Nr. 128. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter SonntagsBeilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in der Post- ZeitungsPreisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn z Mart, für das übrige Auslan 2 Mart pro Monat Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 20. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 20 Bfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Infecate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttags geöffnet. Telegramm Roreffe: ,, Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der Socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. „ Ja, wenn wir die hätten!" „ Ja, wenn wir den hätten!" schrieb einer Zeitungsmeldung zu folge Wilhelm II. an den Rand eines Botschafterberichtes, in welchem von dem ehemaligen französischen Handelsminister Miller and die Rede war. Den haben wir nun allerdings nicht und müssen darum auf das interessante Experiment verzichten, wie sich der französische Republikaner und Socialist als deutscher Unterthan zu dem kaiserlichen Redner von Dehnhausen und Essen verhalten würde. Dafür ist uns dieser Tage aus Frankreich ein Buch gekommen, das von Millerands Sekretär und stillem Ministergehilfen, dem jezigen Genfer Universitätsprofessor Edgar Milhaud verfaßt ist und sich mit deutschen Verhältnissen beschäftigt. Allerdings handelt es nicht von der Hohenzollernmonarchie, sondern von der deutschen Socialdemokratie.*) Das umfangreiche Werk, die Frucht langjähriger, mit Studienreisen verbundener Arbeit, soll im„ Vorwärts" später eine ausführliche Würdigung erfahren. Heute wollen wir uns darauf beschränken, einige wichtige Stellen aus der zusammenfassenden Betrachtung wiederzugeben, mit der Milhaud seine Darstellungen abschließt. Da liest man: " Freitag, den 5. Juni 1903. um Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. 9 Uhr abends erklärt In seinen genossenschaftlichen, gewerkschaftlichen und politischen halb der Geschäftsräume verlangt". Frecher Schwindel, aus den Organisationen, in allen gewählten Körperschaften, zu denen es sich frommen Fingern gesogen. Eingang verschafft hat, bethätigt das socialistische Proletariat einen Wir hatten von der„ Germania" die zahlenmäßige Alarlegung bemerkenswerten Grad von praktischem Sinn, Gewissenhaftigkeit, ihres Betriebes verlangt. Das thut das geistliche Organ nicht, wie Entschlossenheit, Konsequenz, Sorgfalt und wissenschaftlichem Ernst. zugeben. Dem„ Germania"-Betrieb wird nur nachgerühmt, daß er es nicht einmal wagt, unsre Mitteilungen vollinhaltlich wiederDafür bürgt schon sein brennender Wahrheitsdurst, seine Abscheu vor keine Nachtarbeit hat. Natürlich herrscht auch in der„ Vorwärts". Uebertreibung und Demagogie und die leidenschaftliche Verehrung Druckerei- mit Ausnahme des Zeitungsbetriebes- teine der Wissenschaft, die sich in allem zeigt, was von ihm ausgeht. Der Nachtarbeit. Wenn aber die Morgen"-Ausgabe der„ Germania" kleinste Bericht der kleinsten Gewerkschaft oder der kleinsten Genossen- bereits fertiggestellt ist, so mur die des journalistische Jämmerlichkeit fchaft ist ein Dokument von absolutem Werte. Die Auffäße der das Blattes; der gut geleiteten katholischen" Kölnischen Volkspolitischen und gewerkschaftlichen Presse sind voll von Thatsachen- in Weiter material, Ziffern und statistischen Nachweisen, ohne daß die Redak- zeitung" ist sehr ausgiebige Nachtarbeit notwendig. tionen fürchten müffen, ihr wißbegieriges Publikum damit zu lang- brüstet sich die" Germania", daß auch bei ihr seit Jahren 8 Tage Ferien gewährt würden. Für alle Angestellten des Betriebes ohne weilen. Und schließlich erinnere man sich doch, zu welcher wissen- jede Ausnahme? Von der Einführung des Achtstundentages erzählt schaftlichen Höhe fich die Debatten der Parteitage erheben man die„ Germania" nichts; sollte sie diese wichtigste Thatsache vergessen dente beispielsweise an jenen von Stuttgart, auf dem über die haben? Besonders schlau aber ist die von ihr aufgestellte„ LohnFragen der Handelspolitik beraten wurde!" liste". Sie giebt ein paar Lohnziffern für erste, leitende Arbeiter an, die höher sind als bei uns. Das glauben wir herzlich gern. Die Germania" ist ein altes Geschäft, die Vorwärts"-Druderei befindet sich im ersten Jahrgang. Da ist es selbstverständlich, daß einzelne ältere bevorzugte Arbeiter größere Summen verdienen. Das beweist aber garnichts für die Verhältnisse in der, Germania". Das Blatt folge nur unsrem Beispiel und veröffentliche die Löhne aller Angestellten. Erst dann wird man prüfen können, ob der katholische Musterbetrieb heranreicht an die Druckerei„ Vorwärts", aus deren Gedeihen übrigens fein Unternehmer irgend einen persönlichen Vorteil zieht, sondern die Eigentum der Berliner Arbeiterschaft Bis die Germania" diese Gegen- Aufstellung nicht bringt, ist. Bis die macht sie sich mit ihren Anklagen nur lächerlich. Es sollte ihr wahrlich näher liegen, sich mit der schamlosen Ausbeutung in seiner Rede über" Socialdemokratie und Centrum"( Berlin, Verlag des Vorwärts") entfegliche Einzelheiten vorgebracht hat. " " " " " Freifinnige Stichwahlparole. " In den politischen Vereinen, den Gewerkschaften und Bildungsvereinen finden wir aber noch mehr als bloßen wissenschaftlichen Eifer die Pflege aller Zweige des menschlichen Geisteslebens: Geschmack an philosophischen Themen, Interesse an Fragen der Kunst wie der Litteratur. ,, Von den Strömungen innerhalb der socialistischen Gesamt- Gewisse Gegner des Socialismus thun so, als ob sie in ihm bewegung können wir uns jetzt eine genaue Borstellung machen: den Abgrund sehen wollten, der die höchsten Güter der Kultur zu fie hält sich zwischen den äußersten Extremen des rein reformerischen verschlingen drohte: die Wissenschaft, die Kunst, den geistigen Fort wie des revolutionären Gedankens. Sie hält zähe an ihren endgiltigen schritt. Sie haben die Socialisten die inneren Feinde" genannt. letzten Zielen fest und ist ebenso fest entschlossen, alle möglichen Man denke doch an die gewaltigen Anstrengungen, denen sich das Reformen so rasch wie möglich ins Wert zu setzen.... Wenn wir deutsche Proletariat ganz auf die eigne Kraft angewiesen in die Zukunft der deutschen Socialdemokratie einen Blid thun unterzogen hat, um an der Wahrheit und Schönheit der Welt seinen wollen, so müssen wir ebenso mit der vollendeten Anpassungsfähigkeit Anteil zu erkämpfen. In allen ihren Zweigen, all ihren Erscheinungsrechnen, die sie entwidelt hat, wie mit der Unerschütterlichkeit, formen ist die Sache der Kultur die seine." mit der sie an ihren Jdealen hängt. Unter welchen Umständen So der Sekretär des Mannes, dem das Unglück widerfuhr, immer sie zur Herrschaft gelangt ob sie plöglich aus der Opposition zur Macht emporsteigt, oder ob sie, was wahrscheinlicher ist, eine vom Grafen Bülow ein bedeutender Staatsmann genannt zu Ein Flugblatt, das im Kreise Jauer für den bisherigen AbBeriode zurüczulegen hat, in der sie einen Teil einer parlamentarischen werden. Daß wir nicht mit jedem seiner Worte einverstanden sind, geordneten Dr. Otto Hermes verbreitet wird, fagt: Mehrheit bildet und mit andren Elementen mittelbar oder unmittelbar daß die Mehrheit der deutschen Genossen über wichtige Fragen Die Freifinnige Bollspartei macht es sich im bevorstehenden Wahldie Verantwortlichkeit der Regierung teilt auf jeden Fall ist andrer Meinung ist als er, braucht nicht erst gesagt zu werden. fampfe ganz besonders zur Aufgabe, das Volk über die Ziele der Dennoch ist die Gefahr nicht aus die Ueberzeugung gerechtfertigt, daß fie fich jeder Aufgabe, daß sie sich zu solchen Diskussionen wird sich später Beit und Gelegen- Socialdemokratie aufzutlären. heit finden. geschlossen, daß der freisinnige Kandidat diesmal aus der Stichwahl ihrer ganzen Aufgabe gewachsen zeigen wird." „ Alles berechtigt uns zu dieser Annahme, wenn wir ihre Weg- Für diesmal genügt es uns, abermals durch Citierung einer gedrängt wird und der Socialdemokrat mit den Konservativen in ficherheit, ihre verschiedenen Strömungen, die Geschmeidigkeit ihrer fremdsprachigen Stimme an einem Beispiel gezeigt zu haben, wie die Stichwahl gerät, wodurch allerdings nach den bisherigen Er fahrungen auch in unserm ländlichen Wahlkreise nicht der Taktik und die Gewalt ihres revolutionären Temperaments uns vor man im Auslande über uns denkt. Zu den jüngst wiedergegebenen Socialdemokrat, sondern der agrarische Kandidat Augen halten vor allem aber, wenn wir an ihre Organisation Ausführungen der" Encyclopaedia Britannica" und englischer zum Siege gelangen würde." denken. Es giebt in Deutschland diese wichtige Thatsache Revuen bietet das neue französische Buch ein passendes Gegenstüd. In den beiden letzten Wahlen wurde stets der Freisinnige in darf man keinen Augenblick vergeffen nur eine einzige focialistische Edgar Milhaud ist des Lobes und der Bewunderung für die deutschen der Stichwahl mit Hilfe der Socialdemokraten gewählt. Wenn jetzt Partei. Da giebt es keine Sonderbünde, teine rivalisierenden Socialdemokraten voll; und zwischen allen Zeilen feines Buches der von den Freifinnigen befürchtete, sehr wahrscheinliche Fall eintritt, daß die Freifinnigen vor die Frage gestellt werden, in der Organisationen mur eine einzige große und mächtige Organisation. fann man den Wunsch lesen: Ja, wenn wir die hätten! In der Wahlagitation suchen unsre Gegner unwissenden Stichwahl zwischen einem Konservativen und einem Socialdemo In ihr steht die socialistische Masse wie ein Mann der übrigen Welt gegenüber, als ein einziger gefchloffener Wille, als eine wahre Elementen der Bevölkerung einzureden, daß die vaterlandslose fraten zu wählen, fo müßte man meinen, daß ein wirklich Freifinniger keinen Augenblick schwanken könnte, den Socialdemokraten moralische Einheit und dank den lebhaften ununterbrochenen Socialdemokratie ein Schandfleck des Deutschen Reiches zu wählen. Run glauben wir allerdings gern, daß der Beziehungen zwischen den tausend verschiedenen tämpfenden Gruppen- dem Auslande sei. In Wahrheit. aber erfüllen die vaterlands- Wahlausschuß des Dr. Hermes die Masse der freisinnigen als eine wahre physische Einheit. Die Socialdemokratie ist mehr losen Gesellen dem Auslande gegenüber einen hohen patriotischen Wähler des Kreises richtig einschäßt; aber schließlich ist es als eine Masse Menschen, die alle für ein und dieselbe Sache fechten: Sted. Deutschland würde in den politisch vorgeschrittenen Ländern ja auch kein Wunder, daß es so tommt; thun doch die meisten frei des Westens als ein Barbarenstaat verachtet sein, wenn nicht die sinnigen Führer und Blätter ihr Bestes zur politischen Vertrottelung fie ist das Proletariat, welches das Wort zur Einer für alle, Wahrheit macht: alle für einen! Sie deutsche Socialdemokratie in ihm das politische Kulturelement ihrer Wähler durch ihren blödsinnigen Kampf gegen die Socialumfaßt das socialistische Proletariat in allen seinen Lebens- unsrer Zeit repräsentierte. Mag darum das socialistische Prole- demokratie. Liefern doch die Freifinnigen der gesamten Reaktion die äußerungen bei Spiel und Fest und Kampf und Arbeit. Hinter tariat Deutschlands am Wahltage in einem höheren und ebleren Waffen gegen uns durch eine ununterbochene Stette der schändlichsten Lügen und Verdrehungen. Und nicht allein dies. Ist es jedem ihrer gewählten Vertreter steht die ganze Socialdemokratie, Sinne als dem herkömmlichen des Radaupatriotismus des deutschen nicht geradezu eine Selbstverhöhnung, wenn freifinnige Politifer, Volkes Ehre wahren und alle Hoffnungen erfüllen, die wie es in dem fraglichen Flugblatte auch geschieht, uns unsre und hinter jeder seiner persönlichen Aktionen steht ihre gewaltige, unermüdliche Gesamtaktion und ihre hohe Jdee. So wird die Gefahr ihm an diesem, Tage aus allen proletarischen Herzen der Welt republikanische Gesinnung zum Vorwurfe machen? Eine solche Politik muß ja die Früchte zeitigen, die wir am allermeisten begänzlich vermieden, daß ihre Vertreter gleichzeitig mit ihrer Tattit entgegenschlagen. auch ihre Principien den besonderen Umständen anpassen könnten. Sie erhalten von ihr zu gleicher Zeit die nötige Kraft zur Durch führung ihrer einzelnen Aktionen, wie den nötigen Anstoß, um immer weiter vorwärts zu schreiten." •.. Jahren nur zwei Ausnahmen gegeben, die Ausschließungen aus der Partei zur Folge hatten. Ebenso trifft über alle Fragen der Taktik der Parteitag seine Entscheidungen und die Minderheiten beugen fich ihnen." " " Wahlkampf. " " bor dauern. Aber wenn dem schon so ist, dann sollte man doch wenigftens erwarten, daß die Führer der Freisinnigen, falls sie wirklich in der Die Vorwärts"-Druckerei als Wahlfinte. Stichwahl zwischen uns und den Konservativen zu entscheiden haben, " Die fittliche Klammer, die diese glänzende Organisation der Vorwärts"-Druckerei abgedruckt. Aber nur die„ Boffische Zeitung" der ihnen angeblich so am Herzen liegenden politischen Freiheiten Faft die gesamte bürgerliche Breffe hat die Angriffe gegen die alles thun, um ihren Wählern klar zu machen, daß es im Intereffe deutschen Socialistenpartei zusammenhält, ist die Disciplin, die hat unsrer Entgegnung Raum gegeben. Einige Blätter, wie die unbedingt nötig ist, für den Socialdemokraten gegen den Konservativen zu stimmen. Es giebt nichts in ihr herrscht: eine Disciplin, die durch und durch demokratisch ist Deutsche Tageszeitung", die„ Kreuz- Zeitung" und der„ Reichsbote", und einfach darin besteht, daß die Minderheit die Beschlüsse der haben sogar noch nach unfren ziffernmäßigen Feststellungen den Dümmeres, wie von vornherein der klägliche Jammer, daß die Mehrheit zur Richtschnur ihres Verhaltens annimmt. Bei Wahlen Schwindel weiter verbreitet. Ein Federagent Rudolf Mosseschen freisinnigen Wähler nicht für den Socialdemokraten stimmen werden. Ein Federagent Rudolf Mosseschen Das ist so dumm, daß wir den Freifinnigen zutrauen, sie sprechen findet man im selben Kreise nie mehr als einen socialistischen Ruhms mußte sogar von einem Augiasstall" schreiben, die Kandidaten von dieser Regel hat es in den letzten fiebzehn Rache für unsre Mitteilungen über die Korrektoren- Ausbeutung im damit nicht eine Klage, sondern einen Wunsch aus; es ist Betriebe dieses Großkapitalisten; die Wiedergabe unfrer Entgegnung ihre Parole, in der Stichwahl lieber den konservativen Agrarier, durfte der arme Sklave natürlich nicht wagen. Für die moralischen wie den republikanischen Socialdemokraten zu wählen. Zustände unsrer bürgerlichen Bresse, die selbst den anständigsten Charakter zum Lumpen machen muß, ist dieser Fall in der That Wegen Verbreitung von Wahlflugblättern bestraft. wieder außerordentlich charakteristisch. Der Parteigenosse Griesbach hat Sonntags im Streife Zwei Blätter erwähnen dann noch unsre Entgegnung: Die Randow Greifenhagen Wahlflugblätter zur Nachwahl berbreitet. " So tommt es, daß der gemeinsame Wille aller, trotz der mit Freifinnige 8eitung" stellt sich mit dem üblichen Auszug" Das Landgericht Stettin berurteilte ihn wegen Verlegung der unter tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten, die Einigkeit der ein, der die Hauptsache unterschlägt die Lohndrückerei ver- Berfrommungsverordnung zu einer Geldstrafe und begründete das Partei erhält. Dieser Einigkeit verdankt die deutsche Socialdemo- mutlich um nicht ihre" Arbeiter zur Begehrlichkeit aufzustacheln. folgendermaßen: Es sei ja nicht widerlegt, daß Angeklagter die Verteilung der fratie einen großen Teil ihrer Macht, ihr verdankt sie aber auch die Die Germania" aber widmet dem Fall den ebenso bekannten Freiheit, in der sich die verschiedenen Gedankenrichtungen innerhalb endlosen Leitartikel, der wieder nur beweist, daß es eine Fabel Flugblätter, von denen er 75 über dem Arm trug, nicht in ist, wenn man in der jesuitischen Erziehung eine Schärfung der den Häusern vorgenommen habe. Andrerseits hätten jedoch der Arbeiterbewegung bethätigen können. Wenn es in einem Lande Intelligenz wähnt, die wenigstens in etwas die moralische Ver- mehrere Beugen von der Straße aus gesehen, wie der verschiedene socialistische Fraktionen giebt, gelangt jede dazu, die krüppelung aufwiegen würde. Angeklagte, in der Deffnung der Ladenthür stehend, einem Da er schon oder jene Richtung ausschließlich zu berförpern: die reformerische, Die Germania" fann natürlich nicht glauben, daß eine Mädchen im Fleischerladen ein Flugblatt gab. die revolutionäre, die gewerkschaftliche usw. und gegen die andern Beitung die Wahrheit schreibt; in ihrer Praris ist ihr das noch das halbe Dorf mit Flugblättern versorgt gehabt habe, was mit Strieg zu führen; in ihr giebt es für die Tendenzen der andern nicht vorgekommen. Darum„ bezweifelt" sie unsre Erflärung, daß einer gewissen Anstrengung verbunden gewesen sei. und da er ferner Vorwärts"-Druckerei niemand nach seinem politischen nicht zum Vergnügen jene Thätigkeit ausübte, so sei der Begriff teinen Raum. Umgekehrt ist in einer geeinigten Partei Plaz für in der Glaubensbekenntnis gefragt werde; nur die gewerkschaftliche der öffentlich bemerkbaren Arbeit erfüllt. Auch alle. So kommt es, daß in der deutschen socialistischen Bewegung, Organisation ist Bedingung. Die" Germania" glaubt das nicht. wäre anzunehmen, daß diese geeignet gewesen sei, das religiöse die ursprünglich einen ausschließlich politischen Charakter trug und Gewerbsmäßige Lügner pflegen allerdings niemandem zu glauben. Gefühl andrer zu verlegen. Damit ergebe sich die Anwendbarkeit diesen lange Zeit hindurch bewahrte, eine gewerkschaftliche und später Freilich die" Germania" übertrifft die Vorwärts"-Druckerei noch der Verordnung über die äußere Heilighaltung der Sonn- und eine genossenschaftliche Strömung auftaucht; und heute legt die an Toleranz: Sie fragt nicht einmal nach der gewerkschaft- Feiertage. 6. legte Rebifion ein und bestritt, daß große Mehrzahl der Genossen auf die gewerkschaftliche wie auf die lichen Organisation. Das glauben wir sehr gern, daß sie es nicht es sich überhaupt um eine Arbeit handle. genossenschaftliche Bewegung großen Wert...." zur Bedingung macht, daß ihre Arbeiter gewerkschaftlich organisiert Das Kammergericht verwarf die Revision mit der Begründung, find. Diese Toleranz" teilt sie mit allen Unternehmern. daß das Rechtsmittel an der erschöpfenden thatsächlichen Feststellung Weiter wird gelogen, daß die„ Vorwärts"- Druckerei von ihren des Landgerichts scheitere, auf die die Verordnung ohne Rechtsirrtum I Arbeitern unbezahlte Agitationsarbeit"," Partei- Agitation außer- angewandt worden sei. Der Thatsache, daß es sich um Wahl*) Edgar Milhaud:" La Démocratie socialiste allemande". Paris. Félix Alcau, éditeur. 1903. " " 1 " flugblätter handelte, wurde mit Bezug auf die Anwendbarkeit der Berfrommungsverordnung keinerlei Gewicht beigemessen. Wenn die Revision behauptet, daß das Flugblattverteilen keine Arbeit gewesen sei, so hat das mit den thatsächlichen Feststellungen nichts mehr zu thun; es handelt sich um den Begriff Arbeit und darum, ob das religiöse Gefühl andrer durch das Flugblattverteilen berlegt worden sei. Es sei darauf hingewiesen, daß das Landgericht Lissa dieselben Thatsachen ganz entgegengesezt gewürdigt hat. Wir hoffen, daß die Wahlprüfungs- Kommission einmal Gelegenheit bekommt zu prüfen, ob durch solche Rechtsauslegungen der§ 43 der Gewerbe- Ordnung thatsächlich beseitigt werden darf. Auch durch das Schöffengericht in Gehren in SchwarzburgSondershausen wurden zwei Parteigenossen zu Geldstrafe verurteilt wegen Verbreitung von Wahlflugblättern am Sonntag. Das Gericht stüßt sich auf eine Verordnung vom 25. Dezember 1900, wonach das Verteilen politischer Schriften an Sonntagen überhaupt berboten sei. Der Fall liegt noch schlimmer, weil hier durch Landesgesetz ein ganz allgemeines Verbot des Austragens von Flugblättern gegeben ist, während das Reichsgesetz es ausdrücklich von jeder Erlaubnis unabhängig macht. * In den Kirchen verteilt das Centrum auch hier in Berlin seine Lügenflugblätter. So wurden am 2. Feiertage in der katholischen Ludwigskirche in Wilmersdorf eine Aufforderung zur Wahl des Centrumskandidaten Stephan und ein Fabrikat der M.- Gladbacher Lügenfabrik verteilt. Die Verteilung geschah durch Schulkinder. Dieser Tage beschwerte sich die„ Germania" erst darüber, daß in Westfalen von nationalliberaler Seite Schulkinder in die Wahlagitation gezogen würden. Wir wollen sehen, ob die„ Germania" die Verwendung von Schulkindern zu katholischer Wahlagitation auch als Mißbrauch bezeichnen wird. Der Ausschuß des Gesamtverbandes der evangelischen Arbeitervereine hat hier getagt und folgende Erklärung zu den Reichstags= wahlen beschlossen: arbeiten." * Kieler Methode in Jena. Zwischen den Nationalsocialen und| winnen und weise Ermahnungen an die Socialdemokratie, baran den Freifinnigen ist ein Streit ausgebrochen. Die ersteren verlangen, doch keinen Anstoß zu nehmen. daß der Kandidat der legeren, Harmening, zu Gunsten ihres 4. In Balingen- Rottweil erhielten: Centrum 5927, VoltsKandidaten Damaschte zurüdtrete. Nun veröffentlicht Herr Harmening im„ Jenaer Volksblatt" eine Erklärung, in der er folgender- partei 6238, Nationalliberale 4219, Socialdemokraten 4040. In der Stichwahl siegte Konrad Haußmann mit 12915 gegen 7594 maßen mit den Nationalsocialen abrechnet: flerifale Stimmen. Bei der Reichstagswahl 1898 erschien Herr Pfarrer Naumann Notwendig: nationalliberale und socialdemoals Kandidat der Nationalsocialen. Von freisiniger Seite wurde fratische Wahlhilfe. Damit die Nationalliberalen nicht zum Centrum teine besondere Agitation entfaltet; es fielen nur über 800 Stimmen abschwenken, wird ihnen der Zollwucher der mittleren Linie hinauf mich. Ich zweifle, daß die seit 1893 abgängig gewordenen Stimmen geworfen. Die Socialdemokraten find geduldig! dem Nationalsocialen zugefallen find. Vielmehr glaube ich aus der 5. Jn Böblingen braucht die Volkspartei die Socialdemokratie, Statistik der Haupt- und Stichwahl den Schluß ziehen zu müssen, um gegen die Konservativen aufzukommen. Hauptwahl: 6115 kondaß der größere Teil meiner Wähler als ausgesprochene Frei- fervative, 6552 voltsparteiliche Stimmen, außerdem 2528 socialsinnige schon im ersten Gange sich zu Gunsten des socialdemokratische demokratischen Kandidaten entschieden haben. Jedenfalls ergiebt demokratische und 151 klerikale Stimmen. Stichwahl: Demokrat 9460, die Vergleichung der Stimmen von 1893 und 1898, daß bei der Konservativer 6769. Also, liebe Socialdemokratie, sei so gut, bekehre Stichwahl 1898- durchaus entsprechend der ausdrücklichen Auf- dich selbst zu unsrem„ taktischen Zollwucher", damit du an ihm forderung die freisinnigen Stimmen ausnahmslos gegen den nicht Anstoß nimmst und uns im Stiche lässeft. nationalliberalen Mittelparteikandidaten abgegeben sind. Die 6. Ju Backnang- hall hängt der Sieg der Demokraten auch von Nationalsocialen nahmen bei der Stichwahl offiziell Stellung gegen der Socialdemokratie ab. Aber der Erfolg steht hier so auf des den Socialdemokraten und förderten durch Aufruf und durch ihre Messers Schneide, daß selbst die Centrumsstimmen, deren es 1898 Stimmabgabe wieder den Sieg des nationalliberal- konservativen mur 398 gab, nicht entbehrt werden können, wenn der Bund der Kompromißkandidaten. Diese Thatsache ist festzuhalten. it Tnd seine Kandidatur hält Harmening mit dieser Begründung Bund 6745, Socialdemokratie 1929, Centrum 898 Stimmen. Stich Hauptwahl: Volkspartei 5615, Landwirte nicht siegen soll. wahl: Volkspartei 9227, Bund der Landwirte 8754. aufrecht: Mich hat bei der Annahme der Kandidatur nicht der Ehrgeiz, Abgeordneter zu werden, geleitet, sondern lediglich die mit den 7. Auch der volksparteiliche Führer Baher würde in ReutlingenFreisinnigen des hiesigen Wahlkreises gemeinsame Ueber- Tübingen durchfallen, wenn nicht einerseits verhindert wird, daß zeugung von dem, was uns am ehesten not thut. das Centrum sich mit den Nationalliberalen vereinigt und wenn Und not thut die Sammlung aller noch irgend liberal denkenden andrerseits die Socialdemokratie ihre Hilfe versagt. Hauptwahl: Wähler gegen alle Politiker, die die Socialdemokratie für eine Nationalliberal 4605, Volkspartei 6859, Centrum 2814, Social nähere Gefahr halten als die Verbindung, die auf einem gegen- demokratie 2611. Stichwahl: Bayer 9656, Nationalliberaler 4956. seitigen Handel zwischen Nationalliberalen, Konservative und dem Bunde der Landwirte beruht. Es ist eine wahre Affenschande, daß sich die„ nationalen Socialisten" um Naumann von einem freisinnigen Manchestermann" folche Dinge erzählen lassen müssen. " Diese Zahlen entlarven die jämmerliche Stichwahltaktik der Demokratie unbarmherzig. Sie thut das, was sie der Social" Angesichts der bevorstehenden Reichstags- und Landtagswahlen demokratie vorwirft, sie opfert dem Partei- Interesse gute Handelserwartet der Ausschuß auf das bestimmteste, daß seine Mitglieder verträge. Es ist ganz klar, die süddeutsche Volkspartei würde nur für diejenigen Kandidaten eintreten, welche 1. auf dem Boden fein einziges Mandat behaupten, wenn sie nicht einerseits durch ihre des Evangeliums feststehen, 2. treu zu Kaiser und Reich halten, und Nur kein Programm. Im 6. sächsischen Wahlkreise kandidiert Einwilligung in die Zollerhöhungen klerikale und nationalliberale 3. gewillt sind, an der Fortsetzung der socialen Reform mitzu- bekanntlich, nachdem 9 Kandidaten zurückgetreten sind, als zehnter Stimmen würbe, andrerseits die Socialdemokratie überredete, trotz für die Kartellbrüder der Rechtsanwalt Kohlmann, der sich Das können am Ende sogar die Konservativen auf sich beziehen. als strammen Antisemiten bezeichnet. Nachdem er in einer Ver- der fleinen zollwucherischen Schönheitsfehler die bedrängten Sonnefammlung in Tharandt sein Programm" entwickelt hatte, erklärte männer zu retten. Stöcker. Wie der Kölnischen Zeitung" mitgeteilt wird, unter der Baron Miltau, Mitglied des konservativen Wahlausschusses, der Natürlich ist aber die Demokratie, weil zu feig, unehrlich, um nimunt Herr Stöcker eine Wahlreise durch den Kreis Siegen- Herr Kandidat sollte lieber nicht soviel Programm" entwickeln; sich zu solchem brutalen Wahlschacher offen zu bekennen, und darum Wittgenstein, auf der ihm auch die Kanzeln geöffnet werden. über ein Programm wäre man bei der Aufstellung des Kandidaten verhüllt sie in blöder Nachäffung Richterscher Taktik ihre ordinäre Nachdem sich aber unter den protestantischen Bürgern im ganzen nicht einig geworden. Das ist auch bei der Sachlage in diesem Stichwahltaktik in diplomatische Ratschläge an die Socialdemokratie, Wahlbezirke ein großer Unwillen über dieses Vorgehen erhoben Kreise nicht nötig; dort wird kein antisemitischer Kohlmann gewählt. die an sich nur lächerlich wären, die aber insofern gefährlich werden, hatte, beschloß das Presbyterium der genannten Gemeinde, Herrn Stöcker bis zum Wahltage die Kanzel zu verweigern. Stöder glaubt Eine Wahlversammlung im Donaubett. Am ersten Pfingstals fie die Regierung dazu drängen müssen, im Vertrauen darauf, mun, daß die Leute im Streise Biedenkopf weniger energisch sind und feiertag sollte in dem niederbahrischen Dorfe Mühlham eine daß die freifinnigen Parteien jeden Handelsvertrag schlucken hat durch den Herrn Pfarrer Ohly in Breidenbach, Kreis Bieden- socialdemokratische Wählerversammlung abgehalten werden, und zu werden, auf Handelsverträge im Kardorff- Stil hinzuarbeiten. Bu topf, am ersten Pfingsttag von der Kanzel verkünden lassen, daß er diesem Zwecke begaben sich einige Tage vorher unsre Genossen dorthin, diefem Spiel leiht die Socialdemokratie nicht ihre Hand. am 7. Juni dort predigen würde. um einen Saal zu mieten. Das gelang auch. Nachträglich bekam es aber der Wirt mit der Angst zu thun und teilte unfren Genossen = Dr. Fetzer, der Sekretär der nationalliberalen Partei des WahlWie es gemacht wird. freifes Siegen, erläßt eine öffentliche Erklärung über Stöckers mit, daß er sein Lokal nicht hergeben könne. Diese ließen sich aber Obgleich die schönen Steuer Rechenerempel der konservativen Schwenkung in der Jesuitenfrage:„ Der Unterzeichnete teilte in nicht abschrecken und rückten am Pfingsttage an. Da der Gastwirt Presse schon duzendmal als Fälschungen nachgewiesen sind, versucht einem Flugblatt mit: Stöcker hat noch 1898 die Verpflichtung jedoch standhaft auf seiner Saalverweigerung beharrte, beschloß man, sich diese immer wieder in derartigen Künsten, indem sie darauf übernommen, gegen die Aufhebung von§ 2 des Jesuitengesetzes die Versammlung im Freien abzuhalten. Da hatte man jedoch wieder rechnet, daß von den Richtigstellungen der Gegner doch nur äußerst zu stimmen. Dieses Wort hat Stöcker gebrochen. Wie unten die Rechnung ohne den Bürgermeister gemacht, denn dieser verbot " bezeugt ist, hat Stöcker thatsächlich 1898 ohne jede Ein- das Betreten des Gemeindegrundes. Ein junger Parteigenofie wußte felten etwas in die Kreise der konservativen Leserschaft dringt, be schränkung erklärt, er sei gegen die Aufhebung des Jesuitengesetzes, aber auch jetzt noch einen Ausweg; er zeigte auf das nahegelegene fonders nicht. in jene ländlichen und kleinbürgerlichen Streise, für also auch gegen eine teilweise Aufhebung dieses Gesetzes. Trotzdem und etwas ausgetrocknete Bett der vorbeifließenden Donau, das welche die schönen Erempel ertra präpariert werden. Nur in einer hat Stöcker die Mitteilung des Unterzeichneten als eine Lüge" be- Eigentum des Staates ist. Auf diesen Staatsgrund begab sich nun Hinsicht sind die konservativen Jünger des alten Adam Riese etwas zeichnet. Wegen dieser Beleidigung wird sich Stöcker vor Gericht zu der Referent, Genosse Raith aus München und hielt von dort aus, vorsichtiger geworden. Sie beziehen sich bei ihren Leistungen nicht verantworten haben, sofern er nicht unverzüglich in befriedigender ohne daß ihn die hohe Dorfobrigkeit daran hindern konnte, eine mehr auf statistische Materialien, sondern stellen furzweg ihre BeWeise öffentlich abbitte leistet. Dr. Fetzer." Eine Reihe angesehener zweistündige Rede. Am Donau- Ufer aber hatte sich eine ungemein hauptungen auf, ohne anzugeben, worauf sich diese stützen. Wähler bekunden mit Unterschrift:" Im Jahre 1898 ertärte Herr zahlreiche Zuhörermenge eingefunden, die Raiths Rede mit lebhaftem Dadurch bleibt der Gegner im Dunkeln darüber, wie sie zu Hofprediger a. D. Stöder in einer Wahlversammlung zu Müsen Beifall aufnahm. ihren Zahlen gekommen sind; es wird ihnen also die Nachprüfung ( Gasthof zum Stahlberg) auf Befragen, wie er sich zur Aufhebung erschwert. des Jesuitengesezes stelle:" Ich bin dagegen!" was die Unterzeichneten hierdurch öffentlich bezeugen." Das Ende des Volfstribunen. -Politische Ueberlicht. " " Berlin, den 4. Juni. Ebenso unrichtig ist die Behauptung, die Getränkesteuer( Wein, Bier, Schnaps) betrage in Deutschland pro Kopf nur 4,71 M. Wenn der Rechenkünstler der„ Konservativen Korrespondenz", bevor er feinem Falschrechnungstalent die Zügel schießen ließ, einen Blick in das„ Statistische Jahrbuch"( Jahrg. 1902, S. 202/3) geworfen hätte, würde er gefunden haben, daß die Biersteuer im Jahre 1900 einen Ertrag von 1,73 M. pro Kopf der deutschen Bevölkerung erbracht hat, die Branntweinsteuer 2,95 M., zuſammen demnach 4,68 m. Wo aber bleiben die Erträge aus den Weinzöllen? Die hat der famose Adam Riese der„ Konservativen Korrespondenz" wieder mal Zu diesen Leistungen gehört eine zur Zeit durch die große und fleine fonservative Presse laufende Notiz, die sogar von der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" abgedruckt wird, obgleich sie an EinDemokratische Stichwahltaktit. Eine geschlossene Droschke, zwei Gendarmen rechts und links fältigkeit faunt überboten werden kann. Berechnet wird dort, daß fo möchte Herr Eugen Richter am liebsten seinen Wahlkreis be- Während die klare, grundsätzliche und feste Haltung der Social- fich die direkten Steuern in Deutschland nur auf 8,41 M. pro Kopf reifen, ganz wie es gewisse Landesväter zu gewissen Zeiten zu thun demokratie von den Volksparteilern als lediglich durch agitatorische belaufen, die indirekten Steuern auf 13,23 M. Wie schon ein pflegen. Er wird nun endlich im Kreise Hagen seine Kandidaten Rücksichten diftiert verleumdet, handelt in Wirklichkeit umgekehrt flüchtiger Blick auf diese Zahlen lehrt, sind nur jene Steuererträge reden halten, und dazu ladet er alle Wähler ein, die sich für die allein die Socialdemokratie aus streng sachlichen Erwägungen, berücksichtigt, die in die Budgets der deutschen Einzelstaaten und des Wiederwahl des Abg. Richter interessieren". Es giebt also feinen Widerspruch und keine Diskussion in während die Volksparteiler das allgemeine Volfsinteresse gemeinstem Reiches eingestellt sind, alle andern Steuern, zum Beispiel Richters Wahlversammlungen, denn wer ihm widerspricht, beweist Wahlschacher opfern. Die Frankfurter Beitung" erklärte alle Kommunal- und Kreissteuern 2c. sind einfach vergessen. Aber mangelndes Interesse für seine Wiederwahl und ist für den Haus- neulich das verräterische Verhalten Eugen Richters und der Seinen selbst dann stimmt das Exempel nicht. Nach der Angabe des Inecht reif. Maulhalten und Abstimmen das ist alles, was Herr durch Stichwahltaktik". Das Wort flang sehr harmlos, bedeutete Regierungsrats Dr. Bahn( vergl. Vierteljahreshefte zur Statistik Richter von seinen Leuten verlangt. aber den schwersten Vorwurf, der gegen eine Partei überhaupt er- des Deutschen Reiches, Jahrg. 1902, Heft II, S. 260) betrugen Selbst das Leibblatt des so tief Gesunkenen, die„ Hagener hoben werden kann, die Anklage nämlich: daß sie um vom Feinde beispielsweise in 1900 allein die indirekten Reichssteuern 18,79 m. Beitung", tann sich einer gewissen elegischen Stimmung nicht er- Wahlstimmen zu erfaufen, unter Verrat des eignen Programms ins pro Kopf, zu denen an indirekten Steuern der Einzelstaaten inswehren, wenn sie schreibt: Es ist das erste Mal in der langen Reihe von Jahren, die Lager des Feindes übergeht. Weil die Volkspartei das Centrum geſamt noch 160,86 Millionen Mark oder 2,85 M. pro Kopf hinzuHerr Richter unsern Wahlkreis im Parlamente vertritt, daß diese bei den Stichwahlen braucht, darum treibt sie selbst flerifale Boll- kommen, so daß sich der Gesamtbetrag an indirekten Steuern, der Form der Einladung gewählt wird, im Gegensatz zu dem bisher politit, aber nicht einmal ehrlich und offen, sondern indem sie, unter auf den Kopf der deutschen Bevölkerung entfällt, auf 21,64 m. stellt, geübten Brauch, allen Wählern ohne Unterschied der Partei- Beteuerung der„ unentwegten" Bollgegnerschaft, den wirklichen nicht, wie die Konservative Korrespondenz", von der die Berechnung richtung den Zutritt zu gestatten. Die freisinnige Parteileitung Handelsvertragsfreunden tüdisch in den Rücken fällt. ausgeht, faselt, auf 13,23 m. nival lost des Wahlkreises ist gezivungen, von diesem Brauch abzuweichen, Die Frankfurter Beitung" hat Eugen Richter das Brandmal weil das Verhalten der Socialdemokraten in benachbarten und der infamsten Stichwahltaktik" auf die Stirn gedrückt. Nachdem sie vielen andern Wahlkreisen sowie der gehässige Ton des Vorwärts" das aber gethan, thut sie desgleichen und folgt dem Beispiel Eugen und andrer socialdemokratischer Blätter gegenüber dem Führer Richters. Die von uns bereits gekennzeichneten weisen Ratschläge, wie die der Freifinnigen Volkspartei auch im Wahlkreise Hagen- Schwelm Socialdemokratie sich zu den Handelsverträgen verhalten müsse, scheinen Störungen freifinniger Versammlungen durch Anhänger jener und sind es wohl auch zu gutem Teil. Partei nicht nur befürchten, sondern ziemlich sicher erwarten lassen. äußerlich blödsinnige Diplomatie berfelbe Was hilft all das Gerede! Die Socialdemokratie als einzige Ihr tieferer Grund steckt aber in derselben Stichwahltaktik, die Eugen demokratische Partei, die einzige Partei, die zugleich mit gutem Ge- Richters Verrat diftiert hat. Auch die süddeutschen Volksparteiler wissen vor die Wähler tritt, verlangt nach freier Aussprache mit müssen sich dem Zollwucher der mittleren Linie geneigt erklären, um ihren Gegnern. Wenn dabei einmal ein Wort fällt, wie man es im die Stichwahlhilfe des Zollwucherkartells nicht zu verscherzen. Boudoir der Frau Richter nicht gerne hören möchte, so ist das wahrEin Blick auf die Wahlstatistik von 1898 beweist dies. 1. Der vergessen. haftig noch lange kein Unglück. Herr Nichter fürchtet sich auch Demokrat Augst( Crailsheim- Mergentheim) erhielt in der Haupt- Passieren dem Herrn schon bei der Berechnung der deutschen nicht vor den Scheltworten der socialdemokratischen Wähler, sondern vor ihren Argumenten. Seine Wahlreise ist eine atem- wahl 5918, der Landwirtsbündler 5250 Stimmen. Außerdem wurden Steuern derartige kleine niedliche Rechenfehler, so natürlich noch Wie er es angefangen hat, lose und nutzlose Flucht vor der Wahrheit, die doch schneller 3668 fleritale und 339 socialdemokratische Stimmen abgegeben. mehr bei den fremden Steuern. Wie er als der Eilzug fährt und auch durch die Rigen der wohlverwahrten Das Centrum gab den Ausschlag zu Gunsten der Volkspartei, die zu seinen hohen Ziffern zu kommen, läßt sich allerdings in jedem Säle dringt, in denen Herr Nichter mit den„ Interessenten" über mit 7923 gegen 6363 bündlerische in der Stichwahl fiegte. Ergebnis: einzelnen Fall nicht nachweisen, da er nirgends angiebt, welche feine Wiederwahl verhandelt. Wenn die Demokratie nicht ihre Zollfeindschaft aufgiebt und dem Materialien er benutzt hat zumeist scheinen seine Zahlen einfach Wenn Herr Richter aus diesen geheimbündlerischen Konventikeln Klerikalen 3ollwucher der„ mittleren Linie" huldigt, so würde der erfunden zu sein. mit Centrumshilfe wirklich noch einmal sein Mandat retten sollte, Wahlkreis an den Bund der Landwirte verloren gehen. Trotzdem aber der Deutsche am wenigsten Steuern bezahlt, find, dann darf er getrost nach Berlin telegraphieren: Alles gerettet, nur 2. Jn Ansbach- Schwabach erhielt der Demokrat 3010 Stimmen wie die Konservative Korrespondenz" behauptet, die deutschen Auss die Ehre nicht! gegen 4025 konservative, 2603 nationalliberale und 2436 socialdemo- gaben für Wissenschaft, Kunst, Unterricht weit höher als in allen fratische Stimmen. Stichwahl: 7417 gegen 5353 Stimmen. Sollte andren Kulturländern; und sogar die Ernährung des deutschen Jm Emailliertverk des Eisenhüttenwerkes Thale werden, wie diesmal nicht gleich der Socialdemokrat in die Stichwahl gelangen, Velles ist eine bessere, denn es verzehren jährlich pro Kopf der Beunser Magdeburgisches Parteiblatt berichtet, mit der Unterschrift des so könnte der Demokrat nur mit Hilfe der nationalliberalen und völkerung an Getreide und Fleisch in Kilogramm: Betriebschefs, Herrn Kohler, einige der beliebtesten Arbeiter und socialdemokratischen Stimmen siegen. Um der Nationalliberalen Deutschland Frankreich England Italien Destreich- Ungarn fogar ein Meister bei den Arbeitern herumgeschickt mit den Listen, willen wird zu Kardorff geschworen; die Socialdemokraten, so wonach die Arbeiter erstens ihren Beitritt in den nationalliberalen glauben sie, werden ohne weiteres„ ihre Schuldigkeit" thun. Daher Wahlverein erklären, zweitens Geld zur Unterstützung dieser die Wut über die Erinnerung des„ Vorwärts", daß die Socialarbeiterverräterischen Partei im Wahlkampfe im Wahlkampfe zahlen müssen. Es erklärten auch thatsächlich ihren Beitriit und zeichneten Beträge: demokratie durch die Münchener Stichwahl- Beschlüsse gebunden sei neun Aufträger und Vorarbeiter( beschäftigt bei Meister Unger); und feine Neigung haben dürfte, die zollverräterischen Hilfstruppen 29 Dfenarbeiter von Schicht I( Meister Böhnstedt); 80 Ofenarbeiter Kardorffs zu unterstützen. von Schicht II( Meister Grüßemann). Erpresser. Im Gußemaillierwerk sollen die meisten unterzeichnet haben, da Hier der Meister Werner selbst eingesammelt hat. Es würden dem nach ungefähr 150 gezeichnet haben. Das ist eine ebenso schamlose Erpressung wie die gestern von uns aus dem Senftenberger Revier gemeldete. Die Arbeiter werden sich hoffentlich durch den erzwungenen Beitritt zum nationalliberalen Verein nicht abhalten lassen, nach ihrer Ueberzeugung zu wählen. 273 218 187 216 252,8 Am besten nährt sich also nach der Rechnung der ,, Konservativen Korrespondenz" der Franzose, am schlechtesten der Engländer, Italiener und Destreicher. Schon dieses Ergebnis wird manchen, der die Lebensaus eigner Anschauung verhältnisse der genannten Nationen fennen gelernt hat, zu dem Schluß bringen, daß hier ein furioser 8. Der Volksparteiler Haehnle fiegte in der Stichwahl durch Rechenfehler vorliegen muß; und thatsächlich ist diese Zusammensocialdemokratische und klerikale Hilfe mit 10 466 Stimmen über den stellung denn auch echt fonservativer Humbug. Schon die Zunationalliberalen Gegner, der nur 8959 Stimmen erhielt. In der sammenrechnung des Fleischkonsums mit dem Getreideverbrauch ist Hauptwahl waren die Zahlen: Nationalliberale 8021, Centrum 2430, befremdend; hat aber ihren guten Grund nämlich den, zu verSocialdemokratie 3640. Wird das Centrum nicht durch demokratische decken, daß der Fleischkonsum pro Kopf in England und Frankreich Bollwucher- Konzessionen geködert, so stimmt es für den National- beträchtlich höher ist, als in Deutschland. Aber noch sonst hat sich die Vornahme allerlei kleiner liberalen. Auf die Socialdemokratie braucht man keine Rücksicht zu der ehrsame Rechenkünstler nehmen, die stimmen, so rechnen die Volksparteiler, doch für uns. Korrekturen" erlaubt. So hat er z. B., soweit sich erkennen Daher wiederum: Zollverrat, um die klerikalen Stimmen zu ge- läßt, bei Deutschland nicht nur den Verbrauch von Weizen, Spelz Nebenbei bemerkt haben alle diese Durchschnittsberechnungen recht wenig Wert. Was nügt es dem Arbeiter, wenn er erfährt, daß von dem Gesamtverbrauch so und so viel Fleisch, Tabak, Wein 2c. auf seine Person kommt, falls er nicht in der Lage ist, die betreffenden Mengen zu kaufen? Möglich, daß die konservativen Agitatoren annehmen, der Arbeiter müsse sich zufrieden fühlen, wenn er hört, daß auf ihn und seine Familie jährlich rechnungsweise 200 Kilogramm Fleisch kommen, auch wenn er weiß, daß er thatsächlich nur 80 oder 100 Kilogramm zu kaufen und zu konsumieren vermag, weil sein Lohn nicht weiter reicht. Die Gefühle, die sich in ihm bei diesen schönen konservativen Durchschnittsberechnungen regen, find andre, als die konservativen Herren annehmen, nämlich die des Jochen Brümmer in dem Reuterschen Gedicht„ Rindfleisch un Plummen": die Paris, 4. Juni.( B. H.) Die Zusammenziehung von Truppen im Süden von Oran wird mit großer Energie betrieben. Jn Oran stehen mehrere Specialzüge bereit, um Truppen, insbesondere Artillerie, nach dem Süden zu transportieren. 3000 Mann sind bereits dorthin abgegangen. und Roggen zur menschlichen Nahrung berücksichtigt, sondern auch| Kaisers durch Werfen von Blumen in den kaiserlichen Wagen, Frankreich. von Gerste; bei England hingegen nur von Weizen. durch Winten mit Taschentüchern oder durch zu hervor Die Interpellation Faures. In seiner Antwort auf die AnDie Thatsache, daß in England vielfach Haferpräparate genoffen drängende Bethätigung der Amateur- Photographen frage Faures betreffend die Ereignisse in Figig, erklärte Ministerwerden und besonders in Irland fast täglich auf den Tisch des nicht vorkommen. Zur Unterstützung der örtlichen Polizei sind eine präsident Combes in der Deputiertenkammer, daß, sobald die kleinen Mannes die beliebte Hafergrüße kommt, wird einfach ordert worden, um den Sicherheitsdienst für den Kaiser eine eremplarische Strafe erhalten Anzahl Berliner Kriminalbeamten nach Wiesbaden be- Busammenziehung der Truppen beendigt sei, die Räuber Die Regierung ignoriert. nach Berliner Muster zu regeln. Für den Sicherheitsdienst beabsichtige weder die Eroberung noch Besizergreifung.( Beifall.) in der Umgebung Wiesbadens werden, sobald das Kaiserpaar einen Der Ministerpräsident fuhr fort: Wir haben Repreffalien zu er Ausflug unternimmt, stets radelnde Polizeipatrouillen vorausgeschickt. greifen, und wir werden dies gemäß unsren Vertägen mit Marokko Im übrigen werden die Forsten um Wiesbaden ständig von berittenen thu. Infolgedessen brauchen weder Marokko noch Patrouillen beaufsichtigt und überwacht. europäischen Mächte über unsre Absichten Besorgnis zu hegen. Das fette Leben. Der„ Liberalen Korrespondenz" wird folgender Die auswärtigen Regierungen werden ohne Befürchtungen Originalbrief eines ostelbischen Grundbesizers, der ca. 500 Morgen die Represalien erfolgen sehen, welche notwendig geworden sind, bebaut, zur Verfügung gestellt: um die Ueberfälle zu bestrafen und die räuberischen Stämme davon ,, M., den 19. Nov. 1902. Lieber H. und liebe Marie! Eben abzuhalten, damit von neuem anzufangen.( Langanhaltender Beifall.) tomme ich mit einem schweren Hasen und Rebhuhn nach Nach dieser Erklärung nahm das Haus die Beratung der Vorlage Hause. Meine Frau meint, schicke das doch H. und Marie; betreffend die Altersunterstützungen wieder auf. wir haben gestern ein Schwein geschlachtet und wissen nicht, wie wir allein das alles verzehren sollen. Ich sagte meiner Frau, dann müßte sie vor allen Dingen auch die Butter dazu fügen, denn so ein starker Rammler, wie es zu sein scheint, brauche viel Fett. Von der Wirtschaft soll ich Euch ja immer etwas schreiben; na denn man zu. Die Ernte war ja an und für sich miserabel, d. h. was das Wetter anlangt, sonst war sie recht gut. Roggen habe ich in der Ernte per Dampf ca. 850 Centner gedroschen, davon 700 Centner zu 136 M. verkauft, also noch einen recht guten Preis bekommen; ich werde im im ganzen 1000 Centner davon haben. Weizen habe ich noch weiter nichts wie zur Saat gedroschen, vom andren Getreide ebenfalls nur das nötige, denn Geld gebrauche ich momentan nicht. Im Herbst habe ich alles sehr zeitig zugefät, und zwar gedrillt, so daß meine Saaten sehr gut aussehen; es sind ca. 100 Centner Roggen und 40 Centner Weizen gedrillt. Zugepflügt habe ich auch schon; nun gehts ans fette Leben. Meine Ausgaben waren im letzten Jahre ja sehr groß, sonst hätten wir schon ca. 4000 M. zurücklegen können, aber Schulden habe ich auch keinen Pfennig bezahlt ist alles. 6000 M. habe ich für Inventarvermehrung ausgegeben, nur für Sachen, wovon ich bisher nichts hatte und alles ist rein aus der Wirtschaft bezahlt; dazu kommen 5000 M. Leutelohn ohne Beköstigung, 5000 M. Hypothekenzinsen und wir haben auch noch gut gelebt. So eine Landwirtschaft bringt viel Geld, wenn man's versteht. Butter hatte ich das Höchste im Sommer 2 Monate lang 210 Pfund die Woche; es hätte noch halb mal so viel gegeben, wenn die Weide besser, es namentlich wärmer gewesen wäre." Rindfleisch un Plummen is en schön Gericht, Doch mine Herrn, id frig't man nicht!" Deutsches Reich. Ein ungeheuerlicher Prozeß hat sich in Halle abgespielt, ein Prozeß, der in einer Sammlung juristischer Monstrositäten einen hervorragenden Rang behaupten dürfte. Wir haben gestern bereits berichtet, daß zwei socialdemokratische Stadtverordnete in Halle wegen Beleidigung verurteilt wurden, weil sie behauptet hatten, daß ihnen von Polizisten Beschwerden zu gegangen seien. Es wurden, wie schon berichtet, zu dieser Verhandlung sämtliche Hallenser Polizeibeamten geladen, damit sie unter ihrem Eide bekunden sollten, daß sie die beiden Stadtverordneten nicht informiert hätten. Der uns zugegangene Bericht lautet: Beide Angeklagte bestritten, sich der Beleidigung schuldig ge= macht zu haben. Krüger stellt in Abrede, in den StadtverordnetenSigungen gesagt zu haben, Polizeibeamte hätten sich direkt bei ihm beschwert. Er habe nur von seinen Informationen geredet. Emmer giebt ähnliche Erklärungen ab, bleibt aber dabei, Beamte hätten ihm Mitteilungen über Polizei- Angelegenheiten gemacht. Der Gerichtsvorsitzende bemerkt, es sei nicht angängig, die Stadt Halle den ganzen Tag von der Polizei frei zu machen, und ordnet an, die Beamten in Trupps von 30 Mann als Zeugen bereit zu halten. Die Zeugen wurden durchgängig nur danach gefragt, ob sie den Angeklagten mündlich oder schriftlich Beschwerden mitgeteilt hätten. Die unter dem Eide gegebenen Antworten lauteten gewöhnlich kurz" nein" oder„ niemals". Nachdem etwa 150 Zeugen in dieser Weise vernommen waren, trat Sergeant Desterreich auf, der mit seiner Antwort eine Ausnahme machte und erklärte, dem Stadtverordneten Emmer auf Befragen einige Polizei- Angelegenheiten mitgeteilt, sich aber dabei nicht beschwert zu haben. Dann wurde auf die weitere Zeugenvernehmung verzichtet. Der Staatsanwalt erachtete die Angeklagten nach den Darlegungen aus den Stadtverordneten- Sigungen der verleumderischen Beleidigung für überführt und beantragte gegen Krüger 8 und gegen Emmer 6 Monate Gefängnis. Der Verteidiger beantragte Freisprechung, da die Angeklagten nur ihr Recht als Stadtverordnete ausgeübt hätten. Das Urteil lautete gegen Krüger auf 1 Monat Gefängnis und gegen Emmer auf 300 M. Geldstrafe eventuell 20 Tage Gefängnis. Wir müssen einen ausführlicheren Bericht und namentlich die Hrteilsbegründung abwarten, bis wir uns zu diesem Verfahren, das alles, was man von deutschen Gerichtshöfen bisher erlebt hat, überbietet, äußern können. Nur zwei Ungeheuerlichkeiten erwähnen wir furz: Einem Stadtverordneten wird das Bewußtsein und die Absicht des Beleidigens unterstellt, wenn er von Beamten behauptet, daß sie ihn informiert hätten. Ein preußisches Gericht läßt es zu, daß alle Mitglieder einer Beamtenklasse als Zeugen vernommen werden, um festzustellen, ob eins von ihnen einem socialdemokratischen Stadtverordneten Mitteilungen gemacht hat. Damit werden die Beamten vor die Wahl gestellt, sofern sie wirklich solche Informationen erteilt haben, entweder einen Meineid zu leisten oder aber ihre Stellung einzubüßen. Das ist das mittelalterliche Inquisitionsverfahren, bei dem die Schuldigen gezwungen werden, sich selbst zu belasten! Wilhelm II. und das Gebiet der socialen Politik. Auf eine Begrüßungsansprache, die Oberbürgermeister Adides in Frank furt a. M. an den deutschen Kaiser hielt, antwortete dieser u. a. zum Magistrat gewendet, folgendes: Die Ordensfette, die Sie um die Schultern Ihres Oberbürgermeisters glänzen sehen, ist ein Beweis dafür, wie gerade auf einem meinem Herzen so naheliegenden und von mir so eifrig durchforschten Gebiet, dem der socialen Politik, Frankfurt an der Spize marschiert, und wie es mir am Herzen liegt, die Stadt und ihr Oberhaupt dadurch zu zieren und mein vollstes Einverständnis zu erKlären mit den Wegen, die Sie hier eingeschlagen haben zum Segen für Ihre Bürger und zum Beispiel für das Vaterland. Es ist mir aber wohlbekannt, daß außerdem noch ein Wunsch die Brust Frankfurts bewegt, den ich gern Folge geben werde. Es ist schon lange der Wunsch, daß die Zusammengehörigkeit der Stadt mit ihrer Garnison durch ein äußeres Band auch in der Heeresgeschichte sich kennzeichnen möge. Und diesem Wunsch der Frankfurter Patrizier entgegenkommend, habe ich befohlen, daß vom heutigen Tage an das 2. hessische Artillerie- Regiment Nr. 63 " Frankfurt" heißen soll. Es ist sehr erfreulich, daß das Gebiet der socialen Politik, das ein so eingehendes und gründliches Studium erfordert, von dem deutschen Kaiser so eifrig durchforscht worden ist. Leider aber scheint ihn seine Umgebung in seinem Bestreben nicht zu unterstützen, da sonst manche Mißverständnisse und Irrtümer vermieden worden wären. Im ehrlichen Ausgleichen aller Interessen müssen die Arbeiter auf einen Teil ihres Lohnes verzichten, um ihn der notleidenden Landwirtschaft zuzuwenden. Wer das jetzt noch nicht einsieht-! Ein Wahlfieg. Aus Hessen schreibt man uns vom 3. Juni: Bei der heute in Groß- Steinheim vollzogenen Wahl eines LandtagsAbgeordneten für den Kreis Offenburg- Land erhielt Genosse Orb 31 Stimmen, der Centrumskandidat 21 Stimmen. Die Wahlmänner des Centrums nahmen diesmal am Wahlaft teil. Es verTautete kürzlich, daß das Centrum gegen die Wahl Orbs aufs neue Protest einlegen wolle. Ob das diesmal etwas nützen wird, ist wohl sehr fraglich. Italien. Rom, 2. Juni.( Eig. Ber.) Ein sensationeller Prozeß, der schon viel die italienische und ausländische Presse beschäftigt hat, ist am 1. Juni vor dem Appellhof von Brescia Es handelt sich um den vom wieder aufgenommen worden. Lieutenant Trivulzio gegen den socialistischen Abgeordneten Mario Todeschini angestrengten Prozeß wegen Verleumdung und Beleidigung. Wie erinnerlich, ist Trivulzio jener Offizier, der unter Anklage stand als Mitschuldiger oder Urheber des Todes seiner Geliebten, Isolina Canuti, die an den Folgen eines Verfuchs der Fruchtabtreibung gestorben war und deren zerstückter Leichnam bei Verona aus der Etsch gezogen wurde.. Trivulzio wurde ver haftet, aber die Voruntersuchung mußte wegen mangelnder Beweise eingestellt werden. Er erhob darauf Civilflage gegen den Chef= redakteur des Parteiblattes bon Verona, Todeschini, der ihn der Mitschuld an dem Versuch der Fruchtabtreibung und nach Ansicht der Richter auch an der Tötung und Zerstückelung der Canuti bezichtigt hatte. In erster Instanz wurde Genosse Todeschini zu 23 Monaten Gefängnis verurteilt, in zweiter nahm das Gericht an, der Wahrheitsbeweis für die Mitschuld am Versuch der Frucht abtreibung sei durch Todeschini erbracht und verringerte die Strafe auf 12 Monate 19 Tage. Im Januar dieses Jahres wurde auch dieses Urteil kassiert und der Prozeß an den Appellhof von Brescia getpiesen. Dieses Gericht wird zunächst darüber zu entscheiden haben, ob der ganze Prozeß neu aufgenommen werden soll oder nur der von der vorigen Appellinstanz verworfene Teil des Urteils, ob also Todeschini wegen Verleumdung( begangen durch die Beschuldigung Trivulzios, an der Tötung der Canuti teilgenommen zu haben) schon rechtskräftig verurteilt ist und sich nur wegen der von ihm gegen den Offizier erhobenen Beschuldigung, an dem Abortus mitschuldig zu sein, verantworten muß oder nicht. Die reaktionäre Preſſe tritt für die Auffassung einer teilweisen Aufhebung des Urteils ein, die in den Annalen der italienischen Rechtsprechung eine ganz neue Erscheinung wäre. England. Erziehung zum Deutschtum. Der in Gnesen erscheinende„ Lech" schreibt: In einem Städtchen nicht weit von Gnesen müssen, wie es in Chamberlain hat sich erneut zur Frage der englischen Handelsder Provinz Posen nicht selten der Fall ist, diejenigen polnischen und Bollpolitik geäußert. Ein Wolffiches Telegramm meldet: Volksschüler und Schülerinnen, welche die Religion nicht in London, 4. Juni. In seiner Antwort auf einen an ihn gerichteten deutscher Sprache lernen wollen, bis zum vollendeten 16. Jahre Brief bemerkt Minister Chamberlain, wenn sich die öffentliche Meinung bezw. bis in das 17. Lebensjahr in die Schule gehen. In der be- in den Kolonien in der That feindlich oder gar gleichgültig verhielte, treffenden Stadt nun hat sich vor kurzem eine dieser 16 Jahre bestände nicht die geringste Möglichkeit, die ZollEr würde sich für berechtigt alten Schülerinnen mit Willen ihrer Eltern verlobt. Die Hochzeit reform zu verwirklichen. soll sofort erfolgen, sobald der Kreisschulinspektor das Mädchen halten, den Kampf aufzugeben, wenn er nicht warm von den Kolonien aus der Schule entläßt. unterstützt würde. Die Schule als Strafanstalt für Nationalpolinnen, Verschärfung der Strafe durch Heiratserschwerung, dazu etwa noch ein bißchen reschener Prügelpädagogit und ein Zuchthausstaat ist fertig, wie ihn selbst Eugen Nichter nicht schöner träumen kann. " " Es ist nicht recht ersichtlich, ob Chamberlain, nachdem er gesehen hat, auf welchen Widerstand sein Projekt in den meisten der englischen Kolonien stößt, es bereits für ratsam hält abzuwiegeln, oder ob er durch diese Veröffentlichung nur bezweckt, jene kolonialen Kreise, die mit seinen Plänen einverstanden sind, zu Zustimmungserklärungen anzuspornen. Rußland. Wie der Zur Erschießung des Gouverneurs Bogdanowitsch. Rhein- Westf. 3tg." aus Petersburg gemeldet wird, sind dort mehreren hohen Beamten am Tage des Attentats auf den General Bogdanowitsch durch die Poſt hektographierte„ Urteile" zugestellt Die Korrespondenz der Fälschungen. Wir haben dem amtlichen Drgan der konservativen Partei, der Konservativen Kor= respondenz" nachgewiesen, daß ihre Citate über die socialdemo kratische Auffassung der Bauern- und Handwerkerfrage elende Fälschungen sind. Bulegt wurde wieder die alte Fälschung wieder holt, daß Bebel in München gesagt habe, es gebe keinen egoistischeren, brutaleren usw. Menschenschlag als die Bauern. Wir worden, die folgenden Wortlaut hatten: Am 13. März 1903 ist auf Bes haben festgestellt, daß Bebel von Agrariern geredet hat. Wie windet sich nun die„ Kons. Korresp." heraus? Sie be- fehl des Gouverneurs von Ufa, N. M. Bogdanowitsch seitens des Militärs auf die versammelten streikenden Arbeiter der Stadt Slatoust geschossen hauptet rundweg, unser Protokoll, das auf dem Stenogramm worden. Auch auf Fliehende wurde geschossen. Im ganzen wurden beruht, sei gefälscht und die nicht stenographische" S. und 28 Personen getötet und überdies gegen 200 verwundet, von denen H. Korrespondenz", der sie den Bericht entnommen haben will, habe zahlreiche ihren Wunden bereits erlegen sind. Unter den Getöteten den richtigen Wortlaut gebracht. Wir stellen dem gegenüber fest, daß an dem Satz kein Wort im und Verwundeten befand sich eine Anzahl von zufälligen Zuschauern Protokoll geändert worden ist. Er steht genau so in dem gleich- Organisation der socialistisch- revolutionären Partei" ist der Gouver zeitigen Vorwärts"-Bericht und außerdem geht aus dem Zusammenhang hervor, daß Bebel nicht von Bauern gesprochen haben kann. neur von Ufa, N. M. Bogdanowitsch, am 6.( 19.) Mai durch zwei Mitglieder der Organisation hingerichtet worden."( Folgt Stempel Bebel führte aus: Der Stamm der Centrumsanhänger, das Bauerntum, die der Kampfes- Organisation der S. R. P.".) Petersburg, 4. Juni. Dem„ Regierungsboten" zufolge gelandwirtschaftlichen Berufsschichten sind sich über die Frage des Zolltarifs in ganz Deutschland vollkommen einig. Ob schlesischer nehmigte der Kaiser den Beschluß des Ministerkomitees, bis zur Magnat oder polnischer Schlachtzize oder westpreußischer Bauer Revision der Gesetze über die Juden auf dem Wege der Gesetzoder der christliche Bauernverein am Rhein und in Süd- gebung in und außerhalb der in der Ansässigkeitsdeutschland, in dieser Frage sind sie einig, da ist alles zone liegenden Gouvernements den Juden Erdieselbe Couleur. Ja noch mehr: Wir haben bei den Ein- werb von Land und Immobilien sowie die Nuzgaben an den deutschen Reichstag anläßlich der Beratung nießung derselben zu verbieten. Dagegen soll der Ses Bolltarifs aus landwirtschaftlichen Kreisen aus allen Gegenden jüdischen Bevölkerung gestattet sein, sich in den in ihrer AnsässigkeitsDeutschlands die überraschende Thatsache erlebt, daß in Bezug zone gelegenen Ortschaften anzusiedeln, welche infolge ihrer auf die Forderungen die christlichen Bauernvereine am Rhein und industriellen Entwicklung den Charakter von Städten annehmen, in Süddeutschland die Unverschämtheit des Bundes der Landwirte und dort Immobilien zu erwerben. Solcher Ortschaften giebt es noch übersteigen. Es bewahrheitet sich hier wieder einmal, daß es bisher 101. feine egoistischere, rücksichtslosere, brutalere, aber auch keine borniertere Klasse giebt als unsere Agrarier." Bebel kommte eben garnicht von Bauern reden, weil es ihm nicht einfallen wird, Junker und Schlachtzizen als Bauern zu kostümieren, wie es der Bund der Landwirte liebt. Bebel hat einfach gesagt, daß alle Agrarier, mögen sie nun Groß grundbesitzer oder Großbauern sein, egoistisch, rücksichtslos und brutal seien. Und das ist nur die Wahrheit. Die Mehrheit der Bauern aber besteht aus elenden Kleinbauern, gegen die solche Anklagen zu erheben unsinnig wäre. Ausland. Oestreich- Ungarn. Partei- Nachrichten. Der Parteitag der norwegischen Socialdemokratie. Am zweiten Sizungstage wurde über das Programm für die bevorstehenden Storthingswahlen verhandelt. Nach einigen fleinen Abänderungen wurde der Entwurf des Parteivorstandes in folgender Form angenommen: Die norwegische Arbeiterpartei, die sich die Befreiung und Hebung der Arbeiterklasse zum Ziel gesetzt hat, kann nur auf Grund ihres eignen Parteiprogramms zur Wah! gehen und in taktischer Hinsicht nichts unternehmen, was geeignet sein könnte, den Etwas überraschend und unvermittelt erscheint in der Rede des Zusammenschluß und die Solidarität der Arbeiter zu beeinKaisers der Uebergang vom Gebiete der socialen Politik zu den trächtigen. Obgleich die Linke als Partei in der letzten Wünschen der Patrizier und den Frankfurter Garnisonverhältnissen. Zeit mehr als je ihren reaktionären Charakter dokumentiert Abschen vor dem schlichten Manne. Zu den Vereinen, die am in Rücksicht auf die Die Unruhen in Kroatien. Während der Pfingstfeiertage ist es hat, will der Parteitag dessen ungeachtet Donnerstag in Frankfurt um die güldene Kette Wilhelms II. mit in in Agram zu heftigen Scenen gekommen; Gruppen von Studenten bisherige Taktik der Partei- nicht dem Zusammenarbeiten mit der Konkurrenz traten, gehört auch der Sängerchor des Turnvereins zu und jugendlichen Leuten durchzogen die Stadt und demolierten die Linken bei der Wahl entgegentreten, wenn ein solches Aus Offenbach. An der Spitze dieses Vereins stehen gut nationalliberale Herren und so ist es denn nicht verwunderlich, wenn diese Vereins- Fenster verschiedener öffentlicher Gebäude. So wurden im Palais gebot gemacht wird; jedoch nur unter der Bedingung, daß dabei der Betriebsleitung der Staatsbahnen, im ungarischen Kasino, in der irgend ein politischer oder socialökonomischer Vorteil als wahrspizen alles aufwandten, um ihrem Verein ein besondres präsen Redaktion der„ Agramer Zeitung" und in den Wohnhäusern ver- scheinlich nachgewiesen werden kann und daß unsre Partei- Organi tables Aussehen zu geben. Da nun in dem offiziellen Festbuch auch schiedener höherer Beamten fast alle Fensterscheinen eingeschlagen. fationen an den betreffenden Orten vollständig freie hand über ihr der Beruf der Sänger angegeben werden mußte, so genierte es Infolge dieser Vorgänge wurde die ganze Garnison aufgeboten; die eignes Wahlprogramm behalten und ihnen eine Repräsentation die Herren gewaltig, daß eine Reihe tüchtiger Sänger nur ganz Straßenkreuzungen wurden militärisch besetzt und ſtarke Patrouillen durch im Verhältnis zu ihrer Stimmenzahl zugesichert wird, wor Als sie ließen daher diese Sangesbrüder einfach samt und sonders zu 30gen die Straßen der Stadt und deren Umgebung. Am Abend der Parteivorstand im voraus jede Abmachung über ein Zusammender Wahl sanktionieren wiederholten sich trotzdem die Aufläufe, Laternen wurden ausgelöscht arbeiten Technikern und Kaufleuten avancieren. und das Militär mit Steinen beworfen. Der kommandierende die am nächsten liegenden Aufgaben der Gesetzgebung verweist der Offizier soll mit dem Waffengebrauch gedroht haben, doch kam es Parteitag auf: Wenn der Kaiser reift. Gelegentlich der Kaisertage in Wies- glüdlicherweise nicht zu einer Katastrophe. Schließlich wurde die baden sind nach einer uns von dort zugehenden Mitteilung die Nuhe wieder hergestellt, namentlich dadurch, daß um 9 Uhr fämtweitestgehenden Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Die Kons liche öffentliche Lokale gesperrt wurden. Drei Personen erhielten trolle der daselbst zureisenden Fremden ist die denkbar genaueste und schwere Verlegungen, darunter ein städtischer Wachmann. Im Laufe namentlich stehen die in der Stadt anwesenden Italiener( Arbeiter) des Tages wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen; darunter unter besonders scharfer Bewachung. Die Polizei ist feruer an- befindet sich die Schriftstellerin Marianne Juricz. Die Garnison ist gewiesen worden, streng darüber zu wachen, daß Belästigungen des verstärkt worden. Der schlichte Mann ist nicht salonfähig. bei fann. auf 1. Gesetzlicher Schuß des Vereinigungsrechts. 2. Allgemeines Wahlrecht in Staat und Kommunen, sowohl für Frauen wie Männer über 21 Jahre alt. 3. Eine Wahlordnung mit soweit wie möglich gleich großen Wahlkreisen für je einen Abgeordneten; direkte Wahlen und Stichwahlen; Aufhebung der Wohnortsklausel und Einführung von Volksabstimmung bei wichtigeren Gesetzentwürfen. 4. Gefeßliche Begrenzung der Arbeitszeit. 5. Allgemeine Volkspension in Verbindung mit einer auf das Steuerwesen gestützten Krankenpflege. 6. Ersatz der Zollsteuern durch Einkommen-, Vermögens- und Erbschaftssteuer, die gradweise steigend gemacht werden sollen. 7. Reform der Verhältnisse der Landbewohner dem Parteiprogramm entsprechend. Fertigstellung aller öffentlichen Arbeiten im Lande selbst. 8. Errichtung internationaler Schiedsgerichte. Abschaffung des Militarismus und Einführung von allgemeiner Volksbewaffnung. 9. Entwicklung der Volksschule zu einer gemeinsamen Schule für alle Kinder. Erhöhung sowohl der Minimal- und der MaximalUnterrichtszeit. Die Landschulen sollen auf die gleiche Höhe wie die Stadtschulen gebracht werden. 10. Aufhebung des Jagdgesetzes. In der Unionsfrage erklärt der Parteitag: Als die norwegische Linke beranlaßt durch den Widerstand der Schweden gegen die Konsulatsfrage und durch die großschwedischen Kriegsbrohungen dazu überging, die Lösung der Unionsfrage zu einer Machtfrage zu machen, erhob erhob die norwegische Arbeiter partei Protest hiergegen. Die Rüstungspolitik, die die Folge der Taktik der Linken wurde, tvedte bom ersten Augenblick an die höchste Mißbilligung der Socialdemokratie. Wir empfahlen im Gegensatz dazu eine Politik, die darauf gerichtet war, Grundlagen für eine friedliche und für Norwegen befriedigende Lösung herbeizuführen. Da nun eine solche Grundlage geschaffen zu sein scheint, begrüßen wir das mit Zufriedenheit und erklären eine fortdauernd würdige und freundschaftliche Verhandlungspolitik unter ftüßen zu wollen." Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Versammelten, sich nicht täuschen zu lassen dadurch, daß die Anti femiten jetzt in ihren Zeitungen, Flugblättern und Reden auf die freisinnigen Judenblätter" und auf die freisinnigen Theorien " Die Angestellten( Kassierer) der Singer Co. Nähmaschinen- schimpften. Im Stillen bestehe zweifellos schon der Wahlpakt zwischen Freifinn und Antisemiten. Der ganze Kampf der Antisemiten habe Attiengesellschaft, Leipzigerstr. 92, find in einen Ausstand getreten. nur den Zwed, alle antisemitischen Schäflein zusammen zu Beteiligt find 51 Angestellte. bringen, um eine Stichwahl zu ermöglichen und sie dann Centralverband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen Deutschlands. einzutreiben in die Hürde des Freijinns, wofür der Freisimm auf dem Lande der Reaktion dienstbar sein werde. Im ersten Wahlgang Beifall.) Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Mit einem Aufruf müsse der Kreis der Socialdemokratie erobert werden.( Lebhafter zu thätiger Mithilfe bei der Agitation schloß der Vorsitzende Hoch uthätiger Mithilfe bei der Agitation schloß der Vorsitzende Hoch Sie Versammlung. Bezirk Berlin. Achtung, Bauarbeiter! Der Steinträger Friz Franke hat von der Firma Zaded, Wullenweberstraße 1, entgegen dem bestehenden korporativen Arbeitsvertrag den Bau Neue Winterfeldtstraße 14 25 Pf. unter dem Tarif vertragsmäßig übernommen, ferner werden 15 Pf. pro 1000 Steine als Kaution einbehalten. Wir ersuchen die Bauarbeiter, dieses zu beachten. Die Lohnkommission. Deutfches Reich. Wen wählen die Handlungsgehilfen? Am Mittwoch tagte im Grand Hotel Alexanderplatz eine zahlreich besuchte Versammlung für Handelsangestellte, in der Georg Bernhard referierte. Ernenter Klempnerstreit in Bremen. Die Klempner haben aufs Der Redner widerlegte zunächst verschiedene gegen die Socialdemokratie gerichtete Vorwürfe, gedachte dabei auch eines freineue den Streik beſchloſſen, weil ihre Arbeitgeber die Einigungs- sinnigen Flugblattes, das am selben Tage im fünften Wahlkreis bedingungen nicht innehielten, indem sie einen Teil der Streifenden verbreitet worden ist und worin man die Kleinbürger wieder nicht wieder einstellten. Wenn keine Einigung erzielt wird, so ist einmal mit dem alten Märchen gruselig zu machen eine neue Aussperrung der Bauarbeiter für Ende dieser Woche zu sucht: die Socialdemokratie wolle die Kleinbetriebe vollständig vers erwarten. nichten. Indem der Redner in furzen, klaren Säßen die GrundDie Differenzen im Dresdener Baugewerbe können als bei zutreffend jene Auffassung ist, und betonte besonders, daß gedanken des Parteiprogrammes darlegte, bewies er, wie ungelegt betrachtet werden. Auf eine Interpellation des Komitees die Socialdemokratie nicht Klassenhaß schürt, sondern nur der Ausgesperrten hin ist der Innungsvorstand selbst bemüht ge Erkenntnis der Klassenlage zur Vorausseßung ihres Wirkens wesen, die Innungsmeister zur Anerkennung der Vereinbarungen und deren Durchführung zu bewegen. Infolgedessen sind heute wieder der bürgerlichen Parteien bloßẞ. Sodann legte der Redner die politische Charakterlosigkeit eine große Zahl Ausgesperrter eingestellt worden, so daß nur noch Handlungsgehilfen nichts von den Antisemiten und Freifinnigen zu zeigte namentlich, daß die Zu sieben Wochen Gefängnis verurteilte das Schöffengericht etwa 100 ohne Beschäftigung sind. Es ist alle Aussicht vorhanden, erwarten haben, daß dagegen die Socialdemokratie im Parlament in Halle den Genossen Thiele, weil er als Vorsitzender des daß auch diese noch eingestellt oder anderweit untergebracht werden. von jeher für sie zu wirken bestrebt war, und forderte zum Schluß Gewerkschaftskartells zwei Versammlungen desselben nicht sofort nach 400 Porzellanarbeiter ausgesperrt! In der Porzellanfabrik von die Anwesenden auf, nur für den Kandidaten dieser Partei, erfolgter Auflösung verlassen hatte. Der Amtsanwalt hatte sogar Sonntag u. Söhne in Tettau( Oberfranken) wollten die Unter- für Robert Schmidt zu stimmen. Trotzdem der Redner in für jeden der beiden Fälle zwei Monate, zusammengezogen auf nehmer den Malern eine Erhöhung der Farbenpreise um 25 bis feinem Vortrage mehrere Angriffe gegen die deutschnationalen 3 Monate 2 Wochen, beantragt. Es handelt sich dabei um die 100 Proz. aufzwingen, was einer sehr bedeutenden Lohnreduktion Handlungsgehilfen gerichtet hatte und die Herren auch durch Kartell- Versammlungen am 14. Februr und am 1. November v. J. gleichfäme. Die Maler ließen sich auf dieses Anfinnen nicht ein und Zwischenrufe von ihrem Dasein Kunde gaben, meldete sich von ihnen Die erste wurde aufgelöst wegen Anwesenheit von zwei weib- Sie übrigen Porzellanarbeiter erklärten sich mit ihnen solidarisch, feiner zum Wort. Sie blieben dem Vortragenden auch die Antwort lichen Delegierten, die zweite wegen Eintritts. der Polizeistunde. worauf jämtliche Arbeiter( circa 400) entlassen wurden. auf die Frage schuldig, für wen sie denn nun eigentlich stimmen Gegen das Urteil wird Berufung eingelegt werden. Eine anfechtwollten oder sollten, da doch ihr Führer, Herr Döring, nur die machte? Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Husland. Anwesend waren hat. er als Da bare Anschauung über die Handhabung des Vereinsgefezes äußerte Die Aussperrung in Iserlohn dauert unverändert fort. Die Parole:„ auf keinen Fall für einen Socialdemokraten" ausgegeben der amtierende Richter insofern, als er bei Begründung des Urteils Fabrikanten lassen es sich in der Herbeischaffung von Arbeitswilligen habe. In der Diskussion sprach zunächst Herr Dullo, der ererklärte, Frauen dürften in Versammlungen, in denen politische schon etwas tosten, aber fast alles schlägt ihnen fehl. Man depeschiert flärte, daß er nicht ganz auf dem Standpunkt der Socialdemokratie Angelegenheiten erörtert würden, nicht anwesend sein, während das sogar nach allen Richtungen, der Streit sei beendet. In fast jämt stehe, sondern persönlich mehr den Freifinnigen zumeige. Da aber preußische Gesetz bekanntlich den Frauen nur die Mitgliedschaft in lichen Herbergen zur Heimat hat man gefälschte plakate aushängen dieser in socialpolitischer Hinsicht versagt hätte, könne politischen Vereinen berbietet. Gegen die Freisprechung lassen, worauf hier und da noch einer hereinfällt. Am Pfingstbe- Handlungsgehilfe nur für einen Socialdemokraten stimmen. Thieles in seinem Majestätsbeleidigungs- Prozeß hat der Staats- montag hielten die Ausgesperrten wieder eine vom besten Geiſt be gegen trat bann in recht widerspruchsvollen Ausführungen Herr anwalt Revision angemeldet. seelte Versammlung ab, welche sich für energische Weiterführung des redezki für den Freifinn ein, richtete dann verschiedene -Noch eine Majestätsbeleidigung soll der verantwortliche Re- den Arbeitern aufgezwungenen Stampfes aussprach. Fragen an den Referenten, zum Beispiel wann die Freifinnigen bei dakteur des Hamburger Echo", Genosse Gustav Wabersky, Die Klempner in Königsberg i. Pr. befinden sich in einer Lohn- wichtigen Abstimmungen gefehlt hätten und sie sich begangen haben und zwar durch die in Nr. 292 dieses Blattes vom bewegung. Sie fordern Stundenlöhne von 35 Pf. für Junggesellen gegen das allgemeine gleiche Wahlrecht ausgesprochen hätten 14. Dezember v. J. veröffentlichte Wochenplauderei„ Venezolanisch- und 42 Pf. für die älteren Gesellen. Da die Meister diese und meinte daß die Freifinnigen die Kleingewerbes Deutsches". In einem Telephongespräch zwischen dem Reichskanzler Forderungen nicht bewilligen wollen, so haben die Arbeiter ge- treibenden retten wollten, was der Umstand beweise, daß sie sehr und dem Reichs- Marine- Amt, das die Entsendung eines Geschwaders fündigt. gegen die großen Warenhäuser„ wetterten". Unser Kandidat nach Venezuela behandelt, erblickt die Staatsanwaltschaft eine BeRobert Schmidt, der darauf das Wort nahm, beantwortete leidigung Wilhelms II. allerdings erst nach fast sechs Monaten. Ein internationaler Steinarbeiter- Kongres diese Angriffe dahin, daß der Freisinnige Zwid in sechs aufSollte der Hamburger Staatsanwaltschaft diese Erleuchtung nicht tagte während der Pfingsttage in Zürich. einanderfolgenden Sizungen der Zolltarif- Kommission gefehlt habe, vielleicht auch erst aus einem Nachbarstaate gekommen sein, in dessen 14 Delegierte, die 30 500 organisierte Steinarbeiter vertraten. Angriffe gegen das allgemeine gleiche Wahlrecht gerichtet hat und ebenso ohne daß für ihn Ersatz gestellt wurde, daß eben derselbe Herr Zwid äußerstem Often ein Staatsanwalt diese Entdeckung schon vorher Deutschland, Destreich, Ungarn, Belgien, Frankreich, Italien, die die Freifinnigen in den Kommunen, wo sie in der Mehrheit sind, -Eine sonderbare Ueberraschung wurde nach unfrem Offenbacher entsandt. Die Verhältnisse in den verschiedenen Ländern wurden der Redner auf die entwürdigende Stellung hin, die die Handlungs Schweiz, Schweden, Norwegen und Dänemark hatten Delegierte eine ganz traurige Haltung in dieser Frage einnehmen. Ferner wies Parteiblatt dem Genossen Cramer in Darmstadt zu teil. Der eingehend besprochen. Beschlossen wurde, am 1. Juli d. I. ein gehilfen heutzutage einnehmen, wie sie in mancher Hinsicht noch Herr Gerichtsvollzieher Engel in Darmstadt präsentierte einen bom internationales Sekretariat ins Leben treten zu lassen, welches der schlechter daran sind, als die Arbeiter, die sich durch ihre Organi großherzoglichen Amtsgericht Darmstadt ausgestellten Haftbefehl schweizerische Steinarbeiter- Verband zu besetzen hat. Bu fationen mancherlei Vorteile errungen haben, und ſo beantragte wegen 3020 m. Prozeßkosten, welche die königl. preußische dem Punkt: Streiks und Lohnbewegungen noch mehr als diese darauf angewiesen sind, bor den Gerichtstasse in Elberfeld für den bekannten Geheimbundsprozeß gern deutsche Steinarbeiter- Verband eine Resolution, nach der bei größeren gröbsten Auswüchsen der fapitalistischen Ausbeutung durch Streits, welche die finanzielle Hilfe der Kollegen in haben möchte. Genosse Cramer konnte dem eifrigen Beamten die werden, wofür aber andern Ländern notwendig machen, die Unterstützungsaktion Gesetzgebung und Polizei geschützt zu Ausführung der Verhaftung nicht gestatten und machte den mur durch das internationale Sekretariat erfolgen soll. nur die Socialdemokratie fonsequent eintritt. Darauf Herrn Gerichtsvollzieher darauf aufmerksam, daß er ihn, da er betreffenden Landesorganisation wird aber die Verpflichtung auf Sinne derer von 48 bezeichnete. Er schilderte sehr treffend, wie es sprach noch Herr Eugen Conrad, der sich als Demokrat im Landtags- Abgeordneter sei, gar nicht verhaften dürfe. erlegt, dem internationalen Sekretär über die Forderungen der in freisinnigen und konservativen Versammlungen zugeht und mit Etwas ungläubig wegen dieser Erklärung ging der Herr Gerichts- Arbeiter, die Zahl der Beteiligten, der organisierten und unorgani- der Redefreiheit bestellt ist, und erklärte dann, daß man vollzieher und versprach wieder zu kommen allein er kam nicht fierten 2c. Mitteilung zu machen. Auf jeden Fall, auch wenn der als anständiger Mensch gegen den Freifinn, und nur mehr wieder. Sein Versprechen muß ihm nachträglich leid ge- Streik mißbilligt wird, ist der Zuzug von Streifbrechern fernzuhalten. für den Socialdemokraten stimmen müsse. Dann hätte man doch auch Auf Antrag des schweizerischen Steinarbeiter- Verbandes wird dazu die Gewähr, daß die Volksrechte nicht verkürzt werden. beschlossen, daß bei größeren Lohn- und Streifbewegungen feine dann der Referent in seinem Schlußwort noch einmal die GesinnungsReise- Ausweise in die betreffenden Länder ausgestellt werden dürfen losigkeit der reaktionären Masse, die jetzt der Socialdemokratie und die Kollegen an der Grenze zurückzuweisen sind. Beschlossen wird ferner die gegenseitige Unterstützung der mehr das Wort verlangte, erfolgte Schluß der Versammlung. gegenüber steht, gebührend gekennzeichnet hatte und kein Gegner Organisationen in der Agitation in den Grenz Ausführungen des Referenten sowohl wie die des Kandidaten Robert distrikten. Die Regelung derselben soll von Fall zu Fall zwischen Schmidt fanden außerordentlich starken Beifall. den beteiligten Organisationen erfolgen. worden sein. einleitete. " der Der Nachdem Die Aus Industrie und Handel. Weitere Roheisenpreisermäßigung in Amerika. Wie die Frankfurter Zeitung" meldet, hat die Südliche Hochofen- Gesellschaft in den Vereinigten Staaten den Preis für Gießerei- Roheisen Nr. 2 wiederum um 1 Dollar herabgesetzt, weil, wie sie zur Begründung angiebt, Annahme fand ferner folgende Resolution:„ Der internationale die ausländische Ware ihr noch scharfe Konkurrenz macht. Die Süd- Steinarbeiter- Kongreß nimmt grundsäglich Stellung gegen jede Zer- Verband deutscher Mühlenarbeiter. Zahlstelle Berlin. Sonntag, liche Hochofen- Gesellschaft war es auch, die zu Anfang April den splitterung der Gewerkschaften und hält nur mit solchen Organisationen den 7. Juni, nachmittags 4 Uhr: Bersammlung in Moabit, Stromstr. 28, Preis für Gießerei- Roheisen um 1 Dollar herabsetzte und damit die eine Verbindung aufrecht, welche im betreffenden Lande als anerkannt im Saale des Herrn Schößler. Die Stollegen aus der Schüttmühle alle Reihe von Preisermäßigungen auf dem amerikanischen Eisenmarkte gelten." Dem Sekretär wird der Auftrag gegeben, Schritte einzuleiten, fommen. Die Lokalverwaltung. um den internationalen Gedanken in allen Ländern zur Durchführung Friedrich Krupp, Aktiengesellschaft in Effen. Der Kölnischen zu bringen und unter den beteiligten Verbänden VereinigungsVoltszeitung" wird aus Essen unterm 2. Juni 1903 geschrieben: Die fongresse einzuberufen. Aktiengesellschaft Friedrich Krupp beabsichtigt, ihre sämtlichen Be- Maleraussperrung in Stockholm. Von den Malermeistern triebe für die Herstellung von Friedensartikeln im Laufe der nächsten Stockholms, die beschlossen hatten, ihre sämtlichen Arbeiter, unJahre von Essen nach Rheinhausen bei Uerdingen zu verlegen. Der gefähr 600, auszusperren, haben am Dienstag nur 39 mit 140 ArGrund dafür liegt in dem Umstande, daß ein großer Teil dieser Be- beitern diesem Beschluß entsprochen. triebe den Anforderungen der neuzeitlichen Technik nicht mehr ganz entspricht und einer Umgestaltung und Erweiterung bedarf. Dazu Der erste Kongreß der französischen Landarbeiter wird im Juli reicht aber das in Essen noch vorhandene Gelände bei weitem nicht in der Arbeiterbörse zu Béziers stattfinden. Zur Theilnahme find mehr aus. In Essen sollen lediglich noch die Betriebe für die Her- alle land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter eingeladen, einige verstellung von Striegsgeräten verbleiben, welche zudem gleichfalls erheb- streute Organisationen von Land- und Forstarbeitern giebt es in lich erweitert werden sollen. Frankreich bereits. Es soll nun eine größere Agitation zur Bildung eines Verbandes entfaltet werden. Einer allerdings unverbürgten Nachricht zufolge soll die Firma auch beabsichtigen, ein Grubenfeld auf dem linken Rheinufer zwecks Errichtung eines neuen Kohlenbergwerkes zu erwerben. Die Einfuhr zubereiteten Fleisches. Nach§ 12 des Fleischbeschau- Gesetzes darf zubereitetes Fleisch aus dem Auslande nur eingeführt werden:„ wenn nach Art feiner Gewinnung und Zubereitung Gefahren für die menschliche Gesundheit erfahrungsgemäß ausge schlossen sind oder die Unschädlichkeit für die menschliche Gesundheit in zuverlässiger Weise bei der Einfuhr sich feststellen läßt". Das Gesetz fügt dann noch hinzu:„ Diese Feststellung gilt als unausführ bar insbesondere bei Sendungen von Pökelfleisch, soferr das Gewicht einzelrer Stüde weniger als 4 Kilogramm beträgt; auf Schinken, Sped und Därme findet diese Vorschrift keine Anwendung". Wahlverfammlungen. Letzte Nachrichten und Depefchen. Arbeiter- Risiko. Kolberg, 4. Juni.( W. T. B.) Heute nachmittag stürzte ein Neubau ein. Zwei Maurer und ein andrer Arbeiter wurden verschüttet. Die Bergung der Verschütteten war jedoch der Feuerwehr bis zum späten Abend nicht gelungen. Prozeß gegen den Simpliciffimus". Frankfurt a. M., 4. Juni.( B. H.) Das Schöffengericht in München verurteilte, der Frankfurter Zeitung" zufolge, heute den Maler Heine und den verantwortlichen Redakteur des„ Simpliciffimus", J. Linnekogel, wegen des Titelbildes„ Gesandtenerziehung" im Simplicissimus" wegen groben Unfugs, verübt durch die Presse, zu je 30 M. Geldstrafe und erkannte außerdem auf Unbrauchbarmachung der noch vorhandenen Exemplare und Platten. Der Amtsanwalt hatte 3%. Wochen Gefängnis beantragt. " Zum Budapester Postraub. Eine Wählerversammlung für den dritten Berliner ReichstagsWahlkreis tagte am 3. Juni im Luisenstädtischen Konzerthaus. Der socialdemokratische Kandidat Wolfgang Heine referierte. Er entwickelte das socialdemokratische Programm und trat wirksam den auch jetzt wieder im dritten Wahlkreise durch Flugblätter verbreiteten thörichten Behauptungen der Freifinnigen entgegen, daß die SocialBudapest, 4. Juni.( W. T. B.) Die Postdirektion hat einen demokratie ihre Ziele verschleiere und einen Zuchthausstaat Nachdem dieses Gesetz am 1. April d. I. in Straft getreten war, anstrebe. Legteres wäre geradezu tindisch, denn gerade die Social- Preis von 4000 kronen auf die Ergreifung des Postdiebes und 2000 Kronen für Angaben ausgesetzt, welche auf die Spur des Thäters wurden die ausländischen Schweinslebern, die früher gepökelt einge- demokratie wolle die freie Entfaltung der Persönlichkeit, die heute führen. Im Stedbrief wird der Dieb, welcher Micsinah heißt und führt wurden, in gekochtem Zustande eingeführt. Einzelne Zulassungs- meist unterbunden sei, erst für jedermann ermöglichen. Dann ent- 31 Jahre alt ist, als flein, mit rundem Geficht und einem Anflug stellen verweigerten jedoch die Zulassung, weil das Einfuhrverbot von halte das Flugblatt der Freifinnigen, das Herrn Jäger empfehle, eines blonden Schnurrbartes geschildert. Den Buchstaben S fann Stüden unter 4 Kilogramm auch für gekochtes Fleisch maßgebend sei. die Angabe:" Die Socialdemokratie spiegelt dem Volke Un- Micfinah nicht gut aussprechen; am Mittelfinger der rechten Hand Andre Untersuchungsstellen waren gegenteiliger Ansicht und ließen mögliches vor: Not, Sorge und Elend sollen aus der Welt gefehlt der Nagel. die Lebern nach tierärztlicher Untersuchung ein. schafft werden." Ja, wolle denn Herr Jäger Not, Sorge und Elend Der Staatssekretär des Innern hat nun zu dieser Frage wie erhalten? Es sei doch gerade Aufgabe der Politik, diese Leiden der folgt Stellung genommen:„ Die in§ 12 Abs. 2, Biffer 2 des Ge- Menschheit, wie sie sich unter den gegebenen Verhältnissen zeigten, fezes, betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 3. Juni nach Möglichkeit zu beseitigen. Es wäre eine lächerliche An- Budapest, 4. Juni.( B. H.) Ueber die Ortschaft Indjija ging 1900 ausgegebene Gewichtsgrenze von 4 Silogramm findet nach dies- fchuldigung, uns ein dahingehendes Bestreben zum Vorwurf zu ein furchtbarer, vier Stunden andauernder Wolkenbruch, verbunden seitiger Auffassung nur auf Pökelfleisch mit der a. a. D. machen. Wer sich gar nicht einmal vornehme, Not, Elend und Sorge mit Hagelschlag, nieder. 20 Wohnhäuser sind eingestürzt und auf vorgesehenen Ausnahme für Schinken, Speck und Därme Anwendung. zu bekämpfen, der forge indirekt dafür, daß sie immer größer würden. Im weite Streden stehen die Kulturen unter Wasser; die gesamte Ernte Inwieweit bei anderm Fleisch, das in Stücken unter 4 Kilogramm weiteren Verlaufe seines Vortrages widerlegte Redner noch verschiedene ist vernichtet. eingeht, die zur Genehmigung der Einfuhr erforderliche zuverlässige freisinnige und antisemitische Lügen, so die, daß die Socialdemokratie Untersuchung auf seine Unschädlichkeit ausführbar ist, bedarf der die kleinen und mittleren selbständigen Eriftengen vernichten wolle. Prüfung von Fall zu Fall. Als unausführbar ist diese Untersuchung Er wies nach, daß im Gegenteil die Antisemiten den kleinen Mann nach dem Gutachten der Sachverständigen zu erachten auch bei ge= den Kaufmann, den Handwerker und auch den Beamten mit befochten Lebern in Stücken unter 4 Kilogramm. Wegen der Zurück stimmt firiertem Gehalt aufs schwerste schädigten durch ihre Unterweisung solcher Lebern an den Einlaßstellen für ausländisches Fleisch stützung der Zollpolitik der Agrarier, auf die sich auch der antisemitische ist das Erforderliche in die Wege geleitet." Kandidat Hahn eingeschworen habe. Zum Schluß ermahnte Redner die Wolkenbruch. Straferlaß in Transvaal. Pretoria, 4. Juni.( W. T. B.) Der Gouverneur der Transvaal- Solonie erließ dem größten Teil der Boeren den Rest der Strafen, zu denen sie während des letzten Krieges militärischer Vergehen wegen verurteilt waren. Verantwortl. Redakteur: Carl Zeid in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsblatt. »t. 128. 20 i. f e iidjje hts Jormiirts" Kerliner WIKsdlM. Z.?..> m Der Parteitag der holländischen Socialdemokratie. Nachdem van der Goes in feuriger Rede für die von ihm miteingebrachte Resolution eingetreten ist, nimmt das Wort gegen den Generalstreik W i b a u t- Middelburg. Er führt u. a. aus: Wenn je ein Generalstreik für den Kampf gegen ein Gesetz nützlich sein kann, dann muß doch das Proletariat jedenfalls den Augenblick für seinen Kampf s e l b st wählen, v. d. Goes hat gesagt, wir hätten alle überall den Generalstreik propagiert. Redner jedoch und viele andre hätten dies nicht gethan, weil sie noch stets auf dem alten Standpunkt ständen, daß, menn wir stark genug sind, um mit dem Streik Einfluß auf die Gesetzgebung auszuüben, wir diesen Einfluß ebenso gut können ausüben ohne Streik. Wir haben nicht ein weniger gutes Mittel gewählt, weil wir kein besseres hatten, sondern wir haben ein Mittel gewählt, das unter den bestehenden Macht- Verhältnissen in unsrem Lande überhaupt keins war, sonst wäre der Streik mindestens ausgebreiteter gewesen. Redner kann sich deshalb auch nicht mit der Meinung v. d. G o e s' vereinen, daß dieser Streik nicht habe ausbleiben können. Ständen wir nochmals vor derselben Frage, dann dürsten wir nicht mitthun.(Beifall.) Fortuyn- Amsterdanr VI war keinen Augenblick während des ganzen Streites überrumpelt. Sofort nach Bildung des Abwehr komitees habe er einen Artikel an„Het Volk" eingesandt, worin er gesagt habe, wir seien auf dem verkehrten Wege und von den Anarchisten ins Schlepptau genommen. Der Artikel sei aber nicht aufgenommen worden. Die Fachvereine hatten die Dummheit be- gangen, auch die Anarchisten aufzurufen, wir hätten mit diesen nicht mitthun müssen. Redner stägt, ob der Parteivorstand sich im Ab- wehrkonntee stets dem Generalstreik widersetzt habe. Derselbe hat die nötige Einsicht entbehrt, daß der Generalstreik die Revolution sei. Sein Verhalte» müsse streng verurteilt werden. Von Anfang an war bei der Redaktion des„Volk" kein leitender Gedanke vor- herrschend. Nach dem 31. Januar war man in einem Zustande von Freudetrunkenheit. Erst der Artikel„Was nun?" zeigte eine Zurück- kehr des gesunden Verstandes und sittlichen Mutes. Die anarchistische Propaganda ist von uns sehr unterschätzt und nicht kräftig genug bekämpft.(Beifall.) Wir sind in der That mitschuldig.(Troelstra: Nein, die Regierung.) Ja, das kann man leicht sagen. Er bedauere, daß der Parteivorstand während dieses anarchistischen Abenteuers solch schlechte Haltung gezeigt habe. O u d e g e e st- Utrecht(Vorsitzender der Eisenbahner und des Abwehrkomitees): Das Uebel rührt noch von dem ersten Eisenbahner- Ausstand, der die Zwangsgesetze und den Aprilstreit zur Folge hatte. Der große Fehler ist, daß der Kampf gegen den Anarchismus nicht stark genug war. Daß wir keinen Einfluß auf die Gewerkschasts- bewegung haben, ist die Schuld des Parteivorstandes.(Zurufe: Unsinn I) Jeder Widerstand ist uns heilig, hat v. d. Goes gesagt. (v. d. Goes ruft: Jeder ernste und organisierte Widerstand.) Unser Widerstand nun war der eines Jungen, der unbewaffnet einen Löwen bekämpft. Sicher erachtete Redner das Mitthun nach all dem Vorhergegangenen für notwendig. Aber verkehrt war das Schreien des„Volk" iiber Solidarität.(Troelstra: Eure Proklamation! Das ist stech l) Unsre Proklanration(nämlich die, worin Oudegeest und das andre Vorstandsmitglied P e tter mit einem neuen Eisenbahner- ausstand drohten, falls Gesetze gegen einen Eisenbahnerausstand von der Kammer eingereicht würden, Korresp.) war ein Ausfluß der all- gemeinen Erregung, durch die Presse, auch die Arbeiterpresse, erzeugt. Redner sagt, er und einige andre Hauptvorstandsmitglieder haben den Parteivorstand vor dem Generalstreik als einer Revolution gleich- stehend, gewarnt. B y k e r k- Amsterdam V: Troelstra hat mitgeteilt, daß van Erkel(Vorsitzender des nationalen Arbeiter-Sekretariats und Mitglied des Abwehrkomitees) mitgeteilt habe, daß das Komitee in der zweiten Hauptvorstände-Versainmlung mit Absicht die ihm, dem Komitee, bekannteil ungünstigen Thatsachcn verschwiegen habe. Wann wußte der Parteivorstand diese nicht- demokratische und Unglück- bringende That? Hat er daraufhin keinen Beschluß gefaßt? Hat B l i e g e n(Mitglied des Abwehr-Komitees als Abgeordneter des Parteivorstandes, Korrespondent) die Verantwortlichkeit dieser unheil- bringenden That mit übernommen? Mendels- Zaandam huldigt der Kammer-Fraktion fiir ihre ausgezeichnete Haltung während der Behandlung der Zwangsgesetze. (Beifall.) lieber die Notwendigkeit des Leitartikels„Was nun?" habe er nicht zu urteilen. Aber ein Artikel, wie der ini„Volk", habe äußerst deutlich sein müssen, so daß er bei allen Genossen ein- schlug. Das Gegenteil sei der Fall gewesen, er stiftete Verwirrung. Den-Exter- Amsterdam IX hat den Auftrag, zu fragen, ob van Kol, als er in solch ernsten Tagen nach Westindien abreiste, dies that unter Zustimmung der Kammerstaktion. Bergmeyer- Dordrecht weist darauf hin. daß bis jetzt nur Amsterdamer und Abgeordnete aus der Umgegend gesprochen hätten. Wir, außerhalb Amsterdams, wußten von vornherein, daß die Sache verloren werden mußte. Die Geschehnisse des 31. Januar waren Feuerwerk. Da kam die idiotische Proklamation von Oudegeest und Petter. Redners Beschwerde gegen den Parteivorstand ist, daß dieser nicht einen Kaltwasserstrahl auf die erhitzten Gemüter richtete. Troelstra hätte die erwähnte Proklamation Oudegnest kritisieren müssen, ein Fehler war's, daß er es nicht that. Nun kann man wohl sagen: aber wir beherrschen nicht die Umstände— sie beherrschen uns. Wenn den Proletarier an die Kehle gegriffen wird, erwacht bei uns daS Gefühl, daß wir einander helfen müssen, es koste was es wolle.(Lauter Beifall. Troelstra: Aber, Bergmeyer, wo bleibt Dein kalter Wasserstrahl?) K a m p h u i s e u- Amsterdam VHI bringt namens feiner Ab- teilung Troelstra als Haupwedaktcur vom„Volk" den Dank für seinen Artikel„Was nun?" Er meint, daß der Streik verloren gehen mußte, und das Verhältnis zwischen uns und den Arbeitern sei nunmehr äußerst gehässig.(Zurufe: Gar nicht wahr I Ja, Anarchisten und Kirchliche!) Laßt uns jetzt vor allem austasten zu sagen: ein folgendes Mal thun wir's wieder. Der Vorsitzende meint den Worten des Vorredners widersprechen zn müssen. Von einer Abkehr der Arbeiter gegen die S. D. A. P. sei keine Rede, im Gegenteil. Er. der Vorsitzende, könne Kamphuisen versichern, daß gerade viele Arbeiter sich enger der Socialdemokratischen Arbeiterpartei angeschlossen hätten. Nach der jüngsten Katastrophe kamen viele Vorstandsmitglieder von Gewerkschaften zu mir um Rat und Hilfe, die früher nichts von mir wissen wollten. Sie sind viel verständiger geworden. Auch im„Hafenarbeiter" kann man dies jetzt lesen. Wir haben immer verkehrt gethan, all' die Arbeiter Anarchisten zu nennen; von Anarchismus wissen sie nichts, nur von dem„alten Mann"(D o m e l a N i e u w e n h u i s> und laufen hinter diesem her. Die Rachläufer haben Einfluß in der Gewerkschasts- bewegung, weil unsre Parteigenossen dies zuließen.— Wenn etwas eine Folge dieser Geschichte war, dann ist es, daß vielen das Tuch von den Augen gefallen ist und sie den Unsinn des Anarchismus eingesehen haben. Dr. G o r t e r- Büsium: Troelstra läßt sich zu viel von den Tagesereignissen beeinflussen und vertraut in großen Sachen auf die Hilfe von andern, so in der Schulstage auf die Gläubigen, in der agrarischen Frage auf die Hilfe der kleinen Bauern. Er, Redner, werfe Troelstra nichts andres vor als Unsicherheit. Dann ver- teidigt er die Resolution gegen Wibants Auslassungen. Letzterer sage, die Regierung habe uns in die Falle gelockt. Aber es hieß: Fechten oder Sich ergeben.. Es liegt das im Instinkt der revolutionären Energie(Rufe: große Worte!), ja, aber auch im Verstand. Man konnte unmöglich im voraus bestimmen, daß man_ zu schwach war. Hätte man jetzt nicht gestritten._ dann hätte man die Reaktton weiter herausgefordert. Die deutsche Partei ist von Polak genannt. Ja, aber dort hat man daS allgemeine Wahlrecht, diese immer sicher treffende Waffe, dieses Sicherbeitsventil, das wir nicht haben.— Denkt doch einmal an unsre verwahrloste Arbeiterklasse ohne Rechte. Wenn ihr dann noch etwas von ihrem bißchen Rechte entrissen wird, dann muß sie losbrechen. Er(Redner) sei fürs allgemeine Wahlrecht und für Disciplin und war auch für ein Unternehmen wie dieses, er war froh, daß es stattgefunden hat. Wenn man dem Proletariat dessen Herzenskind entreißt, dann freue er sich darüber, wenn dieses sage: dann sterbe ich lieber.— Es giebt zwei Wege: Evolution und Revolutton. Wir sind fürs erste, aber weun's nicht anders fein kann, dann sind wir für die Revolution. Dies scheidet uns von den Freisinuig-Demokraten. Vorläufig— hoffen wir, nicht lange mehr— ist dies in Holland, außer unsrer Propa- ganda, der Weg, um den Socialismus zu propagieren. Wir haben gut gethan und eine kolossale Propaganda gemacht für den Socia- lismus; darum habe er, Redner, so mit Herz und Seele daran mit- gethan.(Lauter Beifall.) W. H. V l i e g e n(Amsterdam IX.) hat auf seine Haltung als Vertreter der Socialdemokrattschen Arbeiterpartei im Abwehrkomitee keine andre Kritik als die von Bykert gehört, nämlich, daß die Haupt- vorstände nicht vom Komitee unterrichtet wurden über den Stand der Dinge. Er, Redner, könne die Verantwortlichkeit von sich auf den Parieivorstand abwälzen, daß vor der betreffenden Versamm- lung der Hauptvorstand wußte, daß das Komitee die Versammlung nicht informieren werde. Er, Redner, habe im Komitee vor- geschlagen, dies wohl zu thun, es wurde aber verworfen und so mußte er sich hieran halten. Die scheinbar sich einander wider- sprechenden Artikel im„Volk" sind sehr einfach zu erklären aus dein Untergrund der Dinge. Am 10. März hieß es darin: seid nüchtern und laust nicht in die Falle. Ein paar Tage vorher war von der „Feuertaufe" im„Volk" die Rede. Nun, in der Zwischenzeit hatte die Elsenbahner-Organisation ein Referenduni gehalten und dies ist zugleich das große Geheimnis, das der Versammlung der Hauptvorstände vor- enthalten wurde. Beinahe all diese scheinbaren Widersprechungen sind so zu erklären. Er, Redner, der doch alles wußte, kann nichts sehen, weshalb die Haltung des„Volk" zu verurteilen sei, mit Ausnahme der Frage betreffend den„ökonomischen Streik". Besonders freute Redner sich über den Leitarttkel„Was nun?" Die Berichte aus dein Lande waren so, daß niemand von einem Generalstreik etwas erwarten konnte. Deshalb wollten wir das Abwehrkomitee mit ernsthasten Menschen aus den Gewerkschaften, die auch Ver- anttvortlichkeitsgcfühl besaßen, anfüllen. Dies schlug fehl durch D o m e l a N i e u w e n h u i s, der im bestehenden Komitee sein Werkzeug hatte.— Letzteres war von Anfang an verkehrt zusammen- gestellt; zuviel Anarchisten hatten darin Sitz und zu wenige aus den ernsthaften Gewerkschaften. Was nach dem Arttkel„Was nun?" geschehen ist, daran konnte weder T r o e l st r a, noch das Komitee, noch fönst jemand etwas thun. Das große Resultat von«Was nun?" war, daß die Eisenbahner-Organisationen sich aussprechen mußten. Er, Redner, ist davon überzeugt, daß der Streik, wenn er von der Eisenbahner-Organisation abhängen mußte, nicht ausgebrochen wäre.— Das Abwehrkomitee schrieb seiner Zeit die Versammlung der Hauptvorstände am 2. April aus in der Hoff- nung, daß diese den Streik nicht proklamieren. Weshalb nun hat der Parteivorstand, der alles wußte, in dieser Versammlung doch für die Motion Wessels, mittels welcher der Streik proklamiert wurde, gestimmt? In dieser wurde auch abgewichen von der ursprünglichen Motion, in welcher die Eisenbahner- und Transportarbeiter- Organisationen über den Streik zu bestimmen hatten. Einmal mit den Organisationen in den Streik gegangen, mußtejnau zwar mit diesen durch Dick und Dünn gehen, aber für den Streik habe die S. D. A. P. nicht stimmen brauchen. Redner weist darauf hin, daß der Parteivorstand schwer zusammenzubringen war. Nach einem persönlichen xater peccavi fährt Redner fort und sagt: v. d. Goes gebe zu, daß der Generalstreik ein Zeichen der Schwäche sei. Er gebe also zu, daß man diesen nicht anwende, wenn man stark ist.n Namen seiner östreichischen Gewerkschaftsgenossen zu begrüßen. Er gab dann einen gedrängten Ueberblick über die Entwicklung seiner Organisation in Oestreich. Ganz besonders fei Redner zum deutschen Kongreß ge- kommen, weil in Oestreich respektive in Wien ein Lohnkmnpf bevor- stehe und er die Generalversammlung um moralische und materielle Unter- stützung ersuchen wolle. Schmidt-Bcrlin giebt namens der Revisoren einen kurzen Bericht über die ftattgefundenen Revisionen und be- antragt Decharge für den Hauptkassierer.— B e y e r- Dresden als Vorsitzender des Ausschusses giebt Bericht über dessen Thätigkcit. Er beklagt, daß zwischen Ausschuß und Vorstand selten ein Einvernehmen zu erzielen gewesen sei. Redner erörtert die eingegangenen Be- schwerden aufs eingehendste und wendet sich verschiedentlich gegen das Verhalten des Verbandsvorstandcs. Die Generalversammlung thätc gut, für die Befugnisse des Ausschusses eine Geschäftsanweisung zn beschließen und ebenfalls endgültig die Gehaltsfrage der besoldeten Verbands- Beamten sowie deren eventuelle Ver- sicherung zu regeln.— Den ganzen Nachnnttag stillte die Diskussion über die Referate aus. Ebers- Hildesheün wünscht, daß mehr Mittel zur Agitation verwendet werden. Den Gauleitern müßten mehr Rechte eingeräumt werden. Es dürste nicht vorkommen, daß in Orten, in denen noch nicht einmal die Hälfte der Kollegen organisiert sei, ein Streik insceniert werden könne, ohne daß der Gauleiter etwas davon wisse, wie das ihm bei dem Stteik in Hannover passiert wäre.— In der weiteren Debatte wird dem Cenwalvorstand zum Vorwurf gemacht, daß er die kleineren Mitgliedschaften vernachlässige, daß er allzu große Abneigung vor dem Stteik habe. Auf der andern Seite wird darauf hin- gewiesen, daß Streiks unter Umständen nicht immer zum Vorteil der Organisatton seien. Und zwar sei das nicht der Fall bei einem verlorenen Stteik oder wenn er ungenügend vor« bereitet sei. Auch mit den Sperren müsse man sich vorsehen, wenn man nicht schlechte Erfahrungen damit machen wolle. Die Agitatton in den ostpreußischen Provinzen sei außerordentlich durch die dort vorherrschenden Lokalisten erschwert. An, Mittwochvormittag wurde in der Debatte über den Bericht des Vorstandes-c. fortgefahren. Schmidt- Velten bedauert die geringen Zuwendungen an die Partei, die doch in erster Linie für einen besseren Bauarbeiterschutz einttete, auch für Lohnbewegungen anderer Gewerffchaftsorganisationen sei wenig gethan worden. Hebel-Breslau fordert eine besonders intensive Bearbeitung Schlesiens, da dort besonders auch durch den Lokalinangel diese sehr erschwert sei. Werner- Hamburg verlangt eine intensivere Agitation fiir den Bauarbeiterschutz. F i e l i tz- Velten wendet sich D pro Jahr Mittwochs- Sitzung. gegen ble leichtfertige Verhängung von Sperren. Bartsch= 1 Bartscha 3. Aufstellung von undurchlässigen, transportablen, stets des- 1 Die Resolution der Engländer wird hierauf einstimmig an Dresden wendet sich gegen den falschen Radikalismus, infizierten Abortfübeln in ausreichender Zahl; ihre Entleerung genommen. Die Bekanntmachung dieses Resultats reißt den Kongreß der schon viel geschadet habe. Die vorsichtige Haltung des ist von eigens anzustellenden Wärtern gewissenhaft zu bewert zu stürmischen Beifallskundgebungen hin. Dresdener Gauvorstandes bei den Lohnbewegungen in seinem stelligen. Bezirk habe die Kollegen zweifellos vor großen finanziellen 4. Gründliche Desinfektion der Gruben, in denen Wurmkrante Schröder( Deutschland) präsidiert und giebt die eingelaufenen und moralischen Schäden bewahrt Heine Leipzig erklärt, mit der ermittelt find. ,, Abwimmelungstheorie" des Centralvorstandes, wie des Dresdener 5. Beschaffung von gutem Trinkwasser für die unterirdische Be- Begrüßungsschreiben zur Kenntnis. Bum 4. Punkt: Altersversorgung der Berg Gauleiters nicht einverstanden zu sein. A. Schmidt Berlin legschaft. Strenges Verbot des Trinkens aus der Berieselung. arbeiter lag folgender Antrag vor: Der Kongreß verpflichtet die konstatiert als Revisor, daß die Vorwürfe vieler Delegierten, es 6. Wo geriefelt werden muß, darf dies unter keinen Umständen Organisationen aller Länder, auf die Schaffung einer Mterswürde zu wenig für Agitation ausgegeben, unberechtigt seien, denn mit Sumpfwasser geschehen. es feien im letzten Jahre circa 16 000 m. ausgegeben worden. 7. Der Bundesrat hat die Seuchenbekämpfung als seine Aufgabe versicherung für die Bergarbeiter hinzuwirken. Marville( Belgien) verbreitet sich über die Situation in Schmidt- Meißen erklärt den Aeußerungen des Kollegen Heine zu betrachten; den bisherigen werksseitigen„ Bekämpfern der Wurm- Belgien: Hier bestand feine Einrichtung, die den alten Bergarbeitern einige Leipzig gegenüber, daß die Meißner Töpfer vollständig mit krankheit" ist das Handwerk zu legen. dem Verhalten des Gauvorstandes und des Centralvorstandes 8. Alle infolge der Seuchenbekämpfung entstehenden, nicht aus Rotgroschen gab, es sei denn, man will die von einigen Gruben= einverstanden gewesen seien und man müsse es doch den Meißnern Reichsmitteln gebedten Kosten, sind den Werksbefizern allein auf- gesellschaften organisierten Hilfskaffen, die kaum dem Namen nach überlassen, selbst zu wissen, was sie zu thun haben. John zuerlegen( eventuell in Form einer speciellen Umlage). Unter feinen bekannt, als eine solche ansehen. Vor drei Jahren gab die NeBerlin bedauert lebhaft die Haltung der Veltener Töpfer bei der Umständen ist noch weiter Geld aus den Knappschaftskaffen für die gierung dann den Arbeitern, die über 65 Jahre alt find, 65 Fr. 18 Cts. pro Tag. Dies ist alles. Wiederum liegt lezten Maifeier, weil sie trotz ihrer ausgezeichneten Organisation Kostendeckung zu entnehmen. Die Werksherren haben durch ihre ein entsprechendes Projekt in der Kammer vor, das von den ein entsprechendes Projekt in der Kammer vor, das von den mit-Majorität den Beschluß gefaßt hatten, sich nicht an der gemeinschädliche Praxis das Unheil so riesig anwachſen laſſen, daher socialistischen Abgeordneten eingebracht ist. Es ist aber nicht viel Arbeitsruhe zu beteiligen. Schulze- Fürstenwalde empfiehlt, bei Ab- ist es ein schreiendes Unrecht, die verseuchten Arbeiter auch noch in socialistischen Abgeordneten eingebracht ist. Es ist aber nicht viel Hoffnung vorhanden, daß die bürgerliche Majorität diesem zustimmt. schluß von Tarifverträgen oder bei Lohnbewegungen ebenfalls die ihrem Kassenvermögen zu schädigen. Der deutsche Delegierte giebt eine kurze Schilderung Freigabe des 1. Mai mit zu verlangen; denn die Unternehmer beFerner fordern wir von der Reichsregierung die Jnangriffnahme des deutschen Knappschaftswesens. Diese Schilderung läßt einen willigen diese Forderung da viel leichter wie kurz vor der Maifeier. einer wirklich zeitgemäßen Bergarbeiterschutz- Gesetzgebung, welche für englischen Delegierten erklären, daß das deutsche Versicherungswesen Deni Lauf meint, daß es nicht immer nötig sei, daß alle Kollegen alle Bergbaue im Reiche festlegt: am besten in militärischer Disciplin organisiert sei. Aber was man organisiert sein müssen, wenn in einen Streit eingetreten werden 1. Achtstündige Schichtzeit inkl. Ein- und Ausfahrt; vor Arbeits- den Arbeitern gebe, sei nicht mehr als ein Almosen, das jeder Staat solle. In Lauf seien auch die indifferenten Kollegen einmütig mit orten, an denen eine Temperatur von über 28 Grad Reaumur herrscht, leisten müsse auch ohne specielle Beitragsleistung der Arbeiter, wenn in den Kampf getreten, biele haben nicht einmal Streit ist nur die Sechsstundenschicht gestattet. er seine Arbeitssklaven über Wasser und zur Disposition halten unterstützung genommen, find aber nach der fiegreichen 2. Kinder unter 18 Jahren dürfen zur unterirdischen Arbeit nicht wolle. Und dieses müsse jeder Staat, wenn er existieren wolle. Beendigung des Streits zum Verbande getreten, während organisierte zugelassen werden. Bordau( Frankreich): In Frankreich ist es seit dem letzten GeneralKollegen zu Streitbrechern geworden feien. Herm. John- Berlin 3. Gänzliches Verbot der Frauenarbeit auf Gruben und Neben- streit etwas besser geworden. Die Gruben- Compagnien haben Kassen verteidigt noch einmal seinen Standpunkt, nicht so ängstlich an anlagen. eingerichtet. Sie erheben, zum Beispiel im Pas de Calais von den Streits und Sperren heranzugehen. Die Verknöcherung der Gewerk 4. Anstellung von Hilfsinspektoren aus den Reihen der praktischen Arbeitern 3 Proz. des Lohnes als Beiträge und zahlen unter gewissen schaften schreite immer mehr vor. Er bedauere, daß der Vertreter Arbeiter; die Hilfsinspektoren müssen von der Belegschaft gewählt und Bedingungen bis zu 500 Fr. Rente per Jahr. Aber ein großer Teil der der Generalfommission Döblin heute immer noch nicht anwesend sei, vom Staate befoldet werden. der jedenfalls zu diesem Thema interessante Ausführungen zu machen 5. Sanitäre Einrichtungen auf den Werken zum Schutze der Mineure können dieser nicht teilhaftig werden. Um hier Remedur hätte. Hille- Belten weist die Vorwürfe der Berliner Delegierten Arbeitergesundheit nach Maßgabe der bezüglich der Bekämpfung der zu schaffen, hat das Parlament ein Gesez votiert, das die Auswerfung von alljährlich einer Million Franken vorsieht. Diese betreffs der Maifeier zurück. Er hätte es nicht verantworten können, Wurmseuche erlassenen Vorschriften. die Veltener Kollegen um 20 000 M. Lohnausfall zu schädigen. Die 6. Reformierung bezw. Vereinheitlichung des Knappschaftswesens Summe soll dazu verwandt werden, denen, die, obwohl 55 Jahre Beltener Kollegen müßten es ablehnen, sich von den Berlinern Vor- nach den in der speciellen Eingabe unsres Verbandsvorstandes auf- alt, die Pension aus irgend einem Grunde nicht erhalten, eine solche zu geben und andrerseits zur Erhöhung der niedrigen Pensionen schriften machen zu lassen. gestellten Grundsäßen. Sofern die Reichsregierung vorstehenden Forderungen einer dienen. Die Abstimmung ergiebt die einstimmige Annahme der Resolution. schwerbedrohten Arbeitergruppe Rechnung trägt, dem neuen Reichstag Die französische Delegation beantragte ein Amendement zum alsbald nach seinem Zusammentritt einen diesbezüglichen Geſetz- 9. Punkt( Wurmkrankheit). Die Diskussion über die Zuentwurf vorlegt und für seine Annahme ihre ganze Autorität ein- laffung desselben nimmt so ziemlich die ganze Nachmittagssigung in fegt, wird unfre Kameradschaft vor der völligen förperlichen Anspruch. Schließlich gaben sich die Antragsteller mit dem im Druc Ruinierung behütet. Ein Andauern der jetzigen schreienden Miß vorliegenden Antrag der Deutschen zufrieden, da dieser den allseitigen stände wäre ein blutiger Hohn auf unsre vielgerühmte Kultur, und Wünschen am besten Rechnung trage. würde sich schwer rächen am Volkswohl. Nachdem die Debatte gegen 12 Uhr mittags geschlossen war, wurde noch einstimmig beschlossen, der socialdemokratischen Partei zum Wahlkampf 1000 M. zu bewilligen. 14. Generalversammlung des Verbandes deutscher Bergarbeiter. 3 widau, 3. Juni. Nach Eröffnung der Sizung wurde zunächst beschlossen, daß die Gehälter der Verbandsbeamten von der Generalversammlung bestimmt werden sollen. Die vom Stuttgarter Gewerkschaftskongreß festgestellte Gehaltsstala soll dabei zur Grundlage genommen werden. Husemann Bochum referiert hierauf über: ,, Das Sanitätswesen in der Montanindustrie." Referent geht zunächst auf die Zustände in Mitteldeutschland ein und bespricht den schlechten Zustand der Waschkauen und führt als Beleg für seine Kritik die hohen Krankheitsziffern an. In Oberschlesien seien die Waschkauen so klein, daß kaum der zehnte Teil der Arbeiter Platz habe. Die Verbandsleitung hat, um die Mißstände, die auf den Gruben herrschen, offen darzulegen, Fragebogen an die Vertrauensleute aller Reviere gesandt. Ein Teil dieser Bogen ist gewissenhaft ausgefüllt zurückgekommen und liefert wertvolles Material zur Beleuchtung der traurigen Verhältnisse auf den Schächten. Nach Kenntnisnahme der Fragebogen brauche man sich nicht mehr zu wandern, wenn die Wurmkrankheit im Ruhrrevier immer mehr um sich greife. Es habe sich durch die oben angegebene Enquete ergeben, daß auf folgenden Zechen die bergpolizeilichen Vorschriften nicht befolgt werden: 1. General Blumenthal, 2. Preußen I, 3. Graf Moltke I und II, 4. Zollverein, 5. Prosper, 6. Freiberg bei Sölde, 7. Graf Bismark II, III, 8. Sibernia, 9. Konstantin VI, 10. Holland I, II, 11. Wilhelmine Victoria, 12. Minister Achenbach, 13. Roland, 14. Helene, 15. Dorstfeld II, 16. Wolfsbank, 17. NeuKöln, 18. Lewin, 19. Karolus Magnus, 20. Oberhausen I, II, 21. Maßener Tiefbau III, 22. Konstantin III, 23. Fröhliche Morgensonne, 24. Hannibal I, 25. Konstantin IV, V, 26. Gneisenau und 27. Friederita III. allen ant Eine zweite Resolution protestiert gegen das Ansinnen der Bechenverwaltungen, die Kosten der ärztlichen Untersuchung auf Wurmkrankheit den Bergarbeitern aufzubürden und ersucht den Verbandsvorstand zur Wahrung der Interessen der Bergarbeiter die nötigen Schritte bei den Oberbergämtern zu thun. Die Resolution wird angenommen. Zur Annahme gelangt ein Antrag, nach welchem wurmkranken Bergleuten in den Tagen ihrer Krankheit der volle Lohn als Krankengeld gezahlt werden soll. Der Verbandsvorstand wird beauftragt, die nötigen Schritte zu thun. Nun wird zur Wahl des Vorstandes geschritten. Per Acclamation wurden gewählt: 1. Vorsitzender: H. Sachse, 2. Vorsitzender: Ludwig Schröder, 1. Kassierer: Paul Horn, 2. Kassierer: F. Husemann, 1. Schriftführer: J. Meyer, 2. Schriftführer: Armbrust. Redakteure Hué und Leimpeters wurden wiedergewählt. Die Die nächste Generalversammlung soll in Stadthagen( Schaumburg- Lippe) stattfinden. Es folgen dann die üblichen Schluß- und Dankesreden, worauf der Vorsitzende Sachse die Generalversammlung mit einem herzlichen Glück auf!" schloß. " Internationaler Bergarbeiter- Kongreh. Brüssel, den 3. Juni 1903. Die Nachmittagsfißung am Dienstag wird eröffnet mit der Diskussion über die Wahlen von Arbeitervertretern zum Parlament. Der Kongreß einigte sich über die Annahme folgender Refolutionen ohne jede Diskussion: Der Kongreß erklärt sich für die Verstaatlichung aller Minen. In den Ländern, wo die Minen in der Theorie Eigentum des Staates find, darf keine Konzession mehr an Gesellschaften oder Privatpersonen erteilt werden. Die Sefretäre der diversen nationalen Bergarbeiter- Organisationen haben fortlaufend Berichte über die Produktion und Preise der Kohle, und über die Löhne und Arbeitslosigkeit dem internationalen Sekretär zuzusenden. Die folgende Resolution wird von den Engländern und Belgiern angenommen: Der Kongreß erhebt aufs neue die Forderung nach Hilfeinspektoren, die aus den Reihen der Arbeiter zu nehmen und vom Staate zu befolden sind. Die Franzosen, Destreicher und Deutschen enthalten sich der Abſtimmung. Die ersteren, weil das in der Resolution Gewünschte in Frankreich schon existiert und die andren, weil die Engländer siegreich darauf bestanden, daß der Passus:„ Die Hilfsinspektoren sind von den Arbeitern zu ernennen", nicht in die Resolution aufgenommen wurde. Am Schluß der Sitzung giebt die Direktion der Maison du Peuple" bekannt, daß sie einen Kommers zu Ehren der Delegierten auf Donnerstagabend anberaunit habe und alle Delegierte dazu einlade. Dieser Einladung Folge zu leisten, verspricht der Präsident Schröder im Namen des Kongresses. Sociales. Von der Errichtung zweier neuer Volksheilstätten berichtet der Reichsanzeiger". Die eine, eine Tageserholungsstätte für genesende Männer, soll in der Nähe von Hannover errichtet werden, die andre, für lungenkranke Frauen bestimmt, in der Nähe von Landeshut in Schlesien. Zu dem letzten Projekt sagt der„ Reichsanzeiger": " In Anbetracht des Umstandes, daß gerade in Schlesien die Lungentuberkulose unter der weiblichen Bevölkerung infolge der schlecht lohnenden Hausindustrie viele Opfer fordert, wäre es sehr zu beklagen, wenn das Vorhaben nicht zu gutem Ende gebracht werden könnte." Das Erkenntnis des amtlichen Organs, daß die LungentuberDer britische Genossenschaftskongres. Edwards( England) eröffnet im Namen der englischen Delegation die Debatte. Er sagt: Man hat uns in England Vorwürfe gemacht, daß wir keine felbständige Vertretung im Barlament Auf der Grube Borussia bei Marten find von 125 untersuchten haben und nicht unabhängig von den bürgerlichen Parteien in Bergleuten nicht weniger als 70 Wurmtranke gefunden worden. den Wahlkampf ziehen. Ein großer Teil dieser Kritiken wäre wohl Redner giebt zu, daß sich manche Bergleute der Untersuchung auf nicht gemacht, wenn man gewußt hätte, daß in England die Wurmkrankheit entziehen und wenn sie ertappt werden, sich auf ihre Wähler, in diesem Falle unsre Gewerkschaft, die Wahlkosten die für einen 10 Kandidaten schon bis Solche Drückeberger tragen müssen, eignen Koften untersuchen lassen müssen. fürchteten sich vor der Kur im Krankenhause, δα die 15 000 Schilling betragen. Ueber die Notwendigkeit und Nüßlichkeit gewaltsame Abtreibung des Wurmes manchen Kranten dauernden einer eignen Barlamentsvertretung sind wir einig. Auch sind wir Schaden der Gesundheit brächte und die Geschädigten überzeugt, daß unsre Erwählte ihre Posten nicht wie die BürgerAuch das Kranken- lichen von heute zum Vorteil ihrer Kaste und Verwandtschaft an ihrem weiteren Fortkommen hindere. geld und die Hälfte des Lohnes reicht nicht aus, um die mißbrauchen, sondern das Interesse der Allgemeinheit wahren fulose eine Folge der schlecht lohnenden Hausindustrie ist, ist immerhin Bergarbeiterfamilien vor der äußersten Not zu schützen. Der werden. Nur die Arbeiterabgeordneten können noch das Parlament schon recht lobenswert. Heißt es denn nicht aber, das Pferd beim Referent giebt nun die Forderungen bekannt, welche der Bergarbeiter zu einem nüßlichen Faktor ausbauen. Wir haben schon Schwanz aufzäumen, wenn man trotz dieser Erkenntnis TuberkuloseVerband aufgestellt hat, um die Wurmkrankheit wirksam zu befeit vielen Jahren eine Heine Anzahl Abgeordneter, die wir bei I ſtätten schafft, statt durch Beseitigung der Hausindustrie und tämpfen. Es sollen im Ruhrrebier gegen 20000 wurm- befolden. Ihre Aftionen hatten feinen Erfolg zu verzeichnen, weil Schaffung zweckentsprechender Wohn- und Arbeitsräumlichkeiten sowie trante Bergleute vorhanden sein, es bedürfe eines halben sie nur ein winziges Fähnlein gegenüber den Vertretern der bessere Entlohnung Tuberkulose Vorbeugung zu betreiben? Jahres, um die Untersuchung aller Bergleute durchzuführen. Redner Bourgeoisie darstellen. Um ihre Zahl zu stärken, hat der letzte Hierzu muß glaubt garnicht, daß die Untersuchungen in der oben angegebenen Kongreß die Schaffung eines Wahlfonds beschlossen. London, 2. Juni.( Eig. Ber.) Der 35. Songreß der GeBeit beendet sein würde und greife, während die Untersuchung in jedes Mitglied unsrer Föderation jährlich einen Schilling leisten. faumfeliger die Weise geführt würde, Krankheit immer Die Gesamtsumme dieser Beiträge beläuft sich jetzt schon auf nossenschaften Großbritanniens und Irlands wurde gestern in weiter fich, um bis schließlich alle Bergleute davon 300 000 Schilling. Die Verstärkung dieses Fonds giebt die Möglich- Doncaster eröffnet. Es sind über 1300 Delegierte aus allen Teilen infiziert sein können. Die Bergarbeiter müßten sich mit feit, eine respektable Zahl von Bergarbeiter- Abgeordneten ins Unter- des Landes anwesend. Der Vorsitzende, Mr. J. Shillito aus Halifax, fagte in seiner Eröffnungsrede:„ Das Genossenschaftswesen Kräften gegen die herrschenden Mißstände wehren. haus zu senden.( Lebhafter Beifall.) Die eigentlich Schuldigen müßten an den Pranger gestellt werden. Der deutsche Delegierte erklärt, daß die deutschen Arbeiter hat viel zur Hebung der Lage des Volkes beigetragen und wird in Es müssen bessere sanitäre Verhältnisse geschaffen werden, damit die auf besondere Bergarbeiter Kandidaturen verzichten, da die Zukunft noch viel mehr leisten können, wenn die Genossenschaftler miserablen Zustände endlich aufhören.( Beifall.) Socialdemokratie mit aller Energie und zu vollster Zufriedenheit ihre Macht und ihren Einfluß gebrauchen werden. Die Anschaffung Nach einer regen Disfuffion, die sich im Sinne des Referats die Interessen der Bergarbeiter vertritt. Als Gewerkschaftsmitglieder und Verteilung von reinen, unverfälschten Nahrungsmitteln ist bewegte, wurde folgende, vom Referenten empfohlene Resolution fönnen wir in Puntto Wahlen feine Stellung nehmen. Aber wir sicherlich ein Unternehmen, auf das man stolz sein darf; aber unsre einstimmig angenommen: find als Staatsbürger parteipolitisch organisiert und als solche sind Bemühungen müssen auch darauf gerichtet sein, die Gesundheit und den Die 14. Generalversammlung des Verbandes deutscher Bergleute ivir Socialdemokraten und unterstüßen die Socialdemokratie.( Beifall.) Wohlstand des ganzen Gemeinwesens zu fördern. Genossenschaftler Mansard Belgien freut sich, daß gerade die englischen Berg- sollten stets in den vordersten Reihen des Fortschritts sein und vor Die erschreckende Zunahme der Krankheiten unter den Bergleuten, arbeiter uns verpflichtet wissen wollen, unabhängige Politit zu treiben. allem sich bemühen, die Lebenshaltung der Arbeiter zu heben. Etwa insbesondre die zur Zeit unausgesetzt weiter um sich greifende In gewerkschaftlicher Beziehung find die Engländer unsre Meister; 75 Proz. der Bevölkerung von England und Wales leben in Städten Wurmseuche, zwingt gebieterisch zum Bruch mit dem heutigen in politischer Beziehung ließen sie alles zu wünschen übrig. Nur- und in Berufen, die eine ganze Reihe von Krankheiten erzeugen. System der Grubenwirtschaft und der Arbeiterausbeutung. Eine gewerkschaftliche Bethätigung und Organisation führt uns von Sieg Die große Mehrheit der Arbeiterklasse nimmt um 25 Broz. weniger aber bringt nichts Nahrung zu sich, als zur Erhaltung ihrer Tüchtigkeit nötig wäre. jahrzehntelange Erfahrung hat unstreitig bewiesen, daß es den staat zu Niederlage, von Niederlage zu Sieg, lichen Kontrolleuren und den erlassenen Vorschriften nicht gelingt, Dauerndes für die arbeitende Klasse. Etwas Gründliches kann nur Rücksichtslose Ausbeutung herrscht im Lande wie je zuvor, obwohl Gesundheit und Leben der Bergarbeiter zu schüßen. Die Krankheiten dadurch geschaffen werden, wenn wir uns gewerkschaftlich bethätigen die Fabrikgesetzgebung viele Härten befeitigt hat. Die zunehmende und die Politik nicht lassen. Was die Kandidatenfrage anbetrifft, so förperliche Entartung der Arbeiterflaffe ist eine Thatsache, die die nehmen rapide zu, die Unfallziffer steigt fortwährend. Durch die mehrfachen, einwandfreien Erhebungen des Bergarbeiter- find wir indifferent. Ob der Kandidat Schlosser oder Maurer oder größte Aufmerksamkeit der Regierung und des Landes verdient. Es Verbandes ist festgestellt, daß die zahlreich erlassenen sogenannten Mineur ist, ist uns gleich. Nur, er muß überzeugter find Anzeichen vorhanden, daß die Trades- Unions sich vorwärts beArbeiterschutzvorschriften gerade in ihren wesentlichsten Zeilen nur Socialist sein.( Stürmischer Beifall.) Würden die Bergarbeiter wegen und für eine größere parlamentarische und municipale Verder andern Länder auch so entschloffen wie wir für die Social- tretung sorgen. Es ist zu hoffen, daß das erwachte politische Interesse zu auf dem Papier stehen, praktisch also unwirksam find. In Vertretung der speciellen Berufsinteressen nicht nur, sondern demokratie eintreten, dann würde bald über allen Distritten der einer Verbesserung der Arbeiterlage führen werde. In allen Ländern, auch in Wahrung des Gemeinwohls fordert die Generalversammlung Kohlenindustrie die Fahne der Socialdemokratie wehen.( Tosender wo die arbeitende Klaffe zu einem wichtigen Faktor im öffentlichen Leben geworden, hat sich das Lebensniveau gehoben und die Zahl ein schleuniges Eingreifen der Reichsregierung zum Schuße des Beifall.) Cordier( Frankreich): Die deutsche Socialdemokratie hat der Armen und Dürftigen verringert.... Die Genossenschaften außerordentlich bedrohten Bergarbeiterstandes. Als unumgänglich notwendig fordern wir hinsichtlich der Wurmkrankheit als Konsequenz Anerkennenswertes für die Arbeiter geleistet. Die Opfer, welche tönnen sich mit der Distribution der Waren nicht begnügen. Die der Reichs- Seuchengefeßgebung fofortigen Erlaß einer bundes- die deutsche Arbeiterklasse für eine selbständige Barlamentsvertretung Produktion muß immer mehr in die Hand genommen werden. Nach rätlichen Verordnung, welche ausnahmslos für alle deutsche Berg- bringt, rufen unser Erstaunen und Achtung wach. Wenn alle Arbeiter meiner Erfahrung ist die Tendenz hierzu unter den Genossenschaften den deutschen nachführen, würden wir unserm Ziele bedeutend ziemlich start. Schließlich ist es nötig, unsre Jugend über arbeiter vorschreibt: die Grundsäge des Genossenschaftswesens zu unterrichten." 1. Schleunigste und sorgfältig durchgeführte Untersuchung zunächst näher sein. aller Arbeiter in sämtlichen Kohlengruben des Reiches, dann der 8cingr( Destreich): Ich verstehe nicht recht die Bedeutung Unter den gestern angenommenen Resolutionen ist die über den Schieferwerken von Bethesda andren Grubenarbeiter, um den wirklichen Umfang der Seuche zu dieses Punktes. Man verlangt Arbeiterkandidaten für Barlaments den bekannten Konflikt in Sollte dies eine Lostrennung von der Socialdemokratie die wichtigste. Wie des öfteren im Vorwärts" berichtet wurde, ermitteln. Ausscheidung aller wurmtranfen Arbeiter aus dem unter- wahlen. irdischen Betrieb, ihre Beschäftigung über Tage, sofern ihre Er- heißen, erklären wir uns mit lebhafter Energie gegen die fämpfen dort an die zweitausend Bergleute um ihr Koalitionsrecht rantung es noch zuläßt. Energische Vorkehrungen gegen die Weiter- Resolution. Bei uns ist Arbeiterkandidat und Kandidat der Social- gegen Lord Penrhyn. Der Kampf dauert schon drittehalb Jahre. serschleppung der Seuche innerhalb der Reviere und Absperrmaßregeln demokratie gleichbedeutend. Wollen die Engländer die Unterstützung Um den Arbeitern beizustehen, nahm der Genossenschaftskongres der letzteren, so stimmen wir dem freudig zu. Wir würden damit folgenden Antrag an:" Wir billigen den Plan der Gründung einer gegenüber den verseuchten ausländischen Grubenbezirken. 2. Einrichtung geräumiger Brausebäder mit zugehörigen Mann nur das alte Gelöbnis erneuern, unentwegt für den Socialismus Gesellschaft, um gewisse Schiefergruben bei Bethesda zu erwerben zu streiten, bis zu dessen endlichem Sieg.( Anhaltender Beifall.) und den kämpfenden Bergleuten lohnende Beschäftigung zu geben." schaftsräumen und sorgfältiger Kleidertrocknung. erklärt: Inserate Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 5. Juni. Anfang 72 Uhr: Opernhaus. Der Barbier bon Bagdad. Javotte. Schauspielhaus. Die Braut von für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. Urania. Taubenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. Weffina, oder: Die feindlichen Castans Panoptikum Brüder. Deutsches. Monna Vanna. Berliner. Der Wildschüz. Lessing. Der blinde Passagier. Residenz. Lustige Chemänner. Vorher: Nach dem Balle. Neues. Der Herr Gemeinderat. Westen. 100 000 Thaler. Central. Der Zigeunerbaron. Anfang 8 Uhr: Schiller O.( Wallner Theater.) Nach Jahr und Tag. Abschied vom Regiment. Der grüne Kakadu. Schiller N.( Friedrich- Wilhelmstädt. Theater.) Die Here. Thalia. Die schöne Ungarin. Kleines. Nachtasyl. Trianon. Die Notbrücke. Belle- Alliance. Die schöne Galathée. Bunter Teil. Erwachen. Des Löwen Carl Weiß. Das Geheimnis des roten Hauses. Metropol. Neuestes! Allerneuestes! Apollo. Die Liebesinsel. 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Juni entschlief unser geliebter Vater, Schwieger, Großvater, Bruder und Schwager, 1776 der Böttchermeister Wilhelm Ressel im vollendeten 73. Lebensjahre. Berlin, den 3. Juni 1903. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am SonnLeichenhalle des Central- Friedhofes in Friedrichsfelde aus, statt. Groteste in 1 Att von U. Schnikler. Sonntagnachmittag 3u5: Neuerscheinungen unsres Verlages: e, nachmittags 3 Ubr, von der Sonnabendabend 8 Uhr: Nach Jahr und Tag. Abschied vom Regiment. Der grüne Kakadu. Kabale und Liebe. Sonntagabend 8 Uhr: Im weissen Rössl. Im Garten täglich Konzert. Max Kliem's Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. 17182* Täglich: Grosses Konzert, Theater- und Specialitäten- Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 Hochelegante Regelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand 2c. In den Sälen: Familien- Kränzchen. Am Die Kaiserreden im Reichstag und die Socialdemokratie. M. 0,20 Der Umsturz im Reichstag, eine Darstellung der Kämpfe um den Bolltarif nach dem amtlichen Stenogramm M. 0,20 Die Vernichtung der Social: demokratie durch den Gelehrten des Central Verbandes deutscher Industrieller, herausgegeben im Auftrage des Parteivorstandes der deutschen Socialdemokratie M. 0,20 Zeitungsfremdwörter und poli 4 tische Schlagworte, verdeutscht u. erläutert v. Dr. A. Braun, M. 0,25 Die Frauen und die Politik.von Lily Braun M. 0,20 Christliche Arbeiterpflichten, jesuitische Fragen und socialdemo fratische Antworten M. 0,20 Passage- Theater. Königsther. Schweizer- Garten. Friedrichshain. Die agrastiche Gefahr, eine DarAnf. Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Ende 11 Uhr. Carla Lingen in ihrem Repertoire. Erna Koschel. Josefine Delcliseur. Ganz Berlin zerbricht sich schon den fünften Monat den Kopf über AGA! die schwebende Jungfrau! 14 erstklassige Nummern. OOLOGISCHER Theater CARTEN Z Freitag, 5. Juni, 7%, Uhr: Gastspiel des Frl. Amalie Reiffel bom fgl. Operntheater in Bayreuth und des Herrn Siegfried Adler vom Theater des Westens: Der Zigeunerbaron Sonnabend, 6. Juni: EnsembleGastspiel Direktion Robert Sachs: Pick und Pocket. Schwank m. Gesang u. Tanz in 3 Atten. Residenz- Theater Direktion: Sigmund Lautenburg. Anfang 72 Uhr. Lustige Ehemänner. Schwant in 3 Aften von A. Mars und Albert Barré. Deutsch v. Schönau. Vorher: Nach dem Balle. Schwant in 1 Aft nach d. Spanischen des M. Carrion von M. Loebel. Morgen und folgende Tage: Die felbe Borstellung. Belle- Alliance- Theater. Täglich nachm. 5 Uhr: Militar- Doppel- Konzert. Entree 1 Mk., ab 6 Uhr 50 Pf., Kinder unt. 10 Jahr. d. Hälfte. In der Arena: Elefantenmutter mit sangendem Baby, Shetland- Pony mit Fohlen. Sonnabend, 6. Juni: Erster Elitetag! 5 Kapellen, beng. u. elektrische Beleuchtung. Entree bis 11 Uhr 1 Mk. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Anfang 8 Uhr. Nachtasyl. Carl Weiss- Theater. Große Frankfurter: Straße 132. Abends 8 Uhr: Täglich Theater- Vorstellung. 14 Lustspiel- und Possen- Novitäten. stellung Entstehungsgeschichte, ihrer Macht und legten Ziele, von Paul Göhre M. 0,20 Socialdemokratie und Centrum, M. 0,20 Winte für die Reichstagswahlen M. 0,10 Neues Artisten- Programm. Social. Webel Jeden Abend 102 Uhr. Das Allerweltsgenie. Große Bosse mit Gesang und Tanz in 2 Bildern. von Central- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges und treues Mitglied 137/14 Carl Petigk Oranienstr. 2 am 2. d. Mts. nach langem Krankenlager im Alter von 43 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofs in Brit aus statt. Um rege Beteiligung bittet Die Verbandsleitung. Am 2. d. M. starb nach langen schweren Leiden meine liebe Frau Täglich: Ball. Volksbeluftigungen. Anfang 5 Uhr. 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Die schöne Galathée. Das Geheimnis des roten Hauses. Urbani u. Sohn, akrobat. Produktion. Bunter Teil: Des Löwen Erwachen. Englische Sensationskomödie Im prachtvoll renovierten Sommer- in 6 Bildern von Mrs. Hungerfield. garten abends 8 Uhr: Grosse Specia- Im 6. Bilde: Der sensationelle Sonntagnachmittag litäten- Vorstellung. Künstler I.Ranges. Wafferfturz. 3 Uhr( Barkett 60 Pf.): Der Glöckner Bon 6 Uhr ab: Garten- Konzert. Im Garten: Bei eintretender Dunkelheit: Phäno- von Notre- Dame. menale Beleuchtung. Ab Sonnabend: Neue Specialitäten, Theater, Stonzert. Operetten- Gastspiel: Die Fleder-| The Liepelts, Turmfeilläufer 52 Uhr. maus. Apollo- Theater Täglich: Mit kolossalem Beifall: Die Liebes- Insel. Im 3. Akt: Die lebenden Briefmarken. Grosses Post- Ballett. Ferner: Neue glänzend. Specialitäten. Anfang 8 Uhr. Neues Theater Schiffbauerdamm 4a- 5. Anfang 8 Uhr: Gastspiel Hansi Niese. Der Herr Gemeinderat. Bernhard Rose- Theater Badjtr. 58. Badstr. 58. Täglich: Konzert, Theater- und Specialitäten- Vorstellung. Pia Carozzi, Harfen- Virtuosin. Diana, amerik. Spiegeltänzerin. Adele Moraw, Soubrette. Charles Baron in seiner Scene:„ Im Löwenkäfig". Allison- Truppe, ikarische Spiele. , Der Schönheitspreis!" Ballet- Divert. Biograph. Ostbahn- Park. Am Küstrinerplatz. Rüdersdorferst. 71. Hermann Imbs. Täglich: !!! Berlin auf Stelzen!!! Gr. Konzert, Theater Sensations- Burleske mit neuer Ausstattung mit Willi Agoston und Klara Antonie. Anfang des Konzerts 4 Uhr, der Vor stellung 42 Uhr. und SpecialitätenVorstellung. W. Noacks Theater. Fröbels Allerlei-Theater Direktion: Robert Dill. Brunnenstrasse 16. Morgen, zum erstenmal: Arche Theater u. Specialitäten- Vorstellung. Noah. Anfang 6 Uhr. Entree 30 Bf. Kaffeeküche von 3 Uhr ab geöffnet Abends 91%, Uhr: Das Gänsegrethel Metropol- Theater. Prater- Cheater Der grösste Erfolg dieser Saison! Zum 145. Male: Neuestes! Allerneuestes! Dramatische Revue in 5 Bildern. Glänzendes Ballett. 300 Mitwirkende. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Etablissement Buggenhagen am Moritzplatz. Jeden Tag: Konzert des berühmten Drchesters des Signor Vincenzo Ferrara. Donnerstag, Sonnabend, Sonntag im Raiser- Saal: Tanz. Kastanien- Allee 7-9. Direktion: M. Kalbo. Karl Klabunde. Reichshallen. Stettiner Sänger In der Klemme. Humoreske von Meyfel. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Rossmanns Konzertgarten SW. Kreuzbergstr. 48, a. d. Katzbächst. Heute Freitag: Eröffnungs- Soiree der Nordd. Sänger. Montags: Hamburger Sänger Nachh. Kränzchen. Königstadt- Kasino. Bet günft. Witterung im Garten. Anthropos, der fünstliche Mensch. Paul Ybbs, Musik. Imitation. R. Schauß, Geschw. Wendt, Marion. Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Tanz. Arbeiter- Radfahrerverein ,, Berlin". Brüde nach Hirſchgarten bei Steller: Das kolossale Juni- Programm: Familien- Ausflug. Angehörige per früher Puhlmann. Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Fröbel. Heute, sowie täglich: Konzert, Theater u. Specialitäten. Um 8 Uhr: Das humorvolle Bolksstück: Zur rechten Stunde. Sonnabend, den 6. Juni: Täglich: Das Bild der Mutter. Gr. Extra- Familien- Abend. Bolksstück mit Gesang und Tanz in 3 Atten von A. Seelen u. D. Richter. Konzert und Ball. Auftreten erst Hlasfiger Attraktionen. 1. a.: Ada Marcell, Schröder u. Denter, Relampagos Troupe; Overgard. Ein fideles Gefängnis Große Pantomime, Mokaschly Troupe. Anf. 4 Uhr. Eintr. 30 Bf., mum. Pl. 50 Bf. Sanssouci. Täglich im Garten: Hoffmanns Norddeutsche Sänger. Anfang: Sonntags Konz. 5 Uhr, Vorstell. 7 Uhr. Wochentags: Konz. 6 Uhr, Vorstell. 8 Uhr. Sonnt., Mont. u. Donnerst. nach der Soiree: Tanz. Wiederholung der Pfingst- Fest- Vorstellungen. Die Kaffeeküche ist täglich von 3-6 geöffnet. Bei uns günstiger Witterung findet die Vorstellung im Theatersaal statt. 7168L* und Damenuhren Goldwaren zum halben Preise im Ausverkauf des Uhrmacher Barth's chen Bahn. 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Wernau, Schwedterstr. 23/24:. Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom ersten Quartal 1903. 2. Statutenberatung und Anträge zu der am 27. Juli stattfindenden Generalversammlung in Würzburg. 3. Wahl eines Delegierten zu der= selben. 4. Wahl der gesamten Drtsverwaltung und der Beitragsammler. 5. Verschiedenes. 183/5 Mitgliedsbuch legitimiert. Regen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Bilanz- Conto am 31. Dez. 1902. Activa: en Caffa- Conto.. M. " 221,69 " Wechsel- Conto 1 301, " Materialien- Conto " " Utensilien- Conto " " ( Debitoren) Conto- Corrt.- Cont. Gewinn- u. Verlust Conto, Verlust Passiva: Per Conto- Corrt.- Cont. " ( Creditoren). # " im 52. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten Fritz Peters und Tochter Frieda Peters. 17776 Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. d. M., nachmittags um 6 Uhr, von der Leichenhalle der Gethsemane- Gemeinde, Nordend, aus statt. Central- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Nachruf! Am 23. Mai d. J. starb nach langen Leiden unser treues und langjähriges Mitglied Gottlieb Reschke Körnerstr. 20 im Alter von 44 Jahren. 137/15 Ehre seinem Andenken! Die Verbandsleitung. Socialdemokratischer Wahlverein Charlottenburg. Nachruf. Am 30. Mai verstarb in seiner Heimat unser Mitglied, der Schuhmacher Heinrich Richter an der Proletarierkrankheit. Ehre seinem Andenken! 250/8 Der Vorstand. Herren- Kragen, reinleinen, garantiert 4fach ,. verschiedene Façons in allen Weiten, Stück 15 Pf., fo lange der Vorrat reicht. Gefchloffene Kragen per Dutzend 3 Mk. und 3 Mk. 50 Pig. Manschetten, Prima, garant. 4fach 1/2 Dutzend 1.80 Mk., 4 175,41 Oberhemden, Serviteurs, Krawatten, 2 213,70 in größter Auswahl, Trikotagen, Strümpfe, Hosenträger, Handschuhe. Detailverkauf zu Engrospreisen. Ernst Marcuse, Münzstr. 23. 6 785,54 143,20 M. 14 840,54 Darlehn- Conto. . " „ GeschäftsanteilConto. " Erfindungen, neue Ideen werden gekauft. 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Um recht zahlreichen Besuch ersucht Das Wahlkomitee. III. Wahlkreis! Cöpenick Friedrichshagen, Wol210/8 tersdorf- Ertner- Schmödwik Wählerversammlungen Freitag, den 5. Juni, abends 8 Uhr: 1. im„ Dresdener Kasino", Dresdenerstraße 96. 2. in ,, Dobersteins Gesellschaftshaus", Prinzenstraße 94. Tagesordnung: Die Bedeutung der bevorstehenden Reichstagswahlen. Referenten: Dr. Curt Freudenberg, Reichstags- Abgeordneter SüdekumNürnberg und unser Kandidat Wolfgang Heine. Zahlreichen Besuch von Wählern aller Parteien erwartet Das Wahlkomitee. Handlungsgehilfen! 212/6 nigswusterhausen- Mittenwalde 0,75 M. 1,25 M. Tages- Ordnung: 1. Die fernere Gestaltung unsres Verwaltungswesens. 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegenheiten. 34/18 Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Verband der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. Sektion der Fahrstuhlarbeiter. Eberswalde, Freienwalde- Dderberg Sonntag, den 7. Juni, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel Ufer 15( Saal 5): Eberswalde, Jagdschloß Hubertusstock, Kloster Chorin 1,00 Mitglieder- Versammlung • Tages- Ordnung: Die ,, Gaunerei des Unbewussten". los. Freienwalde und nächste Umgebung nebst Führer 1,00 M. 1. Der Abschluß des korporativen Arbeitsvertrages der Bauarbeiter und Freienwalde, Wriezen, Oderberg die Stellung der Fahrstuhlarbeiter. Referent: Kollege R. Wende. 1,00 M. 2. Diskussion. 3. Berbands- Angelegenheiten. 34/19 Grunewald und westliche Vororte Zahlreiches Erscheinen erwünscht Die Verbandsleitung. Berlins. 1,00 M. Potsdam, Stadtplan mit nächster Umgebung nebft Tourenverzeichnis 0,75 M. Potsdam und Werder 1,00 m. Spreewald m. praktischem Touristenführer 0,75 M. Strausberg und der Blumenthal 1,00 M. Tegel Heiligensee, Schulzendorf, Hermsdorf, Haselhorst und Hacken0,75 M, Ferner empfehlen als sehr praktisch: Taschenatlas von Berlin und Um gebung, enthaltend 21 Starten und Pläne mit Führer, leichthandliches Format 2,00 M. Wanderbuch für die Mark Brandenburg. 3 Bände. Zufammen 5,000. Freitag, 5. Juni, abds. 9 Uhr, in der Victoria- Brauerei, Lützowstr. 111/112: I. Teil: tähere Umgebung Ber Oeffentliche Versammlung. Es spricht Georg Bernhard über: Wen wählen wir bei den kommenden Reichstagswahlen. Nach dem Vortrage freie Aussprache. 287/2 Zu dieser Versammlung sind alle Handlungsgehilfen, welcher Parteirichtung sie auch angehören, eingeladen. Der Einberufer: August Penn, Friedrichsbergerstr. 14. Achtung, Rohrer! Sonnabend, den 6. Juni, abends 8 Uhr, bei Patt, Dragonerstr. 15: Oeffentliche Versammlung der Rohrer Berlins und Umgegend. Zages Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Die Antwort der Arbeitgeber auf den von uns eingereichten Lohntarif. 4. Verschiedenes. 287/4 NB. Stollegen Sorgt dafür, daß kein Rohrer in dieser für uns so wichtigen Versammlung fehlt. Die Lohnkommission. Deutscher Holzarbeiter- Verband. [ Zahlstelle Berlin.] Carl Schmidt, Büsten- Fabrik, BERLIN W., Taubenstr. 23, empfiehlt seine weltberühmten Stoffbüsten für jede Körperform. Figur wie nobensteh. von 7 Mk. bis 50 Mk. Unentbehrlich zur Anfertigung der Kostüme. Katalog gratis und franco. Man hüte sich vor wertlosen Achtung! Einsetzer! Achtung! Nachahmungen Sonntag, den 7. Juni, vormittags 10 Uhr, finden in den bekannten Lokalen die Bezirks- Sitzungen statt. Montagabend: Kommissions- Sitzung. 82/20 Der Obmann. 408L Charlottenburg Krummestrasse 5 feiner Verein der Bauanschläger Berlins u. Umgegend. Herren- Garderoben nach Maass Sonntag, den 7. Juni, vormittags 11 Uhr: Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15( Saal 1). Zages Drdnung: Vereins- Angelegenheit. 4 Don Karl Ehring, Sneidermeister. Stofflager, engliſche u. deutsche Stoffe Solide Preise. 15152* Beiträge werden nur von 9%, bis 10%, Uhr angenommen.-Aufnahme Dr. Simmel, Prinzen neuer Mitglieder. 33/9 Die Dampferpartie findet am Montag, den 13. Juli, nach Strandschloss Müggelsee statt. Billets find in der Versammlung und in den Zahlstellen zu haben. Der Vorstand. Jedes Wort: Pfennig. Str. 41. [ 5/ 16* Specialarzt für Haut- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12 2-4 lins, umfaßt die Gegend von Botsdam, Spandau Oranienburg, Königswusterhausen 1,50 號 . II. Teil: Weftliche Hälfte der Ilm: gebung Berlins bis Brandenburg a. H., Stendal, Tangermünde, Neu- Ruppin, Neu- Strelik 1,50 M. III. Teil: Deftliche Hälfte der Um: gebung Berlins bis Eberswalde, Frankfurt a. D., Schwedt, Küstrin, Lübben, Spreewald, Mustau 2,00 M. 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Eine gemeinverständliche Darlegung der im heutigen GeldGebrauche steckenden Ursachen des socialen Uebels." 5. Auflage. Geheftet 6 M. Verlag von Mitscher& Röstell, Berlin. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, mit kriminalistisch- nationalökonomischer Genauigkeit nachweist. 4/17 Schlafmöbel- Bazar ,, Baby" Centrale Invalidenstr. 160. Filialen: Potsdamerstraße 35, Tauenzienstr. 7a a. d. Lüßowstraße. Beusselstr. 18 Belle- Alliancestr. 107 Dranienstr. 31 Reinickendorferstr. 20 Brunnenstr. 92 Frankfurterstr. 115 8, 12, 15-90 M. Fertige Betten und MetallBettstellen für Kinder und Erwachsene. von 22,50 M. an. 10, 15, 21-75 M. Teilzahlung gestattet. Bei größeren Raten Kassapreise. Liefer. desPost- Spar u. Borschuß- Vereins. Riesenauswahl aller Qualitäton Restaurant Ernst Rentner. Wolle: Plüsch Reste Moquetts, Satteltaschen. Muster bei näherer Angabe franco. Emil Lefèvre, 158. Berlin, Oranienstr. Köpenick. 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Berantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inferatenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drus d Verlas. Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 15938* +10 Achtung Parkettbodenleger! Nr. 128. 20. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Berlin, 4. Juni. Freitag, 5. Juni 1903. des nötigen auch dort schon die Umstände und Gefahren, Handlungsgehilfen! Am Freitag, den 5. Juni, abends 812 Uhr, welche Begleiterscheinungen der chemischen Industrie sind, zu findet im großen Saale der Victoria- Brauerei, Lüßowstr. 111-112, Fünfter internationaler Kongreß für angewandte Chemie. gefeßlichen Maßnahmen. Der allgemeinen Rechtsauffaffung ent- eine öffentliche Versammlung statt. Es spricht Georg sprechend ist die Vertretbarkeit der Industriellen für selbst Bernhard über: Wie wählen wir. Der Kandidat des Kreises In der Sektion für Explosivstoffe sprach Herr Dr. Fischer, indirekt zugefügten Schaden an Eigentum oder Person eine weit Richard Fischer hat sein Erscheinen zugesagt. Um zahlreichen Besuch Gewerbe- Inspektor in Berlin, über" Unfallstatistik der Sprengstoff- gehende. In wirtschaftlicher Beziehung sei zu sagen, daß die bittet Der Einberufer. Industrie und aus ihr sich ergebende Maßnahmen für die Betriebs- Konzentration der Betriebe eine in der That rapide sei und daß die Bankow. Am Sonntag findet eine Flugblattverbreitung im ficherheit". Keine Industrie bedarf mehr der Schutzmaßnahmen als Vernichtung kleinerer durch die kapitalbewaffneten Großbetriebe in ganzen Bezirk statt. Treffpunkt in folgenden Lokalen morgens 7 Uhr: die Sprengstoff- Industrie, denn sie ist schon ihrer Natur nach mit der schleunigstem Tempo auch auf diesem Gebiete fortschreite. Central- Treffpunkt Rocydi, Kreuzstraße. 1. Bezirk: Lahn, Schloßhöchsten Todes- und Unfallziffer belastet. Um aber zum Erlaß von straße 19. 2. Bezirk: Mierke, Berlinerstr. 53. 3. Bezirk: Griffel, Verordnungen zu gelangen, welche eine größere Betriebssicherheit geBerichtigung. In dem gestrigen Bericht über„ Stickstoff" Kaiser Friedrichstr. 15. 4. Bezirk: Hoffmann, Mühlenstr. 25. 5. Bezirk: Calcium Dreßler, Florastr. 35. 6. Bezirk: Jauert, Schönholzerstr. 16. währleisten, ist eine umfangreiche, einwandfreie, nach bestimmten muß es im legten Absatz sinngemäß heißen: gleichartigen Grundsäßen aufgestellte internationale Statistit chanamid. nicht Calciumkarbid. The 7. Bezirk: Clemen, Wollantstr. 122. 8. Bezirk: Röhlice, Wollantder in der Sprengstoff- Industrie vorkommenden Unfälle notwendig. enstraße 100. Nieder- Schönhausen. Treffpunkt: Anton, Die Ergebnisse der bisherigen statistischen Forschung sind mehr als Kaiser Wilhelmstr. 4. Franz. Buchholz. Treffpunkt: Kähne, dürftig, fie geben nicht einmal über den Umfang der durch Explosionen Berlinerstr. 39. Für die Pankower Genossen: Hoffmann, Mühlenumliefen, während an aus bei. = straße 25. " bei Richter, Chausseestr. 104, einzufinden. Lokales. Wie man Wahllokale mietet. speciell in der Sprengstoff- Industrie sicheren Aufschluß, weil sie den In der gestrigen Sitzung wurde zur Vernehmung eines Teiles Prozeß gegen die Pommernbank. Streis der zu ihr gehörigen Betriebe und in ihr beschäftigten der Mitglieder der sogenannten Banten kommission ge= Bersonen bald zu eng, bald zu weit gezogen hat. Bahlreiche schritten, um die Höhe der Verluste festzustellen, die bei dem Zu- nachmittags 3 Uhr eine große öffentliche Wählerversammlung statt. Schönwalde. Am Sonntag, den 7. findet im Lokale Liebenhagen Explosionen blieben ganz unaufgeklärt, weil man es bernachlässigte, den Ursachen durch Untersuchung aller möglichen fanmenbruche der Pommernbank entstanden sind. Wie der zuerst Zeuge Dr. bernommene Mühlenbeck. Hier tagt abends 6 Uhr eine große WählerVerhältnisse auf den Grund zu gehen. Feststellungen über den Gerschel angiebt, ist ermittelt versammlung. Umfang der Explosionen, das Material und die Zusammensetzung worden, daß am 30. Juni 1901 an Pfandbriefen 174 839 400 2. In beiden Versammlungen spricht Genosse Stadthagen über: der explodierten Stoffe sowie der Betriebseinrichtungen würden wahrsam des Treuhänders fich 178 433 761 M. befanden. Diese Wen wählen wir am 16. Juni?" Hypotheken als Unterlagen im Geallein schon wertvolle Fingerzeige geben. Nach dem Muſter der von scheinbar schöne Ueberdeckung habe aber vor der eingehenden Prüfung Breußen eingeführten Statistit der Dampfteffel- Explosionen, die sich nicht stand gehalten. Schon die amtliche Revisionstommiffion der abends 19 Uhr, Mitglieder- Versammlung des WahlWaidmannsluft und Umgegend. Am Sonnabend, den 6. Juni, außerordentlich bewährt hat, müßte nach jeder Explosion in der außerordentlich bewährt hat, müßte nach jeder Explosion in der Regierung habe dies festgestellt. Die Bankenkommission habe ge- vereins bei A. Kuhn, Waidmannslust. Diese Versammlung Sprengstoff- Industrie Regierung habe dies festgestellt. Sprengstoff Industrie auf genau vorgeschriebenen Fragebogen die glaubt, bei den bebauten Grundstücken etwa den niedrigen wirk- ist die letzte des Vereins vor der Wahlschlacht und ist es daher unspeciellste Auskunft gegeben werden. Vortragender hat hierfür 15 Fragen formuliert, deren Beantwortung bei internationaler Be- lichen Ertragswert, bei den unbebauten Grundstücken den wirklichen bedingt notwendig, daß alle Mitglieder zur Stelle sind, da wichtige, handlung des so überaus wichtigen Gegenstandes zu einer Statistit An den Deckungshypotheken sei ein Berlust von 16 000 000. zu Butritt. Handzettel werden zu dieser nicht ausgegeben. sofort erzielbaren Verkaufswert zu Grunde legen zu dürfen. auf die Wahl bezügliche Anordnungen zu treffen sind. Gäste haben führen müßte, die auch für die nötigen Schuhmaßnahmen den Weg fonstatieren gewesen; der Verlust an freien Hypotheken sei auf zeigen fönnte. Gr. Lichterfelde. Alle Genossen, welche bereit sind, am Tage Vor allem müßte jedes einzelne Explosionsvorkommnis in viel 200 000 M., an dem Engagement bei der Immobilien- Verkehrsbank der Wahl zu helfen, werden ersucht, sich heute Freitag, abends 81% Uhr, auf ca. 8000 000 m. bei dem Lombardconto, 500 000 M. bei der weitgehender Weise zur Erlangung von Unfallverhütungsmaßnahmen Tresorabteilung, an dem Aktienkonsortium Hachmeister 13 Millionen, ausgebeutet werden als bisher. So würde man nicht nur zu einer im Ganzen sei also die Höhe des Verlustes auf 28 millionen Sicherung der in diesem Industriezweige aufgehäuften Werte, sondern auch zu dem besten Schutz des noch wertvolleren Lebens zahlreicher festgestellt worden. Arbeiter gelangen. Eine längere Erörterung zwischen Justizrat Dr. Sello und In der Sektion für Chemie der anorganischen Brodie bei den Schätzungen der Bankenkommission befolgt sind, im Andem Zeugen Dr. Gerstel entspinnt sich alsdann über die Grundsätze, dukte verbreitete sich Profeffor Lunge Zürich über den gegen schluß an die Vernehmung des Bau- Inspektors Kern, des gerichtZu den mancherlei Vorbereitungen, die der Magistrat wärtigen Stand der Schwefelsäure- Fabrikation. Als Ausgangs- lichen Sachverständigen und zweiten Mitgliedes der Kommiffion. für die bevorstehende Reichstagswahl zu treffen hat, gehört material für die moderne Schwefelsäure Fabrikation dient noch zu- Es ergeben sich verschiedene Widersprüche zwischen Bau- Inspektor auch die Beschaffung der Wahllokale. Da hierfür die städtischen meist der Eisenties, neuerdings aber auch in steigendem Maße die ern und dem Angeklagten Bau- Inspektor Hanel. Ersterer be- Gebäude an Zahl bei weitem nicht ausreichen, so müsser vielfach Zinkblende; die Verwendung von Rohfchwefel aus Sicilien, welche streitet, daß das Terrain in Bankow nach Bauprojekten hätte geschätzt noch Restaurationen gemietet werden. Das ist aber keine allerdings eine größere Betriebssicherheit und minder große Gefahren werden dürfen, während letzterer dies aufrecht erhält. Auf Befragen so einfache Aufgabe, wie mancher denkt. Da muß darauf geachtet für die Gesundheit der Arbeiter gewährt, beschränkt sich aus des Justizrats Dr. Sello tritt der Sachverständige Professor werden, daß das Lokal hinsichtlich der Größe den Anforderungen schließlich auf England. Während nun die Förderung des Schwefel- Dietrich dem Angeklagten Hanel vom theoretischen Standpunkte entspricht, daß es einen bequemen Zugang hat, daß es nicht gar zu fieses in Deutschland und Frankreich eine Steigerung faum erwarten läßt, befigt Spanien schier unerschöpfliche Lager derselben, wound wahrscheinlich noch auf manches Sodann wird Geheimer Hofrat a. D. Linde vernommen, der dürftig ausgestattet ist von jährlich allein 100 Millionen Tonnen bei der Verhüttung auf Aufsichtsratsmitglied bei der Bommernbank und bei der Streligbank andre, wovon wir Unbeteiligten in unsrer Harmlosigkeit keine Ahnung Kupfer an Ort und Stelle in Bezug auf Schwefelgewinnung unwar. Er betont auf Befragen, daß nach seiner Ueberzeugung die haben. verwertet bleiben. Was die Fabrikationsmethoden selbst anlangt, so vom Aufsichtsrat vorzunehmenden vierteljährlichen Revisionen durch In den letzten Wochen sind nun eine große Zahl von befoldeten besitzt der alte Bleitammerprozeß zwar noch immer die größte Ver- ihn und Bankdirektor Schmidt vorschriftsmäßig und ordnungs- und unbesoldeten Kommunalbeamten damit beschäftigt gewesen, breitung, indes nötigen doch die hohen Anlagekosten und vor allem mäßig ausgeführt und alles forgsam geprüft worden sei. Die Taren diese Lokalwahl vorzunehmen, und es soll dabei mancher Tropfen der steigende Bedarf und die verhältnismäßig größere Billigkeit des der einzelnen beliehenen Grundstücke habe der Aufsichtsrat natürlich Schweißes geflossen sein. Als am Pfingstfonntag die amtliche Transports hochgradiger Säure zur Einführung neuer Fabrikations- nicht prüfen tönnen, sondern sich da auf die Sachverständigen verlassen Liste der Wahllokale im„ Gemeindeblatt", im„ brivärts" methoden, z. B. des durchaus bewährten Kontaktverfahrens müffen. Staatsanwalt Beed: Wie lange Zeit hat denn wohl eine beziehungsweise Verbesserung und Vereinfachung des des Bleiund in einigen andren Blättern veröffentlicht wurde, da wird 3euge: Etwa einen halben solche Revision gedauert? tammersystems. Namentlich in Bezug auf die Versorgung der Tag. Rechtsanwalt Beed: Der Bücherrevisor Reuter behauptet mit uns jeder unsrer Leser angenommen haben, daß jetzt das schwieKammern mit Wasser und Luft statt Dampf in Gestalt eines mun, daß die Revisoren in ihren Berichten bezeugt haben, daß sie rige Werk fix und fertig sei und nichts mehr daran ge= als Wafferstaub eingeführten Sprühregens nach dem Vorschlage sich von der Richtigkeit der einzelnen Saldi durch Einsichtnahme des ändert werden dürfe. Jeder Wähler wird sich beeilt haben, in Sprengels ist eine außerordentlich zweckmäßige, die Fabrikation Conto- Correntbuches und der ihnen vorgelegten Belege überzeugt der Liste nachzusehen, wo er am 16. Juni zu wählen hat, und er berbilligende Neuerung geschaffen worden. Auch die jetzt gelungene haben. Solche Belege seien aber nirgends vorhanden. Herstellung guter Steinzeug- Ventilatoren bedeutet einen erheblichen wird das betreffende Lokal seinem Gedächtnis fest eingeprägt haben. Bücherrevisor Reuter sucht darzulegen, daß jene Bemerkung Indes: der Wähler denkt, und Von wesentlicher Bedeutung für die Schwefelsäure- in den Berichten der Revisoren objektiv falsch sei. Fortschritt. irgend ein Kommunalbeamter Fabritation ist auch die Beschaffung der zu ihrer Herstellung nötigen Salpetersäure. Staatsanwalt Beed: Ist der Herr Zenge bei Gelegenheit lenkt. Warum soll nicht auch nach Veröffentlichung der amtlich aufDas Rohmaterial für dieselbe liefert feiner Revisionen darauf gestoßen, daß die Streligbank Ende 1897 gestellten Liste ein Wahllokal noch durch ein andres ersetzt werden zwar noch immer der auf Chile gewonnene Salpeter, indes 8 250 000 Mart in Pommernattion investiert hatte?- Sofrat dürfen, wenn's einem dieser Herren so besser paßt? follen in neuester Zeit in der falifornischen Wüste ebenso reiche inde: Nein, darauf sind wir nicht gekommen. Staatsanwalt Aus dem 4. Wahlkreis wird uns ein solcher gall gemeldet. Lager dieses auch für die Landwirtschaft so wichtigen Stoffes ge- Beed: Auch nicht darauf, daß diese Aktien plöglich auf die Für den 179. Wahlbezirk war das Restaurant von Valentin, funden worden sein. Noch wären auch die Versuche zu nennen, Immobilien- Verkehrsbant übertragen worden sind? 8euge: Laufigerstraße 25, als Wahllokal ausersehen worden. Vor welche den Stickstoff der Luft in Salpetersäure im elektrischen Licht- Nein. Staatsanwalt Beed: Dann scheinen mir doch etwa sechs Wochen war ein Herr, der sich als Beauftragter bogen überführen wollen.( Siehe den gestrigen Bericht.) Dieses Ihre Revisionen ziemlich oberflächlich gewesen des Magistrats bezeichnete, zu dem Inhaber des Restaurants geVerfahren erscheint jetzt feineswegs mehr aussichtslos, zumal zu sein. Hat Ihnen Herr Schulz einmal Einblick gewährt über tommen, hatte das Lokal besichtigt und für ausreichend ers da, wo wie am Niagara- Fall billige Wasserkraft zur Verfügung das Verhältnis der einzelnen Gesellschaften zu einander? Beuge: lärt und hatte dann Herrn Valentin unterschreiben laffen, steht. Was die Produktion an Schwefelsäure anlangt, so steht Von der Immobilien- Berkehrsbant habe ich kenntnis gehabt, von lärt und hatte dann Herrn Valentin unterschreiben lassen, England für 1900 mit annähernd 1200 000 Tonnen an der Spitze, den übrigen nicht. daß er seine Räume für den 16. Juni gegen 4 m. vermiete. Am Amerika produziert 940 000 Tonnen, in 10 Jahren eine Verdoppelung! Alsdann erstattet ger. Bücherrevisor Kruse das von ihm und Freitag vor Pfingsten kam ein andrer Herr, der sich wiederum als Deutschland erzeugte 1901: 880 000 Tonnen gegen 280 000 Zonnen dem ger. Bücherrevisor Huschte abgefaßte Gutachten. Den beiden Beauftragter des Magistrats bezeichnete. Dieser Herr besichtigte das im Jahre 1882, Frankreich 492 000 Tonnen. Der Menge nach über- Herren war bekanntlich die Aufgabe gestellt worden, die Gutachten Lokal noch einmal und versicherte nachher, das Lokal gefalle ihm, ragt diese Produktion weitaus alle übrigen Industrien. Die Seftion für rechts- und wirtschaftliche Fragen die Immobilien- Eriverbsgesellschaft und die Vereinigung für Grund- die amtliche Veröffentlichung, die für den 179. Wahlbezirk das Lokal Ses ger. Bücherrevisors Dhme über die Firma Schumacher u. Co., es sei alles in Ordnung. Am Pfingstsonntag erschien dann in Verbindung mit der chemischen Industrie nahm erwerb nachzuprüfen. Zu dem Gutachten über die Gesell11. a. einen Vortrag des Rechtsanwalts Dr. Ed wig at entgegen: fchaft Schumacher u. Co. erwähnen die Herren Kruse und von Valontin nennt. An demſelben Sonntag in den VormittagWas soll auf dem Gebiete der chemischen Industrie Gegenstand des Huschke, daß diese Ende 1895 mit einem Gewinn von 12 141 M. Stunden fand sich aber der zweite Beauftragte noch einmal in Patentschutes sein? Wenn auch die Rechts- Verhältnisse und-Ein- abschloß. Richtig sei die Behauptung des Angeklagten Schulz, dem V.'schen Lokal ein und brachte einen dritten mit, richtungen der einzelnen Länder sich je nach ihrer geschichtlichen, daß diefer Gewinn zur Bezahlung der Zinsen auf die au Schumacher der sich als Magistratssekretär vorstellte. Beide machten in staatlichen und wirtschaftlichen Entwicklung gebildet haben, so hat gewährten Darlehne auf mehrere Jahre ausgereicht haben würde. Abwesenheit des Herrn V. seiner Frau die Mitteilung, das Lokal doch die gewaltige Macht des Böllerverkehrs bereits Bresche in die Die von der Anklage bemängelten Zuschreibungen von Zinsen, tönne nicht benutzt werden, man werde dasjenige im Hause Nr. 26 doch die gewaltige Macht des Völkerverkehrs bereits Bresche in die Wälle der national abgeschlossenen Sonderrechte gelegt. Gemein- Soften und Vergütungen feien unter der Voraussetzung zulässig, daß nehmen. Das V.'sche Lokal, fügte der Herr Magistratssekretär samkeit so vieler Beziehungen erfordert auch Gleichartigkeit der hierdurch der wirkliche Wert der belasteten Grundstüde nicht über hinzu, sei früher, wie man erst nachträglich erfahren habe, ein Rechtsverhältnisse. Wir befizen bereits ein internationales Seerecht, schritten wird. Zwei in der Anklage als„ Scheingewinne" behandelte Schlächterladen gewesen, man halte es daher für zu klein. Die ein internationales Wechselrecht, Post- und Telegraphenrecht. Um so Gewinne seien nicht als Scheingewinne aufzufassen, wenn durch fu treten mehr bedürfen wir einer Uebereinstimmung der Rechtsverhältnisse Beugen die Behauptung der Angeklagten bestätigt wird, daß es sich Herren nötigten dann der Frau V. 4 Mark auf, ließen quittieren für Gegenstände, die ihrer ganzen Natur nach international find, die zur um reelle Geschäfte handelte. Auch bei andren Posten, die bemängelt und gingen. Als Herr V. nach Hause lam, war er nicht wenig gemeinsamen Nuznießung der gesamten Menschheit beſtimmt sind, werden, habe es fich ergeben, daß es sich nicht um Scheinverträge darüber erstaunt, daß seine Räume, die vorher zwei der chemischen Erfindungen. Der für diese nachzusuchende Schuß und Scheingewinne gehandelt habe. An Reingewinnen der Kommunalbeamten so gut gefallen hatten, erft fann sich erstreden einmal auf den erzeugten Stoff, dann auf das Immobilien- Erwerbsgesellschaft seien in der Anklage auf Grund jetzt zu klein sein sollten. Um festzustellen, ob irgend ein Herstellungsverfahren, endlich auf beide. Hierin eben weicht die der Bilanzen herausgerechnet: pro 1898: 166 719 M., pro 1899: Ronfufionsrat oder etwas andres dahinter stede, ging er nach den Gesezgebung der verschiedenen Länder von einander ab. Die 40 639 M., pro 1900: 41 662 M. Die wirklichen GeGewährung gewisser Vorteile für die Erfinderthätigkeit eines winne feien aber thatsächlich viel höher gewesen als die Feiertagen auf das städtische Wahlbureau. Hier hörte er, der WahlPatentschutzes derselben bedarf gewiß keiner Begründung. Ihr, als herausgerechneten, denn die borsteher des 179. Bezirks habe gegen Benutzung des V.'schen Lokals Beträgen zu diesen eines wesentlichen Spornes, verdanken wir zahlreiche Fortschritte. Indes Gewinne hinzu, welche direkt auf Grundstücsconto ordnungs- protestiert, weil es als früherer Schlächterladen zu klein" sei. V. ging muß ebenso zweifellos ein lebermaß des Patentſchuzes, eine zuweit mäßig gebucht seien und der Pommernbant beziehungsweise der nun zum Wahlvorsteher und erfuhr von diesem, er selber habe das V.'sche gehende Ausdehnung des ſtarren Eigentumsbegriffs bei einer Er- Streligbank resp. der Immobilien- Verkehrsbank in Form von Lokal noch nie besucht, aber gegen die Benutzung habe er allerfindung nicht nur zu materieller Schädigung der Gesamtheit führen, vertragsmäßigen Gewinnanteilen und Vergütungen, bezw. als Ent- dings protestiert. V. suchte darauf auch den Wahlvorsteher- Stellsondern auch auf in ähnlicher Richtung arbeitende Erfinderthätigkeit schädigungen vergütet wurden. Selbst wenn man zwei Posten von vertreter auf, der ihm erzählte, auch er tenne das 2otal nicht, hemmend und lähmend wirken. Diesen Gesichtspunkten dient schon zusammen 2 697 000 m. als Schiebegetvinne ansehen wollte, würde aber verschiedene Wähler hätten Verwunderung darüber geäußert, die Bestimmung der zeitlichen Beschränkung des Patentschutes. Es wird mit Recht darauf hingewiesen, daß der zugleich dem Ver- im Jahre 1900 immer noch ein Gewinn von 64 662 M. verbleiben. daß nicht, wie sonst, in Nr. 26, sondern in Nr. 25 gewählt werden fahren der Erzeugung, wie dem Erzeugnis gewährte Patentschutz, solle. wo er gift, wie in Frankreich, feineswegs der induſtriellen Berliner Partei- Angelegenheiten. Babilotale nicht refpettiert wird: weil einigen Wählern Entwicklung auf chemischem Gebiet förderlich, sondern eher hinderlich gewesen ist. Ebenso ist es sicher, daß bei einer derartigen Das Wahlkomitee. Nun weiß man's also, warum die amtliche Liste der Patentgesetzgebung eine ganze Anzahl von Industriezweigen, findet in der Berliner Bodbrauerei, Tempelhofer Berg, Herr Valentin vermutet, daß sie weniger gegen das Lokal als gegen Zweiter Wahlkreis. Heute Freitag, den 5. Juni, abends 8 Uhr, das Lokal nicht past! Was mögen das wohl für Wähler sein?! 3. B. die Alizarinfarben- Industrie, das Thomasverfahren, nicht eine große Wählerversammlung statt. Genosse August Bebel den Inhaber einzuwenden haben. Valentin ist nämlich unser Parteizur gegenwärtigen Blüte kommen können. Gerecht und den entwidelten Grundfäßen entsprechend sei allein eine Batentgesetzgebung, referiert über:" Die Reichstagswahlen und die bürgerlichen Barteien." genoffe und ist in der Lausitzerstraße als Socialdemokrat bekannt, welche lediglich das Verfahren, durch welches ein neuer chemischer Die Gegner werden durch Säulenanschlag geladen. Recht zahlreichen während sein Nachbar diesen Fehler" nicht hat. Besuch erwartet Stoff erzeugt wird, sowie das unmittelbar nach dem Verfahren gewonnene Erzeugnis schüßt, nicht aber dieses selbst, somit der Her Dritter Wahlkreis. Achtung! Parteigenossen! Am Freitag, Fahrpreis- Ermäßigungen für Schulfahrten will die Verwaltung stellung desselben nach anderm Verfahren freien Spielraum gewährt. den 5. Juni, abends 8 Uhr, finden im Dresdener Casino, der Hochbahn nur dann gewähren, wenn ein Sonderzug bestellt Auf dieser Grundlage, welche die Interessen der chemischen Industrie Dresdenerstr. 96, Referent Genosse Dr. Südefum- Nürn- wird und mindestens 150 Schulkinder sich an der Fahrt beteiligen. ebenso berücksichtigt, wie die der Gesellschaft, müßte eine inter- berg; bei Doberstein, Prinzenstr. 94, Referent Genosse Auf eine aus Lehrerfreisen an sie gerichtete Bitte um Ermäßigung nationale Regelung der Frage angestrebt werden. Dr. Curt Freudenberg, Wähler- Versammlungen statt. Die hat sie geantwortet, daß Schulen in den Morgenstunden nicht mit Dr. Mallet aus Virginia berichtet in englischer Sprache über borstehend genannten Referenten werden über die Bedeutung der den fahrplanmäßigen Zügen befördert werden könnten, weil in dieser „ die gesetzlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der chemischen bevorstehenden Reichstagswahlen sprechen. Außerdem Diskussion. Beit der Verkehr auf der Hochbahn sehr rege sei. Bei Benutzung Industrie Amerikas", die chemische Industrie Amerikas stehe gegen Unser Kandidat Wolfgang Heine wird in beiden Versammlungen eines Sonderzuges sei die Verwaltung gern bereit, den Fahrpreis diejenige Europas weit zurück, da daselbst mehr die Technik als solche anwesend sein. pro Person um die Hälfte zu ermäßigen, doch würden auch dann gefördert werde. Dementsprechend seien auch die damit in Zu Es ist Pflicht der Parteigenossen, für guten Besuch dieser Ver- für die einfache Fahrt mindestens 10 Pf. pro Person erhoben werden. fammenhang stehenden Rechtsverhältnisse weniger entwickelt. In- sammlungen zu agitteren. Das Wahlkomitee. Aur Deckung der Kosten eines solchen Sonderzuges feien 150 Kinder rsorderlich. Eine Fahrpreis- Ermäßigung für einzelne Schulklasfeu von etwa 60 Kindern wäre hiernach ausgeschlossen, worauf auch von der Hochbahn-Verwaltung in ihrer Antwort ausdrücklich hingewiesen wird. Für den Besuch des Zoologischen Gartens durch die Schulen des Ostens und Südostens der Stadt ist die Frage der Fahrpreis- Ermäßigung wichtig, da die Benutzung der Hochbahn den Schulen einen großen Gewinn an Zeit brächte. Der Fremdeuzufluß nach Berlin anläßlich des diesjährigen Pfingstfestes war ein so gewaltiger, wie noch in keinem Jahre vor- her. Wenn auch eine statistische Feststellung über den Fremdenverkehr nicht möglich ist, da der weitaus größte Teil der Besucher Privat- logis bei Verwandten und Bekannten genommen, so ist doch ein un- gesähres Bild über den Verkehr aus den Zahlen der in den beiden Tagen vor dem Feste auf den hiesigen Bahnhöfen eingetroffenen Passagiere zu entnehmen. Hiernach dürsten in Berlin und den an- schließenden Vororten während der Feiertage an 400 000 Provinzler geweilt haben. Dieser ungewöhnlich starke Fremdenverkehr ist denn auch von wesentlichem Einfluß auf die Frequenz bei den Transport- gesellschasten, die, wie wir bereits mitteilten, in den Pfingsttagen eine ganz außergewöhnliche Höhe erreichte und noch vorgestern und gestern ungewöhnlich stark war. Der elektrische Probezug, der, wie gemeldet, seit dem gestrigen Donnerstag auf der Vorortstrccke Berlin, Potsdamer Ringbahnhof— Grotz-Lichterfelde Ost verkehrt, wird bis zum 1. Juli nur vor- mittags eingestellt werden und die genannte Strecke täglich siebenmal nach jeder Richtung hin zurücklegen. Vom Potsdamer Ningbahnhof fährt der elektrische Zug demgemäß ab: 5.10, 6.00, 6.50, 7.40, 8.30, 9.30 und 10.30 vormittags, von Groß- Lichter- selbe Ost: 5.36, 6.26, 7.16, 8.06, 9.06, 10.06 und 11.06 vormittags. Der elegante Wagenzug ohne Lokomotive und Dampfgeräusch erregte gestern auf seinen Fahrten ein gewisses Aufsehen; die Motoren funktionierten tadellos und die Fahrgäste äußerten vielfach ihre Anerkennung über die Vorzüge des elektrischen Betriebes, die sich namentlich durch schnelles Anfahren und Halten, ruhige Fahrt und erheblich geringeres Zuggeräusch angenehm bemerkbar machte. Zum Lustmord, lieber das Ergebnis der gerichtsärztlichen Leichenöffnung der Lina Hoffniann wird jetzt weiter bekannt, daß das ermordete Mädchen nicht bloß äußere, sondern auch innere töd liche Verletzungen erhalten hat. Der Brustkorb wurde ihm ein- geschlagen, so' daß mehrere Rippenbrüche und auch innere Ver- blutung eintraten. Für die weiteren Nachforschungen nach dem Thäter sind Bekundungen von Belang, nach denen die Er- mordete in einem nicht so günstigen Lichte erscheint, wie man bisher annehmen mußte. Es ist erwiesen, daß sie Verkehr mit schlechter Gesellschaft hatte. Ferner steht fest, daß sie nicht immer als zurückhaltendes und schüchternes Mädchen auftrat. Angehörige ihres Onkels Annowski ruhen ans dem Friedhof der Johannis-Gemcinde in der Jungfernheide. Diese be- suchte sie öfter und sie war dort ziemlich bekannt. Leute, die hier Iviederholt mit ihr in Berührung kamen, schildern sie als dreist und sogar als frech. Unter den Augen der Pflegeeltern mag sie sich also ganz anders gegeben haben, als ihrem wahren Wesen entsprach. Daher wohl auch die Verschlossenheit zu Hause. Die Bedeutung dieser Feststellungen für die iveiteren Nachforschungen läßt sich noch nicht übersehen. Noch einmal sei auf das Wichtigste hingewiesen, die wünschenswerte Auffindung der Kleidungsstücke, namentlich des grauen Nockes mit Sammetband. Es haben sich schon verschiedene Zeugen gemeldet, die die Ermordete mit Männern zusammen gesehen zu haben glauben. Sie meinen sie nach der Photographie zu erkennen. Es wäre nun aber von der größten Bedeutung, diesen Leuten den Rock vorlegen zu können. Sie würden erst dann bestimmt sagen können, ob daS Mädchen, das ihnen vorschwebt, Lina Hoffmann war. Auch für die Entlastung von Männern, die in Verdacht geraten, ist also die Auf findung der Kleidungsstücke äußerst wichtig. Ausdrücklich sei darauf hingewiesen, daß jemand, der durch Auffindung des Rockes usw. zur Ermittelung des Thatortes beiträgt, auch Anspruch auf einen Anteil an der Belohnung von 1000 M. hat. Das fehlende rechte Bein der Ermordeten ist wahrscheinlich am Sonntag bei Spandau im Wasser treibend gesehen worden. Spandauer Beamte haben sich nach dieser Ermittelung sofort daran gemacht, die Gewässer und User noch ein- mal abzusuchen. Selbstmord. Die Verfehlungen einer ungeratenen Tochter haben die 46 Jahre alte Arbeiterftau Ida Rietzke geb. Nasch aus der Landsberger Allee 135 in den Tod getrieben. Die brave Frau, deren Mann sich seit einem Jahr in einer Nerven-Heilanstalt be- findet, sorgte für sich und ihren drei Jahre alten Sohn durch Näh- arbeiten. Ihre 18jährige Tochter, die in einer Fabrik arbeitet, hatte die elterliche Wohnung bereits verlassen, um ein ungebundeneres Leben führen zu können, und loohnte für sich allein in der Garten- straße. Dieses Mädchen stand nun in der vergangenen Woche vor Gericht unter der Anschuldigung, sich von Schuhmachern unter falschem Namen Waren erschwindelt und weiter verkaust zu haben. Da ihr vier solcher Fälle nachgewiesen wurden, so erhielt die Angeklagte sechs Monate Gefängnis. Die Schande ihrer Tochter wollte die Mutter nicht überleben. Gestern nachmittag schickte sie ihren Sohn aus der Wohnung zum Spielen auf den Hof. Als der Kleine später ver- geblich pochte, stieg eine Hausgenossin durch ein Fenster der im Erdgeschoß gelegenen Wohnung ein und fand Frau Rietzke regungslos aus ihrem Bett liegen. Ein Arzt stellte fest, daß sie an Gift ge- storben war. Auf einem Stuhl fand man eine Flasche mit einem Rest von Lysol. Kindesmord? Die Leiche eines neugeborenen Knaben wurde vorgestern abend auf dem Flur des Hauses Marienburgerstr. 47 auf- gefunden und der Revierpolizei übergeben. Sie war schon ziemlich stark verwest und in eine abgetragene schwarze Jacke und Zeitungs- papier eingewickelt. Ertrunken aufgefunden wurde in Plötzensee ein Mann von etwa dreißig Jahren, dessen Persönlichkeit noch nicht feststeht. Der Unbekannte ist etwa 1,30 Meter groß, hat kurzgeschnittenes blondes Haar und einen blonden Schnurrbart und trug ein blaues Jackett mit Weste, blauschwarze Beinkleider, ein graurot gestreiftes Parchend- Hemd, graue baumwollene Strümpfe und schadhafte Schnürstiefel. In den Taschen sand man einen Korridorschlüssel und ein Taschen- messer mit weißer Schale. Ein Leichenfund in Tempelhof, der gestern zu Gerüchten von einem Morde Veranlassung gab, ist jetzt bezüglich der Person des Toten aufgeklärt. Nach dem vorläufigen ärztlichen Gutachten liegt wahrscheinlich auch kein Verbrechen vor. Im einzelnen wird zu der Angelegenheit berichtet: Die 14 und 13 Jahre alten Arbeitersöhne Klaus und Thiele sahen vormittags um 11 Uhr im Lindwerder Teiche, einem 20 Quadratmeter großen, mit Schilf bewachsenen Psichle hinter den, Garnisonlazarett an der Ecke der Berliner- und Friedrich Wilhelmstraße, die Leiche eines Mannes, die ungefähr mitten' im Wasser lag. Auf ihre Anzeige bei der Orts- behörde wurde die Leiche von der Tempelhofer Krunmal- Polizei gelandet und von dem Schlosser Karl Bahn aus der Dorfstr. 32 als die seines VaterS, des am 30. Oktober 1840 zu Käthen geborenen Weichenstellers August Bahn festgestellt. Da die Leiche in der Gegend des linken Ohres eine zwei Centimeter lange, klaffende Wunde aufwies, so wurde die Berliner Kriminalpolizei benachrichtigt, von der sich der stellvertretende Chef Regierungsassefior Dr Lindenau und die Kriminalkommissare Weiland und Fritsche mit dem Gerichtsarzt Dr. Schulz nach dem Fundort begaben. Dr. Schulz stellte fest, daß die Wunde nur durch die Haut, nicht tiefer geht. Andre Verletzungen wurden, abgesehen von einigen erst bei der Landung entstandenen, bei der vorläufigen Leichenbesichtigung nicht gefunden. Es wurde jedoch eine Obduttion angeordnet und die Leiche zu diesem Zwecke nach der Halle des Friedhofes gebracht, nachden, auch eine Gerichtskommission vom Landgericht II am Fundort gewesen war. Bahn ist wahrscheinlich in der Trunken- heit in den Äieich geraten. Der alte Mann lebte seit 13 Jahren im Ruhestand, nachdem er zuletzt Weichensteller auf dem Anhalter Bahnhof gewesen war, und wohnte bei seinem Sohne. Er hatte die Gewohnheit, so oft er seine Pension von 68,80 M. erhob, so lange zu kneipen, bis er mit dem Anteil, den er für sich behielt, fertig war. Am Sonnabend wurde ihm bei dieser Gelegenheit die Uhr und etwas Geld gestohlen, daher ging er am ersten Feiertag ärger- lich wieder weg. In der Trunkenheit bekam er öfter Krampfanfälle. Am Sonntagabend sah man ihn noch in verschiedenen Wirtschaften in der Gegend des Teiches. Wahrscheinlich ist er dann in der Trunkenheit hineingelaufen und in einem Kranipfanfall darin um- gekommen. In den Rchbergen tot aufgefunden wurde gestern morgen ein 55 jähriger Arbeiter Hermann Adolf Scheller, der sich obdachlos in Berlin aufgehalten zu haben scheint. Ein Gendarm aus Reinicken- dorf, der ihn fand, veranlaßte, daß die Leiche nach dem Schauhause gebracht wurde. Spuren äußerer Gewalt sind an ihr nicht bemerkbar. Der Mann ist wahrscheinlich vom Schlage gerührt worden, während er unter freiem Himmel übernachtete. Das Passage-Theater hat in diesem Monat wieder eine Reihe erstklassiger Specialitäten zu verzeichnen. Aus dem reichhaltigen Programm seien besonders hervorgehoben die Damen Karla Lingen mit ihrem Repertoire und Erna Koschel in ihrer Scene als Theater- agentin, sowie Frl. Hedwig Mora als Baritonsängerin. Den humoristischen Teil vertreten Frl. Josefine Delcliseur als Bäckerfritz aus Schönholz und der Humorist Oskar Saldow. Tüs Marinos (eine Dame, ein Herr) sind Luftgymnastiker, die mit ihren elegant ausgeführten Tricks reichlichen Beifall ernten, ferner die Kraft- Equilibristen Alfredos und der Jongleur Kelly. Zu alledem kommt noch der Riese Machnow und Aga, die schwebende Jungfrau, über die sich noch immer ganz Berlin den Kopf zerbricht. Im Sportpark Friedenau werden am Sonntag, den 7. Juni die angekündigten drei D a u e r r e n n e n von Jimmy Michael, Alfred Görneman n, Fritz R y s er. Bruno S a l z m a n n und Karl Käser bestritten. Jimmy Michael, welcher sich von seinem Sturz vollständig erholt und seine erstklassige Forin schon in dem Kölner Dauerrennen am 24. Mai gegen Robl gezeigt hat, dürste die Anziehungskraft des Tages sein. Interessante Kämpfe werden sich über die kurzen Strecken zwischen Jimmy Michael, Alfred Görncmann und Fritz Ryser entwickeln, da wie bekannt Alfred Görnemann in dem Match gegen BouhourS und Demke am 24. Mai in Friedenau gezeigt hat, daß er jedem Tempo gewachsen ist. Hus den Nachbarorten. Gegen die„roten Schnapsbrüder" wendet sich das Cirkular einer zum Sektionsführer der„Ordnungs- Parteien" gewählten Ordnnngssäule, das seiner köstlichen Unver- schämtheit wegen verdient, in seinem vollen Wortlaut wiedergegeben zu werden: Ew. Hochwohlgeboren! gestatte mir, unter Ucbersendung eines Wahlaufrufes ergebenst mitzuteilen, daß ich vor kurzer Zeit durch den Wahlausschuß der nationalgesinnten Parteien, insb. durch den Bürgerverein zur Leitung der VI. Settion berufen bin. In dieser Eigenschaft bitte ich die in meiner Sektton wohnenden Herren dringend, nnt allen Kräften dafür ein- treten zu wollen, daß unser vortrefflicher Hammer an Stelle des roten internationalen Revolutionärs G a st w i r t Z u b e i l, der die unverdiente Ehre hat, uns jetzt zu vertreten, in den Reichstag kommt. Es bedarf weniger 1000 Sttmmen von 30 000, die nicht gewählt haben, um uns zum Siege zu verhelfen, und einen Triumph über die roten Schnapsbrüder und ihren Gastwirt zu erzielen, der sie dazu veranlassen könnte, in Charlottenburg und Rlxdorf Revolution zu machen, und gleich zu beweisen, wie es aussehen würde in ihrem Zukunfts- st a a t, wenn jemand a n d r e r M e i n u n g i st. Die un- geheure Gefahr der Vermehrung der roten Reickisfeinde im Reichs- tag um noch 20 müßte jeden guten Deutschen anfeuern, sein Aeußerstes zu thun. Dazu gehört persönliches Wirken durch Agitatton, durch Besuch der Versammlungen, durch Ge- winnung von thättgen Parteigenossen am Tage der Wahl, am 16. Juni und Beiträge von Geld, damit immer wieder jeder auf seine Pflicht, auf die Wahlpflicht hingewiesen wird durch Flugblätter und Broschüren. Thun Sie was Sie können, wenn Sie noch nicht das Möglichste gethan haben. Es wird ge- wiß noch mehr möglich sein. Bitte Sie dringend, mitzuteilen, was Sie thun wollen und wen Sie vorschlagen können zur Ge- lvinnung für die nationale Sache. Das Vaterland in Gefahr, dieser Ruf hat stets mit Gewalt das Germanentum aufgerüttelt, soll's auch jetzt thun gegen die Volksverderber und ihre verderblichen Führer die.... Juden. Völker, wahret Eure heilig st en Güter, das sagt unser verehrter Kaiser in seinem Auftreten gegen die rote und goldene Internationale, gegen Geldsack und Faustrecht. I. Klix, Vorsteher des landwirtsch. Instituts. Der Verfasser des Cirkulars ist, wie aus dem Adreßbuch er- sichtlich, Direktor eines„landwirtschaftlichen Instituts für geschäft- lichen Betrieb und Amtswesen". Was das eigentlich ist, vermögen wir im Augenblick nicht festzustellen. Jedenfalls sind die Eleven dieses Jnstittits um ihren feingebildeten Herrn Direktor zu beneiden. Daß man den Herrn I. Klix zum Leiter der VI. Sektion der Wahl- organisatton berufen hat, beweist, daß wir es mit einem in bürger- lichen Kreisen angesehenen Manne zu thun haben. Daß dieser Mann, diese Vertrauensperson des Ordnungsklüngels, in seinem Cirkular so allerliebst aus der Schule plaudert, ist höchst dankens- wert. Der Herr Direktor spricht ja nur offen aus, was die Herren Prozentpattioten überhaupt über die Masse des Volkes, die Arbeiterklasse denken. Die 42 699 Wähler des Kreises Teltow-Beeskow. die 1898 beim e r st e n Wahlgang ihre Sttmme für Z u b e i l abgegeben haben, sind den Herren wativen„rote Schnapsbrüder". Ihr heuriger Kandidat, der Herr Malermeister a. D. und Rentter Hammer meinte zwar in einer Versammlung des zweiten Ber- liner Wahlkreises, zu den Herren aus dem Mittelstand gewendet: „Meine Herren, Sie wissen es ja selbst, wie schlecht man in der Großstadt mit 3600 Mark auskommen kann"; allein die Arbeiter, die bei einem nur halb oder den dritten Teil so großem Einkommen nicht mehr dulden wollen, daß die besitzende Klasse sie durch immer neue indirekte Steuern ausplündert und deshalb einen Social- d e m o k r a t e n wählen, sind„rote Schnapsbrüder". Der Herr Direktor Klix findet sich da mit seinen Parteifreunden zusammen mit dem Abgeordneten Arnim, der bei einer Elendsschilderung Bebels im Reichstag den berüchtigten Zwischenruf machte:„Der Vater wird wohl alles versoffen haben!" Sehr hübsch macht sich auch die Aussicht des Herrn Direktors, daß bei einer Niederlage Zubeils die Arbeiter in Charlottenburg und Rixdorf„Revolution»lache»" würden. Dieser Gedanke, daß dann einmal kräftig mit blauen Bohnen unter die„roten Schnapsbrüder" gepfeffert werden könnte, bereitet augenscheinlich dem wackeren Ordnungsmanne ein so kitzelndes Be- Hägen, daß er durch die Mitteilung dieses Gefühls an die übrigen Ordnungshüter zu ganz besonderen Wahlanstrengungen anreizen zu können glaubtl Gönnen wir diesem Musterpatrioten seine Illusionen. Die „roten Schnadöbrüder" werden ihm und seinesgleichen am 16. Juni die richtige Antwort geben!_ Friedenau. Am Freitag, den 5. d. M., abends 3>/.> Uhr, findet ml„Hohenzollern", Handjerysttaße 64, eine öffentliche Wähler- Versammlung statt, einberufen vom konservativen Verein mit dem plötzlich wieder„flottgewordenen früheren Amtsvorsteher Rönneberg an der Spitze und vom nationalen Reichs-Wahlverein mit seinem überaus eiftigen, jedoch wenig Erfolg erzielenden Dr. Kleinecke. Es lvird sich dort den Friedenauer Wählern der vielgepriesene Reichs- tags-Kandidat Fritz Hammer vorstellen und eine Wahlrede halten. Parteigenossen I Es ist unsre Pflicht, alle Mann pünktlich in dieser Versammlung zu erscheinen, um erstens die Gegner mit ihrem heuchlerischen Treiben nicht allein zu lasten, und zweiten? um auf deren Reden antworten zu können. Gerade hier ist es angebracht. daß niemand fehlt, damit nicht der geringste Zweifel aufkommen kann, wem am 16. Juni die Stimme zu geben ist. Also nochmals, Parteigenossen, seid zahlreich und zeitig zur Stelle. Mord und Selbstmord. Bewohner des Hauses Karlsgartenstt. t in Rixdorf machten seit einigen Tagen die Wahmehmung, daß der im 4. Stockwerk belegenen Wohnung des Arbeiter Karl Neumannschen Ehepaares ein penetranter Geruch entströme, und da man das Ehe» paar auch schon seit circa 5 Tagen nicht mehr gesehen hatte, benachrichtigte man am Donnerstagmorgen die Polizei. Diese ließ die verschlossene Wohnung durch einen Schlosser öffnen. Den die Wohnung bettetenden Beamten bot sich ein schauderhafter Anblick dar. Während der Ehemann Neu- mann tot an seinem Bette hing, lag seine Frau nnt zer- schmettertem Schädel in ihrem Bette. Beide Leichen waren bereits stark in Verwesung begriffen. Nach dem Leichenbefunde unterliegt es keinem Zweifel, daß Neumann seine Frau nachts im Schlafe er- schlagen und sich dann selbst entleibt hat. Die schauderhaste That muß schon vor 5—6 Tagen ausgeführt worden sein. Neumann war 45, seine Frau 39 Jahre alt. Bis vor wenigen Wochen war Neumann in der Irrenanstalt Herzberge interniert; da sein Zustand sich aber in letzter Zeit wesentlich gebessert hatte, so wurde er auf Anttag seiner Frau aus der Anstalt beurlaubt. Ver- mutlich hat Neumann einen Rückfall bekommen und die unselige That in Geistesumnachtung begangen. Nachdem der Thatbestand durch eine Gerichtskommission festgestellt worden, wurden die Leichen des Ehepaares nach dem Rixdorfer Schauhause gebracht. Britz. In einem hiesigen Gasthofe erhängte sich ein angeblich aus Stettin stammender Unteroffizier, dessen Persönlichkeit mit Sicherheit noch nicht feststeht. Auch der Beweggrund zu dem Selbst- mord ist unbekannt. lieber eine Stadtverordnete»- Versammlung in sieben Minuten bringt das„Teltower Krcisblatt" folgenden Bericht aus T e u p i tz (Kreis Teltow), den wir zur Erbauung unsrer Leser ganz wieder- geben: T e u p i tz, 4. Juni. Zu der auf den 27. v. M. einberufenen Stadtverordneten-Versammlung wurde die Bürgerschaft an dem- selben Tage erst 20 Minuten vor Beginn der Sitzung ein- geladen. Aus diesem Grunde erscheint es erklärlich, daß nur drei Herren als Hörer erschienen waren. Diese wurden von dem Herrn Vorsitzenden an der Thüre empfangen und angewiesen, draußen zu warten, bis die Sitzung eröffnet sei. Endlich erschien denn auch der Stadffergeant, meldete, daß die Sitzung eröffnet sei, und führte die Herren in den Sitzungssaal. Einer der Herren hatte sich einen Stuhl mitgebracht, um sitzen zu können. Die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung enthielt die 3 Punkte: Wahl einer Urkunds- Person, Schulgeld fremder Kinder und Beschaffung einer Wahlurne und Wahlzelle. In der Schulgeldfrage sollen noch Ermittelungen angestellt werden, deshalb wurde sie von der Tagesordnung ab- gesetzt. Die andren beiden Puntte wurden ohne Debatte in sieben Minuten erledigt und dann Ivurde die öffentliche Sitzung geschlossen. )Zus der fraucnbewegimg. Der Kongreß der socialistische» Franc» Belgiens, der während der Pfingstfeiertage in Brüssel abgehalten wurde, be- schäftigte sich u. a. mit der Rsottorotts cks la, Patemite. Bekanntlich besteht zur Zeit auch in Belgien noch das schamlose Gesetz, wonach das Suchen nach der Vaterschaft verboten ist. Der Kongreß nahm eine Resolution an, in der es heißt:„Der Kongreß beschließt, eine energische Agitation für die moralische Erziehung der Jugend beiderlei Geschlechts zu entfalten und fordert von den socialistischen Abgeord- neten, auf eine schleunige Beratung des Gesetzentwurfes von andervelde und Hector Denis über die Reotterotts cks la Patemite in der Kammer hinzuwirken. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde über die Stellung zur bürgerlichen Frauen- bewegung beraten. Ein Anschluß an dieselbe wird unter dem Hin- weis abgelehnt, daß die bürgerlichen Frauen den Klafien- kämpf, der nicht zu verwechseln sei mit Klassenhaß, leugnen. Die socialistischen Frauen seien vor allem Socialisten und zwischen den beiden Gruppen bestehe keinerlei Identität. Aus einem Bericht über die Frau in der Industrie, der auf dem Kongreß gegeben wurde, geht hervor, daß in der belgischen Jndusttie 196 000 Arbeiterinnen thätig sind. Davon verdienen 4/tn weniger als 1,50 Fr. pro Tag, 5I10 weniger als 2,60 Fr. und nur Vio kommt bis zu 4,50 Fr. pro Tag. Besonders schlimmer Ausbeutung sind die Spitzenklöpplerinnen unterworfen. Die Delegierttn von Alost teilte mit, daß diese von 6 Uhr morgens bis 10 Uhr abends arbeiteten und 88 Ctm. bis 1,25 Fr. dabei verdienen. Die Unter- nehmer aber verdienen gerade an den berühmten„Brüsseler Spitzen" ungeheures Geld; bestimmte Stücke, für deren Herstellung die Arbeiterin etwa 13 Fr. erhält, werden für 72 Fr. verkaust. Die Frauenarbeit wird in Belgien noch besonders darum so herab- gedrückt, weil in den Klöstern die Frauen in der schändlichsten Art ausgenutzt werden. Die jungen Mädchen, die als Waisenkinder oder sonstige Zöglinge bis zu ihrem achtzehnten oder zwanzigsten Lebensjahre in den Klöstern zubringen, müssen dort Näharbeiten fast nur für eine miserable Kost herstellen. Die Hand-Spitzen- klöppelei ist sehr zurückgegangen; während vor 30 Jahren noch etwa 150 000 Arbeiterinnen dabei beschäftigt waren, sind es jetzt deren nur noch etwa 48 000. Es wurde beschlossen, unter den Industrie- Arbeiterinnen eine rege Agitation ftir Anschluß an die gewerkschast- lichen Organisationen zu entfalten. Vermischtes. Ein merkwürdiger Blitzschlag. K y r i tz. 3. Juni 1903. Bei einem schweren Gewitter, von welchem am 2. Juni abends die Ost- pngnitz heimgesucht wurde, schlug der Blitz in Kyritz zweimal ein. In dem einen Falle traf der elektrische Funke das Wohngebäude des Händlers B. und drang durch den Schornstein in die Küche und das Schlafzinnner. Hier geriet das Bett, in welchen, B. lag, in Flammen. Merkwürdigerweise war der Häusler von dem Blitzstrahl selbst nicht getroffen worden und er vermochte zu flüchten, ohne daß er bei dem Unfall auch nur die geringste Verletzung erlitten hat. Der Postknffcher als Deftaudant. Einem Telegramm aus Buda- pest zufolge ist ein Postkutscher, der einen Postwagen mit Werten im Betrage von 173 000 Kronen führte, mit dem Gelde entflohen. Der Postwagen ist auf offnem Felde bei Rakosfalva geftmden worden. Der hintere Teil des Wagens war erbrochen. Es fehlt eine eiserne Kassette mit Papieren im Werte von 98 000 Kronen. Eine im Vorderteil des Wagens befindliche eiserne Truhe, in der Bargeld auf» bewahrt wurde, zeigt Spuren, daß der Kutscher auch sie erbrech«« wollte. Er ist aber anscheinend bei der Arbeit gestört worden. Stationen 766 NO Swinemde. Hamburg Berlin Frankf.a.M. 765!N München 762 MO Wien!760N 3€ N£ S � Sc s>— .5 c N« 768 N 765 NNO Wetter llwolkig 4!wolkenl Zsvolkig Ihedeckt 6bedeckt IjRegcn d-K tri»o Stationen -2 S sS §2 S5 S)— Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Patts 763 755 776 767 - 3 i« N SO NNO Wetter etter leb eckt toolkenl bedeckt ts« C'Sf f" S 3« ti& Wetter-Prognose für Freitag, den S. Juni 1963. Nachts sehr kühl, am Tage etwas wärmer, vorwiegend heiter trocken bei lebhasten nordöstlichen Winden. S 17 15 16 UNd X. X. ßnefhaften der Redahtion. Wir haben das Flugblatt schon gewürdigt._ Verantwortl. Redakteur: Carl Leid in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Bnchdruckerei und Perlagsanstalt Paul Singer«-Co.. Berlin SW.