Nr. 102. Erscheint täglich außer Montags. Abonnements Prets für Berlin: Vierteljährlich 3,30 Mt., monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Bellage Neue Selt" 10 Bfg. Poft- Abonnement: 3,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Defterreich Ungarn 2 Mr., für das übrige Auslands Mr.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1892 unter Nr. 6652. Vorwärts 9. Jahrg. Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr Bor mittags geöffnet. Seru fprech- Anschluß: Amt I, Nr. 4186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. 3 u Boden lag die Sklavenarbeit, In Staub gesunken die alte Welt,' Sonntag, den 1. Mai 1892. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Bum ersten Mai 1892. Gestürzt durch einen Hauch von Menschenliebe, Der mit der frohen Botschaft vom Dften fam. Aber den Hauch erstickte Betrug Und Herrschsucht und Eigengier; Und über die Menschheit brach herein Mit Leibeigen- Arbeit, mit Frohnarbeit Des Mittelalters graufige Nacht. Tausend Jahre währte die Nacht. Da tam eine Runde vom Weften her. Eine neue Welt war aufgefunden. Der Erdball drehte sich zum ersten Mal Im Bewußtsein der Menschen um die Sonne. Wie wachten da die Geister auf! Die Leibeigenen rüttelten ihre Retten, Die Bauern standen auf im Verzweiflungskampf. Runft und Wissen erblüheten neu. Aber nieder sant eine neue Nacht. Mit Willkürherrschaft, mit Menschengemegel Und doch mit dreifach beschleunigtem Schritt Ging eine neue Zeit vorüber. Dreihundert Jahre währte die Nacht. Der dreifache Schritt der Zeit. Da erhob sich zur Freiheit die neue Welt. Und im Westen der alten Welt Stand ein gequältes Bolt zum Sturme auf, Und ihre Stadt voll Freiheitsliebe Erschlug die Willkür, rief aus die Losung: Der Menschen Rechte!! Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit! Ein frischer Hauch wehte über die Völker, Belebte die Länder. Aber der Hauch erstickte wieder: Mammon trat auf. Seine gierige Herrschaft begann Und mit der Maschine die Lohnarbeit. Und Moloch leiftet dem Mammon Hilfe. Und abermals nahm eine neue Zeit Mit dreifach beschleunigtem Schritt ihren Lauf. Einhundert Jahre wallten vorüber. Da ward in der neuen Welt Zu Boden geworfen die Sklavenarbeit Der farbigen Menschen im blutigen Kampf. Und siehe! Im Westen der alten Welt, In derselben Stadt voll Freiheitsliebe, Echob sich die unterste Schicht der Menschheit Und kämpfte den Verzweiflungskampf Gegen Mammon und Moloch. Ueber die Bedeutung des ersten Mai brauchen wir Seitdem rollt eine neue Zeit. Mit dreifach beschleunigtem Schritt Jetzt fliegt die Beit! Und zwei Theile des neuen Dritttheils Sind heute vorüber, find heute vorbei. Heut hört ihr's nicht braufen? Die Arbeitswelt steht auf. Millionen Menschen beginnen zu rufen: Bon dreifacher Gestalt der Knechtschaft Erlöst, so wird die Menschheit frei! Borbei die Stlaverei! Die Frohnarbeit vorbei! Die Lohnarbeit vorbei! Ein gewaltiger Hauch erfaßt die Erde Und weckt der Menschheit Bewußtsein auf. In der alten Welt, in der neuen Welt Hörst Du im Hauche den Schritt der Zeit, Ein flirrendes Vorwärts! Wir schreiten mit Jauchzen vorwärts. Und schwillt der Hauch zum Sturm, Wir segeln mit dem Sturm! Leopold Jacoby. Schauen wir näher! So verschieden die Intereffen der Bum Welf- Maifest unsere Zefer nicht mehr aufzuklären- die Festschrift, welche zwei Böller, so verschieben auch ihre Haltung, ihr Vors " Der Arbeiter. richten, den Arbeitstag auf acht Stunden festzusetzen und die für diesen Tag in einer beispiellos großen Auflage den Ar- gehen. beitern Deutschlands zugegangen ist, sagt Alles, was etwa Dort das Volt der Arbeit, ruhig, besonnen, start, Am 20. Juli 1889 faßte das internationale Parlament des noch zu sagen war. zielbewußt, mit flarem, scharf ausgeprägtem Programm, arbeitenden Boltes, welches am 14. Juli 1889, am hundertsten Der erste Mai ist nicht blos das Weltfest der siegesgewiß. Jahrestag des Bastillensturms in Paris zusammengetreten Arbeiter ist auch der Tag, wo die Arbeiter sich Hier das Voit des Besizes, plans und rathlos, angst war, einstimmig, unter begeistertem Jubel, folgenden und ihre Gegner zählen ein Tag der Schei voll, an sich selbst verzweifelnd trotz der kolossalen Machts Beschluß: dung der Geister. mittel, über die es verfügt. Es ist für einen bestimmten Zeitpunkt eine große Zum ersten Mai scheiden sich die zwei Völker der Erde; Dort der Glaube an die gute Sache. internationale Manifestation( Rundgebung) die zwei einzigen Völker, zwischen denen eine Interessenzu organisiren, und zwar dergestalt, daß gleichzeitig in allen verschiedenheit besteht, die freilich noch nicht von jedem beHier der geistige und moralische Bankrott. Ländern und in allen Städten an einem bestimmten Tage die griffen wird. Doch Alle, welche sie begriffen haben, treten welche Schliche und Kniffe, welche Mittel der Lift und Ge Was hat das Volk des Besizes nicht Alles angewandt, Arbeiter an die öffentlichen Gewalten( Behörden) die Forderung in einen der zwei großen„ Ringe", die jedes der beiden welche Schliche und Kniffe, welche Mittel der Lift und Gewalt- um den Gang der Arbeiterbewegung zu hemmen übrigen Beschlüsse des internationalen Rongreffes von Baris Völker sich gezeichnet hat: das Bolt der Arbeiter, und und die Maifeier zu verderben! Alles umsonst; und zur Ausführung zu bringen. In Anbetracht der Thatsache, das Volk der Besigenden. Zwei Völker und zwei daß eine solche Rundgebung bereits von dem Amerikanischen Klassen. Wie die mittelalterliche Trennung in Stände der Alles, was die Gegner wider uns versucht, hat sich gegen Arbeiterbund( Federation of Labor) auf seinem im Dezember Scheidung nach Klassen hat weichen müssen, so muß auch sie selber gewandt. 1888 zu St. Louis abgehaltenen Kongreß für den 1. Mai 1890 die Trennung in Nationen verschwinden. Der Kapitalismus beschlossen worden ist, wird dieser Zeitpunkt als Tag der inter- fennt feine Schranken der Nationalität nationalen Rundgebung angenommen. Die Arbeiter der ver- wenn cs gilt, schiedenen Nationen haben die Kundgebung in der Artfnechten; die Arbeiter zu schädigen und zu und Weise, wie fie ihnen durch die Berhält nechten; für sich selbst ist er international. Und der mit seinem obersten Grundsage niffe ihres Landes vorgeschrieben wird, Sozialismus der Gleichheit alles dessen, was Menschenangesicht trägt", macht ins Werk zu setzen." Nichts Drohendes in dem Beschluß. Einfach die An- nicht Salt an den Grenzpfählen. Die nationalen Fragen, mus mit dem anarchistisch- lockspizligen Herenfabbath etwas beiter bekräftigt und mit der Wucht und dem Nachdruck ihm nichts, verglichen mit der großen internationalen Frage etwas anderes sein können, als das Werk von Verbrechern ordnung einer Feier, durch welche die Forderungen der Ar. welche sich innerhalb der einzelnen Staaten abspielen, find zu thun habe. Und fein Mensch glaubt mehr, daß Dynamit- Streiche, wie die des Ravachol und seiner Genossen, der Arbeiterbefreiung, welche in getheilt hat. Millionen, den Machthabern des Tages vorgelegt werden sollen. Und gemäßigte, faft zu bescheidene Forderungen Forderungen des Arbeiterschutzes, beren Berechtigung im Prinzip von allen Parteien anerkannt worden ist. außer Wohl möchte Mancher sein Auge dieser Thatsache ver schließen. Doch ein Blick auf die Menschen und Dinge ringsum zerstreut jeden Zweifel. Und gerade jetzt, am Vorabend des 1. Mai, und am 1. Mai! zwischen die Beine zu werfen gedachten, tanzt ihnen selbst Der Knüppel des Anarchismus, den sie uns zuletzt noch jetzt auf dem Rücken herum, und sie wissen nicht, wie den Beelzebub loswerden, mit dem sie den Teufel des Sozialismus Kein Mensch läßt sich mehr anlügen, daß der Sozialis austreiben wollten. den Sozialismus zu einem Schreckbild machen und ihn Durch das Rothe Gespenst des Anarchismus wollte man herabsetzen in der Achtung der Menschen- und man hat nicht den Sozialismus getroffen, sondern den so sorgsam Trotzdem brachte dieser Beschluß die besigenden und gehegten und gepflegten Anarchismus todtgeschlagen. herrschenden Klassen in eine unbeschreibliche Aufregung und Ein wunderbares Schauspiel bietet der Erdball. Ueberall Die internationale Sozialdemokratie ist eine revo fie thaten, was nur irgend in ihrer Gewalt stand, um den wohin wir blicken, in Nord und Süd, in West und Oft lutionäre Partei; mit Dieben und Mördern, für die sie Beschluß des internationalen Kongresses von Paris zu in der alten Welt, in der neuen Welt und bei unseren indeß als für Opfer der Gesellschaft menschliches Mitgefühl nichte zu machen und die Feier des Maifestes zu ver- Gegenfüßlern überall, wohin die Kultur gedrungen ist, hegt, hat sie nichts gemein. Sie steht auf dem Boden des hindern. sehen wir die Bewohner der Länder in zwei Gruppen aus- Klaffenkampfs, der Klasse gegen Klasse, nicht meuchEs ist ihnen nicht gelungen das internationale einandergehen. Und in allen Ländern finden wir in beiden lings Person gegen Person geführt werden muß. Proletariat war stärker als seine Feinde, und der 1. Mai Heerlagern die gleichen Banner, die gleichen Schlagworte, Durch lange Unterdrückung belehrt, haben die ist und bleibt der Festtag der Arbeiter. Sie gleichen Hoffnungen, Befürchtungen und Bestrebungen. Arbeiter gelerut, daß ihre Emanzipation nicht das Heute wird er zum dritten Male gefeiert. Die Feier Und wenn wir genauer zusehen, so finden wir, daß es in Wert einzelner Individuen sein kann, sondern sich in Gedes vorigen Jahres war eine allgemeinere als die vorher Wirklichkeit nur zwei Völker sind, welche die Erde be- mäßheit der politisch- ökonomischen Entwicklungsgesetze zu gehende, erste, und die heutige Feier wird eine noch wohnen, soweit sie von den Strahlen der Kultursonne er- vollziehen hat. Sie haben gelernt, daß es nicht in der allgemeinere, maffigere, einheitlichere sein, als die des leuchtet ist. Und das Maifest der Arbeit ist es, das den Macht der herrschenden Klasse liegt, diese Entwickelung willvorigen Jahres, wie das der stetige Fortschritt und das Anlaß bietet zu dieser Trennung, zu dieser Scheidung der kürlich zu ändern oder zu hemmen. Sie haben gelernt, daß stetige Wachsthum der Arbeiterbewegung mit sich bringt. Geister. es ein Widersinn ist, die Erlösung von der Klasse zu era warten, deren Interesse eS ist, sie in der bisherigen Ab hängigkeit zu erhalten. Sie haben gelernt, daß die Arbeiter- klaffe nur durch die Arbeiterklaffe befreit werden kann Und sie haben gelernt, daß die Arbeiterklaffe nur durch rastlose Propaganda und durch Organisation*— eine Organisation, welche sich nicht auf die staatlichen oder nationalen Gebilde beschränkt, sondern in internationaler Interessengemeinschaft das gesammte Arbeitervolk der Kulturstaaten umfassen niuß— den großen Emanzipations- kämpf zu siegreichem Ende zu führen vermag. Unser Ziel ims in flammendem Strahlenglanz zu zeigen, die nächsten Forderungen des arbeitenden Volks den Machthaber» vor Augen zu führen, uns die Gemeinschaft der Interessen, des Fühlens und des Denkens mit unseren Genossen im Vaterland und in allen anderen Ländern der Erde zu vollstem und deut- lichstem Bewußtsein zu bringen, und die Pflichten, welche der gemeinschaftliche Emanzipationskampf auferlegt, uns tief in das Herz einzubrennen— das ist der Zweck und die Bestimmung des Maisestes der Arbeit. Die deutschen Arbeiter werden es würdig be gehen. Aus zum Mai fest! Hoch der Achtstundentag! Hoch die internationale Sozialdemokratie! ** Die Beschlüsse des Pariser Kongresses, denen die Maifeier in erster Linie gewidmet ist, lauten: I. Die Schaffung einer wirksamen Arbeiterschutz-Gesetzgebung für alle Länder mit moderner Produktion ist eme unabwendbare Nothwendigkeit. Als Grundlage derselben betrachtet der Kongreß: a) de« achtstündigen Normalarbeitstag■, b) Verbot der Arbeit vo« Kindern unter 14 Jahre« und Beschränkung der Arbeit aller Minderjährigen vo« 14 bis 18 Jahren auf sechs Stunden pro Tag; v) Verbot der Nachtarbeit mit Ausnahme für jene Betriebe, welche ihrer Natur«ach ununterbrochenen Betrieb erfordern; ä) Ausschluß der Frauenarbeit in alle» den weiblichen Organismus besonder« schädigenden Betrieben; s) Verbot der Nachtarbeit für Frauen und für mänm liche Arbeiter unter 18 Jahren; i) Eine mindestens 36 Stunden hintereinander um fassende Ruhezeit pro Woche; g) Verbot solcher Industrien und solcher Arbeits� Methoden, welche der Gesundheit der Arbeiter besonders schädigend sind; h) Aufhebung des Trucksystems; i) eine alle industriellen Betriebe, einschließlich der Hausindustrie, umfassende Inspektion durch staatlich be> soldete Inspektoren, welche mindestens zur Hälfte vo« de» Arbeitern selbst zn wählen find. II. Der Kongreß erklärt es für nothwendig, alle diese Maß- regeln durch Gesetze bezw. durch internationale Verträge zu sichern und fordert die Arbeiterklasse aller Länder auf, in der ihnen am geeignetsten erscheinenden Weise für die Verwirk- lichung dieser Forderungen einzutreten und ihre Durchführung zu überwachen. III. Außerdem erklärt der Kongreß: ES ist Pflicht aller Arbeiter, die Arbeiterinnen als gleichberechtigte Mitkämpfe- rinnen anzusehen und dem Grundsatze: Gleicher Lohn für gleiche Leistungen— auch in Bezug auf die Arbeiterinnen zur Geltung zu verhelfen. Als ein wesentliches zum Ziel führendes Mittel hierfür, wie für die Verwirklichung der Emanzipations- destrebungen der Arbeiterklasse überhaupt erachtet der Kongreß die Organisation der Arbeiterklasse und forden demnach volle Koalitions- und Vereinigungssreiheit. Doltkifthe Mebevflckik. Berlin, den 30. April. Zur Bergwerks-Novellc. Die Bergleute des Saar- reviers, wo Stumm und der Fiskus einträchtiglich neben ein- ander walten, haben an den preußischen Landtag eine Ein- gäbe gegen die Berggesetz-Novelle gerichtet; sie fordern in derselben die Achtstunden-Schicht, fünf Mark Minimal- gedinge und Einsetzung eines Schiedsgerichts, das über Ab- legimgen zu entscheiden habe.— Immer nobel. Die Reichsunmittelbaren sind mit der ihnen m dem den Abgeordnetenhause vorliegenden Gesetzentwurf gebotenen Entschädigung für Aufhebung ihrer Einkommen- steuerfreiheit noch durchaus nicht zufrieden. Sie fordern deshalb in einer Eingabe an das Abgeordnetenhaus statt des Entschädigungskapitals, welches das IllVefache ihrer Fcuillekon. NachdruS oetboten.) [102 Am Mebstnhl der Zeit. Zeitgenössischer Roman in 3 Büchern von A. O t t o W a l st e r. „Dieses Bedenken theile ich nicht/ erklärte Lange,.wir werden jeder Zeit im Stande sein, wenn wir es ehrlich meinen, die große Menge der Arbeiter für die nothwenoigen Reformen zu gewinnen. Wenn wir ihnen immer anbieten, was sie brauchen, und entschieden damit vorgehen, werden wir sie trotz allen Jntriguen fort und fort hinter uns haben." „Diese Leute denken immer an Kommunismus/ ent- gegnete RaffmauS. „Nicht m so dummer Weise, wie die Bourgeoisie ihn auffaßt," bemerkte Lange,„und daS Ideal bleibt der Kommunismus für jeden wahren Menschen. Die Meisten haben keinen anderen Begriff davon, als: es soll von Zeit zu Zeit getheilt werden, was vorhanden ist. Solch dummen Unsinn verbreiten selbst gelehrte Nationalökonomen. Kein Arbeiter theilt solche absurden Begriffe, darüber ist er längst hinaus; er wünscht nur, daß der Staat nicht mehr das übermäßige Vermögen Einzelner einseitig beschützt, be- wacht und sich in unerhörter, gemeinschädlicher Weise ver- mehren läßt. Es sollen nur Allen die Mittel geboten werden, ihre Arbeitsprodukte frei verwerthen zu können." „Und eben das sind Ideale, die noch ein Jahrhundert zur Reife gebrauchen. Sie thun mir wirklich leid, Herr Doktor; Sie könnten eine schöne Rolle in der Welt spielen, könnten ihre persönlichen Ideale verwirklichen. künstigen Einkommensteuer beträgt, das SSfache! Höchstens würden sie zugeben, daß die Zinsen des Abfiudungskapitals sich zu der von ihnen zu zahlenden Steuerquote wie 7 zu 8 verhalten mögen. Auch verlangen sie Entschädigung für die Auferlegung der Einkommensteuer auf denjenigen Theil ihres Einkommens, welcher aus persönlichen Dienstleistungen, Ge� hältern und Pensionen entsteht. Ueberhaupt habe der Staat kein Recht, das Entschädigungskapital durch Gesetz zu be- messen. Man möge nur die Aufhebung des Privilegs bestimmen und es zugleich dem Richter überlassen, den Ent- schädigungsbetrag festzusetzen. Unterzeichnet sind folgende „Edelste":„Die F ü r st e n von Bentheim- Bentheim und Bentheim-Steinfnrt, zu Isenburg und Büdingen in Birstein, zu Dsenburg und Büdingen in Wächtersbach, zu Salm- Salm, zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, zu Solms-Braun- fels, zu Solms-Hohcnsolms-Lich, zu Wied, und die G r a f e n zu Solms-Rödelheim, zu Stolberg-Stolberg, zu Stolberg- RvßlaHund zu Isenburg und Büdingen in Merholz.(Blos des Fürsten zu Stolberg-Wernigerode Unterschrift fehlt.) Auf solche Unverfrorenheit ist nur Eine Antwort möglich, die der Landtag aber, loyal wie immer, nicht geben wird: Kein Pfennig„Entschädigung" für dies Schein- recht der uradligen Millionäre!— Preußischer Bußtag. Der dem Abgeordnctenhause zugegangene Entwurf betreffend die Verlegung der Landes- Büß- und Bettage hebt die in den verschiedenen Landes- theilen der Monarchie bestehenden Büß- und Bettage, ins- besondere den Mittwoch nach dem Sonntag Jubilate, als allgemeine Feiertage aus und überträgt diese Eigenschaft eines allgemeinen Feiertages auf den Mittwoch vor dem letzten Trinitatis-Sonntag.—- Ein Zugeständniß. In einem Leitartikel„Sozial- politisches", der für dw Zunftmeister Stimmung macht, sieht sich die„ K r e u z- Z e i t u n g"(Nr. 202 Abend-Aus- gäbe vom 30. April) zu folgendem beachtenswerthen Zn- geständniß genöthigt: „Wir haben nie ein Hehl daraus gemacht, daß die Be- stimmungen jener Gewerbenovelle, so dankenswerth sie an sich sind, doch in keinem Berhällniß zu dem bei der Vor- berathung in Thätigkeit gestellten Apparat sich befinden: aus einem so umfangreichen und so vielseitig gebrüteten Ei hätte schon ein etwas ausgewachsenes Hühnchen auskriechen können. Aber wenn es auch nur klein und zart gerathen ist, man sollte die Vorsicht nicht übertreiben, mit der man ihm nur nach und nach den freien Gebrauch seiner einzelnen Gliederchen gestattet. Unbesorgt, ihr Großindustriellen! Dies Pult- hühnechen wird euch nicht alle Blümchen auf dem Hof ausrupfen, wie es im Kinderverse heißt. Wir Deutschen sind im allgemeinen über die Gebühr geneigt, aus- ländischen Mustern nachzuahmen; aber vielleicht geht uns gerade deshalb die Gabe ab, die Erfahrungen anderer Länder ivirklich in Freiheit und Selbständigkeil uns zu Nutze zu machen. England ist allen anderen Ländern mit seiner Fabrikgesetzgebung vorangegangen; bei diesem isolirten Vorgehen war die Fixirung langer Uebergangsfristen durchaus berechtigt. Nachdem sich aber dort herausgestellt hat, daß alle Maßregeln zum Schutze der Arbeiter der Industrie nie nachtheilig sind, sondern ihre Produktivität erhöhen, ist die bei unS beliebte zögernde Art, als nothwendig und gerecht Erkanntes auszuführen, schlechter- dings nicht zu rechtfertigen. Die Klagen über die Konkurrenz des Auslandes verdienen angesichts der Thatsache, daß England, Oesterreich und die Schweiz in ihrer Arbeiterschutz- Gesetzgebung weiter sind, als wir, nicht die geringste Beachtung." Die Konservativen aber haben in rührender Ueber- einstimmung mit den Schlotbaronen den heutigen Arbeitertrutz schaffen helfen.— ES kriselt noch immer. Der KriegSminister, General-Lieutenant von Kaltenborn-Stachau dürfte nach den Informationen der„Kreuz-Zeitung" in kurzer Zeit,„da 'eine Gesundheit ernstlich erschüttert ist," von seiner Stellung zurücktreten. Zu seinem Nachfolger ist, gutem Vernehmen nach, der General-Lieutenant v. Holleben, Kommandeur der 1. Garde-Jnsanterie-Division, ausersehen. Die Minister- 'rankheit heilt im Augenblick der Abgabe des Porte- euilles.—- Adolf Wagner. Der Theoretiker des evangelisch- ozialen Kongresses hält es für klug, auf die gegen ihn vom „Vorwärts" geübte Kritik(Nr. 96 vom 24. April) nur insoweit zu reagiren, als er bestreitet ein Höfling zu sein. Er habe stets den Much gehabt, seine Meinung nicht nur nach oben, sondern auch nach unten zu vertreten, daS Schweifwedeln nach unten sei aber heute eine größere Gefahr als das nach oben. Herr Wagner erbringt jedoch in dieser Aeußerung selber einen Beweis für die Richtigkeit unserer Auffassung, denn die Redensart vom Schweifwedeln ich kann Ihnen nur zunächst andeuten, daß es nicht langer eit bedürfen wird, bis wir die„Landeszeitung" in unsere ände bekommen. Welche Wirksamkeit wird Ihnen da er- öffnet, welche gesellschaftliche Stellung erreichen Sie da- durch! Kommen Sie zu uns, junger Mann, und helfen Sie mit uns den gemäßigten, vernünftigen Fortschritt fördern. Wir kommen mit der Zeit auch zu Ihren Zielen." „Und das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht?" „Wollen wir in ernstliche Berathung ziehen; es wird zann Ihre Sache sein, meinen Parteigenossen alle Bedenken äerüber zu nehmen. Sehen diese Sie einmal in unseren Reihen werden sie auch manchen Argwohn fallen lassen, >enn— unter uns gesagt— wir haben ja auch viele dumme Kerle unter unS, nne Sw wahrscheinlich schon bemerkt haben werden." „Allerdings," meinte Lange lächelnd;„indessen muß ch Ihnen noch ganz besonders bemerken, daß wir auf keinen Fall dem Professor Birnenmann unsere Stimme geben würden." „Also doch nicht?" rief RaffmauS grimmig. „Nein, auf keinen Fall, denn Herr Professor Birnen- mann hat sich gar zu gemein gegenüber der Demokratie, den Arbeitern und uns benommen." „Also würden Sie eher den Dr. Benjamin nehmen?" „Ebenso wenig." „Nun, und wen denn da?" „Wir würden unS nöthigensalls für Herrn Dr. Lutz entschließen." „Dr. Lutz? daS wäre allerdings so eine Vergleichs-, eine Konipromiß-Person. Ich meinerseits habe nichts da- gegen; bleiben wir bei dem Vorschlage stehen." „Das Geld muß ans der Welt geschafft werden," rief eben, als die Beiden an die Tafel zurücktraten, Hanke leidenschaftlich aus, nachdem er schon seit einer Weile mit Dr. Lutz dispntirt hatte. nach unten, das heute eine größere Gefahr fei als das nach oben, ist nur eine nach dem Lustgarten gerichtete byzantinische Verbeugung.' Im übrigen wollen wir auf die zahlreichen wohlbekannten Häutungen des Politikers Wagner nicht eingehen: radikal angehauchter Kathedersozialist, gefügiger Verfechter des Bismärckischen Aftersozialismus(„Patrimonium der Enterbten"!), begeisterter Antisemit, als der Antisemitismus durch Bismarck hoffähig wurde, und heute— weil von oben ein den Anti- semiten feindlicher Wind weht,— ein Gegner derjenigen Ten- denzen, die er noch in seiner berufenen Tonhallen-Rede vom 19. Oktober 1889 so stimmungsvoll vertreten hat, was ihm seine alte Gönnerin, die„Kreuz-Zeitung"(Nr. 186 vom 21. April 1892) mit anmuthiger Malice vorrückte. Männer- stolz vor Königsthronen ist eine Tugend, die von den Rosen- kränz und Güldenstern aller Zeiten mit gleicher Virtuosität geübt wird.— Die„Freifinnige Zeitung" und das bayerische Staatsrecht. Wir schrieben dieser Tage(Nr. kB vom 28. April): „Wenn die„Freisinnige Zeitung" nicht einer notorischen Unwissenheit in allen süddeutschen Angelegenheiten sich erfreu le, könnte sie das feige Fernbleiben der bayerischen Deutsch- freisinnigen bei der„Reklamation" der Wahlrechtsreform- Petitionen im Landtage nicht mit der Flausc entschuldigen, „die Verwirklichung der Reform sei ohne Verfassungsänderungen nicht möglich und Verfassungsänderungen würden nach der von der Negierung und der Kammer angenommenen staatsrecht- lichen Meinung unter der Regentschast als nicht erlaubt an- gesehen". Will die„Freisinnige Zeitung" uns nun erklären, wie es möglich war, daß das bayerische Branntwein- steuer-Reservatrecht unter der Regentschaft vom Land- tag— die Deutschfreisinnigen natürlich eingeschlossen— mit Pauken und Trompeten preisgegeben wurde, daß diese Maß- regel von der Regierung sanktionirt wurde, obwohl es sich um eine verfassungsmäßig festgelegte Einrichtung handelte?" Die„Freisinnige Zeitung" fragt nun(Nr. 101 vom 30. April) mit rührender Naivität:„Seit wann bildet denn das Branntweinsteuer-Reservatrecht einen Bestandtheil der bayerischen Landesverfassung?" Die Branntweinbesteuerung war ein bayerisches Sonder- recht, das sich auf die Versailler Verträge gründete(siehe Pötzl, Das bayerische Verfassungsrecht, S. 41; Reichs- Verfassung, Artikel 38). Als solches gehörte es zu den Ver- fassungsgesetzen, welche Zusätze zur Ver- fassungsurkunde bilden(königliche Deklaration, die deutschen Bündnißverträge vom 30. Januar 1371 betreffend; abgedruckt bei Stoerk, Handbuch der deutschen Verfassungen, S. 105). Die bayerische Verfassung, Titel X,§ 7 besagt nun; „Abänderungen in den Bestimmungen der Verfassungs- Urkunde oder Zusätze zu derselben können ohne Zustimmung der Stände nicht geschehen. Die Vorschläge hierzu gehen vom Könige ans, und nur wenn derselbe sie an dte Stände ge- bracht, dürfen diese darüber berathschlagen." Das Gesetz die ständische Initiative betreffend, vom 4. Juni 1848, räumt den Ständen das Recht ein, auch von sich aus in Steuersachen Vorschläge zu machen. Und der Titel VIl§ 3 der Verfassung lautet: „Der König erholt die Zustimmung der Stände zur Erhebung aller direkten Steuern, sowie zur Erhebung neuer indirekter Steuern, oder zu der Erhöhung oder Ver- änderung der bestehenden." Zu diesen indirekten Steuern gehört(vergleiche Pötzl a. O. S. 65/66), die Branntweinsteuer(siehe auch Ver- fassungsverständniß über Titel VII,§ 3—10 der Verfassungs- Urkunde, das Steuerbewilligungsrecht der Stände betreffend, nach dem Landtagsabschiede von 1843). Und der schon genanute bayerische Staatsrechtslehrer Pötzl sagt(a. a. O�) bei seiner Erörterung der Grenzen des Reichsrechts hinsichtlich der Sonderrechte:„In welcher Art bei den an dem Partikular- recht verbliebenen Gegenständen(dazu gehörte die Bräunt- weinbestcuerung) neue Vorschriften zu erlassen, bestehende zu ändern oder aufzuheben sind, darüber entscheiden die bisher bestandenen Bestimmungen der Verfassung über den Wirkungskreis der Volksvertretung." Es kommt ferner in Betracht die ausschlaggebende Vorschrift der Verfassung Titel VH,§ 30; „Der König allein sanktionirt die Gesetze und er- läßt dieselben mit seiner Unterschrist und Anführung der Ver- nehmung des Staatsraths und des erfolgten Beiraths und der Zustimmung.... der Stände des Reiches." Für die R e i ch s v e r w e s u n g nun, die wir in Bayern seit 1886 haben, gilt Titel IV tz 7 der Verfassung: „Der Regent übt während seiner Reichsverwesung alle Regierungsrcchte aus, welche durch die Verfassung nicht besonders ausgenommen sind." „Ebensogut können Sie sagen, das Rindvieh kann ab- geschafft werden," erwiderte Dr. Lutz mit besonderer Schärfe. „Und wenn ich Ihnen nun nachweise, Herr Dr. Lutz," bemerkte Lange hinzutretend,„daß wirklich einmal das Rindvieh überflüssig werden kann, werden Sie dann an das glauben, was Ihnen Herr Hanke gesagt?" „Ja, dann würde ich wirklich daran glauben," meinte Dr. Lutz lachend. „Es gilt! ein Wort, ein Mann," fuhr Lange fort. „Und nun hören Sie. Wozu ist das Rindvieh da? Zur Arbeit und zum Milchgeben; bei seinem Tode noch zur Lieferung eines unentbehrlichen Nahrungsmittels. Nicht wahr?" „So ungefähr," meinte Lutz;„doch wollen wir Hörner und Haut, Haare und Knochen nicht ganz verschmähen, welche allerdings anderweitig ersetzt werden können." „Ich spreche auch nur von dem, was zur Zeit noch nicht anderweitig ersetzt ist. Und nun sagen Sie mir, Herr Dr. Lutz, ob nicht bei dem gegenwärtigen Stande der poly- technischen Künste und Wissenschaften sehr leicht anzu- nehmen ist, daß wir einmal die Zugkraft des Rindviehes dnrch zweckmäßig eingerichtete Maschinen ersetzen werden?" „Dieser Fall ist allerdings mehr als wahrscheinlich vorauszusetzen, bei den überraschenden Erfindungen und Kombinationen, welche unsere Zeitperipde auszeichnen." „Nun gut x jetzt betrachten Sie einmal die Bedeutung des Rindviehes als Nahrungsmittel. Der Ochse giebt so wenig, wie die Kuh, mehr nährende Stoffe von sich" als er in sich aufnimmt; im Gegentheil brauchen beide eine ziem. liche Zeit, in der sie eine bestimmte Masse von Stoffen ansammeln, die ihren viele Zentner schweren Körper zn sammensetzen, und so lange sie am Leben sind, entzieht sich diese Stoffmasse der Benutzung. Es geht aber auch vie verloren, weil diese Thiere Krankheiten unterworfen sind die ihr Fleisch ungenießbar machen Das Rindvieh ist ab« ®« Münchener Staatsrechtslehrer Seydel sagt Bayerisches Staatsrecht I, S. 451):„Die Befugnisse, welche dem Regenten entzogen sind, übt kein Anderer aus, sondern sie ruhen, bis der König selbst in der Lage ist, sie geltend zu machend Die Steuergesetzgebung, speziell auch die Besteuerung des Branntweins, bildet emen integrirenden Theil der Verfassung; nur auf die königliche Initiative hin oder durch Sanktion des Königs kann hier eine Aenderung getroffen werde«. Der König aber ist wegen geistiger Gebrechen nicht regierunasfähig, und der Reichs- Verweser darf keine Verfassungsänderung vornehmen. Seydel Das bayerische Staatsrecht IH, S. 481) sagt:.Verfassungsänderungen durch den Regenten sind nach bayerischem Staatsrecht un- zulässig.' Das ist ausdrücklich bereits festgelegt in dem Staatsraths-Protokoll vom 20. Mai 1818, in welchem die Schlußberathung über das Verfassungswerk stattfand. Trotzdem haben sich die bayerische Regierung und der bayerische Landtag im �ahre 1887 über diese verfassungS- rechtlichen Schranken hinweggesetzt, das Reservatrecht ge- opfert und das Reichs- Branntweinsteuer- Gesetz akzeptirt. Wir wiederholen also, was wir gesagt:.Damals ging es trotz der Verfassung. Jetzt geht es nicht wegen der Ver- fassung. Aber diesmal handelt es sich um die Erweiterung des Wahlrechts, und dazu ist der Deutschfreisinn zu— freisinnig!"— Zur Gharakteristik des bayerische« Deutschfrei- finns. Was sagt Herr Eugen Richter zu der in der »Volks-Zeitung"(Nr. 102 vom 1. Mai) am Nürn- dcrger Parteitag geübten Kritik? Da heißt es u. a.: Der bayerische Freisinn, soweit er offiziell nach außen tritt � und dieser ist zur Zeit noch der maßgebende— hat stets in Wadenstrümpfler-Politik pwr excellence gemacht. Bei der engen Verquickung mit dem RationalliberalismuS, der den Freisinn m Bayern immer nur als nnvermeidliches Uebel be- trachtet und demgemäß behandelt hat, hat in langen Jahren kein Mtnsch— die sogenannten Parteiführer eingeichlofsen— aus dem Echo auS der Prannerstraß« in München heraus- zuhören vermocht, wo der Rationalliberalismus aufhörte und der Fretstnn anfing; brüderlich haben sich beide Richtungen zu der wächsernen Legierung der Eanstmuch und der Nachgiebig- B*Srn oben verbunden.... m � schlichte Wähler versteht eS absolut nicht, wie zwei Paneten, dt« sich de» den Landtagswahlen um den Hals fallen, sich zw« Jahre später bei den Reichstags-Wahlen wie Tod- feinde belämpfen können. Er sagt sich mit Recht, daß das eme oder das ander« unaufrichtig ist. Halbheiten und Korn» promisse haben wir aber ohnedies genugsam in der Welt; die Landesversammlung der freisinnigen Partei hätte es sich er» sparen können, zu diesem blechernen Münzhaufen noch ihr Scherflein beizusteuern.... So hat denn der.bayeriscy« Freisinn" die letzte Gelegen- heit vorübergehen lassen, in der er sich zu einer eigenen Partei aufschwingen konnte. Seine Zukunft wird die des National- liberalismnS sein; beide Richtungen werden stch bemühen, ihr Echisslein durch die ultramontan« Brandung hindurch möglichst gründlich aus de» Sand zu setzen. So sehr wir diese Selbst- Vernichtung bedauern, ebenso zweifellos wird sie eiutreten. In Nürnberg ist am letzten Sonntag dem entschiedeuen Freisinn im Bereich der dlau-weißen Grenzpfühle das Grabgeläute erklungen!" Herr Richter kann doch heute nicht mehr im munteren Chor der Denunzianten die„Volks-Zeitung" ein.gemäßigt sozialdemokratisches Blatt" nennen, heute, da der deutsch- freisinnige Reichstags-Abgeordnete für den 7. Re- gierungSbezirk Breslau, Karl Vollrath als Chef- redakteur der.VolkS-Zeitung" zeichnet.— DaS schweizerische AusliefernngSgesetz. Daß die Schweizer der Reaktion mit ihrem Auslieferungsgesetz Handlangerdienste leisten werden, bezeugt ihnen der Spitzel- vater Bismarck in den„Hamburger Nachrichten". Er schreibt in seinem Leibblatt, daß.dieses Gesetz eine Frucht des seinerzeit anläßlich der A f f ä re. W o.h l- g e m u t h von Deutschland auf die Schweiz geübten Drucke? sei. Der Zweck der damaligen diplomatischen Kampagne, welche im Einverständnisse mit den achtbarsten Elementen der Schweiz eingeleitet worden, sei mit dem Erlaß dieses Gesetzes endgiltig erreicht".„Wühlen Sie nur lustig draus los", das ist das Paßwort der Wohlgemuth- Politik. Zu den„achtbarsten Elementen der Schweiz" ge- hören doch auch noch die Schweizerbürger Attenhoser und Schröder? Man sieht, wem die Vereitelung des Re- ferendums Nutzen gebracht hat.— — Welche Wirkung die Dynamiterei hat, bezeugt die Meldung, daß der schweizerische Bundesrath„Studien" mach« zu einem Bundesgesetz gegen Anarchisten in solcher Bedeutung für uns weiter nichts als eine herum- lausende Kochmaschine oder ein chemischer Apparat, in welchem Stosse, die für uns ungenießbar, schwer verdaulich oder nicht wohlschmeckend sind, in genießbarere, leichter verdauliche und unserem Geschmacke angemessenere Speisen umgekocht werden. Wer wollte nach den großen Siegen der Chemie aber daran zweifeln, daß wir nicht noch bessere Kochapparate erfinden, welche uns jene lebendigen ersetzen, uns sogar die Speisen in noch angemesseneren Zusammen- setzungen aus Gras und Kraut bereiten und ohne die vielen unverdaulichen Beimischungen, welche auch daS Rindfleisch noch für uns hat; daß wir dann noch weniger Ver- dauungsarbeit nöthig haben und mehr Zeit für geistige Ar- beit gewinnen, daß eine große Stoffvergeudung verhütet, Wohnungen für Rindvieh erspart werden, sowie die Menschenarbeit in Wegsall kommt, welche zur Pslege und Bewahrung dieser Thiere noch nöthig ist. Es ist, rcue ge- sagt, das Alles noch nicht da, aber Sie werden m,r doch zugeben, daß eS kommen kann. Und wenn wir nun bedenken, daß das Verdauen des Rindfleisches und der Milch noch viele gedankenfaule Stunden bedingt, welche bei den ohne- hin schon GeisteSträgen oftmals verhängnißvoll werden, so würden auch bei Genuß leichterer Speisen die zweibeinigen Ochsen mehr und mehr verschwinden." „Sie sind in der That ein großer Revolutionär, Herr Doktor," meinte Lutz, indem die Anderen bei dieser Auseinandersetzung lachten,„sogar das alte friedliche Verhältniß zwischen Mensch und Thier wollen Sie um- stürzen!" „Die Wissenschaft ist nun einmal revolutionär," ent- gegnete Lange,„und wenn die Gedanken einmal ihren Lauf nehmen, muß man sie lausen lassen, so weit sie wollen. Ich wüßte auch nicht, warum man sie, anhalten sollte. In der wirklichen Welt finden sie schon Grenzen, die sie anerkennen und Dynamitarden. Bezüglich deS Inhaltes verlautet, dasselbe werde die Privatsabrikation und den Besitz von Dynamit untersagen.— Italienisches. Aus Rom meldet das Depeschenbureau Herold unterm 30. April:„Im Säulengange des Palazzo Massimo platzre in der letzten Nacht eine gewöhnliche Castagnole. Viel Lärm um nichts! Tie Brücken, Banken und öffentlichen Amtsgebäude sind seit heute be- wacht. Gendarmerie und Jnfanteriepatrouillen sorgen für die Sicherheit an der Peripherie der Stadt. Das An- schlagen des Aufrufes an die Arbeiter ist überall verboten und daS Gelegenheitsblatt„Primo Maggio"(der erste Mai) ist mit Beschlag belegt worden." „Die öffentlichen Kassen und Bankhäuser in Venedig werden militärisch besetzt. In Livorno ist eine Bombe neben der Knabenschule, in Faenza eine Dynamitpatrone unterhalb der Präfektur geplatzt. Mehrere Personen sind verhaftet worden. Die hiesige Marinebehörde hat den Arsmalarbeitern die Maifeier verboten. Im Gebäude der Finanzintendantur in Neapel exvlodirte eine Bombe, ohne fedoch Schaden anzurichten. In einem Hause daselbst explodirten zwei Dynamitkapseln, die das Gebäude be- schädigten. In den oberitalienischen Städten werden fort- dauernd Verhaftungen von Anarchisten vorgenommen. Die Zahl der Verhafteten übersteigt bereits dreihundert. Wie aus Rom gemeldet wird, hat sich auch der Vatikan veranlaßt gesehen, im Hinblick auf den 1. Mai besondere Vorsichts- maßregeln zur Verhütung etwaiger Ruhestörungen oder ver- brecherischer Anschläge aus dem Boden des Vatikan? zu er- greifen. Schon seit einiger Zeit ist der Zutritt zu den unterirdischen Räumen der St. Peterskirche, deren Besuch sonst allen Fremden ohne Weiteres gestattet war, nur solchen Personen eingeräumt, die sich mit einer das Visum deS Domkapitels tragenden Eintrittskarte ausweisen k önnen. Am 1. Mai selbst werden nur mit einem amtlichen Cha- rakter bekleidete Personen in den Vatikan eingelaflen werden. Die vatikanischen Museen und die sonsttgen Galerien bleiben an diesem Tage geschlossen." Mit Einem Wort, der Polizeiminister Nicotera und seine Spießgesellen machen den Philister toll vor Angst, und der Wau-Wau geht um, suchend die, welche nicht alle werden. Nach dem 1. Mai hätte die Geschichte ja auch keinen Zweck.— Aus Ruhland. Obgleich die international« Lage, schreibt der Warschauer Berichterstatter der„Frankfurter Leitung"(Nr. 120 vom 29. April) wenig Veranlassung zur efürchtung irgend welcher kriegerischer Verwickelungen bietet, herrscht hier doch eine sehr schwüle Temperatur. Es ver- geht keine Nacht ohne Haussuchungen und Ver- Haftungen. Gendarmerie und Polizei sind beständig auf der Suche nach sozialistischen und polnisch- patriotischen Agitatoren. Das Gefängniß für politische Verbrecher in der hiesigen Festungszitadelle ist überfüllt; trotzdem werden ihm stets neue Bewohner zugeführt. Von Prozessen hört man wenig, denn insofern überhaupt eine Bestrafung erfolgt und der Zwischenfall für die Betheiligten nicht auf eine mehr- wöchentliche oder mehrmonatliche Untersuchungshaft beschränkt bleibt, erfolgt die Bestrafung im sogen. Verwaltungswege, das heißt durch Verfügung des General- Gouverneurs ohne Zuziehung der Gerichte. Manchen außerhalb Polens dürste es nicht bekannt sein, daß wir hier seit dem Jahre 1863 noch immer den Belagerungszustand haben und daß der General-Gouverneur bei allen Vergehen, die einen politischen Charakter haben, die Entscheidung m seiner Hand hat. Er kann bis auf lebenslängliche Deportation nach Sibirien erkennen. Allerdings muß ich ergänzend hinzufügen, daß vor kurzer Zeit das Kriegsgericht einige Soziali st en abgeurtheilt hat, darunter einen gewissen S. Kawinski, der in den Mendelsohn'schen Sozialisten- prozeß in Posen verwickelt war und nach Verbüßung der dort erhaltenen Strafe an die hiesigen Behörden ausgeliefert worden ist. Hier ist S. Kawinski zum Tode durch den Strang verurtheilt worden. Es heißt, das Urtheil sei bereits vollstreckt worden,«S ist jedoch schwer, in dieser Beziehung etwas Bestimmtes zu sagen, da derartige Exekutionen innerhalb der Mauern der Zitadelle vor- genommen werden und das Publikum davon gewöhnlich erst in einigen Wochen durch offizielle Bekanntmachungen Nachricht erhält.— müssen, wir aber haben keinen Beruf, ihnen ängstlich oder bedenklicher Weise Halt zu gebieten." „Es ist," bemerkte RaffmauS jetzt,„zwischen Herrn Dr. Lange und mir insoweit eine Verständigung erzielt worden, als von erstgenanntem Herrn die Möglichkeit an- erkannt wird, daß sämmtliche Stimmen der freisinnigen Parteien auf eine Person vereinigt werden könnten, welche freilich nicht mehr in der unseres ursprünglich aufgestellten Kandidaten zu suchen wäre." „Und in welcher denn dann? rief Dr. Benjamin ge- spannt, indem ein längst gebannter Hoffnungsstrahl wieder durch seine Seele zuckte. „In der Person des Herrn Dr. Lutz," erwiderte Raff- maus mit einem Tone, als wisse er, daß er einer auf- lebenden Hoffnung in diesem Augenblicke einen tödtlichen Keulenschlag versetze. „Sehr verbunden", rief Lutz und verbengte sich vor den drei Herren der demokratischen Partei. „Mit dieser Wahl würden wir unS allerdings unter Umständen einverstanden erklären können", meinte Reinisch. „Dr. Lutz ist die einzige Persönlichkeit, welche auS der liberalen Partei angenommen werden könnte", fügte auch Hanke hinzu. „Und was soll der Kaufpreis sein, für welchen die 9 Wahlmännerstimmen der Herren Demokraten erlangt werden können?" fragte Benjamin argwöhnisch. „Anerkennung des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts mit geheimer Abstimmung und Jnbetrachtnahme einer Lösung der sozialen Frage durch StaatShilfe." „Ein hoher Preis für neun Stimmen," brummte Benjamin, ärgerlich darüber, daß er nicht durch der- artige Konzessionen schon längst eine größere Popularität gesucht. „Ein hoher Preis, Herr Dr. Benjamin?" rief aber Lange entrüstet.„Worin soll der wohl liegen? Wenn wir Zur Maifeier. Am Vorabende des Weltfeiertages der Arbeit, nachdem die Arbeiterschaft überall ihre Festvorbereitungen getroffen hat, mag noch kurz der Angriffe gedacht sein, welche die Gegner der Maifeier zu Theil werden ließen. Es ist natürlich, daß das Unternehmerthum der Demonstration für den Achtstundentag und für wirkliche Arbeiterschutz-Gesetze keine Sympathien ent- gegenbringt, denn der Prosit steht ihm höher, als das Interesse der Menschheit. Demgemäß können auch die von und für Unternehmer herausgegebenen Zeitungen der Maifeier gegenüber keine andere, als eine feindliche Stellung einnehmen. Nicht dem Wesen, sondern nur der Form nach ist diese'Haltung der nichtsozialdemokrati- schen Blätter verschieden. Im Grund« sind sie alle der Maifeier abgeneigt, wie das Kapital, dessen Interessen sie vertreten. Von den Blättern, die den manifestirenden Ardeitern förmlichen Haß entgegenbringen, mögen einig« zitirt sein. Der in Bochum erscheinende„Märkische Sprecher", ein nationalliberales Blatt, schrieb: „Der 1. Mai ist die Feier des sozialistischen Terrorismus der ukunft. er ist ein Faustschlag in das Gesicht der staatlichen utorität. der christlichen, bürgerlichen Gesellschaft und eben aus allen diesen Gründen sollten die Behörden unter keinen Umstänorn und an keinem Orte des Reiches dulden, daß der Sozialismus gerade diesen Tag zu einer in ihren Gründen wie Endzielen ver- werstichen internationalen Feier mißbrauche!... Die moderne Gesellschaft hat«in klares, unbedingtes Recht, vom Staate zu fordern, daß nichts verabsäumt werde, was dem sozialistischen Wühlen und Agitiren die Handhaben entzieht,— deshalb muß gefordert werden, daß die Behörden gegen Staat und Gesellschaft gerichtet« demonstrativ« Herausforderungen unter- drücken, daß auch am l. Mai nicht eine öffent» liche Verhöhnung der bestehenden gesetzlichen Ordnung stattfinde�. Von diesen Gesichtspunkten allein sind hinsichtlich sozialistischer Umzugsbegehren die behördlichen Entscheidungen zu treffen,— und wo die Unterbehörden anders handeln, wo sie in mißverständlicher Auffassung der Sachlage der Sozialrevolutton unzeitgemäße, verhängnißvoll« Zugeständnisse machen, welche doch nur der sozialistischen Agitation Nährstoff zuführen würden,— da ist es Pflicht der höheren Regierungsbehörden, unter Auf- Hebung der ertheilten Umzugserlaubniß die Würde und das Recht des modernen Staates gegenüber den sozialistischen Straßenhelden aufrecht zu erhalten. In beinahe allen größeren Städten des Deutschen Reiches sind die sozialistischen Straßendemonstrationen verboten morden,—- es ist nicht einzusehen, weshalb seitens des Staates in dieser wichtigen Prinzipienfrage nicht«in einheitliches. summarisches Verhalten gefordert werde» sollte. Mögen stch die Bürgermeister einzelner Städte der Regierung und der Bürger- fchaft gegenüber hundertmal für die Aufrechterhaltung der öffent- liche» Ordnung am l. Mai verbürgen, mögen die Sozialisten- sührer auch tausendmal die gleiche Versicherung abgeben; der moderne Staat darf nicht dulden, daß der Sozialismus Spott mit ihm lreibe, daß der sozialrevolutionären Strömung durch offizielle Duldsamkeit der Stempel der Gesetzlichkeit, der Zulässtgkeit ausgedrückt werde!" Die,.Magdeburger Zeitung", gleichfalls ein liberales Blatt, erklärte: „In den meisten Theilen Deutschlands hat man öffentliche Umzüge der Sozialdemokraten untersagt, in einigen Städten aber genehmigt. � Diese Genehmigung können wir nicht billigen. Solche Aufzüge stören zunächst den Berkehr, sodann bergen sie, weil sie herausfordernd wirken, den Keim zu Ruhestörungen in sich. Die Sozialdemokraten mögen ihre Feste und Ausflüge nach Belieben feiern, aber eS ist für die Behörden kein Grund vor- Händen, ihnen die Veranstaltung von den Verkehr störenden und die Bürgerschaft sowie die Staatsgewall provozirenden Umzügen zu gestalten." Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ist mit dem Manchestermann sang pbras«, dem Deutschsreistnnigen Eugen Richter, ganz desselben Sinnes: „Vollzieht stch auch die Maifeier öffentlich— ob es dabei hie und da zu einzelnen Ausschreitungen kommt oder Alles in Ordnung verläuft. ,st hierfür gleichgiltig—, so folgt daraus doch nicht, daß sie eine öffentliche Angelegenheit im Sinne einer po- litischen sei, und man sollte der Sozialdemokratie nicht den Ge- fallen thun, zu einer solchen zu stempeln, was ihr selbst nur als dem Volke zu bielende circonses gilt, da sie Brot demselben nicht gewähren zu können sich bewußt ist."— So sehen wir die Vertreter der alten Gesellschaft fest ge- schloffen und feindlich der Arbeiterklasse gegenüber stehen. Was sie sonst trennt, es ist am l. Mai vergessen; der internationale Aufmarsch des Proletariats bringt jede Differenz der bürgerlichen Gesellschaft zum Schweigen. Polizeimaßregeln, Denunziation, Hohn und Spott— alle Mittel werden versucht, um die Be- deutung deS 1. Mai zu vermindern, seine Wirkung auf die Ge- sammtheit der arbeitenden Bevölkerung abzuschwächen. Alles das ist aussichtslos und die Bekämpfung der Maiseier nur ein offenkundiger Beweis für die Einstchtslostgkeit der alten Gesell« schaft. Ziehen wir aus ihrem Verhalten aufs Neue den Schluß, unerschütterlich zum Prinzip der vollständigen, der wirth- schaftlichen und politischen Befreiung der Nichtbesitzenden aus den Fesseln der Besitzenden zu stehen, unverrückbar fortzuschreiten auf dem Wege, den sich die Sozialdemokratie gesteckt hat. iveiter nichts verlangen, als bloße Jnbetrachtnahme der Lösung einer Frage, welche in unserer Zeil geradezu eine Lebensfrage geworden?" „Mit Staatshilfe, vergessen Sie daS nicht!" warf Benjamin ein. „Nun ja; wenn Sie eine andere Lösung finden, soll es unS ganz angenehm sein. Im Uebrigen verlangen wir ein anderes Wahlrecht, oder genügt etwa Ihnen dieses Wahlrecht, Herr Dr. Benjamin?" „Jedes Wahlrecht hat seine Mängel." „Ja wohl; es kommt nur aus das„wieviel" an. Aber ein dümmeres, blödsinnigeres Wahlgesetz als daS Klassen- Wahlgesetz kann kaum gefunden werden, zumal mit der in- direkten Wahl. Erstens ist kaum die Hälfte der mündigen Staatsbürger wahlberechtigt, folglich ist nur die kleine Halste durch Wahlmänncr vertreten; von den Wahlmännern bringt nur die eine Partei einen Kandidaten wirklich durch, also diesmal vielleicht Sie mit unserer Hilfe den Ihrigen. Da stehen sich 102 und 93 Stimmen gegenüber. Die klemere Hälfte steht dann gänzlich ohne Vertreter da, und da schon die Wahlmänner nur von einer kleinen Hälfte der Staatsangehörigen gewählt sind, ist der Depn- tirte nur Vertreter von reichlich einein Viertel der mündigen Staatsbürger. Und da mm ferner am Landtag- einfache Stimmenmehrheit entscheidet, so könnte es unter Umständen auch wohl vorkommen, daß nur ein reichliches Achtel der Staatsbürger seinen Willen durchsetzt. Ich dachte, dieses Wahlgesetz leuchtete mit seinen Mangeln so ins Auge, daß ein wirklich liberaler Mann es nicht ver- theidigen dürfte, wobei ich noch gar nicht in Betracht ziehe, daß es in Zeiten der schlimmsten Reaktion von der Re- giernng oktroyirt worden ist." (Fortsetzung folgt.) Theater. Sonntag, den 1. Mat. Opernhaus. Freund Friz. Puppenfee. Die diesjährige Die Matfeter Montag: Der Ring des Nibelungen für den 1. Berliner Reichstags- Wahlkreis Schauspielhaus. Die Quizows. Montag: Clavigo. Deutsches Theater. Das Urbild des Tartüffe. Montag: Don Carlos. Testing- Theater. Die Großstadtluft. Montag: Die Ehre. Berliner Theater. Nora. Montag: König Richard III. Wallner- Theater. Ehrliche Arbeit. Montag: Dieselbe Vorstellung. findet heute, den 1. Mai, auf Tivoli( am Kreuzberg) statt. Die offizielle Feier beginnt Nachmittags 4 Uhr. Festrede gehalten vom Genoffen A. Gerisch. Festzeitungen und Festzeichen werden an Das Comité. Achtung! Residenz- Theater. Wahn und Bahn der Kasse gratis abgegeben. finn. Aus der fomischen Oper. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- Wilhelmntädt. Theater. Das Sonntagskind. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thomas- Theater. Die Ulanen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst- Theater. Fräulein Feldwebel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Bellealliance Schulze. Theater. Pech Montag: Dieselbe Vorstellung. Kroll's Theater. Fidelio. Ostend Theater. Genoveva. Montag: Der Fall Clemenceau. Feenpalaft. Spezialitäten- Vorstellung. Gebrüder Richter's Variété. Spezialitäten- Vorstellung. Achtung! uattouag des 4. Berl. Reichstags- Wahlkreises Die diesjährige Maifeier findet Sonntag, den 1. Mai, in folgenden Lokalen statt: Brauerei Friedrichshain( Lips). ,, Elysium", Landsberger Allee 39-41. Osten. Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Sangesbrüder- Genossen! Da irrthümlich in dem Lokal„ Bum Broden", Tegeler Chauffee, tetn Verein zugetheilt ist, so werden hiermit die Vereine Nr. 45( Steinmetzen), 69( Steinsetzer), 131, 145 aufgefordert, am Sonntag, den 1. Mai, Nachmittags 4 Uhr, im Lokal ,, Zum Brocken", Zegeler Chauffee, pünktlich zu erscheinen. Es ist Ehrenfache eines jeden Sangeßbruders, auch dort das Feft ver schönen zu helfen, es wird ebenfalls Euch bestimmt erwarten 106/13 Adolph Neumann, Bundes- Vorsitzender. NB. Sollten einzelne Mitglieder, welche nach Adlershof zugetheilt sind, dort mitwirken wollen, so wäre es sehr erwünscht. Der Vorstand. Achtung! Achtung! Musikinstrumenten- Arbeiter ( Klavier- Arbeiter). Große öffentliche Versammlung am Mittwoch, den 4. Mai 1892, Abends 8 Uhr, in Joel's Salon, Andreas- Straße 21. Zages- Ordnung: 1. Berichterstattung von der Geraer Ronferenz. 486/3 2. Wahl eines Vertrauensmanns für Berlin und 2 Revisoren. Bei der hohen Wichtigkeit der Tagesordnung ist pünktliches und Konzert- Park ,, Viktoria", Frankfurter Allee 72-73. zahlreiches Erscheinen der Kollegen unbedingt nöthig. Kollegen zeigt, daß ihr Die offizielle Feier findet von 4 Uhr an statt; jedoch den Provinzſtädten nicht nachsteht. Die Agitations- Kommission. Winter- Garten. Spezialitäten- Vor- find die Lokalitäten von 1 Uhr an geöffnet. ftellung. Kaufmann's Variété. SpezialitätenBorstellung. Gintrittskarten find von 2 Uhr an noch in folgenden Verein zur Regelung der gewerblichen American- Theater. Spezialitäten. Pokalen zu haben: Vorstellung. | Theater der Reichshallen. Spe- Lock, Friedrichsbergerstr. 11. Baier, Zigarren- Geschäft, Gumpel, Barnimſtr. 42. zialitäten- Vorstellung. Landsberger Allee 131. 0. Heindorf, Barnimstr. 16. Richter, Bigarren- Geschäft, Landsbergerstr. 40, Keller. Castan's Panopticum Spät, Weinstr. 28. Verhältnisse der Löpfer Berlins und Umgegend. Friedrigftr. 165a, Gede Bebrenſtr. Böhl, Frankfurter Allee 74. Zabel, Frankfurter Allee 90. Ordentliche General- Versammlung Riesin und Festzeitungen und Festzeichen werden an der Kasse Puppen- Fee gratis vertheilt. Aama, 913/18 größte Riesin, Achtung! Das Komitee. Achtung! Parteigenossen am Montag, den 2. Mai, Abends 6 Nhr, Tagesordnung: in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77-79. 1. Raffenbericht pro 1. Quartal 1892. 2. Bahl eines Revisors. 3. Die Zustände in unserem Gewerbe in Bezug auf die wirthschaftlichen Verhältnisse. 448/8 Speziell werden die Kollegen von Bauten eingeladen, wo der Tarif nicht bezahlt wird, da uns solche bekannt sind. Die Zahlstelle im Often bleibt an diesem Tage gefchloffen. Quittungsbuch legitimirt. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ist nothwendig. Der Vorstand. Brinzeß Bauline, des 4. Berl. Reichstags- Wahlfreiſes Arbeiter- Bildungs- Schule. 16 Jahre alt, 40 Zentimeter groß. Entree 50 Pf. Kinder 25 Pf. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr Ab. PassagePanopticum. Riese, 9 Fuß. Zwerg, 25 Zoll. Die diesjährige == Mai- Feier findet am Sonntag, den 1. Mai im Lokale von Wiedemann in Adlershof tatt. Lehrplan für das IL Quartal 1892. Die Stunden fallen wie bisher Wochentags von 8 bis 10% Uhr Abends. Die Feier beginnt des Morgens 9 Uhr mit Konzert bis 10 Uhr, Montag dann Pause bis 12 Uhr Mittags der Kirchzeit wegen. Nachmittags von 3 Uhr Dienstag an Vokal- und Instrumental- Konzert, lebende Bilder, Vorträge und Mittwoch * do. unentgeltlicher Tanz. * Wir bitten die Genossen und Genosfinnen, sich rechtzeitig mit Billets zu Donnerstag Mann m. Steinkopf. versehen; dieselben find bei dem Vertrauensmann Fr. Zubell, Naunynſtr. 86, do. Pigmy v. Stanley- fowie in allen bekannten Geschäften zu haben. Freitag. Zwergvolk. 10-1 4-9 Uhr Gratweil'sche Bierhallen Kommandantenstr. 77-79. Täglich: Konzert mit humoristisch. Vorträgen. Großer Frühstücks- u. Mittagstisch sowie 6 Billards, 3 Regel bahnen und 2 Sale. F. Sodtke. Die Züge fahren in folgenden Zeiträumen vom Görlizer Bahnhof: Vormittags 5 Uhr 58 Min., 6 Uhr 13 Min., 6 Uhr 28 Min., 7 Uhr 18 Min., 7 Uhr 28 Min., 7 Uhr 58 Min., 8 Uhr 13 Min., 8 Uhr 28 Min., 8 Uhr 58 min., 10 Uhr 35 Min., 11 Uhr 13 Min., 11 Uhr 35 Min., 12 Uhr 13 Min., 12 Uhr 35 Min. Nachmittags 1 Uhr 35 Min., 2 Uhr 35 Min., 3 Uhr 28 Min., 3 Uhr 58 Min., 4 Uhr 13 Min., 4 Uhr 28 Min. Das Komitee. Berl. Kronen- Braneret, Alt- Moabit 47/49. Hente, Sonntag, den 1. Mai, von 4 Uhr Nachmittags do. Sonnabend Montag Dienstag. . * do. Mittwoch Donnerstag Freitag. Sonnabend Die mit Räume ertheilt. Nordschule. Müllerstr. 179a. Buchführung. Geschichte( mittl.). Deutsch( ob.). Rechnen. Deutsch( mittl.). Chemie. Deutsch( unt.). Physiologie. Ostschule. Markusstr. 31, Buchführung. Phyfiologie. Deutsch( mittl.). Rechnen. Geschichte( mittl.). Deutsch( unt.). Südschule. Hagelsbergerstr. 43. Deutsch( ob.). Deutsch( mittl.). Geschichte( neu). Rechnen. Buchführung( doppelte). Deutsch( unt.). Süd- Ostschule. Reichenbergerstr. 133. Rechnen. Deutsch( mittl.). Mathematit. Deutsch( ob.). Geschichte( alt). Deutsch( unt.). Buchführung. bezeichneten Stunden werden mit Benutzung der DoppelFür alle vier Schulen: an jedem Sonntag Vormittags 10-12 Uhr: Gr. Garten- Concert und Ball National- Oekonomie in den„ Armin- Hallen", Kommandantenſtr. 20. bei elektrischer Beleuchtung des ganzen Etablissements. Entree frei. Moabiter Gesellschaftshaus, 28085 Alt- Moabit 80/81. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Spezialitäten. H. Pierry. Restaurant zum Treptow. ,, Park- Schloss Anfang 4 Uhr. Entree 30 Bfg. Grösster Garten. 10 gelbahnen. Sonntag: Frei- Konzert. 2301 L 2289L Hellmuth Peters. Märkischer Hof, Admiral- Straße Nr. 18 c. Jeden Sonntag und Mittwoch im Treptow. Tanz.- Jeden ParkJeden Sonntag: Tanz. strasse. Kaffeeküche. Kegelbahnen. Bade's Volksgarten. Vorzüglides Weiß- u. SairischBier. 2302L großen Spiegel- Saal: Großer Ball. An der Verbindungsbahn. Treptow. Köpnicker Landstrasse. Anfang Sonntags 4 Uhr, Mittwochs 8 Uhr. Ende 2 Uhr. Herren, die Sonntags am Tanz theilnehmen, zahlen nur Ausschank der Berliner Bock- Brauerei. 50 Pf. im Abonnement. Empfehle meinen ff. Lagerbier 0,4 Liter 15 Pf. Bock 0,4 Liter 25 Pf. 6 Kegelbahnen. W. Jacob. Saal zu Sommernachts- Bällen, Hochzeiten und Versammlungen. Der 1. und 3. Pfingstfeiertag ist noch an Vereine zu vergeben. 8 Vereinszimmer mit Piano auch Sonntags zur Verfügung. 2352L Treptow Kaffeeküche täglich geöffnet. In alle Lehrfächer können noch Schüler und Schülerinnen, auch jetzt im Laufe des Semesters, eintreten. Die Zahlung der Beiträge und Aufnahme neuer Mitglieder tann an endstehenden Bahlstellen, deren je eine auch in jeder Schule errichtet ist, erfolgen. Dafelbst wollen auch die Theilnehmer und Theilnehmerinnen am Unterricht ihre Schulkarten einlösen. Beitrag mindestens 25 Bf. monatlich, Schulgeld monatlich 50 Pf. An den mit bezeichneten Zahlstellen sind auch Billets zum Aquarium à 40 Pf. und zur Urania à 25 Pf.( welche lettere dann nur noch eine Nachzahlung von 25 Pf. bedingen) gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches zu haben. Die Zahlstellen sind folgende: S. Südschule, Hagelsbergerstr. 43. * Börner, Ritterstr. 108. Gründel, Dresdenerstr. 116. Klein, Rottbuser Damm 14. SO. Südostschule, Reichenbergerstr. 188. Kehr, Röpnickerstr. 126. Schmidt, Wrangelstr. 141. Restaurant Karpfenteich. Karpfenteich. Schulz, Admiralfir. 40 a. Jeden Sonntag: Tanz. An den Wochentagen für Vereine Hochzeitgesellschaften 2c. jederzeit zur Verfügung. Zu recht zahlreichem Besuch Restaurant Herzog labet ergebenft ein Stromstraße 28. Sonntag, den 1. Mai, halte mein Lokal bestens empfohlen. Von 4 Uhr ab Tanz, wozu einladet 2762b E. Herzog. 7562 H. Stramm's Restaur. Otto. G. Brochnow's Festsäle ( vorm. Orschel), 39 Sebastianstraße 39. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Sonnabend: Restaurant z. Gemüthl. Sachsen Eichler, Schneider und Bildhauer Großer Ball. Alte Jakobstraße 68, part. Ulrich, Wrangelstr. 84. Zubeil, Naunynftr. 86. Linke, Forsterftr. 45. Schayer, Reichenbergerstr. 54. SW. Grube, Mariendorferstr. 10, * Fafforke, Junkerstr. 1. Goepel, Razbachstr. 1. * Antrick, Steinmetzstr. 60. 0. Ostschule, Markusstr. 31. A. Böhl, Rüdersdorferstr. 8. E. Böhl, Frankfurter Allee 74. Radke, Krautstr. 48. 123 Ritterstraße 123. Großes Fremdenlogis, Herberge und Arbeitsnachweis der Vereine der Glaser und Klempner, sowie Verkehrslokal und Herberge Goldarbeiter, Korbmacher, Gleichzeitig empfehle meinen reichAbendtisch à la Carte zu soliden Breisen. Ausschank von vorzüglichem Dr. Hoesch, homöopath. Arzt, Weiß- u. Bairisch- Bier.[ 23552 Artillerieſtr. 27. 8-10, 5-7, Gonnt. 8-10.432/ 12 Frühstück u. Stamm- Abend- haltigen Frühstück-, Mittag- und brot, Mittagstisch. A. Richter, früher Krauts. Vereinszimmer frei. Stelle mein Lofal zu Bersammlungen unentgeltlich zur Verfügung. 2754b " Lock, Friedrichsbergerstr. 11. Tempel, Breslauerstr. 27. Rusch, Markusstr. 31. Verantwortlicher Redakteur: Anguft Enders in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW ,, Beuthstraße 2. * C. * Berndt, Neue Schönhauserftr. 18. Kuhlmey, Rosenstr. 30. N. Nordschule, Müllerstr. 179a. Krause, Bappel- Allee 8/4. Abraham, Straßburgerstr. 5, * Gleinert, Müllerstr. 174. Gnadt, Brunnenstr. 38. Kleinan, Gartenstr. 171. Lehmann, Brunnenſtr. 83, Schmidt, Tresdomstr. 24. Thierbach, Schwedterstr. 44, Raabe, Ruppinerstr. 42. * Scholz, Rastanien- Allee 35. NO. " Gumpel, Barnimftr. 42, Drescher, Linienftr. 50. NW. * Vogtherr, Stephanstr. 27a. Voss, Lübeckerstr. 8. Friedrichsberg. Heineke, Friedrich Karlstr. 11. Der Vorstand. Hierzu zwei Beilagen. 1. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 102. Abonnements- Einladung. „ Vorwärts" Sonntag, den 1. Mai 1892. " 9. Jahrg. wadere Kölnische" die Heldin, aber eine Heldin von der die das Berlep'sche Konzept" mit allen seinen Halbheiten beruhigte, traurigsten, nichtswürdigsten Gestalt. Es ist wohl über billigte" und die Grubenbesitzer darüber haupt noch selten dagewesen, daß ein bürgerliches Preß- daß ja in der Praxis ohnedies nicht rigoros verfahren Mit dem 1. Mai eröffnen wir ein neues Abonnement organ sich so hündisch angeschmiegt und gekrochen hatte, wie werden wird". Der Stöcker'sche Reich 3 bote" druckte auf den dieses. Man vergleiche, was sie im Jahre 1890, bald nach Arm in Arm mit der fortschrittlichen Vossischen dem großen Bergarbeiter- Ausstand, als sie von der Riesen Beitung" und der Norddeutschen Allgemeinen bewegung geduckt war, und was sie später und vor Kurzem 3eitung" die sogenannte„ Entgegnung" ab, welche der in frisch- fromm- fröhlichem Uebermuthe angesichts der schwäch- Reichs Anzeiger" gegen unsere Kritik des lückenlichen Berggesetz- Novelle schrieb. haften Frauen und Kinderschutzes in der Berggesetz- Novelle versuchte. Daß diesen sozialpolitisch unfähigen Blättern jede Möglichkeit fehlte, aus Eigenem die Spiegelfechterei vom Jahre 1890: des preußisch- deutschen Moniteurs zu erkennen, war ja selbstes könnte sich noch darum Nach Artikel IV§ 196"( der verständlich; und auch nur ein Wort aus den zwei handeln, die Verpflichtungen der Berggeseh- Novelle) foll sich in Artikeln aufzunehmen, in denen wir die Entgegnung" des Arbeitgeber und die entsprechend Bukunft die Aufsicht der Berg: Reichs- Anzeigers" auf ihr absolutes Nichts zurückführten, das zu regelnden Befugnisse der behörden auch erstrecken auf verbot den edlen Preßorganen dieser Sorte Bourgeoisie natürlich Polizeibehörden nach dem im die Aufrechterhaltung ihr besonderes bürgerliches Rechts- und Anstandsgefühl. Eine § 120b des Entwurfs( der da- der guten Sitten und Berliner Volksblaff. Der Bezugspreis des ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt mit der ,, Neuen Welt" als Gratisbeilage beträgt 1 Mark 10 Pfennige monatlich frei ins Haus, wöchentlich 28 Pfennige. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnements zum Preise von Rölnische Zeitung" Nr. 146 u. 47 Rölnische Beitung" vom 2. April 1891 und 28. März 1892. maligen G.- D.- Novelle) bezeich- de 3 Anstandes durch die Extraprämie sozialpolitischer Verständnißlosigkeit holte sich neten Gesichtspunkten Auf- Einrichtung des Betriebes." Diese dabei die Münchener, Allgemeine Beitung", bie in den sich ihre Würde als Organ süddeutscher Regierungen natürrechterhaltung der guten Vorschrift tann " 2,20 M. für die Monate Mai- Juniitten und bes Unstan- Kreijen ber Bergbau- lich von Zeit zu Zeit burch etwas Besonderes verdienen entgegen. des( in der Berggeseh- Novelle) Industrie nur eine be muß. Dieses Blatt hatte die Stirne, am 12. April fol festzulegen. Es mag dahin gründete Verstimmung genden Satz zu schreiben: Bon sozialdemokratischer Seite hervorrufen." Neu hinzutretenden Abonnenten wird der bisher erschienene gestellt bleiben, ob man nicht Theil des Romans Am Webstuhl der Zeit" auf Verlangen noch weitergehen und die gratis nachgeliefert, worauf wir noch besonders aufmerksam machen. " Die Redaktion und Expedition des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Die Bourgeoisie und die Berggesek- Novelle. gesammte Wohlfahrt des Bergmanns der Ueberwachung durch die Behörden zuweisen kann." " Es würde demnach wohl 10 Der " Die Röl " wurde bekanntlich mit gewohnter Uebertreibung behauptet, daß die Novelle teine Bestimmungen zum Schute jugendlicher Arbeiter enthalte, so daß sich der Reichs- Anzeiger" zu einer Widerlegung veranlaßt fand." Beinahe jedes Wort eine Unrichtigkeit- dafür war's aber die Haupte Und endlich dia Höchst bedenklich er- leistung des Münchener Offiziofus. nothwendig werden, die scheint auch die Erweiterung Ultramontanen! Die Sache geht ihnen an. den durch die neue Faffung des§ 139b des Einflusses, der dem Kragen. Alle ultramontanen Bergarbeiterstimmen sind zu vermehrten Befugnisse der Bergrevier Beamten" verlieren, und doch darf man den Kapitalisten nicht eigentlichenfabrikauf-( NB. genau nach dem Mufter fichtsbeamten auf die der Befugnisse der Fabritu nahe treten. Da hat denn der Pfaffe ein herra liches Auskunftsmittel gefunden. Er erklärt sich Bergrevier be amten aus Aufsichtsbeamten! Red.), geund für die Vorlage der Regierung lobt fte zudehnen." geben werden soll."" in den Himmel. Die ultramontanen Bergarbeiter- VersammRommende Woche soll im preußischen Abgeordneten" Die obligatorische Arbeits- Hier ist es nun die Bestim lungen, so klein sie sind, alle sprechen dem Handelsminister haus, in diesem Rath der Besitzenden, die zweite Lesung oronung, weldje bie§§ 134a bis mung des§ 134d, welche in ihren Dank für sein mannhaftes Gintreten für die berech und Berathung der Novelle zum Berggesetz beginnen, und 134g der( G.D.-) Novelle ein- allen gewerblichen Kreifen mit tigten Forderungen der Bergarbeiter aus." diese zweite Lesung, für welche der während der Oster- führen, ist auch für den Berg- Recht eine heftige Gegner- nische Volkszeitung" erklärte dieser Tage noch ferien vom Bechenvertreter Dr. Schultz Bochum fertig- bau unumgänglich... Aus fchaft gefunden hat. in" Vorbigen" gestellte und in einer Kommissionssizung am letzten der Denkschrift( über die Arbeits- Baragraph lautet wörtlich: Bor Herrn von Berlepsch für einen hervorragend sachverstän Donnerstag Abend von der Kommission des Abgeordneten verhältnisse auf preußischen Berg- dem Erlaß der Arbeitsordnung digen" Miniſter. Die sogenannte„ Widerlegung" unserer hauses genehmigte schriftliche Bericht dem Abgeordneten werken) geht hervor, daß die oder eines Nachtrags zu der Kritik des Entwurfs im Reichs- Anzeiger" zeugte" nach hause zugegangen ist, wird auf lange Jahre hinaus nicht in den Händen der Arbeiter( bei der Berggesetz- Novelle den aber so der Regierung anschmiegt, kann doch unmöglich hause zugegangen ist, wird auf lange Jahre hinaus Arbeitsordnungen fich öfters gar felben ist den in der Fabrik" demselben Blatt von gefunden Grundsäßen"! Wer sich über den Bergarbeiterschutz in Preußen entscheiden. befunden haben, und ihnen auch im Bergwert" Red.)„ beschäftig- fapitalistenfeindlich sein? So beruhigt der Ultramontanismus Deshalb ist es angebracht, noch Dor der zweiten sonst nicht näher bekannt ge- ten Arbeitern Gelegenheit zu den Geldsack. Und nun kann er, um die Bergarbeiter zu und entscheidenden Lesung einmal ganz gründlich worden waren. Der Inhalt geben, sich über den Inhalt der düpiren, herzhaft auf die nationalliberalen Zechenvertreter bie Verantwortlichkeit der betheiligten ber§§ 134a bis 134g ist im selben zu äußern"... Das schimpfen; bas klingt recht arbeiterfreundlich und Bourgeoisparteien festzustellen und den Berg- allgemeinen sicherlich geeignet, thut.... jeder verständige Ar- ist doch so ungeheuer billig. Jedenfalls charakterisiren die arbeitern so flar wie möglich zu legen. Wie nothwendig solchen Zuständen entgegen beitgeber... Aber es widerbas ist, ergiebt sich schon aus den ärgerlichen Aeuße zuwirken, und es ist deshalb strebt ihm mit Recht, au frommen Herren sich selber am besten durch das Lob, das rungen der Hauptbetheiligten, der Nationalliberalen, eine Aufnahme derselben derartigen Berathungen gefeß sie den gesunden Grundsägen" des Reichs- Anzeigers" er darüber, daß sie den verhaßten Bergarbeiterschutz nicht in das Berggesey nurzullich gezwungen zu sein, ba theilten. Die gesetzliche Konservirung eines Zustandes, bei empfehlen." er weiß, daß, sobald eine Hand- dem jugendliche Arbeiter mit Leib und Leben so bedingungshinter den geschützten Wänden des Kommissionszimmers habe durch einen Gesetzespara los dem Kapitalismus überliefert werden, daß die Zahl einfach todtwürgen konnten, sondern bei der zweiten Lesung graphen geboten ist, die gewerbs ihrer Todten und Verletzten auf dem Schlachtfelde der Grubenwegen ihrer Missethaten noch einmal öffentlich Rede und mäßigen Hezer hinterherfind Antwort stehen müssen. Schreibt doch das Kölnische Gossenhöfe in den letzten Jahren ins Ungeheuerliche stieg- solche Dinge gesund" zu nennen, muß allerdings frommen Heuchlern blatt der Nationalliberalen soeben: fäen." überlassen bleiben. " und planmäßig Unzufriedenheit " Dafür rempelt der Novelle die BergarbeiterParteinachrichten. Mit Rücksicht auf den Umfang der Novelle und auf den Schändlicher kann man doch mit seiner Ueberzeugung Die Umschau bei den bürgerlichen Parteien und ihren Umstand, daß sowohl das Zentrum, vertreten durch die Arbeiterapostel Dasbach und Size, als auch der Deutschfreisinn, und mit der Wahrheit nicht umspringen! Was im Jahre Preßbediensteten und die Zusammenfassung ihres Thun vertreten durch das volkswirthschaftliche Licht Alexander Meyer, 1890, als der Streit alles Elend bloßgelegt hatte, zugestanden und Treibens bis zur zweiten, entscheidenden Berathung die Hoffnung, durch Befürwortung unerfüllbarer wurde mit Bezug auf eine Revision des Berggesezes, das der Berggesetz- Novelle war also ebenso erbaulich Wünsche die Stimmen der Bergarbeiter bei den nächsten wird später und jetzt als„ höchst bedenklich" und sozialdemo- für die zielbewußte Arbeiterbewegung und die sich ihnen Wahlen zu gewinnen, trotz aller bisher gemachten Erfahrungen fratisch gestempelt- freilich mit gefälschtem nationalliberalen anschließenden Bergleute, wie verrichtend für die Arbeiterund Enttäuschungen noch immer nicht aufgegeben haben, Stempel à la Bochum! Das ist nationalliberale Sozial- freundlichkeit unserer Bourgeoisie, vollends für die nette rechnet man damit, daß die Verhandlungen die politik, auf deutsch Heuchelei und Verhöhnung der Berg- Sorte derjenigen, welche im preußischen Abgeordnetenhauſe ganze Woche in Anspruch nehmen werden. Teute. Und nun wirkt neben der Kölnischen 3tg." über das Schicksal des preußischen Arbeitsschutes beschließt. Diese Rechnung wird um so eher zutreffen, als das Zentrum noch die berüchtigte Rheinisch- Westfälische Diese bürgerliche Gesellschaft macht sich eben denjenigen fich alle Mühe geben wird, die Stimmen der katholischen Bergarbeiter, die bereits zur Sozialdemokratie übergegangen sind Beitung", um dem nationalliberalen Auftreten im Bergarbeiterschutz" zurecht, den sie verdient; d. h. sie sorgt oder Neigung befunden, sich ihr anzuschließen, wiederzugewinnen, Sinne progenhafter Bergwerksdirektoren auch noch einen höchsteigenhändig dafür, daß die Bergarbeiter verstehen und als die meisten der Sachverständigen des Zentrums nichts herzhaften Stich ins Rüpelhafte zu geben. Sie ist der lernen, wovon sie allein Befferung zu erwarten haben, und weniger als die Befähigung haben, sich kurz und bestimmt aus Klown im sozialpolitischen Birtus des Nationalliberalismus, fie sorgt außerdem selbst für den nöthigen Sauerteig der zudrücken; infolge dessen versprechen die Verfeig, frech und niederträchtig, wie es gerade paßt. Bu feig Erbitterung durch den Hohn und den Troß, mit dem sie handlungen ausgedehnt zu werden." war sie, um bis jetzt auch nur mit einem einzigen Worte ihre Selbstfucht krönt. Nur so weiter dann wird's Wir haben keine Ursache, für die ultramontanen auf eine fachliche Auseinandersegung über die Berggesetz- schon gehen! Arbeiterapostel" Hize und Dasbach, sowie für das volts Novelle einzugehen. Dabei wäre ja ihr ganzes Wissen wirthschaftliche Licht" des Freisinns, Alexander Meyer, eine und Können in die Brüche gegangen. Lanze zu brechen, glauben im Gegentheil, daß sich die Herren sie seit Erscheinen Bourgeois am besten gegenseitig fennen müssen, und daß Versammlungen an, die sich mit einer Diskussion des Ent die ironische Charakterisirung durch das Kölner Blatt auf wurfes beschäftigt haben. Man muß die Schimpfartikel alle sogen. Volksvertreter" im preußischen Abgeordneten des Kohlenblattes mit ihrem Betriebsführerdeutsch im hause, die Nationalliberalen freilich eingeschlossen, zutrifft. Wortlaute lesen, um den ganzen Ekel zu empfinden, welcher Aber der Hohn und Uebermuth, der aus den übrigen Zeilen Jeden erfaßt, der sich mit diesen Ergüssen befassen muß. obiger Notiz spricht, ist doch eine bei den Nationalmiserablen Der Hauptzweck dieser übelriechenden Ergüsse ist, die Er- vinz findet am 15. Mai 1892, Morgens 8 Uhr, im Lokal Armins ganz besonders ausgebildete parlamentarische Umgangs- regung der Bergleute über die schwächliche Novelle und hallen, Kommandantenstr. 20, zu Berlin, eine Partei Konferenz gewohnheit in Arbeitersachen, und er hat niedriger gehängt ihre Verstümmelung durch die Kommission des Abgeordnetenwerden müssen. hauses als eine künstlich gemachte" hinzustellen. Der Zweck mit Und da wir einmal bei den Nationalliberalen sind, so ist ja greifbar. Dabei passirt aber der Kohlentante das soll die elende Rolle, welche diese Partei und ihr Kölnisches Unglück, ihrer Lieblichen Schwester Kölnische Zeitung" Organ in der Bergarbeiter- Frage spielen, gleich ganz be- zwischen die Beine zu gerathen. Dieselbe druckte unterm leuchtet werden wir sind dann wenigstens mit der 20. April: Es sind demgemäß bei einem Gesetze, das der schmutzigsten Arbeit fertig. Bekanntlich hat der im Januar Minister selbst als einschneidend bezeichnet, die zumeist Be1891 für Bochum gewählte nationalliberale Reichstags- theiligten nicht gehört worden. Die Offiziösen haben erAbgeordnete Mül lensiefen bezüglich des Bergarbeiter sichtlich keine Vorstellung von der tiefen Erregung, welche Schutzes sich auf ein Reformprogramm verpflichtet, welches sich der Betheiligten bei solcher Methode" der Behandlung ihm von den Bergarbeitern vorgeschrieben war und die ihrer wichtigsten Interessen bemächtigt." Da aber die„ BeAchtstundenschicht einschließlich Ein- und Ausfahrt, die theiligten" doch in hohem Grade auch Bergleute sind, so bestreitet höhere Bezahlung der Ueberschichten und den Wegfall der die" Rheinisch- Westfälische Zeitung" dieselbe Erregung, welche Füllfohlen enthielt. Und jetzt, wo es die praktische Ver- die Kölnische Beitung" als ganz natürlich und berechtigt wirklichung dieser Dinge gilt, unterstützt dieselbe national- hinstellt. Das edle Preßgeschwister mag sich darüber selbst liberale Partei ihren Fraktionsgenossen Dr. Schulz dabei, auseinandersehen für die Berglente bleibt nur der wie er in der Berggesetz- Novelle Alles streicht und bekämpft, Bodensatz tiefster Verachtung für diese Preßkosaken und ihre was nur annähernd wie Arbeiterschutz aussieht. Korrupter Hintermänner! " Brandenburg. Aufruf an die Parteigenossen Berlins und der Provinz Auf Anregung verschiedener Genossen Berlins und der Pros statt. der vorläufigen Tagesordnung: 1. Berichterstattung über die Preffe, 2. Agitation, 3. Verschiedenes, Die endgiltige Feststellung der Tagesordnung bleibt der Konferenz überlaffen. Parteigenossen! Unterzeichnetes Romitee richtet nun an alle Genossen der gesammten Wahltreise Berlins und der Proving Brandenburg das Ersuchen, sich an dieser so nothwendigen Konferenz durch Entsendung von bis zu drei Delegirten für jeden Kreis zu betheiligen. Gleichzeitig erlauben wir uns au bemerken, daß nur Genossen zu Delegirten gewählt werden tönnen, die voll und ganz auf dem Boden des Programms vom Erfurter Parteitag stehen. Die Konferenz wird einen Tag in Anspruch nehmen. Diejenigen Parteigenossen, welche auf einen oder mehrere Tage Logis zu erhalten wünschen, werden gebeten, sich an ben Genossen Fr. Zubeil, Naunynſtr. 86, zu wenden. An denselben sind auch alle Anfragen und Zuschriften zu richten. Mit dem Wunsche, daß sich alle Kreise an der Konferenz be= theiligen, zeichnet mit fozialdemokratischem Gruß Das Komitee: J. Pfarr, Wilsnackerstr. 49. Sämmtliche Arbeiterblätter werden gebeten, den Aufruf in und lügenhafter fann sich eine Partei überhaupt nicht Der Unterschied zwischen dem Verhalten dieser benehmen, als es hier geschieht, und die Bergleute dürften Bourgeoisgruppe und demjenigen der anderen bürgerlichen ja wohl nunmehr einsehen, welchen Unsinn sie begingen, Parteien ist nun freilich innerlich kein besonders großer; F. Kleinert, Lüßowstr. 113. Fr. Zubeil. Naunynſtr. 86. als sie sich zur Schwanzpartei für diese Bourgeois her- Sie Ultramontanen, Konservativen und Liberalen haben sich gaben. Aber freilich arbeiten nationalliberale Abgeordnete lediglich deshalb äußerlich weniger zu engagiren gebraucht, und nationalliberale Presse in rührender Uebereinstimmung! weil sie nicht so direkt mit ihrem Profitiher Spalten aufzunehmen. Ein schönes Beispiel für die Verlogenheit und Charakter an der Sache betheiligt sind. Von den kon- Während der Bourgeoisie in allen Ländern angesichts losigkeit der letzteren soll mit Bezug auf Bergarbeiterfragen fervativen Blättern hat allein die„ Kreuz- Zeitung" eine der Maifeier das Herz in die Hofen gefallen ist und sie an vielen im Nachfolgenden entrollt werden. Selbstverständlich ist die fachliche Besprechung der Berggesetz- Novelle gebracht, Orten an geradezu hysterischen Anfällen laborirt, flunkert Herr Eugen Richter mit einer wirklich staunenSwerthen Dreistigkeit, indem er behauptet, die außerhalb der Arbeiterschaft stehenden Bcvölkerungsklassen zeigten sich nicht erregt. Ja, derselbe Richter, der de» Buchdruckergehilfen nicht einmal den Neunstundentag gönnte, findet den Wunsch nach einem nur achtstündigen Arbeits- tage„an sich"„noch bescheidener" als den, daß Jedermann Sonntags ein Huhn im Topfe haben möge. Man brauche nicht Sozialdemokrat zu sein, um die Beschränkung der Arbeitszeit auf 8 Stunden zu wünschen. Auch unter den„Arbeitgebern" selbst müsse dieser Wunsch vielfach umso lebhafter sein, als in manchen Produktionszweigen die Arbeitszeit der„Arbeitgeber" eine längere sei, als diejenige der Arbeitnehmer. Wünschen stehe jedem frei, aber zwischen Wünschen und Vollbringen sei in dieser unvoll- kommenen Welt ein großer Unterschied.— Wenn dem Deutsch. freisinnigen dermaleinst eine Grabschrift zu widmen ist, so wird das Wort„Tartuffe" die passendste sein. Bezüglich der Znsendung sozialdemokratischer Schriften durch die Post meint die„Kreuz-Ztg."(Nr. 202 vom 80. April) in einer Besprechung des Mecklenburger sozial- demokratischen Parteitags:„Wir denken, daß man es auch den Sendungen gegenüber, die durch„Jünger Stephans" in die Häuser geschmuggelt werden sollen, nicht an Wachsamkeit fehlen lassen wird." Will die„Kreuz-Zeitung" die Güte haben, diese dunkle Andeutung etwas aufzuhellen? Unsere Genossen in Mecklenburg könnten sonst zu eigenthümlichen Schlüssen kommen. Dasselbe Blatt giebt folgende Klage eines unserer mecklenburgischen Ge- nossen wieder:„Die Agitatoren würden nicht selten mit Knütteln und Hunden aus einer Ortschaft vertrieben." Das Blatt kommentirt diese Mittheilung nicht, ist also damit sicherlich einverstanden. Es wird uns deshalb die Be- merkung gestalten, daß die edlen Junker auf dem Hintern kein Wappen mehr tragen, und deshalb die Empfehlung der Knüppel- taktik einmal recht unangenehme Folgen für sie haben könnte. Ju Düffeldorf hat die Polizei die bekanntlich bereits er- theilt gewesene Genehmigung des Uinzugs der Maifest-Theilnehmer wieder zurückgezogen. Man gab also dem Drängen der kapi- talistischen Zeitungen nach. Das Kapital befiehlt und die Polizei gehorcht. Das ist der Klassenstaat. »« Grüuberg i. Schl. Die'Arbeiterbewegung, welch« früher hier nicht recht in Fluß kommen wollte, gewinnt jetzt immer mehr an Ausbreitung. Die Behörden allerdings glauben uns noch ignoriren zu können; so z. B. wurde unser Gesuch um Eiw sührung eines Gewerbegerichts rundweg abgeschlagen. Am 1. Osterfeiertag nun fand eine Volksversammlung statt, in welcher dieser Vorgang gebührend besprochen und gleichzeitig eine Petition an die Regierung beschlossen wurde, damit diese unsere Stadtväter auf den rechten Weg bringen möge. Das Mai- fest wird hier zum ersten Mal gefeiert und zwar auf„Walters Berg" durch Festrede, Konzert und Tanz. LaudtäglicheS auS Bayern. Aus der Hochfluth von zum Theil hochbedeutsamen Petitionen sind von der Abgeordnetenkammer nur zwei als der Plenarberathung würdig erachtet worden: 1. die Petition kleiner ländlicher Gemeinden, welche die H a l d- schule statt der Ganzschule wünschen, vermuthlich weil sie die Kinder lieber zum Viehhüten verwenden wollen; 2. eine Beschwerde wegen Verbots des Bierausschanks aus dem Lagerkeller in einer kleinen Ortschaft. Dagegen fand die Petition, welche die Zahl der Ab- geordnetensitze im Verhältniß zur B e v ö l k er u n g s- ziffer vermehrt wissen ivollte, unter den Abgeordneten nicht die 10 Stimmen, welche nöthig sind, wenn im Plenum darüber berathen werden soll. Die Dcutschfreisinnigen Nürnbergs waren nicht da— sie druschen Stroh auf dem Parteitage, aber abgesehen davon, der Liberalismus will den Volksmassen nicht ihr Recht schaffen und deshalb bringt er nichts zu Stande. »• Die Dhpographia Bern beschloß, der am Pfingstsonntag in Burgdorf zusammentretenden Generalversammlung des schweize- rischen Typographenbundes den Beitritt desselben zur sozialdemo- kratischen Partei zu empfehlen. LoKsles. Der 1. Mai wird in diesem Jahre von den Arbeitern der ganzen Welt gefeiert werden als ein Fest, das die Arbeiter selbst geschaffen haben, das ihnen allein die Weihe verdankt. Eine Idee beherrscht an diesem Tage die Arbeiter aller Länder, aller Zonen, die der Befreiung der Arbeiterklasse von jeder Art der Ausbeutung, die Beseitigung der Klassenherrschaft und damit aller der Hindernisse, welche die Entwicklung der Menschheit hemmen. Die trennenden Schranken der Nationen und Völker sind gefallen, die Proletarier aller Länder fühlen sich als Brüder, die gleichen Wünsche und Gelübde erklingen in allen Zungen, der Geist der Menschheit schwebt über Allen und lebt in Allen. Die Begeisterung dieses Tages verrauscht nicht mit dem Feste, nachhaltend wird sie ermuthigend und kräftigend zum Kampfe und zum Siege anspornen. Die Gegner fühlen es; alles boten und bieten sie auf. um die Feier zu hindern oder zu erschweren; die bekannten polizeilichen Mittel, Verbot von Aufzügen, Polizeistunde u. s. w. werden in alter Meise zur Anwendung gebracht; der Sonntag erschwert den Fabrikanten, den Arbeitern die Feier zu wehren; wo sie aber in der Lage sind, die Sonntagsarbeit zu erzwingen, thun sie es an diesem Tage; konservative und freisinnige Blätter ergehen sich in Wuthreden über diese Feier, oder, da sie ihre Machtlosigkeit erkennen, zwingen sie sich zu verächtlich sein sollendem Spott. Weder der Haß noch der Hohn der Gegner aber schwächt die Festesfreude; unseren siegreichen Marsch schreiten wir vorwärts, stolzen Haupte? und hoffnungsreichen Blickes; die neue Welt, die sich unserem Geiste an dem Fcstestage mit besonderer Lebendigkeit aufthut, sie wird erstehen und in ihr werden Millionen glücklicher Menschen in friedlichem Kampf und Wetteifer die Menschheit zu immer höheren Zielen fortentwickeln. Seid fröhlich und guten Mathes! Das Banner der Mensch» heit, die rothe Fahne weht über uns! Ein fröhliches Fest allen Genossen, allen Mitkämpfern, den alten Bewährten, wie dem jugendlichen Nachsproß! Glückauf zum ersten Mai! Eine unverfrorene Reklame setzen die Inhaber mehrerer Lokale, zum Theil solcher, welche dieselben zur Maifeier der Partei verweigert haben, in Szene, indem sie durch Plakate und aus sonstige Weise zum Besuche der von ihnen arcangirten ge- wöhnlichen Sonntagsvergnügen einladen, denen sie zwecks größerer Zugkraft die Bezeichnung„ A r b e i t e r- M a i f« st" tt. beigelegt haben. So z.B. sahen wir Plakate des Restaurants zum„Kleinen Prälaten", Lieben walderstraße «nd des„Feldschlößchens", Müller-Straße. Es genügt, diese Spekulation aus die Unkenntniß der Masten hier- mit zu erwähnen. An die Arbeiterschaft Berlin» t Einem lange gefühlten Bedürfnisse enffprechend, find nun- mehr die Sammelbons für den Unterstützungsfonds der sozial- demokratischen Partei für ylle 6 Berliner Reichstags-Wahlkreise gleichmäßig hergestellt. Diese Bons gelangen vom 1. M a i an zur Ausgabe. Alle bisher gebräuchlichen sind daher ungiltig und aus diesem Grunde zurückzuweisen. Der neue Bon enthält in schwarzer Schrift die Worte: Für den sozialdemokratischen Unterftützungsfonds 10 Pfennige. Es befinden sich ferner ans den Bons die rothen Buchstaben 8. P. 0. B., welche bedeuten: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Berlin. Als besondere Erkennungszeichen befinden sich im Papier der Bons 2 schräge Striche, ein sogenanntes Wasserzeichen, um unbefugtem Nachahmen vorzubeugen. Die Parteigenossen werden ersucht, die in ihrem Besitz be- findlichcn alten Bons bei den Vertrauensmännern fosort umtauschen zu wollen. Die Adressen der Vertrauensleute sind: August Täterow, Mauerstr. 9, vorn HI. Ferd. Kleinert, Lützowftr. 113. W i Ith e l m Börner, Ritterstr. 108, Zigarrengeschäft. St. Fritz, Simeonstr. 22, Hof II. Fritz Zu beil. Naunynstr. 86. Robert Wenzels, Koppenstr. 41. teinrich Baumgarten, Posenerstr. 4, III. udwig Möller, Sophienstr. 12, III. W. G i es h o it. Boyenstr. 40, pari. Wilhelm Grunwaldt, Chorinerstr. 30, vorn IV. Gustav Witzel, Elisabethkirchstr. 13. Johann Pfarr, Wilsnackcrstr. 49. Arbeiter-Sängerbund Berlins und Umgegend. Sanges- brüder, Genossen! Da irrthümlich dem Lokal Brocken, Tegeler Chaussee, kein Verein zugetheilt ist, so werden hiermit die Vereine Nr. 4S Steinmetzen 69, Steinsetzer 131. 145 aufgefordert, am Sonntag, den I. Mai, Nachmittags 4 Uhr, im Lokal Brocken, Tegeler Chaussee pünktlich zu erscheinen.(■* ist Ehrensache eines jeden Sangesbruders, auch dort das Fest verschönern zu helfen. Es wird ebenfalls Euch bestimmt erwarten Adolf Neu- mann, Bundes- Vorsitzender. Sollten einzelne Mitglieder, welche nach Adlershof zugetheilt sind, dort mitwirken wollen, so wäre es sehr erwünscht. DaS aeheimnistvolle Schlostlotterie-Prospekt wühlt fort. Wie der„National-Zeitung." berichtet wird, hat sich am Donnerstag der Magistrat von Berlin mit den H ä u s e r n a m S ch l o ß p l a tz e gegenüber dem königlichen Schlossezwischen der Kurfürstenbrücke und der Breitenstrabe beschäftigt. Aus der dem Blatte zugehenden, etwas unklaren Mittheilung erhellt nicht, von welcher Seite die An- gclegenheit den städtischen Behörden unterbreitet worden ist. Die städtische Baudeputation ist angeblich mit der Ansarveitung eines Projektes wegen Feststellung neuer Baufluchtlinien beauftragt worden.„Eine Verbindung zwischen dieser Angelegenheit und der Niederlegung der Schloßfreiheit soll ausgeschlossen sein", wird hinzugesetzt. Der letzte Satz ist, fügt die„Nat.-Ztg." mit Recht hinzu, unverständlich. Es soll wahrscheinlich heißen, daß zwischen der erwähnten Absicht und den Projekten behufs Beseitigung der Bauakademie, des rothen Schlosses ic. kein Zusammenhang be- stehe. Eine auch nur bescheidene Vertrautheit niit den Lokal- Verhältnissen am Schloßplatz führt zu dem Schlüsse, daß von einer„Festsetzung neuer Baufluchrlinien" an jener Stelle in dem Sinne, daß die Hansbesitzer bei einem von ihnen etwa be- absichtigten Neubau gezwungen sind, mit ihren Häusern zurück- zurückcn, schlechterdings nicht die Rede sein kann. Diese Häuser haben eine nur geringe, bis an den königlichen Marstall reichende Tiefe. Wird eine neue Baufluchtlinie so festgesetzt, wie es allein möglich ist, wenn der Schloßplatz eine regelmäßige Gestalt bekommen soll, also in der Ver- längerung der Linie der Häuser am Schloßplatz zwischen Brüderstraße und Breitestraße, so bleibt von den Grund- stücken eine nur so geringe Tiefe übrig, daß sie unter der jetzigen Bau-Ordnung überhaupt nicht mehr bebaut werden können. Die Feststellung dieser Baufluchtlinie müßte also dazu führen, daß, wenn die betreffenden Häuser niedergelegt werden, der verbleibende Streifen unbebaut bliebe. Aber wer soll die Häuser mit dieser Absicht niederreißen? Sollen an diese erste, aus dem Magistrat in die Oessentlichkeit gelangende Mittheilnng sich andere anschließen, welche mit G e l d- F o r d e r u n g e n für diesen Zweck verbunden sein werden? Wenn sich nur ein Theil des von der„Nat.-Ztg." Gesagten bestätigt, dann allerdings hat die„sittliche Entrüstung" der Frei- sinnigen zu schweigen, wenn man von Kliquenwcsen im rothen Hause spricht. Auf Grund deS Dumultgesetzes haben nicht weniger als siebenundsiebzig Personen Ersatzansprüche an den Berliner Magistrat wegen Sachbeschädigungen erhoben, welche ihnen an den unruhigen Tagen des 25. und 26. Februar zugefügt fein sollen. Die höchste Liquidation hat ein Zigarren- und Loosehändler am Grünen Weg mit 955 M. 72 Pf. eingereicht, dem 76 Loose geraubt sind. Es folgt dann eine Wittwe aus derselben Straße, der für 670 M. 75 Pf. Scheiben zerschlagen und Hüte und Mützen gestohlen worden sind. Die neue Ringbahn- Station„Prenzlauer Allee" zwischen Schönhauser Allee und Weißensee wird nach amtlicher Bekanntmachung für den Personenverkehr am Sonntag eröffnet. Vielfach hört man Klagen über die heftigen Detonationen, welche bei den Sprengversuchen ans dem Pionier- Uebungsplatze am Tempelhofer Felde entstehen. Es ist aber auch unglaublich, mit welcher Rücksichtslosigkeit in unmittelbarer Nähe menschlicher Wohnstälten vom Militär„geknallt" wird. So waren z. B. am gestrigen Tage die Schläge so heftig und von so starken Lust- erschütterungen begleitet, daß in der angrenzenden Fidicinstraße einige Fensterscheiben zerplatzten. Noch viel unheilvoller aber ind gewiß die Folgen, die derartige Schläge bei Kranken, Wöchnerinnen und anderen schwächlichen Personen nach sich ziehen. Eine tragikomische Beerdigung, mit welcher sich gegen- wärtig unsere Polizeibehörde beschäftigt, hat am Mitt« woch vieser Woche, wie uns nachträglich mitgetheilt wird, auf dem Zentralsriedhof in Friedrichsfelde stattgefunden. Wir stellten über die sonoerbare Affäre, die in der Kömgstadt großes Auf- sehen erregt, Folgendes fest: Vor 6 Wochen entfernte sich der 20 jährige Tischler Franz K. aus der in der Alexanderstraße be- legenen"Wohnung seiner Eltern. Der junge Mann war mit seinen Angehörigen in Streitigkeiten gerathen und verließ die Wohnung mit der Drohung, daß man ihn nicht wiedersehen werde, und seit dieser Zeit fehlte jede Spur von ihm.— Am Sonnabend den 23. April erhielten die Elten: von der Polizei die Mittheilung, daß ihr Sohn verunglückt, am Schiffbauerdamm todt aus der Spree herausgezogen worden wäre; der bedauernswcrthe Vater glaubte auch in der Morgue in der Leiche, die schon stark in Verwesung übergegangen und zirka sechs Wochen im Wasser gelegen, seinen Sohn zu erkennen, da die Haare übereinstimmten und bei dem Tobten auch die Papiere von Franz K. gefunden worden waren. Die Beerdigung des jungen Mannes war auf den verflossenen Mittwoch festgesetzt und die tiefgebeugten Eltern begaben sich zur bestimmten Zeit nach dem obenerwähnten Friedhofe, wo sich auch chon ein größeres Trauergesolge, aus Hausbewohnern u. f. w. zestehend, eingefunden hatte. Seltsamerweise aber fehlte— der Sarg mit der Leiche und, nachdem man Stunden hindurch auf das Eintreffen der Letzteren gewartet, wurden die mitgebrachten Kränz« auf«in anderes Grab niedergelegt und die Leidtragenden gingen unverrichteter Sache»ach Hause. Der Vater aber begab sich nach dem Leichenschauhause, wo die Leiche gerade eingesargt wurde, und hier erfuhr er nun, daß die Beerdigung erst am folgenden Tage stattfinden werde. In seiner Wohnung aber sollte K. eine ganz besondere freudige Ueberraschung bereitet werden: als er dort eintraf, fand er daselbst eine in Berlin wohnenoe zu Besuch eingetroffene Nichte, welche erstaunt die Erzählung von dem tragischen Tode ihres Vetter? anhörte und dann mittheilte, daß sie Franz erst vor einigen Tagen getroffen und gesprochen habe! Diese verblüffende Mittheilung bestäligte sich, denn noch an demselben Tage wurde der angeblich Ge- storbene von anderen Personen in der Weberstraße gesehen und am Donnerstag besuchte Franz K. eine ebendaselbst belegene Schankwirthschaft. Natürlich wurde der Polizeibehörde von der aufklärenden Sache Mittheilung gemacht und sie recherchirt eifrigst nach dem Tischlergesellen behufs Feststellung der Per- sonalien der als„unbekannt" beerdigten Leiche und des seit- samen Umstandes, daß bei dem Tobten die Papier« des Franz K. gesunden worden sind. Eine sonderbare Szene spielte sich am Donnerstag Mittag auf der Spree unweit Treptow ab. Passanten, die am Ufer des Elusses nach dem Eierhäuschen gingen, bemerkten aus dein trome ein sonderbares Fahrzeug treibend, ein großes Waschfaß. in dessen Mitte ein Mann stand, welches von dem Insassen mittelst einer Pätschel gerudert wurde. Natürlich schwankte das Faß bei jeder Bewegung des Mannes bedenklich hin und her, alle Zurufe der geängstiglen Passanten, alle Bitten derselben, ans Ufer zu rudern, blieben vergeblich. So trieb der sonderbare Mann, der laut sang und gestikulirte, wohl 10 Minuten auf dem Wasser dahin, bis ein Boot, von Treptow kommend, die gefährliche Lage des eigenarttgen Schiffers erkennend, hinzurnderte. Dasselbe war nur wenige Meter noch von dem Waschfasse entfernt, als dasselbe umschlug und der Insasse des Fahrzeuges in's Wasser fiel. Es gelang nur mit Mühe den Wlederaustauchenden, der sich lebhaft wehrte, über Bord zu ziehen und an's Land zu schaffen, wo der Fremde fortwährend behauptete, er sei Lohengrin und wolle den Schwan aufsuchen. Aus Papieren, die der Geistesgestörte— denn mit einem solchen hatte man es zu thun— bei sich führte, konnte in demselben der in der Greifswalderstraße wohnhafte Kaufmann F. rekognoszirt worden. Der Bedauernswerthe hat vor Jahres- frist' schon„hochgradiger Nervosität" wegen sein blühendes Ge- schüft ausgeben müssen und lebte seitdem als Rentier. In einem Anfall von Geistesgestörtheit ist F. nach Treptow gefahren, doch konnte nicht ermittelt werden, von wo er das Waschfaß und das Ruder entwendet hat. Infolge eineS Bau-UnfalleS find Freitag Nachmittag nach 5 Uhr inderBorsigstr. 7 dreiPersonen verunglückt. Die Hintere Fa�.ade des Hauses wird mit neuem Putz versehen. Der Maurermeister Magnus, Tieckstr. 25, führt die Arbeit aus, welche das Anbringen eines Hängegerüstes erforderte, das der Dachdeckermeister Buchholz, Borsigstr. 1, geliefert hatte. Um die genannte Zeit nun befanden sich der Dachdecker Hetzel, der Ar- bester Bön und der Maurer Görtz auf der Rüstung im vierten Stock und«in Handlanger war damit beschäftigt, einen Eimer Wasser vom Hose aus auf das.Hängegerüst herauszuwinde». In diesem Augenblick riß das linke Führungstau des Gerüstes. Die linke Seite der Rüstung sank nach unten und die drei Arbeiter stürzten auf den gepflasterten Hof hinab. Die von der benach- barten Wache in der Tieckstraße sofort herbeigerufene Feuerwehr übernahm den Samariterdienst und beförderte Hetzel und Bön mittelst ihres Personenwagens nach der Charitee. Der dritte Arbeiter wurde mittelst Droschke nach seiner in der Invaliden« straße belegenen Wohnung gebracht. Bön ist am schwersten ver- letzt und hat namentlich schwere Kopfwunden und innere Ber- letzungen erlitten. Mit einem Messer der Bauch aufgeschlitzt und de« Schädel durchstochen wurde in der Nacht zum Freitag dem in» Holz- und Kohlengeschäft seiner Eltern beschäftigten Ewald Schiller, einem jungen Mann von 20 Jahren, auf der Admiral- straßen-Brücke. Diese scheußliche That vollführte ein gleichaltriger Klenipnergehilse, welcher mit der Familie Schiller in dem Hause Admiralstraße 6 wohnhast ist und schon öfter Gewaltthaten be- gangen hat, ohne aber jemals vor dem Richter zu kommen. Tie beiden jungen Leute hallen am Tage zuvor einen Streit gehabt. Ahnungslos wurde Schiller dann in jener Nacht überfallen. Er fand die erste Hilfe durch die Sauitätswäche in der Adalbert- straße und später Ausnahme im Kraulenhause„Am Urban". Verschwunden. Aus Furcht vor einer ihm bevorstehenden Strafe entsernte sich am Freitag, den 22. ds. Mts., der 2jährige Paul Hänicke aus der Reinickendorserstraße 64 o belegenen Woh- nung seines Onkels, des Arbeiters Hans Groß, und ist das Kind seit dieser Zeit spurlos verschwunden. Der Knabe, der normal entwickelt ist, war bei seinem Fortgange von Hause mit modc- farbener Jacke, grau und schwarz gestreifter Hose, schwarzen Strümpfen, braunem Filzhut und hellen Schuhen bekleidet und trägt blondes Haar. Bezügliche Mittheilunge» über den event. Verbleib des Knaben beliebe man bei dem nächsten Polizeibureau oder den obenerwähnten Angehörigen des Verschwundenen zu machen. Zwischen Hnndefäugern und Vorübergehenden entspann sich gestern Nachmittag in ber Beuthstraße ein lebhafter Streit, der m Thätlichkeilen überzugehen drohte. Mehrere Personen be- haupteten, gesehen zu haben, daß die Hundesänger zwei Hunde aus den inneren Räumen eines Hauses widerrechtlich heraus- geholt hätten und verlangten die Zurückgabe der Thier«. Tie Streitenden, die eine große Schaar Neugieriger herbeigelockt hatten, begaben sich schließlich nach der Polizei. Polizeibericht. Am 29. v. M. Morgens wurde ein zwölf- jähriger Knabe vor dem Hause Weberstr. 22 von einem Mehlwagen überfahren und am Kopf und Bein verletzt. Er wurde nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht.— Auf dem Neubau der unbenannte» Straße XII» Nr. 5 stürzte Vormittags der Zimmermann Martin aus dem ersten Stock, etwa 5 Meter hoch, herab und erlitt so schwere innere Verletzungen, daß seine Ueberführung nach dem Elisabeth- 5irankenhause nothwendig wurde.— Auf dem alten Georgen- Kirchhofe versuchte ei» am Säuferwahn leidender Arbeiter sich zu erhängen. Er wircde noch rechtzeitig daran verhindert und nach der Charitee gemacht.— Als Nachmittags der Kutscher Hinnemann am Alexander- User entlang ritt, stürzte er mit dem Pferde und brach den Unterschenkel. Er wurde nach der Universitäts- Klinik gebracht.— Auf dem Holzplatz Kottbuser Ufer Nr. 17 fiel ein 13jähriger Knabe beim Spielen von einem Balken und erlitt einen Bruch des Ellenbogengelenks, so daß seine Ueberführung nach dem Krankenhause nothwendig wurde.— Auf dem Grundstück Borsigstr. 7 stürzte ein am Hintergebäude angebrachtes Hängegerüst infolge Zerreißens eines Führungs- taues mit den darauf befindlichen Arbeitern auf den Hof herab. Der Maurer Reh erlitt dabei außer einem Beinbruch anscheinend schwere innere Verletzungen, während die beiden Maurer Hützel und Koblitz nur leichtere Verletzungen davontrugen. Reh und Hötzel wurden nach der Charitee gebracht.— I» der Nacht zum 30. v. M. erschoß sich ein unbekannter, etwa 25 jähriger Mann in einer Bedürfniß-Anstalt auf dem Andreasplatz mittelst eines Revolners.— Im Laufe des Tages fanden drei kleine Brände stair. Theaker: Develchen: ( Depeschen des Bureau Herold.) München, 80. April. Die Abgeordnetenkammer genehmigte Am Wien, 30. April. In Meran wurden mehrere Arbeiter Verdacht erregt zu haben, fuhren die Angeklagten mit den be- 1 ladenen Wagen davon. Es ging wieder zu Schwedler nach Leffing- Theater. 29. April. Zum ersten Male: Morphium. Weißensee. Schwedler war nicht zu Hause, seine Angehörigen Schauspiel in 4 Aften von May Stempel in talentvoller daß das Mehl einstweilen mit einer Blandecke zugedeckt auf dem weigerten sich, das Mehl anzunehmen. Nun ordnete Lorenz an, Schriftsteller schildert in derber Holzschnittmanier eines Morphium- Schwedler'schen Grundstücke gelagert werden solle. Am folgenden die mit der Vorlage betreffend die Gehälter der Beamten zusüchtigen Geschichte, scheinbare Heilung, Rückfall, völligen Berfall der geistigen, leiblichen, sittlichen Persönlichkeit, Delirien Tage nahm Schwedler 4 Säcke Mehl zum Preise von je 14 M. fammenhängenden Paragraphen des Finanzgefehes, insbesondere die ab, die übrigen Säcke fuhren die Behring'schen Söhne nach dem Ueberweisung von 8 Millionen Mart an die Diftritte. und grauenvollen Tod. Eine flinische Studie, die ein Poet Es wurde jeht versucht, das Mehl Montag beschäftigte fich das Haus mit dem Gesek über die AufHerr Stempel soll aber erst beweisen, daß er ein Dichter ist Grundstücke ihres Vaters. fackweise bei hiesigen Bäckern unterzubringen, hierbei er- befferung der Lehrergehälter. und ein geschickter, feinfühliger Bühnentechniker- und Stempel regten die Diebe Verdacht und nach und nach wurden Wien, 30. April. In Brünn ordnete die Behörde die arbeitet nicht mit dem Grabstichel, sondern mit dem groben Schnitz- fämmtliche Betheiligte hinter Schloß und Riegel gebracht. Schließung sämmtlicher Branntweinschenken von heute bis Monmesser zu einem wirkungsvollen Drama hätten gestalten können. Man verkenne nicht, die Morphiumsucht ist eine gesellschaftliche In der Berhandlung waren die Haupt- Angeklagten geftändig, tag früh an. Krankheit so gut wie der Alkoholismus, sie ist nur eine Spielart nur die mitangeklagten Rutscher wollen der Meinung gewesen sein, dieses sozialen Leidens, die sich nach der Lage der Dinge in daß es sich um ein reelles Fuhrgeschäft handelte. Als Vertheidiger führer verhaftet. Brüffel, 30. April. Der Bürgermeister von Lüttich hat alle erster Reihe beschränkt auf die besigenden Schichten, auf das fungirten die Rechtsanwälte Schwindt, Dr. Coßmann und mehrere öffentlichen Ansammlungen zwischen heute Abend 6 Uhr und Bürgerthum. Nach sechsstündiger Vorsitzende, Landgerichtsrath Braun das Urtheil, welches folgender- Montag Mittag untersagt. des Morphiomanen die Superiorität seiner höheren Bildung maßen lautete: 2 orenz und Laubsch je 2 Jahre, er sten Brüffel, 30. März. Der Bürgermeister von Mons gestattete durch gellende Schlußrufe und durch schrilles Pfeifen auf Haus 11/2 Jahr, Ludwig Thunad und Weinhold je ein Jahr, für morgen den Umzug, untersagte jedoch öffentliche Berschlüffeln herrlich offenbarte, vergeht vor Entzücken, wenn die Bohn- die Rutscher August und Otto Behring, Karl und sammlungen. dirne Marguerite Gautier ihre phthifische Lunge aushuſtet. Bei Stempel geht ein ehrenhafter, tüchtiger Mensch, der Eduard Möhring und August und Heinrich Klose Major Starke, folch eine Gestalt wollte der Verfaffer je 9 Monate, Bergemann, Gramms und Behring sen, schaffen, feine Unzulänglichkeit versagte ihm die Mittel, ihr Leben le sechs Monate, Müller Schwedler und Joh. Tunac je einzuhauchen- elend an dem Gift zu Grunde, das ihm Trost ein Jahr Gefängniß. Schläger wurde freigesprochen. gegen Mißgeschick und Verschuldung bringen sollte. Er wird zum Urkundenfälscher, der die Unterschrift des Arztes nachmacht, um sich das geliebte Narkotikum zu verfchaffen, ein alltäglicher Fall, wie die Krantenjournale jeder Heilanstalt ausweisen, er wird aus der Position herausgeschleudert, die ihm Daseinsbedingung ist. Das Stück ist thatsächlich ein Monodrama, die um den Morphiumfüchtigen gruppirten Figuren sind ornamentales Beiwert. Aber Stempel greift statt zu einer forgfamen Motivation der Vorgänge zum kläglichen Nothbehelf äußerlicher Mittelchen, die nicht tragisch, sondern burlest wirken, er dramatisirt die Lokalnotiz eines Tageblattes. Sein Held ist ein Kranker, der Kranke als solcher, de: Morphiumfüchtige, wie die Psychiatrie ihn beobachtet, ein Gattungsbegriff, der alles Persönliche, Innerliche, alle Individualität abgestreift hat. Und so entfleidet er ihn aller der Eigenschaften, die dem Zuschauer ein ästhetisches Interesse bieten. Die Bühne wird zur Maison de santé. Einzelne feine Büge, die entweder unbemerkt blieben oder belacht wurden, so das Aufsprengen des Morphium- Kästchens mit dem Offizier degen, können den Gesammteindruck nicht alteriren. Kindlich waren die Rasinoszene, die spaßhafte Lobrede auf die Kolonial politit, die Geschichte des die Erbschaft streitig machenden Bastards, der nie zum Vorschein fommt und vergleiche den legten Polizeibericht bei einer Schlägerei erstochen wird. Alles in Allem viel Mache, feine Routine, plumpe Anfängerarbeit, und doch ein Talent! Verlammlungen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 1. Mat, Bormittags 10 Uhr, Rofenthaterstr. 38: Herr Henning: Pflicht und Tugend. Sumanistische Gemeinde. Sonntag, Vormittag 10 Uhr, Rommanbantenstr. 79: Vortrag des Herrn Schäfer, über„ Geiftesentzweiung durch den Religionismus und Geisteseinigung durch die Wissenschaft. Arbeiter- Bildungsschule. Sonntag Bormittag 10-13 Uhr: ntin Montag, hallen, Kommandantenjir. 20: Unterricht in der Nationalökonomie. Abends 8-10% Uhr: Süd- Schule, Sagelsbergerstr. 43: Unterricht in Deutsch( oberer); Süd- Ostschule, Reichenbergerstr. 133: Unterricht in Rechnen; Dit- Schule, Marfusstr. 31: Unterricht in Buchführung; NordSule, Müllerstraße 179a: Unterricht in Buchführung In allen Lehrfächern tönnen noch Schüler und Schülerinnen, auch fest im Saufe des Semesters, eintreten. Alle Abänderungen, welche den Arbetter- Sängerbund oder den Bund der geselligen Arbeitervereine betreffen, sind nur an die Vorstände derfelben zu richten. Sozialdemokratische Lese- und Diskutirklubs. Sonntags. Mar Sonntag von aufer, Nachmittags 3 Uhr, Schneetoppe, Nofitzftr. 29. Arbeiter- Hängerbund Berlins und Umgegend. Gesangverein 2-4 uhr: uebungsstunde. Aufnahme neuer Mitglieder. der Glasarbeiter zu Stralau Borwärts 7" Rummelsburg, bet Borg mann.- Vorwärts 3, Friedrichsberg, Berlinerstr. 10, bet Momber. Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Montag, Abend Norddeutsche Uhr: Uebungsstunde. Aufnahme neuer Mitglieder. Sieber lust, Fichteftr. 29 bei Schleife, Naunynftr. 86 bei gubeil. Steder Krösche.. Senefelder, Jüdenstr. 55 bei Trieschmann. tafel ber Maler und verwandten Berufsgenossen Annenfir. 14 bet Ehrenberg.- Moabiter Steberta fel, Wilhelmshavenerſtr. 25 bet Brosch. bei Musehold. Zonblüthe, Görligerstr. 58 bet Zoltsdorf. Harmonie 2 Landsbergerstr. 31 Blüthe, Brenzlauer- Allee 26 bet Riedel. Gängerchor der Chirurgischen Branche, Alte Schönhauser traße Nr. 43 bei Reimann. Morgenroth 2, Charlottenburg, Sangergruß, Friedrichshagen Bismarckhöhe, Wilmersdorferftr. 80. trifft bel Blank. Froh' Hoffnung der Bimmerer Berlin West. Gleichheit, Pappel- Allee 3-4 bet ruse. Syra 2, Charlotten: burg, Charlottenburger- Ufer 3b bet Benzin. Sängerhain, Reichen bergerstr. 21 bet Bagbolo. Lotosblume, kleine turstraße 10 bet robe Hoffnung,( der Bimmerer Berlin Weſt), Kulmstraße se bei Kanzow. Liebesfreiheitt II, Straußberg, im Restaurant Krüger. Raumann. Myrthenblätter, Belforterstraße 15, bei Schneider. Felsenburg, Roppenstr. 43c.- Brüderfchaft( Gausdtener), Fischer Aber wir schulden den Lesern noch die Fabel des Stücks Der Major Starte, leichtlebig wie feine Gattin, geräth in Schulden, überarbeitet sich und wird ein Sklave des Morphiums, das ihm der Arzt gegen feine Nervosität verordnet hat. Er geht in eine Heilanstalt, seine Angehörigen wähnen ihn in Italien. Bei der Rückkehr glaubt sich geheilt er er feine Tochter als Braut eines Marine- Offiziers. Er offenbart sich ihm, giebt ihm den Schlüssel zum Kästchen, welches das füße Gift enthält. Aber die Sorgen fehren wieder, eine Erbschaft, die ihn petuniär sicher stellt, wird ihm mit Erfolg streitig gemacht. Alkohol und Tabak genügen ihm nicht. Er fälscht ein Morphium- Rezept, ohne Erfolg, da der Apotheker Berdacht Schöpft. So sprengt er das Kästchen, betäubt sich, geht zum Abschiedsbanket seines Schwiegerfohnes, der nach Afrika kommandirt ist, und dort enthüllt er im Morphiumrausch die Fälschung. Er wird kassirt und stirbt, ein gebrochener Mann, an dem Mor phium, das die Seinen ihm nicht zu entziehen wagen. Der Vorwurf des Stücks ist sicher anziehend, seine Durch ftraße 41. Eisenbahnstr. 20. und führung unzureichend. Ein unübertreffliches Meisterstück der Dar- Stauchtlub Deutscher Michel, Koppenftr. 48. Montag: Theaterverein Proletariat bet Röhn, Naunynſtr. 83. sonntag! Privateellisen Arbeitervertiſtentlub um or, bet Gabed, Fürbringerstr. 7. Privat- Theatergesellschaft Lustspiel bei Stegemund, Theater und Artistenklub Jugendtrafi 2 bei Ritter, Mauerstr. 86. Theaterverein Borussia bet Ockert, Beughofstr. 8. Geselliger Verein Neue Welt bei Strohschänt, Nyfeftr. 48. Sund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. Theaterverein offKollegenschaft Gemüthlichteit, Theaterverein Proletariat, Köhn, Naunynstr. 83.- Rauchtlub Blaue Quaste, Mücke, Wöhlerstr. 2. Privat- Theatergesellschaft Luft spiel, Stegmund, Eisenbahnstr. 20. Gefang-, Turn- und gesellige Vereine. Sonntag. Privat- Theatergefellschaft Walhalla, jeben Sonntag Nachmittag 5 Uhr Restaurant Lautenbach, Guvrystraße 77.- Privat- Theatergesellschaft Preciosa jeden Theater- und VergnügungsSonntag 4 Uhr bei Foge, Röpenickerstr. 191. verein arletin, heute Nachmittag 5 Uhr bet Bade, Beughofstr. 8. schlößchen( Hungriger Wolf), in Lichtenberg. stellung bot Herr Molenar als Held. Die Mitwirkenden, nament- nung, bei Schneider, Adalbertstr. 8. lich Herr oder als Arzt, Herr Brandt( Schwiegersohn) Sohenzollern, Seidelftr. 30( alle is age). und Frl. Minow( Tochter) sekundirten ihm vortrefflich. Gerichts- Beifung. Bs. 1 Zurnverein Fichte, jeben Sonntag von 4-6 Uhr in Schölzel's SeeVergnügungsverein Nord, Nachmittags 5 Uhr Fennstr. 5 bei Krüger. ftraße 150. ( Woff's Telegraphen- Bureau.) Bremerhaven, 30. April. In der Angelegenheit ber Strandung des Schnelldampfers Eider" des Norddeutschen Lloyd hat heute das See- Amt folgenden Spruch gefällt: Die Strandung der„ Eider" ist auf einen Frrthum des Schiffers zurückzuführen, der sich füdwestlich von seinem Besteck glaubte. Vorsichtiger hätte er gehandelt, wenn er bei der von ihm unterschätten Dichtigkeit des Nebels die Fahrt noch mehr gemindert hätte, zumal da er auf dem von ihm gesteuerten Rurse keine Landmarke und fein Feuer bemerkt hatte, die er bei der angenommenen Dichtigkeit der Rimme hätte sehen müssen. Die letzten Lothungen waren offenbar unrichtig, das Verhalten der Besayung nach der Strandung war ohne Tadel. Die Thätigkeit der englischen Rettungsmannschaften verdient Anerkennung. Der Reichskommissar hatte teinen Antrag gestellt. Lausanne, 30. April. In Prilly bei Lausanne fand heute Vormittag in dem Hause, welches die Mutter des Präfekten Pingoud bewohnt, eine Dynamitexplosion statt, durch welche das Treppenhaus und eine Balustrade zerstört wurden. Personen wurden nicht verlegt. Die Urheber des Attentats sind noch nicht ermittelt. Der Präfett Pingoud hatte bereits im Laufe der vergangenen Woche Drohbriefe erhalten; man nimmt daher an, daß, das Attentat gegen ihn gerichtet war. Brüssel, 30. April. Die Behörden ließen heute bei einer Frauensperson, welche mit dem geflohenen Hauptkassirer des Bankhauses M. A. von Rothschild in Frankfurt a. M. befreundet ist und seit einiger Zeit in Brüffel wohnt, eine Haussuchung vornehmen. Eine Verhaftung der Frauensperson wurde nicht vorgenommen, dagegen ist eine strenge Ueberwachung derselben durch die Polizei angeordnet. Paris, 30. April. Der Ministerrath beschäftigte sich in seiner heutigen Sigung mit der Prüfung der Gesetzgebung über den Verkehr mit Dynamit. Der Ministerrath verzichtete darauf, die bestehenden bezüglichen Vorschriften abzuändern, sprach sich aber für die strengste Anwendung der bestehenden Gesetze aus, welche den Eigenthümer von Dynamit, selbst für den Fall, wo dasselbe gestohlen werden sollte, verantwortlich machen. Polizeipräfekt hat heute Vormittag den Polizeikommissaren die letzten Anweisungen für den morgigen Tag ertheilt. Die Polizeifommiffare in der Umgebung von Paris haben Befehl erhalten, Massenansammlungen zu zerstreuen und alle Manifestantentrupps am Eintritte in die Stadt zu verhindern. In Marseille wurden Der heute etwa 10, in St. Etienne 4 und in Algier 14 Anarchisten, welche mit den französischen in Verbindung standen, verhaftet. Manchester, 29. April. Die Spinnmeister von Bolton bea schlossen, an vier Tagen der Woche zu arbeiten; die Spinnmeister anderer Orte werden vorschlagen, nur an drei Tagen der Woche zu arbeiten. Briefhaffen der Redaktion. T. J. Nach§ 33 der Reichsgewerbe- Ordnung bedarf es zum Betriebe der Gastwirthschaft der Erlaubniß, die nur dann zu versagen ist, wenn gegen den Nachsuchenden Thatsachen vorliegen, welche die Annahme rechtjertigen, daß er das Gewerbe zur Förderung der Böllerei, des verbotenen Spiels, der Hehlerei mie wir hören, der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Haase, un In der Angelegenheit des Geh. Hofraths Manché hat, Bergnügungsverein Germania, alle 14 Zage Bersammlung Linten Tambour- und Bergnügungsverein Gut Heil, alle 14 Tage bet Wendt, oder Unsittlichkeit mißbrauchen werde oder wenn das zum Be triebe des Gewerbes bestimmte Lokal mittelbar nachdem das Urtheil durch die Entscheidung des Reichs- Schleiermacherftr. 2. wegen seiner Be oder Lage Lage den polizeilichen polizeilichen Anforderungen gerichts rechtsträftig geworden, einen Antrag auf Wieder- 3mtebelfifche, Nigbort, Abends 9 Uhr in Barta's goal, Berlinge Gefang-, Turn- und gesellige Vereine. Montag. Gefelliger Berein schaffenheit Ob die Polizei diese oder jene Thataufnahme des Verfahrens nebst vorläufigem Aufschub der Straf- traße 120. Bergnügungsverein Freundestreue, jeden Montag bei nicht genügt. vollstreckung bei der zuständigen Straffammer gestellt. Infolge Möring, Admiralſtr. 18c. Geselliger Klub Namentos, jeden Montag bei sache als die angeführte Annahme rechtfertigend ansieht, das steht bei der Polizei, und Beschwerde ist nur auf dem Wege der dieses Antrags, dem seitens der Staatsanwaltschaft wider Abraham, Straßburgerſtr. 5. sprochen wird, finden augenblicklich Erhebungen sowohl durch aposteltirche 7 b. Bitherttub Freiheitsstänge, jeden Montag Abend bei G. Frante, Verwaltungsgerichtlichen Instanzen zu führen. Ihnen vorauszu Bernehmung von Zeugen als durch Erfordern von Aften statt Pfeifentlub Felsen fest, Abends 9 Uhr, Pofenerstraße 15, Restaurant und wird demnächst der Beschluß der Straffammer, auf den man Schuttel gespannt sein tann, ergehen. Rauchtlus Brüderlichkeit, abends 3-11 Uhr bei Willi Schmidt Wrangelstr. 141. Rauchtlub Wetze Wolte, Abends von 9-11 Uhr, Bernauerstr. 14. August Kersten, die Arbeiter Vermischtes. sagen, wie die Polizei in dem einzelnen Falle urtheilt, ist geradezu unmöglich; die Praxis ist an einem Orte anders wie am anderen, und ist auch nicht ständig; was im vorigen galt, gilt im heutigen nicht mehr. Es bleibt ihnen nichts übrig, als um die Konzession nachzufuchen und eventuell Beschwerde zu führen. Fragen wie die Ihrige, liegen uns eine ganze Anzahl vor. Wir werden alle diese Fragen von nun an nur noch mit dem Hinweis auf§ 33 Reichs- Gewerbe- Ordnung beantworten. der G. S. und K. C. Die Verurtheilung lautet nie auf Seit Lebens", sondern auf Lebenslängliche" Zuchthaus oder Festungsstrafe. Die Person des Herrschers ändert an den Strafen nichts; derselbe kann nur das Begnadigungsrecht ausüben. Drei Streitende. Politische Verbrecher liefern die Bera einigten Staaten nicht aus, wohl aber schwere gemeine Vera brecher, Mörder, Räuber, Fälscher u. f. w. Henkel. Der Widerspruch würde kaum Erfolg haben. Der Eine ans 17 Köpfen bestehende Diebes- und Hehlerbande stand gestern vor der IV. Straftammer des Landgerichts I. Es handelte sich um je einen großen, mit verblüffender Dreiftigfeit ausgeführten Getreide- und Mehldiebstahl, an welchem folgende Personen betheiligt sein sollten: Sadträger Ludwig Lorenz, Schloffer Laubsch, Ludwig Thunad, Bergemann, Wein- Aus Aachen geht uns folgende charakteristische Zuschrift hold, Sackträger Wilh. Schläger, Arbeiter Gramm3, zu: Haben die Sozialdemokraten in unseren braven, gutkatholischen die Kutscher August Behring, Otto Behring, Kari Städten am Rhein, selbst in billige Rölle, noch nicht genug erNöhring, Eduard Nöhring, August Klose, Hein reicht, daß sie ihre Parteigänger in die Gewerbegerichte gebracht rich Klose, Müller Otto Schwedler, Arbeiter Johaben? Wie können Sie sich unterstehen, unseren Aachener Behann Zhunac und Fuhrherr August Behring. Der steuerten der untersten Einkommensteuerklassen den Rath zu Kaufmann Richard besitzt auf dem Kantianplay das sogenannte geben, auch noch Sozialdemokraten in unfere echt römisch fatho- Weinreisende bietet Himmel und Hölle auf, um eine Bestellung Mehlhaus", ein Gebäude, das zum Lagern von Getreide benutzt lische Stadtverordneten- Bersammlung zu wählen? Kennt denn zu ergattern, und hat er sie erlangt, dann giebt eher der Teufel wird. Der Angeklagte Lorenz hatte sich mit den Angeklagten Ihre Unverschämtheit gar feine Grenzen? Glücklicherweise wird eine Judenseele frei, ehe ein Weinreifender eine einmal gemachte Ludwig Thunac und Laubsch verabredet, dort einen Dieb- Ihnen Ihr Rath nichts helfen. Denn ihre Besteuerten aus den Bestellung zurücknehmen läßt. stahl auszuführen. Da es nöthig war, die durch eine untersten Einkommensteuerklassen haben bei uns nicht in die Eisenstange und ein Vorlegeschloß geschloffene Thür zu sprengen, Stadtverordnetenversammlung zu wählen. Das Wahlrecht fängt so fab man sich nach einem Schloffer um, der sich an dem Dieb- bei uns und überhaupt in den meisten rheinischen Städten table betheiligen follte. Man fand einen solchen in der Person erst mit der 4. Stufe an, in Köln, Wesel und Trier fogar erst des Mitangeklagten Kersten. Zur Fortschaffung der gestohlenen mit der 5., und wir fönnen es, wenn es sein muß, auch noch Säcke wurden die Angeklagten August und Heinrich Klose an ein bischen höher schrauben, bis zur 7., glaube ich. Ja! Wir! P. Sch. Die Antwort Ihres Kollegen ist ebenso dumm wie genommen, welche mit zwei Fuhrwerfen zur Stelle waren. Am Aber, daß Sie sich nur nicht herausnehmen, jegt zu schreiben, Abende des 14. Januar wurde die Thür von Kersten gesprengt, wenn die Stadt von den Minderbesteuerten Gemeindebeiträge frech. Da derselbe in Nixdorf wohnt, so haben Sie ihn beim innerhalb furzer Zeit waren die beiden Wagen mit insgesammt erhebt, dann gebiete es das Ehrgefühl", ihnen auch das Wahl- dortigen Amtsgericht zu verflagen. Vorher mögen Sie ihn noch mals auffordern, Ihnen das geborgte Werkzeug fofort zuzustellen, 58 Sad Safer beladen. Mit dem Angeklagten Müller Schwed recht zu geben. Sonst schreibe ich noch gröber!" ler zu Weißensee war bereits die Verabredung getroffen worden, Schützt die Vögel! Ueberall in Wald und Feld bauen und wenn es nicht in 24 Stunden geschieht, dann keinen Augens blick mit der Klage zu warten. daß er den Hafer abnehmen sollte. Die Beute wurde dorthin unsere Singvögel wieder ihre Nester, und die Kinder suchen vertheilt. an der Zeit, an alle Naturfreunde die Mahnung zu richten: " 1 Berichtigung. Im Vermischten" der gestrigen Nummer 1. Beilage 4. Seite 2. Spalte Beile 10 v. u. muß es anstatt Pommerns" heißen: stammend". S. W. 19. Australian Socialist", League 250 Pitt Street, Sidney, Australien. F. Schultz, Stettin. Unverständlich. Rothkopf. Wenn der vorliegende Fall so ist, wie Sie ihn B Waldkapelle 100. Wo man das Kefir" bezieht, wiffen wir nicht, können Ihnen auch über den Nahrungswerth desselben nichts sagen. In unserer Redaktion wird allgemein dem Bier der Vorzug gegeben. Ein Arbeiter einer größeren Angus Papierfabrik. Die Arbeits- Ordnung ist, sowie sie der Arbeiter unterschrieben, ein zwischen ihm und dem Prinzipal geschlossener, beide Theile bindender Vertrag, selbstverständlich soweit feine Bestimmungen nicht gegen zwingende Geseze verstoßen. Wenn nicht ein bea stimmter Termin ausgemacht ist, an welchem das Arbeitsverhältniß erlischt, so gelten die unterzeichneten Bedingungen, so lange das Arbeitsverhältniß besteht. 800 M. hatte, 480 M. Das Geld wurde zwischen die Betheiligten dieselben und nehmen Eier und Junge weg. Da ist es wieder darstellen, und nicht etwa noch andere Umstände hinzukommen, Die Thäter wurden nicht sofort entdeckt und dies veranlaßte Schützt die Vögel! Nächst den Lehrern liegt diese Aufgabe den so liegt darin feine Ausübung des Schankgewerbes. Eltern ob. die Diebe, einen zweiten Beutezug in vergrößertem Maßstabe und Ein harter Schicksalsschlag traf in Büchel bei Remscheid mit noch größerer Frechheit zur Ausführung zu bringen. Es Am Dienstag starb die Mutter, Tags darauf wurde am Nachmittage des 30. Januar der Speicher Nr. 3 auf eine Familie. dem Stettiner Bahnhofe, in welchem die Firma Sachs u. Hirsch- am Nachmittag der Vater und Abends der älteste Sohn, der im Alle drei werden gemeinsam feld Mehl lagern hatte, von Kersten erbrochen. Lorenz soll die Alter von 17 Jahren stand. Fuhrleute August und Otto Behring, sowie Karl und Eduard beerdigt. Nöhring ins Bertrauen gezogen haben. Dieselben erschienen mit Die Hofschauspielerin Gabillon aus Wien ist in Meran zwei vierspännigen Wagen auf dem Stettiner Bahnhofe, und gestorben. während einige der Angeklagten die Wohnung des Bodenmeisters Bei einem Eisenbahnunglück, das sich in der Nähe von der Firma Sachs u. Hirschfeld beobachteten, gingen die übrigen Bathurst( Australien) ereignete, tamen 9 Menschen ums Leben Angeklagten mit anscheinend größter Seelenruhe an die Arbeit. und 12 wurden mehr oder minder schwer verletzt. Die Wagen wurden mit 50 Sack Kaifermehl zum Werthe von 1800 Mart beladen. Als die Bahnhofs- Beamten das äußere Gitterthor schließen wollten, bat der Angeklagte Lorenz fie, noch eine kurze Zeit zu warten, sie seien gleich fertig. Ohne 100.. Wenn keine andere Verabredung getroffen, haben Sie als Handlungsgehilfe nach dem Handels- Gesezbuche im Falle der Erkrankung für 6 Wochen das volle Gehalt au bea anspruchen. Aufruf! Getreideträger und Speicherarbeiter! Kollegen! Tretet Mann für Mann Eurer Vereinigung bei, damit wir geschlossen den Unternehmern, welche unseren Tarif nicht anerkennen und nur auf unsere billige Arbeitskraft spekuliren, Einhalt bieten können. Mitglieder werden am 5. Mai in der Versammlung Schwedterstr. 24 und jeden Sonntag von 11-1 Uhr Neue Friedrichstr. 50 im Lofal aufgenommen. J. A.: Der Vorstand. 2756b Unferm Genoffen, den Buhlwirth Wilhelm Thierbach ein brei Mal donnerndes Hoch zu seinem am 2. Mai stattfindenden Wiegenfefte, auch daß das ganze Haus Friedrichsgracht 16 wackelt und Thierbach mit den Beenen herumzappelt. 2790b R. A. R. G. O. M. D. A. W. S. Unserm Freunde und Genossen Paul Krüger 2795b zum heutigen Tage ein donnerndes Hoch! Die rothe 3, Berlin 1. Todesanzeige. Nach kurzem schweren Leiden ver Unterstützungsverein d.Maurer im Westen Berlins. farb am 29. d. M. mein innig ge Mitglieder- Versammlung am Montag, den 2. Mai, Abends 8%, Uhr, im Königshof, 239/19 Bülowstr. 37. 2ages Ordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäfte haben Zutritt. Der Vorstand. Verband der Geschäftsdiener, Packer und Berufsgenossen. liebter Mann, unser Vater Franz Kukahn. Die Beerdigung findet am Dienstag, Nachmittags 4 Uhr, von der Wiefenftr. 61a aus ftatt. 28016 Die trauernden Hinterbliebenen. Kranzbinderei und Blumen Handlung von J. Meyer, Wienerftr. 1( nur dort). Telephon Amt 9, 9482. 17902 Bureau und Arbeitsnachweis C., Neue Grünstr. 10, I. Fernspr.- Anschl. I. 810. mein Sargmagazin u. Beerdigungs. Große Versammlung am Dienstag, den 3. Mai, Abends 9 Uhr, in Mundt's Salon, Köpnickerstrasse Nr. 100. Zages- Ordnung: 442/8 1. Mittheilungen. 2. Vortrag:" Die Bedeutung der Bewegung zu Sunften Empfehle allen Genossen bei Bedarf fomtoir, Swinemünderstr. 140. 2. Geschäft Eberswalderstr. 16. 23062 J. Schumacher. Charlottenburg. 3.uyten bes Achtſtundentages." Referent: Stadtv. Friß Zubeil. Distuffion. A. Fiedler, Krummestrasse No. 27, 3. 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Diskussion. 3. Bericht des Vertrauensmannes und Neuwahl desselben. 4. Verschiedenes. Bestes Weißbier ohne Wasserzusatz, 16 große oder 32 fleine für 3 Mart liefert Emil Böhl, 19872 Frankfurter Allee 74. 256/10 Fernsprech- Anschluß Amt VIIb. 1511 Bur Deckung der Unkosten findet Zellersammlung statt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Bereinigung d. Maler, Ladirer, Austreicher u. verw. Berufsg. Versammlung der Filiale III( Ost) am Dienstag, den 3. Mai 1892, Abends 8/2 Uhr, bei Henke, Blumenstraße 38. Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Filial- Angelegenheit. 3. Verschiedenes. 2802b Der Vorstand. Freie Vereinigung der Graveure u. Ciseleure Versammlung Montag, 2. Mai, Abends 8/2 Uhr, Dresdenerstraße 45. Tagesordnung: 1. Angelegenheit der Der Vertrauensmann. Achtung! Musiker! Montag, den 2. Mai, Abends 8 Uhr: Bur Maifeier Große Versammlung bei Röllig, Neue Friedrichstr. 44. Tagesordnung. 1. Vortrag Die Bedeutung des 1. Mai. Referent: Genosse R. Kunkel. 2. Diskussion. 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