Ur. S73. Alwmiemeuts>Drdiiigungt»: Abonnements- Preis prinumerando» Dierteliiihrl. ZSß SRI., monatl. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei WS Hau?, Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nnmmer mit illustrierter Sonntags. Beilage„Die Neue Seit' 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitung-- Preisliste für 1002 unter Nr. 7878. Unter Kreuzband für Dcutfchlanb und Oesterreich> Ungarn S Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich tuchrr Montags. 19. Jahrg. Vevlinev Volksblertt. Die Ittstrtwtts-Nebühr betrügt für die fechSgefpaltene Koloncl- zeile oder deren Raum«0 Pfg,, für politische und gcwerlschastliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 20 Pfg, ..Illtill« stliseiged" jedes Wort L Pfg, (nm das erste Wort fest). Inserate für die nächste Nummer müsse» bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittag» gedstnet. Telegramm-Adreffe: i,»ottaldrmakr«t Srrlin». Centvawrgan der focialdemokratisthen Partei Deutschtands. Christliche Witwen- und Waisen- Verhöhnung. Indes hinter den Coulisscn des Reichstags der Verständignngs- unifall rüstig betrieben wird, hat die Führeriii der grasten Zoll- rctirade, die Partei Aichbichler, am Freitag der Regiermig das erste Angebinde deö Friedens überreicht. Sie hat die Interessen der Witwen und Waisen, die fie selbst in ebenso schwinde!- wie tölpel- haster Weise mit der Hungerblockade verquickt hat, pfundweise an den Meistbietenden losgeschlagen: durch das Wenige, was sie be- halten hat. hat fie nur gezeigt, wieviel noch zu haben ist. In der Striegsgeschichte dieses BrotwucherfcldzngeS niust es für alle Zeiten festgehalten werden, dast das erste Opfer, das auf dem Marder heiligen mittleren Linie gefallen ist, den Allcrärmsten der Armen genommen wurde. Und es ist die Generalpächtcrin der christlichen Barmherzigleit. die CentrumSpartei gewesen, die soviel unchristliche Nachgiebigkeit bewiesen hat. Der ß IIa. des Zolltarif-Gesetzes, der besiinmite Erträge der neuen Zölle zu Zwecken der Witwen- und Waisen- versorgung verwenden will, hat schon in der Zolltarif-Äomniission seine eigentümlichen Schicksale gehabt. In der ersten Lesung wurde er abgelehnt, in der zweiten aber mit einer Stirnnie Mehrheit angenommen, weil der Scharsmacher- Sekretär, Herr Beumer. zufällig verhindert war, an der Abstimnumg teilzunehmen, Das war mehr Glück, als das Centrum ertragen konnte. Damals würde es von der CentrumSpresse sicherlich als eine Verleumdimg verschrien worden fem, weim wir erklärt hätten, der demagogische Schivindelanttag des Centrums sei nur zu dein Zwecke gestellt worden, in der Kommission von einer sicheren Mehrheit gemeuchelt zu werden. Heute, da das Centruni selbst seinen Antrag im Stich gc- lassen und sich auf den Bettelpfeiung des Antrags T r i m b o r n zurückgezogen hat, ist es tlar, dast da sein ursprünglicher Antrag nur dazu da war, um mit ihm grostmäulige Rctlame zu treiben, dast aber niemals die ernste Absicht bestand, ihn Gesetz werden zu lassen. Es ist schon längst zwingend nachgeiviesen worden, dast auch jene Zollcrträge. die nach dem ursprünglichen Antrag des Centrums für die Witwen- mid Waisenvcrsorgung verwendet werden sollten, nur einen Verschivindendcn Teil dessen an das Volk zurückerstatten würden, Ivos ihm geraubt werden soll. Auch jene Erwäge hätten laum dazu ausgereicht, den Witwe» und Waise» s e l b st die Mehr- ausgaben zu vergüte», die ihnen der Brotwucher auferlegen will. Davon ist ihnen nun vom Cemrmn selbst ein erklecklicher Teil noch lonfisciert worden. Die Mehrerwäge von Ger st c, Hafer. Federvieh, Eier. Butter. Käse und Müllerei- Produkten, mit Ausnahme deö MehleS, die»ach dem ursprüng- lichcn Anwag„socialpolittschen Zwecken" dienen und„die Schärfen des Zolllanipses mildern" sollten, werden nach dem jetzt an- genommenen Anwag Trünborn ruhig zu Heeres- und Flottenzwecken verwendet werden dürfen. Dieser allgemeinen Verkürzung des „Patrimoniums der Enterbten" find vorläufig mir Rogge», Weizen, Vieh, Fleisch und Mehl entgangen. Wer kann sagen, wieviel davon auf dem Wege zur dritten Lesung noch übrig bleiben wird? Dannt aber nicht genug! Nach dem iwsprünglicheu Antrag des CentruniS sollte nur soviel von den Zollerwägcn der Reick, skasse verbleiben. als sie aus den zwölf angeführten Zollgegenständc» im Durchschnitt der letzten sieben Jahre bezogen hat. Nun sind von diesen zwölf Artikeln nicht nur sieben einfach gestrichen worden, sondern der Berechnungsmodus für die restlichen fiinf hat zu Ungunsten der VersorgungSbedürstigen eine cinschneidriide Verschlechterung erfahren, Der ReichSkafie resp. den Einzelstaaten soll nach dem AnWage Trünborn so viel von den Zollerträgen verbleiben, als sie bisher von ihnen pro Kopf der Bevölkerung bezogen haben. Jene Erhöhung der Zollerwäge, die sich aus der uatürlicheu Vcrniehrung der Bevölkerung ergiebt, sollte nach dem ursprünglichen, nun im Stich gelassenen Anwage den Wittoen und Waisen zufallen. Durch den Anwag Trünborn ist fie ihnen gleichfalls lonfisciert worden. Aber auch damit noch nicht genug! Der«errat der Centrimispartei au thron eignen Reklamcprojckt ist damit nur v o r- läufig erschöpft. Die Erllärungeu. die Herr Trimborn, der der- antioortliche llledakteur des VerschlechterungSauwageS, über die zu- künftige Haltung feiner Partei gegeben hat. übersteigen das Mast der bisherige» Zugcständnisfe noch um Bcrgeshöhe. Denn hat Herr Trimborn vor der Regierung und dem ewigen Flottenhunger einen halben Kotau gemacht, so macht er vor den Interessen der Arbeitgeber gleich einen ganzen. Es war von vornherein klar, dast die Witwen- und Waiscnversorgung ohne Beiwäge der Arbeitgeber cüce halb lächerliche. halb lläg- liche Mistgeburt bleiben müsse. Denn die Einkünfte des geplanten LersorgungsüistitutS aus den Zöllen hätten schon nach dem ersten Projeit noch für kein dürftiges Almosen ausgereicht. Darum hatte Herr Trünborn in der Äommisfion erklärt, er stelle sich die Sache so vor, dast das Reich die Hälfte zuschieste, die andre Hälft- aber von Arbeitgebern und Arbeitern getragen wurde. Inzwischen aber haben sich die Arbeitgeber für dieses Geschäft bestens bedankt. Und nun ereignet jich das Ungeheuerliche: Während das Ccnttum allen Wünschen. Bitten und Drohungen gegenüber, mit denen e-z die katholischen Arbeiter von seinen Brotwucherpläne» abzubringen versucht, hat, harthörig geblieben ist. hat Herr Trimborn im Reichstag allen Plänen abgeschworen, die den Arbeitgebern irgend eine Ncubclastuug zumute» würden. Den Arbeitern sollen Milliarden jährlich von ihren, Eüikommen genommen. Und der Erwäg dieser Milliarden soll den länd- lichen und stSdtischen Arbeitgebern durch Industrie- und Sgrarzölle zugeschanzt wcrden. Die Belastung, die diesen Arbeitgebern tmi der Witwen- und Waiscnversorgung„drohte", hat der Abg. Trimborn selbst auf etwa 45 Millionen jährlich geschätzt. Sie ist also nur ein verschwindender Bruchteil dessen, was das vereinigte Ausbeuterwm aus dem Zollschacher beiseite legen will! Und weil Herr Trimborn diesem Ausbeutcrwm ein so geringfügiges Opfer zugenuttct hat, darum hat er es am Freitag förmlich um Verzeihung gebeten. Er hat ausdrücklich erklärt, dast er in der Kommission nur seine persönliche Meinung ausgesprochen habe, und dast seine Partei als solche sich keines- Wegs zur Höhe seiner Menschenfreundlichkeit aufzuschwingen vermöchte. So sieht die Milderung des ZollkampseS aus, die das Centrum mit seinem christlichen Witwen- und WaisenvcrsorgmtgSschwindel beabsichtigt haben will: Es hat dem armen ausgebeuteten Volke zum Schaden noch den Spott gefiigt, eS hat mit dem Heiligsten und Be- dauernswertesten, es hat mit dem Elend der Witwen und Waisen Schindludcr getrieben, es hat in die Wunden, die die Hungerjieitsche den Aermsten schlägt, Pfeffer und Salz gesweut. Wer wägt die Kosten der Witwen- und Waiscnversorgung? Das Reich bedankt sich, die Arbeitgeber bedanken sich, und zum Schluß bleibt als Haupt- Wäger der Lasten die Arbeiterschaft selbst übrig, die durch den Zolladerlast ohnehin weistgebluwt werden soll. Das ist die Polittk der allcrbarmherzigsten, der demokratischen, der christlichen Arbeiterpartei! Herr v. Thiel mann, der Sleichsschatzmeisier, war weit davon entfernt, dem Ccntrum für seine Geschenke zu danken. Er darf sich vielleicht der Hoffnung hingeben, dast das Geschäft zum Schlüsse nicht zu seinein Schaden ausschlagen wird. Der Redner der Rechten, Graf K anitz, wat, nachdem er durch aller- lei nicht zur Sache gehörige Ausftihrmigen Obstruktion getrieben hatte, für die Resolution Rettich ein:„es seien die Re- gierungen aufzufordern, Mastuahmc» in Erwägung zu ziehen" usw., Ausführungen, die in ihrer Entblößung von aller Sachlichkeit wie ein böS- artiger Witz auf den Numpfantrag Trimborn wirkten. Herr Richter, der Liebling der änszersten Rechten, vertrat die bcschräntte Finanzpolitik des Kleinbürgertums, die auch jene Abgaben verabscheut, welche zu vernünftigen Zwecken verwendet werden. Er verwies die Witwen und Waisen auf den Weg der— Selbsthilfe. Herr B a s s e r m a n n hat seine Scndnng als Messias der nattonalsocialen Socialpolitik wotz aller Vrotwuchcrgelüste nicht vergessen, und so spannte er sich tapfer vor den— Cenwumskarren und trat fiir den Anwag Trünborn ein. Aber ein groster Teil seücer Freunde war selbst dafür nicht z« haben! Der Tag, der dazu schon durch den sachlichen Gang der Ereignisse für das Centrmn eine zerschmetternde moralische Niederlage be- deuten mutzte, hat die socialdemokrattsche Fraktton auf ihrem Posten gefunden. Unter der rednerischen Führung der Genossen Molken- b u h r und L e d e b o u r hat sie schrittweise in hartem Kampfe alle Positionen verteidigt, die die heimtückische Berrätertaktik des Cenwums verlassen hatte. Mit ihrer Hilfe ist diesmal wenigstens der armselige Fetzen des AnwagS Trimborn gerettet worden. Ob auch das letzte Groschenstück, das die Mehrheit für die Witwen und Waisen groß- mutig erübrigt hat, nicht schließlich auch zum Schacherobjett der Berständigungaktion werden soll, wird erst die dritte Lesung lehren. Mit Herrn Richters Hilfe wwd schließlich vielleicht noch Herr Rettich triumphieren! politifcbc CUbcrficbt. Berlin, den 21. November. Neue Kämpfe. Der Reichsschatzsekretär v. Thiclmann hat m der Freitag.* sitzung des Reichstags einige Mtteilimgen gemacht, die zwar nicht neu sind, mit jener Bestimmtheit aber, mit der sie abgegeben wurden. bisher noch nicht vertreten worden smd. Er hat erklärt, datz der nächste Etat einen Fehlbetrag von 150 Millionen ergeben würde. Dieser Fehlbewag soll auf eine nach der Verfassung ganz unzulässige Weise, zum großen Teil durch Auflage eines neuen Pumps, durch eine fogenmmte Ergänz ungs- oderZuschust- a»leihe, gedeckt werden. Es ist klar, dast ein so seltsamer, ja ungeheuerlicher Etat die sorgj amste Prüfung durch die Volksvertretung erheischt. Um so befremdlicher mutz es erscheinen, dast dieser Etat dem Reichstage gegen sonstigen Gebrauch erst«ach Weihnachteo zu- gehen soll. Der Reichstag soll gezwungen werden, seine angen- blicklich wichtigste Aufgabe zu vernachlässigen, um fiir den Z o l l- s ch a ch e r Zeit zn gewinnen! Herr v. Thieliuami hat ferner mitgeteilt, datz die Erhöhung der Tabaksteuer in nächster Aussicht sieht. Zu welchem Zcilpunttc diese Vorlage ein- gebracht werden soll, hat er verschwiegen. Es ist ganz mtwahrschein- [ich, dast der Reichstag, selbst wen» er sich von der Schädlichkeit und Aussichtslosigkeit seiner jetzigen Bemühungen überzeugen sollte. z«r Erledigung einer so wichtigen Borlage noch Zeit finden würde. Eö wwd Sache der Wähler sein, dafür zu sorgen, dast im nächsten Reichstag keine Mehrheit zu finden sei für eine Erhöhung der Tabaksteuer, der sich womöglich— der Appetit wächst mit dem Essen_ auch eine«icistruer anschließe» würde. Je gründlicher sie gewarnt werden, desto bester I— Di» mtidr Mehrheft. Paris, IS. November.(Eig. Ber.) Die Aartellmehrheit der Kammer(der„Bloc") zeigt iinnicr deutlichere Symptome der Er- inattimg und der Müdigkeit. Kein Wunder! Nichts ermüdet so sehr wie geschäftiges Nichtsthun. In den fünf Wochen der Herbst- sesfion ist man über einige gesetzgeberische Anläufe nicht hinaus- gekommen. Ist aber ein« Kartellmehrheit müde, so halten ihre ver- schiedencn Bestandteile nicht mehr eng zusammen; die parteipolitische Disciplin, ein junges und zartes Pflänzchen in der französischen Kammer, erschlafft, die wtsicheren Kantonisten und die ministerfähigen Streber haben leichtes Spiel in ihren auf die Desorganisation der Regierungsmehrheit abzielenden Jntriguen. So sind unter andrem die Wahlen der Kammervertreter in die höhere Arbeitskommission(obere Kontrollinstanz der Gewerbe- Inspektion) fiir den„Bloc" eine unangenehme Ueberraschung gewesen. Seine zwei Kandidaten, ein Linksradikaler und ein Jamssist, find unterlegen gegenüber einem disciplinwidrig kandidierenden Rechts- radikalen und einem Msliniste». In das gleiche Kapitel gehört die Wahl DoumerS zum Vorsitzenden der Budgetkommission, wotz der heftigen Lppositton von I a ur ö s. Doumer, der unter dem Kabinett Meline seine Agitation für die Einkommensteuer uin den goldenen Posten eines VicekönigS von Jndochina verschachert hatte. spielt seit seiner Rückkehr inS parlamentarische Leben die zweideutige Rolle eines von den Nattonalisten gelobhudeltcn Radikale». Man nennt ihn mit Recht einen angehenden ftan- zösischen Chamberlain. In der Zeit seines' Vicekönigtums hat er sich zum Schwärmer fiir das„größere Frankreich" entwickelt. Uebrigens ist dieser ehemalige Boulangist für die Laufbahn eines politischen Abenteurers wie geschaffen. Neben einem skrupellosen Ehrgeiz hat er das nötige Talent dazu. Die Radikalen sind aber an Talenten arm. Desto liebevoller hätscheln sie ihren Doumer, unbelünnnert um seine Jntriguen gegen den radikalen und socialisti- schen„Bloc" bezw. gegen das Kabinett Combes. In den geswigen Mandatsprüfungen endlich hat die Kammer so skandalöse Beschlüsse gefaßt, als würde sie eine klerikal-melinistisch- nationalistische Mehrheft aufweisen. Die Wahl eines bretonischcn Klerikalen, erwiesenermaßen durch priejterlich-mönchischen Druck, durch Bestechung und reichliche Bewirtung mit Freischnaps zu stände gekommen, wurde mit 15 Stimmen Mehrheit für gültig erklärt. Und womöglich noch bösarttger war die Anerkennung des Mandats eines Dr. Loqnc-Orauge. eines Abenteurers niedrigster Sorte. Er hatte sich nach einander an die socialistische und an die radikale Partei hcranzudrängeln gesucht. Von beiden abgewiesen, stellte er seine „unabhängige republikanisch-demokratische" Kandidatur auf, unter- stützt von den Äongrcgattonen und sänftlicheu Klerikalen des Wahl- kreiseS. Er gab sich aber demwch für euuni Radikalen aus. Um den Betrug perfekt zu machen, verübte er zwei Fälschungen. Er verbreitete Wahlplakate mU der Unterschrift des Sekretärs des Centtalkomftces der radikalen Partei, während der Unterzeichner Sekretär eines Pariser nationalistischen Bezirkskomitees ist. In einem zweiten Plakat bestritt er dann dem wirklichen Sekretär der radikalen Partei diese seine Eigenschaft und nannte ihn„Lügner"... Gewählt wurde er m der Stichwahl mit bloß 32 Stinnnen Mehr« Heft gegenüber dem wirklichen Kandidaten der radikalen Partei. Trotz alledem wurde der Betrüger und Fälscher von der Kammer mit Ivo Stimmen Mehrheit in ihre Mitte zugelassen! Ueder den Gesundheitszustand des Zaren cirkulieren seit geraumem bedenkliche Rachrichten. Bekannt ist ja, dast der Zar kränkelte, seitdem er auf seiner Reise um die Welt in einem japanischen Theehansc durch ein anrüchiges Jndividmmi eine schwere Schädelverletzung davon gewogen hatte. In der letzten Zeit berichtete namentlich die cnglffche Presse vielfach über nervöse Zu- stände Nikolaus II., gleichzeitig berichteten Meldungen, dast die Zarin von einer hefttgen Ncrvenwankhcit befallen sei, die die Hinzuziehung ausländischer Kapazitäten notwendig mache. Numnchr bringt auch, wie wir der Naumannscheu„Zeit" entnehmen, StruveS „Befreiimg" eine Mitteilung über den besorgniserregenden Gemüts- zustand Nikolaus II. Der Herausgeber bemerkt selbst zu ihr, er wage an sich Bedenken Sensationsnachrichten weiter zu geben, leider aber mache es die Natur seiner Quelle» sehr wahrscheinlich, dast cS mit der Sache seine Nichtigkeit habe. Danach soll schon seit einem Jahre ein ge- wisser F i l i p p o w. dem Kaiser Nikolaus II. durch einen Groß- fürsten zugeführt, am Hofe sein Wesen treiben. Filippon» beschwöre durch spiritistische Experimente Geister, namentlich den des verstarb cicen Alexander ID., bei dem der Sohlt sich dann Rat erholt; mit seinen psychologisch-diätetischcil Experimenten soll er auch hinter der(wie jetzt allgemein angenommen wird) eingebildeten Schwangerschaft der Kaiserin gesteckt haben. Die„Zeft" ist ebenfalls der Ansicht, dast die Nachrichten sehr viel Wahrscheiitlichleit für sich hätten. Sollten die Nachrichten, die auch wir für nicht unbegründet halten, zutreffen, so wäre für Rußland die Zeit Nikolaus I. wieder- gekehrt. Dieser erste Nikolaus, ursprünglich ein Verehrer Rousseaus, wurde später ein Werkzeug der quietistisch- spiritistisch überspannten Frau v. Kr üd euer, die auf de» Abschluß der be- rüchtigtcn„Heiligen Alliance" bekanntlich den größten Einfluß aus- übte. Während Nicolaus I. sich mit den Alfanzereien der Krtidener beschäftigte, überließ er die Geschicke seines Landes einem brutalen, ungebildeten Günstling, der die ihm überwagene Bauern- befreiung dadurch zu lösen suchte, daß er„militärische Au- sirdelungcn" ins Leben rief, wodurch er die Leibeigenschaft zur Kasemensklaverei steigerte und zahlreiche Rebellioum der Bauern hervorrief, die er dann mit bestialischer Grausainleft niederschlug. Wie auch heute wieder wurden auch damals die revoluttonicrcnden Bauern zu Tode gelnutet. Auch die Presse und die Universitäten wurden genau so wie heute miterdrückt und geknebelt. Mag ber geistige Verfall Nikolaus IL für seine Umgebung ein noch so offenkundiger sein, diese Umgebung, die würdigen Nackifolger des Araklichejcw des ersten Nikolaus, werden nur um so gefliffent- lichcr das wunderliche Treiben des Hofes zu bemänteln suchen, das die skandalöse Günsllings- und Kuntenwirffchast des zerrütteten Landes so üppig gedeihen läßt.— Deutrcbes Reich. Auseinander vcrstandigt! So kündet augenblicklich das Ver ständigungsbaronieter. Die mittlere Linie ist immer noch nicht ge funden. Die Jollmchrheit findet— trotz der„Obstruktion"— immer noch keinen durchgreifenden Vorwand, um vollends zu Kreuze kriechen zu können. Uns ist das Coulissenspiel kaum noch der Aufmerksamkeit wert.— Patriotenjammer. Zu der socialdemokratischen Interpellation über die Polizei- U ebergriffe und de»Strafvollzug bemerkt die„Tagliche Rundschau" ticftraurig: „Es ist bedauerlich, dafi die bürgerlichen Parteim auch hier wieder der Socialdemokratie den Vortritt lasten... Es bleibt unter solchen Umständen dringend zu wünschen, daß zum nnndesten bei einer Besprechung der Interpellation im Reichstage auch An- gehörige der bürgerlichen Fraktionen ein Wörtlein mitreden. Es 'st durchaus nicht von nötrn, daß die politischen llnmündigen aufs neue in dem Glauben bestärkt werden, nur die Socialdemokratie hätte de» wahren Mut ihrer Meinung; nur sie sei der Hort der Schwachen und Bedrängten. In Wirklichkeit ist sie es mit Nichten." Welch eine Zumutung an die„Patrioten". Für die giebts doch nichts mehr auf der Welt als den Zollschacher!— DaS Zolldrlirium. Die katholische„Köln. Volkszeitung" ist offenherzig, ihren Lesern sehr anschaulich zu machen, was das Centrum b'S jetzt im Zollwucher geleistet hat. Sie stellt nämlich die Belastung, die durch die Vieh- und Fleischzölle entstehen wird, wie folgt zusamnien: Danach beträgt der Eingangszoll: Nach dem alten Nach den Reichstags- Tarif Beschlüssen allgemeiner ermäßigter allgemeiner Mindest Satz Vcrtragssatz Satz Satz M. M. Mf M. für eine Kuh... 9.00 9,0» 81.00 01.80 für einen Stier.. 9.00 9.00 81,00 01,30 sür einen Ochsen.. 00,00 25,50 135,00 108,00 für ein Kalb... 1,00 3.00 9,00 7,20 für ein Schaf... 1,00 1,00 9.00 7,20 für ein Schwein.. 0,00 5,00 27,00 21,00 für ein Kilogramm M. M. M. M. Ochsenfleisch, frisch. 0,20 0,15 0,15 0.30 Schweinefleisch, frisch 0,20 0,17 0,15 0.36 Auf das Kilo Schlachtgewicht berechnet stellen sich die neuen Zollsätze nach den Beschlüssen des Reichstages wie folgt: Mgememer Mindest- Satz satz für Kühe...pro Kilo 30 Pf. 28�/, g Pf. für Stiere.........„„38„ 288/,O„ für Ochsen.........„„36„ 28s/1O„ für Kälber...........„30„ 28s/10„ für Schafe.......... ,. 45„ 30 für Schweine.........„ 221/3, 18„ sür frsiches Ochsen- und.Kuhsleisch„„ 45„ 36„ sür frisches Schweinefleisch...„ 45„ 36 Die Zollerhöhimg der beschlösse»«! Mindestsätze gegen die jetzt geltenden Vertragssätze stellt sich für: Kühe...... auf 640 Proz. Stiere.....„ 640„ Ochsen.....„ 324„ Kälber...... 140„ Schafe...... 620„ Schweine....„ 320„ Ochsenfleisch...„110„ Schweinefleisch.,„ 110„ Eine Zollcrhöhung um 640 Prozent, eine Zollverteuerung des Kilo Fleisches mn 45 Pfennige— das ist der Wucher der mittleren Linie, de» daS Centrum treibt. Die ganze edle Zunft der Krawattenmacher wird jetzt einsehen, wie wenig sie ihr Handwerk verstehen. Sie müssen erst beim Centrilm lernen, wie der Wucher großen und frommen Stils zu betreiben ist.—_ Krupp auf Capri. Obtvohl die italienische Presse bereits im September sich mit der Affaire Krupp zu beschäftigen begann, ließ die Finna Krupp zwei volle Monate nichts von sich hören. EL wäre doch sehr leicht gewesen, sofort die italienischen„Verleumder" vor Gericht zu ziehen. Seitdeni aber der„Vorwärts" den Fall ans Grund untrüglicher Jnfonnasionen nach langem Zögen: veröffentlicht hatte, wurde es in der ganzen Welt lebendig wie in einein aufgestörten Ameisenhaufen. Die Staatsanwälte arbeiteten mit Volldampf, die Polizei konfiscierte sich die Fäuste wund und die Firma Krupp fabrizierte statt temonen schriftstellerische Erzeugnisse. Und alles dies, obwohl wir nur einen ganz winzigen Teil des vorliegenden Materials veröffentlicht hatten, in der Tendenz, endlich die Beseitigung de § 175 zu erwirken, der an Stelle des Gesetzes die behördliche Toleranz verwirrend setzt und der Polizei ein'nächtiges Machtmittel in die Hand giebt, in deren Gcheimakten das Schicksal vieler markanter Personen verschlossen ist. Das neueste litterarische Erzeugnis der Finna Krupp ist von dem„Justitiar" des Geh. Kommcrzienrats, einem Assessor Korn, in die„Kölnische Zeitung" und zwar in den redaktionellen Text. nicht etwa in den Inseratenteil lanciert worden und liest sich sehr erbaulich, wie man ersehen wird. Die Geschichtserzählung aus dem geheimnisvollen Reiche der blauen Grotte lautet: „In der Gemeinde Capri bestehen zwei Parteien, die bei den diesjährigen ErneuerungSwahlen zur Komniunalverwaltimg den heftigsten Wahtkampf führten. An der Spitze der herrschenden Partei steht der Sindaco des Ortes, der zugleich der Besitzer des Hotels O'lisisana ist und in diesem Jahr mit seinen Kandidaten obgesiegt hat. Herr F. A. Krupp in Essen, der a u f ä r z t l i ch e n R a t sich in diesem wie in den Vorjahren etwa neun Wochen dort auf- gehalten, hat sich um die polittschen, d. h. mehr persönlichen Feind- schasten der Inselbewohner nie gekümmert und absichtlich jede Stellungnahme vermieden. Seine Person ist indes nach seiner Abreise von dem Sindaco insofern in den WaHlkamp'f hineingezogen worden, als dieser die großen Wohlthaten hervorhob, die die Jnsel und ihre Bewohner Herrn Kmpp verdanken, und daß beim Siege der Gegenpartei und beim Fernbleiben drS Herr» Krupp dieselben aufhören würden. Nach ihrer Niederlage hatte die Gegenpartei das Interesse, den obsiegenden Hotelbesitzer und Sindaco thunlichst zu schädige", und um dies zu erreichen, Herrn Krupp dauernd von Capri fernzuhalten. Zu diesem Zweck streute sie die niederträchtigste" Beschuldigungen gegen Herrn Krupp aus. indem sie ein gelegentliches» harmloses Zusammensein von Herrn Krupp mit seinen capresischen und deutsche» Bekannten in gemeinster Weise verdächtigte, und vcranlatzte die socialisttsche Zeitung in Neapel,„Propaganda", drei diesbezügliche Arttkel unter dein 18. Sep- tember, 18. und 20. Oktober aufzunehmen. Herr Krupp hat nach Kenntnis dieser Arttkel die geeigneten Schritte wegen Rats und Bei- standeS bei den Behörden gethan.Wohl in ersterLinie diesem politischen Jntrigucnspiel sind die erwähnten öffentlichen Schmähimgen gegen Herrn Krupp zuzuschreiben. Daneben sind naturgemäß einige wenige Personen iu Capri vorhanden, die fich durch Herr» Krupps Auf- enthalt i» Capri insofern geschädigt fühlen, als durch seine Hilfe einige kleine Leute ans ihren Wuchcrhänden befreit und damit ihrer Macht entzogen sind, sowie einige andre, deren ihre Bitten um Unterstützung oder Grnndstücksankauf von Herrn Krupp ab- abgeschlagen worden find. Eine Villa hat Herr Knipp während seines Aufenthalts in Capri nicht besessen, sondern stets wahrend des ganzen Dortseins im vorgenaimten Hotel Ouisisana gewohnt. Jene oben gekennzeichneten nnsaubern und nach jeder Richtung erlogenen Ausstreuungen, deren Gegenstand Herr Krupp geworden ist, sind auch vom Ceuttalorgan der deutschen Socialdemokratie, vom„Vorwärts", aufgegriffen worden. Der sofort gegen dieses Blatt eingeleitete Sttafprozeß wird erweisen, daß hier selten frivole und verlcuinderische Machenschaften ihren Weg in die Presse ge- funden haben." Wir haben keineslvegS die Msicht, schon jetzt in der Affaire Krupp mehr zu veröffentlichen, als die Dokumente, die von der Firma Krupp ausgehen. Wir vermuten, daß das vorstehende Akten stück, so viele Rätstl cS auch birgt, überall inniges Vcrstäiidnis finden wird; es ist interessanter, als die Autoren vielleicht beabsichtigt haben. Nur einen Punkt möchten wir kurz berühren, weil er die Kruppsche Sociapolitik beleuchtet. Wir erfahren jetzt, daß Herr Krupp sich auf Capri mit dem edlen Gewerbe beschäftigt hat, Capreser Eingeborene aus Wucherhänden zu befreien. Diese Thätigkeit nahm den Mann so sehr in Anspruch, daß er nicht einmal Zeit fand, jenes Telegramm seiner Essener Arbeiter zu beantworten, das die Lohn- kürzungen und Ehikanierungen auf seinen Werken schilderte. Wem' sirupps Arbeiter Capreser wären, so loürde er sie sogar ans Wucher- Händen befreien. •» Wolffs Bureau verbreitet folgendes Telegramm: München, 21. November. Die„M. N. N." teilen mit, daß ihnen ein Telegramm des italienischen Ministers des Aeußern Prinetti zugegangen ist, in welchem es als durch- aus unbegründet bezeichnet wird, daß Gehcinirat Krupp ans- gewiesen sei. Wolff, die„Münchener Neuesten Nachrichten" und Herr Prinetti hätten sich die Telegrammgebühren ersparen können. Niemand hat behauptet und ettvartch daß die italienische Regierung Krupp„auS- gewiesen" habe. Gesagt ist nur worden, daß man ihm den guten Rat gegeben habe, Capri zn meiden— ein guter Rat, der für die italienische Regierung nicht kompromittierend wäre. Beschlagnahmt wurde nachttäglich, sogar am hochheiligen Büß tag, die„Volkszeitung" in Düsseldorf wegen dcS ArttkelS „Krupp auf Capri". Gefunden wurden noch neun Stück der Nummer, die ganze Auflage war zwei Tage vorher schon verbreitet worden.— Gehaussucht wurde mn Donnerstag auch in der„Volks- wacht", dem Bielefelder Parteiorgan. Resultat: ein Exemplar! In Dortmund ist die„Arbeiter-Ztg." sogar bei Privat- Personen von der Polizei weggenommen worden. Im Essener Knipp-Organ, der„Rhein.-Westf. Ztg.", schildert ein Herr v. Oppeln das Leben in Capri als wahres Paradies: „Im Frühjahr hat diese Frcmdengescllschaft der Munifizenz des Herrn Krupp, der übrigens manchmal auch Feuerwerk losläßt, noch eine andre Freude zu danken. Es sind die Musik- Vorträge in dem Barbierladen gegenüber Paaanos Hotel; die Violinisten hat Krupp selbst ausbilden lassen und bezahlt sie auch selbst. Ilni diese Jahreszeit hängt noch schwerer Cittonen- blütendust in der Lust; ein schwüler Wind weht von Süden her und wühlt in den Zlveigcn der alte» Paganoschcn Palme, zwischen denen die Sterne hindurchfunkcln. Schmachtend klingen die Weisen der Cavalleria rusticaua, die man auch nur hier zu Lande ganz versteht, wie ein Glas Malvasier nur auf seinem Heimatboden den rechten Geschmack hat... Und diese Klänge lasten die Sterne noch tiefer funkeln und beschlcichen Herz und Sinn mit trunkenerLebenslust..."— DaS Organ für Herr» Krupp, die„Berk. Neuest. Nachr.", be- tätigt uns in coulaittester Weise, daß das Geschrei der Scharfmacher- fresse vom Schlage der„Neuest. Nachr." und der„Post" nach einein internationalen Anarchistengcsetz thatsächlich in allererster Linie einen' internationalen Socialistcn- Knebelungsgesetz gelte. Wenn auch kein Verständiger daran zweifelte, so nehmen wir doch gern von diesem unumwundenen Eingeständnis Notiz. Das Organ für Herrn Krupp druckt gleichzeittg Darlegungen der Londoner„St. James Gazette" über die Affaire Rubino ab, nach denen Rubino deshalb das Attentat begangen habe, weil er nach der E i n st e l l u n g der fetten italienischen Polizei- s n b s i d i e n, die erst bor einen, Monat wegen der U n- >eschicklichkeit dieses Spitzels erfolgt sei, plötzlich subsistcnz- ! 0 s und rabiat geworden sei. Auch dies Geständnis, daß die italienische Polizei der direkte Urheber des Attentats gewesen sei, ei hiermit gewissenhaft gebucht. Man sieht, nicht nur italienische Stipendiaten zeichnen sich durch polizeiwidrige Dummheit aus.— Zu viel Brillanten! Die„Hamburger Nachrichten" beschweren ich darüber, daß zu viel Brillanten zu preußischen Orden ver- liehen werden. Solche Brillanten kosteten bis zu 0000 M. Deshalb reiche der preußische Etat stir OrdenSsachcn in den letzten Jahren nicht mehr ans. Also führe man Simili-Diamanten ein.— Kuslanä. Oestreich-Ungarn. DaS Abgeordnetenhaus nahm§ 12 der Vorlage betreffend das Verbot des G c t r e i d e- T e r m i n h a n d e l s in der von Dr. Schöpfer beanttagten Fassung mit 94 gegen 93 Stimmen an. Hierdurch ist die RückVerweisung der Vorlage an das Herrenhaus entschieden. Schweiz. Genf, den 18. November. jEig. Ver.) In der gestrigen stark besuchten Parteiversammlung kam zu- nächste der Fall T h i e b a u d zur Sprache. Wie erinnerlich, war eine Kommission eingesetzt zur Untersuchung, ob Thiebaud noch länger Mitglied der Partei und gleichzeittg in der Regierung bleiben könne. Die Kommission unterbreitele nun folgende Nesolutton: „Die Partciversammlung erklärt, daß der Genosse Thiebaud in den öffentlichen Angelegenheiten nicht mehr als Vertteter der 'ocialistischcn Partei gelten kann." Da Thiebaud zur Zeit erttankt ist, auch seine Ansicht in dieser Angelegenheit nicht eingeholt worden war, beschloß man mit großer Mehrheit, diese Resolution bis zur nächsten Bersanimlung zurückzu- kellen, dann aber unbedingt in die Verhandlung einzutteten. Nach längeren diesbezüglichen Ausführungen der Genossen Sigg, Schäfer u. a. wurde von letzterem folgende Resolutton eingereicht und einstimmig angenommen: „Die hcuttge Versammlung protestiert energisch gegen die Willkür- akte der Genfer Regierung. Akte, welche die Begünstigung einer aus- ländischen kapitalistischen Kompagnie zur Folge hatten, zum großen Nachteil vieler Arbeiter, von denen die meisten Schweizer Bürger waren. Sie protestiert mit aller Macht gegen die MassenauSweisungen mtd Verurteilungen, sowie gegen die von, Justiz- und Polizei- Departement aufgestellten, s,ch völlig widersprechenden Ermittelungen. Die Versamnllung gelobt, fich mehr denn je an der Organisatton der Arbeiterklasse zu beteiligen, um die socialistische Einigung herbei- zufiihren, welche unerläßlicki ist für die Turchfiihrung der proletarischen Forderungen, sei eS in Politik, sei cS in Gewerkschaft. Daher nimmt sie Stellung gegen alle Versuche, welche die ver- einte bürgerliche Reaktion bereitet zu dem einzigen Zweck, die Emancipatton der Arbeiter zu verhindern. Im besonderen protesttert die Versammlung gegen das wider- rechtliche Urteil, welches Bertoni, Steinegger und Croisier verdammt, ohne Beweise, nur auf Grund der Polizei-Rapporte."' Es wurde noch eine Petitionsbewegung zu Gunsten der drei Verurteilten beschlossen. Es fand deshalb heute eine kombinierte Versammlung mit der Föderation und der Union ouvriere statt. Wenngleich bei den derzeitigen Genfer Kantonsgesetzen eine Amnestte ausgeschlossen erscheint, wird man dennoch PetitionSlisten mit Unter» schriften von Schweizer Bürgern sammeln, damtt die socialistffchen Vertteter im Gemeinde- und Kantonsrat die Angelegenheit zur Sprache bringen können.— Frankreich» Vom Bergarbeiter-Streit. Die Parlamentarische Kon,- Mission, welche Ursachen und Wirkungen der Bergarbeiter- Ausstände untersuchen soll, hat sich in 3 Subkommissionen geteilt. Jede dieser 3 Kommissionen hat eines der Köhlengebiete, Norden, Centtum bezw. Süden zu bearbeiten. Der Ministerpräsident hat eine Anzahl Gnadenakte uitterzeichnet; eS handelt sich um Vergehen von streikenden Bergarbeitern gegen Arbeitswillige.— Belgien. Die Freiheit der Arbeit. Unter dem Borwand, die Freiheit der Arbeit besonders schützen z» müssen, hat auch das belgische Straf- Gesetzbuch Paragraphen geschaffen, die in Wirklichkeit gegen die Koalitionsfreiheit der Arbeiter gerichtet sind. Kein Sttcik, wo nicht einige Verurteilungen ans Grund des Z 310 erfolgen, wurde doch erst kürzlich wieder der Abg. Hubin zu 5 Monaten Gefängnis ver- urteilt. Die belgische orgmnsierte Arbeiterschaft beabsichtigt nun, mit aller Energie in die Agitation stir die Aufhebung dieses Paragraphen einzutteten.— Der nationale Bergarbeitcr-Kongreß, der am letzten Sonntag in Horun bei Möns abgehalten wurde, beschäftigte sich mit der Frage des Generalstreiks. Es wurde beschlossen, von den, allgemeinen Ausstand abzusehen, weil die gegenwärtige Organisatton dazu zu schwach sei. Dagegen wurde beschlosten, in eine allgemeine Be- lvegung zur Erringung des Achistundeiltages in den Bergwerken soivie für das Gesetz betr. die Pensionen für alte Bergleute einzu- lreten. Dem nächsten internationalen Kongreß soll die Frage eines internationalen Ausstandes sowie die Einführung eines gentemsamen Ruhetages für die Bergleute aller Länder unterbreitet lvcrdcn.— Italien. Die Kammer wird am 26. November eröffnet. Schon in den ersten Sitzungen wird Sonnino der Kammer sein Projekt be- treffend die Reformen im Süden unterbreiten. Wie eS heißt, lvird die Rechte aus Achtung für den Autor die Begründung des EiltwnrfeS wohl zulassen, will aber dann nur den geringeren Plänen der Re- giernilg zustimmcit.— Spanien. Stürmische Kammersitzung. Die Donnerstags- Sitzung der Dcputtcrtcnkanimer bcaann sehr stürmisch; die Opposition ttar der Regierung gegenüber so h c s t i g a u f, d a ß S a g a st a s i ch zurückziehen mußte. Da der Präsident kein Gehör fand, hob er unter Protcstrufcn die Sitzung auf. Mehrere Deputierte riefen: E s giebt keine Regie rungl— Barcelona, 20. November. Aus Anlaß dcö allgemeinen Aus standeS in der Provinz Lerida wurden Abteiliingen von Bürgergarde und Kavallerie abgesandt. Die Buchdrucker schloffen sich dem Ausstände an.— England. Chamberlains Ansicht über englische Parteipolitik. London, 19. November. Da am Birminghamer AbschicdS- bankett zu Ehren Chamberlains auch Liberale tellnahmen, so kam der Kolonialsekretär auf das Wesen der englischen Partei- kämpfe zu sprechen. Cr meinte, sie haben keinen ernsten Charakter.„Vielleicht darf man sagen, daß sie nur im Sinne Pickwicks auszulegen seien. Auf jeden Fall sind unsre polittschen Feindschaften nur„wie daS' Krachen der Dornen unter den Töpfen. Das Feuer flammt ans ein- Minute ans und ist nicht mehr zu sehen." DaS Citat vom Krachen der Domen ist biblisch. In,„Prediger"(VII, 7) heißt es:.Dciin das Lachen der Narren ist wie das Krachen der Domen unter den Töpfen; und dies ist auch eitel." Eine ganz ähnliche Meinung über englische Partei-Oppositionen äußerte auch der Premierminister Mr. Balfour am 19. September 1902 in einer Rede in Haddington.— Zur Berichtigung! DaS Birminghamer Bankett war nur die offizielle AbschiedSfcier. Ehamberlain ist noch nicht ab- gereist.— Dänemark. Die Reform der Rechtspflege. In der vorigen Woche kam c-Z im Folkething bei der zweiten Beratung der Gerichtsreform zu mehreren wichtigen Abstimmungen, bei denen sich zeigte, daß in der herrschenden Linkenpartei eine starke Zersplitterung Platz greift.— Die Vorlage, die der Justtzminister Albertt im vorigen Jahre ein» brachte, ist in, FolkethingSansschuß in mehreren Punkten abgeändert und verbessert worden. Die Radikalen unter den Liberalen iin Ausschuß haben gemeinsam mit unfrei, Parteigenossen I. Jensen und B 0 r g b j e r g den demo- kratischen Grundsätzen Geltung zu verschaffen gesucht. Die Vorlage ist sehr mnfangreich, sie enthält 1081 Paragraphen und stillt 250 große Druckseiten. Den ersten Differenzpuntt bildeten die besonderen Standes- zerichte der Geistlichkeit. Die Ausschußmehrheit wollte >iese veraltete Einrichtung abschaffen und die Geistlichen der all- gemeinen Gerichtsbarkeit unterstellt wissen. Das Folkething entschied entschied jedoch mit 63 gegen 29 Stimmen, daß diese Sondergerichte bestehen bleiben sollen, den Wünschen des Justtz- Ministers entsprechend. Mit der Minderheit und gegen Alberii sttmntten außer den 11 Sociadcmottaten 19 Liberale und 5 Konservative und Moderatc. In der Frage über Staats- Polizei oder Kommunalpolizet stimmten 20 Liberale gegen den RegiemngSvorschlag. Dieser wurde aber mit 06 gcaen 33 Stimmen angenommen. Hierdurch wurde dem Justizministcr das Recht zugesprochen, während der ersten fünf Jahre der Gerichtsreform in allen Gemeinden, mit Ausnahme Kopenhagens, die Polizeistärke innerhalb eines besttnmiten Maximums festzujetzen. In einer andren Frage siegte dagegen die dcmottattsche Äustassunq. Mit 40 gegen 35 Stimmen beschloß das Folkething, daß kein Richter Titel 0 d e r O r d e n annehmen darf. Es ist das eine notwendige Ergänzung zu der geltenden Bestimmung, daß die Richter leine Geichenke von Angeklagten oder Freigesprochenen annehmen dürfen. Ebenfalls gegen den Willen Albcrtis wurde mit 12 gegen 31 Stimmen beschlossen, den Eid abzuschaffen und an dessen Stelle eine Erklärung auf Ehre und Gewissen einzuführen. Alberti wollte die Eidesformel nur für solche Zeugen abgeschafft wissen, die entweder ihres Glanbens wegen den Eid ablehnen oder erklären, überhaupt keinen religiösen Glauben zu haben. Der socialdemottattsch-radikale Vorschlag auf vollständige Abschaffung des Eides in der Rechtspflege wurde sogar von sehr religiösen Abgeordneten wtterstützt. Es ist keineswegs nnwahrschcm- lich, daß das Landsthing denselben Beschluß faßt.— Afrika. Arbeiterbewegung in Südafrika. Dem„Rcuterschen Bureau" wird aus Johannesburg von gestern gemeldet: In Witwatersrand ist unter den Arbeitern eine Bewegung in, Gange, die eine Herabsetzimg der täglichen Arbeitszeit von zehn aus neun Stunden bezweckt. Die in den Minen beschäftigten Zimmcrleute haben eine entsprechende Forderimg bereits gestellt, andre Arbeitergnippcn dürsten folgen.— parlamcntanfcbco» Die PetitionSkommission des Reichstages verhandelte am Freitag über eine Reihe von Petittonen von Handelskammern und Unter- nehmer-Organisationen, welche eine Einschränkung der Ruhe- zeit für das Personal in offenen Berka u f s stellen verlangten. Auch aus den Kreisen der Haudelsgehilfen lagen Petitionen vor, welche weitere gesetzliche Bestunnumgen zu», Schutze des im Handelsgewerbe beschäftigte n Personals, u. a. Einführung von Handelsgehilfen- Kammern und HandelS-Jltspektoren forderten Der Regierungskommissar erklärte, daß die Zeit feit dem Inkrafttreten der neuesten, das Handclsgewerbe betreffenden Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung zu kurz sei, um jetzt schon übersehen zu können, ob Abänderungen irötig seien. Nach längerer Diskussion, in der die Abgg. Alb recht, Thiele und Tutzauer lSoc.sgegenjede Beschränkung der Ruhezeit der Handelsangestellten und für weitere gesetz- liche Schutzmatzrcgeln für das Handels personal eintraten, beschloß die Kommission, die gesamten Petitionen dem Reichskanzler als Material zu überweisen. Eine Petition des CentralrateS der deutschen Gewerkbereine fordert das Verbot der Nacht- arbeit für Kinder unter 1t Jahren und gesetzliche Bestimmungen, nach denen jugendliche und er- lvachsenc Arbeiter höchstens acht Stunden während der Nacht beschäftigt werden dürfen. Abg. Albrecht(Soc.) trat fiir die Wünsche der Petenten ein, indem er unter andern: darauf hinwies, wie widersinnig es sei, bei der gegenwärtigen Geschästskrisis, Ivo so viele Arbeiter arbeitslos seien, einen Teil der Arbeiter noch während der Nacht zu be- schäftigen. Er beantragte, die Petition dem Reichskanzler zur Bc- r ü ck s i ch t i g u n g zu überweisen. Abg. Eickhoff sfrs. Vp.) beantragte, die Petition, so weit sie die Nachtarbeit der Frauen und Kinder betreffe, dem Reichskanzler zur Berücksichtigung, so»veit sie die Nachtarbeit erlvachsener männlicher Ärbcitcr betraf, als Material zu überweisen. Sowohl der socialdemokratische als auch der frei- sinnige Antrag wurden abgelehnt und beschlossen, den ersten Teil der Petition(Nachtarbeit der Kinder und Frauen) dem Reichskanzler zur Erwägung, den übrigen Teil als Material zu überweisen. Eine andre Petition, betreffend Einführung eines ge- setzlichen Ruhetages in jeder Woche für das technische Bühnenpersonal wurde den: Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Ferner gelangte eine Petition zur Verhandlung betreffend anderweitige Regelung der Rechtsverhältnisse der gc- werblichen Gärtner. Bekanntlich besteht Streit darüber, ob die in Handelsgärtnereien beschäftigten Personen den Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung oder denen der Gesinde- Ordnung unter- stehen; ob sie bei den Wahlen der Beisitzer zu den Gewerbegerichtcn wahlberechtigt sind. Seit Jahren sind unsre Parteigenossen iin Reichstage für die Unterstellung der gewerblichen Gärtner unter die Gewerbe-Ordnung eingetreten: leider bisher ohne Erfolg. Auch die Petition stellt dieselbe Forderung, welche vom Genossen Ledebour eindringlich befürwortet, andrer- seits lebhast bekämpft wurde. Ledebour beantragte, die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. Dieser Antrag, lvurde, weil auch der freisinnige Abg. Eickhoff gegen denselben stimmte, mit 6 gegen 5 Stimmen abgelehnt, da imr noch 11 Kommissionsmitgliedcr(darunter die S socialdemokratischen) anwesend waren. Die Mehrheit beschloß, die Petition dem Reichskanzler als Material zu überweisen. parteinadmckten. Di« LandtagSwahlen in Anhalt hatten, wie uns ein Privat- kclegramm meldet, einen sehr ersteulichen Erfolg. Es wurden vier Parteigenossen in den Landtag gewählt und zwar PeuS in Dessau, Günther in Coswig, Voigt in Güsten mid Langheld in Dessau Land II. Damit ist wieder ein Landesparlament der Socialdcmo- statte zugänglich geworden. Der anhalttsche Landtag besteht aus IS Mitgliedem, wovon nur 24 aus allgemeinen Wahlen hervorgehen. Gemeindewahleu. In W e r d e r a. d. Havel wurden unsre 3 Kandidaten mit 139, 141 und 143Sttmmen zu Stadtverordneten gewählt. Die gegnerischen Kandidaten brachten es nnr auf 87 Sttmmeu. In Frankfurt a. d. Oder siegten die Gegner noch einmal, doch erzielten wir gegen 1909 eine Verdoppelung nnsrer Sttmmen, nämlich von 244 bis 2S4 auf 493 bis 504. Die Gegner erhielten 679 bis 804 Sttmmen gegen 737 bis 836 im Jahre 1900. In Oberfrohna(Sachwn) wurden in der Klasse der Un- ansässigen die 3 socialdemostattschen Kandidaten mit je 155 Sttmmen gewählt. Die 3 Gegenkandidaten erhielten 28 bis 64 Sttmmen. In P f o r t e n bei Gera wurden drei Parteigenossen gewählt. Ebenso, wie in Berichttgung unsrer gesttigen Angabe mitzutellcn ist, zwei in Zwötzen bei Gera. In Zeulenroda(Renß ä. L.) lourden unsre bisherigen zwei Vertreter wiedergewählt. In Nienburg(Anhalt) wurden zwei Parteigenossen infolge Zusammengehens mtt dem Bürgervcrein als Stadtverordnete ge- wählt. Es sind die ersten Socialdemokraten, die in das Kollegium eintteten. Zu wählen waren nur vier Stadtverordnete. Zu den Sttchwahlen in Frankfurt a. M. haben die dottigen Parteigenossen den Beschluß gefaßt, im Bezirk Bornheim den Stichwahlkampf mit den Demokraten aufzunehmen, im übrigen aber Sttnmienenthaltung zu üben._ Bom Münchener Parteitagsprotokoll ist numnehr auch die zweite Auflage vergriffen, so daß sich ein abermaliger Neudruck crforder- lich macht. Die Buchhandlung Vorwärts bittet die Parteigenossen, die ihre Bestellungen noch nicht aufgegeben haben, dies umgehend zu thun. Die Bestellungen sind zu richten an die B u ch h a n d l u n g Vorwärts, Berlin LW. 68, L i n d e n st r. 69. Parteipreffc. In die Redaktion der„Augsburger VolkSzeiwng" tritt mit dem 1. Dezember d. I. der Genosse Arthur Molken- buhr, bisher beschäftigt in der Druckerei der„Norddeutschen Volks- stimme" zu Bremerhaven, ein. Polizeiliche«, Gerichtliche««st». —„Zuzug fernhalten" ist kein grober Unfug mehr im Bezirk des Landgerichts Halle. Der Redakteur Obier von der„Graphischen Presse", der wegen solcher Warnung in seinem Blatte an- geklagt war, wurde vom Schöffengericht Schkeuditz stei- gesprochen. Der Staatsanwalt legte Berufung ein und beaittragte bor der Sstafkammer des Landgerichts Halle 5 M. Geldstrafe aus§ 360, 11. Die Sstafkammer verwarf aber die Berufung imd bestätigte die Freisprechung mit dem Hinweise, daß nach den, Band 31 der Reichsgerichts-Entscheidungen nur dann Unfug vorliege, wem, das Publikum in seiner Allgemeinheit un mittel- bar belästigt worden sei. Vorliegende Handlung sei nicht geeignet, den äußeren Bestand der öffentlichen Ordnung zu gefährden, weshalb die Freisprechung geboten gewesen sei. — Wegen angeblicher Beleidigung der Chinakämpfer hatte sich Genosse Röder vor dem Landgericht in Plauen(Sachsen) zu ver- anttvorten. Die Sstasthat soll in einem Wirtshaus begangen worden sein, in dem sich ein ehemaliger Chinakämpfer mit einigen andren Personen über die ostasiatische Expedition unterhielt. Röder habe an den, Gespräch teilgenommen und u. a. etwa gesagt:„.Ihr habt dem Staate eine halbe Milliarde Schulden gemacht, die chinesischen Geschütze und die Stcruloarte. die in Berlin stehen, habt Ihr auch da drüben gemaust. Ihr hättet sie einfach nicht mitnehmen sollen. Ihr seid schuld daran, weil Ihr Euch freiwillig gemeldet habt." Ein Handarbeiter Baunigärtel. der inst in China war, hatte deshalb An- zeige erstattet. Röder behauptet, mir im allgemeinen über die Vor- kommnisse in China gesprochen zu haben, er habe nur gesagt, daß bei derartigen Gelegenheiten auch oft geraubt und gemordet werde. Nach Vernehmung eines Zeugen wird Röder wegen„Beleidigung der Mitglieder des ostasiatischen Expeditionscorps" zu cmer Geldstrafe von 200 Di, oder 20 Tage» Gefängnis kostenpflichtig verurteilt. Dem preußischen und in Verbindung damit dem sächsischen Kriegs- Ministerium, sowie dem erwähnten Chinakämpfer wird das Recht zu- gesprochen, das Urteil zu veröffentlichen. Der Wahrheitsbeweis. Der Parteigenosse Haack aus Dresden hatte in einer Gewerkschaftsversammlung in Bautzen über die Zustände in der Waggonfabrik von Busch daselbst gesprochen. Dabei hatte er die Behauptung aufgestellt, daß zur Herstellung von stmf Eisenbahn- Waggons für die sächsische StaatSbahn nicht das zuvor amtlich besichtigte Holz, sondern schlechtes, teils rissiges, teils fauleS Holz verwendet worden sei. Dadurch fühlte sich die Firma beleidigt und stellte Strafantrag, der vom Staatsanwalt aufgenoimnen wurde. In der Verhandlung vor der Strafkammer des Landgerichts Bautzen wurde durch drei Stellmacher, die an diesen Wagen gearbeitet hatten, ausgesagt, daß Schwcller, die zu den Wagen verwendet wurden, rissig und zum Teil faul gewesen seien, daß statt der amtlich besichtigten Schwellcr andre verwendet ivorden seien, daß große Stellen an diesen Schwellern.ausgeflickt worden seien. Bei einer Revision durch den Zeugen, Eisenbahn-Sekretär Limmer an halbfertigen Wagen sind an einem Träger geflickte Stellen vorgefunden worden. Der Träger mußte wieder herausgenommen werden. Ein Werkführer der Fabrik war zwar sehr unbestimmt in seinen Aussagen, mußte aber schließlich auch zugeben, daß Flickereien vor- gekommen seien, wenn sie auch nicht so groß sein sollten, wie die drei Stellmacher bezeugt hatten. Darauf schloß das Gericht die Beweisaufuahme, da der Sach- verhalt hinreichend geklärt sei, und— verurteilte Haack zu 500 M. Geldstrafe, weil er der Firma unredliche Absichten unterschoben habe durch die Behauptung, daß Material untergeschoben ivorden sei, das gar nicht abgenommen war. Polizeistunde und Versammlung. Eine öffentliche Versammlung, die am 4. Mai v. I. zu Nieileben im Lokal von Kluhs stattfand, löste der überwachende Polizcibcamte um 10 Uhr auf, weil die Polizeistnde eingetreten sei. Der Einbcrufcr Lagerhalter Gen. Roeder aus Nictlebcn, beschwerte sich darauf beim Landrat und machte geltend, öffentliche Versammlimgen seien nicht an die Polizeistunde gebunden. Der Lmidrat tvar indes der entgegengesetzten Meinung und wies die Beschwerde als unbegründet ab. Eine weitere Beschwerde beim Regierungspräsidenten in Merse- bürg hatte ebenfalls keinen Erfolg. Der Regierungspräsident er- achtere gleich dem Landrat die Vorschriften der Polizei sür Gast- wirtschaften über die Polizeistunde usw. auch dann fiir anwendbar, wenn in solchem öffentlichen Lokal eine Versammlung stattfinde. Roeder focht den ablehnenden Beschwerdebescheid des Regierungs- Präsidenten durch Klage beim Obcr-Verwaliungsgericht an und führte zur Begründung der Klage aus: Der Regierungspräsident verkenne das Verhältnis zwischen den polizeilichen Vorschriften über den Gast- Wirrschaftsbetrieb in öffentlichen Lokalen und den Vorschriften dcZ VercinsgesetzeS. Der§ 1 des Vereinsgesetzes regele erschöpfend die Beschränkungen, denen Versammlungen unterliegen. Andren Beschränkungen dürfe die Polizei sie nicht unterwerfen. Die Wahl des Versanrmlungsortes sei von der Ausübung des Gaslwirtschasts- vetriebes völlig unabhängig. Die Absicht der Versammlungsbesucher sei nicht darauf gerichtet, die Nahrungsmittel und Getränke zu ton- sumieren, die der Gastwirt feilhalte. Sie wollten vielmehr in erster Linie hören, was be- und verhandelt werde, und an den VerHand- lungen teilnehmen. Nur nebenbei verkonsumiertcn sie von den Vor- räten des Wirts. Beim Eintritt der Polizeistunde könnte der Gast- wirtsbctricb ruhig eingestellt werden, ohne daß die Versammlung als solche dadurch in ihren Verhandlungen irgendwie beschränkt werden brauche. Die Teilnehmer der Versammlung verzichteten gang gern auf eine weitere Bedienung nach den, Eintritt der Polizeistunde. Das hier beliebte Vorgehen der Polizei bedeute einen verfassungs- widrigen Eingriff in das Versammlungsrecht. Der erste Senat des Obcr-VerwaltungSgerichts unter dem Vor- sitz des Präsidenten Peters wies die Klage Roedcrs als unbegründet ab und legte dem Kläger unter Festsetzung des Wertes des Streit- gegenständes a u f 300 Mark, die Kosten ans. Eine nähere Bc- gründnng unterließ der Präsident. Sociales. Das Verbot der WeißphoSphor-Züudhölzer, das der von unS bereits am Mittwoch mitgeteilte Rcichs-GesetzAitwurs in Aussicht stellt, ist bereits vor vier Jahren durch einen socialdemokratischen Antrag verlangt Ivorden. Die Begründung des Gesetzentwurfs vergißt dies— seltsamerweise!— anzuführen:»» übrigen bestätigt sicalle die Angaben, dicvonunsremFrakttonSredncr bei Behandlung dieser Frage bereits vorgebracht wurden. Der Antrag unsrer Genossen ist zwar bei der geringen Anzahl Schwerinstage, die die Reichstagsmehrheit jetzt zuzulassen beliebt, noch nicht ver- handelt worden, aber bei der Etatsberatung wie bei Besprechung einer Petition im Januar diese? Jahres wies unser Redner auf die Menschenopfer hin, die die so gefährliche und vollständig über- flüssige Fabrikatton dieser Zündhölzer erfordert. Die Weißphosphor- Zündhölzer, im Volksmunde Schwefelhölzer genannt, haben nämlich eine Zündmasse, die aus Schwefel und dem außerordentlich giftigen weißen(oder gelben) Phosphor besteht, dessen Dämpfe namentlich das Knochengerüst der Nase und des Unterkiefers an- greisen und es brandig zerstören. Das unheilbare Leiden. Phosphor- Nekrose benannt, ist trotz der seit 1884 bereits bestehenden Schutzvorschristen nicht verschwunden. Jahrelang wurde dies bestritten; jetzt gesteht die Regierung zu, daß allein von 1893 bis 1399 nach amtlicher Feststellung in den 80 Zündholzfabriken des Reiches, ob- tvohl diese den BundesratS-Vorschristcn gemäß eingerichtet und betrieben wurden, 52 Personen an Phosphornekrose erkrantten. Außer diesen 52 Arbeitern sind in den Jahren 1889 bis 1897 an Phosphornekrose noch weitere 23 Personen erkrankt, welche Weiß- Phosphorzündhölzer in unvorschristSmäßigen Räumen widerrechtlich hergestellt haben.„Zweifellos, so fügt die Begründung hinzu, sind nicht einmal a l l e P h o SP h o r n e kr o s c f ä l l e z ur amtlichen Kenntnis gelang t." Die Erfahrung hat also die Unzulänglichkeit der im Jahre 1884 bezw. 1898 angeordneten Vorsichtsmaßregeln dargethan und cS ist bei der Eigenichaft des weißen Phosphors, schon bei gewöhnlicher Tcmperawr zu verdampfen und die Arbeits- und Lagerräume mit giftigen Dämpfen zu erfüllen, auch nicht zu hoffen, daß eS gelingen könnte, wirksame Vor- kehrungen zur Unterdrückung der Phosphornekrose zu treffen, weim man sich nicht entschließt, die Verwendung von weißem oder gelben, Phosphor bei der Herstellung von Zündhölzern und andern Zündwaren zu„verbieten". Daß die Regierung sich jetzt zu diesem Verbote entschließen will. findet selbstverständlich die Unterstützung der Arbeiterschaft. Selbst wenn dadurch der Preis der phosphorfreien Zündhölzer sich etwas erhöhen sollte, würde sie im Interesse der wehrlosen Opfer jener Industrie für das Verbot eintreten. Eine solche Verteuerung ist aber gar nicht zu erwarten. Wie cS settens unsrer FraktionSredncr stets betont wurde, daß sich gefahrlose und völlig gleichwertige Verfahren einführen lassen, ist dies nun auch eingetreten. ES ist eine solche Zündmasse gefunden worden und das Deutsche Reich hat sich den Erwerb derselben gesichert. Das Verfahren soll den deutschen Fabn- kanten von Weitzphosphor-Zündhölzern zur Benutzung freigegeben werden Die Kosten des Erwerbs trägt das Reich. Eine Eni- schädiqüna aber an die Fabrikanten der gifttgen Zündhölzer zu zahlen, lehnt das Reich mit vollem Recht ab. ES stellt sich dabei auf den von unsrer Seite eingenommenen Standpunkt, daß eine solche Entschädigung ja auch in andren Fällen bisher niemals ge- währt wurde, wenn Beschränkungen im Gewerbebetriebe zum Schutze der Arbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit eingeführt wurden..,,.„. Dagegen sind wir nicht ,mt dein Vorschlag der Regierung ein- verstanden, das Gesetz erst am 1. Jamiar 1907 in Kraft treten zu lassen. Weshalb dieser lange Aufschub? Die Umwandlung der bis- herigeu gefährlichen Fabrikatiouslnethobe in die neue muß schleimigst erfolgen, da jetzt festgestellt ist, daß jedes Jahr so und so viel Menschenlebeii gefährdet und zu Grunde gerichtet werden, so lange das alte Verfahren bestehen bleibt. Technische Gründe stehen einer raschen Umwandlung nicht im Wege, und die Interessen der Fa brik ante ii können gegenüber denen der gesährdeteii Arbeiter gar nicht in Frage kommen, was ja die Regierung durch ihre Ablehnung der Entschädigung selber als richtig zugicbt. Deshalb fordern wir, daß daS Gesetz in kürzester F r i st i n Kraft tritt und zu diesem Zwecke auch schleunigst im Reichstage erledigt wird. Die Regierung selber stellt einen äußersten Termin, bis zu dem daS Gesetz verabschiedet werden muß: sie sagt in der Begründung, daß der Entwurf bis zum 1. Juli 1903 Gesetzeskraft erlangen muß, ivenn sie in der Lage bleiben soll, das neue Ver- fahren für das Reich erwerben zu können. Unsre Fraktion hat daher beschlossen, im Reichs- tage zu beantragen, daß der Gesetzentwurf bereits in der nächsten Woche zur Berhandluug kommen soll. Die Zollbcute-Polittker würden sich wieder einmal gründlich in ihrer Habgier bloßstellen, wenn sie diesem Verlangen nicht zustimmen uiid mit Rücksicht auf ihre Zoll- Wucherei erst nach Erledigung ihres Kuhhandels die Beratnng zu- lassen würden.—_ Der Notstand und die Gemeinden. Eine Gewerkschaftsversammlung, die vor einige» Wochen in M ü n ch e n tagte und sich mit der Sorge für die Arbeitslosen be- schäftigte, hatte eine Kommission beauftragt, dem Magisttat und der Regierung im Sinne der Referate geeignete Vorschläge zu inachcn. Die Kommission hat darauf Eingaben an die bezeichneten Stellen gerichtet, worin sie darauf hinweist, daß die sogenannteii Notstandsarbeiten nicht sür alle Arbeitslosen als Hilfsmittel dienen können, da eS zumeist Arbeiten seien, denen qualisizierte Handwerker körperlich nicht gewachsen seien. Sie ersuchte um Bereit- stelllmg von Barnntteln zur Unterstützniig der Arbeitslosen durch Verniittlimg der Gewerkschaften. Die Regierung gab das Gesuch au deu Magisttat, der sich jetzt in einer Sitzung damit beschäftigte. Die sehr lange Diskussion, in der hervorgehoben wurde, daß die Stadt München jetzt etwa 41/o Millionen Mark für verschiedene Arbeiten ausgeworfen habe, führte schließlich zur Ablehnung des Gesuchs um bare Arbeitslosen- Unterstützung. Es wurde jedoch eine Kommission beaustragt, die Frage der Beschaffung von Arbeitsgelegenheit auch fiir gewerbliche Arbeiter zu prüfen. In Hannover verhandelte eine Kommission des Gewerkschaftskartells mit dem Stadtdirektor über Maßregeln zur Bekärnpsung der Arbeitslosigkeit. Der Stadtdirektor ersuchte, die Wünsche über Art und Form von Arbeitslosen-Zählungen schriftlich zu sormulicreii. Die Bereitstellung von Mitteln zur Unterstützung Arbeitsloser soll erivogen werden. Die Löhne bei den NotstandSarbciten, deren Fortführung zugesagt wurde, sollen noch geprüft und eventtiell erhöht werde»._ Bo» der badischcn Fabrilinspeltion. DaS badische Ministerium des Innern läßt jetzt offiziös dementieren, daß es„keinen Wörishoffer mehr" wolle. Die„Süd- deutsche Reichskorrespondenz" hat die Aufgabe der Richtigstellung erhalten. Sie schreibt: „... Dein verantwortlichen Minister wurde die Aeußerung in den Mund gelegt:„Wir wollen keinen Worishoffer mehr." Eine solche Acutzerimg hat Minister Schenkel nicht gethan, weder in diesem Wortlaut, noch dem Sinn nach. Wie wir aus guter Ouelle wisscu, wünscht im Gegenteil der Minister, daß die Fabrikinspektion in demjenigen Geiste weiter geleitet wird, welchen ihr Wörishoffer in der Vollkraft seiner Wirkung eingeflößt hat; er will aber auch im Sinne WöriShoffers die seitherige Centralisatton der Fabrikaussicht aufrecht erhalten, welche einerseits eine einheitliche Gesanitleitung unter fortdauernder persönlicher Berührung der Beamten mit dem Vorsteher der Stelle verbürgt, andrerseits aber auch den ein- zelnen Fabrikinspeltorcu die wünschenswerte Vielseitigkeit und Selbständigkeit in der Dicnstbesorguug gewährleistet. Mit der Auffassung, welche der Minister des Innern dem neuen Vorsteher der Fabrikinspcktton über die zu verfolgenden Ziele kund gegeben hat, steht es durchaus im Widerspruch, wenn einige Blatter zu erzählen wissen, es solle bei der Fabrikmspektion ein neues System eingeführt werden: nicht richttg ist es insbesondere, daß die Jahresberichte eine„ach Inhalt oder Umfang gekürzt« Gestalt erhalten, daß die unmittelbaren Beziehungen der Aussichts- bcamten zu der Arbeiterschaft und ihren Vertretungen cingeschränit. daß die seither üblichen Aussprachen einzelner Fabriiiuspettoreu vor den Arbeitern und die daran geknüpften Vorträge eingestellt, daß von der Fabrikinspektton nicht mehr Sonderdarstellungen über die wirtschaftliche Lage der Arbeiter herausgegeben werden sollen." Zum Rostocker Strcikposten-Berbot schreibt die„Rostocker Ztg.": „Wie wir aus zuverlässiger Ouelle erfahren, hat die hiesige Staatsanwaltschaft in Sachen der Stteikposlcn- Verordnung dem hiesigen Polizei-Amt initgeteilt, daß sie die RechtSgülttgkeit dieser Verordnung nicht anerkennen könne. Die daraufhin von der Polizei- Verwaltung bei der Over-Staatsanwalff'chast eingelegte Beschwerde ist von der letzteren zurückgewiesen worden." Von einer formellen Zurücknahme der nngesetzlichen Verordnimg ist jedoch noch nichts bekannt. Huö Induftnc und Kandel. Profite der chemischen Industrie, lieber die von den„Atücn- gesellschaften dieser Branche in den letzten Jahren verteilten Divi- denden erstattete in der Hauptversammlung des Vereins zur Wah- rung der chemischen Industrie der Generalsekretär Wenzel einen eingehenden Bericht, der aufs Neue beweist, baß die Fabrikation von Droguen, Farbwaren, Sprengstoffen, photographischcn Artikeln cc. zu den auerrentabelsten Industriezweigen gehört.' Stach der Zu- sammenstellung des Generalsekretärs wurden von den 120 Aktiengesell- schastcn der chennschen Industrie, die mit einem eingezahlten Kapital von 352 653 160 M. arbeiteten, für 1901 43 376 137 M. Dividende verteilt. Die Durchschnittsdividende betrug 12,30 Proz. gegen 12,33 Proz. im Vorjahre. Unter den 120 Gesellschaften bewegte sich das Erttägnis bei 24 Gesellschaften oder 20 Proz. der Gesamtzahl zwischen 0 und 2V-. Proz. Dividende, bei 13 Gesellschaften oder 10,83 Proz. über ist/a bis 5 Proz., bei 17 Gesell chaften oder 14,17 Proz. über 5" bis 7lL Proz., bei 27 Gesellschaften oder 22,50 Proz. über 7'� bis 10 Proz., bei 20 Gesellschaften oder 16,67 Proz. über IlT bis 15 Proz., bei 19 Gesellschaften oder 15,83 Proz. über 15 Proz. Für die Industrie der Alkalien und Säuren ergab sich für 1901 eine Dnrchschnittsdividende von 11,92 Proz. gegen 12,68 Proz. in 1990. In der Jndusttie der wissenschaftlichen, pharmazeutischen, photographischen und technischen Präparate betrug die Durchschmttsdividenoe 15,34 Proz. gegen 12,74 i. V. In der Teerfarben-Jndusttie betrug die DurchschmttSdibidcii'oc 20,84 gegen 20,44 Proz. In der Jndusttie der Sprengstoffe 11,38 gegen 11,63 Proz. In der Zündwaren-Jndustrie ging die Dividende von 7,65 Proz. in 1900 auf 6,69 Proz. in 1901 zurück. In der Industrie der künstlichen Düngemittel stellt sich da? Ergebnis auf 5,80 Proz. gegen 6,57 Proz. in 1900. Der englische Arlieitömarkt im Oktober. Der Arbeitsmarkt im Oftober zeigte in, allgemeinen keine wesentlichen Veränderungen gegenüber dem Vormonat, ober im Vergleich zum Vorjahre war e? schlechter mid blieb unter dem Durchschnitt der Oktobcrmonate der letzten zehn Jahre. Nach den offiziellen Berichten, die beim englischen Arbeitsamt eingingen, wurden in 223 Gewerkschaften irttt 548 442 Mitgliedern 27 270 oder 5 Proz. als arbeitslos gemeldet; im Monat September betrug der Prozentsatz der Arbeitslosen ebenfalls 5 Proz.. im Oktober des Vorjahres jedoch nur 3,7 Proz. Der Durchschnitt der Arbeitslosen im Monat Oktober der Jahre von 1892--1901 betrug 4,7 Proz. Vom Conkssyndikat. Wie die„Rh.-Westf. Ztg." meldet, teilt der Vorstand des Coakssyndikats mit, dah nach den heute vorliegenden Aufträgen die ProduktionSeinschränknng für den laufenden Monat sich mir etwa auf 12 Proz. belaufen werde. Die Schleppschiffayrt auf der Rheinstrecke von Mainz bis Düsseldorf ruht infolge de-Z massenhaften Treibeises, das dem Rhein von seinen grösseren Nebenflüssen, vornehnilich Main, Mosel und Lahn, zugeführt wird, vollständig. Der Außenhandel von Deutsch- Südwest- Astika im Jahre 1901 hat, wie das„Deutsche Kolonialblatt" berichtet, denjenigen des Borjahres um nahezu Z'/z Millionen Marl übertroffen und mit 11 317 000 M. den höchsten jemals verzeichneten Stand erreicht. Bon der Zunahme gegenüber dem Jahre 1900 kommen 3 107 000 M. auf die Einfuhr, 334 000 M. auf die Ausfuhr. Seit 1897 hat der Aussenhcmdel des südwestafrikanischen Schutzgebietes die in der folgenden Ileberficht dargestellte Entwicklung erfahren: Einstihr: Ausfuhr: Gesamthandel: M. M. M. 1897... 4 887 325 1 246 749 6 134 074 1898... 5 868 281 913 784 6 784 063 1899... 8 941 134 1 399 478 10 340 632 1900... 6968383 907563 7875950 1901... 10075 494 1241 761 11317 233 Unter den einzelnen Herkunftsländern nininit Deutschland mit 3 306 000 M. die erste Stelle ein; von der Zimahme der Einfuhr im Jahre 1901 kamen auf Deutschland 2 090 000 M. An zlveiter Stelle kommt das Kapland, ans dem eine Einfuhr im Werte von 1 533 000 Mark herrührt, an dritter Stelle England mit nur 202 000 M.. während die Einfuhr aus allen übrigen Ländern noch nicht 34 000 Mark erreichte. Bon der Ausfuhr des Schutzgebietes konimsn mehr als zwei Drittel auf Guano(850 000 von 1 242 000 M). Die Gnauo-Ansfnhr ist von 1900 auf 1901 um 240000 M. gestiegen, die Ausfuhr der übrigen Waren zusammengenommen um 94 000 M. Nach der obigen Emfr'irziffer könnte es scheinen, als wäre der Verbrauch des SchutzzollgevicteS in schneller Zunahme begriffen: in Wirklichkeit liegt die Sache wesentlich anders. Die Steigerung erklärt sich in der Hauptsache aus der stärkeren Einstihr von Ei>enn,aterialien für den Eisenbahndienst und iveiter aus der Uebersiedelung von Boerenfamilien durch die 33 956 Stück Bieh im Werte von 622 015 in das deutsche Gebiet emgefiihrt wurden. CewcrhlcbaftUcbcs. Berlin und Umgegend. Tie städtischen Laternenanzünder(Filiale Vl des Verbandes städtischer Arbeiter) beschäftigten sich in ihrer General-Versauunlung mit ihren Lohn- und Arbeitsbedingungen. Ter Anfangslohn der Laternenwärter beträgt 66 M. im Monat, mit 70 Dt. werde der Arbeiter fest angestellt und der jetzige SöchstloHn sei 80 M. Da aber die meisten Anzünder nur 70 M. bezögen, sei ohne Nebenbeschäftigung nicht auszukommen. Tie am 19. Juli d. I. zwischen dem Inspektor Güldner und dem ArbeiterauSschusse festgelegten Vereinbarungen würden seitens der Kontrolleure verletzt. Sie haben angeordnet, dass die Wärter 25 Minuten früher auf den Sammelplätzen antreten müssen und dies geschehe auf Kosten ihrer Gesundheit.'Der Dienst sei so verschiedenartig und bringe es mit sich, dass ein grosser Teil stundenlang auf diese» Plätzen unter freiem Himmel warten mühte, ehe er an seine Arbeiten gehen könne. Von den in Berlin bestehen- den 20 Korporalschaften haben nur 7 Nutcrkunftsräume, den übrigen seien sie bisher verweigert worden. Auch der alle 14 Tage gewährte freie Tag. der des Morgens nach dem Ablöschen der Laternen be- ginnen und bis zum andern Morgen gelten solle, sei derart abge- ändert, dass derselbe von Mittag zu Mittag geht; ausserdem verlangen die Oberkontrollcurc, dass die Betreffenden am Urlaubstage ihre Laternen putzen sollen; wer diesem Verlangen nicht nach- komme, werde mit einer Geldstrafe belegt. Dass dadurch der freie Tag seinen Zweck verfehlt, sehen die Herren nicht ein. Die Latcrnenwärtcr verlangen 1. Errichtung von Untcrkunftsräumcn für alle Korporalschaftcn. 2. Dass der freie Tag wieder morgens nach dem 8 tb loschen der Laternen beginne und bis zum andern Morgen dauere. 3. Wschaffung der Bestrafungen für Nichtputzen der Laternen an Urlaubstagen. 4. Erhöhung des Lohnes auf 90 M. monatlich nach 12jähriger Dienstzeit. Die vorstehenden Forderungen sollen der Direttion überreicht werden. Tie Markthallen-Arbeiter(Filiale V des Verbandes städtischer Arbeiter) hielten eine Versammlung ab. in der die Ausschuhmitglieder über die Verhandlungen mtt der Direttion Bericht erstalteten. Ac- züglich ihres Urlaubes seien sie auf das nächste Frühiahr verwiesen ivorde», die verlangte Ausdehnung der Mittagspause und Vesper für die Jahrstuhlwärter— die einen ununtervrochcnen Bormittags- dienst von 6— 7 Stunden haben— sei mtt der charakteristische, Bemerkung abgelehnt,„dann hätten wir ja beinahe den Achtstundentag und wem das nicht passe, könne ia in die Kolonne eintreten". Nur eine Lcrbesseruug der Aufenthattsräume wurde zugestanden. Das neue„Ausschuss-Regulatib" mache den Zweck der Errichtung von Arbeiter- Ausschüssen— Vertretung der Arbeiter- Interessen— vollständig überflüssig, da sich die Arbeiter nicht tnehr wie bisher, bei Verfolgung ihrer Angelegenheiten an die be- treffende Deputation wenden dürfen, sondern gezwungen seien, direkt dem Magistrat und den Stadtverordneten ihr Anliegen vorzubringen. Diese Bestimmung lege die Arbeiter-Ausschüsse vollständig lahm und verdamme sie zur Unlhättgkeit. Das sei wohl auch der Zweck dieser neuen Verfügung gewesen. Es müsse daher mit allen Mitteln die Aendexung dieses Regulativs herbeigeführt werden und sollen in der tlächsten Zeit entsprechende Schritte unternommen werden. Achtung, Metallarbeiter! Ter Streik der Drahtarbeiter bei der Firma Heinzc in Lichtenberg dauert unverändert fort. Des- gleichen der Streik der Justierer der Nähmaschinen-Fabrik Noll)- in a n n in Rixdorf. Die Sperre über die Werkstatt von S a ck u h r Nachfolger, Jich. Gebr. Laue, Hollmaimstrasse, dauert ebenfalls fort. Deutscher Metallarbeitcr-Verband, OrtsveNvalttmg Berlin. Deutsches Reich. Der Wrberstreik in Nieerane. Der„Leipz. Volksztg." wird aus Meerane geschrieben: Durch das Verbreiten falscher Nachrichten über das Eintreffen Arbeitswilliger, sowie durch Streitbruch einzelner Kollegen waren die Arbeiter in letzter Zeit sehr erregt. Vor den Fabriken kam eS zu Ansammlungen von Ausständigen, soioie andrer Arbeiter. Die Massen verhielten sich jedoch ruhig, so dass die Polizei keine Gelegenheit hatte, einzuschreiten. Trotzdem erlässt der Rat der Stadt eine öffentliche Bekanntmachung, in der er neben der nnvermeid- lichcn Strafandrohung, denen, welche arbeitet, wollen, ganz gleich. ob sie von hier stammen oder von auswärt» zugezogen sind, energischen polizeilichen Schutz verspricht. Bisher haben die Ausständigen niemand belästigt. Die wenigen von auswärts zugezogenen Arbeits- tvtlligen sind, nachdem sie über die hiesigen Lcrhälmisse unterrichtet worden sind, wieder abgereist. Die Fabrikanten geben sich alle Mühe. Streikbrecher heranzuziehen, sie suchen persönlich ihre Hauswebcr, die zu Hause Muster für sie weben, auf, und suchen diese zu der Auf- nähme von Vorabeiten in der Fabrik zu bewegen. Auch darin hatten sie bisher wenig Erfolge...... Bemerkenswert dürfte sein, dass cm Webermeister, der zugleich Stadtverordneter ist, Streikarbeit leistet. Als dies bekannt wurde, strömten die Arbeiter mittags mtd abends vor die betreffende Fabrik, um Spalier zu bilden für den den Weg passierenden lieben Stadt- vater und„Arbeitöivilligen". Darin hat die Behörde jedenfalls die Nottvendigkeit besonderen polizeilichen Schutzes der Streikbrecher er- blickt. Die Polizei ist dein, auch redlich bemüht, der an sie ergangenen Aufforderung zu entsprechen. Doch gehen die Ausständigen aller Provokation mit stoischer Ruhe aus dem Wege. Der Mcsscrschleffer-Vrrein in Solingen, der etwa 1000 Mitglieder Mlt hat bei dem Fabrikanten-Verein einen Antrag ans Erhöhung der Schleifprcise gestellt. Der Fabrilanten-Verein hat darauf dass er nicht in der Lage sei, d m Antrage zu ent- spreche», da der Messerschleifer-Verein die Statute» der genleinschaft- lichen Vergleichskammer nicht voll zur Durchführung bringe. Während die Mitglieder des FabrUanten-Lereins keine Schleifer beschästigen dürfen, die unter den vereinbarten Preisen schleifen, komme der Schleiserverein seiner Verpflichtung, für keinen Fabrikanten zu arbeiten, der unier Preis schleifeu läßt, in vielen Fällen nicht irach. Insbesondere arbeiteten Mitglieder des Messerschleifer-Bereins für die Grossfirma Hamesfahr, die sich nicht um das gemeinsame Preisverzeichnis kümmere. Durch diese Verletzungen des Vergleichskammerstatuts werde es ennöglicht, dass die dem Fabrikanten- Verein nicht angehörenden Firmen besser fortkämen, als die Mitglieder des Fabrikanten-Vereins. Letzterer stelle daher an den Schlciferverein folgenden Antrag:„Der Schleiferverem wolle bis Ende dieses Monats beschließen, dass das Vergleiwskammerstatiit strengstens durchgeführt und demgemäss bei keiner Firma gearbeitet wird, die unter Preis schleifen lässt." Lehni der Schleiferverein diesen Antrag ab, so will sich der Fabrikantenverein im Interesse der Existenz seiner Mitglieder vom Ablauf der Frist ab auch nicht mehr an die Vor- schristen des Statuts gebunden halten, d. h. er ivill zu jedem Preise schleifen lassen. Der Streikposten wird bestraft. Dieser Tage hatte sich vor dem Hamburger Schöffengericht wieder ein Streikposten zu verantworten, der, wie ein Polizeilvachtmeister als Zeuge angab, den Verkehr ge- stört haben sollte. Obgleich ein andrer Polizeibeamter unter seinem Zeugeneide bekundete, dass zur fraglichen Zeit an der betreffenden Stelle gar kein Verkehr vorhanden war, der Streik- Posten vielmehr ganz allein auf dem weiten Platz stand, sprach das Gericht doch eine V e r u r t ei l u n g des Streikpostens aus. Ausland. Die Lohnbewegung im Baugewerbe i» Südschwcdc» ist imn durch das Schiedsgcrichtskomitee formell beendet worden. Es wurde für die Städte M a l m ö, L u n d und Trelleborg ein Ueberein- kommen getroffen, das bis zum 1. April 1905 gelten soll. Die fest- gesetzten Stundenlöhne für Maurer, Holzarbeiter oder Bauarbeiter betragen in den genannten Städten 43 bis 50 Oere. Für jeden Arbeiter soll eine Unfällversicherung von 1000 Krone» vom Arbeit- geber aufgenommen werden. Die Bauhandlanger in Malmö haben sich, wie untenn 18. November von dort gemeldet wird, mit den Abmachniigen nicht einverstanden erklärt und verlangen höhere Stundenlöhne. Die Bamneister-Vereinigung hat ihre Fordernugen abgelehnt. In Havanna streiken die Cigarrenmacher von 13 Finnen; die Arbeiter protestieren gegen die Einstellimg einer zu grossen Anzahl fremder Lehrlinge. Gerichts-Teitung. Das Schlußkapitel eines Ehedramas bildete die Verhandlung wegen versuchter Tötung, die gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts II stattfand. Aus der Untersuchungshaft wurde eine Angeklagte vorgeführt, welche ihrem Aeussertzn und ihrer Aus- druckslveise nach den Eindruck einer gebildeten Frau machte. Es war die 36jährige geschiedene Äaufmanus-Ehefrau Gertrud B l ä ss i n g, geb. Rciuecke, welche beschuldigt war, am 11. Mai d. I. zu Lichter- selbe den Versuch gemacht zu haben, ihren neunjährigen Sohn Georg mit Vorsatz zu töten. ES war ein trübes Bild aus dem Eheleben, welches durch die Verhandlung entrollt wurde. Vor 16 Jahren hatte die Angeklagte den Kaufmann Otto Blässing zu Lichterfelde geheiratet. Es war von vornherein ein ungleiches Zusainmenleben gewesen. Der Ehe waren zwei Kinder entsprossen, die 12 Jahre alre Breda und der Ojährige Georg. Schon im Jahre 1895 wollte Blässing sich von seiner Ehefrau scheiden lassen, durch Vermittlung eines Geistlichen kam aber damals eine Einigung zu stände. Im Dezember 1897 reichte die Angeklagte die Ehescheidungsklage ein, worauf der Ehemann die Widerklage erhob. Von beiden Seiten wurde der Kampf mit grosser Erbitterung geführt und alle Instanzen wurden in Anspruch genommen. Am 19. November v. I. wurde die Ehe geschieden, beide Teile wurden für gleich schuldig erklärt. Bis zur eingetretenen Rechtskraft wurde der Frau Blässing gestattet, ihre Kinder, die dem Vater zugesprochen worden waren, an jedem zweiten Sonntag im Monat von 9— 2 Uhr zu besuchen. Sie machte von diesem Recht Gebranch. Ihr früherer Ehemann entfernte sich stets an diesen Be- suchstagen aus seiner Wohnung und kehrte erst zurück, wenn die An- geklagte wieder fortgegangen war. Schon früher einmal hatte die Angeklagte ihren Sohn Georg mit sich genommen, als sie ihm auf dem Wege von der Schule begegnete. Sie hat ihn längere Zeit ver- borgen gehalten, muhte den Knaben dann aber dem Vater zurückbringen. Sic erhiett deswegen eine Anklage wegen Entführung, wurde aber freigesprochen, weil nicht die Anwendung von List oder Gewalr nachgeiviesen war. Am 11. Mai d. I. stand der Angeklagten zum letzten Male das Recht zu, ihre Kinder zu besuchen. Sie schien den Personen, die sie im Hause traf, höchst aufgeregt zu sein. Ms sie kaum das Zimmer betreten hatte, in welchem sich die beiden Kinder befanden, rrtlärre sie ihrem Töchterchen, dass sie es mit sich nehmen ivolle, es möge seine Schulbücher von oben, vorher aber ihr ein Glas Wasser aus der Küche holen. Das Kind verlicss das Zimmer. Run sagte die Angeklagte zu dem neben ihr stehenden Sohne, der in einem Bilderbuche blätterte:„Jetzt geht die Sache zu Ende." Dabei Zvg sie zugleich mit ihrem Taschentuch einen Revolver aus der Tasche, zielte, wie die Anklage behauptet, nach dem Kopfe deS Knaben und drückte ab. Tie Kugel ging dem Kinde dicht am rechten Ohr vorbei, traf das Fcnstertrcuz, durckschlug eine Scheibe und fiel zwischen den Doppelfenstern nieder. Gleich darauf richtete die Angeklagte die Waffe gegen ihre Brust. Sie gab zwei Schüsse auf sich ab. die beide die linke Brustscite trafen. Ms die Hausbewohner ms Zimmer stürzten, sahen sie den Knaben mit allen Anzeichen des Einsetzens am Fenster stehen, die Angeklagte stand, mit dem Nevolver in der Rechten, in der Mitte deS Zimmers. Sie brach gleich darauf zu- sammen, wurde ins Krankenhaus gebracht und ist hier»ach längerer Zeit genesen. Im Termine bestritt sie. dass sie ihren Sohn habe töten lvollen, oder auf ihn gezielt habe. Sie habe sich vor den Augen ihres Sohnes töien. ihrem Töchterchen aber diesen Anblick ersparen wollen und dieses deshalb hinausgeschickt- Sie haoe geglaubt, sich an ihrem Ehemanns dadurch röchen zu können, wenn sein«ohn ihm erzählen kümie, welch tragisches Ende seine Mutter genommen. Sic könne nur annehmen, dast der erste Schust unter ihrem Arm hindurch dicht an dem Kopf des Knaben vorbei gegangen sei. Der 0jährige Georg Blüssing blieb dabei, dass seine Mutter auf ihn gezielt habe. Er habe eine ganz Zeit laiig Schmerzen im rechten Ohr gehabt und schlecht hören tonnen. Ferner traten Zeugen auf, denen der Knabe sofort nach dem Attentat erzählt hatte:„Nieine Mutter wollte mich crschiessen." Auch habe die Angeklagte schon früher Drohungen aus- gesprochen, dass ihr Mann die Kinder nicht lebend in seinen Besitz bekomme, wenn sie ihm zugesprochen werden sollten. Bei der Ver- uehmung des früheren Ehemannes der Angeklagten kam es zu einem dramatischen Austritt. Während der Zeuge sein unglückliches Ehelebeu in ruhiger Weise schilderte, vergoss die Angeklagte Ströme von Thräneu. Der Staatsauwalt beantragte, den Wahrspruch im Sinne der Anklage zu bejahen, der Angeschuldigten aber mildernde Umstände zuzubilligen. Ter Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Mfred Ballien, trat mit Wärme für die Freisprechimg der Angeklagten ein. Die Geschworenen berieten nur kurze Z-it. Ihr Wahrspruch lautete auf Nicht- schuldig, worauf der Präsident Veranlassung nehmen muhte, die im Zuhörerraume laut werdenden Beifallsänsserungcn zu rügen. Tie Angeklagte wurde freigesprochen und sofort aus der Haft entlassen._ Redner erläuterte zunächst den Begriff„kapitalistische Produktion" und zeigte, wie sich diese aus der rein hcrudwerksmässigen ProdultionS- form und der späteren Manufakturperiode zu ihrer heutigen Voll- kommenheit einwickelt hat. In der Schuhwarenindustrie habe sich im Gegensatz zu anderen Branchen erst in der letzten Generation die fabrikmässige Herstellung der Waren eingebürgert. Noch heute finde man hier sämtliche verschiedenen ProduktionSlormeu vor, von der kleinhandwerksmätzigen bis zur grosskapitalistischen. Er sei sicher, daß, wie in Amerika und England, so auch in Deutschland die Er- richtung von modernen Schuhwarcnfabriken zunehmen werde. Tie Abneigung gegen die früher mit sehr mißtrauischen Augen angesehene Fabrikware sei in stetem Schwinden begriffen und werde immer mehr schwinden, je mehr durch technische Verbesserungen den individuelle!» Wünschen des Käufers Rechnung getragen werde. In wie weit dies heute schon möglich ist, zeigt Redner, indem er die Einrichtungen der Echuhwarenfabrik der Grosseinkaufs-Gesellschaft englischer Konsum- vereine in Leirester schildert. An diesem Beispiel führte er auch gleich- zeitig den Beweis, dass durch die ausgedehnteste Arbeitsteilung in solchen Fabriken den Arbeitern andrer Berufe verhältnismässig schnell der Uebertritt in die Schuhwareuindusirie ermöglicht werde. Das Eindringen ungelernter Arbeitskräfte laller Mtcrssrufen in den Beruf der gelernten Schuhmacher müsse ivie in andren Industriezweigen so auch hier notwendigerweise zum Lohndruck führen, der durch die Bil- dung von Syndikaten, Kartellen und Trusts noch gefördert wird. Ter Vortragende ging dann ausführlich auf die Schäden der heurigen Zollpolitik ein, die durch künstliche Steigerung der Rohmaterialen- preise(Leder, Gerbstoffe usw.) aucki eine erhebliche Verteuerung des 'Schuhwerks im Gefolge haben müsse, und ermahnte zum Schlüsse ernstlich zum energischen Ausbau der Organisation. Das interessante Referat wurde von der gut besuchten Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Nach einer kurzen Pause sprachen noch einige Diskussionsredner über mangelhafte technische Einrichtungen in Berliner Schuhfabriken und über die Schmutzkonkurrenz, die sich die verschiedenen Fabrikanten auf Kosten ihrer Arbeiter gegenseitig machen. Alle waren der Meinung, dass diese Ilcbclstände nur durch eine starke Organisation beseitigt werden könnten. Tie Metallarbeiter-lstewertsckiaft. Verwaltung Berlin, beschäf- tigte sich in einer am 19. d. M. abgehaltenen Versammlung mit der Differenz zwischen Gewerkschaftskartell und Gewcrkschaftskommission. Nach einem Referat Schonheims und einer lebhaften Diskussion wurde eine Resolutton angenommen, toclche das Verhalten der Ge- Werkschaftskommission in dieser Angelegenheit verurteilt und dem Ausschuß des Kartells ihr Vertrauen ausdrückt. Hierauf berichtete Schröder über den Streik der Röhrleger. Er bedauerte, dass etil Tarif festgelegt fei. da hierdurch der Kampf für die Verbesserung der Lage für die Zukunft erschwert, ja unmöglich gemacht werde. Eichwalde. Am IG. November fand die erste General-Versammlnng des Wahlvereins Eichwalde und Umgegend statt. Den Bericht von der General-Versammlnng des Centtal-Wahlverems gab Sauer. Es entspann sich eine lebbaste Debatte über die Erhöhung der Beiträge. In den Vorstand wurden gewählt: I.Vorsitzender Gustav Thyme, 2 Vorsitzender E. Wille, Schriftfiihrer Gustav Sauer, Kassierer Oskar Kleinert. Beisitzer August Krosse, Bibliothekar Gustav Müller, Vertrauen Sinaim Wilb. Schulz in Micrsdorf. Revisoren: E. Guscn in Berlin. Karl Krug ler in MierSdorf. Karl Wille in Erchwalde; Lolalkommission: Schüler und Oergel in Eichivalde,� Altmann in Hankels Ablage; Veschwerdekoinmission: Behrend, Jamcke, Mattela in Eichwalde. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 23. November, vorm. L»/, Uhr. in der Aula der 69. Geineindeschulc, Kleine a u k s u r t e r st r. 6: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Um 10"/, npr vonn. eben- daselbst: Vortrag des Herrn Cr. Vogtherr-stettm:„Das Leben und der Tod". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasio der Metallarbeiter. (E ö Nr. 29, Hamburg.) Mitglieder-Versammlungen haben am Sonnabend, den 22. d. MW., abends 8�/. Uhr: Filiale Berlin 6 bei Diele, Ackerftr. 123.— F i I i a l e N i x d o r j bei Prchlcr, Ziethenstr. 69. Verfammlunqen. im Eine öffentliche Schulimacher- Versammlung tagte am Monlag grossen Kellerschcn Saal. Rcichsmgs-Abgeordneter Eduard Bernstein sprach daselbst über„die neueste Enttvickluug der kapitalistischen P oduktiou und die Aufgaben der gewerkschaftlichen Qraarisation mit s rcicller Berücksichtigung der Schuhindustrie". Letzte sttoebriebten und vepekcben. Depntiertcnkammrr. Paris, 21. November.(W. T. 83.) In Beantwortung einer Fnterpellatton über die Anwendung des Gesetzes vom Jahre 1900 betreffend Begrenzung der Arbeitszeit erklärt Handels- minister Trouillot. er werde die Frage prüfen, ob und welche Verbesserungen in dein Gesetz vorgenommen werden tonnten; aus keinen Fall aber dürfe an dem demokrattschen Prmcip bteses Gesetzes gerüttelt werden. Viollette bringt darauf eine Tages- ordnung ein. in welcher die Erklärung der Regierung gebilliat und das«erttaucn zu der Regierung ausgesprochen wird, dass sie fest entschloffen ist. das Gesetz von 1900 seinem Geiste nach zur An- Wendung bringen zu lassen. Der Handelsminister erttärt stch mit dieser Tagesordnung einverstanden, worauf dieselbe mit 2öS gegen 27 Stimmen angenommen wird. LasieS bringt einen Antrag auf eine Amnestie für Ver- gehen ein. die im Zusammenhange mit dem Ausstand begangen worden sind, und verlangt die Drmglrchkett für fernen Antrag. E o n st a n S unterstützt den Antrag. Der Handelsmmlster erklärt so lange der Ausstand nicht beendet sei, könne von einer Amnestie nicht die Rede sein; der Mimster beantragt Verwenung des Antrages an die Kommission. Das Haus beschliesst daraus m,t 311 gegen 244 Sttmmen die Drmglrchkett. Lasies fordert soforttge Beratung seines Antrages; das HauS lehnt die soforttge Beratung ab und verweist mrt 371 gegen 175 Snnuiien den Antrag Lasies an die Kommission. Hierauf wird die Sitzung aufgehoben. Colmar i. E., 21. November.(W. T. B.) lieber einen Zu- s a m m e ii st o ss, der vor einigen Tagen bei Bollweiler in Ober- Elsass zwischen Jagdhütern und Wilderern vorkam, und bei den, ein Wilderer erschossen, ein andrer schwer verwundet ivurde, wird in französischen Blättern eine Darstellung verbreitet. die die Schuld den Jagdhütern zuschreibt. Demgegenüber ist festzustellen, dass die hiesige Staatsanivaltschaft das Verfahren gegen die Jagdhüter eingestellt hat, nachdem erwiesen worden ist, dass die Wilderer zuerst geschossen und dass somit die Jaqdhnter in bcrechttgtcr Rotwehr gehandelt haben. Awntpcllicr, 21. November.M Sannabrnd, 22. Uovrlnkr 1992, l�eickstag. 219. Sitzung. Freitag, den 21. Slovember 1992, mittags 12 Uhr. Am Bundesratstisch: Graf v. Posadowsky, Freiherr v. Thielmann. Die zweite Beratung des Zolltarif-Gesetzes wird fortgesetzt bei 8 11, welcher bestimmt: „Zuwiderhandluiigen gegen die Bestimmungen dieses Gesetzes oder gegen die zu seiner Ausführung erlaisencn Vorschriften werden, sofeni nicht nach andern Bestimmungen höhere Strafen verwirkt sind, nnt einer Ordnungsstrafe bis zu 150 M. geahndet." Die Abgg. Albrecht(Joe.) und Genossen beantragen: u) vor„erlassenen" einzuschalten„dem Gesetz entsprechend"; b) das Wort„Ordnungsstrafe" zu ersetzen durch„Strafe". Abg. Stadthageu/- Mark giebt, ihm dann aber. che er noch aus dem Zimmer wieder herausgegangen ist, K0f/„ Mark aus der Tasche nimmt.(Sehr gut! links.) Das ist doch em Ver- fahren, das zum mindesten unbegreiflich ist. Freilich, die Herren vom Eenttum sind sich der ungünstigen Wirkung, die ihre Zollpolitik auf die Arbeitermassen hat. voll bewußt, und deshalb brauchen sie sozusagen eine Schamdecke(Sehr gut! links. � Unruhe im Centrum.) und diese Schamdccke hat man in dem vorliegenden Anttage gesunden. Damit will man den unschönen Zolltarif bedecken. Wir haben ja gesehen, daß die katholischen Arbeiter mif diesen Leim nicht gehen und ich bin überzeugt, daß die Er- regung unter ihnen nicht nachläßt, sondern sich mit jeden» Tage steigern wird. Weiter kommt hinzu, daß der Zweck der Zölle auch darin be- steht, die Einfuhr fremder Erzeugnisse zu verhindern. Dadurch würden sich doch auch die Eiiinahme» für die Witwen- und Waisen- Versorgung vermindern. Die Verteuerung der Lebensmittel aber bleibt. Herr Trimborn hat sich auf den Reichskanzler berufen. Es ist ja ivahr, daß der Herr Reichstanzler in einer schwachen Stunde. wenn jemals bei»hin von einer schwachen Stunde die Rede sein kann(Heiterkeit), dahin geäußert hat, daß die Mehrerttäge der Getteidczölle auch für WohlsahrtSzwecke verwendet werden sollen. Daraus ist aber noch nicht herzuleiten, daß die Regierimg nun eine ganz bestimmte Summe aufsammeln und für einen ganz bestimmten Zweck verwenden soll. Zu einer solchen Finanzpolitik iverden sich die verbündeten Regierungen wohl kaum entschließen. In derKom- Mission wurde die für die Wittven- und Waisenversorgung not- wendige Summe auf 100 Millionen Mark pro Jahr berechnet. Ich glaube nicht, daß das ausreiche»» wird. Es wurde dabei auch nur eine Unterstützung von 100 M. pro Jahr, also vo>» 90 Pf. pro Kops in Aussicht genommen. Der Bettag, den»vir für diese Zwecke brauchen,»vird also wahr- scheinlich ein viel höherer sein, als in der Siommission bcrech>»et »vordcn ist. Nach de»» Zollsätzen der Regierungsvorlage»vürde sich ungefähr ein Bettag von 80 Millionen stir die Witwen- und Waisen- Versicherung ergeben. Aber die Emnahmen aus_ den Zöllen fiir Lebensmittel sind so schwankend, daß man darauf leine dauernden Ausgaben basieren darf. Man hat deshalb mit vollkommenen» Recht in der Kommission den Gegenvorschlag gemacht, man solle lieber ein für allemal gewisse VteichSeinnahnien für die Zwecke der Witwen- und Waisenversorgung verwenden. Die Verbinduirg dieses gai»zen Gedankens mit den Zolleinnahmen ist ja»vohl auch lediglich daraus entstanden, daß eö soi»st dem Centrllm»nt seine»» Verwei»d»n»göailtrag so gegangen wäre, wie heute dein Abg. Richter mit seinem Antrag, daß nämlich der Anttag stir»licht zulässig un Nahmen des Zollgesetzcs erklärt lvordcn wäre. Was die Heranziehung der bcttcfsenden Kreise z»» Beiträgen anlangt, so sind»vir wobl bereit, für die Witwe»»- und Waisenversorgung Beittäge z»» leisten,»verde»» aber dafür sorgen müssen, daß diese Beittäge nur den leistungsfähigen Schultern a»lf- erlegt»Verden. Die finanziell«» Vorschläge, die hier den ver- bündetcn Regierungen gemacht werde». sind so bedenk- licher Natur. daß man sie im gewöhnlichen Leben ivahr- scheinlich als lliisinn bezeichnen»vürde.(Oho I im Centrum.) Der Schatzsettetär hat stir das nächste Finanzjahr ein überaus Deficit angekündigt. Wenn man jetzt den verbündeten Regierungen diese Niehreinnahmen entzieht, so drängt»nau sie geradezu zu andren indirekten Steuern, insbesondere zur Erhöhung der Bier- und Talrnk- stcuer. Es»vürde sich daim folgendes Bild ergeben: Zuerst erhöht »nau die Zölle auf die notwendigsten Lebcnsrnittel zu Ungunsten der Arbeiter, dann versorgt man aus den Erttägen die Witwen und Waisen, und infolge des daraus c»ltstebcl»den Destritö belastet man wieder die arbeitenden SUasscn durch höhere Steuern aus Bier und Tabak! So ftimpathisch ich und»»»eine Freunde von der Freisinnigen Bereinigung dem Gedanken einer Witwen- und Waisenversicherung gegenüberstehen, so sehr müsien»vir uns gegen diese Art der finanziellen Verwirklichung dieses Gcdai»ke»lö wenden. Dieselbe ablehnende Stellung würden wir gegenüber dem Anttage Richter, falls er in der dritten Lesung»viederholt»vird, einnehmen. Auch hier handelt es sich um die Verteilung des Felles eines Bären, den man noch nicht erlegt bat. Es handelt sich um die Beseittgung von Einnahmen in der'Hoffnung aus andre Einnahmen, gegen die wir prinripiell Stellung genommen haben. So sehr l»nr die arbeitenden Klasse», vor den Schcidigungen des Zolltarifs bewahre», wollen, so lvenig können wir uns bereit finden, diesen Zolltarif durch diese Art der Witwe»- und Waisenverficherung schmackhaft zu mache», uild der großen Masse deS Volkes zu versüßen. Wir iverven daher sowohl gegen den Antrag der Kommission»oie gegen den Anttag Triniborn »ino auch gegeir den Autrag Richter, falls er in dritter Lesung ivicderkonunt, sttnni»en.(Beifall bei der Freisinnigen Vereinigling) Staatssekretär des Reichsschatzamtes Frhr. v. Thielinnnn: .Herr Triniborn sagte mit Recht, an der Durchführung einer Winven- und Waisenversicherung hätten alle Parteien dieses Hause« daS gleiche Interesse. Herr Rvsicke irrte,»venu er die rechte Seite von diesem Interesse ausnahm. Das beweist der Antrag Rettich ganz deutlich.(Unrllhe links.) Die Erklärung, die der Reichs- kanzler bereits vor VU Jahren hier abgegeben hat, beiveist, daß auch die verbündeten Rcgleruiigcn da« Ziel, das erreicht werden soll, fest im Ange behalten(Abg. Singer nist: Im Auge behalten?)»nd das; die Fürsorge stir die Witwen und Waisen»räch der Alters-, Jnvaltditäts- und Unfallversicherung das nächste socialpolittsche Ziel bildet. Herr Trimborn hat nun init erhobener Slimine ausgerufen, iocder er noch irgend einer seiner ißarteigenvssen wolle sich heute in, geringsten dafür binden, daß Arbeitgeber oder Arbeiter auch ilur den tleinsten Zuschlls; zu dieser Versicherung zu leisten hätten. ES soll also die Witwen- und Waiseirversicherung einzig und allein a»if die Mehrcrttäge des neuen Zolltarifs für geiviste Nahrungsmittel basiert werden. ES kann aber»»iemand sagen, wie hoch diese Mehrerttäge auch nur annähernd sein»verde»». Wir habe»» eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Wir kennen noch nicht die Höhe der Zollsätze für den Fall, daß daS Gesetz in Sttaft tritt, denn daß die vom Hause beschlossenen Minimalzölle für Getreide und Fleisch die Zustimmung der verbündeten Regirrungen nicht finden werden, ist Ihnen bereit»»viederholt gesagt lvorde». Wir wissen ferner nicht, in»vrlcher Weiss der einheimische Kvnier- ba»». falls die Zollsätze der Reaierungsuorlage in Kraft tteten, da- durch beeinflußt werden wird. Wir wissen nicht, eine»oieviel größere Fläche als jetzt mit Weizen und Roggen bebaut»verde» kann. Wir wissen ferner nicht, wie stark und wie schnell die Bevölkerung deS Reiches aiiivachfen wird. Alle diele unbestimmten Größen machen es für die verbündeten Rcgierimgen unmöglich, bestimmre Summen für die Zwecks deö 8 U* auch nur einigermaßen ficherzustellen. Falls nian die gollfStze der RcgicrmiqSvorlagc folvie ven geaei»- wärtigcn Koichtm und die gegcnwärttge durchschnittliche Cinstihr an Getteide m>d Fleisch zu Gründe lrgt— eine rein mechanische Berechnung,„die keine sichere Ziffer ergicbt—, erhalten wir als Endresultat eine Summe von 82 Millionen Wenn diese von 1803 oder 1904 ab thesanriert würden, so ergäbe das ein Grundkapital von rtrad einer halben Milliarde. Nach dem Antrag Trimborn, der Gerste, Haser, Federvieh und Eier aus dem 8 11» herauslassen will, würde sich die Summe des Kapital Grundstockes auf rund eine Drittel Milliarde stellen. Ob es mö fein wird, mit diesem Grundstocke, wenn jeder Beitrag der Arbeit- geber und Arbeiwehmer wegfällt, eine Witwen- und Waisen Versicherung durchzuführen, ist eine Frage, die heute noch niemand beantworten kann. Man könnte sagen, es solle an die Witwen und Waisen so viel gegeben werden, als die bereiten Mittel zulassen. Ich weist nicht, ob damit den Witwen und Waisen gedient sein würde. Wir hätten jährlich eine Sunnne von rund 00 Millionen, allerhöchstens 70 Millionen zu der- teilen. Wieviel Witwen und Waisen daran teilnehmen würden, weist ebenfalls noch niemand. Aber eine einigerniasten auskömmliche Zu- Wendung— und Herr Rösicke hat ganz richtig gesagt, dah eine Zu- Wendung von jährlich 100 oder 120 Mark nicht als auskömmlich an- zusehen sei—, läht sich mit einer solchen Summe mich nicht an- nähernd durchführen. Dazu müßte mindestens das Doppelte, vielleicht noch vielmehr vorhanden sein. Ob also der Antrag der Kommission oder der Antrag Trimborn geeignet ist, für 1910 eine Witwen- und Waisenversorgung zu basieren» bleibt nach der heuttgen Beratung eine durchaus offene Frage. Sie läht sich einigermaßen beanttvorten, wenn wir vier oder fünf Jahre mit dem neuen Zolltarif gearbeitet haben werden. Nun sagt Herr Trimborn, ich stünde bereits mit geöffneten Händen da, um jeden Mehrerttag aus dem Zolltarif an mich zu reisten. Ich wünsche Herrn Trimborn. daß er einmal in die Lage kommt, einen Etat von 2 Milliarden zu bearbeiten. Dann wird er sehen, wie wenig Freude es macht, Geld„an sich zu reisten". sHeiterkeit.) Für jede Million, die der Reichs-Schatzsekretär„an sich reiht", stehen bereits viele Leute da, um sie mit Zinsen und Zinseszinsen wieder abzunehmen. fEr- nente Heiterkeit.) Herr Rösicke wies mif das Deficit des nächsten Etats hin. Ich hoffe allerdings, dast der Fehlbettag im Etat keine dauernde Erscheinung sein wird und dast die Periode des wirtschaftlichen Niedergangs in nicht zu langer Frist durch eine Zeit guter Wirtschaft sicher Verhältnisse wieder abgelöst werden wird. Das ändert aber nichts an der Thatsache, daß ich in wenig Wochen, voraussichtlich gleich nach den Weihnachtsferien, genötigt sein werde, Ihnen einen Etat vorzulegen, der einen Fehlbetrag ungefähr von der an- gegebenen Summe, 150 Millionen» aufweist(Lebhafte Rufe: Hört! hört!)— es können vielleicht einige Millionen weniger werden. Dieser Fehlbettag must gedeckt werden. Sie können die sämtlichen Ausgaben nicht unbezahlt lassen. Staaten wie Amerika können sich das leisten. Deutschland kann es nicht. Eine entsprechende Erhöhung der Matrikularbcittäge ist für viele Vundcsstaate» bei der ungünstigen wirtschaftlichen Lage unmögsich, so dast ein Teil des Fehlbrttages— das unterliegt der Beschlust- fassnng des Reichstages und des Bundesratts— auf andre Weise beschafft werden musi. Ich selber bin aber keineswegs geneigt, dafiir einzutreten, dah alle künftigen Fehlbeträge einfach auf den Weg der An- leihe verwiesen werden. Sie selbst werden das ebenso wenig wollen. Es must also Borsorge gettoffen werden, die Finanzen des Reichs so zu stellen, daß durch Gesell und durch unabänderliche Thatsache» für die steigenden Ansgabcn auch steigende Mittel vorhanden sind. Herr Rösicke deutete auf eine Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer hin. Ich habe bereits bei meiner letzten EtatSrede gesagt: wenn irgend ein Gegenstand zu erhöhten Abgaben herangezogen werden must, so steht der Tabak jcdcnkallS in erster Linie.(Lebhafe Rufe: Hört! hört! links.) Meine Worte erregten schon damals auf jener Seite des Hauses dieselbe Enttnstung wie heute. Die Thatsache selbst läßt sich aber nicht aus der Welt schaffen. Und noch einen Punkt thatsächlicher Art werden Sie sich zu über- legen haben. Nach der gegenwärttgen Rechtslage— und zwar nach der vom Eentrum in der clausula Franckenstein geschaffenen Rechts- läge— gehören Mehrcrttäge aller Steuern über eine gewisse Snntme hinaus den Bundesstaaten und es ist am Schlüsse des§ 12 ausdrücklich ausgesprochen, dast die clausula Franckenstein weiterbestehen soll, wen» sie nicht durch ein neues Gesetz geändert werden soll. Z IIa in der Fassung der Kommission lästt diesen Rechtszustand unbeachtet, denn er verftigt ausdrücklich über solche Erträge, welche dem Reiche gar nicht gehören, er verftigt darüber zum Schaden der Einzelstaaten. Ich glaube deshalb, dast der§ IIa, dessen Tendenz von allen Bundesstaaten meines Wissens gebilligt wird, nicht seine richtige Stelle in dem gegen- wärlig vorliegenden Gesetz hat, sondern in demjenigen Gesetz, welches nach den Schlustwortcn des ß 12 dazu be- stimmt ist, die clausula Franckenstein entweder abzuschaffen oder zu modifizieren, und danut den ersten Schritt zu thun in der von allen Seiten so oft geforderten, von keiner Seite aber je materiell vorgeschlagenen Reichs-Finanzrefonu. In diesem Haufe ist ja die Reichs-Finanzreform mehr beiläufig erwähnt, in der Presse aber befinden sich fast täglich Leitarttkel darüber. Wie aber eine solche Reform ohne neue Einnahmequellen gemacht werden soll, verschweigt jeder Artikel. Ich bitte Sir, mit Rücksicht auf diese Sachlage und Lage des öffentlichen Rechtes um Ablehnung der Koinmisfionsbcschlüsse und aller Anträge. Bayrischer Staatsrat Frhr. v. Stengel; Bezugnehmend auf meine Erklärung in der Kommission, die dem Bericht beigegeben ist, möchte ich zunächst als Bertteter einer grasten Reihe von'BnndeSstaaten erklären, dast denselben der Grund- gcdanke des§ 11 durchaus syntphathisch ist. Die Regierungen tverden den Tag tvillkominen heisten, an dem es gesingt, in das grohe Werk der socialen Versicheruug durch Einbeziehung der Witwen- und Waisenversorgung den noch fehlenden Schluststein ein- zufügen. Hier ab-r handelt cö sich um die Frage der gesetzlichen Festlegung eines Problems und gerade hierftir erscheint uns der gegcm iinige Zeitpunkt ungeeignet und verfrüht. Es besteht nicht die mindeste Klarheit über die Mehrerttäge, Ivelche aus dem Zolltarif zu erwarten sind, und zudem befinden sich sotvohl das Reich wie die Einzelstaatcn in einer überaus mißlichen Lage. Es weeden viele von Ihnen mir wenigstens in ihrem Innern recht geben, lvcnn ich sage, daß gerade unter solchen Umständen es doppelt gefährlich ist, sich durch einen Att der Gesetzgebung gegenüber den breiten Massen der Bevölkerung mit Versprechungen festzulegen. von denen niemand von uns weist, ob und wann sie eingehalten werden können. Erschwerend fällt ins Gewicht, dast es sich mn Erttägniffe aus Schutzzöllen, nicht ans Finanzzöllen handelt. Also auf ihrer Natur nach zurückgehende Einnahmen wollen Sie stets»vachsende Ausgaben aufbauen! Nein,»venu wir der Frage der Witwen- und Waisen- Versicherung näher tteteii. müssen»vir nach einer soliden Grundlage suchen, und diese kann nur bestehen in festgefügten und nachhaltig geordneten Reichsfinanzen. Wenn thesauriert wird, ist das Reich vor die Wahl gestellt, entweder neue Schulden zn machen oder neue, vielleicht recht drückende Steuern einzuführen. llebrigenS glaube ich mich nicht, daß eS sich mit Artikel 70 der Verfassung vereinbaren läßt, wenn so wichtige Ein- nahniequellen wie diese der fteien Entschließung des kommenden Reichstages entzogen werden. Ferner gebe ich zu bedenken, daß, wenn»vir uns mit der so dringend gebotenen Sanierung des Etats nicht beeilen, im Jahre 1010 der Rrichs-Jnvalidenfonds erschöpft sein wird und dann fallen 40 Millionen Jahresbeittäge an Pensionen unmittelbar auf denReichS-Etat.(Hört! hört! bei den Nationalliberalen.) Man hat die Notwendigkeit des KommissionSbeschlusscs mit dem Hinlveis auf die zu erlvartende Steigerung der Lebensmittelpreise begründet.»Findet diese Besorgnis wirklich in den Erfahrungen der Vergangenheit ihre Bestätiaimg? Vielleicht handett eS sich dabei doch nur um ein Schreckgespenst. Herr Rösicke fteilich hat bereits sehr umfassende Berechnungen darüber aufgestellt, aber das Papier ist geduldig und die Thatsachen verlaufen oft anders. Der Z IIa ist in der Kommission erst in der zweiten Lesung und nur mit einer Stimme Mehrheit angcnoimnen worden. lim so mehr hege ich die Hoffnung, daß dieser Veschlnst. der ja nicht ans einem Kompromist der Mehrheit hervorgegangen ist. i», Plenum wieder ans der Borlagc eliminiert werde» wird.— Gegen die An- berechnet. Für ist längst verteilt, das im Wege der träge Albrecht bestehen dieselben Einwände in«noch erhöhtem Grade, die Mittel dafür haben Sie schon im voraus in Gestalt von MilitZr« Durch die neue Fassung des Antrags Trimborn sind die Bedenken,—""---- � die wir gegen den Kommissionsbeschluß hegten, zwar einigermaßen abgeschwächt(Hört! hört I im Eentrum), aber beseittgt werden sie auch dadurch nicht. Dagegen erachte ich die Resolution Rettich für annehmbar,(Ironisches Sehr richtig I und Heiterkeit links) sie ent- spricht durchaus der Sachlage.(Bravo! rechts.) Abg. Rettich(I.):. Herr Rösicke hat behauptet, die Konservativen wollten von einer Witwen- und Waisenvcrsicherung nichts wissen. Das ist nicht richttg. Weitn die Landwirtschaft durch erhöhte Zölle besser geschützt wird, so können wir uns mit dein Gedanken einer Verwendung der Mehrerttäge dieser Zölle für eine Witwen- und Waisen- ver» orgung durchaus einverstanden erklären. Eine gesetzliche Festlegung dieser Forderung im Zolltarif halten wir aber unter den augenblicklichen Verhälttiissen für ganz ungangbar. Ich kann mich in dieser Beziehung nur den Ausführungen dcr beiden Herren Minister vollständig anschließen. Die große Mehrheit meiner Freunde wird daher gegen den Z IIa und ebenso gegen den Antrag Triinborn ftintmeii. Um aber unsrer Sympathie für die Witwen- und Waisen- versicherlmg Ausdruck zu geben, haben wir unsre Resolution ein- gebracht, um deren Annahme ich Sie bitte.(Bravo! rechts.) Abg. Molkenbuhr(Soc.): Herr Rettich hat erklärt, daß die Landwirtschaft zu Opfern für die Witwen- und Waisenversorgung bereit sein würde, sobald durch höhere Lcbensmittelzölle ihre Lage verbessert sei. Das Lied ist alt, aber wir glauben nicht daran.(Sehr richttg! bei den Social- dcmottaten.) Als 1883 das KrankenvcrsicherungS-Gesxtz geschaffen wurde, da wurde die Krankcitversichcrung auf die ländlichen Arbeiter nicht auSgedehltt aus Rücksicht auf die Lage der Landtvirtschaft. 1885 wurden die Getreidezölle verdreifacht, 1887 verfünffacht gegenüber 1833, aber von einer Einbezichnitg der Landarbeiter in die Krankenversicherung war nicht die Rede.(Sehr wahr! bei t Socialdeinottaien.) Als 1891 die Novelle zur Krankenversichern kam, da war die„Notlage der Landivirtschaft" trotz der Getteide- zölle genau so vorhanden wie 1883. Die Not der Landwirtschaft kann aber durch Zölle nicht beseittgt werden, ja die Zölle verschärfen ie geradezu, weil jeder Mehrertrag sofort kapitalisiert wird und zu einer Erhöhung der Grundrente fiihrt.(Sehr richttg! bei den Social- demottatcn.) Deshalb ist jeder neue laiidivirtschaftliche Zoll Grnild zu einer neuen Zollerhöhimg, eine Beobachtung, die wir nach fünf Jahren wohl wieder machen werden. Die Regierung ver- ichert zwar, dast sie das Wohl des Arbeiters iin Auge habe, aber sie darf»»cht darauf rechnen, bei den Arbeitern damit Glanben zu finden, so lange sie Borlagen wie den Zolltarif einbringt, die das geimue Gegeitteil voit Wohlwollen für die Arbeiter- klaffe sind.(Sehr richttg! bei den Socialdemottaten.) Oder drückt ich dieses Wohlwollen für die Arbeiter etwa in dcr Ankündigung des Herrn Schatzsekretärs aus, dast an eine»vettere Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer gedacht wird, eine Erhöhung, die lediglich aus den Taschen der Arbeiter herausgeholt werden müßte?(Sehr gut! bei den Socialdemottaten.) Durch eine weitere Tabaksteuer »vürden die Arbeiter nicht nur als Konsnmeitten gettoffen»oerden, nein, 100 000 Tabakarbeitcr»vürden dadurch geradezu dem Bcrhungcr» preisgegeben werden.(Lebhaste Zusttmnning bei den Socialdemottaten.) Mt solchen Projekten ttägt sich die Regierung und wagt dabei, von ihrem Wohllvollen für die Arbeiterklasse zu reden! Herr Trimborit»ncintc, die Lebensmittelzölle dürften keine Finanzzölle sein, sie dürsten nicht in den Reichssäckel fliesten. In einer Versammlung»nag ja das ganz nett klingen, im Reichstag wird der Eindruck solcher Ver- sichenmgen sehr gering sein. Wir wissen doch alle, dast Sie(zum Centrum) alle Ausgaben bewilligen; da muffen Sie auch für Ein- nahmen sorgen, und wenn Sie die Lebensmittelzölle nicht in den Reichssäckel fliesten lassen wollen, dann werden Sie eben für eine höhere Tabaksteiter stimme»». Herr Trimborn hätte auch wirklich be- gründen sollen,»veshalb aus dem ursprünglichen Centrums- anttag eine Anzahl Zölle auf Lebens, nittel, deren Mehrerttag der Witwenversichenlng zu gute kommen sollten, jetzt gesttichen und in dem vorliegenden Centrumsantrag nicht mehr genannt find. Dast Sie die Erttägniffe des Butter-, �Kä>c- und Eicrzolles herausgestrichen babc», ist ja gaitz begreiflich. Sie denken, dast nach Annahme des Zolltarifs diese guten Dinge nicht mehr zu den Nahrungsmittel» der Arbeiterklasse gehören werden.(Sehr gut! bei den Socialdemottaten.) Aber weshalb Sie auch die Erttägniffe des Kartoffelzolleö den Witwen nicht zu gute kommen lassen»vollen, ist schwer einzusehen, den»» die Kartoffel»st ja und wird noch mehr das Hanpwahrungsmittel des Volkes werden. Werfen Sie niir nicht ein, dast es sich ja nur um einen Zoll auf Frühkartoffeln handele. die monatlichen Nachweise ergeben, dast die Hauptztifuhr aus Dänemark kommt, und da handelt es sich nicht um Frühkartoffel»». Ebenso fehlen in Ihren» Anttage jetzt der Gnnüsczoll, der Obstzoll, der Zoll ans Graupe», Gries und Hülsenfrüchte, die im Tarif teils erhöht. teils neu eingeführt werden sollen. Trotzde>n wagen Sie noch immer zn sogen, daß die Mehrcrttäge der Nahrungsniittelzölle den Witwen und Waisen zu gute kommen sollen. Herr Trimborn hat in beredten Worten nachgewiesei», dast es den Witwen und Waisen der Arbeiterklasse sehr schlecht geht. Wer davon noch keine Ahnung gehabt hat. konnte sich durch Herrn irnrnborn belehren lassen.(Heiterkeit bei den Sonaldemottaten.). Wie aber diese Not beseittgt werden soll, davon ,chwe»gt des Sängers Höflichkeit. Es zeigt sich immer mehr, daß der ganze An- trag nur gestellt»vordcn ist, um die Rebellion der katholische» Ar- beiter zu beschtvichttgen.(Widerspruch im Centrum,) Dabe»»st dieser Köder nur die imgeichickte Kopie der Bismarckichen Botichast ans dem Jahre 1831, Damals war eS Bismarck darum zu thun. eine erhebliche Erhöhung der indirekten Steiieni durchzusetzen. Jitr offenem Wege liest sich das schwer erreichen und so stellte er neben das Tabakmonopol und die Erhöhung der indirekten Steuern zene Botschaft der socialen Versicherung. DaöMittel konnte damals vielleicht ziehen, wo die Arbeiter den Wert dieser Versprechungen nicht beurteilen konnte»». Aus den realen Thatsachen aber wissen sie heute, daß der Erttag der Zölle und Verbrauchsabgaben seit jener Zeit von 352 auf 819 Millionen. also um 406 Millionen Mark gestiegen ist. während sie jährlich vom Reiche etwa 40 Millionen erhalten, den zehnten Teil von dem. was sie selber mehr zahlen müssen. In oemselben Verhältnis würde auch die Höhe dcS Anteils, den Sie (zunr Centtuin) den Arbeiten» durch die Witweiiversorgung bewilligen »vollen, zu der thatsächlichen Mehrbelastnng stehen. Die bede»itenben Staatsmänner, die das Centrum 1881 hatte, gingen dem Fürsten Bismarck damals nicht ans de»» Leim. Auch die Arbeiter werden Ihnen jetzt nicht ans den Leim gehen und die Getreidezölle nicht deshalb für eine segensreiche Entrichtung erklären, weil sie das Almosen der Witwenverficherung daraus erhalten sollen.(Bravo! bei den Socialdemottaten.) Durch diesen Anttag entziehen Sie(zum Centrwn) einem großen Teil Ihrer sonstigen Agitatton den Boden. Von den christlichen BauSrnvereiiien sind Petittonen an uns gr- kommen. Ihr Grundgedanke ist der, dast nach Einführnng des Schutzzolls die Jnlaiidsprodultton so gesteigert werden wird, daß der Eigenbedarf an Getteipe gedeckt werden kann. Ich bin ja auch der Meinung, daß zwischen: Zoll und Produktton ein Zusammenhang besteht, nämlich die Produktion wird nicht steigen, aber die Konsumtion wird sich vermindern. Aber, gesetzt, die Bauernvereine hätten recht, so hat Herr Trimborn den Grundgedanken der Pettttonen energisch bestritten, denn er sprach von einer durchaus sicheren Gmndlage. Wenn Sie aber die Einnahmen aus den Zöllen als dauernde annehmen, dann müssen Sie mich annehmen, daß in Deutsch- land dauenid die Preise um den Zoll höher sein»verden als der Weltmarktpreis, denn nur dann wird eine Einfuhr stattfinden. Das heißt mit midren Worten: Sie erklären die Brot- Verteuerung in Pennnnenz.(Sehr richttg l links.) Weil Sie das selbst fiihlen, sagen Sie ja auch: Wir»vollen fiir unser Unrecht Buße thun und etwas an die Witwen und Waisen abgeben.(Sehr gut I links.) Es ist eine Art Ablast für die Sünden, die Sie an den Arbeitern begangen haben.(Bravo! und Heiterkeit links.) Sie haben dein Anttage aber eigentlich schon den Boden entzogen, denn und Marinevorlagen bewilligt, und jetzt bewilligen Sie diese Mittel noch einmal.(Sehr richtig! links.) Schon im Jahre 1893 erklärte Herr Gröber, das Volk stehe am Eitde seiner Leistungsfähigkeit, als es sich um die Militärvorlage handelte. Die letzten Militär- und Marinevorlagen waren alle schon auf die Erttägniffe aus den neuen Zöllen andre Zivecke ist jetzt kein Geld da. Das Fell Wollen Sie neue Mittel flüssig machen, so geht Reichs-Bermögens- oder Erbschaftssteuer. Die Witiven- und Waisenversorgung ist aber auch gar kein Aeqnivalent für die kolossale Mehrbelastung des Volkes durch die Zölle. Die Rechnung stellt sich so, dast von je 100 M., die das Volk durch die Preissteigerung mehr zu zahlen hat ftir Brotgetreide 78,20 M. der Grotzgrundbefitzer» 13,21 M. der Staat»nid mir 8,59 M. die Witiven und Waisen erhalten würden.(Hört I hört!) Herr Trimborn hat in seinem abgeänderten Aittrag Hafer und Gerste» die die größten Zollerhöhungen erfahren sollen, heraus- gelassen. Davon sollen die Witiven und Waisen nichts haben. 3U aller Gerste wird aber für Bier gebraucht, das zu von Arbeiten» getrunken wird. Die übrigen 2/s werden zum großen Teil in Gestalt von Grütze. Graupe, Malzkaffee von Arbeitern koit- fumiert. Die Futtergerste wird hauptsächlich für die Schweinezucht verbraucht, ai» der die Arbeiter ebenfalls ganz erheblich beteiligt sind. Die Zolleinnahmen sind keilte dauernden, denn die Getteidezölle werdei» bei der steigenden Mißsttmmnng im Volke dauernd nicht zu halten sein. Hochschutzzoll kann dauernd nur ein so reiches Land wie etwa Amerika tteiben, nicht ein Land wie Deutschland mit so itiedrigen Arbeitslöhnen und so hohen Lebensmittelpreisen. Ein solches Land kann Hochschutzzoll auf die Dauer nicht ertragen und man wird auf eine andre Art sinnen müssen, wie man dauernde Ein- nahmen schaffen kann.(Sehr richttg I links.) Die erhöhten Getteidezölle werden den Arbeitern neben der Verteuerung der Lebensmittel wahrscheinlich auch ein Hrrabgehcn dcr Löhne bringen. Daß Zollerhöhungen einen Rückgang des Konsums und eme Verschärfung derArbeitslasigkcitZbewirken, haben selbst die Erfahrungen in Amerika bewiesen. Selbst wem» aus den Ein- nahmen der Zölle eine ausreichende Witwen- und Waisenversorgung geschaffen würde, so wäre das kein ausreichender Ersatz für die un- geheuren Schädigungen der arbeitenden Klasse durch den neuen Zoll- tarif. Wem, man wenigstens ftir die Witwen und Waisen einiger- maßen auskömmlich sorgen will, so muß man die gesamten Zölle ans Nahrungsmittel für diese Zwecke verwenden und andrerseits eine Rcichö-Einkommenstener einführen, von der in jeden» Jahre je nach Bedarf eine bestimmte Anzahl EinheitS- sätze erhoben werden. Wie viel Witwen unterstützungsbedürftig find, läßt sich nicht ziffernmäßig genau angeben. 1895 waren von 7 829 000 verheirateten erwerbsthätigen Männern 4 033 000 an- estcllie Arbeiter; das sind 61 Proz. 1900 gab es in De»lttchland 207 000 Witwen. Rechnen wir auch hier 51 Proz. Arbeiter-Witwen. so crgiebt sich eine Zahl von 1 137 000 oder— mit Rücksicht auf die Bevölkermigszunahme— von rund 1 250 000 unterstützungsbedürftigen Witwen. Bei den Berufsgeuossenschaften entfällt auf jede Witwe 1.7 Waise. DaS würde hier 1 933 000 Waisen. Um diese Anzahl von Witwen und Waisen zu unterstützen, genügt die hier in Aussicht genommene Summe in keiner Weise. Freiherr v. Stnmn», einer der Vorkämpfer der Witwen-»md Waffen- Versorgung, der im übrigen nicht unser Freund.war, hat mit viel höheren Summen gerechnet. Zu einer einigermaßen auskömmlichen Witwen- und Waisenversicherung würden rund 300 Millionen, und mit Verwaltungskosten rund 400 Millionen jährlich nötig sein. Das ist unaesähr die Summe, die durch d»e Nahrnngsmittelzölle aufgebracht wird. Diese Zölle würden ungefähr völlig aufgebraucht werden. In der Konnnission wurde vorgeschlagen, zu gewähren jeder Witwe 100 M., jedem Kinde 33'/g M.. oder dcr Witwe 80 M., jedem Kinde 40 M. Das würde, da auf jede Wittve 1.7 Waisen entfallen, durchschnittlich für die Person machen im ersten Falle 58,2 M., im zwetten 51,80 M. oder 10 resp. 15 Pf. pro Tag und Kopf. Kam» man dmnit irgend eine Witwe oder Waise ernähren? Diese Sunime reicht gerade aus, um de» Zoll ftir 125 Gramm Fleisch und 586 Gramm Brot zu bezahlen.(Hört! hört! bei den Socialdemottaten), also den Zoll fiir den täglichen Bedarf an Fleisch und Brot zu decken. Die Hamburger Waiscnpflege. die keineswegs musterhaft ist. wendet für das einzelne Waisenkind täglich 7Z>/z Pfennig auf. Und Herr Trimborn preist eS als eine R»ihmeS» that, wenn hier 15 Pfennig pro Tag bewilligt werden sollen l Den erwerbsunfähigen Witwen will Herr Trimborn jährlich 58 Mark bewilligen, lvührcnd aus jeden der 572 landwirtschaftlichen Betriebe über 1000 Hektar, die in Deuffchland vorhanden find, infolge der Zollerhöhimgen eine jährliche Mehreinnahme von 28 129 Mark entfällt I(Hört I hört I bei den Socialdemottaten.) Unter diesen Umständen niüsien wir erwägen, ob wir nicht besser thätei», bei einem andren Gesetz für die Witwen und Waisen etwas zu thun, indem wir festsetzen, daß der Rechtsanspruch des Mannes auf Invalidenrente bei seinem Tode auf die Witwe übergeht. Bei Annahme des Kommissionsbeschlusses»vürde die Witwe wohl eilte» Rechtsanspruch auf Unterstiitzung haben, aber in der That würde die Rente von der Armenkasse, auf die die Witwe doch angewieseil wäre, mit Beschlag belegt werden. Der 8 IIa bedeutet also nichts weiter als eine Zuwendung an die Gemeinden zu Gunsten der Armenkassen.— UebrigenS ist im§ IIa auch gar nicht gesagt, was denn eigentlich geschehe»» soll, wenn das Gesetz bis zum Jahre 1910 nickit zustande kommt. Vermutlich soll der Reichskanzler dann das Stattlt erlasien, in der KommissionSsassung steht aber nur, daß das Reichs-Bersicherungsamt es genehmigen soll.(Hört! hört! bei den Socialdemottaten.) Bei Ablehming misreS Anttages werden wir aber schließlich doch für den Z IIa stimmen. DaS ganze Interesse der Regierung am Zolltarif beruht ja doch auf den Mehrerttögen aus den Zöllen und wir hoffen, daß, wenn diese den Finanzministern entzogen werdei». diese dann nur noch die halbe Frmde am Zolltarif haben werden. Also, weil wir glauben, daß wir damit Gegner für den Zolltarif schaffen, werdei, wir für die Konunissionsvorlage ftinunen, obwohl wir wissen, daß damit eine Witwen- nnd Waisenversorgung nicht gemacht werdei» kann, und obwohl wir ferner wissen, daß die Herren vom Centrun» damit den Arbeitern nur Sand in die Augen stteuei» wollen. Die Arbeiter sind aber klug genug, un, zu wissen, daß das kein Geschenk für sie ist, und sie werden sich damit nicht fangen lassen. Darum stimmen wir getrost für den z IIa.(Lebhaftes Bravo l bei den Socialdemottaten.) Abg. Dr. v. KomiervivSki(Pole): Meine politischen Freimde werden ftir den Äonimissionsbeschlnß stimmen. Wir stellen uns auf den Standpunkt: wenn ich keinen Thaler haben kann, nehme ich den Groschen. Was die Finanzlage anlangt so bedauere ich. daß der preußische Herr Finanzminisler nicht gesprochen hat. jedenfalls müßte»nan aus der Thatsache. daß Preußen 250 Millionen für den Anfiedlungsfonds übrig hat, 'chließen, daß dort von einem Deficit nicht die Rede sein kann,(Sehr richtig l bei den Polen.) Sollte der KommissionSbeschlnß abgelehnt werden, so werden wir fiir den Anttag Trimbon» stimmen.(Bravo l) Abg. Richter(fts. Vp.): Wir werden wie in der Kommission gegen diesen ß 11« stimme»». Dafür ist ftir uns schon allein dcr Gesichtspunkt dlirchschlagenS. daß, indem wir die erhöhten Lcbensmittelzölle verqulcken mit einer künftigen Witwen- und Waisenversorgung. wir die Auftechterhaltung der erhöhten Zölle für die Zuttnft ftstlcgen und es uns erschiveren, sie zu ermäßigen, wem, d»e Zeit en»er Mehrhcil als dazu geeignet erscheint. Hinzu kommen für nnS.lls�diotzliche Bedenken gegen eine weitere Ausdehnung der Relchszuichuiie für ine Befriedigung privater Bedürfnisse großer � Bedenken haben bei der Einführung � de»� Reich-zuschusie für die Invalidenversicherung den grüßten Teil des Hauses m dem ersten v-todium der Beratung beherrscht. DasSyslen» de»«otaatszuichusse muß zu unerschwinglichen Steuerlasten führt». Abgesehen aber von dieser bestnnmten Art der Verweiidung. liegt es in der Natur der Sache bei einen» Gesetz, das«b« 100 Millionen Mehrertrag ergeben so?, zu fragen, wozu sollen die Mehreinnahmen verwandt werden. Herr v. Thielmann hat die schlechte Finanzlage ins Feld geführt. Wenn wirklich Bier und Tabak mehr bluten müssen, ist um so mehr Grund vorhanden, sich gegen die Zollvorlage zu wenden. Die Regierung selbst will trotz der ungiinstigen Fumnzlage die Mehrerträgnisse nicht dem Reiche selbst, sondern wie bisher die Ein- nahmen auS den Zöllen, den Einzelstaaten zufließen lassen. Die Einzelstaaten aber sträuben sich gegen die Erhöhung der Matrikular- beiträge. Ich meine, mindestens das Aversum aus dein neuen Zoll- tarif müßte direkt dem Reiche zugeführt werden. Es hätte sich weiter gehört, daß mit diesem Gesetz zugleich der ganze Finanzplan vorgelegt worden wäre. Die skizzenhaften Darlegungen des Schatzsekretärs über das vermutliche Deficit genügen um so weniger, als sich nicht einmal sagen läßt. ob die Verhältnisse dauernd oder nur vorübergehend so ungünstig gestalten werden. Auf die Dauer braucht man mit so ungünstigen Verhältnissen nicht zu rechnen. Auch der Reichskanzler kann die Finanzlage nicht so tragisch ansehen, sonst hätte er nicht versprechen dürfen, die Mehrerträge aus den Zöllen Wohlfahrtseinrichwngen zu- wenden zu wollen. Wer kann ivissen, wie es lSOö mit den Finanzen bestellt ist. Vielleicht ist da die Situation ähnlich wie 1900, wo der Schatz- sckretär, als man ihm die Erhöhung der Stempelsteuer anbot, sagte, er wisse nicht, was er mit dem Gclde anfangen solle.(Heiterkeit.) Die Folge werde mir sein, daß die einzelnen Ressorts, er dachte wohl hauptsächlich an Militär-, Marine- und Ävlonialamt, höhere Ansprüche stellen würden. Wenn es zulässig ist, bei diesem Gesetz die Aufhebung von Kommunalabgaben zu beschließen, nmtz eS auch möglich sein. Verbrauchsabgalien zu vermindern oder aufzuheben. Die Aufhebung der Berbranchöabgabe auf Zucker stelle ich in die erste Reihe. Wenn sich aber die Aufhebung dieser Abgaben nicht im Rahmen des Zollgesetzes durchführen läßt, so kann man jedenfalls im Rahmen dieses Gesetzes Zölle aufheben, die den Konsum der großen Masse belasten. Da würde in Frage kommen die Aufhebung des Kaffee- und des Pctroleumzollcs, deren jeder 70 Millionen Mark einbringt. Ich verkenne aber durchaus nicht, daß alle derartigen Entlastungen nicht entfernt einen Ersatz bieten für die Belastung des Volkes durch den Zolltarif.(Bei- fall linkK.) Abg. v. Tiedemau»(Rp.>: Der Grundgedanke deS Antrags Trimborn ist uns sympathisch. Wir sind bereit, alle gangbaren Wege zu beschreiten, die zu einer Äitlven- und Waisenversorgung führen. Wir halten aber den An- trag Trimborn für keinen gangbaren Weg. Dagegen scheint uns der Antrag Rettich ein geeigneter Weg zu sein. Wir werden im Falle der Ablehnung des Kommissionsbeschlusses und des Antrages Trim- bom für den Antrag Rettich eintreten. Abg. Sasscrmann(natl.): Wir haben uns wiederholt für den Gedanken einer Witwen- und Waisenversorgung ausgesprochen. Die verbündeten Regierungen werden in absehbarer Zeit gesetzgeberische Schritte thun müssen, um diesen Gedanken zu verwirklichen. Ein großer Teil meiner Freunde sieht in der Resolution Rettich den geeigneten Weg zur Durchführung dieses Gedankens. Dieser Teil meiner Freunde wird gegen den Auttag Trimborn und für die Resolntton Rettich stimmen. Ich fiir>.'-ine Person kann mich allerdings nicht davon überzeugen, daß die Resolution Rettich in absehbarer Zeit zu einer Bcr- wirklichung der Witwen- und Waiseuversorgung führen wird. Es werden seitens der Regierungen immer sinanzielle Bedenken er- hoben werden, und gewisse in der Industrie vorhandene Wider- stände werden sich verstärken, je näher der Termin der gesetz- geberischen Aktton heranrücken würde. Angesichts dieser Erwägungen lverden ich und ein Teil meiner politischen Freunde für den Antrag Trimborn stimmen. Abg. Graf Kauiü(k.): Im Gegensatz zum Abg. Richter kann ich nicht einsehen, warum die Kündigung nnsrer Handelsverträge nicht bis zinn Schluß dieses Jahres erfolgen soll. Wir haben noch 0 Wochen Zeit. Diese Kündigung würde die«ituation außerordentlich klären(Unruhe links) und das Zustande- kommen des Zolltarifs in diesem hohen Hause ungemein fördern. Millionen Augen sind hierher gerichtet; man wartet im ganzen Lande auf die Kündigung der Verträge und das Inkrafttreten des neuen Tarifs.(Lachen links.) Ich wünsche deshalb dringend die Kündigung aller Vertrage, auch sämtlicher Meistbegiinstigungs- verttäge noch im Laufe dieses Jahres.(Große Unruhe links.) Herrn v. Thielmann möchte ich fragen, ob er bei seiner Berechnung des Teficits auch bereits den Mindcrcrtrag aus der Znckervcrbränchs- Abgab, falls die Brüsseler Konvcntton in Kraft treten soll, berück- sichtigt hat. Ich berechne diesen Minderertrag ans etwa 30 Millionen, so daß, falls diese Summe noch hinzukommt, das Deficit des nächste» Etats 180 Millionen bettagen würde. Nun glaube ich allerdings, daß die Brüsseler Zuckerkonvcntion gar nicht ins Lebe» treten wird. Der englische Minister Balfour hat kürzlich erklärt, daß England gar nicht berechtigt sei, seinen Kolonialzuckcr zu differenzieren. Damit fällt für uns der letzte Gnmd iveg, ivcshalb wir an der Zuckcr- lonvention irgend ein Interesse haben können. Um das Deficit aus der Welt zu schaffen, darf nicht wieder der leidige Weg der Anleihen betteten werden. Das würde auch im Widerspruch mit der Verfassung stehen. Diese Pu»:pwirtschast iiiusi früher oder später einmal mifhören.(Aha! und Gelächter links.) Ebensowenig können die Mattikularbeiträge erhöht werden. Auch in Preußen ist die Finanzlage nicht besonders� gut. Die Eisenbahn-Einnahmen steigen nicht iin bisherigen Verhältnis. Unmöglich können wir also die Ueberschüsie des Zolltarifs zu andern Zwecken als zur Befriedigung der laufenden Ausgaben verlvenden. Mit der Nosolntion Rettich bin ich deswegen nicht einverstanden, weil sie die Zölle ans Lebensmittel besonders herausgreift und sie damit gcwissscrinaße» brandmarkt als solche, die eine besondere Belastung des Volkes darstellen..(Hört I hört! bei den Social- demottaten.) Die Jndnsttiezölle sind nach meiner Rieinung eine ebenso große Belastung des Volkes wie die Getteidczölle. lHört! hört I bei den Socialdemottatcn.) Denken Sie an die Zölle auf Textilwaren, auf Eisen, Garn, Räder. Schuhe-c.(Sehr richttg I bei den Socialdemottatcn.) Ich schlage deshalb vor, in der Resolution ganz allgemein die Verwendung eines Teils der Mehr- erträgnisse aus den Zöllen für die Witwenvcrsorgnng zu fordern. Dabei müßten die Mehrerttägnifie nicht berechnet werden nach den BeriragZzollen, sondern nach den Zollsätzen des Generaltarifs. Präsident Graf Ballestrcm: Es ist ein Anttag auf Schluß der Debatte eingegangen von den Abgg. v. Normann(k.) und Dr. Arendt(Rp.) Der Debattcnschlnß wird gegen die Sttmmen der Social- demottaten. Freisinnigen und eines Teils der Nattonalliberalen a n- g e n o m»i e n. Abg. Singer(Soc.) sznr GeschäftSordniing): Ich beanttage. über den Antrag Trimborn zur einfachen Tagesordnung überzugehen. Die Majorität hat soeben unsrem Redner das Wort abgeschnitten, wir wünschen aber, daß er sich noch über unsre Auffassung zur Sache äußert. Präsident Graf Ballcstrem: Ein Anttag ans Uebergang zur cinfachen Tagesordnung ist jederzeit zulässig.(Heiterkeit links. Unriche rechts) Das Wort für den Antrag auf Tagesordnung erhält Abg. Lcdcbour(Soc.): (Tie ersten Ailsführnngen deS Redners bleiben bei der großen l'iiriihe im Hause auf der Tribüne unverständlich.) Ich verstehe -- nicht, wie Herr Trimborn dazu kommt, den Komimssionsbeschliiß -och abzuschwächen In der Koimmsston haben stch seme Freunde ■ ut aller Entschiedenheit und demselben glühenden Elfer wie heute 'err Trimborn für seinen Antrag, für die damalige KonuiusstonSfassling ausgesprochen. Der Zolltarif ist die beste Gelegenheit, die sich uns ans Jahre hinaus bietet die Witwen- mid Waisenversorgung ciiizuführen. Wir halten den KammissioiiSbeschluß zwar für einen m, höchsten Grade fehlerhaften Ganl er scheint UNS aber doch noch gut �enug. um die Witwen- und Wnisrnvcrs»rgiing aus das Reichsgele, s« zu sahreu und sie an den Zolltarif anznhängen.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.)— Gras Kanitz sprach von dem Fell des Bären. Wir suchen eS mit allen Mitteln zu verhindern, daß der Bär erlegt wird, Iveim wir aber diesen unsren Hauptzweck nicht erreichen können, dann wollen wir wenigstens, daß das Fell zu Gunsten der Aermsten und Unglücklichsten verwandt wird.(Sehr gitt! bei den Socialdemottaten.) Die Regiernngsvertteter haben auf die höchst bedenkliche Finanz- läge der Einzelstaatcn hmgeivieseii. mit Rücksicht auf diese dürften die Erttäge aus den Zöllen nicht angetastet werden. Damit haoen die Herren Regiernngsvertteter offen bekundet, daß sie den Tarif als Finanz- gesetz betrachten, während der Herr Reichskanzler ausdrücklich betont hatte, daß es sich hier um keine Finanzzölle handle.— Herrn Richter gegenüber möchte ich darauf verwesten, daß die Witwen und Waisen aus die Allgemeinheit auf jeden Fall angewiesen sind. Bekonunen sie keine ReichSunterstiitzinig, so fallen sie der Armenpflege zur Last. Wir wünschen aber, daß sie nicht auf Wohlthaten angelviesen stnd, sondern einen Rechtsanspruch aus Unterstützung haben.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Was Herr Richter gegen die hier in Rede stehende VerSvendlliig gesagt bat. das ttisst dann jede sociale Gesetzgebung, das ttifft das Jnvaliditäts-, lvie das Krankenkassen-Gesetz. Herr Richter vertrat wieder einmal den Standpuntt der nacktesten Selbsthilfe. Wir meinen daß die Arbeiter infolge der kapitalistischen Ordiunig für diese Selbst- hilse gänzlich ungeeignet sind. Der Anttag der Koimnission erscheint uns ungeniigcnd, wir haben versucht, ihn durch unsre Anträge zu verbessern. Der Äiitraz Trimboru bedeutet eine Berschlechtening, der wir nicht zustimmen können. Die Rücksicht auf die katholischen Arbeiter sollte das Centtum doch veranlassen, bei seinem ersten Anttagc stehen zu bleiben. Eine Befriedigung der Rcgicrirng wird nicht erreicht, ebenso wenig eine Befriedigung der Konservattven. Dagegen wird dieser abermalige Umfall die schon bedenklich ge- wordenen rheinischen Arbeiter noch stutziger und dem Cciittmn ab- wendig machen. Wir werden alles thun, um den Z IIa. für die arbeitende Klafie so gilt als möglich zu gestalten. Ueber den Anttag Trmiborn bitte ich Sie. zur cinfachen Tagesordnung überzugehen. (Bravo! bei den Socialdemottaten.) Abg. Dr. Spahn(C., auf der Tribüne unverständlich) spricht sich gegen den Antrag Singer mif Uebergang zur Tagesordnung auS uno bittet den Präsidenten, zunächst über den Kommissionsvorschlag, dann über den Anttag Trimborn abstimmen zu lassen. Der Anttag Singer wird gegen die Stimmen der Social- dcmokrateil und der Abgg. Dr. Langerhans(frs. Vp.) und Schräder (frf. Vg.) abgelehnt. Präsident Graf Ballestrcm: Entgegen dem Wunsche des?lbg. Dr. Spahn muß ich vorschlagen, zunächst über den Anttag Trimborn abzustimmen, dann erst über der Anttag der Kommission. Die Kommissionsvorlage bildet die Grundlage, ans der wir verhandeln, der Antrag Trimborn bildet ein Amendement dazu. Abg. Singer: Ich möchte die Bitte Dr. Spahns uiitcrstützen. Diejenigen, die geneigt sind, für den Fall der Ablehnung des Kom- missionsanttageS fiir den Alttrag Trimborn zu stimmen, werden durch die vom Präsidenten vorgeschlagene AbsttmmungSweise präjudi- ziert. Wir könnten unsre Auftasfung nicht zum Ausdruck bringen. Wir würden, weil der Antrag Trimborn etwas weniger bietet als die Kommission, zunächst gegen den Anttag Trimborn stimmen müssen, wir würden aber im Falle der Ablehrnrng der Kommissionsvorlage für den Anttag Trimboru stimmen, weil er doch mehr bietet als nichts. Abg. Dr. v. Komicrowski(Pole) schließt sich dem Wunsche Singers und Dr. Spahns an. Abg. v. Kardorff(Rp.): Ich bitte den Präsidendeu, bei seiner Auffassung zu verharren und das Haus darüber entscheiden zu lassen. Präsident Graf Ballestrcm: Die ganze Diskussion hätte ver- mieden werden können, wenn Herr Trimborn seinen Anttag als einen Evenwalanttag fiir den Fall der Ablehmmg der Kommissionsvorlage bezeichnet hätte. Abg. Trimboru(C.): Ich habe meinen Antrag so gemeint. (Große Heiterkeit.) Wenn ich ihn nicht direkt so gefaßt habe, so beruht das auf meiner parlamentarischen Nnrrfahrcnhett.(Eriicilte Heiterkeit.) Haben Sie mit einem Neuling etwas Rücksicht und stellen Sie sich auf den Standpunkt Dr. Spahns l(Heiterkeit.) Das Haus beschließt, zuerst über den Kommissionsanttag, daiin über den Anttag Trimborn abstimmen zu lasscii. Zunächst werden sämtliche socialdemottattsche Amendements a b g e l e h nt. lieber drei dieser Amendements ivird ans Antrag Singer(Soc.) namentlich abgestimmt: das Resultat dieser Abstimmungen ist die Ablehnung der betteffenden Amendements niit 208 gegen 47, rcsp. 214 gegen 37, resp. 203 gegen 43 Stimmen. Bei der zweiten Abstimninng enthalten sich 1, bei ocr dritten 4 Ab- geordnete. Die Präsenzziffer beträgt 233— 232— 252. Der KommissioilSaittrng wird in einfacher Abstimmung gegen die Stimmen der Socialdemottaten, Polen und Antisemiten ab- gelehnt.(Rufe: Aha! bei den Socialdemokaten.) Nlinmehr wird der Antrag Trimborn in namentlicher Ab- stinunung mit 143 gegen 106 Sttmmen bei zwei Stinimcnthaltungcn angcnouiulcn.(Bravo! im Centtum.) Darauf vertagt sich das Haus. _ Nächste Sitzung: Sonnabend 12 Uhr.(Interpellation Albrecht (Soc.) betreffend polizeiliche Uebergriffe; Fortsetzung der Zollgesctz- Beratung.) Schluß 63/4 Uhr._ Zum Apotheken boykott. Die Krankentassen-Vorstände und Verwaltungsbeamten hielten am Donnerstag im großen Saale des Gewerkschaftshauses eine Ver- sammliing ab, in der Si m a n o w s k i über die letzten VerHand- limgen der Centralkommission mit den Apotheker-Vcrtrelern berichtete. Bekanntlich haben die Apotheker in der letzten gemeinsamen Sitzung alle den Kassen vorher gemachten schriftlichen und mündlichen Zu- geständniffe zurückgezogen und dam, den Antrag unterbreitet- den Herrn Oberpräsidcnttn von Bethmam,-Hollweg zu ersuchen, als Schiedsrichter zu fungieren, dessen Schiedsspruch sich beide Parteien bedingungslos unterwerfen sollten. Die Ccntraliommission erklärte sich mit dem Herrn Oberpräsidenten als Schiedsrichter auch einver- standen, beantragte aber, daß von jeder Partei zwei Experten hinzu- gezogen und der Schiedsspruch aus Grundlage der von den Parteien bisher gemachten gegenseitigen Zugeständnisse gefällt werde. Dieser eigentlich ganz selbstverständliche Vorschlag wurde von den Apothekern unter allerlei nichtigen Vorwänden nachträglich abgelehnt, so daß nunmehr die ganzen bisherigen Verhandlungen völlig ergebnislos verlaufen sind. In der dem Bericht folgenden Diskussion luurde das. Verhalten der Apotheker seitens der Kassenvcrtrctcr einer herben Kritik unter- zogen, andrerseits aber auch das allzu große Entgegenkommen der Centralkommission nicht gut geheißen. Die Apotheker hätten wieder- holt bewiesen, daß sie den Frieden gar nicht wollen, und durch die Konzessionen, die ihnen von der Centralkommission gemacht worden sind, sind die Apotheker erst recht in den Glauben versetzt worden, daß sie vollständig allein diktieren können und die Kassen den Kampf unter allen Umständen beenden wollen. Die Kassen hätten gar keine Ver- anlassung und wünschen auch von der Centralkommisston nicht, daß weitere Zugeständnisse gemacht werden, zttnml die Apotheker das bis- herigc Entgegenkommen in keiner Weise gerechtfertigt haben. Die Situation s'ei für die Kassen die denkbar beste, denn abgesehen davon, daß die Kassen während des" Kampfes sogar erhebliche finanzielle Vorteile erzielen, haben sich die getrofsencn Maßnahmen auSgezeich- nct bewährt, so daß weder den Kassenverwaltungen noch den Kassen- Mitgliedern nennenswerte Beschwerlichkeiten erwachsen und eS sei ganz zweifellos, daß der Kampf von den Kaisen ungeschlvächt so lange weiter geführt wird, bis die Apotheker endlich die Forderungen an- erkennen. Nach einer längeren Diskussion in diesem Sinne, wurde die von uns gestern bereits mitgeteilte Resolution beschlossen, in der ausge- sprachen wird, daß die Versammlung nicht principiell gegen est» Schiedsgericht ist. daß sie aber die Zeit hierfür nicht für gekommen erachtet, nachdem die Apotheker die für den Schiedsspruch notwendigen Grundlagen abgelehnt haben.— Bemerkenswert ist noch, daß gegen die Person des Oberpräsidenten als Vorsitzender eines Schieds- gerichts principielle EiMvendungen nicht gemacht worden sind und daß der Centtalkommission verschiedentlich der Vorwurf gemackst wurde, daß sie zu viel Entgegeukommen gezeigt habe, tvährend be- kanntlich die Apotheker behaupteten, daß die Kommission schuld daran sei, daß der Kampf noch nicht beendet und sie im Gegensatz zu den Kassen, die den Frieden Ivollen, den Kampf nur des Kampfes willen aufrecht erhalten. Da nun auf eine Einigung in der nächsten Zeit nicht zu rechnen ist, so werden die Kassen weitere Maßnahmen ergreifen und soll zu- nächst der Vertrieb der Medikamente anders gestaltet und die Zähl der Rcgiemittel erhöht werden. Es kommen hinzu: Brustthee, China- tinktur und Borsalbe. Mit diesen drei Mitteln ist übrigens die Zahl derjenigen Handverkanfsinittcl, ans welche die Kassen Ivirkliche Ver- günstigungen vor dem Kampf hatten, erschöpft. Außerdem kommen dazu drei Mittel: Zinkpasta, Aspirin-Ersatz und starkabführende Pillen, welche der Rezeptur angehören. Natürlich sollen die Medi- kmnente den Kassen zu ähnlichen Engros-Preisen berechnet lverden, tvie die bereits eingeführten. Dabei verpflichten sich aber die zur Vcrfüguiig stehenden Apotheken, den Vertrieb der'Medikamente an die einzelnen Patienten selbst zu übernebmen, um allen etwaigen Einwendungen von vornherein zu begegnen. Zur Vereiufachung er- .halten die Aerzte von der Centralkommission frankierte Karten, auf denen die betreffenden 0 Mittel in Rczeptform vorgedruckt sind. Das Medikament wird den Patienten dann von den Apotheken, ins HauS zugeschickt, so wie dies seit Einrichtung der Sammelstellen bereits scho:« geschehen ist. Nachdem mit dem Apotheker Wedel-Schöneberg der Vertrag wieder erneuert worden ist, so stehen jetzt schon fünf Apotheken zur Verfügung, welche diese Verpflichtungen übernommen und u. a. auch einen Rezcptur-Rabatt von 20 Proz. gewähren. Allem Anschein nach wird sich diese Zahl in nächster Zeit erhöhen, da ver- schiedene Apotheker den Kampf durchaus nicht mehr weiter führen und den Forderungen der Kassen entsprechen wollen. In der Versammlung Ivaren sehr zahlreich vertreten: 44 Orts-, 30 Hilfs-, 7 Betriebs-, 8 Vororts- und 4 Jnnungskasscn, insgesamt 99 Krankenkassen._ Bus äer frauenben>egung. Tie Frau in der Gewerbeaufsicht. Eine Kommission der Bremischen Bürgerschaft, die zum Studium der Frage besonders niedergesetzt war. empfiehlt dieser Körperschaft bekanntlich die Anstellung einer iveiblichen Hilfskraft der Geiverbe« insoettion. ES ist nicht ohne Wert. lvaS die Kommission zur Be- gründung ihres Vorschlages sagt. In der Begründung heißt es: „Ueber die Frage, ob die Anstellung. von weiblichen Beamten der GOverbeinspektion prinzipiell wünschenswert sei. war die Kommission von vornherein einig. Die Zunahme der Zahl der in den Fabriken beschäftigten Frauen hat cine Reihe von Mißständen im Gefolge gehabt, deren Beurteilung einer Frau naturgemäß leichter fällt als einem Manne, Mißständen nicht nur in den Fabriken selbst, sondern auch in den durch die Fabrikthätigkcit beeinflußten häuslichen Verhältnissen der Arbeiterinnen. Ebenso ist es begreiflich, daß eine Frau weniger Schwierigkeiten finden ivird, das Vertrauen der Arbeiterinnen zu gewinuen, als ein Man», besonders wo es sich um familiäre und gesundheitliche Verhältnisse handelt; auf diesem Ver- trauen aber beruht ein guter Teil deS Einflusses und des Nutzens der Gcwcrbcinspcktion überhaupt." Aus dem den Berichten der Gewerbcinspcktoren entstammenden Material glaubt die Kommission den Schluß ziehen zu dürfen, daß die in Rede stehende Einrichtung weiblicher Beamten der Gewerbe- inspektion sich allerdings noch in der Entwicklung befindet, daß aber diese Entwickliing überall da cine günstige ist. wo man einerseits die richtige Organisation getroffen hat und tvo es andrerseits gelungen ist. die richtige Persönlichkeit für das schwierige Amt zu finden. Die Kommission ist demnach der Ansicht, daß die bisherigen Erfahrungen die Einführung dieser Einrichtung auch in Bremen cmpfehlen. Bmffcarten der Redahtion. Tic juristische Sprechstunde findet täglich mit Zlusiiahnic deS Sonnabends von 7'/. bis 8'/, Uhr abends statt. ». V. 175. 1. Sie werden gut thun, einem Erossisten in Osnabrück oder Umgegend ihre Aujttäge zu geben. 2. Vo sich eine Eclegcnhcit bietet. 3. z 175 bitten mir Sic im Strafgesetzbuch nachzulesen. Strausberg. Slaviich._ 2ö. Z. 51. Zur Sclbsterlernung der sronzviiicheu Sprache werden Toussaint-Langenscheidts Nlitcrrichtsbricsc vielsach empfohlen. Sie sind zum Preise von 27 M. beim Gcs.nntbczug oder iu 36 Heften a 1 M. u. a. in der Buchhandlung Vorwärts erhältlich.. A. B. 500. 1. Mitglied der Kranlenkafse können üue als Sclbstzahler bleiben. 2. Gewerbestcuerpflichiig sind Sic, wenn Ihr JahreSciiiloinmcn 1300 oder Ihr Slnlagctapital 3000 Mark übersteigt.— G.«. 41. 1. Sic könnten auf Beseitigung des störenden GeräivcheS sowohl �egen den Wwt imc gegen den Mieter klagen: eine Gunimi-Unterlagd besciugt das Geräusch 2. Der Vertrag geht weiter.- M. Vi. 200. DaS Gericht ist im Recht: Zustimmung ihres ManncS ist erforderlich. Weigert er chicse. so lann ans Zustimmung geklagt werden.— K. 10. Iii beiden Fallen kann Lohn verlangt werden— H..S. 88. Wenn die Frau eine versicherungspflichtige Stellung hat: ja, sonst»cm.— Vl>.>�a. — R. I. Nach richtiger Ansicht sieht, licht dem Verein, wohl aber dem Kassierer ein klagbares Recht nicht gegen Sic.- sondern gegen Ihre Frau aus Rückzahlung zu. Die Frage, ob auch gegen Sic.und seitens des Vereins geklagt werden könne, wird von einigen Gcnchlcn mdes b-iaht.— S. lOOO. 1. Die Grundzügc der Invaliden-,'Alters- und Unfallversicherung lernen Sie aus dem in den öffentlichen Lesehallen auSlicgcnden„Arbeilerrecht" kennen 2 Innerhalb drei Monaten mühte Sttasanzcigc erstattet lverden. — P. L..' Martha. New.— 1 B. P. Sber-Schvuewcide. Ja.— P. Nr. so, Sie müssen zahlen. Mehr als ein Dutzend mal iit an dieser und an andren Stellen des Blattes betont, die Mitglieder jener ttasje sollen schleuniast durch eiuncschriebeucii Brief austtctcn, sonst hätten sie weiter zu zählen— 100. M. M. Ist die Wobnung gesundbeilSgesährdcnd. ja können Sie den Vertrag ausheben. Ratsam ist es, auf'Aushebung beim Amtsgericht zu klagen, damit gerichtlich über die Frage_ der Gcsiindhcite.- gesährdinig entschieden werden tan». Ml der Klage könneii Sie einen Antrag aus Erlast einer cmstw eiligen Brrsüguna unter Beisügnng eines Attestes verbinden.— B. W. 43. Leider sieht Ihnen kein'Anspruch gegen die Finna zu: Ihr etwaiger'Anspruch wäre seit dem Jahre 1838 verjährt. P. 2. 1. Sic könnten, nach schristlicher Ausfordcruiig zur Zahlung. aus Zahlung beim Amtsgericht mit Aussicht aus Ersolg nagen. 2. Ohne (jinsichi in Ben Vertrag ist Ihre Frage nicht zu bcautwortc». Suchen Sie die Sprechstunde aus.— P. G. 15. 1. Exkusive. 2. Ja.— P.®. 30. Gegen Müller steht Lhuc,, keinerlei'Anspruch zu. Sie haben einen Verkehrten Weg cingeschlagcn. Ucbergeben Sic dem Gerichtsvollzieher das Urteil zur Vollstreckung, und zwar zunächst durch Psändung und Verkam der bei Ihnen lagernde» Waren.— B rubel. Ein Rekurs Halle Ansucht aus Erfolg- Wesentlich ist. dgsi Sic nicht mehr Ihrem Berus als Buchdruckcr nachgehni können.— H. P.. Schöneberg. Ja.-- P. Z. 88. Ne»>- — H. M. 812. 1. und 2. Nein. 3. Zuständig ist daS Gericht deS Wohn- orlS. also das Amtsgericht ll(HallescheS User 29,'3l) 4. Ja. Das von Ihnen über die Auslunsterteilung Vorgetragene ist wohl kaum zutreffend. Eventuell wenden Sic sich an das Preijlommilsions-Mitglicd Ihres Kreises. Witteningsüberficht vom 21. November 1802, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemd.' Hamburg Berlin Frants./M. 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WM des AmSrls" Wim MsM SmiMbend, 22. November 1902. Berliner partei-Hngelegenbeiten.l Zweiter Wahlkreis. Kommenden Vtittwoch findet in der Berliner Bockdrauerei. Tempelhofer Berg, eine Bolksverfanmilung statt mit der Tagesordimng:.Der St aat und die herrschenden Klassen". Genosse Reichstags-Abgeordneter Rngup Bebel hat das Referat überiumunen. Um recht zahlreichen Besuch ersuchen Die Vertrauensleute. Schmargendorf. Die Parteigenossen werden ausgefordert, sich am Sountagvormitlag um 10 Uhr im Wirtshaus Schmargendorf zu einer Flugblatt-Berieilung zahlreich einzufinden. Am Mittwoch- abend 8 Uhr findet daselbst eine öffentliche Bersannnlung mit Frauen statt, in welcher der Reichstags-Abgeordnete F. Zubeil über die Zollpolitik und das Volk referieren wird. Ober-Schöneweide. Sonntag, morgens 8 Uhr. findet die Kalenderverbreitung statt.— Dienstag, abends 8 Uhr. habe» sich die Genossen zur Handzettelverbreitung hei Kaufholdt ein- zufinden.— Mittwoch, abends 8'/» Uhr. findet eine Volks- Versammlung im..Wilhelminenhof" statt, weshalb die an diesem Tage fällige Versammlung des Wahlvereins nicht abgehalten wird. Nirder-Schinrweide. Der Wahlverein hält Sonnabend, abends 8>/z Uhr. feine regelmäßige Versammlung bei A. Steehr, Hassel- wcrderstr. S. ab._ Der Vorstand. Lokales* Zu dem Waisenhaus- Skandal, den wir am Sonntag— als zweiten innerhalb weniger Tage— mitteilten, haben wir nachzu- tragen, daß die Meldung von dem Tode des Kindes Wally P.. das die Waisenverwaltung nach Prenzlau in Pflege gegeben hatte, nicht um vier Wochen, sondern um etwa zwei Wochen zu spät an die hiesige Verwaltung gelangt ist. Wir erfahren aus der nnS jetzt von der Mutter vorgelegten Sierbeurkunde, daß das Kind nicht(wie uns Frau P. angegeben hatte) am 13. Oktober, sondern am 29. Oktober in Prenzlau gestorben ist. Der Irrtum ist entstanden infolge der eigentümlichen Art, in der das Bureaupersonal des Berliner Waisen- Hauses mit den Angehörigen der der Waiscnpflege überwiesenen Kinder umzuspringen pflegt. Die Herren machen in der Regel nicht viele Umstände und sind sehr kurz angebunden. Als Frau P. am 10. November auf dem Bureau in der Alten Jakobstraße die Nach- richt von dem Tode ihres Kindes erhielt, gab man ihr den eben erst aus Prenzlau eingetroffenen Brief nicht in die Hand, sondern be- gnügte sich, ihr den Inhalt mitzuteilen. Dabei scheint man ihr ge- sagt zu haben, das Kind sei»schon vor dreizehn Tagen im vorigen Monat" gestorben, während Frau P. gehört zu haben glaubt,»schon an, 18. vorigen Monats". Selbstverständlich wird der Skandal da- durch kaum geringer. Nach wie vor halten wir es für erforderlich, daß die Waisenverwaltung Aufklärung darüber giebt. warum nichf — entsprechend der für die Waisenväter erlassenen Dienstvorschrift—: die Todesnachricht sofort nach Berlin gelangt ist. Wir können uns übrigens nicht ganz des Verdachtes erwehren, daß solche oder ähnliche Vorkommnisse in unsrer städtischen Waisen- pflege vielleicht gar nicht einmal so selten sind, wie bisher angc- Nammen wurde. Aus den Mitteilungen, die uns gemacht Ivorden find, haben wir wenigstens den Eindruck gewonnen, daß man auf dem WaiscnhauSbureau in beiden Fällen ziemlich kühl geblieben ist. So- wohl Frau P. wie auch Herr R. und seine Frau, denen es mit ihrem der Waisenverwaltung anvertrauten Kinde genau ebenso ergangen ist. haben auf dem Bureau mit Ucberraschung bemerkt, daß man iiber ihr Verlangen, die Todesursache zu erfahren und eine Sterbe- urtunde zu erhalten, eine gewisse Verwunderung zeigte. Die Todes- Ursache wisse man selber nicht, und die Sterbcnrtunde habe doch keinen rechten Zweck. DaS Kind sei ja min tot, damit sei doch die Sache erledigt. Auch von dem Wunsch der Eltern, sich mit den be» treffenden Pflegemüttern oder gar mit den Waisenvätcrn in Ver- bindnng zu setzen, war man auf dem Bureau recht toenig erbaut. Die Eltern bättm es lediglich mit der Berliner Verwaltung zu thtin. und namentlich der Waiscnvatcr gehe sie gar nichts an. Man scheint ja einen hohen Grad von Gleichgültigkeit bei den Eltern voranszu- setzen, die ihre Kinder der Waifcnpflege anvertrauen! In beiden Fällen handelt es sich nicht um Fmnilien, die ihre Kinder der Waisen- Verwaltung aufhalsen und los werden wollte». Beide Male wurde dem Bnreaupersonal ausdrücklich gesagt, das betreffende Kind»verde zurückgeholt, sobald die Mutter auS dem Krankenhause wieder ent- lassen werden könne. Man könnte nnsre« Trachtens auch ans den, WaisenhauSburcau einiges Verständnis dafür haben, daß in solchen Familien die Sache mit dem Tode dcS Kindes nicht„erledigt" zu sein pflegt. Frau P. hat sich denn mich sofort selber nach Prenzlau gewendet. Sie hat auch schon die Sterbeurkunde und ein ärztliche« Attest über die Todesursache von dort erhalten. Herr N. hat stch dazu der Vermittlung der Waisenverwaltung bedient. Erwartet noch immer auf Anüvort. Freie Unterossiziere und unfreie Bankangestellte. Die Unter- ossiziere können bekanntlich nach«mm» Bescheid« des Generalkommandos. den wir jüngst veröffentlichten, durch kein rechtliches Mittel in der Verwertung ihrer dienstfreien Zeit beschränkt werben. Tc> nimmt die Beschäftigung von Soldaten in hiesigen Banken im- gehindert immer größeren Umfang an, und die Handelsangestellten sehen mit Neid aus jene Unterosfizierö-Freiheit, welche ihnen, ob- wohl sie nicht der militärischen Disziplin, sondern den Bestimmungen des Handelsgesetzbuches miterstellt find, doch selbst nicht gewähr- leistet wird. Der h 00 des Handelsgesetzbuches bestimmt nämlich. daß der Handlungsgehilfe ohne Einwilligung des Prinzipals weder ein HmidelSgewerbe betreiben noch in dem Handelszweige de« Prinzipals für eigne oder fremde Rechnung Geschäfte machen darf. Die schärfste Beleuchtung erfährt die eigenartige Anffasiung des Generalkommandos durch da« Verhalten der DiSconto-Ge- sellschaft, die wohl als diejenige Bankfirma bezeichnet werden muß. die die.freien" Unteroffiziere in größter Anzahl beschäftigt. Diese Gesellschaft besitzt pragmatische Bestimmungen für ihre An- gestellten, deren$ 4 lautet: .»Ohne Vorwissen und schriftliche, für jeden einzelnen Fall zu erteilende Genehmigung der Direktion darf der Angestellte ein Acbengeschäft mittelbar oder unmittelbar, auf eignen oder fremden Namen, für eigne oder fremde Rechnung, nicht betreiben." Hier wird also nochmals ganz besonder« den Angestellten die Pflicht auferlegt, nur für ihren Unternehmer thättg zu sein. Die Gesellschaft aber scheint sich über die Folgen der Soldateuarbcit für die Angestellten llar zu sein, denn bei der letzten Herausgabe der pragmatischen Bestimmungen ist folgender Passus gestrichen worden:»Tagegen soll der Angestellte sich als berechtigtes Mit- glied der Verwaltung fühlen und feine Kräfte mit Beruhigung dem Geschäfte widmen." Ob die Angestellten ivohl erkennen, daß die Herren der Ver- waltimg damit zeigen wollen, daß die Stellnngen in der Disconto- Gesellschaft auch nicht mehr den Anschein einer Sicherheit bieten?........... Der Direktor der Bank, die diese mit Geldersparnis verknüpfte Porliebe für den Militarismus hegt, Herr Geheimer Kommerzien- rot p. Hansemann, hat kürzlich die Brillanten zum Kroncnordcn erster Jtlaste erhalten. Die gestern v,m Magistrat beschlossene Anfnalime einer Anleihe in Höhe von 228 Millionen Mark bedarf noch der Anstimmung der . Ttadtverordneten-Versainmlung und der Staatsbehörde. Wegen der Begebung dieser Anleihe ist cm Beschluß noch nicht gefaßt. Sie wird voraussichtlich in Teilbeirägen aufgelegt werden, da miS den Mitteln der Anleihe erst später in Frage kommende Bedürfnisse de- stritten werden sollen. Ei« Berliner Ansgewiesmr. Au Lrookly»-New York tß am 30. Oktober d. A. der Genoffe G e o r g H i n z e im Alter von nahezu 48 Jahren am Herzschlag gestorben. Georg Hinze, von Beruf Drechsler, war während des Socialistengesetzes in Berlin furchtlos in die Bresche getreten und wurde dann am 20. August 1881 natürlich auf Grund des Ausweisungs-Paragraphen a u s g e- wiesen. Er ging nach Amerika und blieb dort bis zu seinem Tode der Sache treu, für die er in die Verbannung geben mußte. Die Berliner Genossen werden sein Andenken in Ehren halten. Ein Bruder des Verstorbenen ist heute noch im 2. Wahlkreise»N den vordersten Reihen der Partei thätig. Gegen die Synvdalbeschlüsse in Sachen der Sonntagsruhe nahm gestern der deutsche Gastwirt- Kongreß, der in der Branerei Friebrichshain versammelt ist, in folgender Resolution Stellung: „Wir erheben einmütig Protest gegen die bekannten Bestrebungen der Synoden, die darauf abzielen, nicht nur den Betrieb der Gast- Ivirtschasten in jeder Bezichlmg und nach jeder Richtung hin einzu- schränken, sondern auch die bürgerliche Freiheit der Bevölkerung in Fesseln zu schlagen. DaS Streben der Synode», durch Berinittelung der Staatsgewalt den Schluß der Schank- ftätten während der Kirchzeit in Stadt und Land durch- zuführen, tue öffentlichen und privaten Lustbarkeiten an den Sonnabenden und Sonntagen inuner mehr einzuschränken. überhaupt jede freie Bethätigung volkstümlichen Leben« an den Sonntagen z» unterdrücken, jedensalls aber der polizeilichen Kontrolle immer mehr zu unterwerfen, zeugt von einer Unduldsamkeit und einem Mangel an socialpolittscher Einsicht, die nicht scharf genug zurückgewiesen werden kann. Wir erwarten mit Zuversicht, daß du Regierung diesen Bestrebungen mit Festigkeit entgegentreten und damit zur Beruhigung der weitesten Bevölkerung«- schichten beitragen wird.— Die von den Anhängern der MäßigkeitS- und EnthaltsamkeitS- Bewegimg aufgestellten Forderungen, die unter andern auch durch den Abgeordneten Grasen Douglas im preußischen Abgeordnetenhouse unterstützt worden sind, gipfeln in der Unterdrückung des Wirtschaftsbetriebes in der gegenwärtig bestehenden Art und in der Bermindcnmg und UmgcstalNing des- selben in einer das Gewerbe völlig rumiercilden Form. Tauseiide und Abertausende von Existenzen des zum Mittel- stände zählenden WirtegewerbcS werden dadurch ins Elend gestürzt werden, lediglich uni der Phantastereien einer kleinen Gruppe un- duldsamer Personen willen. Wir erklären, daß der Alkoholmißbrauch nicht durch die konzessionierten öffentlichen Wirtschaften hervor- gerufen oder gar gefördert wird, sondern durch die erschreckend große Anzahl aller möglichen Arten von Wiitkelschanlstätten, welche dem reellen konzessionierten Gewerbe milmttere und unkontrollierte Kon- kurrenz machen. An den Behörden ist es, dieser Art von„wilden" Schamjlätte» ein Ende zu machen, nicht aber fortwährend dem mit riesigen Abgaben und Steuern aller Art sowie mit einer Fülle von polizeilichen Scherereien geplagten Wirtestond das Leben noch mehr zu erschweren und eine gefährliche Beunruhigung in weite Kreise des gewerbetreibenden Mittelstandes zu tragen. Wir protestieren einmütig gegen den Erlaß weiterer ähnlicher Vorschriften." Die Notwendigkeit einer Auddehnung der Unsallverflchenln» leuchtet aus einem Fall ein. der uns aus dem königlichen Schloß berichtet wird. Tort hat der Arbeiter Gustav E. am 31. Januar dieses Jahres einen Unfall erlitte», worüber das folgende vom Hosmarschallamt ausgestellte Aktenstück Kunde giebt: „Der Maurer Gustav E. war am 31. Januar dieses JahreS mit Aufladen von Holzspähne» beschäftigt, wobei er dieselben mit den Händen zusammenraffte. Ein Holzsplitter drang ihm dabei in den kleinen Finger der linken Hand zwischen dem oberen und mittleren Gelenk. Er achtete nicht weiter darauf, hoffte, daß der Splitter herauseitcm werde, beseitigte die nach einigen Tagen eintretende Eiterbildung und legte, ein Heftpflaster auf. Am 6. Februar zeigte er dem königlichen Holzbcsorger Steffen seine linke Hand, die stark angeschlvollen war und schmerzte, und meldete, daß er nicht arbeiten tönne. Steffen riet ihm. sich an einen Arzt zu wenden. Ter Arzt Dr. Samter konstatierte Blut» Vergiftung und versuchte zunächst durch Umschläge, das llebel zu beseitigen. AlS nach einigen Tagen eine Besserung nicht eintrat, mußte die Amputation de« Fingers erfolgen, da der Arzt erklärte, daß bei weiterem Aufschub der Verlust der ganzen Hand zu be» fürchten sei. Die Amputation de«-Finger« erfolgte alsdann sofort. DicS wird hiermit bescheinigt."-- Das königliche Schloß rechnet sich nicht zu den versicherungs- Pflichtigen Betrieben und somit konnte eine Berufsgenossenschaft für den Unfall leider nicht herangezogen lverden. Einige Gesuche um Unfallentschädignng. die der Verunglückte an das H o f in a r s ch a l l- a m t richtete, blieben anfangs ohne Wirkmig. doch bewilligte am 22. Juni der Minister des königlichen Hauses dem Verunglückten ein einmalige„außerordentliche llnterstützvng" von 100 M. DaS ist fiir den bei der Arbeit im königlichen Schloß zum Krüppel ge- ivordenen Arbeiter soviel wie ein Tropfen auf einem heißen Stein- denn seine Erwerbsfähigkett ist durch den Unfall ganz außerordent- lich herabgemindert. Weitere Unterstützungen hat der Verunglückte aber nicht erhalten, ja ans ein erneute« Schreiben erfolgte an, 13. November dieses Jahres die befremdliche Antwort, daß ein Unterstntzungsgesuch beim Kaiser nicht befürwortet werden könne, weil nicht„nachaewiesen" sei. daß E. stch seine Verletzung auch bei der Arbeit im.Holzkeller des königlichen Schlosses zugezogen habe. E« bleibt rätselhaft, wie diese Anficht mit dem vorhin abgedruckten Attest zu vereinbaren ist, dessen Ausstellung doch keinen Sinn ge- babt bötte, wenn der Unfall nicht im Betrieb des königlichen SckilosseS geschehen wäre. Hoffentlich trägt dieser Unfall zu einer Ausdehninig der Versicherungsgesetzgebung bei. Der Frachtschiffabrts-Veekelir ans der Oder von Berlin in den Richtungen nach Breslau und Stettin ist infolge des Frostes seit Montag geschlossen, da die Schiffe die Eishindernisse aus der Oder nicht mehr zu nehmen vermögen. Auch für den Frachtverkehr nach Hamburg werden Austräge mrr noch unter Vorbehalt angenommen, obwohl die Strömung der Elbe ciofrei ist und auf der Havel die Eis- brecher eine Schiffahrtsstraße freizuhalten vermögen. Falls der Frost nicht bald nachlassen sollte, müßte aber auch hier der Schiff« fahrtSverkehr unterbrochen werden, umsomehr, al« durch die an- haltende Kälte der Wasserstand der Ströme ungünstig beeinflußt wird. Auch der Finowkanal ist seit Anfang der Woche schon mit einer Eis- decke überzogen. Seit Monaten wurde die Feuerwehr durch böswillige Alarme genarrt. Mehr als zwanzig mal wurde die 14. Com- pagnie auf diese Weise nach der Behmsrraße am Bahnhof Gesund- brunnen. Ecke Badstraße gerufen. Trotz großer Aufmerksamkeit der berufenen Organe wollte es nicht gelinge», den Thäter, der sehr oft den Feuermelder nachts uvi'2 Uhr in Thätigkeit gesetzt hat. zu er« wischen. Gestern ist es endlich geglückt, den Kutsch« Angnst Bergmann dabei abzufassen, wie et den Melder unbefugter Weise in Thätigkeit setzt,. Zu feinet Entschuldigung gab er an. dak er sich Sets über da« Anrücken der Feuerwehr niw. amüsiere. Dieses müsement wird dem Manne teuer zu stehen kommen. Er hat An» klage wegen VerÜbung von groben Unfug und Sachbeschädigung zu gewärtigen. Fossile Jugend. In pathologischer Hinsicht interessant ist eine Versammlung von Studenten, in der eme Gruppe_ von Burschenschaftern dafür agitierte, daß bei Duellraufereien der Kriegs- minister dem Säbel als der»ritterlichen Waffe" vor der Pistole den Vorrang verschaffe. Eine entsprechende Resolution, in der der Minister zu dieser Gesetzwidrigkeit anfgcfocdert wurde, fand sodann gegen die Stimme einiger ganz feudaler Corps in der Versammlung Annahme. Interessant waren einige Darlegungen dcS Referenten cnnck. pbil. W a l t h e r: »Wir wollen ja nicht mildere Saiten anfzichen, sondern ent- sprechende Bedingungen für den rittetlichen Säbel stellen: aber wir wollen auch nicht mtt dem Leben spicken. Um eine Aendcrung herbeizuführen, ist ein Uebereinkommen mit dem Offiziercorps nötig, das jetzt den Säbel verschmäht. Weshalb? Man sagt: Der Säbel sei nicht schwer genug, einen schweren Handel zu er- ledigen, und biete nicht die Möglichkeit sofortiger Erledigung. Wenn man aber ficht, wie sogar Se. Majestät die blanke Waffe empfahl, so kann man getrost die Pistole den Trappern in Amerika und den ruinierte» Spielern von Monte Carlo überlassen." Ein Herr Ohm machte Bedenken geltend. Der Offizier. den man für den Säbel interessieren wolle, habe keine Zeit zu Fechtübungen. Der Offizier sei auch zu exklusiv, er sei in der That etwas andres, als der Civilist. Wenn Sie es nicht wahr haben Ivollen, sagte der Siedner nach der„Deutsch. Tagcsztg.",— die Offiziere glauben es selb st und Civilisten auch. Dem gegen- über wollte ein Herr Dr. Potthoff wissen, daß die Offiziere sogar ungeheuer viel Zeit hätten, m der sie fechten könnten. Nachdem der Unsinn eine ganze Weile weitergegangen, fand die Versammlung mit der Annahme der zu Anfang erwähnten Resolution um Mitternacht ihren Abschluß. Acht internationale Taschendiebe hat die Kriminalpolizei in den letzten acht Tagen unschädlich gemacht. Während sieben an dem Tage. wo sie festgenommen wurden, gerade erst aus Budapest angekommen gu sein behaupten, ivill der letzte zur Abwechselung einmal aus Krakau kommen. Dieser Mann wurde gestern vor einem Waren- hause in der Leipzigersttaße beobachtet. Eine Kriminalpatrouille sah. daß er sich auffallend an Damen heranmachte und bei einer wiederholt versuchte, ihr den Pompadour, den sie in der Hand unter einem Umhang trug, wegzunehmen, aber stets fehlgriff. Als nun die Dame einen Omnibus bestieg, folgte er ihr. Mit ihm stieg aber auch ein Kriminalbeamter ein und packte ihn. als er im Wagen seinen Versuch wiederholte. In den Taschen des Festgenommenen fand man bereits zwei Damenportcmonnaieö. Er behauptete, das seien seine eignen, die er schon langer in Gebrauch habe; als er sie nun aber beschreiben sollte, geriet er in arge Verlegenheit. Er riet hin und her, aber stets vorbei, und wußte schließlich nur, daß es eben Porte- »nonnaics seien wie andre auch. Ihren Inhalt kannte er ebenso Ivenig wie ihr Aussehen. Als„tan ihm aus den Kopf zusagte, daß er schon mehr Diebereien verübt habe, beteuerte er. daß er ganz un- schuldig sei und eben erst von Krakau komme, um nach Metz weiter zu reisen und seine Schwester zu besuchen, die auf einem Dorfe in der Nähe der Festung eine Stellung habe. Merkwürdig war es nur wieder, daß er nicht wußte, mit welchem Zuge und auf welchem Bahnhofe er angekommen sei und auch das Dorf nicht nennen konnte. Den Weg nach dem Warenhause hatte er ganz zufällig gefunden. Die beiden Portemonnaies, die er ohne Zweifel erst kurz vor seiner Festnahme gestohlen hatte, so daß er sie ans ihren Inhalt noch nicht hatte prüfen können, sind ein Beutelportemonnaie aus echtem See- Hundsleder und ein Klappportemonnaie mit der Bezeichnung „Triumph-Tresor" in Silberschrift. SiSbahiic» für Schüler und Schülerinnen. Die Deputation für das städtische Turn- und Badewescn benachrichtigte durch Rund- verfüauiia die Rettoren der Gemeindeschulen, daß die Spielplätze 1. Uroanstraße, Platz am Urban, Wilmsstraße 14«, 2. Wiesenstr. 49/54 und Pankstraße 11/13, 8. Bremerstraße 22/37 zu Eisbahnen hergerichtet iverdcn solle». Schülerinnen sollen Moittag und Donner«- tag, Schüler Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend dort un- entgeltlich sich tummeln dürfen. Die Rektoren werden ersucht, den Schulkindern davon Keiuttni« zu geben. Es ist ihrer Erwägung an- heimgegeben, ob sie den Besuch der zunächst gelegenen Eisbahn durch die Kinder irgcndivie, z. B. durch Ausgabe von Karten regeln wollen.— Eine Ausdehnung dieser Maßregel mich ans andre Spiel- dlätze wäre sehr zu cinpfehlen. Tie Personen, welche Zeugen des Straßenbahn- Unfalles waren, der sich am 27. November 1901. vormittag» 11V« Uhr Ecke der Charlottenstraße und Schützenstraße ereignete. werden gebeten, sich beim Tischlermeister I. Seeger. Schützenstraße 15, Hof. 2 Treppen, zu melden. Fahnenflüchtig geworden ist der Pionier Schneidewindt von der S. Compagnie des Eiscnbahn-RcgimcntS Nr. 1. Schneide- windt hatte sieben Monate Gefängnis verbüßt, iveil er sich an einem Vorgesetzten vergriffen hatte, nnd mußte nun diese Zeit nachdienen, während er sonst im September entlassen ivorden wäre. Seit der Entlassung der Kameraden, mit denen er zusammen eingetreten war. zeigte er große Niedergeschlagenheit. Am vergangenen Sonntag hatte er Urlaub zum Ausgehen und kehrte nicht wieder zurück. Die Radrennbahn Knrftirstendamm, die älteste derartige Bahn Berlins, ist nunmehr endgültig geschlossen und die Gebäude derselben sind abgetragen, nachdem die Halciiscer Radrennbahn bekanntlich schon vor zwei Jahren eingegangen ist. Daö ausgedehnte Terrain der Kurfürstendamm-Bahn. tvelckes eine Größe von 5170 Quadrat- Ruthen hat. ivird parzelliert und der Bebauung erschlossen werden. Nicht weniger als drei Straßenzüge lverden vom Kursürftendamm nach der Mommsenstraße durchgelcgt. während ein vierter, dem Kur- fiirstendamm parallel laufender Straßenzug geeignet sein wird, den starken Somnierverkehr dcS Kurfürstendammö nach Halensee, teil- weise abzulenken. Von besonderer Wichtigkeit ist die Erschließung de» Terrains für den Verkehr nach den, Bahnhof Chatlottenburg, da nunmehr die Nestorstraße vom Kurfürstendamnt zum Bahiihof durch- geführt, und dadurch eine Entlastung des Ningbahnhofes Halensee ermöglicht lmcd. Durch einen Sturz auS dem Fenster ist gestern morgen da» 25 jährige Dienstmädchen Anna Schönbera. daö sei dem 1. d. M. in dem Pensionat von Tischler im 3. Stock oeö Hauses Reue Friedrich- strnße 7l angestellt war, tödlich verunglückt.. Der Sturz bängt mittelbar mit einem früheren Unfall zusammen. Das Mädchen hatte sich in einer Stellnng bei einem Schlächtermeister aus Un- Vorsichtigkeit in die Hand geschnitten und war deshalb drei Wochen im Kraiikeiihause gewesen. Gestern morgen um 0'/« Uhr wollte es nach dem Bäckerjtmgen sehen, der lange ausblieb. Hierbei verlor eS in dem Fenster, das keine Brüstimg hat, das Gleichgewicht, und als eS sich nun mit der verletzten Hand fest- halten wollte, sprang die nach nicht ganz geheilte Wunde wieder auf. Bor Schmerz ließ die Unglückliche loö und stürzte ans den Hof hinab, dem Bäckerjungen. der in diesem Augenblick kam. gerade vor die Füße. Obwohl ihr der Schädel zerschniettert war. lebte sie noch. Zwei Schutzmänner wollten sie daher mit einer Droschke nach dem Krankenhaus am Iriedrichöhaiu bringe», auf dem Wege dort- hin aber starb sie schon und die Leiche wurde dem Schmihanse zugeführt. Feuerbericht. In der letzten Nacht hatte die Feuerwehr wieder zahlreiche Brände zu löschen. 5lellcrbrände wurden wieder mehrere gemeldet. Unter anderm aus der Wusterhausenerstr. 1. Alten Jakob- suaße 92, Schönleinstr. 17 usw.: Dachstuhl- und Bodenbrände bc- schäftigten die Feuerwehr in der Rykestr. 47. Tennewitzstr. 33 und GipSstraße. Abends um 5 Uhr wurde der 7. Zug nach der Frank- furter Allee 103 gerusen. wo ein Wasserrohr geplatzt war und die Keller unter Wasser standen, so daß wegen der großen Gefahr es gleich wieder herausgcpumpt werden mußte. Gleichzeitig, brannte Schusterpech in der Neucn Königstr. 55 und Aluminium in der Waldemarstr. 20. Längere Zeit hatte die Feuerwehr mit einem Brande zu thun, der auf einem Korridor de« Hause« Belle-Alliancc- ftraße 10 ausgekommen war. Dort brannten Thüren vom Korridor, Möbel, Kleider nud Fußboden, die Decke u. a. Gleichzeitig wurde die Feuerwehr nach der Charlottenstr. 44/45, Hotel de Rome,.ge- rufen. In der Mcmelerstr. 08 hatten sich Lumpen entzündet und die Flamme» Möbel ergriffen. Ferner wurden dann noch Brände aus der Wcißei'burgerstr. 37. Fchrbellinerstr. 87. Schnlstr. 32 und GtpSstr. 15 gemeldet. Gestern hatte die Feuerwehr einen größeren Brand in der Kur- fttrsteiistraßc 140 zu lösche,., der dort un zweiten Stock des zweiten tCuergeBöitbe* in einer Easglühlichrfnbrik aus Unachtsamkeit aus- gekommen war. Der 12. Zug mutzte kräftig Wasser geben, um die Gefahr für die übrigen Betriebe zu beseitigen. Gleichzeitig hatte der 20. Zug in der Königstratze 7 zu thun, wo im zweiten Stock des linken Seitenflügels bei Auerbach Tapeten u. a. durch einen Gas- ofen in Brand geraten waren. In der Dirksenstratze 35 brannten gestern ein Schuppen und in der Jüterbogkerstratze 0 Stroh, ferner hatte die Feuerwehr in der Eisenbahnstratze 36c zu thun, um dort ein Pferd, das in eine tiefe Grube gefallen war und zu verenden drohte, zu retten. Das Pferd wurde gesund herausgeholt. Tie Firma Borchnrdt Gebrüder teilt uns mit, datz am Abend des 15. November ein Arbeiter 20 M. verloren hat, die sich in ihrem Geschäftslokal, Friedrichstr. 61, wiedergefunden haben. Vielleicht trägt diese Veröffentlichung dazu bei, dem Unbekannten zu semem Eigentum zu verhelfen. Ein Experiment großen Stils bereitet man in der Urania bor. Es handelt sich um nichts Geringeres, als um einen Ersah der bisherigen Lichtbildcrprojektion durch eine solche in natürlichen Farben. Glückt dieser Versuch, dem man mit grotzer Spannung ent- gegensieht, so dürfte sich die Urania mit einem Schlage von der subjektiven Auffassung der.goloristen frei gemacht haben und ihre Projektionen in einer Art bieten, wie sie der naturwissenschaftlichen Darstellung als Ideal vorschwebt: nämlich als von der Natur selbst gelieferte Formen- und Farben-Dokumenie. Von den drei oder vier theoretisch möglichen Wegen wird man den der additiven Drei- farbenspnthese beschreiten, d. h. durch grotze Bildwerfer drei Photo- graphische Diapositive mit rotem, gelbem und blauem Licht, also den Grundfarben, welche zusammen locitz ergeben, auseinanderwerfen. Je nach der verschiedenen Dichtigkeit der durch gleiche Farbenfilter gewonnenen Aufnahmen entstehen dann alle Farbenmischungen, wie sie die Natur bietet. Die früheren Versuche von Jves. und namentlich diejenigen von Professor Miethe haben einen überraschenden Reich- tum an Farbentreue gezeigt, sind aber kauni über ein schwierig zu behandelndes, gelegentlich ausgeführtes Laboratoriums- oder Vor- lesungs-Experiment hinausgekommen. Wie man in der Urania der praktischen Schwierigkeiten Herr werden will, wie man namentlich die genaue Deckung der drei Teilaufnahmen erreichen wird, bevor sie dem Zuschauer vor Augen kommen, entzieht sich noch unsrer Kenntnis. Gegenwärtig ist die phhsikalische Abteilung nnt der Konstruktion des Projektionsapparates beschäftigt, der vielleicht der lichtstärkste über- Haupt wird; er soll eine Stromstärke von nicht weniger als 200 Ampere führen. Den Besuchern der Treptower Sternwarte wird jetzt täglich von 2— 4 Uhr nachm. die Wega und von 4— 8 Uhr der Jupiter gezeigt, auf dem in der letzten Zeit interessante Veränderungen vor sich gehen. Von 3— 10 Uhr abends wird ein Sternhaufen und der Orionnebel beobachtet. Sonntag, den 23. November, nachm. 5 Uhr. spricht Direktor Archcnhold über„Vulkanismus auf der Erde und den Planeten" und um 7 Uhr über„Moderne Niesenfernrohre und ihre Leistungen". An diesem Sonntag besucht von 6— 7 Uhr die„Freie Hochschule" die Treptow-Stcrnwarte und finden auf der oberen Plattform Uebungen in der Auffindung der Sternbilder statt. Im Hörsaal der Sternwarte der Urania in der Jnvalidenstratze beginnt am Montagabend 8 Uhr der Astronom Dr. Ristenvart eine Vortragsreihe von vier Vorträgen:„Einzelbilder aus dem Reich der Sterne". Diese vier Vorträge werden sich mit der Astrophysik be- schäftigen und in sehr reichem Matze Himmelsphotographien zur Er- läuterung bringen. Die Gesangvereine„Norddeutsche Schleife" und„Kreuzberger Harmonie" veranstalten morgen Sonntag in der Brauerei Friedrichs- Hain ein grösseres Vokal- und Jnswumental-Konzcrt. Das Programm ist inhaltreich und nnt künstlerischem Verständnis zusainmengestellt. Das Konzert beginnt Uhr sieben; Eintrittskarten im Vorverkauf kosten 50 Pf._ Aus den Nachbarorte«. Tie Nixborfer Stadtverordneten-Bersammlung erledigte in ihrer Sitzung vom Donnerstag die Magistrcttsvorlage auf Erlass eines neuen Marktgeldtarifs. Der Magistrat hat sich jetzt, ent- sprechend den Anregungen aus der letzten Sitzung, damit einverstanden erklärt, datz auch das Marktstandgeld für die Frühmärkte von 5 ans 10 Pf. pro Quadratmeter erhöht wird. In den Paragraph 2 des Tarifs ist die Bestimmung aufgenommen worden, datz die abonnierten Marktstände anderweitig vergeben werden können, falls der Inhaber nicht zu der für den Beginn des Marktes festgesetzten Zeit erschienen ist. Bei der Einrichtung von Monatsabonnements auf den Früh- markten in der Schinkcstratze soll es vcrWeiben. Die Vorlage wurde genehmigt. Im Einverständnis mit der Armendeputation und Baudeputation beantragt der Magistrat einen Umbau des älteren Armenhauses. Der Neubau des zweiten Armenhauses auf dem Grundstück Marien- dorfer Weg 74 ist soweit fortgeschritten, datz er voraussichtlich in den nächsten vier Wochen fertig gestellt wird. Damit dies ganz seinem Zwecke, Arme und Waisen aufzunehmen, dienen kann, sollen u. a. in dem alten Armenhause aus den meisten einfenstrigen Zimmern größere Räume gebildet werden, welche zur Unterbringung von Siechen dienen sollen. Die Kosten sind auf 5000 M. berechnet. Die Versammlung stimmte der Vorlage zu. Weiter wurde einstimmig eine Vorlage genehmigt, durch welche die Zusammenlegung und Wiederverteilung(Separation) der Grund- stücke in der Rüsterlake, den Tempelhofer Wiesen und Judenwiesen. sowie die Nutzbarmachung des Terrains für die Erweiterung der Stadt, die Anlegung von Strassen und Plätzen, endgültig ermöglicht wird. Verbunden ist damit zugleich die Aufstellung eines BebauungS- planes für jene Gegend. Anläßlich der Wahl eines Mitgliedes für die 12. Armen- kommission hob Stadtverordneter Dr. Silber st ein(Soc.) her- vor, datz die Stadtverordneten sich in fast jeder Sitzung mit der Vcr- vollständigung von Armenkommissionen beschäftigen müßten. Das sei doch ein trauriges Zeichen für die Kreije, aus denen sich die Mehr- heit die Leute hole. Natürlich habe man seiner Zeit die Vorschlags- liste der Socialdemokraten nicht berücksichtigt. Die von ihnen vor- geschlagenen Männer hätten sicherlich ihr Amt treu verwaltet. Hoffentlich werde man in Zukunft die Vorschläge der Socialdemokraten mehr berücksichtigen. Redner sprach auch seine Verwunderung darüber aus. datz der Magistrat über die Eignung der für die Armenkouunisjioncn vorgeschlagenen Herren erst bei der Polizei Erkundigungen einziehe. Gr.-Lichterfelde. Die hiesige„gutgesinnte" Presse entschließt sich nach langem Warten nun endlich, mitzuteilen, datz die Wahlen der Herren Schulze und Gebauer vom Bezirksausschutz für ungültig erklärt worden sind, und datz es in nächste.. Zeit „wahrscheinlich" zu Neuwahlen kommen werde. Nach Eingang der Begründung des Urteils werde„die Gemeindevertretung Ver- anlassung haben, zu prüfen, ob es angezeigt erscheint, sich der Ent- scheidung des Bezirksausschusses zu unterwerfen oder bei der höheren Instanz, dem Ober-Verwaltungsgericht, Berufung einzulegen". Da sich der BezirksanSschutz einfach der ständigen Spruchpraxis des Ober-Vcrwaltungsgerichts angeschlossen hat, so würde die Be- rufung der höchsten Instanz nur ans eine Verschwendung der Steuer- mittel hinauslaufen. _ Großfener in Reinickendorf. Donnerstagabend in der zehnten Stunde ging der Grotzkoppfsche Eisschuppen in Reinickendorf in Flammen ans. Das Feuer fand in dem an dem Schuppen liegenden Stroh und Rohr gute Nahrung, so datz meilenweit ein Feuerschein sichtbar war. Acht freiwillige Feuerwehren aus den angrenzenden Vororten waren in kurzer Zeit zur Stelle, ohne jedoch verhindern Zu können, datz der Schupven mir den dazu gehörigen Gebäuden voll- ständig abbrannte. Von einer Alarmierung der Berliner Wehr hatte man Abstand genommen, weil die Rettung selbst nur eines Teils der Gebäude ausgeschlossen erschien.—. Es soll Brandstiftung vorliegen. Für den Jnlialt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcatcr. Sonnabend, 22. N o v c m b e r. Ansang Tl2 Uhr: Opernhaus. Die Stumme von Porti ei. Schauspielhaus. Im bunten Rock. Neues Opern-Theater.(Kroll.) Geschlossen. Deutsches. Mauna Vanna. Berliner. Der Kreuzwegstürmer. Central. Madame Sherry. Lessing. Das Theaterdors. Neues. Ledige Leute. Residenz. Seme Kammerzofe. Westen. Die Fledermaus. Thalia. Charleys Tante. Vorher: CassiS Pascha. Anfang 8 Uhr: Schiller. 0.(Saliner- Theater.) Kabale und Liebe. Schiller, dk.(Friedrich- Wilhelm- städtisches Theater). Der Herr Senator. Belle-Alliance-Theater. Anno 48. Wilhelm. Preciosa. Carl Weist. Ilse Römer. Luisen. Deborah. Casino. Ein Sohn des Volkes. Mctropol. Berlin bleibt Berlin. Apollo. Rakiris Hochzeit. Buntes Theater. Die Lore. Aber- gläubijch. Der Hund. Bunter Teil. Palast. Goldene Jugend. Special!- täten. Kleines. Ackermann. Trianon. Die Liebeöfchaukel.(La Bascule.) Wintergarten. Spccialitätcn. Passage< Theater. Spccialitäten. Paiiage-Panoptikum.«pecialitäten. Steidl. especialitätcn. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubcnstr. 48/49. Frühlingstage an der Riviera. Jnvalldenstraste 37/93. Täglich: Sternwarte. Central=Theater Sonnabend, 22. Nov., abds. T'/j Uhr: JVladaine 8bcrry. Operette in 3 Alten von Hugo Felix. Die Freitag-AbonnementS find an allen Wochentagen gültig. Sonntag, Vjai„Die Glocke» von Corneville." Operette in 3 Akten von Robert Planquette. Montag u, folg. Tage Kallarne Sherry. Thalia'Theater. Dresdenepstrasse 73— 73. Zum 487. Mal: CbarUys Haute. Guido Thielecher als Charleys Tante. Anfang: Ebarleys Tante. 8'/. Uhr, Vorher: Cassis Pascha. Auf. 71/. Uhr. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung, Sonntag: Einmaliges Ensemble- Gastspiel dcS Lessing-ThcatcrS: Die Chre._____ Carl Weiss-Theater. Grosse Frankfurter Strafte 133. Nachmittags 4 Uhr(Kindervorstellung): Die sieben Raben. Kindermärchen mit Gesang in 8 Bildern von A. Tvrkowski. BNT* Abends 8 Uhr: 9Sl Ilse Römer. Romantisches Schauspiel in 3 Mteu (S Bildern) von Ernst Ritterseldt. Ansang 3 Uhr, Morgen und solgende Tage: Ilse Itva»«P. Zelle-AlliAnee-Tkesler. Niünchener Ensemble° Gast, viel JUS» Kor.rad Dreher AnilO'ftOo als Gast. Mmunchsner Posse mit Gesang in 3 Akten. Ansang 8 Uhr. Totensonntag. 23.: Der Müller und sein Kind. -Theater1■ Schiller-Theater O.(Wallncr-Theatcr). Sonnabendabend 8 Uhr: liadal« und I-lebe. Ein bürgerliches Trauerspiel in 5'Alten von Friedrich Schiller. Sonntagabend 8 Uhr: DerPfarrcp vonKIrchfctd. Montaqabcnd 8 Uhr: v«p Biberpelz. ■ Urania Taubenstrasse 48/49. Im Theater um 8 Dhr: Frühlingstags an der Riviera. Sternwarte Invalidenstrasse 57/32. CASTANS Panoptikum Frledricnstrasse 165. Neu! WF" das jüngste Wunder Afrikas eine schneeweisso Xesjerin von der Goldküsto, 20 Jahre alt, weisse Haut, weisses Haar, heilgraue Augen, ein anthiop. ■Phänomen!!— Neben der weissen d.schwarze Schwester; leide von schwarzen Eltern!! Ifassage-Theater.) Sonnabend, 22. November: Kurzes Gastspiel von Georg Kaiser 1 vom Apollo-Theater in Berlin I 1 in seinem Repertoire „Einfach Puppe". Agoston der„Witzeu-König. Der Todessprung des Hundes. 14 erstklassige Nummern. Wilhelm-Theater. f nedmb- Strasse 236. Preciosa. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Morgen Sonntag, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Deborah. Kleines Theater (8ch»ll und Knuch) Unter den Linden 44. Anfang 8 Uhr. Ackermann. Eine tragische Komödie in 3 Akten von F. Holländer u. L. Schmidt. Morgen: Nachmittag geschlossen. Abends S Uhr: Rausch. Sanssouci Donnerstag, Sonntag, Montag: Holftuann. Norddeutsche Sänger Sonntag: Einmalige Mitwirkung des Bcrl, Schau- spicl-Vereins 1883: Der Pfarrer von Kirchfeld. Schauspiel in 5 Akten v. Anzengrüber, Schiller-Tlicater X.(Friedr.-Wilhclm- städiisches Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Idcr Herr Senntop. Lustspiel in 3 Auszügen von Franz v. Schönthan und Gustav Kadclburg. Sonntagabend 8 Uhr: Kaha!« und Liebe. Montagabend 8 Uhr: IdohtM« Klaus. Metropof-Theafer. Vorletzte Woche! Berlin bleibt Berlin. Grosso Ausstattungs-Posse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Emil Thomas a.G. Josot Josephi. Henry Bender. Flora Sidmg. Hansi Reichsberg. Wini Grabitz. _ Anfang 8 Uhr. 0®"Eauchen gestattet." [ Toten-Sonntag, 23.Novembor: Einmalige Aufführuna Jf ein T.eopold. In Vorbereitung;„Die zwBlf Frauen desTaphet". Apollo-Theater. Bon 8—9 Uhr: Specialitäte«. Um 9 Uhr: Zum 15. Male: Nakiri's Hochzeit AuSstattungs-Opcrette in 2 Akten und 6 Bildern von Paul I.lnckc. Im zweiten Bilde: Der sensationelle Spiepltriek. ßm letzten Bilde; H. IMns elektpiscties Ballett. Kasseneröfinung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Sonntag, den 23, November: Konzert llonkilnstler-öreliestErs. Luisen-Theater. ReichcnSergerstraste 34. Deborah. Anfang 8 Uhr, Aorverk. 10—2 Kasse, Invaliden-, Künftlerdank u. Warenhäuser A. Werthcim, Sonntag 8 Uhr: D i e Räuber. ftesidetiz- Theater. Sonnabend und folgende Tage: Seine Kammerzofe. fSelly Rozler.) Schwank in drei Llkten von Bllhaud _ und Hennequill._ Trianon-Theater. Georgenatfasse, zwischen Friedrich- u. Universitätsstr. Die Liebesschaukel. Lustspiel in 4 Akten v. M.Dormay. Anfang 8 Uhr. Sonntag: Denlse, Schauspiel von A. Dumas. Ktahllüstenicnt Buggenhagen ] am Tloritzplatz.| Heute Sonnabend: iMilitär-Konzerl Königin Ailgusta-Grcu.-Reg. 4. (Herr Przywarsky.) ■ Im Kaiser-Saal:' horddeutnehe Sänger und Tanz. Casino-Theater. Lothringer- Swasse 37. 8 Uhr: Chumbre garnle. 3'/, Uhr: Die brill. Tpecialttäten. 9'/, Uhr: Bis jetzt täglich ausverkauft Bin Lohn des Volkes. Wochentags 8, Sonntags 7'/, Uhr. Buntes Theater (Ueberbreft'l.) Köpnickerftrasse 68. Ansang 8 Uhr. Sonnabend, den 21. November: Die Lore. Abergläubisch. Ter Hund. Bunter Teil: Tin? Senders.— Marcell Satzer. Charlotte Marga.— Hans Fredy. Emil Justitz. Charivari- Theater. Alte Jakobstr. 37. Täglich: Gr. Vorsteilong. Anfang 8 Uhr. Voranzeige! Sonntag, d. 23. Nov.: Grosse Extra-Vorstellung. Austreten berühmter Künstler. WM" Die letzte Fahrt."WW Volksstück von Julius Stettenheim. Alles Nähere die Zettel. Vorverkauf im Theaterbureau._ Bernhard Rose-Theater, Badstr. 58. Sonntag, 23. Novbr.(Totensonntag)! Der Sonnwendhof. VolkSschauspicl in 4 Akten von Dr. S. H. M o s c n t h a I. Ansang dcS Kenzcrts 5 Uhr, der Vor- _ stellung 6 Uhr._ W. Noack' Theater. Direktion: Robert Dill. B r u n n e n s t r a« h e 16. Heute: Gr. Extra• Vorstellung: Der Dornenweg. Schauspiel in Z'Akten von F. Philippl. Ansang 8 Uhr._ Entree 30 Pf. Palast-Theater Burgstr. 22. Direktion: R. Winkler. Sonnabend und solgende Tage: 6'/, Uhr: 8'/j Uhr: Goldene Jugend. Operetten-Burleske in 2 Akten mit Gesang u. Tanz von 33. Gcricke. Musik von C. 33 ap paus. Hhronimus Fiebig— Dir. R. Winkler. Sonntag, den 20. November: 8 Uhr: 8 Uhr: pnccioss. Schauspiel mit Gesang in 4 Llkten von P. A. Wolsf. Musik von E. M. v. Weber. Ansang Sonntags 7 Uhr, Wochen- tags 8 Uhr, Enwce 30 Pf. CirkusSuseh. Sonnabend, 22. November 1902, abends 71/» Uhr: Grosse Vorstellans Daltomey. Parade- Exerzieren des Amazonen-Corps. Reichshallen. Täglich: Steltiner Sänger. Alffang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Mr. Tageskasse 11-1',, Uhr. Sonnabend, den 22. November, abends 7'/, Uhr: Grosse High-life-Soiree. Zum 30. Male: Eine Fortsetzung der beliebtesten und populärsten Pantomime WIdV. Frl. Dora hichuniann, beliebte jugendliche Schulreiterin. Das musikalische Pferd. Älss Dal sy, phänomenale Keit- künstlerin. 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Königstadt-Gasino. 1 Hcizmarstst. 72, Ecke Alexanderst. j I Täglich crsttt. Specialitäten-Vor- 1 Stellung. Jed. Mittwoch, Sonnabd. 1 und Sonntag Tanzkränzchen. 1 Anf.Wochent.8, Sonntags öllhr. Unsrem Freunde und Genossen Carl Pohl nebst Frau zu ihrer heutigen Vermählung die besten Glückwünsche. Die Stammgäste von Volter aus der Erpcl-Allce. soS8b SoeiaMemokrat. Wahlverein f.il.6.Berl.Reiciistags-Wahikreis. Den Parteigenossen zur Nach- richt, datz unser Mitglied, der Hutmacher 249/13 August Krause Ruppinerstr. 17, am 19. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken. _®ie Beerdigung findet am Sonntag'/»Z Uhr von der Leichen- halle dcS FriedcnS-KirchbofeS zu Nicder-Schonbausen aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht I»er Vorstand. lleutral-Uerkin aller in der Hntbranche beschäftigten Arbeiter v. Arbtiteriuntn. (Filiale Berlin.) Den Mitgliedern zur Kennt- niS. datz unser Kollege August Krause am 19. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag 'Iß Uhr von der Leichenhalle deS Friedens-Kirchhofes zu Nieder- �-chönhausen aus statt. Um zahlreiche BcteUigung ersucht 2!>t/4 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verivaliungsstclle Berlin. �ocles-Anzeige. Am Montag, den 17. November 1902, verstarb unser Mitglied, die Arbeiterin dda Gärtner. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. November er., nachmiltagS 4 Ubr, von der Leichenhalle des St. Sebastian- KirchoseS m Reinickendorf, Hum- boldtstraße, auS statt. Zahlreiche Bcieiligung erwünscht. 187/15 Die Ortsverwaltuug. Todcs-Anzelgre. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz unser unvergetzlicher Sohn S61b »ermann leelssner im Atter von 19 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben ist. DieBeerdigung findet am Sonn- tag, nachmittags 21/j Uhr, von der Leichenhalle des'Schöneberger Kirchhofes(Maxswatze) aus statt. Die wauernde Familie Leissner, Grunewaldstr. 46. SratweilsSierhallen Theator u. VariCte Kommandantenswatzs. 77/79. Täglich: Gr. Vorstellung. Das grosse amüsante jtonBmbcr-frogratnra. Nur allererste Kunstkrälte. Anfang der Vorstellung 7'/, Uhr. Jcd. Sonnabend, Sonntag u.Mittwoch nach der Vorstellung: JW* TANZ,"fei III. Wahlkreis. Socialdcmobratifcbcr vHahlvcrcin. Sonntag, den 23. Nov.(Totensonntag), ab. S Ubr, b. Albrecht, Admiralstr. 18o: Gemütl. Beisammensein. Bar- Antritt Inn. Garderobe 80 Ps.-»■ 240/10 Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Terwaltangiiistelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Sonntag, den 33. November, vormittags 10 Uhr: Versammlung der Feilenhaner- Arbeiter bei Sachse, Lindowerstrahe 36. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Pawlowiiseh über:»Unsre diesjährigen Streiks und was lehren uns dieselben? 2. Diskussion. 3. Skr- bands-Angelegenheiten._ Montag, den 31. November, abends 8'/, Uhr:'WS Kombinierte Versammlung der Eisen-«. Metall-Former und Kerufsgeuoflen im Gewerkschaftshause. Gngel-Ufer 13(grober Saal». Tagesordnung: 1. Bericht und Neuwahl der Agiiaiionskonunilsion und Branchenvertreter. 2. Diskussion. 3. Differenzen in unserm Berufe. 4. Ver- bands-. ingelegen heilen und Verschiedenes. 167/4 Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortsverwaltung. DeuWr KilDlbeitn-Nnbaiid'-S Sonntag, den 33. November er., vorm. 10 Uhr. bei Bauer, Rosenthalerstraffe Nr. 57: iV Branchen- Versammlung der Bürften- und pinfclmacher. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Emil Roscnow über: �Geschichte des Menschengeschlechts". 2. Diskussion. 3. Wie stellen wir uns zur Submission der städtischen Straßenrcwigung? 4. Verschiedenes. ES ist Psticht der Kollegen, in der Versamnilung zahlreich und pünktlich zu erscheinen._ Die Kommiaslon. Bitdcrrahmenmacbcr. Montag, de« 31. d. M., abends S'l, Uhr, bei Herrn Angnstln, Lindenstraffe 69(Ouergeiäude): Branchen a Versamnilung. Vortrag des Kollegen Qeepolck. Zahlreichen Besuch erwartet Der Obmann, Hchtung, Parkettleger! Sonnabend, den 33. d. Ai.. abends 5 Uhr. im Restaurant Selian, Udlandstrahe: RlerhsGelien- Sitzung der Firma T). JVICttag. 31/11 Sämtliche KouunissionZmitglicder haben zu erscheinen. Der Obmann. O. Krafft. Verband der JYlöbelpollerer. Heute abend 6— 10 Uhr werden in sämtlichen Zahlstellen Beiträge ent- gegengeuouuncn und um 8'/, Uhr in Wcisienscc. Konig-Ehaussee 55: MfP Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Rcichstags-Abgeordnclcn E. Roscnow über: Die Ur- gescklchte deS Christentums. 2. Diskussion. 3. Die bevorstehenden Gewerbe» gorichtSwahlcn. 4. Bericht über den Streik bei Hahn u. Metzkow. Morgen Sonntag, vormittags 10 Uhr, Blnmenstraste 38 i VorstandssSItzung. Nachmittags 4 Uhr. Sebastianstrasse 39 bei». Franke i Wahl« V ersammlung sämiNcher Mitglieder der OrtS-Krankenkasse der Möbclpolierer. Montag, den 31. November, abends 8'/, Uhr. Adiniralstras,c 18 c: V ersammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Kaliski über: ,DaS Lmitpenprolclariat'. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Delegierten und Ber- schicdcncS. 147/12 Montag, den 31. November, abends 8'/, Uhr. inl/, Uhr: lZeneralversammlung der Vertreter. Tagesordnung: 1. Dahl von 4 Vorstandsmitgliedern. 2. Aenderung des§ 12 Abs. 1. Ziff. 3. Abends 9 Uhr: Generalversammlung der Vertreter der Arbeitgeber und Kassenmitglieder. Tagesordnung: 1. Wahl von 3 Mitgliedern zur Vorprüfung der Jabresrechnung. 2. Re- Vision des Statuts. 3. Kassenangelegen- Helten tAerztesache). Äertreterlarte legitimiert. 277/13 Oer Verstand. tferrsn-Sftoileit, elegante AuSsührg., geringe Teilzahlg. I Kurzberg, Neue Königstr.47, 2 Treppen, am Alexanderplah.- General-Versammlmig der Vertreter der ArbeiMehmer für die Mitglieder der Orts-Krankenkasse der Selb- und Ziangitßer hier, stndet am Sonntag, den 39. November, vormittags 15 Uhr, im Gewertschastshause, Engel-User 15, Saal 3 statt, wozu sämtliche Vertreter sür das Jahr 1902 hiermit eingeladen sind. TageS-Ordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Wahl von vier ausscheidenden Vorstands- Mitgliedern. 3. Wahl des Ausschusses sür die Prüfung der Rechnung des lausenden Jahres ig 48 Ziffer 1 des Statuts). 4. Verschiedenes. Berlin, den 21. November 1902. 5596_ Der Vorstand« Treptow. Köpnicker Landsir. 27, empfiehlt lein Lokal nebst kleinem Saal. S!»9— 399 Personen lassend, zu jeder Art von Jestlichkeite». Einige Sonnabende sind noch frei. Glas Bier°/„ Liter 10 Ps. ff. Weißbier. 52312«_ K. Hohl wein. Dr. Schfinemann, Specialarzt sür Haut-, Harn- und Frauenleiden,«o,«l?l«tn.». '/i4«--/,S.'/-«-'/I.Sonnt.9-44. Dr. Simmel, Prinzen- Str. 41. Specialarzt für 143/17« Hant- nnd Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2— 4. Chapeau claque Cyünderhüto. FilzhDte von 7.50. von 4,00. von l.SO. s33.l* 9elz-Waaren V eignes Fabrikat. Schirme grösstes Lager. 6tlofierholdt,Br,slleM,Stet! Itdn Arlieiltt, Jeder Handwerker sollte zur Hrbeit die Lederhose Herkules tragen. Allein-Vcrkaus. 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