Nr. 121. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 r., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitungs Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn z Mart, für das übrige Ausland& Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts 20. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Infecate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttags geöffnet. Hod Telegramm- Noreffe: Berliner Dolksblaff. ,, Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. I. Mittwoch, den 27. Mai 1903. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. durch Erbschafts- und Einkommensteuern aufgebracht- lettere Krieger. Ein nicht ganz stubenreines Mitglied erlaubte sich die Die Steuerbelastung der deutschen und beiden Steuerarten liefern beinahe 35 Broz. des Gesamt- Steuer- naive Anfrage, ob denn die Wahl eine Zwangswahl oder ob es eine der englischen Arbeiter. betrages. Bu allen diesen Steuern aber trägt der gewöhnfreie Wahl sei. Diese bloße Anfrage genügte, den Mann verdächtig liche Arbeiter nichts bei. Die Einkommensteuer beginnt erst zu machen. Es wurde ein Vermerk in das Protokoll aufgenommen bei 3200 M., gestattet bis 8000 m. verschiedene Ermäßigungen und und es soll dem Bunde davon Mitteilung gemacht werden. Wer sich einbildet, er dürfe bei einer geheimen politischen Wahl sezt erst dann mit dem Betrag von 11 Pence pro Pfund Sterling als Mitglied eines unpolitischen Kriegervereins nach freier UeberEinkommen( während des Krieges 14 Shilling) ein, beträgt also zeugung wählen, der ist allerdings des gefährlichsten Umsturzes verfür die Einkommen über 8000. 4,6 Proz. dächtig. ( Ein Schlußartikel folgt.) Den staatserhaltenden Parteien ist der von socialdemokratischen Blättern in letzter Zeit mehrfach gelieferte Nachweis, in welcher Weise durch die Zollerhöhungen des neuen Zolltarifs die Haushaltungsausgaben der Arbeiterfamilien belastet werden, äußerst unbequem, und da sich diese Berechnungen nicht widerlegen lassen, ist seit einigen Wochen die ganz- und halboffiziöse Presse eifrigst bemüht, dem Arbeiter und Kleinen Mann durch allerlei furiose Rechenfünfte plausibel Wahlkampf. zu machen, daß er, wenn auch die Steuern gestiegen sind, doch immerhin noch weniger Steuern unter den Konservativen Berlins ausgebrochen. Sie zittern nämlich Der jeiftige Arbeeter in Aengsten. Eine Panik ist gegenwärtig zahlt, als der Staatsbürger andrer Länder, z. B. des perfiden davor, daß sie siegen tönnten, d. h. statt der Freifinnigen in Albions. Zuerst waren es Prof. v. Wenck stern und die Schwein- die Stichwahl mit den Socialdemokraten zu kommen. Und dieses burgschen Politischen Nachrichten", die auf Grund ihrer Unheil hat unser Parteigenoffe Walded Manaffe durch eine eigenartigen Anwendung der vier Species zu dieser sonderbaren Ent- Aeußerung in einer Versammlung des ersten Wahlkreises hervordeckung gelangten. Wie so manche andren Leistungen jenes Organs, gerufen. Er meinte nämlich scherzhafterweise: Die Konservativen haben aber auch diese Rechenkünfte in die kleine amtliche konservative möchten nur den letzten Mann aufbieten, um in die Stichwahl zu Bresse Eingang gefunden und selbst auf verschiedene der patriotischen tommen. Und er fügte hinzu: Wenn's sein müßte, würden die Wahltraftätchen sind sie, wie der Augenschein lehrt, nicht ohne Ein- Socialdemokraten es auch an sich nicht fehlen lassen und 500 Stimmen für die Konservativen zur Verfügung stellen. fluß geblieben. Die Gesetzesunkenntnis mancher Behörden zeigt sich in der jetzigen Wahlbewegung wieder in ganz auffälliger Weise. Ein Parteigenosse in Wanne( zum Amtsgericht Gelsenkirchen gehörig), erhielt folgenden Strafbefehl: Auf den Antrag der königlichen Staatsanwaltschaft wird gegen Sie wegen der Beschuldigung, am 2. Mai 1903 in Wanne auf einer öffentlichen Straße ohne Erlaubnis der Orts- Polizeibehörde Druckschriften verteilt zu haben, Uebertretung gegen die§§ 10 und 41 des preußischen Breßgesetzes vom 12. Mai 1851, des Reichs- Preßgefetzes vom 7. Mai 1874, wofür als Beweismittel bezeichnet ist: 1. Zeugnis der Polizeisergeanten Schinkel und Peus in Wanne, 2. Geständnis, eine Geldstrafe bon 25- fünfundzwanzig Mark, und für den Fall, daß dieselbe nicht beigetrieben werden kann, eine Haftstrafe von einem Tage für je fünf Mark festgesetzt. Bekanntlich bedarf es nach ausdrücklicher Vorschrift der GewerbeAs diese Botschaft der jeistige Lotterie- Arbeeter Freiherr Strupellos, wie nun einmal die offiziöse Preffe iſt, leiſtet sie bei b. d. Bottlenberg Schirp vernahm, geriet der tapfere fonfervative Drdnung,§ 48, zur Verteilung von Wahldruckschriften keiner Erihren Vergleichen nach dem Grundsatz, daß der Zweck jedes Mittel Wahlmacher Berlins in einen entfeßlichen Zustand. Das war die laubnis, sobald die Wahl amtlich ausgeschrieben ist. Die Wahl ist heiligt, das Unverschämteste an Entstellungen und Vergeßlichkeit. Absicht nicht, daß die Konservativen den intim verbrüderten Freifinn aber schon am 30. März ausgeschrieben worden. Alle an dem Erlaß Zunächst werden nicht die englischen Steuererträge der Jahre vor aus der Stichwahl drängen und sich selbst in die Stichwahl des Strafbefehls beteiligten Stellen dokumentieren durch diese dem südafrikanischen Krieg oder die Steuer- Voranschläge des jüngst bringen würden; das bereitete ja den sicheren Sieg der Roten! Handlung, daß ihnen entweder der§ 43 der Gewerbe- Ordnung unvom Schazkanzler Ritchie vorgelegten Budgets zum Vergleich heran- Nein, das durfte nicht sein. Diese Teufelei der Socialdemokraten bekannt ist, oder daß sie jetzt noch nichts von der Wahlausschreibung Die Phantasie des Lotterie- Freiherrn" wissen; beides ist gleichbeschämend für diese Behörden und Beamten. gezogen, sondern des Kriegsjahres 1901/02, in dem verschiedene be- mußte vereitelt werden. fondere Steuerauflagen zur Deckung der südafrikanischen Kriegs- Beruf ohnehin gewöhnt, teilte er seinen Mitarbeitern die weitere entzündete sich; an ein Spiel mit großen Zahlen durch seinen geistigen Eine gemeinsame Wahlorganisation für ganz Deutschland wollen, foften erhoben wurden. Zweitens aber werden die Ausgaben einfach Schreckensnachricht mit, daß auch im 2. Wahlkreis 3000 Social- wie in einer Polenversammlung in Bofen ausgeführt wurde, die als sämtlich durch Steuern gedeckt angenommen; die Anleihen demokraten für den Konservativen abkommandiert werden würden. Bolen schaffen. Es soll schleunigst ein polnisches, Central- Wahlkomitee demnach als aus Steuern gefloffene ordentliche Einnahmen behandelt; Es geheimer Kriegsrat gepflogen und aufgeregt gebildet werden. Die gegen das Centrum gerichteten polnischen und drittens werden nur die beiderseitigen Reichssteuern verglichen. debattiert, wie man sich vor dem Furchtbarsten, dem eignen Sonderkandidaturen in Westfalen sollen unbedingt aufrecht erhalten Es wird also absichtlich vergessen, daß der Deutsche neben den Erfolge, sichern könnte. gwar hatte Herr Professor v. Wendstern werden. Reichssteuern auch noch Landes steuern( preußische, sächsische, den Berliner Arbeitern geraten, auch mal ins gute Auge des badische Steuern usw.) zahlt, der Engländer aber nicht. Im Gegen- Junkers Kröcher zu blicken. In Wirklichkeit aber fürchten sie die teil erhalten vielfach dort sogar die Gemeinden Zuschüsse aus den Befolgung des Rates wie die Best. Reichssteuer- Erträgen. " Die Germania" entrüstet sich mit den stärksten Worten über unsre Mitteilung, daß in Krefeld ein Ablaß allen denen versprochen Wir bedauern lebhaft, daß sich die Konservativen wegen der be- worden sei, die für gesegnete Reichstagswahlen beten oder steuern. fürchteten socialdemokratischen Wahlhilfe so arg die sonnigen Ge- Die Germania" bestreitet die Richtigkeit der Angabe und erklärt sie Doch selbst dann kommt noch immer nicht das gewünschte Er- müter verstören lassen. Und mitleidig, wie wir sind, wollen wir den als Gotteslästerung. Ablässe werden doch den Gläubigen schon für gebnis heraus, und so werden in perfider Spekulation auf Natlosen gern aus der Klemme helfen. Es giebt ein Mittel der den Besuch eines wunderthätigen Bildes gewährt, warum sollte er die Unkenntnis der Leser noch einige weitere fleine Bergeßlichkeiten Abwehr unsres satanischen Blanes. Sie brauchen nur 500 Konser also nicht für die Unterstützung der Centrumspartei gewährt werden. und Berechnungskorrekturen eingeschaltet. Die englischen Zollerträge bative im ersten und 3000 Konservative im zweiten Wahlkreise ihrer- Bir haben doch schon mancherlei Centrumsgeschichten aus dem werden z. B. einfach den deutschen gleichgestellt, obgleich England feits veranlassen, schon im ersten Wahlgang den Socialdemokraten Wahltampfe erzählt, z. B. die Verteilung von Flugblättern in nur Finanzzölle und Verbrauchssteuern erhebt, Deutschland hingegen zu wählen, dann hebt diese Abkommandierung unsre Wahlhilfe auf katholischen Kirchen, die Verweigerung der Absolution an einen Arbeiter beschäftigte, zumeist Schutzölle. Die Belastung des Konsums kommt aber in den und der Freiherr v. d. Bottlenberg- Schirp braucht sich nicht zu und ähnliches. Wo blieb da die Entrüstung der Germania"? bon " Die Angelegenheit der Beelizer Patienten ist in unsrer gestrigen Nummer nicht ganz forrekt wiedergegeben. Es war bereits Befchtverde beim Minister geführt worden und dieser hat telegraphisch Am Freitag wird der konservative geheime Kriegsrat fortgesett aber meist nur zu einem geringen Teil. Wenn und wir erwarten, daß man unsre edelmütige Anregung zum BeDeutschland im Jahre 1901 circa 69 Millionen Mark Zoll schluß erheben wird. dem eingeführten rohen Kaffee eingenommen hat, so kommt in diesem Betrag die Gesamtsumme, um welchen Im Nieder- Barnimer Reichstags- Wahlkreise haben die Freigeantwortet, daß die Beschwerde dem Regierungspräsidenten zur Gra berteuert worden sinnigen am Montag in einer im" Prälaten" in Berlin ab- ledigung überwiesen sei. den deutschen Konsumenten der Kaffee Kandidaten der Freisinnigen Volkspartei aufgestellt. Diese in elfter gehaltenen Versammlung den Direktor Plonz- Lichtenberg als Stunde zu stande gekommene Kandidatur hat insofern Interesse, als bereits in zwei vorher stattgefundenen Versammlungen erfolglos ein Standidat für diesen Streis gesucht wurde. Plonz hat schon bei der 1898er Wahl fandidiert und bezeichnet sich selbst in richtiger Erist, voll zur Geltung; denn in Deutschland selbst wird kein Kaffee gebaut. Aller Staffee, der im deutschen, Zollgebiet verbraucht wird, hat Zoll bezahlt. Dasselbe gilt von den Verbrauchssteuern. Deutsch land hat beispielsweise im Jahre 1900 an Salzsteuer 49,7 Millionen Mark eingenommen, zu denen noch 2,2 Millionen Mart an Salzzoll für eingeführtes Salz hinzukommen. In dieser Summe stedt that- kenntnis der Sachlage nur als 8ähltandidat. den der Konsum belastet fächlich der gesamte Betrag, um wurde. Ganz anders die Millionen Mark, Fälscher Meineidige. Die in Gumbinnen erscheinende Preußischaber liegt die Sache beim Schutz Littauische Zeitung" bezichtigt die Socialdemokratie nach altem Rezept zoll. In den 181 Deutschland 1900 aus den Böllen für Getreide, Malz und Hülsenfrüchte ein- der Verteidigung des Meineides. Bum Beweise dafür schreibt sie: Die socialdemokratische„ Gelsenkirchener Arbeiterzeitung" schrieb genommen hat, bilden nur einen geringen Teil der Summe, um die im November 1892: in dem betreffenden Jahre dem deutschen Bolte sein Bedarf an diesen Nahrungsmitteln verteuert worden ist, da mur ein kleiner Teil des deutschen Getreidebedarfs vom Ausland kommt- durchschnittlich beim Roggen ungefähr 8-9 Proz., beim Weizen und Gerste 30 Proz., bei Hafer 6 Proz. der Zoll aber steigert nicht nur Wir haben uns erlaubt, den Meineid in gewissen Fällen zu verteidigen. Auf diesem Standpunkt stehen wir auch heute noch. Wir haben ausdrücklich hervorgehoben, daß der Meineid ein Zeichen von edler Gesinnung ist, wenn es gilt, den Freund oder Genoffen vor den Folgen gewisser Schandgeseze zu bewahren." Wir stellen feft, daß die Gelsenkirchener Arbeiter- Beitung" fein den Preis des vom Auslande eingeführten, sondern zugleich den socialdemokratisches, sondern ein anarchistisches Blatt war, das des in Deutschland selbst geernteten Getreides deshalb von der socialdemokratischen Partei ausdrücklich abgelehnt worden müssen, wenn die englischen Zolleinnahmen mit den deutschen ist. Gegen die citierte Aeußerung des Blattes zum Meineide hat verglichen werden sollen, letztere unbedingt um das Mehrfache er die socialdemokratische Presse Stellung genommen und hat sie zurückhöht werden. gewiesen. " Aber selbst mit allen diesen Mitteln tommt die offiziöse Bresse Von unsren schäbigen Gegnern unterscheiden wir uns in dieser noch nicht zum Ziel. Sie greift obendrein zu einer Art Durch- Frage insofern, daß wir nicht nur den Meineid nicht verteidigen, schnittsberechnung, die geradezu unverschämt ist. Soll die Unter- fondern auch ohne formellen Eid stets die Wahrheit fagen; bas moraltriefende Fälschergesindel aber sagt höchstens dann die Wahr suchung einen Zweck haben, dann muß bei der Berechnung der heit, wenn ihm das Zuchthaus drohend winkt. Uns der Verteidigung Steuerlasten in Betracht gezogen werden, welcher Art die verbes Meineids beschuldigen und zum Beweise dafür eine Fälschung schiedenen Steuern find, wieviel fie zur Gesamtsteuer begehen, das ist die Moral der Kapitalschriften. summe beitragen, und von welchen Bevölkerungsschichten sie aufgebracht werden. Alle diese Fragen aber Lassen Im Wahltreife Kattowik- Zabrze, den Herr Letocha vertritt, die offiziösen Nachfolger Adam Rieses wohlweislich außer ersteht dem Centrum ein dritter Gegner: ein„ Kandidat aller Betracht dieser Firma wurde der ehemalige Bürgermeister Schneider von aus dem einfachen Grunde, weil in England die Haupt- Deutschen", der nichts will, wie die„ Polengefahr" bekämpfen. Unter summe der Steuern von den Reichen bestritten wird und der Arme einer Bersammlung in Kattowiz als Kandidat proklamiert. In der nur sehr wenig dazu beiträgt. Die offiziösen Rechenkünftler nehmen Versammlung sprachen Richter, Schulmänner, Rechtsanwälte und einfach die Steuersumme oder die Ausgaben des Etats von 1901/02 Kaufleute. Das Centrum wird sich also in diesem Kreise vermutlich als Ganzes und berechnen, wie viel davon im Durchschnitt auf den zum erstenmal einer Stichwahl unterziehen. einzelnen englischen Staatsbürger ohne Unterschied seines Einkommens und Verbrauchs entfällt. Aus der politischen Geheimthätigkeit der Kriegervereine. Der Ein recht schlaues wie unehrliches Verfahren; denn nach einer Kriegerverein in Malz bei Oranienburg versammelte sich am 24. Mai fürzlichen Budget- Veröffentlichung der„ Times" participieren mit unter dem außerordentlich harmlosen Vorwande, über die Feier der Einweihung einer Schleife zu beraten, die ihm der KriegerEinschluß des zur Deckung der Kriegskosten eingeführten Kornzolles, vereinsbund geschenkt hatte. Die Harmlosigkeit entpuppte sich aber der bekanntlich jetzt wieder aufgehoben wird, an dem englischen bald als bloßer Vorwand; der Vereinsvorsitzende hielt eine WahlReichs- Steuerertrag die Zölle und Verbrauchssteuern nur mit rede und drohte jedem mit Hinauswerfen aus dem Verein, der ca. 48 Proz., die fehlenden 57 Proz. werden durch lleberschüsse des es wage, einen Juden oder einen Socialdemokraten zu wählen. Post- und Telearaphendienstes, Domänen, Grundsteuern und besonders Auf das bißchen Isolierraum mit Wahlcouvert pfeifen die Herren Socialdemokraten in gegnerischen Bersammlungen. " In der Deutschen Tageszeitung" wird über eine konservative Versammlung in Trebbin berichtet, in der Fris Hammer, der Ruhm der geistigen Kraft und Disciplin des Deutschen Reiches", angeblich den rauschenden Beifall der Freifinnigen fand und die anwesenden Socialisten schlagfertig abfertigte". Die Freisinnigen von Trebbin wollen deshalb schon im ersten Wahlgange für Herrn Hammer stimmen und ihren Kandidaten May Schulz im Stiche lassen. Dazu heißt es in dem Bericht: Es stellt sich immer mehr heraus, daß die Socialdemokraten Redner von einigermaßen Bedeutung gar nicht zu besigen scheinen, denn sie unterliegen überall, sobald sie sich auf den Redekampf einlaffen. Dicht unter diesem Bericht hat die Deutsche Tageszeitung" einen Bericht aus Medlenburg, worin es heißt: Einsender dieses hatte vor einigen Tagen Gelegenheit, der Wahlversammlung einer Ordnungspartei beizuwohnen, in welcher circa 3/4 der Anwesenden der Socialdemokratie angehörten. Nichtsdestoweniger war die Versammlung, dank der Objektivität, welcher fich die Redner der sogenannten Ordnungspartei befleißigten", wie das hiesige socialdemokratische Blatt berichtete, in durchaus würdiger Weise Weise verlaufen. Man sollte nunt glauben, daß die Einberufer der Versammlung mit diesem Resultat zufrieden sein könnten, doch gerade das Gegenteil wird der Fall gewesen sein. Denn wer, wie Einsender, den Gang der Verhandlung aufmerksam verfolgte, mußte bald die Ueberzeugung erlangen, daß nicht den Rednern der Ordnungspartei, welche in vornehmer, fachlicher Weise ihrer Meinung Ausbruck gaben, der Preis der urteilslosen Menge gebührte, sondern den Rednern der Socialdemokratie, welche in schneidiger, pitanter Weise das Programm der Ordnungspartei betämpften und durch ihren Phrasen- Reichtum die Gemüter ge= fangen nahmen. Nicht selten wurden die Ausführungen dieser durch tosenden Beifall belohnt. Im übrigen suchten die socialdemokratischen Redner sich thunlichst in parlamentarischen Grenzen zu halten, so daß man den Eindruck empfing, daß sie hierin wohl einer von Berlin ausgegebenen Parole folgten. Nach der Versammlung tonnte man fast überall vernehmen, daß die Socialdemokraten gefiegt" hätten, kein Wunder, wenn sie an diesem Albende, wie einer ihrer Redner teck behauptete, einen neuen Zuwachs ihrer Partei erfahren haben. Demnach wird, wie auf der Hand liegt, diese Partei immer mehr anwachsen, je länger die Ordnungsparteien es dulden, daß die Mitglieder, d. h. die Führer derselben ihre Versammlungen besuchen und dort sich neuen Anhang erwerben, denn die urteilslose Menge läuft stets dem zu, der fich in entschiedenster und recht drastischer Weise zu ihrem Anwalt aufwirft und durch sein leckes, schneidiges Wesen zu imponieren weiß. Der Einsender fordert dann auf, daß aus den angeführten Gründen die Socialdemokraten aus allen Versammlungen aus geschlossen werden, und die„Deutsche Tageszeitung', die vorher eben den Socialdemokraten ihre Unfähigkeit bescheinigt hat. bemerkt dazu: Diese Ausführungen verdienen entschieden Beachtung. Die jetzt vielfach üblichen Redeturniere zwischen Ordnungsparteien und Socialdemokraten halten auch wir für vollkommen zwecklos und die Aufklärung der Wähler wird durch dieselben kaum befördert. Die Freisinnigen, die das hier empfohlene Verfahren schon viel- fach anwenden, werden danach in arge Verlegenheit geraten: sollen sie die Socialdemokraten zu ihren Versammlungen zulassen, weil diese ja über keine Redner von Bedeutung verfügen und sich überall gründlich blamieren, oder sollen sie sie ausschliefen, weil deren Redner in schneidiger pikairter Weise und dabei nach Berliner Parole in parlamentarischen Formen kämpfen und die Gemüter gefangen nehmen? Für Marburg ist noch kurz vor Thoresschlutz von antisemitischer Seite an Stelle des Abg. B ö ck e l der frühere Abg. Oswald Zimmermann- Dresden als Kandidat aufgestellt worden. poUtiscde CJeberficbt. Berlin, den 26. Mai. Hüsscncr. Zu vker Fahren Gefängnis ist der Seekadett Hüssener verurteilt worden, der in Essen in Ausübung seiner harten, harten Soldaten- Pflicht einen Soldaten erstach. Der Prozeh stand unter dem Zeichen, dah, um das System des Militarismus zu retten, der erregten öffentlichen Meinung eine Konzession gemacht und der ganze Fall zu einer Ausnahme- Erscheinung abgeschwächt werden muhte. Auherdem war der Er- stochene ein guter Bürgerssohn, nicht etwa ein socialdemokratischer Proletarier. Die Verurteilung war nur möglich, indem man Hüssener eine instruktionswidrige Handlung vorwarf. Der Angeklagte und sein Verteidiger haben sehr eifrig betont, dah die That lediglich in Ausübung militärischer Schneidigkeit geschehen sei, während der Ankläger sowie das Gericht und die als Zeugen vernommenen militärischen Vorgesetzten das nicht gelten lassen wollien. Trotzdem haben wir den lebhaften Eindruck, dah der verurteilte Hüssener nur gethan hat, was er in den Jnstruktionsstunden gelernt hat: das, was die militärische Kaste als Wahrung der Ehre und schneidiges Verhalten empfindet. Wenn der Offizier die Waffe zieht, muh Blut fliehen— das scheint uns, ist eine all- gemeine militärische Anschauung und nicht nur die Einbildung eines unreifen eitlen Burschen. Aber ob instrnktionsmähig oder ob instruktionswidrig— unter allen Umständen ist die Verurteilung Hüsseners zugleich die schwerste Belastung der verantwortlichen Marinebehörde. Es ist vor Gericht festgestellt worden, dah Hüssener in seinem Prüfungszeugnis und von seinen Vorgesetzten als ein unbegabter, stark aufgeregter Mensch gekennzeichnet worden ist, der zum Vorgesetzten nichts tauge. Dennoch wurde er im Dienst belassen, dennoch stattete man ihn mit all den ungeheuren Machtvollkommenheiten aus, die einem militäri- schen Vorgesetzten gewährt sind, der ohne Urteil und Gerichtsverfahren auf der Stelle sich als Richter und Rechtsvollstrecker auswerfen kann. So hat der unbegabte, aufgeregte, zum Vorgesetzten ungeeignete junge Mann eben so gut gehandelt und so gut getötet wie er es verstand. Hüssener ist verurteilt. Schuldig aber ist das militärische System und schuldig find insbesondere die für seine Dienstbelassung Ver- untwortlichen. Sie sind die in jedem Sinne und voller Bedeutung Hastpflichtigen des Totschlags. „Militärische Wahlrcchtsderaubung". Aus Stettin wird uns gemeldet: Heute, am Dienstag, den 26. Mai, haben die hiesigen Reser- visten eine Zustellung erhalten, wonach sie sich nicht am 8. Juni, sondern erst am 1. Juli zur Reserve-Uebung zu stellen haben. Unsre Beschwerde hat also erfreulichen Erfolg gehabt. Wie steht eS aber nun mit den andren von uns erwähnten Fällen militäri- scher Wahlrechtsberaubung?—_ 25 000 Wurm kranke. Mit der in Arbeiterangelegenheiten bekannten Nachlässigkeit be- schäftigten Reichstag und Abgeordnetenhaus sich mit der gefahr- drohenden Wurmkrankheit im Ruhrrevier. Natürlich hatte die Arbeiterpresse fürchterlich übertrieben— aus politischen Gründen, wie die Vertreter des Kapitals aus nationalliberalen und ultra- montanen Kreisen behaupteten. Der Reichstag lehnte die Forderung auf Hergabe von Mitteln zur Bekämpfung der Seuche ab. Die in Aussicht gestellte Konferenz in Berlin sollte volle Aufklärung über die Krankheit und deren Gefahren bringen. So hiefi es. Die Konferenz hat stattgefnnden. Aber das Endresultat ist fast gleich Null. Die Vertreter der Werksbcsitzer erklärten, man sei über die bestehenden Vorschriften vielfach noch hinausgegangen und so wurden denn auch alle Anwäge, welche eine energischere Bekämpftmg der Krankheit bezweckten, ab- gelehnt. Unter anderm wurde gesagt, es fehle noch an einer aus- reichenden Statistik über den Umfang der Erkrankungen. Trotzdem sagte der Minister Möller am Schlüsse der Verhandlungen: es sei wohl selten in so energischer und zielbewußter Weise der Kampf gegen eine neue Krankheit aufgenomnien worden, wie dies bei der Wurmkrankheit in Westfalen geschehen sei... Das war am 4. April IvOZ. Bereits im Jahre 1897 hat der Knappschasts-Oberarzt Dr. Tenholt eine Abhandlung über die Wurm- krankhcit herausgegeben, in welcher auf die Gefahr der Weiter- Verbreitung der Krankheit nachdrücklichst hingewiesen wird. Und seit dieser Zeit hat der Arzt jedes Jahr seine Warnungen wiederholt. Herr Minister Möller bekämpft trotzdem eine— neue Krankhcit!— Und während man auf der Konferenz in Berlin die geforderten Matznahmen ablehnte, war in eingeweihten Kreisen bereits bekannt, daß im Ruhrrevier mindestens schon 20000 Bergarbeiter von der Krankheit befallen waren, so berichtete unterm 22. März dem Oberschlesischen Knappschaftsverein dessen Vereins- arzt, der einer Besprechung der Kommission zur Bekämpfung der Wurmkrankheit beigewohnt hatte.-- Aber heute ist man wotz alledem noch nicht aus dem Stadium der Untersuchungen heraus, obwohl bereits vor Monaten erklärt wurde, das Menschenmögliche zur Bekämpfung der Seuche sei gethan. Zur Beruhigung der Bc- teiligten verkündete man bei Bekanntwerden der erschreckenden Aus- breitung der Seuche, Anfangs dieses Jahres, Herr Professor Löbker werde schleunigst eine Studienreise nach dem ungarischen Seuchen- Herd unternehmen. Die Studienreise wurde gemacht, aber das, was Herr Dr. Tenholt, der seit fast zehn Jahren die Wurmkrankheit studierte, zur Eindämmung der Seuche forderte, unterblieb und die Verseuchung der Rnhraruben nahm immer größeren Umfang an. In der letzten Versammlung des Vereins für die berg- baulichen Interessen wurde berechnet, daß zur Zeit etwa 25 000 Bergleute an der Wurmkrankheit leiden. Es geht nnaufhalt- sam weiter— und sofort beschloß man. den Herrn Professor Löbker eine Studienreise in das L ü t t i ch e r Wurmrevier machen zu lassen. Wenn die Reise beendet ist, haben wir jedenfalls 30 000 Wurm- kranke; wenn es 100 000 sind, denkt vielleicht auch der Herr Minister, es sei doch noch nicht energisch genug die Bekämpfung der— neuen Krankheit aufgenommen worden. Vielleicht!--- Aus einem Orte bei Dortmund wird ein Fall von Verschleppung der Wurmkrankheit bekannt, der auch wieder beweist, wie furchtbar leichtsinnig die verantwortlichen Organe jetzt noch handeln. Es sind mehrere Familienangehörige eines Betriebsfiihrers schwer von der Wurmkrankheit heimgesucht. Die angestellte Untersuchung hat ergeben, daß der Wurm verschleppt tvorden ist, indem die Abortkübel ans der Grube ans Gartenland entleert worden sind und die Hühner, welche das Land absuchten, die keimfähigen Eier oder Larven ans irgend eine Weise übertragen haben. Schließlich ist kein Mensch mehr vor Jnfizierung sicher. Und selbst aus dieser Blume wollen die Unternehmer anscheinend Honig saugen. Während man bisher freventlich leichtsinnig war in Anlegung neuer Bergarbeiter, eine Untersuchung der Leute oft über- Haupt nicht stattfand— will man jetzt ganz strenge werden. Es soll kein Bergmann, der auf einer andern Grube abkehrt, angelegt werden, bis er nicht durch ärztliches Zeugnis über drei stattgefundene Untersuchungen nach- weist, daß er nicht wurmbehastet ist.-- Die Kosten der ärztlichen Untersuchung soll der Arbeiter tragen! Da das für die allermeisten Bergarbeiter unerschwingliche Aufwendungen sind, bedeutet die Maßregel in der Praxis, Aufhebung der Frei- zügigkeit. Sämtliche Bergarbeiter im Ruhrrevier wären faktisch ge- zwungen, von einem Wechsel der Arbeitsstelle abzusehen und so hätten die Unternehmer das Mittel in der Hand, durch Lohndrnck, die Kosten der durch ihre Schuld eingeschleppten Seuche ganz ans die Arbeiter abzuladen.— Die Büxenstein-Bilder werden durch Anschlag aus der fiskalischen Schiffswerft am neuen Hafen in Magdeburg für 75 Pf., bei Ab- »ahnte von 10 Stück für 65 Pf. angepriesen. Wer gleich 100 Stück nimmt, bekommt sie gar schon für 50 Pf. Die Beamten sollen die Bilder auf dem Dienstwege nach Anweisung der Finna Buxenstein bekanntlich schon im einzelnen ftir 50 Pf. bekommen. Da sollte man doch keinem Arbeiter zumuten, gleich 100 Stück zu kaufen; dem Büxenstein-Patriotismus ist entschieden gedient durch möglichst billigen Verkauf.— Die Partei der Fälschungen. Es ist kein Vergnügen, sich mit den krankhaft verlogenen»Leuten herumschlagen zu müffen, die jetzt die„Freisinnige Zeitung" zusammen kleben. Die„Freisinnige Zeitung" windet sich mitleiderregend in dem Fangeisen. Sie redet über Sonne, Mond und Sterne, nur nicht darüber, worauf es ankommt. Unsre Feststellung, daß sie bereits ain 1. Februar 1902 der Regierung höhere Zölle angetragen hat, erwähnt sie noch immer mit keiner Silbe. Dafür erzählt sie die wichtigsten Geschichten:„Wenn der„Vorwärts" den ganzen Artikel abdrucken wollte, so würde jedermann erkennen, daß derselbe der Regierung nahelegt, im Interesse des Zustandekommens von Handelsverträgen den ganzen neuen Zolltarif zurückzuziehen". Damit unser Leser das erkennen, brauchen wir wahrhaftig den Artikel nicht abzudrucken. Denn das leugnen wir weder noch urter- essiert es in unserm Fall. Dagegen konunt es lediglich darauf an, daß die„Freis. Ztg." mit der Begründung die Zurückziehung des Zolltarifs angeregt hat— getreu ihrer ganzen Taktik, diese ihr unbequeme Affaire aus der Welt zu schaffen— daß die Linke bereit sein würde, höhere Zölle zu bewilligen. Das hat die„Frei- sinnige Zeitung" bisher init keiner Silbe erwähnt. Man begreift, daß die Volkspartei in ihren Versammlungen keine Diskussion duldet und auf ihren Parteitagen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit tagt. Ihre paar Anhänger sollen nur erfahren, was in der„Freisinnigen Zeitung" steht i und in dem Blatt wird aus- schließlich gelogen! Die Lüge will sich gegen den unlauteren Wett- bewerb der Wahrheit schützen.— Der Liberalismus meldet sich lebendig! Das„B. T." bemüht sich, die„socialdemottattschen Heißsporne", die über den angeblich altersschwachen Liberalismus höhnen, durch den Genossen V o l l m a r belehren zu lassen, der in München dieser Tage nach den„Münchener Neuesten Nachrichten" gesagt hat: „Für die Socialdemokratie sei es durchaus kein Nutzen, daß das deuffche liberale Bürgertum sich in einer so zerklüfteten Stellung befinde und wenn sich eine deutsche Linke bilden würde, die in allen Fällen am Platze sei, so würde das niemand mehr begrüßen als er." Nach unsrem Münchener Parteiblatt schilderte Wollmar anläßlich einer Anfrage wegen der in München entstandenen„neuen Linken" die Halbheit und Zerfahrenheit der kleinen bürgerlichen Opposinonsparteien; die Möglichkeit sei äußerst gering, daß diese je zu einer planmäßigen entschiedenen Opposition sich zusammenfinden würden. Sollte es aber doch so weit kommen, daß die fteisinnigen Elemente des Bürgertums mit Ausnahme der Nattonalliberalen— denn wer nach den letzten Ereignissen jetzt noch sich so nennt, dessen freiheitliches Empfinden ist auf ein Niveau herab- gesunken, daß von ihm nichts mehr zu erwarten ist— sich zu einer ernsthaften, energischen und andauerrnden Bekämpfung jeder Reaktton vereinigen, dann würde dies niemand freudiger begrüßen als die Sorialdemokratte. Hier in München liegen die Dinge so, daß alle entschieden fteisinnigen bürgerlichen Elemente bei den Wahlen nichts andres thun können, als für die Socialdemokratte ein- zutreten." So Vollmar l Es giebt in der Partei niemand, der diese An- schauungen nicht teilt. Aber mit Vollmar glaubt die Partei nicht an eine ernsthafte und ehrliche Demokratie; es wird sich immer nur um kleine Kreise handeln. Die Masse des„fteisinnigen" Bürger- tums ist nicht besser wie die um Engen Richter, erzreakttonäre Ver- treter des vorgeschrittenen Kapitals!— Zwei MajestätSbeleidigungs-Prozesse. Aus Halle meldet uns ein Privattclegramm: Genosse Thiele wurde von der Anklage der MajcstätSbeleidigung freigefprochen. Der Staatsanwalt hatte 6 Monate beanttagt. Aus dem gleichen Grunde wurde unser Genosse Levy ttotz seines schwer leidenden Zustandes für ein Jahr ins Gefängnis gesperrt. Aus Hamburg wird uns telegraphiert: Redakteur Genosse W a b e r s k y vom„Hamb. Echo" wurde wegen Majestätsbeleidigung, begangen durch ein humoristisches Gedicht„Fürst von Babel" zu drei Monaten F e st u n g verurteilt. Drei Monate Gefängnis waren beantragt.— Der Trakehner Schulprozeß zurückverwiesen. Das Reichs- g e r i ch t verhandelte heute über die Revision des Trakehner S ch u l p r o z e s s e s. Da SanitätSrat Dr. Paalzow- Berlin, der am 24. Oktober 1902 wegen Beleidigung des Landstallmeisters v. Oettingen-Trakehncn zu 300 M. Geldstrafe verurteilt war. am 5. April 1903 gestorben ist, kam nur die Revision des wegen Beihilfe ver- urteilten Lehrers O. Nicke l-Trakehnen zur Verhandlung. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Sonnenfeld-Berlin, rügt insbesondere die Nichtanwendung des§ 193 des Strafgesetzbuches, da Nickel dem Sanitätsrat Paalzow die Mitteilung nicht m der Absicht, v. Oettingen zu beleidigen, ge- macht habe. Der ReichSauwalt beantragt die Verwerfung der Revision, weil Nickel von dem Artikel vor der Veröffentlichung Kenntnis genommen habe. Das Reichsgericht erkannte auf Aufhebimg des Urteils und Zurückverweisung der Sache an das Landgericht I Berlin. Das Gericht schloß sich den Ausführungen des Verteidigers insofern an, als es der Ansicht war, daß �in der bloßen Mitteilung einzelner Thatsachen durch Nickel au den Sanitätsrat Paalzow noch nicht eine Beihilfe zu der von Herrn Dr. Paalzow begangenen Beleidigung des Landstallmeisters v. Oettingen zu erblicken sei.— Luise von Toskana. Der„Fränkische Kurier" läßt sich von „unterrichteter Seite" melden: Alle offiziösen Mitteilungen über Erkrankungen. Schwermut, geistliche Zuspruchnahme durch die Prinzessin Luise sind e r- f u n d e n, um auf die Nachricht vorbereiten, daß die Prinzessin in einem Kloster oder einer Heilanstalt Zuflucht suche, für Ivelchen Fall sie ihr Kind bis zum fünften Jahr behalten dürfte. Die Prinzessin ist vollkommen gesund, und falls demnächst die Nachricht komme, daß sie ein Kloster oder eine Heilanstalt aufgesucht habe, sei jetzt schon zu konstatieren, daß derartiges o h n e W i l l e n der Prinzessin geschah. Die Absperrungsmaßregeln gegen die Prinzessin seien in der letzten Zeit noch verschärst worden, Wenn solche Absicht gewaltsamer Einsperrung wirklich bestehen sollte, so würden sich die Verantwortlichen des schweren Verbrechens der Freiheitsberaubung schuldig machen.— Hudtand. Oestreich-Ungarn. Die Unruhen in Kroatien beschäftigten gestern erneut das öst- reichische Abgeordnetenhaus. Ministerpräsident Dr. von Koerber erklärte in Erwiderung auf die Ausführungen Biankinis über die Vorfälle in Kroatien dessen Darlegungen für übertrieben. Nach den ihm zugegangenen amtlichen Meldungen seien seit Beginn der Unruhen von den Gendarmen nur zwei Personen tödlich verletzt worden. tLebhafte Entrüstungsrufe bei den Südslaven und radikalen Czcchen.) Bezüglich der Audicnzverweigerung der kroatischen Ab- geordneten beim Kaiser bemerkt der Ministerpräsident, die Abweisung des Gesuchs habe aus staatsrechtlichen Gründen erfolgen müssen, und verweist aus seinen bereits gekennzeichneten Standpunkt in dieser Angelegenheit, vop dem die Regierung sich nicht abdrängen lasse. Oestteich habe genug eigne Sorgen. Wenn er auch das nationale Mitempfinden verstehe, so bitte er doch, die Ruhe des Staates zu schützen und ihm nicht Verpflichtungen aufzuerlegen, die er nicht erfüllen könne.(Die Ausführungen des Ministerpräsidenten werden wiederholt durch stürmische Zwischenrufe der Südftaven und radikalen Czechen unterbrochen. Am Schluß der Rede lebhafter, anhaltender Beifall und Händeklatschen, heftiger Widerspruch und Lärm bei den Südslaben und radikalen Czechen.) Agram, 26. Mai.(B. H.) Die hiesigen Bürger beabsichtigen die Absendnng einer Massendcputation an den Kaiser. Neuerdings wurden der Staatsanwaltschaft zahlreickie� Personen, darunter die Socialistenführer Korac, Pukseg und die>socialistin Anna Bukovic, eingeliefert. Frankreich- Milde Richter haben die fünf Schwestern vom„Guten Hirten" zu Annonay, welche wegen Mißhandlung ihrer Zöglinge angeklagt waren, gefunden. Durch die Verhandlungen, welche vor 14 Tagen vor dem Strafgericht zu Tournon stattfanden, wurde festgestellt, daß die Zöglinge(Waisenkinder, und zwar Mädchen im Alter bis zu 18 Jahren) dieser christlichen Wohlthätigkeitsanstalt auf das schamloseste ausgebeutet werden. Die Kinder müssen von früh- morgens 5 bis abends 8 Uhr mit geringen Unterbrechungen arbeiten. Dabei erfolgen Mißhandlungen der brutalsten Art, Faustschläge, Fußtritte sind an der Tagesordnung. Mädchen wurden wegen ge- ringen Anlässen an den Haaren herumgezogen. Einem Mädchen, der Antonia Bonnardel, wurde ganz besonders hart mitgespielt; es wurde ihm einmal eine Schüssel schmutzigen Wassers über den Kopf gegossen, mit dem Schlüssel, selbst mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen. Das Kind ist seiner Zeit gesund in die Anstalt ein- geliefert und hat jetzt einen Buckel. Der Arzt hat Verkrümmung der Wirbelsäule festgestellt, hervorgerufen jedenfalls durch schwere Arbeit, schlechte Ernährung und Mißhandlung. Trotz all dieser Fest- stellungen hat das Gericht die frommen Schwestern doch nur zu einer Geldstrafe von je 15 Fr. verurteilt. Dazu haben sie gemeinschaftlich die Kosten zu tragen, und zu diesem Urteil(wahrscheinlich zu der Begründung) brauchte der Gerichtshof 14 Tage.— Nachwahlen. Paris, 25. Mai.(Eig. Bcr.) Während innerhalb der Kammermehrheit antiministerielle Jntriguen geschmiedet werden, wird die ministerielle Polittk von der Wählerschaft gebilligt. Deut- lich kam das in den gestrigen drei Nachwahlen zum Ausdruck. In einer Kammer- Nachwahl im Doubs- Departement siegte der Radikale Reville über den klerikalen Großindusttiellen Jaspy mit 1500 Sttmmen Mehrheit. Im Unteralpen- Departement kommt der Socialist Jsoard in gesicherte Kammer-Sttchwahl mit dem klerikalen Kandidaten, da die fünf radikalen Kandidaten zu Gunsten des Socialisten zurücktraten. Im Haute-Saone-Departement wurde ein ministerieller Republikaner in den Senat gewählt mit 466 gegen 395 nationalistisch-klerikale Sttmmen. In allen drei Nachwahlen handelte es sich um die Behauptting alter ministerieller Mandate.— Türkei. Uever den Kampf bei Smerdcc(Wilajet Monasttr), der am letzten Freitag zwischen türkischen Truppen und einer bulgarischen Bande stattgefunden hat, berichtet das Wiener K. K. Telegr.-Korresp.- Bureau aus Konstantinopel, daß etwa neun Zehntel der 300 Häuser des Dorfes durch das Geschützseuer der Truppen zerstört worden seien. Explosionen seien gehört worden, die wahrscheinlich durch Dynamitbomben verursacht waren. Die bulgarischen Verluste sollen 100 Mann betragen, darunter auch Bewohner des Dorfes. Zur Untersuchung der Vorfälle ist der Kommandant der 6. Division Husni Pascha nach Smerdec entsandt worden. Im ganzen Wilajet Monasttr finden infolge der letzten Bandenbewcgungen militärische Strvifungen statt, bei denen zahlreiche Verhaftungen vorgenommen wurden—_ Die Blutthat in Essen vor dem Marine-Kriegsgericht. Kiel, den 26. Mai 1903. Die lebhafte Hafenstadt Kiel steht vollkommen unter dem Ein- druck des Prozesses, der heute Dienstag vor dem Kriegsgericht der I. Marine-Inspektion beginnt. Die gesamte Bevölkerung sieht dieser Verhandlung mit größter Spannung entgegen. Schon seit Wochen wird die Militärgerichts-Schreiberei und der Marine-Kriegsgerichts- rat de Bary um Gewährung von Eintrittskarten' bestürmt. Allein auf Befehl des Gerichtsherrn, Konter-Admiral v. Dresky, ist beschlossen worden, überhaupt keine Einttittskarten auszugeben, sondern dem Publikum ausnahmslos Zuttitt zu gewähren, soweit der Raum ausreicht.- Der Sitzungssaal ist allerdings äußerst beschräntt. Er bietet für das Publikum kaum mehr als 30 Plätze. Für die sehr zahlreich erschienenen Zeitungsberichtcrstatter hat Marine- KricgSgerichtsrat de Bary bevorzugte Plätze reserviert. Schon in früher Morgenstunde strömen zahlreiche Menschen. darunter zahlreiche Offiziere der Garnison Kiel und auch Damen nach dem Garnison-Arrcstgebäude, aber nur wenige finden Einlaß. Den Gerichtshof bilden: Korvettenkapitän Starke. Vorsitzender. Marine-Kriegsgerichtsral Tamaschke. Verhandlungsleiter, Hauptmann Graf v. Soden, Oberlieutenant Leonhardi, Gerichtsassessor Wachsmut, Beisitzer. Vertreter der Anklage ist Marine-Kriegsgerichtsrat de Bary. Verteidiger des Angeklagten ist Rechtsanwalt Stobbe-Kiel. Protokoll- führer ist Marine-Gerichtsschrciber Korth. Als Sachverständige sind geladen Medizinalrat Dr. Rossini und Stabsarzt Dr. Skorczewski aus Essen. Als Zeugen sind unter andern erschienen: der Student des Bergsachs Lutscher, Kaufmann Walde, Kanfmnnn Katz, Kriminal-Wachtmcister Kuhnert, Polizeisergeant Mercke, sämt- lich aus Essen a. d. R., Oberlieutenant Weiße, Oberlieutenant Dziobeck, die Fähnriche Brandes, Conrad, Sergeant Borgolte u. a. m. Der Angeklagte Robert Hüssener ist im Februar 1883 in Gelsenkirchen geboren und evangelischer Konfession. Er ist ein Sohn des verstorbenen Generaldireftors des Gelsenlirchener Hütten- und BcrglverkSvcrcins. Er besuchte die Ober-Realschule in Schalke und soll dann durch besondere Befürwortung in das Kadettencorps aufgenommen worden sein, ifsin 21. März dieses Jahres bestand er die Offiziers- Hauptprüsimg. Zu den Osterferien bekam er Urlaub. Am Ostersonnabend nachts gegen 12 Uhr kam der junge Hartmann mit zwei Schulkameraden aus Lüdenscheid. In dem Augenblick, als die jungen Leute in das Müllersche Restaurationslokal traten, ttat Hüssener auf sie zu und forderte Hartmann auf, ihn zur Wache zu begleiten. Die weiteren Einzelheiten der That sind unfern Lesern noch bekannt. Bei einein Fluchtversuch stach ihn Hüssener von hinten mit seinem Stilct nieder. Hartmann war 2 Minuten, nachdem er den Stich erhalten hatte, eine Leiche. Hüssener bekannte sich sofort als Thäter. Er hat sich nun heute wegen vorsätzlicher körperlicher Mißhandlung eines Untergebenen, wodurch der Tod verursacht wurde und wegen rechtswidrigen Waffen- gcbrauchs auf Grund der§§ 122, 123 und 149 des Militär-Straf- Gesetzbuchs bot eingangs bezeichnetem Gerichtshöfe zu berantworten. Der Bater des Erstochenen ist der Besitzer des bekannten Hotels »Berliner Hos" in Essen. Der junge Hartmann besuchte bis 1896 das Gymnasium und trat dann in einem Handelsbause in die Lehre. Seit Oktober 1962 diente er als Einjahrig-Freiwilliger beim Fuszartillerie-Regiment in Köln. Er galt als ein gutmütiger und ordentlicher Mensch. Als Vertreter der Familie Hartniann wohnt der heutigen Verhandlung Rechtsanwalt Victor Niemeyer-Essen, der Verteidiger Mellages im Alexianer-Prozeh, bei. Eine große Anzahl von Schutzleuten sind zur Aufrechterhaltung der Ordnung unter dem Kommando des Polizeikommissars Ehmsen aufgeboten. Als die Eingangsthüren zum Sitzungssaale geöffnet werden, ist der Andrang des Publikums fast lebensgefährlich. Kurz bor 9 Uhr wird der Angeklagte von zwei Infanteristen auf die An- klagebank geführt. Er ist ein mittelgroßer, sehr schlanker hübscher junger Mann, dunkelblond und wohl frisiert. Er unterhält sich zu- nächst mit seinem Verteidiger. Pünktlich 9 Uhr erscheint der Gerichts- Hof. Mit Ausnahme des Gerichtsassessors Wachsmut, der in der Robe erscheint, tragen sämtliche Richter Uniform und Degen. Beim Aufruf der Zeugen ergiebt es sich, daß auch der Unteroffizier der Reserve Schröder aus Essen als Zeuge erschienen ist. Der Vertreter der Anklage, Marine- Kricgsgerichtsrat de Vary, teilt mit, daß er auch den Chefredakteur der„Rheinisch- Westfäl. Ztg.", Dr. Reismann aus Essen, als Zeugen geladen habe. Dieser habe geantwortet, daß er nachmittags erscheinen werde.— Vert. Rechtsanwalt Stobbe: Ich ersuche mir anzugeben, worüber der mir vollständig unbekannte Zeuge vernommen werden soll, damit ich möglichst sofort Gegenbeweise vorbringen kann.— Vertreter der Anklage: Ich muß bitten, zunächst in die Verhandlung ein- zutreten.— Auf Befragen des Verhandlungsleiters, des Marine- Kriegsgerichtsrats Damaschke, giebt der Angeklagte an, er heiße Alfred Karl Wilhelm Robert, sei am 18. Februar 1888 in Gelsen- kirchen geboren und evangelischer Konfession. Am 19. April 1999 sei er auf dem«Blücher" eingetreten und am 11. Mai 1991 der- eidigt worden. Er sei nur einmal wegen Unordnung in seinen Sachen mit Quartierarrest bestrast worden und einmal mit acht Tagen Mittelarrest, weil er einen Kameraden in seiner Wohnung nächtigen ließ. Sonst habe er keine Disciplinar- oder sonsstge Strafe erlitten. Der Vertreter der Anklage verliest danach den Anklagebeschluß. Verhandlungsleiter Marine-Kriegsgerichtsrat Damaschke: An- geklagter, Sie haben gehört, daß Sie angeklagt sind der v o r s ä tz- lichen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange. Ich mache Sie darauf aufmerksain, daß der Gerichtshof auch wegen Totschlags erkennen könnte, richten Sie also Ihre Verteidigung danach ein. Zunächst erzählen Sie einmal, welche Vorbildung Sie genossen haben.— Der Angeklagte erzählt: Ich wurde zunächst durch einen Privatlehrer vorbereitet und besuchte dann die Real- schule in Gelsenkirchen. Nach einem halben Jahre wurde ich längere Zeit krank und mußte deshalb die Schule verlassen. Nachdem ich genesen war, erhielt ich wieder Privatunterricht. Inzwischen waren meine Eltern von Gelsenkirchen nach Essen verzogen und ich besuchte das Realgymnasium in Essen bis zur Obersekunda, dann trat ich in das Seekadetten-Corps ein. „Wenig begabt— sehr aufgeregt! Verhandlungsleiter: Ihr P r ü f u n g s a t t e st lautet: Führung gut, stark affektiert, wenig wählerisch in seinem Privatverkehr, sehr aufgeregt. Wenn er diese Fehler ablegt, dann dürste er sich zum See-Offizier eignen. Ein weiteres Zeugnis lautet: Führung gut, wenig begabt, ist sehr aufgeregten Wesens, eignet sich wenig zum Vorgesetzten. Durch Ihre Schuld hat einmal ein Riädchen ein Auge verloren, wie kam das?— Angeklagter: Das war in meinem zwölften Jahre. Das Mädchen stand hinter einer Mauer eines Grundstücks, das an das meines Vaters grenzte. Ich wollte das Mädchen erschrecken, warf einen Stock über die Mauer und traf das Mädchen so unglück- lich, daß das Auge zerstört wurde.— Verhandlungsl.: Nun erzählen Sie einmal ganz ausführlich die Vorgänge vom Oster- Sonnabend.— An g e kl.: Ich kam am Oster-Sonnabend spät abends in Essen eiligen Schrittes von Hagen 2 nach der Brandstraße, um mich in das Schlütcrsche Lokal zu begeben, wo mich einige Freunde erwarteten. Da sah ich einen Soldaten, der stark angetrunken war, so daß ihm der Speichel vor dem Munde stand, das Müllersche Lokal betreten. Ich wollte verhüten, daß der Soldat noch mehr Alkohol zu sich nähme und womöglich Unfug ver- übte und forderte deshalb den Soldaten auf, mir zu folgen. Der Soldat zögerte. Darauf versetzte ich: Ich fordere Sie dienstlich auf, mir zu folgen. Der Begleiter des Soldaten, Lütscher, redete diesem zu, meinem Befehl Folge zu leisten. Der Soldat nahm mich unter den linken und Lütscher unter den rechten Arm.— Verhandlungsleiter: Früher sagten Sie, der Soldat habe sich plump vertraulich benommen.— An- geklagter: Das ist richtig. Der Angeklagte erzählt alsdann weiter: Ich nahm nun den Soldaten am Arm. Nachdem wir etwa 29—39 Schritte gegangen waren, riß sich der Soldat Plötz- lich los, und wandte sich mit erhobener Fau st um, so daß ich das Gefühl hatte, er wollte mich schlagen. Ich zog daher sofort in einen Dolch. Da der Soldat fiiichtete, rief ich ihm Halt zu. Der Soldat stand aber nicht, ich schlug daher mchrcremal nach ihm und traf ihn beim zweiten Mal auf die rechte Wange. Da aber der Soldat troüdcm nicht stand, so stach ich ihn zweimal in den Rücke». In diesem Augenblick blieb der Soldat unter lautem Aufschrei stehen und sank sogleich dem Studenten Lütscher in die Arme. Lütscher rief um Hilfe. Es kamen mehrere Leute herbei, darunter auch der Unteroffizier Schröder. Ich sagte diesem sogleich, ich sei der Dhäter und forderte ihn auf. mich auf die Wache zu begleiten. Wir begaben uns zunächst auf die Polizei- wache. Nachdem ich dort zu Protokoll vernommen worden war, wurde ich in das Arrcstgebäude des Essener Bezirkskommandos ge- bracht. Es ist richtig, das, ich den Polizeibcamtcn nnd auch dem Unteroffizier Schröder Eigarcttrn angeboten habe. Ich versuchte Schröder, der über das Vorkommnis sehr aufgeregt war, zu be- ruhigen und sagte zu ihm. es wird nicht so schlimm sein. Bald aber kam die Nachricht, daß der Soldat schon verstorben sei.— Verhandlungsl.: Kannten Sie den Soldaten?— Angekl.: Ich hörte später, daß es der Einjährig-Freiwillige August Hartmann aus Essen war, ich kannte ihn aber nicht.— Verhandlungsl.: Hartmann kannte Sie aber uild war auch Ihren Brüdern bekannt.— Angekl.: Das ist möglich, meine Bruder haben das Essener Realgymnasium besucht, da mögen sie ihn gekannt haben. Mir war er unbekannt.— Verhandlungsl.: Sie sagten früher, Sie wollten den Soldaten ursprünglich nicht zur Wache bringen, sondern nur verhinderii, daß er mehr Al- k o h o l zu sich nähme.— Angekl.: Das ist richtig.— Verhandlungsl.: Sie sagten, Sie hätten Hartmann, kurz ehe dieser sich zur Flucht wandte, losgelassen?— Angekl.: Jawohl.— Verhandlungsl.: Wie viel Schritte vor der Flucht war das?— Angekl: Genau kann ich das nicht mehr sagen, aber mindestens zehn Schritte vor der Flucht.— Verhandlungsl.: Wes- halb haben Sie den Hartmann losgelassen?— Angekl.: Weil ich meinen Dolch l-shnkcn wollte,»in ihn erforderlichen- falls ziehen zu können.— Verhandlungsl.: Sie sagten, es habe Ihnen dabei die Erzählung eines Offiziers in einer Jnstrnktionsstnnde vorgeschwebt.— Angeklagter: Jawohl. Der Offizier er- zählte damals, ein Osfizier habe einmal einen Soldaten fest- nehmen wollen, er habe aber seinen Degen nicht losgehakt. Der Soldat habe den Offizier geschlagen und dieser habe von seiner Waffe keinen Gebrauch machen können. Der Dhäter sei unentdeckt geblieben und der Offizier mutzte seine» Abschied nehmen. _ Verhandlungsl.: Befürchteten Sie denn, von dem Soldaten geschlagen zu werden?- Angekl.: Ich hatte wenigstens die Em- pfindung.— Verhandlungsl.: Eine Gefahr, daß der-rhatcr nicht ermittelt werden könnte, lag aber in diesem Falle nicht vor, da-sie Lütscher kannten.— Angekl.: Jedenfalls hielt ich es für meine Pflicht, Hartmann auf die Wache zu bringen.— Verhandlungsl.: Sie waren aber doch nicht berechtigt, von Ihrer Waffe Gebrauch zu machen?— Angekl.: Laut Instruktion war ich sogar verpflichtet. Verhandlungsl.: Das ist falsch. Sie sollen sich außerdem den Dolch kurz vor der That haben schleifen lassen.— Angekl.: Das ist richtig.— Verhandlungsl.: Sind Sie nicht instruiert worden, daß Sie Betrunkenen gegenüber besonders vorsichtig sein und Be- trunkenen möglichst aus dem Wege gehen sollen?— Angekl.: Das i st m i r bekannt. Ich habe es aber für meine Pflicht gehalten, den Mann, der so betrunken war, daß ihm der Speichel vor dem Munde stand, zu verhindern, mehr Alkohol zu sich zu nehmen.— Verhandlungsl.: Sie sollen zu Hartmann gesagt haben, ich befinde mich im D i e n st.— Angekl.: Das muß ein Miß- Verständnis sein. Ich sagte nur, als er zögerte, meinem Befehle Folge zu leisten, ich befehle Ihnen dienstlich, mir zu folgen. Auf die Aufforderung des Verhandlungsleiters muß der Angeklagte vor die Anklagebank treten und zeigen, in welcher Weise er Hartmann mit dem Dolch in der Hand nachlief.— Verhandlungsl.: Haben Sie sich denn nicht klar gemacht, daß Sie den Mann durch den D o l ch st i ch töten können?— Angekl.: Daran dachte ich nicht. Ich hatte nur die Absicht, den Mann zu verwunden, um ihm zu zeigen, daß ich E r n st machte. Ich glaubte nicht, daß der Mann dadurch den Tod erleiden würde. Ich hatte auch nach der That noch die Hoffnung, daß der Mann nicht sterben werde.— Verhandlungsl.: Wenn Sie nun gewußt hätten, daß der Mann durch Ihren Dolchstich den Tod erleiden würde, hätten Sie alsdann den Mann auch gestochen?— Angekl.: Das kann ich nicht sagen. Ich hatte jedenfalls die Absicht, dem Mann nur eine derartige Wunde beizubringen, daß er nicht weiter laufen konnte.— Verhandlungsl.: Sie sollen bei Ihrer Einlieferung auf der Polizeiwache gesagt haben, Sie seien es Ihrer Offfziersehrc schuldig gewesen, Hartmann den Stich zu versetzen?— Angekl.: Das ist richtig.— Verhandlungsl.: Sie sind aber doch noch gar nicht Offizier.— Angekl.: Ich war aber der Meinung, auch die Fähnriche haben bereits, ebenso wie die Offiziere, ihre Ehre zu wahren.— Verhandlungsl.: Sie sollen zu Polizeibeamten gesagt haben:„Wenn ich meine Waffe ziehe, muß ich sie auch gebrauchen."— Angell.: Das ist uns in der Jnstruktionsstunde gesagt worden. Verhandlungsl.: Sie sollen auch gesagt haben: Wenn ich meine Waffe ziehe, muß Blut fließen?— Angekl.: Das habe ich auch gesagt.— Verhandlungsl.: Sie hatten doch aber den Mann schon so geschlagen, daß er blutete.— Angekl.: Ich hielt es für meine Pflicht, meinem Befehl unbedingten Gehorsam zu ver- schaffen, und den Mann am Fliehen zu verhindern.— Ver- Handlungsleiter: Sie sollen zu den Polizeibeamten gesagt haben: Sie sind doch auch Soldaten gewesen und kennen die Pflichten eines Vorgesetzten widerspenstigen Untergebenen gegenüber.— Angekl.: Das habe ich gesagt.— Verhandlungsl.: Als Sie sich im Arrestgebäude befanden, sollen Sie sich mit dem Unteroffizier Schröder über die verschiedenen Militärachselklappen unter- halten haben?— Angekl.: Das ist richtig. Ich suchte Schröder, der über das Vorkommnis untröstlich war, zu beruhigen. Eine Gruß-Bernbredung. Verhandlungsl.: Sie sollen verschiedene Soldaten und auch einen Unteroffizier wegen Nicht- oder nicht vorschriftsmäßigen Grüßens gestellt haben?— Angekl.: Das habe ich allerdings gcthan. Den Unteroffizier konnte ich als solchen nicht erkennen, da er den Mantel hochgeschlagen hatte.— Verhandlungsl.: Sie sollen sich mit Kameraden verabredet haben, gegen Soldaten auf Urlaub wegen nicht vorschriftsmäßigen Grüßens ganz besonders scharf vorzugehen?— Angekl.: Ganz besonders scharf wurde nicht verabredet.— Verhandlungsl.: Sie geben aber zu, sich verabredet zu haben,"wegen nicht vorschrifts- mäßigen Grüßens auf Urlaub scharf vorzugehen?— Angekl.: Eine Verabredung, die Leute zu st e l l e n, ist nicht getroffen worden. — Verhandlungsl.: Sie haben ans dem Arrest in Essen einen Brief an die Mutter Hartinanns geschrieben?— Angekl.: Jawohl. Mein Bruder kam zu mir und sagte: Junge, was hast Du gethan? Als ich sagte, daß nur das Geschehene leid thue, riet nur mein Bruder, an die Mutter des Erstochenen zu schreiben. Ich bemerke im übrigen, daß ich nur den Unteroffizier Schröder kannte. Lütscher war mir ebenso wie Hartmann vollständig unbekannt.— Verhandlungsleiter: Was ist Ihr Bruder?— Angekl.: Gerichtsreferendar.— Verhandlungsleiter: Erzählen Sie einmal die Vorgänge bei der Silberhochzeit Ihrer Eltern.— Angekl.: Vor zwei Jahren feierten meine Eltern ihre silberne Hochzeit im Hotel„Essener Hof". Da meine Mutter den Wunsch geäußert hatte, ein Dienstmädchen aus einem Restaurant zu engagieren, so sprach ich niit einigen Mädchen in der Küche. Der Direktor des Hotels wies mich aus der Küche heraus. Ich hatte viele und schwere Weine gewunken und wurde infolge dessen sehr aufgeregt, so daß ich mit dem Hotcldirektor eine» sehr heftigen Aufttitt hatte.— Verhandlungsleiter: Sie sollen hierbei mit einem Revolver gedroht haben?— Angekl.: Das ist nicht wahr. Vertreter der Anklage: Von den: Unteroffizier Schröder ist bekundet worden, Dr. Reismann aus Essen wisse, Ivo sich das Notizbuch befinde, in das der Angeklagte die Meldungen wegen Nicht- grüßens eingewogen habe. Ich habe deshalb Dr. Reismann tele- graphisch geladen und dieser hat erklärt, daß er heute abend ein- treffen wird.— Beisitzer Gerichtsassessor Wachsmuth: Waren Sie an dem staglichen Abend ganz nüchtern? A n g e k l.: I a w o h l. Ich war bei einem Bekannten und hatte dort nur sehr wenig getrunken.— Der Vert., Rechtsanw. Stobbe, beanwagt hierauf, den Brief, den der Angeklagte an die Mutter Hartmanns und auch die Briefe, die er aus der Untersuchungshaft an seine Mutter geschrieben hat, zu verlesen, endlich verschiedene Artikel aus Essener Blättern, aus denen hervorgehen werde, daß der Zeuge Lütscher der Presse Material geliefert habe, daß er in socialdemokratischen Ver- saninilun gen das Wort ergriffen und auf die Not- wendigkeit der Beseitigung des Kadaver- gehorsams hingewiesen habe. Der Gerichtshof behält sich die Beschlußfassung hierüber vor und vernimmt zunächst als. Zeugen de» am Berichterstattertisch sitzenden Redakteur Felix, Fielitz aus Essen. Dieser bekundet, er wisse nicht, wo sich das Notizbuch befinde, in das der Angeklagte die Namen von Untergebenen eingetragen haben soll, die ihn nicht vorschriftsmäßig grüßten. Es wird danach die kommissarische Aussage des Korvettenkapitäns Kniesel verlesen. Dieser hat bekundet, daß der Angeklagte ein sehr heftiger und jähzorniger Mensch sei. der mit seinen Kameraden oft Auftritte hatte. Er mußte schließlich versetzt werden. Alsdann wird die kommissarische Aussage einer Frau Teichelt aus Duisburg verlesen. Diese bekundet, Hüssener habe einmal, als er dreizehn Jahre alt war, ein zwölfjähriges Mädchen, das auf der Mauer des Grundstücks seiner Eltern saß, so heftig geschlagen, daß das Mädchen ein Auge verlor. Die Instruktionen. Es erscheint danach als Zeuge Oberlieutenant zur See Weiße: Der Angeklagte sei ein ganz unberechen- barer Charakter, ganz unverträglich und jähzornig. Er habe den Fähnrichen wiederholt � in der Jnstruktionsstunde ein- geschärft, nur in den dringendsten Fällen von der Waffe Ge- brauch zu machen. Er habe allerdings einmal in der Jnswnktions- stunde erzählt, in Danzig sei ein Osfizier, der in Civil ausging und von Soldaten und Civilisten angerempelt und geschlagen wurde, ge- zwungen worden, seinen Dienst zu quittieren, da der Thäter nicht ermittelt werden konnte. Er(Zeuge) habe dabei gesagt, wenn der Offizier bewaffnet gewesen wäre, dann wäre es seine Pflicht gewesen, von seiner Waffe Gebrauch zu macheu.— Vert.: Haben Sie nicht auch einmal in der Jnstruktionsstunde gesagt: Wenn man erst einmal seine Waffe zieht, dann soll man auch energisch von ihr Gebrauch machen?— Zeuge: Das habe ich nicht gesagt.— Zeuge Oberlieutenaut z. S. D z i o b e ck bekundet ebenfalls, daß der Angeklagte ein ganz unbe» rechenbarer Charakter sei und bei seinen Kameraden nicht beliebt war. Vor der Vernehmung des folgenden Zeugen, des Fähnrich Conrad, wird auf Beschluß des Gerichtshofes der Angeklagte aus dem Sitzungssaal geführt.— Zeuge: Der Angeklagte war ein guter Kamerad, aber sehr prahlerisch. Auf Antrag des Vertreters der Anklage wird auch der folgende Zeuge, FähnrichBrandes, in Abwesenheit des Angeklagten vernommen. Dieser bekundet, der Angeklagte sei ein guter Kämerad und sehr begabt gewesen.— Verhandlungsl.: Ihre Vorgesetzten sind hierüber andrer Meinung.(Heiterkeit.) Darauf gelangen das Sekttonsprotokoll und die Aussagen des Stabsarztes Dr. Skorzewski- Essen und des Medizinalrats Dr. Rossini- Essen zur Verlesung. Danach ist der Tod Hartmanns durch Verblutung infolge des Stiches in die Lunge erfolgt. Der Stoß mutz mit großer Kraft geführt worden sein. Dem Bekunde nach hat Hartmann an dem fraglichen Abende eine große Quantität Alkohol zu sich genommen. Nach kurzer Beratung beschließt sodann der Gerichtshof, die erwähnten Briefe des AngeNagten zu verlesen. Briefe an die Mutter. In dem Briefe an die Eltern des Erstochenen bittet der An- geklagte um Verzeihung. Er bedauere den traurigen Ausgang, aber seine harte, harte Soldatenpflicht habe ihn genötigt, so zu handeln. In einem Briefe an seine Mutter schreibt der Angeklagte u. a., Gott der Allmächtige werde ihn nicht verlassen, denn er habe nur so ge- handelt, wie er handeln mutzte. Ich werde freimiitig vor meine Richter tteten und sagen, daß ich nicht anders handeln konnte. Wenn ich dennoch bestraft werden sollte, dann muß ich mich in mein Schicksal fügen. Ich habe aber dann wenigstens den Trost und das ftohe Bewußtfein, meine Ehre unverletzt erhalten zu haben. Sie ist doch das höchste Gut, das der Mensch hat. Mir schwebt dabei die Rede des Geistlichen vor, die er beim Tode unsres in Gott ruhenden Vaters gehalten hat. Der Vater hat sein Bestes für seinen guten Namen und seine Ehre daran gesetzt. Wenn ich meinem guten Vater in allem gefolgt wäre, dann stände es heute besser um mich. Wenn ich aber erst wieder in Freiheit sein werde, werde ich mich bemühen, in die Fußstapfen meines Vaters zu treten. Gott, der die Liebe selbst ist, wird mein gutes Mütterchen nicht verlassen. Du brauchst Dich, geliebtes Mutterchen, nicht zu grämen, ich werde sicher- lich freigesprochen, auf das Gerede ungebildeter Leute braucht man doch nichts zu geben. Gott wird alles zum Besten lenken. Der Gefängnisschließer sagte mir: Sie haben nichts zu befürchten, Sie haben gehandelt, wie Sie mußten. Ich vertraue auf den Erlöser Jesus Christus. Soeben wird meine Zelle geöffnet und mir das Mittagsessen gebracht. Es ist ttaurig, daß man einen Offiziersaspiranten einsperrt, der nur seine Pflicht gethan hat. Weshalb legt man drei Schlösser vor meine Thür, ich werde doch nicht entfliehen. Ich werde mit vollem Freimut vor meine Richter treten und nieine Freisprechung verlangen. Sollte ich dennoch ver« urteilt werden, so hätte ich allerdings den Namen meiner Familie geschjandet, aber Gott der Allmächtige wird uns vor dem bewahren. Das Essen, das ich bekomme, ist ganz gut, meine Mitgefangenen sehen mit Neid daraus. Ich möchte ihnen gern etwas abgeben, aber es ist verboten. Ich werde, wenn ich erst entlassen bin Nichtraucher und Abstinenzler werden. Soeben höre ich das Klingeln der Straßenbahn. Ich glaube, ein Mädchen sitzt darin, das ich sehr lieb habe, das ich aber leider nicht heiraten kann. Ich habe dies auch dem Mädchen gesagt. Während einiger Stellen aus den Briefen an seine Mutter weint und schluchzt der Angeklagte. Danach wird der Student des Bergfachs, Lütscher als Zeuge vernommen. Dieser schildert die Vor- gänge in der Nacht des Ostersonnabend ähnlich wie der Angeklagte. Auf dem Wege in das Müllersche Lokal sei Unteroffizier Schröder bei einem Mädchen stehen gebliebe», er sei deshalb mit Harttnann allein weitergegangen. Kaum hatten sie den Hausflur des Müller- schen Lokals betteten, da sei der ihm bekannte Hüssener an sie heran- getteten und habe Hartmann aufgefordert, ihm zur Wache zu folgen. Da Hartmann zögerte, habe er ihm zugeredet, dem Befehl seines Vorgesetzten Folge zu leisten. Hartmann habe sich auf dem Wege zur Wache von Hüssener losgerissen und sei geflohen, er habe aber nicht den leisesten Versuch gemacht, gegen Hüssener thätlich zu werden. Bcrhandlungsleiter Eikes: Wackelte Hartmann?— Zeuge: Nein, Hartmann war wohl stark angettnnken, aber er konnte ganz ruhig stehen und war meiner Ueberzeugung nach vollständig Herr seiner Sinne.— Verhandlungsl.: Stand ihm der Schaum vor dem Munde?— Zeuge; Keineswegs. Auf weiteres Beftagen erklärt der Zeuge, er habe die Vorgänge der betreffenden Nacht aufgeschrieben, er that dies schon im Interesse der Familie Hartmann. Bei einem Besuche bei dieser habe er Rechts- anwalt Niemeyer gettoffen und sei von diesem auf Wunsch der Familie Hartmann zu Protokoll vernommen worden. Er habe seine Erlebnisse auch der„Essener Volkszeitung" mitgeteilt und einen Artikel im„Essener Beobachter" veröffentlicht.— Verhandlungsl.: Haben Sie auch in socialdemokratischen Versammlungen gesprochen?— Zeuge: Gott bewahre. Das ist eine gemeine Lüge und vollständig aus der Luft gegriffen. Ich wollte auch eine Be- richtigung an die„Rheinifch-Westfälische Arbeiterzeitung" schicken. ich hielt es aber für unter meiner Würde, mit diesen Leuten zu politisieren. Verhandlungsl.: Waren Sie betrunken? Zeuge: Nein, ich hatte wohl 20 Glas Bier getrunken, aber ich war vollständig nüchtern.(Heiterkeit.) Vcrhaudlnngsl.: Hatten Sie nicht auch Schnaps getrunken?— Zeuge: Nein. Vertreter der Anklage: Der Zeuge hat zugegeben, 29 Glas Bier getrunken zu haben, da kann er doch nicht mehr ganz nüchtern gewesen sein. Zeuge: Das käme doch auf einen Versuch an.(Heiterkeit im Zuhörerraum). Verhandlungsl.: Ich mache Sie darauf ausinerksam, daß Sie durch eine solche Bemerkung die Würde des Gerichtshofes verletzen. Wenn Sie das noch einmal thun, werden wir Sie in Strafe nehmen. Der Zeuge Lütscher bekundet noch, der Angeklagte habe mit einem Mädchen, das einen unsittlichen Lebenswandel führte, ein Liebesverhälttiis gehabt. Der Angeklagte bestreitet dies. Auf die Frage des Verteidigers Stobbe, ob es wahr sei, daß Lütscher gesagt habe, er werde an dem Angeklagten Rache nehmen, und ferner, ob er ihn Mörder genannt habe, verweigert der Zeuge die Antwort. Der Zeuge tritt zum Schluß noch einmal vor und bemerkt, er habe die Artikel in den Blättern zu seiner Rechtfertigung veröffentlicht, da er sich in Essen nicht mehr auf der Straße sehen lassen durste. Man habe allgemein mit Fingern auf ihn gezeigt und gerufen: Da läuft der Feigling, der seinen Freund aus offener Straße totstechcn läßt. Hierauf iverden Schutzmann Weinberg und Unteroffizier Schröder, beide aus Essen, als Zeugen vernommen. Beide schildern den Vor- gang genau in derselben Weise wie Lütscher. Auch sie bekunden, daß Harttnann nicht sinnlos betrunken war und daß ihm auch nicht der Schaum vor dem Munde stand.— Verhandlungsl.: Zeuge Weinberg, Sie haben früher gesagt, Sie hatten geglaubt, der Fähnrich habe von dem Erstochenen einen Stoß erhalten. Wie kamen Sie dazu?— Zeuge: Ich konnte mir nicht denken, daß ein Fähnrich so ohne Veranlassung einen Soldaten totsticht. Eine in Essen kommissarisch vernommene Frau, die die Vor- gänge vom Fenster aus beobachtete, schilderte dieselben in ähnlicher Weise wie die bisherigen Zeugen. Ein weiterer Beuge Sander bekundet, Hüffener habe zu ihm ge- 1 hier vorgekommen ist. Der Verteidiger geht alsdann auf den That I westfälischer Orte, die männlichen Arbeitskräfte immer mehr burch fagt, Sie sind doch selbst Soldat gewesen und müssen das wissen, wenn ein Offizier blank zieht, so muß Blut fließen, ohne Rücksicht auf den Erfolg. Es tritt hierauf eine kurze Pause ein. Nach Wiedereröffnung der Sizung wird Polizeisergeant HaschkeEffen als Zeuge vernommen. Er ist, nachdem die That geschehen, herbeigekommen und hat den Angeklagten mit dem Unteroffizier Schröder zur Wache begleitet. Der Angeklagte habe zu ihm gesagt, mit Rücksicht auf seinen Stand und seine Ehre so handeln müssen, wie er gethan habe. er habe Bolizeiwachtmeister Kuhnert- Essen bekundet: Er hatte die Wache, als der Angeklagte vorgeführt wurde. Der Angeklagte habe erklärt, er habe gehandelt, wie er vom Gesichtspunkt der Standeschre bestand ein und bemerkt, das Vorkommnis selbst sei vollständig un- weibliche zu erfeßen. Früher war es zwar keine Ausnahmeerscheinung, geflärt. Man ist in der Hauptsache auf die Angaben des Angeklagten tam aber doch selten vor, daß weibliche Arbeitskräfte die Cigarre angewiesen. Der Angeklagte hat aber so offen und frei hier Rede ganz herstellten. Sie machten in der Regel nur den Wickel, das gestanden, daß man nicht annehmen kann, er sei von der Wahrheit Deckblatt setzte ein Arbeiter auf. In legter Zeit fommt es aber abgewichen. Die Beugenaussagen waren naturgemäß im allgemeinen immer mehr auf, daß die Arbeiterin auch die Deckarbeit besorgt. sehr ungünstig. Der Herr Vertreter der Anklage sagte, der Angeklagte Das geht schon so weit, daß es Betriebe giebt, in denen die männwar so nahe an dem Fliehenden, daß er ihn mit dem kurzen Dolche lichen Arbeitskräfte ganz verdrängt sind. treffen konnte, er hätte daher den Fliehenden fassen können. Ich bin der Meinung, hätte der Angeklagte dies gethan, dann wäre das Ministeriums vom 20. d. Mts. zeigen die Saaten seit dem letzten Nach dem Saatenstands- Bericht des ungarischen AckerbauUnglück noch bedeutend größer geivorden. Denn es wäre alsdann Bericht wenig Veränderung. Die Frühsaaten von Winterweizen zwischen dem Angeklagten und Hartmann zum Ringen gekommen, stehen befriedigend und gut, die Spätsaaten kaum befriedigend. der Böbel hätte sich eingemischt und hätte ein Schauspiel gegeben, das Roggen wurde durch Fröste, die nach Mitte Mai eintraten, geschädigt zu den schlimmsten seiner Art gehört hätte. und steht kaum befriedigend. Die mit Winter- und Sommergerſte bestellten Felder zeigen eine gesunde grüne Farbe und dünften gute Qualitäten liefern. Der Stand ist gut. Hafer steht befriedigend. Die Zuckerrübe entwickelt sich im allgemeinen gut, das erste Behauen ist im Zuge. Raps schwach. Die Maispflanze gedeiht üppig. Der Weinstock steht gut, für das übrige Obst sind die Aussichten schwach. Jedenfalls hatte der Angeklagte die feste Ueberzeugung, es sei seine Pflicht, den Hartmann zu verhaften, zumal ihm das Vortommnis in Danzig vorschwebte. Gerichts- Zeitung. aus handeln mußte. Der Angeklagte sagte, ein Offizier, der an Der Angeklagte war mit Leib und Seele Soldat. gegriffen wird, ist doch berechtigt, die Waffe zu ziehen? Gewiß, erEs ist ihm von seinen Vorgesezten eingeprägt worden, daß widerte ich, selbst ein Unteroffizier ist berechtigt, die Waffe zu ziehen, die Disciplin unter allen Umständen aufrecht erhalten werden tvenn er angegriffen wird. In diesem Fall ist es aber doch was miffe, und daß ein Soldat kurz und entschlossen handeln andres, Sie haben den Mann von hinten gestochen. Der Angeklagte müsse. Von diesem Bewußtsein sei der Angeklagte zweifellos fagte hierauf, er werde zum Bezirkskommando gehen und sich dort geleitet worden. Den Ausgang bedauere der Angeklagte melden. Ich stimmte dem zu und forderte Unteroffizier Schröder felbst am meisten, hierfür seien die Briefe an die Familie HartUnbedachte Aeußerungen haben zwei Arbeitern gestern eine und den Schußmann Meschte auf, den Fähnrich zu begleiten. Kurze mann und an seine Mutter Beweise. Hat aber dem Angeklagten recht empfindliche Gefängnisstrafe eingetragen. Der Brauer M. war Zeit darauf erhielt ich die Nachricht, daß der Gestochene tot sei. das Bewußtsein gefehlt, eine vorsätzliche Körperverlegung zu begehen, von seinem Arbeitgeber, dem Brauereibefizer Hauche in Schöne= Ich lief daher mit zivei Schußleuten sofort nach dem Bezirks- so hat er sich im Sinne des Gesezes nicht strafbar gemacht. berg entlassen worden. Infolge der verzwickten Bestimmungen des kommando und befahl den Fähnrich festzuhalten. Alsdann meldete ch gebe zu, der Angeklagte hat sich des unbefugten zwischen beiden vereinbarten Arbeitsvertrages glaubte der Arbeiter ich den Vorfall dem Polizei- Inspektor. Waffengebrauchs schuldig gemacht. Ich stelle daher anheim, noch ein Anrecht auf etwa 64 M. für Tantiemen" und EntlassungsKaufmann Zollitsch und Geschäftsführer Rohwedder bekunden, den Angeklagten in angemessener Weise dieses Vergehens wegen zu entschädigung an seinen Arbeitgeber zu haben, was letterer jedoch beHartmann, Schröder und Lütscher verübten am Ostersonnabend in bestrafen, ihm aber die Untersuchungshaft in Anrechnung zu bringen. ftritt. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen beiden, in deren einem Lokal einen derartigen Standal, daß sie aus dem Lokal ge- Wegen der vorsätzlichen Körperverletzung beantrage ich die Freisprechung. Verlauf der Arbeiter äußerte: Wenn er die Summe nicht gutwillig Der Vertreter der Anklage erwidert: Der Angeklagte konnte ausgezahlt erhalte, würde er den Arbeitgeber vor dem Gewerbegericht Auf die Vernehmung des Direktors Trödel- Essen wird verzichtet. nicht annehmen, daß der Fliehende ihn angreifen werde. Das ganze verklagen und außerdem durch Zeitungsberichte dafür sorgen, daß Der folgende Zeuge Unteroffizier Borscholte: Im November Verhalten Hartmanns spricht dagegen. vorigen Jahres sei er in Essen am Bahnhof entlang gegangen. Da dieser sein Bier nicht los würde, denn er wisse doch, daß ein andrer sei der Angeklagte von hinten an ihn herangetreten und habe geArbeiter mit Stiefeln in einen Bottich gestiegen sei, an denen noch fragt: der Stallschmuz gehaftet habe. Von dem Gewerbegericht sind dem Arbeiter seiner Zeit auch 12 M. als zu erhaltende Tantiemen noch zugesprochen worden, während er mit seinen übrigen Forderungen abgewiesen wurde. In der Drohung mit den Zeitungsberichten aber sah der Arbeitgeber eine Erpressung und stellte Strafantrag. als Beuge geladener Arbeiter bestritt, mit schmutzigen Stiefeln in den Bottich gestiegen zu sein, und das Ende vom Liede war, daß der Angeklagte Brauer M. wegen versuchter Nötigung von der vierten Straffammer zu einem Monat Gefängnis vers urteilt wurde. wiesen werden mußten. Wollen Sie nicht grüßen? Er habe gesagt: Ich bin Sergeant beim Bezirkskommando und habe das nicht nötig. Der Angeklagte sagte hierzu nichts und ging fort. Der folgende Beuge ist Unteroffizier Siek: Er sei von einem Fähnrich zur See wegen Nichtgrüßens gestellt worden; er wisse aber nicht, ob dies der Angeklagte war. Eine Anzahl weiterer Beugen, Musketiere aus Effen- Ruhr, befunden, daß sie ebenfalls von dem Angeklagten wegen Nichtgrüßens gestellt worden seien. Die letzte Zeugin, Frau Schlächtermeister Aldejohann, bekundet: Ich kenne den Angeklagten ganz genau. Eines Tages stand ich vor einem Schaufenster. Da trat der Angeklagte an einen Soldaten heran und sagte mit lauter Stimme: Weshalb grüßen Sie nicht? Stehen Sie stramm, sonst trete ich Ihnen in den Leib, daß Ihnen die Gedärme herauskommen. Angeklagter: Ich bestreite diese Aeußerung ganz entschieden. Ich habe mich niemals in dieser Weise einem Untergebenen gegen über ausgedrückt. Verhandlungsl.: Frau Adejohann, Sie hören, was der Angeflagte fagt, halten Sie Ihre Aussage aufrecht oder können Sie sich vielleicht irren? Zeugin: Nein, ich irre mich nicht. Ich war durch den Vorgang ganz erregt, so daß er mir deutlich in der Erinnerung geblieben ist. Ich kann mich auch nicht in der Person irren, da ich Hüffener ganz genau kenne. Verhandlungsl.: Sie haben doch auch kein Interesse zur Sache und werden sich auch nicht durch ein falsches Zeugnis unglücklich machen? Nach einer kurzen Erwiderung des Verteidigers bemerkt der Angeklagte auf Befragen des Verhandlungsleiters, daß er nichts weiter zu sagen habe. Danach zieht sich der Gerichtshof zur Beratung zurück. Nach etwa zweistündiger Beratung trift der Gerichtshof wieder in den Saal. Unter gespannter Aufmerksamkeit des überfüllten Zuhörerraums verkündet der Verhandlungsleiter MarineKriegsgerichtsrat Tamaschte folgendes Urteil: " Ein Das Kriegsgericht hat folgenden Thatbestand für vorliegend erachtet: Am 11. April, nachts gegen 12 Uhr, famen Hartmann, straße, um sich nach der Müllerschen Restauration zu begeben, wo sie Schröder und Lütscher vom 3. Hagen in Essen nach der BrandNoch schlimmer erging es dem jebigen Schankwirt R. in Bantow, Freunde erwarteten. Sie hatten alle drei ziemlich viel Bier ge- der früher bei der Firma Borsig in Tegel als Dreher beschäftigt trunken, Hartmann war so betrunken, daß er schwankte. Da die war. Anläßlich des Borsigschen Dreherstreiks hatte R. in einer drei jungen Leute auf der Straße ziemlich laut waren, wurde der Streitversammlung den Betriebs- Ingenieur Bona leichtfertigers Angeklagte auf sie aufmerksam, trat an Hartmann heran und weise des Betrugs" bezichtigt. Wie die Beweisaufnahme ergab, scherzhaft auf, oder wie der Angeklagte sich ausbrückt, plump ber- einmal in verärgerter Stimmung erzählt, der Ingenieur Bona lasse forderte ihn auf, ihm zur Wache zu folgen. Hartmann nahm dies hatte der als Zeuge anwesende Schlosser St. dem Angeklagten St. traulich". Darauf versetzte der Angeklagte: Ich bin im Dienst und poröse Kreuzköpfe durch Einsetzen von sogenannten Schwalbens erteile Ihnen den dienstlichen Befehl, mir zu folgen. Lütscher redete schwänzen fliden, auch seien minderwertige Ercenterstanger für Lokomotiven verwandt worden, deren schadhafte Stellen dann durch Hartmann zu, dem Befehle Folge zu leisten. Die drei waren etwa dreißig Schritte gegangen, da riß sich Verhämmern verdeckt wurden. Obige Mitteilungen haben dem AnHartmann los und wandte sich zur Flucht. Ob Hartmann von dem geklagten genügt, um in jener Versammlung von einem„ Betruge" Angeklagten schon früher losgelassen worden war, konnte nicht fest des Ingenieurs Bona zu sprechen. Die Aeußerungen famen als gestellt werden. Es ist nicht erwiesen, ob Hartmann dem An- Versammlungsbericht in die„ Tegeler Zeitung", gegen deren Res geklagten einen Stoß bersetzt hat oder eine Wendung machte, woraus datteur Schulz zuerst ebenfalls Strafantrag gestellt, später jedoch Von den Zeugen Bona und Geh. der Angeklagte entnehmen konnte, Hartmann wolle ihn angreifen. wieder zurückgezogen war. dest steht, daß der Angeklagte dem fliehenden Hartmann Halt!" Baurat Garbe wurde übereinstimmend bekundet, daß es sich bei zugerufen und ihn, da er nicht stand, an die Wange geschlagen habe, jenen Arbeiten lediglich um Schönheitsfehler handele, durch welche so daß diese blutete. Da Hartmann auch daraufhin nicht stehen die Betriebssicherheit der Eisenbahnen auch nicht im mindesten ge blieb, stach ihn der Angeklagte in den Rücken, so daß nach furger fährdet werde. Bei Abnahme der Arbeiten mache die Firma Borsig Zeit der Tod eintrat. Der Angeklagte hat sich sodann sofort der die betreffenden Staatsbeamten auf etwaige Mängel an den einzelnen Behörde gestellt. Der Angeklagte war ungehorsam gegen die Dienst- Maschinenteilen schon seit jeher aus Princip selbst aufmerksam, und Die Zeugen Meschte und Kuhnert bekunden noch auf Befragen, vorschriften. Er durfte Hartmann nicht anfassen, da es vollständig wenn solche beanstandet würden, erfolge ohne weiteres deren AusHüffener habe ihnen gesagt, er habe den Hartmann zunächst von genügte, wenn er ihm gut zuredete. Noch weniger liegt ein Grund wechselung. Auch die Arbeiter seien gehalten, schadhafte Stellen im born gestochen. Der Angeklagte bemerkt hierzu, er bezweifle, dies dafür vor, daß er Hartmann mit dem Dolche stach. Da mag dem An- Guß sowie an Stolben, Stangen usw. ihren Vorgesezten sofort zur zu den Zeugen gefagt zu haben, er gebe aber zu, daß der Erstochene geklagten geglaubt werden, daß er der Meinung war, Hartmann Kenntnis zu bringen. Von einer Täuschung, Uebervorteilung oder fich im Müllerschen Hausflur nicht geweigert habe, mit ihm zu wolle schlagen und er sei verpflichtet, den vermeintlichen Angriff ab- gar von einem Betruge des Eisenbahn- Fiskus könne daher absolut gehen. Verhandlungsl.: Vorher haben Sie das aber nicht gesagt.zuwehren. Von Notwehr kann bei dem Vorgehen des Angeklagten feine Rede sein. Die Straffammer verurteilte R. wegen Bex Angell.: Dann hatte ich es wohl vergessen. nicht die Rede sein. Der Gerichtshof hat nicht angenommen, daß leidigung des Ingenieurs Bona zu drei Monaten Ges Der Gerichtshof beschließt danach, auf das Zeugnis des Chef- der Angeklagte die Absicht hatte, den Hartmann zu töten, sondern gefägnis und sprach letterem die Publikationsbefugnis des Urteilsredakteurs Dr. Reismann- Grone- Essen zu verzichten. nur vorsätzliche Mißhandlung im Sinne des§ 123 und 122 des tenors in der Tegeler Zeitung" und im Berliner Tageblatt" au Die Beweisaufnahme ist beendet. Militär- Strafgesetzbuches sowie wegen unbefugten Waffengebrauchs im Sinne des§ 148 des Militär- Strafgefeßes, endlich wegen UnStrafabmessung hat der Gerichtshof die große Jugend und die Unreife des Angeklagten und auch den Umstand in Betracht gezogen, daß der Angeklagte sich in gutem Glauben befunden hat. In Erwägung aller dieser Umstände hat der Gerichtshof auf Zeugin: Gewiß nicht. Der Ankläger. gehorsams gegen dienſtliche Vorschriften im Sinne des§ 92. Bei ber Letzte Nachrichten und Depefchen. erkannt. vier Jahre eine Woche Gefängnis und Degradation Eine Woche wird dem Angeklagten auf die Untersuchungshaft angerechnet. Angeklagter, Sie haben das Recht, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Wollen Sie jetzt eine Erklärung abgeben, oder Es nimmt das Wort zur Schuldfrage der Vertreter der Anklage Marine- Kriegsgerichtsrat de Barh. Er schildert zunächst in eingehender Weise den Sachverhalt und führt dann aus: Die Beweisaufnahme hat ergeben, daß Hartmann feineswegs so betrunken war, daß es erforderlich gewesen wäre, den Mann zu verhaften; es war das umsoweniger notwendig, als Hartmann sich in Gesellschaft von Freunden befand. Der Angeklagte war absolut nicht berechtigt, bon feiner Waffe Gebrauch zu machen. Er konnte den Hartmann durch Festhalten am Arme am Fliehen hindern und andrerseits konnte er durch Lütscher fofort den Namen feststellen. In großen Garnison- diese sich vorbehalten? orten muß allerdings die Disciplin aufrecht erhalten werden, auf Urlaub konnte aber etwas nachgesehen werden. Ich bin überzeugt, hier in Stiel würde es dem Angeklagten nicht einfallen, einen betrunkenen Matrofen zu verhaften, obwohl er hier eine viel größere Berechtigung hätte, als in Essen. Der Angeklagte ist lange genug Soldat, um die Instruktion zu kennen. aus der Marine. Angeklagter: Ich behalte mir die Erklärung vor. Der Angeklagte unterhält sich noch einige Zeit mit seinem Bruder und seinem Verteidiger und läßt sich dann ruhig abführen. Aus Industrie und Handel. " Kriegsgerichtliches. Mannheim, 26. Mai.( B. H.) Das hiesige Kriegsgericht ver handelte heute gegen den Grenadier Walz aus Mannheim wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange. Walz soll in der Nacht vom ersten zum zweiten Osterfeiertage dem Kaufmann Mag Berger aus Mannheim außer verschiedenen Verlegungen am Kopfe auch einen Stich mit seinem Seitengewehr in den Unterleib beigebracht haben, welch' letzterer den Tod Bergers zur Folge hatte. Walz bestritt, Berger gestochen zu haben, gab indessen zu, infolge wiederholter Angriffe seitens des letteren mit seinem Seitengewehr geschlagen zu haben. Der Vertreter der Anklage ließ selbst die Anklage wegen des tödlichen Stichs fallen, da Berger auch selbst in das Seiten. gewehr gerannt sein könne, und beantragte nur Bestrafung wegen Mißbrauchs der Dienstwaffe. Der Verteidiger des Angeklagten plädierte auf Freisprechung. Der Gerichtshof erkannte demgemäß. ein Franzöfifche Deputiertenkammer. Paris, 26. Mai. Congy( Nation.) richtet eine Anfrage an die Die Beweisaufnahme hat aber andrerseits auch nicht ergeben, Reichsbank. In der heutigen Sitzung des Central- Ausschusses daß der Angeklagte den Tod des Hartmann gewollt habe. Der An- sprach der Präsident Dr. Koch unter Hinweis auf die Lage der Bank, getlagte hat lediglich aus Prahlerei und persönlicher beren Metallbestand sich seit dem letzten Ausweis um 23,16 Millionen Eitelkeit gehandelt. Es liegt mithin eine vorfäßliche Mißhand- Mart vermehrt hat, während gleichzeitig der Effektenbestand um Regierung betreffend die Automobilfahrt Paris- Madrid. MinisterYung eines Untergebenen mit födlichem Ausgange vor. Der An- 39,97 Millionen Mark abnahm, für die Beibehaltung des jetzigen präsident Combes erwidert, er habe seine Genehmigung zu dem geklagte hat sich mithin im Sinne des§ 123 Abs. 3 und wegen un- Diskontsages. Er führte aus, zwar herrsche am Markte noch immer Rennen erteilt, weil die Antragsteller sich auf die berechtigten befugten Waffengebrauchs im Sinne des§ 149 des Militär- Straf- Geldknappheit, wie auch die erneute Steigerung des Wechsel- Interessen der französischen Industrie beriefen. Die Unfälle seien gesetzbuchs schuldig gemacht. Von Notwehr kann nicht im entferntesten bestandes um 14 876 000 beweise, so daß dieser jetzt um 128 Millionen nicht dem Mangel an Vorsichtsmaßregeln zuzuschreiben, sondern die Rede sein. Ebenso wenig können mildernde Umstände Platz Mark höher sei wie zur gleichen Zeit des Vorjahres; aber andrer- lediglich der Schnelligkeit. Die Regierung sei nicht geneigt, greifen. Andrerseits wird bei der Strafzumessung in Erwägung zu feits tomme der Bank die Erleichterung des Effettencontos zu gute, neues Experiment zu gestatten. Jedoch sei es nicht ziehen sein, daß der Angeklagte ein noch sehr junger Mensch ist, der, wenn diese sich auch unter Schwächung der Girogelder vollziehe. erforderlich, daß die Kammer äußerste Maßregeln beschließe, unter wie seine Briefe befagen, noch nicht vollständig entwickelt ist. Ein zwingender Grund für eine Diskonterhöhung sei schon im Hin- dem Vorwande, daß es sich um den Schutz von Menschenleben Ferner müsse beachtet werden, daß falsche Ehrbegriffe an der That blick auf die englische Diskontermäßigung nicht vorhanden. handle. Combes fügt hinzu, wenn die Automobil- Gesellschaft des Angeklagten sehr viel schuldig seien. In Anbetracht aller dieser Schnelligkeitsproben anstellen volle, so müsse sie dies auf einer Umstände beantrage ich Beschäftigung in der Cigarrenindustrie. Wenn auch das Cigarren- ihr gehörenden Rennbahn thun. Die Kammer müsse darauf bedacht Detailgeschäft augenblicklich nicht gerade ungünstig liegt, so zeigen sein, die öffentliche Sicherheit und die Interessen der Industrie zu 6 Jahre Zuchthaus und Ausstoßung die Fabrikanten doch, wie die Arbeitsmarkt- Korrespondenz berichtet, wahren. Nach kurzer Erörterung wird die von Combes erbetene eineine gewisse Aengstlichkeit ihre Lager so wie in normalen Jahren zu fache Tagesordnung angenommen. Die Verteidigung. füllen. In einigen Distrikten geht diese Aengstlichkeit so weit, daß Berry beantragt, daß für die Zeit vom 1. Juni bis zum • Verteidiger Rechtsanwalt Stobbe: Wir alle stehen noch die Arbeitgeber die Erzeugung einschränken; fie stellen nicht nur 15. Juli der Getreidezoll auf fünf Frant herabgesetzt werde. Der unter dem Eindruck des traurigen Ausganges der vorliegenden feine Arbeitskräfte ein, sondern lassen die bisher voll beschäftigten Antrag wird von Debussy im Namen der Bollkommission und von Mougeot That. Ich gebe zu, der Vorfall hat mit Recht große Auf- Personen Zahl machen". Während nämlich bei normalem Geschäfts- bekämpft und darauf vom Hause mit 422 gegen 131 Stimmen abgelehnt. regung in der öffentlichen Meinung hervorgerufen. Allein die gang der Arbeiter in der Woche Cigarren herstellen kann, so viel er Presse hat den Vorfall, verführt durch gewissenlose fertig bringt, wird beim Zahl machen" dem Arbeiter eine beZur Aussperrung der Bremer Bauarbeiter. Reporter, furchtbar aufgebauscht. Selbst in politischem Sinne stimmte Summe von Cigarren vorgeschrieben, über die hinaus Bremen, 26. Mai.( W. T. B.) In einer heute abgehaltenen ist das Vorkommnis ausgebeutet worden. Das Vorkommnis hat in ihm der Arbeitgeber nichts abnimmt. Wenn der Arbeiter in Bersammlung der Maler-, Tischler, Glaser- und Dachdeckermeister Form einer Interpellation den Reichstag beschäftigt. Ich stehe nicht der Woche feine 2400-2500 Cigarren macht, so bedeutet es urde mit überwiegender Majorität beschlossen, sich dem Beschluß an zu sagen, der Herr Staatssekretär des Reichs- Marineamts v. Tirpik schon einen Ausfall der Erzeugung, wenn der Arbeitgeber nur der Maurer- und Zimmermeister auf Aussperrung sämtlicher Arbeiter hätte besser daran gethan, wenn er die Beantwortung der Jnter 2000 Stück die Woche dem einzelnen Arbeiter abnimmt. Auf diese anzuschließen und sämtliche Arbeiter am Sonnabend, den pellation abgelehnt hätte, bis Sie, meine Herren Richter, Ihren Weise war an vielen Orten zur Zeit die Erzeugung vermindert, 30. Mai, zu entlassen, falls die Klempnergesellen bis dahin die Richterspruch gefällt hätten. Der Herr Staatssekretär sagte, er verurteile ohne daß man nach außen hin eine eigentliche Abnahme des Be- Arbeit nicht wieder aufgenommen haben. den Vorfall unter dem Vorbehalt, daß die öffentliche Gerichtssigung die schäftigungsgrades bemerkte. Die Fabrikanten wollen durch diese Wahrheit aller Einzelheiten erbringe. Wenn der Herr Staatssekretär mit Einschränkung den Lagerbestand nicht anwachsen lassen, da sie Paris, 26. Mai.( W. T. B.) Der Untersuchungsrichter hat die der Beantwortung der Interpellation gewartet hätte, dann würde seine die Krise noch nicht für überwunden erachten. Im Gegensatz zu Einstellung des Verfahrens gegen Unbekannt wegen des gegen die Antwort der Interpellation jedenfalls ganz anders ausgefallen sein. dieser Einschränkung des Betriebes giebt es an Orten, wo die Starthäuser verübten Erpressungsversuchs an Meine Herren! Ich weiß, wir stehen alle unter dem Einfluß der Arbeitslöhne besonders niedrig sind, sehr viele Fabriken, die vollauf geordnet. In der damit zusammenhängenden Klagesache des öffentlichen Meinung. Ich ersuche Sie aber, alles außer acht zu zu thun haben und ihre Arbeiterzahl vermehren. Meist werden in Journalisten Veroort wurden der Redakteur Bessor des Betit laffen, was Sie in Beitungen gelesen oder irgendwo gehört haben. Diesen Betrieben die billigsten Sorten angefertigt. Um an den Dankhinois" und der Geschäftsführer Hazard des„ Figara" vor das Sie haben lediglich das Ihrem Urteil zu Grunde zu legen, was Löhnen zu sparen, sucht man auch, zum Beispiel an einer Reihe Polizeigericht verwiesen. Berantwortl. Redakteur: Carl Leid in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 121 20. Jahrgang. Di tann. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Hiffwod, 27. Mai 1903. Partei- Nachrichten. D Mittwoch, der Erdoberfläche ihr Brot in einer Size von 33-40 Grad ver- Militär- und Marinefragen sowie an kritischen Bemerkungen über dienen müssen, find trotz des starken Abfazes zurückgegangen. Mit etwelche Regierungsmaßnahmen zu sagen wisse, würde ebenso gut Ein Beteran. Seinen 70. Geburtstag beging am 26. Mai der Rücksicht auf die schweren Folgen der Wurmkrankheit hat die von Freifinnigen gesagt. Nach einer treffenden Charakterisierung angeordnet, daß die Cigarrenfabrikant Genosse Meyer zu Bardenfleth im Schleswig- Regierung Gänge mit verdünnter der Konservativen ermahnte Redner alle Wähler, die bis jetzt noch Holsteinischen. Seit Gründung des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Starbolsäure zu besprengen sind und die Aborte mit Kalt den Freifinnigen nachgelaufen sind, sich den unsterblichen Johann vereins" ist Genosse Meyer für die Partei thätig. Heute noch steht bestreut werden sollen. Teilweise ist dies mur in ganz be- Jakoby, der diese Stadtbezirke früher als wirklich demokratischer Abder betagte Genosse seinen Mann im Wahlkampfe mit einer Hin- fchränktem Maße geschehen, so daß Arbeiter, die das Besprengen zu geordneter des zweiten Berliner Landtags- Wahlkreises im Landtage gebung, an der sich manch jüngerer Genosse ein Beispiel nehmen bersorgen hatten, von einem Karbolgeruch taum etwas wahrnehmen. vertreten hat, zum Vorbilde zunehmen, sich wie dieser von dem Ebenso war das Bestreuen sehr mangelhaft. Es müßte hier über- grundsatzlofen Freifinn abzuwenden und für die Wahl eines Socials haupt mehr für die Gesundheit der Arbeiter Ein schmerzlicher Verlust hat die Leipziger Socialdemokratie than werden, vor allem für gute Luftzuführung und Ausforderte auch hier wieder der Handelsagent Leo Flatau die ge- demokraten einzutreten.( Lebhafter Beifall.) In der Diskussion Betroffen. Genosse Arno Kaufmann, der Geschäftsführer der rottung des Ungeziefers, wie Ratten, von denen einzelne Juden zur Wahl des socialdemokratischen Kandidaten auf. Ein Leipziger Boltszeitung", im am Sonntagabend 7 Uhr nach langer einen halben Meter lang sind, Stäferarten und andre Tiere, vor freisinniger Schuhmachermeister meinte hierauf, dem Mittelstande schwerer Krankheit im 41. Lebensjahre gestorben. Vergeblich suchte denen der Arbeiter sein Frühstück nicht mit Ruhe genießen kann, sei nur durch Vernichtung der Fabriken und Maschinen zu helfen. er vor einigen Wochen in Wiesbaden nochmals Linderung in seinem und die gleichzeitig zur Verbreitung der Wurm- Da diese und ähnliche Aussprüche den Redner als einen sehr rücklangjährigen Magen- und Nierenleiden; doch mußte er zurückkehren, frantheit sehr viel beitragen. Gerade diese lettere ständigen Mann kennzeichneten, so wurde er nicht ernst genommen. ohne Befferung gefunden zu haben. Vollkommen im Klaren über seinen Bemerkung in der Zuschrift an uns scheint uns besonders bemerkens- 3m Sinne des Referenten sprachen alsdann noch die Genoffen Hugo Zustand, trug er in flagloser heroischer Duldung sein Leiden, von dem ihn nun der Tod erlöst hat. Er hinterläßt eine Frau und zwei Kinder verschiedenen Infektionskrankheiten als Seuchenverbreiter besonders ermahnte hierauf die Anwesenden, alles aufzubieten, damit auch wert, ist es doch allgemein bekannt, daß in der That die Ratten bei oesch und Walded Manasse. Der Vorsitzende Oppel im Alter von 8 und 4 Jahren. über dieser bisherigen Hochburg des Freisinns am 16. Juni das rote Banner der Socialdemokratie flattern möge und schloß dann die Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Partei. Der erste socialdemokratische Bürgermeister im Lande Baden ist in Jspringen bei Pforzheim gewählt worden. Genosse Wilhelm Haug, der von der socialdemokratischen Partei als Bürgermeister Kandidat nominiert war, ging aus der Wahl mit 150 Stimmen als Sieger hervor, während der Gegenkandidat, der bisherige Bürgermeister, mit 106 Stimmen in der Minderheit blieb. Der erste Socialistenkongreß in Japan. in Betracht kommen. Der französische Staat als Arbeitgeber. In den staatlichen 8ündholzfabriken von Aubervilliers hat die Regierung neue Maschinen aufgestellt und infolgedessen sollen am 4. Juni von den 230 dort thätigen Arbeitern 186 entlassen werden. Die Organisation der staatlichen Arbeiter protestiert hiergegen und fordert, daß die Regierung gleich wie bei der Post und in den Marinewerkstätten auch in den Zündholzfabriken den Achtstundentag einführe, wodurch die Entlassung der Arbeiter vermieden werden könnte. 8863 Aus der Frauenbewegung. " Der Redner fand am Montag in Weimanns Volksgarten" statt. Als Referent Sechster Wahlkreis. Eine zahlreich besuchte Wählerversammlung war Genosse Vogtherr aus Stettin erschienen. ging scharf ins Gericht mit den Miffethaten, die die bürgerliche In Drata, dem industriellen Centrum von Japan, traten am Majorität des Reichstags während der letzten Jahre gegen das 5. und 6. April die japanischen Socialisten zu einem ersten Kongreß Voklswohl verübt hat, ging dabei besonders auf den Zollwucher- Tarif zusammen. Man darf dabei nicht an einen Kongreß nach europäischem ein, eine Frage, die, wie der Redner mit Recht bemerkte, nicht oft Muster denken. Erstens fehlt es in Japan an jeder Parteiorganiund nicht gründlich genug erörtert werden kann, und geißelte die sation der Socialdemokraten; der erste in dieser Richtung unterelende Art, wie sich die Freifinnige Volkspartei dabei benommen hat nommene Versuch vor zwei Jahren wurde von der Regierung unter- Socialdemokratischer Frauen- Wahlverein Teltow- Beeskow- Storkow- und wie sie sich jetzt im Wahlkampf benimmt, wo sie troß ihres drückt, die Führer zu erheblichen Geldstrafen verurteilt. Um den Charlottenburg. Am Sonntag tagte in Nigdorf eine sehr gut be- radikalen Gebahrens den Hauptfeind in der Socialdemokratie erKongreß zu stande zu bringen, hatte man die Versammlungen als suchte öffentliche Mitgliederversammlung des Vereins. Genosse blickt, gegen den sie mit Schmähungen und Verleumdungen ankämpft. wissenschaftliche Diskussionen angemeldet. Der Zwed, auf diese Weise Davidsohn war verhindert zu erscheinen. An seiner Stelle behandelte Es ist eine Lüge und ist Unsinn, wenn diese Partei, die die Interdas socialistische Programm möglichst weiten Kreisen bekannt zu Genosse Phil. Bernstein das Thema: Politik und Lebensfreude. Redner essen der Großkapitalisten und Unternehmer wahrnimmt, behauptet, geben, wurde damit erreicht. Zu den einzelnen Versammlungen schloß seinen Vortrag: Erst dann, wenn es uns gelingt, unsre fie verträte auch die Arbeiterschaft. Die Socialdemokratie aber hat fanden sich immer 5-600 Personen ein, die Presse konnte den Kongreß Kinder dem proletarischen Klaffentampfe zugänglicher zu machen, in ihrem jahrzehntelangen Kampf bewiesen, daß für fie einzig und auch nicht ignorieren; insbesondere hat die verbreitetste Tageszeitung wird jene Zeit kommen, von welcher eine sagt: Es wächst her- allein des Volkes Wohl das höchste Gesetz ist. Sie ist eine Partei, er den an ein Frauengeschlecht, ganz ohne Schminke und Sünden, mit freien die im Klaffenkampf steht gegen alle andren Parteien, die die Geister socialistischen Führer Abe aufforderte, mehrere Artikel über den Gedanken, mit freier Lust, dem werd ich noch Schönres verkünden. revolutioniert und sie vorbereitet auf eine bessere Gesellschaft. Die Socialismus in feinen Spalten zu veröffentlichen. Die Tages- In der lebhaften Diskussion, welche dem beifällig aufgenommenen Reichstagswahl aber muß einen flammenden Protest bilden gegen ordnung des Kongresses war eine sehr reichhaltige; unter anderm Vortrage folgte, wies Genossin Eibert darauf hin, daß Genossinnen, alles, womit man das Volk bedrückt, die Losung muß sein: Sieg wurden Referate gehalten über: Die kommende neue Partei( von welche selbst Arbeitgeber sind, unrecht thun, wenn sie ihre Annoncen in der Socialdemokratie.( Stürmischer Beifall.) Gegner ver Katayama, dem Herausgeber des„ Socialist"); Geschichte der den sogenannten unparteiischen Blättern veröffentlichen. Würden mehr langten zur Diskussion nicht das Wort. Zum Schluß forderte der socialistischen Ideen in Japan; Municipalsocialismus; Taktik und Arbeitsannoncen im„ Borwärts" stehen, so wären die Arbeiterinnen Borsigende Genosse Bittorf die Anwesenden auf, eifrigst persönAgitation. Auch über die internationale socialistische Bewegung schon aus praktischen Gründen gezwungen, den„ Vorwärts" mehr liche Agitation zu betreiben. Am Wahltage sollte den Freisinnigen wurde gesprochen und hierbei konnte, wie der„ Socialist"( der in zu beachten wie bisher. Genosse Braun ging auf den Bolltarif, gezeigt werden, daß für sie überhaupt kein Platz mehr in Berlin ist. jeder Nummer etliche Seiten in englischem Text veröffentlicht) mit Genosse Kudowsky, die Genossinnen Thiel und Jeeze auf Boffen. Sonntag fand eine außerordentlich gut besuchte Wählerteilt, auch ein europäischer, und zwar ein öftreichischer Genosse, die praktische Thätigkeit des Frauen- Wahlvereins ein. Für diejenigen versammlung statt. Da in der letzten konservativen Versammlung Dr. G. Edstein aus Wien, die japanischen Socialisten begrüßen. Genoffinnen, welche am Wahltage helfen wollen, findet nach den den gegnerischen Diskussionsrednern nur 10 Minuten Redezeit ge= Ihm wurden Grüße an die östreichische und deutsche Socialdemo- Feiertagen ein Informationsabend statt. währt wurde, ging der Referent, Genosse Dr. Alberth, darauf fratie aufgetragen. Verschiedene Resolutionen, welche auf Agitation aus, das Referat des gegnerischen Kandidaten Friz Hammer bis für die socialistischen Ideen, Ausbreitung des Socialismus in Japan ins einzelne zu widerlegen. In scharfen Worten geißelte er die Unund die Taktik der japanischen Socialisten Bezug haben, wurden an fähigkeit und heuchlerische Arbeiterfreundlichkeit" der konservativen genommen. Das Referat fand jubelnde Zustimmung. In der nachfolgenden sehr angeregten Diskussion stellte sich heraus, daß ein Gendarm fich des völlig ungefeßlichen Abreißens vor Plakaten, die nichts als eine Einladung zur Wählerversammlung enthielten, schuldig gemacht habe. Nach Schluß der Versammlung kam eine ganze Reihe von Wählern zum Referenten und flagte über die am Ort herrschenden Hungerlöhne und über einige brutale Mißhandlungen, die in der Schule vorgekommen waren. Es ist höchst erfreulich, daß das Parteileben am Ort einen großen Aufschwung genommen hat. Gegen 130 Mitglieder zählt der erst vor kurzem ins Leben gerufene Wahlberein. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Wablverfammlungen. Erster Wahlkreis. Für die Stadtbezirke 1 bis 5 wurde am - Ift ,, Socialdemokrat" eine Beleidigung? Wir faffen es als Montagabend in Dräsels Festsälen eine start besuchte Wahlverfammeine Ehre auf, Socialdemokraten genannt zu werden. Andrer lung abgehalten. Der Kandidat des Kreises, Dr. Leo Arons, Meinung ist die Braunschweigische Landwehr- Schüßengesellschaft und wies in seinem Vortrag zunächst die albernen Behauptungen der mit ihr das Schöffengericht in Braunschweig. Ein ehemaliger Freifinnigen zurück, als verschleiere die Socialdemokratie bei der Schüßenbruder, noch dazu ein Arbeiter, hatte der Gesellschaft nach- Wahlagitation ihre Endziele. Wie wenig stichhaltig solche Begesagt, fie huldige socialdemokratischen Tendenzen; das Schöffen- hauptungen seien, gehe schon am besten daraus hervor, daß jedem gericht verurteilte ihn deshalb zu 6 M. Geldstrafe. Versammlungsbesucher am Eingange des Saales ein Eremplar des socialdemokratischen Parteiprogramms ausgehändigt würde, in dem unsre Endziele flar und verständlich niedergelegt sind. Hierauf be leuchtete Redner die hauptsächlichsten Differenzpunkte, die uns bon den Freisinnigen auch in der Haltung zu den praktisch- politischen Tagesfragen unterscheiden, weil die Freifinnigen in ihren Versamm lungen vielfach behaupten: Alles, was ein Socialdemokrat über Sociales. Ueber schwere Mißstände im Bochumer Kohlenrevier schreibt man uns von dort: Die Löhne der Arbeiter, die 3-500 Meter unter Inserate Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 27. Mai. Anfang 7, Uhr: Opernhaus. Doeberiz. Anno 1757. Schauspielhaus. Gyges und sein Ring. Deutsches. Faust. Berliner. 100 000 Thaler. Leffing. Der blinde Passagier. Residenz. Lustige Ehemänner. Vorher: Nach dem Balle. Neues. Der Herr Gemeinderat. Weften. Dubarry. Central. Madame Sherry. Thalia. Der Posaunen- Engel. Anfang 8 Uhr: Schiller O.( Wallner- Theater.) Hedda Gabler. -ROO Schiller N.( Friedrich- Wilhelmstädt. Theater.) Im weißen Rößl. Kleines. 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ArbeitsvermittlungsDie neuen Tarife werden gegen Abstempelung im Mitgliedsbuch an die Mitglieder verteilt, daher kein Eintritt ohne Mitgliedsbuch! Die Ortsverwaltung. Metallarbeiter. Achtung! Donnerstag, den 28. Mai 1903, abends 8½ Uhr: öffentl. Metallarbeiter- Versammlungen nisten im Gewerkschaftshaufe, Engel- Ufer 15; Germania- feftfäle, Chausseestr. 103; Andreas- feftfäle, vormals Stechert, Andreasstr. 21; Arminius- Hallen, Bremerstr. 72/73. Tages- Ordnung: 1. Der Streik bei der Firma Mehlich und die Streikbrecher- Kolonnen der Fertige Damen- Mäntel und Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereine. 2. Diskussion. Jacketts in grösster Ausw. Kostüm- Stoffreste zu vollständigen Kostümen u. einzelnen Röcken in farbig u. schwarz, enorme Ausw. C. PELZ, 4. Kottbuser- Strasse 4. Referenten: A. Cohen, M. Behrend, P. Pawlowitsch, K. Wiesenthal. Der Generalrat des Gewerkvereins der Maschinenbau- und Metallarbeiter ist brieflich zu diesen Versammlungen eingeladen, um Rechenschaft abzulegen über den Verrat beim Streit bei der Firma Mehlich. Die Mitglieder des Gewerkvereins werden ersucht, recht zahlreich in diesen Versammlungen zu erscheinen, um ihr Urteil über die Handlungsweise ihres Generalrats abzugeben. Auch unsern Mitgliedern rufen wir zu:„ Auf zu den Versammlungen!" 117/ 8* Restaurant Wilhelmsbad Friedrichshagen Bur robe! Belle Raffemeffer Seestrasse 45. Direkt am Müggelsee gelegen. Dampferstation. Pferdebahn- Haltestelle. Grosser schattiger Garten mit Sommer- Bühne auch an Vereine Sonntags zu vergeben. 16552 Anerkannt befte Küche. Familien können Kaffee fochen von 2 bis 5 Uhr. L. Kutscher und H. Rau. Um geneigten Zuspruch bitten Schmöckwitz Gasthaus zur Palme ( Endstation der ,, Stern"-Dampfer) Telephon: Inhaber: Hermann Peter. Grünau No. 39. 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Er brauchte dazu nicht einmal das sonst übliche Komitee, Berlin und Umgegend. Dritter Wahlkreis. Achtung, Parteigenossen! Donnerstag, den sondern handelte auf eigne Fauft. Sein Plan war bald Für das Baugewerbe resp. das Maurer- und Zimmerergewerbe 28. Mai, abends 7 Uhr, findet eine Flugblattverbreitung statt. Die gemacht. Flugs wandte er sich an den„ Kaufmännischen HilfsBerlins finden am Freitag, den 29. Mai, die Wahlen zum Genossen werden ersucht, sich rege daran zu beteiligen und an den berein" um Personal zur Bewältigung der notwendigen Vorarbeiten. Gesellen Ausschuß sowie zum Innungs- Schieds- felben Stellen einzufinden, an denen sie schon bei früheren Ver- Er ließ Billets a 3 M., 2 M., 1,25 M. und 60 Pf. nebst gericht statt. Im verflossenen Jahre haben sich unsre Organi- breitungen geholfen haben. Diejenigen, welche bisher noch nicht Plakaten drucken und diese nützlichen Dinge durch das anfationen zum erstenmal mit gutem Erfolg an den Wahlen zum geholfen haben, mögen sich an den nachstehend verzeichneten Stellen geworbene" Personal" vertreiben. Auch schriftliche Einladungen ließ Innungs- Schiedsgericht beteiligt. Wir halten es für dringend not- einfinden: Schnieber, Admiralstr. 21; Krüger, Naunynstr. 54; er zum Besuch seines Wohlthätigkeits- Konzertes ergehen. Auf den wendig, daß wir uns auch hinfort an den Wahlen beteiligen, damit Schäfer, Alte Jakobstr. 137; Bacharowsky, Brandenburgstr. 49; Plakaten stand zu lesen: unsre Organisationen ihre Stimmen auch in diesen hochwichtigen, Stramm, Ritterstr. 123; Wendt, Alexandrinenstr. 39; Schneider, Konzert- und Theater- Direktion B. Kristeller, weil staatlich anerkannten Institutionen zum Wohle unsrer Berufs- Sebastianstr. 7( Keller); Lenz, Alte Jakobstr. 69; Tauschke, BrückenBerlin W., Uhlandstr. 188. genoffen erheben können. Wahlberechtigt find alle diejenigen, straße 2; Peutert, Melchiorstr. 30; Ladelvig, Kommandantenſtr. 65. Sonnabend, den 23. Mai cr., abends 81, Uhr, in Dräsels Festsälen: welche das 25. Lebensjahr vollendet, bei einem Mitgliede Das Wahlkomitee. I. Großes Konzert und Unterhaltungsabend der Innung beschäftigt sind und sich im Besize der Bankow Nieder Schönhausen. Morgen, Donnerstag, findet in zum Besten der notleidenden Juden inkischenew. bürgerlichen Ehrenrechte befinden. Wir fordern alle wahlberechtigten Pankow bei Ebersbach, Berlinerstr. 102, abends 8 Uhr, eine Nach der Soiree: Ball mit diversen Ueberraschungen. Maurer und Zimmerer auf, am Freitag, den 29. Mai, abends öffentliche Versammlung statt, in welcher Genofie Stadt- Der Reinertrag wird ohne Abzug dem Berliner Komitee 6 Uhr, im Lokal Stöpnickerstr. 96/97 zu erscheinen, um dort ihr hagen sprechen wird. Thema: Wen wählen wir am 16. Juni? zur Unterstügung der durch verrohte Menschen ins Elend geratenen Juden in Kischenew überwiesen. 1/9 Uhr präcise beginnt der Wahlatt zum Innungs- und Dr. Stenger eingeladen. Genoffen, erscheint Mann für Mann, So, wenn das nicht zog, zog gar nichts mehr. Doch o Pech: Schiedsgericht, woran auch die Bauarbeiter teilnehmen. Als daß die Versammlung überfüllt wird. Der Einberufer. Sei es mun, daß die jüdischen Streise, auf die Herr Kristeller spekuliert Legitimation für den Eintritt in das Wahllokal und für die Ausübung Köpenick. Mittwoch, den 27. Mai, abends 8 Uhr, Wählerber- hatte, das Unwürdige eines derartigen Wohlthätigkeits- Arrangements des Wahlrechts dient das Drts- Krankenkassenbuch mit dem Stempel sammlung in Scheers Wilhelmsgarten. Referent: Genosse Georg empfanden kurz und gut, Dräfels Saal war an dem festgesetzten des Arbeitgebers oder für Mitglieder der freien Hilfskaffe eine Be- Bernhard. Es ist Pflicht aller, zu erscheinen. Die Genossen Abend so leer wie das Portemonnaie eines verkrachten Theaterscheinigung vom Arbeitgeber, daß der Betreffende bei einem Innungs- werden nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Wählerlisten direktors. Nur einzelne wenige Personen hatten sich eingefunden, mitglied in Arbeit steht. Wir ersuchen die Mitglieder, fich rechtzeitig heute am legten Tage bis 6 Uhr abends zur Einsicht ausliegen. und auch diese verließen sehr bald murrend die Stätte der verdiese Legitimationen ausstellen zu lassen. do Der Vorstand. Wahlrecht zum Gesellen- Ausfuhrnnungsauszuüben. Abends zu der Versammlung sind die Herren Anton Ringel, Professor Voß Die Berliner Vorstände der Verbands- Organisationen der Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter. Panser, Witt, Böttcher. Lokales. Es geht auch so! " 紀 -= unglückten Wohlthätigkeit. Höchst mißgestimmt dachte Herr Kristeller an den flöten gegangenen Reingewinn", den er in edler SelbstLofigkeit für die Juden in Nischenet zu erzielen gehofft hatte. Zu allem Ueberfluß aber hatte ihn auch noch sein Hilfs-" Personal" geärgert. Das Adressenbureau von Mag Henning hat, wie uns mitgeteilty tagja vanuman wird, soeben wieder einen Auftrag von der Freifinnigen Volkspartei Einer der Leute war nämlich mit Billets für das Konzert haufieren erhalten. Es handelt sich um mehrere Hunderttausend Adressen, die Wenn die Vertreter der Kirchengemeinden Berlins auf ihren gegangen, hatte während eines ganzen Tages jedoch nur zwei derselben aber nicht in der Schreibstube des Geschäftsinhabers, sondern in den Synoden zusammenkommen, um ihre Erfahrungen mit einander Bezahlung ausbat, erhielt er von Herrn Kristeller ganze 40 Reichsa 2 M. abzuseßen vermocht. Als er sich nun für den Tag seine Wohnungen der Schreiber angefertigt werden. Bekanntlich streifen auszutauschen und gemeinsam ihre Sorgen zu besprechen, dann pfennige 10 Prozent des Umfazes. Diese fürstliche Entlohnung die Angestellten des Henningschen Adressenbureaus, weil ihnen eine bekommt man felten etwas Neues zu hören. Es ist fast immer machte den andern Arbeiter, der bereits fünf Tage für das„ Geschäft geringe Lohnaufbefferung verweigert wurde. Das Agitationsmaterial dieselbe Litanei: neben der Kirchennot" bildet die Gott- thätig war, ebenfalls nachdenklich. Auch er fragte höflichst an, was der Freifinnigen wird also, soweit es sich um Adreſſenſchreiben entfremdung der Berliner Bevölkerung, zumal der Arbeiter- ihm denn für seine Arbeit, die in zweitägigem Adreſſenſchreiben und handelt, durch Streifbrecher hergestellt.. bevölkerung, Jahr für Jahr das Hauptthema, und auch dies- breitägigem Blakataustragen bestand, zugedacht wäre. Prompt er Der Streit in der Garwin- Maschinenfabrik ist beendet. Nach mal ist es nicht anders. eingehenden Verhandlungen hat sich die Direktion der Garwin synode Berlin I, die am Montag zufammengetreten ist, möchten wir seinem gar noch thätlich gegen ihn werdenden" Chef" durch einige Ein paar Momentbilder aus der Kreis- hielt er 3,20 M. Jetzt wallte dem geprellten Arbeiter doch sein Blut, und da er trotz aller Vorstellungen nicht mehr erhielt, so machte er Maschinenfabrit mit der Kommission der streikenden Dreher auf trotzdem unfren Lesern nicht vorenthalten. folgender Grundlage verständigt: träftige Handgriffe begreiflich, daß jeder Arbeiter auch seines Lohnes 1. Die Accordpreise werden einer Durchficht unterzogen und so In dem Ephoralbericht über die Tirchlichen und sitt wert sei, selbst dann, wenn er zum Besten der Juden in Kischinew eingerichtet, daß ein brauchbarer Dreher mit gewöhnlichem Fleißlichen Bustände" des Synodalbezirks wird von einem ruhigen, thätig ist. bei jeder Arbeit wenigstens den vereinbarten Stundenlohn verdienen erfolgreichen Fortschreiten" gesprochen, aber in einzelnen Gemeinden Stadtverordneten- Ersatzwahl. In der zweiten Abteilung des fann. 2. Sämtliche Dreher nehmen am 27. Mai die Arbeit wieder scheint man doch andrer Ansicht zu sein. So wird in dem Bericht 15. Kommunal- Wahlbezirks fand gestern, Dienstag, für den aus dem auf. 8. Maßregelungen der Streifenden finden nicht statt. 4. Die der Andreas- Gemeinde gesagt, die großen Massen feien Kollegium ausgeschiedenen bisherigen Vertreter, Stadtv. Ingenieur Streifenden verpflichten sich, dafür zu sorgen, daß an dem Tage, bollständig der Kirche entfremdet; der Same, den die Wolff( lib.) eine Erfazwahl statt. Der Kandidat der liberalen Partei, wo sie die Arbeit unter den obigen Bedingungen wieder aufnehmen, Socialdemokratie ausstreue, sei aufgegangen und trage seine Prof. Dr. Arthur Hartmann,- ein Gegenkandidat war nicht aufr Stirche entfrembet; her Game, ben Sie Wolff( lib.) eine Grjazwahl ſtatt. Der Standibat bar liberalen arte, die Sperre über die Fabrit vom Deutschen Metallarbeiter- Verband Früchte. In der Diskussion wurde dann auch aus der Auf- gestellt wurde mit 235 Stimmen gewählt. aufgehoben wird. daß ein uns unterlaufener Irrtum berichtigt werde. Es muß darin Arbeitervereinen und dem Versuch, durch fie die Arbeiterbevölkerung bürgermeisters Kirschner fand am Dienstag eine Sigung der Aus der Verkehrsdeputation. Unter dem Vorsitz des Obernicht heißen bei 60 Stunden 18 m. verdient, sondern der Dreher hat zu gewinnen, schlechte Erfolge erzielt worden seien. Man habe städtischen Verkehr& deputation statt, in der beschlossen wurde, in 55 Stunden 18,90 m. verdient. große öffentliche Versammlungen mit Vorträgen über religiöse der Anlage einer Linie der Großen Berliner Straßenbahn durch die Themata veranstaltet. Die Socialdemokraten, auf die es Seestraße bis zu den Kirchhöfen im Anschluß an die Straßenbahn in abgesehen war, seien anfangs gekommen, nachher aber feien sie weiteren Ausbaues der Linie durch die Ererzierstraße zuder Müllerstraße unter Vorbehalt der Rechte bezw. des „ durch ihre Genossen vom Besuch abgehalten" worden. Da haben zustimmen. Dann beschäftigte sich die Deputation mit der Gin Italiener Namens Casetti, der in Berlin wohnt, wir also wieder ein Stück des socialdemokratischen Terrorismus"! bei Einrichtung des Oberleitungsbetriebes auf der Strede Behrenmachte schon bei früheren Ausständen als Lieferant von Streit Allerdings wußten nachher zwei Vertreter der Markus- Gemeinde zu straße- Hollmannstraße der städtischen Straßenbahn( S. u. H.) in brechern, die er aus Italien bezieht, von sich reden. Zur Zeit ist erzählen, daß die Socialdemokratie sich zum Christentume gar nicht Aussicht genommenen Veränderung der Geleisanlagenfin der BehrenMainz, wo bekanntlich die Maurer und Zimmerer ausgesperrt so feindlich verhalte. Socialdemokraten schickten ihre Kinder zum straße und Mauerstraße bis zur Leipzigerstraße, sowie die Mitfind, der Schauplatz der verwerflichen Thätigkeit jenes Mannes. Konfirmations- Unterricht und seien freundlich, wenn man zu ihnen benutzung der Geleise der Großen Berliner Straßenbahn in der Dort hat er durch einen Unteragenten Namens Stoili einen Ver- komme, um mit ihnen über ihre Kinder zu sprechen. Wer hat trag mit den Unternehmern abgeschlossen, durch den sich der dunkle Ehrenmann ganz gefchäftsmäßig zur Besorgung von arbeitswilligen Maurern, die an die Stelle der Ausgesperrten treten sollen, verpflichtet. Unser Mainzer Parteiblatt ist in der Lage, den Wortlaut dieses Vertrages zu veröffentlichen. Da der Vertrag einen Einblick gestattet in die Braris des nichts weniger als ehrenwerten Geschäfts der Streifbrecher- Vermittler, so sei er hier mitgeteilt: Mainz, 24. Mai 1903. 1190 Bu einer der legten Notizen über den Streit wünscht die Firma, erstehungs- Gemeinde mitgeteilt, daß hier mit den evangelischen Firma, Metallarbeiter- Verband. Drtsverwaltung Berlin. Deutsches Reich.de Ein Agent für Streitbrecher- Bermittelung. " nun recht? " D Kanonierstraße. Das Polizei- Präsidium hat eine Schleifenanlage verlangt, wonach die aus Treptow kommenden Wagen in Zukunft Später unterhielt sich die Synode über die Frage, ob ein die Mauerstraße zurückfahren müssen. Die Große Berliner Straßendurch die Kanonierstraße nach der Behrenstraße und von dort durch Geistlicher bei Feuerbestattungen mitwirken solle oder nicht. bahn hat die Mitbenugung ihrer Geleise in der Kanonierstraße unter Ein Antrag, das Kirchenregiment um Aufhebung des bestehenden dem Vorbehalt zugestanden, daß ihr eventuell für die jetzige Haltestelle Verbotes der Mitwirkung zu ersuchen, wurde abgelehnt. Ein Geist in der Kanonierstraße eine andre in der Französischenstraße anlegen licher meinte, das Volk werde an seiner Seele Schaden leiden, wenn zu dürfen gestattet wird. Die Deputation war hiermit eine durch Feuer zu bestattende Leiche kirchlich eingesegnet werde. einverstanden. Die Große Berliner Straßenbahn hat beantragt, ihr Heute den 24. Mai wurde in Anwesenheit der Herren Haus- Gin andrer dagegen meinte, der Trost des göttlichen Wortes gelte bis zur Verkehrseröffnung der neuen Lessingbrücke die Legung eines wald, Mertes, Schreyer, Groh, Zehrlaut, Strebel und Krebs mit doch nur den Hinterbliebenen; man solle doch nicht noch eine neue Notgeleiſes auf der Brücke, wo jetzt die Fahrgäste umsteigen müssen, Herrn Stoili resp. Cafetti unter folgenden Bedingungen die Gelegenheit schaffen, bei der das Bolt sagen könne: Es geht die Pfingstfeiertage, wo die Bauarbeiten ruhen. Außerdem kam die zu gestatten. Die Deputation genehmigte diese Anlage zunächst für Stellung von italienischen Maurern vereinbart: ,, Ei gewiß, es geht auch so es geht auch fo bei der Frage der Brutto- Abgabe der Gesellschaft für elektrische Hoch- und UnterHerrn Stoili- Casetti beanspruchen nur für sich Reisespesen, auch so!"„ Ei gewiß, welche sich auf ca. 150-200 m. belaufen können, nicht aber für die Feuerbestattung und bei der Beerdigung und auch noch bei grundbahnen für die Linie Central- Viehhof- Warschauerbrücke und zu stellenden Arbeiter. Der Stundenlohn für einen guten Arbeiter manchem andren. Wir gönnen jedem seine Beziehungen die Führung der Siemens u. Halsteschen Untergrundbahn durch die beträgt 45 Bf., geringere Arbeitskräfte werden geringer bezahlt zur Kirche und zur Geistlichkeit, wenn er ohne sie nicht Grundstücke des Reichs- Marine- Amtes und des Wertheimschen Neueventuell entlassen und verpflichten sich die Herren Stoili- Cafetti auskommen zu können glaubt. Aber man möge gefälligit baues zur Sprache. Die Berlin Charlottenburger Straßenbahn Ersatz für diese zu leisten. auch andren, die von der Kirche und vom Pastor nichts wissen beabsichtigt die Errichtung einer Zuschußtasse zur Invaliden- und Die Arbeitszeit ist auf 11 Stunden festgesetzt. Es wird wollen, die nicht ihre Jungen oder Mädel in den Konfirmations- Altersversicherung für ihre Beamten. garantiert, daß sämtliche gestellten Maurer Bruchsteine, Badstein- Unterricht schicken und nicht über die Zukunft ihrer Kinder mit dem Arbeit ohne Lohn. Die mit der Auswechselung der Glühkörper, und Blendstein Mauerwerk machen, ebenso Hausteine versezen tönnen. Stoili- Casetti leisten eine Raution von 500 bis 1000 m. Paftor beraten, ihre Gottentfremdung" lassen. Es geht Instandhaltung der Brenner usw. beschäftigten Arbeiter( Monteure), sowie deren Helfer( Leiterträger) der städtischen Gaswerke haben eine oder genügende Referenzen bei Abschluß des Vertrages, was in wirklich auch so. Berlin beim Deutschen Arbeitgeber- Verband für das Baugewerbe, Die Mucker und ihre Preffe dürften diese Aeußerungen als 10ftindige Arbeitszeit, welche durch die Eigenart des Betriebes die Geschäftsamt Berlin SW., Stochstraße 3, zu geschehen hat. Leute, einen neuen Beweis socialdemokratischer Unduldsamfeit" Leute zwingt, den größten Teil des Jahres bis in die späten Abendstunden in den Monaten März- Oktober bis 10 Uhr abends welche bei Bromberger Firmen arbeiten, bei denen gestreift wird, auszunuzen versuchen, aber sie würden damit nur einen neuen Be- ihre Thätigkeit bei jeder Witterung auf den Straßen in weit dürfen nicht gestellt werden. weis der eigenen Unduldsamkeit liefern. Duldsamkeit ist ja nie ausgedehnten Revieren zu berrichten. Bu diesem Zweck Vorstehendes wurde vorgelesen und zum Zeichen des Ein- die Tugend der Kirche gewesen, auch nicht der evangelischen. Eine führen dieselben ständig Nästen mit sich, in welchen die zu verständnisses beiderseits unterzeichnet für den Verband der Bau- Probe ihrer„ Duldsamkeit" lieferte gerade die Synode wieder, als sie ihrer Arbeit benötigten Materialien sich befinden und welche, unternehmer und Maurermeister von Mainz und Kastel. über das Jesuitengesez verhandelte. Auf Anregung des je nach Größe, im Gewicht bis zu 32 Pfund haben. Wenn diese gez. Hauswald, Vors., gez. Strebel, Schriftf., gez. Stoili." Die Herren Stoili und Casetti scheinen gute Verbindungen in Berliner Zweigvereins des Evangelischen Bundes soll das Konsistorium Arbeiter nun abends um 10 Uhr Feierabend machen, so sind sie den bunkelsten Winkeln Italiens zu haben. Aber auch die organi ersucht werden, der bevorstehenden Generalfynode eine Stundgebung nicht etwa, wie andre Arbeiter, frei von dienstlichen Verrichtungen, fierten deutschen Arbeiter haben Fühlung mit ihren ausländischen gegen die Aufhebung von§ 2 des Jesuitengesetzes zu unter- übrigen Werkzeug mit sich zu nehmen nach ihren meist recht entsondern sie find gezwungen, diese Materialienkäften neben ihrem Arbeitsbrüdern, und werden gewiß die geeigneten Schritte thun, um breiten. So sieht die evangelische Duldung" aus, die einer der legenen Wohnungen. Möchten sie nach einem regnerischen Tage, den gefchäftsmäßigen Streitbrecher Vermittlern einen Strich durch die Synodalen als das Rüstzeug" der evangelischen Kirche preis. Der durchnäßt oder ermüdet, zwecks schnellerer Heimkehr die Straßenbahn Rechnung zu machen. Mann erklärte übrigens, er stimme für den eine solche Rundgebung benußen, so kommt es recht häufig vor, daß sie wegen ihrer Klempnerstreit in Frankfurt a. M. Die Klempner und Installateure fordernden Antrag, obwohl er gegen Ausnahmegeseze sei, von denen Tragekästen von der Mitfahrt zurückgewiesen werden und mit ihrer in Frankfurt a. M. haben vor einiger Zeit den Unternehmern das Bolt nichts wissen wolle. Er gehörte offenbar zu den kirchlich Last zu Fuß ihre Quartiere aufsuchen müssen. følgende Forderungen eingereicht: 91stündige Arbeitszeit, 35 Bf. Liberalen, die sich ja durch eine besondere Logik auszeichnen und Stundenlohn im ersten Jahre nach beendeter Lehrzeit, dann bis zum darin den politisch Liberalen gleichen. 21. Jahre 40 Pf. und für ältere Arbeiter 50 Pf. Bei Accordarbeit, d splein die möglichst zu vermeiden ist, muß der Stumdenlohn garantiert " " og i Berunglückter Wohlthätigkeitsfinn. 0 Berliner Partei- Angelegenbeiten. leiden arrangieren. Aus purer Nächstenliebe, aus tiefempfundenem dem Erſuchen, den Kaftentransport zu vergliten, was der betreffende auf den Straßen weite Entfernungen zurückgelegt haben, abends bis Abgesehen davon, daß diese Arbeiter, nachdem sie 10 Stunden in die elfte Stunde zu arbeiten haben, find fie nach Schluß ihrer Arbeitszeit nicht einmal Herr über ihre freie Zeit, sondern noch im werden. Die meisten Arbeitgeber haben sich zu den Forderungen Heutigen Tages ist es ja eine allbekannte Erscheinung, daß die zwar unentgeltlich Ebenso unentgeltlich haben die Arbeiter Interesse der Stadt thätig, derselben diese freie Beit opfernd, und gar nicht geäußert. Nachdem jetzt in einer Fabrik ein Ausstand ausgebrochen ist, haben jämtliche Klempner und Installateure, befferfituierten Streife" ihren Wohlthätigkeitsfinn" in einer ganz bor Beginn ihrer planmäßigen Arbeitszeit diese Kästen die nach einem früheren Beschluß erst am 6. Juni in den Ausstand besonderen Manier bethätigen. Bei Ungliidsfällen größerer Art, bei von ihrer Wohnung wieder nach den Centrale( Neue Friedrichtreten wollten, auf Vorschlag der Lohnkommission bereits am Montag Epidemien, Ueberschwemmungen, Feuersbrünsten usw. wird meistens straße) zu schaffen und find außerdem verpflichtet, dieselben die Arbeit niedergelegt, Die Zahl der Streifenden wird auf 250 an die öffentliche Wohlthätigkeit appelliert. Doch der bekannte während ihrer Mittagspause mit sich zu nehmen und laut Arbeitsgeschätzt. 32 Arbeiter sind zu den geforderten Bedingungen be- christliche Grumbsah: Laß die Linke nicht wissen, was die ordnung jederzeit für dieselben aufzukommen. Eine Thätigkeit der chäftigt. Rechte thut," findet dabei immer weniger Anwendung. Meistens Betreffenden vor Beginn, während der Baufen und nach Schluß der bilden sich wohlthätigkeitskomitees, die dann zum Besten der planmäßigen Arbeitszeit ohne jegliche Bezahlung! Der zuständige zu Unterstützenden Konzerte, Theatervorstellungen, Bälle und der Arbeiterausschuß wandte sich seiner Zeit an den Betriebsleiter mit Mitleid mit der Not ihrer in unverschuldetes Elend geratenen Mit- Herr jedoch ablehnte. Denselben Standpunkt nahm die Direktion Zweiter Wahlkreis. Heute, Mittwochabend, im Lokale Königs- menschen amüsiert, ißt, trintt, spielt und tanzt sich die honette Gesell der städtischen Gaswerte ein. In einer darauf folgenden hof". Bülowstraße 37/40, 2ählerversammlung für den Westen. schaft dann fast halb tot. Nach glücklicher Ueberwindung der ausge- Eingabe der Arbeiter an die Gasdeputation lehnte diefelbe es ebenReferent: Richard Fischer. Zahlreiche Beteiligung erwartet standenen Wohlthätigkeitsstrapazen aber bemächtigt sich dieser Edlen dann falls ab, den Transport dieser schweren Kästen außerhalb der Das Wahllomitee. ein wohliges Gefühl der Selbstzufriedenheit. Sie haben das Angenehme Arbeitszeit zu vergütigen mit der eigentümlichen Begründung, daß Dritter Wahlkreis. Achtung, Parteigenossen! Heute, Mittwoch, mit dem Nüglichen zu verbinden gewußt sie haben geholfen. Im Geifte die Aufbewahrung und der Transport der Kästen eine regelden 27. Mai, finden im großen Saale des Gewerkschafts- sehen sie schon die armen im Elend wimmernden Mitmenschen dankbar die mäßige" Aufgabe der betreffenden Arbeiter sei." Wenn hauses, Engel- Ufer 15, und im Märkischen Hof, Admiral- Hände falten und des Himmels Segen auf die edlen Spender herabflehen. die Arbeiter der öffentlichen Beleuchtung also jeden Tag ftraße 18c, je eine öffentliche Wählerversammlung Ja, es ist ein eigen Ding um die moderne Wohlthätigkeit. zwei Stunden ihrer freien Zeit opfern, um diesen schweren " statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Was haben wir vom nächsten Gute Vorbilder reizen zur Nachahmung. Dies hatte jedenfalls Raftentransport zu bewerkstelligen, so sind die städtischen GasReichstag zu verlangen? 2. Diskussion. Referenten sind die Ge- auch Herr B. Kristeller, Berlin W., Uhlandstr. 188, eingefeben. werke nicht in der Lage, denselben ihre Arbeit, die sie doch im halten hat. war dem zu „ Wurst" sei. die wenn schon eine Die wahrsten Sinne des Wortes ist, da sich keiner zum Vergnügen mit| holt gesehen und gefragt, was fie eigentlich suche, entfernte sich jedoch Die diesjährigen öffentlichen Impfungen beginnen in Rigdorf 32 Pfund umberschleppen wird, zu bezahlen. Sollte eine regel- fchleunigst, wenn sie sich so beobachtet wußte. Am gestrigen Tage er- am 5. Juni. Den beteiligten Eltern werden noch besondere Bemäßige" Aufwendung von Arbeitskraft keiner Entschädigung wert sein, hielt die Mörderin durch einen eigenartigen Umstand Kenntnis von nachrichtigungen zugestellt. oder soll der Arbeiter ohne Lohn thätig sein? Sollte es der der Anwesenheit des Majors bei dem Rentier Pudor. Major Reisch Ober- Schöneweide. Viel des Interessanten bot eine Gerichts Magistrat von Berlin zulaffen, daß in einem seiner Betriebe eine radelte häufig und stellte, wenn er mit dem Zweirad zu dem ihm verhandlung, die sich vor dem Amtsgericht Köpenick gelegentlich einer Anzahl Arbeiter beschäftigt werden, denen man für ihre Arbeits- befreundeten P. fuhr, die Maschine auf den Hof. Eine große deutsche Anklage wegen Beamtenbeleidigung gegen den Genossen Leistungen eine Entlohnung verweigert?! Dogge, welche St. besaß, pflegte sich neben dem Rad niederzulegen. Diefing aus Ober- Schöneweide abspielte. Der Genosse Diefing Der Pfingst- Fahrplan für den Stadt- und Vorortverkehr ist vor- Der Hund begleitete auch gestern seinen Herrn und blieb, wie es hatte in einer Versammlung des Wahlvereins zu Ober- Schöneweide feine Gewohnheit ist, auf dem Hof liegen. Ms die Gleditsch das hehaltlich kleiner Kenderungen fertiggestellt und wird in den nächsten Tier sah, wußte sie, daß ihr Opfer sich in der B.'ichen Wohnung be- das Verfahren der dortigen Polizeiverwaltung anläßlich der UeberTagen den Stationen überwiesen werden. Die zahlreichen Bauten Schluß gekommen, daß, und Verkehrsumwandlungen auf den Eisenbahnstrecken ermöglichen finde und ging die Treppe hinauf. In diesem Augenblick verließ wachung des Maskenfestes des Arbeiter- Gesangvereins kritisiert und welche Ueberwachung, sich ohne weiteres für die ganze die Einstellung einer größeren Zahl von Zügen, als dies sonst der Reisch die Wohnung seines Freundes und nun spielte sich der VorFall war, und so dürfte sich der Verkehr voraussichtlich glatt be- gang in der Weise ab, wie wir ihn bereits geſtern ausführlich schil- Nacht Zutritt zum Saal verschaffte, notwendig war, es jedenEine Verkürzung der Verkehrsabstände auf der berten. Erwähnt sei noch, daß die Mörderin das zur That be- falls ratsamer gewesen wäre, wältigen lassen. Beamten in Civilkleidern Stadtbahn gegen den Sonntags- Fahrplan ist nicht mehr möglich, nutzte Messer in dem weiten Aermel ihrer Bluse versteckt ge- dorthin zu senden, denn das Ansehen der Polizei würde auf keinen dafür werden aber sämtliche Stadtbahnzüge nach den Hauptverkehrspunkten, wie Halensee, Wilmersdorf, Westend und Rigdorf geleitet. Ueber die That und die Person der Thäterin wird ferner folgendes Fall gehoben, wenn, was auf einem Maskenball ja doch sehr leicht mit den umherstehenden Beamten einen Ut erlaubte. Die beiden Für den Verkehr nach dem Grunewald find stündlich je 6 Züge ab berichtet: Bevor Marie Gleditsch zum Messer griff, gab sie auf der passieren könne, sich einer der Teilnehmer in gehobener Stimmung Botsdamer Bahnhof und Nordring, je vier Züge Westend und Stadtbahn, zehnten Treppenstufe stehend auf den Major zwei Revolverschüsse die betreffende Versammlung überwachenden Gendarmen fühlten sich Genosse Diefing und außerdem Einsatzzüge ab Charlottenburg vorgesehen. Zwischen Grünau ab. Beide Kugeln verfehlten ihr Ziel und drangen in die Mauer hierdurch beleidigt und stellten Strafantrag. und Berlin, Stadtbahn resp. Görlizer Bahnhof, tritt 10 Minuten- Betrieb ein. Das Messer, mit dem sie den tödtlichen Stich führte, hatte sie der als Entlastungszeuge geladene Vereinsvorsitzende, Genosse in Kraft, mit einer zeitweisen Verkürzung der Abstände auf 5 Minuten, erst fürzlich gekauft. Es ist kein Dolch, sondern ein spizes Messer Grunow, bestritten entschieden die beleidigende Absicht. mit schwarzem Griff, das zuweilen auch in der Küche verwendet verschiedenen Bemerkungen unsrer Genossen betreffend das Verdurch Einfaßzüge Johannisthal- Stadtbahn. Auf der Nordbahn mit schwarzem Griff, das zuweilen auch in der Küche verwendet Borortstrecke verkürzen sich die Abstandszeiten bis auf 10 Minuten wurde. Nach der That ging die Mörderin, das in Zeitungspapier halten der örtlichen Polizei erregten den Amtsanwalt derart, daß Ferner findet eine erhebliche Vermehrung der Züge nach Bernau der Chauffeestraße Nr. 35, wo sie ihre vorlegte Wirtin, eine Frau ei ja die Lieblingsbeschäftigung der Genossen. Die nach Hermsdorf, bis auf 20 und 30 Minuten nach Birkenwerder. eingewickelte Meffer und den Revolver im Pompadour, äußerlich halten der örtlichen Polizei erregten den Amtsanwalt derart, daß Ferner findet eine erhebliche Vermehrung der Züge nach Bernau ruhig nach dem Thiergarten zu und schlenderte durch diesen nach er sich nicht enthalten konnte, in seinem Plädoyer den Ausspruch zu thun: das herunterreißen der Polizeibeamten mit Einſattrains nach Blankenburg und nach Nauen mit der Einsatz Todt besuchte. Während Frau Todt angiebt, daß sie ihr gegenüber gebührende Zurückweisung dieses Ausspruches veranlaßte den Herrn linie Berlin- Finkenkrug statt. Für den Verkehr nach Spandau sind von der Blutthat nicht gesprochen, sondern gesagt habe, sie habe sich noch zu der„ Entschuldigung“, daß er Herren Genossen gesagt außerdem noch Sonderzüge nach Berlin- Charlottenburg vorgesehen. mit dem Major gründlich ausgesprochen, stellt die Gleditsch es so hätte. Jedenfalls wurde indes dem Gerichtshofe bewiesen, in welcher Auf der Wannseebahn kann eine Vermehrung der Züge gegen den bar, als ob sie der ehemaligen Wirtin den ganzen Vorfall bis auf Harmonie die Feste solcher Genossen verlaufen und wie oft nur üblichen Sonntagsfahrplan nicht erfolgen. Verstärkt wird hier der den tödlichen Ausgang geschildert habe. Sie habe dann gefragt, ob durch die Anwesenheit der Polizei ein Mißtlang hineingebracht würde. Verkehr durch Einlegung von Extrazügen zwischen Potsdam und sie sich selbst der Polizei stellen solle oder nicht, und sei schließlich Eine Bitte des Genossen Diefing an die Schöffen, dieses zu beachten Stadtbahn und zwischen Werder und Potsdamer Bahnhof. Stadtbahn und zwischen Werder und Potsdamer Bahnhof auf den Rat der Frau, abzuwarten, was geschehen werde, nach ihrer und sich nicht angesichts der Wahl dazu verleiten zu lassen, einen Ferner tritt tritt auch ein Ertrafahrplan zwischen Berlin und Hier wurde fie, Socialdemokraten zu verurteilen, nur, weil er ein solcher sei, Strausberg in Kraft. Ganz besondere Verkehrsmaßnahmen Wohnung in der Sebastianstr. 40 gegangen. während die Kriminalkommissare Bessin und werden für den vermutlichen Massenandrang nach Friedrichs Dr. Grünberg veranlaßte den Vorsitzenden zu der Erklärung, daß dem Gerichtshofe Hagen getroffen, woselbst die hundertfünfzigjährige Jubelfeier in der Steinmezstraße weitere Nachforschungen anstellten, von die ganze Wahlagitation und das, was damit zusammenhänge, der Begründung des Ortes an den Pfingstfeiertagen begangen wird. mehreren Kriminalbeamten, die das Haus bejezt hielten, auf der In Anbetracht dessen, daß der Angeklagte nicht gewußt habe, Die Büge, die bis zu 15 Wagen verlängert werden, folgen sich Treppe festgenommen. Ruhig und willig folgte sie den Beamten zwischen Friedrichshagen und Schlesischer Bahnhof in 10 Minuten nach dem Polizeipräsidium. Den Pompadour mit der Mordwaffe daß die beiden betreffenden Gendarmen das Fest nicht überwacht zwischen Friedrichshagen und Schlesischer Bahnhof in 10 Minuten Abständen. Um die Abfertigung der Trains zu beschleunigen, wird hatte sie bei Frau Todt zurückgelassen, wo ihn heute morgen ein hatten, im übrigen aber seine Meinung von der Unnötigkeit der BeKriminalbeamter abholte. Im Verhör bestritt sie die Absicht, den tam das Gericht zu wachung eines solchen Festes zutreffend sei, zu und sie Berlin, in den Abendstunden in der Richtung Friedrichshagen, auf Denkzettel geben wollen, wie sie auch der Frau Todt gesagt habe einem Freispruch, nachdem der Amtsanwalt 10 M. Geldstrafe be den Zwischenstationen teine Passagiere aufnehmen, sondern ohne Sie erklärte ferner und bleibt dabei, daß der Major sich Aufenthalt nach der Ausgangsstation zurückkehren. Da voraus heimlich mit ihr verlobt und ihr die Ehe fest vereinmal diese fo eifrig betriebene ueberwachung von Bird nun die Ober- Schöneweider Polizeiverwaltung endlich sichtlich in den späteren Abendstunden die von Friedrichshagenprochen habe. so Arbeiterfesten einstellen? abgelassenen Züge auf den Zwischenstationen Passagiere nicht mehr Marie Gleditsch ist übrigens nicht die unansehnliche oder gar werden aufnehmen tönnen, werden nötigenfalls noch Sonderzüge häßliche Person, wie sie dargestellt worden ist, sondern eine ganz bon Köpenick abgelassen. Ein Teil der Sonder- Trains, und zwar stündlich zwei bis drei, werden im Bedarfsfall nach Ertner resp. stattliche und ansehnliche Erscheinung. Sie wurde am 13. November 1866 zu Posen geboren, wo ihr vor einigen Jahren gestorbener Vater Weiteres über das Mord- Rennen Paris- Madrid berichtet das Königs Wusterhausen durchgeführt. Bei ungünstiger Witterung Eisenbahnbeamter war. Ihre Mutter und eine Schwester leben noch„ Berl. Tagebl." Andauernd werden noch neue Unglücksfälle bekannt, wird die Zahl der Sonderzüge vermindert, jedoch wird auch bei in Bosen. Mit dem Major, damaligen Rittmeister Reisch, hatte sie bie fich bei der Automobil- Rennfahrt am Sonntagmorgen ereigneten. schwachem Verkehr zum mindesten der Sonntags- Fahrplan aufrecht- feit dem Jahre 1888 ein Liebesverhältnis. Bei seiner Ueberfiedelung Bei dem Dorfe Saint Vincent wollten der Musiklehrer nach Berlin nahm Reisch seine Geliebte mit und sie führte ihm auch Chayisas und feine Gattin auf ihren 3 weirädern über Vom Züchtigungsrecht der Lehrmeister. Am vergangenen Sonn- hier bis vor 1½ Jahren die Wirtschaft. Dann entließ er sie, weil die Chauffee radeln, als ein Rennwagen heranraste und tag bot sich Passanten der Straußbergerstraße ein halb Mitleid halb er feine Mutter zu fich nahm. Die Gleditsch war immer der Madame Chayisas umwarf. Der Wagen fuhr ihr beide Zorn erregender Anblick dar. Ein kleiner schwächlicher Junge, der Meinung, daß er das nur gethan habe, um sie los zu werden. Beine ab. Dem„ Petit Parifien" zufolge hat man auf der Präfektur auf den ersten Blick den Eindruck eines Schulknaben machte, stand Dazu flagte sie häufig, daß der Major ihr auch die ver Bordeaux bisher acht Tote und mindestens sechzehn meist schwer Verleşte weinend mit verschwollenem Gesicht und blutendem Munde an der sprochenen Unterstübungen nicht gebe. Nach dem AbStraßenseite, fast am ganzen Leibe zitternd. Auf die Frage der schied von Reisch ging Marie Gleditsch zunächst nach Posen, wo sie gezählt. Marcel Renaults Zustand ist höchst kritisch. Sein aus Paris zu ihm geeilter Schwager, Dr. Soupault, hat Renaults Mutter teleBassanten, was ihm fehle, antwortete er, er sei bei dem Bäcker- ein Jahr bei ihrer Mutter wohnte. Mit dieser überwarf sie sich graphiert, daß die Ueberführung des Verletzten nach Baris einstweilen meister Schubert, Straußbergerstr. 5, als Lehrling be- ihrer Darstellung nach wegen der Beziehungen zu dem Major und unmöglich sei. Maurice Farman, der hinter Renault fuhr, erzählt, daß schäftigt. Da es Sonntag war, so habe er über Mittag feine das Berwürfnis veranlaßte fie, vor einem halben Jahre wieder nach Renault in rasender Geschwindigkeit gefahren und seinen schmutzige Wäsche zu seinen Eltern nach Hause bringen wollen. Dies Berlin zu ziehen. Hier wohnte sie in der Chausseestr. 35 bei Frau Konkurrenten Therh habe überholen wollen. In dem durch Therys fei ihm von seinem Lehrherrn jedoch verboten worden mit der Weisung, Todt und dann in demselben Hause bei dem Schriftgießer Automobil aufgewirbelten Staub übersah Renault die Wegbiegung. 3. Februar sich schlafen zu legen. Hierauf hat der Junge sich auch in den Glazkeschen zog fie nach Der Wagen schoß auf eine Böschung hinauf und flog gegen einen Schlafraum begeben und dort einen Brief an seine in der Biesen- der Sebastianstraße, um ihrer Arbeitsstelle näher zu sein. Sie hatte Baum. Aus Bordeaux wird noch gemeldet, daß dort nach dem Bethalerstraße wohnenden Eltern geschrieben, worin er ihnen mitteilte, in einem Konfettionsgeschäft eine Stellung als Zuschneiderin ge- fanntwerden der Unglücksfälle von mehreren Teilnehmern an der daß ihm der Besuch zu ihnen nicht gestattet sei. Dieser Brief müsse den funden. Kurz nach Weihnachten erzählte sie ihrer Wirtin, daß sie Rennfahrt selbst eine Betition in Umlauf gesetzt wurde, die den Abhinzukommenden Meister wohl geärgert haben. Er sei in heftige Reisch zweimal getroffen habe, um sich mit ihm auszusprechen. Sie bruch des Rennens verlangte. Im Pariser Automobilklub beurteilte Erregung geraten und habe ihn( den Lehrling) alsdann mit den habe von ihm eine Abfindung von 6000 m. verlangt, aber nichts man dagegen die ganze Affaire mit lächelndem Optimismus. Man Füßen arg mißhandelt, so daß ihm die Zähne bluteten und das Ge- erhalten. Ob das wahr ist, wird sich nicht mehr feststellen lassen. suchte dort bis zuletzt die Fortseßung der Rennfahrt wenigstens ficht verschwollen sei.- Ein gerade vorübergehender Arzt riet dem Seit dem weinte sie häufig, zumal da sie seit Januar auch öfter auf spanischem Boden zu ermöglichen. Alle Pariser Blätter Jungen darauf, sich nach einer Unfallstation zu begeben. Es ist gewiß genötigt war, eines Bruftleidens wegen einen Arzt aufzusuchen. leitartikeln über die katastrophe. Im allgemeinen herrscht die bedauerlich, daß es den„ Lehrherrn" noch immer gefeßlich" gestattet ist, Dazu tam, daß nach den neueren Ermittelungen ihre Eifersucht nicht leberzeugung vor, daß die Aera der großen internationalen Autodas aus der Zunftzeit überkommene väterliche" Büchtigungsrecht ganz unbegründet war. mobilrennen definitiv abgeschlossen ist. Hoffentlich! den Lehrlingen gegenüber auszuüben. Einem Meister aber, der sich nicht geniert, einen in der körperlichen Entwicklung so weit zurüd gebliebenen Lehrling, wie es dieser geradezu gebrechliche Knabe ist, mit seinen großen Fäusten zu traktieren, müßte das Recht der Lehrlingshaltung einfach genommen werden. Wer entschädigt einen solchen Jungen, wenn ihm durch einen in der Erregung geführten unglücklichen Schlag etwa ein dauernder Schaden an seiner Geſundheit zugefügt wird? = erhalten. Am Ehepaare. Vor der Ueberführung der Mörderin nach dem Untersuchungsgefängnis in Moabit fanden heute auf dem Polizeipräsidium noch eingehende Verhöre und Vernehmungen statt, namentlich von Leuten aus dem Hause, in dem die Blutthat verübt wurde. Den Tod auf den Schienen der Eisenbahn suchte am Montag in Adlershof ein junger Mann Namens Johannes Mai, der hier in der Reichenbergerstraße bei seinen Eltern wohnt. Sein Vorhaben wurde bemerkt und der Zug so zeitig zum Stehen gebracht, daß er undersehrt davon tam. Vermischtes. = Eine Wirbelstürme in Nebraska. Wie aus Newyork gemeldet wird, ist ein schwerer Wirbelsturm über den nordamerikanischen Staat ist ein schwerer Wirbelsturm über den nordamerikanischen Staat Nebraska hingegangen. Die Städte Norman und Fairfield wurden völlig zerstört. 21 Personen sind getötet, die Ernten vernichtet, alle Telegraphenlinien und Verbindungen unterbrochen worden. Der Schaden wird auf 2 Millionen Dollars geschätzt.weitere telegraphische Mitteilung aus Newyork besagt: Der großen Hige der letzten Tage ist ein heftiger Cyklon gefolgt, der besonders Rebrasta heimsuchte. Zur Zeit fehlen noch Einzelheiten, da die In einem Anfall von Schwermut hat der 31 Jahre alte Korbmacher Paul Böhme die Wohnung seiner Mutter verlassen, um in Die Obduktion der Leiche des Dienstmädchens Emma Richter hat, meisten Haupt- Telegraphenlinien gestört find. Zahlreiche Einwohner den Tod zu gehen. Bekleidet war derfelbe mit braunem Jackett- wie wir erfahren, feinen Anhalt dafür ergeben, daß die R. das der Stadt Norman sind unter den Trümmern ihrer Häuser begraben anzug, glatten Gummizug- Stiefeln, schwarzem Filzhut und Cachenez. Opfer eines Verbrechens geworden ist. Sollte ein solches vorliegen, worden, viel Vieh ist auf offenem Felde umgekommen. Ein PostBöhme ist lungenleidend. Der Vermißte ist seit Freitag früh 10 Uhr fo müßte das Mädchen hinterrücs in das Wasser gestoßen worden wagen mit 12 Passagieren wurde umgeworfen, wobei mehrere der nicht mehr gesehen worden. Sollte jemand Auskunft geben können, fein, wobei Spuren irgendwelcher Verlegung natürlich nicht entstanden Insassen schwere Verlegungen erlitten. Bisher find über hundert so wird er gebeten, der betrübten Mutter, deren einzige Stüße Baul wären. Seitens der Kriminalpolizei werden diesbezüglich die Nach- Familien als obdachlos gemeldet. Böhme war, Mitteilung zu machen. Und zwar unter der Adresse forschungen noch fortgesetzt, da irgend ein Motiv, welches das Witwe Böhme, Reinickendorferstr. 46b, 2. Hof 2 Tr. Mädchen zum Selbstmord getrieben haben könnte, nicht bekannt ist. Ein trauriger Unfall ereignete sich am Montagvormittag in der In Betracht kommt ferner, daß bei Durchsicht der Sachen der N. durch Prinz Eugenstraße am Wedding. Als der circa sechzehnjährige Lehr- Verwandte derselben ein Kleid vermißt worden ist, welches das ling des Klempnermeisters Kaminsky aus der Weddingstraße mit der Mädchen, als es sich entfernte, demnach an sich genommen haben Reparatur des Daches auf dem vierstöckigen Gebäude Prinz Eugen- muß. Dieses Kleid konnte bisher ebensowenig wie die Schriftstücke straße 26 beschäftigt war, stürzte er auf den gepflasterten Hof hinab, und das Ansichtskarten- Album gefunden werden. er seinen sofortigen Tod fand. Die Leiche wurde nach dem Schauhause überführt. Schmerzlich berührt der Vorfall, da der Berunglückte die Stüße seiner alten Mutter werden sollte. Aus den Nachbarorten. Eingegangene Druckfchriften. Die illustrierte Romanbibliothek In Freien Stunden" ist jetzt bis Der Goldmensch", und der schlichten zum 21. Heft erschienen, in dem die Fortsetzung des volkstümlichen Romans Erzählung Frau Therese" von Erdmann- Chatrian enthalten ist. Mit bes ungarischen Dichters M. Jokai die Mühle". " dem nächsten Heft beginnt eine Erzählung von Emil Zola„ Der Sturm auf Die Hefte erscheinen wöchentlich zu 10 Pf. Bestellungen nehmen jeder Kolporteur sowie die Expeditionen der Parteiblätter und die Post( PostZeitungskatalog Nr. 3856) entgegen. Wir können unsren Lesern das Abonnement empfehlen. Witterungsübersicht vom 26. Mai 1903, morgens 8 Uhr. Barometer stand mm Windrichtung Windstärke Rigdorf. Zwischen Gräbern sterbend aufgefunden wurde auf Ein Banunfall ereignete sich auf dem Bau des Maurermeisters dem Jakobi- Kirchhof hierselbst der Gummi- Arbeiter Julius Rudolph, H. Knoll, Schöneberg, Eisenacherstr. 52. Emil Kaufmann, Ruppinerstr. 31, indem er aus der ersten Etage in Maybach- Ufer 3 wohnhaft. Man brachte den schon bejahrten Mann den Hof stürzte. Er brach dabei 4 Nippen, erlitt ferner einen Bein- Schleunigst nach der Unfallstation in der Steinmetzstraße, doch ver= bruch( Schienbein) und eine Halswirbel- Verstauchung. Das Befinden starb derselbe bereits auf dem Wege dorthin. Aerztlicherseits wurde Stationen Herzschlag festgestellt. des Berunglückten ist sehr schlecht. In Rigdorf liegen die Wählerlisten zur Reichstagswahl nur Die Blutthat in der Steinmetzstraße stellt sich nach den weiteren noch heute( Mittwoch) in der Turnhalle in der Erckstraße aus. polizeilichen Ermittelungen als wohlüberlegter Mord heraus und er- Der Magistrat hatte sich seiner Zeit beim Regierungspräsidenten Swinemde. 767 NND scheint die erste Annahme, daß die Gleditsch im Affekt gehandelt habe, in Potsdam darüber beschwert, daß der für Rigdorf zuständige Kreis- Hamburg 768 NND hinfällig. Sie wurde übrigens noch gestern abend verhaftet. Die arzt Dr. Dietrich seinen Wohnsiz nach Berlin berlegt hatte, wodurch Mörderin hat, wie durch Zeugen festgestellt worden ist, sorgfältige es dem Publikum außerordentlich erschwert wurde, ärztliche Atteste 2c., Vorbereitungen getroffen und die That schon seit einiger Zeit ge- die vom Kreisarzt ausgestellt sein müssen, zu erlangen. Infolge der plant. Seit Tagen schon lauerte sie den Major Reisch ab und um- Beschwerde des Magistrats hat der Kultusminister den genannten schlich das Haus Steinmeßstraße 40a, um Gelegenheit zu finden, den Kreisarzt jetzt angewiesen, vom 1. Oftober cr. ab wieder in Rigdorf etiva Herauskommenden zu überfallen. Die Gleditsch wurde wieder Wohnung zu nehmen. 766 Better 4 bedeckt Temp. n. C. 5° C. 4° R. Stationen Barometer richtung Wind Windstärke Better Temp. n. T. 1 Nebel 17 2wolfen 14 3wolfen! 15 10 Haparanda 769 SS 2bedeckt 1wolfent 14 Petersburg 770 Berlin 772 ND 3Regen 13 Cort 2wolfig 16 Aberdeen Frankf.a.M. 766 ND 766 N 4 heiter 14 Paris 766 D München 763 N28 2 bedeckt 12 Wien Wetter- Prognose für Mittwoch, den 27. Mai 1903. Vielfach wolfig mit etwas Regen, mäßigen nördlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner Wetterbureau. Für alle Suppen, Saucen, Gemüse, Fleischspeisen ist ,, WUK" gleich vorteilhaft zu verwenden. Reinster Fleischbrühegeschmack. 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