Nr. 145. Abonnements- Bedingungen: B Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit Wustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Boft. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitungs. Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Auslank& Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 20. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolone zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 20 fg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Infecate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Noreffe: ..Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der socialdemokratischen Partet Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 25. Juni 1903. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Stichwahl- Losung! Am 25. Juni stimmen alle Arbeiter, alle Gegner des Brotwuchers, alle Gegner der Reaktion, alle Freunde freiheitlicher Entwicklung: in Berlin I für Leo Arons; in Spandau- Osthavelland für Karl Liebknecht; in Oberbarnim für Bernhard Bruns; in Frankfurt a. O. für Heinrich Braun; in Zauch- Belzig für Ferdinand Ewald; in Westprignitz für Dr. Weyl; in Ruppin- Templin für Max Kiesel; in Guben- Lübben für Franz Kotzke; in Landsberg- Soldin für Wilhelm Pätzel; in Kalan- Luckau für Hermann Schubert; in Arnswalde- Friedeberg für Ernst Obst: in Kottbus für Otto Antrick. Auf zum Kampfe, auf zum Siege! Zur Stichwahl. Heut ist die Stichwahl. Dabei gelten dieselben Vorschriften wie bei der Hauptwahl. Die Wahlhandlung beginnt um 10 Uhr vormittags und wird um 7 Uhr abends geschlossen. Niemand darf nach 7 Uhr abstimmen. Jeder gehe so frühzeitig zur Wahl, wie irgend möglich, damit nicht gegen den Schluß der Andrang zu groß ist und so mancher Wähler um sein Wachlrecht gebracht wird. Bei der Stichwahl gelten die gleichen Wählerlisten wie bei der Hauptwahl. Wer bei der Hauptwahl die Abstimmung bersäumt hat, der erfülle um so eiliger seine Pflicht bei der Stichwahl, da es hier mehr wie je auf jede einzelne Stimme anfommt. Arbeiter, die in Berlin arbeiten und in Nachbarkreisen wohnen, wo Stichwahl ist, werden deshalb ersucht, wenn sie es irgendwie ermöglichen können, zur Stichwahl nach Hause zu fahren und ihr Wahlrecht auszuüben. Das gilt für die Kreise der Provinz Brandenburg: Rottbus, Guben- Lübben, Oberbarnim, Kalau- Ludau, Ruppin- Templin, Landsberg- Soldin, Westprignik, Osthavelland, Zauch= Belzig, Frankfurt a. D., Arnswalde- Friedeberg, wie auch für den pommerfchen Wahlkreis ledermünde- Usedom. Bleibe kein Arbeiter der Wahlurne fern. Der 25. Juni muß vollenden, was der 16. so herrlich be gonnen hat! Aus eigner Kraft! los zur Unterstützung der Socialdemokratie aufzufordern. nicht geradezu für den Reaktionär eintreten, da haben sie feig und heimtüdisch Stimmenthaltung proklamiert. Wir haben wiederholt ziffernmäßig unwiderleglich nachgewiesen, daß es an fich möglich wäre, durch ein gemeinsames geschlossenes Vorgehen der Socialdemokratie mit den Freisinnigen die drei Richtungen der Parteiverhältnisse im Reichstage von Grund aus umzugestalten! Ein paar Zeitungen haben diese Parole aufgegriffen, die freifinnigen Parteileitungen aber haben, so viel an ihnen lag, dahin gearbeitet, daß die Mehrheit derer um Kröcher, Spahn, Kardorff und Baffermann unversehrt bleiben! Dahin ist es gekommen, daß der Freifinn- feine eignen Intereffen verratend sich in den schützenden Schoß der allein seligmachenden Kirche und in die Arme des Junkertums geflüchtet hat, um nur der roten Gefahr zu entgehen. Auch der preußische, bayrische usw. Freifinn ist„ sächsisch" geworden, und die schroffe Scheidung zwischen links und rechts, zwischen der Socialdemokratie und der einen unterschiedslosen reaktionären Masse ist nicht mehr fern. mur mit halber Freude erfüllen; denn daß diese Teile dem Umsturz unrettbar berfallen sind, ist schon seit Jahren zu erkennen, und wenn das Deutsche Reich keine besseren Fundamente hätte als diese Sandhaufen, tönnte man ihm ruhig das Grablied fingen. Ob diese Erkenntnis nicht auch an gewissen Berliner Stellen durch dringen wird? So könnten wir Katholiken, wenn wir blos an uns dächten, den socialdemokratischen Siegeszug mit völligem Gleichmut an sehen: und am allerivenigsten brauchten die drei Millionen roter Stimmen zu schreden. Aber da wir ein Teil des Ganzen find, leiden wir auch mit dem Ganzen und müssen daher wie die, über welche der Hauptstrom der roten Flut sich ergießt, fordern, daß seitens derer, welche die politischen Geschicke des Deutschen Reiches leiten, aus dem neuerlichen starten Anwachsen der Socialdemokratie die richtige Lehre, die vollen Konsequenzen gezogen, d. h. endlich die Mittel unbeschränkt angewendet werden, die vor allen andern den Umsturz erfolgreich zu wehren vermögen. Welches diese Mittel find, und wo sie zu finden sind, hat die glänzende, wirklich staatserhaltende Haltung der katholischen Wählerschaft am 16. Juni gezeigt. Man mache endlich die fittlichen Mächte, die eine engherzige, turzsichtige Politik immer noch zum Teil gefesselt hat, vollständig frei, laffe sie ungehindert walten dann wird die Socialdemokratie nicht lange mehr mit Millionen Nachläufer ronommieren können." So auf uns allein angewiesen, werden wir dennoch nicht verzagen und allein dem Ansturm der Notte Kardorff trozen. Wir müssen es verhindern, daß auch der nächste Reichstag das Schaufpiel einer zu jeder Gewaltthat und zu jeder Ausraubung der Das ist deutlich: Das Centrum will sich damit nicht mehr au Maffen bereiten Zweibrittel Mehrheit biete. Und setzen wir frieden geben, regierende Partei zu sein, es rühmt fich unmittelbar alle Sträfte ein, so wird uns das Werk gelingen. Schon vor dem vollen Sieg. Ein Ministerium Spahn- Bachem- Ballestremim Interesse guter Handelsverträge müssen wir so start Arenberg- Dasbach ist das mindeste, das es fordert! Und dann werden, daß die Regierung ohne uns feine Mehrheit werden ja wohl die Sandhaufen" der protestantischen deutschen zu stande bringt und deshalb Verträge vorlegt, die mit unsrer un- Staaten von ihrem Kezertum bekehrt werden. umstößlichen Zurückweifung der Minimalzölle rechnen. Wir müssen auch die Möglichkeiten retten, die der Freisin verblendet verraten hat. Bahl seiner Wähler, die am 16. Juni nur 1790 641 betrugen, Zu solchen Hoffnungen aber berechtigt das Centrum nicht die während die der Socialdemokratie fast doppelt so start ist. Seine Aus eigner Kraft wollen wir dem Volkswillen, der sich am Mandatserfolge beruhen auf der Ungleichheit der Wahlkreise. Die 16. Juni so überwältigend bekundete, Geltung verschaffen, wie immer 88 Streise, die das Centrum im ersten Gange eroberte", find mit auch das Elend des Stichwahlsystems, der gemeine reaktionäre durchschnittlich 10-15 000 Stimmen gewonnen worden, mur 6 Stimmbiehschacher und die brutalen Wahlbeeinflussungen hemmen erreichen 20 000 Stimmen, in einem wurden 27 000 fleritale mögen. Stimmen abgegeben. Dagegen wurden für die Socialdemokratie Das Centrum hat jest jede oppositionell- demokratische Hülle ab- am 16. Juni in 33 Kreisen mehr als 20 000 Stimmen in die Urne Die Stichwahlen am 25. Juni bringen die folgenschwere Ent- geworfen. Es unterscheidet sich durch nichts mehr von der Junker- geworfen, darunter in sechs mehr als 40 000 bis hinauf zu scheidung über die Zusammensetzung des Reichstages. Handels- fchaft als durch die Konfession. Seine Kapläne haben gut gearbeitet. beinahe 80 000. berträge oder Zollwucher- Arbeiterschutz oder Arbeiterknechtung Die geistlichen Dreschflegel haben die rückständigen Wähler zu- Das Volt will also in seiner großen Masse nichts von dem Kulturförderung oder Militärbarbarei- gerechte Steuern oder fammengetrieben. Und die Skrupellosigkeit der Wahlmache ist um Kleritalismus wiffen. Es ist neben der Ungeheuerlichkeit des thatsächlich Belastung der Befiglofen- politische Freiheit oder Vergewaltigung fo größer, als doch bereits die bangen Zeichen erscheinen, daß auch gegen verfaffungswidrigen Pluralsystems die Verkommenheit und würde der Volksrechte Fortschritt oder Rückschritt Aufklärung diese Beste der Finsternis die Socialdemokratie siegreich vordringt, daher Tofigkeit des liberalen Bürgertums, das dem Centrum ein gewisses und Geistesfreiheit oder klerikale Verfinsterung und Seelen- der flerifale Notschrei:„ Unter feinen Umständen für die Socialdemo- Anrecht giebt, sich mit so hochfahrenden Hoffnungen zu tragen. fflaberei: Diese Lebensfragen des deutschen Volkes werden im tratie". Dieser Bartei des Christentums sind zehn fapitalistisch- jesuitennächsten Reichstag erörtert, gefördert, entschieben werden. Man frefferische Nationalliberale lieber als ein Arbeiter, der gegen das Socialdemokratie, welche die roten Fahnen schützend und rettend über Auch dieser ernstesten Kulturgefahr gegenüber ist es allein die tann auch sagen: Socialdemokratie oder Klerikal- konservatives Jesuitengesetz ist. Die katholische Kirche ist nur noch eine Organi- die Freiheit breitet. Agrarkartell, dazwischen gilt es zu wählen! Und das Schicksal unsrer nächsten Zukunft hängt von der Stichwahl- Korruption ab, in der der Drei Millionen- Schrei des deutschen Bolles, der am 16. Juni die Welt erbeben ließ, wieder erstickt werden soll! Kein Zweifel: Auf das freifinnige Bürgertum ist nicht zu rechnen. Weder die centralen Ausschüsse noch irgend eine Lokalleitung haben bisher den Mut und die Neigung gefunden, rückhaltsation feudaler und Unternehmer- Interessen. Der 25. Juni reihe dem stolzen Siege vom 16. Juni fich an! Schon predigen Centrumsblätter offen, daß alles Heil nur in Aus eigner Kraft verteidige die Socialdemokratie die Sache des nach der Rückkehr zum Katholizismus liegt. märkische Volkszeitung" am Tage vor den Stichwahlen: So schreibt die Freiheit und Glück dürftenden Volkes! Daß in den protestantischen Landesteilen, insbesondere in der Reichshauptstadt und in dem moralisch wie politisch so rüdständigen Sachsen sowie in den thüringischen Kleinstaaten, die Socialdemokratie so durchschlagende Erfolge erzielt hat, kann sie Streifzüge durch das Wahlfeld. Stichwahlparolen. Im Wahlkreise Jerichow, wo wir mit Herbert Bismarck in Stichwahl stehen, erläßt das„ Wahlkomitee der entschieden liberalen und freisinnigen Partei" einen Aufruf, daß den Wählern freie Hand zu lassen sei, wie sie sich entscheiden wollen. Eine ebensolche Erklärung erlassen für Oldenburg, wo wir in zwei Kreisen in Stichwahl stehen, die Nationalsocialen, die dort die Entscheidung zum Teil in der Hand haben. Aus Köln wird gemeldet: Die Nationalsocialen haben einschließlich zweier mit der Freisinnigen Vereinigung gemeinsam aufgestellter Kandidaten 32 000 Stimmen erhalten, gegen 27 000 bei der vorigen Wahl. Mehr als die Hälfte ihrer Stimmen entfallen auf Nordwest- Deutschland ( Hannover, Oldenburg, Schleswig- Holstein, Hansestädte). Zur Stichwahl steht nur v. Gerlach in Marburg. Die Wirkungen der Kaninchenjagd. Wie die tolle Polenhatz- Politik der preußischen Regierung wirkt, zeigt das Ergebnis der diesmaligen Wahlen: Die Thorner Versammlung war, in einem größeren Saale tagend, ebenfalls überfüllt und besonders zahlreich von Polen bes fucht. Der deutsche" Kartellkandidat Landgerichts- Direktor Graß mann hatte schriftlich auf die Münchener Forderungen erklärt, daß er sein Programm vor der Hauptwahl wiederholt dargelegt habe und sich demnach also nicht weiter zu entscheiden habe. Redakteur Brejski von der polnischen Volkspartei hatte persönlich nicht antivorten fönnen, weil er furz vor der Wahl eine längere Gefängnisstrafe hatte antreten müssen. Doch hatte er sein Programm, ehe er ins Gefängnis ging, schriftlich niedergelegt und darin einen großen Die Zahl der polnischen Stimmen betrug 1871 rund 176 360, Teil der Forderungen des zweiten Teiles unsres Erfurter ProEine von mehreren tausend Personen besuchte Versammlung stieg bis 1877 auf 216 200, ging bis 1884 auf 203 200 zurück, um gramms aufgenommen. Für die Stichwahl- Entscheidung kamen nationalliberaler Wähler beschloß, bei der Stichwahl seitdem eine fast ununterbrochen steigende Tendenz beizubehalten. speciell folgende seiner Forderungen in Frage:" Als Anhänger den Wählern vollständig freie Hand zu lassen; andre An- Im Jahre 1890 wurden 246 800 Stimmen gezählt, 1893: 229 500, der Volkspartei bin ich für: 1. eine völlige Gleichberechtigung aller träge, das Centrum oder die Socialisten zu unterstützen, 1898: 256 000. Die polnische Fraktion zählte 1871 13 Mitglieder, Stände, aller Konfessionen und aller Nationalitäten; 2. ein ge= wurden abgelehnt. Von verschiedenen Seiten wurde einer Unter- sie erreichte ihre größte Stärke in den Jahren 1881 und 1893, wo sie heimes, unmittelbares Wahlverfahren bei allen Reichs-, Kreis- und stügung der Socialisten das Wort geredet; das Centrum sei der 18 beziehungsweise 19 Mitglieder zählte; bei den letzten Reichstags- Gemeindewahlen; 8. Aufhebung aller mittelbaren Abgaben und größere Feind, außerdem müsse die Partei mehr nach links rücken. wahlen ging ihre Zahl auf 14 zurück. Zölle für Nahrungsmittel; 11. Verkleinerung des Soldatenstandes Der socialistische Kandidat, über seine Stellungnahme zu den Nach dem Ergebnis der Wahlen zum 16. Juni d. J. sind in sie Einsetzen eines internationalen Schiedsgerichts, dessen MitHandelsverträgen befragt, ließ erklären, daß er den Abschluß der Proving Posen 11, in Westpreußen 3 polnische Abgeordnete ge- glieder vom Volke gewählt werden. Ferner verlangt Brejski völlige langfristiger Handelsverträge für eine Notwendigkeit halte und wählt. In 8 Wahlkreisen von 28 sind sie gänzlich ausgefallen, in Freiheit bei der Gründung von Arbeiterverbänden usw. In der eventuell im Reichstage dafür stimmen würde. Der Central- den übrigen 6 stehen sie in Stichwahlen, die zum Teil aussichtsvoll Versammlung versicherten die polnischen Vertreter Sobiechowsti ausschuß der nationalliberalen Partei Rheinlands, der früher be- find, mit Kandidaten aller Parteien mit Ausnahme der Social- und Redakteur Kunz, daß diese Forderungen nicht nur Brejskis schlossen hatte, daß den Socialisten keine Stimme zu geben sei, hat, demokratie. Die Gesamtzahl der in Posen und Westpreußen am persönliche Ansicht, sondern Allgemeingut der polnischen Volkspartei nachdem unerfreuliche Nachrichten aus einer großen Zahl von Wahl- 16. Juni abgegebenen Wahlstimmen betrug nach den vor- seien. Von hakatistischer Seite trat der Mittelschullehrer Herr Paul freifen über die Haltung des Centrums gekommen sind, diesen Be- liegenden gebürfen, 219050, 10 daß man nicht fehl Auftrage des Herrn Graßmann, daß für dieſen die Punkte 2 und in zwei Wahlkreisen den Ausführungen des Genossen Bartel entgegen. Er erklärte im schluß fallen lassen. Ergänzung fo gehen wird, einschließlich der in Wirsiz- Schubin und Inowrazlaw- der Münchener Forderungen vollständig unannehmbar und auch die Bezirk Sanssouci". Zum Wahlkampf im Wahlkreise Pots- Mogilno- Strelnow abgegebenen Stimmen ihre Gesamtzahl auf mehr übrigen nicht ohne weiteres annehmbar wäven. dam Spandau Dsthavelland erzählt die Potsdamer als 230 000 anzunehmen. Dazu kommen die polnischen Stimmen in Korrespondenz" allerlei drollige Anekdoten: Oberschlesien, die sich nach den bisher vorliegenden Resultaten auf Zu den unglaublichsten Märchen, die in Potsdamt erzählt werden, nahezu 45 000 belaufen, und die in Berlin und im westfälischen gehört die Mitteilung, daß im Falle der Wahl des Socialdemokraten Industrierevier abgegebenen Stimmen, die bis jetzt etwa die Zahl der Kaiser die Absicht habe, den Park von Sanssouce für den öffent- 10 000 erreicht haben. Es läßt sich also schon heute mit aller Sicherlichen Verkehr abzuschließen, so daß dadurch der Hauptanziehungs- heit sagen, daß die bei den diesmaligen Wahlen abgegebenen punkt für den Fremdenverkehr verloren geht. polnischen Wahlstimmen, die jetzt schon rund 285 000 betragen, die bisher höchste Ziffer weit hinter sich lassen. " = " Der Umstand, daß in dem Wahlbezirk Sanssouci sechs socialdemokratische Stimmen abgegeben wurden, sucht das konservative Potsdamer Intelligenzblatt" dadurch zu erklären, daß vor dem Wahllokal nur ein einziger Zettelverteiler von sehr einnehmendem Aeußern und verbindlichen Formen stand, welcher den Wählern ihren Stimmzettel in die Hand drückte. Ahnungslos sollen nun einige Wähler diese auf den Namen Liebknechts lautenden Zettel in die Wahlcouverts unbesehen gesteckt und abgegeben haben. Zwei Wähler, welche später auf den" Trick" aufmerksam gemacht wurden, n Zur. Stichwahl in Westpreußen. Man schreibt uns: Auch wollten nun ihre Wahl noch rückgängig machen, was aber 3 in drei Fällen in der Stichwahl zwischen den beiden gegnerischen noch die Abstimmung über die bezüglich Brejski entsprechend abAuf mehrfache Anfragen aus Wählerkreisen über die von den Vorsitzenden der liberalen Komitees in Freiberg ausgegebene Stichwahl- Parole zu Gunsten des agrar- konservativen Kandidaten Dr. Dertel erkläre ich, daß ich nicht Mitglied dieses Komitees und auch meinerseits nicht in der Lage bin, eine Unterstüßung Dr. Dertels meinen Wählern zu empfehlen. Dr. Kurt Kunke, Dresden- Blasewitz. Dresden- Blaſewitz. Die Freifinnigen in Mecklenburg haben beschlossen, ihren Freifinn an die Brotwucherer Rettich, Treuenfels, Naud und Dröscher zu verraten. Jm 1., 2., 6. und 7. mecklenburgischen Kreise stehen Socialdemokraten den Konservativen gegenüber; den Ausschlag geben die Freisinnigen und sie wollen ihn geben für die ärgsten Brotwucherer. * Konservative Centrum * Nationalliberale 160 134 Freifinnige TM32 545 61 889 4 320 21 241 422 531 6 680 123 536 Socialdemokraten 211 334 72 655 Demokraten 5 167 10 020 Bauernbund 97 513 32428 Bund der Landwirte Christlich- Sociale 22 529 16 431 3 673 3 287 Her Paul stellte durch die aggressive Art seines Auftretens besonders die Geduld der anwesenden Polen auf eine sehr harte Probe. Trotz der heftigen Proteststürme, welche den Saal durchbrausten, mäßigte er sich nicht im geringsten. Obgleich wiederholt der überwachende Gendarm, der sehr gemäßigt auftrat, mit der Auflösung der erregten Versammlung drohte, trug Herr Paul der Stimmung derselben leider nicht Rechnung. Er behauptete: Bartel trete nicht aus fachlichen Gründen, sondern nur weil er in Danzig ohne die Stimmen der Polen nicht gewählt werden könne, jett Er meinte: es für Brejski ein. die Seelen der deutschen Arbeiter hit Schmach und Schande, wie an den polnischen nationalen Feind verschachert würden. In seiner Entgegnung war es Bartel in den meisten Wahlkreisen Westpreußens hat der nur zu leicht, die Irrtümer des Herrn Paul zu widerlegen. 16. Juni eine erhebliche Zunahme der socialdemokratischen Wahl- Mitten in der dann weitergehenden Diskussion wurde die Verstimmen gebracht. Im südlichen Teile der Provinz, in dem außer handlung dann gerade in einem vollständig ruhigen Moment von uns sich nur die Vertreter der Polen und die vereinigten reaktionären dem außer zwei uniformierten Beamten anwesenden Amtsvorsteher Parteien, als Deutsche", um das Mandat bewarben, haben wir Falkenberg von Mocker aufgelöst. Doch gestattete der Herr spät war. Die spaßige Deutung des Intelligenzblattes" ist doch für die Parteien den Ausschlag zu geben. Im Wahlkreise Thorn- Kulm geänderte Graudenzer Resolution, die deren Annahme mit großer Wähler in Sanssouci außerordentlich kompromittierend, denen mit erhielt der deutsche Kartellkandidat Graßmann 13 345 Stimmen, Majorität ergab. Die Gegner enthielten sich der Abstimmung. dieser Geschichte nachgesagt wird, daß ihr Verstand in dem Ver- der Kandidat der polnischen Volkspartei Redakteur Brejski 13 989 ſtändnis für einnehmendes Aeußere und verbindliche Formen sich Stimmen und Genofie Vierrether 999 Stimmen. Außerdem waren Die Stichwahlen in Franken. Die Freijinnige Partei in Hof erschöpft. noch einige zersplitterte Stimmen auf den Danziger Kandidaten hat beschlossen, bei der Stichwahl für den Nationalliberalen MünchFür und gegen Dertel. midloſen aufgestellt war. Genossen Bartel gefallen, der auch in mehreren westpreußischen Ferber zu stimmen, nachdem dieser erklärt hat, daß er vom Bund Kreisen Im Wahlkreise Graudenz usw. erhielt der Landwirte kein imperatives Mandat übernommen habe und Während das liberale Komitee im 9. sächsischen Kreise, Rulersti, der Kandidat der polnischen Volkspartei, 12 503 Stimmen; hinsichtlich der Handelsverträge mit dem Gros der nationalliberalen wo die Socialdemokratie gegen Oertel in Stichwahl steht, zur Rittergutsbefizer Sieg, der deutsche Kartellkandidat, 12 223 Fraktion, und nicht mit einzelnen nach rechts neigenden Dissidenten Wahl des Bundesführers auffordert, erläßt der liberale Kandidat Stimmen und Genosse Bartel 1401 Stimmen. Im Wahlkreise stimmen werde. Die nationalliberale und die freisinnige Partei vereindes Kreises folgende Erklärung: Schives erhielt der polnische Hofparteiler von Saß- Jaworski barten ferner, bei allen zukünftigen Wahlen einen gemeinsamen Kandi7091 Stimmen, der Kartellkandidat Holz- Parlin 7023 Stimmen daten aufzustellen. Die freifinnigen Wähler im Wahlkreise Bayreuth und Genosse Bartel 67 Stimmen. In den ersten beiden Kreisen werden vom Landesausschuß der„ Deutschfreisinnigen" Partei aufhaben wir also bei der endgültigen Vergebung des Mandats die gefordert, Mann für Mann für den nationalliberalen Kandidaten Entscheidung in der Hand und auch in Schweh kann es leicht auf Hagen zu stimmen. unsre wenigen Stimmen ankommen. Für unsre Stellungnahme Der Weg übers Kartell nach Sachsen! tam natürlich auch in dieser vom wüstesten Nationalitätenhader zerrissenen Provinz allein der Stichwahl- Beschluß des Münchener Die bayrischen Wahlziffern. Nach der Münchener„ Allg. 3tg." Parteitages in Frage. Durch Vorlegung der Münchener Mindest ist am 16. Juni wie folgt gewählt worden; die zweite Zahlenreihe forderungen an die rivalisierenden Kandidaten hatten wir auch giebt die Zu- oder Abnahme gegen 1898 an: hier die Pflicht, die Spreu vom Weizen zu sondern, und unbekümmert um hatatistische Nackenschläge der Schwindelpolitik der nationalen Phrase zu Leibe zu gehen. Vortveg bemerken wir, daß die polnische Fraktion des letzten Reichstages ebenfalls den Zollwucher mitgemacht hat. Allerdings mit dem Unterschiede, daß die Polen gegen die Knebelungsanträge Kardorff, Gröber und Aichbichler gestimmt haben. Trozdem hat ihr Verhalten jedoch die Entrüstung ihrer Landsleute in so hohem Grade erregt, daß nur die wenigsten der früheren polnischen Abgeordneten wieder kandidierten. In den meisten bisher polnisch vertretenen Wahlkreisen und auch in solchen, in denen starke polnische Wähler- München fordert seine Mitglieder auf, in München I, wo die Socialminoritäten vorhanden waren, wurden Kandidaten der polnischen Volkspartei mit einem start demokratisch gehaltenen Programm demokratie gegen die Liberalen sticht, ihre Stimme unserm Genossen aufgestellt. Birk zu geben. Das geschah auch in den Wahlkreisen Thorn- Kulm In Straubing stehen sich Ultramontane und und Graudenz. Die Hakatisten haben eine solche Rücksicht gegen Bahlausschuß für Südbayern proflamiert für unsre Genossen strikteſte Bauernbündler in der Stichwahl gegenüber. Der socialdemokratische ihre deutschen Volksgenossen indes nicht geübt. Unbekümmert darum, daß die Agrarier Sieg, Holz usw. und der Landgerichts- Wahlenthaltung. isdalet no Direktor Graßmann den Brotwucher mit allen Chikanen mitgemacht hatten, wurden sie doch in Interesse des Deutschtums" Deffentliche Herzensbedürfnisse. Eine feine Wahlstilblüte finden wieder aufgestellt. Nach dem Ausfall der Hauptwahl unterbreitete vir in einem Stichwahl- Flugblatte des Professors Pauli im Wahltracht kommenden Kandidaten die bekannten fünf Münchener Mindest das Central- Wahlfomitee für Westpreußen in Danzig allen in Befreise Oberbarnim. forderungen. In Graudenz fand dann am Sonntag, den 21. Juni, mittags 12 Uhr, im„ Gewerbehause" und in Mocker bei Thorn am gleichen Tage, nachmittags 6 Uhr, in der„ Ostbahn" je eine socialdemokratische Wählerversammlung unter Teilnahme des Genossen Bartel- Danzig zur endgültigen Beschlußfassung statt. Graudenz war der bisherige Abgeordenete Sieg persönlich zur Versammlung erschienen. In einer furzen Vorkonferenz, an der außer Sieg der Chefredakteur des„ Geselligen", Herr Fischer, und noch Groß ist der Jubel der Centrumspresse, weil das nicht eins ein zweiter Redakteur sowie unsre Genossen Lenz, Völkner und getroffen, was von ihrer Seite befürchtet wurde, nämlich, daß die Bartel teilnahmen, erklärte Sieg offen: er könne die Forderungen Socialdemokratie in den Streisen Krefeld, Kempen und M.- Gladbach nicht unterschreiben, da er sonst wohl die socialdemokratischen so erstarke, daß das Centrum in die Stichwahl gedrängt würde. Mit Stimmen erhielte, aber von zwei Drittel seiner bisherigen Wähler allen Mitteln wurde von seiten des Centrums gekämpft um das zu in der Stichwahl verlassen werden würde. Er war jedoch wieder verhüten, und so ist es dem Bachem thatsächlich noch einmal geder Ansicht, daß in diesem Kreise nur nationale und nicht wirt- lungen, sich keiner Stichwahl unterziehen zu müssen. schaftliche oder politische Fragen zu entscheiden hätten. Unfre Ge- Wenn auch von einigen Genossen erwartet wurde, daß es in nossen antworteten darauf, daß national und reaktionär eben nicht Krefeld zu einer Stichwahl kommen würde, für die Kreisc dasselbe sei und daß sie auf die Annahme unsrer Forderungen M.- Gladbach und Kempen tam eine Stichwahl gar nicht in Betracht. gerade im deutschnationalen Interesse bestehen müßten. Darauf Kenner des Niederrheins glaubten aber auch diesmal für Krefeld an wurden die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen. Der Kandidat teine Stichwahl, weil dort die Verhältnisse ganz eigentümlich liegen. der polnischen Voltspartei, Verleger Stulersti, hatte aus Bad Strefeld ist nämlich die einzige Großstadt in Deutschland, welche keine Elgersberg telegraphiert, daß er die Münchener Forderungen in Bevölkerungszunahme zu verzeichnen hat. Der Zuwachs unsrer vollem Umfange vertreten iverde und hinzugefügt:... Schließlich Stimmen muß also aus der ansässigen Bevölkerung selbst herausbemerke ich, daß ich aus dem Volke hervorgegangen bin, dessen geholt werden und daß dieses schwierig ist, wird jeder zugeben, Bedürfnisse verstehe und mit allen Kräften für das Wohl der welcher einmal in katholischen Kreisen gewohnt hat. Während in den arbeitenden Klasse wirken werde. Victor Rulerski." Nach einem andern Großstädten massenhaft junge Leute, welche den Socialismus eingehenden Vortrage des Genoffsen Bartel und kurzer Diskussion, schon kennen oder doch leicht dafür empfänglich sind, zuziehen, an der sich außer mehreren Genossen auch die Herren Sieg und giebt Krefeld seine jungen Arbeitskräfte an das Ruhrgebiet und die Fischer beteiligten. nahm die überfüllte und zahlreich auch von übrigen umliegenden Großstädte ab. Die einseitige Industrie, dic deutschen und polnischen Parteigängern besuchte Versammlung Textilindustrie, kann die mämlichen Arbeitskräfte nicht alle unter folgende Resolution an an: bringen, sie beschäftigt zu viele Frauen und Kinder. Wähler, bezahle Deine Schulden! Ein sonderbares Mittel, Schulden einzutreiben, hat der Gemeindevorsteher Bochow in Rieben( Kreis Zauch- Belzig) gefunden. Er veröffentlicht folgende Kundgebung: Da bei der Wahl eines Reichstags- Abgeordneten für den diesseitigen Wahlbezirf am 16. d. M. eine absolute Stimmenmehrheit nicht erreicht ist, so ist eine Stichwahl erforderlich. Dieselbe findet am 25. Juni d. J. von vormittags 10 Uhr ab statt und wird nachmittags 7 Uhr geschlossen. Die Schulstube ist Wahllokal. Wahlberechtigt find alle, welche in der Wählerliste verzeichnet sind, auch diejenigen, welche das vorige Mal nicht gewählt haben. Wählbar sind nur der Landrat a. D. v. Derzen und der Demokrat EwaldBerlin. Außerdem wollen diejenigen, welche den Demokraten gewählt haben oder noch wählen und noch Schulden bei mir haben, dieselben möglichst umgehend begleichen, im andern Falle Zwangseinziehung erfolgen würde. Nieben, den 21. Juni 1903. Bochow, Gemeindevorsteher. Daß dies eine amtliche Wahlbeeinflussung ärgster Art ist, die zur Kaffierung der Wahl des Herrn v. Derzen führen müßte, ist flar. Woher aber weiß denn der Gemeindevorsteher, welcher der Wähler für Ewald stimmt? Die Androhung der Zwangseintreibung dürfte die Wähler befonders fühlbar an die Vorzüge der kapitalistischen Gesellschaftsordnung erinnern und sie um so mehr veranlassen, erst einmal ihre Schulden an das Vaterland zu zahlen, das heißt socialdemokratisch zu wählen. Das rote Königreich. Im Königreich Sachsen erhielt nach den amtlichen Ergebnissen bei der Reichstagswahl am 16. Juni d. I. die Socialdemokratie 441 764 gegen 299 190 im Jahre 1898, die tonservative Partei 85 321 Stimmen gegen 109 437 Stimmen, die nationalliberale Partei 110 857 gegen 89 060, die Freifinnige Voltspartei 31 889 gegen 15 413, die Centrumspartei 4847 gegen 1903, bie Reformpartei 73 656 gegen 73 427, die nationalsociale Partei 1849 gegen 2859. Die„ Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bemerkt hierzu: Hieraus erhellt, daß die Wahlbeteiligung weit reger als vor fünf Jahren gewesen, daß von den bürgerlichen Parteien die nationalliberale und die Freisinnige Volkspartei einen recht ansehnlichen Stimmenzuwachs erhalten haben, während die konservative Partei noch mehr Stimmen verlor, als die nationalliberale Partei solche gewonnen hat, und daß sich die Zahl der auf socialdemokratische Kandidaten gefallenen Stimmen um bald 150 000 vermehrt hat. Zur Zunahme der Bevölkerung steht diese Vermehrung in gar keinem Verhältnis." Wohl aber steht diese Steigerung der socialdemokratischen Stimmen im Verhältnis zur Zunahme der Aufklärung der sächsischen Bevölkerung über die gerade von der„ Nordd. Allg. 3tg." gepriesene Kartellwirtschaft! = Rückgang der antisemitischen Stimmen! Die Antisemiten aller Richtungen haben diesmal, wenn man ihnen Ulrich- Berlin VI zuzählt, 277 000 Stimmen erhalten gegen 284 000 im Jahre 1898. Mehr als 10 000, Stimmen erhielten sie ( in Klammern die Resultate von 1898 in tausend) in Sachsen 74 000 ( 73), Heffen Naffau 44 000( 31), Westfalen 24 000( 15), Berlin 18 000( 30), Pommern und Prov. Sachsen je 14 000( je 12), Brandenburg 12 000( 18), Hessen 11 000( 19), theinprovinz 10 000( 14), annähernd 10 000 Stimmen erhielten sie in Westpreußen( 3) und Schleswig- Holstein( 13). Gewählt find 2 Antisemiten, zur Stichwahl stehen 14. Stichwahlen in Südbayern. Der demokratische Verein in „ Wir wenden uns an die vielen, denen Religion Herzens. bedürfnis und nicht Privatsache ist." Wir haben bis jetzt immer gemeint, daß gerade die Herzensbedürfnisse die eigenste Privatsache jedes Menschen sind; der Profeffor Pauli scheint seine Herzensbedürfnisse aus der Markthalle zu beziehen. In Die Wahlen am Niederrhein. Aus Krefeld wird uns geschrieben: Die am 21. Juni in Graudenz im„ Gewerbehause" keine größere Stadt Deutschlands zutreffen, haben wir doch im Troß dieser ungünstigen Verhältnisse, welche wohi sonst für tagende zahlreich besuchte öffentliche socialdemokratische Wähler- Wahlkreise Krefeld eine Stimmenzunahme von 42 Prozent zu berversammlung erklärt, geftüßt auf die vorangegangene Diskussion und die vorliegende chrenwörtliche schriftliche-telegraphische Zusage des Kandidaten der polnischen Volkspartei, Herrn Kulerski, daß er die socialdemokratischen Mindestforderungen des Münchener Parteitages im Fall seiner Wahl in den Reichstag in vollem Umfange vertreten werde, im Interesse der Wohlfahrt und der Rechte des Volkes für diesen Kandidaten in der Stichwahl zu stimmen. d zeichnen; unsre Stimmen sind von 5144 auf 7298 gestiegen. Das liberalen erhielten 4297 Stimmen. Unfre Genossen sind dem Bachem Centrum erreichte eine Stimmenzahl von 12 815 und die Nationalalso doch schon bedenklich nabe gerückt und er fann sehr gut die Zeit berechnen, in welcher er sich einen sicheren Wahlkreis aussucher muß. zeichnen, sondern auch in den Kreisen Cleve- Geldern, Mörs- Rees, Aber nicht allein in Krefeld war ein guter Fortschritt zu ver Kempen, M.- Gladbach und Neuß- Grevenbroich. Die Versammlung protestiert dabei entschieden gegen die einzelnen Orten unsre Stimmenzahl um mehr als das doppelte, ein Stieg doch in Unterstellung, daß sie mit diesem Beschlusse irgend welche Erfolg, auf den unsre dortigen Genoffen stolz sein fönnen. polnisch- nationale reaktionäre Absichten und Pläne billigen oder Jubel der Centrumspresse ist unberechtigt und wenn sie schreibt, daß unterstützen will." die Socialdemokraten feine katholischen Stimmen erhalten, so ist dies einfach Schwindel, denn der ganze Stimmenzuwachs in den oben genannten Kreisen für unsre Kandidaten rührt von Katholiken her, und das geschah trog der gemeinen, niederträchtigen Kampfesweise Mit dem Schlußpassus wurde dem Einwande der Hakatisten begegnet, daß die Socialdemokratie durch die Entscheidung für den Polen dessen angebliche bildungsfeindlichen und deutschverräterischen Absichten fördere. der Klerikalen. Der Wer das Centrum in feiner ganzen Glorie kennen lernen will,| holte. Diese Darstellung scheint von amtlicher Stelle- also den Gender muß in solche Gegenden, wie an den Niederrhein, kommen. Der darmen selbst zu stammen. Arbeiter, welche in direkter Nähe von Trafelczyk Drud von seiten der katholischen Geistlichkeit ist ungeheuer. Diese standen, erzählten unmittelbar nach der That, daß die Schüsse mitten vom Staat bezahlten Agitatoren des Centrums terrorisieren den ganzen in die Menge abgegeben worden sind. Drt, in welchem sie ihren Wohnsitz haben, und wehe dem Einwohner, welcher sich ihrer Macht entziehen will. Am Wahltage verteilen sie Am Montag begann die Untersuchung, geführt durch einen selbst die Stimmzettel, holen die Wähler aus ihren Wohnungen und Untersuchungsrichter, den Ersten Staatsanwalt des Landgerichts leiten überhaupt das ganze Wahlgeschäft. Am Tage vor der Wahl Beuthen und dem bekannten Polizeirat Mädler. Zahlreiche Verund am Wahltage selbst wurde dort in der schwarzen Ecke ein Flug- haftungen wurden vorgenommen. Am Dienstag kamen wieder Wagen blatt verbreitet, welches die gröbsten Lügen über die Socialdemokratie mit 16 Verhafteten in Kattowig an. enthielt. Nachdem in dem Flugblatt die katholische Kirche die geistige Mutter jedes Katholiken genannt worden, heißt es weiter, daß die Dr. Steslidi in Laurahütte wurde wie die polizeilich informierte Bei dem polnischen Arzt, dem nationalpolnischen Kandidaten Socialdemokraten die katholische Kirche vernichten wollen und daß Kattowiger Zeitung" berichtet der Programmsatz:" Religion ist Privatsache" Schwindel fei. Gattowiger Zeitung" berichtet am Montagabend durch den wird den Wählern dann vorgelogen, daß die Socialdemokraten in Polizeirat Mädler und den Amtsvorsteher Gnärig eine Haussuchung Frankreich die Macht hätten und dazu benutten, um selöster, Kirchen abgehalten zwecks Feststellung der verwundeten Personen, die sich in und Kapellen zu erbrechen, Mönche und Nonnen auszuweisen usw. seine Behandlung begeben hatten". Sollte sich das bestätigen, so Wörtlich heißt es dann: würden wir es mit einem eklatanten Bruch des gesetzlich garantierten ärztlichen Berufsgeheimnisses zu thun haben. " Aber, das ist den deutschen Socialdemokraten noch nicht genug. Kautsky, eine wissenschaftliche Leuchte der deutschen Socialdemokratie, sagte den französischen Genossen, ihr Vorgehen gegen die Kirche sei„ ein bloßes Beschneiden der Aeste des Baumes" und ruft dann aus, die Art muß an seine Wurzel gelegt werden." Begreifst Du nun, mein lieber Freund, worum es sich handelt? Die Art muß an die Wurzel des Baumes gelegt werden, das heißt, die katholische Kirche muß mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Und einer solchen Partei von Kirchen- und Klösterſtürmern könntest Du als Katholik Deine Stimme geben? Wahrhaftig, Schmach und Schande über einen so entarteten, über einen so mißratenen Sohn, durch dessen Mitwirkung seine geistige Mutter gekettet und gefnebelt wird!" Diese Kampfesweise hat unsre Stimmen in diesem fromm fatholischen Bezirk um 42 und mehr Prozent anschwellen lassen. Das ist ein Erfolg, der nicht genug angeschlagen werden darf und welcher zu weiteren Hoffnungen berechtigt. * * Kreise Kattowiz- Zabrze sehr stürmisch. In Domb gingen Am Sonntag verliefen fast alle Centrums- Versammlungen im die Centrumsgegner demonstrativ aus dem Saal. In Zabrze mußte die Versammlung, die von Hunderten besucht war, geschlossen werden. Die Versammelten zogen mit den Rufen: Hoch Korfanty",„ Nieder mit dem Centrum",„ Hoch die Socialdemokratie" auseinander. In der Versammlung selbst fiel der die Situation fennzeichnende Zwischenruf:„ Die Kirche achten wirhat der Pfarrer Skowronek die polnischen Predigten und den polnischen aber: Fort mit dem Centrum!" In Boguschütz bei Kattowitz Kommunionunterricht eingestellt- bis Letocha gewählt werden wird. Vorläufig streikt der Pfarrer. Aus einer Centrumsversammlung in dem selben Orte mußten sich die Geistlichen flüchten. In Nicolai( Kreis PleßRybnik, Stichwahl zwischen dem Polen Kowel Dyk und Centrum) wurde nach der Kirche ein polnischer Stimmzettelverteiler von dem Geistlichen eigenhändig geohrfeigt. * Die Kuhhandels Entscheidung hinter dem Klosett. Im 11. Hannoverschen Wahlkreise( Einbeck- Northeim), wo unser Partei- Breslau, 24. Juni.( W. T. B.) Wie der„ Breslauer Generalgenosse Ad. Hoffmann mit dem Nationalliberalen Jorns in anzeiger" meldet, beträgt die Zahl der aus Anlaß der Ruhestörungen Stichwahl steht, hatten sich Bündler und Nationalliberale bei der in Laurahütte verhafteten Personen jest 16. Um morgen bei der Hauptwahl in der ruppigsten Weise bekämpft. Die leinen Stichwahl Zwischenfällen vorzubeugen, wurde nach Zaborze Militär Bauern wollen teinen Kupferschmied, der Rüben verlegt. nicht von Weizen unterscheiden tann, so schrien die Bündler gegen die Nationalliberalen in allen Tonarten. Aber was nun? werden. " 4 Lügenmichel. Der„ Elsässer Kurier", ein in Colmar im Elsaß erfcheinendes Blatt, tischt in seiner Nr. 143 vom 22. Juni die Lügen über die Vorwärts"-Druckerei wieder auf, die wir schon vor der Hauptwahl in mehreren großen Artikeln ausführlich widerlegt haben, und schreibt dazu wörtlich: " " Darauf hat der Vorwärts" fein Wort der Erwiderung, kein Wort der Abwehr, kein Wort der Entrüstung gefunden." Eine Schamlofigkeit ohne Gleichen! * Prügelei in einer liberalen Bersammlung. * Deutsches Reich. Die Internationale. Aus dem Haag erhalten wir den folgenden Stichivahlgruß: Glückwünsche zu dem Siege am 16. Juni und sieht vertrauensvoll Die socialdemokratische Arbeiterpartei im Haag sendet herzliche dem 25. Juni entgegen. Broek, Vorsitzender. " Selbstbesinnung in Sachsen. " heute zum erstenmal sich der Elbe vermählt hat. Es ist sodann erwähnt worden, daß der neue Hafen meinen Namen bekommen hat. Ich bitte auch dafür herzlichsten Dank aussprechen zu dürfen." Der Trinkspruch schloß: Alles, was ich sonst auf dem Herzen habe, fasse ich zusammen in dem Rufe: Hamburg, der Norddeutsche Regattaverein und die Amerikalinie Hurra! Hurra! Hurra!" Vaterland oder Monarch. Der Oberst a. D. Gaedke hat im„ Berliner Tageblatt" zur serbischen Königsschlacht Betrachtungen veröffentlicht: " Nach der bei uns herrschenden Auffassung ist das Verhältnis persönlicher Treue des Heeres zu seinem Kriegsherrn ein besonders heiliges; es bildet für das Offiziercorps einen Teil seiner Berufsehre. Nach der Begründung der Maßnahmen des Herrschers zu forschen, ist nicht Recht noch Aufgabe des Heeres; in schweigendem Gehorsam ist es nur ein Vollstrecker seiner Befehle, für die nur er die Verantwortung trägt. Mit ihrem Leben hat die Truppe das Leben des Herrschers zu decken, den geschworenen Fahneneid mit ihrem eignen Blute zu besiegeln. Kein Zweifel, gegen diese Pflicht hat das serbische Heer schwer gefehlt. Doch giebt es eine andre, ebenso heilige und erhabene Pflicht wie die persönliche Treue gegen den Kriegsherrn, eine noch ältere Pflicht sogar; denn sie ist uns bereits mit unsrer Geburt geworden. Das ist die Bürgerpflicht gegen unfren Staat, gegen das Vaterland, von der der Treueid gegen den Monarchen uns niemals entbinden kann. Und im gewöhnlichen Laufe der Dinge fallen beide Pflichten glücklicherweise zus sammen. Wie aber, wenn das nicht mehr so ist, wenn sie vielmehr im schärfsten Gegensaze aufeinanderstoßen, wenn das heilige Gesetz der salus publica fich mit dem Treueid gegen den KriegsHerrn nimmermehr deckt? Das ist sicher der härteste Konflikt der Pflichten, vor den ein Ehrenmann gestellt werden kann." Ob diese Ausführungen gerade auf Serbien passen, sei dahins gestellt. Im übrigen sind sie selbstverständlich. In demokratischen Staaten ist das Heer überhaupt auf die Verfassung vereidigt; und der Treneid gegen den Fürsten gilt ihm niemals als Person, sondern lediglich als Träger der Staatssouveränität, der Verfassung. Jede andre Anschauung würde aus dem Volt in Waffen eine Prätorianertruppe machen, ein gemeingefährliches Werkzeug für die Willkür eines auf den Thron Geratenen. Dennoch denunziert die Kreuz- Zeitung" den Oberst a. D. also: „ Ein ehemaliger höherer deutscher Offizier behauptet, daß die Bürgerpflicht gegen den Staat" für den Offizier eine ältere Pflicht" sei als die persönliche Treue gegen den Kriegsherrn!" Ein trauriger Beweis, zu welcher Begriffsverwirrung der Subjektivismus unsrer Zeit führt. Wenn also mit der subjektiven Ueberzeugung eines Offiziers, die vielleicht sich stützt auf die Autorität bürgerlicher Parteien, die Regierung feines Kriegsherrn nicht übereinstimmt, dann tritt die ältere ebenso heilige und erhabene Pflicht wie die persönliche Treue gegen den Kriegsherrn, die Bürgerpflicht entscheidend in Kraft"! Auf jede weitere Kritik wie auf die Klarlegung der Konsequenzen dieser Anschaumgen verzichten wir. Eine Konsequenz wird aber hoffentlich jeder Offizier, der etwa- wir glauben es nicht diese Ansicht des Herrn Oberst a. D. Gaedke teilt, als ehrlicher Mensch ziehen schleunigst seinen Abschied aus einem Corps zu nehmen, in das er innerlich nicht mehr hineingehört." als die Ein Stichwahl- Schwindel. Die„ Nationalliberale Korrespondenz" Auf dem Bahnhofe in Salzberhelden trafen sich sieben Bundesfürsten". Auf dent Bahnsteig hinter dem Mosett, das allerdings nicht Wahlzwecken dient, wird die Frage erwogen, ob nicht der Kreis dadurch für den aus dem Besitzstande verdrängten Bund wieder zu erobern sei, daß man zunächst mal den kleinen Bauern den Socialdemokraten als harmlos empfiehlt. Es schade gar nichts, wenn der Bauer mal socialdemokratisch wähle; dann würde auch die Regierung sehen, daß man sich mit lumpigen 7,50 Mart nicht abspeisen lassen wolle. Schließlich siegt die Klugheit über den Umsturz. Es wird beschlossen, daß der kleine Bauer den In Sachsen hat die Kartellpolitik, die Politik der ArbeiterKupferschmied zu wählen hat, der Rüben nicht von Weizen unter- 16. Juni die vernichtendste Niederlage erlitten und der 25. Jumi Argument gegen jeden Militarismus, wenn nicht die natürlichen Ans unter- febelung, der kleinlichsten Polizeichikane, der Wahlentrechtung, am Es wäre traurig um das Heer bestellt und das wichtigste scheiden fann! Was hinter dem Klosett beschlossen, wird im Klosett besiegelt wird sie noch vervollständigen. Da ist es nicht uninteressant, das schauungen Gaedkes, sondern die Prätorianer- Grundsätze der„ KreuzUrteil eines Blattes über die dadurch geschaffene politische Situation Beitung" in der Armee herrschten. Es kann keine höhere Pflicht zu hören, das bisher sein redlich Teil zur Stärkung der Reaktion gerade vom Standpunkte eines nationalen Mannes geben beigetragen hat. Der Dresdener Anzeiger", Amtsblatt gegen das Vaterland. der dortigen Behörden, der fleißig mitgehetzt hat, dessen Nedakteure Uebrigens teilen diese Auffassung ja auch wohl die Hohenstädtische Beamte sind, schreibt in einer Wahlbetrachtung: zollern! Sonst hätten sie niemals den Hannoverschen, hessischen und Die bestunterrichteten Arbeiter( die deutschen find gemeint. nassauischen Offizieren und Soldaten, die 1866 ihre obersten KriegsDie Red.) der Welt befizen auch die stärkste und solideste Orga- herren infolge der von Preußen veranstalteten dynastischen Revolution nisation, ihr Solidaritätsgefühl bildet eine Macht, das, wie gewaltsam verloren, zugemutet, sich im Interesse des Deutschen die Erfahrung gelehrt, selbst ein Zerbrechen der äußeren Organi- Reiches damit abzufinden, daß sie ihren obersten Kriegsherren untreu sationsformen nicht mehr erschüttern kann. Wer sich dieser Wahr- werden mußten! Nach der Kreuz- Zeitung" hätten sie die Flinte heit nicht verschließt und den Mut besitzt, selbst lieb ge- und den Säbel nicht aus der Hand legen dürfen! wordenen Illusionen und Täuschungen zu entsagen, der gelangt auch zur Erkenntnis, daß die arbeitenden Klassen im Sinne des kaiserlichen Erlasses vom 4. Februar 1890 läßt das folgende Reptil austriechen: als ein gleichberechtigter Faktor behandelt werden müssen. Es sind auch nur kleine(? D. R.) Kreise, deren Stimmen man vernimmt, wenn in den Hamburger Nachrichten", in den Berliner Neuesten Nachrichten", in der" Post" usw. die Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts und die Politik der„ starken Faust" verlangt wird. Diese Kreise haben nicht einmal das Recht, sich auf den ersten Reichskanzler zu berufen. Dieser hat das allgemeine Wahlrecht allerdings zuerst aus Gründen der äußeren Politik auf seine Fahne geschrieben, für den Beschluß der Durchführung war aber mit entscheidend der ausgesprochene Zweck, den Staat dem parlamentarischen Regiment, einer Vertretung von Sonderinteressen zu entziehen. Der Staat kann seine Aufgaben nicht erfüllen, wo sich eine Cliquenwirtschaft ausbildet.( Sachsen!! D. Red.) Kein Wahlrecht, weniger Agitation, mehr Ruhe! So kalkulieren die Scharfmacher. Und für die Realisierung dieses Zieles haben die Hamburger Nachrichten", die„ Post" usw. den starten Mann" schon in Bereitschaft.... Für eine gänzlich veränderte Weltlage müssen ganz andre Gesichtspunkte Geltung erlangen wie vor zwanzig Jahren. Jm freien" britischen Reiche ist man in Verlegenheit, geeignete Arbeiterkandidaten für das Parlament zu finden. Die internationale Socialdemokratie ist Genosse Singer hat mit dem Mitarbeiter der„ Temps" überhaupt bedeutungslos und überhaupt nicht vertreten im englischen Bar- nur ein paar Worte gewechselt und hat auf die Frage, wie er über lament, ein Zustand, der Kurzsichtigen ideal erscheinen mag, Elsaß- Lothringen dächte, geantwortet, daß das ein rein akademisches in Wahrheit aber große Gefahren für die Zukunft Problem wäre. Er fügte hinzu, gemäß den Anschauungen, die die in sich birgt. Aehnliche Verhältnisse bestehen in Amerika. In Socialdemokratie feit jeher verfochten hat, daß wir immer und Deutschland hat die gute Schulbildung aber auch dazu beigetragen, überall für das Selbstbestimmungsrecht der Wölfer einder deutschen Arbeit auf dem Weltmarkt rasch einen hervorragenden treten. Nichts andres steht auch im„ Temps". München, 23. Juni.( Eig. Ber.) Am Montag fand in München eine sehr stark besuchte liberale Wählerversammlung statt. An der Debatte beteiligte sich ein Herr Sontheimer( mit dem, wie ausdrücklich bemerkt sei, die socialdemokratische Partei nichts zu thun hat). Er kam unter andrem auch auf Lola Montez, die spanische Tänzerin und Geliebte Ludwigs I. zu sprechen und meinte, es sei eine Schande, daß diese- Dame in Bayern zu einer Gräfin gemacht wurde. Durch diese Bemerkung fühlten sich einige, liberale" Größen so in ihren heiligsten teutschen Gefühlen verlegt, daß sie dem Redner sofort eine Tracht Prügel verabreichten und ihn dann zur Thür hinauswarfen. Vor einigen Monaten erklärte an derselben Stelle der liberale Graf du Moulin, das Denkmal Tillys in der Ruhmeshalle zu München fei eine Schande für Bayern. Er fand bei seinen liberalen Freunden mit dieser Meinung stürmischen Beifall. Erfrecht sich aber ein Gegner, das Andenken und den guten Namen" einer föniglichen Maitresse zu besudeln", so muß er nach liberalen Begriffen geprügelt werden. Politische Uebersicht. Berlin, den 24. Juni. Zu den Laurahütter Unruhen wird uns noch geschrieben: Durch Befragung zahlreicher Laurahütter Arbeiter und Versammlungsteilnehmer konnten wir feststellen, daß es thatsächlich das Vorgehen der Centrumsgeistlichen war, welches die Leute zu einer Siedehize gebracht hat. Der Drtspfarrer Schwieder, welcher die Versammlung eröffnete, erfreut sich in der polnischen Arbeiterbevölkerung einer großen Unbeliebtheit. An dem unglücklichen Sonntage war die Predigt in Laurahütte eine rücksichtslose Agitationsrede für den Centrumskandidaten Letocha und gegen Korfanth. Gleichzeitig wurde in der Kirche die Versammlung angesagt, aber nur für Centrumswähler".. Am gleichen Sonntage sind nachmittags in der ganzen Umgegend Centrums- Versammlungen überall ohne Diskussion, für deren Hilfe unter dem Schutze zahlreicher Polizisten ,, unter umsichtiger Leitung" sich jetzt die katholische„ Voltsstimme" in Gleiwizz bedankt- und des Hausfriedensbruchsparagraphen abgehalten worden. In Domb bei Kattowitz wurde ein Socialdemokrat für einen protestierenden Zwischenruf von den Gentrumsleuten arg gemißhandelt. Die Kunde von diefer Mißhandlung verbreitete sich sehr schnell und wurde auch in Laurahütte verbreitet. Die Erregung wuchs. Vor der Verfammlung war auch bekannt geworden, daß auf Grund des Koppschen Hirtenschreibens einigen Anhängern der radikalpolnischen Bewegung die kirchlichen„ Gnadenmittel" verweigert worden seien. Es war Kennzeichnend, daß in der Versammlung gerufen wurde:" Wir sind auch katholische Christen, wir laffen es uns nicht gefallen, unsrer politischen Gesinnung wegen kirchlich vergewaltigt zu werden." Sofort nach Auflösung der Versammlung nahmen die Beamten eine Verhaftung vor und wollten den Verhafteten gekettet abführen. In wenigen Minuten war der Verhaftete von der Menge befreit. Später wurde ein andrer verhafteter Arbeiter auch in Ketten losgeschlagen. Viele Augenzeugen erzählen, daß die Menge sich beruhigt hätte, wenn man nicht den kalten Strahl losgelassen hätte. Die Erregung steigerte sich dadurch ungemein. Einem Arbeiter soll das Wasser das Auge herausgedrängt haben. Die Kattowiger ' Blätter berichten, daß der Getötete, der Schmid Trafalczyk von dem Gendarm Becker erschossen wurde, als er zu einem Steinwurf aus" · " Der Wir würden es für sehr erfreulich halten, wenn diese Stimme richtiger Erkenntnis nicht vereinzelt bliebe. Daß sie gerade in dem Amtsblatt der sächsischen Residenz laut wird, ist immerhin beachtenswert. breitet unmittelbar vor den Stichwahlen eine Rede des Kaisers, aus Wornnter der Kaiser gelitten hat! Der offizielle Telegraph verder hervorgeht, daß die Wahlen sein Interesse für den Segelsport nicht vermindert haben. Die Socialdemokratie, sollte sie zur entscheidenden Macht in unfrem Vaterlande gelangen, wird alle mit teurem Blut erkauften Errungenschaften wieder vernichten, uns in dieselbe Ohnmacht gegenüber allen feindlichen Angriffen von außen stürzen, wie zu Zeiten der unſeligsten Zersplitterung des ehemaligen Deutschen Reiches und Bimdes! Abg. Singer trägt kein Bedenken, ElsaßLothringen, das einstige deutsche Land, welches wir erst infolge eines uns frivol anfgedrungenen Krieges durch siegreiche Waffen von den Franzosen zurückgewannen, wieder an Frankreich auszuliefern! Das erklärte Singer bereits heute einem Redakteur des Pariser Temps", dem er huldreichst Audienz gewährte. Frankreichs Interesse wie auch das des übrigen Auslandes ist deshalb an dem Ausfall der Wahlen ein großes, da es in dem Siege der Socialdemokratie eine Schwächig der Weltmachtstellung Deutschlands sieht und schon jetzt nach dem Verhalten Singers naturgemäß jehen muß, zudem auch alle jene Elemente im Deutschen Reiche, die offen die Losreißung von Deutschland auf ihre Parteifahne schreiben, wie die Polen und Dänen Deutschlands, die intensivste Unterstützung und Förderung von seiten der Socialdemokratie erfahren." Platz zu sichern. Sollen wir dies bedauern, weil mun Die Auslieferung" von Völkern an fremde Herrschaft ist eine die Arbeiter auch Anspruch auf Wahrung ihrer Gleichberechtigung lebung des Herrschenden Systems. Die Socialdemokratie hat mit erheben? Wir halten daher den Weg, den die Reichspolitik nach dieser Politik der Vergewaltigung nichts zu thun und wird niemals den Wünschen unsrer Scharfmacher betreten soll, für ungangbar etwas zu thun haben! und in hohem Grade verderblich.( Sachfen!! D. R.) Weg, den die Scharfmacher wandeln, führt zur Vertiefung des Gute Sitten, staatliche Ordnung und religiöser Friede im Schute Klaffenzwiespalts, 3mm wirtschaftlichen Rückgange und zur Kata- der Freisinnigen. In Nürnberg ist ein neues großes Stadt- Theater strophe."( Sachsen!! D. N.) im Bau, das im Jahre 1905 dem Betriebe übergeben wird. Jetzt schon wurden vom Magistrat die Bedingungen festgesetzt, unter denen der Betrieb des Theaters an einen Unternehmer vergeben werden soll. Dabei hat man eine Bestimmung eingeschmuggelt, die nichts weiter bedeutet, als die Einführung der Censur. Alle Stücke werden. Diejenigen Stücke, die gegen die guten Sitten, die staatliche sollen vor der Aufführung einer Magistratskommission vorgelegt Ordnung und den religiösen Frieden verstoßen, werden von der Aufführung ausgeschlossen. Im Gemeindekollegium, das in solchen Dingen das legte Wort hat, entspann sich am Dienstag über diese Frage eine lange Debatte. Verschiedene Herren besannen sich auf ihren Freifinn und erklärten, daß ihnen die Sache nicht gefalle. Die Freunde dieser Bestimmung bemühten sich, darzuthun, daß es sich „ Es ist in der freundlichsten Weise darauf Bezug genommen gar nicht um Einführung der Censur handle, der Magistrat beworden, daß die schöne Jacht, die den Namen der mächtigen Hansa- anspruche das Recht, die Stücke vor der Aufführung zu prüfen, wolle sich nur seinen stadt Hamburg trägt und die zum erstenmal sich auf der nicht als Polizeibehörde, sondern er Elbe gezeigt hat, meiner Initiative zu danken ist. Das ist wirklich Einfluß als" Hausherr" wahren auf das, was in seinem Dabei wurde auch verraten, aus welchem zu viel gesagt, denn es steckt in den Hansastädten und zumal in Hause geschehe. Es wurde vor einiger Hamburg so enorm viel Initiative, daß, wenn man bloß den Anlaß die Bestimmung entstanden ist. leifesten Hinweis giebt, so geht auch schon die hanseatische Unter Beit im alten Stadt- Theater ein Stüd aufgeführt:„ Der lette nehmungsluft ihren Weg und weiß ihren Weg zu finden. Es ist Knopf", das so unsittlich sein soll, daß einige Stadtväter, die der ( Die guten Stadtmir eine besondere Freude gewesen, die heutige Regatta mitsegeln Aufführung beiwohnten, vor Scham erröteten. zu können. Es ist das erste Mal, daß ich mit einem ebenbürtigen, väter!) Wan wolle durch Aufnahme des strittigen Bassus in die und ohne diese Vertragsbedingungen nur verhüten, daß solches jemals wieder vorgleichartigen Gegner zu fämpfen hatte, unangenehme Bestimmung der Zeitvergütung empfinden zu komme. Der Censurparagraph, den u. a. auch der Chefredakteur des müssen, unter der ich jahrelang gelitten habe. Die freisinnigen Blattes sehr warm verteidigte, wurde schließlich gegen Herren, die bisher den Vorteil davon gehabt haben, werden wenige Stimmen angenommen. Auf einem Dampfer der Hamburg- Amerika- Linie( Ballin) fand ein Festmahl statt; in Erwiderung auf einen Trinkspruch des Ehrenpräsidenten des Regattavereins Bürgermeister Möndeberg bemerkte der Saiser u. a.: " das vielleicht nicht so begreifen; aber angenehm ist es doch, wenn Begnadigt! Der Fabrikbesiger Georg Kleine in Lippstadt wurde man einen ebenbürtigen Gegner hat, zumal wenn sich auf des von der Dortmunder Straffammer wegen fahrlässiger Tötung zu Dedes Planken das Staatsoberhaupt von Hamburg bewegt, das zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte in seinem an der Möhne 7 gelegenen Jagdrevier einen alten Arbeiter erschossen. Jetzt ist auf dem Gnadenwege die Strafe in Festung umgewandelt worden. Ausland. Deftreich- Ungarn. Die ungarische Ministerkrisis kann vorläufig als beendet gelten, nachdem der neue Ministerpräsident Graf Khuen- Hedervary den Führern der Unabhängigkeitspartei gegenüber den glatten Verzicht auf das Wehrgesetz erklärt hat. Der Telegraph meldet darüber: Budapest, 24. Junt. Der Banus Graf Khuen- Hedervary erKlärte heute gegenüber den Führern der Kossuth- Partei, daß er die erhöhten Rekrutenvorlagen fallen lassen und nur das gewöhnliche Refrutenkontingent verlangen werde. Die Mission des Banus ist fomit gelungen. Er begiebt sich nachmittags nach Wien, um dem Kaiser zu berichten, und dürfte morgen nach Budapest zurückkehren, um das Kabinett zu bilden. Schweiz. Amerika. Es entspann sich eine lebhafte Debatte, an der sich verschiedene Lynchjustiz. Ein grelles Schlaglicht auf die Humanität und Freunde und Gegner der Socialdemokratie beteiligten. Es war dem Gefittung der amerikanischen Bevölkerung wirft der nachfolgende Genossen Arons ein leichtes, die gegen die Socialdemokratie vors Bericht über einen Att brutalster Lynchjustiz, der vor einigen Tagen gebrachten Einwände zu widerlegen. Jubelnd stimmte die Versammin Wilmington an einem Neger vollzogen worden ist. Tung ihm zu; die dann mit brausenden Hochs auf die Socialdemokratie Die Bollstreckung des Lynchurteils gegen den Neger George auseinanderging. Ein außergewöhnliches Polizeiaufgebot füllte White, der, wie bereits gemeldet, am Montag in Wilmington( Delaware), zivecklos die Straße. Wo drei zusammenstanden, um von einander nicht weit von Philadelphia und New York entfernt, lebendig verbrannt Abschied zu nehmen, war auch schon ein Schuhmann da, sie zum wurde, gestaltete sich zu einem wahren Volksfest, bei welchem Weitergehen aufzufordern. namentlich die Teilnahme zahlreicher Frauen zu bemerken war. Die elektrischen Bahnen trugen dem Andrange des Publikums durch Ein- hatte das socialdemokratische Wahlkomitee noch einmal die Wähler Am Tage vor der Wahlschlacht im ersten Berliner Wahlkreise legung von Sonderzügen Rechnung. Bei der Verbrennung Whites zu einer legten Klärung der Meinungen zusammenberufen, Zu wurde eine Grausamkeit an den Tag gelegt, die selbst bei Lynch- Tausenden waren sie dem Rufe gefolgt. Der Riesensaal des Feengerichten ungewöhnlich ist. Nachdem White von der Volksmenge palastes mit seinen weiten Galerien war bereits um 8 Uhr bis aus dem Gefängnis herausgeholt worden war, welches die Polizei zum letzten Platz gefüllt, so daß die außerordentlich stark vertretene unter Benutzung ihrer Schußwaffen vergeblich gegen die Stürmenden Polizei zur Absperrung schritt. Als der socialdemokratische Kandidat zu verteidigen versuchte, wurde er an den Ort geführt, wo er sein Genosse Dr. Leo Arons auf der Tribüne erschien, wurde er Verbrechen, Vergewaltigung und Ermordung eines weißen Mädchens, stürmisch bewillkommnet. Genosse Arons holte zu einer wuchtigen verübt hatte. Hier wurde ein Scheiterhaufen errichtet, der Kritik freisinnigen Heldentums aus, die die Versammelten oft zu Neger darauf gestellt und in aufrechter Stellung Jura- Simplon- Bahn. Im Nationalrat in Bern wurde heute halten, bis bis das inzwischen entzündete Feuer seine Kleidung das freisinnige Bürgertum nicht den Einfluß habe, den es nach er Beifallsfundgebungen hinriß. Als Antwort auf die Frage, weshalb an den Bundesrat die Frage gerichtet, welche Gründe für die Ver- in Brand gesteckt hatte. Dann wurde er mit dem Gesicht Meinung des freisinnigen Kandidaten aller bürgerlichen Barteien zögerung der Uebertragung der Simplonkonzession von seiten Italiens nach unten in die lodernden Flammen geworfen. im ersten Wahlkreise, Kämpf, nach seiner Steuerkraft und Intelligenz an den Bund vorlägen. Bundesrat Zemp bemerkte, der Bundesrat Als die ihn fesselnden Stricke durchgebrannt waren, gelang es haben müßte, verwies Redner auf die Absage Johann Jacobys habe es an Bemühungen nicht fehlen lassen; er habe die italienische White für einen Augenblick, mit mächtigem Sprunge dem Scheiter an den Freifinn( Fortschrittspartei). Danach habe der Freisinn Regierung auf die Dringlichkeit aufmerksam gemacht und hoffe immer haufen zu entkommen. Er wurde jedoch sofort wieder ergriffen, feine Zukunft wegen seines Mangels an Entschiedenheit im Kampfe noch, daß das italienische Parlament über die Angelegenheit noch vor von neuem gefesselt und in die Flammen zurückmit den Gegnern. Den Beweis hierfür erbrachte Redner gründlichst; seinen Ferien verhandeln werde, da sonst die Sache bis zum November geworfen, während die versammelte Menge feinen ver die Mittel dazu bot ihm das reichhaltige Material der parlaverschoben werde und die Bundesversammlung sich noch nicht einmal geblichen Versuch, sich zu retten, mit Hohn und mentarischen Geschichte des Reiches, des Staates und der Kommune im Dezember mit dem Rückauf der Jura- Simplon- Bahn befassen Spottrufen aufnahm und dazu auf Signalhörnern sowie der politische Kampf der letzten Zeit. Der Freifinn habe im fönne. Verschiedene Redner betonten hierauf, daß eine baldige eine Kayenmusit veranstaltete. Der Lärm bauerte so Sande gepflügt und in der Luft gebaut, wie es der freisinnige Regelung im Interesse der Aufrechterhaltung der guten Beziehungen lange, bis White kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Dann ver- Volksmann Waldeck für den Fall vorausgesagt hatte, daß das zu einander liege, und ersuchten den Bundesrat, bei der italienischen ließen die Zuschauer den Ort der Hinrichtung unter lautem Johlen Bügertum nicht die traurigen Ueberbleibsel des Feudalstaates be Regierung nochmals auf Beschleunigung zu dringen. und setzten ihr Treiben auch noch auf dem Heimwege fort, wobei feitige. Nach dem Sündenregister des Freisinns entrollte Genosse Baris, 24. Juni. Der neugewählte Abgeordnete Syveton über- sie sich benahmen, als kehrten sie von einer großen Landpartie zurück. Arons das Programm der Socialdemokratie. Sein Mahnruf, der fiel gestern abend in der Rue Rivoli feinen Gegenkandidaten, den Socialdemokratie den Sieg zu sichern, fand brausenden Widerhall. radikalen Rechtsanwalt Lefoyer, und versetzte ihm einen Fauftschlag, meil in einem Wahlplakat Lefoyers behauptet worden war, daß Zur Debatte meldete sich als Gegner nur der nationalsociale Herr Hagenau, aus dessen Ausführungen hervorging, daß er eine Sybeton eine Engländerin geheiratet habe. starke Linke im Reichstage wünscht, die Socialdemokraten für die besten Liberalen hält und es gern sähe, wenn die Socialdemokratie monarchisch würde. Genosse Arons antwortete kurz in einem Schlußwort, das in ein Hoch auf die Socialdemokratie ausklang, in welches die Versammelten begeistert einstimmten. Unter Hochrufen auf den Kandidaten trennte man fich. republikanische Stimmen. " geworben worden. Frankreich. # Tonnen, Auf der Straße erregte das Massenaufgebot von Schußleuten bei den ruhig ihres Weges gehenden Wählern einiges Aufsehen. Sociale Rechtspflege. Aus Induftrie und Handel. Roheisen- Produktion des Deutschen Reiches. Nach den Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sich die Noheisen- Produktion des Deutschen Neiches( einschl. Zwei Kammernachwahlen. Paris, 22. Juni.( Eig. Ber.) Der Luxemburgs) im Monat Mai 1903 auf 858 311 Tonnen, darunter zweite Pariser Bezirk, ein großhändlerischer und kleinbürgerlicher Gießerei- Roheisen 155 341 Bessemer- Roheisen 39 027 Stadtteil, hat den Nationalisten Syveton wieder in die Tonnen, Thomas- Roheisen 519 215 Tonnen, Stahl- und Spiegeleisen Deputiertentammer geschickt. In den allgemeinen Wahlen 1902 hatte 57 623 Tonnen und Buddel- Roheisen 87 105 Tommen. Vom 1. Januar Syveton über den früheren linksradikalen Deputierten Mesureur mit bis 31. Mai 1903 wurden produziert 4042 730 Tonnen gegen 7394 gegen 5681 Stimmen gefiegt. Trotz dieser erheblichen Mehrheit 3 318 703 Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. wurde Syvetons Wahl kassiert einzig wegen seiner verleumderischen Wahlagitation. Die Kammermehrheit, die sich sonst in der Mandats- Bank für Bergbau und Industrie, Berlin. Nach dem Geschäftsprüfung recht lag gezeigt, wollte an diesem demagogischen Häuptling bericht war das wichtigste Ereignis des abgelaufenen Geschäftsein Grempel statuieren, obwohl die andern gewählten nationalistischen jahres die Ausführung des in der letzten Generalversammlung beGastwirtsgehilfen- Berordnung und Gäste bedienende Hausdiener. Kandidaten mit denselben Mitteln gearbeitet hatten. Diese Ausnahme- fchloffenen Rückkaufs von nom. 3 000 000 M. Attien. Er konnte zu Der Gastwirt Bandelow beschäftigte einen Hausdiener, der behandlung des Mitbegründers der Vaterlandsliga" war natürlich Bilanz tritt der buchmäßige Erfolg dieses Rücklaufes noch nicht her- dienste zu verrichten hatte. einem Durchschnittskurse von 35,26 Proz. bewirkt werden. In der vertragsmäßig außer den üblichen Hausdienerarbeiten noch Kellneram wenigsten geeignet, feine reaktionären Wähler zur Republik zuvor, da wegen des gesetzlichen Sperrjahres der Rückfauf erst mit 7 Uhr und währte bis zum Geschäftsschluß, oft bis 1 Uhr nachts. Seine Thätigkeit begann morgens um bekehren. Er wurde glatt wiedergewählt mit 6857 gegen 4897 bem 14. Oktober d. J., an welchem Tage die zurückgekauften Aftien Die Vorschriften der Bundesrats- Verordnung, welche zum Schuße der Am Abend nach der Wahl feierten die Patrioten ihren Sieg durch einzulösen find, praktisch durchgeführt sein wird. Der Verlust Kellner ist, wurden nicht befolgt. Insbesondere fehlte das Verwüste Ausschreitungen. Mit Steinen und Eisenstücken warfen sie die faldo wird sich im nächsten Jahre durch diese Transaktion um zeichnis mit den vorgeschriebenen Eintragungen über Ruhezeit 2c. Fenster in den Redaktionsgebäuden der miniſteriellen Zeitungen mäßigung des Verlustsaldos nicht auf, weil die auf Binsen-, angeklagt und in zweiter Instanz auch verurteilt. Er legte Revision 1942 133 M. verringern. Die Bilanz weist eine wesentliche Er- Bandelow wurde deshalb wegen Uebertretung der Verordnung ,, Lanterne" und Matin" ein. Die Polizei des Herrn Lépine tam natürlich diesmal zu spät, da es sich ja um Provisions, Effekten- und Konsortial- Conto erzielten Ueberschüsse ein und bestritt die Anwendbarkeit der Verordnung auf Hausdiener, eine patriotische Kundgebung" handelte. Einer der Ber- zum Teil zu weiteren Abschreibungen verwendet wurden. Diese die mit Kellnerdiensten betraut werden. Wenn die Verordnung von hafteten, ein 16 jähriger Junge, sagte aus, er wäre um 2 Fr. an- nach Absetzung von 38 910 M. Berluft auf Effekten- Stonfortial- Conto richtige Kellner und nicht Hausdiener, die zeitweilig und nebenbei Ueberschüsse betragen nach Abzug der Unkosten von 36 192 M. und Personen spreche, die als Sellner beschäftigt würden, dann meine fie Empfindlicher als Sybetons Wiederwahl ist für den„ Bloc" der 36 841 M. Dadurch ermäßigt sich die Unterbilanz vom Vorjahre von auch bedienten. Verlust eines Mandats in Montbrison( Loire). Dort siegte in 4949 878 2. auf 4913 037. Das Kammergericht verwarf indessen die Revision mit der Beder Stichwahl der Melinist Orh über einen Linksradikalen mit Die Kongo Eisenbahngesellschaft hat foeben auf Kosten der gründung, daß die Bundesrats- Verordnung mit Recht 9720 gegen 7792 Stimmen. belgischen Steuerzahler ein sehr feines Geschäft gemacht. Mit angewendet worden sei. Der Gesetzentwurf betreffs der Säkularisierung der Kon- den Vertrag, der zwischen dem belgischen Staat und der oben gearbeiterin J. beanspruchte durch Klage beim Berliner Gewerbegericht 32 gegen 26 Stimmen und 7 Stimmenthaltungen hat die Kammer Kündigungsausschluß durch Arbeitsordnung. Die Kartonnagens gregationen ist gestern mit der Resolution Buiffon in der Deputierten- nannten Gesellschaft abgeschlossen ist, bestätigt. Das Kapital dieser von ihrem früheren Arbeitgeber Rohrig eine vierzehntägige LohnDeputierten- nannten kammer zur Annahme gelangt. Vorher kam es noch zu äußerst er Gesellschaft beträgt 30 Millionen Fr., von denen 15 Millionen dem von ihrem früheren Arbeitgeber Kohrig eine vierzehntägige Lohnregten Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen der Rechten und Staat und 15 Millionen belgischen und ausländischen Kapitalisten entschädigung wegen unberechtigter plötzlicher Entlassung. Ihr wurde Als de Castelnau einen Abänderungsantrag befürworten will, hindert verhältnismäßig wenig. 8. B. wurden die Ueberschüsse im Jahre fie erwiderte, daß man ihr nicht ein Exemplar der Arbeitsordnung der Linken. Dieſelben suchen einander am Sprechen zu verhindern. gehören. Von den Ueberschüssen erhält der belgische Staat un entgegen gehalten, daß ja durch die Arbeitsordnung in der Fabrit die gesetzliche Kündigungsfrist ausgeschlossen sei, worauf ihn die Linke, zu sprechen; die Rechte verläßt hierauf den Saal; sie 1900 in folgender Weise verteilt: Der belgische Staat 1 150 000 Fr., ausgehändigt habe. Sie fenne ihren Juhalt nicht, wenn sie auch ge formuliert einen Protest, in welchem sie die Majorität der Tyrannei die Aktionäre 8 729 000 Fr. und auf die Gründungsaftien entfielen sehen habe, daß ein entsprechendes Plakat aushänge. Sie sei auch beschuldigt und sie für ihre Attentate auf die Freiheit verantwortlich 2032 752 Fr. Der belgische Staat hätte nur das Recht gehabt, am nicht auf die Arbeitsordnung verwiesen worden. Nach erfolgter Be macht. Erst als die Abstimmungen beginnen, kehrt die Rechte in den 1.Juli d. J. die Eisenbahn zu übernehmen und die Aktionäre mit 500 Fr. pro ratung wurde die Klägerin dringend ermahnt, die Klage zurüc Sizungssaal zurück. Es wird ein Amendement Leroh angenommen, Attie abzufinden. Die Attie hat heute einen Wert von 1300 Fr. Indem wonach Stongreganisten für den Unterricht in Elementarschulen eines die Regierung von dem Rückauf absah, machte sie den Aktionären zunehmen. Das Gericht stehe auf dem Standpunkt, daß in Betrieben Erlaubnisscheines bedürfen; dieses Amendement wird Artikel 2 der also ein Geschenk von 24 Millionen Frank. Als Entschuldigung für von mehr als 20 Arbeitern, wofür die Arbeitsordnungen obligatorisch Vorlage. Sierauf wird mit 306 gegen 107 Stimmen die ihr Verhalten giebt die Regierung an, daß fie damit eine Herab- vorgeschrieben seien, der bloße Aushang der Arbeitsordnung Kommissionsfassung des Gesezentwurfs angenommen, wonach jedem fezung der Fahrpreise und Transport- Tarife erreicht habe. Diese genüge, ihren Inhalt für die beschäftigten Personen verbindlich Kongreganiſten untersagt wird, in der Gemeinde, wo er früher unter- hätte aber sowieso eintreten müssen, nachdem der Nettoüberschuß die zu machen. Die Vorschrift, daß in solchen Betrieben den Arbeitern richtete, oder in einer Nachbargemeinde weiter zu unterrichten, falls Summe von 8000 Fr. pro Kilometer bei weitem überſtieg.( Jnner- le ein Exemplar der Arbeitsordnung auszuhändigen sei, ändere daran er nicht den Nachweis bringt, daß er thatsächlich sätularisiert ist. halb der letzten 6 Jahre wurde an Netto- Ueberschuß von 17 000 bis nichts. Das fei nur eine Ordnungsvorschrift. Fräulein J. nahm Sodann wird der Gesezentwurf in der Gesamtabstimmung mit 329 25 000 Fr. pro Kilometer erzielt.) gegen 66 Stimmen angenommen. Schließlich gelangt mit 308 gegen 14 Stimmen die Nesolution Buisson zur Annahme, wonach jede NonVom Stahltrust. Die„ Evening Post" verbreitet, wie telegraphisch Versuch der Verleitung zum Kontraktbruch als Entlassungsgrund. gregation aufzulösen ist, die durch Mittelspersonen eine oder mehrere aus New York gemeldet wird, ein bisher unbestätigtes Gericht, wo- Gegen eine Lohnentschädigungsklage mehrerer Arbeiterinnen wandte bereits aufgelöste Anstalten neu errichtet hat. nach ein Demissionsgesuch des Vorsitzenden der Stahlforporation der Beklagte B. ein, er habe die Klägerinnen plöblich und ohne vorEnde der Woche gemeldet werden würde. In gewöhnlich gutunter- herige Kündigung entlassen dürfen, weil sie versucht hätten, feine richteten Kreisen wird dem Gerücht Glauben beigemessen. andern Arbeiterinnen zum Kontraktbruch zu verleiten. Die VerDer Einzug des Königs Peter I. in Belgrad ist heute unter der Herr Schwab geht also, nachdem er schon neulich unter der Hand handlung vor dem Berliner Gewerbegericht ergab, daß bei verschiedebei solchen Anlässen üblichen Begeisterung und patriotischen Rühr- den größten Teil feines Besizes an Stahltrustshores an der New Yorker nen Arbeiterinnen eine gewisse Mißstimmung gegen die Direttrice. herrschte. Es fielen Aeußerungen, die auf eine Beseitigung der feligkeit vor sich gegangen. Es wurde biel Bivio" geschrien, die Börse abgestoßen hat. Er ist gefcheidt. Direttrice abzielten. Zum Beispiel sagte die eine Klägerin: Wenn Musikkapellen spielten, die Führer der Deputationen und der wir uns alle zusammenthun, dann muß die Direttrice gehen, oder Serbien. Die fremden Gesandten nahmen nicht an dem Trubel die Klage zurück. Das Ministerpräsident Avatumowitsch hielten schöne Ansprachen usw. Die Stichwahl im ersten Berliner Kreise. wir gehen alle. Zwei Kolleginnen, die sich passiv verhielten, wurde teil. Nur der russische und der östreichische Gesandte waren Im großen Saal von Dräsel, Neue Friedrichstraße, hatten sich zugeredet, sich anzuschließen. Es tam jedoch nicht zum Streit. Die zur Begrüßung am Bahnhof erschienen. Die Gesandten Englands, am Dienstag auf die Einladung des socialdemokratischen Wahl- Angelegheit wurde nach etwa 14 Tagen dem Arbeitgeber hinterFrankreichs, Hollands und der Türkei sind am Dienstag fomitees bereits vor 9 Uhr so viel Wähler des ersten Wahlkreises bracht, der die Entlassung der„ Aufwieglerinnen" anordnete. abend von Belgrad abgereift. Die Gesandten Deutschlands, Italiens, eingefunden, daß die Polizei schleunigst zur Absperrung schritt. Ein Gewerbegericht wies die Klägerinnen ab, indem es als festgestellt Belgiens und Rumäniens sind zwar in Belgrad zurückgeblieben, Kriminalbeamter mußte die Eintretenden zählen, damit ja nicht die erachtete, daß sie versucht hätten, ihre Mitarbeiterinnen zum Kontraktnahmen aber von dem Einzug keine Notiz. von der hohen Obrigkeit für den Saal vorgeschriebene höchstzulässige bruch, d. h. zu einer gegen die Geseze verstoßenden Besucherzahl überschritten werde. Auf zur Stichwahl! So lautete Handlung zu verleiten. Der Versuch zu einer solchen Verleitung sei Die serbischen Socialiſten und das neue Regime. Das Komitee das Motto für das Referat des Genossen Victor Fränkt. Die ein Entlassungsgrund gemäß§ 123 Nr. 7 der Gewerbe- Ordnung. der serbischen Socialiſten in Genf veröffentlicht im" Peuple de gewaltigen Erfolge der Socialdemokratie am 16. Juni sprächen, so daß die Entlassung erst 14 Tage nach dem Vorfall erfolgte, fei unGénébe“ eine Erklärung, in der es heißt, daß die ferbischen meinte Redner, eine deutliche, unwiderlegbare Sprache, und es be- erheblich gegenüber der Thatsache, daß der Beklagte erſt 14 Tage Socialisten die Blutthaten im Konak zu Belgrad ebenso verurteilen weise nichts gegen die Socialdemokratie, wenn wirklich eine Anzahl Ordnung sei die Entlassung auf Grund des§ 123 Nr. 1-7 nur später davon erfuhr, denn nach§ 123 Absah 2 der Gewerbewie die Gewalthaten in jedem andren Falle. Sie erwarten von der für sie abgegebenen Stimmen von Nichtsocialdemokraten her- dann nicht mehr zulässig, wenn die zu Grunde liegende Thatsache dem Regierungswechsel feinerlei Besserung der politischen rührten. Es beweise nur, daß die Socialdemokratie immer mehr als Militarismus durch die letzten Ereignisse ein großes Uebergewicht faches Bravo.) Redner verwies dann auf das widerliche Schauspiel, und ſocialen Verhältnisse, fie befürchten im Gegenteil, daß der der wahre Hort von Freiheit und Gerechtigkeit erkannt werde.( Viel- dem Arbeitgeber länger als eine Woche bekannt seien. zum Schaden des Boltes erlangt hat. Die Konstitution von daß sämtliche bürgerlichen Parteien ihre Principien und Programme 1888, die Beter wieder herſtellen wolle, ſei zwar weniger ſchlecht preisgäben, um jest ſchnell noch ein paar Mandate zu erraffen. De Letzte Nachrichten und Depefchen. Beals die spätere, aber in das Lob, das ihr gespendet werde, könnten sonders wies er an der Hand von Flugblättern und der sonstigen fie( die ferbischen Socialisten) nicht mit einstimmen. Wenn der neue freisinnigen Stichwahl- Agitationsmittel im ersten Berliner Wahlkreis Rumänien. Englisches Unterhaus. König halten wolle, was er versprochen habe, nämlich wenn er fich nach, wie sehr gerade hier der Freifinn jeder Selbstachtung bar sei. London, 24. Juni. Auf eine Anfrage erklärt Minister Chambers die Schweiz zum Vorbild nehmen wolle, so müsse er vor allen Wer es ernst meine mit Freiheit und Gerechtigkeit, dürfe nicht dem lain, der Oberkommissar für Kanada habe namens der kanadischen Dingen das allgemeine gleiche Wahlrecht einführen. Nur wenn durch Freisinnigen, sondern müsse Leo Arons seine Stimme geben, damit Regierung in den Jahren 1898 und 1899 Vorstellungen wegen der eine neue Verfaſſung die Rechte des Königs beschränkt und ein die Hauptstadt des Deutschen Reichs am 25. Juni die Hauptstadt der Tariffrage erhoben, die durch den englischen Botschafter in Berlin Wahlrecht gegeben werde, könnten für das serbische Volt die blutigen Socialdemokratie werde.( Stürmischer Beifall.) Genosse eo zur Kenntnis der deutschen Regierung gebracht worden seien. Im Ereignisse von Belgrad der Beginn einer neuen Epoche gesunder Arons, aufs lebhaftefte begrüßt, nahm dann das Wort zu einem Jahre 1901, als sich diese Vorstellungen fruchlos erwiesen hatten, Entwicklung bilden. Vortrag, in welchen er hauptsächlich, verschiedenen Wünschen folgend, habe die kanadische Regierung die Angelegenheit mit dem deutschen über das Thema„ Socialdemokratie und Mittelstand" sich ausließ. Generalfonful in nicht formeller Weise besprochen. Seit 1901 fei Zum Renten- Auslosungsschwindel. Die Angelegenheit der be- Unter Verwertung der Zahlen der Statistik erbrachte er den Nachweis, fein formeller Gedankenaustausch mit der kanadischen Regierung über trügerischen Ziehungen der rumänischen Rente wurde vom Unter- daß die Bedrängnis des Handwerkers und des fleinen Kaufmanns den Gegenstand gepflogen worden. suchungsrichter zur Aburteilung an das Zuchtpolizeigericht verwiesen. eine Folge der kapitalistischen Entwicklung und ihrer socialen BegleitIn derselben sind die Beamten des Finanzministeriums Parisiano erscheinungen sei, und daß, solange die heutige Gesellschaft eriſtiere, Bonn, 24. Juni.( B. H.) Wegen Verbreitung von und Dumitresco, der Wechsler Albaharah und dessen Bruder, der Wechsler Behar sowie der Bankbeamte Bally wegen Fälschung öffentlicher Urkunden, die beiden letztgenannten außerdem wegen Erpreffungsversuches gegen die Diskontogesellschaft und den rumänischen Staat angeklagt worden. Die Hauptverhandlung findet am 2. Juli statt. ihnen einzig und allein durch eine allgemeine Hebung der socialen falsch geld wurde heute vom Schwurgericht der Tischler Heinrich Lage der breiten Voltsmaffen genutzt werden könne, wie sie die Social- Bourbones aus Bergerhof zu vier Jahren Zuchthaus ber demokratie anstrebe. Und ihrer Nachkommenschaft biete der Socialis- urteilt. mus eine gesicherte, freudvolle Eristenz. Aber nicht nur Socialisten, Trier, 24. Juni.( B. H.) In den beiden letzten Nächten fant auch Demokraten müßten wir sein. Deshalb stimme jeder am 25. Juni die Temperatur in der Eifel auf den Gefrierpuntt; auf für die Socialdemokratie.( Stürmischer Beifall.) den Höhen hat es gereift. Verantwortl. Redakteur: Carl Zeid in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsblatt. 8r. 145. 20. Zchgaog. 1. AtÜltßt litÜ StlÜlltl �'«er-lag. 25. Zmi WZ. Prozetz wegen Beleidigung des Hofpredigers a. D. l). Stöcker. Königsberg, 23. Juni. Ueber den Stöckerprozetz in Königsberg, von dem wir gestern schon kurz berichteten, geht uns noch der folgende eingehendere Bericht zu: Nach Verlesung des AnklagebeschlusieS bemerkt Angeklagter Noske auf Befragen des Vorsitzenden: Er habe den Artikel selbst versaht und übernehme dafür die volle Verantwortung. Stöcker hatte im Reichstage auf eine Rede Bebels die Bemerkung gemacht: Der Begründer der Socialdemokratie, Ferdinand Lassalle, sei selbst im Duell gefallen. Es sei also eine Unwahrheit, wenn die Social- demokraten behaupten, sie seien die größten Gegner des Duells. Der„Ostpreutzische Landbote" sei ein socialdemokratisches Blatt, er (Angeklagter) sei also berechtigt gewesen, den unwahren Angriff Stöckers zurückzuweisen, denn es sei absolut unwahr, daß außer Lassalle sich jemals ein Socialdemokrat duelliert habe. Es sei auch zur Genüge bekannt, daß die Socialdemokratie von jeher das Duell als etwas Unsinniges auf das entschiedenste bekänipst habe. Um diesen Angriff in gehöriger Weise zurückzuweisen, habe er es für notwendig erachtet, darauf hinzuweisen, daß Stöcker in einem Be- leidigungsprozeß in Berlin wissentlich unter seinen, Eide die Un- Wahrheit gesagt habe. Dies sei nicht bloß vielfach von social- demokratischen, sondern auch von vielen bürgerlichen Zeitungen demokratischen bezw. freisinniger Richtung, ja selbst einmal vom .Kladderadatsch" behauptet worden. Im übrigen sei Stöcker in dem Beleidigungsprozeß wider den Redakteur der verflossenen»Freien Leitung" in Berlin(freisinnige Richtung) der wissentlichen Unwahrheit überführt worden. Vorsitzender: Wir werden zunächst das Erkenntnis im Prozeß gegen Stöcker, das die zweite Strafkammer des Landgerichts Berlin I am 16. Juni 1885 gesprochen hat, verlesen. Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Meyer: Ich protestiere gegen die vollständige Verlesung des Erkenntnisses. Es genügt, wenn die auf diesen Prozeß bezüglichen Stellen verlesen werden. In dem Erkenntnis sind außerdem eine Anzahl Aussagen von Leuten enthalten, die zum Teil noch leben, also als Zeugen vernommen werden können. Verteidiger Rechtsanwalt H a a s e: Ich kann nur meinen bereits früher gestellten Antrag auf vollständige Verlesung des Erkenntnisses wiederholen. Das Erkenntnis ist als Beweismittel beigebracht, es muß daher auf Grund der klaren Bestinimungen der Strafprozeß- Ordnung vollständig verlesen werden. Staatsanwalt Wagner: Ich muß mich dem Antrage des Herrn Verteidigers anschließen. Durch eine bloß teilweise Verlesung des Erkennwisses würde sofort ein Revisions- grund geschaffen werden. Es soll durch die Verlesung des Erkennt- nisses auch nicht der Beweis geführt werden, daß das, was in dem Erkenntnis gesagt ist, wahr sei, sondern nur angeführt werden, welches Urteil ein Berliner Gerichtshof gefällt hat. Nach kurzer Berawng beschließt der Gerichtshof, das Er- kenntnis vollständig zu verlesen. Staatsanwalt: Vor der Verlesung habe ich an den An- geklagten noch einige Fragen zu stellen. Herr Noske, wodurch wurden Sie so sehr erregt? Anteil.: Weil Hofprediger Stöcker, wie schon vielfach, über meme Partei eine Unwahrheit behauptet, der hiesige„Volksfreund" dieselbe weiterverbreitet und zu einem Angriff gegen die socialdemokratische Partei benutzt hatte. Staatsanwalt: Ist Ihnen bekannt, wie viel Mal Hof- Prediger Stöcker im Reichstage „Meineidspfaffe" genannt wurde? Sie haben behauptet: hundert Mal. NoSke: Wie viel Mal das geschehen ist, kann' ich natürlich nicht sagen, ich weiß bloß, daß es vielfach geschehen ist. Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Meyer: Es kann der Nachweis geführt werden, daß dieser Zuruf ein einziges Mal im Reichstage gefallen ist, von einem Redner ist der Aus- druck niemals gebraucht worden. Vors.: Hierüber ist wohl auf das Zeugnis des Herrn Tutzauer Bezug genommen. V e r t.: So ist eS. Es wird alsdann das erwähnte Erkenntnis wider Stöcker ver- lesen. Die Verlesung dauert etwa IVz Stunden. Hofprediger Stöcker erbittet danach in seiner Eigenschaft als Nebenkläger das Wort. Das verlesene Erkenntnis hat zur Zeit meiner Disciplinarbehörde, dem Evangelischen Oberkirchenrat vorgelegen, dieser hat aber keine Ver- anlassung gehabt, gegen mich vorzugehen. Der Justitiar des Evangelischen Oberkirchenrats hat das Erkenntnis ein Monstrum genannt. Dasselbe enthält eine Reihe schwerer Irrtümer. Ich bin in der Lage, sofort durch Nenuung von Zeugen fünf schwere Irrtümer nachzuweisen. Im übrigen hat auch der verstorbene Reichsgerichtsrat a. D. B ä h r, nationalliberaler Reichstags-Abgeordneter. das Erkenntnis einer vernichtenden Kritik unterzogen. Vielleicht ist es gestattet, diese Schrift vorzulesen.— Der Vertreter des Nebenklägers beantragt, die Bährsche Schrift zu verlesen.— Staatsanwalt und Verteidiger widersprechen dem An- trage. Der Gerichtshof lehnt den Antrag ab. da es gleichgültig sei, welche Kritik ein früherer Richter über das verlesene Erkenntnis ge- übt hat.— Es werden alsdann mehrere Reichstags- und Landtags- reden verlesen. Es wird danach Stadwerordneter Ewald-Berlin als Zeuge aufgerufen: Im Januar 1384 ist vor dem Schöffengericht in Berlin S t 0 ck e r in einem von dem Redakteur B e r n d t gegen mich, Tutzauer usw. ftattgesundenen Belcidigungsprozeß als Zeuge er- schienen. Hofprediger Stöckcr sagte damals, nachdem er vereidet worden war:»Ich sehe Herrn Ewald heute zum erstenmal." Ich er- hob mich darauf und sagte:„Herr Hofprediger, Sie kennen mich I" Der Vorsitzende sagte:»Herr Hofprediger, was sagen Sie dazu?" Herr S t ö ck e r erwiderte: „Ich kenne Herrn Ewald nicht!" — Ich bemerkte nun: Ich war Anfang der 1886er Jahre gewisser- maßen Führer der socialdemokratischen und gewerkschaftlichen Be- wegung in Berlin. Im Jahre 1833 kam ein Mann, Namens Krauß, zur Zert Redakteur des»Christlichsocialen Korrespondenzblattes", zu mir und sagte: Er komme zu mir im Auftrage des Hofpredigers Stöcker mit der Frage: ob ich zur christlichsocialen Partei übertreten wolle. Ich könne eme große Rolle in der Oeffentlichkeit spielen, wenn ich mich nur von Bebel und Liebknecht lossagen wolle. Ich antwortete Herrn Krauß: Geben Sie sich keine weitere Mühe, ich bin Socialdemokrat. Krauß ist drei bis vier- mal bei mir gewesen. Als er einsah, daß seine Bemühungen keinen Erfolg hatten, ist er nicht mehr wieder gekommen. Herr Stöcker hat auch später zugegeben, daß dieser Herr Krauß sein Mittelsmann war. Kurze Zeit darauf fand in der.Tonhalle" in Berlin eine Ver- sammlung der christlichsocialen Partei statt. In dieser war Stöcker Borsitzender und Referent. Stöcker beschimpfte in dieser Ver- sammlung die socialdemokratische Partei. Ich meldete mich deshalb zum Wort. Stöcker sagte:„Der bekannte Vergolder Ewald hat das Wort." Ich stand dicht neben Stöcker. Gleich als ich begann, wurde ich durch Lärm und Zurufe lvie Hallunke, Judenknecht usw. unterbrochen. Herr Stöcker sagte zu mir:„Seien Sie unbesorgt, ich werde Ihnen schon Ruhe verschaffen." Der Lärm wurde aber immer größer und die Zurufe vennehrten sich. Ich versuchte trotzdem weiterzusprechen. Da wurde gerufen:„Der Kerl scheint sich aus den Zurufen gar nichts zu machen, er scheint Socialdemokrat zu sein." Ich rief:»Jawohl, meine Herren, ich bin Socialdemokrat." In diesem Augenblick warf Stöcker meinen Hut zur Erde und der Polizeilieutenant erklärte mich für verhastet. Es wurden Schirme und Stöcke gegen mich erhoben, ein Schutzmann mußte blank ziehen, um mich gegen die Wut der Menge zu schützen. Etwa im November 1883 wurde von Eugen Richter in der»Breslauer Morgenzeitung" der Vorwurf gegen mich erhoben: ich paktiere mit der christlich- socialen Partei. Ich berief deshalb nach dem„Neuen Gesellschafts- haus", der sogenannten„Alten Linde", in Berlin eine Volks- Versammlung und lud die Herren Eugen Richter und Hofprediger Stöcker schriftlich zu dieser Versammlung ein. Eugen Richter erschien nicht. Es waren mindestens 2666 Personen in der Versammlung. Plötzlich machte sich in der Versammlung eine Bewegung geltend, es hieß, Hofprediger Stöcker sei in den Saal getreten. Stöckcr kam auf das Podium, reichte mir die Hand, begrüßte mich mit den Worten:„Guten Abend, Herr Ewald!" und setzte sich neben mich. Die erste Rede hielt ich. Alsdann nahm S t ö ck e r und nach dem der verstorbene Abg. K a y s e r das Wort. Während der Rede K a y s e r s wurde die Versammlung auf Grund des Socialistengesetzes polizeilich aufgelöst. Ich habe mich alsdann noch längere Zeit Auge in Auge mit Stöcker untcrhaltcn. Vors.: Wann war der Prozeß wider Bern dt? Ewald: Soweit ich mich erinnere, im Januar 1884. Vors.: War es nicht im Januar 1835? Ewald: Nein, ich wurde am 13. Dezember 1884 aus Berlin ausgewiesen, es mutz also im Januar 1884 gewesen sein. Vors.: In dem Erkenntnis wider S t ö ck e r ist erwähnt, daß der Prozeß B e r n d t im Januar 1885 war. Ewald: Das kann nicht sein, denn im Januar 1885 war ich bereits ausgewiesen. Der Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Meyer, be- antragt einen Bescheid des Berliner Ersten Staatsanwalts an den Berichterstatter K u n z e n d 0 r f in Berlin zu verlesen, daraus werde hervorgehen, daß der Prozeß wider B e r n d t im Januar 1885 stattgefunden hat.— Nach kurzer Beratung lehnt- der Gerichtshof den Antrag ab. Vors.: Sind Sie sonst noch einmal mit Hofprediger Stöcker zusammengetroffen? Ewald: Jawohl, Herr Hofprediger Stöcker er- schien einmal in einer Berliner Vertrauens- nränner-Versammlung, in der auch der Abaeord- nete Singer zugegen war. In dieser machte Hofprediger Stöcker auch den Versuch, uns für seine Partei zu gewinnen. In dieser Versammlung habe ich allerdings mit Herrn Stöcker nicht gesprochen. Der folgende Zeuge ist der bisherige Abgeordnete Tischlermeister Tutzaucr-Bcrlin. Dieser wird, ebenso wie Ewald, unter vorläufiger Aussetzung der Vereidigung, vernommen. Er bekundet auf Beftagen des Vorsitzenden: Der Zuruf„Meineidspfaffe" sei wohl im Reichstage mit Bezug auf Stöcker mehrfach erfolgt. Wie dies geschehen sei, ob der Ausdruck auch von einem Abgeordneten in einer Rede gebraucht worden, sei ihm nicht erinnerlich. Im weiteren bestättgt der Zeuge im wesentlichen die von Ewald be- kündeten Vorgänge in der im„Neuen Gesellschastshause" in Berlin stattgehabten Versammlung und in der Prozeßverhandlung wider B e r n d t. Er wisse sich aber auch nicht zu erinnern, ob dieser Prozeß im Januar 1884 oder 1885 war. Danach wird Abgeordneter Hofprediger Stöcker ebenfalls unter vorläufiger Aussetzung der Vereidigung als Zeuge vernommen. Ich habe an die hier in Rede stehenden Vorgänge die Erinnerung verloren, ich bin aber entfernt, das, was die Herren Ewald und Tutzauer hier ausgesagt und wohl auch beschwören werden, abzuleugnen. Es ist leicht möglich, daß ich mit Herrn Ewald in der Tonhallen-Versamnilung gesprochen habe. Man muß sich nur vergegenwärtigen: ein Mann, der sich zum Wort gemeldet hat, kommt zur Treppe hinauf. Sobald er aber zu sprechen beginnt, dreht er dem Vorsitzenden den Rücken. Die Versammlung in der.Tonhalle" ist mir wohl erinnerlich, ich erinnere mich aber nicht, in dieser mit Herrn Ewald gesprochen zu haben. Auch die zlveite Versammlung ist mir erinnerlich. Ich erinnere mich, eine Einladung zu dieser Versammlung erhalten zu haben. Ich hielt es für meine Pflicht, in diese Versammlung zu gehe», um Herrn Ewald zu bezeugen, daß der gegen ihn er- hodcne Vorwurf, er habe gegen seine Partei Verrat geübt, unwahr sei. Ich glaube nicht, daß Herr Krauß von mir beaustragt war, Herrn Ewald zu besuchen, denn solche Leute pflegen selbständig zu handeln. Ich gebe aber die Möglichkeit zu, daß Herr Krauß mit meinem Einverständnis zu Herrn Ewald gegangen ist. Ich gebe auch die Möglichkeit zu, daß ich in der Versammlung im„Neuen Gesellschastshause" mit Herrn Ewald gesprochen habe. Als ich aber in dem Prozeß B e r n d t als Zeuge vernommen wurde, war mir die Person Ewalds nicht mehr bekannt. Wenn dieser Prozeß im Januar 1885 stattgefunden hat, dann war das unmittelbar»ach den ReichStagswahlen, also zu einer Zeit, in der ich allabendlich zumeist in verschiedenen Versammlungen er- scheinen und sprechen mußte und täglich Tausende von Personen gesehen habe. Es wurde mir im übrigen damals von einem Polizisten in Berlin gesagt: es gebe in der Berliner socialdemo- kratifchen Bewegung mehrere Ewalds. Das Berliner Adreßbuch zählt mindestens 156 Ewalds auf. Ich hatte jedenfalls damals die Ueberzeugung, Herrn Ewald zum erstenmal zu sehen. Ich hatte auch nicht den mindesten Grund, zu Gunsten des Herrn Ewald eine Unwahrheit zu sagen und einen Meineid zu leisten. Es wäre doch auch geradezu Wahnsinn gewesen, wenn ich etwas unter meinem Eide hätte ableugnen wollen, was Tausende von Menschen gesehen haben. Verteidiger Rechtsanwalt H a a s e: Herr Hofprediger I Geben Sie zu, daß Sie bemüht waren, socialdemokrattfche Führer, speciell Herrn Ewald, für die christlichsociale Partei zu gc- Winnen? S t ö ck e r: Ich selbst habe jedenfalls einen solchen Versuch nicht gemacht, es ist aber möglich, daß christlichsociale Persönlichkeiten, die ini allgemeinen selbständig handeln, einen solchen Versuch unter- uommen haben. Vert. Rechtsanwalt H a a s e: Geben Sie zu, Herr Hofprediaer, daß Sie nach Veröffentlichung des bekannten Scheiterhaufenbriefes, den Sie ini August 1888 an den bekannten Freiherrn v. Hammerstein richteten, Sie von Zeitungen, die Ihnen politisch nahe stehen, wje der„Post", den„Berliner Neuesten Nachrichten", der Lügenhaftigkeit, der Doppelzüngigkeit und der Hinterlist geziehen wurden, mit dem kein rechtschaffener Mann eine Gemeinschaft haben könne? Hofprediger Stöcker: Ich habe solche Aeußerungen, wie sie der Herr Verteidiger vorgebracht, nicht gelesen, ich gebe sie aber als möglich zu. Ich muß jedoch bemerken, daß die„Post" mir niemals politisch nahe gestanden hat. Keine andre Zeittmg hat mich wohl derartig augegrisfen, wie gerade die„Post". Hofprcdiger S t ö ck e r bemerkt noch: er habe nur loyal gehandelt, als er im November 1886 im preußischen Abgeordnetenhause erklärt habe: der vierte Teil der Unterzeichner der bekannten Notabelnerklärrmg zu Gunsten der Juden habe den Hexentanz um das goldene Kalb mit- gemacht. Er habe die Namen der Leute, die diesen Hexentanz mit- gemacht, nicht nennen wollen.— Der Vertteter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Meyer, beantragt, eine Rcichstagsrede des Abgeordneten Singer zu verlesen, in der dieser erklärt habe: Es ist uns nieinals eingefallen, Herrn S t ö ck e r des wissentlichen Meineides zu beschuldigen. Ewald bemerkt darauf auf Befragen des Vorsitzenden: Er halte seine Bekundung vollständig aufrecht, nur betteffs der Daten sei er nicht ganz sicher. Vors.: Sie geben also die Möglichkeit zu, daß der Prozeß B e r n d t im Januar 1885 stattgefunden habe? Ewald: Ich kann mir das nicht denken, da ich im Januar 1885 schon aus Berlin ausgewiesen war, auf meinen Eid will ich eS aber nicht nehmen. Ewald, Tutzauer und S t ö ck e r werden danach vereidigt. Damit war die Beweisaufnahme beendet. Staatsanwaltschaftsrat Wagner: Ich gebe zu, daß der Zeuge Hofprediger Stöcker bei seiner Zeugen- Vernehmung objektiv von der Wahrheit abgewichen ist. Der Herr Zeuge würde allerdings vorsichtiger gehandelt haben. Ivenn er gesagt hätte: Solveit ich mich erinnere, sehe ich Herrn E lv a l d heute zum erstenmal. In keiner Weise ist aber doch auch nur im entferntesten der Nachweis erbracht, Hof- Prediger Stöcker habe wissentlich einen Meineid geleistet. Zu damaliger Zeit kam S t ö ck e r täglich mit Tausenden von Menschen zusammen, es ist auch möglich, daß er auch mit andren Ewalds zusaminengekommen ist. Als er nun nach Jahr und Tag Ewald in der Gerichtsverhandlung wiedersah, da erinnerte er sich aber nicht mehr, Ewald gesehen zu haben. Die Beweisaufnahme hat auch nicht ergeben, daß der Zeuge Stöcker in seiner im November 1386 gehaltenen Rede im Abgeordnetenhause illoyal gehandelt habe, er wollte eben niemanden kompromittieren. Er beantrage eine Gefängnisstrnse von drei Monaten, Publikationsbefugnis für den Zeugen Stöcker auf Kosten des Angeklagten im Berliner„Vorwärts", im„Reichsbote", in der „Königsberger Volkszeitung", der„Ostpreußischen Zeitung", der „Königsberger Allgemeinen Zeitung" und der„Königsberger Härtung« schen Zeitung". Verteidiger Rechtsanwalt Haase: Ich halte den Vorwurf des wissentlichen Meineides im Falle Ewald für erwiesen. Herr S t ö ck e r kannte Ewald sehr genau. Er hatte ihn mehrfach gesprochen, ihm die Hand gegeben, ihn mit„Herr Ewald" angesprochen und gefragt:„Wie geht es, Herr Ewald?" Wenn Herr Stöcker jetzt sagt: er habe gehört, es gab in der social- demokratischen Bewegung mehrere Ewalds, so ist das nur ein Rückzug. Herr Stöckcr wußte genau, daß es sich nur um diesen Ewald, der damals Führer der polittschen und gewerkschaftlichen socialdemokratischen Bewegung in Berlin>oar, handeln konnte. Dafür spricht doch auch, daß er in der Tonhallcn-Versammlnng sagte:«Der bekannte Vergolder Ewald hat ums Wort gebeten". Ein Zweifel konnte bei Herrn Stöcker über die Person Ewalds nicht bestehen. Herr S t ö ck e r hatte auch einen Beiveggrund, die Bekanntschaft mit Ewald abzuleugnen. Es war ihm peinlich, zugestehen zu müssen, daß er bemüht war, Ewald zu bewegen, zu' ihm über- zutreten und somit Verrat an der eignen Partei zu üben. Herr S t ö ck e r hat allerdings in Abrede gestellt, daß er bemüht war, social- demokrattsche Führer für seine Partei zu gewinnen, er hat aber die Möglichkeit zugegeben, daß Herr Krauß in seinem Auftrage Herrn Ewald besucht hat. Einen noch größeren Wert lege ich aber auf die Bemerkung Stöckers betteffs der Notabeln-Erklärung im Abgeordneten- hause. Herr Stöcker sagte: ein Viertel der Unterzeichner der Notabeln-Erklärung habe den Hexentanz um das goldene Kalb mit- gemacht. Als er nun gedrängt wurde. Namen zu nennen, da sagte er, er habe dies nur in gutartigem Sinne gemeint. Er habe nicht sagen wollen: ein Viertel der Unterzeichner der Notabeln-Erklärung habe als Gründer mitgewirkt, sondern nur. daß diese Leute sich zu Aufsichtsräten bei Aktiengesellschaften haben mißbrauchen lassen. Diese offenbare Ausrede hat der Zeuge S t ö ck e r im Prozeß wider Bäcker beschworen, er hat also damit einen wissentlichen Meineid geleistet. Herr S t ö ck e r hat eben nicht den Mut gehabt, die Wahrheit zu bekennen. Ich gebe zu, daß der Angeklagte sich einer formalen Beleidigung im Sinne des 8 185 des Strafgesetzbuches schuldig gemacht hat. Allein dafür wird man eine kleine Geldstrafe für eine ausreichende Sühne erachten. Das Erkenntnis lautet, wie schon gestern nntgeteilt, auf drei Monate Gefängnis. Der Gerichtshof hat wohl in der Bekundung des Hofpredigers S t ö ck e r in der Verhandlung wider Bern dt eine objektive Unwahrheit gefunden, denn es ist durch das Zeugnis des Herrn Ewald fest- gestellt, daß dieser zweimal mit Hofprediger Stöcker zusammen« getroffen ist. Allein angesichts des Umstandes, daß Hosprediger S t ö ck e r zur Zeit mit vielen Tausenden von Menschen zusammen- kam, ist diesem zu glauben, daß ihm nach Verlauf von einem halben Jahre Ewald nicht mehr persönlich bekannt war. Daran ändert auch nichts der Umstand, daß S t ö ck e r dem Ewald die Hand gereicht und ihn mit„Herr Ewald" angesprochen hat. Ebenso« wenig hat der Gerichtshof für nachgewiesen erachtet, daß S t ö ck e r betteffs der Notabeln-Erklärung einen wissentlichen oder fahrlässigen Meineid geleistet hat. Vereins- und Versammlungsrecht der Frauen. Wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze im Sinne des§ 116 des Sttafgesctzbuchs hatten sich gestern der verantwortliche Redakteur des„Vorwärts", Karl Leid und der Schriftsteller Abgeordneter Arthur S t a d t h a g e n vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Am 16. Juni 1962 hielt der Angeklagte Stadthagen vor einer im„Kösliner Hof" in der KöSlinerstraße tagenden Volksversammlung, die von Männern und Frauen besucht war, einen Vorttag über das Thema:»Was wollen die Frauen von der Polizei?" Er polemisierte dabei gegen§ 8 des sogenannten Vereinsgesetzes oder der Verordnung vom 11. März 1856, wonach Frauen nicht als Mitglieder politischer Vereine auf- genommen werden, noch an den Versammlungen solcher Vereine teilnehmen dürfen. Dieser§ 8 stehe im Widerspruch mit der preußischen Verfassung. Diese garantiere durch die Art. 4, 29 und 36 allen Preußen, also auch den Frauen, die Versammlungs- und Vereinsfreiheit. Nur durch Gesetz könne die Ausübung des Vereinsrechts geregelt und könnten politische Vereine„Beschränkungen und vorübergehenden Verboten' unterworfen werden. Der ß 8 der Verordnung enthalte aber gegenüber den: weiblichen Teile der Be- völkerung ein dauerndes Verbot, also eine materielle Aenderung der Verfassung. Die vorgeschriebene Form einer Verfassnnasänderung sei bei der Schöpfimg des sogenannten Vereinsgesetzes nicht gewahrt worden, da im Gegensatz zu der Vorschrift des Arttkels 167 der preußischen Verfassung nur eine einmalige Abstimmung in beiden Kammern stattgefunden habe. Um die Frage der Rechtsgültigkcit einer reichSgcrichtlichen Entscheidung zu unterziehen, wandte Redner sich alsdann mit folgendem Appell an die anwesenden Frauen:»Neben Sie Frauen fcaS Vereins- und Versammlungsrecht aus, lümmern Sie sich nicht um die in§ 8 des preußischen Vereinsgesetzes vom 11. März 1850 aufgerichteten Schranken. Ich fordere Sie ausdrücklich zum Unge- horsam gegen die Vorschriften des§ 8 des sogenannten Vereinsgesetzes auf: lümmern Sie sich nicht um seine Vorschriften, handeln Sie gegen seme Verbote, feien Sie ungehorsam gegen die in ihm enthaltenen Gebote und Verbote."— Ueoer die Versammlung und diese Auf- forderung Stadthagens hatte der„Vorwärts" einen zutreffenden Bericht gebracht und die an die Frauen gerichteten Stellen in ge- sperrtem Druck wiedergegeben. Die Anklage nimmt auf Grund dieser Thatsache an. daß der Angeklagte Leid, entsprechend der Stellung des„Vorwärts" innerhalb der socialdemokratischen Partei, damit selbständig die Aufforderung zum Ungehorsam habe wieder- holen wollen.— Der Angeklagte Stadthagen gab zu. daß er die fragliche Aufforderung an die Frauen er- lassen habe und zwar ausschließlich in der Absicht, endlich eme Entscheidung des Reichsgerichts über die Rechts- Ungültigkeit des§ 8 der Verordnung herbeizuführen.— Erster Staatsanwalt Steinbrecht führt aus. daß 8 3 zu Recht bestehe und daß die Verordnung vom 11. März 1850 gültiges Gesetz sei, da es vorschriftsmäßig als solches publiziert sei und sich in Ueberein- stmimung mit der Verfassung befinde, da es nur Beschränkungen enthalte. � Der Richter habe nicht nachzuprüfeir, ob das Gesetz gültig sei. Der Angeklagte Stadthagen habe sich daher gegen 8 110 des Strafgesetzbuchs vergangen. Dasselbe müsse bezüglich des Angeklagten Leid behauptet werden. Die Stellung, die der„Vorwärts" innerhalb der socialdemo- kratischen Partei einnehme, sei bekannt. Im„Vorwärts" werden täglich Weisungen an die socialdemokratischc Partei veröffentlicht, und die Socialdemokraten seien gewohnt, die Ratschläge und Weisungen des„Vorwärts" zu befolgen, und wenn der„Vorwärts" den Appell des Angeklagten Stadthagen in gesperrtem Druck wieder- gebe, so wiederhole er selbst diese Aufforderung zum Ungehorsam. Der Staatsanwalt beantragte gegen Stadthagen 14 Tage, gegen Leid eine Woche Gefängnis. Angeklagter Stadthagen beantragt Freisprechung und Ueber- nähme auch der notwendigen Auslagen auf die Staatskasse. Zum Ungehorsam gegen 8 3 des Textes vom 11. März 1850 habe er die Frauen aufgefordert. Das sei aber nicht strafbar, da 8 110 lediglich Ungehorsam gegen ein gültiges Gesetz in, Auge habe. 8 3 sei materiell und formell ungültig, kein Gesetz. Zunächst entfällt lit. b fJnverbindungtretungs-Verbot). da dieser durch Reichs gesetz vom 11. Dezember 1899 aufgehoben ist. Als mögliche„Ungehorsam- leiten" der Frauen blieben drei übrig! a) Sie könnten politische Vereine bilden und in diesen als Mitglieder Frauen aufnehmen. DaS ist nach Rechtsprechung des Reichsgerichts �Erkenntnis gegen den Arbeitcrinnenverein vom 18. Februar 1837) strafbar, b) Frauen können sich als Mitglieder politischer Vereine aufnehmen lassen. Auch das ist nach 8 13 strafbar. o) Sie können der Vorschrift des Absatz 2 zuwider Versammlungen und Sitzungen_ politischer Vereine beiwohnen. Die Auf- forderung zu diesen drei, teilweise strafbaren Ungchorsamkeiten ist nicht strafbar, weil L 8 kein Gesetz im Siime des 8 110 ist, da es kein gültiges Gesetz ist. Denn ihm stehen nach den drei an- geführten Richtungen Artikel 29 und 80 der Verfassung gegenüber. Danach steht Versammlungsrecht und Vereinsrecht auch Frauen zu. Die Verfassung räumt dem Gesetz ausdrücklich nur das Recht ein, die Ausübung des Vereins� und Versammlungsrechtes, soweit es sich um Versammlungen in geschlossenen Räumen handelt, zu regeln. Die Aufhebung eines Rechts ist keine Begehung einer Aus- Übung eines Rechts. Ferner läßt die Verfassung„Beschränkungen und vorübergehende Verbote zu, nicht aber dauernde Verbote. Ungehorsam der Verfassung ist 8 8, er aber habe zum Gehorsam gegen diese ausgefordert. Der Bürger schuldet dem Gesetz nur„verfassungs- mäßigen Gehorsam". Bei Widerstreit zwischen Verfassung und Gesetz geht die Verfassung vor. Denn sie ist das Staatsgrundgesetz, die höchste, beschworene Rechtsquelle, auf die die sämtlichen andern Gesetze erst beruhen. Erst dann verliert eine Vorschrift der Ver- fassung ihre Ärast, weon sie durch eine Verfassungsnovelle ausgehoben oder abgeändert ist. Das ergebe sich auch aus Art. 109. Das sogenannte Vereinsgesetz bezeichnet sich nicht als VerfassungS- änderungs-Gesetz, hat auch"die nach Artikel 107 erforderlichen zwei Lesungen nicht"passiert. Nun habe fteilich das Oberverwaltungs- gcricht angenommen, es habe die Rechtsgültigkeit nach Artikel 106 der Verfassung nicht zu prüfen. Diese Ansicht, die sich auf Stengel, H. Meyer und andre Staatsrechtslehrer stütze, ist eine irrige. Sie beruht auf völliger Verkennung des Wortlauts und der Entstehungsgeschichte des Artikel 106. Hervorragende Rechts- lehrer wie Gneist, Wächter, Plank haben angenommen, der Richter habe die G ü l t i g k e i t der Gesetze zu prüfen. Artikel 106 spricht in seinem ersten Satz von der Notwendigkeit der Publikation der Gesetze und Verordnungen. Im zweiten Absatz schließt er die Prüfung der Rechtsgültigkeit von königlichen Notverordnungen (Art. 63) aus, nicht aber die von Gesetzen. Die Entstehungs- geschickte, auf die Angeklagter eingeht, erweist, daß der Vorschlag, die Prüfung der Rechtsgültigkcit von Gesetzen dem Richter zu entziehen, abgelehnt ist. Außerdem widerspreche es der Logik, auf der einen Seite die Beobachtung des Art. 106 der Verfassung zu fordern, auf der andern Seite an der Beobachtung andrer Artikel der Verfassung(29 und 39) sich gehindert zu fühlen. Die Ausübung des richterlichen Amtes ist ohne Prüfung der Rechtsgültigkeit der Gesetze schlechterdings undenkbar. Zum mindesten kann der Gesetzgeber dem Bürger nicht auferlegen, einem rechts- ungültigen'Gesetz gehorsam zu sein. Auf der einen Seite zu sagen: das Gesetz prüfe ich nicht, weil mir die Verfassung das verbietet, auf der andern Seite das beschworene Vereins- und Verfammlungs- recht, das dieselbe Verfassung garantiert, als nicht vorhanden an- sehen, ist ein unlösbarer Widerspruch. Stehen sich zwei Gesetze entgegen, so hat das schwächere Gesetz, d. h. das Specialgesetz, das sein Recht erst aus der Verfassung ableitet, dem stärkeren, der Ver- fassung selbst, zu weichen. Für den Angeklagten Leid schloß sich Rechtsanwalt Dr. Heinemann dieser Rechtsdeduktion an und führte für seinen Klienten noch an, daß die Wiedergabe einer Rede nicht selbst die Aufforderung zum Ungehorsam, sondern nur die Erfüllung der publizistischen Pflicht darstelle. UeberdieS liegt in. der Thätigkeit des verantwortlichen Redakteurs keine„Verbreitung", wie. sie 8 110 fordere. Der Staatsanwalt suchte darzuthun: 8 3 enthält nur eine„Beschränkung", kein dauerndes Verbot, da ja 8 21 für die Zeit der Wahlen die Verbote aufhebe. Stadt- b a g e. n replieiert! Das ist irrig. 8 8 trifft politische Vereine, 8 21 schließt nur. für Wahlvercine, die für eine konkrete Wahl gebildet werden, die Anwendbarkeit aus, für alle übrigen polittschen Vereine bleibt sie bestehen. Der Gerichtshof kam zur Verurteilung des Angeklagten Stadt- Hagen. Der Schwerpunkt liege in der Frage, ob der 8 8 der Ver- ordnung rechtsgültig sei oder nicht. Der Gerichtshof stehe auf dem Standpunkt, daß der Richter dies nicht nachzuprüfen habe, sondern daß es nur darauf ankommt, ob ein rechtsgültig ver- k ü n d e t e s Gesetz vorliege. Dies sei der Fall. Ueberdies sei das Gericht der Ansicht, daß der 8 8 keinen Verstoß gegen die Ver- fassung darstelle. Der Angekl. Stadthagen habe sich deshalb gegen 8 110 Strafgesetzbuch vergangen. Bei dem Angekl. Leid habe der Gerichtshof eine Aufforderung zum Ungehorsam nicht angenommen, wenn auch der Verdacht nicht abzuweisen sei, daß der Angeklagte die Sache benutzt hat, um entsprechend der Tendenz des„Vorwärts" im Sinne des Angeklagten Stadthagen auf die Frauen zu wirken. Bei dem letzteren seien strafschärfend seine Vorbestrafungen, andrerseits sei aber berücksichtigt worden, daß sein Motiv nur gewesen, eine Rechts- frage zum Austrag zu bringen, und daß das. wozu er aufgefordert hat, doch nur mit einer geringen Strafe bedroht ist. Demgemäß habe der Gerichtshof gegen den Angeklagten Stadthagen aus 14 Tage Gefängnis erkannt, den Angeklagten Leid dagegen freigesprochen.- Gegen das Urteil ist Revision eingelegt. Befremden muß es, daß, wenn überhaupt Verurteilung erfolgt, auf G e- sängnis erkannt wurde. Die geringste Strafe ist 3 Mark. Das Verlangen, daß Richter die Rechtsgültigkeit eines Gesetzes prüfen und daß Frauen ihre durch Verfassung gewährleisteten Rechte gebrauchen sollen, ist doch keine Zumutung, die der Gesetzgeber mit Gefängnisstrafe belegt wissen wollte. Den Vorsitz des Gerichtshofes führte der Direttor Leuschner. der konservative Abgeordnete Busch gehörte zu den Beisitzern. Prozeß gegen die Pommernbank. In der Sitzung am Mittwoch, den 24. d. M., wurde über ein neues Kapitel der Anklage verhandelt. In demselben wird den An- geklagten Schultz und Romeick Untreue und Bilanz- f ä l s ch u n g durch künstliche Erhöhung des Reingewinns und Ver- teilung zu hoher Tantiemen vorgeworfen. Es handelt sich dabei um folgende Vorgänge: Die Pommernbank hat sich von ihren Neben- gcsellschaften erhebliche Vergütungen und Entschädigungen überweisen lassen, welche sie als Gewinne in ihre Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen einstellte. Die Anklage behauptet, daß diese Posten wertlos waren und aus andren Gründen in der geschehenen Art nicht eingestellt werden durften. Diese Posten waren: 1. laut Bilanz vom 31. Dezember 1897 von der Jmmobilien-Verkehrsbank 446,500 Mark, 2. laut Bilanz vom 31. Dezember 1898 von der Immobilien- Erwerbsgesellschaft 200 000 Mark, 3. von der Jmmobilien-Verkehrs- bank 427 000 Mark, 4. laut Bilanz vom 31. Dezember 1899 von der Jmmobilien-Erwerbsgescllschaft 1 450 000 Mark, 5. von der- selben 75 000 Mark, 6. laut Bilanz vom 31. Dezember 1900 von der Jmmobilien-Verkehrsbank 955 000 Mark, zusammen 3 553 500 Mark. Die ganze Matzregel habe nur den Zweck gehabt, die Bilanzen der Pommernbank zu verbessern und die Tantiemen und Dividenden un- rechtmäßig zu erhöhen. Da die Angeklagten an diesen Tantiemen teilgenommen, haben sich die Angeklagten nach der Ansicht der An- klage der Untreue und auch gleichzeitig der Bilanzfälschung schuldig gemacht. Es erhebt sich über diese Behauptungen der Anklage eine sehr lange und lebhafte Debatte, in welcher zur Sprache kommt, daß die Pommernbank sich bereit erklärte, die von der Jmmobilien-Verkehrs- bank in der Subhastation erworbenen Grundstücke, die sie f. Z. mit zusammen 4 825 300 Mark ä 4'/, Prozent beliehen hatte, mit 6 115 000 Mark ä 3V- Prozent zu beleihen, wenn dagegen der Pommernbank als Entschädigung für Provisions- und Zinsverlust 446 500 Mark vergütet würden. Angeklagter Schultz sucht wieder- holt darzulegen, daß ihm aus jener Transaktion kein Vorwurf zu machen sei, während Staatsanwalt Beeck und Geh. Rat Hecht andrer Meinung sind. Letzterer erklärt das Verfahren vom Stand- punkte einer soliden Hypothekenbank für absolut unzulässig. Es sei schon an sich ein Zeichen von der Mißwirtschaft, die bei der Jmmobilien-Verkehrsbank herrschte, daß so viele Grundstücke zur Subhastation kommen konnten. Die plötzliche Erhöhung der Be- leihungssumme von 4,3 Millionen auf 6,1 Millionen lasse sich gleich- alls vom Standpunkte einer reellen Hypothekenbank nicht recht- ertigen, denn die Herabsetzung des Zinssatzes lasse deutlich erkennen, daß es sich um notleidende Grundstücke handelte. Infolge eines weiteren Beweisantrages der Verteidigung wird sodann Geh. Rat Budde noch einmal vernommen. In dem An- trage wird behauptet, daß die Berliner Hypothekenbank eine Reihe von Grundstücken, die in der Anklage aufgeführt werden, unnötiger- weise unn:r dem Werte verkauft habe. Der Angeklagte Schultz be- hauptete, daß aus den fraglichen Grundstücken bei Abzug von 15 Proz. Unkosten, des Mietszinses der leerstehenden Wohnungen und der Hypothekenzinsen nach seiner Rechnung ein Netto-Ueberschutz von 29 962 Mark sich ergebe. Da aber diese Grundstücke nach' der vom Architekten Jaeger erfolgten Abschätzung einen Realwert von 9 302 500 Mark gehabt, so habe sich die Pommernbank nicht in der Zwangslage befunden, kücse Grundstücke mit einem Verlust von 726 483 Mark zu verkaufen, sie hätte vielmehr ruhig abwarten und nach und nach normale Mieten erzielen können, wodurch jeder Ver- lust abgewendet und noch ein Gewinn erzielt worden wäre. Der Angeklagte beruft sich darauf, daß die Bücherevisoren Huschke und Kruse die rechnerische Nichtigkeit der von ihm gegebenen Zu- sammenstellung aus den einzelnen Grundstücken bestätigt haben, und daß nach den Bekundungen des Prokurist Horwege der Uebcrschuß nicht nur auf 29 962 Mark, sondern auf über 32 000 Mark zu be- Ziffern sei. Geh. Rat Budde wendet sich ganz entschieden gegen diese Be- hauptungen des Angeklagten Schultz, durch Vorführung der wirklichen einschlägigen Verhältnisse. Er bestreftet mit Nachdruck den Vorwurf, daß die Grundstücke verschleudert worden seien. Wenn die kadu- zierten 30 Millionen Mark Pfandbriefe mit in die Bilanz eingestellt worden wären, so würde er gezwungen gewesen sein, das zu thun, was seine Amtsvorgänger pflichtgemäß hätten thun müssen, nämlich den Konkurs anzumelden. Er zweifle gar nicht daran, daß es Herrn Schultz möglich gcivesen wäre, höhere Preise für die Grundstücke zu erzielen, aber nur durch die Art von Geschäften, wie er sie betrieben. ebenso würde es Herrn Schultz wahrscheinlich möglich gewesen sein. neue Gelder aufzubringen, aber wieder nur auf jene Art und Weise. Die Verhandlung wird hier abgebrochen. Justizrat W r o n k e r beantragt wiederholt namens der Verteidigung, außer dem Sonn- abend auch noch einen andren Tag frei zu lassen, damit durch die an solchen Tagen stattfindende anstrengende Borarbett eine Ab- kürzung der Verhandlungen erzielt iverden könne. Der Vor- sitzende erklärt hierzu: Der Gerichtshof habe natürlich auch ein lebhaftes Interesse an der möglichsten Beschleunigung, er werde die Dinge so erledigen, wie es notwendig sei, unbekümmert um die billigen Witze der Witzblätter. ' Die nächste Sitzung wird auf Freitag, 9 Uhr, anberaumt. Partei- I�admcKten. Totenlifte der Partei. Ganz plötzlich nach nur kurzem Kranken- lager ist in Geestemünde unser alter bewährter Genosse Friede ver- starben. Mit ihm verlieren die Geestemünder einen treuen, eifrigen, langjährigen Anhänger unsrer Sache. Sociales. Um Einführung der bedingten freien Arztwahl hat die Vertrauens- kommission des ärztlichen Bezirksvereins München in einer Ein- gäbe an das Gemeindekollegium gebeten. Die Eingabe wird in dem zuständigen Ausschuß vorberaten. GewerKtcKaftlicKes. Berlin und Qmgegend. Zur Lage der Fcnsterputzer wird uns geschrieben: Seit Beendi- gung des Streiks bei der Firma Stähr u. Comp., Petristtaße, scheint den Unternehmern mächtig der Kamm anzuschwellen. Sticht nur, daß man organisierte Arbeiter entläßt, man züchtet ordentlich das De- nunziantentum. Bei einem der größten Reinigungs-Jnstitute werden Prämien an denjenigen ausgezahlt, welcher der Firma anzeigt, wer Mitglied des Verbandes ist.— Die Arbeiter der Firma Glaser- Innung hatten in einer Betriebssitzung drei Kollegen als Ver- trauensleute gewählt. Am Tage der Lohnzahlung wurden die drei Kollegen entlassen. Bei zweien derselben wurde der Grund der Ent- lassung nicht angegeben, nur bei dem dritten wurde erklärt, für Ver- ttauensleute hätte man keine Beschäftigung in der Anstalt.— Bei der Firma Arnheim u. Co., Rungestraße, wurden einem Arbeiter bei der Entlassung 2 M. vom Lohn abgezogen, weil derselbe circa sechs Wochen vorher eine Scheibe eingestoßen hatte. Um zu dem Gelde zu gelangen, mußte der betreffende Arbeiter das Gewerbegericht anrufen.— Aus alledem geht hervor, wie schlecht die Verhältnisse der Berliner Fensterputzer sind und wie sehr sie der Besserung bedürfen. Soll wirklich etwas geschehen, um die wirtschaftliche Lage derselben zu bessern, so ist es Pflicht eines jeden Putzers, sich seiner Berufs- organifation anzuschließen, um mit Hilfe derselben sich bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verschaffen. OeutfcKes RHA. Die Zimmerer Hamburgs sind nunmehr in den partiellen SWttfl eingetreten. Sie haben gestern auf verschiedenen Arbeitsstellen, wo die Forderung: 70 Pf. Stundenlohn, nicht bewilligt wurde, die Arbeit niedergelegt. Lohnbewegung in Guben. Die Tischler, sowie die Maler und Anstreicher in Guben sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Die Tischler verlangen Herabsetzung der bisherigen Arbeitszeit von 59Vz auf 56 Stunden wöchentlich und eine Erhöhung des Stunden- lohnes um 5 Pfennig. Auch bei den Malern und Anstreichern handelt es sich hauptsächlich um Verkürzung der Arbeitszeit; die bisherige llstündige Arbeitszeit soll auf 10 Stunden bei gleichem Lohn herabgesetzt werden. Die Innung hat diese Forderung für berechtigt anerkannt und ist zu hoffen, daß auch über die andren Forderungen(Minimallohn zc.) eine Verständigung erzielt wird. Tarifgemeiuschaft der Nürnberger Metallschläger. Zwischen dem Deutschen Metallarbeiter- Verband, allgemeine Verwaltungsstelle Nürnberg, und der Vereinigung der Metallschlägermeister Nürnberg wurde am 20. Juni nach neunwöchentlichem Streik eine Tarif- gemeinschast bis zum 1. September 1904 abgeschlossen. Gegenstand der Vereinbarungen sind: 1. Festsetzung der Arbeitszeit. 2. Fest- setzung der Löhne für sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen. 3. Fest- setzung der Kündigungsfrist. 4. Regelung des Lehrlingswcsens. 5. Regelung der Arbeitsvermittelung. 6. Kontrolle und Regelung der Produktton. Die höchst zulässige Arbeitszeit bettägt wöchentlich 54 Stunden. Die Arbeit wurde in allen Handbettieben am Montag in vollem Umfange aufgenommen. Die Maler in Stuttgart befinden sich in einer Lohnbewegung. ES ist schon mehrfach eine Verständigung mit den Arbeitgebern ver- sucht worden, jedoch ohne Resultat. Der Stteik scheint un- vermeidtich. Eine in mehrfacher Beziehung wichtige Entscheidung hat der Sttaf- senat des preußischen Kammergerichts in seiner letzten Sitzung ge- fällt. Gegen die 8s 1. 2, 12 und 13 des preußischen VereinsgesetzcS sollten die„Vorsteher" des Vereins„Gewerkschaftskartell für K a t t o w i tz" dadurch verstoßen haben, daß sie Mitglieder« Verzeichnis und Statuten des„Vereins" der Polizei nicht einreichten und daß sie eine„Versammlung", in der öffentliche Angelegenheiten hätten erörtert werden sollen, nicht polizeilich anmeldeten. Die Angeklagten Baude und Gen. bestritten jede Verpflichtung dazu und erzielten auch in zweiter Instanz beim Landgericht Beuthen insoweit ihre Freisprechung, als eS sich um das Statut und das Mitgliederverzeichnis handelte. Das Landgericht nahni an, daß ein Gewerkschaftskartell überhaupt kein„Verein" im öffentlich rechtlichen Sinne sei, wenn ihm, wie hier, nur die Vorsitzenden und je zwei Delegierte der Gewerkschafts- vereine angehörten.(In Kattowitz sind 13 Gewerkschaften im Kartell vertteten.) Das Kartell wurde als Centtalorgan der Katto- witzer Gewerkschaften angesehen.— Die Angeklagten wurden jedoch vom Landgericht zu Geldstrafen von je 15 M. wegen der Nicht- anmeldung einer polizeilich aufgelösten Sitzung des Kartells, wozu sich 22 Personen eingeftmden hatten, verurteilt. Diese Sitzung sei als Versammlung anzusehen und es sei auch eine Erörterung öffentlicher Angelegenheiten, wenn dort über statistische Erhebungen in Bezug auf die Lage der Arbeiter gesprochen werden sollte, denn dadurch würden öffentliche Interessen berührt.— Der Strafsenat des Kammergerichts unter dem Vorsitz des Herrn Lindenberg gab der Revision statt, hob die Vor- entscheidung, soweit eine Verurteilung erfolgt war, auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung au das Landgericht zurück. Begründend wurde ausgeführt: Wenn nur Delegierte, und wenn auch 22, zu Zwecken des Kartells zusammen- gekommen seien, dann könnte man nach Ansicht des Kammergerichts nicht von einer Versaminlung, sondern nur von einer Sitzung des Kartells sprechen, die einer Anmeldung überhaupt nicht be- dürft hätte. Es stehe jedoch hier noch nicht genau fest, ob der Zusammenkunft nicht noch andre, dem Kartell nicht an- gehörende Personen beiwohnen sollten oder konnten. Wenn dies der Fall wäre, dann würde allerdings eine Versammlung vorliegen. Das müsse noch nachgeprüft werden.— Auch sei es rechtsirrtümlich, wenn das Landgericht eine Erörterung öffentlicher Angelegenheiten ohne weiteres in statistischen Erörterungen mit Bezug auf die allgemeine Lage der Arbeiter sähe. In solchen Erörterungen wäre eine Er- örterung öffentlicher Angelegenheiten e r st dann zu finden, wenn die Tendenz damit verbunden wäre, das Ergebnis der Statistik derart zu verwerten, daß eine bestimmte Aenderung, eine Umwälzung der Lage der Arbeiter erzielt werde. Hierüber fehlten ebenfalls nähere Feststellungen. Christliche Gewerkschaftsbewegung. Der Ausschuß des Gesamt- Verbandes der christlichen Gewerkschaften sagt in seinem Bericht für das Jahr 1902: Dem Gesamtverbande sind angeschlossen 20 Organi- sationen mit 84 652 Mitgliedern gegen 23 Organisationen im Vor- jähre. Der Bericht zählt dann noch 10 Organisattonen mit 105 243 Mitgliedern als zu den christlichen Gewerkschaften gehörig, obwohl es sich hier fast ausschließlich um Bahn- und Postbcamte handelt. Eine Ausnahme bildet nur der christliche Meta llarbeiter-Verband, welcher im vorigen Jahre aus dem Gesamtverbande ausgeschlossen wurde. Die Mitgliederzahl sämtlicher Organisationen soll um ca. 14 000 gestiegen sein, der Bergarbeiter-Verband habe am 1. April d. I. 40 500 und der Texttl- arbeiter-Verband 17 728 Mitglieder gezählt. Die Angaben über die Mitgliederzählen der christlichen Gewerkschaften sind jedoch mit großer Vorsicht aufzunehmen. Gewöhnlich sind die Zahlen etwas hoch an- gegeben. Es heißt z. B. in dem Bericht, daß der Bergarbeiter- Verband im Jahre 1902 durchschnittlich 35 500 Mitglieder gezählt habe. Wenn man aber die Beittäge nachrechnet; so findet man, daß nur ftir 25 217 Mtglieder Beittäge entrichtet sind, demnach würden ca. 10 000 Mitglieder in den Listen geführt, welche keine Beittäge leisten.— Die Einnahmen der dem Gcsamtverbande angeschlossenen Organisattonen werden in dem Bericht mit 406 909 M. angegeben. die Ausgaben betrugen 323 455 M. Bon diesen Ausgaben fielen auf Streik- und Gemaßregelten- Unterstützung 88 626 M. Der Texttlarbeiter-Verband hat die Hälfte der ganzen Summe allein ausgezahlt, sodaß die übrigen 19 Organisattonen insgesamt eine Ausgabe von 44 0M M. für diese Unterstützungen zu zahlen hatten. Beittäge von 10 M. pro Woche sind in den chnstlichen Gewerkschaften jetzt eine Seltenheit, da dieselben im Laufe des Jahres fast durch- weg erhöht worden sind. Die Gewerkschaftspresse soll in einer Auf- läge von 210 000 Exemplaren erscheinen und sollen nach dem Bericht insgesamt 19 Organe herausgegeben werden und zwar 12 wöchent- lich, vier alle 14 Tage, zwei monatlich und eins alle zwei Monate. Im Bericht wird dann angegeben, daß die christlichen GeWerk- schaften insgesamt an 37 Stteiks mit 2151 Personen beteiligt waren. Von diesen Streiks waren 22 erfolgreich, während 15 mit einem Miß- erfolg endeten. Bedauert wird dann noch, daß auch die Unternehmer und Behörden durch Lokalabtreibereien den christlichen Gewerkschaften Schwierigkeiten bereiten. Ans dem Bericht geht unzweifelhaft hervor. daß die christlichen Gewerkschaften keine Fortschritte niachen, es fehlt die werbende Kraft und die Begeisterung für die Sache, selbst der Auftuf am Schluß des Berichts, nicht zu verzagen und vorwärts zu streben, täuscht nicht über die pessimistische Stimmung, welche in den Kreisen der chrisflichen Führer selbst herrscht. Busland. Handschuhmacher- Aussperrung in Schweden. In sämtlichen Handschuhfabriken der Landschaft Schonen wurden am Montag die Arbeiter ausgesperrt. Veranlassung zur Aussperrung war der Hand- schuhmacher-Stteik in Lund. Die Handschuhmacher in den andern Städten Schonens sollten gezwungen werden, Streikarbeit zu machen. was sie selbstverständlich ablehnten.— Uns der Frauenbewegung. Ober-Schöneweide. Der hiesige Bildungsverein ftir Frauen und Mädchen hält am Freitag, den 26.� abends 8 Uhr, seine Generalversammlung bei Kaufhold, Wilhelmiuenhofstr. 18, ab. Eintritt nur gegen Mitgliedsbuch oder Karte. Der Vorstand. Für den Juhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Urania. Taubenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr: Theater. Von der Zugspitze Donnerstag, den 25. Juni. Anfang 72 Uhr: Neues Operntheater. Das süße Mädel. Deutsches. Monna Banna. Westen. 100 000 Thaler. Central. Pid und Pocket. Residenz. Lustige Ehemänner. Vorher: Nach dem Balle. Anfang 8 Uhr: 10 Schiller O.( Wallner Theater.) Berlin, wie es weint und lacht. Schiller N.( Friedrich- Wilhelmstädt. Theater.) Der grüne Kakadu. Abschied vom Regiment. Heiratsantrag. Berliner. Der Haideschacht. Neues. Arche Noah. Thalia. Das Alter. Kleines. Nachtasyl. Belle- Alliance. Tanzidyllen. Ein Artemis Colonna. Carl Weiß. Das Geheimnis des roten Hauses. Metropol. Neuestes! Allerneuestes! Apollo. täten. zum Watzmann. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. Passage- Theater. Anf. Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Ende 11 Uhr. Carla Lingen in ihrem Repertoire. Oskar Saldow, Humorist. Erna Koschel. Josefine Delcliseur. Ganz Berlin zerbricht sich schon den fünften Monat den Kopf über AGA! die schwebende Jungfrau! 14 erstklassige Nummern. Die Liebesinfel. Speciali Castans Panoptikum Paffage Theater. Specialitäten. Wintergarten. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Bon der Zugspitze zum Wahmann. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Friedrichstr. 165. Neu! Peter I. König von Serbien. Neu!! König Alexander+ Central Theater Königin Dragat = Heute und folgende Tage, Anf. 8 Uhr: Pick und Pocket. Schwant mit Gesang und Tanz in 3 Auszügen. Emil Sondermann. Aleg Sommer. Mizzi Birkner. Marie Forescu. Schiller-Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Schiller- Theater N. ( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Donnerstagabend 8 Uhr: Berlin wie es weint und Der grüne Kakadu. lacht. Freitagabend 8 Uhr: Abschied vom Regiment. Ein Heiratsantrag. Freitagabend 8 Uhr: Berlin, wie es weint und Der grüne Kakadu. Abschied vom lacht. Regiment. Ein Heiratsantrag. Hasenheide Neue Welt Arnold Scholz. 108-114. Donnerstag, den 25. Juni 1903: Elite- Tag. Militär- Konzert Gala- Specialitäten- Vorst Monstre- Feuerwerk. Anfang 5 Uhr. 18962 Entree 50 Pf. Morgen Freitag: Erstes grosses Massenkonzert( 6 Kapellen). Schloss Weissensee. ,, Zum Sternecker", Inhaber: C. Koch. 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Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachm. 4%, Uhr, vom Krankenhaus Urban aus nach dem neuen Rigdorfer Kirch 19132 hof statt. Die Kollegen der Pianinofabrik von H. Garn. Orts- Krankenkasse der Sattler Berlins. Montag, den 22. Juni, verstarb unser Mitglied der Sattler Josef Winkler. am Die Beerdigung findet Donnerstagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des St. PiusKirchhofes in Wilhelmsberg aus ſtatt. 274/11 J. A.: H. Werner. Allen Freunden und Bekannten, sowie den Inhabern und Kollegen der Firma Kiẞner u. Co., welche an der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes teilgenommen haben, sage ich meinen herzlichsten Dank. Ebenso danke ich für die rege Beteiligung des deutschen Holzarbeiter- Verbandes, sos wie ganz besonders für das zahlreiche Erscheinen der Mitglieder des social demokratischen Wahlvereins Rigdorf. Die tiefbetrübte Witwe L. Goris. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, fo wie den Parteigenossen, ferner dem Gesangverein„ Melodia", dem Statflub „ Null", die meinem lieben Mann und guten Vater die letzte Ehre erwiesen, sage ich hiermit meinen tiefgefühlten Dant. 19052 Witwe Martha Held Martha nebst Kindern. Die Harnleiden, Bilanz- Fertigstellung ihre Verhütung, Behandlung und Beseitigung von Dr. med. Schaper, Berlin, Königgrätzerstr. 27. Homöop. Arst, spec. für Haut- w. Harnleiden, Frauenkrankheiten. Reichels weltberühmter Hühneraugen- Tod beseitigt vollständig schmerzlos jedes Hühnerange, selbst veraltete, u. jedwede Hautverhärtung Nachdem Sie alles Mögliche an gewandt, machen Sie diesen legten Versuch. Dose M. 1 frc. nur bei Otto Reichel, Berlin 310, Eisenbahnstr. 4. Biele Anerkennungen Dampfer, Erfolg garantiert zwe dmäßige Einrichtung, zeitweise Fortführung der Geschäfts- Bücher, BücherRevisionen durch Wilhelm Münch in Naumburg a. S ,, beeidigter Bücherrevisor. 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Die Kündigung unseres Tarifes. 2. Wahl Specialarzt für[ 5/ 16* einer Tarif- Kommission. 3. Verschiedenes. Haut- und Harnleiden. Zu dieser Versammlung sind sämtliche Herren Arbeitgeber eingeladen. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12. 2-4 172/17 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher Amt VII, 353. Rohrleger und Helfer! Um allen Versuchen und Mißverständnissen vorzubeugen, geben wir hiermit folgendes bekannt: Es ist eine Umgehung unfres Tarifs, wenn Berliner Arbeitgeber in einem Vorort sich eine Stube mieten, einen Schreiber hineinsehen und dort die Rohrleger und Helfer annehmen, um kein Fahrgeld und keine Fahrzeit vom Hauptgeſchäft in Berlin vergütigen zu müssen. 118/ 6* Wir ersuchen alle Kollegen, uns umgehend von solchen Schiebungen Kenntnis zu geben. Die Ortsverwaltung. Erster Wahlkreis. 6. Berliner Wahlkreis. Donnerstag, den 25. Jnni, abends 9 Uhr: Zur Feier der Reichstagswahl 1903: Zwei Volks- Verfammlungen. Grosse Siegesfeier. 1. Im großen Saale von Dräsel, Neue Friedrichstr. 35. 2. Im großen Saale der Arminhallen, Kommandantenstr. 20. Zages Ordnung: Verkündigung der Stichwahl- Resultate. Bahlreichen Besuch erwartet Das Wahlkomitee. 208/6 Dritter Wahlkreis. Donnerstag, den 25. Juni, abends 9 Uhr: 2 Volksversammlungen. 1. Im großen Saale von Buggenhagen, Morigplay. 2. Im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15. Tages- Ordnung: Berkündigung der Stichwahl- Resultate. Zahlreichen Besuch erwartet Das Wahlkomitee. 212/ 12* Charlottenburger Volkshaus, Rosinen- Str. 3. Heute, Donnerstag, den 25. Juni, abends 9 Uhr: Zwei Volks- Verfammlungen. 250/12 Tages- Ordnung: Verkündigung der Stichwahl- Resultate. Alle Wanzen werden nebst Brut durch mein Mittel bollständig vertilgt. Fl. 50 Pf. und 1 M. Ebenso Schwaben, Russen, Franzosen, Blattläufe 2c. Schachtel 30, 60 Pf. u. 1 M. Zahlreiche Anerkennungen. 17422* 1000 Mark Belohnung zahle demjenigen, der mir einen Nichterfolg nachweist. 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Theater. Kasperle- Theater. Kinderbeluftigungen. Gesangsaufführungen von Arbeiter- Gesangvereinen. Jedes Kind erhält einen Bon zur Benutzung der Schaukel oder des Karussels. Kaffeekochen a Liter 70 Pfennig, 2 Liter 40 Pfennig. In allen Lokalen: infang 12 Uhr. Anfang 12 Uhr. Vokal- und Inftrumental- Konzert. In den Sälen: 5 Tanz. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pfennig nach. Billets: Jm Vorverkauf 20 Pfennig, an der Kasse 25 Pfennig. Um recht zahlreichen Besuch bitten Kleine Anzeigen. Möbelangebot. Jm Auktions Möbelspeicher, Möckernstraße 25, Hochbahn- Haltestelle Mödernbrücke, sollen verschiedene gediegene Nußbaummöbel- Einrichtungen verkauft werden, darunter hochfeine Salongarnituren, Baneelsofas, Rußbaumpianio, Bibliotheken, Ankleideschränke, Rußbaum buffets, Schreibtische 26,00, funkelnagelneue Ruhebetten mit prachtvoller Divandecke 22,50, hocheleganterSäulenplüschtischdecken 5,00, verschiedene Gelegenheiten spottbillig. Auktionator. 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Ihr greift€ucb an die Stirn, Vom Säbel breit gespalten; Lucb will's nicht ins durchtchon'ne Hirn, Dais fo wir ßJort gehalten!— Rodb auf der Freiheit IHärzsaat schwoll Und gab im Juni Samen— Laut„fln mein Volk" der Ruf ericholl, Und drei Millionen harnen. Seht,„In den Zelten", jenem Ort, ÜJo Lurc Herzen lauschten Und an der Redner freiem Wort Aufjauchzend sich berauschten, Ulo einlt der Freiheit Feuerwein Lrhitzt das Blut der Massen, Da klappern jetzt zur„Wacht am Rhein" Des„Freisinns" Kaffeetassen. ... Was jagt Lud) plötzlich in die Flucht, Zurück in Luer Bette? Schämt Ihr der Söhne Lud) und flucht, Ihr fliehenden Skelette?— 0 dafs ein wäss'rig Zwergeschlecht Blutarmer Renegaten Der hohen Freiheit heilig Recht Verraten könnt', verraten 1 „Die Kugel mitten in der ßrult, Die Stime breit gelpalten—" 5o steigt Ihr blutig, rauchberulst, Geheiligte Gestalten, Aus Lurcm Grab um Mitternacht lind hört begeistert melden Den roten Sieg der Junischlacht, Uhr märzgefairnen Helden. Wir legen frischen roten Ruhm Im Kranz auf Luer Bette. Wo fänden wir ein Heiligtum Wie diese Schädelstätte, Die Lure Wunden bluten Iah, Das Blei in dem Gebeine— Bei Luch ist unter Golgatha Im heil'gen Fried rlchshaine. Zum Rundgang folgt uns durch Berlin, ZerfchoNene Genossen, Zum Zelt, zum Schlossplatz lalst uns ziehn, Wo Luer Blut geflossen. Bedeckt die offnen Wunden Lud), Ihr feig verratnen Ulanen, Hier nehmt das rote Bannerzeug Von unfern Siegesfahnen! So war's! Den Jubel in der ßrult, Sieg in der Fahne Falten— So haben wir sie zielbewulst Roch in die Luft gehalten! So zogen wir das Wahltchwcrt blank, Siegreich auf schweren Pfaden Lrobertcn die Hauptstadt frank Und ohne Karrihaden! So brad) die rote Sonne durch Und fchols mit glüh'nden Strahlen In Brand des„Freisinns alte Burg". Nur Linen Pfad, den schmalen Vom„Grossen Stern" zum„Roten Raus", Wo lieh Paläste recken, Da sah's bei Lag noch dunkel aus, ein langer Sonnenflechen. Vom„Zelt" durchs„Brandenburger Chor" Die„Binden" bis zu Lnde... Der„faulen Grete" blindes Rohr Zielt auf die Zeughauswände... Still ragt der Dom.. der Puppenbrück' Zittern die nackten Glieder... Der Schlossplatz flielst... und Stuck auf Stück Rlfs man die Freiheit nieder. Der Schlossplatz flielst— Mulst' Luer Blut So schnell zu Waller werden? Krebs-, Krokodil- und Krötenbrut Schielt nach Neptuns Gebärden; Mit krummem Rücken, schiefern G'nick Und lendenlahmen Schenkeln Schaut auf des Knechtlinns Bettelblick Von Curen Söhnen, Lnheln! Ja, wir verstehen Luren Fluch! 0 nehmt, verratne Manen, Nehmt frische; Zeug zum Leichentuch Vor unfern roten Fahnen! Wenn wir geliegt, habt Ihr gesiegt, Denn wir find Cure Grben, Und würd'gcre!— Der„Freisinn" liegt Im Sterben ach, Im Sterben! Lin letzter Sturm, ein letzter Stich— Und er ist ganz geschlagen! 0 tote Schar, wir rächen Dich, Wir, Deine Grben, tragen, Wenn unlrer neuen Siege Glanz Ins Land Fanfaren schmettern, flufs UTärzengrab den Junikranz Mit roten Ruhmes Blättern! Parteigenossen des Wahlkreises Potsdam- Spandau- Osthavelland! Heute ist von un? die EntschetdungSschlacht zu schlagen, mit dem Stimnizettel in der Hand müssen wir heute daS vollenden, waS uns am 1» Juni nur zum gröheren Teil gelungen ist: dir Partei der Zoll- und Wahlrechtsrttuber, der falschen Arbeiter- freunde und Judenfresser aus dem Reichstage zu treiben. daS siegreiche Banner der Soeialdemokratie auch über unserm Kreise au>°;upflanzen. Parteigenossen! Die heute borzunehmende Stichwahl hat alle offenen und verkappten Reaktionäre einander in die Arme getrieben. Die.rcideralen", die bis zum 16. Juni bei uns noch den Kampf gegen den Zollwucher geführt, sie haben sich zur Stichwahl mit den Brotwucherern verbunden, mit fliegenden Fahnen sind sre in das Lager unsrer Feinde übergegangen, um mit vereinten Kräften den Kampf gegen die Soeialdemokratie zu führen I Ter Klasseninstinkt führte alle bürgerlichen Parteien zusammen, vergesien ist die zur Schau getragene Gegnerschaft gegenüber den agrarischen Beutepolitikern, ihr einziger Gedanke ist nur noch, wie sie die Soeialdemokratie an dem endgültigen Siege verhindern, wie sie den, Erzreaktionär Pauli den Kreis aufs neue in die Hände spielen können. DaS Wort von der e i n e n reaktionären Masse bewahrheitet sich heute wiederum aufs schlagendste I Parteigenossen I DaS mutz uns um so mehr anspornen, bis zur völligen Erschöpfung müssen wir alle heute unsre Kräfte anspannen, auch den letzten Arbeiter müssen wir heute zum entschlossenen Handeln aufrütteln, wenn es uns ge- lingen soll, unsre verbrüderten Feinde zu schlagen, statt ihres.Ehren- Pauli" unfern Karl Liebknecht, den Sohn unsreS verstorbenen„Alten" in den Reichstag zu schicken!«Biel Feind'» viel Ehr'"» je heißer der Kampf, je schöner der Sieg!— Parteigenossen! Eine Schande für jeden einzigen Arbeiter wäre es, sollten wir heute unterliegen! Gedenket der glorreichen Siege, welche das gesamte deutsche Proletariat am 16. Juni er- fochten, so manche agrarische Festung ist an jenem Tage siegreich er- stürmt worden! Eifern wir diesen glänzenden Beispielen nach, jeder von un« sei heute ein Agitator für unsre Sache l Und mich die StaatSarbeiter mögen am heutigen Tage des eingedenk sein, daß nur die Soeialdemokratie sich stet? und energisch ihrer annimmt, während die Paulis bisher noch stets die Arbeiter- interessen auf das schmählichste verrate» haben! StaatSarbeiter! Streift heute einmal alle Blanu die sklavische Furcht ab, in welche Euch die Paulianer um ihrer unsauberen Ziele willen gejagt habe», seid heute ganze Männer, und wählt heute unter dem Siegel de? strengsten Wahlgeheimnisses so. wie es Eure Ehre, Euer Interesse als Mensch, Arbeiter und Familienvater erfordert. sorgt alle mit ganzer Kraft für den Sieg unsreS Kandidaten Dr. Karl Liebknecht. Da» focialdemokratifche Wahlkomitee für Potsdam-Spandau- Lsthavelland. Berliner partei-Hngelegenbeiten* DaS Central Wahlbureau des erste» Wahlkreises befindet sich bei Weihnacht. Grünstr. 21. lTel.-Amtl. 1787.) H i l f s b u r e a u S: Wahlbezirk 1: Günter, Bischofstr. 12. Wahlbezirke 2, 4, ö: Hahn, Stralauerstr. 48. Wahlbezirk 3: Hönow. Parochialstr. 36. Wahlbezirl 6: Boß. Klosterstr. 161. Wahlbezirk 7: Kirchner, Heiligegeiststr. 46. Wahlbezirk 8: S ch e p», Breitestr. 24. Wahl' bezirk 9: Beyer, Fischerstr. 25. Wahlbezirk 10: Kopischke, Grünstr. 20. Wahlbezirk 11: Knappe, Kl. Kurstr. 11/12. Wahl- bezirk 12: Gütz, Niedcrwallstr. 33. Wahlbezirke 13, 14, 1b, 16: Menzel, Dorotheenstr. 69. Wahlbezirk 17: Wolf, Mauer- stratze 50. Wahlbezirke 18, 19: Frank, Charlottenstt. 60. Wahl- bezirk 20: Glane, Krausenstr. 13. Wahlbezirk 21: Härtel, Krausenstr. 69. Wahlbezirk 22: B o l l i e n, Französischestratze 6. Wahlbezirk 23: S ch w a r k, Kronenstr. 71. Wahlbezirke 609, 610, 611, 613: Ra dtke, Flensburgerstr. 24. Wahlbezirke 612, 614: K u n e r t, Händelstr. 15. Wahlbezirk 603: Schütte, Kronprinzen- Ufer 29. Schiineberg. Die Stichwabl-Resultate werden heute abend bei Obst, Meiningerstr. 8, verkündet. Adlershof. Die nächste Mitglieder- Versammlung findet morgen, Freitagabend 8'/° Uhr, bei Fechner, Ovpen- stratze 56, statt. TageS-Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vortrag des Gen. Dr. Alberti. 3. Diskussion. 4. Bekanntgabe der Stichwahl-Resultate. 5. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Gäste— auch Frauen— durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. _ Der Vorstand. Lokalee* Heute Stichwahl im ersten Wahlkreise! Um das„Herz von Berlin", den e r st e n Wahl- kreis, wird heute am 25. Juni in der Stichwahl zwischen Freisinn und Soeialdemokratie gerungen. Soll, so fragen angstvoll die freisinnigen Blätter, auch dieser Kreis der Soeialdemokratie zufallen?! Der Freisinn, dem die Soeialdemokratie am 16. Juni in der Hauptwahl in fünf Wahlkreisen Berlins eine schimpfliche Niederlage bereitet hat, macht verzweifelte Anstrengungen, in der Stichwahl wenigstens diesen einen Kreis zu retten. An die Wähler des ersten Kreises, soweit sie zu der Erkenntnis gelangt sind, daß die Frei- finnigen in Berlin abgelv irisch astet haben, er- geht unsre Aufforderung, mitzuhelfen, daß heute der B e r- liner Freisinn auch aus diesem seinem letzten Schlupfwinkel vertrieben Ivird. Auf zur Stichwahl! An der Stichwahl teil- zunehmen hat jeder Wahlberechtigte— selbstverständlich auch diejenigen, die am 16. Juni bei der Haupt- wähl gefehlt haben, und auf diese wird heute sogar ganz besonders gerechnet. Für die Stichwahl gelten dieselben Be st immun gen wie für die Hauptwahl, wir richten daher an die Wähler dieselben Mahnungen wie vor acht Tagen. Punkt 7 U h r wird die Wahl geschlossen, nachher wird kein Zettel mehr angenommen l Neu zu beachten ist, daß bei der Stich- wähl nur noch solche Zettel, die auf einen der„stechenden" Kandidaten lauten, als gültig gezählt werden, also Zettel für den freisinnigen Kandidaten oder für den Kandidaten der Soeialdemokratie, Privatdozent a. D. Dr. Leo Arons. Jeder andre Zettel ist ohne weiteres u n- gültig. Wahlzelle und Wahlcouvert haben diesmal so manchen der kleinen Gewerbe- und Handel- treibenden, der kleinen Beamten vor den Auf- Passern der konservativ-antisemitischen Partei, des Frei- finns, des Centrums geschützt. Aber sie haben als eine noch ungewohnte Neuerung leider auch manchen Wähler in Verwirrung gebracht. Jeder Wähler bekommt im Wahllokal ein gestempeltes Couvert, tritt in die Zelle, steckt hier den von Hause mitgebrachten oder auf der Straße in Empfang genommenen Stimmzettel in das Couvert, verläßt die Zelle, tritt an den Wahltisch, nennt seine Wohnung und seinen Namen, zeigt auf Verlangen feine Legitimation(Steuerzcttel usw.), giebt das Couvert an den Wahlvorsteher ab— und die Sache ist erledigt. Am 16. Juni sind einige Couverts ohne Zettel abgegeben worden; hoffentlich waren diese Vergeßlichen keine social- demokratischen Wähler. Jeder achte darauf, daß er den richtigen Zettel in das Couvert steckt. Der richtige ist für unsre Anhänger der mit dem Namen des Privatdozenten Dr. Leo Arons. Am 16. Juni fanden sich mehrfach in einem Couvert zwei Zettel und zwar zwei verschiedene, z. B. einer für Dr. Leo Arons und daneben einer für den Freisinnigen, oder einer für Dr. Leo Arons und daneben einer für den Kon- fervativen. Da waren jedesmal beide Zettel ungültig. Man vermeidet solche Irrtümer. wenn ncan vor d ein Wahllokal überhaupt keinen gegnerischen Stimmzettel annimmt, so daß man nur den richtigen Zettel bei sich hat. Mancher wird aller- dings, um sich nicht zu verraten, auch den gegnerischen Zettel nicht zurückweisen wollen. Möge er dann den richtigen Zettel mit dem Namen Dr. Leo Arons möglichst schon von Hause mit- bringen, ihn in einer besonderen Tasche verwahren und darauf achten, daß ihm nicht noch in dem Halbdunkel der Wahlzelle eine Verwechselung passiert. Man lasse sich Zeit, sehe genau hin und stecke nur den Zettel mit dem Namen D r. L e o A r o n s in das Couvert. Wer den gegnerischen Zettel annimint, um in der Zelle den Freisinns-Kandidaten auszustreichen und Privatdozent a. D. Dr. LeoArons dafür hinzuschreiben, der achte darauf, daß Dr. Leo Arons fich vorn mit einem A und hinten mit Schluß-S schreibt. Das beste ist aber, dieses Verfahren zu vermeiden und lieber, wie schon mehrfach gefagt, den richtigen Zettel möglichst gleich initzubringen. Vergeßliche Leute haben am 16. Juni zwar den richtigen Namen aufgeschrieben, aber den falschen nicht ausgestrichen, andre haben den falschen aus- gestrichen, aber den richtigen nicht darunter geschrieben. Alle diese Zettel waren natürlich ungültig. Es versteht sich von selbst, daß auf dem Zettel keinerlei Bemerkungen, auch nicht etwa die eigne Adresse des Wählers. stehen dürfen. Wer Worte des Lobes für den Kandidaten der eignen Partei, des Tadels für den der Gegen- Partei hinzusiigt, wer seine Meinung in Versen oder in Prosa zum besten giebt, der macht seinen Stimmzettel ungültig. Solche„Spaße" darf kein Wähler mitmachen, der soctaldemokratisch wählt. Keine Stimme, die dem Kandidaten der Soeialdemokratie Privat- dozent a. D. Dr. Leo Arons zugedacht ist. darf verloren gehen._ Freisinniges FlngblattgewSsch. Da das Papier geduldiger ist, als selbst ein« exklusiv freifinnig- reaktionäre Wählerversammlnng, hat eS der Freisinn vorgezogen, den Stichwahlkampf ausschließlich auf dem Papiere aus- zufechten. Herr Richter und seine Getreuen Cvissen fehr wohl, daß es nicht ganz gefahrlos wäre, nach diesem Ausfall der Haupt- wähl auch nur der beschränkten Oeffentlichkcit ordnungsparteilicher Wähler gegenüber zu treten. Und zwar durfte man weniger konfer- vative als vielmehr freisinnige Diskussionsredner fürchten. Eine Kritik aus dem eignen Lager würde wenig Stimmung für die Stichwahl machen, deshalb legt man sich dann rednerisch völlige Enthaltsamkeit aus, um sich auf dem widerstandsunfähigen Papier desto ungenierter in läppischer Socialistentöterei ausgeifern zu können. Dem gestern von uns niedriger gehängten Flugblatt stellt fich ein heute in unsre Hände gelangtes würdig zur Seite. Wiederum werden alle Register gezogen, deren Scharfmachertöne reaktionäre Gemüter heimatlich unischmeicheln können. Von Ausdrücken wie »Maffenvcrhetzung",„Schüning deS Klassengegensatzes", Hinein« tragen von.Unfriede« und Verhetzung" in die Arbeits» berhältnisse, Lärm der Socialdemokratie"," Terrorismus", 1 zu werden. Mandate eingeräumt wissen. IND 1000" einschätzt. Welch ausgesuchtes Kompliment für die Wähler dieses Wahlkreises, in dem vielleicht in ganz Deutschland der relativ größte Prozent fag vor ganz Deutſchland der Gebildeten und Intellektuellen bertreten ist! 19Siuld Nun, wir überlassen das Urteil über das flägliche freisinnige Geschreibsel den Wählern des ersten Wahlkreises selbst. Der heutige Stichwahltag wird dem principien und ehrvergessenen Freifinn" eine neue Lektion geben! Eine brave That vollführte am Dienstagabend der Schußmann in denen eine Verurteilung von Streifpoften erfolgt ist, indem ,, Gehäffigkeit der Gegenfäße"( Stil! Sollte Herr Eugen Richter selbst Peters vom 50. Revier, welcher mit seiner Familie auf der Schön- die Gerichte davon ausgingen, daß eine Gefährdung der Sicherheit der Verfasser dieser duftigen Erzeugnisse sein?), Bergiftung des Hauser Allee spazieren ging, dadurch, daß er die durchgehenden Pferde und des Verkehrs durch die Streifpoften stattgefunden habe. Andre Arbeitsverhältnisses"," Schreckensregiment, ärger als es je ein absoluter eines großen Balkenwagens der Bauholzhandlung von Julius Lange, Urteile stehen wieder auf einem ganz entgegengesetzten Standpunkte: Herrscher geführt, härter als der ärgste Despot", wimmelt es nur so Schönhauser Allee 95, zum Stehen brachte und dadurch größeres So wurde jüngst der Former Mankiwiecz und die Schlosser in dem Dokument von des Freisinns Schande! Auch der Satz: Unheil verhütete. Oldenroth und Beirau in Fällen freigesprochen, die in thatsächlicher " Was soll nun in unsrem Vaterlande gebessert werden, dadurch daß Ein ehrlicher Naturforscher" fand gestern bei der Durchsuchung Beziehung nicht wesentlich verschieden von denjenigen waren in denen ganz im Gegensatz zu der Zahl der wirklichen Anhänger der Social eines Schuttfastens auf dem Hofe eines Grundstüds in der nach unsrem vorher erwähnten Bericht Verurteilung erfolgt ist. demokratie dieselbe im Reichstage an Zahl der Abgeordneten ständig das Wertobjekt dem Hauswirt, welcher den Ring als Eigentum ausgesprochen, daß die polizeiliche Strafverfügung ungültig sei, ohne Kurfürstenstraße einen wertvollen Diamantring. Der Finder übergab Rechtsanwalts Dr. Heinemann, wurde im Falle Mantiwiecz In Uebereinstimmung mit den Ausführungen des Verteidigers, wächst und durch lediglich agitatorische Uebertreibung erreichbare feiner Gattin erkannte. Fortschritte erschwert und verhindert?" vordient tiefer gehängt schwunden und trotz allen Suchens nicht aufzufinden gewesen. In dahin laute, daß Mankiwiecz sich als Streitposten aufgestellt und der Das Schmuckstück war seit drei Tagen verIn- daß es auf weitere Beweisaufnahme ankomme, da die Strafverfügung Bisher glaubte jedermann, daß infolge der folge dessen war das Dienstmädchen, als die einzige Person, welche im Interesse der öffentlichen Ordnung seitens eines Aufsichtsbeamten traurigen Wahlkreisgeometrie die Socialdemokratie im Reichstag zu dem Schlafzimmer ihrer Herrin Zutritt gefunden, in den Verdacht an ihn ergangenen Aufforderung, weiterzugehen, nicht nachgekommen viel zu schwach vertreten sei. Die Kämpf und Richter möchten geraten, den Ring gestohlen zu haben und hatte sich einer Visitation an ihn ergangenen Aufforderung, weiterzugehen, nicht nachgekommen den drei Millionen socialdemokratischer Wähler noch weniger vom Tisch gefallen ſein plürfte, matte er bare Handlung; auch ſonſt ſei aus der Strafverfügung und den Wähler noch weniger threr Sachen unterwerfen müllen. Wahrscheinlich hatte bas Mubchen ſet. Das Gericht führte aus, das Streitpoſtenſtehen ſei teine ſtrafHöchst ergötzlich ist es dagegen, daß das Flugblatt die Zahl der erhielt von dem Hauswirt eine Belohnung von 50 m sonstigen Feststellungen nicht ersichtlich, daß afverfügung und den ehrliche Finder 50 M. fehr auf der Straße irgendwie beeinträchtigt habe. Die Strafe Noch nicht vernehmungsfähig ist der vierundzwanzigjährige verfügung sei daher als ungültig zu erachten. Arbeiter Mag Grahl, welcher, wie bereits gemeldet, den Versuch Im Falle Oldenroth erfolgte die Freisprechung, tveil machte, in der Kirchbachstr. 12 seine Braut, Fräulein Naß zu töten eine ordnungsmäßige, sich innerhalb der Grenzen des Straßenpolizeimachte, in der Stirchbachſtr. 12, jeine und sich selbst mit einem Dolchmesser dreizehn Messerstiche beibrachte. Reglements haltende Aufforderung des Schuhmanns, weiterzugehen, Uebrigens hätte das Drama beinahe noch ein drittes Opfer gefordert. vom Oven Fällen Beirau, ber mit zwei polizeilichen Strafbefehlen als vorliegend nicht Wie jetzt festgestellt ist, stürzte sich G., bevor er seine Geliebte niedererachtet wurde. In stach, auf deren Begleiterin, ein Fr. Sch. und suchte auch dieser wegen Streitpostenſtehens bedacht wurde, erfolgte ebenfalls die Stiche mit dem Messer beizubringen. Als Fräulein N. die Klinge reisprechung, da das Gericht nicht zu der Ueberzeugung zu blizen sah und laut auffchrie, ließ der Thäter bon Frl. Sch. ab fommen vermochte, daß Beirau den Verkehr, die Sicherheit und und verübte nunmehr die Blutthat an seiner Braut. Grahl dürfte Ordnung irgendwie gestört habe. Die Anordnung des Lieutenants übrigens faum mit dem Leben davonkommen. an die Schußleute seines Reviers, jeden Streifposten fortzuweisen Stichwahl und Arbeiterfahrkarten. Wir machen nochmals darauf Bei einem Zusammenstoß zweier Straßenbahnzüge erlitten am bezw. die Anweisung des Lieutenants an die Streikposten, die Straße die in Berlin wohnen und in Kurve an der Ecke der Straße Mt- Moabit und Rathenowerstraße Josephson in Weißensee wird am Freitag vor dem Schwurgericht Der versuchte Raubmord gegen die 74jährige Rentnerin Marie einem benachbarten Wahlkreise wahlberechtigt sind, Arbeiterfahrkarten fuhr der Motorwagen 2018 der Straßenbahnlinie 13 gegen den, aus des Landgerichts II zur Aburteilung gelangen. Das Verbrechen er Gültigkeit haben. Es ist also doppelte Pflicht dieser Genossen, heute entgegengefegter Richtung kommenden Kraftwagen 2358 derselben regte um so größeres Aufsehen, weil die Thäterin eine weibliche Person ihr Wahlrecht auszuüben! Linie. Die Borderplattform des ersteren Waggons stieß seitlich war, die 23jährige Tischlersehefrau Anna Raden, welche mit Wenn ein Paftor zeigt, daß er auch nur Mensch ist, dann daß die Plattform des letteren total eingedrückt wurde. gegen den Vorderperron des Gegentvagens mit solcher Gewalt an einer unglaublichen Energie und Rohheit ihren verbrecherischen Zwed wundern sich die Frommen, die bisher zu ihm gehalten hatten, und erlitt der Lehrling Robert Böhlmann aus Plößensee eine Quetschung betagte Dame, die in Weißensee in dem Rufe stand, Millionärin zu zu erreichen bestrebt gewesen war. Ihr Opfer war die vorbenannte vielleicht mehr noch erstaunt mancher Unfromme, der aus Unkenntnis am rechten Fuß, der Lehrling Wilhelm Schäfer, Sidingenstraße 8 dieser ihm fern stehenden Kreise in einem Bastor einen halben wohnhaft, eine Quetschung der rechten Schulter. Beide wurden nach sein. Frau Josephson gab sich ganz der Pflege der Gräber ihrer Heiligen" zu sehen geneigt war. Eine solche Verwunderung und dem Krankenhause Moabit gebracht. verstorbenen Familienmitglieder hin, welche sich auf dem Friedhofe ein solches Erstaunen giebt es jetzt wieder einmal in der absqued zu Weißensee befanden. Die Angeklagte wußte, daß die Greisin sehr Nazareth- Gemeinde. Erschoffen hat sich wegen begangener Unterschlagungen der zurüdgezogen lebte und sich nur selten eine Aufwärterin zur Ers Die Razareth- Gemeinde, die fich erft vor kurzem ihres ersten 30 Jahre alte Zahlmeiſteraſpirant Beter Schneider am Dienstag- ledigung der gröberen Hausarbeiten hielt. Am Abend, des Geistlichen, des Pfarrers Diestelkamp, mit sanfter Gewalt zu nachmittag um 6 Uhr. Schneider, der aus der Rheinproving stammt 28. Februar, einem Sonnabend, kam Frau Josephson von einer Beentledigen suchen mußte, hat nun noch einen andern ihrer Seelsorger und 9 Jahr diente, befand sich bis zum Oktober v. J. in Südwest- sorgung zurück. Auf der Treppe wurde sie von einer fremden eingebüßt. Der Pastor Granzin, der vierte Geistliche der Afrika und wurde von dort auf 2 Jahre zum Oberkommando der Frauensperson angeredet, die augenscheinlich auf sie gewartet hatte. Gemeinde, ist seit Montag aus seiner Wohnung der Schußtruppe nach Berlin Hier Tochter Kirchhofsarbeiters ber möbliertes Bimmer, wo er für schwunden. Da er einen Revolver mitgenommen hatte, so meßstr. 69 ein wurde sofort vermutet, daß er Selbstmord begehen wolle, und sparsamen Mann gehalten wurde. Vor etwa zwei Monaten hatte er der der Kirchhofsarbeiter Strud bekannt war, ließ dessen Tochter mit er soll denn auch am Mittwoch im Treptower Park erschossen sich mit der Tochter eines Gastwirts J. aus seiner Heimat verlobt. in die Wohnung hinein. Während sie das Abendbrot zu sich nahm, aufgefunden worden ſein. Es wird behauptet, daß der Herr Den Anschein nach hat er über seine Verhältniffe gelebt und die ihm an- brachte die Besucherin ihr Anliegen vor. Sie fragte Frau Josephson, Bastor Grund gehabt habe, eine gerichtliche Verfolgung vertrauten Gelder angegriffen. Den Fehlbetrag suchte er schon vor ob sie ihr nicht einen Dienst nachweisen könne, und erhielt die Zuzu fürchten. 14 Tagen von einem Verwandten zu erlangen und erhielt auch eine sage, daß sie einer Nichte der Frau Josephson empfohlen werden Gegen Granzin find schwere Beschuldigungen erhoben worden, Geldsendung. Ob nun diese nicht ausreichte oder ob Sch. auch dies solle. Als die letztere nach einiger Zeit den Tisch abräumte und sich. Kinderspartaffe der Sonntagsschule unterschlagen habe; er allein in den Diensträumen Mauerstraße 45/46 zurüd. Alsbald von der Besucherin hinterrüds überfallen. Sie wurde von derselben er in doch ist das unzutreffend. Auch über seinen Lebenswandel sind drang in das Meldezimmer, wo eine Ordonnanz sich aufhielt, der am Halse gepadt, gewürgt, daß sie keinen Laut von sich geben konnte Gerüchte verbreitet worden, die ihn nicht gerade als" halben von einem Schuß herrührende Knall. Der Soldat fand Sch. mit und dann zu Boden geworfen. Die Angeklagte verfekte darauf der Heiligen" erscheinen lassen. Der Herr Pastor hatte sich von seiner einer Wunde in der Brust tot auf. Eine nunmehr vorgenommene schwächlichen Greifin eine Menge Faustschläge gegen den Kopf und Frau scheiden lassen was Gott zusammenfügt uſto." pflegte er Durchsicht der Kasse ergab die Unterschlagungen. Die Leiche Schneiders preste ihr mit den Worten:" Da Aas, gieb Dein Geld her, sonst mache er the jonne in ſeinen Traureden au fagen- und hatte die Leitung wurde in später Abendstunde nach dem Garnisonlazarett I in der ich Dich tot!" den Mund zu. Die Ueberfallene blieb schließlich befeines Hauswesens sowie die Erziehung seiner fünf Kinder Scharnhorststraße abgeholt. finnungs und regungslos liegen. Dann schleppte die Angeklagte ihr einer jugendlichen Wirtschafterin übertragen, die ihm Aus dem dritten Stock gesprungen ist gestern nachmittag 6 Uhr Opfer in die Speisekammer und verschloß die Thür, um dann uns mehr als das gewesen sein soll. das 16 Jahre alte Dienstmädchen Else Schröder, das zum zweiten- gestört sich an die Durchsuchung der Wohnung nach Beute zu machen. Von ihr gehen die Beschuldigungen aus. Als der Pastor, an mal seit einem Jahr bei dem Kaufmann Bloch in der Tresdow- Sie fand nur ein Portemonnaie mit 11 Mark und außerdem einige Wiederverheiratung denkend, sich mit einem andern Mädchen verlobte, straße 60 in Stellung war. Nachdem sich die Schröder vorher über einigkeiten, welche fie des Mitnehmens für wert hielt. Die Ueberwandte sich die Wirtschafterin an einen der Kirchenältesten, die schlechte Behandlung seitens der Herrschaft bei der Pförtnersfrau befallene tam nach einigen Stunden wieder zu sich und schleppte fich übrigens bereits Bescheid gewußt haben sollen, und später an flagt hatte, wurde die Mutter gerufen. Diese geriet schließlich mit mühsam zu der Wohnung des Hausverwalters. Sie ist dem Tode bas konsistorium, das eben erst die Bitte von Kirchen- der Frau Bloch in eine Prügelei. Während dieser Prügel die gestohlenen Gegenstände wurden in ihrer Wohnung gefunden. nahe gewesen. Die Angeklagte wurde am folgenden Tage verhaftet, ältesten, Granzin zu versezen, abgelehnt hatte, aber nun scene sprang das Mädchen aus dem Flurfenster auf den Hof ein Disciplinarberfahren einleiten mußte. Granzin hinab und blieb auf der Stelle tot. Dies ist in Kürze der Thatbestand, welcher der zu verhandelns machte, als er von der der Anzeige erfuhr, zunächst einen den Anklage zu Grunde liegt. Den Vorsiz wird Landgerichtsdirektor Lauffer führen. In Stichwahl für solche bei der Hauptwahl auch bei der Dienstagvormittag zwei Personen erhebliche Verlegungen. In der zu verlassen, wurde als gültig nicht angesehen. wie Hierbei abkommandiert. wohnte er Stein- Die Fremde gab an, daß sie eine me habe. Frau Josephson, darunter die, daß er den größten Teil der ihm anvertrauten Geld wieder verbraucht hat, muß dahingeſtedt bleiben. ch auch dies blieb mit einigen Tellern nach der Speisekammer begab, wurde sie plötzlich = duit Dort Verfammlungen. Selbstmordversuch; nach einer andren Darstellung hätte er die Durch eine doppelte Vergiftung getötet hat sich gestern die Wirtschafterin, die ihn denunciert hatte, zu erschießen versucht. Nachdem 29 Jahre alte Schneiderin Ida Graf aus der Lottumſtr. 6. er dann von seinem geistlichen Vorgesezten vernommen worden war, wohnte fie mit ihrer Schwester zusammen, die außerhalb des Hauses schüttelte er den Staub der Nazareth Gemeinde arbeitete, während Jda in der Wohnung schneiderte. Vor längerer von seinen Füßen. Seiner Braut schrieb er einen Abschieds- Beit hatte sie zu einem Kaufmann in einem Liebesverhältnis gestanden, d brief, Wirtschafterin und Kinder wurden ohne Abschied im das schließlich seine Lösung fand. Obgleich schon drei Jahre darüber Die Kutscher fämtlicher Speditions- und gewerblichen Fuhrbetriebe Stich gelassen. Auch die Wirtschafterin, die, wie von vergangen waren, konnte doch die Zeit die Wunden nicht heilen, die Berlins nahmen am Sonntag in 5 Versammlungen Stellung zu der einer Seite behauptet wird, ihre Beschuldigungen inzwischen ihr der ungetreue Liebhaber geschlagen hatte. In ihrem Gram ver- geplanten Gründung des Verbandes der Arbeitgeber im Transportwieder zurückgenommen haben soll, verließ darauf das Haus und brannte sie alle Briefe, die von dem Liebhaber herrührten, trank eine gewerbe. Die Referenten führten aus, daß die bedeutendsten Firmen nahm das jüngste kind mit. Die Vermutung, daß sie eine Wieder- Flasche mit Weingeiſt aus und legte sich zu Bett, nachdem sie die des Speditions- und Fuhrgewerbes, Omnibus- Unternehmungen 2e. vereinigung mit dem Pastor gesucht habe, hat sich nicht bestätigt. Küchenmaschine angeheizt und den Abzug des Rauches verhindert türzlich in Berlin eine Versammlung abgehalten, in der die GrünSie hat das Kind bei Verwandten des Pastors untergebracht. Pastor hatte. So fand sie ihren Tod und wurde von der Schwester beim dung des besagten Verbandes beschlossen wurde. Als erste Aufgabe Granzin ist, wie oben mitgeteilt, bereits als Leiche auf Nachhausekommen als Leiche im Bett entdeckt. wurde dem neuen Verband die Schaffung eines Arbeitsnachweises gefunden worden. In der Nazareth- Gemeinde herrscht ob dieses Vor- Noak, Karlsbad Nr. 16. Als gegen abend 7 Uhr der 11jährige Sohn soll. Wir wollen heute noch nicht hoffen, daß die Kühnemänner Selbstmord verübt hat gestern nachmittag die Frau des Barbiers zugewiesen. Diese Aufgabe zeigt deutlich, daß die Tendenz des Verbandes sich gegen die Organisation der Transportarbeiter richten tommnisjes große Aufregung. Die pastorenfreundliche alle Thüren geöffnet fand, suchte er im Hause nach der Mutter, bis Bresse bemüht sich, Granzin als das Opfer von Verfolgungen er sie auf dem Boden erhängt vorfand. Der sofort hinzugerufene unter diesen Unternehmern Schule gemacht haben, dennoch ist hinzustellen, denen er unschuldig ausgesetzt gewesen sei. Es mag aller Arzt konnte leider keine Rettung mehr bringen. von vornherein äußerste Vorsicht unsrerseits notwendig. Wir dings für diejenigen, die sonst so laut über die" Sittenverderbnis Jenottound 19 werden den Einfluß des neuen Verbandes bei allen unsren Aktionen des niederen Voltes" zu jammern pflegen, sehr schmerzlich Wegen Sittlichkeitsverbrechen verhaftet wurde gestern der Ar- zu spüren bekommen und ist es deshalb schon heute dringend notsein, sich sagen lassen zu müssen, daß hier wieder einmal ein better Richard Prenzel. Ein 10 Jahre altes Mädchen brachte seinem wendig, die nötigen Vorbereitungen zu treffen, damit uns das Bastor in diesem Puntte ein sehr böses Beispiel gegeben habe. Wir Bruder nach einem Lokal in der Chausseestraße mehrere Gegenstände, die Kommende nicht überraschen kann. Sorglosigkeit und Lauheit dieser regen uns über den Sturz dieses Pastors nicht weiter auf. Wir er zu seiner Arbeit gebrauchte. P., der auch dort arbeitete, hielt Unternehmerorganisation gegenüber würde sich bitter an unsrer lassen uns daran genügen, den Pastor Granzin zu den übrigen das Mädchen auf, indem er sich Handreichungen von ihm machen Organisation und an den Berliner Transportarbeitern selbst rächen. ließ. Dabei verschleppte er es nach einer Bühne und verging fich Es gilt jezt zu legen." mit verdoppeltem Eifer die Organisation dort an ihm. Das Kind teilte der Mutter das Geschehene mit, und innerlich auszubauen und schlagfertig zu machen. Folgende Der Berliner Verkehr 1903. Ueber die Entwickelung des Ver- diese bewirkte die Festnahme. 1911 Resolution wurde in allen Versammlungen angenommen: fehrs im laufenden Jahre 1903 giebt eine amtliche Zusammenstellung Auf der Rettungswache gestorben ist gestern mittag um 1 Uhr Referenten einverstanden. Die Versammelten find der Ueberzeugung, „ Die Versammelten erklären sich mit den Ausführungen des Aufschluß. Es ist um so bemerkenswerter, als darin Zahlen mitgeteilt werden, die sonst noch nicht zugänglich find. Die Große der fünfjährige Sohn Paul bes Arbeiters Emmerling her daß durch den Zuſammenſchluß der Unternehmer in einem Berbande Berliner Straßenbahn hat danach in den ersten 4 Monaten des Schwedterstr. 47. Der Knabe spielte an der Ecke der Rheinsberger- und die Einrichtung eines Arbeitsnachweises seitens desselben, die Jahres bereits 101 460 Millionen Personen befördert. Auf das straße und lief in einen Wagen des Fischhändlers Sattelberg hinein. wirtschaftlichen Intereffen der Kutscher und Arbeiter gefährdet werden. Jahr 1903 dürften somit etwa 305 Millionen Personen kommen. Er wurde umgestoßen und überfahren. Un den äußeren und inneren Dies um so mehr, als eine einseitige Verwaltung des ArbeitsnachDie Westliche Berliner Vorortbahn beförderte im gleichen Zeitraume Verletzungen, bie er erlitt, starb er alsbald auf der Rettungswache weises durchaus teine Gewähr für eine unparteiische und gewissenhafte fast 5 Millionen, die Südliche etwas über 1 Million und die in der Kastanien- Allee. sdojo djrotip durch vida Leitung desselben bietet. Die Kutscher verpflichten sich daher, unter Rigdorf. Donnerstag, den 25. Juni, abends 9%, Uhr: Verband der Frisenrgehilfen Deutschlands, 8weigberein Bersammlung bei Thiel, Bergstr. 151/152. General 07 Charlottenburger nahezu 48 Millionen Personen. Die Gesamt Rigdorf. Der wohnungslose Arbeiter Oskar Beifuß wollte in ihren Berufsgenossen dahin zu wirken, daß dieselben den geplanten leistung dieser vier Gesellschaften im ersten Drittel dieses Jahres ist einem Pferdestall in der Berlinerstraße nächtigen, wobei er jedoch Arbeitsnachweis der Unternehmer so lange nicht in Anspruch nehmen, fomit über 112 Millionen, auf das Jahr 386. Die Straßenbahn einem Pferde zu nahe kam und von diesem geschlagen wurde. bis auch der Organisation der Kutscher eine genügende Teilnahme Warschauer Brücke- Centralviehof beförderte ferner fast 3/4 Millionen, B. wurde so unglücklich getroffen, daß er einen Schädelbruch erlitt an der Verwaltung desselben zugesichert ist. Im übrigen sehen im Jahre etwa 24 Millionen. Die Hochbahn hat im selben Zeit- und in hoffnungslosem Zustande nach einem Berliner Krankenhause die Versammelten die beste Gewähr um die Pläne der Unternehmer raume 10 126 Millionen Personen befördert, was auf das Jahr geschafft werden mußte. Von einem Privat- Nachtwächter schwer illusorisch zu machen" darin, daß fich die Kutscher mehr wie bisher über 30 Millionen ausmacht. Von den Omnibusgesellschaften hat verlegt wurde der 20jährige Arbeiter Otto Gaffran. G. schlug ihrer Organisation, dem Centralverbande der Handels-, Transport die Neue Berliner Omnibusgesellschaft in den ersten vier Monaten nachts im Uebermut eine Hausthürscheibe entzwei und sollte und Verkehrsarbeiter anschließen. des Jahres 8,9 Millionen befördert. Der gesamte Verkehr des daher von dem Privatwächter Oberländer festgestellt werden, Jahres würde somit gegen 27 Millionen betragen. Die Gesamt entfloh jedoch und setzte sich als der Wächter ihn ein feistung der genannten Verkehrsmittel auf das Jahr 1903 beträgt holte, energisch zur Wehr. Letzterer zog hierauf seinen Säbel und fomit etwa 3952 Millionen. Nicht gerechnet ist dabei die städtische versezte dem G. mit der Waffe einen wuchtigen Sieb über den Kopf. Straßenbahn, die Straßenbahn nach hohen- Schönhausen, die Spree G. wurde dabei so erheblich verlegt, daß er sich in ärztliche Betunnelbahn, die Allgemeine Omnibusgesellschaft sowie die Stadt- Handlung begeben mußte. Nun hat auch Rigdorf sein Stadtbahn. bun wappen; nachdem seit etwa zwei Jahren zahlreiche Entwürfe vom Ein raffinierter Logisdieb ist in der Person des vielfach vor- Heroldsamt verworfen wurden, hat der leztvorgelegte Entwurf die bestraften Kutschers Wilhelm Sch. festgenommen worden. Derselbe Genehmigung des Kaisers gefunden. Das Wappen besteht aus drei pflegte vorwiegend bei Witwen unter dem Vorgeben, Gerichtsschreiber Teilen: dem Huſſitenfelch zur Erinnerung an die Einwanderung der zu sein, Schedrow zu heißen und in der Karlstraße gewohnt zu Böhmen, dem Köllnischen Adler und das Johanniterkreuz zur Erhaben, möblierte Zimmer zu mieten. Die Wohnungsinhaberinnen innerung an die Gründer des Drtes. schickte er dann nach seiner angeblich in der Karlstraße befindlichen de fut hoadopting früheren Wohnung, um ihm seine dort zurückgelassenen Sachen zu holen. Die Abwesenheit der Frauen benutzte er, um namentlich de mi tummod old theft als ( 1919 Briefkaften der Redaktion. milya Straßenabonnent L. Sch. Bir müssen es grundsäßlich ablehnen, Ratschläge über den Ankauf von Wertpapieren zu erteilen. Wir würden an Ihrer Stelle das genannte Anleihepapier nicht laufen. Sagan. Wir billigen diesen Handel nicht. Kulmbach. Diese Lügen sind im Vorwärts" in mehreren Artikeln widerlegt worden und auch die" Tagespost" hat unsres Wissens die be treffenden Borwärts" Artikel gebracht. Zimmermann. Sie haben recht. Stand vorher weder in der anak 09 Betten und Wäsche zu stehlen. Da in der von ihm bezeichneten tissu Gerichts- Zeitung. Reuen Belt", noch im Unterhaltungsblatt. B 30 Wohnung eine Anzahl von Frauen nach diesem Manne Nachfrage Bum Polizeikampf gegen die Streifposten! Die Rechtsprechung gehalten haben, wird angenommen, daß der Verhaftete, der auch auf dem Gebiete des Streifpoftenstehens ist immer noch eine überWetter- Prognose für Donnerstag, den 25. Juni 1903. Heiratsschwindel betrieben zu haben scheint, noch eine Reihe bisher aus unsichere. Die Gerichte nehmen bald einen den Streikposten Etwas wärmer bei schwachen nordöstlichen Winden und veränderlicher nicht zur Kenntnis der Polizei gelangter Strafthaten begangen hat. günſtigen, bald einen denselben ungünstigen Standpunkt ein. Wir Bewölkung; keine oder unerhebliche Niederschläge. Anzeigen nimmt die Kriminalpolizei entgegen.ir haben in der Nummer bom 23. Juni über einige Urteile berichtet, 1Berliner Betterbureauz Berantwortl. Redakteur: Carl Leid in Berlin Inferatenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW.