Nr. 164. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat, Eingetragen in der Post- Zeitungs. Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 art, für das übrige Auslans 2 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 20. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile ode beren Raum 40 Pfg., für politische gewerkschaftliche Bereins. und Berfan nlungs- Anzeigen 20 Pfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttags geöffnet. Telegramm Aoreffe: ., Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der Socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Das Bollwerk der Reaktion. Seit dem 16. Juni geht in unsrer Reaktionspresse das Toben wider das Reichstags- Wahlrecht mit erneuter Heftigkeit los und Staatsweise aller Art strengen ihren Verstand an, das beste Mittel auszufinden, wie man diesen demokratischen Fremdkörper"- um mit dem braven„ Reichsboten" zu sprechen aus dem Organismus des Reichs auf die bequemste Weise entfernen kann. Unter den wirklich recht hübschen Vorschlägen, die da laut geworden sind, hat einer ganz besonderen Anspruch auf Patentierung. Er lautet: Ernennung der Reichstags Abgeordneten durch die Landtage der Einzelstaaten. In ihrer Einfachheit und ihrem Radikalismus eine wahrhaft geniale Jdee: Und was kein Verstand der Verständigen sieht, Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt. Unter einem Gesichtspunkte muß man es indes doch bedauern, daß dieser große Gedanke nur eine fromme Utopie ist. Denn soviel ist sicher, daß, wenn er das nicht wäre, dann mit dem Tage, wo er Wirklichkeit würde, das bestehende Landtags- Wahlsystem in Preußen rettungslos von selbst zusammenbrechen würde. Freitag, den 17. Juli 1903. als Klassenjustiz die Empörung des demokratischen Rechtsgefühls Herausfordern. Der Landtag ist die höchste Instanz für die Landespolizei und ihre Organe. Er ist der Ort, wo alle Uebergriffe und Parteilichkeiten der Polizei gebrandmarkt werden können, wo auf Abstellung der Drangsalierungen der Arbeiter durch die Polizei gedrungen werden kann. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. sie nicht selbst der socialdemokratischen Partei angehört, mit nur ganz vereinzelten Ausnahmen, wie auch speciell in den Kreisen der Polizeibeamten selbst und ihrer Vorgesetzten und denjenigen Streifen, mit denen sie beruflich und gesellschaftlich in Berührung kommen und verkehren, insbesondere auch den Kreisen der übrigen Magistratsbeamten, eine solche Handlungsweise als mit der Amtsstellung eines Polizeibeamten Der Landtag ist ferner Gesetzgeber hinsichtlich der Provinzial-, Kreis- und Gemeindeverwaltung. Er hat die Wahlsysteme geschaffen, nicht bereinbar gilt, daß vielmehr ein Polizeibeamter, der gleichwohl so handeln würde, dadurch in den bezeichneten Kreisen auf Grund deren diese Körperschaften gewählt werden, kraft deren fie verächtlich gemacht und in der öffentlichen Meinung der nichtheute meist Klassenvertretungen schlimmster Art sind. Er bestimmt socialdemokratischen Bevölkerung herabgewürdigt werden würde." ihre Vollmachten, d. h. setzt der kommunalen Selbstverwaltung Die Auffassung, welche die Straffammer in Halle von den Aufihre Grenzen und kontrolliert durch das Mittelglied des von ihm gaben der Polizei hat, ist die Auffassung des alten Polizeistaates, zu überwachenden Ministeriums ihr Finanzweien. Was das heißt, nicht eines Staates, der ein Rechtsstaat sein will. Die Polizei wissen alle diejenigen, die als Mitglieder von Gemeindevertretungen hat, gleich der Justiz, die Aufgabe, die bestehenden Gesetze gegen bei Reformborschlägen bald an der Schlla des Klassengeistes der Gesetzesbrecher zu schützen, sie hat aber nicht die ihr von der Straf Vertreter der ersten zwei Steuerklassen und bald an der Carybdis tammer gefeßte Aufgabe, eine politische Partei zu bekämpfen, der begrenzten Gemeindevollmachten scheitern. Hier ist eine un- deren Bethätigung durchaus gefeßlich ist. Indem die Straffammer geheure Arbeit zu leisten, zu deren Ausführung im Sinne demokra- der Polizei diese ihr nicht zukommende Aufgabe stellt, zeigt sie, daß tischer Socialpolitik es einer Demokratisierung der Kommunal- sie sich selbst dieselbe Aufgabe stellt, die Socialdemokratie zu beGesetzgebung bedarf, an die natürlich so lange gar nicht gedacht tämpfen. Wovon das vorliegende Urteil Zeugnis giebt. werden kann, als der Landtag selbst noch dem Einflusse der Das Urteil ist ein Urteil zur Bekämpfung der Socialdemokratie, So billig soll das arbeitende Volt in Preußen es Demokratie entzogen ist. Um nur eins Herauszugreifen, ein Urteil, das die Angehörigen der Socialdemokratie andren und aber nicht haben. Will es dem unwürdigen Zustand, daß seine so ist man heute in weiten Kreisen nachgerade zur Er- minderen Rechtes erklärt als die Angehörigen andrer Parteien. Was Partei, für die hier am 16. Juni mehr als 1 600 000 erwachsene tenntnis der Notwendigkeit durchgreifender Maßregeln für straffrei ist, wenn ein Stadtverordneter einer bürgerlichen Partei männliche Staatsbürger gestimmt haben, im preußischen Land- die Verbesserung und die Verbilligung der Volkswohnungen es sagt, wird straffällig, indem ein Socialdemokrat es sagt. Wenn tage unbertreten ist, so muß es selbst den Moment herbei- gelangt. Man spricht von einem Reichs- Wohngesetz, von Staats- zwei dasselbe sagen, ist es nicht dasselbe! führen, wo das Bollwert, hinter welchem sich in Preußen die Reaktion gefeßen über das Wohnwesen. Aber sie werden Stümperei bleiben, Die Wirkung des Halleschen Urteils ist die Aufhebung der verschanzt, unhaltbar wird. so lange in den Landtagen und Gemeinden die besigenden Klassen Rechtsgleichheit. Es ist nicht ein subjektives Verschulden, das die über die gesicherte Mehrheit verfügen. Richter begehen, denn, wäre es dies, so gehörten sie selbst wegen Das hier summarisch Vorgeführte ist ein Teil von dem, aber schwerer Rechtsbeugung auf die Anklagebant. Es ist vielmehr der bei weitem noch nicht alles, was dem Landtage ganz oder teilweise Ausdruck der Klassenlage, in der sich die Richter dank ihrer Eruntersteht. ziehung befinden und über die sie sich nicht zu erheben vermögen. Es ist ein Skandal sondergleichen, daß aus einer Körperschaft Am Klassencharakter der Zeit scheitert das vielgerühmte gleiche Recht mit so wichtigen Vollmachten die zu socialer Reife entwickelte Ar- für alle! beiterklasse fraft eines verrotteten Wahlsystems ausgeschlossen ist. Dies Wahlsystem muß durchbrochen werden. Es ist ein entwürdigendes Ausnahmegesek, das auf dem Volfe in Preußen lastet Es wird kein leichter Kampf werden, dieser Kampf wider das preußische Dreiklassen- Wahlsystem. Soviel Aufopferung auch in dem Reichstags- Wahlkampf entfaltet worden ist, den die Socialdemokratie soeben mit glänzendem Erfolg durchgefochten hat, so fällt das Geleistete doch verhältnismäßig leicht in die Wagschale gegenüber dem, was in einzelnen Wahlkreisen bei der Landtagswahl zu Leisten sein wird. Es ist daher angezeigt, sich am Vorabend dieses Kampfes zu bergegenwärtigen, to as der preußische Landtag bedeutet. Das verhältnismäßige Stilleben, das die Landtage heute im Begensatz zum Reichstag führen, entzieht ihr Thun und Lassen für gewöhnlich dem Auge der großen Masse. Und doch sind die Beschlüsse des Landtages von nicht minderer Bedeutung für das Wohl und Wehe des Volkes wie die des Reichstages. Ja, in vielen Fällen treffen die Landtagsbeschlüsse das Volt sehr viel stärker als die Beschlüsse des Reichstages. Ganz abgesehen davon, daß die Landtage berufen und je nachdem auch im stande sein können, den Bundesrat zu kontrollieren, der im Reiche die Rolle einer Zweiten Kammer spielt. Thatsächlich ist ja der Bundesrat jene Delegiertenversammlung der Einzelstaaten, in die der konservative Staatsretter, von dem wir oben gesprochen, den Reichstag verwandeln will. Politische Ueberficht. = Berlin, den 16. Juli. ! " Dertels Schuhengel. " " Es soll der Anschein erweckt werden, als habe der„ Vorwärts" Herr Dr. Dertel hat einen Schutzengel gefunden, der ihn milde getröstet über das Wahlunglück und ihm zur Freude gegen die abfcheuliche Socialdemokratie eifert. Der Schutzengel kam dem Dr. Dertel qus einer Gegend, wo e selbst ihn nicht ahnte und feine Deutsche Tageszeitung" ist selbst noch sprachlos über das unverhoffte Glück. Die Germania", das Berliner führende" Centrumsblatt, bereitet der gestürzten Bündlergröße reichlichen Trost. Ausnahmerecht gegen die Socialdemokratie. Nachdem die Socialdemokratie das Centrum von dem bösen Feind Ausnahmegesetze, durch die man einst die Socialdemokratie aus- befreit, ist es Zeit, der Socialdemokratie centrumschriftlich zu danken. Die„ Germania" behauptet wütend zu sein ob des Wahlbildes, zutilgen gedachte, bestehen formell nicht mehr. Dafür versteht es die heutige Justiz vielfach das gleiche Recht, das allen Staatsbürgern das wir gestern aus dem Freiberger Kreise veröffentlichten. Sie zukommen soll, gegenüber Socialdemokraten in ein Ausnahme- Spielt die Wut so gut, daß sie die ihr übliche Art des Fälschens feineswegs vergessen hat, sondern sogleich einleitend reichlich verwendet. recht zu verwandeln. Ein besonderes Beispiel dieser Ausnahme- Sie sagt wörtlich: Der preußische Landtag ist gesetzgebender Körper und rechtssprechung bot das von uns früher schon der Kritik unterzogene " Zunächst wird in diesem Wahlbild" zugegeben, daß gerade durch das ihm zustehende Budgetrecht, das Recht, alle Ausgaben des Urteil, das vor einiger Zeit gegen die socialdemokratischen Stadt- in dem bisherigen Dertelschen Wahlkreise Freiberg eine ungeStaates zu kontrollieren und keine ohne seine Zustimmung gemachte berordneten Krüger und Emmer in Halle durch die dortige Straf- wöhnlich lange, eifrige und gehässige Wahlagitation von socialdemokratischer Seite betrieben worden ist." Ausgabe zuzulassen, in hohem Grabe eine Verwaltungs- fammer des Landgerichts gefällt wurde. Krüger und Emmer find behörde. Der letztere Umstand fällt um so mehr ins Gewicht, zu einem Monat Gefängnis beziv. zu 300 m. verurteilt worden, als der Staat durch die moderne Entwicklung immer größere Wer- weil sie die Polizeibeamten der Stadt Halle dadurch be- felbst zugegeben", es sei gehässig" agitiert worden. Die Germania" waltungsaufgaben zu lösen hat. Es mehrt sich steigend die Bahr leidigt haben sollten, daß sie in der Stadtverordneten- Sigung citiert dann unsre Schilderung des Empfangs, der dem Dr. Dertel berjenigen, die unmittelbar als Beamte, und derjenigen, die mittelbar bei Beratung des Polizei Etats und bei der von ihnen an diefem bielfach in seinem früheren Wahlkreise bereitet wurde, und fügt in ihrem Wirtschaftsleben vom Staate abhängig werden. geübten Besprechung behauptet hatten, Polizeibeamte In dieser Hinsicht ist vor allem daran zu erinnern, daß das hätten ihnen Mitteilungen und Beschwerden Eisenbahnwesen zu neun Zehnteln heute Staatsangelegenüber widersprechende Dienst instruktionen ihrer heit ist. Die Eisenbahnen gehören in Preußen mit verschwindenden Wortlaut vor, und der entscheidende Abschnitt verdient als Dokument Borges egten überbracht. Jetzt liegt das Urteil im Ausnahmen dem Staate. Ueber die Behandlung und Bezahlung Wortlaut vor, und der entscheidende Abschnitt verdient als Dokument der Beamten und Arbeiter, die im Eisenbahndienst beschäftigt zeitgenössischer Rechtsprechung verzeichnet zu werden. find, verfügt demnach der Staatsminister, den der Landtag zu kon- Nebensächlich ist die Frage, ob die Behauptung der Verurteilten trollieren hat. Erst in der letzten Seffion des Reichstages haben in der Stadtverordneten- Sizung Wahres oder Unwahres enthielt; Parteigenoffen im Freiberger Streise wie überall haben niemals die wir ein Beispiel davon gesehen, was das heißt. Kaum das Gericht sah die Behauptung als nicht erwiesen an und berüc- persönliche Ehrenhaftigkeit und die agrarische Ueberzeugungstreue daß es möglich war, einige Fälle politischer Maßregelung sichtigte nicht, daß, wie die Dinge lagen, der Beweis der Wahrheit des Herrn Dr. Dertel„ angerempelt", sondern diese Eigenschaften von Eisenbahnern dort auch nur zur Sprache zu bringen. für die Angeklagten jedenfalls ausgeschlossen war, da ihn zu führen stets anerkannt. Socialistischerseits mußte man sich erst darauf berufen, daß Minister die Auslieferung der betreffenden Beamten bedeutet hätte. WefentBudde im Landtage erklärt hatte, sich im Reichstag über das lich und entscheidend ist nur die Auffassung der Richter vom gleichen Koalitionsrecht der Eisenbahner auseinandersetzen zu wollen, um Recht und vom socialdemokratischen Ausnahmerecht. Die Angeklagten wenigstens darüber einige Worte sagen zu dürfen, die aber, weil verwahrten sich gegen die Zumutung, die Beamten, deren Interesse eben die Eisenbahn- Verwaltung den Staaten untersteht, auch nur sie ja gerade vertraten, beleidigt zu haben. Sie erklärten, daß sie Proteste blieben. Ueber die Bezahlung und Arbeits- dasselbe Maß von persönlicher Ehrenhaftigkeit befäßen wie andre bedingungen der Eisenbahner hat der Reichstag beim nichtsocialdemokratische Stadtverordnete und daß ein Polizeiheutigen Stande der Gesetzgebung nichts zu sagen, das ist beamter, der ihnen Mitteilungen oder Beschwerden bringe, ebensowenig die Domäne des Landtages, ebenso steht es mit vielen Einzel- hierdurch Achtung an berlieren könne heiten der Tarifpolitik und der Verkehrsanordnungen. wenn er die Mitteilungen und Beschwerden an Stadtverordnete Wie oft es da nötig wäre, daß berufene Vertreter der Arbeiter mit konservativer oder liberaler Gesinnung bringe. Dieser unt erder Herrdem vollen Gewicht der hinter ihnen stehenden Massen ihre Stimme fchaft wirklich gleichen Rechtes unanfechtbare Standpunkt ist jedoch erheben, braucht nicht erst gesagt zu werden. nicht der Standpunkt der Richter von Halle. Die Richter gelangten vielmehr zu dieser bemerkenswerten Folgerung: Dem Landtag untersteht ferner die Verwaltung der Staatsbergwerke mit ihren vielen Tausenden von Arbeitern und die Aufsicht über das gesamte Bergwesen im Staate, ferner die Verwaltung der Forsten und Domänen, die gleichfalls ein ganzes Heer von Beamten und Arbeitern neben der großen Zahl von Domänenpächtern betrifft. Kann in Bezug auf die Domänen des Staates der Landtag direkt für eine große Anzahl Landarbeiter sorgen, so fällt in sein Thätigkeitsbereich auch ein großer Teil der allgemeinen Gesetzgebung hinfichtlich der Landwirtschaft. Der Landtag hat weiter das Schulwesen oder vielmehr fast das ganze öffentliche Unterrichtswesen unter sich. Das Wohl der Lehrerschaft, der Geist, in dem die Schule geleitet wird, die Bestimmung über das was und wie des Unterrichtsstoffes unterstehen seinem Einflusse bezw. seiner Entscheidung. Der Landtag hat einen großen Einfluß auf die Gerichtsverwaltung und das Gefängniswesen. Er ist die Instanz für einen großen Teil jener Vorkommnisse in der Justizverwaltung, welche gerade hinzu: Und dieser Verhegung der Völkermassen bis in die Reihen der Schulkinder und selbst der Schulmädchen hinein, dieser Anrempelung eines persönlich ehrenhaften und politisch überzeugungstreuen Charakters mit einem gehäffigen Schlagworte und mit Beschimpfungen glaubt das socialdemokratische Centralorgan fich noch rühmen und freuen zu dürfen!" fondern das Wahlbild hat erzählt, was vorgekommen ist. Unfre Thatsächlich hat sich der Vorwärts" weder gerühmt noch gefreut, Weiter aber wütet der liebliche Schußengel„ Germania": Wenn die Socialdemokratie es darauf abgesehen hat, die ruhigen Reichstagswähler durch eine jahrelange gehässige Wahlagitation zu berhezzen, um dann in der Siedehize der Wahlbewegung ihre Anhänger in ähnlicher Art und Weise, wie es in Freiberg gegenüber dem Dr. Dertel geschehen ist, zu Hezansammlungen zusammenzurufen, die den gegnerischen Abgeordneten mit Schimpfworten selbst auf offener Straße trattieren, und wenn die socialdemokratische Ver hezzung selbst bei Schulkindern und als Schulmädchen sich " in solcher Weise wie in Freiberg geltend macht, dann darf der Vorwärts" sich allerdings nicht darüber wundern, daß diese unanständige, verheßende und pöbelhafte Wahlagitation auf feiten der Socialdemokratie ernster ins Auge gefaßt werden muß." Selbst in der gespielten Wut bekundet das Centrumsblatt Das Maß der persönlichen Ehrenhaftigkeit der Neigung zur Einschränkung der Wahlfreiheit. Was mag es fordern, Angeklagten ist jedoch im vorliegenden Falle ebenso unerheb- wenn es einmal erst in Born gerät? " I ich wie die Frage, ob etwa Nichtbeamte durch zutragen von Es ist gröbste Fälschung, daß die Socialdemokratie ihre Beschwerden an die Angeklagten an Achtung einbüßen würden. Anhänger zu Heßversammlungen zusammengerufen habe, die den Hier handelt es sich lediglich vielmehr um die Frage, ob es gegnerischen Abgeordneten mit Schimpfworten felbft auf offener Straße in der öffentlichen Meinung mit Rücksicht auf die notorisch auf traftieren" 2c. So etwas ist natürlich niemals und nirgends geUmwälzung der gegenwärtigen focialen und staatlichen Ordnung schehen und konnte im Wahlbild nicht erzählt werden. Die Scenen, gerichteten Bestrebungen der focialdemokratischen Partei einerseits die geschildert wurden, waren Bekundungen des Voltsunwillens, die und die den Beamten der Polizei obliegende ent- ohne jedes socialdemokratische Zuthun ausbrachen. Wenn solche gegengesetzte Verpflichtung zur Unterstützung der Behörden in der Scenen nicht wünschenswert sind, so find nicht die Socialdemokraten Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung andrerseits, als mit der im Freiberger Kreise daran schuld, sonden kein andrer als Amitsstellung eines Polizeibeamten bereinbar gilt, fich mit Be- Herr Dr. Dertel und seine agrarischen Parteifreunde, die den schwerden und besonders über innerdienstliche Vorgänge an Mit- extremen Agrarier in einem Streise des industriellen Sachsen, den glieder dieser Partei zu wenden. Nach der aus der Verhandlung Brotpreiserhöher in einem Kreise der ärmsten Bevölkerung, den Verbom Gericht gewonnenen Ueberzeugung und wie demgemäß für treter der schmählichen Jdee von der Wiedereinführung der Prügelerwiesen erachtet ist, ist aber darüber fein Zweifel, daß in Salle strafe in einem Kreise fulturell geweckter Arbeiterschaft zum Siege a. S. sowohl in der gesamten Bevölkerung, so weit führen wollten. Das war eine tolle Herausforderung, die allerdings größte Erregung und außergeldöhnliche Verhältnisse hervorrufen �..tjjfe. Nur die vielbewährte Centrums- Scheinheiligkeit bernmg öas Freiberger Wahlbild so umzufälschen und so auszunutzen, wie es in der„Germania" versucht wird. Die„Germania" unterschlägt durchaus alles, was im Freiberger Kreise von thätlichcn Bcr gcwnltigungcn seitens der konservativen Parteile ut gegen Socialdemokraten nicht nur, sondern auch gegen Llationalliberale begangen worden ist. Die„Germania" ist auch sehr unvorsichtig. Wenn es ihr gefällt, sind wir gern bereit, ihr zu den schon mitgeteilten mit einigen weiteren Wahlbildern aus Centrumskreisen aufzuwarten, In Ccntrumskreisen ist es nicht eine weniger verantwortungsvolle Menge, die in lebhaften Worten ihren Empfindungen Lauf läßt, da find es Parteimitglieder und Parteiführer, die zum Schimpfwort die brutale That fügen. Weiß die„Germania" noch nichts davon, daß z, B, im Wahlkreise Dllren-Jülich der Vertrauensmann der Social demokratie mit Not dem Geschick entging, von fanatisierten Centruins leutcn in den Teich geworfen und ertränkt zu werden? Es ist freilich an der Zeit, die Wahlagitation des Centrums einer ernsten Prüfung zu unterziehen! Vom Landtngs-Wahlreglement. Der„Vorwärts" hat bereits darauf hingewiesen, daß die Ab änderung des Wahlreglements als ein erster Erfolg der Social' demokratie zu betrachten ist. Freilich konnte, was wir seit länger als Jahresfrist betont haben, lange bevor der vorige preußische Land- tag zu seiner letzten Session zusammentrat, eine völlige Beseitigung der Schwierigkeiten nur auf dem Wege der Gesetzgebung, nicht des Reglementerlasses erfolgen. In der That ist auch auf Grund des neuen Reglements die gesetzmäßige Durchfiihrung der Wahl z, B. in allen solchen Wahlorten völlig ausgeschlossen, wo kein Raum existtert, der sämtliche Wahlmänner gleichzeitig faßt,, Das neue Reglement ist aber sehr wenig durchdacht und führt zu allerlei kuriosen Zuständen, Der Z 27 bestimmt nicht nur, daß jeder Wahlmann in solchen Wahlkreisen, wo mehrere Abgeordnete zu wählen sind, gleich soviel Namen zu nennen hat, wie Abgeordnete zu wählen sind, sondern legt gleichzeitig der Reihenfolge der Namensnennung eine weitgehende Bedeutung bei. Im Z 27 heißt es:„Sind mehrere Abgeordnete zu wählen, so hat jeder Wahlmann sogleich anzugeben, wen er an erster, zweiter oder dritter Stelle zum Abgeordneten wählt." Und weiter im§ 28:„Gewählt ist, wer die absolute Stimmenmehrheit(mehr als die Hälfte der ftir das betreffende Abgeordnetenmandat abgegebenen gültigen Stimmen) erhalten hat. Ergiebt sich keine absolute Stimmenmehrheit, so findet zwischen denjenigen b e i d e n Kandidaten, welche die meisten Stimmen erhalten haben, eine engere Wahl statt; zc," Wir wollen statt jeder Kritik an einem krassen, aber sehr leicht möglichen Fall zeigen, daß nach dieser Vorschrift das Gegenteil des bei der Wahl beabsichtigten Resultats herauskommen kann, wenn die Wahlmänner außer den Namen der Kandidaten nicht auch die Reihenfolge gut auswendig gelernt haben oder aus sonstigen Gründen die Reihenfolge der Namensnennung abändern. Wir fassen als Beispiel einen Wahlkreis der Provinz Posen ins Auge, in dem die drei bisherigen Abgeordneten nur dadurch gewählt werden konnten, daß die Konicrvativen, Nasionalliberalen und Freisinnigen gegen die Polen gemeinsaine Sache machten, indem jede der drei Parteien ein Mandat erhielt. Nehmen wir an, daß dieses Mal von 100 Wahlmänncrn 22 konservativ sü,), 18 nationalliberal in,), 11 freisinnig(f.) wären, während die Polen in zwei Richtungen zerfielen, eine demokratische Richtung(dp.) mit 25 Wahlmännern, eine aristokratische(ap.) mit 24 Wahlmännern. Verliefe die Wahl genau so, wie es die Verfasser des neuen Reglements gedacht, so ergäbe das gleiche Wahlbündnis wie 1898 folgendes Resultat: Die absolute Majorität 51 ist nirgends erreicht; es finßct also für alle drei Mandate Stichwahl statt und zwar für alle drei Mandate zwischen den beiden Polen, die vereinigten Konservativen, Nationalliberalen und Freisinnigen sind trotz ihrer absoluten Majorität vollständig ausgefallen!! Nehmen wir selbst an, daß dieser außerordentlich komische Fall sich nirgends voll verwirklicht, so lehrt das Beispiel doch, ivie viel Ueberraschungen die neue Vorschrift bringen kann, namentlich auch, wie viel unnütze Stichwahlen dadurch herbeigeführt werden können; dazu genügt, wie ein Blick auf die zweite Tabelle lehrt, unter Umständen schon ein Irrtum weniger Wahlmänner bei der Reihenfolge der Namen- nennung, Es hätte für das Staatsministerium außerordentlich nahe ge- legen, einfach das Verfahren für die UrWahlen(Reglement §§ 15, 1ö, 17), bei denen ja in den meisten Bezirken zwei Wahl- männer zu wählen sind, auf die Abgeordnetenwahl zu übertragen. Wir erlauben uns die bescheidene Anfrage an das hohe Staats- Ministerium, weshalb es geglaubt hat, hier eine neue Form finden zu müssen. Wir können unmöglich annehmen, daß es nur tnis dem Grunde geschehen ist, um vor aller Welt zu beweisen, wie unfähig die Herrn Regiernngsbeamten sind, die Konsequenzen ihrer Vor- schriften zu durchdenken.— Militärische BckleidungsreglementS. Die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" bringt eine Betrachtung über die Gründe des Rücktritts des K r i e g s m i n i st e r s v. G o ß l e r. Nur sind diese Gründe vollkomnien bekannt und man braucht nicht nach neuen zu suchen; Herr v, Goßler gilt nicht als geeignet genug, um die bevorstehenden Heeresforderungen bor dem Reichstage zu vertreten. ES ist darum nichts als ironischer Scherz, wenn die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" sagt, der Schlüssel zu der Frage des Goßlerschen Rücktritts sei zu finden,„wenn man die Be- leidunßsreglements des preußischen Heeres durchmustert und zusammenstellt, was in der Equipierung von Offizieren und Mann- schasten unter Goßlers Leitung alles verändert und neugeschaffen worden ist"; kaum e i n Stück der militärischen Ausrüstung habe nicht in dieser Zeit eine neue Verordnung erfahren und es sei m diesen unter der die Form wechselten Stickereien dem Rang eine in militärischen Kreisen übliche Phrase,„daß, wenn Kaiser Wilhelm I. ans dem Grabe emporstiege, er den preußischen Soldaten in seiner heutigen Ausstattung nicht mehr wiedererkennen würde". Natürlich war Herr v, Goßler nicht der leitende Mann bei all den Veränderungen) im Militär-Bekleidungswesen und er verdankt diesen kostspieligen Veränderungen nicht den jetzigen Rücktritt, sondern umgekehrt die lange Dauer seiner Kriegsministerschaft, Es ist ge- imgsam bekannt, daß jene Verordnungen unmittelbar aus dem Militärkabinett des Kaisers kommen. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung", die ja in einiger Hinsicht die Kritik des Modeknrses betreibt, plaudert weiterhin ganz amüsant über diese Dinge und erzählt einiges, was noch nicht allgemein be' kannt war. Nichtig ist, sagt das Blatt, daß unter keiner Verwaltung Dingen mehr Versuche gemacht worden sind als des letzten Kriegsministers, Die Farbe der Mäntel, der Litewken, die erst kürzlich wieder die Farbe und statt einer zwei Reihen Knöpfe erhielten, die am Kragen, die Zulässigkeit der Kragenöffnung, je nach der Offiziere, die Form der Sporen, der Besatz der Mützen: kaum eine Woche verging, wo nicht das Heer von einer neuen Reglementierung überrascht wurde. Diese unaiifhLrlichen Bcr- änderuuge» kosten natürlich sehr viel Geld. Die Bekleidung der Offiziere ist in den letzten Jahren außerordentlich viel kostspieliger geworden, und während besonders den jüngeren Herren dringend Sparsamkeit angeraten wird, bereiten ihnen z, B, allein die jetzt vorschriftsmäßigen hohen und elegante» Stiefeln eine Jahres Mehrausgabe von Hunderten von Mark. Von den Medaille» und Abzeichen, die als besondere Auszeichnungen im letzten Jahrzehnt geschaffen worden sind, soll nicht weiter gesprochen werden. Ein Witzblatt brachte vor einiger Zeit das Bild eines Musketiers, ans dessen Uniform alle diese modernen Erfindungen angebracht waren. Es blieb kaum ein Centimeter seines Rockes, des Kragens, der Aermel unbedeckt. Diese Dinge werden auch von loyalen Männern des Heeres mit wachsendem Unwillen kritisiert. Dem stärksten Widerstand begegnete die plötzliche und ganz unerwartete Einführung eines neuen Griffes— das„angezogene Gewehr"— im vorigen Jahre. Es besteht nur eine Stimme, daß diese Neuerung nicht nur vollständig überflüssig, sondern direkt schädlich war, Sie erfolgte in Erinnerung an die Schlacht von Leuchen, aber der Griff selbst soll aus Amerika geholt sein, wo ihn Prinz Heinrich bei der Parade von Milizen beobachtet hatte und wohin er in der Fnedericianischen Zeit von deutschen Soldaten im- portiert wurde. Dort aber wird cr mit Nonchalance geübt und ans- geführt, die bei der herrschenden losen Disciplin natürlich ist. Im deuffchen Heere muß er, wie alles, bis zur Vollendung vervoll- kommnet werden, und da er höchst unbequem und im Marsche schwierig ist, nimmt seine präzise Erlernung un verhält nisniäßige Zeit in Anspruch, Nun war gerade die diesem Griff entsprechende Ehrenerweisung mit„angefaßtem" Gewehr seit Anfang der neunziger Jahre abgeschafft worden, und niemand vermochte das Bedürfnis zu ergründen, jetzt dafür einen Ersatz zu schaffen. Außerdem aber sagte nian sich in dem Teile der Oeffentlichkeit, der selbst die zweijährige Dienstzeit für zu lang erachtet, daß die Ausbildung des Infanteristen doch nicht so zeit- rgubend sein könne, wenn man sie ohne erkennbaren Grund mit derarsigen Aeußerlichkeiten von neuem belaste. Eine Zeitlang hat die Absicht bestanden, dieses Rovum in der ganzen Armee einzuführen. Glücklicherweise ist zunächst nur die Garde- Infanterie damit beschenkt worden, aber es dürste kaum einen Lieutenant in der ganzen Armee geben, der über diesen neuen, that- 'ächlich höchst unpraktischen Griff nicht seine Glossen gemacht hätte, Eine freisinnige Heldenthat. Aus Sachsen wird uns ge- schrieben: Die Freisinnigen im ersten sächsischen Reichstags-Wahl- kreise(Zittau zc.) hatten schon vor Beginn der Wahlagitation be- 'chlossen, den socialdemokratischen Reichstags- Abgeordneten des Kreises, Edmund Fischer, in ihren Versammlungen nicht reden zulassen. In der Oeffentlichkeit begründeten sie ihren Beschluß damit, Fifcher habe die Freisinnigen in ungebührlicher Weise bekämpft, Daß dies lediglich eine Ausrede war, bedarf kaum einer Beweisführung. Das Wahlkomitee der Freisinnigen hatte sich auch an das Wahl- komitee der Nationalliberalen gewandt, in gleicher Weise gegen Fischer vorzugehen. Die Nationalliberalen haben das abgelehnt mit der Erklärung, sie hätten keine Ursache, gegen Fischer die Klage des verletzten Anstandes zu erheben, wenn sie aber jeden Gegner aus ihren Versammlungen ausschließen wollten, der den Anstand verletze, so hätten sie nie— einem fteisinnigen Redner das Wort geben dürfen. Etwas andres konnten die Frei- innigen ja auch nicht anführen, als einige Krastausdriicke, die Fischer in dem von ihm herausgegebenen„Armen Teufel" gegen den Inhalt einer Brofchüre gebrauchte, die von dem Landesverein der Freisinnigen Volkspartei sin Sachsen zur Agitation herausgegeben wurde und die allerlei Verleumdungen über die ocialdemokratic enthielt, Aus Wut über ihre schmähliche Niederlage bei der Wahl haben nun die Freisinnigen ihrem Vorgehen'gegen Fischer die Krone auf- gesetzt: Der„Geichäftsführer" des Landesvereins der Freisinnigen Volkspartei im Königreich Sachsen, der dies Pamplet verfaßt hat, hat nun Beleidigungsklage gegen Fischer eingereicht. Um das richtig würdigen zu. können, mutz man den Inhalt der Broschüre kennen. Neben anderm heißt es in dieser offiziellen Parteischrift der Freisinnigen Volkspartei auf Seite 12 wörtlich:„Eigentum ist Diebstahl", lautet der Hauptlehrsatz der Anhänger von Karl Marx und Engels." An andrer Stelle wird gesagt, die Socialdemokraten kennen„mir Rechte des Arbeiters und Pflichten des Arbeitgebers, aber nie Rechte des Arbeitgebers und Pflichten des Arbeiters", und die Socialdemokraten erklärten das in ehrlicher Arbeit erworbene Kapital ebenso für„Diebstahl", wie das un- ehrlich erworbene. Ferner wird gesagt, nach dem social- demokratischen Programm solle die Familie beseitigt"werden, Mann und Frau sollten nur noch eine Schlafftelle haben usw. Fischer hatte die Broschüre, die im Zittauer Wahlkreise ver- breitet wurde, in einem Zeitungsarttkel— im Januar d. I, - erwähnt und den Inhalt„geradezu blödsinnig dumm", niedere Verlogenheit" und„hirnerweichende Dummheit" genannt. Außerdem sprach er von einem„fteisinnigen Lügenpeter" und„ftei- sinnigerESudelfritzen". In diesen Ausdrücken fühlt sich der Ver- 'asser der Broschüre— dessen Namen Fischer nicht erwähnte—„be- leidigt". In allen Wahlversammlungen, die der mutige Freisinns- mann in der Lausitz abhielt, hatte er bereits angekündigt, er werde daftir sorgen, daß Fischer auf ein paar Monate ins Gefängnis komme. Dieses freisinnige Endziel wird ja nun leicht noch nicht erreicht werden, da auch ein sächsisches Gericht den Geschäftsführer der Freisinnigen Volkspartei nicht als eine Majestät bewerten dürste. Aber das Heldenstück, das sich der Landes- verein der Freisinnigen Volkspartei in Sachsen aus Wut über seine Niederlage hiermit leistet, zeigt, aus welchem Stoffe die„Führer" des spärlichen Restes der Freisinnigen beschaffen sind, Politik in Kriegervereinen. AuS Thüringen Ivird uns be- richtet: Der Kriegerverein in Mertendorf bei N a u m b u r g chloß eine Anzahl Mitglieder aus, von denen nachgewiesen e i n s o l l, daß sie für den Genossen Thiele gestimmt haben und auch der socialdemokratischen Partei angehören. Woher weiß der Vorstand für wen die Mitglieder gestimmt haben?— Im Coburger Land, wo die Kriegerveremler, aller Berechnung nach für den Social- demokraten Krüger gestimmt haben müssen, taufte der Volkswitz einige dieser Vereine Krüger vereine.— Einen Reinigungs- Prozeß sollen die Kriegervereine des Ziegenrücker Kreises vornehmen, so wünschte eK ein Herr v. Breitenbauch, seines Zeichens Land rat dieses Kreises, auf demKreis-Kriegerfest inLiebschütz am vergangenen Sonntag. Vielleicht fällt die Reinigung so gründlich aus, daß von den ganzen „unpolitischen" Kriegervereinen nichts mehr übrig bleibt.— Im Schleusinger Kreise suchte man die Mitglieder dadurch zu cr- 'chrecken, daß man ihnen sagte: Wenn Ihr socialdemokratisch wählt, nimmt man Euch die Fahne weg, und die Vereine, die keine Fahne haben, dürfen nicht an der Kaiserparade teilnehmen. Wie aus dem Stimmenverhältnis zu ersehen ist, haben die Kriegerveremler, soweit sie Arbeiter, auf die Fahne* und die Parade gepfiffen, sie haben ihrem Arbeiter- Vertreter ihre Stimme gegeben. Wenn die„große Reinigung", um die sich auch im Schleusinger Kreis ein Baron bemüht, erst los- geht, dann ade! ihr vielumworbenen Kriegervereine. Aus Trier wird uns geschrieben: Die„Trierische Landes- zeitung" berichtet über die Generalversammlung des hiesigen Veteranen- und Kriegervereins, In der Versmnmlung ist auch der O b e r b ü r g e r m e i st e r der Stadt, Regierungsrat de N y S, als Redner aufgetreten. Im Anschluß an Ausführungen des Vereins- Vorsitzenden sagte der Oberbürgermeister nach dem Bericht des ge« nannten Blattes:„Man habe sich von politischen Dingen ferngehalten, aber wenn man das angreife, was die Wurzel des Vereins ist, so sei man doch verpflichtet, mit Energie einzugreifen. Die vor kurzem stattgefundene Reichstagswahl habe doch gezeigt, daß viele ini geheimen arbeiten und nicht ruhen. Die Socialdemokraten greifen Leute an, die im Kriegerverein sind, und wenn einer davon etwas leichtsinnig ist, dann sei er bald umgeworfen. Wenn ein solches Element auftrete, dann möge doch jedes Mitglied suchen, sich möglichst davon fern zu halten und ihm kein Gehör schenken. Sollte aber ein Mitglied merken, d a ß ein andres Mitglied den Socialdemokraten Gehör schenke, dann solle er das dem Vorstaude sofort mitteile», damit der Verein von diesen Leuten gereinigt werde," Das kann eine nette Schnüffelei werden. Nicht einmal„Gehör schenken" dürfen die Kriegervereinler den bösen Socialdemokraten, Schade, daß man die Braven nicht kasernieren und von aller Politik absperren kann!— Tüiislaucl. Oestreich-Ungarn. Tie Obstruktion der ungarischen Unabhängigkeitsvartei gegen das Kabinett Khuen-Hedervary hat zum Austritt einiger der hervor- ragendsten bisherigen Mitglieder aus dieser Partei geführt. In einer am Mittwochabend abgehaltenen Sitzung erklärte Franz Kossuth, daß er das Präsidium der Partei niederlege; ebenso erklärten die Vicepräsidenten Julius Justh und Bela Komjathi ihren Rücktritt. Gleichzeitig erklärten sie ihren Verzicht auf die Stellen im Ausschusse, die sie als Mitglieder der Unabhängigkeitspartei innehaben; sie würden denselben dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses mitteilen. Kofftith begründete seinen Rücktritt von der Leitung der Partei da- mit, daß eine Anzahl Mitglieder der Partei den einhelligen Beschluß betreffend Einstellung der Obstruktion nicht beachteten. Die Fortsetzung der Obstruktion werde damit motiviert, daß auf diesem Wege nationale Errungenschaften in der Heeresfrage durchgesetzt werden könnten. Es sei sein heißester Wunsch, daß die nationalen Wünsche in der Arnieefrage in Erfüllung gehen, doch glaube er nicht, daß dieser Weg zum Ziele führe, ja er müsse diesen für höchst bedenklich erklären und voller Gefahren.— England. Der englische Außenhandel in den letzten sechs Monaten. London, 13. Juli,(Eig, Ber.) Angesichts der neuen zollpolittschen Pläne Mr. Chamberlains wird die jetzt vorliegende Handelsstatisttk der ersten Hälfte des laufenden Jahres viel untersucht und kommenttert. Sie wird vielfach als ein Beweis zu Gunsten des Freihandels be- wachtet, indem darauf hingewiesen wird, daß die Ausfuhr sich günstig gestaltet. Der Außenhandel des Vereinigten Königreichs zeigte während der Berichtsperiode folgende Bewegungen: Einfuhr: 260 529 889 Pfd. Sterl. Ausfuhr: 178 570 493.. Die Einftlhrziffer repräsentiert Kost, Versicherung und Fracht; die Ausftihrziffer nur Kost und Fracht bis zur Verschiffung. Gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres zeigt die Einfuhr eine Abnahme von 2 210 199 Pfd. Sterl,; die AuSftlhr eine Zunahme von 7 147 051 Pfd. Sterl. In Gruppen geteilt, stellen sich diese Ziffern wie folgt: 1. Nahrungsmittel und Tabak: Einfuhr: 105 290 534 Pfd. Sterl. Ausfuhr: 2. Rohstoffe für Industrie: 3. Halb- und Ganzfabrikate: 6 788 833 86 331441 17 453 763 67 727 867 Einfuhr: Ausfuhr: Einftihr: Ausfuhr: 116 364 792.~ 4. Wiederausfuhr fremder und kolonialer Einfuhr: 36047 868„ Die Abnahme der Einfuhr gegenüber der gleichen Periode des Borjahres entfällt vornehmlich auf Kornstoffe und darf»hne Zweifel dem bis jetzt bestandenen Kornzoll zugeschrieben werden. Und es ist interessant zu bemerken, daß Kanada das einzige Land ist, das eine Zunahme aufweist. Die Zunahme der Ausfuhr verteilt sich ziemlich gleichmäßig auf alle Industriewaren; jedoch ist sie besonders bedeutend in der Eisen- und S t a h l i n d u st r i e, wo die Zunahme 2 239 282 Pfund Sterling bettägt. Diese Mehrausfuhr ging hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten und nach den britischen Kolonien. Es wird allgemein hervorgehoben, daß auf den amerikanischen Markt nicht zu rechnen ist, da die Vereinigten Staaten bald im stände sein würden, ihren Konsum an Eisen aus heimischen Ouellen zu decken. Dagegen zeigt die Ausfuhr von Baumwollwaren, der Stapelindustrie Englands, nur eine Zunahme von 0,8 Proz., die Einfuhr aber eine Zunahme von 35,4 Proz. Ebenso zeigt die Ein- fuhr von Kleidern eine Zunahme von 503,9 Proz,, die Ausfuhr aber eine Zunahme von nur 13,7 Proz. Die Hauptausfuhr Englands besteht in Baumwollwaren, Eisen und Stahl und Kohle. In der Berichtsperiode stellten sich diese Ausfuhrziffern: Baumwollwaren... 36 520 665 Pfd. Sterl. Eisen und Stahl... 15 590 383„. Kohle....... 13 245 348. Vier Fünftel der englischen Rohstoff-Aussuhr bestehen in Kohle. Rnstland. Die russische Polizei gegen die revolutionäre Propaganda. Die Polizei von Charkow hat, wie dem„Pcuple" aus Petersburg ge- schrieben wird, eine strenge Ordre erlassen, wonach es den Einwohnern verboten ist, Feuerwaffen, Stockdegen, Schlagringe und ähnliche Waffen zu tragen. Die Waffenhändler sind angewiesen, nur solchen Leuten Waffen zu verkaufen, die im Besitz eines polizeilichen Er- laubnisscheines sich befinden. Den Fabrikbesitzern ist aufgegeben worden, über ihre Arbeiter zu wachen, daß dieselben keine Waffen bei sich haben, keine verbotenen Schriften lesen und daß in den Werk- stättcn keine revolutionäre Propaganda gettieben wird. Für die ge- ringsten Verstöße gegen die öffentliche Sicherheit sind Strafen bis zu 500 Rubel bezw. 3 Monaten Gefängnis vorgesehen,— Die Regierung des Zaren scheint nie begreifen zu wollen, daß man revolutionäre Bewegungen nicht mit dem Polizeiknüppel totschlagen kann.— Asien. Zur Mandschnreifragc. Das„Rcutersche Bureau" fährt fort. über russische Kriegsvorbcreitungen in Ostasien zu berichten. Es weiß aus Port Arthur vom 14, d. M, über Tschifu zu melden, daß die Beratung russischer Diplomaten vorgestern beendet worden und der letzte Sonderzug mit Teilnehmern an der Beratung gestern nach Moskau abgegangen sei. Es wurde zugegeben, daß die Möglichkeit eines Krieges erörtert worden sei, doch werde erklärt, daß dies nicht der Gegenstand der Beratung gewesen. Es zeige sich deutlich, daß feit der Ankunft des Kriegsministers Kuropatkin Rußlands kriegsmäßige Vorbereitungen im Wachsen seien und die Absicht bestehe, mehr Truppen in die Mandschurei zu bringen. Unternehmer in Port Arthur hätten in der vorigen Woche Aufttäge erhalten zur sofortigen Beschaffung von Baumaterialien zur Er- " 1 richtung von Baraden für 20 000 Mann, die aus Charbin abgehen| Blätter verurteilten seiner Zeit die Handlungsweise des katholischen Von der Gesamtsumme gingen 16 666 388 Doppelcentner( 16 976 681) sollen. Beamte, die an der Beratung teilgenommen haben, hätten Eiferers aufs schärfste, ohne deshalb behelligt zu werden. Weil aber im Werte von 579 808 360.( 582 301 404) ins Deutsche Reich, erklärt, der Widerstand Rußlands gegen die Oeffnung der die Volksstimme" in der Nummer 87 vom 15. April ebenfalls den 4 836 366 Doppelcentner( 4 327 723) im Werte bon 265 464 491 M. mandschurischen Plätze für den fremden Handel habe nicht seinen Staplan kritisierte und sein Verhalten scharf verurteilte, stellte derselbe( 248 534.007) nach den übrigen europäischen Ländern und 9 296 646 Grund in der Gegnerschaft gegen die Anwesenheit von Fremden, Strafantrag gegen den verantwortlichen Redakteur derselben und Doppelcentner( 8 446 064) im Werte von 186 738 601 m.( 173 912 898) sondern darin, daß fremde Konsuln in Städten, die thatsächlich unter so seltsam es flingt, aber es ist wahr der Staatsanwalt nahm nach transatlantischen Ländern. russischer Kontrolle stehen, bei der chinesischen Regierung beglaubigt sich dieses mit Gefängnis bestraften Herrn im angeblichen öffentlichen werden und die Kaufleute, die sie vertreten, außerterritoriale Rechte Interesse an und erhob Anklage gegen Genossen Albert. genießen sollen. Ein solcher Zustand würde sicherlich große Reibungen zur Folge haben, wie es in Niutschwang der Fall gewesen sei. Sociales. Menschen- und Rindertuberkulose. Dagegen wird aus Washington telegraphiert, daß auf eine baldige friedliche Lösung der Mandschureifrage zu rechnen sei. Es habe dort vorgestern eine Besprechung über die Mandschurei- Angelegenheit zwischen dem Staatssekretär Hah und dem russischen Geschäftsträger Hansen stattgefunden, welche einen durchaus befriedigen Medizinischen Gesellschaft( 1., 8. und 15. Juli) eifrig Ueber dieses Thema wurde in den letzten Sizungen der den Verlauf nahm. Dem japanischen Minister, der im Auswärtigen diskutiert. Bekanntlich galt und gilt es für überaus gefährlich, mit Amt vorsprach und sich über die Besprechung erkundigte, sei erklärt tuberkulösen Rindern in nähere Berührung zu kommen, weil die worden, Hays Politik in der Mandschurei- Angelegenheit sei lediglich Anschauung weit verbreitet ist, daß durch den Genuß der Milch darauf gerichtet, dort offene Häfen für die ganze Welt zu erlangen.tuberkulöser Kühe sehr leicht eine Uebertragung der Krankheit, der alljährlich Tausende zum Opfer fallen, auf den Menschen stattfinden kann. 1007,37 M. Partei- Nachrichten. " Auch die Schiffahrt Bremens hat im vergangenen Jahre eine weitere Zunahme gegenüber dem Vorjahre erfahren. Die Zahl der hier angekommenen Seeschiffe stieg von 4024 auf 4197 mit einem Tonnengehalt von 2984 410( im Vorjahre 2717 633) Registertonnen. Dagegen gingen ab 4502( 4136) Schiffe mit einem Gehalt von 3 004 690( 2 728 640) Registertonnen. Was die Nationalität der eingelaufenen und abgegangenen Schiffe betrifft, so waren sie der 2183 bremische und 1116 andre deutsche Schiffe mit 1752 045 bezw. großen Mehrzahl nach bremischer oder andrer deutscher Nationalität, nämlich von insgesamt 4197 Seeschiffen mit 2984 410 Registertonnen 384 925 Registertonnen. " Vom Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikat. Wie die teiligt, und zwar handelt es sich um die rumänische Petroleumdaß sie ebenfalls von der Diskontogesellschaft finanziert werden Geſellſchaft" Steaua Româna", von der es noch vor kurzem hieß, daß sie ebenfalls von der Diskontogesellschaft finanziert werden würde. Rheinisch- Westfälische Zeitung" erfährt, sind die Schwierigkeiten, die einer Verschmelzung des Coatssyndikats und des BrikettverkaufsVereins mit dem Kohlensyndikat entgegenstanden, nunmehr endVor etwa zwei Jahren teilte der berühmte Berliner Hygieniker gültig beseitigt worden, nachdem die Funkesche Gruppe ihren WiderDem Jahresbericht der Thüringer Agitationskommission, der in in London Resultate neuer Versuche mit; er hatte von 19 tuber tember stattfindenden Versammlung wird also beschlossen werden, Robert Koch auf einem Internationalen Medizinischen Kongreß stand gegen die Verschmelzung aufgegeben hat. In der am 15. Sepdiesem Jahre zum erstenmal den beteiligten Kreiſen gedruckt vor- fulösen Menschen erhaltenes Material auf Rinder überimpft, ohne daß daß das Coatssyndikat und der Brikettverkaufs- Verein ab 1. Oktober gelegt wurde, entnehmen wir folgende Einzelheiten: An Versamm in einem einzigen Falle das Versuchstier eine ersichtliche Schädigung 1903 in das Kohlensyndikat übergehen werden. Die von andrer Seite lungen wurden in den neun Monaten, die der Bericht umfaßt, 80 erlitt, ebenso zeigten sich nach der Tötung desselben in keinem Falle gebrachte Meldung, daß die Stinnesschen Zechen nicht beitreten abgehalten, dazu kommen noch 6 Versammlungen am 1. Mai. In Anzeichen, daß das Tier mit einer Tuberkulose infiziert gewesen war. würden, erklärt die" Rheinisch- Westfälische Zeitung" für unrichtig. dem größten Teil dieser Versammlungen war der Genosse Kalisti- Koch schloß aus diesen Versuchen im Zusammenhang mit zahlreichen Berlin, der der Thüringer Agitationskommission zur Verfügung ge- andren über die Wirkung der Impfung von Rind auf Rind sowie Industrie. Das Bestreben der deutschen Hochfinanz, die rumänische Die Berliner Großbanken und die rumänische Petroleumstellt war, Referent. Außerdem standen der Agitationskommission eine von und auf andre Tiere, daß die menschliche Tuberkulose von der Petroleum- Industrie von sich abhängig zu machen, scheint troh der Anzahl Thüringer Genossen als Redner zur Verfügung. Konferenzen Rindertuberkulose wesensverschieden sei; er sagte wörtlich:„ Ich fühle Gegenaktion der amerikanischen Standard Oil Company von Gr wurden 3 beschickt, darunter die Konferenz für die preußischen mich berechtigt, zu behaupten, daß die Tuberkulose der Menschen von folg gekrönt zu sein. Die am Dienstag in London abgehaltene Landtagswahlen. An Wahlzuschuß erhielten 9 Streife 14 200 m. der der Rinder sich unterscheidet und nicht auf das Rind übertragen Generalversammlung der Telega Oil Company Limited hat ein Ein von der Kommission herausgegebenes Flugblatt„ Reichstags- werden kann." Wähler" erschien in einer Auflage vont 105 000 und leitete den Wahlkampf ein. Der Kalender für 1903 erschien in größte Aufsehen, da seine Anschauungen, falls sie richtig waren, ge- find von der Diskontogesellschaft gezeichnet worden, die auch einen Kochs Vortrag und Behauptung erregten begreiflicherweise das um 80 000 str. auf 400 000 str. zu erhöhen. Die neuen Attien stimmig beschlossen, ihr jetzt 320 000 str. betragendes Aktienkapital 11 Kreisen in einer Auflage von 84 500. Ob die Agitations- eignet schienen, ein neues Licht auf die Krankheit selbst zu werfen erheblichen Teil der alten Aftien übernommen und sich im Verein mit fommission, die seit 1891 besteht, fernerhin bestehen bleibt, unter- und die vorbeugenden Maßregeln gegen sie nicht wesentlich um- dem Hause S. Bleichröder dadurch einen maßgebenden Einfluß in liegt dem Beschluß des am 2. August in Weimar tagenden Thüringer zugestalten und zu vereinfachen. Vielfach wurden Impfversuche mit dem Unternehmen gesichert hat, daß als ihre Vertreter die Herren Parteitages. Die einzelnen Kreise machten sich mit der Zeit selb- Rindern angestellt, teils mit positivem, teils mit negativem Erfolge. Geheimrat v. Hansemann, Direktor Johann B. Schroeder und ständig und glauben die Oberleitung entbehren zu können. Der Auch im kaiserlichen Reichs- Gesundheitsamt sind auf direkte Dr. jur. Solmisen sowie als Vertreter des Hauses S. Bleichröder socialdemokratische Verein Erfurt beantragt die Auflösung der Anregung bon Koch Agitationskommission in ihrer jeßigen Form. Bisher gehörten der worden, hin von neuem Versuche angestellt Dr. jur. Schwabach in den Aufsichtsrat eingetreten find. der deren Resultate in selben 11 Kreise an und verbleiben nach dem Austritt von 7 am mitgeteilt wurden. Auch sie haben bestätigt, daß von tuberkulösen Bankverein an einem rumänischen Petroleum- Unternehmen bemedizinischen Gesellschaft Auch die Deutsche Bank hat sich in Gemeinschaft mit dem Wiener 1. Juli nur noch 4 Kreise. Aus obigen Gründen wurden auch die Menschen erhaltenes Material auf Rinder wesentlich anders, unBorarbeiten für den Kalender 1904 nicht in Angriff genommen. schädlicher wirft, als solches, das von tuberkulösen Lieren, Rindern Der Kaffenbericht weist eine Einnahme von 2131 M. 17 Pf. und Schweinen, erhalten war. Von sechs kranken Tieren überauf, darunter an Beiträgen aus 666,80 M. Die Ausgabe beträgt 1498,71 M., darunter für Agitation und nur Material von einem einzigen Tiere schädigte die damit den einzelnen Streifen impftes Material rief stets eine schwere, allgemeine Tuberkulose hervor, und Versammlungen 384,70 M., für Kalender und Flugblätter geimpften Kälber weniger schwer. Bei den von tuberkulösen Menschen Friedrich Krupp, Aktiengesellschaft, Effen. Der jüngst verMitte Juli war ein Kassenbestand vorhanden von gewonnenen Bacillen- Kulturen ergaben sich dagegen wesentlich öffentlichte Jahresbericht der Handelskammer zu Essen enthält über 632,26 M. Der Bericht schließt mit dem Wunsche, daß der Thüringer andre Resultate. Im ganzen handelte es sich hier um 39 Kulturen; die geschäftliche Entwicklung der Firma Krupp in den beiden letzten Parteitag einen Weg finden möge, daß das Band der Zusammen- von diesen riefen 19 in den geimpften Tieren überhaupt keine Er- Jahren eine Reihe ausführlicher Angaben, die um so mehr Interesse gehörigkeit auch in Zukunft die Thüringer Kreise umschlinge, wie es scheinungen hervor, neun nach 4 Monaten ganz minimale Infektions- beanspruchen dürfen, als inzwischen bekanntlich die Umwandlung feit 1891 der Fall war. herde in den Bugdrüsen, die bald verkapselten und keine Neigung der Firma in eine Aftiengesellschaft erfolgt ist. Nach diesem Bericht Aus Marburg wird von uns die Aufnahme folgender Reso- zur Ausbreitung zeigten, fieben führten etwas stärkere Krankheits- gehören zur Zeit zu den Werken der Firma Friedrich Krupp: lution verlangt: erscheinungen herbei, die aber ebenfalls nicht fortschritten, und " Die außerordentliche socialdemokratische Parteiversammlung nur vier, die sämtlich von Rindern stammten( zwei von Miliarvom 29. Juni ist unangenehm berührt über die Rücksichtslosigkeit zwei von primärer Darmtuberkulose) erzeugten eine schwere Erkrankung des Vorwärts", der, nachdem die letzte Parteiversammlung vom der geimpften Rinder. 20. Juni mit großer Majorität beschlossen hatte, in der Stichwahl In der an diese Mitteilung anschließenden Diskussion standen zwischen dem Nationalsocialen v. Gerlach und dem Konservativen sich die Meinungen sehr schroff gegenüber. Der eine Teil, vor allem b. Pappenheim aus gewichtigen Gründen strengste Stimm- Prof. Drth, der Nachfolger Birchows, behauptete aufs ententhaltung anzuempfehlen ein Beschluß, der sofort durch schiedenste, daß Kochs Anschauung als irrig erwiesen sei; thatsächlich alle größeren Blätter ging( Franff. 3tg.") und per gedrucktes fei die Tuberkulose vom Menschen auf das Rind übertragbar und Cirkular an alle Vertrauensmänner auf dem Lande versandt wurde umgekehrt. Menschentuberkulose und Rindertuberkulose sei dieam 24. Juni( Nr. 144) eine Notiz brachte, in welcher unter selbe Krankheit und werde durch denselben Bacillus hervorgerufen. gänzlicher Nichtbeachtung des uns bindenden Marburger Partei- Daß Impfungen vom Menschen auf das Rind dieses nicht so beschlusses kategorisch die unbedingte Unterstüßung" v. Gerlachs schwer schädigen, wie die vom Tier auf das Tier, sei nicht vergefordert wurde. Die Versammlung ist ferner unangenehm be- wunderlich, Mensch und Rind seien so verschieden organisierte Wesen, rührt über die Taktlosigkeit, mit welcher der„ Vorwärts" über die daß man sich vielmehr wundern müßte, wenn ihr Organismus auf Köpfe der hiesigen Partei- Organisation und das Kandidaten Paul denselben Reiz in ganz gleicher Weise reagierte. Bader hinweg unsren rechtskräftig gewordenen Beschluß umzustürzen suchte und durch die Verwirrung, die er durch jene Notiz zumal unter den Genossen auf dem Lande anrichtete, auch thatsächlich umstürzte und unsre hiesige Parteivertretung dadurch in ein sehr schiefes Licht brachte, spricht der verantwortlichen Leitung des" Vorwärts" gegen drei Stimmen ein Tadelsvotum aus und bittet dringend um Veröffentlichung dieser Resolution im Die Marburger Parteigenossen hatten im Gegensatz zu der Haltung der Gesamtpartei beschlossen, in der Stichwahl zwischen dem fonservativen Agrarier und dem Nationalsocialen v. Gerlach sich der Stimme zu enthalten. Dieser Beschluß hätte die Wahl des Agrariers zur Folge gehabt. Vorwärts". Als wir von diesem unverständlichen Beschluß Kenntnis erhielten, thaten wir lediglich unsre Pflicht, als wir uns gegen ihn wandten. Unfre Notiz hatte die erwünschte Folge, daß die Socialdemokraten des Kreises zum großen Teil für Gerlach eintraten, so daß die Wahl des Konservativen gerade noch mit knapper Not verhindert werden tonnte. Ob der irrige Beschluß durch das unbegründete Tadelsvotum gegen den Vorwärts" richtiger wird, können wir dem Urteil der Partei überlassen. " Die Guß stahlfabrik in Essen mit einem Schießplaz in Meppen; das Kruppsche Stahlwerk in Annen i. W.; das Grusonwerk in Buckau bei Magdeburg; die Germaniawerft in Kiel; vier Hochofenanlagen bei Duisburg, Neuwied, Engers und Rheinhausen, eine Hütte bei Sahn mit Maschinenfabrik und Eisengießerei; drei Kohlenzechen, nämlich Zeche Hannover, Zeche Hannibal und Beche Sälzer u. Neuad; eine große Anzahl von Eisensteingruben in Deutschland, darunter 10 Tiefbauanlagen mit vollständiger maschineller Einrichtung; außerdem ist die Firma Friedrich Krupp an Eisensteingruben bei Bilbao in Nord- Spanien beteiligt. Ferner besitzt sie eine Reederei in Rotterdam mit Seedampfern. Auf den Hüttenwerten wurden im Jahre 1902 im Durchschnitt täglich zusammen etwa 1782 Tonnen( i. V. 1914 Tonnen) Eisenerz aus eignen Gruben verhüttet. Die Kohlenförderung auf den eignen Bechen betrug insgesamt 1 643 576 Tonnen ( 1 479 334 Tonnen). Der Gesamtverbrauch der Kruppschen Werke, Ebenso energisch wurde aber auch der Standpunkt vertreten, vor soweit sie von der Gußstahlfabrik versorgt wurden, betrug an Kohlen allem von Dr. Schüß, daß alle Versuche Koch recht gegeben 843 494 Tonnen, an Coats 369 201 Tonnen, Briketts 6630 Tonnen. hätten. Das sei ja ganz selbstverständlich, daß beim Experimentieren Dies ergiebt( Coats und Briketts in Kohle umgerechnet) einen Geab und zu es gelinge, ein Rind mit menschlicher Tuberkulose zu samtverbrauch der Kruppschen Werke, soweit sie von Essen versorgt infizieren, darum sei dies aber noch durchaus keine spezifische werden, von 1 367 005 Tonnen. Krankheit des Rindes, so wenig wie der Typhus eine des Hundes, Auf der Guß stahlfabrik waren im Jahre 1901 in den der Titanus eine des Huhnes, obwohl er an diesen Tieren zuweilen etwa 60 Betrieben in Thätigkeit: circa 5300 Werkzeug- und Arbeitsexperimentell erzeugt werden könne. Solche Ausnahmen fallen so maschinen, 22 Walzenstraßen, 141 Dampfhämmer von 100 bis wenig ins Gewicht, daß z. B. der anerkannte Tuberkulose- Forscher 50 000 Kilogramm Fallgewicht, 63 hydraulische Pressen, darunter Bering sage:" Es giebt wohl keine Tierart, die so durchfeucht ist zwei Biegepreffen zu 7000 Tonnen, 1 Schmiedepresse zu 5000 von der Tuberkulose wie das Rindvieh; versucht man aber, Rinder Tonnen und eine zu 2000 Tonnen Druckkraft, 323 stehende Dampfauf die Art tuberkulös zu machen wie Meerschweinchen und andre teffel, 513 Dampfmaschinen von 2 bis 3500 PS. mit zusammen Tiere durch subkutane Impfung mit tuberkulösem Material, jo 43 848 PS., 369 Elettromotoren, 591 Krane von 400 bis 150 000 verden sie so wenig geschädigt, daß man sie geradezu als tuberkulose Kilogramm Tragfähigkeit mit zusammen 6 327 900 Kilogramm immun bezeichnen muß." Epidemiologisch trete eben die menschliche Tragfähigkeit. Tuberkulose beim Rindvieh nicht auf, so wenig wie die Rindertuberkulose beim Menschen; es handle sich um zwei im Wesen verschiedene Krankheiten, die von Rind auf Mensch und umgekehrt im allgemeinen nicht übertragen werden. Die Aerzte sind also, wie man sieht, in der Wertung der Experimente durchaus noch nicht einer Meinung. So viel scheint immerhin bewiesen zu sein, daß Koch, der wie alle Aerzte von der einheitlichen ätiologischen( ursächlichen) Auffassung jeder ImpfDie Gesamtzahl der auf den Kruppschen Werken beschäftigten Personen einschließlich 4046 Beamte betrug am 1. April d. J. 41 013( i. 23. 43 083). Davon entfallen auf die Gußstahlfabrik Effen 22 970( 24 536), das Grusonwerk in Budau 2651( 2773), die Germaniawerft in Stiel 3062( 3987), die Kohlenzechen 6620 ( 6159) und auf die Hüttenwerke, Schießplatz Meppen usw. 5710 ( 5628). Die Mitarbeit von socialdemokratischen Schriftstellern an der tuberkulose ausging, gezeigt hat, daß Rinder- und Menschentuberkulose Deutsche Hypothekenbank, Aktiengesellschaft, Berlin. In der bürgerlichen politischen Presse bildete am Dienstag Gegenstand einer verschiedener sind, als man früher angenommen hatte. Aber trotzdem heute abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung wurde lebhaften Diskussion im Socialdemokratischen Verein für den bleibt es für die Einschränkung der Krankheit unter den Menschen einstimmig beschlossen, das Grundkapital um drei Millionen Mark zweiten Hamburger Wahlkreis. Schon im März war eine sehr wichtige vorbeugende Maßregel, die begründete Besorgnis auf zwölf Millionen Mark durch Ausgabe von 2500 Stück neuen aus der Mitte des Vereins heraus der Antrag gestellt worden, diese vor ihr in der Bevölkerung und bei den Behörden möglichst zu ver- Aktien zu 1200 M. zu erhöhen. Der Mindestkurs, zu dem die neuen Angelegenheit nach den Wahlen gründlich zu erörtern, was denn stärken und die Kenntnis der Schutzmaßregeln gegen sie: Absonderung Aktien ausgegeben werden sollen, wurde auf 112 Proz. normiert. auch am Dienstag geschah. Sämtliche Redner, die sich zur Sache der Kranken, Vermeidung der Berührung mit ihnen und ihren Die Festsetzung der näheren Bestimmungen betreffs Ausgabe und äußerten, waren darüber einig, daß es im höchsten Grade tadelns- Auswurfsstoffen, peinlichste Reinlichkeit, möglichst zu verbreiten. Zeichnung der neuen Aktien wurde dem Aufsichtsrat überlassen. wert sei, wenn Socialdemokraten in gegnerischen Blättern ParteiZur Begründung wurde von der Verwaltung ausgeführt, daß bis Angelegenheiten erörtern oder zum Beispiel die Parteimoral" schilderten, so wie sie dieselbe auffaßten. Niemand unter uns Ueber den achtstündigen Arbeitstag bei der Firma Karl Zeiß in werde sich daran stoßen, wenn Socialdemokraten in anständigen Jena geht jetzt nach der„ Vossischen Zeitung" eine Notiz durch die bürgerlichen Organen rein wissenschaftliche Artikel oder solche aus Presse, die zu ganz falschen Schlußfolgerungen verleitet. In WahrSpecialgebieten veröffentlichen; aber das Verzerren des Bildes der heit handelt es sich um Vorträge, die Professor Abbe am 5. NoSocialdemokratie zum Vergnügen der Gegner dürfe nicht geduldet vember und 5. Dezember 1901( also vor bald zwei Jahren) in der werden. Der„ Neuen Zeit" sei in ihrem Kampfe gegen diese Er- Staatswissenschaftlichen Gesellschaft in Jena gehalten hat. scheinungen durchaus Beifall zu zollen. Einstimmig wurde wesentliche Inhalt derselben ist zu Anfang des Jahres 1902 im folgende Resolution angenommen: Korrespondenzblatt der Generalfommission" publizirt worden. Der Achtstundentag ist bei der Firma Karl Zeiß in Jena seit 1. April 1900 ( nicht 1902) eingeführt und zur dauernden Einrichtung geworden. Die Mitgliederversammlung des Socialdemokratischen Vereins für den zweiten Hamburger Wahlkreis hält es für notwendig, daß die Frage der Mitarbeit von Socialdemokraten an politischen Preßorganen der Bourgeoisie vom Parteitag einer eingehenden Besprechung unterzogen wird, und erwartet, daß durch Parteitags= beschluß eine Norm geschaffen wird, welche Vorfälle, wie sie in diesem Frühjahr zu lebhaften Debatten Anlaß gaben, für die Zukunft berhindert. In derselben Versammlung wurde beschlossen, aus den Mitteln des Bereins 3000 M. an dic Parteikaffe in Berlin zu überweisen. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Aus Induftrie und Handel. Der zum 31. Dezember 1902 der Pfandbriefumlauf 117 352 900. betragen habe und dieser bis zum 15. Juli 1903 auf 126 536 700 m. gestiegen sei. Wenn keine Störung auf dem Pfandbriefmarkte eintrete, sei bis Ende des Jahres auf eine Zunahme des Pfandbriefumlaufes um 2-3 Millionen und im ersten Semester 1904 um 6-8 Millionen zu rechnen. Es würde somit die gefeßlich zuläffige Magimalgrenze, der fünfzehnfache Betrag des Aktienkapitals zuzüglich Reservefonds, d. f. 148 500 000 m., erreicht werden. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Zur Lohnbewegung der Maßschuhmacher berichten bürgerliche Bremens Schiffahrt und Handel. Die Handelskammer zu Bremen Blätter, daß der Streik beendet sei. Demgegenüber erklärt die veröffentlicht ihre statistischen Mitteilungen über Bremens Sandel agitationstommiffion der Schuhmacher, daß dies eine irrige Aufund Schiffahrt im Jahre 1902. Daraus ergiebt sich, daß sowohl der fassung sei. Die Beschlüsse, die von den Arbeitgebern angenommen Warenverkehr als der Schiffsverkehr Bremens im vergangenen Jahre wurden, sind keineswegs für die Arbeiter annehmbar. Die Arbeit eine erhebliche Steigerung gegen das Vorjahr erfahren haben. Die geber wollen nur bezüglich der am ungünstigsten bezahlten Arbeit Gesamteinfuhr ist von 40 462 473 Doppelcentner Nettogewicht im Werte in Verhandlungen eingehen, wohingegen die Arbeiter verlangen, daß Genoffe Robert Albert in Magdeburg wurde von der von 1 066 980 952 m. im Jahre 1901 auf 42 017 470 Doppelcentner für alle Tarifpofitionen Aufbesserungen vorgenommen werden sollen. dortigen Straffammer wegen angeblicher Beleidigung eines west- im Werte von 1082 959 112 M. und die Gesamtausfuhr von Nach Ausgleich dieses Gegensatzes treten Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- Kommission in Verhandlungen. fälischen Kaplans zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Die so ausgearbeiteten Ein katholischer 29 750 418 Doppelcentner im Werte von 1004 748 249 M. im Jahre nehmer- Kommission in Verhandlungen. Kaplan Wahle in Fröndenberg( jezt strafversett) hatte in Gemein 1901 auf 30 799 400 Doppelcentner im Werte von 1 032 011 452 m. Bestimmungen sollen mit dem 1. Januar 1904 in Kraft treten. schaft mit der Frau des Sanitätsrats Dr. Vossen in Düsseldorf einem gestiegen. Von der Steigerung des Güterverkehrs im vergangenen dauert der Streik unverändert fort. Bevor aber auf dieser Grundlage eine Einigung nicht erfolgt ist, Bater das 13jährige Kind fortgenommen und es in ein belgisches Jahre entfällt der Hauptanteil auf die Ein- und Ausfuhr zur See. Kloster geſtedt. Das geschah angeblich, um der katholischen Religion Von den eingeführten Gütern stammten aus dem Deutschen Tertilarbeiter. Die Weber und Weberinner. der Firma Anton das Kind zu erhalten. Der Vater des Kindes war ganz ber- Reiche 18 968 823 Doppelcentner( im Vorjahre 17 859 942) im Werte u. Alfred Lehmann in Nieder- Schöneweide sind am zweifelt noch heute weiß er nicht, wo sein Kind ist von 345 899 533 M.( 336 251 129), insgesamt aus Europa 28 865 638 Donnerstag, den 16. Juli, in den Ausstand getreten. Beteiligt am Der Kaplan sowohl wie die Frau Sanitätsrat wurden denn auch Doppelcentner( im Vorjahre 26 564 763) im Werte von 491 979 920 M. Ausstand find 204 Personen. Die Weber verlangen eine genaue am 15. April wegen dieses Vergehens gegen§ 235 des Str.-G.-B.( 470 309 436), aus transatlantischen Ländern 13 151 832 Doppel- Lohnberechnung. Zu diesem Zweck sollen Schußzähler an den Stühlen au je einer Woche Gefängnis verurteilt. Fast sämtliche nichttatholische centner( 13 897 710) im Werte von 590 979 192 m.( 596 671 516). angebracht werden, wie dies bereits in andren Orten üblich ist. Der Lohn soll pro 1000 Schuß berechnet werden. Anstatt der bis- Herrgen tyl/zstündigen wird die gl/zstündige Arbeitszeit verlangt und sür Männer und Frauen werden getrennte Ankleide- und Wasch- räume gefordert. Bisher waren Männer und Frauen genötigt, sich in ein und demselben Raum umzukleiden. Für Wartezeit, welche durch Verschulden des Unternehmers entsteht, wird Vergütiqung von 25 Pf. pro Stunde verlangt. Die Holz- und Bretterträger haben gestern abend ihren allgemeinen Ausstand für beendet erklärt. In der beschlußfassenden Versammlung im Märkischen Hof berichtete die Lohn- kommission, daß die Hauptforderungen der Arbeiter, die neunstündige Arbeitszeit und 50 Pf. Stundenlohn, von etwa zwei Drittel der in Bc- tracht kommenden Firmen bewilligt sind. Auf den übrigen Arbeits- Plätzen sind zum größten Teil gar keine Forderungen gestellt resp. ist dort die Arbeit bereits wieder aufgenommen worden. Da angesichts der eigenartigen Verhältnisse in diesem Beruf der errungene Erfolg allgemein als befriedigend bezeichnet wurde, so stimmte die Versammlung mit allen gegen zwei Stimmen einer Reso- lution zu, durch die der Ausstand als beendet erklärt wurde. Die Thätigkeit der Lohnkommission, auch auf eine Verbesserung der Ar- beitsverhältnisse bei den noch übrigen Firmen hinzuwirken, soll in keiner Weise eingeengt werden. Beschlossen wurde ferner, daß alle zu den jetzigen Bedingungen arbeitenden Kollegen zur ausgiebigen Unterstützung der Gemaßregelten pro Woche 1 M, an die Streikkasse abzuführen haben. Deutfcbes Relch. Eine schwarze Liste des Vereins der Glac6- und Weißleder- Industriellen ist der Magdeburger„Volksstimme" auf den Redaktions- tisch geflogen. Dieselbe enthält die Namen von 34 Arbeitern, die bei Louis Rabitz, Frankenhausen am Kyffhäuser und die Namen von 29 Arbeitern, die bei Ernst Otto ebendaselbst die Arbeit niedergelegt haben. Diese Arbeiter sollen mit Hilfe dieser Liste dauernd arbeitslos gemacht werden. Zur Aussperrung im Baugewerbe zu Hannover wird gemeldet, daß sich eine Kommission der Ausgesperrten an den Stadtdirektor wandte, um diesen zu veranlassen, einen Druck auf die Weiterführung des Rathausbaues auszuüben. Der Herr Stadtdirektor erklärte, er wolle einmal versuchen, die Sache beizulegen. Darauf fand unter dem Vorsitz des Stadtdirektors eine Sitzung der Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter mit dem Arbeitgeber-Verbande statt, an der auch der Regierungspräsident teilnahm.— Wie verlautet, verhielten sich die Arbeitgeber den Versuchen zur Beilegung des Konflikts gegenüber durchaus ablehnend. Die Schmiede in Bielefeld waren an das Gewerbegericht herangetreten, zwischen ihnen und den Jnnungsmeistern wegen einer Lohnforderung von 3 M. pro Tag für die sogenannten Jung- gesellen zu vernntteln. Die Arbeitgeber-Vertreter lehnten diese Forderung rundweg ab. Die Gesellen hatten ursprünglich 3,40 M. gefordert, waren also sehr entgegenkommend gewesen.— Zuzug von Schmieden ist von Bielefeld fernzuhalten. Der Stand des Ofcnsetzcrstrciks in Dresden ist unverändert. Von den 381 Streikenden sind bisher nur zwei abtrümng geworden. Auf Einladung und unter Vorsitz des Vorstandes des neugegründeten deutschen Ofenfabrikanten- Verbandes fanden in Meißen Unter- Handlungen zwischen Vertretern der Dresdener Ofensetzgeschäste und dem Vorfitzenden des Centralverbandes der Töpfer Deutschlands und dessen Gauleiter für Sachsen statt. Sie verliefen indes resultatlos, da die Arbeitgeber die bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit durch die Streikenden verlangten. Erst vom Oktober ab, also zum Winter, wenn die meisten Ofensetzer arbeitslos sind und überhaupt fast allerorten in diesem Berufe Arbeitsniangel herrscht, wollten sich die Arbeitgeber bereit finden, auf iveitere Unter- Handlungen einzugehen. Da ein Eingehen auf diesen Vorschlag ebenso viel bedeutete, als sich dem bekannten Wohlwollen der Unter- nehmer auf Gnade und Ungnade auszuliefern, wurde er abgelehnt. So dauert der Streik unverändert fort. Sehr fraglich scheint es aber, ob die Unternehmer noch lange auf ihrem, jedes Zugeständnis an die Streikenden ablehnenden Standpunkt verharren können, da die auszuführenden Ofenarbeiten, namentlich auf Neubauten, sich immer mehr anhäufen; die im Baufach ihr Geld anlegenden Kapitalisten dürften schwerlich geneigt sein, der schönen Augen der Herren Ofenlieferanten wegen, große Zinsverluste zu erleiden. Auch die Meißener Ofenfabrikanten werden es sich wohl noch oft überlegen, ehe sie dazu schreiten, bloß um die paar Dresdener Ofengeschäfte in ihrer Unnachgiebigkeit zu unterstützen, ihre sämtlichen in den Fabriken beschäftigten Leute auszusperren, dadurch ihre übrigen Absatzgebiete in ganz Deutschland aufs Spiel zu setzen und ihren Konkurrenten auszuliefern. Die Lohnbewegung der Steinmetzen in Zwickau, Meerane, Glauchau, Werdau und Crimmitschau ist durchweg günstig verlaufen. Zuzug ist nur noch�fernzuhalten von Zwickau und Meerane. Der Metallarbcitcrstreik auf den Harzer Werke» ist, wie unsrem Braunschweiger Parteiblatte geschrieben wird, siegreich beendet, die Streikenden haben alle Forderungen durchgesetzt. Dieses so überaus günstige Resultat hatten die Verhandlungen, die am Sonntagvormittag zwischen den Streikenden und dem Bezirks- leiter Voß-Magdeburg einerseits und einigen Vertretern des Auf- 'sichtsrates der Harzer Werke andrerseits stattfanden. Achtzehn Wochen hat dieser Kampf gedauert, der mit der Umsicht und Zähigkeit gefiihrt wurde, die den Lohnkämpfen der organifierten Arbeiter ihren Stempel ausdrückt. Hart war der Widerstand und nicht gerade fein die Kampfmittel, welche die Direktion den Streikenden gegenüber ae- brauchte. Schwarze Listen cirkulierten sogar im Baugewerbe, alte Arbeiter, die ein Menschenalter im Dienste des Werkes geftondet hatten, wurden aufs Pflaster geworfen mit der Begründung, sie sollten ihre streikenden Söhne mitbringen, dann würden auch sie wieder eingestellt. Aber alle diese und ähnliche Mittel verfingen nicht, die Streikenden blieben fest, und jene, die diese Mittel an- wandten, sind gefallen, gefallen in der Achtung der Arbeiter und gefallen von ihren Direktionssesseln. Die beiden Direktoren, die als scharfmachendes Element auftraten, deren Verhalten sogar der Herr Kreisdirektor so scharf mißbilligte, sind zum Einreichen ihrer Kündi- gung veranlaßt worden. Allzu scharf inacht schartig. War es doch kein Kampf uni den Profit, handelte es sich für die Werke doch fast garnicht um Lohnerhöhungen, und trotzdem dieser hartnäckige Kamps. Für die Arbeiter aber wird der Sieg ein Ansporn sein, die Organi- sation, durch deren Hilfe er nur gewonnen ward, aufs neue zu pflegen und zu stärken._ Sociale Rechtspflege* Ungesetzliche Arbeitsverträge. In neuerer Zeit mehren sich die Fälle, daß die Arbeitgeber nach Beendigung eines zu ihren Gunsten allsgefallenen Streiks den Arbeitnehmern einen Vertrag aufzwingen, wonach diese sich zum Verzicht auf ihr Koalittonsrecht verpflichten müssen. Wird diese Bestimmung übertreten, so soll der Unternehmer das Recht haben, den betreffenden Arbeiter ohne Jnnehaltung der für den Betrieb sonst geltenden Kündigungsftist zu entlassen. In HirthS „Annalen des Deutschen Reichs" sJ. Schweitzer Verlag, München) untersucht nun Kreisgerichtsrat Dr. H i l s e- Berlin die Frage, ob eine derartige Vereinbarung rechtswirksam ist und besonders ob sie als Einwand geltend gemacht werdeil kann, Ivenn ein Arbeiter eine Entschädigungsklage wegen unbefugter Arbeitscntlassung erhebt. Beides sei zu verneinen. Dr. H i l s e verweist auf Z 152 der Gewerbe-Ordnung, der den Arbeitern das Koalitionsrecht gewährleistet. Hiergegen verstoße eine den Arbeitern abgeforderte Berzichtleistung zum Anschlüsse an eine Organisation. Ein Zwang solle nach dem gesetzgeberischen Willen nach keiner Richtung hin ausgeübt werden, und nach§ 153 der Gelverbe-Ordnung wird mit Strafe bedroht, wer durch An- Btrantwortl.RedaNeur: Julius Kaliski in verkm. Inseratenteil verantwortlich: Wendung körperlichen Zwanges, durch Drohungen usw. auf die Willensfrecheit des Einzelnen in diesem Sinne einen Druck aus- übt. Eine durch eines dieser Mittel erlangte Willenserklärung sei nichtig auf Grund Bürgerlichen'Gesetzbuches§ 134, denn es handle sich um ein Rechtsgeschäft, das gegen ein gesetzliches Verbot verstößt. Der Begriff einer Drohung bezw. Nötigung sei erfüllt durch die Androhung eines wirtschaftlichen Nachteils, wie er in der kündigungs- losen Entlaffung aus der Beschäftigung entstehen kann. Daß zur Erfüllung der Begriffsmerkmale einer Drohung die Ausübung eines phhsischen Druckes ausreicht, habe das Reichsgericht in einem Urteil vom 25. April 1902 angenommen, indem es einen organisierten Arbeiter verurteilte, weil er einem Nichtorganisierten erklärte, er werde seinen Schaden später schon noch einsehen, und in Ergänzung dessen dem Arbeitgeber erklärte, er habe den Arbeitsaustritt der Organisierten zu erwarten, wenn er den Nichtorganisierten Mit- arbeiter weftcr beschäftige. Aus nichtigen Willenserklärungen können aber Rechte nicht abgeleitet werden, mithin im einzelnen Falle auch nicht ein Verzicht auf die im Betriebe geltende Kündi- gungsfrist. Ausschlaggebend sei weiter noch Z 122 der Gewerbe-Ordnung, wonach bei Vereinbarung andrer als der gesetzlichen Kündigungs- fristen sie für beide Teile gleich sein müssen. Vereinbarungen, die dieser Bestimmung nicht entsprechen, sind nichtig. Ferner ist nach § 134 der Gewerbe-Ordnung eine VerWirkung des Arbeitslohnes als Strafe über den Betrag eines durchschnittlichen Wochenlohnes hinaus untersagt. Und endlich dürfen zufolge§ 134c der Gewerbe- Ordnung andre als die in der Arbeitsordnung bezw. in§§ 123, 124 vorgesehenen Gründe der Entlaffung und des Austritts aus der Arbeit im Arbeitsvertrage nicht vereinbart werden. Daraus ergiebt sich, daß Verträge der oben erwähnten Art rechtlich ungültig sind und es kann Entschädigungsklagen nicht die Einrede wirksam entgegen gesetzt werden, es hätten die Kläger sich im voraus mit den Vertrags- bestimmungen einverstanden erklärt, also auf Entschädigung ver- zichtet. Es ist wohl zu erwarten, daß sich alle Gewerbegerichte dieser Auffassung der Rechtslage im gegebenen Falle anschließen werden. Gerichts-Leitung. „Broeseckes Werke", die bisher wohl nur ihrem Verfasser be- kannt waren, gelangten zu einer traurigen Veröffentlichung durch die Verhandlung, welche gestern vor der 130. Abteilung des Schöffen- gerichts unter dem Vorsitze des Assessors Stich stattfand. Aus der Untersuchungshast wurde der 32jährige Cigarrenhändler Emil Broesecke vorgeführt, ein Mann, der auf eine höchst unrühm- liche Vergangenheit zurückblickt. Zuletzt verbüßte er eine achtjährige Zuchthausstrafe wegen schweren Raubes. Während dieser langen Zeit der stillen Beschaulichkeit wurde dem Angeklagten gestattet, sich in den arbeitsfreien Stunden mit Schriftstellerei zu beschäftigen, weil er hierzu die besondere Neigung und Befähigung in sich ver- spürte. Er verfaßte eine Anzahl Romane, die er schon als Manuskript binden ließ. Als er dann im November vorigen Jahres auf freien Fuß gesetzt wurde, beging er eine neue Art des Kautions- schwindels. In Berlin giebt es eine Menge weiblicher Personen, welche durch die Zeitungen ihre Dienste zur Ausführung von schrift- lichen Arbeiten anbieten. Zumeist sind es Damen, die in den be- drängtesten Verhältnissen leben und sich durch häusliche Arbeit etwas zu verdienen suchen. Auf derartige Annoncen fahndete der An- geklagte. Er hegab sich zu den Arbeitsuchenden und bot ihnen an, einen Band seiner„Werke" sauber abzuschreiben, damit dann der Druck und Verlag erfolgen könne. Die Damen sollten für den Bogen 30 Pf. erhalten. Wenn das Anerbieten, wie es zumeist der Fall war, mit Freuden angenommen wurde, rückte der An- geklagte mit einer Bedingung heraus. Unter der Begründung, daß er bereits zwei wertvolle Manustripte, die er aus der Hand ge- geben, eingebüßt habe, verlangte er als Sicherung gegen eine Wiederholung derartiger Borkommnisse die Hinterlegung von 20 M., welche nach �Fertigstellung der Arbeit zurückgezahlt würden. Den armen Beschäftigungslosen war diese Bedingung ein schweres Hindernis, aber die Aussicht auf Verdienst war so verlockend, daß sie es überwanden und das Opfer brachten. Und nun schrieben sie darauf los, mit unermüdlichem Fleiße, um eine möglichst hohe Bogenzahl herauszubekommen. Am 1. und 15. jeden Monats sollte Zahlung erfolgen, so wollten es die Geschäftsprincipien des Angeklagten. Aber weder am 1. noch am 15. erfolgte Zahlung, der Angeklagte bat um emen kurzen Auffchub unter der Angabc. daß der Ankauf zweier Cigarrengeschäste seine Barmittel erschöpft hatte. Als auch die späteren Mahnungen erfolglos waren, ver- langten einige der Damen wenigstens ihre Kaution zurück, aber nun erklärte der Angeklagte, daß dies nicht angängig sei, solange sie noch im Befitze seines„Werkes" seien und die ihnen übertragene Arbeit nicht vollständig fertig sei. Die Getäuschten wandten sich an die Polizei und bald darauf wurde in den Zeitungen vor dem Schwindler gewarnt. Es sollen sich gegen 20 Betrogene gemeldet Hoben. Bezeichnend für den Angeklagten war es, daß eines seiner „Werke" den„Bauernfang" behandelte. Der Vorsitzende wie auch die Zeuginnen erklärten, daß es wertloser Schund gewesen sei. Einer Zeugin, der Frau Dr. A., hatte der Angeklagte 25 M. ab- geschwindelt durch die Vorspiegelung, daß er ihr eine billige Schreib- Maschine besorgen wolle. Im Termin bestritt der Angeklagte jede betrügerische Absicht und behauptete, daß er allen seinen Ver- pflichtungen nachgekommen sein würde, wenn er nicht durch seine Verhaftung daran verhindert worden wäre. Die Beweisaufnahme fiel nach jeder Richtung zu seinem Ungunsten aus. Der Staats- anwalt beantragte zwei Jahre Gefängnis, der Gerichts- Hof erkannte aber auf drei Jahre Gefängnis. Wegen Streiwergehens hatte sich gestern der Schlosser O l d e n- r o t h vor dem Schöffengericht in Moabit zu veranworten. Im März d. I. waren die Metallarbeiter der Firma G o e d e, Chaussee- straße, ausgesperrt worden, weil sie sich weigerten, fortdauernd Ueberstunden zu machen, wohingegen die Arbeitsordnung außer der zehnstündigen Arbeitszeft die Ableistung von Ueberstunden nur in dringenden Fällen vorsah. Während der Aussperrung hatte nun der Angeklagte sich mißliebig über zwei Arbeitswillige geäußert, woraus die Staatsanwaltschaft entnahm, daß er die letzteren durch Ehrverletzung usw. habe veranlassen wollen, an einer Be- wegung zur Erringung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen teilzunehmen.(Vergehen gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung.) Beantragt wurden acht Tage Gefängnis. Rechtsanwalt Dr. Heine- mann als Verteidiger des Angeklagten plaidierte für Frei- sprechung. Es handle sich hier gar nicht um einen Streik, sondern um eine Aussperrung. Diese sei aber nicht etwa erfolgt, weil die Arbeiter die Erringung günstigerer als in der Arbeitsordnung vor- gesehener Arbeitsbedingungen erstrebten, sondern weil die Fabrik- leitung den Arbeitern gegen deren Willen willkürlich die Arbeits- bedingungen verschlechtert hatte. Die Arbeiter traten also nur für die Erhaltung des Bestehenden ein. Handle es sich aber um keinen Streik, so fehlen auch die Voraussetzungen zu einem Streikvergehen, mit könne der§ 153 der Gewerbe-Ordnung gar nicht in An- Wendung gebracht werden. Wegen einfacher Beleidigung aber sei kein Strafantrag gestellt worden. Das Gericht machte sich diese Auffassung zu eigen und sprach den Angeklagten frei. Ebenfalls freigesprochen wurde der Holzarbeiter Krause. Diesem war zur Last gelegt, sich eine bewegliche Sache rechtswidrig angeeignet, also Unterschlagung begangen zu haben. Dem als„Unterschlagung" bezeichneten„Vergehen" lag folgender Vorfall zu Grunde: Am 3. Mai d. I. war der Angeklagte mit dem Tischler Abel zusammengetroffen, als letzterer mit einem Handschein von dem Rahardtschen Arbeitsnachweis der Tischler- Innung in der Alexanderstratze kam. Beide gingen in eine Kneipe. woselbst Krause dem Abel begreiflich zu machen suchte, daß dieser sich ebenso gut Arbeit durch den Verbandsnachweis im Gewerkschafts- Hause vermitteln lassen könne, was um so richtiger sei. als der JnnungsnachweiS vom Holzarbeiter- Verbände gesperrt wäre. üh.Blocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Während des Gesprächs zeigte Abel dem Angeklagten seine Papiere und auch jenen Handschein vom Jnnungsnachweis. Seine Papiere erhielt Abel wieder, den Handschein aber nahm ein andrer mit« anwesender Arbeiter zu sich. Abel kam nun zwar mit nach dem Gewerkschaftshause, nahm von dort aber keine Arbeit an, sondern ging am nächsten Tage wieder nach dem Jnnungsnachweis, wo er, von den Jnnungsbeamten befragt, erzählte, wie ihm der Schein ab- handcn gekommen war. Die Folge war die Anklage gegen Krause. Sein Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Heinemann beantragte Freisprechung, weil der Schein keine„Sache" im Sinne des Ge- sctzes sei. und weil die Aneignungshandlung fehlte, vielmehr die Annahme bestand, daß Abel dem Angeklagten den Schein gutwillig gegeben habe. Das Gericht erkannte denn auch in diesem Sinne. Verlammlungen. Der Centralverband der Maurer(Zweigverein Berlin) hielt am Mittwoch im Grand Hotel Alexanderplatz seine ordentliche General-Versammlung ab. Den Kassenbericht vom zweiten Quartal gab Lehmann. Danach hatte die Kasse der Zahl- stellen und Sektionen eine Einnahme von 55 013,91 M. und eine Ausgabe von 11 671,25 M.; so daß ein Bestand von 43 342,66 M. verbleibt. Die Ztveigvereinskasse erzielte inklusive Bestand eine Ein- nähme von 147 631,11 M., der eine Ausgabe von 79 155,35 M. gegenübersteht. Es verbleibt somit ein Bestand von 63 475,76 M. Zahlstellen und Sektionen sowie die Zwcigvereinskasse weisen mithin einen Gesamtvermögensbestand von III 818,42 M. auf. An die Hauptkasse sind abgeführt 44 012,55 M. Die Streik- und Gemäß- regelten-Unterstützung erreichte in diesem Quartal eine Gesamthöhe von ca. 8500 M. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Hierauf folgte eine ausgedehnte Erörterung über die einzelnen Bestimmungen des neuen Ortsstatuts für den Zweigverein. Dasselbe wurde schließ- lich angenommen mit der Matzgabe, daß die Maßregelungs-Unter- stützung auf 3 M. pro Tag für die Dauer von 24 Arbeitstagen fest- gelegt wurde. Verheiratete erhalten von der dritten Woche ab einen Mictszuschuß von 2,50 M. pro Woche. Mitglieder, die durch Streiks anderer Berufe wie Zimmerer, Bauarbeiter und andere in Mitleiden- schaft gezogen werden, haben den Anspruch auf Unterstützung schon vom ersten Tage ab und nicht erst wie bisher vom dritten Tage.— Aus dem Verbände wurden acht Mann ausgeschlossen. Pankow. Der socialdemokratische Verein hielt am Dienstag, den 14. d. M., seine regelmäßige Mitgliederversammlung in Rocyckis Lokal, Kreuzstraße, ab. Mit Bezug auf die zu bauende Kanalisation und der dazu notwendigen Röhrenverlegung der Gemeinde Pankow nach dem Rieselgut Mühlenbeck, war in der Gemeindevertretung die Streitfrage aufgerollt, ob guß- oder schmiedeeiserne Röhren praktischer seien. Als Thema war demzufolge diese Streiffrage gestellt. Herr G r e m p e, welcher das Referat dazu übernommen hatte, führte aus, daß man wohl stüher überall gußeiserne Röhren zu Kanali- sationszwecken verwendet habe, daß aber jetzt, wo die moderne Technik in der Herstellung von geschweißten schmiedeeisernen Röhren be- deutende Fortschritte gemacht hat, diese letzteren infolge der größeren Haltbarkeit des Schmiedeeisens den Gußröhren vorzuziehen seien. Des weiteren spreche auch der Umstand für Anschaffung von Schmiede- röhren, daß die Gemeinde Pankow bei einer Gesamtlänge des Röhren- stranges von 13 Kilometer eine Ausgabe von 303 000 M. hat, während die Gutzröhren 22 000 M. teurer sind. Er könne auf Grund seiner Erfahrungen und Studien auf diesem Gebiete nur zu Schmiede- röhren raten. In der Diskussion trat Herr Waßmuth für Guß- rohr ein.— Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete ein Protest der Versammlung gegen den Verkauf eines Gemeindegrundstücks. Nach den Ausführungen unserer Gemeindevertreter Freiwald und Eichler. welche erklärten, daß wir Socialdemokraten im Princip gegen Veräußerungen von Gcmeindegrundstücken seien, wurde be- schlössen, sofort am andern Morgen ein Protesffchreiben an den Kreis- ausschuß zu senden. Dagegen sprach noch Herr Landmesser Born. Vom Papst. Rom, 16. Juli, vormittags 11 Uhr. Die Acrzte statteten dem Papste auch heute nur einen kurzen Besuch ab. Lapponi teilte Mazzoni mit, der Kranke habe die Nacht sehr deprimiert verbracht und sei ab und zu unruhig gewesen; er habe fast gar keinen wirklichen Schlaf gehabt, sondern infolge des Körperverfalls nur im Halb- schlummcr gelegen. Während des Besuches der Aerzte war der Papst bei voller Äeistesklarheit. wechselte mit den Aerzten einige Worte und sprach den Wunsch aus. das Bett zu verlassen; die Aerzte stimmten zu unter der Bedingung, daß er nur kurze Zeit im Lehnstuhle bleibe. Die Aerzte stellten fest, daß es nicht genügt, die Flüssigkeit aus der Brust mit einer Spritze zu entziehen, weil die Flüssig- keit fortwährend zunimmt. Auch die Schwäche nimmt zu. Die Gefahr einer plötzlichen Katastrophe ist gewachsen. Rom, 16. Juli. Dem„Giornale d'Jtalia" zufolge werden die Aerzte sich heute nachmittag darüber schlüssig machen, ob noch ein dritter Ärusthöhlenstich trotz der großen Schwäche des Papstes vor- genommen werden soll. Das Blatt bestätigt, daß die Kräfte deS Papstes zusehends abnehmen und sieht ein schlechtes Zeichen darin, daß Lapponi heute vormittag den Patikan nicht verlassen hat. !�et2te IVachnchten und Depefchen. Zum deutsch-englischen Zollstreit. London, 16. Juli(W.T.B.) Unterhaus. Black(lib.)� fragt, ob die Erklärung des englischen Botschafters in Berlin vom 21. April 1903 dahingehend, daß in gewissen Fällen die englische Regierung Vergeltungszölle auf deutsche Waren legen würde, die Zustimmung der Regierung gefunden habe, und wenn dies der Fall, wozu dann weitere Untersuchungen in der Zollfrage angestellt werden müßten. Premierminister B a l f o u r antwortet, er habe die erwähnte Stelle in der Depesche durchgelesen und stimme ihr in der ursprünglichen Fassung vollständig bei. Sie sei der Ausdruck des eng- tischen Botschafters gewesen, die er gleichfalls teile und sie scheine gerade auf die Notwendigkeit der zollpolitischen Untersuchung hin- zuweisen. Caracas, 15. Juli(W. T. B.) Der fällige Schlutzwechsel zur Bezahlung der deutschen Reklamationen ist gestern eingelöst worden. Die deutschen erstklassigen Forderungen von 1 718 815,67 Bolivares sind daher nunmehr in ihrem Gesamtbetrage bar bezahlt. Bresla», 16. Juli.(B. H.) Heute nachmittag sttirzte, dem „B. G.-A." zufolge, ein Teil der viefftckigen Stern bergschen Spritfabrik in der Salzstraße ein. Die Vorderfront des Gebäudes war von den Fluten der Oder schon tagelang bespült worden. Am Mittag hatte bereits in der nebenan belegenen Spritfabrik von Altschaffel u. Co. der Einsturz eines Schuppens stattgefunden, dem ein weiterer Einsturz um 5 Uhr nachmittags folgte. Die an« grenzenden Gebäude find stark gefährdet. Mainz, 16. Juli.(B. H.) Der M a u r e r st r e i k ist nach drei- monatiger Dauer beendet worden. Die Maurer nahmen heute früh bedingungslos die Arbeit wieder auf. Petersburg, 16. Juli.(W. T. B.) Im Dorfe PoftowSkoi. Gouvernement Samara, zerstörte gestern ein Großfeuer 500 Häuser und alle Kornspeicher. Fünf Menschen sind umgekommen. Washington, 16. Juli.(Meldung! des„Reuterschen BureauS".) Die Mandschureifrage ist in beftiedigender Weise gelöst worden durch die von der chinesischen Regierung gegebene Zusicherung. die Mandschurei fei in nächster Zeit dem Welthandel zu öffnen durch die Erklärung mehrerer Häfen zu Vertraashäfen. Die russische Regierung hat den Vereinigten Staaten offiziell erklärt, daß sie sich dieser Freigabe in keiner Weise widersetzen werde. Welche Häfen freigegeben werden sollen, ist noch nicht angegeben, doch verlautet, es sollten dies Mulden und Tattmg-kao sein. vanl SingerS Co., Berlin LW. Hier»« 1 Beilage u. Unterhaltungsblatt. Nr. 164. 20. Jahrgang. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Prozeß gegen die Pommernbank. Freitag, 17. Juli 1903. für die unwahren Darstellungen in den Uebersichten über den Vermögensstand der Pommernbank je sechs Wochen Ge. fängnis. Außerdem gegen Schultz wegen der ihn allein betreffenden Fälle der Untreue 2 Jahre Gefängnis und 20 000 M. Geldstrafe beztv. 1 Jahr Gefängnis und 20 000 M. Geldstrafe. Diese Einzelstrafen beantragt Staatsanwalt Assessor Dr. Müller Instituts gewesen seien. Sie haben es auch berstanden, sich an die Presse heranzudrängen. Diese An= gelegenheit hat in der Oeffentlichkeit biel Staub aufgewirbelt. Der Angeklagte Romeid hat dem Endlich nach langwierigen, ermüdenden Verhandlungen, die Berliner Preffe- lub ein unverzinsliches Darlehn 45 Sigungen erforderten, ist der Pommernbank- Prozeß so weit vor von 25 000 m. zur Errichtung eines eignen Klubhauses gegeben. geschritten, daß heute die Staatsanwaltschaft nach ausführlicher Be Romeid sagt ganz offen, er habe es nicht der gründung ihre Strafanträge zu stellen vermochte. Die heutige schönen Augen der Herren bom Preffetlub wegen wie folgt zusammenzuziehen: Gegen Schultz 6 Jahre Gefärgnis Sigung, die 46., der auch die Oberstaatsanwalte Dr. Wachler gethan, sondern gehofft, Beziehungen zu maß- und 50000 M. Geldstrafe, gegen Romeid 5 Jahre Geund Dr. Jsen biel beiwohnten, wurde um 9 Uhr eröffnet, worauf gebenden Persönlichkeiten der Presse zu gefängnis und 30 000 m. Geldstrafe. der Staatsanwalt Beed folgendes Plädoyer hielt: winnen. Es ist dann auch noch das Sekretbuch zur Sprache ge Als Ergänzung behandelt Assessor Dr. Müller nochmals ausEs ist ungefähr ein Jahr her, feit in diesem Saale unter dem- fommen, die Angeklagten haben die Auskunft über die dort führlich die bei der Streligbant in Frage kommenden Verhältnisse felben Vorsitzenden und denselben Bertretern der Anklagebehörde ein angedeuteten Namen verweigert. Herr Romeid hat nur den Namen und den Zusammenhang derselbent mit der Pommernbank, sowie die Prozeß sich abspielte, der eine unverkennbare Aehnlichkeit mit diesem Wittenberg genannt und gesagt, daß es sich bei diesem Herrn einzelnen mit der Strelizbant gemachten Transaktionen. Er wirft Prozeß hatte. Es war der größte Prozeß, der bis dahin in Deutsch- um wissenschaftliche und zwar juristische und volkswirtschaft den Aufsichtsräten dieser Banken Pflichtvergessenheit land verhandelt worden war. Wenn dieser Prozeß fast noch einen liche Arbeiten gehandelt habe. Die Angeklagten haben sehr vor und erklärt: Wenn hier der Aufsichtsrat nur einigermaßen feiner Monat länger dauerte als der Sanden- Prozeß und der Stoff noch Unrecht gethan, daß sie sich hinter ihrer Verschwiegenheit ver- Aufgabe gewachsen gewesen und seiner Pflicht nachgekommen wäre, größer und verwickelter sich darstellte, als dort, so ist dies die Schuld schanzen. Wenn die Arbeiten und die Honorare, die so wäre eine solche Mißwirtschaft unmöglich gewesen. Der Aufder Angeklagten, die mit beispiellofer Energie alles daran gesetzt weifellos an Journalisten gezahlt worden, fichtsrat sei doch der geborene gesetzliche Vertreter der Aktionäre; haben, um die Thatsachen zu verdunkeln, namentlich gilt dies von ehrlich find, so hätten sie die Verpflichtung, die ein Aufsichtsrat aber, der seine Pflicht damit gethan zu haben glaubt, dem Angeklagten Schulz, der in höchst frivoler Weise ganz im Namen zu nennen. Durch ihr Verhalten aber sind vielleicht daß er hier und da in den Büchern herumblättert und sich bei zweifelhafte Thatsachen abzustreiten sich bemühte. Dieses Verfahren Leute, die es gar nicht verdienen, in eine schiefe Lage gebracht Aufsichtsrats- und Revisions- Diners gütlich thut, zeigt, daß er wenig ist wenig geeignet, die Angaben des Angeklagten überhaupt als worden. Verständnis dafür hat, daß man für ein Ministergehalt. auch glaubwürdig erscheinen zu lassen. Er hat sich, wie trotz aller Pro- Die Presse hat die Sache aufgegriffen und allerlei Vermutungen etwas leisten muß. teste des Angeklagten aufrecht erhalten werden muß, einer versuchten über die Bersönlichkeiten ausgesprochen. In diesem Prozesse Sodann erinnert er nochmals an das Buch der sekreten Frreführung des Gerichts schuldig gemacht. Der Angeklagte die Sache weiter aufzuklären, lag teine Ver- Ausgaben und sagt: Mag diese Angelegenheit einem Schultz fagt alles, nur nicht die Wahrheit, soweit sie ihm schaden anlassung vor, denn die Verhandlung war schon besonderen Verfahren vorbehalten bleiben: so viel uferlos, und wenn man auch darauf noch weiter eingegangen steht fest, daß die Taktit Nomeids in legterer Beziehung unverständlich Auch die Angeklagten Bohl und Hanel haben verschiedentlich die wäre, würde sie sich noch mehr ausgedehnt haben. Hier ist. Seine Diskretion sei sehr übel angebracht, denn handle es sich Unwahrheit gesagt. Der Staatsanwalt hebt hervor, daß er, um fam es auch gar nicht darauf an. Ob ein Vergehen bei den betreffenden Personen wirklich nur um wissenschaftliche und nicht zu ermüden, nicht jeden einzelnen Fall der Anklage nochmals gegen die§§ 75 und 76 des Börsengefeges vorliegt, litterarische Arbeiten, die mit ihrem journalistischen Berufe nichts ausführlich durchgehen, sondern sich darauf beschränken wolle, das wird Gegenstand weiterer Erwägung sein. Was zu thun haben, so wäre es seine Pflicht gewesen, den betreffenden System der Angeklagten auf Grund der Ergebnisse der Beweis- die durch die Handlungen der Angeklagten schließlich entstandenen Personen Gelegenheit zu geben, hier unter ihrem Eide Rede und aufnahme noch einmal zu schildern. Die Pommernbank war zahlungs- Verluste betrifft, so erklärte der Staatsanwalt kurz, daß er sich Antwort zu stehen. tönnte. bazu dienen ſollte, um die faulen Hypotheken der Pommernbant à digung minie als erwiesen angefehen werden, ebento bie Berliner Partei- Angelegenheiten. Zur Lokal- Lifte! Achtung! Parteigenossen, Gewerkschaften, Vereine! Morgen, Sonnabend, den 18. Juli, erscheint die neue Lokal. Lifte und wird dem Vorwärts" angefügt werden. Achtet bei Ausflügen, Partien usw. genau auf die neue Lokal- Liste, verkehrt nur in denjenigen Lokalen, welche der Arbeiter. fchaft zu Bersammlungen usw. zur Verfügung stehen. unfähig. Als anständige Kaufleute hätten die Angell. Schultz und in dieser Beziehung durchaus den Darlegungen der Direktoren Nach kurzer Pause ergreift darauf wiederum Staatsanwalt Romeid eine Generalversammlung einberufen und den Aktionären Dernburg, Gerschel, Budde und Guthmann anschließe. Beeck das Wort zur Begründung der Schuldfrage betreffend die reinen Wein einschänken müssen, statt dessen haben sie es vorgezogen, Nach einer kurzen Pause geht der Staatsanwalt auf die Angeklagten Hanel und Bohl. Er kommt zu dem Ergebnis, dunkle Wege zu gehen und durch allerlei Schiebungen sich über Specialia der Anklage ein und wiederholt dabei großenteils die daß sowohl Hanel wie Bohl, der letztere in weniger belastender Wasser zu halten. Dabei habe sich besonders der Angell. Schultz, Ausführungen, die er schon in der gedruckten Anklage und im Weise, sich der Beihilfe zur Untreue schuldig gemacht hätten der seine bei der Sandenbank gewonnenen Erfahrungen ausgiebig Laufe der Verhandlung der einzelnen Kapitel gemacht hat. Nur und beantragt gegen Hanel sechs Monate Gefängnis und verivertete, hervorgethan; er habe aber seinen Lehrmeister noch tief in wenigen Punkten ändert er die Anklage, indem er einzelne Fälle 5000 M. Geldstrafe, gegen Bohl einen Monat Gein den Schatten gestellt und die eigne Ehre ohne viele Strupet wegen Verjährung ausscheidet, bei andren nicht einzelne Handlungen, fängnis und 1000 m. Geldstrafe. hintangesetzt. Der Angeklagte Romeid, der sich feiner Zeit bemühte, sondern eine fortgesette Handlung annimmt. Er behandelt ins- Darauf wird die Verhandlung auf Freitagvormittag 9 Uhr ber die Ehre seines Bruders zu retten, verlor die eigne Ehre dadurch, besondere die von den Angeklagten Schulz und Romeick begangene tagt. Zunächst wird der Verteidiger des Angeklagten Schultz, Justizrat daß er sich an dem Treiben des Schulz beteiligte. Nach einer Dar- Untreue gegen die Pommernbank durch Anlage der Gelder derselben Wronter, sprechen. legung der Verhältnisse der Pommernbank wendet sich der Staats- in Terrainspekulationen, die mit Betrug und Bilanzverschleierung anwalt der Immobilien- Verkehrsbank zu und führt aus, daß diese Hand in Hand gehe. Die Untreue und Vermögensaufzunehmen. Die Angeklagten haben sich nicht um Statut und Bilanzverfchleierung und der Betrug. Ebenso erGesez bekümmert, Statut und Gesetz seien für sie nur da, um überwiesen sei die Bilanzfälschung durch künstliche Ertreten zu werden. Nach einer Schilderung der Zustände auf höhung des Reingewinns und Verteilung zu dem Terrain Schönhauser Allee und der bei den dortigen hoher Zantiemen und die Untreue gegen die Grundstücken vorgenommenen Transaktionen hebt der Staatsanwalt Streligbank durch Ankauf von Pommernattien. hervor, daß Handwerker dabei 30 000 m. verloren haben. Dafür Der Staatsanwalt behandelt dann eingehend die Untreuen des trage der Angeklagte Schulz die Verantwortung. An den Verdiensten, Schultz bei den verschiedenen Grundstücksgeschäften und betont ferner, welche die Immobilien- Verkehrsbant machen wollte, Klebe der daß Romeid die dem Presse- Stlub überwiesenen 25 000 M. unter der Schweiß und das Blut zahlreicher Handwerker. Der Versuch des Bedingung hingegeben, daß er als Geber nicht genannt werde, Angeklagten Schultz, bei dem Terrain Schönhauser Allee die Bohl während er dann diese Summe auf die Immobilienund Hanelschen Tagen auszuspielen, muß als verfehlt gelten. Verkehrsbant abgewälzt habe. Das sei eine Schulz bezog sein großes Gehalt nicht, um einfach die Taren der Handlungsweise, die unverständlich sei und die Der Gesellige Lotterie Verein 8ufrieden. Sachverständigen zu nehmen und davon 6/10 zu berechnen. Das kann durch jedes weitere Wort nur abgeschwächt werden heit" veranstaltet am Sonnabend, den 18. Juli, in Auton Ringels jeder Schreiber. Er mußte selbst die Tayen und die Werte prüfen würde. Bellevue in Pankow, Breitestraße 21a, einen Sommernachtsund war dazu auch durchaus im stande, denn er ist ein Was die Uebernahme von Anteilscheinen des Kleinen Ball, zu welchem man versucht in Arbeiterkreisen Billets abzusetzen; Mensch bon feltenen geistigen Gaben, in Journals" betrifft, so sei aus dem damals borgelegten Gut- wir ersuchen, dieselben streng zurückzuweisen. allenweigen des hypothekengeschäftes versiert, achten des Bücherrevisors Bierstädt, daß das Blatt für die ein kaufmännisch vorzüglich veranlagter Kopf, der den Unsinn der Zukunft gute Aussichten habe, tein Schluß zu ziehen. Die Bohl und Hanelschen Laren auf den ersten Blick erkennen mußte;& orderungen erscheinen wertlos. Es sei auch fester hat ihn aber nicht erkannt, weil er diese Taren eben zu seinen gestellt, daß Romeid die ersten 25 000 2. auf seinen eignen Namen Schiebungen brauchte. Die Beleihungen der Terrains Schönhauser geleistet und das Geschäft mit den zweiten 25 000 W. durch die Allee waren ganz frivole und statutenwidrige. Immobilien- Verkehrsbank gemacht hat. Der hier zur Verlesung geEs handelt sich da um eine Art Falschmünzerei, benn fommene Brief des verstorbenen Generaltonsuls Gold zur Verfügung steht, folgedeffen ist das Vergnügen streng zu meiden. im Bublifum gelten Pfandbriefe als goldfichere Papiere. Wer fo berger fonnte doch auf einen Menschen, der sich nichts vorDie. Lokal- ommission. wirtschaftet wie die Angeklagten und zu den Pfandbriefbeleihungen zuwerfen habe, keinen Eindruck machen. Leider fei der Generalkonsul viel zu hohe und ganz ungerechtfertigte Tagen als Grundlage bes Goldberger verstorben; er hätte ihn gern hier gehabt. Generalkonsul Erster Wahlkreis. Am Sonntag, den 19. Juli, morgens 8 Uhr, nußt, der wird wohl nie in Geldverlegenheit kommen, aber er Goldberger habe auch bei dem Terraingeschäft Wolland eine findet von folgenden Lokalen aus die Flugblattverbreitung statt und erschleicht sich Einnahmen durch Lug und Trug! Wer so handelt Vermittelungsgebühr von 170 000 W. erhalten bitten wir die Genossen um recht zahlreiche Beteiligung: Hahn, wie die Pommernbant unter der unseligen Zeitung der Angeklagten, Den Angeklagten Schulz und Romeid sei ferner ein schwerer Stralauerstr. 48; Weihnacht, Grünstr. 21; Glaue, Krausender bringt die Bank in die Kategorie der Schwindelbanken Vorwurf daraus zu machen, daß sie von ihren Streliß- Aktien, die straße 18; Menzel, Dorotheenstr. 69; 28 o If, Mauerstr. 50; nach dem Muster des bekannten und berüchtigten Schotten Law. sie vom Gelde der Pommernbank zum Kurse von 105 Proz. er- Frant, Charlottenstr. 60; Radtke, Flensburgerstr. 24. Der Staatsanwalt schildert sodann noch einmal eingehend die worben hatten, zum Kurse von 140 Broz. an die ImmobilienEntwicklung und die Thätigkeit der Immobilien- Berlehrs- Berlehrsbank verkauft und dabei je einen Gewinn von 620 000 W. 19. Juli, früh 8 Uhr, findet eine Flugblattverbreitung statt. Die Dritier Wahlkreis. Achtung, Parteigenossen! Sonntag, den bant, hält die letztere bei verschiedenen Geschäften, in denen eingestrichen haben. " * 9 Steglik. Der Rauchklub, Blaue Wolte" feiert am Sonnabend, den 25. Juli, sein Stiftungsfest im Birkenwäldchen". Wir machen darauf aufmerksam, daß das Lokal Birkenwäldchen" der Arbeiterschaft nicht mehr zu Versammlungen usto. Die Vertrauensleute. Lokales. Ein Urteil von weittragender Bedeutung Grundstücke von den Darlehnssuchern mit hineingenommen werden Was die Abmessung der Strafe betrifft, so sei zu erwägen, daß Genossen werden ersucht, fich rege daran zu beteiligen und an denmußten, für eine wucherische im weiteren Sinne und behauptet, daß die Angeklagten ihre Thätigkeit begonnen haben zu einer Zeit, als felben Stellen einzufinden, an denen sie schon bei früheren Verdie gewährten Kredite ganz unbegreifliche seien. Es stehe fest, daß die die Bank in einer schwierigen Situation sich befand, andrerseits aber, breitungen geholfen haben. Diejenigen, welche bisher noch nicht Immobilien- Verkehrsbank ihre Zinsen nicht aus eignen Mitteln be- daß sie ihre Pflichten als Direktoren einer solchen Bant in einer geholfen haben, mögen sich an den nachstehend verzeichneten Stellen zahlen konnte, sondern die Pommernbank das Geld hergab, welches aus jedem Rechtsbewußtsein und Rechtsgefühl wider einfinden: Schnieber, Admiralſtr. 21; Krüger, Naunynstr. 54; einer Tasche in die andre wanderte, und daß die verpfändeten Hypo- iprechenden weise ausgeübt haben. Die Angeklagten hätten den Banken lid, Simeonftr. 28; Zacharowsky, Brandenburgstr. 49; Stramm, theken höchst fraglicher Natur waren. Alle Erleichterungen und alles und deren Interessenten die schwersten Verluste zugefügt und in Ritterstr. 123; Wendt, Alexandrinenſtr. 39; Schneider, Sebaftian Entgegenkommen reichten nicht aus, um die Immobilien- Verkehrs- schamlosester Weise zu eignem Nußen gehandelt. Der Angeklagte traße 7( Keller); Ferd. Aßmus, Prinzenstr. 59; Tauschke, Brückenbant lebensfähig zu erhalten und deshalb griff man zu dem Ver- Schult fei im Jahre 1900 zur Ergänzungssteuer mit brei straße 2; Peutert, Melchiorstr. 30; Ladewig, Kommandantenstr. 65. kauf der Terrains Landsberger Allee und Nixdorf II an die Im- Millionen Mark veranlagt worden und habe sich selbst nur auf mobilien- Erwerbsgesellschaft. Diese Verkäufe feien lediglich vor- 14 Millionen eingeschätzt. Er fagt, er habe alles, was er habe, Zur Einsichtnahme in die Kommunal- Wählerlisten sind im vierten genommen worden, um die Bilanz der Immobilien- Verkehrsbank zu der Pommernbank zur Verfügung gestellt. Man könne ihm das Berliner Wahlkreise( Ost) außer den bereits namhaft Gemachten berbessern. Sie feien aber bloße Schiebungen", da die Gesell- nicht glauben. Es sei erwiesen, daß er eines Tages noch einmal im noch bereit für verhinderte Wähler Einsicht zu nehmen die Genossen schaften untereinander in so engem Konner standen, daß an eine Tresor war und daß man nachher in seinem Safe nur einige Gold- Baumgarten, Königsbergerstr. 7, und Rock, Grüner Weg 46. Ernstlichkeit der Verkäufe nicht zu glauben sei. fachen vorgefunden hat. Alles, was er zur Verfügung gestellt, liege Man habe versucht, die Bilanz auch dadurch zu verbessern, daß fest und sei nicht flüffig zu machen. Es sei erwiesen, daß er noch man den Grundstücken die feit 1899 aufgewendeten 440 000. abgehoben hat. Man müsse behaupten, daß Schulz 8insen als Wertsteigerung hinzurechnete. Die noch Geld hinter sich habe. Er beantrage, ihn in eine Sachverständigen Huschte und Kruse haben dies für statthaft erklärt. hohe Strafe zu nehmen, damit er nicht etwa nach BerEr müsse dieser Ansicht widersprechen und stütze sich dabei auf büßung einer kurzen Strafe die Früchte seines § 185a Nr. 2 des Handelsgesetzbuches. Es sei ein Irrtum, wenn der Raubes genießen fann. Er weise auch darauf hin, daß betreffs der Entschädigungsansprüche der durch Angeklagte Schulz behaupte, daß im Sanden- Prozeß der Gerichtshof Frau Schult auch heute noch nicht zur Ableistung Eifen oder Straßenbahnen verunglückten Ber die Zuschreibung der Zinsen gebilligt habe. Er würde dankbar fein, des Offenbarungseides fich bequemt habe. Seiner sonen hat fürzlich das Reichsgericht gefällt. Im März 1901 wenn sich der Gerichtshof im Urteil über diesen Punkt ausdrücklich Beit hat Frau Sanden den Offenbarungseid geleistet, hier weigert wurde der damals 12jährige Sohn des Formers Jadamowicz ausspreche. fich die Ehefrau des Angeklagten deffen. Die Gründe, die letztere von einem Motorwagen der Großen Berliner Straßenbahn" überWas die Tagen betreffe, auf die sich die Angeklagten stüßen und dafür gegeben, feien absolut fadenscheinig. was ihre Behauptungen anlangt, daß auch andre Tagatoren wie Bohl Der Angeklagte Romeid habe der Bant seine Außenstände, fahren, wobei er eine Berquetschung des rechten Fußes erlitt. Der und Hanel ähnlich hohe Tagen abgegeben haben, so behaupte er, das Gut Kantern und seine Villa überwiesen. Db er damit alles Bater des verlegten Knaben strengte eine Entschädigungsklage daß die Methode, die Prof. Dietrich als die allein richtige erklärt, hingegeben, was er besaß, lasse er dahingestellt. Hinzuweisen sei gegen die Große Berliner Straßenbahn" an, wurde bom nicht in allen Fällen anwendbar sei. Anzuwenden fei fie nur in darauf, daß Romeid seinen Jahresverbrauch auf 20 000 m. an- Gericht aber damit abgewiesen, weil sich der Knabe ganz dicht bebauten Gegenden, nicht aber bei großen Terrains, wie gegeben, während nach dem aus einem bestimmten Jahre vor den Unfall durch eignes Verschulden zugezogen hatte, Wolland, Schönhauser Allee 2c. Die Tagen der Baumeister Ramps liegenden Nachweise er 91 000 W. Bei freier Wohnung ausgegeben da er, ohne das Warnungssignal des Wagenführers zu und Tied seien nur Komödie gewesen, die Tagen des Kreistarators hat. Es sei dies bezeichnend für die Art, wie sich Romeid ver- beachten, kurz vor Annäherung des Wagens das Geleise Härtel seien auf Grund ganz unzuverlässiger Zahlen, die er von feidige. überschritten hatte und dabei verunglückt war. Laut den Sem Angeklagten erhalten, erstattet worden. Die ImmobilienVerkehrsbank sei zwar nach außen hin selbständig gewesen, nach innen aber war fie nichts weiter als eine Unterabteilung der Pommernbant. Entzog ihr diese die Unterstützung, so war sie taput! Sie befand sich in einer verzweifelten Lage. Redner wendet sich dann den Verhältnissen von Schumacher u. Co. und der Immobilien- Erwerbsgesellschaft zu, welch' letztere lediglich zu den persönlichen Zwecken des Angeklagten Schulz und zwar zur Verwertung des Terrains in der Bayrischen Straße begründet worden fei. Er ist der Ansicht, daß der Angeklagte Schulz bei dem Terrain der Bayrischen Straße nach Art der Hochstapler vorgegangen sei und dabei unter dreierlei verschiedenen Namen aufgetreten ist. Auch auf die Verhältnisse der Streligbankj Feht der Staatsanwalt nochmals in großen Zügen ein und bleibt dabei, daß Schulz und Nomeid auth nach ihrem offiziellen Ausscheiden aus dem Vorstande die eigentlichen Leiter des m. " Jm einzelnen beantragt der Staatsanwalt: Für die Untreue durch das Vornehmen von Terrainspeku- Bestimmungen des Haftpflichtgefeßes geht nämlich der durch Tationen gegen Schulz 3 Jahre Gefängnis und 5000 m. Straßen oder Eisenbahnen Getötete oder Verletzte aller EntGeldstrafe; gegen Romeid 2 Jahre Gefängnis und schädigungsansprüche verlustig, wenn ihn selbst ein Verschulden 4000 m. Geldstrafe; an dem Unfall trifft. Das Reichsgericht hat diese Bestimmung " für die Untreue in Gestalt der Hingabe von Pfandbriefen jezt aber bedeutend modifiziert, indem es unter Bezugnahme auf ohne genügende Unterlage gegen Schulz 8 Jahre Gefängnis das Bürgerliche Gesetzbuch die Große Berliner Straßenbahn" zur und 5000 M. Geldstrafe, gegen Romeid zwei Jahre Ge- Entschädigung verurteilte. Damit ist die Ent fängnis und 4000 m. Geldstrafe; schädigungspflicht derselben anerkannt, selbst für die Bilanzfälschung durch künstliche Erhöhung des Reingetvinns und Berteilung zu hoher Tantiemen gegen beide An- wenn ein Verschulden des Verunglüdten vorliegt. geflagte je brei Monate Gefängnis und 1000 m. Geldstrafe; für die Abschiebung minderwertiger Vermögensstücke auf die Immobilien- Verkehrsbank je drei Jahre Gefängnis und 20 000 M. Geldstrafe; Nachdem ausgeführt wurde, daß die Kinder unbemittelter Leute in großen Städten Mangels an genügender Spielgelegenheit meistens die Straße als Tummelpläße benutzen und infolgedessen auf etwaige Gefahren mur verhältnismäßig achten, heißt es in dem Urteil dann wörtlich: „Weiter kommt aber auch noch folgendes in Betracht: Nach Z 264 des Bürgerlichen Gesetzbuches soll, wenn bei Entstehung des Schadens ein Verschulden des Beschädigten mitgewirkt hat, die Ersatzpflicht dessen, der an sich für den Schaden einzustehen hätte, sowie der Umfang des Ersatzes von den Umständen, insbesondere davon abhängen, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem einen oder andren Teile verursacht worden ist. Diese Vorschrift bezieht sich, wie der Wortlaut des Gesetzes ohne weiteres ergiebt, ans. alle Fälle, wo jemand für den einem andren erwachsenen Schaden ersatz- pslichtig ist, sie findet also auch da Anwendung, wo jemand nicht vermiige eines ihm zur Last fallenden oder von ihm zu vertreteirden Verschuldens, sondern aus einem andren Rechtsgrunde, ins- besondere vermöge einer besonderen gesetzlichen Bestimmung, ersatzpflichtig ist. ES ist dann zu prüfen, ob der Schaden vorwiegend durch das Verschulden des Verletzten oder durch diejenigen Umstände verursacht ist, für deren Folgen die für ersatzpflichtig erklärte Person nach dem Gesetz aufkonimen soll(vergl. Planck, Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch, Anm. 6 zu 8 264). Deinentsprechend ist auch bei Anwendung der Bestimmungen des Haftpflichtgesetzes, wenn ein Mensch bei dem Betriebe einer Eisenbahn getötet oder verletzt worden ist, zu verfahren, und zwar nicht bloß dann, wenn dem Ver- schulden des Verletzten ein solches des Betriebsunternehmers oder seiner Angestellten gegenübersteht(Entscheidung des Reichsgerichts in Civil- fachen, Band 63, Seite 76 f.), sondern auch da, wo ein solches nicht in Frage komnit.(Urteil des erkennenden Senats voni 30. April 1903. Rep. VI 454/02). Es wird sonnt, auch wenn festgestellt wird, daß dem Kläger bezüglich des Unfalls ein subjektives Verschulden in dem oben angegebenen Sinne zur Last fällt, hierdurch sein Schadens- ersatzansprnch gegen die Beklagte noch incht ohne weiteres aus- geschlossen, es ist vielmehr auch dann zu erwägen, ob ihm bei billiger Berücksichtigung der Umstände, sei es auch nur für einen Teil des ihm erwachsenen Schadens, zuzubilligen sei." Nach der Wohiiiingsstatistik des Statistischen Amtes der Stadt Berlin gab es ain 1. Dezember 1900 in Verlin 4078 Wohnungen, die nur aus einer Küche bestanden. Ferner 893 Schiffshaushaltnngen. In Charlottcnburg wurden 233 Schiffshaushaltungen und nur 81 Küchen gezählt, die gleichzeitig als Wohnungen dienten. Außer- dem wurden noch 78 Schistshaushaltungen in Plvtzensee, 34 in Treptow, 40 in Runmielsburg und 13 in Stralau ermittelt. In Rixdorf wurden 169 Küchen, in Schönebcrg 66, in Lichtenberg 63, in Neu- Weißcnsee 64, in Pankow IG und in Reinickendorf 13 Küchen als Wohnung benutzt. Die Gesamtzahl der bewohnten Wohnungen in Berlin betrug am 1. Dezember 1900 470 977, davon beherbergten 36 621 nur eine» Bewohner. 86 022 zwei, 99 761 drei. 92111 vier. 63 790 fünf, 42 942 sechs, 23 696 sieben, 11669 acht, 6411 neun, 2351 zehn, 1040 elf, 721 zwölf, 226 dreizehn. 161 vierzehn, 66 fünfzehn, 32 sechzehn, 17 siebzehn, 10 achtzehn. 6 neunzehn, 3 zwanzig, 7 einundzwanzig und mehr Bewohner, während in 737 Wohnungen die Bewohner abwesend(verreist) waren. Wohnungen mit mehr als 10 heizbaren Zimmern wurden in Berlin 1916 ermittelt, davon 6 nur mit abwesenden Bewohnern, 13 mit einem, 29 mit 2, 78 mit 3, 194 mit 4, 249 mit 5, 265 mit 6, 271 mit 7, 235 mit 8, 216 mit 9, 134 mit 10, 85 mit 11, 33 mit 12, 31 mit 13, 36 mit 14, 11 mit 15, 11 mit 16, 6 mit 17, 6 mit 18, 4 mit 19, 2 mit 20 und 3 mit 21 und mehr Bewohnern. Von 348 Wohnungen ist die Zinimerzahl nicht ennittelt worden. Wohnungen mit 9 heizbaren Zimmern gab es in Berlin 1086, mit 8: 2003, mit 7: 3572, mit 6: 6524, mit 6: 11 400, mit 4: 21 469, mit 3: 62623, mit 2: 132 144, mit 1 heizbaren Zimmer, mit oder ohne unheizbarem Zimmer oder Küche aber 197 394 und mit 1 heizbaren Zimmer o h n e unheizbarem Zimmer und ohne Küche: 32 812. Außerdem wurden noch 1761 unheizbare Zimmer mit oder ohne Küche sowie 658 un- heizbare Zinnner ohne Küche ermittelt. DaS Achtklassen-System der Berliner Gemeindeschule ist nun so weit durchgeführt, daß in dem laufenden Sommerhalbjahr von jetzt 264 Schulen nur 31 noch ohne erste Klasse sind. Unter diesen 31 Schulen sind 6, die ihre oberste Klasse als vereinigte zweite und erste Klasse bezeichnen, so daß streng genomnien nur 26 Schulen keine erste Klasse haben. Zu ihnen gehören die neun jüngsten Schule», die noch kein volles �ahr bestehen und sämtlich noch nicht einmal bis zur zweiten Klasse, teilweise sogar noch nicht bis zur dritten bezw. vierten Klasse entwickelt sind. Auch die übrigen 17 Gemcindeschulen ohne erste Klasse sind größtenteils, ganz junge Schulen; 15 davon bestehen noch nicht sechs Jahre und von diesen wiedcrunr neun noch nicht drei Jahre. Andrer« seits sind in Berlin jetzt 34 Gemeindeschulcn, an denen bereits zwei erste Klassen neben einander be- stehen. 12 dieser Schulen haben allerdings nur deshalb die erste Klasse zweimal, weil die betreffenden Schulen in Knaben- und Mädchenabteilungen zerfallen, die jede fiir sich ihre erste Klasse ge- bildet haben, Aber es bleiben dann innner noch 22 nur für Knaben bezw. nur für Mädchen bestimmte Schulen, an denen eine so große Zahl entsprechend vorgeschrittener Schulkinder vorhanden ist, daß daraus zwei erste Klassen gebildet werden konnten. Die in Betracht koinn, enden Schulen sind übrigens an sich keineswegs die stärkst- besuchten. Die Gesamtzahl ihrer Schüler bezw. Schülerinnen geht nur vereinzelt über 900 und in einem einzigen Falle über 1000 hinaus. Die Angestellten der„Großen Berliner Straßenhahn" haben kürzlich bei den Vertreterwahlen zur Pensionskasse niit emer einzigen Ausnahme auf allen Bahnhöfen die von der Organisation aufgestellten Kandidaten mit großer Majorität gewählt. Dies Resultat wurde erzielt, obwohl die Leitung des von der Direktion so eiftig protegierten„Kothe- Vereins" die rührigste Agitation entfaltete, um die Kandidaten der Gewerkschaft zu über» stimmen. Zieht man in Betracht, daß der„Kothe-Verein" etwa 4500 und der Verband dagegen nur 1600 Mitglieder zählt, so dürfte es der Direktion vielleicht klar werden, daß die Mitglieder ihres sorg- fältig gehegten blauen Vereins zumeist mit für die Verbands- kandidaten gestimmt haben. Aehnlich so ging es vor einiger Zeit bei den Delegiertenwahlen zur Betriebs-Krankenkasse. Diese Wahl- ausfälle sind ein erfreuliches Zeichen für die zunehmende Klassen- «»nnwis der Straßenbahner. Das dankbare Baterland. Eine Lokalkorrespondenz erzählt: Die Mittagsgäste der Garde-Regim enter. Hat man Gelegenheit, um die Mittagszeit das L�ben und Treiben in der Nähe einer der NegiinentSkaserncn zu beobachten, so wird man bald auf einen mit militärischen Auszeichnungen geschmückten Veteranen aufmerksam, der täglich mit militärischer Pünktlichkeit um 12 Uhr durch das Kasernenthor humpelt. Bald darauf erscheint der alte Krieger wieder und trägt borsichtig einen in ein großes buntes Taschentuch geknoteten Eßtopf. Eingeweihte wissen, daß' es der Mittagsgast des betreffenden Regiments ist, der' nun mit dem ihm verabfolgten Mahle seiner Behausung zu- steuert. Fast jedes Regiment hat einen derartigen Kost- gänger. Meistens ist es ein ehemaliger Angehöriger des betreffenden Truppenteils,, der vor Jahrzehnten aus die Fahne des- selben Regiments geschworen hat, dessen menschensreuudlicher Kom- mandeur jetzt dem in bittere Rot geratenen alten Soldaten täglich ein warmes Mittagessen und gelegentlich wohl auch ein kleines Bar- geschenk zukommen läßt. Bei den Mannschaften stehen diese Kost- gänger in einem gewissen Ansehen, denn es sind durchweg Min- kämpfer aus den großen Kriegen oder ehemalige Chargierte— z. B. ist der Mittagsgast der Dragonerkaserne in der Bellcalliancestraße ein früherer Feldwebel— außerdem sind es Leute, deren Bedürftigkeit und Würdigkeit selb st ver st änd- lich über jeden Zweifel erhaben sind. An patriotischen und besonders militärischen Festtagen hat der Kostgänger natürlich seinen Anteil. Er erscheint dann in seinem beste» Rock, der früher vielleicht einmal seinem Woblthäter gehörte, und hat seine samt- lichen, blitzblank geputzten Abzeichen angehestet. An solchen Tagen giebt es in der Regel aus der Küche des Offizierkasinos einen Extra- Happen, der auch noch für das Abendbrot mit hinreicht. Es muß doch feine eigne Bewandtnis mit der„gesicherten Existenz" haben, wenn alte Veteranen und Unteroffiziere, deren „Würdigkeit über jeden Zweifel erhaben" ist, gewissermaßen ihren Hunger durch Bettelbrocken stillen müssen I Durch eine Explosion auf der Straße hat der 35 Jahre alte Maler Theodor Biilow aus der Greifswalderstr. 22 erhebliche Ver- letzungcil am Kopf davongetragen. Er sollte heute vormittag um 91/2 Uhr die Ladenthüren des Hauses Christinenstr. 13 streichen. Um die alte Farbe zu beseitigen, wurden die Thüren bereits vor mehreren Tagen mit Lauge abgewaschen, ohne daß aber der Zweck erreicht wurde. Bülow wollte nun einige besonders schlechte Stellen mit Spiritus abbrennen, um eine glatte Fläche zu erhalten. Dabei explodierte seine Lampe, und die Flüssigkeit spritzte ihm an den Kopf. Der Verunglückte wurde durch einen Schutzmann nach der Rettungs- wache IH in der Kastanien-Allee gebracht. Plötzlich gestorben ist im Wirtshaus„Zum Teufel", Skalitzer straße 11, der 36 Jahre alte Händler Karl Kümmel aus der Admiral- ftraße 6. Kümmel konnte wegen eines Herzleidens seinem Beru' als Bauarbeiter nicht mehr nachgehen und nährte sich durch den Handel mit Bretzeln in Lokalen. Kaum hatte er am Dienstag die Wirtschaft„Zum Teufel" betreten, als er über Atemnot klagte und eine Flasche Selters verlangte. Bevor er das Wasser genießen konnte sank er zufammen und starb vor dem Eintreffen eines Arztes. Er hinterläßt eine Witwe mit vier Kindern im Alter von acht bis zu zwei Jahren. Eine Leiche in Anstaltskleidung wurde gestern an der Potsdamer Brücke gelandet. Es handelt sich um einen Mann in den fünfziger Jahren, dessen AnstaltSkleidung den Stempel Lt. A. W. trug. Wahrscheinlich ist der Mann aus der Anstalt Wuhlheide für Epileptiker entwichen und entweder durch einen Unfall oder durch Selbstmord ums Leben gekommen. Er hat einen grauen Backen- und Schnurr- bart, graues Haar und trug ein rot und blau gestreiftes Hemd Der Mittelfinger der linken Hand ist am obersten Glied verkrüppelt. Wegen schlechten Geschäftsganges erhängt hat sich der Kaufmann Julius B., Maaßenstr. 47. B. war Inhaber eines seit 10 Jahren bestehenden Handschuh- und Krawattengeschäftes, welches bei der un- günstigen Konjunktur der letzten beiden Jahre sehr zurückgegangen war. Der Kaufmann vermochte in den nächsten Tagen fälligen Ver- pflichtungen nicht nachzukommen und erhängte sich aus Furcht vor dem ihm drohenden Ruin. Fcucrdcricht. Schwere Brandwunden erlitt gestern der Expedient Schacht bei einem Brande, der in der Luxuspapierfabrik von P. u. L., Hagelsbergerstr. 53, aus Unvorsichtigkeit auskam und schnell eine große Ausdehnung erlangte. Die Feuerwehr unter Leitung des Brandmeisters Mende hatte längere Zeit mit zwei Schlauchleitungen Wasser zu geben, um die Gefahr zu beseitigen. Dem Verletzten mußten Kopf und Hände verbunden werden. Wegen der großen Vcrqualmung der Räume mußte beim Anariff eine große mechanische Leiter benutzt werden. In der Zorndorserftr. 5a. brannten gestern Kisten, Lumpen u. a. Ferner mußte in der Leipzigerstr. 42 ein Kellerbrand gelöscht werden. Dort brannten Kisten, Packpapiere, Thee u. a. An der Hochstraße am Hunrboldthain brannte GraS längs des Bahndammes. Außerdem wurden noch Preßlohlenbräude und andre gemeldet._ Hus den Nachbarorten. Lichtenberg. Da die Einwohnerzahl Lichtenbergs so schnell wächst, sieht sich die Gemeinde schon wieder veranlaßt, ein neues SchulhauS zu bauen, obwohl in den letzten fünf Jahren zwei neue Gebäude mit zusammen 40 Klassenzimmern hergestellt worden sind. Denn jetzt sind schon wieder 19 fliegende Klaffen vorhanden, welche Zahl bei der Neuaufnahme im Oktober sich noch beträchtlich ver- größern dürfte. In der letzten Sitzung beschäftigte sich die Gemeinde- Vertretung mit dem Plan des Ankaufs eines geeigneten Grundstückes. Auf die Bekanntmachung des Gemeindevorstandes hatte der Eigen tümer Nikolas in der Pfarrstratze der Gemeinde eine Baustelle zum Preise von 310 M. pro Rute(einschließlich Regulierung der Straße) angeboten. Am Tage vor der Beschlußfassung hat derselbe aber sein Angebot zurückgezogen und den Preis auf 350 M. pro Rute erhöht. Die Gemeindevertretung beschloß, ihm 330 M. zu bieten; für ein Terrain an nicht regulierter Straße gewiß ein anständiger Preis. Friedrichsfelde. Der Magerviehhof Friedrichsfelde ist am Mittwoch, den 15., durch den ersten Viehmarkt Programm- mäßig eröffnet. Es wurde von jedweder Feierlichkeit abgesehen, lveil— noch alles im Rohbau liegt. Der erste Markt sollte ein Geflügel- und Schweinemarkt sein, doch waren nur ein paar Ladmigen Schweine angekommen. Macht man einen Rundgang auf dem ausgedehnten Terrain, so glaubt man eher eine ausgegrabene Stadt aus vorgeschichtlicher Zeit als einen eröffneten Viehhof vor sich zu haben. Auf der einen Stelle hohe Sandhaufen, auf der andern hohe Steinhaufen, dazwischen tiefe Gräben. Der Wasserturm ist auch noch nicht fertig, das Ge- lände zum größten Teil noch ungepflastert; wohin man blickt, alles unfertig, abgesehen vom Börsengebäude, das anscheinend fertig ist. Im(Börsengebäude ist ein PosthilfSamt eingerichtet, das jedoch nur an Markttagen geöffnet ist. Die Markttage sind folgender- maßen festgesetzt: Geflügel täglich, Schweine jeden Mittwoch, Rinder und Hammel Dienstags und Freitags. Pferde jeden ersten Donners- tag im Monat. Diese Festsetzung bezieht sich aber auf die Zeit nach Fertigstellung der Baulichkeiten. Der nächste resp. erste Pferdemarkt ist auf den 6. August und der nächste Rindermarkt auf den 7. August festgesetzt. Die eigentliche Eröffnungsfeier soll im Herbst stattfinden. Die Genossenschaft für Viehverwertung scheint sich ein weites Ziel gesteckt zu haben. Sie hat jetzt bei der Gemeinde um die Erlaubnis zur Errichtung einer Darmschleimerei nachgesucht. Voraussichtlich wird den Magerviehhof wohl mehr Schlachtvieh als Magervieh(ab- gesehen von Gänsen) passieren, wenn man die halb gemästeten Schweine als Schlachtvieh bezeichnen kann. Fest steht, daß ein großer Teil Schlächter diese leichtere oder sogenannte Mittelware auf dem Magcrviehhof kaufen. So war es in Rummelsburg und so wird es in verstärktem Maße auf dem neuen Viehhof der Fall sein. Rixdorf. An Polizeikosten hat unsre Stadt für das RechnungS- jähr 1903 127 463,23 M. zu zahlen.— Der deutsche Städtetag in Dresden wird auch von Rixdorf beschickt werden, das dort durch Bürgermeister Voigt und Justizrat Bürkner vertreten sein wird.— Der Bezirksausschuß hatte angeregt, in das neue Ortsstatut über das Rixdorfer Gewerbegericht eine Bestimmung, betreffend Einführung einer Wahlliste, aufzunehmen. Der Magistrat hat dies abgelehnt.— Seitens des Regierungspräsidenten war dem hiesigen Magistrat der Gesetzentwurs über die Verbesserung jder Wohuungsverhältnisse zur gutachtlichen Aeußerung zugegangen. Der Magistrat hat sich jetzt dahin geäußert, daß er das gesetzgeberische Vorgehen mit Rücksicht auf die inzwischen hervorgetretene starke Bauthäligkeit nicht für er- forderlich halte, auch mehrere Bestimmungen des Entwurss für un- zweckmäßig und undurchführbar erachte. Aus Scham über die Folgen eines Liebesverhältnisses in den Tod gegangen ist vermurlich die 18jährige Elisabeth Banschke. deren Multer Zietenstr. 78 Hierselbst wohnt. Das Mädchen war zu- letzt bei dem Restaurateur Wernicke, Großbeerenstr. 90 in Berlin, be- dienstet, wo es sich am Freitag voriger Woche mit dem Bemerken entfernte, einen kleinen Einkauf machen zu wollen. Seitdem ist das Mädchen verschwunden. Am nächsten Morgen erhielt die Mutter der Vermißten einen Brief, in welchem die Tochter Abschied von ihr und dem Leben nimmt und als Ursache ihren Zustand bezeichnet. Bis- her sind alle Nachforschungen nach der Verschwundenen erfolglos ge- wesen.— In einem Straßenbahnwagen, den er zur Fahrt von Berlin nach Rixdorf benutzte, erkrankte der Töpfer Albert Keßner aus der Jägerstr" 11 bierselbst so schwer, daß er auf ärztliche Anordnung dem Krankenhause überwiesen werden mußte. Pankow. Die Frage des Verkaufs deS GemeindegrundstückeZ wurde nochmals aus Anlaß der Erteilung einer Vollmacht zur Auf« lassung des betreffenden Grundstückes in der letzten Gemeindevertreter» Sitzung aufgerollt. Es wurde amtlich bekannt gegeben, daß die Käufer des Grundstückes bereit sind, 110 000 M. für das Grundstück zu zahlen. Aus der Debatte, welche sich in derselben Richtung be« wcgte, wie in der letzten Sitzung, ist hervorzuheben, daß von fünf Mit» gliedern der Genreindevertretung Protest gegen den Verkauf des Grund- stückes bei der Regierung in Potsdam, beim Landrat des Nieder- Barnimer Kreises und beim Kreisausschuß eingelegt ist.— Es wird beschlossen, den verheirateten Lehrern und Lehrern mit eignem Hausstand ihre Umzugskosten zu vergüten und zwar bis zu zehn Meilen Entfernung 75 M., Unverheiratete erhalten 25 M. Bei weiteren Entfernungen findet eine höhere Vergütigung nicht statt.— Die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung hat ein Werk: „Wie erhält man sich gesund" angeboten. Da 500 Exemplare 25 M. kosten, so wird die Anschaffung beschlossen. Die Schrift soll an die aus der Schule entlassenen Kinder verteilt werden.— Um„mehr Licht" zu schaffen wird beschlossen, daß die Nachtlaternen die ganze Nacht brennen sollen. Es erfordert dieses eine Mehrausgabe von 800 M. jährlich. Das Projekt betreffend die Legung des Druckrohres bis zum Pankower Rieselgute ist genehinigt.— Die Genehmigung hatte ihre Schwierigkeiten darin, daß das Druck- rohr 13 Kilometer in den Schutzstteifen des Bahndamms gelegt werden soll. Es ist dies das erste Mal, daß eine derarttge Konzession gegeben wird. Die Gemeinde Pankow braucht dadurch wenig oder gar nicht die Gebietsteile andrer Gemeinden in Anspruch zu nehmen und spart dadurch, daß keine Abfindungen an die betreffenden Ge- meinden gegeben werden, eine ganz bedeutende Sumine. Dahlem. Reges Leben und Treiben herrscht zur Zeit auf dem Terrain der königlichen Domäne Dahlem, auf welchem die Perle unter den Villenkolonien der Umgebung Berlins erstehen soll. Hunderte von fleißigen Händen regen sich täglich bei den Planierungs-, Ausschachtungs- und Pflasterungsarbeiten, um das Gelände baureif zu machen. Aus den Reihen der beteiligten Arbeiter sind uns nun in letzter Zeit verschiedentlich Beschwerden über eine» schweren Miß- stand zugegangen, unter dem sie besonders an heißen Tagen zu leiden haben und der schon verschiedentlich Krankheits- erfcheinungen verursacht hat. Es ist dies der völlige Mangel an Trinkwasser. Niemand wird doch im Ernst bebaupten wollen, daß das den Arbeitern zur Verfügung stehende Wasser, welches in einem eisernen Rohre circa 1200Meter weit oberirdisch zugeführt wird, noch als trinkbar bezeichnet werden kann; im Gegenteil, es ist völlig ungenießbar und direkt gesundheitsschädlich. Für die ausführenden Finnen: Ritze- Friedenau, W i g a n k 0 w und Brehme- Berlin, Selchow- Köpenick, dürfte es bei gutem Willen keine Unmöglichkeit sein, im Jntereffe der Gesundheit der den ganzen Tag in der Sonnenglut Beschäfttgten dem schwer empfundenen Uebelstande abzuhelfen. Zchlendorf. Am Sonntag, den 19. Juli, veranstalten die hiesigen Gewerkschaften ein Gewerkschaftsfest. Dasselbe findet in Anglersruh", Alseustr. 86, statt. Wir bitten die Berliner Genossen, uns durch ihren Besuch zu unterstützen, handelt es sich doch um das einzige größere Lokal, das uns hier zur Verfügung steht. Außer dem Konzert finden die verschiedensten Kinderbelustigungen statt. Die Festrede hält Genosse Schubert. Ein schwerer Unfall beim Lanzcnfcchtcn trug sich am Mittwoch auf dem Bornstedter Felde bei Potsdam zu, woselbst die 2. Eskadron des Leib-Garde-Husaren-RegimentS eine Uebung abhielt. Man benutzte dazu sogenannte Pufflanzen, welche an der Spitze gepolsterte Pfropfen haben. Mit diesen gingen sich die Husaren gegenseitig zu Leibe, wobei. es nun passierte, daß der Ouartiermeister der Schwadron, infolge plötzlichen ScheuwerdenS feines Pferdes, seinem Gegner, einem Unteroffizier, einen derartigen Stoß mit der Pufflanze gegen den Hinterkopf versetzte, daß er besinnungslos vom Pferde fiel. Anscheinend hat der Unteroffizier eine schwere Gehirnerschütterung erlitten, denn er führte, als er wieder zu sich kam. wirre Reden und wurde wie geistesabwesend nach dem Garnisonlazarett gebracht. Versammlungen. Verband der Sattler. Eine außerordentliche Geueral-Versamm- lung der Ortsverwaltung Berlin tagte am Mittwoch in den Armin- hallen. Der Abrechnung und dem Bericht für das zweite Quartal ist folgendes zu entnehmen: Die Kasse der Ortsverwaltung schlsG mit einer Bilanzsumme von 3733 M. ab. Die Berliner Verwaltung hatte eine Gesamteinnahmc von 1488,08 Mark, die Ausgaben beliefen sich auf 1464,10 M., so daß ein Bestand von 23,93 M. übrig blieb. Die Mtgliederzahl betrug am Quartals- schluß 1153. Die Beittäge sind pünktlicher und regelmäßiger ein- gegangen als das früher der Fall war. Im Arbeitsnachweis meldeten sich 335 Kollegen arbeitslos. Die Nachftage nach Arbeits- kiäften belief sich auf 174; es konnten jedoch nur 113 der angebotenen Stellen besetzt werden; bei den übrigen Stellen handelte cs sich zu- meist um solche, für die keine passenden Arbeitskräfte vorhanden waren.— Dem Kassierer Weyher wurde einstimmig Dccharge erteilt. Nachdem der bisherige Vorsitzende der Ortsverwaltung, S e m l e. sein Amt niedergelegt hatte, wurde an seiner Stelle M ü n d n e r als erster Vorsitzender gewählt. Sodann wurde über das ueu� Ortsstatut beraten und beschloffen, sowie über das damit zusammenhängende Arbeitsnachweis- Reglement, die Bibliotheks- Ordnung und das Statut der Lokalkaffe. Der Kommissionscntwurf über das Ortsstatut usw. wurde mit einigen Abänderungen von der Generalversammlung angenommen, ebenso die Ucbergangsbestimmungen. Der Wahlverein Britz hielt am 10.' Juli seine Generalversamm- lung ab. Nach dem Bericht des Vorstandes ergab sich ein Zuwachs am Mitgliedern von 75 auf 114 innerhalb 9 Monaten. Der Kasfen- berietst wies eine Einnahme von 333,65 M., eine Ausgabe von 257.94 Mark auf. Neu aufgenommen wurden 12 Genossen. Ferner wurden die Erlebnisse bei der Wahl erörtert, woraus zu ersehen war, wie chwer immer noch das Kämpfen ist. Verschiedene Genossen wurden aus dem Wahllokal herausgeworfen, während andere gut aufge- nommen wurden. Beschlossen wurde, ein Stiftungsfest abzuhalten und zwar Mitte Oktober. Nachdem der Vorsitzende, Genosse Händel. ein Amt niedergelegt hatte, da er das Amt nur bis nach der Wahl angenommen habe, wurde als Vorsitzender Genoffe August Nierich gewählt. Socialdemokratischer AgitationS> Berein für den Reichstags- Wahltreis Kalau-Luckau. Sonnabend, den 18. Juli, abends S'l, Uhr, Versammlung. Neue Mitglieder werden ausgenommen. Gäste willkommen. Zahlreiches Erscheinen notwendig. Witterungsübersicht vom 1«. Juli ISOZ, morgen»« llhr. Stationen es L E §2 c S S= Swinemde. vamburg i Zerlin Franks a.M. Nünchen Wien 762 761 762 759 764 763 S S 3S SO SO O Still Still WeU« 1 wolkig 3.wolkenl 1 heiter wölken! wolkenl wölken! s« s? h a Stationen L S s£ §2 e 5 S)— Haparanda Petersburg Cork Zlderdeen Paris 747 757 751 758 W SW SW SW Weiter «»si c S» -» II ig* H S> 2bedeckt 1 heiter 2.bedeckt �2 halb bd. 10 13 16 21 Werter-Prognoie kür Freitag, den 17. Juli IJMKt. Warm und vielfach heiter bei schwachen südlichen Winden und etwa» Neigung zu Gewittern. Berliner W e t t e r b u r e au. Bnefhaften der Redahtion. Ranchklub Bern. Anonyme Anfragen pflegen wir nicht zu be» antworten Wir find auch nicht in der Lage, Ihre Anfrage zu beantworten Juriftifcher Ceil. altpreußischen Recht als flagbar zu erachten. F. Schnaafe. Die| 1. Auf Grund des alten vollstrecbaren Vergleiches tönnen Sie wiederholt, . W. 114. 1. Ja. 2. Das hängt von dem uns unbekannten örtlichen Auslösungsgebühr, die einige Kirchengemeinden dafür fordern, daß der Ver- ohne Klage, vollstrecken lassen. 2. Ja. J. G. 88. Kute. Sie leben Baurecht ab.. S. 1002. Ihre Fragen sind ohne mündliche Rüd- storbene nicht auf ihrem Kirchhof beigesetzt ist, sondern auf dem Gemeinde- außer Gütergemeinschaft, fönnen aber zur größeren Sicherheit für Ihre Sprache und Einsicht in das Dokument nicht zu beantworten. Besuchen Sie Friedhof, ist eine viel umstrittene Frage. Zahlen Sie nicht. B. C. 2. fünftige Frau einen Ehevertrag der Art errichten, wie er auf S. 225 Nr. 22 die juristische Sprechstunde. D. G. 1. und 2. Nein. F. K. i. 2. Unerhebliche Körperfehler. J. Hahu. Nein. M. D. Brit. Ja. des dem Arbeiterrecht" beigefügten Führers entworfen ist. Das Buch liegt Durch Spiel oder Bette wird staatlich genehmigte Lotterie- und Ausspiel- Berlin O. Anwaltsgebühren verjähren in zwei Jahren nach Ablauf in den öffentlichen Lesehallen aus.. Homburg. 1. Nach Ihrer Schilderung berträge ausgenommen eine Verbindlichkeit nicht begründet. Das auf des Jahres, in dem sie entstanden sind. H. R. 5. Die Sachen Ihrer hat der Wirt verspätet gekündigt. Das müssen Sie aber dem Wirt mifGrund des Spiels oder der Wette Gezahlte tann aber nicht zurückgefordert| Ehefrau haften für Ihre Schulden nicht. D. W. Verjährung liegt nicht teilen. 2. Krankheit, bevorstehende Entbindung usw. berechtigt keineswegs werden. Zu Spielzwecken hingegebene Darlehen find im Gegensatz zum vor. Daß gezahlt sei, hat der Schuldner zu beweisen. Vormund. zum Weiterwohnen. 3. Nein. W. M. 1000. Ist nicht verständlich. für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. Inserate Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 17. Jult. Anfang 7, Uhr: Neues Operntheater. Boccaccio. Weften. At- Heidelberg. Anfang 8 Uhr: Berliner. Der Barbier von Se billa. Thalia. Das Alter. Belle Alliance. Die Böhmin, oder: Jtta aus dem Elend. Carl Weißt. Das Geheimnis des roten Hauses. Apollo. Die Liebesinsel. Speciali täten. Metropol. Neuestes! Allerneuestes! Reichshallen. Gastspiel von WinterTymian. Passage Theater. Specialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Von der Zugspike zum Wahmann. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Carl Weiss- Theater. Große Frankfurter Straße 132. Abends 8 Uhr: Das Geheimnis des roten Hauses. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntagnachmittag 3 Uhr, Parkett 60 Pf. Der Hüttenbefizer. Im Garten: Große SpecialitätenBorstellung. Anfang 5 Uhr. Metropol- Theater. Der grösste Erfolg dieser Saison! Zum 187. Male: Neuestes! Allerneuestes! Dramatische Revue in 5 Bildern. Glänzendes Ballett. 300 Mitwirkende. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo- Theater. Wiederauftreten bon Robert Steidl. Täglich: OOLOCISCHER Urania. ZCARTEN Taubenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze Täglich ab 5 Uhr nachmittags: zum Watzmanz. Doppel- Konzert Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. Castans Panoptikum Friedrichstr. 165. gewachsenen Neu!! Die zusammenNeu!! Zwillingsschwestern Bladscheck, 20 Jahre alt; dieselben spielen Geige u. Xylophon; sehr sympathische Erscheinungen. Peter I.- Leo XII. König Alexander, Königin Draga. Passage- Theater. Anf. Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Lina Goltz Vortragskünstlerin. Die Tritons, Taucher u. Schwimmkünstler, 5 Minuten unter Wasser. Ganz Berlin zerbricht sich schon den sechsten Monat Entree 1 M., ab 6 Uhr 50 Pf., Kinder unter zehn Jahren die Hälfte. Etablissement Buggenhagen am Moritzplatz. Jeden Tag: Konzert des berühmten Orchesters des Signor Vincenzo Ferrara. Donnerstag, Sonnabend, Sonntag im Kaiser- Saal: Tanz. Diez' Specialitäten- Theater Landsberger Allee 76-77 ( Ningbahn- Station). Ob schön! unerreichte Ob Regen! Täglich Riesen- Juli- Programm! Gebr. Bellong. Senard& Berend. Mstr. Tertois. Elsa& Paul. Jescheck. Duskes Bioskop 2c. 2c. Sonnabend, Sonntag u. Montag: Tanz. Anf. Wochent. 5 Uhr, Sonnt. 4 Uhr. Ostbahn- Park. den Kopf über AGA! Am Küstrinerplatz. Rüdersdorferst. 71. Hermann Imbs. Täglich: Bernhard Rose- Theater Gr. Konzert, Theater Gesundbrunnen, Babſtraße 58. Täglich: Vollständig neues Programm. Novität! Novität! Verbotene Wege. und SpecialitätenVorstellung. Allen Freunden und Bekannten Boltsstück mit Gesang in 2 Akten von hiermit zur Kenntnis, daß ich das Hans Müller. Anfang 4 Uhr. Die Liebes- Insel W. Noacks Theater. mit dem fenfationellen Post- Ballett. George Osranis Burleske- Pantomime. Der Kosmograph: Neue Serie. Reichshallen Heute und folg. Lage: Kurzes Gastspiel d. berühmten WinterTymian mit sein.aus 16 Herren bestehenden Gesellschaft. Ganz neues originelles Programm. Anfang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Sonnabend, 1. August: Wiederbeginn der Soiréen der Stettiner Sänger. Sanssouci. Direktion: Robert Dill. Brunnenstrasse 16. 8 Uhr: Lokal Laufikerplak 18 fäuflich übernommen habe. 21142 Um gefälligen Zuspruch ersucht Oskar Sprenger. PrinzenDr. Simmel, Str. 41. Specialarzt für[ 8/ 17* Haut- und Harnleiden. Das Geheimnis der 10-2, 5-7. Sonntags 10-12 2-4. alten Mamsell. Vorher: Hofmeister in tausend Aengsten. Anfang 6 Uhr. Kaffeeküche v. 3 Uhr ab. Bei schlechtem Wetter: Vorstellung im Saale. Prater- Cheater Kastanien- Allee 7-9. Direktion: M. Kalbo. aus einem Stück ff. Kalbleder mit Goldtasche Mk. 1,45. Album und Lederwaren- Fabrik Oskar Gundau, Größere Die Expedition. Zur Feier des Wahlfieges Grosses Sommer= Fest Sonnabend, den 18. Juli 1903: veranstaltet vom Socialdemokratischen Wahlverein Rixdorf in der ,, Neuen Welt", Hasenheide 108/114. I'm Niejenig Konzert, Specialitäten, Feuerwerk, Fackelzug. Im Niesensaale Großer Ball. Anfang 4 Uhr. Eröffnung 2 Uhr. Entree 25 Pf. Kinder unter 14 Jahren frei. Am Tanz teilnehmende Herren zahlen 50 Pf. nach. Bei ungünstiger Witterung findet die Vorstellung im Saale statt. Programm und Stocklaterne an der Kasse gratis. 232/ 18* Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Rabatt- Spar- Verein„ Süd- Oſt" 6. m. b. D. Telephon: Amt IV, Nr. 2831, Berlin SO. 26, Kottbuser Ufer 44 a. Sonnabend, den 18. Juli, nachmittags 3 Uhr: Eröffnung unsrer 25. Verkaufsstelle Kottbuser Damm 9. Grösste Auswahl in Kolonialwaren, Mehl, Hülsenfrüchten etc. Verkauf auch an Nichtmitglieder. 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Freitags: Norddeutsche Sänger. Billets find bis Montag, den 20. Juli, bei folgenden Mitgliedern zu Montags: haben: Süden: Karl Maer, Boffenerstr. 40. Often: Karl Graf, PetersHamburger burgerstraße 14. Norden: Max Gurlitt, Demminerstr. 9, Albin Bruns, Sänger. Pappel- Allee 7. Südosten: Franz Wilke, Manteuffelftr. 57, Richard Heinrich, Bei ungünstiger Cubrystr. 1. 200/4 Der Vorstand. Witter. i. Saale. Nachher: Kränzchen. Kinder- Spiele im Walde. Preiskegeln. Im Saale: Grosser Ball. Billet 1 M. Kinder bis zu 14 Jahren frei. Fröbels Allerlei-Theater früher Puhlmann. Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Fröbel. Heute sowie täglich: Großer Erfolg des völlig neuen riesengroßen Abends Die neue Firma. Riesen- Juli- Spielplans Ausstattungspoffe m. Ges. in 2 Bildern. Königstadt- Kasino. Holzmarktstr. 72, Ede Alexanderstr. Tägl. Im herrl. Garten: Tägl. Grossart. Programm. Elly Deliasey, Eugen Milardo, Bonnet- Trio, Miss Bella Field, Dettmar u. Margarit, Rud. Schaup. Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Tanz. Anfang 8 Uhr, Sonntags 5 Uhr. mit Hugo Schulz Leocardis The Firms Rosée X Hübele- Truppe Fredoff. Dazu: Das bis jetzt unerreichte Boltsstück in drei Atten Licht und Schatten mit Arthur Winkler vom ThaliaTheater als Gaft. Jm Saale: Grosser Ball. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. Max Kliem's Sommer- Theater Hasenheide 13-15.- Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: 17182* Grosses Konzert, Theater- und Specialitäten- Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest.. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 hochelegante Regelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand 2c. In den Sälen: Familien- Kränzchen. Schloss Weissensee. ,, Zum Sternecker", Inhaber: C. Koch. Täglich: Grosse Theater- Specialitäten- Vorstellung. Riefenprogramm, 40 Nummern. 3m Bal champêtre: Grosser BALL. Illumination der Fontaine lumineuse. Jeden Mittwoch: Grosses Kinderfreudenfest mit Gratis- Verlosung. Jeden Donnerstag: Grosses Monstre- Elite- Feuerwerk u. Doppelkonzert. Jeden Sonntag: Grosses DOPPEL- KONZERT. Kaffeeküche. Boltsbelustigungen aller Art. Junge Gänse von 3.50 an, grössere 4.Junge Enten. Fette Suppenhühner Junge Brathühner. von 2.00 an 1.50 29 0.60 99 Junge Tauben. Ausgeschlachtete Gänse. او Prima Gänserümpfe Stück 3.50, grosse 4.00. Halbe Gänserümpfe Stück 1.75. Reine Gänseliesen Pfund 0.90 Pf. Darmfett Pfund 0.50, Gänseklein 0.75 Pf. Lebern Stück 30 Pf. 2067L Albert Schulze, Frankfurter Allee 112. Schlafmöbel- Bazar ,, Baby" Centrale Invalidenstr. 160. Filialen: Potsdamerstraße 35, Tauenzienstr. 7a a. d. Lüzowstraße. Beuffelstr. 18 Belle- Alliancestr. 107 Dranienſtr. 31 Reinickendorferstr. 20 Brunnenstr. 92 Frankfurterstr. 115 8, 12, 15-90 M. Fertige Betten und MetallBettstellen für Kinder und Erwachsene. von 22,50 M. an. 21012* 10, 15, 21-75 M. Teilzahlung gestattet. Bei größeren Raten Kaffapreise. Liefer. desPost- Spar u. Vorschuß- Vereins Freibank für den Gemeinde- Bezirk Berlin. Die Eröffnung der Freibank- Verkaufsstellen in der Wiclefstr. 49 und Görlitzerstr. 70 findet am 127/5 Montag, den 20. Juli 1903 statt. Verkaufszeit wochentäglich von 8-12 Uhr vormittags und 3-8 Uhr nachmittags. Zweiter Wahlkreis. Vereinigung der Zimmerer Deutschlands Freitag, den 17. Juli 1903, abends 8 Uhr, in Habels Brauerei, Bergmannstr. 5/8: Große öffentl. Verfamminna Zages- Ordnung: 1. Bortrag des Arbeitersekretärs Genossen Hermann Schubert: Bureau: Berlin C., Dragonerstr. 15, Hof part. Sonntag, den 19. Juli, vormittags 10 Uhr: Am Dienstag, den 14. Juli, berstarb unser Freund und Kollege August Haensel. Die Beerdigung findet statt am Sonnabendnachmittag 26 Uhr von der Leichenhalle des Thomas 26165 General- Versammlung in bold, and des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend an in den Industrie- Festsälen( früher Cohn), Beuthstraße Nr. 19-20. Tages- Ordnung: „ Die Schule im Dienste gegen die Freiheit." Organisationen. Seferent: Stamerad Theodor Fischer. 3. Bereinsangelegenheiten. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Recht zahlreichen Besuch erwarten 210/ 14* Die Vertrauenslente. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Heute, Freitag, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Bezirks- Verfammlung für Moabit am Sonntag, den 19. Juli, vormittags 10 Uhr, in der Bazenhofer- Brauerei, Abteilung Moabit, Thurmstraße 25-26, ( fleiner Saal). Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wermuth über: Die Gewerkschaften und unfre politische Machtentfaltung." 2. Diskussion. 3. Wahl des Bezirksleiters, des Schriftführers und der Beitragssammler. 4. Verbands= angelegenheiten und Verschiedenes. Die Kollegen der Firma L. Treitel. Am 16. Juli, früh 28 Uhr, verstarb nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unfre gute Mutter und Schwester 257/13 Amanda Röhn 1. Abrechnung vom II. Quartal. 2. Die Einigungsfrage unter den deutschen Zimmerer Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Mitgliedsbuch legitimiert. Zur besonderen Beachtung! Da in letter Beit von einer Anzahl Arbeitgeber häufig Ueberstundenarbeit verlangt wird, machen wir darauf aufmerksam, daß Ueberstunden nur in ganz dringenden Fällen gemacht werden dürfen und die neunstündige Arbeitszeit eingehalten werden muß. Wo dies nicht der Fall ist, geschieht eine Umgehung des Vertrages und muß sofort Meldung an unser Bureau gemacht werden, damit durch die Achtzehner- Kommission Abhilfe geschaffen wird. Der Vorstand. J. A.: Wilhelm Schäfer. Verband des technischen Bühnen- Personals. Sonnabend, den 18. Juli, abends 11 Uhr, im Gewerkschaftshaufe, General- Versammlung. Engel- Ufer 15: Zages Ordnung: 1. Borstandsbericht. 2. Kassenbericht. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Regen Besuch erwartet 190/17 Arbeiter- Radfahrerverein Berlin". geb. Littkowsky. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 19. Juli, nachmit tags 1, Uhr, von der Leichenhalle des Central- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 26206 Die trauernden Hinterbliebenen. Emil Röhn, Lichtenbergerstr. 8. Für die Beweise herzlicher Teil nahme bei der Beerdigung meiner Sonntag früh 7 Uhr lieben, unvergeßlichen Frau, sowie nach Zernsdorf. Zahlreiche Be- für die trostreichen Worte und reichteiligung. Mittags 22 Uhr nach lichen Stranzspenden sage ich den Karolinenhof. Beide Start: Kollegen, Freunden und Bekannten Schlesische Brücke. 12/19 den herzlichsten Dank. Der Vorstand. Kranken- UnterstützungsFritz Kopsch 21132 nebst Kindern. Verband der Bauanschläger Deutschlands.. Begräbnisverein für Bau- Danksagung. Ortsverwaltung Charlottenburg. Sonntag, 19. Juli, vorm. 10 Uhr, bei Hagen, Bismarckstr. 50: Achtung! Musikinstrumenten- Arbeiter! Versammlung. Montag, den 20. Jubi, abends 81 Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal I: Branchen- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Berschiedenes. Bahlreiches Erscheinen der Kollegen erwartet Die Branchenkommission. Achtung! Jalousie- Arbeiter, Achtung! Einsetzer und Parkettleger! Montag, den 20. Juli: Dampferpartie nach Heffenwinkel. Abfahrt morgens 7 Uhr von der Stralanerbrücke. Die Billets find bei den Vertrauensleuten zu haben. Die Zahlstelle Rummelsburg befindet fibon sich Sonnabend, den 19. Juli ab, bei Thöns( früher Strause), Kant- und Goethestraßen- Ecke. Central- Verband der Dachdecker. Filiale Berlin. Sonntag, den 19. Juli, vormittags 10 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27e: General- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Staffenbericht vom zweiten Quartal. 2. Wird unser Tarif überall anerkannt? 3. 29ie ftellen fich die Kollegen zur Gründung einer Bibliothek in der Filiale? 4. Verschiedenes. NB. Das Erscheinen aller Kollegen ist dringend notwendig. 54/10 Die Ortsverwaltung. Jedes Wort: 5 Pfennig. Nur das erste Wort fett. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. 35/15 Tages- Ordnung: Organisationsfrage. Verschiedenes. Der Vorstand. Fachverein der Bretterträger, sowie Brettschneider Berlins und Umgegend. Sonntag, den 19. Juli 1903: und gewerbl. Hilfsarbeiter Dem Wahlverein des III. Streifes Berlins und Umgegend. Sonntag, den 19. Juli 1903, bormittags 10 Uhr, Langestraße 65: sowie dem Verband der Handelsarbeiter Deutschlands, allen Berwandten und Bekannten sowie Stamm: gästen sage ich für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meines Pinzer, meinen besten Dant. Witwe Luise Pinzer 21112 nebst Kindern. General- Versammlung. Mannes, des Gastwirts Heinrich Tagesordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Quartal 1903. 2. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. werden abreicht erscheinen. Der Zahltag zu am 18. Juli fällt aus; Beiträge und neue Mitglieder werden in der Ver37/4 Mitglieder- Versammlung fammlung aufgenommen. im Königstadt: Kasino, Holzmarktstraße 72. Zages Ordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Quartal. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes. 19/11 Billets zum Stiftungsfest werden ausgegeben! Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen! Der Vorstand. Bauhandwerker- Krankenkasse für Berlin und Umgegend.( Eingeschriebene Hilfskaffe Nr. 118.) Sonntag, den 26. Juli 1903, vormittags Punkt 10 Uhr: Außerordentliche General- Versammlung bei Hoffmann, Alexanderstraße 27c. Tages- Ordnung: 38/ 4* 1. Abrechnung vom ersten und zweiten Quartal 1903 fowie Revisionsbericht. 2. Revidierung des Statuts. 3. Wahl fämtlicher Hilfskassierer. 4. Innere Kaffenangelegenheiten. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. J. A.: H. Mette. Danksagung. Für die überaus vielen und herzlichen Beweise der Liebe, Verehrung, Blumen Der Vorstand. und Kranzspenden und innigen Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Tanzlehrers Blutarme, Schwächliche und Genesende trinken Santa Rosa feurig süsser Rotwein a Fl. 1,40 u. 1,90 Mk. oder 20691* Franz Schultze sage allen lieben Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Gastwirt Herrn Nonnenberg, dem Gesangverein Lorbeertrang", der Firma Mietschke, dem Verband der Buchbinder, dem Berliner Tanzlehrer- Verband, den Schülern und Afrikanischen Blutwein Schülerinnen feines früheren Inſtituts kräftiger, herber Rotwein a Fl. 1,25 Mk. Käuflich in allen durch Plakate kenntlich gemachten Niederlagen von Hermann Meyer& Co., Wattstrasse 11/12. Unverfälscht. Deutscher Der Ausschuh. G. Herfort. Honig! Bienenhonig, beſt. Qualit. Westend- Charlottenburg. verf. die 10 Pfunddofe zu 7,00 M., 5 Pfd. sowie den Mitgliedern des 4. Berliner Wahlkreises( SO.) auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank. 21122 Louise Schultze 29123 geb. Strauſe nebst Kindern. Künſtl. Zähne, tadellose Ausführung 4,30 M. franco. Garant. Rücknahme. von 3 M. an, Plomben von 2 M. an. Bahnhof * Zur Roßtrappe", Spandauer Berg. E. Reil, luguftifen, Dlbenbg. Zweites Restaurant von der Kastanien- Allee. Dr. Schünemann 20212* Haltestelle der Straßenbahn. Angenehme Familien- Unterhaltung und Tanz. Kaffeeküche ist von 2 Uhr ab geöffnet. Es ladet ergebenst ein Karl Klabunde. Max Guckel, Lausitzer Platz 2. Borzeiger dieses erhält: 4 M. ErSpecialarzt für Haut, Harn- und mäßigung bei Auftrag von 20,00 M., Frauenleiden, Seydelstr. 9. unter 20 M. 2 M. 20512* 212-3, 6-18, Sonnt. 9-11. Teilzahlung gestattet. Kleine Anzeigen. Teppiche mit Farbenfehlern Fabril niederlage Große Frankfurterstraße 9, parterre. + 37* Nähmaschinen, Fahrräder, ge Schanklokal verkäuflich. Näheres brauchte, nagelneue, Riesenauswahl, Gnadt, Ruppinerstraße 41.+ 107* spottbillig. 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