Nr. 41. Abonnements-Bedingungen: NkonnemcntZ- Preis pränumerando! Bierteljähr!. ZPV Mk., monatp l.tO SRI., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. einzelne Nummer L Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" W Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in der Post-JcitungS- Preisliste für 104)3 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. cklchelnt tiigllch iUtSek montags. 20* Ißchrg« Die IniertionS'Gebfibr beträgt für die fcchsgespaltene ttolonel- zeilc oder deren Rauni 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 20 Pfg. „Meine Kn-«tgen" jedes Wort 5 Pfg. snur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttags geöffnet. Vevliner VolkSblAkk. Telegramm-«treffe: „Sodaldtmokrat Berlin". Centrawrgan der socialdemokrattschen Partei Deutschlands. R.evar. Es handelte sich in der RcvisionSinstanz vornehmlich noch um die Frage, ob der Strafantrag des preußischen Kriegsministers für das ohne gesetzliche Grundlage aufgestellte oft- asiatische Expedisions-Corps als gültig anzusehen sei. Das Reichs- geeicht erklärte den Strafantrag für gültig.— Wahlvorbereitungen. Das foeialdemokratische Gesindel. Im II. Berliner Wahlkreis kam es am Montag in einer von konservativer Seite einberufenen Volksversamnilung zu leb- hasten Auseinandersetzungen. Ein Arbeiter Wilhelm Reinhardt sprach über„die Organisation der Socialdemokratcn gegenüber den andren Parteien". Der christlich- sociale Gouverneur Kluge hielt — wie lvir Berichten bürgerlicher Blätter entnehmen— den Konservativen vor. daß die socialdemolratische Organisation in vieler Beziehung nmstergültig sei. Wo würde eS vorkommen, daß ein Angehöriger der konservativen Partei, ein General zum Beispiel Flugblätter verteile oder ähnliche Dienste verrichte, wie eS von der Socialdemokratie von ihren Anhängern gefordert würde. Die Konservativen seien im Gegenteil immer lässiger geworden, selbst die königlichen Beamten bleiben bei den Wahlen zu Hause und über- lassen andern das Feld. Die„Staatsbürger-Zcitung" läßt den Mann noch wahre Ritual mordgeschichten Von social- demokratischem„Terrorismus" erzählen. Nach einer Protestvcrsamin- lung gegen den Brotwuchcr soll es ihm wie folgt ergangen sein: „Eine Horde von„Genossen" folgte mir nach. Ich wurde verhöhnt, gestoßen, man spuckte aus vor mir.„Der ist ja bezahlt I" hieß es, und unter der Schar thaten sich besonders einige Weiber hervor. So wurde ich von den Freiheitsbrüdern begleitet, und erst an der Friedrich- und Leipzigerftraßc, als ein Schutzmann dazwischen trat, spritzte die ganze Bande auseinander. So behandelt die„Arbeiter- Partei" einen Arbeiter, ivcil er eS wagt, für seine Ueberzeugung auch einzustellen! Kluge berichtele noch aus früheren Erfahrungen mit der Socialdemokratie. Da er keine„reine Wäsche" hatte, daS heißt einer soeialdemokm tischen Organisation sich nicht tributpflichtig ge« macht hatte, wurde er von seinen socialdemoftatischeri Arbeitskollegen fortwährend chikaniert. Mau nagelte seine Schuhe auf den Fuß- boden, ruinierte ihm den Airzug, drehte ihm das Gas vor der Nase aus und was dergleichen„kleine Mittel" mehr sind, um die „fteiwillige" Organisation der Arbeiter zu fördern. Tie Beschwerden beim Chef nutzten nichts. Der zuckte die Achseln und meinte:„Sie stehen ganz allcine; soll ich mich Ivcgen Ihnen mit meinen dreißig, vierzig Arbeitern verärgern." Es blieb dem„Alleinstehenden" nun nichts lveitcr übrig, als daS Feld zu räumen und seine Stelle aufzugeben. So bringt die Socialdemokratie jeden Arbeiter, der eine eigene Ueberzeugung hat, aus Brot und Lohn und liefert ihn dein Hunger aus. In der christlichen Arbeiterbewegung kann man durch viele Beispiele den Nachweis führen, daß die Zustände heute noch genau so sind." Man ficht: Dieser Kluge ist ein würdiger Schüler des Stöcker. Alsdann aber kam der„staatserhaltende" Kandidat des zweiten Wahlkreises, der Prof. v. Wen ck st c r n an die Reihe. Der tobte wie ein Besessener gegen die Socialdemokratie. Die socialdcmo- lratischcn Redner seien ein Betvcis dafür, tvelche Verwüstung die Partei in Menschenköpfen anrichte.(Ohorufe.) Durch ichre Redner habe die Socialdemokratie erklärt, daß sie auf die Ideale pfeife, und eine solche Partei wage es, andern Gruppen, den Konservativen, die Ideale zn bestreiten.(Große Unruhe.) Tic Konservativen sollen politisch arbeiten, das sei auch seine Meinung und diese politische Arbeit nicht dein Gesindel in der Socialdemokratie überlassen.(Großer Lärin, der Redner wird so durch leidenschaftliche Zurufe unterbrochen, daß es ihm unmöglich ist, weiter zu sprechen.) Die Staatserhaltcnden fangen hübsch an. Mit dem Herrn v. Wenckstcrn darf man allerdings nicht zu scharf ins Gericht gehen. Der Mann, der sich mittlerweile durch schreiende Schwärmereien für Flotte und Zuchthaus zum Professor cmporgestrcbcrt hat, war früher, Ivenn wir nicht irren, Kulitreiber auf javanischen Plantagen. Die dort herrschenden Sitten kleben ihm noch an.— Konservative Wahlflunkcreien. Aus Spandau wird uns berichtet: Am vorvergangcncn Sonntag hatte der Abgeordnete Pmili-Potsdam („Pestbeulen"-, auch„Kalbskeulcn"-Pauli genannt) einer Deputation der Arbciter-Ausschllffe der hiesigen Staatsbetriebe, zusammen 19 Personen. gnädigst eine Audienz in— Potsdam bewilligt, um dort die„Wünsche" der Staatsarbcitcr entgegenzunehmen. Herr Pauli erklärte der Deputation von vornherein, daß es ihm gar nicht einfalle, eine Wahlrede zu halten, und so ist denn auch über die Kandidatenfrage gar nicht verhandelt worden. Den Arbeitern war vielmehr einzig darum zu lhun, Herrn Pauli zu veranlassen, die Forderungen und Beschwerden der «staatsarbcitcr ini Reichstage zu vertreten. Wohl oder übel mußte er ihnen denn auch das bindende Versprechen geben, obwohl es ihm sichtlich unangenehm war. Nichtsdestoweniger stand am andren Tage im„Potsdamer Jntelligenzblatt" zu lesen, daß --„sich die Arbeiter-Deputation mit der Kandidatur des Herrn Pauli einverstanden erklärt hätte! Was man mit dieser unwahren Behauptung von der„gutgesinnten" Presse, welche dieselbe erfteut nachdruckte, beabsichtigt, ist jedem sofort klar, nämlich:— Bauernfang! Die drei Deputierten der M unitionSfabrik sind auch am Freitag von ihrer Direktion darüber befragt worden und sie sollen die Erklärung abgegeben haben, daß der Arbeiter- ausschuß sich mit Wahlangclegcnhciteu überhaupt nicht be- schäftige, und daß sie fiir ihre Person sich schon deshalb gar nicht über die Wiederkandidatur Pauli äußern konnten. Aus Weimar wird uns beriasiet: Die Wahlvorbereitungen im ersten weimarischen Wahlkreise machen den Gegnern viel Kopfschincrzen. Der Major v. H a g e n versuchte ein Zusammengehen aller biirgcr- lichcn Parteien zu ermöglichen, um den Soeialdeinokratcn aus dein Reichstage lvicdcr hinaus zu thun. Das Kompromiß ist aber nicht geglückt, die Arcisinnigen haben abgewinlt. Die Konservativen schlagen nun einen Dorf-Bürgenncister, der dem Landtage angehört, vor, von welchem sie erwarten, daß er die meisten bäuerlichen Stimmen erhält. Bezeichnend für die Stimmung, daß es mit dein HinauSthun des socialdemokratcn (Baudert) aus dem Reichstage doch nichts wird, ist die Notiz:„Aber das würde selbst bei dem Hinzukommen aller konservativen und nationalliberalen Stimmen in den Städten nicht genügen, um den socialdcmokratischen Kandidaten aus dem Felde zu schlagen."— Frlisch-Hadcr. Die„Post" ist mit der Kandidatur Felis ch durchaus nicht einverstanden. Sie erklärt schon jetzt, daß die cvent. Wahl des Bcfähigungs-Baumcisters für ungültig erklärt werde» würde, weil der Regierungspräsident in seinem Amtscharakter als Unterzeichner des WahlaurufS für Fetisch aufgetreten sei. Dar- nach sei das Wahlkomitee zur Znriickzichung dieser Kandidatur ver- pflichtet.— Gegen Eugen Richter hat in Hagen das Centrum den Abg. Fusangcl als Kandidaten proklamiert.— Trotz der Brotwuchcr- Hilfe!— �uslancl. Der belgische Staatsstreich- Versuch. Brüssel, den 13. Februar.(Eig. Bcr.) Die Regierung hat durch ihr Recht und Gesetz mit Füßen tretendes Vorgehen die ge- sainte Opposition der Kammer zu ciucin Kampfe aufgepeitscht, der selbst die heißesten Wahlrechts-Kämpfc winzig klein macht. Der am Donucrsiagnachmlttag begoimcue Kampf endete erst am Sonntag früh gegen 8 Uhr. Die letzte Sitzung, die endlich der Regierung die Beute brachte, dauerte nicht ivcniger als 20 Stunden. Die Ursache dieses historischen Kampfes ist folgende: Am Donnerstag erschien der Miwsterpräsidcnt mit fünf Gesetzentwürfe», die unter audcrm die Erhöhung der Altersrenten der Arbeiter und die Erhöhung der Alloholstcucr von 13—30 Millionen ver- langten. Für diese Entwürfe verlangte die Regierung die Dring- lichkcit, sofortige Votierung ohne Diskussion. Die Verwegenheit dieses Verlangens gewinnt erst ihre ganze Größe, wenn man in Erwägung zieht, daß die Kammer von diesen Projekten vorher auch nicht ein Wort erfahren hatte. Rur die klerikale Fraktion war kurz vor der Plenarsitzung zur Beratung des Unfallversicherungs- Gesetzes zu einer Versammlung eingeladen worden, in der.sie von den Plänen der Regierung Kenntnis erhielt. Im allgemeinen war das Geheimnis gut gewahrt worden; selbst die den Klerikalen und der Regierung sehr nahe stehenden Doktrinäre und Liberalen wurden durch die Projekte nicht wenig überrascht. Natürlich tvar die klerikale Majorität fest entschlossen. dem Verlangen ihrer Regierung ohne weiteres Rechnung zu tragen. Die ungeheuerliche Absicht, fünf Vorlagen von solch eminenter Bcdeutiuig ohne Diskussion zu votieren, ohne daß sie auch nur in: Druck vorlagen, konnte nur eine Majorität wagen, die sich allein- herrschend und allmächtig fühlt. Und hätte sich hier die Opposition nicht ivie ein Mann mit der besten Energie dem klerikalen Absolutismus entgegengestellt, so hätte sie ihr DascinSrccht für immer verwirkt und sich ihrer letzten winzigen Rechte begeben. Mau wußte auch bis dato schon, daß die klerikale Majorität ihr FraktionSzimmcr als das eigentliche Parlaincut betrachtete, daß sie sich anmaßte, die ganze Volksvertretung zu sein und die Opposition nur als ein Nebel ansehe, dem mau noch gnädig die Gcsctzcsvorlagcu zusandte und ihm das Recht ließ, einige Reden zu halten. Diese Gnade auch diesmal obwalten zu lassen, hielt sie für nicht mehr nötig. Daß die Majorität und Regierung gerade jetzt, inmitten politischer Mndstillc, und mit der Erhöhung der Moholstcucr den Aorstoß zur Etablicrung ihrer absoluten Alleinherrschaft unter- nehmen, hat seine Ursache in der gewaltig drohenden Ebbe in der Staatskasse. Das Loch in der Staatskasse vergrößerte sich beängstigend rasch und um es in seinem Wachstum aufzuhalten, mußten Gelder schleunigst flüssig gemacht werden und dies ohne Geräusch, um die V e r w a l t iul g s m i s e r e nicht offenkundig werden zu lassen. Daher die Eile und Rücksichtslosigkeit in der Kammer. Wenn die Regierung die Erhöhung der Alkoholsteuer wählte und diese mit der Erhöhung der Alterspensionen und der Ab- schaffung der Abgaben auf Kaffee verkuppelte, so blieb sie nur ihrem politischen Jesuitismus treu. Bei der Anziehung der Alkohol-Steuerschraube hüllt sich die Regierung in das Gewand des Philanthropen; glaubt sie doch den politisch Blinden weiß inachen zu können, daß sie den Schnapsteufel bekämpfen wolle. Die Alkohol-Stcuererhöhung bringt immerhin 15—30 Millionen ein, wovon leicht 3— 5 Millionen für die Altersrenten und andre social- politische Reklamen verwendet werden können und der Liest reicht vorläufig hin, das Deficit der Staatsfinanzen noch einigermaßen zu vertuschen. Rur schade, daß dieser fein ausgeklügelte Plan von der Opposition tcillveise vernichtet wurde. An dem eisernen Widerstande der Socialistcn, die diesmal auch von den Liberalen und Doktrinären unterstützt wurden, scheiterte die vertuschende Eile der Majorität. Die Alkoholsteuer an sich wäre kein Objekt gewesen, um das ein solcher Kampf geführt worden wäre. Wäre der Entwurf geschäfts- ordnungsgemäß eingebracht worden, hätte sich relativ leicht ein Weg zur Verständiguug finden lassen. Aber unter den obwaltenden Umständen gebot der Opposition die Erhaltung von Gesetz und Recht den äußersten Kampf. Auf die hämische Erklärung des Mnisterpräsidenten, die Kammer trenne sich nicht eher, bis die Entwürfe votiert seien, antwortete die Opposition mit regleinentarischcr Obstruktion. Als die Aussicht auf Sieg für die Regierung immer fraglicher wurde, berief sie noch anl späten Abend des Donnerstag ihre fehlenden Mannschaften telegraphisch— auf Staatskosten natürlich, lvie sie das immer thut— herbei. Jedoch ehe diese nur eintrafen, hatte die Opposition schon die Organisation der Obstruktion vollendet und— die Tag- und Nacht- schickst eingerichtet. Die am Donnerstag um zwei Uhr begonnene Sitzung dauerte bis Freitag früh i!S Uhr. Nach fünfzehnstündigem Ringen mußte die Regierung um Waffenstillstand nachsuchen, und ihrem Ziele war sie auch noch keinen Schritt näher gekommen. Am Freitagmittag begann der Kampf von neuem und mutzte gegen Abend wegen Ermüdung der Streiter abgebrochen werden mit gleichein negativen Erfolg. Endlich in der d r itt e n Sitzung gelang die Einbringung der Beute. Diese Sitzung begann Sonnabend früh 10 Uhr und endigte Sonntagmorgen nach z w a nzi g st ü n d i g e m Kampfe. Der Berlauf dieser Eampagne aber lvar geeignet, den klerikalen Neber- mut gehörig zu dämpfen. So ist die klerikale Heuchelei und die demagogische Hinterabsicht des Staatsstreiches vor aller Welt ge- brandmarkt worden.—_ Die Nachwirkungen der Blockade. Der„Morning Post" lvird aus Rcw-Dork gemeldet, daß durch die Aufhebung der Blockade ganz außerordentliche Vorbereitungen für die Verschiffung amerikanischer Waren nach Venezuela veranlaßt worden sind. Die Exporteure erhalten fast stündlich von ihren dortigen Vertretern Telegramme des Inhalts, daß der Absatz für Nahrungsmittel und Werkzeuge aller Arr thaffächlich ein unbegrenzter sei. Die öffentliche Meinung in Venezuela ist gegen Großbritannien und Deutschland cine anhaltend noch inuner sehr erbitterte. Die Produkte dieser Länder werden wahrscheinlich boykottiert werden, während die Märkte der Amerikaner nach dem beendeten Streit einen ganz»n- erwarteten Anfschwung genommen haben.— Oestreich-Ungarn. Ein Aiiniftcr zur Ordnung gerufen. Im ungarischen Abgeordnetenhause kam es im Verlauf einer Rede des Land csv erte i d igung s- Ministers Fcjervary zu einem stürmischen Zwischenfall. Der Minister rief dem Abg. Zoltan Lengycl sKossuth-Parteii auf eine, von diesem aufgestellte Be- hauptung hin zu:„Sie lügen" und wiederholte mit er- hobcner Stimme diesen Zuruf. Es entstand hierauf ein ungeheurer Tumult. Die Abgeordneten verlassen ihre Plätze und geraten unter einander in heftigen Wortwechsel. Der Tunullt dauert mehrere Minuten. Die Opposition schreit unaufhörlich:„Der Minister darf nicht mehr zu Worte kommen". Es lvird auf die Pultdcckcl geklopft. Als der Präsident sich endlich Gehör verschafft, ruft er den Muiifter des unparlamcntarischcn Ausdruckes wegen zur Ordnung. LandcSverteidigungs-Minister Freiherr v. Fejcrvary sagt hierauf, er unterwerfe sich d e in O r d n u n g s- ruf des Präsidenten, er stehe nicht an, sein Bedauern wegen des st a r k e n Ausdrucks, der ihm entschlüpft sei, auszusprechen.(Stürmische Eljenrufe rechts.) Der Minister konnte hierauf die Rede ungestört fortsetzen.— Oestreich, Rußland und die Pforte. Die„Neue Freie Presse" meldet: Die öftre ichisch- russische R c f o r m n o t e ist heute(Dienstag) den Kabinetten von Berlin. London, Paris und R o m überreicht lvorden und soll ain Donnerstag der Pforte übermittelt werden. Sollten von feiten der Mächte Einwendungen erhoben werden, so wird die Ucbcrreichung an die Pforte erst ain sounabcud erfolgen. Die Reformvorschläge Oestreichs und Rußlands sind finanzieller und a d m i n i st r a t i v e r Natur und zmn über- wiegenden Teil solche, ivelche die Pforte bereits selbst wiederholt ge- macht, aber nie ausgeführt hat. Neu ist die Forderung, daß die Zehnten- Eingänge nicht mehr nach Konstantinopel geschickt, sondern im Lande für dessen Verwaltung verwendet werden sollen. Ferner soll ein Gouverneur ernannt werden, der zwar kein Ehrist sein mutz, aber so ausgedehnte Vollmachten erhalten soll, daß er sich nicht in jedem einzelnen Falle um Instruktionen an die Pforte zu wenden braucht.— Frankreich. Die„Affairc". Der Fcldzugsplan, der bei der neuen Affaire Drehfus zur Ausführung kommen soll, wird seitens Jaurös und Genossen sehr geheiumisvoll behandelt. Dewinne, der Redakteur des Brüsseler„Peuple", war extra nach Paris gereist, um etwas über die Drehfus-Assaire zu erfahren. Er teilt seinem Blatt daS Resultat der Reise mit, und das ist gleich Null. In der Redaktion der „Petite Röpublique" fand er außer Görauld-Richard noch 7 oder 3 Redakteure und socialistische Deputierte vor, die ihn, aber alle ver- sicherten, daß sie selbst nichts wüßten, daß überhaupt nur 4 oder 5 Personen existierten, die in die Sache eingeweiht seien. Jaurös lasse absolut nichts verlauten, welcher Art die Enthüllungen, die er und Pressencö zur Affaire machen würden, seien; alles, was die Blätter darüber schreiben, sei Kombination.— Amerika. Amerikanische Flottenstatione» aus Kuba. Präsident Palma hat ein Abkommen mit den Bereinigten Staaten unterzeichnet, dem zu- folge den letzteren das Recht gewährt wird, auf Kuba Flotten- und, Kohlenstationen zu entrichten,— ParlarneutanfcKes. Budget-Kommission. In der Sitzung am Dienstag wird in der Beratung der fort- dauernden Ausgaben für die Verwaltung des Reichsheeres fortgefahren. Für„Bekleidung und Ausrüstung der Truppen" werden 28 225 368 M. gefordert, gegen das Vorjahr cine Zunahme um 1 014 259 M. In Aussicht genommen ist bei den Beklcidungsämtern des Garde- und 15. Armeecorps die Beschäftigung von Civil- Handwerkern, während bisher Soldaten zu den Arbeiten herangezogen worden waren. Und zwar sollen eingestellt werden beim Be- kleidungsamt des Gardecorps 328 Arbeiter und bei dem des 15. Armeccorps 236 Arbeiter mit einen, Jahresdurchschnitts-Verdienst von je 1300 M. Die auf diese Weise frei gewordenen Mannschaften dcrLinie solle» dazu verwendet werden, um 4 Fußartillerie-Compagnien zu bilde». Der Kriegsininister weist eingehend nach, daß sich die vier neuen Compagnien„infolge des iveiteren Ausbaues des Landes- vcrteidigungssystemS als unaufschiebbar erwiesen" habe. Für die Ersetzung der Militärhandwerler durch Civilarbeiter bei den Bekleidungsämtern aber habe sich der Reichstag bereits früher erklärt. Die Abgg. R o e r e n und M ü l l c r- Fulda wollen zwar gegen die Bildung der vier Fußartillerie-Compagnien keinen Einspruch erheben, tragen aber Bedenken, jetzt, unmittelbar vor Ablauf des geltenden Militär- gesetzes, auf einen, Umwege derartige Erhöhungen der Präsenz- stärke des Heeres eintreten zu lassen. DicS köm,e, wenn in, nächsten Jahre ein neues Militürgesetz vereinbart werden müsse, die Stellung des Reichstags gegenüber den Forde- rnngen der Regierung ans weitere Vergrößerung des Heeres schwächen. Aus diesen, Grunde sollte jetzt unter leinen Um- ständen über dasjenige hinausgegangen werden, was wirklich notwendig sei. Sie beantragen daher, daß nur die Forderung für das Bclleiduiigsamt des Gardecorps bewilligt, die für das Betlcidungsamt deS 15. Armeecorps dagegen gestrichen Ivcrdcn soll. Der Kriegsminister erklärt sich bereit, sich mit der verminderten Summe im nächsten Jähre einzurichten. Die Abgg. M ü l l e r- Sagau, S t o ck m a n n, B ü sing(und Gras v. Roon bedauern, daß der Kriegsministcr sich so schnell den Wünschen des Centrums gefügt habe, sie wollen auch mit der Um- Wandlung des BckleidnngSamtes beim 15. Armeecorps nicht länger warten. Schließlich wird gegen die Stimmen des Centrums und der Socialdemokraten die ganze Summe bewilligt; den Ausschlag für die Bewilligung geben die Frei- sinnigen.— Bei den, Kapitel:„Geldvcrpfleaung der Truppen" entspinnt sich eine sehr ausgedehnte Debatte über die beantragte Erhöhung der Besoldung für die Oberstlieutenants der Infanterie. Das gegenwärtige Gehalt dieser Offiziere beträgt 5350 M. pro Jahr. ES soll jetzt un, 1350 M., also auf 7200 M. erhöht werden. Dies hat eine jährliche Mehrausgabe von über 400 000 M. zur Folge. Der Kriegs mini st c r tritt lviedcrholt für diese Gehaltszulage ein. Die BefördernngSvcrhältnisse seien bei der Infanterie viel schlechter als bei der Artillerie und Kavallerie. Daher komme es, daß die Oberst- lieutenants bei der Infanterie bis zu zehn Jahren in ihren Stellen bleiben müssen und während dieser ganzen Zeit trotz den sich steigernden Lebensbedürfnissen auf dieselbe Besoldung von„nur" 5850 M. angewiesen seien. Ihre Kollegen bei der Artillerie und Kavallerie seien in de», selben Alter schon längst in die Stellung eines Regimentskomma, weurs»,it einem Gehalt von 7800 M. eingerückt. Dies sei eine Ungerechtigkeit gegen die betreffenden Offiziere und führe zu einer schweren Schädigung der Infanterie. Schon jetzt zeige sich ein unverhSltnis,nätziger großer Andrang zur Kavallerie und Artillerie, während die Zahl der Fehlstellen bei der Infanterie steige. Für diese Gehaltserhöhung treten die Abgeordneten Graf v. Roon, v. Tiedemann, v. Waldoiv und Reitzenstcin und Frcese ein, gegen die Gehaltserhöhung erklären sich außer den Social- dcmolraten die Abgeordneten Müller- Fulda, Gröber und Müller- Sagan. Die Debatte wird schließlich auf Mittwoch vertagt.— Partei- l�lacbrickten. Der socialdemokralische Verein in Gera beschäftigte sich in seiner letzten Versammlung mit den, Acrztestreik. Die Versammlung war nach dem Bericht der„Reußischen Tribüne" in der übergroßen Mehrheit der Ansicht, daß dieser Streik und Streit weder eine Partei- noch cine Gcwcrkschaftssache sei; für die Aerzte einzutreten, habe man leine Veranlassung und Ivenn die Kassenmitgliedcr mit ihrem Vorstande einverstanden seien, dann solle man den Streit ruhig zlvischcn diesen, und den Acrzten auSfcchten lassen. Tief zu bedauern und entschieden zu verurteilen sei es, daß dieser Streit jetzt auch noch in die gcivcrlschaftliche Organisation hineingetragen werde, die dadurch auf alle Fälle geschädigt werde. Der lachende Dritte seien hier die Unternehmer, die sich freuten, daß die Arbeiter durch diesen Streit unter sich uneinig geworden seien. DaS Streben aller wirk- lichen Genossen müßte darauf gerichtet sein, die Gegensätze nicht zu verschärfen, sondern auszugleichen. Der Thätigkeitsbericht der socialdcmokratischci, Partei Badens für 1902 läßt eine rege AgitationSarbcit erkennen. Reben der regen Versaininlungsagitation wurde auch durch Verbreitung von Flug- blättern in Massenauflagen und älterer gediegener Parteischriften für unsre Ideen gewirkt. In, Unterland erschien in Einzel- auflagen von 5000—13 000 Exemplaren allmonatlich der in Mannheim herausgegebene„Arbeiter- und Bauernfteund", dessen Auflage sicki auf insgesamt cttva 100 000 stellt. Dann wurde ein größercL Flugblatt, enthaltend die Zollrcdc Bebels vom 25. Ottober, in einer Auflage von 200 000 Exemplaren verbreitet. Hochcrfteulich lvarcn die geradezu überraschenden Erfolge. die die Partei bei den Gemeinde Wahlen in Stadt und Land errang. In mindestens 25 Orffchaften, hauptsächlich im Mittel- und Unterland e. aber auch ans dem Schwarzwalde, eroberten wir die dritte, in einer ganzen Anzahl auch die zweite Klasse des BürgerausschnffeS. Die G c w e r b c g e r i ch t s w a h l en brachten uns überall ohne Aus- nähme den Sieg. Die Landesorganisation wurde durch Anglicdcrnng von 14 neuen Mitgliedschaften(insgesamt jetzt 88) erheblich erweitert. Die Einnahmen und Ausgaben der Landeskaffe balancieren mit 4071,06 M. Der Vermögensstand betrug am 1. Januar d. I. 719,97 Vi. gegen 675,77 M. ain selben Tage 1902. Von der Partcipreffe. Die„Görlitzer volkSzeitung", Kopfblatt der„Volkswacht", die bisher drein, al in der Woche er- scheint, wird vom 1. April ab täglich erscheinen, damit die Ge- nossen während der Wahlzeit ein brauchbares AgitattonSinstrument besitze», mit welchen, eventuell der Kreis erobert werden soll. Auch die„Augsburg er V o l ks z e i t u n g" wird vom 2. Quartal au in Rücksicht auf die Wahl täglich erscheinen. Die drei socialdcmokratischcn Vereine Hamburgs haben jetzt zusammen 14 343 Mitglieder gegen 13 771 in, Jahre vorher. Die Gesamteinnahmen der drei Vereine betrugen 72 504 M. Die Ausgaben 65 686 M. Darunter 22 000 M. an die Hauptkasse in Berlin. Tie Laiidcsversanimlung der socialdcmokratischen Parte, Sachsens wird in Rücksicht auf die ReichStagswahlen bereits am 15. März in Mittweida abgehalten werde». Tic Einigung in Solingen ist nunmehr vollständig gcivordcn. In einer Kreisparteiversammlung am Sonntag wurde der Beschluß der Kreisversammlung in Ohligs von 1893, durch welchen eine Anzahl Personen aus der Parte, ausgeschlosseu wurden, gegen wenige Stimmen ausgehoben.— Die Leitung der Wahlgcschäftc wurde dem Kreiskomitee übertragen. polireilicbes, Sericbrticbcg utt». DaS Versammlungsrecht in Tanzig. Das Obcr-Verwaltungsgericht hat bekanntlich Ende Januar dieses Jahres in einer Klagesache gegen den Oberpräs, deuten von Posen entschieden, daß Versammlungen n, gefchkojjenen Räumen nicht i», voraus unter der Begründung verboten werden können, daß eine Störung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit zu befürchten sei. Die Parteigenossen in Tanzrg, denen seit Monaten mit der- selben Begründung Versammlungen in ihrem Parteilokal unmöglich gemacht werden, glaubten nun, daß die Autorität des Ober-Vcr- Ivaltirngsgerichts für die dortige Polizei maßgebend sein werde und daß sie daher nun wieder Versammlungen würden abhalten dürfen. Wie sehr sie sich darin geirrt haben, beweisen die folgenden beiden Verfügungen, von denen die erste eine Versammlung des GeWerk- schafts-Kartells für den 9. Februar und die andre cine Versammlung des socialdcmokratischen Vereins für den 12. Februar verbietet: Dauzig, den 9. Februar 1903. Kgl. Polizei-Präsident. Journal: IV 588. ?luf Ihre Anzeige vom 8. Februar cr. erhalten Sic hiermit zum Bescheide, daß meine Verfügung vom 5. Juli 1902— IV 2654— wonach die Benutzung des Lokals Brodbänkengasse Nr. 11 zu Ver- sammlungszweckcn bis auf weiteres verboten worden ist, aufrecht erhalten. ivcrden muß und sonach die für heute von Ihnen angemeldete Versammlung der Delegierte!, des Gewerffchaftskartells Danzigs in dem vorerwähnten Lokale nicht stattfinden darf. Wessel. I», Interesse der zun, Uebcrwachungsdienst kommandicricn Polizeibcainten muß verlangt werden, daß das Versammlungslokal auf mindestens 15 Grad Celsius erwärmt ist. Gleichzeitig bemerke ich, daß die Abhaltung von Versammlungen in dem Lokal Brodbänkengasse Nr. 11 ans sicherhcitspolizeilichcu Gründen verboten ist und daher die Benutzung dieses Lokals für die angemckdetc Versammlung unter keinen Umständen gestattet ivcrdcn wird. IV. 631. Der Polizei-Präsident. Wessel. Da sich trotz dieser Verfügungen Versammlungsteilnehmer ein- gefunden hatten und die Polizei gleichfalls zahlreich zur Belagerung angerückt war, entstanden wieder allerlei Reibungen, die schließlich dazu führte», daß der Genosse Bcrger, dessen Ehefrau die.Konzession in de». Lokale besitzt, verhaftet ivcrden sollte. Als Berger den anwesenden Polizei-Inspektor l>. S a u ck e u auf die cr- wähnte Entscheidung des Ober- BerinaltungSgenchts aufmerksau, mochic und das Verbot als ungesetzlich bezcichuctc, antwortete ihm der Beamte nach dem Bericht der„Königsbcrger VolkSzeitung":„Sie befinden sich in einen, juristischen Irrtum, Herr Berger, wir ver- b i e t e>, ja keine Versammlung, sondern nur L o k a I e tt d Versammlungsräume zur Benutzung für V c r s a ,„ m l u„ g e„." Darin sehen wir allerdings mehr eine sophistische, als eine juristische Unterscheidung._ — lieber den Hintergrund der Krnppaffaire hatte die„Mär- tische Volksstnnme" in Forst in den ersten Tagen dieses Jahres einen Artikel gebracht. Daraufhin wurde gegen den damaligen Berank- ivortlichcn des Blattes, Genossen Eberhard, jetzt in Nürnberg, ein Strafverfahren lvegen Majcstätsbelcidigung ein- geleitet. Jetzt ist dem Genossen Eberhard vom Staatsanwalt mit- geteilt worden, daß das Verfahren gegen ihn eingestellt ivorden ist. — Die weimarische Bezirksdirektion in Apolda hat sich mit dem Gemeindevorstande in R o t h e n st e i„ nicht einverstanden erklärt, daß eS noch nicht Zeit sei, über die RcichstagSwahlei, zu reden. Auf die Beschwerde des Einberufers der Versammlung hat diese Behörde entschieden, es bedürfe keiner näheren Darlegung. daß die Ausführungen des Gemeindevorstandcs das Verbot nicht recht- fertigten. Wege» Beleidigung eines Stadtverordneten wurde in L e i p z i g der Parteigenosse Seyferth zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Seyserth war bei der letzten Stadtverordncteuwahl Vorsitzender des socialdemokratischcn Wahlkomitees. Er glaubte Beweise dafür zu besitzen, daß der Stadtverordnete Körner sein Amt dazu benutze, sich durch GrundstückSgeschäste zu bereichern und stellte in einem von ihm verlegte!, Flugblatte entsprechende Behauptungen auf, ivorauf Körner klagte. Seyserth mußte vor Gericht zugeben, daß ihn, im- richtige Angaben gemacht worden seien. Das Gericht versagte ihn, den Schutz des§ 193 und nahm die Absicht zu beleidigen an. Da Seyserth kein Minister ist, mußte cr bestraft werden. Hiid Induftrie und Handel Daö erste Jahr der Berliner elektriichen Hoch- und Untergrund- bahn. Heute, am 18. Februar, wurde die Berliner elektrische Hoch- bahn den, allgcineincn Verkehr mit der Eröffnung der Oststrcckc vor einen, Jahre übergeben. Au, 11. März erfolgte die Eröffnung der Wcststrcckc, am 25. die des Durchgangsverkehrs vom Osten zun, Westen. Die Bahn beförderte von, 18. Februar 1902 bis 17. Februar 1903: 22 691 329, also pro Tag im Jahre 61620 Personen. � Der Verkehr ans der Bahn hob sich andauernd von Monat zu Monat. Er betrug im Februar 1902 täglich 30 491, März 48 008, April 55 239, Mai 57 765, Juni 54 126, Juli 49 869, August 54 048, September 60 461, Oktober 70 257, No- vcuwcr 73 814, Dezember 80 411; 1903: Januar 79 525, Februar (1. bis 17.) 82 282 Personell. Im Betrieb stehe,, 15 Züge, 12 mit 3, 3 mit 4 Wagen. Eine Masseuclilwandermig italienischer Arbeiter hat, wie die „Mannheimer Volksstimme" berichtet, seit kurzem in Baden begonnen.» Nachdem schon in voriger Woche kleinere Gruppen in Konstanz durch- gerefft waren, langten am Sonntag früh etwa 400 Mann an, welche alsbald nach Mannheim weitcrfnhrc». Für die nächsten Tage stehen Transporte bis au 1000 Mann an einem Tage bevor. Zweifellos muß sich durch diese Zuwanderungen der Arbeitsmarkt, der ohnehin schon ein äußerst ungünstiger, noch weiter verschlechtern. Erhöhung des HopfenzollS in Frankreich und Rustland. Die- jcnigcn Zollpolitiker, die vorausgesehen hatten, daß die Staaten, nach denen wir unsren Hopfen exportieren, unsre exorbitanten Zoll- erhöh, ingen ans Agrarvroduktc ihrerseits mit einer gewaltigen Er- höhung gerade der Zölle beantworten würden, an deren niedriger Nörmieruiig Deutschland in, Interesse seiner Ausfuhr bicl gelegen sein mutz, haben durchaus recht behalten. So wird nach einem Telegramm des Wolffschen Bureaus aus Paris der französische. Ackerbau-Ministcr demnächst cine Vorlage einbringen, Ivo,, ach auf ausländischen Hopfen ein Einfuhrzoll von 87V- Frank oder 70 M. für. 100.. Mo gelegt werden soll. Das ist genau derselbe Zollsatz, den der deutsche Reichstag in, neuen Zolltarif festgelegt hat. Die Commffsion d'cnqncte hatte in ihrer Sitzung vom 15. Januar d. I. bloß 70 Frank beantragte Das Ministerium geht also noch höher; es folgt ganz dem Beispiel Deutschlands. Rußland hat sogar einen Zoll von 15 Rubel per Pud(— 16,38 Kilogramm) in seinem neuen Zolltarif aufgestellt. Nach dem bisherigen Vertrag wurden nur 3V- Rubel per Pud erhoben. In der Versammlung der Portland-Ecn, entwerte, die henke hier stattfand, lvurde irgend ein Beschluß nicht gefaßt. Nach einem längeren Referat deö Kommerzienrats Mansie-Hannover, der den Zusammenschluß zu einem Shndikat und Kontingentierung der Produktion empfahl, cntspai», sich eine Debatte über die beste Art der Organisation, die schließlich zur Wahl einer engeren Kommission führte, welche in den nächsten Tagen eine passende Form für den Zusammenschluß finden soll._ Gewerkfchaftlicbeö» BerKn und Umgegend. Zum Streik in der Goldackerschen Brotfabrik lvird uns von der Vcrbaiidsleitung der Bäcker geschrieben: Tie Arbeitsniederlegung in diesem Betriebe erfolgte, weil Herr Goldacker, der an, 12. d. Mt§. unter Hinzuziehung zweier Vertreter der Organisation einen Arbeits- vertrag eigenhändig unterschrieb und den Vertretern der Organ,- sation a u S d r ü ck l i ch für ihre Bemühungen zwecks gütlicher Bei» legnng des Streiks vom 6. d. MtS. dankte, zwei Tags darauf den Vertrag durchbrach, um die O r g a n i s a t'i o n in seinem Betriebe zz u zertrümmern. Der Herr, dessen Erzeugnisse fast nur in Ärbeiterkreisen Absatz finden, tvill init despotischem Machtwort die Arbeiter seines Betriebes von der Organisation fernhalten, um wie bisher, in unschöner Weise mit ihnen umspringen zu können. Das; auch die Polizei dem bedrängten Herrn zu Hilfe eilt, erscheint selbstverständlich. Mit Argusaugen wacht sie, daß die Streikbrecher nicht„belästigt" werden. Am Sonntag- abend wurde ein Streikposten sistiert, aber nach kurzer Zeit lvieder freigelassen, da er nur auf den Streik im Betriebe aufmerksam gemacht hatte. Dagegen sind Herrn Goldacker größere Freiheiten gestattet. Als am Sonntagvormittag dadurch, daß statt 48 Mann nur 22 im Betriebe arbeiteten, auch die Sonntagsruhe überschritten und die Polizei darauf aufmerksam gemacht wurde, erteilte diese die Auskunft, daß für Goldacker heute gesetzlicher Ueber- Arbeitstag sei.— Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, die Streikenden vollständig durch Streikbrecher zu ersetzen. Originell ist, daß letztere am Montagabend gleich mit dem Brot- wagen in den Betrieb hineinbefördert wurden, da man fürchtete, sie könnten sich im letzten Augenblick doch noch besimien und Herrn Goldacker im Stich lassen. Die Arbeiter- Kundschaft scheint diesem Unternehmer ihren Unwillen schon recht deutlich fühlen zu lassen, denn aus allen Filialen wird über den Rückgang des Geschäftes berichtet. Im Hauptgeschäft in der Brunnen straße find seit Montag statt drei nur noch zwei Verkäuferinnen thätig.— Die Haltung der Streikenden ist ausgezeichnet. Von den 48 Arbeitern des Betriebes stehen 44 im Streik; vier, darunter die Backmcistcr, lvurden zu Streikbrechern. Zum beendeten Streik der Jungbieriutscher. Der Brauerei- besitzer A. Lehmann, Ormftenstr. 4, lvelcher laut Annonce im „Vorwärts" wiederholt die Behauptung ausgesprochen hat, daß er die von den Kutschern gestellten Forderungen bewilligt hat, was den Thatsachen jedoch nicht entspricht, weigert sich auch jetzt lvieder. den von den Ringbraucreien anerkannten Lohntarif z u unterschreiben und hat seine Kutscher nunmehr ausgesperrt. Wir bitten die Arbeiterschaft, hiervon Notiz zu nehmen. Die Ortsverwaltung Berlin des Centralverbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deutschlands. Achtung, Buchbinder! Galanterie-Arbeiter! Bei der Firma I. F. Dietzel in Offenbach a. M. sind zwischen den dort bc- schästigten Kollegen und Kolleginnen und der Geschäftsleitung Differenzen ausgebrochen. Die Firma sucht in Berlin Ersatz für unsre dortigen Kollegen. Wir ersuchen deshalb die Berliner Kollegen, Arbeitsangebote dieser Firma strikte zurückzuweisen. Die Ortsverwaltung des Buchbinder-Verbandes. Achtung, Buchbinder und verwandte Berufsgenossen! In der Neuen Photographischcn Gesellschaft in Steglitz haben gestern wegen Maßregelung mehrerer Kollegen sämtliche Buchbinder die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten! Der Vorstand der Zahlstelle Steglitz des Deutsche» Buchbinder-Verbandes. Zum Streit bei Seyser u. Schmidt teilt der Metallarbeiter-Verband mit, daß die Firma in Ermangelung von brauchbaren Ersatz- kräften am Orte solche auswärts, besonders in Chemnitz sticht. Lohnbewegung der Täschner. Zu der Notiz in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" ersucht uns die Vereinigung Berliner Leder- tvaren-Fabrikanten mitzuteilen, daß sie, zum Einigungsamt am Sonnabend(nicht Donnerstag) berufen, ein Erscheinen vor demselben abgelehnt habe, da in der Airgelegcnheit nichts niehr zu sagen sei, und sie bereit wäre, den alten Verttag bestehen zu lassen, ivomit, die Gehilfenschaft seiner Zeit selbst einverstanden gewesen sei. Holzbearbeitungs-Maschineunrbeiter. Die Zahlstelle Südost be- findet fich nicht mehr in der Reichenbergerstraße, sondern im Lokal von Hagen, Muskauerstr. IN/20, Ecke der Pücklersttaße. Die Polizeistunde war lvieder einmal der Grund zur Auflösung einer gewerkschaftlichen Versammlung, die der Handels- und Trans- portarbcitcr-Verband am Sonnabend in Zehlcndorf abhielt. Mitten iin Vortrage des Referenten erfolgte Schlag 10 Uhr die Auflösung. So sieht es mit dem Versammlungsrecht vor den Thoren Berlins aus. Oeutkehee Reich. Zum Hafenarbeiterstrcik in Bremerhaven berichtet unser in Bremen erscheinendes Parteiorgan, daß die Entlassung eines örtlichen Vorstandsmitgliedes des Hafenarbeiter-Verbandes, die nach einem Streit mit einem Vorarbeiter erfolgte, die eigentliche Ursache des Äusstandes ist. Es handelt sich um die bei der Firma Hinsch beschäftigten Verladungsarbeiter, etwa 700 Mann. Der Ausstand wurde erst beschlossen, dann aber auch einmütig durchgeführt, nachdem mehrfache Verhandlungen wegen Wiedereinstellung des Ent- lassenen leinen Erfolg hatten. Metallarbeiter- Streik. Aus Tönning in Schlestvig- Holstein wird uns telegraphiert, daß dort die Metallarbeiter sämt- licher Branchen im Streik stehen. Es wird ersucht, den Zuzug fern- zuhalten. An dem Schriftgießerstreik in Offenbach sind 114 Schriftgießer lind 28 Hilfsarbeiterinncn beteiligt. In den Frankfurter Schrift- gictzercieu ist die Kündigung aus Anlaß des Offcnbacher Äusstandes seitens der Unternehmer erfolgt. 210 Schriftgießer und 70 Hilfs- arbeiterinnen sind davon betroffen. Die Bäckergesellen in Frankfurt a. M. haben beschlossen, mit der Arbeitgeber-Organisation in Verhandlung zu treten wegen voll- ständiger Durchführung der scchstägigen Arbeitsschicht, Sonntags- ruhe, Regelung des Lohntarifs, der Arbeitszeit und Arbeits- vermittelung. Glasarbeiter! Wie uns aus Wolfrathshausen(Oberbahern) gemeldet wird, sucht die dortige Glasfabrik von Richstein aus- wärts Glasarbeiter anzuwerben. Deshalb sei bemerkt, daß in diesem Betriebe Differenzen mit den Arbeitern bestehen. Der erste Kongreß der deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten wird am 9. und 10. März in Frankfurt am Main abgehalten. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Straf- rechtliche und civilrechtliche Bedeutung der Geschlechtskrankheiten. Gutachter: Geh. Justizrat Prof. Dr. v. Liszt, Berlin-Charlotten- bürg und Geh. Justizrat Pros. Dr. Hellwig, Berlin. Referent: Oberlandesgerichtsrat Schmölder, Hamm. 2. Wie können die Aerzte durch Belehrung der Gesunden und Kranken der Verbreitung der Geschlechtskrankheiten steuern? Referent: E)r. med. Neubergcr, Nürnberg. 3. Das Wohnungselend der Großstädte und seine Be- Ziehungen zur Verbreitung der Geschlechtskrankheiten und zur Prostitution. Referenten: Stadtarzt Physikus Dr. Pfeiffer. Ham- bürg, und Herr P. Kampsfmchcr, Cronberg i. T. 4. Nach welcher Richtung läßt sich die Reglementierung der Prostitution reformieren? Referenten: Geh. Medizinalrat Prof. Neitzer, Breslau, und Fräulein A. Pappritz, Berlin. Die bedingte Begnadigung wurde nach der dem Reichstage zu- gegangenen Ucbersicht bisher in 82 268 Fällen angewandt, wovon auf das Jahr 1902 11 418 Fälle kommen. Die Ziffer der cnd- gültigen Begnadigungen, das heißt derjenigen, in ivelchen die Begnadigten sich innerhalb der Bewährungsfrist gut geführt haben, beträgt für Preußen ungefähr 73,2 aufs Hundert. Sociales. An der Wnrmtrankheit sind auf der Zeche„Lothringen" in Essen der Betriebsführer, zwei Steiger und 434 Arbeiter erkrankt, auch die Zeche„Erin" ist stark verseucht, andre benachbarte Zechen weniger. Um weiterer Verseuchung vorzubeugen, beabsichtigt die Bergbehörde, den Betrieb einzustellen, bis die betreffenden Gruben gründlich desinficiert worden sind. Zur Ausführung der einheitlichen ArbeitSmarkt-Statistik sind jetzt den den« Verbände angehörigcn Arbeitsnachweisen die Mit- teilungen über die von der Konferenz mn 23. Januar gefaßten Be- schlüsse und die Formulare zur Ausführung der Statistik zugegangen. Das aufgestellte Verzeichnis der Bcrufsgruppeu umfaßt 24 Nummern. Die erste Aufstellung soll den Monat März betreffen. Krankenkassen und Aufsichtsbehörden. Was man sich den Krankenkassen gegenüber heute erlauben zu können meint, darüber belehrt eine Verhandlung vor dem Ver- waltungsgerichtshofe in Braunschweig, über die unser dortiges Parteiblatt, der„Volksfreund", berichtet. Eine freie Hilfskasse, die in Braunschweig besteht, nahm in ihr Statut in formell unanfecht- .barer Weise die Bestimmung auf, daß die Einladungen zur General- Versammlung in Zukunft im„Volksfreund", also dem socialdemo- kratischen Parteiblatte, bekannt gemacht werden sollen. Die Mit- glieder hatten das in ihrer Generalversammlung beschlossen und sie müssen ja selbst am besten wissen, welches Blatt sie lesen. Die Aufsichtsbehörde hielt sich für berechtigt, diesen Be- schluß zu beanstanden. Daher die Klage, die aus formalen Gründen nicht erledigt wurde._ Huö der frauenbewegung. Achtung, Arbeiterinnen! Donnerstag, den 19. Februar, abends 9 Uhr, findet in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20, eine öffentliche Versammlung statt, iu welcher über die Entrechtung der Handlungsgchilsinnen gesprochen wird. Es soll dort protestiert werden gegen die Entziehung unsres Wahlrechtes zu den Krankenkassen-Vorständen, wie sie in der neuen Novelle zum Kranken- verstcherungs-Gesetz beabsichttgt wird. Desgleichen soll Einspruch erhoben werden gegen die Borenthaltung des Wahlrechtes der Frauen zu den kaufmännischen Schiedsgerichten. Da diew beiden Fragen für alle arbeitenden Frauen von größter Wichtigkeit sind, fordern wir zu regem Besuch der Versammlung auf. Die Verttaucnsperson. Die geistigen Leistungen der Frmi. Die Anstellungsprüfungen für Schullehrer in Oberbayern ergaben das Resultat, daß durchtoeg die weiblichen Prüflinge Iveit bessere Censnren erwarben wie die männlichen. Es wurden folgende Noten ausgeteilt: ?. II. HI. IV. durwgefallen I S" i t Versammlungen. „Die Bäckerei-Mißstände in früherer und nenerer Zeit, die Stellungnahme des Ausschusses für Gutachten beim Berliner Ge- Werbegericht und wie stellen sich die Berliner Bäckergesellen zu der sittenpolizeilichen Kontrolle durch die Innung", lautete das Thema, Über das eine sehr stark besuchte Versammlung der Bäckerei-Arbeiter ani Dienstag im großen Saale bei Keller. Koppenstraße, verhandelte.— Der Ausschuß für Gutachten beim Ge- Iverbegericht sowie die Jnnungsvorstände waren hierzu ein- geladen. Voni Obermeister B e r n a r d war ein Schreiben eingegangen, in welchem er mitteilte, daß er den Versammlungen o lange fern bleiben werde, als die organisierten Bäckergesellen es nicht unterlassen, die Bäckereiverhältnisse in der Oeffentlichkeit herab- zusetzen. Der Referent Fr. Schneider verwies darauf, daß schon n den sechziger Jahren dieselben Mißstände in Bäckereien wie jetzt estgestellt worden sind und die Gesellen fortgesetzt die Beseitigung der miserablen Zustände und namentlich menschenwürdige' Arbeits- und Schlaftämne forderte». So wie in letzter Zeit, so haben auch früher die Bäckermeister die Mißstände nicht ctloa beseitigt, sondern dereit Vor- handenfein einfach bestritten. Die gründliche Revision, die im Jahre 1900 von den Behörden vorgenommen worden ist, hat die von den Gesellen aufgestellten Behauptungen über die schauderhaften Ver- hältniffe in den Bäckereibettieben vollauf bestätigt. Und ttotzdem und obivohl inimer wieder neue Schweinereien festgestellt und ans Tageslicht gezogen werden, ist von den Bäckermeistern gutwillig ab- 'vlnt nichts geschehen. Die gesetzlichen Bestimmungen, die vielleicht cinigernraßen bessere Berhältnffse herbeiftihren würden, werden in den nieisten Bettieben nicht beachtet und von den Unternehmern init allen Mitteln bekämpft. Der Redner machte hierauf eine größere Anzahl Bäckereien namhaft, iir denen geradezu grauenhafte Zu- tände vorherrschen. Er führte zum Schluß aus, daß nur durch die Anerkennung der von den Gesellen gestellten Forde- rungen die Beseittgung der Mißstände erzielt werden kann. — Dem oftmals durch lebhaste Zusttmmungskundgebungen unterbrochenen Vortrage folgte eine längere Diskussion, an der sich auch der Gewerkschastssekretär Alwin Kör st e» beteiligte und in der von mehreren Rednern haarsttäubende Einzelheiten aus verschiedenen Bäckereien geschildert wurden. Ein Redner, der be- hauptete, daß bei einer Kontrolle im vorigen Jahre die konttollierenden Beamten mit Cognac und Pfannkuchen von dem Unternehmer traktiert wurden, mußte den überwachenden Beamten genaue An- gaben über diesen Fall machen. Nachdem noch wiederholt zum festen Zusammenschluß in der Organisation aufgefordert worden war, wurde einstimmig folgende Resolutton beschlossen: Die Versammlung erklärt: Durch die Erhebung des Berliner Gewerbegerichts ist nur bestättgt worden, was vom Abg. Bebel sowie der Reichskommission für Arbeiterstatisttk und auch vom Verband der Bäcker durch wiederholte Erhebungen festgestellt wurde, daß nämlich in den Bäckereien haarsttäubende Zustände herrschen. Die Versammlung ist sich beivußt, daß diese Mißstände nicht durch Ableugnen aus der Welt geschafft iverden können, sondern im Interesse des konsumierenden Publikums so lange veröffentlicht werden müssen, bis das tägliche Brot in jeder Weise nmstergülttg hergestellt wird. Die Versammlung ist der Meinung, daß die Innungen mit ihrer geplanten Sitten- konttolle das Publikum täuschen wollen, um die durchgreifenden Reformen, die man den Gesellen 1900 versprochen hat. nicht ein- führen zu müssen und die preußische Staatsregierung davon zurückzuhalten, eine hygienische Bäckereiverordnung. wie sie im Jahre 1900 projektiert war, zu erlassen. Erst wenn das Kost- und Logiswesen beseittgt und jeder Bäcker in der Lage ist, einen eignen Hausstand zu gründen, wenn ferner die Bäckereien im Keller vollständig beseittgt sind und eine fachmännische Kontrolle von Meistern und Gesellen ausgeübt wird, werden die Mißstände beseitigt werden können. Hierauf berichtete M. Barth über den Stteik bei Goldacker und ivurde einstimmig eine Resolutton angenommen, in der sich die Versammlung mit dem Vorgehen der Streikenden durchaus ein- versfanden erklärt und denselben die moralische und materielle Unter- stiitzung zusichert. Die Arbeiter der Firma Mix u. Genest, Telephonapparaten- Fabrik, waren am Montag im„Königshof" sehr zahlreich versammelt, um über Mißstände im Bettiebe zusprechen. Wiesenthal, als Vertreter des Metallarbeiter-VerbandeS, krittsierte besonders das U e b e r st u n d c n- U n w e s e n in der Fabrik. Schon seit Jahr und Tag Iverden dort in den verschiedensten Abteilungen Ueberstunden gemacht, so daß der 83/4ftünbtge Arbeitstag, auf den die Finna so außerordentlich stolz ist, fast beständig in einen zwölf- bis vierzehn- stündigen verwandelt wird. Es wurde lebhaft Klage darüber gefuhrt, daß zwei Meister ihre Arbeiter häufig unter Androhung der Ent- lassung zur Uebcrstundenarbeit zwingen, wie auch die Behandlung in diefen beiden Abteilungen nahezu alles zu wünschen übrig läßt. Die Versammlung war einmütig der Meinung, daß hier eine Aenderung eintteten müsse. Sie wählte eine Kommission, die den Austrag erhielt, bei der Direttion um Abschaffung der Uebelstände vorstellig zu werden. In Reue Mühle bei Königswnsterhausen fand am Sonntag bei> Leiste(früher Parlow) eine sehr gut besuchte Volksversammlung statt. Aus den entferntesten Orten waren die Teilnehmer ttotz des schlechten Wetters gekommen, darunter auch viele Landleute, welche den tteff« lichen Ausführungen des Referenten Max Kiesel, welcher über den Umsturz im Reichstage sprach, stürmischen Beifall zollten. Ein- stimmig wurde eine Resolution angenommen, in welcher die An- nähme des Zolltarifs sowie das Verhalten der Reichstagsmehrheit verurteilt und für die Wiederwahl des Genossen Zubeil zu wirken erklärt wird. In der Versammlung wurden vier neue Mitglieder für den Wahlverein und 17 neue Abonnenten des„Vorwärts" ge- Wonnen. Eentralverband der Konditoren nnd verwandter Berufe. Seilte abend 81/, Uhr Mitgliederversammlung im Vereinslokal Linienstt. 96. äste willkommen. �et2te ISacbricbten und Depefeben. Diäten für Reichstags-Abgeordnete. Tarmstadt, 17. Februar.(W. T. B.) In der heutigen Nach- mittagssitzung der Zweiten hessischen Kammer erklärte Staatsminister Rothe aus eine Anfrage, daß die hessische Regierung die Gründe nicht verkenne, welche dafür sprechen, den Reichstags-Abgeordncten Diäten zu bewilligen; nicht minder seien derselben die Bedenken, die dem entgegenstehen, bekannt. Tie hessische Regierung erachte aber die dafür sprechenden Gründe für überwiegend. Das Haus beschlos; schließlich einstimmig, die Regierung zu ersuchen, beim Bundcsrar aufs nachdrücklichste für die Bewilligung von Diäten einzutreten. Die östreichische Wehrvorlage. Wien, 17. Februar.ttiegsbudgets nicht im Einklänge ständen mit der Finanzlage des Staates, denn die genalmten Ausgaben änderten. sich nicht, während doch die wirtschaftliche Lage des Landes stettg fortschreite. Die militärischen Ausgaben müßten den besonderen geographischen Bedingungen des Landes und seiner Verteidigung an- gepaßt werden. Italiens Ausgaben für das Heer feien niedriger, als die cutsprechenden Auswendungen andrer Länder. Redner spricht sich schließlich in anerkennender Weise über das Heer aus, das die sicherste Hoffnung des Landes sei und die beste Garantie des Friedens. (Beifall.) Ciccoti(Soc.) ttitt für den Anttag ein. Bettolo weist die Notwendigkeit einer starken Marine nach, welche die Ausgabe habe, überall da für«Italiens Rechte einzutteten, wo Italiener arbeiten und des nattonalen Schutzes bedürfen.(Lebhafte Zu- stimmung.) Die italienische Marine habe bei den jüngsten inter- nationalen Konflitten Italiens Ehre hochgehalten. Die Sitzung wird hiernach aufgehoben._ Krupp und die„Propaganda". Neapel, 17. Februar.(W. T. B.) Das Gericht verurteilte den Geranten des socialistischen Blattes„Propaganda", Pasquale Postiglione, wegen des unter dem Titel„Ter Kaiser und Krupp" veröffentlichten Artikels zu 2 Monaten Gefängnis und 200 Lire Geldstrafe. Ter Prozeß fand unter Ausschluß der Oeffentlich- keit statt._ Budapest. 17. Februar.(W. T. B.) Infolge des Streites. den der Landesverteidigungsminister Frhr. v. Fejervary im Ab- geordnetcnhause mit dem Abgeordneten Lengyel hatte, ließ dieser den Minister fordern.— Verantworst. Redakteur: Carl Leid in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SlV. Hierzu 2 Beilagen«. Unterhaltungsblatt. Nr. 41. 20. Jahrgang. 1. KeilM Ks JotBärts" Knlim llolteliliitt. Wwoch, 18. rtbtHM IM. Reichstag. 260. Sitzung. Dienstag, den 17. Februar 1903. nachmittags l Uhr. Am BundeSratstische: Graf v. P o s a d o Iv s I y. Zunächst werden die Wahlen der Abgg. F ab er-Förch Heini inatl.) und Wehl- FallerSleben-Gifhorn lnatl.) gemäß dem Beschlüsse der Kommiision lBerichterstatter Abg. Schwarze- Lipp- stadt sC.) für gültig erklärt. Hierauf wird die zweite Beratung des Etats des Reichs amts des Jimern fortgesetzt. Abg. Sachse(Soc.): Herr Paaschs hat eine Tabelle über die Lebensmittelpreise in der Kruppschen Konsumnnstalt verlesen. Diese Preise decken sich aber so ziemlich mit den Preisen bei andern Konsumanstalten. sHört l hört! bei den Socialdemokrateii.) Nur bei dem Artikel Schwarz- brot findet eine Ausnahme statt, und gerade diesen hat Herr Paaschs besonders erwähnt. Auch bei dieser Konsum- anstalt büßen die im Laufe des Jahres freiwillig oder unfreiwillig ausscheidenden Arbeiter alle Ansprüche ein. Was die Pensionskafle anlangt, so bezieht die große Masse der Arbeiter eine Pension von etwa.'>00 Mark. die ganz hohen Pensionen, die Herr Paaschs anführte, erhalten nur ganz wenige Vorarbeiter, die schon mehr Beamtencharakter haben. Der Hauptmißstand ist und bleibt aber. daß ausscheidende Arbeiter ihre Beiträge verlieren. Diese Beiträge sind ihnen vom Lohn, also ihrem Eigentum abgezogen worden nnd gehören ihnen demnach von Rechts wegen. Ein Arbeiter hatte in 14 Jahren über 500 M. eingezahlt, er wurde entlassen und erhielt trotz mehrfacher Gesuche nichts von dieser Summe zurück, weil er keinen Rechtsanspruch darauf hatte. In keinem andren Knapp- schaftsstatut findet sich übrigens eine Karenzzeit von 20 Jahren, wie bei Krupp, die höchste Karenzzeit ist sonst 5Jahre. Sehr gewundert hat es mich, daß auch Herr Sittart die Nichtzurückzahlung der Beiträge für gerecht- fertigt hielt. Er steht da in direkten, Widerspruch zu den Anschauungen der christlichen Gewerkschafter. sHört! hört! bei den Socialdeino- kraten.) Im Essener„Allgemeinen Beobachter", einem bürgerlichen Blatt, stand am Sonnabend ein„Eingesandt" Kruppscher Arbeiter, das ssch vollkommen mit den Ausführungen Wurms einverstanden er- klärte. Das Blatt sagt weiter:„Man bedenke: ein socialdeino- kratischer Abgeordneter vom Wahlkreise Reust muß sich der Interessen der Kruppschen Arbeiter annehmen, llnscr Reichstags- Abgeordneter Stößel kümmerte sich in seiner Rede um diese Sachen nicht. Es wäre seine Schuldigkeit gewesen, gegen die frciheits- raubenden Einrichtungen der Kruppschen PensionSkaffe Stellung zu nehmen und die sogenannte arbeiterfreundliche Centrumspartei zu veranlassen, daß sie gesetzliche Maßregel» gegen solche Kassen ver- langt. Aber zu solchen Sachen hat Herr Stötzel keine Zeit; freilich, als es galt, für de» Wnchcrtaris zu stivimen, da war er zu haben." Das Einaesaudtschließtmitder Aufforderung, bei der nächsten Wahl einem wirklich Arbeiterintcressen vertretenden Kandidaten die Stimme zu geben. Der Essener„Allgemeine Beobachter" hat sonst stets Krupp in Schutz genommen, und es ist sehr bezeichnend, daß er jetzt dies Eingesandt aufnimmt. Daß die Enthüllungen des„Vorwärts" nicht ganz wirkungslos gewesen sind, beweist ja auch das Vorgehen des Kölner Magisttats, der eine Straße, die vor kurzem Kruppstraße getaust werden sollte, mm Weinsbergstraße'genannt hat. sHört l hört! bei den Socialdemokr.) Wir verlangen, daß auf dem Wege der Gesetz- gebung dafür gesorgt wird,'daß die Arbeiter zu solchen Pensions lassen nicht jahrelang umsonst Beittäge zahlen müssen. Eine Kasse, die nur durch solche Beittäge bestehen kann, ist nicht wert, am Leben zu bleiben. Herr Stöcker meinte, es sei in der Weltgeschichte noch nicht dagewesen, daß sich Proletarier einen Kapitalisten wie Singer zum Führer wählten. Jedenfalls ist es besser für die Arbeiter, wenn sie sich einen Singer, der solche Opfer an Arbeitskraft und Kapitalien für die Arbeiter gebracht hat, zum Führer wählten, als wenn sie einen angeblichen Christen an die Spitze wühlten, der kapitalistische Interesse» vertritt. Daß unsre Parteigenossen in der Frattion kapitalisttsche Ilster- essen vertreten, wird ihnen niemand nachsagen können. Wie Herr Stöcker übrigens zu der Behauptung koninst, in der socialdemokratischen Fraktton säßen nur drei wirkliche Arbeiter, verstehe ich nicht, das ist jedenfalls ein Auslegungskunststück, wie es nur Herr Stöcker fertig bringt. Herr Stöcker hat sich denn auch für Arbciterkandidatcn aus- gesprochen, wie ja auch andre Parteien jetzt für den„schlichten Mann iiuS der Werkstatt" eintreten. Wenn das Centtum aber zum Beispiel solche Arbeitervertreter emstlich gewollt hätte, hätte es sie schon längst in großer Zahl in den Reichstag bringen können; ebensogut wie die socialdemokrattsche Partei ihre Arbeitervertreter unterhält, wäre das auch dem kapitalistischen Centtum möglich gewesen. Ich wundere mich nur, warum Herr Stöcker gerade 15 bis 20 königstreuc Arbeiter, die nicht Socialdemokratcn sind, im Reichstag haben will. Wäre es ihn, ernst um die Sache, so müßte er doch gleich 200 Arbcitervertrcter wünschen, damit sie die Mehrheit haben und ihre Jistercsscn wahrnehmen können. Im Wahltteise Bochum haben liberale Zeittingen sogar den Kollegen Franken als den„einfachen Mann auS der Werkstatt" ausgegeben! (Heiterkeit bei den Socialdemokraten.j Herr Stöcker verlangte christ- lichc, gute und ruhige Arbeiter für den Reichstag, mit andern Worten christlich-sociale. Derselbe Mann aber, der jetzt das Wort vom ein- fachen, schlichten Mann ausgesprochen hat, hat einmal gesagt: „Ehristlich-social ist Unsinn!" Damit mag sich Herr Stöcker aus- einandersetzen. Er setzte seine Hoffnung auf die christlichen Berg- arbeiter-Vereine. Die Organisation der christlichen Bergarbeiter ist aber in der letzten Zeit zurückgegangen. Im übrigen hätten wir nichts gegen christliche Bergarbeiter als Reichstags-Abgeordnete; sie würden jedenfalls in vielen Fällen mit uns Hand in Hand gehen müssen. Während die Rechte sich jetzt für diesen„schlichten Mann" begeistert, ist kürzlich in freisinnig-volksparteilichen Kreisen der Gedanke einer Kandidatur des Prinzen Heinrich aufgetaucht; es wäre ei» hübsches Bild im Reichstag: Arbeitervertreter auf der rechten Seite, Prinz Heinrich, Eugen Richter und Dr. Erüger aus der Linken!(Heiterkeit bei den Socialdeino Katen.) Die christlichen Arbeiter leiden vielfach genau so wie wir unter der Willkür der Unternehmer. So wurden jüngst in Cösfeld in Westfalen christliche Texttlarbciter von den CentruinSfabrikanten ausgesperrt. Darauf schrieb das Organ dieser christlichen Arbeiter- organisatton:„Die sich christlich schimpfenden Unternehmer zahle« den Arbeitern die denkbar schlechtesten Löhne" usw. Redner verliest noch einige weitere Ausführungen des betreffenden Artikels. Auch aus diesen Ausführungen geht hervor, daß die christlichen Arbeiter- Vertreter meist mit uns Hand in Hand gehen würden. Herr Stötzel sagte, wir beraubten die Arbeiter ihres Glaubens und verhetzten sie. Aber gerade die Zeitung des Herrn Stötzel, die „Essener VolkSzeitung". treibt in schlmunstcr Weise die Verhetz, mg gegen die Socialdemottatie. So führte sie als angebliche zehn Gr- böte der Socialdrmokratie unter andern, die folgenden auf:„Du sollst den Namen GottrS verlachen. Du sollst Bater nnd Mutter miß- achten. Du sollst nach Belieben die Ehr brechen. Du sollst alles stehlen. Du sollst einrö jeden Weib begehren. Du sollst die Sievolution anstiften." Selbst der rückständigste Arbeiter muß doch begreifen, daß das Lüge und Verleumdung ist. Sogar die„Kölnische Volfszeitung", das Organ des Dr. Bachem, hat diese Aeußerungen als Unflat bezeichnet. Der Hauptredattcur des Essener Blattes ist ein Kaplan. Herr Stötzel sagte, daß unsre Flugblätter von Gotteslästerung strotzten. Das ist durchaus un- vahr; wenn es der Fall wäre, wäre wohl der Staatsanwalt rasch dahinter her.... Wir stimmen selbstverständlich für die Antrage Grober und Rösickc. Mit der gesetzlichen Anerkennung der Bcrufsverciiie allein ist aber nichts gethan, den Arbeitern muß auch das volle Koalitionsrecht gewährt werden. Redner führt hierauf mehrere Beispiele an, in denen die Polizei in Schlesien die Soeialdcmokraten durch Saalabtreibungen verhindert hat, Versammlungen abzuhalten und wendet sich darauf gegen die Aeußerungen der Abgg. Frhr. v. Hehl und Hilbck über den Rormal-Arbeitstag. Besonders in, Bergbau werden seit einiger Zeit„lehr und mehr jugendliche Arbeiter heran- gezogen, auch seitens der fiskalischen Bergbehörden. Herr Hilbck ist jetzt mi Gegensatz zu seiner früheren Ansicht sogar ein Gegner des Zehnstundentages geworden, iveil den Arbeitern nicht die Möglichkeit genommen werden dürfe, freiwillig längere Arbeitszeit zu leisten. Seit wann legt er denn auf die Freiheit der Arbeiter einen so großen Wert, und wo giebt es Arbeiter, die durch Urberftundcn reich gc- worden sind? Herr Hilbck steht sogar mit seinem eignen Frakttons- genossen Hehl in Widerspruch. Es ging ja auch die Nachricht durch !nc_ Blätter, er wolle sich nur unter der Bedingung wieder aufstellen lassen, daß er nicht der nationalliberalcn Fraktion wieder beiträte. ES ist also höchste Zeit, daß Arbeiterkontrollen für die Gewerbeaufsicht geschaffen werden. Die Gesamtzahl der Unsälle im Bergbau hat sich wieder nach dem letzten Bericht von 58000 auf 08 000 vermehrt. (Hört I hört!) bei den Socialdemokrateii.) Im Ruhrkohlenrevier sind bei fast gleichbleibender Arbeiterzahl auch im letzten Jahr die Unfälle gestiegen. Besondere Mißstände bestehen im Kölnischen Braun- kohlenrevier, wo das Centrum dominiert. Dort Ivird den Arbeitern in den Gruben nicht genügend Wasser geliefert, sie müssen zum Teil Sumpfwasser trinken, daS noch verunreinigt wird, da keine ausreichenden Aborte vorhanden sind.(Hört I hört! bei den Socialdemottaten.) Die Inspektion hat von diesen Mißständen bis- her nichts gemerkt. Erfolgt einmal eine Anzeige, so ist die Be- sttafung ganz minimal. Herr Hilbck behauptete, kein Arbeiter werde entlassen, weil er sich beim Berginspektor beklagt habe. Mir sind eine Reihe solcher Fälle aus dem Ruhrrcvier und aus Sachsen bekannt. In Sachsen erkundigte sich ein Arbeiter, ob er Sonntagsarbeit machen müsse, und was war die Folge? Der Inspektor kam aufs Werk, vernahm den Arbeiter, und dieser wurde natürlich entlassen. Die Inspektoren müßten zur strengsten Geheim- Haltung der Beschwerden angehalten werden. Vom Oberbergamts- Bezirk Dortmund wurde einen, Arbeiterbeisitzer, einem sehr ver- „llnftigeu und ehrenwerten Mann, der sich erkundigte, wann die Bera-Gewerbcgerichtswahl stattfinden würde und ivelche neuen AussührungSbcstimniungen erlassen seien, eine schnöde Antwort zu teil, Auskunft erhielt er nicht.(Hört! hört! bei den Socialdemo- kraten.) Die Behörden sind doch zum Schutze der Arbeiter da!— Während die Löhne der Arbeiter zurückgingen, sind bei einzelnen Bcrgwerks-Gesellschasten die Ueberschüsse gestiegen. Herr Hilbck hat also gar keine Urfache, von den großen Lasten der Berqwerks-Besitzer zu sprechen. Redner führt aus einer Reihe von Geschäftsberichten von Bergwerks-Gesellschafter, den Beweis, daß die Dividenden ae- stiegen sind. Manche Gesellschaften nehmen direkt unrichtige Be- rcchnungcn vor, um ihre Selbstkosten der Steuerbehörde gegenüber zu erhöhen. Ein großer Mißstand ist weiter das Straswefen auf de» Gruben. Einzelne Zechen haben bis 2000 M. Sttafen im Jahre verhängt. Diese Summen fallen dann den berühmten Wohl- fahrtskassen zu. Auch die christlichen Bergarbeiter beschweren sich über das Straf-Uuloesen. Auf einer Zeche wurde ein Arbeiter von einem Beamten so geschlagen, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Trotzdem wurde er mit seinen Ansprüchen von der Knapp- schaftskasse abgewiesen mit der Bemerkmig, er habe sich als Pole an dem betreffenden polnischen Gedenktag, an dem die Sache vorfiel, gewiß besonders aufgeregt und sei über deu Sttang geschlagen. Das war aber absolut nicht der Fall. Zu alledem kommen Einstellungen der Förderung, Lohnreduktionen und Feierschichten! Das ist das Bild, das uns sich bei Bettachtung der Lage der Bergarbeiter darbietet. Endlich komme ich noch auf die Wurmkrankheit der Bergarbeiter. Die zum Schutze der Bergarbeiter erlassene Verordnung vom 12. März 1900 wird wenig beachtet. Und doch ist die Beseittgung dieser Krankheit sehr leicht.(Abg. Franken: So?!) Jawohl, Herr Franken, es muß nur Geld aufgelvandt werden. Aber lange ist so gut wie nichts geschehen. Erst seitdem die Wurmkrankheit in gcfahr- drohender Weise überhand genommen hat, hat sich ein Ausschuß von Werkverttetern, Knappschaftsältesten, Berttetern des Bergamtes und einzelnen Aerzten, der sogenannte„Wurm-Ausschuß" gebildet. Des näheren werde ich auf diese gefährliche Seuche beim Etat des Gefundheitsamtcs eingehen. Redner verliest daraus ein ärztliches Gutachten über die Entstehung und die Gefahren der Wurmkrankheit. Die Krankheit erzeugt Blutannut, sie vergiftet das Blut. Ein Kranker kann 1000 und mehr Würmer beherbergen. Ein sachverständiger Arzt verlangte Desinfektoren zur Bcaufsichttgung der Kübel. Bis jetzt sind selbst die notwendigsten hygienischen Maßnahn, en verabsäumt worden. Die Berichte der Bcrginspettoren konstatieren ttotz der enormen Ausbreitung der Krankheit:„Es wurden einzelne Fälle von Wurmkrankheit entdeckt, denen wirksam entgegengetreten wurde". „Der Gesundheitszustand war normal" usw. Ich hoffe, daß die Re- gicrung dieser Frage immnehr die nötige Anfmerksamleit schenken >vird und so gut, wie sie Maßregeln dagegen getroffen hat, daß die Viehseuchen vom Auslände eingeschleppt werden, auch Maßnahmen zum Schutze der deutschen Arbeiter trifft, deren Leben und Gesund- heit doch ebenso viel wert ist, ivie das von Schweinen und Ochsen. (Bravo I bei den Socialdenlokaten.) Sächsischer Geheimrat Dr. Fischer: Mit dem Vorredner' habe ich nicht bloß ein Hühnchen, sondern sogar ein großes Huhn zu pflücken, nicht nur wegen seiner heutigen Rede, sondern besonders wegen früherer Ausführungen. Herr Wurm hat darauf hingewiesen, daß in dem sächsischen Jnspekttonsbericht jeder größere socialpolitische Ueberblick fehle. Höchstens seien einmal ein paar abfällige Bemerkungen über Arbcitcrorganisattonen zu finden. Demgegenüber verweise ich darauf, daß der Staatssettetär die Jnspettoren angewiesen hat, sich größerer socialpolittscher Aus- einandersetzungcn zu enthalten. Dam, hat uns Herr Wurn, ausnahmsweise ein Lob gespendet und betont, daß ein sächsischer Gcwerbc-Jnspektor in eine», Arbeiterverein einen Vortrag ge- halten hat; ftüher sei dies verboten gewesen. Hierin irrt Herr Wurn,. Bei dem bisherigen Verhältnis zwischen Gewerbe-Jnspektor und Arbeitern, war eS selbstverständlich ausgeschloffen, daß die Gewerbe- Inspektoren in solche Versammlungen gingen. Ich freue mich, daß das Verhältnis nun ein besseres geworden zu sein scheint. Jeden- falls haben die Arbeiter den Gewerbe-Jnspektor aufgefordert und er ist ihrer Aufforderung bereitwillig gefolgt. Herr Müller-Mciningen hat eine angebliche Aeußerung deS Dresdener Oberbürgermeisters Beutler anaesührt:„Herzensbildung und Geistesbildung der Frau erzeuge Uevelmenschen!" Ich bin nicht in der Lage, die Richtigkeit dieser Behauptung„achzichrüfen. Jedenfalls kann der AuS- spruch dem Sinne nach nur so gelautet haben, daß Geistesbildung auf Kosten der Herzensbildung Ucbermcnschen erzeuge. Herr Miiller-Meiningen hat dann im Anschluß daran bemerkt, er wisse, daß es in Dresden viele Damen gebe, die Herzensbildung mit Geistesbildung vereinten. Im Namen der Damen Dresdens danke ich dem Herrn Abgeordneten für diese Anerkennung.(Heiter- keit.)— Herr Horn hat dann im Gegensatz zu dem Bericht eines sächsischen Gewerbe-Jnspektors behauptet, daß die Akttengesellschaft für Glasindusttie in Dresden das Koalittonsrecht ihrer Arbeiter be- schränke. Vor mir liegt eine Erklärung der Gesellschaft, die das entschieden in Abrede stellt, andrerseits aber betont: Wir haben das Recht, solche Arbeiter nicht zu beschäftigen, welche uns durch gehässige Agitation schädigen. Der Widerspruch in den Angaben des Herrn Abg. Horn und des Gewerbe- Inspektors wird sich also wohl auS ihrer verschiedenen Auffassung des Begriffs Koalitionsfreiheit ergeben. Auf Aeußerungen über Beschränkung der Versanm,lungSfteihe,t in Sachsen habe ich seiner Zeit erklärt, nicht mehr eingehen zu tvollen. Herr Heine meinte damals, man werde mich zwingen, Rede zu stehen. Nun, Sie können es ja versuchen.— Herr Sachse hat diesmal nur eine Beschwerde aus Sachsen vorgebracht, ein Gewerbe-Jnspektor soll in der Grube selbst die Beschwerde eines Arbeiters entgegengenommen haben. Sollte er vielleicht dem Arbeiter einen Teil des Lohnes nehmen, indem er ihn zu sich bestellte? Daß der Arbeiter entlassen wurde, dafür kam, doch der Inspektor nichts.(Lachen bei den Socialdemokraten.)— Von den fünf oder sechs Beschwerden, die Herr Sachse seiner Zeit hier vorbrachte, hat sich auch nicht eine als thatsächlich begründet erwiesen.(Hört! hört! rechts.) Unter anderm bettaf eine Beschwerde des Abgeordneten Sachse eine angebliche Aeußerung eines Berginspektors, einige Arbeiter hätten es verdient, daß sie entlassen worden seien; er selbst habe dazu bei- getragen. Es ist aber amtlich festgestellt, daß eine solche Aeußerung nicht gefallen ist. Konnte man in diesen und andern Fällen an- nehmen, daß Herr Sachse von seinen Gewährsmännern getäuscht worden ist, so hat er in eine», andern offenbar fahrlässig gehandelt. Er sprach davon, daß ein Berginspektor der Schwiegersohn eines Bergwerksleiters sei; dies Verhältnis müsse zu Begünstigungen usw. führen. Herr Sachse hat aber nicht erörtert, daß der Bergwerkslcitcr in einem ganz andern Bezirk ansässig ist als fein Schwiegersohn. (Hört! hört! rechts.) Die sächsische Regierung wird die Ehre ihrer augearifsenen Beamten stets verteidigen und den, Abg. Sachse, falls er wieder Beschwerden über sächsische Verhältnisse vorbringt, scharf auf die Finger sehen.(Beifall rechts.) Preußischer Geh. Oberbergrat Meißner giebt eine Uebersicht über die Zahl der im Bergbau vorgekommenen Unfälle, die sich im Ver- hältnis zu der gestiegenen Förderung nicht vermehrt, sondern ver- mindert hätten. Im einzelnen bleibt der Redner auf der Tribüne vollkommen unverständlich. Abg. Schwarz-München(wildlib., schwer verständlich) äußert sich über die Wohnungsfrage und spricht sich gegen die Einführung des Befähigungsnachweises aus. Abg. Dr. Stockmann(Rp.) giebt seiner Freude darüber Ausdruck, daß die hohe Bedeutung der Wohnungsfrage immer mehr anerkannt lvird. Der Resolution Jäger werde ich gern zustimmen. Bezüglich der Frage des übermäßigen Alkoholgenusses möchte ich dem Wunsche Ausdruck geben, daß das Gesetz gegen die Trunksucht endlich den, Hause vorgelegt werden möge.— Herr Pens hat Klage geführt, daß das preußische Gesetz, welches den Ungehorsam ländlicher Arbeiter bestraft, noch immer nicht aufgehoben sc,. Durch dies Gesetz werde dem ländlichen Arbeiter das Streiken unmöglich gemacht. Dahinter steckt der Jammer der Socialdomokratie, daß es ihr noch immer nicht gc- lnugen ist. die Landarbeiter für sich zu gewinnen. Gciviß würde sie leichtere Arbeit bei ihnen haben, wenn das uneingeschränkte Koa- litionsrecht für die Landarbeiter bestände und sie würde sie auch leichter zu Streiks anstiften können. Aber zur Besserung ihrer Lohn- Verhältnisse bedürfen die ländlichen Arbeiter gar keiner Streiks. Das beweist die große Steigerung der Löhne während der letzten 30 Jahre, die fast an die Grenze dessen gehen, was von unsrer in ungünstigen Verhältnissen lebenden Landwirtschaft verlangt werden kann. Die Socialdemokratie verlangt für die ländlichen Arbeiter höhere Löhne und für die industriellen Arbeiter billigeres Brot, also für die Landwirtschaft Steigerung der Produktionskosten und zugleich Ver- Minderung der Einnahmen. Dieser Widerspruch rührt Sie(zu den Socialdemokraten) nicht, Ihnen kommt es nur darauf an, Forderungen aufzustellen, die den Arbeitern angcnch», in die Ohren klingen. Heute tragen viele ländliche Arbeiter ihr Geld auf die Sparkasse. Unter socialdcmokratischer Führung würde das bald anders werden, denn die Socialdemokratie hat kein Interesse daran, daß die Arbeiter etwas besitzen, sie könnten dann zufrieden werden. Erhielten sie tvirklich etwas uichr Lohn durch Stteiks, so würde das auch nicht ihrer, sondern der Partcikassc zu gute kommen.(Lachen bei den Socialdemottaten.) Diese besteuert die Arbeiter prozentual weit mehr als irgend ein Staat oder eine Kommune ihre Steuerzahler.(Sehr richtig! rechts.) Mein Wahlkreis Ivar einmal socialdemokrattsch vertrete,, und es ergab, daß in dem Wahlbezirk, zu dem das Gut»„eines Vaters gehörte. fast alle Arbeiter socialdemottattsch gewählt hatten. Mein Vater fragte darauf einige der älteren Arbeiter, weshalb Sie einen Socialdemokraten gewählt hätten. Die Arbeiter antworteten:„Warum soll wi dat„ich mal verscuken, sie ver- spräken uns ja so viel!"(Heiterkeit.) Das ist der Grund. warum»nanche Arbeiter für Sie(zu den Socialdemokraten) stimmen. Die drei Jahre bis zur nächsten Wahl hatten aber völlig genügt, die Arbeiter aufzuklären. Sie wußten nun, daß es doch besser sei, ihre Groschen zur Sparkasse zu bringen, als zu der Nimmersatten sozialdemokratischen Parteikasse. Ein Streik der landwirtschaftlichen Arbeiter könnte leicht die Folge habe», daß die ganze Ernte verdirbt. Das wäre ein Schaden fiir das ganze Land. Deswegen muß die Gesetzgebung Borsorge siir solche» Äontraktbruch treffen. Wir müssen daher dasür sorgen, daß auch in denjenigen Teilen des Deutschen Reiches, wo ein Gesetz über die Bestrasimg des Konttaktbruches ländlicher Arbeiter noch nicht be- steht, ein solches eingeführt wird. Abg. Hoch beschwerte sich darüber, daß ein Landrat in der Neumark die Kriegervereine seines Bezirkes zusammen- berufen und ihnen gesagt habe, sie dürfen keiner Gewerkschast beitreten. Die Kriegervereine stehen unter dem Wahlspruch: „Mit Gott für König und Vaterland!" Die Socialdemottatie aber ist bestrebt, Religion, KönigStteue und Vaterlandsliebe ans den Herzen ihrer Anhänger zu entfernen. Ein Kriegervereins-Mitgkicd bricht die Treue, wenn es irgendwie socialde», akratische Bestrebungen unterstützt, sei es auch nur durch Beittitt zu einer socialdemokratischen Gewerkschaft. Die Kriegervereine müssen der scste Fels bleiben. an dem sich die Wogen der Socialdemottatie brechen!(Bravo! rechts.) Abg. Enlcr(C.): Die Einführung des Befähigungsnachweises ist nicht so unausführbar, wie Staatssekretär Graf Posadowsky meinte. Abg. Zubcil(Soc.): Gegen ein Trunksuchtsgcsctz, wie es Dr. Stockmann vorschlug. haben wir Socialdemottaten nichts einzuwenden. Wichtiger aber ist die Einführung einer vernünftigen Arbeiterschutzgesetzgebung, Ber- kürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Löhne.(Sehr richtig, bei den Socialdemokraten.) Sonst wird sich die Trunksucht nie aus der Welt schaffen lassen. Die Forderung des KoalitionsrcchtrS für die Landarbeiter hält Dr. Stockincmn fälschlich für ein Scheinmanöver der Socialdemokratte. Er meinte, eS käme uns nur darauf an, die Stimmen der ländlichen Arbeiter zu gewinnen. Bei den nächsten Wahlen aber wird Dr. Stockmann sehen, daß wir aus dem Lande ailch ohne das Koalittonsrecht weitere große Fortschritte machen werden. Wetter behauptete Dr. Stocknmnn, die Arbeiter müßten mehr Beittäge an die socialdemottattsche Partei- kasse als Steuern an Sraat und Kommune bezahlen. In Sachsen, wo die stärkste socialdemokrattsche Organisation besteht, hat die socialdemokrattsche Partei im letzten Jahrzehnt pro Kopf der Be- völkerung 20,3 Pf. jährlich an die Parici-Hairptkasse aufgebracht. I», besten Falle»verde,, in unsrcn Wahlvereinen pro Woche 10 Pf. an die Parteikasse bezahlt, in Berlin bezahlen wir im ganzen Monat 25 Pf. Bei- trag. Die Socialdemokratte verspricht den Arbeitern nichts. Sie besitzt nichts und kann daher nichts versprechen. Sie fordert nur die Ar- beiter auf, sich in ihrer cignci, Organisation zusammcnzuthun und ihr Recht zu vertreten. Herr Stockmai», behauptete, bei der nächsten Wahl hätten dann die Arbeiter,»veil von den Versprechungen nichts eingetroffen sei, Ivieder nicht socialdemokrattsch gewählt. In der That wurde aber den Arbeitern vor der Wahl im Jahre 1877 angedroht, eS würden un- barmherzig so viel Arbeiter vom Gut getrieben, wie viel social- demokratische Stimmen sich in der Urne finden würden.(Hört! hört! bei den Socialdeniokratc,,.) Wenn Sic mit solchen Mitteln kämpfen, ist eS freilich nicht zu verwundern, loenn die Arbeiter aus Not nicht Iviedcrsocialdemokrattsch wählen. Wir versprachen den Arbeitern damals, dafür zu sorgen, dah die Leibeigenschaft aufgehoben werde. Wenn Herr Stockmann es sich zum Verdienst anrechnet, dafiir gesorgt zu haben, das; die Arbeiter ihr ganzes Leben lang Knechte bicibe» müssen— wir beneiden ihn nicht darum.— Wir vertrösten die Arbeiter aller- dings nicht auf das Jenseits. Wir empfehlen ihnen, sich schon in diesem verdammten Jammerthal recht viel Znckercrbsen zn der schaffen und es Herrn Stöcker gleich zu thun, der es auch verstanden, sich das Leben hier so angenehm wie möglich zu machen. Er muh wohl nicht so ganz sicher gewesen sein, daß, wenn er in das Himmelreich kommt, es ihn, ebenso gut geht.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Herr Stötzcl hat neulich ein Citat aus dem„Vorwärts" ver- lesen, in dem die gewerkschaftliche und die politische Organisation ihrem Wesen nach verglichen werden. Diese Ausführungen haben aber niemals im„Vorwärts" gestanden.(HörtI hört! bei den Socialdemokraten.) Herr Stötzel hat also hier offenbar wider besseres Wissen, mit Absicht ein Citat verlesen, von dem kein Wort iin„Vorwärts" enthalten war. Ich will nicht sagen, wie man das anderweit im täglichen Leben nennt. Auch Herr Stöcker hat socialpolitische Gedanken geänhert. Aber Abg. Stöifcr selbst beutet die Kinder seiner Kurrende in einer Weise ans, wie es in einer Fabrik kaum jemals vorkomint. Ja, er scheut sich nicht, die Kinder in Lokale mit Danlenbedienung zu schicken, da- mit sie dort singen und Geld in Empfang nehmen— alles zur höheren Ehre Gottes! Ein solcher Mann hat nicht das Recht, sich als einen Freund der Socialpolitik aufzuspielen. Abg. Gamp suchte die Wohnungsverhöltnisse auf dem Lande zu verteidigen. Sehen Sie(nach rechts) sich kurz hinter Königswuster- Hausen bei einem Standcsgenosscn einmal die Arbeiterwohnhänser an. Dort giebt es keine Glasfenster, sondern die Fenster sind mit Papier verklebt. Im Parterre giebt cS keinen Fußboden uslv. Auch bei einem Herrn von Oldenburg sollen die Verhältnisse nicht anders stehen. Ein verheirateter Arbeiter erhält dort pro Jahr 00 Wl, dazu als Deputat ein Stück Kartoffelland, das er am Sonntag bestellen darf. Die Wohnung ist ganz verwahrlost; die Decke besteht aus Brettern, der Keller ist unbrauchbar. Ein andrer Standcsgenosse von Ihnen(nach rechts), auch nicht weit von Berlin, hat ebenso schlechte Arbeiterwohnungen auf seinem Gute. Herr Gamp sollte also mit seinem Lobe etwas vorsichtiger sein. Gegenüber Herrn Pauli nur wenige Worte. Er will Arbeiter- schütz, aber bei Leibe nicht in schnellem Tempo! Er hält die sociale Fürsorge, die heute den kranken Arbeitern aus den Mitteln der Ver- sichernngSanstalten zugclvandct wird, für viel zn weitgehend; die Genesungsheime sind ihm zu luxuriös. Er fürchtet wohl, an den Kalbskeulen, die er erwähnte, möten sich die Arbeiten den Magen verderben. Aber für die in der Genesung befindlichen Arbeiter sind die besten Speisen gerade gut genug l DieBerordmmg für die Ziegelei-Arbeiter läuft am 31. Dezember 1003 ab. Der Staatssekretär hat uns nichts davon mitgeteilt, ob sie erneuert Iverden soll. Inzwischen hat die Regierung Erhebungen über die Arbeitsverhältnisse besonders der jugendlichen Ziegelei- Arbeiter angeordnet. Die Aufsichtsbcamten empfehlen erhebliche Herabsetzung der Arbeitszeit für jugendliche und weibliche Arbeiter in den Ziegeleien. Noch heute werden viele Kinder in allen Teilen Deutschlands in den Ziegeleien ausgebeutet, die Frauenarbeit ist noch sehr verbreitet und die Arbeitszeit bewägt trotz der Verordnung 16—18 Stunden. Vielfach müssen noch Männlein und Weiblein, Verheiratete und Ledige durcheinander in der Nacht beisammen schlafen. Das liegt sicher nicht im Interesse der Sittlichkeit. Um diese skandalösen Zustände zu beseitigen, müssen strengere Mahnahmen gegen die Unternehmer getroffen werden. Heute aber stellen sich die Gerichte fast stets ans die Seite der Unternehmer, höchstens Iverden Strafen von 6 bis 20 Mark verhängt, die natürlich ohne Wirkung bleiben. Die Arbeiter empfinden das als Parteilichkeit.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Vicepräsident Büsing: Herr Abgeordneter, ich kann nicht zulassen, dah Sie dem deutschen Richterstand Parteilichkeit vorwerfen. Ich rufe Sie wegen dieser Ausführung zur Ordnung.(Bravo I rechts.) Abg. Zubeil(fortfahrend): Eine Kammgarn-Spinnerei hat die Erlaubnis erhalten, inner- halb 60 Tagen bei 80 Arbeitern über 23 000 Ueberstundcn zu machen und zwar jeden Abend 2 Stunden! Was nützen da alle Verordnungen und Gesetze! Auch hier in Berlin haben wir in den Grohnmhlen eine 18stündige Arbeitszeit und eine fast regelmäßige SonntagSarbeit. Wie die Landes-Polizeibehördcn Bundesrats-Verordnungen achten, dafür nur ein Beweis. Am 3. März v. I. sind die Gastwirtsgehilfen in Berlin beim Polizeipräsidium eingekommen, es möge doch endlich gemäß der Bundesrats- Verordnung vom 21. Januar die neunstündige Ruhepause durch amtliche Ver- ordnung in Berlin eingeführt werden. Eine Antwort aber wurde den Gastwirtsgehilfen nicht zu teil; statt dessen hat das Polizeipräsidium die Petition den Gastwirts- Innungen über- reicht(Hört I hört I bei den Socialdemokraten) mit der Auf- forderung, sich darüber zu äußern. Ani 21. Dezember be- schwertcn sich die Gastwirtsgehilfen beim Oberpräfidenten. Aber sowohl Polizeipräsidium wie'Oberpräsidium schweigen noch heute! Wenn das am grünen Holz geschieht, wie mag es da erst draußen im Lande aussehen.—'�Als,'.wir die Arbcitsloscnfrage hier behandelten, hatten sich die Berliner Gewerkschaften an den Reichs- kauzler gewandt mit der Aufforderung, ihnen aus Reichs- Mitteln eine Unterstützung zukommen zu lassen. Dies geschah am 17. Januar 1302. Erst am 13. Juni 1802 hat der Reichskanzler die Gewerkschaften einer Antwort gewürdigt und wie lautete die Antwort:„Für die gefällige Mitteilung der auf die Arbeitsloscnstatistik bezüglichen Tabellen danke ich verbindlich. Wegen des in der Eingabe vom 14. Miirz erwähnten angeblichen Geheimerlasses des königlich preußischen Justiz- Ministers, dessen Existenz im preußischen Abgcorduetenhause ausdrücklich verneint wurde, stelle ich anHeim, etwaige Vorstellungen an den genannten Minister zu richten. Zur Gewährung von Geld- beihilfen an Gewerkschaften stehen mir Mittel nicht zur Verfügung. — �Reichskanzler— Reichsamt des Innern."— Was würde der Ver- band der Industriellen dazu sage», wenn er so behandelt würde. (Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Es mag Ihnen(zur Mehrheit) unangenehm sein, wenn Tag für Tag von dieser Stelle aus die Beschwerden der Arbeiterklasse hier der großen Oeffcntlichkeit unterbreitet werden. Aber steter Tropfen höhlt auch hier den Stein, unsre unausgesetzte Kritik zwingt Sie doch dazu, eine etwas ernsthaftere Socialpolitik für die deutsche Arbeiterschaft zu machen. Wir fürchten uns nicht_ vor den Reichstagswahlen; wir wünschten, sie möchten morgen stattfinden, die Socialdemokratie ist für den Kampf gerüstet I Dann wird sich zeigen, wer sich bei der deutschen Arbeiterschaft Vertrauen erworben hat, die Socialdemokratie oder Sie.(Beifall bei den Social- demokraten.) Darauf vertagt sich das Haus. Persönlich bemerkt Abg. Pauli-Potsdam(k.): Ich habe mit keinem Wort gesagt, daß bei den Heilanstalten der Invalidenversicherung, namentlich in Beelitz, das Essen zn reichlich sei, sondern nur, daß dort das Essen vielfach in einer Weise verwandt werde, die nicht zu billigen sei. Herr Zubeil sollte erst einmal richtig zuhören lernen. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr.(Fortsetzung der heutigen Be- ratung.) Schluß 6V2 Uhr._ Hbgeordmtcnhaui. 23. Sitzung vom Dienstag', 17. Februar, 11 Uhr. Am Ministertische: Möller. Die zweite Lesung des Etats wird benn Etat der Handels- und Gewcrbrvcrwnttung fortgesetzt. Abg. Dr. Barth(frs. Vg.) macht darauf aufmerksam, daß die Einnahmen aus den staatlichen Bcrnsteinwcrkc» einer bedeutenden Steigerung fähig wären, wenn etwas weniger burcaukratisch und mehr kausinännisch verfahren werde. Bei den Ausgaben(Titel 1„Ministergehalt") liegt vor eine Resolution Oeser(frs. Vp.), den zollfreien Bcredclungs- verkehr in folchcn Fällen zu gestatten, in denen durch verschiedene Bemessung der Preise für inländische Rohstoffe und Halbfabrikate, je nachdem es sich um den Absatz im Inland oder Ausland handelt, preußischen Unternehmern die Ausfuhr ihrer Erzeugnisse unmöglich gemacht wird. Abg. Dr. Oeser(frs. Vp.) begründet diese Resolution. Ich bitte, in der Resolution nicht mehr zu lesen, als wirklich darin steht. Es soll die Verarbeitung ausländischen Rohmaterials im In- laude soweit wie möglich ausgedehnt werden, um einen Schutzwall gegen das Verwerfliche einzelner Kartelle zu haben. Herr Hirsch-Essen hat vor kurzem gemeint, das Bestehen von Kartellen müßten auch die Arbeiter mit Freuden begrüßen. Ich will zugeben, daß in Zeiten der Hochkonjunkttlr die Kartelle keine Veranlassung haben, niedrige Arbcitolöhne zu zahlen. Der Arbeitslohn wird ein- fach auf den Preis geschlagen. Anders liegt es aber in Zeiten der Krifis. Dann werden sich die Kartelle so schadlos wie möglich zu halten suchen; in erster Linie wird dann an den Arbeitslöhnen gc- spart.(Sehr richtig! links.) Das Vorgehen des Eisen- kartells, dcS Textilkartells, des Spinnerkartells usw. beweist, daß überall die gleichen Manipulationen vorgenommen werden, und daß ein Einschreiten des Staates nötig ist. Auch der Zeitpunkt zn einer Acndernng ist sehr günstig. Wir stehen vor dem Inkrafttreten eines neuen Zolltarifs, von dem lvir annehmen, daß er eine internationale Anschwellung der schutzzöllnerischen Bewegung zur Folge haben wird. Um so niehr muß unser Bestreben dahin gehen, unsrer inländischen Industrie möglichst billige Rohstoffe zu verschaffen. Nun hat man im Reichstag versucht, diese Frage zu lösen durch Einfügung einer Kartellklauscl in das Zolltarif-Gesetz. Dieser Versuch ist aber leider nicht geglückt. Hier liegt, wie ich glaube, ein Punkt vor, wo Schntzzöllncr und Freihändler zusammen gehen können. Preußischer Handelsminister Möller: Der Antrag Oeser stößt eigentlich offene Thüren ein. Schon heute wird in jedem einzelnen Falle genau geprüft, ob es im Interesse der inländischen Industrie liegt, den zollfteien Veredelungsverkehr zuzulassen. Ich habe im Namen der Regierung zu erklären, daß, wo durch die erhöhten Zölle eine schädigende Wirkung eintreten könnte, wir für die verarbeitenden Industrien in weitgehenderer Weise als bisher den zollfreien Ver- edclungsverkchr zulassen werden. Ich kann deshalb nicht einsehen, daß die Annahme des Antrags Oeser irgendwie notwendig ist. In der Sache sind wir alle einverstanden. Abg. Borstcr(fk.): Der Abg. Ocser hat heute wieder von den verwerflichen Manipulationen des Spinncrei-KartellS gesprochen. Erstens hat dieses Kartell nur IVz Jahre bestanden und zweitens müßte jeder, der im industriellen Leben einigermaßen Bescheid weiß, wissen, daß die Spinnerei in Deutschland Not leidet.(Sehr richtig! rechts.) Auch mit dem Schienen-Kartell hat sich Herr Oeser geirrt. Minister Budde hat in der Budgetkomniission ausdrücklich anerkannt, daß er mit dem Schienen-Kartell durchaus zufrieden ist. Herr Ocser hat sich wieder darüber beklagt, daß die Kartelle nach dem Auslande billiger verkaufen als nach dem Inlands. Nun kann es dem inländischen Konsumenten doch ganz gleichgültig sein, was fiir Preise die Kartelle in Dokohama oder San Fraucisco nehmen.(Widerspruch links.) Herr Oeser muß uns immer erst noch beweisen, daß der inländische Konsument dadurch geschädigt wird. Der Gedanke, daß deutsche Industrielle sich nach Holland begeben könnten, ist unsinnig. Es giebt keinen deutschen Industriellen, der in ein Land gehen wird, wo er sich die Bedingungen von den Arbeiterorganisationen aufzwingen lassen muß.(Sehr richtig I rechts.) Wenn Herr Oeser der exportierenden Industrie nützen will, so möge er den Einfluß auf seine Freunde im Reichstage dazu benutzen, daß sie die Anträge auf Verkürzung der Arbeitszeit und andre socialpolitische Anträge, die die Exportindustric schwer belasten würden, ablehnen. Durch jene Anträge würde die Exportindnsttie einfach ruiniert. Den ganz unbestinimt gefaßten An- trag Oeser bitte ich abzulehnen.(Bravo! rechts.) Abg. Hirsch-Essen(natl.) bittet ebenfalls um Ablehnung des Antrages Oeser. Wenn der inländische Konsument teurer kaufe als der ausländische, liege dies oft daran, daß er es versäumt habe, in der Zeit der absteigenden Preise zu kaufen. Abg. Gothcin(frs. Vg.): Den inländischen Konsumenten gehen die Auslandspreise der Kartelle dann sehr viel an, wenn er mit einem Teil seiner Produktion auf den Auslandsmarkt angewiesen ist und dort nicht konkurrieren kann, weil das Ausland Kohlen oder das Eisen billiger kauft als er selbst. Die Anträae auf Verkürzung der Arbeitszeit sind nicht von den Freisinnigen gestellt worden, sondern außer von den Socialdemokraten vom Centrum. Der Minister nannte den Antrag Oeser formlos, er meinte, der Antrag renne offene Thüren ein. Wenn das wirklich der Fall ist, dann könnten doch die Herren Vorster und Hirsch für ihn stimmen. Herr Hirsch machte den Konsumenten den Vorwurf, daß sie sich nicht rechtzeitig gedeckt haben. Gerade das Kohlcnsyndikat, das Coakssyndikat, der Roheisenverband und der Halbzeugvcrband haben die Abnehmer zu laugen Abschlüssen mit den hohen Preisen gezwungen. Die Streiks in Holland werden deutsche Unternehmer nicht abhalten, ihre Fabrikation nach Holland zu verlegen, wenn sie dort die Rohmaterialien billiger erhalten. Der Binnenschiffsbau hat sich vom Niederrhein ganz nach Holland gezogen. Abg. Herold(C.): Mit der verschiedenen Preisbeniessung für Inland und Ausland ist häufig Mißbrauch getrieben worden, aber es wäre falsch, diese doppelte Preisbemessung unter allen llmständen zn ver- werfen. An sich sind die Kartelle berechtigt. Nur dem Mißbrauch muß ent- gegengetretcn werden. Da sind gesetzgeberische Maßnahmen am Platze. Der Minister hat sich in Hannover gegen solche Maßnahmen ausgesprochen. Es wäre vorsichtiger gewesen, wenn der Minister erst die'Enquete abgewartet hätte. Gerade die Kartelle machen eine ge- setzliche Festlegung der Arbeitszeit erforderlich. Auch der Aufruf des Handelsministers an die gewerbliche Bevölkerung hat mich merkwürdig berührt. Er ist doch nicht nur Handelsministcr. sondern Staats- minister. Es geht zu weit, wenn ein Ressortniinister die Berufsstände zur Agitation auf die Schanzen ruft. Handelsniinisler Möller; Durch meine Rede in Hannover habe ich das Mißfallen des Abg. Herold erregt. Ich meine, wo ich im Kreise meiner Berufs- und Fachgcnojscn rede, brauche ich ans meinem Herzen kein Hehl zn machen. So habe ich mich den Kauflenten in Hannover gegenüber offen ausgesprochen. ihnen das Beispiel der Landwirte vorgeführt, die ihre Berussinteressen kräftig zu wahren verstehen und ihnen gesagt, sucht Eure Wünsche zur Geltung zu bringen durch Männer. die Eure Interessen im Parlament vertreten.« Denn wir sind nur die Exekutive, wir müssen mit den thatsächlichen Machtfaktoren im Parlament rechnen. Herr Herold hat dann gegen meine Aenßcrnng über die Kartell-Gesetzgebung polemisiert. Ich habe meine Meinung dahin ausgesprochen, daß ich gesetzgeberische Maßnahmen gegen die Kartelle kaum für wirksam halte. Man müßte dann unter Strafe stellen, daß Menschen sich zusammcnthun. Herr Herold hat mich im Reichstag angegriffen, weil ich mich in einer Rede in Köln gegen den Maximal-ArbeiMag erklärt habe. Nach meiner Ueberzeugung kann ein Aufsteige» aus nuteren nach oberen Regionen nicht erfolgen, wenn die Arbeitskraft des erwachsenen Mannes beschränkt wird. Ich halte es socialpolirisch für wichtiger, die Möglichkeit dieses Aufschwunges frei zn lassen, als ihn durch Beschränkung der Arbeits- zeit zu unterbinden. Etwas andres ist es aber, ob ich in Köln meine Privatmcinung ausspreche oder hier als Minister und Ver- treter der StaatSregieruug spreche. Ich halte die Frage der Arbeits- zeit-Verkürzung für so wichtig, daß ich meine Meinung nicht wie einen Rock ablege» kann in dem Augenhlick, wo ich Minister geworden bin.(Beifall bei den Nationallibcralcn.) Abg. Dr. Friedberg(natl.): Gerade die Aufforderung, die Berufsinteressen zu wahren, ist Aufgabe des Ressortministers. Be- sonders Fürst Bismarck hat die verschiedenen Bcrufsstände znr Ver- tretnng ihrer Berufsinteresscn aufgefordert. Herr Herold hat die Aeußernngcn des Handelsministers etwas unvorsichtig genannt. Ich habe noch nie gehört, daß er einen ähnliche» Borwurf gegen den Landwirtschaftsminister erhoben hat.(Große Heiterkeit.) Es ist wohl kein Zweifel, wer in seinen Aenßeruugen mworsichtiger ist der Handelsminister oder der Landwirtschaftsminister. Wenn ein Minister ini Kreise seiner ehemaligen Berufsgcnossen spricht, so knöpft er eben seinen ministeriellen Rock etwas auf. Abg. v. Hcydcbrand und der Lasa(k.): Im Namen meiner politischen Freunde muß ich doch einige Bedenken gegen die Acnßc- rnngen des Handelsministers und seine Rechtfertigung erheben. Wir haben hier die Empfindung, wenn überhaupt etwas weniger an schönen Reden geleistet würde. Die Minister sollten sich doch nicht bloß als Ressortminister fühlen, sondern auch bedenken, daß sie als Staats- minister der Teil eines festgefügten Ganzen sind und als solche Be- denken tragen, den Rock zu weit zu öffnen. Ihr Wort gewinnt sicherlich an Wert, wenn cS seltener eingesetzt wird. Im ganzen wäre also eine größere Zurückhaltung wünschenswert. Handelsminister Möller: Ich bin dem Vorredner dankbar für die konziliante Art und Weise, wie er dem Mißfallen über meine Rede Ausdruck gegeben hat. Ich kann nur sagen, ich spreche nicht zn meinem Vergnüge», sondern aus Zwang. Wir müssen bei solchen Gelegenheiten antworten, und nur mit Redensarten zu antworten, fällt mir sehr schwer.(Heiterkeit.) Aber ich gebe zu, man kann verschiedener Meinung darüber sein, ob ich bei meinen Reden immer richtig vorgegangen bin. Den Vorwurf kann ich aber zurückweisen, daß ich mit meinen Reden irgendwie die Einheit des Staatsministerinms gestört hätte. Ich habe mich mir zu Fragen geäußert, in denen ich mich schon früher ganz prononciert geäußert habe. In Bezug auf die Kartelle habe ich nur meine persönliche Meinung gesagt, die mich nicht gehindert hat, alles zu thun, um die Enquete mit herbeizuführen. In dem Appell an die Kaufleute, sie sollten_ für bessere Vertretung ihrer Berufsintcressen ini Parlament sorgen, kann ich kein Kapitalverbrechen erblicken. Es ist notwendig, daß so etwas aus- gesprochen wird. Sie(nach rechts) habe ich dabei als leuchtendes Vorbild hingestellt, wie Sie es verstanden haben mit Hintansetzung Ihrer persönlichen Interessen Fachinteresscn zn vertteten. Die Lektion, die Sie mir heute erteilt haben(Heiterkeit), werde ich mir aber zur Warnung dienen lassen. Freilich niemand kann aus seiner Haut heraus. In vielen Dingen denke ich anders, als Sie(nach rechts). Das wußten Sie ja auch und trotzdem haben Sie mich bei memem Amtsantritt freundlich begrüßt. Sie können auch versichert sein, daß ich bei meinen Entscheidungen stets vollste Objektivität be- wahren werde.(Beifall.) Abg. Dr. Sattler(natl.): Auch ich würde es für besser halten, wenn weniger geredet würde. Das gilt aber nicht nur für Minister, sondern auch für Parlamentarier und auch für die Freunde des Herrn v. Heydebrand. Die Einheit des Staatsministeriums ist vom Handelsminister in keiner Weise gestört worden. Herr v. Heydebrand hätte seine Rede besser beim Titel„Ministerpräsident" gehalten. Sie wäre da uin so angezeigter im Hinblick auf die letzte offiziöse Kundgebung, in der es hieß, die Regierung werde wohl gegen den Bund der Landwirte nicht Stellung nehmen, aber wie sich der einzelne Minister zu ihm stellen werde, das bleibe abzuwarten. Vielleicht nimmt Herr v. Heydebrand bei der dritten Lesung des Etats Gelegenheit, seine Rede beim Titel „M i n i st e r p r ä s i d e n t" zu wiederholen. Abg. Herold(C.): Der Minister hat ja inzwischen selbst schon eingesehen, daß er besser etwas mehr Zurückhaltung geübt hätte. Seine Unterscheidung von Reden, die er hier und im Lande hält, kann ich nicht gelten lassen. Er spricht immer als Minister. Ob Fürst Bismarck als Minister die einzelnen Berufe zur Agitation aufgefordert hat, weiß ich nicht. Als er aus dem Amte geichicden war, hat er es gethan. Wenn er es früher gethan haben sollte, so war das eben ein Fehler, von denen ja auch Fürst Bismarck nicht ftei war. Hierauf vertagt sich das Haus. Zur Geschäftsordnung bemerkt Abg. Ocser(frs. Vp.), daß er seinen Antrag vorläufig zurückziehe. Nächste Sitzung Mittlvoch 11 Uhr.(Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß 4'/» Uhr. Den Richard Frankeichcn Ehe- leuten zu ihrer silbernen Hochzeit am 18. Februar die herzlichsten Glück- wünsche. pamilloKnogolssIein.[2-2711) SocialdeiriokralWahlverein f.ii.6.Berl.ReicIistags-Walilkreis. Todes- Anzeige. Am 15. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Kohlenhändler Johann Porada Hussitcnstr. 25. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 18. d. MtS., nach- mittags 3 Uhr, vom Traucrhausc auS nach dem St. �oebastian�- Kirchhos lRcinickendors, Humboldt- straßc) statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 216/9 I»er Vorstand. �lr�onnta�tär�m�urzem? Krankenlager mein lieber Mann, der Steindruckcr 2287b Eljuaul Engelskirchsn. Die Beerdigung sindct erst am Donnerstag, nachmittags vier Uhr, vom Krankcnhause Moabit aus nach dem Paulskirchhof statt. Die teaueenllo Ait«o. X a c h r u f! Für die vielen Beweise der Liebe nnd Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Harle Grlltz sage ich allen Verwandten, Freunden mid Bekannten, hauptsächlich dem Ecnttalvcrband der Putzer und dessen Gesangverein sür den erhebenden Gesang meinen herzlichsten Dank. 2268b Vritz Griitz. Monatlich — 10 Mark— • licscrc Anzüge, Paletots nach Matz. Per Kasse allerbilligstc Preise. Wer selbstStofs bat v. 20 M. an. j?reM J. Toniporowski, Deutscher Metallarbeiter-Verband (Verwaltungsstelle Berlin). Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Gürtler Osfersi* Hubert am 15. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet statt am Donnerstag, den 19. Februar, nachnriltags 21/a Uhr, von der Charit« nach dcni Charits-Kirch- hos, Müllerstratzc. G Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Bekanntmachung. Wegen Verlegung des KasscnlokalS nach Vus'Kstrasse lb I. bleibt die Kasse am Sonklerstag, 3. Mär; 1903 geschlossen. Berlin, den 16. Februar 1993. kr Vorstand der Betriebs-Krankenkasse der Stadtgemeinde Beriin. 271/2 I. A.: Rittershausen. jüHcbcngckirgs- GeldsCotterie I Ziehungsanfang 4. März. Gewinno= 450 OOO Markt. 1 Ganze lose all hall)eä2li.l Porto u. Liste HO Pf. extra 1 empfiehlt die Glückskollekto[ J. Rosenberg, 51 Kommandanten- Strasse 51. Dr. Simmel, I™ Spccialarzt sür(59/6* Hant- und Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10-12 2-4. 5. Siebengebirgs Geld-Lotterie. Ziehung 4. Härz er. n. folgende Tage. 12 OOO Gewinne im Betrage.tlSU»!* ljgs, Die Hauptgewinne sind: 613L 100000, 60000, 40000, 20000, 10000 M. etc. '/t Lose a 4 M., fl» a 3 M.(Porto nnd Liste 30 Pf. extra) empfehlen u. versenden auch gegen Nachnahme und Briefmarken Werner& Co., Echo Krausen-Strasse. ;?üt de» Inhalt der Inserate übernimmt d»e Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Verantwortung. I�bcatcr. Mittwoch, den 18. Februar. Ansang 71/,, Uhr: Opernhaus. Subscriptionsball. Tchauspielhaus. Gyges und sein Ring. Deutsches. Monna Vanna. Berliner. Alt-Heidewerg. Lessing. Der blinde Passagier. NeneS. Die Fliege. Vorher: Der Oberlehrer. Residenz. Lutti.(Loute.) Westen. Der Prophet. Thalia. Der Camclicnonlcl. Central. Geschlossen. Belle- Alliance. Am Telephon. Hierauf: Cupido u.(Sic. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner- Theater.) Das Geheimnis der Gilde. Schiller lV.(Fricdrich-Wilhclmstädt. Theater.) Wohlthätige Frauen. Carl Weis?. Das sechste Gebot. Buntes. Lorenzo di Medici. Luisen. Der Meineidbauer. Kleines. Nachtasyl. Triauon. Die Notbrücke. Apollo. Frau Luna. Metropol. Neuestes! Allerneuestes! Casino. Cavalloria rusticana. Palast. Berliner Lust. Specialitäten. Wintergarten. Svecialitäten. Reichshalleu. Stcttiner Sänger. Steidl. Steidl-Sängcr. Passage-Theater. Specialitäten. Passage-PanoPtikum.Specialitätcn. Urania. Taubenstrasse 48/4». Das Land Tirol. Jnvalidenstrafte S7/KS. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Central-Theater Mittwoch wegen Vorbereitung: Geschlossen. Donnerstag, den ll>. Februar 1903: Erstes Ensemble-Gastspiel der Wiener Opcretten-Gesellschast von Venedig in Wien, unter Leit. d. Dir. Gabor- Steiner. Zum erstenmal, 7'/, Uhr: Das Mädchen von der Heilsaraiee. Thalia aTheater. Dresdenerstraste 72/73. Anfang 7'/, Uhr. Der Kamelien- Onkel. Morgen und folgende Tage: Der Camelien-Onkel. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Romeo und Julia._ Luisen-Theater. Der Meilleidblnier. Ansang 8 Uhr. Morgen: Gastspiel des Opern- Theaters des Westens: Der Waffen- schmied. Freitag: Benefiz sür Hcrm. Bartels. Zum erstenmal: 0er?ail Glömenoeau. Sonnabend: Die Maschinen- baucr von Berlin. Residenz Theater Direktion: Sigmund Lautenburg. BMf Abends 7-/, Uhr:"IKt Lutti(Leute). Schwank in 4 Akten von Pierre Veber. Deutsch von Max Schönau. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnlag 12 Uhr: Liconapda. Vorher: Conference von M. George Vanor._ Trianon-Theater. Ceopgenstrasse, zwischen Friedrich- u. Universitätsstr. Die Notbrücke. Lustspiel in 3 Akten von Fred Grvsac und Francis de Croisset. Ansang 8 U h r._ Buntes Theater KSpnickerstrasse 68. ntf Abends 8 Uhr:' 4�(2 Loreoeo de Medici. Donnerstag:, den 19. Februar, bei bedeutend ormässigten Freisen. (Parkett 1,60 M.) .gMiT' Jngeinl. Mit glänzender Ausstattimg; Neuestes! Allerneuestes! Kevne in 5 Bildern von J. Freund. Musik von Victor Holländer. Gastspiel Julius Spielmann. Emil Thomas a.(r., Henri Bender. Frid Frid, FI. Sicking, HansiRcichsberg. BflF* 300 Mitwirkende."VG. Grandioses Ballett. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Kleines Theater. Unter den Uindcn 44. Anfang 8 Uhr. Nachtasyl. Schillep-Thsater. Scbiller- Theater O. (Wallner-Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Das Geheimnis der Gilde. Schauspiel in 4 Akten von August Strindberg. Deutsch von Ernst Brausewctter. Donnerstagabend 8 Uhr: Der Mleister von Palmyra. Freitagabend 8 Uhr: Wohlthätige Frauen. Urania, Taubenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr: Das Land Tirol. Sternwarte Invalidenstrasse 57,62. CASTANS Panoptikum Friedrichstrasse 165. Neu! Miss Karri die schöne Tätowierte. DM" Neu ausgestellt;'VS Otto Reutter, Gr. Promenaden-Konzert. Passage- Theater. Auf. Sonnt. 3, Woohent. 5, Abendvorst. 8 U. Ende 11 U. Ganz Berlin zerbricht sich den Kopf ober die schwebende Jungfrau. Mysteriöses Theaterstück in 1 Akt. The threeDevlls: Die Wettfahrt im Todesring. 14 erstklassige Nummern. Apollo-Theater. Heute um 8 Uhr: Frau Luna. Um O'/a Uhr: 8 erstkl. Specialitäten. SenfationcllV HlWIMO-tt (3 Neger und 3 Negerinnen) Robert Steldl aus d. Hängeboden. Donnerstag: Nakiris Hochzeit. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Frau Luna. Selte-Misnes- Theater. Allabendlich 7-/. Uhr: Am Telephon. Drama in 2 Aufzügen. 8'/. Uhr: Cnpido& Cie. Schwank mit Gesang und Tanz in _ 3 Auszügen._ Casino s Theater Lothringerstr. 37. Wochentags 8, Sonntags 7'/, Uhr. Nene Debüts! Molly Verch! KaponC! Dazu: Boun6 Atlcssy. Clnteroff izier Lehmann Cavalleria rusticana. Carl Weiss-Theater. Graste Frankfurter Strafte 132. Das sechste Gebot. 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Dahomey mit Elelanten-Scliauspielen. Clown Ghczzl. Seelöwen. Bocren als Kunstschützen. Sonnabend, den 21. Februar er., nachm. 3 Uhr: Parade-Gala-Vorst. Der Ertrag wird wohlthätigen Zwecken zugewendet. Ans dem interessanten Februar- Programm Cireling the Cire. Otto Reutter. LesDartos etc. etc. W. Noack* Theater. Direktion: Robert Dill. Brunnenst fasse 16. Mit neuer Dekoration! Mit verstärktem Personal! Die Räuber. Donnerstag: Lustschlösser. Leruitöni Rose-Theater «adstr. 58. Mittwoch, den 18. Februar 1903:' Othello, der Mohr von Venedig. Trauerspiel in 5 Akten von William Shakespeare. DM- Ansang 8 Uhr.-MV Üinch der Vorstellung: Tanz. Freitag: Das Mädel ohne Geld. Volksstück mit Gesang. Dienstag, 24. Februar(Fastnacht): Ein Sommertag in der Jungfernheide. Sanssouci Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: HolTnianns Höriiileutsehe Sänger. Nach jeder Soiree: Tanz-Kränzchen. Lott ist bot. Sensationsparodie. Säle zu Festlichkeiten. Steidl-�. Theater I Linien- Oranien- j strafte 132. burger Thor. Täglich 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 56 Pf. (Vorverkaus 40 Pf.)«perrsitz 1 M. Palast-Theater Burgstrafte 22. Früher: Feen-Palast. 8-/, Uhr. Bvi'lmvR' Luft. Zwickol..... Dir. R. Winkler. Unerreielit ist das neue Februar- Programm. Ansang 8 Uhr. Entree 50 Ps. Morgen und solgende Tage: Berliner Euft. GratweilsSierhatten Theater u. Variätä Kommandanten- Strafte 77/79. Direktion: Varl Naverland. Täglich: Gr. Torsteliung. Das grosse amüsante februar-Programm. Nur allererste Kunstkräite. Ansang der Vorstellung 8 Uhr. Jed. Sonnabend, Sonntag U.Mittwoch nach der Vorstellung: »- TAAZ.-Mß GtsellschaftslMs„Ostend" Memelerstrasto«7. 2286b Noch einige �Illlßtftgü so»- zweiter Osterfeiertag zu vergeben. C. Herzog. lleutsede RyllzertiTaltell SnanckauerBriickeZ Special- Ausschank der Berliner Bockbrauerei. Grosser Um 16 Uhr abends Einzug Gambrinus mit Gefolge. Etablissement Buggenhagen am Moritzplat«. Jeden Tag: Der schöne Mar ans Fran;.-Suchl)litj. Heute: Bockbierfest. 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Februar, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexander- Strafte Ä7c:_ HÄp* Versaiimilmig. Tages-Ordnung: 1. Fortsetzung der Beratung aus der letzten Versammlung. S. Die neue Tarifvorlage seitens der Steinmetz-Jnnung. Das Erscheinen aller Kollegen erwartet 172/3 Der Vertrauensmann. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute Mittwoch, den 18. Februar, abends 8�/« Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 13: Ncrtriiiicäsmüätr-Nttsiimmtiliig sämtlicher Kezirke und Krauchen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Gewerbe-Jnspektors Herrn Dr. Bäsch über:„Die Gewerbe-Aufsicht in Holzbearbeitungsfabriken.« 2. Werkstattstreiks und Differenzen. 3. Verbandsangelegenheiten. 78/17 Die Kollegen werden ersucht, aus jeder Werkstatt Vertrauensmänner zu entsenden. Buch nebst Vertrauensmännerkarte legitimiert. "■ Oi Die Souuabend, den 31. Februar, bei Keller, Koppensirafte; >r ts vc r wal t nng. UlaskeRt-Ball. Im MMill U- a StlnMIe Berlins und Umgegend. Freitag, den 20. Februar 1903, nachmittags 51/. Uhr, bei Franke, Sebastianstr. 39: MM" Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Vereinsangelegenheiten. 69/4 In dieser Versammlung tritt zum erstenmal der Beschluft der letzten Generalversammlung betreffend den Unterstützungssonds in 51!rajt. __ Der Vorstand. I. A.: Ferdinand Ewald. Uli IWoabiL Tonnabend, den 21. Februar 1903, im Restaurant Karolinen hoT, Plöstensee, Spandauer Schiffahrtskaual: KrvWer Wiener Wsskendsii. Zahlreichen Besuch erwartet 2284b _ Das Komitee und der Inhaber Max Brey. Cohns Festsäle, Beuthstr. 19. "" Sonnabend, den 21. Februar 1903:"1 Zur Feier des 40° Stiftimgs- Festes Gr. Wiener Maskenball veranstaltet vom Verein der Former. Aufaug 9 Uhr. 12 Uhr: DemaSkierung. 1 Uhr: Pause. Nach der Dause: Große Ueberrofchung. BilletS a 30 Pf. Zu diesem unserm 40. Stistungsjeste ladet Freunde und Gönner unsres Vereins ergebenst ein si/i DerVor stand. Das Komitee. I. A.: Wilhelm Friedrich, Schönleinstr. 22. Central-Verband der Maurer etc. Zweigverein Berlin. Donnerstag, den 19. d. M.. abends SVa Uhr» im Gewerkschaftshanse, Engel-Ufer 15; Mitglieder- Versammlung der Zabletelle Berlin(JMaurcr) und der Sektion der putzer. Tages-Ordnung: 1. Vornahme der Stichwahlen zum Verbandstag. 2. Vortrag des Genossen Manasse über: „Vom Wahn zur Wahrheit«. 136/19 ZjlM- Mitgliedsbuch legitimiert.«VE Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand» Sonnabend, den zu-februar: Feier des 26. Stiftungsfestes in den Gesamträumen der Brauerei Friedrichshain, am Königsthor. BaiitniKik. ausgeführt von zwei fcihchören. Während der Pausen: 1. Reigensahren des RadsahrervereinS Rirdorf. 2. Zitberkonzert des Zitherklubs„Edelweift". Dirigent P e tz o l d. 3. Lebende Bilder:„Nach Sibirien", auZgesührt vom Radsahrer-Verein Rixdors. 4. Komische Vorträge. Jede Dame erbalt beim eintritt ein prüfen t. -« Anfang 8 Ehr.»- 138/7 Eiulaftknrten a 50 Ps. pro Person sind zu haben bei: E. Bannewstz, Rixdors, Lessingstr. 9 IV. Fr. Bochow, Reichenbergerstr. 107. A. Bräunicke, Reu° Cöln a. W. 18. loh. Guggonborger, Rostocker- strafte 12. C, Hesse, Ritterstr. 77/78. W. Jusel, Matternstr. 2, Ouergeb. IV. K. Kirschnick, Pückler- strafte 45. C. Konow, Friedrichsberg, Kietzer Weg 10. K. Lehmann, Sickingenstr. 8, Hos III. H. Lentz, Strelitzerstr. 60 IV. 0. Neuendorf, Steglitzerstr. 10, 2. Ouergeb. bei Brandt. Paschen, Neue Hochstr. 38. P. Rast, Blücherstr. 21, Seitenfl. III. W. Rochow, Hochmeisterstr. 18, Ouergeb. I. W. Runge, Friedrichs. selbe, Berlinerstr. 20. K. Lange, Weiftensee, Königchaussee 40a. F. Schröder, Grasestr. 73 IV. H. Schwittau, Gpittelmarkt 8/10. D. Schulz, Fischerbrücke 4. iul. Siewert, Friedrichsselderstr. 14 v. I. Um zahlreiche Beteiliguug wird gebeten. Das Komitee. HMgiUliiiig SW., Lindenstrasse 69. Vornehmer Ammersehmuck I Die Freiheit führt das Volk, Kupser-Gravure nach dcm Gemälde von E. Delacroix, SS X 72 cm, m. 6,—. Der erste Mai, Kupferätzung, 95X 73 ein. 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Meiner geehrten Kundschaft in Berlin und Umgehung teile ich ergebenst mit, dass ich infolge des Brandes am 3. d. M. in der Michaelkirchstr. 23a, meine Berliner Btagcndoktor- Fabrik nach Ifliohaelkirchstrasse 80 verlegt habe. Entsprechend der ununterbrochen steigenden Beliebtheit, welcher sich der konzentrierte Kräuterliqueur Wurms Itfaqetidoklor auch in Berlin und Umgebung zu erfreuen hat, wird die neue Fabrik ganz erheblich vergrössert. Während der nächsten Monate wird hier ansachlicasUch alt abgelagerte Ware aas meiner Fabrik In Barmen zur Abgabe kommen. Ausser diversen Eilgutsendungen sind bereits 2 Waggonladungen von Barmen hier eingetrofien und werden weitere Waggonsendungen regelmässig folgen. Das höchst amüsante und sehr harmlose Spiel:„Springen wir einen Wurm aus?"(ges. geschützt D. E. G.-M.) wird von jetzt ab in den Eestaurationen verbreitet und wird dasselbe nicht vorfehlen, den zahlreichen Gönnern von„Wurms Magendoktor" manches fröhliche Viortolstündchen zu bereiten. 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Am Dienstagmittag ist im Prozeß wider Nardenkötter und Genüssen das Urteil gesprochen wordein Es geht dahin: Norden- tötter ist des fortgesetzten Betruges und des Vergehens gegen das Gesetz betreffend den unlauteren Wettbewerb sowie der Uebertretung der Verordnungen über den Verkehr mit Arzneimitteln und Giften schuldig und deshalb wegen der Vergehen zu 3 Jahre» Gefängnis. ZWO Mark Geldstrafe und 5 Jahren Ehrverlust, wegen der Ueber- tretungen zu 60(1 Biart Geldstrafe eöent. 60 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte Klespcr wird freigesprochen. Der An- geklagte Dr. Kronheim wird wegen Beihilfe zum Betrüge zu s Monaten Gefängnis und 1 Jahr Ehrverlust verurteilt. Die Schwere des Gesetzes hat also wirklich von mehreren Schuldigen eigentlich nur einen Mann getroffen. Unverwüstliche Optimisten hatten gehofft, daß der flüchtige Hauptschuldige und Organisator des Heilschwindcls durch die Findigkeit der Behörde doch noch auf die Anklagebank zurückgeführt werden könnte. Herr Rarden- kötter hat es aber vorgezogen, das über ihn gefällte Urteil aus den Zeitungen zu erfahren. Nicht oft kommt es bor, daß sich die socialdemokratische Presse in einem Strafprozesse so ganz auf die Seite der Richter hätte schlagen können, wie in diesem. Der Wert dieser Verhandlung lag vornehmlich in ihrem volkserzieherischen Zwecke, seine Absicht ging dahin, die Ausbeutung unwissender und meist besitzloser Leute durch den Hauptangeklagtcn zu bestrafen und ein warnendes Erempcl auf- zustellen. Trotzdem kann man nicht behaupten, daß sich'der Gerichts- Hof ganz auf der Höhe seiner Aufgabe stehend gezeigt hätte. Der Eifer der Richter zeigte sich mehr in ihren Worten als in ihren An- ordnungen. Das Entkommen Nardenkötters, das der Staatsanwalt ahnungsvoll vorausgesehen hatte, war— so wenig man sich darüber auch zu erhitzen braucht— keine Probe besonderer Geschicklichkeit. Der Vorsitzende hatte den Angeklagten förmlich in die Flucht ge- trieben durch seine zahlreichen dem Urteil vorgreifenden temperamentvollen Aeutzerungen. Dr. K r o n h e i m wurde im Publikum viel bemitleidet. Ob er dieses Mitleid verdient, konnte, wie in der Urteilsbegründung gesagt wird, nicht festgestellt toerden. Und doch war es für die Bc urteilung des Falles außerordentlich wichtig zu erfahren, ob der Angeklagte wirklich unter dem Drucke wirtschaftlicher Verhältnisse gehandelt hat. Der Gerichtshof glaubte das nicht annehmen zu müssen, gab aber zu, daß er über diesen Punkt keine volle Klarheit gewonnen hätte. Allzuschwcr wäre es nicht gewesen, im Beweis verfahren auch diesen Punkt aufzuhellen und damit vielleicht manche schöne Gefühle überflüssig zu machen, die den Verurteilten in Schutz nahmen. Viel Ivenigcr wichtig war die Feststellung des Vorsitzenden, es sei dem Gerichtshöfe schwer gefallen, einen gebildeten Mann so hart zu verurteilen. Es sind schon viel gebildetere Leute wegen eines freien Wortes zu längcken Freiheits- strafen verurteilt worden, ohne daß die Richter ihr Herz dadurch beschwert hätten. Auch wird die Begründung des Urteils in ärztlichen Kreisen wohl einiges Kopfschütteln verursachen. Daß es für einen Arzt leicht sei,„in irgend einer Klinik unterzukommen", daß die Gefähr- lichkcit einer Arznei dadurch bewiesen wird, daß sie die Politur der Möbel beschädigt und dergl. mehr, sind Behauptungen, die nicht ganz einwandfrei sind. Sic waren auch freilich nicht notwendig, um das Urteil zu stützen. Heilmittclschwindel und Kurpfuscherwesen zu beseitigen, dafür gab es für die Richter dieses Kurpfuscherprozesscs freilich ebenso wenig die Möglichkeit, wie für irgend einen Strasrichter überhaupt. Erst müßte man Dummheit und Unlvissenheit beseitigen, die bekanntlich die besten der staatscrhaltenden Mächte sind. Bor der Urteilsverkündigung erbat sich der Sachverständige Dr. Kahnt das Wort zur Berichtigung einer irrtümlichen Auf- fassung einer von ihm im Laufe der Verhandlung gcthanen Aeußerung. Er habe, als er davon sprach, daß in der Charit« bei der Gonorrhoe eine Gonokokken-Untcrsuchung auch nicht üblich war. natürlich nur die Zeit vor 20 Jahren gemeint. Im übrigen fei er stets der Ansicht gewesen und sei derselben auch heute noch, daß die Thätigkcit der Llcrzte in der Charit« den höchsten Wissenschaft- lichen Anforderungen entspricht. Hierauf verkündet der Vorsitzende Landgerichtsdircktor Müller das bekannte Urteil. Zur Begründung führt er kurz folgendes aus: Der Gerichtshof ist bei Nardenkötter der Ansicht, daß nicht ideelle Konkurrenz vorliegt, sondern drei selbständige Handlungen.in Frage stehen. Nardenkötter ist ein 5tur- Pfuscher der allerschlimmsten Sorte gewesen. Er hat in seiner Heil- fabrik die Kranken schematisch und schablonenhaft behandelt ohne die erforderlichen medizinischen Kenntnisse zu befitzcik. Die Beweis- aufnähme hat in ihren thatsächlichcn Resultaten das Vorliegen des Betruges ergeben. Das Gericht ist in der Lage, die Darstellung, die in dieser Beziehung der Staatsanwalt gegeben, sich vollinhaltlich zu eigen zu machen. Nardenkötter ist ein Kurpfuscher, der unglückliche und verschämte Leidende in schamloser Weise gerupft hat, er hat Unheilbare und Heilbare weder individuell noch sorgsam behandelt, er hat ihnen die schwersten Gifte verschrieben und sich dabei der Hilfe studierter Leute bedient, die bei ihm gegen Hunger- löhne arbeiteten. Die Kurpfuscherei an sich ist nicht strafbar, sie findet aber ihre Grenze in dem Betrug-Zparagraphen. Nardenkötter hat diese Grenze weit überschritten, er hat versucht, dem Gesetze ein Schnippchen zu schlagen und seine dreiste Frechheit zeigt sich auch darin, daß er trotz der Erhebung der Anklage den Betrieb un- geschwächt fortgesetzt hat. Er hat sich des Betruges schon dadurch schuldig gemacht, daß er den Patienten etwas versprochen hat, von denr er von vornherein wußte, daß er es nicht erfüllen konnte. Eine Vermögensschädigung der Patienten liegt zweifellos vor. Er hat ferner in einer Legion von Fällen falsche Thatsachcn vorgespiegelt; solche Vorspiegelung findet sich in den Reklamezetteln, in der Broschüre und in den persönlichen Auskünften, die er gab. Mit schlau ausgedachtcn Unwahrheiten lockte er die Leidenden in seine Netze und zahlreich sind die falschen Vorspiegelungen und gröblichen Verletzungen der Wahrheit, die die Beweisaufnahme bei den Einzelfällen festgestellt hat. Sie werden iin schriftlichen Erkenntnis des näheren beleuchtet werden.— Was den Angeklagten Kleöper betrifft, so hat der Gerichtshof nicht mit Sicherheit feststellen können, daß er Kenntnis von dem betrügerischen Handeln semes Schwagers hatte. Viele Momente deuten darauf hin, daß er bis zu einem gewissen Grade eingeweiht war, das reicht aber nicht auS und deshalb ist er von der Anklage der Beihilfe zum Betrüge freizusprechen. Für die Beihilfe zum unlauteren Wettbewerbe hat sich aus der Bc- lveisaufnahme nichts Thatsächliches ergeben.— Bezüglich des Angeklagten Dr. Kronheim ist es dem Gerichtshof fchlver geworden, die ganze Schwere der �strafe über diesen gebildeten Mann zu verhängen; andrerseits waren die Thatsachcn so gravierend, daß der Gerichtshof davor nicht zurückschrecken durfte. Dr. Kronheim hat dem Kurpfuscher jahrelang seine Dienste geweiht, er hat selbst nach Einleitung des Verfahrens nicht davon Abstand genommen und der Gerichtshof hat keinen Zweifel darüber, daß ihm alle Requisite des Betruges, wie er von Nardenkötter fortgesetzt verübt wurde, voll bewußt waren und er in voller Kenntnis der Sachlage die Standcschre in Schmutz gezogen hat. Er mußte deshalb schwer bestraft werden.— Was die Strafabmessung betrifft, so hat der Gerichtshof bei Nardenkötter eine nachdrückliche Strafe für geboten crackstct, weil er seine Betrügereien in seltenem Umfange verübt hat. Er ist zuerst durch die Not in dieses Klwpfuschertum hineingedrängt worden, anderseits hat er es aber in erstaunlich rascher Weise vervollkommnet. Dem Gerichtshof ist dies erst in der Verhandlung im ganzen Umfange bekannt ge- worden, jedenfalls war es in diesem Umfange nicht bekannt, als die Haftentlassung in Frage stand. Der Vermögensschaden ist ein erheblicher, Nardenkötter hat damit viele kleine Leute getroffen, ebenso ist der Gesundhcitsschaden und die Gefährdung der Gesundheit erheblich, sein ganzes Treiben gewissenlos. Dr. K r o n h e i m ist nur der Beihilfe schuldig. Er sagt, er habe aus Not gehandelt. Es ist dem Gerichtshof nicht ganz klar geworden, ob bei ihm wirklich ernste Not vorgelegen hat. Was ihn zu Nardenkötter gezogen, hat die Verhandlung nicht näher ergeben— es muß die Bequemlichkeit des Lebens gewesen sein. Er hat die strafbare Handlung außer- ordentlich intensiv begangen und schließlich muhte berücksichtigt werden, daß er seine Ehre als Arzt und auch als gebildeter Mensch in den Schmutz getreten hat. Darum mußte gegen ihn auf Ehr- Verlust erkannt werden. Rechtsanwalt Dr. D a V i d s o h n beantragte die Hastentlassung des Dr. Kronheim, Erster Staatsanwalt Dr. Pelz widerspricht dem Antrage sehr energisch und der Gerichtshof lehnt die Haftentlassung ab. berliner partei-�ngelegendeiten. Zur Lokalliste. Der Verband der Kurbel st icker der- anstaltet am Sonnabend, den 21. Februar, inScheruchs F e st s ä l e n sLeo-Hospiz), Rüdersdorferstr. iö, einen Maskenball. Da dieses Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht mehr zur Verfügung steht, folgedessen auch auf der am S o n n t a g, den IS. Februar, erschienenen Lokalliste nicht mehr verzeichnet ist, so erwarten wir von jedem zielbewußten Arbeiter und Mitglied obigen Verbandes, daß er dieses Vergnügen mit seinen Freunden und Bekannten nicht besucht und daß das Lokal streng gemieden tvird. Am gleichen Tage arrangiert der Vergnügungsvcrein„Eichen- grün" einen Maskenball in, Restaurant„ O st b a h n h o f". Auch dieses Lokal steht der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung, folgedessen sind die angebotenen Billets zurückzuweisen und das Vergnügen zu meiden. Am Donnerstag, den 19. Februar, veranstaltet der „Märkische Central-Sängerbund" in der Neuen Philharmonie, K ö p n i ck e r st r. 96/97, einen sogenannten „Harmonie-Abend". Wir machen die beteiligten Sänger darauf ausinerksam, daß das Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung steht. Die Lokalkommission. Erster Wahlkreis. Wir machen wiederum auf die am nächsten Montag, den 23. Februar(das Datum wurde in der letzten An- zeige versehentlich fortgelassen. D. R.), stattfindende Volks- Versammlung in der Tonhalle, Friedrichstt. 112, auf- merksam, in welcher Genosse Molkenbuhr referieren wird. Es wird bestimmt erwartet, daß alle Parteigenossen zur Stelle sind Der Vorstand. Eharlotteniurg. Am Donnerstag, den 19. d.M., abends 8 Uhr, findet in, großen Saale des Volkshauses, Rosinenstr. 3, die General- Versammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Untre Vorbereitungen zu den kommenden Reichstagswahlen. Referent: Genosse Fritz Z u b e i l- Berlin. 2. Diskussion. 3. Be- richt des Vorstandes, des Kassierers und der Revisoren. 4. Vereins- angelegenheiten. Der Vorstand. Rstdorf. Die Parteigenossen machen wir auf die heute abend 8V2 Uhr bei Wernicke, Hermaunstr. 49, stattfindende Mitglieder- versamnilung des Wahlvereins aufmerksam. Pflicht der Mitglieder ist es. zahlreich zu erscheinen, da wichttge Angelegenheiten auf der Tagesordnung stehen. Adlershof. In der außerordentlichen Generalversamm- lung des Wahloereins, die Donnerstagabend 8'/» Uhr bei Fechner, Oppenstr. 56, stattfindet, hält Stadtv. Dr. Alfred Bernstein- Berlin einen Vortrag über„Schulhygiene". Wilmerdorf. Nächsten Sonntagabend 6 Uhr tagt bei Witte, Berlinerstr. 40, eine Bölksvrrsalnmlung, in der Genosse Bartels einen Vorttag hält. Zu der Handzettelverteilung am Freitag wollen die Parteigenossen sich zahlreich an folgenden Stellen einfinden: 1. und 2. Bezirk bei Natusch, Uhlandstr. 71. 3., 4. und 5. Bezirk bei Witte, Berlinerstr. 40. 6. Bezirk bei Nudlost. Bruchsalstr. 13. 7. Bezirk bei Hilpert, Halensec, Kurfürstendamm 126. lokales. Gemeindein teresse und Tarifgemcinfchaften. Die Achtzehncr- Kommission im Baugewerbe hat bc- kanntlich den bestehenden Tarifvertrag auf einer neuen und beiden vertragschließenden Teilen genehmen Grundlage verlängert und damit aller Voraussicht nach auch für die nächsten Jahre den Frieden im Beruf gesichert. Daß bei derartigen Verträgen Arbeitgeber wie Arbeitnehmer relativ günstig fahren, hat die Erfahrung sowohl in, Baugewerbe als namentlich auch im Buchdruckgewerbe gelehrt, und aus diesem sehr materiellen Grunde darf vorausgesetzt werden, daß Unternehmer und Arbeiter hinfort alles thun, um das Geltungs- bcrcich des Tarifvertrages nach Möglichkeit zu erweitern. Aber in diesem dem socialen Frieden dienenden Streben können die Be- teiligten unsres Erachtens auch anderweitige Hilfe nicht entbehren, und da sind vor allem die G c m c i n d e n verpflichtet, das Friedens- werk förden, zu helfen. Soweit der Buchdruckertarif in Betracht kommt, haben eine ganze Anzahl staatlicher und städtischer Behörden erklärt, daß sie ihre Arbeiten grundsätzlich nur von tariftreucn Unternehmern ausführen lassen. Wichtiger in den meisten Fällen ist noch der Vertrag im Baugewerbe, tvcil hier die Gemeinden viel kräftiger als im Buchdruckgetverbe ihr Gewicht in die Wagschale legen können. Machen doch die für kommunale Bauten alljährlich ausgeworfenen Summen zumeist einen ganz erheblichen Teil des Etats aus. Un, so bedauerlicher ist cS, daß die Gemeinden hier noch bisher gar nichts gcthan haben. Soweit wir unterrichtet sind, ist unser Vorort Wilmersdorf die einzige Gemeinde, in der und zwar auf eine Anregung von socialdemokratischer Seite hin, man sich mit der Frage des Tarifvertrages im Baugetverbe bkfatzr hat. In der Sitzung der Gemeindevertretung vom 19. Dezember vorigci, Jahres war von unseren Parteigenossen folgender Antrag eingebracht worden: Bei Vergebung von Gemeinde-Arbeiten ist darauf zu halten, daß in Fällen, wo Organisationen der Uitternchmer und Arbeiter bezüglich der Lohn- und Arbeitsbedingungen dauernde Verträge (sogenannte Tarifgcmeinschaften) abgeschlossen haben, diese Arbeiten keinen Unternehmern übertragen werden, welche ihre Arbeiter schlechter stellen, als es in den für den Beruf in Betracht kommenden Verträgen vorgesehen ist. Ter Antrag wurde einer Kommission überwiesen, in die man einen Gemeindebaurat und drei Gemcindcvertreter, darunter auch einen der Antragsteller, delegierte. In einer Beratung, Ivclche diese Kommission kürzlich abhielt, wurde von einem Gemeindevertrcter, der in seinem bürgerlichen Beruf dem Baugewerbe angehört, gegen den Antrag namentlich geltend gemacht, daß die Tarifverträge in, Baugewerbe noch zu jungen Datums seien und daher nicht allein auf feiten der Unternehmer, sondern auch auf fetten der Arbeiter keine rechte Beachtung fänden. Gegen die Tendenz des Antrages an sich könne tveder vom Standpunkte des organisierten Unter- nchmcrs noch vom Gcmeindcintercsse aus etlvas Wesentliches ein» gewendet werden; es komme nur darauf an, ob der Tarifvertrag im Gewerbe selber den nötigen Rückhalt finde, und daher sei es angebracht, zunächst das Ergebnis der Verhandlungen in der Acht- zehner-Kommission abzuwarten. Die Kommission kam darauf über- ein, ihre nächste Sitzung erst dann abzuhalten, wenn der Tarifvertrag im Baugewerbe verlängert sei; gleichzeitig beschloß sie, zu den künftigen Beratungen aus der Einwohnerschaft des Ortes Angehörige des Baugewerbes hinzuzuziehen, und zwar zu gleichen Teilen Arbett- geber wie Arbeitnehmer. Hoffentlich führen die ferneren Beratungen zu einem befriedigenden Ergebnis. Vielleicht, daß man auch an andren Berliner Vororten der Tariffrage die gebührende Beachtung schenkt. Nicht allein, daß den Gemeinden die moralische Pflicht obliegt, alle Bestrebungen zu unterstützen, die dem socialen Frieden am Orte förderlich sind, giebt ihnen eine Bestimmung, wie die im W.ilmersdorfer Ortsparlament eingebrachte, auch einige Gewähr dafür, daß sie solitze» Arbeit erhalten. Denn wesentlich sind es die oft mit billigen uns» daher minderwertigen Arbeitskräften aus dem Auslands operierenden Schwindelunternehmer, die sich den be- stehenden Tarifgemcinschaften fernhalten. In der gestrigen Sitzung der städtischen Hochbau-Deputntion be- richtete Stadtbaurat Hoffmann über die Abstriche des Magisttats am Hochbau-Etat. Der Etat schließt mit 8 714 054 M. ab, worin 541 000 M. Grunderwerbskosten enthalten sind. Der Magistrat hat nicht weniger als 3 059 831 M. abgesetzt. Aus Anleihen sollen 4 841 600 M. gedeckt werden, so daß aus laufenden Mitteln iin ganzen nur 3 872 454 M. zu bestreiten sind. Stadtbaurat Hoffmann legte die besonderen Entwürfe und Kosten- anschlage zum Neubau des Kessel- und Maschinenhauses und zweier Beamtenwohnhäuser, von vier Pförtnerhäusern und einem Nach- tragsanschlag über den Ausbau der Baracken für das Rudolf Virchow-Krankenhaus vor. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 853 000 M. Diese und ein Entwurf zum Erweiterungsbau des Kaiser- und Kaiserin Friedrich Kinder-Krankenhauses wurden mit einem Kostenanschläge von über 800 000 M. von der Deputatton genehmigt. Die Deputatton genehmigte außerdem die Pläne und Kostenanschläge für den llmbau des Ratskellers, der mehr als 300 000 M. kosten wird und noch der Zustimmung der Gemeindebehörden bedarf. Die Kosten für die Anlagen zur elettrischen Stromerzeugung für Licht und Kraft, maschinelle Einrichtungen, Leitungen, Terrainbeleuchtung ze. für den Neubau des Rudolf Virchow-Krankenhauses sind vom Stadtbauinspektor Tietze auf 402 000 M. veranschlagt und von der Deputation gutgeheißen worden. Ein neues vereinfachtes Abfertignngs- Verfahren für Eil- und Frachtstück-Güter lvird, wie die kgl. Eiienbahndirektion Berlin mit- teilt, vom 1. März d. I. ab für den Eil- und Frachtstückgut-Verkehr von und nach Berlin eingeführt werden. Da das neue Verfahren eine beschleunigte Behandlung der Sendungen auf der Abgangs- wie auf der Bestimmungsstatton ermöglicht, so dürfte die baldige Einführung den Geschäftsleuten willkommen sein. Es werden die Fracht- und sonstigen Gebühren hierbei unter Verwendung g e l d- werter Marken beglichen, welche der Versender in den der- schiedenen Wertstufen bei den Güterklassen erhält. Und an die Stelle des Frachtbriefes tritt die„Eisenbahn-Güterkarte", welche, auf zwei Llbschnitten, das Benachrichtignngs- Schreiben und die Empfangs- Befcheinigung einerseits sowie den Nachnahme-Schein darstellt. Durch diese Einrichtungen werden die Rechnungs- und Abfertignngs- arbeiten auf den Stationen ganz bedeutend verringert, so daß die Güter zu den einzelnen Befördernngs- Gelegenheiten später au- geliefert und nach Ankunft ohne Verzug ausgeliefert Iverden können. Die Sendungen können flankiert oder unfrankiert, mit oder ohne Nachnahme versandt iverden. Die Vorstände der Verkehrs- In- spektionen sowie die Güterabfertigungsstellen erteilen jede gewünschte Auskunft. Die Stadtverordneten- Versammlung hat sich in ihrer Sitzung am Donnerstag mit folgender Tagesordnung zu befassen: Vorschläge des Ausschusses für die Wahlen von unbesoldeten Geineindebeamten— Vorlagen betr. die Festsetzung des Stadthaushalts-Etats ftir das Etatsjahr 1903— die Etats: der städtischen Gasanstalten und der öffentlichen Pettoleumbelcuchtung, der Wasserwerke, der Markthallen, der Kanalisationswerke und Rieselfelder, des Vieh- Marktes, des Schlachthofes und der Fleischschau auf dem Schlacht- Hofe, der Hauptkasse der städttschen Werke, der Dr. Friedrich Wilhelm Kube-Stifttmg. der Reuter- Stiftung und für die Verwalttmg des städtischen Äbladcwesens für das Etatsjahr 1903— die Aufftellung eines DesinfektionS-ApparateS und die Umänderung der Brausebad- Anlage im städtischen Ob- dach— die Teilung des Gemeinde- Waisenrlttsbezirks Nr. 124B— die Anrechnung von Dienst- und Beschäftigungszeit— die in den Etatsentwurf für 1903 aufgenommenen Gehattöverände- rungen— die Bewilligung zeittg begrenzter Unterstützringen neben dem Ruhegeld auf Grund des Gemeindcbeschlusses voin 9. Mai 1901 — die erfolgte Bauabnahme der Neubauten auf dein Grundstück des städttschen Krankenhauses Mvabit— den Verkauf des städtischen Grundstücks in der Falckcnsteinsttaße— den Jahresabschluß der tauptkasse der städtischen Werke für die Äassenvcrwaltuiuz und den esamt-Jahresabschluß dieser Kasse für das Etatsjahr 1001— und die Auswahl der im Rechnungsjahr 1903 neu- und umzupflasternden Straßen und Plätze.— Berichterstattung betreffend die Neuwahl je eines Taxator- Stellvertreters für die Pferde- AuHhebungs- Kommissionen I, VI und X und eines Bürgerdeputierten für die Gewerbcdeputattoneit. Auch eilten„Epilog zum Fall Nardenkötter" veröffentlicht im „Reichsbotcn" ein prakttscher Arzt. Er stellt fest, daß in Berlin, Leipzig und andren Städten noch andre viel größere Schlvindel- Jnstitttte bestehen und fährt später fort: Eine ernste Pflicht— und hierin bin ich mir der Ueber- einstimmung mit zahlreichen, darüber befragten Kollegen bewußt — erwächst aber auch gewissen Koryphäen der medizi- inscheit Wissenschaft, insofern sie von bedeutsamen Erfindungen neuer Heilmittel fortab keine materiellen Vorteile für ihre Person mehr ziehen sollten. Früher galt es als standesunwürdig, wenn ein Arzt eiir erprobtes neues Heilverfahren nicht der Allgemeinheit zugänglich machte, und auch heute noch würde der- jenige Arzt, der für besondere, von ihm erdachte Heil- Methoden etwa chiffrierte Rezepte in die Apotheke senden und sich mit dem Apotheker in daö Einvernehmen gegenseittger Geheimhaltung setzen wollte, sehr schnell dem ärztlichen Ehrengericht ver- fallen. Nun denn— ist es etwa ein andres, daß Koch und Behring von den ihr Tuberkulin und Diphtherie-Heilsermn anfertigenden Fabriken tolossale jährliche Summen beziehen?! Auch dies muß endlich einmal aufs Tapet gebracht werden. Der Staat bcaufsichttgt ja bis ins kleinste sonst den Apotheken- betrieb, die Versorgung des Publikums mit garantiert guten Medikamenten; warum kann denn der Staat nicht auch die Her- stelluitg des Heilserums übernehmen, dessen Preis infolge jener ftandcSunwürdigen Monopolisierung noch dermaheii hoch ist,_ daß wir praktischen Aerzte häufig gar nicht in der Lage sind, einem armeir Arbeiter oder Handwerker zuzumuten, für Impfung des Behringschen Serums vier Mark fünfzig Pfennige zu zahlen— denn so viel kostet uns selbst der Bezug des winzigen Flüschchens l Es ist ja bekannt, daß die Heilkunde nicht nur von unwissenden Schwindlern, sondern auch von berühmten Kapacitäten nach allen Regeln der Kunst kapitalistisch exploitiert wird.— Ein Zusammenstoß zwischen drei Fuhrwerken fand gestern mittag legen 12 Uhr in der Spandaucrstraße vor dem Rathause statt. Dort- clbst fuhr ein Rollwagen des TransportcomptoirS Anhalter Bahnhof neben einem Straßenbahnwagen der Linie 72 Schvneberg-Alexandcr- platz. Der Kuffcher des Rollwagens versuchte den Motorwagen zu überholet! und dann unmittelbar vor diesem das Geleise zu kreuzen. In demselben Augenblick nahte auch der Straßenbahnwagen Nr. 1816 der Linie Schönhauser Allee-Britz, der nun ebenso tvie der erster« Motorwagen auf den quer auf dem Geleise befindlichen Rollwagen auffuhr. Die drei Fuhrwerke wurden förmlich ineinander verwickelt und konnten erst nach längcrem Bemühen frei gemacht werden. Bei beiden Straßenbahnwagen waren die Plattformen zertrümmert und die Kontroller eingedrückt. Beide Gefährte mußten außer Betrieb gesetzt werden. Den Bruder erstochen. Am Montagnachmittag um 3 Uhr gingen die Brüder Riemann, der 26jährige Arbeiter Franz, der 24jährige Gärtner Otto une der 18 Jahre alte Tischler Hermann durch die Annenstraße. Alle drei waren in gehobener Stimmung und schienen sich gütlich gethan zn haben. Der jüngste Bruder hatte Otto lvieder- Holt auf den Hut geschlagen, dieser aber nahm die Sache ernster auf, als sie gemeint Ivar. Dadurch entstand eine Schlägerei, bei der Otto zum Messer griff und dem Bruder Hermann einen Stich in die Bruch beibrachte. Ein Schutzmann vom 53. Revier wollte den Gestochenen in ärztliche Hilfe nach der Unfallstation am Mariannenufcr bringen, der Thäter fuhr mit, als ob nichts geschehen wäre. In der Droschke starb der Gestochene. Otto R. wurde verhaftet. Ein gefährlicher Strasicnräubcr ist endlich der Kriminalpolizei in die Hände gefallen. Vor einigen Monaten war- der Schiffer Girkow in der Courbiärcstraße von zwei Männern überfallen, zu Boden ge- warfen und seiner Barschaft beraubt worden. Einer der Räuber, Namens Scharcnski wurde gleich gefaßt, während der zweite entkam. Der Schiffer war mit Sch. in einem Wirtshaus zusammengetroffen. Dabei hatte dieser bemerkt, daß jener noch niehrere Goldstücke besaß. Auf diese war es abgesehen. Sch. trat nun in dein Lokale mit dem schon bestraften Räuber Johannes Töpper in Verbindung, der gleich Rat wußte. Auf der Straße schlug er den Schiffer zu Boden, be- arbeitete ihn gehörig und nahm ihm das Geld ab, das zu gleichen Teilen den beiden Spießgesellen zusiel. Sch. spielte iin Gefängnis den Tobsüchtigen uiid nannte in den Selbstgesprächen den Namen Töpper. Die Behörde suchte nun in den vorhandenen Akteir, fand dabei den Gesuchten und setzte ihn fest. Er bestreitet zwar de« Raub, wurde aber von Gästen aus dein Lokale wiedererkannt und kann als der That überführt gelten. Ein schwerer Unfall trug sich gestern Dienstagmittag auf dem Reubau Urbaustr. 63/64 zu. Dort sollte eine Ladung Steine auf den Bali gebracht werden und der Kutscher des Fuhrwerks, Puhl- mann, bei deni Fuhrherrn Keppel, Ripdorf, Kopfftr. 30. beschäftigt, erfaßte die Pferde am Zügel, um rückwärts vor den Tieren gehend, sie besser in die Einfahrt hineinzuleiten. Hierbei glitt der Kutscher aus, stürzte und geriet unter seinen eignen Wagen. Die Räder des schweren Gefährts streiften den Unglücklichen am Kopf und zer- schmetterteii ihm den Unterschenkel des linkeii Beines. Puhlmann wurde mittels Droschke nach dem Urban-Krankenhause gebracht. Professor Mommscn ist gestern von einem Unfall betroffen worden. Als der Gelehrte mittags an der Mittelstraße den Damm der Friedrichstraße überschreiten wollte, lourde er von einer Droschke umgefahren und zu Boden geworfen. Glücklicherweise war es dem Kutscher noch im letzten Augenblick gelungen, sein Gespann herum- zureißen und das Pferd zum Stehen zu bringen. Prof. Mommsen, den der Sturz auf das Pflaster ctivas mitgenommen batte, war von dem Piibliku», sofort erkannt worden. Es streckten sich ihm zahl- reiche Hände entgegen: man half ihm von der Erde auf und suchte für ihn Bücher, Brille und Hut zusammen, die ihm entfallen tvaren. Der Gelehrte hatte sich alsbald erholt und lehnte jede Unterstützung ab. Er bestieg eine Droschke und begab sich nach seiner in Char- lottenburg gelegenen Wohnung. Er hatte es selbst abgelehnt, sich dorthin auch nur begleiten zu lassen. Wegen Kautionsvcruntrcumig wurde der Agent L., der in der Gartenstraße ein Cigarrengeschäft besaß, aus dem Laden weg der- haftet. L. engagierte einen Verkäufer und verlangte eine Kautton in Höhe von 600 M., begnügte sich jedoch mit einer Anzahlung von 80 M. Dieses Geld gab er, als das Engagement nach wenigen Tagen gelöst wurde, nicht zurück, stellte jedoch statt des?en einen neuen Verkäufer ein, der 1000 Mark Kaution zahlen mußte. Inzwischen hatte der ersterwähnte junge Main: eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Gleichzeitig wurden von andrer Seite Beschuldigungen wegen ver- schiedener Unredlichkeiten bei Verkaufsvernuttelungen, die L. veriibt haben soll, erhoben. Die Staatsanwaltschaft verfügte daraufhin die Verhaftung des Agenten, der von zwei Kriminalbeamten in seinem Geschäft festgenommen wurde. Der Laden wurde polizeilich ge- schlössen. Wie sich nunmehr herausstellte, waren auch die tausend Mark, die der zweite junge Man« als Kaution gestellt hatte, nicht inehr vorhanden, und so ist auch dieser Untreue wegen gegen L. das Strafverfahren eingeleitet. Im Zoologischen Garten ist wieder ein ebenso eigentümlicher als schöner Verttetcr der südamerikanischen Vogelwelt eingetroffen. Im neuen Vogelhause kann man den R i e s e n t u k a n'jRttamxttastus maZiiirvsti-isj sehen. Der Vogel ist so groß /wie eine Krähe und zeichnet sich durch einen unförmig großen, langen, lebhaft orange- gelb gefärbten, an der Spitze des Oberkiefers und an der Schnabel- tvurzel schwarz gezeichneten Schnabel aus. Man nennt diese Vögel auch P s e f f e r f r e s s e r. Sie brüten in Baumhöhlen, nähren sich von Früchten, sollen aber auch für Vogelcier eine gewisse Vorliebe haben. Sehr merkwürdig ist ihre Schlafstellung; sie ziehen dann den Schwanz senkrecht nach oben. Der Riesentukan ist schwarz mit weißen Wangen, lveißer Kehle, lveitzen Oberschwanzdecken und roten Unterschwanzdccken. Die nackte Augengegend ist orangegelb. Fcuerbericht. Dienstagabend gegen 6 Uhr wurde ein größeres Löschausgebot nach Luisen-Ufer 12 gerufen, wo im zweiten Stock durch Unvorsichtigkeit in einer Arbeitsstube ein Feuer ausgekommen war. Die Gefahr konnte indes bald beseitigt werden. Kurz darauf erfolgte ein Alarm nach der Wallstr. 80. Hier hatten in einer Wein- Handlung die Gardinen eines Schaufensters Feuer gefangen, das aber auch noch im Keime erstickt werden konnte. Um 7 Uhr hatte die Wehr in der Oranienstr. 160 einen Brand zu beseitigen, der in einer Waschküche entstanden war. Kleidungsstücke, Möbel ee. gingen in der Nacht zum Dienstag in der Reinickendorserstr. 83 in einer Wohnung in Flammen auf, während in der Charlottenstr. 88 ein Schornsteinbrand beobachtet werden mußte. Zur selben Zeit hatte die zweite Compagnie in der Köpnickerstr. 103 längere Zeit zn thun. Hier war in einer im Erdgeschoß des Seitenflügels belegenen Schuh- macherwerkstatt ein Feuer entstanden, das Schuhwaren, Tische, Werk- zeuge ic. erfaßt hatte. Kurz nach 10 Uhr mußte in der Linienstr. 21 ein Brand beseitigt werden, der die Dachkonstruktion des Hauses er- griffen hatte. Außerdem hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden noch von einigen andren Stellen Alarmieruugcn zu verzeichnen. In diesen Fällen handelte es sich indes um„blinden" Lärm.— Huq den Nachbarorten. Die Schönebergcr Stadtverordneten-Versammlung ist am Montag in die diesjährige Etatsberatung eingetreten. Vor Eingang in die Tagesordnung erfolgte in der üblichen Weise die Einfiihrung des Stadtv. Treugebrodt, der an Stelle des ausgeschiedenen Stadtv. Schulz im 8. Bezirk der II. Abteilung gewählt worden ist. Der Wieder- eingetretene ist derselbe Herr, den im November 1901 unser Partei- genösse K ü t e r im 8. Bezirk der III. Abteilung, trotz des Zusammen- gehens des gesamten bürgerlichen Mischmasches, zum großen Aergcr des letzteren ans demSattel gehoben hatte.— Die Versammlung erklärte sich mit der A n st e l l u n g eines Brandmeisters einverstanden. Das Anfangsgehalt beträgt inklusive 000 M. Mietsentschädiguug 4800 M.— Die Vorlage betr. Aufbesserung der Gehälter von Lehrpersonen an Mittel- und Volksschulen sowie an den Vorschulen der höheren Lehranstalten jeinschließlich der technischen und geprüften Lehrerinnen) fand einstimmige Annahme. Unsre Vertreter haben auch dieser Erhöhung derLchrergehältcr zugestimmt.— Ferner lag ein Antrag der Stadtverordneten Waßmannsdorf und Gen. vor, die Besoldungsordnung der städtischen mittleren und llnterbeantten einer Prüfung durch eine gemischte Deputatton zu unterziehen. Eine Bc- lastung des diesjährigen Etats ist natürlich ausgeschlossen. Räch kurzer Debatte, in der auch der Magistratsvertreter seine zustimmende Ansicht äußerte, fand der Antrag cinstimniige Annahme. Köpenick. Der Stadthaushalts-Etat für 1003 balanciert in Ein- nähme und Ausgabe mit 1 394 003 M. 42 Pf. An Steuern werden wie bisher erhoben 170 Proz. Zuschlag zur Staatseinkommenfteuer, 170 Proz. Zuschlag zur Betricbssteuer, 230 Proz. Zuschlag zur Ge- Werbesteuer der I. und II. Klasse und 180 Proz. zur III. und IV. Klasse, und an Grundwcrtsteuer 3M.vomTausend. JmOrdinarimn betragen dieAusgaben 766833M.42Pf., imExttaordinarium 827 150 M. Im letzteren sind neben mehreren regelmäßigen Beiträgen zu Bau- und Tilgungsfonds vorgesehen 800 000 M. zum Bau der clekttischen Bahn sowie zur Regulierung der Marienstraße, 8000 M. zu Vor- arbeiten für die Kanalisation und das Wasserwerk, 13 300 M. zur Regulierung des Kietzgrabens sowie zur Errichtung eines Bohlen- Werks und einer Ablage, 2200 M. zum Umbau der Bade-Austalt in der Gartenstraße, 1630 M. für Anschlagsäulen, 500 M. zur Er- richtung einer Volksbibliothek und 300 M. zu Rcklamezwecken. Sommernrlanb für die Rixdorfer Gasarbeiter. Die Arbeiter der städtischen Gasanstalt in Ripdorf hatten beantragt, ihnen einen Sommerurlaub zu gewähren. Mit der Frage beschäftigten sich vor einiger Zeit bereits die Gasanstalts-Tcputation und die Bau- Deputation. Beide sprachen sich dahin aus, daß den Arbeitern der Gasanstalt, die bereits zehn Jahre in städtischen Diensten wären, ein Sommerurlaub von einer Woche mit Fortbezug des Lohnes zu gewähren sei. Die Gas-Deputation wollte jedoch für den Fall eines Verzichts auf den Urlaub die Prämie eines doppelten Wochcnlohns gewähren, während die Bau-Deputarion dies ausdrück- lich ausschließen wollte. Jetzt hatte sich nun auch die Gewerbe- Deputation als die sogenannte focialpolittsche Deputation zu der An- gclegenhcit zu äußern. Eine Prämiierung des Verzichts auf Urlaub wurde ohne lveitercs verworfen, und zlvar einstinmug. Ein socialdemokratisches Deputationsmitglicd warf ein, daß zehn Jahre Wartezeit denn doch etwas sehr viel wären, eigentlich sei doch jeder Arbeiter eines Urlaubs bedürftig. Von andrer Seite wurden gegen eine zu kurze Wartezeit besonders technische und finanzielle Bedenken geltend gemacht. Man einigte sich dahin, den städtischen Behörden anheimzugeben, den Arbeitern möglichst schon nach fünf Jahren einen Urlaub von einer Woche unter Fortbezug des Lohnes zu gewähren._ Gerichts-Zeitung. Der knusperige Gänsebraten. Ein umfangreicher Prozeß wegen Jahre hindurch fortgesetzter Vergehen gegen das Nahrungsmittel- gesetz beschäftigte gestern in längerer Verhandlung die vierte Straf- kammcr des Landgerichts I unter dem Vorsitze des Landgerichts- dircttors Oppermann. Auf der Anklagebank hatten folgende Per- sonen Platz zu nehmen: 1. die Schlächtcrmeister-Ehefrau Minna Hildebrandt, 2. deren Schwager, der Schlächter Friedrich H i l d e b r a n d t, 3. der Koch Eugen Zepernick, 4. der Handelsmann K i r ch e n b ü ch e l und 8. der Schlächtergesellc Friedrich S ch u I l e r. Ein sechster Angeklagter, der Schlächter- meistcr Heinrich Hildcbrandt, der Ehemann der erstgenannten An- geklagten, war nicht erschienen, sondern hatte sein Ausbleiben durch Krankheit entschuldigt. Heinrich Hildcbrandt hat in seinem Geschäfte nicht vorwärts kommen können. Nachdem er sich durch Leistung des Offeubarungseides seiner Schulden entledigt, richtete er seiner Ehe- frau und seinem Bruder Friedrich Hildcbrandt ein Restauratious- lokal in dem Hause Linicnstraße 200 ein. Das Geschäft wurde unter der Firma Hildebrandt u. Co. geführt, Inhaber waren die Ehefrau Hildebrandt und ihr Schwager Friedrich Hildebrandt. Heinrich Hildcbrandt galt als Geschäftsführer, der zumeist den Einkauf besorgte. Die Firma Hildcbrandt u. Co. wechselte häufig mit ihrem Lokale, von der Linienstraße verzog sie nach der Hussiten- straße, von dort nach der Roscnthäler- und von dort nach der In- validenstraße. Am 30. August v. I. erschien der Schlächter Max Hermann auf dem Polizeirevier und machte folgende Angaben: Er sei seit etwa einem Jahre bei Hildebrandt beschäftigt gewesen, habe jetzt seine Stellung aufgegeben und wolle nun Enthüllungen machen über die unverantwortliche Art, lvie die Inhaber der Firma Hildcbrandt u. Co. ihr Geschäft führten. Es wurde dort ien Gästen nur Geflügel, hauptsächlich Gänsebraten, von krepierten Tcren vor- gesetzt. Heinrich Hildebrandt fahre des Morgens in der Frühe nach der Eentral-Markthallc und frage dort die Großhändler mit be- zeichnender Geberde,„ob sie etwas hätten". Die Großhändler wüßten schon Bescheid, sie erwiderten in häufigen Fällen: ,Hier ist etwas I" und holten dann unter dem Tische in ihrem Verkauksstande Säcke hervor, in denen sich Gänse befanden, welche nicht frei cuf den Tisch gelegt werden durften, weil sie sonst von dem revidierenden Tierarzt beschlagnahmt lvorden wären. Es seien Gänse genesen, deren Aussehen schon ihre Minderwertigkeit verriet. Hildebrandt kaufe die Gänse und andres Geflügel im Bausch und Bogen, zumeist durchweg für eine Mark das Stück. Zu Hause angekommen, würden die Gänse ausgenommen und mit Salzwasser ausgewaschen, der Koch erhielt den Bescheid, bei der Zubereitung mit Zwiebeln und Gewürz nicht zu kargen und den Braten recht dunkel herzustellen. In dieser Form sei den Gästen das Fleisch vorgesetzt worden. Viele hätten es dennoch gemerkt, daß es mit dem Fleische nicht in Ordnung ivar, hätten es auch getadelt und seien fortgeblieben. So hätte des Hildebrandtfche Geschäft beispielsweise in der Hussitenstraße gegen 200 Mittagsgäste gehabt, die aber bald bis auf 60 zusammen- geschmolzen seien. Auf Grund dieser Angaben Hermanns ließ die Polizei am folgenden Tage eine tierärztliche Revision im Hildebrandtschen Lokal vornehmen. Der Tierarzt erschien zur Mittagszeit. Er stellte fest, daß der Gänsebraten, der den Gästen gerade vorgesetzt war, auf- fallend dunkel gebraten war, dagegen einen schlechten Geruch nicht ausströmte. In der Küche befanden sich keine rohen Gänse und auf die Frage des Tierarztes, ob noch Vorratsräume vorhanden seien, erwiderte Heinrich Hildcbrandt verneinend. Ter Tierarzt ermittelte aber, daß noch ein kleiner Keller zum Lokal gehörte. Er besuchte auch diesen Ort. Er fand ihn angefüllt mit allerlei Gerumpel und einem Bett, welches auf sein Befragen vom Koch zum Ruhen nach dem Mittagsessen benutzt zu tvcrden pflege. Der Tierarzt hob die Bettdecke hoch und marlite eine überraschende Entdeckung. Im Bett lagen, in Reih' und Glied nebeneinander, viele Gänse. Nach dem Gutachten der Sachverständigen waren es Tiere, welche schon vor der Schlachtung krepiert waren. Auch in verschiedenen Kisten ver- steckt wurden krepierte Gänse gefunden, im ganzen 41 Stück. Die Hauptvcrhandlung ergab die volle Schuld sämtlicher Angeklagten. Tie drei Angeschuldigten Zepernick, Kirchcubüchel und Schuller wurden überführt, den beiden Happtaugeklagten Frau Hildebrandt und Friedrich Hildcbrandt bei ihrem strafbaren Treiben Hilfe ge- leistet zu haben. Kennzeichnend für den Charakter des letzteren war eine Bemerkung von ihm, die der als Hauptbclastungszeuge auf- tretende Schlächter Hermann bekundete. Dieser habe ihm eines Tages vorgehalten, daß es doch böse Folgen haben könne, wenn erden Gästen solche Speisen vorsetze. Darauf habe Hildebrandt er- widert:„Ach was, laß sie man fr...... daran werden sie nicht gleich krepieren". Die Sachverständigen begutachteten, daß der- artiges Fleisch, wenn auch nicht geradezu als gesundheitsschädlich, so doch als verdorben bezeichnet werden müßte. Die Angeklagten wurden aus 8 10 des Nahrungsmittel-Gcsctzes, bczw. wegen Bei- Hilfe dazu verurteilt, und folgende Strafen festgesetzt: Frau Hilde- brandt 2 Monate Gefängnis und 500 Mark Geldstrafe, Friedrich Hildebrandt 4 Monate Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe, Zepernick 2 Wochen Gefängnis, Schüller 1 Woche Gefängnis und Kirchenbüchel 30 Mark Geldstrafe. Witterungsübersicht vom 17. Februar 1903, morgeus 8 Uhr. Wetter- Prognose für Mittwoch, den 18. Februar 1993. Etwas gelinder, zeitweise wolkig bei lebhastcu westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge Die versunkene Glocke. Ein deutsches Märchendrama von Gerhart Hauptmann. Mitglieder zur III. Abteilung werden noch in allen Zahlstellen auf- genommen. Das Einschrcibegeld betrügt 30 Ps., der Monatsbeittag sinkl. Vcreinsschrisi) 73 Ps._ 150/5 Am gleichen Tage, nachmittags 3 Uhr, im Schiller-Dheater O.: Eitra- Vorstellung:„Ein Ehrenwort" Schauspiel in 4 Akten von Otto Erich Harllehen. Karten für Mitglieder a 75 Ps., für Gäste a 90 Pf. sind in den Zahl- stellen von H. Bobsin, Kominandantenstt. 62: H. Becker, Gotzkowskhstr. 9; H. Kaufhold, Wrangclstraße 32; H. Hirsch, Mattemsttaße 3, sowie beim Kassierer zu haben. Der Vorstand. I. A.: Heine. Holt. Kassierer, Georgenkirchsir. 22,». III. Hm Lipkes Restaurant, Melchiorstr. 15. Kleiner Saal mit Pianino zu Bereins- und Wcrkstattsstzungeu noch einige Tage in der Woche zu vergeben. 517&* Garten, Billard und Kegelbahn, diverse Bicre, große Weiße 20 Ps. H. Greifenhagen HTachfg. Brunnenstrasse 17.(Inh.: Trapp& Morris). Brunnenstrasse 17. Extra verkauf wegen Em eit er im �sban.| Alle Waren sind im Preise ermässigt nEriEEFtipsl mit Ausnahme weniger Artikel, bei denen eine Herabsetzung unmöglich ist. ynr einmaliges Angebot! BraUnCS sogen. FOUerfOStOS GeSCHirr. Xor elnmaliScs Angebot! Serie I. 1 Serie II. I Serie III.. Grosse Schmoptttpfe. 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