N». nbennemcntS'Bedlngunstn: «Sonnemmtä> Prel« pränumerando i vierteljährig 3JO SKI., nionaö. l.lv Ml, IvSchentlich 28 Pfgg frei WZ Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntag«. »ummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' lll Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Ewgetragen w der Post.ZciwngS» Preisliste für 1(M>3 unter Nr. 8308. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrig« Ausland 8 Marl pro Monat. Mchelnt tiigll» außer montags. 20* Jahrg. � 6-! sich jedoch nicht besonders darum, ver- ließen vielmehr in aller Ruhe den Saal. Bähr folgte ihnen aber und faßte an der Treppe den Glasmacher Wehrstg, der vorher gegen die Einmischung des Polizisten Verwahrung eingelegt hatte, am Arme. Wehrsig glitt hierbei aus, stürzte die Treppe hinunter und riß einen andern Glasmacher mit. Nichts« destoweniger setzten die jungen Leute ihren Weg ruhig fort. Der Polizeisergeant rief ihnen aber nach: Da kommen die Glasmacher- Jungen her, um Krach zu machen! Wehrsig antwortete mit einem. „Sie waren ja eher Junge wie wir I" Im Nu war Bähr jetzt unten, faßte den Wehrsig und erklärte ihn für verhastet. Dabei kamen die beiden Männer zu Fall. Wehrsig erklärte sofort, er werde ganz ruhig mitgehen. Nichtsdestoweniger zog Bähr den Säbel und hieb den ruhig mitgehenden Wehrsig in die Beine und schließlich auch mit der blanken Waffe über den Kopf. Vor der Polizeiwache bat Wehrsig noch einmal, Bähr möge ihn gehen lassen. Bähr lehnte dies ab, zog vielmehr im Gange vor der Zelle nochmals blank und schlug den Wehrsig, der ihn bat, ihn zu schonen, da er ja schon blute, noch mehrmals über den Kopf. Dann stieß B. den Wehrsig in die Zelle. Hier wurde er am andern Morgen vom Aufseher des Polizeigefängnisses über und über blutend gefunden. Auch auf dem Gange und in der Zelle lvaren Blutspnren zu sehen. W. wurde dann auf dem Polizeibureau von einem andern Polizeisergeanten zu Protokoll ver- nommen. Als dieser Beamte verschiedentlich abberufen wurde, be« nutzte Bähr die Gelegenheiten zu neuen Mißhandlungen. Wehrsig mußte sich alsbald in ärztliche Behandlung zur Vernähung seiner Wunden begeben. Natürlich folgte diesen unerhörten Vorgängen der Strafprozeß auf dem Fuße. Wehrsig, der von dem Polizisten mit dem Säbel blutig geschlagene Mann, nicht etwa de- Polizist, wurde wegen Widerstandes angeklagt imd mußte allr Freuden eines Strafprozesses über sich ergehen'lassen._ Schöffengericht und Strafkammer sprachen ihn jedoch frei und jetzt wurde endlich die Anklage wegen tviderrechtlicher Verhaftung und Körper- Verletzung im Amte gegen Bähr erhoben. Heute behauptet Bähr, der 35 Jahre alt und schon längere Zeit im Polizeidicnst thätig ist, er habe Wehrsig verhaftet, weil dieser auf der Straße gelärmt habe. Von seiner Waffe habe er Gebrauch machen müssen, weil W. ihm mehrmals heftigen Widerstand geleistet habe. Die heute als Zeugen vernommenenGlasmachcr bestreiten dasjedoch entschieden. B. behauptet allerdings, die Glasmacher seien alle Socialdemokraten und ans die. Polizei nicht gut zu sprechen, ihre Glaubwürdigkeit sei daher zweifelhaft. Die brutalen Ausschreitungen des Polizisten werden jedoch übereinstimmend mit der Darstellung der Glasmacher von ander» gänzlich unbeteiligten Zeugen bewiese». Der Staatsanwalt nennt daS Verhalten des Angeklagten empörend und beantragt ein Jahr sechs Monate Gefängnis. Das Urteil des Gerichtshofes lautete auf nenn Monate Gefängnis und Aberkennung der Berechtigung zum Bekleiden öffentlicher Remter auf drei Jahre. Nach der Ansicht des Gerid)tshofes ist erwiesen, daß An- geklagter sich sowohl der widerrechtlichen Verhaftung als auch der Mißhandlung im?l m t e schuldig gemacht hat. B. habe keinen Grund gehabt, den W. zu verhaften, noch viel lveniger aber ihn derart zu mißhandeln. Er habe in brutaler Weise seine Amtsbcsngnisse überschritten. Brutal sei sein Auf- treten vom Anfang bis zum Ende des Vorfalls gewesen. Er habe auch die ganze Sache direkt provociert. Ans allen diese» Gründen könne von Zubilligung mildernder Umstände keine Rede sein, wenn Bähr auch noch unbestraft sei.— lieber Lehren und Folgen des RcichstagSwahl-ErgebnisseS sprach Genosse V o l l m a r am Montag in München. Wie wir schon bei früherer Gelegenheit auS de» Wahlcnolgbetrachtniigcn unsrer Parteipresse Auszüge gaben, so teilen wir das wiästigste aus der Rede VollmarS mit. Vollmar besprach zunächst die gegnerischen Parteien, er sagte hierbei u. a., wie tvir dein Bericht der„Münchener Post" entnehinen, über das C e n t r u m: DaS Centrum hatte viel auf die katholischen Arbeiter gehofft und an Versuchen, die Arbeiterschaft durch Sonderorganisationen zu spalten und sie vor den eignen Parteiwagen zu spannen, hat es nicht gefehlt. Aber der Erfolg aller dieser Bemühungen war recht mäßig. DaS hat sich besonders im Rheinlande und Westfalen, der Centrumsdoinäne, gezeigt, wo gerade die Socialdemokratie riesenhaft gewachsen ist. Man braucht auch nur aus Oberbayer», auf München I und II hinzuweisen, um zu zeigen, daß der Religionskricg recht geringe Wirkungen hatte. Die k a t h o« tischen Arbeiter haben massenhaft f ii r die Socialdemokratie g c st i m m t und alles spricht dafür, daß eS auch in Zukunft so weiter geht. In den Groß- städten und Jndnstriebezirke» geht das Centrum zurück, und nur dort, wo die kleinbürgerliche und ländliche Bevölkerung ausschlag« gebend ist, hat es einstweilen noch seine Stellung zu behaupten vermocht. Verschiebt sich schon dadurch das Schwergewicht des Centruins nach der reaktionären Seite, so wird es auch durch seine ganze Politik in der gleichen Richtung gedrängt. Ich will nur auf die Thatsache hiniveisen, daß während der vergangenen beiden Reichstage das Centrum sich fast im Galopp anS einer Oppositions- in eine Regierungspartei umgewandelt hat.(Sehr richtig I) Sodann behandelte der Redner die eigne Partei: ES giebt zlvei Sorte» von Erfolg: Den Augenblicks-, den des Zufalls, die List und Gewalt des einen und die Schwäche des andren geboren hat. Die blinde Anbetung dieses Erfolges haben wir immer gering geschätzt und bekämpft. Wenn aber eine Bewegung, die von ihrem Ansang an und auf ihrem ganzen Wege alles, was Macht hat in Staat und Gesellschaft im rücksichtS- losen Kampfe gegen sich sieht, alle gegen sie aufgeworfenen Hindernisse aus eigner Kraft überwindet und nun solche jeder Berechnung spottenden Siege gewinnt, dann ist das wahrhaftig kein Zufallserfolg, sondern ei» Kennzeichen und Beweis ihres Rechtes.(Stürmische Zustimmung.) Das soll nicht heißen, daß wir uns deswegen für unfehlbar halten und meinen, daß alle unsre Handlungen gleich gut seien. Eine solche Selbstgefälligkeit wäre unser unwürdig und gefährlich. Wir werde» immer suchen müssen, unsre Fehler zu entdecken, auch wenn sie durch sehr viel größere Fehler unsrer Gegner überragt werden. Wohl aber haben unsre Wahlerfolge aufs neue und deutlicher als je gezeigt, daß die Socialdemokratie nicht, lvie gewisse Leute meinen, eine„vorübergehende Erscheimmg"(Große Heiterkeit.) ist, eine Flut, die schnell wieder zurückgeht, sondern ein aus solidestem Material gebautes, jedem Angriff widerstehendes Fahrzeug, das sich mit ruhiger Sicherheit auf der rechten Bahn bclvegt und dem erstrebten Ziel zusteuert, der Eroberung der politischen Macht zur Erlösung des unterdrückten Volkes.(Anhaltender Beifall.) Ich habe niemals behauptet, daß ich Sehergaben besitze, und weiß auch nicht, wie lange der Kampf noch dauert, noch nnter welchen Umstände» wir den Sieg erringen werden, aber das Eine ivciß ich: Eine Partei, die im Kampfe mit staatlichen und gesellschaftlichen Mächten heute bereits die anerkannte Ver- tretung eines Drittels des deutschen Volkes gcivordcir ist und über deren unaufhaltsame Weiterentwicklung so wenig Zweifel be- stehen, daß die Gegner schon vor den kommenden Wahlen Angst haben, diese Partei ist heute ein notwendiges vitales Element der lveiteren ivirtschaftlichcn und politischen Entwicklung des Reiches. Sie ist die Partei der nationalen Zukunft und besitzt heute auf politischem Gebiete einen Einfluß ersten Ranges. Allerdings kommt dies heute nicht so zur Erscheinung, wie es wäre, wenn die Wahl- gesetze besser und nicht so eingerichtet wären, die Größe der Partei nicht zum Ausdruck kommen zu lassen. Wenn lvir eine Berechnung anstellen, so sehen wir, daß u»S durch ein rechts- und gesetzwidriges Plnral-Wahlsystcm der dritte Teil der uns zukommenden Mandate ge- nommen ist. Hätten lvir ein Proportional-Wahlsystcm, so müßte heute schon die socialdemokratische Fraktion 125. statt 81 Mandate haben. Darauf bauen auch die Mchrheitsparteicn und suchen den, deutschen Volke die Ergebnisse seiner letzten Anstrengungeil wieder zu rauben. um die alte Herrschaft im jetzigen Geleise fortführen zir können. Sie habe» nur eines vergessen, daß die Zahl ans politisch- parla- inentarischcm Gebiete zwar viel, aber nicht alles ist, und daß eine kraftvolle Minderheit, die von dem Willen deS.'olles getragen wird. sehr diel vermag. Die socialdemokratische Fraktion hat die Regie- rung schon manchmal weit getrieben und die Zahl von 81 socialdemo- kratlschen Abgeordneten in einem Reichstag, der nur alle heilige Zeit einmal beschlutzfähig ist �Heiterkeit), gießt uns eine ganz andre Macht- stellung, als es bisher der Fall war. Schon beim Abschluß der Handelsverträge kann die Regierung von der Socialdeniokratie ab- hängig sein, und die Fälle können sich mehren, in denen sie auf uns angewiesen ist. Denn wo immer sie genötigt ist, moderne Forderungen im Interesse des Staatsganzen durchzusetzen, um der dringenden wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung einigermaßen gerecht zu werden, wird sie mit uns rechnen müssen.(Leb- hafter Beifall.) ... So viel ist sicher, daß mit der jetzigen Entwicklungs- Phase der schwer st e Teil unsrer Aktion begonnen hat. Mit unsrer vergrößerten Position im Reich und in, Reichstage ist unsre Aufgabe— und nicht nur quantitativ— gewaltig gewachsen, und wir werden alle Kräfte aufzubieten haben, um den sich daraus ergebenden Pflichten gerecht zu werden und das von den Wählern in uns gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen.... Ich kann nur sagen, daß wir Socialdemokraten durchaus gewillt sind und nichts Besseres verlangen, als unsre jetzige Position dazu anzuwenden, auch positiv gestaltend, reformierend an den großen nationalen Kulturaufgaben mitarbeiten zu können(Beifall)! und es wird sich nur zu zeigen haben, wieweit uns nicht der Widerstand'der gegnerischen Mächte daran hindert.... Weiter behandelt Vollmar die Frage der Teilnahme am R e i ch s t a g s- P r ä s i d i u ni. Er erklärt, daß er den Zeitpunkt und die Art, wie Bernstein diese Frage in die Diskussion gebracht habe, nicht für richtig gewählt halte. Aber er mißbillige die Art der Kritik, die Bebel gegen Bernstein geübt habe, sowie die auf- fälligen Fornien, in denen diese Kritik in der„Neuen Zeit" erschien. Sodann führt Vollmar nach einer Darstellung des bisherigen Standes der Frage zur Sache selbst aus: „Die Diskussion innerhalb der Partei geht nun darüber: einmal ob wir die gestellte Bedingung übernehmen können, und dann, ob die Sache bedeutend genug ist, eine solche Entscheidung zu treffen. Nach meiner Ansicht ist letztere Frage, also ob die Vorteile oder Nach- teile überwiegen, durchaus einer ernsten Erwägung wert, und sie kann auch allein ausschlaggebend sein. Nun ist soviel gewiß, daß die Frage keine solche erster Ordnung, keine weltbewegende ist, und ich bin wahrlich der letzte, der ihr eine übertriebene Bedeutung bei- legen und unsre Teilnahme am Präsidium als unter allen Ilm- ständen wertvoll hinstellen möchte. Aber ebenso verkehrt ist es, sie als etwas völlig Bedeutungsloses und Gleichgültiges hinzustellen.... Schon die bloße Existenz eines socialdemokratischen Vicepräsidenten, und der Gedanke, daß er von etwa geplanten Parteilichkeiten vorher erfahren und dagegen eintreten könnte, würden sehr nützlich und ein loyales Verfahren sichernd wirken können. Nun können und werden aus unsrer Teilnahme am Präsidium der Partei zweifellos nicht unerhebliche Schwierigkeiten erwachsen, und die Würde würde in der That keine leichte Bürde sein; man denke nur an die Konflikte, in welche die gegnerischen Parteien unsren Vicepräsidenten verwickeln könnten, und die an die Umsicht und den Takt desselben große An- forderungen stellen würden. Aber seit wann ist es denn Mode in der Socialdemokratie geworden, vor Schwierigkeiten zurückzuschrecken, anstatt sie zu überwinden?(Lebhafter Beifall.) Und haben wir nicht schon Schwierigkeiten ganz andrer Art überwunden?(Sehr richtig I) � Nun wird freilich gesagt: ein Socialdemokrat könne sich un- möglich einem Monarchen vorstellen, denn das wäre ein„Opfer der Ucberzeugung", eine„unsrem Prinzip widersprechende Handlung". Und dann wird die ganze Schrecklichkeit und Niedertracht des„Zuhofegehens" mit kräftigen Farben geschildert. Diese und ähnliche Acußernngen über eine„entwürdigende Haltung", die uns zugeinutet werde, seien hitzige Uebertreibungen oder Stimmungsmache. Ein formeller Staatsbesuch, eine gegenseitige Begrüßung, selbst eine Aussprache, die nicht gesucht lvcrden, sondern in Ausübung eines parlamentarischen Amtes stattfinden, können doch unmöglich mehr verbinden, als ein Gelöbnis, ivie der Verfassungseid in den Einzelstaaten. Wenn Ivir Puristen genug wären, um zu glauben, daß schon die bloße wie immer gestaltete Berührung mit einem Fürsten unsre Principicn verderbe, mit welchem Sinn und Verstand sollten wir dann unsren AbstentionismuS lediglich auf den obersten Repräsentanten der Monarchie beschränken und nicht ebenso auch den Verkehr mit andren hohen Vertretern derselbeir, wie den Ministern, verweigern? Und dann sind wir doch keine bürgerlichen Republikaner, deren Denken sich in der Staatsform erschöpft, sondern uns sind wichtiger noch die gesellschaftlichen Ein- richtungen. Folgerichtig dürften Ivir dann eigentlich auch nicht mit deren hervorragenden Vertretern in persönliche Berührung treten. Man sieht die Widersprüche, in die man gerät. Das zweifellos Berechtigte in der Abneigung gegen ein Zusammentreffen mit Fürsten ist das Gefühl des ÄbscheueS vor der gesinnnngs- und würdelosen Liebe- dieneret und Schleppenträgerei, von der wir täglich Zeuge sind. Aber dies berechtigte Gefühl darf nicht zu einem Fornialismus. einer Ver- wechselung der Form mit der Sache führen, die dadurch nicht ver- nünftiger wird, wenn sie ein pseudorcvolutionäres Gewand trägt. Entscheidend kann doch unmöglich das Zusammentreffen als solches sein, sondern vielmehr dessen Zweck und die Art, in welcher es vor sich geht: ob man als Lakai oder als Freier und Gleicher handelt, ob man aus eignem Antrieb und zu eignem Vorteil oder Behagen, oder aber in Wahrnehmung eines Amtes, als Repräsentant der Gesetzgebung hingeht. Ganz ähnlich, wie ja die meisten auch vor den Ministern katzbuckeln und schmeicheln nnd Vorteile zu ergattern suchen, was uns aber doch nicht hindert nnd hindern kann, mit den Herren— insbesondere auch im Landtag— Verkehr zu pflegen nnd in einer fortgesetzten Fühlung zu stehen, wie sie zur richtigen Er- süllung unsrer Pflichten als Volksvertreter notwendig ist und sicher unsrer Selbständigkeit nnd der Entschiedenheit in Vertretung unsrer Grundsätze nie geschadet hat. Im übrigen würde eine negative Entscheidung der Präsidenten- frage gar keine Lösung, sondern lediglich ein Hinausschieben der Löiung sein. Denn bei der nächsten Wahl wird die Frage wieder kommen. Und was soll dann werden, wenn wir die erste Partei geworden oder wenn wir später einmal die Mehrheit sein werden? lind ferner, wenn wir so stark sein werden, daß uns endlich auch der gebührende Anteil an der vollziehenden Gewalt zufallen muß— sollen wir alsdann auch unser Handeln durch solche Formeln lähmen lassen? Nein, ich glaube, daß dieser ganzen Sache viel zu viel Bedeutung beigelegt wird, wie ich auch bedauere, daß mich die Umstände nötigen, selbst so viele Worte darauf zu verwenden. Das entscheidende Moment in der Präsidentenfrage liegt, wie ich bereits gesagt habe, wo anders— es handelt sich darum, ob die zu erwartenden Vorteile die Nachteile aufwiegen oder umgekehrt. Aber daß ein Socialdemokrat sich etwas vergäbe, wenn er als Vertreter des Reichstäges mit dein verfassungsmäßigen Reichsoberhanpte zu- sammeutrifft, das bestreite ich. Wisse er seinen Mann zu stellen— und ich denke, daß man dies Zutrauen in den von uns zu Wählenden wird haben können—, so wird er vielmehr viel dazu beitragen können—, die Würde der Volksvertretung wirksam zur Geltung zu bringen.(Beifall.) Und wenn der Kaiser etwa die Wahrheit wissen will, dann würde er sie hören— er könnte es notwendig brauchen I (Stürmischer Beifall.) Ich sehe die Sache also als eine Frage der Machterweitcrnng der Partei an und bin der Meinung, daß diese uns das Recht und die Pflicht auferlegt, uns an der Führung der Geschäfte zu beteiligen und die damit verbundene Verantwortung zu über- nehmen. Vollmar schloß mit den Worten: Wie immer nun sich diese nnd alle andren parlamentarischen Machtftcigcn gestalten mögen, unsre Aufgabe wird unter allen Um- ständen die sein, noch energischer als bisher weiterzuarbeiten und alle Machtfaktorcn des parlamentarischen Lebens ans- zunutzen, um unsre Ideale ins Leben zu setzen. Dazu ist aber nötig, daß wir nicht auf unsren Lorbeeren ausruhen nnd uns nicht verführen lasscii, in unsren Anstrengungen zu erlahmen. Wir mnsien für unsre Gesinmulg werben und unermüdlich thätig sein für unsre Organisation. Wenn wir hente ein Machtfaktor sind, so wären wir ohne Organisation wie Staub vor dem Winde und jedem Zufall preisgegeben. Nur in der Organisation lernt man mit That- fachen wirken. Nur der Rückhalt, den sie uns im Kampfe giebt, schafft uns Anhang und den Glauben an unsre Ideale und der ist es, der uns stark, der uns unwiderstehlich, nacht.(Langanhaltender Beifall.) *.» Wir haben zu den Ausführungen Vollmars diese Bemerkungen zu machen: Wenn die Erflärung Bebels in der„Neuen Zeit" in besonders auffälliger Form erschien, indem sie trotz geringen UmfangeS die ganze erste Seite einnahm, so haben wir dies nicht, wie Vollmar es zu thun scheint, einer besonderen Absicht zugeschrieben, sondern nehmen an, daß hier nur ein Zufall vorliegt, an dem Bebel unschuldig ist: offenbar ist die Erflärung im letzten Augenblick vor Abschluß des Satzes für die betreffende Nummer eingelaufen und die Schuld an der seltsamen Art der Veröffentlichung trägt nur— der Metteur. Wenn Vollmar einen Besuch beim Kaiser als zulässig und unter Umständen als empfehlenswert erklärt, wenn er die Partei auffordert, sich in der Geltendmachung ihrer Ansprüche nicht durch solche Be- dinguug der Gegner hemmen zu lassen, so baut er unsres Erachtcus alle seine Darlegungen auf einer Mutmaßung auf, von der es gänzlich ungewiß ist, ob sie den später wirklich an uns herantretenden Verhältnissen entspricht. Nach den Aeußerungen der gegnerischen Presse, insbesondere derjenigen des Centrums, ist anzunehmen, daß die bürgerlichen Parteien, um unserm Anspruch auszuweichen, noch diese oder jene andre„Bedingung" an die Erfüllung desselben zu knüpfen beabsichtigen. Wenn wir erklären, wir seien bereit, den formalen Hofbesuch zu niachen, so wird man unS weiter examinieren, ob der socialdemokratische Präsident auch zur Ausbringung eines KaiserhochS bereit sei, ob die socialdemokratische Fraktion geneigt sei, beim Kaiserhoch ihre abweichende Ueberzcugung fürder nicht demonstrativ zu bekunden. Die Centrumspresse ist schon so weit gegangen, uns Vorschriften machen zu wollen, welche Persönlichkeiten wir auf keinen Fall zur Wahl vorschlagen dürfen. Und die„Germania" hat schon den äußersten Fall vorgesehen, indem sie erflärte, eigentlich sei keiner von der socialdemokratischen Fraktion geeignet, gewählt zu werden, da die ganze Fraktion in der Obstruktion des Kampfes solidarisch war. ES geht nicht an, daß unsre Fraktion sich Bedingungen von den Gegnern vorschreiben läßt. Wir erheben, wie früher, unsren be- rechtigten Anspruch und sind bereit, alle geschäftsordnungsmäßigen Verpflichtungen zu übernehmen. Die Gegner wissen auch recht gut, daß, wenn einer der Unsrigen Vicepräsident wird, er wissen wird, in allen an ihn herantretenden Fragen, in Uebereinstimmung mit seinen Freunden und seiner Partei, den politischen und gesellschaft- lichen Takt zu wahren. Wenn sie trotzdem uns besondere Be- dingungen zumuten, so erweist daS lediglich ihre Absicht, die For- derung der Gerechtigkeit unter Ausflüchten zu hintertreiben. Im übrigen freut es uns, daß Vollmars Meinung über das Maß von Bedeutung, das der ganzen Angelegenheit zukommt, sich mit derjenigen deckt, was wir darüber in den Nummern IS» und 1S2 unsres Blattes gesagt haben.— HiiBland. Oestrcich-Nngarn. Versuchte Bestechung oppositioneller Abgeordneter. DaS un- garische Abgeordnetenhaus war heute nach den eingelaufenen tele- graphischen Meldungen wieder mal der Schauplatz wüster Tumulte. Nachdem die Sitzung begonnen hatte, erklärte Abg. Zoltan Papp (Kossuthpartei) unter großer Spannung des Hauses, das gestern der ehemalige Abgeordnete Dicncs ihm 12 000 Kronen übergeben habe, damit er von der Obstruktion zurücktrete und Budapest verlasse. Diencs habe 2000 Kronen als Provision zurückbehalten. Die 10 000 Kronen die er(Papp) angenommen habe, um' ein corpus ckelicti in Händen zu haben, lege er auf den Tisch des Hauses nieder. In den Wandelgängen wurde mitgeteilt, daß Dicncs jetzt Bücherkolportcur sei und von keiner Seite als Vertrauensmann angesehen werden könne. Abg. Lovassy berichtet, daß an den Direktor des„Magyar Orszag" Aufrecht eine Anfrage gerichtet sei wegen des Preises, den das Blatt fordern würde, wenn es die Einstellung der Obstruktion befürworte. Als den Anfragenden bezeichnet er den Redakteur eines Kolportageblattes Arthur Singer. Abg. Thot beantragt die Ein- setzung einer Kommission zur Untersuchung der Vorfälle. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Budapest, 29. Juli. Wie verlautet, sind die VcrmittlungS- vorschlüge, welche auf ein Nachlassen der Obstruktion hinzielten, von dem Ministerpräsidenten Grafen Khuen-Hedervary abgelehnt wor- den, da der Hauptpunkt der Vorschläge dahin ging, daß die Regierung eine bindende Erklärung über die Einführung der ungarischen Kemmaudosprache mit Einhaltung eines bestimmten Zeitpunktes abgeben sollte. Diese Forderung ist, als mit dem Standpunkt der liberalen Partei und der Regierung völlig unvereinbar, zurück- gclviesen worden. Um 1 Uhr erhebt sich Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary, um zu beantragen, die Erörterung über sein Programm zu unter- brechen und zur Verhandlung der Jndemnitätsvorlage überzugehen. Nach den ersten Worten erhebt die Obstruktion ein ohrenbetäubendes Geschrei, das eine Viertelstunde währt. Der Vicepräsident ist gc- nötigt, die Sitzung zu unterbrechen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung erhebt sich der Ministerpräsident wiederum, worauf der tobende Lärm von neueni beginnt. Graf Khuen steht zehn Minuten laug aufrecht, ohne zum Wort gelangen zu können, und läßt sodann dem Schriftführer den schriftlichen Antrag überreichen, das Haus möge in die Verhandlung der Jndemnitätsvorlage eintreten. Als dies die Obstruktion bemerkt, stürzen die Abgeordneten Ratkay und Fay nach dem Präsidcntcntisch und versuchen, dem Schriftführer den Antrag zu entreißen. Dieser wehrt sich mit Gewalt gegen die auf ihn eindringende Obstruktion und nimmt das Blatt, auf dem der An- trag steht, in die andre Hand; doch gelingt es den Angreifern, von der andern Seite das Blatt zu erhaschen und in Stücke zu reißen. In- dessen hat jedoch der Präsident die zweite Ausfertigung des in zwei Exemplaren ausgefertigten Antrags erhalten; der Antrag ist somit eingereicht. Die Tribüne um de» Präsidcntcntisch füllt sich mit Abgeordneten beider Parteien, die in leidenschaftlichen Wortwechsel geraten. Unter großer Aufregung wird die Sitzung unterbrochen und eine geschlossene Sitzung angesetzt.— Frankreich. Die Notre-Tame-Feier. Die Pariser Blätter stellen fest, daß bei der gestrigen Trauerfeicr für den Papst der Ministerpräsident Combes sich nicht, wie zuerst gemeldet wurde, hat vertreten lassen. Der nach verschiedenen Wandlungen jetzt wieder völlig im flerikal- nationalistischen Fahrwasser segelnde„Figaro" schreibt in einem Artikel darüber, die französisch' Regierung sei die einzige in Europa, die durch ihr Fernbleiben gegen die dem Papste dargebrachte Huldigung protestiert habe. Die radikalen Blätter heben hervor, es habe sich bei dieser Gelegenheit gezeigt, daß in dem jetzigen Kabinett ein Zwiespalt bestehe; zu der einen Richtung gehörten Delcasse und Andre, die persönlich zu der Feier erschienen waren, sowie Rouvier und Maruejouls, die Vertreter gesandt hatten; zur andren gehörten Combes, Valle, Pelletan. Doumergue, Trouillot u. a. Der gestrige Zwischenfall sei bezeichnend für die Meinungsverschiedenheit, die im Ministerium über eine Hauptfrage der Politik bestehe.— England. Brüsseler Zuckerkonvention. Im englischen Unterhause stand gestern(Dienstag) das die Brüsseler Zuckerkonvention betreffende Gesetz zur Beratung. Der Handelsminister Gerald Balfour führte auS: Die dem» fides Englands erfordert die Annahme der Bill, und wir können von den eingegangenen Verpflichtungen nicht, ohne in Miß- kredit zu geraten, zurücktreten. Wir haben die Konvention ratifiziert mit der ausdrücklichen Reserve bezüglich der Anwendung der Straf» bcstimmung auf Prämienzucker aus unsren Kolonien. Bei der Er- örterung der Entscheidungen der ständigen Kommission bemerkt der Minister: Wir haben allen Grund zu glauben, daß Oestrcich-Ungarn und Frankreich ihre Zuckersteuersysteme in Einklang mit den Be- stimmungen der Brüsseler Konvention bringen werden. Wir haben nur die Bestimmung der Bill anzuwenden, Ivelche die Einfuhr von Prmnienzucker aus Rußland, Argentinien, Chile und Peru verbietet, vorausgesetzt, daß keines dieser Länder der Konvention beitritt oder seine Zuckerstcucrgcsctzgcbung entsprechend ändert, aber die gesamte Zuckereinfuhr aus diesen Ländern beträgt nur ein Dreißigstel der ge- samten Zuckereinfuhr Englands. Ich glaube, die Brüsseler Kon- vention wird eine Periode mäßiger und stabiler Preise zur Folge haben und den Zuckcrhandel von den heftigsten Schwankungen be- freien, die das Prämiensystcm verursacht hat. Die Konvention hat dem Kartellsystcm einen furchtbaren Schlag versetzt. L o u g h und Gibson Bowles sprechen sich gegen den Bei- tritt Englands zur Brüsseler Zuckerkonvention aus. Letzterer fragt, welche Gründe der Handelsminister für seine Annahme habe, daß Oestreich und Ungarn ihre Zuckergcsetzgebung abändern würden, und ob die Regierung die Zuckereinfuhr aus Oestreich-Ungarn verbieten würde, wenn diese Abänderung nicht erfolgte. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung über die Zuckervorlage bekämpfen mehrere liberale Abgeordnete die Zuckerkonvention und erklären, die Konvention werde eine Erhöhung des Zuckerpreises zur Folge haben. B r y c e(liberal) fragt, ob die Regierung die Straf- klausel in Kraft reten lassen werde für den Fall, daß Oestreich und Ungarn ihre Zuckergesctzgebung nicht vor dem 1. September ändern würden. Der Parlamentssekrctär des Handelsamts Bonar Law führt aus, England werde nach den Bestimmungen der Konvention nicht verpflichtet sein, die Klausel in Kraft zu setzen, bis die Kommission erflärt haben würde, daß es hierzu verpflichtet sei; die Kommission werde aber vor dem 1. Oktober nicht wieder zusammen treten. Die Weitcrbcratung wird hieraus auf morgen vertagt.—- Schweden. Ein neuer Kriegsminister. Der Staatsrat Krusebjörn h«t wegen Kränklichkeit sein Abschiedsgesuch eingereicht. An seiner Stelle wurde der Oberst Otto Virgin zum Chef deS Landes- vcrteidigungs-Departcments ernannt.„Der neue Kriegsminister ist". wie„Socialdemokraten" schreibt,„seit seinen jüngeren Jahren als ein interessierter und gebildeter Militär bekannt, und während seiner späteren höheren Laufbahn hat man erfahren, daß er den zeitgemäßen Forderungen an die Armee, sowie der Forderung des allgemeinen Wahlrechts als Korrelat der allgemeinen Wehrpflicht nicht verständ- nislos gegenübersteht. In welchem Maße es ihm gelingen wird. diesen Anschauungen in seiner neuen Stellung mehr Geltung zu ver- schassen, wird die nächste Zukunft zeigen."Gewiß ist, daß eS der größte Dienst sein würde, den der neue Kriegsminister dem Lande erweisen könnte, wenn er die demokratischen Tendenzen der allge- meinen Wchrpflichtordnung zu entwickeln und die Herrschaft dtS Drills und der„Preußerei" zurückzudrängen suchte."— Hub Induftnc und ftandd* Deutschlands EiscnauSfuhr(mit Einschluß der fertigen Eisen« waren, Stahl und Stahlwaren) betrug im ersten Halbjahr 1903, ver- glichen mit dem ersten Semester der drei Jahre 1900/1902, in Tonnen zu 20 Centnern: 1903 1902 1901 1900 im Januar. 303 078 282 807 147 261 116100 . Februar. 277 070 203 604 136 720 120 755 . März.. 321 308 238 972 173 860 127 955 . April.. 319 761 237 827 159 953 115 969 „ Mai... 318 050 268 092 187 233 134 962 , Juni.. 291 534 267 440 180 377 128 483 im 1. Halbj. 1830 801 1 503 742 994 404 744 224 An dieser Ausfuhr waren folgende wichtigste Eisen- und Stahl» sorten beteiligt mit(ebenfalls in Tonnen): 1903 1902 1901 Roheisen.......... 248 428 136 651 58 961 Brucheisen......... 62 085 92 046 47 795 Eck- und Winkeleisen...... 208 594 182 148 166 015 Eiscnbahnlaschen und-Schwellen. 35 694 20 369 15 630 Eisenbahnschienen....... 219 108 149 672 80 542 Luppeueiscn, Rohschienen, Jngots. 330 283 262 494 48 264 Stabeisen.......... 182199 173 017 136 609 Platte» und Bleche...... 146 899 132 080 117 616 Eisendraht roh........ 81 634 76 962 71 634 Eiscndraht. verkupfert je..... 42 797 41837 39 735 Ganz grobe Eisenwaren..... 90 169 72 479 66 847 Grobe Eisenwaren....... 147 584 134 089 116 975 Feine Eisenwaren....... 25 569 22 080 21 927 Am stärksten hat demnach der Export von Roheisen, Eisenbahn« schienen, Luppeneisen, Rohschienen und Jngots zugenommen. Bochumer Gusistahlvcrcin. Der Verwaltungsrat beschloß in seiner heute abgehaltenen Sitzung, der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 7 Proz. vorzuschlagen. Der Brutto- gewinn beträgt 3,6 Millionen Mark, die Abschreibungen circa 1,6 Millionen Mark, so daß ein Reingewinn von ungefähr 2 Millionen (im Vorjahre 2,1 Mill.) verbleibt. � Noch vor kurzem wurde von der Direktion die Verteilung einer Dividende von 5— 6 Proz. in Aussicht genommen. Welch« Gründe inzwischen die Verwaltung zur Festsetzung einer höheren Dividende vcranlaßten, das ist nicht ersichtlich. Die Anzahl der Notendanken, d. h. der Banken, die daS Recht haben, eigne Banknoten auszugeben, schrumpft immer mehr zu» sammen. Als das Bankengesetz vom Jahre 1375 erlassen wurde, gab es 33 Banken mit dem Notenausgaberecht. Ende der achtziger Jahre war die Zahl auf 16 zusammengeschrumpft. Das neueste statistische Jahrbuch weist, nachdem auch die Bank für Süddeutsch- land aus der Reihe ausgeschieden ist, nur noch sechs solcher Banken nach, und zwar neben der Reichsbank die Bayrische Bank, die Sächsische Bank, die Württcmbergische Notenbank, die Badische Bank und die Braunschweigische Bank. Noten zu 100 M. geben alle diese Banken aus. zu 500 M. nur die Sächsische und zu 1000 M. nur die Reichsbank. Der Geheime Kommerzicnrat Victor Hahn von der Firma Eduard Rocksch Nachf. ist heute mittag wegen Verfehlungen gegen das Depot- Gesetz in Dresden verhaftet worden. Tie größten deutschen Dampfer. Die größten deutschen Dampf- schiffe messen 12 000— 20 000 Rcgistertons und sind also um ein Mehrfaches größer als die größten Segelschiffe. An der Spitze steht seit kurzem der Llohddampfer„Kaiser Wilhelm II." mit circa 20 000 Tons. Ihm folgt der jahrelang größte und bis zur Stunde noch schnellste Dampfer„Deutschland" der Hamburg-Amerika-Linie, der 16 502 Tons mißt. 2 Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd, der„Kronprinz Wilhelm" von 14 908 Tons und der„Kaiser Wilhelm der Große" von 14 349 Tons, schließen sich der Hamburger „Deutschland" an. Dann kommen unmittelbar mit 13 424 bis 13 193 Tons die vier riesigen Passagier- und Frachtdampfer der P-Klasse der Hamburg-Amerika-Linie:„Patricia",„Pennsylvania". „Pretoria" und„Graf Waldersee". Fast so groß wie der letztere ist der Reichs-Postdampfer„Großer Kurfürst" des Norddeutschen Lloyd. 13 182 Tons. Mit 12 430 Tons folgt der Dampfer„Kaiser Friedrich". Eigentum der Elbinger Werft von Schichau, und mit je 12 333 Tons machen die beiden neuen Schwesterschiffe der Ham» burg-Amerika-Linie, die Postdampfer„Moltke" und„Blücher", den Beschluß der 12 000— 20 000 Tons großen Dampfer der deutschen Tilttdelsmarine. Es sind insgesamt 12 Dampfer, die fc»zu vechnen, und bis auf ein von der Werft noch nicht verkauftes Schiff sämtlich im Besitz der Amerika-Linie und des Norddeutschen Lloyd sich be- finden._ GewcrkfcbaftUcbeö» Berlin und Umgegend. Achtung. Holzbildhauer! In der Bildhauerei von Paul Dietzel, Gr. Frankfurterstr. 16. haben infolge Maßregelung eines Kollegen drei Mann die Arbeit niedergelegt. Wie so oft schon gab es am Sonnabend wieder nur einen Teil des Lohnes, und wurde dem einen Kollegen ob seiner Vorstellungen die Bekanntschast mit dem.Knüppel" in Aussicht gestellt. Da die Behandlung seitens des Priuzipals in letzter Zeit besonders zu wünschen übrig ließ und auch der Lohn nie voll ausgezahlt wurde, erklärten sich die andern Kollegen solidarisch. Die Werkstatt ist bis auf weiteres unbedingt zu meiden. Auch Annoncen unter Emil Schmidt Nachf., Gr. Frankfurterstr. 16, sind nicht zu beachten.' Die Ortsverwaltuug. Der Streik der Müllkutscher und Schaffner bei der Firma Rhörike u. Co., Alt-Moabit ist beendet. Nach einem von der Direktion an die Organisation gerichteten Schriftstück fand am Dienstagabend abermals eine Verhandlung statt, welche zur beider- seitigen Zufriedenheit zur Beendigung der Arbeitsniederlegung führte. Die Arbeit wird am Donnerstagmorgen wieder aufgenommen, gegen die Verbandszugehörigkeit der im Betriebe beschäftigten Personen hat die Direttion nichts, alle etwaigen eintretenden Differenzen im Be- triebe werden durch einen Arbeiterausschutz mit der Direktion erledigt. Metallarbeiter. Bei der Firma Heine u. Seifert in Hirsch- b e r g in Schlesien streiken die Mctallformer, Metalldreher, Schlosser usw. Der Meister Habckus, welcher stüher bei Speirer in Rixdorf war, jetzt aber in Hirschberg Meister ist, ist in Berlin auf der Suche nach Streikbrechern. Also die Augen auf. Kollegen I Zu- zug ist streng fernzuhalten. Gewerkschaften CharlotteiibnrgS! Die Adresse des Obmannes der Charlottenburger Gewerkschaftskommission ist: Karl Steinigt, Rückerstr. 9. Mit den Kassengeschäften wurde Franz Jost, Spandauer Berg 7, beauftragt. Der Ausschutz der Charlottenburger Gewerkschaftskommission. Oeutkcdcs Keid». lleber den Verlans der Bnuarbeiter-Anssperrung in Kassel wird uns von dort geschrieben, datz nunmehr die in Betracht kommenden Gewerkschaften im GewerkschastshauS der Kasseler Arbeiter, dem„Bunten Bock", ihre Bureaus eingerichtet haben. Aus Mangel an Räumlichkeiten mutzten die Situationsberichte der einzelnen Branchen hintereinander entgegengenommen werden. Den Anfang machten die Maler und Weitzbinder. Ihre Berufsorganisation hatte bis zur Stunde 319 Ausgesperrte zu verzeichnen, während 169 weiterarbeiteten. In dieser Versammlung wurde die Mitteilung gemacht, datz eine Reihe bisher organisierter Kollegen sich unter den Weiterarbeitenden befinden. In der darauf folgenden Zimmerer- Versammlung wurden durch die aufgenonmiene Statistik 169 ausgesperrte Zimmerer ermittelt,'währenddem ungefähr ebensoviele von der Aussperrung nicht betroffen wurden. Die Zimmerer haben mit ihren Kasseler Arbeitgebern einen Arbeitstarif-Bertrag abgeschlossen, der noch bis zum 1. April 1997 laufen sollte. Seitens des zweiten Verbands- Vorsitzenden Ecke-Hamburg wurde darauf hingewiesen, datz angesichts der erwähnten Thatsachen nicht nur ein brutaler Gewalt- akt, sondern auch ein schmählicher Wortbruch seitens der Unternehmer vorliege. Man wolle die einzelnen Bauberufe durch den Hunger dazu zwingen, zu veranlassen, datz die streikenden Schreiner ihren Unternehmern willenlos zu Kreuze kriechen. Dieser Versuch einer indirekten Einlvirkung auf die Schreiner durch die Zimmerer, im Sinne des Unternehmertums zu Henkersknechten an ihren Arbeits- brüdern zu werden, sei jedoch ein verfehlter. Die Zimmerer be> fänden sich heute in der Abwehr; sie würden sich durch eine allge- meine Arbeitsniederlegung nicht in die Anariffsstellung drängen lassen. Doch müsse das AussperrungSacbiet so schnell wie möglich von brachliegenden Arbeitskräften entlastet werden. Es handle sich um Sein oder Nichtsein der Organisationen I In der Maurerversammlung wurde eine Statistik auf- gemacht, laut welcher 123 Bauten vorhanden sind, die von 66 Unter- nehmern mit 67 Polieren, 1988 Maurergesellen nebst 126 Lehrlingen und 699 Arbeitsleuten ausgeführt werden. Aon den Maurern gc- hören 917 dem Centraiverband an, 81 der christlichen Organisation und 99 sind unorganisiert. Eine genaue Ziffer der Ausgesperrten war noch nicht zu erlangen, doch dürfte sich ihre Zahl nach neueren Schätzungen auf etwa 799 belaufen. Die Frage, ob die Aussperrung mit Lohn- forderungen beantwortet werden solle, kann definitiv erst in der Dienstagabend stattfindenden Vcrsmnmlmig entschieden werden. Der Tarifvertrag der Maurer, den sie mit den Unternehmen! abgeschlossen haben, sollte vom 1. Januar 1992 bis 1995 laufen, und cS lätzt sich erklären, datz angesichts des treulosen Wortbruchs der Unternehmer auch den Maurern gegenüber die Stimmung der Ausgesperrten eine ziemlich erregte ist. Von den Dachdeckern sind vorderhand 97 ausgesperrt. Viele von ihnen wurden in der Arbeit belassen, trotzdem sie organisiert sind. Einen Beschlntz in Bezug auf ihr Verhalten werden die Dach- decker erst in der nächsten Versammlung fassen. Die Unverheirateten unter den Ausgesperrten werden veranlaßt, Kassel zu verlassen. Die Bau- und Erdarbeiter hielten ihre Versannnlung erst am Dienstag ab. Von ihnen sind 249 ausgesperrt, während L59 organisierte und 239 unorganisierte Bau-Hilfsarbeiter nicht aus- gesperrt.wurden. Viele der ausgesperrten Steineträger stehen zu den Unternehmern insofern im Vertragsverhältnis, als sie bis zur Fertigstellung des betreffenden Baues angenommen wurden, an welchem sie arbeiteten. Diese werden ihre Unternehmer für den ihnen durch die Aussperrung entgehenden Lohn haftbar machen. Von den Bau klempnern sind bisber noch keine aus- gesperrt worden, obwohl es zuerst anders hieß. Dagegen sind noch fünf Steinmetzen ausgesperrt. Die Zahl der Ausgesperrten dürfte wahrscheinlich noch mancherlei Schwankungen unterworfen bleiben. Die Aufnahme der Statistiken ist mit gröberen Schwierigkeiten verknüpft, als man anfänglich glaubte. Die Taksik der Unternehmer geht augenscheinlich dahm, mit dem nicht ausgesperrten Personal die wichtigsten Arbeiten fertig .zu machen und dann auch den»lest der Arbeitenden auszusperren. Dienstag, den 28. Juli, fand übrigens wiederum eine Vorbesprechung vor dem Gewerbegericht als Einigungsamt statt. Stadtsyndikus Dr. Brunner hat seinen Sommerurlaub um 14 Tage abgekürzt bezw. unterbrochen und macht nunmehr den dritten Versuch, den Schreiner- streik durch gütlichen Vergleich aus der Welt zu schaffen. Bis zur Beendigung der Bewegung werden jedoch die Arbeiter aller Bau- brauchen auf das dringendste aufgefordert, Kassel zw meiden und Zuzug strengstens fernzuhalten. Steinsetzer. Der Streik in Dessau ist beendet, sämtliche Ent- lasienen sind wieder eingestellt worden. Uebcr den Umfang des Wagennullens im Ruhrrevier äußerte sich in einer stark besuchten Versammlung der Bergleute des Essener Bezirks der Genosse Hue wie folgt: Bekanntlich flietzt im Ruhrgebiet der Betrag für die genullten Wagen in die U n t e r st ü tz u n g s k a s s e n der Zechen. In den Be- richten der Berg-Jnspektionen findet man einigen Aufschluß über das Vermögen dieser Kassen und von diesem lätzt sich auf die Zahl der genullten Wagen schließen. Vom Essener Revier wird da berichtet: Vermögen der Unterstützungskassen in Süd-Essen 394 999 M. I Ost- Essen über 128 999 M. Im Revier Obcrhausen ist nur die Aus- gäbe angegeben mit 286 999 M. Es kann also dort mit einem Vermögen von 399 999 M. gerechnet werden, da etwa der vierte Teil des Vermögens als Ausgabe bezeichnet werden kann. Auf Zeche Konstatin der Große flössen voriges Jahr 17 999 M. in die Unter- stützungskasse. Auf Zeche Hannover, eine Kruppsche Zeche, 19 999 M. In Süd-Essen nahmen die Unterstützungskassen 96 799 M. ein, davon 47 999 M. für genullte Wagen! Ungeheuerlich wirkt dieses Nullen der Wagen mif die Löhne I Arbeiter der Zeche Graf Beust, auf welcher bekanntlich besonders stark genullt wird, er- klärten:„Wenn nicht bald andre Zustände kommen, dann mutz der Kampf losbrechen t" Auf Zeche Matthias wurden am Montag drei Kameraden von 12 Wagen 19 genullt; der Wägen 1,29 M.. macht 12 M., welcher Bettag den drei Arbeitern entzogen wurde. E s k o m m t v r, d a tz täglich über 199 Wagen genullt werden. Aus Zeche Gustav, dem Lcichenschacht, wie man ihn nennt, steht das Nullen in Blüte. Auf Zeche Herkules werden täglich 39 bis 69 Wagen genullt. Man kann annehmen, datz so im Essener Revier jährlich den Bergarbeitern über 199 999 M. an Lohn entzogen werden, ohne datz für die Arbeiter die Mög- lichkeit besteht, das Nullen zu kontrollieren. Noch einige Zahlen von andren Ruhrzechen. Auf Engelsburg sind 1992 bei rund 999 Mann Belegschaft, also 469 eigentlichen Kohlcngewinneru, 3413 M. für Wagenullen abgezogen worden; dazu kommen noch Exttastrafen für„wiederholte Fälle". Zeche Neu- Iserlohn nahm 1991 an Strafgeldern den Arbeitern 2692 M. ab, 1992 aber 4994 M., darunter 2869 M. auf dem Wege des Nullens. Auf Zeche Prosper wird nicht nur mächtig genullt, sondern an Extra- strafen für„unreine Förderung" sind hier allein vom 14.— 39. Mai dieses Jahres 367 Arbeiter mit zusammen 636 M besttaft worden; den Lohnausfall an genullten Wagen hinzugerechnet, kommen wir an über 1999 M. Lohnabzug für den Monat. Die Zeche Königsgrube beschäftigt etwa 1799 Mann, davon ungefähr 869 vor der Kohle. Diesen wurden allein im März d. I. 1422 Wagen genullt. Vom 3. bis 29. November v. I. sind auf Minister Achenbach einer Kameradschaft von 19 Mann nicht weniger wie 368 Wagen von 336 genullt worden. Allein der Morgenschicht auf Zeche Amalie sind iin Dezember 849 Wagen genullt Ivorden. Täglich kommen zu uns auf das Bureau Kameraden und klagen bitter. wie ihnen durch das Nullen der sauer verdiente Lohn geraubt würde. Wenn sie glauben, nach vollbrachter harter Schicht einen anständigen Lohn verdient zu haben, dann sehen sie am Schacht, daß ihnen sehr oft der größte Teil der Wagen genullt sind. Nachprüfung giebt es nicht, Kontrolle des Nullens auch nicht; das Gedinge ist so niedrig gestellt, datz gewühlt werden mutz, infolge dessen bei dem mangelnden Licht das Einwerfen von Steinen in den Hunt einsa/h unvermeidlich ist. Und dabei die geringen Löhne I Auf Zeche Graf Beust, Flötz Ida, gab es 1999 für den Wagen 79 Pf., heute 36 Pf.» also genau die Hälfte! Auf Königin Elisabeth 1999: 1,19 M.. heute 89 Pst; im Pfeiler 1999: 79 Pf., jetzt 46 Pf. Metergelder giebts nicht nur im Essener Revier nicht mehr, sondern fast allgemein nicht. Für Wettertücher anbringen und verschiedene andre Nebenarbeiten erhielt der Arbeiter früher eine Vergütung, heute giebts vielfach nichts mehr. Früher wurde die Zimmerung von besonderen Mannschaften gemacht, heute gehört sie in vielen Fällen zum Gedinge. Di c s e Zustände sind auch ein Grund der steigenden Zahl der Un- fälle. Es ist heute, weil die Löhne auf alle Weise gedrückt werden, in den Gruben die reine Hetzjagd; jeder Arbeiter sucht auch durch unsinniges Schuften herauszuschlagen, was eben möglich ist. Es ist also nur zu erklärlich, datz sich die Unfallziffer vergrößert. Und bei all den eingerissenen Mihständen wird von den Arbeitern auch noch eine bessere Qualität der Förderung verlangt. Agenten sollen neue Arbeiter ins Ruhrgebiet holen, den Zuzüglern werden Ndonatslöhne von 189— 299 M. vorgeschwindelt. Thatsächlich gehen jetzt tausende und abertausende Ruhrbergleute, Hauer, mit Monatslöhnen weit unter 199 M. nach Hause, die Kohlenpreise bleiben aber so hoch wie ftüher. Wenn das nicht schließlich zum Bruch kommt, dann haben daran die Herren sicherlich kein Verdienst, sondern andre Leute, die bemüht sind, diese skandalösen Zustände auf möglichst ruhigem Wege aus der Welt zu schaffen. Auf einer Konferenz der Metallarveiter Bayerns, die in Nürnberg stattfand, wurde beschlossen, für Bayern einen be- zahlten Gauleiter anzustellen. Dafür stimmten 37 Delegierte mit 8976 Stimmen, dagegen 21 Delegierte mit 4283 Stimmen, ein Delegierter mit 97 Stimmen enthieft sich der Abstimmung. Die Stelle wird in der„Metallarbeiter-Zeitung" zur Bewerbung aus- geschrieben, lieber die Bewerbungen entscheidet eine sünsgliedrige Kommission. Vis zur Wahl des Gauleiters bleiben die beiden Agitationskommissionen in Funktion. Vorher tagte eine Vorkonferenz der Schläger, die ebenfalls be- schloß, einen Beamten anzustellen, der speciell Schlägerangelegen- heften zu behandeln und zu erledigen hat. Die Kosten werden da- durch aufgebracht, datz jedes männliche Mitglied der Schläger- organisationen 3 Pf., jedes weibliche Mitglied 2 Pf. Extrabeitrag zu entrichten hat. Die Stelle wird im Schläger-Fachblatt zur Be- Werbung ausgeschrieben. ftiusland. 3599 Maurer und Handlanger stehen in Genf im Streik. Da sie sich um das bekannte Antistreikgesetz nicht kümmern, hat die Ne- gierung nicht nur den Anschlag der Streikproklamation verboten, sondern auch diese selbst konfisziert, und zwar darum, weil sie jenes Gesetz für zwecklos erklärte. Die Regierung will trotzdem den Streitfall vor das durch jenes Gesetz vorgesehene Schiedsgericht bringen, auch die Unternehmer wollen das. allein die Streikenden lehnen es unter dem unheilvollen anarchistischen Einfluß ab und begehen dadurch den größten taktischen Fehler. Dabei sind von den 3699 Streikenden nur 399 organisiert und demgemäß werden die verfügbaren Geldmittel gering und unzulänglich sein. Zahlreiche ledige Streikende sind abgereist, die zurückgebliebenen erhalten keine Baruntcrsttitzung, sondern nur Unterstützung in Naturalien, zu welchem Zwecke eine für 1299 Personen berechnete grotze Küche errichtet worden ist. Die Urheber des Streiks sind nach dem „Grütliancr" die Anarchisten, die ain liebsten wieder einen General- streik hätten. Da es sich bei den Streikenden meistens um Ausländer, Italiener und Franzosen, handelt, befürchtet das genannte Blatt, namentlich im Hinblick auf die hartnäckige Mißachtung des Anti- streikgesetzes, die Massenausweisung derselben, eventuell„wegen Mittülosigkcit". Es ist sehr bedauerlich, datz sich die Socialisten in Genf derart die Anarchisten haben über den Kopf wachsen lassen. Das Ergebnis der MasscnauSsperrung in Schweden. Die schwedischen Eisen- und Metallindustriellen haben mit ihrer brutalen Matzreael, die augenscheinlich auf die Erdrückung der Arbeiter- organisation abzielte, nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Die Be- diugungen, unter denen die Aussperrung am Montag den 3. August wieder aufgehoben wird, schließen die Anerkennung der Arbeiter- organisation als vollkommen gleichberechtigten Faktor in sich. Das Verhandlungskomitee hat am Montagabend Beschlüsse gefatzt, die ge- eignet erscheinen, den Frieden zwischen Arbeitgebern und Arbeit- nehmern der schwedischen Eisen- und Metallindustrie auf die Dauer zu sichern. Der Lohnkonflikt in Hvilans mechanischer Werkstatt in Kristiansstad, der den Unternehmern als Anlaß zur Aussperrung' diente, soll durch ein Schiedsgericht erledigt werden, das aus fünf Personen bestehen soll, wovon zwei von den Mit- gliedern der Werkftait-Vereimgung, zwei� von den Mitgliedern der Arbeitcrorganisattonen in Stockholm gewählt werden sollen. Diese vier wählen einen Vorsitzenden und im Falle hierbei Stimmengleich- heit eintritt, entscheidet das Verhandlungskomitce über dessen Wahl. Dieses Schiedsgericht soll spätestens bis zum 12. August seinen Schieds- sprnch, der für beide Parteien bindend ist, fällen. Die Löhne, die das Schiedsgericht für die in Betracht kommenden Gießer fest- setzt, sollen bereits vom Tage der Aufhebung der Aussperrung an gelten. Zur Lösung des LohnkonflittS in K o ckum s mechanischer Werkstatt in Malmö soll ein Verhandlungskomitee ein- gesetzt werden, das aus je drei Vertretern der beiden Parteien und je einem Vertreter der Werkstattvereinigung und des Eisen- iind Metallarbeiter-Verbandes gebildet wird und seinen unparteiischen Vorsitzenden selbst wählt. Die Sttcitfragen sollen bis zum 22. August entschieden sein und wenn das nicht gelingt, soll der Konflikt wiederum dem Verhandlungs« komitee in Stockholm überwiesen werden. Auch für die übrigen Konflikte bei den der Werkstatt-Vereinigung angehörenden Unter- nehmern wurden in gleicher Weise gebildete besondere Verhandlungs- komitees eingesetzt und ebenso der 22. August als der letzte Tennin für die Lösung der Stteitftagen bestimmt. Es kommen hierbei in Bettacht: Lohnforderungen der Gießer in Göte- borg und Umgegend und der Holzarbeiter in „Södertelje-Werkstätten"in„LandSkrona Gießerei- Aktiengesellschaft" und in„LandSkrona neuer mechanischer Werkstatts-Aktiengesellschaft". Die Arbeit soll am Montag auf allen von der Aussperrung und Arbeitseinstellung berührten Werkstätten wieder aufgenommen werden. Weder von Arbeitgeber- noch von Arbeiterseite dürfen an- läßlich der Konflikte Repressalien irgend welcher Art in Anivendung gebracht werden. Die Beilegung von in Zukunft entstehenden Differenzen und die Vorbeugung von Streiks und Aussperrungen betreffend wurde folgender Beschluß gefaßt: „Das Verhandlungskomitee spricht sich einstinunig dahin auS, daß es wünschenswert ist. daß so bald wie möglich ein detailliertes Uebereinkommen zwischen den Organisationen der Arbeitgeber und Arbeiter zu stände kommt, darauf hinausgehend, datz auftauchende Streitftagen so weit wie irgend möglich auf ftiedlichem Wege durch Verhandlung, Vermittlung oder Schiedsspruch gelöst werden. Zur Ausarbeitung von Gutachten und Vorschlägen diese Angelegenheit betteffend soll vom VerhandlungSkomitee ein besonderes Komitee von 6 Personen eingesetzt werden." Sociales. Die bis ins hohe Alter gesicherte Existenz der deutschen Arbeiter kann nicht beißender ironisiert werden, als indem wir folgenden unS vorgelegten Beschluß des KreisauSschusies zu Grätz abdrucken: Der Kreisausschutz. m~~ u v-j tm• J.-B, 929/93 Kt. Graft, den 14. Mal 1993. Es wird gebeten, in der Antwort vorstehende Nummer anzugeben. Beschlutz. In der Armenpflege-Beschwerdesache des Totengräbers StaniS- laus Sropka in Niepruschewo wider den Ortsarmen- Verband da- selbst hat der Kreisausschuß des Kreises Grätz in seiner heutigen Sitzung: in Erwägung, datz der 56 jährige Beschwerdeführer zwar vor 22 Jahren die rechte Hand verloren hat, daß er aber infolge Gewöhn ung fl) sogar schwere Arbeiten wie Mähe», Holzspaltcn, Kartoffel- ausgraben verrichten kann, in Erwägung, datz er als Totengräber jährlich etwas über 79 Mark ver- dient, außerdem Bälgetrcter ist nnd sich gelegentlich mit Fisch- fang beschäftigt, in Erwägung, datz seine 46 jährige Eheftau und die im Haushalte befindlichen Kinder im Alter von 18 und 16 Jahren gesund und rüstig sind und auf Arbeit gehen, während nur noch ein erwerbsunfähiges Kind von 19 Jahren im Haushalt ist, in Erwägung, datz hiernach keine Veranlassung vorliegt, die öffentliche Armen- pflege eintreten oder weiter bestehen zu lassen, beschlossen, die eingelegte Beschwerde als unbegründet zurückzuweisen. Dieser Beschlutz ist endgültig. Der Kreisausschutz. gez. Boitze. Wir enthalten uns jeder Kritik dieses von socialem Empfinden triefenden Beschlusses. Sie könnte nur derart ausfallen, datz sie unsren veranttuortlichen Redakteur bei den bestehenden Rechtsverhältnissen auf sechs Monate hinter schwedische Gardinen brächte. Aber wir resümieren noch einmal, der Beschlutz weist es zurück, einem 56jährigen Arbeiter, welcher die rechte Hand verloren hat und jährlich etwas über 79 M. verdient, eine Unterstützung zukoinmen zu lassen. Welchen Stimmzettel mag der Mann mit der ihm verbliebenen linken Hand abgegeben haben? Versammlungen. Sechster Wahlkreis. In der Versammlung des Socialdemo- kratischen Wahlvereins, die am Dienstag bei Wernau in der Schwedterstratze tagte, hielt Genosse Dr. Lauffenberg einen sehr interessanten und lehrreichen Vortrag über das Thema: Aus der deutschen Urzeit. Auf Grund der Ergebnisse der ver- gleichenden Sprachforschung erläuterte der Redner den Ursprung unsres Volkes sowie seine verwandtschaftlichen Beziehungen zu andren Völkerstämmen, und zeigte, gestützt auf die historischen Ueber- lieferungen Casars und des Tacitus, wie sich Familie und Eigen« tumsverhältnisse bei den alten Germanen entwickelt haben- und auf dieser Grundlage die politischen Zustände, und wie danach auch die Urgeschichte unsres Volkes einen Beweis für die Richtigkeit von Marx Auffassung der geschichtlichen Entwicklung bildet. Der Vorsitzende Frey thaler knüpfte an den Vortrag die Bemerkung, daß im Wahlverein, soweit nicht aktuelle politische Fragen vorliegen, des öfteren über derartige geschichtliche Themata gesprochen werden solle. Beim Punkt„Verschiedenes" wurde von Mars, Wernau und andren Genossen zur Einsichtnahme in die am Donnerstag zum letztenmal ausliegcnden Wählerlisten zur Stadtverordneten-Wahl aufgefordert. Mars führte hierzu aus, datz die Listen sehr mangelhaft aufgestellt seien, und führte ferner einen Fall cm, wo einer der die Namen nachsehenden Beamten hierbei sehr nachlässig vorging. Datz die Wählerlisten für ganz Berlin nur in dem für diesen Zweck übrigens viel zu kleinen Zimmer 67 in der Poststr. 16 ausliegen, wurde als ein schwerer Mißstand bezeichnet, der dringend der Abhilfe bei kommenden Wahlen bedarf. Der Vorsitzende machte schließlich noch bekannt, daß in der zweiten Hälfte des August die Generalversammlung des Wahl- Vereins stattfindet, und forderte die Mitglieder, welche Anttage stellen wollen, auf, sie rechtzeitig dem Vorstande einzureichen. Letzte jVadmehten und Depcfcbcn. Durch einen Sturz aus dem Fenster ihrer im dritten Stock des Hauses Lützowstrahe 49 belegenen Wohnung versuchten gestern abend zwei Damen sich das Leben zu nehmen. Beim Herannahen der Feuerwehr, die von Passanten, welche das auffällige Gebühren der beiden Damen beobachtet hatten, requiriert worden war, stürzten sie sich gemeinsam aus dem Fenster und wurden schwer verletzt nt das nahegelegene Elisabeth-Krantenhaus überführt. Koblenz. 29. Juli. In dem der United States Cartridge Company gehörigen Patronen- Lagerhaus zu Tewkesbury fand eine Explosion statt. Nach der bisherigen Schätzung sind 26 Personen u ms Leb e n gekommen und etwa 59 verletzt worden. Durch die Explosion wurden die Häuser in einem llmreis von einer halben Meile beschädigt. Verantwortl-Redatteur: Julius Kaliskt in Berlin. Inseratenteil verantwortlich JÜUl.| ivvvj*»vvirjiv,----- I--- U"" I v•-.................------~y"_ Th«Glocke in Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.Verlag»anstaItPa»l Singer ätEo., Berlin LtV. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsblatt. Nr. 175. 20. Jahrgang. Stiliit iifü Juimirts" Sttlintt SilksdlM Donnerstag, 30. Juli 190Z. Lokales. Im„Bund für Mcnfchcnrechtc" wurde am Dienstag der Fall H ü s s e n e r besprochen. Die öffentliche Versammlung, die man zu diesem Zweck nach dem Saal der„Germania" in der Chausseestrahe einberufen hatte, war trotz des Juliwetters nicht schlecht besucht. Der„Bund für Menschenrechte" ist ein neues, in den weitesten Kreisen unbekanntes Vereinchen, aber die Erregung über die Hüssener-Affaire hatte den Veranstaltern der Versammlung den Saal ziemlich gestillt. Unter den Erschienenen waren auch viele Socialdemokraten. Den einleitenden und infonnierenden Vortrag zu galten, hatte sich unser Parteigenosse Rechtsanwalt Viktor Fränkl in zu weit gehender Gutmütigkeit bereit finden lassen. Der Redner kennzeichnete die That des Marinefähnrichs Hüssener und das gegen ihn ergangene Urteil des Kriegsgerichtes als Erzeug- nisse des Militarismus. Bei aller Entrüstung über jene entsetzliche That. aller Verwunderung über dieses milde Urteil sei doch beides im Grunde genommen durchaus begreiflich. Genosse Fränkl stellte neben den Fall Hüssener einige andre „Fälle", in denen bürgerliche Gerichte zu entscheiden hatten und die merkwürdig st en Urteile fällten. Er er- inncrte an die furchtbaren Strafen, die eben erst aus Anlah des Bromberger Streikkrawalls gegen ehrliche Arbeiter verhängt worden sind; an die lammesgeduldige Behandlung, deren sich der antisemitische Dreschgraf Pückler vor Gericht erstellen durfte, sowie an die Begnadigung, die dem wegen vorsätzlicher Zer- störung einer Feldbahn Verurteilten schließlich gewährt worden ist; an das kürzlich in Berlin gegen ein paar Arbeiter ergangene harte Urteil wegen Zerstörung einer Büste, die zufällig eine Kaiserbüste war; an die aufsehenerregenden Entscheidungen in Majestäts- beleidigungsprozesscn, die für socialdemokratische Redakteure fast stets mit Venirteilung zu Gefängnisstrafe enden, während man einen Hüssener nur auf Festung zu schicken für gut befunden hat. Der Vortragende beleuchtete die tiefe Kluft, die zwischen der Handhabung der Justiz und dem Rechts- bewuhtsein des Volkes besteht, und forderte für das Strafgesetzbuch wie für die Strafprozeh-Ordnung eine gründ- liche Refonn. Die Versammlung hätte zu einem kraftvollen Protest gegen die Mängel unsrer Rechtspflege wie gegen die Auswüchse des Militarismus werden können, aber durch die seichte und rasch in persönliche Zänkerei ausartende Diskussion wurde sie zu einer schwächlichen Veranstaltuilg einiger unklarer Köpfe. Der„Bund für Menschenrechte" ist die Gründung einer Handvoll junger Leute, die in der Mehrzahl sich für Socialdemokraten zu halten scheinen, aber eine Besserung unsrer Zustände ohne die Socialdemokraste und überhaupt ohne Hilfe einer politischei' Partei herbeistihren zu können glauben. So haben wir wenigstens die manchmal etwas krausen Ausführungen aufgefaßt, die im Laufe des Abends von verschiedenen Rednern über die Ziele des„Bundes für Menschenrechte" gemacht wurden. Der Leiter dieser Spielerei trug mit komisch wirkendem Ernst die Ansicht vor, was hier von den Jungen begonnen worden sei, werde später von den Alten, dcuen man dann gern den Platz räumen ivolle, weitergeführt werden. In seinem Schlußwort erklärte der Referent, daß er deni Bunde selbst ganz fern stehe, aber gerade als Social- deniokrat es für seine Pflicht gehalten habe, dem an ihn ergangenen Ruf, über das stagliche Thema zu sprechen, zu folgen. Die wahre Verwirklichung der Menschenrechte könne nur die Social- demostatie bringen. Inkraftsetzung der BerkehrSbestimmungen der Hochbahn. Die neuen Verkchrsbcstimmungen der elektrischen Hoch- und Untergrund- bahn werden am 1. August in Kraft gesetzt.§ 4 bestimmt: Die Bahnvcrwaltung behält sich daS Recht vor, die von ihr eingeführten Fahrtausweise(Fahrkarten) jederzeit bezüglich ihrer Ausführung zu ändern und die bereits verkauften alten Fahrkarten nach vorher er- folgtcr Bekanntmachung an den auf den Haltestellen befindlichen An- schlagtafeln von einem bestimmten Tage ab für ungültig zu erklären. In solchen Fällen erfolgt von dem in der betreffenden Bekanntmachung bezeichneten Tage ab au den Schaltern der Umtausch bereits vorher Päpstlicher Umsturz. Bor wenigen Wochen, als der verstorbene Papst schon zwischen Leben und Tod schwebte, hat der Kölner Kardinal- Erzbischof nach berühmten Mustern eine politische Rede gehalten, die unter den Umständen nicht allein als das politische Glaubensbekenntnis des Sprechers, sondern als so eine Art von politischem Testament Leos XHL anzusehen ist. Als Erzbischof Fischer am 7. Juli in Köln zu wiederholten Malen das Bündnis zwischen Staat und Kirche, da? Zusammenwirken von Kreuz und Schwert zum Kampf gegen den Umsturz— für die„gottgewollte Ordnung" proklamierte, da berief er sich ausdrücklich auf die dem Kaiser gegenüber zum Ausdruck gebrachte Versicherung des. verstorbenen Papstes, daß die deutschen Katholiken„als brave Katholiken treue Unterthanen seien. ergeben dem Reich, dem Kaiser und dem kaiserlichen Haus". Die Hunderttausende deutscher Katholiken, die demgegenüber durch ihre Zugehörigkeit zur Socialdemokraste bekunden, daß sie in der Monarchie keineswegs die gottgewollte Staatsordnung, sondern eine geschichtlich gewordene und darum vergängliche Einrichtung er- blicken, diese Katholiken brauchen keineswegs um ihre Seelenheil be° sorgt sein. Denn sie können sich für ihre Auffassung nicht allein auf die laute Sprache der historischen Thatsachen berufen, sondern außerdem auf einen katholischen Ge- währsmann, dessen Autorität mindestens ebenso_ schwer wiegt, wie die des verstorbenen Papstes: auf de» Papst Gregor VII. Leo XHI. mag vielleicht noch für heilig erklärt werden, Gregor Vll. dagegen gehört schon seit mehr denn drei Jahrhunderten zu den an- erkannten Heiligen der katholischen Kirche. Dieser unanfechtbare Gewährsmann aber ist weit entfernt davon, im Königtum die gott- gewollte Ordnung zu erblicken, sondern erkennt in ihm„eine Wurde, welche von weltlichen Menschen, die Gott nicht kennen, erfunden ist". So steht es mit dürren Worten in einem Schreiben zu lesen, das Gregor VH. am 15. März 1081 an Bischof Hermann von Metz richtete. Und eS kann mcht gesagt werden, daß der Brief bloß eine vorübergehende Stimmung zum Ausdruck bringe oder gar eine litterarische Entgleisung des Papstes darstelle. Wenig später hat er ihn nämlich als Rundschreiben uir- verändert an sämtliche andern deutschen Bischöfe versandt. Jene Bewertung der Monarchie als rein menschlicher Erfindung ist noch nicht das Radikalste in der denkwürdigeir Urkunde. Ein Stückchen weiter findet sich sogar eine Herleitung des Königtums anstatt von Gottes Gnaden— von Teufel.„Wer weiß denn nicht," ruft Gregor der heilige,„daß der Könige und Fürsten Ur- sprung und Abkunft von denjenigen herrührt, die von Gott nichts wußten, sondern mit Hoch- mut, Raub, Hinterlist, Mord, kurz durcki Ver- brechen aller Art. angestiftet von dem Fürsten dieser Welt, nämlich dem Teufel, über ihres Gleichen. dieMenschen. zu herrschenmit blinder Begier und unerträglicher Anmaßung getrachtet haben?" So mußte sich aber Gregor XU. aussprechen, wenn seine Worte zu seinen Thatcn stimmen sollten; denn diese Thaten waren vom Standpunkt des monarchischen LegitimiSmus, wie wir ihn heute von katholischen Kirchenfürsten als Rezept gegen den Umsturz predigen hören, umstürzlerisch im vollsten Sinne des Wortes. Damit steht Gregor VII. durchaus nicht allein unter den Jnhabem gelöster Fahrkarten gegen die neuen Fahrtausweise. Ferner wird be- stimmt: Der Verkauf von Fahrkarten wird 2 Minuten vor Abfahrt des letzten Zuges jedes Betriebstagcs nach der in Frage kommenden Fahrtrichtung eingestellt; das gleiche gilt für den Verkauf der Früh- Verkehrskarten zu den letzten Frühzügen. Die Bahnsteige der Halte- stellen sind zum Zwecke der Fahrkartenprüfung abgesperrt; die Fahr- karten sind beim Betreten des Bahnsteiges dem Fahrkartenschaffner zur Durchlochung zu übergeben, während der Fahrt aufzubewahren, den prüfenden Beamten auf Verlangen auszuhändigen und beim Ver- lassen des Bahnsteiges unaufgefordert abzugeben. Zur Fahrt benutzte Zuschlagkarten sind an der Bahnsteigsperre gleichfalls abzugeben. Falls ein Fahrgast beim Betreten des Bahnsteiges außer seiner eignen Fahrkarte noch Fahrkarten andrer in seiner Begleitung befindlichen Personen zur Lochung übergeben bczw. nach Beendigung der Fahrt beim Verlassen des Bahnsteiges abgeben will, müssen diese zusammen- gehörigen Personen die Bahnsteigsperre derartig geschlossen passieren, daß der Fahrkartenschaffner die Zugehörigkeit zu den die Fahrkarten vorzeigenden oder abgebenden Fahrgästen ohne weiteres erkennen kann. Den Fahrgästen werden die Plätze seitens des Dienstpersonals nicht angewiesen, ebensowenig erfolgt eine Aufforderung zum Ein- steigen in die Wagen. Die in jedem Wagen befindlichen Stehplätze sind in den Gängen zwischen den Sitzen einzunehmen und an den Haltestellen die Vorräume der Wagen an den Thüren für Ein- und Aussteigende frei zu lassen. Mit der Lösung der Fahrkarten erkennen die Fahrgäste diese Bcstün/Uungen ausdrücklich als für sie verbind- lich an. Nebcr 80000 Mark betragen nach den bisherigen Feststellungen der Kriminalpolizei die Schulden, welche die Inhaber der Firma I. Hartstein u. Co., Julius Hartstein und Paul Adam, hinterlassen haben. Doch ist dies wahrscheinlich noch nicht die Gesamtsumme, da noch fortlaufend Meldungen über fällige Forderungen eingehen. Es ist ganz erstaunlich, wie es möglich war, daß den beiden Schwindlern so hohe Kredite gewährt werden konnten, daß sie innerhalb drei Monaten für weit über 100000 M. Ware ohne vorhergehende Zahlung erhielten. Allerdings brachte die Firma den bekannten Kniff zur Anwendung, daß sie zunächst kleinere Warcuposten bestellte und einige Tage nach Empfang regulierte und sodann große Austräte erteilte. Einzelne Engros-Firmen und Fabrikanten sollen Verluste m Höhe von 10 000 M. und mehr erlitten haben. Die beiden Schwindler haben, wie wir bereits erwähnten, mit Acccpten reguliert. Doch handelt es sich hierbei um Kellerwechsel, und die Acceptanten, zweifellos die drei bisher noch nicht ermittelten Genossen der flüchtigen Schwindler, können nicht aufgesimden werden. Die noch immer cm- laufenden Brieffchaften, welche fast ausschließlich aus Rechnungs- ausziigen und Wechselprotesten bestehen, werden polizeilich beschlag- nahmt. Nach der Schließung des Geschäftes sind noch für 20 000 M. Waren für Harfftein u. Co. eingetroffen, welche teils wieder zurück- gingen, teils auf den Güterbahnhöfen und dem Paket-Postamt lagern. Bei einem Partiewarenhändler im Centrum hat eine Haussuchung stattgefunden, bei welcher ein Teil der veruntteuten Waren vorgefunden wurde. Es ist jedoch kaum anzunehmen, daß die gesamte Ware bei einem Partiewarenhändler abgesetzt worden ist; es dürften sich vielmehr mehrere Hehlerin dieBeute geteilt haben. HartfteinundAdam waren bis kurz vor Eröffnung des eignen Unternehmens in hiesigen Warenhäusern in Stellung. Ihre Gehälter reichten jedoch bei weitem nicht aus, den gestellten Ansprüchen zu genügen und ganz besonders teuer wurde ihnen der Verkehr mit den„Damen", so daß sie bei Eröffnung des Geschäfts zwar kein Geld, wohl aber bedeutende Schulden besaßen. Die beiden Socien wußten übrigens ihre Kreditfähigkeit dadurch zu erhöhen, daß sie das Gerücht verbreiteten, mit reichen Mädchen verlobt zu sein. Soweit die Kriminalpolizei bisher festgestellt hat, sind Hartstein und Adam in verschiedenen Richtungen nach Ostende gefahren und dürsten sich von da aus vermutlich nach London ge- ivandt haben. Ihre Flucht wurde ihnen dadurch wesentlich er- leichtert, daß die Anzeige bei der Kriminalpolizei erst zehn Tage nach dem Verschwinden der beiden Betrüger erstattet wurde. Ein frecher Diebstahl wurde in der vergangenen Nacht in der Fricdrichstr. 99, gerade gegenüber dem Stadtbahncingang des Bahn- Hofs Friedrichstraße, verübt. Der Juwelen- und Uhrenhändler Siegele läßt seinen Laden, der an der Straße mit einem Aushänge- kästen versehen ist, nachts durch einen Wächter und einen Hund bewachen. Der Schaukasten ist außerdem durch ein des heiligen Stuhls. Vor und nach ihm hat es zahlreiche Päpste gegeben, die, soviel an ihnen lag. die bestehende Staatsordnung— wie es heute auf einmal heißen soll, die gottgewollte Ordnung ohne viel Federlesens umstürzten. Die bürgerliche Presse hat in diesen Wochen dem Papsttum als politischem Verbündeiert im Kampfe gegen den Umsturz Artikel ohne Zahl gewidmet, daß man schier glauben möchte. Bourgeois und Junker wollten sich vor dem roten Schrecken in den Schoß der alleinseligmachenden Kirche flüchten. Dabei ist von allem Möglichen und Unmöglichen die Rede gewesen. Bloß die Leistungen des Papsttums im Hervorrufen, Befördern und Bewirken von Umstürzen sind mit dem Mantel der christlichen Liebe bedeckt worden. Und doch geben gerade die revolutionären Handlungen früherer Päpste erst den Wertmesser an die Hand, mit dem die lcgitinnstische Stellungnahme der heutigen Päpste in ihrer wahren Bedeutung erkannt zu werden vermag. Die in Betracht kommenden Fälle sind Legion, so daß in engem Rahmen bloß eine Auslese von einigen der schönsten Blüten denkbar ist. Das erste Glied der langen Kette darf aber nicht fehlen. Schon deshalb nicht, weil es für uns Deutsche den ersten Eingriff des Papsttums in die inneren Angelegenheiten des damals führenden deutschen Stammes bedeutet. Das war im Jahre 751. Das Deutsche Reich existierte damals zwar noch nicht. Aber das Volk der Franken, selber deutschen Ursprungs und in seiner Masse noch am Rhein ansässig, war schon über erhebliche Teile von Deutschland Herr gelvorden, obschon der Schwerpunkt seiner Macht in dem eroberten Frankreich lag. Die Nachkommenschaft des Frattkcnkönigs aus dem Merowingergeschlecht, der vor mehr als zweiundeinhalb Jahrhunderten die Eroberung Frankreichs geleitet hatte, faß noch auf dem Thron. Sie faß auf dem Thron, aber sie regierte nicht. Die Regierungsgewalt war im Kampf adliger Par- teien in die Hand sogenannter„Hausmeier" aus dem Geschlecht der Karolinger gefallen. Der im Jahre 731 herrschende Hausmeier hieß Pippin. Derzeittger König war Childerich: ein bloßer Figurant, obwohl alles, was Pippin that, im Namen des Königs geschah. Aber„angestammter" König war Childerich nach allen Regeln des Legitimismus von Gottes Gnaden. Wenn er zu Pippins Gunsten abgesetzt wurde, so war das ein ebenso ungeheuerlicher Umsturz der„gottgewollten Ordnung", als wenn z. B. Haus- mcicr Bismarck sich an Wilhelms 1. Stelle hätte setzen wollen. Eben dieser Umsturz aber Ivard im Jahre 751 von Pippin und semein Anhang beschlossen— über den Kopf des Königs hinweg, der als fünftes Rad am Wagen nichts zu vermelden hatte. Da der einzige mögliche Rechtsboden, nämlich der der Volkssouveränetät, längst ver- lassen worden ivar, so glaubten die fränkischen Palastrevoluttonäre einer andren Autorität zu bedürfen, die dem neuzubackenden König Pippin in-den Augen des Volkes den nötigen Nimbus des von Rechts wegen gäbe. Die dazu genügende Autorität aber traute man allein dem Papste zu. Es ging also nach Rom an Papst Zacharias eine fränkische Gesandtschaft ab, an deren Spitze der Abt Fulrad von St. Denys stand, um sich des päpstlichen Einverständnisses zu versichern. Nach Leoninischcn Grundsätzen hätte Zacharis sie mit dem abweisenden Bescheid heimtrollen lassen müssen, daß sie als treue Katholiken treue Unterthanen zu fein hätten. In Wirklichkeit dagegen gab der Papst nach den„Lorschcr.Aimalen" die Auskunft,„es sei besser, daß der König genannt werde, der die Macht habe, als der, welcher ohne königliche Gewalt sei; damit also die Ordnung nicht gestört werde, befahl er bei seiner apostolischen Autorität, daß Pippin König werde'. Der genaue Wortlaut mag vielleicht nicht starkes Eisengeflecht geschützt. Aber alle diese Maßregeln reichten noch nicht aus. Nachdem der Wächter, der sich im Laden befindet, um 3 Uhr ftüh noch nachgesehen und alles in Ordnung geftmden hatte, schlug um 4 Uhr der Hund an. Der Wächter eilte auf die Straße und fand das Schutzgitter des Schau- kastens glatt durchschnitten. Aus der Glasscheibe war mit einem Diamanten ein Stück herausgeschnitten. Die durch den Hund ge- störten Einbrecher waren bereits entflohen. Sie hatten vier goldene Uhren im Werte von zusammen 600 Mark mitgenommen. Der Bestohlene setzt auf ihre Ermittelung eine Belohnuttg von 50 Mark ans. Die gestohlenen Uhren tragen die Nummern 10 327, 12 410, 16 378 und 46 144. Der Laden liegt neben dem Bankgeschäft, dessen Verwalter im vergangenen Winter am hellen Tage von einem Räuber überfallen und durch Messerstiche sehr schwer ver- wundet wurde. Verhüteter Unter-ffiziers-Exccß. Eine sehr angriffslustige Haltung nahm ein Unteroffizier am Sonntag in Karlshorst ein. Als man ihn verhindern wollte, in ein bereits überfülltes Wagenabteil des um �/jll Uhr abgehenden Zuges einzusteigen, zog er alsbald sein Seitengewehr, um sich auf diesem nicht ganz gewöhn- lichen Wege Platz zu schaffen. Zum Glück war ein Gendarm zur Stelle, der den kampflustigen Unteroffizier, bevor er mit der Plempe Unheil anrichten konnte, in das Stationsgebäude hineinzog und daselbst beruhigte. LicbeSgram hat das 21 Jahre alte Dienstmädchen Rosa Lindemann vermutlich in den Tod getrieben. Das hübsche Mädchen diente seit Februar bei einem Schlächtermeister in der Markgrafen- straße und verliebte sich in einen bei diesem beschäftigten Gesellen. Als der Meister von dem Verhältnis erfuhr, kündigte er dem Gesellen, weil er eine solche Liebschaft unter seinem Personal nicht duldete. Als der Geselle vor vier Wochen zog, sah ihm das Mädchen weinend noch lange nach. Vierzig Mark, die es von einer kleinen Erbschaft noch besaß, hatte es ihm mit auf den Weg gegeben. Nun ließ sich der junge Mann nicht mehr sehen. Das Madchen aber jammerte, daß es sich das Leben nehmen«tüsse, wenn cS seinen Emil nicht wiederbekomme. Am Freitag vor acht Tagen kam end- lich ein Brief. Der junge Mann schrieb, daß er keine Zeit gehabt habe zu kommen oder zu schreiben, am folgenden Sonntag aber erwarte er zu einer bestimmten Zeit seine Geliebte an der Ecke der Markgrafen- und Lindenstraße. Vergeblich stand das Mädchen dort anderthalb Stunden lang, dann ging es weinend weg, nachdem es Leuten, die es zu trösten versuchten, erklärt hatte, daß es sich das Leben nehmen werde. Seitdem hat man die Verzweifelte nicht mehr gesehen. Der Geselle hat auch nichts mehr von sich hören lassen. Vom Unglück verfolgt. Der 65 Jahre alte Kutscher Ernst Runge aus der Schulstr. 64 stieß vor fünf Jahren, als er einen Arzt fuhr, mit einem Geschäftswagcn zusammen, wurde vom Bock geschleudert und am Kopf und am rechten Beine schwer verletzt. Seitdem bezog er eine Unfallrcnte von 45,50 M. monatlich. Die ganze Zeit über litt er noch oft an Schwindelanfällen. Vor einigen Tagen stürzte er in der Laubenkolonie, die seiner Wohnung gegenüber liegt, infolge eines solchen Anfalls vom Stuhle und schlug mit der rechten Hand auf die Spitze eines verrosteten Nagels, der am Boden lag. Die Wunde schien ganz unbedeutend zu sein. Der Zustand des Verunglückten wurde aber so schlimm, daß er nach der Chartith gebracht werden mußte. Dort starb er gestern an Wundstarrkrampf. Durch Bleivergiftung todsüchtig geworden ist der 42 Jahre alte Rohrleger Neinhold Kuhn aus der Gerichtstr. 20. Kuhn hatte bei seinen Arbeiten viel mit Bleiweiß zu thun und zog sich dadurch eine Vergiftung zu. Seit Freitag war er bettlägerig und in ärztlicher Behandlung. Am Dienstagabend fing er an zu toben, so daß man ihn schleunigst in eine Anstalt bringet: mußte, nachdem der Arzt ihm Beruhigungsmittel gereicht hatte. Schon eilte Stunde nach der Aufnahme starb er im Krankenhause. Kuhn hinterläßt eine Frau mit vier Kindern im Alter von 3 bis 11 Jahren. Von einem Automobil überfahren und getötet wurde gestern, Mittwochnachmittag, der 23 Jahre alte Hausdiener Friedrich Heinrich, der in der Konditorei von Gressel in der Rosenthalerstt. 2 angestellt war. Als der junge Mann vom Kundenbesitch mit dem Dreirad nach Hause zurückfuhr, nahm er erst spät wahr, daß ein Automobil zuverlässig verbürgt sein. Der allgemeine Sinn von Zacharias' Antwort ist aber zweifellos richtig gettoffen; denn alsbald war Childerich auf gut Fränkisch geschoren und ins Kloster gesteckt, und der neue König Pippin empfing von den Händen des hl. Bonifacius, des berühmten Heidenbekehrers, die Salbung, wie weiland Saul von Samuel. Diese Ceremonie wiederholte drei Jahre später, 754, der nächste Papst, Stephan II., in eigner Person und fügte noch. größerer Feierlichkeit halber, die Krönung hinzu. Die Päpste liehen dem fränkischen Umsturz ihren Beistand nicht um Pippins schöner Augen willen, sondern für einen sehr realen Preis. Die Bezahlung bestand darin, daß Pippin 754 der römischen Kirche weite Gebiete in Mittelitalien schenkte, über die er freilich ebensoviel Verfügungsrecht hatte, als, sagen tvir ntal, über den Mond. Italien war damals zum größten Teil in den Händen des deutschen Stammes der Langobarden. Einen Teil des von Pippin „geschenkten" Gebietes hatten die Päpste bereits thatsächlich an sich gebracht, wurden aber fortgesetzt im ruhigen Besitz durch die kriegerischen Langobarden bedroht; den andern Teil der Schenkung hielten die Langobarden besetzt. Dort war nun zum fakttschen Besitz der„rechtliche" Anspruch getteten, hier sollte zum „rechtlichen" Anspruch der fakttsche Besitz kommen. Die dem- gemäß nötige Ausemandersetzung mit den Langobarden sollte nun der fränkische Umsturzkönig von Papstes Gnaden auf dem be- liebten Wegs der klagenden Gründe besorgen. Derart hat denn auch Pippin in zwei Feldzügen gegen die Longobarden seinen Dank für die päpstliche Sanktionierung der Palastrevolution abgestattet. Auf diese erbauliche Weise entstand der Kern des Kirchenstaates, dessen Ausmerzung aus dem modernen Staatsleben die Ultramontanen als ftevelhaften Untsturz der gottgewollten Ordnung unermüdlich beklagen und rückgängig zu machen streben. Den mittelalterlichen Päpsten kam eine solidere Rechtsgrundlage ihrer iveltlichen Macht begreiflicherweise sehr wünschenswert vor. Sie erblickten eine solche in einer Schenkung, die vier Jahrhunderte weiter zurück als die Pippinsche dattert wurde: in der Kotistantinischen. Die betreffende Urkunde besagt, daß der erste christliche Römerkaiser Konstanttn zum Dank für seine Heilung vom Aussatz den Päpsten den Kirchenstaat geschenkt habe. Das wäre za nun sehr schön gewesen; die Geschichte hat auch nur einen Fehler, nämlich den, daß sie nicht wahr ist. Die Pippinsche Schenkung und somit der ftänkische Umsturz bleibt für die Entstehung des Kirchenstaats das Fundament, weil die Konstantinische Schenkung eine nachgewiesene Fälschung, eine fromme Lüge ist. Der italienische Humanist Laurentius Valla hat es zu Anbruch der Neuzeit mit so unwiderleglichen Gründen dargethan, daß auch die katholische Kirche die niederschmetternde Thaffache hat zugestehen müssen. Bis zu dem bitteren Bekenntnis, daß mit der Konstantinischen Schenknna kein Staat zu machet: sei, hat die gefälschte Urkunde den: Papsttum zu unterschiedlichen Umstürzen der gottgewollten Ord- ntmg den Vorwand liefern müssen. Dem Aktenstück zufolge hatte der römische Kaiser dem hl. Stuhl auch„die Inseln" geschenkt, und dem- gemäß reklamierte das Papsttum in den Zeiten, als sein Appetit am größten war, dreist und gottesfürchtig sämtliche Inseln auf Gottes Erdboden als rechtmäßiges Eigentum. So eine Insel ist Irland— heute als der katholische Bestandteil des britischen Reichs, ein Schoß- kind der Kirche, gegen dessen Unterdrückung durch die englischen Ein- dringlinge lebhaft protestiert wird. Dabei ist aber Thatsache, daß gerade Rom die Iren an England verratet:, nein, verkauft hat. Das geschah in der Mitte des 12. Jahrhunderts. Da waren die Iren zwar längst Christen, aber sie kümmerten sich um Rom keinen Deut der Seidenfabrik von Holm in der Landsbergerstr. 62/63 ihm folgte. Bor dem Hause Brunnenstr. 157 hörte er das Fahrzeug dicht hinter sich und als er sich nun umsah, geriet er in Vcrivirrung und ins Wanken und fiel vom Rade. In demselben Augenblick ging ihm ein Rad des Automobils, dessen Führer keine Schuld treffen soll, quer über den Kopf. Als ein Lückscher Rettungswagen eintraf, um den Verunglückten in ein Krankenhaus zu bringen, war er schon tot. Ucberfall in der Schönholzcr Heide. In der vorletzten Nacht wurde der Straßenbahn-Schaffncr Mehner in der Schvnholzer Heide überfallen. Derselbe kain vom Depot in Nordend und hatte den letzten Wagen der Nieder-Schönhansener Linie nach dem Depot gc- leitet. Um schnell nach seiner am Gesundbrunnen belegenen Wohnung zu kommen, wählte er den kürzesten Weg, der durch die Schönholzcr Heide führt. Kaum war er einige Hundert Meter in den Wald hineingegangen, als Plötzlich zwei Strolche auf ihn zusprangen. Der eine packte ihn sogleich am Halse, während der andre versuchte sich der Geldtasche, in der sich etwa 13 Mark befanden, zu bemächtigen. Mehner, ein junger kräftiger Mann, hieb tüchtig um sich und zog die Notpfeise, welche er zufällig bei sich führte. Ein Pankower Gendarm, der gerade an der Heide konttollierte, wurde dadurch aufmerksam und eilte herbei. Nun ergriffen die Strolche die Flucht. Man ver* folgte sie jedoch bis nach Reinickendorf hin, wo es gelang, den einen festzustellen. Die kostenfreien Nntcrrichtskurse in Englisch, Französisch und Buchführung beginnen am 3. August 1963 in der Berliner Handels- Akademie, Kommandantcnstrasze 89, welche noch Meldungen eut- gegennimmt. Fcuerbcricht. In der letzten Nacht wurde die Feuerwehr nach der Lottumstr. 28 gerufen, wo Futzböden, Balken u. a. brannten. Heute früh hatte der 20. Zug in der Fischerstr. 34 einen Brand zu löschen, dem Betten und andrer Hausrat zum Opfer gefallen sind. Zweimal hatte die Wehr in der Friedrichstr. 76 zu thun, wo heute morgen Betten, Möbel, Kleider, Schaldeckcn, Balken u. a. brannten. n der Kronenstr. 22 brannten Regale, Kleider n. a. in einem onfekttonsgeschäft. Ein größerer Brand mußte Lothringerstr. 1— 7, auf dem Gelände des ehemaligen Exerzierschuppcns des Kaiser Alexander-Garde-Grcnadier-Regiments, gelöscht werden. Dort stand ein Holzschuppen mit Inhalt in Flamnien. Auf dem Görlitzer Bahnhof und andren Stellen brannten Preßkohlen. AuS andren Anlässen wurde die Feuerwehr nach der Kastanien-Allee, Köpnicker- ftraße 48/49 usw. gerufen. Tins den Nachbarorten. Achtung, Charlottcuburg! Am Freitag, den 31. Juli, abends 8'/z Uhr, findet im Volkshause, Nosinenstr. 3, der dritte Vortragsabend des Genossen Paul Hirsch über .Die Bedeutung der Landtagswahlen" statt. Ilm recht zahlreichen und pünktlichen Besuch werden sämtliche Partei- genossen hiermit ersucht. Nieder-Schönewcide. Endlich, nach langer Dauer, ist es der Arbeiterschaft von Nieder-Schöneweide Ivicder zur Möglichkeit ge- worden, sich öffentlich versammeln zu können. Das Lokal„Hassel- Werder", um welches seit Pfingsten ein heißer Kampf entbrannt war, ist jetzt für die A r b c i t e r s ch a f t frei. Sogleich hat es der Inhaber aber auch mit der Behörde zu thun, welche ihm sofort die Freundschaft kündigte. WaS das zu bedeuten hat, weiß man wohl, denn man sah schon am Sonntag das Auge der heiligen Hermandad im Tanzsaal Umschau halten. An der Arbeiterschaft liegt es aber, daß uns nicht nur das Lokal„Hasselwerder" erhalten bleibt, sondern daß wir noch mehr freie Lokale hinzu bekommen. Besuche man nur solche Lokale, welche als frei in der Lokalliste ver- zeichnet stehen; nur dann ist es möglich, dem versteckten Kampf der Behörde erfolgreich zu begegnen. Wie wenig inan in unsrem Ort auf hygienische Zustände hält. beweist, daß man die öffentliche Bedürfnisanstalt vor dem Bahnhose beseittgt hat, obwohl hier täglich Taufende, des Sonntags Hundert- tausende von Menschen verkehren. Desgleichen ttägt man dem großen Verkehr auch in andrer Hinsicht nicht Rechnung: die Sonntagsausflügler sind gezwungen, den Staub, welcher durch das viele Laufen auf den ungepflasterten Bürgersteigen hervorgerufen wird, zu schlucken. Im Winter, bei nasser Witterung, haben dafiir die Besucher unsres Ortes das Vergnügen, auf diesen ungepflasterten Bürgersteigen den Schmutz zu messen. Natürlich befinoen sich die ungepflasterten Bllrgersteige vor den Thüren der reichsten Fabrik- und Grundbesitzer. Das läßt tief blicken I und vor allen Dingen, sie zahlten keinen Deut. Es empfahl sich daher dem einzigen Engländer, der Papst gewesen ist, Hadrian IV. ein Umsturz der gottgewollten Ordnung in Irland, der gleichzeitig für die Kirche und für die englischen Landsleute profitabel wäre. Kurz und gut, im Jahre 11ö6(?) stellte Hadrian IV. dem englischen König Heinrich II. eine Bulle aus, durch die der Papst kraft seines gefälschten Anspruchs auf Irland dem englischen Monarchen die grüne Insel schlankweg zu erb- eigentümlichem Besitze schenkte. Eine Klausel war dabei: Heinrich wurde verpflichtet, nach Ausrottung der„Pflanzstätten der Laster"— d. h. der gottgewollten Ordnung in Irland— dafür zu sorgen, daß der Zehnte und der Petcrspfennig richtig eingehe. Dies erhabene Ziel vor Augen, brach demnächst die christliche Ritterschaft Englands mit Mord und Brand, Kreuz und Schwert über Irland herein, um die gottverordneten Stammeskönige umzustürzen. Der päpstliche Segen, mit dem Heinrich IL sich gegen Irland wappnen ließ, war ein zweischneidiges Schwert, das ihn selber ver- wunden konnte. Denn, wenn Irland eine Insel war, England lvar es nicht minder: englische Monarchen konnten also auch mit Hilfe der Konstantinischen Schenkung umgestürzt tverden. Ein Präzedenzfall lag schon vor, den Heinrich II. sich zur Warnung hätte gedeihen lassen können. Als im Jahre 1066 Wilhelm der Eroberer mit seinen normannischen Abenteurern über den Kanal fuhr, uni den Angel- sachsen-König Harald zu stürzen, führte er bei sich einen Ring mit dem Haar des heiligen Petrus und eine geweihte Fahne, auf der ein kämpfender Krieger und das Kreuz gewirkt war. Beides hatte Papst Alexander H. gestiftet, männiglich zu künden, daß er den Normannen mit England belehnt hatte. Die Angelsachsen waren zwar fromme Christen, die manchen Heidenapostel z. B. nach Deutschland entsandt haben, aber sie ordneten ihre kirch- lichen Angelegenheiten selbständig und zahlten keinen Peters- Pfennig. Das durfte nicht geduldet werden; folglich mußte die gott- gewollte Ordnung umgestürzt lverden,— und König Harald wurde in der Schlacht bei HastingS kraft päpstlicher Autorität ins Jenseits befördert. Der erfreuliche Ausgang der Sache führte zu loieder- Holter Anwendung dieser Umsturzmethode, im Fall ein englischer König wider den päpstlichen Stachel löckte. Das erfrechte sich der Sohn jenes Heinrich II., der sich Irland hatte„schenken" lassen, der König John«ans Borrs(Johann ohne Land). Es bekam ihm schlecht: denn 1209 erklärte ihn Papst Jnnocenz III. für abgesetzt: König Philipp August von Frankreich sollte die Stelle des umge- stürzten Plantagenet einnehnien. Der Abfall der Vasallen nahm bald solche Dimensionen an. daß König Johann schleunigst zu Kreuze kroch. Auf den Knien schwor er in die Hände eines päpst- lichen Legaten folgenden Eid:„Ich, Johann, von Gottes Gnaden, König von England und Lord von Irland, übergebe, um meine Sünden abzubüßen, aus eignem freien Willen und auf Rat meiner Barone, der römischen Kirche, dem Papst Innozenz und seinen Nach- folgern, das Königreich England und alle Vorrechte meiner Krone. Ich will sie von jetzt ab als des Papstes Vasall innehaben. Ich will treu sein Gott, der römischen Kirche, meinen, Herrn, den, Papst und seinen gesetzlich gewählten Nachfolgern. Ich verspreche, ihm einen Tribut von 1000 Mark jährlich zu zahlen, nämlich 700 für das Königreich England und 300 für das Königreich Irland." Durch diese löb- liche Unterwerfung bekani Johann mit dem hl. Stuhl Frieden. Aber nun traten seine Barone mit selbständigen Umsturz- ideen hervor. Mit bewaffneter Hand gingen sie dem grausamen, aber feigen Tyrannen zu Leibe: an ihrer Spitze Robert Fitzwalter unter dem selbftgesvählten Titel„Marschall der Armee Gottes und Lichtenberg. Der Gesundheitszustand an, Orte muß ein außer- ordentlich guter sein, anders wäre es gar nicht zu erklären, daß die „Gesundheitskommission", die ein so kurzes Scheindasein führte, nun ganz und gar selig entschlafen ist. Oder sollten die Lästermäuler recht haben, die behaupten, daß der Wille der Dorftegierenden seine Grenzen findet an der Macht unsrer Hausagrarier? Das wenige, was die Kommission gethan, bestand in der äußerlichen Besichtigung der Beschaffenheit der Abortanlagen auf den Höfen, der Brunnenanlagen usw.. aber das wenige hat genügt, den Zorn unsrer Hauspaschas zu entfachen. Die von der Regierung so schön ausgedachte Umwandlung der früheren Sanitätskonmnssion in eine Gesundheitskommission nach dem Muster gleicher städtischer Einrichttmgen hat an der Macht dieser„leitenden" Kreise einfach scheitern müssen. Ganz ernst scheint die Sache überhaupt nicht ge- nommen worden zu sein. Der Kreisarzt, der neben den Kommunalärzten Mitglied der Kommission ist, hat überhaupt noch keiner Sitzung beiwohnen können. Seit März 1902 ist die Kommission überhaupt»och nicht zusammen gewesen, nicht einmal eine Umgrenzung ihrer etwa zu entwickelnden Thätigkcit hat statt- gefunden! WaS will denn die Regierung mit solchen ans dem Papier stehenden„hygienischen Fürsorgecinrichtungcn" erreichen? Erreicht ist, daß auch die Bevölkerungskreise, die bisher nicht glauben wollte», daß vor dem Geldsack auch die beste Erkenntnis der Dinge Halt machen muh, diese Thatsache zugeben müssen. Johannisthal. Drei Einbruchsdiebstähle sind in der vorigen Nacht in den Parterrewohnungen der Häuser 1 und 2 in der Köpenickerstraße verübt worden. Die Diebe, welche ihren Weg durch die Fenster genommen, erbeuteten außer mehreren Uhren, goldenen Ketten und Ringen und kleineren Geldbeträgen bei dem Kassierer des Socialdcmokratischen Vereins eine Summe von 107 M. Einem Soinmergast, welcher die erste Nacht hier schlief, wurde eben- falls die Uhr genommen. Die Einbrecher dürften identtsch sein mit denjenigen, welche in der vorigen Woche drei Automaten aus zwei Gartenlolalen nach der Heide schleppten und dort erbrachen. Sericdts-Leitung. Ein SciisationSprozcß wird nach beendeten Gerichtsferien entweder vor de», Schwurgericht oder der Strafkammer des Landgerichts I stattfinden. Die Voruntersuchung gegen den Gerichtssekretär B a g a n z und Genossen ist nuninchr geschlossen. Baganz wird des wiederholten Verbrechens im Amte beschuldigt, die Mitangeklagten. sämtlich Leute in an- gesehenen Stellungen, sollen ihm Hilfe geleistet haben. Der Haupt- angeklagte ist schwerer Verfehlungen geitändig und hat eine lang- jährige Zuchthausstrafe zu erwarten. Er soll aus den ihm zur Verfügung stehenden Akten den Angeklagten von den vom Gericht getroffenen oder in Aussicht genommenen Maßnahmen gegen hohen Entgelt Kenntnis gegeben haben. In einem Jahre sollen die ihn, gemachten Zuwendungen den Bettag von 20 000 M. überschritten haben. Baganz hat fast die gesamten Be- träge dem Totalisator geopfert. Seine Eheftau lourde vor einigen Wochen ebenfalls in Haft genommen. Außer dem Ehepaare be- findet sich noch der frühere Häuser-Administrator H. in Hast, der zuerst den Gerichtssekretär Baganz angestiftet haben soll, seine Be- amteneigenschaft in der geschilderten Weise zu mißbrauchen. Ein vierter Beteiligter, der Kaufmann Courth, hat sich im Unter- suchungs-Gefängnisse erhängt. Auch der ftühere Rechtsanwalt, jetziger Rittergutsbesitzer, Justizrat K. ist an der Sache beteiligt, er wurde ebenfalls in Haft genommen, aber gegen eine Kaution von 120 000 M. wieder auf freien Fuß gesetzt. Weitere Angeklagte sind ein Direktor P. und ein Juwelier Ä., so daß insgesamt 6 Personen auf der Anklagebank werden Platz nehmen müssen. ES wurde früher angenommen, daß Baganz auch den, wegen Wuchers verurteilten Kaufmam, Pariser gegsn Entgelt verbotene Dienste geleistet habe, die nach dieser Richtung hin ermittelten Verdachtsmomente sind aber nicht für ausreichend befunden worden und ebenso wenig haben sich genügende Anhaltepuukte dafür ergeben, daß Baganz mit der in letzter Zeit häufig genannten Frau Geh. Kommerzienrat Zimmer- mann, welche nach Amerika ausgewandert ist, Beziehungen unter- halten hat. Die Verhandlung dürste mancherlei Enthüllungen und Ueber- raschungen bringen._ seiner hl. Kirche". Auf der Wiese von Runnymade unterwarf sich schließlich 1212 der König notgedrungen den Forderungen seiner Großen, inden, er die„magna charta libertaturn", die große Freiheitsurkunde unterzeichnete, die bis heute die Grundlage deS eng- tischen Konstitutionalismus ist. Der Titel Fitzwaltcrs läßt schon genügend erkennen, daß der adlige Umsturz nicht blas zeitlich den, päpstlichen gefolgt ist, sondern auch ursächlich mit ihm zusammen- hängt. Die Kurie hatte eben Schule gemacht; was eben auf ihren Befehl geschehen war,' wiederholten ihre Getreuen nun auf eigene Faust. Nicht viel anders liegt die Sache in Deutschland. Die erste volkstümliche Erhebung, von der unsre Geschichte seit den Zeiten der Karolinger erzählt, ist der Sachsenaufstand gegen König Heinrich IV. Durch die wüste Wirtschaft des jungen Tyrannen und seiner Dienstmanneu zur Verzweiflung gettieben, empörten sich 1073 die sächsischen Bauern im Verein nur dem sächsischen Adel. In der äußersten Not rief Heinrich die Hilfe des Papstes gegen den Umsturz an. Nun hätte also die Mahnung an die Sachsen ergehen müssen, daß„brave Katholiken treue Unter- thanen" seien. Aber anstatt die sächsischen Umstürzler in den Bann zu thun, nahm Gregor VII. zunächst eine zweideutige Neuttaliläts- stellung ein, weil er mit dem König von wegen des deutschen Kirchen- gutes zwar schon auf gespanntem Fuße stand,!/ aber noch nicht offen gebrochen hatte. Als dann der Jnvestiturstteit zum vollen Zerwürsins zwischen König und Papst geführt hatte, ging Gregor einen Schritt weiter und erklärte den Umsturz für die Deutschen nicht bloß zu einem Recht, sondern für eine Pflicht. Am 21. Februar 1076 that Gregor den König selber in den Bann und sprach unter Be- rufung auf seine vom Apostel Petrus überkommene Gewalt des Bindens und Lösens die inhaltschweren Worte:„In diesem Ver- trauen untersage ich zur Ehre und zum Schutz deiner Kirche in, Namen des allmächtigen Gottes deS Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes in Kraft deiner Vollmacht dem König Heinrich. Kaiser Heinrichs Sohn, der sich mit unerhörtem Hochmut gegen deine Kirche erhoben hat, die Regierung des ganzen Deutschen Reiches und Italiens, löse alle Christen von der Verpflichtung des EideS, den sie ihm geleistet haben oder noch leisten werden, und untersage hiermit, daß irgend jemand ihm als einem Könige diene." Diesen, Rcvolutionsmanifest des notorischen Heiligen folgte in Deutschland ein langwieriger Bürgerkrieg, in dem Ströme von Blut geflossen sind. Genau dasselbe Schauspiel kehrt in Italien wieder. Da finden wir die erste große, bürgerliche Freiheitsbewegung des Mittelalters in der Lombardei. Die oberitalienischen Städte schließen sich zur Erringung und Behauptung kommunaler Selbständigkeit im 12. Jahr- hundert zum lombardischen Bund zusammen und traten dem Hohen- staufer Friedrich Barbarossa, der sich die Minderung seines göttlichen Rechts nicht gefallen lassen wollte, mit gewaffneter Hand entgegen. Wo in diesem Krieg die Sympathien der Anhänger des Gottes- gnadentums seu, mußten, liegt auf der Hand. Der Papst aber, der auch wieder seinen Span mit den, Kaiser hatte, ergriff nicht für, sondern gegen den Kaiser Partei. Ja, er trat geradezu an die Spitze des revolutionären Städtebundes. Es war bloß eine wohl- verdiente Anerkennung, wenn die bürgerlichen Un, stürzler ihrer neubearündeten Bundesfestung zu Ehren ihres Schutzpatrons, des Papstes Alexander III., den Namen Alexandria gaben. Die höchste Stufe erllomm der päpstliche Umsturz in Unter- italien. Hier hatten sich die schwäbischen Kaiser zu Ende des 12, Jahrhunderts das Königreich Neapel erheiratet. Die Muß ein polnischer Verein sein polnisches Statut der Polizei i» deutscher Uebcrsctznug einreichen? Kopfschütteln erregen wird eine Entscheidung, die das preußische Kammergericht gefällt hat. Der Industrie- und Handwerkerverein Gnesen, dem besonders polnisch sprechende preußische Staatsbürger angehören und dessen Statut in polnischer Sprache abgefaßt ist, wird von der Polizei und den Gerichten als ein Verein angesehen, der auf öffentliche An- gelegenheiten im Sinne des§ 2 des Vcreinsgesetzes einwirken wolle, indem er besonders eine Einwirkung auf sociale Verhältnisse erstrebe. Die Polizeiverwaltung forderte deshalb den'Vorsitzenden Hofsmann auf, ihr ein Statut einzureichen, und verlangte, nachdem ein Exemplar der polnischen Statuten zugegangen war, man solle ihr eine deutsche Uebersetzung über- Mitteln und zwar bimien drei Tagen, wie es§ 2 des Vereinsgesetzes für Ausknnsterteilungen über Statuten und Mitglieder vorschreibt. Der Vorstand lehnte das damals ab, da er sich überhaupt nicht für verpflichtet hielt, das Statut anders einzureichen, als es vorliegt und benutzt wird, nämlich in der polnischen Fassung. Der Vor- sitzende wurde darauf wegen Ueberttetung des§ 2 �des preußischen Vereinsgesctzcs angeklagt, weil er nicht binnen drei Tagen der Auf- forderung zur Auskuiisterteilung gefolgt sei. In zweiter Instanz wurde H. jedoch vom Landgericht Gnesen freigesprochen. Das Landgericht führte ans: Der Industrie- und Handwerkerverein sei allerdings ein politischer Verein. Der Vorsitzende könne gleichwohl nicht verurteilt werden, Ivenn er es entgegen der Auf- forderung der Polizei unterließ. die in polnischer Sprache abgefaßten Satzungen auch in deutscher Sprache einzureichen. Das Vereinsgesctz schreibe nicht vor, in welcher Sprache Statuten einzureichen seien. Es frage sich nun, ob hierüber nichts aus den Bestimmungen des Geschäftssprachcn-Gcsetzes hergeleitet werden könne. Danach wären unter andern, Eingaben ec. an deutsche Behörden allerdings in deutscher Sprache zu machen. Das Statut, das eingereicht werden sollte, sei aber eine Urkunde, die nur in fremder Sprache bestehe, könne n u r s o verlangt werden, wie sie s e i. Also genügte die rechtzeitige Einreichung des Statuts in der polnischen Fassung.— Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein, der sich der Obcr-Staatsanwalt anschloß. Der Strafsenat des K a m n, e r g e r i ch t s hob die Vorentscheidung als falsch auf und verwies die Angelegenheit zu nochmaliger Ent- scheidung an das Landgericht zurück. Begründend wurde ausgeführt: Wenn d,e Polizei die Einreichung eines Statuts verlange, so ver- lange sie damit eine Auskunft über die Vereinssatzungen, wozu der§ 2 deS Vereinsgesetzes sie mit Bezug auf die dort ge- nannten Vereine berechtige. Auskünfte der Behörde gegenüber müßten aber in der Landessprache, in Preußen also in deutscher Sprache erteilt werden. Mit Recht habe die Polizei eine deutsche Uebersetzung der polnischen Statuten verlangt� und gleichsam damit gesagt, sie wünsche zu wissen, welches Aussehen die Statuten in deutscher Fassung hätten. H. habe sich gegen das Vereinsgesetz ver- gange» und strafbar gemacht. In dicsem Sinne müsse das Land- gericht entscheiden._ Central-Krauken- und Begrnlmiskafie für Frauen und Madchen Deutschlands(E. H. 26.) Osscnbach a. M. Verwaltungsstelle Berlin I. Donnerstag, den 30. Juli, abends 8'/, Uhr pünktlich: Außerordentliche Hauptversammlung im GcwerkschastShaus, Engcl-Uscr 15, Saal 3. Tages- ordnung: 1. Kassenbericht pro II. Quartal 1903. 2. Statutenberalung (Erhöhung der Beiträge). 3. Wahl von zwei Delegierten und einem Beirat zur außerordentlichen Generalversammlung am 23. August in Dresden. 4. Kasscnangclegenhciten. Mitgliedsbuch legitimiert. Beittäge werden in der Versammlung entgegengenommen. Witterungsübersicht vom 29. Juli 1903, morgens» Uhr. Wettcr.Prognosc für Donnerstag, de» 30. Juli 1903. Etwas lühler, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich, mit Regenschauern und ziemlich irischen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. so bewirkte Umklammerung des Kirchenstaates durch kaiserliches Gebiet war den Päpsten ein Dorn im Auge. Als ultima ratio holte der Papst den französischen Abenteurer Karl von Anjou herbei, dem er das Königreich Neapel übertrug. Die Eroberimg gelang, der hoheustaufische König Manfred verlor bei Beuevcnt(1266) Schlacht und Leben. Aber es war ein nach allen Regeln des Lcgitimismus rechtmäßiger Nachfolger vorhanden, der letzte Hohcnstaufe, Konradin. Und dieser junge Mann erschien 1268 mit einen, Heer in Italien, um seine königlichen Rechte geltend zu machen. Der Papst schleudert den Bann auf ihn, und der päpstliche Schützling Karl besiegt Konradin. der in Gefangenschaft gerät. Man sitzt über ihn zu Gericht und verurteilt ihn zum Tode: den 29. Oktober 1263 wird er in Neapel öffentlich enthauptet. Es hätte nur eines Winkes an den päpstlichen Lehensinann Karl bedurft, so wäre die Hinrichtung nicht erfolgt. Der UltramontaniSmus entrüstet sich noch immer über den „Königsmord" von 1793. Für den ersten Kölligsmord, den von 1268, hat er keine Worte.) Derweil folgte in Deutschland ein Schattenkönig päpstlicher Mache aus den andern, so daß die Monarchie zum Spott der Menschen wurde. Ein deutscher Dichter der Zeit, Meister Sigeher, hat damals auf das Verhälwis zwischen Papst und Königen das Verschen gemünzt: „Er sezzet sie uf. Er sezzet sie abe, Nach der habe Wirsct er sie hin und her als einen bal." D. h., wenn die Cittone ausgepreßt war, wurde sie weg- geworfen. Das nämliche erbauliche Schauspiel, wie die Könige von Gottes Gnaden nach Papstes Gnaden bald auf-, bald abgesetzt wurden, hatte sich schon in den Anfängen des 13. Jahrhunderts der Welt geboten, als Papst Innozenz III. im Streit um die Krone je nachdem bald Philipp, bald Otto, bald Friedrich für den einzig rechtmäßigen König erklärte, dem nian gehorchen müsse. Wie gläubigen Gemütern bei diesem Revolutionsspiel schließlich zu Mute lvard, kann man aus den Gedichten des bedeutendsten polittschen Lyrikers im deutschen Mittelalter, Walthers von der Vogelweide, ersehen. Er findet das Papsttum doppelzüngig wegen des bf ständigen Wechsels zwischen Anerkennung und Bannung: „Gott giebt zum König, wen er will. Darüber wundr' ich mich nicht viel, Uns Laien wundert nur der Pfaffen Lehre, Was sie gelehrt vor kurzen Tagen, Davon daS Gegenteil sie sagen. Walther ist darüber zu der Erkenntnis gekommen, daß die politische Stellungnahme des Papsttums mit der Religion schlechter- dings nichts zu schaffen habe, sondern durch wetter nichts als den rein weltlichen Vorteil bestimmt werde. Schließlich faßt sich dem frommen Manne die ganze Politik des Papsttums in die Worte zusammen: „Ihr Pfaffen, esset Hühner, ttinket Wein! Und laßt die dummen deutschen Laien fasten." Die deutschen Laien sind heute nicht mehr so dumm. Und dar,,», hat auch das Papsttum mit seiner Uinsturzpolitik, die dm Nimbus des Königtun, s mächtig beeinträchtigte, sich— allerdings unfreiwillig— verdient gemacht. Die heusige Begeisterung für das Gottesgnadentuin kommt zu spät.—- ßncfhaftcn der RedahHon. "jfurifttfehcr Ceti. Tie juristische Sstrechstiiiide findet täiilich mit Ausnahme de? Sonnabends dou?-/- bis»-/-»ihr abcndS statt. Geöffnet: 7 Uhr. <8. N. 29. Gegen Liebjchast und Lebenswandel Ihrer Schwiegcr- Mutter können Sic nicht mit gerichtlichen Schritten vorgehen. Gegen jchlechtc Verwaltung des Vermögens der minderjährige» Kinder ist Beschwerde an das Vormundschastsgericht möglich. Ob etwa wegen Ver- schwendung vorgegangen werden kann, erhellt aus Ihren Darlegungen nicht.— I. K. Pasz ist zweckmäßig. Reise schon deshalb nicht, da die süns- jährige Verjährungssrist mit jeder gegen den Thätcr gerichteten richterlichen Handlung von neuem zu laufen beginnt.— F. St. Ihre Ilufwärtcrin ist invaliden-, nicht krankenversicherungspslichtig.— E. I. 12. Wenn wegen des Ehebruchs die Ehe geschieden ist, so dürfen die beiden Schuldigen ein- ander nur aus besondere Erlaubnis hin heiraten. Der Antrag aus Erlaubnis ist an den Justizminister oder an das Schcidungsgericht zu richten.— H. P. 1. und 2. Zur Anschaffung des Werkes ist nicht zu raten. 3. Ja. 4. Der Meister ist strafbar.— G. Th. 199. Sic wenden sich an das Vornrundschaftsgericht mit dem Zlntrag, zwecks Anstellung der Alimenten- klage Ihnen die Vermögenslosigkeit des Mündels zu bescheinigen. Dann beantragen Sie beim Amtsgericht unter Ncbcrreichung des Attestes die Bewilligung des Armenrcchts.— P. W. Beim Berliner Gewcrbegcricht. — 199 G. K. Sie können, wenn Sie für das' Zutreffende Ihrer Schilderung Zeugen haben, mit Aussicht aus Erfolg schon jetzt Strafanzeige erstatten. Gegen ein etwa gegen Sie eingeleitetes. Verfahren würden Sie denselben Thatbcstand klarzulegen haben. Erst lvcnn eine Verhandlung stattgefunden hat oder Ihnen Bescheid erteilt ist, ist eine Veröffentlichung dieses Einzelfalles möglich. Schildern Sie dann den Hergang in Verbindung mit den früheren Fällen.— A. Streit, 3t. D., Mariendorf, Spandau 1. Ja.— Ernst Werner. Sic müssen in den: Termin erscheinen und das Unzutreffende bestreiten. Es wird die Abweisung der Klage von einer Eidesleistung Ihrerseits abhängen.— P. Grostuiann. Ein Paff ist nicht erforderlich. Auslieferung ist möglich.— Karl Weinte. Jeder Zeit kann bis zur Versteigerung durch Zahlung des vollen zur Beitreibung stehenden Betrages nebst allen Gebühren die Versteigerung abgewendet werden.— M. 27, Kopenhagenerftraste. Das mitgekauste Bild ist Ihr Eigentum geworden.— X. D. Z. Nicht mehr möglich. — V. d. V. B. Nach Annahme des Ober-VerwaltungsgerichtS aus Er- fordern der Polizei, ja.— L. D. 22. Nach§ 367 Nr. 9 Str. G. B. ist strafbar, wer einem gesetzlichen Verbot zuwider Stoff-, Hieb- oder Schuff- Waffen, welche in Stöcken oder Röhren oder in ähnlicher Weise verborgen sind, seilhält oder mit sich führt. Ein rcichsgesetzliches Verbot, welches solches verborgene Waffensühren untersagt, besteht nicht. Wohl aber giebt es landes« gesetzliche Vorschriften und Polizeiverhote, welche das verborgene Führen von Waffen untersagen. Das altprcuffischc Strafgesetz§ 345 Nr. 7 verbietet das Feilhalten oder verborgene Mitsichsühren von Waffen. Ob dieses Ver- bot noch in Geltung ist, ist bestritten. Jedenfalls bezieht es sich nur aus das verborgene Führen, nicht aus das in der Tasche, in der Hand oder sonst offen Mitsichsühren von Waffen.— 3t. B. 4. Die Adressen der Kassen finden Sic im Adreffkalendcr, zweiter Teil S. 144. Alle Büch können Sie durch die Buchhandlung des.Vorwärts" beziehen. er � M � a 4 rt- Unmmer müssen bis 3 U!/r nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Ußr nachmittags einzusenden. Expedition Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publiknm gegenüber keinerlei Bcrailtwortnng. Ubeater. Donnerstag, den 30. Juli. Ansang 7>/, Uhr: Neues Operntheater. Boccaccio. Westen. 100 000 Thaler. Anfang 8 Uhr: Berliner. Oberon, König der Elsen. Thalia. Das Alter. Belle-3tlliance. Bayerwald-Thcater: Bruder Martin. Carl Weist. Das Geheimnis des roten Hauses. 3lpollo. Die Liebesinsel. Spcciali- täten. Metropol. Neuestes! Allerneuestes l NeichShallen. Gastspiel von Winter- Thmian. Passagc-Theater. Specialitäten. Urania. Taubenstraste 48/49. Von der Zugspitze zum Watz- mann. Jnvalidenstrastc 37/92. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. csrl Weiss-Tbeater. Graste Frankfurter Straste 132. Letzte Woche:"Wffl MendS 8 Uhr: Das Gebeimnis des roten Hauses. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend zum erstenmal: Der Fehltritt einer Frau. Im Garten: specialitäten- Bor- stellung. Ansang 5 Uhr. 3elIe'WlAne8"7deatkr. Bayerwald-Theater. Bruder Martin. �. Im Garten:.. Spocialitäton• Vorstellung, Konzert. Entree SO Pf. Apollo-Theater. Täglich- U1C LlCUCD'lUoSl mit dem sensationellen POSt-BaliBtt. George Osranis Burleske-Panlomime. Ivette.- Messters Kosraograph: Neue Bilder-Serie. Debüt„Merian" Jim 1. Anglist._ Oer grössto Erfolg dieser Saison I WWW- Zum 200. Haie; TUE Neuestes! Allerneuestes! Dramatische Revue in 5 Bildern. Glanzende Balletts. 300 Mitwirkende. Anfang 8 Uhr. — Rauchen überall gestattet.— Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraffe 58. Ittholfnt Wehk. Volksstück mit Gesang in 2 Akten von Hans Müller. The fhree Amaranlhs, Akrob.-Tänzer. Karl Groth, Groteslkomiker. Rivas und Diras, Antipodenakt aus lebendem Picdestal. Richard Viagner, Konzerlsänger. 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Winkler. " Max Jlliem's Sommer-Theater" Rasenheide 13—15.— Artistische Leitung: Panl Milbitz. Täglich: 17182* Grosses Konzert, Theater- und Specialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. JW Die Kaffeekiiche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet."TSRI 2 hochelegante Kegelbahnen, Würselbuden, Konditorei, Blumenstand rc. In den Sälen: 7smMEN-XrsN2eKsn. 5eliI«W yfässaßtt Znin Sternecker. Inta.: C. Koch. Heute Donnerstag, den 30. Juli: DM* Znin 1. Male In Berlin."WB Sensationell! Sensationell! Grosses historisches Kriegs-, Land- und Wasser-Pencrwerk, darstellend den • Kampf um Cadyfmitl) I Episoden ans dem Boerenkriegc in 15 Bildern � 160 Personen mitwirkend. Ferner: g raj-Lla-j-smasiiztsllr(verstärktes Trommler-, Hornisten- OCmaCVrcmUSBK und Pfeifer-Corps.) M Doppel=Militär=Konzert Theater, Specialitütcn- Vorstellung. Im Bai champetre: Grosser BALL. Vorverkautsbillets in den mit Plakaten belegten Handlungen t Schloss Weissense e. „Zum Sternecker", Inhaber: C. Koch. Täglich: Grosse Theater-Bpccialltaten-Vorstcllung. Niesenprogramm, 40 Nummern. Im Bai champstre: Grosser BALL. Illumination der Fontaine lumineuse. Jeden Mittwoch; Grosses Kindcrfk-endenfest mit Gratis Verlosung. Jeden Donnerstag: Grosses Monstre-Elite-Fenerwerk u. Doppelkonzeri. Jeden Sonntag: Grosses DOPPEIi-KOMZERT. Kaffeeküche.— Volksbelustigungen aller Art. Restaurant und Fest- Säle von Jnllns Wernau, Sch wedter st raste 23/24. Indem ich mir höflichst gestatte, den geehrten Vereinen, Klubs, Gesell- schatten-e. zur«lbhaltung von Festlichkeiten mein Etablissement in freund- liche Erinnerung zu bringen, mache ich bekannt, daff die Einweihung meines eleganten neu renopierten Saales 2195L* == Sonnabend, den 1. August,== stattfindet, wozu ich jedermann zur Besichttgung und zur Teilnahme am Vergnügen ergebenst einlade._ Otto Müller, Naunynstr. 37 (früher Jablonsky). 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Elly Deliasey, Eugen Milardo, Bonnet-Trio, Miss Bella Field, Bettmar u.Mapgarit, Ruck Schaup. Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: äfchp- Tanz."9® Ansang 8 Uhr, Sonntags 5 Uhr. früher puhlmann. Schönhauser 3lllee 148. Inhaber: IVilhclm Prlibci. Heute sowie täglich: Nur noch wenige Tage: tfuH-Lpiefplari. Hugo Schulz X Fredoff Rossde. X Leoeardi-Xruppe. Xhe FirmS. X Starltngs. Hübele-Xrnppe. Um 8 Uhr: Brausender Beisall über das bis jetzt unerreichte Gesangs-Volksstück Kicht und Schatten mit Arthur Winkler vom Thalia- Theater als Gast. Im Saale: Grosser Ball. Ansang 5 Uhr. Entrce 30 Ps. Am 1. August: Arthur Winller- Benefiz. < FWWWWWWWWWWWWWWWWI Etablissement I Buggenhagen 1 | am Moritzplatz. j Jeden Tag: K9nzert des berühmten Orchesters des Signor Vinconzo Eerrara. | Donnerstag, Sonnabend, Sonntag{ im Kaiser-Saal: Tanz. Ostbahn-Park. Am Kiistrinerplatz. Rüdersdorferst.71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. 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