Nr. 117. Erscheint täglich außer Montags. Abonnements Preis für Berlin: Bierteljährlich 3,30 Mr., monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags: Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DesterreichUngarn 2 Mr., für das übrige Ausland 3 Mr.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1892 unter Nr. 6652. Vorwärts 9. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs: Anzeigen 20 fg Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Gonne und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. teen sprech- Anschlu: Amt I, Nr. 4186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Die VerleumdungsEpidemie. Durch die nationalliberale Presse geht, mit obigem Titel versehen, nachstehender Leitartikel: " Freitag, den 20. Mai 1892. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. und Scham betrieben und betreiben es noch? Dieselben Standpunkte aus geradezu selbstverständlich. Es ist also eine Blätter und Personen, die jetzt ob der Ahlwardt'schen vollständige Verkennung oder Verdrehung der Thatsachen, wenn Judenflinten" die Hände über dem Kopf zusammen- behauptet wird, die auf die öffentliche Erziehung der Jugend schlagen, haben von anderen Lügen und Verleumdungen bezüglichen Fragen hätten anläßlich des Erfurter Parteitages nur geringe Beachtung gefunden. Es wurde diesem Punkte des Proabgesehen seit einem Vierteljahrhundert Schicht um gramms gleich jedem anderen die genügende Beachtung zu Theil, Schicht der niederträchtigsten und unsinnigsten Verleum- aber gerade weil das, was hier als unsere Forderung formulirt „ Es ist unzweifelhaft, daß der reißende Absah, den die dungen bergehoch auf die sozialdemokratische Partei gehäuft, ist, in seiner Berechtigung so flar auf der Hand liegt, war zu Schmähschriften des Nettors Ahlwardt gefunden haben, und und sich systematisch bemüht, jedem Sozialdemokraten die weitläufigen Debatten hierüber feinerlei Veranlassung. Wenn die der starte Zudrang sensationslüsterner Elemente zu den von persönliche Ehre abzuschneiden. betreffenden Leitartikelschreiber sich ferner den Anstrich geben, als ihm abgehaltenen öffentlichen Versammlungen stimulirend auf Von ähnlichem Werth ist die sittliche Entrüftung.des wollten wir die Wissenschaft und ihre Lehre, die ja jetzt nach deffen Berleumdungstrieb eingewirkt haben. Noch unter dem Erkanzlers. Wenn der Mann, der die Wahrheit tausend Artikel 21 der preußischen Verfassung frei" fei, unterdrücken, so frischen Eindruck einer Gerichtsverhandlung, in der er felbst mal gebeugt hat, um die Kriege von 1864, 1866 und ingt dieses Argument von der freien" Lehre der Wissenschaft als Schlepper eines jüdischen Titelschacherers auf das ergste 1870/71 einzufädeln in unserem Staate selbst im Munde eines freisinnigen" Polititers der Mann, der die Emser Depesche unwiderstehlich komisch. Wo ist denn diese vielgerühmte Freiheit bloßgestellt wurde, findet er den Muth, im Namen des Deutschthums aufs Neue als Ankläger des Judenthums aufzutreten. redigirt", das Bombardement von Saarbrücken erfunden, zu finden? Weder auf Universitäten; noch auf höheren oder Wie wäre das Alles möglich und denkbar ohne die stille, ge- gegen jeden seiner politischen Gegner, ohne mit der Wimper niederen Schulen darf irgend welche Wissenschaft verzapft werden, heime, aber wirksame Unterstüßung der Leute, die seinen Entzu zucken, die tödtlichsten Beschuldigungen aus den Nägeln die nicht den obrigkeitlichen Stempel aufzuweisen hat. Die hüllungen Beifall ſpenden?- Sehr mit Recht hat das Kons. gesogen, und durch sein engeres und weiteres Preß- geringste abweichende Anschauung hat unwiderruflich Diszi Wochenblatt" ausgeführt, daß das Piedestal, auf dem Herr Ahl- bureau eine sogenannte Geschichtsschreibung organisirt hat, plinaruntersuchung, Strafversetzung und schließlich Entlassung warbt steht, geschaffen wird von Leuten, die durch vieldeutige Ge- welche eine fortlaufende und methodische Geschichtsfälschung vom Amte zur Folge. Der Einwand, daß Unterricht zu berden oder, wie die Kreuz- Zeitung" und die„ Rons. Korr." ertheilen, Unterrichtsanstalten zu gründen und zu leiten, ist wenn dieser Mann sich nun weinerlich als das Opfer nach Artikel 22 der preußischen Verfassung ja Jedem freistehe, der das thun, durch vieldeutige Anspielungen der Meinung Vorschub leisten, als ob in der That an den ungeheuerlichen, wahn- der Geschichtsfälschung hinstellen will, dann kann man ihm seine sittliche, wissenschaftliche und technische Befähigung" den wißigen Beschuldigungen, die jetzt verbreitet werden, etpas nur zurufen: Tu l'as voulu, Georges Dandin Du hast betreffenden Staatsbehörden nachgewiesen habe, erledigt sich geWahres wäre. Ohne diese geheime Unterstützung würde Herr es so gewollt, und Du hast es gelehrt-, mit Deinen eignen wissermaßen von selbst durch den zweiten Theil dieser Bestim Aylwardt schwerlich die Rolle haben spielen fönnen, in der er Waffen wirst Du geschlagen! mung, durch den hinkenden Boten des Nachweises einer sittlichen fich jetzt gefällt. Man sollte sich übrigens hüten, die Dinge Befähigung. Um vom Standpunkte der einschlägigen Behörden als qualifizirt erachtet zu werden, eine Privatschule zu gründen allzu tragisch zu nehmen. Der gesunde Zustand unseres staatlichen und gesellschaftlichen Organismus wird uns auch diese Wer Andern so viel Unrecht gethan hat, wie der Erkanzler, und zu leiten wozu, beiläufig bemerkt, ein gewiffes AnlageVerleumdungsepidemie überwinden lassen, wie wir unmittelbar tapital gehört muß man entweder sehr bibelgläubig und von nach dem großen Aufschwung des Jahres 1870 bis 1871 die hat kein Recht sich zu beklagen, wenn ihm einmal Unrecht der alleinseligmachenden, dem Kapital innewohnenden Sittlichkeit weit giftigere Berleumdungsperiode überwunden haben. Nur geschehen sein sollte. Er ist im Gegentheil bis jetzt noch völlig durchorungen, oder ein hartgefottener Mucker und Heuchler bei wirklich verrotteten Berhältnissen könnten Vorgänge, wie viel zu gnädig weggekommen, weil der Bann seiner Ver- fein. Ueberdies spielt noch, was die Verfasser der fraglichen wir sie jetzt erleben, ernstliche Gefahren nach sich ziehen." leumbungen und Geschichtsfälschungen noch nicht vollständig Artikel übersehen zu haben scheinen, die Bedürfnißfrage, die hier Und gleichzeitig finden wir in der Münchener Al- gebrochen ist. Einen solchen Chimborasso von Lügen weggemeinen Beitung" einen Leitartikel, betitelt Moderne Ge- zuräumen, bedarf es einiger Zeit. chichtsfälschungen", in dem der Er- Reichskanzler als das Opfer schwerer Verleumdungen hingestellt wird. Es liegt eine Art Nemesis darin, daß die Klasse und Dabei lassen wir die Frage, ob gegen ihn eine Geschichtsfälschung vorliegt, ganz bei Seite. Unsere Schulideale. Von einem Lehrer. in Berlin fast durchweg verneint wird, bei der Errichtung von Privatanstalten eine nicht zu unterschäßende Rolle. War es ja gerade die schrankenlose Freigebung der Privatschulen, welche den Volksschulgesetz- Entwurf in erster Reihe den liberalen Nörglern unannehmbar machte, da sie von dieser Bestimmung fürchteten, fie werde zur Folge haben, daß sozialdemokratische Bildungsanstalten der Mann, welche im Punkte der Verleumdung und Gegleich Pilzen aus der Erde hervorschießen würden! Daß der Widerspruch gegen die stärkere Betonung des religiös fonfessionellen schichtsfälschung das Menschenmögliche und mehr als Elementes im Grunde des Herzens gar nicht so aufrichtig gedas Mögliche geleistet haben, sich nun ihrerseits über Berleumdungen und Fäschungen beschweren. Fortschrittliche Blätter, die in den Spuren des Bukunfts- meint war, verrathen auch die in Rede stehenden Artikel mit Daß nun von demselben Seite, in der Schule ver= Was die Ahlwardterei angeht, so haben wir unsere bilder"-Manns wandeln, suchen dem liberalen Philister mit dem dankenswerther Offenheit. Wauwau der sozialdemokratischen 3wangsschule" graulich zu welche die geistige Knechtschaft Meinung längst gefagt. Es gereicht uns zur lebhaftesten machen. A13 ob wir heute die Zwangsschule nicht auch bereits ficht, in Bezug auf unsere Schulideale behauptet wird, wir erSchadenfreude, daß die Ruthe, die man gegen Andere ge- hätten. Allerdings können reiche Leute den Schulzwang gegen- ftrebten den Despotismus nicht blos in wirthschaftlicher, sondern bunden, nun auf dem Rücken wenigstens eines Theiles der wärtig insofern umgehen, als sie ihren Kindern durch Hauslehrer auch in kultureller Hinsicht, da wir das staatliche BildungsBinder so luftig herumtanzt. Die Stöckerei und Ahlwardterei und Gouvernanten eine private Erziehung zu Theil werden lassen. monopol bekämpften ist von Bismarck großgezogen worden, und zwar mit Was aber dem Einen recht ist, soll dem Andern billig sein. Da fuchten, Billigung und Unterstützung des liberalen deutschen jedoch für das Gro3 der Bevölkerung dieser Ersatz des staat welche Begriffsverwirrung und" Knechtschaft" bei unseren Gegnern herrscht. unferes und es dann selbst einzuführen tann ja nicht befremden wenn man bedenkt, hinsichtlich der Begriffe Frei Bürgerthums. lichen Boltsschul- Unterrichtes durch den privaten aus ökonomischen heit" Die nationalliberale Entrüstung über die Verleum- Gründen nicht in Betracht kommen kann, so ist die im§6 Wirthschaftliche Anarchie nennen sie Freiheit und die von uns Parteiprogramms ausgesprochene Forderung Des erstrebte Regelung der Produktion Knechtschaft; ebenso auf dungs- Epidemie" ist natürlich nicht ernst zu nehmen, wenn obligatorischen Besuches der öffentlichen Volksschulen, nebst geistigem Gebiete. Sich darüber mit den Herren auseinanderzu Es ist lächerlich, der Merger der Leutchen auch echt sein mages ist ein unentgeltlichkeit des Unterrichts, der Lehrmittel und der Ver- feßen, wäre doch verlorene Liebesmühe". Stück politischer Heuchelei der abscheulichsten Sorte. Oder pflegung in den öffentlichen Wolfsschulen, sowie in den höheren wenn uns entgegengehalten wird, daß wir uns mit feinem einzigen haben etwa nicht gerade die Nationalliberalen unter allen Bildungsanstalten für diejenigen Schüler und Schülerinnen, die Worte über unsere Bildungsideale geäußert hätten. Jedem, der politischen Parteien Deutschlands allezeit das Berleumdungs- fraft ihrer Fähigkeiten zur weiteren Ausbildung geeignet erachtet auch nur oberflächlich in unsere Prinzipien eingedrungen ist, muß geschäft aufs Schwunghafteste und ohne jegliche Rücksicht werden, durchaus gerechtfertigt und vom sozialdemokratischen es ohne Weiteres flar sein, daß in einem Staate, der die wirthFeuilleton. Nadbrud verboten.] [ 117 Am Webstuhl der Zeit. 3eitgenössischer Roman in 3 Büchern von A. Otto Walster. Beamteten in Kirchen- und Schulsachen der konservativen Partei angehörten; doch gelang es bald, einen adligen Professor aus der Universitätsstadt des Landes zu verstän digen, der die Lücke ausfüllte. Als mehrmaliger Präsident der Rammer, sowie als geeigneten Persönlichkeit unbesezt bleiben, da alle höheren Vorsteher der Stadtverordneten, hatte Dr. Naffmaus wiederholt Gelegenheit gehabt, mit dem Monarchen persönlich in Berührung zu kommen; dieser jedoch hatte sich nie mit dessen Persönlichkeit befreunden können, glaubte aber der Ruhe des Landes ein persönliches Opfer bringen zu sollen und empfing den Süßlächelnden mit der an ihm stets gewohnten Leutseligkeit. " Die neue Ministerliste wurde für annehmbar befunden, und bereits am Abend nach Vorlegung derselben verkündigte eine Bekanntmachung in einem Extrablatt der„ LandesAuf Anfrage, ob er sich wohl zutraue, ein Ministerium Zeitung" den hochaufhorchenden Bewohnern der Hauptstadt, zu bilden, welches gleichmäßig Jhm, dem König, Vertrauen ein- daß Se. Majestät, um des Friedens im Lande willen, das Am nächsten Morgen schlossen eine ganze Anzahl von flößen und das des Landes besitzen würde, erklärte der Advokat, Entlassungsgesuch des bisherigen Ministeriums angenommen Fabrikanten ihre Etablissements und gaben den Arbeitern daß er allerdings nur Männer vorschlagen könne, die, wie und ein neues berufen habe, dessen Busammensetzung zu einen Feiertag. Das Aufhäufen von Menschenmassen nahm er, das vollste Vertrauen der Mehrheit der Staats- gleich mitgetheilt ward. Die Liberalen fäumten nicht, für infolge deffen in einem Grade zu, daß der Stadtkomman- angehörigen befäßen, daß er im übrigen jedoch für ihre denselben Abend eine Illumination zu improvifiren, und bant die allerhöchste Genehmigung zu einer Konfignation Loyalität und gleichmäßige Sorge auch für die Vorrechte Dr. Raffmaus selbst ließ sich's etwas kosten, um sich ein der Truppen in den Kasernen einzuholen fam. Ein der Krone einstehen könne. Darauf hin erhielt er den Auf- solennes Fackelständchen brennen zu laffen. Die AllDugend Zumultuanten, unterstützt durch die immer trag, nunmehr eine Ministerliste vorzulegen, und zwar so gemeine Beitung" brachte einen der schönsten" Arrührige Straßenjugend und einige arbeitsluftige Glaser, schnell wie möglich. Raffmaus verlor feine Zeit, er war titel über die hochherzige Entschließung, durch welche edle Monarch wiederum bewiesen habe, wie warfen dem Ministerpräsidenten die Fenster, sowie die auf diesen Fall seit Jahren vorbereitet. Ein bein vorigen der Scheiben der beiden vor dem Ministerhotel stehenden Gas- Ministerium in Ungnade gefallener und seitdem zur ihm das Wohl des Landes näher und inniger am Herzen fandelaber ein, ohne daß die Wache, die für einen solchen Disposition gestellter Gesandter erklärte bereit, läge, als seine persönlichen Wünsche und Neigungen. Dem Fall ohne Instruktion war, einzuschreiten wagte. das Aeußere zu übernehmen; ein pensionirter liberaler Lande aber ward eine neue segensreiche Aera prophezeit, Da plöglich verbreitete sich wie ein Lauffeuer die Nach- General fand sich für den Krieg; das Departement durch welche es zur höchsten Blüthe seiner geistigen und selbst, Dr. materiellen Interessen gelangen würde. Die Kammern richt, daß der Monarch den Dr. Raffmaus nach seinem Palais des Innern übernahm Dr. Raffmaus selbst, beschieden habe. Benjamin empfing mit Freuden eine Berufung für hielten eine Abendsigung, in welcher ihnen das Ereigniß Und so war es in der That; Dr. Raffmaus, welcher das Justizministerium, Dr. Lutz war schon längst für das des Tages mitgetheilt wurde. Die erste Kammer nahm die seit dem Morgen auf seinem Bureau im Galafrack und Departement des Handels und der Gewerbe auserforen Mittheilung still und mürrisch auf; in der zweiten dagegen sauber frisirt unter den unaufhörlich ab- und zugehenden und der liberale Bautier von Oppen gab erwünschte Ge- erhoben die Liberalen und Fortschrittsmänner laute BeifallsParteigenossen saß, erhielt die Aufforderung durch den legenheit neben den adligen Ministern des Kriegs und des rufe und beeilten sich, von der linken Seite des Sigungstöniglichen Flügeladjutanten in aller Form und bediente Aeußern" auch einen adligen Finanzminister einzubringen, raumes nach der rechten Seite, auf der ihnen die Konsich des schon seit dem frühen Morgen bestellten Zwei- damit sich der Hof und die Aristokratie nicht an die vielen fervativen Platz machten, überzusiedeln. Unmittelbar nach Schluß der Sitzung versammelten spänners, um sein langersehntes und mit rastlosem Eifer bürgerlichen Namen zu viel stoßen möchten. Nur der Posten erstrebtes Glück im Fluge einzuholen. eines Kultusministers mußte zeitweilig aus Mangel an einer sich die Vertrauten der liberalen Partei zu einer kleinen schaftliche Selbständigkeit und politische Freiheit des Individuums| führend an diesen wende. Der Ansicht sind wir nicht. Was verbürgt, auch die geistige Freiheit des Individuums zur Geltung sollte aus dem herrschenden System werden, wenn man gelangen muß. Dann erst, nicht aber in unserem Klassenstaate, auch noch den Schullehrern erlauben würde, über Ausflüſſe fann dem Sage, der jetzt auf dem Papier der Verfassung steht, dieses Systems ihre Meinung straflos coram publico breitdaß die Wissenschaft und ihre Lehre frei sei, irgend welche Be- zutreten? Ist etwa die Schule nicht speziell dazu da, die deutung beiwohnen, alte gute Zucht", die Unterwerfung vor Oben, den Kindern der Volksmassen einzuimpfen, und kann dazu ein Lehrer befähigt sein, der selber eine andere Meinung über das System predigt, auf das er die Kinder drillen soll? Nein, die Bestrafung jenes Lehrers ist ganz im Geiste des Systems wem das nicht paßt, nun- der mag Sozialdemokrat werden. Politische Lebersicht. geschehen, in dem die preußische Schule geleitet wird, und Berlin, den 19. Mai. die fonst steche er ihn zusammen. Seine, des Lieutenants Hunde tämen nicht allein auf die Straße, feien also fälschlich veranzeigt. Der Schüße erklärte, daß er seine Pflicht gethan und daran nichts ändern könne. Der Lieutenant 30g nun den Säbel, sette ihn dem bestellten Gesetzeswächter auf die Brust und befahl ihm wiederholt, Anzeige zurückzunehmen, sonst werde er erstochen. In diesem kritischen Augenblick sprang der Biehtreiber Moppin, ein Mann von ebenso viel Kraft, als Muth, vor, schwang seinen Treiberstock und gab dem Offizier deutlich zu verstehen, daß es für ihn gerathen sei, sich zurückzuziehen. Auch städtische Arbeiter und sonstige Leute eilten hilfsbereit herbei. Der Herr Lieutenant ließ nun zwar von dem Schüßen ab, befahl aber, und das ist eigentlich das Aller" schönste" bei der Sache, einem Soldaten, den von der Stadt bestellten Polizeibeamten( die Schüßen tragen entsprechende Ab zeichen und sind auf den Feldschuh u. f. w. beeidigt) zu ver haften und ihn auf die nächste Polizeiwache zu bringen. Dorthin, in der Heidelbergerfaßgaffe, begab sich auch der Lieutenant, um fein, Protokoll abzugeben. Von hier fuhr der Herr Lieutenant nach Frankfurt a. M., da er dorthin eingeladen sei." Preußischer Landtag. Die deutschfreisinnige Wahlreform- Kampagne ist wie das Hornberger Schießen ver- Kriegsminister a. D. Steinheil. Der württemlaufen. Herr Richter, der einen wahren Eiertanz um das bergische Kriegsminister General Steinheil ist jüngst allgemeine Wahlrecht herum ausführte, zog seinen Antrag verabschiedet worden. Der" Frankfurter Beitung" zurück, nachdem das Zentrum ihm durch den Abgeordneten schreibt ihr gutunterrichteter Stuttgarter Berichterstatter: Lieber, der sich rückhaltlos für das allgemeine gleiche und Man vergegenwärtige sich die kompromittirende Situation, Direkte Wahlrecht aussprach, den Wind vollständig aus den in welche die württembergische Regierung gerathen war: Wir hoffen Eines, daß der wadere Viehtreiber dem fortschrittlichen Segeln genommen hatte. Am Landtagswahl- Im Sommer 1890 läßt ein königlich württembergischer vorrecht werden gewisse durch die Steuergesetze bedingte Offizier im Ulmer Leibregiment die Mannschaft mit Stecken Lieutenant von Lucius den Knotenstod nicht blos an die -Aenderungen angebracht werden; dafür aber, daß es durchprügeln. Im Sommer 1891 wird dies in öffentlicher edelgeschnittenen Augen gehalten, sondern mit demjenigen nicht zum allgemeinen Wahlrecht kommt, werden, wenn Straffammer- Sigung im Namen des Königs" festgestellt Theil des junkerlichen Leibes in innigste Berührung geNiemand sonst es thäte, die Herren Fortschrittler sorgen. und publizirt. Im Herbst 1891 haben die höchsten Militär- bracht hat, auf welchem auch die Aristokratie zu fizen pflegt. Ihr un- und antidemokratisches Wesen haben sie in der und Zivilbehörden offiziell Kenntniß von dem Fall Wir wünschen ferner, daß diese Berührung eine so ein heutigen Sigung mit einer Offenheit an den Tag gelegt, auenstein und im Februar 1892 muß der württem- bringliche, nachhaltige und beredte war, daß der Herr die wir ihnen kaum zugetraut hätten, und die unsere An- bergische Militärbemächtigte im Parlament unter der Lieutenant für einige Beit weder zu sihen noch in der RückenHeiterkeit des Reichstages und dem Kopfschütteln des lage zu ruhen im Stande ist, sodaß sein Bo- stament dann erkennung verdient. Reichskanzlers und des Bundesrathes wahrheitsgetreu er aber auch in jeder Beziehung gleiche einem alten Rober, so Zum sogenannten Tertiärbahn Gesetz hat die klären, über den Fall Lauenstein lediglich ohne Instruktion gegerbt ist aus Eselshaut. Und zum Schluſse wünschen wir, nationalliberale Fraktion des preußischen Abgeordneten seitens der württembergischen Militärverwaltung zu sein! baß jeder Bürger, der von einem wagelustigen Kriegshelden hauses eine Resolution beantragt, welche die nervöse Angst Sollen wir die Daten weiter sprechen lassen: Sechs Wochen angefallen wird, mit Faust und Knüttel, mit Wehr und des Kapitalismus, möglicherweise ein Ausbeutungsobjekt später, im April, tritt der Kriegsminister den üblichen Waffen die frechen Attentate solcher Soldateska sich vom zu verlieren oder in dessen gründlicher Ausnußung beschränkt Erholungsurlaub" an, und wieder drei Wochen nachher, Salse hält. Gegen wahnwißige Burschen, die friedfertige zu werden, recht lustig dokumentirt. Die Resolution ersucht im wunderschönen Monat Mai, reicht er, sofort nach der Beute mit blankem Degen bedrohen, ist die Nothwehr eine die Regierung, auf eine Erläuterung des Begriffes Eisen Rückkehr vom Urlaub, seinen Abschied ein, der ihm unver Pflicht. bahn- Unternehmungen" im§ 6 der Reichs- Gewerbe- Ordnung züglich bewilligt wird." Sehr wohl, aber noch immer ist im Wege der Reichs Gesetzgebung behufs Klarstellung dar- dieser Ehrenmann Lauenstein, über dessen Prozeß auch der Wozu das Rentengüter- Gesetz gut ist. In der über hinzuwirken, ob von der Anwendbarkeit der Reichs- Vorwärts"( Nr. 95 vom 23. April) ausführliche deutschfreisinnigen, Danziger Beitung", Organ des Gewerbe- Ordnung alle Transport- Unternehmungen, deren Nachrichten gebracht hat, im Dienst. Herr Steinheil Herrn Ridert," lobt ein„ landwirthschaftlicher Mits Gefährte auf metallener Grundlage befördert werden, ging, Herr Schott von Schottenstein, der arbeiter" recht heftig das Rentengüter- Gesetz. Seiner Weis namentlich auch die Pferdebahnen, ausgeschlossen sind." neue Kriegsminister kam, von einem Wechsel des Systems heit Schluß ist:„ Einen Erfolg halten wir für wahrschein Es ist den kapitalistischen Politikern schon unangenehm genug, ist nichts zu verspüren. Treibt aber die öffentliche Em lich: die stärkere Heranziehung seßhafter Leute, welche, daß aus den Kreisen der arbeitenden Bevölkerung heraus pörung den Lauenstein endlich doch aus dem Heere hinaus, wenn sie kleinere Grundstücke besigen, lohnenden Neben immer kräftiger das Verlangen gestellt wird, die Gemeinden so ist der Kern des Militarismus dann doch nicht berührt. erwerb durch landwirthschaftliche Arbeiten finden und den sollten die Pferdebahnen und sonstige Verkehrsmittel, so- Wer diesen haben will, züchtet auch jene Rauhheit des durch die Sachsengängerei hervorgerufenen Arbeitermangel weit sie ihnen unterstehen, in Selbstverwaltung übernehmen Kasernenhofes und jene Brutalität des Kamaschenknopfes, verringern können." Der„ landwirthschaftliche Mitarbeiter" zum Nutzen ihrer Kaffe- nun kommt gar noch der Staat die ab und an auch allem Volke einmal durch Erlasse fund offenbar ein Domänenpächter oder Gutsbefizer, kennzeichnet und thut so, als wenn es ihn gelüfte, bas ge- wird, wie sie der Vorwärt 3" ans Licht gezogen hat. mit erfreulicher Naivität die Tendenz der famosen inneren plagte Rapital von dem immerhin fetten jedenfalls Lucius II. Unser früherer Landwirthschafts- Minister, Grundbesitzer zur Verfügung zu halten, eine gewisse Anzahl Kolonisation, nämlich Arbeitskräfte für die ostelbischen aber hinsichtlich des Revenuenbezuges ziemlich sicheren Thätigkeitsfeld, welches der Pferdebahnbetrieb in den großen Herr v. Lucius, unterscheidet sich von dem jezigen, Herrn an die Scholle gebundener Zwergbauern zu züchten, die auf Städten darstellt, zu vertreiben. Dem muß bei Zeiten ein v. Heyden- Cadow, in manchen Dingen. Jener ließ sich den Nebenerwerb, das heißt die Gutstaglöhnerei angewiesen gehöriger Riegel vorgeschoben werden, und so hat denn vom Staate heidenmäßig Fideikommiß Stempel schenken, wird. Wir stellen fest, daß der Landwirth der„ Danziger der bekannte freisinnige Geschäftsführer der Bourgeois- dieser schenkt Heidemann seine Stempelgebühren und erläßt Beitung" die Richtigkeit des Leumundszeugnisses bestätigt, interessen schon lange vor den Nationalliberalen auf das Pachtrückstände; jener nahm, dieser giebt Cadeaux*). Herr das wir von Anfang an dem Stentengüter- Wesen ausgestellt Wöllchen im Tertiärbahnen Gefeß aufmerksam gemacht, v. Lucius hat einen schneidigen Sohn, der, da er nicht haben. Wovon alle Seiltänzerei professoraler Sytophanten das dem Sonnenschein der kapitalistischen Ausbeutere i Bureaukrat, natürlich Lieutenant ist und soeben in Mainz, und akademischer Streber auch nicht ein Jota wegder Stadt des Bürgerkriegs in Sedez, seine Schneidig- nimmt. teit schlagend bewiesen hat. Er liegt zu Mainz in Garnison, Unverständlich. In der Staatsbürgerund das scheint allmälig, was das Verhältniß zur ZivilZeitung" finden wir folgende Nachricht aus Danzig " Eine Biertelstunde bevor der Kaiser sich in den Artushof begab, wo er von Deputirten des Magistrats und der Kaufmannschaft begrüß twerden sollte, wurde der unter dem Ge bäude liegende Rathsteller, das feinste Weinlokal der Stadt, geschlossen und unter polizeiliche Aufsicht gestellt." drohte.Die hier geübte Vorsicht der Danziger Polizei in allen Ehren, wie stimmt sie aber zu dem bekannten Spruch: Wir Deutsche fürchten Gott und sonst Nichts auf der Welt"? Bom preußischen Schulmeister. Nach den BarmenElberfelder Neuesten Nachrichten" verurtheilte die Düsseldorfer Regierung den Hauptlehrer Greßler aus BarmenWichlinghausen wegen seiner Vorträge über den Zedlig'schen Schulgesetz- Entwurf zu 50 M. Ordnungsstrafe. Dem Ver nehmen nach hat ihm die genannte Behörde ein agitatorisches Auftreten gegen Maßnahmen der Staatsregierung zum Vorwurf gemacht. Die Bolts- Zeitung" hofft, daß die Maßnahme der Düsseldorfer Regierung vom Kultusminister nicht gut geheißen werde, wenn sich der genannte Lehrer beschwerde= Voraussichtlich infolge der Baare und Konforten. Die Dortmunder Tremonia" bevölkerung betrifft, so viel zu heißen, wie in Feindesland. schreibt: Seit dem 11. Mai steht auf dem Dortmunder Die Frankfurter Beitung"( Nr. 139, Abendblatt vom Rheinbahnhofe der Kolliwagen 15 188 aus dem Direktions 18. Mai) meldet darüber: bezirk Bromberg, der Auswechselung eines Radsatzes harrend. Mainz, 17. Mai. Heute Mittag hat sich hier eine In einem Radreifen( Bandage) traten mehrere große neue" Säbelaffäre zugetragen, bei der zwar glücklicher- öcher hervor, die mit Blei oder einer ähnlichen Maffe weise tein Blut floß, die aber noch bezeichnender für den Geist des Militarismus ist und noch gröblicher aller bürgerlichen ausgegossen waren. Ordnung in das Gesicht schlägt, wie die bisherigen Vor- dadurch entstandenen Schwächung ist ein Langriß am Spurs tommniffe. Der in den gärtnerischen Anlagen der Kaiserstraße Franz entstanden, weshalb der Wagen sofort ausgesetzt und zur Aufsicht bestellte Schüße( Wächter) hatte kürzlich gegen den für vollständig gebrauchsunfähig erklärt werden mußte. Die Sefondelieutenant Carl von Lucius, einen Sohn des Radsätze stammen nach den eingeprägten Stempeln vom ehemaligen preußischen Landwirthschaftsministers, im 13. Husaren- Bochumer Verein." Ein anmuthender Beitrag zur Regiment, eine Strafanzeige gemacht, weil die Hunde des Geschichte der Schienenflickerei! Im Uebrigen aber auch Offiziers sich in dem vor seiner Wohnung, Kaiserstr. 19, be- ein neuer- der wie vielte! Beleg, daß ein ernsthafter findlichen englischen Gärtchen herumgetummelt haben. Wie es n fcheint, erfolgte heute die Zustellung des Strafbefehls, denn der Beurtheiler der heutigen Zustände die landläufige Phrase Herr Lieutenant fuchte Mittags in großer Aufregung und in von der angesehenen und unbescholtenen offenbar fehr aufgeregter Verfaffung den Schützen auf und be- Firma", die feiner Mogelei fähig sei, sich zehn Schritt fahl ihm, die Strafanzeige als unrichtig zurückzunehmen, vom Leibe halten soll. Das alte, ehrenwerthe Berliner Bankhaus" Wolff und Hirschfeld so gekennzeichnet durch gerichtliches Urtheil-, frachte etliche Monate darauf elend Sprich Cadoh, französisch Geschenke. Konferenz, wie sie in früheren Zeiten oftmals abgehalten nothwendig, um die Schreier zur Ruhe zu bringen." Diese Stelle fäme Ihnen mit Fug und Recht zu, worden war. Tieftrunk hatte für diesen Abend eine Extra- Uebrigens werden wir eine Konferenz von sachverständigen Herr Profeffor," erklärte Dr. Raffmaus; aber Sie wissen, forte„ Affenthaler" angeschafft, welcher, wie er meinte, am Fabrikanten und uns ergebenen Arbeitern zusammenberufen, daß es schon einer ungeheuren Kühnheit bedurfte, um eine Geeignetsten sei, um sich bei einer extrafeinen Gelegenheit diese mögen dann durch ihr Gutachten Ihnen den Rücken Minister- Kandidatenliste mit drei bürgerlichen Namen vors einen anständigen Affen zu kaufen". Dr. Raffmaus hatte decken." zulegen, und die mußten wir wenigstens für die drei wich, diese Konferenz berufen, um sich bei seinen bisherigen Partei- Aber werden uns nicht durch diese Werkstätten die tigsten Ministerien vorbehalten. Außerdem sind Sie uns genossen gewissermaßen zu verabschieden: Arbeiter vertheuert werden?" warf Rollfuß, der Möbel- an der Spitze der„ Allgemeinen Zeitung" zur Zeit gänzlich fabrikant, ein. unentbehrlich. Aber ich werde dafür sorgen, daß Sie als Es handelt sich ja hier doch nur um eine kurze Ueber- geheimer Schulrath eine Sie vorläufig entschädigende Stelle gangszeit," tröstete Dr. Raffmans. erhalten, und dann haben Sie doch noch die Stufe inne, von der aus Sie leicht zur Stelle eines Ministers übertreten " " Denn," meinte er mit Salbung, in meiner neuen Stellung bin ich der Neugier und den Nachforschungen aller Parteien ausgesetzt, und es würde sich für meine Berson nicht mehr schicken, wollte ich einer ausgesprochenen Ich muß gestehen, daß ich es trotzdem sehr ungern Parteißigung anwohnen. Es versteht sich von selbst, daß wir thue," erklärte Dr. Luz von Neuem. immer im geistigen und einzeln auch im persönlichen Ver-" Ja, was denken Sie denn eigentlich, Herr Dr. Luh?" fehr verbleiben, sowie ich Sie denn auch bei dieser Ab- rief aber Dr. Raffmaus hier mit scharfem Tone. Denken schiedsfeier, welche zugleich für uns Alle eine Siegesfeier Sie etwa, es wird jeder Mensch mit dreißig Jahren ist, bitte, mir fernerhin Ihre schäßbare Unterstügung zu Minister? Für eine solche unerhörte Karriere, wie Sie sie leihen. Herr Inspektor Zahler, den ich bald an einen ein- da machen, werden Sie wohl eine kleine Unannehmlichkeit träglicheren Posten berufen werde, wird von nun an so auf sich nehmen können! Und wenn Sie es nicht wollen, freundlich sein, meine Stelle bei Ihnen zu vertreten. Was so brauchen Sie es nur zu sagen; ich finde ein Dutzend von unsern Freund Rollmann betrifft, so kann ich von Herrn Handelsministern in der nächsten Viertelstunde." Dr. Benjamin erwarten, daß er in seiner Eigenschaft als Justizminister alsbald dessen Freilassung gegen Kautions erlegung verfügt, die ihm vom bisherigen Ministerium, aus politischen Gründen natürlich, verweigert worden." " Ich werde ohne Zögern das nöthige verfügen", erKlärte Dr. Benjamin mit geeigneter Würde. " Seien Sie froh, Herr Dr. Luz," rief Rollfuß, daß Sie etwas geworden find, sonst hätte ich Ihnen meine Tochter noch lange nicht gegeben." Wer sagt Ihnen denn, Herr Rollfuß, daß ich nunmehr, nachdem ich Minister geworden, Ihre Tochter noch zu nehmen gesonnen bin?" Die schwerste Aufgabe", fuhr Dr. Raffmaus fort, fällt allerdings unserem Freunde Herrn Dr. Luß zu, ist welcher die Volkswerkstätten" ins Leben zu rufen hat." fönnen." " Ich bin befriedigt," erklärte Professor Birnenmann, indem er diese zuckersüße Bille hinunterschluckte. Mit jener Genossenschaftsdruckerei und mit dem Voltsblatt" werden Sie nun wohl aber ein ernſtes Wörtchen reden?" fragte Wehrhahn. " " Wir werden hierin thun, was wir für Recht finden werden," erklärte Dr. Raffmaus mit Würde und machte damit den rachgierigen Buchdrucker verstummen. „ Na, Doktorchen, Excellenschen wollte ich sagen, für mich" werden Sie doch wohl auch eine Kleinigkeit thun, dem Sie meine Weine von Staatswegen rekommandiren?" rief Tieftrunk, der schon wieder selig war. Bei passenden Gelegenheiten," erwiderte, der neue Präsident mit Herablaffung lächelnd. Wie, Herr Doktor, Sie treten zurück... die Sache" Und gegen die widerspenstigen Arbeiter werden Sie, stadtkundig... ich habe es heute Jedermann erzählt hoffe ich, mit aller Entschiedenheit einschreiten," rief Finds Gie blamiren mich und meine Tochter aufs Abschen- eisen, der sich ebenfalls seit einiger Zeit dem Gott Bacchus " Ich muß gestehen," entgegnete Dr. Luz, daß ich mir lichste." mit Vorliebe ergab. So einmal einige Ladungen vorkomme, wie Einer, der für die Anderen die Kohlen aus Nun, Herr Rollfuß, das hätten Sie auch reichlich blauer Bohnen in den leeren Magen, das wirkt." dem Feuer zu holen hat. Meine ganze nationalökonomische verdient, und wenn ich jetzt trotzdem Rücksichten nehme, so Ueberzeugung fträubt sich gegen dieses Auskunftsmittel." thue ich es wahrlich nicht Ihnen zur Liebe, sondern Ihrem " Es handelt sich hier auch gar nicht um Ihre national Fräulein Tochter, die in den schlimmsten Beiten treu zu mir ökonomischen Ueberzeugungen, sondern um ein Experiment, gehalten hat. Aber Ihrer unzarten Bemerkungen bin ich welches wir den Arbeitern versprochen haben, entgegnete gänzlich überdrüssig. Das führen Sie sich zu Gemüthe, wenn Sie wollen, daß ich nicht allen und jeden Verkehr mit Dr. Raffmans. Ihnen abbreche." " Dieses Experiment wird aber theuer werden, und ich ristire mein persönliches Renomnice." Das Experiment mag tosten, was es will, es ist aber Wie ist es denn mit der Kultusminister- Vakanz?" fragte inzwischen Professor Birnenmann. " Gott soll uns behüten," rief Dr. Luz mit Abscheu. " Sie sind wohl blutschen, Herr Handelsminister?" rief Findeisen mit einem halb höhnischen, halb zynischen Blicke. werkstätten Unterkommen und Arbeit finden," bemerkte " Einstweilen werden Ihre Arbeiter in den Volks Raffmans, sonst werden sie eine Beute der Konservativen, muß, che wir im Reformenwege weiter vorgehen. Die zusammen. und ihr Träger wird nächstens wegen gemeiner Gaunereien sich vor den Berliner Richtern verantworten müssen. Was dem Einen recht ist, muß dem Andern billig sein. Und Herr Baare kann sich als Staatsrath, Kommerzienrath, Handelskammer-Gewaltiger, Staatslieferant wohl berühmen, der Vertreter einer »angesehenen, unbescholtenen Fabrik* zu sein. Der Richter- spruch wird über ihn so gut wie über Herrn Löwe entscheiden. Von diesem letzteren wissen die Leser des„Vor- wärts* zum mindesten Eines sicher. Mag das Geschäft auch noch eine so„angesehene, unbescholtene Fabrik* sein, die systematische Lohndrückerei und die Arbeitermaßregelungen sind seit Jahren ein hervorstechendes Kennzeichen der Löwe- schen Waffenfabrik; die Rücken und Chikanen dieses Unter- nehmens, verübt gegen seine Arbeiter, sind in Versammlungen so gut wie im„Vorwärts" zur Genüge dargelegt und ge- bührend gewürdigt worden. In diesem Betracht steuerten Löive-Knhn sicherlich im allerneuesten Kurs.— Slustveisung aus Berlin. Unsere Vermuthung, daß die preußische Regierung auf die Lügennachricht der im russischen Solde stehenden„Allg. Reichskorrespondenz", der Gesundheitszustand des Sultans gebe zu größten Besorg- Nissen Anlaß, mit der Ausweisung des Urhebers jener Nach- richt antworten werde, hat sich natürlich erfüllt. Zwangs- maßregeln gehören ja zum eisernen Bestand der Mittel, mit welchen die Staatsmänner der alten Gesellschaft ar- beiten. Es� ist schon betont worden, daß wir für das ge- nannte lügenhafte Bureau eben so wenig Sympathie hegen, wie für die übrigen. Gleichviel aber, die Ausweisung eines Journalisten, der lästig gefallen, ist eine Maßregel, die politisch gar keinen Nutzen hat. Den einen Lügenpeter weist man aus, und zehn andere kommen dafür herein. Und was heute die deutsche Regierung thut gegenüber einem russischen Agenten, das kann morgen jede beliebige andere Regierung gegenüber einem nichtoffiziellen Parteigänger Deutschlands gleichfalls vollführen. Ob der Sultan oder ein anderer Regent krank ist oder nicht, davon hängt heute das Schicksal der Völker glücklicherweise nicht mehr ab. Die„Possische Zeitung" hat recht, wenn sie sagt, der ganzen Angelegenheit sei viel zu viel Bedeutung beigelegt worden. In Sachen des Ententcich-Projekts und der Episode des Gesreiten Lück, Angelegenheiten, welche das deutsche Volk weit mehr interessiren, als die Frage, ob der Sultan krank ist oder nicht— hat man bis heute noch die amtliche Stellungnahme vermiffen lasten. In jener Sache schreibt man uns noch: Zur Be- schönigung der Maßregel wird mitgetheilt, daß Bog- danowitsch«in russischer Spitzel war, und wir haben keinen Grund•,• dies zu bezweifeln. Was ist heute nicht alles Spitzel? Und insbesondere die politischen Agenten Rußlands, auch die höheren, sind allesammt Spitzel. Das rechtfertigt, aber nicht die Ausweisung. Es macht— von der prinzipiellen Verwerflichkeit solcher Polizeimaßregeln ganz abgesehen— einen gar kleinlichen Eindruck, daß das großmächtige Deutsche Reich in solcher Art gegen einen unbequemen Menschen vorgeht— und noch dazu um einer solchen Lappalie willen.— „Umsturzpolitik" und„kurzsichtige Fanatiker". Die Worte haben ihre Geschichte, so gnt wie die Bücher. Vor wenigen Jahren hatte Jeder, der obige Krastausdrücke lieft, darauf schwörest können, daß die Sozialdemokratie ge- meint sei. Heute ist es das amtliche Organ der sächsischen Regierung, die ultra-reaktionäre„Leipziger Zeitung", die von der„Kölnischen Zeitung" mil diesen Liebenswürdig- leiten traktirt wird. Wohl bekomm'?.— Ein Majestätsbeleidigungs-Prozest weniger. Aus Frankfurt a. M. wird telegraphirt: Das auf Grund des Aufsatzes„Gekrönte Worte"(von dem Schriftsteller Maximilian Harden) gegen den Verfasser und die Redaktion der„Fraiilsurter Zeitung" eingeleitete Ver- fahren wegen Majestatsbeleidigung ist nunmehr eingestellt worden. Es läge nur im Interesse der Monarchie, wenn von dem Majestätsbeleidigungs-Paragraphen überhaupt kein Ge- brauch gemacht würde.— Stost ins Herz-Politik. Der dieser Tage erfolgte Tod des ehemaligen ungarischen Revolutions- Generals K l a p k a erinnert uns an die wenig rühmliche Rolle, Zügel der Regierung müssen für den Augenblick streng angezogen werden, damit die Leute vor allen Dingen wissen, mit wem sie es zu thun haben. Alles Andere findet sich dann von selbst.". Kaum hatte Raffmaus geendet, als lautschallende Musik die Straße hcraufklang. Die Anwesenden eilten an die Fenster und meldeten das Annahen eines Fackelzuges. Raffmaus bat die Anwesenden zurückzutreten, aber die Fenster offen zu lassen. Bald leuchtete der Fackelzug zu den Fenstern hinauf, und ein Gesangverein sang zur Melodie „Wer ist der Rsttcr hochgeehrt" ein Lob- und Preisgedicht ouf den Führer der liberalen Partei, der siegreich eine neue Aera herausgeführt habe, und auf die wackeren Männer, die ihm in den heißen Tagen des Kampfes so wacker zur Seite gestanden. Alsbald trat Dr. Rassmau» vor und sprach: „Verehrte Freunde! Eine lange schwere Periode sinsterer Reaktion liegt wie ein böser Traum hinter uns; die holde Göttin der Freiheit schaut plötzlich mit ihrem lugendlichen Lockenhaupl zwischen den gebrochenen Wolken un goldenen Schimmer hervor. Vieles ist mit dem heutigen Tage errungen worden. Vieles ist noch zu erringen, weifn Sie aber treu bleiben der Fahne, die Sie erkoren und die «h Ihnen mit unerschütterlicher Treue vorantrage, dann in der Thot ist der Tag nicht mehr fern, von dem man mit Stolz wird sagen können: er sieht glückliche Menschen in eniem glücklichen Staat. Und so stimmen Sie mit mir ein 111 den nie verstummenden Wunsch:„Es lebe die Freiheit, " lebe der Fortschritt!" „Hurrah, hoch!" scholl es von unten herauf. Raffmaus trat zurück, und an seine Stelle trat, ehe 5 Jemand hindern oder auch nur ahnen konnte, der Wein- handler Tieftrunk mit einem Glase Wein in der Hand und unter dem breiten Kinn geknüpfter, etwas befleckter Serviette. „Meine Herren," rief er,„es freut uns zu hören und »u sehen, daß Sie unseren Verdiensten Gerechtigkeit wider- lehren lassen; auch ich, wenn ich auch nicht ins Ministerium �ufen ward en bin, kann sagen, daß ich durch meine �emsendungcn Vieles zum Siege der liberalen Partei welche dieser einstmalen bei Napoleon Hl. und später bei dessen Schüler Bismarck gespielt hat. Im Jahre 1859, vor Ausbruch des Jtalienerkrieges, verhandelte der fran- zösische Staatsstreich-Kaiser mit Klapka und anderen Ungarn, die sich auch bereit erklärten, für französisches Geld einen Aufstand im Rücken der österreichischen Armee in Szene zu setzen. Der rasche Verlauf und Abschluß des Krieges ver- hinderte die Ausführung des Plans, und die geprellten Psendo-Revolutionäre zogen sich grollend zurück. Als aber sieben Jahre später Bismarck, der im Einverständniß mit Napoleon den Krieg gegen Oesterreich vorbereitete, den ge- prellten Pseudo-Revolutionären winkte, da kamen sie aber- mals, fraßen abermals aus der Hand des Gewalthabers. versprachen abermals Revolution zu machen, und wurden abermals geprellt. Auch diesmal verlief der Krieg wieder zu rasch, und Herr Klapka mit seiner„Ungarischen Legion" hatte keine Zeit, den famosen„Stoß ins Herz" zu führen. Im Volke der Denker gab's aber Viele, die sich vorlügen ließen, der im Einverständniß mit Napoleon und im Bunde mit Italienern und Ungarn von Bismarck unternommene „Bruderkrieg" sei eine national-deutsche That gewesen.— Kannegiesierei. Der Kannegießer unterscheidet sich von dem vernünftigen Menschen dadurch, daß er mit großer Wichtigkeit über Dinge spricht, von denen er nichts versteht, auf willkürliche Annahmen hin Luftschlösser baut, und sich um Dinge den Kopf zerbricht, die nur für einen gedanken- losen Müßiggänger Interesse haben. Der Kannegießer ist eine Spielart der gefährlichen Zunft der Wetterpropheten. — Wie der gewöhnliche ordinäre Wetterprophet sich tief- sinnig jeden Tag Stunden lang mit der Frage beschäftigt: welchen Wind werden wir morgen haben? Wird's regnen oder wird die Sonne scheinen? so behandelt der politische Wetterprophet, oder Kannegießer an seinem Stammtisch oder in der Zeitung, die ihm anheimgefallen ist, mit ernster Ausführlichkeit die Fragen: wann werden die englischen Neuwahlen fem? Im Juni, Juli oder in welchem Monat sonst? Wird der Zar nach Berlin kommen oder nicht? Und was bedeutet es, wenn er nach Berlin kommt und wenn nicht? Hat der König von Italien bei den traurigen Verhältnissen in seinem Lande noch die Lust oder den Muth, eine Vergnügungsreise nach Berlin zu machen, oder ist ihn» der Spaß vergangen? Trinkt der Ex- k a n z l e r selber den sogenannten Kornschnaps, den ihm ein paar sächsische„Kümmeltürken" neulich zum Geschenk machten, oder läßt er ihn durch seinen Schwenninger oder irgend einen anderen gleichwürdigen Lakaien austrinken? Und was ähnliche Fragen mehr sind. Wir, die wir vor den Kannegießern heiligen Respekt haben, bekümmern uns um all diese Fragen nicht. Wann die englischen Wahlen sind, das wissen wir nicht und wir warten es ruhig ab, bis der Termin veröffentlicht wird. Und ob der Zar nach Berlin kommt; ob der König von Italien Rciseplänc hat oder nicht; ob der Schnapsbrenner Bismarck seinen eigenen und anderen christlich-germanischen Fusel trinkt oder seinen Aerger in reichsseindlichem Kognak hinunterspttlt-- das ist uns ungefähr ebenso gleichgiltig, als die Frage:■ ob der Stöcker oder sein ehemaliger Gönner in dem letzten Wahrheitsduell am meisten nichtgeloaen hat; oder ob die neu entdeckte„Sibylle von Friedrichsruhe" männlichen oder weiblichen Geschlechts ist, und ob„Sibylle" besser mit altem Waschweib oder mit Hexe zu übersetzen ist. Freilich der„Sibylle von Friedrichsruhe" würde es wohl kaum„Wurst" sein, wenn sie auf gut Deutsch genannt würde: das alte Waschweib von Friedrichsruhe. Es war wieder recht geschwätzig— Schwamm drüber, t— Griechisches. Der durchgefallene Delyannis, der — wie andere„treue Vasallen"— seinem Souverän schon wiederholt die Zähne gezeigt hat(wobei er allerdings einen Stärkeren hinter sich wußte), scheint nicht gewillt, seine Niederlage ruhig hinzunehmen. Er hat das Wahl- resultat öffentlich als das Ergebniß unerhörter Mahl- fälschungen bezeichnet und soll das Volk zur revolutionären Erhebung aufgefordert haben. Den Telegrammen zufolge sei es bereits zu Zusammenstößen und Blutvergießen ge- kommen. Ans und über Griechenland wird aber bekannter- maßen soviel gelogen, daß man allen Nachrichten gegenüber sehr vorsichtig sein muß. Mit den„unerhörten Wahlfälschungen" wird es wohl seine Richtigkeit haben. Nur hätte Herr Delyannis selber beigetragen habe. Sie kennen meinen Wein, meine Herrn, und Sie werden selber sagen müssen, daß er im höchsten Grade geeignet ist, den Menschen in die gehörige Begeisterung zu versetzen. Selbst Dr. Raffmaus, unser all- verehrter Ministerpräsident, welcher meinen Weinen jeder Zeit Gerechtigkeit widerfahren zu lassen verstand, wird Ihnen sagen können, daß meine Weine nicht nur gut und preiswürdig sind, sondern, daß es so recht eigentlich die Pflicht eines jeden liberalen Mannes ist, dieselben Vorzugs- weise..." Die Unruhe unten war so groß gewesen, daß kaum noch die ZLorte des weinscligen Redners vernonimcn werden konnten; der Rest der Rede wurde aber auch dadurch ab- geschnitten, daß man den Berauschten zu seinem höchsten Aerger am Frackschoß vom Fenster zurückzog. Ein ironisches Bravo scholl von unten herauf, und es bedurfte deS ganzen Taktes auf Seiten des Inspektor Zahler, um der Szene einen einigermaßen befriedigenden Abschluß zu sichern. Die Austegung, welche dieses Ständchen herorgebracht, hatte sich aber noch kaum gelegt, als von Neuem Musik erscholl und neuer Lichterglanz die Straße erhellte. Die Gäste traten wieder an das Fenster und horchten laut aus, als nach beendigtem Musikstücke sich eine Solostimme mit dem folgenden Vers vernehmen ließ: „Ob wohl der Freiheit Morgen tagt, Wenn eine Maus den Staat benagt? Und wenn es eine Raffmaus ist, Ob die uns nicht zu Grunde frißt? O, Raffmaus, Raffmaus, duck' Dich fein, Du wirst nicht lang Minister sein!" Dieser Vers wurde nach Beendigung des Vortrags in einer Abschrist, um einen Stein gewickelt, ins Zimmer geworfen, worauf ein fürchterliches Heulen, Schreien und Kreischen wie von Katzen, ein Zusammenwerfen von Geschirr und ein Wimmern sämmtlrcher Instrumente erfolgte. Die Lichter wurden dabei im Nu verlöscht und mit einen, höhnischen Johlen und Pfeifen stob die ganze nächtliche Gesellschaft auseinander. (Fortsetzung folgt.) eS eben so gemacht, wie seine Gegner, wenn er in der Re- gierung gewesen wäre.— Aus England. Lord Salisbury, der Premierminister, hat wieder eine„große Rede" gehalten, in welcher er den Arbeitern und den Grundbesitzern schmeichelt— den Arbeitern, indem er sie die besten Stützen des Staates nennt, und ihre Bestrebungen nach Gleichstellung für durchaus berechtigt er- klärt— natürlich nur im Prinzip; und den Grundbesitzern, indem er— ebenfalls im Prinzip— sich gegen den un- bedingten Freihandel und zu Gunsten sogenannter Gegen- seitigkeitsverträge mit schutzzöllnerischen Staaten aussprach. Es war eine Wahlrede, und oamit ist die praktische Tragweite dieser Auslassungen gekennzeichnet.— Wahlgesetzgebung ia England. Das Unterhaus verwarf eine von dem Deputirten Shaw-Lefevre beantragte Bill, wonach bei den Wahlen zum Parlament Niemand in mehr als einem Wahlkreise stimmberechtigt sein soll. Das Gesetz von 1835 betreffend die Neueintheilnng der Sitze im Unterhause, welche den größeren Theil des Landes in Distrikte mit nur einem Vertreter eintheilte, hätte, so führte der Antragsteller aus, die Erwerbung von Pluralstimmen und das Pluralabstimmungs- System(die Einrichtung, wonach ein Einzelner mehrere Stimmen in verschiedenen Bezirken abgeben kann) wesentlich erleichtert. Er selber be- säße 5 Stimmen und er kenne Leute, die sich das Recht ge- sichert hätten, in 59 bis 100 Wahlbezirken an der Ab- stimmung theilzunehmen. Der irische Unionist Ruffel stellte den Zusatzantrag, das Haus aufzufordern, der Reform seine Zustimmung zu versagen, bis eine neue Eintheilung der Sitze erfolgt sei, wodurch die Zahl der Vertreter von England, Wales, Schottland und Irland in ein gehöriges Verhältnis zur Bevölkerung der Landestheile gebracht werden würde. Aus dem liberalen Lager wurde d,e Vor- läge durch Stuart Trevelyan und Harcourt warm be- Sürwortet, während Sexton namens der Jrländer den lntrag Ruffel's kritisirte. Seiten? der Regierung be- kämpfte Schatzkanzler Goschen die zweite Lesung, welche schließlich mit 243 gegen 196 Stimmen vom Hause ab- gelehnt wurde.— V> Patfcmatfivirijfcn. Znm Fall PeuS wird uns noch geschrieben: Nach der Strafprozeß-Ordnung unterliegen die seitens Untersuchungs- gefangener an Andere als ihren Vertheidiger gerichteten Briefe der Kontrolle des Untersuchungsrichters. Abgesendet werden in der Regel solche Briefe nicht, die sich in irgend welcher Weise über die Strafsache selbst auslassen. In welcher Weise von dieser dem Richter zustehenden Befugniß der Untersuchungsrichter in Magdeburg in der Strafsache wider Genossen P e u s Ge- brauch gemacht hat, ergiebl die einfache Wiedergabe des Anfangs einer Anzahl Briefe. Zurückbehalten sind z. B. folgende Briefe vom IS. und 19. Dezember 1891: „Werther Parteigenosse! Dies ist der zweite Brief, den ich von hier aus an Sie schreibe. Der er st e ist konfiSzirt worden, weil ich etwas über die Untersuchungssache an Sie schrieb. Ich möchte Sie um zweierlei bitten: 1. meiner armen Erau, die mit einem Kinde auf dem Arm und einem unter dem erzen nun ohne meine Hilfe dasteht, Unterstützung zu Theil werden zu lassen, 2. niir einen Rechtsanwalt, am liebsten Stadt- Hägen, zur Seite zu stellen." Auch als zur Absenkung nicht geeignet wurde folgender an die verschiedene Frau Pens gerichteter Brief erachtet:„Meine heißgeliebte Minna,.... I Fasse Muth, wenn ich während Deiner schweren Stunde nicht bei Dir bin...." Abgesendet wurde aber vier Tage später ein Brief des ersten Staatsanwalts an Frau Peus, in der dieser ihr mittheilte, daß ihr Mann eine „schwere Strafe zu gewärtigen habe". Die Niederkunft erfolgte am 1. Januar 1892. Zurückbehalten wurden ferner u. A. an zwei Genossen unter dem 19. Dezember geschriebene Briefe, beide beginnend, „dies der zweite Brief, den ich von hier an Dich schreibe. Der e r st e wurde k o n f i s z i r t, weil ich über die Sache schrieb", und die herzlichste Bitte enthaltend, der Frau des Angeklagten sich anzunehmen.— Jeder Kommentar hierzu ist überflüssig. Erst in der zw eiten Woche des Januar erhielt dann endlich Genosse Stadchagen die Nachricht, daß Peus durch ihn vertheidigt zu werden wünsche. Bon da an erhielt auch Frau Peus Nachrichten. Dringend zu rathen ist jenen Genossen, welche wegen irgend einer vermuthetm Handlung in Untersuchungshast genommen werden, direkt an ihren Vertheidiger zu schreiben. •• Kahla(Saale). Das war'eine Aufregung, als am Sonntag, den IS. d. M., hier eine Volksversammlung abgehalten wurde, zu welcher Frau F a r ch m i n aus Gera das Referat über- nommen hatte. Wir sind ja hier schon gewöhnt, viele Neugierige bei derartige» Versammlungen zu haben, aber wie diesmal ist es doch»och nicht gewesen. Dickt gedrängt lauschte die Menge, darunter auch ca. 20 Frauen, den bewegten Worten der.Rednerm über die Organisationsbestrebungen der Arbeiter und die Sozial- demokratie. Dieselbe schilderte an der Hand der Geschichte die Kämpfe des arbeitenden Volkes und die Bestrebungen der Be- sitzende», dasselbe in seinem Siegeslauf zu hindern, und forderte schließlich die Anwesenden auf, einzutreten in die Reihen der Sozialdemokratie, um mit zu arbeiten an der Befreiung vom kapitalistischen Druck. Mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf unsere Partei schloß der Vorsitzende Genosse Horn die imposante Versammlung. Noch lange nach derselben konnte man in den Straßen der Stadt Menschen gruppen sehen, welche ihre Genugthuung über das Gehörte bekundete» und bei jeder Ge- legenheit dafür zu wirken versprachen, daß der Sozialismus hier weitere Fortschritte mache. So sind wir denn auf dem besten Wege, uns das Landvolk zu gewinnen, indem hier gerade in den Sonntagsversammlungen die Landbevölkerung stark vertreten ist. Nur schade, daß wir nicht immer Lokale und Referenten auf- treiben können» welche für uns passen. ES wird fort aeboykottet' Infolge der Maifeier ist dem Rendsburger Militär der Besuch der„Tonhalle", des größten dortigen Etablissements, sowie der Gastwirthschaften Simon, Saß und Soll verboten worden. Wird denn nicht bald einmal die Organisation der deutschen Gastwirthe ein solidarisches Vorgehen aller Gckstwirthe gegen diese Boykottirerei einleiten? Naive Frage. Zur Erledigung solch ernster Berufsarbeit hat die Gastwirthsorganisation keine Zeit und noch weniger Kourage. Die Theilnehmer am deutschen Gastwirlhstag z. B., der kürzlich in Mecklenburg abgehalten wurde, hatten genug zu thun, um das Vergnügungsprogramm zu bewältigen. »» Polizeiliches,' Gerichtliches. — Aus Magdeburg berichtet der Telegraph, daß der Buchoruckercibesitzer Wille, sowie die Maurer Leitenroth und S ch r o h wegen wissentlichen Meineids unter Anklage gestellt und in Untersuchungshaft genommen seien. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 20. Mai. Opernhaus. Die Hugenotten. Schauspielhaus. Die Büste.- Der eingebildete Kranke. Berliner Theater. Dorf und Stadt. Leffing- Theater. Die Großstadtluft. Residenz- Theater. Firma Rondinot. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Das Sonntagskind. Wallner- Theater. Keine Vorstellung. Thomas- Theater. Die Ulanen. Adolph Ernst- Theater. Fräulein Feldwebel. ling. Preisliste des Waaren- Verkaufs- Verein D. LUBLINSKI Berlin S., Nr. 50, Oranienstraße Nr. 50, zwischen Oranien- und Moritz- Platz. Bur Beachtung. Fellealliance- Theater. Der Günft. Kroll's Theater. Die Maccabäer. Oftend Theater. Berlin unter Waffer. Feenpalast. Spezialitäten- Vorstellung. Winter- Garten. Spezialitäten- VorMit ber dritten Auflage unserer Preisliste vor die Deffentlichkeit tretend, sind wir im Stande, wesentlich herabgefeßte Preise zu stellen. ftellung. Trotz aller Anfeindungen der Konkurrenz und hauptsächlich der Berliner Engros- Geschäfte hält der Verein an den bei Begründung des Unternehmens ge Kaufmann's Variété. Spezialitäten- faßten Grundsägen, seinen Abnehmern alle nur möglichen Vortheile zu bieten, fest. Trotz aller Tadel der Berliner Grossisten werden wir unsere Preise nach Borstellung. wie vor bei Entnahme eines Pfundes so billig stellen, als diese selbst bei Entnahme eines Centners nicht verkaufen. American Theater. SpezialitätenBorstellung. Der Waaren- Verkaufs- Berein hat den Zweck, den Unfitten in der Raufmannschaft, für 1/2 und 1/4 Bfund im Verhältniß mehr zu berechnen, als für ein ganzes Pfund, entgegenzutreten. Daß für 2 Pfund eines Artikels ein billigerer Preis eintritt( wenn z. B. 1 Pfund 40 Pf. toftet und 2 Pfund mit Theater der Reichshallen. Spe- 75 Bf. berechnet werden), läuft ebenso den Grundsätzen des Vereins entgegen, denn wir erblicken hierin einen Zwang, der auf den Käufer ausgeübt wird, zialitäten- Vorstellung. und eine Uebervortheilung des Käufers, der sich nicht in der glücklichen Lage befindet, 2 Pfund oder 1 Pfund zu kaufen. Wir betrachten deshalb alle Käufer als gleichberechtigt, und berechnen bei Entnahme größerer Quantitäten feine billigeren Preise. Dagegen be rechnen wir für halbe und viertel Pfunde genau den Pfundpreis, wenn z. B. das Pfund 35 Pf. foftet, so toftet 2 nicht 18 oder gar 20 Pf., sondern nur gezahlt, welche jederzeit wieder in Bahlung gegeben, oder in Deutsche Reichsmünzen umgewechselt werden können. Castan's 17 und 14 nicht 9 oder 10 Pf. fondern 83/4 Pf. Die entstehenden Bruchpfennige werden dem Käufer in Münzen des Waaren- Verkaufs- Vereins heraus. Panoptikum. Grosse Ausstellung. Zahlreiche Novitäten. Magneta Galatea. Schreckenskammer. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr ab. Entree 50 Pf. Kinder 25 Pf. PassageDividende. Am lezten Tage eines jeden Monats wird berechnet, welcher Reingewinn erzielt worden ist, worauf in den ersten Tagen des folgenden Monats ein Maffen- Konsum- Artikel zu besonders billigem Preise verkauft wird, um dem Käufer hierdurch eine Dividende zu ertheilen. 1/1 Artikel zur Wäsche. Pfund von 1, M. an. Oberschalseife, allerb. ferntrockene, gr. Stück 16 Bfg. Condensirte Milch 1,15 W Prima Wachskernseife Malzkaffee nach Art des Pfarrers Seb. 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Bötticher, Herrfurth, Miquel und Kommiffarien. Don # Freitag, den 20. Mai 1892. 9. Jahrg. deshalb in Uebereinstimmung mit ihrer früheren Haltung und Fürsten Bismarck und dessen Ausspruch von dem elendesten mit wiederholten Beschlüssen des Hauses, daß sie nicht die Abficht hat, eine Vorlage über die Aenderung der Wahlkreis- Eintheilung zu machen.( Beifall rechts.) Die aller Wahlsysteme seltsam aus. Herr Rickert wird wohl nicht alle Aussprüche des Fürsten Bismarck, namentlich nicht die, welche sich auf die freisinnige Partei beziehen, als autoritative anAbg. v. Hnene( 3.): Wir sind mit der Aenderung des erkennen.( Heiterkeit und Beifall rechts.) Wahlrechts aus Anlaß der Steuergeseße einverstanden, aber nicht Abg. von Czarlinski spricht sich im Namen der Polen für mit der Aenderung der Wahlkreise. Wenn die Zahl der Ab- die Aenderung des Wahlrechtes aus. Der Abg. Koferit hat sein Mandat niedergelegt. geordneten vermehrt werden soll, woher sollen dieselben genommen Abg. von Zedlik( ft.): Ein praktisches Bedürfniß, das Auf der Tagesordnung steht zunächst die Berathung des werden? Will Herr Richter ein größeres Abgeordnetenhaus Wahlrecht in Preußen und im Reiche gleichmäßig zu gestalten, Antrages der Abgg. Richter und Gen. betr. die Borlegung bauen? Dazu wird sich kein Abgeordnetenhaus bereit finden hat sich bisher noch nicht geltend gemacht; im Gegentheil, man Gesetzentwürfen über Abänderung des Landtags Wahlrechts laffen.( Buruf Richter: Das wird sich finden!) Es würde sich wird aus den Wahlen im Reiche gelernt haben, daß es gut ist, und über eine Neu- Eintheilung der Wahlkreise. ja ganz hübsch machen, wenn Herr Richter an der Spitze einer daß in Preußen ein anderes Wahlrecht besteht, bei welchem auch Abg. Richter( dfr.): Unser Antrag hat die Bedeutung einer Fraktion Berlin von 63 Abgeordneten hier erscheinen würde. Die Intelligenz und der Besitz zur Geltung fommt. Interpellation, er wird erledigt sein, wenn die Minister im Heiterkeit.) Wer die Steuerreform will, der muß auch die Wirkungen der Steuergesetze sollen ausgeglichen werden auch beim Laufe der Diskussion Aufklärung über ihre Absichten gegeben Reform des Wahlrechtes wollen, weil die neuen Tarife eine Wahlrecht, aber diese Frage kann nicht jetzt geregelt werden, haben. Denn wenn die bevorstehenden nächsten Wahlen 1893 erhebliche Verschiebung des Stimmrechtes herbeigeführt haben. sondern erst wenn die Steuerreform vollständig zur Durchführung nach einem neuen Wahlgesch erfolgen sollen, müssen die be- Aber denken Sie an die Grund- und Gebäudesteuer! Soll sie gelangt ist. Aber diese Reform muß auf dem Boden des Dreitreffenden Vorlagen in der nächsten Session gemacht werden. Den Charakter als Staatssteuer behalten? Wie steht es mit der flassen- Wahlsystems erfolgen; der Uebergang zum direkten Wir stehen bezüglich des Wahlrechts auf dem Boden des Reichs- Gewerbesteuer? Alle diese Fragen müssen entschieden werden Reichs- Wahlrecht wird von der Mehrheit des Hauses und von tags- Wahlrechts. Die Mehrheit dieses Hauses und die Regierung im nächsten Jahre. Auf dem Boden des Dreitlassen- Systems der Regierung entschieden abgelehnt werden. Bei einer neuen nimmt einen anderen Standpunkt ein; aber auch von diesem wird sich ein Ausweg finden müssen, daß keine weiteren Ver- Eintheilung der Wahlkreise wird nicht blos auf die BevölkerungsStandpunkt aus wird es sich fragen, ob man nicht die Wirkung schiebungen eintreten; man muß daran denken, daß die unteren zahl Rücksicht zu nehmen sein, sondern auch auf die organische der neuen Steuergeseze in Betracht ziehen muß. Jedenfalls Klassen, wenn sie auch von direkten Steuern entlastet sind, doch Gestaltung der Wahlkörperschaften. Um die ablehnende Antwort wird man bei der Ausarbeitung neuer Steuergesetze von vorn- durch die indirekten Steuern belastet sind. Man könnte die Ab- sich zu holen, hätte Herr Richter der feierlichen Formen des herein die Wirkung auf das Wahlrecht in Betracht ziehen müssen. theilungen bilden durch die Drittelung der Steuern und zugleich Antrages nicht bedurft. Das fonnte er aus den Verhandlungen Die schon erlaffenen Steuergesetze haben die Steuerlast der Wohl- tönnte man festsetzen, daß ein bestimmter Prozentsatz der Wähler beim Einkommensteuer- Gesetze schon entnehmen. habenderen vermehrt, die der ärmeren Klasse vermindert. Dadurch in den oberen Klassen sein muß. Die Einführung eines festen den Antrag Richter als völlig müßig und überflüssig ablehnen. wird das Wahlrecht verschoben zu Ungunsten der dritten Klasse. Buschlages für jeden Wähler aus Anlaß der indirekten Steuern 2. Hobrecht( natlib.): Die Achtung vor der Verfassung Die improvisirten Aenderungen des Wahlrechts, welche im Gin- würde eine Revolution in der ganzen Wahlrechtsfrage hervor bestimmt uns, an unserem preußischen Wahlrechte festzuhatlen, tommensteuer- Gesetz beschlossen sind, sind nicht im Stande, die bringen. Wollte man Staats- und Gemeindeſteuern zusammen aber gerade deshalb mnß eine Korrektur des Wahlrechts herbeiWirkung des neuen Tarifs und der neuen Veranlagungsmethode dem staatlichen und Gemeindewahlrecht zu Grunde legen, so geführt werden, das ist auch seitens der Staatsregierung an 3 paralysiren. Durch die neue Gewerbesteuer, welche am würde man vielleicht über manche Schwierigkeiten hinwegkommen. erkannt worden. Wir sind der Meinung, zur Korrektur des 1. April 1893 in Kraft tritt, wird die Verschiebung des Wahl- Ich freue mich, daß Herr Richter anerkannt hat, daß eine Er- Wahlrechts müsse schon in der nächsten Session eine Vorlage gerechts eine noch stärkere werden, so daß Diejenigen, welche an dem leichterung der unteren und zum Theil auch der mittleren Klassen macht werden. Wenn die Kommunalsteuer- Reform in der nächsten Dreiflaffen Wahlsystem festhalten wollen, welches allerdings die( Widerspruch Richter's) durch das neue Einkommensteuer- Gesetz Session scheitern sollte, dann würde es besser sein, durch ein nationalliberale Partei schon vor 25 Jahren bei ihrer Gründung stattgefunden hat. Für die Neu- Eintheilung der Wahlkreise können interimistisches Wahlgesetz die Bedenken zu beseitigen, welche als unhaltbar bezeichnete, sich fragen müssen, ob nicht eine Reform wir uns nicht erwärmen. Wir wünschen aber, daß bezüglich des durch die Verschiebung der Steuerlaft hervorgerufen sind. Bezüg dringend nothwendig ist. Eine andere Frage ist die Neu- Ein- Wahlrechts die Regierung alles so vorbereitet, daß die Steuerlich der Bevölkerungszunahme können die Gründe, die vor theilung der Wahlkreise. Durch das Anwachsen der Bevölkerung| reform darunter nicht leidet. 20 oder 30 Jahren geltend gemacht worden sind, nicht maßist das Gesetz von 1860, welches auf der Volkszählung von 1858 Abg. Graf Limburg Stirum( t.): Gleiches Wahlrecht im gebend sein. Jedenfalls erfordert aber die Korrektur nach dieser beruhte, und die Vorschrift für die neuen Provinzen, welche auf Reiche und in Preußen ist nicht nothwendig, sonst könnte man Richtung hin eine große Arbeit. Wenn man nicht die Zahl der der Bählung von 1864 beruhte, längst veraltet. Die industriellen ja auch im Reiche das Dreillassen- Wahlsystem einführen, welches Abgeordneten vermehren will, muß man gewiffen Landestheilen Gegenden und die Stadt Berlin z. B. würden erheblich mehr für Preußen verfassungsmäßig feststeht. Was das Wahlrecht an- einen Theil der Vertreter nehmen. Das würde bedenklich sein Abgeordnete beanspruchen können, als bisher. Berlin hat nur geht, so können wir noch gar nicht ermessen, welche Veränderungen für die schwach bevölkerten, der Auswanderung ausgesetzten 9 Abgeordnete, obgleich es mehr Einwohner zählt, als West- durch die Steuerreform entstehen. Deshalb können wir auch von Landestheile. Daß Berlin einen Anspruch auf eine stärkere Berpreußen mit 22, Pommern mit 24 und Hessen- Nassau mit 26 Ab- der Regierung feine Gesetzesvorlage nach dieser Richtung hin tretung hat, will ich nicht leugnen; aber die Stadt Berlin hat geordneten. Aehnlich liegen die Verhältnisse in Breslau, Frank- verlangen. Das wird erst möglich sein nach Abschluß der Steuer- nicht bloß wirthschaftlich, sondern auch politisch große Vortheile furt, Köln, Elberfeld- Barmen, Krefeld, Altona u. s. w. Wollte geſetze und nach Erprobung derselben während einiger Zeit, denn von ihrer Zentralstellung. Die Grenzen Berlins werden Aendeman die Steuerleistung zu Grunde legen, so würde Berlin nicht über die Wirkung der Steuerreform ist man sich jetzt noch nicht rungen erfahren müssen. Deshalb ist es nicht gut, die Neu23, fondern 63 Abgeordnete beanspruchen können.( Heiterkeit.) tlar; Herr Nichter wenigstens lacht darüber, daß die mittleren eintheilung der Wahlkreise zu verbinden mit der Aenderung des Berlin bezahlt mehr direkte Steuern, als Ost- und Westpreußen, Bosen Klaffen entlastet sein sollen. Die Regierung und das Haus sind Wahlrechts. Ich glaube, daß der Antrag durch die Erklärung und Pommern zusammen genommen, welche 109 Abgeordnete haben. nicht von der Ansicht ausgegangen, daß auf eine bestimmte Be- des Ministers seine Erledigung gefunden hat. Für die neuen Provinzen gilt die Wahlkreis- Eintheilung nur bis völkerungszahl ein Abgeordneter entfallen soll, dieser Gesichts- Abg. Rickert( dfr.): Ich halte es für nothwendig, daß ein zu dem Zeitpunkt, in welchem der Verfassungsartikel 72 aus- puntt fam erst in letzter Linie in Betracht. Man wollte 1860 eine Wahlgesetz in der nächsten Session unter allen Umständen vorgeführt wird. Wer ein Intereffe an der Aufrechterhaltung der Stabilität der Wahlkreise; die Abgrenzung nach der augenblick gelegt werden muß; ohne Wahlgefeß keine Steuerreform. Wenn Wahlkreiseintheilung hat, der wird sich natürlich sträuben gegen lichen Bevölkerungsziffer würde die Wahlkreise einem steten der Minister Herrfurth sich wundert, daß ich mich auf den eine folche Reform. Die Regierung wird aber durch die baldigste Wechsel unterwerfen. Man muß doch neben der Zahl der Fürsten Bismarc berufen habe, so folge ich nur dem Grafen Borlegung einer Reformvorlage die Autorität des Hauses stärken. Menschen auch die Grundfläche in Betracht ziehen, auf welcher Caprivi, der auch erklärte: Wir nehmen das Gute, wo wir es Minister des Innern Herrfurth: Ich muß es ablehnen, die Menschen wohnen. 100'000 Menschen auf einer großen finden. auf eine Distuffion einzugehen, welche eine Aenderung unserer Fläche haben für den Staat eine andere Bedeutung als 100 000 Abg. Lieber( 3.): Das Zentrum steht voll und ganz auf Verfassung zur Grundlage hat. Das indirekte Dreiklassen- Wahl- Menschen zusammengepfercht in der Stadt.( Heiterkeit links.) Wenn dem Standpuntt des allgemeinen gleichen, direkten, geheimen system ist die verfassungsmäßige Grundlage für die Zusamment einmal eine rückläufige Bewegung täme, welche die Einwohnerzahl der Wahlrechts; es wird nicht zugeben, daß das Wahlrecht des jehung des Abgeordnetenhauses und die Regierung ist nich Städte vermindert, soll dann wieder eine neue Eintheilung erfolgen? Reichstages abgebröckelt wird; es hält auch für durchaus noth gewillt, an dieser Grundlage der Verfaffung rütteln zu lassen. Daß ein wesentliches Mißverhältniß besteht, tönnen wir nicht wendig, daß das Landtags- Wahlrecht sich nach dem Reichs- Wahl( Beifall). Die beiden Punkte des Antrages find zwar materiell anerkennen; deshalb werden wir den Antrag angebrachtermaßen recht richtet. Der vorliegende Antrag spricht aber nur von dem fonner, als sie sich beide beziehen auf die Wahlen zum Ab- ablehnen. bestehenden Landtags- Wahlrecht und von seiner Aenderung mit geordnetenhaus. Im Uebrigen ist aber bezüglich beider Punkte Abg. Rickert( dfr.): Daß die Konservativen, die jetzt unter Rücksicht auf die Steuer- Gefeßgebung, die so schnell als möglich die rechtliche und thatfächliche Lage wesentlich verschieden. Die großen Schwierigkeiten ein neues Programm aufstellen( Buruf herbeigeführt werden muß. Denn die nächsten Wahlen dürfen Verheißung des Art. 72 ist allerdings noch nicht erfüllt. Die rechts: Was geht Sie das an!), das allgemeine direkte Wahlrecht nicht auf Grund des bestehenden Wahlrechts ausgeführt werden. Ersetzung des Provisoriums durch ein neues Wahlgesetz ist von nicht annehmen werden, ist uns begreiflich. Aber auf die Ver- Es muß mindestens eine vorläufige Regelung des Wahlrechts der Landesvertretung mehrfach angeregt worden, ein Anlaß liegt faffungstreue sollte Graf Limburg nicht pochen. Im Reiche sind erfolgen auf Grund der schon jetzt übersehbaren Folgen der neuen auch vor in der begonnenen Steuerreform. Anders liegt es in die Herren v. Buttkamer und v. Helldorff nicht so verfassungs- Steuer- Gesetzgebung. Wollte man auf die Neueintheilung der Betreff des zweiten Punktes. Die definitive Regelung der Wahl- treu, da bekämpfen Sie das geheime Wahlrecht. Hier, wo Ihnen Wahlkreise eingehen, so würde dadurch die Aenderung des Wahlfreise ist bereits erfolgt. Eine Abänderung dieser bestehenden das Dreitlassen- System eine Vertretung sichert, die weder Ihrer rechts erheblich gefährdet werden. Wahlkreis- Eintheilung ist vom Landtage nicht anerkannt worden. wirthschaftlichen Stellung, noch Ihrer Intelligenz entspricht Abg. v. Kardorff( frk.): Der Zweck der Debatte scheint Was den Erlaß des Wahlgefeges anlangt, so will ich nicht in( Heiterkeit), halten Sie an diesem elendesten aller Wahlsysteme, mir ein etwas problematischer zu sein. Der Hauptzweck scheint Abrede stellen, daß die Aenderungen, welche aus Anlaß des Ein- wie Fürst Bismarck es nannte, fest. Wenn die Regierung glaubt, die Forderung des direkten Wahlrechts für Preußen nicht. Denn tommensteuer- Gesetzes vorgenommen sind, fein volles Aequivalent daß das Dreitlassen- System aufrecht erhalten werden kann im sonst wird sich doch Herr Richter feinen Illusionen über die bieten für die eingetretenen Verschiebungen. Ich habe deshalb größten Staate des Reichs neben dem direkten Reichs- Wahl- Stellung der Regierung und der Parteien zu seinem Antrage fofort die Verhandlungen aufgenommen wegen des Erlaffes eines fyftem, so befindet sie sich im Irrthum. Je größer der Wider- hingegeben haben. Alle Parteien werden die Verschiebungen ver Wahlgesetzes, welches geeignet wäre, die Verschiebungen zu fon- spruch zwischen dem Reichs- Wahlrecht und dem preußischen hindern wollen, welche die neuen Steuergesetze mit sich gebracht trolliren, welche durch die neuen Steuergesetze eingetreten sind. Wahlrecht wird, desto mehr wird die Oeffentlichkeit dahin drän haben. Das Zentrum ist der Verbündete der Konservativen. Die Es ist ein Entwurf aufgestellt, über welchen spezielle Erörterungen gen, das Wahlrecht Preußens zu ändern, da eine Abänderung direkten Wahlen im Landtage führen zu den direkten Wahlen in stattgefunden haben. Dabei hat sich ergeben, daß der Zeitpunkt des geheimen Wahlrechts im Reiche zur Revolution den Gemeinden und da tönnte man, wenn alles auf die direkten für dieses Gesetz noch nicht gekommen ist, daß man wohl nicht führen würde. Daß die Steuerreform eine Regelung des Wahlen gestellt ist, auf den Gedanken kommen, daß auch das zu übersehen vermag, wie den Verschiebungen zu begegnen ist, Wahlrechts nothwendig macht, hat der Minister anerkannt, er Oberhaupt des Staates durch die allgemeinen Wahlen gewählt einmal mit Rücksicht auf die erlassenen Gesetze und mit Rücksicht hat aber nicht anerkannt, daß das jetzt schon nothwendig sei. auf die Weiterführung der Steuerreformen. Die Verschiebungen Daher wird 1893 nach dem elendesten System gewählt werden, bei der Einkommensteuer sind andersartig als man früher an welches noch elender geworden ist durch die neue Einkommen genommen hatte; giffernmäßig ermitteln lassen sie sich erst nach steuer- Reform. Es wäre unverantwortlich, daß noch einmal auf Abschluß des Berufungsverfahrens und nach der ersten Veran- diese Weise gewählt werden soll, zumal die Wahlen jetzt für lagung der Gewerbesteuer. Erheblicher ist der Einfluß der Fort- 5 Jahre gelten. In den weiteren Steuergesetzen wird auf die führung der Steuerreformen. Wenn Grund- und Gebäudesteuer Wahlrechtsfrage Rücksicht genommen werden müffen. Die Wahlund Gewerbesteuer ganz oder theilweise fommunalen Verbänden freis- Eintheilung ist gefeßlich geregelt, aber daß dies definitiv überwiesen werden, so daß diese Steuern ausscheiden bei der und endgiltig geschehen sei, tann ich nicht zugeben. Graf LimBildung der Wahlklassen, werden neue Verschiebungen burg mißt dem dünn bevölkerten platten Lande eine größere Be entstehen und zwar nicht in dem plutokratischen Sinne, deutung bei als den Städten. Haben denn die dünn bevölkerten Abg. Lieber( 3): Ich habe nicht erst heute mich für das sondern zum Nachtheile der Grund- und Gebäudebesizer. Landstriche eine größere Bedeutung für die Wehrfähigkeit des allgemeine direkte Wahlrecht ausgesprochen; diese Forderung des Auch hierfür wird Fürsorge getroffen werden müssen. Landes.( Buruf rechts: Ja!) Ich habe immer gehört, daß die Zentrums ist sehr alten Datums. Unsere abweichende Ansicht Ich fann also keine andere Erklärung abgeben, als daß Erörterungen Berliner Jungen sich eben so gut geschlagen haben wie die auf dem Gebiete des Wahlrechts wird uns aber nicht abhalten, bereits eingeleitet, aber noch nicht zum Abschluß gelangt sind und Anderen.( Widerspruch des Abg. von Schalscha.) Jedenfalls wenn es sich sonst um verwandte Tendenzen handelt, mit den daß sich heute noch nicht übersehen läßt, zu welchen Zeiten der bringen die Städte sehr viel mehr Steuern auf als das Land. Konservativen zusammenzugehen, wie beim Zedliz'schen SchulAbschluß erfolgen wird. Anders liegt die Sache bezüglich der Irgend ein Prinzip muß doch für die Wahlkreis- Eintheilung gefeß. Die unheilvollen Folgen der direkten Wahlen kann ich Neu- Eintheilung der Wahlbezirke. Hier liegt kein Provisorium maßgebend sein. Ist es die Steuerleistung? Ist es die Be- nicht anerkennen; denn politische und kommunale Wahlen haben vor, sondern die Frage ist definitiv geregelt und zwar in Betreff völkerung? Ist es die Intelligens? Die Agrarier halten sich gar nichts gemeinsam. Wenn Herr von Kardorff seine Konder alten Provinzen durch das Gesetz von 1860, für die neuen allerdings fär sehr bedeutend nach jeder Richtung hin. Die sequenzen zieht bis zum Thron hinauf, so weiß ich nicht, was Provinzen provisorisch 1869, definitiv für Schleswig- Holstein 1872, Rücksicht auf das Deutsche Reich hat von einer Aenderung des parlamentarisch darauf noch zu antworten wäre. An Königstreue für Hessen- Nassau und Hannover durch die Kreisordnungen. Die Wahlrechtes abgehalten. Man wollte das Reichs- Wahlrecht in werden die Freikonservativen uns nicht übertreffen.( Zustimmung Bevölkerungszahl ist allerdings als wesentliches, aber nicht als feiner Wirkung abwarten. Für die Dauer wird man sich der im Zentrum.) ausschlaggebendes Moment in Betracht gekommen, als Motiv für Menderung des preußischen Wahlrechtes nicht widersetzen können. Abg. von Hnene( 3.): Herr von Kardorff sollte angesichts eine Abänderung der Wahlkreis- Eintheilung ist jedenfalls dieses Die alte Klasseninteressenwirthschaft ist schon etwas gelockert; es des Umstandes, daß das Bentrum jede Gefeßgebung nach besten Moment weder vom Hause noch von der Staatsregie wird nicht langer Zeit bedürfen, dann wird die Boltsvertretung Kräften gefördert hat, zum Theil unter Zurückstellung seiner rung in Betracht gezogen worden. Man hat sich mehr des Deutschen Reichs noch viel mehr anders werden als die Ver eigenen Forderungen, nicht solche Vorwürfe gegen dasselbe er an die Verwaltungseinheiten des Staats gehalten. Daß tretung des preußischen Staates. Wenn man trotzdem nach dem heben. Mit wem sind denn die Freikonservativen gegangen? erhebliche Verschiebungen eingetreten find, stelle ich nicht in Abrede. alten Wahlsystem wählt, so wird es doch nicht gelingen, die mit den Freisinnigen, das sind Ihre Verbündeten!( Heiterkeit.) Aber die Regierung hat ausdrücklich erklärt, daß sie auf die Be- Herren, welche sich jetzt mit einem neuen Programm abquälen, Abg. von Kardorff: Die Königstreue der Herren vom bölferungszahl nicht zurückgehen will. Im Abgeordnetenhaus in der gleichen Stärke zurückzuführen wie bisher.( Heiterkeit Bentrum habe ich micht verdächtigen wollen. Ich habe nur hatte man eine andere Auffassung, man hat aber ausdrücklich rechts.) darauf hingewiesen, daß die Einführung der allgemeinen Wahlen zurückgewiesen, daß eine periodische Revision stattfinden soll. Minister Herrfurth: Ich habe ausdrücklich erklärt, daß eine die Nation schließlich dahin geführt hätte, auch die Wahl 1873 beantragte Berlin eine Bermehrung der Zahl der Aenderung des Wahlgefeßes vorbereitet ist, aber ich habe auch des Oberhauples auf die allgemeine Wahl zu stellen. Abgeordneten von 9 auf 15. Die Kommission des Hauses hingewiesen auf den Zusammenhang des Wahlrechts mit der Den Freisinnigen ist es wohl mit der Einführung des allgemeinen schlug damals Uebergang zur Tagesordnung vor. Andere Steuerreform, so daß ich nicht sagen könne, wann die Vorlage Wahlrechts nicht so eilig. Denn sie würden ja hier kaum im Anträge von anderer Seite wurden ebenfalls abgelehnt. erfolgen würde. In Betreff der Neueintheilung der Wahlbezirke Hause erscheinen: dafür würden lauter Sozialdemokraten erIch glaube also fagen zu können, daß das Haus sich jeder habe ich anerkannt, daß im Wege der Gesetzgebung eine Aenderung fcheinen, namentlich aus Berlin. Menderung der Wahlkreis Eintheilung verfchloffen hat. Es ist stattfinde, aber weder die Staatsregierung noch das Haus haben mir sehr zweifelhaft, ob ein Antrag an das Haus, sich dafür zu die Absicht bekundet, von dieser Befugniß Gebrauch zu machen. erklären, Antlang gefunden hätte. Die Staatsregierung erklärt Im Munde des Abg. Rickert nimmt sich die Berufung auf den wird.( Unruhe.) Im Reich können wir die direkten Wahlen vertragen, sie sind vielleicht nothwendig. In Preußen ist das nicht möglich. Ich wollte das zur Klärung der politischen Lage bemerken. Abg. Graf Limburg Stirum: Das Zentrum war nicht unser Verbündeter, sondern wir gingen beim Schulgesetz unsern eigenen Weg. Das hätte sich auch bei der Ausführung des Gesetzes gezeigt. Die Freifinnigen mögen ja ihre Intelligenz höher stellen, als die unfrige, aber trotzdem hat die konservative Partei ihre Stellung stets zu wahren gewußt. Damit schließt die Debatte. Abg. Richter( dfr.) aus, daß ein Bedürfniß zum Bekenntniß In seinem Schlußwort führt für daS allgemeine Wahlrecht nicht vorhanden ist. Daß die Freh finnigen in Berlin Mandate verlieren würden beim direkten Wahlrecht, wissen wir. aber die Mandate find doch nur Mittel. nicht Selbstzweck. Unser Antrag war nur eine Anregung für die weitere parlamentarische Verhandlung. Jedenfalls hat die Debatte eine gewisse Aufklärung gebracht. Die unveränderte Beibehaltung des Dreiklassen-Wahlsystems hat sich als unhaltbar herausgestellt, da das Zentrum und die Nationalliberalen ohne Aenderung des Wahlrechts keine neuen Steuergesetze machen wollen. Wie die Aenderung erfolgen soll, ist aber von keiner Seite angedeutet worden. Man wird nielleicht erkennen, daß eine Reform nicht möglich und sich dann vielleicht mit dem Gedanken an das Reichswahlrecht befreunden. Wenn sich als Ergebniß der Steuerreform«ine Mehrbelastung der industriellen Bezirke her- ausgestellt, dann wird eine Aenderung derWahlkreis-Eintheilung allseitig gefordert werden. Bei dem Anwachsen der Wahl- männer-Kollegien sind die Wahlen fast nicht mehr durchzuführen. Allein entscheidend soll die Bevölkerungszahl nicht sein, aber mit- entscheidend ist sie bei dem Gesetz von 1860 auch. Dieses Gesetz brachte eine endgiltige Regelung nur insofern, als vorher bei jeder neuen Volkszählung eine neue Wahlkreis-Eintheilung statt- finden mußte. Jetzt müßte statt der damals als Maßstab ge- brauchten Zahl von b0 0 Einwohnern die Zahl von 70 000 an- gewendet werden. Eine periodische Revision verlangen wir nicht, wir verlangen, daß jetzt nach 30 oder 32 Jahren angesichts der veränderten Bevölkerungsvcrhältnisse eine Aenderung eintreten soll, damit nicht Vernunft zum Unsinn und Wohlthat Plage wird. Eine Vermehrung der Zahl der Abgeordneten würde unrichtig sein, eher könnte eine Verminderung Platz greifen. Dabei könnte sich Niemand beklagen, wenn eine Neueintheilung der Wahlkreise stattfinden würde. Es handelt sich hierbei nicht um einen Gegen- fatz zwischen Stadt und Land, sondern um die einseitigen Jnter- essen des Großgrundbesitzes, die aber im Herrenhause ausgiebig genug gewahrt sind. Aber selbst bei einer Neueintheilung der Wahlkreise wird hier von einer Majorisirung des platten Landes nicht die Rede sein können. Ueberhaupt sind hier lokale Fragen nicht entscheidend. Wir sondern uns nach politischen Grundsätzen. Von der anderweitigen Vertheilung der Mandate werden die Freisinnigen nicht ohne Weiteres Vortheil haben und wenn die Konservativen so muthig und intelligent sind, dann trauen sie doch auch dieser Eigenschaft und mißbrauchen sie nicht die mechanische Macht der Wahlkreiseintheilung. Wenn Herr v. Bennigsen erklärte, daß das liberale Bürgerthum nicht die ihm gebührende Stellung«innimmt, so gilt dies nament- lich in Bezug auf die Eintheilnng der Wahlkreise. Ich habe auch heute keine vollständige Ablehnung gehört. Selbst der Minister und Herr v. Huene meinten nur, daß zur Zeit von der ander- weitigen Einteilung der Wahlkreis« nicht die Rede sein könne. Nachdem der Antrag seinen Zweck erreicht hat. kann ich den An- trag nur zurückziehen. ' Damit ist diese Angelegenheit erledigt. Es folgt die Beratyung des Antrages des Abg. v. Schalscha, welcher die Regierung auffordert, einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach die Vorsitzenden der Einschätzungskommission bestraft werden sollen, wenn sie in Widerspruch mit der Steuererklärung eingeschätzt haben, ehe die Angaben des Steuerpflichtigen ge- prüft sind. Abg. v. Schalscha(Zentr.): Die Steuererklärungen werden abgegeben auf Pflicht und Gewissen, und wenn das auch viel» leicht für manchen nicht gleichbedeutend ist mit einer eidesstatt- lichen Versicherung, so ist es doch für jeden Ehrenmann dasselbe. Redner verweist auf die Verhandlungen des Einkommensteuer- Gesetzes und behauptet, daß das von ihm schon früher getadelte Verfahren der Einschätznngskommissarien dem Gesetze wider- spreche. Die Verfügung des Ministers werde nicht ausreichen; es werde zwar den Beamten angedroht, daß sie zur Verant- »vortung gezogen werden sollen; aber es fehlt an jederStrafbestimmung. Der Laudrath des Kreises Goslar hat sich in dieser Beziehung besonders ausgezeichnet; er hat die Steuererklärungen mißachtet. Wenn er trotzdem zum Polizeipräsidenten von Stettin befördert ist, so muß das im Publikum unliebsame Gefühle wachrufen und die Beamten werden eine solche Verantwortung nicht schwer empfinden. Die Mißachtung einer auf Pflicht und Gewissen ab- gegebenen Steuererklärung ist eine Ehrenkränkung, die auch eine gewisse Berücksichtigung verdient. Minister Herrfnrth: Ich bin zweifelhaft, ob ich auf die Worte des Vorredners eingehen soll, denn Bemerkungen über die Beförderung einzelner Beamten gehören wohl nicht hierher. Ehe der betreffende Herr befördert wurde, wußte ich nicht, daß er irgend etwas begangen haben sollte. Ich höre, daß er überhaupt nichts begangen hat und daß weiter keme Beschwerden gegen ihn vorliegen, als anonyme Briese an Herrn v. Schalscha. Minister Miquel bittet um Ablehnung des Antrages, weil schließlich kein Beamter vor einer Strafe sicher sein würde. Sollen die Mitglieder der Kommission, welche gegen ein« Maß- regel gestimmt haben, auch mitbestraft werden? Die ganze Auf- fassung des Antragstellers von der Ehrenerklärung, die in der Nichtbeachtung der Steuererklärung liegen soll, ist unrichtig. Die Einschätzungskommissionen verdienen nicht den Tadel, welchen Herr v. Schalscha ausgesprochen hat. Wenn sie nicht überall die Steuererklärungen beachtet haben, so liegt dies bei der Neuheit des ganzen Versahrens, welches dem Publikum nicht sympathisch war. Wenn massenhafte Beanstandungen von Steuererklärungen nothwendig waren, dann ist es entschuldbar, wenn bei der Kürze der Zeit diese oder jene Bestimmungen über das Verfahren nicht beachtet wurden. Ich kann das Haus nur bitten, dem Antrag nicht stattzugeben, um so weniger, als ich die Versicherung gebe, daß ich dafür sorgen werde, daß die gesetzlichen Vorschriften strenger als bisher befolgt werden. Abg. Wessel(frk.): Die Steuereinschätzung ist kaum be- endigt, der Minister kann noch gar nicht übersehen, ob die Vor- sitzenden richtig verfahren haben, und schon ist Herr v. Schalscha mit seinem abfälligen Urtheil bereit. Er hätte damit wohl etwas zurückhalten sollen. Er hatte aber das Recht, sich aus den Erlaß des Ministers zu berufen. Der Minister wird, ivenn er die Er» gebnisse sehen wird, erkennen, daß er keinen Anlaß hatte, in irgend welcher Weise mit solchen Verfügungen einzugreifen. Da- durch würde das überflüssige Schreibwerk in ganz ungeheurer Weise verinehrt werden. Denn die Zenstten haben zum großen Theil keine Ahnung davon, was eine Steuerdeklaration ist. Erst nach einer Beanstandung kainen manchmal brauchbare Antworten. Der Antrag ist vollständig verfrüht. Minister Miqnel glaubt auch, daß die Mißstimmung nicht kommt von der Verletzung der Gesetzesvorschriften, fondern davon, daß die Steuerzahler mehr als früher bezahlen müssen. Jede Beanstandung soll mit den Steuerzahlern besprochen werden. Das geht vielleicht zu weit, aber es ist einmal vorgeschrieben und wir müssen erst erproben, wie die Sache geht. Abg. Ludowieg(ntl.) erkennt an, daß in der Nichtbeachtung der Steuererklärung allerdings eine Rücksichtslosigkeit liege, aber eine direkte Ehrenkränkung könne er darin nicht sehen. Wenn er auch in der Tendenz mit dem Antragsteller übereinstimme, so könne er doch die Begründung nicht als eine glückliche an- erkenn«. Nach einem Schlußwort des Antragstellers wird der Antrag zurückgezogen. Schluß 3V« Uhr. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr. (Gesetzentwurf, betreffend die Geheimhaltung der Steuerergebnisse, Petitionen.) Mommunales. Stadtverordneten• Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag, den 19. Mai, Nachmittags 5 Uhr. Die Ersatzwahl für den verstorbenen Stadtv. Meibauer findet am 31. Mai statt. Auf der Tagesordnung steht zunächst die vom 13. Februar datirte Vorlage betreffend die Verpflichtung der Aktiengesellschaft Berliner Elektrizitätswerke zur Legung von Kabel leitungen in sämmtlichen Straßen des im Vertrage vom 25. August 1888 bestimmten Stadtgebiets. Die Gesellschaft ist nach dem Vertrage verpflichtet, die Kabelleitungen in sämmtlichen Straßen bis zum 1. Oktober 1392 herzustellen; sie legt nun dem Magistrat ein Verzeichniß derjenigen Straßen vor, in denen die Lieferung elektrischen Stromes voraussichtlich so bald nicht eintreten wird, und beantragt sie von der Legung von Kabeln in diesen Straßen so lange zu entbinden, bis das Verlangen nach Lieferung elektrischen Stromes gestellt wird. Zu den betr. 42 Straßen bezw. Straßentheilen gehören u. a. die Adlerstraße, Bauhofstraße. Eiergasse, Kl. Stralauerstraße, Molkengasse, Petristraße, Parochial- straße, Falkoniergasse, Rosmaringasse, Rittergasse, Slallstraße, St. Wolfgangstraße, Universitätsstraße, Schornsteinfegergasse, Waisenstraße, Haidereutergasse, Kreuzstraße, Kl. Kurstraße, Magazinstraße, Niederlagstraße, Der Krögel. Der Magistrat hat das Ersuchen der Gesellschaft als billig anerkannt und die Zustimmung der Versammlung zu der Ent- bindung der Gesellschaft von der qu. Verpflichtung nachgesucht; die Gesellschaft foll sich aber verpflichten, jederzeit auf Verlangen des Magistrats die Kabelleitungen in den betr. Straßen herzu- stellen. Der für die Vorlage niedergesetzte Ausschuß hat dem Magistratsantrag mit der weiteren Einschränkung zugestimmt, daß die Gesellschaft nach wie vor verpflichtet bleibt, unter den im Vertrag? gegebenen Voraussetzungen und Bedingungen jedem Bewohner dieser Straßen aus Verlangen elektrischen Strom zu liefern. Die Ermittelungen wegen der f. Z. auf der Roßstraßenbrücke und am Spittelmarkt vorgekommenen, vermuthlich durch Defekte in den elektrischen Kabelleltuugen herbeigeführten Gaserplosionen sind, wie im Ausschuß auf Anfrage erwidert worden ist', beendet, die Sachverständigen des Magistrats haben aber zu einem ab- schließenden Urtheil nicht gelangen können, und es wird noch das Gutachten eines hervorragenden, in jeder Beziehung unabhängigen Elektrotechnikers eingeholt werden. Zur Sicherung des städtischen Rohrsystems gegen weitere Unglücksfälle seien die Elektrizitäls- werke verpflichtet worden, bei Kabelleitungen, welche neben de» Gasröhren herlaufen, 30 Zentimeter, bei Ueberleitungen 10 Zentimeter Abstand inne zu halten resp. unverzüglich her zustellen. Der Gegenstand hatte schon auf der Tagesordnung der Sitzung vom 21. April gestanden, war aber mit Rücksicht auf einige Petitionen, für deren Begründung noch weiteres Material in Aussicht gestellt war, abgesetzt worden. Das angekündigte Material ist inzwischen eingegangen, desgl. eine von einer Jnter- essentenversammlung beschlossene Resolution. Eingereicht sind zwei Anträge, welche die Zurückverweisung der Vorlage an den Ausschuß und die Ueberweisung der Reso. lution an den Ausschuß zur Berichterstattung bezwecken. Die Resolution verlangt eine Revision deS Vertrages in der Richtung der Freigebung der Installationen, Herabsetzung deS Tarifs u. f. w. Referent Direktor Schwalbe empfiehlt die Zurück- Verweisung der gesammten Angelegenheit in den Ausschuß. Die Versammlung beschließt demgemäß. Den Erwerb des G r u n d st ü ck eS B r eit e str. 21 von der Wadzeckanstalt zum Preise von 3S0 000 M. hatte der Magistrat in einer vom 9. April er. datirten Vorlage der Ver- sammlung vorgeschlagen. Inzwischen war aber bereits am 6. April das fragliche Grundstück von dem Verein zur Ver- waltung der Wadzeckanstalt durch notariellen Vertrag an den Kaufmann Louis Oppenheim zu einem höheren Preise verkauft worden. Der Magistrat zieht angesichts dieses Umstandes durch Schreiben vom 7. Mai die Vorlage zurück. In der Älusschußverhandlung über die Vorlage ist getadelt worden, daß in dieser wichtigen und als eilig anzusehenden An- gelegenheit seitens des betr. Bureaus eine unliebsame Ver- zögerung stattgefunden hat, da die Magistratsvorlage erst an» 9. April an die Versammlung abgesandt wurde, während schon am 8. März dem Verein durch die Baudeputation von dem bezüglichen Magistratsbeschluß Kenntniß gegeben worden war, und der Ausschuß beantragt, das lebhafte Bedauern hierüber dem Magistrat in einer besonderen Resolution auszusprechen. Ebenso hat das von der Anstalt dem Magistrat gegenüber beobachtete Verfahren das Mißfallen des Ausschusses erregt, und nach einem zweiten Antrage desselben soll die Versammlung erklären, daß dieses Versahren nicht als ein solches angesehen werden kann, wie es unter Behörden üblich zu sein pflegt.— Der Magistrat be- merkt seinerseits in dem Schreiben, womit er dir Vorlage zurück- zieht, daß wenn der Verein die Beschlußfassung über die An- gelegenheit über den gewöhnlichen Geschäftsgang hinaus be- schleunigt wissen wollte, es den Gepflogenheiten im Verkehr zwischen Behörden und Stiftungen wohl entsprochen hätte, wenn der Verein vor dem Abschluß eines anderweitigen Verlaufs dem Magistrat von dieser seiner Absicht wenigstens Kenntniß ge- geben hätte. Bürgermeister Zelle: Der neue Erwerber hat gestern den, Magistrat die Offerte gemacht, da? inzwischen von ihm erworbene Haus zu demselben Kaufpreise zu zediren. Der Magistrat hat darüber zunächst noch zu beschließe». Angesichts dieser Erklärung wird die Angelegenheit von der heutigen Tagesordnung abgesetzt. Das neue Statut der S t u b b e- S t i f t n n g(für alte, be- dürstige. unverheirathete Lehminneiii empfiehlt der Ausschuß zu genehmigen und die vom Magistrat geforderte Beihilfe von 3000 Mark zu bewilligen, jedoch nicht als einmalige Beihilfe, sondern für das Etatsjahr 1892/93. Die Versammlung tritt den Ausschußbeschlüssen bei. Dem Komitee für Einrichtung von Kursen für Lehrer zur Ausbildung in Jugend- und V o l k s s p i e l e n zu Berlin wird eine einmalige Beihilfe von 300 Marl zur Beschaffung von Spielgeräthcn aus städtischen Mitteln gewährt. Mit der Inangriffnahme der Ausführung der bereits genehmigten Straßen 5a und öd und der Uferstraße nebst einer an dieser belegenen Boots-Anlagestelle auf den städtischen Grund- stücken Köpenickerstr. 3—6 erklärt sich die Versammlung ein- verstanden und stellt als erste Rate 150 000 M. zur Verfügung Zur Enteignung einer Fläche von 1333 Quadratmetern vom Grundstück Skalisterstr. 79—83 behufs Freilegung der Skalitzer straße giebt die Versammlung ihr« Zustimmung. Die Vorlage, betreffend den Abschluß des L a g e r b u ch L der Stadtgemeinde Berlin für 1390/91, geht an den Rechnungs- ausschuß. Zur Regultrung deS PlanuferS zwischen der Kottbnser- und der Admiralsbrücke ist der Erwerb eines fiskalischen grünen Landstreifens von 400 Quadratmetern erförderlich. Der Fiskus(Ministerial-Baukommission) fordert 3,50 M. für den Quadratmeter. Der MagistratSantrrg wird genehmigt. In die Armendirektion wird Stadtv. Hammerstein gewählt. Endlich erklärt sich die Versammlung damit einverstanden, daß die Heimstätte für genesende Wöchnerinnen zu Blankenfelde bis auf Weiteres auch mit weidlichen Re- k o n v a l e s z e n t e n, die in der Heimstätte zu Blankenburg wegen Platzmangels keine Aufnahme finden können, belegt werde, soweit diese Heimstätte nicht von Wöchnerinnen in Anspruch ge- nomine» wird. Ein dringlicher Antrag des Stadtv. Vortinann verlangt die Beilegung der stenographischen Verhandlungen über die Echloßplatz-Angelegenheit vom 5. und 12. Mai zum Kommunal- blatte. Stadtv. V o r t m a n n verweist darauf, daß dieser Antrag schon in der vorigen Sitzung vorgelegen hat, damals aber mit den übrigen Anträgen für erledigt erklärt worden ist. Stadtv. L ö w e l hält die Sache für genügend erörtert und bittet, sie endlich zu begraben. Stadtv. B o r g m a n n: Der Autrag ist ausgegangen von unbesoldeten Gemeindebeamten. Diese haben eine so horrende Arbeitslast für die Stadtgemeinde Berlin zu leisten, daß bei einem solchen Petitum der etwaige Kostenpunkt nicht in Betracht gezogen werden sollte. Wenn diese Herren sich eingehend und gründlich über die städtischen Angelegenheiten und Vorkomin- nisse unterrichten wollen, müssen wir ihnen jede Gelegenheit dazu geben. Der Antrag wird abgelehnt, nachdem auch Stadtv. Meyer II die Sache für endgiltig abgethan erklärt hat. Schluß 6'/« Uhr. Loltnles. Arbeiter-Bildnngsschule, Kursus für National» ö k o n o m i e. Eine schwere Halsentzündung nöthigt mich, den Unterricht am 22. Mai ausfallen zu lassen. Wiederbeginn des Unterrichts: 29. Mai. Dr. Bruno Schönlank. Achtung! Genoffen im 4. Berliner NeichStagS-Wahl- kreis. Sonntag, den 22. Mai, früh 3 Uhr. bei Böhl, Frank- furter Allee 74, findet Flugblätter-Vertheilung statt. Um zah� reiches Erscheinen, insbesondere der Mitglieder des Vereins, ersucht Der Borstand. Der gegenwärtige Rektor der Berliner Universität. Prof. Dr. Forster, ist ein verdienstvoller Forscher und ein freidenkender Mann, aber er besitzt eine selbst für einen Ge- lehrten außerordentliche Naivetät. Er bildet sich nämlich ein, daß der Kern der Studentenschaft aus den Studenten bestche, welche studiren, und um der Studentenschaft eine gemei»sa»>e Vertretung zu schaffen, machte er ihnen den Vorschlag einen Studentenausschuß zu wählen. Selbstverständlich fiel der Rektor, wie wir voraussagten, mit diesem Vorschlage gründlich herein. Denn wie kann man verlangen, daß ein ganz gewöhnlicher Student, der seine Universitätszeit ernsten Studien und würdigen Genüssen widmet, ebenso viel zu sagen haben soll wie einer jener großspurigen und doch so servilen, pomaderiechenden Kouleur- studenten, der das bunte Band trägt, um seiner Schmisse im Ge- ficht halber nicht mit einem Palent-Louis verwechselt zu werden So ein Korps von 8 Mitgliedern will doch zum mindesten ebenso viel zu bedeuten haben wie eine„Blas«- von 1000 tüchtigen und dem Studium lebenden Studenten. So ist denn auch von den Kouleuren der Vorschlag des Rektors abgelehnt. Bei etwas weniger Naivelui konnte Herr Förster das voraussehen. An das Korpsstudenten- thum reicht seine Machtsphäre nicht. Er sollte einmal versuche». gegen dasselbe auch nur das Gesetz anzuwenden! Das Korps- burschenthum steht über dem Gesetze! Ja. das Bestehen der Korps ist schon widergesetzlich; denn sie verpflichten ihre Mit- glieder zur Uebertretung des Gesetzes. Der Eintritt in das Korps verpflichtet seine Mitglieder zum Duell, eine durch das Gesetz verbotene Handlung. Wollte Herr Dr. Förster, wozu er als Rektor verpflichtet wäre, das Gesetz anwenden, er würde sich den Korps die Zähne ausbrechen. Der Staat ist kein moderner Kulturstaat, wenn er auch Professoren anstellt; und es fehlt ihm auch noch viel zum Rechtsstaat, wenn er auch tausend Rechts- kundige anstellt; wie über dem Recht die Polizei, die Verwaltungs- maximen, so wallet über der Kultur di» Junkerbarbarei. Die Maßregelungeu von Parteigenossen wegen Be- theiligung an der Maifeier hören noch immer nicht auf. Heul haben wir von zwei Fällen zu berichten, die in der Umgegend Berlins sich zugetragen haben. Ter Vorstand des Landwehr- vereinS in R ü d e r S d o r f hat das Baterland insofern gerettet, als er vor einigen Tagen drei Vereinsmitglieder vor sein Forum zitirte und diesen eröffnete, daß sie aus dem Verein ausgeschlossen worden seien, weil sie am 1. Mai an einem Arbeiterfest in der Woltersdorfer Schleuse theilgenommen hätten. Die diesbezüglich« Anzeige hatte der Gendarm erstattet. Nun, unsere Genossen werden sich zu trösten wissen, die Zugehörigkeil zum Rüdersdorser Landwehrverein ist durchaus nicht nothwendig zu einem so»st ganz vergnüglichen Dasein. Der Fall zwei ist aus N e u- R u p p i n zu vermelden. Dem dortigen Buchhändler Otto ist folgendes Schreiben zugestellt worden: 1.„Neu-Ruppin, 5. Mai 1392. Aus Befehl des Herrn Hau»»' mann v. T r o s s e l theile Ihnen mit, daß derselbe Ihnen da» Betreten des Kompagnie- Reviers hiermit aus da» Strengste untersagt und«in Verkaufen von Büchern PP- 011 Unteroffiziere und Mannschaften der Kompagnie verbietet. A. B'-Marks, Feldwebel." 2.„Neu. Rnppin, 8. Mai 1892, Den Nnter- osfizieren und Mannschaften; ist der Weiterbezug der von Ihnen gelieferten Zeitschriften pp. unter- sagt und wird Ihnen seitens der Kompagnie das Be- treten der Kasernenrevier« auf das Strengste verboten. Töpfer. Feldwebel der 7. Kompagnie, Ludwigskaserne." Politische Schriften hat der Buchhändler Otto nie in die Kaserne gebracht, er hat aber an der Maifeier theilgenominen. Unsere politischen Gegner wissen sich bekanntlich vor uiora- lischer Entrüstung gar nicht zu fassen, wenn unsere Genossen ein«" Gastwirth oder Saaliuhaber boykotten, weil er es durch die Weigerung, seine Lokalitäten benutzen zu lassen, den Genoffcn zur Unmöglichkeit macht, in dem betreffenden Orte eine Versammlung abHallen zu können. Wir haben es sogar schon erlebt, daß die Aufforderung, den Saalinhaber so lange nicht zu besuchen, bis uns sein Saal ebenso zur Verfügung gestellt wird, wie alle« anderen politischen Parteien, streng bestraft worden ist. Sobald die Sozialdemokratie also aktiv in einen Boykott eingreift, ist d»» ein Verbrechen. Wenn aber die„staatserhaltendeu" Parteien Z» dein Mittel des Boykotts greisen, um einen Sozialdemokralc» wirthschastlich zu ruiuircn, so heißt es sofort: Ja, Bauer, das ist etwas Anderes. Das Ganze nennt sich dann im Deutschen Reiche gleich» Recht für Alle! Eine schdne Gleichheit! Die Dumme» werde» nicht all«. Am Mittwoch Abend fand wieder«ine zahlreich besuchte Versammlung der Mitglieder der„Zukunft" statt. Der Direktor Steuk war selbstverständlich nicht erschienen. Was hat er sich um die Anarisse der Mitglieder seines Vereins zu kümmern? Mögen sie schimpfen, wenn st«»»' zahlen! Es ist schön, wenn Herr Mctzker sagt:„Wir wollen aus der Zahl der Mitglieder einen Vorsitzenden wählen, uu» nicht den Herrn Direktor fett machen", aber er und die sänunl- lichen Mitglieder haben hierin gar nichts zu entscheiden. Und wenn sie in der nächsten Generalversammlung auch beschlie»«» wollten—, falls der Herr Direktor den Gegenstand, der statuten- widrig ist, überhaupl auf die Tagesordnung setzt— den Herl» Direktor abzusetzen, so kann dieser ruhig darüber lachen. Gr bleibt doch Direktor und behält die Hand auf den Geldern, b>e immer noch an die Kasse geliefert werden. Seit Jahren habe» wir schon diese„Zukunft" beleuchtet und die Zukunft dieser„3»° fünft" vorausgesagt. Der Verein ist nur ein Anhängsel der Ber- einsgründer. Die VereinSform ist zur Anlockung von M»' gliedern gewählt, die im Wesentlichen nichts zu sagen haben uno denen nur ein kleiner Spielraum gegeben ist, innerhalb dessen ssf sich einbilden können, ein Verein zu sein. Der Direktor ist»»B wegen der Mitglieder da. sondern dje Mitglieder wegen v» Direktors. In der Tpandauer Stadtforst passtren entsetzliche Dinge- Man höre nur, was der„Anzeiger für das Havelland" z» richten weiß: Daß in der Stadtforst doch stellenweise recht ver" dächtige Ge st alten auftauchen, haben gestern wievcr mehrere Spaziergänger wahrgenommen. Dieselben scheuchte' " " durch ihr Erscheinen zunächst in der Nähe des Försters Gottschalt| zustellen. Es stellte sich hierbei heraus, daß das Mädchen bei der| 80 Pf. pro Kilo befamen, wollen fie 75 Pf. zahlen, alle anderen drei Strolche auf, welche unter den Eichen auf einem Schilderung der ihr widerfahrenen Behandlung sehr übertrieben. Artikel jedoch nach freier Vereinbarung berechnen. Auf die Haufen trockener Blätter lagerten. Das Gleiche geschah eine Es wurde erwiesen, daß sie zum Verlassen der Wohnung eine Forderung, für Nebenarbeiten 20 Pf. pro Stunde zu bezahlen, furze Strecke weiter. Es ist nur zu natürlich, daß in der jezigen Thür hätte benutzen können, die in den Laden und von da auf und auf die Forderungen der Spuler wollen sie überhaupt nicht Jahreszeit gerade die Forst von solchem lichtscheuen Ge- die Straße führte. Ferner erwies sich die ihr angediebene eingehen. Würden wir uns auf einen solchen Ausgleich" einsindel zum Aufenthalt ausersehen wird. Büchtigung nicht als eine gemeinschaftliche, fondern als einfache. lassen, so wäre so viel wie gar nichts erreicht. Da jedoch nach Verdächtige Gestalten"," Strolche", lichtscheues Gesindel" Der Schlag mit dem Feuerhaten wurde dagegen erwiefen, der Schluß der Sihung die Meister nnd der Amtsvorsteher auf es muß toll hergehen in der Stadtforst bei Spandau! Das Angeklagten E. aber zugegeben, daß sie in hohem Grade durch unseren Wortführer eindrangen und ihn baten, er möge doch Spandauer Angstmeierthum wird die Hände über den Kopf zu- das Verhalten der Zeugin gereizt sein konnte. Der Gerichtshof seinen Einfluß dahin ausüben, daß die Sache baldigft beigelegt fammenschlagen, wenn es liest, daß sich der Stadtforst zu einer verurtheilte den Angeklagten Ehemann E. nur zu 5 M., die Ehe- werde, und wir daraus ersehen, daß die Arbeit wirklich drängt, Art märkischer Abbruzzen ausgewachsen hat. Es fehlte nur noch, frau G. zu 20 M. Geldstrafe unter Freisprechung von der An- so glauben wir, wenn wir noch einige Zeit aushalten und die daß sich die drei Strolche" unter Anführung des genialen flage der Freiheitsberaubung. Unterstützungen reichlich fließen, bald einen vollständigen Sieg Rinaldo Rinaldini Schulze den Spaziergängern in den Weg erlangen zu können. Deshalb bitten wir nochmals die Arbeitergestellt und unter den drohenden Rufen: La bourse ou la vie! Aus einem eigenartigen Beweggrunde wollte die 18 jähr schaft, uns auch ferner thatkräftigst mit Geldmitteln zu untereinen Nickel erbettelt hätten. Das wäre Spandau's Untergang! Nähterin Emilie Jauer die vierfache Urkundenfälschung be- stüßen, damit wir nicht auf das Niveau der Weber im EulenWenn doch der Spandauer Anzeiger" nicht immer jo gangen haben, welche sie gestern vor die erste Strafkammer des gebirge herabsinken. Verband aller in der Textil. fürchterliche Mordgeschichten in die Welt setzen möchte. Was Landgerichts I führte. Die Mutter der Angeklagten war im branche beschäftigten Arbeiter und Arbeiteum Alles in der Welt ist denn weiter paffirt? Einige Bourgeois Januar d. J. erkrankt, der sie behandelnde Kassenarzt stellte ihr rinnen Deutschlands, Filiale Rixdorf. ergeben sich im Spandauer Stadtforst, um sich Appetit zur schwer einen Schein aus. Nach Verlauf einer Woche mußte der Schein verdienten Abendmahlzeit zu verschaffen. Da ftoßen sie auf erneuert werden, die Angeklagte erhielt einen solchen auch von einige arbeitslose Männer, welche sich auf einen Haufen Blätter der Verwaltung der Krankenkasse und hatte nur mit dem Schein, gelagert haben, um so die angenehmen Wirkungen der Sonnen zu dem betreffenden Arzt zu gehen, um dessen Unterschrift einwärme fennen zu lernen. Eine turze Strecke weiter, und die zuholen. Die Angeklagte schrieb den Namen des Arztes selbst Blicke der Spaziergänger werden wiederum auf zwei oder drei und that dies dann noch in drei weiteren Fällen. Sie gab im Proletarier gelenkt. Das ist Alles! Der satte Bürger, der zur Termine an, daß sie sich gefürchtet habe, zum Arzt zu gehen, Der Verein Berliner Hausdiener hielt am 9. Mai in Vermehrung seines Appetites fich Bewegung schafft, hat natürlich weil derfelbe immer so grob sei. Da die Mutter der An- den, Armin Hallen" eine ordentliche Mitglieder- Versammlung ab, fein Bergnügen beim Anblick seiner Mitmenschen, die dazu ver- geklagten wirklich frant war, und deshalb auf die Kranken- in welcher Herr Dr. Pinn über das Thema„ Aus alter und dammt find, fich recht und schlechtmeist Legteres! durch's unterstüßung Anspruch hatte, so billigte der Gerichtshof der An- neuer Zeit" sprach. Der Redner führte aus der Geschichte, wobei Leben zu schlagen. Sofort wird nach der allmächtigen Polizei geklagten mildernde Umstände zu und erkannte auf eine Gefängniß- er bis zur Zeit der alten Römer und Griechen zurückging, geschrieben, welche die" Strolche" aus dem Gesichtskreis der Be- strafe von insgesammt zwei Wochen. drastische Beispiele dafür an, wie seit der Zivilisation Kapital fizenden verbannen soll. Armuth, Elend, Noth, der kapitaund Arbeit stets mit einander gerungen haben und daß auf dem listische Staat erzeugt diese Geißeln der Menschheit, er will aber nie an seine Schuld erinnert werden. Im Uebrigen fönnen wohl die Spandauer noch ruhig schlafen, es droht ihnen noch keine Invasion der Strolche" aus dem Stadtforst. Die Spandauer Polizei tennt ihre Aufgabe und derselben derart gewachsen, daß ein zweiter Wetzel nun und nimmer den Spandauern erstehen kann. Versammlungen. Tages= Zur Warnung für Haus- und Geschäftsfrauen, welche so Wege, welchen die heutige Sozialdemokratie marschirt, die Arhäufig billige" Wirthschaftsgegenstände und Nahrungsmittel von beiter zum Siege gelangen müffen. Er erntete reichen Beifall. unbekannten Personen zu kaufen belieben, kann die Anklage Hierauf fand folgende Resolution einstimmige Annahme: Die wegen Hehlerei bienen, welche die fiebente Straftammer des heutige Bersammlung erklärt sich im Prinzip mit den Aus Landgerichts I gegen das Schankwirth G.'sche Ehepaar aus Alt- führungen des Referenten einverstanden und ist der Ansicht, daß Moabit zu verhandeln hatte. Frau G., welche aus den Ein- es nur auf dem Wege der Beschlüsse der Arbeiterpartei möglich nahmen des in ihrem Schanklofal verabreichten Mittagstisches ist, eine Befferstellung der Lage der Arbeiter herbeizuführen; sie auch die Küchenbedürfnisse zu bestreiten hatte, war hocherfreut, verpflichtet sich, die Beschlüsse diefer Partei fräftig zu unterUeber das Befinden des 11jährigen Paul Helbig, der als ihr ein Mann, der gewöhnlich an den Markttagen stützen." Nachdem 15 neue Mitglieder in den Verein aufvor einigen Tagen mit seiner 8 Monate alten Schwester aus in dem Lokal zu einem Glase Bier erschien, angenommen worden waren, forderte der Vorsitzende zu zahlreicher einem Fenster der in der dritten Etage belegenen elterlichen bot, ihr Butter und Räse zu annehmbaren Preisen Betheiligung an der Landpartie auf, welche am zweiten PfingstWohnung Pappel- Allee 106 auf das Straßenpflaster hinabgestürzt liefern zu können. Das Angebot wurde angenommen und der Feiertag nach Müggelschlößchen stattfindet. Die Zahl der Kinder, ist, erfahren wir, daß sich der Zustand des im Krankenhause Gast erschien gewöhnlich an den Wochenmarktstagen, ließ seinen welche bis 14 Jahren freie Fahrt haben, ist anzugeben; der Preis Friedrichshain untergebrachten Knaben wesentlich gebessert hat Geschäftswagen vor der Thür halten und setzte wiederholt fleinere beträgt für Erwachsene 1 Wt. pro Person; Treffpunkt früh 7 Uhr und daß Paul H. wohl in türzerer Zeit als völlig geheilt wird Poften Butter und Käse bei G. ab. Die Angeklagten waren so Hausvoigteiplatz. Hierauf wurden mehrere Vereinsangelegenheiten entlassen werden können. Ueber den Vorfall selbst tann sich der saumfelig, gar nicht danach zu fragen, ob denn ihr Lieferant zu und Unterstüßungsgefuche, sowie der Fragekasten erledigt, wobei Kleine, der übrigens auch eine leichte Gehirnerschütterung durch den Verkäufen auch berechtigt sei und sie waren deshalb geradezu das jezige Wachsen und das ruhige und fachliche Arbeiten des zumachen gehabt hat, nicht erinnern; soweit polizeilich festgestellt, sprachlos, als eines Tages die Untersuchung wegen Hehlerei gegen Vereins mehrfach hervorgehoben wurde. Die Versammlung schloß dürfte der Unfall dadurch hervorgerufen sein, daß Paul H. mit sie eingeleitet wurde. Ihr Lieferant war nämlich der Kutscher mit einem dreifachen Hoch auf den Verein. seinem Schwesterchen, das übrigens gänzlich unverlegt geblieben, Stallbaum, welcher bei dem Käsehändler Schulz angestellt Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter( E. H. fich zu weit aus dem Fenster, an das er, um einen Vorgang auf war und in Gemeinschaft mit dem gleichfalls daselbst 29 und 89 Hamburg) Filiale Berlin 6. Sonntag, den 22 Mai, Bormittags dem Hofe zu betrachten, getreten war, gebeugt und so das Gleich bediensteten Hausdiener Marung sich als stiller Theilnehmer" 10% Uhr. Gartenstraße 163 bei Meißner, Mitgliederversammlung. gewicht verloren hat. Böllig hinfällig ist, wie uns aus- feines Chefs etablirt und zahlreiche Unterschlagungen begangen orbning: 1. Kaffenbericht. drücklich mitgetheilt wird, die Annahme, daß der hatte. Herr Schulz berechnet den ihm innerhalb weniger Monate Knabe in einem Anfalle von Geistesstörung aus dem Fenster zugefügten Schaden auf etwa 1000 M. Stallbaum hat auch ein gefprungen, da Spuren solcher Krankheit weder von den Eltern, recht luxuriöses Leben geführt und mehrere Verhältnisse unter noch den Lehrern des H. bei dem Kinde jemals wahrgenommen halten. Die beiden Träger dieser ftillen Theilhaberschaft" haben für ihre Veruntreuungen eine harte Strafe erhalten und die Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter( E. H. Sorglosigkeit der bis dahin ganz unbescholtenen G.'schen Nr. 29 und 89 Hamburg) Filiale 7, Sonnabend den 21. d. M., Abends 8 Uhr, Ueber die Umstände, die die 15jährige Klara Wernicke Eheleute hätte auch Röslinerstraße 17 bet Wendt, Mitgliederversammlung. Aufstellung des Kandiauch über Diefe beinahe ein schweres baten zur Generalversammlung. zur Mörderin an ihrem 7jährigen Stiefbruder werden ließen, be- Geschick heraufbeschworen. Der Staatsanwalt beantragte Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter( E. S. richtet die B. Br." noch: Nachdem die Unthat geschehen war, gegen den Ehemann, welcher einmal auf Ersuchen Nr. 29 zu Hamburg) Filiale 8. Mitgliederversammlung am Sonnabend den trieb sich die Wernicke in Begleitung der jüngeren Schwester und der Ehefrau den Käse bezahlt hatte, 6 Wochen Gefängniß, gegen Kandidaten zur Generalversammlung. 21. Mai, Abends 8 Uhr bei Herrn Wilte, Hochstraße 32a. Aufstellung eines ihrer Freundin, der gjährigen Malwine Erdmann, in Berlin Frau G. dagegen ein Jahr Zuchthaus. Der Antrag schien unher. Erst gegen 3 Uhr Morgens tam sie in der elterlichen die Frau gänzlich außer Fassung zu bringen. Ihr Vertheidiger Wohnung an. Sie gab dort vor, daß sie bei Bekannten Dienste Rechtsanwalt Leop. Meyer legte dem Gerichtshof nahe, bie geleistet, dafür 1,50 m. erhalten und mit diesem Betrage den thatsächlichen Verhältnisse zu berücksichtigen, unter denen in Bruder nach Hause geschickt hätte; aber er werde sich wohl ver- fleinen Schantwirthschaften die Frau Wirthin das Regiment in laufen haben. Am Montag wurde Klara Wernicke im Rigdorfer der Küche führe. Es sei zweifellos unverantwortlich, sich mit Amtsbureau wegen eines vor kurzem begangenen Diebstahls von ganz unbekannten Leuten in solche Geschäftsverbindung einzu90 Pf. verantwortlich vernommen. Hierbei war Malwine Erd- lassen, die begleitenden Umstände hätten es in diesem Falle aber mann als Beugin zugezogen. Als bie Wernicke den Diebstahl nicht verlangt, daß die Angeklagten Verdacht gegen die Ieugnete, rief die E. aus: Ja, sie hat doch gestohlen und den Ehrlichkeit des Lieferanten hätte schöpfen müssen. Der Bruder hat sie auch noch ins Wasser geworfen." So erfuhren Gerichtshof tam nach längerer Berathung zu derselben Ansicht bei Grube, Mariendorferstr. 10. die Behörden erst von dem Verbrechen. und sprach beide Angeklagten frei. wurden. Gerichts- Beifung. " 2. Aufstellung der Kandidaten zur Generalversammlung. Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter eingeschr. .. 29 und 89 Samburg; Berlin 9. Mitgliederversammlung am Sonntag den 22. d. Mis., Vormittags 10 Uhr bei Biect, Siemensstraße und Emdener: straßen- Ecke. Berichterstattung der Allgem. Versammlung der Berliner Filialen und Delegirten- Aufstellung. Drechsler und Berufsgenossen Deutschlands, Bahlstelle Riedorf und Umgegend. Bersammlung am Sonnabend den 21. Mai 1892, Abends Uhr im Lotale von Waldemar Weiß, Brinz- Sandjernstr. 7. Verband der Geschäftsdiener, Packer und Berufsgenossen, Freitag den 20. d. Mts., Wanderversammlung im Often bei Seeger, Grüner Weg 29. Bortrag von Dr. Christeller. uie, Markusstraße 31: Unterricht in Geschichte((( mittlere); Nordbei Fröhlich. Morgenroth 4, Stopnick bei Wiedemann in Adlershof.. Karthaus= Schule, Sagelsbergerstr. 43: Unterricht in Buchführung( doppelte); Süd= Arbeiter- Bildungsschule. Frettag, Abends 8%-10% Uhr: Süd= Offchule, Reichenbergerstr. 183: Unterricht in Deutsch( unterer); DftSchule, Müllerstraße 179a: Unterricht in Deutsch( unterer); Physiologie. In alle Lehrfächer tönnen noch Schüler und Schülerinnen, auch jetzt im Laufe des Semefiers, eintreten. Sese- und Diskutirklubs. Freitag. Karl Marr, Abends 8 Uhr, Westen, bei F. Kizing, Bülowstr. 52. Alle Abänderungen, welche den Arbeiter- Sängerbund oder den Bund der geselligen Arbeitervereine betreffen, sind nur an die Borstände derselben Ueber das Recht der Zeugnißverweigerung hat fürzlich zu richten. die Ziviltammer 14 des hiesigen Landgerichts folgende Gesichts- ftunde Abends 9 Uhr. Arbeiter- Sängerbund Berlino und Umgegend. Freitag. UebungsAufnahme von Mitgliedern. Raiser'fcher punkte aufzustellen Veranlassung gehabt. Ein in einer Klage- männerchor, Schönhauser Alee 28, bei Stublmen. Nord, Brunnenfache vorgeladener Zeuge sollte die Frage beantworten, ob er traße 38, bei Gnadt. Vorwärts 1, G.D. Adalbertstraße 21, bei Roll. in einer bestimmten Zeit mit der Klägerin einen intimen Ver- Rummenfcher Gesangverein, Landsbergerstraße 81, bet musehold. tehr unterhalten habe. Buchbinder Männerchor Berlins, Alte Jatobftraße 68, bei. Stichter. Er verweigerte fein Zeugniß und Maiglöckchen, Hochstr. 32a, bei Wilke. emüthlichteit Der Zeitungshändler P. Trunsch verkaufte am 18. März auf die Aufforderung, Thatsachen für die Rechtmäßigkeit( Buyer), Seybelstr. 30.- Iris, Köpnicerftr. 127a, bei Rüfter.-Collegia, in der Königstraße, in der Nähe des Rathhauses, die rothen der Zeugnißverweigerung anzugeben, erklärte er, daß er teichenbergerstr. 16, bet Bagold. Johanni, Rüdersdorferstr. 45, BesellNummern der Volks- Tribüne", sowie den Vorwärts". An zwar zu der in Frage stehenden Zeit unverheirathet war, in Bantow, Mühlenftr. 24, bet Stöhr.orwärts6,( Gem. Chor), Niederschaftshaus Oftend.- Palme, in Belten, bei Schröder.- Blaue Schleife, dem Zeitungstaffen prangte in rother Schrift: 18. März 1892. jedoch einen solchen intimen Verkehr außerhalb der Ehe für eine Schönweibe, bei Siebenbaum. Sänger Freiheit, Maunynstr. 43, Das Geschäft ging bei ihm recht flott. Der Schuhmann Hera unehrenhafte Handlung halte und sich deshalb gemäß wahrbeti, An der Zwölf- Apofteltirche 7b, bei Framte. trat nun an den Händler heran und forderte ihn auf, er folle§ 349 Nr. 2 C.-P.-D. zur Abgabe eines Zeugnisses hierüber nicht icher Gefangverein, Lichtenbergerstr. 21, bet Seife." Moabit", machen, daß er aus der Königstraße hinaus käme; im Friedrichs- für verbunden erachte. Durch Zwischenurtheil wurde diese Wilhelmshavenerftr. 23, bet Brosch. hain sei Platz genug für ihn. Der Händler ging darauf seines Beugnißverweigerung für unberechtigt erklärt, der Beuge legte Freitag: Berein Grüne Tanne, bet Kayfer, Markusstr. 8. Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. Wer Weges. Jedoch durch das Verhalten des Schußmannes war das dagegen sofort die Beschwerde ein und diese hat die 14. Zivil- gnügungsverein Alpen veilchen, bei Wenzel, Gr. Frantfurterfir. 99. Publikum erst recht aufmerksam geworden, und der Händler fammer als durchgreifend anerkannt. Es wurde von derselben u. a. Tambourverein Boruffia bei Feldhahn, Weidenweg 12( nebungsstunde). wurde nur seine Beitungen reißend los. Auf einmal trat der Folgendes ausgeführt: Das Gesetz will den Zeugen vor der Ruf Sommer, Grünftr. 31:( lebungsstunde). Beamte wieder heran, arretirte Zunsch und lekterer Bwangslage bewahren, Thatsachen bekunden zu müssen, deren Gartenstr. 52:( Uebungsstunde). Gesang-, Turn- und gesellige Vereins. Freitag. Männer- Gefangerhielt darauf eine Antlage wegen Einnahme einer wahrheitsgemäße Offenlegung ihm zur Unehre gereichen, mithin verein union, Abends 9 Uhr, Berliner Bockbrauerei. Quartettverein festen Handelsstelle und wegen Nichtbefolgung des polizeilichen feine allgemein menschliche oder im Speziellen seine gesellschaft Bedding, Abends sy Uhr, bet stönig, Gerichtsstraße as PrivatBefehls. Am 23. Mai hatte sich Trunsch wegen dieser Delikte liche Ehre mindern würde. Die Verweigerung des Zeugnisses ist Theaterverein Crescendo, Abends 9 Uhr, bet Schulz, Buttbuferstr. 35. Waldesrauschen, Abend 9 Uhr, bei Weigt, Martgrafenftr. 87. vor dem Schöffengericht zu verantworten. Trunsch erklärte, er auch dann zulässig, wenn nach der Ueberzeugung des Gerichts musttverein Tusch, Freitag Abend 9 Uhr, Restaurant Rebelin, Langehabe weiter Nichts gethan, als was jeder andere Geschäftsmann die Beantwortung der Beweisfrage den Zeugen auch nur unterstraße 108.+ 8uch binder Männerchor, Abends 9 Uhr, Restaurant thue. Er habe seine Kunden bedient, daß man sich nach den besonderen Umständen zur Unehre gereichen könnte und Richter, ung Berliner Turngenossenschaft. Die erste Männerabtheilung Zeitungen gedrängt habe, sei nicht seine Sache. Der Amts- es bedarf einer Geltendmachung dieser Umstände da nicht, wo turnt Freitag und Dienstag Abend von 8-10% Uhr in der Turnhalle des anwalt beantragte 1 Tag Haft wegen der Einnahme eines festen nach Lage der Sache die Möglichkeit ihres Vorliegens ohne anner- Abtheilung turnt heute Abend von 8%-10% Uhr in der TurnLeffing- Gymnasiums Pantsir. 9-10.- Turnverein Gesundbrunnen Verkaufsstandes und im übrigen Freisprechung. Der Gerichtshof Weiteres angenommen werden kann. Der Zeuge wurde des halle des Leffing- Gymnasiums, Pantity. 9-10. sprach jedoch den Händler ganz frei, indem er der Ansicht war, halb, obgleich er unverheirathet war, für berechtigt erklärt, sein Vergnügungsverein Esperance, Abends 9 Uhr, Rosenthalerstr. 11-12, daß, so lange der Händler Käufer habe, von einer festen Handels- Beugniß über die in Rede stehende Frage zu verweigern. Die im Restaurant. Vergnügungsverein Veilchen, Abend 9 Uhr, bet Braune, stelle nicht die Rede sein könne. hiergegen eingelegte Beschwerde ist, wie bie" BI. f. Rechtspfl." Oranienftr. 183 p.- Gefelliger Arbeiterverein Graphia, Abends 8 Uhr, bet Ritter, Mauerstr. 86.- Unterhaltungsflub Schiller, jeden Freitag melden, unter Verweisung auf die durchaus zutreffenden Ent- Abend 8 Uhr im Restaurant Holzbächer, Dreifeftr. 3. fcheidungspunkte des Landgerichts" vom Kammergericht zurückgewiesen worden. gewiesen worden. " Soziale Uebersicht. Literarisches. Wirbel Müller, Männerchor Patriarchalische Gefinde- Ordnung. Unter der Anklage, ihr Dienstmädchen Antonie Schröder in nicht zu rechtfertigender Weife behandelt zu haben, standen gestern der Kaufmann Hermann Erbe und dessen Ehefrau Marie Erbe vor der zweiten Straffammer des Landgerichts I. Die Anklage lautete auf gemeinschaftliche Mißhandlung und Freiheitsberaubung, gegen Frau Erbe auch auf Köperverlegung mittelst gefährlichen WertEhrlos. Soziale Studie von G. Delman. Berlin und zeugs. Die Belastungszeugin Antonie Schröder gab eine haarLeipzig, Alfred H. Fried u. Ko. ftraubende Schilderung von der Behandlung, die sie seitens der Zum Streit der Weber und Spulerinnen Rigdorfs Bon der Neuen Zeit"( Stuttgart, J. H. W. Diet' Angeklagten erfahren habe. Am 1. Oftober v. J. habe sie den wird uns geschrieben: Nachdem am Sonnabend vor acht Tagen Verlag) ist soeben das 34. Heft des 10. Jahrgangs erschienen. Dienst angetreten. Sie sei mit Arbeiten überhäuft gewesen, in eine Deputation der streifenden Weber, welche den Grund des Aus dem Inhalt heben wir hervor: Berliner Geschichten. Der unfreundlichsten Weise zur angestrengtesten Thätigkeit an- Ausstandes in der an diesem Tage stattgehabten Sigung der B. Becker's Buch über Lassalle's Ende. Von Ed. Bernstein. gehalten worden. Eines Tages habe sie das Schlafzimmer der Gemeindevertreter darlegen wollte, von dem Gemeindevorstand Die Bergarbeiter im Oberharze.- Die Arbeiterbewegung in den Angeklagten nicht rechtzeitig aufgeräumt gehabt, da habe ihr nicht vorgelassen wurde, berief letterer, wohl auf Drängen der Vereinigten Staaten. 1877-1885. Von F. A. Sorge.( FortHerr sie wiederholt mit einem nassen Lappen um die Ohren ge- Fabrikanten hin, die Streitfommission nach dem Anit und ersehung.) Literarische Rundschau. Notizen. Feuilleton: Schlagen und ihre Herrin ihre viele Fauftschläge versetzt. Bald flärte, er wolle für den folgenden Tag eine gemeinschaftliche Die Lessing- Legende. Eine Rettung von Franz Mehring.( Fort darauf habe die Leytere sie dermaßen eines geringen Versehens Sigung mit den Meistern und der Kommission der Ausständigen fetzung.) wegen mit einem Feuerhafen über die linke Hand geschlagen, daß zur Vermittelung der Angelegenheit anberaumen, worauf wir eine blutende Wunde entstand. Nun habe sie danach getrachtet, bereitwilligst eingingen. Während der Verhandlungen nahm der Wir erhalten foeben Heft 10 des Lieferungswertes:" Die den Dienst zu verlassen, die Angeklagten hätten dies aber dadurch Amtsvorsteher die Unternehmer sehr in Schuh. Gleich im Anfang Deutsche Revolution, Geschichte der deutschen Bewegung von zu verhindern gesucht, daß sie sämmtliche Ausgänge der fam er auf eine Erwiderung zu sprechen, die wir auf ein Gin 1848 und 1849" von Wilhelm Blos.( Stuttgart, J. H. W. Diet' Wohnung verschlossen hielten. Die Beugin fei dann gesandt der Meister in den hiesigen Tageblättern veröffentlicht Verlag.) nach mehrtägiger Einschließung, auf die Gefahr hin mit hatten und in welchem wir nachwiesen, daß sie unsere Forde Das vorliegende Seft schildert die Thätigkeit des Erzherzogs gebrochenen Gliedern liegen zu bleiben, von der ersten Etage rungen bewilligen fönnen, indem sie noch Säufer bauen und Johann von Desterreich als Reichsverweser über Deutschland, die Aufdurch das Fenster auf den gepflasterten Hof hinabgesprungen, andere größere Ausgaben zu machen im Stande sind, der Amts- lösung des Bundestags und Einsetzung eines Reichsministeriums, sowie wunderbarer Weise sei sie ohne Berlegungen davongekommen. vorsteher meinte dazu, es könne doch ein Jeder mit feinem Gelde den Niedergang des Ansehens und der Bedeutung des Frankfurter Die Angeschuldigten beftritten die Angaben der Zeugin und machen, was er wolle, und die Haus- und Grundbesitzer feien Barlaments. Ferner wird das Treiben der preußischen Kamarilla gehorsames Verhalten auch die sanfteste Herrschaft in Harnisch namentlich in Nixdorf hätten sie große und schwere Saften zu welch letztere berufen war, eine Berfaffung für das Königreich bringen mußte. Es war ein großer Zeugenapparat aufgeboten tragen. Die Meister zeigten so viel wie tein Entgegenkommen; Preußen zu vereinbaren, eingehend beschrieben.- An Illustra worden, um die Wahrheit der beiderseitigen Behauptungen fest. für die Waare mit 32. Wolle, für welche wir schon vor 3 Jahren tionen enthält das Heft: Eine Barlamentssigung in der Pauls. # 1 firche zu Frankfurt a. M., ferner die Porträts von Schmerling, Karl Vogt, Rösler aus Dels, Franz Ziegler und Nees von Esenbeck. Das Werk wird in ca. 22 Lieferungen à zwei Bogen Großoktav komplett vorliegen. Alle 14 Tage erscheint ein Heft zum Preise von 20 Pfg. Bon der Gleichheit", Zeitschrift für die Intereffen der Arbeiterinnen( Stuttgart, J. H. W. Diet' Berlag) ist uns soeben die Nr. 10 des 2. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Zweierlei Maß und Gewicht. Die Arbeiterinnen und die Maifeier. Defter reichischer Frauentag. Internationaler sozialistischer ArbeiterRougreß in Zürich 1893. Ungenannte Heldinnen. Feuilleton: Das Beilchen. Von B. Oulet. Arbeiterinnenbewegung. Kleine Nachrichten. Die„ Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfg., durch die Post bezogen( eingetragen in der Reichspost Zeitungsliste für 1892 unter Nr. 2564a) beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.g; unter Kreuzband 85 Pfg. Inseratenpreis die zweigespaltene Petitzeile 20 Pfg. Vermischikes. Schiffsuntergang. Die deutsche Bark" Sirene" von Wilmington nach Liverpool mit einer Ladung Theer und Harz bestimmt, ist am 15. April cr., zwei Tage nach der Abfahrt, ge funten. Der Kapitän und 7 Mann der Besaßung wurden durch die deutsche Brigg, Doktor Witte" aufgenommen und in Bremer haven gelandet. Die übrige Besagung von 3 Mann wurde auf einer russischen Bark geborgen. unterhalb St. Louis auch durchbrochen sei. 35 Familien sehen| M. H., Paukstraße. 1. Der Stiefvater ist zur Erhaltung ihrem Untergang entgegen, wenn sie nicht aus ihrer gefährlichen der Stieftinder nicht verpflichtet. Richten Sie eine neue Lage befreit werden. Eingabe an die Armendirektion, in der Sie mittheilen, Durchbrenner. Der Postpacketbote Peter Magien aus der Stiefvater wolle für Nichts aufkommen. 2. Falls solche Speyer ist nach Unterschlagung eines an die Regierung adreffirten Sachen gepfändet werden, fei es wegen Steuern oder anderer Geldbriefes mit 6270 M. nach der Schweiz geflüchtet. Schulden des Mannes, so fann die Braut interveniren. In Zürich ist der Maler Arnold Boecklin von einem i G., Sophienstr. Anträge auf Gestattung der Namens Schlaganfall betroffen worden, der eine halbseitige Lähmung zur Jänderung sind an das Polizeipräsidium zu richten, haben aber Folge hatte. Der Zustand des Kranken ist nicht unbedenklich. nur, wenn ganz gewichtige Gründe vorliegen, Aussicht auf Erfolg. K. M., Naunhustr. Das ist nur die Staats- Einkommensteuer; dazu kommt noch die städtische, welche 70 p& t. der ersteren beträgt; die Veranlagung der Steuerstufe ist bei beiden Steuer arten dieselbe. Depeschen. ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) J. 2. Jeder Anspruch gegen den Möbelhändler wegen Mängel der gelieferten Sachen verjährt in 6 Monaten. Sie tönnen also Nichts mehr thun. 2. K. Sie können, da eine Kündigung weder mündlich noch schriftlich ausgemacht ist, Ihre Portierstelle jederzeit ohne Kündigung aufgeben. Paris, 19. Mai. In einem heute im Elysée abgehaltenen Ministerrathe legte der Justizminister Ricard dem Kabinet einen das Preßgesetz abändernden Gesetzentwurf vor. Auf Grund desselben wird die Verleitung zum Diebstahl mit Strafe be- P. B. 500. Wir können Ihnen leider feinen Rath geben. legt sowie die Strafe für eine an die Armee gerichtete Der Pfandleiher ist, wenn bei der Auktion der Betrag der Dars Aufforderung zum Ungehorsam verschärft. Ferner giebt der lehnssumme nebst Binsen nicht voll gedeckt wird, das Fehlende Entwurf den Behörden das Recht der Präventivbeschlagnahme von Ihnen zu verlangen und eventuell einzuklagen. von Zeitungen und der Präventivverhaftung von Journalisten. Briefkaffen der Redaktion. H. B. Die Genossenschaftsbäckerei befindet sich Müllerstraße 33/34 a. 66. W. R. Da müssen Sie sich an den Armenvorsteher wenden. M. 2. 101. Die Fragen sind besser mündlich zu beantworten. Holen Sie sich daher die Antwort persönlich. J. B. 100. Wird demnächst in entsprechender Weise verwerthet. Ein alter Baum. Im Schloßpark zu Hampton Court( bei London) gerieth dieser Tage eine Eiche in Brand, welche 1100 Jahre alt sein soll. Der Baum war eine der größten Eichen in England. Obwohl die Feuerwehr bald erschien, konnte die Weißensee 105. A. B. Die Frau fann die Ghebrecherin Riesen- Eiche nicht gerettet werden. nur dann zur Strafe ziehen, wenn ihre Ehe wegen Ehebruchs Ueberschwemmung. Aus New Orleans wird gemeldet: geschieden ist. Dann kann sie gegen den schuldigen Gatten sowie Das untere Ende des Dammes von St. Louis gab gestern nach; deffen Mitschuldige den Strafantrag wegen Ehebruchs stellen. der Durchbruch ist jetzt 275 Fuß breit. Heute lief die Meldung J. M. Der Bericht über den Bußtags- Auszug der Musikein, daß der Damm auf der Ostseite des Missisippi 7 Meilen Instrumenten- Arbeiter kommt doch etwas zu spät. Fachverein d. Musikinstrumenten- Arbeiter. General- Versammlung des Vereins der Bau- Anschläger Sonnabend, den 21. Mai, Abends 8½ Uhr: Mitglieder- Versammlung in Deigmüller's Lokal, Alte Jakobstr, 48a. Tages- Ordnung: 1. Die neuen Arbeiterschuß- Gesetze. Referent: Genosse Kehler. 2. Disfuffion. 3. Stellungnahme zum Kranken Unterstützungsfonds. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. P Montag, den 20. Juni 1892: Grosses Sommer- Fest in der ,, Neuen Welt" verbunden mit Concert, Specialitäten, Feuerwerk. Billets sind zu haben beim Kollegen Wittig, Wienerstr. 33, II.; Böfer, Naunynftr. 24, IV., und sämmtlichen Vorstandsmitgliedern. 436/5 Der Vorstand. General- Versammlung des Berlin West, am Sonntag, den 22. Mai, Vormittags 10 Uhr bei Seefeld, Grenadierstr. Nr. 33. Tages- Ordnung: 1. Raffenbericht. 2. Neuwahl des gesammten Vorstandes. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Um rege Betheiligung ersucht 181/6 Der Vorstand. NB. Der Arbeitsnachweis des Vereins befindet sich bei Springborn, Madaistr.12, 10 000 2. G. Warum sich unnütz den Kopf über die Erbschaft von einem noch Lebenden zerbrechen? Denken Sie den Fall, er überlebt Sie, dann ärgern Sie sich noch im Grabe darüber. Uebrigens find Sie in feiner Weise Erbe Ihres Stiefvaters. F. V. 20. Das Gesetz betreffend die Unterstüßung von Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften ist nunmehr amtlich verkündet. Daffelbe ist vom Vorwärts" in Nr. 115 vom 18. Mai an der Spitze der Politischen Uebersicht" ab gedruckt. Die verschiedenen Fragen über den gleichen Gegenstand find hierdurch mit erledigt. G. S. Sie und Ihre Brüder sind gesetzlich verpflichtet, fich wechselseitig zu ernähren. Die Beleidigungsflage gegen den Arzt wird keinen Erfolg haben. W. E., Fiedrichsberg. Ihre Mittheilungen, die Sie von einer Arbeiterin aus einer Fabrik in der Dresdenerstraße haben, sind so unverständlich und allgemein gehalten, daß wir keinen Gebrauch davon machen können. Veranlassen Sie doch die Arbeiterin, selbst zu uns zu kommen. Gegr. 1876. Hüte 00000000000000000 mit Kontrollmarken aus der Ge nossenschafts- Hutfbr. zu 3, 3,50, 4, 5, 6. Cylinder eigener Fabrikation zu 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11 u. 12 M., empfiehlt OranienPaul Drenske Nachf., str. 172. 000100000 0000 Casseler ohne Knochen, à Pfd. 75 Pf. Auch in einzelnen Pfunden. 2382L Friedrichstr. 245, Telephon- Anschluß Amt 7b Nr. 609. F. Nietsch, Schlächtermeister, Wilhelmstr.109/ 110. Glaser. Sonnabend Abend 81, Uhr bei Gratweil Grosse öffentliche Agitations- Versammlung. Vortrag des Genossen Türk: Vertrauensmänner. Friedrichshagen. Unserem Freunde Konrad Pakelt Sonnabend, d. 21. Mai, Abends 81/2 Uhr, 3. f. 28. Wiegenfefte ein dreimal donnern Versammlung des Arbeiter- Bildungsvereins Vereins der Militär- Schneiderbringung Bertheilung." Schwindfucht. 2. Distuſſion. 3. VerSonnabend, Abends 82 Uhr, bet Norbert, Beuthstr. 22, 1 Tr. Tages- Ordnung: 1. Wie stellen sich die Mitglieder zu dem Antrage des Vorstandes, betreffs Ausschlusses des Kollegen Jdler. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom letzten Quartal. 4. Verschiedenes und Fragelasten. Kollegen, die dem Verein als Mitglieder beitreten wollen, haben zu dieser Versammlung Zutritt. 419/10 Der Vorstand. Gr. öffentl. Versammlung mit Damen im Gesellschaftshause. 1. Vortrag des Hrn. Dr. Zadek über eins- Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. 5. Fragefaften. Allg. Deutscher Sattlerverein. 378/20 Der Vorstand. Versammlung am Honnabend, den 21. Mai, Abends präz. 8 Uhr, aller in der chirurgischen Branche beschäftigten Berufsgenossen wiutominen. Sonntag, den 22. Mni, Abends 6½ Uhr, 132/6 in den Gratweil'schen Bierhallen, Kommandantenstr. 77-79, ( oberer Saal.) Tages- Ordnung: Vortrag des Herrn Dr. Wolf über die Geschichte der Ehe und die Stellung der Frau in der Gegenwart. Nach dem Vortrage: Geselliges Beisammensein und Tanz. Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer. Versammlung des Lehrkursus der Berliner Arbeiter und Arbeiterinnen zur ersten Hilfe bei Unglücksfällen am Sonntag, den 22. Mai, Nachmittags 4½ Nhr, bei Pyrtek, Gipsstraße 3. Tages- Ordnung: Vortrag des praft. Arzt Herrn Dr. Christeller über ansteckende Krankheiten. Diskussion. Verschiedenes. Vorher( von 3 Uhr ab): Familien- Kaffeekochen. Nach der Versammlung: Gemüthliches Beisammensein. 206/7 Die Bibliothek ist am 22. d. M., Vormittags von 10-11 Uhr, bei Feuerstein geöffnet. Die Kremserpartie soll am 19. Juni stattfinden. Meldungen beim Kassirer. J. A.: Gustav Dietrich, Willibald- Alexisstr. 40. Achtung! Maurer! Achtung! Sonntag, den 22. Mai, Vorm. 10 Uhr, im Lokale ,, Süd- Ost", Waldemarstraße Nr. 75: Versammlung der Zahlstelle II des Zentral- Verbandes. Tages Ordnung: 1. Wissenschaftlicher Vortrag.( Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. 382/2 Alle Maurer sind dazu eingeladen. Die örtliche Verwaltung. Schöneberg. bei Wienecke, Alte Jakobstraße 83. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gen. Franz Berndt. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste, besonders Damen, sind sehr Der Vorstand. NB. Ausgabe der Billets zu der am Sonnabend, den 9. Juli, stattfindenden Dampferpartie verbunden mit Sommernachts- Ball in der Borussia- Brauerei, 265/19 Nieder- Schönweide. Bentral- Kranken- u. Sterbekasse der Tischler und anderer gewerbl. Arbeiter. ( E. H. Nr. 3 Hamburg.) Oertl. Verwaltung Berlin A. u. H. Montag, den 23. Mai, Abends 8 Uhr, Mitglieder- Versammlung im Lokale Süd- Ost, Waldemarstr. 75. Die Versammlung wird pünktlich cröffnet. Tages- Ordnung: 1. Fortsetzung der Versammlung vom 16. Mai. 2. Statutenberathung. 3. Ver schiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Jedes Mitglied ist verpflichtet, in dieser Versammlung zu erscheinen. 300/15 Die Ortsverwaltungen. Rummelsburg. F Achtung für Gast- u. Schankwirthe. Empfehle mich zur Anfertigung von Spülwannen mit u. ohne Selbstregnlirung unter 3jähriger Garantie zu verschiedenen Preisen. 896 des Hoch, daß der ganzen Dhmgaffe mulmig wird. Ercr. ins Geld. 86b Die Fremdwörterstudien- Genossen. E. S. R. Z. E. S. Unferm Kollegen und Genossen Adolf Wünsch zum heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch, daß die ganze Loh mühle wackelt. Leberjunge merkste nischt! 93b] R. R. G. R. G. L. P. Sch. S. Todes- Anzeige. Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Den Kollegen zur Nachricht, daß der Klavierarbeiter A. Klitzing, Klempner, Wrangelstr. 60 a. NB. Jn Thätigkeit zu sehen beim Gaftwirth Schmalonsky, Wrangelstr. 60a. Empfehle Genossen, Freunden und Kollegen mein Weiß- und Bairisd- 19 Bier- Lokal. 94b Louis Adolph, Boeckhstr. 46. Empfehle meine Strumpf- u. Wollenwaaren mit Kontrollmarke; auch werden Strümpfe angestrickt. Karl Haffner am Mittwoch, den 18. Mai, Bormittags Uhr, verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 22. d. M., Nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofes aus statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet 436/6 Der Vorstand. Kreissäge, Bohrm. 3. Bürstenfab., Tischlerwerkz., Balanc., Transmiss., Robert Wengels, Treibt., Romptoirpulte zc. fehr bill, weg. 41 Koppenstr. 41. Brot, Kaffee, Butter, sowie alle Kolonialwaaren u. Mühlenfabrikate faufen Sie am besten und billigsten in der Verkaufsstelle der Genossenschafts- Bäckerei Schwedterstr. 20, Aufg. des Betr. Harmonikafab. Dem minerstraße 6. 78b 66/16 Restaurant billig zu verkaufen. Zu erfragen Cuvry str. 24, b. Polandt. Restauration nahe der Dranien straße, passend für Genossen, verkauf. Senf, Staligerstr. 18. Rißten- Geschäft mit großer Rund fchaft, 54 Jahre bestehend, ist zu verf. Brotverkauf der Genossenschaft, Näh. Schüßenstr. 15 im Restaurant.[ 88b Langestr. 96, nahe der Krautstr., bei 796 Moritz Voigt. Alte Stiefeln vert. Gen. Lehmann, Linienstraße 6. Größtes LagerBerlins Ecke Chorinerstraße. Defftl. Versammlung Kinderwagen. Andreas. 23$ p. des Arbeiter- Vereins Sonntag, den 22. Mai, Mittags für Rummelsburg u. Umg. 11/2 Uhr, im Lotale des Herrn Borchmann, Berlinerstraße Nr. 11. Tages- Ordnung: 1. Der Weltuntergang eine Frage der Freie Vereinigung der Bau- u. gewerblichen Hilfsarbeiter Beit. Referent: Gen. Roland. 2. DisSchönebergs und Umgegend. Sonntag, den 22. Mai, Mittags 12 Uhr, S Mitglieder- Versammlung. in Jakob's Salon, Grunewaldstraße Nr. 110: Tages- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Abrechnung vom 1. Quartal. Alte Stiefel Kinder trend and billig 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Wahl der Fachkommission. 5. Verschiedenes. Naunynstraße 2. 956 Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 110/6 Der Vorkand. für Herren, Damen und reell 121/11 Auch Schlafstelle für Genossen. Strohhüte werden gewaschen und auf den neuesten jeder Art liefern gut u. zu soliden Preisen Achtung! Formen modernisirt bei H. Böhm, Böllhoff Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Um pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. 眼 Drucksachen Boot& Schumann, Teltowerst.17. 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