Nr. 94. flbonnemcnfS'Btdingungen: WonnemcMs> Preis pränumerando! Biertcljährl. ij,Z0 URl., monatl. 1,10 mtl., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfz. EonntagS- nummct mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnenient: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in der Post-ZeitungS- Preisliste für ISVlt unter Nr. 8S0Z. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland S Mark pro Monat. CridKlat täglich auBer montags. 20. Jahrg. Devliner VslktsOlÄkk. vi« InkerNsni-eedilh? deträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigcn 20 Pfg. „rltcine Hnzcigoi" jedes Wort B Pfg. fnur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derEzpedition abgegeben werden. Die Ervedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttagS geöffnet. Telegramm-Noreffe: „Socialdtindkrat Berlin". Centralorgcm der socialdemokratischen Kartei Deutschtands. keäsktion: SM. 68, I.inäensrrasse 69. Ffernsprecher: Amt IV. Str. 198». Expedition: SM. 68, Lindcnatraasc 69. Mernsvrelber: Amt IV. Nr. 1984. Centrum und Wahlrecht. Keine bürgerliche Partei ist zuverlässig in der Frage des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts. Nur aus Opportunismus bekennen sie sich noch nicht alle zur offenen Feindschaft. Die Freisinnige Volkspartci verleugnet das Princip des Reichstags-Wahlrechts dort, Mo sie die Macht hat: in den Gemeinden. Sie hat an manchen Orten das konimunale Wahlrecht verschlechtert, lehnt aber durchweg die Einführung des demokratischen Wahlrechts ab. Der Berliner Freisinn hat sich beispielsweise in Berlin für ein Census- Wahlrecht gegen ein allgemeines Wahlrecht aus- gesprochen. Die Nasionalliberalen haben oft erklärt, daß sie keinen Enthusiasmus mehr für das Reichstags-Wahlrecht hätten. Im preußischen Landtag haben sie sich sogar gegen die Einführung der geheimen Stimmabgabc ausgesprochen. Konservative und Freikonscrvative machen aus ihrer Gegnerschaft kaum ein Hehl. ES möchte scheinen, daß wenigstens das Centrum, die „Demokratie" der Kirche, in dieser Frage zuverlässig ist. Aber solcher Glaube wäre ein verhängnisvoller Optimismus. Das Centrum ist nichts andres wie der katholische Konservativismus, und die ihnl durch den Kulturkampf aufgezlvuugene Opposition war nur ein fremder Tropfen in ihrem Blut. Das Centrmu, heute das Rückgrat aller Reaktion, hat sich nur zu dem ge- wandelt, was es in Wirklichkeit immer gewesen ist. So hat auch das Ccntrum principiell die gleichen An- schauungen vom Wahlrecht wie die Konservativen. Die Ultra- montanen sind grundsätzliche Gegner des Reichstags-Wahlrechts und Anhänger eines ständischen Systems. Wir haben das kürzlich— in Nr. 80 und 32 des„Vorwärts"— z. B. an Aeußeruugen Hitzes nachgewiesen, und die klerikale Presse schwieg diesen Nachweis entweder tot oder versuchte ihn durch ablenkende Redensarten zu verdunkeln. Das ablehnende Ver- halten des Ccntrums im preußischen Landtag und im Reichstag gegenüber der Forderung der gleichen gerechten Wahlkreis- cintcilung ist ja eine genugsam aufklärende Thatsachc. Der Abg. Gamp hat am Dienstag bei Beratung des „Kloscttgcsetzes" auf eine Aeußerung Wiudthorst gegen das geheime Wahlrecht hingewiesen. Das war vor 1870. G e- r a d e Windthorft aber hat nach 1870 einer Zlns- dehnung des Reichstags- Wahlrechts auf Preusten energisch mit klugen und durchschlagenden Gründen das Wort geredet. Das Centruni hat dann erst mit dem Beginn der Schutzzollpolitik und insbesondere der Ausbildung des Systems der indirekten Steuern itn Reiche eine wesentliche und weittragende Schwenkung in der Wahlrechtsfrage vollzogen. Wie schon hervorgehoben, sind ebenso wie die Kon- scrvativcn auch das Centrnm auf ein ständisches Repräsentativ- systcm principiell eingcschworen. Eine Partei, die so sehr in der Vergangenheit lebt wie das Centruni, die in„Ständen" den natürlichen Ausdruck und Aufbau des ganzen Gcsellschafttzkörpers sieht, kann in der Theorie gar keinen andern Standpunkt einnehmen. Daher treten alle konservativen und klerikalen Staatsrechtslehrer ohne Aus- nähme für dieses„naturrechtliche" System, auf das sie ja auch von Centrumsseite im Parlament häufig verwiesen worden sind, ein. Zugegeben wird dabei, daß die liberale kapitalistische Wirtschaftsära die Stände alten Schlages zerschlagen, die- selben in ihre„Atome" aufgelöst hat. so daß eine ständische Verfassung zwar für den Augenblick unmöglich, als Ziel jedoch festgehalten werden müsse. Die Frage, welches Wahlsystem in der Zwischenzeit bis zur Erreichung dieses Zieles in Wirksamkeit zu setzen sei. ist damit vollständig auf die Grundlage des nach Ort. Zeit und Umständen „Erforderlichen" und„Geinäßen" des Opportunismus gestellt. Die eigne Haltung des Centrums in der Frage des Wahlrechts bestätigt dies durchaus. Es war am 26. November 1873, daß im preußischen Abgeordnetcnhausc der Antrag Windthorst auf Einführung »ei allgemeinen direkten Wahlrechts mit geheimer Ab- stimmung in Preußen zur Beratung stand. Aus der Be- gründung. die Windthorst seinem Antrage widmete, sind die Sätze gerade jetzt bedeutsam: „Ich halte dafür, daß das im Deutschen Reiche bestehende Wahlrecht richtiger und gesunder ist, als das in Preußen be- stehende Wahlrecht mit dem Dreiklassen- System indirekt mit öffentlicher Abstimmung. Damit behaupte ich aber nicht, daß das allgemeine, direkte Wahlrecht mit geheimer Abstimmung ideal, absolut, theoretisch das allein richtige und das vollkoinmenste Wahlrecht ist.... Nach meiner Ansicht ist mir möglich, nach den besonderen Verhältnissen des betreffenden Landes, nach der Ent- ivicklung, welche die Dinge in demselben und um dasselbe ge- nommen haben, festzusetzen, welches das für dieses Land relativ beste Wahlsystem ist. Ich persönlich nehme keine» Anstand zu sagen: Wenn es möglich wäre, ein alldeuffches, ständisches Wahl- recht zu haben, so wäre dieses das beste.(Hört! hört! links.)... Inzwischen, meine Herren, zu einem solchen Wahl- recht gehören eben ständische Grundlagen. Giebt es Staaten, wo diese sich noch befinden, so werde ich der letzte sein, dieselben anzugreifen; wo aber derartige ständische Grund- lagen nicht mehr existieren, wäre eS nach meiner Ansicht ktn inapter Versuch, ein ständisches Wahlsystem zu erstreben.(Hört! im Centrum.)... Es ist aber zudem ein großes schwerwiegendes Faktum eingetreten, vor dem wir die Augen nicht verschließen können: man hat in dem Staatswesen höherer Ordnung, welches über dem preußischen Staate steht, im Deutschen Reich, ein andres Wahl- shstem eingeführt, und ich halte es für unmöglich, daß, wenn in diesem Staatswesen höherer Ordnung ein so wesentlich ver- schiedcncs Wahlsystem existiert, in Preußen, in dem größten und führenden Staat Deutschlands, das abweichende statt- finden kann. Es ist notivendig, daß die Staaten niederer Ordnung den Impulsen folgen, die in dem Staate höherer Ordnung gegeben worden sind.... Jedenfalls wird niemals das Reich einen einzelneu Staat abhalten können, das Wahlsystem anzu- nehmen, welches der Basis entspricht, auf welcher es selber steht. Dazu kommt, daß wir in allen Staaten der Welt sehe«, daß es mit dem Beschränken des Wahlrechts nicht mehr geht.... Man mag sich sperren, wie man ivill, man Ivird auf die letzte Konsequenz koimnen müssen: wenn einmal die geschichtlichen Verhältnisie sich so gestaltet haben, daß die Vertretungen, welche bislang in dem geschichtlich ständischen Element wurzelten, nicht mehr möglich sind, daß man notwendig Neues wird schaffen müssen, so ist nichts natürlicher, als daß man auf die Uranfänge, auf die Urgrundlagcn der Gesellschaft zurückgeht(b. h. auf die breiten Massen des Volkes. Red. d.„V.") und dann erwartet, ob und wie diese Urgrundlagen der Gesellschaft selbstschöpferisch Neues und Besseres hervorbringen." Ganz in demselben Sinne äußerte sich Windthorst bei der zweiten Beratung des S ch u l z e- D e I i tz s ch s ch e n D i ä t e n- antrages im Reichstage.(Sitzung vom 2. Februar 1874.) „Man kann," führte er aus,„über das allgemeine direkte Wahlrecht sehr verschiedene Anschauungen haben, und ich begreife ganz vollkommen, daß es zu ernstem Nachdenken führt. Ich habe diesen Prozeß in mir selber durchgemacht. Ich hätte aus mir heraus das allgemeine direkte Wahlrecht wahrscheinlich nicht gegeben. Aber, meine Herren, es ist gegeben, und ich will den sehen, der es zurücknimmt!(Einige Stimmen links: Hört! hört! und Sehr gut I> Ich frage die Herren, wer ein solches Experiment machen wollte? Glauben Sie mir, diese Basis, welche für die ganze deutsche Reichsverfassuug von der preußischen Regierung gegeben worden ist im U e b e r b i e t e n dessen, was Oestrcich geben wollte, diese Basis, sage ich, wird festgehalten werden unter allen Uniständen." Trotz theoretischen Vorbehalts die schärfste Acccntuierung des Reichstags-Wahlrechts in der Praxis— das war die Stellung, die Windthorst und das Ccntrum in der Siedehitze des Kulturkampfes einnahmen, als auch die Konservativen ihnen auf kirchenpolitischem Gebiete als geschlossene Gegner gegenüberstanden. Aber es kam die Zeit, da ohne das Ccntrum im Reichstage eine Schutzzollpolitik sich nicht durch- führen ließ, da das Ccntrum es als sein Verdienst in Anspruch nahm, von jeher den Gedanken des Schutzzolls vertreten zu haben, und auf sein Verhalten in der Frage der Eisenzölle hinlvies(Reichstag, Generaldeb. üb. d. Zolltarif 8. Mai 1879); da es sich als den Liquidator im nationalliberalen Reichskonkurs bezeichnen und Windthorst es der„Logik der Thatsachen" überlassen konnte,„daß der Gang, den wir aus innerer Notwendigkeit, die in der Sache selbst liegt, gehen, Einfluß haben mußte auch auf andre Gebiete"(Reichstag, 2. Beratung des Zolltarifs, 9. Juli 1879); da es sich darum handelte, die die Besitzenden belastenden direkten Steuern in den Einzelstaaten herpbzuschrauben, um statt deren die in- direkten Steuern im Reich zur Finanzbasis zu machen, und Windthorst ini Reichstag(8. Mai 1879) nicht Anstand nahm zu erklären, daß er„in der Tendenz, die direkten Steuern in indirekte zu verwandeln oder durch Einfiihrnng indirekter Steuern die direkten zu vermindern, mit dem Reichskanzler einver- standen" sei. Aus eben jener Zeit datiert das erste„ver- dächtige Zusani in engehen des Centrums mit den Konservativen" und schon damals konnte Wiiidt- Horst das zukünftige Bündnis zwischen beiden Parteien mit den Worten proklamieren: „Ist dieser(Kulturkampf) beseitigt und wir können dann mit den Konservativen gehen, so wird uns das eine herzliche Freude sein.(Hört!)... Ich bin der Meinung, daß nach dem Lauf der Dinge der Pendel der großen politischen Uhr, welcher bisher sehr stark nach links schlug, jetzt mehr nach rechts schlägt, und ich will hoffen, das er nun das richtige Gleichmaß hält, damit nicht demnächst wieder ein Schlag nach links erfolgt."(Reichstag, S. Juli 1879.) Hand in Hand mit dieser veränderten innerpolittschen Stellung, die das Centrum zu guterletzt zur ausschlaggebenden Partei im Reiche machen sollte, ging aber ein nicht miß- zuverstehendes Abschwenken in der Wahlrechtsfrage. Nach dem ersten Jahre der Schutzzollpolitik lesen wir in den Reden der CentrumSführer nichts mehr von derartigen Auslassungen zu Guilsten der allgemeinen Einführung des Reichstags-Wahl- rechts, wie Windthorst und mit ihm insbesondere Ketteler während und vor dem kirchenpolitischen Konflikt sie mit Emphase gefordert haben. Im Gegenteil, derselbe Mann, der in Preußen das Reichstags- Wahlrecht eingeführt wissen wollte, läßt nachmals in der Wahlrechtsfrage Anschauungen vernehmen, die mit denen seiner einstigen konservativen Gegner geradezu identisch sind. Man lese nur, wie er am 12. Mai 1882 bereits im Reichstage bei der ersten Beratung des Reichs-Tabakntvnopols im vollsten Gegensatz zu seinen früheren Aenßerungen, charakteristischerweise jedoch in Ver- bindung mit der Frage der indirekten Stenern sich ausließ. „Im Gegenteil." sagte Windthorst bei dieser Gelegenheit,„wir find durchaus der Meinung, daß es im höchsten Grade Wünschens- wert ist, das Maß der indirekten Stenern zu erhöhen, um auf diese Weise die direkten Steuern in einem richtigeren Verhältnis. als es zur Zeit der Fall ist, zu ermäßigen. Wir sind der Meiming, daß mit aller Macht dahin gestrebt werden muß, die untren Volks- klaffen in Bezug auf die direkten Steuern nach Möglichkeit zu entlasten. Dieses hat jedoch— nach meiner persönlichen Ansicht— nicht so zu geschehen, daß diese Klassen überhaupt ganz von den direkten Steuern befreit werden, weil ich fürchte, daß durch solche völlige Besieiung eine erhebliche Rückwirkung auf das ganze Wahl- systcm herbeigeführt werden würde.(Zuruf links.) Wenn der Herr Kollege Rickert das näher zu wissen wünscht, so will ich privatim das nähere darüber mit ihm erörtern. Hier kann ich schon bemerken, wie ich überzeugt bin, daß auf die Dauer daS Wahl- recht in einen direkten Zusauimcnhang mit der Steuer gebracht werden muß; und ich Pflege nicht meine politischen Erwägungen von dem Augenblicke allein herzunehnien, sondern ich schaue auch ein klein wenig in die Zukunft." Wenn man will, können diese Worte in ihrer Allgemein- hcit sogar Census Wahlen zum Reichstag bedeuten. In der oben erwähnten Abgeordnetenhausrcde vom 26. No- vember 1873 freilich hatte Windthorst das Geld als das „destrulkrivstr Element" bezeichnet und den Versuch„das allgemeine Wahlrecht durch den Geldbeutel zu korri- gieren als„den alterbedenklichsten, den man machen kann". Das aber sind doch Widersprüche in der parlamentarischen Praxis, wie sie greller nicht gedacht zu werden vermögen. Wenn das Centrum bis heute sich noch zu keiner Aende- rung des Wahlrechts entschlossen, so liegt die Erklärung hier- für in der Rücksicht auf die katholischen Arbeiter, deren Be- deutung fiir den nachmaligen Gang des Kulturkampfes Windt- Horst auf dem sechsten katholischen Arbeiter- Verbandsfest zu Dortmund(1886) wie folgt charakterisieren konnte:„Diese Worte richte ich, tvie ich weiß,' an eine Versamm- lung, deren bei weitem größte Zahl dem Arbeiter- stand angehört, und ich nehme die Gelegenheit gerne wahr, diesen unsren Brüdern ganz besonders Dank zu sagen für die kräftige Unterstützung, welche sie uns bisher geleistet haben. Es ist Ihnen... oft nicht leicht gemacht worden, der Fahne des Centrums zu folgen, aber Sie haben mannhaft ausgchalten trotz der Entbehrungen schlimmster Art. Das wird Ihnen nie vergessen werden. Die Geschichte wird einst sagen: Die katholischen Arbeiter in Preußen sind es an erster Stelle mit gewesen, welche den Kampf um die Freiheit der Kirche in Deutschland entschieden haben." DaS Centrum hat den katholischen Arbeitern seine Dank- barkcit bewiesen, indem es ihnen nach allem Uebcrschwang in der Militär-, Marine- und Wcltpolitik den Wuchertarif auf den Weihnachtstisch legte; es wird sich ebenso wenig scheuen, ihnen das Wahlrecht zu entreißen, wenn der Abfall in ihren Reihen fortschreitet und ftir die Existenz der frommen Partei bedrohlich scheint. Auf dieses Exempel>v erden die kommenden Reichstagswahlen die General- probe sein._ poUtifche Geberficbt. Berlin, den 22. April. » Demaskierung. Das Centrum fühlte sich in seinem christlichen Gewissen gedrungen, noch unmittelbar vor den Wahlen ein gutes Werk der Nächstenliebe zu thun. Die edle Partei, die im Reiche ausschlaggebend ist, bemühte sich redlich, ein wenig zur Auf- klärung derer, die da geistig arm sind, beizutragen. Wie durchsichtig fiir jeden auch nur halbwegs Wissenden die arbciter- freundliche Maske des Centrums doch schon seit langer Zeit gewesen ist, so fanden sich immer noch an der Oder, der Donau und dem Rhein unterschiedlich Tausende, die in rührendem Glauben an die socialpolitische Ehrlichkeit der ultra- montanen Partei den Kandidaten des christlich-katholischen Zollwuchers ihre Stimme gaben. Jetzt hat das Centrum selbst sich die Maske vom Gesicht gerissen, und sich als den Ver- treter profttgicrigen Unternehmertums enthüllt. Es ist mit der Partei, die sich auf ihren Ketteler noch eben so viel zu gute that, jetzt schon so weit gekommen, daß sie sich nicht nur von dem Grafen Posadowsky, sondern sogar von dem national- liberalen Fabrikanten Münch-Ferber, von dem Reichsparteilcr Pauli-Oberbarnim und— man denke, voo dem Dr. Oertel Belehrungen über die Pflichten socialer Hygiene erteilen lassen muß. Die Phosphoruckrose vergiftet ganze Arbeitergenerationen bis ins Mark; Graf Posadowsky kann, wie er in wirkungs- voller Rede hervorhob, den furchtbaren Eindruck nicht los werden, den er als Knabe von den bleichen und zerfressenen Gesichtern unglücklicher Züudholzarbeiter gewann. Aber das fromnie Ccntrum will lieber, daß die furchtbare Geißel der Phosphornckrose noch weiter über breiten Schichten der arbeitenden Bevölkerung geschwungen wird, nur damit einer Randvoll Unternehmern nicht ihr Profit geschmälert wird. !atürlich sind es in erster Linie die in der Centrumspartei einflußreichen süddeutschen Phosphorfabrikanten selbst, welche sich mit Händen und Füßen gegen das Verbot des Weißen und gelben Phosphors sträuben. Aber sie haben einen mächtigen Bundesgenossen in Dr. Pichler gestlnden; in dem Heerbann, den die besagte ultramontane Geistesgröße uin ihr schwefelgelbes Phosphorbanner sammelte, befand sich bezeichnenderweise auch Herr Gerstenbcrgcr, der laut eignem Geständnis es trefflich versteht, sein Schäflein ins Trockene zu bringen. Vor der Beratung des PhosphorMesctzes erledigte das KauS ein paar Rechnungssachen. Es kam zu einem kleinen Rededuell zwischen dem Abg. Dasbach, der gern in Kolonial- gegnerschaft macht, und dem Dr. Hasse, der sich klüglichcrweise auf die knifflige Frage der Rentabilität ostafrikanischer Bahnen nicht einlassen wollte. Bei dem entscheidenden Z 1(Verbot des Weißen und gelben Phosphors) sprach der nltramontane Interessent Schacttgen (Holzwaren-, Holzdraht(?)- Fabrikant), der von dem Phosphor nicht genug Gutes und von der neuen Schwieningschen Zünd- massc nicht genug Schlechtes zu berichten wußte. Er erzählte grausige Geschichten von Schwieningschen Explosionen und feierte in fast verzückten Ausdrücken die Vortrcfflichkeit der so leicht an der Hose zu entzündenden Phosphorhölzer. Auch die schwedischen phosphorfreien Zündhölzer fanden keine Gnade vor den Augen der phosphorbegeisterten Mannes. Und nun rückte Herr Pichler mit einem Antrage Heralls, der nichts mehr und nichts weniger wollte, als das verhaßte Gesetz in einer Versenkung verschwinden machen. Genosse Singer vereitelte kurz entschlossen das frivole Spiel. Mit wohlthucnder Wärme erklärte sich Graf Posadowskp, dessen verständige Ausführungen iviederholteu Beifall auch auf unsrer Seite fanden, gegen den Pichlerscheu Antrag, und gegen die natürlich von freisinnig-volksparteilichcr Seite eingebrachten Anträge auf Entschädigimg der armen Fabrikanten. Tie Ge- nassen Wurnl, Kramer lind Reißhaus unterstützten aufs wirksamste die Darlegungen des Staatssekretärs. Auch die Redner der andern Parteien erklärten sich für das Gesetz. Selbst vom Centnlm war ein Teil klug genug, die phosphorbegeistertc Mittelstandspolitik des Herrn Pichler nicht mitzumachen. Den freisinnigen Entschädigungsganl tummelte wacker der Manchester- gläubige Richter-Schüler Wiemer, während Herr Schräder von der Freisinnigen Vereinigung auch in dieser Frage einen der- ständigen Standpunkt einnahm. Das Resultat der langwierigen Beratung Ivar die An- nahnie der unveränderten Regierungsvorlage. Der Ent- schädigungsantrag Wiemer fiel ebenso wie der Berschleppungs- antrag Pichler und ein Verzögerungsantrag derselben Firma, der das Gesetz erst mit dem 1. Januar 1911 statt dem 1. Januar 1908 in Kraft treten lassen lvill. Leider fiel auch unser Antrag, der das Gesetz schon mit dci« 1. Januar 1905 in Kraft treten lassen wollte. Morgen steht die Beratung der Krankenkassen-Novelle aus der Tagesordnung.—_ Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus hat am Mittwoch in wenigen Stunden eine ungewöhnlich reichhaltige Tagesordnung erledigt. Zunächst nahm das Haus in zweiter Lesung die Sek undärbahn-Vor läge, sowie in erster und zweiter Lesung eine Reihe kleinerer Vorlagen an. Der Antrag Eckels(natl.) betr. die Reform des Enteignungs- g e s e tz e s wurde einer Kommission von 21 Mitgliedern über- wiesen. Der Antrag Dr. Langerhans(frs. Vp.) betreffend Abänderung des Gesetzes über die ärztlichen Ehren- g e r i ch t e, das Unilagerccht und die Kosten der Aerzte- kanuncrn zog der Antragsteller nach einer Erklärung des Rcgierungsvertrcters, daß dem Hanse in der nächsten Session eine entsprechende Vorlage zugehen werde, zurück. Den Schluß der Sitzung bildete die Beratung von Anträgen auf eine Reform des Einkommensteuer- Gesetzes. Es beziehen sich hieraus einmal der Antrag Kirsch(C.), der im Interesse der Hausbesitzer die Abzugsfähig- kcit der Gemeinde- Abgaben vom Grundeigentum, dem Bergbau und dem Gewerbebetrieb bei der Steuer- dekläration verlangt, und zweitens der Antrag v. W e n tz c l(k), welcher von dem Einkommen in Abzug gebracht zu sehen wünscht die gesetzlichen Beiträge für Landwirtschafts-, Handels-, Handwerker- und Gewerbekammcrn, die Beiträge für Melioratwns- und Entwässerungsgenossenschaften, soweit sie für Verzinsung von Schulden erhoben werden, und endlich die für landwirtschaftliche Schulden statutennräßig erhobenen Tilgungsbcträge, soweit sie der Verfügung des Schuldners entzogen sind. Die Beratung dieser Anträge, gegen die die Regierung erhebliche Bedenken hat, wurde vertagt. Am Donnerstag stehen auf der Tagesordnung Rechnungssachen, die zweite Lesung des Gesetzentwurfs bc- treffend die Vorbereitung zum höheren Verwaltungsdienst und die dritte Lesung der Setundärbahn-Vorlage. Das Wahlrecht der Masse». Die Wahlgeheimnissichcnnig hat den konservativen„Reichsboten" zu einem wirren Artikel getrieben, in dem allerlei Unsinn unklar� dnrcheinandergärt und aus dein nur eines sich klar herausschält: die Feindschaft gegen das RcichStags-Wahlrrcht. Zunächst scheint es, als wolle der„Reichsbote" sich mit der Wahlsicherung in leidlicher Miene abfinden, denn er fabelt wieder davon, daß es„keine größere Wahlbccinflussuug giebt als die durch den Terrorismus der Socialdeinokratie";„es gebe viele Arbeiter, die unter den, TerroriSnius der Socialdcino- Itatie seufzen oder jedenfalls lieber wirkliche Arbeiter als studierte Redakteure der socialdemokratischen Blätter wählen möchten." Gleich darauf aber offenbart der„Reichsbote" seine durch die entsetzensvolle Wahlsicherung stark geförderte Sinnes- Verwirrung, indein er als bedauerliche Folge des verstärkten Wahl- geheimnisses voraussagt,„daß die verschiedenen Interessengruppen sich noch viel mehr geltend machen als bisher, so daß also die Arbeiter innner mehr Arbeiter, die Handwerker nur noch Handwerker, die Bauern nur noch Bauern usw. wählen werden— und die Zahl der wissenschaftlich gebildeten Ab- geordneten immer mehr zusammenschrumpfen wird." Der„Reichs- böte" tadelt alsdann die von uns mitgeteilte Liste der vereinigten deutschen und polnischen Socialdemokratcn, die„ans lauter Arbeitern" bestehe. Solch unsinniger Widerspruch ist nicht der einzige in dem Artikel des„Rcichsboten". Die Wahlsichernng hat fürchterlich ge- wirkt. So Politisch gleichgültig nun aber die geistige Verwirrung des „Reichsboten" ist. so politisch beachtlich ist das einzig Klare, das sich noch aus der Umnachtung heraushebt. Die Wahlsicherung drängt das allerchristlichste, kircheneistigste, konservative Blatt zu diesem Bekenntnis: „letzter st wird es sich zeigen, was in dem gleichen, geheimen Wahlrecht st eckt.... WaS sollte aber werden, wenn die ungebildeten V o l k s in a s s c n, die gar nicht wissen, um was es sich handelt, sich ganz selbst über- lassen würde» und alleS ans ihre eigne Einsicht und guten Willen gestellt würde. Das aber will dieser Geheiinnisantraz.... Demgegenüber ist doch der einzige Trost für alle verständigen Mitglieder aller Parteien, daß anch das Klosettgchcimnis nur relativ bleibt und u»tcr dem Einfluß der Wahlagitation steht. Wird das Wahlgeheimnis aber wirklich die geheimen Gedanken derVolksmassen zum Ausdruck bringen, welche sich bei dem Fehlen der Wahlpflicht besonders geltend machen, so dürfte es sich bald zeigen, daß die gesunde Eilt- Wickelung deS Reiches mit diesem geheimen Wahlrecht überhaupt nicht vereinbar ist und daß eins fallen muß: entweder das Reich oder das geheime Wahlrecht. Wer die Entwickelnng der Dinge in den letzten Jahren mit ihrer rapiden Bcrmehrung der Socialdeinokratie betrachtet, der kann sich der Befürchtung, daß wir bald vor diese Alternative gestellt werden, nicht erwehren.— Ob die Regierung, die gleichfalls dieser Meinung ist, den Antrag gestellt hat, um diese Alternative herbeizuführen— lassen wir dahingestellt. Ans den Verstand und guten Willen dieser Wählermassen ist gar nichts zu geben, sonst könnten sie nicht Socialdeitiokraten, die dem Reich die Mittel seiner Existenz durch Ablehnung des Etats verweigern und gegen alle Arbcitcrschntz-Gesetze stimmten, als ihre Vertreter in den Reichstag wählen. Nichts illustriert so deutlich die Wahrheit des alten ErfahrnngS- satzes, daß die Weisheit und Wahrheit nicht bei der M a s s e i st. Ans diese Masse aber ist das Reich mit diesem Wahlgesetz gebaut, deshalb schnmcn wir uns gar nicht, zu gestehen, daß wir Gegner dessclbe» sind, weil wir glauben, daß es Unheil und Verderben für unser Volk in seinem dunklen Schöße trägt— und loir sind überzeugt, in allen Parteien find alle Bcr- ständigen derselben Meinuna, wenn sie dieselbe auch nicht ans- sprechen, und wie wir der Meinung find, daß wie alle Gesetze auch dieses Gesetz durch sich selbst seine Unhallbarkeit beweisen muß, ehe der Aberglaube der Massen davon zur Ueberzeugnng zu bringen ist." Das„Reich", fiir das der„Reichsbote' bangt und dem die Socialdeinokratie die Mittel der Existenz versagt— das ist freilich das Reich der kapitalistischen Herrschaft unter frommem Pastorensegen. Es ist das Reich-der Aus- nähme- und Znchthausgefctze, der Steuerbedrückung und der tausendfältigen Kultnrwidrigkcit. Dies Reich kann allerdings nicht ans die Dauer bestehen unter dein Regiment des allgemeinen und gleichen und geheimen Wahlrecht. Dies Reich abzuschaffen und ein besseres Reich zu schaffen— das ist der Wunsch stets wachsender Volksmassen, der seinen trefflichsten Ausdruck findet im Reichstags-Wahlrecht. Es lohnt nicht, die Abstimmung zur Arbriterschntz-Gesctzgebnng, die ein Werk der Socialdeinokratie ist, wieder»»! zu besprechen. Es genügt festzuhalten das offene Bekenntnis, dessen sich der„Reichs- böte" nicht mehr schämt, daß die Konservativen das Wahlrecht, welches den Massen Einfluß und Bedeutung giebt, welches das ganze Volk zum Staatsbürgertnin erhebt, ingrimmig hassen und sv schnell als möglich beseitige» wollen.— DeutlcKes Reich. Wahlvorbereitungen. Das gesunde Rindvieh. In Simmern schloß ein Redner in einer VersanmiltzNg seine Rede mit folgenden Worten: „Auf dem HunSrück brauchen wir ein gesundes und kräftiges Rindvieh, dflß' rein ist von Maul- und Klauenseuche. Darum wählen ivir unsern bewährten alten Abgeordneten wieder." Der bewährte Abgeordnetc, der heilige P a a s ch e, ist leider nicht so gesund, wie der kühne Redner anzunehmen scheint; er leidet iin Gegenteil sehr stark an der— Maulseuche. Für Elbcrfcld-Barmen hat die Freisinnige Volkspartei Herrn Dr. Müller- Sagau als Kandidaten aufgestellt. Tie Vertrauensmänner der Kartellparteien(konservativ und nationalliberal) im sächsischen Wahlkreise A n e r b a ch- K i r ch b c r g haben in einer Versammlung dem Vorschlage ihres Ausschnises zu- gestimmt und beschlossen, die Kandidatur des Grafen Horns- b r o c'ch zu unterstützen, der also damit offizieller Brotivncher-Kartell- kandidat wird. Im Wahlkreise Pirna hat eine Vertrauensmänner-Versammlnng der Freisinnigen Vollspartei am Sonntag den Bezirksschullehrer H. Beck, den Vorsitzenden des Freisinnigen Vereins in Dresden, als ReichstagS-Kandidaten aufgestellt und dieser hat die' Kandidatur angenonnnen. Ein Eeiitruuiskanbidnt. In einer Versammlung der Bauern- bündlcr in R e g e n s b u r g kani einer der bündlerischen Redner, Herr Burckhardt, anch auf die Kandidatur des Herrn Barons v, Pfetten im ersten oberpfälzischen Wahlkreise zu sprechen und be- merkte dabei,„daß der Kandidat von dem Wohl und Weh des Mittel- und Bauernstandes nichts lvisse. Hiniderte von Rehböcken ivägen das Leben eines Menschen nicht ans, aber der Kandidat des Centrnms habe wegen eines elenden Hasen zwei Bauern erschossen und zwei Familien ihres Ernährers beraubt. Dessen nngeachtet heiße es im Centrnni: Jetzt haben wir einen, der beichtet alle acht Tage und geht nachmittags in den Rosenkranz.„Wenn nur damals," fügte Redner hinzu,„der Herr Baron in den Rosen- kränz gegangeii wäre, dann lebten heute noch zwei brave Familien- Väter." Im ersten welnmrischen Wahlkreise(Weimar-Apolda) haben die Konservativen dem Bündlerkandidaten Zieh» einen Kandidaten in der Person des Regiernngsrats Dr. H e i d e n r e i ch entgegengestellt, der als technischer Beirat der landwirtschaftlichen Abteilung im groß- herzoglichen Ministerium thätig ist. Die Genossen des Anitationsbezirks Mülhausen(Elsaß) stellten in einer Konferenz endgültig die Kandidaten für ihre drei Wahl- kreise aus. Es kandidieren für Mülhausen L. Emmel. Kanfinann und Gemeinderat in Mülhausen, für Gebweilcr Joseph B u ch e r, Milchhändler und Gemeinderat in Gcbweiler, für Altkirch-Thann Joseph Gsell, Metallarbeiter, Genicinderat in Mülhausen. Militärische Wahlbehindermig. Wie berichtet wird, sind anch im Bereich des IX. Armeecorps für die W a h l z e i t R e s e r v e ü b u n g e n angeordnet. Da nicht anznnehmcn ist, daß die Militärbehörde die Absicht verfolge. Wahlberechtigte an der Ansübnng ihres StiinmrechtS zu hindern, so läßt sich diese Anordnung nur aus der inzwischen der- eitelten Absicht erklären, die Wahlen schon im Mai stattfinden zu lassen. Nachdem dieser Plan aufgegeben, sollten die Militärbehörden dcni neuen Termine Rechnung tragen»nd die Rescrveübnngen verschieben. Auch die„Deutsche Tageszeitung", die freilich ein er- hcblichcS Interesse daran hat, verlangt eine Abänderung und er- klärt, es Iväre durch nichts zu rechtfertigen, wenn den wahlberechtigten Reservisten und Landwehrleutcn die Möglichkeit ge- nonnncn würde, an den Haupt- oder Stichwahlen teilzunehmen. Wählerlisten-Wirrwarr. Die durch die bekannte gehennnisvolle, auf M a i w a h l e n hinarbeitende Weisung, die Wählerlisten schon vor Ostern fertig zu stellen, hat allenthalben zu großer Verwirrung geführt, obwohl „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", Engen Richter und Herr Brnhn von der„Slaatsbürger-Zeitnng" in feierlicher Gcincinschast den Beschluß gefaßt haben, daß die ganze Sache eine Erfindung und ein Reinfall des„Vorwärts" oder anch eine„Stichprobe" eines Berliner Magistratsdezernenten sei. In Hessen hat man,>vie erwähnt, die Weisung, abzuändern. Auch Preußen ist nach einigem Zögern gefolgt und hat sich entschlossen, die Frist für die Fertigftcllnng der Listen bis zum 10. Mai zu verlängern. Tagegen hat man in Oldenburg den geheimnisvollen, von irgend einer Berliner Instanz ergangenen Befehl nicht rückgängig geinacht. Dort liegen die Wählerlisten bereits— so wie es die Agrark'—arilla ursprünglich beabsichtigte— vom lö. bis 22. April ans. Das ist für Oldenburg besonders unangenehn� da dort, wie unser Banter Parteiblatt hervorhebt, derl. Mai Nmzugstag ist._ Bürdete schon die lleberhast der binnen kurzer Zeit fertig zu stellenden Listen den Gemeindebehörden eine große Arbeit auf, so wird durch die notwendig werdenden Berichtigungen, die bis zum 7. Mai zu erfolgen haben, eine neue Arbeit geschaffen. Außerdem müssen sich die Wähler eilen, die Nachtragimg rechtzeitig zu bewirken. Auch in O st e r w i e ck in der Provinz Sachsen hat die Komödie des doppelten Wahlterinins zu Irrungen geftihrt. Der dortige Magistrat aber erwies sich noch diplomatischer als der Berliner. Er hatte unterm 15. April verfügt, daß die Listen vom 17. bis 25. April ausliege» sollen. Unter dem 20. April nahm der Magistrat die Berfiigimg als„irrtümlich" zurück. Nunmehr werden die Wählerlisten vom 17. bis 25. Mai ansliegen.— Die Wahlsichernng. Die konservative Presse befleißigte sich zu« nächst, ihren Aerger über die Wahlsicherung einigermaßen zurückzu- halten. ES erscheint ihr besser, daß ihre Parteiführer sich hinter den K o u l i s s e n mit der Regierung, die diesen Streich gespielt, ans- einandersetzen. Aus der„Kreuz-Zeitung" ist zu erwähnen eine Bemerkung über die von uns schon gestern aufgewiesene Zweideutigkeit der Aenßerung des Grafen v. P o s a d o w s k y zu der Frage des öffentlichen Stimmrechts. Die„Krenz-Zeitimg" sagt, es sei„nicht ganz klar gelvorden, ob ein solcher Antrag(auf Ein- führnng des öffentlichen Stimmrechts) dem stellvertretendcil Reichs- kanzler erwünscht wäre oder nicht". Die„Kreuz-Zeitung" bemerkt dazu:„Es ist ja noch nicht vergessen, daß Graf Posadowsky seiner Zeit als Mitglied des Abgeordnetenhauses in nicht mißzuverftehendcr Weise die mit dein geheimen Wahlrecht verbundeneil Uebelftände darlegte." Offen üt ihrem Groll ist— außer dem an andrer Stelle citierten„Reichsboten"— die freikonservative„Post". Sie sieht in der geringen Verbessernng des Wahlrechts eine Fahrt.auf abschüssiger Bahn" und ergeht sich fleißig in der ihr beliebten Revolutions- malerei: „Wenn die bevorstehenden Neichstagstvahlen in manchen Fällen nicht nach den Wünschen der Regiernng ausfallen, wenn ins- besondere die socialdetnolra tische Fraktion eine beträchtliche Zliiiahmc und die Zahl der socialdemokratischen Wahl stimme n einen erheblichen Zulvachs erfährt, so ivird sich die Regierung das selbst in erster Linie zuzu- schreiben habe», und zivar wesentlich deshalb, weil sie ihre Stellung zu der Frage der Einführung von Wahlcouverts in einem solchen Momente uiid unter solchen begleitenden Umständen plötzlich ge- ändert hat, daß ihr Vorgehen als eine Konzession an die Social- deniokraten erscheinen mußte. Gerade in der Frage derStellung gegen- über den Socialdeniokraten ist aber jedes Schwanken, jede Konzession, ja nur der Schein einer Konzession von größtem Uebel. Damit führt man einer Bewegung, welche sich am letzten Ende gegen die Monarchie»nd den Bestand des Deutschen Reiches richtet. lediglich neue Kräfte zu. Daß damit die ohnehin schon starkesocialdemokratischeGefahx noch erheblich wächst. liegt ans der Hand, ilnd man könnte nur zu leicht, wie in der französischen RevolirtionSzeit, wieder die Erfahrung machen, daß. wenn man sich endlich zu einem energischen Vor- gehen e r in a n n t. der richtige Zeitpunkt vorübergegangen ist und die Kraft zur Eindämmung einer Bewegung, der man un- überlegter Weise zu weiten Spielranm gelassen hat, nicht mehr ausreicht." Wenn die„Post'-Prophezeinng des socialdemokratischen Wachs- tlinis, wie ivir erwarten, eintrifft, so hat die Scharsmacher- Reaktion also schon im voraus ihr Karnickel: Die un- zeitgemäße Aenderung des Wahlreglements durch die Re- giernng! Die Missethaten, welche konservative Politik jahrein jahraus dem Volke zilgcfügt hat, gelten für nichts. Die Regierung allein ist schuld, denit— sie hat einmal ctivas Vernünftiges gcthaii. ES ist seltsam: Wenn die Regiernng Zuchthausgesetze macht und Zollwncher treibt— die Socialdeinokratie hat den Gewinn: wcnii die Negierung Reformen giebt— wieder hat die Socialdeinokratie. den Gewniii! So verkünden es unsre Gegner.— Fünf Jahre gesetzwidrig im Reichstag. Ans der Wahlprüstnigs- Kommission des Reichstages wird uns berichtet: Wie ungenügend auch der Schutz des Wahlgeheiinnisscs sein mag. den das Pleniim des pteichstages an demselben Tage nach der bc- kannten Regierungsvorlage anziinehmen beschloß, einen Teil der Praktiken, wie sie am Abend in der Wahlprüstliigs-Kommission ziini letztenmal bezüglich der Wahl des Abg. Will im pommerschen Wahl- kreise Stolp einer Uiltersuchung iinterworfen wurde», beseitigen die neuen Vorschriften sicherlich. Die Kontrolle durch kenntlich gefaltete Stimmzettel spielte bei dieser Wahl eine geradezu ungeheuerliche Rolle— die Convertivahl vereitelt dies. In der Stadt L e b a Wurden aber ca. 50 Hafenarbeiter mit keinitlich gefalteten Stimm- zetteln bis zum Wahllokal geführt und konnten keinen Umtausch der Zettel vornehmen, da ja dann der Wahlvorstand und andre an- lvesende Personen den Umtausch hätten kontrollieren können. Die Aommisfion hatte in vorletzter Sitzung infolge eines Ver- sehens zweier Centrunismitglieder beschlossen, nochmals Erhebungen anstellen zu lassen darüber, lvie die Zettel gefaltet waren, aber die Mehrheit ging in heutiger Sitzung über den Beschluß hinaus und erklärte die Wahl Witts mit großer Majorität— nur zwei Konservative stimmten für die Gültigkeit, Hilgcndorf und Arendt— für»»gültig. Im Plcnnm wird es kaum noch z» einer Verhandlung über diese Schandtvahl kommen und so bleiben denn die Zeugnisse dieser Wahl- schände in den Akten des Reichstages vergraben. Vielleicht gräbt der eine oder andre Abgeordnete sie einmal aus, um Vergleiche an- zustellen, wie sie zu den unter den,»enen Wahlreglcmcnt sicher nicht ansbleibenden Wahlbeeiirflnssnngen stehen. Einiges haben wir ja zur Schande der junkerlichen Wahlmacher in jenem Wahlkreise der Oeffentlichkeit übergeben, es genügt zur Eharattcrisierung der boden- losen Ucberhebung und gesetzwidrigen Machenschaften hochadliger Geschlechter. Eharakteristisch ist auch, daß ein Slbgcordneter das Mandat nicht niederlegt, trotzdem er die bei seiner Wahl vorgekomniencn schänd- lichen Praltiken kennt. Will hätte längst hinausgeworfen werden sollen ans dem Reichstage.— Mariueseh» sucht»ach der Bcllevuestraße. Dem Reichstag ist soeben ein Nachtragsetat von 6 533 400 M. an einmaligen Ausgaben des außerordentlichen Etats zugegangen. Der Etat bucht eine Einnahme von 4 533 400 M. als Erlös der Dicnstgrnndstücke des Reichs- Marine- Amtes Leipziger-Platz Sir. 13 und Boßstraße Nr. 25 und fordert zum Bail eines nenen Dienst- gebändeS für Gruiiderwerb usw. 5 633 400 M. Die Differenz von 1 100 000 M. soll auf Anleihe genommen werden. Das Marine-Auit nimmt das von» Reichstag eben erst ab- gelehnte Projekt in der Bellevnestraße auf. Diese bisher unerhörte, sofort wiederholte Vorlage einer eben erst abgelehnten Forderung beruft sich auf eine Verbesserung der finanziellen Be- dingungen. Die Besitzer des Grundstücks in der Bellevnestraße hätten das Objekt 387500 M. billiger gelassen. Außerdem hat Siemens u. Halske ein um fast eine Million erhöhtes Kails- angebot gemacht: 4 533 400 M, statt vordem 3 520 000 M. Diese scheinbare Erhöhung deS Angebots rednciert sich aber dadurch, daß das Marine-Amt bis zn», 30. April 1907 für Benutzung der Dlenstgebäude jährlich an Siemens u. Halske 180 000 M. jährlich Miele zahlen soll, während n, dein früheren Angebot in i eis freie Benutzung eingeschlossen war. Der Reichstag wird gut thun, die Forderung nochmals ab- Ziilchneu. Das nächste Mal werden dann wohl die Bedingmigeii noch günstiger werden. Oder werde» dem Ccntrmn für den Palast in der Bellevnestraße— die Jesuiten geliefert?— Zur zweite» Lesung der Krankenkassen-Novellc stellt die social- demokratische Fraktion des Reichstages eine größere Zahl von An- trägen zu dein Zwecke, die Ztovelle von dem reaktionären Ballast zu befreie», mit dem sie entgegen ihrem angeblichen Zweck beladen ivordcn ist, Unsre Fraktion wird den Versuch machen, die Novelle so zu gestalten, wie es den Interessen der Versicherten entspricht, Von den Mehrheitsparteien wird es abhängen, ob das Kranken- versicherungs-Gesetz durch reaktionäre Bestimmungen seinem Zweck entfremdet werden soll,—_ Die Scekadetten-Ehre. Das„Kölner Tageblatt" erhält aus Cleve eine Zuschrift, wonach sich dort ein Seekadett gelegentlich seines Osterurlaubs gegen- über Soldaten ähnlich ausgespielt hat, wie in Essen der Hüssencr. Er stellte einen Einjährigen wegen des Grüßens derart zur Rede, daß ein Auflauf entstand i ferner pflanzte er sich breitspurig in der Thür eines Restaurants auf, um über die vorübergehenden Soldaten Be- sichtiglmg wegen ihrer Ausbildung in der militärischen Ehren- bezeugung zu halten, die er durch zahlreiche Anranzungen von Soldaten belebte. Auf einer andern Straße hielt er einen Soldaten, der sein Portepee übersehen hatte, an und zwang ihn, dnS vor- vorgeschricbene Houncur zwanzigmal auf offener Straße z» machen. Diese Vorgänge scheinen eine Mitteilung der„Rheinisch-Westf, Zeitung" zu bestätigen, daß die Seekadetten in Kiel von ihren Vor- gesetzten mit der Weisung entlassen seien, darauf zu achten, daß sie von den gemeinen Soldaten vorschriftsmäßig gegrüßt würden. Eine andre Lesart besagt, daß sich die jungen Scekadetten selbst das Wort gegeben hätten, jeden Soldaten zu stellen, der sie nicht grüße oder dessen Kleidung nicht vorschriftsmäßig sei, So entwickeln sich militärische Ehrbegriffe in Dummen-Jungen- Hirnen. Der von Hüssencr Getötete scheint also in der That das Opfer dieser Auffassung von Soldatcupflichtcn geworden zu ftin.— Interpellation über das Unglück auf der Grube Königin Luise. Der Centrumsabgeordnete L e t o ch a hat mit Unterstützung zahl- reicher Mitglieder der Ccntrumsftaktion folgende Interpellation im Abgeordnetenhausc eingebracht: „Am 2. April hat sich im obcrschlesischen Bergrevier aus der fiskalischen Kohlengrube„Königin Luise" ein großes Unglück ereignet, bei welchem 30 brave Bergleute in Ausübung ihres Berufes das Leben eingebüßt haben, Im Hinblick auf die dadurch im Kreise der dortigen Arbeiter- bebölkerung hervorgerufenen Beunruhigung richte ich an die kvnig- liche Staatsregierung die Anfrage: Was haben die bisherigen Nntersuchungen über die Ursachen des Grubenunglücks, lvelchcm so viele Menschen zum Opfer gefallen sind, ergeben und welche Maßnahmen sind getroffen oder geplant, um die Wiederkehr der beklagenswerten Unfälle thunlichst zu verhüten?"— Eiscubahntarif-Neform. Das„Dresdener Journal meldet: Da nach neueren Vorgängen die Wahrscheinlichkeit vorliegt, daß die be- teiligteu deutschen Regierungen demnächst in neue Verhandlungen über eine allgemeine deutsche Personentarif-Reform eintreten werden, hat das Finanzministerium beschlossen, die Durchführung der von sächsischer Seite geplanten Reformen bis auf weiteres auszusetzen, Dem Eisenbahnrate ist in der Sache eine anderweitige Vorlage zu- gegangen, wonach von einer Herabsetzung der Preise für einfache Fahrkarten abgesehen wird. Daher erachtet es die Regierung für angängig, eine Steigerung der Preise für Rückfahrkarten um die Hälfte des Preisunterschiedes zwischen den preußischen und sächsischen Rückfahrkarten, also um 6'/« Proz. der sächsischen Preise, eintreten zu lassen, Die sächsische Regierung beweist mit dieser Reform, wie sehr sie für die Freizügigkeit schwärmt; sie erschwert den Reisenden durch Verteuerung der Rückfahrkarten die Rückkehr an ihren Wohnort. In de» nnhaltischen Landtag waren bei der letzten Wahl im November v, I, vier Parteigenossen gewählt worden, unter ihnen zwei mit so knapper Majorität, daß der eine, Genosse Langhcld, mit nur einer Stimme Majorität und der andre. Genosse Redakteur Günther, bei Stimmengleichheit gar nur durchs Los gewählt war. Kein Wunder, daß die Gegner sich bemühten, die Wahlen ungültig zu machen. Und das ist bei dem indirekten Wahlsystem und der Un- sicherheit der Staatsangehörigkeit der Bewohner Anhalts gar so leicht. Ein Ortsvorstcher hatte eine Aufforderung, möglichst viele l ä n d- liche Wähler in die Lifte einzutragen, so verstanden, daß vor allem o r d n u n g Sp a r t e i l i ch e Wähler eingetragen würden. Und so hatte er"denn 18 Stich tanh altin er auch in seine Liste ein- getragen. Die liberalen Abgeordneten Artl und Cohn haben in Ge- meinschafi mit nuscrn Parteigenossen Pens, Günther und Langheld dies Verfahren im Landtage gebührend gekemizeichiict. Das Interessanteste ist, daß bei der Abgeordnetenwahl unser Parteigenosse Langheld als Wahlmann gegen die Gültigkeit der mit durch die Nichtaichaltiner gewählten Wahlmämier plädierte, aber mit dieser Auf- fassung gegen die durch den Wahlkommissar geführten Gegner mit einer Stimme unterlag, und daß dann, als trotzdem der Socialdemokrat Langheld gewählt wurde, die Gegner, nunmehr durch einen Pastor geführt, den Spieß sofort umkehrten und die Wahl mit derselben Auffassung unsres Genossen Langheld, die auch allein richtig'und jetzt auch vom" Landtag als richsig anerkannt ist, anfochten, die sie selber bei der Abgeordnetenwahl bekämpft hatten. Es ist begreiflich, daß diese edle Gewissenhaftigkeit im Landtag wie im Lande großes Auf- sehen erregt hat.< Doch damit lischt genug. Nach dem anhaltischen Wahlgesetz ist bei Ersatzwahlen, wenn der Landtag tagt, so zu verfahren, daß die übrig bleibenden gültig gebliebenen Wahlniänner den Abgeordneten wählen, ohne daß vorher für die ungültig gewordenen Wahlmämier neue gewählt werden. Die Wahlmäuner gelten eben für die ganze Legislaturperiode und nur im Falle der Auflösung des Landtages sollen, wie es ausdrücklich im Gesetz heißt, allgemeine Neuwahlen aller Wahlmämier stattfinden. Würde aber so verfahren, wäre n n n s die Mandate erst recht sicher, denn die ungültig ge- lvordcnen Wahlmänner sind gegnerische. Die Wahlprüftmgs- kommisfion erörterte auch die Form der vorzunehmenden Neuwahlen und cnffchicd, daß die Regierung ihrer Auffassung nach alle W a h l m ä ii n e r neu wählen lassen müsse. Und so entschied auch das Plciium. indem es eine Resolution Pens, die nach dem klaren gesetzlichen Wortlaut die Wahl durch die übrig bleibenden gültig gebliebenen Wahlmämier forderte, gegen die Stimmen unsrer Parteigenossen und der beiden liberalen Abgeordneten Artl und Cohn ablehnte. Die Frage ist aber vielleicht doch noch nicht endgültig entschieden, und möglicherweise besinnt sich die Rc- gserung noch anders, da bei einer andre» Wahl die Ungesetzlichkeit d es beabsichtigten Verfahrens auf das allerklarste noch mit andren durchschlagenden Gründen nachgewiesen werden kann.— Htidland. Der Zollwnchcr in Ocstreich. Dem Beispiele Deutschlands ist bekanntlich bald auch Oestreich gefolgt; auch hier soll der„notleidenden Landwirtschaft" durch hohe Zölle aufgeholfen werden. Die Zölle auf Weizen, Roggen, MeiS, Gerste, Reis. Mehl, Rindvieh, Schweine, Eier, Fleisch sollen um das doppelte, drei- und vierfache erhöht Ivcrdcn, früher zollfreie Nahrungsmittel sollen jetzt einen hohen Zoll erhalten. Desgleichen sollen eine Reihe von Jndustrie-Artikeln mit höheren Zöllen be- legt werden. Und dabei ist die Gesamtsumme der indirekten Steuern, welche eine fünfköpfige Faniilie jährlich zu zahlen hat. schon heute auf 240 Kronen zu veranschlagen. 30 Kronen entfallen davon jähr- lich auf das Brot; kein Wunder, daß der Brotverbrauch durch die indirekten Steuern und den allgemeinen Notstand in den letzten Jahren von 173 auf 149 Kilogramm pro Kopf und Jahr gesunken ist. Auch in Oestreich ist es fast nur die Socialdemokratie, welche energisch gegen diesen Raubzug auf die Taschen der werkrhäsigen Bevölkerung Front macht. Vergangene Woche wurde in ganz Oest- reich ein Flugblatt der soeialdemokratischen Parteivertrctung gegen die Brotverteuerung in l1/» Millionen Exemplaren verbreitet. Nirgends begegnete die Verbreitung des Ausrufs irgend welchen Schwierigkeiten; nur in Galizien erkannte man die Gefahr, die dem Staate drohte. In Krakau wurde das Flugblatt konfisziert und die Konfiskation vom Landgericht bestätigt, weil es augeblich die öffentliche Ruhe störe und zu Haß und Verachtung gegen die Staatsverwaltimg aufreizt. Wie», 22. April. Gestern abend fanden hier acht sehr zahlreich besuchte Arbeiterversaiiimliingen statt, worin gegen die Ausgleichs- vorlagen und die aus den neuen Zöllen drohende Lebensmittel- Verteuerung Stellung genonunen wurde. Mehrere socialdcmokratische Abgeordnete kündigten an, daß die Partei nach dem heute gefaßten Beschlüsse des Abgeordneten-Verbandes am nächsten Dienstag gegen die Verhandlung der neuen Geschäftsordniilig mit Obstruktion einsetzen werde, welche Mitteilung mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde._ Nachwehen des holländischen Streiks. Der Mißerfolg des Generalstreiks hat zu leidenschaftlichen Aus- einandersetzungen zwischen den Socialdemokratcn, die von Hans aus gcriugcreHoffmmgeiiaufdenStreik gesetzt hatten, und den anarchistischen Elementen geführt. Die Erörterungen fanden Ivährend der Osterfeiertage statt auf der Konferenz, zu der das Abtvehrkomitee die Vorstände der ver- schiedenen Gewerkschastsorganisationen eingeladen hatte. Die gegen- sätzliche Auffassung tritt denn auch in zwei M a n i f e st c n hervor, die dieser Tage die Socialdemokraten und die Anarchisten veröffent- licht haben. Die Kundgebung des Parteivorstaudcs„An die Arbeiter" ver- breitet sich, wie unser Amsterdamer Korrespondent mitteilt, über Ursprung und Bedeutung des Generalstreiks und das Verhalten der Partei. Es wird das Verhalten der Anarchisten gekennzeichnet und die Arbeiter ermahnt, sich zu neuem Kampf zusammenzuschließen und zu neuer Organisation der Gewerkschaften In Anfang weist das Manifest auf den Erfolg hin, den der 31. Januar dieses Jahres durch den Sieg der Eisenbahner bedeutet und in der Geschichte des niederländischen Proletariats erhalten bleiben wird. Ein Beweis, daß die Arbeiter die Welt beherrschen können, wenn sie eines Sinnes sind. Lehrreich aber auch wegen des erbitterten Kampfes, der darauf von der besitzenden Klasse— mit Unterstützung eines- Teiles der Arbeiter— gegen die Arbeiter- bewegung geführt wurde. Nun werde die Bewegung— sowohl die neutralen Gewerkschaften als auch die Socialdemokratie— geschmäht und verhöhnt, Ivcil sie in der Notwehr gegen die Uebermacht der Gegenpartei die Niederlage erlitt, nachdem sie ihr ä u ß e r st c s g e- s c tz I i ch e s Mittel angelvendet hatte. D e r N r s p r u n g und die Bedeutung d e s S t r e i k S wird dann näher dargestellt. Es wirb auf die Zwaugsgcsctze hin- gewiesen, welche in keinem Laude in E u r o p ö» e st e h e n und die den Eisenbahn-Arbeiter zum Kuli erniedrigen.'Vollkommen gerechtfertigt, notwendig war der Widerstand gegen diesen Anschlag auf die Organisation der Eisenbahner und auf die ganze Gewert- schaftsbewegung. Die Regierung wußte, daß sie mit ihren Gesetzen cincn neuen Ausstand heraufbeschwor; sie wollte sichtlich einen neue» Streit hervorrufe», um durch cincn Sieg über die Arbeiter dir Nieder- läge vom 31. Januar zu rächen. „So ist der Ausstand vom 0. bis 12. April eine Folge gewesen des Treibens der Regierung, die den Krieg gewollt hat, um mit Hilfe der Direktionen die Eisenbabner-Organisation vernichten und der Gelverkschaftsbeweguiig im allgemeinen einen Strczch versetzen zu können. Die Verantwortung für den Schaden, den das Publikum durch den Ausstand erlitten hat und für das Halten der Milizen unter den Waffen, ruht auf der Regierung." Dann wird d i e S t e l l u u'g d er s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n Partei zum Ausstand behandelt. Man müsse bedenken, 1. daß die von der Regierung vorgeschlagenen Strafbeslimmimgeu die Arbeiter in ihrem Grundrechte treffen— in dem Rechte, über ihre eigne Arbeitskraft zu verfügen— und ihre unentbehrliche Waffe zu führen: den Streik; 2. daß der glänzende Sieg des Eisenbahnpersonals am 3t. Januar auch in unsern Kreisen ein beinahe unbegrenztes Ver- trauen in die Solidarität und die Standhafligkeit dieser Arbeiter hervorgerufen hat und 3. daß der Hauptvorstand der Eisenbahner- Organisation schon beim ersten Gerücht von drohenden Straf- bestiiiimilngen erklärt hatte, sich dagegen durch einen zweiten Streik zu wehren. Hierdurch war also die Belvegung gegen die Gesetze eine von Anfang an entschiedene T h a t s a cki e. Der Parteivorstand hat bereits durch seinen Anschluß an das?ib- wehrkomitec die Mitverantwortlichkeit für einen eventuellen Ausstand übernommen. Zivar ist unsrerseits stets darauf gedrungen, daß die Gelverkschaften selbständig den Beschluß fassen sollten; wohl haben wir. sowohl in den Haiiptvorstands-Versaminliiiigen lvie auch in unsrer Preise, warnend gesagt, daß es nicht möglich sei, selbst durch einen Generalstreik, die Regierung zu zwingen, die Gesetze zurück- zuziehen, oder die Kammer, diese zu verwerfen; auch wurde von unserm Partei-Organ, als die Beratung der Gesetze erst nach Ostern zu kommen schien und eine vorläufige lliitersnchung über die Stimmung im Eiseiibahnpersonal imgünstige Ergebnisse erbracht hatte, einem Ausstand gegen die Gesetze abgeraten—, aber über alles stand für uns die Solidarität mit den Arbeitern, die wir für keinen Fall im Stich lassen wollten. Dieser Kampf war uns auf- gedrungen; ein Proletariat, das sich ohne alle gesetzlichen Mittel der Notwehr zu benutzen, knebeln läßt, läuft Gefahr, all seine Rechte zu verlieren; hier stand nicht allein die Macht, sondern auch die Ehre des organisierten Proletariats auf dem Spiel; sollte auch der Kampf verloren werden,— wenn nur die Notwehr der Arbeiter träftig war, so würde die Bourgeoisie belehrt werden, wenigstens ein folgendes Mal ihre Hände davon zu lassen.—— Diese Erwägungen ließen uns beschließen, mit den andern_ Arbciter- organisationen den Kampf zu beginnen, selbst tvenn vorauszusehen war, daß die Anarchisten, die seit einigen Jahren in der GewcrkschaftS- bewegung eine unablässige Propaganda für den Generalstreik trieben, die Bewegung diesem Ziele dienstbar machen würden." Im weiteren weist daS Manifest darauf hin. daß diese sanarchistischcj Idee immer mehr in den Vordergrund getreten sei. „Allmählich ward es ein halbes Verbrechen, als Verrat oder wenigstens als furchtsame Schwächlichkeit angesehen, nicht an die Möglichlcit des Generalstreiks gegen die Gesetze zu glauben und davor zu warnen: Der Streik wurde bei vielen d a s Z i e l, anstatt ein Mittel, das nur in äußerster Not anzuwenden, um die politische Aktion der Socialdemokraten in der Zweiten Kammer kräftig zu unterstützen. Für sie war der Generalstreik nur ein Vortvand, um die Massen zum allgemeinen Streik anzuspornen und diese, politisch nicht geschult, begriffen nicht, daß der Ausstand keinen Ziveck mehr hatte, sobald die Gesetze angenommen sein würden." „Daher kam es, daß das Abwehrkoinitee, ivelchcs dem Drängen verschiedener Arbeitergruppen nachgab als es den Generalstreik proklamierte, diesen zwei Tage später nach Annahme der Gesetze wieder beendigte. Eine gut organisierte Bewegung hätte Eindruck gemacht, wenn man auf diesen Aufruf hin wie ein Mann wieder an die Arbeit gegangen wäre. Statt dessen beweisen die Arbeiter wenig Begriff von Organisation, indem sie denjenigen Gehör gaben, die„Fortsetzung des Streiks" predigten und diejenigen, die im rechten Augenblick den Aufstand aufhoben, des „Verrats" beschuldigten." Es werden dann die Bemühungen, die Doniela NieuwenhniS anwandte, um die mißtrauische Stimmung der Arbeiter gegen die Socialdcmokratische Partei und ihre Leiter für seine Zwecke zu be- nutzen und der Vorwurf zurückgewiesen, als habe die Partei es darauf angelegt, den Streik mißlingen zu lassen, um einen Beweis gegen die Gcneralstreiks-Jdce zu haben. Nicht„der Verrat" dieses oder jenen, sondern die Lauheit und das Entgegenarbeiten eines Teils der Arbeiter selbst ist Ursache, daß der Ausstand keinen größeren Erfolg gehabt hat.— lleberdieS ist deutlich geworden, daß die Leitung der Bewegung in Händen eines Komitees war. in dem einzelne Mitglieder erklärten, nur die Beauffichtigung andrer Mit- glieder zu bezwecken.— Die Anarchisten wirken nicht allein deshalb zersetzend auf die Arbeiterbewegung, weil sie diese hinlenken zu einer großen That wie den Generalstreik, ohne sie erst genügend zu organisieren und reif zu machen, um die Früchte einer solchen That pflücken zu können— ihr größter Frevel gegen die Bewegung ist wohl, daß sie stets Mißtrauen zu erwecken suchen.— Das Miß- trauen untereinander hat, wie das Komitee selbst erklärt, seine Aktion gelähmt." Nachdem dann darauf getviesen ist, wie gefährlich und schwierig solch ein allgemeiner Streik sei, werden die Arbeiter ermahnt, sich mehr als bisher auf dem Gebiet der P o l i t i k zu bethätigen, die von ihnen schon zu lange vernachlässigt sei, und den Kampf um das allgemeine Wahlrecht mit der Socialdemokratie zu kämpfen. Das Manifest endet mit der Frage„Was mm?" Die Antwort ist, daß die Arbeiter gegenüber den Unternehmern, die jetzt übermütig streben tverden sich von den ihnen lästigen Organisationen zu be- freien, diese gerade zu stärken und die noch Ausgesperrten und die gefallenen Schlachtopfer zu unterstützen haben.— Die Partei- genossen werden aufgefordert, zunächst ihre Kräfte den Gewcrk- schaften zu widmen und diese zu einer guten inneren Organisation zu verhelfen. Neben und außer den Gewerkschaften müsse die politische Organisation kräftig gefördert werden. Voll Mnt und Hoffnung könne dieser neue Kampf begonnen werden, da das nieder- landische Proletariat zwar keinen Sieg über die Unterdrücker, aber über sich selbst gewonnen habe. Auch die„niiabhängigcn Socialisten" lAiiarchisten) haben ein Manifest über den Generalstreit veröffentlicht, in dem die Social- deniokratifche Arbeiterpartei und ihre Führer des Verrats beschuldigt tverden, da es ihrerseits ein von vornherein feststehender Plan gc- Ivesen sei, den Generalstreik aufzuheben, sobald die Gesetze an- genommen seien. Das Recht hierzu wird nicht bezweifelt, aber niemals sei die Absicht, weder im Komitee noch in den Haupt« Vorstands-Versaminlnngen, von ihnen ausgesprochen worden. Die Hanptvorstände bingegen hätten ein solches Ziel nicht gehabt, sei doch selbst davon gesprochen worden, den Ausstand erst anfangen zu lassen in dem Augenblick, da die Ge- setze angenommen wären. Wäre die Annahme der Gesetze als Endtermin angesehen worden, nie hätten sie, die Anarchisten, sich in den Streik eingelassen, da er dann für sie ohne Zweck gewesen sei. Doch hätte sich trotz Militär, Polizei, und obwohl die„Ordnungs- bände" und alle Parteien sich gegen die Arbeiter verbunden hatten, das Princip des Generalstreiks als ein ausgezeichnetes Mittel zur Erlösung des Proletariats bewährt, da bereits eine grenzenlose Verwirrung in den wenigen Tagen entstanden sei. Man hätte die Forderung der Arbeiter< Zurückziehung der Gesetze) ganz bestimmt erreicht, wenn die Beratung noch ein paar Tage weiter ge- dauert hätte. Gegenüber den klaren Darlegungen der Socialdemokraten wirken die verworrenen Beschuldigungen und utopistischen Behauptmigen der Anarchisten sehr unerfreulich. Es wird im Jnteresie des nieder- ländischen Proletariats sein, sich zur reinen soeialdemokratischen Ein- ficht und Disciplin durchzuringen. Frankreich. Paris, 22. April. Alfred Drehfns hat a» den Kriegsminister ein Schreiben mit der Bitte um Eröffming einer Nntersuchung über das Schriftstück gerichtet. in welchem gesagt sei, daß er Dokumente an das Ausland gcliesert habe, und das eine angebliche Rand- b c m e r k u n g des deutschen Kaisers enthalten solle. Dreyfus Iveist in seinem Briefe auf den Mißbrauch hin, der in den Prozeßvcrhandlungen gegen ihn mit diesem gefälschten Schrift- stück getrieben worden sei. und sagt, es sei Pflicht der Regierung, derartige Vorkommnisse zu untersuchen.— Italien. Rom, 2t. April. Die Blätter bestätigen, daß Worin zma Minister des Auswärtigen ernannt werden soll; Bettolo soll das Portefeuille der Marine erhalten.— Türkei. Konftantinopel, 21. April. lMeldung des Wiener k. k. Telegr.- Korrcsp.-Bureaus.) Nach einer Konsularmeldiing fand am 19. d. Mts. ein Zusammenstoß zwischen S0 Mann Truppen und einer 31 Mann starken Bande bei Smiljanci nordöstlich von Rndolischtc statt. Die Bande verlor 20 Mann, erhielt aber später Verstärkung und schloß die Truppen ein, welche sich solange hielten, bis Verstärkungen ein- trafen, worauf die Bande vertrieben wurde. Von der Bande fielen hierbei zwei Führer und über 20 Mann; 90 Mann wurden angeblich verwundet, welche zum größten Teil entkamen. Die Ver- lüfte auf türkischer Seite betrugen 2 Offiziere und 11 Mann tot. 7 Mann verwundet. Auf den Bahnlinien MacedonienS finden lebhafte Truppen- bcwcgiingen statt, von denen man annehmen darf, daß sie einem Angriff auf aufständische Albanesen bei Jpek und Djakova gellen.—_ 6ewerf?rchaftUchc9. Berlin und llmgegenck. Die Militiiiefsektcu- Sattler hatten ihr�n Arbeitgebern kürzlich einen neuen Lohntarif unterbreitet mit folgenden allgemeinen Forde- rungen: Neunstündige Arbeitszeit, Einschränkung der Heimarbeit, Beseitigung des Zlvischeiimcistersystems, 10 Proz. Ausschlag bei Ileberstniiden und ferner, daß bei Anfertigung von Spandauer Arbeit die in der Artilleriewertstatt zu Spandau bestehenden Lohnsätze zu zahlen sind. In der Branchenversammlung am Dienstag tvurde mitgeteilt, daß die Forderungen nur von der Firma Becker u. Co. beivilligt sind, alle übrigen haben sich ablehnend verhalten. Vom KriegSministerium ist in dieser Sache dem Verbandsbeamten Scmle folgendes Schreiben zugegangen: K r i e g s m i n i st e r i u m. Berlin W., 11. April 1903. Aus das Schreiben vom 14. Februar 1903 teilt Ihnen das Kriegsministerium mit, daß die königliche Feldzeugmeisterei Für- sorge treffen wird, daß künstig nur solche Unternehmer zur Ver- gebung von Sattlerarbeiten herangezogen werden, die nach lieber- zcugung dieser Behörde die Gewähr für die Bewilligung an- gemessener und auskömmlicher Löhne an ihre Arbeiter bieten. Im übrigen wird auf das Schreiben vom 11. Februar 03 sin demselben ersuchte die Organisation das KriegSministerium, die Heimarbeit bei Militärarbeiten auszuschalten, was jedoch abgelehnt wurde. Der Berichterstatter.) an den lliitcrzeichner der Petition, der Tarifkommission der Militärcffekten-Sattlcr Deutschlands Bezug genommen. Im Austrage des Kriegsministers. Etzdorf. Beschlossen wurde, vorläufig von einem Streik abzusehen und das Einigungsamt des Gewerbcgerichts zur Anbahnung von Ver- handlnngeu mit den Unternehmern anzurufen. Ei» weiterer Be- schluß besagte, den ersten Mai möglichst einmütig zu feiern, doch sollen die Vertrauensleute vorher deswegen noch mit den Arbeit- gebcrn Rücksprache nehmen. Achtung! Buchdrucker und Buchdruckerci-Hilssarbeitcr. Bei der Firma Paul Sauer, Bnchdruckwalzen-Gießanstalt. Oranienstr. 172, wurde der VertraiicnSmann der dort beschäftigten Hilfsarbeiter trotz vierzehntägiger Kündigung plötzlich entlassen. Bei den darauf folgenden Verhaiidlinigen wurde dem Vertreter der Organisation als Grund der Entlassung angegeben, der Entlassene habe die Arbeiter aufgewiegelt und Uiizuftiedcnhcit gestiftet. Da eine Eiiiigung nickt erzielt werden konnte, wurde die Firma gesperrt. Wir bitten alle organisierten Buchdrucker bei eventuell zu vergebenden Aufträgen auf vorstehendes Bezug zu nehmen. Die Ortsvcrwaltung. Zur Lohnbewegung der Bnuklempner. In der gestrigen Ver- sammlung der Streikenden wurde mitgeteilt, daß sich die Innung offiziell zu Verhandlungen bereit erklärt hat. Ein diesbezügliches Schreiben ist dem Altgesellen Weitzel vom Ober- meister Berger zugegangen. Die Verhandlungen werden am heutigen Donnerstag stattfinden.. Znr Lohnbewegung der Holzbearbeitungsmaschinen- Arbeiter kvird berichtet, daß die Verhandlungen einen zufriedenstellenden Fort- gang nehmen. Bis jetzt sind die Differenzen bei 25 Firmen bei- gelegt, woselbst 210 Arbeiter teils schon seit einigen Tagen arbeiten, teils am heutigen Donnerstag die Arbeit wieder aufnehmen. Zu bemerken ist dabei, daß nicht nur bei den vier Firmen, wegen denen der Streik entbrannte, sondern auch bei den übrigen Firmen Lohn- znlagcn von 1 bis 3 M. pro Mann durchgesetzt sind. Zwar hatte hier der Verband offiziell keine Forderungen gestellt, vielmehr drangen die Arbeiter wcrkstättenwcise selbst auf die Zulagen, weil sie nicht ganz umsonst wochenlang ausgesperrt sein wollten. Vom Streik der Ziegelei-Arbeiter bei Freienwalde a. O. wird uns geschrieben: Die Streikenden des„Alaunwcrk" suchten eine Verhandlung mit dem Direktor nach, die aber nicht zu stände kam. Den Streikenden wurde bemerkt, die Weiterarbeitenden seien ja mit den Löhnen zufrieden. Die den Unternehmern sehr willkommene Zufriedenheit wird den betreffenden Arbeitern im Bonifazius-Verein gepredigt, desien Mitglieder sie sind, auch hält sie der Umstand zurück, daß sie Wohnungen des Werkes inne haben. Im übrigen würden auch diese Leute sehr gern an den Erfolgen des Streiks teilnehmen. Ersatz für die Streikenden hat sich noch nicht gefunden. Infolge des Ausstandes macht sich bereits in Freienwalde ein Mangel an Steinen bemerkbar. Deutsches Kelcst. Der Gewaltakt des Norddeutschen Lloyd gegen die Organisation der Arbeiter ist bekanntlich von der gesamten Unternehmerpresse mit Jubel begrüßt worden. Von jener Seite suchte man die öffentliche Meinung irre zu führen und gegen die Arbeiter Stimmung zu machen. Die im Dienste des Lloyd stehenden sowie andre kapitalistische Preßorgane stellten die Sache so dar, als sei der Lloyd durch jenen dreitägigen Streik, der für die Wiedereinstellung eines Gemaßrcgelten geführt worden ist, zu Abwchrmaßregcln veranlaßt, welche die Wiederholung derartiger Ausstände verhindern und die Aufrechterhaltung des Be- triebes sichern sollten. Man suchte geflissentlich den Anschein zu er- wecken, als sei der Lloyd plötzlich und unerwartet von den organiq sierten Arbeitern angegriffen worden und habe nun, gewissermaßen in der Notwehr, Vorbeugungsmaßregeln getroffen, die ihn sichern sollten vor lveiteren in Aussicht stehenden Angriffen. Selbst wenn es so wäre, wie die Llohd-Presse behauptet, so ist doch das auf völlige Vernichtung der Hafenarbeiter-Organisation ge- richtete Vorgehen des Lloyd unter allen Ilmständen zu verurteilen, denn es ist eine feige und hinterlistige That, wenn man die Arbeiter ihres Koalitionsrechts beraubt und sie dadurch unfähig macht, sich gegen den ohnehin übermächtigen Gegner zu wehre». Nun liegen die Verhältnisse aber gar nicht so, wie sie von den Scharfmacher-Blättern geschildert wurden. Um diesen falschen, parreiischen Darstellungen entgegenzutreten, hat die Leitung der Mit- glicdschaft des Hafenarbeiter-Vcrbandes ein umfangreiches Flugblatt herausgegeben, in dem die wahren Ursachen des Ausstandes und der Matzregelung der Lloyd-Arbeiter dargelegt werden. Hiernach er- scheint der ganze Vorgang allerdings in einem andern Lichte wie in der Unternehmcrpresse. Nicht der Betrieb des Lloyd war durch die Arbeiterorganisation bedroht, sondern umgekehrt. Der Lloyd hat seit langer Zeit planmäßig an der Unterdrückung der ihm unbequemen Organisation gearbeitet. Die Vorgänge, welche sich in letzter Zeit in Bremerhaven abgespielt haben, waren nur eine— allerdings bedeutsame— Episode eines lange vorbereiteten Vernichtungskampfes, den der Lloyd gegen die organisierten Hafenarbeiter führt. Im Jahre 1839, als die Organisation in Bremerhaven völlig daniederlag, begann ein Willkürregiment, unter dem die Hafen- arbciter schwer zu leiden hatten. Nicht nur die Behandlung der Ar- beiter war eine unwürdige, auch die Arbeitsverhältnisse waren ganz ungeregelt. Wer sich bei den Vorgesetzten beliebt zu nmchen verstand, wurde bevorzugt, wer nicht jedem Winke dieser Herren willig Folge leistete, bekam selten Arbeit. Die Arbeiter waren in jeder Hinsicht der Willkür der Vorleute preisgegeben. Mit der Zeit gelang es zu- nächst den Kohlenarbeitern, ihrer Organisation Anerkennung zu ver- schaffen. Sie bewirkten die Festsetzung eines Tarifs, der am I. Januar 1899 in Kraft trat. Dadurch wurden die Arbeitsverhält- nisse geregelt und die drückendsten Mißstände beseitigt. Bei den Ladungsarbeitcrn haben sich die Verhältnisse weniger günstig ent- wickelt. Sie hatten einen unausgesetzten Kampf für ihre Interessen zu führen. Maßregelungen„mißliebiger Elemente" waren an der Tagesordnung, wodurch natürlich Mißstimmung und Erbitterung bei den Arbeitern erzeugt wurde. Aus diesen Verhältnissen erklärt es sich, daß jener dreitägige Streik zu Gunsten eines Gemaßregelten entstand. Dieser Ausstcmd, den die Vertreter der Organisation zu verhindern bemüht waren, ist anzusehen als der spontane Ausbruch des seit langer Zeit angehäuften Unwillens, den die Antreiber des Herrn Hinsel) gesät hatten.— Dieser Ausstand wurde beigelegt, nach- dem eine Kommisstau der Arbeiter mit der Lloyd-Direktion verhandelt hatte. Bald darauf erschien eine Bekanntmachung des Lloyd, wonach die Kommissionsmitglieder den Arbeitern einen falschen Bericht über die Verhandlungen gegeben haben sollen. Die Kommissionsmitglieder traten öffentlich für die Nichtigkeit ihres Berichts ein, und die Folge davon war, daß sie entlassen wurden. Dieser Maßregelung folgten weitere Maßregelungen, so daß nunmehr alle Vertrauensleute der organisierten Arbeiter auf der Straße lagen. Unter den Gemäß- regelten waren Familienväter, Leute, die 4— 18 Jahre für den Lloyd gearbeitet hatten. Dann wurden die„festen Gänge" aufgelöst und neue nur aus solchen Arbeitern gebildet, die ihren Austritt aus dem Verbände erklärten. Das bedeutet: Dauernde Arbeit giebt es grund- sätzlich nur für Unorganisierte, während den Verbandsmitgliedern nur die gelegentliche, ganz unsichere Beschäftigung übrig bleibt. Der Verlauf und die Folgen dieser Maßnahmen sind bekannt. Die Arbeiter sind überzeugt, daß sie durch alle diese Maßregeln in den Streik getrieben werden sollten, denn der Lloyd hatte umfang- reiche Vorbereitungen für einen solchen getroffen. Ein Streik wäre, wie die Arbeiter glauben, dem Lloyd eine willkommene Gelegenheit gewesen, um die organisierten Arbeiter gänzlich zu verdrängen und sie durch Arbeitswillige von auswärts zu ersetzen, die man gleich- zeitig bei den Reichstagswahlen als Stimmvieh für den Vertreter der Llohdinteresscn glaubte gebrauchen zu können. Dieser Plan des Lloyd ist allerdings nicht gelungen. Die Arbeiter haben sich allen Provokationen gegenüber kühl und besonnen verhalten. Sie haben sich anscheinend den Gewaltmaßregeln des Lloyd gefügt, aber die Organisation ist nicht zerstört. Die Arbeiter sind ihr nach wie vor tren geblieben. Der Lloyd hat auch in dieser Hinsicht sein Ziel nicht erreicht, aber hat sich durch sein arbeiterfeind- liches Vorgehen ein Denkmal der �Schande gesetzt. Als Lockmittel für die Arbeiter, denen der Lloyd das Koalitions- recht zu rauben denkt, will er bekanntlich eine Pensionskasse ein- führen. Am Montag hatte der Unternehmer Hinsch eine Versamm- lung der Kohlenarbeiter einberufen, die darüber beschließen sollte, ob die Arbciter die ihnen zugedachte„Wohlthat" annehmen wollten. Die Versammlung lehnte den ihr vorgelegten Statutenentwurf einer Pensionskasse einstimmig ab und wies damit die ganze„Wohlfahrts- einrichtung" zurück. Ten Geist derselben kennzeichnet die folgende Bestimmung des Statuts: „Mitglied kann nur derjenige werden und bleiben, der nicht Mitglied des Hafenarbeiter-Verbandes bezw. eines gleiche oder ähnliche Ziele verfolgenden Vereins ist und nicht gegen den Nord- deutschen Lloyd oder die Firma H. I. Hinsch agitiert. Beteiligrvgen an Streiks haben das Erlöschen der Mitglied- schaft znr Folge."- Der Lloyd hatte sich arg verrechnet, wenn er glaubte, die Ar- beiter würden für das fragwürdige Zuckerbrot der Pensionskasse ihre Verantwortl. Redakteur: CarlLeid in Berlin. Inseratenteil verantworllich: Th Rechte hingeben. Die Kohlenarbeiter bekundeten durch Annahme einer Resolution, daß sie ihr Heil in der Organisation sehen und trotz aller Gegenmaßregeln des Lloyd an derselben festhalten werden. Die Anssperrung in Pirmasens. Da die Polizei vernünftigerweise nicht gegen die Ausgesperrten Partei ergreift, sich überhaupt jeder Einmischung enthält, so herrscht bis jetzt die größte Ruhe und Ordnung. Die Ausständigen haben aus ihren Reihen Ordner bestellt, die an weißen Armbinden kenntlich sind und den Ordnungsdienst in der Stadt versehen.— Das bayrisch: Ministerium des Innern hat zum Zweck eines Einigungsversuchs den Central-Fabrikinspektor Pöllath und den Ministerialrat v. Rank von München nach Pirmasens gesandt. Die Beamten haben am Sonntagabend mit den Vertretern der Arbeiter konferiert. Diese betonten, daß ihrerseits alles geschehen sei, um den Konflikt bcizu- legen, sie könnten aber die von den Fabrikanten gestellte Bedingung, wonach bei der Wiedereinstellung eine Auslese gehalten werden solle, nicht annehmen. Wenn, wie die Fabrikanten vorgeben, Arbeits- mangel vorliege, so würden die Arbeiter in eine angemessene Ver- kürzung der Arbeitszeit willigen. Ministerialrat v. Rank machte den Vorschlag, eine aus Vertretern beider Teile bestehende Atommission einzusetzen, die in jedem einzelnen Falle untersuchen solle, ob ein stichhaltiger Grund vorliege, den einen oder andern Arbeiter nicht wieder einzustellen. Sollten die Fabrikanten dies ablehnen, so sollen diejenigen unter ihnen, welche wegen Arbeitsmangel nicht mehr alle Arbeiter beschäftigen können, Namen und Zahl derselben angeben. Diejenigen Fabrikanten, welche in der Lage sind, mehr Arbeiter einzustellen, sollen zunächst von den Uebrigbleibendcn einstellen, so- dann sollen sich die Fabrikanten verpflichten, bei weiterem Bedarf so lange keine fremden Arbeiter anzunehmen, als noch von jetzt nicht Eingestellten welche vorhanden sind.— Diese Vorschläge wurden von den Vertretern der Arbeiter angenommen, dagegen von den Fabritanten abgelehnt. Die Fabrikanten bleiben dabei stehen, daß sie, da die Arbciter ordnungsmäßig ihre Kündigung erhalten haben und dieselbe abgc- laufen ist, nunmehr berechtigt seien, diejenigen von der Arbeit zurück- zuweisen, welche ihnen nicht gefallen. Dieses Ansinnen wurde von den Vertretern der Arbciter einmütig zurückgewiesen. Ten Fabrikanten ist die erstarkte Organisation der Arbeiter ein Dorn im Auge. Diese Organisation zu vernichten, darauf kommt es den Herren an, das haben auch die Arbeiter erkannt. Tie Arbeiter stehen geschlossen und sind bereit, den Kampf um die Erhaltung ihrer Organisation du/chzuführen. Lohnbewegung der Holzarbeiter in Nen-Ruppin. Die in den Tischlereibetriebcn beschäftigten Arbeiter befinden sich in einer Lohn- bewegung. Sie fordern: Verkürzung der Arbeitszeit von 10 auf 9>/z Stunden, Lohnaufschlag von 15 Prozent. Zuzug von Tischlern, Drechslern und Maschinenarbeitern ist streng fern zu halten. Lohnbewegiiiigen in Thüringen. Sämtliche Bauunternehmer I l ni e n a u s kürzten die Stundenlöhne der Maurer um 2 Ps. Gleichzeitig legten diese den Arbeiten eine Arbeitsordnung vor, die diese binnen 14 Tagen unterschriftlich anzuerkennen hätten, andern- alls sie sich als entlassen betrachten können. Beide Zumutungen wurden von den Arbeitern einmütig zurückgewiesen.— In N o r d- Hausen legten infolge Maßregelung eines Kollegen sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen der mechanischen Weberei von Ludwig Cohn u. Co. am Montagvormittag die Arbeit nieder. Der Schncidcrstreik in Regcnsbnrg ist durch die Wiederaufnahme der Arbeit beendet, nachdem von den Arbeitgebern eine Aufbesserung der Lohntarife zugesichert worden ist. Die Tarifberatungen, an denen der Vorsitzende des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen, Stühmer-Berlin teilnimmt, nehmen am Donnerstag» die Eni- schädigiing zu thun, sie wissen ganz genau, daß die Tage der Weiß- phosphor-Fabrikation gezählt sind, weil eine großkapitalistisch geleitete auierikanischc Firma, die ans deutschem Boden eine in technischer Beziehung unerreichte Fabrik errichtet hat, im Begriffe steht, die gesamte» kleineren deutschen Fabriken niederzukoiikurricre». Da treten mm die deutschen Fabrikanten an die Regierung heran und sagen:«Schenk' uns was! Gieb uns eine Entschädigung!" Die Gewährung einer Entschädigung wäre ein Schlag ins Gesicht unsrer ganzen socialen Gesetzgebung und wieder einmal ein schöner Beweis fiir die.Ärbeiterfreundlickikeit" des Centrums l Das Verlangen einer Entschädigimg ist diktiert von jenem Geiste, dem auch die Gewerbe-Ordimng nichts als ein Ans» nahmegesetz gegen die Unternehmer war. Das Unternehmertum, das sich von Gottes Gnaden dünkt, betrachtet eS als ein Ausnahmegesetz, wenn ihm von Gesetzes wegen seine Ausbcutnngsgelüfte auch nur im geringsten beschränkt werden. Auch die Herren Freisinnigen, die ja einen Antrag aus Entschädigimg direkt gestellt haben, werden sich wohl klar darüber sein, daß dies bedeutet, die Gewerbe-Ordniuig perhorrescieren und die ganze sociale Gesetzgebung zu einem Tauschobjekt machen. Wenn es heißt, daß auch die Arbeiter mit ent» schädigt werden sollen, so würde es hier wohl gehen wie beim Sacccharingcsetz, Ivo manche Arbeitgeber die Aus» zahlmig der Entschädigiing verweigert haben mit der Be- gründung, daß sie die betreffenden Arbeiter gar nicht wegen des Saccharinverbotes, sondern schon vorher aus andren Gründen ent» lassen hätten. Wenn etwas zum Schutze der durch diese Gesetze Be- troffcueil zu geschehen hat, so kann es sich nur um die Bevölkerung in Neustadt am Rennsteig handeln, die durch die Nachlässigkeit der meiningischen Regierung jahrelang eine ungesetzliche FabrikationS- Methode betreiben durste. Diese Leute müssen jetzt infolge der falschen Duldsamkeit der meiningischen Regierung durch das Verbot von weißen Phosphorhölzern bankrott werde». Ich habe schon in der Kommission wiederholt mein Bedanern dar- über ausgesprochen, aber der Herr Vertreter der meiningi- scheu Regierung hatte nicht die Zeit, genügende Auskunft darüber zu geben. Man mutz diesen Leuten eutivcder auf dein Genossonschaftswege oder durch Beschaffung anderweitiger Arbeitsgelegenheit helfen. Herr Schaettgen hat uns von einem Arbeiter erzählt, der durch die Explosion der Schwieningschen Masse getötet worden sei.(Abg. Schaettgen ruft: einer ähnlichen Masse!) Vorhin sprachen Sie von der Schwieningschen Masse»nd erst jetzt provoziere ich Sie zu dieser Modifizierung Jdrer Aeußerung! Eine ähnliche Masse kann die yundertfache Explosionsgefahr haben. Sir sollten doch nur beweisbare Thatsnchc» aussprechen. Die Schwieningsche Masse kann jeder auf ungefährliche Weise herstellen, wenn er nicht etwa so thörlcht ist, de» roten Phosphor und das schwefelsaure Kali auf den glühcudeu Ofen zu stellen. Die neue Methode ermöglicht die Herstellung einer Zündmasse. die allen Anfordernngeu entspricht, welche man vom Standpunkt des Arbeiterschiltzes erheben muß. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes darf aber nicht bis 1908 gewartet werden. Das Gesetz nmß, wie wir beantragen, sofort in Kraft treten, damit die Arbeiter nicht länger der Gefahr der Phosphornekrose ausgesetzt sind. Ich bitte Sie, misren Antrag anzimehmen, den Antrag Pichler abzulehnen, der das Gesetz hniansschleppen will und damit die Interessen der Arbeiter ans das gröblichste verletzt. Es wäre ein Skandal, wenn dieser Antrag angenommen würde.(Lebhafter Beifall bei den Socialdemottaten.) Meiniitgischer BimdeSbevollmächtigter Scholler sucht seine Rcgiernng gegen den Vorwurf zu verteidigen, daß sie bei der Durch- führuilg der Vorschriften zur Berhiitung der Phosphornekrose von 1884 und 1893 lässig verfahren sei. Die Fürsorge der nieiningischen Regierung für die Bevölkerung hat den Hanptnnstoß zu dem vor- liegenden Gesetz gegeben. Abg. Pichler(C.): Grade die Verve, mit der der Staatssekretär seine Anschauungen verfochten hat, hat mich nur in der kleberzeugung bestärkt, daß die von nur verlangten Erhebungen durchaus notwendig find, um ein klares Bild über die thatsächlichcn Verhältnisse zu bekommen. Gerade die Fälle, die der Staatssekretär vorgetragen hat, können sich mir in der Hausindustrie von Neustadt am Reim- steig zugettagen haben. Die meiningische Regierung hätte die Fürsorge für die Bevölkerimg durch Unterdrückung dieser Hausindustrie bethättge» sollen. Es kommen nicht viel Fälle voir Phosphornekrose im Jahre vor, ö— 9 in ganz Deutschland. Wie schwer die Krankheitsfälle sind, wissen wir nicht. Diese Kenntnis ist aber notwendig, wenn man zum Verbot einer Industrie schreiten soll, die so viele Arbeiter beschäftigt. Es giebt Fälle von Phosphornekrose. die durch eine leichte Operation zu heilen sind.(Widerspruch des Abg. Reißhaus) Es giebt auch Aerzte, die anders urteilen, als die von dein Herrn Staatssekretär angeführten. Wir verlangen also Erhebungen über folgende Punkte: 1. Wie viele leichte und s.hwere Fälle von Erkrankungen an Phosphornekrose in Deiitschlaiid in den Jahren 138ö bis 1902 fest- gestellt worden sind, ans welche Orte sich diese KranlhcitSsälle ver- teilen und welche amtlichen Wahrnehmungen über die Einhaltung der geltenden Schlitzvorschriften in den Fabriken der betreffenden Orte gemacht worden sind? 2. Wie viele Fälle von leichten und schweren Verletzungen vei Fabrikation von sogenannten giftfreien Zündhölzern in dieser Zeit sich ergeben haben? 3. In welchem Umfange ein Export von giftfreien Zündhölzern aus Dentschkaud nach der Schweiz und nach Holland statt- gefunden hat?' 4. Inwieweit im Falle der Einführung des Gesetzes Entschädi» gungen gerechtfertigt erscheinen: s.) an Fabrikanten, bei welchen die für Durchführung der Schutz- bestimmniigen von 1884 gemachten Aufwenduitgen im MißverhältmS stehen zu dem imloischen erzielten Geschäftsgewinne? b) an Gewerbetreibende, welche Holzdraht und Holzschachteln für Phosphor-Zllndholzfabriken herstellen, wenn anzunehmen ist, daß sie außer stände fem werden, ihren Betrieb fortzusetzen? c) an Aiiizestellie und Arbeiter der durch dieses Gesetz be- troffcnen Betriebe, wenn sie infolge der Einführung desselben in ihrem Fortkommen geschädigt werden? Ich bitte Sie, diesem Antrage zuzustimmen. Geheimrat Dr. Sprenger: Die Phosphornekrose selbst ist erst das sckireckliche Ende einer Reihe von Krankheiten, die als Wirkungen der Phosphorvergiftung vom Arzte nicht erkannt werden können. Man sollte doch aber dem vorbeugen, daß es in solchen Fällen zum äußersten überhaupt kommen kann. Uns find Fälle bekannt, wo Arbeiter erst 19 Jahre, nachdem sie die Fabrik verlassen hatten, von der Phosphornekrose be- fallen wurden.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Redner polennsiert des weiteren gegen den Abg. Dr. Pichler, seine Aus- fiihrungen bleiben aber auf der Tribüne unverständlich. Abg. Krämer(Soc.): In einer Versammlung in Darmstadt erklärten sich die Arbeiter solcher Zündholzfabriken durchaus mit der Vorlage einverstanden. Sie meinten, der Entschädigungsfrage ständen sie sehr kühl gegen- über, sie würden schon anderweitig Arbeitsgelegenheit finden. Eine Entschädigung gehörte vor allem den unglücklichen Opfern, den von der Nekrose verstümmelten Arbeitern. sSehr richtig! bei den Socialdemokraten/ Ein Unternehmer hat in Darmstadt die Licenz erhalten, daß er seine baufällige Fabrik nicht nach den Bestiminungen der Verordnung von 1884 umzubauen örauche. In derselben Fabrik werden Wocheiilöbne von 14 Mark für diese gefährliche Arbeit gezahlt.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Unter diesen Umständen brauche man auf die Fabrikanten wirklich keine besondere Rücksicht zu nehinen. Das Gesetz sollte so schnell wie möglich in Kraft treten, man sollte nicht abwarten, daß die schreckliche Krankheit bis 1908 noch viele neue Opfer fordert!(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Abg. Pauli-Oberbarniin(Rp.): Wir stimmen dem Verbot der Weißphosphor-Fabrikation zu. Wir verbieten ja damit nicht die Fabrikation von Phosphorhölzern überhaupt, sondern nur die Vcr- ivcndung giftigen Phosphors. Die Gewährung einer Entschädigung an die Fabrikanten halten wir nicht für gerechtfertigt. Abg. Dr. Oertcl(f.); Die Kommission hat die Borlage und das neue Schwicningsche Verfahren überaus sorgfältig geprüft. Wir haben so viele Streich- Hölzer angezündet, daß die Däinpfe aus dem Fenster des Koinmissions- zimmcrs»ach dem Tiergarten hinausgezogen sind.(Heiterkeit.) Wir haben uns in Kassel von der Ungefährlichkeit des neuen Verfahrens überzeugt. Als ich den Gesetzentwurf las, war ich fein Gegner, ich hielt zum mindesten eine Entschädigung der Fabrikanteu für unbedingt nötig. Durch die K'ommissionsbcratnngen bin ich aus einem Saulus zu einem Paulus geworden.(Heiterkeit.) Der Staat hat die Pflicht, die Gefahren der Phosphornekrose von den Arbeitern abzuwenden. Die etwas schwerere Entzündbarkeit der neuen Phosphorhölzer ist in mancher Beziehung gar nicht unerivünscht. Die jetzigen Weiß- phoSphor-Fabrikonten werden durch die Einführung des neuen Ber- fahrens kaum geschädigt. Es ist unmöglich, eine Entschädigung zu ge- währen. Die Konsequenzen würden unabsehbar sei». Die Zink- Hütten sind auch nicht entschädigt worden. Ich bitte, den Antrag Pichler als unausführbar abzulehnen und dem Kominissionsbeschluß zuzustimmen. Es handelt sich hier um die Erfüllung einer sittlichen Pflicht(Heiterkeit), die in diesem Falle vielleicht noch größer und bedeutsamer ist als in andern Fällen.(Bravo! rechts.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Die Gegner der Vorlage stellen es so dar, als ob wir nicht genügendes Material für die Vorlegung dieses Gesetzentwurfs gehabt hätten. Die Gcwcrbe-Aufsichtsbcamten haben aber schon seit Jahren in einer großen Anzahl von Berichten auf das dringendste befürwortet, die Weißphosphor-Fabrikation so bald wie möglich zu verbieten. Die Statistik über die Nelrose-Erlrankungen würde noch viel größere Ziffern aufweisen, wenn alle Arbeiter und Arbeiterinnen, die, nachdem sie gemerkt haben, daß sie von der Nekrose ergriffen sind, eine andre Arbeitsstätte aufsuchen, mit zu den statistischen Er- Hebungen herangezogen werden könnten. Abg. Dr. Wicmer(frs. Vp.): Meine Freunde werden, wie in der Kommission, so auch heute für den§ 1 stimmen. Ich unterschreibe aber nicht die ganze Dar- stellung des Abg. Wurm über die Nekrose-Kraukheit. Die Fabriken in meinem Wahlkreis Benneckensiein am Harz beweisen, daß die Verwendung weißen Phosphors nicht notwendig zur Erkrankung an Nekrose führen muß. Nach meiner Meinung muß ein Verbot des weißen Phosphors auch mit einer Entschädigung der Fabrikanten und Arbeiter verbunden sein. Das neue Verfahren wird zur Folge haben, daß der Betrieb uicht mehr rentabel ist. Auch Herr Wurm hat zugegeben, daß das neue Verfahren keinen genügenden Ersatz für das alte bietet.(Widerspruch des Abgeordneten Wurm.) Aus diesem Grunde haben wir schon in der Kommission den Antrag auf Entschädigung gestellt und nehmen ihn hier wieder auf. Billigkeitsgrüude sprechen um so mehr für diese Entschädigung, als die Fabrikanten aus Grund der Verordnung von 1884 erhebliche Aufwendungen gemacht haben. Abg. Münch-Fcrber(natl.): Die Kommission hat festgestellt, daß das Schwicningsche Ver- fahren absolut keine Explosionsgesahr bietet. Es ist auch ein großer Vorteil, daß diese Hölzer etwas schwerer entzündbar sind, beim Spielen der Kinder mit Streichhölzern werden auf diese Weise weniger Unglücksfälle vorkommen. Hätte Herr Dr. Pichler� selbst in Kassel die furchtbare Verstümmelung der Arbeiter gesehen, wie die Kominission, so bin ich überzeugt, er hätte von seinem Widerspruch abaclassen. Ich bitte Sie dringend, dem Gesetz in der Koinmissions- fassnng zuzustimmen. Abg. Trimborn(E.): 'Schon in der Kouunission haben die Vertreter des CentrumS geteilt gestiimnt, und auch im Plenum wird ein Teil meiner Freunde ,nit mir für das Gesetz in der Kommissionsfassung und gegen den Autrag ans Entschädigung der Fabrikanten stiininen. Wir halten die Frage durchaus für spruchreif. Das Ersatzmittel bedingt keine wesentliche Acnderung des Betriebes, die kleinen Mängel, die eS haben mag, können nicht in Betracht kommen, wenn es sich um die Beseitigung einer so abscheulichen Fabrikationsmethode handelt. Bereits vor Iii Jahre» haben in der Zolltarif-Kommission, als es sich um die Zölle auf Schivedenhölzer handelte, alle Parteien die Regierung ersucht, mit den Phosphorzündhölzern aufzuräumen. Diese Erinnerung glaube ich sollte uns genügen, um den Antrag Pichler aus Anstellung noch weiterer Erhebungen resolut abzulehnen. (Bravo!) Abg. Schräder(frs. Vg.) erklärt sich ebenfalls im Namen seiner Freunde mit der Vorlage' in der Kommissionssassung einverstanden und spricht sich gegen die Gewährung einer Entschädigung aus. Abg. Rcißhans(Soc.) (bei der Unruhe des Hauses schwer verständlich): Die Kominission ist bereits nach eingehenden Beratungen zu der Ueberzeuguug gekommen, daß eine Entschädigung an die Fabrikanten nicht statthast ist. Wohin sollten loir kommen, wenn wir für die bloße Durchführung einer hygienisch gebotenen Maßnahme eine Ent- schädigung seitens des Reiches gclvährcn wollten? Für die Haus- industriellen in Neustadt am Nennsieig muß andcrweite Arbeitsgelegenheit geschaffen werden einerseits durch Förderung der Porzellan-, Glas- Industrie usw.. andererseits aber auch durch Ausbau des Ellenbahn- netzes im Meininger Lande, denn dieselben Verhältnisse wie in Neustadt sind auch in andren Bezirken des Meiningcr Oberlandes vorhanden. Ich will die meuiingische Regierung nicht verteidigen, aber vielfach hat auch zu dem Weiterbestehen der verbotenen Fabrikattons- Methode beigetragen die Art. toie die Heimarbeiter die Aufsichts- beamten zu tauschen gewußt haben. Das Jiiteressanteste an den heutigen Verhandlungen war das arbeiterfeindliche Verhalten eines Teils der Centrumspartei. Der Autrag Pichler ist ein wahrer Obstruktions- antraq.(Große Unruhe im Centrum.) Ganz unmögliche Er- Hebungen werden darin verlangt. Beim Zolltarif aber. wo wirklich Erhebungen im Interesse des Volkswohles»otlvendig waren. hat das Eeutrum sich auf das rücksichtsloseste über diese Notwendigkeit hinweggesetzt. Lüften«ie(zum Centrum) Ihre Maske nur immer in dieser Weise! Ich ersuche das Haus, die Anträge Dr. Pichler und Wienier abzulehnen, dagegen unsrem An- trag zu§ 3 zuzustimmen, wonach das Gesetz statt am 1. Januar 1907 refp. 1908 bereits am 1. Januar 1904 resp. 1903 in Kraft treten soll.(Beifall bei den Socialdemokraten.) Abg. Hniißmauii-Baliugen(südd. Vp.) erklärt sich für den Antrag Dr. Wiemer. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Dr. P i ch l e r(C.); Aussetzung der Verhandlungen und Veranstaltung von Erhebungen, wird gegen einen großen Teil des Centrums abgelehnt.§ 1 wird mit großer Mehrheit angenommen, ebenso 8 2. Der Antrag Dr. Wiemer(frs. Vp.) auf Eiltschädigung der Fabrikanten und Arbeiter wird gegen die Stimmen der Freisinnigen Volkspartei und einiger Nationalliberaler und Centrumsabgeordneter abgelehnt. Zu 8 3 ist inzwischen noch ein Antrag Dr. P i ch l e r/i Uhr: Opernhaus. Die Stumme von Portici. Schauspielhaus. Macbeth. Deutsches. Monua Baima. Berliner._ Alt-Heidelberg. Lcsfing. Sodoms Ende. Neues. PellcaS und Melisaude. Refidenz. Lutti. Westen. Carmen. Central. Gräfin Pcpi. Thalia, Der Posaunenengel. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallncr- Theater.) Die guten Freunde. Schiller?k.(Fricdrich-Wilhclmstädt. Theater.) Tic Braut von Mcssina. Bcllc-Alliance. Pick und Pocket. Carl Weist. Der Liebe Gebot. Büntes. Wiutcrschlas. Vor dem Gcsindeball. Luisen. Tie Malchinenbaner von Berlin. Kleines. Nachtasyl. Trianon. Die Notbrücke. Casino. Elternlos. Fritzchen und Lieschen. Spccialitätcn. Metropol. NciicstcS! Allerneuestes! Apollo. Der Gcsindeball. Spccia- litäten. Wintergarten. Spccialitätcn. ReichShallcn. Stcttincr Sänger. Paffagc-Theatcr. Spccialitätcn. Palast. Die neueste Richtung. Specialilätcu. Urania. Tanbcnstraste 48/19. DaS Land Tirol. Im Hörsaal um 8 Uhr: Professor Dr. C. Müller: Der AtniUllgSvor- gang und seine Bedeutung für die lebenden Gcschöpse. Jnbaltdenstraste 57/02. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Central �Theater Gastspiel dcrWienerOperetten-Gcsellschaft. Donnerstag und Freitag: Lebte Aufführungen von Gräfin Pepi. Anfang Vl„ Uhr: Sonnabend, abends T'/j Uhr: Unter Leitung des Hrn. Dir. Fcrcnczn. Zum erstenmal: Cdinssiaclio Flitterwochen. Vandcvillc-Opcrctle in 3 rillen von Talbot.— Soimlag. nachin. 3 Uhr: .Calbc Preise! Tic J-ledermanS. Abends VI, Uhr: Chinesische Flitterwochen. Mit glänzender Ausstattung Neuestes! illerneuestes! Kcvue in 5 Bildern v..Tul. Freund Musik von Victor Holländer. a.G. Rcnry Bender Frid-Frid. Flora Siding. Wini Grabitz, 300 Mitwirkende. Im dritten Bild: Eise Sitztiiig liei Änna Rotiie. Grandioses Ballett. 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Kleines Theater. Unter drn I-inden 44. Anfang 8 Uhr. Nachtasyl. Apollo-Theater. Täglich mit stürmischem Beifall Gesindeball, Iä mit. d. spiriHst. Anna Rothe-Parodie. Ferner: 4 Madcaps.— Oonatellis. Hein. Blank.— Cake-Walk.— Seidoms. Kilianys leb. Bilder.— Kosmograph Casino=Theater , Lothringerstr. 37. Neu! Elternlos. �u' Dir. Berg— Lilli Bchlc als Cakewalk- Tävzcr. Frltaschen u. ILIcschcn etc. Ansang 8 Uhr, Sonntags VI, Uhr. Buntes Theater. Köpniekerstrasse 68. CCU n t e r s c h l a f. Vorher: Vor dem Gcsindeball. Anfang 8 Uhr- 3eIIe-JllIianee- Theater. Allabendlich 8 Uhr: „SHck und Rocket". Schwank m. öc[. u. Tanz in 3 Akten. Schlager des s. Aktes: Im Sonnenbad, ver Ouncanean. Cip- Cip. Donna Juana. Cake Walk. Massage-Terzett. RelchshalOen. ileicr SätiiEr. u. a.: Bühnengrössen und Anna Pete,' das Blumenmedium. Trianon-Theater. Gcorgenstraßc, zwischen Friedrich- u.UmvcrsitätSstratzc. Abends 8 Uhr: Die Notbrücke. Lustspiel in 3 ülllcii von Fred Gresac und Francis de Croisict. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Die Licbcsschnukcl. felset-Thester Burgstraßc 22. Früher: Feen-Palast. Schivank in 3 Allen v. Dr. Schweitzer. Alle SchMiimineni neu!! Annie Darnelt, aihlclischc Spiele. Mary Forrester, Tanz-Sängerin. Miss Stoer, cquiiibnstischcr Sporl-Afl. Mr. Browns, Bioskope. Mlle. Fata Falme, iistv. usw. Schlus; der Saison: Donnerstag, den 30. April. Ehren- u. Vorzugskarten werden mit Saisonschluss ungültig. Ansang 8 Uhr. Entree 50 Pf, Residenz-Theater Direktion: Sigmund Lautenburg. Abends VI, Uhr: i(Loule). Schivank in 4 Akten von Pierre Bcbcr. Morgen und solgciidcTage: I-atti. Sonntagnachmittag: Nora. Frau Reisenhoter. Bernhanl Hose-fheater-Enseinhle Stadt-Theater, Alt-Moabit 47/49. Donnerstag, den 23. April: Onkel Bräfig. Lebensbild in 5 Alien nach Fritz Reuter von kiarl Wercl. Ansmig 8 Uhr. Stach der BorstcUnng:'r»»ai. I Direktion: Robart Dill. B r ii n n c n s 1 1- a s s e 10. Benefiz für Walther Schneider. Das Ansang 8 Uhr: Nachher: JBr' Ball."VB Freitag: Keine Vorstellung. Pantzer Brothers, Akrobaten. Ralph Johnstone, Bicyclist. She, die 4 Elemente. Rente Debauga, Kaleidoscop-Tänz. Hoshi Tokio, Japanertruppe. Charlotte Kara, CreolischeSängenn. Bachus Jacoby, Humorist. Les Provenpales, Französisches Gesangs-Quartett. Tille. Mlctte.Bar. Strassensäng. L,a Belle Toledo, Span. Tanz. Harry Houdiui,Kür8tier. Onw KoHt d. ljuculliis, Ballett. Oer„Biograph".__ Gastans Panoptikum, Fricdriclista-. 165. Mit seinen weltberühmten IW Wachsfiguren"VOt «. unzähligen andren Sehenswürdigkeit., Kunstschätzen etc. Gr. Promenaden-Konzert. Neu! Cleo Otero, die interessante Bauch- und Sandraalerin. iieii! PjIhla,d""S'"a° jinthropos, und vieles andre._ Schiller-Theater. Schiller. Theater O. (Wnllner-Theatcr). Donnerstagabend 8 Uhr: Die guten Freunde. Lnstspicl in 4 Ansz. v. Viel. Sardon. Freitagabend 8 Uhr: Die guten Freunde. Sonnabendabend 8 Uhr: Die guten Freunde. Schiller.Theater M. (Friedrich-WIlhelmstädlischeS Theater). D o n nerSterg abend 8 Uhr: Die Braut von lüesslua. Ein Tmuerspi« mit Chören von Friedrich Schiller. Freitagabend 8 U h r: Der ledige BoT. Sonnabendabend 8 Uhr: Der ledige llof. Freie Volksbühne. Mittivoch, den 26. April, im CicirerkBchaftshanise (grosser Saal), Engel-Ufer 15: C*eiieral-V erssiiiisiilnii«-. Der Eintritt ist nur Mitgliedern gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte ges lallet. Tagesordnung: Vortrag. Herr Dr. Emil Geyer; Der Naturalismus uno neue Bestrebungen in der Theaterkunst. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes. Revisions-| bericht und Diskussion.— Festsetzung des Kassierer- Sehalts, Neuwahl des Vorstandes, des Ausschusses, der i evisoren und Obleute. ftpiliippf Silziing am Sonnabend, den 25. April UI U11C1. im GewerkschaftishanHe. Sonntag, den 26. April er., nachmittags 27« Uhr: Lessing-Thealer. 4./5. Abteilung. Johannisfeuer. Von Sudennann. Metropol-Theater. 1./2. Abteilung. Im Hinterhaus. Drama in 4 Akten von Emst Preczang. Auf Wunsch des Herrn Direktor Brahm vom Deutschen Theater unterbleiben die ferneren Aufführungen von„liosenmontag" und wird an dessen i Stelle für die 4. bis 14. Abteilung„Johannisfeuev" von Sudennann gegeben.(Näheres auf dem Theaterzottel am Sonntag.)_ Opern-Yorstelluugen im Berliner Theater; 7. Juni: Der Wildschütz. 14, Juni; Die lästigen 1 Weiber. 21. Juni; Dan GlÜckchen des Frcniltcn. DWP" Die Opernmarken gelangen im Mai zur Ausgabe. Der Preis beträgt inkl. Opernheft und Garderobe 1 mark. 1 i 228/17 Der Vorstand. I.A.: O. Winkler. Centraberband der Glaser Zahlstelle Berlin. Soimabciib, 25. Aprik, in den Arminhallen, ftommnnbnnfciiftr. 20: 11. StiftunsssPest.' Anfangs abends 9 Uhr. 73/2 Hcrren-BillclS 50 Pf. Damcn-BillclS 30 Ps. Passage-Theater. Anfang: Wochentags� Uhr. Ende 11 Uhr. Oskar Klein (Tyll Eulenspiegel). CakerWalk der echten Louisianas. Ganz Berlin zerbricht sich schon den dritten Monat den Kopf über A G A» die schwebende Jungfrau! Sanssouci. Donnerstag, Sonntag und Montag: HofTmanns Hopilileutselie Sänger. v Nach der Vorstellung: Tan;-Kränzchen. Vereinsbillcls gültig. DM- Bandn iinner"Mll mitklops, frisch in Spiritus cvent. Wasser lausen a Ml. 2,69 I.iimaea. IhvaUdenstr. 105.* Rönigstadt-Kasino. Holzmarktstr. 72, Ecke Mexauderstr.I Xnr knrxe Keit![ Hailame Liatonre, die j lewehe FransKÖstin. Vollmer-Truppe. Der Bürgermeister von Tippeiskirchen. Ftablisscment { Buggenhagen{ I am Moritzplatz.| Jeden Dag: Donnerstag, Sennahenö, Sonntag im Kaiser Taat: Tanz. ÜMT* Von Ende April ab wird das berühmte Orchester d. Signor Vinoenze Ferrara konzertieren. sciuste Ware, garantiert, rciiischmcck., sraulo Postnachnahme, 7,56 M. Max Brotten, Grcijsivalö a. Ostsee, s 195/ 18 Zu der am Sonntag» 20. April, vorm. VI, Uhr» im Gewerksehafts- hause, Engel-Ufer 15, Snal VII und X, stallfindciidcn Osllöntl. lZenössI-VesSWinIung werden die Herren Delegierten hier- mit eögcbensl eingeladen. T a g e s- O r d» n n g: 1. Im Saal X(Ausgang. Vorderhaus rechts): Wahl eines Vorstando- miiglicdes, Slrbcitgcbcrs, H 37 Abs. 4—5 des«tatuts. 2. Im i�aal Vll: BcriwI der Rcvi- soren und Abnahme der Jahres- rcchnnng. 3. Bericht vomKraiifenlassen-Koiigres;. 4. Statuten-Acnderung, Ergänzung zu§ 14. � 5. Verschiedenes. 822b Nach Schluß dieser Versammlung sindct daselbst die Geiicralvcrsnun» iung für die Mitglieder der In- valideukasse der Gürtler statt. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Revisoren und Abnahme der Jahrcsrechinnig. 2. Verschiedenes. Berlin, den 22. April 1663. Der Vorstand. G. Kneiss, Vorsitzender. «mpsehlc allen Freunden n. Bekannten "mein Wel»«-, Baz-rl«ehhler- imd gr. Spciscgeschüft. Reich» haliigcs Frühstück von 36 Pf., Mittag mit Bier 5>0 Pf. sowie Wendtisch k la carte von 36 Pf. an. 2 Vereinszimmer mit Klavier für 26—56 Personen. � II Htramiii, Rcst.Nitterftr. 123. Land Ä Mark pro Woche Abzahlung. Parzelle 846 □Meter 366 M., westlicher Vor- ort-Pcrlehr, nur mündlich, verlaust tterranimx, Blumenftraße 76., 16132* spottbillig für elcgauic i tterrenanzäge, Paielels, ' llimler-Anzöge usw.* Tuelifaijpik-Nieilerlaüe Koch& Seeland, Berlin L, Roßstr. 2. WeiiWWön lliMt m der Fabrik. Kein I-adcn! Jetzt nach vccndclcr EngroS-Saison Liviel- Vei'kslis «nanm KAßlig. Siwe-Faieiel!; Jacketts Capes Kostüme Kostümröcke, Gummimäntel für Damen und Mädchen. Tamcn-Mäntel-Fabrik Robert Oaumgarlen Hausivoigteiplutz 11,2. El. (Ecke der Jeiusalemerslr.) Auch Sonntags geöffnet. Alle Wanzen werden nebst Brut durch mein Mittel vollständig veriilgt. Fl. 56 Pf. und I M. Ebenso Schivaben, Rilssci! Franzosen, Blatllänic-c. Schachtel 36, 66 Ps. u. 1 ä'i. Zahlreiche An» erlennmigen. VSgL' IM Mark Kelohming zahle demjenigen, der mir einen Nicht- erfolg nachweist. Nur allein echt bei Hago Barth. Drogerie, jetzt Brunnciisw. 14, früher Nr. 18. II. Wahlkreis! Donnerstag, den 23. April, abends 8 Uhr, im großen Saale der Kockbranerei, Tempelhoser Kerg: Tages-Ordnung: I. Vortrag des NeichstagS-Abgeordnctcn Kichard Fischer über: «Die bevorstehende Reichstagöwahl»ud die gegnerischen Parteien.« 2. Dislussion. 3. Wahl des Wahlkomitees. Die Gegner werden eingeladen. Herr v. Wenckstern Hat sein Erscheinen zugesagt. Einen recht zahlreichen Besuch erwarten 210/3 Die Vcrtraaensleate. ¥1. Wahlkreis. Donnerstag, den 33. Zlpril. abends 8'/, Uhr, im»Feldschlösichc»«, Miillerstr. 113: Wollt 0■ Uersommwng Tages-Ordnnng: 1.„Welche Antwort gicbt das deutsche Volk den Zollwucherern?' Rcserent: Genosse Ströbcl. 2. Diskussion. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein 210/7 Der Fertranensmann. 4. Berliner Reickstags-Waiilkreis. Dienstag, den 28. April 1903, abends 8 Dhr, in Kellers großem Saale, Koppen strafte 39: -= Wähler- Versammlung. T a ac s- O r d n u u g: 1. Vortrag deS RcichstagS-ülbgeordneten Faal«Inzer: Die bevorstehende Reichstagöwahl und die gegnerischen Parteien. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Wahl-Komitecs. 2U/o* Die Gegner werden hiermit eingeladen. Die Vertraaensleate. Central-Verband der Maurer etc. üehtnng! Schuhmacher. Freitag, den 31. Zlpril 1903, abends 8'/, Uhr: Oeffentliche Schuhmacher- Versammlung im Grand Hotel Zllexanderplaft(Eingang Alexanderstr. 46—48). TagcS-Ordnung: 1. Die Aussperrung von«000 Kollegen in Pirmasens. Refcruit Kollege Kalle aus Nürnberg. 160/15 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kolleginnen und Kollegen, beweist durch Massenbesuch dieser Versammlung Euer Interesse sür die durch einen frivolen Gewaltakt ausgesperrten Kollegen Der Fliiherarer. Soeialdemokrat. Wahl- Berem zu Lichtenberg. Donnerstag, den 33. April 1903. abends 8'lt Uhr: JGT General-Versamniiuiig im Saale des Herrn Höflich, Frauksurter Chaussee 130. Tages-Ordnnng: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassierer» und Entlastung desselben. 3. Neuwahlen(§ 9 des StaiutS). 14/4 Eintritt nur für Mitglieder, Buch legitimiert. Der Vorstand. fteichstags-Wahlkrsis lauch-3elzig-Söterbog- Suchenwalde. Mittwoch, den 29. April, abends 8 Uhr, findet Im Lokale von Ewald, Schönlcinstrafte 6. eine öffentliche Versammlung aller in Berlin und Umgegend arbeitenden Reichstags- Wähler aus obengenanntem Kreise statt. 285/20 Tagcs-Ordnuna: Vortrag über die bevorstehende Reichstags- Wahl. Referent: foröinsnö Evald. Das Erscheinen sämtlicher genamiien Wähler ist Pflicht. Der Elnheraker. M 7all Krupp! � SchSneberg-Berlin. Freitag, den 24. April, abends 8'/, Uhr, Bnlowstr. 37(KönigShof): Crosse Versammlung. Thema: Homosexualität und Sittlichkelt. Die Betrogene» des Liebes- glück» und der tz 175. 286/3 Reseränten: Herr Redakteur Draud, Herr cami. med. Bab. Entrce 30 Pf. Ter Einbernfer. Ä? weix verein Verl in. Freitag, den 24. April, abends �9 Uhr, im Gewerkschaftshause, Eiigcl-Njer Nr. 15: Generul-Bersammlung der Zahlstellen Berlins und der Vororte sotvie der Sektionen der Putzer, Rabitzputzer und Cementiercr. Tagesordnung: 1. Wahl des Berbaudsausschusses. 2. Bericht vom Bauarbeilerschutz-Kongreh. 3. Bericht vom Berbandstage. 4. Abrechnung vom ersten Quartal 1903. 5. Slellnngnahme zum 1. Mai. In Anbewacht der wichtigen Versammlung fordern wir die Mitglieder des Verbandes aus, zahlreich und lM-Wznij liei' Maurer DeutscfiiaiiiJs Zweigverein Berlin. Nachrns. Am 17. d. Mls. starben unsrc Mitglieder k\ms\ Schulze Elisabclbstr. 63, im Alter von 47 Jahren, und Karl Gramm Schönhauser Allee 134, im Alter von 54 Jahren. 137/6 Ehre ihrem Andenken! Ij Die Verbandsleitung, w pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert ohne dasselbe kein Eintritt.__ __ 137/5« Bauhandwerker! Bauberufe! Laut Beschluß einer am 14. April stattgestlndenen Versammlung ist mit 537 gegen 19 bei 3 ungültigen Stimmen der allgemeine Attsstaud überall da erklart morden, wo die Unternehmer unsern Tarif nicht an- erkannt haben. Da schon sofort eine große Zahl der maßgebendsten Firmen bewilligt haben, so wird zu diesem Zweck an alle arbeitenden Stukkateure eine WM" roU Arbeitsberechtigungskarte ausgestellt, welche mit dem Stempel des Centralverbandes der Stukkateure Deutschlands(Filiale Berlin) versehen ist. Wir ersuchen alle Banberufe, in üblicher Weise jeden arbeitenden Stukkateur an seine Pflicht zu criuueru, damit unser Borgeheu in wenige« Tage« ein erfolgreiches ist. 173/17 op'.j______ Die Streikicitnns._ Oha pleiten bürg. Freitag, den 24. April 1903, abends 8'/, Uhr» im„Volkshause", Rofiiiknstraße 3: drosser Vortrag für Männer n. Frauen über:„DaS nervöle Jahrhundert". Referentin: Frl. IMtnaa Kubc. Eintritt(üt Mitglieder frei. Gäste 20 Ps. Der Borstand des»Freien Vereins für Naturheilknnde 286/2 n»d Gesundheitspflege".-__ Deutscher Metallarbeiter-Verbandl (Verwaltungsstelle Berlin). Todesi-Anxeigc. Den Kollegen zur Nachricht, daß I unser Mitglied, der Dreher DshSk' vldslslll am 20. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet DonnerS- tag, den 23. d. Mts., nachmittags! 4'/, Uhr, vom Trauerhausc in I Spandau, Lynaerstr. 31, aus statt.} Rege Beteiligung erwartet 115/15 vis Orlsverwallung. Köpenick« Für die vielen Beweise der Liebe und Teilnahme sowie die vielen Kranz- spenden bei der Beerdigimg meines lieben Mannes, unsres guten Vater», Sohnes, Bruders, Schwagers und Schwiegersohnes, insbesondere dem Gesangverein„Felicitas", de» Herren Stadtverordneten, dem BczirkSocrcin der Kietz-Vorstadt, den Mietern seiner Häuser, sowie den Gewerkschaften sagen aus diesem Wege unser» verbindlichsten Dank. 13218 Die trauernden Hinterbliebenen Wiv. Mario Czernefsky geb. Lietsche, _ nebst Kindern._ 4> Fram-Vortrag■§■ morgen Freitag, abends 8'/,, Arminhallen. Konimandautenstr. 30. »»«viileielei».Jeder Altersstnfe werden an großen Lichtbildern verständlich erklärt vom Prall. Naturhcilk. Cinindninnn. Kuranstalt Köpnickerstr. 72. 11—2, 6—8. Eintritt nebst Broschüre 20 Ps. Naturhetiverein„Rcsorni"._ 13222* CCliirzburger r>Uhncraufl[enmittcl von Dr. II. Vnfl/er.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Ps. Anweisung frei Ohne Zweifel die beguemste n. wirksamste Hilfe. DerSchmerz ist in!» Min. fort, das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salicvliäure u. indischen Hansextraki.) Dll. k�. Cltlget« in ÜCtÜrzbUr�f. Hauptdepot in Berlin(20 Ps.): Salewoii-Apottiebe, Charlottenstraße. Greif-Apotheke, Barnimstraße 33.— München: SchUtzen-Apothek«.— Stuttgart: Hirsch-Apotheke.—«reslau: Victoria-Apotheke. 954L* Besten Nordhänser Liter von 50 Ps. an, garantiert reines Gelreideprodull. si. Liqneure. sI173L* Kartin Berndt, Ritter- u.Prinzcust.-Ecke. Dr. Simmel, Prinzen- Str. 41. Specinlarzt sür[108/11* Hanl- und Harnleiden. 10-2, 5—7. Sonntags 10—12 2—4. Montag, den 37. April 1903, abends S'/a Uhr, in den Arminhallen, Kommandanlenslr. 20: General- Verkammlung cler Delegierten. Tages-Ordnnng: Rechenschaftsbericht pro 1902. Ersatz- wohl eines Borstands- Milgliedes (■Arbeitnehmer). Statutenänderung PerschiedeneS. 794b Der Vorstand. Miel- Fabrik„Urir Eingetragene Genossenschaft mit be- schränkter Haslpslicht. Sonntag, den 10. Mai 1903, vormittags 9 Uhr, im GcschäftSlokal, Kraulstr. 3: ksners!-VerzsmmIuM TageS-Ordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. R-vtsion«. bcricht. 2. Neuwahl des Vorstandes und Slussichtsratcs. 4. Statuten- änderung. 5. Bcrschiedcnes. Die Bilanz liegt in unserm Geschäfts- lokal zur Einsicht aus. 813b Der Vorstand. M. Hinsehe. A. Schulz. Orts-Kvankenkaase IGastwirteB.yerwffliiteiiiiBwerte zn Berlin. OrMiclie General-VersammlODg der Kaffenvertreter amDonnrrStag, den 30. April er., nachmittags 3'/, Uhr, im Lokale des Herrn Graumann, Naunynstr. 27. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Rechnungsausschusses über die Prüfung der JahreSrcchnung 1902 und Besprechung des Jahres- berichls. 2. Ersatzwahl sür ein aus- geschiedenes VorstandsmitgliedlKassen- mitglieder-Vertreler). 3. Sialuicn- änderung. 4. Beichlußsassung über die noch aiizustellendcn Aerzlc. 5. Bericht über die Verhandlungen und Beschluß des allgemeinen Kranken- kassen-KongresseS in Berlin. S. Freie Besprechung. ÄS/5 Berlin, den 22. April 1903. Der Vorstand. Poppe, Braun, Vorsitzender. Schrijtsührer. Cigappen 819b. >S Sturm und Unwetter gelitten, verkaufe bedeutend unter Preis. Wichtig für Händler! � PJoopr lnyalen- Strasse VI UluOCI) Ecke Elchendorll-Str. a fCIßine AnzGiacti, W-- Wort fett. Worte mit yitehr ata JKSm M M MM ST M. M M Ma M MM 9 BT in de y ja Buekstoben töklen doppelt. Mi' 6 Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, /ür die Vororte bis/ Uhr, in der IIa uptexp ed iti oh Lindenstr. 69. bis-1 Uhr angenommen. \ste rdon Un JA m Verkäufe. Plätterei, flotte, mit Maschinen, billig verkäuflich. Schöneberg, Eiscnacher- sllaße 54, Treichel. 1-125* Gardiuenhaus Große Franksurler- straße 9, parterre._ t37* Hochvornehme Herren-Anzüge, Sominerpaletot» aus seinsten Maß- stossen herrührend 18—38, Beinkleider 7—11 Mark. Verlaus Sonnabend, Sonntag. 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Wegen Nichtanerkennung unsres Tarifs und Matzregelung ist der Be- trieb von Drechsler u. BiSmark, Magazlnslraße 17, gesperrt. Zuzug u halten. III M ist streng fern zu hniie». 115/16 Achtung. Korbmacher! Der Zuzug ist streng fern zu hallen von d. Kordinödol.kadrik(Mississippi), Wilhelmstraße 29. 80/13 käuillch Riltersträße 120, I. 108/16* Teilzahlungen gestattet. 134/18* Leih-Haus Zossenerstraße 35. Gebhardt, Gr>luauers'raße34 vorn 1U. verlang, �, �'"Pevanlrewis. Rebatteuv: Carl L:id in Berlin. Inseratenteil veraiitivortlich: Th. Glocke i» Berlin. Druck«. Verlag: Vorwärts Buchdrücke»! und Leriagsanltalt Paul Singer k E?., Berlin i W. Achtung, Buchdrucker! Buchdruckerei- Hilfsarbeiter! Die Walzengieß-Anstalt von ?sul Smr, Oranienstr. 172, ist wegen Maßregelung unsres dortigen Vertrauensmannes gefperd. 36/2 Die Orsverwaltung, Berlin II. it.»4. 20 mm- 2. Atüllgt k 0 Jormärta" Dtlülltt palbiildti W->»"' Sociales. „Reichs- Arbeitsblatt." Die„Berliner Korrespondenz" meldet: Am 21. d. M. erschien zum erstenmal die vom kaiserlichen Statistischen Amt, Abteilung für Arbeiterstatistik, herauszugebende arbeiterstatistische Zeitschrift. Sie führt den Titel„Reichs-Arbeits- blatt". Es ist gelungen, für die Berichterstattung des Blaltes eine umfassende Organisation zu stände zu bringen. Nicht iveniger als 1000 Stellen, darunter zahlreiche Vereinigungen von Arbeitgebern und Arbeitern, senden der Abteilung ihre Jahresberichte, rund 4000 Krankenkassen, rund 350 Arbeitsnachweise aller Art und bis jetzt etwa 250 Einzelfirmen, Gesellschaften usw. sowie eine große Anzahl gewerkschaftlicher Vereinigungen haben sich zu einer regeSViühigen Berichterstattung bereit erklärt. Das kaiserliche Statistische Amt fand bei seinen Plänen allseitig dankenswertes Entgegenkommen.— Das Blatt erstreckt sich, der ihm in der Denkschrift zum Neichshaushalts- Etat von 1902 gestellten Aufgabe gemäß, 0uf alle Gebiete, die mit den Verhältnissen der arbcitendcit Klassen m Zusammenhang stehen, u. a. wird auch die sociale Gesetzgebung des In- und Auslandes ver- folgt und. soweit angängig, zum Abdruck gebracht werden. Besondere Berücksichtigung findet die Bewegung des Arbeitsmarktes.— Ter Preis des Blattes, das durch den Buchhandel und durch alle Post- ansralten zu beziehen ,st, beträgt im Jahresbczug 1 Mark. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfennige. Die erste Nummer hat folgenden Inhalt: Die Abteilung für Arbeiter st ati st ik. Denkschrift, betrcfiend die Einrichtung einer Abteilung für Arbciterstattstik.— Bestiinmungen, betreffend den Betrat für Arbeiterstatistik.— Geschäftsordnung des Beirats für Arbeiterstatisrik.— Arbeits markt. Die Berichterstattung des„Reichs-Arbeitsblattes."— Der Arbeitsmarlt im Monat März 1903, nach den Berichten der Industrie.— Der Beschäftigungsgrad im Monat März 1903 nach den Nachweisungen der Krankenkassen. — Die Ergebnisse der Vermittelungsthätigkeit der Arbeitsnachweise im Monat März 1903.— Ter Arbeitsmarkt im Monat März 1903 in ernzelncn Industrien.— Arbcirsmarkt im Auslande.— Allgemeine Lage des Arbeitsmarktes in Großbritannien im Februar 1903. — Arbeitsmarlt in Belgien(Januar 1903).— Der Arbeitsmarkt in Kanada(Januar 1903).— Arbeitsver Mittelung und Arbeitslosigkeit. Notstandsarbciten in deutschen Städten während des Aintt rs 1902/03.— Arbeitslosen-Zählungen der Stadt Stuttgart.— Ar'.'sitsloscn-Zährung auf Grund der Einkonnnen- sjeuer-Listen in Dresden.— Vorschriften über den Umfang der Be- fugnisse und Verpflichtungen sowie über den Geschäftsbetrieb der Srellenvermittler für Schiffsleutc.— Arbeitsbedingungen. Lohnklausel bei staatlichen Submissionen.— Submissionsbedingungen und Arbeitsordnungen in deutschen Städten.— Erhebungen über die Dauer der im Fleischergewerbc üblichen täglichen Arbeitszeit ein- .schließlich der Sonntagsarbeit sowie der Ruhepausen.— Nachweisung der in den Haupt-Bcrgbaubczirken Preußens im Jahre 1902 ver- dienten Bergarbciter-Löhne.— Preußen. Bestimmungen über die Dienst- und Ruhezeit der Bediensteten, im Eiseitbahnbetriebe.— Frankreich. Cirkularerlatz des französischen Marineministers vom 7. Januar 1903, betreffend die Ausdehnung des Achtstundentages auf alle Arsenale und Betriebe außerhalb der eigentlichen Häfen. — Arbeiterschutz. Die Jahresberichte der bayrischen Fabrik- und Gewerbe-Jnspcktoren für 1902.— Jahresbericht der groß- herzoglich badischcn Fabrikinspektion für das Jahr 1902.— Die Ar- bciterschutz-Gesetzgebung in Frankreich im Jahre 1902.— Preußen. Erlaß, betreffend Schutz der Bauarbeiter.— Arbeitsstreitig- leiten. Die Ausstandsbelvcgung des Jahres 1902 im Deutschen Reiche.— Wohnungswesen. Erlaß des königlich sächsischen Ministeriums des Innern.— Verschiedenes. Auswanderung europäischer Arbeiter nach Australien.— Gesetzgebung. Bekanntmachung. betreffend Beschäftigung jugendlicher Arbeiter bei der Bearbeitung von Faserstoffen, Tierhaaren. Abfällen oder Lumpen. — Gesetz, betreffend Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben.— Preußen, Baden, Elsaß-pothckingen. Bekanntmachung, betreffend die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter auf Stcinkohlen-Bergwerken in Preußen, Baden und Elsaß-Lothringen.— Hessen. Verordnung. die Ausführung des Gesetzes über die Wohnungsfürsorge für Minder- bemittelte vom 7. August 1902 betreffend.— Sachsen- Koburg- Gotha. Verordnung, betreffend Vorschriften zum Schutz der bei Bauten beschäftigten Personm.— Frankreich. Verordnung vom 21. November 1902, betreffend das Verbot des Absaugcns ;(pompage) in den Zinngiefereien Frankreichs.— Belgien. König- jsicher Erlaß vom 17. November 1902 zur Abänderung des Erlasses chom 25. März 1890, betr-fiend Regelung der Arbeitsbedingungen rn Streichholzfabriken Velgens.— D i c Thätigkeit der Ge- tverbegerichte. Die Thätigkeit des Gewerbegerichts Berlin als Eintgrmgsamt im vergangenen Vierteljahre.— Tabellen f u t Arb e i t§ st a t i st ik. Tie Bewegung der Mitglicderzahl der Krankenkassen nach Orten und nach Regierungsbezirken.— Die Orts- Kran lenkasien nach Regerungsbezirken.— Die Betriebs- usw. Krankenkassen.— Die Hilfskasscn.— Die Vermittelungsthätigkeit der Arbeitsnachweise._ Tie Generalversanmlungen der Orts-Krankenknssen in Mühl- Hausen(Thüringen) hcben den Vergleichsvorschlag der Aerzte, der von der Aufsichtsbehörte warm unterstützt wurde, abgelch.nt; die Kassen bestehen auf ikrem Standpunkte, andre Aerzte anzustellen. In einer in der Sonttaguacht nach Schluß der Versanrmlung der Orts- Krankenkasse l»och abgehaltenen Besprechung der Vorstände der beteiligten Kassen wurden die Maßnahmen zur Ausführung des Bersammlungsbeschluses beraten. Die Aerzte haben daraus den Vorständen mitgcteil'. daß sie nunmehr gezwungen seien, die söge- nannte Kampstare— den dreifachen Betrag der Mindestsätze der preußischen Gebührmordnung vom 15. Mai 1896 wieder einzu- führen._ ßcrluicr partei- Hngelegcnbcitcn. Achtung! Baihandwerker des Kreises Ruppin-Templin. Donner?- tag, den 23. d. A. abends 8>/z Uhr, findet im Lokale von Dieke eine Befprechune statt. I. A.: L. Krasemann. M. Kiesel. Lichtenberg. Am heutigen Donnerstag hält der social- demokratische Wahlvcrein seine ordentliche G e n e r a l v er s a m m l u n g im großen Saale des Schwarzen Adler, Frastfurter Chaussee 120, ab. Neben den Berichten des Vorstandes uw. sollen die statutengemäßen Ersatzwahlen vor- fenommen wrden. Auch werden neue Mitglieder aufgenonunen. )er Vorstaw erwartet vollzähligen Besuch. Numm'sburg. Den Mitgliedern des Wahlvereins zur Nachricht. daß am Sonnabend, den 25. d. M., abends 8 Uhr. die G c it e r ol v e r s a»n m l it it g im Lokal des Herrn Hahn, Haupt- straße 4,«tattfindet. Tagesordnung sowie alles andre siehe Inserat n der morgigen Nummer. Der Borstaitd. KS-enick. Heute, Donnerstag, den 23. April, abeitds 8 Uhr, findet in KleinS Stadttheater eine öffentliche V e r s a in m- luns für Männer und Frauen statt, in welcher der Reichstags- Abge-rdnete Fritz Z u b e i l über die bevorsteheuden Reichstags- ivahen referieren wird._ lokales. Schicksale cineS„Laudfsiichtigeu". vor einigen Monaten langte hier in Berlin eine Arbeiterfamilie m, die bis dahin auf einem pommerschen Gntshofe thätig gewesen war. Die Erlebnisse dieser Familie bei ihrem früheren„Brotherrn" ivcrfen ein derartig grelles Schlaglicht auf die Lohn-, Arbeits- und Rechtsverhältnisse der Landarbeiter in dem lieblichen„Puttkamernn", daß wir es uns nicht versagen können, dieselben öffentlich zn be- sprechen, zumal sie für die Zustände von ganz Ostelbien typisa) sind. Bei dem Rittergutsbesitzer, Oekonomierat und— Amtsvorsteher Meyer in W o l t e r s d o r f bei Pencun, Kreis Randow, ist der Arbeiter M. 2,/t Jahr als verheirateter Pferdeknecht im Dienst ge- Wesen. Eines Tages, als mehrere Knechte mit ihren Fuhrwerken des Nachmittags gegen 4 Uhr ans benachbarteit Orten nach dem Gute zurückgekehrt waren, verlangte der Sohn des Besitzers— natürlich ein„Herr Lieutenant", daß noch sofort die Wagen auf dem Wagen- platz trainmäßig zurccht geschoben werden sollten. Einer der Knechte widersprach den Anordnungen des Lieutenants mit dem Bemerken, er sei hungrig und wolle erst Mittag essen. Der„junge Herr" sah in dieser Widerrede jedoch gleich eine grobe„Jnsubordinatton" und glaubte dieselbe dadurch am besten sühnen zu können, daß er den Knecht kurzerhand verprügelte, wie das in jenen etwas zurückgebliebenen Gegenden ja noch ziemlich allgemein üblich ist. Später sprach der Knecht dann mit seinen Mitknechten über die fiir ihn so unangenehm verlaufene Weigerung, und hierbei meinte der Arbeiter M., daß sie es eigentlich alle so hätten maclien müssen, deim das Wagenriickcn hätte ganz gut bis nach dem Essen Zeit ge- habt. Diese Äeuherung hörte der Inspektor und teilte sie brühwarm dem Gutsherrn mit. Sogleich ließ dieser den Arbeiter zu sich kommen und herrschte ihn an:„Was, Du unterstehst Dir, die andren Knechte aufzuwiegeln? Du bist sofort entlassen, innerhalb 24 Stunden räumst Du mir die Wohnung." Um sich nun anderiveitig Wohnung und Arbeit besorgen zu können, bat M. um einen Entlassuiigsschein. Den erhielt er auch, doch es war ein regelrechter Uriasbrief mit dem Vermerk:„Der Knecht M. wird wegen Auswiegelns der andren Knechte von mir entlassen." Als M. sich den bescheidenen Hinweis erlaubte, daß er auf solchen Schein wohl weit und breit leine Arbeit bekäine, wurde ihm die Antivort: Eben deswegen habe ich ihn Dir geschrieben. Thntsächlich bekam der M. auch in der ganzen Gegend keine Arbeit wieder, obwohl er sich redlich darum bemühte; auch mußte er seinem Schöpfer danken, daß ihm und seiner Familie eine zufällig leerstehende Gemeindewohnung zur Verfügimg gestellt wurde, sonst. hätte er noch obendrein kein Obdach gehabt. Sein bißchen Vieh aber, was er sich als Tagelöhner mühsam herangezogen hatte, als Ziegen, Gänse und ein paar Schweine, mußte er bald aus Not verkaufen, weil ihm der Gutsherr das Haistttfuttcr dafür, die konttaktlich zu leistenden Futterkartoffeln, als Ersatz für eine künstlich ssipulierte Schuldforderung einfach vorenthielt. Da eine diesbezügliche gerichtliche Klage gegen den Gutsherrn erfolglos blieb, war der Arbeiter geradezu an den Bettelstab gebracht. Wehe dem, der es als Landarbeiter dort wagt, �eineu der hoch- mögenden Herrn Gutsbesitzer auch noch zu verklagen" Wie ein Ge- ächteter kann er von Gut zu Gut, von Ort zu Ort wandern, nirgends bekommt er wieder Arbeit. Dies mußte auch der Arbeiter M. erfahren, und deshalb war er ftoh, als er endlich durch Vermitteünig von Verwandten nach Berlin ziehen und sich hier in einer Fabrik Arbeit suchen konnte. Leider ist der Mann infolge deS vielen Aergers über den Verlust seiner geringen Habe und der ans- ßestandeucn Entbehrungen ernstlich erkrankt, so daß er gegenwärtig un Moabiter Krankenhaitse siegt. Interessanten Auffchlnß über das Einkommen einer solchen Landarbetterfaniilie giebt der vom Gutsherrn festgesetzte Kontrakt, der den Knecht verpflichtet, alle ihm auf- getragenen Arbeiten zu thun und die Arbeitsgeräte dazu sich selbst zu halten. Dafür erhält er pro Jahr an Barlohn 200 Mark; an Deputat(nach eignen Aufzeich nungeit des Be- s i tz e r s gleich in Bargeld umgerechnet) 24 Scheffel Noggeu a 6 M.--- 144 M.. 9 Scheffel Gerste a 6 M.---- 54 M.. 3 Scheffel Erbsen a 6 M.— 18 M.. 1 Scheffel Hafer= 8.60 M.. 3 Fuhren Torf— 24 M., Gartenland und Ziegengras resp. Heu— 30 M.; freie Weide fiir Gänse, wofür„ortsüblich" der Herrschaft jede zehnte Gans als Weidegans abzugeben ist. Hat der Arbeiter über zehn junge Gänse gezogen, so wird fiir die 11. bis zur 19. Gans noch ein prozentualiter zu berechnender Geldbettag erhoben. Ferner be- kommt der Arbeiter 1 Morgen Kartoffelland und freie Wohnung, be- stehend ans einer kleinen Stube nebst Kammer und etwas Stallraum, wofür die Frau täglich einen halben Tag gegen eine Barentschädi- gung von 3 5 Pfennigen auf Arbeit kommen muß. Geht die Frau das Jahr über regelmäßig auf Arbeit, so bekommt sie noch einen halben Morgen Kartoffelland extra. Der Gesamtwert der zn erntenden Kartoffeln beziffert sich auf etwa 80 M.(Eß- und Fntterkartoffeln zn 1,50 M. resp, 80 Pf. pro Centner berechnet.) Der Verdienst der Frau für 300 Arbeitstage a 35 Pf. ergiebr 105 M. Mithin beläust sich der Jahresverdienst von Mann und Frau in Summa auf 658,60 M., wovon nur 305 M. Bargeld ist. Ver- gleicht man hiermit die Angaben unsrer ehrenwerten Notstands- aararier. welche das Dtnrchschmttseinkoinnteu eines Landarbeiters schon auf 12 bis 1500 M. berechnet haben, wenn es galt, der Oeffent- lichkeit Sand in die Augen zu streuen— so bedarf es kaum noch eines Wortes der Kritik. Trotz aller agrarischen Schönfärberei bleibt es dabei: Ein elender Lohn, hunosmiserable Behandlung und schweinestallartige Wohnungen, das sind die wahren Ursachen der Landflucht der Arbeiter und— der Leutenot. Der Umschulungsjammer. In den Gemeindeschulen sind die berüchtigten Um- schnlungen, die zu Beginn jedes neuen Halbjahres nötig werden, jetzt in vollem Gange. Die Umschulungskonserenzen haben stattgefunden, die Organe der Schulverwaltung haben sich über die Lage informiert— nun heißt es: abschieben, was überzählig i st. lieber die Zahl der Kinder, die einzelnen Klassen beim Schnl- anfang zugewiesen worden waren, erhalten wir ganz abenteuerlich klingende Meldungen. Die Angaben, die man uns macht, reichen hinauf bis zu 125 Kindern in einer Klasse. In solchen Klassen muß es in den ersten Tagen nach Schulbeginn toll hergegangen sein. Infolge dieser Uekersllllungen sind die Umschulungen in manchen Stadtteilen wieder ganz außerordentlich zahlreich und führen ge- legentlich zu scharfenZnsammenstößen zwischenSchule und Haus. Manchen Eltern ist es allerdings„sehr gleichgültig, ob ihr Kind die so und so vielte oder die so und so dielte Schule besucht". Andre aber haben erkannt, daß diese fortwährenden Um- schulnngen weder in unterrichtlicher noch in erziehlicher Hinsicht von Vorteil für die Kinder sind. Sie wehren sich daher mit Entschiedenheit dagegen, daß ihr Kind einer andren Schule überwiesen wird. Für die Rektoren ist da die erste Woche nach den Ferien eine harte Zeit. Selbswerständlich sind sie an dem ganzen Jammer völlig unschuldig und leiden mindestens ebenso sehr darunter wie die Eltern. Aber sie müffen als Puffer zwischen den Eltern und der Schulverwaltmtg dienen und haben in diesen Tagen so manches einzustecken, was an eine ganz andre Adresse gerichtet ist. Da kann man es ihnen kaum verübeln, weint ihnen schließlich auch mal die Galle überläuft. Auch die Kinder lassen übrigens die Umschulung nicht immer glcichgülsig über sich ergehen. Bei vielen giebt es Thrätten. weim ihnen angekündigt wird, daß sie tniigeschttlt und damit ans dem vertrauten Kreise der Schul- und Spiclgenossen heranSgerissen, von dem ihnen lieb gewordenen Lehrer oder der Lehrerin getrennt werden sollen. Besonders die Mädchen sind manchmal darüber ganz trostlos. Eltern und Kinder Huben bei dtesettt Widerstand gegen die Um- schulungen.einen großen Teil der Lehrerschaft auf ihrer Seite. Es Ivird uns auch mitgeteilt, daß einzelne Lehrer und Lehrerinnen die Eltern geradezu aufgefordert haben, durch Eingaben an die Schuldeputation darauf hinznlvirken, daß die Um- schulung rückgängig gemacht lvird. Der„Vorwärts" hat den Eltern diesen Rat schon früher und wiederholt gegeben, und es kann nicht dringend genug empfohlen Iverden, ihn zu befolgen. Wenn die Schulverwaltuiig uiertt, daß die Eltern entschlossen sind, s i ch den ll nt s ch u l u n g s n u s n g nicht länger gefallen zu lassen, dann wird vielleicht doch mal eine Besserung erreicht werden. Die Stadt hat die Pflicht, in allen Stadtteilen eine hin» reichende Zahl von Schulen, Klassen und Plätzen bereit zu halten, damit auch bei einem unerwartet großen Zuwachs von Schullindern leine Umschulungen nötig iverden. Die Bevölkerung Berlins hat im März wieder, wie fast in jedem Jahre, eine Verminderung erfahren, weil in diesem Monat die Wegzüge sehr viel zahlreicher als die Zuzüge waren. Nach dem Ergebnis der BevölkeriuigSfortschreibung hatte Berlin am Sonntag den 1. März 1934484 Einwohner, am Sonntag den 15. März noch 1934 042, dagegen am Sonntag den 29. März nur 1930 730 und am Sonntag den 4. April sogar nur 1924 622 Emwohner. Hiernach ist die Bevölkerungszahl seit Mitte März in drei Wochen um ziemlich 10 000 zurückgegangen. Indes dürsten die folgenden Wochen des April, fiir die die Fortschreibtmg noch nicht vorliegt, zahlreiche Zuziigsmeldtiiigen gebracht und den Rückgang der Bevölkerungszahl bereits wieder ausgeglichen haben. Für das gewerbliche Unterricht-wesen giebt die Stadt Berlin nach dem soeben erschienenen Special-Etat 914 814 M., d. i. 82 000 Mark mehr als im Vorjahre aus. Durch Etintahmen iverden 310 147 Mark gedeckt(mehr: 24 000 M.). so daß der städtische Zuschuß 604 667 M. betragen wird, d. i. nahezu 58 000 M. m e h r als im Vorjahre. Es ist dabei die erfreuliche Thatsache zu berücksCchtigen, daß viele Zweige dieser Verwaltung infolge Vermehrung der Schiller- zahl, Einrichtung neuer Klassen, von Parallelkursen usw.T Ein- führnng neuer Kurse usw. mehr Ausgabe» für die Lehrkräfte und Lehrmittel erfordern. Man ersieht die gewaltigen Fortschritte, welche das gewerbliche Unterrichtswesen der Stadt Berlin in den lebten 22 Jahren gemacht hat, aus einer dem Etats-Entwurf beigegebenen „Uebersicht über die Frequenz der gewerblichen Schulen seit ihrer Entstehung für 1903". Damals begann z. B. die erste Handwerker- schule mit 447 Schülern, in diesem Winterhalbjahre zählt dieselbe bereits 2294 Schüler, die zweite Handwerkerschule eröffucte ihr erstes Semester 1892 mit 441, heute wird sie von 1926 Schülern besucht! Der Gelverbesaal zählte im Sommerhalbjahr 1892 nur 993 Schüler, heute besuchen ihn 2481 Schüler. Von den Fachschulen hat sich be- sonders die„Berliner Tffchlerschule" recht gut entwickelt: sie wurde vor zwanzig Jahren mit 99 Schülern eröffnet, und im letzten Winter- Halbjahr konnte sie sich einer Schülerzahl von 1310 erfreuen. Gut besucht ist auch die Fachschule für Buchdrucker, welche 825 Schüler zählt(gegen 350 im Eröffnungsjahre 1893). Die Neu-Aufnahmen vom Januar d. I. sind in dieser Frequenz-Tabelle noch nicht berück- sichtigt worden. Die städtischen Krankenhäuser waren im Jahre 1901/02 erheblich stärker besetzt als im vorhergehenden Jahre. Zwar haben sich die Aufnahmen nicht sehr vermehrt. Die Anstalten Friedrichshain, Moabit, Urban, Gitschinerstraße hatten int vorletzten Jahre 29 499 Kranke atifgenoinmen, int letzten Jahre nahnten sie 29 546 auf. Ans der zweiten Hälfte des letzten Jahres kommt hierzu noch das in städttsche Verwaltimg übergegangene Kmder-KrankenhanS mit 1242 Aufnahmen, so daß für 1001/02 die Gesamtzahl der aufgenommenen Kranke» sich auf 30 788 stellt.(Hierunter waren diesmal 2582 Per- sonen von„außerhalb", im vorletzten Jahre 2600.) Wird der aus dem Vorjahre übernommene Bestand mitgezählt, so wurden in den vier alten Anstalten im vorletzten Jahre 31 731 Kranke behandelt, im letzten Jahre 3t 870, ferner im Kinder- 5krankenhaus 1423, also im Jahre 1901/02 überhaupt 33 293 Kranke. Auch hier ist die Verntehruiig. wenn das Kinder-Krankenhaus außer Betracht bleibt, nicht groß. Bedeutender ist dagegen die Besetzungs- ziffer gestiegen, weil die Behandlungsdauer im letzten Jahre im Durchschnitt länger war als im vorletzten. Die durchschnittliche Tagesbesctzung war in den alten Anstalten int vorletzten Jahre 2197, im letzten 2310, außerdem im Kinder-Kranleuhaus 169, also überhaupt 2479. Die Sterbefälle haben sich trotz der Vermehrung der Ausnahmen und der Erhöhung der Vesetzunosziffer beträchtlich vermindert. ES starben im vorletzten Jahre 4769 Kranke, iin letzten in den vier Anstalten nur 4337, tm Kinder-Kranken- Hause 280. Um Hilfe bei den Kirchenwahlen werben die kirchlich Liberalen mit einem Eifer, der wirklich einer besseren Sache würdig wäre. Der„Kirchlichliberale Parochialverein der Auferstehungs-Genteinde" scheut sich sogar nicht, im Lager der dem kirchlichen Leben völlig fern stehenden Bevölkern ngskreise Stintrneit- fang zu treiben. Eine gedruckte, nn die„evangelischen Mitbürger der Anferstehungs-Getneiitde" gerichtete Ausfordertmg, die den Wählern zugesandt wird, beginnt schwungvoll mit den Worten:„Wahret Euer heiligstes Recht bei der bevorsteheiideiiKirchenwahl I". und fleht dann weiter unten:„Mitbürger! Helft uns bei der Kirchenwahl— auch diejenigen, denen die Religion Privatsache ist". Hoffent- sich hat der kirchliche Liberalismus mit dieser sichtlich auf social- d e nt o k r a t i s ch e Kreise berechneten Bitte um Wahlhilfe kein Glück. Mögen die Liberalen und die Orthodoxen ihre Katzbalgereieu allein betretben. Der Sturmschaden an der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche ist doch bedenklicher, als früher aitgenommen wurde. Während am Soimtag Bausachverständige erklärten, daß jede Gefahr, daß das wackelnde Kreuz von dem kleinen Ostturm herabstürzen könne, ans- geschlossen sei. ist diese Gefahr jetzt so groß, daß besondere Maß- regeln getroffen werden mußten, um sie abzuwenden. Die Polizei sperrte heute die Straße au der östlichen Seite der Kirche nach der Tauenziciistraße zu, und die Firma Dreising u. Sohn aus der Camphausenstraße ist dabei, ein Gerüst bis zur Turm- spitze zu bauen, damit der Schaden ausgebessert werden kann. Infolge des laugen und heftigen Hin- und HerwackelnS ist näntlich die Kreuzstange in der zwei Meter starken Sandsteiiiplatte. durch die sie hindurchgeht, gebrochen. Das unten an der Stange befestigte Gegengewicht, ein Stein von 25 Centnern, fiel infolge- dessen mit dem abgebrochenen Stück der Stange hinunter und durch- schlug das Gewölbe. Das Kreuz steht jetzt mit dem übrig gebliebenen Staiiaenende nur noch 60 Centiineter in der Steinplatte. hat also, zumal da das Gegengewicht fehlt, durchaus keinen ge- nügenden Halt mehr. Die Ausbesserung des Schadens soll möglichst beschleunigt werden, läßt sich aber ohne Tunngerüst nicht beiverlftelligen. Zur Krisis ini Dentschen Tierschntz-Beretn. Eine Anzahl Mit- glieder des Deutschen Tierschutz-Berems hatte ans Grund des§ 24 der Sayungen die Einberufiiiig einer außerordentlichen General- versantmltmg beantragt, in welcher ttttter andern auch über die Eni- «chttiug der Mitglieder und die Amtsenthebung des Vorstandes ver- handelt werden sollte. Der Vorstand hat den mit Gründen versehenen Antrug zurückgewiesen, und rnrnmehr beabsichtigen Mitglieder auf klagerechtlichem Wege die NngültigleitScrklärniig der Beschlüsse der Generalversamuilmig herbeiznsiihren. Selbstmord eines russischen Studenten. Der 23 Jahre alte, aus Broditz in Rußland gebürtige Student der Medizin Josef Aschkennsy» Rewicz, der hier an der Universität und in der Tharitü Vorlesungen hörte und in der Elsasserstraße wohnte, lebte so flott, daß er mit seinem Monatswechsel von 135 Rubeln nicht auskam und hier und da Schulden machte. In der letzten Zeit arbeitete er zu Haus- nur noch wenig und auch in der Charits ließ er sich nur noch unoegelmähig sehen. Am 1ö. d. M. begleitete er eine russische Studentin, die von hier in ihre Heimat zurücklchrte, bis an die Grenze. Als er von diesem Aus- singe zurückkehrte, war er noch viel aufgeregter als er sonst schon gewesen Ivar. Schließlich wähnte er, daß man ihm nachstelle, um ihn zu vergiften. Gestern nahm er an der Ecke der Elsasser- und Großen Hamburgerstraße eine Tarameterdroschke erster Klasse und beauftragte den Kutscher, ihn nach der Bcrlinerstraße in Charlotten- bürg zu fahren. In der Nähe des Tiergartens schoß er sich im Wagen eine Revolverkugcl in die rechte Schläfe. Der Kutscher fuhr nun rasch mit ihm nach der Charits, Ivo er aber nur noch einen Toten einlieferte. Der Revolver enthielt noch fünf scharfe Patronen. Auf der Wanderschaft erhängte sich der 40 Jahre alte Arbeiter Ewald Weber ans Bannen. Der Mann arbeitete über 21/a Jahre lang in einer Fabrik nm Rhein als Gnßputzer und hörte dort am 15. d. M. auf, um sich zu verändern. Gestern fand man ihn in der Köpenicker Forst als Leiche an einen« Baume hängen. Er hatte sich mit seinem Leibriemen erhängt. Was ihn dazu veranlaßte, ist nicht bekannt. Polizeilich bcschlagmihmt wurde heute die Leiche des Buch- binders Emil Richter. der Wilhelmstraße 41 möbliert wohnte. Richter, der etwa 26 Jahre alt, am gestrigen Abend völlig gesund und vergnügt nach Hause ging und sich dort, nachdem er in seinem Zimmer noch einige Zeit gearbeitet, gegen 11 Uhr zu Bett begeben, wurde heute früh tot aufgesiinden. Da der Arzt die Todesursache vermutlich nicht mit Bestimmtheit festzustellen vermochte, erfolgte die polizeiliche Beschlagnahme. Einen Selbstmordversuch in der Werkstatt niachte am Dienstag- abend kurz nach Feierabend der 37 Jahre alte Tischler Otto Bartel aus der Franseckistr. 14, der in der Möbelfabrik von Wühler und Schwab in der Landsbergerstr. 106 arbeitete. Weil seine Frau, die 16 Jahre älter ist als er, ihn mit Eifersucht plagte und ihm Vor- würfe machte, wenn er trank— so sagt er wenigstens—, so vcr- suchte er früher schon zweimal, sich zu erstechen. Am Dienstag schnitt er sich in den Hals, lief dann nach Hanse und wurde mit einem Lückschcn Rettungswagen nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, nachdem ein Arzt ihn verbunden hatte. Huq den Nachbarorten. Schöneberg. Unsre Parteigenossen machen wir auf die am 1 8. M a i beginnende Auslegung der Wählerlisten aufmerksam. Da dieselbe jedenfalls nicht länger als 8—10 Tage dauern dürfte, so empfiehlt es sich, mit der Angabe der Adressen der- jcnigen, die zur persönlichen Einsichtnahme verhindert, an die bereits bekannten Genossen zu beginnen. Der Schöneberger Stadtbezirk ist, wie wir hören, zur ReichStagswahl in 33 Wahlbezirke eingeteilt. In Wilmersdorf rangen um das letzte Mandat zur Gemeinde- Vertretung am Dienstag drei Kandidaten der I. A b t e i l u n g. Eine wirklich seltene Erscheinung. Die Wahl führte zur Stichwahl; es wurden 90 Stinnneii abgegeben. Ein neuer ErwerbSzwtig für Frauen. Nach einer Meldung der „Stegl. Ztg." werden seit einiger Zeit bei den Erdarbeiten am Teltow! anal Frauen beschäftigt, welche gleich ihren männ- lichen Kollegen die schwere Arbeit mit Hacke und Schaufel ver- richten. Sollten vielleicht in Berlin und seinen Vororten keine Arbeiter zu finden sein, daß der Unternehmer seine Zuflucht zum weiblichen Geschlecht nehmen muß? Oder arbeiten diese Frauen noch billiger wie die Männer?— Was sagt die Verwaltung des Kreises Teltow zu dieser Ausführung eines Kultur Werkes mit weiblicher Arbeirskraft? Friedrichsfelde. Armenhauszustände. Zu der am 17. d. M. erfolgten Verurteilung des hicsigeii Amts- und Gemeinde- dieners Brauner, wegen Mißhandlung eines 8Ljührigen Greises zu 50 M. Geldstrafe, diene folgende Aufklärimg: Als am 19. Februar vorigen Jahres der Genosse Pinselcr in einer Volksversammlung der Gemeindevertretung den Vorwurf der argen Vernachlässigung der Ortsarmen, besonders der Insassen des Armenhauses machte, da suchte man in bürgerlichen Kreisen zu beschwichtigen oder auch die Sache totzuschweigen. Hatte doch Genosse P. festgestellt, daß in einer aus Küche und Stube be- stehenden Wohnung sdie Stube ca. 16 Quadratmeter Bodenfläche, 2,80 Meter hoch, die Küche noch nicht halb so groß) sieben er- wachscne Personen, fünf Männer und zwei Frauen, hausten. War schon damals für Bettlägerige keine richtige Pflege vorhanden, so hat sich das, nachdem das Armenhaus durch Anbau um neun Wohnungen vergrößert wurde, leider nicht gebessert. Damals wie jetzt ist der Amtsdicncr Verwalter des Armenhauses.(Ein andrer SlnitSdiencr ist Verwalter des Gefängnisses.) Wenn man nun bedenkt, daß der Beamte, der bis Abends seinen ordentlichen Dienst versehen muß, um 8 Uhr nach Hause kommt, um nunmehr in seiner Eigenschaft als Verwalter in Anspruch genominen zu werden, so begreift man derartige Seenen. Der offiziell schuldige Teil ist der Amtsdiener, der eigentlich Schuldige jedoch die Gemeinde- Verwaltung. In ein Armenhaus mit ca. 15 Wohnungen gehört ein Verwalter iin Hauptamt, der auch für die leiblichen Bedürf- nisse der Insassen event. sorgen mutz. Gerickts-Leitung. Akademische Raufbolde. Greller kann der Duellunfug kaum noch illustriert werden, als wie dies in einer Verhandlung geschah.� die gestern vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II stattfand. Wegen Zweikampfes mit tödlichen Waffen hatten sich die Studenten der Medizin Böhme und Witt zu verautworten. neben denen der Kartellträger oauck. neck. Dr. Oesterreich auf der Anklagebank stand. Die Geschichte des Duells war folgende: In einer Julinacht des vorigen JahreS begegnete» sich die beiden Komililonen in der Friedrichstratze und berührten sich gegenseitig. Böhme glaubte, Witt habe ihn absichtlich angerempelt und bezeichnete den letzteren als moralisch geohrfeigt. Di- Folge dieses RencontreS war eine Forderung auf krumme Säbel, die Dr. Oesterreich im Auftrage des Witt an Böhme überbrachte. Die Sache wurde vor das Ehren- gericht gebracht, vor welchen« Böhme verlangte, daß statt der krummen Säbel Pistolen gewühlt würden, da fem rechter Ann von einer früheren Verletzung»och nicht völlig hergestellt sei. Das Ehrengericht fand aber, daß Witt auf den Fützcn schwach bestellt sc, und schloß daraus, daß die vermeintliche Anrcmpelung nur ein un- b'-absichtigtes Anstoßen infolge unsicheren Ganges gewesen sei. Das Ehrengericht machte Vermittlungsversuche und Witt war auch bereit, sein Bedauern auszusprechen, Böhme aber verlangte eine formelle Abbitte, die wiederum Witt nicht leisten wollte. Die Ver- mittelungsversnche schlugen also fehl, das Ehrengericht blieb aber dabei, daß in diesem Falle eine Forderiing nicht erforderlich sei. Als die beiden Gegner den Sitzungssaal des Ehrengerichts ver- ließen, nannte Böhme den Witt einen„gemeinen Kneifer!" und gab ihm eine Ohrfeige dazu, die Witt prompt erwiderte. Nunmehr fand eine neue Forderung auf Pistolen und ebenso eine neue Ehren- gerichtssitzung statt, welcher diesnial Dr. Oesterreich präsidierte. Wieder fanden Versöhnungsversuche statt, die aber wieder ergebnislos blieben, woraus die Forderung gebilligt wurde. Es wurde dreimaliger Kugelwechsel bei 15 Schritt Distanz ohne Avancieren verabredet. In der Nacht vom 22. Juli zwischen 2 und 3 Uhr morgens fand das Duell im Grunewald in der Nähe von Hundckehle statt, wobei Dr. Oesterreich als Unparteiischer fungierte. Das Duell verlief unblutig, es wurden nur sechs Löcher in die milde Morgenluft geschossen. Vor Gericht gaben die Angeklagten den That- bestand zu. Aus Befragen des Vorsitzenden, ob man absichtlich in die Luft geschossen habe, erwiderte Böhm„Ja I". Witt dagegen lehnte eine Beantwortung der Frage ab. Da Dr. Oesterreich nachweisen konnte, daß er in allen Staoien des ZwffteS ernstlich bemüht gc- wesen ist, die Gegner zu versöhnen und den Zweikainpf zu verhindern. so erfolgte seine Freisprechung. Die beiden Duellanten wurden ein jeder zu vier Monaten F e st u n g s h a f t verurteilt. Tie liebe akademische Jugend. Ein Streiflicht auf die Wirts- hauSgcwohnhciten der Studenten warf am Montag eine Verhandlung vor dem Charlottcnbnrgcr Schöffengericht. Am 27. September v. I. hielten etwa ein Dutzend Kommilitonen der Studentenverbindung „Aftraria" einen Kneipabend in dem Lokale dcS Restaural-urS Sprecher in Charlottenburg, Wilmersdorferstr. 107a, ab. Gegen Mitternacht, als sich die jungen Herrchen bereits in ziemlich animierter Stimmung befanden, gerieten einige von ihnen in Meinungs- differeiizen, die zu einem gerade nicht gelinden Tumult ausarteten. Sie flhimpfien und skandalierten in ihrer Kneipbudc, und einer warf die Thür derartig ins schloß, daß der Kalk von den Wänden fiel. Durch ein solches Benehmen fühlten sich die übrigen Gäste im Lokal belästigt und ersuchten den Wirt, Ruhe zu schaffen, widrigenfalls sie gehen würden. Wirt und Kellner thaten denn auch ihr möglichstes, um die Studenten zu besänftigen, doch vergeblich. Erst die kategorische Aufforderung des Wirtes, das Zimmer-.u verlassen, schien Eindruck auf sie zu machen, sie rüsteten zum Ausbruch. Hierbei kam es aber infolge von einigen wenig schmcichelhaflcn Zurufen seitens der anderen Gäste zu einer allgemeine» Keilerei, wobei der Wirt und dessen Frau sowie mehrere andre Personen von den Studenten gr- stoßen, geschlagen imd teilweise erheblich verletzt wurden. Ein Gast jedoch,'der Privatbcamte I., faßte die Sache ein wenig anders auf. Nach einem Wortwechsel mit dem Studenten Wolfs kam es zwischen beiden zum Handgcmeuge, und dabei erhielt Wolfs von I. einen Schlag mit dem Billardqucuc über den Koos, so daß er sich in ärzt- liche Behandlung begeben mutzte: Alle diese Borgäuge führten zu einer Untersuchung gegen die Studenten Wolff. Goctzc, Schirmcr, Pricpkc lind Paul und Erich B c r t h o l d wegen Hausfriedensbruchs und Äörvcrvcrlctzung. Das Verfahren gegen sie wurde jedoch e i n g e st c l l t. Dagegen hatte die Staatsanwalt- schaft�don Privatbcamte» I. wegen Beleidigung und Körperverletzung des Studenten Wölfs in Anklageziistand versetzt. Ter Angeklagte behauptete zwar, lediglich in Notwehr gehaiidcli zu haben, dennoch erfolgte seine Verurteilung, und zwar wegen Beleidigung zu 10 M. und wegen der Körperverletznug zu 30 M. Geldstrafe eventuell acht Tage Haft. In der Urteilsdcgrnndutzg bezeichnete der Vorsihcnde das Verhalten der Studenten als höchst tadelnswert und billigte dem Angeklagten deswegen auch mildernde Umstände zu. Die Ver- urteilung habe aber erfolgen müssen, weil er über die Grenzen der berechtigten Notwehr hinausgegangen sei. Polizei gegen Streikposten. Dieses uuerschöpfliche Kapitel erfuhr am Dienstag eine überaus drastische Bereicherung durch eine Vcr- handlnng vor dem Schöffengericht zu Charlottenburg. Zu verantworten hatte sich der Dreher H i o b wegen groben Unfugs und Verkehr Sbehin der ung. begangen durch Streikposten- stehen. Die Beweisaufnahme ergab folgenden Thatbestand: An- läßlich des letzten Streiks bei der Firma I a ch in a n n hatte Hiob Streikposten gestanden. Am 23. Dezember und 2. Januar ist er dabei ohne jede Upfache von Schutzleuten festgenommen worden. In der Aussage cinesZkonimissarisch vernommene» Wachtmeisters heißt es nun wörtlich„Auf nie ine Frage nach dem Zweck seines AnfenthallS vor der Fabrik antwortete mir Hiob:„Ich bin Streikposten"; daraus nahm ich ihn fe st." Ein andrer Schutzmann beknndete, ihm sei der Angeklagte als Streikposten gekennzeichnet worden, deshalb habe er ihn zum Verlassen der betreffenden Straße aufgefordert. Hiob sei der Aufforderung damals auch nachgekommen. Nach zwei oder drei Tagen habe er den H. wieder Posten stehen gesehen und da habe er ihn ohne weiteres sistiert. Die Frage des Vorsitzenden, ob in der Nähe der Jachmaniischen Fabrik viel Verkehr sei, verneinte der Schutzmann, trotzdem behauptete er aber, der Angeklagte habe als Einzelperson, auf dem nur schnialcn Trottoir steheiid, den Verkehr in der fast meuscheiileercu Straße behindert. Von dem Vertreter des Rechtsanwalts Dr. Heineniann als Verteidiger des Angeklagten wurde das jeder rechtlichen Begründung hohnsprechende Vorgehen der Polizeiorgane gegen den Streikposten gebührend charakterisiert. Er beantragte gleich dem Amtsanwalt Freisprechung. Nach einer Bc- ratung von etwa zwei oder drei Miimten Dauer verkündete der Vorsitzende die k o st e n I o s e Freisprechung des Angeklaglen. In der Urteilsbegründung hieß es: Zur Sistierung Hwbs habe absolut keine Veranlaffung vorgelegen. Das Eintreieu in einen Streik sei den Arbeitern geietzlich gestattet, inithin müßte ihnen auch das Posteiistehen an sich als Mittel zur Durchführung de? Streiks erlaubt sein, soweit dies in dem rechtlich umgrenzten Rahmen aus- geübt werde. Diese Grenzen seien von dem Angeklagten in keiner Weise überschritten worden, vielmehr ist seine Verhaftung lediglich deshalb er- folgt, weil er Stteikpostcu gestanden hat. Dazu sei die Polizei aber nicht berechtigt. Aus der BcweisaufuahNie habe sich ergeben, daß der Angeklagte weder groben Unfug verübt. noch die Straßcnpolizei- Verordnung verletz! habe, weshalb auf Freisprechung erkannt werden mlißte.— A-Hnliche freisprechende Urteile sind in letzter Zeit nun schon eine ganze Anzahl gefällt worden. Trotz alledem wiederholen sich die völlig unberechtigten Verhaftungen' von Streilpostei» sozusagen tagtäglich. von der ihnen dabei zu teil werdenden Behandlung ganz zu schweigen. Die Hauptschuld an derartigeu Mißgriffen tragen zweifellos die höheren Polizei-Organe, die die Schutzleute nicht genügend instruieren. Erst aus den Gerichten merken die Schiltzleute zu ihren» eignen Erstauneii dann nur zu häufig, daß ihre Auffassung vom Streikposteusteheu mit Recht und Gesetz im krassesten Widerspruch steht. Wegen Beleidigung der Eisendahndircktion Knffel hatten sich gestern der Schriftsteller Paul Roland und der verantwortliche Redakteur des„Tag", Dr. Euiil Schultz, vor der zehnten Straf- kammer des Landgerichts I unter Vorsitz des LandgerichtSrats Kode zu verantworten. Ende Dezember ging durch mehrere Blätter eine Notiz, wonach einS der Opfer des Padcrborner Eisenbahnunglücks, der Tapezierer Matz aus Berlin, der ans unab'ehbare Zeit völlig erwerbslos gewordc.i, unerwartete Schwierigkeiten bei der G.'ltend- machung seiner Entschädigungsansprüche an den Eisenbahnfiskus zu überwinden habe. ES wurde u. a. gesagt, daß der FiSknS auf Matz einen Druck dahin auszuüben suche, daß er sich einer nochn...ligen Operation unterlvcrfcn möge, die gute Anssichtcn auf Erfolg habe und die Zahlung einer vermindertön Rente ermöglichen würde. Matz, den« bekannt sei, daß eS bei der Operation auf Tod und Leben gehe, trage ernste Bedenken, dein Eisenbahn- FiSkus zu Liebe, sich nochmals der Todesgefahr auSzilsetzen usw. Diese Thaffachen hatte der Angellagte Roland in einem Artikel des „Tag" unter dem Titel«Ich möchte nicht Matz heißen" in satyrischer Weise besprochen und bei dieser Gelegenheit das System des FiSkaliSniuS gegeißelt. Die Eiseubahudirektion Kassel sandte darauf eine Richtigstellung ein, die der Angeklagte, obgleich sie den Vor- schriftcn des Preßgesetzes nicht entsprach, teilweise zu»i Abdruck brachte, aber einige satyrische Bemerkungen hinzufiigte. Die Eisen- hahn-Direktion Kassel stellte darauf den Strafanttag wegen„Beleidigung durch Behauptung nicht erweislich wahrer Thatsachen"(§ 186). Die Angeklagten bestritten jede Absicht der Beleidigung gegenüber der Eisenbahn- Direktion Kassel und behaupteten, daß lediglich eine berechtigte Kritik der Fiskalität in dem Arttkel zu finden sei.— Der Staatsanwalt beantragte, beide Angeflagte wegen Beleidigung zu je 50 Mark Geldstrafe zu verurteilen. Eine Behörde, die ebenso wie die Interessen dcS Fiskalismus auch die Interessen des Publikums wahr- zunehmen habe, werde beleidigt, wenn ihr vorgeworfen werde, daß sie illoyal handle, indem sie sich in raffinierter Weise ihren Eni- schädigungSpflichten zu entziehen suche.— Rechtsanwalt Joseph Cohn beantragte dagegen die Freisprechung, da„Thatsachen" in dem inkriminierton Artikel nicht zu finden seien, sondern lediglich eine Kritik der Methode de» Fiskalismus, durch die sich die Eisenbahn- Direktton keineswegs beleidigt fühlen könne. Der Gerichtshof er- kannte ans denselben Gesichtspunkten auf Freisprechung. Die Berliner Polizeiveroedmmg vom 3. Juli 1891 sollte ein Herr Gürtler dadurch übertteten haben, daß er die Sache» aus dcni von seinem an Diphtherie erkrankten Sohn benutzteil Zimuier nicht in der städtische n Desinfektionsanstalt, sondern in einer privaten Ansialt hatte desinfizieren lassen. Das Landgericht Berlin vcr- urieilte ihn zu einer Geldstrafe, worauf G. Revision einlegte und die Rechtsgültigkeit der Verordnung bestritt. Es wäre nicht zu- lässig, die Benutzung einer bestimmten Desinfektionsanstalt ini Falle der beabsichtigten Desinfektion vorzuschreiben, denn darin läge ein Verstoß gegen die Gewerbcsreiheit. Im übrigen entspräche die vom Angeklagten benutzte Anstalt der Kontinentalen Gesellschaft für Des- infektion und Hygiene allen modernen Anforderungen. Der Sttafsenat des Kammergerichts hob die Vor- entscheidung auf und sprach den Angeklagten frei. Begründend wurde ausgeführt: Es könne dahingestellt bleiben, ob die Vcr- ordnung der Gewerbe-Ordnnng widerspreche. Die Freisprechung müsse schon deshalb erfolgen, weil die Kabinettsorder und das Regulativ von 1835, betteffend die ansteckenden Krankheiten, diese Materie erschöpfend regelten. Von Diphtherie habe darin noch keine Rede sein können, weil man diese Krankheit damals noch nicht erkannt hatte. Die Verordnung vom 3. Juli 1891 sei ans diesen Gründen nicht anwendbar. Daß die in neuerer Zeit erlassenen Polizeiverordnnngen mit Bezug auf Diphtherie ungültig seien, erkenne die Regierung dadurch an, daß sie durch das preußische EinftihrungSgesetz zum Reichs-Menschenseuchen-Gesetz jetzt diese Materie regeln wolle. Das Gesetz habe aber noch keine Rechtskraft. Versammlungen. Tie Frage der Homosexualität beschästtgte am 21. April eine imposante öffentliche Versammlung, die im großen Saal von Buggcn- Hägen stattfand. Herr v. O p p e l l. ehemals Distriktsarzt in der Kaplolonie. hielt das Referat. Nach allgemeinen Ausführungen Iiiltiirgeschichtlicher und nalurwlsscnschaftlicher Art über das Gc- schlechtsieben kmn der Redner aus den Fall Krupp zu sprechen und meinte, daß man nach allem, wa» über Krupps Persönlichkeit bekmmt geworden sei, mit malhcmatischer Gewißheit folgern könne, daß er zum sogenannten dritten Geschlecht gehörte. Ohne Zweifel sei Krupp ein Opfer des§ 175 des Strafgesetzbuches mit seinem Verbot der Bethätignng homoserneller Neigung zwischen Männern und dem weit verbreitete» ungerechtfertigten Vorurteil gegen die Homosexuellen. Der Referent, der sich auf viele wissenschaftliche Autoritäten berufen konnte, kam zu dem Schluß, daß es höchste Zeit sei, den tz 175, der schon so viel Unheil angerichtet, so viel Blut gekostet habe, zu be- scitigcn. tLcbhaftcr Beifall.)— Es entspann sich eine lebhafte Debatte. Tic Herren Licht und Nervenarzt Dr. Burchardt beteiligten sich daran im Sinne des Referats, während Herr E a m die Homosexualität als krankhaft bekämpfte und den§ 175 aufrecht- crhaltcn wünscht. Dr. jur. Herbert meinte, der Staat müsse der Verbreitung von Vorstellungcll, müsse einer geistigen Epidemie cnt- gegenwirkeii, die den homosexuellen Aertehr fördern könnte. Aller- ding» wäre 8 172 in seiner heutigen Fassung aufzuheben, denn die geborenen Homosexuellen, die er als Kranke, als nicht gemeingefährliche Irre betrachte, müsse man ihren Weg gehen lassen. Dagegen müßte unter Si.afe gestellt werden die Verleitung zu Homo- sexuellem Verkehr.— Herr R e m k e hält vom religiösen Stand- punkte au» weitgehendstes Mitleid mit den Homosexuellen für angebracht.— Herr v. Oppell und Dr. Burchardt, der den Vorsitz hatte. ermahnten die Versammelten zum Schluß, sich mit der behandelten Frage näher zu beschäftigen und den anders veranlagten Mitbrüdcrn gerecht zu werden._ Vcrmifcbtes. Zahlreiche Menschenleben hat. wie die inzwischen eingangenen Nachrichten melden, der in ganz Deutschland herrschende Orkan ge- fordert, lieber da» Unwetter am 19. und 20. d. M. und seine Folgen wird heute noch gemeldet: FcucrSbrünstc. Lemberg. 22. April. In dem Vorort Zastacie der Stadt Grodck wurden gestern durch eine FeuerSbrunst über 60 Häuser eingeäschert. In L a n c z y n(Bez. Nadworua) wütete gestern ebenfalls ein großes Schadenfeuer, bei welchem über 300 Häuser niederbranntcu. Erdbeben. Petersburg. 21. April. Im Gebiete von Semiretschensk lGouvernenient Turkestan) fand am 19. d. Mts. ein Erdbeben statt, dem ein starkes Getöse voranging. Elbing, 22. April. In den Stürmen der letzten Tage sind, wie die„Elb. Ztg." berichtet, an der pommerschen Küste fünf T o lkem i te r S ch un e r�g estra n d et. die von Pillau nach Rügen und Bornholm in See gegangen waren, wobei die aus drei Personen bestehende Beiatzung eines derselben u m k a m. Zwei andre gleichzeitig von Pillau abgegangene Tolkemiter Schuucr werden noch vermißt. Breslau. 22. April. Bisher wurden in Schlesien fünf» zehn im Schneesturm erfrorene Personen auf» gesunden. Mehrere andre werden noch vermißt. G l c i w i tz, 22. April. Der„Obcrschlesische Wanderer" meldet: In den Nachbardörfern wurden vier bei den letzten Schneestürmen erfrorene Personen unter Schneewehen aufgefunden. Friedland i. Mecklbg., 21. April. Am Sonnabendabend wurde der Arbeiter Mendt, als er sich aus dem Heimwege von dem Dorfe Köln bierhcr befand, von dem stcrkcn Schneetreiben überfallen. Er wird sich dann an der Böschung des Bahnkörpers hin- gesetzt haben, und. von dem Marsche in dem Unwetter ermüdet, ein- geschlafen sein. DicS sollte ihm zum Venerben gereichen, denn an» Sonntagmorgen wurde er erfroren aufgefunden. Die Kälte im Verein mit dem furchtbaren Unwettir hatte ihm den Tod gebracht. lieber noch immer andauernde BerkehrKönmgen infolge des Schneesturmes teilt die königliche Eiscnbahn-Direttion Berlin mit: Die Strecke Neu-Brandenburg— Friedland i. N. ist gesperrt. Auf den Strecken Arnswalde— Kallies— Falkenburg md Kallies— Wulkow (Bezirk Blomberg) ist der Personen- und Güterverkehr infolge Schneeverwehung unterbrochen. Von allen Hauptstädten der Länder des KoltinentS hat Berlin die bedeutendste Entwicklung erfahren. Im Jahce 1503 zählte die Hauptstadt 170 000 Einwohner, ihre Bevölkeriing fyt sich also in den hundert Jahren vcrelffacht. In demselben Zeitnuin ist die Bc- völterungszahl von Paris von 714000 auf 2 711000, von Wien von 240 000 auf 1 675 000 und London vor 870 000 auf 5 000 000 gestiegen. Während Berlin in feiner Eitwickliing sich an der Spitze der Hauptstädte befindet, ist es doch vm andern Groß- städten des Deutschen Reiches überflügelt worden. So hat sich die Einwohnerzahl von Düsseldorf verzwanzigfacht, sie st seit 1803 von 10 000 aus 215 000 gestiegen. Es Folgen dann Leipzig mit 33 000 auf 460 000, München mit 38 000 auf 500 000, Hanvurg„Stadt", welches 1808 120 000 Einwohner hatte. Dresden und Köln, die je 50 000 und Franlsiut a. M., welches 1803 43 000 Einvohner auf- zuweisen hatte. Noch viel bedentender ist die Entwiclung, welche die Vororte Berlins erfahren haben. An deren Spitze steht Ober- Schöncweide. dessen Einwohnerzahl in den 40 Jahre», seines Bc- stehenS auf nahezu 8000 gestiegen ist. Witterungsübersicht vom 22. April 1903, morgens<«Hr. Stationen Swincoidc. Haniburg Berlin Fra»kf.a.M München j748 Wien>752 I 3 8f 7S0WSB 750 Still 748? SW O D Setter 2wolkcnl — hcdcckt »-legen .Iwollig 1 wolle»! S« s? h a Stationen Haparanda Petersburg Cork Nbcrdeca Paris ZS ü£ o 5 K I 715>9* 754 jDlD~ 745,0 Atter 3% Ä Ii |? W ist 2 bedeckt-4) Swolkenl I bedeckt Wetter-Prognose für Donnerstag, den 23. April 1003. Ziemiich trübe und regnerisch, zunächst etwas wärmer bei schwache». jüdölllichcn Winden. Berliner ZSetterbureau. l-'U fz%,X. III UUV.ll wvvwivu w-- V.>—-------- n----- �-----—-—-— Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin, Druck und Verlag: Vorwärts Bachdruckerci und PerlagSanstalt Paul«inger& Co., Berlin SW.