Nr. 163. Abonnements- Bedingungen: S Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mr., monati. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitungs Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Auslans 2 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 20. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Stolonel zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersamnilungs- Anzeigen 20 Pfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Infecate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttags geöffnet. Telegramm- Noreffe: ,, Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der socialdemokratischen Partet Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sociales Strafrecht. Donnerstag, den 16. Juli 1903. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. man fich auch nur für einen Augenblick den Anschein giebt, als ob lich für des Meineids schuldig erachtet, da ihnen nachgewiesen wurde, man von der Mehrheit des Reichstags die Anerkennung solcher daß sie von diesen Mißhandlungen Kenntnis besigen mußten. Sie wissenschaftlicher Grundsätze erwarten wollte, und als ob es sich wurden jedoch, da sie ihre ursprünglichen falschen wirklich nicht um mehr handelte als um einen Streit akademischer Aussagen unter dem Vorgeben, sie tönnten sich Das, was man das Recht nennt, ist heute wie ein grober Holz- Lehrmeinungen, um einen Kampf etwa zwischen der Klassischen und nun der Vorfälle entsinnen, vor der Hauptschuh auf einem zarten Fuß. Jeder Schritt löst einen Schrei des der sociologischen Schule. Die Anschauungen, die von Konservativen, verhandlung widerrufen hatten, nur" zu je einem Jahr GeSchmerzes aus. Kaum hat das Volk bei den Wahlen für alle Centrumsleuten und Nationalliberalen auf den verschiedensten Ge- fängnis, zu Ehrverlust und Versekung in die 2. Klaffe des SolLöbtau und Gumbinnen die Antwort gegeben, so rollt sich schon bieten, so auch auf dem des Strafrechts vertreten werden, haben batenstandes verurteilt. Der Verteidiger hatte auch in Anbetracht wieder eine lange Reihe von Akten der Rechtspflege ab, die die weder an„ Sociologie" auch nur gerochen, noch dürfen sie auf irgend der Motive, die die Angeklagten zu ihrem Verhalten bewogen hätten, auf selben Empfindungen wachrufen wie ihre Vorgänger. Was hat sich welche„ Klassicität" Anspruch erheben. Was sie vertreten, ist nicht die Mindest strafe plädiert. Nach diesen Motiven war merknicht alles schon wieder seit den Wahlen ereignet. Preußische Ge- das Rechtsbewußtsein des Voltes, das, weit über die Kreise der würdigerweise in der Verhandlung selbst nicht geforscht worden. richte haben in einer civilrechtlichen Entscheidung allen Besiglosen bisherigen socialdemokratischen Wähler hinaus, sich mit dem Rechts- Man fand sie wohl selbstverständlich. den Hang zu Raub und Diebstahl zugesprochen, dagegen ist ein bewußtsein der Socialdemokratie deckt, sondern der brutale Machtpolitischer Graf, der aus Bosheit fremdes Eigentum zerstörte, be- wille der herrschenden Klassen, versezt mit einer guten Handvoll mann Henning an der Reihe. Gegen den Sergeanten Kühl Am Montag nun war vor demselben Kriegsgericht der Hauptgnadigt worden. Ein Fähnrich, der einem Soldaten hinter- philiströser Borniertheit und frömmelnder Tartüfferie. foll später verhandelt werden. Henning hatte sich zu verantworten rüds den Dolch in die Brust gestoßen hat, ist zu Aber selbst wenn ein heiliger Geist an diesen Herren, die heute wegen Berleitung zur Mißhandlung Untergebener, wegen Unterzwei Jahren Festung verurteilt worden, dagegen erhielt ein Soldat, noch durch die verfassungswidrige Einteilung der Wahlkreise und den laffung einer Meldung und wegen vorschriftswidriger Behandlung der einem Fähnrich einen höchst unblutigen Klaps versetzte, schmachvollen Verrat des Freisinns an aller freien Gesinnung die Untergebener. Aus der Begründung des Urteils ging hervor, daß vier Jahre Gefängnis. Mit knapper Not entging ein Genosse in Herren des Reichstages find, ein Wunder der Erleuchtung üben würde der Hauptmann beim Appell die Fahrpeitschen als ein vorzügFreiberg der entehrenden Zuchthausstrafe, weil er einen Freund von und die Vorschläge Auers allgemeine Billigung fänden, so wäre liches Mittel zur Besserung des mehrfach entlaufenen Holm der furchtbaren Anklage, auf der Straße ein Bedürfnis verrichtet damit wohl ein guter Schritt nach vorwärts gethan, aber die sociale empfohlen hatte. Wie Holm durch dieses Mittel gebessert zu haben, angeblich durch einen Meineid entlastet haben sollte. In Rechtspflege, die unser Verfasser wünscht, wäre damit noch lange nicht Sachsen hat eine Reihe von Majestätsbeleidigungs- Prozessen gespielt, erreicht. in deren einem ein an den König gerichtetes Gnadengesuch abgelehnt wurde. In Beuthen ist ein Genosse, der zu mehrjähriger Freiheitsstrafe verurteilt ist, im Gefängnis zusammengebrochen. Das furchtbare Buchthaus- Urteil von Bromberg krönt dieses seltsame Gebäude strafrechtlicher Justiz. W Er worden ist, ist in der Provinzial- Jrrenanstalt zu Schleswig zu erfahren. Die vorschriftswidrige Behandlung Untergebener Gerade die Wiederholung jener Vorgänge, die sich in der letzten wurde darin erblickt, daß der Hauptmann den Holm vor der Batterie Zeit in so entschiedenen Gegensatz des allgemeinen Rechtsbewußtseins niederknieen und geloben ließ, nicht wieder zu entlaufen. Das Untergestellt haben, wäre dadurch keineswegs ausgeschlossen. Der erste laffen einer Meldung bezieht sich auf den Fall des Kanoniers der von uns angeführten Fälle hat auf dem Gebiete des Civilrechts Brakan. Dieser war in derselben barbarischen Weise wie Holm gespielt. Der Fall Bückler betrifft das Begnadigungsrecht des vom Sergeantenkühl mißhandelt worden. Er liegt im Lazarett Das alles sind Fälle, in denen sich das Volk die Frage vor Monarchen, der Fall Hüssener das Recht des Militarismus. Ten- und wird als dienstuntauglich entlassen werden, weil er durch die legt, ob das recht sei, und diese Frage braucht nur gestellt zu benziöse Meineids- und Landfriedensbruchs Prozesse, ungeheuerliche Mißhandlungen chronische Blinddarmentzündung, Netzerreißung sowie sein, um von einem millionenfachen Nein beantwortet zu werden. Anklagen und ungeheuerliche Urteile auf diesem Gebiete werden durch totale Berrüttung des Nervensystems dabongetragen hat. Von einzelnen dieser Fälle haben bürgerliche Blätter gesagt, die Reformvorschläge Auers ebensowenig berührt. Und das sind meldete die Mißhandlungen dem Hauptmann, daß sie der Socialdemokratie Hunderttausende neuer Stimmen ber- nur Stichproben, die der Zufall veranlaßt hat. dieser aber unterließ die weitere Anzeige. Das Urteil gegen Henning schafft hätten, wenn sie sich vor den Wahlen ereignet haben würden. nur Stichproben, die der Zufall veranlaßt hat. Das Recht, das heute geübt und von breiten Massen des Volkes lautete auf sieben Monate Festungshaft; beantragt waren acht Monate So ist in weniger als vier Wochen schon für neuen Zuwachs der als das Gegenteil von wahrem Recht empfunden wird, kann auch Gefängnis und Dienstentlassung. focialdemokratischen Partei gesorgt worden. nicht durch das beste Gesez aus der Welt geschafft werden. Wohl Diese Prozesse enthüllen den Jammer des jezigen, vielgerühmten Daß Agitationsmaterial folcher Art den Socialdemokraten ent- ist es der Humanität und der Vernunft möglich, einer reaktionären Militärsystems. Soldaten werden von Unteroffizieren schmählich gezogen werden sollte, darüber ist alle Welt einig, nicht zuletzt die Gesetzgebung in zähem Rampfe einzelne Konzeffionen abzuringen, mißhandelt. Die Anleitung dazu giebt der Hauptmann der Batterie Socialdemokraten selbst. Denn so unschäzbare Dienste die heute be- und ebenso gewiß soll nichts verabsäumt werden, um dieses be- selbst. Der am schlimmsten betroffene Kanonier versucht wiederholt liebte Form der Strafrechtspflege auch ihrer Aufklärungsarbeit scheidene Ziel zu erreichen. Gewiß kann die öffentliche Kritik auf die Fahnenflucht, schließlich treibt die entsegensvolle Bein ihn in Teisten mag, so ist der Preis dieses Erfolges- mangelnder Rechts- Staatsanwalte, Richter und vollziehende Drgane des Strafivefens geistige Umnachtung, er verfällt dem Jrrenhaus. Ohne diesen furchtschutz einerseits und furchtbare Verlegung einzelner Individuen einen gewissen erziehlichen Einfluß üben, und sie übt diesen Einfluß baren Ausgang wären die Mißhandlungen unbekannt und ungeahndet andrerseits für jeden, der kein Barbar ist, entschieden zu hoch in steigendem Maße. geblieben wie so viele andre; das tragische Geschick des Mannes gestellt. Der Wunsch nach einer Reform des Strafrechts ist heute Aber deswegen darf nicht verkannt werden, daß der heute forderte eine Untersuchung heraus. Aber die Kameraden des MißIm Verlage von C. 5. Becker- München veröffentlicht soeben wirksame Rechts- oder Unrechtszustand in dem Boden der heutigen handelten- vielleicht selbst Mißhandelte- wagen es nicht, gegen H. Gesellschaftsordnung seine tiefsten Wurzeln geschlagen feine tiefsten Wurzeln geschlagen hat, ihre Vorgesetzten die Wahrheit zu befunden. Die Wahrheit, so ein junger Jurist Dr. Friz Auer eine kleine Studie„ Sociales und daß es nicht möglich ist, diese Wurzeln zu ent- müssen fie fürchten, bedeutet für sie ein Leben vermehrter Strafrecht", die nach der Absicht des Verfassers als" Prolog fernen, ohne an diesen steinigen Boden selbst mit kräftiger schwerer Plage. Aber die Sache ist nicht mehr zu verbergen. zur Strafrechtsreform" dienen soll. Sie ist ein Loblieb Hand den Spaten anzusetzen. Wir können heute noch kein volts- Es kommt zur Anklage gegen den Hauptmann, die Unteroffiziere auf die sociologische Schule der Strafrechtslehre, der Dr. Auer tümliches, dem allgemeinen Rechtsbewußtsein entsprechendes Straf- und die Soldaten, die das System der unbedingten Unterals Schüler angehört; fie beweist mindestens, daß in recht haben, weil die Zeit für ein autoritäres, nur auf das Wohl der würfigkeit zum Eintreten für den Hauptmann genötigt hatte. den Reihen der„ Sociologen" ein vorwärtsstürmender Enthusiasmus herrschenden Kaste bedachtes Strafrecht vorüber, die für ein modernes, Der Prozeß gegen die Gemeinen" wird öffentlich geführt. Der vorhanden ist, der bei den ruhigeren Klassikern" ganz und gar ber- fociales, demokratisches noch nicht ganz gekommen ist. Auch Herr Prozeß gegen den Hauptmann wird der Kontrolle der Deffentlichkeit mißt werden muß. Auch sonst treten in Dr. Auers Schrift fast aus- Dr. Auer wird mit der Erfüllung vieler seiner dringendsten Herzens- entzogen, wegen Gefährdung der militärischen Disciplin". Die schließlich die Lichtseiten der sociologischen Schule auf, und was er wünsche solange warten müssen, bis die Socialdemokratie die Herrin Gemeinen", welche offensichtlich aus Furcht vor gewiß nicht nur in als die Wünsche fortgeschrittener moderner Wissenschaft an die der deutschen Gesetzgebung geworden ist. Auf diesem wie auf allen ihrer Einbildung eriftierenden Unannehmlichkeiten die unwahrheit Strafrechtslehre verkündet, deckt sich fast überall mit den Forderungen, andren Gebieten heißt es die Sache der Wissenschaft und der Kultur gesagt hatten, werden zu Gefängnis verurteilt und der Soldatenehre die die Socialdemokratie im Reichstage längst vertreten hat, oder, durchsetzen, wenn man ihre Sache durchsetzen hilft. für unwürdig erklärt. Der Hauptmann, der moralisch für all das in Konsequenz ihrer allgemeinen Aauffassung unzweifelhaft noch Unglück verantwortlich ist und mindestens den Mißhandelten und vertreten wird. Auer fordert die Beseitigung des Majestätsbeleidigungsdem Irrenhause Verfallenen mit auf dem Gewissen hat, kommt Paragraphen, denn: es ist politisch- kindlich, den Respekt vor dem mit der Renommierhaft" davon und bleibt der Armee als Vormonarchischen Princip durch staatliche Strafbestimmungen schützen gesetzter erhalten! und erhöhen zu wollen. Die meisten Majestätsbeleidigungs- Prozesse berichten das Gegenteil; die öffentliche Meinung, beunruhigt und berbittert, stellt sich nur zu oft auf Seite der Angeklagten." allgemein. Politische Uebersicht. Berlin, den 15. Juli. 11 Der deutsch- englische Zollstreit. Das Elend des heutigen Militärsystems Auch das Religionsdelikt nach§ 166 des Strafgesetzbuchs will Auer beseitigt wissen; seine Aufhebung würde den Altar so wenig enthüllen wieder zwei Prozesse, die sich soeben vor dem Kriegsgericht Wie schon gestern telegraphisch gemeldet wurde, ist vorgestern von der gefährden wie die Aufhebung des Majestätsbeleidigungs- Paragraphen in Rendsburg abgespielt haben. Dort hatte sich vor dem Kriegs- englischen Regierung der Schriftwechsel veröffentlicht worden, der seit dem den Thron. gericht der 18. Division am Montag der Hauptmann Henning von 9. Mai 1897 zwischen ihr und der deutschen Regierung über den deutschAuf dem Gebiete des Sittlichkeitsschutzes fordert der Verfasser der 1. Batterie des 45. Feldartillerie- Regiments wegen Verleitung fanadischen Bollkonflikt stattgefunden hat. Verspricht nach den letzten die Aufhebung des§ 175 des Strafgesetzes, der Bestrafung des Ehe- zur Mißhandlung Untergebener zu berantworten. Die Verhandlung Depeschen, die von beiden Seiten gewechselt sind und in gleichem bruches, des Stonkubinats, der Blutschande. Die Beseitigung des fand wegen Gefährdung der militärischen Disciplin" unter Ausschluß Maße das Bestreben erkennen lassen, zu einer Verständigung zu geDuellunfugs fann er von einer Verschärfung der Strafen für Be- der Deffentlichkeit statt. Der Ausschluß der Deffentlichkeit konnte in langen, auch die Streitfrage eine friedliche Lösung zu finden, so beleidigung nicht erwarten diesem Fall jedoch seinen Zweck nicht voll erreichen, da vor einigen ansprucht doch in Anbetracht der Bedeutung unfrer Handelsbeziehungen Auf dem Gebiete des Strafwesens verlangt er die Abschaffung Tagen vor demselben Kriegsgericht in der gleichen Angelegenheit zu dem britischen Weltreich und ihres Einflusses auf das gesamte der Todesstrafe, die Beseitigung der Festungsstrafe als eines Vor- gegen vier Kanoniere von der Batterie des Hauptmanns Henning deutsche Wirtschaftsleben der amtliche Schriftwechsel das größte rechtes der oberen Gesellschaftsklassen, der Prügelstrafe als Disciplinar- verhandelt worden war, und zwar öffentlich. Die Kanoniere waren Interesse. Für Deutschland wie für England steht Großes auf dem mittel in den Gefängnissen. des Meineids angeklagt, weil sie in der Voruntersuchung zu Spiel; beide sind in ihrem Handelsverkehr durchaus auf einander Das sind so ziemlich lauter Anschauungen und Forderungen, dem Fall des Hauptmanns Henning eidlich bekundet hatten, von angewiesen, und eine Handelspolitische Entfremdung zwischen beiden über die unter modernen Kulturmenschen kein Streit besteht. Und Mißhandlungen im Stall und in den Stuben ihrer Batterie nichts Ländern würde deshalb ihrem wirtschaftlichen Leben und Gedeihen wo die Ausführungen des Liszt- Schülers Auer zur Kritik reizen gemerkt zu haben. In der Verhandlung war den Angeklagten leicht die schwersten Wunden schlagen. er vertritt beispielsweise die Bestrafung der Prostitution, verlangt nachgewiesen worden, daß diese Aussagen falsch gewesen sein Die Veröffentlichung des Blaubuches, das 72 Depeschen umfaßt, ganz allgemein lange Freiheitsstrafen als„ Besserungsstrafen" u. dgl. m. müssen. Es handelte sich um den Kanonier Holm aus Nord- enthält den ersten Protest Deutschlands, die Korrespondenz, welche -wird man sich bei passender Gelegenheit mit dem Autor aus- Schleswig. Dieser war, wie nun von sämtlichen Zeugen bekundet zur Kündigung des Handelsvertrages führte, sodann die Einführung einanderseßen tönnen. wurde, von dem Sergeanten Kühl sowie von des Handelsprovisoriums und dessen wiederholte Verlängerung. Dr. Auer schließt seine temperamentvolle fleine Schrift mit den Kanonieren des zweiten Jahrganges dermaßen mißhandelt Dann folgt die Depesche Lord Gonghs vom 28. Juni 1899, worin Worten: worden, daß er wiederholt versuchte, fahnenflüchtig zu der englische Geschäftsträger anfragt, aus welchen Gründen die Das tommende Strafrecht wird volkstümlich sein, wenn es werden und schließlich in die Jrrenanstalt geschafft werden mußte, englischen Kolonien eine andre Behandlung erführen, als die frandem wirtschaftlichen und socialen Fortschritt Rechnung trägt, wenn wo er gänzlich gebrochen in hoffnungslosem Zustand fortvegetiert. zöfifchen, spanischen und portugiesischen. Die Antwort des Staatses sich sowohl der heutigen Kultur anpaßt, wie auch andeutend, Der Sergeant Kühl hatte den Bedauernswerten häufig mit fekretärs Frhrn v. Richthofen ist vom 5. August desselben Jahres datiert. vorbauend die Grundlinien zieht zum Strafrecht der künftigen der Fahrpeitsche und dent Obergurt geschlagen. Seine In der betreffenden Depesche erklärte Staatssekretär Frhr. v. Nichthöheren Kulturform, furz, wenn es im besten Sinn des Wortes Lieblingsmethode aber war, ihn mit den Füßen auf die hofen, daß die Bestimmungen des Handelsvertrages vom Mai 1865 ein sociales Strafrecht ist." Beine, den Leib und ins Gesäß zu treten. Ein Zeuge von Kanada dadurch eine Aenderung erfahren hätten, daß englischen So weit, so gut! Dr. Auer hat als Mann der Wissenschaft seine fonnte allein zwanzig solcher Fälle bezeugen. Zeuge Kanonier Mall- Waren Vergünstigungen gewährt wurden, die man deutschen Waren Aufgabe gelöst. Er sagt nur, was er für richtig hält, und überläßt green bekundete, er habe den Holm mindestens hundertmal miß- verweigerte. Man habe sich deutscherseits genötigt gesehen, als es den Gesetzgebern, ob und inwieweit sie sich seinen Ansichten handelt. Nach dem Grunde befragt, erfolgte die prompte Antwort: Gegenmaßregel gegen Kanada diesem die Rechte der Meistbegünstigung anschließen wollen. Und doch heißt es Blindekuhspielen, wenn Der Hauptmann hatte es befohlen. Die Angeklagten wurden schließ zu versagen. 15. April 1903 datiert ist, hatte folgenden Wortlaut: " dem Dann ruhte für längere Zeit die Frage. Die englische Regierung| Generaltarif auf das ganze britische Weltreich angewendet werden. I zur Ohnmacht verurteilte. Die jest tapfer schallenden Worte des gab sich vorläufig zufrieden. Erst im vergangenen April gab die Die deutsche Regierung hat mit jener Note der englischen imperialistisch- Leipziger Blattes gelten nur der Beseitigung der Ungerechtigkeit Anfrage an die deutsche Regierung, ob diese geneigt sei, den Vertrag schutzöllnerischen Presse nur Material geliefert, für die Chamber- gegen die Nationalliberalen. Die Ungerechtigkeit gegen das mit England zu erneuern, Veranlassung zu einer neuen Erklärung lainschen Zollprojekte Stimmung zu machen. So schreibt beispiels- ächsische Volk bekümmert dieſe ſauberen Politiker auch jetzt nicht des deutschen Ministers des Aeußern. Diese deutsche Note, die vom weise die„ Times": im mindesten. Sie wollen nichts, als mit den Kon servativen vom Unrecht profitieren! „ Lord Lansdowne bemerkt ganz richtig, daß uns die deutschen Motive, oder die eigentliche Veranlassung, welche das deutsche Verhalten beeinflußte, nicht interessieren. Wir haben mit den Dementieren muß wiederum die„ Nordd. Allg. 3tg.". Es war Thatsachen der deutschen Politik zu thun, und diese geht darauf berbreitet worden, der Kaiser habe in Hamburg nach aus, nicht nur eine Kolonie zu strafen, die den Zoll auf Frühstück bei dem dortigen Gesandten v. Tschiersky diese Aeußerung deutsche Waren nicht um einen einzigen Benny erhöht hatte, sondern gethan:" Die socialdemokratische Bande müßte mit Feuer und auch ein politisches Abschreckungsmittel zu gebrauchen, um den Schwert vertilgt werden. Dergleichen Schlappheit der Regierung engeren Anschluß der Kolonien an das Mutterland zu verhindern. wie bei den letzten Wahlen werde in Zukunft nicht geduldet werden. Aber allein schon der Gedanke, daß wir uns Der Ausspruch beruht nach der„ Nordd. Allg." auf Erfindung. Wir einen ebenso guten Revolver verschaffen hatten von dem Ausspruch überhaupt nicht Kenntnis genommen, denn könnten wie der deutsche ist, genügte dazu, es war nicht glaubhaft, daß der Kaiser drei Millionen deutscher daß man die drohende Haltung aufgab, die in Männer, auf denen die Kraft und die Zukunft des Reiches beruht, Aussicht genommenen weiteren Maßnahmen mit Feuer und Schwert vertilgt" sehen möchte. gegen Kanada fallen ließ, und die ganze Frage Strafbare Kaiserworte". Die„ Hamb. Nachr.", das Blatt aus mit dem Tone getränkter Unschuld erörterte der Scharfmacherei, das mit dem größten Ungestüm den wilden Das ist eine Lehre für unser Land, die wir nicht durch noch so viel Mann spielt, spenden einen niedlichen Beitrag zur fünftigen Revision Gerede über die abstrakten Doktrinen des Freihandels uns verschleiern des Strafgesetzbuches. Sie fordern eine Erweiterung des MajeſtätsLassen dürfen. Wir müssen die Mittel haben, uns und unsre beleidigungs- Baragraphen dahin, daß auch Mitteilungen über den Kolonien gegen die Wirkung wissenschaftlich aufgebauter fistalischer Kaiser, die nicht beleidigend sind, strafbar seien: Gesetze zu verteidigen, und wenn die Waffe uns etwas kosten sollte, so müssen wir bedenken, daß dies mit jeder Waffe der Fall ist." Der Unterzeichnete hat die Ehre, auf die Mitteilung des Sir Frank Lascelles vom 25. März zu antworten, daß die kaiserliche Regierung ihrerseits beabsichtigt, zu geeigneter Zeit eine Verlängerung des Gesezes zu erzielen, durch das der Bundesrat die Befugnis erhält, England und den britischen Kolonien und Besizungen die Meistbegünstigung zu gewähren. Die taiserliche Regierung glaubt aber die Thatsache nicht verhehlen zu dürfen, daß es zweifelhaft erscheint, und zwar besonders mit Rücksicht auf die im Reichstag zu erwartende Opposition, ob sie diese Ansicht wird durchführen können, wenn Deutschland in wichtigen Teilen des englischen Reiches differentiell behandelt wird, und besonders wenn sich der Bericht bestätigen sollte, daß deutsche Waren in Zukunft weniger günstig behandelt werden sollen als englische, nicht nur in Kanada, sondern auch in dem englischen Südafrika." Die deutsche Note hatte eine lange Entgegnung von englischer Seite zur Folge. Es wird darin die deutsche Erklärung als Drohung" bezeichnet. Die wichtigste Stelle lautet: " Die französisch- englische Annäherung. " 1 um In der Nordd. Allgem. 8tg." bilden jetzt die Dementis von Aeußerungen, die dem Kaiser fälschlicherweise zugeschrieben worden sind, eine stehende Rubrik. Bieten schon die wirklichen Aeußerungen des Monarchen weit mehr Disfussionsstoff, als opportun erscheint, fo ist es so notwendiger, daß das Maß von Kritik, welches an der Meinung des Monarchen ohnehin geübt wird, nicht auch noch durch erfundene Aeußerungen in unliebsamer Weise vermehrt wird. Auf diese Weise werden die Gemüter unberechtigtermaßen immer mehr beunruhigt und verwirrt, was unzweifelhaft politisch schädlich wirkt. Da es andrerseits kein Recht auf Erfindung von Kaiseraussprüchen giebt, so liegt der Gedanke nahe, die dolose oder tulpose öffentliche Verbreitung solcher Aussprüche unter Strafe zu stellen, um auf diese Weise dem zunehmenden Mißbrauch Schranken zu ziehen. „ Sir F. Lascelles berichtete in seiner Depesche vom 18. April, daß Baron v. Richthofen ihm mitteilte, feines Erachtens werde die Meistbegünstigung für das vereinigte Königreich in Kraft bleiben; nachdem aber die südafrikanischen Kolonien einen Vorzugstarif für englische Waren englische Waren in Vorschlag gebracht, müsse man überlegen, ob diese Kolonien nicht ebenso wie Kanada Propaganda- Komitee zu Gunsten eines ständigen SchiedsgerichtsParis, 14. Juli.( Eig. Ber.) Ein neulich hier gegründetes von der Meistbegünstigung ausgeschlossen werden müßten, und ob vertrages zwischen Frankreich und England"( Vorsitzender Leroy= nicht in dem Fall, daß auch Australien dem Mutterlande einen Beaulieu, Mitglied des Instituts) wendet sich in einem Schreiben Borzugstarif gewähren sollte, eine Lage geschaffen würde, die es an den Minister des Auswärtigen mit dem Ersuchen, in Unterhandder deutschen Regierung sehr erschweren könnte, vom deutschen lungen mit England zu treten zwecks Abschließung jenes Vertrages. Reichstag die Bewilligung zum Abschluß eines Handelsvertrages Das Komitee macht aufmerksam auf den bedeutenden Anklang, den zwischen dem vereinigten Königreich und Deutschland zu erhalten.... feine Idee in kurzer Zeit bereits in beiden Ländern gefunden hat. Sollte die deutsche Regierung ihr Verhalten in dieser Angelegen hier wie dort stehen die Handelskammern an der Spize heit beibehalten und auch gegen Waren andrer englischer Kolonien der Bewegung. In Frankreich haben sich für den Schiedsund selbst des vereinigten Königreiches in gerichtsvertrag bereits 40 Handelskammern ausgesprochen, darunter derselben Weise vorgehen, wie dies Kanada die von Havre, Rouen, Boulogne, Dünkirchen, Calais, Lille, gegenüber geschehen ist, so würde dadurch eine ernste Roubair, Valenciennes, Marseille, Bordeaux, Toulouse, Nimes, und bedeutende Streitfrage entstehen, durch die die fiskalischen Grenoble, Algier, ebenso die französischen Handelskammern von Beziehungen unfres Landes zum Deutschen Reiche berührt werden London, Sidneh und Mailand. Ferner haben sich dafür ausgesprochen 17 Gemeinderäte, darunter die der bereits genannten Von seiten des deutschen Auswärtigen Amtes scheint man nach Hafenstädte( außer Marseille) und mehrerer größerer Industriedieser Eröffnung eingesehen zu haben, allzu vorschnell gewesen zu städte. In England haben 76 Handelskammern, darunter die sein. Nachdem man sich die Lage reiflicher überlegt hatte der größten Hafen- und Induſtrieſtädte, vertragsfreundliche Redie deutsche Antwort auf die englische Note erfolgte erst am solutionen votiert, ebenso wie zahlreiche Gewertbereine mit 27. Juni 1903 richtete Freiherr v. Richthofen an den deutschen Hunderttausenden Mitgliedern und verschiedene andre Vereine. Botschafter in London einen langen Erlaß mit dem Ersuchen, davon Es sei noch erinnert, daß die vorher gegründete französische eine Abschrift der englischen Regierung zu übermitteln. In dieser parlamentarische Gruppe für internationale Note wird nochmals ein Resumé des Sachverhalts gegeben und be- Schiedsverträge bereits 200 Deputierte und Senatoren erscheinenden Blattes ist, um so wüster und-ungeschiďter sind aller Parteirichtungen umfaßt. würden." tont, daß in der Anwendung des deutschen Generaltarifs auf Kanada „ teine ungerechtfertigte Distriminierung" funden werden dürfe. Darauf heißt es zum Schluß in Bezug auf die Drohung vom 15. April: * Deutfches Reich. Die blamierteste Regierung. = Eine juristische Monstrosität würde der Vorschlag nicht darstellen, da die öffentlich- rechtliche Stellung des Kaisers ohnehin schon egimiert ist, zum Beispiel Beleidigungen 2c. gegenüber. Wir find der Ansicht, daß die Verbreitung von frivol erfundenen Aeußerungen des Kaisers nicht nur politisch schädlich wirkt, sondern auch eine Verlegung der Ehrfurcht darstellt, auf die der Kaiser Anspruch hat. Das mag oft nicht ausreichen, den Thatbestand der Majestätsbeleidigung zu erfüllen, aber es wird oft schädlicher als eine solche wirken. Deshalb sind wir der Ansicht, daß hier eine Lücke des Strafgesetzbuches vorliegt, deren baldige Ausfüllung unter den heute obivaltenden Umständen im öffentlichen Interesse um so dringender notwendig ist." Je stärker die monarchische Heuchelei des in einer Republik die Einfälle dieses strapazierten Byzantinismus. Solch eine Reform würde nämlich niemanden in eine schlimmere Lage bringen wie den Kaiser selbst. Sollte das Blatt diesen Erfolg etwa boshaft beabsichtigt haben? Zu den rechtlichen Ungeheuerlichkeiten des bestehenden " Die in der Instruktion erwähnten Unterredungen Sir Frank Lascelles' vom April dieses Jahres liegen zeitlich nach dem BeDie Ankündigung der sächsischen Regierungspresse, daß eine Majestätsbeleidigungs- Paragraphen gehört in erster Linie die Unzulässigkeit des Wahrheitsbeweises. Es genügt, wenn eine Aeußeschluß der kanadischen Regierung, gegen Deutschland Repressalien Revision des Landtags- Wahlsystems erforderlich sei, wurde bereits rung als beleidigend erachtet, eine dem Kaiser unterstellte Handlung zu ergreifen, bezw. nach der Anordnung dieser Repressalien. als die Selbstverurteilung der Dresdener Reaktionspolitiker als tränkend empfunden wird, es kommt aber gar nicht in Betracht, Wenn dabei diesseits vertraulich geäußert worden ist, daß gekennzeichnet, die in einem Lande mit konstitutionellen Einrichtungen ob die der Kritik zu Grunde liegenden Thatsachen richtig sind der deutsche Reichstag bei einer weiteren Schädigung der nicht möglich wäre ohne die Abdankung der Persönlichkeiten, die oder nicht. deutschen Einfuhr seitens der britischen Kolonien es möglicherweise einige Jahre zuvor jene politischen Verfündigungen begingen. Eine Wollte man aber aus der Mitteilung erfundener oder unablehnen könnte, Großbritannien und seinen Kolonien oder interessante Erinnerung zu diesem Kapitel des sächsischen Sünden- korrekter Kaiserreden und Kaiserworte an sich, auch wenn fie des deutschen Konventionaltarifes zuzubilligen, so hat dies darin mit denen ant 28. März 1896 der verstorbene König Albert den ob der Kaiser die fragliche Aeußerung gethan habe oder nicht. Hier einzelnen dieser Kolonien nach dem 31. Dezember d. J. die Säße bekenntnisses giebt die„ Bossische Zeitung", indem sie die Worte citiert, nicht beleidigend sind, eine strafbare Handlung konstruieren, jo bleibt als einziges Kriterium der Strafbarkeit die Feststellung übrig, seinen Grund, daß die kaiserliche Regierung namentlich bei dem legten Male, als das Gesez vom 29. Mai 1901 erlassen wurde, Landtag entließ: wäre mithin die Führung des Wahrheitsbeweises die unumgängliche große Schwierigkeiten zu überwinden hatte, überhaupt die ZuDie Einmütigkeit, mit der Sie dieser( Wahl-) Gesetzes- Vorbedingung jeder Strafmöglichkeit. Es scheint uns aber recht stimmung des Reichstages zu erlangen. Diese Zustimmung ist borlage Jhre verfassungsmäßige Zustimmung gegeben haben, erfraglich, ob es der Monarchie nüglich sein wird, wenn bei jeder aber, da es sich um ein Reichsgesetz handelt, nach der Reichsfüllt mich mit Genugthuung und befestigt mich in der Gelegenheit der Kaiser selbst oder mindestens sein verantwortlicher verfassung unbedingt erforderlich. Ueberzeugung, daß meine Regierung, indem sie der aus der Mitte Kanzler darüber zeugeneidlich vernommen werden muß, ob der der Boltsvertretung hervorgegangenen Anregung folgte, einem Raiser dieses oder jenes Wort geäußert hat. Dadurch würden die auch in zahlreichen Bevölkerungsfreifen je länger faiserlichen Kundgebungen in einer Weise authentisch und gerichtsje mehr empfundenen Bedürfnisse Rechnung getragen hat. Ich notorisch werden, daß man gerade die unerwünschten Worte bereinige mich mit Ihnen in dem Wunsche, daß die veränderten nicht mehr wie jetzt durch offiziöse Dementis, die feine eidliche Bestimmungen meinem Sachsenlande dauernd zur Wohlfahrt ge- Bekräftigung vertragen würden, aus der Deffentlichkeit zu drängen reichen mögen." bermag. Aus den vorstehenden Ausführungen geht hervor, daß diesseitigen Erachtens die englische Beurteilung der Vorgänge in bielen Punkten auf unzutreffenden Voraussetzungen beruht und die Schuld an der Entstehung und Zuspigung des Konflikts Deutschland nicht wohl zugeschoben werden kann. Wenn sich aber hiernach auch theoretisch der Standpunkt auf der einen und andren Seite noch unvermittelt gegenübersteht, so dürfte doch der Versuch einer praktischen Lösung der bestehenden Meinungsverschiedenheit zu machen sein. gewann. Es läßt sich nicht leugnen, daß sich der Wunsch des früheren sächsischen Königs, wenn auch in etwas andrem Sinne als er dachte, erfüllt hat, indem die Wahlgesetz- Vorlage von 1896 viel dazu beiVon diesem Gesichtspunkte geleitet, erklärt trug, daß die Socialdemokratie 22 sächsische Reichstags- Wahlkreise die kaiserliche Regierung sich gern bereit, in einen Meinungsaustausch über einen Weg zur Beseitigung der gegenwärtigen Differenz einzutreten, und stellt anheim, im Falle des Einverständnisses hierfür geeignete Vorschläge zu machen." In seiner Antwort begrüßt Lord Lansdowne dieses neuerliche Entgegenkommen der deutschen Regierung, hält aber daran fest, daß die deutsche Depesche vom April als Drohung zu betrachten sei, da diese Depesche nicht als vertraulich bezeichnet gewesen und es überdies für die englische Regierung gleichgültig sei, ob die angedrohten Maßregeln der eignen Initiative der deutschen Regierung entsprangen oder auf Drängen des Reichstages erfolgten. " * " Die„ Tägliche Rundschau" bemerkt zu der sächsischen„ Umkehr": Mit ihrem Erposé im amtlichen Dresdner Journal" hat die sächsische Regierung offen und vor aller Welt eingeräumt, daß ihre Methode, den Umstura" zu bekämpfen, einfür allemal bankrott wurde." Die sächsischen Nationalliberalen suchen die Situation in einfeitiger Weise für ihre Sonder Interessen auszunuzen. Das Leipz. Tagebl." leistet einen wahrhaft heroischen Aufruf an die Nationalliberalen Sachſens zum Eintreten für die Wahlrechtsrevision: Die Gläubigen gegen den Glaubenshüter. Der„ Gornoslazak" veröffentlicht folgenden Aufruf an alle Polen Breslaus und umgegend zu einer Protestversammlung gegen den Hirtenbrief des Fürftbischofs Kopp: In unsren heiligsten Gefühlen verlegt durch den Hirtenbrief Sr. Eminenz des Kardinals Kopp und seine Anwendung durch die germanisatorischen Geistlichen berufen wir unterzeichneten für Sonntag, 19. d. M.,.ins Kasino, Neue Gasse 22, eine polnischkatholische Versammlung ein, um nicht nur Stellung zu nehmen gegen das Vorgehen des Kardinals, sondern auch gegen die ungerechte Behandlung, der wir in religiösen Dingen durch die geistliche Behörde ausgesetzt sind. Da diese Sache einen jeden guten Bolen tief im Herzen ergreifen muß, so erwarten wir, daß unsre Landsleute durch recht zahlreiches Erscheinen unser Unternehmen unterstügen werden." Knuten- Dertel muß raus!" Eine Zeit von höchster politischer Bedeutung ist angebrochen, insbesondere auch von parteipolitischer Bedeutung. Wenn Ein Wahlbild aus dem Freiberger Wahlkreife. die nationalliberale Partei diese Gelegenheit zur Beein- In der Deutschen Tageszeitung" vermag sich Herr Dr. Dertel flussung des sächsischen Wahlrechts nach ihren Ueberzeugungen noch immer nicht zu beruhigen über die grimmige Absage, die ihm und ihren daraus entspringenden Wünschen nicht mit aller der Freiberger Wahlkreis, der ihn 1898 auf den Schild Kraft ergreift, wenn sie nicht alles, was sie hat an Kraft erhoben, erteilt hat. Dr. Dertel flagt insbesondere die preußische und Einfluß, an jungem oder altem, an theoretischer und Regierung an, daß sie zuerst durch die Gestattung der dann praktischer Intelligenz, zusammenschweißen und einseßen kann, wieder zurückgezogenen- nationalliberalen Kandidatur des Geheimbann hat sie sich als turzsichtig erwiesen und kann sich rats Lusensky den 8ant unter die„ Ordnungs" parteien des Wahlüber die dann unausbleiblichen Folgen nicht beschweren. Jahr freises getragen und die spätere liberale Kandidatur des Dresdener zehntelange Klagen können hier behoben, der Grundstein zu Handelsvertragsvereins- Mannes Dr. Kunze herbeigeführt habe. Die einer ganz neuen Entwidlung des politischen Lebens wahren Gründe seines Zusammenbruches scheint Dr. Dertel in Sachsen fann und muß hier gelegt werden. Dazu gehören noch immer nicht zu verstehen. Uns geht aus Freiberg noch aber feste und im gegebenen Falle auch einmal rücksichtslose dieser aufklärende Situationsbericht über die Dertelsche NichtMänner, rücksichtslos auch gegen sich selbst und die Leute der Wahl zu: Wir halten auch nach den aus diesem Depeschenwechsel sich ergebenden Verhandlungen daran fest, daß die deutsche Regierung, als fie auf die Gewährung von Vorzugszöllen seitens Kanadas an England mit der Anwendung des deutschen allgemeinen Zolltarifs auf tanadische Produkte antwortete, völlig loyal entsprechend dem deutschen Zollgesetz und den betreffenden Vertragsbestimmungen verfuhr. Eine andre Frage ist freilich, ob von seiten der deutschen Regierung die Verhandlungen immer mit jener Vorsicht und jener Abwägung der möglichen Folgen geführt worden sind, die in Anbetracht der eminenten Bedeutung der auf dem Spiele stehenden wirtschaftlichen Intereffen geboten war. Die deutsche Note vom April enthält thatsächlich eine halbversteckte Drohung. Allem Anschein nach sind die albernen Angriffe, die damals, als auch Südafrika sich zur Gewährung von eignen Partei. Nicht als ob wir nun eine Kammer aus lauter national- Daß es Herrn Dr. Dertel nicht geglückt ist, seinen Wahlkreis zu erhalten, Vorzugszöllen an England anschickte, in einem Teil der deutschen liberalen Abgeordneten anstrebten; aber ein Parlament soll hier ge- hat seine Ursache viel weniger in der allgemeinen Mißstimmung des fordert werden, in welchem derjenige Teil des wirtschaft- fächsischen Voltes, als darin, daß unsre Parteigenossen im Freiberger hochschutzöllnerischen Presse, besonders von den Berliner Neuesten lichen und politischen sächsischen Lebens, der in Wahlkreise eine Aufklärungsarbeit geleistet haben, wie sie wohl nur Nachrichten" und der gesinnungsverwandten Rheinisch- Westfälischen unsrer Partei seine natürliche Vertretung erblickt, zur vollen selten in einem Wahlkampfe geleistet wird und geleistet werden Beitung", gegen das perfide Albion geschleudert wurden, im Geltung kommt. Daß den Konservativen ein gehörig Teil tann. Denn zu der Arbeitsleistung, die das kleine Häuflein Gedeutschen Auswärtigen Amt nicht ganz ohne Eindruck geblieben. Selbstlosigkeit zugemutet wird, ist richtig, und daß sie nur noffen im Freiberger Wahlkreise nun hinter sich hat, Man wollte dort zeigen, daß mant thatsächlich nicht der zögernd fattische Besigstände und Rechte hergeben, ist gehört ein ganz besondrer Anstoß, wenn fie vollbracht begreiflich. von jener Presse geforderten größeren Energie entbehre Aber sie müssen einsehen, daß ihre parla- werden soll. Man denke sich ein und ein halbes allerdings mit dem Erfolg, später sich zu einem Rückzug verstehen mentarische Macht nicht auf solider natürlicher Grundlage, Jahr lang zog eine fleine mutige Schar blutarmer Arbeiter, zu müssen. Budem aber verrät die Note eine sonderbare In- sondern auf ungerechtigkeit beruht. Die Regierung wie sie fast nur das fächsische Erzgebirge aufweist, Sonntag für Konsequenz, die von englischen Blättern, voran vom„ Standard“, selbst hat dies nun ausgesprochen, jezt können die Konservativen Sonntag, bei Sonnenschein wie bei Regen oder Schnee, von zeigen, wie weit sie ihr Autoritätsdogma in der Praxis anzu- morgens bis abends von Ort zu Ort, von Haus zu Haus, um aufweidlich ausgenugt wird. Entweder sind die englischen Selbstwenden gewillt sind. Es muß gefordert werden, daß noch in flärende Flugschriften zu verbreiten und Abonnenten für das zur verwaltungs- Kolonien, wie die deutsche Regierung bisher behauptet dieser Stunde alles, was sich nationalliberal nennt, zum Mit- Wahlagitation gegründete Monatsblatt„ Der arme Lazarus hatte und auch in ihrer Note vom 27. Juni d. J. wieder als zweifellos arbeiten sich anbietet, sich aufdrängt. Wer führen will, hat jetzt zu suchen. Und sie brachten es auch auf 7000 Abonnenten, ein Ers hinstellt, fiskalisch und handelspolitisch völlig selbständig, dann ist es seine Befähigung nachzuweisen. Das Vaterland, die Regierung folg, den nur derjenige zu würdigen weiß, der den Wahlunsinnig, für ihre Zollgesetzgebung das englische Mutterland ver- und die Partei verlangen, daß jetzt jedermann seine verdammte kreis und die Verhältnisse, wie sie hier bisher Tagen, kennt. antwortlich zu machen und dieses mit Repressivmaßnahmen zu bePflicht und Schuldigkeit thue." Denn seit Jahren war das politische Leben im Kreise sehr gering, drohen; oder aber die Kolonien sind nichts als unſelbſtändige und Gerechtigkeit, aber sie meinen ausschließlich die eigne Bartei. daß die fünf im Kreise erscheinenden Amtsblätter es nur selten für Die fächsischen Nationalliberalen sprechen auch von Vaterland war der Indifferentismus bei der Masse der Bevölkerung so start, Bestandteile des britischen Reiches, dann ist die Gewährung von„ Derjenige Teil des wirtschaftlichen und politischen sächsischen Lebens, nötig hielten, die Socialdemokratie auch nur zu erwähnen. In ganz Vorzugszöllen an das Mutterland eine interne Angelegenheit dieses ber in unfrer Partei seine natürliche Vertretung erblickt," soll im Sachſen galt ja auch der Freiberger Kreis neben dem 3. Wahlkreis Reichs, für welche nicht allein Kanada verantwortlich gemacht werden Parlament zur vollen Geltung" gelangen. Das ist der Jammer als der sicherste Wahlkreis der Konservativen" und nur wenige durfte, wie es durch die Anwendung des deutschen Generaltarifs auf der Nationalliberalen, daß das Wahl- Unrecht, welches sie haben Parteigenossen außerhalb des Freiberger Kreiſes haben bis kurz vor feine Ausfuhr nach Deutschland geschehen ist; dann mußte vielmehr der schaffen helfen, sie selbst traf und ihre Partei im Parlament der Hauptwahl an eine Eroberung des Mandats durch die Social demokraten geglaubt. Unfre Genossen im Streise selbst sahen aber gerade gegenüber der Fraktion gezeigt habe. Man erinnert sich noch,[ richtlicher Entscheidungen befindet, deren Ausgang dahinsteht und schon seit längerer Zeit, daß ihre Thätigkeit den Sieg bringen daß auf dem Bordeaux- Kongreß der Fraktionsbericht nicht einmal vor allem noch sehr geraume Zeit beanspruchen wird, ist Genosse müsse. Und das sahen auch die„ Liberalen" Bürgermeister, zur Beratung zugelassen wurde. Dazu kommt die Abwesenheit eines Bebel schon jetzt in der wenig beneidenswerten Lage, mit einer Fabrikanten, Geschäftsleute usw.-, welche die durch die socialdemokra- Partei- Organs, das als Diskussions- und Kontrollmittel dienen solchen Fülle brieflicher und persönlicher Bittgesuche bedacht zu tische Aufklärungsarbeit geweckte Erbitterung gegen den ,, Knuten- Dertel" fönnte. Die Folge ist, daß die ganze Parteipolitik thatsächlich von werden, daß deren Erfüllung einen erheblichen Teil der in Frage immer mächtiger werden sahen und daher durch eine andre bürger- der Fraktion souverän geleitet wird. Rein formal be- stehenden Summe beanspruchen würde. Sogar auf unserm Parteiliche Kandidatur die Eroberung des Wahlkreises durch die Social- trachtet, ist freilich die Fraktion im Recht. Die Partei- bureau gehen Dugende von Briefen ein, die Anteile von der Erbdemokratie verhindern wollten. statuten von Tours haben ja das Parteifomitee zu einem fünften Rade schaft, sei es als Darlehen, sei es als Geschenk, erbitten. Natürlich ist am Wagen herabgedrückt. Nun wird dasselbe als solches ausdrücklich weder Genosse Bebel noch der Parteivorstand in der Lage, allen diesen von der Fraktion behandelt. Und das Komitee konnte der Fraktion Antragstellern zu antworten, geschweige ihnen Versprechungen zu machen. ( mit 16 gegen 7 Stimmen) nur einen ohnmächtigen Protest entgegensezen, in welchem die einzelnen Föderationen aufmerksam gemacht werden auf die Haltung der Erwählten, die unter ihrer ,, direkten Kontrolle" stehen. Der Knuten- Dertel muß raus!" Das war es, was unsre Genossen zu der Riesenarbeit antrieb. In einer Konferenz hatte ein alter Parteigenosse, ein Handweber, den Genossen im Dialette der Gegend zu Gemüte geredet, was das doch für eine große Schande sei, daß der Knuten- Dertel unser" Abgeordneter sei. Vor ganz Deutschland müssen wir- die Genossen des Kreises uns schämen". Und es galt daher, eine Schande von sich abzuwälzen, ,, der Knuten- Dertel muß raus!" Durch unsre Agitation empfand mit der Zeit diese Schande auch der größte Teil der Bevölkerung, empfangen wurde. " Belgien. Früchte des klerikalen Regiments. " Gegen unsren elsässischen Genossen Emmel war der Vorwurf erhoben worden, er hätte in einer Geldsache nicht einwandfrei gehandelt. Auf Antrag Emmels wurde der Urheber des betreffenden Gerüchts bereits wegen Beleidigung bestraft, mun sind vom Landgericht zu Mülhausen im Elsaß auch die Redakteure der„ Oberelsässischen Landeszeitung", des„ Elsässischen Kuriers", des„ Elsässer" Aus einer soeben von der Regierung veröffentlichten Statistik sowie des„ Expreß" und des Mülhauser Anzeiger" wegen Weiter und zwar so, daß fast überall, wo Dertel während der Wahl- ist ersichtlich, daß in Belgien im Jahre 1900 noch 1 015 966 Männer verbreitung der Verdächtigung bestraft. Sie erhielten in zweiter agitation hinkam, er mit Zurufen der Erbitterung gegen ihn und 1 222 086 grauen vorhanden waren, die nicht gleichzeitig lesen Instanz je 20 M., einer von ihnen 5 M. Geldstrafe. Das hätte sich Herr Dertel noch vor einem Jahre nicht träumen und schreiben konnten. Das macht auf 1000 Einwohner 319 An- Emmel war zu den Strafanträgen genötigt, um sich im Interesse lassen! Wie jedes Jahr, so verbrachte er mit seiner Familie auch im alphabeten. Die Hauptstadt Brüssel, die mit der nächsten Um- der Partei von den erhobenen Anschuldigungen zu reinigen. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. vorigen Sommer seine Ferien in Mulda, einem im Wahlkreise gebung 565 996 Einwohner hat, zählt 61 768 oder 23,6 Proz. gelegenen Sommeraufenthaltsorte. Wie ein Landesfürst, der sich der weiteren ländlichen Umgebung von Brüssel wurden sogar gericht Dortmund hat am 17. April den Redakteur der„ Rheinischmännliche und 76 264 oder 24,9 Proz. weibliche Analphabeten, in Die Presse und der Paragraph vom groben Unfug. Das Land. huldbollst unter sein Volt begiebt, so trat Herr Dertel auf, Kommerse wurden ihm zu Ehren veranstaltet, und Fabrikanten 39,9 Proz. der Männer und 39,1 Proz. der Frauen als An- Westfälischen Arbeiter- Zeitung", Genossen Linus Scheibe in Dort Amtsrichter und Geistliche toasteten auf ihn, feine Ge= alphabeten festgestellt. Im übrigen ergiebt sich aus der Statistik, mund, wegen groben Unfugs, verübt durch die Presse, zu einer Geldmahlin und seine Kinder, und die Amtsblätter berichteten darüber, daß sich in den ländlichen und zugleich klerikalsten Pro- strafe von 50 m. verurteilt. Er hatte in seinem Blatte am 9. Juli v. J. wie sie die Hofnachrichten bringen. Dertel schwamm in Wonne und bin zen, namentlich in den beiden Flandern und Limburg, die mitgeteilt, daß der Metzger Moll jun. in Scharnhorst die„ RheinischFreude und dankte huldvollst für das große Vertrauen, das man ihm höchste Zahl der Analphabeten vorfindet, während die Westfälische Arbeiter- Zeitung" nicht mehr halte, weil er sie bereits in allseitig entgegenbringe. Wie ganz anders war es aber, als er im wallonischen industriellen Landesteile eine geringere Bahl solcher seinem andern Geschäfte an einem andern Orte halte. Daran war Mai dieses Jahres wieder in den Kreis kam, um die Wahlagitation aufweisen. Jedenfalls ist die Statistik ein Beweis, daß die Klerikalen, die Auffordeuung an die Lefer geknüpft, fie möchten lieber ihr Fleisch zu betreiben! Nach der ersten Versammlung, die er abhielt, ließ die seit 1884 am Ruder sind, nichts gethan haben, um die allgemeine anderswo faufen. Das Gericht hat hierin eine Aufforderung zur er sich von einer starken Polizeitruppe nach dem Hotel begleiten, weil Schulbildung zu heben. Boykottierung des genannten Meggers erblickt, die sich als grober Die er sich fürchtete vor seinen getreuen Freibergern!" Diese Furcht England. Unfug im Sinne des§ 360,11 des Strafgesetzbuchs darstelle. war natürlich unberechtigt, kein Mensch hätte ihm etwas zuleide Das Komitee für Arbeitervertretung. Revision des Angeklagten, welche vor dem Reichsgericht zur Vers gethan; aber richtig ist es, daß, to Dertel sich auch nur sehen ließ, Entgegen dem London, 13. Juli.( Eig. Ber.) Letzten Sonnabend fand hier handlung fam, rügte Verkennung des§ 360,11. er fich von der großen Erbitterung über den Brotwucher und eine Konferenz der Gewerkschaften, Genossenschaften und socialistischen Antrage des Reichsanwalts erkannte das Reichsgericht auf Aufbesonders über die„ nute" überzeugen konnte, denn wie aus einem Organisationen statt, um das Komitee für parlamentarische Arbeiter- hebung des Urteils und Zurückverweisung der Sache an das LandMunde rief ihm die Menge zu:„ Pfui! Pfui! Pfui! Knuten- Dertel, pfui!" vertretung weiter auszubauen und zu befestigen. Für die AnZur Begründung wurde ausgeführt: Den Vorfiz gericht. In den Hotels beherbergte man ihn nur ungern, denn die Gäste blieben führten. Gregory, der Präsident des Londoner Gewerkschafts- wendung des§ 360, 11 auf einen Zeitungsartikel ist es weg, wo Dertel Togierte und letzterer zog es daher auch vor, bei fartells, und J. R. Macdonald, der Sekretär des Komitees für erforderlich, daß durch denselben der Bestand der öffentlichen Festgestellt ist, daß ein einem befreundeten Gutsbesitzer außerhalb Freibergs Wohnung zu Arbeitervertretung. Gregory brachte folgende Resolution Gregory brachte folgende Resolution ein: Ordnung unmittelbar gestört wird. nehmen. Am schlimmsten erging es Herrn Dertel in Dederan, einem" Diese Konferenz der Delegierten der Londoner Arbeiterorganisationen Teil der Leser des Blattes des Angeklagten psychisch erregt Städtchen nicht weit von Freiberg. Als er da abends antam, um erklärt ihre Zustimmung zu den Grundsätzen des Komitees und ver- gewesen ist darüber, daß ihr Erwerb beeinträchtigt werden eine Versammlung abzuhalten, stand eine große Menge Männer, spricht, mit aller Macht für die Interessen des Komitees zu wirken, fönne. Das Landgericht scheint anzunehmen, daß dadurch ohne Frauen und Kinder an der Bahn, die ihn empfingen mit: Pfui! besonders unter den Trades- Unions." weiteres die Allgemeinheit beunruhigt worden sei; dies würde rechtss Bfui! Pfui! Knuten- Dertel, pfui!" Und auf dem ganzen Wege Die Delegierten der Socialdemokratischen Föderation stellten irrtümlich sein. Auch fehlt in dem Urteil die Feststellung, daß sich bis zur Versammlung bekam Dertel diese Zurufe zu hören, es war folgenden Zusazantrag:„ Die Konferenz erklärt sich mit dem Ge- der Angeklagte bewußt war, daß die Nachricht das Publikum be für ihn ein wahres Spießrutenlaufen! Ganz niedergeschlagen, ent- banken der parlamentarischen und lokalen Arbeitervertretung ein- unruhigen könne, mutigt begann er feine Rede mit der Schilderung des Empfanges verstanden, die den Klaſſenkrieg( class war) anerkennt und die Ber- Lokalredakteur der Fränkischen Voltstribüne", Genosse Straub, -Wegen Beleidigung eines Spinnerei- Direktors wurde ber und frug die Versammlung: Bin ich denn wirklich so unbeliebt? gesellschaftung der Produktionsmittel zum Ziele hat. Die Konferenz Lokalredakteur der" Fränkischen Volkstribüne"; Genosse Straub, Ja, was habe ich denn gethan, was ist denn daran schuld? Laut ist für das Komitee, um eine Arbeiterpartei zu gründen, die un- vom Schöffengericht in Bamberg zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Lose Stille herrschte, da rief ein Bäuerlein aus dem Hintergrund des abhängig von den kapitalistischen Parteien vorgeht." Die Genossen Saales in sächsischer Betonung Dertel zu: Die Knuuute! Raven, Hewitt und Quelch begründeten das Amendement in socia Sociales. Ja, die Anute" war es, die alles gegen Dertel listischer Weise, nur scheint es, daß sie durch überflüssige Schärfe die aufbrachte, was noch menschliches Gefühl hatte, Männer, Frauen- Konferenz abstießen. Die Mitglieder der Socialdemokratischen Föde Die Wurmkrankheit nimmt nach Angabe des Bochumer ,, Boltsund Kinder! Die Erregung über den Knuten Dertel" war so ration sprechen nicht mehr von Klassengegensägen oder Klassenkämpfen, blatt" einen immer hartnäckigeren Charakter an. Das einzige Mittel allgemein, daß selbst die Schulkinder daran teilnahmen. In einer sondern vom Klassenkrieg; der Ausdruck class war" spielt da eine zur Abtreibung der Schmarozer, die großen schwarzen Pillen, deren Mädchen- Volksschule teilte der Lehrer am Montag vor der Stichwahl zu starke Rolle. Wir erinnern uns nicht, daß ihn Marr stärkster Teil von einem Farrnkraut gewonnen wird, versagt in feinen Schülerinnen mit, daß er am Donnerstag mit ihnen je für die normale Entwicklung oder überhaupt gebraucht hätte. vielen Fällen. Es giebt Kranke, welche schon an vierzig solcher Spazieren gehe. Das geht nicht, Herr Lehrer!" riefen die Mädchen, Auch in Revolutionszeiten sprach Mary von Klassentämpfen. Nach Pillen genommen haben, wovon manchmal einige genügen, um den am Donnerstag wird gewählt." Lächelnd antwortete der Lehrer, einer längeren Diskussion, an der sich u. a. Georg Bernard Shaw Bandwurm abzutreiben, und doch werden sie ihre Würmer nicht los. fie, die Schülerinnen, brauchten doch nicht zu wählen. Wie aus als Vertreter der Fabier und Bowerman, der Vertreter der Londoner Bergleute, die nach der ersten Kur wurmfrei und arbeitsfähig geschrieben einem Munde erscholl es nun dem Lehrer entgegen:" Aber Sie, Herr Buchdrucker, beteiligten, wurde das Amendement abgelehnt, worauf wurden, mußten schon nach 14 Tagen als wurmbehaftet wieder das Lehrer, der Knuten- Dertel muß raus 1" die Delegierten der Socialdemokratischen Föderation den Saal ver- Krankenhaus aufsuchen; sie sind heute den Wurm noch nicht los. Bei solcher Stimmung" mußte uns der Sieg zufallen und ließen. Die Konferenz nahm sodann die Resolution Gregorys an, Die durch das Abtreibungsmittel tünstlich hervor wäre fein ,, liberaler" Kandidat aufgestellt gewesen, unser der die Worte hinzugefügt wurden, daß das Komitee für die gerufene Diarrhoe bringt die Kranten furchtbar Genoffe Schulze wäre schon im ersten Wahlgange mit Bildung einer unabhängigen politischen Arbeiterpartei wirken herunter und benimmt ihnen den Appetit zum Essen. Sie sind großer Mehrheit gewählt worden. Wie die Konservativen wird. Die Zurückziehung der socialdemokratischen Delegierten scheint schließlich gezwungen, die Kur auszusehen, wenn sie sich nicht ganz gearbeitet" haben, welche Mittel fie anwendeten, um Stimmen auf manche Arbeiterbelegierte einen so schlechten Eindruck gemacht zu Grunde richten wollen. Was bleibt den Armen aber nun für Dertel herauszupressen, das bedarf keiner Schilderung, zu haben, daß der Antrag gestellt wurde, Socialisten überhaupt nicht übrig? So lange sie wurmbehaftet sind, haben sie keine Aussicht, ihre Kampfesart ist überall die gleiche. Daß z. B. in der Stich- mehr zu den Konferenzen des Komitees zuzulassen. Shai meinte, wieder in irgend ein Arbeitsverhältnis treten zu fönnen. wahl unser Kandidat Schulze in 41 Ortschaften weniger Stimmen wenn dieser Antrag angenommen würde, müßten auch die Fabier Der Krankenschein läuft in spätestens einem halben Jahre bekam als in der Hauptwahl, zeigt ja zur Genüge, daß die Gegner ausgeschlossen werden. Ebenso war Macdonald gegen den Antrag, ab und dann müssen die Leute schließlich um Pensionierung selbst vor den verwerflichsten Mitteln nicht zurückgeschreckt sind, um da- wie er fagte- der Socialismus im ganzen Lande im Wachsen nachsuchen. Wie sich die zum Teil noch im jugendlichen oder besten ein ihnen günstiges Wahlresultat herbeizuführen. Das nügte ihnen begriffen sei. Der Antrag wurde sodann zurückgezogen. Zum Schluß Mannesalter stehenden Leute mit ihrer fümmerlichen Pension durchaber so wenig, als die Erpressung von Unterschriften für wurde eine Kommission von sieben Mitgliedern gewählt, die die schlagen, danach fragt dann kein Mensch. Ein Teil solcher Erkrankten Dertel, unter denen sich in einem Dorfe bei Hainichen sogar auch politische Lage Londons resp. die für Arbeiterkandidaten geeigneten sind überhaupt nicht pensionsberechtigt. - Welch' schwere Schuld Jagdhundes befand! Wahlkreise Londons untersuchen und darüber dem Komitee Bericht haben diejenigen auf sich geladen, welche durch Verschleppung der erstatten sollen. Krankheit und Außerachtlassung aller Vorsichtsmaßregeln das Uebel so weit anwachsen ließen! An ein Erlöschen der Krantheit ist unter solchen Umständen noch lange nicht zu denken. " " " " der Name eines Anuten- Dertel" mußte raus, und daß es so tam, ist ein Beweis dafür, daß ein aufgeklärtes Volt sich eine Dertelsche Brotwucher und Knutenpolitik doch nicht ruhig gefallen läßt. Ausland. Deftreich- Ungarn. Frankreich. Kongreß zu Amsterdam, Wahl der Exekutivkommission. Rußland. 27 Maßnahmen zur Arbeiterfrage. Unter russischer Gewährsmann schreibt: Unter den Maßnahmen der Regierung der letzten Zeit, die im Zusammenhang mit der Arbeiterfrage in Rußland stehen, nehmen noch immer die Projekte der Arbeiterausschüsse und der ArbeiterUnterstüßungsvereine die erste Stelle ein. Der Aus Induftrie und Handel. Rheinisch- westfälisches Kohlensyndikat. Die Verhandlungen über Für das gleiche Wahlrecht. Das Manifest der social Semokratischen Abgeordneten, in welchem die öst- Das Projekt der Arbeiterausschüsse liegt jetzt im Wortlaut vor. den neuen Vertragsentwurf find bekanntlich vorläufig abgeschlossen. reichische Arbeiterschaft aufgefordert wird, in energische Agitation Was giebt das Gesetz den Arbeitern? Vor allem sticht es in die Das Resultat derselben wird jezt seitens des Syndikats. zur Erringung des gleichen Wahlrechts einzutreten, hat überall leb- Augen, daß die Ausschüsse nicht obligatorisch sind und daß borstandes in folgenden drei Erklärungen der Deffentlich haften Widerhall gefunden. Dr. Adler hielt Versammlungen in sie von den Arbeitern nicht selbständig ins Leben gerufen feit bekannt gegeben: I." In der heutigen Zechenbefizer- Versamm Bozen, Innsbruck, Klagenfurt und andren Städten ab, die alle stark verden können. Wenn der Unternehmer es nicht wünscht, lung wurde der neue Vertragsentwurf nach eingehender Beratung besucht waren. Auch in Böhmen, Mähren, kurz in allen Stron- so fönnen die Arbeiter nur mit der Zustimmung des Fabrikinspektors von den Erschienenen mit univeſentlichen Aenderungen angenommen. ländern hat die Agitation begonnen. Die socialdemokratische einen Ausschuß wählen; da aber die russische Fabrikinspektion sich in Gine Schlußfolgerung bezüglich des Ergebnisses der VerLandes- Parteibertretung für Steiermark hat dem oben bezeichneten voller Abhängigkeit von dem Unternehmertum befindet, so befagt sammlung lasse sich indessen nicht ziehen." II. In der gestern Vertretern der sogenannten Hüttenzechen und Manifest der Abgeordneten mit Begeisterung zugestimmt und ruft diese Bestimmung, die scheinbar gegen die Unternehmer geht, rein zwischen den das Proletariat Steiermarks auf zum Kampfe für das allgemeine, gar nichts. Weiter heißt es in dem Gesez, daß ein Ausschuß nur Vertretern des Kohlensyndikats stattgefundenen Beratung wurde der gleiche und direkte Wahlrecht. Sann in Funktion treten kann, wenn er von dem Unternehmer Entwurf zum neuen Syndikatsvertrage vorgelegt und fand die eingutgeheißen wird. Unternehmer fann die Wahl so stimmige Zustimmung der Versammlung. Die anwesenden Vertreter lange umstoßen, bis er in dem Ausschuß die ihm der Hüttenzechen erklärten sich bereit, dem neuen Syndikatsvertrage Aus der socialistischen Bewegung. genehmen Arbeiter sieht. Dem Unternehmer ist über unter der Bedingung beizutreten, daß sämtliche Hüttenzechen bei Paris, 14. Juli.( Eig. Ber.) Der Centralrat der Socialistischen lassen, die näheren Bestimmungen über die Wahlfähigkeit und den treten würden und feiner derselben eine Ausnahmestellung eingeräumt Partei Frankreichs( Revolutionär- socialistische Einigkeit) hat in seiner Wahlmodus zu treffen. Sollte aber trotz aller dieser Vorsichts- würde." III. In der gestrigen Bechenbefizer Versammlung wurden vierten Plenarsizung, die alle drei Monate stattfindet, fich u. a. mit maßregeln ein Ausschuß den Behörden nicht genug gefügig er- der Wortlaut des Vertragsentwurfs für die Erneuerung des Syndem kommenden Parteitag in Reims beschäftigt. Dessen scheinen, so kann der Gouverneur ein unbequemes Glied aus dem dikats sowie die Sazungen endgültig festgestellt. Als Zeitpunkt Tagungszeit wurde auf den 27., 28. und 29. September fest- Ausschuß entfernen. Das Gesetz zeigt ferner heillose Angst vor für die Vollziehung des Bertrages wurde der 15. September festgesezt. Die provisorische Tagesordnung enthält neben den größeren Versammlungen der Arbeiter; es bestimmt, daß Angelegen- gesetzt." üblichen Jahresberichten der Geschäftsleitung, der Kammerfraktion heiten, die auf die ganze Fabrik Bezug haben, nur von An diese Bekanntmachung knüpft die in diesen Dingen gut unterund der Föderationen folgende Punkte: Innere Organisation der den Delegierten der verschiedenen Abteilungen und Gruppen richtete„ Rh.- Weſtf. 3tg." u. a. folgende Bemerkungen: Nach diesen Partei, legislatives und kommunales Parteiprogramm, die Gemeinde- beraten werden dürfen. ,, amtlichen" Erklärungen, die sich durch lakonische Kürze auszeichnen wahlen von 1904, Alterspensionen, Unterrichtsfrage, Internationaler Ein andres Projekt beschäftigt sich mit gegenseitigen Unter- und damit wohl die für die Deffentlichkeit hochwichtige Angelegenheit stügungskaffen der Arbeiter. Das Recht, sich in solchen Organisationen als eine rein interne, nur das Kohlensyndikat angehende doluAus den erstatteten Berichten ist folgendes mitzuteilen. Im Laufe zusammenzuschließen, soll nicht abhängig gemacht werden von dem mentieren sollen, ist man geneigt, bie Verlängerung des der letzten drei Monate haben sich drei neue Föderationen Unternehmer. Diese Unterstützungsvereine sollen das Recht haben, Syndikats als gesichert anzusehen. Prüft man die Beschlüsse konstituiert in den Departements Loiret, Lot- et- Garonne und Vaucluse. altersschwache und franke Arbeiter und ihre Familien zu jedoch genauer und was berücksichtigt man, Das wöchentliche Centralorgan Le Socialiste" hat für die letzten unterstützen( eingeschlossen hierin ist auch die Unterstützung obigen Erklärungen über die Verhandlungen noch noch in die neun Monate( seit dem Kongreß von Commentry) einen finanziellen von Wöchnerinnen); weiter sollen diese Vereine auch diese Vereine auch als Deffentlichkeit gedrungen ist, so muß man gestehen, daß die VerUeberschuß ergeben. Beerdigungskassen funktionieren und auch die Unterstügung handlungen ein positives Ergebnis noch nicht gehabt und daß die Ferner hat der Centralrat einstimmig beschlossen, daß die Partei der Arbeitslosen übernehmen; auch der Arbeitsnachweis soll von gefaßten Beschlüsse die bestehenden Schwierigkeiten nicht beheben. nach wie vor bereit wäre, in Unterhandlungen zu treten, mit allen diesen Vereinen organisiert werden sowie Sparkassen und Kredit- Die Zustimmung der Hüttenzechen ist eine rein illusorische, so lange denen, die den Boden des Ministerialismus und Konfufionismus gewährung. Dieses Projekt will sich etwas entgegenkommender den man über die Absichten der Gewerkschaft„ Deutscher Kaiser" nicht endgültig verlassen haben und entschlossen sind, fich der Socialistischen Arbeitern zeigen, so daß das Ministerium des Innern an ihm zweifel- unterrichtet ist. Daß die Firma den Beratungen ohne irgend welche Partei Frankreichs anzunähern und fortan in diesem Sinne ihre los starte Korrekturen vornehmen wird. Grundangaben fern geblieben ist, kann über ihre Absichten aber kaum ganze Thätigkeit zu gestalten." Man hat schon lange von der Uebergabe der Fabrikinspektion einen Zweifel lassen. Dieser Beschluß bezieht sich auf die seit dem Bordeaur an das Ministerium des Innern gesprochen, endlich ist sie Inwieweit die Wünsche der Magerfohlenze chen BerüdKongres abgesplitterten oder schwankend gewordenen Elemente der zur Thatsache geworden. Der Finanzminister Witte hat dem Pleh we fichtigung gefunden haben, darüber sind Einzelheiten nicht bekannt jaurèſiſtiſchen Bartei. Im Schoße mehrerer jaurèsfiſtiſcher Födera- weichen müssen und dieser hat nun auch die Fabritinspektion voll- geworden. Es verlautet, daß sie unter sich eine besondere Gruppe tionen spielen fich nämlich zur Zeit innere Kämpfe ab. Die Abfalls- ständig in seinen Händen. Künftighin sind die Inspektoren Beamten bilden und dem Syndikate als gesonderte Abteilung angegliedert stimmung der linksstehenden Elemente wurde weiter verstärkt durch den des Gouverneurs, der über sie nach Belieben schalten und walten werden sollen. Mit dieser Lösung ihrer Bestrebungen werden die Konflikt des Interföderalen Komitees mit der jaurè fann. War ja schon jetzt die Inspektion eigentlich nur eine Abteilung Magerkohlenzechen zufrieden sein, denn damit wären ihre Wünsche sistischen Kammerfraktion. Das Komitee hatte gemeinsame der Polizei, so ist sie das nun auch formell geworden. Sigungen mit der Fraktion verlangt, um über die allgemeine Parteipolitik zu beraten. Die Fraktion lehnte das Verlangen ab unter Berufung auf die" souveräne Macht des Parteitages", der allein die Parteipolitik zu bestimmen habe. Das Komitee aber ließ diese Berufung um so weniger gelten, als die bisherige Zur Bebelschen Erbschaftssache. Obgleich die von uns mehrfach Erfahrung die totale Ohnmacht jener, souveränen Macht" insbesondere erwähnte Ulmer Erbschaftsangelegenheit sich noch im Stadium ge # Partei- Nachrichten. außer den in der einfachsten Weise erfüllt und ihre gesonderte Stellung gesichert. Was die Verschmelzung des Coatssyndikats und des Briquett Verkaufsvereins mit dem Kohlensyndikat betrifft, so sind bestimmte, Mitteilungen über das Ergebnis der Verhandlungen auch hier nicht gemacht worden. Die Vorstände und Mitglieder der anzugliedernden Syndikate scheinen im Princip für eine Angliederung gestimmt zu sein. HeBcr die außensteyenien Zechen, soweit fie nicht Hüttenzechen sind, hört man nichts, sie werden also auf alle Fälle auch weiter nicht zum Syndikat gehören, und wie »nan unter diesen Umständen die Bedingung auffassen soll, die an die Verlängerung des Syndikats bis zum 31. Dezember 191S geknüpft ist, nämlich daß sämtliche außenstehenden Zechen mit mehr als 120 000 Tonnen Jahresbeteiligung bis zum 31. Dezember 1004 bei- treten, ist nicht ersichtlich. Aber aus dem Umstände, daß der Termin zur Beitrittserklärung bis Ende 1904 hinausgeschoben, ist zu ent- nehmen, daß das Syndikat auch am kommenden 15. September mit einer definitiven Entscheidung noch nicht rechnet, sondern überzeugt ist, daß zur Beseitigung der Schwierigkeiten, wenn sie überhaupt alle beseitigt werden können, längere Zeit erforderlich sein wird. Neue Aktiengesellschaften im ersten Halbjahr 1903 sind nach einer Zusammenstellung des„Deutschen Oekonomist" 42 mit einem Grund- kapital von 77 975 909 M. in das Central-Handelsrcgister eingetragen worden gegen 59 Gesellschaften mit 52 446 999 M. Aktienkapital im gleichen vorjährigen Zeitraum, während im ganzen Jahre 1992 87 Gesellschaften mit 118 429 999 M. Kapital gegründet wurden. Auf zede neugegründete Gesellschaft entfällt ein Durchschnittskapital von 1,39 Millionen Mark gegen 1,36 Millionen Mark im Jahre 1992 und 1,92 Millionen Mark im Jahre 1991. Seit dem Jahre 1899 sind die Neugründungen von Aktiengesellschaften immer mehr zurück- gegangen. Weitaus am stärksten ist der Rückgang der Gründungs- thätigkeit natürlich in den Geschäftszweigen gewesen, die während der Hochkonjunktur ganz besonders bevorzugt wurden, wie Metall- Verarbeitung und Maschinenbau, dann Elektricitätsgesellschasten und Brauereien. Zur Lage im Ruhrkohlen-Gediet meldet das„Berl. Tageblatt": Als Beweis für die günstige Lage der Kohlenindusttie darf die That- fache gelten, daß auf zahlreichen Zechen Arbeitermangel auf- tritt. Um demselben zu begegnen, werden Arbeiter aus Schlesien herangezogen. Der Zuzug von dort ist indes verhältnismäßig ge- ring, weil die Löhne auf den schlesischen Gruben ebenso hoch wie im Ruhrbezirk sind und weil die Wurmkrankheit viele Arbeiter von der Uebersiedelung auf die Ruhrzechen abhält. Agitation gegen die Baumwollzölle in Rußland. Angesichts des Abschlusses neuer Handelsverträge wird nach offiziösen Berichten in russischen maßgebenden Kreisen in eindringlichster Weise für Herabsetzung der Zölle auf Baumwolle und bäum- wollene Gespinn st e agittert. Angesehene Zeitungen unterstützen dieses Verlangen mit dem Hinweis darauf, daß die so be- deutende russische Baumwoll-Jndustrie nur dann in der Lage wäre, ihre Produktion zu vergrößern, wenn ihr genügend billiges Roh- Material zur Verfügung stände. Dann würde sich der Verbrauch bei den Hauptabnehmern von Baumwollwaren, nämlich bei den Bauern, zum mindesten verdoppeln. Aber auch in Bezug auf den Export von baumwollenen Geweben glaubt man, daß die Ermäßigung der Zölle von günsttgem Einfluß sein würde. Gewcrkfcbaftllcbcs. Berlin und Umgegend. Der Knrschuerstreik dauert fort. In der öffentlichen Kürschner- Versammlung, die am Dienstag im Alten Schützenhause tagte, sollte R e g g e über die Einigungsverhandlungen berichten, mußte jedoch zu seinem Bedauern mitteilen, daß es zu keinen Ver- Handlungen gekommen ist. Der Vorstand hatte sich sofort nach der vorigen Versammlung, dem dort auf Veranlassung der anwesenden Arbeitgeber gefaßten Beschluß entsprechend, an die Arbeitgeber- Organisationen gewandt, aber erst am Montagabend lief die Antwort ei«. In dem Schreiben, das vom Referenten verlesen wurde, wird mitgeteilt, daß die Kürschnerinnung sowie der Verein der Pelzwaren-Fabrikanten nicht geneigt seien, nochmals in Verhandlungen einzutreten, aber an ihren Zugeständnissen vom 39. Juni festhalten würben. Ihre Unterschrift könnten sie nicht geben. Ferner wurde darauf hingewiesen, daß die Arbeitgeber eiftig bemüht sind, Arbeitswillige heranzuziehen. Sie drohen geradezu mit dem Import von Oestreichern, Böhmen und Polen. Der Referent erklärte demgegenüber, daß für den Verband jetzt, nachdem schon 72 Firmen bewilligt haben, kein Grund vorliege, den Kampf auf- zugeben. Da die Arbeitgeber-Organisationen ein derarttges Ver- halten gezeigt hätten, müsse die Bewegung mit aller Schärfe weiter- geführt werden. Es seien nun an weitere 57 Firmen die Forde- rwigm, die jetzt wieder in ihrer ursprünglichen Höhe auftecht erhalten werden sollten, versandt worden. Ferner teilte der Redner mit, daß die Unterstützungssätze für die Streikenden von der dritten Woche ab um 2 M. erhöht worden sind.- Nach einer sehr langen Dis- kussion, in der es wiederum zu scharfen Auseinandersetzungen mit einigen Arbeitgebern kam, wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung spricht ihr Bedauern über die Stellung aus, die die Kürschnerinmmg und der Verein der Pelzwarenfabrikanten zu unserm Entgegenkommen vom 8. Juli, durch Vertrag eine Einigung zu beiderseitiger Zufriedenheit herbeizuführen, eingenommen hat und erklärt, daß das uns übersandte Schreiben vom 13. Juli und die Beschlüsse der beiden Arbeitgeber-Vereinigungen vom L9. Juni unsrerseits weder als Vertrag angesehen werden können. noch dazu angethan sind. Ruhe und Frieden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herbeizuführen. Die Versammlung erklärt ferner. nunmehr grundsätzlich an den aufgestellten Forderungen festhalten zu wollen und verpflichtet die Kollegen und Kolleginnen, jede ge- sperrte Werkstatt streng zu meiden. Des weiteren verpflichtet die Versammlung die Arbeiter derjenigen Werkstätten, wo die Forderungen jetzt eingereicht worden sind, in dieser Woche der Unterschrift wegen vorstellig zu werden und im Falle der Ablehnung die Arbeit nieder- zulegen." Die Marmor- und Granitarbeiter Berlins und der Vororte, deren Lohntarif seitens der„Vereinigung der Marmor- industriellen" gekündigt ist und am 1. September dieses Jahres ab- läuft, hielten Dienstagabend im Englischen Garten eine Versamm- lung ab, um zu dem von der Tarifkommission ausgearbeiteten neuen Lohntaris Stellung zu nehmen. Nach mehrstündigen Berawngen, bei denen u. a. hervorgehoben wurde, daß die nächsten Monate für den Lohn- kämpf die günstigsten Aussichten bieten, setzte man folgende Hauptforde- rungen fest:„Für Steinmetzen die 3»/z stündige tägliche ArbeitSzett �gegenwärtig noch 9 Stunden), auf Bauten ist die Arbeitszeit der Maurer innezuhalten; Minimal- Stundenlohn für Werkstattarbeiter 79 Pf.(bisher 69 Pf.); auf Bauten Beschäftigte 75 Pf. und wo be- reits höhere Löhne gezahlt wurden, sind diese entsprechend zu erhöhen; serner eine 1'/» stündige(bisher 1 Stunde) Mittagspause. Accord- arbeit soll ausgeschlossen sein und in der Folge nur noch im Lohn gearbeitet werden." Für Schleifer und Dreher, ftir die im Tarifentwurf gleichfalls die 8>/s stündige Arbeitszeit vorgesehen ist und für elftere ein Minimal-Stundenlohn von 59 Pf. in der Werkstatt, auf Bauten 65 Pf., und für Dreher 59 Pf., soll über die endgültige Festsetzung der Forderungen— da inzwischen die Zeit zu weit vorgeschritten war in einer demnächst wieder einzuberufenden Versammlung Beschluß gefaßt werden. Ferner gelangte noch der folgende Antrag zur Annahme:„Zur Be- streitung der Kosten der Lohnbewegung hat vorläufig jeder Arbeiter 4 Wochen lang, von Sonnabend, den 8. August ab. einen Exttabeitrag von 69 Pf. pro Woche zu zahlen." Da keine Ver- einbarungen mit den Unternehmen, zu erzielen waren, weil diese ans eine Ermäßigung der geltenden Tariffätze bestehen, die Arbeiter dagegen unter allen Umständen eine zeitgemäße Erhöhung der Löhne fordern, ist bereits seitens der letzteren das Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts angerufen worden. Die Verhandlungen vor dem Gelverbegericht dürsten jedoch erst im Anfange nächsten Monats stattfinden, da die Arbeiter d,e Angelegenheit dem ersten Vorsitzenden des Gewerbegerichts v. Schulz unterbreitet haben, der gegenwärtig sich noch auf Urlaub befindet. Rnmmer! Auf dem Bau des SteinsetzmeisterS DelloS in Lichtenberg haben die Rammer wegen Verweigerung des Fahrgeldes und ungebührlicher Behandlung die Arbeit ulevergeivgt. Zuzug fernhalten! Achtung, Metallarbeiter! Seit Dienstag, den 7. Juli, befinden sich die Gießerei-Hilfsarbeiter der Firma Schoening A. G., Reinicken- dorf, im Ausstande wegen einer Lohnforderung von 21/2 Pfennig. Da trotz des geringen Lohnes von 32l/z Pfennig die Direttion den Arbeitern die Forderung nicht bewilligt hatte, sind am Dientag. den 14. Juli, sämtliche Hand- und Maschinensormer, insgesamt 225 Kollegen, in den Ausstand getreten.— Zuzug ist streng fernzuhalten. Former, Bestoßer! In den M i n k i n- W e r k e n zu R e i n i ck en- dorf- West, Scharnweberstraße, haben am Mittwochmorgen sämtliche Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Veranlassung hierzu war eine von dem neuen Meister vorgenommene willkürliche Reduktion der Accord preise. Die Bestoßer hatten bis jetzt nämlich einen durchschnittlichen Accordverdienst von 27 M. pro Woche bei 69stündiger Arbeitszeit erzielt. Erreicht konnte dieser Verdienst indessen nur werden, weil sämtlicher Guß den Bestoßern bisher sandftei geputzt geliefert wurde. Letztere Arbeit, die von Lehrlingen geleistet wurde, wollte der Meister nunmehr in den Accordpreiscn der Bestoßer mit verrechnen, was für diese einen Lohnausfall von etwa 1,59 M. pro Tag bedeutete. Da mehrmalige Verhandlungen resultatlos verliefen, stellten sämtliche Former und Bestoßer die Arbeit ein. veurkebes Rcidi. Ein Konflikt im Baugewerbe ist auch in Stendal ausgebrochen. Dort verlangten die Bauarbeiter einen Stundenlohn von 34 Pf., der ihnen von den Unternehmern jedoch abgelehnt wurde. Als nun am Montag die Bauarbeiter geschlossen die Arbeit niederlegten, sperrten die Unternehmer kurzerhand die Maurer aus, mit denen sie kurz vorher eine neue Lohnvereinbarung getroffen hatten. Wahrscheinlich werden die Maurer nun ihrerseits die Arbeit nicht eher wieder auf- nehmen, als bis nun auch ihre ursprünglichen Forderungen, auf die sie im Interesse des lieben Friedens teilweise verzichtet hatten, erfüllt sind. Einen partiellen Streik(Bausperren) haben die Maurer in Bochum beschlosien. Sie fordern: 47 Pf. Minimallohn(für sogen. Junggesellen event. 44 Pf.), Fortfall der Kündigung, zehn- stündige Arbeitszeit und achttägige Lohnzahlung. Bon einer Ver- kürzung der Arbeitszeit auf 19 Stunden wollen nun die Unternehmer nichts wissen; als Mmimallohn boten sie 49 Pf. bei einem Maximal- lohn von— 44 Pf. Die Maurer hoffen, ihre Forderungen unter Berücksichttgung der örtlichen Verhältnisse ohne Generalstteik durch bloße Bausperren durchsetzen zu können. Die in Bochum arbeitenden Kölner Maurer haben sich zur Abreise bereit erklärt, um ihren Kollegen den Kampf zu erleichtern. Der Lohnkampf im Kölner Baugewerbe ist beendet. Vor nahezu vier Monaten traten die Putzer und Fuger in den Ausstand, um die Abschaffung der Accordarbeit und 56 Pf. Stundenlohn zu erreichen. Als der Putzerausstand drei Monate gedauert hatte, beschlossen die Unternehmer, sämtliche Maurer, Putzer, Fuger, Plattenleger, Hilfs- arbeiter usw. auszusperren, um den Maurerverband zur Aufhebung des Putzerausstandes zu zwingen. Die General aussperrung ist aber niemals Wirklichkeit geworden. Die Zahl der Ausgesperrten wurde von dem Unternehmer-Verband selber auf 3899 an- gegeben; nach den Feststellungen der Streikleitung betrug sie jedoch bedeutend weniger. Es fanden dann VerHand- lungen vor dem EinigungSamt des Gewerbegerichts statt, wo die Putzer die Forderung der Accordabschaffung fallen ließen und die Unternehmer 15 Proz. Accordlohn-Erhöhung zusagten. Jedoch kam es zu keiner Einigung. Am vorigen Sonnabend fanden dann wieder Verhandlungen statt, und am Montag sollte ein Arbeits- vertrag für sämtliche Zweige des Maurergewerbes vereinbart werden. Die Vertreter des Maurergewerbes verließen aber das Lokal, weil sie die Beteiligung der Vertreter des christlichen Bauarbeiter-Ver- bandes an den Verhandlungen nicht wollten, weil die„Christlichen" in Bezug ihrer Mitgliederzahl bedeutungslos sind und überdies einen Streikbrecher in die Kommission brachten. Nun begingen die Christlichen einen Geniestreich: Obwohl sie nur den zehnten Teil der in Köln in Betracht kommenden organisierten Arbeiter vertteten, schloffen s i e mit den Unternehmern den Vertrag und die Aussperrung wurde für aufgehoben erklärt. Dann gingen die Christlichen hin und erließen in der Centtumspreffe eine Aufforderung an die christlichen Bau- arbeiter Deutschlands, wo es zum Schluß hieß: „Pflicht der christlichen Bauarbeiterschast Deutschlands ist es nun, die socialdemokrattsche Unduldsamkeit zu brechen, indem die Mitglieder, soweit sie nicht durch Kündigung festgehalten sind, nach Köln in Arbeit gehen. Es können mehrere hundert Maurer und Bauarbeiter zu den oben bekanntgegebenen Bedingungen in Köln die Arbeit auf- nehmen. Der Centralverband christlicher Bauhandwerker hat in Köln, Cäcilienstt. 35, einen Arbeitsnachweis errichtet, wo bereitwillig jede weitere Auskunft erteilt wird." Die„Christlichen" haben sich also als Streikbrecherbund organi- siert und sogar ein Stteikbrecher-Bureau zum Zwecke des Verrats der eignen Klassengenossen ins Leben gerufen. Aber ihren Zweck haben sie nicht erreicht. Am DienStag fanden erneute Verhandlungen zwischen dem Maurerverband und der Unternehmerorganisation statt, woran Ge- nosse Bömelburg als Hauptvorsitzender des Maurerverbandes teilnahm. Es kam zu der Vereinbarung eines Arbeitsvertrages, der bis 1996 dauert, also zu einer vollständigen Einigung. Danach er- halten die Verputzer 16 Proz. Lohnzuschlag. Für die Maurer be- trägt der Einheits-Stundenlohn bis 1. November dieses Jahres 48 Pf., von da bis Ende Juli 1904: 50 Pf., von da bis Ende April 1995: 62 und vom 1. Mai 1995 an 55 Pf. Der Lohn der HilfS- arbeiter, der 19 Pf. geringer ist als der der Maurer, steigt um die nämlichen Sätze, so daß er am 1. Mai 1995 45 Pf. beträgt. Für Ueber- stunden werden 19 Pf., für Nacht- und Sonntagsarbeit 29 Pf. pro Stunde gezahlt. ES wird eine Achtzehner-Kommission bestehend aus je neun Arbeitern und Arbeitgebern eingesetzt, worin die Organisattonen prozenwal nach ihrer Stärke vertteten sind.� Eine am Dienstagabend abgehaltene Maurer-, Putzer- und Hilfsarbeiter-Versammlung hieß die Abmachungen nahezu einstimmig gut. Die Redner be- zeichneten den vereinbarten ArbeitSverttag als einen der besten in den deutschen Städten. Der Erfolg der Kölner Bauarbeiter darf als ein bedeutender Sieg bezeichnet werden. Der Malerstreik m Stuttgart hat mit einem Mißerfolge der Gehilfen geendet. TlusUnd. Die im Streik befindlichen Eisenarbetter in W i t k o w i tz haben, wie aus Mährisch-Osttau gemeldet wird, die Arbeit bedingungslos wieder aufgenommen. Die Maleranssperrung i» Stockholm ist nach einer Dauer von sechs Wochen zu Gunsten der Ausgesperrten beendet worden. Der Sttmdenlohn wurde für dieses Jahr auf 56, für nächstes Jahr auf 69 Oere festgesetzt. Die Schuharbeiter- Aussperrung in Schonen ist ebenfalls zu Gunsten der Arbeiter beendet worden und hat zu einer Lohnerhöhung geführt. Die Schriftsetzer, Buchdrucker und Buchbinder von Natal find in eine Lohnbewegung eingetteten. Ihr jetziger Wochenlohn beträgt 72 Mark für eine Arbeitszeit von 43 Stunden pro Woche; sie fordern unter Hinweis auf die hohen Mieten und Lebensmittelpreise einen Wochenlohn von 89 Mark. Die Unternehmer haben diese Forderung mit einem Kampf gegen die Organisation der Arbeiter beantwortet. Sie wollen ihre Arbeiter zwingen, aus der Organisation auszutreten, indem sie ihnen eine diesbezügliche schriftliche Erklärung abverlange»; ferner sollen sich die Arbeiter konttaktlich verpflichttn, mehrere Jahre bei den einzelnen Firmen auSzuhalten. Die südaftikanische Typo- graphen-Union will den Kampf für das Koalitionsrecht der Arbeiter ausnehmen und wendet sich an ihre europäischen BerufSgenoffen um Unterstützung. Sociale Rechtspflege. Die leichte Arbeit im Sitzen. Der Bergmann Wennemann zu Effen hatte am 14. Oktober 1991 einen schweren Unfall erlitten, der namentlich in erheblichen Quetschungen, unter anderm der Wirbel- säule und der Kreuzbeingegend bestand. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhause„Bergmannsheil" wurden W., der zum Stützen ein Celluloidkorsett erhielt, 75 Prozent der Vollrente gewährt, und zwar auf Grund der Gutachten der Aerzte Dr. Steiner und Kläter, die diese Rente„zum Angewöhnen" befürworteten, indem sie meinten, W. werde, so lange er das Korsett ttqxen müsse, nur zu leichten Sitz- arbeiten fähig sein. Der Verletzte fühlte sich aber durchaus noch nicht fähig, zu irgend welcher Verdienst bringenden Thätigkeit und beantragte beim Schiedsgericht, an das er sich mit der Berufung wandte, die Vollrente. Das Schiedsgericht in Bochum erachtete aber, das Rechtsmittel verwerfend, die 75 Prozent schon deshalb für aus- reichend, weil die genannten Aerzte ja diese Rente nur zum„Ange- wöhnen" befürwortet hätten.(Mit anderen Worten: weil sie eine demnächstige Herabsetzung für möglich hielten. Der Berichterstatter.) Das Schiedsgericht fügte noch hinzu, es sei Sache des Verletzten, sich eine passende Arbeit zu sichern. Wenn er auf der Zeche(„Victoria Matthias") oder einer andern Betriebstätte nicht ankommen könne, so müsse er es mit leichten Arbeiten im Hause versuchen, deren es „erfahrungsgemäß" eine ganze Reihe gäbe.-- W. legte Rekurs ein und machte geltend, er könne auch schlecht scheu und auch leichte Arbeiten im Sitzen nicht machen.— Arbeiterfekretär Robert Schmidt, der den Kläger vor dem Reichs-Versicherungsamt verttat, wünschte eine größere Berücksichtigung des Zustandes des Verletzten. Es sei bekannt, daß Ltteuzwirbelverletzungen zu den schwersten gehörten und auch auf den Nervenzustand empfindlich einwirkten. Nach dem Gut- achten seien alle Bewegungen des Mannes noch schwerfällig und ein Vornüberbeugen nur im geringen Grade möglich. Die Aerzte sagten, er könne nur„leichte Arbeiten im Sitzen" machen. Ja, das sei aber so gut, wie gar keine Arbeit. Sicher hätte W. dabei Beschwerden. und wenn wirklich noch im geringen Maße eine Erwerbsfähigkeit vorhanden wäre, so werde W. sie kaum wirtschaftlich ausnutzen können. Das Reichs-Versicherungsamt hob die Vorentscheidung auf und verurteilte die Knappschasts-Berufsgenossenschast. W. statt 75 Prozent 99 Prozent der Vollrente zu zahlen. Der Vorsitzende Fleisch- Hauer bemerkte, 199 Prozent könne der Senat nicht zubilligen, wenn es auch schwierig sein möge für W., noch etwas zu verdienen. Einige Zeit des Tages würde W. doch noch etwas, am Tische sitzend, thun können, vielleicht etwas sortieren oder schnitzen usw. Der Senat habe sich die Sache genau überlegt. Um sich nicht ganz untreu zu werden, habe er 99 Prozent bewilligt. Ungültige Polizeivorschrift. Eine Polizeivorschrift für einen schlesischen Kreis vom 26. März 1992 enthält folgende Bestimmung: „An Lohn- und Vorschußzahlungstagen wird die Polizeistunde für die Kleinhandlungen mit Spirituosen, sowie für Gast- und Schank- wirtschaften hinsichtlich der Räume, im denen der Ausschank gewöhn- lichen Branntweins betrieben wird, auf 4 Uhr nachmittags festgesetzt dergestalt, daß die Kleinhandlungen und Schanklokalitäten von diesem Zeitpunkt ab geschlossen gehalten werden müssen, und Gäste und Käufer nicht geduldet werden dürfen". Der Angeklagte Loewy, der in seinem Bcuthmer Laden nicht nur Kleinhandel mit Branntwein, sondern auch den Cigarrcnhandel betteibt und auf Grund der citierten Bestimmung wegen nicht rechtzeittgen Schließens des Ladens am Sonnabend um 4 Uhr angeklagt war, wurde in zlveiter Instanz freigesprochen und das Kammergericht verwarf die Revision der Staatsanwaltschaft mit folgender Begründung: Die Polizei habe das Recht, aus Gründen des öffentlichen Wohls ein- zugreifen in den Verkehr mit Schnaps und die Gewerbefrei- h e i t werde nicht verletzt, wenn verboten werde, an gewissen Tagen zu bestimmten Stunden im Kleinhandel Branntwein zu verkaufen oder in Wirtschaften ihn auszuschänken. Auch wider- spreche dies n i ch t den Bestimmungen über den Neunuhr-Ladenschluß. Dagegen sei die Verordnung insoweit ungültig, als sie die Schließung des ganzen Verkaufslokals auch für die Leute anordne, die neben dem Kleinhandel mit Branntwein in ihrem Geschäft auch noch einen anderen Handel, wie hier z. B. mit Cigarren. ttieben. Ihnen könne für jene Zeit derHandelmitBrannt- wein verboten werden, es dürfe ihnen aber nicht der andere Handel unmöglich gemacht werden. Bom Papst. Rom, 15. Juli. Der Heute vormittag 9 Uhr ausgegebene Krankheitsbericht lautet: Wahrend der Nacht war einige Stunden Ruhe. Puls 82, Atmung 39. Temperatur 36,2. In dem Allgemein- befinden des Kranken ist keine Aenderung eingetteten. Mazzoni. Lapponi. Der heuttge Morgenbesuch der Aerzte Lapponi und Mazzoni beim Papste war nur von sehr kurzer Dauer; der Papst lag im Bette und wechselte mit den Aerzten, die keine Untersuchung vor- nahmen, wenige Worte. Die Aerzte äußerten, die Gefahr sei auch heute nicht als unmittelbar bevorstehend anzusehen; gleichwohl hat auch das heuttge. nicht beunruhigend lautende Bullettn die im Vattkan herrschende äußerste Besorgnis nicht verrmgert. Letzte JNfadmchten und Depcfchen. Metallarbeiter-Ausstand. Magdeburg, 16. Juli.(58. H.) 4999 organisierte Metallarbeiter find wegen zu großer Anzahl von Ueberstunden in eine Bewegung eingetreten. Sie fordern eine neunstündige Arbeitszeit und Festsetzung eines Minimallohnes. Der Hirsch-Dunckersche Ver- band sich der Bewegung nicht angeschloffen. Kriegervereinliche Wahlnachwehen. Gardelegen, 15. Juli.(B. H.) Wegen Abgabe zahlreicher sociälistischer Stimmen hat der Landrat den Kriegervereinen in mehreren Ortschaften empfohlen, die in Frage kommenden Mit- glieder auszuschließen, andrenfalls würde er die sofortige Auf- lösung der betreffenden Kriegervereine verfügen. Dresden, 16. Juli.(W. T. B.) Das„Dresdener Journal" meldet an amtlicher Stelle:„Se. Majestät der König haben sich in Gnaden bewogen gefunden, der vormaligen Frau Krön- Prinzessin von Sachsen, Prinzessin Luise Antoinette Maria, auf ihr Ansuchen den Namen und AdelStttel einer Gräfin von Montignoso zu verleihen. Frankfurt a. M., 15. Juli.(B. H.) Ueber den durch das Unwetter am Sonntag angerichteten Schaden wird noch aus Krefeld gemeldet: In einigen Orten des Kreises Neutz ist die Ernte fast gänzlich ver- nichtet. Seit mehr als 59 Jahren ist kein ähnlicher Schaden mehr angerichtet worden. In Schtoanenberg wurden zwei Damen vom Blitze betäubt und schweben in Lebensgefahr. In dem durch seine altertümliche Bauart berühmten Zons schlug der Blitz in das alte Schloß, zündete aber nicht. Madrid, 15. Juli.(B. H.) Der Gouverneur von Valencia benachrichtigte die Regierung, daß der Pfarrer von Alkazer, Don Modesta Dapaza wegen Falschmünzerei verhaftet worden sei. Mit ihm seien drei mitschuldige Einwohner von Alkazer festge- nommen worden. Die Asfaire ruft große Sensation hervor. Barcelona, 15. Juli.(B. H.) Der Ausstand der Arbeiter der verschiedenen Gewerkschaften dürfte in wenige,. Tagen beendigt werden, da zwischen Unternehmern und Arbeitern eine Einigung dahin zu Stande gekommen ist, die Differenzpuntte einem SchiedS- gericht, bestehend aus Delegierten beider Parteien, zu unterbreiten. Budapest, 15. Juli.(W. T. B.) In der Ortschaft Hilio (Komitat Haromszek) find bei heftigem Sturmwind 109 Häuser mit Nebengebäuden niedergebrannt. Lerimtwortl.Redakteur! Julius Kaliski in Berlin. Inseratenteil veranteortltö:«.Glocke in Berlin. Druck«. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. BerlagZanstaltPaul Singers- Co.. Berlin LW. Hierzu 1 Beilage n.Uuterhaltungsblatt. »r. 163. 20. li«. Ktilllge i»es LllWlllts" Derlim Wldsbllltt. 16. Z..li IM. Rüstet Euch zu den Berliner Stadtverordneten-Wahlen! Im November finden in einer Anzahl von Wahlbezirken, die wir vor wenigen Tagen namhaft gemacht haben, die Erneurrungs- wählen zur Stadtverordneteu-Bersammlung statt. Außerdem scheiden noch für zwei Bezirke durch Auslosung die bisherigen Wer- treter aus, für die eine Neuwahl zu erfolgen hat. Es ist unter diesen Umständen notwendig, daß die Genossen in allen Wahlbezirken sich für eine eventuelle Neuwahl vorbereiten. Wie bereits mehrfach mitgeteilt, liegen die Wählerlisten vom IS. bis zum SO. Juli für ganz Berlin im Wahlbureau Poststr. 16 II, Zimmer 57, zur öffentlichen Einsichtnahme aus. Da nur derjenige, der in den Wählerlisten eingetragen ist, sein Wahlrecht ausüben darf, ist es die Pflicht aller Wähler, fich davon zu überzeugen, ob ihr Name in der Wählerliste verzeichnet ist. Wer nicht verzeichnet ist, reklamiere sofort! Diejenigen aber, denen es an Zeit mangelt, selbst die Listen einzusehen, mögen sich schleunigst an die nachstehend verzeichneten Personen wenden, die bereit sind, für sie die Listen einzusehen. Es sind dies für den Ersten Wahlkreis: EnrU Günther, Bischofftr. 12. Aug. Hahn, Stralauerstr. 48. Hans Boß. Klosterstr. 101. Koch, Neue Friedrichstr. 20. Georg Weih- nacht, Grünstr. 21. Wilhelm Neyen, Kurstr. 25. Jakob Ege, Roß- ftrai}c23. Gustav Glaue, Krausenstr. 18. Fritz Bollien, Französische- straße 0. Menzel, Dorotheenstr. 69. Franke. Holzgartenstr. 9. Otto Wolff, Mauerstr. 50. Gustav Radtke. Flensburgerstr. 24. Julius Wagner, Cuxhavenerstr. 4. Julius Moses, Brücken-Allee 4, pt. r. Zweiter Wahlkreis: O. Kumke, Bülowstr. 59. Richter, Kulmstr. 36. Böttcher, Stein- metzstr. 29. Rickert, Steinmetzstr. 60. Marsch, Alvenslebenstr. 15. Hähnelt, Blumenthalstr. 5. W. Bruns, Wilhelmstr. 146. F. Ohne- sorge, Markgrasenstr. 102. R. Augustin, Lindenstr. 69. F. Lehmann, Friedrichstr. 16. H. S töriner, Zimnierstr. 24. Wieprecht, Schützenstraße 18/19. I. Sasse, Hornsir. 2. K. Werner, Hagelsbergerstr. 2. F. Rechtbach, Hagelsbergerstr. 23. F. Preuß, Belle-Alliancestr. 74a. Borgseldt, Arndtstr. 35. I. Thomsen, Gneisenaustr. 30. E. Seidel, Mittenwalderstr. 16. Pmil Scholz. Zoffenerstr. 1, Ecke Barutherstr. Schülicke, Bärwaldstr. 1. Jul. Fischer, Boeckhstr. 7. F. Ewald, Schönleinstr. 6. Patschke, Gräfestr. 31. E. Lindemann, Moritzstr. 9. Schulz, Wasserthorstr. 14. Dritter Wahlkreis: H. Schnieber, Admiralstr. 21. M. Schönemann, Skalitzerstr. 7. F. Krüger. Naunynstr. 54. G. Manzeh, DreSdenerstr. 18. E. Lier, Alte Jakobstr. 119. A. Flick. Simeonstr. 23. Nowack, Alte Jakob- straße 6. Buchholz, Alexandriuenstx. 114/115. G. Schulz. Admiral- siraße 40 am Kottvuser Thor. G. Ladewig, Kommandantenstr. 69. Dorn, Wallstr. 1. Fr. Richter, Franzstr. 1. W. Börner, Ritter- straße 15. P. Horsch, Engel-Ilfer 15. M. Mescha. Adalbertstr. 24, Eing. Engel-Ufer. E. Götte, Brandenburgstrahe 13. I. Lenz, Alte Jakobstr. 69. E. Hahn, Sebastianstr. 1. P. Krusch, Dresdener- ftraße 57. H. Wörner, Annenstr. 26. Wendt, Alexandrinenstr. 26. F. Klngmann, Jnselstr. 6. Thomas, Melchiorstr. 7. vierter Wahlkreis, Ost: St. Ulm, Stralauer Allee 36, Barbiergeschäft. K. Strauß, Bödikerstr. 6. E. Werner, Stralauer Allee 17b. S. Wolff, Caprivi- straße 15. P. Litfin, Warschauerstr. 61. Ploeger, Rigaerstr. 127. Henzc, Petersburgerstr. 41. Rott, Straßmannstr. 23. O. Franke, Zorudorfcrstr. 8. O. Blume. Gubencrstr. 6. F. Thielke. Pallisaden- � straße 52. Wasewitz. FriedrichSbergerstr. 19. Schulze, Blumenstr. 38. Risch, Koppenstr. 13. Butschke, Krautstr. 86. O. Schnitze, Weber- straße 40a. Hascloff, Landsbergerstr. 8. Spaet, Wcinstr. 28. WaschinSky, Grüner Weg 6. MerkowSki, AndreaSstr. 26. Gorn, Markusstr. 23. vierter Wahlkreis sSüdost): W. Mertens, Cuvrystr. 34. W. Erbe, Euvrhstr. 25. F. Gonell, Falckensteinstr. 5. F. Tolksdorf, Görlitzerstr. 53. A. Bachmann, Eisenbahnstr. 36». Gräfe, Lausitzer Platz 13. Schütze, Reichen- bergerstr. 96s. W. Fehland, Grünauerstr. 3. Schuck, Manteuffel- straße 74. Richter, Mariannenstr. 41. Wählisch, Adalberfftr. 4. Grundmann, Naunynstr. 73. Göcke, Wrangelstr. 126. Lucatis, Reichenbergerstr. 133. Becker, Köpenickerstr. 191. Kubisch, Forster- straße 17. Lier, Naunynstr. 9. Pietsch, Lübbenerstr. 1. Mix, Skalitzerstr. 59. Rogowski, Pücklerstr. 23. A. Menzel. Köpenicker- slraße 161. Heinze, Waldcmarstr. 52. Fünfter Wahlkreis: Wendland, Marienburgerstr. 32. Kotzke, Marienburgerstr. 3/4. Flanz, Christburaerstr. 29. Reimaim, GreifSwalderstr. 220. Rausch. Winsstr. 12. Dierbach, Heinersdorferstr. 6. Reul, Barnimstr. 42. Schrolle, Landwehrstr. 3. Köhler, Landsbergerstr. 35. Dennier, Meherbeerstr. 7. Kracker, Keibelstr. 40. Watzmann, Linienstr. 29. Wallburg, Koblankstr. 15. Knötsch, Hirtenstr. 10. Albrecht, Grenadier- straße 12. Patt. Dragonerstr. 15. Christoph, Gormannstr. 12. Wolter, Mulackstr. 29/30. Drescher, Linienstr. 213. Wirth, August- straße 51. Wittchow, Kl. Hamburgerstraße. Ecke Elsasserstraße. Schlitz, Lnisenstr. 26. Wiese. Luisenstr. 29. Sechster Wahlkreis: Moabit: Joh. Pfarr, Pntlitzstr. 10. Karl Anders, Salzwedeler- straße 8. E. Vetter, Brcdowstr. 11. Reinh. Streit, Kirchstr. 23. Karl Fischer. Waldstr. 8. Dewitz, Sickingenstr. 43. Otto Fischer. Beussclstr. 66. Karl May, Rostockerstr. 18. Max Faber, Stephan- straße 11. W. Gruuwald. Alt-Moabit 46. Wedding: Julius Krause, Müllerstr. 7a. W. Mattner, Müllerstraße 162». Aug. Dohe, Müllerstr. 32». I. Fricke. Maxstr. 13b. Ad. Heckert, Reimckendorserstr. 35. P. Kröhn, Reini ckend orferstr. 23. Aug. Plath, Reimckendorserstr. 60o. H. Tauschel, Wiesenstr. 29. Oskar Kleina», Gerichtstr. 4. Karl Fahrow, Ravenöstr. 6. Heise, Schulstr. 114. Oranienburger Borstadt: P. Abendroth, Ackerstr. 104. E. Dieke, Ackerstr. 123. Hilgenfeld, Bergstr. 62. I. Kaiser, Pflugstr. 6. Bialucha, Boyenstr. 40. A. Seidel, Hochstr. 38. Czechowski. Gartenstr. 40. Cigarrengeschäst. S. Joseph. Tieckstr. 34. Reichen- bach, Kielerstr. 1. Radke, Ackerstr. 90. Rosenthaler Borstadt: O. Bachgänger, Swinemünderstr. 34. ?. Döring, Ruppinerftr. 21. C. Jäger, Swinemünderstr. 21. . Rosin, Ruppinerftr. 42. Kesselring. Schwedterstr. 227. L. Bertels, Ruppinerftr. 49. Geisler, Beteranenstr. 4. Märker, Bergstr. 10. Korf, Elisabethkirchstr. 18. Gienke, Brunnenstr. 51(Ecke Bernauer- straße). Greth, Watfftr. 1. Weigmann, Bernauerstr. 94. Gesundbrunnen: Abendroth, Badstr. 42/43. Kcgeler, Prinzen- Allee 14. K. Brack, Stettinerstr. 17. G. Löhrig, Pankstr. 326. H. Raschle, Rügenerstr. 24. G. Briischke, Husfitenstr. 21. Mollen- bauer. Swinemünderstr. 95. Rollfinger, Graunftr. 26. A. Bärsch, Drontheimerstr. 1o. ftnoblich, Soldinersir. 96. Braak, Stettiner- straß« 17. Bergmann, Brunnenstr. 79. Hoffmann, Swinemünder- straße 47. Schönhauser Borstadt: Gobin, Prenzlauer-Allee 232. Lamprecht, Wörtherstr 39. Kiesel, Weitzenburgerftr. 53. Mars, Kastanien- Allee 95,96. Steding, WeinbcraSweo 15b. Kvberling, Schliemannstraße 33. Horst, Lychenerstr. 18. Ramlow, Schönhauser-Allee 136. Stein, Stargarderstr. 79. Schwarz, Schliemannstr. 42. Grobler, Dunckerstr. 83. Hartig, Prenzlauer-Allee 43. Pinner, Tresckow- straße 36. Fiedler, Saarbrückersir. 6. Bijeske, Chorinerstr. 55. Schönfeld, Fehrbellinerstr. 9. Wernau, Schwedterstr. 23. Erfülle jeder seine Pflicht und überzeuge sich, ob sein Recht gewahrt und er eingetragen ist. Die Hochwafser-Katastrophen. Der Gesamtschaden im Kreise Neiße wird ans mehrere Millionen geschätzt. An Einzelheiten ist noch zu berichten: Nach Meldungen aus Ziegenhals, wo daS Hochwasser übel gehaust hat. sind in Langen- dors, dicht unterhalb Ziegenhals, fünf Bielebrücken, sänitliche Stege und Mühlengrabenbriicken fortgerissen. Bon Mittellangendorf bis Rothfest sind zwei Kilometer der Fahrstraße fort, eine Schmiede ist eingestürzt, der Bahndamm 40 Meter lang gebrochen. Auf den Feldern von Langendorf liegen zahllos Holz, Möbel, Geräte; auch einige Leichen sind gefunden. Die Biele war in Langendorf und Roth- fest 80 bis 600 Meter breit, alle Ansbau-Arbeit ist dahin, da der Fluß meist sein altes Bett auffuchte. In Schönivalde sind der größte Teil der Fahrstraße und sämtliche Brücken fort; der Holz- Warenfabrik und der Sägemühle sind die Hölzer weggeschwommen. Ein massiver Schuppen in Stöckigt und die Gießerei der Haß- mannschen Maschinenfabrik dort sind eingestürzt, der Rest ist stark beschädigt. Giersdorf ist nicht erreichbar, da die Bielebrücke eingestürzt ist, In Arnoldsdorf ist fast die Hälfte des Kirch- Hofes zwei Meter tief gänzlich fortgeschwemmt. Im noch darüber fortgehenden Wafferlaufe sieht man nur Stein- blöcke, keine Spur von Boden, nichts von Särgen oder Leichenresten. Die Kirche, ein Muster reiner Renaissance aus dem Jahre 1753, ist größtenteils eingestürzt, die noch stehenden Mauern mit dem Turn: drohen zu stürzen. Mit dem weggeschwemmten Boden gelangten sämtliche Leichen und Särge in den Flußlauf, der, sonst 2—3 Meter breit, die ganze Dorfftraße einnahm. Etwa vierzig Leichen, meist ohne Sarg, sind geborgen und auf dem Kirchhofe in einem Masscngrabe beigesetzt und nüt starker Kalkschicht bedeckt. Gegen achtzig Leichen, darunter erst jüngst begrabene, fehlen noch. Sargreste fairden sich am Goldbach bis hinunter zu den letzten Häusern des WildgrnndeS, Leichen oder Leichenteile aber nicht mehr, sie mögen wohl in den massenhaften Schlammanhäufungen, zwischen Balken oder Gesttüpp liegen. Auf einem zur Neuanlage des Kirchhofes schon in Aussicht genommenen Gelände weit vom Fluß und außerhalb des Dorfes wird ein neues Rtassengrab angelegt. In Deutsch-Rasselwitz sind infolge der durch Durchbruch eines Deiches sowie durch Einsturz des hohen Eiscnbahnviaduktes und zweier Bahnbrücken am Orte begünstigten Ueberschweminung des HotzcnplotzthaleS Hunderte von Menschen mit einen, Schlage obdachlos und bettelarm geworden. Ueber 25 Gebäude sind total zerfallen, mindestens 30 Gebäuden droht der Einsturz; anßerdein sind viele Stallungen und Zäune ein Raub des Elements geworden. Weitere minder betroffene Gebäude sind wegen Krankheitsgefahr für ihre bisherigen Bewohner vor sechs Wochen nicht wieder benutzbar. Der Schaden beziffert sich schätzungsweise auf 80 000 M., ungerechnet den Verlust an Feldftüchten. Hochwasser in Ungar». Nach Meldungen aus Pöstyeu hat das Hochwasser die Verbindungsbrücke zwischen dem Kuraebäude und den Wohnungen sortgeschwemmt. Die meisten.Kurgäste sind ab- gereist. Im Bezirke Jllava wurde durch die Ueberschweminung die Ernte mehrerer Ortschaften vernichtet. Auf der Insel Schütt wurden bei Keßezfalva die Dämme arg beschädigt; eine Katasttophe steht dort bevor. 20 Ortschaften der Insel sind in Gefahr; die Elisabeth- Insel ist überschwennnt, die Waagbrücke gleichfalls bedroht.— Auch in Gran ist Hochwasser eingetreten. Die Dämme sind gefährdet. Der Notstandsausschuß hat sich in Permanenz erklärt. Ein entsetzliches Unwetter suchte am Sonntag Zwickau und Umgegend heim. Nachmittags Ve3 Uhr trat totale Finsternis ein, dann ergoß sich wolkenbruchartiger Regen, so daß die Straßen überflutet wurden und die Keller sich mit Wasser füllten. »zwischen fiel Hagel erst in Haselnuß-, dann in ühnereigröße und zerschlug Fenster, Ober- licht-Dächer, feste Dächer, vernichtete total die Obst-, Getreide- und Kartoffelernte, entlaubte die Bäume, tötete Vögel zc. Dieses schreckliche Unwetter dauerte eine halbe Stunde lang. Nach kurzer Zeit ttat erneuter Wolkenbruch- artiger Regen, der den fußhoch auf denSttatzen liegenden Hagel forffpulte, und ein unheimlicher Orkan ein, der das Zerstörungswerk unbarniherzig fortsetzte, namentlich auf dem Schlltzenfestplatz zahl- reiche Zelte umstürzte, Dächer abhob und fortführte, von Mark und Bein erschütterndem Geheul und mehrfachen kalten Blitzschlägen wie starler Verdunkelung des Horizonts begleitet war. Der Schaden ist fast gar nicht berechenbar. Der Schützenfestplatz ist unpassierbar. Die Schausteller, Schankzelt-Jnhaber usw. erleiden außer dem Sach- schaden noch den großen Nachteil des verlorenen Geschäfts. In Mylau wurde während des Gewitters ein auf einen, Dachboden mtt dem Bau eines Taubenschlages beschäftigter Maurer, August Vogt, vom Blitz erschlagen. V. hinterläßt eine Frau und zwei kleine Sander. Auch in Crimmitschau und Mülseu-St. NiclaS fuhr das Wetter in das Schützenfest kiinein. Der orkanartige Sturm, der von Schloffen begleitet war, zerstörte in Mülsen-St. Niclas drei Viertel des auf dem Schützenplatz aufgezogenen Zeltes. Be- sonders wüst sah eS im Pfarrhofe aus. Eine mehrere hundert Jahre alte dreiteilige Linde stürzte der Sttirm von einem den Pfarrhof begrenzenden Waldberge herab. Verschiedene im Wege stehende Bäume wurden durch die Linde gebrochen und in den Pfarrhof mit hinabgerissen. Das Pfarrgut wurde im Giebel und Dach durch die stürzende Linde stark beschädigt.— In Crimmitschau wurde auf dem Schützenplatze das Dach der Festhalle zur Hälfte abgedeckt und ein Baun, von beträchtlicher Stärke entwurzelt. — In D ö b e l n hat das Unwetter besonders arg auf den, Schützen- feste gehaust. Durch den mit dem Gewitter verbundenen heftigen Stur», wurde eine große, zwölf Meter lange Leinwand-Glücksbude umgeweht und großer Schaden an Waren zc. angerichtet. Ein Wjähriger Hllfsarbeiter des Inhabers und em 12jähriger Knabe erlitten Beinbrüche. Fast an allen andren Zellen und Buden richtete der Sttirm ebenfalls Schaden an. In Dresden hat der Blitz außer in verschiedene hohe Bäume in die hohe Esse der Chokoladenfabrik von Lippold an, Weißeritz- Mühlgraben eingeschlagen. Der Sttahl fuhr an der Esse hinunter und riß in das Pappdach de? Kesselhauses ein ziemlich großes Loch. Die Flüsse Sachsens, die infolge der großen Hitze fast ausgetrocknet waren, ftihren zum Teil wieder Hochwasser. Der Dntnttilmich in Oakford Park. Ueber die schreckliche Wasser- katasttophe, den Dammbruch in Oakford Park(Pennshlvanien), bei dem, wie gemeldet, zahlreiche Personen erttunken sind— die Angaben schwanken zwischen 75 und 150—. liegen jetzt genauere Nachrichten vor. Es handelt sich um den Bruch eines DammeS mn einen künstlichen. See. Oakford Pari ist ein bekannter Vergnügungsort in der Nähe von Pittsbura; er ist in einem ttefen, engen, etwa eine englische Meile langen Thal geleaen, das von Hügeln an beiden Seiten umgeben ist. An dem einen Ende liegt der Damm, der einen See von 40 Fuß Tiefe und gegen 40 Acres Umfang bildet. Am Sonntag namentlich ist der Park stark besucht, beim Einttitt des Unglücksfalles waren niehr alS tausend Menschen anwesend. Das Unglück wurde durch einen Wolkenbruch veranlaßt, durch den der Wall einen großen Druck auszuhalten hatte. Das Wasser stieg mit großer Schnelligkeit, und der Oberouffeher des Parkes, der die Gefahr voraussah, riet den Leuten schleunigst auf die Hügel zu laufen, wohin sich auch eine große Anzahl flüchtete. Manche beachteten jedoch die Warnung nicht. Plötzlich gab der Damm unter schrecklichem Krachen nach und ein 40 Fuß tiefer tosender Wassersttom schoß durch das Thal und zer- störte alles auf seinen, Wege. Die Trambahnhallen, in die fich eine Menge Leute vor den, Regen geflüchtet hatten, wurden weg- geschwemmt. Ein kleines Restaurant, in dem sich 40 Personen be- fanden, stürzte ein; einige ertranken darin, andre wurden von dem Sttom gegen den Felsen geschleudert. Das Waffer stillte das Thal, und Männer, Frauen und Kinder kämpften um ihr Leben. Die Träger der elektrischen Drahtleitung von der Trambahn wurden weggerissen und viele wurden im Wasser in die Drähte verwickelt und sofort durch den elektrischen Sttom getötet. Herz- zerreißende Scenen spielten sich ab. Viele waren beim Ausbruch des Unglücks schon ans dem Heimweg in der elektrischen Lokal- bahn; ein Wagen mit zwanzig Personen ftihr in toller Ge- schwindigkeit los, um der nahenden Flut zu entgehen. Als er über die Brücke am Ende des Thales fuhr, wurde er vom Wasser überholt, das die Brücke und den Wagen hinabriß. Nenn Personen ertranken, die andren konnten entfliehen. Ein Vater rettete seinen dreizehnjährigen Sohn, indem er ihn auf einen niedrigen Ast eines Baumes hob; als er aber sich selbst auf den Baum schwingen wollte, wurde er von der Flut fortgerissen. Eine Familie von fünf Personen suchte Rettung auf de». Dach einer kleinen Holzhütte. Das Gebäude wurde unversehrt vom Wasser fortgetragen und die Menschen auf ihm schließlich gerettet. Rettungs- gesellschafte» sind„fit Aerzten und Pflegerinnen in Booten auf- gebrochen. Zwanzig Leichen sind bereits gefunden worden. Manche wurden mehrere Meilen weit weggefchwemint. Die meisten Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und zerquetscht, viele zu ver- kohlten Massen durch die Berührung mit den elektrischen Drähten ver- bräunt. Die Flut zerstörte auf ihrem Wege auch sechs kleine Dörfer. Der Schaden wird auf 5 Millionen Mark geschätzt. Berliner partei-Hncfelegenbelten. Zweiter Wahlkreis. Freitag, den 17. d. MtS.. abends 3 Uhr, findet in Habels Brauerei, Bergmannstt. 5/3, eine Volksversammlung statt. Genosse Hermann Schubert hat das Referat übeniommeir. Recht zahlreichen Besuch erwarten Die Verttauensleute. Sechster Wahlkreis. Die Mitglieder werden ersucht, fich zwecks Flngblattvcrireitung am Sonntag pünktlich 8 Uhr iir�dei, von ihren BezirkSftihrern bezeichneten Lokalen einzufinden. Alle andren Genossen und Genossinnen bitten wir, sich zu derselben Zeit nach folgenden Lokalen zu begeben: Hoppe. Ackerstr. 21; Pfarr, Pntlitzstr. 10; Kaiser, Pflugstr. 6; Krause, Müllerstr. 7». Charlottenbnrg. Heute, Donnerstagabend 8'/, Uhr, findet im VolkShause, Rofinenstraße 3, die Wahlvcreins-Versammlung statt. Genosse Gruuwald wird über:„Die Reichstagswahlen und die Socialdemokratte" einen Vorttag halten. 2. Diskussion. 3. Bericht des Kassierers und Verschiedenes. Neue Mitglieder werden auf- genommen._ Der Vorstand. lokales. Die Eröffnung des rlekttischcn BahntcttiebcS Berlin— Groß- Lichterfclde gestaltete stch zu einen, bedeutsamen Ereignis in unsrem Vorort-Verkchrswesen, zumal damit zugleich die Einführung eines neuen Fahrplanes verbunden war, der längst gehegten Wünschen der Vorortbewohner gerecht wurde. Die elekttische Zugförderung?- Anlage wurde seitens der königl. Eisenbahn- Direktion Mittwoch- vormittag besichttgt. Im Hinblick auf das kolossale Interesse, welches sich in weiten Kreisen des Publikum? für den ekekttischen Bettieb kund giebt, dürste eine kurze Darstellung des Eni- wicklungsganges der neuen Zugförderungsart am Platze sein. Schon im Jahre 1896 wurde vom Geh. Baurat Bork die Durchftihnmg eine? elektrischen Zugbettiebes auf der Wanseebahu in Vorschlag gebracht. Diese Versuche verfolgten den ausgesprochenen Zweck: 1. genaue Anhaltspunkte über die wesentlichsten Bauteile elekttischer Zugsörderungs-Anlagen für Haliptbabnen und zwar bc- sonders für Vorort» und Stadtbahnen zu gewinnen; 2. den Nach- weis der für Hauptbahnen erforderlichen, unbedingten Betriebstüchtigkeit festzustellen und 3. Unterlagen für die Betriebskosten der elektrischen Zugfördermig gegenüber dem bisherigen Lokomotivbetrieb zu sammeln. Der Versuchsbettieb war dabei so geplant, daß nur ein Wagenzug im bestehenden Fahrplan zwischen den Lokomotivzügen verkehren sollte. Die leitenden Gesichtspunkte für die Ein- richtung der elektrischen ZugförderungS- Anlage lassen fich kurz„ wie folgt, zusammenfassen: Die Züge find auS einer oder mehreren Zugeinheiten zu bilden, von denen jede sowohl an der Spitze als am Schlüsse mit einem Führerabteil versehen ist. DaS Fahren des Zuge? erfolgt, gleichgülttg, ob derselbe aus einer oder mehreren Zugeinheitcn besteht, von dem an der Spitze befind- lichen Abteil aus. Für den Versuchsbetrieb auf der Wannseebahn ist mit Rückficht auf die möglichste Herabminderung der Anlagekosten nur eine Zugeinheit und zwar eine solche, welche der mittleren Stärke der dort verkehrenden Züge entsprach, zur Anwendung ge- kommen. Die Motoren sind in, allgemeinen an den Achsen der an der Spitze und am Schlüsse laufenden Wagen ITrieb- ivagen) unterzubringen und in ihrer Stärke der Widerstands- Arbeit der Zugemheit entsprechend zu bemessen. Falls bei sehr groß gewählten Zugeinheiten die Motoren an den Endwagen nicht ausreichen, so können nach Bedarf auch Zwischenwagen mit Motoren ausgerüstet werden. Die Bethättgung aller Motoren erfolgt jedoch selbstverständlich auch dann von der Spitze des Zuges aus. Bei Durchführung dieser Grundsätze läßt sich die Stärke der Züge dem jeweiligen Verkehrsbedürfnisse in ein- jachster Weise anpasien, was besonders bei dem stark wechselnden Vorort- und Stadtbahn'- Verkehr von großer Bedeutting ist. Die Ausführung des hiernach geplanten Entwurfes wurde von der Firma Siemens u. Halske übernommen. Der Bettieb wurde„ach einer Reihe von Probefahrten am 1. August 1900 eröffnet und bis zum 1. Juli 1902 fort gefiihrt. Während dieser Zeit sind sehr wertvolle Erfahrungen gesammelt und ist der Eingangs erwähnte Zweck in weitgehendem Maße erreicht worden. Nichtsdestoweniger erschien" es angezeigt, weitere Er- gebnisse im ausschließlich elektrischen Betriebe einer Vorortbahn zu gewinnen und wurde demgemäß be- schlössen, einen derartigen Betrieb auf der Vorortsttecke Berlin— Groß-Lichterfelde-Ost einzurichten. Bei Aufstellung des hierfür zur Ausführung gekommenen Entwurfs haben die vorstehend aufgestellten Gesichtspunkte gleichfalls Berücksichtigung gefunden, und ist sowohl die Sttomart jGleichsttom von 750 Volt Spannung), als auch die allgemeine Anordnung der Leittmgsanlaae dieselbe geblieben. Einzel- heiten der Stromzuführungsanlage sind selbstverständlich mit Rücksicht auf die inzwischen gemachten Erfahrungen wesentlichen Abänderungen unterworfen worden, ebenso weisen auch die elekttischen Einrichtungen der Züge erhebliche Abweichungen auf. Die Ausführung dieser An- läge hat die Union-EIeltricitäts-Gesellschaft in Berlin übernommen; die Ferttgstellung bis zur Jnbettiebsetzung aller Züge ist am 8. Juli d. I. bewirft worden. Mit der gestern erfolgten Er- öffmmg des gesamten Betriebes nach dem neuen Fahrplan ist, wie zu erwatten steht, ein wichtiger Abschnitt in der Ent» Wicklung der elektrischen Betriebsweise auf vor» ort« und Stadtbahnen angebrochen. Die Gänge zwischen den Borgärten, Treppen zu den Lädeir und Hausfluren unterstehen dem öffentlichen Polizei- Reglement. Nach einer Verfügung des Polizeipräsidiums an den Deutschen Tierschutz- Verein ist die Fangordnung für den Hundefang in diesem Sinne vor einiger Zeit erweitert worden. Während die Wege zwischen den Vorgärten, die Treppenstufen vor den Läden und Hausthüren bisher als Privateigentum angesehen wurden und demgemäß Maulkorb- und niarkenlose Hunde an solchen Orten nicht gefangen werden durften, werden nach den neuen Bestimmungen die sich an solchen Plätzen aufhaltenden Tiere, sofern sie gegen die Anordnungen der Straßenpolizei-Ordnung verstoßen, gefangen, und unterstehen dem Auslösungszwange. Außerdem wird dem Hnndebesitzer, sofern eine Anzeige bei der Polizei erfolgt, ein Strafmandat wegen Uebertretung der Straßenpolizei-Ordnung zugestellt. Ein neuer Borfall aus dein Magdalenenstift in Teltow wird gemeldet. Dort sprang am Dienstagnachmittag um 4 Uhr die sechzehnjährige Gertrud Gebhardt aus, einem Fenster des zweiten Stockes ins Freie. Das Mädchen war den Tag über erregt gewesen rmd hatte zwei Schwestern der Anstalt gegenüber geäußert, daß es nicht in der Anstalt bleiben wolle. Kaum hatten die Schwestern den Rücken gewandt, als Gertrud Gebhardt den gefährlichen Sprung unternahm. Sie trug Verletzungen an beiden Beinen, am Unter- kiefer und rechten Arm davon und wurde in einem Berliner Koppschen Rettungswagen nach dem Krankenhause in Groß-Lichterfelde gebracht. Als„Nhrcuncpper" festgenommen wurde der schon mehrfach wegen gleicher Vergehen bestrafte erst 18 Jahre alte Kaufmann Max Lühnemann, der vornehmlich in der Passage sein Wesen trieb. Dort begegnete er einem sächsischen Monteur, der hier in Berlin Stellung suchte, und fragte ihn mit der harmlosesten Miene nach einer Pfandleihe. Der biedere Sachse kannte natürlich kein Pfandhaus, kam aber mit dem Betrüger in ein Gespräch. Dabei zeigte L. eine goldene Uhr mit Doppelkapsel, die er verpfänden müsse. Er reizte durch seine Erzählung die Kauflust des Sachsen, der das Wertstück für 60 M. erstand. Als er später die Uhr voller Freude über den günstigen Kauf seinen Bekannten zeigte, ergab sich, daß er sich eine wertlose tombakene Uhr hatte anschmieren lassen. Nun wurde Anzeige bei der Polizei erstattet, und der Betrogene war auch so glücklich, Lühnemann im Ver- brccheralbum zu erkennen. Am Dienstagnachmittag gelang die Fest- nähme des Neppers, der sich nach anfänglichem Leugnen zu einem Geständnis bequenlte. Bei ihm wurden noch zwei Uhren und zwei Ringe vorgefunden, die er an unerfahrene Fremde absetzen wollte. Er lvnrde dem Untersuchungsgefängnis zugefiihrt, der Sachse aber ist sein Geld los. Ein Opfer des Spiritismus wurde die 43 jährige Ehefrau Amanda des Pförtners Jankowsky vom Platz vor dein Neuen Thor 3. Seit mehreren Monaten hatte sie in Gesellschaft von Freundinnen ohne das Wissen des Ehemannes spiritistischen Sitzungen beigewohnt. In- folge der geisterhaften Erlebnisse wnrde sie nach und nach tieffinuig und redete viel von Geistererfcheinimgen. Endlich beichtete sie den, Mann, daß sie. verschiedentlich spiritistische Kreise besucht habe. Der Zustand wurde immer bedenklicher. Frau Jankowsky sah fortgesetzt Gespenster und Ivollte sogar mit den Geistern ihrer noch am Leben befindlichen Brüder in Verbindung getreten sein. Um sie von den Thorheiten abzubringen, wurden schließlich die Brüder nach Berlin ?erufen. Die arme Frau glaubte aber nicht, was sie vor Augen atte und greifen konnte, rief den Brüdern zu, daß sie tot seien und geriet zuletzt in einen so bedenklichen Zustand, daß sie nach einer Anstalt gebracht werden mußte. Die Obduktion der auf jene tragische Weise uinS Lebe» gekommenen Kinder des Schriftsetzers Brünn er in Schöneberg hat einstweilen nur ein negatives Resultat gehabt. Die Todesursache konnte mit Sicherheit nicht festgestellt werden. Dieselbe dürste sich erst durch die chemische Untersuchung sowohl der im Körper zurück- gebliebenen als der gleich nach der unter den ärztlicherseits fest- gestellten Symptomen erfolgten Erkrankung aufbewahrten Speiserette ergeben. Auffallend ist, daß erst am darauf folgenden Mittlvoch die Polizei Kenntnis von der mysteriösen Erkrankung erhielt und soinit erst an diesem Tage die Beschlagnahme der übrigen sogenannten Breslauer Wurst erfolgen konnte. Die Leichen der beiden Kinder sind von der Staatsanwaltschaft freigegeben und am Mittwoch be- erdigt worden. Ein tragischer Borgang. Seinen eignen Sohn über- fahren und getötet hat im Beisein der Mutter am Dienstag- abend um 8 Uhr der bei der städtischen Straßenbahn fSiemens u. Halske) angestellte Fahrer Dolata ans der Wienerstratze 56 a. Als er mit der Bahn anfuhr, lief sein L'/z jähriger Sohn Franz in der Wienerstraße über den Fahrdamm. Der Knabe konnte aber die Strecke nicht schnell genug zurücklegen und der Vater konnte den Wagen nicht augenblicklich zum Stehen bringen. Der Knabe geriet unter den Wagen und konnte erst durch Anheben desselben aus der Lage befreit werden. Dolata lief mit dem Knaben schleunigst nach derRettungs- wache am Görlitzer Bahnhof; dort konnte aber nur der infolge eines Genickbruches eingetretene Tod festgestellt werden. Während dieses Vorganges stand die Mutter mit einem kleineren Kinde auf dem Arm in der Thür ihres Hauses und mußte unthätig zusehen, wie der Vater sein Kind totfahren mußte. An seinem Geburtstag die Kehle durchschnitten hat sich der «6 Jahre alte Arbeiter Julius Junker aus der Mllllerstraße 138. Während die Ehefrau als Waschfrau dem Verdienst nachging, arbeitete Junker nur wenig. Trotz seines Greisenalters hatte er sich ein junges Herz bewahrt und unterhielt zwei Liebesverhältnisse mit 40jährigen Witwen. Diese versahen ihn mit kleineren Geldsummen, die er dann vertrank. So war er an seinem Geburtstag— Dienstagmorgen wiederum angetrunken und geriet mit seiner Eheftau deswegen in Streit, weil sie ihm zu seinem Wiegenfest nicht beglück- wünscht hatte. Um 3% Uhr kehrte er von einem Ausgang nach Hause zurück, während sich die Ehefrau zu einer kurzen Ruhe niedergelegt hatte. Durch Stöhnen und Röcheln wurde sie aufgeschreckt nnd fand ihren Mann mit durchschnittener Kehle auf dem Sofa liegend vor. Das Rasiermesser, mit dem er die That vollführt hatte, lag auf dem Fußboden. Ein Arzt ließ ihn nach dem Krankenhaus bringen, wo er eine Stunde nach der Einlieferung verstarb. Beim Baden ertrunken ist der 24 Jahre alte Arbeiter Gustav Heidt aus der Wißmannstr. 19 zu Rixdorf. Während der Mittags- pause wollte er in die Spree hinter seiner Arbeitsstelle Köpnicker- straße 7/8 ein Erfrischungsbad nehmen und war plötzlich in den Fluten verschwunden. Seme Leiche wurde gestern nahe der Unfall- stelle aufgefunden. Aus Not in den Tod gegangen. Wegen Krankheit und Arbeits- losigkeit hat sich der 46 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Neugebauer aus der Dresdenerstr. 197/8 das Leben genommen. Seit mehreren Monaten war er engbrüstig und konnte deswegen keine Beschäftigung finden. Seine Frau mutzte als Waschfrau den Unterhalt beschaffen. Ilm angeblich Holz zu zerkleinern, suchte er gestern den Keller auf, kam aber nicht zurück. Dort fand ihn die Eheftau, der er nicht länger zur Last fallen wollte, an einem Nagel hängend tot auf. )Ziis den Nachbarorten. Schönelerg. Bein, städtischen Arbeitsnachweis waren im Laufe des Monats Mai 582 Arbeitsangebote eingegangen (143 für männliche und 439 für weibliche Erwachsene). Aus dem Vormonat waren außerdem 175 Fälle unerledigt geblieben, so daß sich die Zahl der Angebote auf 757 erhöhte. Durch Einstellung wurden 398, durch Zurücknahme 14 und durch Streichung 124 Fälle erledigt, auf den folgenden Monat mutzten 221 Angebote übertragen werden. Das Angebot der Arbeitnehmer war trotz der ver- hältnismätzig hohen Nachfrage nach Arbeitskrästen immer noch ein bedeutend höheres. An Neuanmeldungen für Mai gingen ein 661 (299 männliche, 362 weibliche), zusammen mit dem Uebertrag aus den, Vormonat(484) 1145 Fälle. Von diesen wurden nur 398 Gesuche berücksichtigt, so daß nach Streichung von 192 immer noch 555 Ge- suche um Arbeitsgelegenheit unbefriedigt bleiben, also auf den nächsten Monat übertragen toerden mußten. Am meisten verlangt wurden im Berichtsmonat 209 Personen als Gesinde(vorwiegend für landwirffchastlichen Betrieb); daß indessen die Lust für diesen von den Agrariern so gern als„äußerst gesund" geschilderten Be- trieb nicht recht mit dieser Bezeichnung übereinstimmt, beweist das geringe Verlangen danach: nur 61 Personen wollten sich als„Gesinde" verdingen. Die Arbeitsangebote verteilte» sich außerdencauf 39 Kutscher, 19 Hausdiener, 21 Arbeitsburschen, 58 ungelernte und Fabrikarbeiter, 15 gelernte Arbeiter, 129 Aufwärterinnen, 18 Reinemachestellen, 26 Wäscherinnen, 7 Näherinnen, 29 Fabrikarbeiterinnen. Die Gesuche der Arbeitnehmer betrafen: 11 Kutscher, 39 Hausdiener, 42 Arbeits- burschen, 147 ungelernte und Fabrikarbeiter, 69 gelernte Arbeiter, 162 Aufwärterinnen, 18 Reinemachestellen, 36 Wäscherinnen, 12 Näherinnen, 65 Fabrikarbeiterinnen.— Bei der indes leider noch nicht völligen Inanspruchnahme des Instituts ist jedoch ein wirklicher Rückschluß auf den Umfang der Arbeitslosigkeit nicht zu ziehen. Die Einwohnerzahl Schönebergs betrug am Anfang des Monats Mai 114 499 und am Ende desselben 114 997 Personen.— Die städtische Sparkasse hatte im Mai ein Einlagekapital von 14 285 299 M., das sich auf 27 191 Bücher verteilt, so daß also auf den Sparer durchschnittlich ca. 524 M. entfallen. Am Schluß des Monats hatten sich die Einzahlungen„och um beinahe 499 999 M. erhöht.— Die Orts-Krankenkasse verfügte an, Anfang Mai über 12 399 Mitglieder gegen 12 959 am gleichen Zeit- Punkt des Vorjahres.— Die Ausgaben in der Armenpflege betrugen im Mai für laufende und außerordentliche Unterstützungen zusammen 12 246 M. Es dürfte dies ungefähr der vierundzwanzigste Teil der etatsmäßig festgesetzten Summe sein, die im laufenden Haushalt mit 296 295 M. veranschlagt ist. Groß-Lichterfelde. Ein stürz eines Kanalisations- s ch a ch t e s. In der Kadettenanstalt Groß-Lichterfelde stürzte heute ein 4 Meter tiefer Kanalisationsschacht infolge angeblich ungenügender Absteifung ein, wodurch ein Arbeiter schwer, zwei andre leicht ver- wundet wurden. Der erstere, Namens Richter aus Maricndorf, Vater von fünf Kindern, verstarb trotz sofortiger ärztlicher Hilfe- leistung nach einer Stunde. Ein erheblicher Unfall beim militärischen Brückenbau hat sich bei Tieckow an der Havel zugetragen. Von dort ans bauten, unter Leitung eines Pionier- Offiziers, die Brandenburger Kürassiere eine provisorische Brücke nach dem jenseitigen Ufer bei Fohrde, über die alsdann Abteilungen des Regiments in kurzen Abständen hinweg- gingen. Die Brücke ruhte am User auf schnell eingerammten Pfählen. während in der Mitte der Havel eine Anzahl Fischerkähne zusammengekoppelt und darüber Bretter gelegt waren. Bei dem Uebergang der Kürassiere erwiesen sich nun die Kähne als zu schwach für die Reitermassen, legten sich zur Seite und füllten sich mit Wasser, wodurch etwa 29 Kürassiere mit ihren Pferden in die Havel stürzten und nnr 19 das Ufer erreichten. Die Havel ist an jener Stelle sehr tief, so daß die Soldaten mit ihren Pferden in größter Lebensgefahr schwebten, zumal die Tiere wild um sich schlugen und sich die in voller Ausrüstung befindlichen Kürassiere von ihnen nicht befreien konnten. Es entstand im Wasser ein wilder Knäuel und große Verwirrung, wobei die Soldaten laut um Hilfe riefen, die ihnen nur spärlich dargebracht wurde, weil keine über- flüssigen Kähne zur Stelle waren. Der die Uebung leitende Pionier-Offizier zeigte große Bravour; er stürzte sich, voll bekleidet, wohl zwölfmal ins Wasser und rettete soviel Mann und Pferde er konnte. Inzwischen hatten auch die vorüberfahrenden oder in der Nähe liegenden Schiffer ihre Handkähne losgelöst und eilten zur Hilfe herbei, so daß nur ein Pferd ertrank. Drei Kürassiere hatten aber schwere und viele andre leichte Verletzungen erlitten, da ihnen die wild gewordenen Pferde die Beine zerschlagen hatten. Sie wurden per Wagen nach dem Garnisonlazarett in Brandenburg a. H. gebracht. Gerichts-Leitung. Im Pommernbank-Prozeß wurde heute den zahlreich erschienenen uhörern eine arge Enttäuschung bereitet. Nach der aufgestellten Tagesordnung sollte heute der Staatsanwalt Beeck sein Plaidoyer halten, und es war vorauszusehen, daß infolge dieser Ankündigung der Andrang des Publikums ein besonders starker sein würde. Dies war denn auch der Fall. Die in Massen den Eingang zum jjroßen Schwurgerichtssaal umlagernden Personen mußten aber unverrichteter Sache wieder abziehen, denn die Thüren blieben verschlossen. Schon am Dienstagnachmittag war den Prozeßbeteiligten auf kürzestem Wege die Nachricht zugegangen, daß das Plaidoyer des Staatsanwalts heute noch nicht stattfinden könne, da die Vor- bereitungen zu diesem noch nicht beendet seien. Die Sitzung mußte deshalb ausfallen. Der Staatsanwalt wird mm- mehr am Donnerstag um 9 Uhr mit seinen Ausführungen zur Schuldstage beginnen. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß die Zeitungsnotiz, wonach das Ende dieses unendlich erscheinenden Strafprozesses am Sonnabend zu erwarten sei, nicht zutrifft. Nach dem Plaidoyer des Staatsanwalts werden nach den bis jetzt getroffenen Dispositionen die Sitzungen am Freitag und Sonnabend mit dem Plaidoyer der Verteidiger Justizrat Wronker und Rechtsanwalt Leonhard Friedmann und Dr. Werthauer ausgefüllt werden, am Montag soll dann Justizrat Dr. S e l l o seine Ausführungen beginnen, für die mindestens zwei Tage in Aus- ficht genommen worden sind. Es sind noch Repliken und Dupliken (owie längere Darlegungen der Angeklagten selbst zu erwarten, die Beratung des Gerichtshofes wird auch lange Zeit in Anspruch nehmen nnd so steht das Ende des Prozesses frühestens am Donnerstag oder Freitag nächster Woche in Aussicht. Eue der Frauenbewegung. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Am Sonntag, den 19. Juli, findet ein Ausflug nach Köpenick. Restaurant„Pferde- bucht" statt. Abfahrt: morgens 8 Uhr 54 Min. voin Alexanderplatz, 9 Uhr 1 Min. vom Schlesischen Bahnhof bis Köpenick. Treffpunkt für Nachzügler: Restaurant„Pferdebucht". Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder sowie von Freunden des Vereins erwartet der Vorstand. — dTB. Unsre Versammlungen fallen während der Sommermonate aus. Die nächste Vereinsversammlung nach den Ferien findet am 7. September statt. D. O. Ueber einen Laudarbeiterinnenstreik nuS eigenartigen Ursachen wird aus dem schlesischen Dorfe G r o ß- B e ck e r n im Kreise Liegnitz berichtet. Dort waren bei der letzten Reichstags-Hauptwahl für den konservativen Kandidaten 53. für den ftelsiimige» auch 53, dagegen für den socialdemokratischen Kandidaten 148 Stimmen abgegeben Ivorden; diese Zahl erhöhte sich bei der Stichwahl noch auf 161, während der freisinnige Kandidat eS nur auf 76 brachte, weil bekanntlich die Konservativen nicht für den Freisinn eintraten. Das Anwachsen der socialistischen Stimmen bei diesen Wahlen brachte nun einen Bauerngutsbesitzer derart in Harnisch, daß er den bei ihm beschäftigten Arbeiterfrauen gegenüber seinem Aerger Luft machte und die Vermutung aussprach, deren Männer müßten wohl alle Socialdemokraten sein. Vergebens wendeten die Frauen ein, sie hätten von der politischen Gesinnung ihrer Männer keine Ahnung und der Arbeitgeber möchte sie dafür nicht verantwortlich machen; derselbe fing aber immer wieder mit den Frauen zu politisieren an, bis diesen endlich die Geduld ritz und sie kurzer Hand die Arbeit einstellten. Jetzt ist der agrarische Heißsporn, kurz vor der Enite, ohne Arbeitsleute. Versammlungen. Sechster Wahlkreis. Der socialdemokratische Wahlverew hielt am Dienstag in den Germaniasälen seine ordentliche General- Versammlung ab. Genosse Grunwald sprach daselbst über den Ausfall der Reichstagswahlen und die aus demselben resultieren- den nächsten Aufgaben der Partei. Eine Diskussion über den Vor- trag wurde nicht beliebt. Freythaler erstattete hierauf den Vorstandsbericht für das verflossene Halbjahr. Danach sind 33 Ver- einsmitglieder verstorben, deren Andenken die Versammlung itr üblicher Weise ehrte. Abgehalten wurden 24 Vorstandssitzungen, 5 Kreiskonferenzen, 19 Vereins- und 2 außerordentliche General- Versammlungen, und außerdem 46 Wahlversammlungen. Im Kreise fanden vier Flugblattverbreitungcn statt. Die Hauptverhandlungs- gegenstände in den verschiedenen Sitzungen bildeten die Vor- bereitungen zur Wahl, mit deren Ausfall die Genossen um so mehr zufrieden sein könnten, als derselbe ohne jede Schlepparbeit zustande kam. Bei der Besetzung der Wahllokale auf dem Lande, an der sich diesmal bedeutend mehr Genossen beteiligten, wie bei früheren Wahlen, sind letztere allerdings zahlreichen Unannehmlichkeiten aus- gesetzt gewesen. Trotzdem haben diese Genossen eine fruchtbringende Thätigkeit entfaltet, was auch daraus hervorgehe, daß von vier dem 6. Wahlkreise zur Bearbeitung überwiesenen Landkreisen drei an den Stichwahlen participierten. Gut bewährt habe sich auch die seit nun- mehr einem Jahre bestehende Neuorganisation des Kreises, und das Zusammenarbeiten der Genossen in allen Bezirken und Abteilungen, wie auch im Vorstande sei ein durchaus erfreuliches. Redner bemerkt sodann, daß die Einteilung des Kreises in UrWahlbezirke zur kommen- den Landtagswahl vom Magistrat immer n-chh nicht publiziert worden ist, weswegen die Vorarbeiten zur Wahl leider noch immer nicht be- gönnen werden konnten, und macht ferner bekannt, daß am Sonntag eine Flugblattverbreitung stattfindet zwecks Einsichtnahme in die Kommunal-Wählerlisten.— Sodann folgte der Kassenbericht. Die Abrechnung des ersten Kassierers Fahrow verzeichnet eine Ein- nähme von 53 895,93 M. und eine Ausgabe von 59 872,74 M., so daß ein Bestand von 3922,29 M. verbleibt. An den Parteivorstand wurden abgeführt 34 790 M. und für Landagitation aufgewandt ca. 5999 M. Dem Verein gehören gegenwärtig 9869 Mitglieder an, der Mitgliederstand ist mithin um ca. 3999 gestiegen. 469 Mitglieder mußten am Schlüsse des Halbjahres allerdings wegen restierender Beiträge gestrichen werden. Der zweite Kassierer Bachgänger berichtet, daß er eine Einnahme von 37 997,91 M. erzielt habe, der eine Ausgabe von 35 933,97 M. gegenübersteht, mithin ein Bestand von 1173,94 M. verblieb. Beiden Kassierern wurde Decharge erteilt. In der Debatte bemängelte K r ö h n u. a. das ziemlich planlose Arrangement der Landagitation, was er auf ungenügende Borbe- reitung der Kreisvertrauenöleute und auch der Agitationskommission zurückführte. L a u k a n t verwies demgegenüber auf die Eigen- artigkeit der ländlichen Verhältnisse und die Schwierigkeit, dort überall geeignete Kräfte zu bekommen.— Hierauf wurde an Stelle des er- krankten Lokalkommissionsmitgliedcs Wegner der Genosse Richard Thiel gewählt. Zum Schluß erledigte die bereits stark gelichtete Versammlung einen Antrag der dem Verein angehörenden central- organisierten Töpfer auf erneuten Ausschluß des Lokalisten Friese wegen angeblichen Streikbruchs durch Uebergang zur Tagesordnung. Eine Werkstellen-Versammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Mengers u. Söhne, Berliner Velvet-Fabrik, tagte am Mittwoch, den 8. Juli, im Gewerkschaftshaus. Der Centralvorsitzende des Deutschen Textilarbeiter-Vcrbandes, C. Hübs ch, referierte über Zweck und Nutzen der Organisation. In seinem einstündigen, mit Beifall aufgenommenen Vortrag führte er den Anwesenden den Wert einer guten Organisation vor Augen, und forderte dieselben auf, sich Mann für Mann dem Deutschen Textilarbeiter-Verband anzuschließen. denn nur dann würde es möglich sein, auch in diesem Betrieb bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu erreichen. Gleichzeitig bemerkte er, daß auch sonst im genanntem Betrieb viel zu wünschen übrig bliebe; so seien in einer. Abteilung der Färberei in der Köpenickerstraße für 169 Arbeiter vier offene Klosetts vorhanden, durch welche Wasser- und Dampfröhren führen, die Klosetts befänden sich hierdurch öfter in einem Zustande, daß sie nicht zu benutzen seien. In einer andern Abteilung sei für ca. 199 Arbeiter ein einziger Kübel, an welchem 4— 5 Mann Platz haben, zum Händewaschen vorhanden, infolge dessen seien die meisten Arbeiter gezwungen, mit unreinen, zum Teil mit giftigen Farbstoffen beschmutzten Händen, zu Tisch zu gehen, denn bei einer einstündigen Mittagspause sei es unmöglich, daß sich 199 Ar- bester nach und nach an diesem Kübel die Hände waschen. Die Be- Handlung, welche den Arbeiterinnen in der Görlitzerstraße zu teil werde, fordere ebenfalls die Kritik heraus. Redner führt namentlich eine Menge Details über das in der Fabrik übliche schneidige Straf- system an. Und diese Strafen werden verhängt bei einem Durch- schnittslohn von 9— 19 Ml Sitzgelegenheit fehle überhaupt, die Arbeiterinnen seien infolge dessen gezwungen, ihrv Frühstück und Vesperbrot stehend zu sich zu nehmen. In der Diskussion meldete! sich niemand zum Wort, da sich die Arbeiter zu sehr vor Matz- regelung fürchten müssen; war doch in der vorhergehenden Versamm- lung, welche in Graumanns Festsälen tagte, ein Arbeiter anwesend, welcher vom Meister hingeschickt worden war. Wahrscheinlich sollte dieser Arbeiter seine Kollegen oder Kolleginnen aushorchen, die in der Versammlung sprechen würden. Er hatte damit jedoch kein Glück, denn es meldete sich auch in dieser Versammlung niemand zum Wort. da es vorher ruchbar geworden war. Der Vorsitzende verurteilte eine derartige Handlungsweise auf das schärfste und forderte die An- wesenden nochmals auf. sich dem Deutschen Textilarbeiter-Verband anzuschließen und fleißig für denselben zu agitieren. Der Eentralverband der Konditoren nnd verwandter Berufe hatte zum 9. Juli bei Zielke, Dcnnewitzstraße 13, seine zweite Agitations- Versammlung mit dem Thema:„Unser Lohntarif", einbe- rufen. Der Referent, Kollege W e i d l e r. behandelte vor der zahl- reich erschienenen Kollegenschaft die ganze Entwicklung des Konditor« gewerbes usw. Was die augenblickliche Lage der Konditorgehilfen anbetrifft, so kann keiner auf dieselbe stolz sein. Der Durchschnitts- verdienst von 16— 18 M. in der Woche und noch weniger, die unend- lich lange Arbeitszeit, elende Schlafstellen und Arbeitsräume. miserable Behandlung, schlechtes Essen, verschiedene krasse Mißstände bei den bedeutendsten Firmen, wie Kranzler, Aschinger u. a., bewiesen zur Genüge, daß hier nur eine starke Organisation imstande sei, Besserung zu schaffen. Es sei Zeit, daß auch die Konditoren erkennen, daß sie auch Arbeiter sind, wie alle andren und beweisen, daß sie nicht gewillt sind, die letzten zu sein in der Kette der Organisation der deutschen Arbeiterbewegung. Nicht der Hirsch-Dunckersche Ge- werkverein mit seiner Flauheit und veralteten Principien, die nicht in die Gegenwart hineinpassen, nicht der Verein der Salonkünstler der 75er mit seinem Hand-in-Handgehcn mit der Arbeitgeberschaft und dem Ausspruch:»Ein Lohntarif sei Unsinnl", seien imstande. die Interessen der Kollegen zu wahren, sondern einzig und allein der Eentralverband der Konditoren und verlvandter Berufe, wie er eS jetzt erst kürzlich bei der Innung bewiesen habe.— Die rege Diskussion, in welcher Angehörige der gegnerischen Vereine den miß- lungene» Versuch machten, ihren Standpunkt zu verteidigen, der stürmische Beifall, der dem Referenten und den Diskussionsrednern. die in seinem Sinne sprachen, zu teil wurde, u. a. die scharfe Miß- billigung des Verhaltens des 75er Vereins bewiesen, daß die Not- wendigkeit der Verbesserung der Verhältnisse bei den Konditoren empfunden wird. Mögen unsere Kollegen auch die Konsequenz daraus ziehen und den nötigen Mut zeigen, das zu thun, was in diesem Falle Notwendigkeit ist: Hinein in die Organisation, in den Eentralverband der Konditoren und verwandter Berufe. Seftion Die Sektion " Die Puker( Seftion des Maurer- Verbandes) hielten am 8. b. M.| lingswesen. Beilage: Mitgliederliste des Verbandes deutscher Arbeits-| etwa folgender Form an das Polizeipräsidium: Sch bin Staatsbürger von eine Mitgliederversammlung ab. Der Kassierer erstattete den Bericht vom nachweise nebst zahlenmäßigen Angaben über Juni 1903. Reuß j.. und habe mich in Berlin ausweislich der anliegenden polizeilichen ztveiten Quartal. Derselbe ergab an Einnahme inkl. Bestand Verwaltungsbericht der Gemeinsamen Orts- Krankenkasse Straßburg Anmeldung seit dem. niedergelassen. Anliegend überreiche ich meine 47 716,61 M., Ausgabe 12 732,04 M., Bestand 34 984,57 M. i. Elf. für das Geschäftsjahr 1902. Straßburg i. Elf. 1903. Drud der Straß- Geburtsurkunde sowie meine Militärpapiere und beantrage: mich in den preußischen Staatsverband aufzunehmen." Die Behörde kann die Bei Dem Kassiere wurde Entlastung erteilt. Dann teilte der Vorsitzende burger Neuesten Nachrichten" von H. L. Kaiser. mit, daß in der Vertretersizung beschlossen ist, die jetzigen Sektionen Dr. Alfr. Noffig. Berlin 1903. Jüdischer Verlag. Ite der Borſize Jüdische Statistit. Herausgegeben vom Verein für jüdische Statistik, bringung eines Staatsangehörigkeits- Ausweises verlangen. Solchen erhalten Sie für Reuß f. 2. durch das Ministerium, Abteilung für innere Ander Rabizputer und Cementierer, und die Spanner, welche dem Protokoll der 9. ordentlichen Generalversammlung des Centralverbandes gelegenheiten, zu Gera. Es genügt ein für Ihren Vater auszustellender aller in der Schmiederei beſchäftigten Personen. Preis 20 Pf. Hamburg Staatsangehörigkeits- Ausweis. Den Antrag auf Aufnahme kann Ihr Uhlenhorst Brüder in 2. Siehe Protokoll der 3. Generalversammlung des Seemanns- Berbandes in Antwort unter Buchbinder. X. 9. 3. 1. Leider nicht. 2. Ja. Deutschland. 62 Seiten. Hamburg 1903. Baul Müller, Hafenſtr. 116.- B. B., Petersh. Die Betreffende soll Antrag auf Gewährung einer Ernst Baars. Was wir wollen! Vortrag in der Versammlung des Invalidenrente schleunigst stellen. Al. Kl. 1. und 2. Nein. K. D. 82. oholgegnerbundes zu Bremerhaven 1900. Preis 20 Pf. Berlin 1903. Es muß spätestens bis am 15. zum Erſten gekündigt werden, falls nichts andres vereinbart ist. H. Pfl. Sie müssen Pfändung der Pension, Berlag des Alkoholgegnerbundes, Geschäftsstelle Berlin N. 28. Das Bauner der Freiheit. Monatsschrift von Gottfr. Schwarz. soweit dieselbe 1500 M. übersteigt, beim Amtsgericht beantrageri. Breis jährlich 3 M. Heidelberg. Selbstverlag des Verfassers. K. P. 200. Wenn Sie die Forderung, derentwegen Ihr Anspruch geVerwaltungsbericht der Vereinigten Drts- Krantentasse in Darmstadt pfändet ist, bezahlen, so ist die Pfändung aufzuheben. Willigt der Gläubiger für das Jahr 1902. J. C. Herbertsche Hofbuchdruckerei, Darmstadt. nicht in die Aufhebung, so müssen Sie auf Aufhebung der Pfändung flagen. Bericht über Handel und Industrie von Berlin im Jahre 1902, erF. E. 14. War über die Dauer des Mietsvertrages und über die stattet von den Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin. II. Teil. 152 Seiten. Kündigungsfrist nichts vereinbart, nur monatliche Zahlung verabredet, so ist bis am 15. zum Erften des folgenden Monats zu fündigen. Dr. Fritz Auer. Sociales Strafrecht. Preis 80 Pf. München 1903. 2. S. Sie leben außer Gütergemeinschaft, können aber zur größeren C. H. Bedsche Berlagsbuchhandlung. Sicherheit für Ihre fünftige Frau einen Ehevertrag der Art errichten, wie Sarmatus. Rußland und Finnland. 35 Seiten. Berlin 1903. Franz er auf S. 225 Nr. 22 des dem Arbeiterrecht beigefügten Führers entworfen Siemenroth, Dennewißstr. 2. ist. Das Buch liegt in den öffentlichen Resehallen aus. R. F. 68. Strafbar kann der Verkäufer und der Lieferant sein. Wegen der Detailbestimmungen wenden Sie sich an die Polizeibehörde um Auskunft. Buchbinder. Ein Invalidenrentner kann arbeiten und hat, wenn er in Arbeit tritt, zu leben. Auf seinen Antrag an die untere Berwaltungsbehörde( in Berlin: Magistrat, Abteilung für Invalidenversicherung, Breite straße 24a) ist er von der Klebepflicht zu befreien. H. S. 3. Ja. Witterungsübersicht vom 15. Juli 1903, morgens 8 Uhr. Centralverband der Maurer beitreten wollen, follen von jest ab eine Angestellten haben. Dieses gab in der Vertretersizung dem Kollegen Winzler Veranlaffung, den Antrag zu stellen, daß die besoldeten Angestellten der Seftionen von der Generalversammlung des Zweigvereins gewählt werden sollen, und nicht wie bisher, von den betreffenden Sektionen selbst. Gegen diesen Antrag Winzler wurde eine Resolution einftimmig angenommen, worin die Mitgliederversammlung beantragt, daß das bisherige Ortsstatut, sotveit es die Sektionen betrifft, in seiner jebigen Fassung bestehen bleibt. Des weiteren beauftragte die Versammlung die örtliche Verwaltung, festzustellen, ob die Arbeitgeber jest gewillt sind, auch mit den Buzern einen korporativen Arbeitsvertrag abzuschließen. Die Grundbedingungen dazu wären, den Zeitpunkt festzusehen, wann die achtstündige Arbeitszeit für das Putergewerbe in Kraft tritt, und daß die jeßigen Arbeitsbedingungen bertraglich festgelegt werden. 81 391 113 tans Eingegangene Druckfchriften. Berlin 1903. 20A 100 Briefkaften der Redaktion. G. P. 4. Metallarbeiter- Zeitung, Stuttgart, Röteftr. 16b. Was wollen " Der Arbeitsmarkt", Halbmonatsschrift der Centralstelle für Arbeitsmarti- Berichte( Herausgeber Dr. J. Jastrow, Berlin, Verlag von G. Reimer). Sie übrigens inserieren? Die als Drgan des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise" erscheinende H. Reitinger. Der Zoll auf Rotwein, in Fässern eingehend, Zeitschrift enthält in Nr. 20 des 6. Jahrganges unter anderm: Rund- beträgt 20 m. für 100 Kilogramm, zum Verschneiden unter Kontrolle nur die Hälfte; in Flaschen eingehend beträgt der Zo 48 M. für 100 Stilonachweise auf der Städte- Ausstellung in Dresden. Internationale gramm. statistische Uebersichten. Bund der Arbeitgeberverbände Berlins. Juristischer Teil. Arbeitsmarkt- Politit: Italienische Banderarbeiter. Situationsberichte ſchau über die Lage des a Arbeitsmarktes. Allgemeines: Die Arbeits-Stationen Barometer stand mm Windrichtung Windstärke Better Temp. n. T. 5° C. 4° R. Stationen BarometerWind richtung Windstärke Better Temp. n. T. 50.4° R. 8 Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends aus einzelnen Gewerben: Steine und Erden( Rentabilität im Cement- von 7 bis 92 Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. gewerbe); Eisengewerbe( Beschäftigungsgrad der Eisenhütten. Ausfuhr von 23. 23. 16. 1. Seit drei Jahren ist in längeren Aufrufen, kürzeren Eisen und Eisenwaren von Januar bis Mai. Bertürzte Arbeitszeit im Artikeln und im Briefkasten des Vorwärts" und in zahlreichen öffentlichen Maschinengewerbe); Tertilgewerbe( Steine ſtille Saison. Geschäftsgang im und in Vereinsversammlungen darauf hingewiesen, daß landtagswahlberech Krefelder Seidengewerbe); Nahrungs- und Genußmittel( Lage der Cigarren- tigt nur ein Preuße ist sowie daß und wie ein Deutscher Preuße werden Swinemde. 762 SW 2bedeckt 14 Haparanda 746 2 6 bedeckt industrie im bremischen Bezirt); Graphische Gewerbe( Rechenschaftsbericht kann und aufgefordert, das preußische Staatsbürgerrecht zu erwerben. Wenn Hamburg 762 WSW 2bedeckt 13 Petersburg 751 WNW 1Regen 13 des Verbandes der Deutschen Buchdruder für 1902). Statistisches Sie diese Aufforderungen unbeachtet gelaffen haben, so ist Ihnen für die Berlin 2bedeckt 15 Cort 756 SS 4 bedeckt 15 Monatsmaterial: Wetterbericht. Arbeitsnachweise. Streitverzeichnis diesjährige Wahl nicht mehr zu helfen. 2wolfen! 16 Aberdeen Damit Sie aber für die nächste Frankf.a.M. 763 SD für Deutschland, Destreich- Ungarn, Schweiz. Berwaltung der Arbeits- Landtagswahl und für die nächste Stadtverordnetenwahl wählen können, ist München 765 SD 2wolfen! 14 Paris. 763 SSW 1 wolfen! 16. nachweise: Deffentliche Arbeitsnachweise in Breußen. Kommunale Nach Ihnen zu raten, nun schleunigst den Antrag auf Aufnahme in den preußischen Bien 764 NNO 1wolteni 17 weise für ländliche Arbeiter. Central- Arbeitsnachweis in Berlin. Ver- Staatsverband zu stellen. Der Antrag Ihres Vaters allein genügt nicht, da Sie Wetter- Prognose für Donnerstag, den 16. Juli 1903. pflegungsstationen und Arbeitsnachweis in Zürich. Lehrlingswesen. Er- großjährig find. Jeder Großjährige in Ihrem Fall also Ihr Vater, Ihre Bielfach wollig, zunächst wärmer mit leichten Regenfällen und mäßigen ziehung. Fortbildung: Preußische Gewerbe- Inspektions- Berichte über Lehr- Brüder und Sie muß selbst den Antrag stellen. Den Antrag richten Sie in südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. 1 Inserate Für den übernimmt halt der Inserate Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. 763 S28 für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere Juferate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. Carl Weiss- Theater. Urania.autfarter Taubenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr: Theater. Von der Zugspitze Donnerstag, den 16. Juli. Anfang 7, Uhr: zum Watzmann. Neues Operntheater. Orpheus in Sternwarte der Unterwelt. Weften. 100 000 Thaler. Anfang 8 Uhr: Berliner. Der Prophet. Thalia. Das Mter. Belle- Alliance. Die Böhmin, oder: Jtta aus dem Elend. Carl Weiß. Das Geheimnis des roten Hauses. Apollo. 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Mecht zahlreichen Besuch erwarten 210/ 14* Die Vertrauenslente. Achtung! Bretterträger Achtung! und Brettfchneider. Donnerstag, 16. Juli, abends 7, Uhr, im Märkischen Hof, Admiralstr. 18c: 08 Oeffentl. Versammlung. Tages Drdnung: 1. Berichterstattung über den Stand unsrer Lohnbewegung. 2. Stellungnahme hierzu. 3. Anträge und Verschiedenes. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, bestimmt und pünktlich zu erscheinen. 19/11 Die Lohnkommission. Köpenick. Socialdemokratischer Wahlverein.hots Sonnabend, 18. Juli, im Lokale des Herrn Ringeltaube( Stadt- Theater): Stiftungs- fest bestehend in wwwwwwwwww Freie Volksbühne. dand grulme Eine neue Abteilung E wird eröffnet.olds and pol 396 359 Anträge auf Aufnahme von Mitgliedern werden in allen Zahlstellen entgegengenommen. Bei der Anmeldung ist gegen vorläufige Quittung das Einschreibegeld( 80 Pf.) und die September- Beitragsrate( 80 Pf.) in der Zahlstelle zu hinterlegen. Die alten Mitgliedskarten müssen in den Zahlstellen abgegeben und gegen neue umgetauscht werden. Der August- Beitrag beträgt 65 Pf. Etwaige Umschreibungen in andre Zahlstellen sind im Juli zu bewirken. Achtung! Zahlstelle No. 32( Rixdorf) befindet sich von jetzt ab bei R. Pressler, Restaurant, Ziethenstr. 69. Die Mitglieder dieser Zahlstelle werden gebeten, dort ihre alten Mitgliedskarten abzugeben. 229/84 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. 38 to stle( 960x9 Vorwärts- Buchhandlung SW., Lindenstrasse 69. onis do tasi radalle slaat st In 1911 Für Radfahrer! Radfahrerpläne von Berlin mit Angabe der Art des Straßenshopflasters, der für Radfahrer verrds botenen Straßen 2c.50 93f. Radfahrerkarten von Berlin und weiterer Umgebung( von Joachimsthal bis Jüterbog, von Genthin bis Frankfurt a. D.) auf Leinwand aufgezogen, in Karton 1,75 Radfahrerkarten von Deutschland und angrenzenden Ländern, 190 mit Angabe der Beschaffenheit der Bege, Entfernungen der einzelnen Drte unter sich, Höhe über dem Meere, Steigungen 2c., Kleinem Führer, aufgezogen, in Karton, fede Sektion 1,50 M. Für den Generalvertrieb in ganz Deutschland sucht eine SchweizerUhrenfabrit einen kreditfähigen Unternehmer, der fich für die mustergeschütte focialdemokratische Verband der Sehneider and Schneiderinnen u. V. B. Deutschl. ( Filiale Berlin.) Am 14. 6. Mts. verstarb unser Mitglied d Paul Fischer im 31. Lebensjahre. don. ( Beschäftigt war derselbe bei C. Hintel, Mauerstr., und vordem bei den Berl. Betriebswerkstätten A. Wertheim.) Wir berlieren in dem Berstorbenen ein treues Mitglied unsrer Organisation, der stets für ihre Ausbreitung thätig war. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitagnachmittag 4 Uhr von der Halle des Neuen Luisen- Kirchhofes in der Hermannstraße zu Rigdorf aus statt. 10 m sdiuing 163/3 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten machen wir hierdurch die traurige Mitteilung, daß mein unvergeß licher Mann, unfer guter, edler Vater, der Tischler und Einseher elle Robert Bittmann am 13. 6. Mts. nach kurzem schweren Leiden im 67. Lebensdjahre verstorben ist. Arbeiteruhr Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute. t. Großer Erfolg borausVokal- und Instrumental- Konzert, Festrede, Vorträgen und Tanz. Sonnabend, den 18. Juli 1903, in den Gesamträumen und Garten der Brauerei Königstadt", Schönhauser Allee( am Schönhauser Thor): Anfang 7, Uhr. Um 1½ Uhr: Großes Kaffeekochen. Garderobe 10 Pf. Billets, Herren 50, Damen 30 Pf., find in den auf den Plakaten angegebenen Stellen und an der Kaffe zu haben; Kasseneröffnung 7 Uhr. Für Mitglieder und deren Frauen find Billets a 30 Pf. nur beim Kassierer H. Kuhring, Wilhelmstr. 74, I, zu haben. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 7/2 Das Komitee. Central- Verband der Schmiede. titis Berwaltungsstelle Berlin. Sonnabend, den 18. Juli 1903: fichtlich. Man wolle fich geft. unter Chiffre P. 2204 C. an Haasenstein & Vogler, La Chaux de Grégoid Fonds( Schweiz) wenden. Stiftungs- Fest bestehend in Konzert und grossem Sommernachts- Ball, fowie die Feier des 50 jährigen Gefellen- Jubiläums unsrer beiden Mitglieber Albert Elsholz und Gottfried Heiligenstädt, wozu wir die Mitglieder,& the und Gönner unfres Vereins einladen, recht zahlreich ihren Familien zu erscheinen. Um 10 Uhr: Einführung der Jubilare. Um 1 Uhr: Kaffee- Pauſe. Nach derselben: Grosse Rosen- Polonaise. Eintrittskarten, für Damen a 25 Pf., für Herren a 50 Bf., sind vorher bei den unterzeichneten Komiteemitgliedern zu haben: Klebb, Boffener Schulstr. Grosses Sommerfest traße 22; Posteur, Gulitz. 102, 5. Auig. 2. Treppen; Gierke, Waldemarin Mag Kliems Volksgarten( sämtliche Räume), Hasenheide 13/14, unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins Liedesfreiheit I( M. d. A.-S.-B.). Anfang 4 Uhr. Billets für Damen 25 Pf., für Herren 50 Pf. Die Billets berechtigen zum Besuch des Theaters. Ende??? straße 49, part.; Jahn, Usedomftr. 10, L. Seitenfl. 2 Tr.; Hagenstein, Solmsftraße 21, Seitenfl. 3 E.; Sayonz, Ebersivalderstr. 16, r. Seitenfi. 2 Tr.; Imm, Schreinerstr. 50, 2. Aufg. 3 Tr. Außerdem bei den Mitgliedern Herren Bandelow, Rangestr. 13 im Restaur., u. Brünzel, Wilsnackerstr. 61, Seitenfl. 3 Tr. Abendkasse findet nicht statt. Anfang 8%, Uhr. Das Komitee. J. A.: August Klebb, Bossenerstr. 22. Otto Grundmann 288/ 1* Reservierter Platz 20 Pf. Nachzahlung. Empfehle allen Freunden u. Belannten| Die Kaffeeküche ist von 4 Uhr an geöffnet. Billets sind noch im Bureau Stralauerstraße 48 und bei den Bezirks führern zu haben. Um recht zahlreichen Besuch bittet 176/4 Das Komitee. Turnverein ,, Fichteff. Die ( Mitglied des Arbeiter- Turnerbundes.) 19 11. Lehrlings- Abteilung ift in der Turnhalle der 75. Gemeindeschule, 288/ 3* SW., Fürbringerstr. 33 eröffnet. Turnzeiten regelmässig jeden Montag u. Donnerstag, abends von 8-10 Uhr. Beitrag monatlich 20 Pf. Um recht zahlreichen Zuspruch bittet Jedes Wort: 5 Pfennig. Nur das erste Wort fett. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Der Vorstand. Stöpniderstr. 72. 11-2, 6-8. Charlottenburg, Berlinerftraße 40. 8-9. mein Weiss-, Bayrischbier- praft. Naturheilkundiger haltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag und gr. Speisegeschäft. Reichmit Bier 50 Pf. sowie Abendtisch à la carte bon 30 j. an. 2 Vereinszimmer mit Klavier für 20-50 Personen. H.Stramm, Rest., Ritterstr. 123. 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Allen Teilnehmern an der Beerdigung meiner lieben Tochter Martha sowie für die vielen Stranzipenden unsern 3,50 insbesondere den Chefs und Skolleginnen Tricot, doppelseitig 18,50 alle Farben 4,85 Wollatlas, Similiseide 5.25 Farben, 25 Normalalle Schlafdecken 2,00, 3,00 M. 19592 SpecialIn Ltr..- Fl. em- vollständig vertilgt. Fl. 50 Pf. und pfehle: Cognac 1 M. 1,25-10,35, Rum Franzosen, Blattläufe zc. Schachtel 1,00-5,60. Nord- 30, 60 Pf. u. 1 M. Bahlreiche Anhäuser 0,45-1,35, erkennungen. Liqueure, Eiercognac, Citronenund Himbeersaft, Port- u. Ungarweine gut u.billigst Carl Schindler, Chausseestr. 55, Liqueurfabrik. 1000 Mark Belohnung zahle demjenigen, der mir einen Nichterfolg nachweist. Nur allein echt bei Hugo Barth, Droguerie, jest Brunnenstr. 14, früher Nr. 18. Maus Emil Lefèvre der Firma Sarotti und dem Gesangberein ,, Kreuzbergerharmonie". 26076 Die Hinterbliebenen. Karl Gerlach. anlaßlle Für die vielen Beweise herzlicher meines geliebten Mannes Julius Uter** fage ich hiermit meinen herzlichsten Dant. 26106 Witwe Klara Uter. PrinzenDr. Simmel, Str. 41. Berlin Oranienstrasse 158. Hant- und Harnleiden. S., Kleine Anzeigen. Pianino, Singermaschine, Sofa, Vereinszimmer, 40 Personen, Soffor Specialarzt für[ 8/ 17* 10-2, 5-7. Sonntags 10-12. 2-4. Anzeigen für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition Lindenstr. 69. Ann bis 4 Uhr angenommen. Komiter frei. Elsholz, Gropius agsfrno8 25235* Chaiselongue, Kinderwagen fofort Bianino, zu bergeben, Komman- straße 7. billig berkäuflich Reichenberger- dantenstraße 65, Ladewig. 1762* Blinder Stuhlflechter bittet um Straße 182, Staden. 10/ 20* Geschäftskäufer erhalten gang- Arbeit. Stühle werden abgeholt und bare Geschäfte jeder Art nachgewiesen, zurüdgeliefert. Adresse: Mulad für Berlin, außerhalb, einzelne mit ftrage 27, Gläfer. 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