Nr. 7. flbonnemen ts-Bedingu ngen: SBonncmcntJ- Preis Jiränuatcranio: Mert-Ijührl. S30 Mk, monotl. 1,10 Ml, wöchmtlich 33 Pfg, frei ins Haus, Einzelne Slummcr 6 Pfg. Sonntags* n Ummer mit UXuftri eilet Sonntag?. Äeitage.Die Neue Bclf 10 Pfg. Poji. Ubonncmcnt: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in der Post-Zeitung?- Preisliste für 1»«.? unter Nr. 8««». Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland s Marl pro MsnaX. Crliptigt täglich aiiBcr nietitags. Äv. Jahrg. Verlinev Volllsblerkk. vie Inkertions-eedllhr beträgt für die fcchSgefpallene Kol»n«l- zcile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gelverkschaslliche Vereins- und Bersommlungs-Anzeigen A Pfg. „Weine Hnrcigen" jedes Wort 5 Pfg. (mtt das erste Bort fest). Inserate iür die nächste Nummer müssen bis« Ulir nachmittags in dcrExpcdiiionabgegcbcit werden. Die Expedition ist an Wachen. lagen bis 7 Uhr abends, an Tonn- und Fcfitagenbis LUHrdormUttagZ geöffnet, Telegramm-Adrcffe: „S»t!ali!ta»Iu»t kiNIn". Centra�organ der loeialdemokrcrtisihen Nartei Deutstt�lmrds. K.eäaktion: 8W. 68» Lindcnstrassc 69. Aernfprecher: Amt IV. Rr. 1983. Expedition: 8M. 68» L-tndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. IS81. Sächsische Schweigegelder. Aus Chemnitz wird uns tclcgraphisch gemeldet: Der hiesigen„Allg. Ztg." wird aus Genf gemeldet, daß der Vertreter des Kronprinzen und des sächsischen HofeS, Justizrat Dr. Körner, den sächsischen Hof tclegraphisch hat wissen lassen, er lverde der Kronprinzessin eine jährliche Rente von 30 000 2)1, bei Ablehnung eine solche von 50 000 M. anbieten; Beschleunigung der Angelegenheit sei am Platze. Ter nach Genf entsandte Vertreter des sächsischen HofeS scheint inmitten des tragischen HoskonflittcS noch genug kaufmännische Künste zu bcivahrcn, um die Sache so billig als möglich zu erledigen. Er will zunächst 30000 M. bieten, er will aber hoher gehen, toenn jene Summe nicht genügt. Das G e l d a n g e b 0 t ist äuszcrst befremdlich. Die Krön- Prinzessin hat ein ansehnliches HciratSgut mit in ihre Ehe gebracht und ist dadurch gegen Eristenzsorgen gesichert. Wie ist cS möglich, daß der Vertreter des sächsischen HofeS eine Jahrcsrente derselben ssrau anbietet, die den sächsische Hof schroff verlassen und ihren Abscheu gegen die in Dresden herrschenden Zustände bekundet hat? Hält der Herr Vertreter cS für gut, der Kronprinzessin, nachdem sie dem Kloster und dein Irrenhaus entronnen, Schweigegelder anzutragen? Fürchtet der Herr Vertreter die Denkschrift, die soeben iin Auftrage der Kronprinzessin ausgearbeitet wird'i Die Stimmung in der sächsischen Vcvölkcning. Tie nationalliberale„Dresdener Zeitung" bringt einen benrerkensiverten Artikel über die Beurteilung des Hofkonfliktes in-der sächsischen Bevölkerung. Zunächst gicbt das Blatt einige Bemerkungen über die Bedeutung des Falles: „Die Skandale, welche am sächsischen und öftreichischcn Hofe über Stacht heraufbeschworen worden sind, haben uns unvorher- gesehen und mit blitzartiger Schnelligkeit in eine Krisis ge- trieben, die nach mancherlei Richtung hin heute noch g a r nicht abzusehende Folgen nach sich ziehen kann. Wohl noch nie seil den Maitagen des Jahres 1840 ist das ganze sächsische Volk so bis in die Tiefe erregt gewesen wir jetzt. Es nimmt keine Rücksicht mehr in seiner Meinungsbildung und wird es allein Anschein nach mich in den politischen Forderungen, die es ziehen wird, nicht mehr thnn. Mit ziemlicher Sicherheit darf man rein objektiv behaupten, dasi der iv e i t überwiegende Teil des protestantischen sächsischen Volkes trotz alledem für die geflohene Frau in beschränkter Weise Partei nimmt und es offen ausspricht, daß sie, wäre sie in allen Ehren imd allein gegangen, heute eine schwerwiegende politische Macht in Sachsen sein würde. Wie nun auch die Dinge liegen mögen, der zweifellos begabten Frau fehlte jedenfalls ein guter politischer Berater. Bei ihrer geistigen Gelvandrheit und»llugheit, ihrer Schärfe des Urteils über Menschen und Dinge, bei ihrer Zweifel- los freieren geistigen Richtung hätte sie dereinst als Königin von Sachsen die Rolle spielen können, die ihr nach ihren reichen Geistes- gaben gebührte. Damit ist es nmt vorbei." Weiter schildert das liberale Blatt die klerikalen Einflüsse am sächsischen Hos und spricht die Anficht aus, daß die weitesten .Meise der sächsischen Bevölkerung,' ganz abgesehen von der politischen Partcistellung, entrüstet sind über die höfischen Zustände, in denen man die Ursache sieht, daß eS soweit gekommen. Ter Artsicl fährt daim fort: „So etwas hat gerade noch gefehlt! Das Land ist zerrissen von socialen tkeidenschafteit. Nirgends in Teutschland prallen die Gegensätze von Arm und Reich so hart auscinmider wie bei uns. Nirgends ist der verhaltene politische Gross so tief wie bei uns. Zu allein koinmen mm noch die Konsequenzen der religiösen Gegensätze zwischen dem katholischen Hof und dem protesianlischen Volle. Wurden diese bisher durch die Liebe und Anhänglichkeit des Voltes an sein angestammtes Herrscherhaus ausgeglichen, so ringen sie sich mm mit ursprünglicher Heftigkeit hervor, und es ist noch lange nicht abzusehen, wohin die gegenwärtige älatastrophc führen wird. Auch die protestantische Geistlichtett hat bisher schoncttde Zurückhaltung geübt; allein damit ist es gutem Vernehmen nach nun auch zu Ende. Der alte Reformationsgeist, der nur Gott, aber nicht die Menschen fürchtet, kömmt wieder über unser Voll, und erhebt sich erst die religiöse Woge des in seinen zartesten Gefühlen verletzten protestantsichen Volkes, so wird sie auf ihrem Wege nicht inchr aufgehallen. Man hat den Bogen übcrsvannt, nun sind die Sehnen zerrissen. Gicbt die sächsische Presse von jetzt an nicht rückhaltlos der Bollsstimnuuig Ausdruck, so wird siäi bei den bevorstehenben Reichstagswahlen der ganze Gross in die Wagschale der Social- demokralie cutleerrn. Das aber liegt nicht im Interesse des LmideS. Darum müssen die Vertreter des Volles in Staat und Kirche das befreiende Wort sprechen und die erregte Bolls- stünmung in ruhige Bahnen lenken. Wie die Tinge aber liegen, ist da» nicht mider» mehr möglich als durch eine offene Dar- Icgung aller in Betracht konunendcn Verhältnisse und B e- seitigung aller landfremden Einflüsse. Geschieht dies, so kann noch manche» wieder gut werden; geschieht es nicht, so sind die Folgen nicht abzusehen. Mit einer offiziellen I r r s i n n i g k e i t s e r kl ä r n n g ist die Sache nicht abgethan, daS sieht heute jedermann." Tie antiklerikale Absicht verleitet hier das liberale Blatt zu ganz irrigen Auffassungen. Die konfessionelle Frage spielt in der Angelegenheit keineswegs eine so bedeutsame Rolle. So richtig es ist. daß die Lust des sächsischen Hofes klerikal verunreinigt ist, so ist von einem eigentlichen Jesuitcnregimcnt am sächsischen Hof ebenso wenig zu reden wie von einem Gegensatz zwischen dem sächsischen Hof und der Bevölkerung au» konfessionellen Gründen. Die besitzenden Klassen in Dresden und Sachsen sind selbst so durchaus in derselben heuchlerischen Bigotterie befangen, daß sie deshalb nicht in Gegensatz zum Hos stehen können. Und der sächsische Protestantismus hat nicht die geringste Berechtigung, eine besondere katholische Schuld zu ersinden, denn dieser Pro- testantisnuis, soweit er überhaupt Einfluß hat, ist nicht minder muckerisch und„klerikal" als die katholische Priesterherrschast. Die Thorheit der liberal-protestantischen Beschwerde ergicbt sich schon aus der einfachen Thatsache, daß die weit überwiegende Anzahl der Hof- stellen in Dresden mit Protestanten besetzt ist. Gewiß aber ist die Thatsache unbestreitbar, daß in der sächsischen Bevölkerung schon längst die„monarchischen Empfindungen" schwer gelitten haben. Insbesondere die Wahlentrcchwng unter der Regierung de» vorigen Königs hat die mon- archischen Neigungen erschüttert, und man weiß, daß der jetzige König nicht nur wie sein verstorbener Bruder die Acndcrung des Wahlrechts geschehen ließ, sondern daß er selbst als Mitglied der Zweiten Kammer sie eiftig gefördert und mit beschlossen hat. Dazu kam neuerdings die erstaunliche Erhöhung der Eivilliste des Königs in einer Zeit, wo die Staatskasse in schwerer Not ist und wo die durch die wirtschaftliche Krise furchtbar heimgesuchte Be- völkcrung noch außerordentliche Steuer zu schlüge er- tragen muß. So sind allerdings die weitesten Kreise de» sächsischen Volkes, nicht ans konfessionellen Gründen, sondern aus allgemein politischen Gründen. wenig vorbereitet, fiir den Hof in seinen jetzigen Schwierigkeiten irgend welches Mitcmpfitiden zu haben. Vielmehr entspricht es— nach den uns aus Sachsen zugehenden Mitteilungen — der Wirklichkeit, wenn die liberale„Dresdener Zeitung" sagt, daß der weit überwiegende Teil des sächsischen Volkes für die rnt- flohene Frau Partei ergreift. Abfindung Leopold Ferdinands. Wien, 8. Januar. Wie das„Neue Wiener Tagblatt" aus Salz- bürg meldet, fand gestern daselbst ein Familienrat statt, an welchem außer den Mitgliedern des Hauses Toseana Erzherzog Ludwig Victor als Vertreter des Kaisers teilnahm. Ter Familienrat soll beschlossen haben, dem früheren Erzherzog Leopold Ferdinand das ganze ihm zustehende Erbteil sofort auszuzahlen und sodann alle Beziehungen abzubrechen. politifcbe CUbcrlicht. Berlin, den 8. Januar. Der Bundesrat hat in seiner Tonnerstagssitzung den Ausschuß- berichten über den Entwurf des Etats fiir die Expedition nach Ost- ästen zum Reichshaushalts-Etat fiir 1003 und über den Entwurf eines Gesetzes beweisend die Feststellung des HaushaltS-Etats für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1003 zugestimmt t ferner wurde den Ausschußbcrichtcn über die Entwürfe von Etats zum Reichshaushalts-Etat für 1003 und ztvar des Auswärtigen Amte» und der ReichSschuld, sowie dem Entwurf eines Gesetzes betreffend die Feststellung des Reichshaushalts- Etats für 1003 die Zustimmung erteilt.— Herr Baffcrmaun hat in Mannheim vor seinen Nationallibcralcn die üblichen Lügen- acichichtcn zur Verteidigung des parlamentarischen Lcrgcwaltigungs- feldzugcS erzählt. Das erlogene Gerede vom„socialdemolratischen TcrroriSmuL" ist eine besondere Leistung de» Herrn Basscrmamt, der selbst lvicdcrholt im Lause des vorigen Jahres das Z u st a n d e l 0 m m c n des Z 0 l l t a r i s e s für n n m ö g- lich erklärt hat. Herr Lassermann hatte diese Ansicht, so lange er eine lonale Jnnchaltung der Geschäftsordnung gegenüber der Opposition für eine liberale Pflicht hielt. Sll» er dann die Bergcwaltigungsbcrcitschaft des CenwumS und der Konservativen sah, wandelte sich das liberale Pflichtgcfiihl in ihm derart, das; er an die Spitze der Vergcwaltiger trat und den unmöglichen Zoll- taris durch brutale Rechtsbeugung durchsetzte. Ebenso wahrheilSwidrig ist die Behauptung des natioitallibcralcn Parteiführers— es sagt genug für den Heurigen Narionalliberalismus, diesen„Führer" zu haben!— daß von cinetn Umfall seiner Partei nicht die Rede sein töime, da im wesentlichen die Regicrmigsvorlage angenommen sei. In Wahrheit weicht der Zolltarif, wie er aus den Gcwaltveschlüsscii der ReichStagsmchrheit hervorgegangen ist, in sehr wesentlichen Stücken von der Regierungsvorlage ab und enthält zahlreiche agrarische Beschlüsse, gegen welche die Nationallibcralcn zuvor hitzig protestiert Hatten. Herr Basicrmann sprach auch„von der Gefährdung des Reichstags-W ahlrccht»" und sagte:„Die Behauptung von der Gefährdung des RcichstagS-Wahlrechtes sei„dem schlechten Gewissen der Socialdctnokratie entsprungen".„Aber," so fuhr Herr Basser- mann fort,„wir werden an dem jetzigen Reichötags-Wahlrccht fest- halten." In Wahrheit war es gerade der nationallibcrale Gctvissens- forscher, welcher vor allen anderen im Reichstage erklärt hat. daß das Verhalten der Socialdcmokratie das Reichstags-Wahlrccht in Gefahr bringe. Als die Socialdemokratic ihr Recht bc- nutzte. eine gcnteiugcsährliche Vorlage ernstlich zu bc- kämpfen, da hetzte Herr Basscrmami die lauernden Feinde des RcichstagS-WahlrechtS zu neuen Hoffnungen. Der nationallibcrale Bassennann lvurdc der eigentliche Urheber der K r ö ch c r e i. Herr Basiermann mag sich bei gutem politischen Gewissen fühlen: wer kein Empfinden besitzt für die Verpflichtungen eines wirtlichen Liberalismus, ist in der angenehmen Lage, ohne Skrupel liberale Grundrechte reaktionär nicdcrzuweten.— Der unbeliebte einfache Mann aus der Werkstatt. Das Ccnwal- organ der katholischen Gewerkschaften, die„Westdeutsche Arbeiter- zeirintg". jammert heftig darüber, daß über den VcreinSsaal des katholischen Arbeitervereins in Coesfeld der Miliiärboykori verhängt worden ist; die WcihnachtSurlauber durften den Saal nicht berieten, obwohl„die Breslauer Kaiserrcde in großem Druck öffcnt- lich ausgehängt" war. Arbcitcrvcremigungcn sind eben immer anrüchig, außer wenn sie als Huldigungsdeputarion erscheinen.— Teutschlands Freisinnige in der Beurteilung des Auslandes. Das liberale stopeuhagener Tageblatt„Politiken" brachte iürzlich einen interessanten Artikel über die Aussichten und Röglichlcitcn eines Wahllartells zwischen der Socialdcmokratie und der radikalen bürgerlichen Linien in Deutschland und urteilte wie folgt über unsre Frei- sinnigen: „Jimcrhalb der radikalen Parteien Deutschlands find jedoch Be- denken aufgestiegen gegen eine solche Allianz. Deutschlands Frei- sinnige sind ja eine Partei, voll von Vorurteilen, kurz- sichtig und doktrinär, nur radikal dem Namen nach und mit wenig EutwicklungSinoglichleiteit."— Die„Freisinnige Zeitung" fährt fort die Lobsprüche ztt sammeln. die ihr von der rcaltionäreu Presse eiftig gespendet werden; heute druckt sie eine Huldigung der„Kreuz-Zeitung" ab. Als im Reichs- tag zum erstenmal die Zollwuchercr Eugen Richter mit Beifalls- stürmen überschütteten, unterschlug der Parlamentsbcricht der„Frei- sinnigen Zeitung" noch schamhaft alle„Beifalls rechts und in der Mitte". Jnztvischcn, da man bei ehrlichen Leuten doch keine Zu- stimmnng mehr findet, ist die„Frcis. Ztg." auch bereits auf die Urkunden ihrer Schande stolz und eitel. Ilnsrcm gestrigen Nachweis, daß die VergeivalrigungS-Taltik der Zollmchrhcit ohne jede socialdcmokratischc Provokation ein- gesetzt hat— und zwar so vehement, daß sich selbst Herr Sattler entsetzte—, weiß die„Freii. Ztg." nichts andres entgegenzusetzen als den Ausdruck„wirres Geschwätz" und einen in üblicher Weise verstümmelten Auszug, der das Wesentliche unterschlägt. Tie„Freisinnige Zeitung" beklagt sich ähnlich wie die„Frankfurter Zeitung", der heute von der—„Post" bescheinigt wird. daß sie sich„in der Affaire Krupp eines durchaus korrekten und ehrenwerten Verhaltens befleißigt habe",— die„Freisinnige Ztg." beklagt sich über die Fülle der Ausdrücke, mit der wir da» verräterische Verhalten Eugen Richter» charakterisiert haben. Es will uns scheinen, daß cS verdienstvoller sei, mit stilistisch ab- wechselnden Wendungen die Wahrheit festzustellen, als immer mit der gleichen Phrase dieselbe Lüge zu leiern.— Dir Wanderrcducr der Freisinnigen Bollspartci reisen setzt int Lande umher, um durch Vertreibung des Lügen-A B C den Unwillen der eignen Parteigenossen über die verräterische Taliil Eugen Richters zu beschwichtigen. So war Herr Dr. W i e m e r nach Königsberg i. P. entsandt. Bezeichnend für das Cchwächcbeiviißtsein der Volkspartei war es, daß die Versammlung nntee Ausschluß der Oeffentlichleit stattsand. Herr Wiemcr wiederholte die bekannten Erfindungen der„Freisinnigen Zeitmig". In der Diskussion pvlcnnsicrte sanft Herr Rnpp gegen die „Taktik" der Richtcrlcute. Konstittc in der Bollspartci. In Elberfeld, dem Wahlkreise de» berühmten Reinhard Schmidt, ist c» zu einer Spaltung der Frctsinuigcn gekommen. Besonders ein Mitglied, so berichtet die„Rhein. Wests. Zeitung", der Kaufmann Lehning, harte sich den lebhastesten Unwillen Haupt- sächlich der Führer zugezogen, so daß diese ihn kurzerhand aus der Partei hinaus iv arfen. Es sollte nun der Ausschluß de» betreffenden Herrn offiziell bestätigt werden. Den Borsitz führte der Reichstags-Abgeordnctc Reinhard Schmidt. Da der Vorsitzende eine Diskussion über die Ausschließung nicht beliebte, kam es zu stürmischen Sccnen. trotzdem lvurdc die Ausschließung mit 38 gegen 30 Stimmen beschlossen. Tie Protestlcr beab- sichtigen nun, aus dem Verein auszutreten und einen neuen freisinnigen Verein zu gründen. Worüber der Könflitt entstanden ist, wird nicht gesagt.— Du warst doch sonst nicht so! Es war einmal ein Mann, der schrieb von der Socialdemokratie: „Ich gestehe, ein glänzend geführter Feldzug macht mir eine gewisse ästhetische Freude.... Einen solchen Fcldzug hat jetzt die Socialdemolratie mit der lex Heinzc geführt.... Kunst, Wissenschaft nnd Bildmig haben sich in Teutschland unter die Fittiche der Socialdcmokratie flüchten muffen.... Wir sind so weil, diese Partei schon gar nicht mehr entbehren zu können.... Nicht minder bewundernswert als der Scharfblick der socialdcmokratischcu Fraktion... ist die Klugheit, mit der sie die Obstruktion sofort cinsteUtc, als da» Ziel erreichl war, usw. Solches schrieb Herr Professor HanS Delbrück im Juniheft seiner„Preußischen Jahrbücher" 1000. Und es war ein Mann, der meinte anläßlich de» Mainzer Partei- tageS der Socialdemokcatie. daß die Socialdemokratie die ciuzigr interessante, noch nicht im Stadium der Versicincrung befindliche, noch Talente aufweisende deutsche Partei sei. Solches schrieb Herr Prof. HanS Delbrück im Oltobcr der Preußischen Jahrbücher 1000. Damals nannte ihn die„Kreuz- Zeitung" einen Förderer der Umsturzpartci und forderte seine Maß- rcgcluna. Und es war endlich ein Mann, der urteilte folgendermaßen: „Einen ungeeigneteren Moment für einen Hymnus auf den socialdemolratischen Führer(gemeint ist Mouunsens Artikel) konnte es gar nicht geben, als den jetzigen. Sind in dein eben beendeten parlamentarischen Kampfe die Socialdcmokratcn nicht doppelt ge- schlagen, indem sowohl der Zolltarif angenommen, wie die Ge- schästsordnung dauernd zu ihren Ungunsten verändert ist? Und welcher Führer ist es gewesen, dessen unbegreiflicher Renommistcrci sie in erster Linie ihre Niederlage verdanken?.Herr Bebel!... Nein, dem Diktum vom„Kopfe Bebels" stelle ich das gerade Umgekehrte entgegen: es ist nicht bloß die Zwietracht der Liberalen, die ihre Schwäche in Deutschland macht, sondern es ist vor allem die Erbweisheit der Junker, der unendlich überlegrue politische Verstand der Kouservativcn, der sie immer wieder bei uns zur Herrschaft beruft und an der Herrschaft erhält und die Liberalen ausschließt! Nie in der Weltgeschichte hat e» talentlosere(in höherem politisclien Sinne) Parteien gegeben als heute die Dppositiimclleit in Deutschland; der politische Verstand fehlt ibnen in einem Maße, daß man es ebensowohl traurig wie lächerlich nennen kau»." Solches schrieb Herr Pros. Hans Delbrück im Januarheft der „Preußischen Jahrbücher" 1003. Was für etn urteilsfähiger Führer der Nation steckt doch in einem deutschen Prosessor! ES gab eine Zeit, da glaubten die Professoren an eine Spaltung der Socialdemotralie, an eine Mauscnmg zur harmlosen Rcform- partci— damals schmeichelte man uns. Jetzt haben die Herren dm Traum ausgeträumt und erbost hallen sie n n s nicht mehr fiir He Hoffinmg der deutschen Nation. loBcn sie nicht mehr unsre Intelligenz und unsem Charakter, sondern setzt sind wir lächerliche dumme Äerle, die sich vor den erdweisen Nonnann, Himburg und Krvcher schämen müssen, ja wir sind auch niederträchtig; darum nennt Herr Professor Hans Delbrück in demselben Artikel die Essener »laiserrede eine„noble Tlsat". Wenn Herr Professor Hans Delbrück demnächst ivegen seiner Hakatistenbeleidigung vors Gericht kommt, kann er die obigen drei Stellen als Beweis dafür verlesen, daß seine Urteile nicht so ernst genommen werden können und daß dieser Umstand ihm strafmildernd angerechnet werden müsse.— Ccntrums-Reiuigungen. Aus B e u t h e n wird uns geschrieben: Nach fünfjährigem Schweigen trat endlich am V. d. MtS. der Centrumo- Abgeordnete Stephan aus Bcuthcn vor seine Wähler, um. Ivie er selbst sagte,. sich und seine Partei zu rechtfertigen. Diese Recht- fertigung bestand in den bekannten Angriffen des Lentrums auf unsre Partei. Ihm und der Versammlung zu zeigen, in welcher Weise das Ccntrum und Stephan das oberschleiffche Volk, dem sie im Jahre 18Oö völligen Schutz vor neuen Volkslastcn hoch und heilig verbrochen hatten, verraten haben, dazu toar deshalb keine Gc- legenheit, weil das„freie" Ccntrum die Redefreiheit unterdrückte. Stephan ermahnte die versammelten polnischen und deutschen Anhänger, einig zu sein, damit nicht die Socialdemokratcu die lachenden Dritten würden bei der ReichStagSwahl.£B Stephan wieder kandidieren wird, darüber wurde nichts gesagt.— Vorwirkungen der Zollerhöhungen. Der nationalliberalc Agrarier K Hehl kauft nach der„Deutschen Tagcsztg." wieder land w irt- schafliche Aecker in der Lampertheimer Tabakgegend zu. Diese Beobachtung haben wir, so schreibt da-Z Blatt, bisher bei jeder Getreidezoll-Erhöhimg gemacht. Amtlich wird bekannt gegeben, daß Freiherr Heul zu Herrnsheim seine beiden Familien-Fideikommifse Guntcrshausen und Herrnsheim abermals durch Einverleibung von Grundstücken in den Gemarkungen Guntersblum, Gundershanfen, Biernheim, Lorsch, Lampertheim, Scehof, Herrnsheim, Nierstein, Gundersheim und Pfeddersheim vergrößert hat. Solchen„Stutzen" haben die kleinen Bauern von den erhöhten Zöllen; sie verschwinden im Rahmen der Großen. Der Fall beweist aber auch, daß die Zöllner im Reichstage einfach ihre niedrigsten Geschäftsinteressen vertreten.— Der nation, illiberale Zucker- und Zoll-HcUige Paasche wird, wie unS aus der Pfalz geschrieben wird, in Neustadt a. d. H. in einer im Anschluß an den am 18. Jaimar stattfindenden nationallibcralen Parteitag der Pfalz stattfindenden Versammlung über den Zolltarif referieren. Gleichtvie im Reich ist dieser Parteitag auch der erste seit fünf Jahren wieder. Die Nationalliberalen halten eS ans ohne Partei- tage und berufen sie nur in Zeiten höchster Not ein. Herrn Paasche fällt die Aufgabe zu, den nationallibcralen Umsall als dringendes Gebot der Notwendigkeit hinzustellen. Möglicherweise wird aus diesem Parteitage auch die Frage erioogcu werden, wie die Arbeiter den Klauen der socialdemokratischen Bestie cntrifien werden können. In Kaiserslautern, dessen Nationalliberale den Uebcrzölluer Röficke in den Reichstag entsandten, ist man Völlig daran, eine„liberale Arbeitcrvereinigung" zu gründen, mit der man den Kampf mit dem Drachen aufzunehmen gedenkt. Bereits haben sich zu diesem Bchufe 2b Mann in die libc- ralen Arbeitervercins-Liftcn einzeichnen lassen. Als Zeichen von Stärke der liberalen Sache darf cS auch erwähnt werden, daß die Nationalliberalen in Kaiserslautern beschlossen haben sollen, für den Fall, daß die Landbündlcr ihren Häuptling Röficke als Reichstags- .Kandidaten aufstellen, sofort mit den Demotraten gemeinsame Sache zu machen. Trifft das zu, so tväre der Beweis zur Genüge erbracht, daß die Liberalen es aufgeben, aus eigner Kraft etwas zu erringen, und sich in ihrer Rolle als Hörige recht wohl fühlen.— Rindvieh keine Beleidigung. Ein Arbeiter hatte beim Austritt aus dem Geschäft mit einem Unternehmer eüie�AuSeinandersetzung. wobei der Fabrikant wiederholt äußerte:„O. Sie Rindviehl" Vor dem AugSburger Schöffengericht bestritt er, daß er den Arbeiter mit diesen Worten beleidigen wollte; das Urteil lautete auf Frei- sprechuug und Ueberbürdung der Gesamtkosten auf de« beleidigten Arbeiter. In der Urteilsbegründung hieß es, daß die Absicht, zu beleidigen, nicht vorhanden gewesen sei und das Bewußtsein, daß „Sie Rindvieh" eine Beleidigung ist, nicht nachgewiesen zu werden brauche, da der Fabrilam in Wahrung berechtigter Interessent!) gehandelt habe. Ein Arbeiter darf also Rindvieh tituliert werden, ob auch — titulieren?—_____ Huldigungsadressen-Kabenjammer. Der„R e i ch s b o t e" bemerkt zu der Protestbersamnllung der Stettiner„Vulkan"-Arbcitcr: „Wcnnsdie Sache sich, wirklich so verhält, so muß man sagen, daß die Herren vom„Vulkan" dem Kaiser sowohl als der Sache der Ordnung und des Staates einen schlechten Dienst geleistet haben, als sie die Arbeiter für ein Ergebenhcits-Telegramm an den Kaiser preßten, das nicht der Gesinnung entsprach, so daß also der Kaiser getäuscht wurde. Jetzt weisen nun die Arbeiter die Täuschung dcS Kaisers von sich, und sie bleibt also auf den Herren vom„Vulkan" sitzen. Der Kaiser lvird daraus ersehen, daß er gegen Kundgebungen, die von dieser Seite kommen, s e h r v o r s i ch t i g s e i n m u ß. Ist cS schon an sich ver- werflich, den abhängigen und um seine Broisielle besorgten Arbeiter zu Erklärungen zu pressen, die seiner Gesinnung widerstreben, also unwahr und für Täuschungen berechnet sind, so ist ein solches Vor- gehen auch sehr unklug, weil es die Arbeiter gegen die Arbeit- geber verbittert, wenn sie so zur Ilnwahrhastigkeit genötigt werden, und weil die bösen Ruckschläge nicht ausbleiben, welche dann auf die Urheber jener Pression zurückfallen. Was erst aussieht wie ein Erfolg gegen die isocialdemokratie, wird dann zu einer sehr bösen Niederlage und einem Triumph für die letztere. Es ist viel Wahres daran, daß die Socialdemokratie von den Fehlen, ihrer Gegner lebt." Wege« Masestäts-Beleidigung wurde in Kreuzburg O.-S. ein Kaplan zu zwei Monaten Festungshaft verurteilt.— Heidenbekehrer unter sich. In der„National-Ztg." lesen wir: Im Jahre 18SS ist in S h a u g h a i in ch i n e s i s ch e r S p r a ch e von einem Jesuiten- pater eine Schrift veröffentlicht worden, die den Titel führt „Fragen und Antworten über die wahre Religion" und die m,t dem Imprimatur d e S B i sch o f S v o n Ks an g n a n v c r s c h e n i st. Ihr Zweck ist, die Chinesen über daS Weien und den Wert der ketzerischen, d. h. nicht-latholischen christlichen Lehren alifznklaren. Ein UebersctzungS-Auszllg in englischer Sprache� ist in der Juni- Nummer des„Chinese Recorder" von 1902 crichienen. Dem Werke sind folgende charakteristische Stellen entnomincn. Frage: Wer hat den Protestantismus gegründet? Antwort: Luther. Er war der Sohn eines deutschen Berg- maimS und 1184 geboren.... Er verführte junge Mädchen, indem er sie hinweglockte. Der Ruf von seinen un- sittlichen Ausschweifungen, die so gemein waren, daß wir hier nicht einmal davon sprechen können, war ein allgemeiner. Luther starb im Jahre ISIS; man sagt, daß er sich erhängte.... Kann irgend jemand danach glauben, daß Gott einen solchen Mann damit beauftragte, eine Religion zu gründen? Frage: Ist der Protestantismus heilig? Antwort: Jeder Europäer weiß, daß der Protestantismus von vier Männern gegründet wurde, nämlich von Luther, Calvin, Zwingli imd Heinrich VIII. von England. Nun hört etwas von der Geschichte dieses VierbundcS, dann werdet Jbr wissen, ob der ProtestantiSnmS heilig ist oder nicht. Ich habe bereits crivas von LutherS Thaten erzählt, aber das braucht mich nicht zu hindern, noch mehr zu berichten. Er war ursprünglich ein Mönch in der kcffho- lischen Kirche, kam dann aber ganz herunter. Er war sehr durchtrieben. Er verführte eine katholische Nonne und machte sie zu seiner Frau. Von da ab wurde er der vollendetste und schamloseste Lügner. Sein Ruf war ein solcher, daß es in Europa noch jetzt üblich ist, von einem Menschen, der Völlerei treibt, zu sagen:„Er lebt nach Luthers Art". Luther selbst schrieb einen Segensspruch, der mit den Worten endete:„Fressen und Sausen bleibt d a S Beste." Run urteilt selbst, ob diese Art Mensch heilig genug ist, um eine Religion zu gründen. Zwingli gehörte ebenfalls dem katholischen Klerus an. Nachdcin er den Glauben abgelegt hatte, wurde er der g e in e i n st e Lump.... Calvin gehörte nicht zum Klerus. Sein Leben war schandbar im h ö ch kt e n Maße. E r w a r geil wie ein Vieh und lourdc deshalb von den Beamten mit einem rotglühenden Eisen an der Schulter gebrannt.... Nach dem Leben dieser Manner könnt Ihr beurteilen, ob der Protestantismus heilig ist oder nicht." Nach derartigen eifernden Ergüssen irommcr Heidenbekehrer, die durch daS herrisch-anmaßende Austreten höchster Lichter der chinesischen Mission und durch die schamlosen Plünderungen der Missionäre, die 'Vohren S Geheimbericht schildert, lvirksam ergänzt werden, kann man sich nicht tvundern, daß die Chinesen den Bckehrungsvcrsuchcn dieser sonderbaren Heiligen mit Haß und Verachtung begegneten und cS lediglich Berbrcchergesindel ist, das sich taufen läßt, um sich durch das Patronat der Missionare der heimischen Justiz zu ent- ziehen.— HiiBUnd. Zur Rede MillcrandS. Zur Rede MillcrandS am Anfange Dezember sendet uns der französische Genosse von der Parti Socialiste Frant ais(sogeiianntc Jaurösisten) die folgende Miiteiluiig in Crividcrung auf den Artikel des Genossen Krirschcwskh in Skr. 803 des letzten Quartals. Der- selbe schreibt: Es erscheint mir unnötig, die von mir in der Nr. 283 des„Vorwärts" gegebene Darstellung gegenüber den Angriffen KritschewskyS nochmals zu verkündigen. Ich möchte die deutschen Genossen, die ikr der Lage find, diese ftanzösischen Partei-Angelegeicheiten näher zu verfolgen, ledig- lich auf den ausführlichen Bericht der Rede Akillerands verweisen, wie er im„Roveil du Nord"(„Weckruf des Nordens") in Lille ab- gedruckt worden ist. Dieser Bericht ist von Millerand selbst als authentisch erklärt worden; Millecand schrieb an den Verfasser dieser Zeilen, daß er von seinen dortigen Aeußcrungen„kein Wort zurückzuziehen noch hinzuzufügen habe", und ich bin überzeugt, daß der vorurteilslose Leser der Millerandschen Rede meine Darstellung und Auffassung derselben als die allein objetlive anerkennen wird. Ich will lediglich auf einen, allerdings den gerade für die deutsche Socialdemokratie erheblich st en Streitpuntt nochmals zurückkommen, das ist die R e v a n ch c f r a g e. Und ich bin hier in der Lage, das Wort dein durch Kritschcwsky Angegriffenen selbst zu überlassen. Auf meine Anfrage schrieb mir dieser Tage Miller and in Bezug auf seine Stellung zur elsah-lothringischen Frage diese Sätze: „Es ist in dein Artikel des Pariser Korrespondenten des „Vorwärts" eine wichtige Stelle, nämlich, daß zwischen JaureS und mir eine Nuance über die clsaß-lothringische Frage vor- Hände» ist. Er empfiehlt— ich fasse seine Auffassnng kurz zu- sammen, auf die Gefahr, vielleicht zu übertreiben,— die Lösung durch die Vergessenheit. Ich bin überzeugt, daß wir nicht die Möglichkeit haben zu vergessen, und daß wir die Pflichl haben, nicht zu vergessen. Aber ich bin, wie Jaurss, der Lösung durch den Krieg ganz und gar ent- gcgcngesetzt. Ich füge hinzu, daß die deutsd)en Social- demokrate», welche noch heutzutage— ich zweifle nicht daran— die Gefühle teilen, die Bebel und Liebknecht im Jahre 1870, so heldenmütig zum Ausdruck brachten, gerade die ersten sein müssen, welche wie ich denken, daß die elsaß- lothringische Frage nur beendigt werden soll durch eine Löftuig, die dem Recht entspricht und der Freiheit, welche wir fiir die Völker fordern, über sich selbst zu bestimmen." Die Leser des„Vorwärts" können hieraus erkennen, daß die von Millcrand angegebene Nuance keineswegs den vollständigen Gegensatz bestätigt, tvclchen die ftanzösischen bürgerlichen Zeitungen zwischen Misten beiden Vorkämpfern zu konstruieren versuchten. Tie deutschen Socialisten werden aus der obigen Erklärung ersehen, daß Millcrand ebenso wie die gesamte P. S. F. weit cntsernt ist von irgend welchen Revanchegcdankcn. Es wäre auch unbegreiflich, wie er sonst in derselben Partei und Schulter an Schulter mit einem Jaurös kämpfen könnte, dessen großer und wirkungsreicher Feldzug für die Herbeiführung des friedlichen Internationalismus durch das Proletariat aller Länder gegen die Revanche-„Patriotcn" vom Jahre 1002 noch in aller Gedächtnis ist.— Oestreich-Ungar«. Die zweijährige Dienstzeit in Erwögung. Tie„Neue Freie Presse" meldet, die Kriegsverwaltung beschäftige sich mit Studien über die Einführiuig der zweijährigen Dienstpflicht, ohne daß jedoch bisher eine principielle Entscheidung darüber getroffen worden sei.— Frankreich. Ter Marineminifier Pellctan hat an die Scebehörden ein Rundschreiben gerichtet, in welchem er mitteilt, er habe beschlossen, bei allen Arsenalen und Werkstätten außerhalb der Häfen den üuudentag einzuführen, da sich ein an mehreren Stellen gemachter nch hiermit bewährt habe.— Rußland. Zum Rostower Streik. Tie zarische Regierung hat durch die grausame Niederwerfung der Streiks in Rostow und Tichorezk von neuem den russischen Arbeitern klar gezeigt, daß sie auf die Regierung nicht hoffen dürfen. Besonders in den letzten Tagen der Bewegung, als die geschlossenen Massen abzubröckeln begannen, ließ die Polizei ihre ganze Wut über den Streik an den Arbeitern aus.„Die letzten fünf, sechs Tage. schreibt einer der führenden Teilnehiner dcS Streiks in Rostow, der jetzt nach dem Ausland geflüchtet ist, an die„Jslra", war es schwer, von dem„Kriegsfelde" Nachrichten zu erhalten. Die Polizei war außer sich. Eine Unmaffe Militär erschien. Einige Fabriken be- willigten die Forderungen der Arbeiter und die Arbeiter begannen zu arbeiten; Streikende gab cS noch etwa 3000. Trotz aller Bemühungen gelang es jedoch nicht mehr, gemeinsame Bersannnlungen einzuberufen. Die Stadt hatte das Aussehen, als ob sie von Wilden besiegt worden wäre.... Arn 7. Dezember wurde es bekannt, daß die Arbeit wieder aufgenommen worden ist". Eine der letzten Nachrichten lautet: Viele Arbeiter werden erbarinungslos aus der Stadt ver- trieben. Familienväter werden ihren Familien entrissen, in die Eisenbahnwagen gesteckt und an Hunderte von Werst entfernt ver- schickt. Dieses Schicksal hat schon nicht weniger als 300 Mann getroffen. Man erwartet in Rostow die Ankunft des W i l n a e r Knutenhelden v. Wahl(der jetzt Chef der Gendarmerie ist), mit ihm konnnen gewiß neue Verhaftungen und Verschickungen. In den Wohnungen der Schüler der örtlichen Schulen laufen die Direktoren und Jiffpekorcn herum und nehmen Haussuchungen vor, da viele Schüler rege Anteilnahme an dem Streik gezeigt hatten. lieber den Streik in Tichorezk, der durch die Bewegimg in Rostow ins Rollen kam, lvird folgendes bekannt: Es erschienen die Kosaken mit dem Ataman und den Arbeitern wurde befohlen. an die Arbeit zu gehen. Als diese aber auf die Erfüllung der Forderungen bestanden, befahl der Ataman, die Menge auseinander zu treiben. Die Arbeiter setzten sich hin und nahmen die Mützen ab. Tic Kosaken ritten aber mit blankem Säbel und Knute in die wehrlose Menge. Die Arbeiter versuchten sich nun zu schützen, was aber wenig half. Am Ort der Schlächterei blieben eine Masse abgehauener Körperteile und ein Haufen von Ver- wundcten. Auf die fliehende Menge gab man noch hinterher scharfe Salven ab. Fünf Personen wurden dabei getötet, 17 schwer»er- wundet. Ein Arbeiter trug zwei Eimer Wasser, ein Kosak zielte und der Mann war tot; aus dem Hause lief seine Frau heraus, auch diese traf dasselbe Schicksal. Hierauf begann das Plündern. Der Ataman befahl, die Arbcitcrkascrnc zu räumen; die Kosaken warfen die Sachen der Arbeiter aus die Straße, erbrachen die Kisten und stahlen nach Herzenslust.„Ihr habt vor kurzem Lohn bekommen, gebt das Geld her!" schrien die Räuber. Einer Frau, die ihr Hab und Gut hatte verteidigen wollen, wurde der Leib aufgeschlitzt... Tie Frauen und Mädchen wurden vergeioaltigt.... In einem Zimmer fand man ein Kind mit einem Dolche an die Fußdiele aufgespießt. Aus den Einzelheiten über den Streik in Rosiotv wird noch bekannt, daß in einer der ersten Versammlungen beschlossen worden ist, während des Streiks leine alkoholischen Getränke zu gebrauchen, was von den Arbeitern sehr streng eingehalten worden sei. In Gommeln, unweit der preußischen Grenze, wurde der Spitzel Anastasenko ermordet aufgefunden.— Der frühere Oberil der Gendarmerie in Libau, W o n S j a tz k i, der die Frau Kugel verhaftete und auch sonst eine Unzahl Opfer auf feinem Gewissen hat, ist dieser Tage gestorben. Llfrita. Marokko. Eine militärische S p e c i q l k o m m i j s i o n Frankreichs ist von Tanger nach Fez abgesandt worden. Die fran- zösische vciin Hof des Sultans attachierte Militärkommission ging am Dienstag nach Fez ab zur Ersetzung der mit der Instruktion der marokkanischen Artillerie bestauten Kommission. Sie wird von dem ersten Sekretär der französischen Gesandtschaft begleitet, der zwar private Interessen vorschützt, thatsächlich aber eine besondere Mission seiner Regierung erfülle» dürfte.— Die Lage des vs n l t a n S soll sich weiter gebessert haben. In Fez sind viertausend snltantreue Reiter eingetroffen, welche an dem bevorstehenden Sühnefeldzuge gegen Lu Hainara teilnehmen sollen. Dieser sammelt seine Streitkräfte bei Tazza; in seinem Lager herrscht angeblich Hungersnot.— Chamberlain über die Ersatzansprüche und die Heranziehung zu den Kriegskostcn. In einer am Mittwoch in Pretoria gehaltenen Rede erklärte Ehautberlain, alle Ersatzansprüche sollten gewisienhaft geprüft werden, dieselben könnten aber infolge ihrer großen Zahl nicht im Nu erledigt werden. Das Reich habe 2 Millionen gezahlt, und eS sei bereit mehr zu geben, sobald die Prüfung der Ansprücbe beendet sei. Diejenigen, wclckte dem Reich gedient hätten, würden nicht vergessen werden. Er würde die Angelegenheit der Heranziehung Transvaals zur Zahlung der Äriegskostcn mit Vertretern aller eotändc erörtern, einschließlich der Kapitalisten, die ohne Zweifel dazu beisteuern würden. Die Regierung beabstchtiae nicht, irgend ctlvas zu thun. was die Steuerlast unzweckmäßig erhöhe und einer" schnellen und vernünftigen Entwicklung hinderlich sei. Es würde von Transvaal nichts verlangt werden,. lvas es nicht toillig geben würde, wenn es eine Kolonie mit Selbst- Verwaltung tväre. Er würde an dem Imperialismus in Südafrila verzweifeln, wenn er denken sollte, daß die Kolonie zulassen würde, daß jedermann in dem vereinigten Königreiche eine besondere Steuer- last trage, während die Kolome daraus den Nutzen ziehe.— Amerika. Gegen die Trusts. Präsidettt Roosevcli konferierte am Mittwoch mit dem Sprecher Hcndcrson und dem Mitgliede des Repräsentantenhauses Governon über die gegen die Trusts geplante Gesetzgebung. Es verlautet, der Präsidettt habe ihnen seinen Wunsch dargelegt, daß in der gegenwärtigen Tagung des Parlaments eine Gesetz« g e b u n g eingeleitet werde, die sich mit dieser Frage befasse. Im Senat hat H o a r ein Gesetz gegen dieTrusts eingebracht. DaS Geietz bezweckt eine Beschleunigung des Ver- fahrcns bei den unter dem bestehenden Anti-Trnstgesetz anhängig gemachten Klagcsachen. Littlcficld hat im Rcpräsentantcnhause ein ähnliches Gesetz eingebracht. Viel wird bei der Antttrnst-Campagne, von der so viel WeienS gemacht wird, schwerlich herauskommen. Ter Ausschuß des Senats für auswärtige Angelegenheiten hat den günstig lautenden Bericht über den allgemeine» internationale« Schievsgertchts-Bertrag genehmigt, welcher auf dem jüngsten p an- a m e r i k a il i s ch c n K o n g r e ß in Mexiko als loiinschenswert be- zeichnet wurde. Dieser Vertrag entspricht völlig dem Haager Schiedsaerichtsvertrag, bezieht sich aber nur auf'die w c stl i» c Halbkugel.—_ Venezuela. Tie Suspension des deutschen Botschafters. Eine im höchsten Maße befremdende Meldung kommt aus Washington. Sie lamet: Washington, 8. Januar. Ter deutsche Botschafter». Hollebe«. der an einer schweren Influenza erkrankt war. hat einen langerrn Urlaub nachgesucht. Es ist mehr als eigentümlich, daß der deutsche Gesandte in Washington gerade in einem Augenblick um längeren Urlaub nach« sucht, wo seine Amtsthättgkeit durch den venezolanischen Konflikt in einem Matze in Anspruch genommen wäre, wie seit Jahren nicht. kaufen doch alle Fäden des diplomatischen Verkehrs mit Venezuela in Washington zusammen, ja man kann sagen, daß die Erekutions- mächte nicht mit Venezuela, sondern mit Amerika verhandeln. Hielte nicht Amerika seine schützende Hand über Venezuela, so wäre es längst zu einem Ärcuzzug nach chinesischem Muster gegen den süd- amerikanischen e-taat gekommen. Castro selbst ist nur eine Marionette in der Hand des Herrn Rooscvelt und seines venezolanischen Botschafters Bowcn. Und trotzdem hat sich Herr v. Holleben gerade diesen kritischen, verantwortungsvöllcn Zeitpunkt ausgesucht, um an der nachgerade zur Diplomatenkrankheit gewordenen Influenza zu erkranken und um cineu längeren Urlaub nachzusuchen, dem zweifellos die Ab- be rufung folgen wird. Herr v. Holleben hat sich also äugen- Icheinlich in Washmgion unmöglich gemacht. Seine Position galt allerdings schon lange als erschüttert. Daß er aber gerade zu einem solchen Zeitpunkt vom Schauplatz abttitt, lätzt auf mehr schließen, als auf eine neue persönliche Ungeschicklichkeit. In einem solchen Falle hätte man ihm doch Wohl die übliche Schonungszeit gewährt; es scheint also ein sch w er erKonflitt vorzuliegen, für den man in der Person des unglückseligen Botschafters ein Sühneopfer bringen zu müssen geglaubt hat. Die deutschen Diplomaten, die ja schon zu Bismarcks Zeiten einschwenken mußten wie Unteroffiziere, sind vollends unter dem neuen Kurs zu Gliederpupven geworden, die an der von Berlin aus gezogenen Strippe mechanisch tanzen müssen. Tie AuSschalnmg Hollebens läßt also darauf schließen, daß in den Beziehungen zwischen Washington und Berlin etwas in Unordnung geraten ist trotz der famosen Prinzenreisc. der Denkmalsslifttmg und der nenertichen Beteuerung der freundschaftlichsten Beziehungen durch Wilhelm II. Wo der Hase im Pfeffer liegt. läßt sich allerdings nicht genau sagen, umsoweniger, als der ganze völkerrechtswidrige Kreuzzug gegen Venezuela der ReibnnaSvnnkte mit Amerika mehr als genug enthält. Eine Andeutung macht„Ter Tag", der schreibt: „ES versteht sich von selbst, daß diese Nachricht unter den gegen- wärtigen politischen Verhältnissen weniger harmlos auf- Wfaffen ist, als' sie a Ii s sieht. Herr v. Holleben ist erst vor wenigen Monaten von einer löugeien Urlaubsreise auS Europa auf seinen Posten nach Washington zurück- gclchrt, und von einer e r n st l i ch c n Erkrankung war vis jetzt nichts bekannt g c lv v r d c n. Unter diesen Umständen drängt sich die Vermutung auf. dag die plötzlich erfolgte Be- nrlaubung nur der Vorläufer seiner definitiven Ab- berufmig sei, und loir haben Gnmd zu der Annahme, daß diese Vermutung das Ziicbtige treffen dürfte. Denn wie mir hinzufügen tonnen, ist der frühere erste Botschaftssekretär in Washington Freiherr Speck von Sternburg für die Zeit der Be- urlaubung v. Hollebens vorläufig zu dessen Vertreter in Washington crnmmt worden. Diese Dhatsache läßt darauf schließen, daß Herr v. Hollcben nicht wieder auf seinen Posten nach Washington zurückkehren wird. Wie es scheint, boben verschiedene Vorgänge der letzten Zcit7 insbesondere die Ablehnung des Schicderichtcr-Amtcs in der venezolanischen Frage durch P r ä s i d c n t R o o s e v c l t, die Stellung des Botschafters erschüttert." Mit dieser Andeutung läßt sich nicht viel anfangen. Denn an der Ablehnung RooseveltS, die Bürgschaft für Castros Schulden zu übernehmen, ist Hollcben jedenfalls recht unschuldig. Vielleicht be- absichtigt diese Andeutung ja auch nur, von der wirklichen Spur abzulenken. Am besten thut man, wenn man sich mit der Feststellung begnügt, daß der Venezuela- Erekuttvzug zu einer e r n st l i ch e n B e r- siimmung zwischen Deutschland und Amerika geftihrt zu haben scheint und alles loeitcre gelassen abwartet. Zum SchicdSgerichtsvorschlag. Tie Antwort Italiens auf die Vorschläge Castros ist in Washington eingegangen; dem Bernehmen nach ist sie nach denselben Ciesichtspunlien abgcsaßr wie die Antworten Deutschlands und Englands und lvird wie letztere dem amerikanischen Gesandten Bowcu zur llebcnnittelung an Castro übergeben werden.— Castro empfing am Mittwoch den amerikanischen Gesandten Boloen. welcher die Antwort der Mächte auf die Gegen- Vorschläge Venezuelas überbrachte. Der Äabinettsrat wurde sofort einberufen. Man erwartet, daß die Anttvort auf�die Mitteilung der Mächte baldigst der Regierung der Vereinigten Staaten übermittelt wertzen wird.— Das„Rcutcrsche Bureau" meldet aus Caracas vom 7. d. M. aus bester Quelle, daß die Antloort der verbündeten Mächte in Regierungskreisen große Niedergeschlagenheit hervorgerufen habe. Es lvird ferner aus guter Quelle mitgetcilr, daß der amerikanische Gesandte Bowcn die Antwort Venezuelas nicht vor Freitag erwarte. Eine Proklamation des Iusurgentenchcfs Makos. Ter„New Aork Herald" veröffentlicht eine Depesche des veuczo- lauischcn FnsurgentcnführerS Generals Matos, in der es heißt: Das Unglück Venezuelas muß Castro zugeschrieben werden, der ein Mann ohne Moral und ohne Vcrwalmngsfähigteit. mit einem Worte, ein wahrer Wilder ist. Er hat alle, die er für seine Gegner hielt, unaufhörlich verfolgt,«.oldaten,.Nauslcutc und Bauern in ungesunde Gefängnisse geworfen und in tlettcn legen lassen. Zwei Fahre hindurch wurden den Arbeftcrn die Häuser, den Schiffern die Boote verbrannt; Städte, deren ganzes Verbrechen darin bestand. daß sie von revolutionären Truppen besetzt worden waren, wurden gebrandschatzt und bombardiert. Die lvilltürlichen Maßnahmen, die Castro gegen die Fremden traf, baben die gemeinsame Atrion der europäischen Mächte veranlaßt. Sobald Castro gestürzt ist, wird Venezuela seine Ruhe und seinen Äredit miederfindcn. Einstweilen scheint es die venezolanische Finanz noch mit Castro zu halten. Nach einer Meldung aus Caracas find die dortigen Banken übereingekommen, der Regierung tägliche Vorschüsse zur Bezahlung der Truppen zu machen. kommunales. Stadwerorductcn-Versmnmlung. I. Sitzung vom Donnerstag, den 8. Januar, nachmittags 5 Uhr. In der heutigen ersten Sitzung des neuen Jahres hat nach den Vorschriften der Städte- Ordnung die N e u k o u st i t u i e r u n g der V e r s a m in l u n g für das Geschäftsjahr 1S03 zu erfolgen. Der bisherige Vorsteher Ttadw. Dr. tkangcrhans eröffnet die Sitzung mit einem freundlichen Neujahrsgruß an die Kollegen und giebt dann dem Gefühl tiefer Entrüstung über die rohen Erccste Ausdruck, denen eine Reihe öffentlicher Denkmäler jüngst zmn Opfer gefallen find, sowie der Hoffnung, daß die Ucbclthätcr doch noch ermittelt werden mögen. Darauf giebt der Lorsteher den Vorsitz an den Stellvertreter Michelet ab und die Vcrsammlmlg schreftet zu ihrer Neu- konstituicrung. Zu Stimmzählern werden die Stadtvv. Alt. Ramlow und Zhlicz ernannt. Stadrv. Kreitling(N. L.) beantragt, den bewährten langjährigen bisherigen Vorsitzenden durch Acclamation»vicderzuwähleu.(Allgemeine Zustimmmig.) Stadw. Langerhans lvird e i u st i m m i g zum Vorsitzenden lv i e d e r g e lv ä h l t luid erklärt dankend die Annahme der Wahl. Tann fährt er fort: Glauben Sie nicht, daß ich dabei mit einem gewissen Leichtsinn verfahre; ich weiß, ich bin alt. m,d ich weiß, daß in solchen Jahren die Altersschwäche oft recht schnell eintritt. �Widerspruch.) Ich habe mit einem großen Teil der Kollegen mich besprochen, und die lneinten. es wäre richtig, wenn ich annehme. Die Wahl von einer Versammlung fteidcnkendcr, selbständiger Männer ist für mich eine große Ehre. Deshalb danke ich Ihnen für Ihr Vertrauen.(Lebhafter Beifall.) 'Auf Vorschlag des Stadtv. Kreitling lvird mich der Stell- Vertreter Stadw. Michelet durch Zuruf wiedergewählt und erllärt mit dem Ausdruck seines Dankes für diesen erneuten Bcr- trauenSbcweis die Wiederwahl anzunehmen. Die bisherigen drei Beisitzer Frick, Gericke und F r i e d e r i c i schlägt Stadtv. Kreitling gleichfalls zur Wieder- wähl vor. Stadw. Singer bringt den Stadw. Borgmann als einen der Beisitzer in Borschlag. Es muß sonach zur Zettelivahl geschritten werden. Während dcrseweu nimmt der Senior der Versammlung Stadtv. Sauitäisrat Dr. Reumann das Wort, mn namens der Ver- sammlnag dem Borsteher Tr. L a n g e r h a n s mid dem Bureau für die treue Arbeit im abgelaufenen Jahre den Dank auszusprechen und kür das kommende Jahr ein Glückauf zuzurufen. Redner gedenkt dabei auch des herben Verlustes, welchen die Versammlung im abgelaufenen Jahre durch das Hinscheiden Vircholvs erlitten hat. Tie Beisitzer lvahl crgiebt folgendes Resultat: Gericke 99. Frick 94. Friederici 72, Borgmann 26 Stimmen. Die drei Erstgenannten sind gewählt. Als B e i s i tz c r- S t e l l v e r t r e t e r fungierten bisher die Stadwv. P l i s ch k e. L i e b e u o w und Törmc r. Stadw. S i n g er schlägt auch hier den Kollegen Borgmann vor. Die bisherigen Stellvertreter ioerdcn wiedergewählt; es erhalten Tönner 79, Liebeuolo 76, Plischke 74 Stimmen. Auf Borgmann fallen 32 Stimmen. 3 zersplitterten. Tie ordentlichen Sitzungen der Versammlmig sollen auch im Jahre 1993 an den Donnerstagen von ö Uhr nach- mittags ab stattfinden. Resonn in der Leitung des städtischen Schulwesens. Der zur Borbercitung der Wahl eines Stadtschulrats eingesetzte Ausschuß hat am 22. Dezember 1902 folgenden Auwag an die Versammlung einstimmig angenommen: Der zur Lorberawng für die W a h l eines Stadtschulrats eingesetzte Ausschuß erhält zugleich den Austrag, in die Prüfung einer a n d e r iv e i t c n R c g c l u n g d e r L e i t u n g des gesamten sl ä d t i s ch e u Schulwesens einzutreten und der Versammlmig neben der Berichte rstalwng über die Besetzung der zur Zeit freien Stadtschulrats-Stelle auch hierüber cnffprcchende Vorschläge zu machen. Als Referent des Ausschusses führt Stadtv. Singer aus: Schon bei der Vorberatung der Ersatzwahl für die Schulrüte Bertram und Fürstenau wurde die Frage ventiliert, obnicht ciueandreOrganisatioli der städtischen Schulvcrwaltung angemessen sei, da namentlich die Leitung deS Fortbildungs- und Fachschulwesens nicht wohl mehr im Nebenamte wahrgenommen werden könne. Inzwischen hat die Versammlung die Fordermig der obligatorischen Fortbildungsschule erhoben, eine Forderung, lvclchc hoffentlich nicht an dem Widerstände deS Magi- i trats scheitern wird. Da wird cS um so uottvendiger, diesen Zweig der UntcrrichtSvcrlvaltuug selbständiger zu macheu. Tie sachliche Frage wurde damals indessen nicht weiter verfolgt, weil zunächst die offenen Stellen besetzt werden sollten. Diese Regelung flößte gc- wissen Pessimisten die Furcht ein, daß man ans diesem Wege nach der organisatorischen Seite nicht eben rasch vorwärts konunen würde, und' diese Pessimisten haben leider recht behalten; man hat nicht crfabrcn, daß in den letzten beiden Jahren die Frage im Magistrat näher erörtert worden wäre. So hat denn der Ausschuß diese Frage wieder ausgegriffen; er kann aber nicht einseitig seine Kompetenzen erweitern, denn er soll nur die Ersatzwahl für den leider verstorbenen Schulrat Voigt vor- bereiten. Da aber der gesamte Ausschuß'von der Wichtigkeit jener Frage durchdrungeu ist, glaubt er imSinnederBersaimulungzu handeln. wenn er sich auch für diese Frage von der Versammlung kompetent erklären läßt. Die Frage des Wie der Organisationsänderung ist selbstverständlich noch völlig offen geblieben; es wurden verschiedene Vorschläge in dieser Hinsicht laut. Ter Ausschuß will nicht etwa die Wahl selbst ad calcndas graoeas vertagen; für alle Fälle wird er Kandidaten vorschlagen, wenn die Einigung mit dem Magistrat über die Lrgauisationsftage nichtsobald zu erreichen wäre, aber es würde dann diese Organisationsfrage wenigstens in Fluß gebrndst worden sein. Mit der Aimahme des AusschußantrageS erklärt die Versammlung nur ihr Einverständnis mit dem Ausschuß dahin, daß unser Fach- und FortbildungS-IInterrichtSweselt von so eminenter Bedeutung ist und immer bedeutender wird, daß au der leitenden Stelle dieses ZiveigeS ein Mann stehen muß. der den Anfordernngeu dieses so wichtigen Unterrichtszlvciges nach jeder Richtung völlig gewachsen ist. stadtv. Eaffel(A. L.): Wir stimmen für den AuSschußanlrag. Das Fach- und FortbtldnngSschulweseit bedarf einer gedeihlichen Fortentwicklung und diese ist durch die jetzige Organisation nicht gesichert. Ein ftüheres lWagistratSmitglted hat die Errichtung einer mittleren technischen Schule in Berlin für eine unbeduigte Not- ivendigteir erllärt. Wenn eS das Bedürfnis erfordert, find wir auch für die tschaffmtg einer ncitcit Schulratsftelle. Wir wünschen aber im allgemeinen nicht, daß durch eine Veränderung der Aufgaben des Aus- fchusies die Gntndlagcu verschoben werden, welche bei der Wahl des Ausschusses obgewaltet haben. ES würden sonst andre Mitglieder in den Ausschuß gewählt seüt. Ein weiteres Bedenken liegt für die über- lviegendste Mehrheit meiner Freunde darin, daß der Gedanke bestehen soll, daß ein c�chulrat für das Fach- und Fortblldungs-Schnlwcsen und imr einer für das Bolls- und höhere Schulwesen zusammen- genommen fungieren soll. Einen solchen Zustand halten wir für un- denkbar und für die Hauptstadt des Deutschen Reiches unhaltbar. Tarunter müssen leiden das höhere und das Bollsschulwesen. Herrn Gcrstenbcrg sind lvir für seine treue Arbeit in der Wahniehnmiig beider Fnnkttoncn, wie sie jetzt nötig gelvorden ist, sehr dantbar, aber auf die Dauer würde eine solche Einrichtung auch nur zu rasch seine dtrasl aufreiben. Trotz dieser Bedenken stimmen wir aber sämtlich für den Ansschußantrag. Derselbe»oird darauf cinstiimnig angenommen. Hierauf erfolgt die feierliche Einführung dcrAieucn unbesoldeten Stadträte J a c v b h und K o 1 1 c durch den Oberbürgermeister Kirsch ner. Auch der Vorsteher Tr. Lange rhanS richtet an die neuen Magistratsmiiglieder freundliche Begrüßmigsworte. In die städtische P a r k- Deputation sind zwei Bürger- deputierte zu wählen. ES werden gewählt königl. Baurat K a h s e r, HUdebrandstr. 2ö, und Pros. L i e b e r in a n n, Pariscrplatz 7, mit 77 bezw. 106 Stimmen. Dr. Arons erhielt 33 Stimmen. Schulbauteu. Den spcciellen Entwurf zum Neubau der Gern ei»de- schule P u t t b u s c r st r a ß e 3/0 und den Vorentwurf zum Neu- bau einer G c m c i n d e s ch n l e am Koppe»platz 12 hat der niedergesetzte Ausschuß gutgeheißen; desgleichen den Borentlvnrf zmn 'Neubau einer G e in e t n d e- D o p p e l s ch u l e in der Straße 4 und la, Abteilung Xllli des Bebauungsplanes(nahe der Greifs- walderstraße), doch soll der Magistrat ersucht werden, bei dem specicllen Entwurf für diesen Neubau eine Lesehalle und VoUSbibltolliek vorzusehen. Die Vorentwürfe betr. die Neubauten eiiter höheren Mädchen sHule und ciner Gemeinde- D o p p e l s ch u l e in der Pank st r. 22a,'23 haben ebenfalls die Gc- nehnngung des Ausschusses gefunden, der indessen gleichzeitig vorschlägt, den Magistrat zu ersuchen, die Unterbringmtg der bisher in der 32. Gcmcindcschule, Pankstr. 26, befindlichen Lollsbibliothek in dem Gemeindeschul-vceubau in Aussicht zu nehmen, der Aula der höheren Mädchenschule auS akustischen Rücksichten möglichst eine breitere Fonn tu geben, und die Regulierung der neuen Straße 0215 im Interesse dieser beiden neuen Schulen baldigst in die Wege zu leiten. Stadw. Bruns(Soe.) bringt bei dieser Gelegenheit die Frage der Vergebung der Stcinbildhauer-Arbciten zur Sprache. Die Steinmetzen Berlins klagen seit Jahren über zunehmende Arbeits- losigkeit, trotzdem lvird es bei den Unternehmern immer mehr Brauch, diese Arbeiten in den Steinbrüchen Böhmens usw. selbst von den dortigen billigen Arbeitskräften herstellen zu lassen und die fertigen Arbeiten hierher zu bringen, so daß die hiesigen Steinbildhaucr wenig Arbeit haben. Sie sind auch beim Magistrat deshalb vorstellig gelvorden, haben aber nichts erreicht. Ihr Wunsch geht nur dahin, daß nicht alle Arbeit schon in den Steinbrüchen hergestellt, londcrn diese in dem Umfange, wie es möglich ist, auch in Berlin vergeben würde. Nachdem der Baurat im Ausschüsse eine nicht gänzlich ablehnende Antwort gegeben hat. wollte ich dem Wunsch der Steinmetzen auch an dieser stelle Ausdruck geben. Ohne weitere Debatte beschließt die Versammlung nach den Ausschußanttägen. In den neuen Bedmgmlge» für die Gasentnahme auS den städtischen Gaswerken ist auch der„Arbeiterausstand" sowie jede Ursache, deren Verhinderung nicht„ohne weiteres" in der Macht der Verwaltung liegt, als höhere Gewalt aufgeführt, welche die Vcr- waltung von ihrer Verpflichtuilg entbindet. Stadw. Wurm(Soe.): Der neue Borschlag der Gasdeputation stellt die Abnehmer als Bewohner Berlins ungünstiger als der frühere Vertrag. Die Verwaltung will sich gegen ihre Lieferungs- Verpflichtungen auch insofern schützen, als sie zu den Fällen der höheren Gewalt auch noch die Arbciteraussiände. die Streiks hinzu- fügt. Das ist ein Rovum, welches die Versammlung ftüher absolut belänchstc, als es sich darum handelte, �daß wir kür Bauunternehmer, die mit der Stadt Geschäfte machen, die Streikklausel ausnehmen sollten. Die Versammlung hat damals den richtigen Standpimlt eingenommen, daß ein Streik keine höhere Gewalt sei. Der Verband der Bau- Unternehmer bat sich an fast alle Behörden und Regierungen gewandt und überall abschlägige Anttvorten bctommen. Jetzt kommt hier Berlin als Arbeftgeber und will aller Berpflichttmgen ledig sein, wenn in seiner Gasverwalttmg ein Streik ausbricht. Bisher ist das entgegengesetzte Prfticip ohne Schaden Jahrzehnte lang in 'Anwendung gewesen; belassen lvir es dabei, so wirken wir auch auf die GaSberwaltung erzieherisch. Der Liberalismus will jetzt eine Bedingung venchlechtern, welche er selbst früher, Ivo er noch nicht mit dem Tropfen socialpolinschen Oels gesalbt war, nicht für notwendig hielt. Es ist gänzlich überflüssig, auch nur de« Anschein zu erwecken, als wolle man die städtischen GaSkonsumenten durch diese neue lores maseurs benachteiligen. Genau so steht es mit dem Worte„ohne weiteres", die das Siecht der Stadt als Lieferant einseitig vermehren. Dieses wenn sie nicht„ohne weiteres" das Gas liefern kann, ist ein ganz vager Begriff; ein nobler Unternehmer soll sich solcher Vorbehalte nicht bedienen. Int Interesse des Konsumenten bitten wir Sie um Streichung dieser Worte. Stadtrat Nomslau: Es wäre Im höcksien Grade unvorsichtig, wenn lvir auf diese Klausel verzichten wollten. Wir haben es mit ISO 000 Konsumenten zu thun. Gelingt cS uns nicht, einen Streik abzuwenden und bekommen lvir diese Schadensersatzansprüche von ISO 000 Konsumente« aus den Hals, so ist das für die Stadt eine große Gefahr. Ob wir jemals davon Gebrauch machen, ist eine andre Frage. Wir sind ja auch für die öffentliche Beleuchtung verantwortlich; im Interesse der Verkehrssicherheit werden wir also schon ohne- hin alles thnn, einen Streit zu vernteiden. Müßten lvir doch den Betrieb einstellen, dann lvollen lvir nicht vor diese Wüste gestellt sein, in der cS keine Oase giebt. Ter frühere Vorgang der Ver- lveigerung der Streikklausel hat eine ganz andre Situation zur Voraussetzung. Damals lvolllcn lvir uns nicht in das Arbeitsvcrhältsniö ein- mischen. Fänden wir keine andren Unternehmer als solche, welche uns die Streikklausel abfordern, dann müßten lvir sie auch be- willigen. ES ist aber doch ein Unterschied, ob man Hammer oder Amboß ist.(Hört! hört!) Nicht jeder Streik ist ein Lohnkampf, wir haben Streiks erlebt, welche mit der Lohnfrage gar nichts zu thun hatten. Ein Kampf ist es aber immer, und in solchem' Kampf sollten wir doch unsre Waffen nicht wegwerfen. Daß es bisher gegangen ist, ist nicht ausschlaggebend; die Verhältnisse haben sich geändert, der Bogen ist immer straffer gespannt lvordcn. Tie Arbeitcrausschüssc sind eingesetzt lvordcn, deren vornehmste Auf- gäbe ist es, Streiks zu verhüten; aber diese Waffe hier soll in Reserve gchalien werden. Die Streichung oder Beibehaltung der Worte „ohne weiteres" scheint mir persönlich unerheblich. Stadtv. Kreitling(N. L.): Der Antrag Augnslin hat uns nicht vorgelegen. Wir müssen lvohlwollend zu demselben Stellung nehmen. Ich sehe keinen Unterschied, ob Berlin Arbeitgeber oder ein andrer Unternehmer ist. Durch die Ausschutzbcratung, die wir beantragen, lvird sich ein Weg finden, die Gegensätze auszugleichen. Stadtv. Rast(A. L.) beantragt die Vertagung des Geacn- standes, da ein großer Teil der Versammlung nicht länger anwesend bleiben könne. Stadtv. Goldschmidt(N. L.) spricht für Ausschußbcratung, ebenso Stadtv. Eckart(A. L.). Tie Vertagung wird abgelehnt. c-etadtv. Wurm: Gegen einen Ausschuß habe» lvir nichts. Das Bild vom Amboß und Hammer möchte ich aber zurückweisen; der Amboß sind die städtischen Bürger, auf die die Ver- waltung den Hammer nicdcrsauscn läßt. Bei dem ntvuopolistischcn Charakter der Gaswerke ist es doppelt unrecht, wenn die Stadt ihren Abnehmern so rigorose Bedingungen stellt. Tie Vorlage geht an einen Ausschuß. Der Magistratsantrag betreffend die Abhaltung von Pferde« Märkten auf dem Viehhofe gelangt ohne Debatte zur Aimahme. Nach Erledigung einer großen Anzahl wefterer Vorlagen ohne allgemeineres Interesse schließt die öffentliche Sitzung um 8>/, Uhr. Tie geheime Sitzung läßt die Versammlung auSsallen. Sociales. Für ultramoilinnc Brolwucherer, Socialpolitikkr und Küchenzettel- Fabrikanten. Das in Ettlingen in Baden erscheinende Eentrumsblatt „Badischer Landsmann" veröffentlicht folgende Zuschrift: „Wie soll sich erne Familie von 4 Köpfen durchdringen, wenn der Vater pro Stunde 18 Pf. und somit bei zwölfstündiger Arbeitszeit eilten Tagclohn von 2,10 M. verdient.? Als Minimum brauche ich täglich: Für Milch........ 20 Pf. ,, A5eck«.., 12 ,, ,, Kaffee»«»,,„»« 10„ „ Brot....... 30„ „ Fleisch.... J... 20■„ „ Suppe........ 10„ „ Gemüse....... 10 ,. „ Mehl........ 10„ „ Kartoffel....... 30„ „ Schmalz....... 10„ „ Salz, Gewürze, Licht, Holz 50„ „ Sauermilch...... 20„ 2,37 M." TaS sind also die Ausgaben; sie sind gewiß spärlich bemeffen. Mein Verdienst beträgt aber nur täglich... 2,10 M. mithin zu wenig täglich. 21 Pf. Dabei ist aber lein Pfennig gerechnet für Kleider und Schuhe und, nicht zu vergessen, auch die Wohnungsmiete ist noch vollständig im Rückstand, sie ist nickst mitgerechnet, beträgt aber monatlich mindestens 10 M., also täglich rund 30 Pf., ebenso fehlt noch der Betrag für die Schulbücher uslv. meiner Kinder, wenn sie in die Schule kommen. Davon, daß einem Arbeiter, der Tag- und Nachtdienst hat, auch einmal ein Glas Bier gehört und daß er sich für seine geistige Erholung eine Zeitung halten sollte, will ich gar nicht reden und nur betonen, daß, abgesehen von den Feiertagen, die Woche nur 0 Verdienfttage hat, während die Familie aber an 7 Taget! leben mutz, so daß sich der Betrag von 2 M. 16 Pf. pro Tag auf 1 M. 85 Pf. ermäßigt. Meine Frau hat mit ihrer Haushaltung und den Kindern zu thun, sie kann nichts nebenbei verdienen, wenn nicht die Erziehung und Haushaltung gleichzeitig geschädigt werden sollen. Nun frage ich jeden rechtlich denkenden Menschen, Geistliche und Beamte, Socialpolitikcr und Fabrikanten hiermit ernstlich um Rat, wie ich meine Haushaltung einrichten muß, ohne meine Familie sämtlich hungern zu lassen und ohne Schulden zu mackzen, mit einem Tagclohn von 2,10 Bs. durchzukommen. Ich werde mit Dank ein solches Rezept accepiicrcn nnd bitte es mir durch Perrnftielung der Redaktion des„Landsmann", bei der meine Adresse hinterlegt ist. zukommen lassen zu wollen. Ich weiß mit 2,10 M. Tagelohn mit meiner Familie mit dem besten Willen nicht auszukommen,— ernstgemeinter Ausschluß ist mir daher sehr lmllkommen. denn ich bin kein Umstürzler, ich möchte in der gegenwärtigen Gesellschaftsform lveiterleben. aber 2.10 M. reichen dazu nicht aus. lvaren doch die 2,40 M., loelche ich bisher verdiente, schon sehr knapp. Als Neujahrsgruß wurde mir dennoch eine Lohtwermindermtg von 20 Pf. auf 18 Pf. pro Stunde oder um 24 Pf. pro Tag mit- geteilt; zwar habe ich den Trost, daß es noch ca. 150 Kollegen und Kolleginnen ähnlich ergangen ist, aber mit diesem Trost ist mir nicht geholfen, darum meine Anfrage um öffentliche Auskunft, ivie das Kunststück, mit 2,10 M. eine vierköpfige- Familie redlich und an- ständig zu ernähren, fertig gebracht werden kann." Das Eentrum wird dem Mattit klar gu machen suchen, daß es ihm nichts ausmacht, wenn er nach Inkrafttreten des tteueit Zolltarifs täglich noch einige Psemtige mehr auf sein bißchen Nahrung — im Budget ansetzen muß; ausgeben kann cr's doch nicht. Wer so wie so hungern muß, der kann auch ein wenig mehr hungern. ES wird ihn wcfter an die geniale Witwenversichcnmg crimiern nnd ihm einige billige Kochrezepte verschaffen. Zu« Kellnerschutz. Der internationale Verein der Gasthofsbesitzer agitiert noch immer lebhaft gegen die Bundesrats- Vorsckirtftett zmn Schutze der GastwirtSaligestellte». Zum Zwecke der Bearbeitung des Bundesrats sowie der öffentlichen Meinung veranstaltet er eine Umfrage bei Gastwirten, durch die eine Anzahl besmmntcr Fragen über di' Wirkungen der Verordnung beantwortet werden sollen. ES lvir! ttattirlich erwartet und gewünscht. daß'die Antworten de Verordnung möglichst ungünstig sein sollen. Da sei nun vo» vornherein darauf aufmerksam gemacht, daß solche ungünstig Antworten, wenn man mit dem Ergebni-Z an die Ocffentlichkeit treten wird, teincswcgs die wirkliche unbeeinflußte Meinung der Befragten darstellen dürften. Wie nämlich in der„Gasthoft-Zeilung" mitgeteilt wird, hat z. B. der„Verein der Wiesbadener Gasthof- und Bade Haus-Besitzer" die Antworten auf die Fragen gleich im Verein fertig gemacht. Darauf find diese Antworten den Mitgliedern gedruckt zugeschickt worden mit den» Ersuchen, die Fragebogen„in ahnlichem Sinne auszufüllen, damit die Antlvortcn nicht zu sehr auseinandergehen", �-o lautet z. B. auf die nachstehenden Fragen die vorgeschriebene Antwort: 2. Welche Erfahrungen haben Sic gemacht mit der ununter- brochencn Ruhezeit von 8 Stunden? Antwort: Ist als vollständig ausreichend erachtet worden. 4. Mit der ununterbrochenen Ruhezeit von 24 Stunden? Aut- wort: Tie 24stündige Ruhezeit hat sich für de» ganzen Geschäfts- betrieb als schädigend erwiesen. Ersatz war in der Hochsaison nicht zu be- kommen; infolgedessen waren Störungen im Betriebe unvermeidlich. Diese lange Ruhezeit hat auf den Geist der Angestellten recht ungünstig gewirkt, und die"cistungcn haben sich verschlechtert. Ter Sinn zur sparsantkeii ist geschwunden, dagegen die Vergnügungssucht und der Leichtsinn gefördert worden. Ein großer Teil der Angestellten ivill von den Vergünstigungen gar keinen Gebrauch machen, weil hohe Saison sehr kurz und dazwischen lange Pausen liegen. 11. Haben Sie sich genötigt gesehen, weil die Einstellung von mehr Personal erforderlich wurde, eine Herabsetzung dcS Lohnes < Gehaltes) eintreten zu lassen? Antwort: Für dieses erste Jahr nicht, ivird aber für die Zukunft nicht zu umgehen sein. Diese suggerierte Antwort ist besonders lustig bei der Frage 4. Abgesehen von dem socialpolitischen Unverstand, der sich in der Bc- hauptung ausdrückt, daß eine Ruhezeit von 24 Stunden„auf den Geist der Angestellten recht ungünstig" gewirkt habe(sie sind wohl faulkrank geworden?), mutet es doch äußerst komisch an, daß solcke Antworten auf Kommando erteilt werden sollen, während die Tcffcntlichkeit dann glauben soll, es handle sich um die Acußerung sclbstgcwonnener Erfahrung der Antwortenden. Eine Denkschrift zur Revision des Krankenversicherungs-Gesetzcs ist dem Bundesrat vom Geschäftsausschuß des Deutschen Aerzte- vereins-Bundes mit dem Ersuchen übcrsandt Ivorden, zur Beratung des Entwurfs der geplanten Novelle zum ftranlenversicherungs-Gesctze Aerzte hinzuzuziehen. Zu« Acrzteftreik in Gera liegen neue, die bisherige Sach- darstellimg beeinflussende Mitteilungen nicht vor. Ter itasfenvorftand hält in einer Erklärung seine.Angaben. denen unsrc erstell Mit- teilungcn entsprechen, aufrecht. Ein ausführlicher Bericht des Vor- standcs wird in Aussicht gestellt. Dagegen macht unser Gcraer Parteiblatt Mitteilungen über das Verhalten zweier Aerzte gegenüber Kranken, die nicht unerwähnt bleiben dürfen. Danach hatte cm Mitglied der Kasse in der Fabrik eine bedenkliche Verletzung erlitten. Der Unter- nehmcr schickte den Mann zu einem Kassenärzte mit der Anweisung, die Behandlung auf seine, des UntmichmcrS, Kosten zu übernehmen. Der Arzt lehnte das ab und schickte den eines Verbandes dringend bedürfenden Mann fort. Noch schlimmer ist der zweite Fall. Kurz vor Ausbruch des Streiks haben zwei Aerzte einer Iran, die Mit- glied der Tertil-Betriebskrankenkasse ist, Geburtshilfe geleistet. Es handelte sich dabei um einen äußerst schwierigen Fall; das Kind hat stücklveise zur Welt gebracht werden müssen. Seit Sonntag lag nun die Frau in ihrem Blute, denn der Roschützer Arzt, vr. meck. Weise, der bei der Entbindung mitgeholfen hat, lehnte jede weitere ärztliche Hilfe ab. Wir mißbilligen es durchaus, wenn die Aerzte von Kassen- vorständen rücksichtslos behandelt werden, und können es wohl vcr- stehen, daß unter gewissen Umständen die Aerzte. wie die Dinge nun einmal heute liegen, zum Streik als letztes Mittel greifen; aber keine noch so große Rücksichtslosigkeit eines Kassenvorstandes kann es rechtfertigen, daß ein Arzt eine mit dem Tode ringende Frau, der er soeben noch Hilfe geleistet, mit eincmmal hilflos ihrem Schicksal überläßt. Wenn die Darstellung unsres Gcraer Partei- blattes richtig ist, dann hat sich dieser Dr. Weise einer Handlung schuldig gemacht, die unter allen Umständen aufs schärffte zu verurteilen ist und hoffentlich auch von den übrigen streikenden Aerztcn .rurteilt ivcrden wird. Auf dem Wege zum internationalen Arbeiterschub. Nachdem im deutschen Reichstage schon im November v. I. eine Regierungsvorlage eingebracht ivurde, wonach die Herstellung, der Berkauf und die Ein- fuhr von Zündwaren, welche weißen oder gelben Phosphor enthalten, verboten loerdcn soll, hat nun die UnfaUvcrhütuiigs-Kommission im östreichischen Handelsministerium auf Antrag eines Mitgliedes des leitenden.Komitees der internationalen Bereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz an das Ministerium das Ersuchen gerichtet, für den Fall, daß der dem deutschen Reichstage vorliegende Entwurf Gesetzes- traft erlange, ein gleiches Gesetz für Destteich vorzubereiten. Sollte wider Erwarten der deutsche Gesetzentwurf vom Reichstage abgelehnt werden, dann müßte sich auch Oestreich aus Gründen der intcr- nationalen Konkurrenz damit begnügen, die Bestimmungen der Bcr- ordnung betr. die Züudhölzchenfabrikation vom 17. Januar 188ö zu verschärfen und cvent. eine Differenzialbesteuerung zu Ungunsten der solche Zllndwaren herstellenden gewerblichen Betriebe in Erwägung zu ziehen._ Die Berufskrankheiten, ihre Ursachen und ihre Verhütung. Durch ein königliches Dekret vom 19. Dezember 1901 wurde in Italien eine Kommission gebildet, welche die Berufskrankheiten der Jndustrie-Arbeiter untersuchen und Mittel zu deren Verhütung vorschlagen sollte. Diese Kommission bestand aus Aerzten, Hhgie- nikern, Technikern usw. Diesem Austrage konnte die Kommission nur in geringem Umfange nachkommen, da. wie es in ihrem Bericht heißt, es in Italien gänzlich an Material über Umfang, Ursachen und Natur derartiger Krankheiten fehlt. Der Minister für Handel und Gcivcrbe sucht dicseni Mangel nun durch eine umfassende Erhebung zu begegnen. Er richtet soeben ein Rundschreiben an die Mcdizinalbehörden, städtischen Sanitäts- kommissionen, an die Besitzer und Direktoren und Aerzte der indu- striellen Betriebe, an die Direktionen der Krankenhäuser, an die Kranken- Unterstützungsvercine der Arbeiter, Kooperativgenoffenschasteic, Arbeits- lammcnl er., in ivelchem er alle diese genannten Faktoren um Mithilfe bei der vorzunehmenden Enquete ersucht. Zu diesem Zweck ist für jede einzelne Jndnsttiegruppe ein besonderer Fragebogen aus- gearbeitet. ES sind dies zwölf verschiedene Gruppen; unter ihnen befinden sich auch die Landarbeiter. Die gestellten Kragen zerfallen in zwei Gruppen; die erste umfaßt die Fragen nach der Art der Industrie, den hygienischen Bedingungen, unter denen der Bettieb geführt tvird, den Arbeitsmethoden, der Arbeitszeit, der Höbe dcS Lohnes und nach der allgemeinen Lebenshaltung der betreffenden Arbeitergruppc. Die zweite Gruppe umfaßt die Fragen nach der Art der Krankheiten, welche in den betreffenden Berufen vorherrschend sind, deren Häufigleil und deren Ursachen. Tie organisierte italienische Arbeiterschaft wird selbstverständlich dem Wunsche des Ministers Rechnung tragen und dieser äußerst wichttgen Enquete alle nur irgend mögliche Unterstützung leihen, die ein solches Werk verdient._ Hus IncUiftnc und Handel In der außerordentlichen Generalversammlung der Braun- schwcigischcn Maschinenbau-Anstalt kam cS gestern zu recht heftigen >-cencn, da die Auskünfte der Verwaltung über die Lage des Ge- schäfts als gänzlich ungenügend bezeichnet und die Einsetzung einer Revisionskommission unter Vertagung der Beschlußfassung über die von der Verwaltung geforderte Zuzahlimg(600 000 M.) beantragt wurde. Begreiflich ist diese Erregung nur allzuwohl, denn die Auf- klärungeu, die Herr Direktor Heckcr gab, waren mehr als mangcl- hast, und die Geschäftsführung ist in den letzten Jahren von einer Qualität gewesen, die nicht anders als miserabel bezeichnet werden kann. Obgleich das Aktienkapital nur 3 400 000 M. beträgt, zu dem 4 000 000 M. Tcil-Schuldvcrschrcivungcn hinzukommen, sind Berantworll. Redattcur: Carl Leid in Berlin. Jnscralcnlcil verantwortlich: Z die Debitoren auf ca. 4 Millionen Mark angewachsen, wovon allein über 3 Millionen in vier unsicheren ausländischen Engagements fest- gelegt sind. Ebenso haben die Kreditoren die Summe von drei Millionen Mark erreicht, und die Bestände auf Waren- und Matcrialienkonto stehen mit 1,3 Millionen Mark, also mit mehr als der Hälfte des Aktienkapitals, zu Bück. Das Gebäudctonto(ohne Grundstücke) belauft sich auf 820 226 M. uflv. Dennoch hat für das am 31. März 1901 beendete Geschäftsjahr die Gesellschaft noch 20 P r o z. Dividende gezahlt— dafür aber auf Maschinen, Werkzeuge und Utensilien nur je ö Proz. abgeschrieben. Schließlich kenn in der Versammlung zwischen den aufsässigen Aktionären und der BerwaltungSpartci dahin eine Einigung zu stände, daß zwar keine Revisionskommission, dafür aber die Herren Dr. Jürgens und Dr. Wolters in den Aufsichtsrar gewählt würden, um die Geschäftslage zu prüfen und dann eine neue General-Versammlung zur Beschlußfassung Über die Zuzahlung einzuberufen. Auch über die ausgelöste Arbciterpensioirskaffe der Gesellschaft kam es zu citter Aussprache in der Versammlung. Auf Anfrage eines Aktionärs teilte die Direktion mit, das Vermögen der Kasse bestehe in nominal 313 000 M. Wertpapieren, die ans den Namen der Kasse bei zwei Banken deponiert gewesen seien, aber sofort, um allen Gerüchten vorzubeugen, bei der Reichsbant deponiert werden sollten.� Ferner habe die Kasse ein Guthaben von 183 000 M. an die Gesellschaft, das mit Genehmigung der Kasse in deren Betrieben angelegt Ivorden sei, jetzt aber zurückgezahlt werden müsse. Erwähnt sei noch, daß cS der Gesellschaft unmöglich gewesen ist, daS Geld zur Zurückzahlung aufzutreiben, so daß sie sich gezwungen sieht, die 183 000 M. von der verlangten Zuzahlung in Abzug zu bringen. Sitzung der Berliner Haudelslammer. In der ersten dies- jährigen Voltvcrsaminlung der Berliner Handelstammer, die am Dienstag stattfand, wurde die Bildung des Präsidiums vorgenommen. Zum Vorsitzenden der Handelskammer für das Jahr 1903 wurde Geh. Kommerzienrnt Herz wiedergewählt, zum ersten Biecpräsidcntcn wurde Geh. Kommerzienrnt A r n h o l d gewählt, zum zlociten Vice- Präsidenten wurde Generalkonsul v. Mendelssohn wiedergewählt. Als erster Punkt der Tagcsordiuntg lag folgender Antrag vor:„Die Kammer wolle zur Bearbeitung wichtiger, die Börse betteffender Angelegenheiten. Gutachten usw. ans den der Börse angehörenden Mitgliedern der Kammer eine ständige Kommission und gleichzeitig für die Angelegenheiten der Fondsbörse eine Unterabteilung, bestehend aus den neun diesem Geschäftszweige angehörenden Mitgliedern der Kammer, bilden." Der Antrag wurde angenommen. Tie ständige Konunisnon für daS Börsenwesen besteht aus folgenden Herren: v. Mendelssohn, Dr. Rießer, Badt, Fürftenbcrg, Heilmann. Kopetzky, Locwen- berg, Roland-Lückc, Solomon, Dr. Salomonfohn, Dr. Schwadach, Sobernheim. Seitens verschiedener Bereinigungen von Haudlungsgchilfeu ist beim Magistrat der Stadt Berlin der Antrag gestellt worden auf Erlaß eines OrtSstawtS, durch welches die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern im HandclSgewcrbe an Sonn- und Festtagen auf kürzere als die durch' das Gesetz vorgeschriebene Zeit cinqeschränlt beziehungsweise ganz untersagt werde. (§ 105b Absatz 2 der Gewerbe-Ordnung.) Insbesondere wird ftir die Angestellten in Fabril-, EngroS-, Speditions- und Bant- geschästen eine völlige Sonntagsruhe gefordert, da hier ein dringendes Bedürfnis fiir eine Beschäsiigung an Sonn- und Festtagen nicht vorliegen soll. Die Gcwerbc-Depntanon des Magistrats ersucht die Handelskammer um gutachtlich« Aeußernng. Tieselve soll dahin gegcven werden, das; nach Ansicht der Handelskammer eine Ueberlafwng des Personals in den Fabrik- und Engros-Gcschäftcn im allgemeinen nicht stattfindet, daß anderseits Geneigtheit der Geschäftsinhaber zu freiwilliger weiterer Beschränkung der Arbeitszeit an den Sonn- und Festtagen, soweit die Geschäftsinteressen eS zulassen, vorhanden ist und daß somit der bcanttagte Erlaß eines Ortsstatuts sich nicht empfehle. Ein andres Urteil war in Anbetracht der einseitigen Unternehmer- auffasstmg, welche die Handelskammer schon wiederholt hervor- gekehrt hat, tauin zu erwarten. Daß ein thatsächlichcs Bedürfnis für die Beschäftigung der Handlungsgehilfen in Banken, Fabriken und EngroSgcschäftcn an Sonn- und Festtagen besteht, vermag auch die Handelskantincr nickt zu behaupten, und so muß denn die von einigen Prinzipalen bekundete Geneigtheit, die Arbeitszeit ihrer Angestellten an Tonntagen freiwillig etwas einzuschränken, als Grund dafür herhalten, den Antrag der Handlungsgehilfen auf Erlaß eines Lrtsstatuts als nicht empfehlenswert abzuweisen. Englands Ansienhandel im Jahre 1902. Nach dein HandclS- auSweis fiir Dezember ist bei der Ausfuhr eine Abnahme von 94 337 Pfund Sterling und bei der Entfuhr eine Zunahme von 1400 531 Pfund gegen den gleichen Monat im Jahre 1901 zu der- zeichnen. Das Gesamtjahr 1903 weist bei einer AnSftihr von 333 539 980 eine Zunahme von 3 517 604 und bei einer Einfuhr von 528 860 284 eine Zunahme von 6 870 086 Pfund Sterling gegen das Jahr 1901 auf. Der Stahlfarmguß-Berbaud wurde gestern bis Ende dieses Jahres verlängert. Der Verband war am 26. September mir provisorisch verlängert worden und man sckciitt, wie die„Rheinisch- westfälische Zeitung" schreibt, den gestrigen Beschluß auch nur als ein Provisorium zu betrachten, um den Verband Ende dieses Jahres für eine größere Zeitdauer zu erneuern. Steinkohlrnfördenmg Teittschlands in 1903. Räch einem Essener Bericht der„Frankfurter Zeitung" betrug in 1903 die Stein- kohlcngewinnung Teutschlands rund 107 300 000 Tonnen, gegen 108 417029 Tonnen in 1901, mithin etwa 1100000 Tonnen oder 1 Proz. weniger als im Vorjahr. Die Förderung der Syndikats- zechen allein ist aber um rund 1800 000 Tonnen oder 3>,2 Prozent zurückgegangen. während die der fteicn und der sogenannten Hüttenzechen im OberbcrgamtS- Bezirk Dort- mund wiederum eine beträchtliche Fördcrzunahme aufweist; sie berechnet sich gegen 1901 auf rund 800 000 Tonnen oder etwa 13 Prozent, nachdem auch schon im Vorjahr trotz schlechter Geschäfts« läge der Eisenindustrie eine Steigerung um 334 303 Tonnen oder 6,8 Proz. zu verzeichnen war. Tie Fördcrzunahme gegen 1900, also für die Jahre 1901 und 1903 zusammen, berechnet sich für die Nichtsynditatszechen auf rund 1330000 Tonnen oder 17 Proz., während im Ruhrbczirl die VcrbandSzechen nur einen Förderrückgang von rund 3 470000 Tonnen oder annähernd 7 Proz. hatten. Die Bilanz des Stahltruftes für das am 31. Dezember 1902 endigende Vierteljahr weist nach Meldung von„Laffans Bureau" 31 339 613 Dollar Rein- Einnahmen und 173 033 973 Dollar flüssige Aknva nach. Die am 31. Dezember zu Buch stehenden Aufträge bezifferten sich aus 3 367 333 Dollar. Der Gewinn des Jahres 1902 beträgt 108 134 434 Dollar, wovon nach Begleichung aller Verpflichtungen ein Reingewinn von 33 841363 Dollar verbleibt. Haben schon im allgemeinen Bilanzen mir einen ziemlich itgcn Wert, so noch mehr die völlig undurchsichtigen Bilanzen. bisher der Stahltrust veröffentlicht hat. Bemerkenswert ist übrigens, daß nach obiger Meldung die schwebenden Aufträge nur 5.36 Millionen Dollar(ca. W'/z Mllionen Mark) bettagen— für den Trust eine fast lächerlich geringe Summe. Versammlungen. Vierter Waliltreis(Osten). Der focialdemotratiscye Wahlverein hielt am Dienstag in der.„KönigSbank" eine stark besuchte außer- ordentliche Gencralverfammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Anwesenden das Ableben zweier Mitglieder in. üblicher Weise, worauf der Vorsitzende Baader mitteilre, daß seit der letzten Versammlung 87 neue Mitglieder dem Verein veigerretcu 'den. Sodann hielt Rechtsanwalt Viktor F r ä n k l einen Vor- trag über:„ H o f g c f ch i ch i e n Anknüpfend an die viel- . Glocke in Berlin. Druck n. Bcrlaa: Vorwärts Buchdrilckcrci u.VcrlazÄmstalt! besprochene Flucht der Kronprinzessin von Sachsen bcmerlie Redner, daß für einen Kenner der Geschichte ähnliche Vorkommnisse im Ehe- leben fürstlicher Personen an sich weiter nichts Sensationelles bieten könnten. DaZ Leben und Treiben sürstlicher Personen sei keineswegs immer ein mustergültiges Vorbild für das Volk gewesen. Wenn auch in der byzantinisch gefärbten, landläufigen Geschichtsschreibung von derlei Dingen gefliffenttich so gut wie gar nichrs erwähnt wird, so ist doch durch die Mcmöirenlitteratur und den Briefwechsel höfffchcr Per- soncn eine Menge von Material auf u»S gekommen, welches ermöglicht, der Bolksmasse ein wahrheitsgetreues Spiegelbild aus dein internen Hoflcbcn vor Augen zu führen. Redner schilderte bicrauf eine Reihe derartiger Einzelfälle am brandenburgisch-prcußischeii Hofe. Ter mit großem Beifall aufgenommene Vortrag klang au- in den Worten: Wir wissen, was es mir dem so sorgfältig gehegten Gottcsgnadentuiii auf sich hat; wir haben uns längst unsrc Meinung darüber gebildet und werden uns auch nicht irre machen laffcn, wenn man uns auch noch so oft Bestien, Rotte oder Elende nennt.— Da eine Diskussion nicht bckicbt ivurde, so kam gleich darauf der Vor- standsantrag auf Erhöhung der Nlonatsbeiträge von 20 auf 33 Pf. vom 1. Januar 1903 ab zur Absunimung; derselbe wurde ohne Debatte angcnommc n.— Zum Schluß gab der Vorsitzende noch bekannt, daß mit einer am 33. d. M. slattfindcndcn Bolts-Ver- sammlung die diesjährige Wahlbcwcgnng für den Osten eingeleitet wird; er ersuchte, für möglichst starke Beteiligung zu agitieren. Ter Berein der Bananschlagrr hielt aln 5. Januar seine erste Generalversammlung ab. Im Auftrage des Vorstandes erstattete Graf den Jahresbericht. Neu aufgenommen wurden 150, ausgeschieden sind 93 und verstorben 4 Kollegen. Der Mitgliederbestand beträgt jetzt 310. Tie Konjunttur lag für unser Gewerbe besonders günstig, so daß Arbeitslose hauptsächlich in den letzten 9 Monaten sehr selten zu verzeichnen waren. Tie Kasseiwerhältniffe» weiche Plict vortrug, haben sich ebenfalls sehr günstig gestaltet. Die Ge- samt-Eimtabme betrug 4367,13 M., der eine Ausgabe von 3331,32 Mark gegenüberstand.(Darunter Restschuld vom Streik 1330 M.). Der Bestand betrug am Schlüsse des Jahres 3746,64 M. Hierauf erfolgte die Neuwahl des gesamten Vorstandes. Gewählt wurden: Erster Vorsitzender Otto Schulz; zweiter Vorsitzender Otto Vogel; erster Schriftführer Lcnenbcrg; zweiter Schriftführer Donath; erster Kassierer Pliet; zweiter Kassierer HauSwald. Beisitzer: Vollbrccht, Rösclcr, Kenne, Rosenkranz und Tauscndfreund. Revisoren: Marg- gras, Oskar Fcndius und Max Dochow. Hierauf crslaitcte der Ge- Werkschaftsdelegierte Schröder Bericht über scine Thätigkett. Neu- gewählt wurde Hans Looz, als denen Stellvcrttctcr Oslar Fendkus. Die Beiträge wurden mit lvöchentlich 33 Pf. und die übrigen feilen Ausgaben wie im Vorjahre belassen. Ten Mccrcrner Webern wurden 50 R. bewilligt. Reu aufgenommen wurden 26 Kollegen. Rummeisburz. Mit den am 13. Januar stattfindenden Ge- iverbegericht-wahlen am Orte beschäftigte sich am Sonntag eine stark besuchte GelverkscksaftSvcrsammlung im Jahnschen Lolal zu Rummels- bürg. Ahrens als Rcferenr besprach die Vorteile des Gesetzes. Sierauf wurden nach längerer Diskussion folgende vom Gcivcrl- schafts-Kartell nominierten Kandidaten aufgestellt: 28ilh. Beckmann «Schmied). Oskar Voigt(Klempner). Richard Reuber(Tischler). Felix Malina(Tischler). Figascwitz(Putzer). Gustav Jakowitz (Maurer), Alfred Roßenttanz(Weber). Fritz Berger(Posa- mentiercr). Herrn. Schulz(Hausdiener). Wich. Frank(Arbeiter), Karl Juckcl(Kistenmacher). Otto Schulze Pergolder).— Legi- limationcn können durch folgende Stellen beschafft werden: Paul Gebauer, Kietz. Neue Prinz Albcrtstr. 17. John, Cigarrengeschasr. Prinz Alberrstr. 3a. Otto Gunther, Konsumverein, Türrschmidt- straße 6,—Die Wahlen erfolgen von 3 bis 9 Ilhr. Tic Arbeiter des Kabelwerkes Oberspree hielten am 6. j>. M. im Lokal Wilhelminenhor in Ovcrschönclvcide eine stark besuchte Bcr- sammlung ab. Anlaß dazu bot die beabsichtigte Einführung der Frauenarbeit in der Gmnnnavtcilung. Der Referent W i c S» e r führte aus: Ter Abteilungsleiter Dr. Achfelroth habe ein System eingeführt, welches darin besteht, daß zur Kontrolle der Arbeiter die Tauer der einzelnen Arbeiten genau gebucht wird. Auch eine Herab- sctzung der ohnehin nicht hohen Löhne sei angekündigt worden. Als am Sonnabend Frauen an die Maschinen gestellt wurden, erklärten die Arbeiter, daß sie mit dieser Neuerung nicht einverstanden seien. Tarauf wurden die Frauen wieder zurückgezogen. Weiter besprach der Referent verschiedene tut Betriebe herrschende Mißstände. Die WeriSlcimng habe das Kaltvullanisicrcn mit Ehlor-Schwefel ein- geführt, eine Arbeit, die für die. welche sie ausführen, sehr gesund- hcitsschädlich ist. Ter StundcFilohn von 36— 15 Pf. sei geradezu jammervoll. Milch, deren Genuß bei solcher Arbeit notwendig sei. werde nicht geliefert. Ferner wurde darüber geklagt, daß die Arbeits- zeit sich nach den vorhandenen Bestellungen richte, und deshalb fcbr unregelmäßig fei. Einmal werden Ilcbcritunden gemacht, dann wird wieder verkürzte Zeit gearbeitet, und sind schon Stundenlöhne von 23 Pf. herausgekommen. Die Accordprcife feien oft so niedrig, daß dabei nur 16 Pf. pro Stunde verdient wurden. Ferner wird über die Behandlung durch die Meister geklagt, und Über die Strafen. Ivclchc meistens in der Höhe von 1— 3 M. festgesetzt werden, und da- bei Stundenlöhnen von 30—36 Pf. Der Referent schloß scine Aus- führungcn mit dem Wunsche, daß die Werkslcitung für Beseitigung der Mißstände sorgen möge, und daß die Arbeiter sich ihrer Orgmn- sation anschließen, damit sie ihren Forderungen den nötigen Nack- druck geben können.— Nachdem sich mehrere DistussionSredner in ähnlicher Weise geäußert hatten, wurde eine im Sinne dcS Referats gehaltene Resolution angenommen. Lackierer. In der Gencralverfammlung am 6. Januar wurde vom Kassierer Lmde die Abrechnung vom 4. Quartal sowie der Jahrcs-Rassenberiast gegeben. Nachdem dem Kassierer Dostarge erteilt war, berichtete Gtiiard über die Thätigkett der Ortsverwaltung im verflossenen GeschäsiSjahrc. Lemm berichtete über seine Thäiig- kett in der Gcwertschaststommission und ging sveciell ans die Bor» lommnisse der letzten Zeit ein. Guiard berichtete noch über den Ar- beüsnachweis. ES wurden, nachdem derselbe am 1. Mai 1902 nach dem Gewcrlschafishause verlegt in, bis zum 31. Dezember 66 Stellen gcmetdet. Besetzt wurden 34 Stellen, eingeschrieben lonrdcn 136 Kollegen. Es wurden folgende Neuwahlen vollzogen: Gniard, erster Bevollmächtigter; Linde, Kassierer; Jäger, Schriftführer; Eisfeld und Wcaener. Beisitzer; Trendel und Saft Bibliothekarc; Höfs und Haafe Revisoren; Lemm Delegierter zur Berliner GcwcrkschaftZ- lommission; Groß wurde als HilfSkassierer gewählt. Hus der frauenbewegung. „Die Kellnerin", Fachblatt fiir die Interessen des Kellnerinnen- stände-, erscheint von jetzt an in Minchen. Das Blatt wird ein Wochenblatt fein und lüftet vierteljährlich 1,30 M. Letzte JVadmebten und Dcpcfcbcn» Dir schiedsgerichtliche Lösung der Lenczuela-Frage. Washington, 8. Januar.(Meldmtg dcS Rcutcrfchcn Bureau«.) Der Gesandte Bolven übermittelte dem Staatssekretär Hay eine weitere Aeutzerung Castros, durch welche dieser sich bereit erklärt, sich dem Schiedsgericht zu unterwerfen, und anerkennt, daß eS gerechtfertigt sei, die deutschen und englischen Ansprüche dem Hager Schiedsgericht zu unterbroitcn. Einige Einzelheiten sind noch zu erledigen, bevor die Ernennung eines AuSschuffeS m Erwägung gezogen werden kann. Es ist auch nicht bekannst wie Eastro die Forderung der Bezahlung bestimmter Summen, auf der die Verbündeten bestehen, ausiiehmen wird. Posen, 8. Januar.(W. T.») Die Warthe ist heute am Tage rapid gestiegen, von 1,30 des MjrgenS auf gegenwärtig 1,70. Der Eisgang ist in voller Bewegung, Bozen, 8. Januar.(B. H.) Dienstag gegen VztO llhr abends wurden in Ala zwei wellenförmige heftige Erdstöße von mehreren Sekunden Dauer verspürt, die aber keinen Schaden anrichteten. !aul Smgcr Cr Eo, Berlin SW. Hierzu IBctlagr u.NnttrhaliungsblattT' Dr. 7. 20. Jahrgang. Ktilaze i>ts.Awiick" Knlim MM Frettag, 9. Iaanar t90S. Partei-I�ackrickten. Arbcitcrsckrctariatc. N>,chstchciid veröffentlichen ivir die Adressen der zur Zeit in Dciusctiland errichteten Arbcitersckectariate. Die Leröffcntlichung soll periodisch ersolgen. jedcSinal bei Beginn eures neuen Quartalv. A-ir ersuchen die Fntcrcsscntcn, uns in der Vervollständigung des Verzeichnisses zu unterstützen und von einer Adressenänderung uns rechtzeitig Kenntnis gebe» zu wollen. Arbeitcrsclretoriate bestehen in: Altenburg sT.-A.), Ilnterm Schlosse 1. Altona, Greste Bcrgstr. I. Berlin L0.. Engel-Ufcr 13. Beutheu sO.-S.), SchicsthauSstr.». Bochum, Jvhiiiuxitcrstr. 22. Bremen, Osterthorstr. 2(5 I. Breslau, Messergasse 18/19 I. Cassel, Wildcinannsgassc 20 II. Tarmstadt, Elisabethstr. 31. Dortmund, 1. Kcunvstr. 72 I. Frankfurt a. M., Am Schwimmbad 3/10. Gera, öospiialstr. 21 I. Gclscntirchcn, Hochstr. 53. Gotha, Erfurterstraste(alteS GerichtSgcbäudc). Halle a. Gciststr. 2l. Hamburg, Gänse, narlt 35 II. Hannover, Artillericstr. 13. Harburg a. Elbe, Erste Bcrgstr. 72. Iserlohn, Äarrenstr. 2. Jena, Saalbahnstr. 3. Kiel, Gasstr. 24 parterre. Köln a. Rh., Poststr. 50. LaudeShut i. Echl.,„Gasthof zur Sonne', I. Liibcck, Iohannisstr. 40, part. ?RlNmhcim, 8. 3, IV. Miihlhcim a. Main, Wiesenstr. 3. München, Baaderstr. 1 I. Reu Ruppin, Karlstr. 13. Nürnberg, Egydienplatz 22. Posen, Brcitcnstr. 21. Remscheid, Kvlnerstr. 18. »tricgau, Ziganstraste. Stuttgart, Estlingerstr. 17/1V. Tuttlingen, �chasthäuserstr. 24. Waldcnburg-Attwasser. Wolgast, Krviiwiekslr. 4, part. links. Würzburg, Blumenstr. 12. Berlin, den 7. Januar 1903. Der Parteivorstand. _ Krenzbcrgstr. 30. Parteipresse. Die„Rheinische Zeitung", unser in Köln er- scheinendes Partciblatt, hat im verflossenen Jahre einen Zuwachs von 1300 Abonnenten erlangt. Ein Partei-Bcteran, der Olcchtöanwalt und Notar Puttrick) in Leipzig, begeht sein SOjähriges Dienst, ubiläum. Der Jubilar hat von 1879 bis 1885 den Ztvickauer ländlichen Wahlkreis als Landtags- Abgeordneter vertreten, den er zum ersten, nale eroberte. Schon damals machte sich sein Augenleiden bemerkbar und veranlastte ihn, das Mandat an den Genossen Stolle abzutreten. Seitdem ist Genosse Puttrich nicht mehr hervorgerrctcn. Die Vera»- lassniig dazu ist aber nicht in irgend welcher Rücksicht- »ahme des jetzt etwa 75jährigen zu suchen, an der öffent- lichcn Thätigkeit hindert ihn vielmehr ein lvrperlichcs Gebrechen, Puttrich ist schon seit 20 Jahren völlig erblindet und dadurch auper- ordentlich in jeder Thätiglcit behindert. Er verfolgt aber mit regem Interesse die Vorgänge in der Partei und freut sich ihrer Entwicklung. Unter den Zeitungen, die ihm vorgelesen werden, darf die„Leipziger Bollszeitnng", der„vorwärts" und die„Nene Zeit" niemals fehlen. Als Liebknecht noch in Borsdorf weilte, war Puttrich dort häufiger Gast. Soweit eS ihm möglich ist, sucht er nach Kräften die Partei- bcwcgnng zu fördern; besonderes Interesse zeigt er fiir junge streb- same Genossen, denen er Belehrung m,d Anregung aus den, reichen Schatze seines umfassenden Wissens zu teil werden läßt. GewerklcbaftUcbeö* Berlin und Umgegend. Die Zahlstelle Dicr-Schöncweide des Holzarbeiter-BcrbaudeS hat in ihrer letzten Generalversammlung beschlossen: Der obligatorische Beitrag von 25 Pf. bleibt bestehen, so dast zusammen mit dem ordentlichen SO Pf. Beitrag pro Woche zu bezahlen sind. Die Arbeits- losen-Unterstütznng richtet sich nach der Zahl der gezahlten Beiträge und zwar bei 23 geleisteten Beiträgen 5 M., bei 52 Beiträgen 7 M., bei 156 Beiträgen 8 M., bei 208 Beiträgen 9 M.. bei 260 Beiträgen 10 M. pro Woche. Die Unterstützmigsdaucr beträgt 6 Wochen. Deutlchcs Reich. Bergarbeiter-AiiSstan» in Oberschlesien. Ter„Boss. Ztg." lvird telegraphiert: Auf einer der Katto- witzer Aktiengesellschaft gehörigen Grube brach heute früh ein AuS- stand ouS. Bon 500 Bergleuten sind 350 ausständig. Auch auf der RcdcnSblickgrnbe ist ein Teil der Arbeiter nicht eingefahren. Die Arbeiter verlangen eine Lohnerhöhung. Ter Deutsche Holzarbeiter-Berdaud begeht, wie die„Holzarbeiter- Zeitung"»ülteilt, in diesem Jahre vier Gedenktage. Am 1. Januar dieses Jahres waren cS genau 25 Jahre her, als unter der Redaktion Reinhard Meyers die erste Rnmmcr der„Neuen Tischler-Zeitung" er- schien. Zu Ende dieses JahrcS find 20 Jahre verflossen, seit in Mainz unter dem Vorsitz des gegenwärtigen VerbandslriterS, Karl Klost, der Ecntralverband von Vereinen der Tischler und verwandten Bcrufsgenosscu gegründet lvurde. Am 1. Juli deS Jahres 1893, also vor zehn Jahren, vereinigte sich der seu zehn Jahren bestandene Tischlcrverband mit den Verbänden der Drechsler, Stellmacher und der Bürstenmacher zu dem heute kraftvoll dastehenden, allen Stürmen rrotzenden Deutschen Holzarbeiter- Verband. Am gleichen Tage sind es zehn Jahre. seil die„Holzarbeiter- Zeitung" sich in den Dienst der kämpfenden Kollegen stellte. Die Textilarbriter der Firnia Schönfeld in Eriinmitschau traten vor sechs Wochen in den Ausstand, iveil der Geschäftsinhaber nicht nur ihre Forderungen(es handelte sich in der Hauptsache um Bc- scitigm,g von Mistständcnj ablehnte, sondern auch die Ko», Mission, welche ihm die Wünsche der Arbeiter vortrug, entlassen hatte. Der jtonflift ist jetzt zu Gunsten der Ausständigen beigelegt und die Arbeit lvicdcr anfgenoinmen worden. Ein hartes Urteil zum Schutz von Arbeitswilligen hat die Er- furter Strafkammer gefällt. Es handelt sich ,nn drei Former, M., H. und L., die während des Formerstreikö bei Schwade u. Comp. Posten standen. Bei dieser Gelegenheit soll M., wie das Gericht als erwiesen erachtete, zwei Arbeitslvillige beschimpft und mit Steinen beworfen haben. Ein andrer Arbeitswilliger ist auf dem Wege zur Arbeitsstätte angehalten und aufgefordert worden, nicht zur Arbeit zu gehen. Die Handlung wird hanpssächlich dem L. zur Last gelegt, während H. an diesen Vorgängen aknv nicht beteiligt war. Der Staatsanwalt beantragte deshalb auch die Freisprechung des letzteren, während er für M. 10 Tage Gefängnis und 2 Tage Haft, für L. aber 2 Wochen und 2 Tage Gefängnis fiir angemessen hielt. Das Gericht ging weit über den Antrag des Staatsanwalts hinaus. Es hielt alle drei Angeklagten der Nötigung schuldig und verurteilte M. zu 1 Monat und 3 Tagen, H. zu 1 Monat, L. zu 6 Wochen und 2 Tagen Gefängnis. Die Angeklagten waren bisher unbestraft. Zur Begründung deS hohen StrafmasteS wurde an- geführt, dast Arbeitswillige eineS� energischen Schutzes bedürfen.— Den hat ihnen die Strafkammer denn mich in hohem Mäste zu teil ivcrdcn lassen. ZZusUnd. Die Bereinigung der französischen Gewertschaftsorgauisationen. Mit dem 1. Januar d. I. ist eine seit langem angestrebte Vcr- einig ung der beiden grossen gewerkschaftlichen Organisationen, die in Frankreich nebeneinander existierten, zur Thalsache geworden. Der Mongrest der ArbeilSbörscn, der in Sllgicr stattfand, und der �longrcst der Gcwcrkschaftsvcrbändc von MonlpcUicc beschlossen, dast ihre Exekutivkomitees(oberste Leitung) miteinander in Verbindung zu treten und eine Verständigung herbeizuführen hätten. In den französischen„Arbeitsbörscn" sind die Arbeiter lokal zusamincngefastt, etwa in der Weise wie in den deutschen Gewerkschastskartellcn. Tie einzelnen Berufe bilden„Syndikate", welche sich um die Arociterbörse gruppieren und ihre Aufgaben durch die Eni- saltung und möglichste Ausnutzung ihrer korporativen Kräfte am Orte für erledigt halten. Die Arbeitsbörscn des Landes waren allerdings auch in eincm Bunde der Arbeitsbörsen vereinigt. Neben dieser Organisation besteht in Frankreich die„Confederation du Tratvail". Diese umfastt die Berufs- und Jndustrie-Berbände, die sich wie unsre deutschen Centralverbändc über das ganze Land auszubreiten suche». Durch die oben bezeichneten Beschlüsse sind diese beiden Organisationen nun mit einander verbunden; allerdings ist dies vorläufig noch in ziemlich loser Form geschehen. Die Leitungen der beiden werden in Zukunft die Aktionen gemeinsam dirigieren. Jedes einzelne Syndikat, d. h.„ach deutschen, Wort- gebrauch jede Ortsverwaltung oder Zahlstelle, eines National- Verbandes ist in Zukunft zugleich an die Arbeitsbörse des Ortes angeschlossen, während die lokalen Syndikate, die jetzt den Arbeits- börsen migehören, sich ihrem Nationalvcrband anzuschließen haben. Allerdings bleiben„och viele Gewerkschaften außerhalb dieser Ver- bindung und diese selbst ist noch sehr unvollkommen, aber eS ist immerhin der erste Schritt zur definitiven Vereinigung, welche der bedauerlichen Zersplitterung der ft-anzösischen Arbeiterschaft ein" Ende machen wird._ Streiks und Aussperrnnge» in Schweden 1902. Die Streik- bcwegung war in Schweden im verflossenen Jahre, auch wenn man den Generalstreik, als einen Stampf um politische Zwecke, nicht in Betracht zieht, recht lebhast. Die Zahl der Streiks iind Aussperrungen betrug zwar nur 123 gegen 127 im Jahre 1901, die Zahl der beteiligten Arbeiter aber 9300 mit 350 000 verlorenen Arbeitstagen, gegen nur 3000 mit 210 000 verlorenen Arbeitstagen im Jahre 1901. Würde man de» Generalstreik mit seinen circa 120000 Teilnehmern Und durchschnittlich 3 Streiktagen hinzurechnen, so würden Zahlen herauskommen, denen gegenüber alles bisher Da- gewesene als ganz mrbedeutend erscheinen müßte.— Von den oben erwähnten Arbeiterkonfliltcn werden 14 mit 3200 Arbeitern und 140 000 verlorenen Arbeitstagen als Aussperrungen bezeichnet. Im allgemeinen haben die Arbeitgeber eine mehr abwartende und weniger angreifende Haltung gezeigt als in den unmittelbar vorher- gehenden Jahren. Der Allgcmciiie Niederländische Diamantarbeiter-Berband hielt kürzlich seine sechste Jahresversammlung in Amsterdam ab. Ter Vorsitzende Henri Polak wies in seiner Eröffnungsrede darauf hin, das; der Verband von der grossen Aussperrung im vorigen Jahre keinen Schaden gelitten hat, sondern gestärkt auS diesem ilampfe hervorging. Damals zählte der Verband 3400 Mitglieder, jetzt zählt er 7500. Trotz der drei Monate Aussperrung lvurde im verftosscncn Jahre mit 185000 Gulden eine höhere Einnahme als je zuvor erzielt. Der Verband lvär in 32 Lohnstreittgleitei, vcr- wickelt, die alle mehr oder minder zu Gunsten der Arbeiter geregelt wurden. Für lliiterstützinigen bei Aussperrungen und Streiks wurden im vcrflösicnen Jahre 153 440 Gulden ausgegeben.— Ein Antrag, der Verband solle sich unter der Bc- dülgung, dast das Nattonale Arbeitersekretarial sein Statut so ändert, dast die grostcn Verbände nicht durch kleine Fachvereine über- summt werden, dieser Körperschaft anschlicstc», wurde durch Ucber- gang zur Tagesordnung abgelehnt. Der Vorsitzende erklärte zu dieser Frage, daß der seindselige Ton und die gegenseitige Vcr- bittcrung hinsichtlich des Naticknalen ArbcitcrseftctariatS im Schwinden begriffen sei. Man solle nun auf seilen des Dianumtarbeiter- Ver- bandcs ruhig abwarten und hoffen, dast bald Einigkeit in der nieder- landischen Arbeiterbewegung zu stände käme.— Einstimmig wurde beschlossen, dast der Verband dem Amsterdamer GelvcrkschaftSkartell beitreten soll. Der Streik der Bergleute v»n Dcnbq und Cadby(gorkshire) dauert bereits sechs Monate. Den Bergleuten, die zugleich Mieter der Grubenbesitzer sind. wurde ihre Wohnung gekündigt. 400 Familien haben sich widersetzt und es sind 300 Polizisten nach dort beordert worden, um die Exmission der Arbeiter zu bewerf- stelligen. Man befürchtet, daß es dabei zu größeren ttnnihen kommen wird.______ lokales. Aus der Stndtvcrordneten-Bcrsammluug. Die e r st e Sitzung im n e u e n I a h r e begann in der üblichen Weise mit einigen Begrüstungsworten des bisherigen Bor- ftehers, dem unentbehrlichen Kaiserhoch usw. Die N e u>v a h l deS Porstandes ergab dieselbe Zusammen- setz, mg wie im vorhergehenden Jahre. Für daS Amt des Vorstehers und das des Vorstcher-Strllvcrtteters wurden auf Borschlag der „Neuen Linken" die Herren Langerhans(„Alte Linke") und Michelet („Fraktion Moininsen") durch Acclamatton wiedergewählt. Bei der Wahl der drei Beisitzer schlug Genosse Singer namens der social- d e ,n o k r a t i s ch c n F r a l t i o n für einen dieser Posten den Genoffen Borgmann vor. Borgmann unterlag; er bekam mw 23 Stimmen. Bei der Wahl der drei Beisitzer-Stcllvertreter wurde von nnsrer Seite der Anspruch ans einen dieser Posten erneuert. Aber auch hier mttcrlag Borgmann, diesmal mit 32 Stimmen. ES bleibt also weiter dabei, daß die ein Fünftel der Stadtverordnctcn-Versammlnng bildende socialdcmokrattsche Fraktion i in B o r st and völlig u n- vertreten sein soll— so will eS die freisinnige Mehrheit. Die oben mitgeteilten Zahlen beweisen, dast auch die Mitglieder der „Neuen Linken" in ihrer Mehrzahl, gleich denen um Cassel mid Mommsen, mit der Fortdauer dieses Zustandcs einverstanden sind. Unter den BeratinigSgegensländen der gestrigen Sitzung stand obenan ein Antrag des zur V o r b e r e i t un g d c r N e u wähl eines Schulrats eingesetzten Ausschusses. Es handelt sich »m eine Wiederholung des im Plenum der Versammlung schon vor zwei Jahren gemachten Vorschlages, dem Fach- und Fortbild„ngs-Schulwescn einen besonderen Leiter zu geben. lieber die Verhandlunaen des Ausschusses wurde vom Genossen Singer der Bericht erstattet. Singer wies auf die neuere Entwickeluno des Fach- und Fort- bildnugs-SchulwefenS hin, das die vorgeschlagene Aenderung not- wendig mache, und beklagte, dast vom Magistrat in der vorliegenden Frage bisher nichts gcthan worden ist. wiewohl es vor zwei Jahren versprochen wurde. Die Versammlung erklärte sich für den Vorschlag des Ausschusses, zu dem nun auch der Magisttat wird Stellung nehmen müssen. Zu einigen Schnlb au- Entwürfen, über die die Vcr- sammlting z» bcschliestei, hatte, wurde von unsre»» Genossen V r u„ s der Wunsch ausgesprochen, dast bei den Steinmetz- Arbeiten mehr als bisher die Berliner Arbeiter berücksichtigt würden, schon mit Rücksicht ans die in Berlin herrschende Arbeitslosigkeit. Die Bauberwaltung lästt gegenwärtig, der Ersparnis wegen, auch die feineren Arbeiten meist in der Nähe der Brüche ausführen. Die neue,, Bedingungen für die Gaslieferung, die den Gasverbraucheru beschert werden sollen, enthalten auch eine Art Streikklausel. Die Vcrwalttmg der Gaswerke will beb etwaigen Streiks für llntcrbrcchuiig der GaSlicfcriiiig dem Ver- brauchcr keinen Schadensersatz leisten. Diese Bestimmung, die sich zu- gleich gegen die Gasverbrancher und gegen die Gasarbeiter richtet, wurde von unserm Gcuosscu Wurm scharf bekämpft. Der Magisttatsvcrtreter Stadttat Ramsla» entwickelte in seiner Erwiderung Grimdsätze, wie man sie bei privaten Ilnternchinern allenfalls gewohnt ist. Wurm wies diesen Versuch, den streikenden Arbeiten, ein wertvolles Kampfmittel zu entwinden und den Schaden auf die Konsumenten abzuwälzen,„och einmal nach- drücklich zurück. Der Entwurf der Lieferungsbedingungen wurde schlichlich einem Ausschuß zu näherer Prüfung überwiesen. Das fehlte uech. Ter Grunewald soll bekanntlich„erschlossen" werden. Was das bedeutet, wird manchem„och nicht recht klar sein. Eigentlich Ivar der Grunewald ja von je zugänglich und mancher Großstadt- bcwohncr fand hier auf einsamen Spaziergängen Erquickung für seine abgespannten Nerve». Allerdings an So,,»tagen wurde das Bild lebendig und die Nähe der Bahnstation sowie die Umgebung des Hundekehlen- und Schlachtensccs lvimmclre von Menschen und Stullcnpapier. Aber selbst an diesem Tage blieb für den Fußgänger guug Raum, um dem Pcchsce, der Saubucht, dem Großen Fenster und andern schönen Stellen in der Nähe der Havel Besuche abziistattc». Hier konnte sich der Wanderer in Gründen verirren und selten nur begegnete einem in der ernsten, schwcigsanicn Wäldlvclt eine gleich gcstiinnite Mcnscheuscclc. Desto mehr aber traten dem Spazier- gänger Eichhörnchen und namentlich Rehe in den Weg, die in ganzen Rudeln eilfüstig durch das Dickicht rannten oder auch in ungenierter Neugierde stillstände», um sich den ,nei>schlichei, Störenfried in nächster Nähe zu betrachten. Wirtshäuser waren verbannt; nur beim Förster in der Saubucht oder am Tenfelssee konnte der Durstige! ein GlaS Milch oder Bier erhaschen. Gewist„mg der Grunewald' in»im, che,, Stücken hinter der Neuzeit zurückgeblieben sein, und' durchaus berechtigt finden wir z. B. die 5, läge der Nadfahrer, daß' es ihnen verboten ist, von Schildhorn ,iach..Bahnhof Grunewald den Wald zu durchqueren. Das soll nun aber anders werden. Karussells, Kling-Kling, Bumm-Bumm und Tschingdada und selbstverständlich Wirtshäuser� in stattlicher Zahl werden nach erfolgter Erschliessung daS Idyll ablösen und an Stelle deS nach andern Platzen„überführten" lieben Rehwildes tritt die Militärkapelle. Mag sein, daß das ein Fortschritt ist und auf diese Weise der den Berlinern bis je(st noch viel zu wenig bekannte Grunewald popularisiert wird. Aber der Komfort der Neuzeit scheint im Eifer des ProjektcmachenZ mit etwas be- ängstigender Ausgiebigkeit auf den Grunewald nicderzuträufcln. Dc»n wenn es wahr ist, lvaS ein hiesiges Blatt von der Errichtung einer A ut o m o b i l- R ennb a hn berichtet, so kann auch einem Menschen mit relativ gesunden Nerven ob der in Aussicht stehenden Fülle- dcS Segens angst und bange werden. Es besteht danach der Plan, „bei Gelegenheit der Erschließung deS Grunewalds die sogenannten Schntzstrciscn zu beiden Seiten der Berlin-Wetzlarer Bahn innerhalb des WcildgcbicteS auf eine Strecke von ca. zwölf Kilometer zum auSschliestlichn, Gebrauch für Automobile zu be- stimmen. Tiefes Projekt ist in dem vom Kaiser nnnmchr ge- „ehmigten Plan zur Umgestaltung des Grunewalds entHallen, der jetzt dem Lcmdwirtschaftsmin ister zur Vorbereitung übergeben' wurde, un, später als Vorlage dem Abgeerdnetenhanse zuzugehen. Bei Verwirklichung de? Projcrts würde die Umgebung von Berlin eine geradezu ideale Aiitomobil-Rcnnbahn erhalten." Herrn v. PodbiclSki mag der hier in, schönsten Reporterdeutsch erklärte Plan ähnlich sehen. Andre Menschen werden von Zähne- klappern befallen werden bei de», Gedanken, dast gerade hier im WaldeSgrün der Benzingestank des Töff-Töff mit dem Kiefernduft eine Mesalliance eingehen und der bergehoch wallende Staub, den das Unglücksfahrzeug emporwirbclt. Bäume und Menschenlungen gleichmässig maltraitiercn soll. Feiert der geläuterte Geschmack der für solches Unheil verantwortlichen Regierungskreise weiter derartige Orgien, dann mag der Grunewald hinfort die Gesellschaftskreise ent- zücken, die in der letzten Silvesternacht zuerst in der Philharmonie die ihnen geistesverwandte Frauenwelt in den Himmel hoben und dann einige Stunden später patriotisch die Wacht am Rhein ihrer Kehle entströmen lichcn. ES wendet sich aber mit Grausen, wer bisher die Gastfreundschaft märkischer Kiesen, genoss. Die„Freien Stunden" sind jetzt in ihren siebenten Jahrgang eingetreten. Der Erfolg, den sich diese Wochenschrift für das ar- beitende Volk in der Zeit ihres Bestehens errungen hat. zeigt zur Evidenz, datz der von ihr betretene Weg der richtige ist und da? Streben der Redaktion die richtige Würdigung findet. Die Schrift- leitung der„Freien Stunden" geht wie bekannt, davon aus. dass die besseren Werke nicht allein der neueren, sondern auch der älteren Ronianlittcratiir Gemeingut der arbeitenden Bevölkerung werden sollen und bringt daher in geschickter Gruppierung Werke der be- kam, testen Autoren. In dem jetzt vollendeten sechsten Jahrgange finden wir des älteren Alexander DumaS populären Roman„Die drei Musketiere". ferner Wilhelm RaabeS„Schwarze Galeere" und eine Novellenfolge von Robert Schweichcl, die unter dem Gesamttitel„Aus dem Leben der Enterbten" ergreifende Schilderungen der Proletarierlvclt enthält. Der neue Jahrgang führt der Urbeiterschaft einen populären ungarischen Dichter vor. Von Maurus Jokai wird der Sloinan„Ein Goldmensch" veröffentlicht, der sich durch reiche Phantasie und spanneiche Handlung auszeichnet. Ferner Ivcrdcn wir mit dein elsässischen Schriftstcllcr-Paar Erckmann-Chatrian in seiner zur Zeit der französischen cklevolution spielenden Erzählung„Frau Therese'' bekannt gemacht. Eine kurze Biographie von Jokai sowie allerhand Riscellen vervollständigen den Inhalt des ersten HefteS der„Freien Stunden". Der billige Preis von 10 Pf. für das allwöchentlich er» scheinende Heft wird dazu beitragen, dass den alten Freunden dieser Zeitschrift viele neue hinzugeführt ivcrdcn. Alle Zeitungskolporteure solvie die Expedition des„Vorwärts" nehmen Bestellungen auf die „Freien Stunden" entgegen. Ob nun die Drmigsnlierimgen aufhören werden? Als das Socialiftengesctz beseitigt war. glaubten die Behörden, durch eine oft unglaubliche Interpretation der gewöhnlichen Gesetzesbestimmungen den Bcjttcbmigci, der Arbeiterschaft den Garaus machen zu müssen. So entstanden die Drangsalier,»�en mit Hilfe des groben Unfugs- Paragraphen, die Erpreffiingsprozesse, der Polizeikampf mit Hilfe des rcattionären VereinSgesetzeS usw. Selbstverständlich leisteten die deutschen Gerichte dem Polizeistreben wacker Beihilfe und sprachen «st Verurteilungen aus, von denen das Ende lveg war. Das Facit dieses Äampfes ist bekannt: Die Socialdemokratie steht gefestigter und stärker denn je da. Nachdem der Minister vor Jahresfrist wegen der Beteiligung der Frauen an der Landbündler-Versammlung die bekannte Segment- Konzession hat machen müssen, ist neuerdings, wie berichtet wird, auf Grund eines Gerichtsbeschlusses folgende neue Anlveisung an die Polizeibehörden ergangen: Nachdem nun auch Anordnung dahin getroffen ist, daß Frauen selbst in solchen Versammlungen der politischen Vereine, in denen öffentliche oder politische Angelegenheiten erörtert werden, zugelassen sind, sofern sie diesen Versammlungen nur als Zuschauerinnen in abgesondertem Räume beiwohnen, ohne an den Verhandlungen thätigen Anteil zunehmen, erscheint es, selbst abgesehen von den er- örterten rechtlichen Bedenken, nicht mehr angebracht, sie von solchen Versammlungen auszuschließen, bei denen, wie bei Tauzfest- kichkeitcn. Lese- Abenden und dergleichen, die Erörterung öffentlicher oder politischer Angelegenheiten programmmäßig gar nicht beabsichtigt ist. Die Polizeibehörden find deshalb angewiesen. daß sie das Verbot des K 8 Absatz 3 des Vereinsgesetzes bis auf weiteres nur noch gegenüber solchen Versammlungen der politischen Vereine zur Anwendung bringen, die dem Ucberwachungsrccht des Vereinsgesetzes unterliegen, weil in ihnen öffentliche Angelegen- heiten erörtert oder beraten werden sollen, daß sie aber bei allen andren Versammlungen der politischen Vereine, namentlich bei rein geselligen Zusammenkünften, wie Tanzfestlichkeiten die Teilnahme von Frauen fernerhin nicht verhindern. Ziur dann, wenn diese Art von Versammlungen zu Umgehungen des Gesetzes benutzt wird, wenn also bei geselligen Vereinigungen in die Erörterung oder Beratung öffentUcher Angelegenheiten eingetreten wird und die Frauen sich dabei in einer Weise beteiligen, welche nicht zugelassen ist, würde die Polizeibehörde auf Grund bcstimmer Thatsachen be- fugt bleiben, einzuschreiten. Drangsalierimgeu der erwähnten Art find wenn auch iticht in Berlin selbst, so doch in manchen Berliner Vororten bis in die letzte Zeit versucht worden. Uns soll verlangen, ob dieser Polizeikampf nunmehr aufhören wird und die Behörde cS hinfort unterläßt, Tanzfestlichkeitcn von Arbeitervereinen aufzulösen. loeil auf diesen von der Behörde schlankweg zu Versammlungen gestempelten Vcr- gnügungen die Männer das Verbrechen begangen haben. nicht mit Geschlechtsgenosicn, sondern mit ihren Frauen und Bräuten zu tanzen. Der rasende Pücklcr gab Mituuochabend wieder in den Konlordia- sälen Vorstellung. Er sprach über die Juden in Oestreich. Die Zerrüttung Oestreichs sei dem Rieseneinfluß dortiger Juden zuzu- schreiben. Stur Wien habe sich unter der tapferen Führung des wackeren Lueger vom Judenjoche befreit und bilde ein leuchtendes Vorbild für das berjudete Berlin.(Beifall und Heiterkeit.) Auch hier müßte eine neue Berliner Bewegung daran gehen, das Rote HauS zu säubern. Heraus mit dem roten Manasie aus dem Roten Hause, müsse die Parole sein. In Oestreich versage die Justiz, so oft die Juden die Hand im Spiele haben, klar bewiesene Ritualmorde blieben ungesühut, Deutschland müsse sich hüten den gleichen Weg zu gehen, sonst sei es verloren. Der Kampf gegen das Judentum sei ein g o t t- gefälliger, ja heiliger, es gelte die deutsche und christliche Kulmr gegen den Ansturm orientalischer Scheusale zu verteidigen und kein Deutscher dürfe sich Ruhe gönnen, bis der rote M a n a ff e sich im Staube wälze, dann erst sei der Bestand des Reiches uyd des Kaisertums gesichert.— Graf Pücklcr trug wie immer einen HeiterleitS- erfolg nach Hause. Daß das Lebe» am preußischen Königshofe durchaus nicht so leicht zu nehmen ist und im Gegenteil beträchtliche Anstrengungen verlangt, ergiebt sich aus einer Zusammenstellung der diesjährigen Hoffcstlichkeitcn, die wir ini„Lokal-Anzeiger" finden. Danach sieht das Programm folgendermaßen aus: Donnerstag, 1ö. d. Mts.: Militär- Cour.— Sonnabend, 17. d. Mts.: Fest des hohen Ordens vom Schwarzen Adler.— Sonntag. 18. d. Mts.: KrönungS- und Ordensfest.— Freitag, 28. d. Mts.; Große Cour beim Kaiser und der Kaiserin inr königlichen Schlosse für das diplomatische Corps, sämtliche Damen und für die Herren vom Civil.— Dienstag, 27. d. Ms.: Geburtsfest des Kaisers.— Mittwoch, 4. Februar: Großer Ball im königlichen Schloß.— Mittwoch, 11. Februar: Kleiner Ball im königlichen Schloß.— Mittwoch, 18. Februar: Subskriptions- ball im königlichen Opernhause.— Dienstag, 24. Februar: Fast- nachtsball in, königlichen Schloß. Das sind innerhalb fünf Wochen neun große Festlichkeiten. Welch' «in Murren lvürdc sich wohl unter Arbeitern erheben, wenn sie das durchmachen sollten! Die 22 Berliner Unfallstationen vom Roten Kreuz wurden in, Jahre 1902 in 47 102 Fällen für erste ärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Darunter befanden sich rund 15 000 Personen, denen diese Hilfe unentgeltlich gewährt worden ist. Mit den eignen Krankenwagen der Unfallstattonen wurden 1568 Transporte kostenfrei ausgeführt. Die unentgeltliche Eisabgabe bei Krankheitsfällen gc- fchah in 1776 Fällen. Die Zahl der von der Polizei den Stationen übergebenen. teilweise bewußtlosen Personen betrug 2786. Die Be- autzung des Telcphonnetzes der Unfallstationen zu Zwecken des Rcttungswesens fand außerdem in rund 35 000 Fällen statt, so daß die Unfallstationen im Jahre 1902 insgesammt 88 000 mal in An- spruch genommen worden sind. Ein Beitrag zum Kapitel von der„Ehrcnnotwehr". In der Untersuchung gegen den Klempner v. Manskp wegen Tötung des Gastwirts Sllisch spielt auch der Vorgang, der die eigentliche Ver- anlassung zu der That gegeben haben soll, eine Rolle, und von der Staatsanwaltschaft werden Erhebungen über die angebliche Schlägerei, die im August v. I. im Hause Parochialstr. 19 stattgefunden haben soll, vorgenommen. Manskh behauptet, daß er hinterrücks an- gefallen, geschlagen und gestoßen worden sei. und zwar harchtsächlich von dem Gastwirt Alsich. Räch den vorhandenen Alten und den auf Grund der Anzeige eingeholten Zeugenaussagen ist jedoch eine Klärung jenes Borfalles nicht zu gewinnen, ebensowenig von den Vernehmungen, die jetzt vor dem Untersuchungsrichter statt- gefunden haben. Otto v. Manskh Wird jedenfalls noch auf seinen Geisteszustand hin untersucht werden. M. hatte in Berlin gar keinen Verkehr, galt bei allen Personen, mit denen er ,n Berührung kam. als Sonderling, und erklärte bei seiner Vernehmung, daß er gar nicht habe anders handeln können und er den Alisch erschießen mußte. Nachdem er, der Klempner, den ablehnenden Bescheid der Staatsanwaltschaft auf die Anzeige gegen A. erhalten, sei er von dem Gedanken gepackt worden, er könne die ihm widerfahrene Be- lcidigung nur mit Blut rächen, und er habe keine ruhige stunde mehr gehabt. Es war ihm, Mansky, ganz gleichgültig, ob Alisch kot oder verwundet wäre, er wollte ihn nur blutend zusammen- brechen sehen. Schwer verbraunt. Die 44 Jahre alte Kutscherfrau Klare Galle, geb. Wesemann. aus der Prinz Eugenstr. 8s, wollte gestern abend hie Kochmaschine heizen, un, für ihren Mann, den sie von der Arbeit zurückerwartete, das Abendbrot zu bereiten. Es scheint nun, daß sie aus dem Behälter ihrer Lampe in das Feuer, das wohl nicht recht brennen mochte, Petroleum gegossen hat. Jedenfalls platzte der Behälter, so daß sich das brennende Oel über die Frau ergoß und ihre ganze Kleidung von oben bis unten in Brand fetzte. Lichterloh brennend riß die Unglückliche die Thür auf und schrie um Hilfe. Aber bis Nachbarsleute die Flammen erstickt hatten, war sie schon am ganzen Körper vom Gesicht bis zu den Füßen schwer verbrannt. Ein Schutzmann brachte die Verunglückte mit einer Droschke in ein Krankenhaus, wo sie vernehmungsnnfähig und hoffnungslos da- niederliegt. Die Ermittelungen wegen der Denkmalsschändungen sind durch die Bekundungen eines einwandsftcieu Zeugen in eine ganz neue Richtung gelenkt worden. Ein Herr aus der Kaiser. Wilhelnistraße hat der Kriminalpolizei wichtige Mitteilungen über eine Beobachtung . gemacht, die in die Sttmde von 4 bis 5 Uhr am Sonntagmorgen fällt. Als der Herr um diese Zeit auf dem Heimwege war, ging etwa 15 Schritte vor ihm über die Südfeite der Kaiser Wilhclmbrücke ein Mann nach der Burgstraße hin, der sieben- bis achtmal seinen Arm erhob und mit einem schweren Gegenstand aus die Brücke schlug, daß es weichin dröhnte. An der Ecke der Kaiser Wichclmsttaße stellte sich der Mann vor eine Anschlagsäule, stierte diese ein Weilchen an und ging dann auf die andre Seite hinüber nach der Tanipspumpe. die vor der Brücke lag und arbeitete, um sie sich ebenfalls anzusehen. Zu dieser Wahrnehmung kommt, daß um dieselbe Zeit die Pförtners- lcute der Börse durch dröhnende Schläge gegen das Börsengebäude geweckt wurden. Sie forschten nicht weiter nach, woher die Schläge gekommen seien, Waren aber doch so munter geworden, daß. sie nach der Uhr sahen und sich die Zeit merkten. Es war kurz nach 4 Uhr. Bemerkenswert ist auch, was der Herr aus der Kaiser Wilhclmstraßc weiter sagte. Während der Mann vorher auf der Brücke ganz aufrecht und stramm gegangen war, nahm er später, als er sich bemerkt sah, die Haltung eines Betrunkeneu an und ging in schlappem Tritt mit geknickten Knien nach der andern Sttaßenseiic. Der Zeuge gewann den Eindruck, daß der Mann sich betrunken stellte. Dieser verdächtige Mann hatte ein ziemlich intelligentes Gesicht und machte nach den Aussagen des Zeugen den Eindruck eines besseren Kunsthandwerkers. Er ist etwa 33—35 Jahre alt und 1,60 Meter groß, hat schwarzes Haar und einen schwarzen, kurzen, struppigen Schnurrbart, der nach den Mundwinkeln herabhängt. Beide Seiten seines Gesichts hatten jenen bläulich-schwarzen Schimmer, den man oft an Leuten mit starkem dunklen Bartwuchs nach dem Rasieren sieht. Sein Gesicht war etwas eingefallen, die�Gestalt schmächtig. Bekleidet war der Mann mit einem dunklen Schlapphut und einem dunklen, bis über die Knie hinabreichendcn Paletot, der, augenscheinlich für ihn zu groß, um die Knie herumschlotterte, während die zu langen Acrmcl bis auf die Hände herabfielen. Hoffentlich gelingt es bald, diesen Mann zu ermitteln. Mittel- und Arbeitslosigkeit scheinen den 33 Jahre alten Brauer Karl Schneider aus Strehlen in Schlesien in den Tod getrieben zu haben. Schneider wohnte zwei Tage und drei Nächte in der Frcmdcnherbcrge von Engel am Schlesischen Bahnhof Nr. 4, hatte einen Tag bezahlt und besaß nun keinen Pfennig mehr. Gestern morgen um 9 llhr fand ihn der Hausdiener in seinem Blute schwimmend auf seiner Stube liegen. Er hatte sich aus einem Revolver eine Kugel in die rechte Schläfe gejagt. Mau brachte den Verwundeten mit einer Droschke nach der Unfallstatton am Mariannen- Ufer, dort starb er schon bald nach der Aufnahme. Eine große Betriebsstörung auf der Hoch- oud Untergrundbahn trat Mitttvochabend auf der Weststrecke ein. An einem auf der Linie Potsdamer Platz— Knie fahrenden Zug war, als dieser vom Anschlußdreieck die Richtung nach der Haltestelle Bülowsttaße ein- schlug, ein Stromabnehmer von der Stromschiene abgeglitten. Als dann der Zug vor der genannten Haltestelle die Weiche passierte, lief der abgeglittene Sttomabnehmer auf die jenseits dieser Weiche liegende Stromschiene wieder auf und beschädigte die Strom- leitung. Sofort entstand Kurzschluß und der Betrieb stand vom Gclcisdreieck bis zum Knie still. Sechs Züge blieben plötzlich auf der Strecke liegen. Die Fahrgäste gerieten natürlich in Schrecken. wurden aber vom Fahrpcrsonal zur Ruhe crmahnt. Es gelang dann. mit dem vorhandenen schwachen Strom die Züge bis zu den nächsten Haltestellen zu bringen, wo die Fahrgäste die Wagen und Bahnhöfe verlassen mußten. Die Betriebsstockung auf der genannten Strecke konnte erst nach mehreren Stunden beseittgt werden. Auf dem Forckenbcckplatz erhängte sich gestern, Donnerstag- morgen, der 54 Jahre alte Arbeiter Albert Neye vom Weidenwcg Nr. 40, der in der Wäschefabrik von Rose u. Stern in der Neuen Königstraßc, 22 Jahrelang beschäftigt war. Als Veranlassung geben die Hausgenossen Familienzwist an, während Frau Neye den Selbst- mord ihres Mannes auf Nervosität zurückführt. Am Mittwoch war Ziehe nicht im Geschäft, gestern morgen um 7 Uhr verließ er seine Wohnung, als ob er wieder hingehen wollte. Um 8 Uhr sah ihn ein Mädchen, das ins Geschäft gmg. auf dem Forckenbeckplatz an einem Baume hängen. Ein Parkwächter und ein Schutzmann schnitten ihn ab. er war aber schon tot. Auf einem Zettel hatte Neye einem Freunde hinterlassen, es sei sein Wille gewesen, sich am Sterbetage seines Vaters das Leben zu nehmen. E'nbruch. Im Hause des 94. Polizeireviers in der Holz- marktstraße 21, gerade gegenüber dem Dicnstlokale. ist in der Nacht zum Donnerstag bei der bekannten Möbelfabrik von E. Ebcrhardt ein Einbruch verübt worden. Die Diebe sind von der Spreeseite über daS Dach des Kesselhauses hinweg durch ein enges Fabrikfenstcr in den Lagerraum eingestiegen, haben in dem daran stoßenden Comptoir einen Schrank erbrochen und die vor- handenen großen Stoffvorräte sowie sonsttge Behälter durchwühlt. Wahrscheinlich sind sie bei der Arbeit gestört worden, denn außer einer photographischen Handkamera in braunem Lcder(Bildgröße 9 X 12 Ccntimetcr) und einigen Kleidungsstücken ist vorläufig nichts vermißt. Ein unentgeltlicher Kursus in Elektrotechnik bcgimtt am Mon- tag, den 12. Januar, an der 7. städtischen Fortbildungsschule. Der- selbe wird abends von"s'.,— Vsst Uhr gehalten. Die Teilnahme ist jedermann gestattet und bedingt keine Vorkenntnisse. Anmeldungen werden täglich abends im Amtszimmer Gräfcstr. 85 entgegengenommen. Die Freie Hochschule Berlin eröffnet am 16. Januar ihr neues Lehrquartal mit21 Cyllen aus den verschiedensten Wissensgebieten in den Aulen des Köllnischen Gymnasiums, der Charlotteuschulc. des Grauen Klosters und im Rathansc. Die Vorlesungen werden abgehalten von den Herren: Wilhelm B ö l s ch«. Dr. W. Brandis. Dr._ B. Friedländer, Dr. M. H i r s ch f e l d, Dr. Kekul� v. Stradonitz, Kammerherr, Theodor Kapp- st e i n. W o l f g a n g K i r ch b a ch, Dr. H. L u x, Direttor F r i e d r. M o e st, Dr. Penzig, Dr. M. P u g l i s i Pico, Ehrenpräsident der Akademie der Wissenschaften iir Catanio, Dr. R. Steiner, Dr. Bruno Wille. Kartenverkauf(ausführliche Programme kostenlos) u. a. bei Lazarus. Friedrichstr. 66: Schildberger, Schill- sttaße 3(Lützowplatz); Prausnitz, Kroncnstr. 19; Nicolai, Dorothecn- sttaße 75."________ Hus den Nachbarorten. Nieder-Schöneweide. Der Wahlvcrein hält Sonnabendabend 8l/z Uhr seine regelmäßige Versammlung bei I. Franz. Grünauer- sttaße 5, ab. Gäste willkommen. Der Vorstand. Grünau. Am Sonnabendabend 9 llhr Hält der Wahlverein seine Rkitglicder-Bcrsammlung im Lokal Stabbert, Köpenickerstraße 88, ab. Genosse Kaliski spricht über Macht und Recht. Eichwaldc. Im benachbarten Zeuthen bei Heinrich(Hankels Ablage) spricht Sonntagnachmittag 5 Uhr Gonosse Ströbel- Berlin über den Umsturz im Reichstage. Zkeue Mitglieder Werden in dieser Volksversammlung aufgenommen. Die erste Sitzung der Charlottenburger Stadtverordneten- Ber- sammlung im neuen Jahre gestaltete sich zu einer Festsitzung aus Anlaß der Einweihung des Sitzungssaales im neuen Rachause und des 25 jährigen Jubiläums des Stadtverordneten Dr. Frank. Nach der Uebergaoe des Saales seitens des Oberbürgermeisters und der Uebernahme desselben durch den Vorsteher wurde Herrn Dr. Frank eine von seinen Kollegen unterzeichnete Adresse feierlichst überreicht. Hierauf erfolgte die Einführung der wieder- und neugewähltcn Stadttäte Horn, Meyer, Schliemann, Börner, Beringer, Wmkelmann sowie die Einführung der neugewählten Stadtverordneten Sachs, Dr. Schmidt, Seibertz und Welt. Die Wahl des Vorstandes zeittgte folgendes Resultat: Zum Vorsteher wurde Herr Sttöhlcr mit 52 von 66 Stimmen wiedergewählt. 14 Zettel waren unbeschrieben. Stcllverttetcnder Vorsteher wurde Herr Buka, auf den 47 Stimmen fielen, während sein Gegenkandidat Dr. v. Liszt 17 Sttmmen erhielt. Zu Beisitzern wurden durch Zuruf die Herren Franken. Heise, Dr. Hubatsch und Rackwitz wiedergewählt. Bei den Wahlen der Mitglieder für die ständigen Ausschüsse wurde von unsrer Fraktion Scharrnberg in den Wahlausschuß, Hirsch in den Petitionsausschuß, Bogel in den RcchnungsauSschuß und Baake in den Ausschuß zur Prüfung von Stadtverordnctenwahlcn gewählt. Aus Rixdorf schreibt man rmS: Die bauliche Entwicklung der nach Berlin zu belcgcueu Köllnischen Wiesen dürste binnen kurzem einen großen Aufichwung nehmen, denn mit der in diesem Jahre stattfindenden Zuschüttung des Wiesengrabens in der strecke zwischen dem neuen Stichkanal und der Wiesenbrücke im Zuge des Maybach- Ufers tritt die Möglichkeit ein, alle nach dem Rixdorser Bebauungsplan in jener Gegend vorgesehenen Straßen zur Anlegung zu bringen. Die Verhandlungen mit d»« Anliegern über diese Sttaßcnrcgulierungcn sollen von der Stadtverwaltung demnächst eingeleitet werden und es besteht tcin Zweifel, daß die Anlieger die Kosten übernehmen Werden. Nach Fertigstellung der Sttaßen" wäre der ganze Stadtteil zwischen Wildcnbruchsttaße und stottbuser Danrm und Maybach-User der Bebauung erschlossen.— Auch die Ferttg- stellung der wichtigen Sttaßenverbindung zwischen dem Koltbuscr Damm und der Fricdelsttaße, der Lenaustraße, ist nunmehr gesichert. Die Verhandlungen mit den Interessenten sind bereits abgeschlossen. so daß mit dem Straßenbau noch in diesem Monat begonnen werden soll. Spandau. Eine hübsche Illustration zu dem Thema„Gleiches Recht für alle" lieferte der Amtsvorsiand von Spandau-Land. Wir berichteten bereits, welchen Drangsalicrungcn der Gastwirt Krüger in T i e f w e r d e r bei Spandau seitens der Dorfpattioten aus- gesetzt gewesen ist, als der Mann kürzlich seinen Saal der social- demokratischen Partei zur Verfiigung stellte. Nunmehr hat der Amtsvorstand dem Wirt auch bekannt gegeben, daß dieser fortan sein Lokal schon um 10 llhr abends schließen müsse. Auch die Tnnzerlaubnis solle sich zukünftig nicht mehr über 12 Uhr hinaus erstrecken. Es bedeutet dies eine Vcrtürzung der Geschäftszeit um je zwei Stunden und damit eine erhebliche Schmälerung des Ein- lommeuS Krögers. Wenn auch imfre Parteigenossen sicher nicht unterlassen werden, den gcmaßregeltcn Saalbejitzcr umso that- kräftiger zu unterstützen, so geht doch aus diesem Fall hervor, daß sich die Behörde» auch ohne Ausnahmegesetz zu Helsen wissen. Ncu-Wcißcusce. Die hiesige Arbeiterschaft ist bitter enttäuscht: das Gcwerbcgericht, Welches am 1. Januar eröffnet werden sollte, ist immer noch nicht in Funktion getreten. Die anhängigen Streitig- leiten werden nicht angenommen und die klagenden Parteien an das Amtsgericht verwiesen.§ 55 des Ortsstatuts sagt:„Dieses Orts- statnt tritt am 1. Januar 1903 in Kraft: die Maßnahmen, wclckie erforderlich sind, um die Wirksamkeit des Gewerbegerichts von diesem Zeitpunkt ab zu ermöglichen, können bereits vorher getroffen werden." Auf dieses„können" hat man sich hierorts zweifellos gestützt. Das Ortsstatut ist bereits am 23. September 1902 vom Bezirksausschuß genehmigt und am 29. Oktober 1902 vom Gemeindevorsteher veröffentlicht worden. Die Wahlen der Beisitzer fanden aber erst am 14. Dezember 1902 statt, und da eine Ein- spruchstrist von einem Monat vorgesehen ist, so läuft diese mit dem 13. Januar dieses Jahres ab. Dann wird wiederum eine geraume Zeit ins Land gehen, bis der kz 22 des Ortsstatuts zur Geltung kommt, der da sagt:„Die endgültige Zu- sammensetzung des Gcwerbegcrichts ist von dem Gemeindevorstand unter Angabe der Namen und Wohnorte der Mitglieder durch das zu den amtlichen Anzeigen der Gemeindc-Vcrwaltuitgcn bestimmte Blatt bekannt zu geben". Und so wird die Arbeiterschaft von Neu- Weißeusce froh sein müssen, loenn sie die Vorteile des Gewerbe- gcrichts mit dem 1. April 1003 kennen lernt. Es lag gewiß nicht in der Absicht der Gesetzgeber, zu erfahren, daß ihre Bcschlüffe so wenig Beachtung finden, denn es wäre doch sonst nicht bestimmt worden. daß in Gemeinden von über 20 000 Einwohnern bis zum 1. Januar 1902 ein Gewcrbegericht zu errichten ist. An der Zeit ist es, daß man auch in Reu-Weißensee mit den Arbeiten zum Wohle der arbeitenden Bevölkerung ein ebenso schnelles Tempo einschlägt, wie in andcm, nicht so wichtigen Angelegenheiten. Genebtö-Zeitung. Polizeikumpf gegen ZeitungShiindler. Gegen K 36 der Berliner Sttaßen-Polizeiverordnung sollte sich der Zeitungshändler Bcracr dadurch vergangen haben, daß er in der Königstraße eine fest« Handclsstätte eingenommen habe, ohne im Besitze der dazu erfordcr- lichcn polizeilichen Erlaubnis zu sein. Berger besttitt, sich strafbar gemacht zu haben. Seit vielen Jahren betticbe er den Zeiwngs- Handel mit Erlaubnis des Hausverwalters, und ungestört von der Polizei, von der Nische eines Hauses in der Königstraßc aus. Es handle sich hier um eine offene Verkaufsstelle im Sinne der Gewerbe- Ordnung und nicht um eine Verkaufsstätte auf der Straße, so daß er einer polizeilichen Erlaubnis gar nicht bedurft hätte.— Das Landgericht I als Berufungsinstanz verurteilte jedoch den Angeklagten zu einer Geldstrafe und das Kammergericksi verwarf seine Revision mit folgender Begründung: Allerdings habe der Angeklagte seit 10 Jahren die Thürnische des Hauses Kömg- straße 33 mit Erlaubnis des Verwalters benutzt. indem er seinen Kasten nnt Zeitungen dort aufstellte. Die" Nische könne aber hier nicht als offene Verkaufsstelle, nicht als feste Handelsstellc angesehen werden; sie sei vielmehr nur der Aufbewahrungsort ftir die Waren des Angeklagten gelvesen. Dieser habe im übrigen die Straße als Verkaufsstelle'benutzt, indem er in der Regel vor der Nische auf dem Trottoir seine Zeitungen verkaufte. Somit habe er auf der Straße eine feste Berkaufsstelle eingenommen. Da er keine Erlaubnis dazu besaß, sei§ 86 der Sttaßcnpolizci-Bcrordming mit Recht angewendet worden. Die„vergiftete Suppe" des Grafen Pücklcr-Kl.-Tfchirne bildete den Gegenstand einer gcstepn vor dein Schöffengericht verhandelten Privatklage. Graf Pückler harte sich bekanntlich nach seiner Vcr- urteilung wegen qualisicierter Sachbeschädigung auf einige Zeit nach der Schweiz begeben und u. a. auch in dem Bergdorf Hauptwiel, Kanton THurga», aufgehalten. Tort hatte er in der bekannten Gastwirtschaft des Jean Ettcr zu Mittag gegessen. Am 6. Juni 1902 hielt Graf Pückler in den Concordia-Sälen eine Versammlung ab, in welcher er eine Rede über das Thema„Das deutsche Boll am Rande des Grabes" hielt. Er berührte dabei auch seinen Aufenthalt im Gasthofe„Zum Löwen" zu Hauptwiel und erzählte seinen Zuhörern, daß er daselbst beinahe durch eine vergiftete Suppe ums Leben gekommen wäre. Er habe sich mit dem Gastwirt und einem andren Manne zu Tisch gesetzt. Der Gastwirt, so sagte er wörtlich, habe emen scheußlichen und widerwärtigen Eindruck gemacht. der Kerl habe in jeder Beziehung eine Verbrecher-Physiognomie gehabt. Neben ihm habe ein Judenbengel gesessen, solches Gesindel laufe ihm ja immer nach, wo er auch gehe und stehe. Er habe sofort nach dem ersten Löffel Suppe gemerkt, daß dieselbe ver- giftet gewesen sein müsse und habe sie mit dem Ausruf „Verfluchtes Drcckzeug!" wieder ausgespielt. Hütte er die Suppe ganz anfgegessen, so wäre er sicher eine Leiche gewesen, so aber sei er mit starken Leibschmerzen davon gekommen. Er habe unmittelbar darauf den unheimlichen Ort verlassen und sei nach Winterthur übergesiedelt. Er nannte den Gastwirt in seiner Rede ferner einen„von Juden bestochenen Schuft", einen„Lnmp, der für einige Taufend Frank Sündenlohn einen Germanen um die Ecke bringen wollte", eine„Kanaille, die mit glühenden Zangen zu Tode geschunden werden müßte" u. dgl. mehr. Die Rede wurde durch eine unter Verantwortlichkeit des Grafen Pückler erschienene Extta-Ausgabe der„Staatsbürger- Zeitung" weiteren Kreisen bekannt gemacht und kam auch zur Kenntnis des Herrn Etter zu Hauptwiel. der in Gemeinschaft mit seinem An- gestellten H. O b e r h ä n s l i— dem als„Judenbengel" bezeichneten dritten Tischgast— die Privatklage auf Grund des$ 187 anstrengte. Rechtsanwalt A e h n e l t beantragte eine nachdrückliche Bestrafung. Die Beleidigungen und Schmähungen des Angeklagten seien so grob, daß man thatsächlich mit einem in einem andern Prozeß vernommenen Sachverständigen eigentlich der Frage näher ♦tcten jiiiißtc, ob berjcmgc, der so etwas ausspricht, noch »en normalen Mens chen zuzurechnen sei/ GrafPückler halte sich abcrjelbit für so gesund, daß er bekanntlich einen den gegenteiligen itaudpuiUt vertretenden sachverständigen auf Pistolen gefordert habe, irgend ein Staatsanwalt habe auch noch nickt Ver- nnlanung genommen, die geistige Gesundheit des Grafen Pücklcr anzuzweifeln lurd so sei dieser für das, was er sage, wohl der- antwortlich. Tie beiden Privatklägcr seien christliche und arische Männer, im„Löwen" zu Hauptwicl verkehren die Ortsangesessenen als Stammgäste und der Graf habe gar keine Veranlassung gehabt, iiver fremde Männer, die ihm nie etwas zu Leide gethan, in dieser Weise herzufallen,_ Die Vchauptungcn des Angeklagten seien durch nichts erwiesen. Wenn er wirklich glaube, er sei der Reiter des deutschen Volkes, so habe er doch nicht das Recht, mit d e r E h r e s r c m d e r M c n s ch c 11 nach Belieben zu spiele n. Gr müsse also streng bestraft werden. Außerdem sei Herr Ettcr pekuniär schwer geschädigt und beanspruche eine Buße von 2000 Mark.— Rechtsanwalt Dr..H a h n- Charlottenburg bestritt die Anwendbarkeit des§ 187. Gras Püttler. der d n r ck- aus geistig gesund fei, sei der klebcrzeugung. daß ein Vergiftungsversuch vorlag: er sei sa auch nach der Suppe krank geworden. Cr könne den Wahrheitsbeweis allerdings nicht führen und man müsse berücksichtigen, daß Gras Pücklcr in einem scharfen Kampfe stehe und man in einem solchen Kampfzustande auch manchmal über die Schnur haue. Der Anspruch aus Buße schwebe vollständig in der Luft. Schließlich sei unser Strasverfahren doch nicht dazu da, mn event. Schweizer Gastwirken auf die Beine zu helfen.— Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten auf Griuid des Z 18S zu 4.00 Mark Geldstrafe event. 30 Tagen Gefängnis. Ter Angeklagte habe die beiden Privaillägcr. denen auch die i'ublikationSbefugnis zugesprochen wurde, ohne Unterlage in der gröblichsten Weise. beleidigt. Der Antrag auf Buße wurde abgelehnt, da er nicht substantiiert sei, Als Gehilfe einer gekährlichrn russischen Falschmünzcrbande stand gestern der Lithograph Willy Schröder vor dem Schwurgericht des Landgerichts I, um sich wegen Münzverbrechens, MünzvergehenZ und Beihilfe zmn Münzverbrechen zu verantworten."Tic Bcr Handlung wurde unter Ausschluß der Ocssciitlichleu geführt, es handelte sich, wie gerüchtweise verlautete, mn folgendes: In Rußland tauchten in letzter Zeit wiederholt falsche russische bW-Rubclschcine und fälsche russische Postwertzeichen aus, die außerordentlich sauber gearbeitet waren und als Fälschungen nur sehr schwer zu erkennen waren. Es gelang eitdlich der Polizei, die Mitglieder der Bande in Rußland fcstzunehnien und festziistellcit, daß der in Berlin in der Birlensiraße wohnende Angeklagte der Lieferant der falschen scheine und Wert- zeichen war, Tie bei ihm vorgenomincnc Haussuchung brachte die zur Herstellung der Falsifikate verwendeten Platten und Formen zu Tage und es wurde nachgewiesen, daß der Angeklagte wiederholt nach Rußland gereist ist, um fertige Stücke a» feine Auftraggeber abzuliefern. Ter Angeklagte ist ein Lithograph von hervorragender Begabung. Nach der Bekundung des als Sachverständiger vernmnmenen Hoslsthographen Hacker handelt es sich bei den Falschslücken um außerordentlich gute Arbeiten. Der An- geklagte gehört übrigens zu den betrogenen Betrügern, denn er ist von den russischen Verbrechern unter allerlei nichtigen Vor- wänden um den Lohn seiner Arbeit größtenteils bettogcn worden.— Das in öffentlicher Sitzung verkündete Urteil lautete auf vier Jahre Gefäugitts und vier Fahre Ehrverlust. Ter größte Lump im ganzen Land. Vor der ersten Strafkammer des Landgerichts zu Braunickweig hatte sich Mittwoch der kaum zwanzigjährige, vielfach vorbestrafte„Schriftsteller" Karl Hartmann, der durch die Denmiziation des Schriftstellers Benz in München loeitcren Kreisen bekannt geworden ist. wegen mehrerer Schwindeleien zu verantlvvrtcn, Hartmaim war anfänglich bei einem Rechtsaitwall als Schreiber tbätig, legte diesen Posten aber nieder, weil er glaubte, den Beruf eines Schriftstellers in sich zu ftihleit und gab in Braunschweig mit materieller Unterstützung seines Vaters eine Zeitschrift„Der Liltcrat" heraus, durch die er reformierend auf den litterarischen Geschmack wirken wollte.„Der Litterat" nahm aber nach kurzem Bestehen ein Ende, und auch der aus dem Verkaufe der Recenfionsepemplare, die ihm vertrauensselige Verleger auf seinen Wunsch übersandt hatten, erzielte Gewinn vermochte ihn nicht über Wasser zu erhalten. Er nannte sich von jetzt ab Buchhändler und bewog mehrere auswärtige Bcr- leger, ihm Werke zum kommissionsweisen Vertriebe zu überlassen. Den Erlös daraus»ieferte er aber nicht ab, weshalb Anklage wegen Betruges gegen ihn erhoben wurde. Da in vielen Fällen nicht nach- zuweijen war, od er die erbatlencn Werte fest bestellt hatte, so mußte sich die Anklage auf zwei Fälle beschränken. In dem einen hatte er die Firma Emil Rothe in Gießen um 148 Mark, in dem andern die Firma TicderichS in Leipzig mn 39 Mark bettogcn. Hartmann lourde zu nenn Monaten Gefängnis und zwei Fahren Ehrverlust verurteilt nird seine sofortige Verhaftung angeordnet,' Vermifcdtes. Trcisacher Mord aus verschmähter Liebe. Aus Graz geht dem „Verl. Tagebl." folgende Nachricht zu: Ein Doppcl- und Selbstmord verursachte soeben in Graz ungeheure Aufregung. Der 11 jährige Privatier Fritz Kraft erschoß in einer Cafehausküche wegen unerwiderter Liebe die schöne CafvtierSgattin Fulie Krentscher, eilte dann in seine Wohnung, verbrannte sein aus Wertpapieren bestehendes bedeutendes Vermögen, erschoß seine 71 jährige Mutter und sich selbst. Ucber ein großes Eisenbahnunglück wird aus Pittsburg berichtet: Fn der Nähe von Dmiguesne stieß ein Personenzug der Pittsburg- Virginia- Eharleston- Eisenbahn mit einem Güterzug zusammen. Nach Berichten der Eisenbahnbcamlcn wurden zehn Personen getötet und eine große Anzahl verletzt. Bmffcaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit AuS««ch«« Mi Sonnabends von bis Uhr abends statt. P. 9t. Verein der Wäsche- und Krawattenbranche. Vorsitzender: Gustav Trinks, Rununclsburg, Bahnhosjtr. AI. Goldfisch. 2aS läßt sich mit wenigen Worieu nicht sagen. Sie Hl« am besten, in einem giltcn �peeialgeschäjt gründlich nachznsrageu. Unfall oder Krankheit. Eine V> npslichtung unentgeltUchcr Hlljclciswng liegt den Unsalkfiationen nicht ob. Heber das Neben- und Gegeneinonder- Arbeitcn der UnjaUjlatwncn, Retlungsgesellichast und Samtätswachen istvon uns wiederhol« geschrieben, in der ratadtverordneten-Versammlung häufig gesprochen,— Ludwig Runge. Leider iiciu, da üstir Anspruch seit mindestens 1890 verjährt ist.— kZager. Sic können sich direkt an denDberpräsidentcn wenden. — Robert R. Wenden Sie sich an einen Bogckhändlcr.— Rixdorf 32. I. Sic hasten weder iiir die vor noch für die in der Ehe gemachten Schulden „Ihres Mannes. 2. Sie müNcn schleunigst eine Juterventwnsllage mib einen Einstellmigsantraa stellen. Ein Bdipicl hierfür finden Sie S>. 432 des in jeder öhenllichen Lcseballc ausliegenden..Arbcitcrrechts".— E. K. 10. Das ist möglich. Richten Sie den Antrag an das Polizeipräsidium,— R. B. in Görliv. Die BerjährungSjrift beträgt 5 Fähre.— 6. Bö. 20. Sie haste» nicht und sind nach Ihrer eignen Darstellung auch nicht aus Zahlung. sondern aus Duldung der Zwangsvollstreckung in das Vermögen Ihrer Frau vcrttaqi, Sb Ibrc Frau gegen die Forderungen Einwendungen zu erheben ha««Minderjährigleil? Verjährung? Falsche Berechnung der iwzügc uiw,) kästt sich nur an der Hand der Klage nach mündlicher Rück- spräche sagen. In der juristischen'Sprechstunde erhalten Sie schneller als durch briestichc Anfragen Auskunst.— Franz Spiekcvman». Me haben zu spat gctündigt. Der 24. zählt nicht mit. In den.Händen des Gc. kündigten muß die Kündigung die volle Äündigungssriit hindurch st» Ihrem Falle 3 Monate und S Tage) sich befinden,— M. 1000. Nein. Briefkasten der Expedition. Abonnent Köln Etirenfeld, Stammstr. SO. Wir bisten, die fehlenden Nummern bei der Post zu reklamieren, Witterungsüberjicht vom 8. Januar 1003, morgens 8 Uhr. Stationen«�' ,SL jß Detter ; � i ä �" --s: s? Mfs Swincmdc.: 7älj SW Hamburg Berlin! 7f>5 Franks,/M. i 760 München 703 760® WSW W W -Ä 6 bedeckt 7 halb.bd, Lsbedeckt Lbeöeckt 4 heiter 1 Nebel ötationen d S h i ■2 ii Seilet Haparanda 746 Petersburg!— Cork 754 Abcrdcen i— Paris 759 NO SO äwolkig -> � tthalb.bd. 3bedeckt K ia -m 's ? Wetter- Prognose für Jrreitag, den 0. Jannar 1003. Ztmächsk vieljach heiter, aber kühler bei mästigen süöwesllichen Wind«; später neue Erwärmung, Trübung und geringe Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Für den Inhalt»er Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. UM M Theater. Freitag, 9. Januar. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Feuersnot.— Das Mädchen von Navarra, Schauspielhaus. Krieg im Haus. Deutsches. Monna Banna. Berliner. Maria und Magdalena. Lcsfing. Der blinde Passagier. ReueS. Fcdora. Residenz. Die beiden Schulen. Thalia. Die bösen Mädchen. Westen. Der Propbet. Ventral. Madame Sherry. Belle- Alliance- Dheater. Eupido u, Co. Am Telephon. Ansang 8 Uhr: Schiller. 0.(©allner- Theater.) Ein Ehrenwort. Schiller. N.(Friedrich- Wilhelm- städtisches Theater). Renaissance, Steue« Opern � Theater. Tanz- idulle» von Miß Iiadora Dunean, 0 arl Weist. Die Blüte des Bagno. Luisen. Die Kamelicndamc. Mctropol. Neuestes, Allerneuestes, Buntes Theater. Liebessold. .Kleines. Erdgeist, Casiuo. Moderne Frauen. Apollo. NakiriS Hochzeit. Palast. Aus hoher See, Trianou. Die Liebcsschaukeb ReichShallc». Stctlmer Sänger, Steidl. Spcciallläle». Pasiage- Theater. Specialitäten. Pasiage-Panoptikum.SpecialitStcn, Wintergarten. Specialitäten. Urania. Taubenstr. 48/10. Das Land Tirol, Jnvalidenstraste 57.02. Täglich geöffnet von 7— 1l Uhn_ Central �Theater Sonnabend, t O.Jan,: 2 Vorstellungan. Nachmittags 1 Uhr, halbe Preise, jeder Erwachsene 1 Kind frei: Seimeeweisseheii ond Rasenrot. Wechnachtsmärchen mit Gesang und Tanz in 4 Bildern. A b c n ö s 7'/.. II h r:"TP® JVradame Sherry. Operette in 3 Akten von Hugo Fett!.'. Sonniag, lt. Januar, nachm. 3 Ubr, bnlbe Preise: Dic Geisha. Abends 7.l(, Ubr: Madame Sherry. Thalia-Theater. 'Ansang"'h Uhr. Heute und jolgende Tage: Die bösen Mädchen. Große AusstattungSpossc mit Gesang und Tanz in 3 Akten. Im 1. Akt: Ein sceessionistiicheS Erntcsest, Im 2. Alt: Parodislische NeichStagSsccnc, Großes internatto- naleS Schwimintomnicr, Im 3, Alt: Hochzeitszauber, Monna Panna- Parodie. onntagnachmittag Z Ubr: Her Vers«h»ender,_____ "Weiss-Theäier. «rosic Frankstirtcr Strafte 132. Zum ersleilmul: Hie ölöle lies fiagno. Schäulpicl in 5 Alten(7 Bildern) nach dem Roman v, Goron u, E, Gaulier, Für das CarlWciß-Thcater eingerichtet von E, Rllterfctd!, Ansang 8 Uhr. Morgen: Ticselbc Vorstellung. Sonnabendnachmittag: siobinson «rusov. Sonntagnachmiliag:»sc iWmsr. Urania. Taubenstrasse 48,49. Abends 8 Uhr; Das Land Tirol. Sternwarte Invalidenstrasse 57 62. CASTANS Panoptikum Friedrichstrasse 166. Weihnachts- Uttssiellung Zauberlrünstlor Mr. Franpois Roberts;„Das VersrhTrinden einer Dame Kasperle-Theater. Lebende Bilder. GroeniOM Konzert. fassage-TSteaterJ I Vorstellung. Anfang: Sonntags 3 Ubr. - Wochen t. 5 l7hr. Ende 11 I7tu. Die Sensation des Tages: Auguste Adamovic tritt täglich aul; Xachmittags 7 Uhi'. Abends 10 Ulu-. Willy Pranger. 14 neue ersiklass. Nummern. Luisen-Theater. Die taflifiihflinf. Ansang 8 Uhr. Borverk. 10—2 Kaste. Morgen: Die Cameliendame. Sonn. lognachmittag; Der Pfarrer von Kirehfeld. ktbcnds: Hebert und Bertram. Montag: Der richtige Schwiegersohn. Vorher; Kurmärker und Picards. Dienstag: Die Camelien- dame.:'Jcittmoch: Othello._ Kleines Theater. Unter den landen 44. Anfang 8 Uhr. Erdgeist. Palast-Theater Burgstraße 22. Früher: Feen-Palast. Das phänomen. Januar-Programm, Alles neu! Neu! Alles neu'. 8'/->Ihr. Ncuinfrcnicrt: 8'/,Uhr. Auf Köder See. licbcnibilo m, Gesang u, Tanz in 3 Akten. The Atlantlcs, Krast-Akt. Gebr. Bellong, großart. Melange-?!» Jonny Manchenez, das med. Wellwt», Tbe ttelsons. eine Seene im KaffeeH. lllsa Byron, Soubretten, Twa, Anfang: Äochent. 8, Sonni. 7 Uhr. Entrec SO Pf. jlesideitz- Theater. Direktion: Sigmund Lautenburg. 'Anfang 71;. Uhr. Die beiden Schulen. (L/es doax licolc««.) Lustspiel in 4 Atten v, Alst. Eapus, Deutzch von Theodor Wokss. Morgen und folgende Tage: Die beiden Schulen. Somitagnachm. 3 Ubr: Sein Doppelgänger. Buntes Theater Köpnickerstr. 68. Anfang 8 Uhr. Heute und die folgenden Tage: LIEBESSOLD. Säonnta&l 1..lan., nachm.'IA Uhr; l>cr«VairenKchniicd. | Metropol-Theater. 1 Täglich: Der grösste Erfolg dieser Saison! Mit srlänzender Ausstattung: Neuestes! Allerneuestes! Uevue in 5 Bildern von. Julius Rrennd. Musik von Victor Hollündor. In Beelitz gesetzt v. Dir. Kic h. Schuliz. Gastspiel Julias Spielmann. Emil Thomas a.G. Henry BERflsr. FridFrid. Flora Siding. Hansi Reichsherg. llslM" 300 Mitwirkende."HBF OrandioMeH Itallett. Rauchen überall gestattet. Anfang 8 Uhr. Freitag, den 9. Januar 1903, "abends 7I/3 Uhr: Grosse Qala-Vorstellung. Phänomenales Riesen- Programm! Um 91/. Uhr: Die Sensation des XX. jahrhunderts Um O3/, Uhr: Die Pantomime voll Witz, Humor und Heiterkeit; Die lästigen Heidelberger. Soimtasr: 2 Vorstelluiitrcn. Casino-Theater. Lothringer Straße 37. Reu! Franz Kern Neu! Amones— Gretchen Reimaiiu?e, Dazu mit neuer glänz. Z'lusstattung: Moderne Frauen. Großer Lacherfolg, Zeitgem, Eoupleis. Ans,: Wochen», 8, Sonntags 7'/. Uhr, Sonnlagnachmittag-1 Uhr: sihrlich» Arbeit. 3el!e-Matick-Tkea!er. Heute u, solgende Tage: Ab. 7ß'z Uhr. llnpidaa& C o. Schwank mit Ges. u. Tanz in 3 Akten. Hieraus: Am Telephon. Drama in zwei Aufzügen, _ Ende lO' j Ubr,_ Apollo-Theater. Von 8-0 Uhr: Die glänzenden Specialitäten. 9 u'br: Nakiris Hocbzeit. Ausstaltungs-Operette v, Paul Lincke. Kassen-Eröffnung 7 Uhr, Anfang der Vorstellung 8 Uhr, Sonntag, den Ii, Januar, nach- mittags 9 Uhr: Ermästigte Preise: Frait Idima. Bernhard Rose-Thealer Badstr. 38. Sonniag, den 11. Januar 1903: T�areiss. Trauerspiel in 5'Allen von A, E, Brachvogel.'Ansang 6si,. Uhr. Nach der Vorstellung: Danz. % Noack' Theater. Direktion: Robert Dill. BrnnncnKtraHsc 16. Heute: Extra- Vorstellung: I�enore oder: Ulc(iirabCMbra.ut. Vaterländisches Schauspiel o. Holteh, Steidl-� Theater Limen- sttaße 132. Vovitttl gramen- burger Thor. Xovltiit! 11 Ml-Komödie von Fritz Steidl und das übrige glänzeude Reperloire der Äeiht-Mßtt. Ansang 8 Uhr. SonniagS 7 Uhr, Enttee 50 Pf,, im Vorverkauf 40 Pf, lteiehsKaHeii. Täglich: Stettiner Sänger. Ansang: Wochentags 8 Uhr, üonntags 7 Uhr, Tageskasse 11-1'/, Uhr. //\V II Ii Königstadt-Casino. ! Holzmarkist. 72. Ecke Alexanders!, j Täglich ersttt, Specialitäten-Vor- stellung.Ied.Mittwoch, Sonnabd, und»onntag Tanzkränzehe», Ans.Wochcnt,8, Sonntags SUHr. SvkillsT-l'ksast«»». S chillsr-Theatcr v. tWallncr-Theater), Freitagabend 8 Uhr: Li» I!bi>«iiHV«»i>t. Schauspiel in 4 Akten von Otto Erich Hartleben. Sonnabendabend 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Sonntagnachmittag 3 U h r: IBnrla Stuart. Sonntagabend 8 Uhr: Renaissance. Schiller-Theater Zl.(Frlcdr.-WMehn« städtisches Theater). Freitagabend 8 Uhr: Renaissance. Luftspiel in 3 Akten von Franz v, Ächönthan u. Franz Äoppet-Ellfeid. Sonnabendabend 8 Uhr: Jugendfreunde. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Heimat. Sonntagabend 8 Uhr: Jugendfreunde. Tie fünfte ordenlliche Vcremsvorstellung findet für die I. Abteilung am Sonntag, den 11. Januatr II. Abteilung„„„ IS.„ III. Abteilung ,, ,... SS.„ nachmitiags pünktlich'/.3 Uhr im ReUe- Alllanee• Theater stall. Zur Aufführung gelangt: JP Schlagende Metter.& Sociales Drama von Eugenic dclle Grazie. Mitglieder;'glr Hk. Abteilung werden noch in allen Zahlstellen a>ff. genommen. Das Emjchreibcgeld beträgt 50 Pf,, der Monatsbeitrag inB. Verein sichrifl 75 Pf. Sonntag, 11. Januar, nachm. 3 Uhr, im t'entral-Theater; OptrettkN-NorSeilllitg: Die Geisha. Karten für Mffsiieder und Gäste a 1 M,(inkl. Theaterzettel) find st, allen Zahlstellen zu haben, 'Ilm gleichen Tage nachmittags 3 Uhr im SehlHer-Theater O. (Wallnettheaterstraßc); IWst J9 JVlana Stuart. Karten für Mitglieder a 75 Pf., für Gäste a 90 Pf. sind m den Zahlstellen von H. Bobstn, Kommandantenstr, 62, ,I, Becker, GohkowSlhstt, 9, H. Kaufhold. Wrangelstraße SS, H. tzstsch, Matternstraßc 3. sowie beim Ka'siercr zu haben, Der Vorstand. I. A,; iieinr, ttett, Kassierer, Gcorgenkstchstt. 2L,», J¥. Etablissement | Buggenhagen{ am Horitzplata. Jede» Dag: Bockanftich: 15. Januar. _W~J« Kaiser Saal:'___ Aorddentsche Sttnger{ und Danz. HanNsouci Kottbuserthor Sialion der Hochbahn. Jeden Sonnlag, Montag, Donnerstag: Ilolkhianns Norddeutselie Singer. Nach jeder eoirec: Tanzkränzchon. Trianon-Theater. CSeorgenstrasse. zwischen Friedrich- u. Universitatsetr, Die Liebesschankel. Lustspiel in 4 Akten v. M.Dounsjr. Anians: 8 Uhr. Deutsche Konzerthallen Spandauer BrüekeS Theater- und Specialitätea- Vorstellung. BV Wochentags: Entree frei: 5 Künstler- r. Kapellen« Special- Ausschank der Berliner Bockbrauerei. CirkusSuseta. Freitag, den 9. Januar 1903, abends T'/a Uhr: Dahomey. Elefanten im Urwald-See und auf der Flucht.— Seelöwen. Jeden Freitag von mittags an: Hsehe 31ut-u. Lederwurst in bekannter tadelloser Qualität Riehard Augustin, r ndens,r part•v-orwär,8(:"HaM- i Friihetiicks-, Mittagstisoh. SiUungszimmtr. Vollständig neues Tdf läjädä SpamscheTänzerin. Paul Conchas:„Im Bivouac". Morton und Elliott, Excentrics. Wallno und Marinette, Tanzduo. MmM liunler-Elelanteo. ÖHfl fleiltier, Humorist. Das Bordevorry-Trio. Ällrieülie LariyE, Pariser Sängerin. Alburtus u. Barlram, Keulcn-Jongl. Ritohie Duo, Bicycle-Künstler. Die 7 Allisons, Akrobaten. „Das Sliidchcn mit dem soldeueu Haar". Eins Vision. Pariser Luit, Je Reise in den _ Biograpbiscbo Bilder. Ballett. Theater u. Varittb Kommaiidantc»- Straße 77/7S. Direktion: Varl«averiand. lägücl,! Gr. Vorstellung. 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Januar, vorunttagS 10 Uhr, finden in sämtlichen Beziilen die Besli'hsversammlnnjxen statt.— Wegen der Ausstellung der Fragebogen ist das Erscheinen oller Kollegen notwendig. 77/ö« Dlv Kommission. Die Adresse dcS Obmanns ist: D. Paris, Schwcdcnstr. 18z. Steinarbeiter. IM- honntac, den 11. Jannar, mittag. 1 Ihr,-MW Im Englischen Garten, Alcxandcrstr. ä7c: Seffent!. Versammlung. Tagcs-Ordnung: 1. Vierteljahrs- Abrechnung. 2. Wahl der Orlsverwaliung. 3. Bcr- chiedencs. 172/1 Um pünktlichen und zahlreichen Besuch ersucht Dor Vortrauensmann. Verband der Bauansehiäger Dentsehlands.(Ortsgruppe Berlin.) p* Sonntag, den 11. Januar, vormittag. 10 Uhr,"WM tu Wcndts Central-Clnbhaus, Kiinigsgrabcu IIa: Versammlung. T�e s�Ordnnng: 1. BerbandSangelegenheiten. 2. Verschiedenes. ___ Die 3lrbeitSnächweise resp. Zahlstellen, woselbst auch neue Mit- glicder ausgenommen werden, befinden sich: Hussilenstr. 7ö bei Wartmann: Eharloitenburg, BiSmarckstr. 30 bei Hagen: Rixdorf, Roscnstraste bei Prcil; Schöncbcrg, Zcmpclhoscrstr. 17 bei Üiochlitz. t!Z/l Ter Varstand. Achtung! S. WsMkrsis. (Sekönksuser Vorswät.) 8onntag, d. 11. Sanaar. abends H l'hr. Im Jägerhans, Schönhauser Allee 103: Kolks Nersamminng. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskusfion.— Nachdem: Gemütliches Veisammensein und Tanz. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vertrauensmann. (Referent siehe SonntagS-Juserat.) 219/1 Tischier-Verein zu Berlin. Sonnabend, den 10. Jannar, abend.«>l„ Uhr, im Pokale de. Herrn Uphe, Melchiorstrahe 15: General«Versammluns**91 TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Vierteljahr 1902. 2. Jahresbericht. 3. Wahl von drei Slusschußmitgliedern. 4. Festsetzung der Entschädigung für den Vorstand. S. Bericht über die Bibliothek. 0. Wahl eines Bibliothekars. 7. Beschlußfassung über eine Dampferpartie und sonstige Vercwsangclcgcn- heitcn. AT Ohne Mitgliedsbuch kein Einlast."BW - r»oi 198/1 Der Vorstand. Achtung! Charlottenburg! Achtung! Verbnud der Fabrik-, Fand-, Hilfsnrbkitkr u.Arbeitennnkn Deutschlands(ZahirtcUc Cbarlottenburg). Sonnabend, de» 10. Jannar 1003, ut grasten Saale des Charlottenburger Volkshause., Rosiuenftr. 3: Kr. Wiener Maskenball. Ansang 8 Uhr. BillciS 40 Pfennige. Ende? Während der Kaffccpause Gesangsvorträge und Deklamationen. Billets sind zu haben im Volkshause, Rosinenstr. 3, im Restaurant bei Emil Müller. 64/1 Verband der Sattler. Ortsvcrwaltung Berlin. Bureau: Gewerrschoftshans. Engel-User 15, Zimmer 30. Fcrnspr.: Amt VH?!r. 1939. Branchen'Versammlungen: Achtung! Achtung! Geschirr- und Eisenmöbel- Branche: An» Zlontng, den IM. Jannar li>03, abends 8'/, I hr, im Englischen Hof, Kene Rossstrassc 3. Treibriemen-Branche: Am Dicastag, den 13. Jannar 1003. abends SV- L'hr, im Englischen Garten, Alcxanderstr. 27c.' Achtung: Achtung: Taschen- und Kosser-Branchc: Mittwoch, 11. Januar, abends S1/, Uhr, t« Gewerkichaftshause, Engcl-Ujer lö, Eaai 7: Mab! äer I�obnKommission. Militär-Branche: Sonnabend, den 10. Januar 1903. abends S1/: L'hr, im Gewerkschaftshause, Eugcl-Lfor 15, Saäl 7. Linolenmleger nnd Teppichnäher. Zlontag, 12. Jannar 1V03, abds. S'� L'hr, bei Ladewlg, Kommandantensir. 65. Achtung! Wagen-Branche: Achtung! Mittwoch, 11. Januar, abends Uhr, im Gewerkichaftshause, Engel-User 15,«aal 2. Sektion Charlottenbupg: Dienstag, de» 13. Januar 1903. abend« 3'/. Uhr. bei Ed. Dörre, _ Eharloitenburg, Wallstrasie 90. WM- In diesen Bersanimlungcn erfolgt die Ausstellung der Delegierten zur iZeiieraloersammIung 1903. 156/1 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der INitglieder ist dringend notwendig. Die Drtsverwaitnirg. Sonnabend, den 21. Febrnar 1003: & Grosser Aliener jVIaskcnbaU � bei doppelt besetztem Orchester in den GcsniiUräumcn des Gcwerlschasts» Hauses, Engel-Ufer 15.— Während der istaffeepausc humoristische Vorträge. Ansang Sll, Uhr. Entree 50 Pf. Ende? V— Billets sind in den Vcr- saininlunge», im Bureau sowie bei den bekannten Kollegen zu haben. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Da. Verguügung.komitee. I. A.: VI. Tuschke, Erünauerstr. 10, IV. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Eugcl-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt VU, 353 Sonnabend, den 10. Jannar, abends S'.'o Uhr: Mm Her llertraiienslei i CHaMDliun bei Pasche, Potsdamerstrahe 44. Sonnabend, de» 10. Januar, abends 8V., Uhr: Konferenz der Verirauensleute des Nordens bei Tiekc, Ackersirahr 123. - Zahlreichen Besuch erwartet 110|/8 Die OrtsTcrwaltnng. Dr. Simmel, IT": «pceialarzt für(öö/U* Haut- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Samstag« 10-12, 2-4. Charlottenbttrg. M. 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Segener Skalitzerstraße 28, Stadtbezirk 89, gestorben ist. Die Beerdigung findet am Frcilagnachmittag nni 4 Uhr von der Leichenhalle des Thomas- dlnchhofcs in Kirdorf, Hermann- ftraße, aus slali. 242/3 Der Vorstand. Verband der lapllierer. ElUale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege 'Oskar Rössler am 6. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Frei- lag, den 9. Jannar, nachmittag» 3'/. Uhr, von der Leichenhalle des ttulienstädtischen ölirchhoses. Rix. dorf, Hcrmaimstr. 190, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 1*7,1 Die Ortsverwaltung. Krnnken-UntkMhunys- nnb Kegräduiskafft der ffbcnuridjtfr Krrlins. (E." H. Nr. 50.) Sonutag. den lv. Januar, 10'/.. Uhr, bei Feind, Weinstrnße 11: Genersi-Versammtung. TageS-Ordnung: I. Abrechnung vom 4. Quartal 1902 2. Bericht der Revisoren. 3. Vorstandswabl: a) Wahl eines 2. Vorsitzende«, d) Wahl eines Kassierers, c) Wahl eines Kontrolleurs. 4. Wadl der Ersatzmänner. 5. GeschäsilichcS. 1412b Der Vorstand. I. A.: Gustav B u I f e. kiMkr-hailfolmemif „BeHin». _ Sonntag L Uhr: Hallcfchos Thor nach Steglitz bei Schellhaafe. Donnerstag, den 15. Januar: Bersammlung bei vleadt, Königsgraben IIa. Slnmeldungen zu meinen uncnt- gettlichen Unterrichtsslundeir für talcnlicrtc mibemittclte Damm und Herren, die sich der Bühnenlausbabn widmen ivollcn. nehme ich täglich von 9—10 und 1—3 entgegen. 1420b Dr. Hax Albcrty, Regisseur am Rciidenz-Theaicr. Eharloitenburg. Fricdbergftt.:!4, IV. le�deellels fesfsäle, Sophlenstr. 3-1, Inhaber: Julius Hokftnan». zu größeren 1416b Beriammlniigc» und Festlichkeiten. Kleine Anzeiue n» W- Wort feit. Worte mehr als M«h Mi Mm M M J> Wm Ä M mm M WM MM M M G in de y_te Bueketabon zählen doppelt. JM JM �_£ Amefffen fäm£eT'J!Z'tn In den Annahmeitelten für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte ht*/ Uhr, in der fjauptexpedition. Lindcnstr. 69, bis-i Uhr aitgenuinmen, W/o~A rden JB uk Mm m Verkäufe. Schaukgeschäft straße 16. billig Markus- +45* Scifeugeschäft zu verkansen. 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Der ehr- liche Finder wird gebeten, gegen gute Beiobnung die gefundenen Gegenstände abzulicscrn. PensionLhm, Potsdamer- swaße 29._ 56/3 Arbeitsmarkt. Stellenangebote. 1 Blockaussetzcr verlangt, Schilp, Eldenaerstraßc 8. dauernd. 1388b' Mamsell, ans Jacketts außerm Hause verlangt Fritz, Erenzstr. II, II. Im Arbeit.inarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeige« koste« 4V Pf. pro Zeile. Achtung, Hobarbeiter! Gesperrt sind folgende Werkstätten für Tischler, Einsetzer, Maschinen- arbelter mid Polierer: Lux u. Engelbrccht, Görlitzer User. Zache, Fruchlsw. 8. Warner, Krautstt.52(Gewerbehof). Schubert, Kaslanien-Allee 10. Bautischler K. Walter, Holsteiner User 15/t6. Liezijeivski. Küswinerplatz 9. Die Lrt.verwaltuug. Veranttovrilicher Redaiiem: Gart Leid in Berlin. Für den Jnseralcuteit verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Dnick und Verlag: VorwöriS Buchdruckerci und Vcriagsanstalt Paul eiliger � Eo., Berlin Sitz.