Ur. 101. RbonnementS'Redinsungcn: tJSonncmcntä- Preis pränumerando! Werteljährl. Z,30 Mk, monatl. 1,1V Ml., wöchentlich 28 Psg. ftei WS H-uS. Sinzeine Nummer S Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue«elf tv Psg. Post- ilbomiement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post-Zeitungs- Preisliste für 1003 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. «klchtl»!»g«« diivtl montags. Vevlinev Volkslrlcrkt. TO. Jahrs. vle TnlertlottS'GebDbr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zcile oder deren Raum.0 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereinsund Bersammlungs-Anzeigen 20 Psg. „«leine Anreisen" jedes Wort ü Psg. (nur das erste Wort seit). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedillon abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 1 Uhr abend?, an Sonn- und Fesitagen bis SUhr vormUtiags geöffnet. Zlelegramm-Aorefse: »SoOaliKinoknt R(rllDu. Centralorgan der socialdemokratischen Uartei Deutschlands. l�ctlaktisn: KM. 68» I�inclensU'»sse 69. Fernsprecher: Amt IV, Sir. 1S83._ Freitag, den 1. Mai 1903. expcdttion: SM. 68, Lindcnotraeec 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1084. CHähler! Mit dem heutigen Tage ist die letzte Session des im Juni 1398 gewählten Reichstages geschlossen worden. Indem wir nunmehr unser Mandat in die Hände unsrcr Wähler zurückgeben, glauben wir mit gutem Gewissen denselben das Urteil über unsre Thätigkeit überlassen zu können. Als wir im Frühjahr 1898 unsrcn Wahlaussuf veröffentlichten, versprachen wir, den Kampf gegen Unrecht, Unterdrückung und Ausbeutung in jeglicher Gestalt zu führen und den Fortschritt auf allen Wegen zu fördern. Dieses Versprechen haben wir ehrlich gehalten. Wir thaten, was wir konnten, um Unrecht zu sühnen, Gcwaltthat an den Pranger zu stellen, Ausbeutung zu verhindern, Unterdrückung zu bekämpscn und deni Fortschritt zu dienen. Erreichten wir nur zu oft nicht, was wir erreichen wollten, so lag es an unsrer geringen Zahl, die einer großen Mehrheit von Gegnern gegeniiberstand. Leider haben die letzten ftinf Jahre an Fortschritten, denen wir glaubten zustimmen zu können, nur wenig, an neuen Volksbclastungen und Bedrückungen nur zu vieles gebracht. Der ersten Flottenvorlage vom Jahre 1898 folgte die zweite weit größere von 1990, die auch gewaltige Mehrausgaben verursachte, der eine allezeit bewilligungslustige Mehrheit unter der Führung des Centrums, ihre Zustiinmung unter Kürzung der Rechte des Reichstags gab. Das Jahr 1899 sah die Bewilligung des Militär- Ouinquennats mit einer Verstärkung der Armee um über 19(XX) Mann und den entsprechenden Mehrkosten. In der langen Session von 1991 bis 1993 aber entbrannte der Kampf um den neuen Zolltarif, der in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezeinber 1992 mit einer Zweidrittel- Mehrheit Annahme fand, nachdem diese Mehrheit unter Führung ihrer Prüsidente» Recht und Gesetz mit Füssen getreten und unter Slnwendnng der widerrechtlichste« Mittel die Minderheit vergewaltigt hatte. Dieser neue Zolltarif ist in unsren Augen ein Produkt der Ungesetzlichkeit und der Barbarei. Ungesetzlich durch die Formen, unter denen er zu stände kain, barbarisch durch die Zollsätze, die er insbesondere für die notwendigsten Lebensmittel enthält, die eine Plünderung und Ausraubung der großen Mehrheit der Nation zum Vorteil einer begünstigten Minderheit bedeuten. Auf Grund dieses neuen Tarifcs günstige Handelsverträge für Deutschlands Industrie und für die auf den Kauf von Agrarprodukten angewiesene ungeheure Volksmehrheit zu erhoffen, ist ausgeschlossen. Als entschiedene Anhänger einer Handelsvertragspolitik, die de» Austausch von Waren und Kulturmittel» mit allen Völker» der Erde nach Möglichkeit erleichtert, müssen wir aber Handelsverträge, welche ans Grund des nenen Zolltarifs abgeschlossen, unsre Handelsbeziehnngen mit dem Ausland und die Lebenshaltung der grossen Masse der Bevölkerung verschlechtern, aufs entschiedenste bekämpfen. Wähler! An Euch.ist es, bei den bevorstehenden Wahlen zu entscheiden: ob Ihr die Politik der Plünderung und Ausraubung der Massen zu Gunsten bevorrechteter Klassen ferner sanktionieren wollt. Es handelt sich aber nicht bloß um diese Frage, es stehen auch eine Reihe andrer Fragen in den nächsten fünf Jahren zur Entscheidung. Trotz der seit Jahrzehnten fortgesetzten ungeheuren Nüstungen zu Lande und zu Wasser. in denen Deutschland allen Staaten voraus ist und sie übertrumpfte» und obgleich schon gegenwärtig die Militär» und Marine- Etats mit den zu ihnen in Beziehung stehenden Ausgaben weit über ItHM» Millionen Mark im Jahre verschlingen, stehen abermals neue grosse Nüstungen und diesen entsprechende Mehrausgaben bevor. Das Militär- Öuinquennat geht 1994 zu Ende und alsdann erscheint wieder eine «eüe grosse Militärvorlage. Eine neue Flottenvorlage ist ebenfalls schon angekündigt worden. So trägt Deutschland mit in erster Linie die Schuld, daß die Rüstungen kein Ende nehmen und unter den Staaten ein Wettrennen entstanden ist, bei dem schließlich die Völker zusammenbrechen müssen. Frankreich ist schon seit Jahren an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit an Menschen angekommen und sein Steuer- und Schuldenconto steigt ins Ungcmessene, gleich dem unsren. Rußland hat sich im Osten den Magen überladen und braucht Zeit zur Verdauung. Dazu kommen seine steigenden finanziellen Verlegenheiten, die Notlage seiner Bauern und die Gärung im Innern, die es ihm auf absehbare Zeit ganz unmöglich, machen, an einen großen Krieg zw denken. Aber auch die Ausficht auf eine finanzielle und sociale Katastrophe, die ein europäischer Krieg unfehlbar im Gefolge hat, verbietet es einem jeden der grossen Staate», die Brandfackel an die Pulvertonne zu legen aus die Gefahr hin, den eignen Untergang zu provozieren. Trotz aUedem ist das Deutsche Reich immer wieder der Dränger und Treiber bei diesen Rüstungen. Wähler! Dem muss endlich ein Ende bereitet werden! An Euch ist es, ein millionenstimmiges: Ja. Nun ist�s genug! unsren regierenden Klassen ins Angesicht zn schleudern. Mit den Militär- und Marine-Ausgaben steigen die Ausgaben für die Kolonien, deren Entwicklung die kläglichste ist und die nicht entfernt an Handclswertcn einbringen, was sie alljährlich kosten. Aber auch die übrigen Reichsbedürfnisse steigen von Jahr zu Jahr, trotz- dem sie gleich den Militär- und Flotten-Ausgaben infolge der großen Ebbe in den Reichs- lassen noch gewaltsam zurückgehalten wurden. So scheiterte z. B. die dringend notwendige Erhöhung der Militärinvaliden-Pensionen an dem Mangel an Mitteln. Diese Ebbe in den Reichskassen entstand, obgleich die Schuldenlast des Reiches von 1888, dem Jahre, in welchem der jetzige Kaiser zur Regierung gelangte, bis heute von 721 Millionen Mark auf fast 3999 Millionen Mark mit au 199 Millionen Mark Schuldzinsen per Jahr gewachsen ist, und die Einnahmen aus den Zöllen und indirekten Steuern seit dem Jahre 1873 von 235 Millionen aus über 999 Millionen Mark stiegen. es steht schon heute fest, daß selbst die Mehreinnahmen, die man aus dem neuen Zolltarif erhofft und die sich auf weit über 299 Millionen Mark belaufen Werden, nicht reichen, um die in den nächsten Jahren entstehenden Mehrausgaben zu decken. Eine erhebliche Erhöhung der Bier- und der Tabakfteuer und eine Wehrsteuer, für die ntau besonders in Centrumskreisen schwärmt, werde» eitlaesührt werden, »venn eine ähnliche Mehrheit,»vie die bisherige war, in den Reichstag ihre» Einzug hält. Dieselben Klaffen und Parteien, die ständig mit ihrem Patriotismus prahlen und uns der Vaterlandslosigkeit anklagen, weigern sich aufs äußerste, die großen Einkommen und Vermögen zu den Militär- und Flottcnkosten heranzuziehen, sie halten es aber für patriottsch und gerecht, durch maßlose Zölle, indirette Steuern und Liebesgaben aller Art auf die uotweiidigsten Lebensmittel die armen Klassen anss schatnloseste zu belasten. Wähler! An de»»» Tage, an de»»» die besitzenden Klassen im Reiche gezwungen werden, d»irch Eii»kvl»»»ne»»- nnd Verlnögenssteuer die Nl»kostcn für neue Militär-»»»d Flottenrüstungen aufzubriilgen, ist es»nit der Be- willigung derselben zn Ende. Da»»»» geht der Patriotisiuus dieser Klassen in die Brüche, und damit zeigt sich, wie überflüssig diese Rnftt»ilgen sind. Auch in den Einzelstaateu geht wie im Reich das finanzielle Elend um; sie wissen nicht mehr ein noch aus. Die dringendsten Kulturaufgaben leiden bitter Not, aber für neue Rüstungen sind immer wieder die Mittel vorhanden oder sie iverden beschafft, als seien die Millionen Kot. Wähler! Wenn solchen Zitständen gegenüber Euch nicht endlich der Ged»«lds- faden reisst, dann»vundert Euch nicht,»venu Ihr nicht nur mit Ruten, sondern mit Skorpionen gezüchtigt»oerdet. Und Wie steht es in der inneren Politik? Die dringendsten Reformen in der Rechts- pflege, die notwendigsten socialen Reformen, die Ausdehnung des Arbeiterschutzes, einschneidende Maßregeln für die Volksgesundheit»flu. werden mit der Antiport abgethan: Das kostet zn viel nnd»vir haben kein Geld! Preß-, Vereins-, Versammlungsgesetze, das Koalitions- nnd Genossenschaftsrecht der Arbeiter, die persönliche Freiheit der Bürger und Bürgerinnen weiden in einer Weise behandelt, als stünde Deutschland nicht auf einer der ersten, sondern auf einer niedere» Stufe der Kultur! Dem allen gegenüber giebt es nur ein Mittel der Hilfe: Kamps und wieder Kampf gegen alle, die diese heillose Wirtschaft verschillde»», bis sie überwunden sein»verde«! Insbesondere ist es die Aufgabe der Arbeiterklasse, die am stärksten unter all diese»» Nebel» leidet,»nit allen ihre» Kräften die Socialde»nokr«tie in ihren Kä,npfen »vider das ungeheure Unrecht, das Staat und Gesellschaft Tag für Tag verüben, zu unterstützen. Aber auch die Fra»le», und namentlich die Arbeiterinnen, die bisher von einer politischen Bcthätignug ihrer Menschenrechte ausgeschlossen»vurden, haben bei den großen Fragen, deren Entscheidung durch den Ausfall der Wahlen vorbereitet»vird, allen Grund, für die Kandidaten der Toeialdemokratie einzutreten. Können sie nicht»vählen, so sollen sie agitieren. Ter Agitation aller Art, selbst durch Missbrauch von Kanzel und Beichtstuhl müsse» fie das offene Eintreteu für ihre heiligsten Interessen gegenüberstellen. Die Socialdemokratie kämpft dafür, daß Staat und Gesellschaft aufhören, Klassen- institutionen zu sein, durch welche die herrschende Minderheit die Mehrhell in Abhängigkeit von sich erhält, beherrscht, bedrückt und plündert. Wähler! Darum ans zur Wahl! Der Wahltag soll ein Tag des Gerichts, der Abrechnung sein»nit denen, die Euch hudeln und bütteln; er soll aber auch ein Siegestag sein, von de,n eme neue, schönere Zukunft datiert. Bedenkt, daß Ihr durch die Beschlüffe einer reaktionären Rcichstags-Mehrheit nur alle fünf Jahre einmal z» den Wahlurnen gerufen werdet. Wie selten kommt ein solcher Tag in Eurem Leben. Benutzt ihn also! Benutzt ihn so, daß jeder von Euch mit gutem Gewissen sich sagen kann: Ich habe»«eine Sch»»ldigkeit gethan! Wähler! Uusre Gegner laufen umher wie die Kopflosen und jammern nach einer Wahlparole. Wir haben sie. Eure Wahlparole sei: Rieder mit dem die Völker aussaugenden Militarisinus und Marinismus in semer jetzigen Gestalt! Völkerverständigung! Bölkerfrieden! Nieder»nit einer verderblichen Zoll-»Utd Handelspolitik, die viele Millionen in ihren Lebensinteressen schädigt! Nieder ,»it einer Steuer- und Zollpolitik, welche die Armen bedrückt und die Reiche», begünstigt! Nieder»uit der Reaktion im Innern, der staatlichen Willkür, der Bevor- mundnng, dem Polizeidruck, der Rechtsuusicherheit! Auf zu,« Kainpf für de» Fortschritt auf alle» Gebieten, für Wissen und Ans- klärnng, für Befreiung und Erlösung von allein Druck, den Klaffenstaat, Klassen- Herrschaft und Klassengesetzgebung auf die Schulter« der schwer arbeitenden Volks- »nehrheit geladen habe«. Unser Ziel ist die Herbeisühr,»na der socialistischen Staats- und Gesellschasts- ordnnug, gegründet auf den» aesellschaftlichen Eigentn,» an den Arbeits, Nittel» und der Arbeitspflicht aller ihrer Glieder. Schaffung eines staatlichen und gesellschaft- lichen Zustandes, in dem d»e Wahrheit, die Gerechtigkeit, die Glcichberechtiauna und die Wohlfahrt Atter der unverrückbare Leitstern für alles Handeln ist. Wähler! Wer von Euch diese nnsre Anschauungen teilt, der stimme am ik. Inn»»ur für den Kandidaten der Somldemokratie! Berlin, den 30. April 1903. Die fccIafdetnohratlfcfK fraMion des Reichstags: Albrecht. Antrick. Auer. Laudert. Bebel. Bernstein. Blos. Bock. Calwer. Cramcr. Dietz. Dreesbach. Ehrhart. v. Elm. Fischer(Berlin). Fischer(Sachsen). Förster. Frohme. Geck. Geyer. Dr. Gradnauer. Grimberg. Haast. Heine. Dr. Herzstld. Hoch. Hoftnann. Horn. Kaden. KleeS. Kloß. Kuncrt. Ledcbour. Meister. Metzger. Molkcnbuhr. Pens. Pfannknch. Reißhaus. Rosenotv. Sachse. Schippel. Schlegel. Schmidt. Schwartz. Segitz. Seifert. Singer. Stadthagcn. Stolle. Dr. Südekum. Thiele. Tutzaucr. Ulrich, p. Vollmar. Wurm. Zubeil. t Vas ift 4le Maifeier: Dem Proletariat CrISfung! Den Völkern friede! Dem Seifte freikeit! Die nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker verschwinden mehr und mehr schon mit der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleich- förmigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverhältnisse. Die Herrschast des Proletariats wird sie noch mehr der- schwinden machen. Vereinigte Aktion, wenigstens der civilisierten Länder, ist eine der ersten Bedingungen seiner Befreiung. Karl Marx. Wahl-Mai. Das Maifest der Jnternationalität trifft in Deutschland auf den Tag, da nach Schills; des Reichsparlaments unser Wahlkampf in ganzem Umfange und in aller Wucht anhebt. Die deutsche Arbeiter- klaffe dient den Arbeitern aller Länder, indem sie zum Wahlsieg der hohen Ideale, welche die Arbeiter aller Länder gemeinsam erfüllen, machtvoll rüstet. Den Socialismus in Deutschland zu neuen Erfolgen zu führen das ist die internationale Verpflichtung der deutschen Socialdemokratie. Und die Arbeiter aller Länder sehen auf unsren Wahlkampf, als sei es ihr eigner Kanlpf! Das Maifest ist das Fe st der großcnKulturgedanken, aus denen die Erneuerung des Menschengeschlechts emporwächst. Das Maifest hebt hinaus über alle Enge des Augenblicks, über alle Teil- fragen der Tagespolitik, es ist das Fest der weltgeschichtlichen Um- wälzungeii. Wie nun unser Wahlkampf im Zeichen des Maifestes auflodert, so sei er ganz durchglüht von heute bis zum Tage der Entscheidung von diesem umwälzenden Geiste des Maifestes. Zwei erhabene Gedanken beherrschen das Maifest und geben ihm menschheitliche Bedeutung, zwei Gedanken, deren jeder zeigt, daß das Nationale und Internationale nicht Gegensätze sind, son- dem Ergänzungen, daß das Maifest der Jnternationalität auch das nationalste F e st ist, das Deutsche begehen. Jene zwei Ee- danken sind: Der achtstündige Arbeitstag unßoer Friede unterdenNationen. Es wäre unrichtig und würde zu unberechtigtem Kleinmut fiihren, wollte man meinen, daß im Schutz der Arbeitskraft, dem zu- nächst die Begründung des Maifestes aus dem Pariser internationalen Kongreß von 1839 galt, seither nichts» erreicht sei. Es ist erreicht. daß in allen Ländern kapitalistischer Produktion diese rettende Losung gewaltigen Anhang fand. In allen Ländern wuchs die Bewegung der Arbeiterorganisationen, welch; in der gesetzlichen Kürzung des Arbeitstages auf 8 Shniden die entscheidende Bedingung für die physische Wiedergesutzdnng und die geistige Neugeburt weitester Volksschichten erken'.tt. In Deutschland wuchsen die freien Gewerk- schalten binnen I/O Jahren, von 1891 bis 1001, aus einer Zahl von 287 000 zu dem ansehnlichen Heer von 086 000 für den Acht- stundentag streitender Proletarier empor. Und außerhalb dieser Kern- truppe des ernsten Arbeiterschiches ist die Achtstundcntags-Notwendig- feit in Millionen von Köpfen eingegraben worden. Freilich, die Herrschenden und Nutznießenden des Kapitalismus widerstreben in brutalem Widerstand und durch Massenaufwand lügnerischer Ausflüchte der großen Forderung der Arbeitenden. Sie, diese Herrschenden, im Bmnde mit dem Unverstand noch immer weiter Volkskreise, haben den schnellen Schritt in der Richtung des Achtstundentages bis jetzt zu hemmen gewußt. Nur wenigen Gewerkschaften in den fortgeschrittensten Ländern gelang es, aus eigner Kraft bis zum Achtstundentag vorzudringen; nur e i n europäisches Land— Frankreich— hat wenigstens den staatlichen Zehn stundentag für einen größeren Teil der Arbeiter zur baldigen Verwirklichung vorbereitet. In Deutschland ist der winzige Arbeiterschutz, der Anfang der 90er Jahre nach großen Ver- sprechungen begonnen wurde, nicht irgendwie erheblich fortgeschritten; das deutsche Volk mußte die größten Bemühungen aufwenden, um nur die Zertrümmerung des Koalitionsrechts, die Vorbedingung des Arbeiterschutzes, durch Umsturz- und Zuchthausgesetze zu verhüten. Karge Verordnungen zur Vermeidung allzu unsäglicher Ueberarbeit in einigen besonders gesundheitswidrigen Berufen— das war der ganze Erttag der Arbeiter,, fürsorge" im.Reiche der Social- reform" von CenttalverbandS-Gnaden. Endlich auch nur durch mildes Staatsgesetz die zerrüttende Ueberarbeit der Arbeiter einzuschränken, dazu kann ein Staat sich nicht entschließen, in dem der feudale Junker und der industrielle Großkapitalist gebieten. Als zuletzt die Socialdemokratie im Reichstage in einer Resolution den Zehnstundcn- tag und in angemessenen Fristen den Neun- und Achtstundentag forderte, gab der Staatssekretär für Socialpolitik, Graf v. Posa- dowsky, diese durch ihre Nichtigkeit die RcichS-Socialpolitik ver- nichtcnde Antwort:„lieber die verschiedenen Initiativanträge kann ich mich jetzt nicht äußern, weil ich nicht weiß, wie die verbündeten Regierungen zu diesen Initiativanträgen stehen, und weil ich n a m e n t l i ch nicht weiß, wie sie sich in Zukunft zu denjenigen Initiativanträgen stellen werden, denen gegenüber sie bisher eine ablehnende Stellung eingenommen haben." So ist es denn die große Aufgabe des Mai-Wahl- kampfes, die Maifestforderung des Achtstunden- tags groß und breit vor aller Volk zu stellen und neue Hundert- tansende der durch Ueberarbeit schwer Leidenden für diese Forderung zu gewinnen I Und dieser Gewinn auf deutschem Boden ist zugleich der inte r- nationale Gewinn der Arbeiter aller Länder, denn die Arbeiter jedes Landes kommen im Arbcitcrschutz nur dann und um so schneller vorwärts, wenn und je schneller die Arbeiter andrer Länder vorwärts gelangen. Die Kapitalisten aller Länder drücken die Arbeiter möglichst tief, um mit dem billigsten Produkt auf dem Markt zu erscheinen; die Arbeiter jedes Landes erhöhen ihre Lage, wenn die billige Konkurrenz der Arbeiter des andern Landes nachläßt. Gegenüber dem kapitalistischen Kampf aller gegen alle erhebt sich die internationale Solidarität der Arbeiterklasse. Nicht minder bedingt sich und verschlingt sich gegenseitig das Nationale und Internationale in der Idee des Völker- f r i e d e n S. Heute sperren sich die Nationen gegen einander ab, w i r t- f ch a f t l i ch und m i l i t a r i st i s ch. und in allen Ländern schilt man die socialistischen Arbeiter, weil sie diese doppelte Sperrung bekämpfen, als internationale Vaterlandslose. In Wahrheit ist auch hier das Internationale das wahrhaft Nationale. _ Da die kapitalistischen Klassen die Zollrüstung gegen das Ausland verlangten, haben sie nicht nur die ausländischen Staaten zu der gleichen Rüstung herausgefordert, beschwören sie nicht nur die Gefahr verderblichsten Zollkrieges herauf, unter dem die arbeitenden Massen aller Länder ungeheuer leiden müßten, diese scheinnationale Zollriistung gegen das Ausland bedeutet, selbst im Falle der Vermeidung des eigentlichen Zollkrieges, die gewissenloseste Ver- elendung des eignen Volkes durch wucherische Preiserhöhung aller notwendigen Lebensmittel. U n s r e Politik der I n t e r- Nationalität dagegegen, welche auf den friedlichen Ans- tausch der Waren unter den Nationen zielt, ist zugleich die nationale Politik der billigen Lebensmittel und der preiswerten Rohstoffe. So ruft auch das internationale Maifest zum zornigen Kampfe gegen die Zollabsperrung der kapitalistischen Staaten. Das kriegerische W e t t r ü st e n der Nationen steigt zu immer jäherem Wahnwitz. Der vernünftige Sinn der Selbst- Verteidigung ist im kapitalisttschen Wettstreit um die Absatzmittel und unter dem Walten eines größenwahiisiuuigen Souveränitätsgedankens ist zum tollen Widersinn geworden, der die materiellen Kräfte aller Völker schwer in Anspruch nimmt und"oie Völker gegen einander mit Mißttauen und Feindseligkeit erfüllt. Die Heeresbudgets aller europäischen Festland- Mächte steigen von sJahr zu Jahr� ins Ungeheuerliche, dazu in neuere. Zeit der Wettstreit in den Flotten- rüstungen; in Deutschland sind ftir die nächste Gesetzgebungsperiode neue große Heeres- und Marinevorlagen bereits in sichere Aussicht genominen. Das ist der„bewaffnete Friede", man rühmt die lange Dauer dieses Friedens und doch ist selbst der Krieg erträglicher als dieser Friede, der die Nationen verbluten läßt, unter einander verhetzt, der jede edle Kulturarbeit hemmt und vernichtet. Dieser „Friede" ichließt in sich das andauernde gehässige Mißtrauen einer Nation gegen die andre, da jede einen Angriff gegen die andre befürchtet und in diesen Befürchtungen stets gestärkt wird durch den aggressiven Charakter, der das heutige Militärwesen kennzeichnet. Die Arbeiter aller Länder erheben sich über die nationalen Gehässigkeiten. Sie wünschen nicht, daß an künstlich gesteigertem �Trachten noch kolonialen Absatzmitteln ider Weltkrieg sich entflamme, sie wünschen den Absatzmarkt der modernen Warenproduktion zu eröffnen im eignen Lande bei den Millionen, die am Nötigsten Mangel leiden und in Hunger zu Grunde gehen. Sie wünschen, daß die Knlturemsicht der gemeinsamen Völkerinteressen wachse, den Zwist unter den Nationen mildere und Rechtsinsiitutionen an Stelle der rohen Gewalt setze. Der Völkerfriede ist zugleich aber der höchste nationale Erfolg. Der Militarismus, der in der Erhaltung der Nationalitäteugegeusätze seine Stütze und seinen Vorwand hat, ist zugleich das mächtigste Bollwerk gegen die nationale Eni- Wicklung des deutschen Volkes, des deutschen Geisteslebens. Der Militarismus ist das Ceutrum der Junker- und Privilegierten- Herrschast. Der Militarismus ist die„Erziehungsanstalt" der Unter- würfigkeit, der Knechtseligkeit. Die Umgestaltung der Feudalarmee in die demokratische Armee der wirklichen Vatcrlandsfreudigkeit und der Vaterlandsvcrteidigung bedeutet gleicherweise den Völlers rieben wie die Er- öffnung freiheitlicher und kultureller Bahnen im eignen Lande! Aus der Neuwerdnng der menschlichen Arbeitskraft und aus dem Kulturfrieden der Völker erwächst als reife Frucht der So- c i a l i s m u S. Ist der militaristische Alp von den Völkern ge- wichen und die menschliche Arbeitskraft reichlich geschützt, so werden die Massen der Völker reis und mündig zur Selb st Verwaltung all ihrer Angelegeuheiten. Dann schwinden alle Klassen- gegeusätze und alle Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wird verworfen! Mögen die Mai-Jdeale unser Volk in den Wahlkampf führen. Möge aus der Kraft des Maifestes Hunderttausenden und Millionen neue Begeisterung und neue Kampfeslust zuströmen, auf daß bald in gewaltigen Stimmenzahlen des Wahltages sich die neue Welt ankündige: Die Internationale der Freiheit, der Menschlichkeit, der Arbeit! Ein Teil der Bourgeoisie wünscht den socialen Mißständen abzuhelfen, um den Bestand der bürgerlichen Gesellschaft zu sichern. Es gehören hierher: Oekouomisten, Philantropen, Humanitäre, Verbesserer der Lage der arbeitenden Klassen, Wohlthätigkeits- Organisierer, Abschaffer der Tierquälerei, Mäßigkeitsverciusstistcr, Wiiikelreformcr der buntscheckigsten Art. Karl Marx. Umsturz. Eine entwicklimgsgcschichtliche Mnien-Betrachtimg. So steige» die Geschlechter dieser Erde Ins Grab, und geh» anS ihrem Schoß hervor, Und überdauern jenen ewigen Wechsel, Der stets die Welt erneut. Auf ihrer Suche nach einer zugkräftigen Wahlparole sind die Konservativen wieder bei dem Schlagwort:„Gegen den Umsturz!" angelangt und willig haben im Gefühl ihrer inneren Ucbereinstimmung Nationalliberale und freisinnige Volks- partcilcr diesen Schlachtruf accepticrt. Mit den politischen Idealen seiner Jugendzeit ist dem Liberalismus auch der Intellekt flöten gegangen. Eine seine Anhängerschaft auf- rüttelnde eigne Parole aufzustellen, dazu reicht sein geistiges Können, wie es scheint, nicht mehr aus; und da der Ruf nach Handels- Verträgen keinen Hund vom Ofen lockt, bleibt nichts als die Appellation an die Furcht vor dem roten Schrecken, die in ftüheren Wahlkämpfen schon so oft ihre Wirkung gethan hat. Löst sie doch im Philister immer wieder die halbverblichene Erinnerung aus au jqne schauerliche Kunde von den Grcuelthaten der großen ftanzö- fischen Revolution, die er einst auf den Schulbänken vernommen hat. In seiner wirren Phantasie hört er schon den Massenttitt der auf Plünderung ausziehenden Arbeiterbataillone, sieht er die Guillotine aufgerichtet, und in seiner bleichen Furcht vergißt er die Erniedrigungen, die ihm jene so oft auferlegt haben, die ihn heute um seine Wahlstimme anbetteln, ver- gißt er alle üblen Erfahnmgen, die auch ihm meist im Wirtschaft- lichen Existenzkampf nicht ganz erspart geblieben sind. Alles sociale Elend schrumpft zur Unbedeutendheit zusammen gegen das in seiner Einbildung sich riesengroß erhebende blutige Gespenst der Revolution. Diese Wirkung des Umsturzspuks auf die Einbildmigskraft des nicht allzureichlich mit kulturgeschichtlichen Kennwissen ausgestatteten Durchschnittsbürgers ist den Wortführern der reaktionären Parteien nur allzu wohl bekannt, und so wird es, wenn nichts andres zieht, immer wieder aus der polittschen Requisttenkammer hervorgesucht und neu aufgeputzt in den Wahlkampf geworfen— oft wider die eigne Ueberzeugung; befinden sich doch auch heute unter denen, die über die Gewaltsamkeit des Umsturzes jammern, so manche liberale Socialtheorettker, die in ihrer Anwendung Darwinistischer Lehrsätze auf das sociale Leben das absolute Recht des Stärkeren predigen und in dem heuttgen socialen Elend nur eine notwendige Voraussetzung zur Herausbildung der höheren Menschenspecies der Bank-, Börsen- und Schlotbarone sehen. Was ist der Umsturz? Der Zuthaten entkleidet, mit der die Bourgeoisie ihn zur Abschreckung auszustaffieren beliebt, ist er nichts andres als das Grundprincip aller socialen Entwicklung. Immer, von den ersten nachweisbaren Anfängen menschlicher Entwicklung an bis zu den höchsten Swfen, sehen wir, wie sociale Lebensformen, die einst dem allgemeinen Bedürfnis entsprachen, sich nach und nach im weiteren Verlauf zu einem Hemmschuh des Fortschritts gestalten, wie Gesetz und Rechte sich zur Plage wandeln, und wenn nicht Stagnation und Verfall des Volkslebens eintteten soll, die alten socialen Schranken gesprengt werden müssen, damit neues Leben emporsprieße. Be- trachten wir uns die Geschichte Deutschlands seit den Tagen des Cäsars. Ein stetiger Umsturz. Aus den alten Ackerbau- und geschlechtsgenossenschaftlichen Jnstiwtionen, die uns Cäsar und Taciws schildern, sehen wir die fteien, vielfach agrarkommumsttsche Züge zeigenden Markgenossenschaften hervorgehen, zugleich aber auch durch Beraubungen des Volks- und Stammlandes durch Kriege und Er- oberungen große Grundherrschasten entstehen, und mit diesen das Lehnwesen sich ausbreiten; sehen wir in den neuentstehenden Städten einen Handwerkerstand sich herausbilden, der sich in Zünften und Gilden organisiert und der den Kampf um die städttsche Herrschast gegen das städttsche Grund- und Kaufmanns- pattiziat aufnimmt, bis er dieses nach langem Ringen niederwirst; sehen wir den Kampf der Städte gegen das Rittertum, den Aufftand der Bauern gegen den Druck des Adels, die Einführung der Leibeigenschaft, den Verfall der Feudalinstituttonen, die Entstehung der autokrattschen Fürstenmacht, die Vernichtung der alten Znnstorganisattonen, die Ausbreitung der Manufaktur- und der maschinellen Großproduktton, den Kampf des Bürgertums für sogenannte liberale konstittittonelle Verfassungen. Ein steter Umsturz, in dem die alten polittsch-socialen Gesell- schasts- und Wirtschaftsformen, nachdem sie oft Jahrhunderte existiert haben, neuen Verhältnissen weichen müssen, bald in langsamen Ueber- gäiigcn, bald mit explosiver Gewalt— fast immer aber nur nach erbitterten und meist blutigen Kämpfen; denn immer haben die Herrschenden dem Weltrad in die Speichen zu fallen und die ihren Interessen angepaßten gesellschaftlichen Jnstttuttonen aufrecht zu erhalten gesucht, mochten diese auch noch so vermodert fein. Mignet hat nur jallzii recht, wenn er in einem Rückblick über die gesell- schastliche Entwicklung in der Einleitung zu seiner Geschichte der französischen Revolutton erklärt:„Sobald eine Reform notwendig ge- worden und der Augenblick ihrer Durchführung gekommen ist, so hält sie nichts auf und alles wird ihr förderlich. Glücklich dann die Menschen, wenn sie sich verstehen; wenn die einen abträten, was sie zu viel haben, wenn die andren sich mit dem begnügten, was ihnen fehlt: die Revolutionen verliefen friedlich.... Aber bis jetzt bieten die Jahrbücher der Volker lein Beispiel einer solchen Klugheit, wenn es sich um Opfer handelt. Wer sie bringen sollte, verweigert sie; wer sie wünscht, dringt sie ab.... Noch hat es keine andre Macht im Staate gegeben als die Gewalt. Und wie heute die herrschenden Parteien den Umsturz, d. h. die Ersetzung der kapitalistischen durch die socialistische Gesellschasts- Ordnung als kulturfeindlich erklären, so ist bisher jeder Wechsel der gesellschaftlichen Lebensformen, jeder Uebergang zu neuen höheren Stufen von den an der Erhalttmg des Bestehenden interessierten Klassen als die Vernichtung jeglicher gesellschaftlicher Ordnung, als die Rückkehr zur Unkultur denunziert worden, ohne daß bisher diese Prophezeiungen sich erfüllt hätten. Vielmehr sproß alsbald nach Abstteifung der Fesseln neues Leben empor. Und nicht nur kleine Geister, oft die Größten der Geschichte vermochten, wenn sie die Vorrechte ihrer Klasse bedroht sahen, nicht zu fassen, daß es nach Abschaffung dieser Vorrechte noch eine Kultur geben könnte. Bekannt ist, daß selbst Aristoteles die Sklavenwirt- schast als unentbehrliche materielle Grundlage des Staates und der Gesellschaft erklärte und sich einen Kulttirstaat ohne Sklaverei nicht zu denken vermochte. Was Wunder, wenn auch, entsprechend dem Abstand zwischen den beiden Gehirnen, ein Eugen Richter nicht zu fassen vermag, daß es einmal eine Gesellschaft ohne das heuttge Lohnsystem geben könne und er die heutige socialistische Kultur- bewegung, die gewaltigste der neueren Zeit, au den zu kurzen Nacht- röcken der Strampel-Auuie scheitern läßt. So ist alle sociale Entwicklung bisher ein stettger Umsturz alter Gesellschafts- und StaatLforinen gewesen; ein stettges Vorgehen und Neuerstehcu. Aber für die neueste Phase der socialen Entwicklung, für die kapitalisttsche Wirtschaftsweise, die in ihrer heutigen Forin als maschinelle Großproduktion in Deutschland kaum auf ein Jahrhundert zurückzublicken vermag, soll dieser Wechsel nicht gelten. Sie ist nach der Logik der sogenannten.StaatSerhaltenden" ein Bleibendes, das vielleicht erweitert und vertieft werden, das aber durch eine höhere Wirtschaftsform nicht ersetzt werden kann. Mit dieser Form hat nach orduuugsparteilichcr Geschichtsauffassung die Entwicklung ihr Endziel erreicht, über das hinaus es, trotz all des menschlichen Elends und Jammers, das unter dieser Wirtschafts- weise sich täglich mehrt und häuft, keinen Aufstieg zu anders ge- arteten Eutwicklungsstufen mehr giebt. Köpfen, in welchen sich eine derartige alberne GeschichtSauffaffung eingenistet hat, muß natürlich jede Bettachtung der kapitalistischen Wirtschaft als einer bloßen Episode im Entwicklungsgang der Menschheit als ein Frevel an der bestehenden„heiligen Ordnung" erscheinen, der mir der Frivolität entspringen kann. Und doch sind nicht die Socialisten, die unter Beachttnig der Lehren der Geschichte die Zeichen der neuen Zeit zu deuten und dem anschwellenden Sttom der Gegenkräfte den Weg zu bahnen suchen, die Umstürzler, sondern jene, die diesen Strom zurückzustauen suchen, und die damit, wenn ihnen ihr Werk gelänge, doch nichts andres erreichen würden, als daß die aufgestaute Flut desto geivaltsamer sich Bahn bricht,»nd manches mit hmwegschwemmt, daS«ndernfalls dielleicht stehen bliebe. Angesichts der Thätigkeit der Socialdemokratie in den Reichs- und Landtagen, ihrem sortgesetzten Bemühen, stückweise der neuen Wirtschaftsordnung zum Durchbruch zu verhelscn, das Hineinwachsen der alten in die neuen Verhältnisse zu fördern, ist die Behauptung vom ftivolen Spiel der Socialdemokratie mit der Gewalt nichts als eine freche Lüge zum Zweck der Wahltäuschung. Die Umstürzler sind jene, die in kindischem Unterfangen dem Weltenrad in die Speichen zu greifen suchen, die, wie die Konserbatiben und Ultramontanen, dem Vormarsch zu stolzeren Höhen die Rückkehr zu überlebten mittelalterlichen Lebensfonnen entgegenstellen: zur ständischen Verfassung, zur Herrschast des Grundadels, zur Allmacht der Kirche, zu den Staats- grundsätzen des heute noch als höchste katholische Autorität der- herrlichten Thomas von Aquino:„Bauern, Handwerker und Arbeiter sind notwendig im Staate(nämlich als Arbeitende fiir die Be- sitzenden); aber sie sind durchaus keine Teile des Staates." Doch mögen die„staatserhaltenden" Parteien glauben, daß die Entwicklung sich aufhalten oder zu längst überschrittenen Gesell- schastsformen zurückwenden lätzt; uns giebt die Thatsache, daß bisher die Menschheit in stetigem Ringen von den primi tivsten Anfängen höher und höher emporgestiegen ist, die frohe Gewißheit, daß auch die heutige kapitalistische Gesellschaftsordnung, richtiger Unordnung, mit ihrer Ausbeutung der Masse zu Gunsten weniger nur eine Etappe im Entwicklungsgänge ist, zeigen sich doch bereits hier und dort die ersten Maienknospen und-Blüten einer herannahenden besseren Zeit. Diese auf den Lehren der Geschichte beruhende Erkenntnis stärkt nur den Mut. Mögen auch noch manche Hindernisse uns entgegenstehen'; es geht doch vorwärts zu sonnigeren Höhen— unser wird die Welt trotz alledem! Aber ohne Kampf kein Sieg. Der Maientag, der heute im Frühlingsglanze hereingebrochen ist, er soll aufs neue unser ernstes Gelübde hören, daß wir in den kommenden Kämpfen fest unfern Mann stehen wollen, um den Boden vorzubereiten für ein späteres, glücklicheres Geschlecht. Die kommunistische Revolution ist daS radikalste Brechen mit den überlieferten Eigentumsverhältnissen; kein Wunder, daß in ihrem Entwicklungsgange am radikalsten mit den über- lieferten Ideen gebrochen wird. Karl Marx. Der Achtstundentag und der„wahre" Arbeiterschntz. Die Arbeiter der ganzen Welt sind sich einig darüber, daß von allen Forderungen des staatlichen Arbcitcrschutzes die gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit, der Achtstundentag, die wichtigste sei. Die unzureichenden Wohrnmgs- und Er nährungs-Vcrhältnisse, die neben übermäßiger Ausnutzung der Arbeitskraft die Hauptquelle für die Leiden und die kurze Lebensdauer der Arbeiter bilden, könnten vom kapitalistischen Staate nicht anders beseitigt werden als durch Maßnahmen, durch die sich der Kapitalismus selbst aufhebt. Innerhalb des Klasscustaatcs kann nur eine dieser Quellen verschüttet werden. sGer Gedanke des Normal-Arbeitstages läßt sich durchführen .als ein Kompromiß, das der Kapitalismus notgedrungen mit-dem vordringenden Geiste des Socialisnius schließt. Hätt man freilich die bürgerlichen Gegner der Social demokratie, die nach dem wertvollen, aber viel befehdeten Ga standnis des Grafen Posadowsky die eigentliche Arbeiter- Partei ist, so möchte man glauben, daß jene Parteien der Frömmigkeit, der„Bildung und des Besitzes" nichts Wichtigeres zü thun haben, als sich um die Fürsorge des Staates für die Arbeiterschaft auf das angelegeittlichste zu bekümmern. Ilm gekehrt sei die Socialdemokratie, als der Geist, der stets verneint, immer darauf aus, die bürgerlichen Parteien in der Bethätigung ihres Wohlwollens zu stören. In das Nebelgewirr solcher Wahllügen leuchtet heute die aufgehende Sonne des ersten Mai hinein. Der erste Mai ist in seinem Wesen eine laute Bejahung des staatlichen Arbeiter schutzes, d. h. des wirklichen und wirksamen Arbcitcrschutzes, dessen Kardinalforderung die Einführung des gesetzlichen Achtstundentages ist und bleiben wird. Die staatliche Socialpolitik hat sich, trotz der berühmten Theorie des Reichskanzlers vom„socialen Aufschwung", die Hebung der allgemeinen Lebenshaltung bisher uienials noch zum Ziele gesetzt. Sic beschäftigt sich init Kranken, Invaliden, Frauen, Kiudern und den Arbeitern bestimniter, besonders gesundheitsschädlicher Betriebe, niemals aber mit der Arbeiter- schaft als einem Ganzen. Ihre Leistungen stehen aber in un mittelbarer Beziehung zur allgemeinen Lage des Arbeiter standes. Nicht nur, daß die Leistungen der Arbeitervcrsiche- rung van ihr unmittelbar abhängig sind, auch alle Gcsundheits- gesetze hängen in der Kraft ihrer Ausfühning von diesem allgemeinen Faktor ab. Denn die allgemeine Mißgunst der Erwerbsvcrhältnisse bietet für die Einzelnen einen ständigen Anreiz, durch Hintansetzung ihrer Lebcnsaussichten und ihrer Gesundheit ihr Einkommen zu verbessern. Niemand bestreitet, daß eine ausreichende Kranken- und Invalidenversicherung notwendig ist. Aber wertvoller als die Versicherung gegen . Krankheit und Invalidität ist die Vermeidung ihres hänfigen oder frühzeitigen Eintrittes. Alles Flickwerk der staatlichen Socialreform hat an der Thatsache nichts zu ändern vermocht, daß es noch immer zivei Nationen giebt: eine langlebige und eine kurzlebige. Eine, die in der Lage ist, sich mit ansehnlichem Erfolge gegen Krankhcitskeimc zu schützen, eine zweite, die den Verwüstungen der Seuchen, zumal der Schwindsucht, in Haufen unterliegt. Eine, die höchstens durch Elenientarercignissc oder bei Rennen verunglückt, und eine andre, der die Arbeit alle Tage tausend Wunden schlägt. Die einzige im Kapitalistenstaate mögliche Maßnahme des Arbeiterschntzcs, die kein äußerlich aufgeklebtes Pflaster, sondern ein tiefgreifendes inneres Heilmittel darstellt, ist die allgemeine gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit ans ein der Volksgesundheit nicht unzuträgliches Maß. Sie soll den Arbeitern Gelegenheit geben, ihre physischen Kräfte wieder arisreichend zu ersetzen und alle menschlichen Fähigkeiten über das trockene Einerlei ihres Erlverbslebens hinaus zu ent- lvickeln. Doch wozu Worte verlieren über eine Forderung, die so natürlich und so selbstverständlich ist, und für die neben allen Gründen auch die Thatsache spricht, daß die denkende Arbeiter- schaft der ganzen Welt auf sie cingcschworcn ist. Der beste Sachverständige auf dem Gebiete des Arbciterschiltzes bleibt doch die ungeheure Masse der Arbeiter selbst. Das elementare Empfinden, das sich in dem millionenfach tönenden Mairufc nach dem Achtstundentag cbensolvohl, wie in allen kleinen und kleinsten Kämpfen der Werkstatt auslöst, weist dem ehrlichen Socialpolitiker die Richtung, in der er gehen muß, wenn anders nicht alles, was er bietet, Stückwerk oder Flickwerk bleiben soll. Die einzige Partei des deutschen Reichstages aber, die für den gesetzlichen Achtstimdentag eintritt, ist die Socialdemo- kratie. Auch zu Beginn der letzten Legislaturperiode hat sie neuerdings einen Antrag gestellt, der die Ersiillimg dieser Arbeiterforderung bezweckte. Vergeblich! Der Antrag kam als solcher gar nicht einmal zur Verhandlung. Mau hatte eben Wichtigeres zu thun. Siehe Militärvorlage, Flottenvorlage, Fleischbcschaugesetz, Brotwuchertarif u. dgl. mehr! Wäre aber der Antrag der Socialdemokratie vor diesen vielbeschäftigten wahren Arbeiterfreunden zur Verhandlung gekommen, so hätte er zweifellos dasselbe Schicksal erlitten, wie seine Vorgänger, er wäre einmütig gegen die Stimmen der Socialdemokratie abgelehnt worden. Für die Konservativen gilt die unbeschränkte Ausbeutungsfteiheit aller Arbeiter, die in der Landwirtschaft oder den Junkergewerben beschäftigt sind, als unumstößlicher Glaubenssatz. Die Antisemiten vertreten den untergehenden Kleinmcisterstand, der nur durch übermäßige Aus- nützung gekaufter Arbeitskräfte seine Konkurrenzfähigkeit erhalten zu können glaubt. Die nationalliberale Arbeitgeberpartei schwört auf die„Freiheit" des Arbeitsvertrages, die den er- wachsenen männlichen Arbeiter grundsätzlich im Gebrauch seiner Arbeitskraft nicht einschränken will." lieber die socialdemo- kratische Forderung des Achtstuudestages schreibt das„Politische Handbuch fiir nationallibcrale Wähler": „Eine ganz andre Anffassimg vertritt natürlich(I) die Socialdemokratie; sie verlangt einen allgemeinen gleichen Maximal- arbcitStag, nicht weil es wider die Gesundheit wäre, über acht Stunden hinaus zu arbeiten, sondern weil nach ihrer Auffassung jedermann nüt dem Anspruch geboren ist, acht Stunden zu ruhen und acht Stunden zu genießen— sei es das Familienleben oder der Umgang nüt Freunden oder was eben jeder als Genuß verstehen will." Das ist der gehässige Blödsinn der Unternehmerphantasie, die Arbeiter wollten ihre freie Zeit„versaufen", nur in par- amentarische Formen gekleidet. Ein andrer„wahrer Arbeiterfrelmd", Eugen Richter, schreibt höhnisch in seinem freisinuigen ABC-Buch: „An sich erscheint... das Herbeisehnen eines Achtstundentages gar nicht verwerflich, ebensowenig wie die Erfüllung des bekannten Spruches, daß jede Haushaltung am Sonntag ein Huhn im Topfe haben möge. Man könnte, wenn es nur auf das Wünsche n ankäme, allen Menschen noch sehr viel Gutes und Schönes gönnen und die Erfiillung dieser Wünsche als einen Fortschritt der Kultur anerkennen." Das soll witzig sein, ist aber nichts als das traurige Geständnis der Politischen Impotenz. Der Reichstag kann nicht beschließen, daß jeder am Sonntag ein Huhn im Topfe haben solle, wohl aber kann er den gesetzlichen Nonnal arbeitstag beschließen. Die„rauhe Wirklichkeit", über die der freisinnige Arbeiterfreund seufzt, besteht nur in den Wünschen der kapitalistischen Klasse, in deren Bann er ebenso steht wie jedes andre Mitglied jeder andren bürgerlichen Partei. Von allen Ivahren Arbeiterfreunden der wahrste ist das Centrum. Aber cnichj- das Centrum will voni gesetzlichen Acht stundentag nichts wissen, sondern es vertritt nur auf dein Papier den zehnstündigen Normalarbeitstag, den es aber wieder nüt so vielen Ausnahmen durchlöchern möchte, daß von ihm nichts übrig bleibt. Auch mit diesem Zehnstundentag ist das Ccutruni erst bei der letzten Etats bcratuug angerückt; vordem Ivollte es nur von einem tausendfach durchbrochenen Elfstundentag etivas wissen. Der neue— durch die Wahlen vcranlaßte— Zehustundcnantrag des Centtums wurde auch nur als unschädliche Resolution eingebracht; bei dieser Gelegenheit konnte denn auch unsre Fordertliig begründet werden. Wäre es der regierenden Partei ernst nüt ihrer Forderung, so könnte sie ihr mit Leichtigkeit zum Durchbruch verhelfen. Als katholische Arbeitervereine feiner Zeit in einer Petition vom Reichstage die Einführung des gesetzlichen Zehnstundentages für die Textilindustrie verlangten, und selbst ein Dasbach als Referent die Ueberweisung der Petition an den Reichs kanzler„zur Berücksichtigung" verlangte, ließ ihn seine eigne Fraktion schmählich im Stiche. Dieselben Parteien aber, die dem Arbeiter keine Zeit weder zum Ruhen noch zum Genießen, am allerlvenigsten aber zum Denken— gewähren möchten, erklären jetzt im Wahlkampfe mit eiserner Stirnc, daß sie die wahren Freunde des Arbeiterschutzes, die Socialdemokraten aber dessen gc- schworene Feinde wären. Denselben Parteien stehen Haß, Angst und Wut auf die Stirne geschrieben, wenn sie am ersten Mai die Arbeiter für die grundlegende Forderung allen Arbeiter schutzes demonstrieren sehen. Sie können wohl Socialreform treiben, so lauge sie den Unternehmern oder doch wenigstens nicht ihrer Masse allzu beschwerlich ist. Dazu sind sie gezwungen im Interesse der Kapitalistenklasse selbst, die nur mehr durch kleine Zugestäud- nissc ihr politisches Herrschaftsgebiet erhalten zu können hofft. Wo aber, lvie in der Frage des Achtstundentages, das Interesse der ganzen Arbeiterschaft dem Interesse der ganzen Unter- nehmcrschaft Auge in Auge gegenübersteht, ist für die bürger- licheu Parteien die Entscheidung von vornherein gegeben. Die Arbeiterschaft der ganzen Welt kann die Durchführung ihrer Maifordcrung, des gesetzlichen Achtstundentages von keiner andren Partei erwarte», als von jener, die Fleisch von ihrem Fleische ist. So wird diesmal der Demonstrations- tag der proletarischen Achtstundenforderung in Deutschland zu- gleich ein Rüsttag für den Wahlkampf. Für die„wahren Arbeiterfreunde" des reaktionären Klüngels ist die jährliche Wiederholling dieses dringendste» Arbeiterwunsches die ewige Quelle ihres Mißvergnügens. Das wahre Wesen der„wahren" Arbeiterfreundlichkeit— die Maisonne bringt es an den Tag! An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Association, worin die fteie Entwicklung eines Jeden die Bedingung fiir die freie Ent- Wicklung Aller ist. Karl Marx. politilcbe Gebcrficbt. Berlin, den 30. April. Reichstagsschluß. Der Reichstag hat feine Arbeiten heute in zwei Sitzungen bc- endet, die in der Hauptsache der Erledigung der Krankenkassen- Novelle gewidmet waren. Das Ende dieser Session ist nitht heran- gekommen, ohne unsrer Fraktion noch einen großem Triumph zu be- bereiten. Ihrer ausgezeichneten parlamentarischen Taktik ist es gc- lnngcn, die regierende Partei, das Centruin, zu zwingen, in einer fiir die Selbstverwaltung der Krankeilkasseir bedeutsamen Frage nach- zugeben und im letzten Augenblick darein zu willigen, daß der Vor«' läge einige Giftzähue gezogen wurden, die auf sein Be» treiben in der zweiten Lesung eingesetzt waren. Bekanntlich hatte unsre Fraktion gestern bei der Abstimmung über den§ 42 und seine Verschlechterungen die Beschußunfähigkeit des Hauses durch eine nameiltliche Abstimmung konstatiert. Damit war der feste Entschluß ausgedrückt, daß wir die ganze Vorlage nicht passieren lassen würden, wenn den Gründen der Vernunft und Billigkeit nicht Ge- hör gegeben würde, die wir gegen die von der Kommission beliebten Eingriffe in die Freiheit der Selbstverwaltung geltend gemacht hatten. Es war klar, daß es unter keinen Umständen der Mehrheit noch gelingen tviirde, ein beschlußfähiges Haus zu stände zu bringen. Das Centrum mußte sich sagen, daß es das Scheitern der Vorlage vor seinen Arbeiterwählern zu verantworten haben würde, wenn es halsstarrig auf seinem ungerechten Willen bestehen bliebe, und sein Schuldconto ist so groß, daß es keine Vermehrung mehr ver- trägt. So gab man denn nach. Gestern wurde zwischen seinen Führern und uns eine Vereinbarung getroffen, die heute bei Beginn der Sitzung in die Erscheinung trat. Herr Trimborn kündigte bei Beginn der Sitzung an, daß seine Fraktion einen Zusatz zu den»§ 42 beantragen würde, wonach an Stelle des Kantschuck- begriffes grobe Pflichtverletzung, die die Aufsichtsbehörde berechtigen sollte, einen Vorsitzenden oder Rendanten seines Amtes zu entheben, der fest unirissene Begriff einer groben Verletzung der Amtspflicht in Bezug auf die Kassenführung in das Gesetz eingeftihrt werden solle. Weiter verzichtete man darauf, den famosen Absatz 7 dieses Paragraphen anstecht zu erhalten, der auf Betreiben des Herrn v. Savignh angenommen worden war und eine von der Aufsichts- behörde zu genehmigende Dienstordnung für die Kassenbcamtcn vorschreibt. Man wollte sich darauf beschränken, dies Verlangen in Form einer Resolution für eine künftige erneute Revision des Krankenkassen-Gesetzes der Regierung ans Herz zu legen. Nachdem Herr Trimborn diese Erklärung abgegeben hatte, zog Singer der Vereinbarung gemäß den Antrag auf namentliche Abstimmung über' den§ 42 zurück, und nun konnte die zweite Lesung des Gesetzes glatt zu Ende geführt werden. Genosse Albrccht begründete kurz unsre Verbesserungsanträge zu den noch ausstehenden Paragraphen; kein einziger von ihnen gelangte zur Annahme. Nach einer kurzen Pause wurde dann in einer neuen Sitzung die dritte Beratung der Krankcnkassen-Novelle vorgenommen.— In der Generaldiskussion that uns unser alter Freund Dr. Arendt den Gefallen, unsren taktischen Erfolg über das Centruin dick zu unterstreichen. Auch Herr Eugen Richter hatte es sich schon bei der zweiten Lesung nicht verkneifen können, seinem Unwillen über diesen Sieg deutlich Ausdruck zu geben; die dankbare Rechte bewarf ihn dafür wieder mit Lorbeerkränzen. Stadt- Hägen dankte Herrn Arendt für seine unfreiwillige Anerkennung und setzte dann auseinander, lvelche Haltung unsre Fraktion in der Gesamtabstimmung dem Gesetz gegenüber einnehmen würde. Wenn auch dank unsrer Taktik einige der gefährlichsten Bestimmungen gefallen sind, so bleiben dennoch genug Verschlechterungen übrig, die eine Zustimmung zu dem Gesetz für die Socialdemokratie ausschließen. Besonders in Betracht kommt hierbei der§ SS, der die Kollegialität zwischen den Vorstandsmitgliedern stört, und der§ 42, der der Auffichtsbehörde das Recht giebt, einen Vorsitzenden auch dann aus seinem Amte zu entfernen, wenn gegen ihn nur ein Verfahren wegen MajestätS- beleidigung anhängig gemacht wird. Zudem erhöht die Vorlage die Beiträge fiir die Gemeinde- Krankenversicherung und belastet dadurch zu Gunsten rückständiger Gemeinden diejenigen Arbeiter, die dieser schlechtesten Versicherungsform unterstehen. Andrerseits sind die Verbesserungen, die die Vorlage enthält, von allen vorgeschrittenen Kassen,'die sich socialdeinokratischer Leitung erfreuen, längst ein- geführt. Die Abstimmungen bei der dritten Beratung boten keine lieber- raschung mehr. Programmmäßig wurde§ 42 nach den Erklärungen Trimborns abgeändert, den Kotau vor der Socialdemokratie. lvie Herr Dr. Arendt die Nachgiebigkeit des Centrums getauft hatte, machte die Rechte und von den Nationalliberalen die vier Aufrechten Dr. Sattler. Graf Oriola, Dr. Semlcr und Münch-Ferbcr nicht mit. In der Gesamtabstimmung wurde das Gesetz mit allen gegen unsre Stimmen angenommen. Herr Dr. Arendt hatte zwar verblümt mit Bezweiflung der Beschlutzunfähigkcit gc- droht, aber er fand schließlich nicht den Mut dazu in seiner gcr- manischen Brust. Von den Resolutionen wurde die erste, die die Ausdehnung der Krankenvcrsicherungspflicht auch auf Landarbeiter. Dienstboten und Hausindustrielle verlaugt, gegen die Stimmen der Rechten, die zweite, die allerhand Wünsche für künftige Ver- schlechterungcn der Krankenversicherungen enthält, gegen unsere Stimmen angenommen. Daun kanr der Schlußakt. Er erhielt sein besonderes Gepräge da- durch, daß unsre Fraktion sich von dem üblichen Dank air den Präsi- deuten der Zollmehrheit ausschloß. Sie verließ den Saal, während Graf Ballestrem die übliche Uebersicht über die Thätigkeit des Reichs- tages gab. Der konservative Fraktionsführer v. Normann dankte de», Präsidenten und der Präsident erwiderte; es war eine allgemeine Belveihräuchcrung. Dann verlas Graf Bülow die kaiserliche Urkunde, die den Schluß der Arbeiten des Reichstags ausspricht. Der Knipscr der„Woche" stand mit seinem Apparat gerüstet in der Loge, im, den historischen Moment aufzunehmen. Ein Kaiserhoch, allgemeines Händeschütteln, ein gegenseitiges Abschiednehnien. das ur viele der bisherigen Volksvertreter ein endgültiges sein wird und der Kehraus war gekommen. Nun haben die Wähler das Wort!—_ Herrenhaus. Das Herrenhaus hat am Donnerstag den Gesetzentwurf über die B c f ä h i g u u g für d e n h ö h e r e n V e r lv a l- tungsdicust beraten und entsprechend den Beschlüssen einer Koinnnssionen in dem entscheidenden§4 die RegierungL- Vorlage wieder hergestellt. Bekanntlich sollte die Ernennung der Referendare nach dem Regierungscntwurf durch die Rcgicrungs- Präsidenten erfolgen, während'das Abgeordnetenhaus die Er- nennung in das Belieben des Ministers des Innern und deS Finanzministers gestellt hat. Am Freitag muß sich nun das Abgeordnetenhaus nochmals mit der Vorlage befassen. Falls es den Beschlüssen des Herrenhauses nicht beitritt, gilt das Gesetz als gescheitert. Die vorausgegangene Debatte war insofern nicht ganz uninteressant, als der bekannte Berliner Universitätslehrer Professor Dr. S ch m o l l e r eine bittere Schilderung des Bildungsstrebens unsrer zukünftigen Beamten gab, die die ersten Studentenjahre verbummeln, um dann kurz vor dem Examen sich die paar Kenntnisse einpauken zu lassen. Auch über die Bevorzugung des Corpsstudenteutums seitens der Minister verbreitete sich Professor Schmoller in einer trotz aller professoralcn Einschränkungen für das Herrenhaus immerhin anzuerkennenden Freimütigkeit. Herr V.Hammer- t e i n, der Minister, blieb trotzdem dabei, daß die Corps» tudenteu durch die Inzucht der Jahrhunderte die berufenen Regierer Preußens geworden seien. Zu dem Gesetz selbst beiden Resolutionen an: nahm das HauS noch folgende 1. die lomgliche Regierung zu ersuchen, dafür zu sorgen, das; bei der ersten Prüfung das Staats- und Verwaltungsrecht und die Nationalökonomie und bei der Entscheidung über die An- nähme zum höheren Verwaltungsdienste der Ausfall der Prüfung in diesen DiZe�linen gebührend berücksichtigt werden; 2. die Regierung zu ersuchen, es Regierungs-Asfessorcn zu ermöglichen, durch praktische Beschäftigung in Zweigen der Selbstverwaltung lProvinzialverwaltung, Landwirtschasts-, Handels-, Handwerks tainmer usw,) sowie in geeigneten wirtschaftlichen Betrieben(Land Wirtschaft, Industrie, Banken uslwj oder durch Studienreisen ihre Ausbildung zu vervollständigen. Am Freitag steht der Antrag Mirbach bc treffend die Kündigung der Handels Verträge zur Beratung.— Das Kartell des Katzeniammers. Wer hätte sich das träunien lassen, damals,»als die Kardorff. Kröcher, Bachem. Spahn. Bassermann in den wilden Dezembertagcn des parlamentarischen Staatsstreichs unter gütiger Mitwirkung Eugen Richters der socialdemokratischen Bestie den Zaum anlegten I Wie waren wir zerschmettert, völlig gebrochen, jammervolle Opfer unsrer eignen Dummheit und Frechheit l So laS man in der Jubclhymne der Zollwucherpresse von der«Staatsbürgerin" bis zu Eugen Richters Organ! Ein paar Monate sind seitdem ins Land gegangen. Und aus dem alten, toten Reichstag schleichen geknickt die Helden und Sieger der Kardorff-Zölle: sie kriechen förnilich in den Wahlkampf, ohne Hoffnung, Ueberzeugung— ohne Wahlparole, ein lächerliches Kartells des einen, vereinten Katzenjammers gegen den Umsturz. Daß die Regierung die Interpellation der Rotte Kardorff über die Kündigung der Handelsverträge nicht beantwortete, ist verstimmend für die Ordnungsparteien, aber sonst ohne Bedeutung. Stärker aber ist ihnen auf die Nerven gefallen, datz der Reichstag mit einem charakteristischen Erfolg der Socialdemokratie schloß. Das Centrnm hatte die Krankenkassen-Novelle verschlechtert. Die Socialdemokratie hatte es in der Hand, die Erledigung des Gesetzes zu verhindern. Das Eeutrum aber mochte nicht mit dem Odium in den Wahlkampf ziehen, daß seine reaktionäre Wirksamkeit das Zustandekommen des Gesetzes vereitelt habe. So gingen sie hin und baten die Socialdemokratie um gut Wetter, indem sie auf die ärgsten Verschlechterungen Verzicht leisteten. Ueber das„Schweineglück" der Socialdemokratte klagt Oertcl in d«„Deutschen Tageszeitung": „Die Mchrheitspartcien bieten denen um Singer noch demütig »inige Abschwächungen und Herr Singer wird gnädigst den Antrag auf namentliche Abstimmung zurückziehen. So konnnt das Gesetz zu stände, die Socialdcmokraten haben zum größten Teil ihre» Willen durchgesetzt, sie haben sich wieder einmal als die Herren der Lage gezeigt". Die„ Ratio nal-Zeitung" seufzt: „Der Schluß des Reichstages wiederholt in kurzen Zügen noch einmal schlagend das Gesamtbild, das der scheidende Reichstag Jahrelang geboten: Die durch Arbeitsunfähigkeit der Mehrheit begründete Herrschaft der Social- demokratie." Um die eigne Arbeitsunfähigkeit zu verdecken, hat die Mehrheit unter verlogenen Vorwänden die Geschäftsordnung zertreten und die Verfassung gebrochen. Half alles nichts! Die Zollwuchermehrheit kann nicht einmal mehr mit dem Ausnahmezustand regieren— was doch sonst jeder Esel vermag— sie verläßt den alten Reichstag in einer geradezu trostlosen Auflösung. Ein symbolisches Vorzeichen für die Wahlen? dieses Katzen- jammer-Kartell der Ordimng. und dieser Schlnßsieg der Umstürzler! « Deiitfchea Reich. Di»? gemeinsame Christentum des ZoltwucherS. Der Vorsitzende der konservativen LandtaaSfrattion Graf L i m b n r g- S t i r n m ist bei den protestantischen Eiferern in den Verdacht ultramontaner Neigungen geraten, loeil er für die Aufhebung des 8 2 des Jesuiten- gesetzes und besonders weil er auf dem konservativen Delegierten- rage' ein Zusammengehen der Konservativen mit dem Centrum befüriuortet hat. Die„Konservative Korrespondenz" verteidigt nun offiziell deir Grafen gegen solchen Versuch. Es wird erklärt, daß Gras Limburg-Stirum jenes Zusammengehen wesentlich in den wirtschaftlichen Fragen des Mittelstandes und der Landwirffchaft, besonders ferner aber auch nur deshalb empfahl, tveil es in heutiger Zeit gelte, alle Vertreter des christliche» Gr- dmikcns im Reiche zn sammeln, um die beide» Konfessionen gemeinsame» Interessen des Christentums wirksam zn vertreten. Das lustigste ist. daß diese— im Zollwucher gipfelnde— Ber- tretung der gemeinsamen Interessen des Christentums von einem Manne besorgt wird, der bei aller„bekannten Bekenntnis- treue" Limburg-Slirum- E b e r s heißt und ein—.Juden- st ä in m l i ii g" ist. Sollte da der Führer der Konservativen nicht berufen sein,' sogar die gemeinsamen Interessen dreier Kow- fessionen zu vertreten?~ Der„Norddeutsche Lloyd" und die„nationale" Arbeit. Bei Gelegenheit der Reichstagsdebatten über die Dampfersubventionen traten unsre Genossen seiner Zeit dafiir«in, daß, wenn einmal die „nationale" Arbeit mit solchen Mtteln gefördert werden sollte, dann wenigstens die subventionierten Linien auch verpflichtet lvürden, heimische Arbeiter zu verwenden, und nicht farbige Lohndrücker. Damals wurde vom Regierungstische behauptet, daß der Bremer- Lloyd, die Paketfahrt- Gesellschaft usw. Farbige— Chinesen, Malayen usw.—- nur soweit beschäftige, als dies aus hygienischen Gründen erforderlich sei. Weiße vertrügen z.B. den Dienst vor den Feuern in den Tropen nicht so gut als Farbige usw. Auf Grund dieser an sich recht zweifelhasten Behauptung lehnten die Mehrheitsparteien im Reichstage die Anregung unsrer Genossen ab. In Wirklichkeit ver- wendet der Bremer Lloyd Farbige auch in solchen Stellungen, die mit weihen Arbeitern ohne das geringste gesundheitliche Bedenken besetzt werden köimten. So waren z. B., wie uns ein Parteigenosse auf Grund eigner Beobachtung mitteilt, auf dem Reichspostdampfer „Preußen", ber am 10. Apnl in Anttverpen ankam, außer cUva S0 chniestschcn Heizern noch etwa 15—20 Chinesen als Wäscher, Stewards der Offiziere, zu Ablvascharbciten in der Küche usw. an- gestellt, also durchweg zu Dienstleistungen, die als besonders schwere nicht anzusehen sind, und die destvegen auch der Europäer selbst in den Tropen leisten könnte. Und ähnlich wird es wohl auch auf den andern Reichspostdampfern sein. Hygienische Gründe können hierfür nicht angeführt werden? nur das Interesse seines Geldbeutels ver- anlaßt den Lloyd, aus den aus Reichömitteln unterstützten Dampfer- linien die Reichsangehöngen zurückzusetzen zu Gmisten billiger aus- ländischer Lohndrücker. Und das heißt dann:„Schutz der nationalen Arbeit."—_ Diplomatie der Monarchisten. Gestern konnten wir berichten, ivie die hellen Sachsen nur aus diplomatischer Klugheit sich als treue Monarchisten aufspielen? jetzt wird ein Diplomatenstückchen mitgeteilt, wodurch die Macher des Köniasemp fange» versuchen, ihre Veraiistaltung doch noch als eine freiwillige Kundgebung treuer Patriotciiherzeu erscherncii zu lassen. Es wird folgendes Schriftstück des DanlenkomiteeS veröffentlicht: Dresden, am 26. April 1V03. Infolge Ihrer freundlichen Anmeldung überreichen wir beigefügt eine Schleife als Legitimation zum Zutritt zu dem für die Teilnehmerinnen am Empfange Sr. Majestät bor dein Hauptbahnhofc abgesperrten Platze. Die_ Schleife ist sichtbar zu tragen. Wir erlauben uns in Rücksicht auf die verschiedenen Aeußeruugen der Presse bei diesem Anlaß auszusprechen, daß unsre Aufforderung zur Teil- nähme am Empfange nur die Absicht verfolgte, denjenigen Frauen Dresdens, die aus warmem und aufrichtigem Herzen ihrem König einen Willkommengruß darbringen möchten, hierzu Gelegenheit zu geben. Wir bitten daher ausdrücklich, daß solche, die nicht in dieser Gesinnung an der geplanten Huldigung teilnehmen würden, durch die gegebene Zusage sich nicht für gebunden erachten wollen. Diese verspätete Diplomatie kann natürlich nichts an der That- fache ändern, daß die Beamten»iid ihre Frauen durch ihre Dienst- vorgesetzten zur Teilnahme an dem Empfange veranlaßt worden sind. Offenen Zwang hat man natürlich nicht ausgeübt? es hat? jedem von vornherein so fteigestanden, die Be- teiligung abzulehnen, wie es in diesem Schreiben jetzt nochmals ausdrücklich gesagt wird. Aber welcher Beamte, dem sein dienstliches Vorwärtskommen lieb ist, wird es wohl wagen, durch sein Fernbleiben zu dokumentieren, daß er_ nicht die erwartete Gesinmuig hege i Wollte man eine freiwillige VolrSkuudgebmig. dann mußte man es von vornherein darauf ankommen lassen, wer aus freiein Willen kommen werde. Erst die Beamten dienstlich um Beteiligung ersuchen und ihnen dann sagen. Ivenn sie nicht monarchisch gesinnt seien, brauchten sie diesem Ersuchen nicht Folge zu leisten, befreit die Beranstslttnig nicht von dem Odnnn der kiinst- lichen Mache. In Dresden, wo man nicht einmal städtischer Straßen- kehrer sein darf, ohne den Eidschivur königstreuer Gesinnung ab- gelegt zu haben, m u tz eben jeder Beamte lönigstreu— scheinen.— Wahlstimmenkaiif. Bei der Wahl unsres Genoffen Einmel in den elsässischen Landesausschuß ist, ivie berichtet wird, der Versuch des Stimmeukaufs gemacht worden. Dem socialdemokratischen Gc- meindcratsmitgliede Bissinger sind von einer Dame 400 M. eingehändigt worden als Abschlagszahlung auf eine Summe von 1200 M., die er erhalten sollte, wenn er gegen Emmel stimmte. Die Dame gestand zu, daß sie Geld und Auftrag von einem Herrn Isidor Bloch erhalten habe. Diescr Her-rBloch, Bureauvorstcher der Finna Wallach u.Co. und Wallach war der demokratische Gegenkandidat Einmels. Genosse Bissinger hat das erhaltene Geld bei der Staatsanwaltschaft deponiert. Nach§ 109 des Sttaf-Gesetzbuchs steht auf den Kauf von Wahl- stimmen in öffentlichen Angelegenheiten Gefängnisstrafe von einem Monat bis zn zwei Jahren. Auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. Wir sagten gestern, die Mülhäuser Demokrater hätten sich mit ihrem Wahlprotest nur lächerlich gemacht. Das können wir nach dieser Mitteilung nicht mehr aufrechterhalten? sie haben eine ungeheuere politische Korruption offenbart und sich mit Schmach bedeckt, um den Einzug des einzigen Socialdemokraten in den Landesausschuß zu verhindern.— Der Kampf um Kerum. Die„Frankfurter Zeitung" bestättgt, daß der Sekretär Dasbachs nicht der Verfasser ihrer Trierer Schul- artikel sei.— Ein wirklich geborener Fürst. Die Fürftin-Witwe des HanseS Stolberg-Stolberg ist dieser-Tage von einem Knaben ent- bunden worden, nach dein Tode des Mannes, der infolge eines nicht aufgeklärte»„Unfalls" jüngst umgekommen ist. Das Kind wird nun Erbe dieses Hauses. Die Geburt wurde in folgender Form bekannt gemacht: „Ihre Durchlaucht die Fürstiu-Witive ist heute morgen von einem Fürsten glücklich entbunden worden. Der fürstliche Kammerdirektor Bode." Endlich ist also einmal ein Fürst thatsächlich geboren worden. Aber woran hat die Hebamme es erkannt, daß da» Neugeborene ein Fürst war?— Huetand. Frankreich. Vorlegung des Etats für 1904. In dem heutigen Ministerrat legte Finanzniinister Rouvier in großen Zügen den Haushaltungs- plan für 1301 dar. Er bestand darauf, daß es notwendig sei, die Ausgaben so herabzusetzen, daß jede neue Steuer vermieden werde. Außer dem Budget bereitet der Finanzmimster den Entwurf eines Einkommenfteuer-Gesetzes vor, welchen er später vorlegen wird. Ministerpräsident Combes teilte die eingegangenen Nachrichten über die Zwischenfälle mit, welche anläßlich der Ausweisung der Kongregationen vorgekommen sind. Er erklärte, daß eine Unter- siichung über die näheren Umstände eröffnet sei, unter welche» ein Journalist durch die Menge, die sich der Ausweisung der Karthäuser widersetzte, schwer verletzt wurde. Zur Austreibung der Karthäuser. Die ausgewiesenen 23 Karthäuser wurden nach dem Verhör vor dem Untersuchungsrichter in Grenoble fteigelassrn. Sie begaben sich nach Chambery und von dort nach Piguerol. Auf dem ganzen Wege wurden ihnen Sympathie-Kund- gebungen zu teil. Jwei Offiziere des Kavallerie-Regiments, das zur Austreibung köuche kommandiert worden ist. die Kapitäne Maröchak und Colas des Francs haben ihren Abschied eingereicht. Marseille, 29. April. Abends begaben sich 2000 Manifestanten. darunter mehrere Dockarbeiter, nach dem Kapuzinerkloster. Die Polizei schritt ein und trieb die Ruhestörer zurück. 15 Personen, darunter mehrere Polizeibeamte, wurden leicht verletzt.— Rußland. Demenstration und Straß-iikampf in Rostow. Die letzte De- monstration in Rostow ist eine der imposantesten, die Rußland je gesehen hat. Mehrere Augenzeugen geben in der neuesten Nummer der„Jskra" ihre Eindruck über das Geschehnis wieder, die das folgende Bild ergeben: Um die Demonstratton erfolgreich durchzuführen, gab das Rostower Komitee seinen Plan nur den organisierten Arbeitern und den Bekannten aus der Intelligenz der Stadt bekannt. Die Polizei war sehr überrascht, als sie plötzlich m der Sadowaja eine tausendkopfiae Menge und die roten Fahnen erblickte. Das Wetter war den Demonstranten günstig. Um 3 Uhr nachmittags ver- sammelten sich in der sogenannten„Kluft" 5— SOOO Personen, die sich zn beiden Seiten dieses Amphitheaters lagerten. Die meisten waren erschienen, um öffentlichen Belustigungen zuzuschauen, und hatten keine Ahnung, Ivos vorbereitet war. Plötzlich erhob ffch auf der einen Seite der„Kluft" lautes Hurra und die Menge sah, wie in der Lust drei rote Fahnen mit den Inschriften„Hoch die politische Freiheit". Hoch der Ächtstundentag", und„Donsier Komitee" flattmeu. Zwischen den Fahnen ward der Redner hochgehoben, der eine kurze Ansprache hielt. Die Autvesenden wurden aufgefordert, in die Stadt zu ziehen und sich an der Demonstratton zn beteiligen. Die Menge antwortete mit Hurra und bewegte sich wie ein Mann unter der Anführung der organisierten Arbeiter nach der Stadt. In zehn Minuten war die Stadt erreicht und die Arbeiter zogen unter den Klängen revolutionärer Lieder in die Hauptstraße ein. Hier fand der erste Zusammenstoß mit der Polizei statt? acht Polizisten und zwei Gendarmen versuchten der Menge den weiteren Weg zu versperren, ein Polizeilieutenant wollte etwas sagen, er mußte aber bald verschwinden, denn es regnete auf ihn und seine Gehilfen ein wahrer Steinreaen nieder. Die Polizisten retteten sich nur mit großer No: und die Menge zog weiter. Die Zahl der Demonstranten Ivar inzwischen auf 10 000 gewachsen. Ein grandioses Schauspiel: die breite und lange Sadowajastraße ist mit Menschen überfüllt, die sich langsam vorwärts wälzen? über den Köpfen die flatternden Fahnen. Arbeiter in Feiertagskleidern, das Stadtpnblikum in Hüten, Frauen aus den intelligenten Kreisen, Arbeiterinnen, Bar- süßler— alles das sang, pfiff, schrie Hurra, es lebe die Freiheit. nieder mit dem Absolutismus! Ein Vertreter der Polizeibehörde, der bemerkt wurde, mußte sogleich fliehen. Die Menge rief: Nach de« Gefängnis, nach dein Gefängnis I Die Demonstranten zogen bis zu dem Stadtgarten, kehrten dann um und gingen bis zu dem Taganroger Prospekt, von wo der Zug wieder in die Sadowaja ein- zog. Immer neue Haufen kamen hinzu? weit und breit sah man keinen Kosaken. Die Sttraßen befanden sich so anderthalb Stunden vollständig in den Händen der Demonstranten? man ivar schon bis zu dein sogenannten großen Prospekt ge- kommen und unter dem Druck der Menge ivollte man auch thai- sächlich zu dem Gefängnis, doch hier hatte die Polizei bereits Barri- laden gebaut? quer über die Straße waren mehrere Reihen von Droschken aufgestellt. Die Anführer der Demonstranten zogen die Fahnen ein. Kaum war das geschehen, als man Kommandos hörte: Blank ziehen, die Kiniten hervor. Die Menge leistete Wider- stand, es flogen Steine und Stöcke, man warf den Kosaken und Polizisten Drahtknäuel unter die Füße, doch auf die Länge konnte iiiaii sich nicht halten, die Menge mußte fliehen. An der Ecke der Kosaken- straße wollte der Polizeilientenant Antonow einen der fliehenden Demonstranten festhalten, er wurde niedergeschlagen und ist darauf im Hospital gestorben. Unter den Demonstranten giebt es ebenfalls viele verwundete. Die Fahnen wurden gerettet, von den organisierten Arbeitern ist niemand der Polizei in die Hände gefallen, unter den Arretierten befanden sich meistens Leute aus den Zuschauern, die den Tag darauf wieder freigelassen wurden. Nach der Demonstration ivinden in der Stadt Haussuchungen vorgenommen und einige 30 Personen verhastet.— Ausweisungen aus Finnland sind, wie„Stockholms Dagblad" berichtet, auch in Abo in großem Umfang erfolgt. Die Zahl der Ausgewiesenen wird auf 60 geschätzt, rann jedoch nicht genau an- gegeben werden. Als ein Teil der Landesverwiesenen am Montag- abend mit dem Dampfer„Lore II" abreiste, sang die Bevölkerung trotz des Verbots der Polizei:„Ein feste Burg ist unser Gott" und Unser Land". Bei der Ankunft aus Mariehamm auf Aland wurden die Laudcsverwiesenen mit Blumen empfangen. Weiter wird gemeldet, daß auf allen Advokatenbureaus in Abo Haussuchungen vorgenommen wurden.— Amerika. Deutsch-kanadischer Zgliksuslikt. Wie au? Montreal gemeldet wird, sind zu der kanadischen Tarisnovelle Ausführungsbestimnmngen erlassen worden. Vorbedingung für die Eximierung vom Zoll- Zuschlag ist danach, daß die Ware vor dem 1. Juli in Kanada ein- trifft und einklariert wird und daß das Geschäft mit dem deutschen Exporteur vor dem 17. April persekt war. In England veredelte Waren werden, wenn sie dem Wert nach mehr als zur Hälfte deutsches Produkt sind, nicht mehr unter dem Prcscrentialtarif ein- gelassen, sondern zahlen die allgemeinen Sätze und den Zuschlag. Sociales. Betreffend die Beschäftigung von Arbciternmc» i and jugendlichen Arbeiter» in Bleifarben- und Bleizuckerfabriken hatte der Bundesrat unter dem 8. Juli 1893 eine Verordnung erlassen, lvonach jugend- liche Arbeiter in derarttgen Anlagen gar nicht, Arbeiterinnen nur in 'olchen Räumen und bei solchen Verrichtungen beschäfttgt werden dürfen, welche sie mit bleihaltigen Produkten nicht in Berührung bringen. Dieses Verbot. Ivclches bis zum 1. Mai d. I. Gültigkeit hatte, ist vorläufig bis zum 1. Juli 1903 verlängert worden. An diesem Tage dürsten dann die neuen, erweiterten und verschärften Bestimmungen in Kraft treten, die gegenwärtig im Bundesrat durch- beraten werden. DaS Verbot des ZwischenmcistenTystems bei der Herstellung von Cigarren, daS leider nur für Arbeiterinnen und jugend» liche Arbeiter gilt, und die in derselben BundeSrats-Vcrordnung ausgesprochene Anordnung getrennter Aborte sowie AuS- und Snkleideräume für Cigarrenfabrilcn ist durch Beschluß des Bundesrats bis zum l. Mai 1905 verlängert worden. Die Geschäftsstelle der Ortskassen in Müblhiiiisen erklärt, daß es ihr gelungen sei. von außerhalb ärztliche Hilfe zu schaffen, um für die �schwersten Fälle von Erkrankungen den Mitgliedern ärztlichen Beijtand zu gewähren.._ Letzte JVadmebten und Depefeben. Eine neue Aussperrung in Sicht. Geestemünde, 30. April. der kaiserlich chinesischen Eeezoll-Berwaltuiig erhobenen Zolle nach Abzug eines >ir die Unterhaltung der Zollbehörden nötigen Betrages an die Russisch- Chinesische Bank als Guthaben der chinesischen Re- gierung eingezahlt werden. Er erfahre ferner, daß die russischen Behörden den Anspruch erheben, von diesen Geldern denjenigen Bettag abzuziehen, welcher von ihnen für die Wiederinstandsetzung der Nmtschwang— Schanhaikwan- Eisenbahn ausgegeben wurde. ES würden weitere Erhebungen angestellt, ob durch eine dahin- zehende Vereinbarung die Sicherheit der Interessen der Bonds- nhaber gefährdet werde._ Budapest, 30. April.(23. T. B.) Der Aliordmmg erlassen, die Eintreibung Steuern von morgen ab einzustellen. Koust-intiuopel, 30. April.(W.T.B.) Bei der Sprengung der Filiale der Ottomaniichen Bank in Saloniki sind auch mehrere Deutsche, die neben der Ottomanischen Bank ihr Klublolal haben. verletzt worden._ Finanzmimster hat der öffentlich die en Verantwortl. Redakteur: Carl Leid in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck u. Verlag- Vorwärts Buchdruckerei u. Verlazsanstalt Paul Singer» Co., Berlin SV. Hierzu 4Beil«geu u. Unterhaltungsblatt Nr. 101. 20. Jahrgang. Freitag, 1. Mai 1908. Reicbstaci. 801. Sitzung. Donnerstag, den 30. April 1903, vormittags 11 Uhr. Am Bundesratstische: Graf Posadowskh. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung der Krankcnkassennovelle. Bevor die namentliche Abstimmung über ß 42, bei welcher sich gestern die Beschlutzunfähigkeit des Hauses ergab, wiederholt wird, erhält das Wort zur Geschäftsordnung: Abg. Trimboru{£.): Ich habe namens meiner Freunde eine Erklärung abzugeben, welche möglicherweise die Erledigung der heutigen Tagesordnung wesentlich erleichtern wird. Ich habe den verehrten Herren anzukündigen, datz wir in dritter Lesung zu Z 42 einen Antrag einbringen und auch mit unfern Stimmen unter stützen werden, wonach die Worte„grobe Pflichtverletzung" durch die Worte„grobe Verletzung der Amispflicht in Bezug auf die Kassen- führung" ersetzt werden sollen. Einer näheren Begründung dieses Antrages enthalte ich mich, weil dies im Nahmen einer Geschästsordnungs-Debatte nicht zulässig sein Iviirde. Ich motiviere daher auch nicht unser Vorgehen bezüglich dieses Antrages. Weiter habe ich zu erklären, datz wir in der dritten Lesung für den Fall, datz von irgend einer andern Seite die Streichung des Ab- satzes 7 des§ 42 in der Kommissionsfassung bezüglich der Dienst- ordnung beantragt werden sollte, einem solchen Antrag zustimmen würden. Auch dies Borgehen kann ich jetzt nicht näher erläutern. Ich bemerke nur, datz dieser zweite Schritt geschieht mit Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses. Abg. Richter(frs. Vp., zur Geschäftsordnung): Ich verkenne durchaus nicht die wohlmeinende Absicht des Herrn Vorredners, aber ich möchte mich doch für die Zukunft dagegen verwahren, datz mitten in der Abstimmung solche Erklärungen abgegeben werden.(Lebhaftes Sehr richtig I rechts.) Präsident Graf Ballestrem: Ich stelle fest, in welchem Stadium sich die Verhandlungen zuletzt befanden. Die Diskussion über§ 42 war geschlossen, die Abstimmung über die einzelnen Absätze desselben hatte stattgefunden. Der Herr Abg. Singer hatte beantragt, über den ganzen Z 42 namentlich abzustmunen. Dieser Antrag war ge- nügend untersttitzt. Während der namentlichen Abstimmung stellte sich die Beschlutzunfähigkeit des Hauses heraus. Wir befinden uns daher gegenwärtig wieder in dem Stadium vor dem Beginn der namentlichen Abstnnmung.(Sehr richtig I) Abg. Singer(zur Geschäftsordnung): Herr Präsident, nachdem der Herr Abg. Trimborn namens seiner Fraktton dre eben gehörte Erklärung atSgsgeben hat(Lachen rechts) und unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, Hätz meine Freunde und ich uns bei der dritten Beratung alles vorbehalten ftir den Fall, datz der von Herrn Trimborn an- gekündigte Antrag und der von andrer Seite zu stellende Antrag in der Specialberawng nicht angenommen werden sollten, unter diesem Borbehalt bitte ich den Herrn Präsidenten, die Zurückziehung des Antrages auf namentliche Abstimmung, die ich hiermit ausspreche, als zulässig zu erachten. Präsident Graf Ballestrem: Da die namentliche Abstimmung noch nicht begonnen hat, so habe ich kein Bedenken, die Zurücknahme des Antrages auf namentliche Abstimmung zuzulassen. In analogen Fällen ist auch früher immer so verfahren worden.— Ein Wider- spruch dagegen wird nicht erhoben, wir stimmen also über den § 42 ab. H 42 wird hierauf in der durch die gestern angenommenen Anträge v. Savigny(C.) und Lenz mann(frs. Vp.) vcr- änderten Kommissionsfassung angenommen. Dagegen stimmt die gcjanxtc Linke. Auf Antrag Alb recht(Soc.) wird die Diskussion über die§§ 43, 46, 47, 60 und 73, zu denen socialdcmokratische Ab- änderungSanträge vorliegen, verbunden. Zu§ 43, der von der Errichtung gemeinsamer OrtS-Krankcn- kästen handelt, stellen die Socialdemokratcn einen Antrag, der den Kassen das Recht einräumt, grötzere Verbände zu gründen. Im Z 46 beantragen die Abgg. H o f m a n n- Dillenburg(natl.), Trimborn(C.). G a m p(Rp.) und v. R i ch t h o f e n(k.) eine Zettbeschränkung von vier Wochen einzufügen, innerhalb welcher Frist eine Kaste Verfügungen der Aufsichtshchörde im Wege des Verwalwngsstteiwerfahrens anfechten kann, die sich auf Befolgung der gesetzlichen und statutarischen Vorschriften beziehen. Zum 8 46 beantragen die Socialdemokraten eine Aenderung, die eine Folge der von ihnen zu§ 43 beantragten Aenderung ist. § 47 handelt von der Schließung einer Orts-Krankenkasse und bestimmt, datz diese erfolgen mutz, wenn sich aus den Jahres- abschlüssen ergiebt, datz die gesetzlichen RkindestleisNingen auch nach Erhöhung der Beittäge auf 4 Proz.(bisher 3 Proz.) nicht gedeckt werden können. Die Socialdemokraten beantragen diese Erhöhung auf 4 Proz. au streichen. Im Absatz 4 deS§ 47 wird bestimmt, daß die versicherungs- pflichttgen Personen einer geschlossenen Orts-Krankenkasse einer andren ÖrtS-Krankenkasse oder der Gemeindeversicherung zu über- weisen sind. Die Socialdemokraten beantragen die Ucberweisung an die Gemeindeversichermig zu streichen. § 60 setzt die Mmdcstzahl der Arbeiter in einem oder mehreren Bettieben, ftir die ein Unternehmer eine Bettiebs-Krankenkasse er- richten darf, auf 60 fest. Die Socialdemokraten beantragen, die ivkindestzahl auf 600 zu «Isibcn. ich genntragCn die Socialdemokraten in§ 73. der von den Leistungen der JnmmgS-Krankenkassen handelt, auch die Be- slimmmiae» deS 8 60 des Gesetzes mit aufzunehmen, wonach Arbeit- aeber die aus Borsatz oder Fahrlässigkeit die Anmeldung Unterlasten baben alle Auftocndungen zu erstatten haben, die eine Gemeinde- oder Orts-Krankenkasse ftir die nicht augemeldete Person geleistet hat. Abg. Albrecht(Soc.) bearündet die socialdemottatischcn Anträge. Er weist auf die Not- wendigleit hin. die Schranken zu beseitigen, d,e jetzt noch der Bildunq größerer Kapenverbande entgegenstehe». Dadurch werde die Leistungsfähigkeit der Kasten ungemein erhöht. �m 8 47 empfehle sich die Streichung der Erhohmig von 3 auf 4 Proz. Gerade d,e minderwertigen Kasten wurden sich die Mogl.chkeit einer Beitragserhöhuna zu Nutzen machen,«hne ihre Leiftungen entsprechend zu erhöhen— Die Ucberweisung der Mitglieder einer ausgelosten Orts-Krankenkasse auch an die Gemeindeversicheruiig geht zu weit und muß gesttichen werden. Sämtliche Parteien haben anerkaiuit, daß die Gemeindc-Krankenvcrsicherung minderwertig ist. Zn 8 60 wollen wir die Mindestzahl der Arveiter, für die eine Bettiebs- Krankenkaste gegründet werden darf, ans 600 erhohen. Wir haben mit den Bettiebs-Krankenkassen teilwei,e recht Ichlechte Erfahrungen gemacht. Heute kann ein Arbeitgeber bereits mit 60 Arbeitern eine solche Kaste errichten.— Den Fnnungs-Krankenlaisen wollen wir das in der Novelle in 8 73 gewährte Privileg, nm nicht ge- währen. Wir glauben. daß den Innungen bereits dadurch. daß sie eigne Kassen errichten dürfen. ein Privilegium gewährt ist, das ihnen gar nicht zukommt.(Sehr richtig! ber den Socialdemokraten.) Weiter möchte ich den Staatssekretär bitten, Be» schwerden der Drts-Krankenkassen gegen Uebergriste der Junungö- lassen sinn, er sofort zu erledigen. Bor kmzcm hm cm solcher Streit» fall seine Erledigung gefunden. Die Verhandlungen darüber haben sich länger als ein Jahr hingezogen. Ich bitte unsre Antrage anzu- nehmen.(Bravo! bei den Socialdemottaten) Abg. Thiele(Soc.) befürwortet nochmals den socialdemokratischen Anttag zu 8 60 Es mutzte bestimmt werde», datz Arbeiter, für deren Branche eine �rts- abgelehnt und der Rest KommisjionSbeschlüssen a n- der Kommission beschlostene der Kankenversiche- Krankenkasse besteht, der OrlS-Kraiikenkaste und nicht der Bettiebs- Krankenlasse beizutreten haben. Die BetriebS-Kranlenkassen haben sich nicht lebensfähig gezeigt. Ihre Mitglicderzahl ist im Gegensatz zu der Mitgliedcrzahl der Orts-Kranlenkassen zurückgegangen. Abg. Hosimmn-Dillenburg(natl.) bestirwortet Annahme seines Anttags, den Abg. Stadthage»(Soc.) bekäinpst. In der Abstimmimg werden die socialdemokratischen Anträge sämtlich abgelehnt, der Antrag Hofmann- Dille n bürg gegen die Stimmen der Socialdemottaten angenommen. 8 43 wird mit dieser Aenderung angenommen, ebenso der Rest des Artikels I und der Artikel II. Als Artikel Ha beanttagen die Agg. A l b r e ch t(Soc.) und Genosten einen Passus, durch den auch die Kranken-Nntcrssiitzuug der Secleutt von 13 ans 26 Wochen crloeitert wird. Abg. Stadthazru(Soc.) begründet kurz den Anttag. ES sei kein Grund vorhanden, erst noch eine Novelle zur SeemannS-Ordnung abzuwarten und so lange die Seeleute der Wohlthat der verlängerten Krankenuiiterstützilng zu berauben. Geheimrat Dr.». Euckcn-Addenhaiisen: Der Herr Staatssekretär hat bereits bei der ersten Lesmig der Novelle erklärt, datz dieser Antrag unannehmbar sei, da das Krankenversichermigs-Gesetz auf ganz andren Grundsätzen basiert ist wie die SeeniannSordnung. ES ist aber feierlich versprochen worden— nnd ich habe den Auftrag, das zu wiederhole»— datz. nachdem diese Novelle verabschiedet sein wird, die Seemann s-Ordming in dieser Hinsicht der Kranken- Versicherung angepaßt werden wird. Der Anttag Albrecht wird hierauf der Vorlage unverändert nach den genommen. Die Abstimmimg über eine von Resollltion, die die Ausdehnung rungs-Pflicht auf die Hallsindiistrie, die land- und forstwirt schafttichcn Arbeiter, sotvie auf die Dienstboten will, wird bis zur dritten Lesung ausgesetzt. Angenommen wird folgende Resolution: Die Regierung wird ersucht: u) dem Reichstage thunlichst bald, wenn möglich in der nächsten Session, einen Gesetzentwurf zum Zwecke einer eingehenden und gründlichen Reform des KrankenversicherungS-GesetzeS vorzulegen; d) in Borbereitnng dieser Vorlage werden Vorständen der .Krankenkassen, so auch den Vertretungen des Aerzte- und Apotheker- standes Gelegenheit zur Geltendmachimg ihrer Anschainiiigen und Wünsche zu geben und diesen so weit als möglich gerecht zu werden. c) insbesondere in eine Erwägung darüber einzutreten, ob sich nicht die Bildupa von ständigen Koiitmissionen von ausgewählten Ver treten, der Kraimnikasten-Vorstände, der Aerzte und Apotheker unter einem nenttale), Vorsitzenden(Obmann) enipfichlt, Ivclchcn die Reaelnng der arztlichen Behandlung inid der Arzneiversorgling nebst Festsetzung eines Tarifs der Honorieriuig sotvie die Entscheidung bezüglicher Sttcitigleitcn obliegt,— mit der Maßgabe, daß alle Aerzte und Apotheker, welche sich dieser Regelung unterstellen, als Kassenärzte»nd-Apotheker im Sinne des Gesetzes gelten. Abg. v. Savigny(C.) behält sich bor, bei der dritten Lesung eine Ergänzüng dieser Resolution im Sinne der dann im Absatz'? des 8 42 gestrichenen Bestimiuung über die Dienstordnung der Kasten beamten zu beanttagen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Präsident Graf B a l l e st r e m beraumt die nächste Sitzung auf nachmittag iVa Uhr an mit der Tagesordnung: Dritte Lesung der Krankenkassen-Novelle. Schlutz 12 Vi Uhr. ** 302. Sitzung. Donnerstag, den 30. April. V/i Uhr nachmittags. Am Bundesratstisch: Graf Posadowskh. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung der Kranken- lassen- Novelle. In der G e n e r a l d i s k u s s i o n erhält zunächst das Wort Abg. Trimborn(C.): Entfcheident für die Stellungnahme meiner Freunde zu der Vor- läge in ihrer jetzigen Gestalt ist der Umstand, daß sie einen weseut- lichen Fortschritt auf dem Gebiete der Kranlenverficherung bedeutet. Einbezogen sind zunächst die Handlungsgehilfen inid Lehrlinge in die Versicherung. Einen noch größeren materiellen Vorteil bedeutet die Ausfüllung der Lücke ztvischcu Kraulen- und Invalidenversicherung. Ferner müssen jetzt bei der Festsetzung de? ortsüblichen Tagclohncs auch Arbeitervcrtteter gehört werden. Weiter sind die Befugnisse der Kraiikenkassen, die Mindestleistuiig durch das Statut zu erhöhen, wesentlich vermehrt, eS ist eine Schwaiigerciiunterstützung neu eingeführt worden. Eine Verbesserung ist es auch, daß die Verttäge mit den Aerzten der Aufsichtsbehörde übergeben werden müssen. Danach ist für die Aufsichtsbehörde die Möglichkeit geschaffen, eine Zusammen- stellung dieser Verttäge dem Reichstage zu übergeben. Die gefähr- liche Klippe ist bekanntlich der 8 42, aber die einsichtigeren Polittker werden es verstehen, auch diese Klippe zu umschiffen. Es ist die Befürchtung ausgesprochen, datz die Pestimuumgen dieses Paragraphen zu politischen Vexationen gemitzbrancht werden könnten. Wir haben ausdrücklich erklärt, datz wir einen solchen politischen Mitz- brauch nicht wollen. Mit merkwürdiger Gleichzeitigkeit ist aber inzwischen bei uns und bei der Linken— der mittleren Linken(Heiterkeit)— das(zu den Socialdemottaten) ist die äuherste Linke— der Gedanke aufgetaucht, diese Möglichkeit dadurch zu beseitigen, datz wir ausdrücklich im Gesetze erklären, mit grober Pflichtverletzung solle mir die grobe Verletzung der Amtspflicht bei der Kassenführung gemeint sein.— Weiter habe ich schon erklärt, datz Ivir den Absatz 7 der KommissionSfassung fallen lassen werden. Ich betone aber aus- drücklich und mit allem Nachdruck, datz wir nach wie vor die Be- fttmminlg an sich für in jeder Beziehung berechtigt halten, weil den Angestellten der Benifsgeiiossenschasten der gleiche Schutz gewährt ist. Wir werden auch bestrebt sein, bei einer künftigen Revision der Krankenkassen-Gcsetzgebung den Schutz der Krankenkassen-Beamlen, soweit er berechttgt ist, zu erreichen. Daher hat Herr v. Savigny mit unsrer Unterstiitzung eine Resolution eingebracht, welche die Re- gierung ersucht, die berechtigten Wünsche der Kassenbcamtcn zu erfüllen. Wenn wir jetzt den Absatz 7 fallen lasse», so geschieht das lediglich mit Rücksicht ans die Geschäftslage des Hauses, die Unmöglichkeit, das Hans auf einige Tage bcschlutzfähig zu halten. Würden wir auf den Absatz 7 jetzt bestehen, so würde die Vorlage scheitern und das können wir angesichts der großen materiellen Vorteile, welche sie den Millionen der Versicherte., bringt, nicht verantlvorten. Unsre Stellung. lahme ist also nichts als der AiiSdriick unsrer Arbeitcrsreundlichkeit sowie unsrer varlamenta- rischcn Klugheit und Erfahrenheit, i Große Heiterkeit bei den Soc.) Wir unterliegen nicht irgend einer Partei, sondern wir unterliegen dem Abseiitismus und der Diätenlosigkeit.— Unter allen Umständen werden wir für das ganze Gesetz stimmen. An die Regierung richten wir die Aufforderung, möglichst bald eine crnente Revision der Kcmikenversicherung unter besonderer Berücksichtigung der Wünsche deS Aerztestandcs vorzunehmen.(Lebhafter Beifall sin Centrum.) Abg. Dr. Arendt(Rp.): Dem letzten Wunsche des Herrn Vorredners sthlietzen wir uns an. Was den Absatz 7 deS 8 42 anlangt, so haben die Socialdemottaten bereits in der Kommission erklärt, datz sie bei Annahme dieses Absatzes das Gesetz zum Scheitern bringen würden, und datz eS ihnen damit ernst war, haben sie gestern bewiesen, als sie namentliche Lbstiininuiig beantragten, trotzdem die Beschlutzmifähiakeit des Hauses offcnsichUich war.(Zuruf links: Es ist auch heute befchlutzunfähig!) Durch diesen Zwischenruf erleichtern Sie mir es. eventuell fest- zustellen, datz tvir heute beschlutzuufähig sind.(Hört! hört! links.) Wir sehen in dem Abweichen von den Beschlüssen zweiter Lesung beim ß 42 einen Kotau vor der Socialdemokratie, und den machen tvir nicht mit. Die Socialdemokratie hat sich nicht einmal mit einer einfachen Kapitulation des Centtums begnügt, sie verlangte eine feierliche Kapitulation, und_ diese wurde sogar unter Verstoß gegen die Geschäftsordnung, wie Herr Richter sehr richtig konstatiert hat, vollzogen. Gestern befand sich die Social- demokratie in sehr in, günstiger Position. Die Arbeiterschaft hätte es, wenn das Gesetz zu Fall gekommen wäre, sehr wohl verstanden, datz der Socialdemokratie agitatorische Rücksichten höher stehen als das Interesse der Arbeiter. Aus dieser Patsche hat Ihnen(zu den Socialdemokratcn) die Regierung und das Centrum herausgeholfen. DaS machen wir nicht mit. Wir werden der völkerverderbenden Socialdemokratie alle Zeit auf das festeste entgegentreten.(Ironisches Bravo! bei den Socialdem.) Leider fehlt uns in diesem Kampfe gegen den Terrorisnius der Socialdemolratie eine energische Regierung. Das hat das Versprechen der Aufhebiing des 8 2 des Jesuitengesetzes nnd das neue Wahlrcglement bewiesen.(Aha I bei den Socialdemottaten.) Wir fürchten es nicht, aber es durste nicht in diesem Moment kommen.— Wenn die Selbstverwaltung in den Kassen beschränkt wird, so ist das die Schuld der Socialdemokratie, die sie politisch ausnutzt, ebenso wie eine Beschränkung des Reichstags-Wahlrechts auch nur Schuld der Socialdemolratie sein könnte.— Für das Gesetz im ganzen werden wir ans jeden Fall stimmen mit Rücksicht auf die großen materiellen Vorteile, die es den Versicherten bietet. (Bravo! rechts, ironisches Bravo I bei den Socialdemottaten.) Abg. Rösicke-Dessaii(frs. Vg.); Ich begrüße das Gesetz wie die Herren Vorredner mit Freuden als eine wesentliche Verbesserung. Ich nehme an, datz die Regicruug dem Kompromitzanttag zustimmen wird. Der§ 42, lvie er in der Kommission gestaltet worden ist, hätte n, einen Freunden und mir die Zustimmung zu der Vorlage sehr erschlvert, wenn nicht unmöglich gemacht. Ich danke dem Eenttum, datz eö unS noch in letzter Stunde entgegengekommen ist. Bei einer künftigen Novelle wollen wir den Interessen der Aerzte Rechnimg tragen, soweit das mit unfern allgemeinen Grundsätzen vereinbar ist. Herr Arendt hat hier eine Wahlrede gehalten. Er hat von Dingen geredet, die mit der Novelle hier nichts zu thun haben. Er hat Drohungen aus- aestotzen, die er am Schlufse wieder zurückgenommen hat. Das war klug von ihm. Ich erkenne an, datz sich die Situation seit Dezember gewaltig geändert hat. Das Eentnnn hat heute mit der Social- demottätie ein Koinpromitz abgeschlossen. Dasselbe Centrum, das uiis gute Lehren zu geben glaubte, wenn wir mit dieser Partei pattierten. Die Drohungen, die Herr Arendt gegen die Regierung gerichtet hat, werden hoffentlich bei ihr spurlos verhallen. Sollte Herr Arendt mit seineu Aeutzerungen haben an- deuten wollen, datz das Tischtuch zlvischen der konservativen Partei »nd der Regierung zerschnitten ist, so können wir darüber mir Ge- migthuuiig empfinden, denn dann würde eine Politik getticben werden, die nicht einzelnen Klassen sondern der Gesamtheit des Volkes, namentlich den minder Begüterten zu gute kommt. Kommt die Vorlage hier in der Gestaltung des Kompromisses zu stände, dann kann wirklich von einem erfreulichen Abschluß der Reichskags-Verhandluugen gesprochen werden.(Beifall links.) Staatssekretär Graf v. PosadowSky: Ich habe zu erklären, wenn dieser 8 42 in der Fassung des An- trags Trimborn zur Annahme gelangt, datz dann damit nur die Vorlage der verbündeten Regierungen angenommen wird. Diese haben niemals eine andre Absicht gehabt, als Pflichtverletzungen bei der Kassenftihrung selbst zum Gegenstand ihres Aussichtsrechtes zu machen. Was die zurückgezogenen Absätze anlangt, so waren dies Zusätze der Kommifsion, und die Regierung hat nicht die Aufgabe, KommissionSbeschliisse zu verteidigen. Wem» Herr Arendt auf den Zolltarif zurückgekommen ist, so ist diese Frage z» ernst und zu akut, als datz ich jetzt darauf eingehen könnte. ES ist jetzt Sache der Exekuttve zu handeln und w i r nagen die volle Verantwortimg. Wir werden unö von keiner Partei irre machen lassen, das zu thun, was wir vor dem Vaterlande ver- antworten können.(Beifall im Ccntrum nnd links.) Abg. Stötzel(C.>: Eine Reihe BetriebS-Krankenkasien werden in ganz vorzüglicher Weise ihren Aufgaben gerecht. Bei andern aber sind unleugbare Mißstände vorhanden. Von den Freunden und Gegnern der Kruppschen Arbeiterkassen wird in Lob wie in Tadel übers Ziel hinausgeschossen. Die Beschwerden über die Kruppsche Krankenkasse sind gering! sie beziehen sich darauf, datz die Arbeiter von der Verwaltung ausgeschlossen sind und das; keine freie Arztwahl besteht. Die Beschwerden richten sich viel mehr gegen die andern Kruppschen Kasseneinrichtungen, besonders gegen die PenstonSkasse. Pensiönsberechtigt wird ein Kruppscher Arbeiter nur. wenn er 20 Jahre lang ununterbrochen ans dem Werke thätig ist. lBei der sin Hause herrschenden Unruhe bleiben die weiteren Ans- sührungen des Redners, die an der Kruppschen PensionSkasse ein- gehende Kritik zu üben scheinen, auf der Tribüne unverständlich.) Vicepräsident Büsing erinnert den Redner daran, datz diese Aus- fühningcn nicht ganz zur Sache gehören.(Abg. v. V o l l m a r: Es handelt sich aber doch nm seinen WahltteiS I Grotze Heiterkeit.) Abg. Stadthnge»(Soc.): Heber die Rede des Herrn Arendt haben wir uns so aufrichtig ge« freut, datz wir sie eigentlich in möglichst viel Exemplaren im Wahl- lampfe verbreiten möchten.(Heiterkeit bei den Socialdemottatcn.) Nur einen Irrtum möchte ich richtig stellen. Herr Arendt hat be- hauptct, in der Kommission hätten wir erklärt, wir würden das Zu- siandckommen des Gesetzes verhindern, wenn der 8 42 nicht'be- scitigt würde. Das ist nicht richttg. Wir haben nur erkärt. daß ivir die Bestimmimgeii des 8 42 mit allen Kräften bciämpfen würden. Und dies Recht wird uns Herr Arendt wohl noch lassen müssen. Sehen wir uns die Novelle in der vor- liegenden Form an, so ist festzustellen, datz alle die Berbesserlmoen die sie bringt, in allen gut organisierten Kassen längst eingeführt sind. Hatte die Socialdemokratie in allen Orts-, Betriebs- nnd Jnmlngskassen in der That bereits die Leitung ganz in Händen dann wäre dieses Gesetz überflüssig gewesen, da alle seine Borteils bereits in den Kassen gegolten hätten. Die Wöchnerinnen-Unter- stutzniig ist zu meiner Freude bei allen Kassen mit Ausnahme der Geinetndcversicherimgs-Kassen jetzt vorgeschrieben. Auf unser Be- treiben ist die Fakultas dahin erweitert worden daß auch Schwangeren 6 Wochen vor der Entbindung' Unter- stützung und ärztliche Dienste geleistet werden dürfen Bei den Gemcindekasscn sind die Wöchnerinnen mitzerordentlich benachteiligt. Obwohl im Jahre 1893 bei der halben Million in den Gemeinde- Krankenkassen versicherten Frauen nur eine einzige Wochnermneiiuilterstützimg gezahlt worden ist. hat das Centrum doch unire Anträge auf Gewährung von Wöchneriiinenuilterstiitzung und Sterbegeld durch diese Kassen abgelehnt, obschon die Mittel dazu reichlich vorhanden wären. Was dann die Ausfüllung der Lücke anbelangt, so ist diese ja von uns stets gefordert worden, sie ist aber auch jetzt noch nicht vollständig erfolgt, da der Kreis der Versicherten im Invaliden- und im KrailkenversichcrimgS- Gesetz nicht der gleiche ist. Auch ist in den 8s 6» und 26» den Gemeinde- und Orts-Kranlenkassen gestattet, die Lücke gerade für die Falle offen zu halten, in denen ihre Ausfüllung besonders wichtig wäre, nämlich für alle diejenigen, die bereits innerhalb eines Jahres 26 Wochen hindurch Krankemmterstützung bezogen haben. Das Cciittnm hat wesentlich dazu beigetragen, daß diese Lücke be- stehen bleibt. Dabei hat man eS abgelehnt, den Arbeitern irgend welchen Einflntz auf die Berwaltnng der Gemeiitdekasseir cinzu- räunien. Damit komme ich auf die Selbstverwaltung. Eine Ver- Besserung, die ich nicht unterschätze, ist hier im§ 45 erreicht worden, indem das Verwaltungsstreitvcrfahren gegen die Anordnungen der Aufsichtsbehörde für zulässig erklärt ist. Eine erhebliche Verschlechterung ist aber stehen geblieben im K 35, der den Vorsitzenden des Bor- standes verpflichtet, Beschlüsse der Kassenorgane, welche gegen die gesetzlichen oder statutarischen Vorschriften verstoßen, zu beanstanden. Da nach den Erklärungen der Regierung politische Nebenabsichten mit dem Gesetz nicht verfolgt werden, bitte ich dringend, diese ganz überflüssige Bestimmung, die nur geeignet ist, die Vorsitzenden aus ihrem Amte zu ekeln, in der dritten Lesung zu streichen. Zur Be- gründung der Bestimmungen des§ 42 ist auf die Berufsgenossen- schaften verwiesen. Dort können allerdings die Beamten wegen gröblicher Verletzung ihrer Amtspflicht entfernt werden, aber die Entscheidung darüber steht dem Vorstande der Ve- rufsgenossenschaft zu. also einem Organe der Berufs- genossenschast selbst, hier aber geben Sie das Recht der Auffichts- behörde, in demselben Augenblick, wo sie, einen Schutz gegen die Aufsichtsbehörde als notwendig anerkennend, das Verwaltnngsstreit- Verfahren gegen ihre Anordnungen einführen. Wenn auch die grobe Pflichtverletzung nur auf die Kassenführung beschränkt wird, so bleiben doch im§ 42 Bestimmungen bestehen, wonach jemand, der wegen politischer Vergehen verurteilt ist, nicht Vorstandsmitglied oder Kassenführer bleiben darf, während ein wegen eines solchen Vergehens Verurteilter sehr wohl Beamter der Aufsichts- behörde sein könnte. So könnte zum Beispiel der rote Becker als Oberbürgermeister von Köln einen Kassenftihrer. der mit ihm zusammen seiner Zeit wegen desselben Vergehens verurteilt tvar, auf Grund dieser Bestimmungen seines Amtes entheben. Einen besonders erheblichen Eingriff in die Selbstverwaltnng stellt ja der Absatz 7 dar, den heute noch Herr Trimborn als innerlich durchaus berechtigt hingestellt hat. Ihm sollten doch schon die Proteste aus den Kreisen der Beamten selbst eines Bessern belehrt haben. Für eine Besserstellung der Beamten innerhalb der Kassen sind wir stets zu haben. Diese wäre am besten zu erreichen durch eine größere Centralisierung der Kassen. Daß wir bei der Unfallversicherung eine andre Stellung gegenüber den Beamten eingenommen hätten als hier, ist ein un- berechtigter Vorwurf. Nach unsrer Meinung haben die Berufs- genossenschasten überhaupt keinerlei Existenzberechtigung. Sie maßen sich an, als Behörden zu gelten,>md werden vom Kammergericht als solche anerkannt. Dementsprechend haben sie ihre Beaniten schlechter behandelt als der Staat irgend eine Klasse seiner Beaniten. Daher war ein Schutz dieser Beamten notwendig, da sie bei den Berufsgenossenschasteu allein in der Lage sind, die Interessen der Arbeiter zu vertreten. Ich habe mich objektiv bemüht, zu schildern, wie das Gesetz in der That aussieht, um Sie zu veranlassen, noch jetzt in der dritten Lesung die erheblichen Ver- schlechterungen zu beseitigen. Wir haben unsre Anträge für die dritte Lesung nicht wieder aufgenommen, wir wollen ain Schlüsse des Reichstags einmal das Zutrauen haben, daß Sie Ihrerseits von selbst die Verschlechterungen beseitigen werden.(Bravo I bei den Socialdemokraten.) Abg. v. Savigny(C.): Da der von ihm in der Kommission beantragte Absatz 7 des § 42 falle, wolle er ihm wenigstens noch eine Thräne nachweinen. (Heiterkeit.) Mit der Zurücknahme habe man keinen Kotau vor der Socialdemokratie gemacht, nur sachliche Gründe und die Wahr- nehmung der Arbeiterinteressen, in deren Interesse das Zustande- kommen des Gesetzes liege, seien für die Zurückziehung maßgebend gewesen. Seine Freunde stellten die Erreichung großer Vorteile für die versicherten Arbeiter höher als die Erringnng einer einzelnen, wenngleich auch wichtigen Forderung. Die Generaldebatte schließt hiermit. Persönlich bemerkt Abg. Dr. Arendt(Rp.): Der Staatssekretär hat mir den Vor- Wurf gemacht, ich hätte hier den Zolltarif in die Debatte gezogen. Der Staatssekretär war während meiner Rede nicht anwesend, er würde sonst die gänzlich irrige Behauptung nicht auf- gestellt haben. Ich bin nur kurz auf einen von den Socialdemokraten gemachten Zwischenruf eingegangen. Dem Abg. Stadthagen gegenüber halte ich meine Behauptung, daß in der Kam- Mission von socialdemokratischer Seite gesagt worden ist, wenn§ 42 angenommen würde, werde die Socialdemokratte das Zustande- kommen des Gesetzes mit allen Mitteln verhindern. Eine ganze Anzahl Kommissionsmitglieder hat mir die Richtigkeit meiner Be- Häuptling ausdrücklich bestätigt. In der Specialberatung werden bei der Abstimmung die Beschlüsse zweiter Lesung überall aufrecht erhalten mit Aus- nähme des§ 42. Beim§ 42 wird im ersten Absatz ein Antrag Trimborn gegen die Stimmen eines Teils der Konservattven und der Reichspartei angenommen, der dem ersten Absatz folgende Fassung giebt: „Ist ein Vorstandsmitglied ec. infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über sein Vermögen beschränkt oder ist gegen eine dieser Personen auf Verlust der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter oder auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte er- kannt oder werden hinsichtlich einer dieser Personen Thaffachen be- kailnt, welche sich als„grobe Verletzung der Aintspflichten in Bezug auf die Kassenführung" darstellten, so kann der Betteffende, nachdem ihm und dem Kasscnvorstande Gelegenheit zur Aeußerung gegeben lvorden ist, durch die Aufsichtsbehörde seines Amtes enthoben werden". (Der angeführte Passus ist an Stelle der Worte„grobe Pflicht- Verletzung" getreten.) Die weiteren Zusätze des 8 42 werden gegen die Sttmmen der Socialdemokraten aufrechterhalten mit Ausnahme des letzten, der eine Dienstordnung für die Kassenbcamten und ihre Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde vorschreibt. Der Antrag Rösickc-Dessau wird gegen die Stimmen der Rechten, des Centtums-Abgeordneten Savigny und der Nationalliberalen Dr. Sattler, Oriola, Dr. Semler und Münch- Ferber an- genommen. Die Gesamtabstimmung wird, da niemand widerspricht, sofort vorgenommen, obwohl die Zusammenstellung der Beschlüsse noch nicht gedruckt vorliegt. Die Vorlage wird in der G e s a m t a b st i m m u n g gegen die Stimmen der Socialdemokraten angenommen. Es folgen die Resolutionen. Die Resolution über die Ausdehnung der 5lrankenbersicherungs- Pflicht auf die Hausindustrie, die Landarbeiter und die Dienstboten wird gegen die Stimmen der Rechten angenommen. Zu der zweiten Resolution, deren Wortlaut bei der zweiten Lesung mitgeteilt worden ist, beanttagt Abg. v. Savigny als Ziffer d olgenden Zusatz: „In den unter Ziffer a geforderten Gesetzentwurf zur gründ- lichen Reform des Krankenversicherungs-Gesetzes Bestimmungen auf- zunehmen, welche unter thunlichster Berücksichtigung der aus den Kreisen der Angestellten der Krankenkassen geäußerten Wünsche, eine feste Regelung der Anstellungs- und Dienstverhältnisse dieser Ange- tellten, den Krankenkassen zur Pflicht machen." Abg. Triniborn(C.) befürwortet kurz die Resolution. Abg. RSsicke- Dessau(freis. Vg.) erklärt, ebenfalls für die gesamte Resolution stimmen zu wollen. Wenn er auch mit der Tendenz des Antrags v. Savigny nicht einverstanden sei, so wünsche doch auch er eine Prüfung dieser Frage. Der Zusatzantrag v. Savigny und die gesamte Resolution werden hierauf angenommen. Damit ist die Krankenkassen-Rovelle erledigt, Präsident Graf Ballestrem: Wir sind am Ende unsrer Tagung angelangt(die Socialdemo- traten verlassen den Saal), am Ende einer der wichtigsten und an Arbeit und Mühe reichsten Session des deutschen Reichstages. Ter Reichstag hat von 1900 bis 1903 in drei Sessionsabschnitten getagt, zusammen 1 Jahr und 226 Tage. Während dieser Zeit haben statt- gefunden 302 Plenarsitzungen, 1068 Sitzungen der Abteilungen. 591 Sitzungen der verschiedenen Kommissionen und 48 Sitzungen der XVI.(Zolltarif-) Kommission zwischen den beiden letzten Sessionsabschnitten. Ein umfangreiches Verzeichnis über unsre Ar- bciten, getrennt nach verabschiedeten und nichtverabschiedeten Gegen- ständen, lieg! mir auf 21 Druckseiten vor, deren Verlesung mir wohl erlassen wird. �(Heiterkeit.). Abg. v. Normann(k.): Wir stehen am Schlüsse der gemeinsamen Arbeiten in dieser Legislaturperiode. Während der ganzen Periode hat unser hoch- verehrter Herr Präsident die Geschäfte des Hauses geführt und die Verhandlungen in diesem Saale geleitet. Wir wissen alle, daß das oft nicht leicht war. Wir sind aber auch alle voll der höchsten An- erkennung und Dankbarkeit für die große Gcschäftskenntnis, die immer gleiche Unparteilichkeit und Liebenswürdigkeit, mit der unser hochverehrter Herr Präsident seiner schweren Aufgabe gerecht ge- worden ist.(Bravo!) Ich bin sicher, in Ihrer aller Sinne zu handeln, wenn ich in dieser Abschiedsstunde unserm hochverehrten Herrn Präsidenten unfern aufrichtigen und herzlichen Dank aus- spreche..(Bravo I), Präsident Graf Ballestrem: Ich danke dem geehrten Herrn Vorredner, ich danke aber auch ganz besonders Ihnen, die sie seinen Worten zugestimmt haben. Es ist mein Bemühen gewesen, die Arbeit, die Sie mir überttagen haben, stets so zu verwalten, wie ich es bei meinem Amtsantritt versprochen habe. Ich habe stets getrachtet, die Würde des Reichstages zu wahren und die Arbeiten des Reichstages zu fördern.(Lebhaftes Bravo!) Wenn mir das nicht immer gelungen sein sollte, so liegt das in der menschlichen UnVollkommenheit. Aber nie hat es daran gelegen, daß es mir am guten Willen gefehlt hat. Ich habe bei jeder Gelegen- hcit, auch bei den schwierigsten, keine andern Motive für mich gelten lassen, als sachliche, und ich habe immer so als Präsident gehandelt, wie ich es vor meinem Gewissen verantworten konnte.(Bravo!) Ich danke Ihnen nochmals und wünsche Ihnen auf Ihrem ferneren Lebenswege alles Gute, ich wünsche, daß die, die es er- streben, auch wieder in diesem Saal zusammenkommen.(Heiterkeit.)i Schmerzlich hat es mich berührt, daß nicht wie früher unser verehrter ehemaliger Präsident Herr v. Levetzow in der Lage war, den üblichen Tank an den Präsidenten auszudrücken. Wir bedauern es alle gewiß auf das lebhafteste, daß er durch schwere Krankheit in der letzten Zeit verhindert gewesen ist, hier zu erscheinen.(Zu- stimmung.) Im übrigen konnte mir niemand als Ueberbringer dieses Dankes angenehmer sein als Herr v. Normann, der einen großen Teil der Session an den Arbeiten im Bureau teilgenommen hat. Der Dank gebührt aber zum großen Teil auch den beiden Herren Vicepräsidenten(Bravo!). den Herren Schriftführern sowie den Quästoren. die allerdings mehr hinter den Coulissen(Hetter- keit) ihre wichtige Thätigkeit ausüben.— Schließlich, meine Herren. bitte ich Sie, wenn wir jetzt hier auseinandergehen, mir ein freund- liches Andenken zu bewahren.— Nunmehr erteile ich das Wort zur Mitteilung einer kaiserlichen Botschaft dem Herrn Reichskanzler. Reichskanzler Graf Bülow: Ich habe dem Hause eine allerhöchste Botschaft zu verkündigen. (Die Abgeordneten erheben sich von ihren Plätzen.)„Wir Wilhelm von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen usw. thun kund und fügen hiermit zu wissen, daß wir unfern Reichs- kanzler Grafen Bülow ermächtigt haben, gemäß ArttfeX�Z der Verfassung die gegenwärtigen Sitzungen des Reichstages in unserm und der verbündeten Regierungen Namen am 30. April zu schließen." Urkundlich unter allerhöchst eigenhändiger Unterschrift und bei- gedrucktem kaiserlichen Lns'-cgek gegeben Bückeburg, jden 29. April 1903. Ich habe die Ehre, die Urschrift der allerhöchsten Votschaft dem Herrn Präsidenten zu überreichen. Auf Grund der mir von Sc. Majestät dem Kaiser erteilten Ermächtigung erkläre ich im Namen der verbündeten Regierungen den Reichstag für geschlossen. Präsident Graf Ballestrem bringt hierauf das übliche Kaiserhoch aus, in das das Haus dreimal einstimmt. Schluß 4'/. Uhr. Msg.iien1.WlM: JAai'Teier der Socialdemokraten Sertins I. Kreis: Geverksehaftshaus, Engel-Ufer IS. 2. Kreis: Berliner Bock-Brauerei, 3. Kreis: Neue Veit, Uasenlieide 108/114. 4. Kreis(80.): Sanssouci, Kottbuser-Strasse 4a. 4. Kreis(O.): Kellers Festsäle, Kopnenstrasse 29. Lipps, im FrieWsliaiD 42/49. in folgenden Lokalen: 5. Kreis: Schveizergarten, Im Königsthor. 6. Kreis: Frobel(fr. Puhlmann), Sehönbauser Uiee 148. Berliner Prater, Kastanien-illee B/9. Baliscbmieder, Badstrasse 16. Veimanns Yolksgarten, Badstrasse 56. Bernhard Rose, Badstrasse 58. Feldschlössehen, MOIIerstrasse 142. Eiskeller, Chausseestrasse 88. Vilhelmshof, Moabit 104/105. Kronen-Brauerei, Moabit 41/49. Konzert ♦ Gesangsauffiihrungen des Arbeiter-Sängerbundes ♦ Festrede. Vorffthrungen der Arbeiter-Radfahrer. Auftreten der Äiter-Tnrnoereine. Feuerwerk. Kinderbelustigungen aller Art. Kineraatographische Vorstellungen. Lebende Bilder. Recitation. SS* Grosser Ball.-WU Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. - Anfang 3 Uhr nachmittags.——» AUes Nähere siehe Plakate der einzelnen Kreise. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert in den Sälen statt. Zu recht zahlreichem Besuch laden ein Die Vertrancnslentc. Tischler-Verein zu Berlin. Sonnabend, den S. Mai, abends 8-/, Uhr, Mclchiorstrafte IS» Tersammlimg. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Otto Hache i NnterstiltzungSgesuch und Vcreinsangclegcnheiten. Ausnahme neuer Mitglieder. Gäste(auch Frauen) haben ZuNitt. Zahlreiches Erscheinen erwartet I»ei- Vorst»»»«!. Fachverem der Civilmusiker Berlins und llnigegcnd. Die Vereinigung, welche aus nur tüchtigen, leistungssähigen Musikern besteht, empfiehlt zu allen Festlichkeiten(Konzerten, Bällen, Begräbnissen, Land-, Wasserpartien ec.) Musik vom kl. bis gr. Orchester, Streich-, Blas- oder Klaviermufik. Geschäftslokal: kl. Aeteranenstr. 1«. Restaurant.Zum alten Dessauer". Fernsprecher: Amt III, Nr. 703. Uebernahme dauernder Engagements; erprobte Dirigenten, Pianisten (event. mit Vorwag) stets anwesend._ 60/1 Börscnzeit täglich vormittags 10'/,— 1 Uhr.-H» Um geneigten Zuspruch bittet Der Borstand. I. A.: G. Schonert, I. Vorsitzender. faul Hilperts Restaurant u. Garten Halensee, Kurfurstendamm 126. Erste Haltestation für Kremser, Fugpartien usw. am Bahnhos Halcnsee. Vorzüglich gepflegte Biere. Reichhaltige Speisenkartc zu kleine» Preisen, äjj�" Familien können Kaffee kochen.-ME Zahlreichem Besuch sieht entgegen 113852» Hilpert. Partei- Speditionen: Berlin zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittcnwalder straße 30, v. Part.— Dritter Wahlkreis: St. Fritz. Prinzcnstr. 31 Hos rechts part.— Vierter Wahlkreis Robert W e n g e l s, Gr. Franksurtersw. 133, Hos Part.— G«.: Paul Böhm, Lansttzcrplatz 14/15 (Laden).— Sechster Wahlkreis(Hoablt): Karl Anders. Salzwcdelerstr. 8, im Laden.— Weddlng und Oranienburger Vorstadt: Emil Stvltzenburg, Wicsenstr. 41/42.— Kosen- thaler Vorstadt,«esandbrniincn, Reinickendorf(Ost und West). Wilhelmsruh und Schönholz: Hermann Rgschke. Rügencrstr. 24 vorn Part, links.— Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.—-Alt- Glienicke: W. Pries. Rudowerstr. 68.— Charlottenbnrg: Gustav Scharnberg. Sesenheimerstr. 1. Ecke Goelheslratze, vorn l.— Deutsch- Wilmersdorf: W. Nickel. Uhlandstr. 108, part.— Friedrichsberjr- Frledrichsfeldc- Wilhelmsberg- Hohenschönhausen: Otto Seikel. O. 112, Kronprinzenstratze 50, I._ Grünau: Hermann Steinick, Jägerstr. 16.— Kixdorf: Oft er mann, Prinz Handjerystratze 7, im Laden.— schöneberg: Wilhelm B ä u m l e r. Marlin Lulhersw. 51, Laden.— Ober-Schönewelde: Richard Fürl, Edisonstratze 4, vorn 2 Treppen.— ISlcder- Schöncwclde: BonakowSky, Berlmerftr. 8.— Johannisthal: Paul Mann. BiSmarckstr. 7.— Adlershof; Gustav Sitze, Hackenbergstrahe 8.— Köpenick: Friedrich W oick, Grünstr. 29.— Friedenau-Steglitz: H. Bernsee. Kirchftr. 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr. Düppelstr. 8, und Fr. S ch e II h a s e, Ahornsw. 15a.— Baniiischnlen- weg: Stock, Ernftstr. 2, II.— �en-Weissensee: Joseph Rein, Friedrichstr. 38, Ecke Stmistrasje.— Knmmclsbnrg: Forgbert, Prinz Albertstr. 5a.— Pankow: K. Kümmert. Florastr. 43. Außerdem ist sämtliche Partellitteratur sowie alle wissenschaftllchen Werke dort zu haben. Ztttch Werde» Jnsei'tlte fttt den„Vorwärts" entgegengenommen. WM- Witte aasscliuelden.-MW Achtung. Gewerkschaften! Oeff entliehe Kai-Versamnlnngen am Uarmittag des 1. Mai. SämtUcbc Versammlungen finden mit Hilfsarbeitern und frauen statt. Die Tagesordnung in sämtlichen Versammlungen lautet: Die Bedeutung des 1. Mai. ««Mei.ksvl.att. Referent: R. Hübsch. Textilarvciter, Wäschevranche. Posamenttere, Hutmachcr, Färber, Kürschner, Dekateure, Stickereiarveiter usw. qehen direkt in die Gruppen-Vcrsanrmlung. »WllölZ'. Transport- u. Verkehrs-Ge werbeÄbÄ Referent: G. Bernhardt. Die Handlungsgehilfen und Gehilfinnen, Burcau-Zlngcstclltc, Kaufleute, Handelshilfsarbeiter, Geschäfts-, Arbeits- und Droschkenkutscher, Lagerhalter, Fensterputzer kommen im Versammlungslokal zusammen. Leitergerüstbauer, SektiOD i C.-V. 1 B. u. T.-Ärli. Gewcr\Tmm«STosi.ef.aaI v' Referent: Gebert. GruPPen-Bersammlung: Hasenheide »» VK�!TK�»T?Z.GU?Z.« vormittags I« Uhr.' Referent: Reichstags-Abg. A. Bebel. Zusammenkunft der einzelnen Gewerbe. Tischler gehen direkt nach der Neuen Welt. Böttcher itinsetzcr... Partettbodenleger. Liammmachcr.. Stockarbeitcr.. Korbmacher... Drechsler... Bürstenmacher vormittags 8 Uhr bei Mcrkowski, Andrcasstr. 26. Pcrlmuttcrarbcitcr... Mnsikinstrumciilcnarbcitcr. Jalousie-Arbeiter.... Stellniacher...... Bauanschläger..... Bilderrahmeninacher... Modell- und Fabriktischler. 8 8 8 8 8 8 8 8 8 8 8 8 S'/3 «'/- im Gewcrkschaftshaus, Saal VIII. Saal III. bei Bareins, Brückenftr. 7. „ Stramm, Ritterstr. 123. ,\ versammeln s sich in ihren Verkehrs- „! lokalen und gehen alsdann geschlossen ,> in die Gruppenvcrsammlung. im Märkischen Hof. Admiralstr. 18c. „ Gewerkschaftshaus. bei Gunzel. Roscnthalerstr. 57. im Gewerkschaftshaus. bei Stramm. Ritterstr. 123. C. Thomas, Gartcnstr. SO. GruPPenversammluug im 8chwclzcr-Garten "tyllllJ!!** ctl. t?JI(Königsthor), vormittags Präcise 1v Uhr. Referent: Waldeck Manasse. Die Kollegen der einzelnen Fabriken versammeln sich um 3 Uhr vormittags in ihren VerkchrSlokalcn und gehen alsdann geschlossen in die Gruppenversammlung. __,»,___„Brauerei Friedrichshain", twrmittögs 10 llljr, Bauaruelier. Referent: Stadtv. Augustin. üuebbiiilier u. Bucbbinderei-Arbeiterinnen, Etui- und Ledergaianterie- i fflesspalasi, Alexandrinenstrafle 110, vormittags 10 Uhr. Arbeiter und Arbeiterinnen. Referent: Joh. saffenbach. Glasarbeiter, Glaser, Glasscltleifer. Gewerbschaftshans, Engel-Ufer 15, Saal 7. Referent: E. Girbig. ____-» i_______ Deckers Hille, Kommandantcnstr. 03. Gra� ein e imtl Giselem e» Referent: Thurolv. Holzbearbeitnngsiiiaschiiieii- Arbeiter. Knsslns Feststtle, Andreasstrahe LI, vormittags 10 Uhr. Referent: Georg �-reywaldt. Soli-, Stein- und Gips-Bildhauer und Modelleure. Referentin: Frl. Ida Altinann. ____-jr____,.____ Cohns Feststtle, Scutfjfir. 30, Dorm. 10 Uhr. Maler nna Lackierer. Referent: Dr. suberti. „Berliner Bocbhranerel", XcmpelHofer Berg, vormittags 10 Uhr. FKaarer. Referent: Hermann Tilberschmidt. -MM„Central-Festsille", Oranienstr. 180, vorm. 10 Uhr. Marzella aar bei ter. Referent: Tr. Zadek. -M, lieUers Feststtle, Koppenftrafie 30, vormittags 10 Uhr. iL UfZer. Referent: Tr. Friedeberg. MM„STenes Klubhaus-4, Kommandantcnstr. 73, vormittags 10 Uhr. Mabitzpntzei*. Referent: A. Trunsel. G ärsebaer» SehUt-enhaus, Linienftr. 5. vormittags 0'/, Uhr. ?ssabraaKs- aatl Geaassailttel-Geirerbe. Gruppcn-Berfammlung bei Brochuow(früher Nieft), Weberstr. 17, vormittags 10 Uhr. Referent: Georg Davidsohn. Zusammenkunft der einzelnen Gewerbe: Barbiere...... vormittags 9 Uhr bei Gunzel. Rosenthalerstr. 67. Konditoren.....„ 9„„ Dorscher, Linienstr. 96. Musiker.......„ 9„„ Gunzel. Rosenthalerstr. 57. s-chlachtcr......„ 9„„ Patt. Dragonerstr. 15. 800/1 Bäcker.......„ 9„ Bölker. Klosterstr. 10L Brauer und Hilfsarbeiter, Gastwirtsgehilsen, Tabakarbciter, Müller, Gärtner. Bademeister. Masseure Krankenpfleger gehen direkt in die Gruppcn-Vcrsammlung. U, Graphisches Gewerbe. SXSö; Ä"Ä;, lÄfÄ'Jg Referent: Dr. A. Bernstein. Alle dazu gehörigen Branchen: Buchdrucker, Buchdruckcrei-Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen. Schristaieker Stcreotypeure. Lithographen und Steindruckcr, Xylographen, Formstecher und Tapetendrucker kommen in der Gruppen-Versammlung zusammen. Metallarbeiter. Gruppen-Versammlung: Feen■ Palast. Ecke Burg, traft » Wolfgangstrasse, vormittags 10 Uhr. Referent: Reichstags-Abgeordneter Paul Singer. Sämtliche Metallardeiter gehen direkt in die Gruppen-Versammlung. _, Außerdem treffen sich: Schmiede.,. vormittags 8 Uhr bei Hahn. Stralauerstr. 43. Klempner...., 8'/,„ im Gewerkschaftshanse. 2 Uhr: Treffpunkt Schleflscher Bahnhof. Chirurgische Branche, 8ffz„ bei Numann, Brunnenstr. 188. Lederbearbeltung. Referent: G. Link. Versammlung��' Lederzurichter, Ledcrsärber, Handschuhmacher gehen direkt in die Gruppen« Sattler.»essouree, Kommanftantenstrafte Nr. 57, vormittags 10 Uhr. . Referent: Bruno Pörsch. Aei»»che>ler, vrtiiil- u. Ilarmorarbeiter, Isphallarbeiler, Dachdecker. Englischer Garten, Alexanderstrasse Nr. 37c, vormittags 10 Uhr. Referent: A. Senile. Stelasetzer. �manns«»"'�.runnensE.»«�vormittags 11 Uhr. Raiaaier a. Hilfsarbeiter.*cr8ftrn�f 5r?WZ. 10 Stukkateure, Gipsgiesser. Sans90I,cwVmÄf Äe! � 4u' Referent: Ed. Bernstein. Sehaeider a. Schneirterlunen. �a'A'Ä�v ,t0mm,n,b0ttten■ Referent: H. Stuhmer. vorm. 10 Uhr. Taiiearierrr Feuersteins Saal, Alte Jakobstraste Nr. 75, vormittags 10 Uhr. • Referent: Leo Schmidt. TÄufer.®ewerkBchaftshans(groster Saal). Engel-Ufer Nr. 15. vormittags 10 Uhr. " Referent: Reichstags-Abgeordneter W. Heine. AerSFckftlflck»,. Alhambra, Wallner- Theaterstraste Nr. 15. vormittags 10 Uhr. *. Referent: C. Borisch. Ziataierer. Släd tisrlir y%rlirltrr Cohns Eests&le, Beuthstr. 19/31, I, abends 8 Uhr. weitet. Referent: Redakteur Ströbel. Buseenhaxen, am Moritiplast, vormittags 10 Uhr. Referent: Reichstags-Abgeordneter Ledebour. _■ ii L Vormittags 10 Uhr im Volkshaus, Rosinenstr. 3: l! täf lmplmIM � Nersammwttge« sämtlicher Gewerkschaften uliul IvuNlINUI Referenten: Eugen Brückner, F. Kotzke. �„ Bormittags 10 lihr bei Obst, Mciningerstraste 8; SCnOIIBDBrQi Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Lbglklli-kWMölsblisg. Referent: Redatteur Wetzker. Vorm. 10 Uhr bei Witwe Schoncrt, Neu-Sceland: Versammlung sämtlicher Gewerkschafteu. Referentin: Frau M. Tietz Vorm. O UHr: Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. 1. bei Thiel, Bergftr. 151/153. Referent: P. Dupout. 2. Für das Baugewerbe: bei Bitn�cr, Knefebeckstr. 119. Referent: E. Böske. llixllml. Pankow u. Nieder-Schönliausen. bei Kllnecnberg, Kaiser Friedrichstraste. Referent: Reichstags-Abg. A. Stadthagen. sämtlicher Gemerkschasten Nachm. Z Uhr bei Boc?.,'che, Krenzstraste: Grostes Konzert usw. PnollncIisliosHicklonlJOsg. Bei Höflich(.Schwarzer Adler"), Frankfurter Chaussee 130. Referent: P. Litfin. W0i880n800. Vormittags 10 Uhr: Schlost Weiftenfee: Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Referent: Redakteur Ströbel. Die Gewerkschaften resp. die Einberufer der Grnppen-Versammlungen haben ihre Versammlungen selbst anzumelden. Bei den vorherige» Zusammenkünften bedarf es keiner Anmeldung.- Gleichzeitig werden die Bureaus der Versammlungen beauftragt, über die Anzahl der Versammlungsbesucher dem Gewerkschafts- Bureau, Engel-Ufer 15, Gewerkschaftshans,*4. Flnreingang, schriftlich Kenntnis zu geben. Den AusscHuss der Berliner Gewerkschafts-Kommission. i ]K[ai- Versammlungen 1903 der im Gewerl{$(i)dft$ IKaM • t i A• Freitag, den 1. Mai, vormittags 10 Uhr. Die Versammlungen finden mit Frauen statt. Tagesordnungen in sämtlichen Versammlungen: Die Bedeutung des ersten Mai. Bauartdeiter. Englischer Garten» Alexander-Straße 27«. Referent: Carl stripp. BUesetiteKor Btt Carl Patt, Dragoner-Straße 15. Referent: Franz Wcgncr. Holz* und Bretterträger sowie Brettschneider. Königstadt-Kafino, Holzmarkt-Straße 72. Referent: Jonny Hinrichscn. Hausdiener und Bacher bei Cohn, Benthstrahe 19. l. mittags IS Uhr. Referent: Walbcck Manasse. Isolierer und Itahruinliüller bei Schneider, Belforter-Straße 15. Referent: Max ktotzke. Histenmacher. Restaurant Stechert, Andreas-Straße 21. Referent: Max Strasser. • Kürschner. Altes SchittzenHaus, Linien-Straße 5. Referent: Andreas Kleinlein. Maler und Kleher bei Feuerstein, Alte Jakob-Straße 75. Referent: Wilhelm Berndt. Maurer. ttrftttmi Kvntgstadt, Schönhauser Allee 10—11. Referent: Victor Frankl. Musikinstrumentenarheiter bei Granmann, Naunyn-Straße 27. Referent: M. Schütte. Möbelpolierer. Restaurant Königsbank, Große Frankfurterstraße 117. Referent: G. Renter. Die Gewerkschaften haben das Anmelden der Versammlungen selbst zu besorgen. künften bedarf es keiner Anmeldung. Uebcr die Anzahl der Versammlungsbesucher ist dem Bureau, Dragonerstr. 13, Mitteilung zu machen. Die Mitglieder werden ersucht, sich mittags und abends an den Parteisestlichkeiten rege zu beteiligen. Oer Husrchufe. Portefeuiller und Leder- Galanterie arbeiter. Restaurant Fürstenhof, Köpnicker-Straße 137—138. Referent: Dr. Wollhcim. Tischler bei Zöls» Köpnicker-Straße 137. Referent: A. Danncnberger. TOpker. Huöflug nach ßirheliwerder. jjr Treffpunkt: 8 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Abfahrt daselbst um 8>/z Uhr. Abmarsch von Waidinannslust um 10 Uhr. Tinkgiesser und Stürzer. J» jSf J» Huoflug. JSf Zimmerer. Unter Mtwirkung des Gesangvereins der Zimmerer. Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 11—13. Referent: Stadtverordneter Ernst Obst. Orappen- V er Sammlung in den Borufsia-Siilen, Ackerstraße 6—7. Referent: Carl Wermuth. Bäcker begeben sich direkt nach der Versammlung. Bleigläser begeben sich direkt nach der Versammlung. Bürsten- und Pinselmacher treffen sich am 1. Mai früh 8 Uhr bei Günzel, Rosenthalerstr. 57. Konfektionsarbeiter und Arbeiterinnen begeben sich direkt nach der Versammlung. Metallarbeiter, Treffpunkt um S'/z Uhr bei Carl Patt, Dragonerstr. 15. Rohrcr treffen sich um S'/z Uhr Bei Carl Patt, Dragoner- straße 15. Schirmmacher begeben sich direkt nach der Versammlung. Gewerkscbsttliciier Frauenverein. Den Mitgliedern steht es frei, sich einer der vorstehenden Versammlungen anzuschließen. Bei den Zusammen- Ans zur Mai-Bersammlung! Herrenhüte von 1,50 an Knabenhüte„ 0,75„ Größtes Lager in Strohhüten von den einfachsten bis zu den feinsten GemeS. iSchLi-me zu außergewöhnlich billigen Preisen. Müden. Krawatten. 781L* OttoGerholdtJ—;i Jede Uhr zu reparieren und reinigen kostet bei mir unter Garantie des GutgehenS nur 1 SP?!« 50 �3|., außer Bruch, kleine Reparaturen billiger. Großes Lager in Uhren, Goldivaren, Ketten zu erstaunlich billigen Preisen. Dukaten-Trauring, 000 gest., 1'/, Dukaten lS.öv, 2 Dukaten 20,50. Für sämtliche Waren schriftliche Garantie. Pincenez, Operngläser. 1. 8101.?, CIlSüNSSZU- 76, P. stolz, vadstr. 57. echt' Rathenower Brillen, 10312» Aktiva. An Kassenbestand.. , Inventar.... „ An Bankguthaben . Estekten.... . Berlust-Sald«.. Bllanis per 31. 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Verlag: Vorwärts Vuchdruckerei und Berlagsanstall Paul«ingerdrEo., Berlin S>V. »'• M- 20. 2. Keilllge des„Nsmiiets" Serliller Mlksdllltt.»»• 1** 1901 An die GewerUsehaften und Meiler Berlins! . Genossen! Zlrbeitsbrüder! Der 1. Mai, das Weltfest der Arbeit, ist wieder gekommen. Die klassenbewußte Arbeiterschaft aller Kulturländer wird zum dierzehntcnmal� den Weltseiertag der Arbeit festlich begehen. Wiederum beabsichtigen die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, die Feier des Tages durch Arbeitsruhe zu begehen. Und nicht zuletzt sind es die Berliner Gewerkschaften, die— trotz der gegenwärtig schlechten wirtschaftlichen Konjunktur beschlossen haben, auch in diesem Jahr den Tag der Arbeit in seiner würdigsten Weise durch Arbeitsruhc— zu feiern. Trotz der brutalen Maßnahmen, die ein von unsäglichem Machtdünkel beseeltes Unternehmertum gegen die die Arbeit ruhen lassenden Arbeiter in Anwendung bringen will und wird. Arbeiter! Parteigenossen! Doppelt notwendig ist es, dem Gedanken der Arbeitsruhe in immer weiteren Kreisen Eingang zu verschaffen. Es gilt nicht nur, die der Mai- fcicr zu Grunde liegenden Gedanken an diesem Tage von neuem zu betonen, sondern auch Protest zu erhebe« gegen die dem Unternehmertum willfährigen Maßnahmen, Verordnungen und Entscheidungen landes- und ortspolizeilicher Körperschaften. i j* a j a Es gilt Protest zu erheben gegen alle Maßnahmen, welche das Koalitionsrecht der Arbeiter zu zerstören geeignet sind, gegen die Zollpolitik der Regierung, die eine wucherische Ausbeutung des arbeitenden Volkes zu Gunsten einer kleinen, aber mächtigen Gruppe bedeutet. Und so bringen wir Euch, Arbeiter, Genossen, denn wiederum den früheren Beschluß der Berliner Gewerkschaftskommission in Erinnerung, welcher lautet: ..Gemäß den Beschlüssen der internationalen Arbcitcrkongresse in Paris, Brüssel, Zürich, London und Paris 1900 und des Parteitages von Stuttgart vom Jahre 1898 empfiehlt die Berliner Gcwerkschaftskommission den Berliner Gewerkschaften, den 1. Mai insgesamt als Demonstration für die Klassenforderungen des Proletariats durch die Arbeitsruhe zu feiem. Arbeiter, Genossen! Bringt diesen Beschluß, soweit als es Euch möglich ist, zur Durchführung. Wo der 1. Mai durch Arbeitsruhe gefeiert wird, da ist es Eure Pflicht, die Vormittagsversammlungen zu besuchen. Die Berliner Gewerkschaftskommission. Die Der Ausschust der Berliner Gewerkschaftskommission empfiehlt den am Vomittag tagenden Versammlungen folgende Resolntion zur Annahme: heute, am 1. Mai, hier versammelten Arbeiter und Arbeiterinnen erklären, daß sie «nentwegt an den in der Maifeier zum Ausdruck kommenden Gedanken festhalten und wiederholen das feierliche Versprechen, für die Verwirklichung dieser Gedanken mit aller Energie einzutreten. Vor allem bekunden die heute Versammelten, daß sie es nach wie vor als ihre vornehmste Aufgabe betrachten, einzutreten für Reformen auf wirtschaftlichem Gebiete, Schaffung eines ans- reichenden, wirksamen Arbeiterschi, tzes, insbesondere fiir de» Achtstundentag. Des weiteren tersprechen die Versammelten, auch in Zukunft wie bisher nach besten Kräften das Band der inter- rationalen Solidarität zu festigen, welche die Vorbedingung und die beste Garantie ist für den all- gemeinen Völkerftieden. Die Versammelten bedauern die schwächliche Haltung der Regierung in der Zollpolitik auf das lebhafteste. Infolge der noch immer auf breiten Volksmassen lastenden wirtschaftlichen Krise mußte es Pflicht der Regierung sein, durch Abschluß von vorteilhaften Handelsverträgen dem Volke die not- nendigsten Lebensmittel zu verbilligen. Die Annahme des Zollgesetzes bedingt eine wesentliche Ver- shlechterung der Lebenshaltung des arbeitenden Volkes. Für dieses Verhalte» sprechen die Ver- scmmelten der Regierung ihre entschiedenste Mißbilligung aus. Die Versammelten fordern die Regierung auf, die Socialgesetzgebung energisch zur Durch- fihrungr« Bringen, ohne Antastung des Selbstverwaltungsrechts der Arbeiter, wie. dieses in dem Eitwurf»« Regierungsvorlage zum Krankenversicherungs-Gesetz zum Ausdruck gekommen ist. Die'Versammelten protestieren energisch gegen alle Maßnahmen, die geeignet sind, der arbeitenden Kasse den Gebrauch des Vereins- und Versammlungsrechtes zu beschränken und zu entreißen. Die Sbbeiterschaft erhebt um so energischeren Protest gegen diese Maßnahmen, als die Unterdrücknngs- und Eewaltmaßregeln sowie die weitgehendsten Organisationsbestrebungen des Unternehmertums gegen die Abeiter zur Genüge darthun, daß die umfaßendste Organisation der Arbeiter eine im Interesse der Sttlichkeit, Humanität und Kultur begründete absolute Notwendigkeit ist. Die Versaminelten sprechen ihre tiefste Entrüstung gegenüber den Richtern aus, die sich herbeigelassen haben, der Anweisung des Fustizministers zu folgen und Arbeiter wegen Ausübung des Koalitionsrechts bei Streiks zc. auf Grund des K 153 der R.-G.-O. und der KZ 253,43 des R.-Str.-G.-B. zu verurteilen. Die Versammelten verlangen im Interesse der Rechtsprechung und der gesunden Fortentwicklung der Arbeiterorganisationen die Aufhebung des K 153 der Gewerbe-Ordnung und Gewährung der vollen Koalitionsfreiheit. Aber eingedenk der Worte, das, die Befreiung der arbeite, wen Klaffe nur das Werk der arbeitenden Klaffe selbst sein kann, wird diese, unbeirrt durch die Maßnahmen ihrer Feinde, un- ermüdlich vertrauend auf ihre eigne Kraft, fortfahren, am Aufbau besserer Zustände für die Arbeiter- schaft thätig zu sein. Auch wird sich dieselbe stets und mit aller Entschiedenheit dagegen wenden, daß sie durch Klassengesetze und Klassenjustiz in ihren Rechten geschmälert wird. Die Versammelten erklären ferner als ihre vornehmste Aufgabe, die Reaktion, die kecker und unverschämter denn je an der Arbeit ist, um jedes Vorwärtsdringen auf geistigem, wirtschaftlichem und politischem Gebiete niederzubütteln, zu beseitigen. Dieses ist aber nur möglich, wegen alle Arbeiter am 16. Juni 1903— dem Tage der Reichstagswahl— nur dem Kandidaten der Social- demokratie, der einzigen Partei, welche im Parlameut rückhaltlos und mit aller Entschiedenheit die Forderungen der Arbeiterklasse, die im Interesse der allgemeinen Kultur liegen, vertreten hat, ihre Stimme geben. Die Versammelten erklären nach wie vor die Vertreter der Social- demokratie ihres Vertrauens würdig und fühlen sich mit ihren Vertretern und deren Handlungen im Parlament eins. Diese Ziele zu erreichen und zur Abwehr gerüstet zu sein, ist nur durch eine einheitliche Gewerk- schaftsorganisation möglich. Daher fort mit allen Sonderorganisationen, nur die Centralisationen können in dem gewaltigen Kampfe zwischen Kapital und Arbeit den Versammelten zu ihrem Recht verhelfen! Die Versammelten sprechen allen um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen Kämpfenden ihre vollste Sympathie aus. In diesem Sinne weiter zn wirken, richten die Versammelten brüder- liche Grüße an die zur Bekundung der Solidarität heute am 1. Mai versammelten Arbeiter der I ganzen Welt! Maftlverfammlungen. Eine imposante Wählerversammlung für den fünften Berliner Richstagö- Wahlkreis tagte am Mittwoch im großen Saale des Gand-Hotel Alexanderplatz. Das Referat hatte Reichstags- Ab- gordneter Lcdebour übernommen, der das Thema be- spach:„Wer ist Volksvertreter"? Er erörterte hierbei in großen Z.gen die politischen und wirtschaftlichen Zustände und besprach die Sellung der verschiedenen Parteien und welche Interessengruppen drselben vertteten. Er kennzeichnete die Schutztruppe der Agrarier, de Antisemiten, die für den fünften Wahlkreis den Verleger der „ Staatsbürger-Zeitung", Herrn Bruhn, aufgestellt haben und die nanentlich versuchen, die Gewerbetreibenden für sich zu gewinnen. Vm diesen ist ein Flugblatt verbreitet worden, in dem wiederum die aberne Behauptung aufgestellt wird, daß die Socialdemokratie plan- näßig danach strebt, den Mittelstand zu vernichten. Dem Redner. dir auf den Widersinn hinwies, daß ein Vertreter der agrarischen Jiteressen auch die der städtischen Handels- und Gewerbetreibenden vertreten will, war es ein leichtes, nachzuweisen, daß nicht die Social- d-mokratie. welche ja nur die geschichtlichen Thatsachen konstatiert, smdern die kapitalistische Wirtschaftsordnung es ist. die den selb- stmdigen Mittelstand vernichtet und dagegen die bekannten Zunft- mttcl absolut nichts helfen.— Der Referent wendete sich im weiteren Men die freisinnige Volkspartei, wobei er an die jüngsten Vorgänge n Reichstage bei den Zollkämpfen erinnerte und das Verhalten dieser Partei, die der Reaktion— vielleicht unbewußt— die besten HelfcrS- tienste leistete, einer lebhaften Kritik unterzog. Nachdem der Redner Tch die Pläne der Reaktion gekennzeichnet und darauf hingewiesen jctte, was bei diesen Wahlen mif dem Spiele stehe, forderte er die Versammelten auf, mit aller Energie dafür einzutreten, daß am 1«. Juni die Antwort gegeben werden kann: Robert Schmidt st Volksvertreter.— Eine Diskussion über den wiederholt durch tirmische Beifallskundgebungen unterbrochenen Vortrag wurde, da sich Gegner trotz mehrmaliger Aufforderung nicht meldeten, nicht leliebt. Nachdem der Vorsitzende Genosse Wels recht eindringend für eine rege Agitation im Interesse unsrcr Partei, für den Anschluß an die Organisation und für die Verbreitung der Partciprcsse plädiert bitte, wurde die Versammlung mit begeisternden Hochs auf die Socialdemokratie gescklossen. Ter Aufmarsch der Parteien zum Wahlkampf. lieber dieses Thema sprach Genosse St a tz e n sr e i n in einer Volksversammlung, die ani Mittwoch im Moabiter Kasino tagte. In seinem Vortrage- schilderte der Redner den Charakter der verschiedenen bürgerlichen Parteien und kritisierte ihre Principicn und ihr Verhalten. Zum Schluß wies der Redner auf die Mmpfe und Ziele der Socialdemo- kratie hin und führte aus, daß es im sechste» Kreise, wo ein eigent- licher Kampf um das Mandat nicht mehr nötig erscheint, vor allem darauf ankömmt, durch eine ungeheure Stimmenzahl der moralischen Macht unsrcr Partei den stärksten Ausdruck zu geben.— Nach dem mit starkem Beifall aufgenommenen Vortrage meldete sich trotz der, Aufforderung des Vorsitzenden Fischer kein Gegner zum Wort. Jn� Anschluß an die Worte des Referenten crmahnte der Vorsitzende die Anwesenden, eifrig dahin zn wirken, daß Genosse.Lcdebour mit möglichst großer Stimmenzahl gewählt wird, und forderte zur Agitation für die Partciprcsse und Organisation auf. Mehr als 5000 Parteigenossen und-Genossinnen waren dem Rufe des Rixdorfer Wahlkomitces zu einer Volks- Versammlung gefolgt, welche am 29. April in dem neuerbauten Ricscnsaal der„Neuen Welt" stattfand. Trotz der kolossalen Ans- dehnung des RanmeS, aus dem alle Tische entfernt waren, mußten große Scharen der Andrängenden unverrichketer Sache wieder um- kehren. Als der gteferent, Genosse August B e b e l, den Saal bc- traf, wurde er stürmisch begrüßt. Seinen Vortrag über die bevor- stehenden Reichstagswahlen begann er mit einer eingehenden Würdi- gung des von den Mehrhcitspartcien gclvaltmäßig und unter Ver- letzung der Verfassung, durchgesetzten Zolltarifs und aller für> die Bolkswohlfahrt daraus sich ergebenden unheilvollen Wirkungen, während er andrerseits nachwies, daß die Lcbensmittelzölle nur einer kleinen Gruppe von Großgrundbesitzern ganz erhebliche Vorteile brächten. Die große Masse der Landwirte seien Proletarier, für die die socialistische Produktion das alleinige Heilmittel sei, gerade so tpie für den kleinen Handwerkerstand und die Arbeiter. Wer dem Handwerkerstand bei der Tendenz unsrcr Entwicklung eine Besserung seiner Lage in der kapitalistischen Gesellschaft verspricht, der sei ent- weder ein Dummkopf oder ein Betrüger.(Lcbhasle Zustimmung.) Nach einem kritischen Blick auf die Schuldcnwirtschaft im Deutschen Reich ging Genosse Bebel, oft von lautem Beifall unterbrochen, zu eurer großzügigen Kritik des Militarismus über. Dieser verschulde mit seinen Ansprüchen hauptsächlich den immer größer werdenden Dalles, und zwar nicht nur bei uns, sondern auch bei andren Nationen. Mit beißendem Hohn zeichnete er den Unsinn des ewigen Nüstens zum Krieg, das überall zum Bankrott führen müsse, worunter schon jetzt alle Kulturaufgaben zu leiden hätten. Auf die russischen Anregungen hin hätte man in Haag, anstatt den Fricdensgerichtshof zur Farce zu machen, einen permanenten internationalen Friedens- gcrichtshof begründen sollen, der alle Streitigkeiten der Staaten endgültig zu entscheiden hätte. Aber nicht nur die Regierungen, sondern auch die herrschenden Klassen, und diese in erster Reihe, hätten ein Interesse daran, die internationalen Gegensätze ausrecht- zuerhalten. Wenn das Proletariat in allen Ländern der Erde das entscheidende Wort zu führen hätte, dann wäre es mit den Kriegen ein für allemal aus, dann könnten die Mittel, die das Militär heute verschlinge, für Kulturaufgaben ausgegeben werden.(Lebhafter Beifall.) Redner beleuchtete dann die unerträgliche Belastung der großen Volksmassen durch unser überaus ungerechtes Steuersystem, besprach die Forderungen der Socialdemokratie ans diesen und vielen andren Gebieten und kam zu dem Schluß, daß wir unserm großen Ziele näher kämen, je mehr die Köpfe revolutioniert würden, in je weitere Kreise Änfklärung über das Wesen der heutigen Gesell- schaft verbreitet werde. Wenn im augenblicklichen Wahlkampfe jeder Genosse seine volle Schuldigkeit thne und auch die-Frauen, die bei allen Kulturfragen im gleichen Maße interessiert wären, sich lebhaft an der Agitation' beteiligten, dann werde auch im Kreise Teltvw-Becskow am 16. Juni eine Wahl zu stände kommen, die der deutschen Socialdemokratie Ehre mache.(Donnernder, lang- anhaltender Beifall.)— Eine Debatte wurde nach dem zweistündigen, in seinen Einzelheiten fesselnden Vortrag nicht beliebt. Mit stürmischen Hochs ans die Socialdemokratie und auf Genossen Bebel ging die imposante Versammlung auseinander Rowawes-Neucndorf. Zur Einleitung des Wahlkampfes fand am 29. April eine Volksversammlung statt, welche von 499 Personen besucht Ivar, darunter auch eine Anzahl vo» Frauen. Genosse Z u b e i l sprach über:„Die Reichstagsmahl und die gegnerischen Parteien". Er unterzog das Verhalten der freisinnigen Parteien bei einer Stichwahl zwischen einem Socialdcmokraten und rechts- stehenden Parteien einer vernichtenden Kritik. Dann folgte Schlag auf Schlag eine herbe Kritik der konservativen Partei.— Der Vorsitzende Hoffmann wies auf die am Orte bestehende politische Or- ganisation hin und richtete an die Versammelten einen warmen Appell, am 16. Juni ihre Schuldigkeit zu thun und sich dem Wahl- komitee am Wahltage zur Verfügung zu stellen. »lit ftMliMme 62, Ecke KmeflStracse, rasse. Dieser Räutumige-Terhauf dauert nur eine beschränkte Zeit und bietet jedem eine tpirfeltch günstige Gelegenheit» gute» baltbare Schuhe und Stiefel für KerreWt Bamen und Kintiar zu aiissergewölmlieh billigen preisen einzuhanfen. Tfür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnblikum gegenüber keinerlei Verantwortung. HKeater. Freitag, I.Mai. Slnfang 7'/, Uhr: Opernhans. Margarete. Sonnabend: Der Waffenschmied. Schauspielhaus. Sakuntala. 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Dresdenerstr. 72/73. Täglich VI, Uhr. Oer fosaunen-8ngel Ausstattungsposse mit Ges. und Tanz. Tanepaeodien. Artisten-Revue. Tbieischer als Spreewälder Arnrne. Sonntagnachmittag 3»/, Uhr: Charlehs Tante. ifesillsiK-IIikates Direktion: Sigmund Lautenburg. Abends VI, Uhr: Lutti(Loute). Schwank in i Akten von Pierre Vcber. Morgendtmd folgcndeTaae: Qiittl. Sonntagnachmiltag: SeinDoPPel- ganger._ Seile- Jlllianee- Theater. Abends 8 Uhr. Gastspiel des Bunten Theaters. System Aubert. Komödie in 3 Akten von 61. Roland und Pierre Morgand. Vorher: Bor dem Gefindeball. Lustspiel in 1 Akt von Max Pollaczek. iMorgcn und solgende Tage: Die- scwe Vorstellung._ Apollo-Theater. Neue Spedalitäten-Debuts. Riccardo u. Benedetti.• Ceados. Bilder6 UM Ml Uhr: Mit stürm. Beifall: mccaruu Kilianys Um 0 u Cesindehall, Gesan-s Burleske mit d. Spiritist. Anna Rothe-Parodie. In Vorbereitung; Die Liebesinsel. Trianon-Theater. Georgenstraße, zwischen Friedrich- u. Universitätsstraße. Abends 8 Uhr: Die Notbrücke. 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Sur dcn üiiscrolentetl verantwortlich: �h.(Äloike in Berlin. Druck und Verlag: Vorwärt» vuchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Ar. 101. 20. Jahrgang. Freitag. 1. Mai 1903. Wahlbewegzmg. Köder für de»„Mittelstand". Bei den diesmaligen Reichstags wählen rechnet die Gruppe der rechts stehenoen Parteien, wenn man nach den Neuste- rniigen ihrer Prestorgane rmd einzelner ihrer Führer urteilen darf, in Berlin wenigstens auf einen starken Achtungserfolg. Diese Hoff- nung. so weit sie nicht blast vorgetäuscht wird, gründet sich auf die Agitation, die in den letzten Jahren in den Kreisen des„Mittel- st a» d e s" entfaltet worden ist. Der kleine Gewerbe- und Handel- treibende werde, so wird erwartet, den auf den Sand geratenen Kahn der„Ordnungsleute" ivieder flott inachen. Jin fünften Wahlkreise, in dem die vereinigten„Orb- nungsleute" die Führung den Antisemiten überlassen haben, konnte man sich am Mittwoch von dem Erfolg der bisherigen Arbeit überzeugen. Ein Schneidermeister Donner, der seit Monaten in allen Stadtteilen Berlins Versammlungen gegen die Rabatt-Spar- und Konsumvereine veranstaltet, hatte„sämtliche Handwerker, Handel- und Gewerbetreibende Berlins und der Um- gegend"„ohne Rücksicht aus ihre politische Anschauung" zu einer „großen öffentlichen Versammlung" nach dem Handwerkersaal zusammenbcrufen. Angekündigt waren Verhandlungen über daZ„Konsumvereins- und Rabattspar Unwesen" und im Anschluß daran über die Frage, Iven der Gelverbetreibende in den Reichstag wählen solle. Unter der Wählerschaft des fünften Kreises ist der„Mittelstand" noch recht zahlreich vertreten, aber als die Versammlung um V.ll eröffnet wurde, waren nur 130 Personen anwesend. Herr Donner selber nannte nachher in seinem Referat dieses Häuflein„eine jammervolle Zahl von Leuten". Auch die für den fünften Kreis aufgestellten Reichstags- kandidaten waren eingeladen worden. Der Vorsitzende forderte die etwa erschienenen Kandidaten auf,„oben" Platz zu nehmen. Es nieldeten sich der Kandidat der Konservativen und Antisemiten. Herr Bnchn imd der socialdemokratische Kandidat Genosse Robert Schmidt; der Freisinns-Kandidat, Herr Zwick, war nicht gekommen. Als Schmidt und Brnhn sich am Vorstandstisch niederließen, boten sie durch den Gegensatz ihrer äußeren Erscheinung ein nicht uninteressantes Bild, das auch in der Versammlung auffiel. Neben der breitspurigen Bramsigkeit des hünenhaften Bruhn, dem jedermann auf hundert Schritt den Berliner Radau-Antisemiten ansieht, die schlichte Art unsres Genossen Schmidt. Herrn Donners Referat gipfelte darin, daß die Rabattspar- und Konsumvereine den„Mittelstand" schwer geschädigt haben und ihm den völligen Ruin bringen lverden, wenn nicht Einhalt geboten wird. Nur einem Kandidaten, der dazu mithelfen wolle, könne der „Mittelstand" seine Stimme aeben. N o frartj Schmidt, der darauf zum Wort kam. bemerkte kühl, er hch&e keinerlei Lust, Stimmenfang zu treiben. Doch halte auch er die R a b a t t s p a r v e r e i n e für etwas sehr U n- e s u n d e s und die Konsumvereine zum mindesten für eine große Errungenschaft, wenn er sie auch anders an- gesehen lvissen wolle, als die Rabattsparvereine. Die Rabattsparerei, führte Schmidt aus, ist anfangs von den auf den Spartrieb spekulierenden Handel- und Gewerbetreibenden angeregt und gefördert worden. Als sie dann infolge des Unverstandes schlecht rechnender HauSftauen rasch beliebt geworden war, über- nahmen die Konsumenten selber die Leitung. Die Konsunivereine kommen für Berlin wenig in Betracht, hier habe» bereits die Warenhäuser die Kundschaft an sich gerissen. Als Schmidt die Versprechungen, mit denen die immer nur auf das jüdische Kapital schimpfende Gefolgschaft des Herrn Bruhn den„Mittelstand" zu köderi« sucht, in ihrer ganzen Haltlosigkeit nachlvicS, kam cS zu lärmenden Unterbrechungen. Scharf und schonungslos geistelte unser Genosse auch den Z o l l w n ch e r der rechtsstehenden Parteien, durch den der kleine Gewerbetreibende nicht nur als Konsument, sondern infolge der Verteuerung der Rohstoffe auch»och als Pro- jduzent getroffen wird, ferner die von den Antisemiten nicht bc- kämpften Versuche der Agrarier, den Handel mit gewisse» Lebensmitteln zu monopolisieren, wie sie in dcrMilchcentrale bereits hervorgetreten sind, iveiter die ablehnende Haltung, die in der Berliner Stadtverordneten-Versammlung der Vertreter der anti- semitisch»» Bürgerpartei zu der von socialdeinokratischer Seite ge- .forderten Regelung des Wohnungswesens eingenommen hat, und so fort. In den kräftigen Beifall, den der socialdemokratische Kandidat bei einem beträchtlichen Teil der Versammlung fand, mischte sich wütendes Zischen und daS Gebrüll„Raus, raus!" Dann erhob sich Herr Bruhn und produzierte sich in der Kunst, dem Gegner daS Wort im Munde umzudrehen. Interessant war die Erklärung, er wisse, daß er in Berlin nicht dnrchkoimne, aber er wolle wenigstens dafür sorge», daß auch der Socialdeniokrat nicht gewählt werde. Eugen Richter wird seinen antisemitischen Freunden für die seinem Zwick geleistete Hilfe dankbar sein; er hat sie verdient. Die socialdcmo- kratischen Gelverbetrcibenden beantworteten BrnhnS Erklärung mit lautem Protest. Von der andern Seite klang es herüber: „Schnauze halten, dumme Lümmels!" Es folgte eine lange Disknssion über die Not des„Mittelstandes". Schließlich lrnirde von der stark gelichteten, auf knapp(10 Mann zusammengeschmolzenen Versammlung— die„leisten der social- demokratischen Gewerbetreibenden hatten sich bereits entfernt— eine Resolution zu Gunsten B r u h n s angenommen. Die Gegenprobe ergab noch 14 Stimmen dagegen. Piguicrt fragte Herr Doimer:„Es wäre mir interessant, zu erfahren, ob das wirklich Gewerbetreibende sind?"—„Jawohl, jawohl I" rief man ihm zu, aber er machte ein ungläubliges Gesicht, Ivie ivenn es ihm unfaßbar sei, daß jes auch noch Gewerbetreibende giebt, die auf den„Mittel- stands"-Köder derer um Bruhn nicht anbeißen. Der Wahlaufruf der Börse«»«. Nachdem die Rodler, die HauS- besitzer und Grundstückspekulantm dem Beispiel der Großgrund- besitzer gefolgt sind und ihr e n g st e s und persönlich st es Interesse zur Wahlparole erhoben, kommen nun auch die Börseaner mit einem ähnlichen Ausruf, Es heißt in einem solchen Cirkular: „Seitens der Reichsrcgierung ist seit langem die Revision des Börsengesetzes in Aussicht genommen, der Reichstag mit derselben aber bisher nicht beschäftigt loorden. Für daS Schicksal der von der Regierung vorbereiten Vor- läge, sowie für das Maß der Revision wird die Zusammen- setzung des neuen Reichstages von ausschlaggebender Bedeutung sein, Es ist deshalb die unaliweiSlichr Pflicht unser« Berufs» genossen, mit allen ihnen zu Gebote flehenden Kräften dafür einzutreten, daß Abgeordnete gewählt werden, welche nächst der Berteidigung liberaler Anschanungeil auch die Interessen des Kauf- mannstandes wahrzunehmen im Stande sind. Zur Förderung solchen Zweckes bedürfen die Parteien reicher materieller Unterstützung, und Ivir richten an Sie die dringende Bitte, uns nach Möglichkeit mit Mitteln zu versehen. Bei der kurzen Zeit, die UNS nur noch von den Wahlen trennt, thut Eile not n»d wollen Sie gcfl. Beiträge innerhalb einer Woche an die Unterzeichneten gelangen zu lassen, Hochachtungsvoll Leopold Badt, f, F. Hermann Jacoby, Neue Friedrich- straße 4S. Max Buggifch, i. F, Thiele u. Buggif-h, Orauicu- burgerstr. 44. M ax L e w y, i, F, Kcmpner u. Co., Lmkstraße 32. S i e g IN u n d V i n c u s, Markgrafenstr. 52. ES ist diesen großherzigen Verteidigern der„liberalen" Welt- anschauung egal, ob Nattonallibcrale, Freisinniae Vereinigung oder Freisinnige Volkspartei— wenn sie nur für die Börsenrefonn ein» treten. Der Junkerbwid hat auf die„Börsenjuden" einen höchst erzieherischen Einfluß ausgeübt I _ Ter Wahlaufruf der Reichsparlei. Reichsparteiliche(ftei- konservative) Wähler giebt es nach einem netten Wort Liebermann v, Sonnenbergs nicht, sondern mir reichsparteiliche Abgeordnete. Diese Herren, Agenten und Träger des Jnduftriefeudalismns, haben nun auch ihren Wahlaufruf veröffentlicht. Zunächst rühmt der Aufruf die Kardörfferci— durchaus mit Recht; denn der schamlose parla- meutarische Staatsstreich war dem Haupte des reichsparteilichen Führers, des mit allen Hunden gehetzten Laura-Hütten-Gründers Kardorff entsprungen. Sonst ist es der übliche Sammelsttl gegen den Umsturz: „Das stetige Auwachfeu auch der parlamentarischen Vertretung einer Partei, ivelche unsre ganzen staatliche» Verhältnisse umstürzen, mrsre ganze heutige Kultur zerstören will, und deren Führer be- strebt sind, alle göttliche und uicnschliche Autorität zu untergraben und an deren Stelle die unbedingte Unterordnung unter die social- demokratische Parteileitimg zu setzen, ist zum großen Teil verschuldet durch die Lauheit und Gleichgültigkeit, deren sich auch gute Bürger in Bezug auf ihre Wahlpflicht schuldig machen. Bei dem schweren Kampf, welchen wir gegen die wohlorganisierte Socialdemokratie zu führen haben, ist es vor allem nötig, daß alle staatSerhaltcnden Elemente fest zusammenhalten und, kleine Pnrtei-Unterschiede ver- gesfend, zusammenstehen zu gemeinschaftlicher Arbeit.— Wir bitten daher unsre Freunde und Parteigenossen im Laude, vor allein auf die feste Einigung aller bürgerlichen Elemente hinzuwirken, denn nicht darauf komnit cS an, ob einige Vertreter unsrer Partei mehr oder weniger in der Reichstag kommen, sondern es handelt sich um de» gemeiilschaftlichen Kampf aller staatsnhaltenden Parteien gegen die Mächte des Umsturzes, gegen die Socialdemokratie. Unser Grundsatz bleibt:„Das Vaterland über die Partei, das Gemeinwohl über die Sonderinteresse» I"— Fester Zusammenschluß aller staatserhaltenden Elemente auf dem Boden starker monarchischer Institutionen— Sammlung der patriotischen Männer von rechts und links— Ab- wehr gegen socialistische, radikale und rückschrittliche Bestrebungen — kräftiges Eintreten für die Beseittgung wirklicher Mißstände— stetige und gedeihliche Fortentwicklung unsres Staatslebens in den guten Traditionen bürgerlicher Freiheit und fester staatlicher Ordnung — Stärkung des Reiches nach innen und nach außen— gleich- mäßige Pflege aller Zweige des heimischen Erwerbslebens sind stets die leitenden Gesichtspunkte der Reichspartei gewesen. Sie werden auch ihr Leitstern für die Zukunft bleiben." Das Gemeinwohl über Sonderinteressen I Lies: Das„Gemein- wohl" einiger scharfmachenden Jndustriebarone über die„Sonder- inieressen" des arbeitenden Volkes. Für die Reichspartei haben die deutschen Worte allen Sinn verloren I De» VI. Berlin« Wahlkreis will durchaus die— Freisinnige Volkspartei erobern. Zu diesem Zweck will sie am 4. Mai einen Kandidaten aufftellen. Das hohe Ziel aber kostet„Geld, sehr viel Geld", und darum geht der Vorstand der Freisiumgen des sechsten Wahlkreises mit dem Klingelbeutel umher. Wer dafür Geld ausgiebt. müßte unter Kuratel gestellt werden. Ebenso gut könnte man für die Wahl eines Freisinnigen auf dem Mars Gelder sammeln! Das abgeänderte Wahlrcglement wird mit dem Datum des 23. April 1903 im„Reichs-Anzeiger" vom 30. April publiziert Dem Reglement ist auch ein neues Formular zum Wahlprotokoll bei- gefügt, das auf die Acnderungcn des Wahlverfahrens Rücksicht nimmt. Humor im Wahlkampfe. Unsre Parteigenossen im Wahlkreise Königsberg, R.-M,, haben sich seit je ganz besonders liebevoller Auf- merkstrmkeit der Polizei zu erfreuen und bei der bevorstehenden Flugblattverbreitung waren nach früheren Erfahrungen zahllose künstliche Hindernisse zu fürchten, Sie sannen deshalb auf Mittel, sich die Polizei bei dieser Arbeit vom Halse zu halten. Versammlungslokale haben sie nicht»nd sie haben deshalb schon mehrmals versucht, Versammlungen unter freiein Himmel abzuhalten; ohne Ausnahme wurde diesen Versammlungen die erforderliche Ge- nehmigung versagt. Darauf gründeten sie ihren Plan und. im voraus sei es gesagt, er gelaug prächtig. Für vergangenen Sonn- tag, für den eine Flugblattverbrcitung beabsichtigt war, wurden nach verschiedenen unbebauten Grundstücken und zu verschiedenen Zeiten Versammlungen angemeldet und die Anmelder ließen durchblicken, daß sie trotz des Verbotes den Versuch machen würden, die Ver- sammlunge» abzuhalten. Der 5köder war so wirksam, daß sich die bewaffnete Macht von weit und breit aufmachte, den zu erwartenden Ilmsturz zu verhindern. Indessen so eine ganze Anzahl Gendarmen und Polizeidicncr in der Nähe der bedrohten Grundstücke konzentriert waren und stundenlang vergeblich auf Versaunnlungstcilnehmcr warteten, verrichteten die Flugblattverteiler in den Dörfern ungestört ihre nützliche Arbeit. Spaziercngehende Arbeiter machten sich das Vergnügen, die Staatsrctter auf ihren verlorenen Posten zu bc- obachten und sie freundlich zu beglückwünschen. Die Polizei war zwar früh genug aufgestanden, aber auf Kriegslist ist sie nicht ein- gerichtet. Ter Besuch gegnerischer Versammliingen. In der bürgerlichen Presse wird vielfach versucht, aus den Bemerkungen in nnsrem Blatte über den Besuch gegnerischer Versammlungen, die vor einiger Zeit an den Bericht über Vorgänge in ein« Berliner Versammlung ange- fügt waren, Kapital zu schlagen gegen das Verhalten unsrer Genossen an andern Orten. Demgegenüber mag besonders hervorgehoben werden, daß sich jene Bemerkungen nur ans Berlin und solche Ver- hältniffe bezogen, die den hiesigen gleichen. Wo unsrcn Partei- genossen eigne Versammlungslokale zur Verfügung stehen, da haben sie es nicht nötig, gegnerische Versammlungen zu besuchen, wenn sie nicht ausdrücklich zum Zwecke einer AuScinandersetzung unter Garantie der Redefreiheit eingeladen werden. Wo ihnen aber diVch stlstcmatifche Lokalabtreibung die Möglichkeit genommen wird, eigne Versammlungen abzuhalten, da denken wir gar nicht daran, ihnen einen Vorwurf daraus zu machen, iven» sie sich, je nach Ilmständen, entschliehen, sich in gegnerischen Versammlungen die Möglichkeit freier Aussprache zu verschaffen. Wahlurnen ans Blech, die einer großen Sparbüchse gleichen, sind in Nürnberg konstruiert worden und lverden dort zur Ver- tvcndung gelangen. Die Urne kostet»ur 3,50 M. Ts ist also mag- lich, für wenige Groschen eine Wahlurne z» beschaffen, die allen Anforderungen entspricht und mit zu großen Kosten kann es selbst das kleinste Dorf nicht entschuldigen, Eigarrenkisten, alte Hüte oder Weitzbiergläser als Wahlurnen zu verwenden. » Zur Bervielsältianng der Wählerkisten hat tnan in KottbuZ vcr- stäudigcrwcise den Buchdruck zur Anwendung gebracht. Ein Buch- drucker erhält den Auftrag, für die Gemeindebehörde eine Anzahl Exemplare der Liste zu drucke», die dann in dieser Form an ver» schicdenen öffentlichen Orten zur Durchsicht ausgelegt werden. Zu- gleich ist er ermächtigt, den Juteresscntcn gegen mästige Bezahlung die gedruckten Listen abzugebein Da» Verfahren ist sehr empfehlens- wert. * Verbotene Wählerversammlung. Wie die„Brcslaucr Volks- lvacht" berichtet, wurde in Jnowrazlaw eine Wählerversamm- lung der polnischen Socialistcn verboten, weil die Polizei eine Störung der öffentlichen Ordnung befürchtete. Ein solches Verbot ist ungesetzlich und giebt einen Grund zur Wahlanfechtung. Wahlflugblätter in der Schule. Unser Königsberger Partei- blait ist in der Lage, über zwei Fälle von Mistbrauch der Schule zur Wahlagitation zu berichten. In der Schule inTilsit-Preusteu hat ein Lehrer ein konf-rvatibes Flugblatt in seiner Klasse verteilt und ebenso der Lehrer in der Schule Schmalleningken(Kreis Ragnit-Pillkallen). Der letztere hat den Kindern sogar aufgetragen, ihm am nächsten Tage den Inhalt des Flug« blattes wiederzuerzählen. Wir haben zwar nicht das geringste dagegen einzuwenden, wenn man, wie Ivir gestern aus Danzig mitteilen konnten, die Kirche zum politischen Kampfplatze macht, aber gegen den Mist- brauch der S ch u l e zu Parteizwecken müssen wir ganz entschieden Verwahrung einlegen. Das ist ein skandalöser Unfug, den sich die Eltern verbitten sollten. Der Wahlkreis Elberfeld-Barmen ist jetzt bereits mit fünf Kandidaten gesegnet.'Auster dem bisherigen Vertreter des Kreises, nnserm Genossen Mokkenbuhr, kandidieren für das C e n t r u m Landrichter Marx, für die Freisinnigen Dr. Müller- Sagau, für diä Nationalliberalen A. Friedrichs und für Konservative und Antisemiten Oberlehrer Linz. Bei der vorigen Wahl kandidierte für Freisinnige Bereinigung Everts- busch, für Antisemiten Heistermann und außerdem der verstorbene Herr v. Egidy. Der Jefuitentöter HoenSbroech, der im 22. sächsischen Reichstags- Wahlkreise als ganz schlichter Kandidat der vereinigten Brotwucher- Parteien auftritt, betreibt den Wahlkampf mit so viel Geist, datz er die socialdemokratische Opposition aus seinen Versammlungen einfach hinauswerfen lästt. Anfangs hatte er es versucht, mit geistigen Waffen zu kämpfen; der feudale Herr hatte offenbar von Arbeitern ähnliche Vorstellungen, wie der jeistige Lottcrie-Arbeeter von dem Bottlenberg-Schirp. Als das Gräflein jedoch dahinter gekommen war, dast die jeistige Arbeet der Socialistenbekämpfung zu an- strengend ftir seinen feudalen Jesuitenkopf sei, mietete er sich einen Hausknecht dafür und liest die Vertreter der Socialdemokratie aus den folgenden Versammlungen hinauswerfen. Der Mann hat in der kurzen Zeit seines öffentlichen Auftretens schon mancherlei Wand- lungen durchgemacht._'*'' fiemnbaiiö» 9. Sitzung vom 30. April, 11 U h r. Am Ministertisch: Frhr. v. Rhei nbaben, Fchr. v. H a m in e r st e i n. Auf der Tagesordnung steht die Beratung über den Gesetz- entwurf betr. die Befähigung für den höheren Vcrwaltuugsdirnst. Die K o m m s s i i o n hat in§ 4 die Bestimmung der Re- giernngsvorlage wiederhergestellt, dast die Regicrungs- refevendare ohne weiteres von den Regier» ngs- Präsidenten ernannt tverden sollen.(Das Abgeordnetenhaus hatte hier beschlossen, dast die Ernennung der Regierungsrefercndare durch die Regierungspräsidenten erst„n a ch ihrer A»nähme durch die M i in st e r der Finanzen und des Innern" er- folgen soll.) Professor Dr. Schmoller-Berlin: Der Hauptübclstand, der heute besteht, ist das Etupaiiken zum Exainen. Die anderthalb- bis zweijährige Bummelei auf den Universitäten verursacht groste Schäden. Es giebt keinen andre» Stand der Welt, der verlangt, zwei Jahre lang fanlenzen zu dürfen, das verlangt nicht der Offizier, nicht der Kaufmann, kurz: kein andrer Stand. Ich gönne ja den Studenten ihre Freuden, aber warum must die Bummelei zwei Jahre unausgesetzt dauern? Wer so lange faulenzt, leid't imvcnnetdlich groste» Schaden an Moral, an Körper und Geist. Die Frage: sechs oder sieben Semester? ist ganz gleichgültig, aber vier Bummel-Semester und zwei Einsmut- Semester sind vom Ucbel. Die Vorwürfe, die mein Kollege Dr. Friedbcrg im Abgeordneten- hause erhoben hat. entsprechen der Stimmung breiter Volkskreise, sie beruhen ans der Statistik wie auf zahlreichen kleinen Vor- kommnissen, die in letzter Zeit bekannt geworden sind. Ein früherer preussischer Minister des Innern pflegte Regierungsrcserendarc, die ihm vorgestellt wurden, einfach zu fragen:„In welchem Corps waren Sie?" Er fragte nicht etwa:„Waren Sie in einem Corps?" Eine solche Frage weist doch auf bedenkliche Zustände hin! Manche Eltern fragen sich:„Must ich meinen Jungen nicht in ein Cdrps stecken, damit er Earriere macht?" Ein andrer preustifcher Minister soll bei der Wcichselübcrschwemmung eine Anzahl Assessoren und Rcfcreiidare, die sich mit Lebensgefahr an den Rettungsarbeiten be- teiligt hatten, nach ihren Corps gefragt haben. Ich bin ja über- zeugt, dast für viele junge Leute das Corps eine gute Schule bildet. t?lhal) Ich will keineswegs bei, Adel, und am allerwenigsten den besitzenden Adel, vom höheren Staatsdienst, der die beste politische Schule für sie ist, ausgeschlossen wissen, aber in weiten Bcvölkcrungs- kreisen ist die Ansicht verbreitet, dast unser Beamtenstand heute überwiegend eine einzige sociale Jilasse und ihrer Interessen re- präsentiert. Wenn das Gesetz, wie ich fast befürchte, fällt, so wird das hoffentlich für die Regierung ein starker Impuls fein, bei der nächsten Vorlage ganze Arbeit zu machen.(Beifall.) Frhr. v. Wilamowitz-Möllcndorff befürwortet die Annahme der Vorlage in der Fassung der Kommission. Es müsse festgehalten lverden an den alten preustischen Traditionen, damit Männer von weitem Blick und wirklichen Kenntnissen herangezogen würden. (Bravo I) Minister des Innern Frhr. V. Hammer stein: Sachlich kann ich mich mit vielem einverstanden erklären, was Professor Schmollcr vorgebracht hat. Ob seine Worte über die Bummelei in dieser Schärfe notweudig waren, will ich dahingestellt sein lassen. Ich halte es für sehr notwendig und wünschenswert, dast die Studenten die Kollegien besuchen. D« Student braucht in den ersten Jahren nach dem Schulztoang vielleicht nicht so sehr den häuslichen Fleiss zu bc- thätigen, aber die Universität soll er besuchen. Ich glaube, dast ich mich auch nicht weit entferne von den Anschauungen, die Herr Schinollcr über die Bildung des Adels in der Beamtenschaft vor- gebracht hat. Ich habe darüber im andren Hause mit einer gewissen Schärfe gesprochen. Für jeden einzelnen kommt es nicht darauf an, wo seine Wiege gestanden hat, wie er erzogen ist, sondern ob er persönlich tüchtig ist. Aber im grostcn ganzen kann es in Preußen keinem Zweifel unterliegen, daß die preußische Verwaltung gerade dadurch ihren hervorragenden Ruf hat, datz die ihr Angehörenden zu einem grostcn Teile Familien angehören, die seit Jahrhunderten gewohnt sind, sich selbst in den Ticnst des Vaterlandes zu stellen, zunächst das Vaterland und dann ihre eignen persönlichen Jnter- essen zu vertreten.(Bravol) Herr Schmoller hat sich dann gegen angebliche Aeusterungen eines früheren Ministers des Innern ge- Wandt— oder waren es zwei Minister? Er hat uns zwei Slnekdoten erzählt. Das sind aber unverbürgte und ganz unkontrollierbare Ge- schichtchen. Es Wäre besser gewesen, solche Antlagen hier vor der Oeffentlichkeit nicht zu erheben.(Vielfaches Sehr richtig I) Professor Dr. Dcrubnrg-Berlin: Ich möchte doch meine Rechts- Hörer gegen die erhobenen Vorwürfe in Schutz nehmen. Ich habe heute morgen bereits um 8 Uhr eine Vorlesung gehalten und eine Gruppe von Studenten vorgefunden, denen diese Stunde nicht zu früh war. Der Gesetzentwurf entspricht nicht einmal den dringendsten Anforderungen. Der gewaltige Lernstoff kann nicht einmal in sechs Semestern bewältigt werden. Die ganze Borlage schwebt in der Luft. Finanzministcr Frhr. v. Rhciubaben: Wer in 6 Semestern nichts lernt, lernt auch in 7 nichts. Aber unser Bestreben mutz dahin gehen, mehr als bisher eine zweckmäßige Verwendung der Studien- zeit, in erster Linie eine individuelle seminaristische Vorbildung zu sichern. Die Scheidung zwischen Justiz- und Regierungsreferendarien soll man nicht schon in die Universitätszeit verlegen, wie es Herr Dernburg zu wünschen schien. Professor Dr. Schmoller: Der Minister des Jnnertt meinte, ich hätte lieber meine Geschichtchen nicht erzählen sollen. Die Ge- schichtchen sind aber gut beglaubigt, sie sind mir zu einem erheblichen ffeß Vitt Ohren- und Augenzeugen erzählt. Es handelt sich uin zwei verschiedene Minister des Innern. Ich habe absichtlich durchaus harmlose Geschichten erzählt, ich hätte sehr viel schärfere, deutlichere erzählen können, die ich aus Diskretion verschwiegen habe. Ein großer Teil unsrer Fraktion hat dringend verlangt, daß dieser Stimmung ein gewisser Ausdruck verliehen werde. Ich glaube, ich bin diesem Auftrag in der allerdislretesten Form nachgekoenmen s(Bravol) Professor Dr. Löhning-Halle: Nach meiner Ansicht wird die jetzige Halbbildung unsrer höheren Verwaltungsbemnten durch die Vorlage nicht gebessert. Man wird in der Zukunft oft sogar von einer Biertclbildung sprechen können. Der Fleiß unsrer Juristen hat im allgemeinen ja zugenommen, aber dennoch ist ein beträchtlicher Teil, namentlich derer, die später Verwaltungsdcamte werden, gar nicht in der Lage, von unsren Nniversitätseinrichtuugen Gebrauch zu machen. Zumal in den ersten Semestern wird von der Universität kaum Notiz genommen. Beklagenswert ist auch das stete Anwachsen des Einpaukertums. Oberbürgermeister Fuß-Kiel begründet seinen Antrag, der von 28 Mitgliedern des Hauses unterstützt ist:„die königliche Staats- regierung um Vorlage eines neuen Gesetzentwurfs zu ersuchen, der die Vorbereitung zum höheren Verwaltungsdienst gleichzeitig mit der- jenigen zum höheren Justizdienst regelt". Graf Finck von Finckenstcin-Schönberg: Die geschäftliche Be- Handlung dieser Vorlage in den beiden Häusern legt mir den Wunsch nahe, derartige Gesetzentwürfe zuerst dem Herrenhaus zugehen zu lassen, das besonders kompetent zur Entscheidung über solche Ver- waltungsfragen ist.(Lebhafte Zustimmung.)� Damit schließt die GcneraldiSlussion. Es folgt die Spccialbcratnug.» Die§s 1— 3 werden dcbattelos angenommen. ' Zu tz 4 nimmt das Wort Professor Dr. Schmoller: Im Namen meiner Fraktion habe ich zu erklären, daß wir bei 8 4 für die Wiederherstellung der Re- gierungsvorlage stimmen werten. Zu diesem Votum veranlaßt uns in erster Linie die Thatsache, daß die von den Diajoritätspartcien des Abgeordnetenhauses betonten Mißstände zwar vorhanden sind. daß sie aber in keiner Weise zu dem Schlüsse nötigen, den Regicrungs- Präsidenten ihr bisheriges Recht zu nehmen und dieses Recht auf den Herrn Minister zu übertragen. Der Hauptgrund, der uns zu unsrer Stellung veranlaßte, ist aber die Furcht vor dem Anwachsen der parlamentarischen Patronage, die dem Minister lästig fällt. Auch bei uns spielt die parlamentarische Patronage bereits eine erhebliche Rolle und sie hat in den letzten 30 Jahren wesentlich zugenommen. (Hört! Hörtl)| Wir wollen diesen �ilißbrcnich nicht noch gesetzlich begünstigen. 8 4 wird in der Kommissicmsfassung a n g e n o m m e n mit 103 gegen 5 Stimmen. Dagegen stimmten u. a. die Oberbürgermeister Struckmann, Fuß und Kirschncr. Der Rest des Gesetzes wird dcbattclos angenommen And der Antrag Fuß abgelehnt. Nächste Sitzung Freitag 10 Uhr.'(Eisenbahnverstaat- lichungs-Vorlagen, Antrag des Frhrn. v. M a n t e u f f e l, betr. die Kündigung der Hgndelsvkrträge, Sekundärbahnvorlage und kleinere Vorlagen.) v Schluß 47, Uhr.'S-__' partei-JVaebnebten. Ein sonderbares„Mißverständnis" ist, nach der Königsberger „Volkszeitung" auf der Post in Groß-Gnie(Kreis Gerdaueu) passiert. Für einen dortigen Arbeiter war Anfang April ein Paket aus Königsberg angekommen. Der Gutsverwalter, der dort den Postdienst versieht, ließ den Adressaten rufen und verlangte, er solle das Paket im Amtsraum aufmachen, denn es seien wahrscheinlich socialdcmo- kratische Kalender darin, und er habe den Auftrag vom Landrat, socialdemokratische Drucks ach e.n nicht auszuliefern, sondern an das Landratsamt ein- zureichen. Nach einigem Widerstreben machte der Arh eiter denn schließlich das Paket auch auf. Es waren wirklich sacialdemo- kratische Kalender darin. Diese nahm ihn der Postverwalter gegen seinen Willen ab und forderte ihn auf, das Zimmer zu verlassen. Trotz aller Entgegnungen des Adressaten blieb es dabei. Der Ge- schädigte konnte nichts weiter thun, als sich beim Landrat beschweren. Zugleich führte der Absender in Königsberg Beschwerde bei der Ober-Postdireksion. Auf diese letztere Beschwerde ist eine Ent- scheidung noch nicht ergangen. Vom Landrat kam am 16. April folgendes Schreiben: „Der Ihnen vom Gutsverwalter in Gr.-Gnie abgenommene Inhalt des Pakets wird Ihnen anliegend zurückgesandt. Die Abnahme der Drucksachen ist infolge eines Mißverständnisses erfolgt." Auf welcher Seite liegt nun das Mißverstäindnis? Beim Landratsamt oder beim Postverlvalter? Bekanntlich kann die Be- schlagnahme von Briefen und Postsendungen nur auf Anordnung des Untersuchungsrichters erfolgen wenn jemand unter Anklage gestellt ist. Selbst wenn also das Mißverständnis aus dem LandratSamte seine Stätte hatte, mußte der Postverwalter ein Eingehm auf den mißverständlichen Austrag ablehnen. Auf die Postverwaltung wirft es kein gutes Licht, daß sie Leute beschäftigt, die so wenig mit ihren Obliegenheiten vertraut sind. Zum Kampf um die Säle in Leipzig wird mitgeteilt, daß nun den Leipziger Genossen thatsächlich ihr Maifeier-Lokal, der Brauerei- garten in Stötteritz e n t z o g e n worden ist. Seit 1802, also seit 11 Jahren, stand dieses Lokal der Leipziger Arbeiterschaft zur Ab- Haltung ihrer Maifeier zur Verfügung. Nachdem auch in diesem Jahr die üblichen Vorbereitungen zur Abhaltung des Festes gewoffen worden waren, ist im letzten Augenblick die Benutzung des Brauercigartens von der Brauerei Gebrüder Illrich verweigert worden. Zunächst sollte außer dem Brauereigarten auch die Benutzung der Festhalle nicht gestattet werden. Dem Gastwirt Vondran, der bisher als der Pächter des Grundstücks galt, wurde von der Brauerei eine Strafe von 1600 Mark angedroht, wenn er gegen den Willen der Besitzer die Halle zur Verfügung stelle. Wenn die Arbcftcr bei ihren Festen, die in Stötteritz abgehalten wurden, irgendwelche Wünsche äußerten, wurden sie in den letzten Jahren regelmäßig an den „Pächter" verwiesen, weil die Brauerei nichts damit zu thun habe. Heute zeigt sich, daß Herr Vondran gar nichts zu sagen hat, sondern den Bessimmungen der Brauerei nachkommen muß. Ws das Mai- komitee auf Wunsch des Hern: Vondran mit diesem am Dienstag ver- handelte, wurde auf Grund dieser Verhandlung die Benutzung der Fest- halle zugestanden, dagegen die Benutzung des Platzes nach wie vor ver- weigert. Da aber die Benutzung der Halle allein unzureichend erscheint, weil zur Maifeier, besonders bei günsttgem Wetter, eine Beschränkung der Bewegung im Freien eine wesentliche Beeinträchtigung der Feier bedeuten würde, so lehnte das Maikomitee dieses Anerbieten ab.— Die ArbeiterLeipzigs werden nichtsde st oweniger ihr Maifest feiern, wenn auch nicht in Stötteritz, so doch im Brauereigarten zu Burghausen. Eine Anzahl von Unternehmern nimmt bereits offen Partei für den Brauereiverein, indem sie in ihren Kantinen die Einführung ringfreien Bieres verbieten. Das hat allerdings nur den Erfolg, daß die Arbeiter notgedrungen zu Abssinenten werden; das Ringbier schmeckt ihnen nun einmal nicht. poU-tiUesies. Seisichtttcbes ulw. — Maifeier und Behörden. Die KönigSberger Polizei fand es langweilig, in dem Reigen der übrigen Polizeibehörden mit dem üblichen Fessimizugs-Verbot unter dem immer wiederkehrenden, lanaweiligen Hinweis auf die dringenden„Gründe der öffentlichen Ordnung" mit zu figurieren. Sie ersann etwas ganz Eigenartiges und verfiel auf das erfahrungsgemäß immer komisch und originell wirkende Gebiet der Censur. Weil sonst nichts zu anficren war. imljm sie sich die für die Anschlagsäulen bestimmten Plakate vor und es werden nun unbarmherzig folgende Sätze gestrichen, die über- klebt werden sollten.„Der... wird von der sociallzemokrat, scheu Arbeiterschaft in diesem Jahre als großer Festtag gesieiert werden. Von dem Worte Festredner wurde„Fest' gestrichen.„Genossen" durfte auch nicht stehen bleiben. Weiter durste nicht stehen bleiben: „Arbeiter, begeht in würdigster Feier den 1. Mai. An diesem Tage niuß die Parole für jeden Arbeiter, für jede Arbeiterfamilie sein: Auf zum Maifeste der Arbeit, auf zur innchtvollen Demon- strasion für Arbeiterschutz, für den Achtstiuideiitag und für den Völkcrftieden! Auf zur Maifeier! Hoch der erste Mai."— Nachdem all' diese Worte überklebt waren, wurde das staatsgefährlich: Plakat von der Censur freigegeben. Die Wirkung der so aus- staffierten Plakate ist eine wahrhast seiisationelle. Die KönigSberger stehen an allen Anschlagsäulen, staunen»nd zerbrechen sich den Kopf über die Rätsel, die ihnen die Polizei aufgab. Wie es heißt, sollen hohe� Wetten � über den Inhalt der überklebten Sätze abgeschlossen sein und die Rummer der KönigSberger „Volkszeitung", welche pflichtgemäß die in den Plakaten fehlenden Sätze ergänzte, fand infolgedessen eine Menge aufgeregter Einzelkänfer.— Der M a i f e i e r- U m z u g wurde auch in M ü n ch e n nicht erlaubt. Das betreffende Schriftstück beivegt sich im allgemeinen in den üblichen Wendungen, nur teilt es an einer Stelle mit bajuvarischer Offenheit den sonst anderwärts still verschwiegenen wahren Grund zu der Versagung des Umzuges init, indem es u. a. heißt, daß die Genehmigung„mit Rücksicht auf den politischen Charakter der Maidemonstration" nicht erieilt werden könne. Daß ein Kriegsgericht die Ehre eines soeialdemokrattschen Abgeordneten wahren muß und zwar gegen einen preußischen Gendarmen ist ein Stück Ironie der Weltgeschichte, wie er beißender noch nicht vorgekommen sein dürfte. Am 21. September — einem Sonntage— verbreiteten der Tischler R. und der Lagerist E., beide aus Hof, in Sparnberg an der bayrischen Grenze, dem letzten Ende des Erfurter Wahlkreises, social- demokratische Agitationskalender. Als sie den Ort belegt hatten, stellte sie der Fußgendarm Wolff II und verlangte ein Exemplar. Sofort ssildierte er die erstandene Lektüre und ließ sich mit unsren Geiiossen in eine Auseinandersetzung ein. Im Lauf des Gesprächs sah W. nach dem Verleger des Kalenders und als er da den Namen Rcißhaus las, sagte er, nach der Anklage: „Reißhaus, den kenne ich; wie der nach Erfurt kam, hatte er keinen Rock und keinen Knopf, jetzt hat er drei Häuser, die hat er sich nicht mit der Nadel verdient. Reißhaus ist ein Ausbeuter, ein Dt a u l h e l d, ein Feigling, der von einem Gegner(Reformer Schack) moralisch g e o h r- feigt worden und ausgerissen i st." Bei der Nanlensfeststellung fragte W. die beiden Verbreiter, die keine Legitimasion bei sich hatten:„Ist das auch Wahrheit?"(Die an- gegebenen Namen. D. B.) Darauf die beiden:„Die Social- demokratie kämpft für die Wahrheit und Socialdemokraten sagen die Wahrheit." W. sagte hierauf höhnisch:„Socialdemokratie und Wahrheit I Die Socialdemokratie ist eine große Lüge und die Luxemburg ist die größte Lügneri n." Genosse Reißhaus erfuhr von dem Vorfall durch die„Thüringer Tribüne" und stellte gegen den Gendarmen Strafantrag. Das Kriegsgericht der 7. Division in Magdeburg, das eigentlich znständig ist, überwies aus Ersparnisrücksichten die Sache an die 4. Division in Chemnitz. Dort leugnete der Angeklagte die beleidigenden Aeutzerungm und zog alle Register, um die Glaubwürdigkeit der Flugblattverteiler, die als Zeugen persönlich erschienen waren, zu erschüttern. Dabei ließ er sich gegen diese zu beleidigenden Aeuße- rungen hinreißen, so daß er vom verhandlungsführenden Kriegs- gerichtsrat wiederholt gerügt wurde. Nach%ftüiidiger Beratung ivurde das Urtel gesprochen, das auf 9 Tage gelinden Arrests lautete. Genosse Reißhaus oder RosaLu'xemburg dürsten kaum mit 9 Tagen„Gelinden" davon kommen, wenn sie ihrerseits sich so „ftei" über einen preußischen Gendarmen äußerten.— — Wegen Majestätsbcleidigiing soll sich am 9. Mai Genosse Borchardt von der Königsberger„Volkszeitung" vor der Straf- kammer verantworten. Die Beleidigung soll in einer Plauderei „Venezolanisch- Deutsches" enthalten sein. Das Landgericht hatte auf Antrag des Verteidigers, des Genossen H a a s e, die Eröffnung des Hauptverfahreiis bereits abgelehnt: das Oberlandesgericht gab jedoch der Beschiverde der Staatsanwaltschaft statt und eröffnete das Hauptverfahren.— Gegen Genossen Borchardt schwebt außerdem eine zweite Klage wegen Beleidigung eines Rittergutsbesitzers. Hus Indiirtrle und fjandel Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundtahn, Berlin. In der heusigen Gencralversaiiimlung, in der 21 Aktionäre mit '0,9 Millionen Mark Aktienkapital vertreten waren, wurden die vor- geschlagenen 4 Prozent Dividende für 1902 bewilligt. Auf Anfrage eines Akttonärs führte der Vorsitzende, Kommerzienrat Steinthäl, aus, daß im laufenden Jahre bis Mitte April ungefähr 10 Millionen Personen befördert worden und die Einnahmen daran auf rund 1 260 000 M. zu veranschlagen seien. Der Gesamtverkehr dürste in 1903 voraussichtlich nicht iveit hinter 30 Millionen Personen zurück- bleiben: die Einnahnien seien auf ungefähr 3 600 000 M. zu schätzen. lieber die Bettiebsausgaben könne im voraus nichts gesagt werden, doch sei anzunehmen,'daß die Gesellschaft im stände sein werde, wiederum 4 Proz. auszuschütten. Steinkohlenbergwerk Nordstern, Aktiengesellschaft, in Essen. Die gestrige Generalversammlung beschloß entsprechend den An- trägen der Verwaltung, das Aktienkapital um 3 800 000 M. auf 20 Millionen Mark zu erhöhen zwecks Erwerbung weiterer Gruben- felder auf dem linken Rhein-Ufer. Dieselben markscheiden mit der Zeche Rheinpreußen. Die neuen Attien werden von einem Bank- konsortinm unter Führung der Nationalbank für Deusichland mit der Verpflichtung übernommen, dieselben den alten Aktionären derart zum Bezüge anzubieten, daß auf je sechs alte Aktien im Gesamtbeträge von 7200 M. eine neue von 1200 M. entfällt. Der Bezugskurs wurde für die Aktionäre auf 226 Proz. festgesetzt. Neber dir Lage des rheinisch-westfälischr» Eisenmarktes wird der „Voss. Ztg." von ihrem fachmännischen Mitarbeiter geschrieben: Die Beschäftiglnig der rheinisch- westfälischen Eisenindustrie bessert sich fortdauernd, so daß nunmehr auch die lediglich Fertig fabrikate er- zeugenden Werke durchweg befriedigend beschäftigt und für längere Zeit mit Austrägen gut verseben sind. Die Preise lassen allerdings noch viel zu wünschen übrig, da sie im Vergleich zu den Rohstoff- und Halbzeugpreiscn zli niedrig sind und nur einen sehr mäßigen Gewinn abwerfen. Noch weniger lohnend ist das Ausfuhrgeschäft in Fertigfabrikatcn. das indes unter den gegenwärtigen Verhältnissen deshalb nicht vernachlässigt werden darf. Ist es doch hauptsächlich auch die Ausfuhr, welche den Werken eine regere Beschäftigung ver- schafft. In Stab- und Bandeisen ist die Nachfrage recht rege.'Auch für Träger hat die Kauflust sich in letzter Zeit merklich gebessert, iveil die Bauthättgkeit in unsern Jndustrieorten wieder lebhast geworden ist. Das Geschäft in Grob- und Feinblechen hat bis jetzt noch keine weitere Belebung erfahren; nur in Kessel- blechen ist der Bedarf etwas größer geworden. Die Draht- Walzwerke sind zwar durchweg ausreichend mit Aufträgen ver- sehen, erzielen aber nur geringe Uebcrschllssc, weil die Rohstoff- preise zu denen der Drähte und Drahtfabrikate noch immer in einem zu ungleichen Verhältnis stehen. Die Ausftihr in Drahtstiften und Rieten ist ziemlich rege. Die Nachfrage nach Halbzeug kann kaum beftiedigt werden, weil der amerikanische Markt eincil un- gewöhnlich großen Bedarf ausweist. Noch größer ist aus demselben Grunde die Nachfrage nach Roheisen zu befriedigen, weshalb sogar einige Werke die Errichtung neuer Hochöfen planen. Die Beschäftigling der Röhrcngietzereien hat sich wieder veischtechtert: auch in andren Gicßereifabrikatcn ist die Nachftage unbefriedigend. Etwas besser beschäftigt sind dagegen wieder die Maschiiiciifabrikcn und Kon- struktioiis-Werkstätten. doch dauert der scharfe, die Preise stark drückende Wettbewerb unter diesen Werken fort. Einen austöudlgen Entbehningslohn bewilligten sich auf ihr« Generalversammlung die Akttonäre der Maschinenfabrik„Kyffhiiusw Hütte" in Artern. Der Vorschlag des Aufsichtsrats, 30 Proz. für das verflossene Jahr zu zahlen, wurde abgelehnt, dafiir aber be« schlössen die Aktionäre, daß 45 Proz. gezahlt werden. SewerksckaftUckes. An die organisierten Arbeiter Deutschlands. Fast drei Wochen dauert die brutale Aussperrung von 4200 Jser- lohnern Arbeitern und Arbeiterinnen. Die Hoffnung der Unter- nehmer, daß die Arbeiter infolge Geldmangels schon in den ersten vierzehn Tagen zu Kreuze kriechen müßten, ist jämmerlich zu Schanden geworden an der Solidarität der deutschen Arbeiter. Die Berliner Metallarbeiter, die Generalkommission und der Metallarbeiter-Verband erkannten klar die Situation und sprangen den Iserlohner Klasscngenossen mit materieller Hilfe bei. Den Unternehmern ist es schwer aufs Herz gefallen, daß entgegen den Lügenberichten der bürgerlichen Presse(„Kölnische Zeitung" usw.) am Sonnabend, den 26. d. M., die Unterstützungen für die ersten 14 Tage, ca. 60 000 Mark, pronwt ausgezahlt wurden. Doch mit dieser einen Auszahlung ist es vielleicht noch nicht gethan. Wenn auch besonders die kleinen Fabrikanten sich in schwerer Bedrängnis befinden, so sitzen sie doch fest in den Fängen der Groß- kapitalisten, die unter allen Umständen die Organisationen vernichten möchten. Es muß deshalb dafür gesorgt werden, daß nicht der Hunger die Arbeiter durch den Fabrikanten- Arbeitsnachlveis in die Fabriken treibt! Genügt die Unterstützung auch für die nächsten Aus- Zahlungen, so ist bei der seltenen Einmütigkeit und Begeisterung der hiesigen Arbeiter der Sieg zweifellos unser! Ein solcher Sieg bedeutet aber die dauernde Eroberung Süd- Westtalens für die modernen Organisationen, eine Niederlage der Arbeiter würde von den traurigsten Folgen für die hiesige Gegend, von schlinunster Vorbedeutung für die Dtetallarbeiter Rhein- land-Westfalcns sein. Den jetzigen Zeitpunkt betrachteten die Unternehmer als den günstigsten Augenblick zur Vernichtung der Arbeiterorganisationen, da die neben dem Verbände(1600 Mitglieder) noch bestehende Lokalorganisation(11700 Mitglieder) in kurzem übergetreten wäre und das Unternehmertum dann einer einheitliche», geradezu unbe« siegbaren Organisation gegenüber gestanden hätte. Deshalb gerade in diesem Augenblick die Proklamierung des brutalen Kampfes! Aber gerade deshalb ist es auch Pflicht der deuffchen Arbeiterschaft, in glänzender Weise ihre Solidarität zu be- weisen und den Iserlohner Arbeitern, die noch bei jedem Appell an ihre Solidarität ihr Scherflein opferten, zu zeigen, daß in diesem schweren Kampfe Millionen deutscher Arbeiter hinter ihnen stehen. Arbeiter und Arbeiterinnen! Gebt Euer Scherflein zu den Sammlungen für die Iserlohner Ausgesperrten; gebt schnell, so gebt Ihr doppelt! Im Aufttage der Streikleiwng: Karl Spiegel. Bezirksleiter vom Deutschen Metallarbeiter- 0 Verband(VII. Bezirk). Düsseldorf, Wciherstr. 8 III. Heinrich Limbertz, Arbeitersekretär, Iserlohn, Lerchenstr. 16. Berlin und Umgegend. - � Ter Bauklempnerstreik vor dem Einigungsauit. � Nachdem in voriger Woche bei den Verhandlungen zwischen der Tarifkommission der Gesellen und dem Jnnungsvorstande keine Einigung erzielt war, hatte letzterer das Einigungsamt des Gewerbe- gcrichts angerufen. Tie Verhandlungen gingen unter dem Vorsitz des Direktors v. Schulz am Donnerstag vor sich. Cohen als Ver- treter des Metallarbeiter-Verbandes begründete die Forderung des Minimallohnes von 60 Pf. mit dem Hinweis auf die übrigen in der Banbranche thätigen Arbeiter, wie Maurer, Zimmerer, Töpfer und Dachdecker, die sämtlich schon jetzt einen höheren Stundenlohn hätten, wie die mit besonders gefährlicher Arbeit bedachten Bau- klcmpner. Er erklärte sodann, ein Entgegenkommen bezüglich des Minimallohnes wäre vielleicht vor dem 1. April möglich gewesen. Da die Innung aber jede Verhandlung unter Mittvirkung eines Vertreters des Metallarbeiter-Verbandes rundweg ablehnte und es so durch ihre Schuld zum Streik kommen ließ, in dessen bisherigemVerlauf von 127 Firmen mit ca. 960 Arbeitern bereits 110 Firmen mit etwa 660 Arbeitern die Forderungen bewilligt haben, da sei eine Rc- duzierung der Forderung schlechterdings unmöglich. Die Organi- sation sei es den jetzt schon arbeitenden Kollegen schuldig, sie nicht durch ein Nachgeben zu schädigen und hatte gleichzeitig die moralische Pflicht, den noch Sttcikcnden dieselben Arbeilsbedingungen zu er- kämpfen. Obermeister B e r g e r suchte in längeren Ausführungen die Schuld an dem Streik von der Innung abzuwälzen und erklätte sich im Princip dafür, die Arbeiter nur nach ihrer Leistung zu be- zahlen. Einen Stundenlohn von 60 Pf. zu gewähren, seien die Arbeitgeber um so weniger in der Lage, als ein großer Teil der Arbeiter denselben nicht verdiene. Diese Ausführungen wurden von Cohen widerlegt. Darauf schritten die Parteien zu den Einzel- bcratungen. Es schien anfangs auch, als wenn eine Einigung zu stände kommen würde, denn die Arbeitgeber hatten den Minimal- lohn von 60 Pf. bereits zugestanden. Nur wünschten sie für die Ausgelerntcn einen Lohn von 60 Pf. und für die im zwetten Jahre nach beendeter Lehrzeit stehenden Gesellen einen solchen von 66 Pf. festgesetzt zu sehen, womit sich die Arbeiter auch einverstanden er- klärten. Außerdem aber verlangten die Arbeitgeber, mit alten und durch Invalidität oder Unfall in der Leistungsfähigkeit beschräntten oder sonst noch minderlcistungsfähigen Arbettern selbständige Vereinbarungen über die Höhe des Lohnes zu treffen. Soweit die von Unfällen usw. betroffenen Ar- beitcr in Frage kamen, willigte die Kommission der Streikende» in das Verlangen der Meister ein, jedoch den kautschukartigen Passus betreffs der„s o n st noch M i n d e r l e i st u n g s- fähige n" wies sie mit Entschiedenheit zurück. Da die Arbeitgeber aber hartnäckig auf ihrem Verlangen beharrten. so kam es auch diesmal zu keiner Einigung, die Verhand- l u» g e n waren gescheitert. Der Vorsitzende erklärte nun- mehr, daß ani kommenden Mittwoch ein Schiedsspruch gefällt werde, wenn nicht noch vorher neue Verhandlungen angebahnt und dabei eine Einigung erzielt werde. Die Arbeiter in den Haiiptwerkstätten der Großen Berliner Straßenbahn beabsichtigen, demnächst in eine Lohnbewegung einzutreten. Am Miitivoch fand eine stark besuchte Versammlung derselben statt, Ivo es zu einer lebhafte» Aussprache über die geradezu erbärmlichen Lohn- und Arbeitsverhältnisse bei der„Großen Ber- liner" kam. ES erhalten gelernte Arbeiter, Schlosser, Schmiede usw. einen Anfangslohn von 36 Pf. und die Hilfsarbeiter einen solchen von nur 277- Pf. pro Stunde. Um die Leute trotzdem an den Be- trieb zu fesseln, ist das Staffclsiistem eingeführt worden, so daß den gelernten Arbeitern mit Beginn des dritten Arbcitsjahrcs 40 Pf. und nach 12 Jahren sogar ganze 47 Pf. Stundenlohn in Aussicht gestellt tverden. die Hilfsarbeiter sollen es nach vier Jahren auf 32 Pf. und nach 10 Jahren auf 37 Pf. Stllndcnlohii bringen dürfen. Die Ar- öcitszcit beträgt 10 Stunden, doch infolge der geringen Löhne ist das Ueberstundenwesen dort in beträchtlichem Maße eingerissen. Dazu kommen noch die schlechten sanitären Einrichtungen und die chikauöse Behandlung durch einige Meister. Von den anwesenden Verttetern des Metallarbeiter-Verbandes, der Metallarbeiter-Gewerkschaft, des Schmiede- Verbandes und des Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereins wurde die jetzige Lohnbewegung als ourchaus berechtigt anerkannt und den Arbeitern im Falle eines AuSstandcs volle finanzielle und moralische Unterstützung zugesagt. Zur Annahme gelaugte einstimmig folgende Resolution: Die Versamiiilung beauftragt ihre Vertrauens- leute und die Vertreter der Organisationen, ihre Forderungen auf Lohnerhöhung und ArbeitszeitverkürzuH zu formulieren, um in der. kommenden Woche endgültig den Tag der Arbeitsniederlegung zu be- stimme», falls die Forderungen bis fcghin nicht bewilligt sind. Sut Lohnvewegung der Miillkntschcr. Die. bei der Firma y. Möller in der Miillcrstraße beschäftigten Kutscher. Mitfahrer und meserdeleute hatten am Donnerstag die Arbeit niedergelegt, nachdem vorhergegangene Verhandlungen über ihre Forderungen— 3 Mark i. oh ne rhohung pro Woche und Regelung der Touren— keinen Er- tolg hatten Nach der Arbeitsniederlegung, an der SS Mann beteiligt waren, verhandelte die Firma unter Hinzuziehung eines Vertreters 5/? Handels- und Transportarbeiter- Verbandes ulit den Aus- ständigen und bewilligte ihnen eine Lohnerhöhung von 27 auf fo™?on 24 auf 27 � f"r Mitfahrer, von 21 auf �2,S0 M. für Reierveleute und Hofarbeiter. Reserveleute, welche auf der Tour mitfahren, erhalten denselben Lohn wie die Kutscher und Mitfahrer. D,e Touren sollen so geregelt werden, daß die Arbeit w-!?61'5'rcn �glich erledigt werden kann. Die Ausständigen eMaRen sich damit einverstanden und nahmen schon vormittags um 10 Uhr die Arbeit wieder auf. Der Streik der Müllkutscher der Finna.. W i r t s ch a f t s- Gen olsenschaft" dauert unverändert fort. Die Streikenden halten nach wie vor an den gefaßten Beschlüssen fest. Streikbrecher {inb auch heute nicht aus den Rechen der Streikenden zu verzeichnen. Die Situation ist für die Streikenden eine sehr günstige. Der Hauptausschuß der Schuhmacher-Jnnung hat die Forde- rungen der Gesellen abgelehnt und deren neuen Lohntarif für un- geheuer sinnlos, frivol und durchaus undiskutabel" erklärt Eb»nso wurde die verlangte Aufhebung des Beschcinigungsbuches sowie" die Einführung eines paritätischen Arbeitsnachweises als Eingriff in die Rechte der Meister abgewiesen. Auch der Antrag, eine besondere Generalversammlung einzuberufen, um den Schuhmachermeistern Gelegenheit zu geben, zu den Forderungen der Schuhmachergcsellen Stellung zu nehmen, wurde abgelehnt. Tie großen Schuhmacher- flrr t tfncbndjftöbt sind entschlossen, den Gesellenfordeeunaen geschlossen entgegenzu/eeten. Vermutlich wird auch diese Suppe nicht so heiß gegessen, wie sie vom Feuer der Jnnungshelden kommt. Auf alle Fälle wird die Innung auf den heftigsten Widerstand bei den Arbeitern stoßen. Gautag des Dachdecker- Verbandes. Am 26. April fand in Trebbin der dritte Gautag des Gaues Brandenburg des Centraiverbandes der Dachdecker statt. Dele- gierte waren anwesend aus Berlin, Brandenburg, Potsdam, Steglitz, Templin, Trebbin. Prenzlau. Stettin. Die Einnahme mit Bestand ergab die Summe von 427,11 M.. die Ausgabe beträgt 314,48 M.. bleibt ein Bestand von 142,63 M. Die Mitgliedcrzahl und Lohn- Verhältnisse in den einzelnen Filialen sind folgende: Berlin. Mitglieder 406. Stundenlohn 65 Pf., neunstündige Arbeitszeit.— Trebbin, 26 Kollegen am Orte, davon 13 organisiert. Stunden- lohn bis 47'/. Pf. für Dachdecker, bis 32'/- Pf. für Hilfsarbeiter. zehnstündige Arbeitszeit.— Brandenburg. 11 Kollegen am Orte, davon S organisiert, dagegen sind 14 Meister in Branden- bürg, Stundenlohn 46—43 Pf., zehnstündige Arbeitszeit.— P o t s- dam. 36 Kollegen am Orte, davon 18 organisiert, Stundenlohn 6l> Pf., zehnstündige Arbeitszeit.— Die Filiale Steglitz umfaßt die Ortschaften Gtealitz, Friedenau, Gr.-Lichterfeldc und Zehlendorf, und zählt zur IMG9 Mitglieder, Stundenlohn 62 Pf., neunstündige Arbeitszeit.— Templin, 16 Kollegen am Orte, davon 8 or- gmüsiert, Tagelohn 3,26, 3,72 und 4 M., zehnstündige Arbeitszeit. — Prenzlau, 21 Kollegen am Orte, davon 19 organisiert, Stundenlohn 33— 35 Pf., zehnstündige Arbeitszeit.— Stettin, von ca. 46 Dachdeckern 12 organisiert, Stundenlohn 42'/-— 42 Pf., zehnstündige Arbeitszeit. Um für fernerhin eine bessere U-bcrsicht über die von den einzelnen Filialen geplanten Lohnbewegungen zu haben, lvurdc folgender Antrag angenommen: Jede Filiale, welche dem Gau an- gehört, ist verpflichtet, jede beabsichtigte Lohnbewegung vier Wochen vor der Anmeldung beim Ccntralvorstand dem Gauvorstand anzu- melden. Unterläßt eine Filiale diese Anmeldung, so setzt sie sich der Gefahr aus, von der Unterstützung ausgeschlossen zu werden. Die Klagen über die Schutzvorschriften sind überall die gleichen, in den Kleinstädten sind Schutzvorrichtungen eine Seltenheit, über- Haupt ist zum Schutze der Dachdecker bis jetzt so wenig geschehen, bei allen Verfügungen und Rundschreiben zum Schutze der Bauarbeiter hat der gefahrvolle Beruf der Dachdecker sehr wenig Beachtung ge- funden und die Vorschriften der Bcrufsgcnossenschaftcn sind für die Dachdecker null und nichtig. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme:„Unbeschadet der principiellen Forderung der deutschen Bauarbeiterschaft, daß die Reichsgesctzgebung für den ausreichendsten Bauarbeiterschutz Sorge zu tragen hat, verpflichten sich die Dele- gierten des III. Gautages, in ihren Filialen dafür zu sorgen, daß die Mitglieder von der Selbsthilfe kräftig Gebrauch machen und die Beseitigung aller Mißstände ganz energisch betreiben." Betreffs der Agitation im Gau wurde folgende Resolution ein- stimmig angenommen:„Um eine bessere und wirksamere Agitation in unsrem Gau entfalten zu können, verpflichten sich die Delegierten, in ihren Filialen dafür zu sorgen, daß jedes Mitglied, soviel in seinen Lträften steht, für unsren Verband Agitation betreibt, um die in- differenten Kollegen dem Verbände zuzuführen, aber auch jede Ge- lcgenhcit wahrzunehmen suchen, um die andernorts wohnenden Kol- legen, welche dem Verbände noch fern stehe», für denselben zu ge- Winnen, um dadurch unsre Lage in jeder Hinsicht zu verbessern."— Des weiteren wurden folgende Anträge an den nächsten Verbaudstag gestellt: 1. Die Einführung der Arbcitslosen-Unterstützung. 2. Den Sitz des Verbandes nach Berlin zu verlegen. Veutlcbes Reich. Die Anssperrnng der Mainzer Maurer ist zur Thatsache geworden. Tie genaue Zahl derjenigen, die durch die brutale Rücksichtslosigkeit der Unternehmer auf die Straße gesetzt sind, läßt sich noch nicht feststellen, es sind aber mehr als 1666. Gleich nach ihrem Gewaltstreich haben die Unternehmer eine schwarze Liste versandt, auf der die Namen von 662 ausgesperrten Maurern stehen, die auch außerhalb Mainz' der Existcnzmöglichkeit berauot werden sollen. Die Ursache der Aussperrung ist eine Arbeitsniederlegung bei einer einzelnen Firma, welche die Accordarbeit einführen will, loogcgen sich die Maurer wehren. Wie es heißt, will der Ober- bürgermeifter Einigungsverhandlungen einleiten. Wieder eine Aussperrung beschlossen. In Frankfurt a. M. streiken die Tischler der Werkstatt von Kothc. Das gab der Innung Veranlassung, den Spuren scharf- macherischer Unternehmer zu folgen und die Aussperrung sämtlicher Tischler zu erwägen. Zwar hielten sich Befürworter und Gegner der Aussperrung so ziemlich die Wage, schließlich wurde aber mit 26 gegen 24 Stimmen der Beschluß gefaßt, am Sonnabend sämtliche Gesellen zum 16. Mai zu kündige» und'sie an diesem Tage auszu- sperren, falls die Sperre über die Kothesche Werkstatt bis dahin nicht aufgehoben wird.— Angesichts der Zweistimmen-Mehrheit dürften sich die von der jetzt allgemein herrschenden Aussperrungs-Epidemie befallene» Tischlermeister vielleicht noch eines besseren besinnen. Sie haben ja 14 Tage Zeit dazu. Tie Holzarbeiter in Reichenbach i. V.» Tischler. Drechsler und Korbmacher befinden sich in einer Lohnbewegung und ersuche» des- Hall) um Vermeidung des Zuzugs. Huö der Frauenbewegung. Rixdorf. Am Dienstag tagte bei Thiel eine von Frauen gut besuchte Versammlung. Dieselbe sollte der Agitation für den Frauen- Wahlvcrcin Teltow- Beeskow- Charlottenburg dienen. Genosse Hildebrand hielt zu diesem Zweck einen beifällig auf- genommenen Vortrag, welchem eine rege Diskussion folgte. Es traten eine Anzahl Frauen dem Wahlverein bei, so daß die Mitglied- schaft Rixdorf aus ca. 156 gewachsen ist. Versammlungen. Bergvlder. Iii der Mitgliederversammlung der Filiale Berlin des Verbandes der im Bcrgoldergewerbe beschäftigten Arbeiter, die am Montag in den Arminhallen stattfand, wurde zunächst die Ab- rechnung vom 1. Quartal verlesen. Tie Einnahmen betrugen ein- schließlich des alten Bestandes von 764,22 M. 2426.82 M., die Ausgaben 976,82 M., außerdem wurden an die Hauptkasse 1486 M. gesandt, so daß ein Bestand von 328 M. verbleibt. Die Abrechnung der L o k a l k a s s e weist eine erhebliche Zunahme des Kassen- bcstandes auf. Dem Kassierer Krüger wurde einstimmig Decharge erteilt. Als Revisor für die Filialkasse wurde I h l a u gewählt. Darauf erstattete Otto Bericht über die Thätigkeit der Gcwerk- schaftskommission. Als Delegierte zur Gewerkschaftskommission wurden O e h l e r t und Hahn gewählt.— Zu dem Bericht über die Generalversammlung des Verbandes gab H e dm an einige nähere Aufklärungen. Daran schloß sich eine kurze Diskussion, ans der zu ersehen war, daß die Anwesenden im allgemeinen mit den Be- schlüssen der Generalversammlung einverstanden waren.— Sodann wurden die Ergänzungswahlen zum Hauptvorstand vorgenommen, und.zwar mit folgendem Ergebnis: S cki ü l z- Rummelsburg, zweiter Vorsitzender: Langner, erster Kassierer; Steidcl, zweiter Kassierer; Nicolai, Beisitzer; Wormuth, Stah- mann und Gottgetreu, Revisoren; Hopf»er. Hed- man und Krüger. Mitglieder der Preßkommission. Centralverband deutscher Branerei-Arbeiter(Sektion 1'). Die Monatsversammlung am 19. April beschäftigte sich mit der Frage: „Sind wir gewillt, Tarifverträge mit den Brauereien abzuschließen?" In seinem einleitenden Referat begründete W. Richter die Not- wendigkeit des Abschlusses von Tarifverträgen damit, daß einzelne dem Berein der Brauereien Berlins und Umgegend angehörende Brauereien, wie sich bei Verhandlungen mit denselben ergeben hat, die Vereinbarungen vom Jahre 1966, obwohl von Vertretern oben- genannten Vereins unterzeichnet, nicht als bindend für sich ancr- kennen. Des weiteren damit, daß eine Forderung noch aus dem Jahre 1896, die auch im Jahre 1966 noch keine präcise Fassung er- halten habe, nämlich die, daß die Arbeiter im sogenannten inneren Betriebe mit dem den gelernten zustehenden Minimallohn zu ent- lohnen seien, gleichgültig, von wem die Arbeit verrichtet wird, endlich ihre Erfüllung finde. Ein bestimmter Paragraph des Tarifentwurfs zählt alle im sogenannten inneren Betriebe vorkommenden Arbeiten einzeln auf, und soll dadurch Lohndrückcrci resp. eine Umgehung der Vereinbarungen vom Jahre 1966 durch Einstellung billigerer Ar- beitskräfte verhindert werden. Im übrigen decken sich die einzelnen Punkte des Tarifs im großen und ganzen mit den Vereinbarungen vom Jahre 1966. An Stelle der in manchen Brauereien noch be- stehenden zehnstündigen Arbeitszeit soll allerdings die neunstündige gesetzt werden.— In der Spccialdiskussion wurden alsdann die einzelnen Paragraphen nach kurzer Erläuterung durch Träger be- sprachen und meist in der ihnen von der Kommission gegebenen Fassung angenommen. Die Agitationskommission wurde als Tarif- kommission mit der Weiteren Behandlung der Frage beauftragt. Die Sektion der� Hilfsarbeiter des Deutschen Branereiarbeiter- Verbandes nahm am 26. April den Vorstands- und Rechenschafts- bericht vom I. Quartal entgegen. Danach steht einer Einnahme für die Centralkasse von 3494,56 M. eine Ausgabe von 1633,96 M. gegenüber. 2466,60 M, wurden der Hauptkasse gesandt. Die Mit- gliederzahl, welche am Schluß des IV. Quartals 1962 823 betrug, erhöhte sich auf 1671. Mit dem Zugang im laufenden Monat und denen, welche ihre Reste beglichen haben, dürfte eine Mitgliederzahl von ca. 1266 zu verzeichnen sein. Textilarbeiter. Am 22. April hielt die Filiale I ihre Mit- glicderversammlung ab. Wehinann erstattete den Kassenbericht vom ersten Quartal. Derselbe ergab eine Einnahme von 1364,92 M., Ausgabe 963,61 M., Bestand 461,31 M. Auf Antrag der Revisoren wurde der Kassierer entlastet.— Hierauf wurde Weber C. M a y (Buchnummer 27 942) aus dem Verbände einstimmig ausgeschlossen, da derselbe seit dem 17. August 1962 nachweislich keine Marken vom Filialkassierer noch von einem Hilfskassierer entnommen hat, jedoch in seinem Mitgliedsbuch bis 21. Februar 1963 zum größten Teil entwertete, abgestempelte Beitragsmarken, wahrscheinlich aus einem früheren Mitgliedsbuch, eingeklebt hat. May war trotz dreimaliger Einladung nicht in der Vorstandssitzung und auch nicht in dieser Versammlung erschienen.— Es folgte nun der Punkt:„Stellung- nähme zur Gau-Einteilung". Voigt erstattete Bericht von der Be- zirksleiter-Konferenz. Es entspann sich hierüber eine lebhafte Dis- kussion. Folgende Resolution, welche gleichzeitig dem Delegierten zur Provinzial-Konferenz als Richtschnur dienen soll, wurde mit großer Majorität angenommen: Die Versammlung wendet sich gegen die Einstellung von mehr als einen neuen Beamten und gegen jede Beitragserhöhung. Uebcr die Gau-Einteilung ist Urabstimmung vor- zunehmen. Der Verband deutscher Wastniirtsflehilfen, Ortsverwaltung Berlin, hielt am 24. April seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Roth gicbt den Geschäftsbericht. Vcrnnttelt wurden für fest 65, zur Aushilfe 2869 Stellen. Nach den niedrigsten ortsüblichen Vermittelungs- gebühren sind den privaten Stellenvermittlem 1662,76 M. entzogen Ivorden. Der Bestand der Mitglieder betrug am Schlüsse des 1. Quartals 68l. Für das ausscheidende Mitglied Moock wird Thomas als Schriftführer der Hauptverwaltung, für die ausscheiden- den Revisoren Burow und Voigt der Ortsverivaltung Albrccht und Schütz gewählt. Bernatzki giebt bekannt, daß mit unsren Mitglieds- karten, die sich im Besitze gestrichener Mitglieder befinden, bei Arbeiterfestlichkcitcn Unfug getrieben wird, und soll versucht werden, die Karten soviel wie möglich einzuziehen. Rmnmelsburg. Eine ordentliche Generalversammlung des Wahl- Vereins am 22. April nahm den Bericht der beiden Vertreter im Gemeinderat entgegen. Die Diskussion bewegte sich im Sinne der beiden Referenten.— Die Wahl eines Komitees zur Reichstagswahl hatte folgendes Ergebnis: Gebauer, Schulz, Oehlkiug, Günther und Frenze!.— Der Kassenbericht lautet: Einnahme 373,23 M., Ausgabe 169,44 M., jetziger Bestand 263,79 M. Die Zahl der Mit- glieder stieg von 415 auf 473. Tie Zahlstelle Weisiensee dcS Deutschen Holzarbeiter-Verbandes hielt am 23. April ihre Mitgliederversammlung ab. Den Kassen- bericht für das 1. Quartal gab Kirchner. Die Zahlstelle hatte im vergangenen Quartal 83 Neuaufnahmen und 22 Ummeldungen zu verzeichnen. 23 Kollegen mutzten wegen restierender Beiträge ge- strichen werden. Die Mitgliederzahl beträgt 318. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Kassierer Decharge erteilt. Des weiteren wurde Stellung zum 1. Mai genommen. Unterstützung an Aus- gesperrte wird für Sonnabend nicht ausgezahlt. Sollten jedoch Kollegen länger als einen Tag ausgesperrt iverden, so kommt der Sonnabend in Anrechnung. Alle Ausgesperrten iverden mit 2,26 M. pro Tag unterstützt. Jeder Kollege hat sein Mitgliedsbuch mitzubringen, um es an der Kontrolle im V e r k c h r s l o k a l ab- stempeln zu lassen. Alle Ausgesperrten haben sich im Verkchrslokal am 2. Mai, vormittags 16 Uhr, zu melden. Einstimmig wurde be- schlössen, daß die Mitglieder der Zahlstelle Weißensee verpflichtet sind, den 1. Mai unter allen Umständen durch strikte Arbeitsruhe zu feiern. Litteranfcbes. „Große" Politik. Th. S ch i e m a n n:„Deutschland und die große Politik Anno 1962". Berlin. Druck und Verlag von Georg Reimer. 1963. Herr Professor Schiemann hat abermals wie im Vorjahre die Wochenübersichten über die auswärtige Politik, die er in der„Kreuz- Zeitung" veröffentlicht, zu einem Bande vereinigt. Aber soll daS wirklich die„große" Politik sein, über die er sich— auf Grund genauer Lektüre französischer, russischer Blätter und, nicht zu der» gessen, der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung"— mit so großer und behaglicher Ausftihrlichkeit verbreitet? Man wird m diesem Gemengsel von Kombinationen, Gerüchten und Wahr- scheiulilbkeits-Berechmingen das Gefühl nicht los. daß diese Politik, wie sie'von der deutschen Diplomatie betrieben und von Herrn Schiemann getreulich kommentiert wird, alle andren Attribute ver- dient als das schmückende Beiwort: groß. Groß kann man doch schließlich nur eine Politik nennen, die erkannten weltgeschichtlich bedeutenden Zielen niit wirksamen Mitteln zustrebt. Eine solche auswärtige Politik muß sichtlich den Wirtschaft- lichen oder politischen Zwecken dienen, die ein Staat in seinem Innern verfolgt. Wichtig und interessant ist die auswärtige Politik nur insofern,"als sie den wirtschaftlichen Wcchselverkehr der Völker berührt oder eine Rückwirkung auf innerpolitische Verhältnisse an- strebt. Und groß tvird eine solche Politik— sie mag in ihrer Größe lobenswert und tadelnswert sein— nur dann sein können, wenn sie mit großer Energie und deutlich erkennbarer Richtungs- linie vorwärts strebt. Von der auswärtigen Politik Deutschland? kann dergleichen ernstlich nicht behauptet werden. Ihre unerquickliche halb lächerliche. halb widerwärtige äußere Form, in der sich das Geschiebe der Wirt- schaftlichen Notwendigkeiten bewegt, ist abhängig von Stimmungen und Verstimmungen einzelner Personen, unsicher in ihren Zielen, kleinlich in ihren Mitteln und großsprecherisch in allen Dingen. Was Deutsch- land in der Welt an Achtung besitzt, verdankt es der Tüchtigkeit seiner Arbeit, von den Leistungen seiner großen Gelehrten wie der Geschicklichkeit seiner Jndustrie-Arbeiter, keineswegs aber den Reden des Grafen Bülow oder der Thätigkeit seiner im Auslande be- schnftigten Diplomaten. Nun wäre es ja sehr wohl denkbar, daß sich der große Zug, der der„großen" Politik Deutschlands fehlt, in Herrn Professor Schiemanns Buch» fände. Schiemann aber ist nichts andres als ein halb fteiwilliger Offiziöser, bei dem man ein Wort der Kritik, überhaupt auch nur irgend einen selbständigen Gedanken vergebens sucht. Die wirtschaftlichen Grundlagen der auswärtigen Politik sind ihm ein völlig dunkles, ja verhaßtes Gebiet. Er steckt noch immer in jener vorsündflutlichen Auffassung, die alle Ereignisse der Ge- schichte auf Personen, auf Dynastien oder Ministerien zurückführt. Auch die„Achivi" des Grafen Bülow, die vielen, die schlecht macheu, was die großen Herren gut gemacht haben, hat er richtig vorausgeahnt. Die Abneigung gegen alle Eingriffe der Masse in die Politik, seine Verachtung des Parlamentarismus ist. vielleicht der einzige politische Gedanke, der das dunkle Gebiet seiner großen Politik erhellt. Deswegen entbehrt aber sein Buch auch noch immer jenes Reizes, den ihm die konsequente Durchsührung einer konservativen Weltanschauung auf dem Gebiete der auswärtigen Politik verleihen könnte. Abgesehen von gelegentlichen billigen Expektorationen über den Unverstand der Masse, findet sich nichts in Schiemanns Buch, was seinen Verfasser als den Vertreter einer um- fassenden politischen Weltanschauung erkennen ließe. Die Er- cignisse der äußeren Politik auf eine bestimmte geschlossene Persönlichkeit, niit bestimmten Meinungen und Forderungen projiciert, eine solche Art gleichzeitiger subjektiver Geschichts- schreibung würde sich vor der Welt wohl sehe» lassen können. Herr Schiemann aber steht der kleinen deutschen Diplomatenpolitik, der es ja selbst an bestimmten Meinungen und Forderungen fehlt, mit einer so hervorragenden professoralen Wunschlosigkeit gegenüber, daß man. davon angesteckt, auch von ihm bald nichts mehr wünscht und nichts mehr hofft. Der Wert des Buches beschränkt sich daher im wesentlichen auf die reichliche Wiedergabe auswärtiger Zeitungsstimmen; der Wert eines unvollständigen Zettelkastens also! f. s. Eingegangene Druchfdmften. Dr.®. Rado. Deutschtum in Ungarn. S7 Seiten. 1,26 M. Berlin 1963. Puttkammer u. Mühlbrecht, Unter den Linden 64. Brockhnus' KouversationS-Lexikon. 11. Band. F. A. Brockhaus, Leipzig 1S6S.» K. Gersin. Macedonicn und daS türkische Problem. 4» Seiten. Wien 1963. Kratz, Scls u. Co., VII., Neiististgassc 74 Bericht über den zweiten internationalen Kongreß zur Bekämpsung des Mädchenhandels zu Franksurt a. M. Herausgegeben vom deulschen Natioiialkomitec. Berlin 1963. Zeitschrift für Soeinlwisseiischaft. VI. Jahrg. Heft 4. Dr. Julius Wolf. April 1963. Georg Reimer, Berlin, Lützowstr. 167/8. Jahresbericht der OrtS-Krankenkasse der Hutmachcr, Hutfournituren- und Filzwarenverscrtiger zu Berlin für das Jahr 1962. Verlag„Vorwärts", Lindenstr. 69. Arbeiter-Sekrctariat Mannheim. Dritter Jahresbericht für das Jahr 1962. Jahresbericht des Arbeiter-Sekretartats Darmstadt für daS vierte Geschäftsjahr 1962. 28 Seiten. Darmstadt 1963. Verlag des Arbeiter- Sekretariats. Geschäftsbericht der Allgemeinen Orts-Krankenkasse gewerblicher Arbeiter und Arbeiterinnen zu Berlin für das Jahr 1962. 46 Seiten. Geschäftsbericht der Allgemeinen Orts-Krankenkasse für die vereinigten Gewerbebetriebe Charlottenburgs für 1962. 17 Seiten. Charlottenburg. O. Gocrke, Wallstr. 69. Jnliiis Hinte. DaS Geld-Problem und die sociale Frage. 486 Seiten. Preis 6 M. Berlin 1963. Mitscher u. Röstell, Jägerstr. 61a. Lily Braun. MutterschastSversicherungcn und Krankenkassen. 16 Seiten. Berlin 1963. Verlag der„Socialistischcn Monatsheste". Reichs-ArbcttSblatt. Herausgegeben vom kaiserl. Stattsttschen Amt. 1. Jahrgang. Nr. 1. Preis jährlich 12 Nummern 1 M., einzeln 16 Pf. Berlin 1963. C. HchmannS Verlag, Mauersw. 43/44. Gewerkschaftstartell für Berlin und Umgegend. Dritter Bericht. RechcnschastSbericht und Abrechnung sür 1962. Verlag I. Himichsen, Berlin, Dragonerftr. 15. Dr. Schnapper-Arndt. Zur Theorie und Geschichte der Privat- Wirtschasts-Statistik. 42 Seiten. Preis 1,66 M. Leipzig 1903. Duncker u. Humolot. Thätigkeitsbericht des Rheinisch-Westsälischen AuSbreitungsverbandes der dciitschcii Gcwerkvereine. 1962. 96 Seiten. Selbstverlag, Düsseldorf, Pcnipclsortcrstr. 96. Die Gründung der deutschen Socialdemokratie. Festschrift der Leipziger Arbeiter zuni 23. B!ai 1963. 64 Seiten. Preis 46 Pf. Verlag der Leipziger Buchdruckern Aktiengesellschaft. Deutsche Worte. Monatsheste. Herausgegeben v. E. Pernerstorfer. April-Hest. Inhalt: SocialismuS und Landwirtschaft. Vortrag des Dr. Cd. David, gehalten in Wien am 16. Januar 1963.— Litterarische Anzeigen. Fürsten-Portrttts. Von H. von R.«1 Seiten. Preis 60 Pf. München 1963. G. Birk n. Co. R. Bach. Eine Reise durch das Westliche Kanada im Sommer 1902 20 Seiten. Verlag R. Bach in Montreal, 451. Sanguinet St. Rechenschafts-Bericht der Orts-Krankenkasse der Mechaniker. Optiker u. verw. Gewerbe f. d. Jahr 1962. Dr. Fr. Schönenbcrger. Badet in der Lust und im Lichte. 32 Seiten. Preis 26 Pf Berlin, Möllers Biblioihck für Gesundheitspflege, Prinzenstr. 95. Nikola Raeke. Katholiken zur Wehr! Hoch unsre Fahne. 2. Aufl. 118 Seiten. 1901. Butzon u. Bcrkcr in Kevelaer. Dr. Ed. Loelventhal. Grundzüge zur Reform des deutschen Straf. rechts und Strafprozesses. 26 Seiten. Berlin. C. Ebering. oI-P.I'gNil,<'> Mittwoch, den 0. Mai. abends 8'/,, Uhr, El! l Ili.tovl t'ÄlUUilsr. i.aelervig, Kommandantenstr. 05. Ax Achtung: Sektion Charlottenbnrg: Achtung: Dienstag, den 5. Mai, abends H'i, Uhr, bei E. Dürre, Charlottenhurfl, Vfallstr. 90. Um zahlreiches und Pünktliches Erscheinen ersucht Die Ortsverivaltang. Urania-Billets n 60 Pf, sind noch zu haben zur Sondervorstellung am Sonntag, den 3. Mai, nachmittags 4 Uhr, vom Wahlverein Stralau, Kassierer Asehsndork, Stralau Nr, 48, oder vor der Vorstellung am Eingang der Urania,_[222;4]__ Der«orstand. H AMer-Jiöfskrervsredi LsrUn. Sonntag'/z2 Uhr: Schlesische Brücke, nach Lichtenau bei Braubach. Gäste willkommen. 12/3 Die Versammlungen des Vereins finden jeden Donnerstag nach dem 1. des Monats bei Merkowski, Andreasstr."26, jeden Mittwoch nach dem 15. im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee 11— 13, abends 0 Uhr, statt. Das Eintrittsgeld beträgt inll. Bundesabzeichen 00 Pf., der monatliche Beitrag 40 Pf,, wofür das zweimal monatlich erscheinende BuitdeSorgan„Der Arbeiter-Radfahrer" gratis geliefert wird. Ebenso sind die Mitglieder für obigen Beitrag gegen Rad- Unfälle, welche Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben, mit 6 M. pro Woche auf die Dauer von 13 Wochen versichert. Der geringe Beitrag und die oben geschilderten Vorteile sollten jeden Slrbeiter-Radfahrer veranlassen, sich unserm Verein anzuschließen. Zu jeder weiteren Lluskimfi ist gern bereit vor Vorstand. F. A,: F. Stockei. LO, 26, Kottbuser User 57. Acbtnng! Achtang! Westpr eussenl Sonntag, d. 3. Mai, mittags 11'/, Uhr i. Ocwerkscbaftsbaas, Engel-Ufer 15, Saal 8: Versatninlisnf aller hier wohnenden Genossen, Genossinnen und HeimatSfreunde. Tages-Ordnung: 1. Was können wir zur diesjährigen Reichstagswahl für die Heimat thun? 2. Diskussion, 10S7/b* Genossen, Genossinnen und Heimatssreunde, der wichtigen Tagesordnung wegen bittet um recht zahlreichen Besuch Der Einbernfer. („«rnndstein»ur Einigkeit*'.) Sonntag, den 3. Mai, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Jaunaschk, Jnselstratze 10: General-Versammlung. Tages-Ordnung: l, Vortrag über:„Werl und Wesen der Wasserbehandlung*. Referent Dr. Kühi». 2. Kassen- und RevisionSbericht vom 1. Quartal 1903. 3. Verschiedenes, 149/3 Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Seutselie Mllsrdeiter-KwerdzeW. Verwaltangsstclle Berlin. Montag, den 1. Mai, abends 8 Uhr: Ordeiitlilht Gciltt«l-Vcrsamli!»s im„Engliseben Garten", Alexanderftrasze 37c. TageS-Ordnung: 1. Kasten- und Verwaltungsbcricht und Bericht der Revisoren, 2. Mai- seier-DIsterenzcn, Lohnbewegung bei der Großen Berliner Straßenbahn, 3. Neuwahlen, 4, An die Verwaltung gelangte Anträge, 3. Gewerkschastliches. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 280/6 Die Ortsverwaltung. 6 Ziehung 4. Klasse 208. Kgl. Preuh. Lotterie. Ziehung vom so. April 100Z, vonuillog«. KW Ii« Gewinn« tbcr 233 Mt, pnd den beireffenh»» Nummern in Klammern deigetSgl. lvhn» ÄewZsir.) Siasidriick verkoken. . 102 4 59 204 21 391 15 92 425 48 017 820 950 1031 f500s 2«S 441 66 62 640 61 619 2173 302!3!1v0i 31 81 05 709 857 60 75 3462 593 626 903 42 4079 122 391 438 95 669 97 747 977 5213 311 59 60[500] 495 516 653 779 925 89 6058 84 218 81 445 530 81 15001 604 S48 7059 89 305 13900] 64 852 1500 J B32Ö j 1000 1 63 90 498 564 906 9050 51[500] 92 432 580.703 4o 846 940 „ 10099 147 217[30001 332 439[500] 502 56 59 770 803 37 50[1000s 99 11054 109 213 300 609 732 915 71 87 1 8143 302 25 42 541 690 763 sSOOl 815 918 22 46 13146 86 276 418 68 544 062 766 830 986 1 4019 läOOl 85 110 466 740 839 88 948 78 91 18098 233 407 666 736 66 1 6919 102 45 95[5001 428 733 98 877 975 ,17240 60 365 458 633 606 701 800 35 40 50 922 42 41 ISOOOgSl�eö�Via 832 64 969 10049 62 73 113 64 liOOQS 207 310 510 649 894 900 88 2 1038 89 304 11 30 404 550 670 2 2098 177 97 319 404 IS 77 83 507«8 691 731 41 901 53 231U 30 63 84 295 341 581 24094 382 441 47 600 78 817 77[10 OOO] 25242 77 439«W 730 865 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I ,a 81,00 41. r, 7 jit 30(Ml Sit, I« zu 18000 Ml, 2« ja 10«» Mt. 6S jn�seo Mk,, sN jg LM Rl, in ia looosw, Pemfitlppvtt. Lnlemtentkil' pcrM�iich. ij, Drück«. Verlag: Vorwärts Buchdrucker-, und VerlagSmftall Paul Singer& Co., Berlin 8W. Nr. 101. 20. Ichrgang. I Kküqe des„Nomiiels" Sttiim 9 Freitag, 1. Mm 1903. Kommimalea» Stadtverordneten-Bcrsammsliiig. ü. Sitzung vom Donnerstag, den 30. April, nachmittags b Uhr. Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sitzung nach �/z6 Uhr. In die Wasserwerks-Deputation ist ein Mitglied zu wählen Gewählt wird durch Zuruf Dr. Paul/z Uhr in der Schank- äoirtschaft von Tyra in der Möckernstr. 91 frühstückte, sank er. ini Begriff, einen Schluck Weißbier zu winken, plötzlich auf seinem Stuhl zusammen und starb nach fiinf Minuten. Ju der Narkose gestorben ist am Mittwochs der etwas über ein Jahr alte Knabe Bruno Witzky aus der Granseerstt. 16. Der Kleine hatte seit fünf Wochen ein Blasenleiden und wurde von seiner Tante nach einer Klinik gebracht, um operiert zu werden, starb jedoch noch vor der Ausführung des ärztlichen Eingriffs, nachdem man ihn mit Chloroform betäubt hatte. Im Anfall eines Nervenleidens hat der 54 Jahre alte Schank- wirt Rudolf Fuhrmann aus der Lychencrstr. 5 Hand an sich gelegt. Der Mann mußte vor 2 Jahren seines Leidens wegen sein Geschäft in der Eberswalderstr. 23 verkaufen und lebte seitdem von den Ersparnissen und dem Ertrag der Schneiderei, die seine Frau betrieb. Gestern morgen verließ er unter dem Vorlvande, daß er spazieren gehen wolle, weil er die ganze Nacht nicht geschlafen habe, die Wohnung, ging jedoch unbemerkt nach dem Keller und erhängte sich dort. Der Marmorschleifer Willy Morgenstern ersucht uns um die Mitteilung, daß er mit dem Einbrecher gleichen Namens, der. wie wir in unsrer letzten Sonnabendnummer meldeten, bei einem Ein- bruch auf dem Grundstück Prenzlauersttaße 1 festgenommen Wurde, nicht identisch ist. Der Sportpark Friedenau dürfte, nachdem sein erstes Rennen in diesem Jahre sehr unter der Ungunst des kalten Wetters zu leiden hatte, und nachdem sein zweites Rennen(19. April) infolge des starken Sturmes sogar abgesagt werden mußte, nun endlich am nächsten Sonntag mit seiner Veranstaltung Glück haben, da in der Witterung ein bedeutender Umschwung zum Besseren eingetteten ist. Unter den für das 16 Kilometer-Rennen und das 56 Kilometer- Handicap engagierten Fahrern sind in erster Linie der kleine Eng- länder Jimmy Michael und der Berliner Alfred Görne- mann zu nennen, die sich von ihren Stürzen wieder erholt haben, venen fll« Gegner Ryser, Salzmann, Cornet und D e m k e rntgegentteten. Auch die Flieger-Rennen haben eine sehr gute Be- tciligüng erfahren.__ Huö den Nachbarorten. Einer großen Rücksichtslosigkeit machte sich gestern ein hiesiger Rennstallbefitzer Jsaac in Charlottenburg schuldig. Auf den, Wege zun, Rennen auf der Westender Traberbahn überfuhr er an, Wilhelms- platz einen Radler Namens Paul Zahn aus der Löwestr. 5 und l,eß ihn einfach liegen, obgleich er sah. Ivas er angerichtet hatte. Em Radfahrer eilte ihm nach und stellte ihn auf der Rennbahn fest. Der Verletzte, der sich innere Verletzungen und einen Fingerbruch zuzog. mußte die Hilfe der Rettungswache in Anspruch nehmen. Neu-Weißcusee. Geradezu skandalöse Zustände herrschen hier in letzter Zeit in Bezug auf Reinlichkeit. Nachdem. wie bereits berichtet die Polize,-Verordnuiig betreffend Reinigung der Straßen aufaeboben ist. und eine diesbezügliche Bekanntmachung in den Ortsblättern veröffentlicht ist. wird mit wenigen Ausnahmen keine Sttaße mehr gereinigt. Auf den Fahrdämmen liegt der Straßen- schmutz an einigen Stellen bereits zollhoch und jeder Luftzug tvut sein übriges, um denselben lveiter zu befördern und an geschützten Stellen abzulagern. Während sonst die Grundbesitzer bezlv. dessen Vertteter durch Sttafe angehalten waren, den Schmutz zu beseingen, bleibt er jetzt einfach liegen und keine Menschenseele erbarmt sich seiner, Zum 1, Oktober soll die Sttaßenreinigung von Gemeindewege,, in eigner Regie ausgeführt werden, bis dahin werden die Weißenseer Einwohner wohl im Schmutz umgekommen sein, wenn nicht baldige Abhilfe geschaffen wird. Man glaubt sich in ein hinterpommersches Dorf versetzt, aber nicht an einen Ort, der angrenzt an die deutsche Metropole. Die Fraktion der socialdemokratischen Gemeinde- Verordneten hatte bereits beim Gcmeindevorstand beanttagt, diesen Zustand baldigst zu beseitigen, denn auf die Versprechungen der Vorsitzenden des Haus- und Grundbefitzer-Vereins, daß sie ihre Mit- glieder verpflichtet haben, die Reinigung bis zum 1. Ottober noch selbst auszuführen, ist kein Verlaß. Schon aus hygienischen Gründen darf dieser Zustand auf keinen Fall so weiter bestehen. Versammlungen. Tie Holzarbeiter hielten am Mittwoch in Kellers Saal ihre ordentliche Generalversammlung ab. Zunächst gab Rendant Miele den Kassenbericht vom ersten Quartal dieses Jahres. Ein- nähme und Ausgabe der Haupttasse balanzieren in der Summe von 97 383,42 M. Die Einnahme der Lokalkasse belief sich inkl. des Be- standcs vom vorigen Quartal auf 247 311,23 M. Die Ausgabe bettägt 43 296,27 M., darunter für Stteik-, Ausspcrrungs- und Arbeitslosen-Unterstützung rund 36 666 M., so daß ein Kassenbefland von 264 515,61 M. verbleibt. Dem Rcndanten wurde Entlastung erteilt. Alsdann berichtete Glocke über die Thätigkeit des Vor- standes. Er sagte unter anderm: In einer Sitzung mit den Vor- ort-Zahlstellen wurde beschlossen, daß den Mitglieder», welche genötigt sind, zu einer andern Zahlstelle überzutreten, die in der früheren Zahlstelle gezahltei, Exttabeittäge in Anrechnung gebracht werden. In dieser Sitzung wurde auch über einen Antrag der Hirsch-Dunckerschcn Gcwcrkvereine beraten, bei Stteiks und sonstigen Differenzen mit ihnen gemeinsam vorzugehen. Beschlossen wurde, ihnen von allen Differenzen Mitteilung zu machen und bei größeren Differenzen, wo Mitglieder ihrer Organisation in Frage kommen. auch Vertteter ihrer Organisation hinzuzuziehen.— Gegenwärtig zählt der Verband in Berlin 13 696 Mitglieder. Rechtsschutz wurde 26 Kollegen gewährt, Notfall-Unterstützung erhielten 18, Sterbegeld 19, Darlehen 35. Als gematzregelt wurden 36 Kollegen anerkannt. Außerdem ist über 44 Werkstattdifterenzen verhandelt worden. In die Gcwcrkschastskommission sind delegiert Glocke, Sickfeld. Robert Schmidt, Rich. Leopold, Oskar Schmidt und Wilh. Güth. Schließlich ging Glocke noch ans die für die Arbeitgeber so kläglich verlaufene Aussperrung anläßlich des Maschinenarbeiter-Stteiks ein und be- zeichnete den Verlauf desselben als eine empfindliche Schlappe der Scharfmacher. Offenbar ist denn auch unter der Einwirkung dieser Niederlage am 27. April folgender Beschluß der Holzindustriellcn zu stände gekommen:„Der 1. Mai wird als Feiertag nicht aner- kannt und ist unter keinen Umständen freizugeben. Jedem Arbeit- geber wird es überlassen, in seinem Betriebe die zur Verhinderung des Feierns seiner Arbeiter geeigneten Maßnahmen selbst zu ttesfen." — Zieht man in Betracht, daß die Herren früher wegen der Maifeier stets volltönende Aussperrungsbeschlüsse gefaßt haben, so nimmt sich dieser Beschluß auffallend zahm aus. Es steht demnach zu erwarten, daß sich die Holzindustricllen allmählich an die Maifeier gewöhne» werden. Hierauf berichtete Maaß: Die aus 131 Mitgliedern be- stehende Konttollkommission hat insgesamt 63 geschäftliche und 446 Werkstattsitzungen abgehalten. Eingeladen waren 967 Werkstätten, davon erschienen 571. In diesen waren 3721 Kollegen beschäftigt, wovon 6764 der Organisation angehörten. Im Arbeitsnachweis gingen 1424 Stellenangebote von 1119 Unternehmern ein. Besetzt wurden 1665 Stellen; als arbeitslos hatten sich 3412 Kollegen gc- meldet. Aus der Bibliothek wurden 4531 Bände entliehen.— Auf Antrag des Vorstandes wurde beschlossen, bei Streiks und Maß- regelungcn folgende Unterstützungssätze als Zuschlag aus der Lokal- lasse festzusetzen: Nach einer Mitgliedschaft von 26 Wochen 2 M. pro Woche, nach 52 Wochen 3 M., nach 156 Wochen 4M. und nach 266 Wochen 5 M. Ferner sollen alle größeren Druckaufträge der Vorwärts-Druckerei überwiesen werden. Einstimmig wurden als- dann 3666 M. zur Agitation für die Reichstagswahlen bewilligt. Vom Fachverein der Tischler war ein Schreiben eingegangen, lvorin der Verband aufgefordert wurde, bei allen Meistern, die wegen der Beteiligung an der Maifeier Aussperrungen vornehmen, eine Forde- rnng auf eine fünfprozentige Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit auf 48 Stunden pro Woche zu stellen. Obigen Vorschlag erklärte die Versammlung zwar als gut gemeint, lehnte ihn aber als unausführbar ab.— Bei den hierauf stattfindenden Ersatzwahlen wurde F e n d e l als Beisitzer gewählt, die übrigen Wahlergebnisse sollen später publiziert werden. Die HolzbcarbeitungS- Maschinenarbeiter hielten am Montag in den Andreassälen ihre ordentliche Generalversammluug ab. Zunächst gab Z i m p e l den Kassenbericht vom 1. Quartal 1963. Demnach belicf sich die Einnahme inkl. des vorjährigen Kassenbestandes auf 24 197,15 M. und die Ausgabe auf 3946,46 M., so daß ein Bestand von 2625,75 M. verbleibt. Nach einer Mitteilung, daß die Abrechnung Koni jetzigen Streik in nächster Zeit gesondert erfolgt, wurde dem vasfierer Decharge erteilt. Nach dem an andrer Stelle veröffent- lichten Bericht über die Lohnbelvegung forderte H o f f m a n n in beredten Worten zum Abonnement auf den„Vorwärts" auf, der, wie er besonders betonte. die Maschinenarbeiter in diesem Kampfe in anerkennenswerter Weise unterstützt habe. Einmütig wurde sodann beschlossen, den 1. Mai durch allgemeine Arbeitsruhe zu feiern, ohne Rücksicht auf etwaige Maßregelungen der Unternehmer. Der Berein der Kistenmacher hielt am Montag bei Kussin, Andreasstraße, eine Generalversammlung ab. Nach der Abrechnung, die der Kassierer gab, bettugen die Einnahmen im 1. Quartal 674,56 M.. die Ausgaben 455,76 M. Einschließlich des alten Bestandes betrug der Kassenbestand am Schluß des Quartals 936,63 M. Die Abrechnung wurde von den Revisoren als richtig bestätigt und dem Kassierer Decharge er- teilt. Hierauf berichtete K. Juckel über die mit dem Partei- vorstand gepflogenen Einigungsverhandlungen und der zweite Vorsitzende über die diesbezüglichen Verhandlungen im Gcwerk- schasts-Kartell. Danach haben sich 12 Gewerkschaften, d. i. die Majorität, für dieEinigung a u s g e sp r o ch en, während sich die übrigen Organisationen und namentlich die Töpfer, In- strumenteumacher und Hausdiener gegen den Anschluß an die Centtal- verbände erklärten. Den Berichten folgte eine längere Diskussion, in der die Mehrzahl der Redner die Einigung bczw. den Anschluß an den Holzarbeiter-Verband befürworteten mit dem Hinweis, daß ja derselbe in der Hauptsache alles das biete, was von den Kisten- machcnr gefordert werde. Irgendwelche Beschlüsse wurden nicht gefaßt und sollen das Resultat weiterer Eiuigungsvcrhandluugen und die Beschlüsse des wahrscheinlich schon zu Pfingsten stattfindenden Kongresses der durch VerttauenSmänner ccntralisierten Gewerkschaften abgewartet werden. Bei der hierauf vorgenommenen VorstandSwahl wurden sämt- liche bisherigen Vorstandsmitglieder einstimmig wiedergewählt.— Der Vorfitzende machte sodann noch auf die Bedeutung deS 1. Mai aufmerksain und gab bekannt, daß sich eventuell Gcmaßreaelte bis spätestens Sonnabendabend im Arbeitsnachweis melden müssen. Die in Berlin wohnenden Parteigenossen au» Westpreußen hatten sich am Sonntag im Gewerkschaftshause versammelt, um darüber zu beraten, wie sie die Wahlagiiatton in ihrer Heimat fördern können. Man kam dahin überein, daß die Adressen von Verwandten, Freunden und Bekannten dem Centtal-Wahlkomitee für Westpreußen zur Verfügung gestellt werden sollen, damit das Komitee Anknüpfungspunkte für die Agitationöarbeit bekonnnt. Eine Kommission wurde gewählt, welche die weiteren Maßnahmen zu tteffen hat. Sendungen und Zuschriften find zu richten an H. Lehr, Berlin dl., Bnmnenstr. 169. I» der humanistischen Gemeinde, Niederwallstr. 12, w der Aula der Friedrich- Wcrderschen Ober> Realschule, hält am Sonntag, vormittags lOff, Uhr, Herr Dr. Rudolf P e n z i g eine» Vortrag über:„ZlückeriS Weisheit des Brahmanen. III. Halt ein! Halt aus I Halt an l Halt ab!" Damen und Herren haben freien Zutritt. Eingegangene Druckschriften. Die„Zocialistischen Ntoiiatshefte"(Administration: Berlin SW. 19 Beuthstt. 2) haben soeben das Maiheft ihres 9. Jahrganges erscheinen lassen. Aus dem Inhalt desselben heben wir hervor: Karl Legien: Die Stellung der Gewerkschaften zur socialpolittschen Gesetzgebung.— Dr. Eduard David: Zur vorläufigen elbwehr.— Eduard Bernstein: Unsre theoretischen Debatten und der Wahlkamps.— Dr. Willy Hellpach(Ernst Gystrow): Prineipielles zum� Kampf gegen die Geschlechtsttankheiten.— Dr. Zofia Daszynska: Zur Sociologic der Arbeitseinstellungen.-- Paul Bröcker: Allgemeine Gewerrschasts-Bibliotheken.— Dr. Heinrich Laufenbcrg: illus der Geschichte der englischen Getteidepreise.— Politik von Richard Calwer.— Wirtschast von Max Schippe!.— Sottalistische Bewegung von S. Katzenstcin.— Gewerkschaftsbewegung von Ernst Deinhardt.— Genossen- schastsbewegung von Gerttud David.— Sottalpolitik von Paul Kämpft- meyer.— Sottale Kommunalpolitik von Dr. Hugo Ltndcmann.— Bücher von Dr. Aisred Blaschko und Dr. Ladislaus Gumplowicz.— Notizen von Heinrich Driesmans, Friedrich Hertz und Dr. August Winter.— Der Preis des Heftes bettägt 50 Pf; vierteljährlich 1,50 M. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Kolportcure und Postanstaltcn(Post-Zeitungskalalo� Nr. 713s), serner direkt durch den Verlag der„Sottalistischen Monatshefte�, Beuthstt. 2, Berlin LIV. 19(Zusendung unter Kreuzband oder in geschlossenem Couvert). Probenummern stehen aus Wunsch koslensrei zur Versügung. Vermifcbtes. 106 Menschen umgekommen. New Dork, 29. April. Heute ftüh 4>/-z Uhr wurde in Frank, einer kleinen bergbautteibenden Stadt in der Nähe der Felsengebirge im Alberta-Territorium in Kanada an der Grenze der Vereinigten Staaten, ein Erdstoß verspürt. Gleich darauf erfolgte auf dem Turtleberg, welcher die Stadt überragt, ein vermutlich vulkanischer Ausbruch. Millionen Tonnen Gestein wurden niedergeschleudert und versperrten die Zugänge zu den Gruben. Einzelne Gebäude wurden 166 Fuß ttef begraben. Der Berg wirft noch immer Gestein aus. Nach einer Meldung aus Macleod, 66 Meilen östlich von Frank, sind 83 Familien unter den Felsen begraben worden. Das ganze Land rings um den Turtleberg ist auf eine Entfernung von etwa 26 Meilen verwüstet. Die Erde ist mit Lava und Schlacke bedeckt. Der Fluß ist über die Ufer getteten, weil das Flußbett durch Lava ausgefüllt wurde. Weitere Meldungen über die Katasttophe besagen: Die Katastrophe in Frank ist durch Grubengas verursacht, welches sich einen Ausweg bahnte und dabei einen Erdrutsch verursachte. Merkwürdig bleibt. daß 15 Bergleute unversehrt der Grube entkamen. Die Zahl der Toten beläuft sich aus 95. meistens Frauen und Kinder. Vancouver(Britisch- Kolumbia), 36. April. Nach den letzten aus Frank hier eingettoffenen Nachrichten wird an- genonimen, daß die Katasttophe in Frank einem Bergsturz zu- zuschreiben sei. Den vermeintlichen Vulkan-Rauch hält man jetzt fiir Staubwolken, die durch die stürzenden Massen aufgewirbelt worden seien. Zwei von 17 unter den Trümmern begrabenen Berg- leuten erstickten, die übrigen konnten gerettet werden. Die Gesamt- zahl der in dem Städtchen getöteten Personen wird nun auf 95 ge- schätzt. Der Fluß, der durch den Ort fließt, wurde durch einen fast 166 Fuß breiten Felsen eingedämmt. Arbeiten sind im Gange, den Fluß in ein neues Bett zu leiten. Die meisten Häuser sind infolge der Erschütterung, die durch den Niedersturz von Millionen von Tonnen Gestein verursacht wurde, unbewohnbar geworden. Die Eisenbahn ist durch Gestein gesperrt, die Telegraphenlinien sind unter- brachen. Eine Liebestragödie in der Arrestanstalt. Die Arrestauffeher- Wohnung in der erst vor kurzem in Benutzung genommenen neuen Garnison-Arrestanstalt in Torgau bildete den Schau- platz einer furchtbaren Tragödie, die sich in der Nacht zum Dienstag abgespielt hat. Man fand den Arrestauffeher nur mit einem Hemde bekleidet vor den, Bette liegen, in demselben ebenfalls entkleidet, eine unbekannte weibliche Person, beide waren leblos. Allem Anschein nach liegt Vergiftung vor. Die Wohnung des Arrestauffehers liegt zu ebener Erde hinter dem Wachtlokal und besteht aus drei Zimmern, die von dem ledigen Sergeanten Redell bewohnt werden, einem Halbinvaliden, der feit dem 1. Januar 1962 den Posten des Arrest- auffehers bekleidet. Er ist am 26. September 1872 in Arnsfelde (Westpreußen) geboren. Wer die weibliche Person ist, hat noch nicht festgestellt werden können, da das Paar Nachrichten, die irgend welchen Anffchluß geben könnten, nicht zurückgelassen hat. Die blamierte PriifungSkvinmission. Ein niedliches Stückchen hat sich die Göttinger Kommission für die von der Zwangsinnung der Sattler geforderten Gesellenstücke der auslernenden Lehrlinge geleistet. Der Sattlerlehrling Karl Nodmann hat zu Ostern sein Gesellenstück gemacht, das aber von der famosen Prüstingskommission als untauglich zurückgewiesen wurde. Der Junge wurde verdammt, bei einem andern Meister noch ein Vierteljahr nachzulernen. Nicht faul. schickt der Junge seine zurückgewiesene Arbeit zur Lehrlingsausstellung nach Hildesheim— und erhält den ersten Preis. In Jnnungskreiseu ist mau nun sehr darauf gespaunt, ob der Junge nun wirklich das Bierteljahr nachlemen muß. Was jedoch diese Gesellenprüfunaen durch die Konkurrenten des Lehrmeisters wert sind, wird durch diesen Fall recht augenfällig bewiesen. Lriefkaften der fodaktlon. C. SS. 333. 1. Nein. 2. Fehlte bei der Abstimmung. 3. Nein. 4. Nein. Freist»». Also ein Druckfehler: nicht.Coburger Zeitung", sondern„Coburger Tageblatt". Der„Freifiimigen Zeitung" als Oberbosmeistcrin ist aber in ihrer Nr. 100 die Hauptsache das wohlgezählte Dutzend angeblicher Schimpswortc. Bei i n s a m c n Angriften aus die eigne Partei setzt man eben aus einen Schelmen anderthalb.— F. Sö. Sie erhalten Zluskunst in der Volks- bibliothek, Alexandrinenstt. 26.— M. 2>. Um als Hebamme zugelassen zu werden, beantragen Sie zunächst beim Polizeipräsidium Zulassung zum nächsten Hebammen-Kursus. Von dort erhalten Sie Nachricht, mit welchen Papieren und wann Sie sich beim Stadtphysikus Schulz, Tempclhofer User 29, zur Vorprüsung zu melden haben. Diese Vorprüfung besteht im Rechnen, Lesen, Schreiben, Sehen und Hören. Nach bestandener Vorprüsung be- anttagen Sie unter Ucbersendung des Zeugnisses hierüber und der andren Papiere beim Polizeipräsidium Zulassung zur Ausbildung als Hebamme. Sodann erhalten Sie Bescheid, ob Sic angenommen sind oder nicht, und werden im ersteren Fall zu dem Kursus einberufen, der jährlich vom t. Oktober bis 31. März in der Charitö abgehalten wird. Während ihrer Zeit der Ausbildung müssen die Frauen in der Chatttö ivohnen. Die Kosten für Ausbildung, Wohnung, Verpflegung und Instrumente stellen sich aus twa 300 Mark. Frauen im Alter von über 30 Jahren werden in der Regel zur Ausbildung nicht zugelassen. Da der Andrang außerordentlich stark»st, ist cine Meldung etwa jüns Jahre vor der Zulassung, also spätesten» nn 25. Lebensjahre ratjam. Vier Jahre liegen fast stets zwischen der Vor- prüjnng und der Zulassung zur Ausbildung. WitteruugSübersicht vom 30. April 1903, morgen» 8 Uhr. Wettcr-Proguosc für Freitag, den 1. Mai 1903. Ziemlich warm, zeitweise heiter, aber veränderlich be: schwachen süd- westlichen Winden, etwas Regen und Gewitterneigung. Berliner Wetterbnr»»«. Unsen» Klubwirt, dem Vertrauens- luumt vom 2. Kreis 10456 Paul Scholz zu seinem 47. Geburtstage ein donnerndes Hochl LaacIiIiLliiI»„Solide". (SR. d. A.-R.-B.) Männer-Gesangverein „Liederlust I"(1865). Unser langjähriges Mitglied I�ouZs Bude ist am Dienstag früh nach längeren Leiden im Alter von 63 Jahren gestorben. (Ehemaliger Vorsitzender des „Verl. Arbeit.-Sängcrbund." 1878.) Die Beerdigung findet Freitag, 1. Mai 1903, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Kranken- Hauses am Urban, Grimmswatze, aus nach dem Friedhof der Heilig Kreuzgemeinde in Mariendorf statt. Um rege Beteiligung ersucht 1063b Der Borstand. Deutseher I Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, datz der Kollege, Tischler L,oui8 Bude am Dienstag, den 28. April, ver- starben ist. 81/19 Die Beerdigung findet am Frcitagnachmittag um 2 Uhr vom Kranlenhaus Urban nach dem Heilig Kreuz-Kirchhose in Marien- selde statt. Um rege Beteiligung ersucht vis Ortsverwaltung. SociaidemokratisclierWiitilyerein Pankow. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Re- staurateur Julius Mierke verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittag Uhr von der Leichenhalle des Pankower neuen Kirchhofes aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. VepM socialdemokrafeher Gast- und Sdiankwirte Berlins und Umgegend. Ilm 29. April verstarb unser Vereins kollcge Julius Mierke nach kurzem Krankenlager. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 2. Mai, nachmittags S'/j Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Kirchhofes in Pankow, Kommunikations weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. 69/9 I. A.- K e r s i n. Banlisngung. Für die reichlichen Kranzspenden sowie für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Verwandten, Freunden, Bekannten und Kollegen der Gas- Anstalten, sowie sämtlichen Filialen, der Ortslcitung, dem Vorstande der Krankenkasse der Stadtgemeinde Berlin und dem 651. Bezirk des VI. Berliner Reichstags» Wahlkreises, Musik- und Gesangvereinen meinen ttesgefühltesten Dank. Die trauernde Wittve 1016b /Ubortine Gulm, Pantstr. 45a. Deutseher Holzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler kränz Wroeklage am Dienstag, den 28. April, ver- starben ist. 81/13 Die Beerdigung findet am Frei- tagnachmittag um 4 Uhr von der Leichenhalle des katholischen Kirch- Hofes, Neu-Hohen-Schönhausen, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Hie Ortsverwaltung. Für die Vielen Beweise herz- lichcr Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen meinen ttesgesühltcn Dank. 1052b Bdnnrd Homuth nebst Kindern und Großmutter, Lützowstr. 51. Zur Maifeier steht großer Saal und Garten zur Verfügung. 1069b Max Fohrenck, Johannisthal, Fricdrichstr. 10. Achtung;! Am 1. Mai bleibt mein Geschäft wie bisher geschlossen. Arbeits-Anzüge. * Wilh. Paftr, Brunnenstr. 113. lirttltfll Unverfälscht. Deufichcr j| 0 U Us. Bienenhonig, best. Qualit. vers. die lOPsunddose zu 7,OOM.,5Psd. 4,30 M. sranco. Garant. Rücknahme. EDnil Xordloh, Bahnhos . 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Druck und Verlag: Vorwärts Buchdrucker« und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. « « Oi CO CO o.. o o£ to•. � vi01 S5�00'� •C0> A- eS T* 'T'T .L u CJ u 00 VJ-G o or,«5 cr.,rr>� co• -b oi£..5 �-S �".r � C vO C CO o- CJ ri«>> �r g�O O Z Z " 8 L>s Z« Si.s .iB. � ä nst \ �tT v- ♦ Cpr wO � ■> CO § -»o«<-; .S® -S ä oLXSO Cl>_- � ur 5=C«=S:= S �-'S= B�'S-'O-B®= 5 S 5"«v S" ä -2"�- � 2 Jü�S�'H 2 ,H 3--- Ix.§ � o:o S 5~ SSKS�ö�Sv Lzszsvs�Z .2J'-ä 5:£1» ji�. s-«BiV c:.2: N Ä �-'Z-: � 2 � L- �- 3 � B KLS�Ä-�S.°� ZK.°?ZL�ZMsz �'T�Ass�ZZ» <� r: K" ".o--» 'KZT HZ?� : co.j g~ 'cS jvitysC�j-.�pQi» O <®„ a gg'lf'S� o C v��o" O B G I S.—� O � ü � c S.-- ZKNL »sfö g «K?N •5»® c .B 0 B �'S o � G � r- Sgj§ ug g£:� g�- -• x �-«-» x 1 o 5. w o G o o sz �'(äi>>> X- ft G � o � V? � Iii tSstiz) Ü s-~ '~ o 5» « S G Q?P oo...30-0 u •■ 00 00 Ü= Ä 33 00 jJ Ol•—. 33 o �-TT CO �iS." o.-�*ö■g'B!'.B-«'» ■| ö s g MGHg Z�.ZLGZL�Z Z-U�-HZ u LZ S�-�ZZZL LZÄ LZ ':r!-■— roi.= ty �»Q..oo'c�O C® 35.• oie~®2_e© ca-g 5 oi5-S Z® C O G 'a cO- utT� a 5 Z'CtS ö c-G-G �_S vG- � �"G" ä-.G a®®®ag? -e» u 2ls e .?»yo ä g-s � U-L !«i •+-* G �*—*>G f�i ♦. - � OtH-"x G1� JI:G � — �_c"o&3S1� �Z'SGZ��" L ?-- 7*� iG o O S s �•«» Ä-iG!>G � wi xr P' AZH fw i AMZZLZI g" ■S u'G c. v t::G �:«.G. 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