Ur. 396, Abonnements-Dedingungea: Abonnements- Preis pränumerando, Äierteljährl, S,Z0 Mk,, monatl, l.lo MI,, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg. Eonntags- nnmmcr niit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Reue Soll" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitmigs- Preisliste für»»«3 unter Nr, 7878. linier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland Z Marl pro Monat. Erschemt täglich auster Wonlag«. 19. Jahrg. Die Jnstrtkons- Gebühr beträgt sür die sechSgespaltcne Kolonetzeile oder deren Raum 40 Pfg,, sür politische und gewerkschaftliche BercinS- nnd BersammUmgs-Anzcigcn 20 Pfg. „Kleine Jinzeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fest). Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition Ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet, Verliner Volksblstk. Zelegramm- Adresse: „SoiUIdrmotirai Verlin«. Centraiorgan der soeiatdemokratischen Varter Deutschlands. Rmr dem Militär- und Mariucmoloch nicht noch weit mehr von den Mitteln cutreißen konnten, wie wir dieses nacheinander durch Zlnträge auf Ueberweisungen von Zollerträgniffen für Volksschnlzwecke, für Anfhebnng der Salzsteuer, der Zuckerverbrauchssteuer und der Branntwein-Liebesgabcn vergeblich versucht haben. Auch hier war es die reaktionäre Mehrheit, die sich aus den Nationalliberalcn, dem Ceutrum und den konservativen Parteien zusammensetzte, welche die Annahme unserer Anträge vereitelten. Insbesondere haben sich nebe» dem Centrnm — von den Konservativen zu schweigen— die National- liberalen in ihrer ganzen Volks- und Arbeitcrfcindlichkeit gezeigt. Was immer an Gewalt und Unrecht und reaktionären Machenschaften bei Beratung des Zoll- tarifs gegen die Opposition ins Werk gesetzt wurde, die Nationalliberalen stimmten jubelnd zu! So wurde das Zollgesetz mit dem Zolltarif trotz unsrer der- zweifelten Gegenwehr, die wir seiner Annahme bis zum letzten Augenblick entgegensetzten, angenommen. Aber was angenommen wurde, ist nicht der Tarif, den die Mehrheit wollte, auch nicht der Tarif, den die Regierungen wollten. In der Verzweiflung des Kampfes wider uns, die Minorität, nnd in der Angst, die Beute zu verlieren, machte man aus der Not eine Tugend. Als am 14. Dezember morgens dreiviertel auf fünf Uhr der Reichskanzler Graf Bülow, stolz auf seine Vaterschaft, das Neugeborene zärtlich an die Brust drückte, übersah er, daß es eine Mißgeburt sondergleichen>var, die er in den Armen hielt. Indem die Mehrheit des Reichstags die Unmöglichkeit einsah, ihre Ernte auf rechtmäßigem Wege einznheimsen, griff sie zu ividerrcchtlichcn Mitteln. Nur unter wiederholten» Brnch der Geschäftsordnung— dieser Verfassung des Reichstags— unter gewissenloser Preisgabe alter überlieferter parlamentarischer Regeln nnd Vorschriften, dilrch parteiische Handhabung der Geschäftsführung seitens der amtierenden Präsidenten war es der zollgierigen Mehrheit möglich, die Minderheit aus einer Stellung in die andre zurückzudrängen und schliestlich die ersehnte'Beute zu erhaschen! 'Nicht das Recht, sondern die Gewalt nnd die brutale Uebermacht hat uns besiegt und hat dainit den Glanbcn an Recht nnd Gerechtigkeit nnd Unparteilichkeit, kurz an alle die Grundlagen, ohne die ein parlamentarisches Leben auf die Tauer nicht bestehen kann,»nit der Wurzel ausgerottet. Doch auch zn Boden geworfen sind wir die siegend Geschlagene». Heute die Uebcrwältigte», erheben wir uns, um morgen die Angreifer zu werden! Die Flickarbeit an dem von Anfang an verpfuschten Zolltarif, sowie die Bewilligung der neuen Handelsverträge, die auf Grund desselben abgeschlossen werden sollen.»Verden den in» Juni neu zu»vählendc» Reichstag beschäftigen. Ist es auch der Mehrheit durch rikffichtSlose Anwendung der Gewalt und durch Gesetzesbruch scheinbar gelungen, diesen Tarif dem Urteil der Wähler zn entziehen, lo werden doch der Tarif und seine Wirkungen nichtsdestoweniger die Wähler in» nächsten Wahlkampf auf das lebhafteste beschäftigen nnd dauernd Gegenstand der Diskussion im Reichstage sein. Nieder mit den Parteien des Zollivuchers— das »nust die Parole in dein nächste« Wahlkampfe sein— keine Zustimmung zn einem Bertrag, der Hunger- und Wucherzölle enthält! Und nicht das allein kommt für die nächsten Wahlen in Frage: Eine neue Militär- n»»d Marinevorlage erscheint bereits an» politischen Hümncl nnd erfordert neue Opfer an Mcilschen und Geld! Auch die Welt- und Kolonialpolitik heischt ünmer weitere Opfer. Wir stürzen aus einem überseeischen Abenteuer in das andere. Die Millionen fliegen zum Fenster hinaus nnd leeren das Reichsfaß bis auf den Boden. Eine Ver- legenhcit kommt nach der andern. So»verde» trotz der Hunderte Milliorien neuer Ein- »ahmen aus dein Hunger- und Wuchertarif diese nicht cutferiit reiche»», um all de» gesteigerten Ausgaben zu genügen. Ne>»e Steuern, in erster Linie eine Erhöhung de. Bier- und Tabaksteuer, sind schon angekündigt worden, und langen auch diese nicht— wie vorauszusehen ist— so werden weitere Steuerprojctte folgen. Aber nicht den Wohlhabenden, nicht den Reiche» wird man mit diesen neucn Stenern fassen, sondern man wird immer tvicder die Bedarfsartikel der grosten Masse mit Stenern belasten,— trotz aller feierlichen Erklärungen, die seiner Zeit nanientlich das Centrnin bei seiner Bewilligung der letzten Flottenvorlagc abgab. Wer dieser Partei traut, der hat auf Sand gebaut! Sie repräsentiert den politischen Verrat in Permanenz! Zieht jedoch bei den kommenden Wahlen abermals eine reaktionäre Mehrheit in den Reichstag ein, so sind nicht nur die wirtschaftlichen Interessen, sondern auch die wenigen politischen Rechte nnd Freiheiten des deutschen Volkes schwer bedroht. bor allem das allgememe Wahlrecht! Darum heißt es ans dem Jßosten sein nnd sich rüsten. Der nächste Wahltag muß ein Sieg- und Jubeltag für das arbeitende Volk werden, wie nie einer zuvor es war. Männer der Arbeit! Beginnt sofort»nit aller Kraft die Borbereit!», igen zu den Wahlen! Sa»n>nclt Euch! Tretet ein in die socialdemotratischen Organisationen! Ohne Organisationen kein wirksamer Aampf, ohne Mittel rein Sieg! Aber zum Kliegfiihren gehört Geld, wieder Geld nnt, abermals Geld! Auch der Wahlkampf ist ein Krieg, in dem das Recht gegen das Unrecht, die Unterdrückung gegen das Vorrecht, der Ausgebeutete gegen den Ausbeuter kämpf»! Männer der Arbeit! Schliestt die Reihen! Bedenket, das; Ihr jetzt«nr noch alle fünf Jahre ein- »nal berufen seid, über Euer Geschick selbst zu entscheiden! Versä«i»:t Ihr, an dicsem Tage für Eure Interesse»» einzutreten, dann habt Ihr finls lange Jahre verloren! Wagt es endlich einmal,»venigstens an emen» Tage Herr Eures Geschicks zn sein! Wagt Ihr das nicht, so bindet Ihr Euch selbst die Rute und verschuldet selbst, wenn Ihr unter der Last der Opfer für die herrschenden Klassen z»»samnlenbrechr! Darun», im Name» der Ench vorenthaltenen Menschenrechte: Vorwärts! Euer Schlachtruf sei: Hoch die die Menschheit er- lösende,» Ideen des Socialisnius! Nieder»nit der Gewalt und der Klasicnherrschast! Die fodaldemoferatifcbe fraktion des Reichstags: Albrecht. Agster. Antrick. Auer. Bandcrt. Bebel. Bernstein. Blos. Bock. Calwer. Crainer. Dietz. Dreesbach. Ehrhart. v. Clin. Fischer(Berlin). Fischer(Sachsen). Förster(Reuß). Frohme. Geck. Geyer. Dr. Gradnauer. Grünberg. Haase(Königsberg). Heine. Dr. Herzfeld. Hoch. Hofmann(Chemnitz). Horn(Sachsen). Kaden. Klees. Kloß. Knnert. Ledebvnr. Meister. Metzger. Molkenbuhr. Pens. Pfannkuch. Reißhaus. Rosenow. Sachse. Schippel. Schlegel. Schmidt(Frankfurt). Schwartz(Lübeck). Segitz. Seifert. Singer. Stadthagen. Stolle. Dr. Südekum. Thiele. Tutzauer. Ulrich, v. Vollmar. Wurm. Znbcil. Politische(lebersieht. Berlin, den 19. Dezember. Der Kronprinz und die„Ele»ne>rte". Ter deutsche Kronprinz, der gegenwärtig im Alter von 29 Jahren steht»ind Student ist, hat auf eine Krnpp-Kund gebung„christlicher" Arbeiter seinen Dank ausgesprochen, zwar nicht rednerisch, aber schriftlich. Wolff übermittelte zuerst ein Telegramm, das den Krön Prinzen sagen ließ, die Kuirdgebungen hätten ihm bewiesen, ,waß keine Gemeinschall zwischen Euch"— diese königstreu demonstrierenden Arbeiter werben bor den andern insofern beborzugt, als sie geduzt werden—„und jenen Elenden besteht". Ileber Nacht hatte sich das Wolffsche Bureau die Sache überlegt»md die„Elenden" in„Elemente" ver wandelt.- Wir lassen den begriffliche!» und juristischen Inhalt des Ausdrucks„Elemente" dahingestellt, das Wort„Elende" zn gebrauchen wird den Kronprinzen die einfache Ein- ficht verhindert haben, daß er nicht wie sein Vater unverletzlich i st, sondern genau so P e r a u t>v o r t l i ch i st, wie etwa der Redakteur der„Lokomotive an d e r O d c r", der die Wendung von den„Elenden" wiedergegeben hätte. Nachdem sein Vater von den» sicheren Versteck der Redaktions- ftube des„Vorwärts" gesprochen hat, ist eL zweifellos, daß auch sein Sohn den„Vorwärts" gemeint hat. Und da der Ausdruck„Elende" unter allen Umstände»» beleidigend ist, hätte der„Vorwärts" seilte verletzten Rechte wahrnehinen können. Allerdings wäre auch in diesem Fall keine Klage zu gewärtigen gewesen, weil wir ja principiell nicht mit dem Gericht, sondern niit geistiger Wehr kämpfen. Daritin scheint es ausgeschlossen, daß das Wort von den „Elenden" gefallen ist, und wir möchten mir dem Wolffschen Bureau dringend raten, daß es nicht leichtsinnig Beleidigungen kolportiert,-Hie gar nicht ausgesprochen worden sind. Die agrarische Abneigung gegen sanitären Biehschntz hat sich bekanntlich am krassestei» in den Beschlüssen des preußischen Landtags betr. Ausführung des Schlachtvieh- und Fleischbeschau- Gesetzes gezeigt. Der Katechismus der„nationalen" Fleischwucherer enthält zwei Glaubenssätze: Erstens alles fremde Vieh ist krank nnd darf deshalb auch bei peinlichster llntersilchung nicht ins Land. Zweitens: Alles einheimische Vieh ist kerngesund, und wenn es die Pest hätte, und bedarf deshalb eigentlich überhaupt keiner Unter- snchnng. Von dieser nationalen Agrarier-Religion ansgeheild. hat der preußische Landtag beschlossen, daß in den preußischen Schlachthöfen frisches Fleisch, daS bereits von den Tierärzten auf dem Lande untersucht ist, nicht noch einmal untersucht werden darf, es sei denn, uin festzustellen, ob das Fleisch inzwischen verdorben ist. Außerdem sollen für diese Untersuchungen— wogegen nichts einzuwenden ist— ieine Gebühren erhoben lverden. Diese Bestinmimig soll am 1. Oktober 1904 in Kraft treten. Die niinistcriellc„Berliner Korrespondenz" teilt jetzt mit, daß gegenwärtig eine Umfrage im Gange sei,»in» festzustellen, ob die betroffenen Gemeinden den Gebnhrenausfall finanziell ertragen können und ob sich eventuell eine Novelle als notwendig erweist. Die zuständigen Minister haben durch einen Erlaß an sämtliche Regierungspräsidenten und den Polizeipräsidenten in Berlin vom 14. November d. I. eingehende Erhebungen für die Gemeinden mit öffentlichen Schlachthäusern angeordnet. ES soll festgestellt werden, in welchem Umsalige bei den Nachuntersuchungen des nicht im öffentlichen Schlachthause ausgeschlachteten fti scheu Fleisches bisher Beanstandungen stattgefunden haben. um danach ermessen zu können, welche Bedeutung in hilgieiüscher Beziehung den Nachuntcrsnchnngci» beizulegen ist. Sodann sollen über die Enmahmcir»md Ausgaben der öffentlichen Schlackithäuser, namentlich für die Nachnntersuchungen des eingeführten frischen Fleisches, Ermittenmgcn angestellt lverden, aus denen ein Ueberblick über die finanzielle Wirkung der oben bc- zeichneten Borschriften gewonnen lverden laiu». An der Hand dieses Materials sollen sich die Regierungö- präsidenten:c. über die anfgclvorfencn Fragen und eine ctlva in Vorschlag zu bringende a n der weite gesetzliche Regelung gutachtlich äußern. Also auch in diesem Falle hat die Regierung eine agrarische Gesetzmonstrosität angenommen, obwohl sie schon bei der Annahme von ihrer Unmöglichkeit überzeugt war.— Diäten! Diäten!— schreit nun wieder die„Korrespondenz für Ccntrumsblätter". Nach dem großen„Sieg über die Obstruktion" beansprucht das Eentrum nun als Lohn die endliche Gewährung der Diäten. Dabei entschlüpft der offiziösen Korrespondenz der Spahn- Bachem-Gröber-Partei ein recht interessantes Zugeständnis. Tie sagt: „Hätte der Entscheidiingstampf, der sich jetzt ans einige wenige Tage konzentrierte, 9 Monate lang angedauert, so würde sich»ort und fort tvieder die B e s ch l u ßunfäh i g t eit herausgestellt haben nnd damit der Obstruktion das wirksamste Vers chteppling SmiNel ge- boten gewesen sein. Fetzt, u-rter der Hochflut der Entrüssinig und Begeisterung, bestand die Mehrheit schließlich aus 392 Mann, d. h. aus drei über die erforderliche Mindestzahl." Da haben wir den lv a h r e ir Grund für alle schnöden Ver- gewaltigungen, die das Eentrun» und die übrigen Zollparteien be- gangen haben! Die Ccntrtimskorrcspondcnz iviedcrlcgr selbst die kindcsche Lüge von der„Schuld der Obstruktion". Nicht die„Obstruktion" rief die Vergewaltigungen, sondern die Mehrheitsparteien, besonders das Centriln» gerieten in die Tobsucht der Vergewaltigungen, weil sie zu feige gewesen waren, uin die Diätcnbclvillignng von der Regierung zu erobern, und weil sie infolge der Dinteiilosigkeit nicht im stände waren, eine sachliche und würdige Zollberatnug zu führen. Alls allzu jänimcrlichcr Unterwürfigkeit und Knechffeligkeit gegen- über der Regierung wurde die nun jubelnd gefeierte„Tiarke" gegen- über der Socialdcmokratie erzeugt. Die„Freisinnige Zeitung" bemerkt zur Diätenfragc:„In par- lamentarischen Kreisen will man lvissen, daß jetzt nicht der Kaiser mehr das Hindernis bildet für die Gclvährung von Diäten, sondern der K ö n i g von Sachse n."— ES ist begreiflich, daß man in Sachsen keine Neigung für Reichstagsdiäten hat, da bereits die überlviegcnde Zahl der sächsischen ReichstagL-Wahlkreisc von Socialdcmokraten vertreten werden.— Der Hum»r davon! Wie die„Kreuz-Zeitiing" erzählt, hat der Nicht-Fürst von B n low wegen seines Zoll-Sieges nicht nur von allen möglichen Großwürdenträgern feierliche Gratulationen erhalten, sondern es hat auch nicht an humoristischen Glück- wünschen, Postkarten. Gedichten gefehlt. Diese letzteren Glückwünsche wären der Sache allein angemessen »md jedenfalls die einzigen ernst gemeiitten.— lieber die zollwncherische Witwen- nnd Waisenvcrsicherung urteilt selbst die blaß socialreforniatorische„Sociale Praxis skeptisch: Nach einer ungefähren Schätzung bemißt man die bis 1910 zurückgelegten Fonds auf etwa 300 Millionen, was einem Zinserträge von 10 Millionen im Jahre gleichkommt. Die Versicherung der Witwen und Waisen, deren Anzahl aber ans D/« bezw. 2 Millionen berechnet worden ist, erheischt aber selbst bei den mäßigsten Sätzen zum inindesten eine Jahresausgabe von 100 Millionen Mark. Nimmt inan auch an, daß Arbeitgeber und Arbeiter,»vie bei der Invaliden- Versicherung, hierzu Beiträge zahlen werden, so wird jedenfalls doch ein sehr beträchtlicher Reichszuschuß erforderlich sein, der mit jenen 10 Millionen entsenit nicht bestritten lverden kann.— Neber die Zwangsadressen der Arbeiter schreibt die Bcrlepschc „Sociale Praxis": Ebenso wie wir jedes ehrliche Bekenntnis der Herzensmeinung deutscher Arbeiter ehren, verwerfen wir schlechthin jede Manifestaiio», die f r c m d e r,A n r e g u n g und äußere m Drucke zugeschrieben werden m u ß. Wer es auch immer sei, der Arbeiter wider ihren Willen zur Unterschrist unter Loyalitätsadressen nötigt, der ladet eine schwere Verschuldung ans sich: Ilm sich in ein gutes Licht zu sehen, täuscht er den Kaiser, fälscht die öffentliche Meinung und ver- sündigt sich schwer nn den Arbeitern. Schon wird von Fällen be- richtet, wo nicht nur durch Androhung von Nachteilen Unterschriften erzwungeu sind, sondern auch die Verweigerung der Unterzeichimug mit Entlassung bestraft worden ist. Wir könne» uns kaum etwas Verächtlicheres und Schädlicheres denke» als dies frivole Gcbahrr». Der Nrbeiler hat das freie Recht politischer Anficht nnd Mciimng ebenso gut wie jeder andre Bürger, nnd der Arbeitsvertrag gicbt dem Unternehmer kein Recht auf die Ucbcrzcngung der Arbeiter. Jeder Zwang und Druck in dieser Richtung mutz Erbitterung, Hätz und Verachnmg wecken. Und unter den heutige! Verhältnisse», Ivo Arbeitsmangel. Lohnfchmälerung, Preisteuenuig nnd Käire das LoS der Arbeiter besonders hart gestalten, ist es ein dr.ppelrcs Verbrechen, diese Notlage zu benutzen, um Kundgebungen mi erpressen, die der Wahrheit znwidcrlanfeü. Wer die Kaiserredci» m dieser Weise ausbeutet, ist der wirksamste Agitator jdcr Social- dcmokrasie, nnd es thut tvahrlich not. daß gegen solchen Unfug ein ernstes Mahnwort erschallt.— Abermals ei» Potcmkinsches Dorf. Die Herren Kapitalisten scheuen sich nicht, fortgesetzt dem Kaiser Dinge vorzuspiegeln, die ihn zu den verhängnisvollsten politischen Jrrtünicrn veranlassen tönncn. So wird aus Stettin gemeldet: An den Kaiser hat gestern die Arbeiterschaft des„V»lltan" nach stehende Depesche abgesandt: Euere kaiserliche Majestät bitten die Unterzeichneten allerumcr- thänigst, in» Namen und in» Auftrage von über 4000 Arbeitern des „Vulkan" folgende Adresse ehrerbietigst überreichen zu dürfen: Allerdurchlauchtigstcr großmächtigstcr Kaiser, Allrrgnadigstcr Kaiser, König nnd Herr! In tiefster Ehrfurcht kommen die unterzeichneten Arbeiter der Stettincr Maschinenbau-Akticngesellschaft„Vi? tau" zu Euerer kaiserlichen Majestät, mn ihren allerunterthänigslcn Dank auszusprechen für die landesväterliche Fürsorge, ivelchc Euere Majestät i» der An- spräche an die Vertreter der Kruppschen Werke am 26, November d. I. für die ganze deutsche Arbeiterschaft in so hochherziger Weise be- kündet haben. ÄuS boller Ueberzeugung schließen tvir uns den Kundgebungen nnsrcr Kameraden in Essen. Breslau und Augsburg an und beteuern Euerer Majestät, daß auch ivir in althergebrackiter deutscher Treue und Dankbarkeit immerdar fest zu Kaiser»md Reich stehen lverden, Euerer Majestät allerunterthänigstc Arbeiter der Stettiner Maschinenban-Attien-Gesellschaft„Vulkan". Wie die Stettincr Arbeiterschaft über die Socialdcmokratie wirklich denkt, das beweisen die 12 590 socialdemokraiischen Stimmen, die bei der Stichwahl 1898 für den socialdemotratischcn Kandidaten abgegeben ivorden sind. Das Wahlergebnis im nächsten Jahre wird es deutlicher beweisen. Wie die 4000 Unterschriften zusammengekommen sind, beweist folgende Darstellung unsrcs Stettiner Partei-OrganS; Vom„Vulkan". In Sachen der bestellten Protest- b e w c g u n g gegen die Socialdemokratie werden von den M eiste r u und einzelnen dekorativ nöl ÜÄ c r n e n Arbeitern große Austrengungen gemacht, um den„Unterschriftcnstnnn" Programm- gemäß zur Erledigung zu bringen. Tie Direktion des„Vulkan" hatte infolge des Resultats einer Besprechung»nit dem Arbeiter-Ausschuß in dieser Sache es den Arbeitern frei- g c st e l l t, zu thun und zu lassen, was sie wollen. Das war aber augenscheinlich die Parole für gewisse st r e b s a m e Meister und Arbeiter, um ihrerseits mit allen Mitteln des stillen Zwanges und der Beeinflussung zu arbeiten, um die notwendige Zahl der Unterschriften für die Adresse zn erlangen. Verschiedene Meister kümmerten sich infolge dessen lveniger im» ihre eigentliche Aufgabe im Betrieb, sondern liefen und agitierten die letzten Tage nur für den„Unterschriftensturm". Und sie fanden an gewissen Leuten auch willige Helfer dabei. Diese letzteren, die unter den anständigen Arbeitern des„Vulkan" so' schon in dem Ruf der Speichelleckerei und der Angeberei standen, und die bei gewissen Betriebsleitern sich schon lange als liebes Kind bewährt hatten, brachten es nun m i t A n w e n d n n g v e r st e ck t e r Drohungen z n st a n d e, daß eine größere Zahl von Unterschriften zu verzeiamen war. Seitens verschiedener Meister wurde der„Protestrummel" sogar ordentlich organi- s i e r t. Von ziemlich oben bis zum S t u n d e n s ch r e i b e r und B i c e m c i st e r herab war die Organisation perfekt. Als die Arbeiter der R e p a r a t u r- W e r k st a t t des O b c r h o f s, weil es ihr freier Wille war, nicht unterschreiben wollten, wurden sie von dem Stnudenschreiber Eggert deswegen noch verhöhnt, indem er recht bezeichnend erklärte:„Na, von jetzt ab lvird die Reparatur-Wcrkstatt rote Accordzettcl er- halten". Aber noch ein Stücklein von der„ Freiwilligkeit" derUnterschrist- lcistung ist anzuführen. Die Arbeiter der Lackierwerkstatt, die sich an, Montag sänitlich ohne Ausnahme z u e r st lv e i g e r t e n, ihre Unter- schrist zu geben, wurden nachdem, jeder einzeln, in die M e i st e r st u b e hineingerufen und hier l e i st e t e n sie natürlich v o l l st ä n d i g„ f r e i tv i l l i g u n i e r den sanften Ermahnungen des M e i st e r s die verlangte Unterschrift. Die verschiedenen Organisationen werden selbst- verständlich in ihren nächsten Versammlungen diese„Freiwilligkeit" der Unterschriftleistung und die dabei beteiligten Helfer und Helfers- Helfer genügend würdigen.—_ lieber die Errichtung einer katholischen Fakultät an der Universität Ztraßburg wurden seit langem eifrige Verhandlungen zwischen der Regierung und dem Vatikan geführt. Jetzt ist diese Angelegenheit zum Abschluß gekommen und zwar derart, das dem Bischof ein schwerwiegender Einslus auf die katholische Fakultät eingeräumt ivird. ES soll kein Professor Anstellung finden dürfen ohne vorherige Zustimmung des Bischofs— und für einen Professor, der in kirchlicher oder sittlicher Beziehung Anstoß erregt, soll die Regierung Ersatz zu schaffen haben! Also auch in diesen, Falle hat die Regierung, die mit den, Centruin Zollwuchergeschäfte betreibt, den ultramontane» Finster- lingen weites Entgegenkommen bewiesen. Kein Wunder, das der Eentrumsabgeordnete Freiherr v, H e r t l i n g, der den Unterhändler zwischen Regierung und Vatikan in dieser Sache gemacht hat. bereits durch Verleihung eines hohen päpstlichen Ordens belohnt wurde.— konservativer Parteitag. Tie„Kons. Korrcsp." meldet:„Der geschäflsführende Ausschuß der konservativen Partei hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, in, Laufe des kommenden Monats März die Einberufung eines Delegiertentagcs nach Berlin in die Wege zu leiten.— Ein Mißtrauensvotum für Max Hirsch, Goldschmidt und die Freisinnige VoltSPartci beschloß der Gcwerkverein der o ch n h in a ch e r und Lederarbeiter in Breslau. Die Resolution bedauert, das; die Führer der Organisation die Socialdcmokratie und die Freisinnige Bereinigung in den, schweren Kampfe um die Volksrcchte in, Stich gelassen haben.' Von der Polcnpartei. Einen Beweis für die rasche Aus- breitnng der radikalen Polenpartei in Oberschlesiei, lieferten die Kattowitzcr Kirchenwahlen. Es entfielen auf die Liste der Deutschen und gemäßigten Polen 631 Stimmen, auf die Liste der jungen radikalen Gornoslazak-Partei aber auch schon 374 Stimmen. Huöland. Frankreich. Zur Rede Millerands. Ein sich in Deutschland aufhaltender französischer Genosse, Mitglied des Parti Socialisto Framjais ssog. Jaurvsisten), wendet sich an un-Z in einer längeren Zuschrift, in der er sich über Parteilichkeit in der Berichterstattung des„Vorwärts" über die Thätigkeit seiner Fraktion und ihrer leitenden Vertreter bc- ilagt. Er behauptet, daß solche seine Fraktion in ein falsches Licht stellende Parteilichkeit sich in neuerer Zeit wiederholt in Berichten über den großen Bergarbeitcr-Ansstand gezeigt habe und zuletzt ganz besonders"in den, Bericht des„Vorwärts" vom 1». Dezember über die Rede zu Tage getreten sei, die Millerand am 3. Dezember auf einem von seinen socialistischcn Wählern zu Ehren seiner Wiederwahl veranstalteten Fest gehalten hat, und auf Grund deren der Pariser Korrespondent des„Vorwärts" Millerand ganz ungerechtfertigter- weise als Bourgeois-Socialisten hinstelle. Mit Bezug auf letzteren Punkt heißt es in der Zuschrift: „Ihr Korrespondent schreibt zunächst Millerand Worte zu, die nur eine Zusammenfassung des Berichterstatters der Zeitung sind, der er sie cnrnimnit und daher nicht buchstäblich zu nehmen sind. DaS ist aber nicht das Schlimmste. Millerand hatte in seiner Rede, nachdem er ausgeführt hatte, daß die Eigenartigkcit und Große der socialistischen Partei, die sie von allen andren demokratische» und Volksparteien unverwischbar trenne, darin bestehe, daß sie die Partei der ökonomischen E m a n c i p a t i o n der Arbeiter sei, weiterhin gesagt: „Wenn sie auch durchaus dieselbe Partei zu bleibe», ihre Eigen- art und ihr besonderes Leben zn toahren hat, so ist sie doch dazu berufen, in Beziehung und in Einvernehmen mit den andren dcmo- kratischen Parteien zu treten, ihren Anteil an der Bestinnimng über die allgemeinen Jntcresicn des Landes zu nehmen, aus den Grenzen berauszutrcten, in die sie die ausschließliche und damit schlecht bc- grissene Fürsorge für die beruflichen Sondcrinteresscn eingeschlossen hielt, mit denen sich zu beschäftigen ihre ursprüngliche Existenz- bcrechtigung war." Zhr Korrespondent läßt den Vordersatz weg, der eine wichtige Einschränkung enthält, setzt beruflich(„corporai iv'h schlechtweg als gleichbedeutend mit proletarisch, und hat eS so leicht, Millerand dcS BourgeoiS-SocialiSmuS zu zeihen. Aber das ist noch nicht geiiug. In dem französischen Bericht über Millerands Rede ht.M. eö weiter: „Die Arbeiter haben ein Interesse daran, daß Frankreich stark sei, daß es vor der Welt das Ansehen einer großen, entschieden friedfertigen Nation hat, die entschlossen ist. ihre Kraft niemals anders zu gebrauchen, als im Dienste des Rechts." Ihr Kor- refpondent deutet diese Worte folgendermaßen:„aus dem patriotisch-diplomatischen Sprachgebranch übersetzt: im Dienste der R e v a n ch e." Das ist meines ErachtenS ein sehr gehässiges, unter keinen Uinständen zu billigendes Verfahren. Niemals hat ein ftanzösischcr Socialist nach all den unerhörten Kämpfen, die wir gegen den nationalistischen Chauvinismus geführt haben, von der Revanche ge- sprochen. Und cö ist auch nichts bekannt geworden, das auf eine Meinungsverschiedenheit zwischen Millcrand und Jaurös in diesem Punkte schließen ließe. Was würden die deutschen Genossen sagen, wenn französische socialistische Blätter in derartiger Weise, wie cS hier geschehen, die Reden ihrer Führer auslegten k Eine derartige Berichterstattung ist nicht nur bedauerlich, sie ist auch gefährlich, denn sie führt dazu, daß die großen socialistischen Parteien der verschiedenen Länder sich völlig mißverstehen." Unser Pariser Korrespondent wird jedenfalls Veranlassung nehmen, sich gegen den ihm gemachten Vorwurf der Jnobjektivität zu verteidigen.— Marseille, 17. Dezember. Die Seeleute beschlossen in einer Versammlung unter gewissen Vorbehalten, am Donnerstag die Arbeit unter der Bedingung wieder aufzunehmen, daß der Ausstand von neuem beginnen soll,' wenn nn Parlamente nicht ein Gesetz angenommen wird, durch welches die Stärke der Schiffsbesatzungen sc st gesetzt und die Arbeit an Bord geregelt wird.— Dänemark. Ein Minister für die Höchslbcstcuertcn. Wie vor einiger Zeit nntgetcilt wurde, haben die Ist socialdcmokratischen Mitglieder der Gemeindevertretung in Esbjerg die Annahme des Budgets in dritter Lesung unmöglich gemacht, iveil bei der zweiten Lesung die von ihnen beantragten Posten für ein konunnnaleS Krankenhans, Be- speisung armer Schulkinder und für die Volksuniversität von den neun Vertretern der Höchstbestenertcn und dem Bürgenncistcr nieder- gestimmt wurden.— Jetzt hat der R! i n i st c r des I n n c r n den Entscheid getroffen, daß die Beschlüsse der z w c i t e n L e s u n g, die sich a u f d i e e i n z c l n c n P o st e n bev Budgets beziehen, als cndaültige A n n a h in c d e ch B u d g c t s anzusehen sind, und sticht das entgegen der seit 34 Jahren geüblen Praxis und entgegen dem Sinn des Kaufstadt- .Kommunal- Gesetzes aus dessen Wortlaut zu begründen. Nach dieser Auslegung des Gesetzes kann die allgemeine Wählerklafie nie einen cutscheidenden Einfluß in der Gemeindevertretung ausüben. Der Vorgang ist ein neuer Beweis dafür, daß auch diel er Regierung die Interessen der besitzenden Klasse höher stehen, als das demokratische Prineip und das Interesse des arbeitendeu Volkes.— Amerika. Französisch- peruanischer Konflikt. Nach einem Telegramm aus Lima hat F r a n k r e i ch am 8. November von der Regierung von Peru die Zahlung der 16 071S4st Frank gefordert, welche gemäß dem Spruche des Schiedsgericbtshofes in Laistanne der Firma Gebr. Dreystls in Paris zustehen. Da die Regierung von Peru bisher nicht geantwortet hat, wird die französischeGcsandt- s ch a f t wahrscheinlich am Donnerstag ihre F o r- derung in strengerer Form wiederholen. Falls Frankreich gegen Peru ähnlich vorzugehen beabsichttgen sollte, wie Deutschland und England gegen Venezuela, so würde das jedenfalls zu einem engeren Zusammenschluß zwischen Nord- und Süd-Amerila und zn einer Verschärstmg der Monroedolftin führen.— Venezuela. England und Venezuela. London, 16. Dezember.(Eig. Ber.) Erst gestern abend erhielt das britische Publikum offizielle Nach- richten über die Ursachen und die Lage des Konflikts mit Venezuela. Die Regierung veröffentlichte den wichtigeren Teil der Korrespondenzen mit Venezuela und Deutschland, gleichzeitig rief die liberale Opposition im Ober- und Unterhanse eine Debatte über Venezuela herbor, die die Vertreter der Regierung zwang, Rechenschaft über die kriegerischen Vorgänge abzulegen. Die Geschäftsordnung des britischen Parlaments giebt den Abgeordneten zu jeder Zeit die Möglichkeit, eine Diskussion über irgend einen wichtigen Gegenstand zu eröffnen, indem ein Antrag aus Vertagung des Hauses gestellt ivird. Die wichtigste parlamentarische Erklärung wurde im Oberhause von Lord Lansdowne, dem auswärtigen Minister, gemackn. Sie geht dahin, daßPrästdentCastto durch Vermittelung der VcrcinigtenStaaien sich bereit erklärt hat, die Streitfragen einem Schiedsgericht vorzulegen. Einen andren Ausweg giebt es kaum. Eine Befitzergreistmg der Zollämter würde nicht viel nützen, da die venezolanischen Zoll- einnahmen zum größten Teil an Frankreich v c r- pfändet sind. Und einer Annexion venezolanischen Gebietes steht die Monroc-Dokttin im Wege. Zum Schiedsrichter wird allem Anschein nach Mr. Roosevelt ernannt werden, wodurch die Vereinigten Staaten eine gewisse Verpflichtung übernehmen, für die Ausführung des Entscheides zu sorgen. Den N u tz e n von diesem Konflikte iverden die Vereinigten Staaten haben, da die Venezolaner nunmehr die britischen und deutschen Waren zu Gunsten der amerikanischen boykottieren werden. Ans der offiziellen Korrespondenz geht hervor, daß die vcnezo- lanische Regierung mehrere Mal britische Schiffe beschlagnahmt und verbrannt hatte. England protestierte, worauf Präsident Castro ant- Ivortcte, daß die Briten die Revolution unterstützten und die Gegner der Regierung mit Waffen, Munition ec. versahen. Er sei deshalb berechtigt gewesen, die britischen Schiffe zu konfiszieren. Ehe Eng- land zur Kriegserklärung griff, ließ es zweimal durch seinen Vertreter Mr. Haggard die venezolanische Regierung auffordern, den britischen Handelsverkehr nngestört zu lassen und den verursachten Schaden prompt gutzumachen. Der venezolanische Mnistcr antwortete gelassen:„Wir" sind an derartige Warnungen schon gewöhnt", worauf Mr. Haggard erwiderte:„Aber nicht an Warnungen von feiten Englands". Das geschah im Anglist. Gleichzeitig trat auch der deutsche Vertreter Baron Pilgrim in Aktion. Deutschland schlug eine Blockade vor. Beide Mächte einigten sich schließlich dahin, die venezolanische Flotte zu konfiszieren. Um diese Zeit kam der dcnffchc Kaiser ans Besuch zu Eduard dem Siebenten, wobei ohne Zweifel das gemeinschaftliche Vorgehen beider Mächte gegen Venezuela beschlossen wurde. Deutschland schloß sich im ganzen den britischen Vorschlägen an, nur knüpfte eS daran die Bedingung, daß England nicht zurücktreten darf, außer durch ein Uebereinkommen mit D e» t s ch l a n d. Die britische Flotte muß so lange an der Seite der deutschen bleiben, bis die deutschen Forderungen befriedigt sind, auch wenn Venezuela sich mittlerweile bereit erklären sollte, den Verp'flichtuugen gegenüber England Genüge zu leisten. Dieser Punkt erregt hier eine Unzufriedenheit, da man darin eine Unter- ivcrfnng Englands unter den Willen Deutschlands erblickt.— Die Blockade. B a l f o u r hat am Mittwoch im Unterhause die Erklärung ab- gegeben, daß die„Verbündeten" sich im Kriegszustände mit Venezuela befänden. Amerika war bisher nicht dieser Ansicht. Besagte doch eine amtliche Meldung auS Washington, die Regierung sei zu dem Schluß gekommen, eine f r i c d- liche Blockade der venezolanischcii Häfen könne, als gegen die Schiffahrt der Bereinigten Staaten gerichtet, nicht anerkannt werden. Die Verbündeten dürften die Schiffahrt der Vereinigten Staaten nur unterbrechen, wenn ein wirklicher Ä r i c g S z n st a n d anerkannt sei. DaS Staatsdepartement sei der Ansicht, daß die ausgedehnten Interessen des amerikanischen Handels die Annahme und Aufrecht- er Haltung dieser Ansicht forderten. Der amerikanische Handel werde sonst lahm gelegt, w a n» immer eine Seemacht ihre Zuflucht zu der anormalen friedlichen Blockade nehme. Wenn England und Deutschland die ameri- kanische» Handelsschiffe auszuschließen wünschten, müßten sie alle Schiffe einschließlich ihrer eignen ausschließen, was die Anerkennung des Kriegszustandes in sich begreifen würde, die der jetzigen regellosen Lage ein Ende machen würde. Amerika Ivird sich also nur dann einer Blockade unterwerfen, Ivenn die Mächte erkläre», daß sie sich im Kriege mit Venezuela befinde». Valfour hat ja bereits eine Erklärung in diesem Sinne abgegeben, Deutschland wird desgleichen thun müssen. Ob sich dann aber Amerika den Scherereien der Blockade wirklich unter- werfen wird, ist noch eine andre Frage. Thatsache ist es jedenfalls, daß das amerikanische Volk, je länger, je schärfer Stellung gegen den Bantierkrieg nimmt. So meldet„Der Tag":„Das Mißtrauen gegen Deutsch- land wird in den Vereinigten Staaten unausgesetzt genährt und auch in England finden sich immer wieder Stimmen, die an Unfreundlichkeit gegen den deutschen Verbündeten nichts zu wünschen übrig lassen."— Frnnksiirt a. M., 18. Dezember. Der„Franks. Ztg." wird aus New V o r k telegraphiert: Die Bundesregierung in Washington zweifelt nicht daran, daß die Mächte nunmehr die venezolanische» FriedcnSvorschiäge annehmen werden, insbesondere da die Kaufmannschaft in Caracas bemüht ist, Mittel und Wege zu finden, um die Geldfordermigen zu decken. In: übrigen glaubt man in Washington, daß Castro gern die übliche formelle Eni- schuldignng und sonstige Formalitäten erledigen lvird. London, 18. Dezember. Die Haltung der Blätter gegen die gemeinsame Aktion Deutschlands und Englands in Venezuela ivird täglich«ngiiiistigcr.„Dailh NewS" sagt, Deutsch- land habe mit seinem Vorgehen weniger Venezuela als die Vcr- einigten Staaten treffen wollen, indem cS die Uiigülligkeu der Monroe-Doktrin darzulegen beabsichtige. Die„T i in c s" sagen, die Aktion sei eine sehr n n a n g e n e h m e S a ch e und könne s ch w e r c Folgen nach sich ziehen.— Die Antwort der Bestie. In Stauen fand am Mittwoch eine öffentliche Versannnkmig statt, welche von 350 Personen besucht loar. Die Versammlung nahm nach einem Referat des Genossen Karl Liebknecht eine geharnischte Resolution gegen die Machinationen der Zollwiicher-Mebrbeit im Reichstage an und leistete der Socialdcmokratie den unverbrüchlichen Treueschwur. In Cuxhaven fand am Sonntag eine vorzüglich besuchte Protest- Versammlung statt. Obwohl mehrere bekannte Anhänger der Frei- sinnigen Volkspartei anwesend waren, wurde das Wort zur Dis- kussion nicht gctvünscht. Die Hamburger Protestresolution wurde c i n st i m m i g angenommen. In Itzehoe protestierte eine von 1666 Personen besuchte Volks- Versammlung nach einem Referat des ReichStags-Kandidaten Paul Müller durch einstimmige Annahme einer Protestresolution. Auch eine in Stade abgehaltene Protestversammlnng tvar äußerst stark besticht. Eine Versammlung, tvie sie dieser Ort noch nicht gesehen, fand am 13. in Bant statt. 2666 Personen demonstrierten gegen Brot- Wucher und Krupp-Hetze. Die einstimmig von den„katscrlichen" Marine-Arbeitern angenommene Resolution erklärt unter anderm, daß die Versammlung die Socialdemokratie als die einzige berti jene Vertreterin der Arbeiterklasse ansieht, die Versammelten ferner sich verpflichten, dnrcy Organisationsthäfigkeit auf gewerkschaftlichem und politischem Gc- biete dieselbe zu unterstützen, desgleichen durch Beiträge und eifrige Agitation sowie durcki Ausbreitung der Parteipresse die iominende Rcichstagstvahl vorzubereiten. In Züllchow i Randow- Greisenhagen) protestierte eine von 366 Personen besuchte Volksversammlung gegen den Zollwncher und parlamentarischen Staatsstrcicki. In Podcjuch lRandow-Greifenhagcn) fand für die drei Orte Finkenwaldc, Podejuch und Shdowsane eine gut besuchte Protest- Versammlung statt. Eine überaus imposante Versammlung lcirca 2366 Personen) tvar es, in der RcichstngS-Abgeordnctcr Antrick in Kottlms seinen Wählern die Vorgänge im Reichstage erklärte. Eine Protest« Resolution fand einstimmige Annahme. Sprcmbcrg. Am 16. Dezember fand Hierselbst eine Protest- Versammlung gegen den Umsturz im Reichstage statt. Der Reichstags- Abgeordnete deö Kreises Genosse Otto A n't r i ck hatte das Referat dazu übernommen. Die Versammlung war so stark besucht, wie s e i t d e r l e tz t c n W a h l n o ch keine war. Im Saale selbst waren circa 1166 Personen. Da die Polizei schon gleich nach 8 Uhr das Lokal gesperrt hatte, fanden viele Hunderte keinen Einlaß mehr. Genosse Antrick wurde bei seinem Erscheinen von der Masse mit st ü r m i sch e m Beifall empfangen. Desgleichen endete sein Referat unter großem Beifall. Eine Resolution wurde ciiisnmmig angenommen, in welcher die Versammlung ihre Entrüstung über die Schamlosigkeit der Mebrheit deö Reichstags aussprach und ihr volles Vertrauen zur social» demokratischen Fraktion ausdrückte; ferner die Aufforderung Kaiser Wilhelms II. ablehnte und versprach, bei der nächsten Wahl ihre Pflicht für die socialpolitisckie Partei voll'und ganz zu erfüllen. Auch in Hameln erklärte sich eine außerordentlich stark be- suchte Volksversammlung einmütig gegen die Zollschande lind für die Socialdcmokratie. _ In Darinstadt war die am Sonnabend abgelsaltene Protest- Versammlung von 1666 Personen besucht. Die vorgeschlagene Re- solution fand einstimmige Annahme. Im Regierungsbezirk Merseburg fanden ebenfalls am Sonntag noch eine Anzahl Protestversammlimgen statt, so in Schtcnditz, Weisienfels, Löbejün, Delitzsch und Ainmendorff. Der Besuch all dieser Versammlungen tvar vorzüglich, die Stimmung die beste. Wie groß die Empörung unter den Arbeitern über die ver- übten Rechtsbrüche und das brutale Vorgehen der Brotwnchercr ist. bewiesen auch die Versammlungen, die am Sonnabend in Würzen und Lunzennu, am Sonntag in'Colditz und Geithnin stattfanden. Einen großartigen Verlans nahm die Protestbewegung in der Pfalz. Versammlungen fanden statt in Lndwigshafeu, Oggersheim, Frauke«- thal, Lambrecht, Kaiserslautern, Syrier und Pirmasens. In all diesen Orte» fanden die Versammlungen in den größten Lokalitäten statt und alle waren sie überfüllt. Die bedeutendste Kundgebung war unstreitig die Pirmasenser, der an die 3666 Personen beiwohnten, und dabei ist Pirmasens eine Stadt, die knapp 36 666 Einwohner zählt. Was will es gegenüber dieser Zahl bedeuten, daß acht Tage zuvor 366„freudig erregte" christliche Pirmasenser Arbeiter an Wilhelm II. ein ZustimnnmgStelegramm zn seinen Reden sandten und an die EcntrumSsraktion gleichzeitig ein Schreiben abgehen ließen, das in so bornierter Weise lvider die Majoritätsparteicn loszog, daß fidi sogar die ultramontane„Pfälz. Ztg." des Abgeordneten Engen Jäger scheute, es zum Abdruck zu bringen. Und obendrein waren es gar leine 366 christliche Arbeiter, die sich dieses Stückchen geleistet, sondern der Centrnmsvcrcin P i r m a s e n S, dein Krethi und Plethi angehört. Während die socialistischen Veranstaltungen überall in vollster Ocffentlichkcit stattfinden, zogen die National- liberalen vor, hinter verschlossenen T h ü r e n in ihren Konvcntikcln der Umsturzmehrheit des Reichstages ihre Anerkennung auszudrücken und das Ccntrnm hat außer der blamablen Pirmasenscr ZiislimmiliigSgeschichte nicht eine einzige ZustimmungSknndgebung zu registrieren. Auch in Worms erhob eine trefflich besuchte öffentliche Ber« sammlnng scharfe Klage wider die Staatsstreichler und Knippianer.— kommunales. Stadwerordueten-Bersammlung. 37. Sitzung vom Donnerstag, den 18. Dezember, nachmittags 3 Uhr. Vorsteher Dr, LangerhanS eröffnet die Sitzung gegen f. 6 Uhr. In den Ausschuß zur Borberatung der Renivahl eines Stadt- s ch u l r a t c s sind auch die Stadtverordneten B o r g m a n n, B r u n s und Singer(Soc,) gewählt worden. Vorsitzender des Ausschusses ist Vorsteher Dr. Langerhans. lieber die Ausschußverhandlungen betreffend den Entwurf einer Polizeiverordnung zur Regelung des Straßen- Handels in Berlin referiert Stadtv. II l l st e i n(N. L.) Ter Ausschuß hat mit 8 gegen 7 Stimmen sich gegen den Entwurf ausgesprochen, da die Mehrheit ein Bedürfnis fiir denselben bestreitet. ' Tagegen hat Stadtb. Wallach(A. L.) mit Unterstützung von 24 Kollegen aus den andern bürgerlichen Parteien beantrag!, zu beschließen: Die Versammlung ersucht den Magistrat, seine Z u st i m in u n g zu dem Entwurf aussprechen zu wollen. Sie ersucht gleichzeitig den Magistrat, darauf hinwirken zu wollen, daß§§ 1 und 4 (absolutes Verbot jedes Straßenhandels auf bestimmten Straßen und Plätzen, und Vorbehalt der Polizei, in beschränktem Maße Ausnahmen zuzulassen) fortsallen und dafür gesetzt ivird: Auf den in Anlage.V näher bezeichneten Sttatzenzügen und Plätzen ist jeder Straßenhandel, mit Ausnahme v o n Z e i- t u n g e n und Drucksachen jeder Art und Blumen, untersagt. Stadtv. Haberland(A. L.) schlägt folgende Beschlußfassung vor: Die Bersammlnna erachtet den Straßcnhanbel als eine ans den Bedürfnissen der Großstadt hervorgegangene Erscheinung, deren Beseitigung im Interesse der daran Beteiligten nicht wünschenswert ist, und hält eine Einschränkung desselben nur insoweit, als es das VerkehrSinteresse bedingt, fiir zulässig. Die beabsichtigte polizeiliche Verordnung geht in dieser Beschränkung Zu weit, da sie Straßen vom Straßcnhandcl ausschließt, in denen der Verkehr es nicht nnbediiigr erforderlich macht. Aus diesen Gründen ersucht die Versammlung den Magisttat: 1. das in der Verordlinng angeführte SiraßenverzeichniS nach dieser Richtung zn prüfen und dein Polizeipräsidium Ab- änderungsoorschläge zn unterbreiten. '• stch gegen jegliche Beschränkung de' Straßenhandels von Leitungen und periodischen Dnickschristen aller Art, solvie von Blumen zu erklären. Siadtv. Rast(A. L.): Die Errichtung der Markthallen ans städiliche Kosten ist wesentlich auch aus dem Grunde erfolgt, daß es ans hygienischen Gri'mden erforderlich sei, den Berkauf der Äaren in bedeckten Räumen statrfindcn zu lassen. Heute dagegen wird hingewiesen auf die Millionen von Waren, welche nicht ab- gesellt werden könnten, wenn man den Straßenhandel verböte. DaS muffen denn doch sehr minderwertige Waren sein.(Leb- haster Widerspruch.» Ebensowenig will man jetzt von der schlimmen .Konkurrenz hören,»oelche der S t r a ß e n h a n d c l dem s e ß- haften Gewerbe macht. Gerade im Berkehrsinteresse auch wenden wir uns gegen den Straßenhandel. der gar kein otmßeohaildel mehr� ist, sondern ein Etablieren von Gc- schäfte» ans der Straße. In eine Spccialdebatte ist niau nn Ausichuß gar nicht eingetreten. Ob»vir der Verordnung zustimmen oder nicht, das Polizeipräsidiunr wird die <£ ii che wahrscheinlich doch mache n und dann mit allen Härten die Regelung durckiftihrcn: dann wird auch die Rücksicht nicht genonnncn werden, loekche wir nehmen wollen auf den Dnickschristen- und BlnMcnhandcl. Gerade im Interesse der allerkleinsten Leute haben wir hier mehr zn thun versucht als die Ansschuß-Mchrheit. Stadtv. Hnberlaud(A.$.): Für mich ist der Straßenhandel eine Erscheinung, welche mit der Entwicklung der Großstadt zusammen- hängt, und ich halte es für einen Eingriff in die Gewerbefreihcit, den Kampf vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt ans aufzunehmen. Ferner muß das Interesse des einzelnen vor dem öffentlichen Jnter- esse zurücktreten! der Straßenhandel ist zn beschränken, soweit es das Verkehrsinteresse notwendig macht. Die Mehrheit ist der An- ficht, daß eine Beschränkung der zeirigen Ausdehnung des Straßcnhandels in teincr Richtung Bedürfnis ist. Das ist nicht ganz zutreffend. Die heutige Regelung geht zurück auf Erlasse von 18tjg, welche i» die Straßenordnung von 1890 einfach hinüber- genommen sind. Seit ISöK find aber die Verhältnisse ganz andre geworden; die Ausdehnung der Stadt und des Straßenhandcls hat ungeahnte Fortschritte gemacht. Die„offenen Handelsstellen" der Ordnung von 1800 sind die alten Buden, welche heute nur noch einen kleinen Teil des Straßenhandels repräsentieren. Der sonstige Stratzenhandcl ist gänzlich von dem Belieben jedes einzelnen Schutzmanns abhängig, insofern dieser für die Ausleguiig des Begriffes der Verkehrsstörung zuständig ist. Jetzt will die Polizei allgemeine Bestimmungen einführen. Der Straßen- Handel wird meiner Meinung nach viel mehr geschützt, wenn ich dazu mitwirke, solche allgemeinen Bestimmungen zu schaffen. Ein ab- s ollstes Verbot des Straßenhandels soll ja bloß für die Leipziger-, Friedrich-, Rosenthaler- und Münzstratze erfolgen, und dagegcii wird wohl niemand etwas haben. Stadtv. Gemeinhardt sN. L.): Heute blicken Hunderttausende von seßhaften Geschästslenten und Händlern auf dieses Haus und erwarten eine» günstigen Abschluß dieser Beratung. Unendlich viele Petitionen, die nur zugegangen sind, haben mich in meiner Meinung noch bc- stärkt. DieBerechtigung des Straße»Handels vermag ichjiicht e i n z u> c h e n. Die große Mehrheit der in Berlin ihätigcn Straßenhändler find gar nicht in Berlin ortsangehörig. Die Korbmacherinnmig hat einen großen Teil ihrer Mitglieder ver- loren: durch die Konkurrenz, die von weil außerhalb herkommt und ihre Wagen in der Stadt umherfahren läßt, ist zahlreichen Korb- machermeistern ihr Lcbcnsfaden abgeschnitten ivorden.(Unruhe: Hnruf: Backstuben!) Die gehören nicht hierher. Von dein hy gienischen.Interesse will man jetzt auch nichts hören. Ein Bczirksvorstcher kam jüngst in einen solchen Keller, wo die Aepsel zc. in Kiepen und sonst massenhaft umherlagen: da waren zlvei Hunde drin, der eine hatte fünf, der andre elf Junge, die lagen auf dem Obst herum.(Große Iluruhe, Lachen und andauernde Zwischenrufe.) Ganz ähnliche Vorkonnnnisse lverden auch von andern glaubwürdigen Leuten mitgeteilt. Sie irren sich, loenu Sie meinen, daß die Be- seitigung des Swaßenhandels nur im Interesse der Hausbesitzer angestrebt wird; das könnte nur ein ganz verkommener Charakter sein.(Lachen und andauernde Unterbrechungen.) Ich bin selbst Hauseigentümer, und so wie ich denken Tausende von Hausbesitzern. "lach bessere Leute auS den, Westen haben den Straßen- Handel entschieden verdammt.(Hört) hört! und wiederholte Heiter- lest.) Auch bestrafte Subjekte befinden sich unter den Sttaßen- Händlern, wie ein Fall aus Moabit beweist. Redner erzählt diesen Fall. wo es sich mn einen Betrugsversuch beim Geld- wechseln handelt, im einzelnen, lvobei abermals große Heiterkeit entsteht und der Ruf: Der reine„Lokal- Anzeiger" hörbar wird. Die Händler sind ja keine armen Leute, sondern Großtapitalisten, die dem Bcrlüier seßhaften Bürger Konkurrenz machen. Darum ersuche ich, die Vorlage anzu- nehmen.(Lebhaftes ironisches Bravo!> Stadtv. Singer(Soe.): Ich werde bemüht sein, diese Frage ans der Sphäre der Räuber er Zählungen oder Bierbank- g e s ch i ch t e n wieder zurückzuführen auf das prattische Gebiet. Ter Vorredner hat das hygienische Interesse in den Vorder- grund geschoben. In manchen Backstuben sieht es auch nicht sehr tauber auch und wollte inan diesen Standpunkt allein gelten lassen, so müßten auch sehr viele Backstuben verboten werden.(Lebhafte Zustimmung.) Die Ausfühnmgen von Rast und Haberland ivären diskutabel, wenn die Herren nicht einfach darüber hinweggegangen wären, daß die städtischen Behörden in den Dingen gar » i ch t S Ernsthaftes zu sagen haben. Deshalb hat"auch unsre Einzelberatung nachher im Polizeipräsidium gar nichts zu bedeuten.(Widerspruch.) Gerade hier ist das Wort pi'inoixiis obsta angebracht; man darf auch nicht den kleinen Finger bieten, weil dem Polizeipräsidium dadurch seine Stellungnahme erleichtert und es in den Stand gesetzt lvürdc, sich auf uns zu benffen. Nicht auf hygienische und Berkehrsintereffen, sondern aus politische Tendenz est ist die Forderung zurückzuführen(Widerspruch): bringen Sie den Trucksachcnhandel heraus, dann hat die Polizei kein Jnter- esse iiiehr an der Neuerung, denn was sonst verboten werden soll, kann schon heute jeden Tag verboten werden. Die Verordnung ist ein Vers u ch. etwas, lvaL der Polizei und andren Instanzen u n a n g en e h m ist, auf dem Wege der Polizeiverordnung unter Mitwirkung der Bürgerschaft zu beseitige». Davor müssen wir die Bürger- s ch a f t bewahren. Wenn eine solche Verordnung erlassen wird, soll daher der P o l i z e i die v o l l e V e r a n t w o r t u n g verbleiben und nicht der Magisttat als Mitschuldiger daftir in Anspruch genommen lverden können. Tie Beseitigung der Paragraphen betreffend Zeitungen und Blumenhandcl ist gerade das Hanptmomcnt, worauf die Polizei Wert legt. Wir haben keine Veranlassung, diesen Scheidegruß des Polizeipräsidenten zu accepticrcn. Bei einem so klugen und gc- lvicgtcn Mann wie Herrn Rast war es wunderbar, die Anschauung zu finden, daß die Waren minderwertig sein sollen, wenn sie ans dem Wege des Straßenhandcls verkauft werden können. Diese Waren lverden nicht in den Läden und Marlihallcn gekauft, svndern weil sie den Leuten auf der Straße leicht zugänglich sind und an- geboten werden. Ich beanttvorte die Frage, ob der Straßcnhandel das Berkehrsinteresse schädigt, mit einem glatten Nein.(Ruf: Wir mit In!) Ich hoffe, daß die .itadt davor bewahrt bleiben wird, die Minderheit des Aus» i diu n e§ hier in der Versammlung in d c r M e h r- bei t zu sehen. Keine Spur eines Beweises für die Störung des Verkehrs durch den Straßenhandel ist erbracht; was»vollen Sie also eigentlich init dieser Behauptung s Auch hier wird wieder mit krassen Ucbertreibnngcn gearbeitet. Herr Gemeinhardt verwahrt sich dagegen, daß Hausbesitzer- inte reisen im Spiele sind. Tie legitimen Vertreter der Hausbesitzer- i ntercssen, die Hausbesitzer-Vereine, geben doch direkt den Sttaßenhandcl als eine Schädigung der H a u s- besitzcr- Interessen an.(Lebhafte Zustimmung.) Hier aber wird das arme Verkehrs-_ Interesse gemißbrancht. mn dem Verlangen der H a n s b e s i tz e r zu diene», mit dem die Interessen der seßhaften Geschäftsleute merkwürdigerweise zusaimncn- falle». Tie Hausbesitzer sprechen das ehrlich aus; hier aber wird das Mäntelchcn des Berlehrsintercsies umgenommen. Ties ist jedoch stark durchlöchert, und dcutlich schimmert durch. Vcrantworll. Ncdatteur: Carl Leid in Berlin. Snieralciiteil vcranlworilich: k daß der Hausbesitz sich in seinem Allerheiligstcn. in seiner Rente, bedroht sieht.(Große Unruhe.) Herr Gemeinhardt ist ganz der I n n n n g S m a»» aus dem Mittelalter; ginge es nach ihm, so müßte man um Berlin wieder die Stadtmauer ziehen, und jeder, der Handel treiben wollte, müßte sich am Thore als Berliner ausweisen, lieber diese Zeiten sind wir aber hinaus. Erscheinungen wie der Berliner Straßenhandel können sich nur entwickeln, wenn die innere Notwendigkeit daftir vorhanden ist. Das sehen Sie an Paris, London, Brüssel. Wenn bei uns der seßhafte Händler auch die Straße in Anspruch nimmt, so wollen Sie ihm das ruhig g c st a t t e n, dem S t r a ß e n h ä n d l e r aber n i ch t.(Große Uiirnhe). Das ist die Gerechtigkeit, lvclche die HauSbesitzervereine vertteten. Die Verzeichnisse unterwerfen fast alle Sttaßen mit Sttaßcnbahneii dem Verbot oder der Beschränkung des Straßenhandcls; daraus ist die politische Absicht der Verordnung deutlich erkennbar. Dieselbe muß als Eingriff in die Gcwerbefreiheit von der Vertretnng der Bürgerschaftzurnckgewiesen lverden. DaS Polizeipräsidium als polittsche Behörde muß den Anschauungen gewisser Stellen dienstbar sein. Wir sollten das bißchen Unabhängigkeit, das wir haben, nicht preis- geben, indem wir die Hand zu solchen Maßnahmen bieten. Wird die Verordnung doch erlassen, dann kommt sie kraft des Rechtes der Gewalt zu stände und die Stadt hat sich nicht znin Mitschuldigen gemacht. Vom Magisttat hoffe ich, daß er diesen Standpunkt teilt und einen etwa im entgegengesetzten Sinne gefaßten Beschluß als in Vertretung von Einzeliittereffen gefaßt betrachten würde. Ein Beschluß gemäß dem Ausschußantrage würbe das Kennzeichen eines wirklichen Liberalismus sein.(Beifall bei dm Svcialdemottatcn.) Stadtv. Dovc(A. L.) spricht sich für den Antrag Habcrland ans. Herr Gcmeinhardt habe in seinem„glänzendem Plaidoyer" seinen Standpunkt möglichst unglücklich vertteten. Gegen die Beschränkung des Handels mit Zeitungen und Blumen sei die ganze Versammlung; spreche man das aus, io liege doch darin keine Zustimmung zu den Plänen der Polizei. Trotz Herrn Singer stehe die Mehrheit der Versammlung doch lvoqk ans dem Standpunkt, daß der Magistrat sich der Mitwirkung bei der Reglementierung im Berkehrsinteresse nicht entziehen kann. Seien feste Normen da. dann lvisse jeder, woran er sei, und es werde nicht mehr die Hälfte der Berliner Schutzmannschaft jeden Tag in Moabit festgehalten, um in solchen UeberttetnngSsachcn Zeugnis abzulegen. Stadtv. Cassel(A. L.): Der Anttag Haberland mutet uns eine zweideutige und odiöse Stellungnahme zu.(Sehr richtig!) Die bisherigen Befugnisse der Polizei werden durch die Annahme dieser Verordnung nicht im inindestcn berührt. Der Anttag Habcrland ist eine Kur ü la Dr. Eisenbart: um die Sttaßcnhändlcr nicht der Willkür der Schuhleute zu überlasse», solle» die erstcrcn überhaupt ans den Hauptstraßen hinausgeschmissen lverden! E s h a n d e l t s i ch h i e r lhatsächkich um einPrincip d e S Li b e r a l i S m n S. Gegen die Direktive, die Herr Singer dem Magistrat geben will, niuß ich indessen energisch Verwahrung einlegen. Der inzlvischen eingegangene Anttag Bütow, der darauf gerichtet ist, daß der Straßenhandel nicht bau festen Standplätzen ans betrieben wird, genügt mir eben- falls nicht, weil die Polizei dies schon jetzt untersagen kann und eine Ausnahme in dem Antrage nicht vorgeiehen ist. Stadtv. Wallach(A. L.) sucht abermals in Abrede zu stellen, daß «S sich hier um eine Hausbesitzer- Agitation handelt und verlangt. daß die Fürsprecher der Minderbegüterten sich auch der kleinen Laden- und Keller�- Geschäftsleute annehmen. Nicht einseitige Jntereffen, wie Herr Singer, vertrete er, svndern diejenige einer großen Schicht der Bürgerschaft. Der tägliche Umgang des Herrn Singer mit den Landjunkern im Reichstage scheine abzufärben, denn seine Auf- forderung an den Magistrat, den Beschluß der Versammlung zu miß- achten, wenn er nicht im Sinne der Ansschußmchrhcir ausfalle, schmecke bedenklich nach dem:„Und der König absolut, wenn er unser» Willen thut!" Schließlich zieht Redner sür seinen Antrag auf Beseitigung des«ttaßenhandelö noch die„historischen Weiber" heran, die vor der Einführung der Kanalisation nächtlicherweile ihre nütz- liche Thätigkeit ciitsalteten, aber doch der Entwicklung hätten weichen müssen. Stadiv. Dr. Btttow(Fr. Fr.) tritt für seinen oben erwähnten Anttag ein. Hierauf wird ein Schlnßantrag abgelehnt. Stadtv. Max Schulz(N. L.): Meine Fraktion verurteilt den Standpunkt unsres Kollegen Gcmeinhardt als den des krassesten wirtschaftlichen Egoismus; der Liberalismus hat stets das Bestreben, sich die Konturrenz um jeden Preis vom Halse z» halten, verworfen. Die Polizei hat ihre Befugnis, einzuschreiten, nicht ausgenutzt; um durch das Ueberhandnehinen des Mißbrauchs die Handhabe zu einer radilalcn Maßregelung des Straßenhandels zu gewinnen.(Widerspruch und Un- ruhe.) Es ist doch sehr merkwürdig, daßgerade bei dieser Verordnimg die Polizei uns gnädigst mit gutachtcn lassen will! Denkt man denn gar nicht an die Wahlen und an die Möglichkeit, den Stimm- zettel- und Flugblätterve rteilcrn trotz aller gesetzlichen Freiheit ihre Thätigkeit nn möglich zu machen? Tausende fragen heute in Berlin, ob die Reichs- Hauptstadt auch wirtlich noch die Burg des Liberalismus sei. Trotz der schönen Rede des Kollegen Gcmeinhardt treten wir sür die Sttaßenhändler und damit auch für die Rechte der Konsumenten ein.(Die Unruhe in der Versammlung steigert sich immer mehr.) Mit einer kurzen Entgegmnig des Stadtv. Habcrland gegen den Stadw. Cassel schließt die Beratung. In namentlicher Abstimmung wird der Ausschuß- antrag mit 84 gegen 39 Stimmen angenommen, der dazu als Amendement gestellte Antrag Bütolv abgelehnt. Die andren Anträge sind damit erledigt. Die Lorlage lvegcn Festsetzung von Fluchtlinien für die Südseite der Wullenwcberstraße und für eine Uferstraße in Verlängerung des Wickinger- und Hansa-UferS wird bis nach Neu- jähr vertagt. Die Vorlage betr. die zur Herstellung der Ucberführung der B c l l c r m a n n- und S lv i n e m ü n d e r st r a ß e über den Bahnhof Gesundbrunnen erforderlichen Banbcschränkimgcn und Enteignungen gelangt ohne Debatte zur Annahme. Damit schließt die letzte Sitzung im Jahre 1902 gegen 9 Uhr. Versammlungen. Arbeiter Radfahrer. Eine von ungefähr 400 Radfahrern be- suchte öffentliche Bersmnuiluog tagte am 14 d. M. in den AndreaL- Fcstsälcn. In derselben sprach Ad. Hoffmann über„Die bevorstehen- den Reichs- und Landtagsloahlen und die Ausgaben der Arbeiter- Radfahrer". Der Vortragende gab zunächst seiner Freude darüber Ausdruck, daß die radfahrendcn Arbeiter, loekche man als die „Kavallerie" der Partei bezeichnen könne, frühzeitig mobil machen für die bcvorstchcndcn Kämpfe und ließ sodann in seinem oft mit lebhaftem Beifall und Zustimmungsäußerungen unterbrochenen Vortrage die letzten Ereignisse im Reichstage Revue kassieren. Der Redner führte ans, daß gerade die radsahrenden Arbeircr bei den bevorstehenden Wahlen der Partei wertvolle Dienste leisten können, indem sie einesteils die sonst schlver zn erreichenden Landorte mit Agitationsmaterial versehen, andrerseits am Wahltage selbst ver- mittelst deS Rades wichtige Nachrichten und die Wahlrcsultate aus den einzelnen Wahlorten zur Centtale befördern. Er forderte alle Anwesenden auf, sich selbst und ihre Räder bei den nächsten Wahlen in den Dienst der Partei zu stellen und kein Mittel unversucht zu lassen, den Gegnern sür ihr volkvcrräicrisches Verhalten im Reichstage mit der WaKl von Arbeitcrveriretern zu quittieren. Am Schlüsse lvurde dem Redner begeisterter Beifall zu teil, und cinstiinmig gc- langte folgende Resolution zur Annahme:„Die Versammlung protestiert auf daS Entschiedenste gegen die Gewaltpolitik der Mehr- hcit des Reichstages und verpflichtet sich, bei den nächsten Reichs- und Landtagsloahlen Mann für Mann mit aller Kraft sich der social- demokratischen Partei zur Verfügung zu stellen." Ilm die Landagitation planmäßig gestalten zu können, wurde sodann beschlossen, einen Central-BcrtraucnSmann, sowie einen Stellvertreter für die Arbeiter-Radfahrcr für die Provinz Brmidenburg zu wählen, welche alle die Aguariou betreffenden Anordnungen zu iGlocke in Berlin. Druck». Verlag: Vorwärls Bmhdruckcrci u. Verlagsanftalt treffen haben. ES wurde als Vertrauensmann Carl Fischer. Waldsiraße 8 und als Stellvertreter Franz Stöckel, Kottbuser llfcr 57 gewählt. Von verschiedenen anwesenden Genossen lvurde lebhaft Klage geführt, daß in den Räumen deS GcwcrkschastShauscs nicht genügend für sichere Aufbewahrung der Fahrräder Sorge getragen sei. Es lvurde seitens der Versammlung eine dreigliedrige Kommission gc- wählt, welckie bei der Verwaltung des Gewerkschaftshauses die nöligen Schritte unternehmen soll, um diesen Mißstand zu beseitigen. Verband deutscher Gastwirtsgrhilfcn. Die Ortsvcrwaltung Berlin hielt am 12. Dezember einer Mitgliederversammlung ab.'Dieselbe nahm folgenden Antrag an:„In Anbetracht der schlechten Verhältnisse in unsrem Berus beschließt die Versammlung, Familienvätern eine Beihilfe zur Bescherung ihrer Kinder zu gelvähren". Dieselbe kann ans Antrag im Bureau, Tirkscnstr. 39 I, in Empfang genommen lverden. Adlcrshof. Da die am II. d. M. abgehaltene Mitglieder- Versammlung deS hiesigen Wahlvcrcins vom überwachenden Beamien lvegcn Eintritts der Polizeistunde aufgelöst wurde, fand am Sonmag- nachmittag im Lokal des Herrn Fechner eine Volksversainmlnng s:aic. zn lvelchcr wiederum der Stadtverordnete Genosse Ewald-Bcelin das Referat über„Der Ilnifturz im Reichstage" über- nommcn hatte. Nachdem der Referent an der Hand der klaren ge- sctzlichen Bestimmungen, die Auslösung der vorigen Versammlung als eine Ucberschrcitung der amtlichen Befugnisse des Beamten erllärr hatte, ging derselbe zu seinem eigentlichen Thema über. Redner schilderte die letzten Ereignisse im Reichstag und geißelte in treffender Weise das Verhalte» der Rlehrheitsparteicn. Den AuSführniigcn des RedncrS wurde stürmischer Beifall gespendet. Dann erfolgte die ein- stimmige Annahme der folgenden Resolution: Die Versammlung erklärt sich mit den Ausfilhrungcn des Reie- reuten vollkommen einverstanden und spricht der socialdcmotratisckic'n Fraktion des Reichstages ihr volles Einverständnis anS über die Haltung derselben in der Zollwucher-Frage. Die Versammlung prorcsticrt auf das Energischtc gegen die Vergewalrigung ihrer Verteter durch die beutegierigen Handlanger des Kapitalismus und ersucht die socialdemokratischcn Abgeordneter. nachdem ihnen durch de» Anttag Gröber die Redefreiheit aenomiurr ist, kein Mittel unversucht zu lassen, damit dem armen Volke die Ans. Plünderung erspart bleibe. Tie Versammlung verpflichtet sich, bei der nächsten Rcichstagswahl ihre volle Schuldigkeit zu thun, um du: Kandidaten unseres Kreises, dem Genossen Fritz Zubcil, schon in: ersten Wahlgangc mit übergroßer Majorirät zum Siege zu verhelfen. Konsum-Genossenschaft Adlershof und Umgegend. Montag, den 8. d. M., fand die ordentliche Gencral-Versammlung siati, u»: den Geschäftsbericht der Verwaltung für das zweite Geschäftsjahr entgegenzunehmen. Ein Bild erfrculickicr Entwicklung ergiebt der Vcrgleiai des dies- und vorjährigen Abschlusses. Tie Äiitgliederzab! verdoppelte sich, indem sie von 192 auf 334 stieg, ja bis Anfang Dezember ist sie sogar ans 4'40 gestiegen. Ter Umsatz betrug voriges Jahr ca. 21 000 M. in 5 Monaten und erreichte dieses Jahr die Höhe von 70 100 M. in 12 Monaten, was einem Durchschnitt- Umsatz von 4200: 6000 entspricht. Ein noch deutlicheres Bild des guten Gedeihens dieses jungen Unternehmens erhält man bei einer Gegenüberstellung des vorjährigen Novembers mit dem dieses Jahres, hier bat sich der Umsatz fast verdoppelt und zwar von 5100 auf 9600. Doch nicht nur der Ilmsatz und die Steigerung der Mitglieder- zahl kann die Verwaltung und mit ihr sämtliche Genossen mit Befriedigung erfüllen, sondern auch die materielle Basis ist eine sehr gute, stehen doch einem Liefcranten-Conto von 6466 M. nur 1365 Mark Passiva entgegen, was bei dem Umsatz der Gcnoffcnschast eine Kredilbeanspruchung von 1 Woche heißt. Auch die Geschäftsanteile gingen sehr rege ein, sie stiegen von 2545,25 auf 4575,25 M. An Rückvergütung wurden den Genossen dieses Jahr V- Proz. mehr gewährt, nämlich 5 Proz. Wie alle modernen Genossenschaften, ist auch Adlcrshof an die Großeinkaufs-Gcsellschaft in Hamburg angeschlossen. Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß auch die Konsum- Genossenschaft Adlershof auf der letzten General-Vcrsammluiig des Allgemeinen Verbandes deutscher Erwerbs- und Wirtschasts-Genossen- schafttn in Kreuznach ohne Angabe eines Grundes ausgeschlossen wurde._ Letzte ISacbncbtcn und Depefeben» Schluß des englischen Parlaments. London, 18. Dezember(W. T. B.) Die Tagung des Parka- menis lvurde heute mit einer Thronrede geschlossen, die vom Lord- Großkanzler Earl of Halsbury verlesen lvurde. Die Thronrede erwähnt den Abschluß der Zuckerkonvention. die den großen, ans übergroßen Prämien sich ergebenden 1Iii: zuträglichleitcn ein Ende machen solle, und konimt dann ans den Konflikt mit Venezuela zusprechen. Bedauerlich sei. daß die beständigen Beschwerden der britischen Regierung bci der vene- zolanischen über unvörantw örtliche willkürliche Akte gegen britische Staatsangehörige und deren Eigentum während der letzten zwei Jahre bc harrlich imBerücksichiigt geblieben. Die Thronrede sagt dann: Für meine Regierung, die dabei im Einvernehmen mit der Sr. Majestät des deutschen Kaisers handelt, die gleichfalls ernste Gründe zur Klage über die venezolanssche Republik hat, hat sich die Notwendig- feit ergeben, auf Maßnahmen zur Abhilfe zu dringe». Weiterhin gedenkt die Thronrede deS zwischen England und Japan abgeschlossenen Abkommens, durcki welches die beiden Regienmgcn sich verpflichten, einander bei gewissen Eventtlalitäten zn unterstützen zum Schutze ihrer beidcrseittgen Interessen. Ties Abkommen, so sagt die Thronrede, werde hoffentlich beiden Teilen zum Vorteil gereichen und zur Erhaltung des all- gemeinen Friedens im äußersten Osten beittage». Sodann wird der Handelsvertrag mit China erwähnt, der nicht nur für England, sondern auch für den Handel der ganzen Welt wertvolle Erleichterungen und Vorteile verspreche. Dieser Verttag ttcte nicht in Kraft, wemi nicht die andren Mächte mit China in die gleicken Beziehungen cinttätcn. Er enthalte aber Bcsttmmungen von großem Werte, die nicht von ihrer Zustinmmng abhängig seien. Für die Zurückziehung der inter- nationalen Streitkräfte aus Shanghai seien Abmachimgcn getroffen worden. Schließlich wird in der Rede ein lleberblick gegeben über die Thätigkeit der inneren Gesetzgebung im letzten �ahrc und besonders die Unterrichtsbill crlvähnt und der Zuversicht Ausdruck verliehen, daß die Meinungsverschiedenheiten, welche sich ans der- selben ergaben, nicht lange anhalten werden, und daß das Gesetz zur Lösung der vielleicht schwierigsten Frage ans dem Gebielc der inneren Gesetzgebung beitragen werde. Uebcrnahme der Straßenbahn in städtische Regie. Karlsruhe, 18. Dezember.tackrid)tm Julius Popp. In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag ist in Wien einer unsrcr besten Genossen gestorben: Julius Popp. Popp zählte zu den ältesten und bewährtesten Führern unsrcr vstreichischen Bniderpartei. Er war langjähriges Mitglied des ParteivorstandeS, Vorsitzender aller Parteitage und kommerzieller Leiter der Wiener„Arbeiterzeitung". Mit ihm ist die östreichischc Partei und ihr Eentralorgan groß gelvorden, wie viel Arbeit und wie viel Sorgen diese Entwicklung gekostet hat, das wußte keiner so gut lvie er. In der Zeit der schlvcrstcn Verfolgungen durch die Behörden saß er am Steuer, und auch er hat der östreichischcn Klasscngercchtigkcit seinen Tribut zahlen müssen. In dieser drang- vollen Zeit hieß es. die größte Kaltblütigkeit bewahren, die Verbreitung des Blattes, die durch das objekttve Verfahren ständig unterbunden war, planvoll zu fördern und aller finanziellen Schwierigkeiten Herr zu werden, die ein solcher Zustand mit im Gc- folge haben mußte. Popp hat dieseit Kampf tapfer durchgefochten. Von der Zeit, in der die Partei ein rnhigcres erfolgreicheres Stadium der Entwicklung durchlaufen durste, hat er nur eine kurze Spanne erlebt. Bor drei Wochen gesellte sich zu seilten, alten Herzleiden eine schlvcre Lungen- entzündnng. der er— 54 Jahre alt— erlag. Erst vor welligen Wochen hat die Frau unsreS nun verstorbenen Genossen, Adelheid Popp, hier in Berlin wie in andren größeren Städten des Reiches zu vielen Tanseliden von Arbeitern und Ar- beitcriiliien gesprochen. So gesellt sich fiw die Arbeiter Tcntschlands zu dem Bedauern, die gemeinsame Sache eines so tüchtigen Streiters beraubt zu sehen, eil, inniges persönliches Empfinden. Sie werden in Gedaiiken dabei sein,»venn unsre östreichischen Genossen Julius Popp die letzte Ehre erweisen._ Gcillei»dc>tiahlcn. Bei den Stichwahlen in Suhl(R.-B. Erfurt) siegte die socioldemotratische Liste vollständig. Unsre 3 Kandidaten erhielten 197, 238 und 275 Stimmen, die Gegner 149 bis 188. In Wulsdorf bei Geestemünde lvurde der soeialdcmokratischc Kandidat mit 136 gegen 4 gegnerische Stimmen gewählt. In Königreich Sackscn wurden Parteigenossen gelvählt: In Cainsdorf 2, in G i l t e r s e e 2, in Großburgk 1, in Riederhä stich 2, in Weida und Gröba bei Riesa"je 1. In Grötzingen sowie in Mörsch(Baden) siegte in der dritten Klasse die reine socialdemokrattsche Liste vollständig. Unsre Mitteilung ans Lüdenscheid enthielt insofern einen Irrtum, als lvir berichteten, daß diesmal der erste Socialdcmokrat gewählt worden sei. Es fitzt aber schon seit vier Jahren ein Partei- genösse im Stadtverordnctcn-Kollegium. Fortschritte. In der letzten Versammlung des socialdemo- kratischcn Vereins in Dortmund, in der die Krupp-Angclegenheit besprochen wurde,, neideten sich 32 neue Mitglieder. Die„Königsberger Bolks-Zeitung" berichtet über eine erftenliche und anhaltende Zunahme ihrer Abonncntcnzahl. Totenliste der Partei. In Rengcrsd orf(Sachsen) starb der Parteigenosse Richard Aurich. Die Sächsische Arbeiterzeitung" lvidiilet ihm folgenden Nachruf: Der Verstorbene war schon, als er noch als Former arbeitete, ein ciftigcr und zielbewußter Mitkämpfer, der sich als Organisator und Agitator solvohl in der gelverlschaftliche»,_ Ivic in der politischen Belvegung in opferwilliger Weise und mit Erfolg bethätigt hat. Nachdem der unerschrockene Kämpfer ein Opfer der BersolgungSwut der Untenichmer gc- worden war, wurde er nach langer Arbeitslosigkeit zum Geschäftsführer des Konsumvereins Vorwärts in NcugcrSoors gewählt. Auch in den letzten Jahren ist er imcrmiidlich thätig gewesen. Lange Jahre war er BertraucnSmann der Metallarbeiter und er kettete als solcher die gewerkschaftliche Bewegung dieses Berufs in einem großen Teile der Lausitz. Bis kurz vor seinem Tode hat er als Gemeinderatsmitglied in Neugersdorf eine erfolg- reiche Thätigicit entfaltct. Die Genossen von Neugersdors hatten ihn tvicdcr als Kandidaten anfgestellr und er wäre an, DoilncrStag sicher wieder gewählt worden, wenn ihn nicht der Tod plötzlich weg- gerafft hätte. Die Arbeiter der Laufitz werden des erprobten und opferwilligen Genossen gedenken. Die Partei aber verliert in Anrich einen wackeren Kampfgenossen und einen einsichtsvollen Berater. Zu den Auslassunge» des„Eorrcspoudeut für Deutschlands Buch- druckcr" über die„socialdemokratischen Bierlvirte" erhalten wir eine Zuschrift von einem hiesigen Buchdrucker G. Sch., der als Mitglied des Buchdruckerverbandes das Wort erbittet. Der Schreiber spricht von dem berechtigten Aufsehen, das der Artikel in Arbeitcrkreisen, speciell unter den Mitgliedern des Buchdruckerverbandes erregt hat; er billigt dem Berfasser desselben ausdrücklich den guten Glauben zu und fährt dann fort: „Doch mir scheint, Rexhäuser überschätzt sich, oder er leidet an einer Krankheit, deren Bacillus sich in die Redaktionsstube des„Cor- respondent" eingenistet hat, Gasch wollte den Verband nach seinen Ideen resomneren, Rcrhäuscr will noch ein größerer Reformator werden und die ganze organisierte Arbeiterschaft beglücken, aber er besitzt ebenso wenig Talent dazu wie sein Vorgänger, wie Don Ouichotte kämpft er mit Windmühlen. Sehen wir uns doch einmal unsre socialdemokrattsche Abgeordneten an. Sind nicht die meisten aus den, Arbeiterstandc, ans den Gewerkschaften ihrer Berufe hervorgegangen und sind diejenigen, die dem KaufmannSstallde entsprossen, oder die sogenannten Akademiker lvcniger gut, würden nicht unsre Gegner ftoh sein, solche Männer zu den ihrigen zählen zu können? Allerdings hat die Frattion den Gewerkschaften und speciell uns Bnchdrnckem nicht immer das richtige BcrständniS für unsre Ziele entgegengebracht. aber auch hierin ist in letzter Zeit eine erftenliche Besserung eingetreten und voraussichtlich wird diese Erkenntnis weitere Fort- schrtttc machen.— Die politische Partei muß allen gerecht werden, eine Partei aber im Sinne Rerhänsers würde nur einseitige Gewersschaftspolitil treibet,. Ich, und ich glaube die große Riasse meiner Kollegen hinter mir zu haben, kann mich für das Rex- häusersche Problem nicht erivanneit; ich will niemand, namentlich nicht dem Redaltenr misres Organs, das Recht der freien MeimuigS- äußerung schmälern; wenn er aber einen Artikel in die Welt schickt, sollte er sich erst umsehen, wie die Welt aussieht." Das Wachstum der Socialdemokratie in Holland. Als der nun wiedergewählte Genosse T r o e l st r a vor fünf Jähren eimnal in der Kammer von einer„socialdemokratischen Fraktion" sprach, lachten einige Vertreter der herrschenden Klasse, weil damals nur zwei Socialdeinokratcn in der Äaiinncr saßen. Darauf erklärte Troelstra:„Sie lachen, meine Herren, weil unsre Partei so wenig zablreich vertreten ist. Aber lassen Sie sich dadurch nichl verleiten, die Kraft dieser Partei zu unterschätzen. Nicht die Hälfte der ertvachsenen Männer nnsreS Landes ist ivahlberechttgt; aber die 599 999 Wähler, wovon 12 999 ihre Stimme für einen der llnsern abgaben, haben mehr als 799 999 Arme, Unzlifriedene hinter sich, ein großes fruchtbares Feld, durch JhreschöneGescllschastSordnnng siir unfie Propaganda vorbereitet. Lachen Sie also nicht über unsre kleine Zahl, denn lvir sind nur die Vorläufer derer, die im Anzüge sind."— Daß sie nur die Vorläufer der Kommenden sind, das kann mit vollen. Recht mich heute noch von den acht Arbciterverttetcrn gelten, die jetzt in der Kammer sitzen, und dafür zeugen die Nachwahlen dieses Jahres. Bei den allgemeinen Wahlen im Jahre 1991 hatte sich die Zahl der socialdemolratischcn Stiiniiten mehr als verdreifacht; bei den Nachivahlen im Jahre 1992 wurden im neunten Amsterdamer Kreise bei der Haupttvahl ca. 2199 Stiinmei?, gegen nur 999 im Jahre 1991 fiir die Socialdemokratie abgegeben; im dritten Kreis tu Amsterdam aber stieg unsre Stimmenzahl im selben Zeitraum voi, 1499 auf nahezu 2599. Von ebenso glänzendem Fortschritt zeugen die Nachwahlen, die kürzlich in Gouda und Leiden stattsanden. In Gouda stieg die socialdemolratische Stimmenzahl voi, 299 aus nahezu 599, in Leiden, einer der dunkelsten Wahl- kreise Hollands, Ivo zum erstenmal ein Kandidat unsrcr Partei aufgestellt war, erhielt dieser 199 Stimmen. Die Partei selbst ist seit 1897 von 50 ans über 100 Abteilungen, von 2000 Mitgliedern ans ungefähr 6999 angclvachsen. Daneben ist eine Betvcgung für das allgemeine Wahlrecht entstanden, der mehr denn 200 Organisationen angeschlossen sind. V-lik»lliche», Gerichtliche»«st». — DaS preußische Kammergericht ist keine Autorität für die preußische Polizei. Der Regierungspräsident fiir Königsberg erließ folgende Enlschcidung: Die gegen da« Verbot einer öffentlichen Versammlung am Büß- tage bei dem Herrn Minister des Innern iclegraphisch eingelegte Be- sckivcrdc vom 18. d. M. ist an mich zur Entscheidung abgegeben worden. Ich weise diese Beschwerde zurück, da die Abhaltung öffentlicher Bersammlmigen nicht gottcSdicnstlichei, Charakters am Bußtage nach 8 19 der Polizeiverordnung von, 7. Dezember 1896 über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage(A.-Bl. 1897 S. 3) verboten ist. Ihre Annahme, daß diese Verordnung rechtsungültig sei, wird diesseits nicht geteilt, da das königliche Ober-Verwallungsgericht sich in mehrfachen Entscheidungen auf einen den grundsätzlichen Aus- sührungen der KannnergcnchtS-Entscheidimg von, 22. April 1991 ent- gcgengesctzten Standpunkt gestellt hat. Waldow. Sociales. Zu de», Bundesratsbeschliiß auf Einführung von Lohntücheru in der Konfektion teilt die„Beck. Eorr." die Ertvägungen mit, von denen der Bundesrat ausgegangen ist. Sie schreibt: Nach den Ergebnissen der unter Mitwirkung der Kommission fiir Arbeitcrstatistik angestellten Erhebungen werden in dem KonfcktionSgclverbe bei der Vergebung von Arbeiten vielfach die auf die Lohnbcrechimng bezüglichen Arbeitsbedingungen nicht ge» nügend klar gestellt, obwohl dicö bei den hier bestehenden eigenartigen Verhältnissen dringend wünschenswert erscheint. Der Arbeitsvertrag erstreckt sich in der Regel nur aus den einzelne,' Auftrag; darüber hinaus besteht für den Arbeitgeber ieinerlci Verbindlichkeit, weder zur llebcrtragung weiterer Aufträge»och hinsichtlich der für solche zu bewilligenden Löhne. Die nach Anfcrtignng der Muster mit dem Arbeitgeber vereinbarten Preise erfahren aber zuweilen schon bei Erteilung der ersten Bestellung eine Veränderung; die während der Saison eintretenden Aendernngen in de» Facons oder hinter der Prcissordcrung zurückbleibende Angebote bavc» oft eine Acndcrung der früheren Preise und Lohnsätze zur Folge. Die Bedingung über die Lieferung von Stoffen und Werkzeugen zu der übertragenen Arbeit sind nicht bei allen Arbeitgebern gleich, und die übernommenen Einzelaufträge sind der Natur der Sache nach von ungleichem Um- fange. Dessen ungeachtet erhalten sowohl die Arbeiter wie die Zwischcnmeister häufig keine oder nur eine unvollständige schriftliche Bescheinigung über den Inhalt der aus die Lohnbercchnung bezüglichen Arbeitsbedingungen. Es besteht daher die Gefahr, daß die ?lrbeiter sich bei Ucberimhme des Auftrages im unklaren über den demnächst von ihnen zu beanspruchenden Lohn befinden. Durch die Einführung vo» Lohnbüchern wird dieser Uebelstand beseitigt werden. Die von den Arbeitgebern vorznnehmende Beurkundung der ach die Lohnbcrechnung bezüglichen Arbeitsbedingungen wird für die Folge de», Arbeiter vor ttcbernahme des einzelnen Auftrags Klarheit über die Lohnvcrhältnissc verschaffen. Und zwar sollen diese Lohnbücher auch für solche Arbeiten zu führen sein, die innerhalb der Fabriken oder Wcrkstättc» verrichtet werden. Mag nämlich auch das Bedürfnis zur Beurkundung der Arbeitsbedingungen innerhalb geschlossener Bc- rriebc nicht in demselben Maße tvie bei der Heimarbeit bestehe», so erscheint es doch hier nicht angängig, hinsichtlich der Fabriken eine Ausnahme zu machen, Ivcil in der Konfektion eine strenge Sonderung von Fabrik- und Heimarbeit für die einzelnen Arbeiter nicht immer durchgeführt ist. Das Nähere über den Umfang der Einiragungen und die sonstigen Vorschriften ergicbt sich aus dem Formular der Lohnbücher, welches vom Reichskanzler im Einklang mit dem§ 114a der Gewerbe- Ordnung und de», zlveitc» Absätze des BundcSratsbeschlusscs fest- gestellt worden ist und demnächst den Bundesregierungen zu- gehen wird._ Bewegung der Brvölkcrung des Deutschen Reichs im Jahre 1991. Die im kaiserlichen statistischen Amt zusammengestellten Nach- weise über die Belvegung der Bevölkerung ergeben, daß im Deutschen Reich stattgefunden haben: - im Durch- auf 1990 ,m Richte von der Bevölkerung 1991 1892,1991 1991 1892/1991 Eheschließungen... 468 329 437 739 8,24 8,21 Geburten 1 einschl. 12997 838 1 983 576 36,89 37.29 l Tot-| Sterbefälle| geburten 1 1240 014 1 235 103 21,81 23,16 Geburten-Ueberschuß. 857 824 748 473 15,09 14,04 tinter den Geborenen waren Prozent der Geborenen Unehelich Geborene.. 179 683 179 893 8.57 9.96 Totgeborene.... 65 525<54 966 3,12 3,23 Eheschließungen haben demnach im Jahre 1991 sowohl der absoluten Zahl„ach lvie im Verhältnis zur Bevölkerung häufiger stattgefunden als im Durchschnitt der hier in Vergleich gestellten zehn Jahre. Auch die Geburtenzahl des Jahres 1991 überragte, absolut genommen, den zehnjährigen Durchschnitt, blieb aber ihrer relativen Höhe„ach dahinter zurück) Die absolute Zahl der Gestorbenen war 1901 höher als im Jahresdurckischmtt 1892/1991, dagegen stellte sich die relative Sterbeziffer(1,35 Proz.) günstiger. Diesem Umstände ist es auch zuzuschreiben, daß der Geburten-Ueberschuß. der im Jahre 1001 gegen dci, Jahresdurchschnitt absolut zugenommen hat, auch relativ diese Bewegung angenommen hat und gegen den JahrcS- durchsckrnitt 1892/1901 um 1,05 0i00 gestiegen ist. Die Zahl der unehelich Geborenen stellt sich im Berichtsjahr gegenüber dem Jahresdurchschnitt 1892/1991 etwas niedriger, die der Totgeborenen etlvas höher. Dagegen stellten sich im Verhältnis zur Bevölkerung beide Zahlen niedriger._ Bürgerlicher Wolmnngsrcformer. In Dresden macht seit einiger Zeit der che», als viel gcuannic Richter« Attionär Dr. Becker, damals Amtsrichter, heute Landgerichts-Direttor und ionservanver RcichstagSkandidat als— Wohnungsreformer von sich reden. Seine Wobnungsreformerei ist allerdings vo» einer merk- lvürdigcn Art. Er hat eine Baugenossenschaft gegründet und rechnet auf Arbeitermitglieder; sucht er doch sogar recht eifrig die Gclverk- schaftcn dafür z» gewinnen, deren Mitglieder in ihm einen grimmigen Feind des Koalitionsrcchtes erkennen lernen, sobald sie bei dessen Ausübung einmal in den ach so engen Maschen des Strafgesetzes hängen bleiben. Als Vorstand der Baugenossenschaft ist es nun Herrn Beckers eifrigstes Bestreben, die Baubehörden zur Nachsicht in Be- obachiung der baupolizeilichen Vorschriften bei den Genosscnschafts- Häusern zu bewegen, namentlich die Genehmigung zu einer größeren Ausnützung des bebaubaren Bodens zu erlangen, als es vorgeschrieben ist. Seine mannigfachen Beziehungen sind ihm dabei sehr förderlich, und nachdem er seine Wünsche durchgesetzt hat, fordert er die Haus- besitzer ans, seine Genossenschaft zu unterstützen. Das liege in ihrem Interesse: sc, doch die Genossenschaft ei» Pionier für die allgemeine Zulassung des DachausbaiieS zu Wohnzwecken und der Verminderung der vergeschlicbenen Größe'ringe- bnutrr Höfe! Auf diese Weise bekämpft die Baugenossenschaft gerade das, was sie fördern sollte und lvas die Grundlage der ganzen bürgerlichen Wohnungsreformerci bildet. Ist schon der Dachausbau hygienisch höchst bedenklich, so ist es die Verkleinerung der eingebauten Höfe noch viel mehr, und doch soll es im Gegensatz zum rein ge- schäftlich interessierten private» Wohnungsbau gerade Aufgabe der Genossenschaft sein, die Grundsätze der Hygiene zur Geltung zu bringen. Aber noch mehr: Die Baugenossenschaft ist vor allen Tingen geschaffen, um dem Wohnungswucher entgegen zu arbeiten, und eine der Wurzeln des Wohnungswuchcrs ist die Bodenspekulation, die wieder wesentlich gefördert wird durch die Möglichkeit der rücksichts- losen Uebcrbcbauung des Bodens. Das also muß die Genossenschaft beiämpfcn, wenn sie eine Berechtigung haben lvill. Die Baugenossen- schaft deS Herrn Becker aber fördert die Uebcrbcbauung, und Herr Becker empfiehlt gerade deswegen seine Genossenschaft der Beachtung der Hausbesitzer. Er hat auch recht damit. Das dient in der Thai nur dem Interesse der Hausbesitzer, nicht aber der Wohnungs- rcfonn. Die bürgerliche Socialpolitik zeitigt gar sonderbare Früchte. Eine Gemeindevertreter-Konferenz für den Main- und Rheingau wird von den Genossen Ulrich-Osfenbach. Dr. Ouarck-Frankfurt und Dreesbach-Mannheio, zum 28. Dezember in das GewcrkschaftShans nach Frankfurt einberufen. Diese Konferenz soll eine Aussprache der Arbeitervcrtretcr in den Gemeinderäten über Notstandsarbeiten und deren Organisation herbeiführe». Bekanntlich haben vor kurzem schon die städtischen Verwaltungen einer Reihe von Städten des Rhein- und Maingaues i» Frankfurt über diesen Punkt konferiert. Nun sollen auch die Arbeitervcrtreter Stellung zu dieser wichtigen und zeitgemäßen Frage nehmen. Zugleich wird in der Einladung die Sammlung von Aktenstücken über kommunale Notstandsarbeiten als wünschenswert bezeichnet. Der„Berdaud mitteldeutscher Konsumvereine" hat sich am Sonn- tag in Magdeburg durch eine erste Verbandsversammlung konstituiert. Es waren 35 Vereine vertreten. Es wurde zugleich der Anschluß an den Gesamtverband deutscher Konsum- und Produktivgenossen« schaftcn einstimmig beschlossen. ch Hus der fraucnbewecfung. Ueber„den märkische» Sand" sprach Dr. Lux am IS. Dezember in deni Verein Berliner Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. In ungemein fesselnder Darstellung entrollte er ein Bild der allmählichen Gestaltung des Heimatbodens. In grauer Vorzeit, vor etwa 10(100 Jahren— die großen Wandlungen der Mutter Erde zählen nicht nach Jahren, sondern nach Jahr- taufenden— breiteten sich riesige Gletscher, fächerfönnig von den schwedischen Gebirgen ausgehend, über die norddeutsche Tiefebene. Daß die Eismassen die ungeheure Mächtigkeit von 500—1000 Meter erreichten, ist durch das Vorkommen des Gletscherschiffs an den Kuppen des Brockens nachgewiesen. Die gleichen Spuren, nach einer Richtung verlaufende Schramnien im Gestein, zeigen die Rndersdorfer Kalkberge, wenn bei Gelegenheit einer Absprcngnng die verdeckende neueste Bodenschicht fortgeräumt lvird. Das Schmelzwasser, ivelches in die Ritzen des Gesteins eindringt und die vorhandenen Löcher erweitert. bildet durch die Gewalt seiner wirbelnden Bewegung kreisende Höhlungen, Gletschertöpfe genannt. Auch diese in den Alpen be- obachtete Erscheinung zeigen die Rüdersdorfer Felsen trotz des hohen Alters in deutlich erkennbarer Form. Die interessanten erratischen oder Findlingsblöcke, aus Granit, Gneis oder Glimmer- schiefer bestehend, dem angeschwemmten Tiefland fremde Gäste, sind oft von überraschender Größe, wie die Mark- grafensteine bei Freicnwalde, aus deren einem die riesige Granit- schale vor den, alten Mnseum in Berlin gearbeitet ist. Kleinere Trümmer dieses Urgesteins, von Schwedens Gebirgen stammend, bilden ganze Höhenzüge, welche das frühere Vorhandensein der Gletscher bezeugen helfen. Sie sind von den langsam thalab fliehenden Eismassen an ihrem Ende abgesetzt, eine sogenannte Endmoräne. Sehr charakteristisch ist ein solcher Granitwall bei Chorin, den die Eisenbahn durchbricht und ein weit kleinerer zwischen dem Grimmetzer und Werbellin-See. Als die zunehmende Wärme einen raschen Rückgang der Eis- Massen veranlahte, und die Abflüsse des Schmelzwassers inächtiger wurden, trafen die Hanpfftröme von den drei größten Gletschern in der Gegend von Havelberg aufeinander, wodurch das große .Havelluch sich bildete. Ein Teil der abströmenden Gewässer floß direkt nach Norden. Durchbrüche dieser Art finden sich in der Mark öfters, z. B. das Nnthethal und die Secnreihe vom Hermsdorfer Fließ über Halen- und Grunewaldsee bis zum Wannsc. Wo aber bleibt der märkische Sand? Den haben die riesigen Eismassen aus dem ursprünglichen Boden und den herabgesunkenen Granitstücken zerrieben. Das Schmelzwasser führte die löslichen Teile des Grundes mit! das feine Geschiebe deckte den Boden der Gletscher, während auf dem eisfreien Boden der fruchtbare blaue Mergel blieb, jedoch der vom Wasser teilweise bedeckte nur den Thon zurückhielt, welcher bei Velten eine große Industrie inS Leben gerufen hat. Die breiten, sandigen Thalebenen sind trefflich geeignet zun, Bahnbau, für den sie auch z. B. bei der Anhalter und Dresdener Eisenbahn benutzt wurden. Deshalb bietet die erste Fahrt durch die Mark für den, welcher vom Süden kommt, nur einen lang- weiligen und einförmigen Anblick. Und doch hat die Marl große und eigenartige Schönheiten in ihren zahlreichen waldumkränzten Seen, ihren weiten Wiesengründen, sumpfige Niederungen zum Teil, deren Wasserreichtum ihnen die dauernde Frische verleiht, welche dem Auge des Wanderers wohlthut. Wer auf den, Kreuzberg, den, letzten nördlichsten Ausläufer des Fläming, steht und hinübersieht zu den Hügeln des Gesundbrunnen, die zun, Barnim überleiten, der sieht bald ein, daß das Häusenneer, welches das zwischenlicgende Thal füllt, nicht durch Zufall hier seine Stätte gefunden. Die weite Ebene, überall durch Sümpfe und Torf- moore durchsetzt, n,it den zahlreichen Seen zwischen unwegsamen Fließen, Ueberresten der riesigen Gletscherströme, hatte hier den einzig gangbaren Paß, eine sichere Furt, über welche der Verkehr nach allen Himmelsgegenden sich am leichtesten herstellen ließ. So wurde die Stätte des alten Fischerdorfes im Laufe der Zeiten zur Weltstadt, welcher das Thal in dem sie entstand, längst zu eng geworden ist. Den gespannt lauschenden ZuHörerinnen werden sicher die Spaziergänge in der Heimat doppeltes Interesse bieten, da sie mit kundigem Auge die Merkmale der fernen Vergangenheit in dem lieblichen Naturbild von heute wiederfinden. Zun, Schluß wurde von, Vorstand mitgeteilt, daß die nächste Versammlung Montag, den 5. Januar, stattfinden werde. Karten für die Urania-Vorstellung am 25. Januar sind zu haben bei Frau Panzeram, Pappel-Allee 128 I; Frau Klotsch, Koppeustr. 81, Hof IV; Frau Seeger, Kolbergerstr. 20; Frau Bauschke, Rostockerstr. 46 Frau Steinkopf, Schwedterstr. 34. GewerKIcbaftliebes. An die Vauarbcitcrschnft Deutschlands! Der zweite Bauarbeiterschutz-Kongreß wird von der Unterzeichneten in, Einverständnis mit den in Betracht kommenden Verbandsvorstäuden zu Sonntag, den 2S., und Montag, den 30. März 1003, nach Berlin, Engel-Ufer IS (Gewerkschaftshaus, großer Saal), einberufen. Die Tagesordnung sowie alles Weitere bezüglich der Delegierten- Wahlen wird später bekannt gegeben. Hamburg, im Dezember 1002. Die Kommission für Bauarbeiter schütz. I», Auftrage: T h. B ö m c l b u r g, Maurer. Fr. Schräder, Zimmerer. H. W e n t k e r, Maler. Berlin und Umgegend. Achtung, Sattler! Nachdem in jüngster Zeit durch ein wahres System von Lohndrückereien die ohnehin nichts weniger als an- genehme Lage der Mlitäreffekten-Arbeitcr mehr und mehr verschlechtert wird, sieht sich die Orts Verwaltung Berlin des Verbandes der Sattler veranlaßt, zum Sonntag, den 21. d. M., nach dem großen Saal des Gewerkschaftshauses eine„Oeffcntlichc Sattlcrversammlung" mit folgender Tagesordnung einzu- berufen: „Die Mißstände in der Militäreffektei,-Industrie und die gesicherte Existenz der Arbeiter." Es gilt dabei, die breite Oeffentlichkeit auf die Schäden auf- merksam zu machen, die durch das System der Zwischenmeister und Heimarbeit zu Tage treten. Deutsches Reich. Zum Wcbcrstreik in Mccrane schreibt der„Textilarbeiter": Der Ausstand währt nun zehn Wochen. Eine Aenderung der Situation ist nur dadurch eingetreten, daß einige Lohnwcbereien den Mindestlohntarif für sich als verbindlich anerkannten und ihre Ar- beiter dadurch zur Wiederaufnahme der Arbeit bewogen.— Weiter führt der„Textilarbeiter" aus, daß dies nicht im Interesse eines günstigen Ausganges des Streiks liege. Durch die Wieder- aufnähme der Arbeit in einigen Lohnwebereien werde zwar die Zahl der Ausständigen verringert, die Dauer des allgemeinen Streiks aber ausgedehnt, da durch die Lohn- Webereien immerhin ein Teil der Meeraner Kundschaft befriedigt werden könne. Wenn auch die Wiederaufnahme der Arbeit in den Lohnwebereien nicht gut zu umgehen war, so werde doch der Streik in seinem ganzen Umfange nicht sobald zu Gunsten der Aus- ständigen beendet werden. Dicic Annahme— so schreibt der „Textilarbeiter"— erscheint uns schon dadurch gerechtfertigt, daß die gegenwärtige Saison nun bald ihrem Ende entgegengeht. Bei dieser Sachlage ist nicht mehr sehr mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß die Fabrikanten, durch ihre Kundschaft um Lieferung von Waren bedrängt, nachgeben werden. Unserm Erachten nach kann dies nun erst wieder geschehen mit Beginn der nächsten Saison, im Monat Februar. Bis dahin wird also der Ausstand wohl dauern müssen, soll er einen für die Ausständigen günstigen Abschluß finden. Dieser wird aber unserm Erachten nach sicher erzielt werden, wenn eS gelingt, die Zahl der Ausständigen durch Ausdehnung des Ausstandes auf das ganze Meeraner Fabrikationsgebiet wesentlich zu erhöhen. Gelinge das nicht, dann sei vielleicht das Urteil eines Unter- nehmer-Blattes nicht unzutreffend, welches die gegenwärtige Lage des Streiks als verfahren bezeichnet und der Ansicht ist, daß die Aufiiahme der Arbeit zu den am 20. November durch beiderseitige Vertreter festgestellten Bedingungen ein günstiger Ausweg ge- Wesen wäre. Die Gas-, Wasser- und Heizungs-Rohrleger in Breslau haben den Unternehmern einen Tarif eingereicht, welcher die zehnstündige Arbeitszeit festsetzt und einen Mindest-Swndenlohn von 40 Pf. für selbständig arbeitende Rohrleger und Monteure. Der Tarif soll vom 1. Januar bis 31. Dezember 1003 gelten. Die Unternehmer haben auf das Ersuchen des Metallarbeitcr-Verbaudes, sich über den Tarif zu äußern, noch nicht geantwortet. Die Arbeiter haben deshalb be- Ichlossen, noch eine Frist von 14 Tagen abzuwarten und falls bis dahin keine Vereinbarung zu stände gekommen ist, das Einigungsamt anzurufen. Ausland. Der Trades-Unionismuö im Jahre 1901. London, 16. Dezember. Der Bericht des Arbeitsamtes über die Lage des britischen Gcwerk- schastswesens im Jahre 1001 ist soeben erschienen. Die Geschäfts- läge war dem Wachsen der Arbeiterorganisationen nicht günstig. Die Gesamtzunahme betrug nur 0,6 Prozent, gegen 5,0 Prozent in 1000 und 0,4 Prozent in 1890. Zu- und Abnahme der Zahl der organisierten Arbeiter hängt zusammen mit dem Geschästsausschwung und Geschäftsniedergang. Die Einnahmen der GeWerk- schaftcu konnten die Ausgaben nicht decken, da die Unterstützung der Arbeitslose n große Summen verschlang. Die Streikkosten beliefcn sich auf 12,3 Prozent der Einnahmen; die übrigen Unterstützungen aus 65 Prozent. Im ganzen gab es im Jahre 1001 im Vereinigten Königreich 1236 Gewerkschaften mit 1022 780 Mitgliedern, worunter 120 073(0,2 Prozent) weibliche, die zum größten Teil in der Textilindustrie beschäftigt sind. Der Kohlenträgerstrcik in Trouisö. Die Arbeit ist in aller Ruhe wieder aufgenommen worden. Ein Teil deS Militärs ist bereits wieder abgereist. Die Differenzen sind jedoch nicht geschlichtet. Es ist zu erwarten, daß der Streik bei Ankunft des nächsten Kohlen- schiffeS wieder ausbricht.— Der Buchbindcrstreik in Göteborg ist noch immer nicht beendet. Ein neuer Einigungsversuch des Verbandsvorsitzenden der Buchbinder- gehilfen scheiterte wiederum an dem Widerstand der Arbeitgeber. Diese erklärten, daß sie ihre Arbeit im Ausland fertig- gcstelt erhielten. Der Vorstand des Schwedischen Buchbinder- Verbandes hat bereits Schritte gethan, um die Anfertigung von Strcikarbeit auch im Ausland zu verhindern. Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Beranttvortnng. Ubeater. Freitag, 19. Dezember. Anfang V'/j Uhr: Opernhaus. Romeo und Julia. Schauspielhaus. Das dunkle Thor. Neues Opcrn-Theater. Geschloffen. Deutsches. Monna Vanna. Berliner. Die beiden Lconorc». Lessing. Madame Sans-Gsne. Central. Madame Sherry. NeneS. Ledige Leute. Residenz. Seine Kammerzofe.(Nellx liozier). Westen. Die Fledermaus. Thalia. Charley's Tante. Vorher: Cafsis Pascha. Ansang 8 Uhr: Schiller. 0.(Wallner- Theater.) Esther. Hieraus: Zwei Eisen im Feuer. Schiller, dl.(Friedrich- Wilhelm- städtisches Theater). Jugend- freunde. Belle- Alliance- Theater. Die Schrocderischen. Carl Weist. Witwe Dalila. Luisen. Der Rattenfänger von Hameln. Casino. Berlin dl.— Berlin IV. Atctropol. Die zwöls Frauen des Japhct. Apollo. NakiriS Hochzeit. Buntes Thcateri Lore.— Die Tanzfee.— Abergläubisch.— Er und sie. Kleines. Rausch. Palast. Der Dorsbarbicr. Special!- löten. Triauon. Die LiebeSschaukcl. Passage- Theater. Specialitäten. Passage-PaiioPtikilin.Specialitätcn. Reichshattcn. Stettincr Sänger. Steidl. Specialitäten. Wintergarten. Specialitäten. Urania. Tanbenstr. 48/49. Frühlingstage an der Rivtera. Juvalidenstraste 57/62. Täglich geöffnet von 7— II Uhr. tsr! ÄsiZS-IMer. Graste Frankfurter Straste 132. Ansang 8 Uhr. Oaiilsse. Kriminaljchauspiel in 6 Bildern von E. Ritterseldt. Sonnabcndnachmittag 4 Uhr: Die gütige Wcihnachtsfec. Abends 8 Uhr: Ein Paria. Apoüo-Ilieater. Von 8—9 Uhr: Specialitäten. 9 uhr; Naklris Hoelizeit. Operette von Paul länciie. Kassenerösflmng 7 Uhr. Stuf. 8 Uhr. Am 26. u. 28. Dezember 1. Januar, 3 Uhr: Nachmittags-Vorslellimg; Frau Luna. Ermäßigte Preise. Billct-Vorverkans täglich v. 10-2 Uhr. ÜJ'AIIISa. Taubenstrasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Friüilingstage an der Riviera. Sternwarte tnvalidenstrasse 57/62. Fixsterne und Weltnebel. CASTANS Panoptikum Friedrichstrasse 165. Das jüngste Wunder Afrikas eiiie sciineeweisse Kepinü Kasiierlc-Xhcater. Illusion.— Lebende Bilder. Gr. Promenaden- Konzert. Massage-Theater. Antans' Das Elite-Weihnachts- | Fest=Programm. Liane Leisehncr [ in ihrem Kepertoire. jBajerpS als Beethoven sensationelle musikalische Eecitationen. Kinematograph: Krnpp» LielchcRxng. 14 erstklassige Nummern. fMa- Theater. Charkys Hante. Vorher; Cassis Pascha. Sonntagmittag Stzj Uhr: Die Schneekönigin. Dienstag, 23. Dez., zum erstenmal: Novität l Die bösen Mädchen. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 3 Akten. Mnpl-Mel. Die zwölf Frauen! des Japhet. Vaudevillo in 3 Akten Von Mars u. Desvalliöres. Lieder und Text von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. iCnoi grosse Balletts. Emil Thomas a.G. Josef Josepiii. Honry Bender. Hermann Haak. ' Hauchen gestattet." Anfang 8 Uhr. Central �Theater Abends VI2 Uhr: JVIadaim Sherry. Operette in 3 Litten von Hugo Felix. Morgen u. folgende Tage: Madame Sherry. Buntes Theater (Ueberbrett'l.) Köpnickcrstraße 68. Ansang 8 Uhr. Lore.— Die Tanzfee.— Abergläubisch.— Cr»iid Sie. Bunter Teil: Leitung: Frifc Lehner.— TIny Senders.— Carla hingen als Gast. — Hans Frcdy.— Bokken Lassan. Emil Justitz. HesldenZ' Theater. Heute und folgende Tage: Seine Kammerzofe. (Stally llo/.ier.) Schwank in drei Akten von Bilhaud und Hennequin. Belle-£IIianee-Theater. Gastspiel d Münchener Ensembles Heute und folgende Tag« abends 8 Uhr: Die Scliroderisclien. Bürgerliches Bolksstück in 3 Akten von H. Schrottenbach. Luisen-Theater. Der Ratteiitäiipr von Hameln. Anfang 8 Uhr. Vorverk. 10—2 Kasse, Invaliden-, Künstlerdank u. Waren- Häuser A. Wertheim. Morgen: Vor 8onnenautgang. Sonntag 3 Uhr: Emilia Galotti. 8 Uhr: Der Rattenfänger vor. Hameln. Freitag, den 19. Dezember, abends T'/j Uhr: Grosser Elite-Abend 12 der ylanzvollslen Nummern des Repertoirs. Um 91/) Uhr: Das Tagesgespräch Die ur. Sensation d. XX. Jahrbunderts. Um 9»/4 Uhr: Die reizende Pantomime: Die lustigen Hclilelbcrg-er. Sonntag: in beiden Vorstellungen: Eooping; the lioop. Nachmittags ein Kind frei, weitere Kinder halbe Preise. Kleines Theater (Seball nml Ranch) Unter den Ein den 44. Anfang 8 Uhr. Rausch. Tragikomödie in 4 Akten von August Strindberg. Morgen: Erdgeist. Palast-Theater Burgstraßc 22. Früher: Feen-Palast. Das Riesen-Dezember-Programm. 81/, Uhr: 8'/- Uhr: Der Dorfbarbier Opcr.-Vaudcvillc mit Gesang u. Tanz _ von Gumbert. DM- Folgende Rümmer« sind gänzlich neu: Soeurs Blanche, Ghmn. Melangcakt. Charles Merino. Champion EquilibrisL Ylang You, Japanischer Gaukicr. Mr. Montanst Dressurakt. AnietaKoncewicz, Soubr.- Diva. Schwestern Montani, Doppel- Drahtseil. Miss Nebula, mysteriöser Lichtakt. Das Theater ist durchaus geheizt und mollig warm. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entrce SV Pf. Kasino-Theater. Lothringer Straße 37. Ganz neue Specialitäten. Kur�s Gastspiel Gorradini, Jörgensen, Mimiker etc. Berlin N.- Berlin W. 8 Uhr: Stille Nacht. Steidl-y&v Tiieater Oranienburg. Thor Täglich 8 Uhr. an der Fricdrichstr. Sonnt. 7 Uhr. (5 Steidl- Sänger. a» 1? N (Fritz Steidl, Scheuerl, Müller, Lipart, Reising, Wehling, Corvinus, Haas und Munkcl.) Neu: Zlm Weihnachtsabend. Lebensbild von Fritz Steidl. Entrce SV Ps.(Vorverk. 40 Ps.) bei Rühle, Fricdrichstr. 115. Reichshallen. Tftglich: Stettiner Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse ll-l'/j Uhr. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Henke Freitag, abends 8'/„ Uhr, in» Geiverkschaftshanse, Engel-User 15: Sitzung der örtsverwaltung. Morgen Sonnabend. ist der letzte NrNNjUMA. Zahlabend in diesem Jahre. Sonnabend, 27. Dezember(3. Feiertag), in Lonis Kellers Festsäle», Koppen- Straste Nr. 29: WeihtiachtS'Teier bestehend in Konzert, ausgeführt vom Neuen Berliner Konzert-Orchester, Auftreten der Gesellschaft Strzelewlcz und Tanz. Die Kinder erhalten am Eingang des Saales ein kleines Weihnachtsgeschenk. Anfang 4 Uhr.-WE 92/14 Billels a 50 Ps. sind in den Zahlstellen dc-Z Verbandes zu haben. Kens» Konzerthans Am Alexanderplatsn im Grand Hotel Inh.: Albert Mörner. Binödehofer- Konzert. � Hcnte: Humoristischer Abend. Anfang 8 Uhr.[TOL] Entree 20 Pf., Reserv. Platz 56 PI. Trianon-Theater. Georgenstrasse, zwischen Friedrich- u. Universitätsstr. Die Liebesschaukel. Lustspiel in 4 Akten v. M. Donnay. Anfang 8 Uhr. CirknsSnseh. Freitag, den 19. Dezember, abends 7!/2 Uhr: I>ahoiney. Dress. Elefanten, Zebras u. Strausse. Neue Debüts. GratweilsSiertiallen Thealer u. Variste Kommandantcnstraße 77/79. Täglich; Gr. Vorsielluug. Das grosse amüsante Dezember-Programm. Nur allererste Kunsfkräffe. Ansang der Vorstellung 8 Uhr. Jed. Sonnabend, Sonntag U.Mittwoch nach der Vorstellung: TAUT JB. Königstadt-Gasino. iHolzmarktst. 72. Ecke Alexanders!. 1 Täglich crstkl. Specialiläten-Vor- Stellung. Jed. Mittwoch, Sonnabd.| und Sonntag Tanzkränzchen. Nns.Wochent.8, Sonntags 6 Uhr. Berulwä Hose-Theater Badstr. 58. Donnerstag, 25.(1. Wcihn.-Felertag): / Zwischen zwei Herzen. Freitag, 26.(2. Wcihnachts-Feiertag), Adam und Cva. Sonnabend, 27.(3. Wcihn.-Fcicrtag): Graf Jen«. Sonntag, 28. Dez.: Mntterscgcn. Mittwoch, 31, Dezember(Sylvester): Buntes Theater. Nachher: Gr. Syl*ester-Ball. Deutscbe Konzerthallen Spandauer BrückcS Theater- und Specialitäten- Vorstellung. Wochentags: Entree frei!-WM 5 Künstler- C Kapellen 3 Special- Ausschank der Berliner Bockbrauerei. W. Noacks Theater. Direktion; Robert Dill. Brnnnenstrasse 16. Heute: Geschlossen. Sonntag: Letzte Vorstellung vor Weihnachten: Znrchgegaugtlte Mer. Für 20 Mark s erlige. wer selbst Stöfs hat, Anzug nach Maß mit Zuthaten, WQZ'«r, Rosenkhalerstr. 6,7. Amt III 8524. 3. Mahlkreis! Sonnabend, de» S7. Dezember(8. Weihnachtsfciertag), im Lokal vresdener Camino, Trcsdcnerstr. 96: GcmuttldKS Seitammentein. Entree infl. Garderobe 8« Pf._ Anfang 6 Ehr. Mittwoch, den 81. Dezember, im Lokale Voigt, Ritterstr. 71—75: Silvcftcr-fckr. Anfang 9 Uhr.(Kntrce inkl. Garderobe 89 Pf. Rege Beteiligung der Genossinnen und Genossen erwartet 241/2 Der Vorstand. II (Eingeschriebene Hilsskasse Nr. 88). Sonnabend, den 87. Dezember 1998<8. Weihnachts-Feiertag), vormittags 19'/. Ilhr. bei W'eind, Weinstr. 11; AußemdtMcht Cjciictiil�ctfatiiiiiliiiig. TageS-Ordnung: Bericht und Antrag der eingefetzten Kommission aus Umgestaltung und Ausbauung des Kranken-UnterstiitzungsvercinS. 187/8 Die Mitglieder sind verpflichtet, zu diesem Antrag voll und ganz Stellung zu nehmen._ Der Borstand. Carl Butry, Vors. Hch- n. KreUertriiger Nie KrcNschiiciiirr Berlins und Umgegend. Sonntag, den 81. Dezember 1998, vormittags 19'/. Uhr, im„Königstädtischen Kasino", Holzmarktstr. 78: AH t g R i« Ä v r- V v i» 8» in»r 1 n n g. Tages-Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vcrcins-Angclcgenhciten und Verschiedenes. lg/14 AM- Billets zum Maskenball werden nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuchs vcrabsolgt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Borstand: P. Karnal. UjMg t Huttn BöWersonals. Sonnabend, de» 89. Dezember, abends 11 Uhr, im Saal VII des Beiverliseliaftslianses, Engel- Ufer 18: NM" Versammlung.-WU Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Gewcrlschafts-Sekrctärs Genossen I.inlr über„Unfall- nnd Social-Gesetzgebung". 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegenheiten und Verschiedenes. 190/10 Zahlreiches Erscheinen erwartet Her Vorstand. Vertatiü der Sattler. Ortevenvaltung ßcrlin. Bureau: Gcwcrkschaftshaus. Engel-Ufer 15, Zimmer 89. Fcrnspr.: Amt ATI Nr. 1959. Eonntag, den 81. Tezeinber 1902, vormittags 11 Uhr, im Gcwerkschastshansc, Engcl-Ufcr 15(großer Saal): Grosse öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Mißstände in der Militärcffcktcn- Industrie und die gesichette EMenz der'Arbeiter. Rcsercnt: Kollege Sassenbach. 2. Dislussion. AM" Die Hewiarbeiter sind insbesondere noch zu dieser Versammlung rillgeladen. 159/4 In Anbetracht der ausierordentlich wichtigen Xages-Ordnuiig macheu wir es jedem Kollege» zur Ehrenpflicht, in dieser Ver- sammlung anwesend zu sein. _ Die Ortsverwaltnng. I. A.. Karl Weyher, Engel-User 15. Schällep-Theater. Schiller-Theater O.(Wallner-Thcatcr). Freitagabend 8 Uhr: Esther. Von Franz Grillparzer. Hieraus: Zwei Eisen im Feuer. Lustspiel in 3 Alien frei nach Ealdcron von Friedrich Adler. Sonnabendabend 8 Uhr: Jugendfreunde. Sonntag nachmittag 3 U h r: Don Carlos, Sonntagabend 8 Uhr: Jugendfreunde. Schillcr-Thcater V.(Friedr.-Wilhclm- städtisches Theater). Freitagabend 8 Uhr: Jugendfreunde. Lustspiel m 4 Zluszügen v.Llidw. Fulda. Sonnabendabend 8 Uhr: Der l'farrer von Klrchfcld. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Jugend. Sonntagabend 8 Uhr: _ Doktor Blaus. 66L Iwr-liiie, Dnrl-Kii der geuttchen GentraN-Bodcga in vorzüglicher Qualität, direkt bezogen, als itzsüsser Ober-llngar, Raster, Meneser, Hnnyady, Ofener, Erlaaer, insbesondere JSedizinal'Unganveiii chemisch untersucht, sind zu Original-Preisen zu haben in nach stehenden sowie in allen mit Plalbten belegten Geschäften: C. Ose. Binnemann, Dragoncrstr. 50. Carl Jung, Linien str. 227. Ernst Pietsch, Linienstr. 235. Paul Schulz, Rosistr. 11. Wilh. Weikisch, Fischerbrücke 16. W. Gottl. ll Ilmchen, Franzöfischestr. 1-3. A. Lichtenstein, Manfteinstr. 10. VW. Aug. Busse, WilHelmsHavenerstr. 33. Max Faber, Stephanstr. 11. G. Folchner, Perlebergerstr. 52. Carl Richter, Beusselstr. 44. Herrn. Rothe, Ouitzowstr. 119. Ed. Willmer, Emdenerstr. 46. fcW. E. Ehrenberg, Schönebergerstr. 31. Paul Scholz, Zosseiierftr. 1. Theod. Starick, Zossenerstr. 28. S. Carl Brust, Vrinzenstr. 68. St. Czabanski, Brandenburgstr. 39. Wilh. Gathow, Schönleinstr. 2. Jul. Schubert, Dieflenbachstr. 55. Gust. Zagolow, SaUi'tv. 39. Wilh. Schültgc, Dresdenerstr. 119. SO. Ludw. Ahlemann, Waldemarstr. 41. Gust. Fritz, Manteufselstr. 99. 186. Emil Kayser, Mariannenplatz 18. Carl Kretschmer, Reichenberger- strasie 14. Alb. Toetzke, Wrangelsir. 121. Gust. Richter, Admiralstr. 19a. O. u. VO. Carl Ahrendt, Madaistr. 14. Wilh. Dantes, Frankfurter Allee 122. Max Kiese, Samariterstr. 34. Otto Voigt, Greisswalderstr. l X. Max Bayer, Sparrstr. 2a. Carl Brust, Bruimenslr. 160. C. Dombrowski, Liebenwalderstr. 33. Jos. Frieben, Stargarderstr. 2. Carl Gläser, Soldinerstr. 6. Fr. Heibig, Pappel-Alle- 22. Franz Johow, Swinemünderstr. 24. E. Kluckmann, Wollinerstr. 60-01. Mauss, Schönhauser Allee 119. H.Numepatzky.HttstanicmSlllcc 10-17 Otto Schlütler, Prinzen-Allee 19. Ernst Thiele, Müllerstr. 34. Friedenau: G. Schielelbein, Dürerplatz 2. Rixdorf: Rob. Reinecke, Fuldastr. 58. Welssensec: Carl Jonas, König-Chaussee 82. Carl Riedel, König-Chaussee 46. Achtung, Bauanschläger! Verband der 3atiatis@hläger Deutschlands. Sonntag, den 81. Dezember d. F., vormittags 19 llhr, in Chnrlottenhnrg bei Hagen: Außerordentliche General-Versmnmluug. Tages-Ordnung: 1. Wahl der Lohntaris-Kommisfion. 2. Verbands-Angelegenheiien. �-i/lO____ Der Vorstand. Kaase-Sier Am Sonnabend, den 20. Dezember vormittags beginn} der Ausstoss des rühmlichst bekannten Bocksßieres der Brauerei E. Haase, Breslau in Flaschen nnd Gehinden. 30 fi. Haase-Bockbier Mk. 4. Gleichzeitig bringe ich das beliebte HaasesBier, hell und dunkel, sowie das HaasesPilsener und Märzenbier in empfehlende Erinnerung. F)_*. 30 Flaschen Haa«c-Bicr(hell oder dunkel) Mk. 3,—. r reise.........„ 3,-. — TOOTjw-»- Ä»„ Jlärzenuier(sehr malzreicb).„ 3,—. Sämtliche Biere gelangen täglich frisch zum Anstich in den Spccial-Hustchänhcn: Berlin: Friedrichstr. 134, Belle-Alliancestr. 99, Klopstockstr. 18, Rosentbaler- Strasse 14, Potsdamerstr. 89, Schlesischestr. 28. Charlotten bnrg: Türkisches Zelt, Berlinerstr. 53. Halcnsee: Kurfürsten-Park. S�chöneberg: Gross-Gürscbcnstr. 10, Ecke Gabnstrasse. Siidende: Park-Restaurant, am Bahnhof. Spandau: Höfel Friedrichshof, Seeschloss Picheisberge. Xicder-Sohöncweidc— Johannisthal: Kyffhäuser an der Obersprec. Abgabe von kleinen Gebinden. Bestellungen erbittet GUSl�lV KcSeSGIl Generalvertreter der Brauerei E. Haase, Breslau SO., Schlesischestr. Ä8. Etablissement Buggenhagen I am �lorltzplatz. Heute Freitag: Mllitill-sllllÜttt des Musikcorps des 5. Garde- 3!eg. z. F., tgl. Musikdir. Heu. Kolossaler Erfolg: Geschwister Anderson, Fuss- Equilibristinnon. Mizi-Gizi, Yortrags-Soubrette. Oio 3 Harveys. Drahtseilkünstler. Stanley und Wilson, Amorikamsch. Gesangs- n. Instrumental-Akt. Eine Bojaren-Hoebzeit Russische Gesangs- und Tanz-Sconen. Die Barowskys, Humoristisch- Gymnastische Produktion. Perzina's' dressierte Affen. Mason und Fordes, Excentrics. Üdel-Quaptett. Steigs Motor- und Bf eiele-Rennen. Eugenie FflugSre,franzES"m: Catherine Bartho. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, dasi unser langjähriges treues Mit- glied, der Buchbinder tteinrick Peters am Sonntag, den 14. Dezember verstorben ist. 25/8 Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet morgen Sonnabendnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Fricdrichssclde aus Uin rege Beteiligung ersucht Tie Ortsverwaltnng. Mellei'-ltoilllmreiTOiii „Beröcn". Sonntag, 8 Uhr: Sehlesisehe Brücke nach Alt-Glienicke Bei Sass. Nächste Annonce siehe Donnerstag (1. Feiertag) nach. 10/17 Vorwärts- Buehdanclwng liindenatrat-ise Billige KllisßllttWsglilicn: 1,75 2,70 6,— 9,30 1,75 2,70 3,50 1,50 6— 10,— 15,— 3,o0 6,— 6,— 9,50 8,— 1,75 1,60 2,40 1,75 2,70 Bürger, in Leinen, 1 Band in.L'lllblcdcr,„ Börne, in Leinen, 3 Bände in Halblcdcr, Chamiflo, in Leinen, 1 Band in Halblcder, Gichendorff. in Leinen, 2 Bände Wandt), in Leinen, 1 Band Goethe, in Leinen, 4 Bände 6, in.idalbleder, 6„ Hanfs, in Leinen, � WWW 4 4 4 1 1. 1. 1. 1. 8 Bände Hebbel, in Leinen, Heine, in Leinen, „ in Halbledcr, tossmann, in Leinen, leist, in Leinen, 1 Band Körner, in Leinen, „ in Halblcdcr, Lcnan, in Leinen, in Halbleder, Lessing, in Leinen, in Halbleder, 3, 7,50 Lndwig,„ 2.6,— Reuter, neuerschienene billige Volksau sg ab c, in Leinen, 4 Bände 10,— Julius Fischer, Boeckhstr. 7, empfiehlt allen Freunden und Gc- Nossen sein Lokal. 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S.M»«T Zur Gewerkschaftsdebatte geht uliü die nachstehende Einsendung des Genossen Silberschmidt zu: Ter Bericht im„Vorwärts" Nr 290 über die Versammlung der Berliner Gcwcrkschaftskommission laßt rnich sagen:„Redner führt einige Ersahrungen aus der Maure rbewegung aus der Umgegend von Berlin an, uin zu beweisen, dast unter der Maske der freien Selbstbestimmung die Sonderbündclei sogar den» Streikbruch und Denunziantum diene." In Nr. 291 des„Vorwärts" erklärt Gehl im Austrage des Vor- standes des JnteressenvereinS:„Was die Behariptung Silberschmidts anbetrifft, das; die Sondcrbündelei, womit er jedenfalls im s meint, unter der Maske der freien Selbstbestimmung Streikbruch und Tcnunziantentum treibe, eine leere und beweislose Behauptung ist, die als Verleumdung bezeichnet werden muß. Der Bericht des„Vorwärts" kann aus bestimmten Gründen nicht vollständig sein, aber aus der Satzbildmig und dem Schlußwort „dienen" geht hervor, daß Redner sagte und an Beispielen bewies, daß die Folgen und Bcglciterscheimmgcn der Sonderbündelei jene vcr- wcrslichenHandlungen erleichtere, und Leuten die dazu neigen, beim Vor- haudeiisein doppelter Organisarionen früher Gelegenheit gegeben ist, da mangelnde Kontrolle und Disciplin sowie Haß diese-rhaten bc- günstige. Ich führte aus, daß in mehreren Orten in der Nähe Berlins Maurer Sondcrorganifationen gründeten, die ivegen Nicht- innchaltmig von Organisationsbcschlüssen grundsätzlicher Art, Sperre und Streilbruch, sowie Denunziantentum,'ausgeschlossen, sowie aus solchen, die wegen Verstößen gegen die Solidarität, Schulden:c. vor. dem Ausschluß standen, oder Schulden, persvnlichcnr Streit oder da ihnen der Beitrag zu hoch, austraten. Die Gründungen gingen in allen Fällen unter dem Schutze und vollen Einverständnis der Berliner lokalen Leitung vor sich. Somit kamen diese meistens dunklen Existenzen m Besitz der Ehre, anerkannten Arbeiterorganisationen anzugehören. Beständen keine Sonderorganisationen, so müßten diese Leutchen sich dem demokratischen Grundsatz gemäß fügen, oder sie ständen außer- halb der Gemeinschaft und könnten ihr Zcrstörungslverk nicht unter der Maske der Organisanon treiben. Ter Vorstand deS JnteressenvereinS verschiebt im Handumdrehen die Zache:„aus einigen Beispielen aus der Umgegend Berlins" macht er die gesamte lokale Maurcrbelveguiig, und für das Wort„dienen", das zeigen soll, daß die gezeichneten Umstände Folgen der Sonder- bündelet find, schiebt er das Wort„treiben" unter. Letztere Satz- vildung setzt dann allerdings als Zweck und Ziel der Organisation Streilbruch-c. voraus. Diese Verdrehung enthebt«sich der Pflicht zu antworten; gegen das lvas ich nicht sagte, brauche ich mich nicht zu verteidigen. Auch darüber streite ich nnch nicht mit dem verehrten Vorstand an dieser Stelle, lver bisher die Einigung der beiden Maurer- organisationen verhinderte. Um das festzustellen, rate ich. selbst oder durch einen Genossen, der Ihr Vertrauen besitzt, beim Vorstand des Verbandes zu beantragen, zwecks Ucbcrtritt in den Verband in Verhandlung zu treten. Wird der Antrag abgelehnt oder Ihnen unter loyalen Bedingungen der Uebertritt nicht ermöglicht, dann will ich mich in diesem Fall als überführt erachten und in Sack und Asche Buße thun. Soweit es sich um einige der thatsächlichcn Beispiele handelt, gebe ich den Organisasionsvertrcterir der Orte das Wort: 1. 1898 gründete sich unter Beisein und im Einverständnis der Berliner Leitung in einem gesperrten Lokal in Nowawcs ein Lokalvercin. Er setzte sich zusammen aus 2? wegen Streikbruch ausgeschlossenen Maurern. Die Verbindung init der Berliner Leitung stellte ein Maurer Werle her, der durch Deuunziation drei Kollegen ins Gc- fängnis gebracht hatte und dem Amtmann Ring später das Material zu jener denkwürdigen Landtagsrede lieferte, die den angeblichen Tcrrorismus der Maurer behandelte. 18SS blieben die Leute bei der Arbeit am Gemeindehause, als der Bau gesperrt wurde. Vorher hatten sie versprochen, sich an dem Streik zu beteiligen. Somit konnten die Verbandskollegen den Unternehmer nicht zwingen, die aufgestellten Forderungen zu be- willigen, weil die in der Mehrheit befindlichen Lokalistcn sich nicht am Streik beteiligten. Die Sperre verlief deshalb ergebnislos. 1902 wurde einem Kollegen mit dem Ausschluß aus dem Ver- bände gedroht, weil er das Arbeiten an Sonntagen und nach Feier- abend nicht unterlassen wollte, er trat aus dem Verbände und die Lokalen nahmen ihn auf. Auch heute hallen sie ihre Versammlungen im gesperrten Lokal ab. All diese Thatsachcn find der Berliner Leitung bekannt. Werle wurde nicht aufgenommen, nachdem lvir denselben in der ersten Versammlung entlarvten, die andren wurden für würdig befunden. 2. 1900 wurden in Potsdam 12 Mann, die sich den OrganisationS- beschlüssen nicht fügen wollten, ausgeschlossen.(Littmann, der heute noch dem Berliner Lokalverein angehört, wurde öfter ausgeschlossen.) Sie gingen zur Berliner Lokalorgamsation und fanden bereitwillige Aufnahme. Erst nach fünf Monaten, nachdem den Berlinern mit zwingenden Gründen das Gefährliche ihres Treibens und die Grundlosigkeit einer Sonderorganisation bor Augen geführt tvurde, gaben sie es auß die Sonderbündelei ivciter zu protegieren. 3. Einige Nauener Mitglieder arbeiteten für einen Nauener Unter- nehmer zu dortigem Lohn und Arbeitszeit in Berlin. Von der Berliner Kommission darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich den in Berlin üblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen unterordnen müßten, leisteten sie keine Folge. Das führte dahin, daß vom Vorstand in Nauen VerHand- lungen gepflegt wurden, diese Leute auszuschließen, was auch später geschah. Inzwischen gingen die Betreffenden zur Berliner Leitung und gründeten mit deren Einverständnis hinter verschlossenen Thören den Verein. Die Anhänger setzten sich zusammen zum größten Teil aus Schuldnern im Verband, loegen Schulden gestrichener, in Bezug auf Jnnehaltung der Organisationsbeschlüsse unsicherer Kantonisten, solchen, denen der Vcrbandsbeitrag zu hoch ist usw. Den vorletzten Streik machten sie mit, er dauerte auch nur einige Tage. Die Forderung für 1902 bekänipften sie bis zum letzten Augenblick und erklärten sie für undurchführbar und stärkten damit den Unternehmer- Widerstand; sie verleiteten 7 Vcrbandskollcgen zu den Glauben, die Lokalen würden nicht mitstrcilcn; crstere traten deshalb zum Lokalvercin 1-1 Tage vor dem Streik über. Obwohl mm kurz vor dem Streik die Lokalen beschlossen, auch ihrer- seitS für die Durchführung der Forderung einzutreten, so waren die Folgen der wüsten Agitation und des Bruderstreits doch die, daß insgesamt einige 20 Mann, Gesellen und Poliere, sämtlich bis auf einen dem Lokalverein angehörig, Streikbrecher wurden und die Schutztruppe der Arbeitgeber bildeten, die unzlveifclhast die Schuld daran trugen, daß der Streik verloren ging. 4. Am 30. Juni 1901 ivurde in Spandau ein Lokalverein gegründet. In der Versammlung wurde Gehl von unsren leitenden Kollegen, die alte und bewährte Parteigenossen sind, eindringlich vor den zweifelhaften Elementen gewarnt, loelche die Zersplitterungs- arbeit betrieben. Beweiskräftig Ivurde ihm dargethan, daß neun Zehntel von den 11 Mann sehr ftagwürdige Charaktere seien und besonders Waldt ein sehr unsauberer Herr fei und nach eigener AuS- sage der Partei und Gewerkschaft nur angehöre, da sie ihm äugen- dlicklich persönlichen und finanziellen Vorteil bringen. Es nutzte nichts. Ihr habt der Minderheit nicht Rechnung getragen bei diesem und jenem Beschluß; tapgen die Leute nichts, so werden low sie schon er- ziehen, antwortete Gehl und der Verein wurde gegründet. Die Ur- fachen waren folgende: Während der Aussperrung 1900 hatte Waldt mit einigen 30 Kollegen das Glück, bei einem Unternehmer zu arbeiten, der unfre Forderung bewilligt hatte. Nach unsrcm Strcikreglcment hatten solche Kollegen 10 Proz. des Verdienstes an die Streikkasse ab- zuführen, in diesem Fall pro Tag 50 Pf. Waldt, der Vorstandsmitglied war, verhinderte, daß der Bau diesen Beitrag leistete. Der Vor- stand rügte solches Betragen; der Amtsenthebung beugte Waldt durch Amtsniederlegung vor. Tie Folgen dieser Vorgänge führten znni Streit_ in der Organisation, deren Ausgangspunkt die Sonder- organisations-Gründung wurde. Inzwischen ist gerichtsnotorisch fest- gestellt, daß Waldt seine Kollegen aus Haß bei seinem Arbeitgeber denunzierte, lvie der Inhalt folgender Karte beweist: Geehrter Herr Sch.....! Wir Endesunterzeichneten teilen Sic hierdurch mit, daß Sie auf Ihrem Neubau den Führer der Soeialdemokraten Deegner (Maurer) beschäftigen. Der Streik wird bald losgehen. Mehrere unorganisierte Maurer.- Waldt ist nun aus dem Lokalverein ausgeschlossen. Aber der Gründung der Sonderorganisation und den durch dieselbe hervor- gerufenen inneren Kämpfen, die auch nach außen die Einheit der Aktion störten und solche Dinge dem Unternehmertum auch nicht ver- borgen bleiben, danken cS die Kollegen, daß sie ihre 1900 nicht er- reichten Wünsche, insbesondere die neunstündige Arbeitszeit, nicht von ncucni erheben konnten. Die Nichtigkeit der obigen Thatsachcn bestäsigen hiermit: Waldr. Heidcnreich, NownivcS. Gust. Wittcnbechcr, Potsdam. Karl Berger. Wilh. TrotzowSki, Nauen. Fr. Lemme. Aug. Deegner, Spandau. Beispiele, in denen sich die Gefahr, zu welchen die Sonder- bündelei führt, zeigt, könnte ich noch nichr anführen, auch andre Organisationen, loelche mit dieser Plage behaftet sind werden sie beliebig vermehren können. Zu dem Angeftihrten lvird in dcni einen oder andren Fall gc- sagt werden: nach unsrer Kenntnis oder den Aussagen der Ver- traucnSmänner der lokalen Richtung hat sich der Fall etwas anders zugetragen. Doch das wäre ein Spiel mit Worten. Es handelt sich darum, festzustellen, daß dem Wesen der Sonder- bündelei eine der Arbeiterbewegung feindliche Tendenz innewohnt, die ihrem ganzen Wesen nach mit Sicherheit zu Konflikten unter den Arbeitern führt und ihr die besonders heute über alles not- wendige Einigkeit und den Charakter der Einheitlichkeit im Äanipfc nimmt und sie geteilt und zcrfplittert dem Gegner dem Wirtschaft- lichen wie auch den politischen ausliefert; die den Streit der Ar- heiter unter einander entfacht und die den Arbeiterorganisationen innewohnende hohe sittliche und moralische Kraft, den Geist und Charakter erziehende und veredelnde Wirkung nicht zur vollen Eist- faltung kommen läßt, sondern den kleinlichen, auf das Persönliche gerichteten Kampf in den Vordergrund drängt und die Bildungs- stätten, Presse tvie Versammlungen zum Tummelplatz wüsten Gezänks herabwürdigen, der verrohend ans Gemüt und Charakter wirken muß; die die DiSciplinlosigkeit begünstigt und jeden. dem seine Organisation mal nicht seinen Willen erftillen kann, die Mög- lichtest giebt, in eine andre zu gehen, bis er auch diese wieder a'lS Taubeistchlag benützt; die jedem Ouerulanten und unsauberen Charakter gestattet, in einer andren Organisation sein Nnwesen zum Schaden der Gesamtbcwcgung zu treiben. Die Gründe, principielle wie praktische, aus welchen sich die Gegnerschaft der Sondcrbündelei rechtfertigt, könnte ich vermehren, doch muß ich Rücksicht auf den Raum des„Vorwärts" nehmen. Ich sage also nicht, daß diese Wirkung eine beabsichtigte ist, sondern sie ist die logische Folge. Der Wunsch ist berechtigt,' welcher in der Forderung gipfelt, daß alle Instanzen der Arbciterbeivegung, bei jeder passenden Gelegen- heit in Wort, Schrift und Handlung ohne Wenn und Aber zu er- kennen geben, daß die Anhänger der Sonderorganisation sich auf Irrwegen befinden; daß ihnen der Nimbus anerkannter Arbeiter- organisationen genommen ivcrde, und auch der Wahn, sie seien zum Schutz der Parteichre erforderlich. Sage man ihnen; Ordnet Euch als Demokraten dem Willen der Mehrheit unter und wirkt dann inner- halb der einheitlichen Organisationen fiir Eure Wünsche; so lange Ihr das nicht thut, können wir Euch nicht anerkennen. Stürzen die Gewerkschaften damit in der Arbeiterbewegung an- erkannte Grundsätze um? Hat nicht die Partei immer im wohl- verstandenen Interesse Sonderorganisationen zu beseisigen und zu verhindern gesucht? Hat sie nicht da, wo ein Frieden nicht zu er- möglichen war, nicht daS Tischtuch zerschnitten? Wie in Erfurt mit den „Jungen" und ähnlich in Solingen? Als die Hamburger Aceordmaurcr den Kampf erschwerten und in diesem Jahre den Streik illusorisch machten, mochte es noch angehen, aber als sie eine eigne Parteiorganisasion gründen wollten, rief der Vorstand sehr energisch: Hand weg! ES bleibt dieser Widerspruch den meisten klassenbewußten Arbeitern ein unlösbares Rätsel, daß in der Partei demselben Mann heute gelehrt wird, wir brauchen eine Organisatton, die dem Gegner wie eine Phalanx, wie aus einem Guß sich entgegenstellt, morgen derselben sagt: Ja, Euch, die Ihr den Klaffenkanipf täglich Brust an Brust führt, thäte diese Einheit wohl auch not, aber so lange es noch Leute giebt, die noch anders denken, müssen wir sie anerkennen. Dieser innere Widerspruch führt zur Spannung und Entfremdung dieser beiden Glieder des proletarischen Klassenkampfes. Niemand ivill eine Trennung. Sic haben sich gegenseitig so notwendig in idieller und materieller Beziehung, daß sie niemals von einander lassen sollten. Gegenteilige Ansichten finden in den Kreisen der Gewerkschaften keinen Resonanzboden. Damit es aber auch immer so bleibe, räume man jeden Anlaß dazu fort. ES wünscht auch niemand, daß die Partei Büttel der Gewerk- schaft werde, sondern daß sie nur konsequent bleibe; und daS nicht aus Liebe zu den Gewerkschaften, sondern, wie ich zeigen wollte, zum Wohle der unteilbaren Arbciterbeivegung. Am Donnerstag hat sich eine Versammlung der lokalen Maurer mit meinen angeblichen Ausführungen in der GcwerkfchaftSkommission befaßt, wozu ich eingeladen war. Meine Rede hatte nicht den Zweck, meine lokalen Kollegen anzugreifen, fondern die Schädlichkeit der Sondcrorganisasion im allgemeinen zu zeigen, um mit dem, was in den letzten zivci Jahren sich in Berlin zutrug, die Haltung der Verbände anläßlich der GcwerbegerichtSwahl zu rechtfertigen. Andrerseits weiß ich, daß diese Versammlung uns nicht gegenseisig näher bringen würde. Und da zum„raffen", wie'wir Centralen und Lokalen es nun schon seit 1890 thun, und zwar ohne uns gegenseisig zu bekehren, ich nicht die geringste Lust verspüre, habe ich mir das Vergnügen versagt, nach der Versammlung zu gehen, fondern ihnen mitgeteilt, daß ich im„Vorwärts" antworte. H. S i l b e r f ch m i d t. Die Brandtfche Millionen-Erbschaft vor Gericht. Vierter Tag. Die heutige Sitzung, welche Landgerichts-Dircktor Opitz um 9 Uhr eröffnet, beginnt mit einer U c b e r r a s ch u n g. die die weitere Verhandlung in Frage stellt. Verteidiger Rechtsaiiwalt Dr. Schwindt teilt folgendes mit: Soeben hat mein Bureau antclcphonicrt, daß dort im Augenblick ein Brief des Angeklagten Brandt eingegangen sei, in Ivclchcm er mitteilt, daß er zur Sitzung nicht erscheinen könne, da er weitere Be- mei-santräge zu stellen habe. Ich habe angeordnet, daß der Brief so- fort hierher gebracht werde. Auf Befragen erklärt Rechtsanwalt Simons, daß er einen Grund des Ausbleibens des Angeklagten Bethke nicht anzugeben Wiste. Rechtsaiiwalt Dr. S ch w i n d t bittet, in Mwcfcnheit der An- geklagten zu verhandeln. Prozessualisch sei dieS zuläffig, da die Au- geklagten verantwortlich vernommen worden seien. Staatsanwalt L i e b e n o iv: Ich bitte, die Angeklagten in Haft zu nehmen. Sie sind ohne Grund nicht erfchienen: es scheint ihnen irgend etwas bedenklich geworden zu sein. Beide Angeklagte sind in gerichtlichen Dingen so dewanden, daß sie wissen, sie müssen den Anordnungen des Gerichts Folge leisten. Ich bilte, meinen Gerichts- diener mit einem Haftbefehl auf schnellstem Wege nach der Brandt- sehen Wohnung in der Petristraße zu senden, ebenso nach Neu-Rahns- dorf telephonisch zu erwirken, daß Bethke unverzüglich in Haft ge- nommcn werde. Die Bertheidiger ersuchen, die Angeklagten nur vorführen zu lasten. Der Gerichtshof beschließt nach längerer Beratung: Da die ver- antworiliche Vernehmung der Angeklagten erfolgt ist, und die Straf- kammcr ihre Anwesenheit für nicht erforderlich hält, soll die Vcrhcmd- lung in Abwesenheit der Angeklagten fortgesetzt werde». Der Gerichtshöf beschließt ferner: in Erwägung, daß die Angeklagten der ihnen zur Last gelegten That dringend verdächtig find, ferner in Erwägung, daß die Angeklagten mit Rücksicht auf die Höhe der zu erwartenden Strafe fluchtverdächtig erscheinen und ohne Grund an Gcrichtsstelle nichr erschienen sind, sie in Untersuchungshaft zu nehme n. Hierauf wird in der Beweisaufnahme fortgefahren. Frau Gastwirt P i l z e ck c r glaubt ihre Erbberechtigung von der Eschwcger Linie ableiten zu können.— Präsident: Sie sind in der Broschüre wiederholt als Zeugin genannr worden. Was wissen Sie darüber zu bekunden, daß Graf Douglas aus der Brandtscheu Hinterlastenschaft einen großen Betrag erhoben habe. Zeugin Pilzeckcr: Sic sei 1897 oder 1893 mit der vcr- storbenen Amalie Brandt in Holland ans dein Archiv gewesen. Frau Johanne Brandt sei schon früher einmal gleichfalls dort gewesen. Da habe ein Mann, von dem sie eine Bescheinigung verlangten, ein Aktenstück hervorgeholt, sie habe genau gesehen, daß darin Zahlen vcr- zeichnet und der Name Douglas geschrieben war. Der Mann habe da hineingeblickt und in gebrochenem Deutsch zu ihnen gesagt:„Weshalb kommen Sic denn hierher? Bleiben Sie doch bei sich im Auswärtigen Amt und bei dem Grafen Douglas, da finden Sie ja alles, waS sie für die Erbschaft brauchen!— Präsident: Sie sprechen von cincm Archib. Woher wissen Sie denn, daß es daS„Archiv" war? — Zeugin: Frau Brandt hat es gesagt.— Auf weiteres Befragen bekundet die Zeugin, daß ihr Frau Timm einmal gesagt habe: Graf Douglas habe ihr bestätigt, daß er unter seines Vaters Nachlaß ein Codicill gefunden habe, welches die Namen der Erben enthielt. — Rechtsanwalt Simons: Ist die Zeugin nicht auch einmal auf der holländischen Gesandtschaft Hierselbst gewesen?— Zeugin: Jawohl. Da hat ein Mann, der gebrochen deutsch sprach, zu mir gesagt: Es thut mir leid. Ihnen das sagen zn müssen: Ihre Regierung ist der eigentliche Betrüger, die holländische Regierung ist für alles, was vorgekommen, nicht llcrantwortlich.— Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Wo war denn die holländische Gesandtschaft?— Zeuge: In der Voßstraßc, 4 Treppen hoch.— Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Ist eS richtig, daß Sie auch an die Känifliil-Rcgcntiil von Holland geschrieben haben?— Zeugin: Das ist richtig. Darauf hin sind lvir auf die Gesandtschaft bestellt worden.— Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Hat der Beamte auf der Gesandtschaft nicht noch sonst etwas gesagt?— Zeugin: Wir hatten ihm gesagt, wir würden uns nochmals an die Königin wenden und darauf hat er gcsagr:„Meine Damen, machen Sie uns nicht unglücklich, da unsre Aiajestät von alledem nichts weiß.— Rechtsanwalt Dr. Thiele: Hat die Zeugin nicht die Abschrift eines Briefes gesehen, den Graf Douglas aus Holland einmal geschrieben hat?— Zeugin: Gewiß, solche Abschrift habe ich gesehen.— Bcrtheidiger: Was stand darin?— Zeugin: Graf Douglas hatte geschrieben, er habe in Holland die Akten eingesehen und könne melden, daß die Sache sehr gut stehe. Zeuge Gasrlvirt P i l z c ck e r bestätigt im allgemeinen die Aus- sagen seiner Ehefrau. Er berichtet noch über Verhandlungen, die ein- mal ein Kommissionär Namens Rahlson wegen Ankaufs der Erb- schaft mit ihnen angeknüpft habe. Herr Rahlson habe 10 Millionen Mark dafür geboren und gesagt, es sollte das Nadelgeld für des Milliardärs Vanderbildt Tochter sein. Die Brandts hätten 15 Mill. verlangt. Herr Rahlson sei bei seinem Gebot von 10 Millionen ge- blieben, man habe gehofft, ihn auf 12 Millionen bringen zu können, die csache habe sich aber zerschlagen. Bezüglich der Vereidigung der noch nicht vereidigten Zeugen ersucht Staatsanwalt L i e b e n o w, den Zeugen Paul und die Zeugin Johanna Brandt nicht zn vereidigen. Er denke, man thue diesen Zeugen damit selbst einen Gefallen, denn das, was sie hier gesagt haben, können sie unmöglich mit ihrem Eide decken. Gegen die Vereidigung der Timmschen und Pilzeckerschen Eheleute habe er nichts einzuwenden, denn diese seien anscheinend gutgläubig und so thöricht, diese Dinge, die sie hier bekundet haben, zu glauben. Der Gerichtshof beschließt, die Zeugen Paul und Johanna Brandt nicht z» vereidigen. Die übrigen werden vereidigt. Staatsanwalt Liebcnow thcilt mir: er habe die beiden Urkunden, um die cS sich gestern handelte, sofort an.den General- konsul in Amsterdam geschickt und ihn ersucht, an zuständiger Stelle festzustellen, ob die Urkunden echt oder unecht seien. Eine tele- graphische Auskunft fei in kurzer Zeit zu erwarten, die endgültige Auskunft könne bis Montagabend hier sein. Rechtsanwalt Dr. Thiele: Die Verteidigung stehe auf dem Standpunkt, daß sie aus der Echtheit der Urkunden irgend welche Schlüsse nicht mehr ziehen wolle, sie iverde im Plaidoycr gerade aus der Unechtheit der Urkunden ihre Schlüsse zu Gunsten der Angc- klagten ziehen. Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t t Es liege somit im allseitigen Interesse, die Verhandlung möglichst bald, wenn irgend möglich schon morgen, zu Ende zu bringen. Staatsanwalt Liebcnow: Ich will hier gleich noch auf eine andre Dummheit der Urkundcnfälscher aufmerksam machen. Wie sie bei den ersten Urkunden die Dummheit begingen, den Grafen Douglas „Heinrich" zu nennen, so haben sie die zlveite Urkunde vom 5. Mai datiert. Dies war aber ein Sonntag, und an einem solchen wird daS Kantonsgericht schwerlich eine Urkunde ausstellen. In der Fortsetzung der Beweisaufnahme folgt die Verlesung der Protokolle über die zahlreichen kommissarischen Zeugenvernehmungen, die ail den verschiedensten Orten Deutschlands stattgefunden haben. Tie verschiedensten Zeugen sind darüber befragt worden, ob ihnen etwas davon bekannt sei, daß dem Grafen Douglas 5 Millionen und 25 000 Gulden ausgezahlt worden seien. Darunter befinden sich auch Angestellte des Hauses Rothschild in Frankfurt a. M., mit dem Graf Douglas in Verbindung steht. Im übrigen geht cS in den Zeugenaussagen, die zunächst ohne Wert sind, wirr und kraus durchein- ander, es handelt sich im wesentlichen immer nur um Gerüchte, die von einer Person zur andern getragen wurden. Ein Zeuge hat bc- kündet: er sei 1898 in Ostbach bei Aachen beim katholischen Pfarrer von der Sthck zusammen mit Brandt gewesen. Der Pfarrer habe erzählt, daß sein Bruder bei der deutschen Gesandtschaft im Haag ein Schriftstück eingesehen habe, aus welchem hervorgehe, daß die Brandtsche Erbschaft aus 144 000 000 FrcS. bestehe.— Ein Fräulein Margarethe Gönner in Bernburg Ivill verschiedene Briefe des Grafen Douglas an die Erbe», insbesondere einen Brief des Sekretärs deS Grafen Douglas, Namens Stephan». gelesen haben. In den Briefen sei gesagt worden, daß die Erbschaft bald zur Auszahlung gelangen würde.— Eine Brandtsche Erbte» Frau Witwe Nosf hat ausgesagt, sie habe gehört, daß ihre Schwester ihre Papiere vom Grafen D. habe wiederhaben wollen. Bei dieser Gelegenheit hat Graf D. gesagt, sie bekämen so viel, daß sie anständig leben könnten. Welch ungeheuerliche Tinge bei diesen Zeugen- aussagen unterlaufen, geht aus folgendem hervor: Die Zeugin Noff hat u. a. ausgesagt: Ihr sei vor einigen Jahren von einem im persönlichen Dienst deS Grafen Douglas stehenden Angestellten mit- geteilt worden, daß Ä a i s e r Wilhelm II. einmal eine sehr er- regte Unterhaltung mit dem Grafen Douglas gehabt habe, bei welcher Carl Stier fl - ii. UHiri Berlin SO., öraniesistr. 166. Fiale; Folsii Naaenerslr. 23. Aus meinem reichhaltigen Lager biete ich nachstehende vorteilhafte Offerte: Winter-Paletots. Sin- und zweireihige form, mit Rüchennaht, Schlitz und j Sammethragen, geraden oder schrägen Cascben. Paletot von Diagonal- Mark 1 Cheviot, dunkelgrau. 15,— Paletot von marengo meliortom Cheviot.. 18,- Paletot von haltbarem Double, schwarz... 18,—| Paletot von gutem Fischgrat- Cheviot, marengo meliert... 20,— j Paletot von cleg. 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Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t überreicht den vom Angeklagten Brandt eingegangenen Brief zu den Akten. Rechtsanwalt Simons verliest einen voin Angeklagten Bethke eingegangenen, gestern Nacht in Berlin dl. aufgegebenen Brief, in welchem er erklärt, daß er sich zur Hauptvcrhandlung stellen würde, wenn die gegen König, Hofmeister, Becker und Frl. Semlcr u. a. eingeleiteten Verfahren beendet seien. Ter Verthcidiger entnimmt diesem Briefe, daß der Angeklagte wohl annehme, chaß ohne ihn nicht verhandelt werden könne und beantragt deshalb Aussetzung der Haupt- Verhandlung. Der Antrag wird abgelehnt. Ter Borsitzende setzt die nächste Sitzung, in welcher die PlaidoherS stattfinden sollen, auf Freitag OVi Uhr an. Huö Induftnc und f)andeL Die Unterschlagungen bei der Tarmstädtcr Bank wurden auch heute an der Börse lebhaft erörtert und dabei vielfach die Ansicht ver- treten, daß das Kontrollsystem der Darmstädter Bank, daß dem Defraudanten eine jahrelange Verdcckung seiner Unterschlagungen gc- stattet habe, ein recht ungenügendes sein müsse. Thatsächlich ist völlig zinverständlich, wie Neßler fortwährend Eintragungen in den Depot- büchern vornehmen konnte, ohne daß den betreffenden Beamten, denen die Führung dieser Bücher oblag, die Eintragungen auffielen. Es erscheint doch fast ausgeschlossen, daß sie nicht Argwohn geschöpft und an zuständiger Stelle Reklamationen erhoben haben. Oder aber war Neßler zugleich der Vorgesetzte jener Beamten, dem, weil er ein naher Verwandter von einem der Direktoren ist, außergewöhnliche Rechte eingeräumt wurden und bei dem man ein Hinausgehen über seine Befugnisse nicht so genau nahm? Jedenfalls erweist sich die von der Direktion der Bank gegebene Darstellung über die mit der Unterschlagung von 700 OOO M. verbundenen Bücherfälschungen als durchaus unzulänglich. Der Defraudant Neßler war als Depotverwaltcr und Effektenrassierer thätig. Zu seiner Kontrolle bestehen die Depoibücher, und zwar das sogenannte lebende und tote Dcpotbuch. In dem ersten werden die Depots nach den Namen der Besitzer, in dem zweiten nach den über- gebencn Effekten gebucht. Zu diesen.Kontrollbüchern soll Neßler nach den Angaben der Direktion sich nur dadurch Zugang verschafft haben, daß er morgens frühzeitig im Bureau erschien. Abgesehen davon, daß die Zeit am Morgen kaum ausgereicht haben dürfte, die fort- jgesctzten Fälschungen zu vollführen, beweist die Mitteilung, daß Neßler auch in den Depotverzeichnisscn, die cinhalbjährlich von der Bank an die Kundschaft versandt werden, Fälschungen vorgenommen haben muß. Wie wenig überzeugend die Darstellung der Direktion ist, vermag man an einzelnen Vorgängen, die sich täglich und stündlich in einem Betriebe wie der Darmstädter Bank abspielen, zu erkennen. Von den deponierten Effekten werden fast ständig Coupons und Dividendenscheine getrennt und den Kunden dafür Gut- schriften gemacht. Diese Coupons- Gutschriften müssen ordnungsgemäß in der Höhe des dem Kunden gehörigen Effektenbestandes gemacht werden, da diesen andernfalls eine zu kleine Gutschrift auffallen würde. Die Regelung dieser Coupons- Gutschriften geschieht bei allen Banken in einem besonderen Bureau, Zzer sogenannten Couponkasse. Vermochte Neßler wirtlich, alle diese zur Verdeckung seiner Unterschlagungen notwendigen Buchungen und Fälschungen in den verschiedensten Bureaus und Büchern in einer halben Morgenstunde auszuführen? Ferner werden doch ständig von den Kunden Effekten abgehoben und verkauft, wie konnten dann unbemerkt von Neßler die Ein- tragungen in den Depotbüchcrn vorgenommen werden, wenn sie ihm nur durch frühzeitiges Kommen zugängig waren? Außerdem ist noch das Bcstandbuch vorhanden, in dem die Effektcnbcsiände gebucht wer- den und das völlig unabhängig von der Depotverwaltung geführt werden soll. Hatte Neßler zu allen diesen Büchern leinen Zugaug, ,o steht man vor einem Rätsel, wie er 700 000 M. in seiner Stellung unterschlagen konnte. Daß die in jedem Monat fortlaufend stattgefundencn Revisionen der Revisions-Kommission und die Revisionen durch den Aufsichtsrak zu keiner Entdeckung der Unterschlagungen geführt haben, wird nach den Erfahrungen bei den letzten Bantbrüchen niemanden wunder- nehmen. Die Unterschlagungen können nur dadurch möglich geworden sein, daß Neßler, wie Jellinet, die verschiedensten Funktionen in sich ver- .iiiigte und infolge seines durch„Pflichttreue' erlangten Einflusses zu allen Büchern jeder Zeit Zugang hatte. Dieser Zustand wurde in der Darmstädter Bank durch den außerordentlickjen Mangel an Personal geradezu künstlich genährt. Es ist zur Genüge bekannt. daß die Darmstädter Bank sich durch Einschränkung des notwendigsten Personals und durch Zahlung niedriger Gehälter an die Masse ihrer Angestellten auszeichnet. Zudem sind die Angestellten in ihrer Stellung von dem Urteil und der Gesinnung der Herren Burcauchefs völlig abhängig, dadurch wird unter ihnen jener Kadavergehorsam großgezogen, der cinspruchslos jeden Wunsch und Willen der göttcr- strichen Bureauchefs hinnimmt, und der sich nicht gestattet, irgend eine Handlung der Gewaltigen zu kritisieren, geschweige denn dagegen Einspruch zu erheben. In noch nicht einer Woche hat die Darin- srädtcr Bank zwei Unterschlagungen großer Summen zu verzeichnen. Wenn auch die Schuld an bestehenden Zuständen in dieser Bank von eingeweihten Kreisen vornehmlich dem vorherigen Direktor Kaempf, Städtrat a. D.. einem ebenso arbeitslustigcn als sparsamen Herrn. zugesprochen wird, so wird sich die augenblickliche Leitung doch kaum damit entlasten können. Amerikanischer Stahltrust. Um seine beherrschende Stellung auf dein amerikanischen Eisenmarkt zu befestigen, hat. wie aus New Ljork berichtet wird, der Stahltrust die von ihm bisher a,n meisten gefürchtete Konkurrenzgesellschaft,.die Union Steel Company, er- tvorben. Ueber die Durchführung dieser Transaktion wird der „Vossischen Ztg." telegraphisch berichtet: Die Erwerbung der Union Steel Company macht keinerlei Barzahlung seitens des Stahltrusts nötig. Erstere Gesellschaft be- schafft sogar noch 10 000 000 Dollar für Vollendung ihrer Anlagen. Der Stahltrust garantiert eine Verzinsung der Stainmaktien. sowie die Zinsen von 10 000 000 Dollar neuer Bonds der Union Steel, die lediglich den Wert des Besitztums letzterer Gesellschaft darstellen sollen. Vielfach wird die Ansicht geäußert, der Stahltrust er- mutige durch jenen Kauf die Gründung weiterer Konkurrenz- Unternehmungen. Das lothriiigischckiiyciiiburgische Rohcisen-Syudikat hat, wie die „Köln. Ztg." meldet, in seiner gestern in Luxemburg abgehaltenen Hauptversammlung beschlossen, mit Rücksicht auf die trostlose Lage des Walzcisenmarktes den Walzlverken entgegen zu kommen und den Rohcisenprcis für Puddel- und Stahlcilen um 2,50 Fr. für die Tonne herabzusetzen, obwohl das CoakS-Syndikat keine Ermäßigung der Eoakspreise hat eintreten lassen. Es stellt sich jetzt immer mehr heraus, daß die hohen Coakspreise für die Eisenindustrie Verlust- bringend wirken und verhindern, daß die Gesundung deS Eisen- marktes bald eintritt. „Helios". Innerhalb der gestern abgelaufenen Frist zur Mien- Zeichnung für die Elektricitäts-Aktiengesellschast„HclioS"-Köln sind bereits 2500 Borzugsaktien durch Zuzahlnng gezeichnet. Der Gc- sellschaft fließen hierdurch Barmittel im Betrage von 2 500 000 M. zu. Die Erreichung der durch Beschluß der Generalvcrsaninstung vorgesehenen Mindestziffern von 3 Millionen darf nunmehr als gesichert betrachtet werden. Der Anfsichtsrat setzte, gemäß der ihm durch Beschluß der Generalversammlung gemachten Auflage eine Nachfrist bis zum 29. Dezember d. I. fest. Innerhalb dieser neuen Frist können sowohl auf die bisher lediglich zur Zusammenlegung ohne Zuzahlung eingereichten Aktien, als auch auf diejenigen alten Aktien, welche überhaupt noch nicht eingereicht worden sind, Zu- Zahlungen geleistet werden. Zur Börsciigesetz- Reform. Die bor einigen Tagen an dieser Stelle vertretene Auffassung, daß der Sieg der Zollmehrheit und das dadurch zwischen dieier und der Regierung geschaffene Ver- hältnis einer baldigen Reform des Börscngeictzes keineswegs günstig ist, wird durch die Auslassungen der zollwuchcrischen Presse zu der Meldung der„Berliner Polit. Nachrichten" nach jeder Richtung be- stätigt. So schreibt z. B. die„Konscrv. Korrespondenz": „Der Reichstag hat Material genug vor sich, um nebst dem Etat bis Ostern reichlich beschäftigt zil sein. Kündigen also die „Berliner Politischen Nachrichten" die Einbringung einer Börsengesetz- Novelle noch in dieser Session an, so können wir daran nicht glauben. Es wäre ein schwerer politischer und taktischer Fehler, einen so umstrittenen und an Schwierigkeiten und Differenzen reichen Gegen- stand in der kurzen noch zur Verfügung stehenden Zeit zur parla- nientarischeu Erörterung bringen zu wollen. Allenfalls könnte man damit erreichen, daß der Börsengesetz-Novelle in einer Kommission ein stilles Begräbnis bereitet lvürde: denn daß das Plenum überhaupt dazu kommen könnte, diese schwierige Materie zu verabschieden, ist keinesfalls anzunehmen. Die Sache eilt ja doch Wohl auch nicht gar so gewaltig. Die Börsenvertreter im Reichstage von Barth bis Zubeil haben alles daran gesetzt, die Zeit des Parlaments zu ver- geuden; wäre ihnen die Revision deS Börsengesetzes dringend erschienen, so hätten sie doch wohl nicht so unsinnig mit der Zeit gewirtschaftct. Es lvird aber auch darauf Bedacht genommen werden müssen, daß der Reichstag früh genug geschlossen bezio. aufgelöst wird, um die Neuwahlen für spätestens Anfang Juni anzuordnen. lokales. Stadtverordneten-Versammlung und Straßenhandcl. Der Plan, den Straßenhandcl in Berlin kräftig einzuschränken oder am liebsten völlig zu beseirigen, ist. wie bekannt, von den Hausbesitzern im Hinblick auf ihre leer stehenden Läden angeregt lvorden und wird von einer Gruppe der allerdings auch schwer genug um ihre Existenz kämpfenden Kleinen unter den setzhaften Handeltreibenden in ihrer Kurzsichtigkeit als ein letztes Rettnngsmittel betrachtet. Dieser Plan soll jetzt von der Polizei im Wege einer sogenannten„Regelung" des Straßen- Handels ausgeführt lverden, aber in der Stadtverordneten- Versammlung, die vom Magistrat um eine„gutachtliche Aeußc- rung" hierüber ersucht worden ist, haben die Absichten des Polizei- Präsidiums erfteulicherlveise keine Mehrheit gefunden. Zlvar wird dadurch der Erlaß der gegen die Straßenhäudlcr gerichteten Polizeiverord'nung voraussichtlich weder verhindert noch auch nur aufgehalten werden. Selbst eme Milderung ihrer Bestimmungen ist schwerlich davon zu erwarten. Die Polizei ist die letzte, die sich von einem„Gutachten" der Stadtverordncten-Vcr- sammlung— denn eine entscheidende Beschlußfassung steht in der Straßenhandel-Frage weder den Stadtverordneten noch dem Magistrat zu— imponieren ließe. Was komme» soll, wird kommen trotz aller Proteste; aber cS ist gut, daß die Stadtverordncten-Versammlung— und hoffentlich auch der Magistrat, der sich vorläufig noch nicht gc- äußert hat— die Verantwortung für die geplante Erdrosselung des Straßenhandels nicht mit übernehmen will. Der Aus- s ch u ß, dem vor vier Wochen die Angelegenheit zur Bor- beratung überwiesen worden war, erstattete"in der gestrigen Sitzung den Bericht über seine Verhandlungen durch den Stadt- verordneten Ullstein(Neue Linke). Namens des Ausschusses empfahl Herr Ullstein der Versammlung, sich bedingungslos gegen die Polizeiverordnung zu erklären. Der Standpunkt desjenigen Teiles der Versammlung, der den Polizei kämpf gegen den Straßen- Handel unbedenklich mitzumachen bereit ist, kam zum Ausdruck in einem Antrag Wallack, lvithrcnd zwei andre Anträge s.Haberland und Bütolv) zu vermitteln suchten. Die Debatte begann ziemlich uninteressant. Erst als der Stadtv. G c m e i n h a r d t das Wort ergriff, kamen die zahlreichen Tribünenbesucher auf ihre Kosten. Herr Gemeinhardt, ein Jnnungsfnhrer. der unter der Flagge der„Neuen Linken" segelt, produzierte sich Wieder, wie vor vier Wochen, als Verteidiger und Beftirwortcr des von der Polizei beabsichtigten Vorgehens gegen den Straßenhandcl. Von den Schandthaten der Straßenhändler erzählte er tolle Räuber- geschichten, die auf den Bänken der socialdemokratische» Stadt- verordneten eine Lachsalve nach der andern entfesselten und auch bei manchem seiner Fraktionskollegen ein bedenkliches Kopfschüttcln be- ivirktcn. Von socialdcinokratischer Seite wurde durch unsern Genossen Singer uneingeschränkte Verwerfung der Polizei- Verordnung gefordert, für die die Stadtverordneten-Versammlung keine Mitverantwortung übernehmen dürfe. In klarer, scharfer Beweisführung, die vor allem die wirtschaftlichen Gesichts- punkte hervorhob, wurde diese Forderung begründet. Singer nahm sich dann besonders Herrn Gemcinhardt vor und zeigte, daß der Standpunkt dieses Herrn gerade gegen das liberale Princip, in die wirtschaftliche Freiheit des einzelnen nicht einzugreifen, ver- stößt. Im weiteren Verlauf der Debatte erklärte auch Herr C a s s e l(Alte Linke), daß er sich nicht mitschuldig machen wolle an dein Zustandekommen der Polizei- Verordnung ,. nnd zum Schluß machte Herr Max Schulz(Neue Linke) den Versuch, seinen Fraktionskollegen Gemeinhardt recht unsanft abzuschütteln. Die Abstimmung ergab nach L'/z stündiger Debatte die Annahme deS sich gegen die Pokizeiverordnnng aussprechenden Ausschußantrages mit 84 Stimmen gegen 39. Nun lvird sich der Magistrat dem Polizeipräsidium gegenüber zu erklären haben, wie e r sich zu dein Er- drosselungsplan stellt._ Obdach und Wohnungsnot. Die jährlichen Rechenschaftsberichte der Verwaltung des städtischen Obdachs dürfen unter den gegenwärtigen Verhältnissen— angesichts der noch lange nicht beseitigten Wohnungsknappheit, sowie des nickt ab-, sondern zunehmenden ArbcitSmangelS— ein besonderes Interesse beanspruchen. Der neueste Bericht, der soeben erschienen ist, behandelt das Rechnungsjahr vom 1. April 1901 bis zum 31. März 1902. lieber die Familien-Abteilung deS Obdachs wird darin ausgeführt, hier sei die Frequenz seit dem Jahre 1900 erfteulicherwcise bedeutend zurück- gegangen, wenn sie auch im Vergleich zu früheren Jahren immer noch als hoch zu bezeichnen sei. Diese Ab- tcilung habe im vorletzten Jahre 216 137 Verpflegungstage geleistet, im letzten dagegen nur noch 154 700. Die tägliche Durchschnittsfrequenz der Familien-Abteilung ist hiernach von 592 Köpfen auf 424 gesunken. Da die im Jahre 1900 beobachtete, rasche und gewaltige Frequenzsteigerung durch die außerordentliche Steigerung der Wohnungsnot hervorgerufen lvorden war, so wird mancher auf den ersten Blick geneigt sein, aus dein im Obdach inzwischen wieder eingetreteneir Frequenz- rückgang den Schluß zu ziehen, daß von einer Wohnungsknappheit und Wohnungsteiierung in Berlin heute schon nicht mehr die Rede sein könne. Die hauSbesitzerfteundliche Presse hat ja, die vom Rathause aus versandten Animiernotizen begierig aufgreifend, ihren Lesern diese Schlntzfolgcrung bereits nahe gelegt. Bei näherer Be- trachtung gelviniit man indes den Eindruck, daß der Rückgang der Obdachftequeiiz leider weniger einer Milderung der Wohnungsnot als gewissen Ursachen ganz andrer Art zugeschrieben werden muß. Die Zahl der geleisteten Vcrpflegungstage hat sich verringert, aber die Z a h l d e r a u f g e n o m m c Ii c n P e r s o n c n hat, obwohl sie schon von 1899/00 zu 1900/01 um 50 Proz. gestiegen war, im Jahre 1901/02 noch eine lveitere, wenn auch weniger bedeutende Steigerung erfahren. Im Jahre 1900/01 lvaren 1847 Familien mit 6835 Köpfen und außerdem 2161 Einzelpersonen, also iin ganzen 8996 Personen aufgenouimcn lvorden, im Jahre 1901/02 lvurden 2202 Familien mit 8143 Köpfen und außerdem 2175 Einzelpersonen. also im ganzen 10 318 Personen aufgenommen. Wenn trotz dieser Vermehrung der Aufnahmen, auf die übrigens der Bericht der Obdachvcrwaltnng mit keinem Wort hinweist, eine Verminderung der DurchschniltSftequenz eintreten konnte, so wird man nicht fehlgehen nnt der Annahme, daß die Verwaltung es im letzten Jahre verstanden hat, die Dauer des Aufenthalts der Obdachslosen in der A n st a l t abzukürzen. So ist es in der That, und zwar ist das durch zwei verschiedene Mittel erreicht lvorden. Das eine, das unsre volle Billigung hat, bestand darin, daß die M i e t s u n t e r st ü tz u n g e n, durch die man den Obdachslosen die Beschaffung einer neuen Wohnung zu erleichtern sucht, bereitwilliger und reichlicher als sonst gezahlt lvurden. Im vorletzten Jahre wurden hierfür in 2384 Fällen 25 764 M. ausgegeben, im letzten Jahre in 2933 Fällen 35 361 M. lieber das andre Mittel haben wir bereits im vorigen Jahre unsre schärfste Mißbilligung ausgesprochen. Unsren Lesern wird noch in frischer Erinnerung sein, daß damals rücksichtslos gegen die Obdachlosen vorgegangen wurde, um d i e Anstalt in ö g l i ch st z n l c c r e n, daß Mütter mit ihren Säug- liugcn von wenigen Monaten, ja von wenigen Wochen in den kalten, regnerischen Herbstmorgen hinausgcwicsen wurden und den Tag über auf der Straße zubringen mußten. Auch die Vertuschungs- versuche, zu denen sich damals die bürgerliche Presse hergab, und die Hetze, die gegen den„Vorwärts" inscenidrt wurde, dürfte noch nicht vergessen sein. Wir fürchten, daß dieses zweite Mittel noch mehr als das erste zur Verringerung der DurchschnittSftequenz beigetragen hat. Aus diesem Gmnde erscheint uns, offen gestanden, der Frequenz- rückgang viel weniger„erfreulich" als der Obdach- Verwaltung. Wie man sieht, ist es trotz Anlvendung eines solchen Mittels nicht einmal sofort gelungen, den Andrang zum Obdach ein- zudämmen. Die Aufnahmen haben sich im letzten Jahr noch ver- mehrt— ein BelveiS, daß die Wahnungsnot keineswegs eine so rasch vorübergehende Erscheinung war. wie von den Hausbesitzern und ihrem Anhang behauptet wurde. Noch etwas von der Steuereinziehung. Mahnung und Zwangsvollstreckung sind die Mittel, die der städtischen Steuerkasse zur Verfügung stehen, wenn sie die u n- bezahlt gebliebenen Steuer re st e eintreiben will. Beide Mittel sind im letzten Jahre häufiger als sonst angewendet worden— beide haben im letzten Jahre geringeren Erfolg als sonst gehabt. Das ist ein weiteres Zeichen des wirtschaftlichen Druckes, der auf der Bevölkerung lastet. Von 1900/01 zu 1901/02 stieg die Zahl der vierteljährliche» Steucrpostcn von 2 951 415 auf 2 994 146, die Zahl der notwendig gewordenen Mahnungen vou� 47-1 723 auf 526 891. Auf je 100 Steucrpostcn kamen im eoteucrjahre 1900/01 rund Ii- Mahnungen, dagegen im Steucrjahrc 1901/02 etwa 18 Mahnungen. Stach erfolgter Mahnung bezahlt wurden im vorletzten Jahre 293588 Steuerposren, im letzten 309 317. Die Zahl der nach der Mahnung bezahlten Posten zeigt also an sich noch eine Zunahme. Im Verhältnis zur Zahl der Mahnungen aber ist sie zurückgegangen. Denn auf je 100 Mahnungen wurden 1900/01 noch rund 62 Zahlungen geleistet, 1901/02 aber nur rund 59. Die nach Ablauf der Mahnfrist eingeleitete Zwangsvollstreckung siel im vorletzten Jahre bei 166 439 Steucrvosten, im letzten bei 200 732 fruchtlos aus. Das bedeutet eine Zunahme der erfolglosen Voll- strccknngcn von 35 pro 100 Mahnungen auf 38. Wo nichts ist, hat der Steucrhebcr sein Recht verloren. Die aus den obigen Zahlen ersichtliche Verschlechterung des Ergebnisses der Steuereinziehung fällt um so schwerer ins Gelvicht, da bereits von 1899/00 zu 1900/01 eine Ver- mehrung der Mahnungen, eine Verminderung der Zahlungen nach erfolgter Mahnung und eine Zunahme der fruchrlosen ZlvangS- Vollstreckungen eingetreten war. Warten wir ab, wie daS laufende Stcuerjahr 1902/03 abschließen wird. Tie Entwicklung des StraßenbahnverkehrS schildert eine von der Direktion der„Großen Berliner" herausgegebene Denkschrift: Zu Beginn des Jahres 1871, als die Gesellschaft ihre Konzession er- hielt, dienten der Personenbeförderung 132 Omnibusse, 280 Droschken erster Klasse, 3424 Droschken zweiter Klasse, 18 Pferdebahnwagen der Linie Änpfergrabcn— Charlottcnbnrg und 306 Thorwagcn. Für den inneren Stadtverkehr waren die Omnibusse vor- Händen, die 1846 in Berlin eingeführt waren; ihrer be- fanden sich 1871 im ganzen 132 auf 22 Linien im Betrieb. Am 8. Juli 1873 wurde die erste Linie Rosenthaler Thor— Badstraßc mit 44 Wagen und 137 Pferden eröffnet. Von dem Wachstum der „Großen Berliner" geben folgende Zahlen eine Vorstellung. Ende 1873 wurden 780 782 Fahrgäste gezählt, im Jahre 1875 schon löffg Millionen, 1880 47 Millionen, 1890 135 Millionen, 1900 236 Millionen nnd 1901 282 Millionen. Die Gesamteinnahmen, die 1873 120 000 M. betrugen, erhöhten sich 1875 auf 2,1, 1330 auf 6,1, 1890 auf 15,8, 1900 auf 24,9 und 1901 auf 27 Millionen Mark. Das Bahnnetz, das Ende 1873 eine Länge von 12,24 Kilometer hatte, ist bis 1902 auf 481,76 Kilo- meter gewachsen. 141 Pferde hatte die Gesellschaft Ei.de 1873; die Anzahl der Pferde ist darauf in schneller Folge gestiegen, bis sie im Jahre 1897 mit 7323 Pferden ihren Höhepunkt erreichte. Bei der forlfchreitenden Einführung des elekttischcn Be- triebes ging dann die Zahl der Pferde in kurzem Zeitraum bis auf 130 im Jahre 1902 herunter, die für Arbcitszivecke beibehalten sind. Bemerkt sei, daß die Gesellschaft bereits im Jahre 1880 den Versuch machte, das Pferd durch motorische Kraft zu ersetzen; auf der Linie Schönhauser Thor— Pankow wurde ein Dampfbetrieb mit 7 Lotomotiven errichtet, die aber nach einer dreiwöchigen Daner wieder außer Dienst gestellt wurden. Bekannt ist, wie langsam die Gesellschaft sich zur Einführung des elekttischcn Betriebes entschloß; daß dieser von Jahr zu Jahr größere Votteile bietet, lehrt eine Mit- teikimg, wonach namentlich infolge besserer Schulung des Fahr- Personals der Stromverbrauch für den Rechnmigswagenkilometer von 779 Wattstunden im Jahre 1900 ans 674 Wattstanden im Jahre 1902 her- untergegangen ist. Es ist crlvähnenslvert, daß das Personal, dessen Kopfzahl 1873 137 bcttug, 1380 auf 2018, 1890 auf 3504 und in diesem Jahre auf 7702' gestiegen ist; seit 1894, wo die Zahl der Angestellten 3355 betrug, hat diese sich etiva verdoppelt. Bemerkt sei, daß in der umfangreichen Denkschttst des Streiks von 1900 in keiner Weise gedacht wird, dagegen wird darin von dem sogenannten Ascher-Vcrein gesagt, daß er im Juli des verhängnisvollen Jahres unter Billigung und Unterstützung der Verwaltung ins Leben gerufen worden ist. Trotzdem die Gesellschaft diesen Verein zu ihrem Votteile Verhältnis- mäßig reichlich unterstützt, ist die Zahl der Angestellten, welche dein Verband der Handels- und Transportarbeiter angehören, sehr beträchtlich. Die intelligenteren Schaffner und Fahrer vergessen eben nicht, daß sie nur dein tapferen Eintreten dieser Gewerkschafts- organifation es zu danken haben, wenn sie heute besser behandelt werden, als vor dem Generalansstand. Die Kunstprämien, welche die Buchhandlung Borwätts, Linden- ste 69, den Abonnenten des Blattes darbietet, finden ihres künst- lerischen Wertes wegen steigende Beachtung. Es find dies bekanntlich die drei Kunstblätter in Kupferradierung auf Ehinapapier: Marx, Engels und Lassalle(letzteres Bild als Mittelstück. Knicfigur nach der New Sjorker Original- Photographie). Diese drei Blätter in Größe von 65/85 Ccnttmetcr offeriert die Buchhandlung de n Womienten deZ„Vorwärts" zum Preise von zusammen 7 M. 50 Pf. statt früher S M. An diejenigen Abonnenten, die früher schon die Bilder von Marx und Engels bezogen haben, wird das Lassalle- Bild zum Preise von 2,50 M. abgegeben. Als Weitcrc Weihnachtsprämien giebt die Buchhandlung Vorwärts die bekannte Slupfergravüre von Delacroix„Die Freiheit fiihrt das Bol� zum Preise von 5 M.(statt früher ll M.) ab, ferner die von Karpeles be- sorgte Ausgabe von Heines poetischen und dramatischen Werken zum Preise von nur 2 M. Außerdem hält die Buchhandlung Vorwärts bekanntlich ein reiches Sortimentslagcr von Jugendschriften, Klassikern und natur- wissenschaftlichen wie geschichtlichen Werken, wobei selbstverständlich speciell auf die Bedürfnisse der Arbeiterschaft in jeder Hinsicht Bedacht genommen worden ist. Ebenso ist die Partcilitteratnr auf das reich- haltigste vertreten. Die Buchhandlung Vorwärts, Liudenstraße, ist heute und morgen abend bis 9 Uhr, an den andren Wochentagen der Weih- nachtszeit bis 8 Uhr geöffnet. Sonntags bleibt die Buchhandlung geschlossen. Die Gcwerbedcputation des Magistrats stellte gestern in nahezu vierstündiger Abendsitzuug den neuen Etat fest. Derselbe schließt mit einer Gesamtausgabe von 012806 Mark ab, so daß unter Beriicksichtigung einer tviehreinuahme von 4565 M. die Mehr- ausgäbe 608241 M. beträgt. Im letzten Etatsjahre wurden für gewerbliche Zwecke insgesamt 546 750 M. verausgabt, woraus sich ein Mehr von 61 000 M. ergiebt. Es rechtfertigt sich dies aus der geplanten Erweiterung verschiedener Lehrkurse und der dadurch erforderlich werdenden Einstellung neuer Lehr- t if ä f t e; namentlich hat sich bei den gewerblichen Fachschulen infolge der größeren Frequenz derselben das Bedürfnis nach einer Vermehrung der Lehrkräfte bereits recht fühlbar gemacht. Hinzu kommt, daß vielfach seitens der Dirigenten und Lehrer begründete Anträge auf Erhöhung ihrer Einkommen gestellt Ivorden sind. Die Anteile der Stadtgcmeinde an den Ausgabe», welche gemeinsam vom Staate und der Kommune aufzubringen sind, betragen rund 64 000 M. bezw. 83 000 M. Für die Fachschulen sind im ganzen 268 631 M., für die beiden H an d w er ker s ch ul en 134 191 M. bezw. 132 932 S>1, ausgeworfen worden. Die neue Fachschule ftir Elekttotechnik soll noch mit 5 384 M. auszukommen suchen. Die städtische Markthalle Xll auf dem Gesniidbrunuen, die schon seit vielen Jahren ein Schmerzenskind der städtischen Verwaltung bildete und 1893 wegen Mangels an Verkäufern und Kunden geschlossen werden mußte, soll ivieder ihrer eigentlichen Bestimmüng übergeben werden. Der Gesundbrunnen hat'in den letzten Jahren eine bedeutende Bevölkerungszunahme erfahren und besonders stark Ivar auch die Bauthätigkeit in den an die Stadtringbahn unmittelbar angrenzenden Stadtteilen, jedoch fehlte es zwischen diesen und den, Gesundbrunnen bisher an genügenden Verbindungen. Durch den Bau der Brücke über die Ringbahn iin Zuge der Swinemündcr- und Bellcrmannstraße wird jedoch eine solche geschaffen, die auch den Verkehr nach der Markthalle wesentlich erleichtern wird, und aus diesen Erwägungen heraus beabsichttgt das Markthallen-Kuratorium, sofort nach Fertigstellung der Brücke die Halle XU wieder zur Er- Öffnung gelangen zu lassen. Man hofft, die Halle mit einem verhältnismäßig kleinen jährlichen Zuschuß in Betrieb erhalten zu können. Unfugstifter. Die Gerichte gehen gegen die Personen, die un- befugterweise die öffentliche» Feuermelder ziehen, niit der größten Strenge vor. Ein Bildhauer Wuttich, der dabei abgefaßt wurde, als er den Feuermelder am Kottbuscr Thor böswilliger Weise in Thätigkcit setzte, erhielt wegen Sachbeschädigung drei Monate Ge- fängnis. Weihnachtö-Sondcrzüge nach Köln, Hamburg, Schlesien und Posen. Zahlreiche Sonderzüge zur Bewältigung des vermehrten Personenverkehrs während des diesjährigen Weihnachtsfestcs hat die Eisenbahnverwaltung vorgesehen. Sie beginnen auf sämtlichen Strecken jnit dem nächsten Sonnabend, den 20. Dezember. Von Berlin(Stadtbahn) nach Köln sind insgesamt sechs Sondcr-Schncll- züge vorgesehen, die an den verschiedenen Tagen bis zum 2. Januar verkehren. Außerdem gehen vom Lehrter Bahnhof drei Personen- zöge nach Hannover und Köln, in der Zeit vom 20.— 24. Dezember. Die Schnellzüge gehen ab Schlcsischcr Bahnhof abends 9,32 und 9,46, morgens 7,10, 7,24, 11,23 und 11,36. Die Personenzüge gehen vom Lehrter Bahnhof 4,20 und 6,40 nach Köln. 2,10 nach Hannover. Vom Lehrter Bahnhof nach Hamburg und Altona geht am 21. Dezem- bcr ein Zug 9,11, am 22. Dezember 9,10 und 1,03, am 23. Dezem- bcr 8,48, 9,11, 1,03 und 6,17, am 24. Dezember 8,43, 9,11 und 1,03, am 25. Dezember 9.11, am 1. Januar 1,03 und am 2. Januar 9,11 und 1,03. Im Bezirk der Eisenbahn-Direktion Berlin werden zur Bewältigung des Wcihnachs- und Neujahrverkehrs nach Schlesien und Posen vom 20. Dezember bis 7. Januar Sondcrzügc nach Posen, Breslau und Kattowitz abgelassen. Sie gehen zum Teil über die Stadtbahn, zum Teil vom Schlesischen Bahnhof aus. Die Züge bilden Vor- oder Rachzüge zu fahrplanmäßigen Zügen und halten auf allen Stationen, auf denen die betreffenden Hauptzüge Aufcnt- halt haben. Es sind insgesamt sechs solcher Züge, die zum Teil täglich, zum Teil an den Hauptvcrkchrstagen abgelassen werden. Zum Raubmord in der Roscnthalcrstraßc. Die Ermittelungen der 5trinnnalpolizei haben ergeben, daß Frau Budwig von ihrem Neffen, dem am 1. Dezember 1875 zu Konin geborenen Kellner Adolf Lescynsky, ermordet und beraubt worden ist. Der Mörder, von dem man noch nicht weiß, wohin er sich nach der That gewandt hat, ist nnttelgroß, hat schwarzes krauses Haar, dunkle Augen, eine gebogene Nase und ein glatt rasiertes Gesicht. An der Stirn hat er eine Kratzivuude. Er spricht russisch, polnisch und deutsch. L. war aus London nach Berlin gekommen, um von hier nach Paris zu fahren. Er trug einen schwarzen steifen Filzhut. einen dunkelgrauen Sommerübcrzicher, ebensolche Hose und Weste, ein schwarzes Jackett und Knvpfsticfcl. Den Mord verübte er mit einer 26 Ecntimeter laugen Schraube, die im Durchmesser 3 Centimcter hält. Die Schraube ist aus einem Schraubstock herausgenommen; es war noch Schmiere daran, die der Mörder in der Wohnung der Ermordeten mit einem Lappen abwischte. Lescynsky war feit Freitag voriger Woche in Berlin'und wohnte bei dem jüdischen Herbergsvater Jacobsohn in der Linienstr. 21. Hier stahl er einem gewissen Jaffe den Militärpaß, der später in der Wohnung der Ermordeten in geronnenem Blut gefunden wurde. Einen Zimmermann Schulz, mit dem er von Jacobsohn wegging, und den er anpumpte mit dem Versprechen, das Geld zurückgeben zu wollen, sobald er von einer hier lebenden Tante etwas erhalten habe, fragte er unterwegs, wo er wohl einen Hammer bc- komme. Als ihn Schulz verwundert fragte, waS er denn als Kellner mit einem Hammer wolle, brach er rasch ab und sprach von etwas anderm. Nachdem er sich irgendwo die Schraube verschafft hatte, besuchte er seine Tante als Cousin Abraham Weber. Das konnte er ruhig thun, da die Tante ihn nie vorher gesehen hatte und er alle Familienverhältnisse genau kannte. Frau Budwig war auf seinen Besuch zum Sonntag vorbereitet; sie nahm daher morgens auch mehr Milch und Backwerk. Während sie abends einen Brief schrieb, überfiel der Mörder sie und schlug sie nieder. Der Brief ist gerichtet an eine Nichte. Er lautet:„Teure Nichte Regina! Dein Brief durch Anastasius wurde mir zugeschickt und bedaure Deine schreckliche Lage. Heute habe ich das Glück, Deinen Cousin bei mir als Gast zu haben, und der Abraham Weber kennt Dich auch und läßt Dich grüßen." Hier hört das Schreiben mit einem Fleck auf. Auf der Fensterbank fand Kriminalinspektor Braun die von der Hand der Frau Budwig auf einen Zettel gc- schricbcne Adresse:„Herrn Abraham Weberz Linieusw: 21, Jacob- söhn". Inspektor Braun forschte nun in der Herberge nach und -rsuhr, daß Abraham Weber dort nicht wohne oder gewohnt yabe. Auf seine Frage, ob er die Frau Budwig vielleicht gekannt habe, teilte ihm Facobsohn dagegen mit, daß ein Verwandter der ihm bekannten Frau, ein Kellner Lesczynsky bei ihm gewohnt habe. Der sei aber nach Paris gereist. So kam man auf die Spur des Mörders. Die falsche Adresse hatte er angegeben, um die Verfolger irrezuführen. Der Mörder Adolf Lescynsky befand sich seit dem 1. d. M, in Berlin. Dem Herbergsvater erzählte er, daß er von Paris komme, nachdem er in Ostende als Kellner beschäftigt gewesen sei, andren sagte er dagegen, er komme aus London, um nach Paris zu fahren. Wahrscheinlich ist Lescynsky schon mit der Absicht hierher gekonmien, seine Tante zu ermorden und zu berauben. Seine erste Frage an Fran Jacobsohn war die nach ihrer Adresse. Als die Wirtin sie ihm nicht mitteilen konnte, ging er weg und kehrte dann mit dem Bemerken zurück, er habe sie in der Wohnung ermittelt, die sie schon lange inne- habe. Den Militärpaß Jaffes hat der Mörder offenbar gestohlen, um einen Ausweis zu haben; er entfiel aber unbemerkt seiner Tasche, als er das Blut wegwischte. Die Schraube, mit der der tötliche Schlag geführt wurde, fand man unter der Leiche. Ilm den Mörder zu faffcn, hat die Kriminalpolizei seine Beschreibung sämt- lichen Häfen-, Grenz- und JnlandSbehörden aller in Betracht kommenden Länder mitgeteilt, bis gestern abend war jedoch noch keine Spur gefunden. Die Krätzwunden, die der Mörder an der Stirne hat, stehen mit dem Morde in keinem Zusammenhang. Sie rühren von einem Streit her, den Lescynsky niit einem gewissen Cohn in der Herberge hatte. Das Schicksal der Schönholzer Haide besiegelt. Alle Bemühungen, die Schönholzer Haide dem Norden Berlins dauernd zu erhalten, sind vergeblich gewesen. Nachdem, wie gestern von uns berichtet, ein bereits abgeholzter Streifen des Waldes der Gemeinde Pankow zur Anlage eines Kirchhofes verkauft worden ist, ist den interessierten Gemeinden jetzt ein Bebauungsplan für drei Viertel des Forst- gebietes zugegangen. Der Plan ist erst vor wenigen Tagen im Einverständnis mit dem Forstministerium aufgestellt worden. Er zieht die bauliche Erschließung dcS schönsten Teiles der Haide vor, nämlich deS Gebietes von Pankow bis zur Schönholzer Grenze. Was an Baumbestand nach Wilhelmsruh und Reinickendorf hin bestehen bleibt, ist wenig wert und wird sicherlich in absehbarer Zeit ebenfalls der Axt zum Opfer fallen. Nachdem der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten vor etwa zwei Monaten die Verhandlungen mit einem Konsortium wegen des Verkaufs des ganzen Waldes abgebrochen hatte und schon ins Auge gefaßt war, einen Teil des Waldes zu fiskalischen Zwecken zu verwenden, ist man von der plötzlichen Wendung der Dinge in den beteiligten Kreisen sehr überrascht. Die Abholznng des Waldes soll am neuen Bahnhof Schönholz beginnen, von wo aus eine große Sttaße nach Pankow geführt werden soll. Außerdem sind eine Reihe von Ouerstraßen nach Nieder-Schönhansen und die Anlage zweier großen Schmuckplätze vorgesehen. Das Warenhaus Dieb sendet uns folgende Zuschrift: Unter Bezugnahme auf die Notiz„Unterschlagungen im Warenhause" er- suchen wir um gest. Berichtigung, daß die vorgekonnnenen Unter- schlagungen im ganzen ea. 1600 M. betragen, wovon 500 M. auf Diebstähle in früheren Stellungen der Beteiligten entfallen; ferner, daß auch nur einige Verhaftungen vorgekommen sind, und vor allen Dingen. daß der betreffende Rayon- Chef in keiner Weise bc- teiligt ist. Unanwendbarkeit einer Bestimmung der Berliner Milchverordnnng. Die vom Berliner Polizeipräsidenten am 23. August 1898 erlassene Polizeiverordnnng, betreffend den Verkehr mit Kuhmilch, schreibt vor, daß Milchgcfäße der Milchhändler nach 9 Uhr vormittags unter allen Umständen und vor 9 Uhr vormittags m ö g l i ch st fest geschlossen gehalten werden müssen. Diese letzte Vorschrift sollte der Milchhändler Brettschneider in Berlin dadurch über- treten haben, daß er um 8 Uhr früh ein Milchgefäß nicht fest geschlossen hielt. Schöffengericht und Landgericht I ver- urteilten den Beschuldigten zu einer Geldstrafe. Das Land- gcricht ging davon aus, daß die Worte:„möglichst geschloffen zu halten" heißen sollten, die Gefäße seien auch vor 9 Uhr morgens geschlossen zu halten, wenn nicht besondere Umstände dies unmöglich machten. Solche Umstände hätten hier nicht vorgelegen, B. sei darum zu beswafen.— Auf seine Revision wurde B. jedoch vom Strafsenat des Kannnergerichts fteigesprochen. Der Präsident führte begründend aus: Wenn die Verordnung vorschreibe, vor 9 Uhr früh seien die Milchgefäße„möglichst" geschlossen zu halten, so könne eine Bestrafung daraufhin nicht begründet werden, denn diese Vorschrift sei dazu viel zu u n b e st i m m t. Die Bestinimung sage„möglichst"; damit könne aber nur gemeint sein, es werde den Leuten empfohlen, anheimgegeben, auch vor 9 Uhr morgens die Gefäße geschlossen zu halten. Das genüge nicht, um eine Besttaftmg zu ermöglichen, wenn jemand die Gefäße nicht vor 9 Uhr geschlossen halte. Die Verordnung sei also insoweit unan- Ivendbar, und Angeklagter müsse fteigesprochen werden, da der Zwang zum Geschlosseuhaltcn der Milchgefäße erst um 9 Uhr vor- mittags eintrete, Das Carl Weiß- Theater begeht am 25. Dezember die Feier seines 25 jährigen Bestehens. Am ersten Wcihnachts-Feiertage 1877 wurde das frühere Ostend-, jetzige Carl Weiß- Theater unter der Direktton Dr. Grünfeld eröffnet. Herr Direktor Carl Weiß will dies Jubiläum durch.Aufführung eines dieser Bühne würdigen Stückes begehen. Bei festlich beleuchtetem Hause gelangt das große romantische Ausstattungsstück in 9 Bildern„Die letzten Tage der Antillen" zur ersten Aufführung. Eingeleitet wird die Vorstellung durch einen Festprolog, lvelcher auf die Geschichte des Theaters Bezug nimmt und vom Direktor Carl Weiß selbst gesprochen wird. Der VortragScyklnS deS Vereins„Berliner Presse" beginnt am Donnerstag, den 8. Januar. Georg Reicke wird am ersten Abend eine Reihe eigner Dichtungen vorlesen. Es werden im ganzen fünf Vortragsabende im großen Saale des Architektenhanses stattfinden. Unter den Vortragenden nennen lvir noch: Max Schillings, den Kompomsten des„Pfeifertag", Börries Freiherr v. Münchhansen, Rudolf Presber, Johannes Trojan, Jacob Wasserniann, Thomas Mann, Fran Anna Behnisch-Kappstein, Frau Ida Boy-Ed, Fräulein belle Grazie. Der Kartenverkauf beginnt am Montag nach Weih- nachten. Feuerbericht. Während in den vorhergegangenen Tagen eine Ver- ringerung der Bräude cingeftagen war, hatte die Wehr in den letzten 24 Stünden wieder über ein Dutzend Alarmierungen zu ver- zeichnen. In der Nacht zum Donnerstag wurde sie nach der Eisen- bahnstr. 5 gerufen, wo auf nicht ernnttelte Weise in einer Schrauben- fabrik Feuer ausgekommen war, dessen Ablöschung indes bald erfolgen konnte. Auch in der Schillingstr. 12/14 war gegen 10 Uhr ein Fabrikbrand entstanden. Hier konnte die Gefahr aber auch bald beseitigt werden. Zur selben Zeit mußte in der Frobenstr. 23 ein Feuer abgelöscht werden, das den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Ein ähnlicher Brand beschäftigte die Wehr nachmittags in der Schmidftr. 30 längere Zeit. Gardinen, Kleidungsstücke und Möbel gingen abends 9 Uhr in der Großen Frankfurtcrstr. 77 in einer Wohnung in Flammen auf. während in der Schwedterstr. 236 Wäschestücke durch Feuer beschädigt wurden. Nach Karlsbad 5 wurde die dritte Compagnie gerufen, weil hier durch Ueberkochen von Bohner- masse ein Brand ausgekommen war. Gerümpcl und VerpackungS- Material war am Alexanderplatz 2 in einem Keller in Brand gc- raten, der aber noch im Keime erstickt werden konnte. Ein Keller- brand mußte nachts iu der Kaiserstr. 25 beseitigt werden. Alter Hausrat und Kisten wurden hier zerstört. Alarmierungen, die außerdem in der Zlvischenzeit noch nach der Königsbergerstr. 26/27, der Münchebcrgerstr. 15 und nach verschiedenen andren Orten er- folgten, waren durchweg auf geringfügige Anlässe zurückzuführen. Aus den Nachbarorte«. Die Sitzung der Charlottenburger Stadtverordueten-Bersammlung vom Mittwoch, die letzte in diesem Jahre und zugleich auch die letzte im alten Heim, wies wieder eine überaus reichhalttge Tagesordnung auf. Nach Erledigung einiger Rechnungssachen und Pettttone« wurde beschlossen, den Magistrat zu ermächtigen, einem unter der Leitung der Deutschen Bank stehenden Konsortium auf Grund seines Angebots vom 13. d. M. betreffend die kkebernahme der I. Abteilung der 1902er Charlottenburger Stadtanleihe im Beftage von 12 Millionen Mark zum Kurse von 99,82 M. nominell den Zuschlag zu erteilen.— In einer heftigen Auseinander- fetzung zwischen den Mehrheitsparteien und dem Magistrat führte ein Antrag R o s e n b e r g und Genossen über die Zuständigkeit der Armendirektion. Der Mehrheit ist das fortgesetzte Anivachsen des Armenetats schon längst unangenehm; aber anstatt vorbeugend zu wirken und durch eine verniinftige Socialpolitik zu verhindern, daß immer mehr Einwohner der Armen- verwalttmg zur Last fallen, ergeht sie sich in kleinlichen, gehässigen Angriffen gegen den augenblicklichen Leiter des Arnicnwesens, Herrn Stadtrat Samtcr, dem sie eigenmächtiges Handeln, u. a. eine eigen- mächtige Erhöhung des Pflcgegeldcs für Säuglinge, vorwirft, und deni sie es vor allem nicht verzeihen kann, daß er die reichen Ein- wohner der Stadt als Leute hingestellt hat, denen es an dem nötigen Wohlthätigkeitssinn fehlt. In der Diskussion gelang cS den Magistratsmitgliedern, die gegen die Armenverwaltung erhobenen Anklagen zu entkräften. Trotzdem wurde der Antrag Rosenberg angenommen.— Eine Ueberraschung bereiteten der Ver- sammlung die Liberalen. Ihr Wortführer, Stadtv. Kaufmann, brachte ganz plötzlich einen Dringlichkeitsantrag ein, worin der Magistrat ersucht wird, in Beratung darüber einzutreten, ob im Anschluß an städtische Aulagen oder auf andrem Wege die Errichtung von W ä r in e h a l l e n zu ermöglichen sei. Bejahenden Falles solle sich die Versanimlung im voraus zur Bewilligung der dazu erforderlichen Mittel bereit erklären. Die Herren, die bisher allen auf die Linde- rung der Not hinzielenden Anregen und Antragen unsrer Genossen gegenüber sich ablehnend verhalten hatten, entdeckten plötzlich ihr warmes Herz für die Armen. Und damit dieses bei ihnen so seltene Gefühl des Mitleids nicht plötzlich wieder ver- loren geht, mußte der Ausschuß, dem der Antrag Kauf- mann überwiesen wurde, noch in derselben Sitzung, während der Plennrbcratung, zusammeiifteten, um schon nach wenigen Minnten Bericht zu erstatten. Der AuSschnßanftag ging da» hin, dem Magistrat 10 000 Mark für die Errichtung von Wärmehallen zur Verfügung zu stellen. Unser Genosse Hirsch geißelte diese Art der Lösung kommunalpolitischer Aufgaben, bei der nun und nimmer etwas Ersprießliches herauskommen könne. Habe doch im Ausschuß niemand gewußt, was eigentlich geschehen solle I Mau begnüge sich mit halben Maßregeln, um nachher desto gründlicher seine Pflicht vernachlässigen zu können! Nachdem sich Redner aller Parteien gegen die ihnen„unbegreifliche" Stellung der Socialdemokraten ausgesprochen hatten, wurde der Anftag des Ausschusses angenonünen. Was dabei herauskommt, wird die Zukunft lehren,— Die am 17, und 18. November vollzogenen Ersatzwahlen in der zweiten mrd ersten Abteilung wurden für gülttg erklärt. Die Vorlage betr. den Abschluß eines Vertrages niit dem Hauspflegeverein Charlottcnburg wurde einem Ausschuß überwiesen, in dem unsre Fraktion durch den Genossen Vogel vertreten ist. Eine Reihe wichtiger Punkte mußte der vorgerückten Zeit wegen von der Tagesordnung abgesetzt werden. Die nächste Sitzung findet am 7. Januar in dem neu erbauten Sitzungssaale des neuen Rathauses statt. Iii Britz hat die Gemeindevertretung gestern den Bürgermeister S ch m i e d i g e n aus Jüterbog zum Gemeindevorsteher gewählt. Zehleudorf. In der Gemeindevertretung wurde es von ver- schiedenen Berftetern gerügt, daß der frühere Gemeindcvorstand einen zum Geschenk erhaltenen Krankenwagen verkauft hat, ohne irgend jemand davon Mitteilung zu machen.— Zu der Angelegenheit deS GymnasialbaneS teilte der Gemeindevorsteher mit, daß die Regierung auf den Bau des Wohnhauses für den Direktor bestehen bleibt, weil sie nach der Frist von zwei Jahren, die die Gemeinde sich ausgebeten hatte, keine Mittel mehr habe, die Gemeinde zum Bau zu zwingen Zur Errichtung einer Oberprima für die jetzt in Beftacht kommenden fünf Schüler läge kein Bedürfnis vor, ebenso könne von der Er- richtung von Real-Parallelklasjen vor Fertigstellung des Gymnasiums keine Rede sein.— Die Äirchengemeinde will von der politischen Gemeinde zum Bau einer Kirche Geld haben. Bemerkt sei, daß sich die Kirchengemeinde gegen die politische Gemeinde höchst uncoulant zeigte. Vor einigen Jahren bot letztere für den alten Kirchhof 25 000 M., doch die Kirche lehnte das Gebot ab, weil man nicht wissen könne, wieviel dieser Grund und Boden in einigen Jahren wert sei. Der Nicdcrvariiiiuer Kreistag erklärte in seiner Sitzung vom 13. d. M. zunächst das Mandat des neugewühlten Abgeordneten Herrinann zu Glienicke(Wahlbezirk X, Tegel) für gültig.' Die Ab- rechnung der Kreis-Sparkasse pro 1901 zeigte bei 47 000 Mark VerwaltungS-Unkosten einen Reingewinn von 145 000 M. Die Ein- lagen der 39 520 Sparer erreichten die Summe von 20 239 665 Mark (2013 263 M. mehr als im Vorjahre). Die Kreis-Kommunalkasse weist bei einem Etat von 1300 000 M. einen Ucberschuß von 85 000 M. auf; von dem letzteren wurden durch Beschluß 41 000 M. dem Krankenhaus-Baufonds überwiesen, während der Restteil auf den lieiicii Etat vorgetragen wurde. Die Kolonie Sandhausen bei Oranienburg, die zur Zeit 400 Seelen zählt und dem fiskalischen Gutsbczirk angehört, soll unter Abtrennung von letzterem mit der Friedenthaler Schleuse in die Stadtgemeinde Oranienburg einverleibt werden. Die Gutsverwaltung zahlt 45 000 M. an die Stadt Oranienburg als Kapitalabfindung. Der Amtsausschuß Birkenwerder wird in Zukunft gebildet durch vier Mitglieder der Gemeinde Hohen-Neuendorf. fünf der Gemeinde Birkenwerder, zwei der Gemeinde Borgsdorf und einer der Guts- bczirks Lehnitz.— Die Gemeinde Hohen-Schönhausen kann eine zum Amtsvorsteher geeignete Person nicht nachweisen und so wird diese Stelle beim bevorstehenden Ausscheiden dcS derzeitigen Inhabers wieder kommissarisch besetzt werden.— Die zu Friedrichsfelde ge- hörende Kolonie Karlshorst wurde zu einem selbständigen Schieds- mann-Bezirk(3a) konstitnticrt.— Zur Erbauung einer Chaussee von Kreutzbruch nach Nieder-Schönhausen�Liebenwaldc iourden34 000 M. als Zuschuß des Kreises bewilligt.— Bei der Wahl zum Kreis- ausschnß-Mitgliede erhielten Herr Anitsvorstehcr Schulze-Französisch Buchholz 40 Stimmen, Herr Kluth-FriedrichShagen 3, Herr Ziethen- Lichtenberg und Graner-Lichtenberg je 1 Stimme. Zum Provinzial- Landtags-Abgeordneten wurde Herr Gemeindc-Vorsteher Springer- Seefeld gewählt. Bürgerliche Arbeiterfreundlichkeit. Man schreibt uns aus Spandau: Ost genug haben die Arbeiter von bürgerlichen Stadtvntern die Bethätigung wärmster Arbeiterfreundlichkeit entgegennehmen müssen; jetzt haben unsre Genossen im Stadtparlament wieder einmal den Nachweis geführt, daß diese bürgerliche Arbeiter- frcundschaft nicht viel mehr ist, als eine leere Redensart, Vor einigen Wochen wurde die allgemeine Erhöhung der Gehälter der städtischen Beamten aufgerollt. Den Freisinnigen gelang cS, mit dieser Frage zugleich auch die Frage einer Aufbesserung des Lehrer- c i n k o m m e n s zu verquicken, und unsre Genossen legten sich natürlich gehörig ftir die st ä d t i s ch e n Arbeiter ins Zeug. Schließlich wurden die Beamteugehälter, besonders nach oben hin, s e h r g e n e r ö s a u f g e b e s s e r t, der städttschen Arbeiter wollte der Magisftat sich in der Weise entledigen, daß er erklärte, die Neuregelung der Bezüge der städttschen Arbeiter den einzelnen— Verlvaltungsdepütationen überlassen zu wollen, aus denen die Socialdemokraten(mit einer einzigen Aus- nähme) bekanntlich von der Mehrheit der Stadtverordneten hinausbugsiert worden sind. Unsre Genossen entwarfen nun aber selbst eine Lohnskala für sämtliche städtischen Arbeiter, welche einen Minimallohn von 3 M. 50 Pf. und einen in 6 Jahren erreichbaren öchstlohn, von 4 M., also außerordentlich bescheidene Sätze, vorsah. Sie erreichten dann auch, daß eine besondere Kommission eingesetzt wurde, deren Beratung jene Skala zn Grunde gelegt werden sollte.— Die Kommission wollte aber von der Festsetzung einer Skala g a r n i ch t s wissen, nur für einen Minimallohn von 25 Pf. pro Stunde sprach sie sich in einer sehr gewundenen Resolution aus.?lbee auch dies war dein Magistrat noch zu viel, hatte der Ober-Bürgermcistcr doch deu Standpunkt vertreten, daß man es durch die Festsetzung eines M i n i m a l l o h n e s für die städtischen Arbeiter gewissermaßen urit den—— Privatunternehmern verderben könnte. In der DonncrStagsitzung der Stadtverordneten mußte der Magistrat darum eine sehr herbe Kritik durch unsre Genossen Scholz, Riege r und Pieper hinnehmen. Wunderbarerlveisc vertrat der bürgerliche Stadtverordnete Rein ecke, der als Bau Unternehmer früher_ oft mit den organisierten Arbeitern in Streit geraten war, in dieser Frage ziemlich verständige Ansichten:„Ein tüchtiger ungelernter Arbeiter verdiene 3ä Pf. pro Stunde, er sei auch nie gegen hohe Lohne gewesen, nur mit Gewalt ließe er sich nichts abzwingen. Hohe Löhne brächten eine Stadt in Blüte. Bei der Höhe der hiesigen Mieten könne man ruhig 35 Pf. M i n d c st I o h n zahlen", so führte er aus. Tie Mehrheit war jedoch für den focialdemo kratifchen Antrag nicht zu haben. Dagegen wurde der Kommissionsbeschluß mit einein Berbesscrungsantrag Neinccke an- genommen. Danach soll der Mindcstlohn für sämtliche ständigen städtischen Arbeiter 35 Pf. pro Stunde betragen. Eine stufcnmüßige Erhöhung wurde nicht beliebt. In der Molkerei zu Karstadt, welche bekanntlich dem Minister v. Podbielski gehört, hat sich gestern ein schlimmes Unglück ereignet, indem die 19jährige Tochter eines Postschaffners von einer Welle ersaßt und furchtbar zugerichtet wurde. Die Aerzte konstatierten zwei Schenkelbrüche, einen Daumenbruch, einen Schädel- bruch, solvie einen Darmriß. Die Welle ragt etwa einen Fuß über dem Erdboden hervor und ist trotz ihrer gefährlichen Lage, lvie uns berichtet wird, noch nie mit einer Schutzvorrichtung versehen gewesen. Tocialdemokratischcr Zlgitations-Bercin für den Reichstags- Wahlkreis Ealau-Lncta». Sonntag, den 21. d.M., nachmittags S'/z Uhr, im Lokal des Genossen Georg Weihnacht, Grünstrage 21: Versammlung. Gäste, auch Frauen, herzlich willkommen. Boltshans-Berei» Gharlottcnburg. Heule abend 8'/, Uhr findet Im Volkshause, Nosincnftr. 3, die Generalversammlung statt. KnekKarten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ansuahuic des Sonnabends von 7'/. bis Sff. Nhr abends statt. Löffler. Es ist kaum anzunehmen, das; von jener Verordnung ein Scparatabdruck zu haben ist. Sic ist vermutlich nur im Ministerialblatt den Handels- und Gewerbe- Verwaltung abgedruckt worden, das bei Karl Heymann, Berlin IV., verlegt wird; vielleicht auch im.Reichs- Anzeiger". Eine Nmmner eines dieser Blätter können Sie wohl noch zu kaufen bc- kommen, wenn Sie die Nummer genau angeben lonneu. Air können Fhncu das leider nicht sagen, aber vielleicht kann Ihnen die Verwaltung der Organisation der Gastwirtsgehilscn dabei bchilslich sein. Wenden Sie sich an Hugo Pötzsch, Elbingerstr. 21. 100. K. R. Wir find nicht in der Lage, Aerzte cnipsehlen zu können. A. B. Die Finna ist außer bei dem„Lokal- Anzeiger" auch bei der „Morgenpost' beteiligt. R. R. Der Grundstein zum Rathaus ist 1861 gelegt worden. Nr. Lt. Nein, nur bei eingeschriebenen Briefen. 'i Streitende. Das historische Verhältnis der' nalionalüberalen Partei des Reichstages zu den andren liberalen Gruppen ist folgendes: Am 12. Juli 1879 traten 11 Mitglieder der nationallibcralen Partei aus diefcr aus und bildeten mit dem vordem zur Deutschen Reichspartci gehörigen Prinzen Schönaich-Carolath am 7. Februar 1880 eine neue Fraktion, die „Liberale Gruppe"(Schauß-Völk). Grund der Trennung war, daß diese liberale Gruppe im Gegensatz zur nationalliberalcn Partei schutzzöllncriich war. Bei de» nächsten Rcichstagswahlcn brachte diese Gruppe nur cincii Abgeordneten durch und verschwindet als selbständige Fraktion. Von der nationallibcralen Partei splitterte ferner am 1. September 1880 die „Liberale Vereinigung"(„Scccssionistcn"), auch„Gruppe Forckcnbcck" oder „Entschieden Liberale" genannt, ab. Die„Secessionisten" vereinigten nch am 5. März 1884 mit der Deutschen Fortschrittspartei zur„Deutschen frei- fiimigm Partei". Die Differenz über die Zustimmung zum Antrag Hucne über die Erhöhung der FricdenS-Präsenzstärke führte zur Spaliiing der Deutschen sieisinnigen Partei" in die„Freisinnige Vereinigung", der 10 von den 67 Dentschircisinnigeii beitraten, und in die„Freisinnige Volks- Partei", die sich am 7. Mai 1803 uiit 17 Mitgliedern konstituierte. Bei den Wahlen von 1893 wurde die Freisinnige Volkspartci aus 24, die Frei- sinnige Vereinigung aus 13 Zlögeordnete hcrabgesentt. AuS der deutschen Fortschrittspartei, die bis zur Vermischung mit den Secessionisten bestand, traten im Jahre 1874 aus Aulaß des Militärkompromiffcs 12 von den 40 Fortschrittlcrn aus und bildeten die seit 1881 völlig vcrlchwundciie. Gruppe Löwc-Bcrgcr.— P. id. 123. Geisteskrankheit ist ein ScheidungS- l gruud, ivciul sie seit miudestenS drei Jahren währcud der Ehe bestanden und solchen Grad erreicht hat, daß die geistige Gemeinschaft zwischen den Ehegatten aufgehoben und jede Aussicht aus Wiederherstellung dieser Gemeinschaft ausgeschlosscn ist. Die AlimentattonSPsticht blciht auch nach der Trcutiung bestehen.— X. 5). Z. Nicht vorhanden. — Zl. St. 175. Falls Ihre Stellung die eines Werkmeisters ist, ist Ihre Unterschrift im gültig(§ 133 S. 104 des ersten Nachtrags zum„Arbeiter- recht") und eine Klage auslichtSvoll.— 0V. Die Rechnung Ihres Anwalts wirb Ihnen zugesendet. Die Folge der Zlrmenrechte-Bcivilligung ist die, daß Sie die Rechnung, so lauge Sie das Armenrecht haben, nicht zu bc- zahlen brauchen.— Klage. Sic lehnen Zahlung ab.— Schenkhan G. 53. Aus einen Montag.— zx. G. 10. Der Antrag aus Invalidenrente kann gestellt werden. Es ruht die Invalidenrente, d. h. sie wird nicht gezahlt, so lange und so weit die Unsallrcnte unter Hinzu- rcchnung der Invalidenrente, sallS der Versicherte in Klasse I versichert ist, mehr als 4S0, in II mcbr als 525, in III mehr als 600, in IV inebr als 675, in V mehr als 750 M. beträgt.—(f. F. 41. Rein.— C. B. 36. Ja. — C. S. 300. Der Vertrag ist gültig.— G. St. Nur nach abgelegtem Examen.— H. 3. Sie würden Ihren Ausbruch mit Ausficht aus Ersolg durchsetzen können.— Schachklub„Laster". Nach Ansicht des Ober- VerivallungsgerichtS(im Gegensatz zu der des Kainmcrgerichts) ist eine Störung durch die Behörde zulässig.— A. L„ Ober-Schöneweide. Ja. Witteriingsübersicht vom 18. Dezember 1903, morgens 8 Uhr. T=T Stationen - inj II| s-l«i l'Sgi i" � Wettet 1 5. II Zw lwa> Swinemdc. .Hamburg Berlin Frankj./M. München Wien 754' V 756 WSW 757 W 758 N 761' SK 760 NW 3 heiter 2chcdcckt t bedeckt 2 Regen 8 bedeckt 2Rcgen Statioueii 5= &■- .5 H igi Wetter S.«- -(» s 5?» ß'-. Z? Haparanda Petersburg 2 Cork Abcrdeen Paris 743 762 S 766WNW 766 WSW Ibcdeckt »bedeckt 5halb.bd. öbcdcckt —8 s Ii Wetter- Prognose für Freitag, den 19. Tczeuiber 1903. Zunächst etwas(värnicr, vorwiegend trübe und regnerisch, bei ziemlich starken westlichen Winden; später aufklarend und ctlvaS kühler. Berliner Wctterbure««. Lille Vvikllsvliisirvllllv seltener Art bilden unsere Ora/tlS- FllOtOgTilfpllie-llons« Die gros«" Beliebtheit, der sich dieselben erfreuen, veranlasst uns auch Freitag* den 19. nnd Sonnabend den 29. Dezember Photographie-Bons gratis zu verabfolgen und zwar geben wir bei einem Gesammteinkauf von 5 Mark V* Dutzend Visites )[ 10 Mark ' 2 Dutzend Visites 1 E 15 Mark Dutzend Cabinet 1 20 Mark V« Dutzend Makart I Bis zum 23. Dezember bleiben unsere Geschäfte bis 10 Uhr Abends geöffnet. Bei Bezahlung bitten wir an der betreffenden Zahl-Casse einen Photographie-Bon zu verlangen. ük»«J a-mclorf& Co. C. Spittelmarkt 16/17, SW. Beile-Älliancestr. 1/2, NO. Gr. 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