Nr. 176. Abonnements- Bedingungen: 0 Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mr., monatl. 1,10 m., toöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitungs. Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 tart, für das übrige Ausland 2 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 20. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 20 Bfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 ẞfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Roresse: ,, Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 31. Juli 1903. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die Erhebungen über die Arbeitszeit Arbeitstag wird! Das ist den herrschenden Klassen freilich nicht möglich, auf alle hier näher einzugehen. Wir können nur den erwachsener Fabrikarbeiterinnen. II. fo Politische Ueberficht. Berlin, den 30. Juli. wie fast durchgängig üblich ein 16- bis 18ftündiger faktischer finden sich zahlreich in den Berichten, aber es ist, wie schon gesagt, schon tausendfach gesagt worden, ohne daß es bisher auf Wunsch aussprechen, daß diese Erhebungen an allen Stellen, die fie wesentlichen Einfluß gewonnen hat. In diesem Bericht über den sie angehen, recht gründlich studiert werden. Sie bieten für einen Regierungsbezirk Potsdam wird dann auch auf einen der wichtigsten ernsthaften Arbeiterschutz und für dessen Vertreter eine Fülle reichen Die Zahl der Fabriken und diesen gleichgestellten Anstalten im Gründe hingewiesen, der die Regierung und die bürgerlichen Parteien und wirkungsvollen Materials, in erster Linie für die notwendige Deutschen Reiche, welche erwachsene Arbeiterinnen beschäftigen, davor zurückschrecken läßt, für die erwachsenen Arbeiterinnen den Verkürzung der Arbeitszeit. bezifferte sich im Jahre 1901 auf 46 809 mit 847 386 erwachsenen Behnstundentag einzuführen, auf die sichere Voraussicht nämlich, Bezüglich der zweiten und dritten Frage der Enquete, der Arbeiterinnen, während es vergleichsweise 1899 nur 40 249 Fabriken daß die Einführung des zehnstündigen Magimal- längeren gefeglichen Mittagspause und des früheren gesetzmit 798 408 erwachsenen, d. h. über 16 Jahre alten Arbeiterinnen arbeitstages für die Arbeiterinnen die zehnlichen Abendschlusses vor Sonn- und Feiertagen versagen gab; im Jahre 1902, für das die Gesamtzahl noch nicht vor- stündige Arbeitszeit für die männlichen Arbeiter leider die Urteile über die ermittelten Thatsachen eigentlich in allen liegt, sind die Zahlen vom Jahre 1901 zweifellos gleich im Gefolge haben wird. Denn einerseits" so sagt der Berichten. Thatsächlich ist bezüglich der Mittagspausen falls wieder überholt, da in dem Steigen der Zahl Berichterstatter Regierungsrat Mangelsdorff, und wir können ihm er- zunächst ermittelt worden, daß etwa 212 000 Arbeiterinnen von der weiblichen Arbeitskräfte ja nur eine längst erwiesene freulicherweise Wort für Wort zustimmenarbeiten die Frauen mit den 397 714 schon eine Pause von über eine Stunde haben; und doch Tendenz der ganzen kapitalistischen Produktionsweise zum Ausdruck Männern vielfach zusammen und sind bei ihrer Arbeit auf einander sprechen sich die Beamten fast durchweg gegen eine gefeßliche Einführung tommt. Die uns vorliegenden Erhebungen haben von der genannten angewiesen, so z. B. in den Textilfabriken, Hutfabriken, Papier- einer länger als einstündigen Mittagspause aus. Bei der BeZahl für das Königreich Preußen 397 714 Arbeiterinnen über warenfabriken u. a., andrerseits aber besteht bei den Arbeitern selbst gründung dieses Urteils, wie auch bei der sehr verschiedenartigen 16 Jahre erfaßt. ein lebhaftes Bestreben nach Verkürzung der Arbeitszeit. Diese Be Beantwortung der dritten und letzten Frage, ob der Arbeitss Von diesen 397 714 erwachsenen Arbeiterinnen in Breußen hatten strebungen sind schon so weit verwirklicht, daß bereits überall, wo schluß an Abenden vor Sonn- und Festtagen auf eine frühere nun nach diesen amtlichen Erhebungen, um das Gesamt- intelligentere Arbeiter in größerer Menge vorhanden und Stunde als 5 Uhr nachmittags zu verlegen sei, lassen sich die ergebnis als Grundlage der weiteren Erörterungen und durch Gewerkschafts- oder sonstige Organisationen start Berichterstatter ganz von lokalen Verhältnissen beeinflussen. Gerade speciellen Angaben zunächst vorwegzunehmen, 247577 oder geworden sind, also besonders in den Großstädten und Industrie- eine rationelle Socialreform aber soll von der allgemeinen Erkenntnis 62 Proz. schon jetzt im Jahre 1902 einen zehnstündigen, centren, eine nennenswerte Verkürzung der Arbeitszeit er- ausgehen und sich durch lokale Einzelheiten nicht von allgemein als zum Teil noch einen wesentlich fürzeren Arbeitsreicht ist, und zwar ohne daß der Verdienst richtig anerkannten Maßnahmen abbringen lassen. tag und nur 38 Proz. oder 149137 arbeiteten der Arbeiter zurüdgegangen wäre. Wo einmal Indes, wie die Urteile auch im einzelnen sein mögen, die über zehn Stunden täglich. Das Gesamtergebnis ein Ausfall am Verdienst entstanden war, der durch emfigere Arbeit einfache, wiederum durch diese neuesten Erhebungen für 1902 ermittelte ist zwar deutlich genug, aber das Bild wirkt erst dann völlig plastisch nicht ausgeglichen werden konnte, da hat die 2ohnbewegung Thatsache, daß bezüglich der Hauptfrage, der Verkürzung der und unüberwindlich eindrucksvoll, wenn man es in seine Einzelheiten eingesetzt und nach kurzer Zeit den früheren Verdienst mindestens Arbeitszeit erwachsener Fabritarbeiterinnen von 11 auf 10 Stunden, zerlegt, erst dann zeigt sich in vollster Deutlichkeit, daß die wirt- wieder hergestellt." Das Lob der Gewerkschaften fann amtlich erneut festgestellt ist, daß nahezu zwei Drittel schaftliche Entwicklung und auf ihr in bewußter Erkenntnis und Biel- nicht besser, aber auch nicht gerechter zum Ausdruck kommen. Andrer aller preußischen erwachsenen Fabrikarbeiterinnen( und über Preußen flarheit die gewerkschaftliche und politische Bewegung des Prole- feits machen die fortgesetzten Erfolge der Gewerkschaften unsrem hinaus weisen fast alle andren deutschen Bundesstaaten das gleiche tariats schon einen Zustand geschaffen und erkämpft haben, in dem Regierungsrat einige lebhafte Sorgen insofern, als er zu der oder ein noch besseres Resultat bei den Erhebungen auf) die gesetzliche Festlegung des Behnstundentages durchaus richtigen Auffassung kommt, daß die Arbeiter längst wissen, schon den zehnstündigen Arbeitstag besitzen, diese einfür erwachsene Arbeiterinnen zu einer bloßen legis- wer ihnen wirklich hilft und infolgedessen von der Regierung fache Thatsache spricht ein unzweideutiges Gesamt lativen Formalität werden wird, die weder wirtschaftlich eigentlich nichts mehr erwarten, es sei denn das, wozu fie urteil, daß nur noch böser Wille der Regierung oder das blödeste revolutionieren wird, noch socialpolitisch irgendwie eine That zu be- von den Vertretern der Arbeiter endlich gezwungen wird. Klasseninteresse der besigenden Klassen diese Reform verhindern und deuten haben wird für diejenigen, die heute noch die Macht der Herr Mangelsdorff aber glaubt doch noch etwas, bei den Arbeite- Hintertreiben kann! Der neue Reichstag tönnte seine Thätig Gesetzgebung in ihren Händen haben. rinnen wenigstens, an Vertrauen für die Regierung retten zu können, feit nicht besser beginnen, als daß er die Regierung sofort zu diesem Also gestaltet sich das Ergebnis der einzelnen Erhebungen, so er meint daher ein wenig naib: es wird richtiger sein, daß die so überaus spruchreifen Stück Arbeiterschuß zwänge; unsre sehr Einzelheiten auch von einander abweichen, eine Erscheinung, die Arbeiterinnen den 10 stündigen Arbeitstag aus der Hand der Fraktion wird es auch hieran nicht fehlen lassen. sich restlos aus den verschiedenen Graden industrieller Entwicklung Regierung und nicht aus der Hand der Arbeiterund gewerkschaftlich- politischer Macht in den verschiedenen preußischen organisatoren erhalten". Der Herr Regierungsrat mag sich Landesteilen erklärt. Aber selbst in der in diesen beiden Beziehungen durchaus beruhigen, auch die Arbeiterinnen wissen längst, tem sie doch so rückständigen Provinz Ostpreußen ist die Anzahl der nur zehn thatsächlich jeden fümmerlichen Brocken gefeßlichen ArbeiterStunden oder noch weniger arbeitenden erwachsenen Fabritarbeiterinnen schutzes zu verdanken haben, sie wissen es, ohne daß man sie etwas größer wie die der länger als zehn Stunden arbeitenden, für zum Beispiel auch an das Ein bekannte diesbezügliche die erstgenannten ergaben die amtlichen Erhebungen nämlich die geständnis des Fürsten Bismarck zu erinnern braucht. Im übrigen Hochwasser und Flußwirtschaft. Zahl 2914, für die letzteren 2481. Die meisten Betriebe, wo die bietet dieser Bericht auch sonst noch manch' wertvolles Geständnis, Man schreibt uns: längere Arbeitszeit noch üblich ist, liegen, wie der amtliche Bericht manch gesundes Urteil, aber der Raum verbietet, noch näher auf ihn Die Nationalliberale Korrespondenz" fordert Versicherung der hervorhebt und was nicht wunder nimmt, in ländlichen Bezirken einzugehen. von Hochwasser Bedrohten bezw. Organisation dieser Versicherung und fleineren Städten. Deshalb geht die Furcht des Berichterstatters Auch die andren Berichte, so wertvolles Material sie auch für durch den Staat. Es wird hierbei darauf hingewiesen, daß es auch für Ostpreußen bei einer gesetzlichen allgemeinen Einführung des die verschiedenen Verhältnisse bieten, können nur kurz gestreift werden, zur Einführung der Hagel- und Feuerversicherung auf dem Lande Behnstundentages auch dahin, daß die Leutenot für die Landwirt- nur einiges fann herausgegriffen werden. Dabei übergehen wir sehr vielfach der staatlichen Initiative bedurft hätte, daß dann aber schaft dadurch noch größer werden würde, weil in der dortigen gern all die Aeußerungen, die sich wie in den Berichten aus Privat- Versicherungsgesellschaften gern diese früher berpönte VerLandwirtschaft durchweg noch über 11 Stunden gearbeitet würde. Pommern, Frankfurt a. D., Oppeln und Sigmaringen sicherung in ihren Geschäftsbereich gezogen hätten. Dieser Grund, die Erhaltung eines möglichst langen Arbeitstages in mit den blödesten und rückständigsten Auffassungen der Unternehmer Diesen Vergleich der Wasserschäden mit den durch Feuer und der Landwirtschaft, erscheint diesem berichterstattenden social- völlig beden und die in manchen Punkten wohl selbst nicht mehr Hagel verursachten ist aber verkehrt. Feuer- und Hagelschäden können politischen" Beamten, er heißt Sad und ist Geheimer Regierungs- dort wirken werden, wo sie wirken sollen. Uebrigens ist es kaum nötig, jeden Befizer auf dem Lande treffen; Wasserschäden nur einen gerat, so durchschlagend, daß er einen weiteren Grund für sein zu erwähnen, daß gerade diese Berichte mit diesen Urteilen im reinsten ringen Bruchteil, diesen aber um so häufiger. Die jährlichen FeuerBotum, daß alles bleibe wie es ist, nicht angiebt. Uebrigens möchten Unternehmerfinne auch sonst quantitativ wie qualitativ meist ver- und Hagelprämien betragen daher nur wenige Tausendstel vom Wert; wir Herrn Sad nicht allein übermäßig bloßstellen, die Begründungen fagen. Aber das ist man ja leider überhaupt bei den meisten Be- hingegen müßten bei Hochwasser- Versicherung die jährlichen Prämien feiner paar Kollegen, die auf demselben arbeiterinnenschutzfeindlichen richten der preußischen Fabrikinspektoren gewohnt, daß es 5-10 Broz. vom Wert betragen, da die nicht vom Hochwasser BeStandpunkt wie er stehen, sind meist um feinen Deut besser.- um so mehr wunder nimmt, verhältnismäßig in diesen Erhebungen drohten auch nicht zu Beiträgen herangezogen werden können. Etwas erfreulicher bezüglich Thatsachen und Urteile ist schon sogar viel anerkennenswertes Bemühen zu finden, die Thatsachen Der Vorschlag einer Hochwasser- Versicherung, für welche der der amtliche Bericht für Westpreußen. Von den 5884 dort richtig und borurteilslos zu begreifen und zu beurteilen. Dies- Bedrohte die Prämien zahlt, ist aber auch darum unsinnig, weil nachgewiesenen erwachsenen Arbeiterinnen arbeiten 8117 oder bezüglich verweisen wir noch besonders auf den Bericht über die der Schaden nicht als„ force majeure"( höhere Gewalt) anerkannt 53 Proz. nur 10 Stunden und weniger. Auffallend ist, daß Verhältnisse im Regierungsbezirk Breslau, den der Regierungs- werden kann. Jeder Fachmann wird vielmehr zugeben, daß die in dieser Provinz im Regierungsbezirk Marienwerder, wo der Klein- und Gewerberat Siebert erstattet. In diesem Regierungsbezirk hat Hochwasserschäden vermieden werden können und daß der Staat, betrieb herrscht, 78 Proz. die kürzere Arbeitszeit haben, während im sich zunächst gezeigt, daß dort heute schon in keiner Industriegruppe der den Deichzwang durch Gefeße geschaffen hat, für die HochwasserRegierungsbezirk Danzig, wo Großbetrieb herrscht, nur 45 Proz. die mehr an dem einheitlichen elfstündigen Betriebe festgehalten wird, schäden verantwortlich ist. Vorschriften erlassen, die Kosten dafür kürzere Arbeitszeit haben. Nach dem Gesamtergebnis in dieser daß von 1258 Betrieben in 756 die zehnstündige Arbeitszeit nicht von den Beteiligten einfordern, und wenn die Maßnahmen sich als Broving kommt der referierende Beamte denn doch schon zu dem überschritten wird. Der Berichterstatter dieses Bezirks giebt auch fruchtlos und verkehrt erweisen, von den Geschädigten wieder neue Urteil, daß für einen großen Teil" der Anlagen die zwangsweise sehr verständige Urteile von Verwaltern bedeutender Anlagen wieder, Opfer verlangen, wäre doch schreiendes Unrecht. Beschränkung der Arbeitszeit auf 10 Stunden ohne Schwierigkeit welch' legtere in der im Bericht gegebenen tabellarischen Uebersicht Die Socialdemokratie muß im Interesse der Bedrohten, wie im An dritter Stelle steht in dem noch eingeführt werden kann". mit elfstündiger Arbeitszeit figurieren, die sich in allgemeinen Kulturinteresse principiell verlangen, daß zu einer FlußBande der Sonderberichte der Regierungsbezirk Pots dem Sinne geäußert haben:„ Es könne ihrer Industrie wirtschaft übergegangen wird, welche die Hochwasserstände auf ein dam; hier weht nun schon westlich- industrielle Luft und Thatsachen gar nichts besseres widerfahren, als die Einführung der gefeßlichen ungefährliches Maß herabdrückt, und ferner als Provisorium vers tie abgegebene Gutachten lassen dies sofort erkennen. Die Gesamt zehnstündigen Arbeitszeit." Dies begründet une; der Bericht langen, daß der Staat, der durch seine bisherige verkehrte Flußzahl der in diesem Regierungsbezirk in Fabriken und diesen gleich erstatter im einzelnen und kommt schließitch zu dem folgenden wirtschaft die Hochwasserschäden allein verschuldet, alle Schäden zu gestellten Anlagen beschäftigten Arbeiterinnen betrug im Berichts- Ergebnis, das wir wörtlich wiedergeben möchten:" Nach dem allen erseyen hat. jahre 21 619, davon hatten, so weit berichtet werden konnte, nur fann gesagt werden, daß die gefeßliche Festsetzung einer Das Wasserrecht unterscheidet zwischen öffentlichen und privaten 23,3 Proz. eine längere Arbeitszeit tie 10 Stunden. Dieser Prozent- Arbeitszeit von 10 Stunden durchführbar ist. Flüssen; bei den ersteren, das sind die schiffbaren, steht dem Anlieger satz beschränkt sich fast ausschließlich auf die Textil- und Bekleidungs- Der in dieser Herabsetzung der Arbeitszeit liegende Fortschritt nicht einmal das formale Besitzrecht am Wasser zu; die Flußsohle industrie, deren lange Arbeitszeit ja auch sonst hinlänglich berüchtigt ist. ist so bedeutend und für die Kultur, Gesundheit ist fistalisches Gut; aber auch an den Privatflüssen, flößbaren und Der Berichterstatter für diesen Bezirk giebt ein sehr detailliertes und Sittlichkeit der ganzen Arbeiter bevölkerung nicht flößbaren, hat der Staat so viel Rechte gegenüber dem UferBild der Arbeitsverhältnisse, das sehr lehrreich wirkt auch dort, auf die Dauer bon so heilsamem Einfluß, daß befizer, daß für ersteren die Pflicht der Aufrechterhaltung des Kulturwo man nicht zustimmt. Er kommt schließlich zu dem ganz dessen Einführung entschieden befürwortet Einführung entschieden befürwortet werden zustandes gegen Hochwasser daraus gefolgert werden muß. Denn unzweideutigen Urteil, daß die Zweckmäßigkeit der Herab- tann... Soll die Maßregel durchgeführt werden, so muß dies wie tann dem Uferbefizer, der vielleicht nur einen Streifen von setzung der gesetzmäßigen Arbeitszeit der Arbeiterinnen von unverzüglich geschehen. Ein so günstiger Beitpunkt 50 Meter oder 100 Meter Breite befigt, zugemutet werden, Maß11 auf 10 Stunden aus gesundheitlichen und sittlichen Gründen zur Herabsezung der Arbeitszeit wie der gegen- nahmen zu bezahlen, welche das dahinter liegende Gelände von bejaht werden muß". Er weist in seiner Begründung auch übrigens wärtige dürfte später so bald nicht wiederkommen..." Dies und mehreren Kilometern Breite schützen sollen? Und wie kann de darauf hin, wie gerade in großen Städten, z. B. in Berlin, wo die ähnliches Vernünftiges ist zwar von socialdemokratischer Seite Hinterliegern, welche gar keine Anrechte auf den Fluß haben, Arbeiterinnen wegen der großen Entfernungen mittags nicht nach unzähligemal betont und bewiesen worden, aber daß es von amt nicht auf einen Brivatfluß, zugemutet werden, sich an den Koste Hause können, jetzt aus der 11stündigen Arbeitszeit ein 13- bis licher Seite nunmehr auch geschieht, ist ein Fortschritt, den wir Schadens zu beteiligen, welchen dieser Fluß anrichtet? 14 stündiges Fernsein von Wohnung und Familie werde, und so gewiß gern anerkennen. Die bestehenden Deichlasten der Verbände müssen ab fügen wir hinzu, wenn die Frau dann noch zu Hause die Wirtschaft Aehnliche Urteile, wenn auch leider nicht immer so bedingungs- werden. Der Staat muß die gesamte Flußwirtschaft führen und in Ordnung bringen und für das Hauswesen arbeiten muß, los, sondern mit dem üblichen amtlichen einerseits- andrerseits" ihren Erfolg auftommen. Wenn auf irgend einem Gebiete " 4 menschlichen Wirtschaft, so ist es ans dem Gebiete der Flnßwirtschaft, wo allein der Staat den gesamten Betrieb und alle damit ver- bundene Verantwortlichkeit übernehmen muß.— Deutfchce Reich. Die Bestrafung des NichtthiiterS. Da§ Reichsgericht hat längst durch seltsamste und reaktionärste Auslegungen das Preßrccht verwirrt. Heute liegt wieder ein Fall vor, in dem vermittelst der Anwendung des Soliis eventualis ein Redakteur wegen einer That bestraft wurde, an der er in keiner Weise beteiligt war. r..r Es handelt sich um eine Anklage wegen Beleidigung des katho- nschen Pfarrers Lissek durch einen am!). November v. I. erschienenen Artikel des radikalpolnischen Blattes„Gornoslazak" in K a t t o w i tz. Neben dem Redakteur K o lv a l c z y k war an diesem Blatte der Redakteur Johann Bednarski thätig, dieser als Verantwortlicher. Obwohl nun B. nachgewiesen hat, daß er z u r Z e i t d e S E r- schein ens des Artikels gar nicht im Rcdaktionsbureau thätig war und auch an der Redaktion sich nicht beteiligt hat, ist er doch vom Landgericht in Benthe» für schuldig beftmden und z u Vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. In dem Urteile Heist es: „Die Tendenz des BlatteS ist gegen die deutschen katholischen Geistlichen gerichtet. Der Angeklagte Bednarski ist schon zweimal wegen Beleidigung solcher Geistlichen zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt worden. Am 6. Noveinber lag er seiner Rcdaktions- thätigkeit noch ob. Er wußte, daß ein Ausschnitt auS der„Ober- schlestschen Volkszeitung", cuthaltend ein Eingesandt des Pfarrers Lissek in dem Fache lag, in welchem der Stoff zu Kampfartikeln aufbewahrt wurde. Um die Aufnahme eines solchen Artikels nicht zu verhindern, hielt er sich am 7. November, an welchem Tage er einen Termin wahrzunehmen hatte, von der Redaktion fern, blieb auch ausnahmsweise de» ganzen Tag und die folgende Nacht vom Hause fort. Am folgenden Tage, einem Sonnabend, kam er in die Redaktion, als der Druck bereits vollendet und der beleidigende Artikel bereits erschienen toar. Er hat sich also absichtlich von der Redaktion fern- ehalten, u m d e n, wie er vermutete, beleidigenden n halt des fraglichen Artikels nicht kennen zu lernen. Es ist deshalb angenommen worden, daß er mit dem dolus eventualis gehandelt hat. In seiner Revision bestritt der Angeklagte, sich einer Be- leidigung schuldig gemacht zu haben. Er habe sogar am Montag in der Redaktion seiner Verwunderung darüber Ausdruck gegeben, daß man in seiner Abwesenheit einen solchen beleidigenden Artikel ver- öffentlicht habe. Das Reichsgericht verwarf jetzt die Revision als unbegründet, da der Eventualdolus ausreichend festgestellt sei. Nun erscheinen schon die„Feststellungen" des Landgerichts sehr eigner Art. � Wie konnte man„feststellen", der Angeklagte habe„ver- mutet", der�Artikel, der noch gar nicht existierte, werde Beleidigungen enthalten? Wie soll man annehmen, der Angeklagte habe gewollt. daß ein beleidigender Artikel veröffentlicht werde, ohne daß er selbst straffällig würde? Mußte er doch den Nachweis seiner Nichtbetciligung an dem Artikel führen, was nur möglich ist durch Preisgabe des Redakteurs, welcher der wirkliche Thäter war und den alsdann das Gericht zur Strafe ziehen konnte! Die„Feststellungen" klingen nach dem vorliegenden Bericht so haltlos wie nur möglich. Selbst wenn aber die Feststellungen gut begründet wären, so bleibt deirnoch unerfindlich, wie der Nichtthäter bestraft werden kann. Dem dolus eventualis wird die ungeheuerliche Tragweite ge- geben, daß derjenige bestraft wird, der vermutet, daß ein andrer ein preßgesetzliches Vergehen begehen will! Die Wege des Reichs- gerichts sind wunderbar.— Die Notwendigkeit einer Aenderung des preußischen Landtags- Wahlrechts betont in dem neuesten Heft der„Preuß. Jahrbücher" Professor Delbrück. Er fordert eine Neu-Einteilung der Reichstags- Wahlkreise und führt dann aus: „Noch viel wichtiger, aber auch viel schwerer als die Neu-Ein- teilung der Reichstagswahlkreise ist die Reform des Wahlrechts zum preußischen Abgeordnetenhause. Wenn jetzt ganz Deutsch- land mit Fingern auf das Königreich Sachsen hingewiesen hat: seht ihr wohl, eure 22 Socialdemokratcn sind die gerechte Strafe für das schmähliche Unrecht, das ihr durch eure Wahlentrechtung begangen habt— so geben die guten Sachsen das zwar sehr kleinlaut zu, weisen dann aber trotzig aus Preußen hin, wo ja das Dreiklassen-Wahlrecht noch viel ungerechter und schlechter sei, als das sächsische. Die Thatsachc ist richtig, nur mit dem doch recht wesentlichen Vorbehalt, daß in Preußen das das überlieferte Recht ist, während in Sachsen bereits ein dem Geist der Zeit gemäßes Wahlrecht bestand und durch einen übermütigen Gewaltakt vernichtet wurde. Wie aber sollen wir in Preußen das Wahlgesetz ändern? Davon, daß man ohne weiteres zum Reichstags-Wahlrecht übergeht, kann nicht die Rede sein. Ein Wahlrecht aber, das thatsächlich die Entscheidung in dir Hände einer ganz winzigeii Minorität legt, und der ungeheuren Mehrheit des Volkes nur den Schein einer Mitbestimmung läßt, läßt sich auf die Dauer nicht aufrecht erhalten; auch hier vertritt d i e S ocialdemokratie mit der Forderung der Reform etwas unbestreitbar Berechtigtes. Es ist zu früh, um in Betrachtungen darüber einzutreten, wie man etwa reformieren könnte, nur das darf und muß� mit aller Entschiedenheit ausgesprochen werden: eine Reform ist notwendig, und es ist Sache der Regierung, den Widerstand, den ihr ohne Zweifel die Konservativen im Ab- geordnetenhause und namentlich das Herrenhaus bereiten werden, zu überwinden. Was für Sachsen jetzt eigentlich niemand mehr bestreitet, daß es nämlich eine Entlastung für die Reichstagswahl bedeutet, wenn die Socialdemokratie auch am Landtag beteiligt ist, das gilt auch für Preußen." Zwar kann sich der Herr Professor nicht zu der Forderung wirk- licher Gerechtigkeit im Wahlrecht„ohne weiteres" erheben, immerhin zeugt seine Aeußerung von der Erkenntnis, daß die Socialdemokratie gerade aus der schweren Ungerechtigkeit des Ausschlusses der ge- samten Volksmassen von der Anteilnahme an der Landesgesetzgebung politischen Gewinn zieht. Freilich kann ein Delbrück schon infolge der geringen Folgerichtigkeit seines Politisierens keinen größeren Einfluß auf die Stellungnahme der bürgerlichen Parteien haben.— Die vornehmste und heiligste Pflicht. Nachstehendes Schreiben zeigt, auf welche Weise den Krieger- «ereinen Mitglieder zugefiihrt werden: Krieger- und Militärverein Neudaberstedt. Neudaberstedt, 23. Juli 1903. Wir haben erfahren, daß Sie Ihrer Militärpflicht bei einem Truppenteile der deutschen Armee genügt haben, wodurch die Be- dingungen für die Aufnahme in unfern Verein erfüllt sind. Jeder ehruebende, alte Soldat, vor allen Dingen aber die im Staatsdienst als Arbeiter oder Beamte beschäftigten, die sozusagen aus der Staatskrippe essen und in der Kolonie ihren Wohnsitz haben, sollten eS für ihre vornehmste u n d heiligste Pflicht erachten, unserm Verein, der Mitglied des preußischen LandeS-Kriegerverbandes und des deutscheu Kriegerbundes ist, an dessen Spitze Se. Majestät unser allergnädigster Kaiser und König als Protektor steht, anzugehören. Ueber Zweck und Ziel, sowie die Bestrebungen und den Nutzen dieser Vereinigungen alter Soldaten ist der unterzeichnete Vorstand jederzeit gerne bereit, Ihnen näheren Aufschluß zu geben. Wir ersuchen Sie hierdurch kameradschaftlichst, sich unserm Verein anzuschließen und Ihren Beitritt so rechtzeitig anzumelden, daß wir in die angenehme Lage versetzt werden, Sie noch vor der chnenweihe. welche am 9. August er. stattfindet, in unsren Verein fzunehmen und als Kamerad in unsren Reihen willkommen chen zu können. Mit kanieradschastlichem Gruß! Der Vorstand. I. A.': Köppen. Vorsitzender. Das Schreiben erhält seine wahre Bedeutung, wenn man er- fährt, daß der Unterzeichner selbst Eise»bahn- Betriebs- Sekretär ist. Neudaberstedt liegt bei Erfiirt und zählt 176 ReichstagSwähler, von denen bei der letzten ReichStagstvahl 159 gewählt haben; davon erhielt der Socialdemokrat Schulz 81 Stimmen. Nun ist es klar, daß Aufforderungen, toie sie der Eisenbahnsekretär an die in dem kleinen Orte mitw'ohncnden Eisen- bahn-Beamten und Eisenbahn-Arbeiter erließ, auf eine schwere Gewissens- bedrückung hinauslaufen. Jeder ist sofort gekennzeichnet, der„aus der StaatSkrippe ißt" und doch etwa der„vornehmsten und heiligsten Pflicht" nicht nachkommt. Dieser gelinde Zwang hat dann freilich zur Folge, daß das Gegenteil des gewollten Zweckes eintritt, daß die socialdemokratischen Stimmen sich erst recht vermehren.— Sächsische Gemeinde-Reaktion. Die furchtbaren Schläge, die sich die sächsischen Wahlrechtsvernichter am 16. und 25. Juni geholt haben, brachten, wie man weiß, auch die schlimmsten Reaktionäre einen Augenblick zum Nachsinnen. Innerhalb der grünweißen Grenzpfähle jagt jetzt ein„Reformplau" den andern, und man ist eifrig bei der Arbeit, nach dem Rezept„Wasch mir den Pelz, aber mach ihn nicht naß" ein„Wahlrecht" hcrauszuspintisieren, das zwar den Socialdemokraten nicht giebt, was ihnen gebührt, aber doch die Ungerechtigkeit des zweierlei Rechts ein klein wenig besser ver- schleiert als das Geldsacks-Wablrccht von 1896. Gleichzeitig aber ist der verantwortliche Minister der Wahlentrechtung, Herr v. Mctzsch, eifrig am Werke, der allezeit getreuen Bureaukratie einen andren Weg der Socialistentöterei angelegentlichst zu empfehlen. Auf einem sächsischen Städtetage zu Pirna predigte er den entzückt lauschenden Stadtaelvaltigen neulich die Notwendigkeit eines verschärften Kampfes gegen den„Umsturz". Das heißt mit andern und klareren Worten: loenn wir nach dem furchtbaren Zusammenbruch bei der diesjährigen ReichstagSwahl auch auf dem Gebiete des Landtags- Wahlrechts„Konzessionen" machen müssen, so muß dafür an andrer Stelle um so energischer das Recht der Socialdemokraten beschnitten werden. Nämlich in den G e- m e i n d e n I In Sachsen haben wir eS mit der Zeit auf mehr als 899 socialdemokratische Gemeindevcrtreter gebracht und die Aus- sichten auf eine Vennehrung dieser Zahl sind sehr günstig. Da heißt es für die Reaktionären natürlich: vorbeugen! Und so sehen wir sie denn schon seit langer Zeit in vielen Gemeinden eifrig mit der Verschlechterung des Gemeinde-WahlrechtS beschäftigt. Wo bisher allgemeines und gleiches Wahlrecht bestand, wird es zu einem Klasseu-Wahlrecht umgefälscht: wo ein Dreiklassen-Wahlrecht schon früher eingeführt war, schafft man neuerdings Vier- oder gar Fünfklassen- Wahlrecht! Die Regierung als Aufsichts- behörde versagt solchen Bestrebungen niemals ihre Billigung, in einzelnen Gemeinden forderte sie sogar direkt zu dem „löblichen Thun" aus. Ein nettes Vorspiel dessen, was da mit vermehrter Kraft kommen wird, erlebte man dieser Tage in Mylau. Diese Stadt, die bisher noch das gleiche und direkte Kommunal-Wahlrecht besaß, wünscht sich der sogenannten revidierten sächsischen Städte-Ordnung zu unterstellen. Als der Bürgermeister Jurk seinen Entwurf des abgeänderten Ortsstatuts dem Stadtgemeinderate präsentierte, be- merkte er dabei, nun müsse man wohl das Dreitlasfen- Wahlrecht einführen; er selbst sei zwar kein Freund dieser Maß- regel, aber die Regierung werde ohne sie schwerlich die notwendige Genehmigung erteilen!— Halle, 29. Juli. sEig. Ber.) Einen traurigen Wahltrick zur Hinausdrängung socialdemokratischer Stadt- verordneter aus dem Stadtverordneten-Kollcgium hat unser wohlweiser Magistrat ersonnen. Mit Bestimmtheit konnte unsre Partei daraus rechnen, im 2. und 3. Bezirk bei den im Herbst stattfindenden Wahlen wiederum neue Vertreter in das Stadt- Parlament zu entsenden, da in jenen Bezirken überwiegend social- demokratische Wähler wohnen, während in den übrigen Bezirken, mit Ausnahme des Vorortsbezirks Gicbichenstcin, bisher noch das bürgerliche Element die Majorität hat. Der Magistrat will nun sämtliche Bürger der dritten Wahlabtrilnng, gleichviel in welchem Bezirk sie wohnen, die ausscheidenden Vertterer gemein- sam wählen lassen und die„liberale"„Saale-Zeitting" hofft durch diese„Wahlreform", die sie mit Freuden begrüßt, der Social- demokratie für diesmal— aber auch nur diesmal!— in zwei Bezirken den Sieg vereiteln zu können. Insgesamt wurden bisher in der Altstadt 3172 bürgerliche und 3677 socialdemokratische Stimmen abgegeben. Durch eine kräftige Agitation seitens unsrer Partei könnte man aber das Schauspiel erleben— der Wahltrick reizt an und unsre Stimmen nehmen stets zu— daß die socialdemokratischen Vertreter in diesen sämtlichen Bezirken gewählt würden. Im Jahre 1993, in welchem die Wähler des Vorortes Giebichenstein mit wählen, steht das Ereignis sicher bevor.— Zwei Urteile. Der„Volksbote" in Stettin berichtet: Schwere Soldatciimisihaiidlmigcn und versuchte Verleitung zum Mein- e i d e bildeten den Gegenstand einer Verhandlung, Ivelche am 28. d. M. gegen den Unteroffizier Friedrich Niedan vor dem Kriegs- gericht der 3. Division stattfand. Die Anklage wirft ihm vor. seit dem März d. I. die Musketiere Pancck und Manthey in mehr als 19 Fällen körperlich schiver mißhandelt zu haben, indem er sie ins Gesicht schlug, ihnen die Haut so lang zog, daß sie riß. die Leute mit dem Kopf gegen die Bettstellen stieß und noch andre ähnliche Gewalt- thaten verübte. Um sich diesen zu entziehen, wurde Pancck sahnen- flüchtig, ist aber wieder zum Regiment zurückgekehrt. In der Vorunter- suchung. die wegen dieserFahnenflucht gegen Paneck eingeleitet wurde, soll Niedan versucht haben, drei Zeugen zum Meineid zu verleiten, um dadurch seine Handlungsweise zu verdecken. Der Angeklagte be- streitet alles. Nach der umfangreichen Beweisaufnahme beantragte der Vertreter der Anklage wegen der Mißhandlungen und der ver- suchten Verleitung zum Meineid eine Gesamtstrafe von 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus. Das Gericht verurteilte den Nicdan wegen Mißhandlung in vier Fällen nur zu 3 Wochen Mittelarrest. In seinen Acußernngen zu den Musketieren wird keine versuchte Ver- leitung zum Meineid erblickt, ebenso wird die Ueberschreitung der Dienstgewalt in andern acht Fällen verneint. Wegen dieser ihm zur Last gelegten Delikte wird der Angeklagte freigesprochen. In derselben Sitzung des Kriegsgerichts hatte sich der Musketier Paneck, welcher sich lvcgcn der Niedanfchen Mißhandlungen vom Truppenteil entfernte, wegen Fahnenflucht zc. zu verantworten. Der Angeklagte gab an, daß ihn nur die rohe Behandlung, welche er erdulden mußte, zur heimlichen Entfernung veranlaßte. Fahnen- flüchtig wollte er nicht werden. ES sei ihm nur darum z u thun gewesen, versetzt zu werden. Es tvird vom Vertreter der Anklage eine Gesamtstrafe von 6 Monaten 1 Tage Festungs- Haft und Versetzung in die zweite Klaffe des Soldatenstandes beantragt. Das Kriegsgericht sieht die Sache„milde" an und verurteilt den Paneck zu vier Wochen strenge» Arrest wegen unerlaubter Entfernung. Im Beuthener Gefängnis gestorben ist einer der nach dem Laura- hütter Krawall Verhasteten— der Arbeiter Liwonski. Das in Kattowitz O.- S. erscheinende polnische Parteiblatt „Ga�eta Eobotnicza" veröffentlicht darüber nachfolgende Einzel- heiten: Die Wunde, welche Liwonski am Krawalltage erhielt, sah wie eine Hiebwunde— wahrscheinlich von einem Säbelhieb herrührend— miS. Sie verlief von der rechten Stirnseite zu dem Auge, war etwa 7 bis 19 Centimeter lang, etwa l'/z Millimeter breit und reichte bis an den Knochen. Der schwerverwnndete Liwonski wurde ins Kattowitzer Gefängnis transportiert. Am 24. Juni führten zwei Polizeibeamte oder Gendarmen einen bleichen Mann mit verbundenem Kopf zur Laurahütter Polizei. Dann mußte sich der bleiche verwundete Mann auf den Transport- wagen setzen, wo er mit einem andren Gefangenen zusammengefesselt wurde. Die beiden saßen auf den Waaenbrettern. Der Wagen war derart, wie man ihn zur Kohlen- oder Eisenabfuhr benutzt. Stroh oder irgend ivelche Vorrichtung zum Lagent für einen verivundeten Mann war darauf nicht vorhanden. Wenn nicht alles täuscht, war der bleiche Mann, der transportiert wurde— Liwowski...- Auf jeden Fall hat mau auf die vorbezeichnete Art eine» Verwundeten transportiert— und das i st mehr a l S e m p ö r e n d! Es ist sehr leicht anzmtehmeit, daß eine Wunde gerade bei diesem Transport sich verschlechtert hat. Im Kattowitzer Gefängnis sah man Liwonski mit verbundenem Kopf auf dem täglichen Bewegungsgang zusammen mit den Gesunden Gefangenen. Gefangene, welche aus der Krankenstation unter- gebracht werden, gehen gewöhnlich nicht zusammen mit den gesunden zu der sogenannten„Freistunde". Schließlich wurde Liwonski ins Beuthener Gefängnis transportiert. Dort saß er einige Tage in dem Ilntersuchungsgefängnis auf der 1. Station, 1. Etage. Man sah ihn auch auf der gemeinsamen Freistunde. Er iah schivach, schon gelb aus. Er war so schwach. daß er sein Brot nicht essen konnte und es an andre Gefangene ver- schenkte. Er bekam ans der Untersuchungsabteilung die gewöhnliche Gefangeneukost, welche für die Gesunden bestimmt ist. Die Gefangenen sahen, wie er das Essen aus dem gemeinsamen Zuber mit ihnen zu- sammen holen mußte. Ob er außerhalb der gewöhnlichen Kost Milch oder dergleichen bekam, lvar nicht festzustellen. Wer aber die ge- Ivöhnliche Gefangenenkost des Beuthener Gefängnisses kennt, der kann sich vorstellen, wie diese Nahrung auf den Gesundheitszustand des geschwächten und verwundeten Menschen einwirken mußte. Ungefähr am 19. Juli wurde Liwonski erst auf die Kranken» station des Gefängnisses übergeführt. Ernsthafte Fragen tauchen auf: Warum hat man den schwer- verwundeten Liwonski nicht in einem Lazarett in Laurahütte gelassen? Warum hat man am 24. Juni einen am Kopfe verwundeten Mann in einem gewöhnlichen Wagen, auf Brettern, ohne Stroh, ohne irgend welche andre Vorrichtung nach Kattowitz transportiert? Warum hat man Liwonski von Kattowitz nach Beuthen transportiert, wenn seilt Zustand derart war, daß er nach wenigen Tagen starb? Warubt hat man den Liwonski nicht sofort im Beuthener Gefäitgitis auf der Krankenabteilung untergebracht, statt in der Ge- fängniSzelle? Warum hat man Liwonski in derselben Zeit in der Untersuchungsabteilung die gewöhnliche Gefangenenkost verabreicht, statt ihm das Krankenesse» zu geben? Auf alle diese Fragen müssen die Polizei- und Gerichtsbehörden genau und öffentlich antlvorteit.— Hiidtand. Oestreich-Ungar». Neber den Bcstcchnngsversuch des früheren Abgeordneten DieneS loird allem Anschein nach bald Klarheit verbreitet werden. Der Staatsanwalt hat, wie aus Budapest gemeldet wird, einen Prozeß wegen Verleumdung der Regierung gegen Dienes angestrengt, welcher dem Abgeordnete» Zoltan Papp 12 999 Kronen gegen das Ver- sprechen der Abreise eingehändigt hatte. Liberale Blätter stellen fest, daß der Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary durch das verächt- lichc Stillschweigen, welches er der unwürdigen Insinuation, als wäre von feiten der Regierung eine Bestechung versucht worden, entgegengesetzt habe, in vornehmster Weise jede Verleumdung abgewehrt hat. Der Muiisterpräsidcnt habe, indem er seine Zustimmung zur Einsetzung eines Untersuchlliigs-AnSschnsses erteilte, es absichtlich unterlassen, auf die Verdächtigung der Bestechung eine Silbe zu erwidern. Dienes sucht vorläufig noch seinen Bestechungsversuch zu be- streiten. Er veröffentlicht eine seltsame Erklärung, in welcher er in Abrede stellt, das Geld zum Zweck einer Bestechung übergeben zu haben und sick vorbehält, vor der parlamentarischen UntersuchuugS- kommission weitere Enthüllungen über Papps Vorgehen und Ver- Hältnisse zu machen.— Zu dem TodcSmarsch dcS 12. östrcichischen Infanterieregiment» veröffentlickit der„Budapesti Hirlap" den Brief eines beteiligten Soldaten, der eine wahrhaft herzzerreißende Schilderung der Leiden, welche die Opfer von Bilek zu erdulden hatten, enthält und zugleich treffend den Wert der Verlegenheitsausredcn des östrcichischen und ungarischen Kriegsministers charakterisiert. In dem Bries heißt es: „Infolge der großen Hitze bei den Manövern hatten wir fünf- zehn Tote: außerdem bekamen vier Soldaten Herzkrämpfe und zwei Leute mußten ans Bett gefesselt werden, da sie wahnsinnig wurden. Montag früh gingen zwei Bataillone des 12. Regiments nach Bojistye, wo das Hauptlager ist. Sie mußten Bilek passiren. Drei Bataillone des in Bilek garnisonicrendcn Militärs, das erste des 69., das erste des 32. und das dritte dcS 62. Infanterieregiments, gingen ihnen entgegen, um sie bei MoSko zum Kampfe zu bringen. MoSko liegt von Trebinje 14, von Bilek 13 Kilometer entfernt. Die Soldaten des 12. Regiments waren stark aufgepackt, die aus Bilek aber nicht. Infolge- dessen wurde das Komorner Regiment stark„gejagt", den Soldaten dieses Regiments wurde keine Rast gegönnt, auch konnten sie kein Wasser bekommen. Dazu muß man sich die 48— 59 Grad Rsaumur Hitze vorstellen. Unter solchen Umständen ist es wirklich nicht zu verwundern, daß 899 Mann erschöpft dahinsanken. Es war ein schrecklicher Anblick, als das 12. Regiment durch das Thor von Bilek einmarschierte. Die neunte Compagnie bestand auS fünf, die fünfte Compagnie aus einem einzigen Mann. Eine Compagnie kam gar nicht»ach Hause, sondern blreb samt dem Kommandanten auf der Straße. Beim Thore mutzten sie vor dem General defilieren. Die Regimentskapclle bestand nur auS sieben Mann, der Kapellmeister stürzte dort erschöpft zusammen. Bon dem ganzen Regiment marschierten insgesamt 199 Mann in Bilek ein. Die Landstraße bis Mosko war mit Sol- baten voll, die sich in daS Gebüsch flüchteten. Auch viele Offiziere stürzten zusammen. Nach dem Einmarschieren erkannte man noch gar nicht, wie ernst die Sache war. Die Offiziere gingen in das Kasino und ließen fich von den Zigeunern auf» spielen. Erst um halb 3 Uhr nachmittags wurde der Ernst der Sache klar. Dann begannen die Offiziere hin- und herzulaufen. mit ihnen der General. Jeder zum Krankentransport geeignete Wagen wurde hinausgeschickt, auch die Omnibusse."— Belgien. In dem Erbschaftsprozeß der Gräfin Lonyay und ihrer Schwester, der Prinzessin Luise von Koburg, gegen ihren Vater, den König Leopold von Belgien, ist am Montag vor dem Brüsseler Gericht das Verfahren eröffnet worden. Die Ansprüche der Prinzessin Luise werden auf Verlangen ihrer Gläubiger geltend gemacht. Die Klägerinnen verlangen als Erbanteil aus der Hinterlassenschaft ihrer Mutter, der verstorbenen Königin Henriette von Belgien, zwanzig Millionen Francs, während König Leopold nur eine Million zahlen Fromme Brüder. In Girgenti(Sicilien) war schon seit längerer Zeit das Gerücht verbreitet, daß im bischöflichen Seminar skandalöse Vorgänge sich ereignen sollen. Große Erregung bemächtigte sich aber der Bevölkerung, als von einigen Seminaristen gegen sechs ihrer geistlichen Lehrer öffentlich die schwere Anklage erhoben wurde, daß sie sich gegenüber von mehr als vierzig Zog- lingen grober unsittlicher Handlungen schuldig gemacht hätten. Auf diese Anschuldigungen hin inscenierte die Bevölkerung vor dem bischöflichen Palast eine Demon- st r a t i o n, an der mehrere tausend Personen teil. nähme n. Da die Haltung der erregten Menge immer bedrohlicher wurde, schritt die Polizei ein und zerstreute die Manifestanten. Auf Grund der Anschuldigungen hat die Behörde eine strengeUnter- suchung eingeleitet.— England. Brüsseler Zuckerkonvention. In der gestrigen Beratung de» englischen Unterhauses über die Zucker-Vorlage nahm zum Schluß auch noch Kolonialminister Chamberlain das Wort, um den von der Regierung eingenommenen Standpunkt zu vertreten. Er erklärte: Das letzte Ziel des deutschen Prämiensystems war die Erlangung des Monopols und das Prämiensystem war auf dem Wege, dieses Monopol zu schaffen. Wir gingen einem Zustande entgegen, bei de« um Deutschland und Oestreich allein im stande gewesen wären, den Zucker- das Blut am Kopfe herunter. Auch die bereits im Omnibus Orden und Würden ließen nicht auf sich warten, preis in England zu regulieren. Erst als wir unsre Politik änderten fizenden wurden attackiert. Einer der„ Helden", mit einem offenen so weniger, als er bei der finanziellen und Vergeltungsmaßnahmen androhten, gaben uns die fremden Messer in der Hand, versuchte in den Omnibus einzubringen, tegelung des evangelischen Vereinshauses in Nationen alles, um das unsre Vorgänger vierzig Jahre lang ge- wurde aber zurückgeschlagen; ein andrer stieß mit einer Leiter die Dresden und ähnlicher frommer und wohlthätiger kämpft hatten. Wenn wir keine Schritte zum Zustandekommen der Omnibusfenster ein, wurde aber ebenfalls zurückgedrängt. In- Werfen haben hier in letzter Zeit ja so mancher zweifelhaften Ber Anstalten hervortrat. Derartige Beteiligungen an frommen Konvention gethan und den fremden Nationen nicht erklärt hätten, daß wir die Prämien nicht dulden wollen, so würde sich die Prämien- zwischen erschien ein Gendarm, worauf die Hauptattentäter ver- sönlichkeit zu kommerzienrats- und andren schönen Titeln verholfen. politik in großem Maße weiter entwickelt haben. Der Minister wies schwanden( 11), nunmehr den Zuschauern das Feld überlaffend. Von Hahn bekleidete nicht weniger als 30 Aufsichtsratsstellen. Wenn er dann noch am Schlusse seiner Rede, in der er beiläufig die Be- den Fliehenden hatten unsre in der Ortschaft unbekannten Genossen dadurch auch hohe Tantiemen bezog, so hatte seine Firma doch bei merkung machte, daß England am Vorabend eines großen wirtschaft- niemand erkannt, während sie selbst notiert und arretiert einer Reihe von Gesellschaften, die von der Krise betroffen wurden, lichen Kampfes stehe, auf die Schädigung hin, welche die Prämien den wurden. Ob der Gendarm von den Angreifern welche notiert hat, hohe Verluste zu verzeichnen. Im Debitorenkonto der Sebnizer britischen Raffinerien zugefügt hätten, und betonte, die Konvention ist unfren Genossen nicht bekannt, jedenfalls wurden die Flugblatt- Papierfabrik figurierte er mit 300 000 m. werde zum Freihandel in Zucker führen, sie werde England gegen die Verbreiter, die nicht entwischen konnten, zuerst notiert und Daß der Krach des Bankhauses Rocksch Nachf. wieder so unMöglichkeit eines Monopols schützen und es in stand sehen, Zucker von allen Märkten der Welt zu erlangen, und sie werde auch Westindien zu ihrer weiteren Sicherheit natürlich", im Omnibus festgehalten. erwartet kam und daß das Treiben des Herrn Hahn nicht früher Nun ist es charakteristisch für den weiteren Verlauf, daß die die bürgerliche Bresse dem gegen bürgerliche Journalisten leutseligen fistiert wurde, lag zum großen Teil an der liebevollen Schonung, die zum Segen gereichen. Das Haus nahm schließlich mit 224 gegen 144 Stimmen die Hauptzeugen, Gastwirt Dohrmann und Hofbefizer Boos, Manne angedeihen ließ. zweite Lesung der Vorlage an; mit der Minderheit stimmten 13 nichts davon gesehen(!!) haben, daß die Harberschen EinUnionisten. Bilanz der Schuckert- Gesellschaft. In der am Mittwoch in Nürn wohner auf die Fremden eingehauen haben, auch deren Latten und berg abgehaltenen Aufsichtsratssitzung der„ Elektricitäts- AftiengesellGegen Chamberlains Zollprojekte. Gestern abend wurde in Stöcke haben die Zeugen nicht bemerkt. Beide Zeugen geben auch zu, schaft, vormals Schuckert u. Comp." wurde die Bilanz und die GeLondon eine Massenversammlung dortiger Bürger abgehalten, um daß die Flugblatt- Verteiler in der Gaststube sich nur mit dem Wirt winn- und Verlustrechnung über das am 31. März abgelaufene gegen eine Besteuerung der Nahrungsmittel Einspruch zu erheben. in ruhiger Weise auseinandergesezt haben wegen des Schnapses. Geschäftsjahr vorgelegt. Der Bruttogewinn beträgt 4 286 827 M. Es wurde eine Resolution vorgelegt, in der erklärt wird, daß Chamber- Daß der Wirt die Hausthür abgeschlossen hat, giebt er ebenfalls Nach Deckung der Verwaltungskosten im Betrage von 2 269 233 M., lains Vorschläge, die einen folgenschweren Wechsel der Handelspolitik zu weil er Ruhe im Hause haben wollte"! Ob er die des Zinsensaldos in Höhe von 693 759 M. und auf Abschreibungen bedeuteten und die Besteuerung der Nahrungsmittel und der Roh Leute aufgefordert hat, die Stube zu verlassen, bon 1 120 287 m. verbleibt ein Reingewinn bon 133 546 M., wovon materialien notwendig machten, die ernsteste Gefahr für den Handel weiß er nicht!! Aehnlich sagen einige andre Zeugen aus Harber 6677 M. dem gesetzlichen Refervefonds zufließen. Der Aufsichtsrat des Königreichs und für die Wohlfahrt der Volksmassen bildeten; die aus, obwohl der eine oder andre von ihnen gesehen haben will, daß Generalversammlung vor, den Restbetrag von 126 868 M. auf neue und der Vorstand schlagen der auf den 31. August einzuberufenden Bersammelten würden daher alle Anstrengungen machen, um diese unsre Genossen geschlagen haben sollen! Auffallend Rechnung vorzutragen. Vorschläge zu bekämpfen. Asquith begründete die Resolution und griff dabei Chamberlains Vorschläge heftig an. Es sei ganz richtig, ist die Aussage des 29jährigen Schuhmachers Wilhelm Auch in der gestrigen Aufsichtsratssitzung der Kontinentalen führte er aus, daß die Verhältnisse sich seit 1846 geändert hätten; Stümpel aus Harber, der den ganzen Vorgang mit Gesellschaft für elektrische Unternehmungen", der Tochtergesellschaft aber sie hätten sich in einer Richtung geändert, die die Argumente angesehen" haben will, der sogar die Entstehung der der Schucker- Compagnie, wurde der Rechnungsabschluß vorgelegt. zu gunsten des Freihandels verstärkte. Chamberlains Vorschläge be- nüppelei beschreibt; aber daß einer der Harberschen Ein- Danach wurde im abgelaufenen Geschäftsjahre an Unternehmungen, deuteten eine unmittelbare Vermehrung von jährlich 8 Millionen wohner gehauen hat, das hat er nicht gesehen(!!), auch nicht deren Effekten und Zinsen ein Gewinn von 2 255 727 M. erzielt. Die Pfund Sterling für den Nahrungsaufwand des Volkes. Es liege Waffen. Dagegen befunden sowohl der vollständig unbeteiligte Ausgaben für Verwaltung, Steuern und Abgaben betragen 385 686 nicht der geringste Grund vor, zu glauben, daß die Kolonien geneigt Omnibuskutscher sowie zwei andre Zeugen unter Eid, daß eine Mark; für Zinsen- und Bankſpeſen 1 432 808 M., für Anleihezinsen seien, dem Mutterlande irgendwelche wesentliche Vorteile zu ge= 400 000 M. Von Effekten und Konsortialanlagen werden als Verlust währen für die vielen und schweren Opfer, die dieses zu bringen bewaffnet gewesen feien; aber erkannt haben unsre Betriebsunternehmungen 393 038 M. zurüdgestellt. Das Gewinns zu ganze Menge mit Latten und sonstigen knüppe In 73 342 M. abgeschrieben, für Kapitaltilgung und Erneuerung der Genossen ebensowenig wie der Kutscher die ihnen fremden Leute und Verlustconto schließt demnach mit einem Verlust von 420 148 aus Harber. Mark ab, wozu der Verlustsaldo des Vorjahres von 759 188 M. kommt, so daß ein Gesamtverlust von 1 179 336 m. verbleibt. hätte. Rußland. Und nun das Urteil? " " Der Staatsanwalt hatte neben einer Freisprechung Strafen von einer Woche bis zu vier Monaten beantragt. Von dem Schicksale einer Anzeige wegen Freiheitsberaubung gegen den Wirt Dohrmann und wegen Körperverlegung gegen einige angeblich Hauptbeteiligte aus Harber, deren Namen durch dritte Personen festgestellt sein sollen, haben die Antragsteller bis jeht nichts erfahren!! Einsetzung einer Bodenkredit- Kommission. Der„ Regierungsbote" beröffentlicht einen Utas, welcher die Errichtung eines besondren Angeklagt wurden nicht die Prügelhelden, sondern unsre verKomitees für Angelegenheiten des Bodenkredits unter dem Vorsis prügelten Genossen! Die ursprüngliche Anklage wegen Landdes Präsidenten des Finanzkomitees anordnet. Mitglieder des Komitees find die Minister der Finanzen, des Innern, des Acer- friedensbruch freilich wurde fallen gelassen. Es handelte sich Komitees find die Minister der Finanzen, des Innern, des Ackerbaues, der Reichskontrolleur sowie einige vom Kaiser erwählte nur() um Körperverlegung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. Personen. Der Beratung des Komitees unterliegen Fragen über wei der Angeklagten, von denen einer sieben Wochen in Unterdie allgemeine Richtung und Thätigkeit der Bodenkredit- Institutionen, suchungshaft gesessen, wurden ganz freigesprochen. Die sowie vom Kaiser, vom Komitee selbst und von den erwähnten übrigen fünf erhielten Strafen von vierzehn Tagen bezw. vier Ministern angeregte Fragen. Die Jahresberichte der Staats-, Wochen, bezw. zwei Monate beziv. zwei Monate und zwei Wochen Adels- und Bauernbank werden von dem Komitee geprüft, um diesen und drei Monate Gefängnis. Bei keinem einzigen der Verurteilten Banken eine dem Staatsnußen entsprechende Richtung zu geben. wurden die sieben Wochen Untersuchungshaft in Anrechnung geWie man politische Gefangene behandelt. Ernste Unruhen find bracht!! fürzlich unter den politischen Gefangenen einer Petersburger Straf anstalt ausgebrochen, und zwar aus dem Grunde, weil einige Gefangene, die den revolutionären Jdeen eines der Ihrigen Beifall zollten, in das schwarze Loch" geworfen wurden. In der Absicht, Diese Unglücklichen ihrem dunkeln und moderigen Kerker zu entreißen, verweigerten die übrigen Gefangenen während mehrerer Tage die Aufnahme von Nahrung. Soldaten, die daraufhin in die Zellen der rebellischen Gefangenen placiert wurden, trattierten diese mit Knutenhieben. Am treffendsten fennzeichnete Rechtsanwalt BoyersAehnliche Unruhen fanden im Gefängnis zu Viborg in Finnhausen das allgemeine Empfinden, indem er in seinem Plaidoyer Tand statt, to 20 Gefangene, zumeist Studenten, mißhandelt, in ausführte, die Aussagen der Zeugen aus Harber ließen darauf Ketten gelegt und in die dunkelsten Verließe geworfen wurden. schließen, daß e3 den Leuten aus Harber darauf angekommen wäre, den Socialdemokraten ordentlich das Fell zu gerben. Die rohe Weise, wie der Omnibus zertrümmert sei, zeige allein deutlich, was man beabsichtigt habe. Die Aussage des Zeugen Stümpel, der alle Vorgänge beobachtet haben wollte, nur nicht das Knüppeln der Einwohner aus Harber, erscheine nicht glaubhaft. Das Schließen der Thür durch den Wirt, lasse auch darauf schließen, daß beabsichtigt gewesen sei, die Leute nicht entwischen zu lassen! Partei- Nachrichten. Der Streit in der italienischen Partei. Rom, 28. Juli.( Eig. Ber.) Gestern abend hat sich die lokale Partei- Organisation zum drittenmal versammelt, um über das politische Verhalten des Abgeordneten F. Turati zu diskutieren. Um 1 Uhr nach Mitternacht gelangte nach lebhafter Diskussion eine Tagesordnung Attilio Sufis zur Annahme, die die ParteiLeitung auffordert, Turati aus der Partei auszustoßen. Gegenstand der Kritik war vor allem das Verhalten Turatis gegenüber der Uebernahme des„ Avanti" durch Ferri( welche Uebernahme Turati erst selbst vorgeschlagen und dann angegriffen hat) und fein Vorgehen gegen Ferri während dessen Angriffes gegen den Minister Bettolo. Die Annahme der Tagesordnung Susis erfolgte mit großer Mehrheit. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Bon Rechts wegen! Vor der Straffammer in Hildesheim spielte sich am Dienstag ein Prozeß gegen sieben socialdemokratische Flugblatt- Verteiler ab, der ein grelles Schlaglicht auf die Gefahren wirft, denen sich unsre Genossen während des Wahlkampfes aussetzen mußten, zugleich aber auch zeigt, wie wenig fie fanatisierten Gegnern gegenüber auf Schuß von irgend einer Seite zu rechnen haben. Aus Induftrie und Handel. Der Geschäftsabschluß ist ein recht ungünstiger, besonders jener der Kontinentalen Gesellschaft. Er bestätig unsre im vorigen Jahre geäußerte Ansicht, daß die Abschreibungen beim vorigen Abschluß als völlig unzulänglich gelten müßten. Auch in diesem Jahre sind wieder, wie aus der obigen kurzen telegraphischen Meldung der Bilanzzahlen ersichtlich ist, die Abschreibungen unzureichend. gehabten Gläubiger- Versammlung im Konkurs der Trebergesellschaft Konkurs der Kaffeler Trebergesellschaft. In der heute stattwurden einige Formalitäten erledigt und sodann der Bericht des Konkursverwalters, Justizrat Frieß, entgegengenommen. Derfelbe berichtete über die Zeit seit dem 13. Dezember vorigen Jahres. Danach sind die nicht bevorrechtigten Forderungen von 192 Millionen auf 90 Millionen reduciert und darauf 2%. Prozent abschlägig ausgezahlt worden, während voraussichtlich eine Schlußquote mit 1 Proz., vielleicht noch etwas mehr, verteilt werden wird. Die vom Kontursverwalter für den 25. Juli aufgestellte Bilanz ergiebt, daß zur Zeit noch fast 1 Million in sicheren Wertpapieren hinterlegt und die noch zu erwartenden Einnahmen auf 325 000 m. geschätzt sind. Rheinisch- Westfälisches Roheisen- Syndikat. In der heute stattgehabten Hauptversammlung des Rheinisch- Westfälischen Roheisenständigung über die Neubildung des Synditats erzielt. Mit den abSyndikats wurde unter den anivesenden Mitgliedern eine Verwesenden Mitgliedern, von denen eine Anzahl sich gegenwärtig im Urlaub befindet, sollen die Verhandlungen in der nächsten Woche fort geführt werden. Der Ertrag der diesjährigen amerikanischen Weizenernte wird in Chicago auf 665 Millionen Bushels geschäßt, 340 Millionen Bushels Winterweizen und 235 Millionen Bushels Frühjahrsweizen. In Nebraska, Süd- Dakota und Nord- Dakota haben die Farmer mit überraschendem Erfolge Maccaroniweizen gebaut, wozu sie das Saatgetreide in den Jahren 1901 und 1902 aus Europa einführten. Die Anbaufähigkeit des Maccaroniweizens in den Vereinigten Staaten hält man damit für glänzend bewiesen und in den kommenden Jahren dürfte diese Weizenart einen erheblichen Bestandteil der amerikanischen Ernte bilden. Die dänische Rübenzucker- Erzeugung betrug 1902/03 ettva 70 000 000 fund erstes Erzeugnis gegen etwa 102 000 000 fund in der Betriebszeit 1901/02. Die mit Rüben bestellte Bodenfläche Zur Berhaftung des Geh. Kommerzienrats Hahn von dem Bank- betrug 26 393 Tonnen Land, etwa 400 Tonnen mehr als im Jahre haus Eduard Rodich Nachfolger schreiben die„ Dresdener 1901. Der Gesamtertrag war etwa 3 Millionen Centner geringer Nachrichten": Schon seit längerer Zeit waren über den Verhafteten als im Vorjahre. Gerüchte im Umlauf, nach denen er als Vorsigender des AufsichtsDie dänischen Zuckerfabriken" verarbeiteten in der Betriebss rats verschiedener Aktiengesellschaften Manipulationen vorgenommen zeit 1902/03 etwa 60 Millionen Pfund Rübenzuder gegen 85%, habe, Millionen Pfund im Vorjahre. Glauben verstoßen." Sie stellten etiva 40 Millionen Grund zur Verhaftung Hahns soll der Umstand gewesen sein, Pfund raffinierten Zucker her, gegen 38 Millionen Pfund im Vordaß er vor längerer Zeit Effekten, die von seiner Kund- jahre. Das Erzeugnis der Zuckerfabrik in Nytjöbing, etwa schaft bei ihm deponiert waren, bei andren Banten weiter 10 millionen Pfund, wurde an die" dänischen Zuckerfabriken" ververpfändete. Zwischen Hahn einerseits und englischen und kauft. Die Raffinerien in Kopenhagen und Lyngby raffinierten östreichischen Banken andrerseits schwebten Verhandlungen zum Zweck/ und 18 Millionen Pfund. Eingeführt, in Kopenhagen wurden der Umwandlung des Bankhauses Eduard Rocksch Nachf. in eine im Jahre 1902 etwa 48 Millionen Pfund; der Bestand belief sich Aftiengesellschaft. Die Verhandlungen sollten dieser Tage zum Ab- Ende 1902 auf etwa 4% Millionen Pfund. schluß gelangen. die fannt wurde. gegen Treu und Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Sieben Personen sollten sich bei einer Flugblatt- Verbreitung im nähere Mitteilungen: Von unsrem Dresdener Korrespondenten erhalten wir weitere 14. Hannoverschen Wahlkreise des ,, Landfriedensbruchs" schuldig ge- Die Verhaftung hatte man schon vor Jahr und Tag erwartet, macht haben. Und das kam so: Nach der Schilderung sämtlicher namentlich damals, als die Dresdener Bant mitteilte, daß der Geh. Angeklagten und einiger unter Eid vernommenen zeugen Kommerzienrat Hahn das Vertrauen der Bankhäuser, die sich zu haben dreizehn Genossen aus den Ortschaften Anderten und einer Hilfsaktion für das Bankhaus Rocksch Nachf. zusammenMisburg nach einer Flugblatt- Verbreitung am 7. Juni auf dem gethan hatten, in frivoler Weise getäuscht habe. Herr Hahn wurde Ein interessanter Streit ist am Mittwoch beendet worden. Rückwege in der einige Stunden von Hildesheim entfernten damals von den Sanierungsarbeiten ausgeschlossen. Man erzählte Bekanntlich waren am Montag dieser Woche im Kabelwerk am dann, er habe den Staub der Heimat von seinen Stiefeln- pardon Nonnendamm der Siemens- Schuckert A.-G.( früher Siemens Drtschaft Harber mit dem von ihnen benutten Omnibusse Ladschuhen- geschüttelt und sei ohne Hinterlassung einer Adresse ut. Halste) etwa 120 Schlosser, Dreher, Schmiede und Hilfsarbeiter vor der Dohrmannschen Wirtschaft angehalten, um ein ins Ausland gegangen. Das Gerücht bewahrheitet sich aber nicht. in den Ausstand getreten. Die Ursachen dieses Streiks, sowie dessen Glas Bier zu trinken. Während fünf der Reisenden nach dem Herr Hahn lebte hier zurückgezogen in seiner Villa und setzte seine Verlauf werfen ein so eigenartiges Schlaglicht auf die„ alttraditionelle ersten Glase sich sofort wieder in den Omnibus begaben, blieben Hoffnung auf das bekannte Wohlwollen der Behörden gegen Sünder Arbeiterfeundlichkeit" der Firma, daß sie auch für eine weitere Deffentdie andren zurück und forderten sich noch ein zweites Glas, und feiner Art. Daß Herr Hahn trotz der öffentlichen Brandmarkung durch lichkeit von Interesse sein dürften. Seit Monaten schon mußten die einer von ihnen stellte an den Wirt sogar das graufige Anfinnen, die Dresdener Bank so lange unbehelligt von Staatsanwalt und Polizei erwähnten Arbeiter Tag für Tag Ueberstunden machen, und er möge ihm doch für 10 Pf. Schnaps mit auf den Weg geben, was bleiben konnte, erregte ziemlich allgemein Kopfschütteln. Die Staats- war ohne jeden Lohnaufschlag. Der 8%% stündige Arbeitstag, mit indes der Wirt unter Hinweis auf die Sonntagsruhe verweigerte. anwaltschaft hat erst zugefaßt, nachdem ihr durch den Liquidator dem sich die Firma stets brüstete, wurde somit in einen Einige der Reisenden waren nun der Ansicht, daß der Wirt an Justizrat Schubert weiteres gravierendes Belastungsmaterial be- 12 stündigen verwandelt. Lange Zeit hindurch hatten die Ars beiter stillschweigend die Ueberstunden gemacht, einmal, weil ihnen Fremde auch trotz der Sonntagsruhe einen Schnaps verkaufen dürfe Herr Hahn ist ein Opfer seiner waghalsigen Bodenspekulation von den Meistern gesagt wurde, die Arbeit dränge sehr, die Firma und versuchten, dies dem Birt flarzulegen. Dieser wollte sich indes und der vor 2 Jahren ausgebrochenen Baukrise. Die Firma besaß dürfe deshalb nicht in Berlegenheit gebracht werden, das andre Mal, nicht darauf einlassen. Den Augenblick der Auseinandersegung be- und besitzt große Baulandstreden in den Straßenzügen nördlich weil sie mit dem in regulärer Arbeitszeit zu erzielenden Verdienste nuzte dann der aus der benachbarten Ortschaft Clauen- gleich und südlich des Großen Gartens. Wäre nicht die Krise im Bau- beim besten Willen kaum zu existieren vermochten und daher durch den Harber eine Hochburg der Bauernbündler- an- geschäft und auf dem Grundstüdsmarkt eingetreten, so hätte sie damit Ueberstundenverdienst ihren färglichen Lohn aufzubessern glaubten. wesende ofbesizer Friz Boos, eine größere, in der Kegel- bielleicht ein Millionengeschäft gemacht. Jest dagegen sind die Bau- Nach und nach aber lernten die Leute einsehen, wie schädlich die bahn des Dohrmann sich befindende Anzahl Einwohner aus Harber stellen im Preise gefallen und schwer verkäuflich. Geld tam somit Ueberstundenarbeit für sie war, und deshalb wählten und beauf= aufzufordern, dem Gastwirt Dohrmann zu Hilfe zu eilen( 11), da fast gar nicht aus diefer Spekulationsanlage ein. Es mußten im tragten fie eine Kommission, bei dem Abteilungsdirektor wegen Gegenteil fortlaufend erhebliche Aufwendungen gemacht werden, um Wiedereinführung einer regulären 9ftündigen Arbeitszeit vorstellig zu dieser von den Fremden bedrängt" werde!! Ms dann kurz die Zinsen der Baustellenhypotheken aufzubringen und etwaige werden. Sie erhielten die Antwort, ihr Wunsch werde voraussichtlich darauf die noch in der Wirtsstube anwesenden Genossen nichts Gläubiger, die ihre Hypotheken gekündigt haben, zu befriedigen. Die in vierzehn Tagen erfüllt werden können. Es vergingen aber sechs ahnend das Haus verlassen wollten, wurden sie auf dem Hausflur schlimme Krise des vorvorigen Jahres vermochte das Haus noch zu Wochen, ohne daß eine Aenderung eintrat. Da wurde die Kommission von einer größeren Anzahl Personen 10 bis 15 Mann mit überstehen. Allmählich gingen ihm aber, wie durch verschiedene abermals vorstellig. Die Antwort lautete, es feien noch mindestens Latten und Knüppeln empfangen und nun fielen die Siebe hageldicht. Civiltlagen an den Tag kam, die Barmittel aus. Verschärft wurden 8 Wochen Ueberstunden zu leisten. Als der Unwille der Arbeiter sich Nach Aussage von zwei Angeklagten soll einer der Knüppelhelden die Geldschwierigkeiten noch dadurch, daß die Firma eine sehr emfige darob in der Werkstatt etwas deutlicher äußerte, ließ die Wertleitung wirklich einige Tage hindurch nur 9 Stunden arbeiten. gerufen haben:„ So, da haben wir die rote Bande! Das ist dem Gründerthätigkeit entfaltete. Die Inhaber des Bankhauses waren Geheimer Kommerzienrat Gleichzeitig aber erhielten ein KommissionsThielhorn seine Gesellschaft. Man feste drauf, daß ihnen das Hahn und Peter Spredels. Hahn war von Hause aus mitglied und vier andre Arbeiter, die sich bei dieser Wiederkommen vergeht." Auffallenderweise schloß dann der gänzlich unbemittelt. Sein Vater war Bezirksschullehrer in Dresden. Angelegenheit unbeliebt" gemacht hatten, ihre Entlassung. Wirt die Hausthür ab(!!), so daß unfre Genossen nicht a hn hatte das Glück, die Tochter eines reichen Amerikaners, feines und zwar tvegen angeblichem Mangel an Arbeit. Jetzt wandte hinaus fonnten. Zwei flüchteten durchs Fenster, die andren Associés Peter Spredels zu heiraten. Durch die Mitgift seiner sich eine neue Kommission an den Direktor. Sie wurde aber kurzerwehrten fich, so gut es eben ging. Mehreren der Ueberfallenen floß Frau avancierte er vom Kommis zum Leiter des Bankhauses. Titel, hand an den Waisenrat" verwiesen.( Dem Uneingeweihten " diene zur Kenntnis, daß dieser Waisenrat eine Institution aus der Zeit des alten verstorbenen Herrn Siemens ist, eine Art Arbeiter- ausschuh, der früher, aus älteren Arbeitern und Beamten der Firma gebildet, ein beschränktes Mitberatungsrecht in„Wohlfahrts"-Sachen hatte und glcichzeitg als untere Instanz für Beschwerden der Ar- bester figurierte.) Die abgewiesene Kommission machte sich nun zwar auf die Suche nach diesem famosen Waisenrat— doch der war nirgends zu finden. Es wurde zwar dieser oder jener alte Arbeiter aufgestöbert, von dem man so dunkel vermutete, daß er vielleicht Mit- glied jener ehrwürdigen Körperschaft sein könne, doch die meisten dieser Leute waren selbst mehr oder minder im Zweifel darüber, ob der „Waisenrat" überhaupt noch existiere bezw. ob sie noch demselben an- gehörten.(Eine nette Illustration zu dem kürzlich veröffentlichten „Morgenpost"-Erguß des inzwischen bereits gegangenen General- direktors Dr. B ö d i k e r über den„Wert der Arbeiterausschüsse" bei dieser Firma.) Nunmehr griff der Metallarbeiter- Verband in diesen Kuddelmuddel ein und suchte Verhandlungen anzubahnen. Obwohl nun die Firma nicht dem Kühnemänner-Ring angehört, weigerte sich die Direktion, mit dem Verbandsvertreter zu verhandeln. Darauf legten die in Frage kommenden Arbeiter mit wenigen Ausnahmen die Arbeit nieder. Jetzt mochte der Generaldirektion doch wohl die Erkenntnis kommen, daß der Streik gar zu leicht größere Dimensionen annehmen könne, zumal es auch in den andern Werken und Abteilungen der Weltfirma bedenklich gährt. Deshalb hielt es Dr. Berliner, der Nachfolger Bödikcrs, doch für geraten, rechtzeitig eine Einigung mit den Streikenden herbei- zuführen. Unter der Zusicherung, daß keine Entlassungen noch Maß- regclungen stattfinden dürfen, und daß Ueberstunden nur in dringen- den Fällen gemacht, und dann mit 2» Pf. Aufschlag vergütet werden sollen, erklärten sich die Arbeiter bereit, den Streik zu beenden. Streikbrecher fanden sich nicht, obwohl der Meister Berg vom Charlostenburger Werk fünf Arbeitern im Alter von 45 bis über L0 Jahren das wenig beneidenswerte Anerbieten machte, auf ihre alten Tage noch Streikbrecherdienste zu verrichten. Trotzdem ihnen indirekt mit Entlassung gedroht wurde, lehnten sie das Ansinnen des Meisters mit Entrüstung ab.— Bemerkenswert ist bei der Sache noch folgendes. Als die Streikkommission unter Vorlegung der Lohn- tüten die Direktion auf die miserablen Löhne aufmerksam machte, that letztere selbst höchlichst erstaunt darüber, daß„ihre" Arbeiter nur so wenig zu verdienen vermochten; die Schuld hieran schob sie auf die Meister. Dabei scheint den Meistern selbst das Feuer auf den Nägeln zu brennen. Es ist ihnen nämlich in letzter Zeit von der Direktion ein Revers zur Unterschrift vorgelegt worden, laut dessen in Zukunft eine Kündigung ausgeschlossen wird. Damit würden die Antreiber der Firma nunmehr selbst in die Klasse der Lohnarbeiter hinabgesetzt, die gleich diesen jeder Zeit aufs Pflaster fliegen können. Infolgedessen haben sich die Meister jetzt unter der Leitung ihres Kollegen Wagner vereinigt, um gemeinsam gegen den Revers zu „rebellieren", wie ihr eigner Kunstausdruck stets in Bezug auf streikende Arbeiter lautet. Zur Lohnbewegung der Feilenarveiter. In der am Mittwoch ab- gehaltenen Versammlung teilte die Lohnkommission mit, daß der neue Tarif am Montag sämtlichen Arbeitgebern eingehändigt worden ist. Eine endgültige Antwort darauf ist nur vereinzelt erfolgt. Die meisten Arbeitgeber machten ihre Bewilligung resp. Ablehnung von dem im Laufe dieser Woche zu fassenden Beschluß der Jnnungsversammlung abhängig. Zu einer etwaigen Verhandlung vor dem Einigungsamt ist den Beteiligten bisher noch keine Einladung zugegangen.> Oeutkebes Reid). Der Streik der Stahlformcr im Lindener Eisen- und Stahlwerk (Hannover-Linden) ist mit wesentlichem Erfolge für die Arbeiter beendet. Die Ursache war folgende: In der betreffenden Abteilung herrschte früher sogenannter„Lohnaccord". Vor einiger Zeit erklärte nun die Direktion, es werde„Stückaccord" emgeführt, ohne sich sedoch irgendwie auf die Ausschußfrage und gegenseitige Preis- verembarungen einzulassen. Die Arbeiter, welche vorstellig wurden, erhielten die stereotype Antwort, daß der, dem es nicht passe, eben gehen könne. Darauf wurden die Vertreter des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes bei der Direktion vorstellig; sie wurden jedoch kurzerhand zur Thüre Hinauskomplimentiert. Infolgedessen legten sämtliche Stahlfornier, 31 Mann, sowie ca. 45 Kernmacher. Putzer und Hilfsarbeiter die Arbeit nieder. Darauf hatte die Direktion nicht gerechnet, glaubte jedoch mit der Androhung, daß sie das Werk schließen werde, noch Erfolg zu haben. Als jedoch Tag unr Tag verging und die Kommission der Arbeiter der Direktion erklärte, ehe nicht endgültig geregelte Verhältnisse herrschen, werde kein Former anfangen, bequemte sich die Direktton, die Kommission cher Arbeiter zu Eimgungsvorfchlägen zu ersuchen. Dies lehnten jedoch die Arbeiter ab und nun gings auf einmal bei der Direktion. Sie beivilligte einen garantterten Stundenlohn von 40 Pf. für alle Fälle, für ältere Former und für Junggesellen(bis zu einen, Jahre aus der Lehre) von 35 Pf., ebenso vorherige Vereinbarung über den Accordpreis. Außerdem gab die Direktton die bindende Zusicherimg, sobald die Beschäftigung wieder eine etwas bessere sei, die Tage- löhne der ungelernten Arbeiter aufzubessern. Daraufhin wurde der Kampf, der, wie wir auch anerkennen wollen, seitens des Werkes nicht mit den allgemeinen Scharfmacherprakttken geführt wurde, beendet. Lohnbewegung in Thüringen. In R u h I a in Thüringen sind bei der Firma Gebr. Thiel, Uhrenfabrik, 41 Mann wegen der Zugehörigkeit zum Verbände entlassen worden. 40 nicht gekündigte Arbeiter erklärten sich mit den Gemaßregelten solidarisch. Zur Bauarbeiter-Ausspernlng in Kassel wird gemeldet, daß die Einigungsbemühungen des Herrn Stadtsyndikus Dr. Brunner zu einem Erfolg noch nicht geführt haben. Herr Dr. B r u n n e r setzt seine Bemühungen fort.— Von den Malern und A n st r e i ch e r n sind jetzt 325 ausgesperrt. 60 organisierte haben auf Verlangen ihrer Arbeitgeber einen Revers unterschrieben, wonach sie aus dem Verbände austreten und konnten danach weiter arbeiten. Der Vcr- band unternimmt sofort Schritte, um diese eigenmächtigen Taktiker an ihre Pflicht zu erinnern. Es geht aus diesem Vorgehen der Meister rnst Evidenz der eigentliche Grund der Aussperrung hervor: die beabsichtigteLahmlegung der Arbeiter-Organi- f a t i o n e n! Außer den Obengenannten arbeiten noch 70 unorganisierte Maler und Anstreicher weiter. Am Sonnabend kommt der Vor- sitzende des Centralverbandes der Maler und Anstteicher, Dobler- Hamburg, nach Kassel, und dann wird eine Versammlung darüber befinden, ob die Aussperrung mit Lohnforderungen beantwortet wird.— In entschiedenster Weise haben die Maurer nunmehr zu ihrer Aussperrung Stellung genommen. Sie sind sich Dienstag in einer überfüllten Versammlung einig geworden, eine Lohn- erhöhfung von 5 Pf. pro Stunde zu verlangen, von »velchen 2l/z Pf. sofort nach Wiederauftiahme der Arbeit gezahlt werden sollen und die restlichen 2V» Pf. mit Beginn der nächstjährigen Bau- Periode. Zun, gleichen Termin soll auch eine Verkürzung der bisher noch zehnstündigen Arbeitszeit auf v'/z Stunden Platz greifen. Sonstige Forderungen glaubte man aus takttschen Erwägungen zurückstellen zu sollen. Erst nachdem die vorgenannten Lohnforderungen die begeisterte Zustimmung der Ver- sammlung gefunden hatten, nahm auch der anwesende Vorsitzende deS Centralverbandes, Bömelburg- Hamburg, das Wort, indem er ausführte, er habe vor der Abstimmung deswegen nicht gesprochen, weil jeder Schein der Be- einflussung vermieden werden müßte. Der Vorstand hatte kein Interesse daran, die Halttmg der Kasseler Maurer in dieser odiosen Angelegenheit irgendwie zu beeinflussen. Nun aber der Beschluß, den Vertragsbruch der Unternehmer mit Lohnforde- rungen zu beantworten, einstimmig gefaßt sei, wird er selbstredend auch die Zustimmung des Centtalvorstandes finden. Mit der An- drohung der Aussperrung hätten die Unternehmer ganz unerfüllbare Forderungen an die Bauarbeiter gestellt, und sie mußten dies auch wissen, da die eine Gewerkschaft der andren in ihre Angelegenheiten absolut gar nichts dreinzureden habe. Merkwürdigerweise verwahren sich die Unternehmer noch gegen den berechtigten Vorwurf des Ver- ttugsbruchS mit der sonderbaren Mottvierung: es stände im Vertrage nichts davon, daß eine Aussperrung nicht zulässig wäre! Man vergesse aber augenscheinlich bei dieser kühnen Sophistik, daß ja die Maurer den Vertrag lediglich um deswillen abgeschlossen haben, um vor derartigen Aussperrungen seitens der Unternehmer in Zukunft gesichert zu sein. Es müsse konstatiert werden, daß, so lange Vertt'äge im Baugewerbe existieren, diese von den Arbeitern allenthalben auch peinlichst innegehalten wurden. Aber von den Unternehmern liegen bereits mehrfache Verttagsbrüche vor. Um die Ungeheuerlichkeit des an die Arbeiter gestellten Verlangens richtig zu würdigen, stelle man sich doch nur einmal den umgekehrten Fall vor, wo Arbeiter die Verträge brechen, um die Lohnforderungen andrer Berufsgruppen zu unter- stützen. Wie würde man da über den Terrorismus der Arbeiter landauf, landab Zeter schreien: Man könne es daher im vorliegenden Falle den Arbeitern gar nicht verargen, wenn sie die ihnen aufgezwungene Aussperrung mit Lohn- forderungen beantworten. In diesem Falle stehen aber die im Centtalverband organisietten Maurer auch gar nicht allein, denn auch die im christlichen Verbände organisierten Kollegen können eine Lohnerhöhung und Arbeitszeit-Verkürzung sehr gut gebrauchen. Sie wissen außerdem, daß nach der Kaltstellung des Central-Verbandes die christliche Organisation ans Messer käme. Er könne daher die Mitteilung machen, daß auch die christliche Organisation mit den centtalorganisierten Maurern Schulter an Schulter kämpfen werde. Der Kampf sei ein sehr ernster und müsse daher gleich von vornherein mit großer Schärfe geftihrt werden. Kein Mittel wirke so gewalttg auf die Unternehmer, als das Verlassen des Ortes. Daher werden denn auch bereits heute(Mittwoch) abend 155 Kollegen Kassel verlassen haben! Die andren Unverheirateten werden morgen und übermorgen ihr Ränzel schnüren! Die Maurer werden alle Vorkehrungen treffen, um selbst zum langwierigsten Kampfe gerüstet zu sein. Zum zweitenmal werden dann die Kasseler Unternehmer nicht mehr so frivol mit ihren Arbeitsbienen um- springen und wenn die gegenwättige Situation von der Kasseler Bauarbeiterschaft verstanden und richtig ausgenützt wird, dann ist auch der Sieg auf ihrer Seite l Auch der Vorsitzende der ch r i st I i ch organisierten Maurer, Becker- Kassel, hinter welchem etwa 175 Maurer stehen. er- klärte ausdrücklich, sie wollten zur schnellsten Beendigung des Kampfes beitragen und sich den Forderungen ihrer centralorganisierten Kollegen anschließen. Es handelt sich um rund 1250 Maurer, welche von Mittwoch ab in Kassel feiern! In den nächsten Tagen werden die andren in Betracht kommenden Gewerkschaften endgültige Stellung nehmen. Nach wie vor gilt es für die Bauarbeiter aller Branchen, Kassel zu meiden und Zuzug strengstens fernzuhalten! Der Manrerstreik in Plauen dauert fort. Wesentliche Ver- änderungen sind nicht zu verzeichnen. Die Unternehmer machen kolossale Ansttengungen, Streikbrecher heranzuholen. Am Ende der vorigen Woche und am Anfang dieser Woche war Zuzug aus Böhmen und aus Chemnitz zu verzeichnen. Der Zuzug aus Böhmen besteht meist aus solchen Leuten, welche bei Beginn des Streikes abgereist sind. Jetzt lassen sich diese Leute durch Briefe der Unternehmer mit der Behauptung, daß der Streik vorbei sei. wieder herlockcn. Auch der Zuzug aus Chemnitz ist nur durch solche erbärmlichen Mittel möglich gewesen. In einem solchen Falle haben die Betrogenen gegen den Unternehmer Schadenersatzklage beim Gewerbegericht eingereicht. Die Zahl der Streikbrecher hat zwar wiederum zugenommen, es hat dies aber im allgemeinen bei der kolossalen Bauthätigkeit wenig Bc- deutung. Es fehlen jetzt immer noch 1455 Maurer, ehe die Zahl derer voll wird, welche vor Beginn des Streiks hier beschäftigt waren. Soll aber die Arbeit, welche in den letzten vier Wochen liegen geblieben ist, noch nachgeholt werden, dann muß die Zahl der fehlenden Maurer noch höher in Rechnung gestellt werden. Zu neuen Bedingungen arbeiten 255 Mann. Die bürgerliche Presse Sachsens hat bereits Ende der vorigen Woche fälschlicherweise den Sttcik als beendet ge- meldet. Es ist zu bedauern, daß noch manche Arbeiter auf solche Preßmanöver hineinfallen, und damit den stteikenden Arbeitern den Kampf erschweren. Nach wie vor ist der Zuzug von Plauen streng fernzuhalten. Alle Arbeiterzeitungen werden freundlichst um Abdruck gebeten. In der Prag-Bysocaaer Gummiwarenfabrit ist ein Konflikt zwischen der Fabrikleitung und der Arbeiterschaft ausgebrochen. Die Arbeiter fordern Anerkennung der Organisatton und des Fabrik- ArbeitcrausschnsseS. Die Betriebsleitung hat eine diesbezügliche, erst anfangs Juli durch einen Streik herbeigeführte Vereinbarung gebrochen. Zuzug ist fernzuhalten. Ein Generalstreik steht abermals für Barcelona bevor. Das Wolffsche Telegraphen-Bureau meldet: In einem öffentlich vetteilten, von den Arbcitervereinigungen unterzeichneten Flugblatte wird allen Arbeitern angeraten, den allgemeinen Ausstand am 3. August zu beginnen und ihn fortzusetzen, bis die festgenommenen Arbeiter wieder in Freiheit gesetzt seien.— Die Organffationen, um die es sich handelt, sind zumeist anarchistische. Sociales. Die Fabrikaufsicht in Dänemark. Aus dem kürzlich erschienenen Bericht der dänischen Arbeits- und Fabrikaufsicht im Finanzjahr 1S52— 1953 ist zu ersehen, daß die Zahl der in den der Aussicht unterstellten Bettteben beschäftigten Kinder von 3273 im vorigen Berichtsjahr auf 3171 zurückgegangen ist. Betriebe mit Kinderarbeit wurden jedoch Ende des Jahres 1952 527 gegenüber 379 Ende 1901 gezählt. Diese Zunahme ist lediglich darauf zurückzuführen, daß jetzt alle Bettiebe mit über fünf Arbeitern der Aussicht unterstellt sind, damals nur Fabrikbctriebe. Da in den neu einbezogenen Handwerksbettieben ca. 255 Kinder thätig sind(teil- weise als Laufburschen), so ist die Zahl der in den Fabrik- betrieben thätigen Kinder thatsächlich um ca. 355, oder 15 Prozent zurückgegangen. Zur Anbringung von Schutzvorrichtungen an gefährlichen Ri aschinen mußten in 27 Fällen die Unter- nehmer durch das Einschreiten der Behörde gezwungen werden. In sehr vielen Fällen mußte aus hygienischen Rücksichten ein- geschritten werden. Statt der 355 Kubikfuß Lufttaum, die für jeden Arbeiter vorhanden sein sollten in gesundheitsgefährlichen Betrieben, fand man bei einem solchen Bettieb in einem Arbettsraum 16 Arbeiter mit 175 Kubikfuß Luft pro Mann, in einem andern Ramn 15 Arbeiter mit 35 Kubikfuß, und in einem dritten Raum 6 Arbeiter mit 155 Kubikfuß Luft pro Mann. Der Unternehmer mutzte erst durch eine Geldstrafe von 255 Kronen gezwungen werden, Abhilfe zu schaffen. In 49 Fällen mußten Unternehmer zur Herstellung von Notausgängen mit Rücksicht auf Feuersgefahr gezwungen werden. In 46 Betrieben mußte wegen Ueberfüllung der Arbeits- räume eingeschtttten werden und in sehr vielen Fällen eine Ver- besserung der Venttlatton verlangt werden. Auf 36 Plätzen wurden Venttlationsverbesserungen größeren Umfangs verfügt. Im Bericht wird ausdrücklich darüber geklagt, daß bei Anlage großer Fabriken so wenig Rücksicht auf rationelle Lufterneuerung genommen wird. Die Entfernung gesundheitsgefährlicher und schmutziger Tapeten mußte in 41 Fällen verfügt werden. Oft waren die Auffichtsbeamten genöttgt. genaue Anweisungen über so einfache Sachen, wie die Reinigung der Wände und Fußböden von Staub und Schmutz zu geben.__ Versammlungen. Der Centtalverein der Bildhauer hielt am Dienstag feine Generalversammlung im Gewerkschastshause ab. Das Andenken der verstorbenen Mitglieder P o s ch e l und E b e l i n g ehrte die Ver- sammlung in der üblichen Weise. Nach dem Rechenschaftsbericht betrugen die Einnahmen der Verwaltungsstelle Berlin 8932,99 M., die Ausgaben 8625,71 M., so daß ein Kassenbestand von 312,23 M. verbleibt. Unter den Ausgaben befinden sich 1805 M. an die Centtalkasse, 167 M. Streik-Unterstützung, 4793,25 M. Arbeitslosen- Unterstützung, 358 M. Rcise-Unterstützung und 955 M. Kranken- Unterstützung.— Die Lokalkasse vereinnahmte 2626,67 M. und verausgabte unter anderm an Extra-Unterstützung für Mitglieder 176,25 M., an andre Gewerkschaften 193,55 M., insgesamt 1952,31 M., so daß ein Bestand von 724,36 M. vorhanden ist. Der Streik- Reservefonds, aus welchem eventuell Zuschuß zur statu- tarischen Unterstützung geleistet ivird, weist einen Bestand von 4771,15 M. auf.— Die Mitglicderznhl bettägt 864.— Als Revisoren werden Franz Weiland und Karl Walter wiedergewählt.— Für die fünf Delegierten zu der vom 25.— 24. September in Berlin tagenden Generalversammlung werden Bethke, Hasel, Hildesheim, Köhn, Marg« araf, Misbach, Rummel, Schmey und Welker als Kandidaten aufgestellt. Hierauf berichteten die Agitationskommissionen über ihre Thätig- kcit.— Bekanntgegeben wurde noch, daß bei einer Finna, Große Frankfurterstr. 16, die Bildhauer die Arbeit eingestellt haben und diese Firma als gesperrt gilt. Die Rammer hielten am Dienstagabend eine außerordentlich stark besuchte öffentliche Versammlung ab. Dieselbe beschäftigte sich in der Hauptsache mit der Frage, ob bei der augenblicklich günstigen Konjunktur die schon seit zwei Jahren vergeblich geforderte Be« willigung des Fahrgeldes jetzt eventuell durch eine allgemeine Arbeits- einstellung erzwungen werden solle. DiesachlicheBerechtigung derForde- rung wurde seitens der Lohnkommission damit begründet, daß einerseits die Steinsetzer schon seit vier Jahren das Fahrgeld bekommen(im Rayon der Stadt- und Ringbahn täglich 15 Pf., außerhalb das wirk- lich verbrauchte Fahrgeld) und daß ein kleiner Teil der in Betracht kommenden Finnen das Fahrgeld fteiwillig auch den Rammern zugestanden habe, andrerseits wurde die Forderung damit be- gründet, daß jetzt, wo die Arbeiter das Fahrgeld zu tragen haben. dieselben rücksichtslos heute nach Meiern Ende, morgen nach jenem Ende von Berlin oder nach außerhalb geschickt werden, ohne Rücksichtnahme darauf.daß derArbeiter eben eine Wochenkarte gelöst hat, die dadurch wertlos gemächt wird. Der Verbandsvorsitzcnde Knoll, sowie eine Reihe weiterer Redner ermahnten in eindring- licher Weise, es wegen des an sich verhältnismäßig gerinfligigen Objekts nicht zu einem allgemeinen Ausstand kommen zu lassen, bei lvelchem bestenfalls der materielle Erfolg die Opfer und Kosten des Kampfes gerade aufwiegen würde. Es habe sich aber auch bei den Stein- setzern gezeigt, daß es wegen keiner Bestimmung des Lohntarifs so oft zu Differenzen gekommen sei, als wegen des Fahrgeldes. Und bei den eigenartig gelagerten Arbeitsverhältnissen in Berlin und Umgegend sei auch beim besten Willen keine Fassung der Fahrgeldklausel zu finden, die nicht zu Differenzen Ver- anlassung gäbe. Die Steinsetzer seien auch bereit gewesen, die Fahrgeldbesttmmung eventuell gänzlich fallen zn lassen, wenit die Unternehmer in andrer Hinsicht Entgegenkommen gezeigt hätten. Andre Redner forderten in stürmischcr Weise den sofortigen Eintritt in den Streik. Nach langer und oftmals sehr miruhiger Debatte und nachdem auch die Lohnkommission erklärt hatte, daß sie angesichts des Verhaltens eines Teiles der Versamm- lungsteilnehmer die Arbcitseinstellnng nicht empfehlen könne, wurde mit allen gegen eine Stimme der Beschluß gefaßt, daß die Lohn- kommission sich an die einzelnen Firmen wenden und versuchen solle, auf dem Wege der Unterhandlungen die Bewilligung des Fahrgeldes zu erlangen. Der Verbandsvorsitzende Knoll empfahl noch, überall wo es sich um Arbeit außerhalb Berlins oder außerhalb des Wohn- ortes des Unternehmers handele, die Bezahlung des Fahrgeldes auf dem Wege der Massenklage zu erreichen zu suchen, da es rechtlich kaum zweifelhaft sein dürste, daß in solchen Fällen die Unternehmer ohnehin Fahrgeld zu zahlen haben. Wegen der stetig sich steigernde» Unruhe mußte sodann die Versammlung geschlossen werden. Letzte JVaebnebten und Depefeben. Auflösung des ungarischen Landtages. Budapest, 35. Juli.(B. H.) Wie verlautet, beschloß die Re- gierung, das Abgeordnetenhaus trotz des Exlex-Znstandes auf- zulösen._ Soldatenmisihandlungen. Magdeburg, 35. Juli.v o d u r ch das Leben derselben gefährdet war, zu verantworten. Die Verhandlung erfolgte unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit. Die Verurteilung zu zlvei Monaten drei Tagen F e st u n g erfolgte wegen Nichtbeachtung der Vorschriften. Der Unteroffizier Karl Weiß von der 15. Com- pagnie desselben Regiments wurde wegen Mißhand- lung in 13 Fällen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Posen, 35. Juli.(28. T. B.) Der Kaiser hat folgendes Tele- aramm an den Oberpräsidenten der Provinz Posen gerichtet:„Ich freue mich, aus den Meldungen zu ersehen daß schwere Schäden nicht erfolgten. Für die durch Stässe betroffene Bevölkerung habe ich den Finanzminifter angewiesen 275 550 M. zur Verfügung zn stellen. Eben- falls werde ich persönlich Ihnen eine Summe zugehen lassen." In- dem der Oberpräsident dies veröffentlicht, fügt er hinzu, daß der Kaiser aus Anlaß der Ueberschwemmungen in der Provinz Posen eine persönliche Gnadenbeihilfe von 5555 Mark be- willigt hat. Czernowitz, 35. Juli.(B. H.) Infolge Wolke nbruchS sind zahlreiche Flüffe aus den Ufern getteten. Die Ottschaft Waschhoutz ist gänzlich überschwemmt. 85 Häuser wurden unter Wasser gesetzt. mehrere stürzten ein, viele andre sind dem Einsturz nahe. Die Ernte ist völlig vernichtet, der Schaden enorm. Konstanz, 35. Juli.(B. H.) Das hiesige Bezirksamt hat den aus Ungar» gebürtigen socialdemokratischen Schlosser Paul Schlesinger dauernd aus Baden ausgewiesen. Odesia, 30. Juli.(B. H.) In den Fabriken der Firma W a l t u ch und in einer einem Franzosen gehörenden Fabrik ist wegen Lohndifferenzen ein Streik ausgebrochen. Auch die Führer und Kondukteure der Straßenbahn Ire iken, so daß der Sttaßenbahnverkehr völlig stockt. London, 35. Juli.(W. T. B.j Unterhau s. Bei der Be- prechung des Kolonialetllts ergreift Chamberlain in Beantwortung mehrerer Anfragen das Wort und führt bezüglich der Lage iit Südafrika aus, eine der größten Schwierigkeiten mit denen England zu rechnen habe, seien nicht die Beziehungen zwischen den Englandern und Boeren, sondern die Beziehungen der Voeren unter sich. Er glaube, daß es noch notwendig sei, daß der Regierung von Transvaal eine starke Gelvalt zur Verfügung stehe, und wenn es sich herausstellen sollte, daß die V e r s ö h n u n g s p o l i t i k vergeblich gewesen sei, würde man nicht zögern, diese Gewalt zu gebrauchen und die U n r u h e st i f t e r zu verbannen. Er lege dem Briefe General Bothas, der sich über die Lage in Südaftika beschwerte, keine Bedeutung bei und meinte, daß der Brief den Einfluß Bothas verttngern werde. Anina, 35. Juli.