Nr. 166. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in der Post- ZeitungsPreisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Auslan 2 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Abeds Berliner Volksblatt. 20. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 20 Bfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Infecate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttags geöffnet. Telegramm Noreffe: ,, Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expropriation in Schlesien. Fünfzehnmal hat sich im vergangenen Jahrhundert die wilde Flut aus dem schlesischen Hochlande in die Ebene hinabgestürzt. Fünfzehnmal hat sie Menschen getötet und das Werk menschlichen Fleißes zerstört, Ernten vernichtet, Häuser davongetragen, Vieh ertränkt. Fünfzehnmal hat man für die Verarmten den Bettelsac geschwungen, auf Wohlthätigkeitsfesten hat sich die christliche Liebe bethätigt, und Stüsse wurden für die schlesischen Ueberschwemmten verkauft. Was die Großmutter that, mag heute die Enkelin üben, Sonntag, den 19. Juli 1903. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Bleib bei Deinem Leisten General! dem Besitze der Aermsten. Keine Diplomatie kann ihn vom 3 M. erhalten habe. Durch diese Notiz sei nichts bezweckt, als die Lande fern halten, kein Uebereinkommen fann eine Ab- Mildthätigkeit öffentlich auf den Fall hinzulenten, und es feien in rüstung herbeiführen, hier heißt es nun zu den gewaltigsten der That von Privatleuten erneut erheblichere Beiträge eingesendet Mitteln greifen und die schwerste Rüstung anlegen. Aber hier bleibt worden. Der Fall liege nicht anders, als wenn die Gabe einer sehr die Versicherung der gerühmten kapitalistischen Privatinitiative über- wohlhabenden Privatperson, von der man einen weit höheren Betrag lassen, die das Risiko der Elementarversicherung bisher ängstlich erwartet habe, kritisiert worden sei. gescheut hat. Die Gesellschaft hat zwar für den äußersten Fall einen 1 Monat auf die erlittene Untersuchungshaft ab. Der Gerichtshof erkannte auf 4 Monate Gefängnis und rechnete Bettelpfennig übrig, aber sie hat kein Geld für ein Geschäft, das sich nicht rentiert. So bleibt dem Oberpräsidenten einer preußischen Provinz die Schande nicht erspart, sich als Großalmosenier etablieren Die konservative Presse hat den richtigen künftigen Kriegsund mit dem Hute in der Hand fechten gehen zu müssen um Unter- minister und gar Bülow- Nachfolger gefunden. Das ist der stützungen für die Opfer staatlicher Mißwirtschaft! General Spiß, der Obervorsißende der Kriegerbereine. Aber ist es auch notwendig, die großen Summen, die wir für Verbandstage der Kriegervereine schon jüngst einige Zeilen, Wir widmeten seinem Auftreten auf dem letzten die Versicherung des bewaffneten Friedens bezahlen, in Vergleich zu aber da mun die donnernde Vernichtungsrede, die Die furchtbaren Zerstörungen, die das Hochwasser im Jahre 1897 stellen mit jenen viel kleineren, die der Staat für Zwecke wirt- wider die Socialdemokratie geschleudert, ausführlich vorliegt in Schlesien anrichtete, haben zu Anfang des Jahres 1898 im licher Kulturerhaltung nicht besitzt? Alljährlich werden im Reiche und diese Rede fürwahr ein kostbares Dokument soldatisch- friegerpreußischen Landtage den Antrag gezeitigt, fünf Millionen Mark für Millionen zum Empfange fürstlicher Persönlichkeiten, besonders solcher, vereinlicher Socialwissenschaft und Politik darstellt, ein so kostbares, Beihilfen an die Ueberschwemmten flüssig zu machen. Ja, es war die viel auf Reisen sind, bewilligt und ausgegeben. Diese Millionen daß der Reichsbote" sagt, es sei eine Ansprache, die als ein Muster sogar von zehn Millionen die Rede, aber über solche Ueber- sind eine Versicherungsprämie für die Pflege und Erhaltung von Entschiedenheit und Klarheit auch allen Ministern empfohlen werden schwenglichkeiten siegte Herrn v. Miquels flassischer Sparsinn, byzantinischer Gesinnung. Gleiche Summen würden nahezu oder demokraten, denen sie gilt, vorzuenthalten. General v. Spitz wird fönnte, so wäre es fündhaft, diese grandiose Rede den Social den seine Lobredner wohl als echt preußisch" zu rühmen pflegten. ganz als Versicherungsprämie gegen elementare Katastrophen aus uns gewiß dankbar verpflichtet sein, daß wir für die Verbreitung In der dritten Beratung des Abgeordnetenhauses wurde beschlossen, reichen und, fapitalisiert, die umfassendsten Vorkehrungen zur Ver- feiner Socialistenvernichtung und seines Nuhmes Sorge tragen. Der den in zweiter Lesung angenommenen Zusatz, wonach die aus- hütung solcher Ereignisse ermöglichen. Ministeranwärter fagte: Wenn sich der alte Berggeist allzu stürmisch regte, haben sich wohl auch die Herren Gesetzgeber zu dem Beschlusse aufgerafft, daß etwas geschehen müsse. " geworfene Summe von fünf Millionen im Bedürfnisfalle bis zu Hunderte von Millionen werden ja auch jährlich an die Herren zehn Millionen erhöht werden konnte, zu streichen. Man von vielen Hektaren und vielen Tonnen Getreide ausgegeben als begnügte sich mit einer etwas verschwommenen Fassung, die die offene und versteckte Liebesgaben des Reiches und des Staates. Aber Staatsregierung aufforderte, den über den Betrag von fünf Millionen der Mann mit Ar und Halm" wird, so lange er etwas besitzt, notwendigen Bedarf aus bereitstehenden Staatsmitteln ohne Verzug mit Bollschwindel gefüttert, und wenn er gar nichts mehr hat, wo zu entnehmen. nicht auf das Begrabenlassen, so doch auf den Bettel angewiesen. Manchem Bauer, der in diesen Tagen seine letzte Kuh fortschwimmen fah, mag der Gedanke aufgestiegen sein, daß es noch viel schlimmere Grpropriateure giebt als die Socialdemokratie, vor der man ihn bei den letzten Wahlen ach so treulich gewarnt hat. Zwei Jahre später gelangte endlich auch nach mancherlei Quertreibereien im Herrenhause ein Gesetz zur Annahme, wonach Schutzbauten zur Verhütung von Hochwässern in Angriff genommen werden sollten. Das war im Jahre 1900. Das Jahr 1903 hat aber Schlesien Die Erde, oder wie das Fälschercitat will, die Ernte gehört eine neue Wasserkatastrophe gebracht, die ihre Vorgänger an Fülle nicht dem Bauer, sondern der ganzen Gesellschaft! Man hat sich der Schrecknisse erreicht, wo nicht vollends in den Schatten über den Satz reichlich entrüstet und hat nicht versäumt, gegenüber stellt. Die Wassergewalt, als die furchtbarste Naturmacht, der eigentumsfeindlichen Socialdemokratie zu betonen, man wünsche, spottet aller fleinlichen Maßnahmen einer ängstlichen und daß Erde und Ernte abgesehen natürlich von dem Stückchen, das engherzigen Bureaukratie. Wieder ist in Schlesien der sich hochgeborene Herren vor Zeiten erräubert haben dem Hunger eingefehrt. Ohne jede Schuld find Tausende ihrer Habe, Bauer gehören solle. Nun hat er sie in Schlesien, die Erde, die ihrer Nahrungsmittel, ihrer Wohnung und ihrer Kleidung beraubt man ihm gönnte, nadt, fahl, mit Trümmern und Schlamm worden. Sie durften froh sein, wenn es ihnen gelang, aus der bedeckt! Während der socialistische Gedanke für jeden ar allgemeinen Zerstörung das Leben zu retten und ihr Vertrauen auf beitenden Menschen seinen wohlverdienten Lohn verlangt und die Mildthätigkeit guter Menschen. Sie, die sich redlich um ihr Teil die Gesellschaft als Eigentümerin aller Produktionsmittel bemüht haben, Werte im Interesse der Gesellschaft zu schaffen, und auch die Schäden tragen heißt, die diese Produktionsmittel die nun diese Werte im Schaum des Wildbachs zerrinnen sahen, erleiden, während er die wirtschaftliche Solidarität aller haben keinen Anspruch an diese Gesellschaft, für ihre Mühe entschädigt Menschen verkündet, die Pflicht des Einen gegenüber allen und aller zu werden. Im Reiche der Kapitalherrschaft wird keiner nach der gegenüber diesem Einen, giebt die kapitalistische Gesellschaft ein Arbeit gefragt, die er geleistet, sondern nur nach der Ware, bißchen Gnade für alles Recht, ein bißchen Almosen für verdienten die er zu verkaufen hat: wer mit leeren Händen auf den Markt Lohn, und rühmt sich barmherzig gewesen zu sein, wo sie weniger tommt, tommt auch mit leeren Taschen zurück. Er ist auf den Bettel gethan hat als ihre Pflicht. angewiesen, der nicht minder entwürdigend wirkt, wenn er vom Mit den Trümmern schlesischer Hütten schwimmt die Legende Staate organisiert wird. Heute geht die Perle unter den Provinzen, vom preußischen Musterstaate auf Sturzwellen dahin, sowie sie mit das reiche Schlesien, das Schlesien der Kapitalmagnaten, als Bettel- den Dächern der schlesischen Schulpaläste mählich verfällt. Ueber mönch durch Deutschland, um für die armen Ueberschwemmten milde den frischen Stätten des schlesischen Elends frächzen die Raben das Gaben zu sammeln. Der Vorsitzende des schlesischen Provinzial- berühmte Wort eines preußischen Ministers von den Kulturaufgaben, Landtages Herzog von Ratibor, der Vertreter des Oberpräsidenten die nicht leiden... Michaelis und der Landeshauptmann Freiherr v. Richthofen veröffentlichen in der bürgerlichen Presse diese Bittschrift, die ein wahrhaftiges Dokument preußischer Schande ist: Indem sich die höchsten Staatswürdenträger Schlesiens an die Spiße eines Unternehmens der Privatwohlthätigkeit stellen, folgen sie einem dunklen Drange, der sie heißt, wenigstens im übertragenen Wirkungskreise und mit erbetenen Mitteln eine Thätigkeit auszuüben, die sie eigentlich von Staatswegen und aus öffentlichen Mitteln üben follten. Politische Ueberlicht. Berlin, den 18. Juli. Wiederum ist die Provinz Schlesien durch Hochwasser schwer betroffen. Der Schaden ist noch unübersehbar, aber zweifellos Die Erfüllung eines königlichen Wunsches. sehr groß. Zunächst handelt es sich um Abstellung der dringendsten Der Majestätsbeleidigungsprozeß gegen die„ Dresdner RundNotstände, des Hungers und der Obdachlosigkeit. Schnellste Hilfe schau" wurde am Freitag vor dem Landgericht in Dresden verthut not. Die Unterzeichneten haben sich daher, um die Privat- handelt. Der Prozeß hat dadurch eine besondere Eigenart gewonnen, wohlthätigkeit wirksam zu organisieren und ungeordnetes Sammeln baß der König selbst, nachdem der Verlag der„ Rundschau" sich an und Verteilen zu verhüten, entschlossen, mit dieser schleunigen vor- ihn gewandt hatte, die Strafverfolgung angeordnet hat. Angeflagt läufigen Bitte an die Opferfreudigkeit aller heranzutreten. Geld- ist der verantwortliche Redakteur des Blattes Bernhard Peters. Die spenden wolle man an den Schlesischen Bankverein", Breslau I, Anklage lautet auf Majestätsbeleidigung und BeAlbrechtstraße, richten. Wegen der Gründung eines größeren leidigung der Prinzessin Mathilde, die Peters durch Komitees und von Unterausschüssen in den Kreisen der Provinz die Artikel: Wie man's treibt, so geht's und Das Märchen von der ist das Erforderliche veranlaßt. Prinzessin, die nicht beten konnte, begangen haben soll und wegen deren die„ Rundschau" konfisziert wurde. Nach Verlesung der Anklageschrift beantragte der Staatsanwalt den Ausschluß der Deffentlichkeit. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Schöps- Berlin widersprach: Er könne nicht einsehen, wie durch die öffentliche Verhandlung in dieser Sache die öffentliche Drdnung irgendwie gefährdet werden könne. Es handle sich hier um einen ganz harmlosen Artikel, der mit der Milliarden und Abermilliarden werden in diesem glücklichen Festigkeit der Monarchie sehr schlecht bestellt sein, wenn sie durch Monarchie gar nichts zu thun habe. Uebrigens müsse es mit der Reiche für Zwecke der Zerstörung ausgegeben. Man scheut keine solche Dinge schon gefährdet werden könne. Das Gericht zieht sich Kosten, um immer bessere Mittel zu erfinden, mit denen man zur Beratung über den Antrag des Staatsanwalts zurück und verHäuser zerstören, Saaten vernichten und Menschen töten kann. Wenn fündet darauf den Ausschluß der Deffentlichkeit. Aus der es aber heißt, für verlorene Ernten Ersatz zu schaffen, zerstörte weiteren Verhandlung wird bekannt, daß der Rechtsanwalt ausHäuser wieder aufzubauen, Familien, die ihren Ernährer verloren führte: Auch Sachsen sei ein moderner Staat, in dem die Fürsten haben, vor der schlimmsten Not zu bewahren, wendet der Finanz- nicht hinter Wolkenschleiern verschwänden, sondern an deren Handminister alle Taschen, um es schließlich der christlich gesinnten Ge- lungen dürfe Kritik geübt werden. Diese sei an sich noch keine sellschaft zu überlassen, ob sie durch ihre Gnade Opfer entschädigen werden, wie jede andre Beleidigung. Der Angeklagte habe noch Beleidigung, es müsse vielmehr die Majestätsbeleidigung so beurteilt will, die ihre Not der mangelnden Sorge des Staates verdanken. nicht einmal fo scharf geschrieben, wie fast alle andren sächsischen Wenn die socialdemokratische Propaganda diesem Staate, dem Zeitungen, die sich auch mit der Affaire der Prinzessin Luise von Staate der Besitzenden, vorwirft, daß er das Einkommen der Besitz- Toskana beschäftigt hätten. Thatsächlich hege ein großer Teil des losen durch indirekte Steuern zu ungeheueren Prozentfäßen belaste, sächsischen Volkes für diese Sympathien; das stehe also auch einem dann wird ihr sicher und prompt geantwortet, daß die aufgewendeten Beitungsredakteur zu. Die Affaire müsse endlich einmal zur Ruhe, Summen eine Art von Versicherungsprämien seien, dazu kommen, und es hieße Del ins Feuer gießen, wenn man bestimmt, Deutschland vor den Verwüstungen des Krieges zu schüßen. bringen wollte. Eine Beleidigung der Prinzessin Mathilde ezt durch ein hartes Urteil neue Erregung in die Massen Wohlan! In Schlesien ist der böse Feind, der Erbfeind dieses in liege auf keinen Fall vor, denn der Angeklagte habe lediglich hundert Jahren fünfzehnmal schwer heimgesuchten Landes eingebrochen, mitgeteilt, daß eine arme Frau, die mit ihren fünf Kindern sich ein Feind, für den es keine Genfer Konvention giebt, der auch in der bittersten Not befunden, ein Bittgesuch an die nicht den geringsten Respekt hat vor dem Leben des Unschuldigsten, Prinzessin Mathilde gerichtet und von deren Hofkassen- Expedition P er „ Alles, was Kirche, Staat und Schule das deutsche Kind, den Jüngling und die Jungfrau zu achten und zu lieben lehren, stellen die Apostel der Unwahrheit und Zerstörung dar als fluchwürdig, als reif zur Vernichtung, als Hemmnisse für das wahre Menschenglück, als Dinge, welche nur den Spott der Aufberdienen. geklärten So verdarben fie den Gemütern den Glauben an Gott, den Stolz und die Freude am Vaterlande, die Liebe, Treue und Ehrerbietung für unsre angestammten Landesherren, die Bewunderung für die Großthaten unfrer nationalen Helden und der von diesen geführten Volksfraft. Sie verwischten und äßten aus die Begeisterung für die Geistesthaten unsrer Forscher, Gelehrten, Denker und Dichter. Kein fremdes Volt, welches uns Deutsche mit seinem Haffe beehrte, verstand es, so giftig die Träger der großen Zeit, welche das Deutsche Reich gebar, zu begeifern, wie das von den Führern der deutschen Socialdemokratie geschehen ist und geschieht. Gleich besudelt wurden von ihrem Gifte die reine Gestalt unsres herrlichen alten Kaisers, Wilhelms des Großen, seine Paladine und seine bis in den Tod getreuen Soldaten, deren Tapferkeit und Tugenden die Bewunderung der Welt errangen. Wo Treue, Liebe und Vertrauen in den Herzen wuchsen, rissen sie dieselben mit den Wurzeln aus und pflanzten dafür eine unerträgliche Unzufriedenheit, Neid, Berachtung und Haß, ja, einen wild flammenden, den Frieden im Volksleben verzehrenden Klassenhaß. -O An Stelle der niedergerissenen Autoritäten feßten sie ihre eigne, für welche sie allerdings bedingungslosen Glauben und Gehorsam fordern. Glauben, Nachfolge und Gehorsam erzielten sie durch die Vorspiegelung einer neuen Ordnung der Dinge, wie die Erde eine solche noch nicht gesehen, so lange sie sich um ihre Achse dreht, welche sie herbeiführen würden, wenn erst die alte Ordnung der menschlichen Gesellschaft in Stücke geschlagen sei. In dieser Neuordnung der Dinge würde nach ihren Versprechungen- jeder ihrer Anhänger alles Glück, was er jetzt vergeblich schmerzlich ersehne, vorfinden, und jede Sorge und Not des Lebens würde für ihn immer zu Ende sein. Unerläßliche Bedingung aber sei so lautet die Lehre daß alle, welche an dem Glücke der Zukunft teilnehmen; wollen, den Führern zu diesem gelobten Lande, sei es für Vernichtung, sei es für Aufbau, unbedingt Vertrauen, Gehorsam und jedes zu verlangende Opfer entgegenbringen müssen. Was hilft es, daß die vorurteilsfreiesten, nur die Wahrheit fuchenden schärfsten Denker, daß die auf eine vieltausendjährige Geschichte der Menschheit gestützte ernste Wissenschaft, daß der ges funde Menschenverstand, daß die vernunftgemäße Beurteilung der. menschlichen Natur und deren so verschiedenartige Kraft und Bes fähigung diese Vorspiegelungen als unausführbare hirne gespinste bezeichnen eine große Masse unsres Voltes, zur Ünzufriedenheit aufgeftachelt, von Klaffenhaß entflammt und gierig nach dem so fest versprochenen, in nicht sehr weiter Zukunft wintenden Glück, glaubt an diese Vorspiegelungen. Was hilft es, daß Vernunft und Wissen den Sieg dieser Lehren als die Geburt des größten Elends bezeichnen, welches die Welt je gesehen, in welchem die durch diese Lehren Verführten am grimmigsten zu leiden haben würden, was hilft es, daß sie diesen Sieg verkünden: als die Bernichtung aller materiellen und idealen Güter der Nation für lange Zeit, vielleicht für immer die Gläubigen leisten den Verführern Nachfolge, gehorchen und bringen die verlangten Opfer. Im schroffsten Gegensatz zu diesen Lehren und Bestrebungen stehen die sämtlichen Landes Kriegerverbände des Deutschen Reiches. Was jene eben gekennzeichneten Mächte niederreißen wollen, das wollen wir schüßen und befestigen mit aller unserer Kraft und zu einem immer größeren und schöneren Bau ausgestalten, der, mit Gottes Hilfe, in unabsehbare Zeiten hinaus Widerstand leistet den Stürmern. Wir lieben, ehren und sind treu unsrem Kaiser und unfren Landesherren. Die Treue, die wir als junge Soldaten gelobt haben, halten wir freiwillig als freie Männer bis zu unsrem Lebensende. Wir wollen das Nationalbewußtsein stärken, denn wir lieben unser deutsches Volkstum. Mit jeder Faser unfres Herzens hängen wir an demselben und wir wollen mur leben in ihm." Wie wir als Mitglieder der Kriegervereine für die dürftigen Kameraden und deren Witwen und Waisen nach Kräften sorgen, und hoffentlich immer mehr zu sorgen bereit sind, so wollen wir als Staatsbürger, jeder an seiner Stelle, mitwirken an dem Ausbau, an der Vervollkomm nung der Gesetze, damit dieselben immer segensreicher in Wirk samkeit treten für diejenigen Klassen unsrer Mitbürger, welche des Schutzes und der Fürsorge des Staates besonders bedürfen. Wir wollen nicht Unzufriedenheit, nicht Neid und Haß, sondern Vertrauen, Liebe und Treue pflanzen und pflegen. Wir wollen dem finsteren Wirken jener Volksverderber ents gegenarbeiten, so sehr wir dies vermögen, und ihnen Abbruch thun, wie und wo wir können.. bis V Wir wollen aber auch zu unsrem Herrgott, der seine alten Deutschen ja nie verläßt, beten, daß er zur Ausführung unsrer Vorsäge uns die rechte Kraft gebe, und daß er in die Herzen der Männer unfres Voltes Weisheit sente, damit sie endlich großsinnig sich einen zur befreienden That." Bum bum bum! Der„ Reichsbote" fordert uns auf, vor einem folchen scharfen, aber ehrlichen Gegner" Achtung zu empfinden. Gewiß, unsre Achtung ist groß. Wir gestehen, General v. Spitz hat sich heiß bemüht um das Wesen aller politischen und ökonomischen Dinge, er hat die Leitartikel der verranntesten Junker-, Kapitalisten- und Scharfmacherpresse eifrig auf ihre Schlagworte abgesucht und so ist er zum politischen Heerführer der unpolitischen Kriegervereine würdig geworden. Die fonservative Presse, deren sämliche Wüstheiten und Schmähungen er mit militärischer Eraktheit austvendig gelernt, erklärt ihn als Musterbild eines Ministers. Ach unsre heutigen Minister sind auch meist mehr soldatische Kommandoleute, als Leute, die etwas studiert haben und einen tieferen Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Bewegungen haben, dennoch werden sie von Grauen gepadt über diesen Bramarbas der Kriegervereinler ausrufen: General bleib bei Deinem Leisten! Ternen, um Partei- Nachrichten. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. politische Zukunft der Partei so wichtigen Frage ist für die geschäftliche Lage in den Vereinigten Staaten sei ja durchaus gefund, Richtung, in der die Socialdemokratie als Partei sich ent- es sei aber doch unmöglich zu sagen, welche Wirkung die an wickeln wird, bezeichnend. Noch bezeichnender ist die un- haltenden Liquidationen an der Fondsbörse auf diese Lage entschiedene Haltung des Centralorgans der Partei, des haben könnten. Borwärts", in diesem Streit der Meinungen. Gerade diese Unentschiedenheit des Vorwärts" offenbart, wie sehr die Richtung der Jungen in der Partei erstarkt ist; man wagt sie von Parteiwegen nicht mehr anzugreifen. Wer schließlich die Oberhand be= hält, die Alten oder die Jungen, kann nicht zweifelhaft sein. Ob die Socialdemokratie nun diesmal den Vicepräsidentenposten be= ansprucht oder nicht, daß sie immer mehr in die ihr von den Jungen gewiesenen Bahnen einlenkt, ist mir eine Frage der Zeit." Jedes Wort ist für den, der die socialdemokratischen Verhältnisse wirklich fennt, eine Erheiterung. Die guten Liberalen sehen mit demselben politischen Unverstand, der ihre eigne Partei zu Grunde richtete, nun die Vorgänge in der Socialdemokratie an. Glücklicherweise giebt es bei uns niemand, der gegen die Ansteckung durch solch grotesken Unverstand nicht gesichert wäre. Ausland. England. anila Ueber das Ende eines Polizeispiels wird unsrem Stuttgarter Bruderorgan aus Heilbronn berichtet: Der am Dienstag unter der Anschuldigung eines Verbrechens im Sinne des§ 176 des Str.-G.-B.( Sittlichkeitsver= brechen) in Haft genommene Schreinermeister Waiblinger hier hat sich in der vergangenen Nacht im Untersuchungsgefängnis erhängt. mordversuch. Aus Induftrie und Handel. Waiblinger ist einer jener Nichtgentlemen, die unter dem Socialistengesetz so zahlreiche Parteigenossen ans Meffer lieferten. Seine Entlarvung geschah auf merkwürdige Weise. W. arbeitete auswärts, von wo er einen Geschäftsbrief an seine Firma richtete, zugleich aber auch einen an die Stuttgarter Polizei. Er verivechselte nun die Couverts und so gelangte der Polizeibrief in die Hände des Minister Möller hat wieder einmal einige Reden vollbracht. Geschäftsführers der betreffenden Firma, während aus dem GeschäftsZuckerkommission. Dem Parlament wurden gestern abend brief sich die löbliche Polizei ihren Part zur Socialistenverfolgung Zweimal sprach er in Dsnabrück und beide Male über das Handwert und feine Aussichten. Er wiederholte nur, was er schon früher Schriftstücke vorgelegt, welche die Beschlüsse der ständigen Zucker- entnehmen konnte. Der Spikelbrief gelangte natürlich zur Kenntnis gefagt hat. Zwar habe das Handwerk gegen die großkapitalistische Dieser Bericht besagt, die Kommission hat sich einstimmig dafür aus- famerschen Nichtgentleman erfolgte. Moralisch defekt, hat er nun tommission und den Bericht des englischen Delegierten enthalten. der Parteigenossen, worauf die öffentliche Entlarvung des PuttBewegung schwer zu kämpfen und könne die von der Industrie gesprochen, daß die deutsche Gesetzgebung mit der Brüsseler Kon- auf eine traurige Weise geendet in einer Zeit, wo die Partei, gegen eroberten Gebiete nicht wieder gewinnen, aber es gebe doch Mittel, vention im Einklang stehe, ebenso die Gesetzgebung Destreich die er den Judas gespielt hatte, eben die schönsten Triumphe feiern um das Handwerk zu schützen. Der Handwerker müsse rechnen Ungarns bis auf das Kontingentierungsgesetz. Die Delegationen durfte. Uebrigens machte er schon im vorigen Jahre, als über sein seine Einnahmen und Ausgaben in Einklang zu bringen; er müsse auf genossenschaftlichem Gebiete vortvärts Englands, Belgiens, Destreich- Ungarns und der Niederlande legten Vermögen der Konkurs verhängt wurde, einen mißlungenen Selbstin der Kommission dar, daß die französische Gesetzgebung durch die kommen und sich so die Errungenschaften der modernen Technik zu Naffinerie unter Zollverschluß nicht die von der Konvention genuze machen; bei den Submissionen solle man sich nicht unterbieten; forderten Garantien gegen indirekte Prämien gewährt. Die Komauch das Handwerkerorganisations- Gefeß werde günstige Wirkungen mission nahm eine Resolution an, in welcher ausgesprochen hervorbringen; die Staatsregierung hat nach wie vor das regste wird, obgleich mehrere Delegationen dargelegt hätten, daß das Interesse für das Handwerk. französische System nicht vollkommen im Einklang mit der KonBei den fanatischen„ Mittelstands" politikern wird Minister Möller vention stehe, sei die Angelegenheit doch nicht dringlicher Natur. mit diesem Programm wenig Begeisterung entfachen. Dafür zeigte er der Nüchterne sich selbst als Begeisterter, als er die Ernährung hungernder Schulkinder. London, 16. Juli. Größe der Hohenzollern verkündigte; da sagte er: „ Wenn das Land so groß und start geworden sei, so danke sich zur Aufgabe gemacht, hungernde Schulkinder auf öffentliche ( Eig. Ber.) Seit drei Jahren hat die Londoner Schulkommission es es dieses der Thätigkeit der Hohenzollern, welche die besten Diener Kosten zu ernähren. Sie hat ein besonderes Komitee eingesetzt, das des Staates seien und sich durch Treue, Fleiß und Frömmigkeit diese Reform nach und nach verwirklicht. In den Schulverwaltungen auszeichneten. Sie würden vielfach berkannt von der ärmeren Stadtbezirke bestehen Subkomitees, zusammengesezt denen, die an allem mäteln. Das Ausland aber beneide aus den lokalen Aufsichtsbehörden und Lehrern, die zu diesem Zweck uns um solche Fürsten, es sei ihm ein Herzens- mit dem Hauptkomitee in Verbindung stehen. Im Schuljahr 1901/2 bedürfnis, dieser Thatsache Ausdruck zu geben." wurden in 184 Schulen 20 085 Kinder teilweise ernährt während Minister Möller scheint ja die Empfindungen des Auslandes einer Zeit von 4 bis 20 Wochen. Im Schuljahre 1902/3 stieg die ganz genau zu kennen! Zahl auf 194 Schulen mit 22 206 Kindern. Im Durchschnitt wurden Die Handwerker aber, die der Kapitalismus ohne Erbarmen pro Woche 54 572 Mahlzeiten gegeben, was gewiß noch sehr un und trotz eifriger Ministerversprechungen würgt, sie werden sich nicht genügend ist, aber es handelt sich hier um die Einführung eines ganz leicht durch Bewunderung der Hohenzollerngröße über ihr neuen Princips. wirtschaftliches Ungemach trösten. 0 Elegien eines Durchgefallenen. Eine Rede, die er im Reichstag nicht mehr halten kann, hat Herr Bassermann für den Mannheimer General Anzeiger" schriftlich aufgefeßt, der den durch gefallenen Führer des Brotwucher- Liberalismus im Gegensatz zu den Mannheimer Wählern noch immer für eine hochgeschäßte" Seite hält. Diese hochgeschätzte Seite bleibt immer noch bei dem Gedanken, mit ihrem wohlfrisierten Kopf durch die rote Wand zu rennen. Sie giebt der Socialdemokratie die angenehme Versicherung, zu der sie allerdings Herrn Bassermann nicht benötigte, daß der bürgerliche Liberalismus so jämmerlich bleiben wird wie er ist. Diese hochgeschätzte Seite schreibt: " Reichsbank. Nach dem Ausweise vom 15. d. Mts. hat die Bank eine wesentliche Stärkung erfahren. Das Kassaportefeuille ist um 72,7 Millionen Mark, das Lombardconto um 37 Millionen zu-, der Notenumlauf um 94 Millionen in der Vor29,8 Millionen entlastet, und auf Giroconto sind 29,9 Millionen eingezahlt worden. Infolgedessen hat der Metallbestand und ist die steuerfreie Notenreserve von 54,5 Millionen in der Vorwoche auf 191,3 Millionen in dieser Woche gestiegen. um Kontinentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen in Nürnberg. Die Gesellschaft ist nach dem Fränk. Cour." vom OberLandesgericht Nürnberg verurteilt worden, den etwa 1900 zur Erweiterung der Bergischen Kleinbahnen geplanten, bisher immer unterbliebenen Bau und Betrieb einer elektrischen Bahn zwischen Langenberg und Hattingen bezw. Langenberg und Steele über Kupferdreh nunmehr zur Ausführung zu bringen. Die Vollendung und Inbetriebnahme der Bahn muß spätestens Ende 1905 erfolgen bei einer Verzugsstrafe von 500 M. für jeden Monat. Gegen den Kornzoll. London, 16. Juli.( Eig. Ber.) Etwa 650 Bürger, darunter 19 Parlamentsmitglieder, 9 Bantiers, der Neue Dresdener städtische Straßenbahnen. In der am Donnerstag. Gouverneur der Bank von England, 500 Kaufleute 2c., ersuchten den abgehaltenen Sigung der Stadtverordneten Dresdens kam der AnLord Mayor, ihnen die Guildhall zur Abhaltung einer Versammlung trag eines Stadtverordneten zur Beratung. Derselbe bezweckt, den zur Verfügung zu stellen, wo folgende Resolution besprochen werden Rat zu Dresden" zu ersuchen, im Hinblick auf die Erweiterung des foll:„ Wir anerkennen zwar das Recht der Regierung, eine Unter- Stadtgebiets durch die Einverleibungen und die infolge Durchführung suchung der Zollpolitik einzuleiten, aber wir erklären unsren un des Gesamtbebauungsplanes im Stadtinnern entstehenden Straßens erschütterlichen Glauben an die Grundsätze des Freihandels und veränderungen neue Straßenbahnlinien und eventuell protestieren gegen eine Besteuerung der Nahrungsmittel." deren selbständigen Betrieb ins Auge zu fassen. Das Guts achten der vereinigten Ausschüsse empfahl den Antrag zur Annahme und fügte als weiteren Punkt hinzu, der Rat möge bei neuen Geleis anlagen bereits jetzt deren gleichzeitige Benutzung für eine dritte Betriebsgesellschaft sich vorbehalten. Der Antragsteller bezeichnete seinen Antrag als Vorbeugungsmaßregel für die Zukunft. Das Ausschußgutachten wurde einstimmig angenommen. Frankreich. Der Abgeordnete Jaurès beschäftigt sich in der Petite République" in einem Artikel über den Kampf der römischen Kirche gegen die freien Geistesrichtungen, der an die jetzigen Vorgänge im Vatikan anknüpft, auch mit der Kirchenpolitik der deutschen Regierung. Er äußert darüber: " Für den nüchternen Beschauer liegen die Dinge höchst einfach. Die nationalliberale Partei wird bleiben, was sie ist, eine liberale Mittelpartei, sie wird weder sich konservativen noch radikalen Neigungen ergeben.... Die Stichwahlen haben flar erwiesen, Von der Preispolitik der Kartelle hat der Verein deutscher daß auch die freifinnigen Wähler lieber konservativ als socialDie franzöfifchen Katholiken suchen uns durch den Hinweis Furcht Tapeten fabrikanten eben wieder ein erbauliches Erempel demokratisch wählen, troß der Bemühungen des Herrn Barth. einzujagen, daß das Papsttum, wenn es weiter von Frankreich verfolgt Das ist ja im Vorwärts" in jeder Nummer zu lesen. Bebel in werde, sich Deutschland nähern würde und daß dieses dann die gegeben. In der dieser Tage abgehaltenen Generalversammlung seiner Wahlbetrachtung spricht es aus, daß die Wahlparole größten Vorteile aus dem päpstlichen Wohlwollen ziehen würde. Es Vereins an Tapetenhändler bei einem Jahresumsatz von mindestens des Vereins wurde nämlich beschlossen, daß die Mitglieder des Gegen die Socialdemokratie" allen Bourgeoisgemütern von ist nicht recht klar, welcher Art diese Vorteile sein könnten; dagegen 5000 M. 5 Proz., bei einem solchen von mindestens 10 000 m. Eugen Richter bis v. Normann und Kardorff aus dem Herzen sehen wir sehr wohl die Gefahren, die aus der nahen Verbindung 10 Proz. Umsakprämie gewähren. Jedoch wurde die Ge sprach. mit dem Papsttunte dem Deutschen Reiche erwachsen könnten. Der eine Fusion mit andren Parteien. Daran kann nur derjenige wendig hat, um dem socialistischen Ansturme widerstehen zu können. deutscher Tapetenfabrikanten Ware während des Verrechnungsjahres Ebenso wenig denkt man in der nationalliberalen Partei an Kaiser sucht Fühlung mit dem Papsttum, weil er das Centrum not- währung der Umsatzprämie nur solchen Händlern be Willigt, welche nachweislich nur von Mitgliedern des Vereins denken, der aus der Geschichte nichts gelernt hat. Für die national Das Deutsche Reich könnte nicht, ohne sich selbst zu Grunde zu bezogen haben. Dieser Nachweis muß dadurch geführt werden, daß liberale Partei kommt wohl allein in Betracht die Freifinnige richten, aufhören, das Land der Reformation zu sein, um das Werk der betreffende Tapetenhändler dem Syndikus des Vereins deutscher Boltspartei, mit ihr wird sie auch gute Beziehungen fünftighin zeug des Vatikans zu werden. Ms Deutschland 1866 zwischen der Tapetenfabrikanten eine ehrenwörtliche Erklärung darüber unterhalten müssen, wie dies in den letzten Jahren schon der Fall preußischen und öftreichischen Hegemonie zu wählen hatte, entschied abgiebt, daß er von deutschen Tapetenfabrikanten, die nicht zu Mitwar. Die Demokratie ist so schwach, daß sie schon ziffermäßig es sich für Preußen, aus Furcht vor dem östreichischen Ultra- abgiebt, daß er von deutschen Tapetenfabrikanten, die nicht zu Mitfaum in Betracht kommt, fie giebt bei Stichwahlen zwischen National montanismus und Jesuitismus. Nun scheint aber das preußische gliedern des Vereins gehören, während des Verrechnungsjahres keine ware bezogen hat! Liberalen und Socialdemokraten ohne Baudern Parole für den Social- Deutschland, das dem wachsenden politischen Einfluß der demokraten aus. Also auf solchen Bundesgenossen können wir fatholischen Partei unterworfen ist, ein Destreich werden zu Der englische Arbeitsmarkt. Nach der eben ausgegebenen ,, Labour nicht rechnen und ihm gar nachlaufen, sollte schon das Gefühl des wollen. Wenn es noch lange auf dieser Bahn fortschritte, Gazette" zeigte der englische Arbeitsmarkt im Monat Juni einen Stolzes verhindern. Bei den badischen Landtagswahlen werden wir wenn der Klerikale und jesuitische Einfluß den deutschen Re- Niedergang im Vergleich mit Mai 1903 und Juni 1902. Die be uns bemühen, den Demokraten Schwetzingen, Lahr- Land und Bruchsal gierungsmännern endgültig als der letzte Hort gegen die Social- richtenden 226 Trades- Unions mit einer Mitgliederzahl von 556 695 abzunehmen, wir zweifeln auch nicht, daß die Offenburger National- Semokratie und das Proletariat erscheinen sollte, wenn es zu einem hatten 24 804 Arbeitsloje( oder 4,5 Proz.) gegen 4 Proz. im liberalen eifrig bemüht sein werden, späterhin Herrn Muser, den politischen Bündnis zwischen dem Papst und dem Kaiser kommen vorhergegangenen Monat. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit im flosterfreundlichen Demokraten aus dem Sattel zu heben Daß follte, so könnten allerdings Papsttum und Kaisertum durch dieses Juni der letzten zehn Jahre beläuft sich auf 3,9 Proz. Im heute die nationalliberale Partei den liberalen Gedanken hüten paradorale Einvernehmen einander scheinbar gegenseitig träftigen; Streit befanden sich im Berichtsmonat 12 314 Personen gegen und pflegen muß, das wissen die Alten so genau wie die aber das wäre der moralische Ruin des einen wie des andern. 16 888 im vorhergegangenen Monat. Von Lohnänderungen Jungen. Daneben bleiben die wirtschaftlichen Fragen und unter Wenn das Haupt des Katholikentums nur noch in den nicht wurden im Berichtsmonat 116 500 Personen betroffen, davon er ihnen die Sorge für die Landwirtschaft. Je stärker die Social katholischen Staaten einen Stützpunkt findet und wenn das Reich hielten 7150 eine Aufbefferung, 109 350 eine Herabsetzung. Das demokratie, desto sorgfältiger wird man darauf achten müssen, daß der Reformation von dem Katholicismus die ihm erforderlichen Reinergebnis der Lohnänderungen ist eine Abnahme von 6500 Pfund unser Mittelstand in Stadt und namentlich auf dem Lande bei Kampfmittel verlangt, so bedeutet das den Bankrott beider Gewalten. Sterling( 130 000 m.) wöchentlich; im vorhergegangenen Monat Kräften bleibt und aus diesen Gründen hat die nationalliberale Wenn Deutschland sich eng an das Papsttum anlehnt, so ist das das wurden 128 400 Personen von Lohnänderungen betroffen, die eine Bartei sich auch eifrig bemüht, den Zolltarif fertig zu stellen und Ende der Reformation. Es bleiben dann in Europa nur noch zwei wöchentliche Abnahme von 2200 Pfund Sterling bedeuteten; im wird nunmehr den Handelsverträgen ihre volle Aufmerksamkeit Gewalten bestehen: der Katholicismus und der Socialismus. Juni 1902 betrafen die Lohnänderungen 343 500 Personen, die widmen.... Auch ohne daß die nationalliberale Partei sich, wie wöchentlich 30 600 Pfund Sterling verloren. bordem Odysseus, mit Wachs die Dhren verklebt, ist sie gefeit gegen Sirenentlänge und wird den ihr gewiesenen Weg als liberale Mittelpartei weitergehen." " Italien. Gewerkschaftliches. Deutfches Reich. Ein eigenartiger Berleumdungsprozeß. Rom, 16. Juli. Der Avanti" hat in seiner Nummer vom 4. Juli ein Schreiben eines Herrn Bassermanns Bourgeoisgemüt bekundet mur die geschichtlich Angehörigen der Kriegsmarine veröffentlicht, in dem große genotwendige Einsichtslosigkeit aller dem Tode Geweihten. Darin wohnheitsmäßige Unterschlagungen in der Lebensmittelverwaltung gleicht er ganz dem wahlverwandten Bourgeoisgemüt Eugen an Bord der Kriegsschiffe denunziert werden. Diese Anklagen Aus Hannover wird über angebliche Ausschreitungen der Richters, das täglich in den Spalten der Freisinnigen Zeitung" wurden nie von berufener Seite dementiert und jetzt erklären die streitenden resp. ausgesperrten Bauarbeiter berichtet. Daran ist nur feine unfehlbarkeit beweist. Und er selbst, der nationalliberale Offiziere der italienischen Kriegsmarine eine gemeinsame Klage gegen Odysseus mit den unverklebten Ohren, ist zwar am Sirenenfelsen Ferri und den„ Avanti" anzustrengen. Der Marineminister foll richtig, daß es bei dem Transport von Arbeitswilligen in der be des Umsturzes fromm vorbeigefahren, desto wohler läßt er sichs fein diefes eigenartige Vorgehen schon gebilligt haben. Mit einem solchen tant, welche durch die Absperrungsmaßregeln der Polizei noch vertannten auffälligen Manier wiederholt zu Menschenansammlungen im Lande der reaktionären Lotophagen, wo er seinen Liberalismus Verfahren kann man weit kommen, besonders in Italien, wo man stärkt wurden. Ein Bauunternehmer, der sich„ bedroht" fühlte, puffte so gut vergessen hat wie seinen Homer. ( ausgenommen bei Vergehen im Amt) die Verleumdungsklage erAmerika. Bur fünfzigsten Generalversammlung der Katholiken Deutschlands heben und dem Beklagten das Recht verweigern kann, den Wahrheits- mit einem Revolver, und das war allerdings für die Menge das beweis zu erbringen. Signal, den Revolverhelden zu weiteren derartigen Ausschreitungen ladet die Centrumspresse ein. Die Generalversammlung wird in unfähig zu machen. Gerade an diesem Vorfall ist jedoch kein Afien. Köln vom 23. bis 27. August stattfinden. Das Kölner Lokalfomitee Streifender beteiligt. zur Vorbereitung der katholischen Heerschau erwartet einen Besuch Miniſter des Unterrichts, ber Eisenbahnen und des Aderbaues find mag die Thatsache beweisen, daß Herr Stadtdirektor Tramm und Japanische Ministerkrise. Die Entlassungsgesuche der japanischen Wie wenig die Bauarbeiter zu Ausschreitungen geneigt find, zahlreich wie nie zubor". heute angenommen worden. Der Minister des Innern, Baron Herr Senator Fint ihre legte Versammlung aufsuchten, um die Zur Erheiterung. Man begreift, daß gewisse liberale Blätter, Kodama, nimmt das Portefeuille des Unterrichts zu ſeinem jezigen Arbeiter zu einem Entgegenkommen zwecks Beilegung des Konflikts da die eigne Partei hinter ihnen entschwindet, aus 8wistig- Amte hinzu, Baron Sone übernimmt das Eisenbahnministerium und zu bewegen. Beide Redner ernteten demonstrativen Beifall, nicht feiten in der Socialdemokratie sich neues Hoffen zu Baron Kiura das Landwirtschaftsministerium. Diese Gruppierung wegen der Sache, die fie vertraten, sondern wegen ihres guten gewinnen trachten. Das Berliner Tagebl." nimmt sich in unermüd- bleibt bis zur Eröffnung des nächsten Landtages bestehen.- Willens und ihres freimütigen Auftretens. Nichtsdestoweniger er licher Wiederholung des Genossen Bernstein an, der es dem Blatt zielten beide feinen Erfolg. Die Versammlung, beschloß, die urdurch seinen Vicepräsidenten- Artikel bis zum Verzüden angethan hat. fprüngliche Forderung wieder zu erneuern und fordert nun 52 Pf. Wollte man die Sache bedeutungsvoller nehmen als sie ist, so müßte unser Aufgaben der außerordentlichen Kongreßtagung. Betreffs der Lohn sofort und vom 1. April 1904 ab 55 Pf. bei 9 stündiger Parteigenoffe Bernstein erkennen, daß er nicht gut beraten tvar, als Aufgaben der am 9. November beginnenden außerordentlichen Arbeitszeit. Durch diesen Beschluß ist ein einheitliches Vorgehen er einen Artikel schrieb, der so geeignet ist, den stürmischen Jubel Tagung des Kongresses erklärte Senator Lodge, die nächste Aufgabe mit den christlichen Gewerkschaften möglich geworden. The der der Berliner Tageblättler auszulösen. Aber der Jubel des B. T." fei allerdings die Ratifizierung des Vertrages mit Kuba, Präsident Herr Stadtdirektor und Senator Fink den Saal verließen, sprach ist freilich nicht bedeutungsvoll, sondern vermag nur erheiternd zu Roosevelt hoffe jedoch, daß baldigst gesetzgeberische Maßnahmen zur Stadtdirektor Tramm seinen Dant aus für die freundliche Aufwirken. Denn das„ B. T." leistet in der närrischen Freude neuer Besserung der vorhandenen finanziellen Verhältnisse getroffen würden. nahme, die er gefunden habe. Der Magistrat beklage die Situation Aus das lebhafteſte. den Arbeitgebern war aber Hoffnungen Sätze wie diesen: Aber Bernstein steht nicht allein; Mitglieder der Finanzkommission des Senats seien dabei, eine auf „ Sie wollen nun Ihre eignen die bedeutendsten Köpfe der Partei sind mit ihm eines solche Bill auszuarbeiten; sie würden den Präsidenten Roosevelt nicht mehr herauszuholen. Sinnes"; und weiter kündigt die wundersame Kennerin der Social- während des Sommers besuchen, mit ihm über die Angelegenheit wege wandeln, die Sie in Ihrem Interesse glauben demokratie: zu ständig in Fühlung bleiben und dann die Bill vorlegen. Dieselbe wandeln müssen. wir Ich versichere, daß trotzdem " Diese Spaltung der Anschauungen der beiden bedeutendsten werde im wesentlichen administrative Maßnahmen enthalten und alles aufbieten und eine Einigung versuchen werden und mit aller Barteiführer in einer nicht nur taktisch, sondern aus für die vom Bräsidenten in jeder Weise gefördert werden. Die allgemeine Kraft arbeiten wollen, daß der Kampf ein Ende nehme. Unfres " " Wohlwollens können Sie versichert sein. Obgleich Sie unsre Vor- schlage abgelehnt haben, verbinden uns doch für di�e Zukunft die freundschaftlich st en Gefühle."— Wir meinen, so spricht nmn nicht zu einer fanatisierten Horde, als welche die bürgerliche Presse die streikenden Bauarbeiter Hannovers erscheinen lassen möchte. Vielleicht macht aber der Herr Stadtdirektor seinen Einfluß auch dahin geltend, daß nicht durch ungeschickte Anordnungen der Polizei die weniger geschulte und leichter zu erregende Menge der Straße gereizt wird. Auch den Herren Unternehmern sollte be- deutet werden, daß es einen Paragraphen im Strafgesetzbuch giebt, der das Schießen an bewohnten Orten unter Strafe stellt. Ei» Opfer der Iserlohner Aussperrung ist der Bevollmächtigte des Metallarbeitcr-Verbandes, Genosse Müller in Iserlohn, geworden. Er soll in einer Versammlung der Ausgesperrten einen, Schutzmann vorgeworfen haben, dieser habe den Arbeitersekretär Limbertz scharf angefaßt und sogar vor die Brust gestoßen, um zu verhindern, daß L. noch weiter nnt einem Arbeitswilligen spräche. Der Staatsanwalt beantragte 120 M. Geldstrafe, das Gericht er- kannte auf eine solche von 73 M. Die Lohnbewegung der Zimmerer in Breslau steht günstig. Es haben zwischen dem Arbeitgeberbnnde im Baugewerbe und den Organisationen der Zimmerer und Maurer Verhandlungen stattgefunden, die zwar ein endgültiges Resultat noch nicht ergaben, die aber ein zufriedenstellendes Resultat erwarten lassen. Der Bund hält am 20. Juli eine außerordentliche Generalversammlung ab, in welcher die Forderung eingehend behandelt werden soll. Am darauf- folgenden Tage, 21. Juli, werden die Verhandlungen mit den Organisationen fortgesetzt, die dann eine Entscheidung herbeiführen werden. Die Sache der Klempner hat sich in B r e s l a u zu deren Gunsten gewandt. Am Sonntag sah es noch so aus, als ob die Klempner nichts erreichen würden. Die Innung hatte die vor dem Gewerbe- gericht zwischen den Parteien vereinbarten Tarifsätze strikte abgelehnt. Die Klempner-Organisation und ihre Leitung ivar dadurch nicht entmutigt; unentwegt hielt sie an ihrer gerechten Sache fest. Die Klempner- Zwangsinnung hat sich im letzten Augenblick eines Besseren besonnen und die Tarifvereinbarungen mit Mehrheit an- genommen. Die Solinger Gewerkschaften beabsichtigen die Anstellung eines Gewerkschaftssekretärs, welchem die Leitung des Central- komitees aller Gewerkschaften übertragen werden soll. Eventuelle Bewerber haben außer einer schriftlichen Angabe ihrer bisherigen Thättgkeit eine schriftliche Arbeit über die Aufgaben eines Gewerk- schastssekretärs bis zum 1. August zu Händen des Genossen Hugo Schaal, Solingen, Hochstraße, einzureichen. Es werden gediegene Kenntnisse in der Gewerkschaftsbewegung und Socialgesetzgebung bei den Bewerbern vorausgesetzt. Im Baugewerbe zu Hamburg scheint es zu einer Einigung kommen zu wollen. Die Maurer nahmen nach langer lebhafter Debatte folgende Resolution an:„Die am 17. Juli bei Springborn tagende Mitgliederversammlung des Centralverbandes der Maurer Deutschlands, Zweigverein Hamburg, beschließt: 1. Auf Grund des Angebots des Vier-Städte-Bnndes resp. der Baugewerks-Jnnungen in Hamburg, Altona und Wandsbeck vom 15. Juli dieses Jahres, vom 16. März 1904 ab die neunstündige Arbeitszeit und 70 Pf. Stundenlohn für das Arbeitsgebiet der Städte Hainburg, Altona und Wandsbeck einzuführen, wenn die jetzt bestehenden Sperren auf- gehoben und in derselben Angelegenheit bis zum 16. März 1904 keine neuen Sperren verhängt werden, werden die zur Zeit vom Centralverband der Maurer über Jnnungsmeister in Hamburg-Altona ver- hängten Sperren aufgehoben. 2. Die heutige Versamm- lung spricht ihr Bedauern darüber ans, daß der Vier-Städte-Bnnd aus der von ihm im vorigen Jahre eingeleiteten und betriebenen Aussperrung, die sich auch auf Wilhelmsburg und Harburg sowie auf die Bauhilfsarbeiter im ganzen Gebiete des Vier-Städte-Bnndes erstreckte, nicht die richtige Konsequenz gezogen und die Einführung der neuen Lohn- und Arbeitsbedingungen auch für Wilhelnisburg und Harburg einerseits und andrerseits eine Lohnerhöhung für die Bauhilfsarbeiter in Aussicht genommen hat. Die heutige Versamm- lung ist überzeugt, daß es ohne Lohnerhöhung für die Bauhilfs- arbefter keinen Frieden im Bangewerbe giebt, wie sie auch ihre »ällste Sympathie den kämpfenden Bauarbeitern entgegenbringt. 8. Die heutige Versammlung beauftragt den Vorstand des Zweig- Vereins, ein wachsames Auge auf den Arbeitsnachweis der Hau,- burger Baugewerksinnung zu haben und einer späteren Versanmilung eventuelle Maßnahmen zu unterbreiten zur energischen Abwehr jeder etwa von der Innung geplanten Maßregelung, insbesondere durch vom Jnnungsbureau geführte schwarze Listen."— Die Zimmerer hatten ebenfalls eine lange, lebhafte Erörterung, die nicht zum Ab- schlufse kam. Es wurde daher Vertagung beschlossen. Der Maurerstreik in Plauen dauert unverändert fort. Die Unternehmer schreiben nach auswärts, daß der Streik beendet sei, und einige abgereiste böhmische Maurer sind auch darauf hinein- gefallen. Die Polizei natürlich behält in diesein wirtschaftlichen Kampfe ihre alte bewährte Takttk bei, sie verweist jeden Streikenden von den Bahnhofsplätzen-c.; wer nicht sofort wegläuft, wird sistiert. Im allgemeinen ist die Situation für die Streikenden günstig. Arbeitswillige sind 393 vorhanden. Diese Zahl ist seit Beginn des Stteiks um 34 gestiegen, damit ist den Unternehmern aber nicht ge- Holsen. Die Stteikbrecher sind auf 83 Baustellen verteilt. Vorhanden sind aber 302 Baustellen, so daß auf 120 Bauten kein Mensch arbeitet.— Zuzug ist unbedingt fernzuhalten. Ein merkwürdiges Urteil fällte das Schöffengericht Fürth i. B. auf Grund des§ 133 der Gewerbe- Ordnung. Der Holzarbeiter- Verband hatte vor einiger Zeit über eine dorttge Firma die Sperre verhängt. Der Schriftführer des Verbandes, Genosse Zöllner, richtete an ein Verbandsmitglied, das bei der gesperrten Firma Arbeit genommen hatte, einen Brief, worin er den Betreffenden auf die Sperre aufmerksam machte und bemerkte, daß er sich die Kon- sequenzen selber zuzuschreiben habe, wenn er den Beschlüssen des Verbandes nicht Rechmmg trage. Wegen dieses Satzes kam er vor Gericht. Er erklärte, daß seine Aeußcrung keine Drohung sei. er habe damit nur sagen wollen, daß der Arbeiter mit den, Ausschlüsse ans dem Verbände bedroht sei, wenn er die Beschlüsse nicht respekttere. Als Schriftführer des Verbandes habe er sich zu dieser Warnung verpflichtet gehalten. Es hätte ja in dem Belieben des Arbeiters gestanden, weiter zu arbeiten und aus dem Verbände aus- zutteten oder Mitglied zu bleiben uud den Beschlüssen der Organi- satton Rechnung zu wagen. Der Adressat des Briefes erklärte vor Gericht ebenfalls, daß er die Aeutzerung nur in dem Sinne auf- gefaßt habe, er werde aus dem Verbände ausgeschlossen, wenn er den Beschluß nicht achte. Trotzdem wurde Zöllner zu einem Tage Gefängnis verurteilt, da in der fraglichen Aeußerung zweifellos die „Androhung eines Uebels" liege. Die Maurer von Radolfzell sind in einen Kampf für Verkürzung ihrer Arbeitszeit eingeweten. Dieselbe betrug bisher 11 Stunden, der Lohn 32—33 Pf. Die Maurer fordern nun bei gleichem Lohn eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 10 Stunden. lftislanck. Allen Glasmachern der Firma Moore u. Nettlefold in London ist am Sonnabend, wie uns durch den Vorstand des Glasarbeiter-Verbandes telegraphisch gemeldet wird, gekündigt worden.__ Sociales. Für Angliederung der kaufmännischen Schiedsgerichte an die Ge- werbegerichte hat sich eine Plenarsitzung des Gewerbegerichts in Wiesbaden ausgesprochen.— Leider ist zu befürchten, daß die Frage der kaufmännischen Schiedsgerichte in ein Fahrwasser geraten ist, das zuin Scheitern des jetzigen Projekts oder mindestens zun: Ueberbordwerfen aller den Bedürfnissen der Handlungsgehilfen wirk- lich entsprechenden Verbesserungen gegen den vlsherigen Zustand führt. Man kann die Handlungsgehilfen leider von einem eignen Verschulden am Ausgang dieser Angelegenheit nicht ganz frei- sprechen. Statt sich in Massen in einer auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Organisatton zusammenzufinden, haben sie ihre Kräfte in einer Anzahl Vereine und Vereinchen zersplittert, in denen sie sich in Loyalitätsversicherungen ergehen und bei den Regierenden auf diese Weise natürlich die Ueberzeugung einnisten lasien, daß man ihnen im Gegensatz zu den Arbeitern alles bieten kann. Das Proportionalwahlsystem soll für die Gewerbegerichtswahlen in Bamberg eingeführt werden. Der Magistrat dortselbst stimmte dem Antrage zu. Die Vorschlagslisten der Arbeitgeber müssen von mindestens 30, die der Arbeiter von 100 Wählern unter- zeichnet sein. Rigorosität einer Versicherungsanstalt. Manche Versicherungs- anstalten scheinen über den Zweck der Socialgesetze nicht richtig orientiert zu sein. Von der mittelfränkischen Anstalt sind schon wiederholt Fälle bekannt geworden, daß sie sich den Versicherten gegenüber nicht besonders loyal erweist. Ein solcher Fall liegt wiederum vor. In Nürnberg erkrankt vor etwa zwei Monaten eine Arbeiterin an Lupus und es wurde bei der Versicherungsanstalt be- antragt, das Heilverfahren zu übernehmen. Einer der hervor- ragcndsten Specialärzte für Hautkrankheiten hatte dies befürwortet und in seinem Gutachten betont, daß die Kranke nur in einer Licht- Heilanstalt durch das sogenannte Lichtheilverfahren geheilt werden könne; wenn das Heilverfahren nicht in Anwendung komme, werde die Arbeiterin dauerndem Siechtum verfallen, wahrscheinlich früh- zeitig sterben müssen. Die Anstalt lehnte jedoch die Uebernahmc des Heilverfahrens ab. Inzwischen ist eine bedeutende Verschlimmerung in dem Zustande der Arbeiterin eingetreten, die Entzündung hat bereits ein Auge ergriffen und es besteht die Gefahr der Erblindung, aber die Anstalt weigert sich noch immer, das Heilverfahren zu über- nehmen, obwohl alle Voraussetzungen des§ 18 des Jnvaliden-Ver- sichcrungs-Gesetzes gegeben sind: Die Versicherte ist derart erkrankt, daß als Folge der.Krankheit Erwerbsunfähigkeit zu besorgen ist; wie das ärztliche Gutachten besagt, könnte durch das Heilverfahren die Abwendung dieses Nachteils herbeigeführt werden— aber die Versicherungsanstalt mag eben nicht, da sie anscheinend für den Hauptzweck der Jnvaliden-Versicherung: Wiederherstellung der Er- werbsfähigkeit, kein Verständnis hat. berliner partci-Hn�clegcnheiten. Fünfter Wahlkreis. Heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, feiert der Kreis sein Siegesfrst in Mentes Volksgnrien, Lands- berger Allee beim Steuerhaus. Enttritt 20 Pf. Wie bitten die Genossen, für regsten Besuch Sorge zu tragen. Der Vor st and. Weißensee. Die' Parteigenossen werden nochmals auf das am Sonnabend, den 23. Juli, in Schloß Weißensee stattfindende Sommer fest aufmerksam gemacht. Es wird Vorsorge getroffen werden, daß die Berliner Genossen und Genossinnen, sollten sie es nicht vorziehen, die Nacht dort zu bleiben, auch nach 12 Uhr mit der Straßenbahn zurückbefördcrt werden.(Näheres im Inserat in der heutigen Nummer.) Pankow- Nicderschönhausen. Heute großes S o in m e r f e st in Wenzels Lindengarten, Schönhausen, Lindenstraße 73. Reichhalttges Programm. Konzert, Gesang, Ball, turnerische Aufführungen, Kinderbelusttgungen. Siehe Jifferat. Eintritt 20 Pf. Kaffeekochen pro Liter 60 Pf. Lichtenberg. Der socialdemokratische Wahlverein hält am Dienstag, den 21. Juli, abends b'/g Uhr, eine Versamm- lung bei Höflich, Chaussee Nr. 120, ab. Da neben einem Vor- trage über die letzten Wahlen gesprochen werden soll, dürfte zahl- reiches Erscheinen aller Mitglieder am Platze sein. Friedrichsfelde- Karlshorst- Mahlsdorf. Den Mitgliedern des socialdemokratische» Wahlvereins zur Kenntnis, daß Dienstag, den 21. d. Mts., abends 8 s/z Uhr, im Lokale von Schulz(„Lindenpark"), Wilhelmstraße 1 1, eine Vereinsversammlung stattfindet. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Max Kiesel: Die Lehren der letzten Reichstagswahl. Diskussion. Vereinsangelegenhciten.— Die Genossen werden aufgefordert, die Versammlung recht zahlreich zu besuchen. Gäste wie Frauen herzlich willkommen. Der Bor st and. Wahlverein Tegel. Mittwoch, den 22. Juli, General- Versammlung des socialdem akratischen Wahl- Vereins im Lokale des Herrn Julius K l i p p e n st e i n(See- schlößchen), Spandanerstraße 6, abends 8 Uhr. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Abrechnung vom ersten Stiftungsfest. 4. Vorstandswahl. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist das Erscheinen eines jeden Mitgliedes unbedingt notwendig. Französisch-Buchholz. Am Dienstag, den 21. Juli, abends S'/a Uhr, findet in KähneS Festsaal die regelmäßige Mitglieder'- Versammlung des socialdemok ratischen Vereins statt, in der Genosse G. B a r th e ls- Berlin einen Vortrag über: Was lehren uns die Reichstagswahlen? halten wird. Gäste will- kommen. Köpenick. Vom 15. bis 30. Juli liegen auf Zimmer lsir. 17 von 9—12 Uhr vormittags und von 3— 6 Uhr nachmittags die Wähler- listen zur Stadtverordnetenwahl zu jedermanns Einsicht ans. Da wir in diesem Jahre eine Ersatzwahl haben, ist es Pflicht eines jeden Wählers, sich zu überzeugen, ob sein Name in der Liste steht. Diejenigen, die keine Zeit haben, selber nachzusehen, können sich betteffs Einsicht an die bekannten Parteigenossen wenden: A. Rochlitz, Müggelheimerstr. 2; A. Sttppekohl, Schönerlinderstr. 3; Karl Nicke, Kietz 1; Karl Seidel, Grünauerstr. 31; Ad. Hilling, Schönerlinder- Sttaße. Schöneberg. Am Dienstag, den 21. Juli, findet im Obst schen Lokale, Meiningerstr. 8, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vor- trag des Reichstags-Abgeordneten Fritz Zubeil:„Die Socialdemokratie nach den Reichstagswahlen." Friedenau. Am Dienstag, den 21. Juli, abends 8 Uhr, findet bei Grube, Kaiser- Allee, die M o n a t s v e r s a m in l u n g d e S Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Borchardt: Die Lehren der Rcichstagswahlen. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Abrechnung von der Maifeier. 4. Ver- schiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste haben Zutritt. Erscheinen aller Mitglieder ist erwünscht. kommunales. Pankow. Was brauchen wir noch lange Gründe anzugeben, denken die verkaufslustigen bürgerlichen Gcineindevertreter beim Ver- kauf unsres alten Amtsgrundstücks. Der Zorn über den Widerstand unsrer Genossen in der Gemeindevertretung reizt sie, mit Schimpfen ihrem Herzen Luft zu machen. Ganz besonders hatte es ihnen der Hinweis auf die Preise beim Einkauf des Grundstücks neben dem neuen Rathause angethan, gegenüber den Schleuderpreisen bei dem jetzt beabsichtigten Verkauf. Wie ganz anders rechnet man da mit einem male I Und als in der letzten Sitzung Genosse E i ch l e r ihnen die Zahlen vorhielt, mit denen er den Beweis für seine Behauptung beibrachte, daß die Gemeinde bei dem gekauften Grundstück circa 2000 M. zugeben müsse, bis zum dermalcinstigen Erweiterungsbau des Rathauses, kannte die Wut keine Grenzen mehr. Ganz be- fonders brachte es diesmal den flottenbegeisterten Herrn Prof. Voß in die Wolle, so daß er unsren Genossen den schwerwiegenden Vor- wurf machte, daß sie schuld trügen, wenn er nicht länger in ihrer Gesellschaft bleiben werde. Arme Gemeinde Pankow! Wird fk das verschmerzen können? Reinickendorf. In der letzten Gemeindevertreter-Sitzung am Donnerstag wurden zunächst mehrere kleine Angelegenheiten erledigt. Zur Städte-Ausstellnng in Dresden wurde der Amtsvorsteher und zwei Gemeindevertreter delegiert, darunter unser Genosse Schilling. Dann wurde über Erwerbung von Straßenlandparzellen in der Justus-, Mark- und Eichbornstraße Beschluß gefaßt. Auf dem Schulgrundstück in der Augusta Victoria-Allee soll eine Turnhalle erbaut werden, der Kostenvoranschlag beträgt inkl. der Ausstattung 23 800 M. Ebenfalls bewilligt wurden die Mittel zum Bau eines Schuppens zur Unterbringung einer mechanischen Leiter. DaS Vierzeitengeld, welches von der politischen Gemeinde an' die Kirchengemeinde gezahlt wird, soll von 340 M. auf 330 M. pro Jahr erhöht werden. Die Sonntagstraße soll gepflastert werden. Nachdem die Wahl der Mitglieder der Einkommensteuer« Vorcinschätzungs-Kommission sowie der stellvertretenden Standes- bcamten vorgenommen, fragte Genosse Schilling an, wie weit die Vorarbeiten zu den Gewerbegerichtswahlen gediehen seien. Hierzu bemerkte Herr Amtsvorsteher Wilke, daß durch die Vermehrung und Neueinteilung der Bezirke die Angelegenheit schwierig sei und sich deshalb verzögere, sehr wahrscheinlich werde eine gesamte Neuwahl notwendig. Zum Brandenburgischen Städtetag wurden, da auch die größeren Vorort-Landgemeindcn beratende Stimme künftig haben. die Herren Wilke und Schemmel sowie Genosse Ohl delegiert. Die Gemeindevertretung in Friedrichshagcn beschloß in ihrer am Freitag abgehaltenen Sitzung gegen die Stimmen der social- demokratischen Vertreter, den Ucberschuß der 130- Jahres- f e i e r im Betrage von 1272,99 M. nicht der Gemeindekasse, sondern dem Fonds zum Denkmal Friedrich II. zu überweisen.— Zum Bau- Platz des Progymnasiums in der Ahornallee wurde der Ankauf mehrerer Grundstücke einstimmig genehmigt.— Nach eingehender Debatte beschloß die Vertretung einstimmig, die Umwandlung des P r o g y m n a s i u m s in ein Realgymnasium vorzu- nehmen und die Aufsichtsbehörde zu ersuchen, der Umwandlung so bald als angängig ihre Zustimmung zu geben.— In dem ausführlichen B i e r te l j d H r e s b e r ich t des ncugewählten Schularztes Dr. König hob derselbe hervor, daß sich seine Thätigkeit während der kurzen Zeit seiner Amtsperiode nicht nur auf die Gesundheits- Verhältnisse der Kinder erstreckte, sondern auch auf die Schulgebäude und deren Einrichtungen. Der Gesundheitszustand der 1962 schul- Pflichtigen Kinder war im allgemeinen ein guter, Epidemien waren nicht aufgetreten. Von den im Frühjahr aufgenommenen Kindern wurden bei 33 Krankheitserscheinungen festgestellt und den Eltern davon Mitteilung gemacht. In Zukunft würde es zweckmäßig sein. den Eltern ncuaufzunehmender Kinder Fragebogen zuzustellen, auS deren gewissenhafter Beantwortung zu ersehen sei, welche Krank- heiten die Kinder vor ihrer Schulzeit überstanden haben. Die Ver- trctung nahm von dem Bericht Kenntnis und beschloß einstimmig, von der Anstellung eines zweiten Schularztes abzusehen und die Jahresremuneration des amtierenden Schularztes von 430 M. auf 700 M. zu erhöhen.— Wegen der Beschaffung eines neuen Begräbnisplatzes ersucht der Gemeindcvorstand, zur Zeit davon abzusehen, da der jetzige der Kirchengemeinde gehörige Kirch- Hof noch auf viele Jahre dem Bedürfnis genüge; der Beschaffung eines kommunalen Begräbnisplatzes werde jedoch früher oder später näher getreten werden müssen. Ohne Debatte wurde dem Vorschlage des Gcmeindevorstandes zugestimmt.— Einen Antrag des Haus- und Grundbesitzervcrcius, die Stadt Berlin zu den Schul» Unterhaltungskosten solcher Kinder heranzuziehen, deren Eltern dauernd in Berlin beschäftigt sind, hafte der Gemeinde- vorstand eingehend geprüft und empfahl, vorläufig von der Sache abzusehen, bis ein Vorgehen aussichtsvoll sei. Nach einer Ober- Verwaltungsgerichts-Entscheidung sei es ausgeschlossen, daß die Ge- meinde von Berlin einen Zuschuß zu den Schulunterhaltungskosten erreichen würde. Die Vertretung schloß sich dem Antrage des Ge- meindcvorstandcs einstimmig an.— Ein Dringlichkeitsantrag des Gemeindevorstandes. die Städte-Ausstellung in Dresden durch eine Delegation zu beschicken, wurde nach kurzer Debatte angenommen. Als Delegierte wurden gewählt Gemeinde- sckretär Lindemann und Schöffe Lange. Neu-Weißensee. Verschiedene Straßenpflasterungen vergab die letzte Gemeindevertreter-Sitzung an die mindestbietende Steinsetzfirma Ernotte. Die Gustav Adolfstraße und die Kreuzung des Hamburger Platzes werden mit Reihensteinpflaster verlegt.— Der Bau des Armenhauses ist wieder auf unbestimmte Zeit verschoben; denn die jetzt geregelte Platzfrage(Feldtmannsttaße) bedingt die Ausarbeitung eines neuen Bauprojektes.— Der Antrag der Baugesellschast >„Bellevne" wegen Regulierung der Prenzlauer Chaussee wurde genehmigt; hiernach erhält die Straße eine Promenade und doppelten Fahrdamm und hat die Gemeinde, soweit wie interessiert, die Hälfte zu den Kosten beizutragen.— Der Verttag mit dem Konsortium für die nordöstlichen Vorortbahnen(Birnbaum) wurde aufgehoben, da die Inangriffnahme nicht verttagsmätzig erfolgt ist.— Ein Antrag auf Bewilligung einer Beihilfe für das Auguste Victoria- Krankenhaus wurde dahin erledigt, daß die Gemeinde Mitglied des Vaterländischen Frauenvereins mit einem jährlichen Beitrag von 6 Mark wurde und einen Exttabeitrag von 30 Mark leistet.— Die Wahl der Mitglieder und Stellvertreter zur VoreinschätzungS-Kommission veranlaßte unsere Genossen, auf die häufig vorgekommene ungerechte Einschätzung und Verteilung der Steuerlasten des Näheren einzugehen. Sie empfahlen, die Ersatzmänner aus den Reihen der Arbeiterschaft zu entnehmen. Eine hierzu einzuberufende Sitzung wird die Wahl vornehmen, die von uns vorgeschlagene Liste soll möglichst berücksichttgt werden. — Nunmehr kam nochmals die in letzter Sitzung mit 10 gegen 9 Stimmen abgelehnte Erschließung des Bockschen Terrains zur Ver- Handlung, da ein dringlicher Anttag zweier Eigentümer und mehrerer Vertreter es verlangte. Unter den letzteren waren drei Herren, welche sich vordem gegen das Projekt aussprachen. Einer der Herren war auch offen genug zu erklären, den Antrag nicht der schönen Augen des Herrn Bock wegen unterzeichnet zu haben, er habe nur im Interesse der beiden anliegenden„alten ortseingesessenen" Eigentllnier gehandelt. Das Feilschen und Schachern erfolgte in neuer Auflage und zum Schluß wurde doch der Antrag der Sttatzenbau-Kommission, welcher sich in der Hauptsache mit dem Anttag des Herrn Bock deckt, mit Majorität angenommen, worauf einer der Herren von den Gegnern demonstrattv den Saal verließ.— Zwei Beamten, welche die Besoldungsordnung für die Gemeinde- beamten nicht anerkennen, wurde eine Bedenkzeit von 8 Tagen ge- geben, um eine Anerkennungs- Erklärung abzugeben, widrigen» falls für dieselben ihr altes Verhältnis bestehen bleibe. Beide Herren glauben sich dadurch benachteiligt, daß sie eine Klaffe zu niedrig eingestellt seien; sie beabsichtigen den Beschwerdeweg gegen die Gemeinde vorzunehmen. Nowawes. Die am 18. d. M. stattgefundene Gemeindevertreter- Sitzung beschloß, die Beerdigung der im Oberlin-Krankenhause ver- storbenen Ortsarmen nur noch von der Leichenhalle aus stattfinden zu lassen, um die Kosten für den Leichenwagen zu sparen; den Transport der Toten zur Leichenhalle soll der Sarglieferant be- sorgen.— Hierauf kain ein Schreiben von Anwohnern der Mittel- straße zur Verlesung, in welchem sich dieselben darüber beschweren, daß ihnen am vorigen Sonnabend infolge des heftigen Gewitter- regcns das Wasser vom Sttaßendamm aus in die Häuser gelaufen sei. Der Gemeindevorstand erklärt, daß zum großen Teil die Gas- anstalt hieran die Schuld trage; von dieser sei nach vorherigen Reparaturen an der Gasleitung die Sttaße nicht wieder in ordnungsmäßigen Zustand versetzt worden. Die Vertretung beauf- tragte den Gemeindevorstand, der Gasanstalt mitzuteilen, daß sie seitens der Gemeinde bei event. Schadensersatz-Ansprüchen regreß- pflichtig gemacht werden wird.— Alsdann wird der vom Gemeindebaumeister für den Schulhausbau ausgearbeitete neue Grundriß vorgelegt. Derselbe ist gegen die früheren. von der Regierung nicht genehmigten insofern verändert, als jetzt in Aussicht genommen ist, das ganze Grundstück zu bebauen, während ftiiher ein Teil desselben unbebaut bleiben sollte. Das Gebäude soll zweistöckig aufgeführt werden mit zwei Eingängen von der Priester- straße zu je sechs Klassen. Aus; erden, ist ein Zeichensaal vorgesehen, im Giebel sollen noch zwei Räume eingerichtet werden, welche zu Ilnterrichtszwecken dienen können. Die Vertretung erklärt sich nlit dem Entwurf einverstanden und beauftragt den Baumeister, einen Kostenanschlag auszuarbeiten. Da der Bau- nieister erklärt, jetzt mit Arbeiten überlastet zu sein, bewilligt die Vertretung zur Beschleunigung der Sache für eine Hilfe hierzu einen Betrag bis zu 500 M.— Die Pflasterung der Luisenstrahe war wegen eines Fehlers noch einmal ausgeschrieben worden und hatten sämtliche Submittenten, welche sich an der ersten Sublnission beteiligt hatten, auch diesmal wieder Offerten eingereicht. Die geforderten Preise bewegten sich zwischen 62ö5,49 M.(Schuffel- hauer-Lichterfelde) und 2762,74 M.(Hanft-SchönebergZ. Die Arbeiten wurden dem Steinsetzer Gütsch-Potsdam flir 3216,80 M. übertragen. Die Steinlieferung für daS Dammpflaster erhielt die Firma Worch u. Co.-Berlin zum Preise von 3,30 M. pro Quadratmeter. Hiermit war der öffentliche Teil der Sitzung erledigt. Sociale Rechtspflege. Budikcrmnrken und unstatthafter Lohnabzug. Als der Arbeiter H. in die Dienste des Bauunternehmers D. getreten war, sagte der Polier des Arbeitgebers für ihn beim Restaurateur in Höhe von 4 M. gut, indem er ihm die bekannten Budikermarken aushändigte. Bei einer Lohnzahlung, die der Polier vorzunehmen hatte, behielt dieser vom Lohn den Betrag zurück. H. klagte demnächst gegen den Bauunternehmer beim Gcwerbegcricht und beanspruchte auch die 4 M. D. hielt sich zu deren Zahlung unter anderm deshalb nicht verpflichtet, weil er das Geld schon einmal gezahlt habe. Wenn der Polier es wegen des dem Kläger gewährten Vorschusses in Marken für sich behielt, so ginge ihn das nichts an.— Das Berliner Gewcrbegericht verurteilte jedoch den Bauunternehmer zur Zahlung der Summe an den Kläger. Begründend wurde ausgeführt: Der Lohn müsse in bar bezahlt werden und der Arbeitgeber hafte für die richtige Zahlung des Lohnes durch seinen Vertreter, den Polier. Daß er diesem jenen Betrag mit übergeben habe, entbinde ihn des- halb nicht von der Verpflichtung gegen den Arbeiter. Er müsse sehen, wie er das Geld vom Polier wieder erhalte. Zu dem Abzug des Markenvorschusses sei der Polier nicht berechtigt. Gerichts-Deining. Ein Berg, der noch nicht einmal eine Maus geboren hat. Vor dem Schöffengericht in Moabit hatten sich gestern neun Auge- klagte wegen Streikvergehens zu verantworten, nämlich die Metallarbeiter Weidner, Kaufmann, Saalmann, Dies- ner. Lange, Hodler, Marienfeld. Fli et und Hahn. Ihnen wurde zur Last gelegt, im August und September v. I. anläßlich des Streiks in der Lampcnfabrik der Firma Schwarz in der Linienstraße Arbeitswillige durch Drohung und Ehrverletzung zur Teilnahme an dem Ausstände zu bewegen.(Vergehen gegen Z 153 der Gewerbe- Ordnung.) Auf Grund der Zeugenaussagen— es waren 18 Zeugen geladen— handelte es sich um folgendes: Juni v. I. hatten die Arbeiter der Firma Schwarz eine Herabsetzung der Arbeitszeit von zehn auf neun Stunden und Einführung eines Arbeiterausschusses durchgesetzt. Um nun die Arbeiter zu einem pünktlichen Erscheinen in der Werkstatt zu veranlassen, führte der Chef das Strafgelder- fystem ein, behielt sich jedoch das selbständige Verfügungsrecht über die verhängten Strafgelder vor. Hiergegen protestierte der Arbeiterausschuß, indem er gleichzeitig ein Mitbestimmungsrecht über die Verwendung der Strafgelder forderte, wie es geietzlich zulässig ist. Herr Schwarz ging auf diese Forderung nicht nur nicht ein, sondern entließ die ihm unbequemen Obleute des Arbeiter- ausschusscS. Da er deren Wiedereinstellung verweigerte, so erklärte sich die große Mehrheit der im Betriebe beschäftigten Arbeiter nnt den Gemaßregelten solidarisch und trat in den Streik. Während des Ausstandes sollen nun die Angeklagten als Streikposten verschiedene Renkontres mit Arbeitswilligen� gehabt und diese in einer Reihe selbständiger Handlungen beschimpft, bedroht und zum Teil auch thätlich beleidigt haben. Herr Schwarz hatte die Hilfe der Polizei gegen die Streikposten angerufen und so kam es denn zu vielfachen Sistierungen, Namcnsfeststelluiigcn und schließlich zu dieser umfangreichen Anklage. Aus der Verlesung der Anklagebeschlüsseginghervor, daßsclbstAeußeruugcnlvie: Puppenspieler; wir sprechen uns vielleicht später noch mal; wir kriegen euch doch noch; und ähnliche von der Anklagebehörde als Drohungen oder Ehrverletzungcn aufgefaßt wurden. Selbst der wegen versuchten Raubmordes zu 45 Jahren Zuchthaus verurteilte Klempnergeselle und Arbeitswillige Moser war kommissarisch in dieser Sache vernommen worden. In feiner Aussage war u. a. auch die längst widerlegte Lüge vor- Händen, daß er von den Streikenden mit Salzsäure begossen sei, um ihn durch dieses Gewaltmittel von der Arbeit abzuhalten.(!) Der Staatsanwalt selbst bezeichnete die Aussage dieses.Zeugen" als unglaubwürdig. Im übrigen waren auch die Bekun- düngen der meisten übrigen Zeugen, soweit sie sich direkt auf die Anklage bezogen, in hohem Maße verworren, unsicher oder belanglos. Der Zeuge V i c H w e g e r mußte sogar zugeben, daß er selbst zuerst mehrere Angeklagte durch beleidigende Aeutzerungen zu Gegenbemerkungen provoziert hatte. Infolge dieser ganzen Zeugenaussagen sah sich sogar der Staatsanwalt genötigt, die Freisprechung sämtlicher Angeklagten zu beantragen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Heine mann schloß sich diesein An- trage an und erweiterte ihn noch dahin, auch die Kosten der Verteidigung sowie die den Angeklagten erwachsenen baren Auslagen auf die Staatskasse zu übernehmen; außerdem dem Zeugen Vieh weger den durch dessen mehr wie leichtfertige Anschuldigung gegen einen der Angeklagten hierdurch entstandenen Teil der Kosten aufzubürden. Während der Plnidohers kam es zu einer interessanten Kontroverse zwischen den, Verteidiger und den« Staatsanwalt. Dr. Heinemann bestritt nämlich die Änlvendbarkeit des 8 153 der Gewerbe-Ordnung auf die Angeklagten, weil der Streik nicht zur Erringung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen. sondern zwecks Wiedereinstellung der entlassenen Arbeiterausschuß- Mitglieder insceniert sei, und verwies dabei auf die selige Zuchthaus- Vorlage, bei deren Begründung die Regierungsvertreter ohne Erfolg gerade allerhand Material zusammengetragen hätten, um solche Fälle wie die vorliegenden zu treffen. Der Staatsanwalt erwiderte hierauf: Selbst wenn die Regierung nicht der Meinung gewesen wäre, daß eine Lücke im Gesetze vorhanden sei, so könne man es ihr doch nicht verargen, wenn sie durch Beibringung des von ihr für geeignet gehaltenen Materials die Vorlage zur Zeit durchzudrücken versucht habe. Nicht nur jeder Staatsanwalt trage in ähnlicher Weise sein Beweismaterial zusammen, sondern so handle überhaupt jeder, der andre für seine eignen Ansichten gewinnen wolle. Eine landes- gesetzliche Regelung dieser Materie könne für die Arbeiter leicht noch nachteiliger sein, wie die auf dem Wege der Reichs- Gesetzgebung versuchte. Dr. Heinemann erwiderte, von landes- gesetzlichen Eingriffen in die Gewerbe-Ordnung könne niemals die Rede sein, diese unterliege lediglich der ReichS-Gesetzgebung. Im übrigen möge er jedoch nicht die Auffassung des Staatsanwalts teilen, als hätten die Rcgierungsvertreter zur Zeit gewissermaßen Advokatenkniffe angewandt, um dem Reichstage die Zuchthausvorlage schmackhaft zu machen.— DaS Urteil lautete unter Ablehnung der Nebenanträge des Verteidigers auf kostenlose Freisprechung sämtlicher Angeklagten. So endete eme Aktion gegen streikende Arbeiter, von denen einer, der Klempner DieSner, während des AuSstandes sogar unter dem Verdacht des Landfriedensbruches auf der Polizeiwache längere Zeit festgehalten wurde. Lorbeeren hat die Polizei also auch diesmal nicht geerntet, ihr ungewöhnlich schneidiges Vorgehen gegen die damaligen Streikenden war, wie meistens, so auch diesnral sehr überflüssig gewesen. Verantwortl, Redakteur: Julius Kaliski in Berit" Inseratenteil verantwortlich: Halle, 17. Juli. Wie ein Polizist berechtigte Interessen wahr- nehmen konnte, erhellte aus einer heute vor der Strafkammer statt- gehabten Verhandlung gegen den Polizeisergeanten S ch ö n e m a n n, der, wie wir kürzlich berichteten, vom hiesigen Schöffengericht wegen verleumderischer Beleidigung zu 10 M. Geldstrafe event. zwei Tagen Gefängnis verurteilt worden ist. Auf Schönemanns Anzeige wurde ein Handelsmann Zimmermann wegen Beleidigung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Zimmermann revanchierte sich und zeigte den Polizisten wegen Verletzung seiner Instruktion an, da der Beamte im Dienste Bier getrunken habe. Bei der Vor- Untersuchung stellte der Polizist dieses mit Entschiedenheit in Abrede und beschuldigte den Zimmermann der b e w u ß t e n U n w a h r h e i t, infolgedessen gegen Zinm, ermann auf Grund einer von der Polizei erstatteten Anzeige von neuem vorgegangen werden sollte. Es gelang aber dem Zimmermann nachzuweisen, daß der Polizist thatsächlich im Dienste Bier getrimken und nicht Zimmermann, sondern der Polizist bewußt die Unwahrheit gesagt hatte. Auf die seitens des Angeklagten Schönemann eingelegte Berufung hob die Ferien-Strafkammer das erste Urteil ans und er- kannte auf Freisprechung, da der Angeklagte unter dem Schutze des 8 193 in Wahrnehmung berechtigter Interessen mid in einer Zwangs- läge gehandelt habe. Wir zerbrechen nns nicht den Kopf darüber, inwiefern der An- geklagte„berechtigte Interessen" ivahrgenommen hat, möchten aber bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, daß in dem bekannten Prozeß gegen ruisre Genossen Krüger und Emmer, die gelegentlich ihrer Thätigkeit als Stadtverordnete belangt waren, die Wahr- nehmung berechtigter Interessen nicht anerkannt wurde. Der Mann seiner schönen Frau. Rensier Hammer hat sich der thätlichcn Beleidigung schuldig gemacht und erscheint deshalb vor dem Schöffengericht. Sein ganzes Exterieur verrät den im sichern Besitz seines geräumigen Geldbeutels glücklichen und selbst- zufriedenen Philister, der nur die eine Sorge hat, alles von sich fern zu halten, was ihn aus dem seelischen Gleichgewicht und der geliebten Alltagsruhe herausbringen könnte. Demgemäß bietet er augenblicklich den Anblick eines Menschen, der sich im höchsten Maße unbehaglich stihlt. Als Kläger tritt ein kokett und stutzerhaft gekleideter Herr mit etwas verlebten Gesichtszügen auf. Vor- sitzender:„Beklagter Hammer, Sie machen doch den Eindruck eines durchaus harmlosen und ehrbaren Mannes, was veranlaßte Sie nur, den Kläger Ziegler in dieser Weise auf offener Sttaße zu insultieren?" — Beklagter:„Ach, Herr Präsident, ick jebe ja zn, det ick vielleicht een bisken zu weit jejangen bin, aber Sie müssen det milde an- sehn; ick, der ick keene Flieje wat zuleide due und vollkommen zu- frieden bin, wenn mir jeder in Ruhe läßt, ick habe mir in eene schwache Stunde eene Last uffjebürdet, die det Jemüte von eenen Lämmchen in Uffrejung und det Blut von eenen Tintenfisch uff den Siedepunkt bringen kann. Ich habe nämlich zum zweeten Male, und noch dazu„eene schöne Frau" jeheiratet."— Vorsitzender: „Wie meinen Sie das?"— Beklagter:„Ach Sie wissen nich, wat det Heeßen dut? Na, passen Sie man uff, ick werde Sie't mal in kurze Züche ausnanderpolken: der ältere Mann von eene schöne Frau hat keene ruhige Stunde, weder wenn er alleene is, noch wenn er besachte schöne Frau mit hat. Is er alleene, da beunruhigt er sich, bat det holde Wesen in moralische Jefahren jeraten könnte, wat hier zu Lande doch nich unmöglich is, und hat er die scheene Frau mit, denn errejt er überall Uffsehen. Uff die Straße, in die Elektrische, int Restaurant, überall siebt et sonne Courschneider, die ihret Nächsten Weib mit die Oagen verschlingen und vor lauter Kocketterie und Jalantheet nich wissen, wie se treten sollen. Wie schwer et da for eenen rechtschaffen denkenden Ehemann manchmal is, seine Ruhe zu behalten— davon kann ick een Lied singen..." Vors.:„Hören Sie damit auf und kommen Sie zu dem Vorfall, wegen dessen Sie sich zu verantworten haben."— Beklagter:„An den kritischen Dage fahre ick mit meine bessere Hälfte in die Straßenbahn, et war keen Sitzplatz mehr frei, wie wir instiejcn, so det wir beede stehen mutzten. Meine Jattin stand een Ende von mir ab, so det et aussah, als ob wir beede jar nich zusammen je- hörten. Plötzlich steht mein jeehrter Jejner Ziejler, der im Wagen saß, uff, und bietet meine Jattin seinen Platz an. Da meine Frau 20 Jahre jünger is wie ick und außerdem bloß die Hälfte von meinem Körperjewicht hat, so warst janz natürlich, det ick mir uff dem Platze setze. Kaum habe ick michs aber bequem jemacht, da stürzt der Mann wie een Wüterich uff mir los und schreit: Sie un- verschämter Flcjel, ick habe meinen Platz diese junge Dame an- jeboten, oogenblicklich stehen Sie uff, oder et jiebt een Donner- weiter über Ihrem dicken Koppe, wie Sie't noch nich er- lebt haben. Natürlich schwiej ick nich stille, sondern wurde um so gröber, je mehr er meine Frau jejen mir in Schutz nahm. Schließlich wurden wir alle dm von'» Wagen ab- jesetzt und von eenen Schutzmann notiert. Det is det janze Ver- brechen, Ivat ick bejangen habe."— Der Kläger Ziegler bemerkt, daß er nicht so heftig geworden sein würde, wenn er gewußt hätte, daß die Dame, der er seinen Platz anbot, die Frau des Beklagten war. Da auch dieser im Anfang seiner Aussage erklärt hat, daß er bedauere, so weit gegangen zu sein, so gelingt es dem Vorsitzenden, einen Vergleich zu stände zu bringen, bei dem jeder der beiden Gegner die Hälfte der Kosten trägt. Herr Hammer empfiehlt sich mit den Worten:„Det war nun schon der dritte derartige Prozeß. Wenn meine Frau des Profil von eene Brockenhexe hätte, denn lebte ick jlücklicher, als wie mit die„scheene Frau". Versammlungen. Zweiter Wahlkreis. Eine öffentliche Versammlung wurde an, Freitagabend in Habels Brauerei, Berginannstraße, abgehalten. Arbeitcrsekretär H. Schubert sprach daselbst über„die Schule im Dienste gegen die Freiheit". In seinem interessanten Vortrage ging Redner ausführlich auf die Mängel der Volksschule ein und legte klar, in wie mannigfacher Weise vom Staat und den Kommunen die höheren Lehranstalten zu Ungunsten der Volksschulen bevorzugt werden. Es sei eine unabweisbare und auch stets geübte Pflicht der Socialdemokratte, für die durchgreifende Verbesserung des Volks- schulwesens und damit für die Hebung der allgemeinen Volksbildung einzutreten. Nur nach der Durchführung unsrer diesbezüglichen Programmforderungen werde die Schule sein, was sie fem solle. Deshalb müsse sich die Arbeiterschaft stets den Satz vor Augen halten: Durch Bildung zur Freiheit. In der reichhaltigen Dis- kussion sprachen sämtliche Redner im Sinne des Referenten. Vom Vorsitzenden Scholz wurde dann zum Schluß noch zur Einsicht- nähme in die Kommunalwähler-Listen aufgefordert, auch ermahnte er die Anwesenden, rechtzeitig ihrer Pflichten zu den kommenden Landtagswahlen eingedenk zu werden. Der Fachverein der Tischler Berlins hielt am 15. Juli seine Generalversammlung ab. Den Vorstandsbericht gab Hüttler. Es fanden im letzten Vierteljahr neun Versammlungen statt, während im Juni wegen der Reichstagswahl keine Versammlungen einberufen wurden. An der Maifeier beteiligten sich in diesem Jahre bedeutend mehr Kollegen, dagegen war die Aussperrung wegen der Maifeier bedeutend winziger. Während im vorigen Jahre 53 Kollegen zwei Tage ausgesperrt waren, wurden dieses Jahr nur 15 Kollegen einen Tag ausgesperrt, zwei gänzlich entlassen und die Werkstatt von Seibt trat in Streik; dieselbe gilt heute noch als gesperrt. Aus Anlaß des Maschinenarbeiterstreiks wurden 18 Kollegen 206 Tage ausgesperrt. Rechtsschutz erhielten zwei Kollegen. Die Einnahme betrug inkl. Bestand 2015.47 M., die Ausgabe 1362,56 M. An Streik- und Gemahregelten-Unterstützung sowie für Rechtsschutz wurden 753.23 M. gezahlt. Der bisherige Vorsitzende wurde wiedergewählt; als Schriftführer wurde Langanky, als Revisor Schwarz gewählt, lieber die einzuberufende Konferenz der lokal- organisierten Tischler Deutschlands referierte der Vertrauensmann, und wurde beschlossen, in der im August stattfindenden Mitglieder- Versammlung ein Regulativ auszuarbeiten, um eine Centralisation des Berufes über Deutschland zu ermöglichen. Die Konferenz soll in Berlin stattfinden. Es sollen alle lokalorganisietten Tischler aufgefordert werden, zu derselben Vertreter zu entsenden. Der Socialdemokrntische Agitationsverein für den Reichstags-Wahl- kreis Züllichau-Schwiebus-Krossen-Sonunerfeld hielt am 14. Juli seine Generalversammlung bei Grosser, Dirksenstt. 39, ab. Der Vorsitzende gab den Bericht über die Thätigkeit des Vereins bekannt. Alsdann gab der Kassierer den Kassenbericht; es wurde ihm ein- stimmig Decharge etteilt. Es wurde dann zur Neuwahl des gesamten Vorstandes geschritten, bei welcher der Genosse Schulz als Vorsitzender, Genosse Eitner als Kassierer, Genosse Pohl al* Beisitzer und die Genossen Fechner und Älocke zur Vornahme der Revision gewählt wurden. Sodann wurde ein Antrag zur Beschickung der Kreis- konferenz angenommen. Dann wurde beschlossen, das Stiftungs« fest an, 12. September in Feuersteins Festsälen abzuhalten. Es ließen sich noch verschiedene Genossen in den Verein aufnehmen. Genossen, welche gewillt sind, dem Verein beizutteten, können das beim Kassierer, Genossen Eitner, Fruchtstraße 69, vorn IV rechts, melden. Der Schmargendorfer Wahlverein beschäftigte sich mit den Lehren der Reichstagswahl. Genosse Pudlitz berichtete darauf für die Wahl- komnnssion, daß das Wahlresultat im Agitationsbezirk des Vereins zuftiedenstellend sei. Am Ort ist die Zahl unsrer Stimmen von 204 auf 358 gestiegen und in der reichen Villen kolonie Grüne» w a l d haben sich sogar die socialdemokrattschen Stimmen trotz der Schwierigkeit der Agitatton von 48 auf 175 vermehrt, damit ist auch in diesem Ort wie in Schmargendorf die Socialdemokratte zur stärksten Partei geworden.— Mit den Arbeiten für die Landtags» Wahlen wurden Mahly, Pudlitz und Reinke betraut. Am Sonnabend, den 15. August, soll in,„Wirtshaus Schmargendorf" das Stiftungs- fest abgehalten werden. Billets zu demselben sind bereits im Vereinslokal zu haben. Gerügt wurde von Mahly, daß verschiedene Vereinsmitglieder immer noch bürgerliche Zeitungen anstatt des „Vorwärts" abomneren. Rixdorf. Der Sozialdemokratische Wahlverein hielt am 15. d. Mts. bei Größler, Bergstr. 147, seine General- Versammlung ab. Zunächst gedachte die Versammlung der im letzten Quartal verstorbenen Genossen Held, Goris und Hagen in ehrender Weise. Hierauf gab B o e s k e den Bericht des Vor- standes. Danach haben stattgefunden 15 Vorstandssitzungen, 1 Generalversammlung, 2 Mitgliederversammlungen und 12 öffent» liche Versammlungen. 2 Flugblattverbreitungen am Ort sowie 3 Agitationstouren. Der Besuch der Versammlungen war durchweg ein guter. Der Mitgliederbestand betrug am Schluß des vorigen Ouattals 2199. Neu aufgenommen wurden 496, gestrichen 103, darunter 86 wegen restierender Beiträge, so daß der genaue Mit- gliederbestand am Schluß des Quartals 2592 betrug. Den Kassen- bericht für das 3. Quartal erstattete Genosse S t i e l e r. Die Einnahmen des Wahlvereins betrugen inkl. 346,50 M. für Bons und 300,00 M. Ileberschutz der Parteispedition 2713,36 M.; die Ausgaben desselben 490,55 M., an den Centralvorstand abgeliefert 1924,74 M., so daß ein Äassenbestand von 293,57 M. am Orte verbleibt. Für die Reichstagswahl wurden eingenommen auf Sammellisten 1380,45 M.. Tellersammlungen 797,37 M., Ueberschuß der Matinee 242,40 M., sonstige Einnahmen 113,28 M., zu- sammen 3038,50 M.; die Ausgabe betrug 2173,65 M.; der Ueberschuß betrug demnach 876,50 M. Der Bericht der Parteispedition konnte Umstände halber nicht gegeben werden. Die Bibliothek, über welche Genosse Heinrich berichtete, erfreute sich auch in diesem Sommer reger Benutzung. Auf Antrag des Genossen Dr. Silber» stein bewilligte die Versammlung zu weiterem Ausbau derselben 150,00 M. Um den Wünschen der eifrigsten Leser gerecht zu werden. soll ein Wunschbuch ausgelegt werden. Neu aufgenommen wurden 55 Mitglieder. Gerügt wurde in der Versammlung der schwache Besuch bei Beerdigungen von Genossen. Es wurde darauf hin- gewiesen, daß die Mitglieder sich eintretendenfalls reger daran be- teiligen möchten._ Vom Papst. Rom, 13. Juli. Als die AerzteZheute früh den Papst besuchten, Ivar das Zimmer verdunkelt, un, dem hohen Kranken mehr Ruhe zu verschaffen, und der Papst schlief. Die Aerzte weckten ihn vorsichtig, um die Flüssigkeitsbildung in der Brust zu untersuchen. Sie stellten fest, daß die leichte Besserung des Befindens seit gestern abend un- verändert andauert; doch ,st die allgemeine Schwäche groß. Die Nierenfunktton hat etwas zugenommen. Dr. Lapponi verließ den Vatikan um 10 Uhr und begab sich nach Hanse, wo er länger als in den letzten Tagen zu bleiben gedenkt. Er erklärte, die Krankheit des Papstes sei in ein weniger akutes Stadium eingetteten, so daß keine unmittelbare Gefahr bestehe. Ueber die Natur der Krankheit des Papstes wird dem„Bureau Lassan" aus Rom gemeldet: Im Jahre 1899 exsttrpierte Professor Mazzoni an der rechten Körperseite des Papstes eine Geschwulst. deren Natur nicht ermittelt werden konnte, da sie eine Untersuchung nicht erlaubte. Er bewahrte das herausgeschnittene Stück eine Zeit lang auf und warf es dann weg. Die gegenwärtige Krankheit wurde zuerst als Lungenentzündung diagnosticrert; Prof. Rossoni nahm dann Brustfellentzündung als vorliegend an, bis die Operation ergab, daß die entfernte Flüssigkeit keine Merkmale für Brustfellentzündung ent- hielt, sondern Krebskeime, wonach kein Zweifel darüber blieb, daß jene Geschwulst von 1899 ein Krebsgesthwür war, daß jetzt nur an andrer Stelle wieder neu aufgetaucht ist. Die zweite Punktur er- gab das Vorhandensein von Flüssigkeit mit so viel Blutzusatz, daß die Aerzte eine dritte Operation, die sie am Donnerstag infolge der Atembeschwerden für notwendig ertrachtet hatten, nicht ausführen wollten, da sie befürchteten, daß eine neue Drainage ungünstige Folgen haben könnte. Das Vorhandensein von Blut in der Flüssig» keit bei der zweiten Operation war ein starker Beweis für Krebs. Eine Genesung ist danach ausgeschlossen, wohl aber ist es möglich, daß der Todeskampf„och mehrere Tage dauert. Diese Thatsachen wurden durch die irreführenden Bulletins der letzten zehn Tage ver- heimlicht. Das Testament des Papstes. Der„ A v a n t i", der in, all- gemeinen gut über vatikanische Angelegenheiten unterrichtet ist, schreibt, daß zwischen Leo XIII. und dem Kardinal Rampolla ein Abkoinmen getroffen ist, demzufolge im Testament des Papstes die seinen Verwandten hinterlasfenen Summen nicht erwähnt sind. Das offizielle Testament soll die Kirche zum Universalerben des persönlichen Vermögens des Papstes einsetzen. Die den Neffen des Papstes hinterlassene Summe, nach dem„Avantt" 15 Millionen, bliebe in der letztwilligen Verfügung unerwähnt. Sie soll in französischen Banken deponiert sein und kraft nicht offizieller Urkunden in den Besitz der Verwandten übergehen. �et2te Nachrichten iincl vepelchen. Frankfurt a. M., 16- Juli.(B. H.) Wie aus Hamburg be» richtet wird, wurde eine dortige Hebamme wegen Engel» m a ch e r ei verhaftet. Bis jetzt werden ihr vier Kindes morde zur Last gelegt. Benthe», 13. Juli.(W. T. B.) Heute abend 8 Uhr fand auf der Station Przegow ein Zusammenstoß zwischen einem kurz vorher von Beuthcn abgegangenen Personenzug und einem Güterzug statt. Fünf Wagen wurden zertrümmert. Menschen sind nicht verunglückt. Budapest, 18. Juli.(W. T. B.) Aus Anlaß einer Richterwahl kam es in der Gemeinde Salyi zu einem Z» s a m m e n st o ß zwischen der Gendarmerie und der Bevölkerung. Die Gendarmerie war genötigt, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen, wobei drei Personen getötet wurden. Auf Seite der Gendarmerie erlitten ein Wachtmeister und drei Mann schwere Verwundungen. TH.Glocke in Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.VerlagsanstaltPaulSmgerÄCo., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt. Nr. 166. 20. Iahrgaug. 1 KeilM des Jotiüättf Sttlinct UilksM Sonntag, 19. Juli 1903. lokales. Friedhöfe. »Auf den Friedhöfen hält der Friede Hof", so sollte man meinen. Aber selbst unter den Trauerweiden, im dunklen Schatten der Cypressen, bis unter die Erde Pflanzt sich der alles durchdringende Klassenkampf fort, der heiße, bis zur Entscheidung unerbittliche Kampf zwischen den zwei Nationen der Welt: den Armen und den Reichen, wenn auch dem betäubenden Tagesgeräusch entrückt, nicht lärmend, aber in seiner monumentalen Totenstille um so ein- dringlicher. Eine Wanderung durch die Friedhöfe Berlins gehört zu den Seltenheiten auch desjenigen, dem der Kampf ums Dasein dazu Zeit ließe. DaS heiß pulsierende Leben der Großstadt will nicht gern an den kalten Tod erinnert sein. Vielen Menschen lähmt das memouto mori die Energie, und es sollte gerade das Gegenteil bewirken: ein frisches, fröhliches Hineinstürzen in den großen, weltgeschichtlichen Kamp der Zeit, um die kurze Spanne Lebens voll auszunutzen und mit energischer Thatkraft dem bewußten Ziel der Befreiung so schnell als möglich nahe zu kommen. Gerade jetzt im blühenden Sommer bietet solch eine Wanderung, wie wir uns in dieser Woche überzeugen konnten, einen eigenartigen Reiz. Von„Wilhelm dem Großen" im Char- lottenburger Mausoleum gingen wir nach dem stillen Friedrichshain zu den noch immer„uneingefriedigten" Märzgefallenen, dann durch die sänitlich mit einer Mauer umgebenen, in berauschendem Blüten- schmuck prangenden Friedhöfe des Berliner Weichbildes bis hinaus nach dem Central-Friedhof in Friedrichsfelde, zu unserm großen Führer Wilhelm Liebknecht.— Alles Asche, alles Staub Aber welche Kontraste auf diesen der ewigen Ruhe ge weihten Stätten I Ueberall Klaffen: L, H, Hl., wie auf der Eisen bahn, wie bei der Kommunalwahl, wie bei dem elendesten aller Wahlsysteme. Auch der Tod bewertet den Menschen nach seiner Steuerkrast l Welche wundervolle Blumenpracht auf den epheu umrankten Grabhügeln der Reichen I Die märchenhasten Schilderungen der Rosengärten des Orients werden vor den staunenden Augen lebendig. An die Toten gemahnen nur die von dem dunkel- grünen Blattwerk in schönen Konturen sich abhebenden gebrochenen weißen Marmorsäulen und die in poliertem Granit oder Syenit in der Sonne aufflammenden Obelisken. Kreuze sieht man nur wenige in Marmor, eiserne fast gar nicht.„Die sind aus der„Mode", klagte uns ein stommcr Totengräber,„es ist eine Schande, man glaubt gar nicht mehr auf einem christlichen Kirchhof zu sein!" Und ein Steinmetzmeister bestätigte uns:„Ja, Kreuze werden allerdings schon seit Jahren wenig verlangt, aber seit die„Bibel-Babel-Bewegung unter den auf Bildung und Besitz pochenden oberen Zehntausend Mode geworden, Hab' ich nicht ein Kreuz mehr verkaust l"— So hat den schmetternden Sang der„eisernen Lerche": Reißt die Kreuze aus der Erden I Alle sollen Schwerter werden— eine schnelle Entwicklung gegenstandslos gemacht! Dagegen ragen Obelisken an Obelisken und rings um die Friedhöfe aus Sandstein, Marmor und Granit die kostbarsten Erbbegräbnisse, jedes fast ein Vermögen! Dort auf dem alten Luisenkirchhofe in der Bergmann straße. die 14 Granitsäulen im Halbkreis haben 120 000 M. gekostet, und hier, nicht weit davon, ein eingefallenes Grab ohne Stein und Namen I Gegen diese prunkvollen Friedhöfe Eine Befreiung durch Königsmord. In der„Zukunft" veröffentlicht der frühere serbische Ministerpräsident Dr. Vladan Georgiewitsch Enthüllmtgen iibcr die Ursachen der Militärrevolution und der Ermordung des famosen ftömgspaares Alexander und Draga. Die Enthüllungen bedeuten einen neuen Beitrag zu dem Kapitel, was alles ein Volt sich durch Verbrecher, die sich von Gottes Gnaden nennen, gefallen läßt, bis seine Geduld sich erschöpft. Er fiihrt aus: ... Nachdem sich zugetragen, was grauenhafter nicht einmal die Einbildungskraft eines Shakespeare erdichten konnte, hat jeder zu reden, der etwas zur Klarstellung des in Serbien Geschehenen bei- zutragen weiß. Für einen Serben giebt es heute überhaupt keine dringendere Pflicht. Jetzt stehen wir vor einem neuen, merkwürdigen Schauspiel: Europa gedenkt heute nicht der namenlosen Leiden, die dieses Paar über uns brachte, sondern stellt sich auf die Seite der Unterdrücker. Ja, es zählt nicht die Verbrechen mehr, die gegen uns begangen wurden, sondern nur die Zahl der Schüsse, die im Konak fielen, die achtundfünfzig Säbelhiebe, mit denen man die beiden Leichen zerfetzte, die mitumgekommenen Verwandten und Ver- teidiger, es kanonisiert die Schuldigen und bezichtigt uns Serbe» der Barbarei. Nicht der König also, der durch Äerfassungshrüche, Staatsstreiche und wahre Borgiagreuel die Achtung aller Herrscher und Völker verwirkt hatte, ist heute der Schuldige; und die Frau, durch die er uns zum Spott der ganzen Welt machte und die uns zur blutigen Ouälcrin wurde, ist jetzt eine Märtyrerin. Schuldig ist das serbische Volk, schuldig die serbische Armee samt und �sonders, diese Armee, die im heldenmütigen Kampfe für die Unabhängigkeit ihres Landes gegen einen zehnfach überlegenen und zehnfach besser aus- gerüsteten Feind 25 000 Tote und Verwundete, jeden zweiten Offizier, jeden vierten Milizsoldaten verloren hat. Sie heißt plötzlich ein Prätorianerhaufe; ihre Offiziere wurden in europäischen Zeitungen Mgxdbuben genannt... Ich will gar nicht versuchen, alle Kabinettswechsel in diesen hundert Jahren zu zählen; es genügt, zu erwähnen, daß während der zehnjährigen Regierung Alexanders die Ministerien nicht weniger als fünfzehn mal wechselten, lvobci jedesmal zugleich ein vollständiger politischer Systemwechsel mit völliger Be- seitigung der ganzen Beamtenschaft bis zum kleinsten Diurnisten und Gemeindediener herab und mit Erschütterung der ganzen Staats- Verwaltung stattfand. Ein einziges Ministerium Alexanders— das mit der Devise:„Serbien über alles"— hat tauscndundeinen Tag gedauert- alle andren haben ihre Existenz nach Monaten, nach Wochen gezählt und Bibulus wurde wieder zur Wahrheit; denn wirklich: es gab sogar Eintagsministcr. Und man darf auch rück- schließen: Was konnten diese Ministerien unter solchen Umständen leisten? Und wären es lauter Cavours und Bismarcks gewesen: in den Monaten und Tagen, die ihnen beschieden waren, hatten sie nicht einmal Zeit, sich in den laufenden Staatsgeschäftcn zu orien- Staatsticren, geschweige denn, etwas Großes zu thun.... Die Schaffenskraft, die moralische Kraft eines unter Martern und ewigen Kreuzigungen sich unzerbrechlich emporarbeitenden Volkes wollte ein junger Mann, vielleicht ein Neu- rastheniker. vielleicht ein Geisteskranker, wieder zerstören. Und fast wäre es ihm auch gelungen; denn schon hatte er sich ja, der vo»Gottes Gnaden und dem Willen des Volkes König war, durch eine Reihe von Verbrechen zum unumschränkten Herrn dieses Volkes gemacht. D i e s e r j u n g e V e r b r e ch e r war der fünfte aus dem Geschlechte der Obrenowitsch, war Alexander l. Und wenn die in die Irre geleitete Gegenwart in ihm den tragischen Helden sieht und das serbische Volk des Mordes beschuldigt, so wird doch die Historie in ' ihrem Urteil über seine Verbrechen nicht schwanken. sticht der stille, große, hochgelegene Berliner Gemeinde- Fried Hof in Friedrichsfelde mit seinen natürlichen, stimmungsvollen landschaftlichen Reizen, seinen schattigen Gängen und Lauben wohl- thuend ab. Für viele tausend Arbeiterfamilien des Ostens ist er Sonntags ein ständiger Erholungsort, während er Alltags natur gemäß nur wenig, Montags fast gar nicht besucht wird. Er ist 100 Morgen groß und durch einen Hauptweg ist zwei Teile geteilt rechter Hand liegen die„Zahl-, Wahl- und Erbbegräbnisse", links vom Wege die Armcnleichen unter Gras und ebener Erde. Nummer an Nummer, namenlos, hügellos. Nur selten blickt ein weißes Porzcllanschild aus dem Gras hervor und sagt, wie der Aermste da unten geheißen hat. Wenn der Wächter richtig taxiert, daß hier unter 4000 Leichen im Jahre durchschnittlich 3000 Arme beerdigt werden, dann würden während des 20 jährigen Bestehens des Friede Hofs an 60 000 Arinenleichen links vom Wege liegen. Nun blicke man über die weiten, breiten grünen Rasenflächen. unter denen die niedrigen, schmalen„Nasenquctscher" dichtgedrängt, Sarg an Sarg, stehen, und man kann sich ungefähr einen Begri: machen von der überreichen Totenernte unter den Aermsten der Armen. 120 000 M. für ein paar Säulen und 60 000 Armensärge — so will es die„göttliche Weltordnung" I— Armer Teufel I Ver schwanden bist Du, spurlos. Du ruhst unter einer grünen Wiese, auf deren glatter, grüner Ebene die Sense das Gras mäht. Dein Name ist zur Nummer geworden, wie ein Zuchthaus— nichts verrät, daß unter diesen langen Rasenflächen Muskeln und Sehnen von Menschen modern, die in heißem Kampfe um ein besseres Los vergeblich die Fesseln der Not zu zerreißen versuchten. Nur ein kleiner Holzpflock mit der Nummer, die mit der Blechmarke drunten am Sarg übereinstimmt, lugt ein wenig aus den Grashalmen hervor. Das ist alles, was ins sonnige Leben zurückblickt.„Hier liegen die......(wir wollen das Wort nicht wiederholen), die nutzlos gelebt und es zu nichts gebracht haben, nicht einmal zu einein Sarg I So hörten wir hinter uns einen dicken Bankier oder Bäcker meister mit einer bunten Rosette im Knopfloch zu seiner korpulenten, nach der neuesten Trauermode gekleideten Ehegattin sprechen.— Wie blind doch ist der Besitz! Gerade Ihr Armen und Elenden, die Ihr in den Augen der satten Welt„Lumpen" wäret, weil Ihr keinen Bratenrock hattet, habt tausendmal mehr für die Vorwärtsentwicklung der Menschheit gethan, als die besternten Hurraschreier, die in ewiger Schiitzenfeststimmung den wechselnden Tagesgötzen finnlos entgegenjauchzten. Und Euer Wirken hat Nach ahmung gefunden bei den Nachkommen, die das Heer der Kämpfenden verdoppeln, verdreifachen! So waren wir weiter gewandelt bis vor den von der Liebe des Proletariats errichteten Denkstein Liebknechts.— Lange blickten wir in die ernsten erzenen Züge des großen Toten. In den Blättern der Bäume und Sträucher hinter dem Grabinal erhob sich ein leises Rauschen und Raunen.„Was würde wohl„der Alte" jetzt sagen?" ftagte mein Begleiter.„Ob er den Drei inillionenschrei gehört haben mag?"— Erregter flüsterten plötzlich die Blätter und heller blitzten die Sonnenstrahlen auf des Denksteins blendenden Granitspiegeln, daß wir die Augen schließen mutzten. Unseren flimmernden Blicken schien es, als ob die erzene Büste sich zum vollen Menschen auswuchs und der „Soldat der Revolufion" in seiner ganzen Größe vor uns lebendig wurde—, eine lebhafte Handbewegung, ein lodernder Blick und aus dem ein wenig nach der rechten Seite gespitzten Munde rollten die Worte:„Auf dem Friedhof hält der Tod Hof. Man erinnert sich des ersten S t a a t s st r e i ch e s, den er in der Nacht vom 1. April 1803 durchführte. Noch stand er nicht unter D r a g a s Führung, aber die Fähigkeit, ihr Schüler zu sein, kündete sich bereits an. Er rief das Heer zu seiner Hilfe, und wenn man es heute einen Prätorianerhaufen nennt, so hat er ihm damals den ersten Unterricht im Prätorianertum gegeben; er bereitete seinen greisen Regenten, die dreimal die serbische Krone dem Hause Obreno witsch erhielten, ein B o r g i a m a h l. Er übernahm eigenmächtig und als Minderjähriger die Regierung, was gegen die Ver- f a s s u n g V e r st i e ß. Ich möchte lieber nicht erwähnen, daß er auch die liberale Regierung Awakumowitsch gesetzwidrig auf die An klagebank brachte und sie dann, abermals gesetzwidrig, begnadigte. Es war furchtbar, zu hören, welcher Geist schon damals aus ihm sprach; eine wilde Tücke, wie sie vor ihm vielleicht nur noch in den neronischen Gemächern umging. Ein Minister meldete eines Tages, daß der wieder eingesetzte Metro- polit Michael Schwierigkeiten mache; der König fragte, ob man den Pfasfen nicht mit einer Tasse Kaffee aus dem Wege räumen könne. Nach dem Staatsstreich kamen die Radikalen beim König in Gunst. Nach neun Monaten und zwei Ministerien sollten sie wieder fortgejagt werden. Wie macht man das kunst gerecht? Ich höre lachen; doch du lachst zu früh, du in den Praktiken der Undankbarkeit erfahrene Kabinettskunst l Denn in der Ver- schlagenheit gab dir di e s e r Knabe doch noch viel vor. Hinaus werfen, den man gestern ans Herz geschlossen: das läßt sich leicht leisten; und was ist schließlich in einem monarchi- schen Lande eine Partei? Das nimmt man und spuckt es wieder aus, denn man weiß schon mit zwanzig Jahren: Eher wird eine Mutter den Dolch in das Herz des eignen Kindes bohren, als daß ein patriotisches und in seinen jungen König verliebtes Volk aufhören wird, die Handlungen dieses Königs mit tausend Menschlich leiten zu entschuldigen. Ist er nicht jung, heißt es dann, ist es nicht besser, er ist temperamentvoll und ungestüm? Wäre etwa zu wünschen, er zeigte schläfrige Nüchternheit? Um die Radikalen zu verabschieden, war also weder viel Mut noch eine besonders tückische Erfindungsgabe nötig. Aber es handelte sich ja gar nicht um ihre Entfernung als Selbstzweck; um etwas Größeres ging's: ein neuer Staats- st r e i ch sollte' gemacht, die vor neun Monaten feierlich mit det Hand auf dem Evangelium heschworeneVersafsunggebrochen und die vom Jahre 1868, deren Aufhebung in blutiger Revolution erkämpft worden war, wieder dem Volk aufgedrängt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, bedurfte es schon erfinderischer Kraft: man mutzte eine Staatsgcfahr erfinden, deren Ursache eben der Radi- kalismus war, und plausibel machen, daß es ihr gegenüber kein andres Schutzmittel gebe als die Vergrößerung der königlichen Macht- Vollkommenheiten und die Rückkehr zur TyranniS von 1863. Das nun ist also die Frage, die ich an d i e T e ch n i k e r d e r S t a a t s- streiche und Verfassungsbrüche stelle: Wie kompro- mitticrt man ain hellen, lichten Tage eine redliche und loyale Partei und stürzt mit ihr zusammen die Konstitution, zu der sie steht, in den Abgrund? Nun, wozu lange Wege? Erinnert man sich vielleicht noch der Reise, die der König, umgeben von seinen radikalen Ministern, im Kreis Uzica machte? Alles war ahnungslos. Plötzlich, als man auf die Zlatibor-Höhe kam und die Wagen schon den Berg hinan- klommen, hielt die königliche Equipage knapp vor einer Stelle, wo die Straße hart an einem Abgrund vorbeizieht, und— allgemeine Aufregung l— der König verließ den Wagen und ging weiter zu Fuß... Warum? Was war geschehen? Nun, ein Streich von der Art, wie sie Victor Hugos unsterblicher Graf Ahlefeld verübte; ich bemerke ausdrücklich, daß die Sache erhärtet und erwiesen ist. Man fingierte eine Verschwörung der radikalen Minister gegen das Leben des Königs. Im Auftrage des Königs verständigte ein Vertrauter eine dritte Person, daß hier, an dieser Stelle, mit Wissen der Minister die Pferde des königlichen Wagens scheu gemacht werden würden, und nachdem diese dritte, ahnungslose Person in heller Angst die Warnung wiedergegeben: konnte dann der König, den man in den Seinem Ruf zu Hofe bin ich gefolgt. Er ist die einzige Majestät, vor der das Volk der Arbeit sich beugt!" — Und sie lsgte sich grollend wieder zur Ruh, eine stolze Rebellen- leiche.—_ Lebe wohl, du schöner Wald! Die Erwartungen, welche die Bewohner der nördlichen Stadtteile und der Vororte in den FiskuS bezüglich der Schönholzer Heide setzten, sind leider trügerische gewesen. Noch vor zwei Monaten hieß es, daß nur der nach Pankow hin belegene Teil der Bebauung erschlossen werde und das übrige Waldgelände liegen bleibe, um später fiskalischen Zwecken zu dienen. Jetzt fft nun aber auch die zweite Hälfte der Heide ver- kauft worden. Zun» Herbst werden hier Axt und Säge die alten hundertjährigen Kiefern und das junge Eichenholz niederlegen, um Platz zur Anlage von Straßen und zum Bau von Häusern zu schaffen. Die Absicht, hier ein Villenviertel ttzu schaffen, wird wohl aufgegeben werden müssen, weil direkt an das Waldgelände der große Schönholzer Güterbahnhof hinkommt und auch der Güterverkehr der Reinickendorf-Liebenwalder Bahn dorthin ver- legt wird. Es wird dort also durchaus keine ruhige Villengegend werden, sondern eS ist wohl eher anzunehmen, daß die einzelnen Baustellen nach Möglichkeit ausgenutzt und dort mehr oder weniger große Mietskasernen entstehen werden. Nngiiltige Polizcivorschrist des Berliner Polizeipräsidenten. Nach der Berliner Polizeiverordnung vom 9. April 1888 sind die Mineral- Wasserapparate alle zwei Jahre durch einen vom Polizeipräsidenten bestimmten Sachverständigen zu revidieren und die Fabrikanten haben auf Verlangen der Polizei das Prüfungszeugnis vorzulegen. Die Verordnung erlegt ferner den Selterwasserfabrikanten die Prüfungsgebühr auf, die der Polizeipräsident festzu- setzen hat. Der Limonaden- und Selterwasserfabrikant Ehlers zu Berlin hatte seine Apparate nicht prüfen lassen, weil er die Polizei für verpflichtet hielt, dieGebührenselberzn tragen und ein gerichtliches Urteil darüber haben wollte. Das Landgericht Berlin I verurteilte ihn zu einer Geldstrafe. Das Kan, mergericht als Revifionsinstanz hob jedoch die Vorentscheidung auf und sprach E. mit folgender Begründung frei: Die Kosten der Prüfung der Selterwasserapparate gehörten zu den sachlichen Kosten der Polizei- Verwaltung an sich, den die Kontrolle der Apparate solle nicht dem Betriebe dienen, sondern einer Gefährdung des Selterwasser konsumierenden Publikums vorbeugen. Solche Kosten solcher Revisionen seien von der Polizeibehörde zu tragen. Die Polizeiverordnung lege deshalb zu Unrecht die Prüfungsgebühr den Unternehmern auf uns sei inso fer n ungültig. Wenn nun der Angeklagte wegen der Gebühr nicht revidieren ließ, so habe er sich keiner strafbaren Uebertretuug der Polizeiverordnimg schuldig gemacht. Das Unwetter am gestrigen Abend hat besonders in den west- lichsn Vororten arg gehaust und bedeutenden Schaden verursacht. Zeitlveise war fast der gesamte Straßcnbahn-Verkehr im Westen unterbrochen. Unter den Brücken in der Dorkstraße hatten sich der- artige Wassermasscn angesammelt, daß der Betrieb für die dort ver- kehrenden Straßenbahnlinien auf eine halbe Stunde eingestellt werden mußte. Ebenso war der Verkehr nach Schöneberg, ans den Linien der Westlichen Vorortbahn, nach Steglitz, Grunewald und Roseneck zeitlveilig gestört, da die Straßen in Schöneberg, so an der Ebers-, Torgauer-, Eisenacherstraße einem förmlichen See glichen. Die Wassermaffen drangen in die Keller und Häuser. Ferner ivar durch die Ueberflutung der Betrieb der Siemens u. Halske- Bahn Steglitz— Lichterfclde gestört. Bedeutende Ueberschwemmungen werden auch ans Rixdorf und Treptow gemeldet, und in der Bcrlinerstraße in Friedrichsfelde stand das Wasser bis zu einem halben Meter hoch, so daß es fast»der die Plattform der Straßenbahnwagen hinweg- Abgrund stürzen wollte, mit den Attentätern weiter zusammen- bleiben? Und konnte er mit der Verfassung weiterregieren, die ihnen die Macht im Lande gab? Und so machte man also nach Zer- trümmerung der Radikalen, wie früher nach Zertrümmerung der Liberalen einen gut verborgenen Staatsstreich, den nun ein fortschrittliches Ministerium mit einer fortschrittlichen Partei deckte, bis es sich schon nach einigen Monaten überzeugte, daß es einfach gefoppt war, weil man ihm das Versprechen einer Vcrfassungsrcvision, durch das es für den Staatsstreich gewonnen wurde, nicht hielt. Und so durfte man jetzt schon sagen: Meineid auf Schritt und Tritt; nur daß es eben noch größerer Leiden und Martern bedarf, bevor man sich entschließt, von seinem jungen König, dem man Treue geschworen. das ärgste zu glauben und aller Hoffnung zu entsagen. Denn was wußten wir serbischen Politiker, wie es im Herzen dieses Gesalbten in Wahrheit aussah? Wie sollten wir nicht hoffen und glauben, daß so viel Jugend, die wir liebten, sich am Ende doch zur Ruhe und Besonnenheit zurückfinden werde? Nachdem nach der ältesten l liberalen) und der zahlreichsten(radikalen) Partei nun auch die fortschrittliche mit der Schuld der Sanktionierung eines Ver- faffungsbruches beladen und vernichtet worden war, rief der Minister- Präsident dieser fortschrittlichen Partei dem König bei der Ver- abschiedung, indem er das Kreuz schlug, zu:„Gott soll mich davor bewahren. Eurer Majestät noch einmal dienen zu müssen!" Und doch diente man ihm wieder, wenn die Not rief, denn man liebte ihn als den Vertreter der nationalen Dynastie. Sollten wir uns auflehnen und zu allem sonstigen Unglück auch noch neue dynastische Kämpfe heraufbeschwören? Ich wurde sein Ministerpräsident— in drei Jahren der neunte! — und ich, Vladan Georgewitsch, der ich der Lebcnsgrenze nahe bin. bezeuge hier vor Europa, daßKönigAlexander einen Mörder dang,»m seinen Vater Milan zn ermorden. Ja. hört es, Ihr Majestäten, hört es, civilisierte Nationen, die Ihr jetzt d i e S e l b st- Hilfe, zu der ein unglückliches Volk greifen mußte, als Uebermatz uncuropäischer Barbarei empfindet: König Alexander von Serbien und seine damalige Maitresse und spätere Frau Draga haben den Mörder Knczewitsch gedungen, um den eignen Bater des Königs, den Schöpfer des neuen serbischen Königreiches, den ersten serbischen König nach dem Untergang des einstigen Kaisertums, feig und meuchlings zu erschießen. Wie meinem Lande und meinem König, so war ich auch treu meiner Ehre, und weil ich freiwillig Exil und Entbehrung auf mich nahm, als die brennende Schmach über uns hereinbrach, wird man mir auch glauben, wenn ich sage, daß ich nimmermehr diesem Könige gedient hätte, wenn ich die versteckten Verruchtheiten geahnt hätte, >eren er vorher schon, dann aber, nachdem Draga ihn zu stacheln begonnen hatte, noch in hundertfach vermehrter Zahl schuldig war. Von meiner Politik, überhaupt von Politik kann ich nicht weiter prechen; denn was soll jetzt Politik? Wir nähern uns dem rein kriminellen Gebiet. Von dem Verhältnis des Königs wußte man. Wen ging es an? Ist ein Minister berufen, die erotischen Abenteuer eines Herrn zu kontrollieren? Wir hatten einen andren Ehrgeiz und andre Gedanken, hatten als Minister des serbischen Volkes andres zu thun. Freilich: etwas Auffallendes hatte es in der Zeit dieses Verhältnisses doch gegeben. Nämlich die geradezu rätselhafte Er- bitterung. womit der König plötzlich sein achtes Ministerium fort- gejagt hatte, unmittelbar nachdem es ihm die Heirat mit der Prin- zessin von Montenegro anriet. Doch diese Erbitterung war eben rätselhaft; daß sie das Werk einer rachsüchtigen Maitresse war, ahnten wir nicht. Wer konnte an Draga Maschin denken? Ihr Leib war Gemeingut, ihre Vergangenheit stadtbekannt, von beiden Eltern- citen her belastet— denn der Vater starb im Belgrader Irrenhaus, die Mitter war eine Trinkcrin—; jeder wußte: eine hitzige Dirne. Auch Alexander wußte es; der verstorbene Kaufmann Kanara, der verstorbene Publizist Sima Popoivitsch wußte es; viele Belgrader, die noch heute leben, wissen es aus persönlicher Erfahrung. Sie hatte ihrey ersten Wann entehr» und ins Grab gebracht. Königin 3 Morgen, Montagabend 9 Uhr, Neue Teilnehmer fönnen noch eintreten. Gäste willkommen. Briefkaften der Redaktion. Töpper Pech. 1. Ja. 2. Sie müssen sich an einen Fachmann wenden. H. 1. Ueber Bebels Privatverhältnisse wissen wir nicht Bescheid. 2. In flutete. Schweren Schaden verursachte der Wolkenbruch auch auf entkommen. Dort hat er mit ebenso unglaublicher Dreiftigkeit wie mit Tapezierer! Im Verband der Tapezierer findet am Mittwoch eine den Feldern, auf denen vielfach tiefe Furchen gerissen wurden. Erfolg gearbeitet. Aus seiner Glanzzeit her war ihm der Zugang Versammlung statt. Näheres im Inseratenteil der Dienstagnummer. Arbeiter Samariterkolonne. Ueber die Kreditschwindeleien der Manufakturwaren- Engros- zum Hotel„ Europäischer Hof“ auch über die Wirtschaftstreppe bekannt. in der Filiale Brunnenstr. 154, Vortrag über: Verbrennungen, Erfrierungen, Firma J. Hartstein u. Co., Heiligegeiſtstraße 47, deren Inhaber diesen Zugang benutzte er, um in die Fremdenzimmer zu gelangen sikschlag, Blikschlag, Beschädigungen durch Elektricität. Nachher prattiſche und einen neuen Menschen anzuziehen. In dem ersten Zimmer fandüebungen. Hartstein und Adam flüchtig geworden sind, erfahren wir einige interessante Einzelheiten. Als das Geschäft vor drei Monaten ge- passenden Ueberzieher und Hut. Dafür ließ er die Anstaltskleidung Prinzen- Allce 30. er einen hellgrauen Sacco- Anzug mit schwarzen Punkten, einen dazu Heute Ausflug nach Friedrichsfelde. Treffpunkt um 3 Uhr bei Bube, gründet wurde, besaßen die beiden Socien zusammen ein„ Kapital" unter der Decke des Schlafsofas zurück. Die dort stehenden Stiefel von 5 Mart. Dies genügte natürlich nicht, um die Anzahlung für ließ er zurück, da sie ihm nicht paßten. Dagegen fielen ihm im( E. S. 29, Hamburg.) Filiale Berlin 2. Montag, den 20. Juli, abends Allgemeine Kranken: und Sterbekasse der Metallarbeiter. die auf Kredit entnommene Comptoireinrichtung zu leisten, es gelang ihnen aber, 50 Mark leihweise zu erhalten und so hatten sie das Nebenzimmer neue Lackstiefel zu, die er gegen seine zerrissenen alten 8 Uhr, bei Schulz, Adalbertstr. 18 c: Mitgliederversammlung. Filiale Betriebskapital" für ein Geschäft. in welchem monatlich für zehnStiefel eintauschte. Im dritten Zimmer fand er eine Ausstattung Berlin 9. Sonntag, den 19. Juli, vormittags 10 Uhr, bei Fischer, Waldan Wäsche, Krawatten und auch eine zu den Krawatten passende straße 8: Mitgliederversammlung. tausende von Mark umgesetzt wurden. Um nicht unnötig hohe Nadel mit einer echten à jour gefaßten Perle. Hiermit war er noch Spesen zu machen, verzichteten die Geschäftsinhaber auf Anschaffung nicht zufrieden. Sein Erfolg trieb ihn in das Zimmer eines Dr. M., von Büchern. Das einzige Buch, das vorgefunden wurde, war ein wo er sich mit einer Cigarrentasche und den nötigen Importen verKopierbuch. Ein Debitorenconto einzurichten, hielten die Herren nicht für erforderlich, da die Waren doch sofort nach der Ankunft fah. Dann endlich betrat er auch noch ein fünftes Zimmer, wo er wieder in Posten verkauft wurden und zwar vermutlich unter Schalen und zum Teil mit chinesischen Drachen- Ciselierungen versehen außer barem Geld vier Rasiermesser erbeutete, die mit filbernen Einkaufspreisen. Die Abnehmer für diese Waren konnten jedoch noch nicht sind. Nummehr war der Fürst wieder einigermaßen hergestellt. Um ermittelt werden. Auch ein Kreditoren- Conto war überflüssig, denn zweifellos iſt das Geschäft von vornherein auf der Basis des fich aber wegen der Verfolgung unkenntlich zu machen, rasierte er Schwindels gegründet und hatten die Socien die Absicht, sich durch demselben Wege, auf den er sich eingeschlichen hatte. Es wird ausich den Schnurrbart ab. Dann endlich entkam er unbemerkt auf die Kreditschwindeleien in den Besitz großer Geldsummen zu setzen und alsdann aus Deutschland zu verschwinden. Am Tage der Abreise bezahlte Hartstein noch die Miete für das Geschäftslokal, wahrscheinlich, um zu verhüten, daß die Flucht zu früh entdeckt und ihnen daher erschwert würde. In welch' raffinierter Weise die Socien arbeiteten, beweist die Thatsache, daß sie den Versuch machten, einen Hausdiener der Firma Hermann Gerson mit einem Trinkgeld zu bestechen, damit er waren, die gegen sofortige Bezahlung abgeliefert werden sollten, ohne Geld da lasse. Dieser Versuch ist allerdings mißlungen. Ein Konkurs über die Firma kann in Ermangelung einer Masse nicht ausgebracht werden. Abgesehen von der Comptoir Einrichtung, die auf Abzahlung entnommen ist, hat die gesamte vorhandene Masse einen Wert von kaum 5 M. Sie besteht aus einzelnen größeren Kisten. genommen, daß er von Herzberge aus sich nach einer Eisenbahnstelle begeben hat, wo er in einem Gliterzuge ein Versteck fand und sich nach Dresden befördern ließ. Das bringt eben nur ein armer Geistesfranker fertig. Nach vielen Jrrfahrten im In- und Auslande erhängt hat sich an der Nationalgalerie der 50 Jahre alte Kaufmann Karl Kudud. Mit dem Verlust seiner letzten Stellung als Kuhfütterer büßte er auch den Mut zu weiteren Kämpfen um das Dasein ein und erhängte sich. Ein Wächter fand seine Leiche. 3m 3 3. Es wird Ihnen ein Verzeichnis der Buchhandlung zugehen. Ihrem Falle ist zu empfehlen: Beitritt zum Centralverband der Handlungsgehilfen Deutschlands. Adresse für Berlin: W. Friedländer, Elſaſſerſtr. 25. ferner Socialdemokratischer Wahlverein des vierten Streises. Aufnahmen mindestens eine Stimme mehr haben als die Gegenkandidaten zusammen. Streitfrage. Um als gewählt zu gelten, muß der Betreffende 2. N. 123. Freitag nach dem 15. jeden Monats. Der Drt wird stets gewechselt. Sehen Sie um die angegebene Zeit den Inseratenteil des Borwärts" nach. in jeder Versammlung. Juriftifcher Teil. von 7 bis 9½ Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends Volkshaus 100. 1. Nein, Arbeiterrecht" S. 99. 2. Nach der bestehenden preise usw. informiert das Kursbuch. Braris ja. Die Frage ist bestritten: G. 153, 221, 222, 419„ Arbeiterregt Mulke. Wenden Sie sich an Ihre Gewerkschaft. Acker 85. Sie haben sowohl darin unrecht gehandelt, daß Sie nicht sofort den Unfall meldeten, wie darin, daß Sie sich von„ flugen Leuten" statt von sachverständigen Aerzten Einen qualvollen Tod erlitt der 19jährige Schlosser Erich Loose behandeln ließen. Ihr Unfall- Rentenanspruch verjährte in zwei Jahren nach aus der Blücherstraße 35 durch das Abspringen von der fahrenden dem Unfall. Sie könnten jetzt den Versuch machen, dennoch eine Unfallrente Straßenbahn. Dabei fiel er an der Ecke der Bärwald- und zu erlangen. Zu diesem Behuf müßten Sie darlegen, daß die Folgen des Gneisenaustraße auf die eiserne Einfassung der Ankagen, erlitt Darm- Unfalls sich erst nach Ablauf der Verjährungsfrist gezeigt haben. Der Beweis Was ein Jagdhund ist, darüber entstehen häufig Streitigkeiten zerreißungen und starb im Krankenhause am Urban. ist in Ihrem Falle leider sehr schwierig. Es kann angenommen werden, daß die Quadfalbereien die Folgen verschulden. Immerhin machen Sie einen zwischen Straßenbahn- Schaffnern und Fahrgästen, welch' lettere alle möglichen und unmöglichen Tiere als Jagdhunde bezeichnen. Die Zu dem Kindesmord, den eine gutgekleidete Frau am Freitag- Berjuch.. S. 100. Eine im Ausland zu dem zwed der Umgebung Betriebsverwaltung der Großen Berliner Straßenbahn hat die morgen in der Dessauerstr. 34a ausführte, wird berichtet, daß die eines Cheverbots von Deutschen geschlossene Heirat ist für Deutschland Schaffner angewiesen, bei Beförderung von Jagdhunden in zweifel- Nachforschungen der Polizei zu einem Aufsehen erregenden Ergebnis ungültig. Auslandspaß ist zweckmäßig, nicht notwendig. Ueber die FahrKuhlert, Wallnertheater. Ja. haften Fällen zukünftig nachsichtiger zu verfahren. Als Jagdhunde geführt haben. Die Thäterin ist eine am 1. Juli 1869 in Dresden A. N. und andre Heiratsfrager. 1. Zur Eheschließung ist für die find im allgemeinen der Vorstehhund, Teckel, Forterrier und der geborene, mit einem Hauptmann verheiratete Frau, Braut Zurüdlegung des 16., für den Bräutigam Boujährigkeit( Zurüdschottische Schäferhund(?) anzusehen und zur Beförderung auf der die mit ihrem Mann in der Ehescheidung steht. Das beseitigte legung des 21. Lebensjahres oder Bolljährigkeitserklärung nach vollendetem vorderen Plattform, nach den gegebenen Bestimmungen, zuzulassen. Kind bildet die Folge eines verbotenen Umganges. Obgleich die 18. Lebensjahre) erforderlich. Das Ehemündigkeitsalter muß bei der AnEs ist nicht erforderlich, daß die begleitenden Fahrgäste sich im Jagd- Polizei eifrig bemüht war, die Verbrecherin zu ergreifen, ist dies meldung zum Aufgebot vorhanden sein. 2. Bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres bedürfen eheliche Kinder der Einwilligung des Vaters, anzug befinden oder mit Gewehr versehen sind; auch weibliche Per- doch bis jetzt nicht gelungen. uneheliche der Mutter. 3. Beim Aufgebot werden verlangt: die Geburtss sonen sind in Begleitung von Jagdhunden zuzulassen. Zoologischen Garten beträgt der Eintrittspreis am heutigen urkunden beider, die Militärpapiere des Bräutigams, eine beglaubigte Ein Durch tolle oder tollwutverdächtige Tiere sind nach einer im Sonntag nur 50 Pf., Kinder unter zehn Jahren zahlen die Hälfte. willigungserklärung des Vaters( oder der Mutter) für die etwa noch minder Kultusministerium gemachten Zusammenstellung im Jahre 1902 in statt, welches von zwei Militärkapellen in Uniform ausgeführt wird. Gemeinden, wo die Verlobten ihren Wohnsiz haben, ferner wenn einer der Am Nachmittag findet von vier Uhr ab großes Promenaden- Konzert jährigen Brautleute. 4. Das Aufgebot erfolgt in der Gemeinde oder in den ganz Preußen 250 Fälle von Verlegungen amtlich festgestellt während der kommenden Woche alltäglich von 5 Uhr nachmittags ab Wohnsizes hat, auch in der Gemeinde seines jetzigen Aufenthalts, Verlobten seinen gewöhnlichen Aufenthalt außerhalb seines gegenwärtigen worden; es wurden 174 männliche und 76 weibliche Personen Doppel- Konzert. verletzt und zivar in einem Fall durch einen Menschen, in und endlich, wenn einer der Verlobten seinen Wohnsiz innerder Orgelfonzert. Der tgl. württembergische Hofopernfänger Albin halb 170 Fällen durch Tiere( 159 Hunde, 3 Kazen, 5 Rinder, 2 Pferde, letten sechs Monate gewechselt hat, auch in 1 Schaf). Von den 250 Verletzten unterwarfen fich 2271(= 90,8 Proz.) Günther fingt beim Dienelschen Orgelvortrage in der Marien der Gemeinde seines früheren Wohnsites. Es ist daher zweckmäßig, dem der Schuhimpfung nach Pasteur im Institut für Infektions- ir che am Montag, den 20. Juli, abends 7 Uhr, Arien von Der Aushang erfolgt zwei Wochen lang. 5. Vor der Heirat müssen minStandesbeamten eine polizeiliche Anmeldung über den Zuzug mitzubringen. frankheiten zu Berlin. Von den Geimpften starben 1,3 Proz. an Händel und Brahms. destens 200 Marken geflebt sein, wenn die junge Frau den Anspruch auf Tollwut, von den Nicht- Geimpften dagegen 13,04 Proz.! Auch diese Statistit zeigt wieder, daß Verlegungen des Gesichts und Teilnahme erweckt das tragische Ende eines jungen, zu den besten weiter( mindestens 40 Marken in je zwei Jahren), jo behält sie ihre oft Lichtenberg. Vergiftung durch Pilzgenuß? Große Rückerstattung der Hälfte der für sie geklebten Marten geltend machen will. Sie verliert dann aber alle Ansprüche aus der Versicherung. Klebt sie selbst der Hände besonders gefährlich find. In zwei Fällen hat sogar Hoffnungen berechtigenden Arztes hier am Drte. Dr. E. ist erst seit wertvolleren Ansprüche, z. B. die Möglichkeit, eine Heilstätte zu besuchen. die bloße Begeiferung durch tollwütige Tiere zur Erkrankung geführt. furzem in der Heilanstalt der Landesversicherung Berlin, die hier in 6. Rücksichtlich des Anbietens der Bruderschaft dem Berschwägerten gegen Der Regierungspräsident veröffentlicht diese Statistik mit der wieder- der Dorfstraße belegen ist, angestellt, war aber bei Kranken und über besteht fein fester Brauch: in der Regel bietet der Verständigere das Holten Anweisung an die Behörden, selbst bei leichten Verlegungen Gesunden äußerst beliebt. Am Sonnabend, den 11., abends flagte Duzen an. 7. Eine kirchliche Trauung ist für die Rechtsbeständigkeit der Ehe durch tollwutverdächtige Tiere schleunigst für ärztliche Behandlung Dr. E. seinen Stammtisch- Freunden, daß er nach Genuß einer in völlig unerheblich. Die Ehe wird durch das Ja der Heiratslustigen vor dem Sorge tragen zu wollen. Er erinnert dabei zugleich an die früher einem größerem Restaurant in Berlin eingenommenen Portion Steins ein Gang in die Kirche, eine Hochzeitsreise anschließen, irgendwelche Rechts. Standesbeamten geschlossen. Dieser Heirat kann sich ein Hochzeitsschmaus, erlassenen Vorschriften betr. genaue Angabe der Verlegungen, leber- pilze recht heftige Beschwerden fühle und er dies zunächst durch folgen find an solche Ceremonien nicht geknüpft. sendung des Gehirns und verlängerten Marks des obducierten reichlichen Milchgenuß zu beheben suche. Am Montag war Dr. E. Tieres per Eilpost an das Institut für Infektionskrankheiten zu trotz aller sorgfältigen Pflege eine Leiche. Gerüchtweise verlautet, Berlin 2c. daß eine Beschlagnahme der Leiche nur vorübergehend stattgefunden habe und die lettere zur vorläufigen Beiseyung wieder frei gegeben sei. Der Hochstapler Fürst Manulesko- Lahowary, ist, wie die Dresdener Polizei hierher mitteilt, in der That in Anstaltskleidung nach Dresden Natalie nahm Draga in ihren Dienst, um sie zu retten, und die Gefallene blieb, was sie war: heute des Königs Maitresse, wie sie gestern jedermanns fäufliches Gut gewesen war. follte zu heiraten?" " Wetter- Prognose für Sonntag, den 19. Juli 1903. Barm und vielfach heiter, aber veränderlich bei mäßigen füdwestlichen Winden und fortdauernder Gewitterneigung. Berliner Wetterbureau. Wozu hat nun der König Alexander diese beispiellose Unter werfung eines ganzen Volkes unter seine perverse Willkür benutzt? War es ihm wenigstens ernst mit dem in der Heiratsproklamation ausgesprochenen Wunsch, sein Volk glücklich zu machen? Nein. " und der Schabazzer Präfett Andjelitsch, der um die Sache wußte, wurde erdrosselt aufgefunden. Und der liebreiche Sohn? Der bot ein Schauspiel, wie Menschenaugen es seit den Tagen des Caligula Ich habe heute ein Volk vor Europa zu verteidigen; nur deshalb nicht mehr gesehen hatten. Noch am Tage des Attentats wurden erzähle ich hier von Dingen, von denen zu sprechen sich sonst wahrlich die Minister zum König befohlen, der von ihnen die Das Unbeschreibliche ward hier Ereignis. Tapferen, in die Mannesehre sträubt. In der Belgrader Vorstadt Englezovat Verhaftung und Einkerkerung sämtlicher radikalen Führer forderte. drei Kriegen bewährten Offizieren wurde die Uniform brutal vom steht ein kleines Häuschen, in dem die größten Verbrechen, deren ich Sie waren entsetzt. Wo waren Schuldbeweise, wo auch nur Ver- Leibe gerissen; der heutige Ministerpräsident drohte dem gestrigen mich zu entsinnen weiß, ausgeheckt wurden. Die spärlichen Wanderer, dachtsgründe? Wie wollte man solche Massenverhaftung rechtfertigen? mit dem Todesurteil; Minister wurden zu siebenjähriger Kerters die nachts durch diese Straße kamen, wunderten sich oft, vor diesem Das Bedenken erbitterte den König. Sofort wurde der Kommandant haft verdammt, andre aus dem Lande vertrieben; im Eril eröffnete Häuschen einen Wagen zu sehen und unter den Fenstern zwei Männer, der zweiten Kavalleriebrigade, Oberst Alexander Konstantinowitsch, man ihnen dann auf der Gesandtschaft im Namen des Königs, sie die oft stundenlang warteten. Der eine war in Civil und immer ver- in den Saal gerufen und vor allen Weinistern wörtlich so angeredet: dürften niemals zurückkehren und hätten die nach Gesetz und Recht mummt, der andre trug die Uniform eines Artillerie- Offiziers und" Wenn ich Dir jetzt befehle, die Hochverräter, die auf dieser Liste ihnen zustehende Pension verwirkt. Und das Volt? Es wurde ge= war der Kommandant der Gendarmerie, Oberst Marko Binzar Marko- verzeichnet sind, noch heute Nacht erschießen zu lassen: wirst Du den zwungen, durch freiwillige" Beiträge für ein„ Kavallerie- Regiment witsch. Wenn ein Passant neugierig wurde und nach einigen Stunden Befehl ausführen?" Der Oberst var sprachlos, die Minister vor der Königin Draga" die Pferde zu kaufen, und die Belgrader wiederkam, sah er den Offizier allein auf- und abgehen; der Ver- Schrecken außer sich; um ein fürchterliches Blutbad zu verhüten, Kommune mußte das für die Kanalisation der Stadt bestimmte mummte, der König, war dann bei seinem Liebchen. Eines Tages willigten sie schnell in die Forderung; sie dachten: Od roba ikad, Geld für eine Jacht Draga" spenden. Jeder Kreis hatte ein kam der Präfekt von Belgrad, Rista Bademlitsch, zu mir zum Rapport iz groba nikad( Aus der Gefangenschaft vielleicht, aus dem kostbares Hochzeitsgeschenk zu liefern; und als einen Monat nach der und fragte: Wissen Excellenz davon?" Natürlich wußte ich und Grabe nie). Trauung schon der Staatsanzeiger die frohe Botschaft brachte, daß fragte, da ich ja ein europäischer Minister war, was sich denn die Meint der Leser, nun sei die Sache zu Ende gewesen? O nein; die Königin in der Hoffnung sei, sandte das Volk siebzehn tostbare Polizei, wenn sie für die Sicherheit des Königs gesorgt habe, noch eine Steigerung folgt. Hat man schon die Radikalen: warum Wiegen dem glücklichen Paar ins Schloß. weiter um diese Jugendthorheit zu kümmern brauche, Aber, Herr nicht auch das Leyte thun und sie radikal beseitigen? Deshalb fonnte überhaupt keine Regierung mehr gebildet werden; nur Leute, Ein Kotgebirge lastete auf unserm armen Lande. Schließlich Ministerpräsident, wenn der König etwa auf die Idee kommen Belagerungszustand für den Belgrader Kreis und Berufung die keine Aussicht hatten, sich länger als zwei Wochen zu halten, 2"„ Auf welche?" Nur, auf die Idee, diese Person des Standgerichtes zur Aburteilung der Attentäter. Man Der närrische Polizisteneinfall erbitterte mich und unterschrieb schweren Herzens Belagerungszustand und Standgericht, nahmen noch Portefeuilles an; der König mußte zu denen schicken, ich sagte:" Sie sind ein guter Bolizeibeamter und brauchen als solcher mit dem Vorfah, durch eine gewissenhafte eigne Auswahl der die er hinausgejagt und Diebe geschimpft hatte, und sie förmlich die Psyche des Königs nicht besonders genau zu kennen." Hatte ich Richter die Justiz vor einem Mord zu bewahren. Auch diese Hoff- anflehen, wieder Minister zu werden. Alexander und Draga unrecht? Der König kannte Dragas Vergangenheit, wußte, sie nun trog. Auf seinen geheimen Wegen drang dieses Regiment auch hatten, weil ihnen in den letzten drei Jahren das Unglaublichste, fonnte an Jahren seine Mutter sein, und wenn man auch aus un bis an den Richtertisch, und wenn vom Standgericht nur ein das sie unternommen hatten mit alleiniger Ausnahme des glücklicher Liebe einen Selbstmord begehen kann, so liegt doch kein einziger, der Attentäter, hingerichtet, alle andren zu Freiheitsstrafen Empfanges an fremden Höfen freilich- gelungen war, einfach Grund zu Erceffen des Gefühles vor, wenn man eine Geliebte schon verurteilt wurden, so hat Serbien für die Verhütung eines Massen- den Verstand verloren; und so kamen sie schließlich auf den wahnvon Biarritz her jahrelang ungestört besessen hat. Der Ausgang zeugt mordes nicht dem König zu danken- denn er war fest entschlossen, finnigen Gedanken, Nikodem Lunjewiza( des Bruders der Draga) wider mich: ich hatte nicht recht; und wenn man will, kann man aus alle erschießen zu lassen, sondern einzig und allein einem" Quos zum Thronfolger auszurufen. diesem Fall die Lehre ziehen, wie thöricht der Glaube ist, man habe ego!" des Kaisers Franz Joseph, der durch seinen MilitärDie Vorlage war schon fertig, die Eunuchen- Skupſchtina ge= sich als Staatsmann immer nur mit großen Ideen und bedeutenden bevollmächtigten, den Major Hordliczka, dem König in Belgrad seine wählt, die selbst solches Gesetz angenommen hätte. Und dieser Kräften auseinanderzusehen. Glücklich jeder, dessen Wirksamkeit in erhabene Meinung kurz und bündig sagen ließ. Tropfen brachte den Kelch zum Ueberfließen. Das wollte fein andieser Linie des wirklich Großen und Bedeutenden verläuft: wir ständiger Mensch in Serbien. Das war zu viel sogar für einen wie drücke ich's nur aus? Draga serbischen Politiker, die wir nach bestem Wissen für unser Bolt strebten - war nicht nur eine Zinzar Markowitsch. Er, dessen Säbel jede Willensregung des und auch Kräfte und Gaben unser eigen nannten, wir wußten alle, gierige Geschäftsdame, sondern von einfach unbeschreiblich schmutziger Hönigspaares durchgesetzt hatte, prallte vor dieser Absicht entsetzt alle an einem elenden und erbärmlichen Buhlgetändel scheitern. Und und ekelhafter Routiniertheit. Kennt Ihr alle Nuancen und Erzurück und erbat leider zu spät wenige Stunden vor seinem wenn es nichts weiter gewesen wäre: was läge an unfren Personen? findungen des Lasters? Das war Draga. Hörtet Ihr jemals tragischen Tode die Entlassung aus dem Amt. Warum entsetzte er Aber aus dieser lasterhaften Liebe erwuchsen ungeheure Verbrechen. von der Budapester Bänkelsängerin Rosa Bento? sich? Woher der allgemeine Schreck? Was konnte dieser junge Ja, mein lieber Bademlitsch, der Du heute schon tot bist: an Deinem dumme Schülerin neben der Frau auf dem serbischen Thron; sonst Mann, der hundert Laster und die abstoßende Unverschämtheit des Grabe leiste ich Dir Abbitte; denn die Polizei behielt Recht und die hätte sie sich vor Lachen gewälzt, so oft sie von dem ungeschickten Parvenus hatte, dem aber noch kein Verbrechen nachzuweisen war, Psychologie Unrecht. Eines Tages wurde ein Fühler ausgestreckt. Alexander erzählte, sondern gleich Draga gewußt, daß die Geduld, dem Staate und dem Volte anthun, nach allem vom König König Milan schöpfte Verdacht, witterte den Heiratsplan feines dieſe teure Göttin, alles zusammenbringen kann, wenn sie sich zur selbst ihnen Angethanen? Doch die Familie Lunjewiza war während Sohnes und erklärte, das ganze serbische Volk und er selbst werde schmutzigen Dienerin des Feilsten und Gemeinsten macht. Rosa der drei Draga- Jahre im ganzen Volte so verhaßt geworden, daß gegen einen so unfäglich beschämenden Wahnwitz Maßregeln ergreifen. Benkö war die ungleich jüngere, schönere und lachte, wieherte. der Gebante, von ihnen beherrscht zu werden, zum Bürgerkriege Darauf wurde alles wieder still und nie vorher hatte der Sohn sich Draga, die doppelt so alte und verbrauchte aber wußte Bescheid, führen konnte. Un dieser Sippe willen Bürgerkrieg? dem Vater so zärtlich ergeben gezeigt. Da feuerte plötzlich der Mörder mußte, wie man den durch eine üble Laune der Natur von den ein Blik in pechschwarzer Nacht beleuchtete diese Aussicht den Serben Und weiß man, was Frauen ferngehaltenen Männern den Schmerz erspart und zum alles, was sie geduldet hatten, und der Selbst erhaltungsweiter geschah? Die Revolverfugeln trafen nicht gut, Milan wurde Genuß hilft. Und diese Routine wurde zum Schicksal eines König- trieb eines ganzen Volkes, die legitimite Notwehr einer nur leicht gestreift und sein Adjutant Major Lukitsch schwer ver- reiches, und was sich als Politik so hoch erhaben dünkt, mußte Nation und eines Staates führte die Katastrophe herbei, die eine wundet. Was also thun, um den Verdacht von den Urhebern ab- elendiglich scheitern, weil man vergessen hatte, sich auch um die ganze Dynastie in den Abgrund warf. Was in der Nacht nach zulenken? Nun: der Mörder mußte über sein Schicksal beruhigt physischen Geheimnisse eines Königs und die kundigen Wige einer bem zehnten Junitag im Belgrader Konat geschah, war nicht das Dirne zu fümmern. und zu einer falschen Aussage bewogen, die Leute, die ihn geworben, Was wußten wir? Serbien ist nicht die Werk einzelner Menschen, sondern die Verzweiflungsthat mußten beseitigt, der Verdacht auf die Radikalen abgelenkt und der Türkei und seine Minister waren nicht darauf dressiert, Schlaf- eines um seine Eristenz kämpfenden Volkes. höchste Schmerz kindlicher Liebe vorgegaufelt werden. Und siehe: es simmergeheimnisse auszuforschen.... gelang! Ich war damals nicht in Belgrad; in Marienbad traf mich Milan und ich, der Ministerpräsident, wir weilten im Ausdie Nachricht von dem Geschehenen, und als ich zurüdeilen wollte, land. Weshalb? Als Unterhändler, als Freiwerber; Milan, der befahl mir der König telegraphisch, zu bleiben, weil Ihre vorzeitige Verruchte, Milan, der seinen Sohn wieder vom Thron zu stoßen Rückkehr die Lage in den Augen des Auslandes viel kritischer er- trachtete, wollte ihn jebt mit einer deutschen einzessin scheinen ließe, als sie de facto ist". Und da begab sich folgendes: berheiraten. Und während wir also- notabene: mit Wissen Der Mörder Knezewitsch, der Alberne, der noch auf der Richtstätte und Willen Alexanders im Ausland waren, bekam er den lächelte, weil er die Begnadigung und die darauf folgende Belohnung nötigen Mut und proflamierte seine Verlobung mit mit Sicherheit erwartete, wurde von dem Peloton rasch getroffen der Hure. Sie war eine Wie Hätte Europa den König Peter gezwungen, die Retter des Vaterlandes vor ein Gericht zu stellen, dann wären nicht nur die Offiziere, die in den Zeitungen Mörder genannt wurden, auf der Anklagebant erschienen: alle dreihundert Offiziere der Belgrader Garnison, ja, das gesamte Offiziercorps der serbischen Armee hätte für sich die Ehre in Anspruch genommen, für das Verbrechen" einstehen zu dürfen. Doch man seht einen Orkan, der Schiff und Mannschaft verschlungen hat, nicht auf die Ana flagebant. Familien erfparen Diel, Preisgekrönt mit der goldenen Medaille. Wöchentliche Fertigstellung 22,000 Paar. 1500 Arbeiter und ........ 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Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Man prufe ohne Kaufzwan Nr. 166. 20. Jahrgang. 2. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Sonntag, 19. Juli 1903. feit 1870 die verschiedenen Länder an der Versorgung Englands mit wie die Anklage den Vorwurf der Untreue erheben konnte. Die AngeGetreide, Fleisch, Schlachtvieh und Zucker gehabt haben. flagten haben gethan, was sie nach den Statuten thun mußten, sie haben Aus dieser Zusammenstellung ergiebt sich, daß an der englischen sich innerhalb der 60 Proz. der Werttagen gehalten, ihre Schuldnerin Berlin, den 18. Juli 1903. Weizeneinfuhr, die in den drei letzten Jahren 1900/1902 98 597 450, fei im stande gewesen, die Zinsen für die Hypotheken zu zahlen, und 101 064 683 und 107 297 701 englische Centner( 1 Centner · Das Geldbedürfnis 50,80 der Pommernbank seien auch noch andre wertvolle Vorteile aus den 642 399 und 262 421 Centner beteiligt war. Und ferner hat DeutschKilogramm) betragen hat, Deutschland immerhin noch mit 1 878 514, Darlehnsgeschäften erwachsen. land in 1901/1902 trotz der überseeischen Konkurrenz noch für 524 100 und 494 768 Centner Gerste und für 2 355 200 und 2 320 406 Centner Hafer nach England geliefert. Dazu kommen recht beträchtliche Mengen an Hülsenfrüchten. An Bohnen und Erbsen führte England z. B. ein: 1870 1880 1890 1900 1901 1902 in tausend Centnern Die Börse und die amerikanischen Kursschwankungen. der amerikanischen Eisenbahnen. Die Entwicklung des amerikanischen Bahunezes. Rückwirkung auf den amerikanischen Eisen- und Stahlmarkt. Agrarische Freude über Chamberlains Bollpläne. Ausfuhr deutscher landwirtschaftlicher Produkte nach England. Seit dem letzten, am 26. vorigen Monats geschriebenen Wochenbericht hat sich die Physiognomie der Börse kaum verändert. Es wird fortgewurstelt schläfrig und träge; doch zeigt trotz der nur selten durch Augenblicke lebhafteren Treibens unterbrochenen Geschäftsstille die Börse eine ziemlich feste Haltung. Von Baisse- Aktionen ist nichts zu verspüren. Hin und wieder führen vom amerikanischen Eisenund Geldmarkt herüberdringende trübe Nachrichten oder die hier und dort auftauchenden politischen Gewitterwolfen zwar zu kleinen Kursabschwächungen; aber sobald sich der Börsenhorizont etwas aufhellt, gewinnt auch die beschaulich- vertrauensvolle Stimmung wieder die Oberhand. Warum in die Zukunftsferne schweifen? Noch lauten und überall, in den verschiedensten Industriezweigen, herrscht emfige die Meldungen aus den deutschen Kohlen- und Eisenrevieren günstig, Geschäftigkeit. Weshalb soll man sich also um das sorgen, was sich drüben jenseits des Oceans entspinnt. Wer weiß, ob drüben die augenblickliche Depression anhält, ob nicht eine reichliche Ernte wieder einen Ausweg schafft? Vielleicht ist es überhaupt nichts mit der amerikanischen Strifengefahr, von der nun schon über ein Jahr gefabelt wird. Auf derartige Raisonnements stößt man auf Schritt und Tritt. Bohnen 299 1 799 901 131 49 183 221 165 2146 1842 2249 2043 2035 70 46 96 117 80 Nach einer kurzen Pause geht Justizrat Dr. Sello auf die gegen die Angeklagten Bohl und Hanel vom Staatsanwalt vorgebrachten Momente ausführlich ein. Er habe in drei großen Hypothekenbank- Prozessen als Verteidiger mitgewirkt und gesehen, daß jeder man eine andre Nuance hatte. Früher sei es üblich gewesen, den Aufsichtsrat oder doch den 1 506 2577 3 345 2419 2939 3 115 Vorsitzenden des Aufsichtsrats mit auf die Anklagebant zu sehen. Seitdem man damit keinen Erfolg gehabt, zeige sich jetzt davon aus Deutschland eine neue Nuance: Erbsen. Zum erstenmal sehe hier, davon aus Deutschland daß Zagatoren anstatt am 3eugentisch Betracht. Es deckte im letzten Jahre über zwei Drittel des Anlagebant müssen! Er müsse allerdings anerkennen, daß Weit mehr kommt Deutschland als Zuckerlieferant Englands in Play zu nehmen und ihre Befundungen mit dem Sachverständigen Eid zu belegen, mit auf die englischen Gesamtimports bon raffiniertem Zuder barin eine gewisse Logit liege, denn wenn der Staatsanwalt den und über die Hälfte desjenigen von Rohzucker. verglichen mit 1870, um beinahe das 15 fache, die an raffiniertem Die Zufuhren von Rohzucker aus Deutschland sind im Jahre 1902, Zucker um über das 230 fache gestiegen. Von den beiden im Jahre 1870 an erster Stelle stehenden Bezugsländern von Rohzucker: Kuba und Brasilien, ist zur Zeit das erstere vom britischen Markte gänzlich verschwunden, während der brasilianische Import um ungefähr zwei Drittel zurückgegangen ist. Der deutsche Import von Rohzuder und Raffinade nach Großbritannien stellte sich seit 1870( unter Angabe der englischen Gesamtbezüge in Klammern) wie folgt: Raffinierter Rohzucker Zuder 450 583( 12 798 631) Ctr. 57 765( 1710 176) Ctr. 244 645( 3 036 074) . 4 384 268( 17 001 613) " " • • 6 888 101( 15 717 476) 3 212 180( 13 234 932) 4 402 269( 13 387 143) 6 605 719( 13 221 492) 5 002 846( 9 976 665) " " 11 868 651( 19 248 187) " " " 13 240 442( 21 256 846) " " " Unterdessen verschlechtert sich in den Vereinigten Staaten von Amerika die Marktlage mehr und mehr. Neben der Abflauung des Eisen- und Stahlmarktes, die trotz der tendenziösen Nachrichten über 1870 gelegentliche größere Bestellungen amerikanischer Importeure im 1880 Auslande oder über hier und dort auf den lokalen Märkten der 1890 Union hervortretende stärkere Nachfrage nach bestimmten Special- 1900 artikeln sich langsam ausdehnt, hat sich bei verschiedenen größeren 1901 Eisenbahnen ein Geldmangel herausgestellt, dessen Deckung unter 1902 13 465 539( 18 365 417) den gegenwärtigen Verhältnissen des nordamerikanischen Geldmarktes An der Einfuhr von Schlachtvieh nach Großbritannien ist fich äußerst schwierig gestaltet. Das sonst beliebte Geldanschaffungs- Deutschland in den letzten circa 15 Jahren nicht mehr beteiligt gemittel, die Ausgabe neuer Bonds( Obligationen), versagt fast völlig, wesen. In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts beda das Publikum sich zur Zeit recht wenig zu Anfäufen dieser Hauptete Deutschland neben Holland in der Einfuhr von Rindvieh Art Papiere geneigt zeigt, und so bleibt den Eisenbahncompagnien und Schafen den ersten Plaz, seit dem Jahre 1899 aber werden nichts andres übrig, als zu versuchen, sich von den Banken Ochsen, Kühe und Kälber und seit dem Jahre 1890 Schafe und gegen relativ hohe Binsen Darlehen gegen Wechsel zu verschaffen. Lämmer aus Deutschland nach Großbritannien nicht mehr exportiert. So hat z. B. die Union- Pacificbahn sich dazu verstehen müssen, Die Einfuhr von Schweinen aus Deutschland hat bereits seit dem gegen Wechsel mit 18 Monate Umlaufszeit( sogenannte Roten") ein Jahre 1886 gänzlich aufgehört, obwohl sie früher mit Ausnahme der fünfprozentiges Darlehen von 10 Millionen Dollar zu 2 Proz. Dis- Jahre 1877/79 und 1885 im Vergleich zu den übrigen importierenden font aufzunehmen. Und denselben Weg, durch Ausgabe von Wechseln Ländern ziemlich erheblich war und im Jahre 1880 mit 16 916 Stüd mit bestimmter Umlaufsfrist wenigstens die nötigsten Geldmittel sogar die erste Stelle einnahm. heranzuziehen, hat die Lake Shore- Eisenbahn eingeschlagen, die für Verglichen mit der enormen Ausfuhr deutscher landwirtschaft27 Millionen Dollar derartiger ein Jahr laufender fünfprozentiger licher Produkte nach England in den fünfziger, sechziger Jahren des Noten" ausgiebt, während für die von der Chicago- Burlington and letzten Jahrhunderts erscheint dieser Export als ziemlich bescheiden, Quinch Railway ausgegebenen schon im März nächsten Jahres doch repräsentiert er noch immer recht ansehnliche Wertsummen; fälligen Noten im Betrage von 5 Millionen Dollar der Prozentsatz allein der Wert der deutschen Zuckerausfuhr nach England stellte sich auf 6 Proz. und für die Noten der Kansas- Memphis- Bahn sogar auf im vergangenen Jahre auf 107,6 millionen Mart. Es scheint, wenn 7 Broz. festgesetzt werden mußte, damit nicht von vornherein das man nicht die eigenartige Ideentonfusion des deutschen Agrarismus Gelingen der Transaktion in Frage gestellt werde. in Betracht zieht, geradezu unverständlich, wie er mit einer zollpolitischen Strömung zu sympathisieren vermag, deren Ziel eine Bollbelastung und weitere Einschränkung dieses deutschen Exports ist. = Baumaterialien sein. " Tat. Prozeß gegen die Pommernbank. Hauptschlag gegen jene aussichtslos gewesen! Aber nach den gemeinHerren Schulz und Romeick zu Leibe wollte, so mußte er allerdings auch gegen die Herrn Bohl und Hanel vorgehen, sonst wäre auch der auch gegen die Herrn Bohl und Hanel vorgehen, sonst wäre auch der samen Erfahrungen im Sanden- Prozeß halte er es für ausgeschlossen, daß man sich auch nur über eins der in Betracht kommenden Grundstücke ein wirklich eignes und selbständiges Urteil bilden könne. In folchen Fragen sei der Richter mehr oder minder ein Spielball in den Händen der Sachverständigen! Die Richter, die hier über Ehre und Freiheit von Menschen befinden sollen, sollen sich stützen auf Gutachten von Leuten, die sich, wie der Prozeß gezeigt habe, über die elementarsten Grundfragen in den Haaren liegen und über die Grundsätze der Tarmethoden ganz uneinig sind. Man sehe hier recht deutlich, wie berechtigt die Forderung eines fachgemäßen Obergutachtens gewesen wäre. Auf ein solches weise auch die Strafprozeß- Ordnung hin, nicht aber auf die Instanz, die Herr Hecht als die maßgebende angesehen haben will. Auf solchem Wege verließe man den juristischen Boden der Thatsachen und begäbe sich auf das Gebiet des Meinens und Dafürhaltens". Wer wolle sich getrauen, heute nach fünf Jahren ein felsensicheres Urteil über den damaligen Wert von Grundstücken abzugeben? " Nichts habe ihn so erschüttert, als die Thatsache, daß der greife Herr Hanel nach einer ihn tief herabwürdigenden Bemerkung des Staatsanwalts zu ihm tam und sagte: Da hat man nun dreiviertel Jahrhundert gelebt, ist stets geachtet gewesen und muß sich von einem Juristen sagen lassen, a B die Thätigleit, die man entfaltete Unsinn" gewesen fei!" Dieser Unsinn" sei überdies noch von der überwiegenden Mehrzahl der Fachgenossen bestätigt worden! Wenn man überhaupt Vertrauen zur Menschheit haben dürfe, könne man unmöglich annehmen, daß die Angeklagten Bohl und Hanel um schnöden Judaslohn die öffentliche Meinung und das in fie gesezte Vertrauen jahrzehntelang betrogen haben. Die Einrichtung und Benutzung des Revisionsbureaus spreche für die Gewissenhaftigkeit der Geschäftsleitung. Nur mit Bezug auf bebaute Grundstücke treffe es zu, daß dieselben bereits vor der eingegangenen Tage beliehen waren. Ob die Beleihung auf Grund ihrer Tagen erfolgte oder abgelehnt wurde, fonnte den Angeklagten höchst gleichgültig sein. Von der Benuzung falscher Formulare bei Abschätzung unbebauter Grundstüde könne feine Rede sein, und wenn wirklich eine formale Inkorrektheit in zwei oder drei Fällen vorgekommen sei, welcher Beamte würde sich nicht glücklich preisen, wenn bei der Revision seiner ganzen amtlichen Thätigkeit während eines Lebensalters nicht mehr gegen ihn vorgebracht werden könnte. Dieses Geldbedürfnis der Eisenbahngesellschaften ist nicht nur eine den amerikanischen Geldmarkt und die Börse beeinflussende Erscheinung, sie wird auch auf den amerikanischen Eisenmarkt und da mit auf die industrielle Gesamtlage taum ohne Einfluß bleiben. Wie schon in früheren Wochenberichten( vergl. Nr. 50 des„ Vorwärts" bom 28. Februar und Nr. 114 vom 17. Mai) dargelegt worden ist, beruht die Prosperität der Eisen- und Stahlindustrie der Vereinigten In der heutigen 48. Sigung ergriff das Wort zur Schuldfrage Staaten während der letzten Jahre zu einem großen Teil biel Justizrat Dr. Sello. Er schickt voraus, daß die Natur des Stoffes, leicht zum größten Teil auf der kolossalen Erweiterung des Eisen- der ihm zur Erörterung überwiesen worden, eine so spröde sei, daß bahnnezes seit der Beendigung des tubanischen Krieges. Die Ausweitung seine Ausführungen des Schmuckes rhetorischer Blüten durchaus ent- Es tritt eine einstündige Pause ein. der technischen Produktionsmittel( der industriellen Betriebsanlagen) und behren werden. Er werde genötigt sein, aufs unerbittlichste in den Nach Beendigung der Pause nimmt Justizrat Dr. Sello fein die steigende Benutzung eiserner Baumaterialien kommen, so enorm sie Abgrund der langweiligsten Zahlen hinein zu steigen. Die 26 Grund- Plaidoyer wieder auf und geht nunmehr nach den allgemeinen Erauch in der Union während der letzten Jahre zugenommen haben, stücke, deren Hypothekengeschäfte in dem Revisionsbericht der örterungen auf doch erst als zweite und dritte Faktoren in Betracht. Sind doch in Pommernbant beanstandet worden sind, sollten doch wohl lediglich die Tagen der Angeklagten Bohl und Hanel den drei Jahren 1900/1902 nicht weniger als für 1126 Millionen zur Ausschmückung dienen. In der Dollar neue Eisenbahnaktien und für 1346 Millionen Dollar Eisenim einzelnen ein. Er zeiht dabei die Staatsanwaltschaft der JntEinleitung zu dem allgemeinen Teil der Anklage bahn- Obligationen in den Vereinigten Staaten emittiert worden- fage der Staatsanwalt Konsequenz und der Unklarheit, da sie bezüglich der Beleihungen der unter anderm: eine jährliche Kapitalvermehrung von rund 3460 Millionen Mark Durch allerhöchste Strelitzbank, bei denen ganz dieselben Berhältnisse in Frage kommen, und hat doch z. B. im Jahre 1902( ohne die zweiten und Rangier- Kabinettsorder ist der Pommernbank das kostbare Privileg, Pfand- wie bei der Pommernbant, Anklagen nicht erhoben und damit gezeigt auf den Inhaber auszugeben, mur geleise) die Ausdehnung des Liniennetzes um nicht weniger als stimmten Bedingungen belassen worden, die in ihren jeweiligen von Baugeldern an sich noch nicht den Thatbestand der Untreue unter ganz be- habe, daß sie in der Beleihung von Baustellen und in der Gewährung 9180 Stilometer, der Wagenpark( mit Einschluß der Frachtwagen und Statuten zum Ausdruck gebracht sind. Entsprechend der ungeheueren erblide, während sie auf der andern Seite bei den ganz gleich geLowries) um ungefähr 161 700 Wagen zugenommen. Dieser Eisenbahnausbau ist es, der seit einigen Jahren wesent- Bedeutung dieses Privilegs und entsprechend der großen Gefahr, arteten Beleihungen der Pommernbank schwere Vorwürfe daraus lich zum Aufschwung des amerikanischen Wirtschaftslebens bei welcher das Pfandbriefe kaufende Publikum bei einer nicht ganz gegen die Angeklagten herleite. getragen hat, und der auch jetzt noch den amerikanischen Eisenmarkt Regierung und späterhin auch der Gesetzgeber stets darauf bedacht Grundstüc Bankow II irgend welche Vorwürfe gegen die Tagen der soliden Geschäftsführung der Hypothekenbanken ausgesetzt ist, ist die Ganz unerfindlich sei die Behauptung der Anklage, daß aus dem eine Stüße bietet. Gehen aber den großen Eisenbahn- Compagnien gewesen, für die Sicherheit der Banken und ihrer Pfandbriefgläubiger Angeklagten zu erheben feien. Wenn die Sache nicht so furchtbar die Mittel aus, um die Erweiterungsbauten fortzusehen, sehen sie dadurch Vorkehrungen zu treffen, daß sie ihren Betrieb auf möglichst ernst wäre, würde es fast tragikomisch wirken, wenn man die Verfich gezwungen, die in Angriff genommenen Arbeiten langsamer zu betreihen und nach deren Fertigstellung nur solche Neubauten vor- gefahrlose Geschäfte beschränkte und daneben eine besondere Sicherheit handlungen über den Wert dieses Terrains rekapitulieren wollte. zunehmen, die nicht gut aufgeschoben werden können, so muß für die Pfandbriefe schuf. Diese Garantien haben die Angeschuldigten Da würde man sehen, wie natürlich die Folge eine starke Abnahme der Nachfrage nach Eisenbahn- gegen ihr ausdrückliches Verbot mit Hilfe der Immobilien- Verkehrs- behauptete, das Terrain habe einen Wert von 8 Millionen Mart, dadurch vernichtet, daß sie sich an die Statuten nicht tehrten und Herr Dernburg, der große Arzt der Darmstädter Bank, Vorerst beschränkt sich jedoch die Wirkung der Geldsuche auf bank ungemessene Summen in Terrainspekulationen hineinsteckten. behauptete, das Terrain habe einen Wert von 3 Millionen Mark, den Geldmarkt. Nicht nur entzieht diese ihm weitere Geldsummen Da jede Spekulation eine gewisse Gefahr in sich birgt, so haben dann kam Herr Direktor Budde und sagte, er schäße es auf und weckt neue Befürchtungen, sondern sie bietet auch den großen sie dadurch nicht nur ſtatutenwidrig, sondern auch untreu gehandelt." Millionen und würde es für 3 Millionen weggeben, wieder kam So viel Säge, so viel unrichtigkeiten. Die Anklage habe fich 10 Millionen zur Steuer angefeßt sei. So tönne man also auch der langjährige Gemeindevorsteher und bekundete, daß der Wert mit rivalisierenden Finanzgruppen eine günstige Situation zur Ausfechtung ihrer alten Herrschaftsstreitigkeiten. So scheint zum Beispiel mit jener Behauptung begnügt, ohne ihr auch nur eine einzige juristische von dem Terrain sagen:" Von der Parteien Haß und Gunst ge nach den in den letzten Tagen eingelaufenen Berichten aus Wallstreet Begründung zu geben. Sie gehe unmittelbar darauf zur Erörterung tragen, schwebt sein Charakterbild in der Geschichte". die Rockefellersche Clique plötzlich bedeutende Verkäufe in Aktien der Pfandbrief- Unterlagen über. Daraus zeige sich, daß die Anklage es nicht verstanden habe, von vornherein zwei entscheidende, von Was die Staatsanwaltschaft jüngst an Kritik der Sachfolcher Unternehmungen insceniert zu haben, die von der Morgan- einander grundverschiedene, durchaus heterogene Momente aus- berständigen geleistet habe, heiße nicht mehr und nicht weniger, als Gruppe kontrolliert werden, um diese, der ohnehin verschiedene ihrer einander zu halten, daß sie beide in einen Topf geworfen legen und die Verteidiger werden für zukünftige Fälle, wo die die Art an die Wurzel des gerichtlichen Sachverständigenwesens Gründungen, vor allem der Stahl, Schiffsbau- und der transes ganz habe, während etwas andres sei: ob ein von atlantische Dampfertrust, arge Verdauungsstörungen verursachen, ben Angeklagten gemachtes Hypothekengeschäft den Staatsanwaltschaft gegen sie das Gutachten Sachverständiger geltend die Enge zu treiben. Aber die Morgansche Gruppe machen will, die vorgestrige Kritik der Staatsanwaltschaft sich merken steht fampfbereit auf dem Plan und wußte bisher durch gefchidt punkte nachteilig ist, oder ob die Hypotheken zur statuten- der Gruppe, die Herr Dernburg vertritt, ist doch etwas wunderzuwider und vom allgemeinen taufmännischen Stand- und nutzbar machen! er könne sich nicht helfen: die Thätigkeit ausgeführte Interventionsläufe auch die Londoner Meinungsauch die Londoner„ Meinungs- mäßigen Unterlage für Pfandbriefe benutzt läufe", die vorgestern über 50 000 Stücke hinausgingen, dürften oder nicht. Die von dem Staatsanwalt aufgestellte Prämisse treffe werden dürfen bar. Auch im vorigen Jahre war es größtenteils von New York aus inspiriert" worden sein immer nicht zu, denn die Pommernbant fei feineswegs eine wieder sogenannte ganze und halbe Erholungen herbeizuführen, bloße fand briefbant gewesen, sondern eine ge- die in zweifelloser Uneigennüßigkeit die Spielhagenbanken retten ohne allerdings den weiteren Abrutsch verschiedener Bahn- und Industriewerte verhindern zu können. Ein Kampfspiel mit verteilten mischte Bank, die neben den Pfandbriefgefchäften mußte, auch diesmal tritt sie als Retterin auf, die Stollen, bei dem anscheinend auch noch allerlei Cliquen im Hinter- auch andre Geschäfte betreiben durfte und be- Bank für Handel und Industrie( Darmstädter Bank) reguliere die grunde mitwirken und bald hier, bald dort eingreifen. Kurse für die neu kreierte Berliner Hypothekenbank, die Bank beruft Unfre Agrarier sind furiose Leute. Ihre Begierde nach hohen Der Verteidiger sucht dann an der Hand der Statuten eine Kommission zur Revision der Schäßungen, und als sich die Landwirtschaftlichen Zöllen hat ihr schon an und für sich geringes darzulegen, daß die Angeklagten auch bei der Hingabe von staatliche Kommission unter Führung des Herrn Hartmann er Quantum Logit dermaßen in Verwirrung gebracht, daß fie, daß sie, Baugelder- Hypotheken in durchaus legaler, vielleicht juristisch zu laubte, anders zu schätzen als die Revisionskommission der sobald irgendwo in fremden Ländern schutzölnerische Strömungen weit gehender Interpretation der Statuten verfahren feien. Nach Darmstädter Bank, beruft Herr Dernburg einige Mitglieder sobald irgendwo in fremden Ländern schutzöllnerische Strömungen den Statuten von 1894 und 1895 konnte die Pommernbank nicht und erläßt einen Protest. gegen die Schäzungen der staatlichen hervortreten, diese mit Jubel begrüßen, selbst wenn die fremden Bestrebungen sich nicht nur gegen den Export deutscher Industrie- bloß Baugelder- Hypotheken erwerben, sondern sogar zur Unterlage Rommission. Die Bank hat ein solches Interesse an den Dingen, daß sie ständig einen rechtskundigen Berichterstatter zu diesen Gerichtsartikel, sondern auch gegen die deutsche landwirtschaftliche Ausfuhr für Pfandbriefe benußen. richten. Nur aus dieser seltsamen Geistesverwirrung ist es z. B. 3u neben dem eigentlichen Pfandbriefgeschäft Hypotheken erwerben, so daß ihm die Anklage, die ihm zugestellt worden, wertvolles Auch nach den Normativbestimmungen durfte die Pommernbant fizungen entfendet. Herr Direktor Budde hat es ehrlich ausgesprochen, verstehen, wenn die deutschen Hochagrarier mit der neueren schutz- weit es kaufmännisch überhaupt gestattet ist. In diesen Geschäften zölnerischen Bewegung in England sympathisieren und über Material für die Regresklagen liegt nichts, was mit den Pflichten eines Direktors der Hypotheken- geliefert habe, und die Entsendung von Delegierten zu diesem die Chamberlainschen Zollpläne frohloden, obgleich dann, bant in Widerspruch stände. Was der Staatsanwalt darüber fage, Brozesse dazu dienen solle, für die Regresansprüche Material wenn diese Bewegung das Uebergewicht erlangte, ihre ersten bedeutete eine petitio principii und laufe dem Gesetz zuwider. Maßnahmen sich, wie Chamberlain offen verkündigt hat, gegen die gewinnen. Der Verteidiger geht hierauf jedes einzelne der von der wollen der Herren denken möge So hoch man auch bon dem bestent Einfuhr deutscher Lebensmittel in England richten würden, und zivar Revisionskommission und der Auflage Wollen der Herren denken möge, so lasse sich doch nicht ohne Zweifel in erster Reihe gegen den deutschen Zucker. Und doch leugnen, daß sie von vornherein in eine gewisse Parteiführt Deutschland, wenn auch die Zeiten, wo es den englischen Markt bemängelten Beleihungsgeschäfte richtung hineingedrängt wurden, weil sie den Reorganisationsals oberster aller Lieferanten mit Getreide und Vieh versorgte, längst durch und sucht nachzuweisen, daß in allen diesen Fällen die plan, den sie mit ausgearbeitet, zu verteidigen hatten, weil sie für vorüber sind, noch immer beträchtliche Mengen landwirtschaftlicher Tage der Herren Bohl und Hanel stets die gebie von ihnen unternommene Kur, die manche Leute für eine Stur Produkte nach England aus, selbst an Getreide und Hülsenfrüchten. ringste unter den von Sachverständigen erfolgten a la Dottor Eisenbart gehalten, öffentlich einzutreten haben. Eine gute Uebersicht darüber bietet eine jüngst erschienene englische Wertschätzungen gewesen sei. Bei den Terrainbeleihungen Nach 5 stündiger Dauer bricht Justizrat Dr. Sello fein Parlaments- Drucksache, in welcher nachgewiesen wird, welchen Anteil handle es sich um eine ganz klare Sachlage. Es sei nicht verständlich, Plaidoyer ab, um es am Montag 9 Uhr fortzusetzen. in trieben hat. Statuten die Darmstädter Bank, Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Sonntag, den 19. Juli. Anfang 7 Uhr: Nenes Operntheater. Die Fledermaus. Montag: Der Zigeunerbaron. Westen. Alt- Heidelberg. Montag: Alt- Heidelberg. Anfang 8 Uhr: OOLOGISCHER Urania. ZCARTEN Taubenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. CASTANS Berliner. Lucia von Lammermoor Panoptikum Cavalleria rusticana. Nachmittags 3 Uhr: Oberon, König der Elfen. Montag: Martha. Thalia. Das Alter. Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle- Alliance. Die Böhmin, oder: Jtta aus dem Elend. Montag: Dieselbe Vorstellung. Carl Weiß. 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August: Arthur WinklerBenefiz. und SpecialitätenVorstellung. Neue Welt Hasenheide 108/14. A. Scholz. Sonntag, den 19. Juli: Entscheidungs- Ningkampf. Festwiese, Hippodrom, Fahrrad- Karussell. Anfang 4 Uhr. Entree 10 Pf. 2672b H. Stein. Sonntag, den 19. Juli: Grosses Sommerfest veranstaltet von den Genossen obiger Orte in den Gesamträumen von Wenzels Lindengarten", Nieder- Schönhausen, Lindenstr. 43. Gefangsaufführungen Konzert ausgeführt von den Gesangvereinen ,, Eintracht" und ,, Zukunft", M. d. A.-S.-B. Turnerische Aufführungen. Kinderbeluftigungen. Fackelpolonaise. Jedes Kind bekommt eine Stoclaterne gratis. Im Saale: GROSSER BALL. Herren, welche daran feilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Eröffnung der Kaffeeküche um 3 Uhr.( Pro Liter 60 Pf.) 288/ 5* Anfang 4 Uhr. Eintritt 20 Pf. Märkischer Hof, Admiralstr. 18c. Säle, 150 bis 500 Berfonen Vereinszimmer Empfehle meine fassend, und zu Versammlungen und Festlichkeiten. 16732* Jeden Sonntag: Großer Ball. Starkes Orchester. 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Juli 1903 Zillen- Fahrt mit Musik nach Woltersdorfer Schleuse ( Restaurant Albrecht) auf einem modern ausgestatteten, mit Zeltdach versehenen Oder- Elbekahn unter Vorspann eines Schleppdampfers. Fahrpreis 1,30 M. Kinder unter 14 Jahren frei. Abfahrt präcise 7 Uhr von dem Ausschank der Haase- Brauerei, Schlesischestr. 28. Konzert. Tanz. Abwechslungsreiches Programm. Spiele im Walde. 4/18 Billets sind zu haben bei Horsch, Engel- Ufer 15, Gottfr. Schulz, Kottbuser Thor, Reul, Barnimstr. 42, Vogel, Demminerstr. 32. Max Kliem's Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: 17182* Grosses Konzert, Theater- und Specialitäten- Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 Hochelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand 2c. In den Sälen: Familien- Kränzchen. Schloss Weissensee. Zum Sternecker", Inhaber: C. Koch. 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Vereinsangelegenheiten. 14/6 Bei der Wichtigkeit dieser Versammlung, besonders im Hinblick auf unsre fernere Agitation, erwartet ein vollzähliges Erscheinen aller Mitglieder sowie ladet auch Gäste als Zuhörer ein Der Vorstand. Schöneberg. Socialdemokratischer Wahlverein. Dienstag, den 21. Juli, abends S, Uhr, im Obst schen Lokal, Meiningerstr. 8: General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Die Socialdemokratie nach den Reichstagswahlen. Referent: Reichstags- Abgeordneter Fritz Zubeil. 2. Diskussion. 3. Rassenund Revisionsbericht. 4. Bericht des Parteispediteurs. 5. Vereinsangelegenheiten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Frauen haben Zutritt. Bu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 15/ 12* Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Bezirks- Versammlung für Wedding und Gesundbrunnen am 20. Juli, abends 814 Uhr, bei Rabe, Kolbergerstr. 23. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. Referent und Thema wird in der Versammlung bekannt gegeben. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen der Baubranche des Bezirks besonders eingeladen. Bezirks- Versammlung für Rosenthaler und Schönhauser Vorstadt am 20. Juli, abends 8 Uhr, bei Wernau, Schwedterstr. 23/24. Tages- Ordnung: 1. Achtung Vergolder! Orts- Krankenkasse- Kupferschmiede. Außerordentl. Generalversammlung am Sonnabend, den 25. Juli, abends 812 Uhr, Rosenthalerstr. 11/12. 11/9 Der Vorstand. Von der Reise zurück. Verband der im Vergoldergewerbe beschäftigten Arbeiter Dr. Flatow, Gr. Seantjurterſtr. 53 1. und Arbeiterinnen Deutschlands. Filiale Berlin. Montag, den 20. Jnli, abends präcise 712 Uhr: Ordentl. Mitglieder- Versammlung im großen Saale der Arminhallen, Kommandantenstraße 20. Vorwärts- Buchhandlung SW., Lindenstrasse 69. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Rahmenmacher Otto Schulz am 14. Juli verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 19. Juli, nachmittags um 4 Uhr von der Leichenhalle des Nicolai- Kirchhofes, Prenzlauer statt. 84/18 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Duartal 1903. 2. Bericht für Radfahrer! Für Radfahrer!, as hotte über das Resultat der Urabstimmung der Filiale Berlin. 3. Neuwahl eines Revisoren zur Hauptkasse. 4.„ Das Arbeiterschutz- Gesetz und seine Bedeutung für Arbeiter." Referent: Genosse Gustav Lint. 5. Disfuton. 6. Beriblebees Verschiedenes. 225/12 Pflicht eines jeden ist es, in dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. NB. Die Vertrauensleute werden ersucht, vor Beginn der Versammlung die Billets zu dem am 22. August cr. in der Neuen Welt stattD. D. findenden Sommerfest in Empfang zu nehmen. Deutscher Kürschner- Verband. Zahlstelle Berlin. Montag, den 20. Juli, abends 81%, Uhr: Mitglieder- Versammlung im Klubhaus, Landsbergerstraße 39. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Abrechnung bom zweiten Quartal. 4. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Mitglieder werden in jeder Versammlung aufgenommen. Die Ortsverwaltung. [ 26736] Stukkateure. Montag, den 20. Juli, abends 8 Uhry, Sebastianstraße 39: General- Versammlung der Filiale Berlin. Zages Ordnung: 1. Abrechnung und Kassenbericht: a) vom Streit und Streiffonds, in Köln. 4. Verschiedenes. b) vom zweiten Duartal. 2. Unser Arbeitsnachweis. 3. Unser Verbandstag 175/11 Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Dasselbe Ablieferung der Streitfondsbeiträge. Zahlreiches Erscheinen erwartet wird in der Versammlung mit dem Schlußstempel versehen über die richtige Die Ortsverwaltung. Bahl eines Staffierers. 2. Wahl zur Berkstatt- Kontrollkommiſſion. Musikinstrumenten- Arbeiter3. Verbands- Angelegenheiten und Verschiedenes. Hierzu find sämtliche Bautischler des Bezirks eingeladen. MitgliedsBuch legitimiert. Achtung! Musikinstrumenten- Arbeiter! Montag, 20. Juli, abends 8½ Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 1: Branchen- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Kollegen erwartet 84/17 Achtung! Die Branchenkommission. Achtung! Einsetzer, Jalousie- Arbeiter und Parkettleger. Montag, den 20. Juli: Dampfer- Partie nach Hessenwinkel. Abfahrt morgens 7 Uhr von der Stralauer Brücke. Die Billets sind bei den Vertrauensleuten zu haben. Fachverein. Montag, den 20. Juli 1903, abends 82 Uhr, bei Graumann, Naunynstraße 27: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Quartal. 2. Erfahwahl des Vorstandes. 3. Bericht des Delegierten vom Gewerkschaftskartel. Mitgliedsbuch legitimiert. 4. Vereinsangelegenheiten. Rege Beteiligung erwartet 142/1 Der Vorstand. Achtung! Rammer Berlins u. Umg. Dienstag, den 21. Juli, abends 8½ 1hr, im Lokal Bergstr. 12: Oeffentl. Versammlung. Zages Drdnung: Entschädigung des Fahrgeldes von seiten der Meister. 288/7 Wegen der Wichtigkeit der Tages- Ordnung darf kein Kollege in dieser Versammlung fehlen. Die Lohnkommission. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Sterbekasse ehem. Pflugscher Arbeiter( etzsche Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Dienstag, den 21. Juli, abends 8 Uhr, in der Berliner Ressource", Kommandantenstr. 57: " Allgemeine Klempner- Versammlung. Tages Ordnung: 119/1 1. Bericht vom zweiten Bauarbeiterschutz- Stongreß. 2. Bericht der Schlichtungskommission. 3. Diskussion. 4. Ergänzungswahl zur AgitationsTommission. Sonntag, den 26. Juli 1903, vormittags 10 Uhr, in Nümanns Saal, Brunnenstr. 188: General- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Vorlesung des Protokolls der GeneralVersammlung vom 25. Januar 1903. 2. Sassenbericht des Rendanten pro 1. Halbjahr 1903 und Bericht der Revisoren. 3. Festsetzung der Publikationsorgane pro 1904. 4. Verschiedene Kassenangelegenheiten. 24846* NB. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Otto Winkler, Borsigender. Die Stollegen werden ersucht, Mann für Mann in der Versammlung au Wirtshaus zum Strauss Berliner erscheinen, da ein Teil der Unternehmer versucht, den Tarif nicht innezuhalten. Die Ortsverwaltung. Dienstag, den 21. Juli, abends 8%, Uhr, im Lokale von Keller, Koppenstr. 29: Bezirks- Versammlung für den Dsten. Tages- Ordnung: 1. Berichterstattung vom Verbandstag. Berichterstatter: E. Blumen: thal. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Die Ortsverwaltung. Wirtshaus zum Strauss Pappel- Allee 25. 3nh.: Otto Strauss. Saal bis zu 250 Personen. Große und fleine Bereinszimmer mit Pianino, Kegelbahn noch auf einige Tage zu vergeben. 21052* Hohlweins Regler- Schlösschen. Treptow, Köpenicker Landstr. 27. Großer schattiger Garten Sonntag: Im Radfahrerpläne von Berlin mit Angabe der Art des Straßenpflasters, der für Radfahrer verbotenen Straßen 2c. 50 f. 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Mts., früh 4 Uhr, verstarb nach schwerem Leiden unser Mitglied, der Arbeiter Hermann Fenske. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung Kapitalsanlage für jedermann. naging findet bente, Land und Bauparzellen BiesDorf, große Zukunft, noch billige Preise, coulante Bedingungen. Vertäufer auch Sonntags auf dem Terrain am Bahnhof Biesdorf. 127/12 Nieschalke, Rieger& Co., Gontardstr. 5. Pläne gratis und franco. teppdecken fauft man am preiswertesten nur direkt in der Fabrit, 72 Walls ftraße 72, wo auch alte Steppdecken aufgearbeitet werden. 8. Strohmandel, Berlin 14. Jllustrierter Preistatalog gratis. PrinzenDr. Simmel, Str. 41. Specialarzt für[ 8/ 17* Haut- und Harnleiden. , 10-2, 5-7. Sonntags 10-12 2-4. Zahnatelier Goeringer, Reichenhalle in Steglit aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 184/12 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Betannten hierdurch die traurige Nachricht, daß meine liebe, herzensgute Frau und unsrer lieben Kinder sorgende Mutter Elisabeth Stammer geb. Püschel am 17. Juli vormittags 9 Uhr nach schwerem Leiden verstorben ist. Der tiefbetrübte Gatte nebst zwei Franz unmündigen Kindern. Stammer, Kreuzbergstraße 43. Die Beerdigung findet heute Sonntagnachmittag 5 Uhr von der Halle des Heiligen Kreuzkirchhofs in Mariendorf aus ftatt. 26706 Für die Beweise liebevoller Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Mannes, unfres unvergeßfrüher Brunnenstraße, 26806 lichen Baters sagen wir allen Be teiligten, ganz besonders seinenkollegen nach Eichendorffftr. 21 verlegt. Otto Heinze SO., Brückenstr. 6 Bill. Einkaufsstelle für Fahrräder u. Teile. Reparaturwerkstatt. Alleinvertr. d. Panther- Räder. Honig! Verfallene Pfänder! Goldsachen wie Brillanten jeder Art, gold. u. filb. Damen: wie Herren ühren, Stetten, Ringe, sauber u. schön, spottbillig verf. Pfandleihe, Prinzenstraße 28, I, Ecke Ritterstraße. 16742* Unverfälscht. Deutscher Bienenhonig, best. Dualit. vers. die 10 Pfunddose zu 7,00 M., 5 Pfd. Stralsunderstr. 1. 4,30 M. franco. Garant. Rücknahme. E. 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