Ur. 174. nbonnemenfS'Bedlngungen: ilbonnemkntz- Preis pränumerando! Vicrteljnhrp S,Z0 Ml, vlonatl. 1,10 Ml,, wöchentlich 28 Pfg. frei ws HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer niit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post-Zeitungs» Preisliste für»00» unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungam» Marl, für das übrige«uslanp S Mark pro Monat, SV. Jahrg. CriditlDt täglich außer Montag». Derlinev Volksvl�kk. m« Tnlertlons-GebOlsr beträgt für die scchsgespaltcne Kolonel- zcile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Hnzefgcn" jedes Wort E Pfg. (nur daS erste Wort fett). Inserate sü« die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn» und Festtagen bis 8 Uhr vormitttag» geöffnet. Telegramm-Aorefse: „Sodaliltinokrat BtrHa*'. Centralorgan der socialdemokratischen Uartei Deutschlands. K.eäaKtion: 8M. 68» I-inäensbrasse 69« Fernsprecher: Amt IV. Nr. IS8Z. Bxpedittom SAl. 68» Lindcnetraoec 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. IS8-». Die äußere Politik Englands. London, 24. Juli 1903. Die beiden Häuser des britischen Parlaments hatten gestern lange und ziemlich lebhaste Auseinandersetzungen über die äuhere und imperiale Politik des Kabinetts. Die Debatte des Unterhauses würde man groß nennen können, wenn Sir Charles Dilke, der sie einleitete, nicht so oberflächlich gewesen wäre und Mr. Gibson Bowles, der sie fortsetzte, seinen Hang zu Witzeleien bezwungen und »nehr Ernst gezeigt hätte. Dennoch war sie eine bedeutsame Aus- einandersetzung, denn sie brachte einige wichtige Bemerkungen Lord Cranbornes, des Unterstaatssekretärs des Aeußern, und eine Rede Sir Edward Grehs, des künftigen liberalen Kolonialsekretärs, in der er die Grundlinien der äußeren Politik des nächsten liberalen Kabinetts zeichnete. Selbstredend nahmen der deutsch- kanadische Zollkrieg und Mr. Chaniberlains Pläne den breitesten Raum in der Debatte ein, wobei die liberalen und radikalen Kritiker Redewendungen gegen das britische Kabinett gebrauchten, die. von Abgeordneten des deutschen Reichstages oder von socialistischen Blättern gebraucht, sicherlich als antinational gebrandmartt worden wären. Die ganze liberale Partei war thatsächlich darüber einig, daß das britische Kabinett sich in den dcutsch-kanadischen Zollstteit nicht hätte mischen sollen. Ferner ist einleitend zu bemerken, daß keiner von den Arbeiter- Abgeordneten das Wort ergriffen hat: Politik ist in England noch immer Sache der„Herren" und Tabu für die Arbeiter. Und doch wäre eS absolut nötig gewesen, daß ein Arbeiter dem konservativen Mr. Gibson Bowles eine Lettion in polittschem Anstand erteilt hätte.— Die Debatte umfaßte das ganze Gebiet der britischen Welt- Politik, also die Weltpolitik der Großmächte überhaupt. Denn es giebt keine weltpolittsche Frage, die nicht auf irgend eine Weise das britische Reich berührte. Zwei Gedanken lagen der Debatte zu Grunde: der wirtschaftliche Gegensatz zu Deutschland, und der politische Gegensatz zu Rußland in Asien. Da die Wirtschaft viel tiefer ins Leben der Völker eingreift, so ist die Feindschaft gegen Deutschland viel tiefer und unvernünftiger, als die gegen Rußland. Wie die Dinge jetzt liegen, hat die deutsche Politik ohne Zweifel mit einer feindlichen öffentlichen Meinung in England zu rechnen. Noch nie ist uns die Notwendigkeit einer starken socialistischen Partei in England so dringend erschienen als beim Zuhören der gestrigen Unterhaus-Debatte. Im Grunde genommen ist die englische Feindschaft gegen Deutschlands nicht ganz verständlich. Denn vom wirtschaftlichen Standpnntte aus bettachtet sind die Vereinigten Staaten von Amerika ein gefährlicherer Konkurrent Englands als Deutschland. Allein man kann sich in England noch nicht an den Gedanken gewöhnen, daß Deutschland eine kapitalistische Großmacht ist, die gleich andern Großmächten Weltpolitik tteibcn will. Oder aber, man fühlt in England instinttiv, daß die deutsche Weltpolitik nur auf den Ruinen eines Teiles des britischen Empires aufgebaut werden könne. Allem Anscheine nach wirken beide Momente zusammen. DaS letztere Moment ist unsreS Erachtens nicht unbedingt richtig. Das kapi- talistische Deutschland hat es nicht unbedingt nötig, in das britische Empire einzubrechen. Es könnte sich mit Kleinasien begnügen. Dies scheint auch die Ansicht Rtt. Balfours zu sein, und er war bereit, die deutsche Bagdadbahn zu fördern; er wollte den überschüssigen kapitalistischen Energien Deutschlands den Abfluß nach Kleinasien erleichtern. Aber die Polittker. die jetzt im Unterhause gegen das Kabinett und gegen Deutschland schreien, haben BalfourS Pläne durchkreuzt. Sir Charles Dilke beschuldigt die Regierung, daß sie keine sichere und feste Politik gegenüber Deutschland hätte, daß sie zwischen Nach- giebigkeit und Drohungen schwanke. Dies ist in noch schärferem Maße die Ansicht von Mr. Gibson BowleS, der die Regierung vor der deutschen Politiker warnt, die angeblich in dem SWotto bestehe; „Demander, prendre, reejevoir" sFordern, ergreifen, nehmen). Diese beiden Poliker. die in Bezug auf Kleinasien eine Politik verfolgten, die man im Englischen die dog-in-the-manger-policy nennt: wenn England die Bagdadbahn nicht haben kann, soll auch Deutsch- land sie nicht haben. Diese Parlamentarier— und mit ihnen die ganze öffentliche Meinung— argumentieren: Deutschland ist unlösbar an Rußland gebunden. Deutschland wird im Momente der Gefahr stets zu Rußland halten. Einen deutschen Pufferstaat zwischen Rußland und England kann es also nicht geben. Alle englischen Konzessionen an Deutschland kommen schließlich Rußland zu gute. Die englische Nachgiebigkeit gegenüber Deutschland kann den be- absichtigten Zweck, Rußland zu zügeln, nicht erfüllen. Noch niehr: sie erbittert nur Rußland, das ein weltpolitisch starkes Deutschland nicht dulden kann, und Deutschland wird stark werden, wenn Eng- land mit seiner Nachgiebigkeit fortschreitet. Wenn dem so ist. warum nicht direkt und offen mit Rußland unterhandeln? Mit den eng- tischen Konzessionen an Deutschland könnten die Briten Rußland benihigen, wodurch Deutschland weltpolittsch isoliert wäre. Also: Ausgleich mit Rußland und Gleichgültigkeit gegen Deutschland! Diese Argumentation scheint von einem sehr unvernünftigen Vorurteil gegen Deutschland geleitet zu sein. Gewiß ist die deutsche Politik, den preußischen Ilcberlieferungen folgend, in unwürdiger Weise an Rußland gekettet. Alle fteiheitlichen Elemente Deutsch- lands bedauern dies aufs lebhafteste. Aus der neueren Geschichte Deutschlands zu urteilen, hat jedoch die deutsche Regierung in der Aera Eaprivi den Versuch gemacht, sich aus der moSkowitischen Knechtschaft zu befteien. Aber so lange die Socialdemolratie nicht im Besitze der Macht ist. kann die deutsche Politik nur dann das schmachvolle russische Joch abwerfen, wenn sie die ehrliche Unterstützung Englands hat. Aber diese Uitterstützung wird ihr nicht zu teil. Deutschland hat zu Anfang der neunziger Jahre eine Annäherung an England gesucht, worauf Lord Salisburh erklärte, die englische Politik sei nicht mehr antirussisch. Dann sieht man in England nicht ein, daß kein Staat, keine Nation und keine Klasse stark wird, ohne gleichzeitig die alten Abhängigkeits- Verhältnisse zu beseitigen. So z. B. hat dieser Mangel an Einsicht in nationale Entwicklungen England im Jahre 1878 veranlaßt, Macedonien den Bulgaren zu entziehen und eS an die Türkei zurück- zugeben, weil Beaconsfield annahm, daß die um nationale Unabhängigkeit ringenden Balkanvölkcr sich bald Rußland unterwerfen würden. Daniit soll indes nicht gesagt sein, daß die Schuld nur auf englischer Seite liegt. Auch Graf Bülow scheint an dem irrigen Glauben der britischen Politiker schuldig zu sein. Kanu ein moderner Staat geachtet werden, der russische oder polnische Freiheitskämpfer ausweist, ja, in die Hände russischer Schergen tteibt? Oder läßt nicht Graf Bülow bei jeder Gelegenheit durch offiziöse Blätter erklären, daß ihm die russisch-englischen Konflikte gar nichts angehen? So war es z. B. im Januar 1903 bei der Durchfahrt russischer Torpedo- boote durch die Dardanellen. Wenn die Dardanellen Deutschland nichts angehen, so hat es gewiß kein Recht, englische Hilfe für die Bagdadbahu zu verlangen. Denn jeder weiß, daß materielle Kon- Zessionen in asiatischen Ländern politische Vorrechte be- deuten. Alle derartige Kundgebungen sind Wasser auf die Mühlen der anttdeutschen Politiker. Graf Bülow gilt hier meist als ein Feind Englands, der jede Gelegenheit wahrnimmt, die Briten zu demütigen und die russischen Interessen zu fördern. So hat sich die Meinung in England festgewurzelt, daß Deutsch- land nicht zu trauen wäre; es würde stets Rußland nachgeben und sich dafür an England schadlos halten. Lord Cranborne antwortete seinen Kritikern in ganz geschickter Weise; er sprach besser als je zuvor. Besonders nahm er sich Mr. Gibson Bowles vor, dem er erklärte, daß ein Mann, der eine so gehässige Sprache führe, keinen Anspruch machen könne. in äußeren Fragen ernst genommen zu werden. Dabei gab Cranborne indirekt zu, daß zwischen Deutschland und England ein Vertrag in Bezug auf Portugal existiere, d. h. in Bezug auf die portu- giesischen Kolonien in Südafrika, aber fügte er hinzu:„Ich will sagen, daß die Regierung nichts gethan hat, was als ein Angriff auf unsren ältesten Bundesgenossen— Portugal— ausgelegt werden könnte." Ebenso erklärte Cranborne, daß der englisch-japanische Vertrag die speciellen Interessen Japans in Korea anerkenne. Sir Edward Grey war gleich allen andren Rednern des Unterhauses für eine Verständigung mit Rußland. Die britische Regierung sollte eS allen klar machen, daß sie keine GebietSauSdehnnng verlange. Sie sollte sich auf die Wahrung ihrer kommerziellen Interessen beschränken. Die Integrität Chinas oder PersienS sei eine Illusion, die nur zu Enttäuschungen führen könne. Eine Auftechterhaltung des otaws quo in diesen asiatischen Reichen sei nicht mehr möglich. Deshalb wäre es das beste, mit den wirklichen Zuständen zu rechnen und mit den beteiligten Mächten zu Kompromissen zu gelangen. Nach diesen Er- klärungen des bedeutendsten liberalen Staatsmannes im Unterhause zu urteilen, hat die liberale Partei absolut keine Politik gegenüber Rußland. Es ist die alte Misere aus der Zeit Gladstones. In Bezug auf den deutsch-kauadischen Zollkrieg stellte sich die ganze liberale Partei und ein Teil der konservativen Partei auf feiten Deutschlands. Es sind dies die Freihändler und die liberalen Imperialisten. Campbell-Bannerman, Asquith, Grey, Lloyd-George— Politiker, die die nächste liberale Regienmg bilden werden, verurteilten die Politik ChamberlainS in scharfen Worten; Lloyd-George und Labouchöre meinten sogar. daS Unterhaus wäre von der Regienmg, die ein wichtiges Dokument unterschlagen hätte, bewogen worden.— Aus Anlaß einer Interpellation des jungen Lords Lytton, eines Enkels des halbvergessenen Romans christstellers Bulwer Lytton. erklärte der Herzog von Devonshire im Oberhause, daß er Frei- Händler sei und daß die Regierung noch zu keiner Aenderung der bisherigen Zollpolitik verpflichtet sei.— poUtilcke Geberfickt. Berlin, den 28. Juli. Zweierlei RotstandSaktion. Erstes Bild. Eine große Staatsaktion ist in Posen vor sich gegangen. Man denke nicht, daß die Staatsregierung fiir diese Provinz, die vom Hochwasser fast nicht minder schwer bettoffen worden ist als Schlesien, große Summen bewilligt hätte. Nach wie vor beschräntt sich die Hilfeleistung in Posen auf die Thätigkeit jenes christlich ge- sinnten„Vaterländischen Frauenvereins", der nur für die Deutschen Geld hat, die polnischen Kaninchen aber ruhig ersaufen läßt. Aber neue Dämme hat man in Posen errichtet. Dämme... aber nicht gegen das Hochwasser, sondern— gegen die polnische Gefahr. Bekanntlich ist der wirtschaftliche Nutzen, den die Landwirtschaft von dieser Art Dammbau hat, sehr beträchtlich, vom Dammbau andrer Art unterscheidet er sich aber dadurch, daß er nur jenem Teile der Landwirtschaft nützt, der in den gesetzgebenden Körper- schaften als der„notleidende" paradiert. Durch die Ankäufe der Ansiedlungskommission sind die Preise für größere Grundkomplexe fabelhast in die Höhe gettieben worden, und so kann man sich nicht wundern, wenn die Edelsten und Besten der deutschen Nation sich dazu drängen, durch Verkauf ihrer notleidenden Güter der großen nattonale» Sache einen Dienst zu thun. Für 20 bis 30 Millionen Mark hat die Ansiedelungskommission in den letzten Wochen Land angekauft. Einen großen Teil davon erstand sie von der Landbank in Berlin, die den Kauf und Verkauf von Grundstücken geschäftsmäßig betteibt. Unter diesen auf dem Umweg über die Landbank erworbenen Liegenschaften befinden sich u. a. nach dem Berichte der„Posener Nachrichten" folgende: Vom Prinzen Biron von Kurland.... ca. 4000 Hektar, „ Herzog zu Sachsen-Altenburg..... 1772„ „ Herrn Gustav v. TreSkow..... ca. 8100, Direkt von ihren bisherigen Besitzern wurden gekaust: Von der königl. Klosterkammer in Hannover ca. 4000 Hektar, „ Frau Alma v. Treskow........ 1500, „ A m t s r a t Kiehm......... 482, „ Frhrn. v. Wilamowitz-Mölleudorf.... 1981„ Der Freiherr v. Wilamowitz-Mölleudorf ist ftüher einmal Ober» Präsident gewesen. Ihm wurde der Hektar bis zum Liebhaberpreise von 1800 M. bezahlt. Nicht schlechter schnitten die andren Besitzer ab. Die Preise der Güter sind nämlich durch die Käufe der Ansiedelungskommission derart in die Höhe getrieben, daß der königl. Domänenfiskus nur noch im Bromberger Kreise und in West» Preußen kauft, weil die Preise in der übrigen Provinz Posen für ihn unerschwinglich sind. Aber was sich der DomänenfiskuS nicht verstatten kann, darf sich der aus preußischen Steuergeldern gespeiste Kaninchenjagdfonds wohl leisten! Nach dem Programm der Ansiedelungskommission sollen vor allem jene Güter gekaust werden, die in„Gefahr" sind, in polnische Hände zu geraten. Daraus ergiebt sich, daß die verschiedentlichcn stein» reichen und streng national gesinnten Besitzer keinen Anstand daran ge» nommen hätten, ihre Güter dem polnischen Erbfeind auszuliefern, wenn er ihnen bessere Preise bezahlt hätte. Das Hinauflicitieren des polnischen Großgrundbesitzes ist ihnen wohl zu statten ge» kommen. So wird in Posen der Landwirtschast geholfen! Zweites Bild. Die 10 Millionen, die der königlich preußischen Regierung durch die öffentliche Empörung für das überschwemmte Schlesien abgepreßt worden sind, werden kaum dazu genügen, die Hälfte des entstandenen Schabens gutzumachen. Nach vorliegenden Nachrichten übersteigt der Schaden zwanzig Millionen Mark. Mehr als die Hälfte deffen, wx? notwendig ist, soll also zusammengebettelt werden. An die Spitze dieser privaten Hilfsattion ist der Graf PosadowSky ge- tteten, und nun hat auch Wilhelm II. 10 000 Mark gespendet. Etwa das Tausendfache dieses Betrages soll auf anderm Wege herein- gebracht werden. Muß man also wünschen, daß von Privaten herangeschafft wird, was der Staat noch fehlen läßt, so sind die Aussichten, daß jeder zu dem Seinen kommen werde, doch sehr gering. Vorläufig ist aus Staatsmitteln ein Bettag von nur 1 Million 600 000 M. flüssig gemacht worden, der zunächst verwendet werden soll, um 1. zerstörte und schwer beschädigte Gebäude aus dem Uebcr- schwemmmigsgebiete auf die Höhe zu verlegen; 2. die erforderlichen Deichschlüsse ungesäumt vornehmen zu lassen und 3. durch Wieder- auftichtung zerstörter Brücken und Wehre und Wiederherstellung von Wegen die sofortige Wiederaufnahme der gewerblichen Thätigkeit zu ermöglichen. Zur unmittelbaren Hilfeleistung ist demnach aus Staatsmitteln noch immer kein Geld vorhanden, trotzdem Taufende von Menschen dem Verhungern nahe sind. Ebensowenig ist in das vorläufige Programm der Regierung die Bekämpfung des Typhus aufgenonmten worden, der bedrohlich um sich greift. Sogar die Dienstreise dcS Kultusministers nach den verseuchten Gebieten ist aufgeschoben worden und bis auf weiteres bleibt der Grundsatz des Freiherrn von Hammerstein:„Desinfektion ist Privatsache!" in Kraft. Dagegen behaupten liberale Opttmisten hartnäckig, daß der fünfwöchentliche Urlaub, den der DesinfettionSminister angetreten hat, den Anfang vom Ende seiner Ministerherrlichkeit bedeute. Die Grundsätze, nach denen der preußische Staat regiert wird, würden aber dadurch auf keine Weise geändert werden. Weder hat es seiner Zeit dem Landwirtschastsminister v. Heyden geschadet, als er vor zehn Jahren anläßlich der furchtbaren Dürre Staatshilfe als„un- moralisch" verdammte, noch hat sich Herr v. Miguel den Hals gebrochen, als er sich vor sechs Jahren bei der scblesischen Ueber» schwemmung breit auf den Geldsack setzte.„Immer dieselben Ge- sichter" zu sehen entspricht nicht den Neigungen des herrschenden Kurses, aber schließlich setzen die verschiedenen Gesichter doch immer wieder dieselbe Miene auf. Veutsckes Reich» Unredliche Ausflüchte. Die„Voss. Ztg." versucht unsren Bemühungen, sie zur publtzistischen Sauberkeit zu ermahnen, durch unredliche Ausflüchte zu entweichen. .. Di-„Voss. Ztg." sucht zunächst ihre Sache zu verbessern, indem sie sich über allerlei Nebensächliches ausbreitet. Sie spricht davon. daß sie die Staatsanwaltschaft um Einleiwng eines Sttafverfahrens gegen Dr. Kämpf ersucht und daß sie die Existenz des„Instituts für Reklame und Propaganda" überbaupt erst aus der Veröffent- lichnng des„Vorwärts" kennen gelernt habe; beide Mitteilungen sind gleichgültig für die eigentliche Frage der Inseraten- k 0 r r u p t i 0 n, die von uns festgestellt ist, und nebenbei begeht die „Voss. Ztg." in der begreiflichen Verwirrung, die sie befallen, die kleine Entstellung, daß sie das Kämpfsche Cirkular aus dem„Vor- wärts" kennen gelernt haben will, während sie es zunächst aus der „Zukunft" kennen gelernt hat. Nicht erheblich ist es auch. ob in der„Vossischen Zeitung" dem Herrn Schidloff zugesichert worden ist, daß außer seinen Reflamefeuilletons keine andren Besprechungen über die Dresdener Städte-Ausstellung gebracht werden sollen. Beträchtlich ist allein die Nummer 3 der„Thatsächlichen Fest- fteilungen" der«Vossischen Zeitung". Da sagt sie: „Der im„Vorwärts" mehrfach erwähnte, in Nr. 17t der »Vossischen Zeitung" inserierte Reklaine-Artikcl„Sinfoniekonzcrte im Zimmer" steht auf der dritten Seite der 2. Beilage, also an einer Stelle, Ivo niemals redaktionelle Feuilletons stehen (diese finden ihren Platz nur im Hauptblatt, der jeweils laufende Roman den seinen auf den beiden ersten Seiten der 1. Beilage), schließt sich räumlich an die„Geschäftlichen Mit- teilungen" an und ist von dem übrigeit Text der Seite durch einen dreifachen Strich getrennt, so daß bei keinem Leser auch mir der leiseste Zweifel daran entstehen kann, daß es sich dabei um ein bezahltes Inserat und nicht um eine» redaktionelle» Artikel handelt. Daß von einer Irreführung des Publikums über den Charakter derartiger Artikel keine Rede sein kann, erhellt daraus, daß am Kopf der„Voss. Ztg." täglich zu lesen ist:„Anzeigen werden nach Schriftart lnilt Tarif berechnet. Die vier- gespaltene Zeile in kleiner Schrift kostet für das Morgenblatt 40 Pf., für das Abendblatt 60 Pf. Im dreigespaltenen „Reklamcteil" beträgt die Zeile dieser Schriftart 1 M. 50 Pf. unter„Geschäftliche Mitteilnugeu" 3 M." Nur nebenbei bemerken wir, daß der„Vorwärts", der an seinem Kopfe nur für sechsgespaltene Jnseratenzeilen den Tarif angiebt, nichts Bedenkliches darin findet, gelegentlich viergespaltige Re- k I a m e- A r t i k e l in F e u i l l e t o n f o r ni zu veröffentlichen." Die„Vossische Zeitung" versucht sich auszureden und zugleich »nur nebenbei" die Jnseraten-Abteilung des„Vorwärts" ähnlicher Gepflogenheiten zu beschuldigen, die sie selbst als einwandfrei er- achtet. Beiderlei Versuche sind aussichtslos und die„Vossische Zeitung" verstrickt sich mit jedem Wort, das sie in dieser Sache spricht, tiefer in Schuld. Die Kläglichkeit der Ausrede ist für jeden Kenner solcher Dinge offenbar. Die„Voss. Ztg." giebt selbst zu, daß ihr Reklame-Feuilleton nicht inmitten andrer Inserate seinen Platz hat, sondern sich unmittelbar an redaktionellen Text schließt. Der dreifache Strich, der es von dem oberen Teil des Textes trennt, läßt den Leser keineswegs erkennen, daß er ein Inserat vor sich hat. Diesen geringen Unterschied keimt der Metteur, aber nicht das Publikum. Das Feuilleton ist aber in derselben Schrift und Spaltenbreite gesetzt wie der sonstige redaktionelle Text, es ist mit dcni Namen des Ver- fassers unterzeichnet und es ist in keiner Weise angedeutet, daß die im Feuilleton besprochene Firma selbst die Urheberin und Bezahleri» ist. Vielmehr wird für den Leser der Eindruck erweckt, als liege eine Besprechung durch einen der Geschäftsfirma fernstehenden Unparteiischen vor. Und dieser Eindruck sollte erweckt werden. Es wäre auch gänzlich unverständlich, warum sonst die Inserenten ftir derartige „Inserate" den dreifachen Preis zahlen als für gewöhnliche Inserate. Die Zeitung fordert den hohen Preis, indem sie den Inserenten verheißt, daß ein„Inserat", das der unkundigere Leser nicht vom redaktionell-unparteiischcn Teil unterscheidet, besondere Wirkungen haben wird. Will die„Voss. Ztg." der Welt auf- reden, daß der Inserent um nichts 270 M. für das„Inserat" zahlt, das unter normalen Umständen 90 M. kostet? Mit diesen Feststellungen erledigt sich zugleich der absurde Versuch der„Vost. Ztg.", den„Vorwärts" eines dem ihrigen ähnlichen Vergehens zu zeihen. Auf den„Reklame-Artikel in Feuilleton- form", den die„Voss. Ztg." meint, trifft keines der Belastuugs- Momente zu, die gegen die„Voss. Ztg." sprechen. DaS Inserat hat vierspaltigen Text, während unser redaktioneller Text drei- spaltig ist; es schließt nicht an redaktionellen Text an, sondern unmittelbar an andren Jnseratentext; es ist von der inserierenden Firma in fettem Schriftsatz gezeichnet und ist durch Zufügung der Warenpreise deutlichst als Inserat kenntlich; es kostet daher auch denselben Preis wie jedes andre gleich große Inserat und der Inserent würde sich mit Recht von uns keinen Extrapreis auferlegen lassen, da er sich keinerlei besondere Wirkung versprechen kann. Also in jeder Hinsicht verfährt der„Vorwärts" um- gekehrt als die„Voss. Ztg.". Schließlich aber ist festzustellen, daß die„Voss. Ztg." auch be- reitS ein weiteres Rcklamefeuilleton aus der Feder des Herrn Schidloff über die Dresdener Städte-Ausstellung zur Aufnahme an- genommen hat. Das Feuilleton war bereits im Satz fertig gestellt und zum Druck vorbereitet. Da brach die Veröffentlichung der „Zukunft" und des„Vorwärts" herein und nilnmrhr lehnte die„Voss. Ztg." den Abdruck des Feuilletons ab! Warum diese Ablehnung, wenn die Aufttahme so einwandfrei ist, wie die„Voss. Ztg." jetzt vorzutäuschen wünscht? Die Ab- lehnung zeigt, daß in der„Voss. Ztg." selbst die Erkenntnis der Unlauterkeit ihrer Jnserateumethode erwachte. Anstatt aber in dieser Erkenntnis fortzuschreiten tlnd ehrlich das bisherige Verfahren zit bedauern, verlegt sich nun die„Voss. Ztg." auf ebenso wider- sprllchsvolle lvie unredliche Verschleierungsversuche. Der kapitalistische Geschäftsgeist besiegt die publizistische Gewissenhaftigkeit.— Die sächsischen Nationalliberale» boykottieren ihre Regierung. Als zuerst, bald nach der Reichstagswahl, in der sächsischen „OrdmmgS"presse das Verlangen nach einer Aenderung des Landtags- wahl-Unrechts stürmisch laut wurde, haben wir sogleich unsre stärksten Zweifel bekundet, ob diesen Notrufen, welche die Verzweiflung er- zeugte, wirkliche T h a t e n folgen würden. Die Berechtigung dieser Zweifel wird immer deutlicher. Ificht nur die Konservativen, die eigentlichen Nutznießer des jetzigen WahlnurechtS, minieren gegen jede ernstliche Aenderung, sondern auch die National- liberalen. Die sächsische Regierung hatte, ebenfalls unter dem Eindruck des Wahlausfalles, die Einberufung einer besonderen Konferenz bc- schlössen, zu der besonders Mitglieder der Ständekammern geladen werden und in der Vorberatuugen über das, was die schwierige Lage fordert, gepflogen werden sollen. Die Regierung bewies zwar durch die Aufstellung dieses Planes ihre ganze Ratlosigkeit, aber immerhin konnte die Konferenz, unter der Voraussetzung, daß sie vernünftig zusammengesetzt würde, den wirklichen Willen des Volkes einigermaßen zum Ausdruck bringen. Nun zeigt sich, daß die Konserenz den rückwärts bremsenden Kräften schon zu„revolutionär" ist. Und als solche Bremser zeigen sich die sächsischen Nationalliberalen. Am Sonntag versammelten sich die Mitglieder des national- liberalen Landesvereins und der nationalliberalcn Fraktion des Landtages in Leipzig zu einer Besprechung. Ueber den Ertrag dieser Besprechung ineldet nun das„Leipziger Tageblatt" Partei- offiziös: Die nattonalliberale Partei stünde zwar nach wie vor auf dem Standpunkt, daß eine Aenderung des Wahlrechts erforderlich sei; aber die Art und Weise des Borgehens der Regierung sei allseitig getadelt worden. Vornehmlich gegen die geplante Ein- berufung einer Versamnilung aus Mitgliedern des Landtages und andren Personen hege man schwere Bedenken. Auf diese Weise werde„in einer rein politischen Frage ein aus Männern, welche frei von jeder Verantwortlichkeit seien, bestehender Faktor zwischen Regierung und Ständeversammlung eingeschoben, welcher der Ver- fastung fremd und mit der Verantwortlichkeit der Regierung gegen- über den Ständen kaum vereinbar sei". Weiter wird ausgeführt: „Dieses Vorgehen könne sich zu einem in koustttutionellem Sinne höchst gefährlichen Präjudiz ausbilden. In eine sehr krittsche Lage würden die Mitglieder des Landtages, wenn sie an der Versamnflung teilnähmen, geraten können; denn eine gewisse moralische Bindung würden sie aus jener Versammlung mitbringen, würden also nicht mehr ganz ftei da- stehen, da, wo es sich um die verantwortliche Beurteilung der Regierungsvorlage handle. Unter diesen Umständen dürfte es sich nicht empfehlen, daß Mitglieder der nationalliberale» Partei, vor allem solckie, welche Mitglieder des Landtages seien, der etwa an sie ergehenden Einladung zur Teilnahme an der geplanten Brr- sammlung Folge leisteten." Die Versammlung, welche die sächsische Regierung einberufen will, hat den Nationalliberalen etwas vom Ludergeruch der Revo- lutton an sich; sie fürchten, daß dort etwas weitgehende Reformpläne sich geltend machen könnten und sie wollen doch nur eine„Reform" derart, daß sie selbst einige Mandate mehr gewinnen, daß aber sonst alles Unrecht erhalten bleibt. Selbst die Redaktion des nationalliberalen„Leipz. Tagebl." bemerkt zu diesem wahrhaften Boykott, den seine Parteileitung gegen die sächsische Regicruug verhängt: „Der Reformarbeit ist mit diesen Beschlüssen ein schwerer Schlag versetzt worden, da-s ist um so gewisser, als der bedauerlich kühle, reservierte Ton des ganzen Communiguös bis zum Schlüsse durchaus nicht geeignet ist, Stimmung für die Reform überhaupt zu machen. Die größte Freude an den Beschlüssen werden— d i e Konservativen haben." In Sachsen herrscht vollständigste Verwirrung. Die in der Zweiten Ständckaunner herrschenden Parteien, Konservative und Nattonalliberale, sträuben sich aufs lebhafteste gegen jede auch nur einigermaßen des Namens einer Reform würdigen Aenderung des miserablen Wahlsystems. Sie wollen keine Gerechtigkeit, sondern höchstens eine Verschiebung zu Gunsten der Nationalliberalen, die in Sachsen an Volksfeindlichkeit den Konservativen völlig ebenbürtig sind. Die Regierung weiß in dieser Situation keinen Rat. Nur das eine ist klar: das entrechtete Volk wird mit allem Nachdruck die Reform des Wahlrechts fordern und sich durch keinerlei Scheinmauöver täuschen lassen. Wenn der Widerstand der Kammern aber eine ernstliche Sieform hindert— nun Sachsen ist zlvar sehr rot, aber es kann noch röter werden!— Vom goldenen Fahrstuhl. Als man erfuhr, daß der Berliner Presseklnb von Hofbankier R o m e i ck 25 000 M. als„unkündbares unverzinSbares Darlehen" erhalten habe, wurde in der Presse— auch in der bürgerlichen— vielfach verlaugt, daß dieser Bettag an die Bank zurückgezahlt werde. Nun verzeichnet das„Berliner Tageblatt" ein sicher auftretendes Gerücht, wonach der Er-Presseklub den Rechtsnachfolgern der Pommern- bank dreitausend Mark als einmalige Abfindung auf das„Darlehen" erfolglos augeboten habe. Der Klub schätzt demnach die Verdienste, die er sich um Herrn Romeick erworben hat, auf 22 000 kvi. ein— nur um 8000 M. weniger, als Herr Justizrat Sello als Verteidigerhonorar erhalten hat.— Heilige Einfalt. Zur großen Ketzerverbrennung von Hanau schleppt jetzt das alte Wciblcin„Germania" auch noch sein SIeisig- bllndel herbei. Herr Richard Wagner hat über Schopenhauer, Darwin und Haeckel geschrieben! Das genügt. Aber wenn sie den alten Kolportageroman vom social- demokrattschen Terrorismus, der eben erst im Wahlkampf soviel Abonnenten verloren hat, zur Rechtfertigung des staatlichen Vor- gehens heranzieht, dann muß man sich doch fragen. Ivo alle Fein- heit theologischer Casuistik da geblieben ist. Was würde geschehen, ruft sie, wenn sich„unter den socialdcmokratischen Parteibcnmtcn jeniand befände, der im Gegensätze zu dem Ober-Postdircktions- Sekretär Richard Wagner ein Anhänger des positiven Christentums wäre, die heutige Gesellschaftsordnung schriftstellerisch verteidigte und mit irgend einer der bürgerlichen oder gar„reaktionären" Parteien sympathisierte"? Antwort: 1. Wenn sich ein Socialdemokrat zum positiven Christentum bekennt, so geschieht ihm gar nichts; höchstens wird er, wenn er sonst tüchtig ist, strafweise zu' den höchsten Ehrenämtern der Partei berufen. 2. Wenn ein„socialdemokratischcr Parteibeamter" „die heutige Gesellschaftsordnung schriststellerisch verteidigte" und mit den bürgerlichen Parteien„sympathisierte", lvird er niemals so dumm seur,„socialdemokratischer Partcibeamter" zu bleiben, sondern bei Herrn Max Lorenz in die Schule gehen. 3. Wäre die Social- demokratie wirklich so schlecht, wie die„Germaitta" behauptet, wie schlecht ist erst der Staat, wenn er gleichen Grundsätzen huldigt, obwohl er angeblich nicht Partei ist, sondern„über den Parteien" steht. Womit aber nicht gesagt sein soll, daß die Drangsalierung eines Beamten, der sich zu Darwin bekennt, nicht den Grundsätzen des„christlichen Staates" entspräche, die die„Germania" vertritt. Sächsische Toleranz. In Dresden ist Ende vorigen Jahres eine öffentliche Lesehalle eröffnet worden, deren Stifter von der Presse als Wohlthäter der Menschheit, als moderne und Vorurteils- lose Socialpolitiker und Ethiler gefeiert wurden. Thatsächlich ist die Lesehalle sehr schön eingerichtet. Es liegen in ihr über 1000 Zeitungen und Zeiffchriften aus. Allen Wünschen der Besucher nach Neuanschaffungen von Zeitungen— und mögen sie noch so teuer sein— toird in bereitwilligster Weise entsprochen, aber das Institut verleugnet nicht seinen specifisch sächsischen Charakter. Die Direktion der Lesehalle duldet in ihre» Räumen keine socialdemokratische» Zritiulgen und Zcitschriftc». In Dresden wie ganz Sachsen sind unter fünf Menschen drei Socialdemokraten. Jeder sächsische Politiker hat doch also ein Jntereffe daran zu„erfahren, wie die Gedankenwelt dieser weitaus stärksten polittschen Partei be- schaffen ist. Alle solche Erwägungen genieren die Dresdener Lese- hallen- Direktion nicht: die socialdemokratische Presse bleibt boykottiert. Interessant ist es nun zu beobachten, daß gegen diese russische Censur selbst politisch recht friedfertige Leute aufbegehren. Im Wunschbuche haben nicht weniger als achtundzwanzig Lesehallen-Besncher, meistens Schriftsteller, In- dustrielle, Künstler und Kaufleute, mit voller Namensunterschrift die Anschaffung des„Vorwärts" verlangt. Die Bestellung der„Sächsi- schcn Arbeiterzeitung" ist 16 Mal beantragt worden. Außerdem finden sich im Beschwerdebuche zahlreiche Eintragimgen, in denen der Direktion ivegen ihrer Rückstäudigkeit ungeschminkt die Wahrheit ge- sagt wird. Bis jetzt hat die Direktion' auf diese Wünsche und Beschwerden nicht gehört. Der Boykott nnsrer Parteipresse ist um so provozierender, als die Lesehalle aus dem städtischen Steuersäckel, zu dem doch die Socialdemokraten auch beilragen, jährlich 10 000 M. Unterstützung erhält.— Halle, 27. Juli. Zum Kapitel der Bestrafung Untergebener. Der Kanonier P o tj orski von der 3. Batterie des Artillerie-RegimentS Str. 47 von hier war in Altengrabow auf Ziclbau-Kommaudo und am Abend des 11. Juni nach Zapfenstreich mit zwei Kameraden ohne Erlaubnis in die Kantine gegangen. Die drei Leute hatten dort, weil es am Tage sehr warm gewesen, etwa 40 Schnitt Bier und auch Rotwein getrunken, infolgedessen sie nicht mehr ganz klar bei Verstand waren. Als nach 10 Uhr der Unteroffizier Nachtweh die Kantine betrat und die Kanoniere daran erinnerte, daß sie unerlaubt dort weilten, gingen sie sofort weg. Aus dem Nachhausewege nach der Baracke, wobei sie sich etwas Zeit genommen hatten, traf der Unteroffizier noch einmal mit ihnen zusammen und rief den vor ihm hergehenden Untergebenen zu. ob sie denn noch nicht nach Hause wollten. Potsorski, der heute wegen des nächtlichen Vorganges vor den, Kriegsgericht der 8. Division augeklagt war, will nicht gewußt haben, daß dieser R»f von dem Unteroffizier kam. und machte die Bemerkung:„Quatschen Sie uns nicht an". Der Unteroffizier forderte nun P. auf, seinen Namen zu nennen, und griff, als P. dieser Aufforderung nicht nachkam, nach dessen Mütze. P. packte den Vorgesetzten dabei an den Arm und sagte:„Wenn Sie mich nicht gehen lassen, dann vergesse ich mich". Dann lief P. schließlich seinen Kameraden nach, in die Baracke. Wegen dieser Geschichte war nun Anklage erhoben wegen thätlichen Angriffs, Widersetzung, Ungchor- samS usw. Der Anklagevertreter sagte, er fasse die Sache sehr milde auf und beantragte dann eine Gesamtstrafe von zwei Jahren Gefängnis. Das Gericht nahm als erwiesen an, daß P. auf dem Nachhausewege nicht gleich gewußt habe, daß er es mit einem Vor- gesetzten zu lhun hatte, und erkannte auf� die� noch immer außerordentlich hohe Strafe von einem Jahr Gefängnis.— Ein Straßcnkrawall»nd ein nervöser Landrat. Nach einem Bericht der„Franks. Ztg." aus Fulda ist es daselbst im Laufe des Sonntags zu wiederholten Ausschreitungen der beim Kanalbau beschäftigten Italiener gekommen.„Sie begingen— so sagt der Bericht— verschiedene grobe Gewalt- thätigkcitcn in Wirtschnsten und auf der Straße; es kam zu Stein- würfen, Schüssen und zu Schlägereien der Italiener unter einander, so daß sogar eine Zeitlang au die Verhängung des Belagerungs- zustande» gedacht wurde. Schutzleute und Militär wurden zur Wiederherstellung der Ruhe aufgeboten. Auch am Montagabend entstand zwischen Italienern und einem Wirt ein Streit, der mit Hinausweisung der Italiener endete. Sie warfen hierauf mit großen Steinen die Thiire und die Fenster ein und zertrümmerten die Gaslampen. Gegen 9 Uhr gab ein Italiener aus einem Revolver vier Schüsse auf einen streikenden Kollegen ab: des Weges daherkommende Artilleristen überwältigten den Thäier durch mehrere Säbelhiebe über den Kopf. In der Brauhausstraße gab es gleichfalls gestern abend Streit unter italienischen Kanal- arbeitern. Militär und Schutzleute durchstreifen die Stadt. Die Italiener verursachten noch in verschiedenen Gegenden der Stadt Schlägereien; eine Wirtschaft wurde durch Stcinwürfe arg zu- gerichtet." Wie übertrieben diese Darstellung der Vorkommnisse, zeigt aber eine weitere Nachricht aus Fulda: „Zu den Unruhen am Sonntag ist noch nachzutragen, daß in- folge inibcdentcnder Schlägereien der LandratSteffens gestern Militär konsignierte. Der Belagerungszustand ist formell noch nicht erklärt. Die betreffenden Plakate waren schon gedruckt, sind aber nicht zur Verwendung gelaugt. Der Lau d rat wird wahrscheinlich wegen hochgradiger Nervosität beurlaubt werden."— Bezirkstagswahlen in Elsaß-Lothringen. Für den 13. September sind die Bezirkstagswahlen in Elsaß-Lothringen anberaumt. bei denen es sich um Ersatz für das ausscheidende Drittel der Ab- geordneten handelt. Diese Wahlen vollzogen sich zur Zeit, als die Bezirkstage lediglich für Verlvaltungssachcn zuständig waren, ohne jede Wahlbewcgnng. Sie haben aber, seit diese Körperschaften die Mehrheit der Laudesausschutz- Abgeordneten, nämlich 34, zu wählen haben, eine gewisse politische Bedeutung erhalten und werden daher zu einer mehr oder weniger lebhaften Wahlbewegmig führen. Im November sind 24 Landesausschußwahlen vorzunehmen. Abgesehen von den Städten Sttaßbnrg, Colmar, Mülhausen und Metz, deren Gemeinderäte je einen Vertreter für den Landesausschuß zu wählen haben, haben die übrigen Gemeinderäte je einen Wahlmann und die Wahlmänner eines jeden Kreise? je einen LandeSausschuß-Abgeordneten zu wählen. Die Socialdemo- kratie hat bisher nur einen Vertreter im Landesausschuß, nämlich den Genossen Emmel in Mülhausen.— Mslanck. Der Papstwcchsel und Frankreich. Paris, 26. Juli. Ein heiteres Schauspiel bietet zur Zeit die antiklerikale Re- gieruug. Sie macht den interuatioualen Kotau der Herrschenden vor dem Vatikan eifrig mit. Die Klerikalen reiben sich darob schaden- froh die Hände, die Antiklerikalen zürnen und höhnen im Bewußtsein ihrer Ohnmacht. Herr D e l c a s s ö darf sich ungestört dem Hochgefühl überlassen, die auswärtige Politik der„ältesten Tochter der Kirche" zu leiten. Gegenüber dem Vatikan spielte er im Minister-Konzert seine Solo- geige noch energischer, als in andern Fragen. Und er wird von einem geistesverwandten französischen Botschafter am Vatikan be- dient. Davon zeugt das letzte Gelbbuch, worin der Minister und der Botschafter der Republik die römische Kurie auffordern, ihnen in der Bändigung des antiklerikalen Eifers der Parlamentsmehrheit be- hilflich zu sein. Dieses Gelbbuch bietet auch vorausnehmend eine authentische Aufklärung über Ziel und Richtung der von Delcassö betriebenen Regierungsaktion während des Papstwechsels. Die famose„Gunst" des Vatikans soll Frankreich erhalten bleiben, wie unter dem der Republik„ralliierten" Leo XIII. In dieser Beziehung belvegt sich Delcassv durchaus in den Bahnen seines melinistischen Vorgängers, H a n o t a u x. Mit dem Unterschied freilich, daß dieser dabei im Einklang mit der klerikalfreundlichen inneren Politik seines Kabinetts handelte und daher die vatikanische Gunst mit positiven inner- politischen Gegenwerten bezahlen konnte; Delcasso dagegen— bis auf weiteres— beim besten Willen in der inneren Politik nur einen negativen Gegenwert bieten kann, nämlich die Verhinderung eines größeren„antiklerikalen Uebels", die maßvolle Besonnenheit und die besonnene Mäßigkeit der antiklerikalen Aktion. Anders liegen die Dinge in der auswärtigen Politik Frankreichs als der„ältesten Tochter der Kirche". Hier gilt nach wie vor das von Gambetta aufgestellte Dogma:„Der Antiklerikalismus ist kein Ausfuhrartikel". Am traditionellen katholischen Protektorat Frankreichs darf nicht gerüttelt werden. Jede Regierung findet trotz wachsender Opposition eine Parlamentsmehrhcit für die Sub- ventionierung der auswärtigen Ordensmissionc». Und die Be- strebungen der andern Mächte, vor allem Deutschlands, jenes Protektorat zu durchbrechen, um ihre nationalen katholischen Missionen selbst zu beschützen, machen das mittelalterliche Privilegium für Politiker vom Schlage DclcaffeZ umso wertvoller. Die vatikanische Gunst bedeutet ftir Frankreich das Recht, für die Allerwelts-Missionen blechen zu dürfen, was in der diplomatischen Sprache die Wahrung des französischen Einflusses genannt wird. Delcassö bemüht sich nun um die Wahrung dieses kostbaren Rechtes auf dem auswärtigen Gebiete, wie er auch_ die Forffetzung der versöhnlichen und beschwichtigenden Politik Leos XIII. gegenüber der Republik zu erhalten sucht. Daß diese 1892 be- gonneue Politik im ersten Jahrfünft die klerikale Verseuchung der Republik stark gefördert hat, um dann die anti- klerikale Notwehr der Republik auf Schritt und Tritt zu hemmen, dafür fehlt Deleassö das Verständnis. Er hält schon den Anttklerikalismus seines Ministerpräsideuten ftir viel zu weitgehend und hat denn auch an dessen Eindämmung nach Kräften selbst mitgeholfen. Der„ftnnzösiseöe" Kandidat ftir den Stuhl des heiligen Petri ist bekanntlich der Kardinal Rampoll a. Die gottlose republi- kanische Regierung bearbeitet nun den Heiligen Geist, der ja über die Papstwahl entscheidet, zu Gunsten Rampollas; sie bearbeitet ihn mit profanen und kirchlichen Mitteln. Unter den profanen Mitteln ist vor allem zu erwähnen die Verschiebung der Pariser Reise des italienischen Königs im Hinblick auf die Krankheit Leos XIII. In der antiklerikalen Presse wurde— zuerst vom socia- listtschen Abg. S e m b a t— enthüllt, daß die Verschiebung dem diplo- matischen Genie Deleassos entsprungen ist. Und die italienische Regierung mußte das offizielle„geineinsame Einverständnis" mitmachen, obgleich der Vatikan selbst nach der Ermordung Humberts I.(1900) seine Jubiläumsfestlichkeiten für keinen Augenblick unterbrochen hatte, und das in unmittelbarer Nähe des trauernden italienischen HoseS.... Am Sterbebette des Papstes überschlug sich der ftanzösische Bot» schafter Risard in„ersterbender" devotester Trauer. Cle- menceau höhnte vergeblich über das„unterpithekautropische" (affenmenschliche) Benehmen des auf allen Vieren kriechenden Vertreters der französischen Demokratie. Im Hinblick auf das Conelave sucht ferner Delcassö die Stimmen der französischen Kardinäle für Rampolla zu gewinnen. Er beruft sie zu diesem Zweck ostentativ im auswärtigen Amte ein, auch die kampflustigsten oppositionellen Kardinäle, wie die Erzbischöfe von Paris und Reims. Dieser gouvernementale Wahldruck auf den Hl. Geist ist aller- dings eine harte Arbeit, sintemalen Deleassös Lieblingskandidat den extremen französischen Klerikalen verhaßt ist. Sie machen Rampolla für die„Ralliierungspolitik" Leos XIII. verantwortlich. Die Extremen berühren sich. Der„ftanzösische" Papstkandidat ist lediglich der Kandidat der opportunisttschen Klerikalen und der klerikalfteund- lichen Republikaner, während die Extremen von rechts und links einen Äanipspapst vorziehen würden. Der neueste..wahlagitatorische" Schritt Deleassös ist die Veranstaltung einer feierlichen offiziellen Totenmesse in der Notte- Dame-Kathedrale zu Ehre» Leos XIII. Der Minister hat diese An» gelegenheit in persönlicher Besprechung mit dem päpstlichen Nuntius und dem Pariser Erzbischof geregelt. Die radikale Presse kann sich vor Wut nicht fassen. Die„Lanterne" droht sogar mit dem Auspfeifen des offiziellen Zuges nach der Kathedrale und mit einer ministerstiirzendcn Interpellation im Herbst. Deleassö aber läßt sich nicht beirren in seiner Hoffnung, den Heiligen Geist für den opportunlstischeu Klerikalismus oder den klerikalen Opportunismus zu gewinnen.— Oestreich-Ungarn. Der Todes-Uebungsmarsch des 12. Infanterie- Regiments kam gestern auch im ungarischen Abgeordnetenhause zur Sprache. Auf eine Anfrage von oppositioneller Seite gab der Honvedminister Kolotzvory folgende Darstellung des„Manöver� Unglücks": Die Soldaten begannen den Ausmarsch von Trebinje nach dem 2b Kilometer entfernten Bielek zwischen 4 und 5 Uhr morgens. Während der ersten Hälfte des Weges wurden dreimal Ruhepausen angeordnet, alle Erleichterungen wurden gewährt, Wasser wurde in Fässern genügend nachgeführt. 5 Kilometer vor dem Endziel bei Cepilica wurden zahlreiche Marschunfähige gemeldet und es wurde deshalb abermals eine Ruhepause angeordnet. Danach begann der Aufstieg auf dem gebirgigen Weg nach Bielek, wobei die Temperatur sich plötzlich auf 40 Grad erhob. Ein Kilometer vor Bielek wurde Rast gehalten. Da jedoch gar kein schattiger Platz zu finden war, wurde beschlossen, weiter zu marschieren, um in dem nur mehr MV Meter weiter gelegenen Bielek Schutz zu suchen. Während dieses Marsches ereignete sich das beklagenswerte Unglück, daß 15 Mann vom Sonnenstich" betroffen wurden und starben. Bon den Erkrankten befinden sich 7 in Krankenhauspflcge. Die strengste Untersuchung ist angeordnet." Zur Beruhigung der öffentlichen Meinung dürste dieses Vcr- legenheitsgeschwntz kaum beitragen.— Die Wahlrechts- Versammlungen am letzten Sonntag hatten durchweg einen entschiedenen Erfolg, besonders in Wien, wo sich an der Mafienversammlung auf der Praterbahn etwa 30 000 Personen beteiligten. Auf dem großen 280 Quadratmeter umfassenden Platz loaren mehrere Rednertribünen aufgeschlagen, von denen herab die Genossen Pernerstorfer, Adler,- Skaret, Schnhmeier, Hybesch, Steiner und Krapka Ansprachen hielten, worauf folgende Resolution Annahme fand: Das östreichische Privilegienparlament ist wieder einmal in Schimpf und Schande versunken, seine Abgeordneten wurden nach Hause geschickt und die 8 14-Wirtschast beginnt von neuem ihr frevel- Haftes Spiel. So wie das Privilegienparlament ein Raub an den wirklichen Rechten des Volkes ist, so stellt die Angliederung der fünften Lkurie nichts andres als die Ver- schleierung dieses Raubes auf die natürlichen Rechte des arbeitenden Volkes dar. Die unersättliche Habgier der Besitzenden wird durch ihr politisches Privileg bis ins unendliche gesteigert, zudem werden den breiten Massen des werkthättgen Volkes die unentbehrlichsten Lebensmittel durch neue und höhere Zölle in der schamlose st en Weise verteuert und so der besitzlosen Klasse ein zweifaches Joch der Ausbeutung aufgezwungen. Da- gegen verhallt der Ruf der Arbeiter nach vernünftigen Arbeiterschutz- gesetzen, nach Einführung einer Alters-, Jnvaliditäts-, Witwen- und Waiienversorgung ungehört. Die heutige Versammlung protestiert somit gegen dieses Privi- legienparlament, das nur ein Tummelplatz für cinzelne wenige politische Streber und Gaukler zu chauvinistischen Ouertteibereien und Exzessen geworden und das ein unüberwindliches Hindernis für jeden socialen Fortschritt ist. Die Versammlung ruft alle Arbeiter zum Kampfe gegen das nichtswürdige, das Parlament korrumpierende und die Menschen verderbende Wahlprivileg auf. Die Arbeiterschaft fordert energisch eine Reform der Verfassung— eine wirkliche Volksvertretung— und lvird nicht stüher ruhen und rasten, brs nicht in Ocstreich das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht als erste und wahre Volks- und Staatsnotwendigkeit durchgeführt ist.— England. Güdastikanisch« Arbcitcrstage. Im Laufe der Beratung des Gesetzes betreffend die Zinsgarantie der Transvaal-Anleihe im Be- trage von 35 Millionen Pfund Sterling erklärte gestern Kolonial- minister Chamberlain im englischen Unterhause bezüglich der Ver- Wendung indischer Kulis beim Eisenbahnbau, die öffentliche Meinung in Transvaal sei gegenwärtig gegen die Einführung asiattscher Arbeitskräfte und er habe deshalb nichts zu deren Gunsten gethan. Die Frage der Einführung chinesischer Arbeiter sei verfrüht, weil noch keine darauf bezüglichen Vorschläge an ihn herangetreten seien. Er sei der Meinung, die neuen Kolonien würden im stände sein, ihren Verbindlichkeiten nachzukommen und zu den am besten gedeihenden unter den englischen Kolonien zählen. Die zweite Lesung der Bill wird darauf vom Hause angenommen.-- Asien. Rußland in der Mandschurei. Die„Associated Preß" hat von ihrem Vertreter ans Petersburg die telegraphische Mitteilung er- halten, daß dieser eine Unterredung mit dem Direktor der asiatischen Abteilung über die Mandschurei-Angelegenheit gehabt hat. Der Direktor erklärte, Rußland habe seine Einwilligung dazu verweigert, C h a r b i n eventuell als offenen Hafen zu bettachten wegen seiner Wichttgkeit für den Eisenbahnverkehr. Er(der Direktor) habe jedoch nichts dagegen einzuwenden, daß zwei oder auch noch mehr Häfen ge- öffnet würden. Bezüglich der öffentlichen Meinung in Amerika habe der Direktor seine Verlvunderung darüber ausgedrückt, daß von Rußlands„redlicher" Politik behauptet werde, sie sei eine doppelte, da doch die brittsche Doppelzüngigkeit in dieser Frage jedem klar sei. Nachdem er die Meldung des„Standard" aus Tientsin über die russischen Truppenverstärkungen in Port Arthur für falsch und als für Amerika berechnet erklärt hatte. habe der Direktor hinzugefügt, Rußland fürchte keinen Krieg, selbst nicht mit fünf Mächten. England habe sich nie über Rußlands Vcr- halten in der Mandschurei-Angelegenheit beklagt. Es habe die Sonderinteressen Rußlands anerkannt, jedoch stets Japan und Amerika zu einem Vorgehen gegen Rußland an- g e st a ch e l t. Trotz dieser und ähnlicher Ableugnunasversuche ist es jedoch zweifellos, daß Rußland emsig bemüht ist, seine Position in der Mandschurei zu verstärken; wenn auch die Berichte der großen englischen Blätter und vor allem des„Reutcrschen Bureaus" ent- schiede» überttieben und offensichtlich den Zweck verfolgen, Japan und die Vereinigten Staaten von Ainerika zu einem Knege zu drängen, den England selbst aus Rücksicht ans seine Lage in Indien sich zu unternehmen scheut. So berichtet z. B. das„Reutersche Bureau" unter dem 27. d. M. aus Peking: „Die russische Verwaltung in N i u t s ch w a n g hat die Ausfuhr von Weizen nach Japan verboten. Die Getteide-Ausstihr ist in chinesischen Häfen überhaupt untersagt, doch ließen die Russen diese Bestimmung während des letzten Monats unbeachtet und die Japaner konnten sich in Niutschwang viele Schiffsladungen Weizen, äugen scheinlich zu Kriegsvorbereitungcn bestimmt, verschaffen. Mehrere Schiffe waren damit beschäftigt, Weizen von Shanghai und andren südlichen Häfen nach Niuffchwang zu bringen, von wo sie als direktes Ausfuhrgut weiter befördert wurden. Am 23. Juli erließen die russischen Behörden ein Verbot weiterer Ausfuhr und betrauten General Kondratowiffch mit dem Oberbefehl über sechs bewaffnete Handelsschiffe, die auf dem Liaoflusse auf-- und abzufahren haben. Man legt dies als ein neues Zeichen für die Absicht Rußlands aus, Mutschwang und die Herrschaft über den Fluß zu behalten. Neuerdings sind russische Civilpersonen und Soldaten nlit Familien in großer Zahl nach der Mandschurei gebracht worden, offenbar im Verfolg emcS umfassenden Planes, die Provinz so rasch als möglich zu kolonisieren. Wird dies im bisherigen Maßstäbe fortgesetzt, so Iverden, ehe der für die endgültige Räumung fest- gesetzte Zeitpunkt da ist, etwa 100 VW russische Civilpersonen m der Mandschurei, die in Port Arthur und Dalny lebenden eingeschlossen, vorhanden sein." Aehnliche russische Vorbereitungen für einen Krieg werden der .TimcS" von ihrem Berichterstatter gemeldet: .Bis jetzt sind keinerlei Anstalten zur Räumung getroffen worden. Im Gegenteil, eS treffen ununterbrochen Verstärkungen ein. Eisenbahnzüge führen Truppen. Munition und Feldgeschütze nach dem Süden, und der lokale chinesische Handelsverkehr ist stark ein« eschränkt, wenn auch nicht ganz ausgehoben worden._ Dalnh war isher ohne militärischen Schutz. Infolge des Besuches durch General Kuropatkin hat man sich jetzt enffchloffen, dort zwei starke Forts zu bauen und den: Orte eine Besatzung von 12— 15 000 Mann zu geben. Man schafft die Truppen unter dem Vorwande dorthin, einen Eisenbahn-Mobilmachnngsversnch zu machen. Ferner hat man sich auf Veranlassung des Generals Kuropatkin entschlossen, eine Küsten- Verteidigung einzurichten und die Eisenbahn von Port Arthur bis zwei Stationen oberhalb Dalny durch umfangreiche Festungsanlagen zu sichern. Die Zufuhr von Lebensmittelvorräten und Kohlen nach Port Arthur hört nicht auf. Die Russen haben an der ganzen chinesischen Eisenbahn von Lutai, im Norden von Taku, bis nach Niutschwang alle Futterbeständc aufgekauft und schaffen sie mit der Bahn nach der Mandschurei. Die Nachricht, daß die Russen 250 000 Tonnen Kohlen für Port Arthur bestellt haben, war nicht überttieben. Von Tschingwangtao, dem Hafen für die Kohlenbergwerke von Kaiping, gehen wöchentlich drei Ladungen von 4000 Tonnen nach Port Arthur." Washington, 27. Juli. sMeldung des.Reutersche» Bureaus".) Man hat allen Grund zu der Annahme, daß der Vertrag, der die Handelsstellung der Vereinigten Staaten in der Mandschurei end- gültig bestimmt, vor dem 1. August zur Unterzeichnung fertig ist. Wie von zuständiger Seite erklärt wird, ist die Frage der Oeffmmg neuer mandschurischer Platze für den Handel im wesentlichen be- friedigend mit China geregelt worden. Es bleibt nichts mehr zu er- ledigen als der Zeitpunkt der Oeffnung,— pavtel-f�achrlchten, Die Kreiskoiiferciiz des Wahlkreises Miihlhansen-Langeusalza- Wcißensee fand am letzten Sonntag in M ü h l h a u s e n statt und erfreute sich einer sehr starken Beteiligung, im besonderen waren auch die ländlichen Orte gut vertreten. Bei den Berichten der Kreisleitung, der Kontrollkommission und bei dem Bericht über die ReichstagSwahlen lvurde in der Hauptsache das Resultat der letzteren erörtert und mit dem Bedanern, daß es uns dicsmalnoch nicht gelungen sei, unsernKandidaten durchzubringen, die Gründe hierfür eingehend erörtert und daraus Schlüsse und Maßnahmen für unsre weitere Agitation gezogen. Aus den Einzelheiten des Agitationsberichts heben wir hervor, daß zur Reichstagstvahl 150 000 Flugblätter verbreitet worden sind, nachdem schon im Lauf des Jahres 60 000 Flugblätter allgemeineren Inhalts und 5000 Kalender verbreitet worden waren. Die A b- rechnung der gesamten Einnahmen und Ausgaben, einschließlich derjenigen für die Reichstagstvahl, ergab bei 2851,28 M. Ein- nahmen und 2873,64 M. Ausgaben ein Deficit von 22,36 M. Beziig- lich der weiteren Organisation wurde besonders beschlossen, erneute Versuche fester Organisationen in denjenigen Landorten zu machen, wo bei der letzten Wahl überwiegend socialdemottatische Stimmen abgegeben wurden. Die Kreisleitung soll zu diesem Zwecke besondere Agitationstouren arrangieren. Betreffs der p r e u tz i t ch e n Landtagswahlen wurde erneut der vorjährige Beschluß be- stätigt, sich an ihnen mit allen Kräften zu beteiligen und durch Vor- ttäge, speciell über die Technik dieser Wahlen, die Arbeiter aufzu- klären. Der Thüringer Parteitag gab keinen Anlaß zu einer eingehenden Erörterung, nur wurde den Delegierten der Auf- trag gegeben, für die Beibehaltung des Kalenders einzutreten; be- züglich des deutschen Parteitages wurde eine Beschickung beschlossen und eine besondere Wahl dazu dem Mühlhauser Wahl- verein überlassen. Zur Mariurger Stichwahl. Wir werden um Aufnahme der folgenden Zuschrift ersucht: In seinen letzten Ausftlhrungen sucht der„Vorwärts" die Rolle des Angeklagten in die des Anklägers umzukehren. Die Marburger Stichwahlstage ist aber von so großer principieller Wichtigkeit, daß sie nicht ungeklärt bleiben darf. Die Unterzeichneten, welche an den Vorgängen nach der am 19. Juni erfolgten Abreise des Genossen Bader, mit dem sie sich übrigens völlig solidarisch erklären, in besonderem Maße beteiligt gewesen sind, sehen sich deshalb zu folgender Erklärung veranlaßt: Unsre Stichwahl-Parole war gerechtfertigt: 1. Nach dem Stichwahl-Beschluß der außerordentlichen Partei- Versammlung vom 20. Juni. Die in höchstem Grade un- erwartete und zudem völlig unoffizicll, als einfache Meinungs- äußerung eines Prcßorgans erschienene Stichwahl- Parole des„Vorwärts" konnte für unsren Beschluß keine bindende Kraft haben. Nicht der„Vorwärts", sondern der Parteitag ist für die Haltung der Einzclorganisationen maßgebend. Der Münchener Parteitag aber steht ans unsrer Seite. Innerhalb der durch ihn ge- zogencn Grenzen mußten die Entschließungen der Ortsgruppen durchaus autonom sein. Ein Grund für ein Abgehen von der Resolution Bebel lag für uns aber umso weniger vor, als wir dieselbe Wohl mit Recht nicht für einen blindgeladenen Kanonenschuß hielten und die in Betracht kommenden bürgerlichen Linksparteien überdies mit der einstimmig.angenommenen Resolution Bebel keineswegs auch nur eines ihrer Principien, die doch allein zu jenein Beschluß Veranlassung gegeben hatten, geändert haben. 2. Durch örtliche Verhältnisse sowie principielle Stellung der hiesigen Parteimchrheit. Die orsteren hat bereits Genosse Bader angedeutet. Zunächst kann man schon über die Nützlichkeit bezw. NichtNützlichkeit der bürgerlich-radikalen Parteien sehr verschiedener Meinung sein. Hier in Marburg lag der Fall aber noch ganz besonders eigenartig. Wir hatten Gerlach nicht als isolierten steisinnigen„Wilden", sondern als Mitglied einer politisch höchst bedenklichen Partei zu bekämpfen. Diese Partei— daS wußten lvir genau— stand und fiel mit Gerlachs Wahl oder NichtWahl. In unsrer Hand lag eS also, eine Partei-Organisation von der Bildfläche verschwinden zu lassen, die überdies eigens gegründet, um uns„abzulösen", um Verwirrung und Unklarheit zu stiften im stände ist, eine Partei noch dazu, deren Wähler, wie Naumann selber es ausgesprochen, nicht um des socialen Teiles ihres Programms wegen dem nationalsocialen Kandidaten ihre Stimme geben! 3. Durch den P a r t c i v o r st a n d s e l b st. Die Bemerkung des„Vorwärts", der hiesige Beschluß sei ihm erst durch die„Franks. Zeitung" bekannt geworden und selbst der Parteivorstand habe nichts von ihm erfahren, ist teils unrichtig, teils verschleiert sie den wahren Sachverhalt. Unrichtig deshalb, weil Genosse Michels auf einen am Tage nach dem Stichlvahl-Beschlnß eingetroffenen, uns die Wahl Gerlachs nahelegenden Brief des Genossen Pfannkuch diesem den Stichlvahl-Beschlnß umgehend mitteilte. Gleich»ach der Hauptwahl ist von feiten des Genossen Bader- Bericht an die Parteileitung erstattet worden mit Klarlegung der hiesigen Verhältnisse und der Bitte um Angabe einer Stichlvahl- direkttve. Der Bescheid, von dem Pfannkuch geschrieben, lautete, die Wahl Gerlachs sei doch aussichtslos und schloß mit den Worten: „Und da dem so ist, braucht man die eigne Position sür die Zukunft nicht zu schädigen." Also haben wir das Bild: Marburger Parteigruppe und Partei- vorstand auf dereinen.„Vorwärts" auf der andren Seite! Kommentar nicht nötig. Desto unerfindlicher ist uns aber die Schulmeisterung des„Vorwärts". 4. Nachträglich durch die Ereignisse, welche den opportunistischen Coup des„Vorwärts" nicht einmal als politisch praktisch bewiesen. ES dürfte bekannt sein, daß die Nattonalsocialen uns nicht mit der Münze des„Vorwärts" wiedergezahlt haben.--- Aber es handelt sich hier m erster Linie ja nicht einmal um die taktische Richttgkeit bezw. Nichrichtigkeit des Marburger Beschlusses, sondern um die Richtigkeit bezw. Nichttichtigkeit der bewußten„Vorwärts"-Notiz. Eine Meinungsäußerung des„Vorwärts" mußte unter allen Umständen als das erkennbar sein, was sie allein sein durfte: nämlich als eine Kritik der einen Parteigruppe über die Maßnahmen einer selbständigen andren. Die beliebte Fassung als diktatorisches Dekret überschritt jedoch durchaus die Befugnisse deS„Vorwärts" und mußte geeignet sein, die hiesige Organisation zu desorganisieren. Der„Vorwärts" hatte als einzelnes Parteimitglied nicht das Recht, Mer den Kopf der hiesigen Ortsgruppe mit dem Gegner zu paktiere». Daß derartige Machenschaften sich leider abgespielt haben, ist sicher. Durch mündliche Aeußerungen deS nattonalsocialen Redakteurs Martin Wenck zu einem unster Genossen sowie durch eine fett« gedruckte Angabe in der„Hess. Landesztg." ist angegeben worden, daß jene„Vorwärts"-Notiz durch Telegramm von socialdcmokratffcher Seite an Herrn v. Gerlach gelangt ist. Diesem Puntte wird von hier« aus»och weiter nachgegangen werden. Vielleicht ist der„Vorwärts" uns dabei behilflich! Georg Härtling, Vertrauensmann. Dr. Ernst Thesing. Dr. Robert Michels. Die falsche Taktik der Marburger Genossen wird auch dadurch nicht richtiger, daß nun hilfsweise von„ p rin c i p i e l l er Be« deutung" und von einem„ o p p o r t u n i st i s ch e n Coup" gesprochen wird. Die„principielle" Argumentation der Verteidiger des Be« schlnsses bewegt sich in einem höchst„opportunistischen" Widerspruch. Man verteidigt die Stimmenthaltung einerseits mit dem eigenartigen Grundsatz, daß man nicht dem ersten Nationalsocialen in den Reichstag habe helfen wollen, und zweitens zur Abwechselung mit der Meinung, daß ja die Wahl GerlachS ohnedies aussichtslos ge« wcscn sei. Die Berufung ans den MUnchener ParteitagS-Beschlnß ist— wie wir schon zugegeben haben— formell berechtigt. Aber wer einigermaßen die'Geschichte der Partei kennt, weiß, daß ganz traditionell die besondere Stichwahlparole immer erst zwischen Haupt« und Stichwahlen ausgegeben wurde, und daß sie. im Zwange der Situation, häufig sich nicht mit dem früheren Beschluß völlig decken konnte. Die einzige Lehre, die man aus diesen allerdings un- angenehmen Abweichungen ziehen muß, ist aber die, daß man aus solche festlegenden Beschlüsse, die nachher nicht gehalten werden können, künftig verzichtet. Die Stichwahl-Taktik, die der„Vorwärts" verfolgte, beruhte auf einer emheitlichen und einstimmigen Vereinbarung zwischen Partei« vorstand und Redaktion. Daher konnten auch die Mitglieder deS Parteivorstandes, die um Rat gefragt wurden, keinen andren Bescheid geben, als gemäß der„Vorwärts"-Haltung. Die Einsender teilen uns ja auch mit. daß Genosse Pfannkuch den Marburgern die Unter« stiitzung v. Gerlachs nahegelegt, also genau das gleiche Verbrechen begangen hat wie der„Vorwärts". Damit fällt freilich unsre Vermutung, daß die Marburger Parteigenosseu sich mit dem Partei« vorstand nicht verständigt haben, sie haben seinem Rat nur nicht Folge geleistet. Weil wir aber gerade die Auffassung des Parteivorstandes kannten, mußten wir aus den ausschließlichen An- griffen der Marburger gegen den„Vorlvärts" allein die Meinung entnehmen, daß man sich mit der obersten Partei-Instanz überhaupt nicht in Verbindung gesetzt habe. Im übrigen begreifen wir die Anklagen der Marburger über« Haupt nicht. Mögen sie nun unsre Stichwahl-Takttk als parteioffiziell oder als individuelle Aeußerung eines Parteiblattes betrachten, in beiden Fällen können sie uns nicht das Recht bestreiten, an dem Beschluß einer Partei-Organisatton Kritik zu üben. Die Autonomie geht doch nicht so weit, daß jede Kritik der autonomen Eingebungen eine frevelhafte Anmaßung ist. Daß unsre Einwendungen gegen den thörichten Stimmenthaltungsbeschluß auf die Masse der Mar- burger Parteigenossen Eindruck machten, beweist doch nur, daß sich der Vernunft unsrer Erwägung niemand entziehen konnte, im Grunde— so möchten wir meinen— auch nicht die Einsender. Mit der Fesfftellung aber, daß unsre seit den Hauptwahlen feststehende Stichwahl-Taktik keine individuelle Privatmeinung dar« stellte— das entspräche auch schwerlich der Stellung des Centtal« organS in solchen entscheidenden Momenten— Iverden nun endlich auch wohl jene dunklen, unverständlichen Andeutungen, als ob wir auf Veranlassung der.Nationalfocialen jene Nottz veröffentlicht hätten, verschwinden. Gründe für den Beschluß bringt auch die neueste Einsendung nicht— und indem wir nunmehr die leidige Angelegenheit als endgültig erledigt betrachtet haben— geben wir noch aus einer Zuschrift, die»nS ein andrer Marburger Parteigenosse sendet, die solgenden Bemerkungen wieder: „... Bei der Hauptwahl erhielten in runden Ziffern Bader(@oc.) 1490, v. Gerlach(itat.-foc.) 3600, v. Pappenheim(loitf.) 4900, Zimmermann(Antif.) 2300, Baum((£.) 1890 Stimmen. Die social» demokratischen Stimmen hatten sich von rund 500 im Jahre 189S verdreifacht. Während bei früheren Wahlen unsre Partei auf daS Ergebnis der Wahl gänzlich einflußlos war, hatte sie in diesem Jahre zum erstenmal eine Stimmenzahl erlangt, welche in der Stichwahl stark ins Gewicht fiel. Diese erfreuliche Stimmenzunahme kam hauptsächlich daher, daß wir ,n der Person des Genossen Bader einen Kandidaten hatten, der einige Woche vor der Wahl den Wahlkreis unausgesetzt bearbeiten konnte und zudem' eine im ganzen Wahlkreise bekannte Persönlichkeit war. Der aus der stärkeren Stimmen» zahl sich ergebenden Verantwortlichkeit haben sich die Marburger Genossen— leider— nicht gewachsen gezeigt und jenen vom„Vorwärts" mit Recht als falsch bezeichneten Beschluß auf Sttmmenthaltung gefaßt. Es entspricht nun nicht den thatsächlichen Verhältnissen, wenn Gen. Bader in seiner tuschrift sagt, daß die Wahl des Agrariers nach dem Ausfall der anptwahl bei Freund und Feind ohnehin gesichert erschien. Die Wahl des Agrariers war nur bei Stimmenthaltung der Social« dcniokratie sicher. Daß das Centrum sür Gerlach eintreten würde, Ivar vorauszuichen, da Gerlach sich für. der konservative Bündler gegen die Aufhebung des§ 2 deS Jesuitengesetzes erklärt hatte. Ebenso war vorauszusehe», daß die Antisemiten nicht geschlossen für den Bündler ein« tteten würden und nach obigen Ziffern genügte ein Abfall von ca. 200 Stimmen, um die Wahl des Aarariers zu vereiteln. That« sächlich war dieser Abfall bedeutend stärker, während andrerseits auch das Centtum nicht geschlossen für Gcrlach stimmte. Wie kam es nun, daß ttotzdem die Marburger Genossen Stimm« enthaltung beschlossen? Zunächst infolge der Antipathie gegen die Nationalsocialen. die in dem Ausspruche gipfelte: weshalb sollen gerade wir, weshalb soll gerade der Marburger WahltteiS dazu ausersehen sein, den ersten Nationalsocialen in den Reichstag zu senden und so einer Partei zum politischen Leben zu verhelfen. die uns nur hindernd für zukünfttge Wahlen sein kann I Ferner kam unser Stimmenzuwachs hinzu; die 200prozenttge Zunahme hatte derart gewirkt, daß viele Parteigenossen eine Eroberung des Wahl« kreises in nicht zu großer Ferne glaubten. Dabei wäre jedoch Gerlach uns in, Wege und der Wahlkreis sei den Konservativen leichter abzugewinnen als den Nattonalsocialen. Zur Er- oberung uns res rein ländlichen Wahlkreise» dürfte aber noch mehr gehören, als die Be» seitigung Gerlachs. Schließlich kan, noch hinzu die wohl ganz vereinzelt dastehende anständige Behandlung unsrer Partei durch die Konservativen und ihr Organ. die.Oberh. Zeitung". Diese witterten mit Recht in Gerlach den Gegner, dessen Sieg eher zubefürchtensei, und während der Kampf zwischen Konservattven und Nattonalsocialen in schärfster und zum Teil persönlicher und gehässiger Form geführt wurde, erfreuten wir uns einer derart anständigen Behandlung, die frappieren mußte. Be- zweckt sollte dadurch werden, daß wir in der Sttchwahl Wahl- enthalttmg üben sollten, und beinahe wäre ja dieser Zweck erreicht, trotzdem der konservative Bündler einer der schlimmsten Vertreter der Brotwucherer und der Kardorff-Rotte war. Und nicht nur daS: auch in Bezug auf das Wahlrecht hatte v. Pappenheim eine ausweichende Antwort gegeben und eine Ausweisung der.Volksverhetzer" als wünschenswert bezeichnet. Wenn unter diesen Umständen der Artikel deS„Vorwärts" wirk» lich das Wahlresultat beeinflußt haben sollte, so hat die Redaktion dafür kein Tadelsvotum, sondern Anerkennung verdient; denn Stimnienthalttmg strikte ausgeführt, hätte zur Wahl des Agrarier» geführt. Vesser wäre es, statt Vorwürfe zu richten gegen Redattion und Parteigenossen wegen der Nichtbefolgung des Stimm- cnthaltungsbeschlusseS, das Verkehrte dieses Beschlusses einzusehen und nicht durch starres Festhalten an einer Stellungnahme, die auch ohne den Vor Worts Artikel kaum von einem Drittel der socialdemokratischen Wähler befolgt worden wäre, unsre fernere Agitation zu erschweren. � Parteipresse. Der„ V o l k s f r c it» d", das Partei-Organ für die um Dresden liegenden ostsächsischen ReichZtags-Wahlkreise, hat in den letzten Jahren erfreuliche Erfolge zu verzeichnen. Das Blatter- schien bis 1900 dreimal wöchentlich, von da ab täglich: auch im Umfange ist es mehrfach vergrößert worden. Jetzt erscheint das Blatt zweimal achtseitig und viermal sechsseitig in der Woche. Der A b o n n e n t e n st a n d hat sich in den letzten Jahren mehr als ver- doppelt. 189ti betrug die Auflage 4300, bis Juli 1901 wurden 5800 Abonnenten, iin August 1902 wurde unter erheblichen Schwankungen eine Leserzahl von 7000 erreicht. Nun ging es schnell vorwärts: Im Januar 1903 betrug die Leserzahl 7800, im April 9200, im Juni 9800 und im Juli wurde mit 11 200 zahlenden Abonnenten der Höchststand erreicht, der allem Anscheine nach im August noch eine weitere Steigerung erfahren wird. Hm Indyftne und Kandel. Amerikanische Urteile über die Lage des nordamerikanischen Eisen Marktes. Die letzte hier eingetroffene Nummer der„New Aorker Handelszeflung" bringt verschiedene Aeußerungen hervorragender Eiscnmdustriellcr und Eisenhändler über die Aussichten des amerikanischen Eisenmarktcs, die recht treffend illustrieren, wie stark sich— genau wie vor der letzten Krise in Deutschland— der Optimismus in den betreffenden Fachkreisen eingenistet hat und jede nüchterne Betrachtung der eingetretenen Zlbflauung des Marktes hindert. So erklärte z. B. Herr Archer Brown von der Roh- riscnfirma Rogers, Brown u. Co.:„Die gegenwärtige Stille im Eisenhandel hängt mit der Jahreszeit zusammen, und Juli und August sind regelmäßig flaue Monate. Auch die Arbeiter sind in dieser Zeit an eine Ruhepause gewöhnt. Deshalb ist die Meldung, der Roheiscnmarkt sei demoralisiert, gänzlich unbegründet. Auf alte 5iontrakte finden fortdauernd große Lieferungen statt, und auch an neuen: Geschäft fehlt es nicht. Die Stahlsituation ist ge- sund, und solche Fabrikationszweige, welche viel Gußeisen kon- sumieren, wie die Fabrikation von Radiatoren, gußeisernen Röhren, Bahnausrüstung, Maschinerie usw., machen ein enormes Geschäft bei besten Aussichten für Andaricr eines solchen." Im Bureau der Carnegie Steel Co. wurde versichert, daß eine Reduktion der Stahlpreise nicht in Aussicht genommen sei. Allerdings komme gegenwärtig wenig neues Geschäft herein, aber das sei das Uebliche zu dieser Jahreszeit. Wie in dem Berichte der Stahlkorporation angegeben, seien genügend Ordres an Hand, um einen ununterbrochenen Betrieb des Werkes während des übrigen Jahres z« sichern, selbst wenn keine neuen Orders hereinkommen. Für eine Ermäßigung der Stahlpreise liege somit keine Ver- anlassung vor. Eine andre„Autorität" der Eisen- und Stahlbranche hat sich wie folgt geäußert: Eine wesentliche Reduktion der Stahlpreise steht für nächste Zeit kaum in Aussicht. Deshalb treffen die großen Stahlfabrikanten doch Vorbereitungen für eine stillere Zeit, Ivie sie zweifellos eintreten wird. Schon seit einem Jahre sind in ihrem Auftrage Leute mit dem Studium der Auslandsituation beschäftigt, um für Ausnutzung derselben vorbereitet zu sein, wenn die Not- wendigkcit sich zeigen sollte. Es sei jedoch nicht anzunehmen, daß schon im nächsten halben Jahre solche Notwendigkeit an sie heran- treten wird. Als Ergänzung sei folgender aus New Dork am 17. d. Mts. abgesandter Bericht der„Franks. Zeitung" vom amerikanischen Eisen- und Stahlmarkt hinzugefügt:„Die monatliche Hochöfen- Statistik weist eine bedeutende Zunahme in der Produktions- fähigkeit auf, und zwar für die Coaks- und Anthracitöfen von 388 000 Tonnen auf 403 833 Tonnen pro Woche. Die Gesamt- Produktion von Roheisen belief sich im Juni auf 1 717 000 Tonnen. Die Roheisen-Vorräte sind im Steigen begriffen, ein Beweis, daß der Konsum zurückgegangen ist, hauptsächlich eine Folge der vielfachen Streiks. Roheisen ist, obwohl ein wenig reger, immer noch unstätig. Der Stahlmarkt ist ruhig und geht langsam zurück: die Produktion nimmt ab. An dem kanadischen Schienen- markt wird hier bedeutendes Interesse genommen; deutsche Schienen werden dort zu 96 bis 98 f. o. b. Montreal angeboten. Die Association der Platten- und Trägerfabrikanten hat eine Versamm- lung abgehalten, ohne indes eine Aenderung in den Preisen vor- zunehmen. Der Handel in fertigem Stahl und Eisenmaterial ist in der letzten Zeit ziemlich unbedeutend gewesen. Gewerhrcbaftlicbca. Bertin und tlmgcgend. Für die Glaser tritt am 1. August nach den im vorigen Jahre zwischen den Arbeiter- und Unternchmer-Organisationcn getroffenen Vereinbarungen im Berliner Lohngebiet der neue Tarif in Kraft. In der stark besuchten Versammlung, die am Montag im Gewerk- fchaftshause tagte, wurde berichtet, daß verschiedene Firmen auf die Vorstellung der Arbeiter bereits erklärt haben, von: Sonnabend ab den erhöhten Lohntarif zu bezahlen, einige Unternehmer aber an- scheinend versuchen wollen, die unterschriftlich anerkannten Abmachungen illusorisch zu machen. Für die Durchführung der Vereinbarungen hat eine aus Vertretern der Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu- somniengesetzte Schlichtungskommission zu sorgen. Im übrigen ist bei den Arbeitern der Wille vorhanden, dem Tarif mit aller Energie allgemeine Anerkennung zu verschaffen und sind hierzu von der Organisation die eventuell notwendigen Mittel zugesichert. Am Sonntagmittag findet im großen Saale des Gewerkschafts- Hauses wieder eine Versammlung statt, in der über das Ergebnis am Sonnabend berichtet und die weiter zu treffenden Maßnahmen beschlossen werden sollen. Die Fliesenleger stellten am Montag in einer Versammlung bei Patt, Dragonerstraße, einen neuen Lohntarif auf, der in aller Kürze zur Durchführung kommen s o l l. � Folgende Hauptpunkte sind daraus hervorzuheben: 1. Der Minimalstundenlohn beträgt 30 Pf.(gegenwärtig 70 Pf.). 2. Die tägliche Arbeitszeit beträgt neun Stunden, von morgens 7 Uhr bis abends 6 Uhr mit den üblichen Pausen. 3. Sonnabends eine Stunde früher Feier- abend und muß der Lohn abends 5 Uhr in den Händen der Arbeiter fein; an den hohen Festtagen drei Stunden früher Feierabend ohne Lohnabzug. 4. Bei Arbeiten außerhalb des Vorortverkehrs wird außer Fahrgeldvcrgütung noch ein Ertrabetrag von 3 M. pro Tag bezahlt; falls Kost und Logis gewährt wird, 75 Pf. weniger. 5. Für Ueberstunden. die möglichst zu vermeiden sind, bis abends 9 Uhr ein Zuschlag von 25 Prozent; Nachtarbeiten, von 9 Uhr abends bis 7 Uhr morgens, sowie Sonntagsarbeit 100ProzentZuschlag. 6. Accordwird nicht g e a r b e i t e t und darf im Fall der Weigerung der Arbeiter nicht entlassen werden. Auf jeder Baustelle ein verschließ- barer Raum zur Aufbewahrung der Klerder und des Handwerkszeugs; wo solcher nicht vorhanden, haftet der Arbeitgeber für die etwa gestohlenen Sachen. 7. Zur Schlichtung von Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis, zur Verineidung von Streiks und Aussperrungen wird eine Konnnission von je vier Arbeitern und Arbeitgebern unter Vorsitz eines Gewerberichters gebildet. 8. Arbeitsordnungen dürfen Bestimmungen, welche diesem Vergleich cntgegeustehen, nicht enthalten. 9. Dieser Vergleich gilt bis zum 1. März 1904 und läuft stillschweigend ein Jahr weiter, wenn nicht vier Wochen vor Ablauf eine Kündigung erfolgt. Von der jüngeren, kleineren Organisation, der„Freien Vereinigung der Fliesenleger", gab der anwesende Vorsitzende(Rätz) die Erklärung ab, daß die Arbeiter dieser Korporation bei gesperrten Firmen keine Arbeiten übernehmen, ihren Kollegen der andern Organisation nicht in den Rücken fallen würden. Dagegen wird hervorgehoben, daß seitens des„Verbandes der Arbeitgeber der Fliesenleger Berlins md Umgegend" erklärt worden sei. daß, sobald feiten s der Arbeitnehmer eine Firma gesperrt werde, sämt- liche Berliner Fliesenleger ausgesperrt würden. In der Diskussion wird weiter hervorgehoben, daß die Konjunktur im Fliesenlegergewerbe außerordentlich günstig sei, wie seit Jahren nicht und u. a. angeftihrt, daß die Firma„Rofenfeld u. Co., Mohren- slraße 11/12, königl. Hoflieferanten", die 60 bis 70 Arbeiter be- schäftige. noch 20 Arbeiter suche, aber nicht finde; ebenso wurden nach außerhalb, z. B. im Ruhrgebiet, noch massen- Haft Fliesenleger erst kürzlich aus Berlin verlangt, dem nicht habe stattgegeben werden können, da es arbeitslose Fliesenleger hier in Berlin überhaupt nicht gebe. Schließlich wird die Lohnkoinmission beauftragt, den Tarif noch nach Schluß der Versammlung(Mitternacht) zur Post zu befördern. damit jeder Unternehmer am Dienstag früh ini Besitze eines solchen sei. Fällt die Antwort der Unternehmer ablehneiid miS so ist zunächst ein partieller Streik in Aussicht genommen, derart, daß nach und nach immer gegen einzelne Firmen vorgegangen wird. In dem Begleitschreiben heißt es u. a: Es haben sich seit Jahren so viel Mißstände in unfrei» Beruf ein- geschlichen, daß eine Korrektur dringend erforderlich ist.... Es ist vor zwei Jahren ein Tarif mit der„Freien Vereinigung" ab- geschlopen. Wer damals die Ereignisse aufmerksam und nicht vor- eingenommen verfolgt hat, wird, soweit es sich um die Abnlachung handelt, zugeben müssen, daß der größte Prozentsatz der F-liesenleger Berlins und Umgegend nicht zu Gehör gekommen ist und daß die jetzigen Erscheinungen die natürlichen Konsequenzen sind von der N i ch t g l e i ch b e r e ch t i g u n g Nun ist aber die„Freie Vereinigung" auch gar nicht in der Lage. die auf ihr ruhende Verpflichtung zur Durchführung zu bringen und den Mißständen zu steuern.... Zur gedeihlichen Entwicklung eines friedlichen Arbeitsverhält- msses und ohne den einen oder andern Teil zu vergewaltigen, stellen wir folgende Forderungen: 1. Unsre Anerkennung vor dem EinigungS- amt, als der größten Korporation der Fliesenleger Berlins und Umgegend. 2. In eine Verhandlung behufs Schaffung eines Tarifs wie der anliegende zu treten. 3. Antwort wird bis Freitag 7 Uhr abends erwartet, da an diesem Tage abends eine öffentliche Versammlung stattfindet. Der Streik bei der Firma Mehlich, Sophieustraße, wurde gestern laut Beschluß der Ausständigen für beendet erklärt. Sämtliche Streikende waren der Meinung, daß nach wochenlangem Ausharren eine Weiterführung des Streeks dank der schäbigen Haltung der Hirsch-Dunckerschen nunmehr zwecklos sei. ocutkckes Reich. Die Klempner und Installateure von Straßburg i. E. stehen sur Zeit in Lohnbewegung. Da die Meister außerhalb Arbeitskräfte »che», ist Zuzug von Straßburg fernzuhalten.— Alle arbeitcr freundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Sociales. Die Bergbehörde kümmert sich nicht darum. Man schreibt uns aus dem Ruhrrevier: Verschiedene Maff nahmen der rheinisch-westfälischen Grubenbesitzer, und zwar vor- nehmlich solche aus den letzten Wochen, haben bei den Bergarbeitern bezirksweise sehr große Erregung hervorgerufen. Zunächst ist das Strafwesen direkt zu einem Unwesen geworden, daß es toller kaum noch werden kann. Zu diesem Unwesen gehört auch das Wagen- nullen wegen nicht reiner Kohle oder wegen nicht genügender Füllung der Wagen. Die Bergarbeiter haben über die Praxis des Nullcns gar keine.Kontrolle, und hört man fast allgemein die Ansicht. das Nullen wird in einem bestimmten Verhältnis zur Fördermenge systematisch angeordnet, um auf solche Weise neben den direkten Abzügen noch eine Extra-Reduktion der Gedinge herbeizuführen. Die Bergarbeiter verlangen nun, daß das Nullen der Wagen unter chre eigne Kontrolle gestellt wird. Haben die Werksbesitzcr keinen Grund, diese Kontrolle zu scheuen, dann wird man die Forderung der Arbeiter nicht ablehnen können, um so weniger, weil die Kosten der Kontrolle von den Arbeitern getragen werden. Ein weiterer Grund der Unzufriedenheit sind die direkt nach der Wahl vor- genommenen Maßregelungen, die in einzelnen Fällen den Be- troffenen in aller Offenheit als Strafe für den Sieg der Social- demokratie signiert wurden. Was aber geradezu aufreizend wirken mußte, ist der Umstand, daß gleichzeitig mit der Vornahme der Kündigungen bekannt wurde, daß in Unternehmerblättern über Arbeitcrmangel geklagt und Import von Arbeitern aus dem Osten bewerkstelligt wurde. Hier warf man Arbeiter aufs Pflaster und fremde Leute sollten heran- geholt werden I Weiter verkündeten die Wcrksblätter, daß in den letzten Tagen der vergangenen Woche die höchsten jemals zu ver- zeichnenden Versandziffern erzielt worden seien— und am Montag legte man auf verschiedenen Gruben Feierschichten ein wegen Mangel an Absatz!—--- Dazu bildet die Art der Behandlung der Wurmkrankheit fortgesetzt die Quelle zur Erregung größter Un- zufricdenhcit der Arbeiter. Zuerst hat man den 5tlagen der von der Wurmkrankheit Bedrohten ein NichtHören oder ein Nichthörenwollen entgegengesetzt. Nun ist das Unheil ins Riesengroße gewachsen, wurde doch sogar der angebliche Arbeitermangel auf die große Zahl der Wurmkranken zurückgeführt. Nachdem die Seuche den schreck- lichen Umfang angenommen hat, trifft man Maßnahmen— angeblich zur Bekämpfung der Seuche—, die geradezu empörend ge- nannt werden müssen. Daß die unheimliche Ausbreitung der Seuche der Laxheit der verantwortlichen Organe zu danken ist, steht außer allem Zweifel. Seit vielen Jahren wurde ärztlicherseits strengste Untersuchung der speciell mis Oestreich-Ungarn importierten Arbeiter verlangt, vor kurzem wurde von den maßgebenden Personen zu- gegeben,— die Untersuchung sei mangelhaft! Die Alarmierung seitens des Knappschaftsarztes veranlagte den Erlaß einer dies- bezüglichen Berg-Polizeiverordnung; nach zwei Jahren konnte kon- statiert werden, daß die Verordnungen zum Teil noch nicht Be- achtung gefunden hatten; vielfach waren die geforderten und vor- geschriebenen Einrichtungen nicht einmal eingeführt. Die Arbeiter zu beschuldigen, sie hätten die Seuche eingeschleppt, wird selbst keinem Unternehmerknecht einfallen— alle Schuld trifft die Unter- nehmer. Nun, da das Unheil sich nicht mehr verbergen läßt, schlagen die Unternehmer eine andre Taktik ein. Die Seuche soll bekämpft werden— rücksichtslos, auf Kosten der Arbeiter!--- Zunächst traf man die Anordnung, daß kein Arbeiter angestellt werden dürfe— auch nicht beim Wechsel der Arbeit von einer Zeche zur andren—, ivenn er nicht auf eigne Kosten ein ärztliches Attest über Wurmreinheit beibringe. Diese Maßnahme wirkt wie ein Verbot der Freizügigkeit. Aber es kam noch toller, man griff zu einer Praxis, die unzweideutig zeigt, daß die Bergleute lediglich als Objekte der Mehrwertfchaffung bettachtet werden. Die Natur wurde korrigiert! Da die Arbeiter nicht auf Kommando Kot abgeben können, hat man ein Instrument angefertigt, mittels welchem den Leuten zu jeder gewünschten Zeit Kot entnommen werden kann, gerade so wie man einer x-beliebigen Ware Proben entnimmt. Werden Würmer gefunden, steckt man die Leute ins Krankenhaus— und bezahlt ihnen keinen Lohn, erst vom vierten Tage an giebt es Krankengeld. Da einzelne Leute auf solche Weise zwei-, drei- und noch mehr mal kuriert werden, bedeutet das für dieselben eine er- hebliche wirtschaftliche Schädigung. Ist schon die gewaltsame Kot- entnähme— die, wie uns versichert wird, sehr schmerzhaft ist—, ein sehr starker Eingriff in die persönliche Freiheit, so ist doch bei armen Familienvätern die wirtschaftliche Schädigung mehr noch das Maß der Unzufriedenheit. Verschiedentlich haben die Betroffenen auch schon versucht, sich solcher Art der Wurmbehandlung zu wider- fetzen, die Drohung, eventuell für immer von der Bergarbeit aus- geschlossen zu werden, brachte die Leute zur Duldung der Gewalt- maßregeln. Die Empörung über alle diese Zustände greift natürlich immer weiter um sich. Nun verlautete in den letzten Tagen, die Berg- behörde habe die Revierbeamten angewiesen, sich über die Ursachen der Unzufriedenheit und deren Berechtigung eingehend zu in- formieren. Solche Anordnung, von welcher man nach den gemachten Erfahrungen auch noch nicht viel erwarten dürfte, hätte man immer- hin als verständlich betrachten können und hätte dieselbe auch wohl dem weiteren Umsichgreifen der Unzufriedenheit entgegenwirken können. Die Bergbehörde läßt aber nun bekannt werden, wie Amts« blätter berichten, daß sie die angeführte Anweisung nicht gegeben hat, und damit die diesbezüglichen Erörterungen hinfällig sind. Man könnte sich versucht fühlen, anzunehmen, daß alles darauf angelegt ist, die Unzufriedenheit der Arbeiter bis zum Ueherfließen zu schüren. Dafür werden diejenigen, welche die Thatsachcn kon« statieren, Hetzer und Aufwiegler genannt. Den kommenden Ereignissen entgegensehend, ist es gut. die Thatsachcn festzuhalten, man wird dann später nicht sagen können, die Arbeiter hätten Forderungen nicht gestellt, von Unzufriedenheit sei nichts bekannt gewesen, mit welchen Ausflüchten ja auch nach dem Riesenstreik 1889/90 operiert wurde. Die Wohnungsenquete in München. München, den 27. Juli.(Eig. Ber.) Die von der Stadt München veranstaltete Probe-Wohnungsenquete, die wahrhaft er- schreckende Resultate ergab, veranlaßte auch die Staatsregierung, die Stadtverwaltung zu einem sofortigen Einschreiten gegen die erhobenen Mißstände aufzufordern. Zugleich wird in dem heute veröffentlichten Erlaß auch die bestimmte Erwartung aus- gesprochen, daß in nächster Zeit eine allgemeine gründliche Wohnungscrhebung in München vorgenommen wird. Diese Regierungsentschließung ist solange nur von problemati- schcm Wert, als nicht zugleich auch für die Arbeiter für menfchen- würdige, gesunde Wohnungen zu erschwingbaren Preisen gesorgt wird. Eine solche Wohnungspolitik erfordert jedoch um- fassende gesetzgeberische Maßnahmen, denen die hayrische Regierung mit Rücksicht auf die Heiligkeit des Eigentums bisher scheu aus dem Wege ging. Aber immerhin ist es erfreulich, daß der in ihrer großen Mehrheit von bürgerlich-kapitalistischen Interessen geleiteten Stadt- Vertretung nunmehr auch von der Regierung bestätigt wird, was ihr die socialdemokratischen Gemcindevertrcter schon seit Jahren ge- predigt haben. Und der zähen Energie der Socialdemokraten im Rathause ist es auch zu verdanken, wenn die Sache endlich einmal in Fluß gekommen ist._ Sociale Rechtspflege. Leistenbruch als Folge eines Betriebsunfalles. Der Gruben- Maurer N. war bei einer schweren Arbeit im Steinkohlenbergwerk zu Königshütte ausgeglitten, fo daß die Leistengegend gezerrt wurde. Er trug einen Leistenbruch davon. Dieser wurde jedoch noch nicht bei der Aufnahme N.s in das Lazarett festgestellt. Der Knappschafts- arzt erachtete nur eine gewaltsame Dehnung der Leistengegend für vorliegend und ließ sich fpäter, als N. eine Rente von der Knappschafts-Berufsgenossenschaft verlangte, bezüglich des jetzt auch vom Knappschaftsarzt Dr. Hartmann nicht geleugneten Leisten- bruchs dahin aus, daß jene„Dehnung" nur die allmähliche Ausbildung des Leistenbnichs ermöglicht habe. Die Berufsgenossenschaft lehnte mit Rücksicht darauf den Rentenanspruch N.s ab, worauf der Verletzte Berufung einlegte.— Das Schiedsgericht Oppeln verurteilte denn auch die Berufsgenossenschaft, N. eine zehnprozentige Unfallrente zu gewähren. Das Schiedsgericht berief sich auf ein Gutachten des Dr. Gutsch, wonach der Leistenbruch nicht erst allmählich bei der Arbeit entstanden, sondern eine direkte Folge des Unfalls sein müsse. N. habe sofort Schmerzen im Bauch gehabt, und zu einem Wege. den man in zwanzig Minuten zurücklegen könne, zwei Stunden gebraucht.— Die Berufsgenossenschaft legte Rekurs beim Reichs» Versicherungsamt ein und verlangte die Berücksichtigung der An» gaben des Knappschaftsarztcs Dr. Hartmann. Danach stände fest. daß der Austritt des Bruches nicht unmittelbar nach dem Unfall erfolgt sei, sondern viel später bei der Arbeit, und daß er nicht als unmittelbare, enffchädigungspflichttge Unfallfolge angesehen werden könne. Alsbald nach dem Unfall seien nur die Bruchpforten„weit" befunden worden. Das Reichs-Versicherungsamt folgte aber dem Anttage des Arbeitersekretärs R. Schmidt und wies den RekurS der Berussgenossenschast als unbegründet zurück. Ans dem Vatikan. Der Kampf der Kardinäle um den päpstlichen Stuhl. Aus Rom wird dem„New Dork Herald" telegraphiert, daß die liberalen Kardinäle unter dem Einfluffe des amerikanischen Kardinals Gibbons den Kardinal Richard unterstützen, um RampollaS Kandidatur zu bekämpfen, der alle Elemente des Kardinalkollegiums gegen sich hat, die der päpstlichen Polttik eine neue Richtung geben möchten. Gibbons stteitet energisch für die Wahl Serafino Bannu« tellis. Vannutelli würde, wenn er zur Wahl gelangt, das durch Pius IX. und Leo XIII. für die italienischen Katholiken aufrecht erhaltene Wahlverbot dli elettori ni eletti aufheben und Beziehungen zum Quirinal anbahnen. Da aber die Mehrheit der Kardinäle die traditionell feindliche Politik gegen das italienische Königshaus nicht aufgeben will, ist Vannutellis Wahl unwahrscheinlich. Gottis Kan« didatur scheint aufgegeben zu sein. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Berlin gemeldst: Auswärtige Blätter haben mehrfach behauptet, daß Deutschland seinen Einfluß dahin verwende, die Wahl des Kardinals Rampolla zum Papste zu verhindern. Neuerdings hat auch Kardinal Nava, Erz« bischof von Catania, der die Wahl Rampollas empfiehlt, fein Be» fremden darüber ausgesprochen, daß Rampolla von Berlin aus be» kämpft werde, während man doch für die Politik des verstorbenen Papstes, mit deren Durchführung der Name Rampollas aufs engste verbunden sei, nur Worte der Anerkennung habe. Diese Voraus» setznngen über die Thätigkeit Deutschlands bei der Papstwahl beruhen auf ganz falschen Annahmen, denn auf deutscher Seite ist man fest ent- schlössen, keinen Einfluß auf die deutschen oder andern Kardinäle aus« zuüben, keinen Kandidaten, wer es auch sei, zu bekämpfen oder zu fördern. Das gilt selbstverständlich ebenso für Rampolla, wie für jeden andern Kardinal, der als Bewerber um die päpstliche Tiara aufgestellt werden könnte. Die franzäsische Regierung betet für den Papst. In Notre Dame wurde heute vom Nunttus Lorenzelli ein feier- licher Traucrgottesdienst für den Papst abgehalten. Präsident Loubet, Ministerpräsident Combes und mehrere Minister hatten Vertteter zur Teilnahme gesandt. Unter den Anwesenden befanden sich Delcasss, Kriegsminister Andre, Frau Loubet, die Mitglieder des diplomatischen Korps, Deputierte, Senatoren und Vertteter von Vereinen. Vor der Kirche hatten sich trotz des Regens einige Neugierige eingefunden; eine Person, die Schmährufe auf die Geistlichkeit ausstieß, wurde verhaftet. Als der Kriegsminister General Andre nach Beendigung des Trauergottesdienstes aus der Kirche trat, ertönte aus der Menge ein Pfiff. Der Manifestant. Redakteur eines socialdemottatischen Blattes, wurde sofort verhaftet. lUt2te Nachrichten und Dcpefchen. Dresden, 28. Juli.(B. H.) Beim Abbruch eines Hauses in der Pillnitzerstraße fand man unter dem Aufräumungsschutt einen menschlichen Schädel und Teile eines Skeletts. Der Schädel wies Verletzungen auf, welche darauf schließen lassen, daß der Betreffende das Opfer eines Verbrechens geworden ist. Die Staatsanwaltschaft stellte fest, daß vor 20 Jahren ein Einwohner dieses Haufes spurlos verschwand. Seine Frau lebt noch heute. München, 28. Juli.(B. H.) Bei der heutigen LandtagSersatz- wähl wurde für den zum Professor beförderten Landtagsabgeordneten Sickenberger(Ctr.) der Hauptzollamts-Kontrolleur Ludwig Gierl (Ctr.) mit 179 von 221 Stimmen gewählt. Konstantinopel. 23. Juli.(93. H.) Marschall Meißel Pascha ist verhaftet worden, weil derselbe an seinen in Deutschland zur Ausbildung weilenden Sohn einen Brief gerichtet hat. in welchem vom Umstürze der jetzigen Regierung die Rede ist. Verantwortl.Redatteur: Julius Kaliski tnBerlin.Jnseratenteil verantworMch!T?.«loi»e in Berlin. Druck u. Bettag: BorwSrtS Buchdmckerei u.BerlagsanstaltPaul SingerSCo.,BerrinS3V. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsblatt. Nr. 174. 20. Jahrgang. f(ilop dks Lmöck" ßttlinct WsdlM Mittwoch, 29. Inli 1903. Berliner partei-Hngelegenbeiten. Parteigenossen Berlins und der Provinz Brandenburg. Die diesjährige Provinzial-Konferenz findet am Sonntag, den 6. September, in Berlin, im Gewerkschaftshause, Engcl-Ufer 15, statt. Beginn mittags 12 Uhr. Die Tagesordnung wird in nächster Woche bekannt- gegeben. Die einzelnen Kreise Berlins und der Provinz werden gebeten, umgehend Partei° Versammlungen resp. Kreis- Konferenzen zu berufen zwecks Stellungnahme und Wahl von Delegierten. Mit Parteigruß Agitations-Kommission für die Provinz Brandenburg. Nieder-Schöuewcide. Den Parteigenofien zur Nachricht, daß der Wahlverein am Mittwoch, den Lg. Juli, abends Slk Uhr im Lokal von Karl Spichale, gen.„Drachenfels', Berlinerstraße 17ck, eine Vereinsversammlung abhält. Gäste haben zu dieser Ver- sammlung Zutritt. Es ist Pflicht, für den guten Besuch der Ver- sammlung Sorge zu tragen. lokales. Die prahlende Soeialdemokratie. Den Hinweis auf die Wichtigkeit der zum Herbst wieder bevor- gehenden Stadtverordnetenwahlen, den wir am Sonntag gaben, begleitet die„Freisinnige Zeitung' mit folgender Kotiz: „Für die Berliner Stadtverordnetenwahlen zu agitieren, ermahnt er.Vorwärts' seine Gesinnungsgenossen. Prahlend schreibt das ölatt:„.Die Soeialdemokratie hat in der Stadtverordncten-Ver- vmmlung seit zwei Jahren 28 Sitze inne. Sie kann noch sehr viel nehr brauchen. Das Ziel, das sie sich vorläufig gesteckt hat, ist die Eroberung aller 48 Sitze der dritten Wteilung." Die.Freisinnige Zeitimg' nennt es also Prahlerei, wenn xmand erklärt, daß er vom Ziel noch eine tüchtige Weg- Drecke entfernt ist. Denn daß dies und nichts andres die llbsicht unsrer Ausführung war, das geht doch nicht nur aus dem zanzen Zusammenhang des Artikels hervor, sondern selbst noch aus »en drei Sätzen, die das Blatt des Herrn Eugen Richter mit schlauer öerechnung herausgegriffen hat. Unwillkürlich fällt einem hierbei ein, daß das führende Organ �es Richterscheu Freisinns nach der Niederlage, die die um Richter Sei den diesjährigen Reichstagswahlen erlitten haben, aller- Vings nicht den Standpunkt vertreten hat, der Freisinn könne noch sehr viel mehr Sitze brauchen. Herr Eugen Richter und seine Getreuen find mit der Zeit so bescheiden geworden, daß sie auch oann noch groß dazustehen glauben werden, wenn sie über noch ,ehr viel weniger Sitze im Reichstage verfügen werden. In der Berliner Stadtverordneten-Versamm- lung ist ja der Freisinn, dank den Schönheiten des heuttgen Gemeinde-WahlrechteS mit seiner Gruppierung der Wähler nach dem Besitz, vorläufig noch davor gesichert, eines Tages gänzlich zu ver- schwinden. Aber daß eS in absehbarer Zeit der Social- demokratie gelingen wird, wenigstens aus der dritten Abteilung den letzten Vertreter des Freisinns hinauszuwerfen, das weiß selbstverständlich auch die„Freisinnige Zeitung". Uebrigens läßt gerade die Notiz, mit der das Richtersche Blatt unsre Mahnung zu zeitiger Rüstung glossiert, deutlich genug er- kennen, daß die Führer des Berliner Freisinns mit bangerSorge an die Stadtverordneten-Wahlen denken. Diese Notiz bereitet schon jetzt auf jenes kindische Spiel vor, an dem der bescheidene Freisinn und seine Presse noch allemal sich vergnügt und getröstet haben, wenn die.prahlende' Soeialdemokratie neue Wahlsiege errungen hatte — auf die drollige Beweisführung, daß die Socialdemokraten trotz ihres neuen Erfolges eigentlich doch unterlegen seien, da sie ja einen viel größeren Erfolg erwartet und schon im voraus damit ge- prahlt hätten. Wir empfehlen unsren Lesern und Genoffen, sich die drei Sätze genau zu merken, die die.Freisinnige Zeitung" als Probe social- demokratischer Prahlerei mitgeteilt hat. Man wird staunen, welche Wandlungen ihr Wortlaut in den nächsten drei Monaten in der fteisinnigen Presse wie in den Wählerversammlungen des Freisinns durchmachen wird. Nach den Wahlen wird man wahrscheinlich höhnen, die Soeialdemokratie habe„schon diesmal" alle 48 Sitze der dritten Abteilung zu erobern gehofft— obwohl nur ein Drittel dieser 48 neu zu besetzen war. Die LaudtagSwahlcn in Berlm. Der Berliner Magisttat hat be- schlössen, für die bevorstehenden Landtagswahlen in Berlin 1291 Ur- Ivahlbezirke zu bilden, in denen zumeist 6 Wahlmänner zu wählen sind. Nur in einigen der UrWahlbezirke wird die Wahl von 3 bis 5 Wahlmännern in Frage kommen. Der Magistrat ist wie in früheren Jahren von dem Grundsatz ausgegangen, daß die Bildung der Ur- Wahlbezirke innerhalb der Stadtbezirke erfolgt, so daß, da etwa 350 Stadtbezirke bestehen, 3 bis 4 UrWahlbezirke auf jeden einzelnen Stadtbezirk kommen werden. Der Tag der Wahl der Abgeordneten und der Wahlmänner wird noch vom Minister bestimmt werden. Voraussichtlich wird der Magistrat den Beginn der Wahl auf 5 Uhr nachmittags festsetzen, auch vermutlich den Parteien eine beschräntte Zahl won Wahltableaus nach ihrer Ferttgstellung zur Verfügung stellen. Die Sterblichkeit ist in Berlin in dem ersten Halbjahre 1903 an sich etwas größer gewesen, als in demselben Zeitraum des vorhergehenden Jahres. Es sind hier aus den Monaten Januar bis Juni diesmal 15 879 Sterbefälle söhne die Totgeburten) gemeldet worden, während aus denselben sechs Monaten des Vorjahres nur 15 311 Sterbefälle söhne die Totgeburten) zur Meldung gekommen waren. Der Unterschied ist nicht erheblich. Er verschwindet sogar ganz, wenn den Sterbefällen die Totgeburten hinzugefügt werden. Die Zahl der Totgeburten ist nämlich in diesem Jahre bisher Geringer gewesen als im vorigen, was allerdings in erster inie darauf zurückzuführen ist, daß die im vorigen Jahre in Berlin wieder eingetretene Verminderung der Geburten über- Haupt in dem laufenden Jahre bisher noch fortgedauert hat. Aus dem ersten Halbjahr 1903 wurden nur 878 Kinder als tot- geboren gemeldet, während aus demselben Zeitraum des Vorjahres 947 Totgeburtsmeldungen vorlagen. Hiernach ist die Zahl der Sterbefälle samt Totgeburten für die erste Hälfte beider Jahre fast völlig gleich. Für 1902 betrug sie smit den Nachmeldungen) 16 758, für 1903 beträgt sie söhne die etwa noch ein« laufenden Nachmeldungen) 16 757. Gegenüber der Bevölkerungsziffer, die ja in Berlin von 1902 zu 1903 nicht unwesentlich gestiegen ist. würden diese Zahlen vorläufig sogar eine Verminderung der Sterb- lichkeit bedeuten. Doch muß in dieser Hinsicht erst abgewartet werden, was das zweite Halbjahr noch bringen wird. Die Bcrkehrsbcstimmungen für die Hochbahn fordern nicht nur die Kritik, sondern auch die Fahrgäste heraus. Jede, auch die durch Ueberfüllung der Wagenabtcile und Unachtsamkeit der Beamten ver- ursachte Ucberttctung dieser am grünen Tisch gemachten Be- stimmungen, wird bestrast. Jeder, der die Hochbahn benutzt, setzt sich dieser Bestrafung aus. Dem Schreiber dieses ist es passiert, daß er am Zoologischen Garten statt der geforderten acht Fahrkarten III. Klasse nach dem Halleschen Thore solche n. Klasse nach dem Potsdamer Bahnhof erhielt. Auf dem Bahnsteige. noch vor Antritt der Fahrt. wurde ein Beamter hierauf aufmerksam gemacht. Der Beamte gestattete die Fahrt in 3. Klaffe nach dem Halleschen Thore. Beim Verlassen des Bahnhofs machten die Kontrollbeamten natürlich Schwierig- leiten, weil acht Personen zwei Stationen zu weit gefahren waren, 24 Mark Sttafe waren fällig, da der betreffende Beamte, der die Fahrt gestattet hatte, nicht dazu berechtigt gewesen war. Da die Bahn nicht geschädigt worden war, ist die Hinterlegung der Sttafe verweigert worden. Meinen Kindern, die regelmäßig zweimal Ivöchentlich die Hochbahn benutzen müssen, ist es schon verschiedene Male passiert, daß sie wegen Ueberfüllung der Wagen das Abteil nicht rechtzeitig verlassen konnten. Erst an der nächsten Haltestelle war ihnen dies möglich; die Strafe von 9 Mark für die 3 Kinder ist nicht verlangt worden, weil die Fahrkarten bis zu dieser Station Gültigkeit hatten, andrenfalls hätte ich dafür, daß die Kinder ein- gepfercht worden waren, nicht hinaus konnten und einen weiteren Weg zurücklegen mutzten, auch den Beginn des Musikunterrichts ver- säumten, noch obendrein 9 M. Sttafe zahlen müssen. In diesen Fällen wäre es angebracht gewesen, die Hochbahn-Gesellschast in Strafe zu nehmen. Die Gesellschaft sollte, statt solche Bestimmungen zu erlassen, darauf Bedacht nehmen, diese und andre Ucbelstände ab- znstellen, dann wäre der Gesellschaft und dem Publikum gedient. Mit den Verkehrsbestimmungen ist niemand gedient, sie führen nur zu Streitigkeiten und verleiden dem Publikum oft die Benutzung der Bahn. Ein zugereister Schuhmacher hat am Sonntagnachmittag auf dem Wege vom Schlesischen Bahnhof zum Friedrichshain sein Werkzeug in einer Wirtschaft zur Aufbewahrung zuriickgelaffen. Da er mit den Verhältnissen hier nicht genügend bekannt ist, kann er das betreffende Lokal nicht wiederfinden und bittet deshalb, man möge ihm die Adresse desselben an Rückert nach der Herberge Koppenstraße 5 mit- teilen. Fast täglich werden jetzt Unfälle gemeldet, die durch das Be- steigen resp. Verlassen bei in der Fahrt befindlicher Straßenbahn- wagen hervorgerufen werden. Gestern abend verunglückte der Kauf- mann Legenbusch, Stargarderstr. 74 wohnhast, als er den Versuch machte, vor dem Hause Kastanien-Allee 6, die Hinterplattform des in voller Fahrt befindlichen Motorwagens 2305 der Sttatzenbahn- linie 51 zu besteigen. L. glitt von dem Trittbrett ab und stürzte so unglücklich, daß er eine klaffende Wunde am Hinterkopf und innere Verletzungen davontrug. Er erhielt auf der Unfallstatton in der Kastanien-Allee die erste Hilfe. Eifersucht. Der 49 Jahre alte Maler Hochbaum aus der Zossener straße 52 strich vor einiger Zeit bei einer Hausbesitzerin in der Adalbertsttaße die Fußböden und verkehrte später freundschastlich mit ihr. Seitdem verfolgte ihn seine b8jährige Ehefrau, die mit ihm seit zwei Jahren in zweiter Ehe lebte, mit ihrer Eifersucht. Da sie ihm oft hefttge Aufttitte machte, so kam er in der letzten Zeit drei Nächte nicht nach Hause. Gestern Morgen fanden Nachbarinnen die Frau als Leiche auf; sie hatte sich in der Nacht am Bettpfosten erhängt. Unter überaus tragischen Umständen fand am Sonnabendabend auf Statton Kaulsdorf ein Eisenbahnarbeiter seinen jähen Tod. Auf diesem Bahnhof sind bei den Erweiterungsbauten zahlreiche Arbeiter beschäftigt, die nicht zu den ständigen Streckenarbeitern zählen. Eben schlug die Bahnhofsuhr sechs, die Feierabendstunde. Der Schachtmeister setzte seine Pfeife an den Mund und gab damit das Zeichen, die Arbeit ruhen zu lassen. Dieses Moments bereits gewärtig, sprangen die Arbeiter hurtig zu ihren Sachen. um damit den Bahnsteig zu gewinnen, denn eben fuhr der von Berlin kommende Vorortzug ein, mit welchem viele nach Hause fahren wollten und mit diesem Zuge nicht mit- zukommen, bedeutete eine verlorene Stunde, denn der nächste Zug war erst 63 Mnuten später fällig. Auch der Arbeiter Wulff aus Tahdorf wollte mit. Er hatte erst einen Sttefel an, als der Zug in den Bahnhof einfuhr, deshalb nahm er seine Fouragetasche in die linke, den ledigen Sttefel in die rechte Hand und hüpfte mit einem unbeschuhten Fuße über das Einfahrtsgeleise dem Bahnsteige zu. Er hatte aber die Nähe des Zuges unterschätzt. Zwar fuhr derselbe bereits im stark gemäßigten Tempo, aber ein Puffer faßte den Arbeiter doch, gab ihm einen Stoß, daß er weit voraus auf das Geleise flog und dann rannte ihm die Maschine den Schädel ein, während ein Rad ihm die rechte Hand glatt vom Arme ttennte. Als man den Unglücklichen unter der Maschine hervorzog, neben das Geleise legte und seinen Kopf auf einen Stein bettete, fiel das Gehirn aus dem Schädel. Die rechte Hand, die neben dem Geleise lag. hielt noch krampfhaft den einen Sttefel fest. Der Körper selbst hat nicht mehr gezuckt. Während der Tote nach der Kaulsdorser Leichenhalle gebracht wurde, harrte daheim ahnungslos eine Frau mit sechs kleinen Kindern auf die Heimkehr des Vaters und Ernährers, der ein fleißiger Arbeiter war und in der Sorge für seine Familie aufging. Feucrbericht. Ein großer Kellerbrand beschäfttgte gestern die Feuerivehr längere Zeit in der Jnsterburgerstt. 15. Dort standen bei Ankunft der Loschzüge der Inhalt von Kellerverschlägen, die Schaldecken und andres in Flammen. Die Oualmenttvicklung war so groß, daß eS fast unmöglich war, in den Keller einzudringen. Auch das Gebäude war verqualmt. Es mußte mit mehreren Schlauchleitungen Wasser gegeben werden, um das Feuer zu löschen. In der letzten Nacht brach in der Krautsttahe 13 Feuer aus. Dort standen Bodenverschläge und der Dachstuhl in Flammen. Es gelang diese auf den Dachstuhl zu beschränken. Außerdem hatte die Feuer- wehr noch in der Kaiser Wilhelmstraße 48, wo ein Wohnzimmer brannte, m der Ratiborsttatze 2 mit einem Kücheubrande, auf dem Moabiter Güterbahnhofe mit einem Preßkohlenbrande usw. zu thun. Klus clen ssfaekbarorten. Bodenwcrte in Charlottrnburg. In der Erkenntnis, daß sich in dem Bodenwert eines Gemeinde- gebieteS häufig die Entwicklung der Stadt spiegelt, und daß der Bodenwert wichttg ist für die Beurteilung des Baumarktes, des Wohmmgsmarktes sowie für die Wohnungsfrage überhaupt, hat das Statisttsche Amt der Stadt Charlottenburg diesen Verhältnissen besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Zu Grunde gelegt wurde hierbei das aus der Veranlagung für die Besteuerung sGrund- steuer nach dem gemeinen Wert) sich ergebende Material. Aus der Bettachttmg hierüber haben die Grundstücke der Krone, des Staates, der Gesandtschaften, der Provinz. Kreise, Gemeinde, sofern sie öffentlichem Gebrauche dienten, ferner Brücken. Sttaßen, Eisenbahnen, Kanäle, Schulen, Gotteshäuser, Armenanstalten. Gefängnisse und dergleichen ausgeschieden werden müssen, weil ftir sie lein Material vorlag. Der Gesamtwert de? bebauten TerrainS im Um- fange von fast 6 Millionen Quadratmetern belief sich im Jahre 1901 auf fast övv Millionen Mark, gegen 622 Millionen im Jahre 1698, 690 Mill. im Jahre 1899 und 737 Mill. im Jahre 1900. Die Steige- rung war nicht so sehr durch die Zunahme der bebauten Fläche als vielmehr durch das stettge Anwachsen des Bodenwertes bedingt. Für den Quadratmeter Fläche wurden 1898 M. 113,52, im Jahre 1901 dagegen 125,45 M. berechnet. Die Preisunterschiede nach den ver- schiedcnen Stadtvierteln sind bedeutend, sie schwanken zwischen 372 M. pro Quadratmeter im Ostviertel, und 8,59 M. am Nonnendamm. 303 Grundstücke hatten mehr als einen Eigentümer. Im Eigen- tum zweier Personen standen 197, von drei 23, von vier 17, von fünf 3, von sechs 3, von sieben 3, von acht 4 und von zehn 2 Grundstücke. In 51 Fällen war nur bekannt, daß die Grundstücke mehreren Personen gehörten, aber nicht wie vielen. Nach der Zahl der Grundstücke in einer Hand bettachtet, ergab sich, daß von 100 Eigentümern 83,73 im Besitze je eines Grundstücks, 8,77 im Besitze von je zwei, 1,54 von je drei, 0,66 von je vier, 0,26 von je fünf und 0,04 von je sechs Grundstücken waren. Von je 100 Grund- stücken waren 68,31 im Besitz je eines Eigentümers, 15,62 je zweier Eigentümer, 5,69 von je drei, 3,21 von je vier, 1,97 von je fünf Eigentümern. Von dem Gesamtwert aller bebauten Grundstücke waren 67,30 Prozent in der Hand je eines Besitzers, 14,11 von je zwei, 5,23 von je drei, 3,44 von je vier, 1,89 von je fünf Besitzern. Der Gesamtwert der unbebauten Grundstücke bettug im Jahre 1901 101,3 Millionen Mark gegen 111,8 Millionen im Jahre 1898, die unbebaute Fläche stellt sich 1393 auf 8 Millionen, 1901 auf 7,9 Millionen Quadratmeter. Da die Fläche nicht in demselben Grade zurückgegangen ist wie der gemeine Wert, ergiebt sich, daß der Bodenwert im Durchschnitt der Stadt gesunken ist, und zwar von 13,87 M. pro Quadratmeter im Jahre 1898 auf 12,72 M. im Jahre 1901. Die Ursache für diese Erscheinung ist aber nicht etwa in einem Sinken des Bodenwertes an sich zu suchen, sondern vielmehr in dem stetigen Abnehmen des unbebauten Grund und Bodens in den teuren Stadtvierteln. An, höchsten standen die Bodenwerte im vierten Bezirk der inneren Stadt mit 177,78 M., am niedrigsten in der Gegend am Königsdamm nördlich mit 4,67 M. pro Quadratmeter. Außergewöhnlich niedrig(6,26 M.) war auch der Wert in Westend. Das ist einmal aus das Fehlen der Kanalisation zurückzuführen, und zweitens auf den Umstand, daß die Grundstücke dort wegen der vorgesehenen landhausmäßigen Bebauung eine größere Fläche haben müssen als in den an sich teueren Stadtvierteln. 180 Grundstücke standen im Eigentum mehrerer Personen. Von 100 Grundstücks- eigcntümern besaßen 85,32 nur ein Grundstück, 10,14 je zwei, 1,40 je drei, 2,09 je vier, 0,7 je fünf und 0,35 je acht Grundstücke. Von 100 Grundstücken waren 41,09 in der Hand eines Eigentümers, 15,95 hatten je zwei, 10,34 je drei, 8,62 je vier Eigentümer. Von dem Gesamtwert der unbebauten Grundstücke waren nur 27,36 Proz. in der Hand je eines Eigentümers, 21,90 von je zwei, 11,01 von je drei, 10,30 von je vier Besitzern. Ncu-Wcißensec. Spurlos verschwunden ist seit dem 17. d. M. der in dem Geschäft von Behnke, Charlottenstr. 79, in Stellung ge- wesene 20jährige Hausdiener Georg Thiers, dcffen Eltern Pannier- sttaße 19 m Nixdorf wohnen. Der junge Mensch ist etwas schwach- sinnig. Die Eltern befiirchten, daß ihn» ein Unglück zugestoßen ist, da er keinerlei Ursache hatte, seine Stellung zu verlassen. Der Vermißte ist am 27. Januar 1833 geboren, 1,58 Meter groß und sehr schwächlich, hat dunkelblondes Haar, niedrige Stirn, blaue Augen und fällt durch seinen blöden Blick ans. Mitteilungen über den Vermißten nehmen alle Polizeibehörden entgegen. Mit der polizeilichen Schließung des Magerviehhofrs zu Rummels- bürg beschäfttgte sich gestern die dorttge Gemeindeverttetting. Der Vorsitzende, Bürgermeister Dr. Hahn, machte der Versammlung Mit- teilung von dem Vorgehen der Polizei, das ihm persönlich schwer verständlich sei. Es kam zu einer lebhaften Aussprache. in welcher behauptet wurde, daß die Centtale für Viehverwertung die eigentliche Triebfeder zu der erfolgten Schließung sei und die Regierung, welche der polizeilichen Verfügung die Genehmigung erteilte, hier agrarische Interessen gefördert habe. Geradezu ungeheuerlich sei die Behaupttmg, daß auf dem Rummelsburger Markt eine Scuchengefahr bestände. Der Markt sei in sanitärpolizeilicher Beziehung gerade in der letzten Zeit verbessert worden.— Von weiteren Schritten in dieser Angelegenheit soll nach dem gefaßten Beschlüsse Abstand genommen werden, weil ein Erfolg ausgeschlossen erscheint.— DieSperrung des Rummelsburger Marktes war an die Bahnstattonen der östlichen Provinzen m einem so unvollständigen Telegramm mit- geteilt worden, daß ftir den Berliner Viehhof recht unangenehme Folgen entstanden. In der Depesche heißt es nämlich, daß nach Rummclsburg und der BerlinerVieh wage Schweine- sendungen nicht gerichtet werden dürfen. Hieraus schloß man teil- weise auch aus eine Sperrung des Berliner Viehhofes und hielt viele Schweinesendungen zurück, was, da der Nachfrage nicht genügt werden konnte, eine Preissteigerung von 3 Mark zur Folge hatte. Rixdorf. Wegen einer rohen That wurde der Maurer Ney festgenommen und der Kriminalpolizei zugeführt. N. lebt schon seit zwei Jahren von seiner Frau gettennt und kümmerte sich nicht um seine Familie. Frau N. erwirbt ihren Lebensunterhalt durch den Betrieb eines Milchgeschäfts im Hause Lesstngsttaße 23. Am Montag kam Ney dorthin und versuchte, seine Frau durch Begießen mit Schwefelsäure zu verletzen, er zerstörte ihr aber nur die Kleider und brachte ihr eine ungefährliche Brandwunde an der Schulter bei, da Augenzeugen de? Vorganges der Frau noch rechtzeitig zu Hilfe eilten. Ney wurde der Polizei übergeben.— Auf dem Mittel- Iveg von einem La st fuhrwerk überfahren wurde das dreijährige Söhnchen des Tischlers Schultgen aus der Schönweider- straße 4. Dem Knaben wurde dabei der linke Fuß zer- quetscht. Der Führer des Wagens entzog sich durch Flucht semer Feststellung.— Am Grabe ihrer Mutter vergiften wollte sich am Montagnachmittag auf dem neuen Jakobi-Kirchhof in der Hermannstraße die siebzehnjährige Klara Carow aus Berlin, Reichenbergerstratze 17. Sie trank zu diesem Zweck am Grabe der Mutter, das sie zuvor geschmückt hatte, ein Fläschchen Gift aus und brach dann zusammen. Die jugendliche Lebensmüde, welche den Tod der Mutter nicht verschmerzen kann, wurde nach einem Berliner Krankenhause geschafft, wo sofort eine Magenauspumpung erfolgte. Man hofft das Mädchen am Leben erhalten zu können.— Das Dienstmädchen eines in der Ringbahnsttaße wohnhaften Arztes wurde in Hast genommen, weil es im Verdacht steht, ihr neugeborenes Kind gewaltsam getötet zu haben. Steglitz. Eine eigne Art, öffentlich gerügte Mißstände abzustellen. hat unser Amtsvorsteher. Vor kurzem brachte der„Vorwärts' in einem Versammlungsbericht eine Beschwerde über mangelhafte Schutz- Vorrichtungen bei Neubauten. Die Folge davon war, daß der Amts- Vorsteher den Obmann der Mißstaudskommission nach dem Rathaus citierte und ihn in erregter Weife der Hetzerei und der Verbreitung unwahrer Nachrichten bezichttgte, denn die Bauten würden regel- mäßig konttolliert und fpeciell über den strittigen Bau habe er einen schriftlichen Bericht eines Angestellten des Bau-Amtes, wo- nach dortselbst alles vorschriftsmäßig sei. Er verlangte von unserm Genosten einen Widerruf, und als dies abgelehnt wurde, weil nur Thatsachen berichtet worden seien und der Betteffende außerdem den Bericht weder verfaßt noch veranlaßt habe, wünschte der Amts- Vorsteher, daß unser Genosse dann wenigstens den Bericht« erstatter beeinflussen möge, damit„solche unwahren Sachen" nicht mehr veröffentlicht würden.— Daß diese„unwahren Sachen' ttotz alledem wahr sind, ist leicht zu beweisen: Die Stteben des Schutzdaches in der Fichtesttaße(an der andern Front, Schild- Hornstraße, ist überhaupt kein solches vorhanden) sind an ihrem tiefften Punkte nur ca. 1,50 Meter vom Erdboden entfernt, so daß ein Mmfch von normaler Größe das Trottoir nicht passieren kann, »Kne die Kopfbedeckung zu verlieren, was denn auch thatsächlich schon öfter passiert ist; außerdem find aber auch die Streben von so schwachem Holze(sogen. Staakhölzer), daß das Ganze nur eine Schein- sicherheit bietet. Wenn ein solches Monstrum von Schutzdach den polizeilichen Anforderungen genügt, dann-- geben wir gern zu, daß wir eine Unwahrheit berichtet haben. Bemerken müssen wir aber noch, daß selb st dieser primitive Schutz, sowie die Abdeckung der Leitergänge er st erfolgte, nachdem die Mißstandskommission Beschwerde geführt hatte. Nun müssen wir die Polizeibehörde aber leider schon wieder auf einen noch weit g e f ä h r l i ch e r e n M i ß st a n d aufmerksam machen. Ebenfalls in der Schildhornstraße, gegenüber dem Hause Nr. 76, ist vor längerer Zeit ein Neubau begonnen worden, der ans irgend welchen Gründen schon seit Wochen nicht mehr weitergeführt wird. Die Giebelwände sind bis zu ungefähr 4 Meter Höhe gediehen, und die liebe Jugend benutzt die von der Straße völlig frei zugängige„Ruine" als willkommenes Objekt, um sich in Kletter- künsten zu üben. Anscheinend ist der Mangel eines Bauzauns von den Polizei-Organen noch nicht bemerkt worden, deshalb machen wir an dieser Stelle darauf aufmerksam, um fast mit Sicherheit zu er- wartenden schweren Unglücksfällen vorzubeugen. Gerichts-Leitung. Eine Mnsikprobe im Gcrichtssaale veranlaßte die achte Straf- lammer des Landgerichts I gelegentlich der Beweiserhebung über die VerÜbung groben Unfugs bezw. ruhestörcnden Lärms, welches dem Kaufmann Adolf Nelson zur Last gelegt wurde. Der An- geschuldigte hat eine Wohnung im Hause Meyerbcerstraße 7 inne. Es ist nach den Bekundungen der Zeugen stets ein sehr„ruhiges" Haus gewesen. Die gestrenge Verwalterin duldet kein Ausrufen und Musizieren auf dem Hofe, und nur schüchtern wagt eine junge Dame, sich während einiger Nachmittagsstunden zur Pianistin auszubilden. Großes Entsetzen verbreitete sich daher in der stillen Hausgcmeindc, als eines Tages aus der Nelsonschen Wohnung heraus die Klänge eines Grammophons sich vernehmen ließen und nach der Bc- Häuptling der Hausbewohner nimmer enden wollten. Nach deren Behauptungen sollten bei Tage Frau Nelson, bei Nacht Herr Nelson sich mit dein Grammophon einen musikalischen Ohrenschmaus, den Hausgenossen dagegen Höllenqualen und schlaflose Nächte bereiten. Ein unmittelbarer Wohnungsnachbar wandte sich schließlich an die Polizei um Abhilfe, welche indessen ein Einschreiten so lange ab- lehnte, als nicht eine diesbezügliche Willenserklärung aller Haus- bewohner vorliege. Flugs wurde nun eine Bcschlverdeschrift in Umlauf gesetzt, unterzeichnet und der Polizei übermittelt, welche nunmehr gegen Nelson einen Strafbefehl wegen Vcrübung groben Unfugs und ruhestörenden Lärms erließ. Die von den Haus- genossen erwartete Wirkung blieb aber aus, Nelson erhob Einspruch und unterbreitete seine Angelegenheit dem Schöffengericht zur Ent- scheidung. Dieses erkannte auf 16 M. Geldstrafe. Auf eingelegte Berufung hatte sich nun die Strafkammer mit der Sache zu befassen. Da das Instrument zur Stelle war, veranlaßte der Vorsitzende eine Musikprobe, um sich von der K'langkraft desselben zu überzeugen. Der Gerichtshof gelangte zu der Ansicht, daß von einer VerÜbung groben Unfugs oder ruhcstörendcn Lärms nicht die Rede sein könne. Die Hausbewohner möchten sich ja durch das andauernde Spielen belästigt fühlen, aber nach wiederholter Entscheidung des Reichs- gerichts sei die Belästigung von Hausbewohnern durch einen Haus- genossen keine öffentliche Belästigung des Publikums im all- gemeinen. Abhilfe dagegen sei im civilrechtlichcn Wege zu erstreben, am wenigsten sei es Sache der Polizei, derartige häusliche Streitereien zu schlichten oder zu bestrafen. Unter Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils erkannte die Strafkammer auf kostenlose Freisprechung. Ter Schutzmann Franz Wehrstadt hatte sich gestern vor der vierten Ferienstrafkammcr des Landgerichts I wegen Kuppelei und versuchter Verleitung zum Meineide zu verantworten. Die Verhandlung der letzteren schweren Strafthat mutzte vertagt werden, da eine Hauptzeugm ausgeblieben war, dagegen wurde der An- geklagte der Kuppelei für überführt erachtet und hierfür zu einem Monat Gefängnis verurteilt, wodurch auch der Verlust seiner Stellung bedingt ist. Der Angeklagte hatte sich in einem Hause in der Friedrichstratze eine grötzere Wohnung gemietet, von der er mehrere Zimmer an solche Damen ablietz, die einem unzüchtigen Gewerbe nachgingen. Er hatte sich von denselben einen täglich zu entrichtenden Pensionspreis von 6 M. zahlen lassen. Ein Konflikt. Nachdem sich der BureaudiätarRcpenning zu Kiel beim Magistrat zur Wiederholung der Assistentenprüfung gemeldet hatte, wurde sein damaliger Vorgesetzter, Stadtsekretär Faber, zur Erstattung eines Berichts aufgefordert. Faber berichtete darauf schriftlich: Es sei ihm zweifelhaft, ob R. beim zweiten Mal die Prüfung bestehen werde. Er sei dem Alka Holge nutz er- geben, und zwar dem Branntweingenutz, leide an Gedächtnisschwäche und sei unzuverlässig. Da R. vielleicht in andrer Stellung, als seiner derzeitigen im Stadtbauamt, den Anforderungen eines Burcau-Assistenten gerecht werden könnte, möchte er die Zulassung R.s zur Prüfung beantragen.— Der Magistrat lieh R. nicht zur Prüfung zu und drohte ihm sogar mit der Entlassung, falls wieder über seinen übertriebenen Alkoholgenutz geklagt werden würde. R. erfuhr von dem Bericht Fabers über ihn und verklagte Faber wegen Beleidigung, indem er behauptete, er sei ein durchaus nüchterner Mensch und die Angaben über den Alkoholgenutz seien falsch, was auch Faber wissen müsse. Fabcr hatte außerdem noch gesagt, R. trage immer eine Kümmelflaschc bei sich.— Das Amtsgericht Kiel eröffnete auch das Verfahren gegen Faber: bevor es zur Verhandlung kam, erhob jedoch die Regierung zu Schleswig den Konflikt zu Gunsten Fabers und verlangte die gänzliche Einstellung des Verfahrens, weil F. in amtlicher Eigenschaft und im amtlichen Auftrage gehandelt habe, als er den Bericht an den Magistrat versatzte, der übrigens über das Beisichführen einer Kümmelflasche nichts enthalte. Durch die Aeußerungen über den Alkoholgenutz sei Faber ni ch t über den Rahmen seiner Amtsbefugnisse hinausgegangen.— Das Ober-Verwaltung s g e r i ch t war derselben Meinung und erklärte den Konflikt der Regierung für begründet, so daß das Verfahren gegen Faber endgültig einzustellen ist. Verlammlungen. vcber die Miststände bei der Firma Siemens». Halske sprach gestern im„Friedrichstadt-Kasino" Gewerkschaftsbeamter Wiesen- t h a l vor ca. 1606 Arbeitern und Arbeiterinnen des Siemensschen Stadtgeschäfts. Aus allen Abteilungen des Werks war dem Referenten ein überaus reiches Beschwerdematerial zugegangen, aus dem hervor- ging, daß die so viel gerühmten„alten Traditionen" der Firma. soweit sie sich auf die Behandlung, Entlohnung und Fürsorge für die Arbeiter beziehen, nunmehr endgültig zum Teufel gegangen sind. Die Arbeitsverhältnisse unterscheiden sich demnach in nichts mehr von denen der Allgemeinen Elektricitätsgesellschaft, ja sie sind teilweise sogar noch bedeutend schlechter wie diese. Hier wie dort planlose Ver- teilung der Arbeit, so datz bald Ueberstunden bis ins Endlose ange- ordnet werden, bald aber schon um 2 Uhr nachmittags Feierabend gemacht wird. Ferner willkürliche Lohnbercchnung, empfindliche Abzüge, sobald sich die Leute auf ein Stück genügend eingearbeitet haben. Die Verdienste sind äußerst schwankend, sie variieren bei Männern zwischen 7,86 M. und 9. 12, 16, 19 bis zu 32 M.. bei Frauen zwischen 6,19 M. und 29 M. pro Woche— bei einer Arbeitszeit von ca. 60 Stunden. Einzelne Arbeiten werden dermaßen schlecht be- zahlt, datz die Arbeiterinnen es nur auf einen Stundenverdienst von 6 Pf. bringen konnten. Dazu kommt die durchaus ungeziemende Behandlung seitens der Meister, von denen sich einzelne besonders den Arbeiterinnen gegenüber die stärksten Freiheiten erlauben. Sehr mangelhaft ist es mit den hygienischen Einrichtungen aller Art be- stellt: auch Mweildige Schtitzvorxichtupgen fehlev, so dgtz sich hgüfig Unfälle ereignen. Kurz, der Referent übte eine geradezu vernichtende Kritik an den Arbeitsverhältnissen der Firma Siemens u. Halske, und der lebhafte Beifall aller Anwesenden bewies nur zu deutlich, datz die Kritik angebracht war. Ten streikenden Schlossern usw. des Kabelwerks am Nonnendamm sprach die Versammlung ihre Sympathie aus. Der Verein deutscher Schuhmacher(Filiale Berlin) hielt am Mitt- woch im Grand Hotel Lllcxandcrplatz eine ordentliche General- versa in m l u n g ab. Einnahme und Ausgabe der Centralkasse pro 2. Ouartal balanzierten in der Summe von 3972,96 M. Für die Kranken- Zuschußkasse waren 88,19 und für die Arbeitslosenkasse 12,60 M. vereinnahmt. Die Lokalkasse hatte inklusive eines Be- standcs von 3848,99 M. eine Einnahme von 6713,91 M., der eine Ausgabe von 2966,47 M. gegenüberstand, darunter 1619 M. für Streikunterstützung. Nicht enthalten ist in dieser Abrechnung die Ein- nähme aus den Listensammlungen für die Pirmasenscr Ausgesperrten und die Berliner Schoßschuhmacher. Dieselbe soll in einer späteren Versammlung mit der Abrechnung des nunmehr beendeten Schoß- arbciterstreiks bekannt gegeben werden. Die Mitglicdcrzahl beträgt gegenwärtig 1913, mithin eine Zunahme von 149 Mitgliedern seit Schluß des 1. Onartals. Auf Antrag der Revisoren wurde der Kassierer entlastet. Infolge der Reichstagswahlcn wurde die Ab- Haltung von Versammlungen möglichst beschränkt. Es fanden statt: 1 Generalversammlung, 6 Branchenversammlungen und 5 öffentliche Versammlungen, ferner 2 Vorstands- und 4 Vertrauensmänner- Sitzungen sowie 21 Fabrik- und Wcrkstatt-Konferciizen. Ein Regulativ für die Wahl der Arbcitcrvertretcr wurde ohne Debatte angenommen. Tie Posamentierer hielten am Mittwoch, den 22. d. M., im Ge- wcrkschaftshaus die regelmäßige Vereinsversammlung ab, in welcher Herr Dr. Max Schütte einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über:„Vor 26 Jahren, Erinnerungen aus dem Jahre 1873" hielt. — Die Abrechnung wurde durch Kollege Zehms wie folgt gegeben: Filialkasse: Einnahme inkl. Bestand 732,69 M., Ausgabe 478,81 M., Bestand 253,78 M. Krankenzuschutzkasse: Einnahme inkl. Bestand 778,89 M., Ausgabe 117,96 M., Bestand 661,74 M. Reservefonds: durch Kollege Friebel: Einnahme inkl. Bestand 1441,73 M., Ausgabe 26,55 M., Bestand 1416,18 M. Im Namen der Revisoren erklärte Kollege Schüler, Bücher und Belege geprüft und dieselben in Ordnung gefunden zu haben. Ein Antrag wurde angenommen, den Kollege« Löwenthal zu ersuchen, seinen Verpflichtungen dem Reservefonds gegenüber gerecht zn werden.— Den Bericht des Gesellcnausschusses gab Kollege Fritz Berger und schilderte den Widerstand einiger Meister gegen die Forderung einer besseren Lehrlingsausbildung. Nachdem derselbe die neue Kühnemänner-Strömung in der Innung erörtert und ihre Ziele klargelegt hatte, forderte er die Kollegen und Kolleginnen auf, fest an der Organisation zu halten und dieselbe weiter auszubauen: insbesondere Stellung nur durch den Gehilfen- Nachweis anzunehmen.— Unter„Verschiedenes" wurde ein Antrag angenommen, den„Textilarbeiter" den Werkstellen per Post zuzu- senden. Kollege König erbot sich, die Expedition zu übernehmen. Die Vertrauensleute sind aufgefordert, die Adressen sowie die Anzahl der zu sendenden Exemplare bis zur nächsten Versammlung dem Vor- stand oder dem Expedienten zu übergeben. Eine Anfrage, ob der Auch-Kollege Ändert immer noch den Friedrichsbcrgcr Wahlvercin ziert, konnte nicht für bestimmt vom Vorsitzenden beantwortet werden, und ist Kollege Bcrger beauftragt, das Nähere zu veranlassen. Die Arbeiter der Firma Flohr, Maschinenfabrik, Chausseestratze, befaßten sich am Montag in einer gut besuchten Versammlung loieder einmal mit Betricbsmißständen verschiedener Art. Von den einzelnen Rednern wurde besonders hervorgehoben, datz die Theorie des Herrn Flohr, wie er sie über„Arbeiterfürsorge" in seiner Eigenschaft als Stadtverordneter gelegentlich zum besten gab, mit der in seinem Betriebe geübten Praxis nur sehr wenig in Einklang zu bringen ist. So ist kürzlich einer Kommission die Zusicherung gegeben worden, unter 39 Pf. Stundenlohn werde überhaupt kein Arbeiter eingestellt, während in Wirklichkeit eine Anzahl neu eingetretener Arbeiter für 23 Pf. pro Stunde arbeiten müsse. Einem Arbcitsburschen wurden sogar nur 16 Pf., und als er dafür nicht arbeiten wollte, 18 und endlich 29 Pf. pro Stunde geboten. Sobald die Geschäfte etwas flau gehen, müssen die Arbeiter aussetzen, doch bei wachsenden Aufträgen heißt es Ueberstunden machen bis ins Endlose. Es ist vorgekommen, datz man einzelne Leute 36 Stunden in einer Tour arbeiten ließ: Ueberarbeit bis 12 Uhr nachts ist etwas ganz gewöhnliches. Dabei giebt es für die Ableistung von Ueberstunden keinerlei Lohnaufschlag. Wer sich diesem Stistcm nicht willig fügt, wird von den Meistern grob angelassen, wobei es dann sogleich heißt: Wem es nicht paßt, der kann gehen.— An der Diskussion beteiligte sich u. a. auch der Meister Strauß. Ganz ungeniert wünschte dieser Mann, die Arbeiter möchten etwas gefügiger sein, dann würde auch das Verhältnis zwischen Meistern und Arbeitern ein besseres werden. Ja er forderte sogar Anerkennung dafür, datz die Arbeiter von den Meistern ge- Wissermatzen väterliche Anleitungen bei der Arbeit erhielten. Die An- wcsenden schienen nun allerdings für diese vorsintflutlichen Anschau- ungen des guten Meisters wenig Verständnis zu haben. Sie hielten ihm entgegen, daß gerade durch die bisherige Gefügigkeit der Arbeiter die Arbeitsverhältnisse in dem Betriebe so stark verschlechtert worden seien; im übrigen müsse es fast komisch berühren, wenn mitunter noch kaum 25jährige Meister 49— 69jährigen Arbeitern gegenüber von väterlichen Anleitungen sprechen. Folgende Resolution gelangte zur Annahme: „Die am 27. Juli in den„Germaniasälen" versammelten Ar- bciter der Firma Flohr wenden sich ganz energisch gegen die bereits mehrfach öffentlich gerügten Mißstände des Betriebes, wie sie in letzter Zeit wieder in der ungeziemenden Behandlung durch die Meister, der Einstellung von Arbeitern zu durchaus ungenügenden Löhnen und be- sonders in dem matzlos ausgearteten Ueberstunden-Unwcsen zu Tage treten. Die Versammelten erwarten, daß die Betriebsleitung endlich eine vernünftige Arbeitsverteilung einführt und für Ueberstunden — soweit solche unbedingt nötig sind— einen angemessenen Lohnaufschlag zahlt. Ferner verpflichten sich die Anwesenden. Mann sür Mann dem deutschen Metallarbeiter-Verband beizutreten, da nur durch eine festgefügte Organisation derartigen Uebelständen mit genügendem Nachdruck abzuhelfen ist. Die Metallarbeiter-Gewerkschaft beschäftigte sich am Montag im „Colberger Salon" erneut mit dem Streikin derSchöning- schen EisengietzereÜ. Aus dem Kommissionsbericht ging hervor, datz sich an dem Stand des Streiks bisher nichts geändert hat. Eine Einigung mit der Betriebsleitung hat sich noch nicht er- zielen lassen. Wenn auch nur vereinzelte„Arbeitswillige" vorhanden sind, so erwächst der Firma jedoch eine bedeutende Rückenstärke durch den.Kühnemänner-Verband, dessen Mtglicder in ihren Betrieben die Schöningsche Arbeit zum Selbstkostenpreis herstellen lassen. Diese Thatsache, sowie der Umstand, datz der Metallarbeiter-Verband kürz- lich beschlossen hatte, die Anfertigung dieser Streikarbeit nicht abzu- lehnen, war die eigentliche Ursache zur Einberufung der Vcrsamm- lung. Dannenberger kritisierte in seinem Referate sachlich den erwähnten Beschlutz des Metallarbeiter-Verbandes als eine taftische Unklugheit und gab der Meinung Ausdruck, datz der Streik viel- leicht schon zu Gunsten der Arbeiter beendet wäre, wenn der Verband seinen Mitgliedern, besonders den Formern, die stritte Verweigerung der Streikarbeit empfohlen hätte. Die vom Verbände gebilligte An- fertigung der Streikarbeit jedoch komme direkt der Firma Schöning, sowie den gesamten Metallindustriellen zu gute, und müsse überdies eine demoralisierende Wirkung auf die ganzen Metallarbeiter aus- üben. Sämtliche Diskussionsredner pflichteten diesen Ausführungen bei. Zur Annahme gelangte alsdann folgende Resolution: „Die Versammlung verurteilt die Beschlutzfassung der Mit- glieder des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes betreffs Anfertigung von Streikarbeit auf das entschiedenste und verpflichtet sich, diese Frage überall zu diskutieren, damit in Zukunft die Anschauungen darüber geklärt werden, um fernerhin einen derartigen Beschlutz unmöglich zu machen." Ter Fachvercin der Musstinstrumentcnarbeiter hielt am 29. Juli seine sehr gut besuchte Generalversammlung ab, in der der erste Kassier» fiöJfel feifi Abrechnung vom zweiten Ougrtal d. I. verssS. die bei einer Einnahme von 1486,19 M., einer Ausgabe von 1241 St, einen Ueberschutz von 246,19 M. ergab. Der Bestand für das dritte Quartal beträgt 2829,21 M. Dem Kassierer wurde auf Antrag der Revisoren einstimmig Decharge erteilt. Bei der vorgenommenen Ersatz- wähl zum Vorstande wurden neu rcsp. wiedergewählt: C. Hafsner erster Vorsitzender, Bergmann zweiter Kassierer. F. Strehlow erster Schriftführer, Kamenz Beisitzer, Will. Bibliothekar und Brösel Revisor. Alsdann erstattete der Delegierte zum Gewerkschaftskartell, Kollege Kleinlein, unter großem Beifall den Bericht über seine Thätigkeit. Zum Schluß beschäftigte sich die Versammlung mit dem Streik bei der Firma Nieder u. Co., Alexanderstr. 22. 52 Kollegen legten geschlossen die Arbeit nieder, um dem Denunziantenunwesen in der Fabrik und den Maßregelungen der Kollegen, die thätig für die Organisation ein- traten, ein Ende zu machen. Sie fordern die Entlassung eines Ar- beiters, der als Zuträger entlarvt ist, und die Wiedereinstellung der Gcmatzregelten. Die Versammlung, in der von mehreren Rednern die Zustände jener Fabrik scharf kritisiert wurden, hieß das Vorgehen der Kollegen gut und sanktionierte den Streik. Ordentliche Generalversammlung des Verbands deutscher Gast- Wirtsgehilfen(Ortsverwaltung Berlin), am 24. Juli 1993, im Ge- ipcrkschaftshause. Der erste Vorsitzende, Kollege Roth, eröffnet die Versammlung und giebt den Geschäftsbericht sür den Vorstand be- kannt, wonach im zweiten Quartal 1993 an festen Stellen 241, an Aushilfsstellen 4649 von unsrem kostenlosen Arbeitsnachweis ver- mittelt worden sind. Die Vermittlung dieser Stellen würde nach den niedrigsten ortsüblichen Preisen bei privaten Stellenvermittlern 3246,69 M. gekostet haben, eine Summe, die durch unsren kostenlosen Arbeitsnachweis den Kollegen erspart geblieben sind.— Zeiske giebt den Kassenbericht, wonach an Einnahme 3188,26 M., an Ausgabe 3978,25 M., an Bestand 119,— M. zu verzeichnen sind. Kollege Krambach beantragt im Namen der Revisoren die Ent- l a st u n g für den Kassierer, was einstimmig erfolgt. Kollege Pietzner berichtete über die Thätigkeit der Geschäfts-Kommis» s i o n, welche, nach einer Ermahnung des Kollegen Sttöhlinger an die Mitglieder des Verbandes, von der Versammlung als günstig aner- kannt wird. Nach Erledigung interner Verbandsangelegenheiten er- folgte Schluß der Versammlung. Ter Wahlverein für Reinickendorf und Umgegend hielt am Mitt- woch, den 22. Juli, im Lokale von Meinhardt. Hauptstraße, seine ordentliche Generalversammlung ab. Nach dem Bericht des Vorstandes ist die Mitgliederzahl beständig im Steigen begriffen. Im Juli v. I. war der Bestand 277 Mitglieder, im letzten Ouartal 239 Mitglieder. Ter gegenwärtige Bestand ist 364 Mitglieder. Nach dem Alter ge- ordnet sind unter 26 Jahren 22 Genossen, von 26— 39 Jahren 93 Genossen, von 36— 49 Jahren 157 Genossen, von 49—59 Jahren 62, von 59—69 Jahren 15, von 69—67 Jahren 5 Genossen. Ten Berufen nach sind: 191 Arbeiter, 46 Maurer und Bauarbeiter. 39 Mechaniker und Schlosser. 27 Tischler. 16 Dreher. 11 Former. 9 Buchdrucker und Schriftsetzer, je 7 Schmiede und Schuhmacher(inkl. Meister). 6 Klempner und Gastwirte. 4 Lederarbeiter und Schneider (inkl. Meister). 3 Zimmerleute. Uhrmacher, Cigarrenarbeiter. Kutscher. Kaufleute. Schreiber und Bureauangestellte, 2 Drechsler. Steinsetzer. Kesselschmiede. Gürtler. Maler. Portefeuillearbeiter. Litho- graphen. Buchbinder, Barbiere, Comptoiristen und Händler, 1 Stukka- teur, Gipsarbeiter, Möbelpolier, Stellmacher, Lackierer. Böttcher, Dachdecker. Techniker. Kernmacher. Monteur. Kupferschmied. In- strumcntcnmacher, Schleifer, Drahtzieher, Glaser, Tapezierer, Kürsch- ner. Bügler, Kurbelstepper, Posamcntier, Handschuhmacher, Sattler, Buchdruckergehilfe, Metalldrücker, Bürstenmacher, Händler, Kellner, Hausdiener, Versicherungsagent. Kommissionär, Kassenbote und Ver- Walter. Punkt Kassenbericht: Einnahme 436,56 M, Ausgabe 427,49 Mark, an.Kassenbestand 146,81 M. Dem Kassierer Max Leonhardt wurde Decharge erteilt. Bericht des Wahlkomitees: Genosse Schüler an Tellersammlung Einnahme 131,96 M. Die Gesamtausgabe sür die letzte Reichstagswahl beläuft sich auf 439,99 M. Die Neubildung eines eignen Wahlvereins sür Wilhelmsruh würde angenommen. Neuwahl des Vorstandes: Der bisherige Vor» stand wurde wiedergewählt. Schuhmacher als Vorsitzender. M. Leon- Hardt als Kassierer und Eufe als Schriftführer. Als Revisoren wurden gewählt dje Genossen Thalecke und Alasand, zum Beisitzenden Genosse Fay. Stralau. Am Sonntag, den 19. d. M., hielt der social» demokratische Wahlvercin für Stralau und Umgegend seine General- Versammlung im Lokale des Herrn Gursch ab. Genosse Bürger referierte über die Landtagswahlen und erntete reichen Beifall mit seinen Ausführungen. Diskussion fand nicht statt. Dann gab der Kassierer den Kassenbericht vom 3. Quartal. Der Verein hatte eine Einnahme von 392,59 M und eine Ausgabe von 269,93 M. Der Kassenbestand beträgt 42.64 M. Hierauf berichtete der Gemeinde- Vertreter Buck über örtliche Angelegenheiten. In der Diskussion wurde auch der traurige Fall der Z.schen Eheleute erwähnt. Am 26. Juni dieses Jahres war der 6jährige Knabe der Z.schen Eheleute mit mehreren andren Kindern zusammen nach der sogenannten Kirchwicse spielen gegangen und, da der Platz wohl an der Straße aber nicht am Wasser abgezäunt ist. beim Spielen in die Spree gestürzt und ertrunken. Das Spielen der Kinder aus diesem Platze wird von der Kirchenbehörde stillschweigend geduldet. Nun sollte man doch denken, daß nach diesem Unglück eine Schutzvorrichtung am Wasser errichtet worden wäre, um weiteres Unglück zu verhüten. Aber nichts von alledem. Die Kirchcnbchörde duldet nach wie vor das Spielen der Kinder dort(außer Sonntags) und auch die Polizeibehörde sieht sich nicht veranlaßt, irgend welche Maßregeln zu ergreifen. Hierzu führte Genosse Buck aus. datz von der Gemeindevertretung 4999 M. bewilligt worden wären, um den Platz zu planieren und zum Spielen für die Kinder herzurichten, sie sei aber von der Kirchenbehörde ab- gewiesen worden. Diese Behörde will nämlich das Grundstück einst- weilen liegen lassen; ein andrer Platz als Spielplatz ist aber in Stralau nicht vorhanden, so datz Stralau wohl ohne einen solchen bleiben wird. Friedrichshagen. Der hiesige socialdemoftatische Arbeiter- Bildungsverein hielt am Sonnabend, den 13. Juli, seine General- Versammlung ab. Der Vorstandsbericht ergab, daß sich die Lage des Vereins bedeutend gebessert hat durch Zunahme der Mitglieder und besseren Besuch der Versammlungen. Die Einnahmen betrugen 391,97 Mark, die Ausgaben 396,69 M.. bleibt Bestand 86.48 M. Die Bibliothek ist bedeutend erweitert worden. Zu Punkt 2: Angelegen- heit Albrecht, fand der Antrag des Genossen Karl Grau, Albrecht auf- zufordern, sein Mandat niederzulegen, weil Albrecht an dem Festzug zur 169jährigen Jubelfeier Friedrichhagcns teilgenommen habe, und in gesperrten Lokalen verkehre, Annahme. Vorstandswahl. ES wurden gewählt als 1. resp. 2. Vorsitzender: Werkmann, Wolf; Kassierer: Richter; I. resp. 2. Schriftführer: Max Grau, Eisenhauer: Beisitzer: Siebert, Schocke; Bibliothek-Kommission: Buhn, Krcunm, Radue; Revisoren: Hübner, Corsing, Rud. Rose. Die neue Ge- chäftsordnung wurde en bloc angenommen. Unter Verschiedenem erklärte Albrecht seinen Austritt. Ferner wurde bedauert, datz die Notiz, daß Ravenstein und die Lokale in Kiekemal alle gesperrt sind, in der neuen Lokalliste wieder nicht enthalten ist. Der Vor- stand wurde schließlich beauftragt, sein Augenmerk auf die bevor- stehenden Landtagswahlen zu richten. Die Generalversammlung des Socialdemakrattschen Arbeiterverein» zu Spandau, am letzten Dienstag, beschäftigte sich u. a. auch mit der Frage der bevorstehenden Landtagswahlen. Nach einer ziemlich ausgedehnten Debatte, an welcher sich die Genossen Pieper, Ducksch, Lemme. Rieger und Pierer beteiligten, wurde einstimmig der Be- 'chlutz gefaßt, den Delegierten für die demnächst stattfindende Kreis- konferenz aufzugeben, gegen jede Begünstigung des Freisinns bei der Wahlmänner- und Abgeordnetenwahl ent» schieden einzutreten. Zu Delegierten wurden gewählt die Genossen Lemme, Hornig und Pieper; Konitzer wird als Vertreter der Preß- kommission der„Laterne". Dähne und Tannscheidt werden als Ver- treter der Parteileitung— mit beratender Stimme— an der Kreiskonferenz teilnehmen. In seinem Geschäftsbericht teilte der Vorsitzende, Genosse Hornig, mit, fejji ist. letzte WaMgwpf fssr Spalltzau die NotlvcndPkeit eines weiteren Ausbaues der politischen Organisation ergeben habe, ins- besondere soweit der Bezirk I, welcher die ganze innere Stadt umfaßt, in Betracht kommt. Der Kassenbericht für das zweite Quartal 1903 wies inkl. des Bestandes von 278.59 M. eine Ein- nähme von 2949,11 M. auf, darunter an Erträgen der Tellersamm- lung 559,41 M., auf Listen und an freiwilligen Beiträgen 746,39 Mark usw. Die Ausgaben betrugen 1869,76(darunter 672,15 M. für Wahlflugblätter usw.), so daß ein Bestand von 179,35 M. ver- bleibt, lieber das Thema„Was lehrt uns die letzte Reichstags- wähl.?" referierte Müllenstedt-Nauen; an den Vortrag schloß sich eine kurze Diskussion.— In der letzten Sitzung der Charlottenburger Gewerkschafts- Kommission wurde an Stelle des ausgeschiedenen Genossen W. Menge, Jost für das Anskunfts-Bureau gewählt. Dasselbe befindet sich vom vom 1. Oktober 1993 Wallstraße 68. Bei der dadurch notwendig ge- wordenen Neuwahl des Obmannes wurde Genosse Karl Steinigk, Rückertstraße 9 gewählt. Des weiteren wurde beschlossen, eine öffent- liche Gewerkschaftsversammlung abzuhalten, die hauptsächlich der Frauenagitation dienen soll. Außerdem wurde der Kassenbericht ge- geben und zu den bevorstehenden Wahlen ein Ausschuß von 4 Personen gewählt, der in Gemeinschaft mit dem bestehenden Ausschuß die Vor- arbeiten erledigen soll. Durch den Besuch der Ausstellung für Ar- beiterwohlfahrt. hier, Frauenhoferstraße 12. der am 12. d. M. statt- fand, fand eine Aussprache dahingehend statt, daß den Delegierten aufgegeben wurde, in den einzelnen Gewerkschaften für den gemein- samen Besuch der Ausstellung zu agitieren. Verband der Friseurgehilfen Deutschlands, Zweig ver ein Berlin. Donnerstag. den 30. Juli, abends 10 Uhr: Große öifent- liche Versammlung im Grand Hotel Mexandcrplatz(blauer Saal). Brief haften der Redahtion. Bei jeder Anfrage ist eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte Abonnementsquittung beizulegen. Schriftliche Ant- wort wird nicht erteilt. juristischer CeU. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme deS SonuabeiidS Po»?>/, bis»l/. Uhr abends statt. Geöffnet:? Uhr. M. W. Die Bücher müssen Sie herausgeben oder unfrankiert zusenden. Aus Schadensersatz können Sie Nagen.— A. 199. 1. Ja: Zustimmung der Mutter ist erforderlich. 2. Nein.— Wittstock 12. Ab- schrist des Testaments können Sie beini Amtsgericht beantragen. Ob ein Testament gültig und inwieweit es anfechtbar ist. lügt sich ohne Einsicht in dasselbe nicht sagen.— Richter Halbe. Außergewöhnliche Wahlen zum Ersätze innerhalb der Wahlperiode ausgeschiedener Gcmeindcvcrordnetcr einer Landgemeinde müssen nur angeordnet werden, wenn die Gemeinde- Vertretung oder der Gemeindevorsteher es für erforderlich erachten oder wenn der Krcisausschuß es beschließt. Die Ersatzwahl selbst erfolgt nicht durch die Gemeindevertretung, sondern in derselben Weise wie jede Wahl. — O. R. 1. Der Antrag um Ausnahme in den preußischen StaatSverband ist in Berlin an das Polizeipräsidium zu richten. 2. Nein.— S. R. Ja. — E. L. Ja.— W. H. 1. Da Sie über 2000 M. Gehalt hatten, waren Sie als Werkmeister nicht invalidenversicherungspflichtig. 2. In einem Prozeß können Sie an die Zeugin Fragen richten. Ihr weiteres Verlangen ist ungesetzlich.— T. I. 199. Eine Klage können Sie anstellen. Sic hätten aber(durch Schrcibsachverständige, Schristenvcrgleichung usw.) den schwierigen und kostspieligen Beweis zu führen, daß das Geschreibsel vom Angeklagten herrührt. Im Fall des Unterliegens hätten Sie sämtliche Kosten zu zahlen. Zu raten ist zur Klage nicht.— K. H. 93. 1. Ja, salls nicht die Auszahlung an Sie mit der Gefcllschast vereinbart wird. 2. Ja.— G. W. Der Stadtsekretär hat Recht. Wie wir wiederholt ausführlich dargelegt haben, müssen nach Ansicht des Ober-Berwaltungs- gcrichts die Bedingungen sür das Wahlrecht zur Zeit der Auslegung der Listen(15. bis 30. Juli) vorgelegen haben.— H. E. Selbstverständlich. — Manteuffel 115. Um die Sie interessierenden Fragen sich klar zu stellen, ist eine Klarstellung des Begriffs Verwandtschaft und Schwägerfchast erforderlich. Verwandtschast nennt das Gesetz den Kreis derjenigen Personen, die durch eine durch Abstammung vermittelte Gemeinsamkeit des Blutes miteinander verbunden sind. In gerader Linie verwandt nennt das Gesetz Personen, deren eine von der andern abstammt(also Kinder, Enkel, Eltern). Personen, die nicht in gerader Linie verwandt sind, aber von denselben dritten Personen abstammen, sind in der Seiten- linie verwandt, also Geschwister, Onkel, Neffen usw. Der Grad der Verwandtschaft bestimmt sich nach der Zahl der sie ver- inittclnden Geburten. Mithin sind Schwestern im zweiten Grade der Seitenlinie verwandt. Verschwägert nennt das Gesetz die Ver- wandten eines Ehegatten mit dem andern Ehegatten. Der Mann einer Schwester ist also verschwägert mit der Schwester seiner Frau. Die Linie und der Grad der Schwägerfchast bestimmen sich nach der Linie und dem Grade der sie vermittelnden Verwandtschaft. Also ist der Schwager mit seiner Schwägerin im zweiten Grade der Seitenlinie ver- schwägert. Die Verwandten des Mannes sind mit den Verwandten der Frau— entgegen dem Sprachgebrauch— weder verwandt noch ver- schwägert. Mithin sind zwei Ehemänner, die Schwestern heiraten, Schwäger der Schwester ihrer Frau, aber untereinander weder verschwägert noch verwandt, der Sprachgebrauch bezeichnet sie trotzdem als Schwäger. Kinder aus diesen Ehen sind Neffen der Schwestern(d. h. im dritten Grade ver- wandt), also auch im dritten Grade verschwägert mit dem Mann ihrer Tante, den der Sprachgebrauch kurzweg als Onkel des Neffen seiner Frau anspricht. Untereinander sind sie im vierten Grade ver» ivandt, denn sie stammen von derselben dritten Person(ihren Großeltern) ab. Sie bezeichnen sich als Cousins oder Neffen.— Sana 199. Die BerusSgenosfenschast kann an Stelle der ärzllichen Be« Handlung und sonstigen Verpflichtungen dem Verletzten freie Kur und Ver» pflegung in einer Heilanstalt gewähren und zwar sür Verletzte, welche verheiratet sind oder eine eigne Haushaltung haben oder Mitglieder der Familie nur dann ohne deren Zustimmung, wenn die Art der Verletzung Anforderungen an die Behandlung oder die Verpflegung stellt, denen in der Familie nicht genügt werden kann oder wenn der sür den AuscnthaltSort des Verletzten amtlich bestellte Arzt bezeugt, daß Zustand oder Verhalten des Verletzten eine fortgesetzte Beobachtung erfordert. Ordnet die BerusS» genoffenschast an, der Verletzte müsse sich in ein Krankenhaus aufnehmen ziehen kann. iLieselven viaaiieue �erruii oes rmiprulps iur vie oeircgenve Zeit) hat ein unbegründetes, vorzeitiges Verlassen der Heilanstalt. Ihre Anfrage läßt nicht ersehen, ob die angeführten Voraussetzungen zutreffen. Verlangen Sie Entlassung und legen Sie eventuell Berufung ein. Wegen des Vorenthaltens der Zeitung legen Sie beim Reichs-VcrsicherungSamt Be- schwerde ein._ Briefhaften der Expedition. O. W. Wann die Sperre bei E. aufgehoben ist, erfahren Sie aus dem Bureau des Holzarbeiter- Verbandes. Gewerkschastshaus. Ein Inserat betreffend die Sperre bei E. ist im Februar im„Vorwärts" nicht erschienen. Kehl(Baden). Sie müssen sich Ihre Zeitung vom dem Postamt Ihres bisherigen Wohnorts nach dem neuen überweisen lassen. Die UeberweifungS» gebühr beträgt 50 Pf._ WitternngSübersicht vom 38. Juli 1993, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Frankf.a.M München Wien L S 2 5 Ii c= S)~ 761 758 761 759 764 763 I I 8 S SSW SSO sSW S O Wetter 2 heiter ghcdeckt Zhciter 4>Regen 3'wolkig llwollig ÖS s« ~ ö M& Stationen L§ II o 5 »=• Haparanda Petersburg Cork Werdeen Paris 764 763 752 760 JB C I s S"B NO SM O SSW Setter 2wolkenl ijheiter 2Regen 3 bedeckt Wetter-Prognose für Mittwoch, den 39. Juli 1993. Ein wenig kühler, veränderlich, vielfach wolkig mit etwas Regen mäßigen südwestlichen Winden. �_ j ÖS -»» ßö 18 15 14 16 unk Inserate für die nächste Uummer müssen bis 5 Inserate bitten wir vorher anzumelden Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere und bi- 4 Uhr nachmittags einzusenden. � Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion den, Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zheater. Mittwoch, den 29. Juli. Ansang l'/s Uhr: NeueS Lpcrntheater. Orpheus m der Unterwelt. Westen. Alt-Heidelberg. Ansang 8 Uhr: Berliner. Der Posttllon von Lonju- Dhalia. DaS Mter. vellc-Allianee. Bayerwald-Theater: Bruder Marttn. Karl Weist. Das Geheimnis des roten Hauses. Apollo. Die Liebesinsel. Speciali- täten. Metropol. Neuestes! Allerneuestes 1 ReichShallc». Gastspiel von Winter- Tymian. Paffage-Dhcater. Spccialitäten. Urania. Daubenstraste 48/49. Von der Zugspitze zum Watz- mann. Jnvalidenstraste 57/93. Stern- ivarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. csrl Vei88- Idealer. Groste Frankfurter Strafte 133. IM- Letzte Woche:-«M AbendS 8 Uhr: Cas KedeillW des roten Hauses. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend zum erstenmal: Der Fehltritt einer Frau. Im Garten: Specialitäten- Vor- stellung. Ansang 5 Uhr. Sk!lk'Wisnee-7dksler. Bayerwald-Theater. Bruder Martin. Im Garten: llpoolalitSten- Vorstellung, Konzert. Entree 50 Pf. Apollo-Theater. Täglich: mit dem sensationellen f 08t-öall(!tt, George ösranis Burieske-Pantoniinie. Ivette.- Messters Kosrnograpli: Neue Bilder-Serie. Debüt„Merian" _ itm 1. AngqBt. Fritt Merlei-fealer stüher Puhlmann. Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Fröbel. Heute sowie täglich: ftur noch wenige Tage; JuIi=SpieIplan. f ugo Schulz X Fredoff «e. X Leocardi-Drnppe. The Firmö. X Starlings. Hübele-Truppe. Um 8 Uhr: Brausender Beifall über daS bis jetzt unerreichte Gesangs-Volksstück Kicht und Schatten mit Arthur Winkler vom Thalia- Thealer als Gast. Im Saale:«i-oaser Ball. Ansang 5 Uhr. Entree 30 Pf. Am 1. August: Arthur Winklcr- Benestz. Urania. Taubenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Zc 0010 USCH ER Sternwarte Invalidonstrasso 57/62. CASTANS Panoptikum! Friedrichstr. 165. Die zusammengewactoen Sehwestem zwanzig Jahrs alt, spielen Geige! Passage-Tlieater. Anf. Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Die Tritons, Tauch- und Schwimmkün stier, 5 Minuten unter Wasser. Lina Gölte, Kinematograph: Das Gardon- Bennet Automobil-Rennen. Ganz Berlin zerbricht sich schon den sechsten Monat den Kopf über A. G.A l 14 erstklassige Nummern. Oer grösste Erfolg dieser Saison! Zum 109. Maie: Neuestes! Allerneuestes! Dramatische Revue in 5 Bildern. Glänzende Balletts. 300 Mitwirkende. Anfang 8 Uhr. — Rauchen tiberall gestattet.— • 11UUU1UI AUWltiWl» Direktion: Robert Dill. Brnnnenstrasse 16. «'/. Uhr: Er muss aufs Land. Vorher: Der Dofsänger. Ansang 6 Uhr. Kasseeküche von 3 Uhr ad. Bei schlechtem Wetter: Vorstellung im Saale. ' 8pötz!zl!Meii-Iliög!öi Landsberger Allee 76-77 (Ringbahv-Statton). Oh schön! Ob Uegen! MF" Täglich das unerreichte Riesen-Juli-Programm!"HW uentarro Kikutla. Amanda Harold. Hedwig Mora. Die vier Vollmers. The Byrons. Elsa dPaulJescheck. Ouskes Bioskop usw. Sonnab., Sonntag, Montag: Tanz. Ans. Wochent. 5 Uhr, Sonnt. 4 Uhr. I Täglich ab 5 Uhr nachmittags: Entree 1 M., ab 6 Uhr 50 Pf. F � Kinder unter 10 J. die Hälfte. � Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Nnhetenc Mtgk. Volksstück mit Gesang in 2 Akten von Hans Müller. The three Amaranths, Alrob.-Tänzer. Karl Groth, GrotcSkkomikcr. Rivas und Diras, Antipodcnakt aus lebendem Piedcstal. Richard Viagner, Konzertsänger. Mary Ellys, moderne Tyrolienne. Gauert mit seinen dressierten Hunden. Otto Waldemar, moderner Blitzdichter. Ada Rivas mit ihrem Wunderglohus. Mary Förster, Solotänzerin. Sönttctt-Gesellschaft„Saltarello". DV Ansang 4 Uhr. Montag, den 3. August er.: Benefiz sür Richard Wagner. Sanssouci. Täglich im Garten: Holtmann» Nordiieiitselie Sänger. Ansang: Sonntags Konz. 5 Uhr, Vorslell. 7 Uhr. Wochentags: Konz. 6Uhr, Vorstell. 8Uhr. Sonnt., Moni. u. Donnerst. nach der Soiree: Tanz. Reichshalieu Heute: Drittletztes Gastspiel des berühmten Winter- Tymian mit seiner Gesellschast. Ansang 8 Uhr. Sonnabend, 1. August: Wieder- beginn der Soireen der Ttcttiuer Sauger. AeHtnng! Sanarbeiter " Berlins and Umgegend. Umgegend. Seit Montag, den 27. Juli, stehen die Hiljsarbeiter der Firma A. Unglno dt Co. im Ssteik, um den überhand nehmende» Mißständen bei dieser Firma endlich Einhalt zu gebieten. Die Streikenden, welche bisher einen Stundenlohn von 50 Ps. erhielten, verlangen jetzt einen solchen von 60 Pf. Jeder, der die Be» schästigung dieser Leute kennt, wird dieses nur anerkennen. Dazu kommt, daß dieselben vollständig der Willkür der von ihnen bedienten Maurer preisgegeben waren. Letztere arbeiten vorwiegend im Zleeord und wird dadurch die Arbeitskrast der Hilssarbeiter bis aufs äußerste angeitrengt. Hieraus ergab sich, daß von einer geregelten Arbeitszeit dieser Leute nicht gesprochen werden kann, jeder arbeitete nur, um den an ihn gestellten Anforderungen gerecht werden zu können. Die Leitung der Organisation hat alles gethan, um die bestehende Differenz in Güte beizulegen, aber die Firma Uaglno verhielt sich bisher ablehnend den Forderungen ihrer Arbeiter gegenüber. ntswillige anzuwerben, so richten wir a Da selbst die Maurer sich nicht scheuen, Bauarbeiter Berlins und Umgegend die Aufforderung Arbeit an die organisierten Bauarbeiter Berlins und Umgegend die Aufforderung, uns in diesem Kampfe zu unterstützen. Keiner darf bis zur endgültigen Beilegung des Streiks bei der Firma Lagino in Arbeit treten, dann wird auch der Erfolg Nicht ausbleiben. Hoch die Solidarität 39/13 der Bauarbeiter I Die Berbandsleitung. I. A.: Karl Heidemann. khsuv Weit Hasenheide 108/1 14. Arnold Scholz. Mittwoch, den 39. Jnti: Gr<.Spntefest verbunden m. Bonbonregen, Eackel- polonaise und Gratis-Verlosung. Hauptgewinn für Knaben: Eine silberne Remontoir-Uhr. Hauptgewinn sür Mädchen: Eine goldene Damen-llhr. Specialitäten-Vorstellung. Ansang 4 Uhr. Enttee 15 Ps. Kaffeekiiche. Drei Kegelbahnen. Sennhütte. Alpen-Rutschbahn. Morgen Donnerstag: Militar- Toppel-Konzert. s2183L Freitag, den 31. Juli: II. grosses Massen-Konzert. 1 Ostbahn-Park. Arn Kustrinerplatz. RQdersdorkerst.71. Hermann Imbs. Täglich- Gr. Konxert, Theater und Kpeeialitiiten- Korstellung. Bucgs|vnkag)vii� am illoritzplatz. Jede» Tag: Kongert des berühmten Orchesters des Signor Vincenzo Ferrara. Donnerstag, Sonnabend, Sonntag| im Kaiser-Saal: Tanz. IPratcr*Ci)cater Kastanien-Allee 7—9. Direktion: Kl. Kalbo. Täglich- Manniszauber. Operetten-Burleske in 4 Bildern von SB. Gericke. Konzert und Ball. U.a.; Gcargetta Langbe, Excentrie- Chansonncttc. Resieps, kom. Jongleur. Neu I The BerlingH, Neu! die singende Lusksee. Schröder u. Denier? V?? Affeu- streiche, große Pantomime der Gelin- Truppe. Ansang 4 Uhr. Eintt. 30 Ps., _ num. Platz 50 Ps. Kahns VoU&gaHen Riinielsliiini, (altes Gefängnis). 19822* Schönster Familien-Ausenthalt, Konzert und viele Volksbelustigungen. Kaffeelüche. Weißbier 20, Seidel 10 Ps. Sehweizer-Garten am Königsthor, am Friedrichshain. laoliclK Theater»nd Artisten-Vorstellung, Roll und Bolköbelustigungen. »call Ans. 5 Uhr. Enttee 30 Ps. Nur erstklnsfige Kövstler. Neue Attraktionen. io ujr: Die AmWeuMde. Ausstattungsposse m. Ges. in 2 Bildern. Königstaltt-KASino. volzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstr Tägl. Im herrl. Garten: Tägl. Bro»8art. Programm. Elly Deliasey, Eugen Milardo, Bonnet-Trio, Miss Bella Fleld, Dettmar u.Margarit, Rud. Schaup. Mittwoch, Sonnabend. Sonntag: IMP' Tanz.-VS Ansang 8 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Jte Pem's Sommer-Theater" Hascnhelde 18—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. DM- Täglich-"ME 17182* Grosses Konzert, Theater- und Specialitäten-Yorstellung. Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. UV Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet.-WH 2 hochelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand zc. In den Sälen: 7smMen-Xrän2eken. Schloss Weissense e. ..Znm Sternecker", Inhaber: C. Koeh. Täglich: Brosse Theater-Specialltttten-Vorstellung. Riesenprogramm, 40 Nummern. Im Bai champetre: Grosser BALL. Illumination der Fontaine lumineuse. Jeden Mittwoch: Grossett Klnderfrendcnfest mit Gratis- Verlonnng. Jeden Donnerstag: Grosses Monstre-Elite-Feuerwerk u. Doppelkonzert. Jeden Sonntag: Grosses DOPPEL-KO�ZEBT. Kaffeeküche.— Volksbelustigungen aller Art. Als Verlobte zeigen eich an: rjermüie Granzow friedrieb Rohittc Von der Reise zurück 13/8 Dr. Wallbach SO., Bnskancr-Strasse 10. SW., Lindenstrasse 69. Für Kadf ahrer! 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Bericht über den derzeitigen Stand untrer Lohn- und Arbeitsbedingungen unter besonderer Berücksichtigung der OrganisattonSverhältnisse unsreS Berufes. 2. Diskussion. 143/7 DaS Erscheinen aller Mitglieder ist infolge der wichtigen Tagesordnung notwendig. _ Der Zirelgverclns-Vorstand. I. Sl.: Wilh. Fritzsoh. Krankenkasse für die Beamten und Angestellten der Krankenkassen, Berutsgenossenschatten, sowie der Invaliditäts- und Altersversicherungs-Anstalten zu Berlin(E. H. 108). abends 8 Uhr, findet Stralaucr- Freitag, den 7. August 1903, straße 57 bei ltllcgcl eine Ausserordentliche Generalversammlung der Mitglieder statt. Tages-Ordnung: 1. Statutenänderung. 2. Der Vorstand. E. Koblenzer, 288116 siedenes. orsitz ender. Centralyerbandd.Sebiniede (Zahlstelle Berlin). Heute Mittwoch, 29. Juli, abends LV�Uhr, im Grand-Hotcl Alcxanderplatz, Ecke Neue Königstraße, Eingang vom Alexanderplatz: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 176/15 1. Berichte, a) Gauvorsiand. b) Ortsvcrwaltung. c) Gewerkschasts- Delegicrte. d) Vergnügungs-Kommission, e) Bibliothek, f) Kommission.— 2. Neuwahl, a) Gauvorstand, b) Orb Beschwerde- Ortsverwaltung. c) Ge wcrkschasts-Deleaierte. d) Vergnügungs-Kommission, e) Bibliothekar. f) Besch werde-Kommission.— 3. Verschiedenes. Die Versammlung wird durchaus pünktlich eröffnet und ist jedeS Mit- glied verpflichtet, zu erscheinen.— Ohne Mitgliedsbuch kem Zutritt. Die Ortsverwaltung. I.A.: W. Eiering, 0.34, Weidcnwcg 72, IV. Arbeiter-Bildungs-Scliule Berlin. Dienstag, den 4. August 1903, abends>/-9 Uhr, im Gewerkschaftshause(Saal 8), Engel-User 15: General-Uersammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrerkollegiums und der Revisoren. 2. Anttäge. 3. Schulanaelegenheiten und Verschiedenes. ZV Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. iJlO'_ Der Vorstand. üuftbad Mpi am Bahnhof Jnngfernhclde eröffnet für Herren._ 2881B* Verlosungsartikel Danksagang. 2910b Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme u. die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unsrer guten Mutter, sagen wir allen Teilnehmern, insbesondere dem Geselligen Frauen-Verein„Strick- naldel" u. dem Gesangverein„Nord- Jubal", unser» tiesgesubltcn Dank. All». Voigct nebst Kindern. Danksagung. 2916b Für die bei der Beerdigung meines geliebten Mannes, unsres guten Vaters, deS BUdhauerS Wilhelm Ebeline bewiesene Teilnahme sprechen wir allen Freunden u. Bekannten, den Kollegen, dem Meister Herrn Christ sowie dem Verband der Bildhauer unsern aus- richtigsten Dank auS. Die trauernde Witwe Blara Ebellng nebst Kindern. Danksagung. Sage hiermit allen Verwandten und Bekannten, sowie dem Gesang- verein„Gollegia", den Kollegen der OrtSoerwaltung Berlin deS Ver- bandes der Clvll-Berufsmusiker, so- wie den Parteigenossen des 4. Reichs- tagS-Wahlkreiscs für die Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Ann» Irrgang meinen innigsten Dank. 2923b Berlin, 29. Juli 1903. _ Hermann Irrgans. Dr. Simmel, Prinzen- Str. 41. Specialarzt für(8/17' Bant» nnd Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12 2—4 zn Landpartien, für Vereine, Gesellschaften:e., überraschende Neuheiten, sowie Lampions. Ttorklaternen, Paptermiiben, Fahnen, Wimpeln, Guirlanden, Radausachen, Scherze und Präsente jeder Art spottbillig im Ensronxesebäft Ltü ßnt-ftkSlä Alte Jakobstrasse 93, ■ Ibn UO&CBlIlly an der Seydelstraste. ICindenvaxeii, Pappen-, Sport-, Kotten-, Leiter- q. Ziegen- bockirngen. eis. Bettsfell., f. Er- wachse ne und Kinder ausser- gewöhnlich bllL, auch Thell- eahlnng. Krankennagen auch leihweise. Musterbücher gratis, franco, A. W. 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Juli, vormittags 8'/, Uhr verstarb nach kurzem, aber schweren Leiden unser hochverehrter Chef, der Piano-Mcchamk-Fabrikant ie». Die Beerdigung findet am Donnerstagnachmittag 4>/, Uhr von der Leichenhalle deS Emmaus- Kirchhofes aus statt. 2194L Wir werden ihm stets ein ehren- des Andenken bewahren. Has Personal. Komplette Tischler-Werkstatt für Luxusmöbel und Drechslerarbeit, mit Drehbänken, Werkzeugen, allem Zubehör, auch Lager seinerer Luxusmöbcl:c. zum halben Kostcnpreise sofort zu verlausen. Franke, Fürstenstr. 22, Hof. 6—8 N.- 3 fCIßinG W* Bp Wort /ett, Worte mit mehr als mGjäi m Wk JM ML ML A Mf MLJM ML nMsm JI wbw JMJM w WM in de y 16 Buchstaben Mähten doppelt. JM jä y j Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, /ür die Vororte bis I Uhr, in der Haupt expedition Lindenstr. 69, bis 4 Uhr angenommen* Verkäufe. Bahnhof Wildau, bei Zeuthen. 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Marquardt Mendelssohnstr.9) Arbeit nachzusuchen Der Vorstand deS Verbandes der Kürschner Berlins und Umgegend. 102/7« I. 81.: Grandel. Vorsitzender. Achtang:! Achtung! Musikiostrüinenten-Ärlieiter! Die Piauofabrik von Ailehci- & Co., Alexanderstr. 22 und Wallner- Dheaterftr. 20/27, ist wegen Differenzen für sämtliche Branchen gesperrt. 142/2» Agltatlens-Kornmisslon und Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Achtung, Bauarbeiter! Der Bau Lehderftr. 1», Weihen. see, Firma Ruthenberg, ist für organisierte Kollegen gesperrt. 31/4 I. A.: Karl Heidemann, Herm. Norgel , i., v[»»»pv*./ w._„------i;"- i-......»--------- 1---- u---->"---------.yvnts.« Verantwortlicher Redacteur: Julius Kaiiskt in Berlin. Für den Inseratenteil verantworttich: Xh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag: Vorwärts Büchdruckeret und Bertagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW.