Nr. Ä7. Bbonncments-Bcdingungcn: WoimemcntS- PrciS pränmnerlUldo: BlcrtcljShrl. 8,30 Mk,, mmiatl. l.lv Mk., IvöchenUich 28 Pfg. frei WS Haus. Einzelne Summer 5 Pfg. EoimlagS- nuuuncr uiit illustrierter SomüagS- Beilage„Die Reue'.Seit" 10 Psg. Post- Slßonncmctü: 1,10 Mark pra Monat. Eingetragen in der Post-Zeitung?- Preisliste für 1003 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Iwgarn 2 Mark, für das übrig« Ausland 8 Mark pro Monat. ÄO. Jahrg. Die Tnfertions'Gebflhr beträgt für die fcchSgcspaltcne Kolonef- zeilc oder deren Raum 40 Pfg., siir politische und gewcrlschastliche Vereins- und Persainmlungs-Anzcigcn 20 Psg. „Klein« Hnieigen" jedes Wort 5 Psg. tnur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Summet müssen bis 4 Uhr nachmMags in der Expedition abgcg�c» werden. Tic Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- nnd Festtagen bis KNhr vormitttags geSjjnet. ktichstül täglich außer montags. Devlinev Volksvlakk. Telegramin-Ndressei „Zotlaliiemoßrat«er»»-. Centralorgan der locialdemokratifchen Uartei Deutschlands. Kectaktion: SM. 68» �.inclenstvasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Sonntag, den 1. Febrnar 1903. Bxpcdition: SM. 68» Lindcnotraasc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. „Eilte sittliche, eine ethische Pflicht!" Ms eine sittliche, eine ethische Pflicht hat der Staatssekretär des Innern Graf P 0 s a d 0 w S k y in der Sitzung des Reichstages vom 23. Januar die strikte Durchführung des Wahlgeheimnisses be- zeichnet. Eine Regierung, die die vollständige Wahrung des Wahl- geheimnisses anstrebe, führe lediglich Sinn und Geist des vcr- fassungSmäßigen Wahlrechts aus. Nach welchen Gründen werden nun die Verbündeten Regierilngcn dein Verlangen der Freisinnigen nach einer Ncueintcilung der Wahl- kreise begegnen können? Das Wahlgesetz vom 31. Mai 1869, aus das sich der Arsikel 29 der Verfassung bezieht, bestimmt in seinem ß ö: In jedem Bundesstaate wird auf durchschnittlich 199 999 Seelen derjenigen Bevölkerungszahl, welche den Wahlen zum ver- sassunggcbcnden Reichstage zu Grunde gelegen hat, ein Ab- geordneter gewählt. Ein Ueberschusi von mindestens 99999 Seelen der Gcsamtvcvölkcrung wird volle» 199999 Seelen gleich gerechnet. In einem Bundesstaate, dessen Bevölkerung 199999 Seelen nicht erreicht, wird ein Abgeordneter gewählt...... Eine Vermehrung der Zahl der Abgeordneten infolge der steigcndeu Bevölkerung wird durch das Gesetz bestimmt. Das Versprechen einer neuen gesetzlichen Regelung wird im Artitcl 29 der Verfassung ausdrücklich Iv i e d e r h 0 l t. Die Beibehaltung der alten Wahllrcis-Einteilmig, die eilte uit- gchcuerliche Benachteiligung der industriellen Bevölkernng und ein faltischeS Pluralwahlrecht der landlvirischafllich thätigcn Bolls- teile bedeutet, stellt demnach einen schwere» Verstoss gegen die sittliche und ethische Pflicht der verbündeten Regiernngen dar. Sie bc- weist, dag die Regierungen bisher wenigstens nicht gewillt waren, den Sinn und Geist des verfassungsmäßigen Wahlrechts aus- zuführen. Betrachten wir zunächst die Zahl der Abgeordneten, die den Einzclstaatcn zukommen. In Preußen Ivcrdcn 235 Abgeordnete zum Reichstage gewählt statt 343, in Bayern 48 statt 62, in Sachsrn — dem socialdcmokratischcn Sachsen!— 23 statt 42, in Württemberg 17 statt 22, in Baden 14 statt 19, in Hessen 9 statt 11, in Sachsen-Weimar und Oldenburg 3 statt 4, in Braunschweig 3 statt ß, in Sachscn-Altcnburg 1 statt 2, in Anhalt 2 statt 3, in Bremen 1 statt 2, in Hamburg 3 statt 8, in Elsaß-Lothringcn 15 statt 14. Noch viel schlimmer zeigt sich die dem Sinne und Geist der Verfassung»vidersprechende Ungleichheit des Wahlrechts bei Bc- trachtung der einzelnen Wahlkreise. So wählten u. a. bei der l'ietchstagoivahl vom Jahre 1898 je etilen Abgeordneten die folgenden Wahlkreise: Berlin VI........ mit 586 926 Einwohnern Teltow-Beeskow-Charlottcnburg... 595 395„ Berlin IV......... 499 931 Berlin II........„ 328 753„ stttederbarnim....... ,, 229 233„ Potsdam-Osthavelland-Spandau„ 185 749 Ter in Berlins Nähe gelegene ländliche Wahlkreis Ost-Prignitz hat dagegen mir mehr 6« 118 Einwohner. Siebzehn Wähler aus Berlin VI wiegen erst einen Lft-Prignitzrr aus! Ost-Prignitz hat ein achteinhalbmal so kräftiges Wahlrecht wie Berlin VI. Aber auch im Schöße der Reichshauptstadt selbst macht sich die Ungleichheit des Wahlrechts in schärfster Form geltend. Berlin I hat nur 99657 Einwohner, es hat also ein fast scchScinhalbmal slärlcrcs Wahlrecht als Berlin VI. Insgesamt zerfielen die Wahlkreise von Berlin und dem Regie rungsbczirk Potsdam in vier Kreis« mit zurückgehender und 12 mit wachsender Bevölkerung. In den zurückgebliebenen»reisen kam ein Abgeordneter auf durchschnittlich 89 439, in den wachsenden aber erst auf 252 333 Wähler. Achnlich liegen die Dinge in den andern Großstädten und Jndusttiebezirten des gesamten Deutschen Reiches. So wählten je einen Abgeordneten: Beuchen mit 253 984 Einwohnent. Kattoivitz mit 236 369. Magdeburg mit 214 424, Halle a. S. mit 293 911,»iel mit 225322. Bochuiu-Gclscukirchcn mit 429903, Dortmund-Hörde mit 303 360, Frankfurt a. M. mit 225 992, Lcnnepp-Aicttmanu mit 293 699. Elberfeld-Barmen mit 262 196, Düsseldorf mit 259 893, Essen mit 294 977. Duisburg mit 284319.»öln mit 215 853, München II mit 327 713, Nürnberg mit 217 373. Dresden-Zleustadt mit 227 262. Dresden l. d. Elbe 216 274. DreSden-Altstadt mit 299 782, Leipzig�and mit 334 369, Ehenmitz mit 247 264, Zwickau mit 296 884. Stuttgart mit 292 847. Hamburg III mit 374 331 Ein- wohnern., Rechnen wir die Wahlkmie von Berlin und Potsdam dazu, so erhalten wir im ganzen 29 Wahlkreise mit mehr als 299999 Ein- wohnern. Dagegen giebt es— die kleinen Euizelstaaten nicht gerechnet— 20 Wahlkreise, deren Einwohnerzahl weniger als 89999 beträgt. Darunter befindet sich Laucnburg mit 59 931 Einwohnern. Tie Stimme eines Laucnburgcrö wiegt fast zwölfmal so schwer wie die ciucs Berliners aus dem sechste» Wahlkreise! Unter den noch be- stehenden Kleinstaaten paradiert Schaumburg-Lippe mit 41 224 Ein- wohnern. Daß dieser Zustand, der sich naturgemäß seit den letzten Wahlen nur noch verschärft hat, dem„Sinn und Geist des verfassungsmäßigen Wahlrechts" cntt'pricht— wird das Graf Bnlow oder Pofadowsky wirklich behaupten wollen? Tiefer Zustand widerspricht aber nicht nur dem„Sinn und Geist", sondern auch dem klaren Wortlaut der Verfassung. Der Artikel 29 bestimmt die Abgeordnctcnzahl der süddeutschen Staaten „bis zu der gesetzliche» Regelung, welche im§ 5 des Wahlgesetzes vom 31. Mai ivvu vorbehalten ist". Damit loird klar ausgesprochen, daß so bedeutend« Verschiebungen der Bevölkerung, wie sie seit den letzten 33 resp. 31 Jahren vor sich gegangen sind, auch im Wahlgesetze Berücksichtigung finden müssen. Eine Regierung, die„ihre sitttiche, ihre ethische Pflicht" gegenüber der Verfassung nicht gröblich mißachten wollte, müßte aus eignem Antrieb ein gerechtes, dem „Sinn und Geist" wie dem Wortlaute der Verfassung entsprechendes Wahlgesetz auch von einem widcrsttcbeuden Reichstage mit Eni- schiedenheit einfordern. Scheinbar stehen die Verhälttnsse im Reichstage aber gar nicht so ungünstig. Bekanntlich hat erst vor ivenigen Monaten der CentrumS- führcr Spahn erklärt, die Neuaufteilung der Neichstagskreise werde sich nicht mehr länger atifschieben lassen. Wenn Herr Spahn dabei leinen liguorianischen Gcdaukenvorbehalt gemacht hat und seine Partei in seinem Sinne, d. h. im Sinne der Verfassung und ihrer sittlichen, ihrer ethischen Pflicht handeln sollte, dann verfügte die Reform des Wahlgesetzes im Eenttinn, bei den Freisilmigen und den Socialdemokratcn über 295 sichere Stimmen, sechs Stimmen mehr also, als zur absoluten Mehrheit erforderlich ist. Es ist aber sehr fraglich, ob da-Z Eentrum seine ganze Mannschaft für das neue Gesetz aufbieten würde, ivcim cS sich dessen Folgen für ihre eigne Partei auf dem Papier ausrechnet. Es giebt in Wirllichkcit nur ein Argument, das gegen Wer- sassung und Wahlgesetz zeugt. Wollte die Regierung Ernst machen, dann würde die Socialdemolratie die Zahl ihrer Mandate um das Doppelte vermehren und die bei weitem stärkste Fraktion des Reichstages werden. Es ist also zum mindesten begreiflich, daß sie sich um die Verfassung herumzudrücken suchen, so lange es eben geht. Nicht zum ersteumalo wird es dann die Socialdemokratie er- leben, daß die herrschende Macht im Klassenkampfe auf„ihre sittliche, ihre cihische Pflicht", auf„Simi und Geist des verfassungsmäßigen Wahlrechts" pfeift. Diese armen Starken, diese ruhmredigen Machtproben, diese Bramarbasse der inneren lvie der äußeren Politik, sie fürchten sich vor dem Gesetz und vor dem Volke. politifcke(leberlickt. Berlin, den 31. Januar. Tas ttinderschust-Gcsetz Ivurde am Sounabcnd im Reichstag in zlveiter Lesung erledigt. An Arbeitseifer ließen es die lveitigen Reichstags- Abgeordneten also nicht fehlen, die an socialer Rcformarbeit so viel Interesse nahmen, das; sie zu solchen Beratungen im Hause erscheinen. Leider ließen sich tvesentlichc Verbesserungen gegen die Kommissionsbeschlusse im Plenum uicht erzielen. Alle unsre Anträge, die von Ä u r in uud R e i ß h a u s verteidigt wurden, blieben in der Minderheit und nur zlvei kleine Verbesserungen, die vom Centruut und von Areisinntgen vorgeschlagen wurden, fanden Annahnte. Die Mehrheit lehnte ab, die zwei Millionen Kinder, die in der Landwirtschaft und im Gcsindedienst beschäftigt werden, unter den Schutz dieses Gesetzes zu stellen und weiter die llntcrscheidnng zwischen eignen und fremden Kindern zu beseitigen, lieber die Hüte- Ander und ihre Moral wurde wieder außerordentlich viel geredet. Tic Rechte erlebte die Ueberraschung, in dem freisiningen Volksparteiler B r ä s i ck c einen Mann nach ihrem Herzen zu finden, der mit großem Eifer das Los der.Hütckinder pries und sich als Mann der Praxis gegen ein Verbot dieser Beschäftigung in Rücksicht auf die Leutenot aussprach. Ihm wurde lebhafter Beifall von den Bänken der Rechten zu teü und Herr G a m p hieß sehr vergnügt diesen Schwurzeugen willkommen. Der Freisinnigen Boltspartei war bei alledem nicht wohl zu Mute, nnd sie ließ durch Herrn Zwick ihren Fraktionsgenossen Bräsickc ziemlich energisch desavouieren. Auch von Herrn A g a h d war viel die Rede. Graf Pofadowsky erkannte in warmen Worten die verdienstvolle Arbeit des Rixdorfcr Lehrers an, während Herr G a in p ihn wieder als gefühllos roh verleugnete. Leider hat Herr Agahd in der„Socialen Praxis" in Bezug auf die Beschäfti gung von Kindern in der Landarbeit einen andren Standpunkt eingenommen, als in feinem Buche. Unsre Redner waren also gezwungen, sich mit ihm darüber auseinanderzusetzen. Ein besonderes Interesse beanspruchte in den VerHand- lungcn eine'Ausführung des Grafen P o s a d o w t y. die sich mit löblicher Entschiedenheit gegen die Auslegung wandte, die das Breslauer Oberlandesgeiicht in einem Streitfall dem in der socialen Gesetzgebung häufig wiederkehrenden Aus druck gegeben hat: eine Pause ist zu gewähren. Die Breslauer Richter hatten einen Satz aufgestellt, daß der Unternehmer nicht verpflichtet sei, für die Innchaltung der Ruhepausen zu sorgen. Damit ist in der Thal die ganze sociale Gesetzgebung in Gefahr gestellt, weil ihr die Zwangsbcfugms genommen wird. Der Staatssekretär des Innern wies nachdrücklich darauf hin. daß das Reichsgericht in verschiedenen Fällen einen geradezu cnkgcgenacsetztcn Standpunkt eingenommen hätte, von dem richtigen Grundsatz geleitet, daß derartige öffentliche Rechtsbestirnmungeu zum Schutze einer ganzen Gesellschaftsklasse gegeben seien und nicht durch private Verträge abgeändert werden dürften. Vielleicht ist die Ansicht des Grafen Pofadowsky von einigein Gewicht für die Gerichte. Sic ist auch die Ansicht des ganzen Reichtags, wie von vcr- schiedenen Seiten fcstgeftcUt wurde. Am Dienstag beginnt die zweite Lesung des Etats mit dem Etat des Reichstags, des Reichskanzlers und des Reichsmnts des Innern.— Tralehnen vor dem Landtog. Im Abgeordnetenhause kamen am Sonnabend bei der zweiten Lesung des Etats der GestütSvertvaltung die durch den Trakehncr Prozeß enthüllten Zustände auf dem Gestüt Trakehnen zur Sprache. Ter Held dieses Prozesses, Landstallmeister von Oettingen, dem nach dem Urteil aller Unbefangenen die Hauptschuld au den Verhältnissen beizumessen ist. wohnte der Verhandlung in der Diplomateuloge bei. Daß es um die Sache des Landstallmetsters faul bestellt ist. ging schon daraus herbor. daß der Berichterstatter, der lonserbatibe Ab- geordnete v. Arnim ganz gegen allen Brauch es für nötig hielt, in seinem Referat weniger über die Borgänge in der Kommission zu berichten, als vielmehr von vornherein die öffentliche Meinung gegen die Lehrer in Trakehnen zu beeinflussen und sin.Herrn v. Oettingen eine Lanze zu brechen. Er wurde Yierfiir verdienter- maßen vor versammeltem Kricgsvvlk von den"lligg. Dr. Fried- b c r g(uatl.) und Dr. Wie m e r(frs. Bp.) rekttfiziert. Als Ankläger gegen Herrn b. Oettingen trat der Abg-- Rektor Kops chr ü ch e Deutschlands, Englands und Italiens in ungefähr ö Jahren bezahlt fein werde. Die belgische« Forderungen belaufen sich auf 12 Millionen Frank. Man„erwcrrtet" also, daß die deutschen Forderungen in sechs Jahren befriedet sein werden 1 Vorausgesetzt, daß bis dahin Venezuela nicht abermals durch neue Revolutionen zahlungsun, fähig gemacht worden ist! Die Aussichten der Exekutionsmächte sind jedenfalls noch zehnmal vager, als die in Chi» a. Und doch erklärte selbst K a r d o r f f bei der Etats- beratung, daß nur noch„O p t i m i st e n" an die Zahlung der chinesischen Kricg-Hentschädigung glaubten I Also ein Bombenerfolg der ck>eutsch-englischen Venezuela-Stvategie! Darum du e diversen deutschen Schießaffairen, die Volke rrechtSbrüche, das drohende Schwingen der gepanzerten Faust, die Verfeindung mit dcn Bcr- einigten Staaten! Eine Exekution wollte man vornehmen lind was erhält man im g ü n st i g st e n Falle? Einen lv c r t l v s e n Wechsel, zahlbar in 6 oder auch 12 Jahren! Darum die marinistische Macht- entfaltung, die K-deni nicht einmal genügte, ein Fort der venezolanischen„Mestizen" wirklich zum Schweigen zu bringen! Darum die auf viele Hunderttausende sich belaufenden Exekutionskosten, die der deutsche Steuerzahler auf- zubringen hat!—_ Der große Streik im Transportgewerbe in Amsterdam, der sich neuerdings auch auf die Eiseubahnen, sowohl die staatlichen >vic die privaten, erstreckt, ist hauptsächlich auf die Weigerung der Arbeiter in verschiedenen Zweigen des Transportgewerbes Streik- arbeit zu verrichten cider init Streikbrechern zusammen zu arbeiten, zurückzuführen. Den ersten Anlaß gab ein Streik der Dockarbeiter einer Firma, der„Blaulohoedeuveem". Diese Firma hatte sich fort- dauernd geweigert, den im Jahre 1900 von den Dockarbeitern Amster- dams mit den llnternehriern vereinbarten Tarif aufrecht zu erhalten. Die Arbeiter hatten nun unter anderm auch die Forderung gestellt, daß keine Unorganisierten beschäftigt werden sollten und dies wurde in den. Uebereinkommc«, das vor etwa 11 Tagen mit der Firma abgeschlossen wurde, insofern zugestanden, als eS der Organi- sation der Arbeiter anheimgestellt wurde, dafür zu sorgen, daß keine Unorganisierten in die Arbeit kommen. Somit war dieser Streik glücklich beendet. Inzwischen aber waren die Unorganisierten von der Blauwhocdenvcem nach einem andern Arbeitsplatz der„Singaporelords" geschickt worden. Hier weigerten sich die organisierten Hafenarbeiter, mit den Leuten, die sie alS Streikbrecher culschen mußten, zusammenzuarbeiten, und die Folge war, daß oß Hafenarbeiter entlassen wurden. Vergebens versuchte die Orgamsation vermittelnd einzugreifen. Als dann das Dampfschiff„Essen", das andern OrtS nicht gelöscht werden konnte, nach den Krähnen der holländischen Eifenbahngesellschaft geschickt ivurde, richtete die Nationale Föderation der Transportarbeiter an die Direktion das Ersuchens diese Arbeit nicht zu übernehmen, um einem Konflikt mit ihrem Personal auszuweichen. Man kehrte sich aber nicht daran und, um nicht Streikarbeit zu verrichten, traten die Arbeiter und Angestellten dieser Güterstation in den Streik oder wurden wegen ihrer Weigerung cirtlassen. Am Donnerstagabend hat dann eine allgemeine Versammlung von Eiscnbahn-Aiigestellte» mit 702 gegen 28 Stimmen und 31 Stimmenthaltungen beschlossen, eine Konferenz mit der Adnrinistration nachzusucheil und, falls die Forderung, daß keine Güter fiir die vom Streik betroffenen Firmen verladen werden, nicht bewilligt wird, den all- gemeinen Ausstand für das gesamte Eisenbahnpersonal zu proklamieren, daß sowohl der Güter- als auch der Personenverkehr stillstehen sollte und zwar im ganzen Lande. Die vier per- schiedenen Eisenbahner-Orgamstitionen haben ein Manifest an die Einwohner Amsterdams verbreitet, worin die Ursachen des Konflikts erörtert werden und es unter anderm heißt: „Dieser Kampf, an dem gut 8000 vereinigte Eisenbahumänucr beteiligt sind, woran sich noch ungefähr ebenso viele unorganisierte anschließen werden, soll zugleich auch dazu dienen, uusre Löhne, die für die Mehrzahl nicht höher sind als zehn Gulden pro Woche etwas zu steigern und unsre Arbeitszeit, die in der Regel nicht wenigen als 11—16 Stunden pro Tag bc- trägt, etwas zu vennindern..." In derselben Weise und durch dieselben Ursachen wie die Eisen- bahner sind auch die Fuhrleute, die Packhausarbeiter, Kutscher und selbst Arbeiter, die mit dem Transport nichts zu thun haben, wie die der Zuckerraffinieren in die Bewegung gezogen worden. Wie weit sich der Streik, falls die t»wschiedenen Versuche zur Beilegung erfolglos bleiben, ausdehnen wird, ist jetzt noch nicht abzusehen.— Wie gestern von uns gebrachte telegraphische Meldungen zeigen, ist der Streik der Eisenbahner zur Thatsache geworden, da die Verhandlungen mit der Direktion der Holländischen Eisenbahn- Gesellschaft keinen Erfolg hatten. Mit einer Einmütigkeit, die lebhafte Anerkennung verdient, haben die Eisenbahnangcstellten die Arbeit eingestellt, und Iveitere Scharen ihrer Kameraden werden dem gegebenen Beispiel folAiii, so daß der Eisenbahn- verkehr vielleicht schon jetzt in ganz Holland ruht. Wie aus den gestrigen Meldungin hervorgeht, hat die hol- ländische Regierung, fteundnachbarlichen Beispielen folgend, Militär nach Amsterdam entsandt. Welchen Zweck das Truppen- aufgebot hat. ist zwar nicht mitgeteilt, aber daß es sich nur gegen die. Streikenden richten kann, erscheint nach allein, loas man von Eingriffen der Behörden bei Streiks gewohnt ist, als selbstverständlich. Nun, die holländischen Eisenbahnarbeitcr scheinen entschlossen, ihren Streik trotz Regierung und Militär durchzuführen. � � Die neuesten Nachrichten über den Streik lauten: Amsterdam, 31. Januar.(W. T. B.) Das Komitee der Aus- ständigen hat de« Eisenbahndircktionen mitgeteilt, daß, wenn die Staatsbahn ivcitcr Züge von oder nach Amsterdam verkehren lasse, der Ausstand im ganzen Lande unverzüglich proklamiert werden würde. Die Eisenbahndirektionen haben darauf eingewilligt, den Berkehr vollständig einzustellen.— .« Deutsches Reich. Tie Reichstags-Wahlen sollen— wie die„Münchener Neuesten Nachrichten" melden— bereits Ende Mai stattfinden.— Zum Fall'Willich erklärt jetzt die„National-Zeitung" gegenüber den�Dementi Podbiclskis, der Minister habe selbst durch Aeußerungen zu bekannten ertremen Agrariern sicb das Verdienst an der Milderung des chrciigericknlichen Urteil» zugeschrieben. Er scheint's also wieder vergessen zu haben, wie den Lausekanal. Gegenüber den Verdächtigungen des„ReichSboteu" wird jetzt offiziell erklärt, daß niemals ein Ehrengerichts-Verfahren gegen Willich anhängig gewesen sei.— Tic Not der Landwirtschaft. In Nr. 48 des führenden Bündler- organs, der„Deutschen T a g e s z e i t u n g", befindet sich folgendes Inserat: Wer die Absicht hat, M o n a c o zu besuchen, erhält g u t c n R a t unter B. O. 1990a an d. Verl. d.Ztg. Die Not unsrer strohdachflickenden Junker mutz in der Thai sehr groß sein, daß ein gutmütiger oller ehrlicher Seemann den armen Strohflickenden mit Ratschlägen unter die Arme greifen will, wie die Bant in Monaco zu sprengen ist. Oder verbirgt sich hinter dem O. B. mir ein Agent der Bank, der den Zollwucherprofit nach Monaco leiten zu können hofft?— Zur Reichstags-Ersichwahl in Schleswig-Eckernförde liegt heute folgende, von der gestrigen Meldmlg des gleichen Bureaus total abweichende Wolffschc_Nachncht vor; Bei der Reichstags-Ersatzwahl im 3. schleswig- holsteinschen Wahlkreis wurden nach neueren Feststellungen gezählt für Speth- manu sfrs. Vp.) 1985, Hoffmann(3oc.), 1199, Graf Reventlow var sie vertreten auf allen Departements-Konferenzen des verflossenen Vierteljahres. Im Oftober fanden vier solcher Konferenzen statt, im November und Dezember je zivei. Das Wochenblatt der Partei.„Le Socialiste", weist eine Steigerung der Abonnenten und des Einzelverkaufs von über 33 Proz. auf. Demnach darf man erwarten, daß das Partei-Orgau in nächster Zeit seine Kosten ohne Parieizuschnß wird decken können. Auch wurde ein besondrer Preßansschuß ernannt mit der Aufgabe, für die Ausbreitung der Parteipreffe zu sorgen. Auf Antrag der Seine-Föderation wurde beschlossen, die von dieser herausgegebene antimilitaristische Zeitung„Conscrit"(Rekrut) sobald als möglich in den Parteiverlag zu übernehmen. Die E i n n a h in e n sind vom 1. Ottober bis zum 31. Dezember um 1479 Frank 65 Cts. gestiegen. Int Hinblick auf die bevorstehenden zahlreichen Nachwahlen zur Deputiertenkammer soll von der Exekutivkommisston ein speciellcr Wahl- ausschuß ernannt werden. Der EinigungSkottgreß zu Commeutry hatte beschlossen, daß den einzelnen Gruppen vor dem I.April 1903 ein Programm- e n t w u r f vorzulegen sei, der dann ans dem nächsten Parteitag zur Berattutg kommen soll. Mit der Ausarbeitung des Entwurfs eines legislativen und eines Kommunal-ProgrammS hat mm der Centralrat die Erekutivkontmission beauftragt. Endlich hat die Konferenz„auS internationaler Solidarität" den Beschluß deS Jntcrnaiionalcit Socialistischcn Komitees betr. Verschiebung des A m st e r d a m e r K o n g r e s s e s aus 1904 ge- nehmigt.— Spanien. Ein großer Ausstand i>t iu der Provinz Taragona, in Rcus, ausgebrochen. Tie Lage lvird als beunruhgend geschildert. Die Zeitungen erscheinen nicht, die Ausständigen halten, ivie das W. T. B. meldet,-die Stadt in einer Art von Belagerungszustand und verhindern die Zufuhr von Lebensmitteln. Auch hie Land- arbeitet: schließen sich den Ausständigen, deren Zckflll jetzt über 7000 beträgt, an.— Ein ferneres Telegramm meldet: In Rens beginnt e? an Lebe n» mittel ii zu mangeln; die Proklamier u n g de» Kriegs rechts wi"d erwartet. Die Arbeiter in Barcelona verhalten sich ruhig; sie verlangen aber aufs neue den Ä ch st u n d c n t a g.— Amerika. Tie Neger-Frage wird in täglich Ivachsendem Grade zu einer der loichtigstrn Fragen der öffentlichen Erörterung. In der Legislatur des Staates Kansas wurde ein Gesetzentwurf eingebracht. den Negern da» Stimmrecht für die W a h l en zur StaatSlegislatnr zu e n t z i eh c n. Der Antrag findet in der allgemeinen Stimmung der Oeffentlichkcit starke Unter- stützung._ Hbcfeordnetcnhaus. 11. Sitzung vom 31. Januar. 11 Uhr. Am Ministcrrischc: v. PodbielSki. Abg. Bacnfch-Schmidtlein(ff.) hält die 1 Million Mark, die die Regierung zum Ausbau der hochwassergefährlichen Gebir�Sflüsse ausgeworfen hat, nicht für genügend. Im weiteren Verlauf semer Rede bestreitet Redner die Richtigkeit der Behauptung, die Abg. Bebel am 23. Januar im Reichstag aufgestellt bat. Abg. Bebel hat dort behauptet, daß in den schkesischcn Webereien in Erdmannsdorf") Löhne von 2 bis 7 Mark bezahlt werden. Mir liegt seitens dieser Fabriken eine Lohnstatistit vor, aus welcher hervorgeht, daß die Angaben des Abg. Bebel absolut unzutreffend und unbegründet sind.(Lebhaftes Hört! hört! rechts.) Abg. Bebel als hervorragender Führer der Socialdemokratie hätte ohne Iveitere» von selbst wissen müssen, daß cS in einer so großen industtiellen Gegend einfach unmöglich ist, erwachsene Arbeiter bei so niedrigen Löhnen zu beschäftigen.(Zustimmung rechts.) ES folgt der Etat der Gcftiitsvcrwnltmig. Bei den„ E t n'- nah m e n" gicbt Berichterstatter Abg.».Arnim eine Darstellung der KommissionS- verhandlungcit über die Trakchncr Schnlverhiillnijse. lLaudslallmeister v. Oettingen wohnt de» Berhnudlnngeu aus der Tribüne bei.) Abg. Kopsch(frs. Vp.): Ich will mir die Hauptsrage erörtern, ob die Schulaufficht bei dem Landstallmeifter v. Oettingen in den rechten Händen ist. Man kann von zwei Urteilen sprechen. Da» eine Urteil ist das des Gerichts, durch das Sanitätsrat Palzow zu 300, Lehrer Nickel zu 200 M. Geldstrafe verurteilt wurde, das andre ist da» Urteil der öffentlichen Meinung. das den Hauptzengeu in dem Prozeß, Herrn von Oettingen, schuldig sprach.(Sehr gut! links.) Diese Schuldigsprechung ist in den Blättern der verschiedenstcu Parteistcllung erfolgt. Herr v. Podbielski hatte zu meinen Klagen gesagt, wenn wirklich Chikanieruitgen der Lehrer erfolgt seien, so werde er eingreifen. Daß Ehikanierungen erfolgt sind, ist durch den Prozeß unwiderleglich festgestellt. Das Gericht hat ausdrücklich diesen Teil der Anklage fallen lassen. Ich hoffe nun, daß den Worten des Ministers schleunigst Thaten folgen werden. Ich ftage den Minister, was hat er bis jetzt gethan? Hat er eine Discipliitar-Uiitcrstlchung eingeleitet, bei der Licht und Schatten gleich verteilt war, bei der Herr v. Oettingen nicht zugleich An- geklagter und Richter ist? Ich bitte ihn, möglichst bald recht uu- parteiische Erhebimgeii anzustellen. Ich behaupte, daß mich nach dem Prozeß Chikaniermigen vorgekommen sind. Der Pächter der Gestüts- apothckc, Herr Schwengler, hat immer mit dem Lehrer Nickel in Verkehr gestanden, seine Aussagen im Prozeß sind dem Herrn v. Oettingen unbequem gewesen. Dem Mann ist jetzt ohne jeden ersichtlichen Grund die Fleischbeschau entzogen worden.(Hört I hört! links.) Er ist weiter von Herrn v. Oettingen beim Regierungs- Präsidenten wegen Vertriebs von Geheimmilteln und unlauteren Weit- belverbö denunziert worden. Der unlautere Wettbewerb soll in der Aufschrift„GeslütSapotheke" bestanden haben. Herr v. Oettingen verlangte die Aufschrift„Apothckc aus dem köuigltchen Gestüt von Trakehncn".(Große Heiterkeit.) Herr Schwengler ist übrigens, wie ich hinzufügen will, ein hochkouservattvcr Maiin. l.Hört! hört! links.) Ein zweiter Fall ist der de» Magazinaufsehers Schulz. Der Mann hat zwölf Jahre gedient, war Vieewachtmeister, hat sich glänzend geführt, wurde als Magazinauft'eher mit der Zusage beschäftigt, die erste frei werdende Beamteiistelle werde thrn zukommen. Auch Schulz war Prozeßzettge und mußte für v. Oettingen ungünstig aussagen. Tie Stelle wurde ftei, er bekam sie aber nicht, sondern ein Kutscher des Herrn v. Oettingen, der nur 3 Jahre gedient hat und die Hanptzeit Offiziersbnrsche ge- wesen ist. Schulz beschwerte sich und jetzt ist ihm gekündigt worden. Bebel hat von der Weberei in Z i l l c r t h a l geredet. Red. des„Vorw." Der Mann fliegt am 1. April auf die Strafle, Ivenn hier uichi nach Remcdur geschaffen wird. Ein dritter Fall betrifft die Frau Grätsch, der die Schulreinigung enzogen worden ist. Man bringt diese Eni- Ziehung mit der Thatsache in Zusammenhang, das; ihr Mann in denr Prozes; als Zeuge gegen Herrn v. Dettingen aufgetreten ist. Ein weiterer Prozeffzeuge Rechnungsrat Eichert ist gegen seinen Willen vensioniert werden.(Hört! hört! links.) Einen weiteren Fall, den des Dekonomen und Inspektors Steinbränck will ich hier nicht erörtern. Dagegen will ich darauf hinweisen, das; zu der diesjährigen Kaisers Geburtstagsfeier diejenigen nicht eingeladen worden find, die sich auf seite des Lehrers Nickel gestellt haben. Nur der Lehrer Friedrich, der in dem Prozeß eine sehr unschöne Rolle gespielt hat, ist ein- geladen worden.(Hört! hört! links.) Will der Minister ein derartiges Verquicken persönlicher Animosität mit patriotischen Feiern gutheißen? Die Heiligkeit des Eides wird nicht gegeschützt, Ivenn den einfachen Leuten die Uebcrzeugung bei- gebracht wird, daß sie für ihre wahrheitsgemäßen Aussagen Zurück- seyungcn und Nachteile erdulden müssen. So etwas sollte von Stützen von Thron und Altar nicht gutgeheißen werden.(Sehr richtig! links.) Nun zu dem Revisionsbericht des Regierungs- kommissarS. In diesen, Bericht wird die Baufälligkeit der Schul- gebäude bestritten. Diese ist aber von Herrn von Dettingen selbst zugegeben worden in einem Bericht au die Regierung in Gmnbinnen. Schon im Etat 1992 ist das Gebäude in Mattischkehnren als un- zureichend charakterisiert worden. Der Hauptklagcpunkt ist der, daß die notwendigen Reparaturen nicht gemächt worden sind, das dafür ausgeworfene Geld vielmehr für den Van eines Pavillons benutzt worden ist. Im Bericht heißt es, der Pavillon fei während dreier Jahre gebaut worden. Wenn dem Minister das mit seiner praktischen Erfahrung erzählt worden wäre, daß dieser Pavillon von Fachwerk für 5009 M. drei Jahre laug gebaut worden sein soll, er härte mit Recht gesagt: Solch einen Luuscpnvislon baut man in einem Monat.(Stürmische langauhaltcnde Heiterkeit.) Aus dem Vermerk über die 3 Jahre ziehe ich den Schluß, das; die Buchführung einer schärferen Kontrolle dringend bedarf. Tie Schulräume sollen genügend groß sein. Hat denn der Kommissar die Räume während des Unterrichts besichtigt? ES ist doch Thatsache, daß Kinder ans Platzmangel bei schriftlichen Arbeiten stehen mußten. Nach dem Bericht soll der Lawntennis- Platz nicht mehr existieren. An einer andren Stelle des Berichts heißt es: Seit der Verheiratung der Tochter wird der Lawntennis- Platz nicht mehr benutzt. Diesen Widerspruch finde ich klassisch. Er mahnt mich an das alte Wort: Erstens habe ich es nicht gesagt, zweitens habe ich es anders gemeint.(Heiterkeit.) Nun, Herr Minister,_ es ist nötig, daß Sie noch einmal revidieren lassen in eingehendster Weise und unter Zuziehung aller Beteiligten. Ich komme nun zu der Frage, worin sind die Ursachen dieser Er- scheinungen zu suchen V(Unruhe und Zwischenrufe rechts.) Die Sache ist für mich so ernst, daß ich für Ihre Unterbrechungen kein Verständnis besitze.(Sehr gut! links.) Diese Frage ist auch keine An- gelegenheit einer einzelnen Partei, sondern eine Frage, an der wir alle gleichmäßig interessiert sind.(Zustimmung links.) Ich glaube, daß die Ursache dieser bedauerlichen Erscheinungen die falsche OrgH, ffation der Gestütsverwaltung ist. Der Landstallmeister ist nicht nur Leiter über die Gestütsarbeiten, sondern auch Patron der GestütSschulcn. Der Leiter irgend eines Schulwesens.muß zweierlei besitzen: Verständnis und Interesse fiir die Schule. Waren bei Herrn v. Dettingen diese Eigenschaften vorhanden V Nein.(Zustimmung links.) Er hatte den Grundsatz fiir sich aufgestellt: Erst die Pferde, dann die Schule! Ob diese Worte wirklich gefallen sind, ist höchst gleichgültig. Fest steht, daß nach diesen Worten gehandelt wurde.(Sehr richtig! links.) Daraus mache ich Herrn V. Dettingen keinen Vorwurf, dafür war er ja Landstallmeister. Wie groß das Verständnis war, das Herr v. Oettingen der Schule angedeihen ließ, beweist die Thatsache, daß die Bänke im Trakehner Schulgebäude in einem miserablen Zustande sicb befanden.(Lachen rechts.) Eine schlechte oder mangelhafte Stalleinrichtung wird er nicht vergessen haben, da wurden schleunigst die Reparaturen aus- geführt, die Schule hatte Zeit.(Sehr gut! links.) Eine Besserung kann nur eintreten, wenn die Gestütsschulen der Aufsicht des Landstallmeisters entzogen werden.(Sehr richtig! links.) Die Gestütschulen sind Volksschulen im wahrsten Sinne des Wortes.(Lebhaste Zustimmung links.) Wohin soll es sonst führen? Räch Ihrer(nach rechts» Konsequenz könnten die Firma Krupp oder der Eisenbahnminister für die Kinder ihrer Angestellten ebenfalls eigne Schulen beanspruchen.(Sehr richtig I links.) Waren nun die Bestimmungen, die in Trakehnen gegen die Lehrer gehandhabt wurden, auch für andre Gestütsschulen maß- gebend? Nein, an andren Orten holen sich die Lehrer die Urlaubs- erlaubnis von den Schulaufsichtsbeamten.(Hört! hört! links.) In Trakehnen lag die Sache folgendermaßen: Herr Nickel bat den Kreis- Schulinspektor um Urlaub, welcher ihm gewährt wurde. Darauf wurde er von Herrn v. Dettingen bestraft, weil er die Erlaubnis nicht bei ihm eingeholt hatle.(Hört! hört! links.) Wenn Herr v. Dettingen richtig gehandelt hätte, so müßte er Herrn Nickel er- klärt haben:„Sie haben sich den Urlaub bei der nach Ihrer Meinung richtigen Stelle geholt. Das nächste Mal kommen Sie aber zu mir."(Seht richtig I links.) Dieser ewige Zweifel über die Kompetenz ist am meisten.schuld daran, daß so bedauerliche Vorkommnisse sich zugetragen haben.(Sehr richtig! links.) Wir alle sind der Ueberzcugung, daß die Prozeßverhandlnngen betrübender Art waren.(Widerspruch rechts.) Sie sind geeignet, unsren Stolz auf die Volksschule herabzumindern; betrübend aber auch, weil sie gezeigt haben, daß in manchen Klassen der Bc- bölkerung heute noch Schule und Lehrer sehr gering bewertet werden.(Sehr richtig! links.) Die Prozeßverhandlnngen habe» aber auch manches Gute gezeigt. Sie richten die Mahnung an uns, darauf zu achten, daß die verantwortungsvollen Beamten stets pflichtgemäß ihre Amtsgewalt ausüben. Sie haben uns gezeigt, wie in weiten Kreiseg der Bevölkerung für Volksschule und Lehrer eine höhere Bewertung vorhanden ist, als sie durch den Prozeß und die Maßnahmen der Regierung bewiesen ist. Und wclckcs Schlaglicht wirft der Trakehner Prozeß auf unsre Ost- markenpolitik! Trakehnen liegt dicht an der russischen Grenze. Ob Herr v. Oettingen nach allem, was die letzte Zeit uns kund gethan hat, der rechte Mann ist, um dort deutsche Kultur zu rechtem An- sehen zu bringen, das bitte ich die königliche StaatSregiernng doch ernstlich in Erwägung ziehen zu wollen.(Lebhafter Beifall links.) Landwirtschaftsminister v. Podbielski: Zunächst möchte ich einmal feststellen, welches der Ausgangs- Punkt des sogenannten Trakehner Prozesses war. Ein Herr Paalzow, dessen Vater, so weit ich weiß, schon seit langen Jahren in Be- Ziehungen zu der Gestütsvcrwaltung gestanden hat, der selbst als Frauen- nrzt hier in Berlin lebt. befaßt sich seit mehr denn zwei Decennien damit, die preußische Gestütsverwaltnng durch Broschüren:c. anzugreifen. Er hat fchließlich seine Angriffe auch gegen das Trakehner Gestüt gerichtet und Material gesammelt gegen den ersten Gestüts- beamten in Trakehnen. Mau wundert sich darüber gar nicht, das ist nun einmal das Metier dieses Herrn.(Unruhe links.) Ich will hier nicht feststellen, ob die betreffenden Lehrer schuldig sind an diesen unerfreulichen Verhältnissen. Das ist schwer festzustellen. Ich muß anerkennen, das; der Vorredner das Urteil nicht in den Rahmen seiner Betrachtungen gezogen hat; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und wir müssen in Ruhe abwarten. Eines möchte ich jedocb feststellen: das Gericht hat ausdrücklich fesigcstclll, daß Herr von Oettingen nicht in böser Absicht den Lehrern Schwierigkeiten bereitet hat.(Hört! hört! rechts.) Ich freue inich, daß der Vor- redner nicht auf die Wagen-Angelcgenheit eingegangen ist. Sonst würde er ihm vielleicht geantwortet haben:„stellt der Berliner Magistrat seinen Lehrern auch Wagen zur Bcrsügiiiig V"(Große Heiterkeit rechts. Gelächter links.) Für solche kleine Geschenke dankt man, man lrilisiert sie nicht. Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Manl. Herr v. Oettingen sagte sich sehr richtig: Ich werde den Lehrern dies Benefizium entziehen, damit sie sich bei andren Leuten nicht darüber betlagen können. Ick bin fiir diese Verhältnisse eigentlich gar nicht ver- antlvortlich, da sie in einer Zeit sich herausgebildet haben, in der ich noch nicht Chef der Verwaltung war. Ich habe ge- legsutlich einer Reise nach dem Osten Deutschlands einen Kommissar entsandt, der sich die Schülhäuser ansehen sollte. Als der Prozeß losging, hatte ich die Absicht, sämtliche Schulhäuser bildlich in einer'illustrierten Zeitung ver- öffentliche» zu lasse».(Große Heiterkeit).— Der Minister reicht den ihn umstehenden Abgeordneten Photographien jener Bauten, die von den Abgeordneten mit großem Interesse betrachtet werden.) Die Schule in Trakehnen ist von meinem Standpunkt ans viel zu luxuriös.(Unruhe links.) Tie würde für die Grunewald- Kolonie paffen. Tie Schulhäuser sind noch neu. Ich habe noch die Photographien von den alten Schulhäusern Trakehnens. (Der Minister übergiebt auch diese Bilder den um ihn herum- stehenden Abgeordneten.) Vielleicht giebt meine Rede einer illustrierten Zeitung Veranlassung, diese Bilder zu veröffentlichen. Herr Kopsch sagte, in dem Bericht von 1897 sei die Baufälligkeit der Schulhäuser anerkannt. Das ist ein großer Irrtum; in dem Bericht ist nicht von Schulhäusern, sondern von Scharwerkerhäusern die Rede. Räumlich lassen allerdings die Schulhäuser manches zu wünschen übrig. Die Herren werden mir aber zugeben, daß Mangel an Raum aus dem Lände bei solchen Schule» sehr oft vorhanden ist.(Lebhafte Zustimmung links.) Zu luxuriös dürfen die Schulen ans dem Lande auch nicht gebaut werde».(Große Heiterkeit! links.) Dem Magazinaufsehcr Schulz ist gesagt worden, wenn er sich eigne, solle er Saillermeistcr werden. Er hat sich aber nicht als tüchtig erwiesen und auf Grund der mir übersandten Berichte habe ich seine Entlassung verfügt.(Zuruf links: Wessen Berichte?) Das ist meine Sache, darüber lehne ich jede Antwort ab!(Lebhafte Zustimmung rechts.) lieber die Entlassung von Angestellten haben die Vorgesetzten zu entscheiden und niemand anders. Die Frau Grätzsch kenne ich nicht.(Heiterkeit.) Dem Pavillon hat Herr Kopseb eine Bezeichnung beigelegt, auf Grund deren er sich wohl sehr hüten wird, ihn« zu nahe z» kommen.(Stürmische Heiterkeit.) Ich glaube, ich habe neulich erklärt, das; ich mich nicht entsinnen könne, dies Wort vom Kanal gebraucht zu haben. Trotzdem Ivill ich zugeben, daß ich nicht beschwören könnte, eS nicht gebraucht zu haben.(Heiterieit.) Jeder von Ihnen kann doch in öO Tagen etwas sagen, was man wieder vergißt.(Heiterkeit.) Tie Herren in diesem Hause wissen ganz genau, wie ich über die wasserwirt- schaftliche Vorlage denke.(Lachen links.) Ein solches Wort patzte damals aber gerade in die öffentliche Stimmung. Tie Buchführung in Trakehnen ist in durchaus ordnungsmäßiger Weise vorgenommen worden. Ein Lawntennis-Plntz ist in Wirk- lichkcit nicht ausgeführt worden. Es handelt sich lediglich um die Unlspannung eines Stückes grünen Rasens mit einem Zaun. Das ist auf Kosten des Landstallmeisters selbst erfolgt. Der Vorredner meinte, das Urteil der öffentlichen Meinung sei bereits gesprochen. Wer aber weiß, wie unsre öffentliche Meinung beeinflußt wird, wie sie absichtlich irregeführt wird, der wird sich nicht so leicht über so schwer zu beurteilende Fragen hinwegtäuschen lassen. So soll ich plötzlich Einfluß ausgeübt haben auf ein ehrengerichtliches Urteil. Mir ist davon nichts bekannt.(Lebhafte Rufe: Hört! hört!) Ich habe das nicht nur in Sensationsblättern gelesen— von denen ist man ja so etwas gewöhnt(Heiterkeit)—, sondern auch in anständigen Blättern der Berliner Reichshaupfftadt.(Heiterkeit.) Ich habe mich immer vor den Kopf gefaßt: Wie ist es denn möglich, daß eine anständige Presse so etwas schreibt? Ich bin gespannt darauf, ob diese anstündige Presse auch ihre schweren Beschuldigungen znriick>nm»it. Die Presse jener Herren(nach links) hat diese Irreführung zu stände gebracht. Der Herr Vorredner hat mich gefragt, welche discipli- »arischen Mittel ich anzuwenden gedenke gegen Herrn V. Oettingen. Da muß sich Herr Kopsch schon gedulden, bis das rechtskräftige Urteil vorliegt; von diesem wird mein Vorgehen abhängen. Herrn Kopsch stimme ich noch in folgendem Punkte bei, nämlich, das; bei patriotischen Festen alle persönlichen Differenzen beiseite gelassen werden sollen. Sollten die Angaben des Herrn Kopsch richtig sein— ich weiß eS nicht, ich stehe der Sache als Novnm gegenüber(Große Heiterkeit.)—, so würde ich ein solches Verhalten ans das schärffte verurteilen. Sie(nach rechts) mögen sich mit meinen Ausftihrungen nicht einverstanden erklären(Lebhafte Zustimmung links)— es wäre ja auch schlimm, wenn wir alle einer Meinung wären— (Unruhe. Lebhafte Zustimmung links)— aber lassen Sie alles Persönliche aus dem Spiel. Ich bcdaure, daß der Vorredner so persönlich geworden ist.(Unruhe links.) Das Urteil über die Qualifikation meiner Beamten beanspruche ich als Vorgesetzter; es gebührt nicht dem Abg. Kopsch.(Große Unruhe links. Beifall rechts.) Abg. v. Lldcnbnrg-Januschau(lons.): Der Herr Rektor Kopsch (Rufe links: Abgeordneter!)— das ist er auch(Heiterkeit)— hat eine fürchterliche Musterung gehalten. Bei dem Tam-Tam, der feit Jahren in der Presse und auch hier im Hause über die Schul- Verhältnisse des Gestüts Trakehnen geschlagen ist, habe auch ich unter dem Eindruck gestanden, daß sehr erhebliche Mißgriffe vor- gekommen sein müssen. Es ist in einer Weise gelogen worden(Große Unruhe links), die zum Nachdenken an- reizen sollte.(Heiterkeit rechts.) Sie(nach links) stehen aus dem Standpunkt, daß wir von der Schule eigentlich gar nichts verstehen. (Stürmische Zustimmung links.) Eine ganze Reihe meiner politischen Freunde und auch ich haben den zweifelhaften Vorzug, Schulpatrone zu sei». Liegen denn die Verhältnisse in den ländlichen Schulen schlechter lvic in den städtischen Schulen?(Rufe links: Ja!) lieber die städtischen Schulen mag Herr Kopsch ja ganz gut Bescheid wissen, fiir die ländlichen Schulen ist er nicht kompetent.(Unruhe links.) Ter städtische Lehrer bekommt sein Gehalt und dann ist die Sache erledigt.(Zustimmung links.) Bei Landlehrer kommen aber noch Naturalien und Imponderabilien hinzu. Wir. vom Lande, scheuen un» vor jcdcni Konflikt mit der Lehrerschaft.(Sehr richtig! rechts.) Ich beanspruche auch für die rechte Seite des Hause», daß sie der Schule mit Interesse und Verständnis gegenübersteht.(Rufe link»: Nein! Rein!) Die Schuld au den Trakehner Zuständen haben größtenteils die Lehrer selbst.(Heftiger Widerspruch links.) Ich bedauere, daß sie sich von dein Herr» Nickel, es widerstrebt mir, den Name» diese» Hetzers nnd Aufwieglers zu nenne»(Lärm links), haben verfuhren lasse». Ich appelliere an alle, die mit ländlichen Zuständen vertraut sind, ob es nicht richtig ist, das; man den untergeordneten Organen den Verkehr mit den Lehrern nicht zu überlassen hat, sondern daß es absolut richtig ist. diesen Verkehr selbst in der Hand zu haben. Unter meinem Patronat war ich zuerst den Wünschen den Lehrer nachgekommen. Es hat nicht lange ge- dauert, da haben die Lehrer sich wieder mit ihren Wünschen direkt an mich gewendet.(Hört! hört! rechts.) Viel Aufhebens ist nun von dem Erlaß des Herrn v. Deiftiigen gemacht worden, der von der Benutzung der Wagen_ durch die Lehrer handelt. Auf diesem kleinen Leiterwagen fahren unter Umständen die höchsten Beamten. Ick, bin sehr häufig auf solchen Wagen gefahren. Das; daraus auch Schweine gefahren werden, will ich nicht bestreiten.(Heiterkeit.) Das darf einen aber nur genieren, wenn sie zu gleicher Zeit mit einem gefahren werden.(Erneute Heiterkeit.) Ein Tierarzt von mir weigerte sich einmal, auf solch einem Wagen zu fahren. Ich habe den Tierarzt abgeschafft und de» Wage» behalten(Heirerleit), denn ich empfand c» als eine ganz ungehörige Anmaßung des Tierarztes, es abzulehnen, ans" einem Wagen zu fahren, den der Ober- Landstallineistcr x-mal benutzt hatte. lSehr richtig! rechts.) Viel Staub hat auch der Urlaubserlaß aufgewirbelt. Dieser Erlaß gilt so gut für die nach Trakehnen konuuaudicrtcn Offiziere, die Roßärzte, wie für die Lehrer. Die Lehrer weigerten sich aber, den Erlaß anzuerkennen. Herr v. Dettingen beschwerw sich erst bei der Regierung in Gumbinnen, als da» nichts half, in Berlin, und ich muß sagen, wenn das'Ministerium energisch eingegriffen hätte, so wären die ganzen Skandale vermieden worden. Ten Lehren� hätte sofort klargcnnicht werden müssen, daß hier ein krasser Fall von Gchormsnms- Verweigerung liegt.(Länn links.) Meine Herren! Ich beanspurcke dasselbe Mas; von Verständnis für Lcbrcrbcyandlnng. aber auch für Wohlwollen für die Lehrer wie Sie. An mangelhaftem Wohlwollen für die Lehrer habe ich es nie fehlen lassen.(Stürmisches Lachen link».) Rufe: Das glauben wir!) Herr v. Oettingen entzog wegen dieser Gehorsamsverweigerung den Lehrern mm das private Fuhrwerk. Dazu lvar er berechtigt, denn zu Freundlichkeiten ist er nicht ver« pflichtet. Da kamen mm die schrecklichen Dinge vor, daß eine Frau nicht zum ersten Kirchgang fahren tonnte sc.:c. So schlimm ist das nicht.' Andre Leute müssen für Fuhrwerk auch Geld ausgeben. Nun soll Herr v. Oettingen gesagt haben, es sei ihm egal, ob so ein Kerl von der Regierung"kommt oder aus Berlin konimt. Er hat da» vielleicht auch gesagt. Aber ich möchte keinem von uns wünschen, daß er drei bis vier Jahre lang in seinen Privat- gesprächen ausspioniert wird, und daß das dann rücksichtslos in die Presse kommt. Ich meine, wir hätten alle Hände voll zu thun, Strafvollzüge hintanzuhalten, damit wir nur hier be- schlußfähig sein könnten. Ich glaube, wir würden fortgesetzt mir den Gerichten zu thun haben.(Sehr richtig! rechts.) ES ist auch ganz falsch, wenn c» so dargestellt wird, als ob es erst der Anregung hier von der linken Seite bedurft hätte, um in Trakehnen bessere Zustände zu schaffen. Herr v. Oettingen hat schon wenige Tage nach seinem Amtsanttitt in Trakehnen eine Besserung der Schulverhältnisse angeregt. Die neugebauten Schulen� sind geradezu mit verschwenderischer Pracht ausgeführt. Im Staats- betriebe mag da» ja möglich sein. Wir auf dem Lande sind jedenfalls nicht in der Lage, solche Paläste aufzuführen.(Aha! links.) Es ist auch der Vorwurf erhoben worden, Herr v. Oettingen habe die Sonntagsruhe nicht beachtet. Diesen Vorwurf halte ich für den schlversien und da ist eine Aussage de» Vorwcrksvorstehers Born kennzeichnend, die dieser unter Eid vor Gericht abgegeben hat. Da- nach ist der Lehrer Nickel zu Born gekommen und hat gesagt: „Ich bin verloren, wenn Sie nicht aussagen, daß Herr v. Oettingen Sonntags hat reiten lassen.„Als Born sagte, das könne er nicht sagen,"habe Nickel gesagt: Vor dem LandstaUmeister brauchen Sie sich nicht zu fürchten, der ist vom 1. Januar nächsten Jahres nicht mehr hier. Wenn er fort ist. wird alles, auch die Löhne, hier besser werden. Nicht unter Eid hat Vorn ausgesagt, Nickel habe noch hinzugefiigt: Ich habe schon als Ickjähriger Knabe einen Pastor au» dein Amt gebracht, ich werde auch den Land-Stallmeister aus dem Amte bringen. Born hatte den Eindruck, daß ihn Nickel zu einer falschen Aussage verleiten wollte. Die Ans- sage Borns ist in einem Bericht niedergelegt, der an den Minister abgeschickt worden ist. Ich frage den Minister, ob er darauf- hin die DiSciplinar-Ulitersuchniig gegen Nickel eingeleitet hat. Herr Nickel, der sich bedauerlicherweise an die Rockschöße de» Kollegen Kopsch gehängt hat, gehört jedenfalls nicht zu den Schul- meistern, die nach Bismarcks Ausspruch die Schlacht von Königgrätz gewonnen haben.(Sehr richtig! rechts.) Herr v. Oettingen hat den Lehrern viel Wohlwollen erwiesen, er hat ihnen reichliche Remunerationen zukommen lassen. Auch ich halte die Schule fiir eine ernste Sache und den für einen Narren, der nicht den Wert eines guten und tüchtigen Lehrers zu schätzen weiß. Als ich die Akten von Trakehnen durchstudiert hatte und zuschlug, da sagte ich mir mit Freude und Stolz, von allen den Lehrern, nur denen ich zu thun hatte, wäre kein einziger, der sich nicht für viel zu anständig gehalten haben würde, so gegen Herrn v. Oettingen vorzugchen, wie es Herr Nickel gethan hat. Gegen den Lehrer Nickel muß rücksichtslos mit einer Tisciplinaruiitersuchung vorgegangen werden.(Sehr richtig! rechts.) Die Lehrer von Trakehnen waren ungehorsam, einer von ihnen hat sich sogar zum Spion gegen seinen Vorgesetzten hergegeben. Die öffentliche Meinung ist seit Jahren nicht in so scheußlicher Weise irregeführt worden, wie in dem Fall Trakehnen. Mit Herrn Kopsch bin ich der Meinung, daß sick> eine Trennung der Schulaufsicht von der Gcstütsvcrwaltting empfiehlt. Den Mitgliedern des hohen Hauses empfehle ich, die Akten sorgfältig zu studieren. (Beifall rechts.) Ein Regierimgskommissar erklärt, daß die Aussage de» Herrn Born, so wie sie von Herrn v. Oldenburg vorgetragen sei, in dem Bericht stehe.(Rufe links: Eidlich?) Natürlich nicht eidlich, da sie nur die Wiedergabe einer vor Gericht abgegebenen eidlichen Aussage ist. Wenn da» Urteil gegen Nickel rechtskräftig geworden ist, wird der Minister sich entscheiden, ob eine Disciplinaruntersuchung gegen Nickel einzuleiten ist oder nicht. Hierauf tritt Vertagung ein. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr(Etat der indirekten Steuern. Fortsetzung der heutigen Beratimg.) Schluß Uhr._ parlatucntanlcbcö« WahlPrufungS-Kommission. In der Sitzung vom 39. Januar kam die Beratung über die Wahl de» Abg. Boltz(nationall.) noch nicht zu Ende. Die Fülle de?, im Wahlprorest angegebenen Materials wird kaum in der nächsten Sitzung bewältigt werden können, wenn die Einzelfälle der Wahlbeeinflussung fürder so breit- spurig verhandelt werden. Der Protest, der von der Centrums- Partei ausgeht, behauptet, das; diese Wahlbeeinflussung sich in drei- facher Art bemerkbar gemacht habe. Erstens sei der Kandidatur de» Justizrats B o l tz ein amtlicher Ebaratter, verliehen worden dadurch, das; die Direktion der staat- liehen Bergwerke fast ausschließlich die Leitung der Wahlagitation für Boltz in Händen gehabt habe. Das Amtslokal der Direktion sei auch das Preßvurcau für die Wahl Boltz' gewesen; Flug- blättcr usw., alles sei oon dort unter Führung des Obcrbergrats. Geheimrat Hilger, ausgegangen. Auch bei der Eisenbahn wurde Wahlbeeinflussung getrieben. Zweitens behauptet der Protest amtliche Beeinflussung unter Androhung von Vcrmögcnsn acht eilen Liefcrungsentzichung, Ablcgung von Bergleuten uslv.). Dritten» wird die Durchbrechung des Wahlgeheimnisses durch eine äußerst scharfe Kontrolle gegenüber den Arbeitern staatlicher Betriebe— zahlreiche Beamte kontrollierten— angeführt. Die Kommission beschloß bis jetzt schon, über eine Reihe der angegebenen Fälle Beweiserhebungen mi'tellen zu lassen, deren be- stätigendes Ergebnis allein zu einer Kassierung der Wahl führen müßte. Es bleibt aber noch der sehr gravierende Teil des Protestes zu prüfen, der die Durchbrechung des Wahlgeheimnisses bettifft. Zu einer Neuwahl dürfte es kaum noch kommen, da die Legislatur- Periode bald zu Ende geht. Aber e» ist charattcristisch, daß die WahlprüfnngS-Komntission jetzt zum zweitenmal dieselben unge- hcncrlichen Wahlbecinslussungen in jenem Kreise(2. Trier) zu prüfen hat, obgleich nach der ersten Prüfung ähnlicher Vorkomm- niffe wegen die Wahl kassiert wurde. Bei der Nachwahl trieben eS die uationalliberalcn Wahlmacher trotzdem wieder gerade so arg. wie bei der Hauptwähl. Diesen Treibereien sollte der Reichstag ganz energisch ein Ende macheu.— Die nächste Sitzung findet Mittwoch, -1. Februar, abends 8 Uhr, statt. partei-l�admckten. Parteilitterattir. Die Besprechung der aus Anlaß der.Krupp- Affaire in Essen und Breslau gehaltenen Kaiser-Rcden, welche irotz de» Maulkorb- Attentatsversuchs des Präsidenten Ballesttem seiien» nnsrcr Genossen Bebel und B o l lm a r im Reichstage ver-- anlaßt wurde, hat in allen politischen Kreisen solches Anstehen erregt, daß die Buchhandlung V o r w ä r t s eine Separat- ausgäbe in Broschürcnform veranstaltet hat. Sie erscheint Mitte nächster Woche zum Preise von 29 Pf. unter dem Titel: Die Kaiser-Rcden im Reichstage nnd die Socialdcmokratie. Um aber eine Massenverbreitung zu ermöglichen, ist eine Agitationsausgabe veranstaltet worden, welche in Partien von mindesten» 199 Exemplaren zum Preise von li M. pro 199 ab- gegeben wird. Partcipreffe. In die Redaktion des„Volksbotcn", unsres Sicitiuer ParreiblatteS, wird der Genosse Dr. Winter, bisher Arbeitersekretär in Benthen, eintreten. Genosse Herbert scheidet am 1. Juli aus der Redastion des Blattes an». Aus den Organisationen. Der socialdemokratische Verein Altona vermehrte im abgelaufenen Jahre seine Mitglicdcrzahl von 2221 auf oOSti. Die JahreSeinnahme betrug 12vsl> M. Der Llaffei'bcsrand beläuft sich aus 5009 M. Die Parteigenossen Badens halten ihren diesjährigen Parteitag am 23. Februar und 1. März in Offenbnrg ab. Sie werden u. a. über ein neues Organisationsstatut beraten. Ncbcr die Aufgaben der Arbeiterpreffe bekundet das Landgericht Breslau eine eigentümliche Auffassung. Der frühere verantwortliche Redakteur des Breslauer Parteiblattes, Genosse K l ü h s. hatte ini Anfang des Jahres 1991 von Mühlenarbeitern Mitteilungen erhalten über angebliche Mißstände in einer großen dortigen Mühle. tvobci auch über das Verhalten eines Wcrkfiihrers geklagt wurde. Da es hieß, daß der Besitzer der Mühle von den Borgängen keine Kenntnis habe, Klühs überdies nicht m der Lage war, die Angaben nachzuprüfen, richtete er an den Mühlcnbesiizer einen höflichen Brief, niachte ihm Mitteilung von den Klagen und empfahl die Sache seiner Prüfung. Er erhielt sofort zur Antwort, daß man die Sache untersuchen und ihm von dein Resultat in Kenntnis setzen werde. Zwei Tage darauf bekam er jedoch eine neue Zuschrift aus der Mühle, daß nach den vorgenommenen Untersuchungen„seine Anschuldigungen" durch nichts gerechtfertigt wären. Darauf veröffentlichte KlühS diesen Briefwechsel und nun folgte die übliche Beleidigungsklage. Klühs wurde jedoch vom Schöffengericht freigesprochen und ebenso jetzt von, Landgericht. Dagegen wurde sein Antrag auf Erstattung der Verteidigungskosten abgelehnt und dies vom Vorsitzenden so begründet: „Der Angeklagte habe zwar in Wahrung berechtigter Jnter- essen gchandclr, objektiv liege aber eine Beleidigung vor, die der Angeklagte dadurch hätte verhüten können, das? er die Beschwer- de» der Müller gar nicht rutgcgengenommen hätte." Das wäre freilich die bequemste Methode zur Verhütung aller Unbequemlichkeiten für uns— und auch für andre Leute. Aber dazu ist ja grade die Arbeiterpresse da; cS ist ja ihre Hauptcnifgabc, die Beschwerden der Arbeiter entgegenzunehmen und sie auch aus- zusprechen. Wollten loir nach dem Rezept des Brcslauer Land- gerichts arbeiten, ja dann wäre freilich alles in schönster Harmonie. In Braunschwcig haben unsre Genossen bei den gestrigen Stadt- verordneten-Stichwahlen zwei üifee gewonnen; die Zahl unsrcr Vertreter im Stadtparlament ist sonnt auf zehn gestiegen. Einen unerwünschten Erfolg erreichten unsre Gegner in der Gemeinde Dölau in Ncuß ä. L. mit einer Wahlanscchtung Dort wurden kürzlich vier Genossen in den Gemeinderat gewählt. Das wurmte die Gegner mächtig und sie ließen sich zu einen Wahl- Protest verleiten, der auch den Erfolg hatte, daß der ganze Wahl- akt für ungültig erklärt wurde. Bei der jetzt vorgenommenen Neu- 'wähl wurden aber statt 4 Socialdenwtratcn deren 5 gewählt. GcwerkfcbaftUcbca. Deutfehes Reich. Achtimg, Former! Die Firma Hahn und Kopplowitz in Neisse(Schlesien), sucht in bürgerlichen Blättern Former. Da dort wegen Lohnrcduzicrungen Differenzen ausgebrochen sind, und über die Firma die Sperre verhängt ist, ersuchen wir den Zuzug streng fernzuhalten. Die Bezirksleitung des Metallarbeiter» Verbandes(T ch l e sib n). Deutsche Streikbrecher für Göteborg. Der Buchbinderei- Besitzer Melin soll, wie aus Göteborg mitgeteilt wird, in Deutschland 20— 30 Buchbinder angeworben haben, die sich zur Zeit in H a m- bürg aufhalten und in den nächsten Tagen nach Göteborg verschickt Ivcrden sollen. Bekanntlüv befinden sich die Buchbinder Göteborgs seit Anfang November im Streik, also Vorsicht gegenüber jeder Per- miitlung nach Schweden. Neber die�Lage noch dem Glauchau-Mecrauer Webcrstrrik wird dem„Leipz. Tagebl." geschrieben: So nach und nach treten in den großen mechanischen Fabrikbctricbcn und in den Lohnwebcrcicn wieder geregelte Verhältnisse ein, und es sind nunmehr so gut wie alle Arbeiter untergebracht ivorden, die an. Weberausstand beteiligt waren, was ja bei Wiederaufnahme der Arbeit am 12. Januar nicht überall geschehen konnte, schon aus technischen Gründen nicht. In Glauchau, wo insgesamt nur circa 400 Mann ausständig waren. war die Krisis nicht von so großer Wirkung. loie in Meerane, wo 2000 Mmm in Frage kamen und alle Webereien ein ganzes Viertel- jähr so gut wie still standen. Jetzt gicbt es nun überall alle Hände voll zu thun, und das ist sehr erfreulich, aber auch nötig, wenn der Ausfall des letzten Vierteljahres einigermaßen gedeckt werden soll. Die Webereien sind gegenwärtig noch reichlich mit Arbeit versehen, und es ist auch für die nächsten Monate keine Bcschäftigungs- losigkeit zu erwarten. Die diesmalige Saison war überhaupt reich an Aufträgen, und hätten wir den leidigen Weberausstand nicht gehabt, so konnten unsre Fabrikanten diesmal mit dem Geschäftsgang zufrieden sein. Nach dem Ausfall der letzten Jahre scheint unsre Industrie jetzt einer, allerdings auch sehr zu wünschenden, Gesundung entgegenzugehen. Auch in den Nebenbranchen geht das Gc- schäft flott. Den„leidigen Weberstreik" haben ja die Fabrikanten durch eigne Schuld in die Länge gezogen. Jetzt zeigt sich, daß ihnen durch ihre Hartnäckigkeit ein gutes Geschäft entgangen ist, was sie sich hoffentlich als Lehre für die Zukunft merken. Ein Arbeitersetretariat und ein Gewerkschaftskartell für den Wahlkreis Kronach-Lichtenfels tritt am 1. Februar ins Leben. Als Arbcitersekretär und Kartcllvorsitzender fungiert Genosse S c e l- mann in Kronach. Im Melallschlägergewerbe in Fürth i. B. planen die Unter- nehmen eine Erhöhung der Arbeitszeit um wöchentlich vier Stunden. Tie Arbeitszeit ivurde seiner Zeit behufs Einschränkung der Pro- dukrion durch Vereinbarung zwischen Unternehmern und Arbeitern auf 48 Stunden pro Woche festgesetzt. Die Arbeiterschaft will sich diese Erhöhung nicht gefallen lassen, da der Absatz sich noch in keiner Weise gehoben hat und die Unternehmer jedenfalls eine versteckte Absicht verfolgen. IZnsUnck. Der Streik der Wiener Konfektionsschneider. Die gestern gebrachte Meldung bestätigt sich. Der größte Teil der Stiickmeister hat, als die Gehilfen am Donnerstag die Arbeit aufnehmen wollten, sich geweigert, ihnen die bei den Einignngs- Verhandlungen gemachten Zugeständnisse zu gewähren. Nur etwa 150 Gehilfen konnten infolge dessen die Arbeit austiehmen. Die andren verharren im Streik. Die Erregung der Gehilfen über das Verhalten der Meister war eine ungeheure. Zum Teil wird die Weigerung der Meister darauf zurückgeführt, daß sie durch ihre Vcr- treter nicht über die Verpflichtungen unterrichtet worden sind, die sie auf Grund der Einigungsverhandluugen den Gehilfen gegenüber haben. Es wird natürlich alles versucht werde», um die Stück- meister, diese egoistischen, größtenteils kleinbürgerlich-antisemitifchen Elemente, zur Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen an- zuhalten. Bis das gelungen ist, wird natürlich der Streik in vollem Umfange weitergeführt.— Die Tarifverhandlungen mit den Detail- konfektionären sind noch nicht abgeschlossen, es scheint aber, daß sie nicht ohne Erfolg sein werden. Sericbts-Leitung. Und abermals der Ritualmord. Der schon mehrfach vertagte Prozeß gegen den Redakteur Dr. B ö ck l e r(„StaatSbürger-Zeitung") und den Schriftsteller Paul Koch beschäftigte gestern wieder die zweite Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichts-Dircktors Opitz. Die Anklage vertritt Staatsanwaltschaftsrat Schmidt, die Verteidigung führen die Rechtsanwälte S i in o n s und Dr. I ü n g st. Seitens der Staatsanwaltschaft lvar Professor Dr.«strack� als Sachverständiger geladen, die Verteidiger hatten den Professor Eduard König- Bonn, Pfarrer K r v s e l l und Professor S lv e n d- Gvttingen geladen, von denen nur der letztgenannte erschienen war. Vom Angetlagten Koch lvar bezüglich der Landgcrichtsräte Z i e h m und Wagner ein Ablehnungsantrag gestellt, von der beschließenden Kammer aber als unbegründet zurückgewiesen worden. Der Anttag wurde in der Sitzung bezüglich des Landgerichtsrats Z i e h m von dem Angekl. Dr. Böckler wieder- holt, aber wiederum abgelehnt.— Beide Angeklagte wurden wegen Beschimpfung der jüdischen Re li g i o n s g e s e l lsch a ft zur Verantwortung gezogen. Die„Staatsbürger-Zeitung" hatte eine Umftage über den Blutmord veranstaltet und i» ihrer Nummer voni 22. September 1001 einen darauf bezüglichen Artikel des Angeklagten Paul Koch veröffentlicht, der die Grund- läge der Anklage bildet. In dem Artikel wird des längeren unter Berufung auf den Talmud und die Ansicht gelehrter Talmud- forscher ausgeführt, daß die Inden sich vergeblich gegen die Be- hattpttiitg, daß sie Ritttalmorde begehe», wehren. Die Anklage- behvrde sieht in diesem Artikel eine Beschimpfung der jüdischen Religion, insbesondere erblickt sie diese in dem Vorwurf als solchem, daß der Vlutritns bei den Inden religiöses Gesetz sei. Die Antlagc stützt sich auch auf die schwer beschimpfenden Worte, die in dem Artikel angewandt worden, wie„Blutdurst der Asiatelt", „staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft. deren Mitglieder von ReligionS wegen zu Mördern werden müssen";c. — Angeklagter Dr. Böckler �behcntptct, daß der Artikel ohne sein Wissen in die„Staatsbürger-Jeituiig" gekommen sei. Im übrigen handle es sich doch nur um eine rein theoretische Auscinandersetzmig über die Frage, nicht aber um eine provokatorisch hiiigeworsene Behauptung. Die„Umfrage" sei nicht von der „Staatsbürgcr-Zeitung", fondern von dem„Germanischen Volks- bund" des Herrn v. Mosch ausgegangen und die darauf ein- gegangenen Antworten seien der„Staatsbürger-Ztg." zur Verfügung gestellt worden.— Angekl. K o ch belettitk sich zur Verfasserschaft imd erklärt, daß er doch mir Thatsachen konstatiert habe. Er habe den Artikel, für den er auf Honorar verzichtet habe, aus eignem Antriebe der„Staatsbürger Zeitung" zugestellt; er sei auf Grund der Forschuugeu des Kattoniktts Rohling-Prag geschrieben worden. Der Augeklagte sucht iu einem längeren lvissenschaftlichcn Vortrage aus dem Pentateuch und aus der Geschichte und dem Entwickclungs- gauge der jüdischen Religion nachzuweisen, daß die Versöhnung mit Gott durch Blntopfcr ein Dogma der jüdische» Religion sei, daß die Juden zum Passahfcsl Christcnblnt verwenden, daß es den Jude» von Religions wegen gestattet sei, alle andren Rctigionsangehvrigcn ntiS dem Wege zu räumen, um zur irdische» Weltherrschaft zu gelangen:c.— Der Vorsitzende erklärt, daß es nur darauf ankomme, ob von der h e n t i g e n jüdische« Gemeinschaft ein solches Blntopfer als gott- gefälliges Werk, als religiöses Opfer, verlangt lvird. Der An- geklagte fetzt darauf des längeren auseinander, daß die Opfer der alten Religion nicht aufgehoben feien, folglich noch heute bestehen. Der als Zeuge vernommene Verleger Wilhelm B r u h n bc- stätigt dem Angetlagten Dr. Böckler, daß dieser den Mit- augeklagteu Koch überhaupt nicht gekannt und sich seiner Zeit darüber beschwert habe, daß der Artikel ohne sein Wissen in die Zeitung gekommen sei.— Es soll hierauf Professor Strack als Sachverständiger vernommen iverdcn. Rechtsanwalt S i in o n s er- klärt, daß sein Klient diesen als Sachverständigen ablehne. Die beiden Schriften, die derselbe über den Ritualmord veröffentlicht habe, seien Tendenzschriftcn im lvahrsten Sinne des Wortes zu Gunsten der Juden, denn Professor Strack sstche nachzuweisen, daß bei allen Völkern, allen Rassen und allen Nationen der Blut- aberglanbe bestanden habe, nur nicht bei den Juden. Professor Strack sei aber auch sehr leidenschaftlich und in seiner Leidenschaft ungerecht, außerdem sei der Angeklagte Böckler seiner Zeit auch schon wegen Beleidigung des Professors Strack verurteilt worden, so daß der letztere nicht mibcsangen erscheine.— R.-A. Dr. I ü n g ft schließt sich dein AblchnuiigScmtrage an. Schon die Thatsache, daß die Schriften des Prof. Strack vom lnstituturn judaicuin in Berlin herausgegeben worden, spreche dafür, daß Prof. Strack hier nicht als un- bckaiigener Sachverständiger gelten könne. Derselbe behandle auch alle, die andrer Meiiimig seien wie er. gewissermaßen als Verbrecher und Schurken. In einem Urteil desselben Gerichts sei s. Z. aus- gesprochen worden, daß Prof. Strack auch kein Mittel scheue und sich deshalb nicht lvnndcrn könne, wenn cS aus dein Walde wieder so herauSklinge, wie hineingerufen worden sei.— Der Gerichtshof erklärt das Ablchmmgsgesuch für unbegründet, da»ach seiner Ansicht die vorgetragenen Thatsachen nicht darauf hinweisen, daß Professor Strack nicht geeignet sei, ein unparteiisches sachverständiges Gutachten abzugeben. Zur Sache selbst äußert sich Professor Dr. Strack in einem ausführlichen, wissenschaftlichen, auf altjüdische Litteraiur und neuere Streitschriften zuriickgreifeuden Vortrag dessen Inhalt im Rahmen eines Gerichtsberichts unmöglich ist. Seine Auö- führuiigen gipfeln darin, daß das gegenwärtige Juden- tum voin Ritualmord schlechterdings nichts weiß.— Nach Schluß der Beweisaufnahme, die 7 Uhr abends erfolgt, führt StaatSanwalts-Rat Schmidt aus, daß iu dem Artikel eine Beschimpfung des Judentums als ReligionSgesellschaft zu finden sei. Streitig könnte es seilt, ob cS strafbar sei, wenn ein Gelehrter in einem lvissenschastlich aufgebauten Werl behauptet, daß das heutige Jndentum in seinen Satzungen den Ritualmord habe. DaS fei nicht strafbar, da die Freiheit der Wissenschaft bestehen bleiben müsse. Hier handle es sich aber nicht um eine Wissenschaft- liche Arbeit, sondern um ein lediglich zu AgitationS- und Hctzzwecken aus Phrasen, Sätzen und Citaten zusammengeflicktes ZeitungSprodult. Die Staatsanwaltschaft habe sich nicht auf das Gutachten des Pros. Strack berufen, denn nach ihrer Meinung sei die Abenteuerlichkeit des wahnivitzigen Gedankeiiö des Ritualmordes als gerichtsbekaiutt zu betrachten. Zum Ileberfluß habe Prof. Strack auch heute wieder begutachtet, daß das heutige Judendimvön solchen Satzungen nichts wisse; es sei ja auch ganz unmöglich und nur eine Hallucinatio». daß eine seit 1840 politisch anerkannte ReligionSgesellschaft der- artige Satzungen habe. Der Staatsanwalt beanttagt zum Schluß gegen Dr. B ö ck l e r zusätzlich drei Monate, gegen den Angeklagten Koch sechs Monate Gefängnis. Derartige über das zulässige Maß hinausgehenden Angriffe gegen eine Re- ligionsgemeinschaft. wodurch weite Kreise beiamthigt werde», müssen besonders streng besttaft werden.— Gegen die AnSführnngcn des Staatsanwalts wenden sich die Rechtsanwälte Simons und Dr. Jüngst in ausführlichen Reden. Der Gerichtshof beschloß, die Sache gegen den Angeklagten Böcklcr zu vertagen, um zum nächsten Termin den Chefredakteur Dr. Bachler von der„Staatsbürger- Zeitung" und den Berichterstatter Dahsel zu laden. Im übrigen wurde in dem bcanstaiidctcn Artikel eine Beleidigung der jüdischen Religionsgrsellschaft gefunden und der Angeklagte Koch zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt. Von der Anklage des Diebstahls wurde jetzt von der Stras- kaimner in Prenzlau der prakt. Arzt Dr. med. Geyer ans Berlin freigesprochen, der im vorigen Jahre von der Strafkammer in Ebers- ivalde zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Er hatte im Sommer 1901 eine Zeit lang die Stellverttetttng des Dr. med. Schmiedel zu Oderberg übcrnontmen und war beschuldigt Ivorden, ans dessen Schreibpnlt mittels Nachschlüssels E i g a r r e n rechtswidrig entnmmnen zu haben. Die Strafkammer in Prenzlan kam zu dem Schluß, daß dein Angeklagten das Bewußtsein von der Rechtswidrigkeit seiner Handlung gefehlt habe. Versammlungen. In Britz sprach Rcichstags-Abgeordnetcr Anttick am 26. d. M. vor einer gut besuchten Versammlung über den Umsturz im Reichs- tage. Ter Redner geißelte das Verhalten der MehrheitSparteien und des Präsidenten Ballesirem im Reichstage. Wenn auch da» jetzt bestehende Reichstagswahlrecht nicht unmittelbar gefährdet sei. so bestehe doch die Gefahr, daß man iin Reichstag die Redefreiheit völlig unterdrückt. Diese Gefahr könnte nur abgewendet werden. wenn die Wähler die jetzige Mehrheit mitsamt ihrem Präsidenten aus dem Reichstage jagen. Die Ausführungen des Referenten fanden lebhaften Beifall._ Letzte jVachncbtcn und Depcfchen. Zum Eisenbahnerstrcik in Holland. Köln, 31. Januar.(B. H.) Von der Direktion der nieder- ländischen Staatsbahnen ist heute folgendes Telegramm eingelaufen: Bis auf weiteres sind Eil- und Frachtgüter sowie Pferde- und Vieh- transporte nach Amsterdam weder abzulassen noch anzunehnten. Absender von bereits abgelassenen Transporten sind dahin zu benachrichtigen, daß eine Ablieferung der Transporte in Amsterdam locgen Mangel an Arbeitspersonal nicht erfolgen kann. Wie aus Rotterdam telegraphiert wird, sind die dem dortigen Bahnhofe der Holländischen Eisenbahngesellschaft angehörenden An- gestellten ebenfalls in den Ausstand eingetreten, so daß von diesem Bahnhofe Züge nicht mehr abgehen. Amsterdam, 31. Januar.(W. T. B.) DaS Panzerschiff„Evertsen" ist nach Amsterdam beordert ivorden. um den Hafen zu überwachen. Drei Kanonenboote werden zur Abfahrt nach Amsterdam bereit ge- halten. Haag, 31. Januar.(W. T. B.) Nach einer kurzen außer- ordentlichen Sitzung des Ministerrats hatte der Handclsminister eine lange Besprechung mit den hier eingetroffenen Mitgliedern der Holländischen Eisenbahn und hierauf mit den Mitgliedern des Eiscn- bahnratcS. Die Regierung hat für den Fall eines GeneralauSstandes eine Reihe von Maßnahmen getroffen. Die beurlaubten Milizen des Jahrganges 1902 erhielten den Befehl, sofort zu ihren Truppeutetleu zurückzukehren. Haag, 31. Januar.(W. T. B.) Heute abend um iVs Uhr stellten die Maschinisten und das Personal deS holländischen Bahnhofs im Haag die Arbeit ein. Der Berkehr auf der Bahnlinie von hier nach Amsterdam und Rotterdam ist unterbrochen. Wie man hört, ist das Handelsministerium der Ansicht, daß der Direktion der Holländischen Eisenbahn als einer Privatgesellschaft völlige Freiheit gelassen werden müsse, und daß sie gemäß den Gesetzen und den Lorschriften unabhängig von der Regierung vorgehen tönne. Berlin, 31. Januar.(Amtliche Meldung.) Von der Holländischen Eiscnbahngesellschast ist folgende Depesche ans Amsterdam eingegangen: Ersuchen von heute ab weder Reisende, Gepäck, noch Güter zur Beförderung nach und transit unsrer Stattoncn anzunehmen. Werden, insoweit Dienst auf einzelnen Strecke» noch mckff eingestellt ist, das Mögliche thun, denselben durchzuführen. ZustÄtd ist aber derart, daß vollständige Hemmung wegen Dienstverweigerung jeden Augenblick eintreten kann. Bon einem großen Erfolg der Ausständigen berichtet nach- folgende Depesche: Amsterdam, 31. Januar, 10 Uhr abends.(W. T. B.) Heute abend fanden zwei Versammluitgen der Eisenbahnangestellten statt. lvähreud deren eine Depesche der Holländischen Bahngesellschnst einging, die besagt, die Gesellschaft nehme die Forderunq der Ausständige» an, daß leine Güter jener Transport- gesellschaftcu zur Beförderung angenommen werden sollen, deren Personal sich im Ausstände befinde. Da die Staatsbahn Gesellschaft erklärt hat. vollständig nnt der Holländischen Bahngesellschnst zusammenzugehen, wird der Ausstand als beendet an- gesehen. In der Nacht soll über die Stunde der Wiederaufnahme des Betriebes Bestimmung getroffen werden. Das französische Kriegsbudget. Paris, 31. Januar.(W. T. B.) Deputiertenkammer. Bei der Beratung des Kriegsbudgets tritt Messtmy für die zweijährige Dienstzett ein und wünscht eine bessere Verwendung der bewilligten Beträge. Nur in England seien die Ausgaben für das Militär größer wie in Frankreich, aber dort würden nicht alle Leute ein- gestellt und so aus ihrer Erwerbsthätigkeit gerissen, wodurch der Nation ihre beste Kraft entzogen werde. Der Berichterstatter Maujan erwidert, Frankreich»verde niemals auf eine seiner Forderungen verzichten. Mau werde niemals in einer republikanischen Versammlung hören, daß die Grenze imr i» einem Pfahl bestehe.(Beifall.) Eine starke Armee sei die beste Stütze der Republik und der Demokratie. Nach den Erklärungen. die JaureS abgegeben habe, bleibe von den Anklagen gegen denselben nichts mehr bestehen. Maujan wendet sich dann an den Patriotismus der Kammer, um an eine Reorganisation der Armee zu gehen. Er stellt fest, daß die Forderungen fiir das Kricgsbudget, welche im Jahre 1902 710 Millllioncn Frank betrugen, sich für das Jahr 1903 nur auf 090 Millionen belaufen, was eine Ersparnis von 2ö Mllionen Frank bedenke. Deutschland, welches 23 Millionen Einwohner habe, also ein Drittel mehr als Frankreich, könne allerdings im Kriegs- falle 4 Mllionen Mann ins Feld stellen, Frankreich dagegen nur 3 Millionen. Aber es gebe eine Grenze, die sich nicht überschreiten lasse. Frankreich habe in Wirklichkeit ein sofort bereites Heer, das mit seinen Reserven mindestens mit dem deutschen gleich stark sei. Die Pflicht des Landes sei, die Einheiten und Effekttv- bcstände im Frieden im entsprechenden Zahlverhälinis mit den im Kriege erforderten zu unterhalten. Redner schließt init der Bc- mcrknitg, der zweijährige Militärdienst könne Frankreich ein starkes, den Schutz des Landes bildendes Heer geben unter der Bedingung, daß alle Franzosen ohne Ausnahme zum Dienste herangezogen werden.(Beifall.) Alsdann werden die ersten 12 Kapitel de? Kriegsbudgets ohne Debatte bewilligt. Darauf wird mit 277 gegen 221 Stimmen ein Antrag angenommen, itach toclchem die 13tügige Hebung für die Tcrritoricilarme im Jahre 1903 zu unterbleiben hat. Dampfer mit Besatzung untergegangen. Antwerpen. 31. Januar.(B. H.) Wie die Mannschaft der heute hier cingettoffeueu Fischerbarke„Judith" berichtet, sei in der Nord- sce ein unbekannter Dampfer mit der ganzen Besatzung untergegangen. Es sei unmöglich gewesen, den Verunglückten Hilfe zu bringen, sodaß allem Anschein nach sämtliche an Bord be- fiiidlichcn Personen umgekommen seien. Explosionen. Köln, 3t. Januar.(B. H.) Wie der„Köln. Ztg." aus»armen berichtet wird, erfolgte in' der Zündhiitchcn-Fabrik der Firma I. P. Hoesterey im Mischraum eine Explosion, wodurch ein Arbeiter getötet wurde, während der auS schweren Holzblöcken gezimmerte, mit einem Erdwall umgebene Bau in die Lust flog. Köln, 31. Januar.(B. H.) Räch einer Meldung der„Köln. Ztg." aus Saarlouis hatte einer der mit dem Nachtzuge von der Arbeit nach Hanse fahrenden Bergleute gestern bei seinem Gepäck eine Flasche Benzin. Die Flasche kain der Heizung zu nahe, explodierte plötzlich und ergoß ihren brennenden Inhalt über die Kleider der Mitreisenden. Mehrere Arbeiter erhielten lebensgefährliche Brand- wunden, einige sprangen zu den Fenstern hinaus und erlitten, da der Zug noch nicht stillstand. Armbrüche und Hautabschürfungen. Bcrantwortl, Redakteur: Gart Lei» in Berlin. Jnseraienteil verantwortlich: Y|. Glocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer& Eo., Berlin SW. Hierzu 1 Beilagen u. Unterhalt«ugSbl«tt. Hr. 27. 2». Zch-Mg. 1. Ktilllße Ks„Nsmilck" Kerlim UglksdlM. 1 mm 1908 Rcid�stag«. 248. Sitzung. Sonnabend, den 31. Januar 1903, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratsiische: Graf P o s a d o w s k y. Zunächst ivird das A b k o m m e n betr. den Patent- Mu st er- und Starkenschutz mit der Schweiz und Italien in dritter Lesung debattelos erledigt. Hierauf ivird die zweite Beratung des Kinderschuh- Gesetzes fortgesetzt beim K 1 mit den Anträgen B a u d e r t(Soc.) auf Einbeziehung der in der Landwirtschaft und im Gesindedienst beschäftigten Minder und auf Beseitigung der Unterscheidung zwischen eignen und fremden Kindern. Abg. Dr. Hasse(natl.): Ich hoffe, daß der Entwurf in der vorliegenden Form, wie er die Kommission verlassen hat, angenommen werden ivird. Die Be- denken haben sich ja auch bisher im wesentlichen gegen das gewandt, was nicht im Gesetz steht. Die Landwirtschaft und den Gesindedien st diesem Gesetz z u u n t e r st e l l e n, lehnen iv i r ab, um das Zustandekommen des Gesetzes nicht zu gefährden. Auch fehlen noch die nötigen Unterlagen, um solch außerordentlich einschneidende Bestimmungen jetzt schon anzunehmen, es genügt vor- läufig die Resolution auf Vornahme einer Enquete über diese Materie. Was die Hütekinder anlangt, so ist da wohl aus beiden Seiten übertrieben, der Hütedienst dieser Kinder ist weder so idyllisch noch so trostlos, wie es dargestellt wurde.— Für uns standen die hygienische» Gesichtspunkte im Vordergrund, ge- werbliche Erwägungen mahnten aber doch zur Vorsicht. Der Unterschied zwischen eignen und fremden Kindern muß nach unsrcr Meinung aufrechterhalten werden, die Kommission hat ihir auch wesentlich vermindert. Was die Kontrolle an- langt, so halte» wir es nicht fiir richtig, die Lehrer geradezu zu Polizei-Organen zu machen. Ihre Aufgabe kann es nur sein, ihre Erfahrungen aus der Schule mitzuteilen. Wo das Institut der Schulärzte besteht, Iverdcn auch die Aerzte Gelegenheit haben, sich von der Durchführung des Gesetzes zu überzeugen. Das Entscheidende ist, daß das Gesetz Hunderttausende von Kindern vor der Ueberlastung durch gewerbliche Arbeit schützen will. Dadurch hoffen wir die Kinder für ihr späteres Leben im Kampfe umS Dasein widerstandsfähiger zu machen und so auch dem Volks- ganzen zu nützen.(Bravo!) Abg. Trimborn(C.): Die Ausdehnung des Gesetzes auf die, Landwirtschaft und das Gesinde war in der Kommission n i ch t zu erreichen. In der Landchnztschaft liegen andre Verhältnisse bor als in der Industrie, sie vollzieht sich im Freien, vor allem im Sommer und mehr unter Aufsicht der Eltern, die Kontrolle müßte ganz anders gestaltet lverden als bei der industriellen Kinderarbeit. Auch der Lehrer A g a h d hat in der„Socialen Praxis" geschrieben, daß die Mehrheit sehr klug gehandelt habe, die Kinderarbeit in der L a n d Iv i r t s ch a f t von vornherein heraus zulasen. Der Antrag Abbrecht kann in der jetzigen Situation nur als Demonstration angesehen werden. Würden wir ihn heute annehmen, so wäre das Gesetz aufs schwerste gefährdet. Die Kommission hat den richtigen Mittel- weg der Annahme einer Resolution gewählt, die Erhebungen über die landwirtschaftliche Kinderarbeit verlangt. Da zwei Millionen Minder unter 14 Jahren in der Landwirftchaft und im Gesinde- dicnste beschäftigt sind, so ist es allerdings dringend geboten, die Verhältnisse dieser Kinderarbeit näher zu untersuchen. Wenn die Enquete stattfindet, so müßte man sie auch ausdehnen auf die Feststellung derjenigen Verordnungen von Ortspolizei-Behörden und Regierungs- behörden, die bereits auf diesem Gebiete getroffen sind. Das Fehlen einer solchen Zusammenstellung haben wir bei diesem Gesetz als Mangel empfunden. Ich hoffe, daß die Resolution einstimmig an- genommen lverden Ivird.(Bravo! im Ccntrum.) Staatssekretär Graf Posadswsfti: Ich glaube, man kann, ohne Widerspruch in diesem Hause zu finden, sagen, daß der Lehrer Agahd um das Zustandekommen des Gesetzes sehr große Verdien st e erworben hat, indem er durch eine Reihe von Feststellungen die öffentliche Aufmerksamkeit in hohem iRaßc auf die Frage gelenkt und die Stimmung im Lande für dieses Gesetz in günstigster Weise vorbereitet hat.(Sehr richtig!) Nu» steht aber auch der Lehrer Agahd ans dem Standpunkt, daß es ganz unausführbar ist. die Fragen der Beschäftigung der Kinder in der Landwirtschaft zu verbinden mit den Bestinunungen dieses Gesetzes. In der„Socialen Praxis" schreibt er, daß die Mehrheitsparteien durch Ablehnung der gleichzeitigen lliegclung der gewerblichen»uid landwirtschaftlichen Kinderarbeit der Sache selbst einen Dienst erwiesen haben, wird die Zukunft lehren. Thatsächlich bestehen zwischen der landwirtschaftlichen und gewerblichen .Kinderarbeit so wesentliche Unterschiede, daß eS einfach unmöglich ist, in irgend einer F o r ni, es sei denn eine radikale Beseitigung aller Kinderarbeit überhaupt, ein durch- sührbarcs Gesetz ftir beide zu stände zu bringen.(Sehr richtig! rechts.) Aus diesem Standpunkt st e h t auch die R e- g i e r u n g. Die Beschäftigung der Kinder auf dem Lande ist nur eine zeitweilige, sie beschränkt sich auf bestimmte Jahreszeiten und dauert manchmal nur Stunden. Während ftir die gewerbliche Kinderarbeit eine bestimmte Arbeitszeit vorgeschrieben werden kann, ist dies für die Landwirtschaft unmöglich, weil dort ein Faktor maßgebend ist, den wir alle nicht beherrschen, nämlich Regen, Wind und Sonnen- schein. Ich will nicht bestreiten, daß Mißbräuche der Kinderarbeit auf deni Lande eintreten können. Man kann den Kindern beim Kartoffelhacken zu schwere Lasten zu tragen geben, ihre Arbeitszeit kann zu lange ausgedehnt werden. Ich würde es auch fiir sehr unrichtig halten, die Kinder, um sie anzufeuern, mit Branntwein zu traktieren. Aber ich glaube, im ganzen sind das Ausnahmezustände, die sehr wohl durch landespolizciliche Verordnungen beseitigt werden können. Wen» die Resolution angenommen wird, werden wir ja in eine sehr cmste Prüfung der Sache eintreten. Ich bitte Sie aber, jetzt sich in dieser Beziehung nicht festzulegen.(Bravo I) Abg. Ernst(sts. Vg.): Herr Gamp hat die Mitteilungen in dem bekannten Buche des Lehrers Agahd über das Hütewesen auf dein Lande als Verleumdung«! bezeichnet. Herr Agahd hat aber nur urkundlich festgelegte Fälle angeführt und daroiis durchaus leine Schlüsse aus die Allgemeinheit gezogen. Agahd steht auch auf dem Standpllnkt. daß das vorliegende Material noch nicht aus- reiche, um die landwirtschaftliche Kinderarbeit schon jetzt in das Gesetz zmn Schutze der Kinderarbeit aufzunehmen. Abg. Gamp hat das Buch von Agahd so absprechend beurteilt, ohne es zu kennen. Das war doch zum mindesten— um einen varlamentarischen Ausdruck zu gebrauchen— sehr voreilig. Auch ich kenne Mißstände der Kinderarbeit auf dem Lande, andrerseits aber auch Ortschaften und Güter, wo solche Mßstände nicht bestehen. Ich hoffe, daß die Regierung der von der Kommission vorgeschlagenen Resolutton Folge geben und die Enquete veranstalten wird. Es fteut mich, konstatteren zu können. daß der Anstoß zu dem vorliegenden Entwurf vorzugsweise von der deutschen Lehrerschaft gegeben ist.(Sehr wahr! lmkS.) Für den s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n Antrag auf Einbeziehung der Kinder- arbeit auf dem Lande, sö sympathisch er mir ist, kann i ch n i ch t stimmen, weil auch ich fürchte, daß dadurch das Gesetz im ganzen gefährdet wird.(Bravo! links.) Abg. Brisiike(fts. Vp.): Der Jdealzustand wäre gewiß die völlige Beseiiiguna der Kinderarbeit auf dem Lande. Aber dieser Zustand in vorläufig nicht zu erreichen, besonders nicht in der jetzigen Zeit der Lcutcnot, dw die einzige wirtlich bestchende' Not der Landwirtschast ist. Ein völliges Verbot Iber Hütethätigkeit der Kinder würde gleichbedeutend sein mit dem teilweise n Ruin der klein eu Besitzer und nicht nur einen Sturm, sondern einen Orkan der Enttüstmig bei de» Landwirten hervorrufen. Die Zustände der H ü t e k i n d e r sind gar nicht so schlimm, lvie sie dargestellt lvorden sind. Sie bekommen eine sehr gute, kräftige Kost, eine viel bessere, als sie bei ihren Eltern zu Hause haben lvürden. Die Hütckindcr bekommen dcnscllicn Lohn wie die großen, ja sogar»och mehr. Auch sittliche Verfehlungen können nicht vorkommen, weil meistens noch ein alter Mann dabei ist.(Lachen bei den Social- demokraten.) Ebensolvcnig kann man von einer körperlichen und seelischen Verkümmerung der Kinder reden. Die Kinder, wenn sie auch eine halbe Stunde früher aufstehen müssen, bewegen sich in ftischer Luft, nehmen die berühmten Sonnenbäder den ganzen Tag und baden im kalten Wasser den Schinutz von ihre?» Körper. Wenn dann der Sommer vorbei ist und das Kind im Herbst wieder in die Schule kommt, so ist eS ein ganz andrer Kerl geworden als vorher.(Sehr richtig! rechts.) Meistens find die Hütejungen die erste» in der Klasse. (Hört! hört! rechts. Große Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) Sie sind in der Schule körperlich und geistig frisch. Nur diejenigen Kinder bekommen von der Schulbehvrde einen Hüteschein ausgestellt, die fertig lesen können und in der Schule ihre Schuldigkeit gethan haben. Deshalb halten die Eltern, denen viel darauf ankommt, das hohe Gehalt der Hütettndcr einzuheimsen, sehr darauf, daß die Jungeil täglich fleißig die Schule besuchen. Das Hüten ist den Jungen jedenfalls auch besser, als der gemeinsame Kirchen besuch am Sonntag, der die Kinder nur verdirbt. Da rottet sich die ganze Rotte Korah vor der Kirche zusammen, raucht Eigarren und läuft in die Kneipen.(Heiterkeit.) Ich bin ein Mann der Praxis, der nur aus der Praxis spricht. (Heiterkeit.) Den s o c i a l d c m o k r a t i s ch e n Antrag bitte ich abzulehnen. Für die Resolution werde ich stimme», iveil es ja nichts schaden kann, wenn die Verhältnisse genauer untersucht werden. (Brovo! rechts. Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) Abg. ReißhanS(Soc.): So verlockend es wäre, auf die Aeußerunaen des V o r r e d n c r s näher einzugchen, so will ich doch darauf verzichten. Jntmffant war es, daß gerade einem Mitglied der Freisinnigen Bolkspartei eS vorbehalten ivar, den Poesievollen Hirtenknaben des Grafen Posadowsky aus der ersten Lesung in vcrbcffrrtcr Auflage wieder erstehen zu lasse».(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.)' Interessant ivar es, daß Graf Pofadowsty im Gegensatz zu seiner Stellungnahme in der ersten Lesung, die Thättgkcit des Lehrers Agahd mit lvarmcn Worten anerkannte, dieses Mann es, der iv e g c n s e i n e r S ch r i f t g e in a ß r e g c l t iv e r d e n s o l l t c. Herr Trimborn bezeichnete unsrcn Antrag als Demonftratton. Da- von kamt keine Rede sein. Unser Antrag ist v o l l k o m m e u ernst gcnieint. Die Zusainmenstellung der Polizeiverordiiungen. die Herr Trimborn verlangte, haben wir bereits in der Kommission angeregt. Daß die Arbeit in der L a u d w i r t s ch a f t t h a t s ä ch l i ch ebenso gesundheitsschädlich und g e s ä h rlich ist, wie in der Industrie, beweist die Z a h l der Unfall e. Nach der letzten Zählung betrug die Zahl der Unfälle, die eine Arbeitsunsähigkeit von über 13 Wochen hervorriefen, in der Landwirtschaft 60 083, in der Industrie 55 525. In der Landwirtschaft kommen noch hinzu 1718 in ä n n l i ch e und 591 weibliche jugendliche Ar- beiter. In einigen BnndcSstaateii ist auch die Gefährlichkeit der landwirtschaftlichen Beschäftigung bereits früher anerkannt. So ist in S a ch s e n- W e i in a r an, 21. März 1894 eine Ministerial- verfüguiig ergangen, in der es heißt: Schulkinder dürfen iv e d e r vor der V o r mi t t a g S s ch u l e, noch zwischen dieser und der N a ch m i t t a g s s ch u l e mit an- strengender Haus- oder Feldarbeit beschäftigt iv e r d e n. Nach der Nachmittagsschule ist ihnen zur Erholung nnd Anferttgung ihrer Schularbeiten eine Zeit von mindestens zwei Stunden zu gestatten. Freilich wird diese Verordnung sehr wenig beachtet.— Ich habe das Gefühl, daß auch unser zweiter Antrag, der auch die Ausbeutung der Kinder durch die eignen Eltern verhindern will, von der Mehrheit abgelehnt werden wird. Sieht diese Mehrheit doch die KominissionSbeschlüsse als das Maximum des zu geivährenden Kinder- schutzeö an. Dabei wird die a u ß e r o r d e n t l ich ungünstige E i n iv i r k ii n g jeder gewerblichen Arbeit auf die k ö r p e r- l i ch e und g e i st i g e E n t w i ck l u n g der Kinder auch von A e r z t e n, so dem bekannten Dr. W e i e r m a n n in M e i n i n ge n, anerkannt In der gestrigen Rummer des „Berliner Tageblatts" weist ein Aerzt entschieden die Behauptung zurück, daß etwa aus pädagogischen Gründen die Kinderarbeit not- wendig sei. Die Parteien, die immer das nationale Interesse zu vertreten vorgeben, sollten bedenken, daß die Tüchtigkeit der Natton wesentlich auf der gesunden körperlichen und geistigen Entwicklung der Jugend beruht. Sie sollten deshalb den wirklich durchgreifenden Maßnahmen zum Schutze der Kinder zustimmen, wie sie unser An- trag will.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Ich habe in der ersten Lesung kein Wort über den Lehrer Agahd gesagt. Ich habe vielmehr schon damals dieselbe Auffassung über die großen Verdienste dieses Mannes gehabt wie heute. Daß der Lehrer Agahd wegen seiner Schriften gcmaßregelt werden sollte, ist mir vollkommen neu. Ich kann eS nicht glauben, bis es mir bewiesen wird. Abg. Heiiuing(kons.): Es ist heute kaum mehr möglich, eine gesetzgeberische Materie zu erledigen,- ohne daß dabei die Landwirt- schaft in scharfer Weise hineingezogen würde. Das ist auch hier durch den ersten socialdemokratischen Antrag geschehen in Bezug auf die ländliche Kinderarbeit. Ich habe die Verhältnisse ans dem Lande mit sehenden Augen beobachtet; im allgemeinen ist die Hüte-Arbeit den Kindern gesund. Gewiß giebt es Mßstände, gewiß komnicn sittliche Verfehlungen vor. Aber es ist doch übertrieben, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Die Socialdemokratie ist immer geiteigt. in landwirtschaftlichen Fragen zu generalisieren. Das einzige Mittel, um die wirklichen Verhaltnisse klarzustellen, ist die Ver- anstaltung der beantragten Enquete. Die Hütethätigkeit der Kinder bedeutet für die Landwirtschaft eine Existenzfrage ersten Ranges. Alte Leute sind für das Hüten auch rein physisch viel weniger geeignet: es gehört eine gewiffe Behendigkeit dazu. Wir sind aber damit einverstanden, daß der SchulauftichtSbehörde mehr Einfluß auf die Erlaubnis zum Hüten der Kinder gegeben wird, als es ursprünglich vorgesehen Ivar. Auch der zweite socialdcmokrattsche Antrag, der möglichste Gleichstellung der eignen und der fremden Kinder fordert, erregt Bedenken. Er bedeutet doch einen starken Eingriff in die Befugnisse der Familie. Wir wünschen dringend die Ver- abschiedung dieses Gesetzes. Es ist wünschenswert, alles nicht im- bedingt zur Sache Gehörige wegzulaffen, damit die zweite Lesung möglichst rasch beendet werden kann.(Beifall rechts.) Abg. Gamp(Rp.): Die Freisinnige Volkspartei hat heute von eine m ihrer eignen Mitglieder, dem Abg. Bräsicke, auf dessen land- wirtschaftliche Autorität sie sich in Zollfragen wohl ein Dutzend mal berufen hat. hören müssen, daß meine Darstellung der Hütethätigkeit von Anfang bis zu Ende richtig gewesen i st.(Zuruf des Abg. Rösicke-Dessau.) Sie habe ich nicht gemeint, Herr Rösicke, Sie sind ja noch ein so junges Mitglied Ihrer Fraktion. Sie gehören ja gar nicht dazu I(Gelächter links.—Zuruf bei den Freisinnigen: Abg. Rösicke hat nur für seinePerson gesprochen!) Das ist ein schlimmes Zeichen für die Partei, ivenn Sie solche Männer in dieser Weise perhorrcscieren!(Lachen links.) Herr Agahd hat in der schtuninsten Weise generalisiert. Er wirft den Hüte- tindern in ihrer Gesamtheit Roheit. Gefühllosigkeit. Be- schwerdung des Magens(Heiterkeit) und Sinnlichkeit vor und fügt noch hinzu:„DaS ist der Hütejunge, wie er leibt und lebtl" Muß man nicht sittlich empört sein, wenn Agahd sagt:„Die Hüte- mädchen geben sich fast alle hin!" Solche Urteile zeugen von absoluter Unkenntnis und Gefühlsroheit. ES giebt eine Million Hütcinädchen, daS sind Mädchen von IV— 14 Jahren. Soll man annehmen, daß alle diese Mädchen sich hingeben? Das wäre doch empörend! Ich wundere mich, daß Sie (nach links) nicht dasselbe Gefühl der Entrüstung haben! Abg. Rösicke-Dessau hak den Konservativen vorgeworfen, daß sie an der socialen Gesetzgebung nicht mitgearbeitet hätten. Aber die Konservativen haben einstimmig für das Jnvalidengesetz und ftir das KrankenversichernngS- Gesetz gestimmt.(Abg. Rösicke- Dessau ruft:„Es ist ihnen gar nicht eingefallen!") Nun, die stenographischen Berichte werden beweisen, wer die Wahrheit gciagt hat. Die Manchesterleute der Linken aber haben geschlossen gegen diese beiden Gesetze gestimmt, ebenso wie die Socialdemokraten. Die beiden konservattven Jsartcien, das Centrnm und die Nattonalliberalen haben die ocialc Gesetzgebung gemacht.(Lachen bei den Socialdemo- traten.) Es haben zum Beispiel soivohl gegen das Äranken- versicherungS- Gesetz wie gegen daS Jnvalidengesetz gestimmt: Herr Barth, Herr LangerhanS, Schmidt-Elberfcld, Schräder u. a., und zwar aus ganz kleinlichen formalistischen Gründen.(Unruhe links.) Herr Rösicke-Dessau hat weiter behmiptet. ostpreußische Besitzer hätten sich der Untersuchung der Granulosekranken wider- setzt(Abg. Rösicke-Dessau ruft: Das habe ich nicht gesagt, sondern Herr W u r in.) Nun, das ist ungefähr dasselbe.(Große Heiterkeit rechts.) Man müßte doch, wenn man so schwere Vorwürfe erhebt, die einzelnen Leute nennen, nicht aber den ganzen Stand be- leidigen. Das Verhalten des Herrn Zlvick, der fiir den social- demokratischen Antrag stimmen, aber dadurch das Gesetz nicht ge- sährden will, geht völlig über mein Begriffsvermögen.(Sehr gut! und Heiterkeit rechts.) Warum stimmt er denn für den Antrag?(Abg. Dr. Zwick ruft: Der Tendenz wegen!) Machen wir hier Tendcnzgesetze?(Heiterkeit!) Höchstens bei Nesolutionci! könnte mau von einer Tendenz reden. Ich hoffe, daß wir das Gesetz heute noch in zweiter Lesung ver- abschieden, eS sei denn, daß die Herren Socialdemokraten— lvas ich nicht weiß— das Gesetz für ein so wichtiges halten, das; es nur bei beschlußfähigem Hause erledigt werden kann.(Heiterkeit und Beifall rechts.) Abg. Sieg(natl.): Meine Freunde stimmen in ihrer Gesamtheit diesem Gesetze und auch der Resolutton zu. Es ist ganz falsch, hier wieder die Großgrundbesitzer als Gegner socialer Besttebungen auszuspielen. Großgenndbesitzer beschäftigen so gut wie nie dauernd Hütekinder, sondern nur vorübergehend Kinder zu Ernte- arbeiten, zum Kartoffclausmachen usw. Herrn Reißhaus erwidere ich, eS kommt nicht auf die Zahl der Unfälle an, sondern ans die Art der Unfälle. Wenn das Kind sich an einer Distel sticht, lvird das sofort als Unfall angezeigt. Ganz unrichtig ist auch, baß auf dem Lande besondere Unsittlichkeit herrscht. Ilnsre Kinder sind nicht so verderbt, die natürlichen Borgänge, die sich vor ihren Augen ab- spielen, machen gar keinen Eindruck auf sie.(Lachen links.) Abg. Stöckcr(k.): Die Behauptung des Herrn Lehrer Agahd, daß die Hütemädchen, wenn sie konfirmiert sind, sich zum größten Teile rückhaltlos preisgeben, ist eine ganz unangebrachte Wer- allgemeinerung. Herr Agahd hat in diesem Fall sehr un- vorsichtig berichtet. Ich wohne seit 21 Jahren jedes Jahr zwei Monate lang im bayrischen Hochlande und habe viele Hütekinder kennen gelernt, manchmal tüchttge und manchmal untüchttge. Aber von einer allgemeinen sittlichen Verderbnis der Kinder kann man auf keinen Fall sprechen. Ich bitte Sie, unter Ablehnung der socialdemokratischen Anträge die Resolutton an- zunehmen. Abg. Wurm(Soc.): Es fällt uns nicht ein, einzelne Vorkommnisse zu generalisieren. Wenn aber die Bedingungen, unter denen einzelne Mißstände ent- standen sind, überall die gleichen sind, so kann man daraus den Schluß ziehen, daß auch überall dieselben Nkißstände entstehen können, nicht entstehen müssen, und schon diese Möglichkeit zu vermeiden, ist Pflicht der Gesetzgebung. Uebrigens weiß Herr Stöcker sehr genau, das; es sich nicht bloß um die Hütekinder und auch nicht bloß um Angaben aus dem Regierungsbezirk Potsdam handelt. Herr Stöcker kennt jedenfalls die n m f a n g r e i ch e A r b e i t des Pastors Wagner. Er iveiß auch, daß Herr Agahd auch eine ganze Anzahl andrer Berichte in seinem Buche fiir seine Behauptung anführt. In der„P r e u ß i s ch e n L e h r e r z e i t u ii g" ist der Brief eines Geist- lichen veröffentlicht, wo es über die KinderauSbeutnng auf denr Lande heißt: Es ist eine Barbarei, die kein Schleier zu verhüllen vermag, wir ruinieren damit ein Hern n wach sc n des Geschlecht. Ein jeder Lehrer ans dem Lande kennt schon den Jammer des So mm er- Halb- j a h r e s. Am Anfang des Winters kommt der Schulinspcktor und klagt über die mangelnden Ergebnisse des Unterrichts. Am besten wäre es schon, man schlösse im Sommer die Schulen und schickte die Lehrer auf Studienreisen. In einer Verordnung der Magdeburger Regierung vom Jahre 1854 heißt es: Es ivird mehr- fach darüber Klage geführt, daß schulpflichtige Kinder in den Schul- scrien in einer übermäßig die Gesundheit schädigenden Weise zu land- wirtschaftlichen Arbeiten, insbesondere zum Rübenziehen herangezogen werden. Gegenüber solchen Zeugnissen darf man nicht sagen, daß wir generalisieren. Den Herren auf der Rechten ist ja mm unerwartete Hilfe gekommen in Herrn Bräsicke von der Freisimiige» Bolkspartei. Sinn das mag Herr Bräsicke mit feinen Fraktionsgenosien ausmachen. wir haben davon Siotiz genommen, daß ein agrarisches Herz stets agrarisch schlägt, auch bei einem Manne der Linken. (Sehr richttg! bei den Socialdemokraten.) Die Kinderarbeit ist und bleibt ein Krebsschaden für die heranwachsende Generatton. Ich er- innere Sie nur daran, daß wir z. B. in 9i a v e n s b u r g Kinder- markte haben, auf denen Kinder v e r k a u f t' u n d ver- düngen werden. Der reiche Bauer schickt seine eignen Kinder in die Schule nnd kauft sich ftir die Arbeit die Kinder der Annen. Daß Herr Agahd sich in oer„Socialen Praxis" gegen die Ein- beziehnng der ländlichen Kinderarbeit ausgesprochen hat, ist sehr bedauerlich, in seinem Buche hat er anders g e- sprachen. Es ist selbstverständlich, daß sich die beiden ver- schiedenen Berufsgruppcn Landwirtschaft und Gewerbe nicht über einen Kamm scheren lassen. Grundsätzlich sind wir freilich ftir das Verbot aller Kinderarbeit bis zum ftinfzehnten Jahre, und nicht wir allein, sondern z. B. auch die internattonale Arbeiterschutz-Konferenz unter der Aegide des Herrn v. Berlepsch. aber lvir wissen, daß lvir mit den gegebenen Verhältnissen zu rechnen haben, deshalb wollen wir wie bei der Jndnstne in diesem Gesetz so auch bei der Landwirtschaft eine Uebergangöfrist anerkennen. Aber die Einbeziehung der Landwirtschaft ist unbedingt not- Ivendig. Wenn Sie das nicht tbun, beweisen Sie nur, daß agrarisch Trumpf ist allüberall.(Bravo l bei den Socialdemokraten.) Abg. Trimborn(C.): Ich muß meine Behauptung durchaus aufrecht erhalten, daß der Antrag Bandert eine Demonftratton ist. Sie wissen genau, daß das Gesetz mit diesem Anttage für die Regierung unannehmbar ist, und andrerseits geben Sie durch Ihre ganze Haltung zu erkennen, daß Sie daö Zustandekommen des Gesetzes wünschen. Wenn Sie Ihren Antrag wirklich ernst meinten. dann müßten Sie nicht nur diesen einen Anttag, sondern eine ganze Bor läge bringen. DieS Borgehen lieben Sie auch bei andern soeialpolitischen Gesetzen; aus welchem Grunde, das wissen wir ganz genau.(Sehr richtig! im Centrum.) Abg. Ernst(frs. Vgg.) ivcndet sich unter Berufung ans Agahd gegen die Ausführungen des Abg. Gamp. Abg. Dr. Zwick(fts. Vp.): Mein Freund Bräsicke hat nur f ü seine eigne Person gesprochen. Wir betrachten die Hüte- tpHgleit der Kinder als ein großes Uebel, das möglichst bald auS der Welt geschafft werden muff Diese Thätigkeit fuhrt zu schweren Mißständen und sittlichen Verfehlungen. Wir halten aber zunächst die Vornahme näherer Untersuchungen für notwendig und werden deshalb für die Resolution stimmen. Abg. Ncißhaus(Soc.): Herr Gamp hat meine Rede falsch der- standen. Auf ihn trifft vollkommen das zu, was er von andern be- hauptete, das; er nämlich nicht mehr ernst zu nehmen ist. Abg. Trimborn warf der Socialdemokratie wiederum Anträge zu Demonstrationszwecken vor. Uns liegt nichts ferner als De- monstrationen in diesem Fall. Die Sache ist uns viel zu bitter ernst. Aber nehmen Sie(zur Mehrheit) doch unsre Anträge an und wir wissen ja, daß die Regierung vor der Zollmehrheit gern zurückweicht. Wir werden dann die weiteren einschlägigen Anträge ebenso rasch zur Hand haben wie seiner Zeit Herr Spahn seine Anträge bei den Zolltarif- Verhandlungen.(Sehr gut I bei den Socialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion. Persönlich bemerkt Abg. Gamp(Rp.): Herr Wurni sagte, ich hätte anerkannt, daß ich auf diesem Gebiete gar keine Erfahrungen hätte, weil ich keine Kinder beschäftigte. Ich möchte nun die Herren Wurm und Reißhaus fragen: wieviel Kinder beschäftigen S i- denn?(Heiterkeit.) Vicepräsident Büsing: Das war nicht persönlich.(Heiterkeit.) Abg. RcißhnuS(Soc.): Ich erkläre Herrn Gamp gegenüber daß ich noch nie m a lsKinder beschäftigt habe und nie Kinder beschäftigen werde. Also seien Sie in Zu- kunft mit Ihren Fragen etwas vorsichtiger!(Heiterkeit.) § 1 tvird unter Ablehnung des socialdemokratischen Antrags, für den nur die Socialdemokraten stimmen, in der Kommissionsfassung angenommen. § 2 bestimmt, daß das Gesetz sich bezieht auf Kinder bis zu 13 Jahren sowie Kinder über 13 Jahre, die noch zum Besuch der Bollsschule verpflichtet sind. Ein Antrag B a u d e r t(Soc.) will als Altersgrenze für die Bestimmungen dieses Gesetzes das vierzehnte Jahr festsetzen. Abg. Wurm(Soc.): Herr Trimborn. wird wahrscheinlich auch diesen Antrag als einen Demonstrationsantrag bezeichnen, weil er leider voraussichtlich keine Aussicht auf Annahme hat. Dennoch ist er notwendig ans besonderer Rücksicht auf Bayern, wo der Ausnahmezustand besteht, daß die Schulpflicht nur bis zum 13. Lebensjahre sich erstreckt. Das bayrische Centrum hat sich bei der Beratung des Schulgesetzes gegen die Beseitigung dieses Ausnahmeznstandes ausgesprochen.' Hoffentlich wirken die Herren vom preußischen Centrum auf ihre bayrischen Kollegen ein; damit Bayern in dieser Hinsicht endlich vorwärts schreitet. Abg. Trimborn(C.): Die Kommission hat hier der Regierungs- Vorlage zugestimmt von dem Gesichtspunkte aus, daß ein enger Zu- sammcnhang zwischen der Dauer der Schulpflicht und der in dieiem Gesetz gewährten Schutzfrist bestehen müsse. Der Antrag Bandert wird abgelehnt, ß 2 in der Kommisfions- faffung angenommen. 8 3 unterscheidet zwischen eignen und fremden Kindern. Nach der Kommissionsfassung sollen als eigne Kinder u. a. gelten Kinder, die demjenigen, der sie beschäftigt, zur gesetzlichen Zwangs- erziehung(Fürsorge- Erziehung) überwiesen sind. Die Vorschriften über die Beschäftigung eigner Kinder sollen auch für die Beschäfti- gung von Kindern gelten, die in der Wohnung oder Werkstätte einer Person, im Verhältnis zu denen sie als eigne Kinder gelten und zu deren Hansstande sie gehören, für Dritte beschäftigt werden. Ein socialdemot ratisch er Antrag Baudertver- langt, principiell die Streichung des§3; eventuell 1. die Streichung der Bestimmung, daß zur Fürsorae-Erziehung überwiesene Kinder den eignen gleich gelten sollen, 2. Ersetzung des Wortes„ a u ch" im letzten Satz der Kommissionsbeschlüsse durch „nicht". Abg. Trimborn(C.) beantragt, daß als eigne Kinder zur Fürsorge- Erziehung überwiesens Kinder mir dann gelten sollen, wenn sie zugleich mit eignen Kindern beschäftigt werden. Abg. Wurm(Soc.) begründet den Antrag Baudert. Hoffentlich werden die wenigstens unsren Eventualantrag annehmen, zumal dieser in der ersten Lesung der Kommission von: Centrum bereits angenommen wurde, während in der zweiten Lesung das Centrum dagegen stimmte. Jetzt hat nun Herr Trimborn einen ab- schwächenden Antrag eingebracht. Wir halten es ftir einen Mißgriff, die zur Fürsorge überwiesenen Kinder im Sinne dieses Gesetzes mit den eignen ans eine Stufe zu stellen. Die Fürsorgekinder bedürfen durchaus der für fremde Kinder geltenden strengeren Schutz- bestimmungen. Im Falle der Ablehnung auch unsres Eventual- antrages würden ivir fiir den Antrag Trimborn stimmen. Abg. Trimborn(C.): Zum erstenmal wird hier die Arbeiterschutz- Gesetzgebung auf die häusliche Gemeiuschast ausgedehnt werden. Natürlich muß dabei vorsichsig vorgegangen werden. Die Trennung der eignen und fremden Kinder war geboten. Wir waren dadurch auch in der Lage,, den ftemden Kindern einen viel weit- gehenderen Schutz zu gewähren. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag�T r i m b o r n wird angenommen, die Anträge Baudert(Soc.) abgelehnt, Z 3 in der so veränderten Fassung a n g e n o m m e n. K 4 nennt diejenigen Beschäftigungsarten, in denen die Be- schäftignng fremder Kinder verboten ist. Ein socialdemokrati scher Antrag will unter die ver- botenen Beschäftigungsarten mit einreihen das Rüben- und Pflanzen- ziehen, das Hopfenpflücken und Kartoffelgraben gegen Entgelt, sowie die Beschäftigung bei Treibjagden. Außerdem soll in dem Verzeichnis der Werkstätten, in denen die Beschäftigung fremder Kinder verboten ist, die vom Gesetz getroffene Einschränkung gestrichen werden, wonach die Beschäftigung von Kindern in Haar- und Borsten-Zurichtereien nur dann verboten ist, sofern mit ausländischem tierischem Material gearbeitet wird. Abg. Dr. Aiiillcr-Meiningen(frs. Vp.): Wir können dem Antrag Baudert nicht zustimmen. Sein erster Teil wird überflüssig durch die Abstimmung bei 8 1; auch der zweite Teil ist nicht sehr toichttg, da Infektionen mit inländischem Material in den Haar» und Borstenznrichtereien nicht vorgekommen find. 8 4 wird hierauf unter Ablehnung des Antrags Baudert an- genommen. 8 S handelt von der Beschäftigung im Bettiebe von Werlsiattcn im Handelsgewerbe und in den Berkehrsgewerben. Dort dürfen Kinder unter 12 Jahren nicht beschäfttgt werden. Ein f ocialdemokratis cher Anttag will das Schutzalter auf 13 Jahre erhöhen. Ferner darf nach der Vorlage die Be- schäftignng von Kindern über 12 Jahre nicht in der Zeit zwischen 8 Uhr abends und 8 Uhr morgens und nicht vor dem Vonnittags- Unterricht stattfinden. Ein socialdemokratischer Antrag wrll den letzten Worten hinzufügen:„sowie nicht zwischen dem Vor- und Nachmittags- Unterricht"....,. Die Vorlage bestimmt Iveiter, die Beschäftigung darf mcht länger als drei Stunden und während der von der zuständigen Behörde be- stimmten Schulferien nicht länger als 4 Stunden täglich dauern. lün socialdemokratischer Anttag will diese Verlängerung der Beschäftigungsdauer während derjschrilserien streichen und hinter „dauern" hinzufügen:„und erst 2 Stunden nach beendetem Unterricht beginnen." Schließlich besagt der Paragraph nach der Borlage: Am Mittag ist den Kindern eine mindestens zweistündige Pause zu gewähren. Am Nachmittag darf die Beschäftigung erst eine Stunde nach be- endetem Unterricht beginnen. Diese Bestimmung soll nach einem socialdemokratischen Anttag entsprechend gesttichen werden. Abg. Wurm(Soc.): Wir wollen das Schntzaltcr von 12 auf 13 Jahre erhöhen und die Ruhepausen einheitlich gestalten. Der Lehrer Agahd hat in der„Socialen Praxis" nachgewiesen, daß die von der Kommission angenommenen Be- stimmungen ein schwer durchführbares Kunterbund zur Folge haben würden. Daher haben wir unsre Anträge aus der Kommission, die dort in er st er Lesung angenommen, in zweiter aber abgelehnt wurden, wieder eingebracht. Zur Annahme unsrer Anttäae liegt aber auch deshalb ein zwingender Grund bor, weil das Obcr-Landesgericht Breslau neuer- dings die Bestimmung, eine„Pause ist zu gewähren" in einer Weise ausgelegt hat, wie wir es uns nicht haben ttäumen laffen. Wir haben bisher gemeint, der Unternehmer sei verpflichtet, für Jnnehaltungf der Ruhepause zu sorgen. Das Breslaner Ober-Landesgericht hat sich aber auf einen andern Stand- punkt gestellt. Nach einer Bundesratsverordnung muß den Ga st wirtSgehilfen alle 3 Wochen eine Ruhepause von 24 S t u n d e n gewährt werden. Das hat das Ober-LandeS- gericht Breslau dahin ausgelegt, daß die Ruhepause gewährt sei, wenn der Gastwirt den Gehilfen darauf auftncrksam gemacht habe, daß die Bundesratsverordnung ihm die Ruhepausen gestatte. sofern er darauf Anspruch erhebe. Ein Kellner hatte angeblich auf den Ruhetag verzichtet, die Polizei schritt ein. aber der Gastwirt erzielte auf Grund dieser Auslegung in drei Instanzen seine Frei- s p r e ch n n g. Es ist doch ganz undrnkbar, daß zum Beispiel Kinder sagen: Jetzt möchten wir eine Rnhepanse haben. Unter diesen Um- ständen müssen wir das Wort„gewähren" ans dem Gesetz heraus- nehmen. Ich erwarte eine Erklärung vom Regicnmgstische, wie die Regierung sich zu dieser Interpretation stellt.(Bravo! bei den Socia ldemo kraten.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Das Erkenntnis des Ober-Landesgerichts Breslau stellt allerdings, wenn cS in der obersten Instanz Rechtskraft erlangen sollte, unsre ganze sociale Gesetzgebung in Gefahr.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Es handelt sich um die Zuwiderhandlung gegen eine Verordnung zum Schutze der Gastwirtsgehilfen, nach der den Gehilfen und Lehr- singen mindestens jede dritte Woche einmal eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 24 Stunden zu gewähren ist. Um diese Bestimmung zu verstehen, muß man sich vergegenwärttgen, daß ähnliche Vorschriften sich in einer Reihe von Verordnungen befinden, die ans Grund der Gewerbe-Ordnung erlassen find. Das Reichs- gericht hat sich zu solchen ganz ähnlichen Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung wesentlich anders, das heißt in gerade entgegengesetztem Sinne gestellt. Ich lege Wert darauf, diese Entscheidungen hier dem Hanse mitzuteilen. Nach§ 137 Absatz 1 der Gewerbe-Ordnung dürfen Arbeiterinnen in Fabriken nicht zwischen Z'ch Uhr abends bis S'/z Uhr morgens und am Sonnabend sowie am Vorabend von Festtagen nicht nach Uhr Beschäfttgnng finden. Einen Unternehmer, der geduldet hatte, daß bei ihm nach äftz Uhr gearbeitet wurde, verurteilte das Reichsgericht mit der' Be- griindung: Ans der Tendenz der Bestimmungen folgt mit Not- wendigkeit, daß auch eine freiwillig übernommene Arbeit in der a n gegebe neir Zeit nicht stattfinden soll. Daß dies nicht geschieht, dafür ist der betteffende Unternehmer verantwortlich. Weiter ist im 8 137 Abs. 3 der Gewerbe-Ordnung den Arbeiterinnen eine mindestens einstündige Mittagspause gewährt. In einem Falle hatten Arbeiterinnen die Mittagspause über gearbeitet, was auch in ihrem Interesse lag, weil sie in Accord arbeiteten. Trotzdem aber hat das Reichsgericht den Fabrikanten verurteilt, indem es sagte: es handle sich um Vorschriften polizeilicher Natur. Der Gewerbetteibende mache sich strafbar, auch wenn er aus Fahrlässigkeit eine Uebertretung in seinem Bettiebe zulasse. Er müsse durch geeignete Kontrollmaßregeln Vorsorge tteffen, daß Ueberttettmgen in seinem Betriebe nicht er- folgen könnten. In einem dritten Falle handelte es sich um eine Zuwider- Handlung gegen§ 139o Abs. 3 der Gewerbe-Ordnung. der von der Gewährung einer angemessenen Mittagspause an Gehilfen und Lehrlinge handelt. Die Angestellten hatten auf die Mittags- pause verzichtet und der Angeklagte hatte sich ihre Dienste ohne Mittagspause leisten lassen. Das Reichsgericht erkannte: „Unstatthaft sei eine Vereinbarung dahin, daß die Pause nicht statt- finde. Das Gesetz bezwecke, daß der Gehilfe die Pause nicht nur machen dürfe, sondern machen solle. Aus diesem Erkenntnis ergiebt sich ganz klar, daß das Reichsgericht auf dem Standpunkt steht, eS handelt sich hier um ein öffentliches Recht, was nicht er- gangen ist zum Vorteil eines einzelnen Individuums, sondern zum Schutze einer ganzen Gesellschaftsklasse, und daß dieses öffentliche Recht wie überhaupt jedes nicht durch einen privaten Berttag ab- geändert werden darf. Ich bin allerdings der Ansicht, daß dieses hohe Hans in all den gesetzlichen Bestimmungen zun: Arbeiterschutz, wo die Fassung lautet:„es nmß gewährt werden" oder„es ist zu ge- währen", eine disposittve dnrch ein privates Abkommen nicht ab- zuändernde Vorschrift erblickt hat.(Sehr wahr!) Es steht mir nicht zu. ein richterliches Urteil zu krittfieren, aber ich bin allerdings der Meinung, daß, wenn man dahin kommt im Wege der Jnterpretatton, daß derartige Schutzbessimmungen im Wege der privaten Abmachung abgeändert werden dürfen, unsrer ganzen socialpolitischen Gesetzgebung die Zwangsbefugnis und damit die Grund- läge entzogen ist, denn selbstverständlich werden sich manchmal sogar ganze Arbeiterschichten zu solchen privaten Vereinbarungen bereit finden lassen. Das widerspricht aber dem Zweck der socialpolittschen Gesetz- gebung.— Man könnte nun sagen, ein solches Urteil mahne zur Vorsicht, und cS ist ja auch hier eine andre Fassung vor- geschlagen. Ich möchte dringend davon abraten. Thäten wir das, so läge darin das indirekte Zugeständnis, daß wir diese Judikatur fiir die übrigen Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung, Ivo der Ausdruck„gewährt werden muß" vorkommt, als richtig oder unsre Fassung als mangelhaft anerkennen. Ich empfehle Ihnen deshalb, an der vorliegenden Fassung nichts zu ändern.(Bravo I) Abg. Trimborn(C.): Die Darlegungen de? Herrn Staats- scttetärs entsprechen durchaus der Auffassung des gciamten Reichs- tages. Das soll ausdrücklich festgestellt werden. Wenn wir auch in diesem Gesetze den Ausdruck„gewähren" anwenden, so soll damit gesagt sein, daß eS sich um öffentliche rechtliche Bestimmungen handelt, die durch Privatverttag unter keinen Umständen aufgehoben werden dürfen.— Redner bittet um Ablehnung der social- demokrattschen Anttäge, deren Folge sein würde, daß die Kinder am Nachmittage und des Abends bei Licht länger arbeiten müßten. Abg. Wurm(Soc.): Nach den Erklärungen des Staatssekretärs haben wir keine Veranlassung, den Wortlaut des 8 6 zu ändern. Wir wünschen n u r, d a ß n i ch t s o oft derartige Irrtümer b e i G e- richt vorkommen möchten. Wir beantragen eine andre Regelung der Pausen, wie wir sie fürprakttscher halten. Nach der eben ge- hörten Rede des Herrn Trimborn hat die ausschlaggebende Partei keine Neigung, auf unsre Vorschläge einzugehen. Es wird also so beschlossen werden, wie die Kommission vorschlägt. Wir sind über- zeugt, daß Sie nach einigen Jahren einsehen werden, daß unsre jetzigen Borschläge das Nichtige gettoffen haben. Die socialdemottattschen Anträge werden hierauf abgelehnt und 8 6 unverändert in der Kommissionsfassung angenommen; ebenso die§8 6—12. 8 13 betrifft die Beschäftigung eigner Kinder im Betriebe von Werksttlben, im Handelsaewerbe und in Verkehrs- geworben. Danach dürfen im Bettiebe� von Werkstätten, in denen die Beschäftigung von Kindern nicht verboten ist, im Handels- gewerbe und nn Verkehrsgewerbe eigne Kinder unter zehn Jahren überhaupt nicht, eigne Kmder über zehn Jahren nicht in der Zeit zwischen acht Uhr abends und acht Uhr morgens beschäftigt werden. Abg. Zwick(fts. Vp.) beanttagt, hinter den Worten:„acht Uhr morgens" die Worte einzufügen:„und nicht vor dem Vormittags- Unterricht". Dieser Anttag wird, nachdem Abg. Trimborn(C.) sich dafür erklärt, beinahe einstimmig angenommen. Im übrigen wird 8 13 unverändert'angenommen, ebenso der nächste Paragraph. 8 15'bestimmt: Im Bettiebe von Gast- und von Schank- wirtschaften dürfen Kinder nnter zwölf Jahren überhaupt nicht, und Mädchen nicht bei der Bedienung der Gäste beschäftigt werden. Im übrigen finden auf die Beschäftigung von eignen Kindern über 12 Jahre die Bestimmungen des 8 13 Anwendimg. Abg. Graf v. Bernstörff-Lauenburg(kons.) beanttagt folgenden Zusatz:„Ausnahmen kann die untere Verwaltungsbehörde nach Anhörung der Schuk-Auffichtsbehörde in denjenigen Fällen zulassen, wo der Betrieb in der Regel ohne ftemde Hilfe stattfindet. Die Worte „in der Regel" sind von dem Abg. Gamp(Rp.) beantragt und vom Anttagsteller accepsiert. Der Antragsteller begründet seinen Anttag mit dem Hinweis, daß ohne seinen Znsatz der Paragraph eine zu große Härte für die kleinen ländlichen Gastwirtschaften darstellen würde. Abg. Trimborn(C.) wendet sich gegen diesen Anttag. Das Princip, daß die Kinder nicht in die Gastwirtschaften gehören, dürfe nicht durchlöchert werden. Die Auffichtsbehörden würden in eine sehr unangenehme Lage gebracht, wenn sie die Konzession zu erteilen haben. Da können leicht Verdächtigungen gegen sie erhoben werden. Abg. Gamp(Rp.): Wenn man mit dem Herrn Kollegen Gersten- berger eingehender gesprochen hätte, würde er sich den Erwägungen unsres Amendements wohl zugänglicher gezeigt haben. Es ist gewiß erwünscht, die Kinder aus der Kneipe zu entfernen, aber das muß doch erlaubt sein, daß der Junge den Befehl seines Vaters erfüllt: „Stell' mal das Salzfaß ans den Tisch".. Abg. Hrnning(f.) macht darauf aufmerksam, daß das Amen- dement sehr vorsichtig gesaßt sei. Staatssekretär Graf Posadowsky: Ich glaube, daß dem Amen» dement keine ernstlichen Bedenken gegenüber- stehe n. Wem: auch im allgemeinen die Beschäftigung von Kindern in Schanklokalen außerordentlich bedenklich ist, nicht wegen der Beschäftigung, sondern wegen der Dinge, die die Kinder zu hören bekommen, so liegt die Sache hier doch wesentlich anders. Wenn die Herren Gebirgstouren gemacht haben, werden Sie diese kleinen Gastwirtschaften kennen, die mir während eines geringen Teils des Jahres Gäste sehen. Fremde Hilfe ist da nicht vorhanden, und es liegt da kein Bedenken vor, wenn die Kinder einmal Handreichungen leisten. Denken«ie an den süddeutschen kleinen Winzer, der sein eignes Gettänk seinen Gästen, die den Charatter von Hansftennden haben, vorsetzt. Da sind die Gäste alles ruhige, anständige Leute, eS geht recht spießbürgerlich zu und von einer Gefahr für die Kinder ist keine Rede. Abg. Wurm(Soc.): Man darf nicht vergessen, daß es sich hier um Kinder unter 12 Jahren handelt. Da liegt doch wirklich kein zwingender Grund vor, noch Extra- Ausnahmen einzufiihren. Die Aufsichtsbehörden kämen in eine eigentümliche Lage. Die Schule wird immer der Ansicht sein. daß ein Kind nicht in die Kneipe gehört. Und nun sollen Ausnahmen zugelassen tverden. Diejenigen Fälle sollen in Frage kommen, wo der Bettieb„in der Regel" ohne fremde Hilfe stattfindet. Ach, Herr Gamp, was heißt d a„in der Regel"? Diese Gastwirtschaften nehmen des Sonntags ftemde Hilfe an, in der Woche,„also in der Regel" verwenden sie k e i n e. Wie nahe liegt da die Versuchung, gerade am Sonntag statt zwei ftemdcr Personen nur eine einzustellen und die eignen Kinder ein- zuspannen. Auf dem Wege des Amendements wird glücklich in das Gesetz hineingebracht, was die Konunission hinaus- gebracht hat. Wenn die Behörden energisch vorgehen, wttd auch diese Bestimmung durchfiiftlhren sein.(Sehr richttg! bei den Social- demokraten.).cht i Abg. Hofmnnn-Dillenburg(natl.) tritt für das Amendement et«; ebenso Abg. Haffe(natl.), der daranf hinweist, daß schon in der Kam- Mission betont worden sei, das Gesetz sei zu sehr nach den städttschen Verhältnissen zugeschnitten.(Sehr richtig I rechts.) Abg. Gothen,(fts. Vg.): Auch ich habe schwerwiegende Bedenken, die jÄnder von kleinen Handreichungen auszuschließen. Durch ein solches Verbot wird nur die D e n u n z a t i ö n s l u st befördert. (Sehr richttg!) Ich habe andrerseits aber auch große Bedenken gegen die Fassung des Amendements, die der unteren Verwaltungs- behörde ein neues Konzessionsverfahren giebt. Das richttgste wäre, wenn wir bis zur dritten Lesung� warten wollten, um eine ausreichende Form zu finden. Ich werde dann beanttagen, daß die Beschäftigung von Kindern zu einzelnen Hand- reichungen gestattet ist, daß aber die unteren Verwaltungsbehörden dabei nicht in Frage kommen.(Zustimmung im Centrum.) Abg. Trimborn(C.): Gegen den Antrag des Grafen Bernstorff spricht noch das Bedenken, daß er für die Kinder unter 12 Jahren alle Schutzbestimmungen in Fortfall bringen will, während für die Kinder über 12 Jahren diese Schntzbestimmungen bestehen bleiben. In dieser Form kann der Anttag unter keinen Umständen angenommen werden. Der Gotheinsche Vermittelungsvorschlag hat bei zahlreichen meiner Freunde Zustimmung gefunden, bei mir noch nicht.(Hört! hört! rechts.) Abg. Gamp(Rp.) hofft nunmehr sicher bis zur dritten Lesung zu einer Verständigung zu kommcnsund rät dem Anttagsteller unter diesen Umständen seinen Anttag zunächst zurückzuziehen. Das geschieht,§ 15 wird unverändert angenommen, ebenso der Rest des Gesetzes. Folgende Resolution der Kommission wird mit sehr großer Mehrheit angenommen: Der Herr Reichskanzler möge zum Zwecke von Erhebungen über den Umfang und die Art der L o h n b e s ch ä f t i g u n g von Kindern un Haushalte sowie in der Landwirtschaft und deren St ebenbetrieben, ihre Gründe, ihre Vorzüge und Ge- fahren, insbesondere für Gesundheit und Sittlichkeit, sowie die Wege zweckmäßiger Bekämpfung dieser Gefahren mit den Landesregierungen in Verbindung tteten und die Ergebnisse der vorgenommenen Er- Hebungen dem Reichstage mitteilen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr.(Zweite EtatSberatung und zwar Etats des Reichstags, des Reichskanzlers und des Rcichsamts des Innern.) Schluß 6 Uhr._ Hiiq der Frauenbewegung. Zum Mädchenhandel nach Amerika. Die Entführung der 17jährigen Tochter eines angesehenen Musikdirektors in Halle, die feiner Zeit Aussehen erregte und in der Presse mehrfach be- sprachen wurde, bildete den Gegenstand einer Verhandlung vor der dortigen Strafkammer. Als Angeklagter wurde aus der Haft vor- geführt ein gewisser Garderobier Friedrich Höfling aus Philadelphia. Dieser ans Erfurt stammende, vielfach mit Zuchthaus vorbestrafte Mensch fand Mitte Oktober v. I. Eingang in die Familie des Mnsikdivektors. In einigen Wochen hatte es der 42jährige sehr intelligente Mensch, der früher Hausknecht gewesen war, und nun in Halle, mit reichlichen Geldmitteln versehen, den Buchdruckerci- besitzer von Philadelphia spielte, verstanden, die hübsche 17jährige Tochter des Musikdirektors zur Reise über den Ocean zu bewege». Obwohl das Mädchen verlobt war, floh es bei Nacht und Nebel mit dem Taugenichts nach Berlin. Dort in einem Hotel wurde er ver- haftet und ihm das Mädchen abgenomnien. Die Polizei glaubte einem internationalen Mädchenschacher-Syndikat auf der Spur zu sein, da der Angeklagte im Jahre 1898 die 25jährige Agnes Kutzner ans Haneburg unter denselben Umständen nach Philadelphia ent- führt hat. Die Verhandlung entzog sich der Oeffentlichkeit und Höfling wurde zu vier Jahren Zuchthaus und Neben- strafen verurteilt. Rixdorf. Heute, Sonntagabend, 6 Uhr, findet im Thielschen Lokale, Bergstraße 151/152, kl. Saal oben, ein Diskus'ionsabend statt. Zur Diskussion steht: Religion ist Privatsache. Um rege Beteiligung ersucht_ Die Vcrtraucnsperson. Arbeiter- Samariterkolonne(gegründet 18SS). Eingetretener Hindernisse halber kann der Lehrabend am Montag, den 2. flebruar in der Centrale, Dresdenerstr. 45 nicht stattsinden. Derselbe findet ebendaselbst am Dienstag, den 3. Februar, abends 9 Uhr statt über„Gefahrdrohende KrankheitSzustände". Aach dein Vorwage praktische Uebungen. Neue Teil- nchmer werden jederzeit ausgenommen. Hilskasse der Graveure, Eiseleure und verwandten Berussgenossen, Berlins tagt jeden 1. Montag tm Monat im Restaurant Eltze, Lniscn-User 1 abends 8—19 Uhr. Kür den Inhalt der Inserate übernimmt die gedaktion dem Pnbliknm gegeniber keinerlei Verantwirtung. Theater. Sonntag,!. Februar. Freie Bolksbülne. Metropol- Theater. 5. und 6. Abteilung. Der Eindrityling. Der Kanuner- sänger. Litteratur. Ans. 2-/« Uhr. Ansarg VI, Uhr: Opernhaus. Figaros Hochzeit. Montag: Der Troubadour. Schauspiel»aas. Im bunten Rock. Montag: König Heinrich der Fünfte. Sie» es Lsern-Dhearcr. Mittags 12 Uhr: Tanzidhllen von Mig Jsadora Duncan. Rachmittcgs 3 Uhr: Friedrich Schiller. Demetrius. Abends: Das dunkle Thor. Deutsches. Der arme Heinrich. Nachmittags 2ll, Uhr: Es lebe das Leben. Monlug: Monna Banna. Berliver. Alt-Heidelberg. Nachmittags2'/zUhr: MariaMagda- Icra. Montag: Mt Seidelberg. Lessiag. Der blinde Passagier. Montag: Der blinde Passagier. Neues. Die Fliege. A'achmittagS 3 Uhr: Ledige Leute. Montag: Die Fliege. Vorher: Der Herr Oberlehrer. Ncsideuz. Lutti. Nachmittags 3 Uhr: Nora. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dhalia. Charleys Tante. Vorher: Cassis Pascha. Nachmittags 3 Uhr: Egmont. Montag: Seine Kleine. Westen. Der Karneval in Rom. Nachmittags 3 Uhr: Der Freischütz. Montag: Choptn-Abend von Miß Jsodora Duncan. Kentral. Madame Sherry. Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle-Zllliance-Dheater. Am Tele- Phon. Hierauf: Cupido u. Cie. Nachmittags 3 Uhr: Der Dornen- weg. Metropol. Ncuestesl AllerneuesteSI Castno. CavaUsria mstican». Nachmittag? 3 Uhr: Lenore. Montag: Dieselbe..Borstellung. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(WaMV. Theater.) ' Das Geheimnis der Gllde. Nachmittags 3 Uhr: Doktor KlauS. Montag: Esther. Hiermrs: Zwei Eisen im Feuer. Schiller bk. sFriedrich-Wilhelmstädt. Theater.) Der Pfarrer von Kirch- feld. Nachmittags 3 Uhr: Heimat. Montag: Der Biberpelz. Earl Weist. Ilse Römer. Nachmittag? 3 Uhr: Der Mann mit der eisernen Maske. Montag: Familie Humbert oder: Der 100 Millionen-Schwindel. Buntes. System Aubert. Nachmittags 3 Uhr: sLore. Aber- gläubisch. Nora. Biene. Botken Lassan. Montag: System Aubert. Luisen. Der Psarrer von Kirchfeld. Nachmittags 3 Uhr: Der Maschinenbauer von Berlin. Montag: Dicsewe Vorstellung. Kleines. Nachtasyl. ?!achmittags 3 Uhr: Don EarloS auf der schmiere vor Er. Durch- laucht Scrinissimus. Vorher: Familienidyll. Kollegen. Serc- nissimus-Zwischenspiel«. Montag: Erdgeist. Trianon. Die Liebesschaukel. Montag: Diesewe Vorstellung. Apollo. Specialitäten.— Nattris Hochzett. Nachmittags 3 Uhr: Frau Luna. Montag: Specialitäten.— Die- selbe Vorstellung. Palast. Berliner Lust. Svecialttäten. Wintergarten. Specialitäten. Netchshallen. Stetttner Sänger. Steidl. Steidl-Sänger. Pastage-Dheater. Specialitäten. Passage-Paiioptikum.specialitälcn. Urania. Daubenftraste 48/49. Das Land Tirol. Montag: Diesewe Vorstellung und im Hörsaal um 8 Uhr: Dr. Ernst Juhl: Die Kunst st» der Photographie. 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Bokken Laetwon. WM- Abends 8 Uhr:"TWW System Aubert Die angewamlte Philosophie. OratweilsBierhallen Theater u. Varibtt Kommandanten- Strasie 77/79, Direktion: Carl Harerland. Täglich: Gr. Vorstellung. Oas groNsc ainrtsante 3amiar-?rogramm Nur allererste Kunstkrifie. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Jed. Sonnabend, Sonntag u. Mittwoch nach der Vorstellung: ZW?- T A V X.-WW Schiller-Theater. Schiller- Theater O. (Wallner-Theater). Sonntagnachmittag 3 Uhr: Doktor Klaus. Lustspiel in 5 Akten v. Ad.LMrronge. Sonntagabend 8 Uhr: Daa Geheimnis der Gllde. Schauspiel in 4 Akten von August Strindberg. Deutsch von Ernst Brausewetter. Montagabend 8 Uhr: Esther. .Hieraus: Zwei Elsen ImFeuer. Dienstagabend 8 Uhr: Das Geheimnis der Gilde. Kleines Theater Unter den Linden 44. Nachmittags 3 Uhr bei über die Hälfte ermässigten Preisen: Bon Carlos auf der Schmiere vor Sr. Burchlauoht Serenissimus. FamilienidyU, KoUegen, Serenissimus-Zwischenspiele. Abends 8 Uhr: Nachtasyl. Montag: Nachtasyl._ Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr kleine Preise: llie Itohinenliauer von Berlin. 8 Uhr abends: Der Pfarrer van Kirchftth. Montag: Die Maschinenbauer von Berlin. Seile- jlllianee- Theater. Heute, nachmittags 3 Uhr, bei kleinen Preisen: Der Dornenweg. Josephine Dora a. G. Mcnds 71/, Uhr: Am Telephon. Gegen 8'/, Uhr: Cupido& Cie. Mit glänzender Ausstattung: Neuestes! Allerneuestes! Revue in 5 Bildern von J. Freund. Musik von Victor Holländer. Gastspiel Julius Spielmann. Emil Thomas a. G., Henri Bender, Frid Frid, Fl.Siding, Hans! Reichsberg. CM- 300 Mitwirkende.'ljhlL Grandioses Ballett. Anfang'/28 Uhr. Rauchen überall gestattet. Vollständig neues Programm:""ü Yvette Guilbert. Spanische Tänze. Die 3 Missouris, Cngl. Excntrics. Alfred de Besse), Bhtz-Modelleur. „Da» Bädchen mit dem soldenen Haar", Eine Vision Charles Prellt, Ventriloqnist. Amoros Werner-Truppe, mime„Beim Flirten erwischt". Les Dartos, Pariser Tänzer. ßtto Beiitter, Humorist. The Uessems, Akrob. Produktion. Pariser Luft, Ballett. Oer„Biograph" Sonntag, den 1. Februar 1903, 4 Uhr und 7'/, Uhr: 2 gr. Extra Vorstellungen 2 Nachmittags ein Kind frei, weitere Kinder zahlen halbe Preise. Nachmittags: Clown- Verstellung u. d. beliebte reizende Pantomime Pierrots Weihnachten. Z. Schluss: Die grosse Bonbonniere und der Bonbonrogeu. In beiden Vorstellungen, nachmittags n. abends, n. n. kurze Zeit: 8ans rlval!! Looping the Loop u. Debüt der Kanadier Vormette u. Dionne in ihren phänomenalen Leistungen. Abends 1. Debüt Leu Brnnln, die unerreichbaren Blllard-Kllnstler, sowie Die Instigen Heidelberger. HauHsonci Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: HolTmaiinB Hopdiieutsehe Singer. Nach jeder Soiree: TanE-Krlinschen. De Lup in Lupt. Sensalionsparodic. »die zu Festlichkeiten. Schiller-Theater>. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater). Sonntagnachmittag 3Uhr: Heimat, Schauspiel in 4 Akten vou Hermann Sudermann. Sonntagabend 8 Uhr: Der Dfarrer von Kirchfeld. Volksstück mit Gesang in 5 Akten von Ludwig Anzengruber. Montagabend 8 Uhr» Der BlberpelE. Dienstagabend 8 Uhr: F.sther. Hieraus: Zwei Eisen im Feuer. Cirkus Busch. Sonntag, den 1. Februar 1903, nachmittags 4 Uhr; Die grossartig. Elefanten-Schauspieie. Abends VI, Uhr: DahOffley. Boeres■ Kommandant bimeelo als Kunstseliiitze und Lassowerfer. In beiden Vor- C a a I n ur O II Stellungen: aCBIÜHcU und TartakolT-Trnppe. Bernhard Rose-Thealer «adstr. 58. Somitag, den 1. Februar 1903: Geuionnent Hmru. Volksstück mit Gesang in 3 Atten von Hugo Müller. Ansang 6'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tan«. Stadt- Theater. Alt-Moabit 47/49. Die Willionenbraut. Gr. Posse mit Gesang in 3 Akten von Ed. Jacobson und H. Witten. Anfang 6>/z Uhr. Nach der Vorstellung: Tan.. Slei->� Theater Linien- Lranien« ftrasze 132. burger Thor. Neues Programm. Der vorzügliche Tenorist Galvagnl. Ferner: Riesen- Lacherfolg: 7amMe)tumdsrt. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pf. 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Nach dem Vortrage: Liedervorträge. Recitationen. Sociale " humoristische Gedichte von Dr. Albert/ u. a. m._ Nachdem: ZKI Gemütliches Beisammensein und Tanz. � Programm 25 Pf.— Anfang nachmittags 5 Uhr. 283/10 Graumanns Festsäle -■• Namiynstrasse Ä7. Meine eleganten Salons mit Bühne sind noch einige Sionnabende und Sonntage an Vereine zu vergeben. 2S2L' Fernsprecher Amt IV Nr. 7324. Gustav G raamann. WWWIWWW»» Amt IV. 12787 HnRHnHKI Inrriltnm Bade'5 Volhsgarten Ititrbdrit�P Haltestelle d. elektrischen P Strassenbahn(Siemens). 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Beckenschoner....... stock 53 pr. Brotbeutel.......... � 68 � Wandschoner........ stock 68» Marktnetz.......... stock 95» Küchentischdecke____ s�k 95» Küchenparadehandtuch stock 1? Besenhandtuch....... stock 1" Kr. 27. 20. Jahrgang. Ssnntlvz, 1. Febrnar 1901 An nntre Parleigenosskn! Die zahlreichen Wünsche der Berliner Genossen nach Besichtigniuz der neuen GcschäftSlokalitätcn des„BorivärtS" konnten bisher an gcschäftstechnischen Gründen nicht in gelvünschtcm Masze befriedigt lverdcn. Ilm nnn lveitcren Streifen die Besichtigung zu ermöglichen haben wir Vorkehrung getroffen, daß an den vier Tountagen im Monat Februar vormittags von 9—12 Uhr Kiese Besichtigung unsrer neuen Truckercilokalitäten uirter fachmännischer Leitung stattfindet. Wir bitten daher die Tit Vereine, sich bei uns unter Ängabe der wahrscheinlichen Teilnehmer- zahl zu melden, damit ihnen Mitteilung gemacht werden kann, an welchem der vier Sonntage sie an der Reihe sind. • Die Besichtigung der neuen R o t a t i o n s m a s ch i n c n während des Betriebes kann nur in beschränktem Maße an Wochentagen in der Zeit von morgens 2U. Uhr bis 5 Uhr und nur nach vorheriger Anmeldung bei der GcschöffSlcitung stattfinden. Vorwärts Buchdruckerei und Bcrlogsanstalt. Paul Singer& Co. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 31. Januar 1993. Börsenbericht.— Zur Lage dcS ElsenmarklcS.— Export-Aussichten.— Gcsärbte Stimmungsberichte.— Umwandlung der Kruppschen Werke in eine Aklicugesellschast. Die Börse.ist nach den kleinen Haussefreuden zu Anfang des Januars längst wieder im alten Geleise angelangt.„Langsam voran" ist die Devise, und träge, nur vereinzelt von einem vor- übergehenden Aufflackern der Unternehmungslust unterbrochen, voll- zieht sich der geschäftliche Verkehr. An bemerkenswerten Vor- tonimnisscn, die ein außerhalb des Börscnkreises stehendes Publikum interessieren könnten, oder die als Anzeichen bevorstehender Aende rungen unsrcS Wirtschaftslebens Beachtung verdienen, fehlt es gänz- lich. Trotz dieses Mangels an geschäftlicher Regsamkeit loar durchweg in letzter Zeit die Tendenz ziemlich fest, wie denn auch der jetzige Kursstand des Jnduftric-Mtienmarltcs, vergliche ir mit dem in den ersten Tagen nach dem Jahreswechsel, im ganzen nur geringe Bcr- schiebungen auftvcist. Tie Abschläge dUrftcw durch die Kurs- fteigerunge�völlig ausgeglichen werden, vielleicht crgiebt sich sogar bei gcnaucrrr Abwägung eine leichte Avance. Selbst die leitenden Epekulationswcrte des Kohlen- und Hüttenmarktes haben, Ivenn man von den Aktten der Konsolidation l Schalke) absieht, ihren Stand nur ivcnig verändert. Dagegen schließen Bankaktien, und zwar svcciell die Aktien der Großbanken, den ersten Monat im Jahr mit mchrprozcntigcn KurSerhöhungcn ab, allen voran die Anteile der DiSkonto-Gesellschaft und die Aktien des Schaaffhausenschcn Bant- Vereins. Die relativ guten Ergebnisse der jüngst veröffentlichten Jahresabschlüsse einiger kleinerer Banken, vor allem aber die auf dein Rentenmarlt bevorstehenden Finanzgeschäste machten für sie Stimmung. Die letzte Woche begann zunächst mit einer Abschwächung. Der Witterungsumschlag und die angesichts des Ultimos sich äußernde Realisationslust drückte auf den Kurs der 5iohleii- und teilweise auch der Hüttenaktien. doch bewirkten schon am Dienstag die aus dem Rheinland und Westfalen efiilaufenden günstigen SttmmungS- berichte, die durch die in der Sitzung des Rohciscn-Shndilats zu Düsseldorf gemachten Mitteilungen über die Zunahme des Eiscn- bedarfs eine geivisse Bestätigung fanden, einen Umschwung zu Gunsten der Eiscnattien, durch den auch Kohlenakticn mit in die Ausloärtsbcwegung gezogen loürden. Die Aktien der Laurahütte. die Bochumer Gußitahlfabrik, der Gclscnkirchener Bcrgwcrks-Gcscll- schaft, der Hibernia und Konsolidation erzielten recht ansehnliche Steigerungen, die bei den Laurahütten- und Bochumcr Aktien ea. 3 Proz. betrugen. Auch am Mittwoch setzte sich zuerst die Auf- loärtSbclvcnuug der Montanwerte fort, endete schlicßtich aber, da die Spekulation erneut zur Realisierung ihrer Gewinne schritt, mit einer ziemlich allgemeinen Abflauung. In den letzten Tagen war, wie gewöhnlich zur Zeit der Ultinio-Rcgulicrung, der Verkehr ziem- litt) still-— eine tlcine Zwischenvcrdauungspausc. Wie schon oben erwähnt wurde, waren von wesentlichem Ein- sluß aus die feste Haltung der Börse die günstigen Stiinmungs- berichte über den rheinisch. westfälischen Eisenmarkt, die in der letzten Woche durch die Presse liefen, besonder» die Berichte der„Rhein. Westfäl. Zeitung" und der„Köln. Zeitung". Tie Geschäftslage wird darin in rosige» Farben geschildert, und leugnen läßt sich keineswegs, daß sich die Beschäftigung der dortigen Eisenindustrie im Vergleich zur Lage im Oktober und der ersten Hälfte des Novembers wesentlich gehoben hat. Soweit sich erkennen läßt, haben die Hochofen- Ivie die Stahlwerke vorläufig reichliche Arbeit, und neben den Auf- trägen auf Roh- und Stabeiscn sowie Blechen mehren sich die Ans- träge auf Träger und Baucisen, da in den meisten Gegenden auf eine flotte Baulhätigkcit gerechnet Ivird: eine Erwartung, die allem Anschein nach eine gewisse Berechtigung hat. Trotz diese» vorläufigen guten Geschäftsganges dürfte es jedoch kaum fraglich sein, daß die Lage und vor allein die Aussichten für die Weiterentwicklung des Geschäfts durchweg überschätzt lverdcn, besonders in dem Bericht der als„Zechcnblatt" bekannten„Rhein.-Westfäl. Zeitung". Wie schon vor vier Wochen an dieser Stelle dargelegt wurde und wie seitdem sich immer deutlicher herausgestellt hat— auch die„Rhein.-Westfäl. Zeitung" betont, daß„in vielen Fällen die Specifikationcn gleich mit dem Auftrag" eingehen—, ist die jetzige gute Beschäftigung der Stahl- und zum Teil auch der Walzwerte vornehmlich darauf zurück- zuführen, daß in der Zeit vom September/November die Groß- Händler nach Möglichkeit ihre Vorräte geräumt und mit ihren Be- stcllungen zurückgehalten haben, da sie auf weitere Preis- ermätzigungcn spekulierten, und daß dann, als diese Ermäßigungen eingetreten waren, sich natürlich alle beeilten, ihren Bedarf schleunigst zu bestellen. Ob diesen aufgehäuften Order», die allerdings vorerst den Werken gute Beschäftigung sichern, nach ihrer Erledigung weitere Bcstcllungsnachschübe in gleichem Matze folgen werden, er- scheint immerhin fraglich trotz der voraussichtlich rege» Barithätigleit. die das Frühjahr und der Sommer bringen wird. Und wenn auch der Inlandsmarkt sich besser gestalten sollte, als im vorigen Jahre, so bleibt doch die Gefahr bestehen, daß der Absatz nach England und den Vereinigten Staaten von Amerika, der im letzten Jahre die deutsche Eisen- und Stahlindustrie hauptsächlich über Wasser gehalten hat, im laufenden Jahre einen scharfen Rückgang erleidet. Der englische Eiscnmarkt ist. wie sich auch die„Rhcin.-Wcsifäl. Zellmig" zuzugeben genötigt steht, seit einigen Monaten merklich abgeflaut. und wenn vorläufig auch der Export der deutschen Werte nach England noch ziemlich beträchtlich ist, so ist damit nicht bewiesen, daß diese Ausfuhr im begonnenen Jahre anhalten wird. Unter den im Januar ausgeführten ausländischen Bestellungen dürften sehr viele sein, die schon vor Monaten bei den Werken eingelaufen sind. Das Entscheidende iit wicht, ob im Januar die Einfuhr von sind. DaS Entscheidende ist nicht, ob im Januar die Ausfuhr von gehalten hat, sondern ov die von England eingegangenen Be- srellungen den Betrag der in der gleichen Zeit des Vorjahres ein- gekomnicnen Aufträge erreichen. Damit soll nicht gesagt sein, daß diese Art Stimmungsberichtc ans bewußter Schönfärbung der betreffenden Blätter beruhen, aber, inspiriert ans den Kreisen der bcttcsfcndcn Unternchmcrgruppen, kouunr ganz natürlich in ihnen da» Interesse dieser Hintermänner zum Ävsdnick. Als im Oktober de» Großeifcnhändler» dura» lag, auf die Preise zu drücken, da wußten manche Blätter die Lage gar grausig zu schildern und mit den sonderbarsten Gründen wurde die Notwendigkeit der Herabsetzung der sogenannten Werkspreisc zur Hebung des Konsums bewiesen. Jetzt, nachdem die Großhändler ihre Liefcrungsverträge mit den Werken abgeschlossen haben, haben beide lvicder da» gleiche Interesse daran, den Geschäftsgang als gut hinzustellen und daraus die Berechtigung einer Erhöhung der Preise— für ihre Abnehmer abzuleiten. Eine Ucbcrraschung hat die Woche doch gebracht: die Nachricht von der Ilmwandlung der Kruppschen Werte in eine Aktiengesell- schaft. Schon verschiedentlich tauchte in den letzten Jahren das Gerücht auf, der Riesenbetrieb solle„g c g r ü n d e t" werden, und als vor einiger Zeil Herr Alfred Krupp in bisher noch uuauf- geklärter Weile plötzlich am Herzschlag verschied, wollten manche ganz bestimmt wissen, nun werde das„Gründen" unter Führung der Dresdener Bank endlich losgehen. Selbst dann erhielt sich noch das Gerücht, als es in der Presse hieß, in dem Testament de» Herrn Geheimrats sei die Verfügung enthalten, daß da» Gesamtunter- nehmen al» Privatbetrieb erhalten und im Besitz einer der Töchter de» Verstorbenen bleiben solle. Allerdings von einer„Gründung" im eigentlichen Sinne kann auch jetzt nicht die Rede sein, lvenigsteuS vorerst nicht, da, wie c» in der Ankündigung der Frau Margarete.wrupp heißt, die Anteile im Eigentum des Fräulein» Bertha Krupp als Fabrikcrbin verbleiben werden. Wie lange" Vielleicht nur bis zur Mündigkeit der Dame oder ihrer Verheiratung. Zunächst handelt c» sich also nur um eine sogenannte„Familien- gründung", die, wie es heißt, wahrscheinlich sogar ohne direkte Bei- hilse der Dresdener Bank und der sonstigen größeren Banken, mit denen die Firma bisher in engerer Beziehung gestanden hat: der Berliner Handelsgesellschaft und de» Bankhauses Delbrück, Leo und Eo., vorgenommen werden soll. Ueberhaupt soll vorläufig möglichst wenig geändert werden, das Direktorium führt in bis- heriger Weise die Geschäfte weiter und erhält nur als Aufsicht»- instauz einen von der„Aktionärin", d. h. von Fräulein Bertha Krupp oder vielmehr, da diese minorenn ist, der Frau Krupp er- nannten Aufsichtsrat. Nach den gesetzlichen Bestimmungen muß der Aufstchtsrat aus mindestens drei Mitgliedern bestehen; vielleicht aber werden von Iran Krupp noch einige Herren mehr ernannt. Verzichten dürfte so leicht niemand der Ernannten, sintemalen eine fettere Pfründe kaum aufzutreiben sein dürfte. Bisher werden als zukünftige AuffichtSratsmitglieder nur die Herren Geh. Kommerzicn- rat G. Hartmann und Geh. Obcrsinnanzrat Jencke genannt. Alle Abschätzungen des Kapitals der neuen„Aktiengesellschaft". die gegenwärtig durch die Blätter laufen, sind recht müssig; denn im Grunde genommen, steht eS völlig im Belieben der Frau Krupp zu bestimmen, wie hoch sie den Wert normiert sehen will. Krupp soll in den letzten Jahren ein Einkommen von LS— 27 Millionen Mark versteuert haben; zieht man davon als Ertrag au» Barbermögen und aus nicht zum Unternehmen gehörende Anlagen einige Millionen ab. und nimmt einen durchschnittlichen Gewinn der Werte von 9— 10 Proz. an, so ergicbt sich ein Gesamtwert der Werte von 220— 2Ö0 Millionen Mark. Doch ist keineswegs ausgeschlossen, daß bei der„Gründung" der Wert nur auf ISO oder 109 Millionen Mark veranschlagt wird. Zu hoch dürfte er deshalb schon nicht veranschlagt werde», weil die Unkosten der Umwandlung( Stempel, Abgaben, AuflassungSgcbühren usw.) sich auf ungefähr S Prozent tellen, also bei einem veranschlagten Aktienkapital von 200 Millionen Mark beinahe 10 Millionen Mark betragen werden. Außerdem kommt in Betracht, daß noch zwei größere Anleihen Krupps schweben: eine vierprozeniige Anleihe au» dein Jahre 1S93 in der Höhe von 21 Millionen Mark zur Erwerbung de» Gruson-Werks bef Magde- bürg, von der noch 19— 20 Millionen im Umlauf sein dürften, und crncr eine ebenfalls vierprozeniige Anleihe der Germanialverft in Kiel im Betrage von 20 MÜlionen Mark, welche Krupp mit übernommen hat und deren Tilgung im Oktober diese» JahrcS zu be- ginnen hat._ Tat. Berliner partei-Hngelegenbeitm Am Dienstag, den 10. Februar, finden in den sechs Berliner ReichStags-Wahlkrcisen Versammlungen statt, in welchen die Auf- tellung der sorialdemokratischcn Reichstags- Kandidaten erfolgt. Die Wichtigkeit dieser Versammlungen rcchtferttgt die Bitte an die Vor- stände der Gewerkschaften und Vereine, zum 10. Februar thunlichst keine Versammlungen anzuberaumen. Tie VertrauenSpersonen. Die nächste Lokal-Listc erscheint am Sonntag, de» 15. Februar. Wir ersuchen daher die Mitglieder der L o k a l k o m in i s s i v n v o n B e r l i u u n d ll m g c g c» d, Aendcnmgcn und Neuaufnahmen bis spätesten» Freitag, den t>. Februar 1903, einsenden zu wollen, und zwar für: „Trltow-Bceskow" an den Genossen Hermann S ch l i c b i tz in Britz, Jahnstr. 2; „Rirder-Barnim" an den Genossen Otto Riebe in Friedrichs frlde, Vietoriastr 4; „PotSdam-O st Havelland" an den Genossen Albert Neue in Spandau, Jagowstr. 9; „Diverse Orte" an den Genossen Gustav Vellwook, EberS- «aldc, Eisenbahnstr. 07; Berlin au den Genossen Wilhelm Hinz, Prinzenstr. 00, 8.14. Man wolle die Miticilungcn umgehend besorgen, da spätere Ein- endnngcn nicht mehr berücksichtigt werden können. Äielfack» ist es in den letzten Wochen vorgekommen, daß Zuschriften in„Lokal-Angelegenheitr»" an die Redatrion des„Vorwärts" gesandt worden sind; wir ersuchen daher die Genossen, alle Anfrage» und Zusendungen nur an den Genossen Wilhelm Hinz, Berlin L. 14, Prinzenstr. 00, zu richten und nicht an die Rcdallion. Die Partciblättcr der genannten Kreise werden um Abdruck ersucht. Die Lokalloimnission. Vierter Berliner ReichstagS-Wahttreis f Osten). Der Wahlverein hält seine diesmonatliche Versammlung ausnahmsweise am Si i t t- w o ch. den 4. Februar, Große Frankfurterstraße 117 ab. Die Bcr- 'ammlung sollte im Leo-Hospiz stattfinden, da aber der Wirt seine Zusage wieder zurückgezogen hat. tvar an« vorgeschriebenen Dienstag ein Lokal mehr zu haben. Das Referat hat Genosse Adolf Hoff- mann übernommen. lokales. Sechster Wahlkreis, Schönhauser Borstadt. Sonntagabend 0 Uhr im„Jägerhaus", Schönhauser- Allee 193 1 Volksversammlung. Vortrag des Stadtverordneten Genossen Adolf Hoffmann:„Die Elenden und die Gottbegnadeten." Aachher: Gemütliches Bei- am, neilsein und Tanz. Zahlreichen Besuch erlvarlet Der Vertrauensmann. Dir polnischen Socialiste» halten heute nachmittag 2 Uhr bei Franke, Scbasliaustr. 39. eine öffentliche Versammlung ab, in der der Parteigenosse Biniszkicwicz über„Die Gehenkten von Warschau" spricht. Eharlottenburg. Die geplante» Kurse über die Technik der Landtagswahlen können des Sonntags nicht stattfinden. da die Polizei darin öffentliche Berfaminlungcn erblickt und ihre Abhaltung während der Kirchzeit verbietet. Die Kurse worden infolgedessen auf einige noch näher bekannt zu gebende Wochenabende verlegt. Steglitz. Die Versammlung des Wahlverems findet am Mittwoch, den 4. o. M., abends 8 Uhr, im Restaurant Schcllhasc. Ahornstraße 13s, statt. Vortrag des Genossen Jlemniing, Eharlottenburg. über;„Die socialpolitische Gesetzgebung." Gäste haben Zutritt. Johannisthal. Tie Versammlung des WahlvcreinS findet am Dienstagabend S'F Uhr bei Ww. Rau, Partstr. 12.13 statt. Vortrag. Alte Kämpfe. Nicht neu aus dein Boden gestamjpft sind die Kämpfe, die unsre Zeit erregen, mögen Herrschende und Unterdrückte sie mit- einander ausfechten, mögen sie einzig die höheren Gesellschafts- schichten in Bewegung setzen, mögen sie auf da» Proletariat selbst beschränkt bleiben. Rur der Thor wimdtcrt sich, wenn er nach eine,» Vortrage von Professor Delitzsch vczmchinen muß. daß die Zeit, die wir bis dahin als den Beginn der Welt- geschichte bettachtet haben, plötzlich in die Mitte gerückt ist und Generationen, von deren Borhaudensein wir leine Ahnung hatten, im» ihr Sinnen und Denken offenbare». So wird es denn auch diejenigen unsrer Leser, die in dcio Disciptin der materialistischen Geschichtsaufsassung aufgewachsen sind, nicht lveitcr wundern, wenn sie. und dazu noch in gebundener Rette, von Kämpfen vernehmen, die sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts abgespielt haben müssen. Als wir gestern in den chrlvürdigcn Räumen unsreS Redakttons- archivs unter alten Aktenstößen anfriauuten, fiel un» ein Gedicht auf vergilbtem Papier ans, dessen Verfasiscr, wenn nicht alles trügt, der alte Geliert ist. Es behandelt den Sttcit, der sich damals im Berliner Maurcrgelvcrbe abstielte, in einer zwar hochpoetischen, aber doch teilweise zur Realistik neiigendcn Form, so daß der aus- merksame Leser manche Anklänge entdecken Ivird die ihn fast modern anmuten. Hier ist das unsrc» Wissens bisher»»gedruckte Gedicht: Ein Maurer der lokalen'") Richtung Verlebte harmlos seit« Tage. Ihn schert nicht die moderne Dichtung, Ja selbst die sociale Frage Bewegt gelinde nur den Sinn Des Maurer» der lollalen") Richtung, Der fröhlich seines Weges schreitet' Vom Geist des Frieden» sanft geleitet. Doch plötzlich— was erregt das Hirn Des Maurers der lokalen�) Richtung? Es kräuselt finster sich die Stirn Etarr späht fein Blick nach einer Lichtung, Ans der, zum Knäucjl wüst vereinet. Verderben sich zu»mälzen scheinet. Und immer finstrer ttoird der Blick Des Maurers der lokalen") Richtung. Zurück, o Rasender, zurück!— Kein Halten giebt as; in Bernichtuna Und Schrecken fuchtelt schon der Ann, Und zorneswild, dcch Gott erbarm, Stürzt unser Freund sich wie im Fieber Zermalmend ans sein Gegenüber! Was war cS, was so vehement Den Maurer der laEalar) Richtung, Der sonst kein Wort de» Zornes kennt, Zur Wut entflammt in unsrer Dichtung? War's Doktor Luthers alter Feind, Der'S heut noch böse mit uns meint, Und der als Geist der Revision, So manchen hat verschlungen schon? War'S sonst ein schküinner, alter Sünder, Ein scharfgemachter Leuteschinder, Ein arger Gegner vom Tarif, Der Polen her nach Deutschland rief? War's gar ein Lurup und Streikebrcchcr, Ein Dcnunziante, so ein freche?, Der nicht Moral und Ehre kennt Und feig zum Staatsanwalt mir rennt Als abgefeimter Bösewicht?— O, nein, dies alles war c» nicht!— Das nicht?— Was aber kann denn nur Auf dieser lveiten Erdenflur Den Maurer der Malen*) Richtung, Dem nichts an Zank und Stteit gelegen. So wild, so graucnbaft erregen?— Ein Maurer der centralen**) Richtung! Man erkennt in diesem Gedicht deutlich die Roheit, mit der sich zum Gaudium der Meisterschaft damals Gesellen und Arbeiter im Baugewerbe zerfleischt haben müssen. Heute ist da» ja längst ander» gelvordcn und wenn wttklich die Leiden fröhlich emporstrebenden Richtungen einmal einen Seinen Zank nlitcinandcr auSzufechten haben, so geschieht dies unter Beachtung aller Formen einer Gc- stttung, die sich scheut, die Person des resp. Gegners auch nur im geringsten anzutasten. Insoweit ist der Fonschritt unverkennbar. Der Magistrat hat die Enltvürfe des StadtbailratS L. Hoffmann für den Neubau des Bolksbades auf dem Wcdding in der Gerichtstraße neben der Panko angenommen. Nach diesen Entwürfen ivird das Bad im Erdgeschoß einen Schwimmhallenraum mit 210 Ouadratmctcr großem Bassin für Männer und einen Hallenraum mit einem lOö Quadratmeter großen Schwimmbassin für Frauen, sowie anschließende Warteräuinc, Wannenbäder, Brausebäder nebst andern Anlagen enthalten. Die Kosten diese» BadcS, des ersten Volksbadcs mit zwei Schwimmbassins, sind mit 1'/- Millionen Marl veranschlagt. Ter Stadtucrordiicten-ZZersiiiiiniliiiig ist eine Vorlage über den Neubau der G r ii u st r a ß e n- B r ii ck c über den Spree-Schleuscn- Kanal zugegangen. Die jetzige Brücke ist eine alte hölzerne Hoch- brücke und soll nunmehr durch eine massive Eandsteinbrückc»lach den Entwürfen de» Stadtbaurats Krause ersetzt werden. Die Kosten find auf 429 000 M. veranschlagt. Dir Stadtverordneten-Bersammlung ivird sich nunmehr in der nächsten Sitzung, nachdem der Magisttat die Entwürfe des Stadt- baurats L. Hoffmann für den Neubau de» städtischen Unter- s u ch u n g s a m t s für NahrmigL- und Genußmittel sowie Gebrauchs- gegenstände in der Fischerstt. 39/42, am Mühkendamm, genehmigt hat, mit diesem Bau zu beschästigen haben. Die Kosten sind mit 03ö 090 M. veranschlagt. Zunächst sollen 00 Plätze eingerichtet werden. Wann werden die Scherereien ein Ende haben'? Das Polizei- Präsidium zu Berlin verharrt auf dem verfehlten Standpunkt, daß das S t r c i l p o st e n st e h c n an sich grobe» Unfug sein kann. Am 3t. Januar 1903 hatte sich lvcgen einer solchen angeblichen Ber- fchlnng der Kassierer des Vereins zur Wahrnehmung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend, Ernst Witte, zu veraitt- Worten. Witte erhielt eine polizeiliche Strafvcrflignng de» Berliner Polizeipräsidiums, daß er am 12. November 1902 früh gegen 7 Uhr in der Kaiser Wilhelmsttaße dadurch groben Unfug verübt habe, daß er die bei dem Kanalbau dort beschäftigten Arbeiter und Arbeits- willigen von der Arbeit abzuhalten suchte. Witte, welcher der Ansicht Ivar, daß er damit nichts andres gcthan habe, als fein KoalitiouSrccht ausgeübt, legte dagegen Einspruch ein nnd beantragte richterliche Entscheidung. In der mündlichen Verhandlung *) Ter Parität balbcr ivollcn die Anhänger der lokalen Richtung hier jedesmal„centralen" lesen. "*) Der Parität halber wollen die Änhänger der lokalen Richtung hier„lokalen" lese». bekundete der städtische Bauführer Exner, daß Witte an einen Maurer herangetreten sei, ihn darauf ailfmerksam ge, nacht habe, daß die Maurer sich im Streik befänden und daran das Er- suchen an den Maurer geknüpft habe,, nicht in Arbeit zu treten. Er, Exner, sei darauf an einen in der Nähe befindlichen Schutzmann herangetreten und habe den Beamten ersucht, den Witte zu sistieren, da derselbe Arbeitswillige von der Arbeit abzuhalten suche. Weiter habe Witte nichts gethan. Hiernach wurde Wiste, wie selbstverständlich ist, frei- gesprochen, da er nur das gethan habe, was er nach§ 152 der Gewerbe-Ordnung thun drtfte, auch kein andres Gesetz verletzt habe. Der Antrag des Vcrtnidigers, auch die dem Angeklagten er- wachsenen außergerichtlichem Kosten der Staatskasse aufzuerlegen, wurde mit der Motivierung abgelehnt, daß die Freisprechung Wittes s e l b st v e r st ä n d l i ch getweseu, sodaß er weder selbst zu erscheineir, noch einen Verteidiger anzimehmen notwendig gehabt habe. Auch ohne seine Anwesenheit würde das Gericht zu dem Ergebnis der Freisprechung gekommen sein. Bei dieser Motivierung und der gleichen jetzt allgemein anerkannten Praxis der Gerichte erscheint eS unbegreiflich, daß noch immer vom Polizeivräsidiuin-Strnfbefchle erlassen werden, welche die bloße Ausübung des Koalitionsrechtes durch Hsraiizichung des groben Unfugs-Paragraphen unter Strafe zu stellen versuchen. Ter Apothekcrring behauptet, den Berliner Kassen keine 20 Proz. Rezepturrabatt geben zu können; seine einzelnen Mitglieder scheinen dazu recht wohl in der Lage zm sein, wie folgender Vorfall beweist: Der Hofavotheker Reich, Adalburtstraße(Adalbert-Apotheke), ließ kürzlich durch seinen Lehrling einem Charlottenburger Droguisten, der eine Rezeptursammelstelle haP die Bereitwilligkeit erklären, ihm privatim für jedes Kassenrezept 20 Proz. Rabatt zu vergüten, baß ihm der Droguist zur Anfertigung zuweisen würde. Weiter aber war Herr Reich auch erbötig. täglich er»- oder mehrmals per Boten die Rezepte ans Charlottenburg holen zu lassen und die Arzneien hin- zusenden. Bevor der Droguist sich auf den Handel einließ, machte er der Ceutraltmumission Mitteilung. Diese ersuchte ihn, von dein Angebot abzustehen. Die Arzncilieferung ist bei den Berliner Kassen so glatt geregelt, daß sie auf Vorschläge»on Apothekern verzichten können, in verstellter Weise den Rabatt zu gewähren. Wenn Herr Hofapothekcr Reich offen und ftei Kassenlieferungen übernehmen will, so ist ihm der Weg dazu jedenfalls bekannt. Ei» Spitzelprozcß. Vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I wird am 4. Februar er. gegen den Redakteur der auarchisti- scheu Wochenschrift„Neues Lebens G l a d a s ch, eine Anklage wegen Beleidigung Berliner Polizeibeamteu verhandelt werde». Dieselbe soll durch einen Artikel„Spitzelei" begangen sein, in welchem Exekutivbeamten der Berliner Poliizei„Spitzelei" gegen die Berliner Anarchisten, insbesondere gegen du: Redaktion des„Neuen Leben" in scharfen Ausdrücken vorgeworfen n>ird. Rechtsanwalt Frünkl, der die Verteidigung führt, hat eine Reihe von Beweisanträgen gestellt. um die angebliche Berechtigung der Beschwerden des„Neuen Leben" »achzuweisen. Tic Zahl der im Monat Januar im Straßenverkehr Berlins verunglückten Personen ist gegen den Vormonat erheblich zurück- gegangen. Im ganzen waren 23" Unfälle zu verzeichnen gegen 31 im Monat Dezember. Die Zahl d>er tvdtlichen Unfälle hat sich von 12 auf 8 vermindert; 3 Personen wurden im Betriebe der Eisenbahn und 3 Personen im Betriebe der Straßenbahn getötet. Von den 15 Schwerverletzten kamen(> im Straßenbahn v e tr i e b e zu Schaden, davon 3 beim Besteigen oder bell» Verlassen in der Fahrt befind- licher Wagen. Unter den Rädern von Brauer- oder Schlächtertvagen fand je eine Person ihren Tod. Drei der tödtlichen Straßenunfälle sind auf Selbstmord zurückzuführen. Auf die Eisendahuzüge der Pittsdamer Bahn ist in den letzten Tagen mehrfach geschossen ioorden, mährend dieselben in voller Fahrt zwischen Groß-Lichterfelde und Zehleudorf waren. Mit dem Eintritt der Dunkelheit wurde stets dies gcmaiugcfährlchc Treiben, wahrschein- lich von jungen Burschen ausgeführck, ohne daß es bisher gelang. dieselben zu ermitteln. Durch die Schüsse wurden stets Wagen I. Klasse der nach Potsdam gehenden Vorortzüge getroffen, zum Glück bisher aber keine Personen vorletzt. Es wird infolge dieses Unfugs jetzt das nach der 5ladcttenaiistalt belegene Gelände unter scharfe polizeiliche Beobachtung gesteltk. i Das Polizeipräsidium teilt mit: Zur Verhütung von Explosions- und Vergiftuugsgcfahreu durch Aussttöiuen von Leuchtgas bei Benutzung von transportablen Gaskochern uird Gaslanipen tvird das Publikum dringend davor gewarnt, nach dem Gebrauche lediglich den am Apparat selbst bhfin'a'lichcn Gashahn anstatt des in der Wand befindlichen Zuführungshahjiies zu schließen; andernfalls gleiten, zumal in der Nacht, nur zu laicht Me verbindenden Gummischläuche ab, werden auch mit der Zeit oft undicht und lassen so das Gas ausströmen. Zweckmäßiger ist es daher überhaupt, die Ver- biudung zwischen Gasrohr und GaSliocher oder Apparat durch in Gewinden fcstschraubbare Metallschläuche herzustellen. Durch eine Explosion in einer Zinkgießerei sind gestern vormittag drei Arbeiter zum Teil schwer verimglückt. Der Arbeiter Adolf Eilert aus der Exerzierstraße 9 wurde fast am ganzen Körper, am Gesicht, Hals, Brust, Armen und Händen verbrannt. Auch der Arbeiter Ferdinand Kaiser aus der Gerichtstraße 8 erlitt schwere Brandwunden. Beide mußten, nachdem sie Verbände erhalten hatten, in der Charitö bleiben. Der dritte Vernnglückte, der Arbeiter Tube aus der Buttmannstraße 6, kam mit weniger schweren Verletzungen am Gesicht und am Halse davon, so daß er poliklinisch behandelt werden kann. Verkrachte Schwindelkasicn. Der Rechtsanwalt Franz Troll zu München ersucht uns, folgendes bekannt zu geben: Die„Bavaria", Allgemeine Krankenkasse für ganz Deuischland, eingeschriebene Hilfs- lasse, ist bekanntlich seit 5. Januar im KpnkurS, nachdem die könig- liche Regierung von Obcrbahern am Ott Dezember die Schließung verhängt hat. Die Mitglieder b ett t r ii g c sind für Januar, Februar und März 1903 noch behufs Schuldentilgung nach dem Gesetz(§ 31) und nach dem Statut ß li �zu bezahlen, doch nur au den Konkursverwalter, Rechtsanwalt Dr. Franz Troll, in München oder an einen Kassierer, der einen schrifthichen Ausweis hat. Der Konkursverwalter ist gesetzlich verpflichtet, die Beiträge selbst gericht- lich einzuziehen. Wer eine Forderung an die„Bavaria" hat, muß dieselbe beim Amtsgericht München 1» anmelden; Kranken-Unter- stützungsfälle, die seit 5. Januar eingetreten sind, bleiben von der Berücksichtigung im Konkurs gesetzlich ausgeschlossen.(K 31.) Durch einen Sturz von der Treppe fand in der vergangenen Nacht der Referendar Paul Paulh, Sohn eines vor zwei Jahren verstorbenen Kaufmanns aus Alteukircheu, seinen Tod. Er stand vor der Assessor-Priifung und bewohnte seit vier Wochen Steinmctzstr. 10 im ersten Stock des Vorderhauses ein möbliertes Zimmer. Vor- gestern und gestern hatte er seinen Bruder, der in Magdeburg Arzt ist, bei sich zu Besuch. Gestern abend war er zum Abschied mit ihm bei Keuchinski und begleitete ihn dann zum Zuge, der um 1 GZ Uhr den Potsdamer Bahnhof ver- ließ. Während er sonst regelmäßig spätestens zwischen 11 und 12 Uhr nach Hause kam, ging er gestern abend vom PotS- damer Bahnhofe noch in eine Wirtschaft. Um 2 Uhr hörte ihn eine Frau heimkehren. Sie erkannte ihn an der Stimme, da er beim Aufschließen der Thür und auf dein Hausflur fang. Daß der Gesang rasch versttnnmte, fiel ihr nicht auf. Heute morgen um 3 Uhr fand dann der Milchmann den Referendar tot im Flur. Am Hinterkopf chatte er eine schwere Verletzung. Die Treppe zum ersten Stock macht in der Höhe von vier Stufen eine Biegung. Hier hatte der Unglückliche ohne Zweifel das Gleickigeivicht verloren und war rück- lings die Treppen himmtergefalle», so daß er mit dem Kopf auf die Fliesen aufschlug. Am kgl. Institut für Meereskunde, Georgenstr. 34 36, finden in kommender Woche folgende öffentliche— Herren und Damen zu- gängliche— Borträge statt: Am Montag und Donnerstag spricht Prof. Dr. Jaekel über„Meerestiere der Vorzeit", Dienstag und Frei- tag Marine-Ober-Baurat Schwarz über„Das Linienschiff einst imd jetzt", Mittwoch und Sonnabend Prof. Dr. Hintze über„Die Eni- Wicklung der englischen Handels- und Seemacht". Die Vorträge werden durch Lichtbilder erläutert. Beginn 8 Uhr abends. Einlaß- karten von 6 Uhr abends ab im Bureau des Instituts. Vortrag des Geh. Rat Professor v. Bergmann. Auf den Vortrag über die erste Hilfe bei Unglücksfällen, den Professor v. Bergniann heute mittag 12 Uhr im großen Saale des Central-ArbeitSnachweifes, Gormannstr. 12, hält, machen wir hiermit nochmals auftnerksam. Vermißt wird seit dem 20. Dezember 1902 der Arbeiter Johann Friedrich Matzke. geboren am 16. Mai 1814 zu Klausfelder- Hannover, wohnhast gewesen bei Rübe, Wollinerstr. 12, 1.66 groß, graue Haare, linkes Äuge fehlt, Zähne fehlen fast sämtlich, spitzeS Kinn, längliche Gesichisbildung, fahle Gesichtsfarbe, schlanke Gestalt. Bekleidet mit grauem Jackett und grauer Hose, weißen: Hemd und weißen Unterhosen, baumwollenen Strümpfen, Zugstiefeln und blauer Mütze. Wer den Verbleib des p. Matzke anzugeben vermag, möge sich im Polizeipräsidium, Zimmer 332 II, melden, oder etwaige An- zeigen unter J.-R. 10 012 IVyiO 02 einsenden. Ein gefährlicher Fabrikbrnnd kam gestern abend 81 S Uhr in der Alten Jakobstraße C auS nicht ermittelter Ursache zmn Ausbruch. Im ersten Stock des Ouergebändes hat die Firma Rosenbaum eine Fabrik für elekttische Lampen eingerichtet und hat infolgedessen dorr größere Posten von Harz, Pech und andren leicht brennbaren Sioffen gelagert. Das Feuer breitere sich ungeheuer schnell aus, so daß die zuerst ankommenden Löschzüge sich einem Flammenmeer gegenüber befanden. Da für die Nachbargelände große Gefahr vorlag, wurde„Mittelfener" uachgcineldct. Der Brand konnte dann von verschiedenen Seiten aus, namentlich aber über Hakenleitern hinweg angegriffen werden. Die großen Wassermassen, die von mehreren Dampfspritzen in die Flammen gesandt wurden, schienen anfangs wirkungslos zu bleiben, doch bald gewann die Wehr die Oberhand. Tie Arbeitsränme der Fabrik brannten indes vollständig ans. Die im Ergeschoß befindliche Exportfirma von Dettmmm u. Wrcde hat durch Wasser stark gelitten. Während des Brandes flog der Verschlnßdeckel einer Gasspritze unter lautem Knall ab und verletzte einen Feuerwehrmann erheblich am Fuße. Die AnftäumungSarbeiteu dauerten mehrere Stunden. Huq den Nachbarorten. Köpenick. Am 30. Januar waren die Stadtverordneteu-Wahlen an unsrem Orte zu Ende. In der dritten Abteilung, Ivo gegnerische Kandidaten gar nicht aufgestellt waren, erhielten unsrc Parteigenossen Nichteingesessener Fritz Woick und Eingesessener Karl Seidel 659 rcsp. 663 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war etwas geringer als im vorigen Jahre. Lichtenberg. In dem gestrigen Bericht über die Zustände in der Ortskasse muß es heißen, daß die VerwaltuugSkosten pro Kopf und Jahr 4 M'ark und nicht 14 Mark ausmachen. Lichtenberg. Die Lostrennung des westlich von der VcrbindungS- bahn belegenen OrtSteilcs(Friedrichsberg) von Lichtenberg und die Einverleibung desselben in Berlin soll ein neiigegründeter Grund- besitzer-Verein, der dritte hier am Orte, mit allen Mitteln betreiben. Daß man„zufällig" Kaisers Geburtstag zum Grnndungstag gewählt habe, erscheine als günstige Vorbedeutung für die Zwecke des Vereins, denn ohne die Zustimmung des mit so seltenen Gcistesgaben aus- gestatteten erhabenen Monarchen, der über das Schicksal der Ziele des Vereins zu bestimmen habe, würde der Zweck nicht erreicht werden. Der Führer des Restes der Freifinnigen Volkspartei am Orte, Bankdirekror Plonz, war der Einberufer der Versammlung und Sprecher obiger Sätze. Mitglieder sollen n u r Grundbesitzer werden. Auch eine Reihe Gcmeindcvcrttetcr haben sich dem Verein an- geschlossen, und das alles um— der bevorstehenden Gcmeindewahlcn willen. Spandau. Uns wird geschrieben: Mit dem 27. Januar d. I. ist Spandau aus der Reihe der F e st u n g S st ä d t c ausgeschieden; au diesem Tage veröffentlichte der„ReichS-Anzeiger" einen Erlaß Wilhelms II. worin die Genehmigung zur Auflassung der Ilm- Wallung(mit Ausnahme der Citadelle und des FortS Hahneberg) erteilt ivird. Diese Genehmigung ist von der Bürgerschaft Spandaus eigentlich merkwürdig ruhig aufgenommen wo-den. Zwar feierte das„Svaudauer Tageblatt" den kaiserlichen Er�aß als einen neuen Beweis kaiserlicher Huld, als ein„kaiserliches Gnadengeschenk" usw., aber so recht in patriotische Verzückung, wie wir das sonst gerade am hiesigen Spießbürgertum gewöhnt waren, geriet wohl niemand, mit Ausnahme vielleicht der hervorragend interessierten Grundbesitzer und Spekulanten. Die Erkenntnis von der Finanzmiscre, in der sich die Stadt seit Jahrzehnten befindet, die schweren Kalamitäten im Wirt- schaftsleben, die großen finanziellen Opfer, ivelche durch die Eni- festigung trotz alledem der Stadt auferlegt werden dürften, das alles erklärt die äußerst nüchterne Aufnahme der kaiserlichen Bot- schaft. Für die Arbeiterklasse kommt noch hinzu, daß s i e nicht auf den Millionengewinn rechnen darf, den einzig das Spekulautentmu jetzt mühelos einstreicht. Wie schwer das Kaiserwort für das Spekulantentum wiegt, geht daraus hervor, daß ein hervorragender Kenner der Bodenverhältnisse die Wertsteigcruug durch den Erlaß vom 27. Januar 1903 um mindestens 15 bis 30 Millionen Mark für die Grundstücke im 1. und 2. Festungsrayon berechnet hat. Bei der Kaiser- GeburtagSfeier, welche die Behörden im Berein mit der Schützengilde im Schichenhause veranstaltete, wurde die Nachricht von dem endgültigen Fallen der Festung allerdings uiit geziemender Freude und Dankbarkeit aufgenommen. Ter Ober- bürgcrmeister Költze, dessen rednerisches Talent in der Stadt- verordneten-Versammkung nicht gerade sehr hoch im Werte steht, hat bei dieser Gelegenheit auch eine Rede geschwungen, die in folgender Agitation für die nächsten Wahlen ausklaug: „Es bietet sich bald eine Gelegenheit, den Dank thatsächlich ab- zustatten. Lassen Sie uns dahin wirken, daß die Stadt Spandan in den gesetzgebende» Körperschaften nicht vertreten wird dnrch einen Mann, der das feit Jahrhunderten sestgeschiirzte Band zwischen Landes Herrn zerreißen, der den Königsthron bemtigen will." Herr Költze ivird es den Arbeitern Spandaus schon ge- statten müssen, hierin andrer Auffassung zu sein. Zufällig haben diese sich oder doch die erdrückende Mehrzahl von ihnen nämlich vorgenommen, diesmal einen Socialdcmokratcn in den Reichstag und — wenn es sein könnte auch in den Landtag zu senden, und die Arbeiter waren auch bereits so frei, einen Kandidaten in der Person des Rechisanwalts Tr. Karl Liebknecht mifzti stellen! Einsichtige Menschen hofscn, daß csnurbeidesse n Wahl möglich sein wird, unter anderm auch der Forderung der Stadt nach entsprechend höheren Staatszuschüssen zu den kommunalen Lasten die gehörige Beachtung zu verschaffen, da der Socialdemokrat Dr. Liebknecht nicht wie die Konservativen Schall und Pauli den: Grundsatz huldigt: Gläubig aufwärts, mutig rückwärts! Britz. In die Gemeindevertretung ist das neugewähltc Mitglied Parteigenosse Schlisbitz am Freitag eingeführt worden. Dos Kanaltfationsprojekt stellt im Voranschlag eine Kostenrechnung in Höhe von 839 000 Mark auf. Die Teltower Kreissparkasfe will der Gemeinde die erforderliche Summe gegen einen Zinsbetrag von 3>.. Proz. vorstrecken. Der neugewählte Gemeindevorsteher Schmiedigen ist zum Kreistags-Abgeordneten, sowie in den Auffichts- rat der Britzer GaSgesellschaft gewählt worden. Vermifcktes. Grubenunglück. In der Brannkohlengrube..Amalienhöhe" zu Waldalgesheim bei Bingen wurde eine Schachterweiterimg vor- genommen. Das zu diesem Zweck aufgebaute Gerüst stürzte ein, wobei eine Anzahl Arbeiter teils durch das Gerüst, teils durch ein- stürzende Erdmassen verschüttet winden. Nachdem man die ganze Nacht an der Bergung der Verunglückten gearbeitet hatte, fördert? man am Morgen 3 Leichen zu Tage; eS find dies verheiratet» Männer in den 30er Jahren. Eilte Anzahl andrer Personen wurde teils leicht, teils schwer verletzt. SchifiSunglück. In der Nähe des Kanals von Corfu stieß der brittsche Kreuzer„Pioneer" Knit einem Torpedobootszerstörer zu- sammen, lvobei mehrere Personen ums Leben kamen. Bis jetzt hat man zwei Leichen gefunden; etwa dreizehn Personen werden noch vermißt. lieber ein großes Schadenfeuer berichtet„Morning Post" ans New Jork: Die großen Elektricitätswerke der Niagarafälle sind durch Feuer zerstört lvorden. Die elektrischen Bahnen in Buffalo und Lockport sowie dick�nbnkeu am Niagara, welche die von den An- lagen erzeugte elektrische Kraft benutzen, mußten den Betrieb einstellen.______ ßriefhaften der Redaktion. Jurirtifchcr Ceti. Sie jinistiichc SprtdifintiBc findet täglich mit iilusiiahine des SvlUiadends von V'/s bis 9'vj Uhr abends statt. Gciiffnet: 7 Uhr. Laufen 190.3. Mit einer Beschwerde werden Sic nichts erreichen.— V. 03. 1. An sich, wenn weiter nichts vorliegt, nein. 2. Ja, wenn er sich als Bcanllcr lcgminicrt. 3. Ja, mit Legitimation. 4. Ebenso. 5� Die Aus- Hebung des Vertrages ist zu raten.— B. 35. Kommen Sie in die Sprechstunde, da Ihre Darstellung nicht verständlich.— A. B. 23. Ja.— Batavia 310. Verjährung erst nach 30 Jahren. Schuldschein musj ge- stcnipcit sein. Die Nichtstempelung ändert aber nichts an Ihrem Rück- sorderungsrecht.— Schöncbcrg L. K. II. Ja.— P. R. 17. Kommen Sie in die Sprechstunde.— M. M. ilSarschauerftratze. Leider nicht. — M. 65. 03. Die Rente ruht, lvcnn die llnsallrcnte, bei Versicherung in der 4. Klasse, mehr als 675 M. beträgt.— H. S. 1000. Der Vertrag ist gültig. Jedoch bastet nur die Frau mit ihren eignen Mittel» dafür, der Mann ist zur Zahlung nicht verpflichtet, aber auch nicht berechtigt. Einspruch zu erhebe», wenn die Frau aus eignen Mitteln zahlt.— S. 19 P. Der überlebende Ehegatte erbt vorweg alles Mobiliar, Kleidungsstücke, Haus- gerät.— Schwnrtzkopiistr. 100. 1 M. Zu 2: Ja.— Bleck. Wir keimen schriftlich keine Fragen bcantworten. Die 5 Ps.-Marke steht Ihnen zur Ber- sügung. Der Antrag ist beim Amtsgericht zu stellen.— Lorenz. Antrag beim Amtsgericht. Sic erhalten Bescheinigung, macht geringe Kosten. Zu 2 konimt daraus an. wer de» Kontrakt unterschrieben hat. Teilen Sic dies unter nochmaliger Angabe des Sachverhalts mit.— Ä». H. 27. Kommen Sie in die Sprechstunde.— T. 2. BSst. 355. Am 1. Januar 1904. BSitternngsuberficht vom 31. Jannar 1903. morgens 8 tthr. Wetter Prognose für Souutag. den 1. Februar 1903. Ziemlich warm. zeitweise ausllarend. vorwiegend trübe mit leichten Regenfällen und lcbhajtcn südwestlichen Winden. Berliner Wetterb nrcau. Sesjing-Theatcr. Allabendlich: Der blinde Passagier. Lulli.— Kleines Theater. Allabendlich: M>>WWW>W....,ier.— Refidc»; Tnearer...... nolich: Lutti.— Nachlas»! Nur Donnerstag: Erdgeist. Sonntag, den t. und fi. Aobrnar, nachmitiags: Sereniisimus-Zwischcnspielc. Ton Carlos aus der Schmiere, Kmnlienidhll, Kollegen.— Driaiivn-Theatcr. Allabendlich: Die LtebeSschaulci.— Rcnes-Dheater. Allabendlich: Die Fliege. Sonntag, den 1. die schwebende Jiingirau. Mysteriöses Dem Schneidermeister Herrn Mwitz? Schnlmeister «. seiner lieben Frau zum Wjähr. Ee- schäftsjubiläum die herzl. Gralulatioin diekrero Kunösn vom KoNbuser Ikor. Socialilemokratischer Wahlverein| für den 4. Bert. Reichstags-Wahlkreis (Süd-Ost). Den Mitglieder» zur Nachricht, j daß unser Genosse Albert Kölling Görlitzerftr. 44, Stadtbez. 107a.[ gestorben ist. 242/8 1 Ehre seinem Andenken! _Die Beerdigung findet ani j Sonntag, den 1. Februar, nach- mittags L Uhr, Von der Halle des I Eenlral-Friedhofs(Friedrichsseide) I aus statt, Um zahlreiche Beteiligung ersucht j Oer Vorstand. Allen Verwandten, Freunden j und Bekannten zur Nachricht, daß ineine liebe Frau, unsre gute! Mutter ani 2S, d, M., abeuds. 7 Uhr,! saust entschlafen ist, s 112 t Tie trauernden Hinterbliebenen, I ?anl liriielener nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montagnnchmittag 3 Uhr von der Leichenhalle der Einmarus- Gemeinde, Britz, aus statt. oeutseder Üiolisrdsitör-Vei'dsni! Den Vlitglicdern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Gustav Schust am 27. Januar verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tagnachmittag 3'/, Uhr von der Leichenhalle des Jerusalemer- Kirchhofes, Bergmannstratze, aus statt. 78/2 Um reH«teiligung ersucht lno 0rtsvse«aItllng. Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß, meine liebe Frau Weiland geb. Bublitz am 26. Januar verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 1. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des llleinickendorfer Gc« meinde- Friedhofes(Humboldt- straße) aus statt, l!)32b Alwin Weiland nebst Kindern, Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todcs-Anzeisc. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schrauben- dreher Rieliard Zeidler gestorben ist, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- tag,.den 1, Februar, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerbause, Wrangcl- straße 105, aus nach den Emmaus- Kirchhos, Hermannstraße, statt. Rege Beteiligung erwartet ll!/6 vis OrUverwaltung. Kranhkll- u. Sterbekaffe der Keriintr Hansdientr! Eingeschriebene HilsSkasse 61. Am28,d,M, starb inl21.Lebeus- jähre unser Mitglied 1V02b s Emi\ Kirchhof. Wir werden demselben ei» I ehrendes Andenken bewahren. Oer Vorstand. Den Genossen bringe meine Slume«- und Krtuubhidem in empfehlende Erinnerung. 3972* G. Hey, Beussekstt. 64. 8 lumeti- und 102 Krauzbinderei Richard Engelke, ReiclieiibergeF-Strasse 184, Ecke Mariannenstr. Bpocialität: Vercinskränze. Monatlich — 10 Mark— liefere Anzüge, Paletots nach Maß, Per Kalle allerbilligste Preise. NM- Wer selbst Stoff hatv.SO M, an. j, Bauitialeriaiien neue und gebrauchte jeder Art, wie Kantholz, Bretter(neue Schal- breiter pro qra von-13 Pf. ani, Latten(neue pro Meter v, lOPs, an), Tachpappe(lOMtr.-Rolle v,l,30M, un). Leisten, Thüren, Fenster billig, Kottknser Oaniin ÄL. Dr. Simmel, lÄ Spccialarzt für[59/6* Haut- nnd Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12 2—1. chvorwärts-Huchhandlung f SW. Lindenstrasse 69. A Wir empfehlen: Y Arbeiter-Notizkalender 1903......... 60 Pf. Bebel, Attentate und Socialdemokratie....... 10„ Christentum und Socialismus......... 10„ Die Frau und der Socialismus, 34, neubearbeitcte und vermehrte Auslage, broschiert 2 M,, gebunden.. 2,50 M. 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Druck unü Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und VerlazSanstatt Paul Tinger 6- Co,. B-rUn SV. Nr. 27. 20. Jahrgang. 3. Sfilnp des Joriiiiitb" jetlh« BolteHatl. Sonntag, 1 kebrnar 1908. Sociales. Die beleidigten Inden. Gegen die Inhaber einer Klinik, die Herren Dr. Kcchenstem und Dr. Löser, klagte die„Oberin" Fräulein St. auf Gewährung einer Entschädigung von öä M., weil sie am 10. Dezember 1902 plötzlich entlassen worden sei, obwohl das Dienstverhältnis Vertrags- mätzig erst am 1. Januar 1900 sein Ende�crreicht hätte. Tr. Katzen- stein behauptete, die Klägerin habe sie beide in wegwerfender Weise Anden genannt, das Wort gleichsam als Schimpfnamen gebraucht. >sie seien dadurch grob beleidigt worden. Die Klägerin machte geltend: Sie sei seit dem August 1902 bei den Beklagten als Wirtschafterin thätig gewesen und habe ein Monatsgehalt von 20 M. sowie ein Kostgeld von 1 M. pro Tag und freies Logis gehabt. Ferner sei ihr die selbständige Verpflegung der Kassenpatienten gegen ein Pflegcgeld von 75 Pf. pro Person übertragen worden. Bei der herrschenden Teuerung habe sich heraus- gestellt, daß sie mit dem Pflegcgeld nicht auskommen könne. Auf ihre Vorstellungen hin fei von ihr der Nachweis verlangt worden, datz sie zugesetzt habe. Diesen hätte sie aber nicht führen können, da �ie infolge der Ucbcrfüllung gar nicht die Zeit zu einer ordnungs- mäßigen Buchführung gehabt hätte. Am 10. Dezencher sei sie nun wieder mit Herrn Dr. Katzcnstein wegen jener Verhältnisse in Wort- Wechsel geraten. Der Doktor habe erklärt, bei so viel Patienten müsse sie mit dem Verpflegnngsgeld zurecht kommen. Sic habe das bestritten und gesagt, so viel Patienten, wie in der Klinik seien, dürften nach gesetzlicher Borfchrift gar nicht aufgenommen werden. Die Zimmer seien überfüllt, es ständen fünf Betten, wo nur drei hineingehörten. Darauf habe Dr. K. erwidert, das fei gestattet, es wäre dafür gesorgt, datz eine Denunziation nichts fruchten würde. In ihrer Erregung habe sie geäutzert:„Das kommt, weil ich bei Juden bin." Nun sei sie entlassen lvordeu. Tr. Katzcnstein gab zu, datz die Zimmer stark belegt waren, und er konnte auch nicht be- streiten, gesagt zu haben, eine Anzeige würde nichts schaden, es sei dafür gesorzt. Er stellte jedoch diese Aeutzerung als ganz harmlos hin. Die Kanmer VI des Gewc.bcgerichts verurteilte die Beklagten zur Zahlung der 55 M., indem sie annahm, datz das Wort„Jude" hier nicht als eine grobe Beleidigung angesehen werden könne. Der Eid beweist. Das Diädchen für alles, Fräulein G., beanspruchte durch Silage beim Gewerbegepicht von dem Restaurateur Schulze eine Lohn- entschädigüng für 11 Tage, indem sie geltend machte, sie habe den Dienst ohne Innehaltung der lltä.gigcn Slündigungsfrist verlassen müssen, weil ihr der Beklagte unsittliche Anträge gemacht habe. Ter Beklagte beschwor, datz er der Klägerin nicht unter die Röcke gefatzt habe. Die Klägerin blieb trotzdem dabei, datz es doch der Fall ge- Wesen sei, und lehnte weinend die Klagerücknahme ab.— Die Kammer VI des GewerbegerichtS verwarf die Klage mit Rücksicht auf den Eid des Beklagten, durch den die klägerische Behauptung widerlegt sei. Begründend wurde noch ausgeführt, datz die Klägerin ohne Kündigung den Dienst verlassen und autzerdeni noch eine lltägige Lohnenl.schädigung hätte beanspruchen können, wenn der Beklagte ihr wirklich unsittliche Anträge gemacht oder sie unsittlich be- rührt hätte. Das Gewerkschnftskartell in Bamberg verlangte, datz der Magistrat ihm eine Vertretung in der Aufsichtsstelle des städtischen Arbeitsamtes gewähre, wie sie den„christlichen" Korporationen auch zugestanden ist. Der ultrmnontane Magistrat lehnte dieses Be- gehrcn ab und gab dafür der OrtSkrankcnkasse, deren Leitung in Eemrumshäuden ist, die sich aber gar nicht beworben hatte, eine Vertretung.________ Eingegangene Dnichfchnften. Die„awcialiftifchcu Monatshefte"(Administration: Berlin SW. 19 Beuthstr. 2) haben soeben das Februarhcft ihres 9. Jahrganges erscheinen lassen. Aus Dem Inhalt desselben heben wir hervor: Friedrich Hertz: Bewachtungen über die vsweichische Socialdeiuokratic.— Eduard Bernstein: Die Bedeutung von Eduard Davids Agrarwerk.— Dr. Eduard David: Die badische Landwirtschast.— Dr. Llugust Winter: Die politische skrisc in Ober- schlesien.— Dr. Mathleu Schwann: Das Recht und der«Staat.— Heinrich Pens: Sächsische„Helligkeit".— Else Hasse: WaS ist Religion?— Hcrmamr Schneiser: Die mientgeltliche NttSkunstScrtcilung in den Arbeitersekretariatcn. — Politik von Richard Calwer.— Wirtschast von Max Schippet.— Socialistische Bewegung von S. Katzenstein.— Gcwcrlschastsbewcgung von Ernst Deüchardt. — GenosscnschastSbcweguiig von Gertrud David.— Socialpolitik von Paul Kampstmcycr.— Sociale Kommimnlpolltik von Dr. Hugo Lindemamr (C. Hugo).— Rechtswissenschaft von Wolfgang Heine.— Geschichtswissenschasten von Hermann Tburow.— Bücher von Dr. Ladislaus Gumploiviez, Ida Häng- Lm und Lisbeth Stern.— Der Preis des Heftes beträgt 5>0 Pf., viertel- jährlich t.SV M. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Kolporteure und Post- avstnltci! iPoit-ZeiNingskatalog Nr. 7138), serner direkt durch den Verlag der „Soctaliftuchcil Monatshefte", Beuthstr. L, Berlin SW. 19(Zusendung unter Kreuzband oder iu geschlosscnennCouvert). Probenntnniern stehen ans Wunsch koslenstei zur Verfügung. Warenhaus AWertheim In dieser Woche: Wäsehe-Ausstellung im gsfOSSCfl Lichthof Leipzigerstrasse. 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OeiTentliehe Versammlung »m Montag, den S. Februar ISv.'i, abends 8'l, Uhr, im Englischen Oartcn, Nlexanderstr. 87c. Tages-Ordnung: 1.»Der Streik der Herren-Konfektionsschneider in Wien.« Referent: Kollege Ritter. 2. Diskussion. Wg?" In Anbetracht der wichtige» Dagesordnung ist eS Pflicht jedes in dieser Branche beschäftigtet» Kollegen zu erscheinen. 162/3 Der Elnhernfer. Nttdand der Mveider n. SHaeiderimicii (Filiale Berlin). Mitglied er- Vers ammlnng am Dieuötag, den 3. Februar 1S<13, abends 8'/. Uhr, in den Arinlnlmllen, Komlnandantenstr. 80. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom IV. Quartal 1902. .2. Bericht der Delegierten zur Berliner Gewerkschastskommission und Neu- »vahl derselben. 3. Wahl von zwei Delegierten zu der am 8. Februar tagenden Konsercnz der Militärschneider. 4. Wahl eines Revisors zur Hauptkassc. 5. Antrag eine? Mitgliedes, betreffend die Entschädigung der cinzclnci» Branchen. 6. Ansschlutz eines Mitgliedes. 162/4 Die Mitglieder aller Branchen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zil erscheinen._ Die Ortsverwaltnng. Verein deutscher Schuhmacher. Montag, den Ä. Februar, abends 8Vz Uhr, Im„Rosenthaler Hof", Rosenthalerstrafte Iii: Branchen- Versammlung der Sckossarbeiter. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Waldeck Manasse über:„Der Kamps ums Dasein". 2. Wahl der Branchenvertreter. 3. Verschiedenes. 169/4_ Die Ortsverwaltnng. Verein für Frauen u. Mädchen derirbeilerklasse. Montag, den 3. Februar, abends H'l, Uhr, in den»Arminhalle»«, Koinmaiidantenstr. 80: Vortrag des Frl. Rice Salomon über:„Die Verkürzung der Arbeitszeit der Frauen". 55/4 Gäste willkommen."90 Der Torstand. unser diesjähriges Stiftungsfest findet Sonntag, den 15. Februar, in den„Arminhallen", Konunandantenstr. 20, statt. Aus dem reichhaltigen Programm heben wir heraor: Konzert, Recitation des Frl. Luise Dumont vom Deutschen Theater, Mtwirkung eines Doppel-Ouartetts(M. A.-S.-B.) und des Solosängers Herrn R. Pape, Reigentanz der Damen-Abteilung des Turnvereins„Fichte". Da wir nur eine beschränkte Anzahl BilletS ausgeben, bitten wir unsre Mitglieder, sich rechtzeitig damit zu ver- sehen. Billcts, a 30 Ps., sind in sämtlichen Zahl>tellen, sowie an den Pereinsabendcn zu haben._ Stuccateure 8! Berlins und Umgegend! Montags den 2. Februar, abends 8 Uhr, in Frankes Frstsälen, Sebastianstrasie 39: Gr. öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Unsere wirtschastliche Lage und wer ist berufen, unsre Interessen zu vertreten V 2. Diskussion. 3. Delegation zun: diesjährigen Bauarbeiterschutz- Äongrcsp 4. Verschiedenes. 173/3 Da es im Interesse jedes Kollegen liegt, aus Grund obiger Tagesordnung persönlich Stellung zu nehmen, und da auch der Vorstand der Freien Ver- einigung extra eingeladen ist, so erwartet ein zahlreiches und pünktliches Der E' i'mm: Ersch einen aller Swccateure Der Flnbernfcr. ritt Sektion der Putzer. Mittwoch, den 4. Febniar, abeildö 7 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstrahe 8Q: Jföitglieder'Versammtung. Tages-Ordnung: 1. FV. Ouartals- und Jahresabrechnung pro 1902. 2. Beratung der neuen Statutenvorlage und Anträge zum Verbandstage. 3. VereinSangetegenhetten. Um pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersucht 129/3 Die örtliche Verwaltung. I. A.: H. Neumaun. ?aehvGvein. Montag, den 2. Februar 1903, abends SlU Uhr, bei Graumann, Naunynstr. 27; Werksfatl-Selegierten-Versamntlnng. Tages-Ordnung: 141/3 1. Vortrag über: Uusre Zlufgaben im Jahre 1903. 2. Diskussion. 3. Werkstatt-Angelegenheiten.•* Kur Ucachtung! Die Mitglieder habe« dafür zu sorgen. das» jede Werkstatt vertreten ist._ Der Vorstand. «4® Frauen- Vortrag Mittwoch, den 4. Februar, abds.»>/, Uhr, bei Clraumann, Naunynstr. 27. Werttlbslkidtn, Mager- and Fettleibigkeit, erklärt an Lichtbildern vem prakt. Naturheilk. Grund, nann, Kuranstalt, Köpnickerstr. 73. Sprechstunden 11-3, 6-8. Sonntags 10-13. Svceitnn, den 6. Februar, Kommandauteustr. 80: Herren-Vortrag. Eintritt und Broschüre: 20 Pfennig- Berliner Konsumverein. Central« Verwaltung: Krautstr. Verkaufsstellen: 7. Abteilung I, Luisenstadt. Michaelkirchplatz 4. Abteilung II Osten. Krautstrasie 7. Zorndorserstraße 59. Liebigstrahe 7. Eintrittsgeld S0 Pf. Abteilung III Moabit. Rostoäerjtratze 21. Haoelbergerstratze 6. Emdenerstraße 45. Abteilung IV, Rumwelsburg. Türrschmidtstraße 6. Abteilung V, Lichtenberg. Frankfurter Chaussee 48/49. Mainzerstraße 4. Abteilung VI, Stralau. Stralauer Allee 17 t. Gescbüftsanteil 10 Hark. Abteilung: IV(Rummelsburg:): Am Dienstag, den 3. Februar, abends 8-/z Uhr, im Uokal des Herrn Weigel, Türrschmidtstraße 45, Ecke Goethestraße: Hbtcihings-Tcrfammlung. TageS-Ordnung: ?rl. Ida Altmann über:„Frauenrechte und Frauenpsii der Kampf der Gewerbetreibenden gegen den Berliner ten". 2. Diskussion. 3. Unser ionsumverein. 5. Slbteilungs- 1. Bortrag des Backwarenoerkaus. 4. angelegenheilen. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen, besonders der Frauen ist erwünscht. Die Abteilniigsleltnng. ssenttai-Kranbell- n. Sterbe» Kasse der Tischler u. andrer getverblicher Arbeit«». (E. H. Nr. 3, Hamburg.) Oertliche Verwaltung Berlin G. M-WNUlW am Montag, 2. Februar, abds. 8 Uhr, in Woills Festsalen, Fruchtstr. 36 a: Tages-Ordnung: 1. Mrechnung vom 4. Quartal 1902. 2. Vorwag des Herrn Dr. 8a!ingr» über: Erste Hilse bei Unglücksfällen. 3. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Die Sprechstunden des Bevoll- mächtigten und Kassierers sollen an diesem Abend aus. Beiträge werde» in der Versammlung vom Kassierer entgegengenommen.— Um recht zahl- reiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder und Frauen ersucht 184/3 Die Ortsverwaltung. Abesiinerbrunnen, neu, 12 Marl an, gebrauchte billigst, Leihbobrer gratis. Wolfs, Ackerstrnße 113. 18106« Central-KrankenkasseorMaurerete. „Grundstein Eznr inigkelt". Sonntag, den 8. Februar, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschastshanse, Engel-User 15. WM" Generalversammlung."WE Tages-Ordnung: 1. Kassen- und Revisionsbericht vom 4. Quartal 1902. 2. Wahl des 1. Bevollmächtigten, 2. Kassierers, 1. Schriftführers und 1. Revisors. 149/1 3. Kassenangelegenheiten. MM- Mitgliedsbuch legitimiert."VK Der Vorstand. Achtung! �nrfjcvei*. Acht.», gl Dienstag, den 3. Februar er., abends 8'/, Uhr, im Gewerkschafts- Haufe, Saal III, Eugel-Ufer IS: Versammlung:."WD TageS-Ordnung: 1. Wahl des Delegierten zur Generalversammlung. 2. Anträge zur Generalversammlung. 3. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet� 107/1 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer IS, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt VH, 353. Moutag, den 8. Februar, abends 8'/. Uhr, im GewerkschaftshauS, grofter Saal, Eugel-Ufer IS: Konferkm der gesamten Vertrauensleute Serlius. Tagesordnung: Stellungnahme zur nächsten Generaloersamm- lung.— Jede Werkstatt mutz vertreten sein. Ohne Mtgliedsbuch und Emladungskarte kein Zutritt. 111/7 Die Ortsverwaltung. I Hnslk- werke mit auswechselbaren Notenscheiben, sowie Althen,. Schönste Familienunterhaltung. Geringe Tellzahlung." I Novo llcvigsiv.47 II, Alexanderpl. Die beste» Nähmaschinen für Kraftbetrieb. Sngtiseh. linterrieht (Einzel- oder im Eickel) erteilt 2092* 6. Swienty g-b- Liebknecht, SchUneberg, Sedansttaße57, HJ. Verband der Sattler. Ortsverwaltung Berlin. Bureau: Gewerkschaftshaus, Gugel-Ufer IS, Zimmer 30. Fernspr.: Amt VII Nr. 1959. 165/4 Montag, 2. Februar, abends S'/a Uhr, im Engl. Garten, Alexauderstraste 87c. großer Saal: Branchen-Versaiiimluiig der Täschner, Koftermacher, Galanterie- und Gürtel-Arbeiter. Tages-Ordnung: 1. Unfre Forderungen, die Antivort der Fabrikanten und nnfrc weitere Stellungnahme. Referent: Varl Weyher. 2. Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung angemeffe» ist dad E«. scheinen eines jeden Mitgliedes einfach Ehrenpflicht. vis OrtsverKslluag, der Braacden-Voretand, die Lohn- und Agitationskommission. im Gtabltflement Montag, den8. Februar, abends 8'/, Uhr, Köpiilc——— �...... Icker Hot", Köpnirkerftrafie Rr. 174: Orffentliche Uersammluljh. Tages-Ordnung: 1. Soll sich der Arbeiter als Konsument Rabatt- Sparvereinen oder Konsum-Genossenschaften anschließen? 105/7 Rcserentin: Frau Dr. H. David Mainz. 2. Diskussion. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Flnbemrer. Steinsetzer, Rammer Berlins nnd Umgegend. Dienstag, de« 3. Februar cr., abends«>/, Uhr, bei Vi, mann. Brnunenftraste 188: Oeffentliche Versammlung Tagesordnung: Bericht des Geiellenausschusscs und Stellung- Lohnherabsetzungsoorschlägen der Innung. „ahme zu den 174/1 Ter Gcsellcnausschuft. Original Phönix- Nähmaschinen (Deutsches Fabrikat) Die besten Nähmaschinen I zum Sticken und Stopfen. 1 stehen in ihren Leistungen unemichi da. Ihr rotierender Mechanismus gewährleistet:»Leichtesten, ruhigsten Gang, gröhte Schnelligkeit, geringste Abnübuiig der inneren organischen Teile, daher längste Daner, gröhte Bielseitigkctt und Mannigfaltigkeit für alle Arten _ von Näherei, einfachste Handhabe.« Zeitraubende Störungen und kostspielige Reparaturen kommen nicht vor. Für gewerbsmästtge Näheret in der BekleidnugS- und Wäsche- Konfektion tc. sollten nur Original Phönix-Kähmasehinen Verwendung finden, weil sie bei geringster Anstrengung besseren Verdienst garantieren als alle andren Konstruktionen. 465L'- Deutsches Kähtnaschinen-Kaufhans Willi. Lemke Verkauf auch auf Teil- Zahlung. LeipÄgerDtr. Kr. 106, an der Jriedrichstrasse. Inhaber: Friedr. Wilhelm Lemke. Etabliert seit 1881. 5 Jahre Garantie. Berliner Bock-Brauerei Berlin. Abteilung I: Tempelhoferberg. Actien- Qesellschaft. Abteilung II: Chansseestr. 58.| : r ö s s n u„ g der buixig! 65'°" Sockbier-Saison 1903 M am Sonnabend, den ZM Januar. Täglich grosser 6oeb-3nbeI.(2 Militärkapellen.)! Unerreicht! Original t 1 linser weltberühmtes»Original-Bockbier« kommt seit 30. Januar in Fässern und Flaschen zum Verlaus Orts-Krankenkasse der Kasttvirte n. verwtntdttn Gtlvtrbe tu Kerlin. Bekann tin achnng. Infolge eingelegten Protestes gegen die am 4. Dezember 1902 abgehaltene Wahlversammlung der Arbeitgeber ist dieselbe von seilen der Aufsichtsbehörde sür ungültig erklärt worden. Es findet demgemäß eine erneut« Wahl-Uersammtiing sämtlicher zur Kasse Beiträge zahlenden Arbeitgeber am Donnerstag, 18. Febr. 1003. nachm. 3'/, Uhr, im Lokale des Herrn Rosche, Wilhclmstr. 118, statt. Der Wahlalt wird pünktlich 4 Uhr eröffnet und um 6 Uhr geschlossen. Zu wählen sind 50 Arbeitgeber-Ver- ttctcr sür die Wahlperiode 1903-1905. Nur zur Hasse meldende Arbeitgeber haben das Recht, sich an der Kahl zu beteilige». AIS cv. Legitimation dient die letzte Beitragsquitwng. Geschriebene, gedruckte oder aus andrem mechaniichen Wege hergestellte Kandidatenlisten dürfen bei den Wahle» benutzt werden. 69/2 Berlin, den 28. Januar 1903. Der Vorstand. Poppe, Braun, Vorsitzender. Schriftführer. Genoffeuschafts- Bäckerei „Vorwärts" Am Ostbahnhos Nr. 3. (Eingetragene Genossenschaft mtt beschränltcr Hastpslicht.) Außerordentliche 19l2b venera!'V am Donnerstag, den 12. Februar 19 in den Geschäftsräumen Am Ostbahnhos Rr. 3. Tagesordnung: 1. Auslösung der Genossenschaft. 2. Wahl der Liquidatoren. Der Vorstand. H. Tcnpel. Geschästssührer. F. VlenOIer, Kassierer. Original-Kockbier 20|litfdp für 3 Marl! in Flaschen an Private: .___ Nur�echt in Flasche» mit zwei eingeblasenen Böcken.— Die Flaschen sind verkorkt, mit Kapseln und Orlglnal-Etlqnetts versehen. Kleine Gebinde,'/.«der>/, To. zu Privatfestlichkeiten.«BW IVlederverkttnler entsprechenden Babatt. Gefällige Bestellungen, welche prompt ausgeführt werden, bitten wir für «a?« j � oder per Postkarte aufzugeben. 4772», Den Alleinverkauf für Kannen und«yphons haben wir auch in diesem Jahre S wieder der„Kannenbier- Versand• eesellschatt", Berlin NW., Läneburger- Strasse I8;i7, übertragein Die Direktion./ Der ÄuSstofi dauert nur bis Oiierii. liftz-ki'znketikszze iw Schmiede - und verwandter Gewerhe. Am Montag, den 9. Februar. finden im Lokale von MerkowSkt. Andreasslraße 26, die Wahlkn der Ztlkgierten statt. I. MendS 7 Uhr Wahl von 7 De- legierten seitens der Herren Arbeit- geber.§ 47. II Abends 8>/, Uhr Wahl von 15 Delegierten seitens der Herren Arbeitnehmer.§ 47. 1917b Der Vorstand. Ad. Pilgrim, B crs. BolvTäbäk �SOE» Mai Jaeobj, 52. r Cigarren 1 durch Reisende oder Agenten bezogen, kaust man viel zu teuer, Mau muß direkt von der Fabrik beziehen. Wir cmpsehlen zwei preiswerte Marken in nulder Qualität: „£a Boutjuet" a W° so m. JSa Bianca" a Niederlagen in ganz Deutschland. 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Also nicht gegen den aus der Phantasie der„Einigkeit" geborenen„Verbandsonkel", nicht gegen„den Mann im„Vorwärts", sondern gegen die Redaktion des„Vorwärts" muh die„Einig- teit" ihre polemischen Pfeile richten, wenn sie nicht am Ziel vorbei- schießen will. Nun zur Sache. Den Anlaß zu den Betrachtungen in der neuesten Nummer der„Einigkeit" bieten unsre beiden Notizen im „Vorwärts" vom 24. und 25. Januar, die sich mit der Haltung der „Einigkeit" gegenüber misrer Friedensmahnung befaßten. Wir sollen— so behauptet die„Einigkeit"— in diesen beiden Nottzen der Erörterung über die angebliche Versumpfung der Verbände, wo- durch die Sonderstellung der„Lokalisten" begriinder werde, ausgewichen sein, nachdem wir in unsrem Artikel vom 15. Januar— wie die„Einigkeit" behauptet—„die versumpfende Wirkung der gewerkschaftlichen Taktik der Verbändler" zugegeben hätten. Wir sind erstaunt darüber, daß uns die„Einigkeit" solche Unter- stellungen macht. Es ist uns gar nicht eingefallen, das zuzugeben, was die Redaktion der„Einigkeit" ans unsern Ausführungen heraus- geleseil haben will. Wir sagten— und zwar deshalb, damit die Debatte nicht auf nebensächliche Einzelheiten abgelenkt werde— wir wollen nicht untersuchen, ob der Vorwurf der Versumpfung mit einem Schein von Recht gegen den einen oder den andren Verband erhoben werden könne. Ausdrücklich habeir wir aber betont und des weiteren ausgeführt. dah der Vorwurf der Versumpfung unter keinen Umständen gegen diejenigen Verbände gerichtet werden kann, in deren Berufen noch Organisationen der lokalen Richtung bestehen. Wir meinen, das ist deutlich genug, und die„Einigkeit" hat keinen Grund, uns der Unklarheit oder der Verdunkelung zu beschuldigen. In ihrer alten Kampflust gegen alles was Verband heißt und gegen jede Aeußerung, welche die Thätigkeit der gewerkschaftlichen Verbände ohne Voreingenommenheit beurteilt, richtet die„Einigkeit" eine Herausforderung an uns. Sie schreibt: „Nun heraus mit Eurem Flederwisch! In Frage steht die Behauptung: Die Verbände sind geeignet, die proletarische Arbeiter- bewegung zu versumpfen. Die Verbände der Geucralkommission und diese selbst sind also Feinde der Söcialdemokratie, wenn man ihre Wirkung und Endziele in Betracht nimmt." Für uns steht diese Behauptung durchaus nicht in Frage, denn wir halten sie für vollkommen falsch. Es ist das eine Behauptung, die von der„Einigkeit" schon sehr oft aufgestellt worden ist, für die aber jeder Beweis fehlt. Wenn die„Einigkeit" den Standpunkt einnimmt, daß die Verbände die proletarische Arbeiterbewegung versumpfen und die„Lokalisten" der angeblichen Versumpfung entgegen- arbeiten müßten, so ist das nichts weiter wie ein Vorwand, init dem die„Einigkeit" das starre Festhalten an dem von ihr vertretenen Sonherstandpunkte zu begründen sucht. Wir können nur wiederholen, was wir schon in unsrem ersten Artikel sagten: Es giebt keinen Grund, der das Nebeneinanderbestehen von zwei gewerkschaftlichen auf dem Boden der modernen Arbeiter- bewegung ruhenden Organisationen in ein und demselben Bertis notwendig ersckeinen läßt. Dieser Zwiespalt kann nur die gesamte Gewerkschaftsbewegung schädigen. Das ist die Ansicht nicht eines„Verbandsonkels", sondern der Redaktion des„Vorwärts". Auf welche Weise und unter welchen Formen die ftir beide Teile notwendige Einigung abgeschlossen werden soll, das haben natürlich die beteiligten Arbeiter in gemeinsamer Beratung festzustellen. Wenn wir dem Frieden und der dauernden Einigung das Wort reden, so denken wir dabei nicht an eine bedingungslose Unter- werfung der einen Seite unter die andre, wie es die„Einigkeit" ohne jeden Grund hinzustellen beliebt. Wir setzen vielmehr voraus, daß die Einigung unter einer Form zu stände komntt, durch die sich keine der beiden Seiten verletzt fühlen kann. Wenn.die Redaktion der„Einigkeit", die seit langen Jahren den„lokalistischen" Standpunkt journalistisch vertreten yat,� auch jetzt noch mit Hartnäckigkeit an ihrem Sonderstandpunkt festhält, obgleich es dafür keinen stichhaltigen Grund mehr giebt, so verstehen wir das. Von den beteiligten Arbeitern die durch die Aufrechterhaltung des Zwiespalis in ihren Interessen geschädigt werden, können lvir aber erwarten, daß sie die Dinge anders beurteile», wie die„Einigkeit", daß sie die Frage der Einigung ohne Voreingenommenheit prüfen und aufrichtig bemüht sein werden, einen dauernden Friedet: herbeizuführen, der ihnen nützt und der sie ehrt. SM Chausseestrasse 24aI25. 11. ßrlickenstrasse 11. Gr. lYankfurterstr. 20, FÄRJI Zwijch. Invalidenstr. u. Friedr.-Wilhelmstädt Theiter. Zwisch. Jannowitzbrücke 0. Köpenickeratr. Ecke Koppenatr.— Am Bürgw-Hospital. Special-Haus grössten Maassstabes. iSCbo.e�d.e Ball-Saison M Angebote für die lltniinn Weiss mit bunten Streifen. 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Wegen ständiger Ueberstundenarbrit Haben die orgatstsierten Tischler der Möbeiisichierei von Habu die Melzko«-. BSristenser. König- GHauncc 71. die'Arbeit eingeitrlll.— Ebenfalls wurden die Möbelpolierrr wegen ihrer Zugehörigkeit zum Möbelpolterer- Verbände entlasten. Der Betrieb ist somit sür Tischler nnd Polierer gesperrt. 77/10 Zuzug ist feruzuhaltc«. Die Ortsverwalteeg. Folgende Werkstätten sind gcspcrrl: Xachc, Fiuchtstr. 8. 186/1 Warner, Krausitr. 52(Gctoerbchof). Schubert, Kastanien'.'Mcc 10. Hahn Jk Metxkow, Weissense«, König-Chauffee 71 LlezJjcMski, Siiiitrincr Plnk 9. Iachncrrin der Tiichler Berlins u.Uuiqcgcnd.