Ur. 93. niionncmenti'Bedi ngungcn; Abonnements- Preis vränumeranbo: BiertcljShrl. Z.30 Mb, nionatl. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg, frei inj Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in der Post-ZeitungS- Preisliste für»993 unter Nr. 8SV3. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland S Mark pro Monat. SO. Jahrg. CrldKint täglich außtr montags. Vevliner Volksblatk. Die Tnfertions- Gebühr betrügt für die fcchsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raun: 40 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und VersanunlungS-Anzcigen 20 Pfg. „Aleine Anreizen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nüchste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vorinitttags geöffnet. Telegramm-Norcffet ,.5oilal>»ltrat Rem»". Centralorgan der locialdemokratiMen Partei Deutschlands. RecUhtiom 85Q. 68, Lindenstraese 69. Feriisprerher: Amt IV, Nr. 1983. Cxpcditlons SM. 68, Lindemtraeee 69. Kernkprertier: Amt IV Nr. 1984. Rüstet zur Maifeier! Der Maifeier folgt die Mahlschiacht! Das neue Wahlreglement. Die reichlichen und einigermaßen erregten Erörterungen der Presse über die Regierungsvorlage zur Sicherung des Wahlgeheim- nisses bei den ReichstagStvahlen fanden im Reichstage selbst nur einen matten Widerklang. Der konservative Ingrimm wider die abtrüllnige Regierung wurde gezllgelt durch die Erkenntnis der Aussichtslosigkeit des Widerstandes. Die Angelegenheit wurde ohne viel Pathos in fast geschästsmästiger Nüchternheit erledigt. Immerhin bot sie dem schärfer Spähenden einiges von Bedeutung. Herr G a in p unternahm zunächst in der Geschäftsordnungs- dcbatte, welche die eigentliche Beratung der Wahlreglementsänderung einleitete, einen lahmen Versuch, die ganze Angelegenheit durch die Forderung einer KoinmissionSbetatung und dreimaliger Lesung zu verschleppen und zu Fall zu bringen. Doch er erfuhr bei diesem Versuch nur einen trüben Abfall. Alle andren Parteien würdigten den Gcschäftsordnungsvorschlag des freikonservativen Obstruktionisten nicht eines Gegenwortes. Nachdem beschlossen war, die Angelegenheit in einmaliger Lesung zu erledigen, wußte die konservative Opposition nicht emmal würdig zu unterliegen. Sie verfiel der kläglichsten Lächerlichkeit, indem sie versuchte, sich des verdrossenen Aergers über den Wahlsicherungs-Seitenspnmg der Regierung zu entladen und zur gleichen Stunde ihre Feindschaft gegen das Reichstags-Wahlrecht zu verbergen. Herr Gröber vom Centrum leitete die Debatte ein. Er be- sprach die Entstehung des neuen Reglements aus Forderungen des Reichstages; er erwähnte, daß die frühe st en Versuche im Reichstage, das Wahlgeheimnis zu sichern, von der Social- demokratie ausgegangen sind; er erklärte, unter Hinweis auf die entsprechenden Bestimmungen in den Wahlreglements für die LandtagSwahlen in Württemberg und Baden, die Vorlage des Bundesrats in mancherlei Hinsicht für verbesserungsfähig. Aber die Geschäftslage des Reichstags fordere den Verzicht auf'Wände- rungen. Herr Gröber suchte niit besonderer Betonung die Zweifler an der Stellung auch seiner Partei in der Frage des Reichstags- Wahlrechts durch die Erklärung zu besänftigen, daß selbst die All- gcmeinheit und Gleichheit des Wahlrechts nicht bestehe, wenn das Wahlgeheimnis nicht gesichert sei. Dies Wort mahnt aber besonders eindringlich an die mannigfaltigen Thatsachen, welche die Abneigung auch des Centrmns gegen das gleiche Wahlrecht erweisen: das Centrum verwarf jede Reform des preußischen Wahl- systems der sch mählich st en Ungleichheit, das Erntrum verwarf noch jüngst die Herstellung wirklicher Gleichheit im Reichstags-Wahlrecht durch die nötige Neueinteilung der Wahl- kreise! Das konservative Mißbehagen in der Wahlsicherungsfrage zeigte sich schon darin, daß man keinen der führenden Männer der Partei entsandte, wie es sich bei der Wichtigkeit, die man der Sache bei- gemessen hatte, ziemte. Man schickte einen parlamentarischen Neuling und suchte noch dazu einen selbst unter Konservativen höchst un- geschickten heraus. Herr Himburg, der konservative Abgeordnete für Ostcrburg-Stendal. hat sich parlamentarisch berüchtigt gemacht, als er im Zollkampfe nach der Einführung der namentlichen Ab- stimmung durch Stinunkarten die ihm als Schriftführer obliegende Durchführung dieser Abstimmung möglichst unkorrekt betrieb. Jetzt leistete er ein wahrhast komisches Durcheinander von mätzchenhaftcn Widersprüchen, wodurch er sich schließlich der lauten Heiterkeit fast des ganzen Hauses preisgab. Zunächst erklärte er: Die Kon- servativen haben nichts gegen die Sicherung des Wahl- geheimnisses. Aber— durch die vorliegenden Bestimmungen der Regierung fei das einwandfreie Ziel nicht zu erreichen. Herr Himburg sah allerlei lächerliche Scenen aus dem neuen Wahl- reglement erstehen. Was solle werden, rief er aus, wenn die Wähler nicht wieder aus den Jsolierräumen herausgehen! Wollte man die geistvollen Einwendungen des konservativen Wahlrechts- feindes ernst nehmen, so könnte man sie h v ch st e n s als Borschriften an konservative Wähler und Wahlvorsteher verstehen, in welcher Art böser Wille den nicht-konservativen Wählern die Wahlhandlung er- schweren und das Wahlrecht vernichten könne. Herr Himburg aber, nachdem er die Abänderungen als nicht hinreichend erwiesen hatte sür den beabsichtigten Zweck, gelangte kühn zu dem Schluß, daß es einer.so großen Umwälzung" nicht bedürfe und daß daher feine Partei in der Mehrzahl gegen das neue Reglement stimmen werde. Nachdem Abg. B a s s e r m a n n sich für die Annahme der neuen Bestimmungen ausgesprochen hatte, vertrat Abg. BloS die Ansicht der Soeialdemokratie. Unfre Partei verzichte nur deshalb auf AbänderungSanträge, weil dadurch den konservativen Gegnern der Vorlage ein Gefallen erwiesen Ivürde. Aber abändernngö- bedürftig ist die Vorlage in hohem Maße. Besonders bedauerlich ist, daß nach 7 Uhr auch die im Wahllokal anwesenden Wähler nicht inehr zugelassen werden. Der Begriff deS JsolierraumeS ist verwirrt durch Zulassung eines bloßen NebentischeS, der gegen Kontrolle nur so weit geschützt sein soll, daß das Einlegen des Stimmzettels unbeobachtet geschehen kann, daß jedoch der Wahlvorsteher die Ueber- ficht behalten solle. Es wäre vorzuziehen, daß der Wähler selbst sein Wahlcouvert in die Urne wirft. Trotz dieser Ausstellungen stimmt die Soeialdemokratie für die Vorlage, da sie eine Stärkung des Wahlrechts bedeutet. Die verhältnismäßig bemerkenswerteste Rede des TageS war sodann die des Abgeordneten G a m p. Zwar verstrickte auch er sich in den Versuch, die feindliche Haltung seiner Partei, der Freikonservativen, durch die angeblichen„Thorheiten" in dem Gesetz zu beschönigen— sprach er doch ausführlich über die Kosten, die die Ausgaben der Eouverts beanspruchen, und über die Möglichkeit, daß dieser CouvertanSgeber durch Kennzeichnung der Eouverts die Ungültigkeit vieler Stimmen herbeiführen könne—, aber Herr Gamp ließ sich, im Unterschied zu dem Redner der be- nachbarten deutschkonservativen Partei, zu einiger Offen- Herzigkeit hinreißen, die uns recht behagt. Er griff gleich im Eingang seiner AuSftihrungen auf allgemein politische Bemerkungen über? Zwar fand auch er nicht die Lust, die heftigen Angriffe seiner Parteipresfe gegen die Regierung weiterzuführen— noch heute morgen schmähte die„Post" heftig über die Förderung und bedenk- liche Berstärkuug der Socialdeinvkratic durch solche Regierungs- maßnahmen!—, aber immerhin sprach er unwirsch von„dem Plötz- lichen und unerwarteten Frontwechsel der Regierung", der seiner Partei nicht gefalle. Er könne, so meinte Herr Ganip in dunkler Andeutung, auch die Gründe, doch er nannte sie nicht. Und schließlich offenbarte der hitzige Vertreter der reaktionären Scharftnacherei den wahren Grund, warum ihm diese Bethätigung der Regierung miß- fällt. Er citierte ein Wort Windthorsts aus sehr alten Tagen, daß er entschieden für öffentliche Wahl sei. Wir stehen, sagte der konservative Herr Gamp,»och heut auf demselben Standpunkt. Dies Bekenntnis giebt einen unerwartet reichen Ertrag aus dieser Debatte für den bevorstehenden Wahlkampf I Der Abgeordnete Richter forderte sodann die Regierung auf, die allznkleinen Wahlbezirke, in denen das Geheimnis der Wahl ge- fährdet ist, zu beseitigen, für leichte Erreichbarkeit von Abschriften der Wählerlisten zu sorgen und die Stichlvahl nicht zu schnell auf die Hanptwahl folgen zu lassen. Graf Posadowsky wies einige Einwürfe, die gegen die Vorlage erhoben waren, zurück, wollte die Einteilung der Wahlbezirke dem„vernünftigen Ermessen" den unteren Behörden überlassen wissen und befürwortete die Ueberlassnng von Abschriften der Wählerlisten, wenn dies in kleinen Orten auch infolge ungenügenden Personals schwierig sei. Den Konservativen sagte der Staatssekretär in Wendungen, die zwischen Ironie und Zwei- deutigkeiten schwankten, daß sie von ihrem Standpunkt aus doch den offenen Antrag auf Oeffentlichkeit der Wahl stellen sollten: sei die Wahl eine geheime, so müsse das Geheimnis wirklich durchgeführt iverden. Weiter sprachen ftir die neuen Bestimmungen die Abgeordneten P a ch n i ck e, H a u ß m a n n, der Elsässer D e l s o r, der Welfe v. S ch e k e und unser Parteigenosse Geck, der besonders in Humor- gewürzten Ausführungen das wahrlich allzu blöde Gerede gegnerischer Blätter verspottete, als sei die Wahlsichcrung gegen einen„Terra- riSmuS der Soeialdemokratie" nötig. Graf B a l l e st r e m spendete gleichfalls einen heiteren Augenblick, indem er die konservative Ver- höhnung des„Klosettgesetzes" durch die Erinnerung zurückwies, daß dieses Wort sich von dem nur mißgestalteten„olossck room(geschlossener Raum)" deS australischen Wahlgesetze? ableitet. Die Debatte endete mit der Annahme der neuen Bestimmungen durch eine überlviegcnde Mehrheit; einige wenige Konservative stimmten dafür, die große Mehrzahl dagegen. Außerdem gelangte mit derselben Mehrheit eine.vom welfischen Freiherni v. Hodenbcrg veranlatzte Resolutton zur Annahme, welche die Sicher- stellung der Wahlgefäße gegen Kontrolle sichern soll. Die nächste Reichstagswahl wird unter dem neuen Wahlreglement vor sich gehen. Die konservativen Wahlrechtsfeinde zürnen der winzigen Besserung des Wahlrechts. Unzählige Wahlrechts- freunde aber vergessen darob nimmermehr weder die Ungerechtig- leiten, die fortdauernd das Reichstagswahlrecht verunstalten noch die schweren Bedrohungen, denen es ausgesetzt ist, noch auch all das schmachvolle Unrecht, das allenthalben in den Wahlsystemen der deutschen Staaten und der Kommunen wuchert! poUti fck e(leb er siebt. Berlin, den 21. April. Abgeordnetenhaus. Das Abgeordneteuhans überwies in seiner ersten Sitzung nach den Osterfericu am Dienstag zunächst den Nachtrags-Etat für die neuen, vom Staate erworbenen Eisenbahnen der Budget- kommission zur Vorbereitimg. In der vorausgehenden Debatte teilte der Eisenbahnmin>ster Budde mit, daß das Betriebs- ergebnis der Eisenbahnen ftir das Jahr 1902 weit günstiger sei, als ursprünglich angenommen. In letzter Zeit habe in- folge der Besserung der»virtschaftlichen Lage der Verkehr zugenommen, und andrerseits habe die Verlvaltung infolge des milden W.nterS so große Ersparnisse erzielen können, daß die Einnahmen nur um 18 Millionen und nicht, wie früher angenomnien, um 68 Millionen hinter dem Etatsansatz zurück- bleiben werden. Nach Erledigung des Nachtrags-Etats machte das Haus zur Abwechslung wieder einmal in sogenannter Socialvolitik; es beriet einen alten Ladenhüter, den Antrag Weihe(k.) und Genossen, durch den die Regierung um Vorlage eines Gesetz- entwurfs im Sinne des vom Abgeordnetenhause am 23. Mai 1900 angenommenen Gesetzentwurfs ersucht wird, nach welchem Rentengüter, bestehend aus einem Hause mit Garten in Mindestgröße von einem halben Morgen durch Vermittelung der Rentenbank gebildet werden können. Die Antragsteller bezwecken durch diese Maßnahmen, die Arbeiter seßhaft zu machen, um sie vor der Berührung mit den bösen Social- dentokraten zu bewahren. Daß der Wert eines Hauses für den Arbeiter sehr problematisch ist, Iveil er dadurch verhindert Ivird, sich Arbeit zu suchen, wo es ihm gefällt, kümmert diese „Socialpolitikcr" nicht, der einzige leitende Gesichtspunkt für sie ist die Frage: Wie können wir der Soeialdemokratie Ein- halt gebieten? Und in diesem Streben ist ihnen das un- tauglichste Mittel gerade recht. Leider ist die Regierung mit dicsein löblichen Streben nicht einverstanden, sie ließ durch den Finanzminister Freiherrn v. R h e i n b a b e n er- klären, daß sie zwar die gute Tendenz des Antrags anerkenne, es aber nicht für angängig halte, dies Ziel mit Hilfe des Rentengüter-Gesetzes zu erreichen. Im übrigen kündigte der Minister wieder einmal ein Wohnungsgesetz an; der Entwurf soll jetzt fertig sein und den Regierungspräsidenten und Oberbürgermeistern zur Begutachtung vorliegen. Wie aus den kurzen Andeutungen des Ministers hervorgeht, ver- meidet die Regierung es, selbst Gelder für die Ver- bessernng der Wohnungsverhältnisse auszusetzen, sie will die Wohnungsfürsorge den Gemeinden überlassen, d. h. den- jcnigen Organen, in denen die Hausagrarier dank der staatlichen Gesetzgebung die Mehrheit besitzen.— Der Antrag Weihe wurde schließlich gegen die Stimmen der Frei- sinnigen angenommen. Ein Antrag Ernst(frs. Vg.) endlich, betreffend die Er- richtung von Kurhospitälern und Genesungs» Heimen für mittlere und untere Eisenbahnbeamte, wurde nach kurzer Debatte der Budgetkommission überwiesen. Mittwoch: Zjveite Lesung der S e k u n d ä r b a h n- Vorlage, kleinere Vorlagen und Jnitiativ-Anträge.— Wahlvorbereitungen. Berliner Kandidaten. In der gestrigen Ucversicht der Berliner Kandidaturen ist ein Irrtum enthalten. Im dritten Wahlkreis kandidiert für die Freisinnige Volkspartei Hugo Jäger. Die ..Freis. Ztg." spricht in gehässiger Kleinlichkeit von„falschen Angaben des„Vorwärts". Auch die„Freis. Ztg." muß aber wissen, daß die aus einer parlamentarischen Korrespondenz entnommene Uebersicht WW:esp> in andren Berliner Blättern eher veröffentlicht war als im„Vorwärts". Die Einigung der deutschen und polnischen Genossen in Ober- Schlesien wurde am Freitag vollzogen. Auf einer von den Agitations- komnttssione» der oberschlcsischen Genossen der socialdeinokratischen Partei Deutschlands und den oberschlesischen Genossen der polnisch» socialdemokratischen Partei in Beuthcn abgehaltenen gemeinsamen Sitzung wurden die folgenden Kandidaturen als gemeinsame ernannt: 1. Tischler Johann Sosna aus Königshütte für den Wahlkreis Kreuzburg-Roseuverg. 2. Berg- und Hüttenarbeiter Paul Paduschek aus Kojauina bei Lipine für den Wahlkreis Oppeln. 3. Maurer Josef Scholz aus Beuthen O.-Schl. für den Wahl- kreis Gr. Strehlitz-Cosel. 4. Schuhmacher Franz Trabakski aus Kattowitz für den Wahlkreis Lublinitz-Tost-Glciwitz. ö. Arbeitersekretär Dr. August Winter aus Beuthen für den Wahlkreis Beuthen O.-Schl.-Tarnowitz. V. Verleger Franz Morawski aus Kattowitz für den Wahlkreis Kattowitz-Zabrzc. 7. GewerkschaftsbeamterFranzScholthsek aus Königshütte O.-Schl, für den Wahlkreis Pleß-Rybnik. Zur Leittmg der Wahlagitation in diesen Wahlkreisen konstituierte sich an demselben Tage eine aus fünf Genossen bestehende ober- schlesische Centtalwahlkommission, deren Adresse lautet: Franz TrabalSki, Kattowitz. Der druffche Verein für Franenstimnirecht erläßt einen Wahl- aufrus, darin es heißt: „Im politischen Leben der deutschen Nation giebt es vieles wieder gut zu machen. Damit das deutsche Volk endlich den Beweis erbringt, daß eS politisch reif ist, hat es Reichstags-Abgeordnete zu wählen, die ftir Gerechtigkeit, Freiheit und Fortschritt eintteten, die das Interesse der Gesamtheit über das eigne und das Partei-Jntcresse stellen. Für solche Männer gilt es einzutreten durch Wort und That, im öffentlichen Leben und von Haus zu Haus." DaS kann man in den Wahlaufrufen aller bürgerlichen Parteien lesen. Es giebt keine bürgerliche Partei, die nicht vor den Wahlen das»Interesse.der Gesamtheit" wahrte. Wenn die Frauen dieser Parole des Vereins für Fraueustiinmrecht folgenWvollen, dann sind sie so klug wie zuvor. Im Rheiulande werden den offiziellen Centrumskaudidaten auch diesmal wieder agrarische Sonderkandidaten gegeniillcr- gestellt. Eine in Köln abgehaltene Versammlung von rheinischen Landwirten der Schreinerschen Richtung hat bereits in dieser Be- zichung Beschlüsse gefaßt. In Cleve-Gcldern soll der bündlerische Gutsbesitzer Limbourg, ein Führer der Opposition im Rheinischen Baueriivcrcin, als centrumZ-agrarischer Sonderkandidat auftreten. In Dürcii-Jiilich, Mülheinl-Wipperflirth-Guinmersbach und andren rheinischen Centruinswahlkreisen ivird es ebenfalls zu solchen Kandidaturen kommen. Wenn die Opposition auch nicht gar zu hoch angeschlagen werden darf, so wird sie dem Centruin doch erhebliche Schwierigkeiten verursachen, und es kann schon jetzt inii Sicherheit angenommen werden, dap diese Sonderkandidaturcn viel größere Erfolge haben werden als im Jahre 1898. Anders verhält es sich init der Opposition der Arbeiter- anhäng er des Cent r u m S. Von den Wortführern der Zollopposition der katholischen Arbeiter hat mau mit Ausnahme der Düsseldorfer noch nichts gehört. Diese haben dem vom Centrum wieder aufgestellten Abgeordneten Kirsch den Centrumsabgeordneten Redakteur Fusangel gegenübergestellt. Trotzdcin dieser es'entschieden ablehnt, als Kandidat der Zollopponenten zu dienen, und den Herren eine schroffe Absage erteilt hat, halteil diese doch an ihm fest. Die Leute»lachen in der That einen kläglichen Eindruck. In München- Gladbach wollte»lnn unter dem Beistand der Dnsseldyrfer ebenfalls vorgehen: es fehlte aber das Publikum. Im Kreise Mülheim om Rhein hat das Centrum seine unzufriedenen Arbeiter dadurch zu versöhnen gesucht, daff es den Hauptwortführer in Mülheim iit den Stadtrat hat wählen lassen. Seitdem hat man von dem sonst recht streitbaren Mann nichts mehr gehört. Gewonnen hat das Centrum damit gar nichts. Die Führer derZollopvosition haben ja damals schon meist ihre unentwegte Zugehörigkeit zum Centrum betont. Dadurch wird jedoch das Erwachen der katholischen Arbeiter nicht aufgehalten, wie die Nachwahl im Kreise Duisburg- Mühlheini a./Ruhr mit ihrem gewaltigen Anschwellen der social- demokratischen Stimmen belviesen hat. Zucker-Piwsche bearbeitet zur Zeit seinen Wahlkreis Kreuznach- Simmern. Die Bündler, die ihm schon vor einiger Zeit erklärt haben, daff sie ihn unter keinen Umständen wieder wählen würden, machen ihm nach Kräften das Leben sauer. Der dortige Sekretär des Bundes der Landwirte hat Herrn Paaschs jetzt ein Schreiben geschickt, worin es heifft:„Nachdem die Vertrauensmänner der Landwirte in Kreuznach- Simmern einstimmig Herrn Fritz Bley aufgestellt haben, fordere ich Sie namens des Ausschusses auf, von Ihrer Kandidatur zurückzutreten..." Wenn die Bündler bei dieser Haltung beharren, kann Herr Paaschc seinen Sitz im Reichstag verlieren! denn er ist mit bündlerischer Hilfe gewählt. Es fielen damals auf ihn 6013 nationalliberale Stimmen, das Centrum erhielt 6310, die Bündler öl 10 Stimmen. In der Stichwahl stimmten fast sämtliche Bündler fiir ihn, so daff er mit 11 723 Stimmen gegen 7iö6 Centrumsstimmen siegte. Im Bezirk der Agitationskommission zu Kassel sind seitens der Partei folgende Kandidaten aufgestellt. Wahlkreis Kasfel-Melsungen: Schriftsteller K. Thiel- Kassel sz. Z. in Strafhast wegen Prctz- Vergehens). Wahlkreis Efchwege-Witzcnhausen-Schmalkalden: Cigarreu- fabrikant W. Hugo- Kassel. Wahlkreis Rinteln-Hofgeismar-Wolf- Hägen: Lagerhalter O. V e t t e r l e i n- Helmarshausen. Wahlkreis Waldeck-Pyrmont: Schreiner L. Dettmering- Elberfeld. Wahl- kreis Fritzlar-Homberg-Ziegeuhain: Kassierer A. Jordan in Kassel. Wahlkreis Rotenburg-Hersfeld-Hünfeld: Redakteur W. B o ck in Gotha. Eine Polenversamiulung in Witte», die vom dortigen polnischen Haupttvahlkonntce einberufen war, sprach sich nach heftigen An- griffen auf die polnischen Groffgrundbesitzer und das Centrum für die Aufstellung eines polnischen Kandidaten im Wahlkreise B o ch u m ans. Die Freisinnige» und die Nntionalliberalc» in Bayern haben ein Wahlkompromiff geschlossen. In den Wahlkreisen, in denen die Kaudidatenaufstelluiig noch nicht erledigt ist, wird den Partei-An- gehörigen die Aufstellung gemeinsamer Kandidaten, im übrigen aber wenigstens ein Zusammengehen bei Stichwahlen empfohlen. VentTcKes Reich. Rcferve-Nebungrn und RcichStagswahl. Wir teilten mit, daff in Kiel Rescrve-Uebungen ftir die Zeit des Reichstags- Wahltermins in Aussicht genommen sind. Jetzt meldet die„Schlcsische Zeitung", daff in Schlesien 14tngigc llrliinige» der Reservisten vom 19. Juni bis 2. Juli bezw. 23. Juni bis 6. Juli und der Landwehrlcute vom 19. Juni bis 2. Juli und 24. Juni bis 7. Juli verfügt worden sind. Die betreffenden Mannschaften würden danach fiir die Stichwahlen ihres Wahlrechts verlustig gehen. Die Abänderung jener Termine ist Pflicht der Regierung._ Das deutsche Ansehen im Auslände. Wir haben schon immer den Kurs, der zwischen Kreuzzug- predigten und starken Liebenswürdigkeiten schwankt, kritisiert. Aber die Byzantiner des Bürgertums wiesen unsre Kritik zurück und tobten wider unsre Feindseligkeit gegen die Monarchie. Nun sind die Dinge so gediehen, daff selbst unzweideutige Verherrlicher alles Bestehenden und alles monarchischen Thuns ihre Bedenken in schärfster Zuspitzung erheben. Als unsre Vertreter im Reichstage schon vor mehr als Jahresfrist die Reise des Prinzen Heinrich nach den Vereinigten Staaten in ihrer Wirklichkeit und Bedcnklichkeit kritisierten, da wurden wir arg verlästert. Jetzt sagen selbst die freikonservativ- rcchtsnationalliberalen„Verl. Reueste Nachrichten": „Selbst wenn man die„Frage" des amerikanischen Flotten- besuches möglichst kühl abzuwägen sich bemüht, bleibt immer ein bitteres Gefühl und ein Manko für uns Deutsche übrig. Diese Stimmung macht sich überall, in den verschiedensten politischen Parteilagern von rechts nach links geltend, und die wenigen übereifrigen offiziösen Stimmen, welche versichern, es gehe alles auf dem korrektesten Wege zu und eS sei nicht der gc- ringste Grund zur Unzufriedenheit, reden rein in die Luft und können nur ein geringschätziges Lächeln hervorrufen.... Wäre die Kieler Einladung nicht erfolgt, so würde die ganze unerquickliche Angelegenheit mit ihren Auseinandersetzungen und Komplikationen uns erspart geblieben sein. Das gicbt wieder einmal eine ernste Mahnung, einseitige Liebenswürdigkeiten nicht an die Amerikaner zu verschwenden. Die abweisende Behandlung der geschenkten Statue Friedrichs des Großen und andres sollten doch genug Merkzeichen sein. Ileberall im Deutschen Reiche herrscht nur ein Gefühl des Mißvergnügens, mag es nun laut sich kundthun oder mehr verschwiegen werden, darüber, wie der auf besondere Initiative des Kaisers als deutscher Vertreter nach Washington gesandte Freiherr Speck v. Sternburg von Anfang an den Amerikanern die gröbsten Schmeicheleien sagte, den Präsidenten Roosevelt umwarb, als einziger Vertreter der Diplomatie bei dessen Abreise auf dem Bahnhofe Ivar usw. Mag die Erzählung wahr sein oder nicht, daß Herr Roosevelt den deutschen Gesandten mit dem Kosenamen Speckje sSpeckchen) angeredet und ihm während seiner Abwesenheit die präsidentlichen Pferde zu reiten erlaubt habe, es thut wehe, wenn man, tvie das jetzt vielfach der Fall, über einen Vertreter des Deutschen Reiches ipöttische Bemerkungen liest. Und die gehässigen Stimmen des Auslandes über den deutschen Kaiser sollten auch zu denken geben. Soeben bringt eine der verbrcitetsten Pariser Zeitungen einen Schmäh artikel... Das Weitere entzieht sich der Wiedergabe in einem Blatte, dem der Staatsanwalt geneigt ist, die Absicht der Beleidigung zu unter- stellen.— Verhaftung eines russischen Ätullafiftcii. Aus K a t t o!v i tz wird der„Bell. Ztg." gemeldet: „Die MySloivitzer Gendarmerie verhaftete gestern abend bei der Paffrevisiou den. russischen Lehrer Hoolyt Po- p o w s k i aus Kaminietz bei Warschau, weil man bei ihm aus .Krakau stammende socialistische Schriften, die in Preußen verboten sind, vorfand. Popowski gab an, daff er sie in Kattowitz an einen Uubekannten übergeben sollte." „Verbotene Schriften" giebt es in Preußen, abgesehen von Zeitungen, überhaupt nicht. Es könnten höchstenfalls Schriften sein, deren Inhalt das deutsche Strafgesetz verletzt! Wir fordern jedenfalls, daß Gesetzwidrigkeiten und Unmenschlich- leiten, wie sie im Falle Kalajeff in Myslowitz begangen wurden, sich nicht wiederholen.— Gegen die guten Sitten verstößt das Berhalten der Muslerfirma vorm. F. Siemens in Dresden. Das ist soeben vom Gewerbe- gericht Dresden ausgesprochen worden. Ein Glasmacher klagte auf Herausgabe des ihm zuviel abgezogenen Einträgerlohnes. Die Glasmacher(Glasbläser) brauchen einen Einträger, einen jungen Menschen, der die eben geblasenen, noch glühenden Glas- gegenstände in den Kühlofen trägt. Diesen Einträger müssen die in Accord arbeitenden Glasmacher von ihrem Accordverdienst in Stundenlohn bezahlen, auch an sich schon eine arbeiterfreundliche Mustereinrichtung; ob nämlich ein Glasmacher viel oder wenig verdient, ob er auf Arbeit warten muff, ob er infolge schlechter Masse viel Bruch hat— den er gleichfalls tragen muff— es wird ihm stets der volle Lohn für den Einträger abgezogen und es ist bei diesem System schon vor- gekommen, daff Glasmacher noch drauflegen mußten. Bisher bediente jeder Einträger einen Glasmacher? seit dem Herbst vorigen Jahres bedient e i n Einträger aber zwei Glas- macher. Der Einträger bekommt nach tvie vor 14 Pfennig Stunden- lohn. Die Firma aber zieht jedem Glasmacher nach wie vor 14 Pfennig Einträgerlohn pro Stiuide ab, wovon sie nur 7 Pfennig an den Einträger bezahlt. Die Einrichtung bedeutet also bei zehn- stündiger Arbeitszeit eine tägliche Lohnkürzung von 70 Pfennig für jeden Glasmacher. Der infolge eines geringfügigen Streites entlassene Arbeiter klagte nun auf Herausgabe dieses Abzuges. Der Vertreter der ver- klagten Firma behauptet, wie wir einem Bericht der„Sächsischen Arbeiterzeitung" entnehmen, die Firma habe durch eine technische Verbesserung die Arbeit der Glasmacher aufferordentlich erleichtert. Durch diese technische Einrichtung(ein Gestell) kann ein Glasmacher verschiedene Handgriffe ohne Zeitverlust selber machen, und deshalb fei es möglich geworden, daß setzt ein Einträger zwei Glas- macher bedienen könne. Der Glasmacher selbst habe keinen direkten Schaden, denn er verdiene noch genau so viel als vorher. Der Vorsitzende des Gerichts wirst hier die Frage ein: „Warum ziehen sie aber zwei Glasmachern den ganzen Lohn für einen Einträger ab: also zweimal 14 Pf. pro Stunde (28 Pf.), es wtzphen doch nur einmal 14 Pf. an einen solchen Mann gezahlt? Darauf antwortete der Vertreter der Firma: Ja, sollen wir denn den TWiitzen dieser technischen Neuerung den Arbeitern zu- kommen lassen? Die neue Einrichtung hat uns doch erst Geld gekostet. Nun wieder der Vorsitzende: Also verlangen Sie, daff die Verzinsung Ihres neuangelegten Kapitals die Arbeiter tragen sollen. Darauf wieder der Vertreter: Ja, das ist doch selbstverständlich. Die Arbeiter haben doch den Vorteil davon. Uebrigens haben wir nur im Interesse der Arbeiter gehandelt.('!) Bei der jetzigen Geschäftslage wären wir sonst gezwungen, Lohnkürzungen vor- zunehmen. In den weiteren Ausführungen des Vertreters der Firma kommt zum Ausdruck, daff, falls die Firma in diesem Falle verurteilt wird, wahrscheinlich eine direkte Lohnkürzung erfolgen wird. Der Herr Vertreter ist weiter der Ansicht, daff die Firma vollkommen korrekt gehandelt habe, da sie durch Anschlag die Arbeiter von der veränderten Lohnzahlungsform in Kenntnis gesetzt habe. Auch sei der Arbeiterausschuff damit einverstanden gewesen; wie sich auch sonst niemand gerührt habe.(Bei der allgemeinen Haltung der Firma gegen die Arbeiter ist es sehr begreiflich, daff die Arbeiter hier nicht gemuckst haben.) Der Kläger habe auch sein Recht verwirkt, nachdem er erst jetzt, nach seiner Entlassung, diesen Anspruch geltend mache. Dieser Auffassung kann das Gericht sich nicht anschließen, w e i l d i e hier in Betracht k o mm e n d e n M ä ff n a h m e n der F i r in a gcflcii die guten Sitte» verstoße» und deshalb ein Anspruch jederzeit geltend gemacht werden könnte. lieber die Vorteile der technischen Verbesserung haben die Ar- bester bei Siemens Ansichte», die etwas von denen der Firma ab- weichen. So erklärt zum Beispiel der Kläger, daff über diesen Punkt allgemeiner Unwille herrsche. Durch die neue Vorrichtung fei es zwar möglich, daß ein Einträger jetzt zwei Glasmacher bedienen könne, die Glasmacher hätten aber mehr Arbeit. ES sei auch nicht richtig, daß sie noch genau so viel als vorher verdienten. Der Kläger ist auch der Meinung, daff, infolge seiner Klage, schon die „Schwarze" gegen ihn in Funktion getreten ist, denn er habe an eine Reihe von Orten um Stellung geschrieben, aber noch keine Arbeit gefunden. Aus der gerichtlichen Prüfung der Lohnzettel des Klägers und der Lohnlisten der Beklagten ergicbt sich, daff 54,95 M. dem Kläger thatsächlich zu viel in Abzug gebracht worden sind. Die Firma wurde verurteilt, dem Kläger diese Sit m in e z u zahlen. Selbst wenn man der Ansicht. der Firma, die ja wohl von allen Unternehmern geteilt werden mag, nachgeben wollte, daff sie allein den Anspruch auf die Vorteile aus der technischen Neuerung habe, so ist damit doch noch keineswegs das geübte Verfahren gerechtfertigt. Die Firma beschäftigt mehrere hundert Glasmacher. Da sie jedem Glasmacher täglich 70 Pfennige abzieht fiir die technische Nenerung, bei 300 Arbeitstagen 210 M, bei 100 Glasmachern schon 21000 M. im Jahre, so kann man auf einen hübschen Extraprofit sckllicffen. Durch die Feststellung des Gerichts, daff das Verfahren der Firma gegen die guten Sitten verstößt, ist der Humbug der „Arbeiterkundgebungen" in so vernichtender Weise gerichtet, daß es keiner weiteren Kritik bedarf.— Klerikale Uutcriiehmcr und Socialdcmokratie. Während die „Germania" bisher mit keiner Silbe auf unsre Antwort auf ihren Vorwurf der Lüge eingegangen ist, bemüht sich die„Köln. Volksztg." die fatale Stelle über die Pflichten katholischen Unternehmer ans dem Jesuitenkatechismus jesuitisch wegzudeuten. Es handelt sich bekanntlich um die folgende Beantwortung der Frage: „Wie soll der Arbeitgeber für das Wohl seiner Arbeiter sorgen?"„Er soll für dasselbe sorgen, indem er z. B. keine Arbeiter duldet, welche den übrigen durch schlechte Reden, durch Verbreitung schlechter Schriften oder in andrer Weise eine Ver- führnng wären zum Unglauben, zur Unsittlichkest und insbesondere zur Socinldciuokrntie." Die„Köln. Volksztg," erläutert diesen Satz dahin, daß er„nur" bedeute: „Wir bestreiten nach wie vor entschieden, daff der Satz: katholische Unternchnicr dürfen keine Socialdemokraten in ihren Betrieben dulden,„die klerikale Anschauung" sei. Katholische Unternehmer dürfen wohl Socialdemokraten in ihren Betrieben dulden, wenn denselben nichts vorzuwerfen ist als ihre Zugehörigkeit zur socialdemokratischen Partei und thatsächlich ge- hören viele Tausende socialdemokratische Arbeiter den Betrieben katholischer Unternehmer unbeanstandet an. Wenn freilich social- demokratische Arbeiter die Arbeitsräume zu politischen oder anti- religiösen Agitationen mißbrauchen, so brauchen sich das weder Arbeitgeber noch Arbeitskollegen gefallen zu lassen, denn die Werkstelle ist zur Arbeit da und kein Raum für Propaganda." Daß katholische Unternehmer entgegen der klerikalen Lehre auch socialdemokratische Arbeiter in ihren Betrieben beschäftigen, ist zweifellos. So fromm ist kein Unternehmer, daff er lieber ans die Ausbeutung verzichtet und verhungert, ehe er s o c i a l d c in o- kratische Arbeiter ausbeutet, ohne die er einnial nicht existieren kann. Daß die Arbeiter außerhalb der Arbeitszeit nicht in den Werkstätten über das reden dürfen, was ihnen am Herzen liegt, ist ja eine ganz nette Annäherung Iter „Kölnischen Volkszeitung" an die Jesuitenlehre. Wenn das Centrum sogar den Beichtstuhl für polittsche Agitatton benutzt, so begreifen wir nicht, warum sie es für unzulässig erklärt, in den Werkstätten christliche Agitation zu treiben. Thatsächlich wird eine solche Enthaltsamkeit auch seitens der christlichen Arbeiter gar nicht geübt. Indessen die Interpretation der„Kölnischen Volkszeitung", so viel sie schon zugiebt, ist grundfalsch. Der Jesuitenkatechismus legt dem Arbeitgeber, wie aus dem ganzen weiteren Inhalt hervorgeht, die Pflicht auf, selbst jede B e r ü h r u n g„seiner" Arbeiter mit Socialdemokraten zu verhindern: denn Socialdeniokraten sind nach dem Katechismus schwere Verbrecher. Also darf er überhaupt keine Socialdemokraten in seinem Betriebe dulden. Der Ab- sperrnngsbcfehl geht ja so weit, daff selbst den Kindern christlicher Arbeiter verboten wird, mit Kindern socialdemokratischer Arbeiter zu spielen. So arg schon der Terrorismus ist, den die„Köln. Volksztg." aus der Stelle herausliest und billigt, die Ungeheuerlichkeit der klerikalen Unduldsamkeit, welche thatfachlich jene Jesnitenantwort enthält, ist noch viel größer. Die klerikale Unduldsamkeit wird nur teilweise nnfgehoben durch das Geschäftsinteresse der katholischen Unternehmer, denen hoffentlich wegen der Anstellung socialdemo- kratischer Verbrecher die Absolution nicht verweigert wird.— Politik im Beichtstuhl, lieber einen großen Mißbrauch des Beicht- stnhls wird ans S ch I ü s s e l f e l d bei Bamberg berichtet. Der dortige Pfarrer soll einem Arbeiter bei der Beichte verschiedene politische Fragen vorgelegt haben, u. a. auch, ob er bei der Reichs- tagswahl einen Socialdemokraten wähle. Als der Arbeiter dies be- jahte, verweigerte ihm der Geistliche die Absolution. Der Arbeiter erklärte darauf dem würdigen Pfarrherrn, er verzichte ftirderhin auf eine Beichte vor einem Diener Gottes, der in polittscher Agitation mache. lieber einen eben solchen Fall wird der Münchcner„Post" aus M ü» ch e ii berichtet: Wozu der Beichtstuhl dient, möge folgendes Vorkoinnmis wieder einmal darthun: Meine Frau ging zur Beichte und da lautete die erste Frage. die der Beichtvater, ein Kapuziner-Pater, an sie stellte: Was halten Sie für eine Zeitung? Die Antwort war,' die„Münchener Post". Was. erwiderte der erzürnte Pater. die„Münchener Post" lesen Sie. diese Zeitung muff so- fort aus dem Hause! Was ist Ihr Mann, gewiß ein Socialdemokrat, ging das Examinieren weiter, ja der Pater meinte: Wenn Sic diese Zeitung nicht aufgeben, kann ich Sie nicht ab- solvicren usw. Meine Frau erklärte, sie könne da nichts thun, sie habe in dieser Beziehung keinen Einfluß auf den Mann, sie selbst lese die Zeitung ja nicht. Dann wird Ihnen Ihr Mann jedenfalls das Gelesene erzählen, warf der Centrumsagitator im Beichtstuhle ein, meine Frau verneinte auch dies, worauf nach weiterem Schimpfen sich der Herr Kapnzinerpater endlich dazu herbeiließ. die Absolution zu erteilen, doch mit dem Bemerken, daff es fast besser wäre, zu einer andren Religion überzugehen, als so in der katholischen fortzuleben. Ich stelle die Frage: Was geht das den Beichtvater meiner Frau an, welche Zeitung ich halte?— j Hueland. Oestreich-Ungar». Christlichsocinl. Wie dem„B. T." aus Wien telegraphiert wird. führten die Christlichsocialcn im nicderöstreichischen Landtage wieder stürmische Scenen ans. Die Christlichsocialen wollten die Wahl des freisinnigen Bürger- meisters Schmidt von Amstetten zum Landtags-Abgcordncten annullieren und erhoben deshalb schwere Beschiildigungen gegen ihn. Sie beschuldigten ferner den Bezirkshanptmann und Kreisrichter von Sankt Pölten, ihre Amtsgewalt und die Justiz zu Gunsten Schmidts mißbraucht zu haben. Der Statthalter weist diesen Angriff zurück; die Christlichsocialcn stürmen gegen die Tribüne des Statthalters, bedrohen ihn mit Fäusten, schreien ihm ins Gesicht und brüllen: „Abtreten! Hinaus mit ihm! Sic sind ein bezahlter Beamter!" Die christlichsociale Majorität beschließt endlich die Annullierung des Mandats Schmidts.— Wien, 21. April. Abgeordnetenhaus. In Beantwortung einer Interpellation Schönerer betreffend die Stellung der Deutschen in Oestrcich zu dem Bündnisse mit Deutschland angesichts des Verhaltens des Deutschen Reiches zu den Deutschen in Ungarn erklärt der Ministerpräsident, da es sich um das Dentsckie Reich einerseits und das Königreich Ungarn andrerseits. also um zwei fremde Staaten handle, stehe der Regierung gar kein Recht irgendwelcher Einmischung zu. Er erachte die De'legattonen als besser geeigneten Ort zu solchen Auseinandersetzungen: dort würde sich wohl auch zeigen, ob wirklich alle Deutschen in Ocstreich geneigt seien, aus den von dem Interpellanten angeführten Gründen jenem Bündnisse ihre Unterstützung zu entziehen.— Frankreich. Paris, 21. April. Bisher haben von den in Paris ansässigen Kongregationen nur zwei, nämlich die Brüder der Heiligen Sakramente und die englischen Passionistcii, den Weisungen der Behörden Folge geleistet, ihre Klöster zu verlassen, lieber diejenigen Kongregationen, welche erklärt haben, nur der Gewalt weichen zu wollen, wurde gestern abend nach Aufnahme des ThatbestandeS von dem Polizei- kommiffar Anzeige erstattet. LourdcS, 21, April. Der Bürgermeister von LourdeS, dem von dem Präfektcn des Departements mitgeteilt wurde, daff die berühmte Grotte demnächst gesperrt werden solle, erklärte, er könne in diesem Falle für die Auftechterhaltnng der Ordnung nicht bürgen. Die Stadt Lourdes lebe ausschließlich von der Pilgerfahrt: er"fürchte, es werde zu blutigen Ruhestörungen kommen. Der Präfckt und der Bürgermeister begaben sich iiach Paris, um mit dem Minister- Präsidenten über diese Frage zu unterhandeln.— Belgien. Ein Gcschäftökartcll der belgischen Klöster. Wir hatten nach dem „Petit Bleu" mitgeteilt, daß die belgischen Klöster einen Handels- trust gebildet haben. Diese Nachricht bestätigt jetzt die„Köln. Volkszeitung" in folgender Form: „Die Gründung ist in der Mache begriffen, geht aber nicht von den Klöstern aus, sondern von einer Gruppe gewerb s- mäßiger Gründer, welche dem Adel und der katholischen Partei angehören. Diese Gruppe bezweckt direkt auch ihre eignen Gcldinteresscn zu fördern: in zweiter Reihe erst kommt für sie dos Interesse der Klöster. Diese werden im Gegenteil höchstwahrscheinlich im Laufe der Zeit ebenso die Ausbeutungsobjekte jener Gründer, die ein Unglück fiir die katholische Partei Belgiens sind, werden müssen, wie das große Publikum, das die Aktien übernähme." Die„Kölnische Volkszeitung" zieht die Lesart vor, daff die Klöster nicht gründeten, sondern gegründet werden, sich von Kapitalisten gründen lassen. Unsres Erachtens ist dies Verhältnis noch schlimmer. Es handelt sich um die kapitalistische Verschmelzung k l ö st e r l i ch e r Großbetriebs, die zur höheren Ehre Gottes Ge- schäfte machen, die Frönimigkeit zur Gewimiung billiger Arbeitskräfte benutzen und— die Mittel st andspartei!— die kleinen Gewerbebetriebe niederkonkurrieren. Wozu das Christentum alles gut ist!— Holland. Haag, 21. April. Durch königlichen Erlaß ist der Kriegs- minister ermächtigt worden, die wegen des Eisenbahner-AuSstandes unter den Fahnen behaltenen Milizen nach und nach, wie der Dienst eS gestattet, zu entlassen.— Italien. Rom, 20. April. Der„Tribuna" wird aus Galatina(Provinz Lecce) gemeldet: Von arbeitslosen Landleutc» wurden gestern vor- mittag hier, als Lebensmittel unter sie verteilt werden sollten. Aus- schreitnugen begangen: eS wurden Fensterscheiben eingeworfen und Gewaltthaten verübt. Die Polizei trieb die Menge auseinander. Als nachmittags das Verbot erging, daß die Musik auf dem Platze spiele, wiederholten sich die Ruhestörungen. Die Menge warf mit Steinen gegen die Gendarmerie und gab Revolverschüsse auf sie ab, so daß die Gendarmen von der Waffe Gebranch machten. Mehrere Teilnehmer an den Ausschreitungen wurden verwundet, einer der Acrlvundeten ist seinen Verletzungen erlegen. Auch ein Polizei- kommissar und inehrere Gendarmen wurden verwundet.— Rom, 21. April. Die„Agenzia Stefani" meldet: Der König hat heute das Entlafsimgsgesiich des Ministers des Aensiern Prinrtti angenommen.— England. Unterhaus. London, 21. April. Das Hans tritt heute nach- mittag zu seiner ersten Sitzung nach den Osterferien wieder zusammen. Der Unterstaatssekretär des Acußcrn, Lord Cranborne, erklärt in Be- antwortung einer Anftage über den Stand der Verhandlungen mit Venezuela, daß das Abkommen über die Festsetzung der dem Haager Schiedsgericht zu unterbreitenden Fragen Gegenstand von Verhand- lungen zwischen Venezuela und den beteiligten Machten sei. Da die Verhandlungen in Washington aber noch schwebten, würde es der Praxis der Regierung zuwiderlaufen, jetzt eine Erklärung ab- zugeben. Normann ilib.) fragt an, ob eine Verständigung zwischen den Gründern der Bagdadbahu und der Gruppe britischer Finanz», ämier erzielt sei bezüglich einer Erhöhung des England zugefallenen An- teils am Kapital. Premierminister Balfonr erividert, daß seit seinen letzten Ausführungen im Hanse über den Gegenstand keine Acnderung eingetreten sei.— Die irische Agrarvorlage. London, 18. April.(Eig. Ber.j Die Pächter und Landarbeiter von Ulster(Nordprovinz Irlands) waren am 15. April in Belfast vcrsanimelt, um sich über die am 25. März eingebrachte Vorlage betreffend Auskauf der irischen Gnindherren auSzn spreche». Die da geäußerten Ansichten waren der Vorlage nichts weniger als günstig. Die Redner meinten, die Maßregel kranke vor allen, an dem Umstände, daß sie freiwilligen Anskauf voraussetze. Keine irische Landbill könne die Pächter befriedigen, die nicht auf Zwang Sans kauf aufgebaut sei. Ferner sei der Kaufpreis zu hoch; man könne die Vorlage eher eine Maßnahme zur Unterstützung der Grundherren nennen. Schließlich sei für die Land- arbeiter nichts geschehen. Die Konferenz faßte ihre Gesa», t-Ansicht in folgenden Beschluß zusammen:„Wir sprechen der Regierung den Dank ans für ihre Bemühungen, eine so schwierige Frage wie die irische Landfrage zu lösen. Wir sind aber der Meinung, daß dieser Zweck nur durch eine Bill, die ans Zwangsanskauf und Zwangskauf beruht, erreicht werden könnte. Solange eine derartige Bill nicht eingebracht wird, sollen die Pächter in ihrem Kampfe nicht nachlassen. Die finanziellen Bestimmnngen der gegen- wärtigc» Bill sind den Pächtern ungünstig. Der Staatsznschuß <12 Millionen Pfund Sterling) sollte nicht dazu verwendet werden, die Einnahme» der Gutsherren zu schwellen, sondern den Kauf- preis, mit den, die Pächter zn belasten sind, herabzusetzen. Die Bestimmungen betreffend die Landarbeiter sind vollständig wertlos. Die landwirtschaftliche Blüte Irlands verlangt, daß ernste und sogar drastische Maßregeln ergriffen werden, den Landarbeitern das Eigentun, eines angenehmen Heims zn sichern." Die Konferenz war der Ansicht, daß eine strikte Anwendung der bisherigen Land- gcsetze den Pächtern niehr Vorteile gewähren könnte als die gegen- wärtige Landbill. • Am 16. und 17. d. M. tagte in Dublin der Kongreß der irischen Pächter, um im Princip über Annahn, e oder Ver- werfnng der Landbill zu entscheiden. Die irische Parlanientsfraktion war stark vertreten, ebenso die verschiedenen Organisationen des iri'chen Volkes. Den Vorsitz führte Mr. John R e d», o n d, der parlamentarische Führer der Iren. Der Hauptredner war der Abgeordnete Mr. W. O'Brien, der bis zu Ende des Jahres 1962 zu den bittersten Feinden der englischen Regierung gehörte. Er beantragte folgende Resolution:„Wir beglückwünschen das irische Volk zur Ein- bringuug der Landbill durch'die britische Regierung. Es ist dies eine'Maßnahme, die zn», erstenmal in der irischen Geschichte den Versuch»nacht, das irische Volk wieder zun, Besitzer des irischen Bodens zu inachen. Die Annahme dieses Grundsatzes wird die Gegensätze, die Wirren und Unruhen in Irland be- seitigcn. Es ist aber unsre Pflicht zn erklären, daß die Bill»och ernster Aenderungen bedarf, um dieses Ziel erreichen zu können. In der Hoffnung, daß die Bill zu Gunsten des irischen Volkes an, ediert werde, geben wir der irischen Parlankentssraktion die Vollmacht, nach ihrem Gutdünken über die Bill im Parlamente abzustimmen." Die gewünschten Aenderungen beziehen sich hauptsächlich auf die Beseitigung der ewigen Rente(des letzten Achtels des Kaufpreises) und auf Herabsetzung des Kaufpreises. Michael Davitt hielt eine glänzende Rede zu Gunsten der Beibehaltung der ewigen Rente, da sie ja schließlich der irischen Regierung zu gute kommen und eventuell eine Vergesellschaftung des Grund und Bodens erleichtern würde. Der Kongreß sprach sich indes gegen Davitts Vorschlag aus. In, ganzen Großen scheint die Annahme der Bill gesichert zu sein, wenigstens so weit die irische Fräktion(82 Mitglieder) in Bc- wacht kommt.— Türkei. Konstlintinopel, 20. April.(Meldung des Wiener K. K. Tele- graphen-Korresp.-Burcans.) In de» letzten Tagen sind mehrere Albanesen hier verhaftet worden. Außerdem wurden auch in der albanesischen Dildizgarnison verschiedene Vorsichtsmaßregeln durch- geführt: einige verdächtige Elemente wurden verbannt. Die in Jpek versammelten Albanesen-Chefs und Notabeln sind auseinander gegangen. Auch sonst liegen keine Meldungen über neue Demonstrationen und Angriffe vor. Die Pforte hat sich jedoch, um das trotzdem »ölige Vorgehen gegen die oppositionellen Albanesen des Vilajets llesküb zu sichern, entschlossen, die bei Mitrowitza, Prizrend und Werissowitz unter Marschall Omer Rnschdi-Pascha konzentrierten 35 Bataillone zn verstärken und eventuell zu verdoppeln. Deshalb ist die Mobilmachung einer, eventuell zweier Redif-Divifionen in Koma angeordnet. Die diploinatischcn Kreise sind über diese Maß- regeln keineswegs beunruhigt, sondern bewachten dieselbe als not- wendig und als erfreuliches Zeichen des Willens der Pforte, die Opposition der Albanesen in, Vilajet Ucsküb ernstlich zn bewältigen. In Kreisen der Pforte verlautet, der gestrige Ministerrat habe ein militärisches Vorgehen gegen die oppositionellen Albanesen des Vilajets llesküb beschlossen: die betreffenden Befehle seien bereits ergangen. � AnS Saloniki wird von, 20. April gemeldet: Gestern hat eine Bande von 500 Mann, die zum Teil bulgarische Uniformen trugen, in der Nähe von Radowitsch die Grenze Maccdoniens über- schritten und einen Trupv von 30 Soldaten umzingelt. Das Gefecht dauerte den ganzen Tag, bis die Türken Verstärkungen aus Radowitsch und Strumitza erhielten. Die Bande wurde geschlagen. Neun Türkei, und 30 Mann der Bande sind gefallen. Die Bande wird energisch verfolgt.— Asien. Hongkong, 20. April. Nach Meldungen aus der P r o v i n z K w a n g s i sterben dort Tausende als Opfer der Hungersnot: Frauen verkaufen sich als Sklaven, um dem Hungertode zu entgehen. Der amerikanische Konsul hat Sammlungen eingeleitet.— Amerika. Vom Aufstand ans Santo Domingo. Nach einer Meldung der Pariser„Agence Havas" aus Santo Domingo haben die Truppen des Generals Vasqnez die Hauptstadt bcschostcn und sind darauf in dieselbe eingedrungen, aber nach hartnäckigem Kampfe zurück- geworfen worden. Sie verloren zahlreiche' Tote, darunter den Kriegsminister: auch fielen 60 Gefangene in die Hände der Auf- ständischen.— Partei-I�aclrnckten. Toteuliste der Partei. In Frankfurt a. M. starb der Ge- nosse Junker, einer der Bravsten, dem nie eine Arbeit zu schwer oder zu gering war. Die Genossen gaben ihm ans dem letzten Wege in Massen das Geleit. poUreMcbes» Sericktiiebes uft». — Ansgewiesci, wurde durch den Regierungspräsidenten in Kassel der in G r o ß a l m e r o d e wohnende Genosse Gustav R e n g e r. Genosse Ren g er ist östreichischer Unterthan: darin besteht aber sein Verbrechen nicht, denn es lebe» in Preußen viele Oestreicher, ohne der Ausweisung zn verfallen. R. hat auch während seines Ans- entHalts in Großalmerode stets Arbeit gehabt, hatte nie Polizei- strafen zu zahlen und ist auch sonst mit den Behörden nie in irgend- welchen Konflikt geraten. L ästig ist er nur dadurch geworden, daß er— und zu seinem Ruhme sei es gesagt: erfolgreich— für wahre Aufklärung unter der Großalme'roder Bevölkerung sorgte. Wie die Arbeiter in Großalmerode über diese Answcisnng denken, lverden sie durch ihren Stimmzettel bekunden. Das Verbot des Mai-Nmz»ges ist auch in Leipzig prompt wie alle Jahre eingetroffen. Die Genossen begeben sich in derselben Weise wie früher nach Stötteritz, wo die Tagesfeier stattfindet. Huö Induftrie und Handel Ter preußische Etat für 1003 übersteigt den vorjährigen wiederum um 17 Millionen Mark und steh, mit seinen 2674 Millionen Mark höher, als in allen früheren Jahre». Wie stark nach und nach der Etat gestiegen ist, geht aus folgende», von der „Voss. Ztg." zusammengestellten Ziffern hervor: Im Jahre 1310 belief sich der Etat in der Ausgabe auf 232 Millionen Marl; 1853, also vor 50 Jahren, war er ans 309 Millionen Mark gestiegen, be- ziffcrte sich also auf wenig mehr als ein Neuntel der jetzigen Summe. Nach 20 Jahren, im Jahre 1873, hatrc er sich mit 630 Millionen Mark schon verdoppelt. Zehn Jahre später, 1883, überschritt er zum erstenmal eine Milliarde mit 1083 Millionen Mark. Im Jahre 1838 war er auf 1410, im Jahre 1893 ans 1893 Millionen Mark gestiegen. Tie zweite Milliarde wurde im Jahre 1897, also nur 1-1 Jahre hinter der ersten, mit 2016 Millionen Mark über- schritten. Dann brachte bis 1901 jedes Jahr eine Steigerung von über 110 Millionen Mark, so daß im letztgenannten Jahre die Ein- nähme und Ausgabe ans 2619 Millionen Mark angesetzt wurde. In den beiden alsdann folgenden Jahren wurde die äußerste Spar- samkeit angewendet, so daß die Steigerung im Jahre 1902 nur 8 Millionen und im Jahre 1903, wie angegeben, 17 Millionen Mark betrug. In den letzte» 25 Jahren hat nur einmal eine Herab- sctzung des Etats gegenüber de», vorausgegangenen Jahre statt- gefunden, nämlich 1895, wo der Ansatz vön 1936 ans 1899 Millionen Mark gesunken ist. Andrerseits hatten zehn Jahre eine Steigerung um über 100 Millionen Mark. Am größten war die'Steigerung von 1900 zu 1901 mit 177 Millionen Mark. Zur Arbeiterfrage in den südafrikanischen Minendistrittcn. In einem Wochenbericht des„Hamburgischen Korrespondenten" über den Londoner Mincnmarkt heißt es:„Ter Hauptfaktor bleibt die Ar- beitcrfragc, und in maßgebende» Kreisen ist man der lleberzeugnng, daß ohne Einführung fremder Arbeitskräfte den Bedürfnissen der Industrie nicht genügt werden könne. Tie Auslassungen Lord Milners bei Eröffnung der Johannesburgcr Börse sowie hier vor- liegende Privatnachrichten zeigten, daß in Rcgicrungskreiscli die Ueberzengnng durchgedrungen ist, daß die in Afrika zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte nicht genügen; die öffentliche Meinung ist momentan stark gegen eine Einführnng von Chinesen, so daß es der Regierung nicht leicht gemacht wird, einen entscheidenden dies- bezüglichen Schritt zu thun. Man rechnet indes mit Bestimmtheit, daß es in kurzen, gelingen wird, das Publikum i» Südafrika zu überzeugen, daß ohne fremde Arbeitskräfte die Industrie nicht weiter kann, und daß zur gedeihlichen Entwicklung der Verhältnisse ein rascheres Aufschließen der Randinduslric unbedingt nötig ist. Die Chamber of Mines hat momentan ihre Delegierten»ach Asicv gc- schickt zun, Studium der Verhältnisse des dortigen Arbciismarktes, und nach deren Rückkehr dürfte in diese, Beziehung eine günstige Enlscheidnng fallen." Von einer„Arbeiternot" in den südafrikanischc» Mincngcgenden kann heute kaum mehr die Rede sein. Im Randdistrikt hat sich im März die Zahl der eingeborenen Arbeiter in» 3700 vermehrt und ist seitdem durch Anwerbungen in Mätabele-Land und in den Küsten- gebieten Westafrikas nm weitere 4000 gestiegen, so daß bcittc im Randdistrikt über 62 000 schwarze Arbeiter beschäftigt sein dürften. Die Klagen der Minengesellschaften sind weit weniger durch Arbeiter- niangel veranlaßt, als durch die„übertriebenen Lohnforderungen", welche nach ihrer Ansicht die eingeborenen Arbeiter an sie stellen. Der Kafferarbcitcr kommt ihnen nämlich ans 800 bis 900 M. pro Jahr zu stehen. Desbalb arbeitet man mit allen möglichen Mitteln. daran, von der Regierung die Erlaubnis zur Einführung süd- chinesischer und indischer 5lulis in die Minendistrikte zu erhalten. Ein solcher Arbeiterimport würde den Mme» Verwaltungen nicht mir ein billigeres und gefügigeres Ausbeutungsmaterial liefern, sondern auch die Löhne der schwarzen und weißen Minenarbeiter herabdrückcn helfen. Ob die Einführung derartiger Elemente der Kultur nitd den, Wrtschaftsleben des durch den Krieg völlig zerrütteten Landes sck'ädlich ist. das ist den Minengcsellschafte» ganz egal, wenn nur ihre Profite steigen. Northern SccnritieS-Coinpanh. Eine» Erfolg hat die Ge- scllschaft in ihrem Vorgehen gegen die Entscheidung des Appcllations- gerichtshofcs zu Saint Paul bereits zn verzeichnen. Auf ihr Gesuch hob nämlich dieses Gericht sein Erkenntnis gegen die Northern Sccuritics-Eompany insoweit vorläufig auf. als es die Dividenden- zahlung der Grcet Northern und der Northern Pacific Railway Co. ans die im Besitz der Northern SecuritieS-Company befindlichen Aktien untersagt. Wie es heißt, soll daS Gesuch von Washington ans unterstützt worden sein. Miilheimer Bergwerksvcrei». Der Betriebsgcwinn beträgt »ach dem Geschäftsbericht mit Einschluß des Gewinnvortrages aus de», vorigen Jahre(765 298 M.)— 2 600 170 M.(in 1901 — 2 498 251 M.). Nach Abzug von 882 914 M. für laufende Abschreibungen(776 543 M. und 21 930 M. Abschreibungen ans Wertpapiere) solvie von 20 000 M.<100 000 M.) als Rücklage für schwebende Vcrpflichtnngen verbleibt ei» Reingewinn von 1 697 256 M.(1 599 777 M.), der folgende Verwendung finden soll: Rücklage 46 597 M.(61 635 M.). 5 Proz.(wie i. V.) Dividende 750 000 M.. Tantiemen 11411 M.(22 813 M.). Bor- trag 889 213 M._ Uerlmdstlig der Sfflfiitf. In der Sitzung am Montag konstatierte der Vertreter des Ans- schnsses. S ch m a l f e l d t- Bremerhaven, daß nennenswerte Be- schwerden nicht vorgelegen haben. lieber„Agitation und Organisation" referierte Pank M üller, der eine ganze Reihe praktischer Winke giebt und die zahlreich vorliegenden Anträge kritisch bespricht. Es folgen die Berichte aus den Mitgliedschaften. Die Mitglicderzahl ist infolge der Krise in vielen Hafenortcn zurückgegangen, eine Aus- uahme»lachen Bremerhaven und Flensburg, wo 75 Prozent der einheimischen Seeleute den, Verbände angehören. Es wird von einigen Rednern lebhast Klage geführt über die schlechte Beschaffen- heit des Proviants und der Logisverhältnisie an Bord der Ostsee- Schiffe, speciell der Dampfer des �königlichen Kommerzien- rats S a rt o ri- Kiel, der seine Seeleute der„Billigkeit" wegen in Danzig, Königsberg und Memel anmnstcrn läßt, wo die Heuern am niedrigsten stehen. Der Bremer Delegierte berichtet, daß alle an die Behörden gerichteten Wünsche und Beschtverden ans Ab- stellnng von Mißständen unbeachtet geblieben sind, während andrer seits die Staatsanwaltschaft sehr schnell bei der Hand sei, wenn e« gilt, gegen„renitente" Seeleute vorzugehen. Der Delegierte aus Lübeck Iveist auf die Entwicklung des Schiffahrtswesens in seinem Heimathafen hin, die nicht ohne Rückwirkung ans die Organisatton der Seelente bleiben werde. Hoffentlich werde die Mitgliedschaft, die durch die Krise nicht gelitten habe, den gewünschten Aufschwung nehmen. Hierauf werden die Anträge zur Debatte gestellt, die sich sehr umfangreich gestaltet und beim Schluß der Sitzung noch nicht be- endet war. D i e n S t a g v o r n, i t t a g s- S i tz u n g. Die Berichtcrstatiuiig und Diskussion über Agitation und Organisation wurde fortgesetzt. Geklagt wurde darüber, daß die Kollegen bei der Berichterstattung über die Zustünde im Berufe oft einseitig urteilen und nicht die„ölige Vorsicht lvakten lasse». Darin liege eine große Gefahr für die Redaktion des Fachblattes. Die Schreibweise der letzteren wurde von verschiedenen Delegierten als allzu scharf bezeichnet. Das mache keinen guten Eindruck und fördere die Verbandsinteressen nicht. Es sei nicht»otivendig, auf das niedere Niveau der Reeder- und sonstigen bürgerlichen Presse hinabzusteigen. Schuld an diesem Fehler des Organs sei die lieber- lastung und übertriebene Inanspruchnahme' des Vorsitzenden- Redakteurs. Von andrer Seite wurde eingewendet, daß die Reeder- Presse sich derartig betrage, daß die Zurückweisiiiig gar nicht kräftig genug ausfallen könne. Weiter ward der Meinung Ausdruck verliehen, daß der Einzelne seine persönlichen Gefühle vor der Wohlfahrt der Gesamtheit zurückstellen und nötigenfalls unter- drücken müsse. Ge�erksckaftlicbes. Kerlin und llmgegend. Ter Streit der Militiirschiicidcr. Nach dem Bericht, den Ritter gestern vormittag in der zahlreich besuchten Versammlung der Ausständigen gab, ist der gegenwärtige Stand des Streiks, trotzdem dieser schon sechs Wochen dauert, keineswegs ungünstig, so daß kein Grund vorliegt, mutlos zn werden oder gar den Kampf aufzugeben. Tie Mitteilung der„Märkischen Volkszeitung", wo- nach die besseren Stellen alle besetzt und genügend Arbeitswillige vorhanden sein sollen, ist vollständig unzutreffend und offenbar nur dazu erfunden, die Streikenden wankelmütig zu machen. Daß die vorliegenden Bestellungen nicht ausgeführt werden können, beweist unter ander», die Thatsache, daß diejenigen Firmen, die bereits beim Beginn des Streits ihre Kunde» um Nachsicht baten, nun wieder in der neuesten Nummer des„Militär-Wochcnblatts" eine derartige Annonce veröffentlicht habe». Die Befürchtung, in Erfurt würde Streikarbeit gemacht, wird durch einen längeren Brief wider- legt, worin der dortige Vertreter der Organisation einige wichtige Mitteilungen über die gegenwärtige Situation machte. Daraus sowie ans einer Reihe andrer Umstände läßt sich schließen, daß in nächster Zeit eine Wendung im Stande des Streiks eintreten muß. Die Streikenden haben bisher mit anerkennenswerter Solidarität im fiainpfe ausgehakten. Tie Firma B e r g e r u. K o l a n i suchte ihre Marineschneider zur Aufnahme der Arbeit unter dem Vorwand zu veranlassen, daß diese Arbeit doch keine Militärarbeit sei. Tie Betreffenden haben das jedoch mit Recht zurückgewiesen, weil die Marine-Arbeit auch in dem den Unternehmern vorgelegten Tarif enthalten ist. Ter Redner crmahnte die Versammelten, loie bisher fest zusammenzuhalten und sich nicht ans Abmachungen mit den einzelnen- Unternehmern einzulassen.— Dir Diskussion zeigte, daß diese Auffassung unter den Streikenden allgemein ist und von Mut- losigkeit nicht die Rede sein kann.— Tie nächste Versammlung wird au, Sonnabendvormittag stattfinden. Der Stand der Lohnbewegung der Stukkateure muß als sehr günstig bezeichnet werden. Von den 91 Firmen, denen die Forde- rungen zugestellt wurden, haben 11 mit zusammen 280 Arbeitern bewilligt. 487 Arbeiter stehen noch im Streik. Nach der Stimmung z» lirteilen, die unter den Streikenden herrscht, ist zu erwarten, daß auch die übrigen Unternehmer binnen kurzem nachgeben. Die Treibricmc»-Sattler sind gestern in eine Lohnbewegung eingetreten. In ihrer Versaininlnug an, Montag würde beschlössen, bei den Firmen K e m in r i ch. Grund, Rüger u. Mallon, T e n„ e r t und S ch u m a n>, an, Dienstagvormittag nochmals wegen Bewilligung der gestellten Forderungen vorstellig zu werden und im Fall der Ablehnung sofort die Arbeit niederzulegen. Die Hauptforderung ist Verkürzung der Arbeitszeit auf neun Stunde». Außerdem wird gefordert: Sonnabends eine Stunde früher Feierabend, 25 Proz. Lohnaufschlag für Ueberstunden, bei Accord-' arbeit für en, fache Rinnen 10 Pf. und für doppelte Riemen 11 Pf. pro Meter und Freigabe des 1. Mai. Bis Montag haben sich sämtliche in Betracht kommende Firmen ablehnend verhalten. Die Firma Schulz, Luckanerstraße, hatte den die Forderung überreichenden Arbeiter zudem gleich entlassen, weshalb dort sämtliche Kollegen noch an, selben Tage die Arbeit niederlegten. In den Treibriemen-Fabriken von Ernst Schulz, Luckanerstraße Ii; R ü g e r u. Mallon. Chansseestr. 77; Ten„er t, Holzmarktstr. 64, haben die dort beschäftigten Kollegen wegen Nicht- bcwillignng der Forderungen die Arbeit niedergelegt. Zuzng ist streng fernzuhalten! Bewilligt haben bis jetzt die Firmen H. Fritschc, O. Melzoiv, Reiche u. Halbcrstamm, Kemmerich„. Co. Die Ortsvcrwaltung Berlin des deutschen Sattler-Verbandes. Entlasseue Sträflinge als Arbeitswillige. DaS internationale FcnsterreiingrnlgSinstitut Stähr». Eo.,�Pctristraße. dessen Arbeiter sich bekanntlich seit vier Woche» im Streik befinden, ist ans ganz eigenartige Mittel verfalle», u», Ersatz für die Streikenden zu schaffe». Die Firma wandte sich an den Verein zur Fürsorge für entlassene Strafgefangene, der ihr dein, auch eine große Anzahl von Kräften, circa 50, zur Vvrsiigung stellte. Vom Fensterputzen haben diese Leute natürlich keine blasse Ahnung, davon dürfte die Kundschaft der Firma von ihnen nicht gerade besonders erbaut sein. Da die Firma Stähr über sehr feine Kundschaft verfügt, wir erwähnen hier nur die T e ch n i s che Ho ch s ch u l e und das Kultus Ministerium, so werden sich die Regiernngsbcanitcn nach eigner Erfahrung überzeugen können, was sogenannte Arbeits- lvillige'wert sind. Auch die Verwaltung der Kaiser Wilhelm» Gedächtniskirche dürfte nicht mehr nötig haben, bei einem Kaiserbesuch die Fensterputzer nach den Kellerräumen zn verweise», lvie dies seiner Zeit mit Stährs ehrlichen Arbeitern geschehen ist. Noch angenehmer dürfte es den entlassenen Sträflingen sein, auch die Fenster des Polizeipräsidiums reinigen zu dürfen. Die bezeichneten Arbeitswilligen scheinen der Firma Stähr doch nicht ganz zu gelingen und deswegen erließ sie vorige Wockie in eine», hiesigen Lotälblatte eine Annonce, durch die sie 15—20 junge Leute im Alter von 16— 18 Jahren sucht, die sich de», Feiisterpntzfa'ch widmen wollen. Die Firma scheut sich also nicht, unerfahrene junge Leute iint aus der Strafanstalt entlassenen Verbrechern zusammen in einem Betriebe arbeiten zn lassen. Die Töpferträgcr„ahmen a», Montag in einer gut besuchten Versammlmrg Stellnng zu der von sieben Firmen des Berufes ver- suchten Durchbrechung des gültigen Lohntarifs. Diese Firmen ent- lassen nänilich»ach und nach die organisierten Träger und stellen unorganisierte ein, denen sie dam, einen erheblich geringeren, als den niit der Organisation vereinbarten Lohn zahlen. Ans eine Ans- fordening des Vorstandes der Bauarbeiter, diesen Znständeir entgegenznwirke», lehnte die Töpferinnung eine Einmischung ihrer- seits ab. Nach reger Aussprache wurde beschlossen, die b e- treffenden Firmen zu sperre n. Gleichzeitig ist der Eentralverband der Töpfer ersucht worden, sein Augeinnerk daraus zn richten, daß seine Mitglieder sich fernerhin nicht mehr die Materialien von unorganisierten Lohndrückern zutragen lassen. Neu- n, am, als Vertreter des Töpferverbandes erklärte, bei seiner Organisation in diesem Sinne wirken zu wollen. Die Bauarbeiter der Firma Held ir Franke haben durch 'einmütiges Vorgehen erreicht, das; ihnen auf einem Bau der Mindest- lohn von 45 Pf, bewilligt ist, was ihnen bei der Lohnbewegung im Vorjahre trotz mehrfachen Vorstelligwerdens nicht gelang. Auch auf den übrigen Bauten dieser Firma wird in nächster Zeit mit Nachdruck auf die Zahlung des Mindcstlohnes gedrungen werden. Berichtigung. In der gestern veröffentlichten Erklärung des Vorstandes vom Handels- und Trausportarbeiter-Verbaud hat der Druckfehlerteufel aus einer„öffentlich befürworteten Gründung" eine öffentlich„befürchtete" gemacht, was wir hierdurch be- richtigen. Deutsdies Reich. Die Aussperrung in Iserlohn hat, wie daS im Militär- und Polizeistaat üblich ist, die Behörden auf die Beine gebracht. Der Regierungspräsident hat eine Warnung vor Excessen an den Plakat- faulen anschlagen lassen, die Gendarmen mitKarabinern und die Schutzleute mit Revolvern bewaffnet versehen den „Sicherheitsdienst". Durch die Ausgesperrten ist die Sicherheit natür- lich nicht bedroht. Die Parkettleger in Köln, nicht die P l a t t e n l e g e r, wie in Nr. vo des„Vorwärts" irrtümlicherweise stand, haben nach eintägiger Dauer ihren Streik beendet. Hus der frauenbewegung. Gründung eines focialdemokratifchen Frauen- Wahlvereins. Eine von gegen Ivb Personen, zumeist Frauen, besuchte Volks- Versammlung, einberufen von den Vertrauenspersonen der social- demokratischen Frauen, tagte am 20. April im großen Saale von Keller, Koppenstraße. Sie sollte darüber entscheiden, ob nicht ange- sichts der bevorstehenden Reichstagswahlen die zielbewußten Frauen von der Bestimmung des§ 21 des Vereinsgesetzes Gebrauch machen sollten, wonach Wahlvereine den Beschränkungen des 8 8 des Vereinsgesetzes nicht unterlägen. Reichstags-Abgcordneter Stadt- Hägen behandelte in instruktiven Ausführungen die EntstehungS- geschichte des 8 3 mit seiner Entrechtung der Frauen und des§ 21, glossierte treffend, oft unter großer Heiterkeit, die bekannten Aus- legungskünste der Gerichte und Verwaltungsbehörden und vertrat, indem er die Rechtsprechung berücksichtigte, die Auffassung, daß un- zweifelhaft die oben angeführte Vergünstigung des 8 unein- geschränkt den Wahlvcreinen zukomme, die eine ganz b e- st i m m t e Wahl im Auge hätten. Hiernach sei es klar, daß sich die Frauen jetzt nach der Bekanntgabe des Wahltermins für die bevor- stehende Reichstagswahl einen Wahlverein gründen dürften. Redner kennzeichnete dann die allgemeine politische Situation und zeigte, wie die Frauen in der Familie und in der Industrie das Unheil des Kapitalismus und der Jnteresscnwirtschaft der inachthabenden Klassen zu spüren bekämen, wie sie alles zur Bethütigung im öffentlichen Leben drängte und sie geradezu zwinge, das gleiche Recht mit dem Manne zu fordern. Zur Zeit hätten nun die Frauen die Möglich- keit, auf die Wahlen einzuwirken, zu agitieren und zu zeigen, was sie vom Reichstage, von der Gesellschaft verlangten. Zu diesem Zwecke empfehle er die Gründung eines Wahlvereins auf Grund des 8 21 des Vereinsgesetzes. Die Losung sei: Nieder mit dem Junkertum und dem Kapitalismus! Hoch die Arbeit und der Eocialismusl(Stürmischer Beifall,) Der dritte Punkt der Tagesordnung:„Gründung eines Frauen- WahlvereiuS für die Rcichstagswahlen 1303" wurde auf, Beschluß der Versammlung gleich nach dem Vortrage erledigt. Genossin Baader trat lebhaft für die Gründung ein. Das kleine Recht, das die Frauen nur wenige Wochen hätten, müsse auch ausgenutzt werden. Man müsse es gebrauchen lernen und den gesetzgebenden Körperfchaften zu der Einsicht verhelfen, daß die Frauen die ihnen vorenthaltenen Rechte beanspruchten. Rednerin empfahl den bereits ausgearbeiteten Statutenentwurf, Danach heißt der Verein„Social- demokratischer Wahlverein der Frauen für Berlin und Umgebung". Sein Zweck ist die Agitation für die Reichstagswahl 1303, Jede er- Wachsens weibliche Person kann Mitglied werden. Der Vorstand be- steht aus drei Personen. Nach Beendigung der Reichstagswahlen löst sich der Berein wieder auf und verwendet etwa noch vorhandenes Vermögen im Interesse der Arbeiterbewegung, Monatlich werden 20 Pf. Beitrag erhoben.— Zu dem Statutenentwurf sprachen unter anderm die Genossinnen Ihrer, Wehl, Tietz. Wangels, B i e n. Die Versammlung beschloß die Gründung des Vereins und die Annahme des wiedergegebenen Statutenentwurfs, inden, sie einige Abänderungsanträge ablehnte. In den Vorstand wurden die Ge- uossinnen Wengels, Baader und Bauschte gewählt. Darauf schritt man zur Debatte über den Vortrag und die Vorsitzende Wengels erteilte das Wort der Genossin Klara Zetkin, deren Erscheinen einen spontanen Beifalls- stürm hervorrief. Sie legte es den Frauen dringend ans Herz, das .gegebene Eintagsrecht zur Bethätigung in einem politischen Verein nun auch auszunutzen. Eine Vernachlässigung dieses Rechts wäre geradezu gemeingefährlich. Praktische Gründe sprächen für den Ntassenbeitritt zum neugegründeten Verein. Die Organisation im Wahlverein erlaube, in planmäßiger Weise die ganze Kraft in dem Wahlkampfe einzusetzen, der diesmal ein 5klassenkampf sei, wie lange nicht. Durch die Arbeit, durch die Praxis werde politische Schulung erzielt. Für die weitmöglichste Ausnutzung dieses winzigen politischen Rechtes spreche auch, daß immer gesagt werde:„Ihr Frauen verlangt ja gar keine politischen Rechte, Ihr seid nicht poli- tisch reif." Es gelte, das Gegenteil zu beweisen. Rednerin gab dann in ihrer äußerst temperamentvollen Weise, die Versammelten zu Heller Begeisterung entflammend, ein Bild vom Leben der Frauen im Klassenstaat und von den Kämpfen, die um jedes kleine Recht. jedes Stücklein Socialreform geführt werden müssen, Sie kam zu dem Schluß, daß, was auch innerhalb der heutigen Gesellschaft sich mildern lasse, doch nur im Socialismus das wahre Heil zu suchen sei. Im Kampfe darum würden die Frauen nicht die letzten sein, (Stürmischer anhaltender Beifall.)— Zwei nationale Helden, die Herren Echo Walter und Weißenborn, machten sich dann, oft heftig von dem Unwillen der Versammelten unterbrochen, an eine Verteidigung des vom Referenten berührten Zollwuchers. Einen kolossalen Heiterkeitserfolg hatte der„nationale Arbeiter" Weißen- born mit der geistreichen funkelnagelneuen Phrase, die deutsche Frau gehöre nicht in das politische Leben, sondern in die Familie. Als er den Genossen Singer und Arms ihre angeblichen Millionen vor- warf, zwangen ihn stürmische Unterbrechungen und die andauernde Unruhe der Versammlung zum Abtreten.— Genossin Zetkin ließ den beiden Herren eine glänzende Abfertigung zu teil werden, worauf die Versammlung nach Annahme eines Schlußantrages mit einem dreimaligen donnernden Hoch auf den neuen Wahlverein auseinander ging, Eine große Anzahl Frauen traten dem Verein während und nach der Versammlung bei._ Die Bersammlnng eines Fraucn-Wahlvereins verboten hat der Amtsvorsteher von Tempelhof. Die Genossin Thiel in Tempelhos hatte ihm vorher schon pflichtgemäß die Statuten des neugegründeten Wahlvereins der Frauen des Kreises Teltow-Beeskow- Storkow-Charlottenburg eingereicht; aber vergebens wartete sie auf die nach 8 2 Absatz 2 des preußischen Vereinögesetzes darüber s o- fort auszustellende Bescheinigung, Auf eine persönliche Vorstellung dieserhalb wurde ihr der Bescheid, daß der Herr Amtövorsteher durch die Vorbereitungen zu einer patriotischen Festlichkeit derart in Anspruch genommen sei, daß es ihm unmöglich wäre, die Bescheinigung zu erteilen. Mittlerweile meldete nun die Genossin Thiel für Donnerstag, den 23. d, Mts., eine Versammlung des neugegründeten Wahl- Vereins an und siehe da, der Herr Amtsvorsteher, der bisher keine Zeit zur Erteilung einer einfachen Empfangsbescheinigung hatte, fand urplötzlich die Muße, unsrer Genossin folgendes Versawmlmigs- verbot zukomme» zu lassen: Tempelhof b. Berlin, den 20. April 1903, Die von Ihnen angemeldete Vereinsversaminlimg des Wahlvereins der Frauen des Kreises Teltow-Beeskow-Storkow-Char- lottenburg am 23. d, Mts, im Lokal des Schankwirts Adel hier- selbst, Germaniastr. 20, wird hiermit verboten. Der Amtsvorsteher. Wir vermissen in dem Verbot die Angabe derjenigen Gesetzes- bestimmung, auf Grund deren das Verbot erfolgte. Vermutlich ist beim Suchen nach derselben dem Herrn Amtsvorsteher sein Zeitmangel wieder zum Bewußtsein gekommen. Wir können das begreifen; denn man kann das Vereinsgesetz von vorn bis hinten und wieder zurück durchblättern und flndet dort keinen gesetzlichen Grund für das Verbot, Die Genossin Thiel wird gegen das Verfahren deS Herrn Amtsvorsteher die nötigen gesetzlichen Schritte ergreifen. Mag sein, daß der oder jener meint, der Jnstanzenzug werde bis zur Beendi- gung der Reichstagswahl kaum erschöpft und so praktisch gegen ein derartiges, dem Gesetz zuwiderlaufendes Vorgehen nichts zu erreichen sein. Allen, die einen solchen Ausgang der Sache fürchten, namentlich aber denen, die ihn hoffen, sei deshalb im Vertrauen mitgeteilt, daß die Frauen-Wahlvereine in Preußen keine„vorübergehende Erscheinung" sein werden. Bei jeder Sie' tagswahl, bei den Landtagswahlcn, ja, den Gemeindewahlen werden sie wieder auf- tauchen, so daß der Herr Amtsvorsteher von Tempelhof auch für jede etwa noch nach Beendigung der Reichstagswahl erfolgende Rechtsbelehruug über das Vereinsgesetz später wieder Verwendung haben wird. Sociales. Die Notwendigkeit von Arbeiterkontrollenren hat wieder einmal ein Bauunfall in Stuttgart erwiesen. Am Lazarett-Neubau zu Ostheim bei Stuttgart befand sich ein Gerüst, das so mangelhast war, daß die von den Arbeitern gebildete private Bauarbeiterschntz- Kommission wiederholt vor dem Betreten desselben warnte. Mehr konnte diese Kommission ihres privaten Charakters wegen leider nicht thun. Sie konnte weder das Betreten des Gerüstes v e r- bieten, noch den Unternehmer zu Verbesserungen desselben zwingen. So trat denn daS Unvermeidliche ein: Das Gerüst brach zusammen und riß vier Arbeiter mit in die Tiefe! Einer war auf der Stelle tot, zwei andre wurden schwer, der vierte schwer verletzt.— Krasser kann wohl die Notwendigkeit von beamteten Arbeiterkontrollcuren durch die rauhe Wirklichkeit nicht erwiesen werden._ 6erid>t9-Zeitung. Ei» kleiner Eheronnm, der eine interessante Illustration zu dem Worte, daß die Ehen im Himmel geschlossen werden, bildet, beschäftigte gestern längere Zeit die neunte Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Land- gerichtsdirektors Müller. Fräulein Elsa D., der Tochter ange- sehener Eltern, war etwas Menschliches passiert: sie hatte einem Kinde das Leben gegeben, welches ihren eignen Namen tragen muhte, weil ein Vater nicht in die Erscheinung trat. Das Mißgeschick hatte zur Folge, daß sie sich mit ihrer Familie überwarf rmd sie mußte sich damit trösten, daß sie von einem ihr gewogenen Herrn, der die Vater- schaft nicht übernehmen konnte, doch eine Beihilfe von 30 000 Mark erhielt. Als das im Jahre 1307 geborene Kind, ein allerliebstes Mädchen, welches in seiner Nettigkeit dazu beigetragen hat, daß eine Aussöhnung zwischen der Mutter und der Familie schon längst wieder erfolgt ist, 4 Jahre alt war, dachte die Mutter daran, daß es doch schöner wäre, wenn das Kind einen Vater erhielte und sie sah sich eifrig nach einem solchen um. Einer Heiratsvermittlerin gelang es, einen Mann in der Person eines Bauunternehmers zu finden, der zwar in seiner Bildung und seinen persönlichen Eigenschaften hinter der Persönlichkeit der heiratslustigen Dame zurückstand, aber doch geneigt war, eine Ehe mit dieser einzugehen. Maßgebend war dabei wohl nicht nur der Umstand, daß letztere eine imposante Erscheinung ist. sondern auch die Thatsache, daß sie geneigt war, ihm 10 000 M. als Hypothek aus eine von ihm zu erwerbende Baustelle zu geben. Genug: die Verlobung der beiden wurde bald gefeiert und die Hochzeit folgte sehr schnell darauf. Vor derselben waren jedoch die beiden Verlobten auf das Bureau eines Justizrats gegangen und dort wurde ein notarieller Akt aufgenommen, in welchem der Bräutigam bekannte, der Vater des außer der Ehe geborenen Kindes zu sein. Die Richtig- keit bestätigte die Braut durch ihre Unterschrift. Der Notar harte das Pärchen darauf aufmerksam gemacht, daß eine Legitimitäts- erklärung eines derartigen notariellen Aktes nicht bedürfe, sondern eine Kundgebung vor dem Standcsbcmntcn genüge, die beiden be- standen jedoch auf einem notariellen Akt. Als die Trauung statt- gefunden hatte, sandte der junge Ehemann das notarielle Dokument mir einem Anschreiben an den Standesbeamten und dieser machte nun einen entsprechenden Vermerk im Standcsamts-Rcgistcr, wo- durch die Legirimität des Kindes hergestellt wurde. Es könnte nun beinahe so scheinen, als ob von einer Seite der Zweck der Ehe- schlietzung hiermit als erfüllt angeschen worden sei, denn nach sechs Wochen ging die Ehe wieder auseinander und ist inzwischen gericht- lich getrennt worden. Wie die chcgeschiedene Frau vor Gericht triumphierend behauptete, ist der Ehemann für den allein schuldigen Teil erklärt worden. Im Ehescheidungs-Prozetz ist dann durch irgend eine Indiskretion zur Kenntnis des Gerichts gekommen, daß der An- geklagte in Wahrheit nicht der Vater des Kindes sei und es wurde, nachdem die Ehefrau dies bestätigt hatte, gegen ihn die Anklage wegen intellektueller Urkundenfälschung und vorsätzlicher Veränderung des Personenstandes erhoben. Der Angeklagte versuchte es erst mit«stiier Notlüge, indem er eine romantische Geschichte von einem Rendezvous erzählte, welches er im Jahre 1896 an einem düsteren Abend am Strande von Ahlbeck mit einer unbekannten Schönen gehabt haben will, um daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, daß er wirklich der Vater des KindeS sei. Der Versuch, sich auf diese Weise herauszureißen, mißlang aber völlig, denn die Mutter des Kindes mußte zugeben, daß sie 1836 überhaupt nicht in Ahlbcck gewesen. Der Angeklagte ließ denn auch von diesem Märchen ab und verteidigte sich damit, daß bei der ganzen Sache der weibliche Teil die größte Energie entwickelt und er nur eine passive Rolle gespielt habe. Er ließ auch durchschimmern, daß die Ueberuahme der Vaterschaft wohl der einzige Zweck der Uebung gewesen sei, denn schon im Brautwagen habe seine Ehefrau plötzlich ein sehr abstoßendes Wesen gezeigt und dieses habe sich zu unerträglicher Behandlung m der Ehe gesteigert. Die Frau wider- sprach dieser Darstellung entschieden und behauptete, daß es dem An- geklagten nur auf ihr Geld angekommen gewesen sei. daß er selbst. um sich nicht vor seinen Freunden zu genieren, auf die Idee der notariellen Erklärung gekommen sei und sie durch sein unleidliches Betragen aus dem Hause getrieben habe. Ucbrigens hätten sie beide nicht gewußt, daß das Vorgehen des Augeklagteu strafbar sei.— Staatsanwalt Böttger beantragte 14 Tage Gefängnis, während Justizrat Dr. Fried mann eine Reihe rechtlicher Bc- denken geltend machte, die sich auf den Wortlaut des 8 1720 Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches und Art. 70 des Allsführungsgesetzes stützten.— Ter Gerichtshof erkannte nach dem Antrage des Staats- anwalts._* Ein Kapitel aus der cbronigue scanckaleuge beschäftigte gestern wieder einmal die zweite Strafkammer des Landgerichrs I unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Die Angeklagte, unverehelichte Marie B r e d o iv, unterhielt am Schiffballe rdamm 34 em ciegant ausge- stattetcs Quartier, in welchem fortgesetzt Herren der Lebewelt ver- kehrten. Junge Mädchen im Alter von 16 bis 20 Jahren traten dort mit den jungen Mäimeru in Verbiilduiig. Einige von ihnen, die schon auf einer tiefen sittliche» Stufe standcn, haben auch zwei zunge Mädchen, von denen das eine cbe» erst 14 Jahre, daS andre 13 Jahre alt war, überredet, an dem lichtscheucn Treiben, welches sich in der Wohnung der Angeklagten tagtäglich entwickelte, teilzunehmen. Als Kriminalkommissar Fischer Ende Februar daS Nest aushob, wurde der Verkehr der minorennen Diädchen in dieser Höhle des Lasters festgestellt und die Angeklagte in Haft genommen. Sie wurde gestern wegen Kuppelei und Beihilfe zum Sittlichkeitsverbrechen zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Versammlungen. Tic Filiale des Centralvcrdandcs der Stukkateure hielt am Montag ihre Generalversammlung ab. Nach Verlesung der Ab- rechnung für das erste Quartal wurde dem Kassierer einstimmig Dccharge erteilt. Sodann hielt R ö s n e r einen Vortrag über das Thema:„Aus unsrer Gewerbegerichtö-Praris", wobei er zum Sckiluß auf die Thatsache eiliging, daß vor dem Einigungsamt des Berliner Gewerbegcrichts eine kleine Gruppe von Stukkateuren, die sogenannte Freie Vereinigung, am 14. April einen Tarif mit den Arbeitgebern vereinbarte, der dann für das ganze Stuklaieurgewerbe Geltung habeil sollte. Daß es sich hier um eine Ueberrumpelung der im Central- verband organisierten großen Masse der Berliner Stukkateure handelt. beweist unter anderm der Umstand, daß der Abschluß des neuen Tarifs erfolgte, ehe der alte Tarif, der bis zum 1. Mai vereinbart war, sein Ende erreicht hatte. Wie Krebs mitteilte, hat der Vor- stand der Filiale des Centralverbandes an das Berliner Gewerbe- gericht unter ausführlicher Darlegung des Sachverhalts die Anfrage gerichtet, ob das Gewerbegcricht jene kleine Gruppe, 40— 50 Mann. für berechtigt halte, einen Tarif für die Gesamtheit der Stukkateure Berlins abzuschließen, und wie das Gewerbegericht überhaupt in solchen Fällen seiner socialen Aufgabe gerecht werden wolle, wenn einzelne kleine Gruppen in einzelnen Gewerben Tarife vereinbaren, die dann für das ganze Gewerbe gellen sollten. Des weiteren verlas der Redner ein von der Freien Vereinigung herausgegebenes Flug- blatl, worin für den neuen Tarif Propaganda gemacht wird. Die vielen Entstellnngen und Unwahrheiten, die darin enthalten sind, riefen bei den Anwesenden teils Heiterkeit, teils Entrüstung hervor. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: „Die heutige zahlreich besuchte Generalversammlung der Fili- ale Berlin des Centralverbandes der Stukkateure Deutschlands er- klärt, daß unser Tarif vom 14. April 1303 für unsre Mitglieder ohne irgend welche Aenderungen bis zum 1. Mai 1305 reckltsverbindlich sein soll. Selbstverständlich sind wir auch dann nach Ablauf dieser zwei Jahre bereit, so wie wir es diesmal waren, rechtzeitig in Ver- haudluiigeu zu treten, um eventuell beiderseitigen Wünschen Rechnung tragende Aenderungen vorzunehmen." Krebs ging dann weiter auf mehrere Positionen des neuen Tarifs der Freien Vereinigung ein und wies durch Vergleich mit dem alten Tarif nach, daß darin wesentliche Verschlechterungen enthalten sind und daß die einzelnen Positionen, wo Verbesserungen aufgeführt sind, diese kaum in Betracht kommen oder nur scheinbar bor- Händen sind. Werneuchen(Ober-Barnim). Nach fünf Jahren fand hier die erste öffentliche Versammlung statt und was ganz besonders zu be- achten ist, das erstemal in dein den Genossen jetzt zur Verfügung stehenden Witteubergschen Lokal, während die soilstigeu Versammlungen immer unter freiem Himmel abgehalten werden mußten. Trotz vieler Versuche der Obrigkeit, den Besitzer des Saales zu veranlassen, sein Lokal den Socialdemolraten nicht zu geben, blieb der Besitzer stand- hast. Wider Erwarten waren trotz des fürchterlichen Schneesturmes am vergangenen Sonntag doch etwa 150 Personen aus der Stadt und der Umgegend erschienen, um den zündenden Worten des social- demokratischen Kandidaten des Ober-Barnimer Kreises, Bruns, zu lauschen, der in zweistündiger Rede die Machenschaften des jetzigen konservativen Vertreters und überhaupt die konservative Partei ms rechte Licht stellte. Brausender Beifall lohnte seine Ausführungen. Eine Resolutton, welche besagte, nur für den socialdemokratischen Kandidaten zu stimmen, fand einstimmige Annahme. Gegner hatten sich nicht zum Wort gemeldet. I�et�te JVacbrichten und Depefchen. BerkehrSnlichrichtcn. Berlin. 21. April.rs Joraiitts" Knlim SdbUitL Mitwach, 22. April 1908. Reichstag» 202. Sitzung. Dienstag, den 2l. April 1903 nachmittags 2 Uhr. Am BundeSratstische: Graf Posado tvsky� Kraetke. Präsident Graf B a l l e st r e m eröffnet die Sitzung und heixt die Kollegen nach der Osterpause auf das herzlichste ivillkomnien. Er gedenkt darauf des Todes der Abgg. Knörcke sfrf. Vp.) und M u n ck e l lfrs. Vp.l, zu deren Ehren sich die Anwesenden von ihren Sitzen erheben.' Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste, eventuell zweite Beratung des Gesetzentwurfs betreffend eine Ergänzung des tz 51 des Reichs be amten- Gesetz es vom 31. Mai 1873, wonach cuich� den in O st a s i e n außerhalb Kiautschou verwendeten deutschen P o st- und Telegraphenbeamtcn ihre Dienstzeit fiir die Pensionierung doppelt angerechnet werden soll. Der Entlvurf wird dcbatteloS in erster und zweiter Beratung erledigt. ES folgt die Beratung des Entwurfs einer Bekannt- m a Ä u n g betreffend Abäuderung des WahlrrglrmcntS vom 28. Mai 1870. Abg. Gröber{(£.. zur Geschäftsordnung): Das Wahlreglcment bildet nach der Verfassung ein einheitliches Ganzes, das nur mit Zu- sriinuiung des Reichstages geändert werden kann. Das Wahl- rcglemenr hat danach nicht die formalrechtliche Bedeutung eines Gesetzes, sondern nur die einer BundesratS-Verordnung. ES würde demnach auch die Vorlage zur Aenderung dieses Wahlreglements nach Z 23 untrer Geschäftsordnung im abgekürzten Verfahren, d. h. i» einmaliger Beratung erledigt werden können. Ich möchte an den Staatssekretär dcö Innern die Bitte richten, uns der Zustimmung des Bundesrats zu dieser Auffassung zu versichern und ich stelle im voraus fiir diesen Fall im Interesse der raschen Erledigung der Vorlage den Antrag, den Entwurf in einmaliger Beratung zu er- ledigen. Staatssekretär Graf PosadowSky: Der Bundesrat erteilt die Genehmigung, weil er die Auffassung des Vorredners teilt. Abg. Gmup Dort, wo man mit dem Gesetz nicht einverstanden ist, wird man cS natürlich vorziehen, statt dcS JsolierranmeS einen Tisch hiiizustellcn. WaS die Abgabe der Wahlconvcrtö anlangt, so lväre es»ach meiner Ansicht das beste. wen» die ConvertS entsprechend dem Antrage Olickert von den Wählern direkt in die Wahlurne ge- worfcii würden, anstatt daß sie, wie es die VorlaD vorsieht, dem Wahlvorsteher überreicht werden sollen. Dainit"würde auch die iWöglichteit wegfallen, daß der Wahlvorsteher sich die Reihenfolge, in der die ConvertS abgegeben sind, merkte und danach hinterher eine gewisse Kontrolle über die Stimmabgabe des Einzelnen ausübte. Trotzdem bedeutet die hier vorgeschlagene Einrichtung zweifellos einen bedeutenden Forffchritt gegenüber dem bisherigen Znstand. Wir wolle» die Beratung nicht lange aufhalten. Wir hoffen, daß die Vorlage zu stände kommt nnd eine Stärkung des Wahlrechtes im allgemeinen bewirkt. Wenn Abg. v. Kröchcr vor einiger Zeit den Wunsch ausgesprochen hat, daß die Socialdemokratie nur Objekt, nicht Snbjett der Gesetzgebung sei, so wird hoffentlich diese Aenderung des WahlreglemcntS dazu führen, daß auch die Partei de« Herrn v. Kröcher etwas mehr Objekt als Subjekt der Gesetzgebung wird. (Bravo! bei den Socialdemokraten.) Abg. Gamp(Rp.): Die Stellung meiner politischen Freunde zu der Sache ist be- kannt; ich brauche nicht weiter darauf einzugehen. Unangenehm bc- rührt hat nnS die Plötzlichkeit des Vorgehens der Regierung. Ueber die Gründe dieser Plötzlichkeit kann man ja seine Vermutungen und den Rest von Frankreich, gestützt ans die Armee, weiter zu tyrannisieren." Am 6. September schreibt er aus Reims: In Paris Republik, wenigstens provisorische Regierung von Republikanern. Mir Wurscht. Wir kommen doch hin. Am 12. September: Der angestaute Tintenbach hat sich über mich ergossen..., vor allein aber die Verwaltnngsorgcunsation macht mir diel Reibungen, wegen der unglaublichen Zopfigkcit und Reffort Eifersucht der Militärs, namentlich im Geueralstabe, dem Post- und Flaggenwescn. Wenn ich mit solcher Ressortverwirrung im Civil haushalten sollte, so wäre ich längst gesprungen wie eine Granate. Hier aber denkt keiner daran, ob das Ganze leidet jeder thnt was ihm befohlen wird, darüber tröstet er sich wie der Junge, dem sein Vater keine Handschuh kaufte. Vor dem Feinde lauter Helden, aber an ihren Schreibtischen wie ei» Rattcuköuig mit den Zöpseu zusammengewachsen.. Historisch interessant ist eine ÄiSmarckfche Randbemerkung ans diesem Brief auf eine Aufrage der Frau Bismarcks, die um Aus- kunft gebeten hatte:„Bleibtö dabei, daß 1. FriedenSbcdingmig: ewiges Verbleiben von L. N.sapoleonj auf Franzosen-Thron? Bismarck antwortet:„wo möglich, ja". Am 18. September schimpft er charakteristisch über„die Friedens-, nicht Tauben. sondcrn-AaSkrährn", die nach ihm„zu stoßen beginnen". Am 23. September an Herbert Bismarck: „Im übrigen ist nnS ein gut behandelter Napoleon nützlich, und darauf allein kommt eS an, die Rache ist Gattes. Die Franzosen müssen ungewiß bleiben, ob sie ihn wieder bekommen, das fördert ihre Zwistigleiten." 1. Ottober: Gestern feierten wir Ihrer M.(ajestät) Geburtstag mit Gratulation um'/AO früh, dann geputztes Diner mit alle» Prinzen und Orden,' dergleichen ist angreife»», weil ich mit den Herren besonnen und höflich reden muß. 22. Oktober schreibt er in„mitternächtigem Zorn": Delbrück, Bennigsen, König. Papiere. Telegramme und Depeschen lesen»nd schreiben, und die Herren vom Militär machen mir meine Geschäfte erschrecklich schwer! Sie reißen sie an sich, vor- derben sie nnd mich trifft die Verantwortung. DaS Weitere, was er ursprünglich geschrieben, vernichtet er wieder: cS könnte in Feindes Hand fallen und„zu öffentlichen An- Ilagen" werden. Aus Versailles sendet er am 28.-29. Oktober Ausbrüche feiner Entrüstung über die Beschuldigung:„als hemmte ich das Spiel unsrer Geschäfte gegen Paris und trüge damit die Schuld an der Verlängerung des Krieges": ES schwebt über der Sache irgend eine Jntrigue, auSgcsponne» von Weiber», Erzbischöfcn nnd Gelehrte», bekannte hohe Einflüsse sollen mitspielen, damit das Lob des Auslandes und die Phrasen- beräncherung leine Einbuße erleiden. 12. November: „Meine Tintenklexer... manövcrieren Tag nnd Nacht und iittrlguieren nach Frankfurter Art. Wenn nicht ein deutsches Iin- weiter dazwischen fährt, so wird mit diesen Diplomaten nnd Bureaukraten der alten Schule nichts zu stände komme».... Der haben. Es bat aber keinen Zweck, sich weiter damit zu be- schäftigen. Am bcdenllichsten scheint mir die Bestimmung, wonach der Wahlvarstand einen Convertträger aufstellen soll. Ich kann mir davon gar keine rechte Vorstellung machen. Es� wird notwendig sein, bezahlte Personen für dies Geschäft anzustellen. Diese können doch unmöglich un- miterbrochen von 10 bis 7 Uhr die ConvertS in Händen halten nnd verteilen. Es müßte also aus jeden Fall noch ein Reservcträger vorhanden sein. Wie soll cS werden, wenn der Eanvertträger sich selbst das Wahlconvert übergiebt und dann im Jsolierraum sein Geschäft verrichtet?(Heiterkeit.) Alle diese Schtvierig- leiten hätten vollständig beseitigt werden können durch Ausnahme der Bestimmung des Antrags Rickert, wonach die Wahlcouvcrrs am Wahltisch in Empfang genommen werden müssen. Weiterhin braucht der Convertträger nur unabsichtlich das Convert an einer Ecke etwas einzilkneifen oder cS mit einer rußigen oder schweißigen Hand zu berühren— und schon ist das Convert ungültig. 1867 hat sich selbst Windthorst lebhaft für eine öffentliche Stimmabgabe ausgesprochen, aber das Centrnm hat eben seine Stellung geändert. Das haben wir nicht gcthan.(Beifall rechts.) Abg. Richter(srs. Vp.): Wenn die bisherige Gefährdung der Sicherheit des Wahlgeheim- nisscS der konservativen Partei zu gute gekommen ist(Riff rechts: Gar nicht!), dann bedeutet die Sicherung des Wahlgeheinmisies eine Frontstellnng gegen die Konservativen und wäre dann allerdings geeignet, ihren Bestand zu erschüttern. Wir stimmen den Vorschlägen rückhaltlos zu. Wenn ich auch Abstand davon nehmen will. Ab- änderungSanträge zu stellen, fo tväre es doch wünschenswert, wenn der Herr Staatssekretär seine Ansicht über einzelne Punkte äußerte: so zum Beispiel über die Größe der Abstumnungöbezirke. ES kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Kleinheit der AbstimmungSbezirle auch eine Gefährdung des Wahl- geheimnisseS bedeutet.(Sehr richtig! links.) Die kleinen Bezirke find eine Puttkamersche Erfindmig, ebenso der kurze Termin zwischen der Wahl und der Stichwahl. Zum mindesten sollten die Stich» wählen erst 8 Tage nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses, die sich manchmal 4 Tage lang verzögert, erfolgen. Sehr notwendig ist auch eine Abschrift der Wählerlisten, die von großen Kommune» auch ohne weiteres gestattet wird, um eine rege Wahlbeteiligung herbeizuführen. Manche Gemeindevorsteher betrachten die Wähler- listen als eine Art Amtsgeheimnis.(Bravo! links.) Staatssekretär Graf PosadowSky: Es kann nach der Entstehimg des Gesetzes nnd der Uuffasstmg namhafter Staatsrechtslehrer kein Zweifel darüber sein, daß der Reichstag nur in der Lage ist, diese Verordnung im ganzen an- zunehmen oder abzulehnen. Es bandelt sich nicht um einen Akt der Gesetzgebung, wo sozusagen der Wille der verbündeten Regierungen mit dem Willen dieses hohen HanseS sich vereinigt zit einem Ge- sctzcntwnrs, sondern da wo eine Genehmigung des Reichstages vor- geschrieben ist zu einer Berordnulig der verbündeten Regierungen, vor oder nacki ihrem Erlaß liegt ein einseitiger Akt der Gesetzgebung der Verbündeten Regierungen vor unter suspensiver oder rcsolutiver Befugnis des Reichstages. Das Wahlreglcmcnt ist eine AuöführungS- Verordnung zum Wahlgesetz, seine Abänderung kann daher nur in der Farm einer Verordnung, die nach dem Wahlgesetz der Genehmigung des Reichstags bedarf, erfolgen. Einen Amrag LaSker, daß die Ab- änderung des Reglements nur durch Gesetz erfolgen könne, hat der Reichstag seiner Zeit ausdrücklich abgelehnt.— Davon, daß der Wahlvorsteher die Wähler im Jsolierraum kontrollieren soll, steht nichts im Reglement. Das Reglement bestimmt lediglich, daß die Stimmabgabe unter Umständen erfolgen muß, die eine Kontrolle darüber ausschließen, was fiir einen Stimmzettel der Wähler in das Convert steckt. Sollte ein Wahlvorsteher bemerken, daß jemand aus Böswilligkeit oder Nachlässigkeit sich unnütz lange im Jsolierraum aufhält, so hoffe ich, wird seine Autorität genügen, um daö zu verhindern.— Daß die WahlcouvertS verteilt werden sollen, soll zur Beschleunigung des Wahlganges Soldat hat viel für mich übrig, die Fürsten wohl leine Rosen ohne Dornen, aber leider viel Zeit, die mir meine kostet. 16. November: ,„.. es spuken so vieleMrstliche Phantasicgebilde über Deutsch- land im Hanptqilarticr umher, daß ich mich von Sr. M. nicht - trennen kann... ich sehe fast niemand als unsre Räte nnd Kanzleidiencr, den König beim Vortrag und konferierende Minister; ich erinnere mich kaum eines an Zerstreuung so armen Daseins, gewürzt höchstens durch Besuche hoher Herren, deren politische Hirngespinste ich bekämpfe... Die deutschen Sachen bringen die inciste Arbeit. Von letzterer nimmt Delbrück die größere Last aus sich, aber die Fürsten knnn er mir nicht abnehmen und dir Europäer auch nicht." Am 22. November: „Roon ist krank ans Acrger über die Jntriguen gegen das Bombardement der Pariser Forts... Ob der König eS weiß und duldet oder getäuscht wird, darüber ist Streit; ich glaube letzteres gern. Das Komplott» wenn cS existiert, sitzt bis im Geueralstabe...; ihm ist der Erfolg kaiscrwnhnsinuig in die Krone gefahren...; mit Moltkes Namen decke» sich andre; er selbst ist alt geworden und läßt gehen was geht. Die Regimenter reiste» uns durch, nicht die Generäle." Am 7. Dezember klagt Bismarck, daß auch Mottle„gegen den Angriff nnd für alle Waffeiiftillslände" sei, nnd er fährt bitter fort: „Wenn man zu lange Minister ist und dabei nach Gottes - Fügung Erfolge hat. so fühlt man deutlich, wie der kalte Sumpf von Mistgnust und Hast rineni allmählich höher und höher bis ans Herz steigt; man gewinnt keine ncncn Freunde, die alten sterben oder treten in verstimmter Bescheidenheit zurück, und die Kälte von oben wächst, lvie daö die Naturgeschichte der Fürsten, auch der besten, so mit sich bringt; alle Zimeignngcn aber be- dürfen der Gegenseitigkeit, iveun sie dauern sollen." „Dieses Hoflebcn erträgt kein gesundes Herz auf die Dauer", ruft er zum Schluß aus. 12. Dezember: „Mich plagen die Fürsten mit ihrer Geschäftigkeit nnd auch mein allergnädigster mit all den kleinen Schwierigkeiten, die sich für ihn in der sehr einfachen Kaiserfrage an fürstliche Vorurteile und Kinkerlitzchen knüpfen.. 24. Dezember: Der Ruhm der Fiihrung liegt in dein bewundernswerten Heldenmut der Truppe; nur etivas weniger davon und keiner der Führer würde vor der Kritik heute bestehen 1" lieber die glorreiche ReichSgründnng schreibt er endlich am 21. Januar: Ich habe Dir schrecklich lange nicht geschrieben, verzeih, aber diese Knisergeburt war eine schwere, und Könige haben in solchen Zeiten ihre wunderlichen Gelüste, lvie Fraum bevor sie der Welt hergeben was sie doch nicht behalten können. Ich hatte als Accoucheur mehrmals das dringende Bedürfnis eine Bombe zu sein und zu platzen daß der ganze Bau in Trümmer gegangen wäre. Nötige Geschäfte greifen mich wenig an. aber die unnötigen verbittern....... Schleinitz sucht mir die Isnannchmlichkcit mit Kais, und Kön. H. aufzubürden; sie hängt ganz vom Könige und dein HanSminister ab, und mit der Zeit wird es sich machen, bisher ist der schwesterliche Widerstand sehr kräftig. ticucit. Man muß ertvarten, daß der Wahlvarsteher eine Vertrauens- würdige Person dainit betraut. So kasilistisch kann keine Gesetz- gcbung sein, um allen etwa möglichen Unredlichkeiten vorzubeugen. Was die Wahlbezirke anlaugt, so wird in manchen Gegenden des Ostens und in Gebirgsprovinzen nichts übrig bleiben, als sehr kleine Wahlbezirke zu bilden. Im übrigen muß die Bestimmung darüber dem vernünftiacn Ermessen der Behörden anheimgegeben werden. Gegen die Abschrift der Wählerlisten wird nichts einzuwenden sein, wenn die Kosten vorher gesichert sind. An kleinen Orten wird es vielfach an Kanzleikräften fehlen, die solche Abschriften besorgen. Daß die Gemeindebehörden sie nicht aus der Hand geben, ist selbst- verständlich. Auf die Feststellung des Stichwahl-Termins hat dr'r Reichskanzler keinen Einfluß, das ist Sache des Wahlkommissars.— Von einer„Verschärfung" des Wahlgeheimnisses raun keine Rede sein, entweder es besteht ein Wahlgeheimnis oder nicht.(Sehr richtig! links.) Wer auf dem Standpunkt steht, daß es eine mäun- liche That ist, öffentlich abzustinnuen, der wird eine männliche That begehen, wenn er hier beantragt, die Worte„geheime Abstimmung" im Wahlgesetz zu streichen, �o lange man das nicht thut, darf man nicht eine Regierung augreisen, die lediglich den Buchstaben des Gesetzes zu erfüllen sucht, l-ehr richtig! links.) Abg. Dr. Pachnicke sfrs. Vg.): Ich brauche nicht besonders hervorzuheben, daß meine Freunde die Vorlage besonders befürtvortcn. Es ist ja unser Antrag, um den es sich hier handelt. Allerdings bedauern Ivir, daß die Vorlage in mehreren Punkten nicht so weit geht, wie der Autrag Rickcrt. Wir befinden uns aber hier in einer Zwangslage. Unklar ist z. B. die Bestimmung, was unter„Wahlurne" zu verstehen ist. Am besten wäre es. wenn eine amtliche Wahlurne geliefert iviirdc, wie es in andern Staaten der Fall ist. Der Rechten ist ja die Vorlage sehr unangenehm: die ganze Rede des Abgeordneten Himburg klang wie eine Anweisung an böswillige Wahlvorsteher, dem Gesetze ein Schnippchen zu schlagen. Die„Konservative Korrespondenz" erdreistete sich sogar, von einer„klosettbegeisterten Mehrheil" des Reichstages zu sprechen. Auch das soeben ausgegebene Wahlbüchlcin der konservativen Partei nennt die neuen Vestiminuiigen einen im- angenehmen und lächerlichen Zwang für freie Männer, die ihre politische Gesinnung frei zu bekennen gcivohnt seien. Dabei gehört die Wahlbecinflussung zu den iiitegricrerrdsten Bestandteilen der konscri vativcn Politik! Die„Krcuz-Ztg." gestand sogar, niemals hätten Konscr- vativc das geltende geheime Wahlrecht als unantastbar bezeichnet; nur zur Zeit wollten ste nicht daran rütteln.(Hört! hört! links.) Rur mit Hilfe der Wahlbecinfluffungcn behauptet die konservative Partei noch ihre Vorherrschaft, die augcsichts der fortschreitenden Jirdustrialisiernug Deutschlands aber nicht mehr lange aufrecht erhalten werden kann. lBravo! links.) Abg. Haüßmanu-Böblingen lsiidd. Vp.): Die Vorlage bedeutet einen Erfolg der politischen Moral. Die Einwendungen der Herren von der Rechten waren ganz unberechtigt. Ich selbst habe als Wahl- Vorsteher und Beisitzer bei den württembcrgischcn Landtagswahlcn beobachten können, daß das in der Vorlage festgesetzte Verfahren sich durchaus cinwandsfrci vollzieht. Aach der Einführung dieses Verfahrens bei den württembergischen Landtagswahlcn ist wegen desselben auch nicht eine einzige öffentliche Beschwerde erhoben worden, ebenso- wenig hat dies Verfahren auch nur in einem einzigen Wahlprotest eine Rolle gespielt.,, die Ucber- zeiigung der hannovcraiiischen Wählerschaft und wir wcrdci, uns das Recht nicht nehmen lassen, dieses auch von dieser Tribüne aus zu dokiunenticrei,. Staatssekretär Graf Posadowskp: Auf die Worte des Frhrn. v. Schele-Wun Störs brauche ich nicht weiter einzugeheu, weil der Präsident bereits das gesagt hat, was gesagt werden mußte. Ich mache aber Herrn v. Scheie darauf mifmerksam, daß es außerordentlich gefährlich sein würde, solche Aeußcrungen außerhalb des Hauses zu rhu». Solche Tendenzen innßten den Frieden der Provinz vernichtcu, der Herr v. Scheie augehört. Abg. Dr. vo» CzarliiiSki(Pole): Wir erblicken in der vor- geschlagene» Aenderung des Wahlregleinents ivenigstenS den Versuch einer Besserung; deshalb werden ivir dafür stimmen. Ebenso werden wir für die Resolution Hodenberg stimmen. Damit schließt die Geilcraldistussion. In der SpecialdiSkusfion wird daS Wort nicht genommen und der Entwurf dm«, in der Gesaintabstinnnung gegen die Stimmen der Konservativen nnd der Reichspartei angcnomme». Mit der Mehr- heit stimmen drei konservative Abgeordnete. Die Resolution Hodenberg wird mit derselben Mehrheit a n g c n o»,>„ e>,. Hierauf vertagt sich das Hans. Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr. gesctz und Krankenkajsen-Novclle. Schluß 53/4 llhr. RechuuiigSsachcn, PhoSphor- Fur den Inhalt der Jnjeratc übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. 'Chcatcr. Mittwoch, den 22. April. Anfang?>/- Uhr: Opernhaus. Figaros Hochzeil. Tdianspielhaus. Im bunten Rock. Deutsches. Monna Am, na. Verltner. Alt-Scidelbcrg. Lesfing. Der blinde Passagier. Rcucs. Pcllcas und Mclisande. Refidenz. Luit!. Weste». Der Acttclstudent. Eentral. Gräfin Pepi. Thalia. Der Posaunenengel. Ansang 8 Uhr: Schiller O. lWallncr- Thcalcr.) Der lcdige Hos. Schiller Hl.(Fricdrich-Wilhclmstädl. Theater.) Der Probckaudidat. Vcllc-Zllliance. Pick und Pocket. Karl Weist. Ter Liebe Gebot. Vnntes. Die umkehrte Freit'. Hockeiijos.— Eglantinc und Lyskart. Luisen. Hamlet. Kleines. Rachtafiil. Tri,»»»». Die Notbrücke. <5asi»o. Elternlos. Frihchen und Licschcil. Specialilaten. Mriropol. Neuestes! Allerneueste«! Apollo. Der Gcsiudcball.«pccia- litäten. Wintergarten. Specialiläten. Reichs hallen. Slclliiicr Sänger. Passage-Theater. Spccialitätcii. Palast. Tie neueste Richtung. Spceialitälcn. Urania. Taiibcnftraftc 48/tS. Das Land Tirol. Jnvalidenstrastc S7,SÄ. Stern- warte. Täglich gcöfstict von 7 bis tt Uhr. Central-Theater gy Letzte Woche!"tzM Gastspiel dcrWienerOPercttcn-Geiellschaft. Heute und'.norgcn, abends 7'/, Uhr: iZräkin pepi. Freitag, 2i. d. M., abends 7'/i Uhr: zzy Abschieds Vorstellung."MS C 1 o■ C 1 o. Sonnabend, abends 7>/z Uhr: Unter Leitung des Hrn. Dir. Femiczy. Zum ei ftcnmal: Chineeioche Flitterwochen. Vaudcoille-Lpcrelle in l Akten von Talbot. l'kaNa-1'keatel'. Dresdeners»;. 72/73. Täglich 7'/, Uhr. 2er Ztasrnten-Ltigel. AusstattilugSpossc mit Ges. und Tanz ksnzpai-oilien. hrtiston-llevue. Ihielseder als Spreev ätder Amme. Soniitaquachiuittag 3>/. Uhr: Eharlevs Tante. Luisen-Theater. Hamlet, Prinz von Dänemark. Anfang 8 Uhr. Morgen: Die Maschinenbauer von Berlin.., Freitag: Zum erstenmal: Eine feste Burg Sonnabend: Die Geicr-Valll�. Sonntag. 3 Uhr: Königin Luise. Hieraus: Das Versprechen hinteru, Herd:— 8 Uhr: Eine sesle Burg. Montag: Tic Gcicr-Kallh. Urania. Taubenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr: Das Land Tirol. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. Gastans Panoptikum. Frlcdrichstr. 165. Mit seinen weltberühmten IMF" Wachsfiguren~WtS u. unzähligen andren Sehenswürdigkeit,, Kunstschätzon etc. Gr. Promenaden-Konzert. Neu! Cleo Otero, die interessante Rauch- und Sandmalcrir. Ken! RjUtia,4"Ä.?,""" ünlhropos, d"i£S0'e Und vieles andre. Passage-Theater. Anfan; Sonntags 3 Uhr. ' Wochentags 5 Uhr. Ende 11 Uhr. Oskar Klein (Tyll Eulsnspiegel). CakerWalk der echten Louisianas. Ganz Berlin zerbricht sich schon den dritten Monat den Kopf über Q A• die schwebende Jungfrau! Residenz-Theater Direktion: Sigmund Lautenburg. Abends Uhr:> Lutti(Leute). Schwank in 4 Akten von Piene Pebcr. Morgen»nd sclgcndcTnge: Lutti. Soimtagliachinittag: S ora. Frau R c i s c n h o s c r. Belle- Jllliance- Theater. Allabendlich 8 Uhr: „?ick unä Stocket". Schwant m. Ges. u. Tanz in 3 Alten. Schlager de» S.'Aktes: Im Sonnenbad. Der Duncancan. Cip- Clp. Donna Juana. Cake Walk. Massage-Terzett. Trianon-Thealer. Geergenstraße, zwischen Friedrich-„.Uiiioersitälsslraße. Abends 8 Uhr: Die Notbrücke. Llistspicl in 3 Akten von Fred Gresac und Francis dc Ereisset. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Die Liebesschautel._ Kleines Theater; Unter den I.hulcn 4.1. Anfang 8 Uhr. Nachtasyl. Schiller-Theater. tüchiller- Theater O. (Wallilor-Theatcr). Mittwochabend 8 Uhr: Der ledige Hof. Schauspiel in4Altcnv.L.A»zcngrubcr. Donnerstagabend 8 Uhr: Die guten Freunde. Freitagabend 8 Uhr: Die guten Freunde. Schiller-Theater S. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Der rrsdeltnudidat. Schauspiel in 4 Ausz. v. Max Dreher. Donnerstagabend 8 Uhr: Die Draut von TIcs»ina. Freitagabend 8 Uhr: Der ledige Hof._ Mit glänzender Ausstattung. Neuestes! Allerneuestes! Revue in 5 Bildern v..Tul. Freund. Musik von Victor Holländer. Emil liiomas a. G. Jose! Jossphi. Rcnry Bender. Frid-Frid. Flora Siding. Wini Grabitz, 300 Mitwirkende. Im dritten Bild: Eine Sitzung bei Anna Rothe. Grandioses Ballett. Anfang 8 Uhr. — Bauchen überall gestattet.— Neues Theater SchilTbanerdaiuiii 4 a— 5. Anfang 7>/, Uhr: PelleasundMelisande. Carl Weiss-Thealer. Groftc ltzrankfnrter- Straste 1Z3. 3>tg~ Letzte Woche!-tztzF Der Liebe Gebot. Anfang 8 Uhr. Morgen: Ter Liebe Gebot. Sonnabendnachm. 3 Uhr: Kinder- Borstellung. �äiiset und Grete!. vuntes Theater. llopnickorstrasse SS. Eglanline und Lysiart. Die umkelirte Freit. Hoekenjos. Apollo-Theater. Täglich mit stürmischem Beifall Cesinöeball, mit d. Spiritist Anna Rothe-Parodie. Ferner: 4 Madcaps.— Donatellis. Hein. Blank.— Cako-Walk.— Seidoms. Kilianys leb. Bilder.— Kosmograph. Bernhard Rose-Theater Badstraße 58. Mittwoch, den 22. April: Historisches Schauspiel in 5 Akten von L. v. Nedrritz. Ansang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: T»u». Sonnabend, den 25. April: Pcuefi; snr Qudvkg Wllppw. Onkel Bräsig. Casino»Theater Lothringerstr. 37. .Neu! Elternlos. Neu: Dir. Berg— Lilli Bchle als Uakswakk- Tünzcr. Fnlt�ehou u. Liiesrhcn otc. Ansang 8 Uhr, Sonntags 71/, Uhr. I « lIUMwlIv lllwMSVl* Direktion: Robert Dill. Bruiincnatraiise 10. Heute: Geichlofic». Donnerstag: Benefiz W. Schneider. Das Miiiilehep.Schögeherg Nad> der Vorstellung: Boneliz-BaM. Palast-Theater Burgstratzc 22. Früher: Feen-Palast. 8'/- Uhr: Lrig.-Schwank in 3 Akte» von Dr. v. Schweitzer. Alle Specialiläten neu! Mss Mary, Chansannetlc. Anita Stoer, nnis-cquiübr. Sport-Akt. Miss Darneil. athletische Spiele. Mite. Fata Fatau, Danse Imnincuse. Ansang 8 Uhr. Eutree 50 Ps. Reichshallen. erSäimer. U. a: Biihnengrössen und Anna Pole, das Blumenmedium. Tonncrslag, Sonntag und Montag: IlskFiuauuT rW MMxk Um. Nach der Vorstellung: Tau;-Kranichen. VcrciiiSbillctS gültig. pnlilkliniff'ür Hals-, Rasen rUilKIlnia und Ohrenkrankc ci öffnet. Brunnenstrasse 108, zwischen Aoltastrahe u. Humbaldlhain. AbcndS ö-S Uhr. 0r, Echtermeyer. Pantzer Brothers, Akrobaten. Ralph Johnstone, Bicyolist. She, die 4 Elemente. Renee Oebauga, Kaleidoscop-Tänz. Hoshi Tokio,.Tapanertmp�e. Charlotte Kara, CreolischeSangerin. Bachus Jacoby, Humorist. les Provengales, Französisches Gesangs-Quartett. Tille. Miette.Par. Strassensäng. 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Orts-Krankenkasse der lladler nnd Giedinaclier iw Berlin. Tonnerslag. de»:{0. April, abends 8>/. Uhr, Im VeUerkschattshaus«, engel-Uler lö, Saal III: General- Versammlung. Tagcs-Ordnung: t. Verlesung der Protokolle. 2. Bericht des Kassierers. >3. Bericht der Revisoren. 4. 2lb- öndcruna des H 39 dcS SlaiuIS. S. Verschiedenes.— Um recht zahl- reiches Erscheinen ersnchtj 7909 Nor Vorstund. llob. Schwillt. Vorsitzender Orts- Krankenkasse der Stadt Schöneberg. Sekannttnachung. 2lm Tonnerstag, den UU. April. abends X llhr, findet in LbstS Fest- sälen, hier, Meiningerstr. 8, eiue Ordentliche General-Versammluflg statt, zu welcher die Delegierten hier- durch ftalutenmähig eingeladen werden. Tagesordnung: t. Bericht über das t�eschästsjahr 1902 und 2lbnah»ie der Jahres- rechnung. 2. Wahl zweier Arbeit- geber und eines ZlrbeiinehmerS in de» Vorstand. 3. Befchlichsassmig über die vlnstellruig von Beamten. 4. Be- richterstattung über den zweiten all- gemeinen deutschen Krantenkafsentag. 5. Beschlutzfassung über die Regelung des 2lerzteverhalttnsscs in uusrer Kaffc. 6. Befchlnsisasiuilg über einen einheitlichen t'liistcllungsoertrag für die Beamten. 7- Verschiedenes. Schöneberg. den 48. r'lpril 1983. Ter Borstand. 973/2 «. Wöller, Ch. Franke, Vorsitzender. Schriftführer. Erlaube mir»um Quartals- 1 icchsel ans meine seit vielen tahren besl-h-ndc Möbel- und Zolsterwarcn-Ztzabrik ganz er. ebenst hinzuweisen. Das lahrc. nige Renommee, welches ich bei cm kaufenden Publikum feit reinem mehrjährigen Begehen eniesie. bürgt s»r sol'dc und aucrhasle 2lusführung meiner Saren.,.. Ein Meiner Sediich wird sie. ou meiner allseitig ait« rkannten Leistungs- sähigkcit übcrnjHfl zeugen and Polsterwaren-Fabrik n 12342* K Rosien Tapezierer u. Dekorateur 26Seliwetiterstr.26 an der Kastanien-Alleo. P atente besargt«nd verwertet gut und schür» patent-Bureau 8.Keichholdu.Co., Berlin NW., Uisenfr. 24. Auskunft kostenlos. 7722* Socialdemokraüscher Wahlverein für Charlottenburg. Donnerstag, den 23. April 1903, abends 8 Uhr, im„Polkshanse", Nosi«e«stras;c Nr. Leneral-Versammlung. Tages.-Ordnung: 250/5 1. Vortrag des Geiioffen Isr. Itorehurdt über: Ter sociakistische Gedanke und seine Bcrlvirkkichung. 2. Tiskuffion. 3. Bericht des Vorstandes, des Kassierers, der Revisoren und des ParteispcditcnrS. 4. Reu- wähl des Vorstandes und der Revisoren. 5. VcrcinSangclcgcnhciten. S!cuc Mitglieder lvcrden in der Versammlung ausgenommen. Zahlreichen Besuch erwartet Oer Vorstund. Deutsclier Metallarbeiter-Verband. Venvultiingsstcllc Berlin. Bureau: Engcl-Uscr 15, Zimmer 1— c>.— Fcrnsprc/Her: Amt VN, 353. Mittwoch, den 22. April 1903, abends 8l/a llhr: Konferenz der Vertrauensleute des Südens im Gcwcrkschaftshnuse, Saal I. Tonnerstaz, den 23. April 1903, abends 8'.. llhr, in den Ariiiiuhallcii, Koinmandantcnstr. 20: atler Schitittarbkitkr, Stduift fowif sämiticher in der Uettlll-Jnditstrie beschiistigttn Ardtitenttnen. T a g c o Q r d Ii u n g: I. Tic Guiwidlung des Kapitals. Rcsercnl: Llollegc Zldols BSuschid. 2. Diskussion. 3. Pcrbaudsangclcgenheitcn. 115/11 Zahlreichen Besuch erwartet Oie Ortsverwultung._ UW'MMV A<1,tn"g! Köslinerstr. 8. A,25—10.00, für Techniker v. 7,50-60.—. Brillen u. Hineenex. iachmannvch ongcvnstt. von M. I.no— lOM tvd/SdG«» M dS»»4»»�I» nnd d.uger itonipietter[* U'olinnngs-dlinriektnngen MVKLI-hiiiuz IM. Mfiarcir!.'* J. A. Partenheimer, Kaiser Wilhelmstr. 13a. Rollschinken... 75— 110 Pf r"«n«f Hinterichinken.. 90-100 fetter Speck.. 05-08 magerer Speck. 70-7.'»„ Schlackwurst, Salami. TZ„ f. Leber-, Zungenwurst. 75„ Jagdwurst u. Braunschw. 75 Rotwurst u. Zwiebelwurst 48 Vr.Simrnel, Sp-cialarzt für((08/11- Hunt- and llurnlciden. 10—2 5—7. Sonntags 10—12 2—4. spoitbillig für elegante Herrenanzüge, Palelots, Kinder-Anzüge usw.* � TueblaliPilt-Nietlerlage Kocb& Seeland, Berlin C, Roßstr. 2. fr. Tchwciueschinken 55—00 Pf. 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Lokal- und Agitalionskoinmiffion. 4. Wahl von drei Delegierte» zur preußische« Partcilonsercnz. 5. Partei- und Vcreiiisangclcgcnhcitcn. Mitgliedsduch legitimiert. Zahlreiches Erscheinen erwartet Ter Borstand. Sa- liiindigk Wnhibmetiil k.ms-- befindet sich im keslauravt vtto tzüntzre!, hm\ III, 1296, 1. Eingang: Rosenthalerstr. 57. 3. Eingang: Gormannstr. 38. Borläufig geöffnet: Wochentags von 10 Uhr an, Sonn- tags von 10 bis 1 Uhr vormittags. 245/ Jede aus die Wahl oder den Verein gewünschte Ausluiist wird dort gern erteilt. Vereinipng der Maler. Tonncrstag, den 33. April, abends 8'/, Uhr. im Gcwcrkfchaftshansc, Engel-Uscr lö, Saal 1: NIHglisetaiMfonssmifilung. Tages-Ordnung: 1..Kassenbericht. 2. Bericht der Delegierten von der Gencralvcrsamm- kung. 3. Vcrcinsangclcgenbcitei!. Um rege Beteiligung ersucht t2>/9 Ble Brtsveraaltnng. wntmüi der Ucr Berlins imfl Imseseni. Donnerstag, den 33. April, abends 8 llhr, bei Zills, Köpnickcrstr. 137: General- Uerfammwug. __ Ohne Mitgliedsbuch lein Eintritt. 186/5 Zahlreiches' und pünktliches Erscheinen erwartet Uder Vorstand. Ileutseber ttoliarbelter-Verband. Heule, Mittweeh, abends 8'/, llffi-, im Gewcrkschastshause» Engel-User 15: Bertrauensmänuer- Versammlung für sämtliche Bezirke nnd Branchen. Tages-Ordnung: 1. Stelliiiignahmc zum I. Mai. 2. Bericht über den Stand dcS Maschinell- arbeit erslrcils und die AuSsperrungsbeschfüsse der„Holzindnstricllcn". 2. Wcrkstaitstrciks und Differenzen. PHT* Mitgliedsbuch nebst Harte legitimiert."VB Jede Werkstatt entseiidc Delegierte. Die Ortsverwaltung. Mittwoch, de» 22. d. M., abends 8 Uhr, im Gewertschaftshausc(Saal 7): vrallede»-Versammlung der karVellleger. T a g c s- O r d» Ii n g: I.Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Fritz Zubeil über: �Tie Holzzöllc. wie dieselben sich»ach dkm neuen Zolltarif gestalten und die Einwirkung derselben aus die gesamte Holzindustrie*. 2. Branchcii-Zlngcicgciiheiten und Verschiedenes. 3. Stellungnahme zum t. Mai. Ausgabe des neuen Statuts dcS Deutschen Holzarbeiter-Verbandes. Um zahlreiches nnd pünlllid>cs Erscheinen ersucht Ter Obmann. für den 6. Berliner ßeiehslans- Wahikreis. Todes- Anzeig©. Am Somiiag, den 19. d. Mts.,1 verstarb unser Mitglied Max Schwegerle Zldolsstrastc 8 an der Schwindsucht. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet beute, Mittwoch, den 22. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Eharrlö ans nach dem Eharitö-Friedhos, Müllerstpaste, statt. Uni zahlreiche Beteiligung ersucht l>er Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur?!achricht, daß der Kollege, Drechsler Uopold Kreutzer am 19. April an 2uiigc»IuberTlllose verstorben ist. 81/6 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. April, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Pantowcr Gemeinde- Friedhofes, Kommunitätionsweg, aus statt. Uni rege Beteiligung ersucht vle Ortsverwaltung. Am Montag, beu 20. April, vormittags 11 Uhr, verschied nach sicbcnwöchigcm Krankenlager Plötz- lich am Herzschlage meine liebe Frau Hosalie Müller. Beerdigung am Donnerstag 3 Uhr vom HcdwigS-KranIciihausc, Große Hamburgerstraßc, aus nach dem Eusabcth-Kirchhof, Prinzen- Allee. 809B Um stille Teilnahme bittet 0. Müller, Schönholzerstr. 17. Allen Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Tischler laUdNig Setzkorn am 17. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet statt am Mitlivoch, den 22. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Hannover- scheu Straße 6 nach dem Lazarus- Kirchhos in Withelmsbcrg. 13172 Für die vielen Bciocifc der Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsreS guten Vaters und Großvaters sagen wir allen Freunden und Bekannte», den Kollegen de» Deutschen Holzarbcitcr-Bcrbanoes und der Wortstatt von W. Appell unfein herzlichsten Dank. 13162 Familic Reinhardt. Reichhaltige Auswahl in ö und Pftnnlg-Elgarrtn, 'garantiert rein überseeische Tabake. Fmil Hllsclicr, Ackcrstr. 97,98. Eci'c Garteustraßc. ffttT" Bandwürmer mit. Kofis, frisch in Spiritus evenl. Wasser kaiiseu a Mk. 2,00 I.iniraca. Iiavalidcnstr. 105.* Central-Verband der Maurer etc. Zneigvereiu Berlin. Freitag, beu 24. April, abends Uhr, im Gewerkschaftshause, Engcl-Uscr Ar. 15: General-Bersammlung der Zahlstellen Berlins und der Bororte sowie der Sektionen der Putzer, Rabitzputzer und Cementicrcr. Tagesordnung: 1. Wabl des Vcrbaudsausschusscs. 2. Bericht vom Bauarvciterschutz-Kongreß. 3. Bericht vom Vcrbandstage. 4. Abrechnung vom ersten Quartal 1903. 5. Stellungnahme zum 1. Mai. In Anbetracht der wichtigen Berfaflimlung sqrdern wir die Mitglieder des Verbandes ans, zahlreich und pruiltlich zu erscheinen. 137/5* Mitgliedsbuch legitimiert— ohne dasselbe kein Eintritt. Vli Der Zwcigvrreins-Borstand. Achtung! Bauarbeiter Berlins u. Umg. Verband der Bau-, Erd- und gewerblioben Hilfsarbeiter Deutschlands. Zahlstellen Berlins nnd Umgegend. To»nt«g, den 20. April, vormittags 1« llhr, in Cohns Festsälen(groster Saal), Bcuthstraste Nr. lZrosse homhiuierie blllglieder-Vei'samwIung sämtlicher zum LoHugebret Kerlin gehörigen Uerbandsxnhtstelten. TageS- Ordnung: 1. Berichterstattung vom Baiiarbeilerschntz-KoNgrest. 2. Der Stand der Bcrhandlungcn mit den Arbeit- gcbern. 3. Stellungnahme zum t. Mai. 4. Wabl des r'lusschusscs. 5. Vcrbandsangelegenheiten. Kollegen! Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder erforderlich. Er» scheint deshalb alle in der Versammlung. Tie Versammlung wird pünktlich eröffnet. Verbaiidspapicre legitimieren: ohne dieselben kein Einlaß. 34/5 Tic Lohntoininisiion. I. A.: K. H e i d e m a u it. Stukkateure! Tonnerstag, den Ä3. April, vormittags ti» NHr. bei Franke, Sebastianstraste»9: WDT' Grosse Verfamnilung der streikenden.'�WK Tages-Ordnung: l. Der Stand unfrcr Bewegung. 2. Verschiedenes. 173/8 Die Streikenden iverdeN daraus ausmerliam gemacht, daß sür DoinierStag die Strcikkonlrollc nur von 9— 12 Uhr im Versammlungslokal stattsindct und daß am Freitag schon die Ouittungcn ausgehändigt werden zum Empsang der Strciluntcrslütziing. Zur glatten Erledigung der Geschäfte werden die Streikenden ersucht, daß die ' Streiknummcrn von 401— 500 in der Zeit von 1— 2Uhr „ 50t— 600„„„.. 2-3„ »„ 600 bis zu Ende 3—4. vle Sitrellthoininlsslon. Streilnummern von 1—)Ö0 in der Zeit von 9— 10 Uhr . 101-200,.,„(0-1 t ,. , 201—300.„„ 11— 12„ . 301-400„„„ 12-1.. sich zur AiiSzahtimg einfinden mögen. Warenhaus AWertheim ExtrasPreise Leipzlgerstr. 132—135(Versand-Abteilung). Rosenthalerstr. 27—29.— Oranienstr. 52—86. Mittwoch, Donnerstag, Freitag soweit der Vorrat reicht; Konserven Wachsbohnen Vi v. 38pi.V2D.23 Pf. Gemischtes Gemüse v3 d. 32 Pf. Bruchspargel I-/. d. 85 pr.„ 48 pi. Bruchspargel �f6e„ 60 pi,,, 35 pr Reineclauden„ 7 8 vi,„ 45 pl Melangefrüchte n 55 Pf. mit Steinen Stangenspargel"'VtS. 80« Stangenspargel II■/.°--- 65 ,,, � Stangenspargel III v b». 90 SO«■ Pfefferlinge 43« 28pf Mirabellen Pflaumen m?-ig und Zucker Vi Dose 63«■ 65 pi. pi. 75 Sardinen m oei>,.-0-° 32 Franz. Sardinen-w v. D--. /o« Qabelbissen d.,. 65« Krabben..-.% � 65 v. vo-e 35«. Lorned Deef>, v--« I.20 Amerik. Ochsenzungen dos, 4.30 Hk. Kolonialwaren Erbsen prima glasiert Grosse Erbsen. Kleine Erbsen. Grosse Linsen. Mittel Linsen.. Grosse Bohnen. Kleine Bohnen. Pfund 18 Pf. Pfund 1 4 Pf. Pfund 12 Pf. Pfund 17 Pf. Pfund 12 Pf. Pfund 23 Pf. Pfund 13 Pf. Eierschnitt-Nudeln plc�pf" 35 pf. Eierschnitt-Nudeln päT?™ 38 Pf. Maccaroni...... Pfund 32 Pf. Backobst Mischung I.. Pfund 42 Pf. Backobst Mischung II. Pfund 26 Pf. Ringäpfel...... Pfund 35 Pf. Türkische Pflaumen I Pfund 24 pf. Türkische Pflaumen II Pfund 20 pf Kaliforn. Pflaumen I Pfund 45 pf. Kaliforn. Pflaumen II Pfund 40 pf. Kaliforn. Pflaumen III Pfund 35 pf. Rangoon-Reis.... Pfund 15 Pf. Japan-Reis..... Pfund 18 Pf. Java-Reis I Piund27rf., II piund23 pi. Deutseher Kakao Pfund 1.05 Mk. Gebrannter Kaffee Costarica-Mlschung II...... Pfund 90 Pf. Guatemala-Misclumg III. Pfund l.os Feinste CoStarica-Mischung IV... Pfund 1.35 Ananas Pfund 7S Pf. In den Cigarren-Spezialgeschäften erhältlich: AS S I M- C I G A R ETT EN ÄÄ*: Georg A. Jasmatzi Akt.-Ges.•• Grösste Deutsche Cigaretten- Fabrik. Kleine Anzeinen, W- Wort /ei/, Worte inii mehr als JBB Jm Ul JM ä ää Ä w■r in de y 13 Buchstaben zählen doppelt, MA«M» V* Ameiffen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis/ Uhr, inder f/aupiexpedition Lindenstr. 69, bis 4 Uhr anffenommen. Verkäufe. Plätteret, slofic. mit Maschinen, billig «crfüitslich. Schäncberg, Eisenacher- ftiofee 51. 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Jnserate-ileil v-ronlw-rtlich- t'u Glocke in Berlin. Druck u. Verla»: Vorwärts Buchdruckerei und Bcrlagsanstall Paul Singer ch Co.. Berlin SV/. Achtung, Korbmacher! Der Zuzug ist streng fern zu halten von d. fiie sich zuvor unter Berufung aus uns bei Herrn Baumann, Lindcnstr. 13.— Agitation. Das erfahren Sie am besten durch Herrn Diminicf, Berlin, Luisen-Ufer 11.— G. B. 7. Verwaltungsstelle Berlin. Engel-User 15, Hauploorstans Köpnickcrstr. 32.— Hütte. Können wir nicht sagen. Fragen Sic an in der Redaltion der „Sächsischen Arbcitcr-Zcituiig", Dresden, Zwingerslr. 22. Juriftifcher CcU. Tie juristische Tvrcchftnnde findet täglich mit AllSnahmc des Sonnabend» bau 7lU bis O'/j tthr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. H. H. R. Der neue Vertrag ist nicht gültig.— Scharfer. 1. So wie die Rechislage nunmehr ist. lagt sich leider nur der Rat erteilen, lassen Sie die«ache ruhen. 2. Tie Post ist im Recht.— A. V. Ct. 150. Nach der Rechtsprechimg des RcichS-VcrsichcruygSamts hat die Novelle keine rück- wirkende Kraft aus vor deren Iiitigsttretcu ausgeklagte llnsälle.»Aber auch noch vor den srühereu Vorschristcn kann Erhöhung wegen wesentlicher Ver- schlechicrungeii beantragt werden. Der Antrag ist an die Bcrussgcnosscn- schalt zu richten. Gegen deren Entscheid ist sodann Berufung an das Schiedsgericht usw. zulässig.— H. Zt. So weit crjichilich: ja Richten Sie den'Antrag aus Gewährung an die Gcwcrbcdepulattoii.— I. Schramm. Der Brief ist an Sie am 17. April abgesendet, die Frage im„Vorwärts" am 2t. April nnlcr der von Ihnen gewählten Chiffre I. S. 2 beantwortet. — V. G. 1. Die gleiche Anfrage ist unter Beelitz Heilstätten 182 iin„Vor- wärlS" vom 2l. April beantwortet.— A. I. Der Wunder- Gewerbeschein lostet in Preugen 18 M., kaiin aber aus die Sätze von(5, 12. 18, 21, 36 M. ermäßigt werden.— N. A. Ja.— C. Nein. — K.. Hohenzollcr». Das'Jagdgesetz für Hohenzollcrn datiert vom 19. März 1992 und ist seit dem 1.'April in Krast getreten. In§ 29 dieses Gesetzes beißt es:„Wenn die bestehenden Iagdpachtocrträge der Bildung der in den KS 1 und 5 vorgeschricbeucn geniemjchastlichcii Jagdbezirke hinderlich sind, so treten sie mit dem 1. Slügust 1993 außer Krast.— G. Z. Lassen Sic sich vom Gericht eine vollstreckbare UrteilsauSfertigung erteilen und geben Sic dann dem Gerichtsvollzieher Ausirag zur Pfändung. — Follmcrl Ter Ztachbar hat, wenn die Sachlage sich so verhält, wie Sic sie schildern, kein Widcrspruchsrccht. Hat er eins, so hastet der Verkäufer dein jetzigen Besitzer. Dieser kann vollen Schadens- ersah oder Rückgängigmachung des Kauses verlange».— A. Nein. — Max. Barth u. I. V. 135. Nein.—®. 20. 37. Der Antrag ist an den Magistrat,'Abteilung für Invaliditätsoersicherulig, Breitestr. 21, zu richten.— Heinrich. Ja: S SlS B. G.-B.— Alfred. 1. Nach je süns Jahren taim nochmalige Leistung des LffeiibarniigSeides verlangt werde». 2. Sie leben außer Gütcrgemcinschast. Zweckmäßig ist es, vor der Heirat (gcrichliich oder notariell) jnncii Ehevertrag zu schließen. Ein Beispiel für einen solchen finden Sic S. 225 Nr. 22 des dein'Arbcttcrrccht beigesügten Führers. Das Buch liegt in den öffenttichen Ucsehallen aus.—<5.(c. 83. Änerkennen Sie vor dem isiandeSbeamten. der die Geburt eingetragen bat, Ibrc Vaterschast iiud beantragen Umschreibung des Namens. Sie können auch eine gerichtlich oder noiariell beglaubigte'Anerkennung abgeben unb ans Grund dieser die Umschreibung bcantraqcii.— H. u. K. 50. 1. Nein. 2. Dort bcsindet sich eine Volks-Badc-'Anstalt und der Neubau sür das Märkische Museum. Sie scheinen eiilen Teil des letzteren zu mciiicn. — W. Z. Die Leihanstalt ist nach§ 7 des preußischen Gesetzes vom 17.13. 1881 verpflichtet, Ihnen gegen Zahlung des Darlchns und der Zinsen sosort daS Psand herauszugeben. Lehnt sie es ab, so klagen Sie beim'Amtsgericht oder beschweren sich zunächst beim Ministerium.— G. 257. 1. Nein, es müssen mindestens 299 Marlen geklebt sein. 2. Nein: die vierte Karte ist ungültig, weil sie nicht innerhalb zwei Jahren umgetauscht ist. 3. Ihre Mutter soll sich eine neue Karte ausstellen lassen,«ie beschästigen sodann Ihre Mutter im Haushalt als Auswärterin, Kiiiöcrwärtcrin oder dergleichen gegen Entgcld und sorgen dasür, daß nunmehr geklebt wird.?lndcrs ist nicht zu Helsen.— Gumbert 25. Wird der Lffcnbarungscid nicht geleistet so tarn, der Schuldner bis aus die Dauer von längstens 6 Monaten in Hast genommen werden. Durch Leistung des OssenbaningSeides geht keineswegs das Wahlrecht verloren.— M. F. 23. Aus unbestimmte Zeit vertagt. Witterungsüberficht Dorn 21. April 1003, morgens 8 Uhr. Stationen Ii Swinemdc.— Hamburg 7Z9WSW Berlin j 751WZW Frankf.a.M. 75S!S München! 7öösSW Wie»|7öf)S Detter l.halb bd IRcgen Lbedcckt 3'hciter l Nebel !SSt W Stationen Haparanda Petersburg Cork Abcrdecn Paris n 3 K« 751 ONO 751 Settel 1 bedeckt 2 bedeckt f11. gl» HS, Wetler-Proguose für Mittwoch, den 22. April 1003. Zunächst aujllarend, am Tage wärmer bei mäßigen südlichen Winden: später neue Trübung und ctivas Regen. Leipzijerstrasse 46—49— Krausenstrasse 46—49 Mittwoch, Donnerstag, Freitag kommen die angesammelten Kleiderstoff- Seidenstoff- Waschstoff- Banmwollwaaren- Bänder- n. Spitzen- Reste ii Coupons Darunter: {Insenconpon nur moderne Muster, 2 Mtr., doppeltbreit l15 Einzelne Roben gute Stoffe, 8 Mtr. sehr hillig zum Verkauf 3 50 'stzerantwortlicher Rcdacteur: Carl Seid w Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei und Verlagsanstail Paul Singer& Eo.. Berlin SW.