Mr. 132. Udonnemnk-SttNnsunse«: SOomremcntä> Preis prinumerand«! BierteljShrl. S.ZV Ml., monatL 1,10 Ml., wSchenilich 28 Pf 8- frei InS Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag». nummec mit illustrierter Sonntag». «ellage.Die Neue«elf 10 Pfg. Poft- «bonnement: 1,10 Marl pro Monat. eingetragen in der Post-Zeitung». Preisliste fiir 1908 unter Nr. 8»08. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn» Mar!, für da» übrig« UuSIan» I Marl pro Monat. Vichti»!»glich«Sei ntitstt. 20. Iahrg« Die Tnlertlons-Gebfllfr betrügt für die fechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigcn 20 Psg. „Klein« Hnxeigen" jedes Wort 5 Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für dt« nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 1 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr dormitttags geösfnct. Devlinev Volksvl�kk. Telegramm- Noreffe: „StOaltUmoltnl Berlin". Centvatorgan der sdcicrjdemokrcrtischen Nartei Deutschlands. �eäaktion: 8M. 68» Lindenstraese 69. Fernsprecher: Amt IT. Ar. 1983. Mittwoch, den 10» Juni 190B. Expedition: 8M. 68» Ltndenetrasee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Dil smÄlMiMiii fmiiiimtin fiit Sitlin md iiii ZWnlimsi D: I. Kreis: PriTatdoeent a. D. Dr. Leo Arons, Berlin. 2, Kreis: Buchhändler Richard Fischer, Berlin. 3. Kreis: Reehtsanvait Wolf sang: Heine, Berlin. 4. Kreis: Stadtverordneter Paul Singer, Berlin. 5. Kreis: irbeitersekretär Robert Schmidt, Berlin. 6. Kreis: Schriftsteller Georg Ledebour, Halensee. Niederbarnim: Stadtverordneter Arthur Stadthagen, Berlin. T eltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg: Stadtverordneter Fritz Zubeil, Berlin. Der Mchltag kill Fktkftilg. Der Wahltag ist ein so wichtiger Tag im Leben des Staatsbürgers, daß er als ein Feiertag betrachtet werden sollte. Wir erheben seit je die Forderung, daß in Würdigung dessen die Wahl am Sonntag vorgenommen werde. Muckerei und wahltattische Erwägungen der herrschenden Parteien haben sich bisher diesem Verlangen widersetzt. Mögen' daher die Arbeiter wenigstens versuchen, in friedlicher Verständigung mit den Unternehmern wenigstens einen Teil des Tages zum Feiertage zu machen. Wir richten an alle Arbeiterwähler das Ersuchen, mit den Unternehmern in Unterhandlungen z» treten, daß am Wahltage von Mittag an die Arbeit voll- ständig ruy» Zur äußere« Politik Englands. London, 7. Juni. Seit Monaten häufen sich die Beweise, daß England wieder eine planmäßige und kühne äußere Politik treibt. Die Politik wird planmäßig und schematisch, da sie ein festes Ziel hat, das ihr zum Leitstern dient. Dieses Ziel heißt: Konsolidierung des ReicheS; Ausbau und Befestigung der in den letzten Jahr- Hunderten eroberten Gebiete. Ausbau im Innern durch Schaffung gemeinsamer Interessen, der wirksamsten Bande zum Zusammen- schluß weiter Gebiete; Befestigung nach außen durch Sicherung der Grenzen. Der Durchführung dieses Zieles stehen zwei Großmächte ent- gegen: Ruhland und Deutschland. Rußland ist der politische Gegner Englands in Asien, Deutschland der wirtschaftliche Konkurrent im britischen Reiche. Als England sich seines Zieles und seiner Gegner bewußt wurde. begann eS natürlicherweise an der Wegräumung dieser Hindernisse zu arbeiten. Bis zu einem gewissen Punkte sind Kompromisse billiger als Krieg. England versuchte deshalb zuerst, Deutschland durch Konzcssionen zu beruhigen. ES gab ihm Samoa und schloß mit ihm anderweitige Verträge ad. allein der Ausbruch des England- Hasses während deS südafrikanischen Krieges belehrte die Briten aufs gründlichste, daß Deutschland nicht beruhigt werden könne.— Im Jahre 1890 wandte sich Lord Salisbury an Rußland und machte klare Vorschläge zur Herbeiführung eines gewisien Gleichgewichts in Asien. Salisburys Borschläge wurden nicht einmal einer Antwort ge« würdigt! Rußland benutzte vielmehr den südafrikanischen Krieg zur Eroberung der Mandschurei und zur Befestigung seines Einflusses in Nordpersien. Auch diese» Vorgehen belehrte England, daß Ruß- land«in entschiedener Feind Englands in Asien bleiben wird. Während des langwierigen südafrikanischen Krieges konnte England selbstredend nichts thun.„Die britischen Zähne hatten sich an Transvaal verbissen." sagte der kluge, aber indolente Lord Salisbury. Andrerseits hat der Krieg das Ziel der englischen Diplomatie: die Konsolidierung des britischen Reichs, schärfer zum Bewußtsein gebracht. Der Krieg ging nach und nach zu Ende und eine neue Aera begann. Salisbury trat zurück; ihm schien die jüngere Generation zu stürmisch zu sein. Lord Lansdowne wurde als auswärtiger Minister unabhängiger, ebenso Mr. Chamberlain als eigentlicher Reichsminister. Und dann fing eine systematische Politik an. Beide Minister teilten ihre Rollen genau ein. LanSdowne begann Rache zu nehmen an Rußland» das durch die Nicht- beantwortung von Salisburys Borschlägen und die Ausbeutung des Boerenkrieges England beleidigt und geschädigt hat. Chamberlain wandte sich gegen Deutschland. Rußland läßt einige Torpedoboote die Dardanellen passieren: England erhebt entschiedenen Einspruch, um wenigstens dort keine Präzedenzfälle zu schaffen. Rußland nähert sich dem persischen Meerbusen: Endland erklärt Südpersien als britische Einflußsphäre, die es mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln verteidigen würde. Rußland schiebt seine Militärposten gegen Korea vor: England, Japan und die Vereinigten Staaten machen energische Vorstellungen in Petersburg, wo man alles ableilgnet. Rußland ist ans der Mandschurei nicht mehr herauszukriegen. Um was es sich jetzt wirklich handelt, ist Korea, die Flanke der Mandschurei. Rußland und Japan kämpfen um Korea, den nächsten Punkt im fernen Osten, der zu einem Kriege führen kann. Weiter: Rußland versuchte im vorigen Jahre, zu Tibet, dem buddhistischen Kirchenstaat, in Be- ziehmrgen zu treten. Man sprach sogar schon von einem ab- geschlossenen Vertrage zwischen dem Dalai Lama und Rußland. Aber vor kaum zwei Wochen erhielt England die Erlaubnis von China, eine anglo-indische Kommission nach Lhassa, der Hauptstadt von Tibet, zu schicken. Tibet ist ein chinesisches Protektorat und hat sich bis jetzt geweigert, einer britischen Kommission den Eintritt zu gestatten, denn schon seit Jahren hat die indische Regierung An- strengungen gemacht, mit Lhasia in Verbindung zu treten. Jetzt fordert die Regierung in Peking den Dalai Lama auf, die anglo- indische Kommission höflich zu empfangen,.denn die Folgen einer schlechten Behandlung würden aller Beschreibung spotten". In England wird auf die Entsendung und den Empfang der Kommission großes Gewicht gelegt. Diese ganze asiatische Politik zeigt die Be- strebungen Englands m ziemlich klarer Weise. Man nehme einmal eine Karte von Asien zur Hand und man wird bald erkennen, daß England etwa um den 30. Grad nördlicher Breite die Grenzlinie zwischen sich und Rußland ziehen möchte. Zug um Zug tritt neuer- dings England der russischen Politik in Asien entgegen, und man muß schon in die Periode 1380— 1888 zurückgehen, um eine ähnliche anti- russische Politik in England zu finden. An diese Thätigkeit LanSdownes schließt sich die Politik Chamberlains gegen Deutschland an. Der Kolonialminister antwortete dem deutschen Reichskanzler. Der deutsch-kanadische Zollkrieg bringt den Kolonialminister wieder auf die Bildfläche und seine Birminghamer Rede vom 18. Mai 1903— es wird gut sein, sich dieses Datum zu merken— macht in der ganzen Welt Auf- sehen. Wir haben das Gefühl, daß Chamberlain? Rede den Zu- sammenschluß des britischen Reiches erheblich gefördert hat. Der Zollverein ist in den KreiS der praktischen Politik getreten. So z. B. brachten vorgestern die„Times" eine kurze Reuter-Depesche aus Melbourne, daß der australische Finanzminister Mr. Kingston im Princip dem Chamberlainschen Plane zustimme. Diese Nachricht scheint uns sehr wichtig zu sein. Denn Kingston ist der einzige Minister der australischen Föderation, der in Arbeiterkreisen beliebt ist. Er genießt den Ruf eines ehrlichen und mutigen Mannes und ist erst im April 1903 von dm Gewerkschaften Brisbanes(Queens- land) enthusiastisch empfangen worden. Und die organisierten Arbeiter sind bis jetzt die einzigen ernsten Gegner des britischen Imperialismus in Australien gewesen. Selbstverständlich wollm wir damit nicht sagen, daß der Er- folg Chamberlains etwa schon in der nächsten Zeit sich zeigen würde. So rasch verwirklichen sich weite politische Pläne nicht. Chamberlain hat nicht nur seine liberalen Gegner zu überzeugen, sondern auch einen großen Teil seiner politischm Freunde. So wird gemeldet. daß der frühere Finanzminister Sir Michael Hicks Beach in den nächsten Tagen im Parlament das Wort ergreifen wird, um den Plan eines Zollvereins zu bekämpfen. Um Sir Michael werden sich alle konservativen Elemente scharen, die gegen eine Aenderung der englischen Handelspolitik find. Man muh bedenken, daß der Freihandel in England sozusagen zur konservativen Politik gehört. Der zollpolitische Kampf kann Jahre dauem, ehe er entschieden wird. Nur soviel scheint mlS sicher zu sein, daß er schließlich doch zum Zollverein führen wird.(Allerdings wohl kaum zu �nem einheit- lichen, festgeschlossenen Verband, den Chamberlain und manche seiner Verehrer planen. Die Redaktion deS„Vorw.".) Aber der diplomatische Hauptzug kommt noch. Er ist die An- Näherung Englands an Frankreich. Die französische Republik ist ihrer ganzen politischen Stellung nach die einzige Großmacht, die England sowohl gegen Rußland wie gegen Deutschland helfen könnte. Gelingt es der englischm Politik, Rußland in Asien zu isolieren, so werden sich die russischen Diplomaten zweimal überlegen, ehe sie England trotzen. Ferner ist ein englisch-ftanzösisches Ein- vernehmen besonders geeignet, Deutschland in Schach zu halten. Und diese englisch-französische Annäherung ist im Werden begriffen. Sie wurde noch in den letzten Monaten des Jahres 1902— wie in unserm Jahresbericht vom 3. Januar dieses Jahres mitgeteilt wurde— eingeleitet und durch die vor einigen Wochen unternommene Reise des englischen Königs nach Paris bestätigt. Ein viel kräftigerer Beweis für diese Annahme ist aber die französische Strafexpedition nach Südmarokko, zu der England seinen Segen gab, trotzdem der- artige Expeditionen mit Annexionen endigen müssen. Die englische Presse nimmt diese Nachrichten so ruhig auf, als handle es sich um vollendete Thatsachen. Dies wäre noch vor einem Jahre ganz un- möglich gewesen. Ja, in der laufenden Nummer der„Empire Review" schlägt Sir Charles Dilke sogar vor, nach dem Ableben des belgischen Königs den Kongostaat unter die Verwaltung Frank- reich? zu stellen. Sicher ist indes, daß ein Einverständnis zwischen England und Frankreich in Bezug auf Nordafrika so gut wie erzielt ist. Und damit ist auch der Anfang zu einem freundschaftlichen Verhältnis zwischen den beiden westeuropäischen Großmächten ge- macht. Dieser Umschwung kann nicht verfehlen, auf Italien und Spanien rückzuwirken, und zwar keineswegs zu Gunsten Deutsch- lands. Darin ist auch bis zu einem gewissen Grade die Erklärung zu finden für die Reisen des deutschen Kaisers nach Rom und de? Prinzen Heinrich nach Madrid.— Wahlkampf. Am 16. Juni Wirb gewählt i Die Wahl beginnt um 10 Uhr vormittags und dauert vis 7 Uhr abends. Wer um 7 Uhr noch nicht abgestimmt hat, darf überhaupt nicht wählen, auch wenn er vorher schon im Wahllokal war. Wer e» irgendwie ermöglichen kann, gehe schon vormittags zur Wahl. Abends ist erfahrungsgemäß der Andrang zum Wahllokal sehr stark. Wer deshalb sein Wahlrecht nicht durch Bummelei ver- lieren will, gehe beizeiten zur Wahl. ES empfiehlt sich für jeden Wähler, eine Legitimation einzustecken (Einwohnerschein, Steuerquittung oder Mietsvertrag). Stimmzettel mit dem Namen des socialdemokratischen Kandidaten sind zwar an jedem Wahllokale zu haben, der vorsichtige Wähler nimmt aber seinen Sttmn,zettel schon von zu Hause mit. Der Stimmzettel muß von weißem, mittelstarkem Schreibpapier sein, darf keinerlei Kennzeichen tragen und nichts weiter enthalten, wie die genaue Bezeichnung des Kandidaten. Der Stimmzettel muß ungefähr 9 zu 12 Centtmeter groß sein. Man kann sich seinen Stimmzettel selber schreiben. Gülttg find auch Stimmzettel, aus denen ein Name durchgestrichen und ein andrer darunter geschrieben ist. Der Kandidat muß aber so genau bezeichnet sein, daß jeder Zweifel über seine Person ausgeschlossen ist. Es genügt also z. B. nicht„Schmidt", sondern man muß schreiben: Arbeitersekretär Robert Schmidt in Berlin. In welchem Wahlkreise man wohnt und in welchem Wahllokale man zu wählen hat, ist im„Vorwärts" Nr. 128(Pfingstnummer) bekannt gemacht. Außerdem bekommt jeder Wähler noch von unsrer Partei eine besondere Mitteilung darüber. Wem sie aus Versehen nicht zugehen sollte, der bemühe sich bei dem Nachbar darum. Das Wahlgeheimnis ist durch das neue Wahlvrrfahren voll- ständig gesichert. Niemand braucht mehr zu fürchten, daß seine Ab- sttmmung konttolliert werden kann. Es wird nicht mehr der bloße Stimmzettel abgegeben; dieser muß vielmehr in ein Couvert gesteckt werden. Das Couvert, das amtlich abgestempelt sein muß, erhält der Wähler erst im Wahllokale von einem Beauftragten des Wahlvorstehers. Jedes andre Couvert ist unzulässig. Den Stimm- zettel muß der Wähler aber schon von draußen mitbringe». Mit dem Couvert begiebt sich der Wähler in den Nebenraum oder an den Nebenttsch, wo eine Vorrichtung angebracht ist(Vorhang oder Auf- Bern oder eine abgeschlossene Wahlzelle) und dort muß er seinen Zettel(aller nur einen!), geschützt vor jeder Beobachtung, in das Couvert stecken. Dann erst kann er abstimmen, indem er das den Stimmzettel enthaltende Couvert dem Wahlvorsteher übcrgiebt. Jede andre Art der Abstimmung ist gesetzlich verboten. Die Couverts sind vollständig undurchsichtig, so daß eZ von außen auf leine Weise zu bemerken ist, welcher Zettel in dem Couvert steckt. Es hat daher jetzt kein Wähler mehr die Entschuldigung, daß er aus Furcht vor Schaden nicht socialdemokratisch wählen kann, Furchtlos kann jeder Wähler den socialdemokratischen Zettel abgeben. Wähler, die aus irgend einem Grunde von der Wahl zurück' gewiesen werden, wollen sich sofort bei dem socialdemokratischen Wahlkontrolleur melden, der die Zurückweisung notieren wird. Stimmzettel. Wir haben mehrfach die Beobachtung gemacht, daß Stimmzettel den Vorschriften des neuen Wahlreglements nicht entsprechen. Es ist im Gegensatz zu früher jetzt ausdrücklich vorgeschrieben, daß die Stimmzettel von mittelstarkem weißen Schreibpapier und S X tS Centimeter groß sein müssen Wir machen daher auf diese Neuerung noch besonders aus mcrksam. Die Konservativen im ersten Berliner Wahlkreise, die seit mehreren Wahlen schon nicht mehr in die Stichwahl gekommen sind, tragen sich mit der stolzen Hoffnung, diesmal den Kreis zu erobern. Dazu fehlt ihnen nichts weiter wie— die nötigen Stimmen und— das nötige Geld. Zwar ihren Anhängern wird es trotz ihrer geringen Anzahl nicht am Gelde fehlen, aber fiir Wahlzwecke haben sie keins. Ihr Wahlausschuß versandte vor einigen Tagen ein Cirkular, in dem es heißt: „Dank der Spenden zahlreicher, hochherziger Geber konnte bis her eine so lebhafte Thätigkeit entfaltet werden, wie sie innerhalb der konservativen Partei im gleichen Wahlkreise vorher niemals statt gefunden hat. In vier bisher abgehaltenen, überftillten Versammlungen, die auch von zahlreichen Anhängern andrer Parteien besucht waren, haben vortreffliche Redner gesprochen, deren Darlegungen nicht wirkungslos geblieben sind. Nun aber sind die Geldmittel erschöpft, und doch muß das Interesse bis zum Tage der Wahl rege erhalten, es müssen noch drei oder vier Versammlungen veranstaltet und weitere Drucksachen aus- gegeben werden. Nach Lage der Verhältnisse dürfen wir einen Sieg der konser- vativcn Partei im ersten Reichstags-Wahlkrrise erhoffen und er- warte»! Dazu bedarf es aber noch reger Arbeit! Im Hinblick auf das verlockende Ziel, den 1. Berliner Reichstags- Wahlkreis durch einen konservativen Abgeordneten vertreten zu sehen, bitten um Mithilfe! Euer Hochtvohlgeboren werden daher herzlichst gebeten, unsre Sache durch Zeichnung eines Geldbeitrages gütigst fördern zu wollen, da wir berechtigte Aussicht haben, in dieser Campagne zu siegen. Hochachtungsvoll Der Wahlausschuß im 1. Berliner Reichstags-Wahlkreise i. A.: Steinmetz. Die Konservativen hätten es schon dazu, für den Schwieger' söhn eines Hertzog einige Wahlgroschen aufzuwenden, aber sie werden sich wohl sagen, es nützt ja doch nichts; ein Konservativer wird in Berlin nie und nimmer gewählt. Ein agrarisches Flugblatt. Einen Haupttrick spielt das Jntelligenzblatt des Bundes der Landwirte, die„Deutsche Tageszeitung" aus. Sie veröffentlicht unter dem Titel„Sind die Getreidezölle Brotwucher?" ein Flugblatt mit einer graphischen Darstellung, in welcher die Bewegung des Brotgetreidepreiscs seit 1871 der Steigerung der Löhne verschiedener Arbeiterkategorien gegenübergestellt wird. Das Flugblatt soll be- sonders zu den Stichwahlen verbreitet werden. Wie immer bei derartigen rechnerischen Leistungen der konser- vativen Macher geht es auch diesmal ohne allerlei kleine Mätzchen nicht ab. So werden zum Beispiel nicht die Getreidepreise für ganz Preußen oder Deutschland zum Vergleich herangezogen, sondern nur die Börsenpreise für Berlin und Frankfurt, und zwar nicht getrennt für Weizen und Roggen. Außer dieser Herausfuchung der ftir die agrarische Beweisführung günstigsten Zahlen sind aber auch sonst noch allerlei kleine„Korrekturen" mit unterlaufen; so wird zum Beispiel als Durchschnittspreis für Brotgetreide in Berlin während der Jahre 1898/gS in der graphischen Tabelle ein Satz von circa 148 M. pro Tonne angegeben. In Wirklichkeit standen dagegen in diesen beiden Jahren der Roggen in Berlin auf 146,3 und 146 M., der Weizen auf 165,6 und 155,3 Mark, im Durchschnitt also beträchtlich höher, als die Darstellung zeigt. Andrerseits sind z. B. bei den Jahreslöhnen der Berg- und Hüttenarbeiter die Löhne für Ueberschichten und Ueber- stunden mit eingestellt und die seit dem Hereinbruch der Krise ein- getretenen Lohnreduktionen völlig unberücksichtigt geblieben. Aber das ist Nebensache. Im ganzen kann ruhig zugegeben werden, daß während die Getreidepreise ftit 1371 gesunken sind, die Löhne im allgemeinen in die Höhe gegangen sind. Was folgt daraus? Nach der Ansicht der„Deutschen Tageszeitung", wie es scheint, daß die Getreidepreise entsprechend den Lohnsteigerungen erhöht werden müssen. Genau mit demselben Recht könnten aber auch alle andern Produzenten landwirtschaftlicher wie industrieller Waren fordern, daß ihre Preise künstlich parallel den Lohnerhöhungen gesteigert werden müssen; denn auch die Preise mancher Industriewaren find feit 1871 gefallen. Allerdings nur ein Teil, manche Waren sind noch weit mehr gestiegen als die Löhne; vor allem sind z. B. die Miets- preise in den Großstädten durchweg viel höher emporgeschnellt. Sollen, wie es in ihrer kuriosen volkswirtschaftlichen Verbohrtheit die „Deutsche Tageszeitung" verlangt, die Preise der Lebensbedürfnisse den Löhnen parallel gestaltet Ivcrden, dann müssen unbedingt alle die Preise, die seit 1371 schneller gestiegen find, als die Löhne, auch dementsprechend reduciert werden, denn andernfalls würde die ganze Preisregulierung einfach auf eine Schmälerung der Arbeitslöhne, eine gemeine Betrügerei hinauslaufen. Indes ist diese ganze Theorie von einer Anpassung der Preise im die Löhne nichts als eine Absurdität. Schon deshalb, weil sich die Produktionsbedingungen,-Kosten und-Erträge seit 1371 überall verschoben und geändert haben. Auch in der Landwirtschaft. Zum Beispiel wurden in Deutschland im Jahre 1878 nur 14,4 Doppel- ccntner Weizen, 11,7 Doppelcentner Roggen pro Hektar geerntet, 1399 dagegen 19,1 bezw. 14,8 Doppelcentner. Zudem aber würde eine solche Preisregelung ein jegliches Auf- steigen der Arbeiterklasse hemmen, sie würde eine künstliche Zurück- Haltung der Lebensführung der Arbeiter auf niedrigster Stufe be- deuten und damit eine Verhinderung aller Kulturentwicklung. Die freisinnige„Intelligenz" war's also, die der im f ü n f t e n Wahlkreis für den Freisinn um das Reichstagsmandat werbende Herr Zwick nieinte, als er in einer seiner Bersamnilungen es als notwendig bezeichnete, daß die Freisinnigen eine ihren Lei st un gen entsprechende Vertretung imReichstag erhielten— nur die Intelligenz war's und gar nichts andres. Man hat ihm nachgesagt, er habe auch auf die S t e u e r k r a s t des freisinnigen Bürgertums hingewiesen; man hat ihm das so ausgelegt, als sei eine Aenderung des Reichstags- Wahlrechts, eine Abstufung nach dem Besitz ihm und seinen Freunden nicht unerwünscht— aber das alles ist nicht wahr. Am Montag hat der unverstandene Mann in einer Ver- sammlung freisinniger Wähler noch einmal wiederholt, was er da- mals gesagt haben möchte: Nicht die gewaltthätige, rohe Faust dürfe in der Gesetzgebung den Ausschlag geben, sondern die Intelligenz des Bürgertums. Was man darunter zu verstehen hat, daß'„die gewaltthätig rohe Faust in der Gesetzgebung den Ausschlag glebt", das fft zwar noch immer nicht klar. Aber wir müssen de» Versuch aufgeben, den Zwickschen Phrasenschwall in ein verständliches und unzweideutiges Deutsch zu übertragen. Nur das wollen wir festhalten, daß Herr Zwick, der Unverstandene, diesmal nicht auch auf die Steuer kraft hingewiesen, aber auch nicht ausdrücklich in Abred g e st e l l t hat, daß er damals mit von ihr gesprochen habe. Und auch das verdient Beachtung, daß Herr Zwick mit dieser seiner neuesten Erklärung Herrn Eugen Nichter, seinen„großen Führer als dessen„Epigonen" er sich selber eingeschätzt hat, treulos preis- giebt. Die„Freisinnige Zeitung" hatte in ihrem Bemühen, jener Zwickschen Aenßerung möglichst alles ihn Koinpromittierende zu nehmen, zuletzt noch eine ganz neue Lesart aufgebracht. Das Wort von der rohen Faust, so schrieb sie vier Wochen nach jener ärgerlichen Eni- gleisung des Richter-Epigonen, habe dem Verhalten der Social- Demokraten in freisinnigen Versammlungen gegolten. Herr Zwick hat am Montag diese polizeiwidrig dumme Lüge nicht mit- gemacht. Neben dem„intelligenten" Berliner Freisinnsspießer will der freisinnige Zwick nur noch einen einzigen Nebenbuhler dulden, der mitherrschen darf: das Hohenzollernhaus.„In Berlin", so schloß er pathetisch seine Rede,„sollen herrschen die Hohenzollern und die Berliner Jntelligen z." Diese amüsante Nebeneinander- stellung hat ihren guten Grund. Die freifinnige„Intelligenz" spekuliert diemal stark auf die„M i t t e l st a n d s k r e i s e", denen man bekanntlich „königstreu" kommen muß, wenn man Eindruck auf sie machen will, Der Freisinn greift übrigens ebenso unbedenklich auch zu den andern Agitationsmitteln, mit denen bisher nur Konservative und Anti- senuten den Mittelstand zu kö d Srn suchten. Der freisinnige Zwick seine gewundenen Ausführungen über die einzustreuen, die Socialdenio- um den um die scheute sich nicht, Warenhäuser m, die Bemerkung kratie begünstige die Entlvicklung"der Warenhäuser, Mittelstand zu vernichten! Zu dieser kläglichen Bettelei Mittelstandsstinunen fügte er das. Bedanern darüber, daß Konser- vative und Antisemiten durch ihren Kampf gegen den Freisinn nur zu Schrittniachern der Socialdcmokratie würden. Sein„nationaler" Konkurrent im ftüfften Wahlkreise, Herr Bruhn, hat offen erklärt (und die„Freis. Ztg." hat es damals schmunzelnd registriert), ersehe die Unmöglichkeit ein, selber durchzukommen, aber er wolle helfen, der Socialdeinokratie das Mandat zu entreißen. Hiernach wäre also der Antisemiten Häuptling Bruhn ein„Schritt- macher" des. Freisinns— wenn nicht i socialdemokratischen die Liebesmüh' Wähler des fünften Kreises dafür sorgen, des edlen Brüderpaares Zwick und Bruhn verloren ist. Nach Zwick sprachen noch ein Malermeister R e t t i g und der die Versammlung leitende Stadtverordnete Cassel. Diskussion war nicht geplant, aber da man diesmal fast unter sich zu sein glaubte, wollte man zwei Disiusfionslustige, die sich gemeldet, zulassen. Der.erste knüpfte an das an, was der freisinnige Malenneister über„social- demokratische Verhetzung der Arbeitneh m e r" ge- sagt hatte, und zeigte unter überraschend starkem Beifall eines be einem einzelnen Beispiel, Als weder Cassels trächtlichen Teiles der Versammlung an wie freisinnige„Arbeiterfrenndlichkeit" aussieht. Unterbrechungen, noch der Lärm der Versammlungsmehrheit den Redner ans der Fassung brachten» machte sich der Stadverordnete Witkowski von hinten an ihn heran»nd schob ihn von der Tribüne hinab. Die freisimüge„rohe Faust" vertrug nicht die Intelligenz eines schlichte» Arbeiters. Der ängstlich gewordene Cassel zog es nun vor, dem andren Diskussionslustigen gar nicht erst das Wort zu geben, und die Versammlung fand dann ein baldiges Ende. Freisinnige Juden. Zu dieser Notiz in der Sonntagsniimmer de?„Vorwärts" wird uns geschrieben: Gerade im Znsammenhang mit Ihren Mitteilungen über die„von Geburt an christliche Konfession� des Herrn Dr. Arthur Bernstein, freisinnigen Kandidaten fiir Torgau- Liebenwerda wird die Geschichte einer andren freisinnigen Kandidatur interessieren. Für den zweiten Berliner Reichstags-Wahlkreis war ursprünglich als Kandidat der Arzt Dr. Otto Mugdan-Berlin aus- ersehen. Herr Dr. Mugdan ist ein gewandter Redner, rühriger Agitator, im Kreise wohlbekannt,— seme Kandidatur erschien aber den maßgebenden Kreisen seiner Partei wohl namentlich aus einem andren Grunde empfehlenswert. Herr Dr. Mugdan hatte nämlich einige Jahre zuvor seine„von Geburt an jüdische Konfession" aufgegeben und war aus nicht recht ersichtlichen Gründen zum Protestantismus übergetreten. Unter diesen Umständen glaubte man freisinnigerseits. für ihn eher als ftir manchen andren Kandidaten, auf die konservativ- antisemitische Stichwahlhilfe rechnen zu dürfen; hatte doch außerdem Herr Dr. Mugdan 1893 als reisinniger Kandidat in Spandau- Osthavelland vor der Stichwahl erklärt, er könne seinen Wähler» die Wahl des Socialdemokraten nicht empfehlen— womit der Sieg des Konservativen Pauli in diesem Kreise besiegelt war! Leider war die schöne Rechnung aber ohne d i e reisinnigen Wähler jüdischer Konfession gemacht, welche noch an ihrem Glauben festhalten, oder doch, wenn auch religiös-fteigesinnt, doch namentlich in heutiger Zeit den Abtrünnigen keineswegs freund- liche Gefühle entgegenbringen. Socialdemokraten werden ja diesen Standpunkt durchaus verstehen. Diese jüdischen Wähler also er- klärten, sie würden eher für Fischer, als ftir den getauften Juden ftimmen— und damit war das Schicksal der Kandidatur Mugdan im zweiten Wahlkreis besiegelt. Herr Dr. Rkugdan aber wurde bald darauf im Kreise Görlitz-Läuban aufgestellt, wo der bisherige Ab- geordnete verzichtete, und wo man von freisinniger Seite den im Kreise eingesessene» Führer seines jüdischen Glaubens wegen nicht aufstellen wollte. Das Bestteben der Freifimngen Bolkspartei, sich mit den Anti- emiten im Hinblick aus die Sttchwahlen gur zu stellen, dürste übrigens auch iin dritten Berliner Reichstags-Wahlkreise nicht ohne Einfluß auf die Kaudidatenwahl gewesen sein. Seit Jahren konnte man hier von Freisinnigen, die in der Parteibewegung eine Rolle spielen, hören, daß bei einer denmächst eintretenden Vakanz im dritten Reichstags-Wahlkreise als Kandidat aufgestellt werden würde der Stadtverordnete Leopold Rosenow, der Leiter der .reisiimigeN Wahlagitation in diesem Kreise. ES hat ja sogar eine Zeittingskorrespondenz, die allen Blättern zugeht, in einer Notiz über die Kandidatenaufftellung in den Berliner Kreisen vor einigen Wochen Herrn Rosenow als fteisinnigen Kandidaten ini dritten Kreise auf- geführt, und selbst freisinnige Zeittmgen— z. B. die„Bossische"— haben diese Nottz glatt abgedruckt. Herr Rosenow ist aber Jude, Herr Rosenow hat sich außerdem sehr lebhaft an der Agitation gegen die Warenhaussteucr beteiligt,— die Stimmen der anttsemittschen Mittelstandsretter wären ihm also nicht zugefallen, und deswegen wurde nicht Rosenow, sondern Herr Jäger als freisinniger Kandidat im dritten Kreise aufgestellt, ein Mann, der auch in freisinnigen Kreisen sich der weitgehendsten Unbekanntheit erfteute. Gerade solche Leute sind ja häufig als Mischmasch-Kandidaten die geeignetsten. Man sieht, welche sonderbaren Blüten die freisinnige„Stichwahl- Taktik" treibt, die man mit einem unhöflichen, aber deutlicheren Ausdruck wohl besser als, Wahlmogelei" bezeichnen würde. Mordslügen. Die unverschämten Verleumdungen, mit denen unsre Partei- genossen allenthalben überschüttet werden wegen ihres Verhaltens in gegnerischen Versammlungen oder bei der Agitattonsarbeit,'reißen nicht ab. Täglich werden neue Lügen in die Welt gesetzt; von unsren Richtigstellungen nimmt man nicht Nottz. Wir sind heut abermals in der Lage, eine solche Verleumdung, die ärgste, die bis jetzt vorgekommen, aufzudecken. Die angebliche socialdemokrattsche Mordthat, die sich in dem pommerschen Dorfe B o l k o w im Wahl- kreise Belgard-Schievelbein zugcttagen haben soll, ist ein ganz recher Schwindel. Wir haben sofort durch unsre Vertrauensleute Ermittelungen darüber anstellen lassen und können danach heute 'olgendes feststellen: Der Maurer Mielke hatte in dem Dorfe Bolkow Flugblätter verteilt. Nachdem er seine Arbeit gethan. ging er mit einem Be- l kannten aus dem Dorfe in den Gasthof, um ein GlaS Bier z« winken. Das Bier war nach seiner Meinung nicht sauber und als er eine Bemerkung darüber machte, geriet er mit dem Wirt in einen Wortstreit. der dazu führte, daß der Wirt, der als gewaltthättger Mensch bekannt ist, dem Melke das Bier ins Gesicht goß und ihn vor die Brust stieß, daß er taumelte. Darauf schlug Melke in Abwehr des Angriffes mit dem Stock nach dem Wirt und traf ihn an den Kopf. Während Mielke sich jetzt entfernte, lief ihm der Wirt nach, faßte ihn noch einmal und dabei erhielt er aber- mals von dem in der Abwehr begriffenen Melke einen Stockschlag. Der Wirt hat sich zwar den Kopf verbunden, ist aber keinen Augenblick an der weiteren Ausübung seiner Thätigkeit verhindert worden. Es liegt also nichts weiter vor, wie eine gewöhnliche Prügelei, veranlaßt durch die Roheit des Wirtes. Ein Messer ist in dem Streite nicht angewendet worden, von schweren oder gar lebensgefährlichen Verletzungen keine Spur und ebensowenig von einer Gerichtskommission, die sich an Ort und Stelle begeben hätte. Alles ist rein aus den Fingern ge« sogen. Eine von der„Freisinnigen Zeitung" jüngst gebrachte Meldung über socialdemokratischen Terrorismus in L a b i a u(Ostpreußen) wird von unserm Königsberger Parteiblatte als Schwindel entlarvt. Eine Mitteilung der„Deutschen Tageszeitung" aus Harber in Hannover über angebliche Gcwaltthaten socialdemowattscher Flugblattverteiler werden wir gleichfalls nachprüfen lassen. Pom feinen Ton. Die Landratspresse Harmonie mit Eugk» Richter nachgedruckt, Zeitung" als Roheiten und Schnnpfereien kratischen Versammlungen zu melden wußte, rohen Ton zu melden ivußtej, lungcn herrschen solle. Nun schreibt uns hat in wundersamer was die„Freisinnige aus den socialdemo- und was sie über den der in focialdemokrattschen Berfamm- einem ziemlich ent- ein Parteigenossen aus legenen Dorfe des Wahlkreises Ober-Barnim über eine Versammlung, in der ein Gutsbesitzer Z. aus B., Lieutenant der Reserve, gesprochen hat. Es heißt in dem Briefe: Schlechter wie dieser Herr die Socialdemokratte schilderte, glaube ich, kcupn es wohl keiner, außer Pückler. Er gebrauchte nur immer das Wort: diese Bande; den RetchstagS-Abgeordneten Bebel beschimpfte er als Jitdenbengel. Vielleicht bringt die Landratspresse diese Probe höheren„Salon- tons" zur Kenntnis ihrer Leser. Der gehorsame freisinnige Stallbursche. Wir müssen heute die Konservattven um Entschuldigung bitten: wir haben ihnen gestern einen Vorwurf daraus gemacht, daß sie sich über den schlichten Mann aus dem Stalle lustig machten, der im Kreise Ruppin-Templin für die Freisinnige Volkspartei kandidiert. Heut geht uns ein freisinniges Flugblatt aus dem Kreise zu, auf welches sich das gestern erwähnte konservattve bezieht und danach müssen wir allerdings sagen: hier ist der ärgste Spott berechttgt. Das ganze Flugblatt ist dem Nachweise gewidmet/ daß der freisinnige Reichstagskandidat einbrauchbarer Ulan und ein gehorsamer Stallbursche war. Herr Postel hat si'ch an den Offizier, in dessen Eskadron er gedient hat, gewendet mit dem Ersuchen, ihm, da er jetzt freistmnger ReichStagSkandidat fei, zu bescheinigen, daß er seiner Zeit ein braver Kerl" war. Der Offizier, jetziger Oberstlieutenant v. Loebenstein, war freundlich genug, dem freisinnigen' Politiker den gewünschten Befähigungsnachweis zu geben und nun haben die Freisinnigen ein Argumxnt im Kampfe um ein Reichstggs-ivtandat, das an Originalität wie an Freisinnigkeit gewiß nichts zu wünschen übrig läßt. Sie lassen einfach die Stallburschenzeugnisse' ihres Kandidaten drucken und verbreiten sie als Flugblatt. Das.Zeugnis lautet: „Der Gütsbesitzer Herr C. H. Postel, tpelcher vom 1. Oktober 1892 bis zum 26. September 1896 bei der 8. Eskadron I. Garde-Ulanen- reginientS gedient hat,.deren Chef ich seiner Zeit war, hat sich während seiner Dienstzeit sehr gut geführt. Da der im Jahre 1393 mir von meinem Wachtmeister em- pfohlene Bursche sich als unbrauchbar für diesen Posten erwieS und mir viel daran gelegen war, einen besonders zuverlässigen Mann in meinem Stall zu haben, so suchte ich mir selbst den da- maligen Ulan Postel aus, obgleich derselbe für den praktischen Dienst sehr befähigt war. Ich hatte mich in ihn nicht getäuscht, denn er war stets z»- »erlässig, fleißig und gehorsam und ich hatte»sie Veranlassung, ihn zu tadeln. Infolgedessen wurde er im Jahre 1894 zum Gefreiten ernannt. Als er zur Reserve überttat, bedauerte ich sehr, diesen guten Burscheu zu verlieren und ich erinnere mich noch der Worte, die ich ihm beim Abschied sagte:„Postel, es thut mir sehr leid, daß Sie fortgehen, einen so guten Burschen habe ich nie gehabt. (Auch in dem Flugblatt fett gedruckt. Red. d.„B.".) Zu meiner großen Freude ersehe ich, daß er eine angesehene Stellung im Leben erreicht hat und wünsche ihm auch für seine fernere Zukunft alles Gute. Berlin 16. 6. 1963. v. Soeben st ein, Oberstlieutenant. Mt der Verbreitung dieses Zeugnisses als Wohlempfehlnng für ihren Kandidaten hat die Freisinnige Volkspartei einen AgitattonS» rekord aufgestellt, der schwerlich geschlagen werden dürfte. Kann es eine wirksamere Empfehlung für einen fteisinnigen Reichstags- Kandidaten geben, als wie die Thatsache, daß er ein fleißiger und gehorsamer Stallbursche gewesen ist? Selbstverständlich ist es in unsren Augen kein Makel, daß ein ReichZtags-Kandidat einmal Diener oder— vielleicht nur komman- dierter— Offiziersbursche gewesen ist und diesen Dienst pflichttreu erfüllt hat. Ein Offiziersbursche, wenn er sonst ein ehrenwerter Mensch ist, gilt uns ebenso achtbar wie jeder ehrliche Arbeiter, und einen Reichstags-Kandidaten beurteilen wir nur nach den ftir dieses Amt erforderlichen Eigenschaften. Gehorsam ist aber doch gerade eine Eigenschaft, die wir an einem Reichstags-Kandidaten sehr gern vermissen würden. Die Eigenschaften und Künste eines Stallburschen ind wohl nicht erforderlich fiir die Ausübung eines Reichstags- Mandats. Jedoch, wir wollen den Freisinnigen natürlich auch nicht vorschreiben, womit sie ihre Kandidaten empfehlen sollen; eS kann ja immerhin sein, daß Herr Eugen Richter mit Neid auf den so trefflich empfohlenen Parteigenossen blickt. Mit solchen Empfehlungen kann Herr Richter wohl nicht aufwarten. Sollte sich indes die neue reifinnige Agitattonsmethode als erfolgreich erweisen, so fft es ja wohl den andren Freisinnskandidaten möglich, das nachzuholen. Es werden sich gewiß etliche Rittmeister oder Lieutenants finden, die bereit sind, den Herren Gelegenheit zur Erwerbung eines Zeugnisses als gehorsamer Stallbursche geben. Wie schön, wenn alle diese Zeugnisse in den fteisinnigen Flugblättern im ganzen Reiche er- cheinen und dann die Visitenkarten lauten: Eugen Richter. M. d. R. gehorsamer Stallbursche a. D. * Katholische Industrielle gegen CentrumSagrarier. Im Wahlfteise des klerikalen Zollwucherführers Herold gärt eS. Der Wahlkreis Ahaus- Steinfurt- Tecklenburg, in dem Herold auf« gestellt wurde, ist industriell entwickelt. Die Industrie fühlt ihre Interessen durch den Centrumsagrarier verletzt. In einer Versammlung zu Burgstcinfurt kam diese Sttmmung u lebhaftem Ausdruck. Es waren dort 126—146 Fabrikanten, Kauf- lenke und Gewerbetreibende versammelt, um gegen die Kandidatur Herolds zu protestieren. einen andren Kandidaten. Für Emsdetten giebt Fabrikant Schaub diefelbe Erflärung ab; ein Gleiches wird von Borghorst behauptet. " Der Fabritant adsen beschwerte sich darüber, daß der Kreis schleudert. Der Erfolg war allerdings negativ. Jmmer größer wurdey Ber Ton des Dementis liegt sehr auf dem„ demnächstig". mit der Kandidatur überrumpelt worden sei. Die Vertrauensmänner die Empörung aller denkenden Arbeiter gegen die politisierende Sicher ist, daß der Tabat und das Bier bluten muß, wenn die Wähler des Kreiswahlkomitees, welche die Kandidatur Herold aufgestellt Geistlichkeit. Ueberall machte sich die Empörung Luft, am lautesten nicht einen Reichstag zusammenbringen, der endlich den Weg einer haben, hätten sich eines zweifachen Verstoßes gegen das von in den Wahlversammlungen, die von Geistlichen für Centrums- direkten Steuergesetzgebung beschreitet. der westfälischen Centrumspartei als maßgebend proklamierte Streis- wähler" veranstaltet wurden und bei denen eine Diskussion niemals Zur militärischen Wahlrechtsberaubung gehen uns fortgesett Wahlstatut schuldig gemacht. Fabrikant Többen aus Jbbenbüren: Ein großer Teil zugelassen wurde. Es war interessant, als in Chorzow, einem entrüstete Briefe von Männern zu, die es empört, daß ihnen die die Geist- Militärbehörde das Recht nimmt, einmal in fünf Jahren direkten der Industriellen, Kaufleute und Handwerker in Ibbenbüren verlangt Arbeiterdorf im Kreise Kattowitz, die Arbeiter lichen, welche als Vorsitzende und Redner fungierten, mit stürmischen, Einfluß auf die Gesetzgebung auszuüben. Einer dieser Reservisten, nicht endenwollenden Zurufen überschütteten:„ In die Kirche der am 19. Juni- also für die Stichwahlen zu einer 14 tägigen mit Euch! Auf die Stanzel! Da gehört Ihr hin! Hier habt Ihr nichts Uebung einrücken muß, schreibt uns: Selbstverständlich wird jeder geistig nicht ganz zurückgebliebene Für Stadtlohn versichern die Fabrikanten eding und zu suchen! Weg von der Politik! Nieder mit dem Centrum!" Run wahlberechtigte Mann, sofern es ihm möglich ist, seine Schuldigkeit Cohaus, daß die ganze Bürgerschaft für Aufstellung eines andren hat Stopp felbst seinen Jüngern unter die Arme gegriffent. thun bei der Hauptivahl, jedoch kann bei einer eventuellen Stichwahl Kandidaten sei. Am Sonntag wurde in sämtlichen Kirchen Oberschlesiens von dieselbe zu Ungunsten derjenigen Partei ausfallen, für welche sie im Magistrats Assessor Syndikus Haerten Münster: Im Reichstags- Wahlkreise Ahaus- Steinfurt- Tecklenburg gebe es eine der Stanzel herab jene Epistel Kopps vorgelesen, nach welcher ein andren Fall zu Gunsten ausgefallen wäre. Gegen solche Zustände start entwickelte Industrie, welche ebenso wie die Kaufleute der jeder aus der katholischen Kirche ausgeschlossen wird, der die„ Gazeta muß ganz entschieden Protest erhoben werden, denn sie sind jeder Gegend stets treu und tapfer zum Centrum gehalten habe, Robotnicza" oder den„ Gornoslazak“ liest, verbreitet oder unterſtügt. Auch für den 24. Juni sind in Berlin neuerdings GestellungsGerechtigkeit ins Gesicht schlagend und daher unhaltbar. wie das in dem Maße taum anderswo der sei. Unter In der Kirche zu diesen Umständen hätte Handel und Industrie hierfelbst wohl eine Gemurmet guschütz wurde daraufhin ein allgemeines| befehle ergangen. und Husten der Kirchenbesucher laut. Das Verhalten der Militärbehörde steht im stärksten Gegensatz größere Berücksichtigung verdient. Herold sei zwar kein trasfer Als der Geistliche noch die Erklärung hinzufügte, daß jedem zu der ministeriellen Anweisung, den Beamten die Ausübung des Agrarier, aber er sei eben Realpolitiker, der für seinen Stand nehme, Leser, Verbreiter und Unterstützer der„ Gazeta Robot- Wahlrechts an den Stichwahlen zu erleichtern. Offenbar will was er nur eben herausschlagen könne. Das habe sein Verhalten nicza oder des„ Gornoflazat" jede kirchliche Handlung, man auf die Beamten einen fanften Druck ausüben," gutgesinnt" zu beim golltarif flärlich gezeigt. insbesondere auch die Beerdigung auf dem katholischen Friedhofe ver- wählen. Dagegen entzieht man Arbeitern ihr einziges Recht. fagt werden würde da wurde in der ganzen Kirche laut ge murrt, sogar geflucht. = Inzwischen erscheint Herr Herold draußen an der Thür und erMärt seine Bereitwilligkeit, die ,, Mißverständnisse" aufzuflären. Die Versammlung aber antwortet, man kenne Herolds Anschauungen und habe kein Bedürfnis nach seinen Aufklärungen. Es wird dann der Kaufmann Wilhelm Sträter als Gegenkandidat aufgestellt. Der Wahlkreis war von 1871 bis 1898 ununterbrochen im Befis des verstorbenen Freiherrn von Heereman, der 1898 mit 14 311 flerifalen gegen 637 focialdemokratische, 355 antisemitische, 195 tonservative und 47 volksparteiliche Stimmen stegte. Der innere Zwist bedeutet somit keineswegs einen Verlust des Wahlkreises, der einer der sichersten Centrumsdomänen ist. m siding " Holait Sin minlssdres " 5101 gd 18: 2 196 Der preußische Knabenkrieg. Der Geheimbundsprozeß gegen die 24 polnischen Gymnasiasten, der in Gnesen verhandelt wird, beweist nur, daß die preußische Hatatistenpolitik feinen Sinn für's Lächerliche und fein Gefühl für Dummheiten hat. Eines von den vorgefundenen Schriftstücken enthält die fürchterliche Aufforderung an die Kollegen, sich mit polnischer Litteratur und Geschichte zu beschäftigen, um sich für die Aftion vorzubereiten. Ein Zeuge verweigert die Auskunft, auch nachdem ihm mit dem Zwangsverfahren gedroht wird; das Gericht beruhigt sich schließlich bei der Nicht- Aussage. Rein Zeuge weiß irgend etwas Belastendes zu berichten. Als Zeuge und Sachverständiger fungiert ein Kriminalkommissar, der ein Verbrechen darin sieht, daß die Gymnasiasten polnische Blätter abonnierten und der so sachverständig in polnischen Dingen ist, daß er nicht einmal die bekanntesten polnischen Dichter und Romanschriftsteller kennt. Sache. Er beantragte Strafen von 1 Tag bis 2 Monate Gefängnis, Auch dem Staatsanwalt war nicht recht wohl bei der gegen die Mehrzahl nur ein paar Tage. Schwemin und Powidzki erhielten 6 Wochen Gefängnis, Niletsti Das Urteil lautete: Die beiden Vorsteher der Verbindung gegen die Mehrzahl nur ein paar Tage. 3 Wochen, ebenso Rzefiebicz; ferner wurden 3 Angeklagte zu einer Woche, einer zu 5 Tagen, 5 zu 3 Tagen, 1 zu 2 Tagen, 2 zu 1 Tag Gefängnis verurteilt. Drei erhielten einen Verweis, 5 wurden freigesprochen. Die Arbeiterfreundlichkeit der Centrumspresse in der Wirklichkeit. In Die In einer Kattowitzer Kirche ging ein großer Teil der Kirchengänger heraus, ehe die Epistel zu Ende verlesen wurde. si Der Wahlkampf wird im oberschlesischen Industrierevier mit einer außerordentlichen Heftigkeit geführt. Die Geistlichen veranstalten an den Sonntagen massenhaft kleine Wahlversammlungen, zu denen sie die Leute einfach aus der Kirche mitnehmen. 19 dog Die Germania" will es nicht wahr haben, daß die Epistel Koppe ein Wahlaufruf fei. Sie meint, unsre Haltung beweise, daß Der abwesende Amtsvorsteher. In unsrer Nummer vom 26. Mai der Hieb", den Herr Kopp gegen die socialdemokratische Presse gebrachten wir die Mitteilung, daß in Heegermühle( Kreis Ober- führt habe, gesessen" habe. Herr Kopp hat gegen die SocialdemoBarnim) nicht die Genehmigung zu einer Versammlung, die unter fratie nichts weiter vorgebracht als den jämmerlichen Schwindel, der freiem Himmel stattfinden sollte, erlangt werden konnte, weil der in allen Kaplanflugblättern seit Jahren vorgebracht wird. Auch Herr Amtsvorsteher nicht auffindbar war. Unfre Parteigenoffen Herr Kopp, ein so großer Buchtmeister er im Reiche der katholischen haben Beschwerde beim Landrat geführt und darauf den Bescheid Kirche ist, wird nicht mit einer einzigen Thatsache die Lüge beweisen erhalten: am 25. desselben Monats zugegangen, weil er unter Ein- unterdrückung ihrer Einrichtungen bejubele und billige". Viel Ihr Antrag vom 20. Mai ift dem Herrn Amtsvorsteher erst tönnen, daß die Socialdemokratie die Knechtung der Religion und die geschrieben" befördert wurde und der Postbote den Adressaten am mehr ist bisher die Socialdemokratie für jede religiöse Freiheit 22., 23. und 24. Mai nicht angetroffen hatte. Danach war es eingetreten, wie sie auch das Ausnahmegesetz gegen die Jesuiten stets unmöglich, Ihnen für den 24. Mai noch eine Anmeldebescheinigung bekämpft hat. Herr Kopp ist also, obwohl er Kardinal Fürstbischof oder Genehmigung zu erteilen. Nun war aber das Schreiben gar nicht an den Herrn Amts- Socialdemokratie etwas andres als Verleumdungen zu verbreiten. und obendrein voll christlicher Nächstenliebe ist, nicht fähig, über die vorsteher, sondern an das Amt Heegermühle gerichtet, es mußte Aber der„ Hieb" fitzt schon deshalb nicht, weil der Hirtenbrief In dem rheinischen Orte Bedburg stehen die übrigens ausalso auch vom Vertreter des Amtsvorstehers in Empfang genommen werden können. Auch war unser Parteigenosse, der die Genehmigung in erster Linie gar nicht gegen uns, sondern gegen so gute Katholiken schließlich im christlichen Tertilarbeiter- Verband organisierten Wollweber im Streik. Die Ursache sind Lohndifferenzen. nachfuchen wollte, wiederholt persönlich nach dem Amtsbureau, fand wie die Nationalpolen gerichtet ist. Es ist nichts wie ein wütender der Bedburger Textil Industrie stehen die Löhne noch dasselbe aber immer geschlossen. Da der Herr Landrat nicht ein- parteipolitischer Konkurrenzkampf, in dem das Centrum nun seine 25 Broz. tiefer als diejenigen der gleichen Qualitäten in den wegen gegriffen hat, werden sich unsre Genossen an den Regierungs- wuchtigste Waffe, die religiöse Seelenfolter, und fein größtes Licht, ihrer Hungerlöhne bekannten Aachener Lohnivebereien. präsidenten wenden. den Fürstbischof Kopp benutzt. Die„ Germania" beschäftigt fich, ein Direktion der Bedburger Wollindustrie hat nun eine Aufstellung Beweis, daß auch ihr die Sache unbehaglich ist, ausschließlich mit der Löhne veröffentlicht, die von der Centrumspresse bereitwillig Die Geheimniffe der nationalliberalen Wahlagitation. Gleich dem den paar Sägen gegen die Socialdemokratie, nicht aber mit dem aufgenommen wurde. Anders aber, als die Arbeiter eine Gegen Grafen Oriola hat jetzt auch der nationalliberale Kommerzienrat Bartling in Wiesbaden in einer Versammlung in Neuhof den Hauptinhalt, den gesalbten Beschimpfungen der nationalpolnischen erklärung veröffentlicht haben wollten, worin gezeigt werden sollte, nach der die Angaben der Direktion nicht der Wirklichkeit entInhalt der nationalliberalen Wahlfchrift verleugnet. Er bezeichnete Sonkurrenz. Dost unfre Citate aus dieser Schrift über die Wirkungen des neuen Zoll- Für flug halten tvir die Aktion des Herrn Kopp nicht; so sprechen. Sowohl das„ Bergheimer Kreisblatt" als das Bedburger Centrumsblatt, der„ Erftbote", lehnten die Aufnahme tarifs als Lligen und sagte:" Ich selbst bin Mitglied des befinnungslos regierungsfromm muß ein kirchlicher Würdenträger der Antwort ab. Der Verleger des Centrumsblattes fagte den nationalliberalen Parteivorstandes, ich müßte nicht werden, daß er im Eifer die frömmsten Anhänger Arbeitern geradeheraus: er müsse mit denjenigen Leuten etwas davon wissen. Ich wiederhole aber, daß an der Behauptung tödlich verletzt. Im übrigen beweist der Hirtenbrief, daß gehen, von denen er etwas habe. des Vorwärts" fein wahres Wort ist." das Centrum die Partei des organisierten Terrorismus ist, die In Aachen ist die Centrumspresse derart gewerkschafts- und Wir haben die Stelle, die sich in der vom Central- mit religiösen Schreckmitteln um politischer Zwecke willen die Seelen arbeiterfeindlich, daß öffentliche Versammlungen dagegen Stellung Bureau der nationalliberalen Partei in Berlin herausgegebenen Broschüre Wahlkampf" findet, erst in unfrer gestrigen Nummer expreffend bedroht nicht anders wie ein Strolch mit dem Messer die nehmen. Fortwährend fallen das„ Echo" und der„ Volksfreund wieder wörtlich citiert. Daß Herr Bartling als Mitglied des Leiber. So handelt es sich in der That um eine Wahlbeeinflussung den Arbeitern bei den in Aachen wegen der dortigen miserablen Löhne so zahlreichen Ausständen durch die Aufnahme von Streit nationalliberalen Parteivorstandes von der Schrift keine Stenntnis schändlichster Art. brecher gesuchen in den Rücken; so dieser Tage noch, obwohl hat, erklärt sich vielleicht so, daß er nicht Abonnent der Drucksachen, Die Internationale der Chemie. sidus die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes die dieſes Bureans ift. Das nationalliberale gar nicht verseffen darauf, daß seine Wahlschriften in die Deffent Nach achttägigen Verhandlungen ist der Chemiker- Kongreß Blätter schriftlich ersucht hatten, feine Streitbrecher- Annoncen für lichtett kommen. Als uns der hessische Genosse, dem gegenüber Graf beendet. Sein Verlauf kann in jeder Beziehung glänzend be- die Firma Blaschte u. Bachus zu veröffentlichen. Bei dem Streit in der Oriola unfre Citate bestritten hatte, um Beschaffung eines Exemplars zeichnet werden. Bei der gewaltigen Beteiligung von 3000 lachener Stahlwarenfabrik hat die Redaktion des Echo der Gegenwart", des ältesten Aachener Centrumsblattes, wohl eine Erklärung der Schrift ersuchte, schickten wir unfren Boten nach dem Bureau, Mitgliedern, bei dem massenhaften Arbeitsstoff, der in über der Firma, nicht aber die Antwort der Arbeiter aufgenommen. m eine folche Schrift zit faufen. Sie wurde ihm 400 Vorträgen erörtert wurde, war diese Veranstaltung wohl Eine von 500 Personen besuchte öffentliche Metallarbeiter- Versammlung, jedoch verweigert mit ber charakteristischen Frage:„ Sie dazu angethan, ein umfassendes Bild von dem gegenwärtigen worin auch die katholischen Arbeiter zahlreich vertreten waren, find wohl Socialdemokrat?" Einem unster Redakteure, der Stande der praktischen Chemie zu gewähren. Der praktischen nahm einstimmig eine Resolution an, worin dem Centrumsblatt darauf am andren Tage den Versuch machte, die geheimnisvolle Schrift zu kaufen, wurde erst geantwortet, daß sie nur für die Chemie- als ob es eine nicht praktische Chemie gäbe. Hier gesagt wird, daß es trotz seines christlichen Charakters mur Die Versammlung be Abonnenten der Drucksachen des Centralbureaus bestimmt sei stehen Wissenschaft und Leben in innigstem Zusammenhang und die Intereffen der Kapitalisten vertritt". fchließlich bekam er jedoch ein Exemplar, da man in ihm keinen Wechselverkehr: das ist eine der Lehren, die wir von diesem schloß, die Wirtschaften nicht zu besuchen, wo das„ Echo der Gegenwart" aufliegt. Eine andre, ebenfalls von 500 Arbeitern der verSocialdemokrateit vermuttete. Wir fonnten also dem hessischen Ge- Rongreß empfangen. fchiedenen Richtungen besuchte Metallarbeiter- Versammlung nahm nossen noch dienen und dieser hat hoffentlich schon Gelegenheit ge- Hierher gehört auch die von einer Abteilung angenommene gegen drei Stimmen eine Resolution an, worin der„ Volksfreund", das funden, den Grafen Oriola über den Inhalt der Schriften seiner Erklärung, daß weitestgehende Arbeiterfürsorge am meisten verbreitete Aachener Centrumsblatt, wegen der Art, Bartei zu belehren. Dagegen können wir unter den angedeuteten sittliche und wirtschaftliche Pflicht der Arbeit wie es die Streifbrecher- Annoncen der Aachener Stahlwaren- Fabrit Umständen dem Wunsche unsrer Frankfurter Genoffen, auch ihnen ein Exemplar der Schrift zur Belehrung des nationalliberalen Partei- geber sei. Diese spät gewonnene Erleuchtung, von der wir aufnahm, aufs schärfste verurteilt" wird. Die Versammlung bestritt vorstandes Bartling leider nicht dienen. Wir befizen nur noch ein einziges wünschten, daß sie auch allenthalben bethätigt würde, entschieden, daß der„ Volksfreund" jemals die Interessen der Eremplar der kostbaren Broschüre und das brauchen wir selber. begrüßen wir, wenn sie auch im Grunde doch mehr aus der Arbeiter vertreten habe". Die Strafbarkeit der Androhung von Kirchenstrafen wird, wie 28ir tömmen deshalb allen Genoffen, die in die Lage kommen, national- Erkenntnis der wahren wirtschaftlichen Vorteile geboren 106 slot die Straßb. Post" erinnert, durch das badische Landesgesetz vom liberale Führer auf den Inhalt ihrer Parteischriften aufmerksam wurde. machen zu müssen nur raten, ihnen eine Anfrage bei dem Central- Nicht alles, vielleicht nur einzelnes, was geboten wurde, 9. Oftober 1860 festgestellt: bureau der nationalliberalen Partei in Berlin, Dessauerstraße, an dürfte für die weiteren Fortschritte von Belang sein; vieles Der§ 16b lautet: Geistliche, welche Straf- oder Zuchtmittel zuempfehlen. Und den Herren von der nationalliberalen Partei wird eine kritische Prüfung in der Praxis nicht bestehen. Auch berhängen oder verkünden, geistliche Versprechungen oder Drohungen raten wir dringend, mit dem Vorwurf der Lüge gegen uns vor- in der chemischen Forschung und Praxis sind die Geseze von licher Wahl- und Stimmrechte in bestimmter Richtung herbeizuführen, anwenden: a.. b um die Ausübung oder Nichtausübung öffentsichtiger zu sein und vor allem erst einmal Abonnenten ihrer eignen Wettbewerb, Stampf und Auslese wirtsam... werden mit Geldstrafen von 60-600 m., in schweren und in wiederholten Parteidrucksachen zu werden. Ueberraschend fund von größter Bedeutung zeigte sich der Fällen mit Geldstrafen bis zu 1500 m. oder mit Gefängnis bis zu Der kindische Mommsen. In Niemberg wurde der volks- fräftige Aufschwung, den das jüngste Kind der Chemie, die einem Jahre bestraft. Gleiche Strafen treffen Geistliche, welche Kirchparteilich agitierende Redakteur Scharre durch die gestern von Elektrochemie, in letzter Zeitgenommen. Sie, die bis vor liche Straf- oder Zuchtmittel verhängen oder verkünden. uns erwähnte Aeußerung Mommsens in die Enge getrieben. furzem nur zur Trennung von Stoffen, zur Gewinnung der in einer bestimmten Richtung erfolgten Ausübung oder NichtMommsen sei ein findlich gewordener Greis- als welcher er aber auch erfolgreich zur, Darstellung chemischer Verbindungen selbst Bahlen ihre tirchliche Autorität anwenden, um auf die WahlHerr Scharre aber wußte sich zu helfen, er erflärte schlankweg, seltener Elemente allerdings wertvolle Dienste geleistet, ist mun ausübung öffentlicher Wahl- oder Stimmrechte." Dazu tritt noch § 16 c, der bestimmt:„ Geistliche, welche aus Anlaß öffentlicher immer noch mehr Verstand besitzt, als die volksparteilichen Führer organischer Art herangezogen worden. Die mit dem elektrischen berechtigten in einer bestimmten Parteirichtung einzuwirken, werden Wahlen ihre kirchliche Autorität anwenden, um auf die Wahlzufammen genommen jemals besessen haben. Es ist bemerkenswert, wie sich die Volksparteiler instinktiv vor Dfen ermöglichte Fabrikation der Karbide, des Ziegelstahls, an Gelb von 60-600 m. bestraft." die Nußbarmachung des Luftstickstoffs das sind Errungen- Bei der bevorstehenden Revision des deutschen Strafgesetzbuchs allem wirklichen Liberalismus schimpfend flüchten. dsid schaften von gar nicht abzusehender Tragweite. So wird der Hirtenbrief des Bischofs opp vielleicht Anlaß Die Demokraten in Mülhausen i. E. haben beschlossen, für unsern Und eine andre Erscheinung noch können wir nicht un- geben, die Ausübung des Wahlrechts gegen den Terrorismus der Kandidaten Emmel zu stimmen. In einer Resolution bezeichnen beachtet laffen: es ist der glücklich durchgeführte internationale Stirche, sicher zu stellen. hindi sie das Programm Schlumbergers als so unbestimmt und dehn- Charakter dieses Kongresses. Das zeigte sich schon äußerlich Husland. bar, daß es überhaupt kein liberales Programm mehr genannt in der Aufnahme und Behandlung, die den Fremden bei werden könne. ind prinsipoft mod jeder Gelegenheit zu teil wurde. Besonders wurden die Frankreich. 00 Politische Ueberficht. wegen Das Automobil im Dienste der Wahlagitation. Unfre oft- Franzosen gefeiert. Hat doch gar, als beim Empfang der Loubets Reise nach England. Die Versuche der englischen preußischen Genoffen find wahrhaft fortschrittlich; ausgerüstet mit Rongreßteilnehmer in unsrem Rathaus von der Musik die Diplomatie, Frankreich zu versöhnen, um der russischen Politit in zu einem trefflichen Automobil, das gut beladen ist mit Flugschriften Nationallieder gespielt wurden, die ganze Versammlung sich Ostasien die bisherige Unterstützung Frankreichs zu entziehen, stoßen und Stimmzetteln, arbeiten sie jest in den am schwersten zugäng- hinreißen lassen, die Marseillaise mitzusingen.( m bei der franzöfifchen Regierung auf Entgegenkommen. Nachlichen Landkreisen der Provinz, die ruhende Realtion so mit dem Rathaus der Residenzstadt Berlin heiliger Kirschner!) dem schon kürzlich berichtet wurde, daß Loubet beabsichtige, in allermodernsten Verkehrsmittel bekämpfend. Die zahlreichen, auf internationale Verständigung ab- wenigen Wochen dem König Eduard einen Gegenbesuch in England 396 edge and log dahil zielenden Beschlüsse betreffs einheitlicher amtlicher Vorschriften zu machen, erfährt jetzt die„ Reuterſche Agentuur", der Präund Normen für chemische Analyse, Arznei- und Nahrungs.fident der französischen Republik werde wahrscheinlich bereits mittelkunde, Hygiene, Patentrecht, Unfallverhütung und vor am 6. Juli die Ueberfahrt nach Dover oder Foltestone antreten und am Nachmittag des genannten Tages in London eintreffen. Vorauss allem Arbeiterschutz sie sind erfreuliche Zeugnisse einer sichtlich werde den französischen Präsidenten ein französisches Geschwader begleiten und ein englisches Geschwader empfangen. König unaufhaltsam fortschreitenden Entwicklung. P mele infine Eduard werde seinen Gast persönlich am Bahnhof in London Der Präsident wird während seines dreitägigen empfangen. Aufenthalts in der französischen Botschaft wohnen. Sollte der Präsident, wie man erwartet, die City besuchen, so werde er dort feierlich empfangen werden. Man spreche auch von einer Flottenparade in Spithead. Finde eine solche Parade statt, so würde der Präsident über Portsmouth nach Frankreich zurückkehren. Berlin, den 9. Juni. sorino schilistic Der bischöfliche Wahlaufruferind ist das letzte Glied einer kirchlichen Kampagne in Oberschlesien, die beispiellos ist. Schon bisher wurden, so wird uns aus Oberschlesien geschrieben, fast sämtliche oberschlesische Kirchen Sonntag für Sonntag he Deutfches Reich. Die ministerielle Tabak- und Bicrftener- Konferenz, die von einigen für politische Heppredigten gegen Socialisten und Radikalpolen miß- Blättern angefündigt wurde, wird von Schweinburg ins Reich der braucht. Gegen das polnische Parteiblatt Gazeta Robotnicza" und Wahlmanöver verwiesen. An maßgebenden Stellen fei über eine den radikalpolnischen Gornoslazat" wurden Donner und Blig ge- solche demnächstige Finanzminister- Konferenz nichts bekannt. " Zum verleumdungSfeldz«!, gegen Pelletan. Die im Marine- Ministerium über den angeblichen Brief Parahrcs geführte Unter- suchung hat festgestellt, daß kein Beamter des Ministeriums diesen Brief zu Gesicht bekommen oder seinen Umschlag mit dem Vermerk, daß er dein Wtiiiister zu übergeben sei, versehen hat. Es heißt, daß Minister Pelletan mit dem Justizminister Valls eine Unterredung über eine etwaige gerichtliche Verfolgung der Angelegenheit ge- habt hat.— Marseille, 8, Juni, Der Nationalverband der Seeleute hat an die Bevölkerung einen Protest gerichtet gegen den Mangel an Sicher- heit auf den Handelsschiffen. Darin wird der Unglücksfall der „Libau" auf die unzureichende Besatzung und den schadhasten Zustand der Boote und Nettungscinrichtungen zurückgeführt und verlangt, daß Schiffe von solcher Beschaffenheit zwangsweise verhindert werden, in See zu gehen. Der Stadtrat beschloß, die Beerdigung der Er- trunkenen, deren Leichen nicht von ihren Angehörigen beansprucht werden, auf Kosten der Stadt vorzunehmen, und bewilligte 5000 Fr. zur ersten Hilfeleistung.— Italien. Die römischen Sorialistcn und der Zarenvesuch. Die socialistische Union von Rom hat dieser Tage Stellung zu dem geplanten Zaren- besuch in Italien genommen; nach lebhafter Diskussion gelangte eine Resolution zur Annahme, in der es heißt:„Die römisch-socialistische Union" spendet der äußersten Linken der Kammer und speciell dem Abgeordneten Morgari, der mit seiner Erklärung bezüglich des Be- suches des russischen Zaren die Empfindungen des gesamten italienischen Proletariats auf das exakteste interpretiert hat, lebhasten Beifall.� Die Union protestiert gegen die Regierung, die keine Rück- ficht auf die Stimmungen des Volkes genommen hat, und setzt in ihr Konntee das Vertrauen, daß es eine lebhafte Agitation entfaltet, da- nnt sich die Bevölkerung von ganz Italien dein Protest gegen den Besuch des russischen Autokraten anschließt."— Das Komitee der Partei hat beschlossen, diesem Wunsche nachzukommen, und ist sofort ans Werg gegangen. Prozeß TodeSchim. Rom, den 7. Juni.(Eig. Bei.) Das Urteil in dem Prozeß gegen den socialistische» Mgeordneten T o d e's ch i n i ist gestern in B r e S c i a gefällt Ivorden. Das Appellationsgericht verurteilte den Genossen Todeschini wegen Ver- leumdung und Beleidigung zu 10 Monaten 20 Tagen Gefängnis, 1000 Lire Buße und zur Tragung der Kosten für alle Vorinstanzen. Das Urteil der ersten Instanz— in der auf zwei Jahre Gefängnis erkannt wurde— wird bestätigt, doch die erschwerenden Umstände der „fortgesetzten Verleumdung" nicht angenomnien. Daher die Straf- reduktion. Solange nicht die Parlmuentssession geschlossen ist, kann Todcschini als Mitglied der Kammer nicht verhaftet werden. Der Prozeß geht natürlich an die dritte Instanz! Auch erklärte Todes- chini, seine Campagne gegen die Mörder der Cauuti fortsetzen zu wollen.— G»»gl««d. AuS der großen Debatte über die Chamberlainsche Zollpolitik, die für heute im englischen Unterhause erwartet wurde, ist nichts geworden. Bei dichtgedrängtem Hause stellte Hicks-Beach bezüglich der Besprechung der Vorzugszölle die Anfrage an den Sprecher, ob eine Besprechung der vom Kolonialminister Chamberlain vor- geschlagenen Zollpolitik bei dem Abänderungsantrage Chaplins zum Finanzgesetz-Entwurfe oder bei dem Gesetzentwürfe selber stattfinden solle. Der Sprecher erwidert, er habe die Angelegenheit sorgfälsig erwogen und sei der Ansicht, daß die Frage der Vorzugs- „ölle nicht zu dem Finanzgesetz- Entivurfe gehöre; daher sei die Besprechung dieser Frage bei dem Gesetzentlvurf u n- zulässig. Nach der Geschäftsordnung stir den Sprecher müsse die Besprechung bei dem Abänderungsantrage Chaplin einzig und allein auf die Kornzölle beschränkt werden.— Afrika. Die Beschießung von Figig. Wie aus Algier gemeldet wird, hat die Beschießung der Ortschaft Zenaga in der Oase von Figig begonnen. Dabei waren drei Bataillone der Fremdenligion, drei Eskadrons Kavallerie, im ganzen 3500 Mann mit 10 Kanonen thätig. Mit Tages« anbruch verließen sie Beni-Unif. Die Artillerie schwenkte gegen ein kleines Plateau ab, wie zu einer Paradeübung auf 1200 Meter Entfernung von den ersten Wällen von Zenaga. Um 5 Uhr 10 Minuten ließ General O�Connor das Feuer mit Melinitgeschossen auf die Wälle eröffnen, um eine Bresche zu legen. Als die Mauer ge- fallen war, wurde das Feuer auf die Niederlassungen'im Innern der Umwallung gerichtet. Die Wirkung war ver- nichtend; die Granaten, die im Innern der Nieder- lassungen platzten, sprengten alles in die Lust. Es wurden dann noch auf großer Entfernung einige Granaten in verschiedene Oasen, namentlich in die von Oudaghir, geworfen, um den Marokkanern die mächtige Wirkung der Kanonen zu zeigen. Zum Schluß lvurde das Feuer auf das Minaret der im Innern von Zenaga gelegenen Moschee gerichtet; der Schuß war so gut gezielt, daß das Minaret mitten entzwei geschossen wurde und die Seitenflügel barsten. Die Bewohner von Figig hatten sich vor den Wällen verschanzt; aber in dem Augenblick, als die Beschießung begann, flüchteten alle und die Granaten flogen auf sie ein. Zuerst hatten die zwischen dem Judeuhügel und dem Zenagaberg in den Palmenpflanzungen versteckien Marokkaner auf die Arttllerie geschossen, ohne sie jedoch zu erreichen. Ein eingeborener Krieger wurde an dem Zenagaberge getötet. Um 11 Uhr gab O'Eonnor den Befehl. das Feuer einzustellen, und ließ die Infanterie nach Beni-Unif zurückkehren, die Artillerie nach Dschennaneddar. Man kennt zur Zeit die Zahl der getöteten und verwundeten Marokkaner noch nicht und weiß ebenso wenig, welch einen Eindruck die Beschießung ans sie ausgeübt hat und was ihre Absichten sind. O'Connor erwartet, daß die Bewohner von Figig einen Vergleich anbieten werden. Alle Frauen und Kinder waren schon seit mehreren Tagen geflohen.— Beni-Uuif, 8. Juni. Während der Beschießung von Zenaga find 600 Granaten verschossen worden. Die Infanterie hat keinen einzigen Schutz abgegeben. Hinsichtlich einer Fortsetzung der Operattonen ist noch kein Beschluß gefaßt worden. Wenn die Be- wohner von Figig sich aber nicht nnterwerfen, wäre es möglich, daß tn nächster Zeit auch noch andre Dörfer beschossen werden.— Madrid, 9. Juni. Die spanische Regierung beabsichttgt infolge der Beschießung von Figig eine Note an die französische Regierung zu richten, worin Spanien Vorbehalte wegen etwaiger Folgen dieser Polizeimaßregel macht. Es wird sogar versichert, Spanien beab- sichtige eine diplomattsche Konferenz einzuberufen, welche sich mit der Auslegung des Verttages von 1845 befassen soll.— Gemeinde-Wahlrecht in Südafrika. Pretoria. 8. Juni. In der gesetzgebenden Versammlung wurde heute nachmittag der Beschluß gefaßt, Farbige und fremde Staatsangehörige vom Wahlrecht aus- zuschließen.—___ Maklverlammwngen. Antisemitisch-deutsch-nationale Spreugkolonnen. Der„ Feenpalast", wo gestern abend Genosse Singer und nach ihm der Kandidat des ersten Kreises, Genosse Leo Arons, zu den Handlungsgehilfen sprechen sollten, war schon um 9 Uhr so überftillt, daß die polizeiliche Absperrung erfolgte. Die Deutschnationalen hatten sich sehr zahlreich eingeftmden und begannen bald durch störende Zwischenrufe die Versammlung zu beumuhigen. Provociert durch eine jener schoflen Schinähnotizen in der„Staatsbürger-Zeitung", welche die dutzendmal widerlegte Lüge von der Ausbeutung der Mäntelnäherinnen in dem ehemaligen Singerschen Geschäft wieder einmal aufgewärmt hatte, schienen es die Jünger des Dreschgrafen Pückler von vornherein auf das Sprengen der Versammlung abgesehen zu haben. Die Ver- sammlung mußte einmal vertagt werden, um einige der ärgsten Radaubrüder zum Verlaffen des Saales einzuladen. Kaum aber hatte Singer wieder begonnen, fingen die Herren von neuem an. Es nützte nichts, daß Gen. Singer die Stören- friede an ihre Anstandspflicht erinnerte, ebensowenig fluchtete das Versprechen Singers, sich recht kurz fassen zu wollen, damit ihr Führer, Herr Döhring, in„aus- gicbigem Maße" zum Wort kommen könne. Herr Döhring sah von der Estrade herab diesem Schauspiel ruhig zu; ein Wort von ihm hätte vielleicht genügt, die Störenfriede zu beruhigen. Lag dem Herrn Döhring nichts an der Fortdauer der Versammlung? Die Störungen dauerten fort, die Versammlung wurde unruhig und— es kam zur Auflösung. Lange dauerte es, ehe sich der Saal leerte; die Gemüter waren über das Verhalten der deutschen Jünglinge im höchsten Grade erregt, und es ist der Kaltblütigkeit unsrer Genossen zu danken, wenn es nicht noch jetzt zu Handgreiflichkeiten kam. Unter Hochrufen auf Singer und die Socialdemoflatie leerte sich der Saal. Draußen auf der Sflaße wurde die Ovatton für unfern Parteiführer fortgesetzt, bis es diesem gelang in einer Droschke weg- zufahren. Hunderte hatten ihn bis dahin begleitet. Bemerkt sei noch, daß sich die Polizei auf der Straße sehr zurückhaltend benahm und so zerstreute sich denn auch die Menge sehr bald. In der für den zweiten Wahlkreis zum Montagabend nach der Victoriabrauerei einberufenen Wählerversammlung, die sich eines guten Besuches zu erflenen hatte, hielt Genosse Bernhard ein sehr ein- gehendes und mit großem Interesse aufgenommenes Referat über die bevorstehende Reichstagswahl und die Parteien. Er legte den Unterschied zwischen den angeblich staatserhaltenden Parteien und der staatsumstürzlerischen Socialdemokratte dar. Redner zeigte sodann unter oftmaligen Beifallskundgebungen, wie der ewige Zickzackkurs der Regierung vor allen Dingen es ja un- möglich mache, daß die Parteien zur Regierung eine feste Stellung einnehmen. Redner legte weiter die Stellung der Socialdemoflatie zum Militarismus und zur Steuergesetzgebung dar,.geißelte die Liebesgabenpolittk und die Zollgesetzgebung, die Klassemusttz, die Auffasfung der herrschenden Klassen über die Socialgesetzgebung. So sieht der Staat aus, den die bürgerlichen Parteien erhalten wollen. Nach einer treffenden Charakteristik der bürgerlichen Gegenkandidaten und ihrer Parteien, insbesondere auch der flei sinnigen Volkspartei, kam der Redner zu dem Schluß, daß nicht nur jeder Arbeiter, sondern überhaupt jeder Staatsbürger, dem ernstlich an der Erhaltting der polittschen Rechte und Freiheiten und der Wohlfahrt des deutschen Volkes gelegen ist, nur socialdemokrattsch wählen kann. Ein Herr Sänger, der sich m der Diskussion als Nichtanhänger der Socialdemoflatte bezeichnete, wünschte im Gegensatz zu den sonstigen Gepflogenheiten der Gegner Auskunft über die nächsten Thaten und Aufgaben der Social demokratte. Im übrigen sei derselbe durch die Ausführungen des Herr» v. Wenckster» in einer flüheren Versammlung dahin belehrt worden, daß es das ratsamste sei, doch socialdemoflatisch zu wählen. Nachdem Genosse Bernhard die Fragen des Diskussionsredners in eingehender Weise beantwortet hatte, erfolgte Schluß der Ver- sammlung. Britz. Eine auch von Frauen gut besuchte Wählerversammlung fand an, Donnerstag in Püschels Gesellschastshaus statt. Genosse l b e r t y sprach über den Wahlkampf und das Verhalten der gegnerischen Parteien der Socialdemoflatte gegenüber. Der Referent, dessen Ausftihrungen oft durch lauten Beifall unterbrochen wurden, geißelte besonders das Verhalten der Konservattven, welche sich nicht scheuen, unsren Genossen Zubeil in der infamsten, niederflächtiasten Weise persönlich zu insultteren, dabei aber in der feigsten Weise in ihren Versammlungen dem socialdemoflatischen Redner derarttg das Wort beschränken, daß es unmöglich ist, diese Angriffe ge- bührend zurückzuweisen.. Der Redner schloß mit der Auf- forderung, am 16. Juni durch die Wahl des Genossen Zubeil den Gegnern die richttge Antwort auf ihre dreisten Verleumdungen zu eben. Die Versammelten äußerten durch brausenden Beifall ihre Zilstimmung. In der Diskussion betonte Genosse Händel, daß man in Britz von einem Kampf eigentlich nicht reden könne, denn dazu fehlen die Gegner. Diese ließen nichts von sich hören und in die socialdemoflatischen Versammlungen kämen sie trotz aller Ein- ladungen nicht. So sei zu dieser Versammlung auch Herr Hammer brieflich eingeladen, derselbe habe aber abgelehnt zu erscheinen, erstens„weil er selbst sich nicht zuflaut, unsre Genossen zu seiner Ansicht zn bekehren", zweitens„weil er keine Zeit hat, in unsren Versamu'.lniigen zu erscheinen". Nachdem noch eine Resolutton, in welcher sich die Anwesenden für die Wiederwahl des Genossen Zubeil verpflichten, angenommen war, wurde die Versammlung mit einem dreifachen Hoch aus die Socialdemokratte geschlossen. Für Bindow und Umgegend(Kreis Teltow-BeeSkow) fand am Sonntag zum erstenmal eine Wähler-Versammlung im Lokal der jSLitwe Engelharth statt. Trotz des strömenden Gewitterregens hatten sich 200 Personen versammelt. Neichstags-Kandidat Fritz Zubeil hielt einen dreistündigen Vorflag, dem die Versammlung reichen Beifall spendete. Die Diskussion war eine recht interessante, da sich ein Gegner zum Wort gemeldet hatte, dem aber durch unsren Genossen Zubeil eine gründliche Belehrung zu teil wurde. Auch fehlte es nicht an originellen, herzlich belachten Zwischenfällen, die durch den Eifer des überwachenden Beaniten veranlaßt wurden. Derselbe ging einmal so weit, daß er den Vorsitzenden aufforderte, er solle der Versammlung das Lachen verbieten. Eine neue Lachsalve war der Erfolg. Um 8>/� Uhr schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem brausenden Hoch auf die Socialdemoflatte. Steglitz. Am Montagabend tagte im„Gambrinns" ein gute besuchte Wähler-Versammlung, in welcher Genosse Hirsch- Charlottenburg über die bevorstehende Reichstagswahl sprach. Nach einer flittschen Würdigung der in unsrem Kreise in Beflacht kommenden Parteien und ihrer Kandidaten schilderte er die Kampfes- iveise unsrer Gegner und beleuchtete die Thaten der staatserhaltenden Parteien resp. deren Vertreter ün letztverslossenen Reichstage. Einzig und allein die Socialdemokratte habe stets die Jntereffen des arbeitenden Volkes vertreten und deshalb könne ein denkender Arbeiter am 16. Juni seine Sttmme nur filr Fritz Zubeil abgeben.— In der Diskussion zerpflückte Genoffe W i e l o ch das letzte Flugblatt der unter der falschen Flagge des Reichs-WahlverbandeS segelnden Konservattven und forderte zu reger Mitarbeit am Tage der Wahl und bei der am Sonntag, den 14. Juni, stattfindenden Flugblatt-Berbreitung auf.— Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Wannser. Sonnabendabend fand eine sehr gut besuchte Lffent- liche Wählerversammlung statt, in welcher Genoffe Dr. A l b e r t h einen Vorflag hielt über:„Die Socialdemoflatie und ihre Gegner". Eingangs seiner von häufigen, stürmischen Zurufen unterbrochenen Rede geißelte der Referent die jammervolle Feigheit der gegnerischen Kampfesart und ging dann besonders mit der konservativen Partei aufs schärffte ins Gericht. Besonders seine Ausführungen über das mittelalterliche Kulturideal unsrer Reaktionäre, dem er in großen Zügen die socialistische Weltauffassnng entgegenstellte, fanden be- geisterte Zuftimmimg. Mit Hochrufen auf die Socialdemoflatie und den Genossen Zubeil schloß die von zuversichtlicher Stimmung erfüllte Versammlung._ Letzte ftochnchten und DcpeFchen. Antisemitische Excesse in Bialyfiok. Berlin, 9. Juni.(B. H.) Ein jüdischer Auswanderer aus Bialystok, Namens Grünfeld, der auf der Durchreise nach Rotterdam gestern hier angekommen ist, erzählte, daß in vergangener Woche bedeutende Ercesse�in Bialystok stattgefunden haben. Der anti- semitische Mob erzivang sich den Eingang in viele jüdische Häuser und zerstörte in denselben alles. In einigen Häusern wurden Möbel aus den Fenstern geworfen und dann auf der Sflaße angezündet. Ein Rabbiner wurde auf der Sflaße von der Menge bedroht und insultiert. Auch ein Jude, Namens Landau, wurde auf der Sflaß« mißhandelt; Todesfälle und ernste Verletzungen sind nicht vor» gekommen. Grünfeld versichert, daß die Behörden die Unruhen an- gestiftet haben; Polizisten hätten die Leute geftagt, wann sie eigent- lich dem Beispiele von Kischinew folgen wollten. Englisches Unterhaus. London, 9. Juni.(W. T. B.) Unterhaus. Das Haus beginnt die Beratung des Finanzgesetzentwurfs in Verbindung mit dem Auflag Chaplin. In Begründung seines gegen die Aufhebung des Kornzolls gerichteten Antrages führte Chaplin(kons.) aus: Der Vorschlag, diesen Zoll wieder abzuschaffen, sei von zahllosen Freunden der Regierung mit Unbehagen und Mißfallen aufgenommen worden. Jedes Argument, das während des letzten Jahres zu Tage gefleten sei, spreche dafür, daß der Zoll jetzt in Kraft bleibe. Ritchie habe einen nicht wieder gut zu machenden Mißgriff gethan. Die Politik der Abschaffung des Zolles sei den Ansichten Chamberlains entgegen- gesetzt. Die Polittk der Regierung, die einzige Waffe wegzuwerfen. mit der sie die von Chamberlain verkündeten großen Ideen zur Ver- wirklichung bringen könnte, sei unbegreiflich. Mac Jver(kons.) unter- stützt den Anflug. Im Laufe der heutigen Debatte im Unterhause erklärte Schatz- kanzler Ritchic, die Regierung halte die Anstellung einer Unter- suchung über die Frage der Vorzugstarife für notwendig. Er würde überrascht sein, wenn eine solche Untersuchung irgend ein praktisches Mittel darthun würde, eine solche Politik durchzuführen. Er sei ein überzeugter Freihändler und, wie er gegenwärtig beraten sei. könne er sich nicht zu einer Politik bekennen, welche er für schädlich für die Interessen Großbritanniens und seiner Kolonien halte. Hicks-Beach führt aus, daß er im vorigen Jahre den Kornzoll infolge des ungeheuren Anwachsens der Staatsausgaben als dauernden Zoll vorgeschlagen habe. Als Schatzkanzlcr habe er gegen das Anwachsen der Ausgaben protestiert, aber seine Einsprüche seien mit Gleichgülttgkeit aufgenommen worden. Wenn sie mit mehr Sympathie aufgenommen worden wären, so würde er vielleicht jetzt nicht von der Bank der einfachen Mitglieder aus zum Hause sprechen. (Beifall bei der Opposition.) Er freue sich, daß Schatzkanzler Ritchie eine Verminderung der Ausgaben für die Armee versprochen habe, für die das Geld nach seiner Ansicht am schlechtesten verausgabt werde. Er habe den Zoll als fiskalische Maßnahme und nicht als Schutzzoll vorgeschlagen, aber in einigen Kreisen scheine angenommen zu werden, daß der Zoll für Zwecke der kolonialen Vorzugsbehandlung gebraucht werden soll. Wenn die Regierung beschlossen habe, den Zoll aufzuheben, um jenes Mißverständnis zu beseitigen, so habe sie einen guten Grund gehabt, ein solches Verhalten einzuschlagen. (Beifall.) Hicks-Beach fährt fort: Ich stimme mit Chamberlain darin überein, daß seiner Birminghamcr Rede zu viel Bedeutung beigelegt worden ist(Gelächter), und wenn es sich um diese Birminghamer Rede allein handelte, so würde ich nicht gedacht haben, daß sie eine besondere Aufmerksamkeit verdiente.(Gelächter.) Aber Chamberlain hat seine Ansichten bei verschiedenen Gelegenheiten nach einander mit Nachdruck geltend gemacht und, was wichtiger ist, Balfour hat über diesen Gegenstand eine Rede gehalten. Die Stellungnahm«, die Balfour vorgeschlagen hat, ist vollkommen unmöglich; sie ist weder der Regierung noch der konservattven Partei würdig. Nachdem er Chamberlain als Kolonialsekretär warme Anerkennung gezollt, fragte Hicks-Beach: Haben wir die Ansichten Chamberlains als diejenigen des gesamten Kabinetts aufzufassen?(Beifall.) An dieser Stelle unterbrach der Sprecher und loieS darauf hin» daß Hicks-Beach auf die allgemeine Frage der Vorzugszölle eingche. Hicks Beach fährt fort: Die Abschaffung des KornzollS scheint mir dirett ein Riegel zu sein gegen die Annahme von BevorzugungS- Grundsätzen.(Beifall bei der Opposition.) Ich schließe daher, daß die Auffassung der Regierung als Ganzes, die Gleiche ist. wie zur Zeit als ich Mitglied der Regierung war. Die Angelegenheit kann nicht Der und wenn die unionistische Partei zerstören. Hicks Beach schließt, indem er sich an Balfour und Chamberlain mit der Aufforderung wendet, zu erwägen, nicht was nach ihren eignen Meinungen wünschenswert, sondern was möglich wäre, und ihrer Verpflichungen ihrer eignen Partei gegenüber eingedenk zu sein. Er appeliere auch an die Minister, die etwa andrer Ansicht wie Chamberlain seien, ihre Ansichten frei auszusprechen.(Beifall bei der Opposition.) Er werde die Aufhebung des Zolles unter- stützen. Redner wird vom Sprecher mehrmals daran gehindert, die Vorschläge und die Polittk Chamberlains eingehender zu behandeln. Nach Hicks- Beach ergreift Schatzkanzler Ritchie das Wort. Er führt aus: Es sei Hicks-Beachs Pflicht gewesen, seiner Zeit die Er- klärung abzulehnen, daß der Kornzoll nur für ein Jahr bestimmt sei. da dies eine Verschlechterung des Handels zur Folge gehabt haben würde, aber die Regierung sei jetzt zu dem Entschluß ge» kommen, daß er aufgehoben werden solle. Die Frage der Vorzugs- behandlung der Kolonien sei eine große und wichttge, welche zur Beschlußfassung vor das Land treten würde. Rufe:„Wann?" Schatzkanzler Ritchie:„Auf alle Fälle nicht jetzt!"(Heiterkeit.) Schatzkanzler Ritchie fährt fort, obgleich er sich nicht auf Einzel« heften einlassen könne, muffe ihm gestattet werden, seine eigne An» ficht auszusprechen: und dann bedächtig vom Manuskript lesend, sührt Ritchie aus, diejenigen Mitglieder der Regierung, die bisher gesprochen hätten, hätten nur für sich selber und nicht für die Regierung gesprochen.(Oh I Oh l und höhnische Zu» rufe bei der Oppositton.) Chamberlain habe in seiner ersten Rede ausdrücklich gesagt, er spreche nur für sich selber. Er bekenne sich als überzeugter Freihändler tiud teile nicht die Ansichten derjenigen, Ivelche glauben, daß irgend ein Mittel ausgesonnen werden könne, um die Schwierigkeiten zu überwinden, welche sich im Zusammenhang mit diesem Problem darstellen. Er schrecke vor keiner Untersuchung der Frage zurück, welche er vielmehr in der That zusammen mit allen seinen Kollegen von jedem Gesichtspunkt aus als äußerst wünschenswerth erachte.�(Beifall bei der Opposition.) Howard Vincent(Kons.) unterbricht Redner mit der Frage, ob er für sich selbst oder für die Regierung gesprochen habe. Schatzlanzler Ritchie antwortet unter Beifall und Heiterkeit, wenn Vincent seineii Ausführungen aufmerksam gefolgt sei, werde er herausgefunden haben, daß er an einigen Stellen für die Regierung, an anderen für sich selbst gesprochen habe. Ritcchie rechtfertigt sodann die Aufhebung des Kornzolls und führt aus, die Leute, die von ihm Vorteil gehabt hätten, seien nicht die britischen, sondern die ausländischen Landwirte. Henry F o w l e r(liberal) führt aus: Die Erörterung war von bemerkenswertem Interesse. Der Vorhang bor dem Kabinett ist ge- lüftet worden. Mitglieder und Anhänger der Regierung haben sich gegegensettig und mitereinaiider widersprochen. Der Freihandel ist die Politik, unter der England einen beispiellosen Anffchwung gehabt hat, und die Regierung hat über ihre Ansichten in dieser Beziehung keine Aufklärung gegeben. Bei den Wahlen hat das Voll bereits seine Meinung zum Ausdruck gebracht und ich würde einen Appell an das Land über diese Angelegenheit begrüßen.(Lauter Beifall bei der Opposition.) Jin weiteren Verlaufe der Debatte wendet fich eine Reihe b»n Anhängern der Regierung gegen die letztere wegen des Wechsels in ihrer Politik befleffend den Kornzoll und befleffend den außerordent- lichen Charakter der politischen Lage, welche durch das Vorgehen der Regierung geschaffen sei._ Gegen die Pest. Bremerhaven, 9. Juni.(W. T. B.) Das Ouarantane-Amt hat wegen Auftretens der Pest die gesundheitspolizeiliche Konflolle der von der Westküste Südamerikas kommenden Schifte angeordnet. Hafenardeiter-Sfleik in Barcelona. Madrid, 9. Juni.(B. H.) Die Kohlenablaider im Hafen zu Varcekona sind in den Streik eingetreten. Alle Ärbeit stockt. Die Schiffsbesitzer erleiden großen Schaven. Verantwortt. Redakteur: Carl Leid in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck u. Bcrlag: Vorwärts Blichdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SV. Hierzu 8 Beilagen u. Unterhaltungsblatt. Nr. 132. 20. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Partei- Nachrichten. Waffen für den Wahlkampf. An Vertrauensleute, Wahlkomitees usw. werden auf Verlangen Probe- Exemplare und Preisverzeichnis zugeschickt. Bestellungen sind zu richten: Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW., Lindenstraße 69. Diese von einem Organ der Hirsch- Dunckerschen Richtung an dem Verhalten des Herrn Gleichauf geübte Stritit stimmt im wesents lichen überein mit unsrem eignen Urteil, welches wir, wenn auch schärfer in der Form über den Streifbruch bei Mehlich abgaben. Deutsches Reich. Sociales. # Mittwoch, 10. Juni 1903. die Gefahr einer Epidemie nicht gerade akut ist. Abgesehen davon, daß man nie sicher darüber ist, ob den Ratten nicht doch irgendwie und irgendwo Gelegenheit zu einer Infektion gegeben ist, ist auch das bloße massenhafte Vorhandensein dieser Tiere auf Schiffen und Speichern, die Nahrungsmitteln als Behälter dienen, efelhaft genug, um die strengsten Maßregeln zur Beseitigung des Ungeziefers zu -O aus, V weil man den neue Von der Broschüre„ Der Korbmacher Fischer im Lichte der Wahrheit" ist soeben die dritte Auflage im Druck. Bestellungen Der Streit der Bau- und Möbeltischler in Neu- Ruppin dauert werden deshalb umgehend erbeten. Für Wahlkreise, in denen unsre schon acht Wochen und noch ist keine Einigung erzielt. Die Arbeit- rechtfertigen. Parteigenossen mit dem Centrum zu kämpfen haben, ist noch vorgeber lehnen jede Verhandlung ab, fie haben es, wie es scheint, Die Frage der Besteuerung von Grund und Boden nach dem rätig: Chriftliche Arbeiterpflichten. Jesuitische Fragen und darauf abgesehen, den Deutschen Holzarbeiter- Verband in Neu- gemeinen Wert fand auf dem sächsisch- anhaltischen Städtetag in socialdemokratische Antworten", die sich gegen den Ruppin zu vernichten. Die Herren suchen durch auswärtige Zeitungen Weißenfels eine eingehende Besprechung. Die bei dem einstündigen jesuitischen Arbeiter- Katechismus wendet, und ,, Socialdemokratie und Arbeitswillige heranzuziehen, die nicht dem Verbande angehören. Referate des Stadtrats Neimarus Magdeburg und Direktor Centrum" mit einem Anhang:„ Die Sünden des Centrums". Wir bitten die Kollegen und Genossen, und in diesem Kampfe zu göhr- Silberhütte sowie die einstündige Diskussion zeigten, daß Bebels Rede in Bamberg. unterstützen und Inserate, die sich in Lokalblättern oder sonstigen bei den Magistraten große Neigung für die Reformierung der Zeitungen befinden, an uns einzusenden mit Angabe der Zeitungs- Grundsteuer nach dem gemeinen Werte vorhanden ist, während in adresse. Unkosten werden von uns zurückerstattet. Um Abdruck dieses den von Haus- und Grundbesitz- Interessen beherrschten Stadtin allen arbeiterfreundlichen Zeitungen bittet Die Streifleitung. berordneten freisen sich noch vielfach ein starkes Mißtrauen gegen Maurerstreit in Hirschberg. Wegen der Forderung eines Stunden- als den ersten Socialdemokraten auf einem fächsisch- anhaltischen die Steuer vorfindet. Bemerkenswert war, daß die Stadt Dessau lohnes von 36 Bf. und des Behnstundentages sind die Hirschberger Städtetag den Genoffen Peus delegiert hatte, natürlich nicht wegen Totenliste der Partei. In Mannheim ist nach langen, mit Maurer in den Streit eingetreten. Sollte der Ausstand länger an- feiner Eigenschaft als Socialdemokrat, sondern wegen seiner SachFassung ertragenen Leiden im Alter von nur 40 Jahren der halten, so werden voraussichtlich auch die Zimmerer in Mitleiden- tenntnis. Genosse Peus stellte mit Befriedigung fest, daß die Genosse Hermann Reßler gestorben. Seßler war lange Zeit schaft gezogen. Redakteur unfres Mannheimer Partei- Drgans. Nachdem er schon Bodensteuer nach gemeinem Werte so lebhaft befürwortet worden anderwärts im Dienste der socialdemokratischen Partei sich die fei. Der Streis der von ihr wirklich betroffenen Interessentenkreise Sporen verdient, übernahm er nach der Inhaftierung des Genossen sei sehr gering. Hausbesitzer im allgemeinen und Bauunternehmer Thies, des ersten Redakteurs der Voltsstimme", am 6. April 1891 im besonderen könnten ihr nur zustimmen. Nichtig sei, was Dr. Föhr die Leitung des Blattes, die er bis Ende August 1898 inne hatte. Best mitten in der Hauptstadt Berlin hat die öffentliche Aufmerksam was nicht nur im Interesse der Konsumenten der Ware Wohnung Rattenpest auf einem Schiffe. Das plötzliche Auftauchen der gesagt habe, daß Besteuerung den Grund und Boden billig mache, Das Geschick, die Umsicht, der eiserne Fleiß und die Selbſt feit wieder auf die Frage gelenkt, wie die Einschleppung der Pest liege, sondern auch der produzierenden Industriellen, deren Produktion losigkeit, die Keßler in diesen Tangen Jahren härtester und möglich und wie sie zu verhüten ist. aufreibendster Arbeit an den Tag legte, fanden allenthalben kommnis handelt es sich um einen Fall von sogenannter Labora- Gebäudesteuer sei eine Art Gewerbesteuer gewesen, die Steuer nach Bei dem Berliner Vor- durch hohe Bodenwerte start verteuert werde. Die alte Grund- und in Parteikreiſen Anerkennung und verschafften der„ Volksstimme" toriumspest( unsres Wissens der zweite dieser Art), der interessanter-, gemeinem Wert eine Vermögenssteuer, eine Steuer auf das einen Leserkreis und einen Einfluß im kommunalen und politischen aber auch traurigerweise es über jeden Zweifel erhebt, daß in der Vermögen an Grund und Boden. Leben der Stadt, der sich auf die Entwicklung der Partei des That jener Mikro- Organismus, den die Medizin als den Erreger Wohlfahrt könne durch fie in den Städten geschaffen werden. Ganz außergewöhnlich viele arbeitenden Voltes von segensreichstem Einfluß erwies. selbstverständlich, daß diese Thätigkeit ihm auch diverse Geld- und die große Ausnahme bleiben. Nun berichten die Veröffentlichungen Form Es ist der Beſt bezeichnet, dies auch wirklich ist. Solche Fälle werden immer Stadtverordneter Heiser- Halle sprach sich gegen die der Besteuerung Gefängnisstrafen einbrachte; acht Monate mußte er hinter schwedischen des kaiserlichen Gesundheitsamtes" über das Vorkommen der Best Wert nicht ausfindig machen" könne. gemeinen Gardinen zubringen. 1896 wurde Keßler durch das Vertrauen unter den Ratten auf einem Hamburger Dampfer, eine Mitteilung, Krüger Halberstadt fah einen Herr Stadtverordneter feiner Parteigenoffen in das Stadtverordneten- Kollegium der Stadt die erneut auf die Gefahr einer Pestverschleppung durch Ratten auf die Steuerreform schon darin, daß sich genügenden Grund gegen Mannheim berufen, dem er seither ununterbrochen angehörte. merksam macht. Genosse Peus Nach seinem Ausscheiden aus der Redaktion der so lebhaft für dieselbe interessiere. Diese Bedenken wurden durch " Volksstimme" war er noch als deren Mitarbeiter thätig. Der Dampfer Westphalia" traf am 4. März auf der Elbe mit die Feststellung widerlegt, daß die Schäßungen des gemeinen Wertes 1899 einer Ladung, bestehend aus Leinsamen, Kleie, Wolle und Häuten, sich in überraschender Kongruenz mit nachher erzielten Verkaufspreisen gründete er das„ Mannheimer Bloomaul", ein Totales Wizblatt, in dem er feinen Geist und Wiz sprühen ein. Leinsamen und Kleie waren in Rosario( Argentinien) ein- gehalten hätten, und Dr. Föhr erklärte, die Reichsregierung, die ließ. Bis in die legte Zeit hinein war Keßler an diesem Blatte genommen worden. Nach dem Verlassen von Rosario am 29. Januar die Grund- und Bodenbesteuerung in Kiautschou so gründlich und thätig, dessen Weiterbestand als Eigentum der Hinterbliebenen übrigens hat das Schiff Montevideo( 1.- 3. Februar), St. Vincent systematisch vorgenommen habe, fei doch nicht die Socialdemo An Keplers Grab trauert eine Witwe mit zwei Bei dem ( 19. Februar) und Madeira gesichert ist. ( 24. Februar) angelaufen. fratie, gleichwohl wird es noch lebhafter Stämpfe bedürfen, um das noch in jugendlichem Alter stehenden Söhnen sowie die gesamte in einem Laderaum zwischen Kleiefäden tote Ratten in größerer Besteuerung in die widerspenstigen Stadtverordnetenköpfe einzudem Entladen des Schiffes in Hamburg fanden sich Verständnis für die Gerechtigkeit und Notwendigkeit der neuen zielbewußte Arbeiterschaft Mannheims. Zahl. Von den Gesundheitsbehörden wurden die Kadaver dem hämmern. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. hygienischen Institut zur Untersuchung überwiesen; es wurde fest- Die Voltsheilstätten- Bewegung hat, so sehr man gerade hier den gestellt, daß die Ratten an Pest verendet waren. Das weitere Löschen guten Willen der Beteiligten anerkennen muß, praktisch nicht das des Schiffes war bei dem ersten Auftauchen des Bestverdachts auf geleistet, was die Bewegung leisten sollte. Gerade die Fachmedizin, einem entlegenen Teil des Hafens isoliert und in die sämtlichen Lade- hat dies zuerst zugeben müssen. So hebt der ärztliche Bericht ant Anordnung der Behörde eingestellt worden. Das Schiff wurde in welche dem Heilstätten- Verein das größte Interesse entgegenbringt, räume, in die Kabinen der Mannschaften und in die übrigen Schiffs- die dreijährige Hauptversammlung des Vereins zur Begründung und räume Generatorgas mit dem für solche Zwecke auf Reichskosten ein Unterhaltung von Wolfsheilstätten im Königreich Sachsen hervor, gerichteten Apparat eingeleitet, um etwa noch vorhandene lebende Ratten daß die Kranken nach ihrer Entlassung aus der Anstalt wieder in zu töten. Der bereits gelöschte und in dem Quaischuppen befindliche die alten Zustände zurückkehrten, die die Krankheit erzeugt Teil der Ladung wurde auf Verunreinigung durch Ratten und auf haben und somit die Erkrankung wieder hervortreten lassen. Danach Rattenkadaver Stück für Stück besichtigt; die Kleie, welche sich in heißt es wörtlich: dem pestinfizierten Raum befunden hatte, wurde in rattenfreie Schuten„ Diese Verhältnisse müssen wir daher auch zu bessern vergeladen und 4 Wochen lang gelagert, bevor sie den Empfängern aus- suchen. Es muß darauf hingewirkt werden, daß gesunde Wohgeliefert wurde. Der Leinsamen, die gesalzenen und trockenen Felle nungen billig zu haben sind, daß man nahrungsreiche Kost billig wurden nach mechanischer Reinigung der Oberfläche der Säcke und Ballen bekommt, daß Volksbäder reichlich zur Verfügung stehen, daß in den Empfängern übergeben, nachdem sich herausgestellt hatte, daß die Fabriken die Arbeitsräume gesund sind, und Seuche unter den Ratten sich auf einen Laderaum beschränkte, in dem hygienisch gehalten werden, daß die Arbeiter sich hauptsächlich Kleie befunden hatte. Beim Abräumen der in dem nicht über ihre Kräfte angespannt, daß sie geQuaischuppen befindlichen, aus der Westphalia" stammenden, mit Kleie nügend bezahlt werden u. a. Wenn diese und ähnliche gefüllten Säcke fand sich ein Rattentadaver, der bereits in Fäulnis Forderungen ihrer Erfüllung immer näher gebracht werden, so übergegangen und augenscheinlich mit den Säcken aus dem Schiff werden auch die Dauererfolge unsrer Heilstätten immer besser." entfernt worden war. Durch die bakteriologische Untersuchung konnte Hier wird von ärztlicher Seite bestätigt, was wir lange, lange festgestellt werden, daß diese Natte an Best verendet war. Die vorher schon und zu wiederholten Malen gesagt haben. Die Arbeiter weitere Entladung des Schiffes wurde unter Vorsichtsmaßregeln selbst haben es instinktiv herausgefühlt, daß die Lungenschwindsucht ausgeführt. Dabei wurden in dem infizierten Laderaum etwa ihre Ursachen in socialen Verhältnissen hat, und bezeichnen sie 130 tote Ratten gefunden, in dem benachbarten Laderaum 180 tote nicht mehr als eine, nein, direkt als die Proletarierkrankheit". Mäuse. Die Ratten waren bis auf 30, die an Pest berendet waren, Verloren sind die Erfahrungen in der Heilstättenbewegung jedenfalls durch das im Generatorgas enthaltene Kohlenoryd getötet, wie auf keinen Fall. Bereiten die Erfolge der Heilstätten vielleicht auch die spektroskopische Untersuchung des Kadaverblutes ergab; 4 Ratten manchem bürgerlichen Jdeologen eine schwere Enttäuschung, so flären boten neben Kohlenoxydvergiftung noch Bestbefund dar. Die Mäuse sie zweifellos doch auch einen kleinen Teil derselben dahin auf, daß erwiesen sich sämtlich bis auf eine durch Kohlenorhd getötet. Die unfre socialen Verhältnisse dringend einer Verbesserung übrigen Laderäume des Schiffes waren frei von Rattenkadavern; es bedürfen, wenn nicht die Arbeit wohlmeinender Menschenfreunde fonnte daher angenommen werden, daß sich die Seuche unter den völlig verloren gehen soll, und spornen den einen oder andren an, Natten thatsächlich auf den einen Laderaum beschränkt hatte. statt der Wirkungen die Ursachen des modernen Elends mit bekämpfen zu helfen. Teilweisen Erfolg hatte eine Berufung des Genossen Riem in Dresden gegen ein Urteil des dortigen Schöffengerichts, durch das er wegen angeblicher Beleidigung der Steinmez- Firma Schulze zu 300 M. Geldstrafe verurteilt worden war. Das Landgericht ſetzte Sie Strafe auf 200 m. herab. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Ein Urteil über die Hirsch- Dunckerschen Streitbrecher. Das schmähliche Verhalten des Generalrats Gleithauf und seiner Getreuen bei dem Mehlichschen Streit ist in den Augen aller Arbeiter, denen es ernst mit der Vertretung gewerkschaftlicher Interessen, längst gerichtet. Der Gewerkverein" hat zwar den Streik selbst als faktisch nicht flug bezeichnet und die von Herrn Gleichauf empfohlene Lattik als die einzig richtige hinzustellen versucht, der Gewerkverein" hat ein großes Maß sittlicher Entrüstung über die Socialdemokraten im Deutschen Metallarbeiter- Verband aus gesprochen, aber über den von Herrn Gleichauf empfohlenen und be günstigten Streifbruch ist der„ Gewerkverein" mit Stillschweigen hinweggegangen. Verteidigen konnte er das Verhalten des Generalrats nicht und es zu verurteilen fand er nicht den Mut. Ein andres Organ der Hirsch- Dunderschen Richtung. der in Düsseldorf erscheinende Gewerkvereinsbote" verurteilt rückhaltlos den Streitbruch, welchen die Hirsch- Dunckerschen bei dem Mehlichschen Ausstande treiben. Das genannte Blatt billigt zwar auch die Anficht Gleichaufs über den Streit selbst, sagt aber, nachdem der Streit durch die Mehrheit beschlossen war, durfte Gleichauf ihn nicht eigen mächtig aufheben für die Gewerkvereinsmitglieder. Kein Grund schützt davor, daß von den Gewerkbereinen hier Streifbrecherdienste geleistet worden sind; eine kleine Minorität hat versucht den Willen der Majorität mit Gewalt zu brechen. Der Fall wird doppelt traurig und schwer, weil der Arbeitsnachweis der Gewerkvereine fortgefeßt Streifbrecher an die Firma Mehlig liefert. Die Gewerkvereiner hätten sich nichts vergeben, wenn fie fich feiner Beit auf einen Protest beschränkt hätten, an der Unterstützung für die 20 Mann wäre die halbe Million nicht zu Grunde gegangen." " Die Privatsache. " Hus der Frauenbewegung. Der Vorfall beweist von neuem die Notwendigkeit einer fort gesetzten sorgfältigen Ueberwachung der Schiffe in den Häfen durch die Gesundheitsbehörden. Die Thatsache, daß mit den Waren ein pestinfizierter Rattenkadaver an Land gelangen konnte, ist von großem epidemiologischen Interesse. Daneben sollte man jedoch, nachdem Frauen- Bersammlung in Charlottenburg. Die für Montagabend mun ein unfehlbar wirkendes Mittel gegen die Rattenplage gefunden nach dem„ Boltshause" einberufene zweite öffentliche Versammlung ist, der Bekämpfung derselben alle Kräfte auch dann widmen, wenn des Frauen- Wahlvereins unfres Kreises war wieder vorzüglich " " Ich wußte meinem Kinde nichts zu antworten als:„ Deine felige Mutter hat ihn so sehr lieb gehabt." Meine Tochter fiel bald in ein heftiges Fieber. In ihren Fieberphantasien stieß sie die Worte aus: Jesu, hilf, hitf!- Armer Vater Privatfache- böses Wort häßliches Wort Mutter, Mutter, tomm!" Heute nachmittag legte sich das Fieber. Sie rief mich ans Bett und fing an:" Bitte, lieber Water, bete doch, bete doch für mich!" " " Königsberger Thor. Vor 25 Jahren kam ich auf meiner Wanderschaft nach Ostpreußen und fand in hiesiger Stadt nicht nur Arbeit, sondern auch eine neue Heimat und mein größtes Glück. Ich verheiratete mich mit einem tugendsamen Mädchen. Wir waren un( Eine ostpreußische Geschichte aus unsern Tagen.*) aussprechlich glücklich. Ich hatte viele Kundschaft und reichen VerDer junge Pfarrer faß an seinem Studiertisch, vor ihm Tag dienst. Mein Weib war so gut und fromm. Sonntäglich gingen die aufgeschlagene Bibel. Am vorigen Sonntag war er in sein wir zur Kirche. Wir hatten zwei Kinder. Mein Sohn, ein kräftiger heiliges Amt feierlich eingeführt und hatte gelobt, seiner Herde ein Bursche, wuchs heran und ging schon zum Konfirmandenunterricht. treuer Hirte zu sein und besonders alle armen verirrten Schäflein Da fchickten die Socialdemokraten aus Königsberg ihre Sendboten Als ich mein flehendes Kind anschaute, brach mir das Herz, ein in seiner Gemeinde zu suchen und wieder zurückzuführen. Ein tiefer in unsre Stadt. Ich wollte anfangs von ihnen nichts wissen. Sie Strom von Thränen ergoß sich aus meinen Augen und ich sagte: Seufzer entrang sich seiner Brust. Er wußte es und hatte eben durch gaben mir Schriften. Ich las sie. Das Gift wirkte. Ich ward bald Liebes Mariechen, Dein Vater kann nicht beten. Doch das Kind Gemeinde- Aelteste gehört, daß die Verirrung und Ver ihr eifrigster Genosse. Die Folgen sind schreckliche gewesen. Die ließ nicht nach und flehte noch mehr:" Lieber Vater, mir ist so angst, wirrung durch die Sezer der Umstura partei schon Socialdemokraten lehren:" Religion ist Privatsache," d. h. niemand bete, bete nur ein wenig, nur ein kleines Gebetlein!" Ich schluchate seit mehreren Jahren in die Gemeinde gekommen jei. Gewiß, er hat sich darum zu fümmern, jeder mag glauben, was er will. Diese laut: Kind, liebes Kind, ich kann nicht beten." Das Kind fing an wollte es thun, er wollte auch diesen verblendeten Seelen nachgehen Weisheit brachte ich meinem Jungen auch bei und ließ ihn nicht zu winseln und zu wimmern: Bete, bete, bete doch, lieber Vater!" und ihnen wieder zurechthelfen mit fanftmütigem Geist. Aber wie? fonfirmieren, obwohl mich mein Weib auf den Knien und unter heißen Da stürzte ich mich auf meine nie und schrie laut:„ Vater, der du Wird's gelingen? Ein Gefühl des Bangens und 3agens erfaßte Thränen darum bat. Ich erwiderte ihr: Religion ist bist im Himmel Weiter konnte ich nicht, stockte und stammelte. ihn. Er war in seinem Zimmer allein, und es dunkelte. Da sant Privatsache." Der Junge erlernte mein Handwerk. Zu jeder Mein Kind betete aber leise weiter- bis zu Ende. Als ich mich von et auf seine Stnie und betete:" Herr, hilf Du mir in meiner socialdemokratischen Versammlung nahm ich ihn mit und gab ihm meinen Knien erhob, war sie eine starre Leiche. Schwachheit! Ach laß' mich bald ein verlorenes Schäflein finden!" die Schriften der Socialdemokraten zu lesen. Meine Frau Das ist meine Geschichte, Herr Pfarrer." Die Religion Dieses und Aehnliches erflehte er in heißem Gebet. berzehrte sich vor Gram. teuflisches Wort. 5 Jahren war mein Bube einer der wildesten Agitatoren. Er bekam Fluch denen, die es mich gelehrt! viel Geld für seine Dienste, trant cine Menge Branntwein, und kam ganzen Elends. Herr Pfarrer, giebt es für mich armen Sünder noch trunken nach Hause. Seine Mutter schalt ihn aus und fragte ihn: Vergebung?" Der junge Seelsorger wies auf das Kruzifir hin, das " Fürchtest Du Dich gar nicht mehr vor Gott?" Da wurde der Bube über feinem Pulte stand, und hielt dem Unglücklichen alle Gnadengleich einer wilden Bestie, erfaßte einen Schemel und schlug auf seine verheißungen und Tröstungen desjenigen vor, der gekommen ist, zu Mutter ein, indem er fortwährend schrie: Religion ist Privatfache". suchen und selig zu machen, was verloren ist. Lange blieben sie noch Nach 14 Tagen starb mein Weib, teils aus Gram. teils an den beide zusammen am selbigen Abend, der Hirte und das gefundene Folgen der erlittenen Mizhandlung. Mein Sohn kam ins Zucht- Schäflein. Als sie sich trennten, konnte der eine getrost sprechen: haus. Ich blieb mit meinem fünfjährigen Töchterchen allein zurück." Jesus nimmt die Sünder an, mich auch hat er angenommen. Noch immer blieb mein Herz hart und verstockt, ja ich haßte Gott und die Menschen mehr als je zubor, nur eins war es, was ich über alles lieben mußte: meine liebe Tochter, die Kleine Marie, das leibhaftige Ebenbild ihrer Mutter. Vor 14 Tagen erkrankte sie es war gerade an ihrem zehnten Geburtstage und konnte nicht zur Schule gehen. Ich setzte mich an ihr Bett und streichelte sie. Da umschlang sie mich mit ihren Armen und fragte mich:" Lieber Vater, hast Du den Heiland auch lieb?" Ich wußte nichts zu sagen als: Religion ist Privatsache". Mariechen sprach:„ Ich weiß nicht, was Du sagst; aber ich möchte gern wissen, ob Du dem Herrn Jesus gut bist?" Da klopft es an die Thür. Es tritt ein unbekannter Mann herein. „ Herr Pfarrer, retten Sie mich, retten Sie mich vor der Verzweiflung," spricht die dunkle Gestalt in gurgelndem Tone, wie einer. der das Weinen zu unterdrücken sucht. Indem der Geistliche seine Bereitwilligkeit, zu helfen und zu trösten, ausspricht, hebt er die Lampenglocke ab, um Bicht zu machen. Herr Pfarrer, laffen Sie es dunkel sein; was sollen Sie das Antlig eines Verruchten schauen!" Der Geistliche bietet dem Unglüdlichen einen Stuhl und ersucht ihn, sich niederzuseßen und sein Herz ihm auszuschütten. Ich bin der hiesige Schuhmachermeister G... und wohne am *) Wir entnehmen diese rührende Geschichte den„ Ostpreußischen Erzählungen aus dem Volfe für das Volt" von Hermann Braun. Druck von J. van Riesens Nachfolger in Löhen. Das Büchlein wird vom Lökener Schulrektor den Schulkindern für die Eltern mitgegeben. Um Mißverständnisse zu vermeiden, bemerken wir ausdrücklich, daß es sich um feine socialdemokratische Satire handelt. Das Büchlein ist wirklich erschienen und ernst gemeint. Bei der Reichstagswahl vor ist Privatsache." Das ieles Wort ist die Ursache meines 46 Auf dem schwersten Gange, hinter dem Sarge seines Kindes, stand der junge Seelsorger dem tiefgebeugten Vater zur Seite. Aus den Schlingen der Socialdemokratie ist er durch sein sterbendes Kind gerettet. Er ist ein andrer geworden. Die Hetzschriften der Umsturzleute hat er verbrannt und lieft nun unfren ,, Sonntagsfreund". Bei den Genoffen" und im Wirtshause sieht man ihn nicht mehr, desto häufiger im Gotteshause. Der Herr, der in ihm das gute Werk angefangen hat, wird es auch vollenden durch seine Gnade. besucht. Eingangs feines Referates ging, Genosse Dr. Alberty] Der Gesamtwvert der abgesetzten Werkstattsprodukte( abzüglich der zum Vorwurf, daß er sich bei Schneiders Anstellung ohne weiteres auf die Kampfesart unsrer Gegner im jezigen Wahlkampfe ein und Erzeugung für eigne Betriebe) betrug 1411 900 M. und vermehrte mit jenen Attesten zufrieden gegeben habe. Da Schneider in einzelnen wies besonders die lügenhaften Berichte des Teltower Streisblättchens fich gegen das Vorjahr um 10 Proz. Frrenanstalten nur verhältnismäßig turze Zeit als wärter gewesen sei, so entschieden zurück. Mit Recht meinte er, daß man sich eines mit so Die Verwertung der Walzwaren stellte sich nur um hätte Achtziger sich nach Meinung des Polizeipräsidenten in diesen Anstalten unehrlichen Mitteln kämpfenden Gegners nachgerade schämen müsse. 5 Mark für die Tonne höher als im 3. Quartal des Vorjahres, vor Einstellung Schneiders erst noch näher nach deſſen Qualifikation erIm weiteren Verlauf seiner Rede beantwortete der Referent indem die im Sommer b. J. eingetretene Aufbesserung der fundigen müssen.- Der Bezirksausschuß erkannte jedoch dahin, daß Herrn in eingehendster Weise und unter voller Zustimmung der Ver- Eisenpreise nicht im vollen Umfange aufrecht erhalten werden Achtziger die Genehmigung zum Betriebe der Privat- Frrenanstalt zu fammlung die Frage: Welches Interesse haben die Frauen am fonnte. Der russische Eisenmarkt, welcher seit längerer Zeit erteilen sei. Es könnte dem Kläger kein Vorwurf daraus gemacht Ausfall der Reichstagswahl". Ganz besonders wies er die Frauen fortgesetzt Preisrückgänge zu verzeichnen hatte, zeigte in den werden, daß er nicht noch Rücksprache gehalten habe bei den des Mittelstandes und der kleinen Beamten darauf hin, daß ihre legten Monaten endlich wieder Ansätze zu einer Besserung, einzelnen Frrenanstalten. Auch hätte er nicht wahrnehmen vitalsten Interessen ausschließlich von der Socialdemokratie, der die sich für die Gesellschaft zunächst namentlich in einer leb können, daß zwei der Atteste gefälscht feien. Im übrigen Konsequentesten Bekämpferin des Brotwuchers, vertreten würden. hafteren Beschäftigung der Katharinahütte bemerkbar machte. Die stände fest, daß sich Schneider in der Anstalt Achtzigers sowohl als Den bürgerlichen Frauen hielt er die unglaubliche Inkonsequenz vor, Absazziffer dieses Werkes stellte sich um 25 Prozent höher als im auch in den andren Anstalten, wo er wärter war, ganz unauffällig die darin bestände, daß sie in trauriger Verblendung für die in jeder Vorquartal und um 16 Prozent höher als im 3. Quartal des Vor- benommen habe. Das Ober- Verwaltungsgericht verwarf die hierWeise unzuverlässige Partei Eugen Richters Propaganda machen. jahres, wobei die bisherige abfallende Preisbewegung zum Stillstand gegen eingelegte Berufung des Polizeipräsidenten mit der BeNachdem Genossin Thiel die anwesenden Frauen nochmals an gekommen ist, zum Teil wohl im Hinblick auf die in Rußland in gründung, daß Herrn Achtziger Fahrlässigkeit nicht vorgeworfen ihre Pflichten am Wahltage erinnert hatte, schloß die äußerst animiert Aussicht stehende vorzügliche Ernte. werden könne. verlaufene Versammlung. Der Beschäftigungsgrad auf den Hütten stellte sich auf 13 145 100 Mark gegen 11 700 000 m. im Vorjahre. Verfammlungen. Frauen- Bersammlung in Schöneberg. Vergangenen Mittwoch fand hier eine Versammlung des Frauen- Wahlvereins statt, in welcher Die Arbeiten zur Erschließung der Dubenskogrube haben lebGenosse Dr. Alberth über das Thema:" Welches Interesse haben haften und günstigen Fortgang gehabt, desgleichen die Meliorationen Nowawes- Neuendorf. Der Socialdemokratische Wahlverein hielt die Frauen am Ausfall der Reichstagswahl" referierte. Der Redner auf den älteren Werken. am 3. Juni seine Mitgliederversammlung ab. Unter Geschäftlichem wies nach, daß die Frauenarbeit in Industrie und Landwirtschaft im Schließlich genehmigte der Aufsichtsrat den von der Direktion fonnte der Vorsitzende mitteilen, daß einzelne Gewerkschaften Gelder ständigen Zunehmen begriffen sei und daß in den allermeisten Fällen vorgelegten Bau- Etat zur beschleunigten Fortsetzung jener Arbeiten. für den örtlichen Wahlfonds an den Kassierer abgeliefert haben. Zur der zu geringe Verdienst des Mannes es sei, der die verheirateten Frauen Italienische Konversion. Meldungen aus Rom zufolge brachte Aufnahme in den Wahlverein haben sich 2 Personen gemeldet. Alsaus dem Hause in die Fabrik treibe. Weiter zeigte er, welches gestern der italienische Schahminister in der Kammer einen Gesez dann erstattete Genosse Krzemieniecki Bericht von der VorstandsIntereffe die Frauen an den politischen Tagesfragen und namentlich entwurf ein über eine Konversion der inneren 41/ prozentigen Schuld ſizung, welchem sich eine nochmalige Besprechung über die Reichstagsdem jetzigen Wahlkampfe haben, und beleuchtete eingehend die in eine 31prozentige konsolidierte Schuld und verlangte hierfür die wahl anknüpfte. Im Anschluß hieran gab der Kassierer die Abrechnung Stellung der einzelnen politischen Parteien gegenüber der prole Dringlichkeit. Der Minister hofft, daß hierdurch für das Budget ein von der Maifeier. Alsdann erstattete Genosse Gruhl den Bericht allen Kräften für die Wiederwahl des Genossen zu beit am Ermächtigung, eventuell Vorsorge zu treffen für eine Konversion der Diskussion anschloße tarischen Frauenbewegung. Mit einer kräftigen Aufforderung, mit Nutzen von 7 Millionen Lire sich ergeben werde, und bittet um die von der letzten Gemeindevertreter- Sizung, welchem sich eine kurze 16. Juni einzutreten, und einem begeisternden Hoch auf die Social- konsolidierten 5prozentigen und 4prozentigen Schulden in 31/ prozentige, den 11. Juni, abends 82 Uhr, findet bei Diefe, Aderstraße 123 eine BeAchtung! Arbeiter des Kreises Ruppin- Templin! Donnerstag, demokratie schloß die Versammlung. ohne sich von neuem an das Parlament wenden zu müssen. sprechung statt über unsre Arbeiten am Wahltage. Aus Induftrie und Handel. In der Aufsichtsratssitzung der Vereinigten Königs- und Laurahütte, die heute hier stattfand, berichtete die Direktion über das Ergebnis des 3. Quartals des laufenden Geschäftsjahres, d. i. der Monate Januar- März 1903. Gerichts- Zeitung. Gleichzeitig richten wir die Bitte an die Parteigenossen des 6. Kreises, welche am Wahltage draußen thätig sein wollen, ebenfalls zu erscheinen. J. A.: Ludwig Krasemann. Barometerstand mm Wind richtung Windstärke Better Temp. n. C. 5° C. 4° R. Stationen Barometerſtand mm richtung Wind Windstärke Wetter Temp. n. T. 260021 4wolten! 12 wolten! 15 Dem Inhaber einer Privat- Jrrenanstalt in Charlottenburg, Herrn Achtziger, wurde im Jahre 1900 die ihm von einer unzuständigen Behörde 1887 erteilte Konzession widerrufen. Er beantragte nunmehr Stationen bei dem hierfür jezt zuständigen Polizeipräsidenten von Berlin, ihm Der Brutto- Gewinn in diesem Quartal betrug nach Abzug aller die Erlaubnis zum Betriebe einer Privat- Frrenanstalt zu erteilen. Unkosten und der Obligationszinsen 1 682 397 M., d. i. gegen das gleiche Der Polizeipräsident verweigerte dies, worauf A. beim Bezirksausschuß Swinembe. 766 O Quartal im Vorjahre um 234 415 M. gleich 16 Proz. mehr. Die flagte. Der beklagte Polizeipräsident bestritt in der Klage- Erwiderung Hamburg 764 OND Produktion ergab, wie der Bericht besagt, an allen wesentlichen die Zuverlässigkeit Achtzigers, indem er geltend machte, dieser habe Berlin 764 DSD Stellen eine Aufbesserung. Die Steinkohlenförderung stieg auf eine ungeeignete Person als Oberwärter engagiert und behalten. Im Frantj.a.M. 758 SO 635 733 Tonnen gegen 565 251 im Vorjahr, d. i. um 12 Proz., wo- Jahre 1898 ist jemand in der Frrenanstalt Achtzigers unter Umständen München bei der Absatz um 34 102 Tonnen stieg und eine Herabminderung gestorben, die es wahrscheinlich erscheinen ließen, daß ihn der Oberwärter Wien der durchschnittlichen Verwertung um 32 Pf. per Tonne eintrat, Schneider mißhandelt habe. Das Obduktionsprotokoll enthält indes weil die Kleinkohlenpreise von der Konvention ermäßigt wurden. Die nichts Bestimmtes darüber. Damals wurde auch der Frage näher Erzeugung von Roheisen erhöhte sich auf 54 954 Tonnen( gegen getreten, ob Schneider selber geistestrant sei. Es wurde festgestellt, 49 820 Tonnen, d. i. um 10 Proz.) Die Produktion an Walzwaren, daß Schneider früher nicht nur in Frrenanstalten als wärter, sondern Röhren und Gußwaren betrug 51 293 Tonnen( gegen 50 722 Tonnen). mehrmals auch als Pflegling war. Ueber seine Thätigkeit als Briefkaften der Redaktion. Auch für die Werkstätten der Gesellschaft konnte die erforderliche Wärter hatte er nur günstige Atteste aufzuweisen, wovon sich aber A. 3. 100. Freidenkerische Bestrebungen.- K. P. Wenden Sie sich Arbeit, wenn auch z. T. zu gedrückten Preisen hereingeholt werden. zwei als gefälscht erwiesen. Der Polizeipräsident macht mun Achtziger an Herrn Karl Fischer, NW. Waldstr. 8. Inserate Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 10. Juni. Anfang 72 Uhr: Opernhaus. Der Waffenschmied. Schauspielhaus. Der Geigenmacher bon Cremona. Die Schule der Frauen. Deutsches. Monna Banna. Residenz. Lustige Ehemänner. Vorher: Nach dem Balle. Westen. Alt- Heidelberg. Central. Pick und Pocket. Anfang 8 Uhr: Schiller O.( Wallner- Theater.) Nach Jahr und Tag. Abschied vom Regiment. Der grüne Kakadu. Schiller N.( Friedrich- Wilhelmstädt. Theater.) Die Here. Berliner. Martha. Nenes. Arche Noah Thalia. Die schöne Ungarin. Kleines. Nachtasyl. Belle- Alliance. Der Zigeunerbaron. Carl Weiß. Das Geheimnis des roten Hauses. Metropol. Neuestes! Allerneuestes! Apollo. Die Liebesinsel. Specialt täten. Passage- Theater. Specialitäten. Wintergarten. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Von der Zugspike zum Wahmann. Invalidenstraße 57/62. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Central- Theater Heute und folgende Tage, Anf. 8 Uhr: Pick und Pocket. Schwank mit Gesang und Tanz in 3 Atten nach dem Französischen von Hans Brennert und Erich Urban. Musik von A. Baués. 752 67/ DSD 1bedeckt 15 Haparanda 771 S 4wolfig 15 Petersburg 772 Still 4 heiter 15 Cort 764 ND 5 bedeckt 4 balb bd. 18 Aberdeen 759D 5 heiter 13 Paris 757 DSD 2halb bd. 11 762D 2wolfen! 16 Wetter- Prognose für Mittwoch, den 10. Juni 1903. Etwas wärmer, vorwiegend heiter und troden bei ziemlich lebhaften Berliner Wetterbureau. südöstlichen Winden. für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. Urania. Taubenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr: Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Mittwoch abend 8 Uhr: Nach Jahr und Tag. AbSchiller- Theater N. ( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater). Mittwoch abend 8 Uhr: Die Hexe. Von der Zugspitze schied vom Regiment. Trauerspiel in 5 Aufz. v. A. Fitger. zum Watzmann. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. Castans Panoptikum Friedrichstr. 165. Neu! Ein spiritistisches Rätsel, Enthüllungen über Anna Rothe.: Neu! Der Gummimensch! Neu! Die Illusion ,, Auferstehung". Neu! Karl Forschneritsch gen. Paganini redivivus, mit seiner Wiener Elitekapelle, Promenaden- Konzerte. grosse Der grüne Kakadu. Donnerstagabend 8 Uhr: Nach Jahr und Tag. Abschied vom Regiment. Der grüne Kakadu. Freitagabend 8 Uhr: Dieselbe Vorstellung. Donnerstagabend 8 Uhr: Der Meister von Palmyra. Freitagabend 8 Uhr: Zum erstenmal: Berlin, wie es weint und lacht. Max Kliem's Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: 17182* Grosses Konzert, Theater- und Specialitäten- Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 hochelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand 2c. In den Sälen: Familien- Kränzchen. Am Am Belle- Alliance- Theater. Der Zigeunerbaron Operette von Johann Strauß. Aurelie Rebh. Schuster- Wirth. Siegfried Adler. Sonnabend: Artemis Colonna. Im Sommergarten: Specialitäten Vorstellung. Konzert. The american Ebony- Bells. W. Noacks Theater. Direktion: Robert Dill. Brunnenstrasse Täglich: 16. Gr. Theater- Vorstellung. Anfang 6 Uhr. Entree 30 Bf. Dienstag und Donnerstag: Ball. Prater- Cheater Kastanien- Allee 7-9. Direttion: M. Kalbo. Säglich: Das Bild der Mutter. Passage- Theater. Königsthor. Schweizer- Garten. Friedrichshain, affect the an Ad Anf. Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Ende 11 Uhr. Carla Lingen in ihrem Repertoire. Erna Koschel. Josefine Deleliseur. Ganz Berlin zerbricht sich schon den fünften Monat den Kopf über AGA! die schwebende Jungfrau! 14 erstklassige Nummern. OOLOGISCHER CARTEN Täglich nachm. 5 Uhr: Residenz- Theater Militär- Doppel- Konzert. Direktion: Sigmund Lautenburg. Anfang 74 Uhr. Lustige Ehemänner. Schwank in 3 Akten von A. Mars und Albert Barré. Deutsch v. Schönau. Vorher: Nach dem Balle. Schwank in 1 Aft nach d. Spanischen des M. Carrion von M. Loebel. Morgen und folgende Tage: Diefelbe Borstellung. Carl Weiss- Theater. Große Frankfurter: Straße 132. Entree 1 M., von abds. 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder die Hälfte. In der Arena: Elefantenmutter mit saugendem Baby, Shetland- Pony mit Zwergfohlen. Neues Theater Schiffbauerdamm 4a- 5. Anfang 8 Uhr: Gastspiel Hansi Niese. Arche Noah. Das Geheimmis des roten Hauses. Kleines Theater. Engl. Sensationskomödie in 6 Bildern von Hungerfield. Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntagnachmittag 3 Uhr( Barkett 60 Pf.): Der Liebe Gebot. Im Garten: Konzert, Theater- und Specialit.- Vorstellung. The Liepelts, Turmseilläufer. Anf. 5½ Uhr. Unter den Linden 44. Anfang 8 Uhr. Nachtasyl. Täglich Theater- Vorstellung. 14 Lustspiel- und Possen- Novitäten. Neues Artisten- Programm. Jeden Abend 10%, Uhr: Das Allerweltsgenie. Große Posse mit Gesang und Tanz in 2 Bildern. Täglich: Ball. Volksbelustigungen. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. Metropol- Theater. Fröbels Allerlei-Theater Der grösste Erfolg dieser Saison! Zum 149. Male: Neuestes! Allerneuestes! Dramatische Revue in 5 Bildern. Glänzendes Ballett. 300 Mitwirkende. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo- Theater Täglich: Mit kolossalem Beifall: Die Liebes- Insel. Im 3. Akt: Die lebenden Briefmarken. Grosses Post- Ballett. Vorher: Neue glänzend. Specialitäten. früher Puhlmann. Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Fröbel. Grosser Elitetag: Der erfolgreiche, brillante Juni Spielplan. Konzert, Theater u. Specialitäten. 8 Uhr: Das große Volksstüd: Zur rechten Stunde. 10 Uhr: Die verkehrte Welt Figliola. 10%, Uhr: Molly Verch. 103 Uhr: DieKatakomben von Paris. Täglich Großer Ball. Sonntags 4 Uhr. Anfang: Wochentags 5 Uhr. Eintritt 30 Pf., Sperrfiz 50 Pf. Reichshallen. Bernhard Rose- Theater Stettiner Sänger. In der Klemme. Humoreste von Mehsel Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Gesundbrunnen. Badstr. 58. Paul Taglioni, Ballettparodist. Helen Chaché, die 11jährige unerreichVolksstück mit Gesang und Tanz in 3 Aften von A. Seelen u. D. Richter. Konzert und Ball. Auftreten erftflaffiger Attraktionen. U. a.: Marcell, Schröder u. Denter, Relampagos Troupe; Overgard. Ein fideles Gefängnis Große Pantomime, Mokaschly Troupe. Die Expedition. WINTE 8 BARTEN 765 Neues Programm. Agnes Säther, norweg. Soubrette. Miss Votana, Schulreiterin. Ellmanns Alpen- Gesangs- u. TanzQuintett. Jim und Jam, komische Akrobaten. Die Biseras, weibl. Trompetercorps. Urbani u. Sohn, akrobat. Produktion. Pia Carozzi, Harfen- Virtuosin. Diana, amerik. Spiegeltänzerin. Adele Moraw, Soubrette. " Charles Baron in seiner Scene:„ Im Löwenkäfig". Allison- Truppe, ikarische Spiele. , Der Schönheitspreis!" Ballet- Divert. Biograph. Diez' Specialitäten- Theater Landsberger Allee 76-77 Obschön!( Ringb.- St.). Db Regen! Täglich das unerreichte Juni- Programm! Robert u. Ber tram. Clown Dolly. Friz Brand. Cafe- Walt. Boccaccio- Trio 2c. Sonnabend, Sonntag ut. Montag Tanz Anf. 4 Uhr. Eintr. 30 Bf., num. 31. 50'pfNeue Welt Ostbahn- Park. Am Küstrinerplatz. Rüdersdorferst. 71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater und SpecialitätenVorstellung. Sanssouci. Täglich im Garten: Hoffmanns Norddeutsche Sänger. Anfang: Sonntags Konz. 5 Uhr, Vorstell. 7 Uhr. Wochentags: Konz. 6 Uhr, Borstell. 8 Uhr. Sonnt., Mont. u. Donnerst. nach der Soiree: Tanz. Etablissement bare Trapeztünſtlerin. Richard Wagner, Buggenhagen beliebter Konzert- und Liedersänger. Clara Antonie, Kostüm- Soubrette mit neuen Schlagern. Schmidt- Hawkins, beliebter Humorist. Eugenia Wermke, Meisterschafts- Athletin vom Wintergarten. Brothers Shadow, moderne Gladiatoren vom Cirkus Busch. Willy Agoston in !!! Berlin auf Stelzen!!! Anfang 4 Uhr. am Moritzplatz. Jeden Tag: Konzert des berühmten Drchesters des Signor Vincenzo Ferrara. Donnerstag, Sonnabend, Sonntag im Kaiser- Saal: Tanz. Hasenheide 108/114. Arnold Scholz. Mittwoch, den 10. Juni 1903: Grosses Kinder- Freudenfest verbunden mit Gratis- Verlosung. Hauptgewinn für Knaben: Eine filberne Remontoir- Uhr. Hauptgewinn für Mädchen: Eine filberne Damen- Uhr. Gala- Specialitäten- Vorstellung. Anfang 4 Uhr. Entree 15 Pf. Königstadt- Kasino. Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderftr. Bei günst. Witterung im Garten. Anthropos, der künstliche Mensch. Paul Ybbs, Musit. Imitation. R. Schauß, Geschw. Wendt, Marion. Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Tanz. Achtung, Vereine! Juni, Juli, August( auch im Herbst) noch Sonnabende zu Theater, Bällen und Sommerfesten frei unter ganz günstigen Bedingungen frei. 17132* F. Scholz Festsale und Garten Gr. Frankfurterstr. 74. Auch steht mein Saal zu Bers sammlungen zur Verfügung. Jeden Sonntag Großer Ball. Anfang 4 Uhr. Dr. Schünemann, Specialarzt für Haut, Harn- und Frauenleiden, Seydelstr. 9. 12-13, 6-8, Sonnt. 9-11, Erster Wahlkreis. Hente, Donnerstag, den 11. Juni, abends 8 Uhr, in Cohns Festsälen, Beuthstr. 19/21: Charlottenburg. Donnerstag, den 11. Juni 1903, abends 82 Uhr, im ,, Volkshaus", Rosinenstraße Nr. 3: Wähler- Versammlung. Oeffentliche Wähler- Versammlung. Die Besort 200119 Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Georg Ledebour über:„ Die Reichstagswahlen." 2. Diskussion. Ansprache des Kandidaten Dr. Leo Arons. Zahlreichen Besuch erwartet 208/4 Das Komitee. 2. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Wählerversammlungen: Mittwoch, den 10. Juni, abends 8 Uhr, in Kliems Festsälen, Hasenheide 13/15: Referent Genoffe Georg Ledebour. Mittwoch, den 10. Juni, abends 8 Uhr, im Wilhelm Theater", Friedrichstraße 236: Referent Genosse Dr. Alfred Bernstein. Freitag, den 12. Juni, abends 8 Uhr, in der Berliner Bockbrauerei", Tempelhofer Berg: Referent Genosse Paul Singer. Sonnabend, den 13. Juni, abends 8 Uhr, im„ Wilhelm- Theater", Friedrichstr. 236: Referent Genosse Arthur Stadthagen. Tagesordnung in allen Bersammlungen: ,, Die Reichstagswahlen und die bürgerlichen Parteien". Recht zahlreichen Besuch erwartet [ 210/ 11*] Das Wahlkomitee, Dritter Wahlkreis. Tages- Ordnung: bevorstehende Reichstagswahl. Referent: Stadtverordneter Fritz Zubeil. Freie Diskussion. Das Wahlkomitee. Stukkateure. 203/5 Mittwoch, 10. Inni, abends 8 Uhr, im großen Saale des Central- Arbeitsnachweises, Gormannstraße 13: Allgemeine Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Berlesung des Wahlreglements. 2. Feststellung der zur Wahl stehenden KandidatenListen. 3. Wahl der Schlichtungs- resp. Arbeitsvermittelungs- Kommission auf Grund des Tarifvertrages vom 16. Mai 1903. 4. Verschiedenes. 175/ 10* Zugelassen werden nur Kollegen gegen Vorzeigung ihres betreffenden Organisations- Mitgliedsbuches oder der Invaliditätskarte. Zur Deckung der Unkosten wird ein Entree von 10 Pf. erhoben. Der Einberufer. Droschkenkutscher! Goldleisten. Heute, Mittwoch, 10. Juni, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, metall sofort, dauernd, bei hohem Engel- Ufer 15: Tüchtige Vergolder für Bronze und Lohn gesucht. Nur erste Kräfte wollen 17782* Oeffentliche Protest- Versammlung. H. Freiberg u. Co., gegen die in jüngster Zeit gegen Kutscher verhängten hohen Strafbefehle. Tages- Ordnung: 18785 Vortrag des Syndikus des Vereins Berliner Droschkenkutscher Herrn Rechtsanwalt Oskar Schreier. Sämtliche Fuhrwerksinteressenten laden wir hiermit zu dieser Versammlung ein. Das Agitationskomitee. Wähler- Versammlungen Vorwärts- Buchhandlung Mittwoch, den 10. Juni, abends 8 Uhr, 1. im Lokale des Herrn Jannaschk, Inselstraße Nr. 10. Referent: Redakteur Georg Bernhard. 2. im Märkischen Hof", Admiralstr. 18e. Referent: Dr. J. Zadek. Tagesordnung in beiden Versammlungen: 1. Die Bedeutung der bevorstehenden Reichstagswahl. 2. Diskussion. Donnerstag, den 11. Juni, abends 8 Uhr, 1. im großen Saale von Buggenhagen, am Moritzplatz. Tagesordnung: 212/ 8* 1. Die bevorstehende Reichstagswahl und unsre Gegner. Referent Genosse Paul Singer. 2. Diskussion. 2. im Lokale des Herrn Feuerstein, Alte Jakobstr. 75: Tagesordnung: 1. Die Bedeutung der bevorstehenden Reichstagswahl. Dr. Paul Bernstein. 2. Diskussion. Referent: Außer den Referenten wird auch der Kandidat Wolfgang Heine eine Ansprache Halten. Rege Beteiligung von Wählern aller Parteien erwartet Das Wahlkomitee. Vierter Wahlkreis. Donnerstag, den 11. Juni, abends 8 Uhr: m Zwei Wähler- Versammlungen in den Lokalen SW., Lindenstr. 69. Neuerscheinungen unsres Verlages: Die Kaiserreden im Reichstag und die Socialdemokratie. M. 0,20 Der Umsturz im Reichstag, eine Darstellung der Kämpfe um den Bolltarif nach dem amtlichen Stenogramm M. 0,20 Die Vernichtung der Social: demokratie durch den Gelehrten des Central Verbandes deutscher Industrieller, herausgegeben im beutschen Socialdemokratie M. 0,20 Auftrage des Barteivorstandes der Zeitungsfremdwörter und poli tische Schlagworte, verdeutscht u. erläutert v. Dr. A. Braun, M. 0,25 Die Frauen und die Politik von Lily Braun M. 0,20 Christliche Arbeiterpflichten, jesuitische Fragen und socialdemokratische Antworten. M. 0,20 Die agrarische Gefahr, eine Dar stellung ihrer Entstehungsgeschichte, ihrer Macht und legten Biele, von Paul Göhre M. 0,20 Socialdemokratie und Centrum, von A. Bebel M. 0,20 Schleunige Räumung der Lagerbeflände in Herren- Stoffen für Anzüge, Paletots, Kinderanzüge usw. beabsichtigen 15272* 7168L* Deutsche Amerikanische Leistenfabrik Oberkaffel- Düsseldorf. Gewerbegericht zu Berlin. In der Streitsache der Stukkateure Sigung vom 16. Mai 1903 vor dem ist auf Grund der Vorschläge in der Einigungsamt des Gewerbegerichts zu Berlin, nach zuvor erfolgter Anrufung durch beide Teile, ein Tarif zwischen den Parteien vereinbart worden, welcher in Gemäßheit des ,, Gemeindeblatt" öffentlich bekannt 70 des Gewerbegerichts- Gesetzes im gemacht worden ist. Tarif für die Stuffateurgehilfen Berlins und Vororte. Arbeitszeit bei Lohn- und AccordKoch& Seeland arbeit für Bau und Werkstatt Tuchfabrik- Niederlage Berlin C., Rossstr. 2. und Damenuhren Goldwaren zum halben Preise im Ausverkauf des Uhrmacher Barth'schen Konkurslagers, Chausseestr. 21. 1711L* Sofastoffe Winke für die Reichstagswahlen Riesenauswahl aller Qualitäten. M. 0,10 Die katholische Kirche und die Socialdemokratie, bon Karl M. 0,30 Kautsky Eugen Richters Socialisten: spiegel: die Wahlfälschungen der Aktiengesellschaft Fort: schritt M. 0,20 Die Lebensmittelzölle und die indirekten Steuern, wer fie zahlt und wem sie nüßen . Sanssouci, Rottbuser- Straße Nr. 4a. Urania, rangel- Straße Nr. 10-11. wen soll der Arbeiter wählen? Referenten: Die Reichstags- Abgeordneten Richard Fischer Wilhelm Pfannkuch. 214/ 17* und Zages Ordnung: 1. Die Bedeutung der bevorstehenden Reichstags- Wahl. 2. Diskussion. Rege Beteiligung von Wählern aller Parteien erwartet V. Das socialdemokratische Wahlkomitee. Kreis! Freitag, den 12. Juni, abends 8½ Uhr: Gr. öffentl. Wähler- Verfammlung 1. bri Leydecker, Sophienstraße 34. Zages Drdnung: Die Verbrüderung der Freifinnigen und Antisemiten. Referent: Reichstags- Kandidat Robert Schmidt. 2. Diskussion. Wäbler aller Parteien sind eingeladen. Zahlreichen Besuch erwartet Das Wahlkomitee. 217/ 10* Socialdemokratischer Wahlverein der Frauen Berlins u. Umg. Versammlungen. bei Herrmann( früher Cohn), Beuthstr. 19. Referentin: Genoffin Mittwoch, den 10. Juni, Dr. M. Hofmann über: Die Entwicklung der Frau zur Socialdemokratin. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 181/ 9* Donnerstag, den 11. Juni, bei Wernau, Schwedterstr. 23. Referent: Stadtverordneter Hugo Freitag, den 12. Juni, im folale Königsbank, Große Frankfurterstraße 117. Referentin Genoffin Dr. Wally Zepler. Mitglieder erhalten gegen Vorzeigung ihrer Mitgliedskarte eine Broschüre gratis. Männer und Frauen als Gäste sind willkommen. Der Vorstand. . 0,10 Ein Wahlaufruf an die Arbeiter in Stadt u. Land, v. R. Calmer M. 0,10 Der Korbmacher Fischer im Lichte der Wahrheit. M. 0,05 An den Einzelnen, auf den es nicht ankommt!. M. 0,05 Note Wahlen 1903, eine politische, durch geniale Künstlerhand prächtig ausgestattete Flugschrift M. 0,10 olle. Reste Moquetts, PlüschSatteltaschen. Muster bei näherer Angabe franco. Berlin, Emil Lefèvre, 158. Oranienstr. teppdecken fauft man am preiswertesten nur direkt in der Fabrit, 72 Wallftraße 72, wo auch alte Steppdecken aufgearbeitet werden. B. Strohmandel, Berlin 14. 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Hat ein Werkstattarbeiter als solcher Arbeiten auf dem Bau auszuführen, so sind dieselben ertra zu vergüten. Ueberstunden für Accordarbeit bleibt der freien Bereinbarung überlassen. Allgemeine Bestimmungen. Die Einrichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises ist zu bewirken. Als Mitglieder sind zu wählen fünf Arbeitgeber und fünf Arbeitnehmer. Die Wahl der Arbeitnehmer erfolgt mittels Proportionalwahlen durch Listenwahl. Es soll ferner eine SchlichtungsKommission, bestehend aus 5 Arbeitgebern und 5 Arbeitnehmern, durch dieselbe Proportionalwahl erwählt werden. Diese Schlichtungs- KomBaustellen i. Erkner, termission hat die Befugnis, alle geNeu- Zittau 50 f., Dabendorf m. Bau- verblichen Streitigkeiten, namentlich Konsens 72 Pf., bei Grünau 143 Pf. und Aussperrungen führen können, solche, welche eventuell zu Streits vert. unt. reellen Zahlungsbedingungen Schulz, Rigdorf, Renaustr. 12/13, v. III. DIE REICHSTAGSWAHL Extra- Nummer des SIMPLICISSIMUS erscheint am 10. Juni 12 Seiten Illustrationen und Text. Preis 40 Pf. Ueberall vorrätig; direkt vom Verlag Albert Langen in München für 45 Pf. in Marken. Wir empfehlen: 233/ 6* Wabl- Poftkarten in 2 Ausführungen. 1. So muß es kommen. 2. Das freie Wahlrecht ist das Zeichen...! " " " schwarz 100 Stüd M. 3,-; 500 Stüd m. 12,50; 1000 Stüď M. 20, foloriert 100 5,-; 500 22,75; 1000 45, Diese Postkarten werden am Wahltage viel verlangt werden. Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW., Lindenstr. 69. zu schlichten. Die Kommission soll auch einen Tarifvertrags Entwurf rechtzeitig vorlegen. Wenn die Kommission die Streitigkeit nicht schlichten kann, oder der neue TarifvertragsEntwurf die Billigung nicht findet, so ist unverzüglich das Einigungsamt anzurufen. Maßregelungen wegen des Streits dürfen seitens der Arbeitgeber nicht borgenommen werden, ebensowenig darf eine Behelligung derjenigen Stuffateure stattfinden, welche wäh rend des Streits gearbeitet haben. Dieser Vertrag hat Gültigkeit für die Dauer von zwei Jahren, und zwar bis 15. Mai 1905 und soll jedesmal auf ein Jahr weiterlaufen, wenn nicht seine Kündigung 3 Monate vor Ablauf stattfindet. Der Tarifvertrag gilt nicht bloß für die Centralorganisation der Stuftateure Deutschlands, Filiale Berlin, sondern auch für die Freie Vereinigung der Stuffateure Berlins und Umgegend, wie dies hiermit aus drücklich bekundet wird. Credit. Monatlich 10 Markliefere Anzüge, Paletots nach Maß. Ber Kaffe allerbilligste Preise. Wer selbst Stoff hat v. 20 M. an. Schneidermstr., Tomporowski, Prinzenstr 55. Land 2 Mark südwestlicher Borort, Wochen Abzahlung. Bar. zelle 60 th. 300 Mart, nur mündlich, verkauft Hinsche, Wismannstr.4.[ 10132* Rabitzputzer, Rabitzspanner u. Cementierer Berlins und Umgegend. Infolge des am 15. Mai 1903 vor dem Berliner Gewerbegericht abgeschlossenen Tarifvertrages, welcher die Lohn- und Arbeitsbedingungen für das Rabik- und Cementierergewerbe regelt, haben es die Vorstände der genannten Branchen als dringend notwendig erachtet, oorläufig einen Kollegen mit der Agitation zur Durchführung der vereinbarten Lohn- und Arbeitsbedingungen, sowie mit der Schlichtung von Differenzen mit unsern Arbeitgebern zu betrauen. Eine aus allen drei Branchen zusammengesette größere Sizung hat den Kollegen Karl Nieke beauftragt, die Sache vorläufig in die Hand zu nehmen, bis eine gemeinsame Versammlung der interessierten Berufe offiziell zu der Angelegenheit Stellung genommen hat. Alle vorkommenden Differenzen wolle man deshalb an Unterzeichneten, Engelufer 15, Bimmer 29( Fernsprecher VII, 4289) melben, ins, besondere werden die Kollegen ersucht, uns alle Berfehlungen der Unternehmer gegen den Tarif sofort mitzuteilen, damit die notwendigen Maßregeln ergriffen werden können. 252/ 16* Die Vorstände der Rabikputer, Rabikspanner und Cementierer. J. A.: Karl Nieke. Nach 30 tägiger Probe Retournahme! Gefeßlich geschützt. VENUS 99 , Venus" ist das einfachste und bequemste „ Fernglas" hat eine derartige Bergrößerung, wie solche nur durch ausgezeichnete und 1 euere Feldstecher erreicht werden kann, bequem in der Westentasche zu ti agen, per Stück gegen Einsendung von nur 1,70 Mark auch Briefmarken frei ins Haus. Urteil eines Fernglas gefällt mir recht gut, auch mein Kunden: Nachbar ist mit seinem recht zufrieden. Haupt- Katalog gez.: H. 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Die durch den Tod unsres Genossen Kaufmann frei gewordene Stellung des Geschäftsführers der Druckerei und des mit Buchhandlung verbundenen Verlages der Leipziger Volkszeitung" ist anderweitig zu besetzen. Bewerber wollen unter Angabe ihrer bisherigen Stellung und ihrer Ansprüche fich bis 20. Juni d. J. melden. 17818 Abreffe: Paul Kleemann, Leipzig, Gerberstr. 14. Borsitzender des Aufsichtsrats. Nr. 132. 20. Jahrgang. 2. Mze des.MMs" Kcrlim WsM Mittwoch, 10. Juni IM. Prozeß gegen die Pommernbank. In der gestrigen Sitzung kam es zunächst zu lebhaften längeren Erörterungen über die bei der Reorganisation der Pommernbank getroffenen Sanierungsmaßnahmen. Bankdirektor Dernburg nimmt das Wort zu längeren Aus- führungen zur Bekämpfung des gestern abgegebenen Gutachtens der Büchersachverständigen Bergmann und Gorski. Er setzt auseinander, daß nach den Ermittelungen der Kommission an den Deckung»- Hypotheken ein Verlust von 16(XX) 000 M. und an den fteien Hypotheken ein Verlust von 2 000 000 M. eingetreten sei. Das Aktienkapital sei deshalb verloren. Ob ein Verlust eingetreten oder nicht, lasse sich aus einer Bilanz überhaupt nicht erkennen, ebensowenig aus dem Vergleich zweier Bilanzen. Verluste seien nur festzustellen durch Aufnahme der Inventur und die Bewertung der Objekte. Bücher-Sachverständiger Bergmann verwahrt sich cutschieden gegen den Vorwurf, daß sein Gutachten auf falschen Grundsätzen ausgebaut gewesen sei, und glaubt klipp und klar nachgewiesen zu haben, daß die Bilanz, auf deren Grundlage die Reorganisation stattgefunden, eine falsche gewesen sei. Die Debatte hierüber ist eine außerordentlich lebhafte. Außer Herrn Direttor Dernburg beteiligt sich hieran auch wiederholt der Angeklagte Schultz in besonders nachdrücklicher Weise. Er wünscht zu wissen, wo die Jmmobilien-Verkehrsbank geblieben sei und behauptet, daß diese von den Großbanken einfach an die Wand gedrückt worden sei. Die 12 690 000 M. hätten von der Immobilien- Verkehrsbank heruntergeschrieben werden müssen. — Sachverständiger Geh. Rat Hecht erklärt auf Beftagen, daß er den Ausführungen des Dir. Dernburg nichts hinzuzusetzen habe.— Auch Regierungsrat a. D. Guttmann äußert sich im Sinne des Dir. Dernburg. Auf Beftagen erklärt Sachverständiger Bergmann, daß die vom Angekl. Schultz gemachten Darlegungen ohne Zweifel richtig seien.— Sachverständiger Bücherrevisor Bachmann erklärt, daß er sich dem Bergmannschen Gutachten nicht anschließen könne.— Der Vorsitzende beendet diese Diskussion mit der Bemerkung: Die Beweisaufnahme habe nicht den Zweck, daß sich die Sach- verständigen gegenseitig überzeugen. Es werde Sache des Gerichts sein, die Sachverständigen-Gutachten seinerseits zu würdigen. Hierauf wird auf das gestern angeschnittene Thema„Verluste bei der Strelitzbank" übergegangen. Auf die gestrigen Ausführungen des Direktor Guttmann äußert sich in ausführlicher Rede der Angekl. Romeick, um darzulegen, daß bei der Strelitzbank alles ordnungsmäßig zugegangen sei, daß von einem Verlust von 12 565 166 M. keine Rede sein könne, und daß etwa wirklich eingetretene Verluste nicht auf das Conto der Angeklagten zu setzen seien. Auf Ersuchen des Angeklagten Romeick äußert sich Bücherrevisor Kruse über die Verluste der Strelitzbank. Nach Ausweis der Bücher verringere sich der in der Anklage berechnete Verlust von 12 555 166 M. dadurch, daß der Strelitzbank von der Pommernbank in bar 1000 000 M. gegeben sind, auf 11 555 166 M. Von diesem Be trage seien vor allen Dingen, wie auch der Sachverständige Reuter dies in seinem Gutachten gethan habe, diejenigen Strelitz-Aktten im Nominalbeträge von 6 175 000 M. in Abzug zu bringen, loelche der Strelitzbank von der Pommernbank übergeben sind. Indessen müssen diese Strelitz-Aktien nicht zum Nominalwert, sondern mit dem Realwert in Abzug gebracht werden. Dieser reelle Wert betrage 7 533 50