte von der Ver- ständigung für einen Sinn haben, dann hätte er sich auch den Dank an die Kommission sparen können und uns zur Unterwerfung auf- fordern sollen. Dann hätte er sagen sollen: entweder Ihr sagt Ja oder die Borlage scheitert.(Sehr gut im Cenwum und rechts.) Deshalb glaube ich. daß eine Verständigung seitens der Regiening nicht völlig abgelehnt wird.— Der Herr Reichskanzler hat vor der Obstruktion gewarnt, die das Ansehen des Reicks- tag» untergrabe. Wenn aber der Reichstag als ein ein- fniher Jasageautomat behandelt wird, dann wird sein Ansehen viel mehr herabgewürdigt als durch irgendwelche Obstruktion.(Leb- haste'Zustimmung links und bei den Socialdemokraten.) Wir sind in den Kominissionsbeschlüssen den verbündeten Neaiernngen ans daS allerweitcste entgegen gekommen. Wir haben uns' bemüht, alle mög- lichen Differenzpunkte herauszuarbeiten(Große Heiterkeit)— will sagen zu beseittgcn, wir sind auch bereit, wenn sich im weiteren Verlauf(der Verhandlungen andre Differenzpuntte ergeben sollten, mit uns reden zu lassen(Hört l hört I links)— aber in den Agrarzöllen werden wir fest bleiben.(Bravo l rechts und im Cenwum. Lebhafte Bewegung.) Wenn dann an dem Widerstande der verbündeten Regierungen das große Werk, das von so hoher Bedeutung fiir Landwirtschaft und Industrie ist, scheitert, dann fällt die Verantworttmg daflir ausschließlich auf die verbündeten Regierungen. Im ganzen Lande wird niemand anders denken, nachdem der Reichstag so energisch bemüht war, das Werk zu beendigen. Gelingt es nicht, so wird der Reichstag ans- einander gehen im Bewußtsein, seine volle Pflicht gethan zu haben. (Lebhafter Beifall rechts und im Cenwum.) Abg. Fischbeck(frs. Vp.):' Räch der Rede, die wir soeben gehört haben, und nach den Vor- gängen in der Kommission muß der Reichskanzler wirklich als der größte Gemütsmensch Deutschlands erscheinen, wenn er für die Arbeit der Kommission Danke schön gesagt hat.(Heiterkeit.) Die Reichs- regierung wägt selber die Schuld, daß alles so gekommen ist. Sie wollte den Agrariern zeigen: seht, wir wollten Euch entgegenkommen, schützt uns nur vor der Linken. Statt dessen ergriffen die Agrarier Hagens Speer und zielten auf die verwundbare Stelle der Regiening. Aus den schönen Schau- gerichten der Regierung für die Agrarier erwuchs der Baum der Er- lennmis, um den' sich die agrarische Schlange wand und denZaudcniden zurief; Die Regierung will euch von allen Früchten des Gartens essen lassen. Eßt nun auch vom Baum der Erkenntnis— von den Minimalzöllen, dann werdet ihr klug und mächtig.(Heiterkeit und Unruhe.) Herr Herold beschwert sich, daß die Beschlüsse der Mehrheit ganz im- beachtet blieben. Ja, in dieser Situation haben Sie sich doch schon oft bestmden. Und Herr v. Kardorff bat sich nie beschwert gefühlt, wenn die Regierung einer Mehrheit folgte, zu der er selber nicht gehörte. Die Situation ist jetzt ganz verfahren. Auch die früheren feierlichen Erklärungen des Reichskanzlers und der Minister haben ja gar keinen Eindruck auf unsre Agrarier gemacht. Die Erklärung deS Reichskanzlers, daß sich sein ablehnender Stand- punft auf alle Geweidearten bezog, war eine ganz feierliche. Dann kam der Landivirtschastsminister— sehr feierlich war der nicht—, aber er hat Sic doch vor den Bauch gestoßen.(Heiterkeit.) Vielleicht fallen Sie aber in der dritten Lesung noch um. Geschieht das, dann hat die Regierimg die Mehrheit des Reichstags richtig eingeschätzt. Herr Herold hat uns vorhin geschildert, wie die agrarischen Geschäfte bcwieben werden. Man stellt über- triebene Forderungen, um dann nachlassen zu können. Ich habe den Eindruck, daß, wenn die Mehrheit von Verstnndigung spricht, sie eben durchblicken läßt, daß sie sich auf einen niedrigen Zoll einigt. Uns ist es gleich, welchen Zollsatz sie schließlich annehmen. Für uns ist jede Erhöhung unannehmbar, weil wir dem Volke nicht daS Brot verteuern lassen wollen, weil wir die Industriearbeiter nicht schädigen wollen, die wahre Kulttir- arbeit verrichten. Die Caprivische HandelsverwagSära hat unsre u Rationalwohlstand nur gefördert. Die Löhne des Arbeiters �und damit die Konsumtion aller Genußmittel ist gestiegen. Auch die Landwirtschast ist nicht geschädigt tvorden. Ich verweise nur aus den Rückgang der Auswanderung. Das Wort Caprivis ist wahr geworden: Wir wollen nicht Menschen, sondern Waren ausführen. Die jetzige KrisiS ist zum Teil durch die jetzige Unsicherheit über die zukünfttge Gestalwing unsrer Handelspolitik mit verschuldet. Wenn lvir einen Zolltarif schaffen, der Handelsverträge un- möglich macht, so stören wir auch unser politisches Verhältnis zu den andren Staaten. Der ungeeignetste Weg, um zu Handels- verwägen zu kommen, ist aber unsweitig das Shstem der Minimalzölle.(Sehr richttg! links.) Daß die Regierung selbst Zweifel daran hat, ob mit den vorgeschlagenen Sätzen Handelsverwäge noch möglich sind, hat die Rede des Herrn Reichs- kanzlerS bewiesen. Er sagte selbst, einzelne Regierungen hätten den Minimalsätzen nur zugestimnit unter der Voraussetzung, daß Handelsverwäge zu stände kommen. Trifft diese Voraussetzung nicht ein, so wird die Regierung auch unter die Sätze des Minimal- tarifs heruntergehen müssen. Ganz unverständlich ist es, daß man gerade für die Geweidezölle Minimalsätze eingeführt hat, während es doch ganz klar ist, daß wir auf die Einfuhr von Getreide ganz zweifellos an- gewiesen sind. Bei allen andren Tarifpositionen würde ich den Minimaltarif besser verstehen als gerade beim Geweide, wenn man die feste Absicht hat, zu Handelsverwägen zu kommen. Der Herr Reichskanzler sprach von der mittleren Linie. Mir scheint dies nichts weiter als ein Wort, das man zur rechten Zeit gefunden hat, um den Konsumenten die Belastung plausibler zu machen. Aber die Konsumenten werden sich durch dieses Wort nicht täuschen lassen. Millionen Konsumenten werden auf das härteste geschädigt zu Gunsten einzelner Weniger, wenn dieser Zolltarif Gesetz wird. Die Unzufriedenheit, die ohnehin schon groß ist, ioird hierdurch nur noch immer weiter gesteigert. >Sehr richttg! links.) Die Kleinen werden unzufriedener und die Großen werden Sie auch durch diesen Tarif nicht zuftiedener machen, das belveisen ihre Forderungen, die weit über die Vorlage hinaus- gehen.— Run hat Graf Kauitz versprochen, uns bei der Hcrabsetzung der Jnduswiezölle zu unterstützen. Versprochen haben das dieHerren ja schon lange, ich hoffe, daß sie es im Plenum nun auch thun werden. Sie werden an uns die eifrigsten Mitkämpfer finden. Wir sind der Meinung, daß jeder, der nicht will, daß das deutsche Volk durch Jnteressenkämpfe zerrissen wird, jeder, der den wahren Kulttirfortschritt will, gegen diese Zölle und gegen den ganzen Tarif stimmen muß. (Bravo! links.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Sonnabend l2 Uhr. Schluß 6'/. Uhr. parlamcntarllcbeö* Die Petitionskommisfien des Reichstages beschloß in ihrer Sitzung am Freitag, eine Petition des Verbandes katholischer kaufmännischer Vereinigungen in Essen, beweffend Erlaß eines Checkgesetzes, dem Reichskanzler als Material zu überweisen.— Der frühere Zahlmeister- Aspirant Krause in Laugenau(Bezirk Breslau) ist nach 12 jähriger Dienstzeit ini Jahre 1854 als Friedensinvalide entlasten worden. Während des dcutfch- ftanzösischen Krieges hat er jedoch wieder als Zahlmeister-Aspiraut fungiert. Er petitioniert um Anerkennung als Kriegsinvalide, d. h. um Gewährung der Kriegszulage zu seiner Pension, die ihm von der Militärverwalttmg bisher nicht gewährt wurde. Auch diese Petition soll dem Reichskanzler auf Beschluß der Kommission als Material überwiesen werden. partci-JVacbricbten* Parteipresse. In die Redaktion des„VolksblatteS für Halle" ist an Stelle des Verltorbenen Genoffen Swienty der Genosse K a u l, bisher Redakteur an der„Breslaucr Volkswacht", eingetreten. Hua Induftrie und Handel Arbeiterverhältnisse im oderschlefischen Bergbau. Der offizielle Bericht des oberschlesischen Unternehmervereins fiir das erste Halb- jähr 1002, der soeben zur Ausgabe gelangt, beftättgt, was bisher von der Unternehmerprejse bestritten wurde: die bedeutende Abnahme der Arbeiterzahl im oberschlesischen Bergbau. Die Zahl der Arbeiter betrug I. Quartal 1902 II. Quartal 1902 Steinkohlen- und Erzgruben.. 95 391 92 702 Eisen- und Stahlindustrie... 25 581 26 050 Zink-, Blei-, Silberhütten... 10 505 10 327 ES hat sich deninach die Arbeiterzahl um bald 2500 Köpfe ver- mindert, fast der ganze Verlust traf den Steinkohlenbergbau. All- gemeine Beachttmg verdient die Zunahme der Frauenarbeit. Die Zahl der weiblichen Arbeiter hat sich nämlich von 11379 auf 11499 in der ganzen Montanindustrie vermehrt und zwar zur gleichen Zeit, da die männliche Arbeiterschaft von 123 221 auf 120 758 sich ver- minderte! Diese Verdrängung der Männer durch die schwachen aber billigen Frauen tritt besonders stark bei der Grubenbelcgfchaft in Erscheinung. Gezählt wurden auf I. Quartal 1902 H. Quartal 4902 Männer Frauen Männer Frauen Steinkohlengrubcn. 77 136 4 360 74 413 4 507 Erzgruben.... 1 795 5 419 1 734 1 067 zusammen 78 931 1 059 76 147 5 674 2784 Männer sind entlassen, 255 Frauen sind mehr eingestellt! Diese Einstellung von weiblichen Arbeitskräften liegt weder im Interesse der Arbeiter noch dient die Heranziehung der Frauen zur schwere» Grubenarbeit der Gesundheit der Bevölkerung. Die Männer verdienen 3—4 M., den Frauen wird nur ein Drittel dieses Lohnes gezahlt. Es sind Fälle vorgekommen, wo der Bater oder Bnider ent- lasten, die weiblichen Familienmitglieder dagegen eingestellt wurden. Zur Fnianzierung des Chicagocr Flcisch-TriistS wird dem„Berk. Börsen-Courier" aus Chicago geschrieben: „Vor einigen Wochen wurde gemeldet, daß das New A orker Bankhaus Kuhn, Loeb u. Co., das mit den Chicagoer Fleischbaronen in reger Geschäftsverbindung stand, die Finanzierung des Fleisch- Trusts vornehmen und zunächst die Unterbringung der Bonds- Ausgabe in der Höhe von 100 Millionen Dollar gegen eine zugesicherte Provision von 5 Millionen in die Hand nehmen werde. Zu allgemeiner Verwunderung wird nun- mehr bekannt, daß das Bankhaus Morgan u. Co. dieses Geichäst davongetragen und die Placierung der erwähnten Bonds-Emission gegen eine Provision von 10 Millionen Dollar auf sich aenominen habe. Der hiesige wohlinformierte„Jnter-Oceanic" bringt diesbezüglich interessante Enthüllungen, welche einen Blick hinter die Coulissen der finanziellen Bühne gewähren und auch die Verzögerung in der Bildung der neuen Riesen-Kombine erklären. Danach hat Mr. Perkins, Morgans Associs, als er vor einigen Wochen in Chicago weilte, angeblich, um den Trust land- wirtschaftlicher Maschinen perfett zu machen, mit den Chi- cagoer Packern Fühlung gewonnen, als deren Ergebnis nun- mehr ein vollständiger Frontwechsel in der finanziellen Ge- bahrung des 300 Millionen-Trusts zu verzeichnen sei. Morgan habe den Fleischbaronen erklärt, nur er könne den Fleisch-Trust erfolgreich durchsühreu, nur er sei in der Lage, die Bonds in zufriedenstellender Weise zu placieren, wogegen jedes andre Haus den größten und zum Teil unüberbrückbaren Hindernissen finanzieller und kommerzieller Natur begegnen müßte. Als Hauptargumcnt habe Morgan auf die Doppelherrschaft des Hauses Morgan über die wichtigsten amerika- »ischen Eifenbahnen und die Schiffahrtsverbindungen zwischen Auierila und Europa hingewiesen und erklärt, nur diese Bundesgenossen- schaff würde dem amerikanischen Fleisch-Trust das größte Entgegen- kommen betreffs Frachttaten auf dem Land und zur See sichern können. Die Chicagoer konnten sich der Wucht dieser Argumente nicht ent- ziehen, und so erfolgte das neue Arrangement mit der erhöhte« Provision von 5 auf 10 Millionen Dollar, denn billig ist Morgan nicht und er ist in der Lage, seine Bedingungen diktieren zu können. Diese hier und in New Jork allgemein geglaubte Version ist be» zeichnend für die durch die rapiden Entwicklungen der letzten Jahre geschaffenen Zustände im wirffchastlichen Leben." Nachdem sich die Lage des Geldmarktes ein wenig gebessert hat und die Gefahren des Äohleuarbeiter-AuSstandcs glücklich ab- gelvendet sind, kann es jetzt wieder flott an das Gründen und Finanzieren gehen; es ist deshalb mit Sicherheit darauf zu rechneu, daß alsbald allerlei weitere Trustierungs- und Geldbeschaffungs- Projekte auftauchen werden. Bekannt ist, daß vor einigen Wochen, als die Geldversteifung in New Dork den gefährlichsten Grad erreicht hatte, Mr. Annour, der Haupttnacher des Fleischtrusts und einer der rück- sichtslosesten LebenSmittel-Verteurcr, 4>/z Millionen Dollar in Gold von Chicago nach New Jork dirigierte; wie die amerikanische Finanz» presse damals zu berichten wußte: aus Nattonalgcsühl. In Wirk- lichkeit aber, weil ein vorzeittger Zusammenbruch deS New Aorker Geldmarktes ihm seine ganzen Trust- und Finanzprojekte, zu denen auch die obige Bondsausgabe von 100 Millionen Dollar gehört, zerstört hätte. Und ähnliche Mottve sind es, die Mr. Morgan und ähnliche Geld» Magnaten für die Beendigung des Kohlcnarbcitcrstteiks interessierten. Ihren Werken drohte durch die Kohlennot eine erhebliche Steigerung der Produktionskosteu, ihre Eisenbahnbettiebe hätten geringere Er- träge erbracht, und ihre schönen Finanzpläne hätten sie zurückstellen »nisten— also machten sie auch in„öffentlicher Meinung" für Schlichtung des Stteikö durch ein Schiedsgericht. An dem Arbeiter- intereste liegt ihnen herzlich wenig. Sollte das Schiedsgericht zu Ungunsten der Arbeiter entscheiden, werden sie sich deshalb sicherlich keine grauen Haare wachsen lassen. Oestteich-Uiijjarisches Eisrukartcll. In Wien fand heute eine Be- sprechung der Exekutivkomitees der östrcichischen und ungarischen Eisenwerke statt, die in erster Linie der endgülttgen Formulierung des Kartellübereinlommens galt. Es ergaben fich keinerlei Meinungsverschiedenheiten. DaS Uebereinkommen ttitt in vollem Umfang in Kraft, sobald die Frage der Bildung der Unter- verbände vollftändig gelöst ist. In dieser Beziehung wird festgestellt, daß sich der Zusammenschluß der Draht- und Drahtstist-Fabritauten vollzogen hat; es bleibt nur noch die Bildung eines Feinblech- Verbandes und Röhrenkartells durchzuführen. Die hinsichtlich der Bildung eines Feinblcch-Kartells noch vorhandenen Meuiungs- Verschiedenheiten haben sich gemildert, bezüglich des Röhrenkartells follen die Verhandlungen demnächst aufgenommen werden. Hannoversche Maschinenbau-Aktiengesellschaft, vorm. G. Egestorff. Nach der Mitteilung der Direktton in der gestrigen Aufsichtsrats- Sitzung bettägt der Gesamtumsatz für das Geschäftsjahr 1901/02 10 068 000 M. gegen 11760000 M. im Vorjahre. Nach Absetzung sämtlicher Unkosten und Reparawren verbleibt ein Bruttogewinn von 1 783 248 M. Zu Abschreibungen und Lieservestellungen, Zu- Weisung an die Wohlfahrtseinrichwngen, Gratifikattonen an die Beamten sollen 738 160 Di. verwandt werden und 20 Proz. Dividende gegen 28 Proz. im Vorjahre zur Verteilung gelangen. Die in daS neue Geschäftsjahr übernommenen sowie bis Mitte Ottober hinzu- gekommenen neuen Aufträge belaufen sich auf rund 12 000 000 M. gegen rund 12 300 000 M. zur gleichen Zeit des Vorjahres. Schalter Gruben- und Hüttciivercin, Akt.-Ges., Gelsenkirchen. Nach dem Rechenschaftsbericht bettägt der Bruttogewinn 6 248 569 M. Davon sind besttmmt fiir Abschreibungen 2 147 075 M., für Rücklage für Bergschäden 500 000 M., zum Pensionsfonds 150 000 M., für gemeinnützige Zlvecke 15 000 M., zum Reservefonds 173 624 M., Tantteme des Auffichtörates 115 634 M., 30 Proz. Dividende(i. B. 32'-z Proz.) 3 060 000 M.(i. V. 3 315 000 M.). Der Restbetrag von 123 234 M. wird auf neue Rechmmg vorgettagen. Versammlungen. Der Verein deutscher Schuhmacher hielt am 15. d. M. eine nur mäßig besuchte Generalversammlung ab. um den Kassen- und Geschäftsbericht entgegen zu nehmen. Wie aus dem Bericht hervor- ging, hat sich auch im verflossenen Quartal die Mitgliederzahl er» höht, sie beträgt gegenwärtig 1703. Dieses Resultat ist um so erfreulicher, als in dieser Zeit der Geschäftsgang in verschiedenen Zweigen der Schuhindustrie ein stiller ist. Durch eine rege Agitation ist es gelungen, mit einer Anzahl Fabriken, deren Arbeiter bisher der Organisation fern standen. Beziehungen anzuknüpfen. Eine unter den für die besseren Maßgeschäfte thätigen Schuhmachern unternommene Hausagitation hatte ebenfalls befriedigende Er- gebnisse. Es gehören von diesen nunmehr reichlich zwei Drittel der Organisation an. Die Einnahme für die Hauptlasse betrug 3128,50 M., für die Lokalkasse exklusive des vorhandenen Kassen- bestandcs 1022,09 M. Der örtliche Kassenbcstand der Zahlstelle beträgt gegenwärtig 2346,51 M.— Die Bibliothek hat 647 Baude ausgeliehen. Grünau. Der Socialdcmokrattsche Wahlbercin hielt am 11. d. M. seine ordentliche Gencralverfanimlung ab. Es wurden die Berichte für das verflossene Geschäftsjahr gegeben. Danach hat der Verein eine recht rege Thätigkeir entfaltet, auch ist die Mitaliederzahl nahezu auf das dreifache gesttcgen. Gleichzeitig sind auch die Kassen- verhälttiiise bessere geworden. Die Abonnentcnzahl des„Vorwärts" ist von 33 auf 54 gestiegen.— Die Neuwahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Becker erster, Steinick zweiter Vorsitzeuder; Kreßmaim, Kassierer; Rehe», Schriftführer; Bock. Beisitzer. Zu Revisoren wurden Poltzien, Hofstnann und Schröder gewählt. Zum Parteispediteur wurde Miers wiedergewählt. Die Lokalkommijsion setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Miers. Steinick und Poltzien. Britz. Der Wahlverein hielt am 10. d. M. seine General- Versammlung ab. Nach dem Bericht des Vorstandes beträgt die Mitgliederzahl 67. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme von 82,55 M. und eine Ausgabe von 51,51 M. Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: Händel erster, H. Schulz zweiter Vorsitzeuder. T h ü r i n g Schriftführer. Vogt Kassierer. Weniger Beisitzer. Bei der hierauf folgenden Tiskussiou über den Parteitag stimmte Händel den gefaßten Beschlüssen zu, während S i g e r i st über die Stellungnahme deS Parteitages zum Verein Arbeiterprcsfe. zur Polendebatte und zur Religion sich ab- fällig äußerte. Schließlich wurde noch mitgeteilt, daß der Wahl- verein am 15. November sein diesjähriges Stistungssest abhält. Eingegangene Drnckschriften. Von der»Hütte", Zeitschrift für das Voll und seine Jugend(Dresden, Verlaa H. Walisisch) ist soeben das vierzehnte Hcst erschienen. Aus den» Inhalt des Heftes beben wir hervor: Liebe ist ewig. Roman von Wilhelm v. Polenz.— Herbstbild. Gedicht von Friedrich Hebbel.— Brodvuchcr und Fleischwucher. Von Gustav Jacckh.— DaS Getreide im Weltverkehr. Von Victor Heller.— Verwandlung. Gedicht von Paul Hcysc.— Der Boden, aus dem du stehst. Von Dr. Curt Grotlcwitz.— Wahrheitsbeilisscnheit. Bon I. Stern.— Der Sperling. Von Karl Ewald.— Emile Zola f.— Das Banditenkind. Von Martre Corbeau.— Notizen.— Kuustbctlage: Kartofselemte._ Witterungsübersicht vom 17. Ottober 1902, morgens 8 Uhr. Wetter-Prognose für Sonnabend, den 18. Ottober 1992. Etwas kühler, vorherrschend wollig mit leichte» Negciijällen und frischen westlichen Winden. Berliner Wette rbureau. Deutscher Holzarbeiter-Verhand. Vonntag, 19. Oktober, vormittags 9'/z Uhr, in der Brauerei Friedrichshai»(Lipps), Am KicdrichShaio 22/L9: VertrsuLnsmännsr-Versammlung. Hiera» anschliejzend. Itt'/, Uhr: Ausserordentliche Generalversammlung. Tages- Ordnung: 1. Verhandlungen mit den Vertretern der Meister-Bereinigungen über Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises und Beschluhsassuilg über die gemachten Vorschläge S. Fernere Regelung der Beitrags- und Unterstützungssätze Vcrbands-Angclegenheiten. Im Interesse der Durchsührnng der in dieser Bersaminlung gefahtcn Beschlüsse ist es notwendig, dast rtttc S�ÖCVfftctlCII vertreten sind. — iiill Eintritt nur mit Mitgliedsbuch.>»»WW 00/3____ Die DrtMvemaltnng. Wer iinn Vern-altiingMstelle JKerlin. Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt"VIT, 353. Sonntag, den 19. d. M., vorm. 1« Uhr. bei Fischer, Waldstr. 8: Versammlung der Hobler, Bobrer, Fralser usw. Sonntag. 19. d. M., vorm. 19 Uhr. bei Sachse, Lindowerstr. ÄS: Versammlung äer Feilenarbeiter. Sonntag, 19. d. M., vorn«. 19 Uhr, bei Wehel, Wrangelftr. 136: Korgensttraehe der Sebraubendreher. Znr besonderen Bcachtnng? Ausgehoben wurden die bisherigen Zahlstellen von Dirke, Schwedterstrastc; Gleinert, Schutstrastc; Brückner, Kartenstraste; Fricke, Hcnningsdorjerstrahc, und Leaor, Charlottenbu Bismarckstrabe. Neu errichtet wurden solche bei den Restaurater Ibema». Gartcnstr. 75, und Fricke, Zllarxstr. 13 b. Alle in Charlottenburg wohnenden Mitglieder, welche oishcr ihre Beiträge in den Zahlstellen lecker, Fischer und Meissner entrichteten, ersuchen wir, ihre Adressen bei dem derzeitigen Kassierer, Herrn Restauratcur Pasche, Potsdamerstr. 41, abzu geben. Durch die für Charlottenburg eingcsührte Hausrassicrung werden diese Zahlstellen überflüssig und am 1. November ausgehoben. Des weitere» möchten wir die Ntitglicder dringend ersuche», zum BeitragSzahlen nielit»ach dem Bureau zu kommen, sondern eine der nbrlgen Zahlstellen zu benuye». Der Andrang zum Beitragszahlen auf dem Bureau ist in lchtcr Zeit so gros? ge- worden, so das» dainit viel Zeit verloren geht. H)!ur wer über 8 Wochen»m Rückstand ist, muf» nach dem Bureau kommen. 164/1_ IPle Oi'twvcrwisltung. Porzellanarbeiter! «rag, den 19. Oktober, nachmittags 4 Uhr, schcinigl. Berlin, den 3. Oktober 1902. <1,. S.) gez. Biete, GcrichtSschrcibcr des könlgl. Amts gcrichlS I, Abt. 148. Beglaubigt Der Rechtsanwalt._ i|'Beglaubigte 8. P. 374. 02. Abschrift. II. Instanz. In der Prioatllagesache des Rentiers W. F. Ernst Schumann zu Luzern, PAvatklägers, gegen den vcr- antlvortlichcn Redakteur des„Vor- wärts" Carl Leid, Angeklagten, wegen öffentlicher Beleidigimg hat aus die von dem Privalkläger gegen das Urteil des königlichen Schöffen. gerichts I in Berlin vom 2. Juni 1902 eingelegte Berufung die 8. Straf« kanimer des töiiiglichen Landgerichts I in Berlin vom 16. September 1902 sür Recht erkannt: Die Berusnng des Privatllägers gegen da» Urteil des königlichen Schöffengerichis I in Berlin vom 2. Juni 1902 wird mit der Mastgabe verworfen, dast dem Rentier W. F. E r n st Schumann z» Luzern die Bcsngnis zugesprochen wird, die Ver- urteilung deS Angcllagtcn aus dessen Kosten binnen 4 Wochen nach Zustellung einer Ausfertigung deS rechtskräftigen Urteils durch einmalige Einrückung des entscheidenden Teiles beider Ur- teile in die zu Berlin erscheinende periodische Zeitung„Vorwärts" öffeift- lich bekannt zu machen. Zugleich wird angeordnet, dast alle Exemplare der Nr. 265 des„Bor- wärts" vom l2. November 1901, so- weit sie sich ans den inkriminierten Artikel beziehen, und die zu ihrer Herstellung bestimmten Platten und Formen unbrauchbar zu machen sind. Die Kosten des BcrufungSversahrcns trägt der Privalkläger. Die Richtigkeit der Llbschrift der UrteilSsormel wird beglaubigt und die Rechtskraft des Urteils bescheinigt. Berlin, den 3. Oktober 1903. (L. S.) gez. Biete, Gerichtsschreibcr des königl. Amts- gerichtS I, Abt. 143. Beglaubigt Der Rechtsanwalt._ Treptow. Köpnicker ianilstr. 27, empfiehlt sein Lokal nebst kleinem Saal. 239-399 Personen sassend, zu jeder Art von Festlichketten. Einige Sonnabeiide sind noch frei. Glas Bier°/,. Liter 10 Ps. ff. Weistbier. 52312* R. Ilohlwein. MC«-* � Buchhandlung des„Vorwärts" Linden-Strasse 69. Unsere seit Jahren mit der Expedition verbundene Sortiments-Buclthandlung des„Vorwärts" Lindenstr. 69 haben wir in unseren neuen Geschäftslokaütäten wesentlich erweitert und vervollständig/t. In erster Linie pflegen wir nach wie vor unsere : fatieiliteratur- haben aber daneben ein reiches Lager sozialpolitischer und nationalökonomiseher Schriften eingerichtet, ebenso eine grosse Auswahl der besten Werke aus dem Gebiete der Unterhaltungsliferatnr, Bomane, Ktassiher in besseren und billigsten Ausgaben. Bücher, die infolge ihres hohen Ladenpreises für Arbeiter zu teuer waren, können wir in älteren und neueren Auflagen in bester Ausstattung aus allen Wissensgebieten zu herabgesetzten Preisen empfehlen, besonders Katunvissenschaffliche, fteise-, Gesehlchts-Werke, Bomane und Srzahlungen u s w. jleclam's Universalbibliothek Kickt vorrätige Sucher werden schnellstens besorgt. ftändeVs Klassiker- Sibliofhek stets in allen Nummern vorrätig. Emile Zola t Deutsche Verlags-HnsUlt Stuttgart Bon den Werken deS durch ein tragisches Gesdsick so rasch aus dem Leben geschie» denen berühniten französischen Schrift stellers sind in unjerm Berlage erschienen in va§ — einzig autorisierter deutscher tlebersetzung 6eld. Roman.<0. Auflage. 2 Bände,©efjeftet SR 6.—, in einen Band gebunden SDI. 6.— Der Zusammenbruch. der«rieg»an 1S70/7I.) Roman. 18. tluflnge. 3 Bände. Gcheflet M. 5.—. gedimben SN. 8.— Zltufteierle Nnszabe! Mit 2IS Abbildungen von Adolf Wald. Fritz Bergen u. Ehr. Speyer. In Original» Einband M. 12.— Doktor Pascal. Seheftet!i)f. 6.—, iii«inen Band gebunden SR 6.— Roman. 4. Auflage. 3 Bde. Geheftet SR 6.—, in 2 Bände gebunden 31. 8.— Roman. 0. Auflage. 3 Bände. Ge» Heftel 31. 6.—, in 2 Bände geb. SN. 8.— Roman. 10. Auflage. 3 Bände. Geheftet M. 6.—, in 2 Bände ge- bunden 3t. 8.— courcZes. gebunden Rom. Paris. Fruchtbarkeit. Neman, w. Auflage. 2 Bände. Seheftet M. 6.-. gebunden M. 8.— ZweiterTcil der»Bier Evangelien". Jn! et/ v! I» Roman. 7. Auflage. 2 Bände. Geheftet SN. 0.—, gebunden M. 8.— 77Ia}%**Ke>Sf Dritter Teil der„vier Evan- getien". Ter neueste, vom Berfaffer vollendet zurückgelassene Roman«rseheinl Gegenwärtig in der Halbmonatsschrift ,.«ii» sreinbea uueen". Btonatlich 2 Hefte- 50 Pfennig. Oer Siegcsztig der lüabrbeit Vit Jlttäre Brey!«1. Geheftet M. 2.-, g-b.M.3.- Madame Sourdis— Nanias. Novellen.(Romansammlung„Teva" 16. Band.) Geheftet 50 Pfennig. ver naturalistische Roman in Frankreich. �'Nndm M7z.- v»rctz alle S,chha»««»»se» r»»erlebe,, aick ckimt»j« itr Deut) cht, i* Swngan Paletots, Anzüge, Joppen in neu, sowie spcciell 5372L" Monatsgarderobe von«avatiercn zurückgelegte Sachen, säst neu, sür sede Figur passend, sind in größter Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu haben. Z.Vsn!l,pnn;rujlrajjt17, an der TÄasferthorstrasse. Bitte aus Hausnummer zu achten l Deutscher Metallarbeiters V erband. VcrivaltuuaSstcllc Berlin. Bnrean: EnRel-Ffor 15, Zimmer 1—5.— Fernsprecher Amt VII, 858. Sonntag, den 19. Oktober 1902, vormittags 10 Uhr» Allgemeine Versammlung der Rohrleger und Zlelfer Benins und Umgegend im Lokal von Keller, Koppen-Stvasse 5J9. Tages-Ordnung: 1. Bericht über de» Stand uusreS Streiks. Referent Kurl IV lesen tkal. 2. Diskussion. Sämtliche Unternehmer unfres Berufes sind hiermit zn dieser Versammlung eingeladen. Wir garantieren volle Nedesreiheit. Zahlreiches Erscheinen der Kollegen erwartet' vio Ortsverwnltaug. Bau-Arbeiter BMnsund Umgegend. Alle ans Bauten in Berlin und Umgegend beschäftigten organisierten Arbeiter erhalten hiermit die Aachricht, daß die Rohrleger und Helfer, welche vom Donnerstag, den 16. Oktober 1902, nicht im Besitz einer Legitimationskarte sittd, aber als Rohrleger oder Helfer arbeiten, Streikbrecherdienste verrichten. 122/20 Die Ortsverwaltuiis� Lentrslverhsnü äer Maschinisten mi stolzer sowie Bernjsgenossen Deutschlands. VemvaltuiigsMlelle Itcrlin im«! tmjpcj�ond. Sonntag, den 19. Oktober, nachmittags 4 Uhr, bei Franke, Sebaftianstrasie 39:_ M General-Versammlung. Tagesordnung: Kassenbericht; Bericht der Revisoren; Wahl eines Revisors und eines Mitgliedes in daS BcrgnügniigSkomitee; Anträge(betr. das Ortsstatut); Verschiedenes. � Die Versammlung wird pünktlich eröffnet und ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, anwesend zu sein. Mitgliedsbuch legitimiert. 160/2________ Die Ortsverwaltung. Verband der SflobelpoUerer. Montag, de» 20. d. MtS., abends 8 Uhr, Koppeustr. 29: General-Verkammlnng. Tages-Ordnung: t. Bericht des Vorstandes und der Kontrollkommission. 2. Bericht über den geplanten paritätischen Arbeitsnachweis. Rcserent: Kollege ü. Weder. 3. Anträge. 4. Vcrlchicdencs. 147/7 Die Versammlung wird Punkt 8 Uhr eröffnet. Das Erscheinen sämtlicher SNitglicdcr erwartet»er Vor*tnnd. Deutsciier Holzarbeiter-Verband. ============ Zahlstelle Rixdorf.================ Sonnabend, den 18. Oktober 1902 tu Koffiuiuins Miilen(Inj). Thiel), Kergstraße 15S X. Stiftungsfest. Grohes Konzert ttnd Ball. Huftreten der ßefellfchaft ötrzelewlcz. Nach dem Konzert IRA-lth» BilletS 25 Pf.— Anfang 8'/, Uhr. Hierzu ladet ftcuiidlichj: ein D«» Kaniktee Die Zahlstellen sind deS StisiungSfesteS 18. Oktober, geschloffen. wegen am Sonnabend, den - 89/18 Andreas-Oarten, Empfehle den geehrten Verein cn, Gesellschaften und Freunden nieine neu- cingcrichtcleii, bis 200 Perionen fassenden Lokalitäten. Mittagstisch, sf. Getränke, gute Küche, Kegelbahn, gute saubere Betten._» Verantwortlicher Rcballcuv: tfatl Leid in Verlin. Für den Fifferatenleil vcrantworllich: Dh. Glocke in Berlin Dnir-Wk Verlag: Vorwärts Buchdruckcrci und VcrlnaSanstall Paul«ingcr ör Co., Berlin LW. Nr. 244. 19. Ichrgling. 2. SkillP Ks Jonuirls" Acrlim Bolteliliill. Solttillbend, 18. Oktober 1992. berliner Partd-Etogelegenkeitm Etralm». Sonntagnachmittag l'/o Uhr findet die General- Versammlung des Wahlvcreins bei Gursch, Alt-Stralan 5, statt. Auf der Tagesordnung steht:„Bericht vom Parteitag lReferent Oswald Grauer) sowie Bericht des Vertrauensmanns und Wahl des gesamten Vorstandes. Marieudorst Teinpelhuf, Marieiifclde. Sonntagnachmittag 3.Uhr findet bei Dietmann, Marienfelde, Grostbeerenstraste, eine Volks- Versammlung statt. Da in derselben die Berichterstattung von, Parteitag und von der Frauenkonferenz in München erfolgt, ist es wünschenswert, daß die Parteigenossen und Genossinnen recht zahl- reich erscheinen._ Lokales. IUI. ißil Die Berliner EiscndahiwerkchrS-Statistik für das Etatsjahr 1901/2 ist soeben erschienen; sie bietet wiederum ein anschauliches Bild von dem Fluktuieren des Personen- und Güterverkehrs auf den Stadt-, Vorort- und Fernbahn-Stationen. Die höchste Frequenzziffer weist auch in der neuen Zusammenste llungi der Stadtbahnhof„F r i e d ri ch st r a st e" mit seinem gewaltigen. Nah und Fern-Verkehr auf; hier wurden nicht weniger als 6S7S77S Personen auf Fahrkarten abgefertigt. Nach diesem folgen die Stationen„Schlesischer Bahnhof" mit 5 068 517 Personen. .Alexanderplatz" mit 5 751 299,„B e l l e v u e" mit 4 501-1585, „Zoologischer Garten" mit 4428500,„Charlotte n L ukr g" mit 4,05 Millionen,„Börse" mit 3,33 Millionen,„Gesund- b r u n n e n" und„W a n n s e e- B a h n h o f" mit je 2,97 Millionen. „S a v i g n y p l a tz" mit 2,83,„Lehrter Stadtbahn ho s" und „I a n n o w i tz b r ü ck e" mit je 2,38Millivnen Personen. Mit Aus- nähme des Bahnhofs„Gesundbrunnen" hat der Verkehr auf allen diesen Stationen gegen das Vorjahr abgenommen Znni Teil trifft dies auch auf den Fernbahnhöfen zu. von welchen> der Stettiner mit 2,30 Millionen Personen obenan steht; danach folgen der Anhalter Bahnhof mit 1,98, der Görlitzer mitä,78 (im Borjahre nur 1,74) Millionen, der Hamburg-Lehvter Bahnhof mit 980 443(im Borjahre 966 991) Millionen Personen jc. Wenn beim Fernverkehr auch die Zahl der verkauften Fahrkarten- sich nicht mit der Zahl der Stadlbahn- zc. Billets messen kann, so:.wird dieses Minus doch ganz bedeutend aufgewogen durch die gewaltigen Summe», loelche die Reisenden im eigentlichen Sinne aufgebracht haben. Auch hier müssen ivir wieder mit dem Bahnhofe F r i e d-rich- st r a st e beginnen, denn die hier erzielte Einnahme(8,99 Milktonen Mark) überflügelt selbst diejenige der eigentlichen Reise-Bahuhofc: Anhalter(8,47 Millionen), Stettiner(5,65 Millionen) und Hamburg-Lehrter Bahnhof(5,01 Millionen Mark). Nächst diesen würden der Schlesische Bahnhof(mit � 9,75) und Bahnhos Alexanderplatz(mit 3,67 Millionen Marl) zu nennen sein. Unter den Vorort-Stationen nimmt Steglitz, woselbst 2,44 Millionen(gegen 2,26 im Vorjahre) ab gefertigt wurden, den ersten Platz ein. Es folgen sodann Spandau(2.27), Stralau-RirmmelSburg(8,15). Friedenau(2,09, im Vorjahre 1,92), Potsdam(I.W, im Vor- jähr 1,79), Nieder-Schöneweide(1,84, im Vorjahr 1.83). Westend(1,76), Halensee(1,62), Rixdors und Schöne- b e r g(1,61), Grost-Lichterfelde-West(1,37), W i I m est s- dorf- Friedenau(1,17) und Zehlendorf(1,07 Millionen Personen.)), I in Güterverkehr spiegelt sich der lvirtschaftliche Nidder- gang des letzten Jahres noch deutlicher wieder. Es wurden ver- einnahmt aus der Güter- und Tierbeförderung auf dem Ham- burg-Lehrter Bahnhofe 10 368 794 M.(gegen 12 394 297 M. im Vorjahre), auf dem An.h alter Bahnhofe 10 201 903 M.(gegen 12 738 678 M.), auf dem Schlesische» Bahnhofe 6 889 044 M. (gegen 7 757 467 M.), auf der Ostb a h u 3,32 Millionen(gegen 3,93). auf dem G ö r l i tz e r Bahnhofe 3,26(gegen 3,83), auf dem Güter- bahnhofe Moabit 2,66(gegen 8,11) Millionen Mark, auf dem S t ett in er Bahnhofe 1,84(gegen 1,92) und auf dem Bahnhofe Alexanderplatz mit der Anschluststelle Central-Maxkt- Halle 1,31(gegen 1,37) Millionen Mark. Diese Verkehrsstatistik ist auch insofern lehrreich, als sie einen Schlnst auf die Wirtschaftlichkeit des Personen- rmd des Güter- Verkehrs znläht: die höchste Einnahme ans dem ersteren bezifferte sich auf nicht ganz neun Millionen Marl während der Güterverkehr, der an Schnelligkeit, Bequemlichkeit und Ausstattung der Züge bei weitem nicht so hohe Anforderungen, als der Personen- verkehr stellt, eine Höchsteiimahme von 10 Va Millionen Mark brachte._■, Eine Schweicbah» nach Elberfelder Muster will die Eon- tinentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen in Nürnberg hier errichten. In einer Zuschrift teilt die Gesellschaft.uns folgendes mit:+ „Nachdem unsre Elberfelder Schwebebahn nunmehr seit reichlich VA Jahren im Betriebe ist und die während dieser Zeit gewonnenen Erfahrungen erwiesen haben, dast das Shstem der cinschienigen Schwebebahn nach den Patenten von Eugen Laugen in technischer und wirtschaftlicher Beziehung die an dasselbe von den Erbauern geknüpften Erwartungen in vollem Mäste erfüllt hat, haben wir auch für Berlin den Entwurf einer Stadtbahn nach dem Schwebebahn- Sqstem aufgestellt und unsre Pläne den in Frage kommenden Be- börden eingereicht. Bekanntlich haben die vorhandenen Berliner Stadtbahnen eine ausgesprochene Richtung von West nach Ost; die geplante, ftir den Schnell- und Massenverkehr bestimmte Stadtbahn soll dagegen eine n o r d- s ü d l i ch e Richtung erhalten. Die von uns geplante Bahn ist aber nicht zu verwechseln mit der von der Stadt Berlin geplanten unterirdischen Nord-Südbahn, denn während diese in der Nähe des Wedding- Platzes beginnt, die Chauffcestraße und Friedrichstadt durchzieht und nach Schöneberg führen soll, soll unsre Nord-Südbahn ihren vorläufigen Anfangs- Punkt am Bahnhof Gesundbrunnen haben, durch die Brunuenstrastc nach dem Roscnthalcr Thor, dann weiter nach dem Schönhauser Thor. Bahnhof Alexandcrplatz, Oranienplatz. Äottb.user Thor und Hermannplatz führen, ganz Rixdorf durchziehen und an der R i n g b a h n st a t i o n H e r m a n n st r a h e enden. Wenn somit die Schwebebahn kein Konkurrenzunternehmen zu der von der Stadt Berlin geplanten Bahn sein soll, so hat sie ferner noch den besonderen Zweck, eine Ergänzung der Stadt- und Ringbahn zu bilden, indem sie für die nord-südliche Richtung das darstellt, was für die west-östliche die Querbahn.Charlotten- bürg— Fricdrichstrahe— Stralau— Rummelsburg bedeutet." Was die Kosten betrifft, so werden sie nach der von der Gesell- fchaft aufgestellten Berechnung aus verschiedenen"Gründen, zwar höher sein als die der Elberfelder Anlage in Höhe von 1 Million Mark für den Kilometer, aber wesentlich unter den Kosten einer andern, einen besonderen Bahnkörper besitzenden und gleich leistungs- fähigen Stadtschnellbahn bkeiben. Die Bahn wird elf Kilometer lang werden; die Fahrgeschwindigkeit soll 30 Kilometer die lZtunde übersteigen. Ueber die Vorteile der Schwebebahn gegenüber Pen bisher üblichen zweischienigcn Bahnarten lästt die Gesellschaft sich folgendermasten aus:„Es wird geboten: 1. Völlig stohfrcies Oustch- fahren der Krümmungen wegen der freien Aufhängung der Wägen an nur einer Schiene; 2. die Zulässigkeit schärferer Krümmungen bei höherer Durchschnittsgeschwindigkeit; 3. gröstere Anpassungsfähig- keit an die gegebenen Richtungsverhältnisse, also Einschränkung� der Grundcrwerbskostcn; 4. bisher unerreichte Betriebssicherheit wagen AuSschlust der Entgleisuugsgefahr; 5. geringerer Krastbedaxf/ bei gleicher Geschwindigkeit und gleichem Zuggewicht wegen der ige-t ringeren Reibungsverluste in den Krümmungen. Gegenüber einer eisernen Hochbahn normaler Art bietet die Schwebebahn außerdem noch folgende Vorteile: 6. Geringeres Gewicht der Eisenkonstrnktion bei gleicher Tragfähigkeit; 7. geringeres Wagengcwicht bei gleichem FassungSranm; 8. geringeres Geräusch bei gleichem Wagengewicht und gleicher Geschwindigkeit; 9. wesentlich geringere Bahnbrcitc bei gleicher Wagenbreite und daher, wie auch wegen der höheren Lage der Fahrbahn, geringere Luft- und Lichtentziehuug; 10. tiefere Lage der Bahnsteige, also geringere Höhe der Zugangstreppcn bei gleicher lichter Höhe'für den Straßenverkehr unterhalb der Bahn. Diese Vorteile äußern sich naturgemäß in einer wesentlich geringeren Höhe der Bau- und Betriebskosten und bilden somit die Vorbedingungen für eine größere Wirtschaftlichkeit einerseits und die Möglichkeit niedrigerer Tarife andrerseits, gegenüber andern, einen be- sonderen Bahnkörper besitzenden und gleich leistungsfähigen Stadt- schnellbahnen." Aus der Mcigistratsfitzung vom Freitag. Der Magistrat hat den juristischen Hilfsarbeiter Assessor Hoffmann als Magistrats- assessor auf sechs Jahre gewählt und die Gerichtsassesforen Dr. Miersch und K?tp zu juristischen Hilfsarbeitern einberufen.— Das Erziehungsheim ftir verwahrloste Mädchen in Klein- Beeren soll in zweck- entsprechender Weise erweitert werden, entweder durch einen Neubau oder durch einen Aufbau.— Der Magistrat ist dem Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung über die Neu-Ordnnng des ä r z t- lichen Dienstes im Waiscnhanse und Arbcitshanse znRlMmicls- bürg beigetreten, ebenso dem Beschluß der Stadtverordneten- Ver- sammlmig über die Zusanimensetzimg des Kuratoriums der städtischen Heiiiiftätten, das durch Zulvnhl eines Stadtverordneten nnd eines Bürgerdeputierten vermehrt werden soll. Am nächsten Dienstag wird der Magistrat an der Besichtigung der von der Landes- Ver- sichernngsanstalt Berlin in Beelitz errichteten Arbeitcrhcilstätten teilnehme». Die Fahrt nach Beelitz erfolgt mit einem Sondcrznge, der um 12 Uhr den Bahnhof Friedrichstraße verläßt. Mit der Einrichtung von Schulgärten,(über die(wie mitgeteili wurde) eine Kommission der städtischen Schnldepntation demnächst beraten soll, ist auf einem der Genieiirdeschul- Grundstücke bereits vor mehreren Jahren ein e r f o l g r c i ch e r Anfang gemacht worden. Es ist die an der Prinzen-Allee nnd der Gothenbnrger- straße gelegene Doppel-Gcmcindeschnle 208/211, die sich des Vor- zugcs erfreut, als erste unter den Gemeindeschulen Berlins einen Schulgarten erhalten zu haben. Der Garten, der hier angelegt worden ist, war hauptsächlich zur Unterstützung des Hauswirtschafts- Unterrichts bestimmt, den der„Verein für das Wohl der aus der Schule entlassenen Jugend" mif diesem Schulgrundstück erteilen läßt. Demgemäß werden auch in dem Garten die Küchengewächse be- sonders berücksichtigt. Er wird aber zugleich auch für de» Unter- richt in der Pflanzenkunde mit bestem Erfolge nutzbar gemacht. Leider wird dieser Schulgärten in absehbarer Zeit wieder beseitigt werden müssen, da er auf künftigem Straßenland angelegt ist. Er liegt unmittelbar an dem östlichen Ufer der Panke, an der Stelle, über die später die geplante Pankufcrstraße hinweggcsührt werden soll. Eine Anzahl Beitragsmarke» des Verbandes der Maler, Lackierer, Anstreicher, Tiincher usw. sind im Osten gefiniden worden. Die- selben können in unsrer Redaktion(Zimmer Nr. 1) in Empfang ge- nommen werden. Der Bau des erste» Berliner Bliuden-AshlS ist jetzt gesichert. In der Berlinersttaße 29 30 zu Weißcnsce ist ein Grundstück zur Er- richtnng dieses Instituts zum Preise von 100 000 M. erworben worden. Das Asyl wird nicht auf städtische Kosten, sondern ans Kosten der Stifterin Ida Becker errichtet. Die Ida Becker-Stifttmg beträgt im ganzen 890 000 M., so daß die restierenden 790 000 M. siir tue Zwecke des Baues nnd der Untcrhälttmg der Anstalt ver wandt werden. Berlin besaß bisher kein Vlindcn-Asyl. Das störende Glockenläuten. Gegen das Frühläuten der katho- lischen Matthiaskirchc auf dem Winterfeldplatzc haben Schöueberger und Berliner Anwohner eine Petition an daS Polizeipräsidium gerichtet, der auch der Schöncberger G r u n d b e s i tz e r- V e r e i n in seiner gestrigen Hauptversammlung einstimmig beigetreten ist. In der Petitton heißt es:„Die vor 6 Jahren eingeweihte Matthias- kirche hat seit einigen Wochen Glocken erbalten und niacht gegen- wärtig von dem Rechte Gebrauch, ihre kirchlichen Handlungen ein- zuläuteq, wogegen bei Tage nnd abends nichts einzuwenden ist. Anders verhält es sich mit den Stunden, die sich durch Amt, Brauch nnd Gesellschafts-Verhältuisse als Nachtstunden herausgebildet und eingebürgert haben. Von der offenen Turmhalle der Kirche ertönen nämlich bereits morgens um Va? Uhr dunipfe Glockeu- anschläge in drei Sätze», worauf ein längeres Geläut folgt. Da- durch werden namentlich Künstler und Gelehrte. die bis in die Nacht hinein zu arbeiten Pflegen, und dann vor allen Dingen auch Kranke in ihren, Morgenschlase gestört. Dieses Frühläuten gehört nicht zn den notwendigen Einrichtungen des Kultus, nnd auch die königlichen Behörden haben durch das Verbot von Straßen- Prozessionen gezeigt, daß ihnen das Recht beiwohnt/nach anßcn hin sich richtende Ltulrushandlnngen der öffentlichen Wohlfahrt anzupassen. Im übrigen liegt den Petenten jegliche Beschränkung von ReligionS- und Kultusfreiheit fern." Ein Pfahlbautenrest ist beim Bau des Notkanaks in der Kaiser Wilhelmstraße nahe der Burgftraße aufgefunden worden. Es wurden hier einige zwanzig Spitzpfähle, die etwa 800 bis 1000 Jahre in dem Erdreich gesteckt haben, herausgezogen und eine Anzahl ganzer Baumstämme gefunden. Diese mußten zerschnitten werden, damit man sie entfernen konnte. Auch die Arbeiten im unteren Teile in der Kaiser Wilhelinstraße finden große Schwierigkeiten, da fast auf der ganzen Strecke bis zur Spandanerstraße riesige Flnidament- bauten zu überwinden find. Diese Fundamente rühren wohl nur zum Teil von der ehemaligen Brauhans- und Papcnstraße her. Sie sind von ungewöhnlicher Stärke und Festigkeit und bestehen vielfach ans Feldsteinen, von denen Exemplare im Gewichte bis zu 15 Ccntnern gestmden wurden. In einer Tiefe von zwei Metern wurden Gewölbe- decken freigelegt, welche darauf schließen lassen, daß sich noch Fundamente in einer ganz bedeutenden Tiefe befinden. Die Wittve des Kammersängers Theodor Wachtel, Frau Johannette Wachtel geb. Wächter, ist am Mittwochabend»ach kurze», Leiden im Alter von 69 Jahren gestorben. Eine Trauerfeier findet am nächsten.Sonnabend um 4 Uhr nachmittags im Sterbehause Sicgmuiidshof 20 statt. Von dort wird die Leiche zur Beisetzung nach Frankfurt a. M. gebracht. Tödlicher Jagdunfall. Auf der Jagd ist gestern nacht der Schneidermeister Li e s k c aus Berlin tödlich verunglückt. Herr L. lag mit mehreren Freunde» auf dem von ihm gepachteten Jagd- terrain Nassenhaide bei Oranienburg dein Waidwerk ob. Als er nachts in der elften Stunde ein Sieh zur Strecke brachte, eilte er auf das angeschossene Wild zn, mn es nach dem von waidniännischer Seite wiederholt gerügten Verfahren mittels Gewehrkolbens zn töten. Beim Zuschlagen entlud sich das Gewehr, dessen Hahn gespannt war, und L. erhielt einen Schuß in den Unterleib. Es wurde sofort ein Arzt aus Oranienburg herbeigeholt, der aber keine Rettung niehr bringen konnte. L. starb sechs Stunden nach dem Unfall unter großen Onalen, nachdem er vorher noch seine letzwilligen Ver- fügungen seinen Jagdgenossen gegenüber ausgesprochen hatte. Seine Leiche wurde von der Oranienburger Polizeibehörde beschlagnahmt. Per Verunglückte, der eine zahlreiche Familie hinterläßt, ist weiteren Kreisen dadurch bekanitt geworden, daß er seil zwei Jahren mit der Großen Berliner Straßenbahn einen Prozeß lvegcn einer Eni- schädignngsrente führte, weil er von einem Straßenbahnwagen über- fahre» worden war. Den Ausgang des Prozesses, über dessen einzelne Stadien mehrfach berichtet worden war, hat L. nicht mehr erlebt. Eine Gasexplosion versetzte gestern die Beivohncr des Hauses Luckauerstt. 48 in Aufregung. Früh gegen 7 Uhr wurde in, Hause ein lauter Knall vernommen und ans dem Keller stürzte ein junger Mann ans die Straße, unr sich nach dein in der Nähe befindlichen Feuermelder zu begeben. Noch bevor der Unbekannte am Ziele angelangt war, stürzte er ohnmächtig zusammen; es ergab sich, daß ihm das Gesicht in schlimmer Weise verbrannt war. In der Ver- wirrung achteten ztvei Schutzleute, die sich angefunden hatten, nicht des Verletzten und erst auf Anregung des Publikums hin wurde er ans die Unfallstation gebracht. Binnen kurzem kam die Feuerwehr, um den an sich nicht bedentenden Brand zn löschen. Zn dem tödlichen Unfall deS Kutschers Klatt, der am Mittwoch- nachmittag beim Abladen von Häcksel auf dem Grundstück Wald- straße 42' rücklings von der Deichsel ans das Asphaltpslafter fiel, hatten wir mitgeteilt, daß das ärztliche Gutawten Tod infolge von Herzschlag festgestellt hatte. Da der Verunglückte aber nach dem Sturz noch kurze Zeit lebte, so möchten wir noch darauf hinweisen, daß, wenn ivirklich unzweifelhaft Herzschlag eingetreten sein sollte, dies erst infolge des Sturzes geschehen sein kann, Eine frevelhafte Reklame treibt ein Lotteriegeschäft mit der F l e i s ch n o t. Viele Hausbewohner in verschiedenen Stadt- vierteln fanden in den letzten Tagen im Briefkasten oder intter der Wohiinngsthür eineil Uriefumschlng mit dem Aufdruck„Hilfe zur Linderung der Fleischnot". Ein jeder, mag er sich nun zn dieser vielbesprochenen Tngesfrage stellen, ivtc er will, ist begierig zu er- fahren, was für ein Hilfsmittel der Umschlag wohl bergen mag, nnd findet darin eine Anpreisung einiger Lotterien. Das ist doch für Leute, die ohnehin keinen Groschen übrig haben, ein Hohn, wie er nicht schlimmer gedacht Iverden kann. Ans China sind gestern mit dem Dampser„Pisa" 960 Mann mit zwei Offizieren nach beendigter Diensigeit zuriickgekehrt. Sie hatten sich in Peking gesammelt»nd waren sechs Wochen unterwegs. 150 Mann kamen gestern abend von Bremerhaven nach Berlin und wurden bis zur Ausfertignng ihrer Entlassungspapiere in ver- schiedcnen Kasernen einquartiert. Die übrigen Iverden von andren Standorten ans entlassen. Achtet auf die Kinder! Die Frau des Maschiiieicheizers Slüttuer ans der Kolomicnstraße Nr. 19 zu S ch ö n e b e r g hatte vor einigen Tagen ans ihrer Maschine Wasser gekocht, um zu waschen. Als sie das Waschfaß holen wollte, stellte sie den Topf mit dem heißen Wasser vom Feuer weg neben das Feuerloch. Kaum hatte sie sich nun llmgetvandt, da kletterte ihr zivci Jahre alter Sohn Hellmut auf einen Stuhl nnd rüttelte so heftig an dem Topfe, daß ihm ein Teil des kochenden Wassers auf die Hände, ins Gesicht und an die Brust flog. Der Kleine verbrühte sich so schwer, daß er im Eli sabeth-Krankenhans e starb. Selbstmord hat der 54 Jahre alte frühere Schlächtergeselle A u g u st H e i n s ch ans der Landsberger Allee begangen. Der Mann verunglückte vor sechs Jahren, als er gelegentlich ans einem Bau in der Samariterstraße bei Slnsschachtungen half, dadurch, daß er mit einer Hand zwischen zwei Wagen geriet. Er war seitdem arbeits- unfähig imd bezog eine Invalidenrente. Da er bei einer ver- heirateten Tochter ivohnte, so brauchte er keine Sorge zu haben. Die Befürchtung jedoch, daß seine Hand sich verschlimmern könnte, scheint ihm das Leben verleidet zu haben. Gestern vormittag er- hängte er sich, während seine Tochter im Hanse arbeitete, am Bett- Pfosten. AUttclsciicr wurde gestern abend 7'/o Uhr von Nene Schönhauser- straße 2 ans gemeldet, was zur Folge hatte, daß mehr als ein Dutzend Löschzüge dorthin eilten. Es brannte in der Möbelfabrik von Paul Bnrow und zlvar in den Werkstätten. Das Feuer war im rechten Seitenflügel ansgekommen, hatte Hede(Werg), Seegras nnd andre Polstermatcrialicn ergriffen lind dadurch eine so schnelle Berbrettuiig gefunden, daß binnen Ivemgcii Minuten die Flammen ans den Fenstern bis zur Dachhöhe emporschlugen. Noch bevor die von mehreren Seiten alarmierte Feuerwehr eingetroffen war, war das Feuer auf das angrenzende Gebäude übergesprungen, dessen untere Etagen ebenfalls als Werkstätten dienen, während im Ober- geschoß eine Familie Enaelmann wohnt. Die Mutter der Frau Engelmann schwebte in Gefahr imd konnte nur mit Hilfe eines Schutzmaims und eines Hausbewohners über die schon total ver- qualmten Treppen hinweg inö Freie gebracht iverden, wo sie als- bald in Ohnmacht sank. Die Feuerwehr brachte das Feuer bald zum Stehen. Mehrere Arbeitsraume sind indes ansgebramtt. Eine Betriebsstörung findet nicht statt. Eine reiche Nnfallchronit ist von vorgestern abend, nach dem Empfang der B o e r e n g e n e r a l e zu verzeichnen. Nicht weniger als sechs schwere Ohmnachtsanfälle und v'cr Bembrüche durch Ueberfahren haben ärzliches Eingreifen notwendig gemacht. Der 60 Jahre alte Sttaßenhändler Heinrich Künzler. Borsigstr. 16, wurde Ecke der Mauer- und Leipzigerstraße Übersahren ilüd erlitt einen komplizierten Oberarmbrnch. Die 42 Jahre alte Arbeiterin Henriette Kauschuß, welche Wallstr. 23 wohnt, hatte durch Ueberfahren einen Bruch des rechten Ilnterschenlels sowie starke Brnstquetschungen erlitten. Der Arbeiter Paul Lück, 20 Jahre alt. Fehrbellinerstr. 34 wohnhaft, wurde von einem Postivagen überfahren nnd mußte ohnmächtig nach der Unfallstation in der Kronenstrahe getragen werden. Er hatte einen Unterscheiikelbriich und starke Niickenquetschungen. In den erwähnten drei Fällen war eine Uebersühruna nach der Charit� notwendig. Glücklicher kam der 16jährige Adolf Konrad ans der Friedrichstraße davon. Derselbe folgte einem Wagen der Boeren» generale per Rad. Als ein Schutzmann ihn daran hindern ivollte, stürzte K. bor die die Gäste fahrende Equipage. Er erlitt leichtere Verletzungen und wurde, nachdem er einen Slotperband erhalten hatte, nach seiner Wohnung gebracht. Von einem Straßenbahnwagen überfahren wurde am Freitag- nachmittag der städtische Gärtner Karl KrammS ans der Knobelsdorsstraße 51 zu Charlottcnbnrg, als er an der Ecke der Wieland- und K'antstraße Baumkörbe über den Damm hcrüberholen wollte. Er erlitt mehrere Nippenbrnche und schlvere Verletzungen an Kopf iliid Händeis. Fmrdrricht. Die Brandchronik der letzten 24 Stunden ist eine ungewöhnlich reichhaltige. Freitag ftüh 7 Uhr wurde ein größeres Löschanfgebot nach dem Elisabeth-Ufer 10 gerufen. Hier war in einer im 4. Stock des Onergebäudes imtergebrachte» Tischlerei ans nicht ermittelte Weise ein Brand ausgekommen, der bei Ankunft der ersten Löschzüge schon eine größere Ausdehnung erlangt hatte. Zu- gleich war auch eine starke Verqualmung der Räume imd Treppen eingetreten. Die Wehr griff daher das Feuer sofort mit ztvei Schlauchleitnngeu über eine mechanische Leiter hinweg an und es gelang ihr, in verhältnismäßig kürzer Zeit die Flammen, die an Slntzhölzern und Werkzeugen reiche Nahrung gefunden hatten, auf die Werkstatt zu beschränken. Eine BctriebSstörnng sindet indes nicht statt. Gegen 9 Uhr hatte die 2. Conipagnie in der Köpnicker- straße 56 ein Feuer zu beseitigen, das in einer Druckerei entstanden war und allerlei Druckfarben erfaßt hatte. Ein Schornsteiubraiid mußte Donnerstagabend 10 Uhr in dcrSkalitzcrstr.6b beobachtet werden. In der Seestraße gegenüber der Hennigsdorferstraße war von nn- bekannten Personen ein Bretterzann in Brand gesteckt worden, der indes bald abgelöscht wurde. Durch Ueberkochen von Teer war nachmittags in der Bernaiierstr. 32 ein Feuer ausgekommen, während m der Lichtenbergerstr. 6 Gardinen und Kleidungsstücke in Flammen aufgingen. In der Rügenerstr. 23 mußte gegen 11 Uhr ein Brand beseitigt werden, der den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Freitagvormittag 11 Uhr hatten in der Kirchbachstr. 4 Möbel und Wäschestücke in einer Wohnung Feuer gefangen, dessen Ablösckmnq jedoch in kurzer Zeit erfolgen tonnte. Außerdem hatte Zug 17 in der Alten Jakobstt.l v in einer Fabrik noch einen Brand zu besciliacn, der u. a. Firnis ergriffen hatte. Aus den Nachbarorten. Der gesündeste Ort Teutschlands ist unsre Nachbargcincinde Wilmersdorf. Nach den neuesten Veröffentlichungen des kaiserlichen Gesundheitsamtes in Berlin über die Gesamtsterblichkcit in den 2O3 deutschen Städten und Orten mit 13 000 und mehr Einwohnern hatte Wilmersdorf im letzten Berichtsmonat mit 3,7 Sterbe- fällen pro 1000 Einwohner, auf den Zeitraum eines Jahres be- rechnet, die geringste Sterblichkeitsziffer aufzuweisen, während Schölteberg an zweiter Stelle mit 8,8 und Charlottenburg mir 10,0 an dritter Stelle marschiert. Auf Berlin kamen 14,4, auf Steglitz 14,1, auf Ripdorf 14,0, auf Grosz-Lichterfelde 10,2, auf Lichtenberg 23,7 Todesfälle. Die höchste Sterblichkeitsziffer erreichte der Ort Ligina in Schlesien mit 53,5 Sterbefällen, es starben dort also zehnmal so viel Menschen wie in Wilmersdorf. Den Ruhm der ze- funbesten Stadt hatte bisher Schöncberg für sich in Anspruch ae- nommen. Spandau. Gestern vormittag erschoß sich der Revisor und frühere Oberfeuerwerker Schiemer von der Artilleriewerkstatt. Das Motiv ist uubelmuit; der Selbstmord erregt großes Aufsehen. SewerKscKaftlicKes. Berlin und Umgegend. Achtung� Schuhmacher! In der mechanischen Schuhfabrik von Klaus, Sebastianstraße 76, sind Lohndiffereuzen ans- gebrochen. Die Zwicker verlangen, daß die ihnen vor kurzein ge- , nackten Lohnabzüge wieder aufgehoben werden. Da es nicht aus- geschlossen ist, daß es anläßlich dieser Differenzen zur Arbeits- einstellung kommt, so ersuchen wir um Fernhaltung des Zuzugs. Die Ortsverwaltnng des Vereins deutscher Schuhmacher. Ter Ecutralverdaud der Zimmerer hat die bisher nicht selbst- ständigen Zahlstellen„Berlin und Vororte" zu einem einheitlichen Organisationsgebilde zusammengefügt. Diese Zahlstellen verschmolzen sich vom 1. Oktober zu einer einzigen Zahlstelle mit dem Namen „Berlin und Umgegend". Die bisher getrennte Beitragsleistung zur Hauptkasse und zum örtlichen Fonds ist nunmehr vereinigt und wird durch eine einheitliche Marke quittiert. Die Zahlstelle teilt sich in 20 Bezirke mit je einem Äassicrer und einem Bezirksleiter. Der Wille der Zahlstelle findet seinen Ausdruck durch Zahlstellen- Versammlungen, die sich aus Delegierten der Bezirke sauf je 50 Mit- glicder 1 Delegierter!, den Bezirkskassierern und Leitern und dem Zahlstellen-Vorstaud zusammensetzen. Die im Lohngebiet arbeitenden Mitglieder einer Provinz-Zahlstelle haben zum örtlichen Fonds zu steuern, welches wie bisher durch besondere Marken quittiert wird. Die Gcneralverfammlung des Verbandes im nächsten Jahre wird jedenfalls zur allgemeinen Durchführung dieser Maßnahme Stellung nehmen. Der Ausstand der Lederarbeiter in Brandenburg a. H. hat sich, entgegen den geplanten Erwartungen, durch die Beilegung der Berliner Tarifbewegung nicht geändert. In drei Besprechungen, die mit einem Arbeitgeber stattfanden, kam man zu keinem Resultat. Nack der ersten Besprechung konnte man erwarten, daß bald eine Wendung zum Besseren eintreten würde, in der letzten Besprechung gaben die Arbeitgeber aber eine Erklärung dahin ab, daß die Arbeit von den Ausständigen zu den alten Bedingungen aufgenommen werden sollte: sie sollten sehen, daß sie so viel wie möglich ihre alten Arbeitsplätze wieder bekämen, ein Zugestänt nis, alle Ausständigen wieder einzustellen, wurde aber von den Arbeitgebern zurückgewiesen, nur einer der- selben will sein altes Personal gleich wieder einstellen. Unter diesen Umständen werden die Lederarbeiter die Arbeit nicht auf- nehmen und der Streik lvird sich wahrscheinlich noch eine ganze Weile hinziehen. Der Streik in der optischen Industrie in Rathenow dauert bereits 13 Wochen. Die Situation hat sich in der letzten Zeit nicht geändert, die Streikenden betrachten dieselbe als recht günstig, sie haben am Dienstag beschlossen, das Einigungsamt anzurufen. VermilcKtes. Nene VulkauauSbrnche auf den Antillen. Nach einem Telegramm ans Kingstowu befand sich gestern die Soufriore in voller Eruption' von 1 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags. Eine weitere Depesche aus Basse Terre auf Guadeloupe besagt: Zwischen mitter- nacht und 3 Uhr morgens wurden laute Detonationen gehört und schivache Feuer in der Richtung auf Martinique gesehen. In Les- Samtes und Marie-Galante wurden Mittwoch Erdbeben verspürt. Cholera und Pest. Infolge der Ausbreittmg der C h o l e r a in Gaza und bei Jaffa ist die zehntägige Quarantäne von Gaza bis einschließlich Beirut ausgedehnt worden.— Die Stadt Kaitschou in der Mandschurei wird für pestverseucht erklärt. Paris, 17. Oktober.(B. H.) In Annecy explodierte der Kessel einer Dreschmaschine, wodurch 4 Personen getötet wurden. Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Bernntworiilug._ Theater, Sonn abend, 18 Oktober. Anfang 7'/., Uhr. Opernhaus. 2. Sinfonie-Abend der königlichen Kapelle. Mittags 12 Uhr: Matinee. Schanfpielhaiis. Gefchloffen. Deutsches. Monna Vnnna. Berliner. Wienerinnen. BScste». Der Wafsenschmied. Hierauf: Dorothea. Sesfing. Das Theaterdorf. Neues. Ledige Leute. Residenz. Seine Kainmerzose. Thalia. Charleys Tante. Cassis Pascha. Central. Baccaccio. Ansang 8 Uhr: Schiller. O.(Wallncr- Theater.) Sappho. Schiller, dl. lFriedrich- Wilhelm städtisches Theater). Morituri. (Teja. Fritzchen. Das Ewig. Männliche.) Carl iiSeist. Eine Paria. Lnisrn. Maria Stuart. Nachmittags 3Uhr: Robinson Crusoe. Casino. Corradini. Ihre Familie. Kleines. Rausch. LSithelm. Der Jongleur. Buntes Theater. Eiithüllung des Hciilcdenkmals.DerHuiid. Bunter Teil. Tiny Senders. Metropol. Berlin bleibt Berlin. Triano». Die Liebcsschaukel.(La Bascule.) Apollo. Lysistrata. Spccialitüten- Vorstcllung. Wintergarten. Specialiiäten. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Pasjage-Panoptikiim. Specialitäten- Vorstellung. Palast. Berliner in Steglitz. Steidl. Specialitäten. Reichshastc». Stettiner Sänger. Urania. Tanbenstr. 4«/4S.(Im Theatersaal.) Tausend Jahre deutscher Kultur. Nachmittags 4 Uhr: Die deutsche Ostseeküfle. Jnvalidenstraste S7/«S. Täglich: Sternlvarie. Central=Theater Sonnabend, 18. Oltober, Ans. Uhr: Koccaccio. Operette in-! Akten von F. v. Suppe. Fiarnctta— Mia Werber, Im 2. Akt Balletteinlage: Spanischer Tanz unter Mttnnrklmg des Ballettmeisters Ostlobus. Sonntag, den 10. Oktober, nachmittags 3 Uhr: volkstümliche Vor- stcllung zu halben Preisen: ttio b'kvttai-iultu«. Adele— Min Werber. Abds. 7>/, Uhr: vc»- Montag? IM«; ticiMtiu. Thalia- ThealevT DrcselenerNtraMHe 7JJ— 73. Aufaug 71/, Uhr. ■453Ä: Charleys Tanle. Schwank in 3 Allen von Br. Thomas. Lulllo Ibielscber nie Charleys Tante. Vorher: Cassis Pascha. RuSstattungS-Burleske mit Gesang und Tanz in l All. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Soniltagnachmittag 3 Uhr: Cie Grille. Trianon-Tlieafer. kjieoi'Kenhii-a»»«, {wischen Friedrich- u. Universitätsstr. Die Liebesschaukel. Lustspiel in 4 Akten v. M.Donnay. Anfang 8 Uhr. Sonntagnachin.: Coralie& Cio. Palast- Theater Direktion: Richard Winkler. SenHation-i-KrfoIjy! 9 mr: Berliner in Steglitz. Gr. tzlusst,-Burleske mit Ges. u. Tanz. Im bunte» Teil: Willi u. Rosila Sands, Sportakt. Sislers Laurence, Dressur-Akt. Mr. Atlas, die schwankende Weltkugel, örelster Laude, Krast-Alt. Bcnedetti, Universat-Artist. Tiuc und Mac, Traussormationsakt. Frilz Brand, Humorist. Elise Gebhardt, Vortrags- Soubrette.— Entree 30 Pf. Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Urania. Tauhenstrasse 40/49. Im Theater um 8 Uhr: Tausend Jahre deutscher Kultur. Nachm. 4 Uhr zu kleinen Preisen: Die deutsche OstseekUste. Sternwarte Invalidenstrasse 57/52. ifassaye-Theater. ' Anfang bonntags 3 Uhr, wochentags 8 Uhr, Mellinis dunkles Geiieinmis. ><»! Lu Dalys Englische Boxeilnnen unil Rinserinnen i erstenmal auf dem Kontinent. | Georgette Langee, rafÄ"? 14 erstklassige Nummern. CASTANS Panoptikum Friodrichstrasse 165. I>ie HonNiitioiK-llen lebenden Mder,{ dargestellt v. 6 jungen Damen. Kirolnneiers Berliner Original- 8chrnmiiioIii. Luisen-Theater. Reichenbergeestr. 34. JVIam Stuart. Trauerspiel in 5 Ausz. v. F. v. Schiller. Ansang 8 Uhr. Voraerk. 10— 2 Kasse, Invaliden- und Künsllerdanl. Morgen nachm. 3 Uhr zu kleinen Preisen: Hanilcl. Abends: Berlin, wie es weint und lacht. Apoiio-Theater. Um 8 Uhr: Die ijiänzeiiiien Speeialitäten. Um« Uvr: Zum Mal: 201. Lysistrata. Operette von l'anl I,iiicke. Kasseneröfsnung 7 Uhr. Ansang der Vorstellung 8 Uhr. W. Noacks Ttieater, Direktion; Robert üill. BmnnensitraNNc 16. All?- Heute-T&it wegen geschlossen! Sonntag: Der Mann im Monde. Montag: Debora' Griffin und Oubois. r.xcuntrics. Ouncan's dress. schaff. Schäferhunde. Robinson-Baker-Trio, Hochspringer. Elise de Vfere, Soubrette. LosFioridoSjSpanischeTänzeriunen. Die 2 Fraydos,„ Professor u-Schüler". Die Tourbillon-Truppe, Kadfahrer. Sisters Carey's dressierte Papageien. Carl Jltaxslaiii, h™». Siaae de Vries, sSL. KUra, Moister-Jongleor. SujeleVanCooSäSfi: IWaiMtfodelaxtLM.' „Biograph". Schilier>Theater. Schiller-Theater 6. lWatlner-Thcater). Sonnabendabend 8 Uhr: 8 a p p Ii o. Trauerspiel in 5 Auszügen von Franz Grillparzer. Sonntag nachmittag 3 Uhr: «er TartiifT. Hieraus; Der Arzt wider Willen. Sonntagabend 8 Uhr: JugeRiI. Montagabend 8 Uhr: ©er Tai' Iii ff. Hieraus: Der Arzi wider Willen. Schiller-Theater>(Fricdr.-Wilhelm- slädtisches Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Moritnri. (Teja, Fritzchen, Das Ewig-Männliche) von Hermann Sudennann. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Sappl»«. Sonntagabend 8 Uhr: ©oktor Klans. Montagabend 8 Uhr: ©oktor Klaus. Wilhelm-Tlieaier. fricdricbotrassc 236. Abends 8 Uhr: Der Jongleui*. Posse in 4 Akten von E. Pohl. Kasfencrösfnung 7 Uhr. Ansang 8 Ilbr. Sonntag, 19. Oktober, Nachmittags- Vorstellung: Ein toller Einfall. Ans. 3 Uhr. Halbe Kassenpreise. Abends 8 Uhr: Der Walzerkönig. Lasino-Tkeater Lothringer- Stratze 37. IM! Ganz neue Specialitäten; Tic Costa— N esc man» jc.-PbK Dazu des großen Rassen-Ersolgcs wegen noch einige Tage: ilil'e Ansang: Wvchcnt. 8, Sonnt. Ist, Uhr. Sonntagnachmittag 4 Uhr:„©ie Verkilurerln.4* Sämtliche Special! täte n. Vuntes Theater (Ueberbretll.) Ansang 8 Uhr. Köpenickerstratzc 68. Tochter zu verheiraten. Der Hund.— Bunter Teil. Leitung: 0. Straus. Wiederauitreten S�QERS. Bozens Bradsky. Marceil Salzer. Bokken-stasson. Sonntagnachmittag 3 Uhr Vorstellung zu halben Preisen._ Carl Weiss-Theater. Große Fraiiksurterstraste 132. Nachm. 4 Uhr: Kinder-Vorslellung: l»»arantella. Drtllcrtdivertissement v. 100 Damen. i®: JVSobamed!! Arabischer bchiimnelhcngst, ger. v. d. jugendlichen Sohulreiterin Frl.©ora Scimninnn. lO Uenii» Truppe. Ikarische Spiele zu Pferde. Nur noch einige Tage /B Mm f.erettete an« Zö Martinique. Morgen Sonntag: Zwei Vorstellungen, 4 Uhr. I Kiml frei, weitere Kinder halbe Preise. In beiden Verstellungen: Die Martiniques. CirUus Busch. yonnabend,, uen 18. Oktober 1902, abends 7'/, Uhr: Grosse Vorstellung nm yrossartigem Programm. Clown Lavater Lee mit seinem kleinen Cohn u. wunderbaren Esel. Alt der Spandaucrhrüde 5. Grösttes Bergnttgunaslokal Berlins. Internationale Konzerte von 5 Künstler-Kapellen. Theater- und Speclalitaten-Vorstellung. Täglich Matinee von 12—2 Uhr. •W Metropol-Theater, Berlin bleibt Berlin. Grosse Ausstattungs- Posse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Erik Meyer- Heimund. Emil Thomas a.G. Josef Josephl. Henry Bender. Flora Slding Hansi Reichsberg, Wini Grabitz — Johanna Junker-Schatz.— Hauchen gestattet.~9Q Anfang 8 Uhr. Kleines Theater (Schall und Kauch) Unter den JLinden 44. Anfang 8 Uhr."CHB Hansell. Tragikomödie in 4 Akten von August Strindberg. GroßrKkttkuII Ii mit neuen Federn reichlich gelullt, Ober-, Unterbett, 2 Kissen, bessere 13,75, 15,50. 4'/, schläfrige Betten 20, 22, 27 Mk. Braut-, tzotet- u. Herrschastsbettcn 33, 40, 44 Mk. Krtttedmi. aÄ'» 40, 55, 85 Pf Halbdaunen l.10, 1,30, l,50 usw. Pol'ierbettstellen 6'/. Mk. Matra.,r» 41/, Mk. Eiienbettstellen 5 Mk. Lagerbesuch ohne Kaufzwang empsehlenswert. Versand streng reell unter Nachnahme; Preisliste, Muster gratis franco. Berliner Betten-Fabrik H. Kirachbergi. mm-mm 8erlmSMranienstr.106. File;»R laiieiw. 23. 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Er wurde wegen unlauteren Wettbewerbes angeklagt, weil ein Abnehmer festgestellt hatte, dass der Tabak in diesen Cigarren Havana niemals gesehen hatte. Der Angeklagte berief sich B darauf, dass im Cigarrcnhandel der Ausdruck Havana- Ausschuss ein allgemein bekannter und üblicher sei, und kein Sachkundiger vermute, dass er unter dieser Flagge und zu so billigem Preise eine echte Havana- Cigano erhalte. Der Gerichtshof meinte, dass es auf die Sachkunde von Fachleuten nicht ankomme, dass aber doch das kaufende Publikum durch diese Bezeichnung getäuscht werde. Ein Betrug liege im strafrechtlichen Sinne nicht vor, da die Cirarren den bezahlten Preis wert gewesen seien, wohl aber unlauterer] Wettbewerb, da hier unbereebtigterwoise der Anschein eines besonders günstigen Angebotes erweckt worden sei, Die fünfte Ferien-Strafkammer verurteilte ihn zu 39 Mark Mark 6,60 7,60; 10,50| 12- 1«,- 16,50 16,50 20,- Geldstrafe. Dass durch einen derartigen Vorfall das Vertrauen z den Ausschuss-Cigarren im allgemeinen erschüttert wird, ist begreiflich, und sehe ich mich daher veranlasst, einige aufklärende Worte über meine Havana- Ausschuss-Cigarren zu veröfientlichen.— Meine Havana- Ausschuss sind solche Cigarren, wo Deckblatt und Einlage auf Oubas Boden gewachsen und dort verarbeitet worden sind. Die Schönheitsfehler des Deckblattes bedingen das Herabsetzen der Preise, und kann ich infolge meiner direkten Beziehungen und genauer Umrechnung der Dollarpreise und minimalem Profit zu diesen wirklich billigen Markpreisen verkaufen. Die festgosetzen 1 Preise pro Mille sind: Mark 80— 85—95—105—110— 115— 120- 125—130—135—140—145—155—160—170—180—190—195 und 200 M. Da dieselben nicht auf Bestellung angefertigt werden und nur solche Posten aufgekauft werden, wie selbe von Fall zu Fall erhältlich sind, vaniren auch die Marken fast mit jeder Sendung, doch sind es durchweg normal grosse Cigarren. gute Qualitäten. nur halb so teuer, wie die prima Sortierung, Alle diese Havana- Importen sind in Original-lOO-Stück-Cuba-Cedemkisten, diese mit dem(Exportlabel) Banderolle und Schutzmarke der Voreinigten Cigarrcnfabrikanten auf Cuba beklebt. Jetzt will ich auch noch erwähnen, dass diese Havana-Aus- schuss-Cigarren nicht mit denen zu verwechseln sind, welche ich ganz allgemein als Ausschuss-Cigarren offeriere. Diese letzteren, nur in gelbe Düten pro 10 Stück gepackt, enthalten, auch schon von 50 Mark anfangend, jedoch nur teilweise, Havana-Tabak, dessen Quantität und Qualität mit dem Preise steigen. Die Preise dieser Hamburger und Bremer Ausschuss-Cigarren sind pro Mille Jlark 30, 35, 40, 45, 50, 55, 60, 65, 70, 75, 80, 85, 90, 100, 120, 135, 150 und 200 Mark; Diese Cigarren, nur diese, sind gemischte Ausschuss-Cigarren. unsortiert, in verschiedenen Grössen und Farben, und ebenso wie die Importen bedeutend billiger als die entsprechenden reinen Farben. Havana-Iinporten, reine Farben, nicht Segundas, von 200 bis 2000 Mk. La Capitnna— La Äfricana— La florde Cuba — La Espanola— La Intimidad — Laflor do Inclin— La Rosa aromatica— La Carolina— El Elquador— Florde A. F. Garcia — Bock y Ca— Pedro Murias — H. Upmann y Ca— Manuel Garcia Alonso— Henry Clay — Punch etc. VerNand: Nur von 100 Stück Ci- farren an, auch lOmal zehn tück Ausschuss-Cigarren zu verschiedenen Preisen mit 10 pCt Rabatt u. halbem Porto ausnahmslos gegen Nachnahme oder Cassa; ersteZone franoo, fernerZonen- halber Porto, 600 Stück franco. Nachnahmespesen zu Lasten des Bestellers. Proben als Muster ohne Wert werden nicht versandt. Nichtkonvenier Cigarren werden auf Kosten dos Bostellers umgetauscht, resp. der Betrag zurückerstattet. Echte Cuba-Landdgarren, in Originalbunden zu 25 Stück, Länge 100 mm, 100 St. wiegen 450 Gramm. Pro Bund 1,88 Mk. ohne 10 pCt. ab Lager. Bock& Co. sowie auch Henri Clay Cigarillos Länge 72 mm., je in Kartons a 50 Stück ohne 10 Proz. 3 M. ab Lager. Havana« Cigaretten Ernte 1902. Hcmy Clay— Papel Arroz Picaduras de Susini Pedro Murias— Papel Arroz l.a Corona— Papel Pectoral — Papel Arroz (alle in Päckchen zu 20 Stück 40 Pf. ohne 10 Proz. ab Luger.) Der Verkauf findet nur zu streng festen gegen Barzahlung und Preisen statt Havana» Rauchtabak von B o c k y Ca sowie auch H e n ty Clay, nur in 1 Pfd.- Cedernkiston, ohne 10 Proz. 0 Mk. ab Lager. P. Fleischner, oKiä Femsprecher: Amtl No. 1571.— Gixo-Couto: Deutsche Bank. 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Cttobcr er., mittags von 11 bis 1 llbr, stndet im Rcftainant des Herrn Tliiel, hier, Bergstraste 150/i, die Wahl von 36 Delkgierten drr Arbtit- Uflier und 94 Nelkgittten drr Arliritiirhmrr nait. Wahlberechtigt und wählbar sind alle Arbeitgeber, welche aus eigenen Miticln Beiträge zur hiesigen Kranken- lasse leisten, und alle Kasscnniitalicder, welche grostjährfg und im Belitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind. AIS I-egltiniutl»» ist von den Arbeitgebern die letzte bezahlte Keelumng, von den Arbeitnehmern das»bgeNteiupelte 4(uit rtv»• 6 Stück 26 Mk.{ Tt i'JCl. aO EchkblaucS Monteur-Jackett I M. 90 Echtblaue Monteur- Hose.. I M. 50 Cd/tbiaueS Monteur- Jackett Prima Köper-Gcwebe.. 2 M. 50 Echlblaue Monteur- Hose Prima Köper-Gcwebe.. 2 M. 10 Manchester-Hoje8, 50,5, 25, 4,25,3 M. 50 Gefüttert. 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Bemerken noch, daß nur elegante, gediegene, gute und preiSwitrdige Ware zum Versand kommt. Wir bitten genan aar miHre Finna nn«l Fabrikmarke zn achten.-MV Veranlworllicher Rcdacteür: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil veranlworllich: Wh7 Glocke In Berlin. Druck und Berlag: BorwäriS Buchdruckerci und BerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. m Nr. 244. 19. Jahrgang. 3. Stilajt des Joimärts" Kerlim lolkslilstt. Sonnabend, 18. Oktober 1902. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 17. Oktober IVVZ. £: Börse zeigte in der letzten Woche wieder eine ansgeprägte nmg und Zurückhaltung, aus der sie auch die Eisenbahn- vcrstaatlichungsplÄie des Eisenbahnministers und die Nachricht von der Beendigung des pennsylvanischen Grubenarbeitcrstreiks nicht herauszulocken vermochten. Die Situation des amerikanischen Marktes gilt trotz aller schvnfärbcrischcn Berichte der New Dorker Handels- presse als ungeklärt, und außerdem drückten auf die Stimnumg die ungünstigen Meldungen aus den Fachkreisen der Eisenindustrie, sowie die Preisherabsetzungen des Stabeisen- und Halbzeugverbandcs, denen sich heute eine Preisermäßigung für Bandeisen� um 6 M. pro Tonne von feiten der vereinigten rheinisch- westfälischen Bandeisen-Walzwerksbesitzer anreihte. Die Beendigung des amerikanischen Kohlenarbeiter-Ausstandes entlastet zwar das amerikanische Wirtschaftsleben von der Kohlennot, zerstört aber andrer- seits auch die Hoffnungen der deutschen Bergwerksaktionäre ans Ausdehnung des deutscheii Kohlenexports und auf vermehrte Eisen- ausfu hr nach den nordamerikanischen Hafenplätzen. Thatsächlich steigerte die gestrige Nachricht, der Leiter der„United Mine Workers Union" hätte der Erneuerung eines Schiedsgerichts durch Rooscvelt zu- gestinvnt, auch nur den Kurs der Kanada-Pacific-Bahn-Aktieu, die von vornherein um 2 Proz. höher einsetzten: dafür aber gaben die Kurse der leitenden Eisemverte meist nach, da die Spekulation unter dem Vorwand, dus Aufhören des Streiks werde schädigend aus die Eisenausfwhr nach den Bereinigten Staaten zurückwirken. jnit Angeboten solcher Werte vorgingen. Durthwey haben lvährgnd der Berichtswoche die wichtigeren Spekulati inSiverie der Hüttenindustrie mehrprozcntige Kursabschläge erlitten. Etlvus besser Hai«» sich Kohlenaktien gehalten und aus dem Banleuinarkt sind nur ganz minimale Abbröckclungcn zu vcr- zeichnen. Zu der gedrückten Stimmung der Börse trugen, wie schon vor- hin erwähnt.wurde, nicht wenig die ungünstigen Meldungen über den Geschäftsgang der rheinisch-wcstfälischcn Kohlen- und Eisen- industrie bei. der durchitus nicht die Erwartungen erfüllt, die auf das Herbstgeffchäst gesetzt worden sind. Auf dcni Kohlcnmarkt hat allerdings der Absatz etwas zugenommen, da neben der Nachfrage nach Hausbramdkohlen für den Winter auch der Kohlen- und Coaks- export sich in t»m letzten Wochen lebhafter gestaltet hat. doch handelt es sich um vorübergehende Bedarfsdeckungen, die bald nachlassen dürften. Die Nachfrage nach Jndustriekbhle hat auf dem inländischen Markt eher ab- alZ zugenommen, und ob der Versand nach dem Auslande sich» auf der jetzigen Höhe halten wird, ist recht fraglich. Die Hoffnung, daß der Mangel an Anthracitkohlen in den Per- «inigten Staaten von Amerika zu einem anhaltenden englischen Koblenexport nach irordairerikanischen Häfen führen und dadurch der deutschen Kohlenindustrie Gelegenheit zur Ausdehnung ihres Absatz- gebietes in Holland und Belgien soivie in den Hafenplätzen der deutschen Nordseeküste bieten werde, ist durch die Beendigung des Kohlcnarbeiter-Ausstandcs. im pennsylvanischen Hartkohlen-Rcvicr zum mindesten stark verringert worden. Und ob der Export nach Frankreich größere Bedeutung erlangt, dürfte ebenfalls noch recht fraglich sein, da eincrieitö die Gegensätze zwischen den Bergarbeitern und die Rücksichten, die dait Kabinett Combcs zu nehmen gezwungen ist, kauin eine längere Dauer des Streiks der nordfranzösischev Grubenarbeiter als wahrscheinlich erscheinen lassen, und andrerseits die Zechen und französisi hen Händler sich dermaßen mit Vorräten versorgt haben, daß sie sich vorerst aufs Abwarten verlegen können. Von der Leitung des rheinisch- westfälischen Kohlcnsyndikats wird denn auch die Lage der westdeutschen Kohlenindustrie keineswegs als aussichtsvoll beurteilt, wie die Thatsache beweist, daß das Syn- dikat, obgleich in dem eben, beendeten dritten Quartal des laufenden Jahres die Beteiligung der angcschloffenen Zechen über die festgesetzte Beteiligungsziffer von 7ü Proz. hinausgegang-n ist. doch für das yierte Quartal wieder m»e Einschränkung von 24 Proz. festgesetzt hat. Es bleibt eben zu berücksichtigen, daß auf den. Zechen wie in verschiedenen RheinhäfeHvlätzen noch bedeutende Bestände lagern, mit denen notwendig, sollte sich wirklich der Absatz etwas heben, einigermaße» aufgeräumt, werden muß. Etwas bessere Aussichten auf guten Fortgang eröffnet das Coakscxportgcschäft, so daß auf all- mählige Abnahme der Vorräte an Coakskohlc», die bisher zum großen Teil nur als Fainkohlen zu bedeutend ermäßigten Preisen unterzubringen waren,'gerechnet werden kamt. Entschieden ungünstiger ist die augenblickliche Lage des Eisen- und Stahlmarktes. Selbst die bekannte Fachzeitschrift„Stahl und Eisen", die man kaum eines übertriebenen Pessimismiis beschuldigen kann, kommt in ih.eem soeben erschienenen Bericht über die Lage der Eisenindustrie im lichten Vierteljahre zu dem Ergebnis, daß die Hoff- nung auf eine Bcsperung des Eisen- und Stahlgeschäftes sich nicht erfüllt hat. vielmehr- sei, entgegen der Erwartung, daß die Deckung des Herbstbedarfs ei«e Belebung des Marktes bringen werde, sowohl in der Nachfrage wie in der Höhe der Preise ein Rückschlag einge- treten. Nur mit gqößter Anstrengung wäre es den Werken möglich gewesen. Beschäftigung zu erhalten, und zwar hätten sie, da der In- landsbcdarf auf ein Minimum gesunken sei, sich vornehmlich auf den Absatz nach dem Auslande, besonders nach Amerika, angewiesen ge- sehen. Doch wäre bei der starken Konkurrenz, welche die deutschen Werke sich im lebten Jahre unter sich selbst auf den Auslandsmärkten gemacht hätten und um den Wettbewerb Englands und Belgiens ab- znwehren, der Export zu Preisen vor sich gegangen, die oft kauni die Selbstkosten gedeckt härten. Nachdem dann für Gicßerci-Roh- eisen ein guter Absatz konstatiert und bemerkt worden ist. daß auch für Puddel- und Stahleisen infolge der Herabsetzung des Preises um 2 M. pro Tonne größere Licferungsabschlüffe zu stände gekommen sind, während auf dem Stabeisenmarkt die gewohnte Herbst-Ge- schäftsbelebung teilweise ausgeblieben sei, heißt es weiter: „Die ruhige Weiterentwicklung des Drahtmarktes wurde in sehr unliebsamer Weise durch ein von ausländischen Werken ausgehendes Werfen der Weltmarktpreise gestört, welches das Walzdraht-Syndikat veranlaßte, den Preis von Walzdraht für das lebte Jahresviertcl erheblich zu ermäßigen. So weit es bis heute den Anschein gewinnt, dürfte aber diese Herabsetzung kaum genügen, um den zur Zeit er- heblich geschmälerten Anteil an dem Weltmärkte, ohne den eine nur einigermaßen genügende Arbeitsmenge für das gesamte Draht- gewerbe überhaupt nicht zu beschaffen ist, wieder voll herbeizuschaffen. In Bezug auf die Lage des Grobblechgeschäftes hat sich gegen das verflossene Vierteljahr kaum etwas geändert. Die Menge der Ab- lieferungen war vergleichsweise günstig; aber der Eingang an neuen Aufträgen vollzog sich nur stockend... Auf dem Feinblech- markte herrschten traurige Verhältnisse. Die Beschäftigung war so mangelhaft, daß die Werke vielfach Feierschichten einlegen mußten... In Eisenbahnmatcrial sind zwar von den Staatsbahnen namhafte Aufträge erteilt worden; die Arbeitsmengen reichten aber nicht aus, bei der gesteigerten Aufnahmefähigkeit der vielen produzierenden Werke genügende Beschäftigung zu gewähren, so daß manche Betriebe zu Einschränkungen gezwungen waren... Die Röhrengießereien waren befriedigend beschäftigt und konnten»eben der Ausnutzung ihrer Betricbscinrichtungen die vorhandenen Vorräte zum großen Teil abstoßen. Augenblicklich hat die Nachfrage etwas nachgelassen. Die Maschinenfabriken hatten nach wie vor unter geringer Nachfrage und sehr gedrückten Preisen zu leiden." Die Versicherung, den Werken wäre die Aufcechterhaltung ihres Betriebes in jetzigem Maße nur möglich infolge ihres forcierten Ab- satzes nach den Auslandsmärkten, enthält, Ivie ein Blick auf die Aus- suhrjtatistik lehrt, keine Uebertrcibung. Es betrug z. B. in dem Zeitraum von Januar bis August sfür den Monat September 1902 schien noch die Zahlen): 1901 Tonnen 205 öljO 'S 991 07 592 1 321 092 1992 Tonnen 102 087 190 942 82 722 1 883 579 die Roheisen-Einfuhr..... „ Roheisen-Ausfuhr..... „ Eisen- und Stahlwarcn-Einsnhr „ Eisen- und Stahlivarcn-Ausiuhr Demnach hat die Ausfuhr von Roheisen im Vergleich zum vorigen Jahre, obgleich die Einfuhr um über 50 Proz. gesunken ist, um 117 951 Tonnen oder ca. 149 Proz. zugenommen, lind gleich- zeitig ist die Ausfuhr von Eisen- und Stahlwaren, obgleich auch in Bezug auf diese die Einsuhr einen Rückgang von 14 870 Tonnen aufweist, um 562 487 Tonnen s_ 43 Proz.) gestiegen. Dabei kommt aber in Betracht, daß schon das Jahr 1901 nicht mehr als normales gelten, da vom April ab ein zunehmendes Abstoßen der aufgehäuften deutschen Vorräte von Eisen und Eisenwaren nach dem Auslände begann, während zugleich die Einfuhr beträchtlich zurück- ging. Im Jahre 1900 betrug von Januar bis August die Einfuhr von Roheisen 485 194 Tonnen, die Ausfuhr 82 548 Tonnen. Die Einfuhr übertraf also die der ersten acht Monate des laufenden Jahres um beinahe das Fünffache; die Aussuhr dagegen erreichte noch nicht die Hälfte des diesjährigen Exports. In welchem Maße übrigens die" Krise der deutschen Eisen- industrie durch die übermäßige Ausdehnung der Produktionsmittel während der Aufschwungsjahre von 1895/1900 bedingt ist, zeigt deutlich die Thatsache, daß die französische und belgische Eise»- industrie nur insofern unter der Krise zu leiden hat, als sie, um der fremden Konkurrenz begegnen zu können, ebenfalls mit niedrigeren Preisen rechnen muß, daß aber sonst das im laufende» Jahr erzeugte Quantum das vorjährige beträchtlich übertrifft. In Belgien waren z. B. am 1. Okiober von den 30 bestehenden Hochöfen 7 mehr als am gleichen Tage des Vorjahres, nämlich 25, im Betriebe. Die gesamte Leistungsfähigkeit der angeblasenen Oese» stellte, sich 1902(und 1901) für 24 Stunden auf 655 t(530) Frifchereiroheiscn, 865 t (200) Gießereiroheisen und 2330 t(1300) Roheisen zur Stahl- bereilimg, insgesamt also auf 3350 t(2120) Roheisen. Die Gcsamlcrzengung der belgischen Hochöfen in den ersten drei Vierteln des Jahres 1902 berechnet sich(im Vergleich mit dem entsprechenden Zeiträume von 1901) auf ungefähr 196 940t(116 645) Frischerei- coheisc», 74 520 t(66 020) Gießereiroheisen und 519 260 t (384 335) Roheisen zur Stahlbereitung, zusammen also auf 790 720 t(567 000) Roheisen. Der Landwirtschaftsministcr von PodbiclSki hat in seinen verschiedenen Bestreitungen einer Fleischteuerung verheißen, daß schon in aller Kürze die Schwcineflcffchpreise weiter sinken würden. Bisher hat sich von dieser Prophezeiung recht wenig erfüllt. Im Gegenteil haben in 10 von den 23 preußischen Städten, deren Fleischnotiernngcn das Königl. Preuß. Statistische Bureau für seine Lcbensmittelstatistik benutzt, während des Monats September weitere Preiserhöhungen stattgefunden, in 10 andern Städten sind die Durchschnittspreise seit August stehen geblieben und nur in dreien. Tanzig, Bromberg, Posen, haben die Preise einen Abschlag erlitten. Eine Steigerung gegen den Vormonat fand in folgenden Städten statt pro Kilogramm: in Königsberg i. Pr. um 10 Pf. „ Görlitz........ 14„ „ Frankfurt a./O.... 4„ „ Berlin........ 4, „ Halle a./S...... 4„ in Hannover. „ Paderborn. „ Kassel... „ Hanau... Koblenz um 6 Pf. 8. 10. 1. 10„ Um der ärmeren Bevölkerung billiges Fleisch zu verschaffen, hat der Magistrat der Industriestadt Staßfurt zu dem Mittel ge- griffen, für Rechnung der Stadt Rindvieh und Schweine anzukaufen, im städtischen Schlachthaus schlachten zu lassen und das Fleisch pfundweise an die ärmere Bevölkerung abzugeben. Gutes Ochsen- fleisch kostet 70 Pf. pro Pfund, Schweinefleisch ebenfalls 70 Pf.» Leberwurst, Blut- und Schwartenwnrst usw. 75 Pf. In der Stadt- verordnctcnsitzung vom 14. d. M. erklärte der Bürgermeister dazu nach einer Mitteilung des„Beel. Tageblattes":„Aus der Erhöhung der Preise müßten die Fleischer die Folgen tragen. Auf alle Fälle habe er Rücksicht zu nehmen aus die ärmere Bevölkerung, welche nicht in der Lage sei, die teuren Fleischpreise zu bezahlen, und deshalb gezwungen sei, teilweise ans Fleischgenuß zu verzichten. So lang« die Fleischer nicht die Flcischpreise auf einen vernünftigen Satz herab- setzen, so lange würden die Schlachtungen fortgesetzt und erforder- lichen Falles auch noch Verkaufsstellen in der Stadt errichtet werden." Darob allgemeine Entrüstung, nicht nur in den ehrsamen Fleischcrimiungen, sondern auch der liberalen Presse. Zwar hat diese selbe Presse noch bis in die letzten Tage bewiesen, tvie durch die Fleischtencrung der Haushalt der ärmeren Bevölkerung belastet und der Arbeiter gezwungen wird, seinen Fleischgenuß beträchtlich ein- zuschränlcn; aber höher als alle Polkscrnährung steht ihr doch das Princip der ungehinderten Konjunkturausnutzung, d. h. so lange es sich um ehrsame Bürger handelt, wenn Arbeiter die Konjunktur durch einen Streik auszunutzen suchen, hat das Klagelied einen andern Tert— und das unverkümmerte Recht auf hohe Profite. Tat. Versammlungen. Der Verein zur Wahrung der Jntcreffcn der Maurer hielt am Mittwoch seine Generalversammlung ab. Nachdem einige geschäft- liche Angelegenheiten erledigt waren, berichtete Gehl über die Vcr- Handlungen mit dem Vorstand der Fliesenleger-Organisation, die in unserm Bericht über die Flicscnlegcr-Versammlung bereits mit- geteilt sind. Die Abmachungen wurden von der Versammlung gut- geheißen. Sodann sprach Gehl über zwei Einzelfälle von Arbeits- niedcrlcgungen, di? er als Vertreter des Vorstandes nicht billigen konnte, weil die betreffenden Kollegen sich im Unrecht befanden. Tie Diskussion ergab, daß die Versammlung in beiden Fällen das Urteil und Verhalten GehlS billigte. Ferner sprachen sich mehrere Redner sehr mißbilligend über die im Vertrage des Centralverbandcs festgesetzte Einteilung der Arbeitszeit ans und bemängelte besonders den Wegfall der Vcsperpause bei der jetzt geltenden 8V-stnndigen Arbeitszeit.— Zur Unterstützung der streikenden Bleigläser be- willigte die Generalversammlung für diese Wockie 500 M. und ermächtigte den Vorstand, die Bleigläser für die nächsten Wochen weiter zu unterstützen.— Sodann wurden 4 Mitglieder auf Antrag de? Ausschusses wegen Accordmanern ausgeschlossen. Schließlich befaßte sich die Versammlung noch mit' folgendem Urteil des Charlottenburger Gcwerbegerichls vom 22. August d. I.: Ter Polier Kiewe des Maurermeisters Glasenapp hatte den Maurer Schmidt beauftragt, noch einen Maurer oder mehrere Maurer zur Arbeit mitzubringen. Schmidt sagte dann dem Maurer Hermann Schulze, er könne sofort in Arbeit treten und solle nur sein Geschirr gleicht mitbringen. Als aber Schulze auf den Bau kam. wollte der Polier ihn nicht einstellen, weil er nur in der zweiten Klasse der Kraiikenkaffe versichert war. Schulze forderte nun einen Tagclohn und Vergütung der Fahrkosten, und da ihm das verweigert wurde, wandte er sich an das Charlottenburger Gelverbegericht und klagte gegen den Maurermeister Glasenapp um den Betrag von 6,55 M. Er wurde aber kostcnfällig abgewiesen, und zwar mit der Be- griindnng, daß es Ortsgebranch sei, daß die Poliere vom Unternehmer wohl die Vollmacht hätten, Arbeiter einzustellen, diese Vollmacht aber nicht auf einen beliebigen Arbeiter übertragen könnten. Der Ab- schlnß des Arbeitsvertrages komme erst durch Rücksprache mit dem Bevollmächtigten des Unternehmers, durch Vereinbarung über den Lohn sowie durch Uebcrgabc des Krankenbnches und der In- validenkartc zum Abschluß und somit sei hier der Arbeitsvertrag noch nicht zu stände gekommen gewesen.— In der Diskussion über dieses Urteil wird allgemein erklärt, daß sich das Gericht über das. was allgemein im Maurcrgewcrbe bei' der Einstellung von Arbeitern hier Usus ist, im Irrtum befunden hat. Das Urteil entspreche nicht dem Rcchtsbewußtscin des Polles. Man könne sich diesen Fall aber zur Warnung dienen lassen. Müggelheim. Hier tagte am 12. d. M. eine Volksversnmm- lung.„Die Socialdemokratie und ihr Programm" war das Thema, welches Rcichstags-Abgeordnetcr Z u b c i l in dreistündigem Vor- trage erläuterte. Reicher Beifall wurde dem Redner gespendet.—■ Es ist zu erwarten, daß diese Versammlung einen guten agitatorischen Erfolg haben wird. Viele hatten sich eingefunden, die vielleicht nicht gekommen wären, wenn nicht der Geistliche eine unfreiwillige Pro- paganda für die Socialdemokratie entfaltet hätte, indem er von der Kanzel herab gegen uusre Partei sprach. Es ist nun das Gegenteil dessen eingetreten, was der Seclenhirte beabsichtigt hatte. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 19. Oktober, vorm. 8'/t Uhr, In der'Aula der 69. Gemeindeschnle Kleine F r a n k s u r t e r st r. 6: Versammlung.„Freireligiöse Vorlesung."— Um IG/, Uhr vorm. eben« daselbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille:„Genialität". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. In der Hnmanistischen Gemeinde, Nicdcrwallstr. 12, in der Aula der Fricdrich-Wcrderschen Ober-Realschule hält am Sonntag, vormitlags 10'/3 llhr. Herr Dr. Rudols Penzig einen Vortrag über:„Wessen müssen wir uns schämen?" Damen und Herren haben freien Zutritt. Zlllgenieine Kranke»- und Tterbekasse der Metallarbeiter. tE. H. Nr. 29, Hamburg.) 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