Ur. S75. Aboni»mtnts-Sedingungtu: »lbonnementS. Preis prSmunercmdo, Bierteljöhrl. SL0 Mk., monatl. l,10 Mk.. ivöcheiUIich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. 'Abonnement: l.to Marl pro Monat. Eingetragen in der Post< Zeitungs. Preisliste für 1»«» unter Nr. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Lesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Prscheinl tÜKlich außrr»onlag«. Vevlinev Volktslrlstt. IS. Jahrg. Die IKstrtwtts.«tbShr beträgt sü die sechSgcspaltenc ttolonel- geile ober deren»iauni 40 Pfg., für politische und geliertschaftliche BereinS. und BersammlungS. Anzeigen 20 Pfg. „Klei»« Hurclaen" jedes»ort B Pfg. (nur das erste Wirt fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abend», an Tonn- und Festtagen bis ö Uhr vormittags geöftnet. Delegramm- Adresse: „Solialdrmolirst»erlin". Centrcrwrgan der socialdemokratisthen Partei Deutschtands. k.cctaktion: SM. 68, Ltndcnetraoec 69. Fernsprecher: Aint IT, Nr. 1983. jtmmmmmaammmmmmmmmmmmmmmmmammmmmmLmmm Die Krnpp-Preffe. Die Zurückhaltung, die wir, aus allgemein menschlicher Achtiing t>or dem Tode, im Falle Krupp uus auferlegt, wird von der Camorra der kapitalistischeir Presse nicht geübt. Wir werden uns zwar durch all das Gesudel nicht abhalten lassen, auf die An- gclegenheit und ihre, wie wir hoffen, für das deutsche Straftccht wichtige Bedeutsamleit, einstweilen nicht einzugehen— es widerstrebt uns. angesichts des Grabes den au sich notwendigen ......mpf fortzusetzen— aber das Marktgeschrei der bürgerlichen Presse, die den Wert eines Mannes nach seinen Millionen mitzt, stellt selbst wieder un Sittenbild kapitalistischer Verlvahrlosung dar. dessen naive Schamlosigkeit in einigen Strichen gekennzeichnet werden muß. Zunächst ist diese Presse von einer zarten, überquellenden Empfindsainkcit befallen, die in unfern rauhen Zeiten geradezu er- haben wirkt. In dieser Barbarenzeit, in der ganze Volker mit Essener Kanonen niedergeschossen werden, in der Tausende von Existenzen stündlich erbarmungslos zu Gnmde gehen müssen, in der niemand sich um die Arbeitslosen und Hungernden kümmert, in der Staatsanlvalte und Gerichte ungezählte Opfer der Gesellschafts- ordnung. aber mich die tapferen Vorkänipfer der Befreiung in den Kerker schicken, ohne daß sie sich erst erkundigen, ob ihr Gesnndheits- zustand das ertrage— inmitten solcher allgemeinen Herzcnsvcrhärtung iveint man blutige Thränenstrvme über den unter tragischen Umständen erfolgten Tod eines einzelnen Mannes, gegen den seit zwei Monaten öffentliche Anklage erhoben war. Das.BerlinerTage- b l a t i", in dem einmal ein Redakteur körperlich misthandelt wurde, weil in dem Blatte eine völlig grundlose Verleumdung über die Tochter eines Generals veröffentlicht war. schluchzt an dem Busen der „StaatSbürger-Zeitung", deren Specialität es ist, Jahre hindurch immer aufs neue ihre blanke Erfindung zu wiederholen, das; Leute, die ihr unangenehm sind, einen Mord begangen hätten. DaS„Berliner Tageblatt" macht sich eigens eine mystische Philosophie zurecht, die die besondere Berufspflicht von Aerzten. bei Patienten vor der Chlvroformierung den Gesundheitszustand zu untersuche», zur allgemeinen publizistischen Pflicht macht, und indem es sogar einen Auffchwung ms Christliche nimmt, schreibt es: „Ganz anders wollen indesscn�Prcbleme aus dem indivi- dualen Seelenleben behandelt sein. Hier gilt eS. im Voraus alle diejenigen Folgen, welche aus der öffentlichen Erörterung derartiger Angelegenheiten für das Individuum verhängnisvoll werden können, genau zu erwägen und in ihren möglichen Wirkungen mit peinlichster Sorgfalt vorher ab- zuloägen. Wer sich der ganzen Schwere seiner moralischen Verantwortlichkeit in solchen Fällen»licht vollkommen bewuht bleibt, der soll seine Hand von solchen Problemstellungen überhaupt fernhalten. Thut er das nicht. dann verwandelt sich die Problemstellung in einen Racheakt. Von lvein aber entniiront er dieses Recht zu einem derartigen Racheatt? Solch eine Gewalt ward keinem Irdischen zu Teil.„Stein ist die Rache", spricht der Herr, und mit diesem Anspruch, den sich das höchste Wesen als sein Vorrecht vindiziert, entwindet es zugleich jedem Sterblichen das Recht, selbst Rache an seinesgleichen zu nehmen. Sind sich die Verbreiter jenes mikontrollierten und lvahr- schcinlich unkontrollierbar bleibenden Gerüchtes dieser Berant- ivortlichkeit voll bewuht gewesen? Bor dein unerbittlichen Richter eignen Gewissens dürfte eine so gestellte Frage nicht so einfach und so leicht zu beanttvorten sein." Wir erwarten nunmehr, das; das„B. T.", bevor es irgend eine «»angenehme Notiz über irgend eine Persönlichkeit bringt, erst bei dem Hansarzt des betreffenden Erkundigungen einzieht, ob er die Nachricht erwägen kann. Freilich unter dem Strich verfährt das„B. T." anders und nachdem eS oben sentimental gewiimnert und philosophisch über das Centralnervensystenl gelallt, schreibt es unten ganz offen und brutal über den Kruppschen Begräbnisplatz bei Essen: „Ein mächtiger schtvarzer Marmorblock, der nur den einen Namen Krupp wägt, zeigt die Stelle, an welcher die sterblichen Ilebcrrcste des älteren Alfred Krupp ruhen, der im Jahre 1887 starb. Er schläft hier einsam, ganz einsam, fern von den airdren Bürgern der Stadt, fem auch von seiner Fra«. die zwar gleichfalls auf diesem Platze begraben ist. aber weit von ihm getrennt. So weit, loie sie während der letzten Jahrzehnte ihres Lebens von i h in getrennt war.... Vielleicht auch zeigte sich in dieser selbst- gewollten Einsamleit der erste Kein, einer krankhaften Disposition, die seinem Sohn und Erben zum Verhängnis gereichen sollte. Wer will entscheiden, ivie weit ein Verhängnis zur Schuld wurde, und wie weit der Schuldige nur einem Verhängnis erlag." „Nach einer andren Richtung arbeitet der„L 0 k a l- A n z e i g e r", dessen Beziehungen zur Polizei notorisch sind und dessen Redattion ein RcttnngshauS fiir Schiffbrüchige ist. Er bemüht sich, vor den gerichtlichen Feststellungen die Thatsacheir aus der Welt zu räumen. So erfindet er folgenden albernen Schwindel: „Die ikriminalpolizei, welche hier die Beschlagnahme deS „Vorwärts" in Sachen jtrupp durchgeführt hat, ist m dieser Affaire mich nach dem Tode KmppS weiter thättg. Es haben bereits mehrfacheBernehmungen stattgefunden, u m den Urheber der Krupp verdächtigenden Meldungen zu ermitteln. Die Untersuchungsbehörde glaubt dafür Anhaltspunkte zu haben, das;«astgrbcude Persönlich- keilen der socialdemokratischcn Parteileitung bereits zu der Er- kenntuis gekommen sind, daß die Redaktion des„Vorwärts" sich bei der Aufnahme der Meldung über die Borgänge auf Capri hätte düpieren lassen." Die„NntersuchungSbehörde" des„Lokal-Anzeigers" ist auffällig schlecht unterrichtet, so schlecht, dast man vernmten muß, sie stellt sich nur so. Derselbe.Lokal-Anzeigcr' weiß auch aus dem geheimen Protokoll der Aerzte allerlei Fabeln zu veröffentlichen: Bon den Dienstag, den AS. November 6xpcditton: SM. 68, Litidcnotraeae 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. beim Tode Krupps zugegen gewesenen Aerzten sei eine Darstellung über den Verlauf der Krankheit und den Tod Krupps aufgezeichnet worden, welche die Unterschrift der anwesenden, zum Teil hervor- ragenden ärztlichen Autoritäten trägt.„U. a. war auch der Berliner Nervenarzt Dr. Vogt, der ärzlliche Beistand Krupps in Berlin, am Totenbette. Das Dolument ist vorläufig nicht für die Oeffentlichiett bestimmt. Man darf wohl aber annehmen, daß es voraussichtlich bei dem Prozeß gegen den„Vorwärts" eine wichtige Rolle spielen wird. Auch in diesem Schriftstück soll die Ueberzeugung aus- gesprochen sein, das; die Verdächtigungen der socialdemokratischen Presse mit dem Gehirnschlag Krupps in ursächlichem Zusammenhange stehen." Ans informierten ärztlichen Kreisen lverde mitgeteilt, daß die Ohnmachtsanfälle, die Krupp vor zwei Jahren in Genua und vor l'/g Jahren im Hotel Bristol in Berlin hatte, bereits als leichte Schlaganfälle anzusehen sind. Krupp war seit langer Zeit die Sorge seiner Aerzte, er litt an einer Veränderung des Gesäß- systems, die ein plötzliches Lebensende seit langer Zeit befürchten ließen usw. Mit tvelchein bodenlosen Lcichisiim doch diese Krnpp-Presse Ver- leumdmigen und Verdächtigungen in die Welt setzt, wenn es gilt, die Socialdemokratie anzugreifen! Allerdings das Bewußtsein unsres Rechts macht uns unempfindlich gegen derlei Angriffe, die überdies bald verstummen werden. Weit»vichtiger scheint uns dagegen das Verfahren, mit dein die Presse den Inhaber der Firma Krupp feiert, als sei er einer der Größten dieser Erde. Das schlechte Gewissen der kapitalistischen Klopffechter ist es, das diesen wilden Lärm veranlaßt. Denn kein Fall ist so geeignet, das Unternehmertum seiner Gottähnlichkeit zu entlleiden, als die Stellung des verstorbenen Krupp in dem ihm gehörigen Riesenbetrieb, für den er weniger be- deutete, als der geringste Hilfsarbeiter. Die „Kreuz-Zeitung", die überhaupt die Angelegenheit mit bemerkenswerter Kühle erörtert, giebt das unverhohlen zu, indem sie schreibt: „Sein �Friedrich Krupps) Sohn, erst 34 Jahre alt beim An- tritt der Erbschaft, von schwacher Gesundheit und ohne deS Vaters überragende Eigenschaften des Geistes und Charakters, mußte die Geschäftsführung ganz jenem Direktorium überlaffrn, an dessen Spitze bis vor kurzem Geh. Finanzrat Jencke stand, und das jetzt von Landrat a. D. Rötger geleitet wird." So schildert ein konservatives Blatt das Kanonenkönigtum. Es mag richtig sein, daß Krupp persönlich eine scheue, sensible Natur gewesen, der vor der Oeffeittlichkeit zurückbebte. Aber diese Furcht vor der Oeffentlichkeit hat ihn niemals gehindert, sich als Wohl- thäter seiner Arbeiter ausschreien zu lasse», wie es ihn auch nicht davon zurückhielt, ein Reichstagsmandat anzunehmen. Gegenüber solchen: Uebermaß von Lobhudelei erwächst uns die nottvendige Auf- gäbe, auch über die„Wohlfahrtseinrichtungen" des Weltgeschästes ein Wort der Wahrheit zu sagen. Auch die„Frankfurter Zeitung" muß zugestehen, daß Krupp in socialpolittscher Hinsicht laum weniger rückschrittliche Ideen gehabt habe als Stumm. Die bürgerliche Presse verhält sich nicht anders wie die Pots- damer Lakaien und Schloßdiener, von denen sie berichtet, daß fie sich förmlich danach drängten, Krupp bei seinen Besuchen„irgend eine kleine Dienstleistung, sei eS durch Abnehmen des Mantels, Zureichung einer Erftischung oder dergleichen zu erivcisen, wußte» sie doch, daß der„Kanonenkönig" stets königliche Trinkgelder verabreichte. In seiner Westentasche trug er lose stets eine Anzahl Zwanzigmark- stücke, die er an die Hofbediensteten, die mit ihm zu thun hatten, verteilte." Alle die Artikel, die jetzt über Krupp geschrieben werden, sind nichts als solche kleine Dieuftleistungen des Hofgesindes des Kapitalismus, an dessen Legende niemand so erfolgreich gerüttelt hat. wie der unbedeutende und Wohl auch unglückliche Mann, der jetzt seine Ruhe gefunden. » Ein geheimnisvoller Rachruf. Die„Berliner Politischen Nachrichten" schließen ihre Bemerkungen über Krupp mit folgenden dunkel enthüllenden Andeutungen: „Wir wollen nicht Vor dein noch offenen Grabe uns ein- gehender mit denen befassen, die seit einer längeren Reihe v»u Jahren den Dahingeschiedenen zum Zielpunkt rücksichtsloser An- griffe gemacht habe». Der Zeitpimlt. auch ihrer zu ge- denken, wird noch kommen; aber aussprechen wollen wir es. daß dir Augriffe, welch« seine Person und seine Geschäfts- ehre zum Zielpunkt hatten, die Katastrophe vorbereitet haben. Die letzte» vier Jahre waren für F. A. Krupp Jahre schwerster Seelen- und Herzenskämpfe, die wohl durch die zahlreichen Bciveise kaiserlicher Gnade gemildert, aber doch nicht ausgeglichen werden konnten. Die Neider und politischen Parteigänger sollen doch nicht den Socialdemokraton allein die Schuld zuschieben, daß dieser Mami viel zu früh für das Baterland seinem Leiden er- legen ist." Meint Schweinburg damit nur, daß Krupp an den Centrums- Enthüllungen über die Panzerplattenproftte gestorben sei 3 Die Kölnische Zeitung" schreibt: „Die Nachricht, das; F. A. Krilpp plötzlich auS dem Leben geschieden ist, wirkt erschütternd, wenn man fie in das Licht der Beschuldigungen rückt, die in diesen Tagen gegen ihn in der socialdemokratischen Presse erhoben worden find. Haben ihn die Erregimg und die Erbitterung über nichtswürdige Verleumdungen gefällt, hat er sich selbst im Bewußtsein einer Schuld gerichtet?" Die„Norbdeutsche Allgemeine Zeitung", in der jetzt die nationale Ehre von einem Ausländer redigiert wird, beteiligt sich mit L'/z Spalten an den Ehningen fiir Krupp und den Verdächtigungen gegen den»Vorwärts". Nicht zu viel Eifer I »» * Das Begräbnis erfolgt am Mittwoch. Fürsten und Minister haben Beileids-Telegramme gesandt. In Essen, das ja nichts als die Firma Krupp ist, hat man unter verschiedenen Rainen Kundgebungen veranstaltet. «« « lieber daS Vorgehe» der Staatsanwaltschaft äußern sich die liberalen»Münchener Neuesten Nach« richten": „Das Verfahren gegen den„Vorwärts" erregt allgemein das größte Aufsehen, sowohl wegen der Persönlichkeit des Mannes, gegen den das socialdemokratische Blatt so schwere Vorwürfe erhoben hat. wie wegen des raschen und energischen Einschreitens des Staats- miwalts, der wohl laum je soraschz urStelle ioar, wenn es sich um Beleidigung eines Privatmannes handelte. Freilich hat der Staatsanwalt, einer Meldung aus Essen zufolge, auf An- trag des Geheimrats Krupp das öffentliche Strafverfahren gegen den verantwortlichen Redakteur des„Vorwärts" eingeleitet. Damit bleibt aber immerhin die P r 0 m p t h e i t und Energie des Ein- schreitens bemerkenswert, und die Frage liegt sehr nahe, ob der Staat, der jedem seiner Bürger mit der gleichen Bereit- »villigkeit den durch unsre Gesetze ihm zustehenden Schutz angedeihe» lassen soll, seinen Arm auch jedem beliebigen, minder bekannten und bemittelten Privatmann leihen würde gegen ein Blatt, das Mitteilungen beleidigenden und schwer verdächtigenden Inhalts über ihn veröffentlicht hat. Wir glauben, dem Herrn Rentier 3:. in 0. gegenüber würde in solchen: Falle der Staats- anivalt sich auf den§ 416 der Sttafprozeß-Ordnung berufen, der folgenden Wortlaut hat: „Die öffentliche Klage wird ivegen der im§ 414 bezeichneten strafbaren Handlungen(Beleidigungen und Körperverletzungen) von der Staatsanwaltschaft nur dann erhoben, wenn dies im öffentlichen Interesse liegt." Vergeblich fragen wir uns nun aber, welches öffentliche Interesse im Fall.,Vorwärts"-KrupP bedroht schien. Die öffentliche Sittlichkeit? Aber der Artikel des„Vorwärts" war sehr vorsichtig abgefaßt und sprach von den schlimmen Dingen gewiß nicht mehr, eigentlich aber weit weniger aus, als in vielen Berichten über grauenhaste Verbrechen oder über Gerichts- Verhandlungen, die Sittlichkeitsveraehen zum Gegenstand habe», zu lesen ist. Der„BorwSrts" durfte schon aus taktischen Gründen seinen Mitteilungen keinen sensationellen oder„pikanten" Anstrich geben, denn er verfolgt mit seiner Veröffentlichung de» nach seiner Anschauung humanen Zweck, zur Abschaffung deS 8175 deS St.-G.-B. beizutrage», unter den in Deutschland die Vergehen fallen würden, deren 5lrupp sich in Capri schuldig geinacht haben soll.... Wir können also nicht glauben, daß der Artikel des„Vorwärts", wenn er gegen irgend einen andren Privatmann sich gerichtet hätte, von der Staats- amvaltschaft als der öffentlichen Sittlichkeit gefährlich erachtet und verfolgt worden wäre. Wollte der Staatsanwalt sein Einschreiten damit motiviert wissen, daß der Angriff aus den lliuf eines Mannes, der als Leiter eines ulisrer gewaltigsten, m gewissem Sinne pattiotischen Zwecken dienenden Unternehmens, als der Arbeitgeber einer Vieltausend- köpfigcu Arbeiterarmee unzählige Beziehungen und Existenzen mit der seinen eng verknüpft hat, geeignet scheine, weithin llnrnhe und Verlvirrnng zu brmgen, so mußte gegen diese Moti- Vierung entschiedenster Protest eingelegt werden. Es wäre damit ein Präzedenzfall geschaffen, der zu den unheilvollsten Konsequenzen, zur schwersten Erschütterung des Grundsatzes von der Gleichheit Aller vor dem Gesetz führen könnte... In der Hauptsache drängt sich, je mehr man die Angelegenheit gerade einer ruhigen, juristisch begründeten Abwägung unterzieht. desto stärker die Anschauung auf. oaß die Berliner Staatsanwalt- schaft einen schweren, die Staatsgewalt konipromittierenden Rißgriff gethan hat." Die&vhltfuten der firma Krupp. Die telegraphierten und geleitartikelten Hymnen auf den verschiedenen Krupp zeigen besonders ein in allen Tonarten variiertes Leitmotiv: die Verherrlichung der Wohlsahrts-Ein- richtungen der Firma Krupp, die Lobpreisungen auf das lvarme Herz Krupps für seine Arbeiter. Niemals sind solche Lobpreisungen minder unverdient gespendet worden. Die nüchterne Sprache des nachfolgenden Thatsachenmaterials wird da» beweisen. Die Arbeitcrwohuungen Krupps. Die Firma Krupp hat den in ihrem Betrieb beschäftigten Ar- bcitern mehrere tausend Wohnungen erbauen lassen. Durch de» Bau der Wohnungen brachte die Firma Krupp nicht das geringste Opfer. Der Mietszins dieser Wohnmigen»nußte ja pünktlich entrichtet ivcrden, jedes Risiko fiel fiir die Firma weg, sie konnte des- halb die Miete auch um ein Geringes niedriger stellen, als der ortsübliche Mietsprcis sonst betrug. Dafür besaß die Firma aber in den völlig abgeschlossenen Arbeiterquartieren eine viel größere Aufficht über ihre Arbeiter—wie weit diese Aufsicht ging, werden wir später darlegen—. sie vermochte mit Leichtigkeit jegliche Kontrolle über die in dm Arbciterkolonien Angefiedelten auszuüben, lind sie besaß vor allen Dingen die Möglichkeit, entlassenen Arbeitern i h r Obdach sofort zu rauben, ein Mittel, die Arbeiter jederzeit in ihrer Hand zu behalten und vor jedem Murren gegen dm Betriebs- feudaliSnius zu betvahren. Di» Konsumlädtn Krupps. Auch die Konsnmläden Krupps boten ein vortreffliches Mittel. die Arbeiter vor jedem Aufbegehren zu behüten. Sie beanspruchten ebensowenig auch nur den geringsten materiellen Auf- tv a n d wie die Arbeiterwohmmgen. Die Konsnmläden verschenkten ja keineswegs ihre Waren, sondern verkauften dieselben zu dm allgemein üblichen Preisen. Der einzige Vorteil der Warenabne hiner besteht in der Berechnung eines gewissen Rabatts fiir die ent- nominellen Waren, ein Rabatt, der in der Höhe von 6—7 Prozent am Jahresabschluß, dem 1. Juli, berechnet, und im Dezember zurück- gezahlt wurde. Aber dieser Rabatt wurde keineswegs» wie dies sonst bei Konsunrver einen Brauch ist. an alle Käufer allsbezahlt; die iin Laufe des JahrcS freiwillig oder unfreiwillig aus dem Betriebe Ausgeschiedenen gingen vielmehr des Rabatts vollständig verlustig! Auch im g ü n st i g st e ir Falle, wenn der Ausgeschiedene den Betrieb kurz nach der AuS- Zahlung des Rabatts verlassen hatte, büßte er den Rabatt für die seit dem Juli entnommenen Waren, also für ein vvlles halbes Jahr ein. Man sieht, daß auch die Konsumläden, diese vielgepriesene „Wohlfahrtseinrichtung", in Wirklichkeit nur ein ganz offenbares Mittel darstellen, die Arbeiter der Firma aus Sorge vor dem Verlust von mindestens 50 Proz. des Rabatts dem Fabrikfeudalisnms der Firma Krupp gefügig zu machen. Die Wohlfahrts-Pcnsionskasse Krupps. Diese Pcnsionskasse ist ganz besonders als die Krone der borbildlichen Wohlsahrtseinrichtungen der Firma gepriesen worden, Es verlohnt sich also, daß wir bei dieser berühniten Institution ein tvenig länger verweilen. Denn diese Pensionslasse ist luirllich eine Wohlfahrtskasse— für die Firma Krupp nämlich! Der„Wohlsahrts-Pensionskasse" muß jeder Arbeiter des Betriebs angehören. Man zwingt jeden, sich den Wohlthaten dieser Kasse zu unterwerfen. Daß dieser Zwang zuin-Empfang der Wohlthaten nicht überflüssig ist, wird man sogleich begreifen, Zunächst wird ein E i n s ch r e i b e g e l d in der Höhe des t'/zfachen Tagesverdienstes, durchschnittlich von 6 M., erhoben. An laufenden Beiträgen müssen 2>/.z Prozent des Arbeitsverdienstes gezahlt werden. Im Jahre 1900 zahlte den, zufolge jedes Mitglied der Kasse einen Jahresbeitrag von 34,8 M. Und welche Wohlthaten empfängt dafür der Arbeiter? Er kann Rentenempfänger werden. Um in diese Glückslage zu kommen, muß er also mindestens zwanzig Jahre— bei besonders schwerer Arbeit, Feuerarbeit, IS Jahre— ununterbrochen im Dienst der Firma Krupp gestanden haben und seine vollständige Arbeitsunfähigkeit durch das üvrreinstimniende Attest zweier Aerzte nachweisen! Dabei bleibt bei der Dienstalters-Berechnung die Zeit vordem zurückgelegten 18 Jahre unberück- f i ch t i g t. Für diese nicht in Anrechnung gelangenden Jahre muß er aber gleichwohl Beiträge leisten! Unberücksichtigt bleibt ferner eine über 13 Wochen hinausgehende KranlheitL- zeit, ferner die Zeit, während deren ein Mitglied eventuell als Halbinvalide beschäftigt war. Diejenigen, die vor Ablauf der zlvanzig resp. fünfzehn Jahre den Betrieb verließen oder abgelegt wurden, erhalten nicht einen einzigen Pfennig jener Zwangsbeiträge vergütet, die sie während langer Jahre geleistet haben! Auch dam, nicht, wenn sich, was öfter vorkam, die Beiträge auf 1000 Mark angesammelt haben! Und die Zahl der ans Krupps Betrieben alljährlich Ausscheidenden resp. Ausgeschiedenen ist eine ungeheuer große. Wer sich irgendwie bei einem Vorgesetzten mißliebig»nacht, wer politisch anrüchig ist oder auch nur einer Gewerkschaft angehört, stiegt«nbarinhrrzig hinaus! So verließen allein im Jahre 1890 nicht weniger als 7759 Arbeiter den Betrieb! In den folgenden Jahren waren es ebenfalls 7—3000 Personen! Daß unter solchen Umständen die.Wohlfahrts-PensionSkasse" glänzend prosperierte, ist kein Wunder. Bei einer durchschnittlichen Mitgliederzahl von LS 882 betrug der Uebrrschuß der letzten Jahre bei einer Gesanitcinnahme von 2 246 000 M. fast die Hälfte» nämlich 1 167 000 M. Das Gesamtvermögen betrug ain Jahresschluß 1900 genau 10 742423,81 M. Welch geniale Methode, auf Kosten der Arbeiter einen ungeheuren„Wohlthätigkeitsfonds" anzusammeln! In der That, ein raffinierteres, man möchte sagen schwindelhafteres System, eine Arbeiterfürsorge vorzuspiegeln, die in Wirklichkeit in einer Ausbeutung der Arbeiter besteht, kann nicht gut erfunden werden! Und welch moralisch entnervenden und korrum- Pier enden Einfluß übt dies Systen» auf die Arbeiter aus. Da die„versicherten" Arbeiter begreiflicherweise die hohen Summen, die sie für den Wohlfahrtsschwindel der Firma Krupp geopfert haben, nicht verlieren mögen, sehen sie sich genötigt, sich von den Beamten der Firma alles gefallen zu lassen. Je näher der Arbeiter dem angegebenen Dienstalter rückt, desto größer wird seine Furcht, irgendwie das Mißfallen der Beamten zu erregen, ein desto scheuerer, schüchternerer Sklave des Vorgesetzten wird er. Mit An- spannung aller physischen Kräfte und unter Verzicht auf alle doch gesetzlich gewährleisteten Rechte, sucht er sich in der Gunst des Vor- gesetzten zu erhalten. Völlige Unterwürfigkeit, blinder Gehorsam gegen alle Willkür, gegen Lohnabzug,»nnvürdige Behandlung ist die Losung, Die geringste Renitenz, die leiseste Hervorkchrung des nicht ganz erstickten Gefühls der Menschenwürde kann ihn ja aufs Straßenpflaster fliegen lassen. Wie man mit den Arbeitern that- sächlich umspringt, dafür nur e i n Beispiel. In» Mai 1901 wagte eS ein Arbeiter, kurz vor der Generalversannnlung in einer Vertreter- Vorbesprechung einige Bestimmungen der Kasse einer gelinden Kritik zu unterziehen. Zwei Tage vor der Generalversammlung wurde ihm noch gestattet, die fälligen Beiträge zur Kasse zu entrichte»», dann erhielt er unbarm- herzig de» EiltlassuiigSschcin. U»rd dieser Mann stand mehr als zwanzig Jahre im Dienst der Firma Krupp nnd war ein pünktlicher, r»lhiger Arbeiter. Das beweist schon der Bc:»u««! auf seinem Ab- gangszeugnis:„Führung und Leistung gnt." Kein Wunder, daß in diesen» Jahre fünf Versammlungen in Essen, die von 2000 Personen besticht ivaren, einen gesetzlichen Schutz gegen die Krone der Kruppsche» Wohlfahrt» die Wohlfahrts-Penfionb- kaffe» verlangten! Em an Krupp, der sich damals wieder einmal auf Capri befand, abgesandtes Telegramm blieb ohne Antwort. Der Mann, der nach den Angaben feines Justitiars auf Capri Leute aus Wucherhänden befreite, hatte keine Zeit für jene Arbeiter, die ihm die Summen für diese humanitäre Thätigkcit erarbeiteten 1 Die Profite Krupps. Iii» Bericht der Budgetkommission zum Marine- Etat wurden semer Zeit die tollen Preistreibereien der Finnen Krupp und S t u m in des näheren geschildert. Es wurde mitgeteilt, daß jedes Linienschiff für 6 Millionen Mark. jeder große Kreuzer für 4 Mill, Mark Nickelstahl-Panzerplatten erfordert. Eö lourde dann hervorgehoben, daß es den» Marine-Amt der Vereinigten Staaten von Nordamerika gelungen sei. Kriwpsche Panzerplatten zu einen» Preise von 1920 Mark zu ertaugen, während die deutsche Marine- Berwnlwng 2320 M. pro Tonne, oder ca. 400 M. mehr pro Tonne zahlen mußte. Den niedrigeren Preis hat das amerikanische Marine-Amt erst erzielt, als der Kongreß vier Millionen Dollar ausgeworfen hatte zur Herstellung einer Panzerplatten-Fabrik der Regierung, Die amerikanischen Lieferungsoffertcn gingen von dortigen Gesell- schaffen aus, welche Krupp und Harvey für ihre Pateute eine Gebühr von 35,5 Dollars die Tonne zu zahlen haben. Der Bericht der Budgetkonlinission rechnete nun aus. daß jeder Jahresetat der deutschen Marine etwa 7500 Tonnen Ntckelstahl-Panzerplatten und bei einem um 400 M. höheren Preis pro Tonne die Nach- forderung der deutschen Fabrikanten einen Nachteil von etiva 3 Millionen Mark jährlich für das Deutsche Reich oder einen Gesamt- nachteil von 60 Millionen Mark für die D«llcr der Bauzeit des Flottri'prosraiiimS cuthält. Wörtlich hieß es alsdann in dem K o m m i s s i o n s b e r i ch l: „Gegenüber einer solchen unerhörten Preistreiberei der beiden deutschen Fabriken, welche sich dieses Mouopol geschaffen hätten, wurde eS für erforderlich gehalten, entweder die ausländische Konkurrenz zu de» Lieferungen heranzuziehen oder die Errichtung eines Nickelstahl-Panzerplatte», Werls für Rechnung des Reiches anzustreben. Eine dahin gehcilde Resolution wurde mit 20 gegen 4 Stimmen angenommen." Man sieht, der Bericht der Budgetkonimission zun» Marine-Etat liefert eine treffliche Charakteristik zmn vielgefeierten Patriotismus der Firma Krupp I Die Firma Kriipp verstand eS ebenso raffiniert, die deutschen Steuerzahler, wie ihre Arbeiter ihre famose„Arbeiter- Wohlfahrt" bezahlen zu lassen. Kein Wunder, daß die„Ent- behrungspräniie" Krupps auf jährlich 25 Millionen anschwellen konnte! Wahrlich, eine Wohlthäterin der Menschheit, diese Firma Krupp! o a _ Die Zukunft der RruppCcheii Merke. Der Tod Krupps drängt die Frage auf, was die Zukunft der Kruppschen Unternehmungen sein wird. Mehrfach tauchten schon bei Lebzeiten des jetzt Verstorbenen, besoiiders als 1898 die Firma Krupp zur Erwerbiuig des Grusoiilverkes schritt»md z»» diesem Zweck eine Obligationen-Anleihe von 24 Millionen Mark aufnahm, Gerüchte auf, daß auch das Kruppsche Unternehmen in eine Aktiengesellschaft »imgeivmidelt werden solle; doch stets erwiesen sich hinterher solche Gerüchte als leere Vermiltungen. Auch jetzt»vird, wie aus Essen berichtet wird, aus der llmwandlung nichts, ES liegt ein Testament vor, nach tvelchem das gesamte Unternehmen in alter Weise für Rechnung der Fra»» Krupp, die als Universal- Erbin eingesetzt ist, fortgeführt»verde» soll. Nach deren Tode gehen die Werke laut testamentarischer Verfügung in das Eigentum der ältesten Tochter über mit der Bedingung, daß auch diese in den nächsten 25 Jahren nicht in die Umwandmng des UntcriiehnienS in eine Aktiengesellschaft willigt, Zmn Chef deS Unternehmens ist, ivie es heißt, Herr Arthur KrupP-BernSdorf, ein Better des Verstorbenen, ausersehen, Der Gesanitwert der Kruppschen Unternehuaungen, zu ivelchei» neben den Essener Werken auch daS Grusonlvcrk in Buckau bei Magdeburg, die Gennaniaiverst in Kiel,— der Schießplatz in Meppen, verschiedene Kohlenzechen und Hiittcillverke solvic Eisengruben bei Bilbao in Spanien(baskische Provinz) gehören,»vird auf 250 bis 300 Millionen Mark geschätzt. Beschäftigt waren auf diesen Werken am 1. April d. I. 43 083 Personen, darunter 3959 Beamte. Von diesen Personen entfallen auf die Gußstahlfabrik 24 536, auf das Grusoiiloert in Buckau 2773, auf die Germanialverft in Kiel n»d Tegel 3987, aus die Kohlenzechen 6159, auf die Hütteiiwerke, den Mcppcner Schießplatz 5628. PoUtilcbe(leberlickt. Berlin, den 24. November. Der Reichstag war wieder einmal sehr schlecht besetzt. Kein Wunder, am Montag wurde über die deutschen Schulverhältnisse gesprochen, und das ist eiil Thema, das den Staildesgenossen des Herrn von Oettingen sehr unangenehm in die Ohren klingt. So waren denn nur wenige Junker erschienen, und die wenigen, die erschieneil waren, hielten sich lieber im Foyer, als im Saale auf. Der Antrag unsrer Fraktion, in da» Tarifgesetz einen Paragraph Ild einzuschieben, wonach auS den Zollerträgen alljährlich 100 Millionen den Einzelstaatm für Polksschul- zwecke überwiesen werden sollen, gab Bebel Anlaß, ein scharf umrissenes Bild deutschen Schulwesens zu entrollen, das aller- dings wenig schmeichelhaft für da» Kulturinteresse unsrer herrschenden Klassen ist. Die Schuld liegt aber nicht am Maler. Ter preußische Fiskus und die Grandseignenrs des Herrenhauses gehen dem mittleren und kleinen Junker und Gutsvorsteher>nit schlechtem Beispiel voran: es ist bezeich- nend, daß gerade in Schulen unter fiskalischein Patronat die Höchstzahl der von einem Lehrer uiiterrickstetei» Schüler erreicht wird: 183. Selbstredend verfehlte Bebel nicht, den für die junkerliche Weltanschaming nicht minder als für das deutsche Volksschulwesen charakteristischen Trakehner Prozeß heranzuziehen.— Das war gut, denn der freisinnige Volks- parteiler und Rektor K o p s ch, der doch über die einschlägigen Verhältnisse einigermaßen unterrichtet ist, hielt es nicht für nötig, sich über Trakehnen im besonderen und preußische Schul- Verhältnisse im allgemeinen hier im Reichstag zu äußern. Vielleicht hat er Kompetenzbedenken, die ja neuerdings bei dm Wadenstrümpflern um Richter eine große Rolle zu spielen scheinen. Ein einziger bürgerlicher Redner nahm an der De- hatte teil, der Pole von Czarlinski. Er erklärte mit unsrem Antrage zu fyinpatisteren, bedauerte aber, aus Koinpetenzbedcnken nicht dafür stimmen zu können. Damit war die Rednerliste erschöpft und der neuerdings uin Arendt vermehrten Schlußmacherfirma Normann-Spahn die Gelegenheit zur Anwendung der parlamentarischen Guillotine genoinmen. Die Diskilssion starb so eines natür- lichen Todes. Die von uns beantragte nainentliche Abstimmung über unfern Antrag ergab die Bcschlnßnnsähigkeit des Hauses. Das System A i ch b i ch l e r erwies sich dabei als gefährlich für feine geistreichen Erfinder. Die Beschleunigung der Ab- stimmung macht es jetzt unmöglich, die fern voin Sitzungs- saale im Hause sich aufhaltenden Abgeordneten rechtzeitig her- beizuschaffen. Eine Anzahl Nachzügler kamen erst in den Saal. als der Präsident die Abstiinmnng bereits für geschloffen erklärt hatte, und hoben vergebens flehend die Abstiminungskarten in die Höhe. Wie ungünstig die Mehrheit die öffentliche Konstatierung ihrer Schwänzerei bei emer Knlturfrage aufnahm, zeigten die Zwischenrufe, als der Präsident die nächste Sitzung auf Diens- tag anberaumte. Die Herren wollten durchaus noch am Montag eine Stunde später die Geschäfte fortsetzen, das heißt, unfrs Redner reden lassen und selbst nur zur Abstimmung im Saale erscheinen. Dieser edlen Auffassung von der Würde des Parlcmients setzte der Präsident seinen Willen entgegen. Ardeiterschutz und Radikale. Parks, 23. November.(Eig. Ber.) Eine»» lehrreichen Einblick in die kleinbürgerliche Borniertheit der ftanzösifchen Radikalen ge- währt die Debatte über die Anwendung des Arbeiterschutz-Gesetzes von 1900(Gesetz Millerand-Colliard). Zwei linksradikale(„socialistisch- radikale"!) Abgeordneten verlangten aus dein Wege einer Jiiter- pellation lveitere Durchlöcherungen des Gesetzes. Abg. Lhopittcau Ivollte alle unter stetem Himmel Arbeitenden von der Wirkung des Gesetzes zwischen t. April und 1. Oktober ausgenommen wissen, nachdem schon der gegenwärtige Handelsminister Trouillot dieMaurer und Dachdecker mit dieser„Bergünftigung" für höchstens 90 Tage jährlich bedacht hatte. Abg. Emile Chauvin verlangte die gleiche Ausnahmcbehandlung noch für die gesamte kleine Industrie, und zwar so, daß nicht nur die erwachsenen Männer, sondern auch die in den„gemischten" Betrieben beschäftigten Frauen und Kiuder der Arbeitszeit-Berkürzung verlustig gehen sollten. Das alles kann ja bermitteljt eiltes miiusteriellen Dekrets geleistet werde»», krast der im Schlitzgesetze von 1892 borgesehenen diskretionären Durch» löcheruilg des Ge'etzes durch den Minister. Di«' kleinbürgerlichen Arbeiterfreunde gehen eben von dem Gedanken aus, daß der Arbeiterschutz nur in der großen Industrie am Platze sei. Ihr„socialisttscher" Radikalismus schlägt alle socialpolitischen Refonnen in den Wind, sobald dadurch die Interessen der kleinen Industrie und besonders der kleinbürgerlichen Wähler ihres Wahlkreises berührt»verde»». Die Interpellanten scheuten sich aber auch nicht, die Wünsche der Arbeiter selbst vorzuschützen, was ihnen steilich durch das rückständige socialpolittsche Denken gelvisser Schichten der stanzösischen Arbeiterschaft ermöglicht wurde. Die groß- bürgerlichen Arbeiterfrennde benutzten die Gelegenheit, um ihrerseits iiameus der„Freiheit" und der Arbeiterinteresien die Arbeitszeit- Verkürzimg für alle Männer aufzuheben, die auf Grund des Gesetzes von 1900 in den„geinischten" Betrieben den gleichen Schutz wie die Kinder und Frauen genießen. Gegen den doppelten Angriff auf den Arbeiterschutz sprachen Poulain und Millcrand von der jaurösistischenund Vaillant von der revoluttonär-socialisttschen Fraktton. Millerand mahnte u. a. die Linke an die Pflicht der Republik, für die geisttge und socialpolittsche Hebui»g der Arbeiter zu sorgen, was eine Verkürzung der Arbeitszeit erheische, sowie an die Pflicht der„Dankbarkeit gegenüber den Arbeitern, die einen so großen Anteil am letzte»» republikanischen Siege gehabt haben". Ferner begründete er sozusagen noch ei»m»al seine Schntznovelle von 1900 und verwies darauf, daß eine Abschwächung derselben einen tötlichen Schlag für das Frauen- und Kinderschutz-Gcsetz von 1892 wäre, dessen Durchführung eben erst durch jene Novelle gesichert worden ist. Vaillant verlangte die strikte Anwendung des Gesetzes von 1900, trotzdem er dasselbe seiner Zeit heftig bekämpft hatte,»veil es jetzt bei aller Unzulänglichkeit nebst den stüheren Schutzgesetzen das einzige allgemeine Arbeiterschutz-Gesetz sei. Gegenüber den Jntcr- pellanten verwies er auf die Verminderung der Arbeitslosigkeit und die Erhöhung de» Arbeitslohnes als Folgen der Arbeitszeit-Vcr- kürzung. Der Saison-Charakter der Bauindustrie sei schon deshalb kein Grund für die Anttäge der Interpellanten, weil auch in der Zeit des lebhaftesten Geschäftsganges die Arbeitslosigkeit nicht a»tfhöre. So gab es im August 1902 nach offiziellen Ausweisen S Proz. Arbeitslose in der Bauindustrie. Der HandelSministcr Trouillot sprach hingegen so zwei- deniig wie»nöglich. Er lehnte zivar die großbürgerlichen Angriffe auf den Arveiterschutz ab, nicht aber diejenigen seiner kleinbürger- lichen Gesiimungsgeilosseii. Er zeigte sich bereit, das Gesetz in dessen „Geiste" anzuwenden, welcher„Geist" sich so durchlöcherungs» fremidlich entpuppte, daß beide Interpellanten mit Zufrieden- heit ihre eignen Resoluttonen zurückziehen konnten, um sich der von» Minister genehmigten Resolution anzilschließeir. Diese billigt die zweideutigen Erklärungen der Regierung»ind „rechnet ans die Anwendlmg deS Gesetzes von 1900 in seinem Buch- staben und seinem Geiste"... Dieses Produkt kleinbürgerlicher Verlegenheit wurde vottert mit 234 gegen 25 Stimmen. Fast die Hälfte der Deputierten enthielt sich also der Abftimmimg über die Zwitterformel— natürlich ans eiitgegeiigesetzteu Gründen. Die Jaurssisten haben sich wieder einmal in der Absttmmnng gespalten: ihre Mehrheit enthielt sich, wie die ganze revolntioiiär- socialistische Fraktton, 13 Jaurssisten aber votterten mit den kleinbürgerlichen Kerntruppen der Regierung fiir die mit weiteren Durchlöcherungen des Schutzgesetzes drohende Formel.— •.»' Veutlcbes Reich. Auf dem Verstnndigungs-Schauplatz alles ruhig! Die VerHand- lungen, so wird versichert, seien noch nicht abgeschlosien. Die„Köln. VolkSzeitniig" klagt, daß die Verständigung noch zu nichts geführt habe. Zu nichts? Doch zu den 243 Zollanttägen der Konservativen!— Im HaudelsvertragS-Berein ist gegen die unter dem Einfluß der Herren Möller und Podbielsii für den RegierungSentivurf begeisterte Gruppe Goldbcrger eine starke Gegenattton i,n Gange. In den Seknoncn des Vereins in Nürnberg, Müiichen und Frankfurt a. M. sind scharfe Protesiresolntioneil gegen die Abtrünnigen gefaßt worden. ES steht, so schreibt eine parlamentarische Korrespondenz, außer Zlveifcl, daß die Freunde deS RegiernngSentwnrses im erweiterten Ausschuß des Handelsvertrags- Vereins in der Minderheit bleiben»oerden. Die Sitzung de» erweiterten AuSschilsses ist auf den 13. Dezember einberufe»».—_ Ei» Nachspiel zum Trakehner Prozeß. Die Trakehner Schulverhältnisse sind am Sonnabend in einer Versammlung des Vereins Waldeck zu Königsberg i. Pr. von dem Prorettor Böhm, dein Leiter der„Lehrerzeittmg für Ost- und West- preußen", in einer Rede erörtert worden, die zweifellos im Abgcord» nctenhause einen starken Rachhall finden wird. Herr Böhm teilte nach der„Hart. Ztg."»nr: Den Lehrern Geschwandter und Schiwek jun., die auch in den Gerichtsverhandlungen gegen Herrn v. Oettingen als Zeugen auf- getreten sind, sei von diejen» seiner Zeit eröffnet worden, daß sie sich um neue Stellen umsehen sollten, da sie iu» Gestüts-Schul- d i e i» st ungeeignet seien. Infolge dessen fehlen seil den» 1. Mai an der Schule in Gilrdszen und seit de», 1. Juli an der Schlile in Danzkehmen je ein zweiter Lehrer. Die dorttgen ersten Lehrer müssen seitdem allein icder über 120 Llinder unterrichten. Der zweite Fall bezieht sich auf die Zeit n a ch d e m P r o z e ß. ES handelt sich um einen Hauptbelastungszeugen Nickels, den Lehrer Lamprecht zu Jonasthal, einen erst 46 Jahre alten Herrn, der an einen» Augenübel leidet. Lehrer Lamprecht »vurde an» 17. d. M. von einem Regierungskommissar revidiert. Die Revision habe von8l/�bis12UhrvormittagS gedauert, mit einer einzigen Pause von 5Mi nuten. Nach Beendigung der Revision, als Lehrer und Schüler geradezu echauffiert und erschöpft gewesen seien, habe der Regierungs- kommissar Herrn Lehrer Laniprecht geftagt:„Glauben Sie, noch die Kraft zu haben, weiter unterrichten zu können?" Lamprecht habe geantwortet:„Jawohl, ich habe, seitdem sich meine Gesundheit ge- bessert hat, auch schon bedeutend mehr gearbeitet." Hierauf habe der Kommissar crividert:„Ja, das meinen Sie,»vir aber nicht! Und das Schöne dabei ist, daß unsre Meinung gilt."—_ Eugen Richter iu englischer Beleuchttmg. Man schreibt uns aus London: Der fteisinnige„Speaker", die Wochen-Revue der brittschen Radikalen, veröffentlicht heute eine Berliner Korrespondenz über die neuesten Entlvicklimgen der Zoll- Vorlage. Die Korrespondenz stammt von Mr. Austin F. Harrison, dem Sohne des wohlbekannten englischen Polittkers und Positivistcn Friedrich Harrison. Darin wird u. a. erzählt:„Abgesehen von Bebel, war Herr Eugen Richter seit dreißig Jahren der gefürchtctste Gegner der Regierung.. aber in der Frage der Obstruktion wandte er sich gegen seine Freunde und ging zur Rechten über. Er weigert sich zu obsttuieren. Natürlich wurde er von der Rechten mit lautem Beifall begrüßt; ebenso sicher ist eS, daß et die Minorität geschädigt hat. Er that dies aus persönlichem Groll. Seit Jahren wurde die radikale(freisinnige) Partei wegen ihrer schwächlichen munizipalen Politik von den Social- benwkraten kritisiert und in den Mmnzipalwahle» besiegt In den viel umstrittenen Fragen der Berliner Brunnen. Statuen, Straßen- bahnen, der Bestätigung des Bürgermeisters, der Unterwerfung des Magistrats unter die Autorität des Hofes haben die F r e i s i n n i g e n eine traurige Rolle gespielt. Die socialdemokratische Kritik floß reichlich. Da Eugen Richter ein Kämpfer ist, so suchte er nach Rache. Es war Wohl mutig von ihm, denn er ist gegen die Vorlage, aber es war nicht gute Parteipolitik und schmerzhaft werden die Kosten sein, die seine Partei dafür zahlen wird." A. F. Harrison ist kein Socialdemokrat, aber er ist der einzige englische Korrespondent in Berlin, der sich die Mühe nimmt, den deutschen Socialismus unparteiisch zu studieren und darüber in intelligenter Weise zu berichten.— Gegen die Finauzwirtschaft des Reichs erheben einzelne Land- tage Widerspruch. In Oldenburg unterbreitet der Finanzausschuß des Landtags den» Plenuni eine Resolution, in welcher die groß- berzogliche Staatsregierung ersucht wird, durch ihren Vertreter beim Bundesrat oder auf eine sonst angemessene Art, möglichst gemeinsam mit den andern Bundesregierungen auf die Rcichsregierung in dem Sinne zu wirken, daß daS Reich durch größere Sparsamkeit und Eiuschränkulig der Ausgaben eine Herabminderung der Matrikular- beitrüge der Einzclstaaten herbeiführe.— Zu der Brcslauer Stadtvrrordneten-Stichwahl. Wie uns ein Privat- tclcgranim aus Breslau meldet, beschloß daselbst der W a h l v o r- stand der freisinnigen Volkspar tci, seinen Partei- aiihängenr dringendzuempfehlen, bei der Stadtverordneten- Stichwahl die Reaktion im Kampfe gegen die Socialdemokratie nicht zu unterstützen. Gegenüber der Wahlparole in Memel-Hcydekrug bedeutet dieser Beschluß ja einen Akt des politischen Heroismus, wenn sich auch der Wahlvorstand nicht dazu entschließen komite, die freisinnigen Wähler zum aktiven Niederkämpfe der Reaktion aufzufordern.— Ei» aussehtnrrrcgcndrs Kriegsgerichtsurtril. Vor dein Breslauer Ober- Kriegsgericht des VI. Arineccorps als Berufungsinstanz war am Freitag angeklagt der L i e n t e n a n t Rudolf H a n n i g vom Infanterie-Regiment 23 in Keine der Mißhandlung eines Untergebenen im ersten Rückfall unter rechtswidrigem Waffengebrauch, Beleidigung eines Untergebenen in Ausübung des Dienstes. Der Lieutenant ist 22 Jahre alt, vorbestraft am 6. März 1902 wegen Miß- Handlung und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener mit vier Wochen Stuben-Arrest. Der Lieutenant ist vom Kriegsgericht der zwölften Division zu Reiste am 14. Oktober von der Anklage der Miß- Handlung unter Mißbrauch der Waffe und Beleidigung Untergebener freigesprochen worden. Gegen dieses Urteil hatte der G e r i ch t s h e r r. Ei�cellenz General v. W o y r s ch- Reiste, Berufimg eingelegt, indem er der Ansicht ist, die Frei- sprechung de S Lieutenants sei zu Unrecht erfolgt. Der Lieutenant traf in der Nacht vom 1. zum 2. September zwei Artilleristen in Reiste auf der Wilhelmstraße. Als Ronde-Ofsizier fragte er die Soldaten nach ihren Urlaubskarten. Die Soldaten liefen fort und versteckten sich in einem Stall des Hauses Wilhelm- straße 27. Der Lieutenant forderte die Leute auf, herauszukommen, welchem Befehl sie aus Furcht vor Strafe nicht nachkamen. Lieutenant Hannig untersuchte nun den Stall und fand den einen Soldaten unter einer Krippe verborgen. Er will nun nochmals laut befohlen haben, unter der Krippe hervor- zukommen, sonst inache er von der Waffe Ge- brauch. Als niemand hervorkam, st ach der Lieutenant ni i t d e in Degen unter die Krippe und v e r- letzte den Kanonier Jürgensen am Ober- schenke!. Der Gestochene kam hervor, er blutete stark, war sehr schwach vom Blutverlust und brach bewußtlos zu- sammen. Per Droschke wurde er ins Lazarett geschafft, wo er behandelt wurde. Es werden elf Zeugen vernommen. Gefreiter L i e s e g a n g bekundet, der Lieutenant habe, als er in den Stall lam, gesagt:„Arster, wenn Ihr nicht vorkommt, stech ich Euch quer durch!" Der Lieutenant sei mit gezogenem Degen auf seinen Kameraden zugegaiigen und habe gestochen. In den Hof geführt, konnte Jürgensen nicht laufen. st e h e n, reden. Zeuge habe den im Hofe in seinem Blute zusammenbrechenden Jürgensen aufgehoben, zum Lieutenant hingestihrt, dort taumelte er auf den Offizier z« und dieser stieß den Mann mit der Faust vor die Brust, daß er mit dem Kopf rückwärts auf das Pflaster schlug. Wieder aufgehoben und vor den Lieutenant gestellt, sagte dieser:„Was ist los mit dem Kerl und stieß den Blutenden nochmals mit der Faust, daß er wieder hinstürzte. Zeugin Rieger hat gesehen das Stoßen des Lieutenants nach dem Artilleristen, dessen Hinstürzen und den Atlsdruck„Kerls",»ich renne Euch den Degen in Bauch" gehört. Noch andre Zeil gen bekunden ahn- lich. Der Zeuge Rothes rief dem Lieutcnaut zu:„Als Lieutenaut müßten Sie n, ehr Manier gelernt haben, als den Mann so mißhandeln." In Stall und Hof waren große Blutlachen. Der Vertreter der Anklage beantragte 43 Tage Festungshaft, der Verteidiger Freisprechung. Letzterer meinte, in der Sache sei viel U n s i n n g e s ch r i e b e n worden von einer mißgünstigen Presse, worauf ihm der Vcrhaud- lungSführer einwendete:„Das gehöre wohl nicht zur Sache: Der Lieutenant meint, er habe i in I n t e r c s sse der Diseiplin gehandelt. Das Ober-Kriegsgericht sprach den Licutenant frei und verwarf die Berufung des Gerichts- Herrn. Der Lieutcnaut mußte im Interesse der Aufrechtcrhaltung der DiSciplin die Befolgung seines Befehl um jeden Preis durch- setze». Er habe den Mann nicht gcuiißhaiidelt, nur abgewehrt, als er auf ihn fiel. Die Beleidigung fei nicht erwiesen.— Ein empfindlicher Polizeikommiffar. Ueber emen polizeilichen Mißgriff berichtet die„Königsb. Hart. Ztg.": Am 20. No- veniber kam vor dem Schöffengericht in Marien bürg folgender Fall zur Verhandlung: Der Arbeiter Wrobel ging am 30. August gegen 10 Uhr abends den Mühlcngrabcn entlang, und zwar in Begleitung des Arbeiters Stürnack, ebenfalls von hier. Zwischen der Konradschen Mühle und dem Hotel„König von Preußen" kani den beide» Arbeitern der Polizeikominissar Dräger in Civil entgegen. Die Arbeiter gingen zur Seite, während der Kommissar zwischen i h n e u durchging. Hierbei soll nun Wrobel den Kommissar angerempelt haben, so daß sich letzterer veranlaßt sah, diesen zu arretieren. Der Koiiiimssar übergab dem Nachtwächter Runau den Arrestanten, der ihn zur Wache schaffte, wo er während der St acht verblieb. Wrobel erhielt mm ein Strastnandat in Höhe von 3 M., und zwar wegen Trunkenheit und groben Unfugs. Wrobel beantragte dagegen gerichtliche Entscheidung. Der Arbeiter Stürnack, Gast- wirt Ehm. Nachtwächter Runau und Handlungsgehilfe Anton Fischer bekundeten, daß der Angeklagte an dem be- treffenden Abend nicht betrunken tvar. Die Polizei- sergeantcn Löbbe und Schneider nehmen dagegen an. daß der Angeklagte damals betrunken war. Als der Hauptzeuge Dräger selbst zugiebt, daß er den Wrobel nur arretiert hat, weil er nach seiner Ansicht be- trunken war. bemerkt der Vorsitzende, Amtsrichter Ollenroth, in ziemlich erregtem Tone:„Glauben Sie, daß Sie jeden Betrunkenen verhaften können? Wem, der Angeklagte in später Abendstunde angetrunken die Straße entlang geht, dann tvird durch ihn in keiner Weise die öffentliche Ordnung gestört. Sie haben nicht die geringste Veranlassung gehabt, den An geklagte tl zu verhafte n." Der Vorsitzende richtet weiter an den Zeugen die Bitte, die Polizeibcamten dahm zu wstrnieren, daß sie«mr dann Betnmkene verhasten sollen, wenn diese die öffentliche Ordnung störe» oder Aergernis erregen.— Der Gerichtshöf erkannte nach dem Antrage des Amtsanwalts auf Freisprechung. In der That, ivenn jeder animierte Student oder mich jeder angeheiterte Mariner, der einmal mit einem Passmiten infolge Verschiebung feines Metacentrums in mehr oder minder unsanfte Berührung kommt, verhastet werden sollte, würden die Polizeiwachen in den Umversitäts- und Marinestädten nicht aus- reichen.— Beschlagnahmt wurden die„Breslauer Morgenzeitung" und der „Breslauer Generalanzeiger" wegen andeutungsweiser Wiedergabe des Krupp-Artikcls des„Vorwärts" sechs Tage nach dem Er- scheinen der betreffenden Nuinnicr.— Die polnische Reichötags-Fraktion hat die angekündigte Int er- pellation dem ReichstagS-Bureau eingereicht. Sie erstreckt sich u. a. auf polizeiliche Uebergriffe gegen polnische Redakteure, das Verhalten auf den Standesämtern bezüglich Registrierung der Namen, den über polnische Geschäfte seitens der Militärverwaltung perhängten Boykott.— Die Rcichstags-Ersatzwahl in Danzig für den verstorbenen Ab- geordneten Heinrich Rickert findet ain 13. Jaimar statt.— Einen Wahlprotest haben die unterlegenen Bürgerparteicn in O f f c ii b a ch nach einer uns von dort imtern, 23. d. lvk. geinachten Zuschrift gegen die Wahl der socialdeniokratischen Wahlmänner eingereicht, den sie damit begründen, daß eine große Anzahl Personen mitgewählt habe, die zu Unrecht in der Wählerliste geführt worden seien, da sie noch die Angehörigkeit zu andren Bundesstaaten be- saßen, also in fremde» persönlichen lliiterthaiieuvt'bänden standen und mithin keine hessischeii Staatsbürger im Sinne des hessischen Wahl- gesetzcs geweseir seien. Die Wahlprotestler haben eine Rechnung auf- gemacht, daß nicht weniger als 926 Personen in den letzten sechs Jahren die hessische Staatsangehörigkeit erworben hätten, ohne ihre bisherige fremde Staatsangehörigrett aufgegeben zu haben. Die Zweite Kammer hat nun darüber zu entscheiden, ob diese Jnter- prctation des Wahlgesetzes, die den Begriff„Staatsbürger" nach dem Wortlaut der Verfassung vom Jahre 1820 auslegt, noch eine zeit- gemäße ist. Man sollte wenigstens nieinen, daß mit der Gründung des Deutsche» Reiches der Begriff„fremder Untcrthanen- Verband" auch eine entsprechende Korrettur erfahren haben müßte. Da diese Angelegenheit von prineipieller Bedeutung ist, so darf man auf die Entscheidung des Landtags gespamtt sein. Auffallend an der Sache ist nur, woher die Offenbachcr Protestler so genauen Bescheid wissen über die Zahl derjenigen, die angeblich zu Unrecht ihr Wahlrecht ausgeübt haben. Zu beachten ist auch, daß wenn den» Offcnbacher Wahlprotest Folge gegeben wird, der dortigen Pürgenneisterei damit auch kein besonders günstiges Zeugnis über ihre Gcsetzeskeniltnis resp. Auslegung ausgestellt wäre. Aber das wird dieselbe wenig genieren. Die blamierten Ceutrumszöllner. Aus Baden wird»mS ge- schrieben: Einen schweren Hercinfall erlebte die Centruinspresse deS badischen Oberlandes mit ihren Angriffen auf den nationalliberalen Abgeordneten des Schwarzwäldcr Wahlkreises Triberg- Villingcn, Herrn Posthalter Faller in Bonndorf. Der zu mindestens 80 Prozent katholische Kreiü ist seit Jahren im Reichstag national- liberal vertreten, zum großen Schmerz des Centrums, das nicht be- greifen will, daß ein Mensch katholisch sein und doch nicht fürs Centrum stimmen kann. Herr Faller mußte also nach Kräften an- geschwärzt werden, damit man ihn bei den nächsten Wahlen durch einen CenttumSmann verdrängen konnte. Zu diesem Zweck warf ihin die schwarze Presse des Oberlandes vor, er habe im Reichstag die Interessen seiner Wähler dadurch verletzt, daß er bei der Be- ratung der Zollvorlage stir die„ m i t t l c r e L i n i e" des Regierungs-Entwurfes und gegen die Zollforderungen der groß- agrarischen Ueberzöllner stimmte. Nun wollte es der Zufall, daß am verflossenen Sonntag, während die Centnimskaiioiiade gegen Herrn Faller noch im Gange war, der Redakteur H ä f n e r vom klerikalen„Landsmann" in Ettlingen auf einer AgitattonSreise nach Furtwangen, ins Herz des Fallerschei» Wahlkreises, kam und dort in seiner Versammlungsrede u. a. das Folgende sagte:„Die Mehrheitsparteien sollten sich alsbald mit der Regierung verständigen und sich mit den Getreidezöllen der Regierungsvorlage z u f r ieden geben; höhere Zölle wüuschrii auch die Landwirte der Gegend nicht."— Die letzteren stimmten dem Redner zu und sprachen damit ihr Urteil über die Hetze gegen den liberalen Regiernngszöllner. Folgen der Polenpolitik. Der Redakteur des Kattowitzer Groß- polen-Blattes wurde wegen Beleidigung zu fünf Monaten Ge- f ä n g n i s verurteilt.— Das Gegenstück: Einen Tag früher siegten bei den Kirchenwahlen in Gleiwitz sämtliche polnischen K a n- didaten.— HuobneL England. Gegen die Brüffeler Zuckerkonvention. London, 22. November.(Eig. Ber.) Nächste Woche wird sich daS brittsche Parlament ,nit der Brüsseler Zuckerkonvcntion be- schäfttgcn. Nach den Preßstimmen zu urteilen, wird sie in liberalen Kreise» auf Widerstand stoßen. Der Cobden-Klnb versendet in dieser Beziehung folgendes Memorandum:„Wird die Koilveiition an- genommen, so verliert das Unterhaus einen Teil der verfassuiigs- mäßigen Kontrolle über die Besteuerung des Landes. Eine An- nähme der Konvention kann ferner das Land in einen Zollkrieg init cineni imsrer besten Warenabnehmer verwickeln. Nach der Kon- vention soll eine permanente internationale Kommission eingesetzt werden, die die Pflicht haben wird, darüber zu entscheiden, ob in gewissen Ländern Zuckerprämien gezahlt werden. Findet die Kommission, daß eines dieser Länder Prämie» zahlt, so wird die britische Regierung gezwungen sein, eine solche Zuckereinfuhr mit einem der Prämie gleichwertigen Zoll zu belegen, oder diese Einfuhr überhaupt zu verbieten. Dies ist wahrscheinlich zum erstenmal, daß ein ernster Versuch gemacht wird, das Bestcuerungsrecht aus den Händen unsrcs Volkes zu nehmen und es in die Hände einer fremden Kommission zu legen. Diese außerordentlichen Vorschläge werden aus zweierlei Gründen verteidigt: erstens sagt man, wird die Konvention den Freihandel in der Zuckerproduktion herstellen; zweitens wird sie Westindien von Niltzc» sein. Sie wird aber keines von beiden erreichen. Die folgenden Länder stehen außerhalb der Konventton und zahlen Prämien: Rußland, Rumänien, die Vereinigten Staaten, Kanada, Argentinien und Australien. In den meisten dieser Länder ist die Zucker- Produktion im Wachsen begriffen und in manchen übersteigt sie bereits den heimischen Bedarf. Ferner: Italien, Schweden und Spaiiicu dürfen Prämien zahlen, vorausgesetzt, daß sie keinen Zucker ausführen. Aber durch die künstliche Förderung der Zuckerproduktton schaden sie denjenigen Ländern, die natürliche Vorteile für die Zuckerproduktion besitzen. Sicher ist nur, daß die Konventton unter Umständen gewisse Länder zwingen kann, die Zuckercinfuhr mit Zöllen zu belegen, was also gegen den Grundsatz des Freihandels verstößt. Wohl ist es die Absicht der Konventton, Westindicn zu helfen; aber wir möchten indes bemerlcn, wenn die Regierung schon bereit war, das Frei- handelsprincip zu Gimsten Westindiens zu opfern, so hätte sie wenigstens eine profitablere und gründlichere Maßregel treffen sollen."—_____ GemeindesocialiSmus und Gemeindesteuer». London. 22. No- vember. sEig. Ber.) Die Angriffe der kapitalisttschen Presse auf die modenie munizipale Thätigkeit hat wenigstens das Gute gehabt. daß die Gemeinden ein offizielles Thatsachenmaterial zu ihrer Recht- fertig,»ig sainmeln. Die bckaimte anttmunizipale Artikelserie der «Times" läßt sich ans zkwi Anklagen reduzieren: erstens bedeute der Munizipalsocialisnius ek« Wachsen der Gemeindesteuern, zweitens seien die erworbenen lokalen Monopole nicht rentabel. Zur Widerlegung dieser Anklagen veröffentlichte daS„Municipal Journal" in seinen Nummern vom 31. Oktober, 7.. 14. und 21. November folgende offizielle Angaben: in den letzten fünf bis sechs Jahren wurden in folgenden Städten bedeutende Gewinne an den Gemeinde- betrieben erzielt und zur Herabsetzung der Steucrhöhe verwendet: Bedeutende Gewinnste wurden erzielt in Blackpool, Bradford, Sheffield, Croydon, Swansca, Ueovil, Bath, Eastborne. In allen diesen Städten wurden gleichzeittg die Preise für die von de» Munizipalitäten erzeugten Güter oder gelieferten Dienste herab- gefetzt.— Niederlande. Holländische Kolonialbestialitäten. Gerade zur rechten Zeit, rnu die Kritik, die Äan Kol gegenwärtig in der Kammer au der Mißwirtschaft in Ostiiidicii übt, durch iieiies schiverwicgeiidcs Material zu unterstützen, hat der antirevolutionäre Advokat I. v a u den Brand zu Medau in Deli unter dem Titel«Die Millionen aus Deli" ein Buch herausgegeben, lvorin uns gerade- zu entsetzliche Gewaltthaten niedcrläu bischer Herren gegen arme Jndier und Chinesen mitgeteilt werden; so z. B.: Eine javanische Frau wurde, weil sie sich ge- weigert hatte, ihrem weißen Vorgesetzten zu Willen zu sein, für zwölf Stunden in der Stellung des gekreuzigten Christus an einen Pfahl gebunden und zwar nackt, lind dabei wurden ihr die S ch a m t e i l c mit spanischem Pfeffer eingerieben. Der Vorgesetzte, der diese Schand- that angeordnet hatte, wurde dafür bestraft— man versetzte ihn nach einer andern Pflanzung. Fünf chinesische Arbeiter, die den Versuch machten, ihren« Arbeitgeber zu entlausen, wurden dafür mit dicken Bambilsstöcken geprügelt, daß R ü ck e n u n d S e i t e n g a n z n n d g a r wund waren. Der Herr, der den Befehl dazu gab, ist niemals verfolgt worden. Eine Frau, welche die Nachtruhe eines Verwalters gestört haben sollte, wurde an einen Pfahl gebunden und so mit einem Stock geschlagen, daß ihre Schenkel zu„einer großen widerlichen Eiter- wunde" wurden. Das ist auf der Pflanzung einer großen Tabaksgesellschaft geschehen. Auf einer Kaffeepflanzuiig in Sardan y wurden von dem Kontrolleur in einer Scheime. die als„Hospital" diente, zwei Javanen, acht javanische Frauen und eine Leiche gefiinden. Diese lag schon 24 Stunden dort. Der Administrator überließ diese Menichen ohne Essen und Trinken ihrem Los und kain nur mal, um nachzusehen,„ob sie denn noch nicht tot wären", sein Mißfallen darüber ausdrückend, daß es noch nicht so weit mit ihnen war.— Der Vcrfaffer erklärt, daß diese Zustände nur durch die Kuli- Ordonanzen möglich werden, und meint, daß diese Kuli- Ordonanzen, die ja auch von unsrem Parteigenossen Van Kol aufs schärffte verurteilt werden, mit den„christlichen Grundsätzen" in Widerspruch stehen. Ein socialdcniokratischcr Antrag zum Atjchkrieg. Bei den Vcr- Handlungen über das Indische Budget, die seit Ntittlvoch in der zweiten Kammer stattfinden, hat Van Kol im Namen der social- oelnokrattschen Fraktton folgende Resolution eingebracht; „Die Kammer, den Atjchkrieg als eine Folge des Imperialismus der nicderländischci, Regierung mißbilligend, und Überzeugt, daß jede Politik, welche unbedingte Uiiterwersung zum Ziele hat, mit der Gerechtigkeit im Widerspruch steht und nicht geeignet ist, diesem Kriege so schnell wie möglich ein Ende zu machen, ersucht die Regierung, die nötigen Schritte zu thim, um einen Friedensvertrag mit dem Sultan und mit den Atjehhäilpttiiigeil zu schließen, ohne dabei unsrerseits die Forderung der Verzichtleistung auf ihre Unabhängigkeit zu stellen, und mit der Bereiterklärnng linsrerseits, die im Interesse der Ordnung nötigen Maßiiahineu, soweit sie es stir wünschenswert erachten, zu vollziehen...." Diese Resolution zeigt deutlich, daß Van Kol seinen principielltN Standpunkt zur Kolomalfrage keineswegs geändert hat.— parteinachrichtcn. Im Landtage von Schwarzbnrg-Rudolstadt wurde in der zweiten Sitzung der Genosie Winter zum zweiten Präsidenten gewählt. Die hessische zweite Kammer wählte den Genosie» Ulrich zum Schriftführer. Fortschritte der Partcipressr. Die„Volksstimme" in Frank- f u r t a. M. teilt mit, daß sie infolge der Aufstellung einer neuen größeren Rotationsniaschine stärker als bisher und zwar mindestens täglich achtseitig erscheinen wird. Auch einige andre Parteiblätter haben in der letzten Zeit ihren niaschinellen Betrieb vergrößert, was auf eine erfreuliche Ausbreitung der Partei schließen läßt. Gcmcindewahlen. In Schwelm wurden die beiden social- demokratischen Äaiididatc» mit 427 und 428 Stimmen gegen 185 ikud 186 bürgerliche gewählt. In M ii h l h a u s e n i. Th. errangen unsre Parteigenossen bei erstmaliger Beteiligung zwar noch keinen Sieg, doch kommt bei vier strittigen Mandaten ein Genosie mit 387 Stimmen gegen einen Gcgnncr mit 409 Sttmmcn in Stichlvahl. Huö Induftrie und F)andel Greatcr Britai». So lange die englischen Großindustriellen und Schiffsreedcr sich der Konkurrenz ihrer kontinentalen Kollegen Überlegen fühlte», schwärmten sie für„Freetrade" und ihre Volks- wirtschaftlichen Theoretiker wußten gar prächtig auseinanderzusetzen, daß Schutzzölle, Schfffahrtssubventioiieii usw. Unsinn seien. Seil aber in anderen Ländern, besonders in Deutschland, ein starker Weit- bcwerb enfftanden ist, der das frühere englische Welthai, delsmonopol ernstlich bedroht, hat sich die alte„Ucbcrzeugung" mehr und mehr verändert. Heute schwärmt man für eine Zollunion Englands mit seinen Kolonien, Differenzialzölle zu Englands Gunsten, hohen Schiffahrtsunterstützungen und Ausschaltung fremder Schiffe ans dem Küstenverkehr. Schon im vorigen Jahre suchten die australischen Behörden den deutschen Schiffen den Verkehr zwischen australischen Häfen durch allerlei kleinliche Mittel zu erschwere», vornehmlich suchte man die deutschen Schiffe zu zwingen, während ihrer Fahrt zwischen australischen Plätzen auf den Gebrauch ihrer mitgebrachten, nicht aus dein australischen Zollinlande stammenden Vorräte zu verzichten. Jetzt soll der australische Staatenbund veranlaßt werden, durch Verbot des Küstenverkehrs bezw. der Fahrten zwischen australischen Häfen für alle nichtbritischen Linien den ganzen fremden Verkehr lahm- zulegen. Der„Broad Arrow" berichtet darüber in letzter Nummer: „Es ist der Brauch englischer und kolonialer Staatsmänner, bei den Beratungen wenig zu versprechen, dafür aber zu rechter Zeit viel zu säiaffcn. Beim Guildhall-Bankett erwog Mr. Balfour die Möglichkeit einer fiskalischen Reform zur Regelung der Verteidigung des britischen Weltreiches, und jetzt treffen aus Llustralicn Berichte ein, die darthun. daß die letzte Koloiiialkonfercnz doch mehr genützt hat, als die Pessimisten von ihr annahmen. Sir Edmond Barton be- absichtigt. beim Bundesparlament ein Gesetz einzubriiigen, durch das die Küstenschiffahrt an australischen Küsten de» britischen Schiffen verbeMen sein soll. Mr. Seddon will noch einen Schritt weiter ßeljett. Er wünscht, daß kein fremdes Handelsschiff im verlauf einer Ncise zwischen mehr als zwei britischen Häfen Fracht fahren darf. Sollte der Wettbewerb der fremden Schiffahrt noch scharfer werden, so könnte wohl derartiges verordnet werden; zur Zeit wird sich Australien aber mit der Annahme der in den Vereinigten Staaten Amerikas gültigen Gesetze für die Küstenfahrt begnügen können." kver englische Arbeitsmarkt im Monat Oktober war ebenso schlecht knie im vorhergegangenen Monat. Die berichtenden Gewerkschaften zeigen eine Arbeitslosigkeit von 5 Proz. gegen 3,1 Proz. im Oktober Illvl und gegen die durchschnittliche Arbeitslosigkeit von 4,7 Proz. im Oktober der letzten zehn Jahre.— Von Lohnänderungen wurden 47 vöv Arbeiter betroffen; 20 280 erhielten eine Erhöhung. L7 070 eine Herabsetzung ihres Lohnes. Das Ergebnis ist eine durchschnittliche Lohnherabsetznng um SS Pf. pro Woche und Kopf. Die Auswanderung iilier Bremen und Hamburg nimmt unter dem Einfluß des auf Mitteleuropa und Ruland lastenden Drucks be- ständig zu. Seit Beginn des laufenden Jahres bis Ende Ottober dieses Jahres sind 26 343 Deutsche ausgewandert gegen 19 372, 10 999 und 21 III im gleichen Zeitraum der Jahre 1901, 1900 und 1899. Die Auswauderung überstieg also die vorjährige um 36 Prozent. Außer den deutschen Auswanderern sind in den ersten zelin Monaten d. F. über beide Häfen 134 434(1901 140 S7S) Ausländer befördert worden, darunter über Bremen 106 939(86 921) und über Hamburg 77 44S(50 987). Die gesamte überseeische Auswanderung über Bremen umfaßt 119 157(95 050), die über Hamburg 85 870(59 987) Personen, so daß die über Bremen um 24 107, die über Hamburg um 25 883 Personen gegenüber dem Vorjahr zugenommen hat. In der Geüeralversammlung des Harpener Eisenwerks äußerte der Vorsitzende. Herr Klöckner, über die Lage des Werkes und die Aussichten der Eicnindustrie im allgemeinen: Er ei leider nicht in der Lage, über die Aussichten für 1902/1903 Günstiges mitteilen zu können. Die Gesellschaft leide auch heute noch unter dem Danieder- liegen des Geschäfts inr Jnlande und suche wie alle andern größeren Werke ihre Betriebe durch Auslandsgeschäfte ausrecht zu erhalten. Obwohl das Werk recht gut eingerichtet sei und die in den letzten Jahren eingeführten Verbcsserungen sich gut bewähren, sei es nicht in der Lage, diese Ausfuhrgeschäfte ohne größeren Verlust auszuführen. Die Gesellschaft müsse sich anstrengen, ihre Selbstkosten im all- gemeinen zu verbilligen und sei deshalb auch durch den kürzlichen Be- schluß des Coakssyndikats, die Preise für das erste Halbjahr nicht zu ermäßigen, sehr hart betroffen worden. Wie es im Frühjahr lverde. könne man heute noch nicht voraussehen. Ter außerordent- lich zurückgehaltene Jnlandbedarf werde ohne Zweifel wieder etwas stärker hervorkommen und man werde auch mit Bestellungen aus Afrika und Ostasien rechnen dürfen. Ob diese Faktoren zusammen stark genug sein werden, um über die kurz oder lang einmal wieder ausbleibenden gegenwärtig noch sehr großen amerikanischen Auf- träge Ersatz zu bieten, sei ungewiß. Etwas scheine heute nur festzustehen, daß es noch längere Zeit be- dürfen wird, bis ein Ausgleich in Nachfrage und Angebot herbeigeführt werden kau n. Die Gesell- schaft habe in den ersten vier Monaten dieses Geschäftsjahres noch leidlich gearbeitet, weil sie im vergangenen Frühjahr für Aufträge zu verhältnismäßig noch guten Preisen vorgesorgt hätte, die jetzigen Preise machen ihr aber das Leben schwer, und sie werde deshalb Not haben, den Aktionären auch demnächst wieder ein befriedigendes Er- gcbnis vorzulegen. Der englische Eisenmarkt, der seit Mitte vorigen Jahres für die deutsche Eisenindustrie stetig wachsende Bedeutung erlangt hat. da er zu ihrem wichtigsten Absatzmarkt geworden ist, hat sich in letzter Woche nach dem Bericht des Londoner„Jromnonger" noch mehr verschlechtert. Die Aufträge für alle Arten von Eisen sind sehr gering, während der ausländische Wettbewerb immer größer wird. Die Lancashire-Stabeisenproduzenten haben ihren Syndikatspreis um 2 Shilling 6 Pence reduziert, aber ihr jetziger' Preis steht noch immer über dem Marktpreis, und es dürfen noch weitere Preis- rückgänge folgen. Ferner wird berichtet, daß es auch bei der- schiedenen Schienenvroduzentcn mit den Ordres zu Ende geht. Die meisten der Aufträge für Schienen von auswärts werden von deutschen Werken gedeckt, die beträchtlich billiger liefern. Auch die Bestellungen der Schisfsbau-Firmen gehen stetig zurück, da in diesem Industriezweig ebenfalls ein Rückgang der Beschäftigung eingetreten ist. Die Verschiffungen von Eisen nach den Vereinigten Staaten sind noch ziemlich umfangreich, da vor wenigen Wochen beträchtliche An- käufe für amerikanische Rechnung gemacht worden sind, doch nehmen auch die amerikanischen Aufträge auf Roheisen ab. Dem Verdienste seine Krone. Die Generalversammlung der De Boers Consolidated Mines-Gesellschaft bewilligte einstimmig einen Beitrag von 10 000 Pfd. Sterl. für das Cecil Rhades in Kapstadt zu errichtende Nationaldenkmal. Kartoffelernte in Rußland. Die Not des russischen Bauern erfährt durch die niedrigen Ergebnisse der Kartoffelernte in diesem Jahr eine weitere Steigerung. Aus den meisten russischen Distrikten wird berichtet, daß der Ausfall der Kartoffelernte beträchtlich unter dem Mittelertrag zurückgeblieben ist. Nur einige Gouvernements des Centrums und des Wolgabeckens sowie der Süden Rußlands haben ein befriedigendes Resultat zu verzeichnen, während im König- reich Polen, in Weißrußland, in einzelnen der Ostseeprovmzen und im Norden die Kartoffeln durch den nassen Sommer so gelitten haben, daß sich stellenweise das Abernten gar nicht gelohnt hat. SewrKfcbaftlicKes. Die Heldcnthat der Rathenower Gewcrhiereinler und die social- demokratische Streittaktik. Zu dieser Angelegenheit wird uns geschrieben: In seiner Nr. 47 vom 21. d. M. antwortet der„Gewerkverein" auf unsre Darstellung der Vorgänge beim Rathenower-Streik. In Nr. 45 hat das genannte Organ noch behauptet, es seien alle Plätze der Brillen- und Piucenez-Arbeiter besetzt gewesen, heute giebt eS zu, daß 25 Mann dieser Branche nach Beendigung des Streiks sofort eingestellt sind, und daß außerdem für 93 Goldarbeiter und 16 Einschleifer Plätze noch frei waren! Gerade die Goldarbeiter wurden am nötigsten gebraucht, und Goldarbeitcr waren die Hirsch-Dunckerschen Streik- brecher l Das Protokoll, mif tvelches„Der Gewerkverein" seine Behauptungen stützt, veröffentlicht das Organ nicht, sondern nur einen Satz daraus, nach welchem unsre Genossen die Schritte der Gewerkvereinler nicht verurteilen. Wissentlich verschweigt das Organ, daß mit dieseil„Schritten" das Unterhandeln, nicht ober die Aufnahme der Arbeit durch die Gewerkvereinler gemeint ist. Die Behauptung, daß unsre Leute zugegeben haben sollen, der Streik sei verloren, wird jetzt vom„Gewerkverein" fallen gelassen. Dagegen wird unsren Genossen unter Berufimg aus das Protokoll ein Satz in den Mund gelegt, den diese nicht gesagt haben und der auch nicht im Protokoll steht. Man kommt mm nochnial mit der Thatsache, daß acht Streikbrecher vom Verband zu verzeichnen gewesen sind. Das stimmt. Diese acht Mann haben acht Wochen nach Beginn des Streiks angefangen, sind Streikbrecher. Aber vom Gewerkverein sind acht Mann erst gar nicht in den Streik eingetreten! Also auf 143 Verbändler ebensoviel Streik- brecher wie auf 23 Gewerkvereinler! Eine schöne Ehrenrettung. Trotz dieses Rückzuges des„Gewerkverein" erklärt derselbe ganz einfach: „Wir halten alles auftecht", und„Der Hieb hat gesesien".— Ja- wohl, es hat schon mancher Schwindel imd manche Fälschung„ge- scssen"— l Wer sich noch genauer informieren will, der lese in Nr. 47 der„Metallarbeiter-Zeittmg" nach. Noch ein Beweis für die Heldenthat: Die„Deutsche ivketallarbeiter-Korrespondenz"— Organ des Gewerkvereins der Klempner— bringt einen als amtlich'be- zeichneten Bericht, in welchem zu lesen steht, daß die Gewerkvereins- Mitglieder beschloffen haben, daß die Arbeit erst am Montag, den 8. November aufgenommen werden soll. Thatsächlich aber ist das schon am Donnerstag, den 30. Oktober geschehen. Die Herren sind also gegen ihre n Verantwortl. Redakteur- Carl Leid i» Berlin. Lnlemtenleü verantwortlich: Z eignen Beschluß Streikbrecher geworden, denn sie wollten mit der Aufnahme der Arbeit warten, bis unsre Leute entsprechende Beschlüffe gesaßt haben. Zur Befriedigung der Neu- gierde des„Gewerkverein" teile ich noch mit. daß die Einsendungen, die der„Vorwärts" in dieser Sache gebracht hat, fast alle von mir herrühren. Die Herren haben nun eine Adresse, an welche sie sich zur Rcpariernng ihres Ansehens wenden können I Berlin nnd Umgegend. Die BÜrsteu- und Pinselmacher, welche im Holzarbeiter-Verbande organisiert find, haben in einer am Sonntag abgehaltenen Ver- sammlung beschloffen, die socialdemokratische Stadwerordneten- Fraktton zu ersuchen, sie möge dahin wirken, daß die Lieferung von Straßenbesen, Walzen ec. nur solchen Fabrikanten übertragen werde, welche tarifmäßige Löhne zahlen. Zur Begründung dieses Beschlusses wurde ausgeführt, daß infolge des Submissionswcsens der Preis für die genannten Materialien immer tiefer hcrabgedrückt werde. Darunter hätten natürlich die Arbeiter, welche diese Gegenstände an- fertigen, am meisten zu leiden, dem- entsprechend den niedrigen Preffen werden auch die Arbeitslöhne unaufhörlich gedrückt, so daß trotz äußerster Anspannung der Kräfte ein ausreichender Verdienst nicht mehr erzielt werden könne. In einer Resolutton gab die Ber- sammlung der Meinung Ausdruck, daß die bezeichneten Mißstände am besten dadurch beseitigt würden, daß die Stadtverwaltung die betreffenden Arbeiten in eigener Regie anfertigen lasse. Deutsches Reich. Der Webrrstreik in Aleerane. Die Streikenden haben die Einigungsvorschläge, welche wir in der Sonntags-Nummer mitteilten, abgelehnt. Drei Versammlungen der Ausständigen beschäftigten sich gleichzeitig mit dieser Angelegenheit. In allen Versammlungen wurde einstimmig die Weiter snhrung des Streiks beschlossen, weil der vor- liegende Vergleichsvorschlag keine nennenswerte Lohnaufbesserung in sich schließt und die Weber ohne genügende Lohnerhöhung aus Grund eines Tarifs nicht wieder zur Arbeit zurückkehren wollen. Ueber den vorliegenden Vcrgleichsvorschlag ist in geheimer Abstiinniung ent- schieden worden. Dieses Votum war nahezu einmütig ablehnend; eS stimmten 1570 für Fortsetzung des Streiks und nur 25 für Rück- kehr zur Arbeit. Die Stimmung der ausständigen Weber ist außer- ordentlich kampfesfreudig._ Eine Konserenz von Bertretern hessischer GewerffchaftSkartelle fand am Sonntag in Offenbach statt. An derselben nahmen 20 Delegierte aus 14 Orten teil. Der Zweck dieser Zusammen- kunst war hauptsächlich eine Aussprache über ein einheitliches Vor- gehen bei allen Wahlen zu socialpolittschen Körperschaften. Zu diesem Punkt nahm die Konferenz eine Resolution an, welche das Mainzer Gewerffchaftskartell beauftragt, die erforderlichen Blaß- nahmen für die Wahlen zu den Bersicherungskörperschasten zu treffen. Weiter wurde vereinbart, daß zu bestimmten Jetten gemein- same ArbeitSlosen-Zähttmgen stattfinden sollen. Bei der Gewerbegerichtswahl in Neumünster stimmten von 379 eingetragenen Wählern aus den Reihen der Arbeiter 311 und zwar für die vom Gewerkschaftskartell aufgestellten Kandidaten. I» Kattowitz(Oberschtefien) siegte bei der Gewerbegerichtswahl die Li st e der freien Gewerkschaften. Das ist die vierte oberschlesische Stadt, die sich diese erobert haben. Ausland. Jiileiuatioualc Seeiuauns-Konfcrciiz. Die für Ende November geplante Konferenz wird nun bestimmt nach einer notwendigen Ver- tagung am 1. und 2. Dezember in London.„Maritimc-Hall", West Jndia Dock Road, Poblar, stattfinden. Zum erstenmal wird, so lange eine seemännische Bewegung existiert, eine separate int er- nationale Konferenz von Bertretern der seemännischen Arbeiter zusammentreten, um über Fragen, wie Agitation und Organisation, Schutz für Leben und Gesundheit, iitternationalc Schiffahrtstrusts ec. zu verhandeln.— Die deutschen seemännischen Arbeiter wird der Verbandsvorsitzende Paul Müller-Hamburg auf der Konferenz ver- treten. Die Bauhandlanger in Mali»» haben sich nun doch mit den vom Schiedsgerichts-Komitee festgesetzten Bedingungen einverstanden erklärt und die Arbeit wieder aufgenommen. Damit ist der lang- wierige Konflikt im Baugewerbe Südschwedens, der am 16. April mit dem Streik der Maurer in Malmö begann und sich dann ans die andern Branchen des Baugewerbes und alle größeren Orte Schonens ausdehnte, beendet, und zwar im allgemeinen zu Gunsten der Arbeiter. Unter den Arbeitgebern, die den südlichen Kreis der schwedischen Baumeister-Bereinigung bilden, entstand bald nach Aus- brnch des Konflikts Uneinigkeit, an verschiedenen Orten einigte man sich mit den Arbeitern, so daß zuletzt nur noch die Städte Malmö, Lund und Trelleborg übrig blieben. Durch den neuen Vertrag ist übrigens das Koalitionsrecht der Arbctter vollständig anerkannt, auch für Lehrlinge und Werkmeister, denen die Unternehmer den Beitritt zur Organisation untersagt wissen wollten. Aus Nicderlaud. Gegeinoärtig finden in verschiedenen Teilen Hollands Lohnbewegungen statt. Die Blei- und Zink- arbeit er in Amsterdam verlangen einen Minimal-Stundcn- lohn von 25 Cent(ca. 46 Pf.) Ein Teil der Unternehmer hat bereits die Forderung bewilligt und man erwartet, daß auch die übrigen sich bald dazu entschließen.— Ferner wurden Lohn- forderungen gestellt von den Metallarbeitern in Arnhem, den Z i in nl e r l e u t e n in Hengelo. von den Zimmerleuten. Maurern, S t e i n h a u e r n und Bauarbeitern in Deventer. Die Bäckergesellen in Rotterdam forden: eine einstiuidige Ruhepause, die Bäckergesellen in Lecuwardcn Abschaffung der Nachtarbeit. Die Cigarre narbeiter in Steenwijl befinden sich im Ausstand.— Sämtliche Bäckergesellen-Organi- sationen in Amsterdam, auch die christlichen, haben sich zu einer Föderation zusammengeschloffen, namentlich um statistische Erhebungen zu veranstalten, aber auch um, wenn's nötig werden sollte, gemeinsam vorzugehen._ Huö der frauenbewegung* Frauen-Wahlrecht. DaS socialdemokratische Frauenkomitee OestreichZ wird dem internattonalen Socialistenkongresse in Amsterdam folgenden Anttag unterbreiten: Von der Erwägung ausgehend, daß mir durch die wirtschaftliche, geistige und politische Befreiung aller Entrechteten und Bedrückten die kapitalistische Ausbeutung überwunden werden kann, hat die Socialdemokratie aller Länder längst die Verpflichtung anerkannt, für die rechttiche Gleichstellung beider Geschlechter einzutteten nnd den Frauen polittsche Rechte, insbesondere das Wahlrecht, zu erobern. Die internationalen Socialistenlongresse zu Brüssel 1891 nnd zu Paris 1900 haben durch Annahme entsprechender Resolutionen der Thatsache Ausdruck gegeben, daß die internationale Soeialdemokratie sich zu dieser Verpflichtung bekennt. Trotzdem ist bisher noch in keinem Lande von unsren Partei- genossen ein energischer Vorstoß zur Eroberung dcS Frauenwahlrechts unternommen worden, auch nicht in jenen Staaten. Ivo das Wahl- recht der Männer kaum noch einer Ausdehnung fähig wäre, wie in der Schweiz, in Franfteich, im Deutschen Reich und in Amerika. Ist es doch allerorts auch unter den Soeialdenwkraten gebrauch- lich,„allgemeines Wahlrecht" zu sagen, ivenn man ausschließlich vom Wahlrecht der Männer spricht, und von Staaten, in denen die Hälfte der Bevölkerung tu politischer Unmündigkeit gehalten wird, zu behaupten, es herrsche dort das allgemeine Wahlrecht. In Belgien ist die Frage bereits attuell und dadurch ihre Er- örternng unausweichlich geworden, und es erscheint als dringend wünschenswert, daß der internationale Socialistenkongreß zu Amsterdam den Parteigenossen aller Länder in dieser Sache eine Richtschnur gebe.__ i, Glocke in Berlin. Druck«. Verlag: Vorwärts Buchdnickerei u, Verlngsnnjlnll' Es wird dem Kongreß ein Leichtes sein, sich in einer solch« Weise zu äußern, die geeignet ist, jede ettva dahingehende Be» fürchtung der Frauen zu zerstteuen, daß die Soeialdemottaten analog dem Vorgehen der Liberalen gegen die auffttebende Arbeiterklasse die Frauen wohl an ihren Kämpfen teilnehmen lassen, ihnen aber nicht zu den gleichen Rechten verhelfen wollen. Wir beantragen deshalb, daß die Frage der Eroberung des Franenwahlrechts auf die Tagesordnung des internattonalen Soeialistcnkongrcffes zu Amsterdam gesetzt werde. Sociales» Eine neue Großstadt. Nach einem Gemeindebeschluffe soll die Stadt G e l s e n k i r ch e n ini Ruhrgebiet mit den Gemeinden Bis- marck, Bulmke, Hüllen und Ueckendorf bereinigt werden. Dadurch würde Gelsenkirchen, das jetzt 37 040 Einwohner zählt, zum Range einer Großstadt mit 100 719 Einivohnern aufsteigen. Fiinfnhr-Feicrabend am Soiinnbcudnachmittag in den schweizerische» Fabriken. Es kreisen die Berge und gebären eine Maus. Seit langen Jahren fordert die schweizerische Arbeiterschaft die Revision des Fabrikgesetzes zwecks Einführung des Zehnstundentages und Freigabe des Sonnabendnachmittags, und nun unterbreitet der Bundesrat der Bundesversammlung eine Vorlage von 6 Artikeln, durch die die Arbeitszeit au den Vorabenden von Sonn- und Fest- tagen von zehn auf nenn Stunden rcduciert und der Arbeitsschluß auf 5 Uhr festgesetzt werdeii soll. Da das bestehende eidgenössische Fabrikgesetz für die ersten fünf Wochentage den Elf- und für den Sonnabend den Zehnstundentag normiert, also eine Arbeitswoche von 65 Stunden, so bedeutet die Vorlage eine Herabminderung der- selben uni eine ganze Stunde auf 64 Stunden. Dabei giebt es aber jetzt schon zahlreiche Fabriken in der Schweiz, die an den Vor- abenden von Sonn- und Festtagen um 4, 41/o. 43/4 und 5 llbr, einige, die sogar schon am Mittag schließen, so daß für manche Betriebe die Vorlage hinter dem zurückbleibt, was sie bereits haben. Englische Prodnktivgenossenschaften. Das Arbeitsdeparteincnt er- iclt Berichte von 1020 Produktivgenossenschaften. Im Jahre 190 i eschäftigten sie insgesamt 38 649 Personen, die 2 003 961 Pfd. Sterl. an Lohn erhielten. Der Gesamtwert der erzeugten Waren betrug 13 200 706 Pfd. Sterl. Die produttive Thättgkeit umfaßte die ver- schiedensten Gewerbe: Bekleidung. Metallarbcit, Holzschnitzerei, Seifen- und Kerzenfabrikation, Ackerbau, Müllerei, Bäckerei ee. Ueber die Hälfte der Arbeiter waren jedoch in der Bektcidungsindustrie bc- schästigt. Von den gemachten Profiten verteilten 160 Genoffenschasten die Sunune von 33 623 Pfd. Sterl. unter ihre Arbeiter, deren Jahres- lohn auf diese Weise um 5,4 Proz. erhöht wurde. Versammlungen. Eine öffentliche Schlächtergesellen-Bersammlung tagte am Mittwoch(Bußtag) im„Englischen Garten". Dr. A. B e r n st e i n sprach daselbst über:„Der Kampf gegen die BolkSttankheitcn". Der 2. Punkte:„Der Fortschritt der Wurstfabrikation nnd die Arbeitslosigkeit der Gesellen", mußte wegen Zeitmangels vertagt werden. Auch erklärte der Vorsitzende Hensel, daß dieses Thema ausflihrlich behandelt werden müßte, da hier gerade die Pferdewurst- Fabrilatton, welche in letzter Zeit in verschiedenen Schlächtereien Platz gegriffen hat, besonders be- handelt werden müßte. Obgleich die Bundesrats-Verordnnng seit dem 1. Oktober d. I. die Verwendung von Meat Preserve, Kartoffelmehl, Farbstoffen und sonsttgen chemischen Hilfsmitteln zur Wurstfabrikatton verbietet, erklärten, auf Befragen des Vorsitzenden, 3IS der Anwesenden, daß bei ihren Meistern derartige Stoffe noch verarbeitet werden, während*,'5 anerkannten, daß bei ihnen dies nicht mehr geschieht. Unter Verschiedenes hielt Hensel ein eingehendes Referat über die bevorstehende Delegierten- wähl zur Orts-Krankenkasse. Er ennahnte die Anwesenden, sich im eignen Interesse an derselben recht stark zu beteiligen. Pankow. Am 18. d. Mts. fand hier eine öffentliche Versarnrn- lung stall, wo Frau Helma Steinbach-Hamburg über Idealismus im Klassentanipf sprach. Zu den ani Dienstag, den 25. d. Mts. stattfindenden Gewerbegerichtswahlen wurden folgende Kandidaten als Beisitzer vorgeschlagen: Belter» Albrecht, Ricble, Krieg, Hanisch. Wolff, Fengler, Werner, Witte. Die Angriffe des Fabrikanten Herrn Juhl gegen die GewerbegerichtS-Beisitzer in einem Rundschreiben an die Arbeitgeber zeitigte folgende Protesttesolution: Die Versammlung protestiert gegen den Vorwurf deS Herrn Juhl. daß die Arbeiter- vcrtteter jemals parteiisch als Richter fungiert hätten. Weiter wurde Genossin Ihrer als VerttauenSperfon für die Frauen von Pankow gewählt._______ Letzte j�aebriebten und Depelcben. Depntiertcnkammer. Paris, 24. November.(W. T. B.) Baron R e i l l e inter- pclliert den Marinen, inister Pelletan wegen der Herabsetzung des Effekttvbcstandes der Besatzungen auf den Schiffen des Mittclmecr- geschwaders und erklärt, daß Vre Schiffe mit einer so herabgeminderten Besatzung nicht fähig seien, eine Schlacht zu liefern und daß es un- möglich sei, gegenwärtig ein Geschwader auszurüsten, welches dem des Admiral Caillard, anläßlich des Zwischenfalls von Mytilene gleich fei, wenn ein ähnliches Ereignis eintteten sollte. Marincminister Pelletan erwidert, er habe fiir das Mittel- meer- Geschivader nur dasselbe verfilzt, was seit langer Zeit für das Nordgcschwader gelte, ohne daß es dem geringsten Widerspruch begegnet sei, obwohl die Bedeuwng hier mindestens dieselbe sei. M i l l e v 0 y e Kitt für Aufrechterhaltung des EffekttvbestandcS der Mannschaften des Mittelmeergeschwaders ein. Hierauf wird die Berattmg geschloffen... �„ Bourrat bringt sodann eine Tagesordnung ein, welche die Erklärungen des Ministers billigt. Diese von Pelletan angenommene Tagesordnung wird mit 288 gegen 204 Stimmen angenommen und die Sitzimg darauf geschlossen. Orkan. Paris, 24. November.(W. T. B.) Nach einer Meldung der „Agence HavaS" aus Buenos Aires suchte ein Orkan die Stadt San Urbano in der Provinz Santa Fö heim. Etwa 100 Häuser wurden zerstört, 6 Personen getötet und 15 schwer verletzt. Der Eisenbahn- und Telegrapheiwerkehr ist mtterbrochen. Die Brüsseler ZuSerkonventio» im Unterhaus. London, 24. November.(W. T. B.) Gerald Balfour bringt folgende Resolution ein: Das Haus billigt die in der Zuckerkonvention niedergelegte Polittk und ist für den Fall, daß die Convention die Ratifikationen enthalten wird, die nöttg sind, um ihr bindende Kraft zu geben, bereit, die notwendigen Maßnahineu zu ihrer Durchführung zu genehmigen. Zur Begründung der von ihm eingebrachten Resolution hält Handelsminister Gerald Balfour eine längere Rede, in welcher er das Vorgehen der Regierung, welche der Konventton bei- getreten, verteidigt und seinem Bedauern Ausdruck giebt. daß die Konvention auf Widerstand stoße. Er führt aus, daß die liberale Partei auf den Grundsatz der Abschaffung der Prämien verpflichtet sei und erklärt, er hege die Zuversicht, daß in den nächsten zehn Jahren ohne Prämien der mittlere Preis des Zuckers niedriger sein werde als in den letzwerflossenen zehn Jahren. Deutschland und Oestreich würden sich schließlich die Borherrschaft über ihre Rivalen sichein. und es würde ein Zustand der Dinge folgen, in welchem der Preis für den Zucker wahrscheinlich weit höher steigen würde. als dies lediglich durch Abschaffung der Prämien je wahrscheinlich werden würde.________ jaul«ingcr s Co, VerlijiSW. Hierzu S Beilagen«.ttnterhalttmgSblat». Nr. 275. 19. Jahrgang. 1- KnlU i>ks Jorniiitls" Knlim WllisM Aitltstag, 25. November 1992. KeicKstag. 221. Sitzung. Montag, den 24. November 1V02. mittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Graf Posadolvsky. Frhr. v. Thiel- mann. j v j v Die zweite Beratung dcsZolltarif-Gcsetzes wird fortgesetzt. Die Abg� B edel, A n t r i ck und Stadthagen iSoc.) bean- tragen rvlgenden tz H d in daö Zolltarif-Gesetz aufzunehmen:.Von dem �e�Ae der ans Grnnd dieses Gesetzes zu erhebenden Zölle 'n'* m, IM Millionen Mark den einzelnen Bundesstaaten nach Maßgabe der Bevölkerung, mii lvelcher sie zu den Matrikular- beitragen herangezogen werden, zur Förderung des Volts- !>> c v u 1 T U1 gwar speciell für Anstelinng und bessere Besoldung der Lehre� und Uneutgeltlichkeit des Volksschul-ilnterrichts und der Lchi-nn�el_.u überweisen." Abg. Bebel sSoc.): �«)le Ausgaben, die Staat mid Gcmeiiidcil alljährlich für das Schulwesen aufzuwenden haben, steigen von Jahr zu Jahr. Wenn es durch unfern Antrag gelänge, den Gemeinden diese sehr be- deutenden Lasten einigem, asten abzunehmen oder zu erleichtern, so würde das eine sehr groste Wohlrbar sein. Ich behaupte sogar, dah eine solche Erleichterung in weiten Kreisen des deutschen Volkes mit viel grösterer Freude begrüstt werden würde, wie die Witwen- und Waisenversicheruiig des in zweiter Lesung angenominciien An- trageS Trimborn. Jedenfalls steht fest, dah die S ch u l l a st c n auher ordentlich drückend sind und fortgesetzt steigen. Und doch werden auf diesem Gebiete noch keineswegs alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Die Zolllnsten werden nach den Sätzen der RegiernitgSvorlagr, wie ein der Regierung nahe stehendes Organ berechnet hat. uin 210 Milliouen steigen. Dazu kounnt die weitere Belastung besonders der unteren Bevölkerungsschichten durch die höheren Levens- mittelprcise. Der Zolltarif ist somit ein kulturfeindliches Werk. So sehr wir bestrebt sind, das Zustandekommen des Tarifs zu verhindern, so haben wir doch selbstverständlich den Wunsch, oast, falls der Tarif zu stände käme, wenigstens ein Teil der sehr bedeutenden Mehreinnahmen, die er dem Reich bringt, sür iv i r kl i ch eKu ltur- bedürfnisse verwandt werde. In dieser Nichtnng halten«vir eine Förderung des Voltsschulweseiis in erster Linie für angebracht. Miquel sagte einmal als Abgeordneter im Abgeordneteiihause, keine Summe könne besser verwandt werden als für die Volksschulen. Solche Ausgaben brächten tausendfältige ideelle und materielle Früchte. Die Herren von der Rechten, die ja in den letzten Jahren inmler Miguels Bestrebungen unterstützt haben, sollten auch hier seinen Anschauungen folgen und unsren Antrag unterstützen. Es ist auf die Dificils der letzten Jahre verwiesen worden, aber diese Fehlbewäge sind weit weniger durch erhöhte Ausgaben gegenüber den Vorjahren entstanden, als durch das Sinken der Ein- nahmen aus den Zöllen und den indirekten Steuern infolge der wirtschaftlichen Krise. Wenn wieder normale Verhältnisse eintreten, werden die Einnahmen sich bedeutend loieder vermehren. Andrer- seits hat das Centru« es durch seine Finanzpolitik dahin gebracht, dast sehr wesentliche Ausgabcposteu des Etats für die Flotte der Bcrfiiguiig des Reichstages vollständig entrückt find. Es bat damit, wozu früher keine Partei dcö Hauses bereit war, eine Art Aeternat geschaffen. 181)6 betrug der ganze Flotten-Etat 92 Millionen Mars, im laiifenden Jahre 217 Millionen. Im nächsten Jahre werden diese Ausgaben sich geniäst dem Flottengesetz»och weiter steigern. In» vorigen Jahr konnte eine neue Anleihe nur dadurch vermieden werden, dast vom Militür-Etat etwa 25 Millionen gestrichen wurden. Wäre der Militär- Etat ebenso gebunden wie der Marine-Etat, so lväre die Finanznot schon im vongen Jahre viel gröster gewesen als sie jetzt»st. Sie sehen also, meine Herren vom Eentrnm, lvohin Sie mit Ihrer Finanzpolitik das Deutsche Reich gebracht haben. Angesichts der- artiger Zustände ist cS dringend notwendig, dast wir uns selber schützen, indem wir dafür sorgen, dast die Einnahmen aus dem Tarif wenigstens zu einem Teil für lvirkliche zUllturbedürsiussc verwendet werden Wir»missen um so vorsichtiger sein, da graste nette Ausgaben drohen: eine Vermehrung der Flotte und vor allem eine V c r- st ä r k u n g der.Kavallerie. Es war sehr charakteristisch, dast die.Tägliche Rundschau" am letzten Sonntag ans der Feder eines Generals a. D. einen Artikel brachte, der die Aotivciidigteit einer Vermehrung der deutschen Kavallerie itackzuweiseil suchte. So geht es ja immer: es werden zunächst Artikel von unverant- >o o r t l i ch e n Personen in die Preise laneiert,»m die ö f f e n t- liche Meinung entsprechend vorzii bereiten. Da 1903 das Quinquennat abläuft, so ist es zweifellos, dast wir iin nächsten Jahre eine Forderung auf Vermehrung der Kavallerie betouimcn werde». Die Zuschiifse des Reiches für die Volksschulen und besonders zur Entlastung der Städte sind notwendig, die im Gegensatz zun» flachen Lande heute austerordentlich viel für Kultur- aufgaben auszugeben haben. Keine einzige ländlickze Gemeinde erhebt heute einen Sicuer.ztlschlag von 100 Proz., während die Städte ängstlich darauf bedacht sind, diesen Züschlag nicht zu über- schreiten, weil sie sonst der Ueberwachung seitens der Regierung unterliegen. Im Osten hat ja der prcustischc Staat erhebliche Zu- Wendungen für das Volksschnlivcsen gemacht. Ist es doch soweit gekommen, dast die Ueberwcisungen des Staates die Aufwendungen, welche die Agrarier für die GntSbezirle für die gleichen Zwecke aufzubringen haben, übersteigen. Aber der Ostcn� allein kaim für uns doch nicht»nastgebend fein. Im übrigen Deutschen Reiche aber leiden die Städte schwer unter den Lasten für Kulturzwecke. � Frankreich hat seit dem Kriege von 1870/71 die Versäununsse aus dein Gebiete seines Volksschulivescns völlig nachgeholt und heute das deutsche BolkSschulweseu schon weit überflügelt. sSehr wahr I bei den Socialdcmolratcn.) Herr Bast'ermann schüttelt den Kopf. Ick, spreche aber hier auf Grund von durchaus objektiven Urteilen deutscher Volksschullehrer, die Frankreich besucht haben. ES zeigt sich hier ivieder, dast für ein Volk eine Niederlage besser sein kann als ein Sieg. Was Jena für Prcusten, Sadowa für Ocstreich war, das ist Sedan für Frankreich geworden. Deutschland hatte 1899 in runder Summe 59 300 Volksschulen, in denen 8 600000 Kinder unterrichtet wurden. Die gesamten Kosten für das Schulwesen belicfen sich auf 341700000 M., von denen die gesamten deutschen Staaten nur 90 Millionen aufbrachten. Die Ausgaben stir Militär und Marine, der PensionSetat des Reiches inachen aber zusammen 1018 Millionen Mark auS. Demgegenüber bedeuten die 99 Millionen für das Volksschnlwesen ungeheuer wenig. In den Vollsschttlen kommt durchschnittlich auf je 63 Schüler ein Lehrer, in den höheren Schulen auf 17 Schüler ein Lehrer. lHört! hönl bei den Evcialdemokraten.) ES ist bei den bestehenden Einrichtungen gar nicht möglich. den Volksschullinden» das Mast von Bildung, das unbedingt verlangt werden muh, zukommen •,ii lassen. Dabei besteht gerade in den mitcren Volksschichten ein austerordentliches Bildungsbedürfnis. Viele Arbeiter wenden die grösttcn Opser auf. um ihren Kindern ein»nöglichst hohes Mast von Bildung zu gewähren. Die öffentlichen Bibliotheken, die Bildimaö- vereine und die sogenannten öffentlichen Universitäten in den grasten Städten erstcuc n sich eines immer gesteigerten Zuflusses. Die Befähigung stir die höhere Bildung ist ja nicht von der socialen Position des Einzelnen abhängig. Trotzdem fehlt es im Aollsschulwescn des Deutschen R e i ch e S a n a l l e m. to a S n o t w e n d i g i st.(Zustimmung bei den Socialdemolraten.) Zunächst müstte für zahlreichere und bessere Schulhäuser gesorgt werden. Viele Schulhäuser, besonders auf dem Lande, befinden sich in dem traurigstenZustando. In erster Linie gilt daö vom Osten Teutschlands. Wir hätten ja auch dies in nnsrem Antrage berücksichtigen können, dann aber hätten die 100 Millionen nicht gereicht. Austerdem Ivollten wie auch den Einzelstaaten etwas zu thun übrig lassen. In einer ländlichen Volksschule, die sehr baufällig, mit Stroh gedeckt war und einen hölzernen Schornstein hatte, entstand ein Brand; Lehrer und Kinder konnten sich mit Mühe retten, die Lehrersfrau ober verbrannte. In einem Kirch- darf war die zweiklassige Schule sechs Jahre lang wegen Baufällig. kcit geschlossen.(Hört! hört!) Eine andre cinklassige Schule ist vor fünf Jahren abgebrochen worden, ohne dah bis jetzt ein Neubau projekttert wäre. Wenn Kasernen, Pferdeställe oder Artilleriedepots abbrennen, werden in dem nächsten Etat für einen Neubau sofort so und so viel Hunderttausende eingestellt und vom Reichstag bewilligt. Für den Neubau von Schnlhäusern aber sind keine Mittel vorhanden. Und dabei spricht man von einem Kulttirstaat! Wenn der KulüiSininister derartige Tbatsachen kennen lernt, so must er sich in der Seele schämen, dast derartige Zustände in seinem Ressort herrschen! Nach dem„Deutschen Reichs-Anzeiger" wurden die preusti- Ichen Volksschulen 1896 von 5300000 Kindern besucht. Davon waren nicht weniger als 1 400 000 Kinder, d. h. 27 Proz., in überfüllten Schulen. In Prensten gilt eine Schule als überstillt, in der mehr als 70 Kinder auf einen Lehrer kommen. In vielen Fällen entfallen aber ans einen Lehrer 100 bis 200 Kinder! In Holland kommen nach dem Gesetz in maxima 48 Schüler ans einen Lehrer, in Norwegen höchstens 40 Schüler. Bei uns dagegen ist wie gesagt die Ucberfüllnng der Schulen geradezu nngehmerlich. Nach einer offiziellen Znsammenstellnng über die öffentlichen katholischen Volksschulen Schlesiens kamen in 51,6 Proz. derselben mehr als 80 Schiller auf einen Lehrer, in 7 Schulen davon 171—200 Kinder auf einen Lehrer, in einer Schule 209 Kinder auf einen Lehrer.(Hört! hört l bei den Socialdemolraten.) Das ist der Kultnrstaat Prensten! Für 5 Volksschulen, in denen auf 1 Lehrer 162 Schüler kommen, ist der preuhische Fiskus Schul- Patron.(Hörtl hört! bei den Socialdemolraten.) Auch der königliche Hof hat auf einem seiner Güter in Schlesien eine Schule, in der 168 Schüler von einem Lehrer unterrichtet werden.(Hört! hörtl bei den Socialdemolraten.) Weitere Schul- Patrone, in deren Gebiet eine derartige Ueberbürdung der Lehrer zu verzeichnen ist, sind zum Beispiel Graf Henckel von Donnersmarck, Fürst vonPlest, Gräfin Frankenberg, Herzog von Ratibor, Prinz zu Hohenlohe- Jngelfingen. Mtglied des Herrenhauses. Herzog von U j e st. In einem Fall ist der preuhische B e r g f i s k u s Patron einer Schule, in der 366 Schüler auf zwei Lehrer kommen. (Hörtl hört! bei den Socialdemokraten.) Schmach und Schande über derartige Zustände! Dazu kommt, dast für den Sommer fast allgemein die Halbtagsschul e it eingeführt sind, und dast die Sommer- und Herbstferien erheblich verlängert werden, damit die Kinder in der Landlvirtschaft um so mehr ausgebeutet werden können. DieselbeKlasse, die hier die Grundlage des modernen Kulturstaates in der schmählichsten Weise vernachlässigt, ist es zugleich, die dieRiesenvorteilc von dem neuen Zolltarif hat (Schr richtig! links.) Aehnliche Zustände bestehen in Merseburg, in einer Gegend,»oo die Landwirtichast nicht notleidet, sondern die wohlhabendste Bauernschaft lebt. Dort kamen im Jahre 1901 in 216 Schulen aus einen Lehrer 80 bis 153 Schüler. Auch im übrigen Denis cbland sieht es traurig genug aus. 1897 schrieb mir ein süddeutscher Arbeiter aus der Gegend von Hcilbronn bei Gelegenheit der Flottcnvorlage: sie möchten gern ans ein Kriegsschiff verzichten, wenn ihnen nur die nötigen Mittel für ihre Schulen zur Ver- Wendung gestellt würden. In seiner Heimat würden 827 Schüler von 7 Lehrern unterrichtet, also durchschnittlich lamen ans einen Lehrer 113 Schüler. Wie das Bildungsniveau aussehen wird, kann man sich denken. Man rühmt bei uns immer, dast Deutschland so wenig Analphabeten habe. Weim man aber von den Volk sschü lern verlangen ivürde, einen Satz von zehn Worten richtig zu schreiben, so würde die Zahl derer, die das nicht können, kolossal ficigen. So viel steht felsenfest: Wir können ohne weiteres noch 10 000 Lehrer einstellen, ohne daß einer zu viel da wäre.(Sehr richtig bei den Socialdemokraten.) Dazu kommt, dah die Schullehrer von allen Beamte» am meisten vernachlässigt Iverdcn, während sie doch vom Kulturstandpunkt aus die wichtigste Klasse der Beamten sind. Die Zahl der jungen Leute, die sich diesem Berufe widmen, nimmt daher auch von Jahr zu Jahr ab. Es herrscht vielfach geradezu ein Mangel an Volts- schnllehrern. Nach der„Bahr. Lehrcrztg." ist der B e s u ch der Lehrerseminare in den letzten Jahren er- heblich zurückgegangen. Wir fordern in nnsrem Antrage auch Uncntgeltlichkeit der Lehrmittel. Wie der Staat den Mailn, den er aus Grund der allgemeinen Wehrpflicht in die Kasernen ruft, selbstverständlich bekleidet und erhält, so must er auch bei der allgemeinen Schulpflicht den Schülern die Lehr- mittel umsonst stellen. Als ich früher im sächsischen Landtage ein- »,al einen solchen Antrag stellte, sagte ein konservativer Schulmann, er protestiere im Namen der Armen gegen die Aushebung des Schul- geldcS, die sich die Pflicht, ihren Kindern die geistige Nahrung zu geben, von niemand abnehmen lassen wollten.„Rütteln Sie nicht an dieser sittlichen Basis", sagte er,„denn es liegt ein Segen darin". Wenn die Gemeinden den Einkauf der Lehnnittel im grosten über- nehmen, so werden sich z. B. in Leipzig, wo jetzt jedes Schulkind durchschnittlich 7—8 M. ausgeben must. diese Kosten auf 3.84 M. pro Kind verringern. Selbst wenn die Gemeinden die Lehrmittel an die Kinder zum Selbstkostenpreis abgeben wollten, würden die Eltern mehr als 50 Proz. der jetzigen Ausgaben ersparen können. Wir wollen, dast baS Gemeinwesen dein Einzelnen die Zu- führung der Kulturmittcl. die er im Kampf mns Dasein braucht. nach Möglichkeit erleichtert. Wie traurig heute die Schulverhältnisse liegen, beweist z. B. ein in der„Preustischen Lehrer- Zeitung veröffentlichter Brief eines Lehrers, der aus Ober- s ch l e s i e n nach Mecklenburg kam. Darin hcistt es:„Was find das für traurige Säiulen! Die clendcstc polnische Dorfschule in dem vielvcrrufenen Oberschlesien ist gegen die hiesigen Schulen die reine Fundgrube und Pflanzstätte der tiefsten Wissenschaft"(Hört l hört! bei den Socialdemokraten.) Gerade den Herren Agrariern, die der Staatstrippe am nächsten stehen, ist die Volksbildung vielfach geradezu verhaßt. Einer dieser Herren äustcrte:»Es ist genug, wenn die Kinder etwas Lesen und Schreiben, Rechnen und Religion lernen, alles Uebrige ist Unsinn." Ein andrer Edelster der Nation sagte zu einem Lehrer: �Sorgen Sie nur dafür, dast die K i n d e r keine Vogelnester aus- nehmen, weiter verlange ich nicht s."(Lachen bei den Socialdemokraten.) Ein ländlicher Schulpatron äutzerte sich seinem Lehrer gegenüber: Mir ist den Teufel etwas daran gelegen, dast die Kinder etwas lernen. je weniger, desto besser. Die Schulbildung ist die Ursache unsrer ganzen socialen Ucbcl. Selbst ein Mann wie Peter Relchrnsperger meinte 1890, dast Religion. Lesen. Schreiben und Rechnen für die ländlichen Arbeiter genüge. Die.. Hamburg er Nachrichten" schrieben 1892. dast ein Uebermast von Volksbildung den Angehörigen des Arbeiter- standes Unzufriedenheit einflöstc, sie der Socialdemokratie zuführe und Gefahren herausbcschwörc, die dem Fortbestand der Staats- ordnung verhängnisvoll werden könnten." Eine schöne Staats« und heit der Massen das Wort geredet. Wie selbst hohe Staatsbeamte über die Volksbildung denken, hat der Trakehner Prozeß gezeigt. Der L a n d st a l l m e i st e r von O c t t i n g e n äusterte gegenüber dem Lehrer Zepplies, der um neue Lehrmittel bat:„Dafür giebt's kein Geld, dieKinder lernen s o schonzu viel." Zu einem andren Lehrer äusterte er: vor den Schulräumen hätten die Pferdeställe den Vorzug.(Hört! hört! bei den Socialdcm.) Also den Kindern werden die Pferde vorgezogen l D a s i st d i e Ausfassung eines hohen preustischen Staats- b e a m t e n I In der Schweiz gilt es als selbstverständlich, dast die Schnlhäuser an der schönsten, fteiesten Stelle eines Ortes stehen! Bor 150 Jahren schrieb ein prenstischer Adliger, ein Herr von R o ch o w. in einem Werke über das Schulwesen, es jammere ihn des ländlichen Volkes, das in Unwisienheit der nötigsten Kenntnisse dahinleben müsse. Er beklagt die Vernachlässigung der Erziehung der ländlichen Jugend und fordert, dast alle Menschen ohne Unterschied des Standes verständig werden sollten. Besonders verlangt er, dast dieKinder nicht durch Heranziehung zu ländlicher Arbeit von ihren Eltern oder Herren am Schulbesuch gehindert werden dürften. Heute, nach 150 Jahren. erfüllt noch nicht einmal der neue bkinderschutz-Gesetzentwurf diese Forderung des Herrn von Rochow! Die Landwirtschaft selbst hat daö gröstte Interesse an der Bildung der Kinder und an intelligenten Arbeitern. die allein einen technisch und wissenschaftlich fort- §eschrittenci» Betrieb ermöglichen. Ohne solche Arbeiter können alle ölle der Welt ans die Dauer den Untergang der Landwirtschast nicht aufhalten. Bei den nächsten Wahlen werden wir seitens der bürgerlichen Parteien gewist wieder als die Feinde der staatlichen Ordnung nnd Kultur gebrandmarkt werden. In Wahrheit sind wir die eigentlichen Förderer der Kultur. Wollen auch Sie(nach rechts) eiuuial als Kiilturfreniide erscheinen statt als Ausbeuter und Bolksbedriickcr, so stimmen Sie uuserm Antrage zu!(Lebhafter Beifall bei den Socialdemolraten.) Abg. v. Czarlinski(Pole): Aus den polnischen Volksschulen ist die Volkssprache der Kinder verbannt. Was nützen da die prächtigsten Paläste, die beste Besoldung der Lehrer! Eine solche Ausrottung der Muttersprache aus der Schule findet mm» in ganz Europa nicht wieder! Die Volksschulen in den polnischen Landesteilen sind heute nichts mehr als Papagei m ästige Abrichtungsan st alten für Kinder!--.,. Vicepräsident Graf Stolberg-Wernigerode: Dieser Ausdruck ,st unzulässig. Ueberhanpt möchte ich den Redner daraus allfmerksam machen, dast dieser Antrag sich nur ans die materiellen Verhältnisse der Volksschulen bezieht. Damit schließt die Diskussion. Die Abstimmung über den Antrag Bebel ist auf Antrag Singer eine namentliche. Es stimmen mit„Ja" 9 Abgeordnete. mit„Nein" 162, 7 Abgeordnete enthalten sich der Stimme; demnach beträgt die Präscnzziffer 178, das Hans ist also nicht beschlußfähig. Präs. Gras Ballest rem beraumt die nächste Sitzung an aus Dienstag 1 Uhr iFortsetznng der heutigen Beratung). Schluß 3Vz Uhr._ Der Mannheimer Gewerbegerichts- Proporz. die Volksschule sei mitschuldig an dem Entstehen religionsloser Irrlehren und der Socialdemo- kratie. Er sei bereit, auf den Schulzwang,„diese viel gepriesene Errungenschaft eines falschen Liberalismus", Verzicht zu leisten. In den verschiedensten Kreisen wird also direkt der geistigen Beschränkt- In Ergänzung der Mitteilungen, die ich dem„Vorwärts" vor einiger Zeit über das neue, auf der Grundlage der Proportional- Vertretung aufgebaute Mannheimer Ortsstatut, betreffend die Wahlen zum Gelverbegericht, gemacht habe, will ich es im folgenden versuchen, den Verlauf der Feststellung des Wahlresultats und der rechnerischen Verteilung der Mandate zu schildern, wie ihn die Praxis der am 17. d. M. zum erstenmal nach dem neuen System vorgenommenen Wahlen ergeben hat. Wie seiner Zeit bereits erwähnt, müssen diejenigen Wähler- gruppcn(Parteien. Berufsorganisationen usw.), die sich mit eignen Vorschlagslisten an der Wahl beteiligen wollen, diese spätestens i4 Tage vor dem Wahltermin beim Vorsitzenden des Gewerbegerichts einreichen. Diese Listen müssen in einer Aufschrift über dem Aer- zcichnis der Kandidat«» genau diejenige Wählergruppe bezeichnen, von der sie ausgehen, und für Arbeitnehmer und Arbeitgeber ge- sondert aufgestellt sein. An der diesmaligen Wahl beteiligten sich nun seitens der Arbeitnehmer die Vereinigung der freien Gewcrk- schaftcn(das Gewerkschaftskartell, dessen Wahlvorschlag wir im folgenden mit GK bezeichnen wollen) und die vereinigten christlichen und Hirsch- Dunaerschcn Gewcrkoereine und Eisenbahner(CHE). Ts waren 33 Arbettnehmcr zu wählen, jede der einzelnen eingereichten Listen mußte also so viele Namen enthalten. Seitens der Arbeitgeber lagen drei Lfften vor, eingereicht vom Gcwcrbevercin, dem GcwcrkschaftStartcll und dem Wirteverein i auch hier waren, da die Beisitzer des Gewerbegerichts bekanntlich zur Hälfte aus Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu bestehen haben, 33 Kandidaten zu wähle». Diese fünf Listen wurden bestimmungs- gemäß vor dem Wahltermiu viermal in den Tagcsblättcrn bekannt gegeben und auf dem Ratbaus zur Einsicht der Wähler offen gelegt. Die Abstimmung erfolgte mittels gedruckter Zettel, die. von den einzelnen Gruppen ausgegeben, in der Ucbcrschrift die Bezeichnung „Vorschlagsliste des Gewertschaftskartells" usw. enthielten, woran dann das Verzeichnis der Kandidaten sich anschloß. Diese Zettel waren vom Wähler in einen von der Stadtgcmeinde zu stellenden Umschlag zu legen, und zwar hatte dies in der sogenannten Dunkel- kammer zu geschehen, wie sie bei den Wahlmänner- Wahlen zum badischen Landtag seit einigen Jahren schon mit bestem Erfolge zur Anwendung gekommen ist. Dann legte der Wähler das Couvert durch die Hand des Vorsitzenden der Äahlkonunission in die Urne. Die Feststellung des Wahlergebnisses nahm nun folgenden Verlauf: Jeder Stimmzettel wurde für diejenige Vorschlagsliste gezählt, deren Aufschrist er trug, ohne Rücksicht auf ctivaige Streichungen oder Verschiebungen innerhalb der Kandidaten- rcilje. So ergaben sich bei den Arbeitnehmern für CK 3012. für CHE 884 Stimmen, es Ivaren also insgesmnt 3996 gültige Stimmen abgegeben worden(CouvcrtS mir nicht angemeldeten Vorschlägen oder mehreren Zetteln sind ungültig). Durch einfache Division der Zahl 33 in die Gesamt-Stiimncnzahl 3996 ergab sich nun die Grund- zahl, nach der die 33 zu vergebenden Arbeitncbmer-Mandate unter die beiden Gruppcn CK und CHE zu verteilen ivaren; sie be- !rng 118(mit dem kleinen Rest 2). Jeder Gruppe wurden nun so viele Mandate zugesprochen, als die Grundzahl 118 in die Zahl der auf ihre Liste entfallenen Stimmen teilbar ist. GK erhielt vorläufig also(3012: 118=) 25 Mandate(Nestzahl 62), CHE (864:118=) 7 Mandate(Nestzahl 58). Da nun aber noch ein Mandat übrig war, so erhielt GX dasselbe zugesprochen, da es die höhere Nestzahl aufzuweisen hatte(62 gegen 53 von CHE). Wären diese Restzahlen zufällig gleich gewesen, so hätte das vom Vorsitzenden des Gewerbegerichts zu ziehende Los entscheiden müssen. Der Vor« schlag GX hatte also endgültig 26, CHE 7 Mandate. Nachdem so die Zahl der auf die einzelnen Gruppelt entfallenden Sitze in der Klasse der Arbeitnehmer festgestellt war. galt es die Frage zu erledigen, welche Namen innerhalb der einzelnen Listen als gewählt zu betrachten sind. Zu diesem Zweck wurde zunächst ermittelt, lvie viel Stimmen unter Berücksichtigung aller abgegebenen Stimmzettel, also auch der gegnerischen, aus die einzelnen Personen entfallen waren. Als gc- wählt wurden dann erklärt auf der Ssiste GX diejenigen 26. auf der Liste CHE diejenigen 7 Mann, die die höchsten Stunmenznhlcn er- halten hatten. Da insbesondere ans der Liste GX nur sehr wenige Streichungen und Verschiebungen in der Reihenfolge der Namen bor- genomnien worden waren, hing die Wahl oder Richtwahl der einzelnen Personen innerhalb derselben von nur äußerst geringen Differenzen in den Stimmenzahlen ab. Heikler gestaltete sich die Sache bei den vereinigten Gegnern des Gewerkschaftskartells, von denen nuc«in starkes Fünftel(7 von 33) überhaupt als gewählt in Frage kam, an dem nun die sämtlichen drei beteiligten Organisationen (Christliche, Hirsch-Tunckersche, Eisenbahner) gerechterweise hätten Anteil haben sollen. Es lag also die Gefahr vor, daß die eine over die andere der letzteren entweder einen unverhältnismäßig starten Anteil an dem genieinschaftlichen Gewinn bekam oder völlig leer ausging. Die Praxis zeigte, daß in solchen Fällen eine Garantie für die gerechte Verteilung der Mandate unter die einzelnen Gruppen der Koalition innerhalb der gemeinsamen Liste auch dadurch nicht gc- geben ist, daß bei der Reihenfolge der Namen auf der letzteren alle drei Teile möglichst gleichmäßig berücksichtigt werden. Wäre bei der oben geschilderten Feststellung der innerhalb der einzelnen Vorschlagslisten Gewählten der Fall eingetreten, daß als letzter der Durchgekommenen zwei Namen mit gleichen Stimmen- zahlen in Betracht gekommen wären, so hätte die Reihenfolge der- selben auf der Vorschlagsliste den Ausschlag gegeben. Hätte sich der Name eines Gewählten auf beiden Vorschlagslisten befunden, so wäre er auf derjenigen als gewählt betrachtet worden, in der die meiften Stimmen für ihn abgegeben worden waren. Bei Stimmengleichheit beiderseits hätte wieder das Los entscheiden müssen. In ähnlicher Weise vollzog sich die Verteilung der Mandate und die Feststellung der Gewählren in der Klasse der Arbeitgeber, in der dem Gewerbe- und Fabrikantenverein mit 449 S.immen 25, dem Gewerkschaftskartell mit 103 Stimmen 6 und dem Wirteverein mit 3S Stimmen 2 Mandate zufielen. Auch hier erwiesen sich die Be- stimmungen des neuen Wahlstatuts als praktisch und ausreichend, das Verfahren an sich als ziemlich einfach und nicht allzu sehr zeit- raubend. Montagabend 9 Uhr wurde die Wahl geschlossen, Dienstag- vormittag konnten die Tagesblätter bereits die rohen Stimmergebnisse veröffentlichen, die sofort ein annäherndes Bild von der Verteilung der Mandate gaben, und Mittwochabend war die gesamte Zähl- und Rechenarbeit der Wahlkonnnission beendigt und das Ergebnis in allen Details amtlich festgestellt. Abgesehen von der durchaus gerechten Verteilung der Mandate, die auch die sonst total majorisierten Minderheiten zur Geltung kommen läßt(im vorliegenden Falle wären die 884 Stimmen der CkkEi-Liste nach dem früheren Mehrheitssysteul ohne jede Vertretung geblieben), hat das jetzt in Mannheim für Deutschland zum ersten- male praktisch erprobte System der proportionalen Vertretung auch den nicht zu unterschätzenden Vorteil, daß Nachwahlen infolge von ! Tod oder Wegzug einzelner Gewählter vollständig überflüssig werden. ; In einem solchen Falle gilt einfach derjenige als Ersatzmann, der auf ■ der Vorschlagsliste des Ausgeschiedenen der Stimmenzahl nach diesem zunächst folgte. Der Sitz verbleibt also auf alle Fälle der Gruppe, die ihn von Anfang an besetzt hatte. Die Zusammensetzung der Körperschaft erleidet bei Nachwahlen nur hinsichtlich der Personen, nicht aber im Stärkeverhältnis der einzelnen Vorschlags- und Wählergruppen eine Veränderung. Das neue Verfahren hat sich— dahin seien die vorstehenden Ausführungen resümiert— bei seiner erstmaligen praktischen Er- probnng durchaus bewährt und auch die Wähler fanden sich in den neuen Verhältnissen der Wahltechnik alsbald zurecht. Das System der Proportionalwahl kann also, vorläufig für die Gewerbcgerichte wenigstens, ohne Bedenken empfohlen werden. O. G. eaawww■ Mll I!!■ I II............. I Für ven Jnlinlt der Inserate überniiniiit die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Beranttvortung. aZtlUMMUFirf1, krifTlMMBgE 'Cheater. Dienstag, 25. November. Anfang 7'/, Uhr: Opernhaus. Feuersnot.— Javotte. Schansptelhaus. König L aurin Deutsches. Monna Banna. Berliner. Das Käthchcn von Heil- bronn. Central. Madame Sherry. Lessing. Der Heerohme. Neues. Der Gemeine. Residenz. Seine Kanierzofe,(Nelly Rozier). Zvesten. Wiener Blut. Thalia. Chartey's Tante. Vorher: Cassis Pascha. Ansang 8 Uhr: Schiller. O.(Wallner- Theater.) Der Pfarrer von Kirchseid. Schiller, dl.(Friedrich- Wilhelm- städtisches Theater). Der Biber- pelz. Belle Alliance-Theater. Anno 48. SSilhelni. Preciofa. Carl Weiß. Ilse Römer. Lnisen. Wällenstcins Tod. Cafino. Ein Sohn des Volke». Metropol. Berlin bleibt Berlin. Npollo. Nakiris Hochzeit. VnnteS Theater. Arbeiterseiertag. Monsieur Baden. Abergläubisch. Kleines. Rausch. Palast. Goldene Jugend. Speeiali- täten. Trianon. Die Liebesschaukel. Wintergarten. Specialitäten. Passage- Theater. Specialitäten. Paj,age-Pa»optikum.Spccialttüten. Steidl. Specialitäten. Reichshallen. Stctttner Sänger. Urania. Taubensir. 48/49. Frühlingstage an der.Riviera". Im Hörsaal um 8 Uhr: Die Me- talle der Erde." Jnvaltdenstraße 57/63. Täglich geöffnet von 7—11 Uhr._ i Urania. Taubenstrasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Im Hörsaal um 8 Uhr: „Die Metalle der Erde.1* Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. Täglich geöffnet von 7— 11 Uhr, CASTANS Panoptikum Friedrichstrasse 165. 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Ansang: Charleys Tante. 8'/. Uhr. Borher: Cassis Pascha. Ans.?>/. Uhr. Morgen und solgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Gast- spiel des tönigl. Schauspielers Herrn I o I c p h N e s p e r: Nathan der Weise. Luisen-Theater. Rcichenbergerstrahe 34. Wallensteins Tod. Ansang 8 Uhr. Vorverk. 10—2 Kasse, Jnvalwcn-, Künstlcrdank u. Waren- Häuser A. Wertheim. Morgen: Deborah. Donnerstag: Tie Räuber. Freitag: Hamlet. Sounabendnachmittag 3 Uhr, zu ganz kl. Proisen Schiller• Vorstellung: Othello. 8 Uhr: Der Stabs- trompeter._ Trianon-Theater. Gcovgenstrasse, zwischen Friedrich- u. Universitälsstr. Die Liebessehaukel. Lustspiel in 4 Akten v. M.Donnay Anfang 8 Uhr. Sonntagnachmittag: Penise._ Deutsche Konzertliallen Spandauer BrllckeS Theater- und Specialitäten- Vorstellung. BW, Wochentags: Entree srci!-WW 8K5 Q Konrad Dreher l*nnO WS« als Gast. Altmünchener Posse mit Gesang in 3 Akten. Ansang 8 Uhr. Montag und folgende Tage, abends 3 Uhr: Anno 4«._ Apollo-Theater. Von 8—9 Uhr: Specialitäten. Um 9 Uhr: Zum 48. Male: Mit kolossalem Erfolge: Hstitifz Hochzeit Operette in 2 Akten von P. I-lncke. Im zweiten Bilde(um 101/, Uhr): Der sensationelle Spiegeltriek. Im letzten Bilde(19'/. Uhr): R. Bamiiins elektrisches Ballett. Kassencröffnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Palast-Theater Direktion: R. Winkler. Burgstr. 22. 8'/, Uhr: Riesenerfolg. 8'/. Uhr: Goldene Jugend. Gr. Ausstattungs-BurlcSke mit Gesang und Tanz in 2 Akten von W. G ericke. Rentier Ficbig— Dir. R. Winkler. Die Tänze arr. v. d. kgl. Tänzerin a. D. Frl. A. Bernhard, Balletmeisterin. Die neuen Kostüme sind aus dem Atelier Schaup. Das Riesen-Prosramm. Goldene Jugend ist von der gesamten Presse als die hervorragendste Novität der Saisou bezeichnet worden. Ansang 8 Uhr.— Sonntags 7 Uhr. Enttee so Pf._ Casino-Theater. Lothringer-Straße 37. 8 Uhr: Chantbre gnrntc. 8'/, Uhr: Die brill. Specialitäten. 9'/, Uhr: Bis jetzt täglich ausverkaust Bio Boiin des Volkes. Wochentags 8, Sonntags T/, Uhr. 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Dienstagabend 8 Uhr: Vor- Biberpelz. Eine Dicbskomödie von Gerhart Hanptmaun. Mittwochabend 8 Uhr: DepPfni-rcr vonKirchfeld. Donnerstagabend 8 Ubr: Dei-iPfai-rer von Kti-chfeld. Achtung! Achtung! SSoschMiMlea* und verwandte Berufsgenofsen! Heute Dienstag» abends 8>/z Uhr, tn dem Lokal von Itnssenhaxen, Crouicnstr. 147(Moritzplatz): Große öffklitliche Vrchmmlilng alter in Ktichbtnderetev, Gautabnch-, Etuis-, Feder- galauterieuiareu-.Album-, Furnspapier- u. ßartonfabrihen beschästigteu Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: 1.„Krisen und die Anfgaben der Gewerkschaften." Referent: NcichStagS-Abgeordueter A. v. Elm. 2. Verschiedenes. Ngl- Wir erwarten das vollzählige Erscheinen aller BerufsangehSrigen. 25/4 Die VertrauenSperfonen sämtlicher Branchen. des mit so grossem Beifall aufgenommenen JVovembcr- progratnins Steidl-� Theater r Oranien- yziZS an der bürg. Thor Friedrichftr. Täglich 8 Uhr. Sonnt. 7 Uhr. SteidU Sänger. Täglich wechselndes Programm. Dienstag, Donnerstag, Sonntag im Fcstsaal: Canzferänzcben. Etablissement Buggenhagen am Horitzplatz. 3WF" Heute Dienstag:-MW Militär-Konzert Elisabeth G.-Gr.-Reg. No. 3 (Herr Brinkmann). Im Kaiser- Saal: Bückeburger Sttnger. 5% prall Hiot 50 Pf. Back wäre Bor*» Stück für 1« Pf.-MS Albreebts BJlckerelcn: Wraiigelstraste 9, Krautftratze 19, Falckenstcinstr. S8, Lnusiberstr. Marlthalle Pücllerstr., Stand 222/23. Markthalle Andreasstr., Stand 16/18. Für 20 Mark fertige, wer selbst Stoff hat. Anzug nach Maß mit Zuthatc». Weyer, Roscnthalerfir. 6/7. Amt HI 8324. W. Neack1 Theater. Direktion; Robert Dill, Br nn n e n s t r ass o IG. Kommafe oder: Ein alter Geig-er. Ansang 7 Uhr. Entree 30 Pf. Mittwoch: Zwischen zwei Herzen. Oamen-ßapes 3aMs• Saecss billiger als in jeder Fabrik 5722L' Beste zu Kostümen, Damen- Mänteln, zu Mädchen- u. Knaben- Sachen. Oranienstr. 202, pari. Reichshallen. TUrIIcH j Stettiner Singer. Ansang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11-1-/, Uhr. 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K™ Emil Leleire," s!1" Socialdeniokrat. Wainverein |!.il.4.BErl.lleiEl!stags-Wa!ilkreis. (8ii«losten.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Wiibeim Siebert Wrangelstratzc Nr. 109, am 21. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 25. November, nachm. 2'/, Uhr, vom Kranlenhause am Urban aus nach dem Emmaus- Kirch hos m Britz statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 234/4 Her Vorstnnd. Central- Verlianil der Steinsetzer lPilasterer|u.ßenifsgen. Deutsch]. (Filiale Berlin I.) Todes- Anzeige. Am Freitag, den 21. d. MtS., ist das Mitglied, der Steinsetzer ». Lutsche gestorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des PmS-Kirchhojs in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Betelligung ersucht 174/3 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe unvergetzliche Frau Thra Kalinus, g°°-«»". nach schweren Leiden verstorben ist. W. Kalmus nebst Kindern, 650B] Grüne waldstr. 47. Die Beerdigung findet am Diens- tag, nachmittags'/34 Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Kirchhofs, Maxstraße, aus statt. Danksagung. Allen Freunden, Kollegen,'dem Hutmacher-Gesangverein»Einigkeit- sowie dem Soeialdemokratischen Wahl- verein des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises sage ich hiermit für ihre Betelligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Hutmachers August Krause meinen herzlichsten Dank. f638b Die trauernde Witwe Marie Krause. Für die zahlreiche Beteiligung und reichlichen Kranzspenden bei der Be- erdigung unsreS liebe» unvergeßlichen Sohnes Hermann l-elssner sagen wir allen unsren herzlichsten Dank. I'amllle lielssncr. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und die reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner lieben Frau l�ranszlska Pohl geb. Blödow sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Personal der Firma Bruno Harms sowie den Mitgliederu des Angler- vereinS Borfelde nebst Frauen meinen herzlichsten Dank. 656b Itobert Pohl nebst Tochter. Allen Verwandten und Bekannten, Kollegen und Kolleginnen sowie dem Lotterieverein„Riete- sagen für die zahlreiche Beteiligung und herrliche Kranzspende bei der Beerdigung meiner lieben Frau und gute» Mutter unsern innigsten Dank. 5, CLL A. hioiiimor und Tochter. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie sür die reichen Kranzspenden beim Begräbnis meiner lieben guten Frau Auguste Gnegler sage ich biermit allen, insbesondere den Gesangvereinen„Kreuzberger Harmonie- und„Morgenrot- und dem Sparverein„Blühe- meinen iiesgesühltesten Dank. 57652 Heinrich fincglcr. Verein der Töpfer Berlins nnd Umgegend. Bei der Firma Otto Richter, Bau NnmmelSlmrg, Sonntag u. Bahnhofftraßen-Gcke, Häven die Kollegen wegen Lohudifferenzeu die Arbeit eingesteltt. Wir ersuchet: dieses zu beachten. 655b Der Torstnnd. Musikwerke, mit auswechselbaren Notenscheiben. Schönste Familienunterhaltung. Gc- ringe Teilzahlung. Neue Känigstr. 47, II Treppen, Meranderplatz.(56692-- gjerfaUene Pfänder zum Weih- *2»achtsfest. Golds., Brillante» j. Art, gold. u. silberne Uhren, Ketten, Ringe, sauber u. schön, w. spottb. verk. Psandl. Prinzeiistr. 28 1, Ecke Ritterstr. 4. Wahlkreis Südost Dienstag, den£5. November, abends 8 Uhr» im Lokale Sanssouci: yolkz-verismmlung. 3* TageS-Ordnung: 213/5* 1. Die Wandlungen in der Auffassung des Socialismus. Referent: Neichstags-Abgeordneter Genosse Eduard Bernstein. 2. Diskussion. Zu zahlreichem Besuch, insbesondere der Krauen, laden ein_ Die Vertrauensleute. Moabit! 6. Wahlkreis! Moabit! Tonnerstag, 27. November 190£, abends 8'/« Uhr, im Moabiter Gesellschaftshaus, Alt-Moabit 80 81(Peters): NotKs-Uersammtnng. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Rcichstags-Abgeordneten G. Ledebour über: Die politische Lage. 2. Diskussion. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ei» Vvr Vertrauen«in anii. 220/7* mm Mfmm X W Vorwärts-Buehhanillung Linden-Strasse 69. Unsere seit Jahren mit der Expedition verbundene Sortiments-Buchhandlung des„Vorwärts" haben wir in unseren neuen Geschäftslokalitäten I ItirfAtlcir StO wesentlich erweitert L'illvldlöll• Us und vervollständigt Centraiverband der Maurer � Zweigverein Berlin. Mittwoch, den S«. November, abends 8 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. SS: General-Versammlung aller zum Vertragsgebiete Berlin und Umgegend gehörigen Berbands-Zahlstellen. TageS-Ordnung: 1. Beratung und Beschlutzsassung über die Verlängerung bei Vertrages für daS nächste Jahr. 2. Bekannt- gade des NesultateS der letzten Baukontrollc. I. Bericht über die Sperre am Kanalisationsbau in der Kaiser Zrilhclmstratze. 144/1 KB. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert ein pünktliches und vollzähliges Erscheinen aller Mitglieder. Utf Lcrbandsbuch legitimiert, ohne dasjewe kein Eintritt.-MU __ Plc Verbnnilwlf Itung. I. A.: Karl Panser. In erster Linie pflegen wir nach wie vor unsere 7arteiUterafnr haben aber daneben ein reiches Lager sozialpolitischer und nationalökonomischer Schriften eingerichtet, ebenso eine grosse Auswahl der besten Werke aus dem Gebiete der Unterhalfnngsliteratnr, Romane, Klassiker in besseren und billigsten Ausgaben. Bücher, die infolge ihres hohen Ladenpreises für Arbeiter zu teuer waren, können wir in älteren und neueren Auflagen in bester Ausstattung aus allen Wissensgebieten zu herabgesetzten Preisen empfehlen, besonders ftatnrwissensehajtliehe, Reise-, Qeschiehts-Werhe, Romane und Erzählungen u. s. w. Kicht vorrätige Bücher werden schnellstens besorgt. Hchtunq! Hchtun newaltigung der GewerlschastSkommission, die diese an nnS und andren Instanzen vorgenommen hat. iso/io Der Borstaub. Chaiiottenburs:. Donnerstag, den 27. November er., abends 8'/2 Uhr, im Volkshause, Rofinenftrahe 6, Uolks-Nersammlimg. Z5 Socialismus" u. Landwirtschaft. V Nesercut: Hessischer Landtags-Abgeordnctcr vr. Ldnarck I»»via aus Mainz. Freie Diskussion. 263/20 BW- Die Genossen werden auf diese Tersammlnnc besonders anf- nicrksain eemaeht. Der Elnbernfer. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Donnerstag, den 27. November, abends 8'/- Uhr: General'Nerfantmluna bei Keller» Koppenstrahe 26. Tages-Ordnung: Kafienbericht vom N. c.nartal. Bericht des BorstaubeS. des Zlrbeitsvermittlers und der Kontrollkoinmission. Stichwahl für Lrtsvcrwaltung iBcisivcr.) Weitere Stellungnahme für den Jnnungs- Nachweis. Antrag aus Ausschluß der Mitglieder/z Uhr im Lokale von Graumann, Naunhnslr. 27. An die letztere Versammlung schließt sich ein Vortrag:„lieber WohmmgS- Hygiene". Der Wahlakt wird pünkt- luh zur angegebenen Zeit eröffnet. Nur zur Kasse nicldende Arbeitgeber und Kassenmitglieder, deren in Ord- nung befindliches evcnt. vom Arbeit- zebcr ausgefülltes Mitgliedsbuch an, Eingang zum Wahllokal vorgezeigt werden muß, haben das Recht, sich an den Wahlen zu beteiligen. Ge- schriebcne, gedruckte oder aus andrem mechanische» Wege hergestellte Kau- dldatenltstcn dürfen bei den Wahlen benützt werden. Die zur Wahl vor- geschlagenen Kassenmitglieder müssen mit Namen, Buchnummer, Wohnung und eventuell Arbeitgeber bezeichnet werden. 27J/18 Berlin, 22. November 1902. Der Borstand. Poppe, Vors. Braun, Schriftführer. Konsum-Verein Charlottenburg. (E. G. m. b. H.) Montag, den 1. Dezember, abends 8 Uhr: General-Versammlung im V o l ls h a u s e, Rosinenstr. 3. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des früheren Geschäfts- sührerS, Herrn Richter, über die Geschichte des Vereins. 2. Bericht des Vorstandes und AussichtSrats. 3. Bc- schlußsassung über die Verteilung dcS Reingewinnes. 4. Antrag des Aus- sichtsratS, betreffend das Frauen- Gcnosscnschastsblatt. 5. Nemvahl deS turnusmäßig ausscheidende» Vor- stands- Mitgliedes sGeschästssührcr). 6. Wahl dreier turnusmäßig aus- scheidender Aussichtsrats-Mitglieder. Mitgliedsbuch oder Karte legitimiert. Der AiifaicbUrat des Konsum-Vereins. Max Knösel, Vorsitzender. Achtung! Dienstag, d. 25. d. M., abd. 8>/z Uhr, kürstenkot, Köpnickcrstr. 137/38, Resc- rent ii. Küiier, prkt. Naturhcilkundig., Kurbad Gr. Franksurterstr. 87, spricht über Entstehung, Verhütung u. Heilung sog, geheimer Leiden; im weiteren die Quccksilbcrlurcn u. ihre Folgen— ist Quecksilber überhaupt ein Heilmittel? Nur Herren haben Zutritt, gänzl. frei. Berlin, Keanderstr. 26. 1 Dampf- Essenzen- Fabrik» gegr. 1858, empfiehlt seine vielfach Prä- miicrien Essenzen für Liqucurc I und als besondere Spccialität seinen Jamaica-Rii-EMl anerkannt pls bester und billig- jtev Extrakt zur Herstellung eines wirllichgutcn s5594L'' Kum. �.cktunx! Zlwoi Volksversammlungen Mittwoch, den 26. November, abends 8Vz Uhr: im Belforter Salon, Kklforterstr. 15 und bei Graumann, ilauniMstr. 27. TageS-Ordnung: Die Anflösnng des Babatt• Sparvcrcins KUnig- Stadt and die Konsnmgenossenschaften. Praktischer Idealismus im modernen Genossenschaftswesen. Rescrenien: Frau H. Tteinbach-Hamburg u. Reichstags-Mgeordnetcr v. Elm. Diskussion, 128/11 Um zahlreichen Besuch bitten__ Die Eiuberufcr. Achtung! Achtung! Msmsiimmlmiz Mittwoch, den 26. November, abends S1!* Itljr, bei Graumann, Nannynstr. 27. TageS-Ordnung: 1. Vortrag der Frau Stelnbach(Hamburg) über:.Praktischen Idealismus im modernen Geiiossciljchastswcscn". 2. Diskussion, Um zahlreichen Besuch bittet 292/14_ Der Einberufer. .» Vcrwaltanssstclle Berlin. 167/8 Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1— S. Fernsvrechcr: Amt VN. 353. Mittwoch, den 26. November 1662, abends 8'/.z Uhr, im Gewerkschastshanse, Engel-Ufer k.?, Saal 4: Versammlimg der Gürtler, Drücker und verwandter Berufsgenossen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Stabsarzt Dr. Salswedel. 2. Diskusston. Zahlreichen Besuch erwartet Die OrtSvcrwaltung. Kollegen I Nachdem wir für einen wirklich lehrreichen und interessanten Bortrag Sorge getragen, dürfen wir wohl die Erwartung aussprechen, eine volle Versammlung zu haben._ D. O. Mittwoch, den 26. November, abends 8'/z Uhr: Nttsiimmluliz der ckitlirgisllien Kraucht bei Nümann, Brnnnenstr. 188. Tages-Ordnung: 1. Vortrag dcL Herrn Dr. Vtelnor über: Drahtlose Tclegraphic. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelcgenhcitcn. Mittwoch, den 26. November, abends 8Vz Uhr: Itoiifsselia il«s Vöchsiiiiiilellfe des Südens im Gewcrkschaftshausc, Engel-Ufer 13, Saal 1. Zahlreichen Besuch erwartet ____ Die Ortsverwaltnng. Kranben-UnterMüngs-Vtleill der ElldokorbtiterKerlms (Eiugcschr. HilfSkassc Nr. 88). Mittwoch. 3. Dezember, abends 8'/-. Uhr. bei Feind, Weinst». 11: Gcmral-TcrraintiiUmgs Tages-Ordnung: 1. Rechnungslegung pro III. Quartal er. 2. Antrag dcS Vorstandes aus Umgestaltung und Ausbauung des Kranlen-Unterstützungs-Bereins. Ktlmtllche MltBlleder werden aus die große Bedeutung dieser General-Versammlanir aufmerksam gemacht. 187/7 _ Der VorMtaixl. F. A.: Carl Butry, Vorsitzender. vr. 8ckünemsnn, Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden, Scydelsti*. O. '/-«-'/F. �o>'iit.S-ll. Dr.Simmel, Ä Spccialarzt für[45/17* Bant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. �6ik% CIOPP GtlbltV� ßcrtrandtraslr. 26-27, Neues Geschäfts-Haus für Herren- und Knaben-Konfektion. Fertig nml wach Mass. Verkauf nur gegen Bar an sehr niedrigen Preisen. aus dauerhaften Stoffen nach neuester Mode gefertigt iBSBiiepns�aieioss ig_ 22, so 25,- 29,- 35,- 40,- 45,- so,- se.- 92.- 70,- 73.- 90,-. Joppen aus kräftigem Loden mit warmem Futter 6,75 9,75 12,75 M,- 16,50 18,- 20,- Amsterdam Rotterdam Haag Utrecht Zweig-Geschäfte in Düsseldorf 1 Haarlem| Nymwegen Groningen| Arnheim\ Leawarden B708]> Leiden Breda Kaffee billig. 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Gesperrt smd folgende Werkstätten sür Tischler. Einsetzer, Maschinen- arbeiter und Polierer: Gmmeluth, Dieffenbachstr. 33. Lux u. Engelbrecht, Görlitzer Ufer. Zache, Fruchtftr. 8. Warner, ti.rautstr.b2(Geiverbehos). Schubert,!lnstanien/z Uhr in der Schlaftrunkenheit den Hängeboden verlassen wollte, ohne Licht anzuzünden, merkte es ihr Fehlen nicht, stürzte hinab und zog sich so erhebliche innere und äußere Verletzungen zu. daß der Dienstherr es mit einer Droschke in ein Krankenhaus bringen mußte. Ein russischer Schwindler brandschatzt seit einiger Zeit seine hier lebenden Landsleute. Es ist ein junger Mann, der sich hochtönend Barclay de Tolly nennt und fälschlich behauptet, daß er hier auf der Land- wirtschaftlichen Hochschule studiere. Er meldet sich bei wohlhabenden Laudsleuten, besonders auch Studenten, erzählt ihnen, daß sein Vater in den Ostseeprovinzen sehr begütert sei und bittet, ihm mit einigen hundert Mark aus einer Verlegenheit zu helfen, in die das Ausbleiben des Wechsels ihn gebracht habe. Sobald der Wechsel tomme, werde er ungesäumt seine Schuld abtragen. Das vergißt er aber ganz und gar und so sind schon mehrere Russen, die auf den Namen Barclch de Tolly vertrauten, um erhebliche Beträge ge- kommen. Der Schwindler ist nach seiner Sprache und Erscheiming ohne Zweifel Russe. Er ist etwa 25 bis 28 Jahre alt, blaß und schlank, hat ein längliches Gesicht, schwarzes Haar und einen schwarzen Schnurrbart, dessen Spitzen herunterhängen, und trägt dunkle Kleidung und einen schwarzen, steifen, runden Hut. Eiudrüche in Lauben sind zur Zeit nichts seltenes. In der in Rixdorf an der Weserstraße belegenen Laubenkolonie Storchnest wurde in der Nacht zum Sonnabend die Thür eines Kaninchenstalles ge- öffnet und der auf 70 Mark bewertete Inhalt gestohlen. Dieser Diebstahl wird die Kolonisten hoffentlich zur Vorsicht und Wachsam- lest mahnen. Im Dienste tödlich verunglückt ist der 36 Jahre alte Hilfsbremser Stanislaus Adamski aus der Ouitzowstraße 139, der seit zehn Jahren auf der Lehrter Bahn beschäftigt war. Die Hilfsbremser müssen auf den kleinen Stationen an der Strecke, die sie befahreu, auch beim Rangieren helfen. Hierbei fand Adamski in Groß-Behnitz seinen Tod. Beim Znsammenstellen eines Güterzuges wollte er ein Geleise überschreiten und sah nicht, daß auf diesem ein andrer Giiterzug herangefahren kam. Er wurde umgestoßen, und ein Wagen dieses Zuges ging ihm über beide Beine. Schwer verletzt sollte er in ein Krankenhaus gebracht werden, er starb jedoch schon auf dem Wege dorthin. Die Leiche wurde gestern nach Berlin gebracht. Der Verunglückte hinterläßt seine Frau mit einem zwölfjährigen Sohne und einer Tochter von neun Jahren. Straßensperrungen. Die Koloniestraße von Nr. 1—146 wird behufs Ausfiihrung von Kanalisationsarbeiten vom 24—30. d. Mts. für Fuhrwerke und Reiter gesperrt; ebenso der Uebergang der Schwedenstratze zwischen der Schwedenstraße 19 und der Kolonie- straße wird behufs Ausführung von Kanalisationsarbeiten vom 30. d. Mts. ab bis zun» 2. Dezember und der Uebergang der Exerzierstraße zwischen Nr. 1 und Skr. 27 wird behufs Ausführung von Kanalisationsarbeiten vom 4. bis zum 6. Dezember für Fuhr- Werke und Reiter gesperrt. Fenerbericht. Ein Brandstifter schien Sonnabendabend in der Umgebung des Spittelmarktes sein Unwesen zu treiben. Nicht weniger als fünfmal wurde die Wehr in schneller Aufeinanderfolge in diesen Bezirk gerufen. Ueberall hatte der Thäter die Brände in Kellerräumen angelegt. Gegen 9 Uhr brannte in der Kurstt. 35 ein Vorratskeller. Als die Wehr erschien, stand schon ein größerer Teil des Kellers in Flammen, weshalb längere Zeit mit drei Schlauch- leiwngen Wasser gegeben werden mußte, bevor die Gefahr beseittgt war. Kurz nach 9 Uhr lief schon wieder eine Feuermeldung von dem Melder auf dem Spittelmartt ein. Diesmal brannten in der Neuen Grünstt. 24 Weidenkörbe in einem Keller. Noch war dieser Brand nicht ganz beseittgt, als ein dritter Kellerbrand von der Wallsttaße 24 gemeldet wurde. Hier wurden Kisten in der Hauptsache eingeäschert. Gegen 10 Uhr führte ein neuer Mann die Wehr nach der Wall- straße 59. Bei Ankunft der Wehr war die Lage sehr kritisch, denn es brannten neben Kisten, Verpackungsmaterial und Stroh auch schon dort lagernde Ballons mit Salmiakgeist. Nur dem energischen Ein- greifen der Wehr ist es zu danken, daß eine Katastrophe nicht entstand. Ein größerer Kellerbrand beschäftigte die Wehr Sonntag- abend 9 Uhr in der Neuen Jakobstr. 15 längere Zeit. In der Hauptsache brannten dort Möbel in einem Lagerraum, sowie Ver- Packungsmaterial und hatte die Wehr mit zwei Dampsspritzenrohren tüchtig Wasser zu geben, bevor die Flammen erstickt werden konnten. Ein 6.'Kellerbrand mußte am Sonntag 8 Uhr in der Neuen Roßstr. 19/20 abgelöscht werden. Mattazen wurden hier beschädigt. In der Pots- damersttatze 6 hatte die Wehr einen Brand zu beseittgen, der den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Esn ähnlicher Brand wurde von Karlsbad 7 gemeldet. Polstermaterial hatte in der Brandenburgstt. 66 in einer Polsterwerkstatt Feuer gesangen, während in der Hussitensw. 41 Betten und Möbel in Flammen aufgingen. Sonnabendabend wurde die Wehr nach der Maikäfer- Kaserne gerufen, es handelte sich indes nur uin einen Gardinen- brand. Küchenbrände kamen von der Waldemarstr. 23 und Tilsiter- straße 26 zur Meldung. Außerdem hatte die Wehr noch im Laufe des Sonntags in der Veteranenstr. 8 einen Wohnungsbrand ab- zulöschen. Möbel und Kleidungsstücke wurden beschädigt. Im Anschlich an unsren Arttkel in der Somttagsmnmner „Wcihnachtsbücher ftir Kinder" werden wir gebeten, mitzuteilen, daß der bereits angekündigte Vortrag des städtischen Lehrers Herrn Troll am Montag, den 1. Dezember,»m großen Saale des Gewerkschaft»- Hauses diesen Gegenstand ausführlicher behandeln wird. Herr Troll ist selbst Mitglied des Deutschen Jugends chriften-Auss chusses, auf dessen Verzeichnis empfehlenswerter Jugendschriften in unsrem Arttkel hingewiesen wurde. Die in dieses Verzeichnis aufgenommenen Bücher sind es nun, die in der Woche vom Montag, den i. Dezember, bis Sonnabend, den 6. Dezember, in der Zeit von 10—10 Uhr im Gewerkschaftshaus sSaal 3) ausgestellt sein werden. Da der Eintritt unentgeltlich ist und ein Verkauf dort nicht stattfindet, so ist damit Eltern und Erziehern die beste Gelegenheit geboten, sich ungeniert über geeignete Geschenke an Büchern für die Jugend jeden Alters zu Weihnachten zu unterrichten. Aus de« Nachbarorte». Aus Zehlendorf schreibt man uns: In dem unsrem Dorfe ein- verleibten Ortsteil Schönow herrschen bedenkliche Schulzustände. Die dem Pfarrer in Teltow und nicht der Schulkommission unsres Ortes unterstellte Gemeindeschule ist einklassig. Die älteren der 44 Kinder gehen von 8—1 Uhr und bis jüngeren von 9—1 Uhr in die Schule, so daß alle Kinder zusammensitzen. Daß dieser Zujtand unhaltbar ist, hat die hiesige Gemeindevertretung schon mehrfach betont; fie plante sogar, die Kinder von Schönow in einem Schill- omnibus nach der siebenklassigen Ortsschule bringen zu lassen. Leider ist es bei dein Wunsche geblieben. Auch der Lehrer der Schule in Schönow ist leider keine hervorragende pädagogische Kraft; vielmehr beklagen die Ellern der in Bettacht kommenden Kinder sich bitter über die Behandlung, die dieser Herr sowohl den Knaben wie den Mädchen zu teil werden läßt. Namentlich in unziemlichen Schelt- Worten leistet der Pädagoge sehr viel. Wird diesen Zuständen gegenüber die Gemeindeverttettmg auf Abhilfe sinnen? Sie hat doch für höhere Schulen so viel übrig. Rummelsburg. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung machte der Vorsitzende zunächst die Mitteilung, daß die Genehmigung des Gewerbegerichts-Statuts eingegangen ist; es wurde beschlossen, das Statut statt am 1. Januar erst am 1. Februar in Kraft treten zu lassen, da die Zeit zur Vornahme der Wahlen sonst zu kurz ist.— Ein Vertrag mit dem Eisenbahnfiskus wegen Uebernahme der Sttaße 13 in Boxhagen durch die Gemeinde, wodurch diese die Unterhalttmgspflicht übernimmt, wurde gebilligt. Weiter gab der Vorsteher bekannt, daß der Beschluß der Gemeinde- Vertretung wegen Absendung einer Petttton gegen die Fleisch- teuerung von der Aufsichtsbehörde beanstandet worden ist, da dieser Beschluß die Befugnisse einer Gemeindevertretung überschreite. Interessant war in der umfangreichen Begründung die Bemerkung, daß die Teuerung ja nicht blos Rummelsburg betroffen, sondern allgemein im Reich vorhanden sei. Es wird versprochen, die gegebene Anregung gegebenenfalls zu berücksichttgen. Unsre Genossen verttaten die Ansicht, daß die Gemeinde fich bei diesem Bescheid nicht zu berrihigen habe, sondern einmal principiell durch einen Gerichtsbeschluß das Petitions- recht der Gemeinden klarstellen müsse; sie beanttagten daher gegen den Beschluß der Aufsichtsbehörde Klage im Verwalttmgsstreit- verfahren zu erheben. Gegen diesen Antrag stiminten jedoch sämt- liche bürgerlichen Vertreter.— Eine an den Handelsminister ge- richtete Beschwerde wegen Verlegung des hiesigen Schweine- und Gänsemarktes wurde von diesem ebenfalls ab- gewiesen.— Da die Kosten der im Rathause an- gelegten Gasheizung jährlich die enorme Summe von 4000 M. jährlich ausmachen, wurde beschlossen, eine Dampf- heizungs-Anlage einzurichten, wodurch die Heizungskosten auf 1000 M, herabgesetzt werden sollen.— Auf Anregung unsrer Vertreter er- klärte sich dann noch der Gemeindevorstand damit einverstanden, daß der Bezug der Arzneimittel für Arme zu denselben Verein- barungen, wie fie in Berlin bestehen, aus der hiefigen Apotheke erfolgen soll. Charlottenburg. Die Nichbewilligung von 33 000 M. im Armenetat beanttagt der Magistrat bei der Stadtberordueten-Versammlnng. Die Positton„Unterbringung für Geistesfranke" soll um 18 500 M. verstärkt werden, da die Zahl der für Rechnung der Armen- Verwaltung unterzubringenden Geistesttanken eine fortgesetzte Steige- rung aufweist und die dafür ausgeworfenen Mittel bereits überschritten sind. Für die Unterbringung von Personen in nicht städti- schen Krankenanstalten, Heilanstalken, Kurorten, Genesungsstätten und Trinkerheilstätten werden 14 000 M. mehr gefordert. Die Zahl solcher Kranken hat gegen das Vorjahr außerordentlich zugenonunen. Im ganzen Jahre 1901 sind in nicht städtischen Krankenhäusern 78 Per- sonen untergebracht gewesen, während in diesem Jahre bis zum 7. November bereits 92 Personen in 24 verschiedenen Krankenanstalten unter- gebracht werden mußten. Zun» Teil ist das geschehe» wegen Ueberfüllung des städttschen Krankenhauses, zum Teil auf Grund des mu einzelnen Berliner Krankenhäusern seit langer Zeit bestehenden Abkommens, zum Tech weil eine Aufnahme in Specialanstalten nach ärztlichem Gut- achten erforderlich war. Daneben ist eine wesentliche Erhöhung der Zahl der in Lungenheilstätten untergebrachten Kranken eingetteten. Schließlich ist noch die Unterbringung von Trunksüchttgcn in Trinker- Heilstätten hervorzuheben; es spielt hier nicht nur die wachsende Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Bekämpfung dieser Krank- heit eine Rolle, sondern auch die rein prakttsche Erwägung, daß die Armenverwaltung durch rechtzeittge Inangriffnahme der Heilung spätere größere Kosten ftir den Unterhalt der ganzen Familie er- sparen kann. Endlich werden noch 500 M. für die Jnstandhalttmg der dauernd mit obdachlosen Familien belegten Wohnbaracken am Fürsteirbrunner Weg gefordert. In Britz hat der Gruirdbefitzer- Verein um Vermehrung der Mandate zur Gemeindevertretung petttioniert. Diese bei unser»» Hausagrariern etwas ungewöhnliche Erscheumng hat folgende Ursachen: Jetzt sind die Grundbesitzer in der dritten Abteilung nicht vertreten; sie hoffen aber nach Annahn, e ihres Vorschlages, daß nach Vermehrung der Mandate die Socialdemottatte nicht mehr in der Lage sein wird, die nötige Anzahl von Hausbesitzern zu stellen. Die Herren möchten ferner wenigstens für die dritte Abteilung die Bezirkseinteilung haben und glauben, daß ihnen dann ein Bezirk, in welchem die Landarbeiterschast in der Mehrheit ist. zufalle. Sie selber geben für ihren Wunsch an. daß es bei der Vermehrung der Koinmissionen den Gemeindeverttetern nicht gut möglich sei, ihre Pflicht gebührend zu erfüllen. Das Bestteben der Hausagrarier wird unsre Parteigenossen zur Wachsamkeit anspornen, Sericbts-�eitung. In dem seit 6 Tagen verhandelten Prozeß gegen den Bankier und früheren Lotterie-Einnehme» M i tz l a f f wurden gestern die letzten Specialfälle verhandelt. Unter den Zeugen befanden sich zahl- reiche kleine Leute, die ihre Spargroschen in vollem Vertrauen auf die Reellität des Angeklagten diesem zu Spekulationszwecken über- geben hatten und ihr Geld schließlich verloren haben. Der Ange- klagte war, wenn die Auftraggeber auf die Lieferung der von ihnen aufgegebenen Papiere drängten, in der Erfindung von Gründen zur Hinhaltung der Auftraggeber unermüdlich. Wenn sie endlich per- sönlich in das Geschäftslokal stürmten, um zu einem Ergebnis zu kommen, hörten sie zu ihrem Entsetzen, daß Konkurs ausgebrochen war. Nach der Totalität der Bciveisaufnahme hatte sich aber die Mehrzahl der Kunden des Angeklagten auf das Differenzspiel ge- warfen und den letzteren als Mittelsperson benutzt. Es waren sehr trübe und abschreckende Bilder aus dem geschäftlichen Leben, die sich da vor den Geschworenen enttollten. Den Gedanken, daß der?ln- geklagte Mihlaff oder seine Familie übermäßigen Aufwand gettieben, ließ Staatsanwalt Reiß fallen, hielt aber für durchaus erwiesen, daß der Angeklagte durch Differenzspiel übermäßig große Summen verloren habe. Auf Antrag des Justizrats Prerauer und Rechts- anwalts Hugo C a r o wurden noch die Aerzte SanitätSrat Dr. K r o n e r, Dr. Lehmann und Professor Dr. Litten ver- nommen, die den Angeklagten mehrmals in Krankheitsfällen be- handelt habe»». Aus ihren Bekundungen geht hervor, daß der An- geklagte in den Jahren 1900 und 1901 an Anfällen schwerer Neu- rasthenie gelitten hat, die ihn zwar nicht dauernd arbeitsunfähig machten, aber seine geschäftliche DiSpositionsfähigkcit doch vorüber- gehend stark beeinttächtigtcn. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, daß die Neurasthenie durch die geschäftlichen Aufregungen des An- geklagten und den drohenden Zusammenbruch veranlaßt worden sind. Hierauf wurde der frühere Bankier, jetzige Rentier Oskar Rothschild als Sachverständiger über eine Reihe börsentechnischer und sonsttger das Bankgeschäft berührender Fragen vernommen.— Auf Ersuchen des Staatsanwalts Reiß gab Bücherrevisor Reuter noch Auskunft über die Ergebnisse der Bilanzen. Nach der Bilanz pro 1896 waren schon 13 000 M. mehr Schulden als Vermögen vor- handen; für die Jahre 1897 und 1893 fehlen die Bilanzen, die Bilanz pro 1899 weist einen Ueberschuß des Vermögens von 83 355 M. auf, dieser entspricht aber nicht den thatsächlichen Verhältnissen, da ein großer Teil der Außenstände uneinziehbar ist.— Der Vorsitzende erklärte die Beweisaufnahme im großen und ganzen für geschlossen und beraumte die Fortsetzung der Verhandlung auf Mittwoch 9V, Uhr an. Ter Dienstag bleibt zur Formulierung der etwa 150 Schuldfragen frei. Tie ollen ehrlichen Milchbanern. Wegen wissentlichen Vergehen» gegen das Nahrungsmittel-Gesetz stand der Landwirt Karl G r a b s- d o r f aus Verlorenort und dessen Ehefrau, wegen fahrlässiger Ueber- ttcttmg dieses Gesetzes die Milchhändle» Barth und Karl Schmidt vor dem Sckiöffengericht. Bei einer Anfang Juni im Laden des Milchhändlers Barrh vorgenommenen polizeilichen Revision erwiesen fich zwei Fässer Vollmilch, die ihm soeben erst der Milchhändler Schmidt vom Bahnhofe zugefahren hatte, als stark gewässert. Schmidt selbst hatte diese Milch von den Eheleuten Grabsdorf bezogen. Er ließ die nächste Sendung bei der Ankunft auf dem Bahnhofe unter- suchen, begab sich überdies heimlich nach dem Wohnort des Lieferanten und entnahm den Fässern im Augenblick der Ablieferung mehrere Milchprobcu. Sämtliche Proben enthielten cincn st a r k c n W a s s er- zusatz. Die Eheleute Grabsdorf versuchten bor Gericht diese« Wafferzusatz darauf zurückzuführen, daß die Milchkannen eine Zeit« lang im Freien gestanden hätten und es wahrscheinlich in die» selbenhineingeregnethabe. Da aber bei der chemischen Untersuchung der Wasserzusatz zur Milch das charakteristische Element der Dorfbrunnen in der Mark, nämlich Salpetersäure, auf- wies, so bemerkte der Vorsitzende: der„Regen", von dem die Ange- klagten gesprochen, sei jedenfalls durch ein Brunnenrohr geflossen. Für die angeklagten Milchhändler ttat Rechtsanwalt Dr. David- söhn ein, indem er ausführte, daß diesen unter den obwaltenden Umständen eine Fahrlässigkeit nicht zur Last falle. Dieser Ueber- zeugung war auch das Gericht, welches die beiden Milchhändler frei- sprach. Die Landwirt Grabsdorfschen Eheleute wurden dagegen zu je 100 M. Geldsttafe verurteilt. Eingelaufene Druckschristen. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dich' Verlag) ist soeben das 8. Hcst deS 2l. Jahrganges erschienen. Slus dem Jnhall des HesteS heben wir hervor: Parlamentarischer Selbstmord.— Die Lage der Braunkohlen- arbeiter. Von Otto Öue.— Klassenkämpfe in der Gemeindeverwaltung. Von Mar Quarck.— Die Nationalratswahlen in der Schweiz. Von Dionys Zinuer.— LUterarische Rundschau: Henriette Fürth, Die Fabrikarbeit ver- heiratetcr Frauen. Dr. Salomes Perlmutter, Karl Mcnger und die östrcichische Schule der Nationalökouomic. Jakob Wassermann, Der Moloch. — Notizen: Der Gang der Krisis. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstaltcn und Koworteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen. In der Zeitungspreisliste der Poftanstaltcn ist die „Nelw Zell" unter Nr. 5389 cingcttagen, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft lostet 25 Pf, Probenummern stehen jederzett zur Versügung. Von der„Hütte", Zeitschrtst sür das Volt und seine Jugend(Dresden, Verlag H. Wallsisch) ist soeben das sechzehnte Heft erschienen. Aus dem Inhalt des HesteS heben wir hervor: Liebe ist ewig. Roman von Wilhelm von Polenz.— Die Arbeitersrage— eine Frage des werdenden Lohnarbeiter- standeS. Von Paul Kampfstneyer.— Aus der Jugendzeit deS Kommunismus, Von Gustav Jaetfh.— GcsuiidheitSpflege im Winter. Von Dr. Popitz.— Die Braunkoblenwälder der Nicderlausitz. Von Wilhelm Bra»»nsdor1.— Der stille See. Märchen von Karl Ewald.— Ein Kamps mit Wllden.— Notizen. — Kunstbeilage: Beethoven von Max Klinger. Die 50«. Nummer deS„Süddeutsche» Postillon" ist soeben er- schienen. Sie ist als JubiläumSnummer ausgestattet und feiert das bedeutsame Ereignis in gebührender Weise. Die N«»nm,er lostet 10 Pf. wie jede andre._ Vermilcktes. Ein verhängnisvoller Scherz. Ein entsetzlich jäheS Ende fand ein fröhliches Herrenessen bei dem Augenarzt Dr. Neumann in Bautzen. Dieser zeigte Gästen aus seiner Waffensammlung ein besonders schönes Sttlett. Nachdem er dasselbe wieder in die Scheide gesteckt hatte, stieß er damit scherzweise nach seinem neben ihm stehenden Freunde, dem Assistenzarzt Dr. John vom städttschen Krankenhause, Dr, John schrie s»lrchtbar auf und sank blutüberströmt zur Erde, Die Scheide des Sttletts war nämlich beim Ausholen herabgefallen,»md dem Unglücklichen war die blanke Klinge in den Leib gedrungen. Der erst 27 Jahre alte beliebte Arzt erlag seiner Verletz»mg. AuS Lemberg wird vom Montag berichtet: Heute nacht find siebzehn Petroleumschächte in Boryslaw ein Raub der Flammen geworden. Bei dem Brande trnirde eine Person getötet und eine verwundet; sieben Häuser sind niedergebrannt. Das Feuer entstand in einem Schachte der Naphtha-Jndustrie-Gesellschast an» geblich durch eine Erplosion von Gasen. Es ist Aussicht vorhairden, den Brand zu lokalisieren. Verhaftung spanischer Schatzgräber. Die spanischen Schatz- schwindler waren lange Zeit eine stehende Rubrik bei uns. Einige dieser Biedermänner sind jetzt gefaßt worden. Die Polizei von Barcelona hat erne Art Handelsagentur entdeckt, deren Hauptzweck es war. Ausländer zu prellen. Sie schickte Cirkulare aus, in denen versteckte Schätze, nur in der Einbildung bestehende Goldrninen und andre schwindelhaste Dinge angeboten worden. Das Verfahren dürste unsren Lesern bestens bekannt sein. Die an der Spitze stehenden Unternehmer, ein Oestreicher. ein Deutscher m»d em Spanier, wurden verhastet._ Goethe und Spinoza in ihrer ethischen Gemeinschaft ist das Thema eines Vorttages, den Dr. Kvonenberg heute abend 8'/, Uhr in einer Versammlung der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur im Bürger- saale des Rathauses hält. Central-Kranken- und Sterbekass« der Tabatarbeiter Deutschlands, Verwaltung Berlin I»md Berlin II: Heute(Dienstag) abend B1!, Uhr bei Feind, Welnstr. 11: Gcmcinschastliche Mitgliederversammlung. Berichterstattung von der GeneralversammUmg zu Mannheim.(Siehe Inserat in der heutigen Nummer.)_ Brnfhaften der Rcdahtion. C. R. 75. 25 Jahre. H. R., Ober-Schöneweide. Wenn Sie volljährig(älter als 21 Jahre) sind, so sind Sie zur»lbnabme und Zahlung der bestellten Waren ver- vstichtct, sonst mcht.— O. B. Sie können vorher an das Gericht unter Darlegung der VcrhälMisse die Litte richten, die Frage nach den Vorstrafen aus dem von Ihnen angeführten Grunde an Sie nicht zu richten. Da Sie Angeklagter, nicht Zeuge sind, ist die Erfüllung Ihrer Bitte schwieriger.— H. M. 14. Ja.— Ä. 100. 1 und 2: Nein. Wenn die Verhältnisse so liegen, wie Sie sie schildern, so könnte Ihr Mann mit Aussicht aus Erfolg das ihn verurteilende Erkennwis augreiscn.— Schöncberg 8. Ein FührungSattest brauchen Sic nicht einzureichen. Ein StaatsangchörigkcitS- Ausweis kann verlangt werde,». Derselbe wird sür Sachsen von den Kreis- hauptmannschasten zu Dresden, Leipzig, Zwickau und Bautzen erteilt. Stattonen Swinemde. Hamburg Berlin Franks./M. München Wien L c 9 3 SR— I I KK 7VÄSW 76l|S«, 763| 3 765 SW 766 Still 769 Still Wetter !-»£ c S- S« s? h r- 2 Nebel 4 Nebel 2 bedeckt 1 Nebel Iwolkig Nebel 1 0 -8 Stattonen Haparanda Petersburg —4 Cork ?lberdeen Paris 743 763 wolkenl Schnee 7 bedeckt 3 Nebel Wetter-Prognose für Dienstag, den 35. November 1903. Etwas wärmer, ziemlich ttübe mit geringen Niederschlägen und mäßigen südwestlichen Winden. Berliner Wette rbureau. sL S s E o-S e» K— 764 NW 754 WNW Wetter as; #1 S? W 3» -19 1 12 per Nachnahme. Wirkt. Salzfetth.'/, Faß M b. 500 St 7 u. 8 Wik. 250 St. 3'/,»». 4 M. '/, Faß große Iii(zu empschl.) 400 St.» u. 10 Mk. 200 St. 4-, � u. 5 Mk. lN«i Speckfett 320 St. II Mk. 160 St. 5>/. Mk. 'Ii Faß Vollheriugc Milch Rogen. Fett 200 St 9 u. 1« Mk. 100 St 4'/z u. 5 Mk.. bessere Sorte 10'/, u. 5'/, Mk. rout-IIo««. 70 zarte Fetth. 1-/.. 60 St 3, Bollh. 3'/« Mk. Brathering 4 Lit-Dose 3'/,. 8 Lit- Dose S'l, M.. 80 Tclikateßh. 3'/, u. 3'/„ Bismarcth. 3'/, u. 3�7 Mk. Post- Kiste. Bücklinge 80 St. 3-/. Mk.. Voll- ii. Fett-Blick- llnge groß 3 Mk., 4 Pfd.- Ktüe Sprotten VI, Mk.. 3 Kisten 3'/, Mk. 51462» W. Schwand!, Fischerei, Heringsgesch. engros, Näuchcrei und Marinier-Austalt. Stempel- von Fabrik (52372* Robert Recht, Berlin S., Oranienstr. 143. liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester Ausführung. Kautschuk- Typen„Perfekt" zum Zusammensetzen einzelner Wörter sowie ganzer Sätze von 1,50 M. an. MnIUttssk'imoit» aller«» »Ufr t«illtgft unierAar»»«» die gabrtk A nttaaaar. 3l*t>rrtit(r4» t. 6.«alalage frei llufallsachen, Klagen, Eingabe». Reklamationen, Putzger, Steglitzer- straße 65. 252b* Pcraiitivoriiicher Nedslteur: Carl Leid in Berlin. Für den Lnsergtenteil veraiittvortlich: TY. Glocke in Berlin. Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckcrct und BerlagSanltalt Paul Singer& Co., Berlin SW.