Mr. 184. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter SonntagsBeilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in der Post- ZeitungsPreisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn a Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Mansplot Berliner Volksblatt. 20. Jahrg Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Rolonel zeile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 20 Bfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Bort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müffen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Noreffe: ,, Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der socialdemokratischen Partet Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Alt- Heidelberg, du Feinste! In Heidelberg hat man in der verflossenen Woche mit Schmaus und Trank und Rede die hundertste Wiederkehr des Tages gefeiert, an dem die Universität neubegründet worden war. Die bürgerliche Presse hat darüber mit der umständlichsten Ausführlichkeit berichtet, man las von Fahnen, Guirlanden, bunten Müßen, von GroßHerzogen, Excellenzen, klingenden Gläsern und Hallenden Toasten. Mit Eifer ward's gelesen; denn in dem Gedankenkreis unsres Bürgertums ist Heidelberg, Alt- Heidelberg", die Stadt des Trompeters von Sädingen, des Erbprinzen Karl Heinrich und der süßen Kellnerin Käthe, das Zuckerpüppchen unter den deutschen Universitäten. " Sonntag, den 9. August 1903. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. von dessen Liedern wohl manches in diesen Tagen in Heidelberg hause 12 inne, die beiden freifinnigen Fraktionen mur 2; dabei erflungen ist, schrieb Ernst Moritz Arndt: wurden zur Reichstagswahl in dem Bezirk 38 654 socialDer G. H. von B. zu C. hat sich dem Gemeinen ergeben, ist demokratische und 24 863 freifinnige Stimmen abgegeben gegen sorglos, verschwenderisch und ausschweifend und versteht bei alledem feine Höflinge und Günſtlinge in Kleinigkeiten mit einem rechten Tyrannentigel zu peinigen, während er nur thut, was feinen Lüften beliebt.... Ohne Scheu für Anstand und Sitte und ohne einen Gedanken an das Wohl seiner armen Unterthanen überläßt er sich der bodenlosesten Verschwendung und lleppigkeit. Dieser Fürst giebt in dieser Zeit französischen Hofdamen, die mit seinen Günstlingen verkuppelt werden, Ausstattungen von 50 000 und 60 000 Gulden, er hat diesen Frühling in Frankreich 400 000 damit die Unterthanen ja recht fühlen, daß sie von einem Gulden verspielt, er machte eine Menge Generale und Jahrgeldner, souveränen Fürsten regiert werden. Leopold, ist es ja auch gewesen, der seinen Respekt vor der freien Der unmittelbare Vorgänger des jetzt regierenden Großherzogs. Wissenschaft dadurch bekundete, daß er auf Preußens Geheiß die Rotted und Welder von ihrem Freiburger Katheder davon jagte. Einst freilich drang ein rauherer Ton aus dem Südwesten des deutschen Landes hervor, und man hat nicht vergessen, im Festes jubel auch jener Tage zu gedenken, da die Heidelberger Universität ein Hort der deutschen Revolution war und mancher ihrer Studenten, von preußischen Kugeln getroffen, mit seinem Blute die Erde färbte. Es war kein Geringerer als der Großherzog selbst, der geruhte, an die„ Verirrungen" zu erinnern, zu denen der" gute Geist" damals fessoren nicht immer so hoch gepriesen worden, wie von den jezigen Wie man sieht ist das badische Fürstenhaus von deutschen Proin so hohem Maße ausgeartet war, daß er weder von Kaisern, noch Lehrern der Universität Heidelberg, noch hat es die Professoren von Königen, noch von Großherzogen etwas wissen wollte, ja fo immer mit so huldreicher Herablaffung behandelt. Die Zeit solcher unverschämt geworden war, die Einigung Deutschlands auf republi- Verirrungen ist aber längst vorüber. Die Universität ist wieder eine tanischer Grundlage zu fordern. Von diesem rabenschwarzen Nacht- höfische Erziehungsanstalt für hochstrebende Söhne des guten Bürgergemälde hebt sich dann die Entstehung des neuen Kaiserreiches unter standes geworden, ihre Corps sind für das Avancement beinahe preußischer Führung desto heller ab, und als das„ bedeutungsvollste so gut wie die von Bonn und ihre abgebrauchte Poesie liefert Ereignis, das die Ruperto Carola feiern konnte", tritt der flüssigen Stoff zu Kolportageromanen und Ausstattungsstücken. 18. Januar 1871 glänzend in Erscheinung. In den Irrtum, daß die bedeutungsvollsten Ereignisse, die die Ruperto- Carola feiern berg sein Ende findet. Ein Ausstattungsstück besser als jenes, das Ein Ausstattungsstück ist es ja wohl auch, das heute in Heidelkonnte, auf dem Gebiete ernster, strenger und unparteiischer im Berliner Theater allabendlich bürgerliche Herzen mit wollustWissenschaft gelegen sein müßten, wird ohnehin nicht so leicht ein vollem Graufen erfüllt. Denn da giebt es echte Hofluft, echte Erbdeutscher Jüngling verstrickt, der mit wohlgefüllter Tasche die Reise prinzen und echte Excellenzen. Und echte Kellnerinnen giebt es nach dieser nächst Bonn feudalsten aller deutschen Hochschulen unterda_auch. nimmt. = Es sollte in diesem Zusammenhange die Frage erörtert werden, warum das deutsche Proletariat mit seinem lebendigen Wissensdrange, jenes Proletariat, das das Wort:„ Die Arbeiter und die Wissenschaft" auf seine Fahne geschrieben hat, so weit absteht von diesem Kreise der Fröhlichen. Sie ist beantwortet, bevor sie gestellt ist. In der Masse der Studenten, die den großherzoglichen Sedanredner umjubelte, hat sich sicherlich kein Arbeiterssohn befunden. amüsiert sich. Die Arbeiter und die Wissenschaft haben keinen Anteil " Le roi s'amuse". Ihre Majestät die herrschende Klasse daran, die Arbeiter nicht und die Wissenschaft auch nicht. Politische Uebersicht. Wahlsorgen. Berlin, den 8. August. 574 000 tonservative. Jm Regierungsbezirk Potsdam wurden 57 400 socialdemokratische und 42 600 freifinnige Stimmen abgegeben gegen 132 200 der beiden konservativen Gruppen zusammen, die allein die 18 preußischen Landtagsmitglieder dieses Bezirks stellen. Diese beiden Gruppen haben ferner von den 18 Mandaten des Regierungsbezirks Frankfurt a. D. 17 inne, obwohl sie nur 69 700 Reichstagswähler hinter sich haben gegen 68 300 socialdemo fratische und 21 400 freisinnige. Nehmen wir den Regierungsbezirk Liegnitz: und freifinnige Reichstagswähler, aber 14 konservative Landtags52 400 fonfervative und freifonfervative, 121 000 socialdemokratische von 38 Landtagsmandaten 27 im Besize der Konservativen. Wollte mandate gegen 3 freifinnige. Provinz Sachsen: 257 000 socialdemo fratische und freifinnige, 103 000 tonservative Reichstagswähler, aber man diese Untersuchungen ins einzelne weiterführen, so würde sich auch hier zeigen, daß den Konservativen die Erhaltung ihrer jezigen wird es abhängen, ob das eintritt, was die Konservativen fürchten. Landtagsmandate selbst unter der Herrschaft des Dreiklassen- Wahlrechts recht schwer gemacht werden könnte. Von den Freisinnigen Offiziösen- Leiftung. benötigt, um sich zu unsren Mitteilungen über die Giesebrechtschen Der Offiziofus der Nordd. Allg. 3tg." hat mehr als eine Woche Wahlrechtszettelungen auszusprechen. Nun aber leistet er bedeutendes. Er schreibt: " " Inzwischen hat der Vorwärts" seiner Anhängerschaft eine neue Sensation" aufgetischt, eine Enthüllung" über eine angebliche Verschwörung gegen das geltende Reichstags- Wahlrecht". Die Enthüllung" stüßte sich auf ein Rundschreiben eines in der politischen Welt bisher un bekannten füddeutschen Gutsbesizers, in welchem um Zustimmung zu der Ansicht geworben wurde, daß eine Besserung der gegen wärtigen politischen Verhältnisse durch die Beseitigung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts anzustreben sei. Sämtliche politischen Parteien haben fich dagegen verwahrt, mit diesen Bestrebungen etwas gemein zu haben. Der Vorwärts" aber ist bis heute der Aufforderung nicht nachgekommen, seine Behauptung, er sei in der Lage, eine Anzahl Abgeordneter feftzustellen, die dem Urheber des Planes ihre Unterstützung bereits gewährt oder zugesagt hätten, durch Nenmung der betreffenden Namen zu erhärten. Das ganze läuft danach augenscheinlich auf eine neue Flunkerei des socialdemokratischen Centralorgans hinaus." Herr Offiziofus beliebt die Langweiligkeit seiner Sonntagsrückblicke dnrch Unehrlichkeiten zu würzen. Er erdreistet sich, von Fluntereien andrer zu reden, während jede seiner Behauptungen eine unwahrheit ist. 8tg.", da sie doch weiß, daß, wenn unfre Veröffentlichung auch nur irgendwie unrichtig gewesen wäre, die von uns Aufgedeckten sofort fich zur Abwehr gesezt hätten. " Bestrebungen etwas gemein zu haben. Auch dies ist nicht richtig. Sämtliche politische Parteien" haben sich verwahrt, mit diesen Barteien" konnten bisher überhaupt nicht zu Worte fommen, wohl aber haben„ Bost", Rhein- Westf. 8tg."," Hamb. Nachr." ihre vollste Zustimmung zum Umsturz des Wahlrechts erteilt und betreiben täglich die Propaganda für dieses edle Ziel. Kein Gegner der modernen Arbeiterbewegung wird zu leugnen bermögen, daß das Proletariat in der Zeit seines selbständigen politischen Strebens eine gewaltige Summe von Intelligenz zu Tage Mit banger Sorge sehen die Konservativen den preußischen gefördert hat. Und wenn es tausendmal wahr sein mag, daß die Landstagswahlen entgegen; brauchen sie auch nicht zu fürchten, daß Welt heute in zwei große Naffen zerfällt, die der Armen und die der eine erhebliche Zahl socialdemokratischer Abgeordneter gewählt werden, Reichen, so wird doch niemand behaupten wollen, daß jene beherrschte, fo bangt ihnen doch schon vor der Möglichkeit, daß einige rücksichts- Eine angebliche Verschwörung", sagt die„ Nordd. Allgem. ausgebeutete, körperlich vielfach degenerierte Raffe in ihrer Knecht lose socialdemokratische Kritiker in das Abgeordnetenhaus einschaft Trieb und Fähigkeit zur Bildung verloren habe. Die Welt ziehen könnten und daß eine verständige Wahltaktit der Freianschauung des Socialismus, die man als rein mechanistisch oder sinnigen zu einer Erschütterung der Reaktionsherrschaft in diesem materialistisch verschreit, rechnet in Wirklichkeit mit einer zähen und Barlament führen könnte. Die konservative Presse sucht deshalb bewunderungswürdigen Widerstandskraft des Geistes, die allein im nachzuweisen, daß wir gar nicht die stärkste Partei in Breußen seien. stande ist, die Masse des deutschen Volkes vor einem ewigen Paria- Wenn wir auch bei den Reichstagswahlen die meisten Stimmenschicksal zu bewahren. zahlen hätten, so stammten die doch in der Hauptsache nur aus drei Das ungeheure Staubeden gewvedter und erwachender geistiger oder vier Großstädten, namentlich aus Berlin; auf dem Lande beKräfte, die in diesen Massen vorhanden sind, findet nach den deutete die Socialdemokratie nichts, so daß es den Freisinnigen nicht die Abgeordneten zu nennen, die sich zu Giesebrecht bekennen. Wir Wir sollen endlich der Aufforderung nicht nachgekommen sein, deutschen Universitäten feinen Abfluß. Am allerwenigsten nach der viel nüßen würde, wenn wir sie etwa gegen die Ueberlassung groß wissen nicht, ob irgend ein Einfältiger diese Aufforderung an uns Ruperto- Carola", die sonst ihre gartenlaubenduftende Romantit, städtischer Mandate in ländlichen, bisher konservativ vertretenen gestellt hat. Der Offiziofus macht sich aber mit diesem Einfältigen ihr höchst ungenialischstudentisches Treiben kaum bewahrt hätte, Kreisen unterſtügen wollten. um schließlich im Sumpfe des neudeutschen Byzantinismus zu enden. einer albernen Verdrehung des Thatbestandes schuldig. Wir Es ist schon falsch, daß unsre Stimmenmehrheit über die nannten den Abgeordneten Weherbusch und erklärten weiter, es sei festWie sehr der kriecherische Ton, an den wir uns hier an der Konservativen fast nur aus ein paar Großstädten stammt. Man zustellen, daß noch andre Abgeordnete fich dem Dr. Giesebrecht verSpree reichlich gewöhnen mußten, auch schon den„ demokratischen" sehe sich z. B. die Stimmenzahlen im Regierungsbezirk Potsdam pflichtet haben. Wären uns die Namen dieser Herren bekannt, fo Südwesten verseucht hat, davon giebt die Rede Zeugnis, mit der der an, wo wir fast die Hälfte aller abgegebenen Stimmen haben, würden wir sie mit demselben Vergnügen genannt haben, mit dem wir Prorettor Prof. Czerny die Striegervereinsrede des Großherzogs während die Konservativen erheblich weniger als ein Drittel Herrn Weherbusch der Deffentlichkeit übergaben. Wir haben nur be beantwortete. Die freie Wissenschaft haucht vor der regierenden erreichten. Gewalt den legten ersterbenden Seufzer der Unterhänigkeit stoß- havelland, Westhavelland sind wir den Konservativen erheblich macht hat. Selbst in Kreisen wie Niederbarnim, Potsdam- Dst- hauptet, was wir auf Grund von Erklärungen wissen, die Dr. Giesebrecht gegenüber mehreren Persönlichkeiten, die er zu gewinnen fuchte, ge weise aus: Dr. Giesebrecht hat durch sein Schweigen auch die Und Freude und Dankbarkeit entringt sich unsrer Brust, wenn einzige Großstadt besitzt, haben wir erheblich mehr Stimmen, Jm Regierungsbezirk Frankfurt a. D., der keine Richtigkeit dieser Behauptung bestätigt. wir bedenken, welche wohlwollende Fürsorge das dem Es wäre angemessener, wenn die„ Norddeutsche Allgemeine badischen Staate neuvermählte Pfälzer Land und unsre Uni- wie die Konservativen. In Schlesien sind die Wahlkreise Reichenbach- Beitung", anstatt leichtfertige Vorwürfe zu erheben, sich endlich versität unter dem alten, städtegründenden Geschlechte Neurode und Waldenburg, wo wir ohne Großstädte die Mehrheit zu der Behauptung des Dr. Giesebrecht über die Billigung feiner der Bähringer in dem ersten vergangenen Jahrhundert ge- der Stimmen im ersten Wahlgange erhielten; wir haben in Ober- Bläne seitens der verbündeten Regierungen aussprechen würde. funden hat. Durch den schöpferischen Gebanken eines weisen schlesien weit mehr als doppelt soviel Stimmen wie die Konservativen, Darüber schweigt Herr Offiziosus. Fürsten wurde unsre Hochschule aus dem Staube erhoben und wir find den Konservativen um 17000 Stimmen voraus im gelangte unter der wohlwollenden Fürsorge eines freifinnigen Regierungsbezirk Liegnig. Wo sind da die Großstädte? Jm RegierungsHerrschergeschlechtes rasch zu einer Blüte, welche sie niemals vor- bezirk Magdeburg haben wir viermal soviel Stimmen her besessen hatte. Seit 60 Jahren widmen Eure königliche Hoheit die Konservativen und wenn wir In der„ Nation" beginnt Dr. Th. Barth eine Darlegung zur alle unfre Stimmen unsrer Universität Ihre fürstliche Liebe und Sorgfalt, anfangs der einzigen Großstadt Magdeburg unberechnet lassen, Der bisher erschienene erste Teil des Artikels behandelt zunächst allStellung des Freisinns bei den preußischen Landtagswahlen. als ihr begeisterter, dankbarer Zuhörer, bald aber als väterlicher Rektor Magnificentiffimus. Es ist uns eine hohe Freude, daß wir haben wir noch immer die dreifache Anzahl der konservativen gemein die Frage, wie das liberale Bürgertum sich in seiner bean der Seite Eurer föniglichen Hoheit unsern hochverchrten Erb- Stimmen im ganzen Regierungsbezirk. Ganz ähnlich ist es im fonderen Lage zwischen der tonservativ fleritalen Realtion und der großherzog, welcher bei dem glorreichen 500 jährigen Jubelfeste Regierungsbezirk Merseburg mit seiner einzigen Großstadt Halle, Socialdemokratie verhalten solle. unsrer Alma Mater wegen Krankheit fernbleiben mußte, in und im Regierungsbezirk Erfurt, der wieder keine Großstadt hat, 3weifronten- Theorie" der Freifinnigen Volkspartei, welche Theorie blühender Gesundheit heute ehrfurchtsvoll begrüßen dürfen, und teilen sich Konservative, Freikonservative und Nationalliberale zu in der Praxis sich ja längst als ein einseitiger Kampf gegen die daß Ihre königlichen Hoheiten, die Frau Großherzogin und ziemlich gleichen Teilen in 24 000 Stimmen, während wir allein Socialdemokratie und zu Gunsten der Reaktion darstellt. die Frau Erbgroßherzogin, sowie Se. großherzogliche 26 000 haben. In der Provinz Hannover ist die einzige Großstadt wichtigere Frage als die Frage des politischen Verhältnisses der Dr. Barth erklärt, es gebe für den Liberalismus zur Zeit keine Hoheit der Prinz May von Baden, durch Ihre allerhöchste Gegen- Hannover; trotzdem haben wir 183 000 Stimmen, die Konservativen bürgerlichen Linten zu der in der Socialdemokratie organisierten wart unser Fest huldreich schmücken. Die gnädigen Worte, welche 25 000. Ew. königliche Hoheit uns heute wieder gewidmet haben, verArbeiterschaft". Er führt hierzu aus: voraus. wvie pflichten uns von neuem zu unauslöschlichem Danke und zu dem Stellt man sich aber auf den Standpunkt, von dem aus die Versprechen, daß wir mit allen Fasern unsres Herzens an der konservative Presse die Sache betrachtet, so nuß man die socialEntwicklung und dem Gedeihen dieser freier Wissenschaft und demokratischen und freisinnigen Stimmen zusammen den konservaKultur der Menschheit gewidmeten Anstalt hängen wollen. tiben gegenüberstellen und da ergiebt sich, selbst wenn man Herr Czerny hat von der freien Wissenschaft und der Kultur der den konservativen noch die freikonservativen Stimmen zu Menschheit wahrhaftig sehr sonderbare Begriffe, wenn er meint, rechnet, ein für die Konservativen ein für die Konservativen noch viel ungünstigeres daß sie so aussieht. Ueber das badische Fürstenhaus weiß eine Bild. Da zeigt es sich, daß die llebermacht der Konservativen im unparteiische Geschichtsforschung wahrlich ganz andre Dinge zu preußischen Abgeordnetenhauſe in der That auf sehr schwankem erzählen. Ueber den zweiten Schußherrn der Universität Heidelberg, Fundament ruht. So haben z. B. die Konservativen von den den Großherzog Karl, schrieb einst ein Deutscher Universitätsprofeffor, 19 Mandaten des Regierungsbezirks Königsbergs zum Abgeordneten" Freifinnige Vorfäße. V Alle Hoffnungen der Reaktion beruhen auf dem Zwiespalt zwischen dem freisinnigen Bürgertum und der socialdemokratischen Arbeiterschaft. So lange diese beiden Gegner der Reaktion sich untereinander befehden, haben Konservative und Centrum gute Zeiten. Der Tag, an dem das liberale Bürgertum mit der socialdemokratischen Arbeiterschaft sich zu einer gemein samen Bekämpfung der Reaktion zusammenfindet, wäre der Anfang vom Ende jeder reaktionären Herrschaft in Preußen wie in Deutschland. Das weiß niemand besser als die Reaktion selbst. Deshalb verfolgen alle reaktionären Politiker und Publizisten mit se gespaniltem Interesse jedes Symptom der wachsenden Trennung oder Annäherung zwischen dem freisinnigen Bürgertum und der socialdemokratischeu Arbeiterschaft. Jeder Politiker wird heute von der reaktionären Presse mit Lorbeer bekränzt, dem es gelingt, vle Trennung zu erweitern oder die Annäherung zu verhindern." Der Verfasser zieht weiter einen recht interessanten Vergleich zwischen dem Verhalten der Reaktionsparteien zu seiner Person und zu den Führern der Freisinnigen Volkspartei: „Eugen Richter wurde jahrzehntelang von den Reaktionären als der oppositionellen Teufel Oberster bekämpft und mit jeder nur denkbaren Schmähung bedacht. Seitdem man aber im reaktionären Lager erkannt hat, daß der Kampf gegen das rote Ge- spenst von niemand ernsthafter betrieben wird als von ihm, hat sich alle frühere Bitternis in eitelWohllvolleir verwandelt, und dieselben reaktionären Blätter, die ftüher von Beschimpfungen gegen Richter Überflossen, preisen ihn heute ob seiner unvergleichlichen oppositionellen Staatskunst. Sie sind bereit, ihm alle früheren Sünden zn vergeben, sie nehmen auch seine Opposition in Militär- und Marineftagen als vergleichsweise harmlose politische Ketzereien mit in den Kauf,— so lange er nur den Kampf gegen die S o c i a l d e m o k r a t i e als oberste politische Aufgabe festhält. Aus derselben Erwägung heraus erfreue ich mich feit Jahr und Tag in der reaktionären Presse einer ausgesucht schlechten Behandlung. Mein entgegenkommendes Verhalten bei Heeres- und Flottenvorlagen dient nicht ein- mal als milde r n der U m stand bei der fortgesetzten Ver- urteilung meines politischen Wirkens. Es ist das begreiflich genug; denn ich habe seit Jahr und Tag die Meinung vertreten, daß für den entschiedenen Liberalismus der Kampf gegen die Reaktion im Vordergrunde stehen müsse und der Kampf zwischen Frei- sinn und Socialdemokratie eine Kraftvergeudung sei, die nur zur Erbauung und Stärkung der Reaktionäre diene. Ich habe mich mit voller Offenheit dafür plädiert, daß bei Stichwahlen zwischen Reaktionären und Socialdemokraten die letzteren als das kleinere Uebel regelmäßig zu unterstützen seien. Das geschah nicht aus Neigung für die Socialdemo- kratie oder gar für den K ollektivisnrus, zu dem ich heute noch genau so stehe wie vor zwanzig Jahren, sondern aus der wachsenden Ueberzeugung heraus, daß der freiheitlichen Entwicklung des deutschen Volkes die socialdemokratischeu Programm- forderungen in absehbarer Zeit nicht ernstlich gefährlich werden können, während uns die Reaktionäre tagtäglich be- drängen und bedrohen. Mit andren Worten: In den praktisch politischen Kämpfen der Gegenwart stehen unsre Feinde rechts und unsre Konkurrenten links. Gegenüber der Socialdemokratie gilt es, sich im Konkurrenzkampf zu behaupten; aber dieser Konkurrenzkampf ist zu führen gegen die Reaktion. Was Herr Barth über die freiheitliche Entwicklung Deutschlands und die ihr durch die socialdemokratischeu Programinforderungen drohende Gefahr sagt, beweist nur, daß hier das Verständnis des fteisinnigen Politikers für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Eni- Wicklung versagt. In Wahrheit sind die socialistischen Programm- forderungen die Voraussetzungen für die fteiheitliche Gestaltung des Staates, freilich nicht für eine„Freiheit" kapitalistisch- mammonistischer Ausbeutung, sondern un, gekehrt für die freie Ent- Wicklung aller Volksglieder und die Befteiung von der Aus- beutnng. Herr Dr. Barth, der sonst recht einsichtig die Gründe prüft, warum der Liberalismus seinen Anhang immer mehr verlor, übersieht diesen wichtigsten Grund: die Berzichtleistung auf den Schutz der Arbeitenden gegen die Macht des Kapitals. Immerhin ist anzuerkennen, daß Dr. Barth den Versuch der Reaktion ablehnt, durch den„kollektivistischen Schrecken" den Liberalis- mus selbst von den nächstliegenden Forderungen seines politischen Programms zurückzuscheuchen. Diese traurige Schreckhaftigkeit hat allerdings zum Niedergang des Liberalismus nicht wenig beigetragen. ES wäre sehr wohl möglich gewesen, daß sich neben der gewaltig wachsenden Socialdemokratie der Liberalismus eine größere Stellung hätte bewahren können, wenn er den Kampf gegen die Reaktion kraftvoll geführt hätte. Es ist deshalb auch nicht richtig, aus den geringen Mandatserfolgcn der Freisinnigen Vereinigung allzu weit- gehende Schlüsse zu ziehen. Wenn diese kleine Partei im Kampfe um die Eroberung konservativer Kreise auch nicht sehr erfolgreich war, so bietet dieses Vorgehen doch die einzige Aussicht für den Liberalismus, sich wieder emporzuarbeiten. Jedenfalls ist dies Ver- halten ehrenvoller als die armseligen Klagen andrer Freisinns- Politiker über die Socialdemokratie, die so erschrecklich anmaßend ist, freisinnige Kandidaten ans den Stichwahlen zu verdrängen. Dr. Barth zieht dann für die preußischen Wahlen diese Folgerung: „Sind die Freisinnigen in Preußen bereit, das einzige wirk- same Mittel, welches eine Schwächung der Reaktionäre bei den nächsten Landtagswahlen verspricht, nämlich ein Znsammenwirken mit der Socialdemokratie im Kampfe gegen die Reaktion zur Anwendung zu bringen, oder wollen sie den Reaktionären die Gefälligkeit erweisen, von jeder Kooperation mit der Social- demokratie auch bei den preußischen Landtagswahlen Ab- stand zu nehmen? Geschieht letzteres grundsätzlich, so wird die Beteiligung der Socialdemokraten bei den Landtagswahlen im wesentlichen auf eine agitatorische Demonstration hinauslaufen, die Freisinnigen beider Richtungen aber werden im nächsten preußischen Abgeordnetenhause dann im günstigsten Falle etwa so stark bleiben, wie während der letzten fünf Jahre." Es wird sich zeigen, welche Resonanz die Vorsätze des Herrn Dr. Barth in seiner Partei finden. Die politische Verweichlichung, der die Liberalen seit langem verfielen, wird sich nicht leicht kurieren lassen.— Deutfcbes Reich. Eiscnbahll-Rrsormen. Der väterlich forstende Minister Budde hat bei Streckenbereisungen wieder eine lange Reihe von Mißständen im Eisenbahnwesen entdeckt und reformiert gewaltig darauf loS. So hat er z. B. die Fristen für die Ausbildung verschiedener Beamtenkategorien bedeutend ver- längert. Für. Zugführer beträgt die Ansbildungsfrist fortan 12 statt 6 Monate, für Rangiermeister 18 Monate. Dieser muß vorher Eisenbahnarbeiter gewesen sein und hat sich bei einer Versetzung über Bahnhofs- und Geleise-Anlagcn an seinem neuen Dienstorte erst durch 14 Tage zu vergewissern, bevor er die amtlichen Obliegen- heiten dort übernimmt. Die dienstlichen Vorschriften für Lokomotiv- und Zugführer sind übersichtlich in einem Buche vereinigt, anstatt wie bisher in 30 kleinen Büchern. Dieselben Beamten haben, wenn sie nach unbekannten Strecken versetzt werden, erst dreimal diese Strecke in Begleitung kundiger Beamten zu bereisen. Sie haben daim schriftlich anzuerkennen, daß ihnen alle Gebräuche auf den neuen Strecken bekannt geworden sind. Auf allen Bahnhöfen führen die Kassengeschäfte fortan die Vorsteher der Güterabfertigungsstellen, nicht mehr die Bahnhofsvorsteher. Die Bahnhofsvorsteher dürfen sich bei den wichtigsten abgehenden und einfahrenden Zügen nicht mehr vertreten lassen, sondern haben den Dienst selbst zu führen. An Stelle der Assistenten und Tclegraphisten auf kleinen Bahnhöfen treten Weichen st eller er st er und zweiter Klasse. Die Stellung der Bremser geht ein. Die Bremser haben die Prüfung für Schaffner sofort abzulegen und erhalten den Titel ll) Schaffner. Als Streckenarbeiter werden junge Männer mit guter Schulbildung auf drei Monate eingestellt. Dann werden sie den Bahnhofsbeamten als Hilfsarbeiter zugesellt. Später erhalten sie eine mittlere Beamtenstellnng. Im Gegensatz zu andren Behörden, wo diese Stellen ausschließlich Militär- anwttrtern gebühren, sollen die mittleren Beamtenstellen zur Hälfte durch Civil-, zur Hälfte durch Militäranwärter besetzt werden. Auch die Eiseubahn-Untcrbeamteu dürfen, lvie alle andren, fortan die Bezeichnung„königlich"(1 1) vor dem Amtstitel sichren. Dienstberichte über Beanrte haben in Zukunft die höheren Beamten der In- spektionen, nicht mehr der Bahnhofsvorsteher abzufassen. Daß die Beamten über eine ausreichende Vorbildung verfügen, ist ebenso Ivünschenswert, wie daß sie neue Arbeitsplätze und Fahrstrecken erst genau kennen lernen; ans der andren Seite ist aber mit der längeren Ausbildungs- zeit eine Benachteiligung der Beamten in ihren, Einkommen verbunden, so'daß die Frage am Platze ist, ob wirklich die Ver- längerung der Fristen erforderlich war. Man wird, namentlich in Erwägung der Forderung schriftlicher Anerkennung des Bekanntseins mit der Strecke auf die Vermutung geführt, als ob in diesen „Reformen" die notwendigen Maßregeln zur Erhöhung der Betriebs- sicherheit erschöpft werden sollten, daß den Beamten aufgebürdet werden soll, was an mangelnder Betriebssicherheit Schuld der Verwaltung ist. In Hinsicht der Beamten sind kurze Arbeitszeit und gute Löhne die wichtigsten Mittel zu möglichster Verhütung von Unfällen und ferner gehört dazu die Anwendung einer ganzen Anzahl technischer Verbesserungen, die sich längst bewährt haben, aus den preußischen Staatsbahnen aber zum Teil gar nicht, zum Teil nur in einzelnen Fällen eingeführt sind, wie z. B. der Prellbock mit Oclbremsung, die automatische Kuppelung, verbesserte Puffer an den Wagen usw.' Auch die kleinsten Reformen sollen nicht unterschätzt werden, man mutz nur nicht um allerhand kleinste Reförmchen viel Lärm machen und die notwendigen gründlichen Reformen dabei vergessen. Auch die Beamten würden für gute Löhne mehr Verständnis zeigen wie für den Titel„königlich". Vielleicht kommt Herrn Budde bei späteren Besichfigungen und Streckenbereisungen auch noch der Gedanke, daß auch im Interesse der Bequemlichkeit des reisenden Publikums gründliche Reformen nötig sind und daß nicht zuletzt auch die Frage einer Tarifteform existiert. Wenn Herr Budde sich dieser ernsten Reformen mit Ernst annimmt, dann wollen wir auch seine kleinen Tüfteleien gern anerkennen.— Ein Polizciskandal. Im April vorigen Jahres wurde aus O s ch e r s l e b e n ein Polizeiskandal bekannt, der damals ziemliches Ausiehen gemacht hat. In einem Prozesse vor dem Landgericht Halberstadt wurden am 9. April 1992 eine Reihe zeusteneidlichcr Aussagen abgegeben, durch die der Polizeirommissar H ä n s ch in Oschersleben aiifs schwerste belastet wurde. Es wurde beeidet, daß er einen Untergebenen beauftragt hatte, eineir Gefangenen zu prügeln, daß er einen Untergebenen zum Aktendiebstahl verleitet habe, daß er einen andern zur Einrcichung eines falschen Zeugnisses veranlaßt und dieses Zeugnis beglaubigt habe. Er hatte ferner nach den Zeugenaussagen seiner Untergebenen beauftragt, sie sollten gewisse oppositionelle Stadtverordnete„feste kneifen", daß sie am Leben verzagen. Ueber die vielen Anzeigen, die durch den Kommissar veranlaßt worden waren, hatte sich selbst der Amts- anwalt bei der Polizeiverwaltung beschwert mit der Begründung, daß er sie nicht mehr vertreten könne usw. Diese Aussagen stammten zum Teil von Polizeibeamten. Daraufhin wurde Hänsch am nächsten Tage vom Amte suspendiert und seitdem hat man gegen ihn untersucht. Jetzt lesen wir im „Halbcrstädter Tageblatt" sGeneral-Anzeiger), daß die Unter- such un g gegen den Hänsch auf Beschluß des Be- ;irkS-AuSschusses eingestellt und Hänsch wieder in fein !lmt eingesetzt sei. Der Magistrat von Oschersleben hat nach dem- elben Blatte durch einstimmigen Beschlutz Beschwerde beim Regierungspräsidenten eingelegt gegen die Wicderanstellung, ist aber damit abgewiesen worden. Es wird angenommen, daß der Magistrat gegen den Regierungspräsidenten klagen wird. In Oschersleben herrscht über diesen unerwarteten Ausgang der Angelegenheit große Auftegung und Erbitterung, was man wohl begreifen kann._ Zur Rcichstags-Nachwahl in Dessau- Zerbst wird in bürgerlichen Blättern gemeldet, daß„als socialdenwkratische Kandidaten Dr. Leo AronS und Rechtsanwalt Karl Liebknecht in Betracht kommen". Uns ist davon nichts bekannt und, so weit wir wissen, liegt nicht der ge- ringste Grund vor, daß der bisherige Kandidat, unser Genosse Ääppler, nicht wieder kandidieren würde.— Eine neue Maske? Max Lorenz hat seinen Gott erkannt; er ist ein gottgläubiger, frommer Christ geworden, der alle Dicsseitigkcit abschwört und sein Heil vom Himmel erhofft. In seinem Organ zur Bekämpfung der Socialdemokratie ist zu lesen: „Denn dadurch, daß eine Ordnung Thatsache geworden ist und dauernderen Bestand behält, ist eben der Beweis erbracht, daß Gott sie als ein Glied in der geschichtlichen Entwicklung der Menschheit vorgesehen hat. Das gälte natürlich auch vom Socialismns, sobald er geschichtliche Thatsache und zu Recht bc- stchenvc Ordnung geworden wäre. Nach der Ueberlegung menschlicher Vernunft aber und nach den Lehren der bisherigen Menschheitsgeschichte jedoch vermag der Socialismns im Sinne der Socialdemokratie nie solche Ordnung zu werden. Noch weniger aber vermag die christliche Religion, welchen Bekenntnisses auch immer, sich mit ihm abzufinden. Der Socialismns der Socialdemokratie ist im Princip religions- feindlich und anti-christlich, weil er nämlich auf absolute Tics- seitigkeit gestellt ist und sich anheischig macht, mit materiellen Machtmitteln einen„Himmel auf Erden" zu schaffen. Es kann wohl der Fall eintreten, daß ein einzelner Christ Socialdemokrat wird, ohne damit seinen Glauben fahren zu lassen. Dann hat ihn eben sein Verstand entweder seine religiösen Pslichten oder aber das eigentliche Wesen des Socialismns nicht richtig erkennen lassen." Daß der Mann jetzt schon bei der alten Betschwester anlangen würde, war eigentlich nach der Zahl seiner Lebensjahre noch nicht zu erwarten. Wittert er die Machthaber der nächsten Zukunft?— Verletzungen des Wahlgeheimnisses find durch das neue Reichstags- Wahlreglement vielfach erst recht möglich geworden, wie von den Kritikern des Reglements vorhergesagt wurde. Die„Münchener Neuesten Nachrichten" bestätigen, daß auch in Bayern eine unzulässige Kontrolle der Wähler vorgekommen ist. In einem Dorfe der West- Pfalz.weigerten sich zum Beispiel die Angehörigen der in der Minorität befindlichen Partei deshalb, in der Stichwahl, wieder für ihren Kandidaten zu stimmen, weil sie durch ihre Abstimmung bei der Hauptwahl sich persönliche Ver- nnglimpfungen und geschäftliche Benachteiligung zugezogen hätten. Ihr Vertrauensmann versprach ihnen, bei der Stichwahl zu verhindern, daß die Zettel in der Reihenfolge ihrer Lage in der Urne verlesen würden. Er erreichte dies dadurch, daß er vor Beginn der offiziellen Zählung der Stimmen gegen den Willen des Wahlleiters die Umschläge durcheinanderwarf und dadurch die Kontrolle der Stimmenabgabe durch die Gegner unmöglich machte. Es ist eine Bestimmung über die Beschaffenheit der Wahlurnen nötig, durch welche das Aufeinanderschichten der Couverts ver- hindert wird.— In dem Berleumdungsfeldzug, durch den die Konservativen im Wahlkreis Kolberg-Köslin den Sieg Barths verhinderten, wurde auch die dreiste Lüge verbreitet, Dr. Barth habe 17 socialdcmokratische Stinnnen gekauft. Allerdings in einem anonymen Flugblatt. Dr. Barth fordert die Einleitung der öffentlichen Klage gegen die Urbeber dieser Verleumdung. Aber sowohl die Staatsanwaltschaft in Köslin wie der Oberstaatsanwalt in Stettin die Meinung ver- treten, daß der von der Wahrung berechtigter Interessen handelnde Z 193 des Strafgesetzbuches Verfasser und Verbreiter dieser frechen Beschuldigung decke, und sie lehnten deshalb die Einleitung einer öffentlichen Klage ab. Der Ober-Staatöaiiwalt in Steltin hatte daneben allerdings ausdrücklich zugestanden, daß an sich der Vorfall geeignet sei, den Gegenstand einer öffentlichen Klage zu bilden. Auf Dr. Barths Beschwerde an den Justizmini st er hat nun letzterer die Einleitung eines Ermittelungs» Verfahrens gegen die anonymen Flugblatt-Verleumder angeordnet. Da, so bemerkt die„Liberale Korrespondenz", das Ermittelnngsverfahren voraussichtlich von dem Ersten Staatsanwalt Rohde in Köslin geleitet werden wird, so ist mit Sicherheit anzu- nehmen, daß die Verfasser und Verbreiter des gegen Dr. Barth ge- richteten verleumderischen Flugblattes alsbald ausfindig ge- macht werden. Denn Herr Rohde war Vorsitzender de« konservativen Wahlkomitees und erscheint in dieser seiner Eigenschaft besonders geeignet, die Spuren dieser verleumde- rischen Aktion, die ja alle ins konservative Lager sichren, ausfindig zu machen. Muckerei in Sachsen. Die Saalinhaber von Dresden und Umgegend veröffentlichten gestern, am Vorabend von König Georgs Geburtstag, folgende Erklärung: Den Saalinhabern Dresdens wurde die Abhaltung öffentlicher Bälle am Geburtstage des Königs nur unter der Bedingung ge- nehmigt, daß dieselben dafür einen regulativmäßigen Tanztag aus- fallen lassen müssen. Da ein Ausfall regulativmäßiger Tanztage aber nicht ohne geschäftliche Schädigung möglich ist, when sich d,e Saalinhaber gezwungen, festliche Veranstaltungen am vorgenannten Tage zu unterlassen. Der Muckergeist, der in Sachsen umgeht, vollbringt die unglanb- lichsten Thaten. Gewiß wäre eine Erhöhung und Veredelung der Volksbelustigungen zu wünschen, aber, so lange dies nicht geschieht. ist es doch durchaus verwerflich, daß die Polizei die Tanzgelegenheiten rigoros einzuschränken bestrebt ist.— Weshalb Offiziere pensioniert werden. Das„Berl. Tagebl." erzählt, allerdings ohne Namennennung, einen Vorfall h la Löhning: „In eine größere östliche Garnison wird ein bis dahin im Kriegsministerium thätig gewesener Offizier als Divisions- k o m m a n d e u r versetzt. Auch das betreffende Generalkommando befand sich an dem Orte. Der neue Divisionär, ein Mann bürger- licher Herkunft, war aber der B r u d e r eines b r a v c n S ch u l- l e h r e r s. der gleichfalls in jener Provinzialhaupfftadt angestellt war. Beide Brüder verkehrten miteinander. Allein die all- mächfige GeinahlindesKommandierenden hielt diesen Verkehr der beiden Brüder durchaus dem„Tschin" lRangordnung) widersprechend. Die Dame hielt mit ihrem Urteil nicht zurück, sie kritisierte vornehmlich das Militärkabinett, das geradezu unglaubliche Mißgriffe begehe. Der Divisionär wurde gesellschaftlich förmlich boykottiert, und das Ende von dieser„Tschin". Geschichte war, daß der bis dahin ebenso rüstige wie tüchtige GeneraUieutenant den bekannten blauen Brief erhielt." Es erscheint doch erforderlich, diesem Fall weiter nachzugehen. ES ist toll, wenn ein rüstiger und geeigneter Offizier sowie andrer- seits die Steuerzahler die blöden Vorurteile einer Generalsdame büßen sollen.— Ueber eine Wahlreform in Baden wird berichtet:„Eine Vorlage betr. das Wahlsystem für den badischen Landtag steht für die Zeit des Wiederzusammentritts der badischen Kammern im Spätherbst in Aussicht. Jni Ministerium des Innern soll bereits ein umfassender Entwurf über die gesamten Verfassungsänderungen liegen, welche im Zusammenhang mit der Einführung der direkten Wahl vorzunehmen sind. Besonders hinsichtlich des Wahlverfahrens und der Kreis- einteilung bei den Landtagswahlen konnten sich in der letzten Tagung weder Regierung und Zweite Kammer, noch die Parteien unter- einander einigen. Ueber diese beiden Punkte soll jetzt eine Regierungs- Vorlage ausgearbeitet sein."— Soldatcn-Sclbstmord. Wie unser Mannheimer Parteiblatt meldet, hat sich dort ein Gefteiter der 19. Compagnie des Grenadier- Regiments Nr. 119 mit seinem Dienstgewehr erschossen. Das ist innerhalb acht Wochen der zweite Selbstmord in derselben Compagnie. Es wird behauptet, daß in beiden Fällen die Unglücklichen durch kleinliche Chikanen in den Tod getrieben worden seien. Hoffentlich erfolgt eine gründliche Untersuchung der Vorfälle.— Klerikale Bolksauftlärung. Der Bischof von Münster hat unter dem 39. Juli folgende„Anordnung von Gebeten um günstige Witterung" erlassen: „Da der anhaltende Regen die diesjährige Ernte ernstlich zu gefährden droht, so wollen wir zu Gott uiisre Zuflucht nehmen lind gemeinsame Bittgebete zur Erflehung günstiger Witterung an- stellen. Zu diesem Zweck ist in jeder Pfarrkirche des Bistums an einem der nächsten Tage nach voraufgehender Ankündigung ein Hochamt cks kssto unter Einlegung der Oration„all xstsnckam sersnitatew" vor ausgesetztem Allerheiligen Sakramente ab- zuhalten. Vor dem sakramentalen Segen ist die Litanei vom hh. Herzen Jesu nebst dem Gebete um eine glückliche Ernte (Diozesnn-Gesangbuch Seite 519 Nr. 12) vorzubeten. Das letztere Gebet ist auch bis zum Eintritt günstiger Witterung täglich nach der Schulmesse zu verrichten unter Hinzufügung von 3 Vaterunser und Ave Maria."— BueUnd, Die deiltsch-rusfischcn Handelsvertrags-Berhandlmigen. Am Montag haben endlich in Petersburg die Vorbesprechungen über den deutsch-russische» Handelsvertrag begonnen. Als deutsche Unterhändler sind daran beteiligt der Direktor der handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amts Dr. v. Koerner, der Direktor im Reichsamt des Innern Mermuth, der vortragende Rat im Reichsschatzamt Meuschel, der vortragende Rat im Landwirtschafts» Ministerium Dr. Kapp, der vortragende Rat in: Handelsministerium Lusensky sowie der vortragende Rat im Eisenbahnministerium Müller. Obgleich eS sich noch keineswegs um einen Eintritt in die eigent- lichen Vertragsverhandlungen, sondern vorerst nur um eine Fühlungnahme, um eine Verständigung über den Gang der späteren Verhandlungen handelt, sind in den letzten Tagen schon allerlei Versionen über gewisse gegenseitige Einverständnisse aufgetaucht, die sich bereits ergeben haben sollen. Die„Kreuz-Zeitung" wußte sogar zu melden, daß die russische Regierung nicht abgeneigt sei, die deutschen Mindcst-Getreidezölle zu acceptieren, sofern zwei Bedingungen erfüllt würden: 1. Entsprechende Kompensationen auf dem Gebiete deS Verkehrs mit Vieh und tierischen Produkten(besonders parke Herabsetzung der Vieh- und Fleischzölle und Erleichterung des vcterinär-polizeilichen Grenzschutzes). 2. Gewährung der Getreide-Mindestzölle nur an die Vertragsländer, nicht aber an die Länder, zu denen Deutschland nur in einem Meistbegünstigungsverhältnis steht, z. B. also nicht an die Vereinigte» Staaten von Amerika. Selbstverständlich sind derartige Meldungen nichts als müßige Erfindungen, bei welchen der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Sie haben kaum einen andren Zweck, als einerseits der Re- gierung anzudeuten, in welcher Richtung die Agrarier sich allenfalls zu Zugeständnissen herbeilassen würden, und andrerseits die russische Regierung vor der Leserschaft als geneigt zum Einlenken hinzustellen. um, wenn das von ihnen verlangte Abschlußergebnis von den deutschen Unterhändlern nicht erreicht wird, diese um so bequemer der Unfähigkeit und des Verrats an den landwirtschaftlichen Interessen beschuldigen zu können. Gefällt doch ohnehin den Agrariern die Wahl der deutschen Unterhändler nicht, unter denen sich Personen wie der Direktor v. Koerner und der Gcheimrat Lusensky befinden, die in dem schmählichen Verdacht stehen, nur ge- mäßigte Schutzzöllner zu sein. Dr. v. Koerner, der bis 1895 als Geheimer Finanzrat stellvertretender sächsischer Bundes- bevollmächtigter war. dann aber in das Rcichsschatzamt übertrat, bis er vor vier Jahren als Wirklicher Geheimer Legationsrat die Leitung der handelspolitischen Abteilung im Aus- wärtigen Amte übernahm, würde man sich vielleicht noch gefallen lassen; aber daß auch der Decernent für Handelsangelegenheiten im preußischen Handelsministerium, der Geheimrat Lusensky, der es gewagt hat, sich im Oertelschen Wahlkreise als nationalliberaler Kandidat ausstellen zu lassen, zu den von der Regierung auserkorenen Unterhändlern gehört, hat den agrarischen Junkerzorn heftig erregt, und die„Deutsche Tages- zeitung" stellt denn auch bereits die Forderung,„daß nian Iki den endgültigen und abschließenden Verhandlungen in der Wahl der Personen vorsichtiger sei". Vorläufig handelt es sich erst bei den begonnenen Be- ratungen um eine Sondierung des beiderseitigen Standpunktes, um die Feststellung der Basis, auf der die eigentlichen Vertrags- Verhandlungen sich am besten führen lassen. Bis zum Hervorgehen eines neuen Vertrages aus diesen Verhandlungen wird noch sehr viel Wasser den Berg herabfließen; denn die russische Regierung hat sich ebenfalls eine starke Kampfesposition geschaffen. Das scheint man jetzt auch in den Regierungskreisen einzusehen, die im Dezember vorigen Jahres mit der Annahme des Kardorffschen Antrages im Reichstage schon die Hauptschwierigkeiten für überwunden hielten; denn die nachfolgende Auslassung des„Lokal-Anzeigers" verrät ihrer Form nach entschieden offiziösen Ursprung: „Trotzdem dürsten bedauerliche Enttäuschungen nicht ausbleiben, wollte man sich sorglos der Hoffnung überlassen, daß die deutschen Vertreter schon ein gewonnenes, ja auch nur leichtes Spiel bei der Lösung ihrer Aufgabe hätten. Die russische Regierung hat schon bei dem ersten Handelsvertrage mit Deutschland kühl und geschickt den eignen Vorteil abzuwägen und Ivahrzunehmen gewußt. Für die neuen Vorbereitungen wurde von ihr rechtzeitig ein autonomer Zolltarif ausgearbeitet, der in allen seinen Bestimmungen die ivohl- ausgeklügelte Absicht bekundet, die deutsche Reichs- regierung ziemlich unverhüllt vor die Alter- nativezu stellen: weitgehende Nachgiebigkeit oder umfassender Kämpft Der neue russische Zolltarif mit seinen Differentialzöllen für die Wareneinfuhr zu Wasser und zu Lande sowie mit seinen geradezu rigorosen Zoll- sähen für die von der deutschen Industrie bisher nach Rußland aus- geführten Handelsartikel ist ein ausgesprochener Kampf- tarif gegen den deutschen Mitbewerb auf russischen Märkten. Somit ist die Neigung auf russischer Seite ganz unverkennbar, nur zu einem unverhältnismäßig hohen Preis in den Abschluß eines neuen Handelsvertrages mit Deutschland zu willigen." Oestreich-Ungarn. Die ungarische Kabinettskrise ist noch immer in der Schwebe. Wraf Khuen-Hedervary ist von Ischl nach Budapest zurückgekehrt, doch von einer Entscheidung verlautet nichts. Da der österreichische Ministerpräsident, Graf Goluchowski, und der Kriegsminister nach Ischl beordert sind, so ist anzunehmen, daß der Kaiser mit diesen konferieren will, bevor er seine Entscheidung über die Annahme der Khuenschen Vorschläge oder dessen Demission trifft.— Ischl. 7. August. Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary wurde gegen IV- Uhr nachmittags vom Kaiser in längerer Audienz empfangen und sodann zur Hoftafcl zugezogen; heute abend bcgiebt sich Graf Khuen-Hedervary nach Budapest zurück.— Wien, 7. August. Der„Budapcster Korrespondenz" zufolge konferierte Graf Khuen-Hedervary, welcher in der heutigen Audienz beim Kaiser abermals die politische Lage eingehend erörtert und die Situation des Kabinetts gegenüber der parlamentarischen Lage kenn- zeichnete, im Laufe des Tages wiederholt mit dem Obersthofmeister Fürsten Liechtenstein und dem Direttor der Kabinettskanzlei Schiessl von Perstorff. In einem morgen in Budapest stattfindenden Minister- rate wird der Ministerpräsident über das Ergebnis seiner Jschler Reise Bericht erstatten. �— Schweiz. Da» Parteiprogramm der schweizerischen Socialdemokratte. Zürich, 7. August. Die seiner Zeit auf dem Solothurner Parteitag bestellte Kom- Mission zur Aufstellung eines Parteiprogramms für die reorganisierte socialdemokratischy Partei, bestehend aus den Genossen Dr. Studer- Winterthur, Rapin-Lausanne, Fürholz-Solothurn, Seidel-Zürich und Ferri-Lugano, hat nunmehr zu dein anfangs Oktober in Ölten stattfindenden Parteitag den Programmentwurf veröffentlicht, der aber nur den praktischen Teil umfaßt. In den einleitenden Bemerkungen führt die Kommission aus, daß es gerechtfertigt sei, die Publikation und Diskussion des theoretischen Teiles vorerst zu verschieben, da doch beide Teile gründlich beraten werden sollten. Es sei aber zweckmäßiger und dringender den praktischen Teil vor- erst festzustellen. Diese Gründe reichen kaum zur Rechtfertigung der Verschiebung des theoretischen Teiles aus. Die Kommission hat sich dessen Ausarbeitung vielmehr ganz unnötigerweise erschwert, indem sie an der Auffassung festhält, es müsse der theoretische Teil des schweizerischen socialdeniokratischen Parteiprogramms etwas ganz -Originales, von den ausländischen Parteiprogrammen verschiedenes sein. Das ist falsch gedacht. Die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz war und ist m ihren Hauptziigen ganz die gleiche, wie in andren Ländem. Etwas andres als deren theoretische Programme kann auch die schweizerische Socialdemokratte sich nicht leisten. Es wäre daher wünschenswert gewesen, wenn ein vollständiger, den theoretisch-grundsätzlichen wie den prakttschen Teil umfassender Pro- gramm-Entwurf ausgearbeitet und veröffentlicht worden wäre. Der vorliegende Entwurf des praktischen Progranimteiles zer- fällt in drei Abschnitte, wovon der erste die Forderungen der Social- demokratie auf dem eidgenössischen, der zweite diejenigen auf kanto- nalem und der dritte jene auf kommunalem Gebiete umfaßt. Der erste Abschnitt erhält 33 Hauptpunkte, der zweite 12 und der dritte 22. Zu verschiedenen Hauptpunkten werden aber auch noch die Detail- Forderungen angeführt, so zu denjenigen betreffend das Militär- wesen, Straf- und Prozeßgesetzgebung, Schulwesen, Submissions- Wesen usw. Alls dem vorliegenden Entwurf seien folgende Punkte erwähnt: Gleichberechtigung der Frau mit dem Manne, obligatorisches Referendum, Gesetzesinitlative. Wahl der Behörden durch das Volk. Proporttonal-Wahlsystem für alle Wahlen, parlamentarische Immunität für alle Volksvertreter, Abschaffung aller armenpolizeilichen Gesetze und Einrichtungen. Schutz des Rechts der freien Meinungs- äußerung, des Vereins-, Versammlungs- und Streikrechts, Abschaffung der Bundesanwalttchaft und der politischen Polizei. Schutz des Asylrechts. Trennung der Kirche vom Staat, Verminderung der Militäraus- gaben. Bekämpfung aller militärischen Auswüchse. Vereinfachung der Bekleidung und Ausrüstung, Wahl der Offiziere durch die Mann- schast, gleiche Besoldung und gleiche Ernährung für Offiziere und Mann- schaft, Bekleidung und Ausrüstung der Offiziere durch den Staat, Schutz des Soldaten gegen Entlassung aus der Arbeitsstelle wegen Militär- dienst. Abschaffung des besonderen Militär- Straftechts und der Militärgerichtsbarkeit in Friedenszeiten, Anerkennung und Schutz von gewerblichen Tarifverträgen. Abschaffung der Todesstrafe. Erhöhung des strafmüudigen Alters, unentgeltliche Rechtsprechung. Banknoten-, Getreide-, Tabak- und Wasserkräfte-Monopol, Abschaffung aller indirekten Steuern, unentgeltliche 5kranke»pflege zc., Arbeits- Joien-, Unfall-, Invaliden-, Alters- und Lebensversicherung, Revision des Fabrikgesetzes. Achtstundentag, wöchentlicher Ruhetag von mindestens 36 Stunden, jährlicher zusammenhängender Urlaub von mindestens 14 Tagen bei Zahlung des vollen Lohnes, Minimallöhne, gleiche �öhue für beide Geschlechter, Verbot der Erwerbsarbeit der Kinder ilnter 16 Jahren, Gewerbe-Jnspeftorinnen, Schutz des Wirt- schastspersonals, des Ladenpersonals, der Dienstboten usw. Der lantonale Teil deckt sich größtenteils mit den Forderungen auf eidgenössischem Gebietes. Die Forderungen des kommunalen Teils beziehen sich zumeist auf das Wohnungswesen und die öffent- liche Gesundheitspflege, Vermehrung der Gemeindebettiebe und Unternehmungen sMilchcentralen, Bäckereien, Metzgereien, Gas- und Wasserwerke, Straßenbahnen, Gemeinde-Apotheken zc.), ferner werden gefordert Schulärzte, Fürsorge für Nahrung und Kleidung be- dürftiger Schulkinder, Schulbäder, Lesehallen, Volksbibliotheken, Volkstheater- und-Konzerte, Regelung des Subniissionswesens, Arbeitsämter, Notstandsarbeiten zc. Die Schaffung eines Programms ist für die schweizerische socialdemokratische Partei nachgerade eine so bittere Notwendigkeit geworden, wie das Bedürstns nach dem täglichen Brot. Möge es nun im Interesse der Arbeiter und der Allgemeinheit recht viele Erfolge herbeiführen I_ England. Eine Niederlage Chamberlains. Wie die„Daily Mail" erfährt, haben sich die ständigen Beamten des Schatzamtes und des Handels- amtes, welche die Chamberlainschen Zollvorschläge prüfen sollten, ein- stimmig gegen das auf die Besteuerung der Nahrungsmittel ge- gründete System der Bevorzugung der Kolonien ausgesprochen. Das Blatt fügt hinzu, dies sei praktisch das Ende der Untersuchung, auf die Balfour des öfteren Bezug nahm. Es werde angenommen, daß diese Entscheidung der Dcpartements-Sachverständigen von g r ö ß- tem Einfluß sein werde auf Balfours Aeuße- r u n g e n während der Parlamentsferien.— Norwegen. Zur Wahlbcwegung. Die beginnenden StorthingSwahlen, die bis Mitte September dauern dürften, haben eine Verwirrung innerhalb der maßgebenden Parteien zu Tage gefördert, wie man sie früher kaum für möglich gehalten hätte. Die herrschende Linkenpartei befindet sich thatsächlich in einer Auflösung, was schon aus dem Umstände hervor- geht, daß angesehene Männer aus ihrer Mitte offen für die Wahl von Mitgliedern der Rechtenpartei eintrete». Zu Wahlkartellen mit den Socialdemokraten sind die Linken wenig geneigt, lieber unter- stützen sie die Rechte, jedoch ist cs in diesen Tagen in Trondhjem sowie in Porsgrund zu einer Allianz mit der Socialdemokratte ge- kommen. Christiania und dessen Nachbarort Akershus überlassen die Liberalm eher den Konservativen, als daß sie mit den Socialdemo- kraten zusammengehen, und so ist es in vielen andren Orten. In- folge des eigenartigen indirekten Wahlmodus in Norwegen liegt für den Abschluß von Wahlkartellen mehr Grund vor, als bei direktem Wahlmodus mit Stichwahlen. Unsre norwegischen Parteigenossen haben diesmal jedoch, entsprechend dem Beschluß ihres Parteitags, sich nicht um solche Allianzen bemüht. Der gegenwärttge Zeitpunkt ist für die norwegische Socialdemokratie von großer Bedeutung. In- mitten der allgemeinen Auflösung ist sie die einzige zuverlässige Trägerin der demokratischen und der socialen Grundsätze. „Man kann mit vollem Recht sagen," schreibt„Social- demokraten".„daß die norwegische Socialdemokratie kein größeres Jahr gehabt hat, als das gegenwärtige. Gicbt es irgend eine Partei, die sich auf sich allein verlassen kann, so sind wir diese Partei. Mitten in diesem Jagen nach Allianzen bilden wir den festen Punkt, die Klippe mitten im brausenden Meer— das, was die Socialdemokratie in allen Ländern ist."— Niederlande. Für das allgemeine Wahlrricht. Die socialdemokratische Kammer- fraktton hat ihrem Gesetzentwurf zur Einführung des allgemeinen staatsbürgerlichen, provinzralen und kommunalen Wahlrechts eine sehr umfangreiche und ausführliche Begründung beigegeben, die eine treffende Kritik des jetzt in den Niederlanden herrschenden schreienden Wahlunrechts enthält. Im Jahre 1961 zählte man in Holland 1 176 703 Männer, die das 25. Lebensjahr erreicht oder überschritten hatten, aber nur 699 511 davon standen in den Wählerlisten, das sind 51,7 Proz. Somit ist nach dem geltenden Wahlgesetz ungefähr die Hälfte aller der Männer, die das Wahlrechtsalter erreicht haben, vom Wahlrecht ausgeschlossen. Diese Wahlrechtslosen gehören, ab- gesehen von der verhälttnsmäßig geringen Zahl der Ausländer, bei- nahe ausschließlich der Arbeiterklasse an. Nach einer auf Grund der Bcrufszählung vorgenommenen Berechnung wurde festgestellt, daß von ca. 699 909 nieder- ländischen Lohnarbeitern im Wahlrechtsalter kaum 159 909 wähl- berechtigt sind. Untersuchungen über die Verbreitung des staats- bürgerlichen Wahlrechts unter den zu den A r b e i t s k a m m e r n wahlberechtigten Personen haben ergeben, daß in Amsterdam von den männlichen Wählern zur Arbeitskammer im Dock- und Hafen- betriebe nur 22 Proz., in der Konfektionsindustrie 39, in der Tabak- industrie 16,5 und in der Metall- und Holzindustrie nur 29 Proz. das Wahlrecht zu den Generalstaaten hatten. Zudem ist dieses all- gemeine Wahlunrecht auch noch sehr ungleich im Lande verteilt, so daß im allgemeinen die ländlichen Kreise gegenüber den städtischen im Vorteil sind. Während der Prozentsatz der Wahlberechtigten von.den im WahlrechtSaltcr befindlichen Männern für das ganze Land 51,7 Proz. beträgt, sind in A m st e r d a m nur 41,1 Proz. der 25 Jahre und darüber alten Männer wahlberechttgte in Rotterdam' gar nur 39,9 Proz., dagegen in E n k h u i z e n 73 Proz. Trotzdem nämlich die das Wahlrecht betreffenden Bestimmungen in Holland sehr kompliziert sind, herrscht doch im Grunde genommen ein Censuswahlrecht. Nach den Wählerlisten von 1992 waren 93,39 Proz. aller Wähler lediglich auf Grund ihrer Steuer- kraft wahlberechtigt. Mit dem provinzialen und kommunalen Wahlrecht ist es noch schlechter bestellt als mit dem staatsbürgerlichen. Im Jahre 1992 betrug die Zahl der Wähler stir die Zweite Kammer 624 185, für die Provinzialstaaten 622 831 und für die Gemeinderäte nur 586 279. Mit der Forderung einer Reform deS Wahlrechts stehen unsre Parteigenossen in der Kammer nicht allein, auch die Anttrevolutionären, die Fortschrittlich-Liberalen und die freisinnigen Demokraten sind mit dem geltenden Wahlrecht nicht zufrieden. Freilich gehen die Wünsche dieser Parteien weit auseinander. Die Christlichen Demo- kraten und die Antirevoluttonäre erklären das geltende Wahlrecht für„mammonistifch", möchten aber auch nicht gerne das„revolutio- näre" allgemeine Wahlrecht daftlr eintauschen und wünschten sich ein „christliches" Hausmanns- oder Familienoberhaupts-Wahlrccht. Daß die Liberalen verschiedener Spielart nattirlich nicht unbedingte Anhänger des allgemeinen Wahlrechts sind, kann man sich denken. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Parteien der von der Social- demokratie vorgeschlagenen einzig richtigen Lösung der Wahlrechts- frage gegenüber verhalten werden.— Rußland. Zu den Streiks in Südrußland wird uns von einem russischen Mitarbeiter als Ergänzung unsrer Mitteilungen in der letzten Donnerstagnummer geschrieben: Der Streik nimmt immer mehr den Charakter einer Demon- stratton gegen die Regierung an. Das Eingreifen der Regierung hat diesen politischen Zug der Bewegung nur noch verschärst, so daß die Gärung jetzt Wogen schlägt, die den ganzen Generalstab des Polizeidepartements auf die Füße gebracht haben. Der frühere Gouverneur von Wilna, der berüchtigte Menschenschinder v. Wahl, der jetzt Chef der Gendarmerie ist, hat Petersburg verlassen, um mit mehreren höheren Beamten nach dem Streikgebiet zu gehen. Wie es heißt, sind auf einer Bahnstatton der Wladikaukasischen Eisenbahn Waffensendungen entdeckt worden, und die Regierung nimmt an, daß diese für die Streikenden bestimmt seien. Zieht man die vorzügliche Waffenaewandheit der kaukasischen Völker in Betracht, so kann eine Bewaffnung der Streikenden die Situation für die Regierung sehr verwickelt gestalten. Aus den kaukasischen Gebietsteilen schlug der Ausstand nach Odessa über, wo jetzt fast die ganze Stadt in Aufruhr ist. Wie seiner Zeit bei dem großen Streik in Roftow sympathisiert auch in Odessa die ganze Bevölkerung mit der Arbeiterschaft, so daß die Polizei völlig machtlos ist und öffentliche Versammlungen stattfinden können, die den Charatter von Protestmeetings gegen das absolutistische System tragen. Es wird von Versammlungen berichtet, die mehrere Zehntausende Personen umfassen und gleichzeittg mit den Versamm- lungen findet die Verteilung von Flugschriften und Broschüren statt. Odessa ist eine der Centren der revoluttonären Bewegung und hat in den letzten Jahren mehrmals gezeigt, daß es starke regierungs- feindlich Energie in sich birgt. Zu Neujahr gab die Socialrevolutto- näre Partei eine Flugschrift heraus, in der es hieß:„Nur mit Blut gelang es der Regierung im vorigen Jahre die Feuersbrunst zu löschen. Doch die Zeit ist nicht iveit, wo das Blut sie selber treffen wird. Wir werden die Gewaltthaten und die Mißwirtschaft nicht dulden. Tragen wir unsre Ideen in alle Bevölkerungsklasscn und schließen wir die Reihen. Unser Ansturm muß die Mauer des Ab- solutismus zum Fallen bringen." Von dem socialdemokratischen Komitee wurden in den Monaten Januar bis April in Odessa 13 Flugblätter veröffentlicht. Auch die Socialrevoluttonäre und die Organisation des jüdischen Proletariats, der Arbeiterbund, haben mehrere Flugblätter verbreitet, so daß man thatsächlich von einer Ueberschwemmung Odessas mit revolutionärer Litteratur sprechen konnte. Wie stark die Bewegung in Odessa ent- wickelt ist. zeigt die Thatsache, daß am Tage der Bauernbefreiung eine socialistische Versammlung stattfinden konnte, die nicht weniger als 799 Teilnehmer zählte. Kiew, 7. August. Die Arbeiterunruhen dauern fort. Die Aus- ständigen durchzogen verschiedene Stadtteile, schlugen Fenster ein, drangen in die Werkstätten und zwangen Arbeitswillige die Arbeit einzustellen. Eine große Volksmenge am Flutzufer des Dnjepr empfing die zur Aufrechterhaltung der Ordnung herbeigezogenen Kosaken mit Steinwürfen. Die Kosaken gaben einige Salven ab; mehrere Personen wurden verwundet. Der Sttatzenbahnverkehr ist unterbrochen. Die Mehrzahl der Bäckereien ist geschlossen, infolge- dessen steigt das Brot im Preise. London, 8. August.(Bureau Laffan). Wie der„Times" aus Kiew vom 6. d. M. gemeldet wird, ist es in Nikolajew am 5. und 6. August zu blutigen Zusammenstößen gekommen. Die Truppen schössen auf die Menge und töteten 12 Ausständige, verwundet wurden 299 Mann. Auch der Gouverneur von Nikolajew wurde während der Zusammenstöße mit den Ausständigen angegriffen und erheblich verletzt. Weitere Truppen sind in aller Eile nach Nikolajew und andren von Unruhen bedrohten Plätzen entsandt worden. Die Zahl der während des letzten Monats in verschiedenen Teilen Ruß- lands getöteten Streikenden schätzt man auf 209, die der Schwer- verwundeten auf 2909. Ein erheblicher Teil des Jndustrie-Gebicts Rußlands soll sich sogar im Zustande fast allgemeiner Anarchie be- finden. Türkei. Die Unruhen in Macedonien gewinnen einen immer gefähr-- licheren Charakter. Im Wilajet Monastir herrscht nach Meldung der „Agence Havas" ein allgemeiner Aufstand. Die Aufständischen steckten verschiedene Höfe mit den eingeernteten Feldfrüchten in Brand. Von verschiedenen Orten werden Zusammenstöße mit Aufständischen gemeldet. In Kruchew fand ein Dynamitanfchlag statt; 39 Beamte wurden getötet und türkische Familien hingemordet. Mehrere Bataillone find nach dem Wilajet Monastir beordert. In Saloniki herrscht Ruhe, doch fürchtet man, daß der Aufstand Wetter um sich greifen wird.— Konstantinopel, 7. August.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.- Korrcsp.-Bureaus.) Im?)ildiz-Palast und auf der Pforte, die durch die ersten über das neue Auftteten der Banden eingelaufenen Nachrichten sehr erregt waren, beginnt man sich etwas zu beruhigen, nach- dem die richtige Stärke und der wahre Umfang der Bewegung er- kannt wurde. Die Bewegung ist derzeit in erhöhtem Matze nur auf das Wilajet Monastir beschränkt, während sich in den Wilajets Uesküb und Saloniki in den letzten Tagen weniger ereignet hat. Die Pforte versichert, daß die geplante Entlassung der mobilgemachten Rebifs erster und zweiter Kategorie und deren Ersetzung durch Truppen der gegen die Albanesen formierten Korps unter Märschall Omer Ruschdi Pascha trotz der jüngsten Ereignisse durchgeführt werde.— Gewerhrchaftlicbcö» Berlin und Umgegend. Zum Streik der Feilenarbeiter. Laut Bericht der Lohn- kommission ist der Stand des Streiks ein durchaus günstiger. Die Meister befinden sich in um so größerer Verlegenheit, als sie keine Feilen geschliffen bekommen. Sie wenden deshalb auch alle Ueber- rcdungskünste an, um die Schleifer zur Wiederaufnahme der Arbett zu bewegen. Einige von ihnen haben ihren Arbeitgeherstolz bereits soweit abgelegt, daß sie die Schleifer in ihren Wohnungen aufsuchen und ihnen Extraversprechungen machen, damit sie die übrigen Streikenden im Stich lassen möchten; natürlich hatten die Herren damit keinen Erfolg. Charakteristtsch für den Jnnungsgeist ist es auch, daß mehrere Meister schon bei der Lohnkommission anfragten. ob denn der Streik noch nicht bald zu Ende sei; sie selbst würden ja gern bewilligen, doch gettauen sie es sich nicht wegen ihrer Jnnungskollegen. Unter diesen Umständen sehen die Streikenden dem Verlauf der Dinge mit gelassener Ruhe entgegen. Ueber einen angeblich drohenden Streik im Warenhause für Deutsche Beamte geht zur Zeit eine Notiz durch die Presse. Danach sollen die 79 kaufmännisch»« Angestellten dieses Riesen-Warenhauses teilweise mit wahren Hungerlöhnen abgefunden werden. Für ältere Leute sollen Monatslöhne von 75 bis 99 M. gezahlt werden. Da- neben bestehen auch sonst Mißstände schlimmster Art: Soniikags- arbeit in größtem Umfange, ein schlimmes Strafgelder-System, schlechte Behandlung. Gehaltszahlung in Krankheitsfällen für eine geringere als die gesetzlich vorgeschriebene Zeit usw. Die Blätter. welche über die Sache berichten, halten es für„interessant", fest- zustellen, daß zu den Kaufberechtigten des Warenhauses neben den höchsten Staatsbeamten auch mehrere socialdemokratische Ab- geordnete gehören. Da die Kaufberechtigten im Warenhause für Deutsche Beamte leider keinen Einfluß auf die Verwaltung haben. kann das den Angestellten wenig nützen. Existieren die angeführten Mißstände in dem Betriebe wirklich(und für uns liegt kein Anlaß vor, daran zu zweifeln), lo könnten die Angestellten in allererster Linie selber etwas zur Abhilfe thun, indem sie sich vor allen Dingen der auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Organisation, dem Centralverbande der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen, anschließen. Mißstände, wie sie im Waren- hause für Deutsche Beamte herrschen, sind leider in kaufmännischen Betrieben keine Ausnahme-Erscheinung; daß dem so ist, danken die Kaufleute ihrer Vorliebe für Organisationen, welche den Gedanken des Klassenkampfes weit von sich weisen. Die Thatsachen sind stärker als die Phrasen von der Harmonie zwischen den Selbständigen und Angestellten; die Thatsachen zeigen, daß auch im kaufmännischen Beruf der Interessengegensatz zwischen den Unternehmern und ihren Lohnsklavcn unüberbrückbar geworden ist. Mögen die Handlung?-. gehilfen das begreifen und die Konsequenzen daraus ziehen. Zur Lohilbewegung der Glaser ist mitzuteilen, daß keine Acnderung eingetreten ist. So lange nicht im Annoncenteil Widerruf erfolgt, bleiben die bekannt gemachten Werkstellen gesperrt. 19 Glaser be- finden sich zur Zeit im Ausstand. In der am Montag im Gewerkschafts- Hause tagenden Versammlung werden die ausgegebenen Fragebogen eingezogen. Achtung, Metallarbeiter! Ter Streik bei Schöning dauert unverändert fort; desgleichen der Streik in den Minkin werken. Deutscher Mtallarbeitcr-Verband(Ortsverwaltung Berlin.) Achtung, Maler! Infolge Nichtinnehaltens des anerkannten I weigern. Ob es zu einem Konflikt kommen wird oder die UnterTarifs haben die Kollegen der Firma Wlozta, Rummels- nehmer angesichts der Haltung der Arbeiterschaft Vernunft annehmen burg, verlängerte Leffingstraße 2, die Arbeit niedergelegt. Die werden, bleibt abzuwarten. Arbeiten sind in Steglig, Tempelhofer- und Dieffenbach Straße. Trotzdem diese Firma auf Einhaltung des Tarifs verklagt und auch verurteilt worden war, weigert sich Herr Wlozka nach wie vor, das Fahrgeld zu bezahlen. Er hat außerdem auf dem Lichtenberger Gewerbegericht erklärt, daß er nunmehr jeden Eintretenden die Verzichtleistung auf die im Lohntarif festgelegten Lohnsätze zu unterzeichnen veranlassen wird. Unter keinen Umständen darf vorläufig bei dieser Firmą Arbeit angenommen werden. Die Ortsverwaltung der Vereinigung der Maler. Deutsches Reich. Husland. Der schwedische Gewerkschaftskongreß. " Gerichts- Zeitung. Schon die Gefährdung" der öffentlichen Ordnung und Sicherheit genügt zum polizeilichen Einschreiten gegen Streikposten! Weil sie einer zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit, Ordnung und Leichtigkeit des Verkehrs ergangenen polizeilichen Ausforderung" nicht Der dritte Kongreß der Landesorganisation der Gewerkschaften gefolgt seien, waren die Rohrleger G. und P. zu Berlin wegen VerSchwedens tagte vom 3. bis zum 6. August im Voltshause zu Stock- gehens gegen die berüchtigte Bestimmung aller Straßenpolizei- Verrepräsentierten; außerdem die Vertreter der Repräsentantschaft und stanz auch zu Geldstrafen verurteilt worden. Zur Zeit des RohrAnwesend waren 159 Delegierte, die 38 988 Mitglieder ordnungen, die das mit Strafe bedroht, angeklagt und in erster Inrepentes etretariats der Gewerkschaften. Aus Norwegen, war als legerstreits hielten sich die Angeklagten vor dem Hauſe AuguſtVertreter der dortigen Landesorganisation J. Jonsen erstraße 51 auf, um die Rohrleger zu beobachten, welche dort in einer schienen. Ferner nahm der Aktuarius im Kommerskollegium, Werkstatt arbeiteten. Ein Polizeiwachtmeister forderte sie auf, weiter Dr. Henning Elmquist, am Kongreß teil. Aus dem zu gehen. Nach seinen Bekundungen sollen einige Tage vorher Thätigkeits- Bericht, den H. Lindquist, der Vor- Reibungen zwischen Streifenden und Arbeitswilligen vorgekommen Die beabsichtigte Riefenaussperrung in Crimmitschau figende des Landessekretariats, gab, ist zu ersehen, daß sein und er will eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und tst eine Antwort der Fabrikanten auf die Forderung der Arbeiter die Landesorganisation seit dem vorigen Kongreß im Jahre 1900, Ordnung befürchtet haben, falls sich die Streifposten wieder in der nach dem Zehnstundentag. Schon lange find die Arbeiter bestrebt, große Kämpfe zu bestehen hatte, die jedoch nur zu ihrer inneren Nähe aufhielten. Die Angeflagten traten nur vom Bürgersteig die Arbeitszeit auf das anderwärts längst übliche Maß von zehn Festigung beigetragen haben. Die Zahl der der Landesorganisation herunter und erklärten dem Beamten, Streifpoftenstehen sei erlaubt. angehörenden Verbände ist seit 1900 von 19 auf 23 gestiegen, die Die Angeklagten legten gegen das Schöffengerichtsurteil Be Stunden täglich herabzudrücken. Die Verhältnisse haben es bisher Bahl der Mitglieder von 39 292 auf 39 570. Der Kassenbericht rufung ein und das Landgericht ſprach sie darauf auch frei. Es nicht möglich gemacht, ernsthaft nach dieser Richtung vorzugehen. gab Zeugnis dafür, daß die Landesorganisation über bedeutende führte aus: Durch das Verweilen der Angeklagten auf der Straße Endlich schien die Konjunktur günstig genug, mit den Fabrikanten Mittel zu verfügen hatte. An Unterstützungsgeldern wurden sei weder die Ordnung und Sicherheit noch der Verkehr gestört zwecks Einführung des Behnstundentages und einer 10prozentigen vom 1. April 1900 bis zum 30. Juni 1903 244 076 Kronen aus- worden. In dem bloßen Hin- und Hergehen, auch wenn es zu Lohnerhöhung zu unterhandeln. Der Fabrikantenverein erflärte, gegeben. Thätigkeitsbericht sowohl wie Kassenbericht wurden vom Zweien geschehe, könne weder eine Belästigung noch eine Störung der dem Textilarbeiter- Verband bis Sonnabend Bescheid zugehen Kongreß gutgeheißen. Darauf wurde über verschiedene Anträge ver- öffentlichen Ruhe und Ordnung gesehen werden. lassen zu wollen. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein und wandte sich Inzwischen beschäftigten sich drei große, handelt. Unter anderm wurde ein Antrag angenommen, wodurch es von ca. 4500 Personen besuchte Versammlungen mit der Angelegen- den der Landesorganisation angeschlossenen Berbänden zur Pflicht dagegen, daß der Richter die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit von heit und gemacht wird, bis zum nächsten Kongreß einen Minimalbeitrag der straßenpolizeilichen Anordnungen nachprüfe. Das sei nicht Sache da die Arbeiter befürchteten, daß die Verzögerung Bahlstellen zu ihrer Verbandskasse von 30 Dere für männliche und des Richters. Es müsse dem pflichtgemäßen Ermessen des Beamten der Antwort zu einer Verschleppung der Angelegenheit führen könne 15 Dere für weibliche Mitglieder und Lehrlinge pro Monat fest- überlassen bleiben, darüber zu entscheiden, ob im gegebenen Falle -beschlossen sie, in den Fabriken, in denen die Kündigung vorzusetzen, wodurch die einzelnen Verbände genötigt werden sollen, zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung ein polizeiliches genommen werden sollte, diese ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt, an fich eine solide finanzielle Grundlage zu schaffen. Ferner wurde Einschreiten erforderlich sei oder nicht. Wer solchen Anordnungen welchem die Antwort der Unternehmer eintreffen sollte, mit Vor- folgender Beschluß gefaßt, der sich gegen die Zerspitterung unter den nicht Folge leiste, wäre unbedingt zu bestrafen, abgesehen von den behalt einzureichen. Sollten annehmbare Zugeständnisse gemacht Arbeiterorganisationen richtet: Fällen, wo dem Beamten direkt Willfür nachzuweisen wäre. werden, so gilt die Kündigung als nicht erfolgt. Seit Freitag früh Der Kongreß erkennt die Vorteile, die für die schwedische Der Vertreter der Angeklagten erwiderte, daß das Kammerstehen infolge dessen in vier Betrieben 600 Arbeiter in Kündigung. Arbeiterbewegung darin liegen, sich so viel wie möglich in größeren gericht bereits entschieden habe, daß der Richter die Zweckmäßigkeit -Dieses schnelle Vorgehen der Arbeiter hatten die Herren Unter- Fachverbänden zu fonzentrieren, statt sich unnötigerweise in Zwerg- folcher polizeilicher Anordnungen nachzuprüfen habe. Eine Störung Dieses schnelle Vorgehen der Arbeiter hatten die Herren Unter- organisationen zu specialisieren. Trotzdem dürfte es noch nicht an der Ruhe, Ordnung und Leichtigkeit des Verkehrs ſei hier nicht zu nehmer wohl nicht erwartet. Sie planen nun, mit der Aussperrung der Zeit sein, durch einen Kongreßbeschluß obligatorische Be- befürchten gewesen. fast der gesamten Textilarbeiter- Bevölkerung Crimmitschaus die ſtimmungen festzusetzen, und man muß die Entwicklung der Der Oberstaatsanwalt am Kammergericht betonte, daß das Behnstundenbewegung zu unterdrücken. Industrie und des Gewerbes und die daraus folgenden Erfahrungen Nach uniren Informationen kann es sich dabei nur um einen wirken lassen, die, so hoffen wir, die verschiedenen Organisationen Landgericht von ganz falschen Voraussetzungen ausgehe. Es spreche davon, daß weder eine Störung der Ordnung und Sicherheit, noch Verweiflungsakt des Unternehmertums handeln, das schnell noch selbst dahin führen werden, für fie einzusehen, daß durch eine Gewaltthat die drohende Profitschmälerung abzuwenden die Konzentration notwendig ist, um ein brauchbares Rampfmittel zu eine solche des Verkehrs durch das Auf- und Abgehen der Angeklagten fucht. Noch nie haben die Verhältnisse in Crimmitschau für die bilden. Um diese Entwicklung zu erleichtern und zu befördern, soll bewirkt worden sei. Darauf komme es aber gar nicht an; eine das Landessekretariat, wenn neue Verbände um Aufnahme in die bloße Gefährdung der Sicherheit und Ordnung und Leichtigkeit Arbeiterschaft günstiger gelegen als im gegenwärtigen Augenblic. Landesorganisation nachsuchen, genau erwägen, ob nicht ein andrer des Verkehrs würde das polizeiliche Einschreiten schon rechtfertigen. Die Hauptabnehmerin für die Textilindustrie in Crimmitschau( vor Berband vorhanden ist, dem sich die neue Organisation anschließen Das Kammergericht hob die Vorentscheidung auf und verwies allen Dingen in schwarzen Eskimos) ist die Berliner Konfektion. tann, und diese dann dahin verweisen. Vereine, die fich von ihrem die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Durch die großen Zwischenhändler und Konfektionäre ist von der Landesorganisation angehörenden Verband loslösen, haben nicht das Berlin aus gerade in diefer Ware für ca. 2 Millionen Mark bestellt. Recht, als Einzelvereine oder als neuer Verband in die Organisation Landgericht zurück. Der Senat stellte sich auf den Standpunkt des Auf den Lieferungsscheinen ist als Verzögerungsgrund für den aufgenommen zu werden. Des weiteren stellt der Kongres es den Oberstaatsanwalts, indem er ausführte, der Vorderrichter Lieferungstermin neben der üblichen force majeure nur ein Fachverbänden anheim, in ihren Statuten solche Bestimungen zu habe übersehen, daß schon eine Gefährdung" der Sicherheit, Streit vorgesehen, Nun ist ja nicht daran zu zweifeln, daß die treffen, daß fich noch verwandte Berufsgruppen leicht anschließen Ordnung und Leichtigkeit des Verkehrs genügen würde, die Fortkönnen, und daß die mm bestehenden fleineren Verbände sich ernst- weisung der Angeklagten zu rechtfertigen, und daß nicht erforderlich Besteller wohl geneigt wären, dieser Klaufel die denkbar haft mit der Frage des Anschlusses an große Verbände der ihnen sei, daß die Störung schon vorliege. liberalste Auslegung zu geben und auch eine Aussperrung verwandten Berufe befassen, wozu das Landessekretariat behilflich als unter die Streitklausel fallend anzusehen, wenn ihnen sein soll." nicht selber das Feuer auf den Nägeln brennen würde. Auf die Ferner wurde beschlossen, einen besoldeten Kassierer Streifflausel können sich bei wörtlicher Auslegung derselben nur die anzustellen; dagegen wurde von der von mehreren Seiten gewünschten vier Fabrikanten berufen, bei denen die Arbeiter die Kündigung Anstellung eines befoldeten Agitators Abstand genommen, jedoch Die Bureau- Angestellten hielten am 5. d. Mts. in Wendts Klubeingereicht haben; die übrigen können zur Lieferung gezwungen dem Landessekretariat aufgetragen, für die Bureau- Arbeiten eine werden. Sei dem aber wie ihm wolle: die Berliner Konfektion Hilfskraft einzustellen, damit dessen Vorsitzender mehr Zeit für die haus eine Versammlung ab, in der Lehmann über„ Die englische eigentliche Leitung der Landesorganisation gewinnt. Sodann wurden Arbeitszeit" sprach. Er führte aus, daß die englische Arbeitszeit auf braucht die Stoffe und muß sie sich, eventuell auf Gefahr auch noch einige Statutenänderungen beschlossen, darunter die, daß der jeden Fall eine Verkürzung des Arbeitstages bedeute; sofern sie nicht der beteiligten Zwischenhändler, anderwärts verschaffen, wenn sich Repräsentantschaft der Landesorganisation das Recht gegeben wird, über neun Stunden ausgedehnt werde, auch viele Vorteile gegen die Textilbarone in Crimmitschau mit ihren Arbeitern nicht einigen in Ausnahmefällen einen höheren Extrabeitrag als den sonst als über der durch zeitraubende Baufen unterbrochenen, biete. Sowohl wollen. Die Saison kann die Konfektion nicht verloren gehen lassen! Maximum geltenden Extrabeitrag von 50 Dere für männliche und in wirtschaftlicher, gesundheitlicher wie kultureller Beziehung ist ihre Es hat denn auch, wie wir hören, in Berliner Estimas bereits 25 Dere für halbbezahlende Mitglieder pro Woche zu beschließen. Einführung zu wünschen. Alle Argumente für die Abkürzung der eine Preissteigerung stattgefunden, ein deutliches Zeichen, daß die Unterstützungen durch die Landesorganisation sollen von nun ab schon Arbeitszeit überhaupt, gelten insbesondere hier. Gleichzeitig mit selben schon in erhöhtem Maße verlangt werden. gewährt werden, wenn drei Prozent der Mitglieder eines Verbandes von der Einführung des Achtstundentages ist die englische Arbeitszeit auf Nach alledem können die Arbeiter den Ausgang der Sache mit einem Stonflikt betroffen werden, bisher müßten es mindestens dem Wege der Gesetzgebung zu fordern. Die Diskussion bewegte sich 5 Proz. sein. Die Unterstügungen sollen 8 Kronen für männliche und im Sinne des Referats. Hierauf gab Deredder den Kassenbericht weit größerer Ruhe entgegensehen als die Fabrikanten. Haupts 5 Stronen für weibliche Mitglieder pro Woche betragen. Der Beitrag für das zweites Quartal: Einnahme 510,66 M., Ausgabe 498,51 M. sache ist jetzt, den Buzug von Textilarbeitern nach zum Administrationsfonds der Landesorganisation wurde( 396 M. Centralkaffe), Ueberschuß 12,75 M., Bestand 16,71 M., mitCrimmitschau fernzuhalten, damit es den Fabri- von 20 Dere pro Jahr und Mitglied auf zehn Dere für vollzahlende hin Gesamtbestand 28,86 M. Mitgliederbestand 197. tanten nicht gelingt, mit Hilfe Arbeitswilliger nnd fünf Dere für halbbezahlende Mitglieder pro Quartal erhöht. die dringendsten Aufträge fertigzustellen! Eine schamlose Zumutung. Außerdem wurde zur Stärkung des Referbefonds ein Quartalsbeitrag von zehn Dere eingeführt und zugleich dem Sekretariat das " Verfammlungen. Recht verliehen, im Fall der Beffand dieses Fonds auf Letzte Nachrichten und Depeschen. 20 000 kronen sinkt, eine Ertrasteuer auszuschreiben. An dem Verhältnis der Landesorganisation zur socialdemokratischen Partei wurde nichts geändert. Der Vorschlag des Landessekretariats, den alten diesbezüglichen Baragraphen, welcher lautet: Es ist zugleich Sache der Landesorganisation, dahin zu wirken, daß jeder Fachverein sich der Arbeiterkommune feines Drtes und dadurch der socialdemokratischen Arbeiterpartei Schwedens an= schließt", Den Arbeitern ist das Recht der Koalition durch den§ 152 der Gewerbeordnung ausdrücklich gewährleistet. Von den Unternehmern toird es freilich nicht gern gesehen, daß sie davon Gebrauch machen. Gewöhnlich freilich beschränken sich die Herren darauf, bei der Einstellung von Arbeitskräften solche Leute zu bevorzugen, von denen fic den Umständen nach annehmen können, daß sie einer Arbeiterorganisation nicht angehören. Weit weniger verschämt, ja geradezu brutal gehen nach Mitteilungen, die in der letzten Versammlung des beizuhalten, wurde mit 105 Stimmen gegen 28 angenommen. Die Handels- und Transportarbeiter- Verbandes in Bremerhaven Abstimmung wurde mit starkem Beifall begrüßt. Als Vorsitzender des Landessekretariats wurde H. Lindquist gemacht wurden, die dortigen Baumwollspediteure gegen ihre Arbeiter Sie haben denselben unter Androhung der Enteinstimmig wiedergewählt. Als Kassierer wurde E. Söderberg, Tassung für den Fall, daß die Arbeiter die Unterschrift verweigern bisher Vertrauensmann des Malerverbandes, gewählt. follten, einen Arbeitsvertrag vorgelegt, dessen§ 1 wie folgt lautet: bor. § 1. Herr... verpflichtet sich, alle ihm übertragenen Arbeiten sorgsam auszuführen und dabei die Interessen der Firma nach bestem Wissen und Können treu und ehrlich wahrzunehmen. Derselbe verpflichtet sich ferner, keinem Arbeiterverbande beizu treten oder einem solchen in irgend einer Form oder Thätigkeit anzugehören oder Dienste zu leisten. Französische Streits im Jahre 1902. Prozeß Humbert. Paris, 8. Auguft.( W. T. B.) Die Hauptverhandlung gegen die Familie Humbert hat heute mittag vor dem Geschworenengericht begonnen. Präsident Bonnet führte den Vorsiz, Labori und Clunet waren als Verteidiger der Angeklagten erschienen. Nachdem die Angeklagten, zunächst Frau Therese Humbert, dann Frédéric Humbert und zuletzt die beiden Daurignac, in den Gerichtsfaal geführt worden waren, verlas der Gerichtsschreiber die Anflageaften. Therese Humbert erhob gegen einige Abschnitte derselben lebhaften Widerspruch, sodaß der Vorsitzende sie aufforderte, fich ruhig zu verhalten. Nach dem Zeugenaufruf, der die Anwesenheit von 106 Zeugen ergiebt, beginnt das Verhör von Therese Humbert. Diese antwortet auf alle Fragen, die der Vorsitzende stellt, mit großer Lebhaftigkeit und beteuert unter großer Heiterkeit der Anwesenden die Cristenz der Crawfords und ihre Ehrenhaftigkeit. Sie verspricht, alle ihre Schulden zu bezahlen, erklärt aber, erst dann sprechen zu wollen, wenn alle Zeugen erschienen seien. Sodanu richtet sie heftige Angriffe gegen den Justizminiſter. Er fiel von seinem Paris, 6. August.( Eig. Ber.) Nach den Mitteilungen des Arbeitsamtes betrug die Zahl der Streits im Jahre 1902 512, um 11 weniger als im Vorjahre, während die Zahl der Teilnehmer gegenüber dem Vorjahre von 111 414 auf 212 704 und die durch schnittliche Zahl der Streittage pro Teilnehmer von 15 auf 21 geJm weiteren Verlaufe der Sizung giebt der Vorsitzende, von Das Anfinnen ist um so schamloser, als zwischen Arbeitern und stiegen ist. Diese Zunahme erklärt sich aus dem Generalstreit der Frau Humbert oftmals unterbrochen, einen Ueberblick über die VerUnternehmern dieser Branche in Bremerhaven ein Vertrag ab- Bergarbeiter. Die Kohlenindustrie hat überhaupt die größte Streif- heiratung und die verschwenderische Lebensweise der Angeklagten. geschlossen ist, nach dem Maßregelungen und Entzahl aufzuweisen gehabt, dann folgen die Textils und die chemische Therese Humbert bleibt bei der Behauptung, daß sie durch Wucherer und das Transportgewerbe. Ursachen lassungen nicht erfolgen dürfen und daß etwaige Industrie der ruiniert worden sei. Hierauf wird die Sigung unterbrochen. Nach Differenzen darüber durch gegenseitiges Unterhandeln beseitigt Streits: Es gab 256 Lohn- Angriffsstreits und 83 Lohn Wiederaufnahme derselben wird Frédéric Humbert vernommen und werden sollen, wobei auf Seiten der Arbeiter der jeweilige Verbands Abwehrstreits, in 38 Fällen wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit sodann die Verhandlung auf Montag vertagt. vorstand mitwirken joll. Natürlich sind die Arbeiter nicht gewillt, gefordert, in 40 Fällen eine Aenderung der Werkstättenordnung, sich widerstandslos unter die Knute des Unternehmertums zu beugen in 42 Fällen die Wiederanstellung entlassener Arbeiter, in 39 Fällen Stettin, 8. August.( B. H.) In der Nähe von Wamlik verund nahmen in ihrer Mitgliederversammlung durch folgende Reso- die Entlassung von Arbeitern, Werfführern oder Direktoren, und a. m. lution Stellung zu dem Vorgehen der Unternehmer:" In Anbetracht Ausgang der Streits: 111 Erfolge, 184 Ausgleiche und unglückte heute nachmittag der Heizer einer Dampfstraßenwalze, die dessen, daß am 13. Oktober 1902 die Kommissionen der Herren 213 Mißerfolge. Speciell für die Lohnstreiks stellt das Arbeitsamt dort beint Chausseebau verwendet wurde. Arbeitgeber( Baumwollspediteure) und Arbeitnehmer vereinbart eine Gelvinn- und Berlustrechnung auf, wie fie fich 300 Arbeitstage Standort herab und geriet unter die Räder des angehängten Auf dem Transport zum haben, Differenzen irgend welcher Art durch beiderseitige Unterhand- nach Beendigung des Streits ergiebt. Danach haben die Arbeiter Mannschafts- und Geräte- Wagens. Yungen zu beseitigen und die Herren Arbeitgeber nun in den letzten in 40 erfolgreichen Angriffsstreits 392 642 Fr., bei 63 Ausgleichen Strankenhause verstarb er. Köln, 8. Auguft.( B. H.) Aus Dortmund wird berichtet: NachTagen versuchen, durch Umgehung dieser Vereinbarungen die der 799 890 Fr. gewonnen und in 90 erfolglosen Angriffsstreits Organisation der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter 183 070 Fr. an entgangenem Lohn verloren. Bei den Lohn- dem die Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern Deutschlands angeschlossenen Süper von dieser zu entfernen, erklären Abwehrstreits haben die Arbeiter in 6 erfolgreichen Fällen 24 638 im Baugewerbe ergebnis los verlaufen sind, wurden heute die Neun Unters die Versammelten, daß sie keinerlei kontratte oder Frant, bei 6 Ausgleichen 24 145 Fr. gewonnen und bei 15 Miß- Bauten von 15 Unternehmern gesperrt. Vereinbarungen unterzeichnen werden, welche erfolgen 53 911 Fr. verloren. Das Schiedsgerichtsgesetz von 1892 nehmer haben die Lohnforderung der Maurer bewilligt. die Koalitionsfreiheit illuforisch machen. Ferner hat nur in 47 Fällen die Beilegung des Konflikts beschleunigt, Budapest, 8. August. Die parlamentarische Untererklären die Versammelten, daß infolge des Vorgehens der Herren während es in 107 Konflikten angerufen worden ist, darunter 60mal fuchungs- Kommission hat heute das Untersuchungsverfahren Arbeitgeber sämtliche bis heute mit den Verbandsangehörigen ab- von den Arbeitern, fünfmal von den Unternehmern und zweimal in der Bestechungsaffaire abgeschlossen, da das bisherige Material geschlossene Verträge betr. des Austritts als ungültig zu be- bon beiden Seiten, während der Friedensrichter von sich aus in für die Beurteilung des Vorfalls ausreiche. zeichnen sind." Die Abstimmung über diese Resolution war eine 40 Fällen zu vermitteln suchte. Abgelehnt wurden 42 Versöhnungs- für die Beurteilung des Vorfalls ausreiche. Saloniki, 8. Auguft.( W. T. B.) Zehntausend, in vier Korps geheime und endigte mit der Annahme derselben mit 135 gegen versuche, darunter 35 von den Unternehmern, 2 von den Arbeitern 30 Stimmen. Zur Erklärung für den letzten Teil der Resolution und 5 von beiden Seiten. Diese Feindlichkeit des Unternehmertums eingeteilte Insurgenten stehen im Wilajet Monastir unter Waffen, sei bemerkt, daß man den Arbeitern den Vertrag nicht zur ruhigen gegen Schiedsgerichts- und Versöhnungsversuche wird in der Statistit zweitausend Kämpfer in Kastoria gegen türkische Truppen. TruppenDurchsicht und Ueberlegung überließ, sondern denselben vor las des Arbeitsamtes stets konstatiert. fetten schützen Monastir. Die Läden in dieser Stadt find ge= schlossen. Die Eisenbahnarbeiter weigern sich, weil von und dann die Unterschrift verlangte. Einer Anzahl von Arbeitern auszubeffern. Angesichts der dem Verkehr drohenden Gefahr wird von den Insurgenten mit dem Tode bedroht, die Eisenbahngeleise verschiedenen Seiten verlangt, daß der Personenverkehr auf der Eisenbahn in Macedonien vorsichtshalber eingestellt werde. Die Lage wird für ernst gehalten. ist so der Sinn dessen, was sie unterschrieben haben, entgangen und Der Ausstand in Hennebont ist, wie ein Telegramm aus Lorient fie gaben ihre Unterschrift her. Um so größer war die Empörung meldet, zu Gunsten der Arbeiter beendet. Die geforderte Lohnin der Versammlung. Alte ergraute Leute, die jahrzehntelang ihre beste Manneskraft einem Unternehmer geopfert haben, forderten erhöhung ist bewilligt worden. unerschrocken auf, die Unterschrift unter allen Umständen zu berBerantwortl.Nedakteur: Julius Kaliski in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th.Glocke in Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt. Nr. 184. 20. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Praktische Winke Partei- Nachrichten. Sonntag, 9. August 1903. Bauarbeiterschutz. Die Berliner Korrespondenz" meldet: " für die Landtagswahlen. Durch einen Erlaß vom 27. Februar d. J. war feitens der Wahlkreis Prenzlau- Angermünde. Unfre diesjährige Parteieiner außer= Bei den Landtagswahlen ist die praktische Kleinarbeit von noch fonferenz tritt Sonntag, den 23. d. Mts., nachmittags 1 1hr, in terminlichen leberwachung der Bauausführungen im Interesse eines Hause zusammen. weit höherer Bedeutung als bei den Reichstagswahlen. Gewiß Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Bericht der Kreisvertrauensperson hingewiesen worden. Im Anschlusse hieran wird nun in einem neuen Als provisorische werden wir auch dort in öffentlichen Volksversammlungen die Massen bezw. über die Reichstagswahl. 2. Agitation. 3. Die bevorstehende Erlaß bestimmt, daß, soweit feine ausreichenden polizeilichen SchutzGewiß Tagesordnung ist feftgefekt: 1. Bericht der Kreisvertrauensperson erhöhten Schutzes der Bauarbeiter gegen Krankheiten und Unfälle aufklären, ihnen die Sünden der Bourgeoisie vor Augen führen und Landtagswahl. Referent: Otto Wels- Berlin. 4. Stellungnahme zur vorschriften vorhanden sind, deren Beachtung den Gegenstand der fie zu flammenden Protesten gegen das" elendeste aller Wahl- Provinzialkonferenz und zum Parteitag. 5. Wahl von Delegierten. Kontrolle zu bilden hat, die Ueberwachung der Bauausführungen auf instenie" anfeuern müssen, aber so hoch auch die Massenversammlungen 6. Verschiedenes. 7. Wahl der Kreisvertrauensperson. zu bewerten sind, ein ganz besonderer Wert ist der Agitation im Kleinen beizumeffent. Der Vertrauensmann. Den einzelnen Wahlkreis- Komitees erwächst vor allem die AufZur Marburger Stichwahl- Angelegenheit, in der wir die gabe, die in der Agitation thätigen Genossen, die Vorstandsmitglieder principielle Debatte unsrerseits geschlossen hatten, bringt die Mittelder Wahlvereine, die Bezirks- und Abteilungsführer mit den Be- deutsche Sonntagszeitung" in Gießen noch eine Buschrift aus stimmungen des Wahlgesetzes bekannt zu machen. Ein Agitator, Marburger Parteifreisen. Diese Zuſchrift enthält eine so mert der das Wahlgesetz nicht kennt, kann unter Umständen mehr Schaden würdige Mitteilung, daß wir nicht umhin können sie wiederzugeben, als Nußen stiften. Es empfiehlt sich, überall Vortragskurse über damit den Beteiligten Gelegenheit gegeben ist, die Sache klarzustellen. das Wahlgesetz abzuhalten. Ein gutes Hilfsmittel hierfür wird die Es heißt nämlich dort: Broschüre unfres Genossen Arons bieten, die nächster Tage erscheinen" Hatte die Parteileitung, der Vorwärts", oder irgend ein wird. An der Hand dieser Broschüre können die Bezirksführer mit einzelnes Parteimitglied das Recht, über den Kopf Leichtigkeit die Genossen ihres Bezirks aufklären und ihnen die nötigen der hiesigen Ortsgruppe hinweg mit dem Gegner zu paktieren? Anhaltspunkte für ihre Arbeit geben. Daß derartige Machenschaften thatsächlich vorgekommen find, ist leider gewiß! Durch Telegramm des Abgeordneten Genossen Heine ist jene Vorwärts"-Notiz mit lebergehung der hiesigen Ortsleitung fofort in die Hände des nationalsocialen Kandidaten v. Gerlach gelangt." Mit der Agitation für die Einsichtnahme der Wählerlisten ist möglichst früh zu beginnen. Die Urwählerlisten liegen nur drei Tage, die Abteilungslisten gleichfalls nur drei Tage aus. Es ist deshalb notwendig, daß die Adressen derer, die für andre die WählerListen einzusehen bereit sind, schon vor Auslegung der Listen verDie Marburger Genossen fündigen gleicherzeit an, daß sie nach die Einhaltung der Unfallverhütungsvorschriften der Baugewerks berufsgenossenschaften zu richten ist. Wenngleich diese Vorschriften einzelne Lücken aufiveisen, so erscheinen sie doch im großen und ganzen als dem Bedürfnisse entsprechend, so daß sie eine geeignete Grundlage für die Baukontrolle bilden können. Wenn von den Be= amten der Polizeibehörden Verfehlungen gegen diese Bestimmungen festgestellt werden, so ist strafend einzuschreiten. Falls der Verstoß so erheblich ist, daß die Strafbefugnisse der Polizei nicht ausreichen, so ist die Amtsanwaltschaft anzugehen. Der Justizminister hat eine entsprechende Anweisung der Amtsanwälte veranlaßt. Die Befugnis der Polizei, mit den ihr zur Verfügung stehenden Zwangs mitteln auf die Abstellung vorgefundener Mängel hinzuwirken, wird hierdurch nicht berührt. Die Bauarbeiter fordern Schuß geseze, in denen ihren Vorschlägen über das Maß des Schutzes Rechnung getragen wird, und Beteiligung an der Kontrolle. öffentlicht werden, damit die Einsichtnahme unmittelbar beginnen diesem Punkte noch weiter nachgehen wollen, ohne zu fagen, nad Berliner Partei- Angelegenheiten. und etwaige Einwendungen gegen die Richtigkeit der Listen rechtzeitig erhoben werden können. Eine schwierige Aufgabe erwächst den Bezirksführern durch die Auswahl der Wahlmänner. Die Wahlmänner müssen in demselben Urwahlbezirk wohnen, sie können jedoch einer andren Wählerabteilung angehören wie die, in der sie aufgestellt sind. In manchen Urwahlbezirken wird ein leberfluß au Wahlmännern sein, in andren wieder ein Mangel. Bereits bevor die Wahlen ausgeschrieben werden, muß mit geeigneten Personen wegen Uebernahme des Amts als Wahlmann Rücksprache genommen werden. Nur durchaus zu berlässige Parteigenossen dürfen als wahlmänner aufgestellt werden. Wer zum Wahlmann gewählt ist, muß alle Pflichten, die ihm aus diesem Amte erivachsen, auf sich nehmen, er darf, wenn er die Wahl angenommen hat, nicht im letzten Moment wieder zurücktreten, sondern hat bis zum letzten Augenblick auszuharren und sich unbedingt den Beschlüssen der Organisation zu fügen, selbst dann, wenn er nicht damit einverstanden ist. : Es fragt sich nun, ob in allen Bezirken Wahlmänner aufgestellt werden sollen. Wo es möglich ist, gewiß, aber in vielen Be zirken werden wir uns mit bloßen Zähltandidaten begnügen müssen. Selbst in aussichtsreichen Wahlfreifen giebt es einzelne Bezirke, in denen wir absolut nichts auszurichten vermögen. In der Gegend der Leipzigerstraße, Voßstraße, im Tiergartenviertel und andren vor nehmen Bezirken, wo man mit Tausenden von Steuern noch in der dritten Klasse wählt, ist es natürlich zwecklos, eine Agitation zu entfalten. Haben wir hier zufällig einen Wahlmann, so tönnen wir ihn aufstellen, aber wir dürfen unsre Kräfte nicht fruchtlos für solche Bezirke vergeuden. Andrerseits giebt es Bezirke, in denen wir nicht nur in der dritten, sondern auch in der zweiten, ja sagar in der ersten Abteilung Aussicht auf Erfolg haben. Hier gilt es in erster Linie unsre Kraft einzusehen. Wo die Organisation eine gute ist, kennen die Bezirksführer genau ihren Bezirt, fie können am besten unsre Chancen abmessen, sie werden daher nach reiflicher Prüfung der Verhältniffe dem Wahlkomitee ihre Vorschläge zu unterbreiten haben. Mit diesen Vorbereitungen darf aber nicht bis zum letzten Augenblick getvartet werden. Die Wähler müssen pünktlich zur Wahl tommen und dürfen das Lotal nicht vor Schluß der Wahlhandlung verlassen. Glaube niemand, er fann, sobald er seine Stimme abgegeben hat, wieder seiner Wege gehen! Man kann niemals wissen, ob nicht eine Stichwahl oder, da der Wahlmann ablehnt, eine Neuwahl notwendig ist. Wer zu spät, aber noch vor Schluß der Wahlhandlung seiner Abteilung kommt, melde sich bei dem Wahlvorstand; er wird dann noch nachträglich zur Stimmabgabe zugelassen. Sobald die Urwahlen beendet sind, müssen die Wahlkomitees bie gewählten socialdemokratischen Wahlmänner zu einer Sigung zusammenberufen, um sie zu instruieren und die Taktik bei der Wahl der Abgeordneten festzulegen. Das ist unbedingt notwendig in den Streisen, wo zwei oder drei Abgeordnete zu wählen sind. Die Wahlmänner müssen genau wissen, wen sie an erster, wen an zweiter und wen an dritter Stelle zu wählen haben, da durch die Unaufmerksamkeit einiger Wahlmänner leicht unser Erfolg vereitelt werden kann. Ein Beispiel! In einem Wahlkreis, wo zwei Abgeordnete zu wählen sind, soll die Zahl der Wahlmänner 3000 betragen. Von diesen gehören 1600 zur Socialdemokratie wir haben also die absolute Mehrheit. Haben wir nun bestimmt, daß Genoffe A als erster, Genosse B als zweiter Abgeordneter zu nennen ist, so ist der Sieg im ersten Wahlgang unser. Nennen aber 200 Wahlmänner B an erster und A an zweiter Stelle, so hat der Gegner 1400, Genosse A 1400 und Genosse B 200 Stimmen, es muß also eine Stichwahl stattfinden, die sonst vermieden wäre. Oder aber, wir berfügen über 1000, die Konservativen über 1200, die Freisinnigen über 800 Wahlmänner. Bei Aufmerksamkeit unsrer Wahlmänner würden wir mit den Konservatinen in Stichwahl tommen. Stimmen aber 300 unsrer Wahlmänner falsch, so erhält der eine unsrer Kandidaten 700, der andre 300 Stimmen und nicht wir, sondern die Freisinnigen kommen mit den Konservativen in die Stichwahl. Weiter empfiehlt es sich, daß die Wahlkomitees jedes Streises den socialdemokratischen Wahlmännern gedruckte Anweisungen zugehen lassen. welcher Richtung. Aus Induftrie und Handel. III. Wahlkreis. Donnerstag, den 13. August, abends 8 Uhr, findet in den Apollo- Sälen, Sebastianstr. 39, eine Versammlung des Wahlvereins statt. Der Reichstags- Abgeordnete Dr. Sidekum wird über das Thema„ Der preußische Staat und die Wohnungsfrage" sprechen. Da diese Frage aktuell und für die Arbeiter von großer Wichtigkeit ist, ist ein zahlreicher Besuch erwünscht. Der Vorstand. Verband deutscher Porzellanfabriken. Wie der„ Breslauer General- Anzeiger" erfährt, haben die deutschen Porzellanfabriken in einer unlängst stattgehabten Sigung ihre Konvention bis 1910. verlängert. Einige fleinere Fabriken sind außerhalb der Konvention Schmargendorf. Der Wahlverein hält am Dienstagabend 812 Uhr geblieben, dieselben sind jedoch nicht produktionskräftig genug, um im Wirtshaus Schmargendorf eine Versammlung ab, in der Tagesdie Preispolitik der Konvention zu durchkreuzen. Die Preistendenz fragen diskutiert werden. Gäste haben Zutritt. Das Stiftungsfest des Verbandes geht dahin, Schleuderpreise der Produzenten zu ver- findet am Sonnabend, den 15. d. M., im gleichen Lokal statt. Das hindern, da das gegenwärtige Preisniveau bereits nur unter den Arrangement besteht in Tanz, Gesangsvorträgen des Gesangvereins allergünstigsten Produktionsbedingungen die Selbstkosten deckt. Die Zukunft und deflamatorischen Vorträgen. Billets a 50 Pf. für Händler gehen mit der Konvention vollständig einig, nur die Waren- Herren und 30 Pf. für Damen find im Vereinslokal und bei den häuser, denen übrigens von der Konvention nicht geliefert wird, bekannten Genossen zu haben. wenn erstere sich nicht zu einem bestimmten Detail- Verkaufspreis verpflichten, sind gegen die Konvention. Façoneisen- Walzwerk 2. Mannstaedt u. Co., Aktiengesellschaft, Salt bei Köln. Der Abschluß für das Geschäftsjahr 1902/03 meist nach den Abschreibungen in der Höhe von 155 867,16 m. einen Reingewinn von 273 805,08 m. auf. Der am 14. September stattfindenden Generalversammlung wird vorgeschlagen werden, dem Reservefonds 13 690,25 M. zuzuführen und auf die Vorzugsaktien und Stammaktien eine Dividende von 6 Pros.( für Vorzugsaktien pro rata temporis) zu verteilen, so daß nach Deckung der einen Betrag von 57 839,04 M. erfodernden Lantiemen ein Vortrag von 67 275,79 m. verbleibt. Sociales. Wohnungsaufsicht und Hausbesiker. Ober Schöneweide. Am Mittwochabend 8%, Uhr findet bei Kaufhold die Vereinsversammlung des Wahlvereins. statt. Tagesordnung: Vortrag, Diskussion, Vereinsangelegenheiten. Reger Besuch wird erwartet. Lokales. Ferienschluß. Die Ferien find vorüber, der Schulunterricht beginnt aufs neue, und unsre Kinder werden wieder auf täglich vier fünf Stunden in die engen Klassenzimmer gesperrt. In den ersten paar Tagen will noch nicht alles so recht klappen, aber noch ehe die Woche zu Ende geht, ist wieder alles im alten Geleise, und bald zeigt sich, daß es jetzt sogar besser geht als vor den Ferien. Die Erholung und Kräftigung, die die Ferien den Kindern gebracht haben, wiegt zehnfach auf, was durch die fünfwöchige Entwöhnung von regelmäßiger Arbeit etwa eingebüßt worden ist. # " Hochofenbetrieb während des Juni in den Bereinigten Staaten von Amerika. Die vor kurzem veröffentlichte amerikanische Roheisen- Statistik für den Monat Juni zeigt, daß die Abflauung des amerikanischen Eisenmarktes bereits auf die Roheisenerzeugung zurückzuwirken begonnen hat. Am 1. Juli 1908 waren von den 354 vorhandenen mit Coats oder Anthracit oder Mischungen beider Brennmaterialien arbeitenden Hochöfen wie am 1. Juni 1903 294 im Betriebe. Die wöchentliche Leistung dieser thätigen Oefen stellte sich aber nur auf 384 825 Tonnen gegen 387 725 Tonnen Daß in Berlin noch immer viel zu wenig gethan wird, um am 1. Juni 1903 und 303 793 Tonnen am 1. Juli 1902. Von den den Kindern eine zweckentsprechende Benutzung 59 Holzkohle feuernden Hochöfen arbeiteten am 1. Juli 1903: ber Ferien zu ermöglichen, das haben wir, wie in den 36 gegen 33 am 1. Juli 1903; die wöchentliche Erzeugung an Holz- früheren Jahren, so auch in diesem Jahre wieder mit Bedauern festfohlen- Roheisen stellte sich am 1. Juli 1903 auf 10 803 Tonnen, am 1. Juni d. J. auf 9961 und am 1. Juli 1902 auf 7157 Tonnen. stellen müssen. Von behördlicher Seite geschieht beinahe gar nichts. Jm ganzen zeigte die Roheisen- Erzeugung im Juni, die sich auf Man öffnet ein paar Schulhöfe, stellt zum Aufpassen einen 1717 143 Tonnen stellte, eine Abnahme gegenüber dem Mai um Lehrer oder eine Lehrerin hin das ist alles. Die Schulhöfe waren 38 823 Tonnen. An dieser Produktion waren die Stahliverfe mit nach unsrer Beobachtung auch dissmal nicht schlecht besucht, aber sie 1019 313 Tonnen beteiligt. Trotz dieser Produktionsabnahme haben boten eigentlich doch kein sehr erfreuliches Bild. Wenigstens auf die Vorräte zugenommen. Es wiesen nämlich die Bestände von den für Knaben bestimmten Höfen sah man selten eine rechte und Roheisen an den Oefen am 1. Juli mit Ausnahme der Vorräte echte Spielfreudigkeit. So lange die Lehrer fortfahren, sich meist teilin Stahlwerken, welche ihr Roheisen selbst herstellen, mit 257 010 nahmlos zu verhalten, wird bei diesen Ferienspielen auf den SchulTonnen eine Steigerung um 53 607 Tonnen seit 1. Juni auf. höfen nicht viel herauskommen. Anders sah es schon auf den für Mädchen bestimmten Höfen aus, weil die Lehrerinnen sich mehr an den Spielen beteiligten und die Kinder anzuregen verstanden. Das fortwährende Hinein und Hinaus gelangweilter Kinder, das auf den Knabenhöfen herrschte, haben wir hier viel weniger bemerkt. Wir haben an dieser Stelle wiederholt darauf hingewiesen, daß Der deutsche Hausbefizertag beschäftigte sich in seiner letzten aus der Arbeiterschaft heraus der Versuch gemacht worden Sibung mit der Wohnungsaufsicht. Folgender Antrag des Bau- ist, zur Förderung der Jugendspiele da ergänzend einzu= treten, wo die Schulverwaltung ihre Pflicht noch meisters Hartwig wurde einstimmig angenommen: 1. Der Verbandstag bleibt in Bezug auf die Frage der berkennt. Der Arbeiter Turnverein Fichte", der Wohnungsaufficht bei dem auf dem Verbandstage vor drei Jahren sich in dankenswerter Weise der Aufgabe unterzieht, an den Somm gefaßten Beschlusse stehen. 2. Der Verbandstag erkennt aber in tagen an vier Stellen in und um Berlin die spiellustige Schul den neuen Vorschriften und Forderungen bezüglich Durchführung der Wohnungsaufsicht eine so starke Belastung der Mieter, und jugend zu versammeln und anzuleiten, hat damit auch in wieder sehr schöne Erfolge erzielt. namentlich derer, die bisher durch einwandfreie Ausübung der diesem Jahre Im Aftervermietung ihre Mietlast wesentlich erleichtert haben, daß er Augenblick steht uns das statistische Material über die Be den Spielen noch nicht lückenlos im Interesse dieser Mieter die strenge Durchführung dieser For- teiligung an zur Ver derungen nicht empfehlen kann, obwohl diefelbe gerade dem Haus- fügung, aber die Mitteilungen, die wir von den einzelnen Plätzen besizer durch Herbeiführung eines weit größeren Bedarfs von darüber erhalten haben, und die Beobachtungen, die wir an Ort Wohnräumen nüßlich werden könnte." und Stelle gemacht haben, berechtigen zu der Annahme, daß die Die Wahlmänner müssen selbstredend pünktlich Es ist aus dem Beschlusse nicht ersichtlich, gegen welche be- esamtbeteiligung diesmal ganz außerordentlich erscheinen und bis zur Beendigung der Wahl stimmten Vorschriften er sich wendet. Ein Reichsgefeß haben wir start ist. ausharren. Ihre Pflicht ist es, auf die Innehaltung der gesey- nicht über den Gegenstand, sondern nur erst in einigen BundesAls vor ein paar Jahren unsre Parteigenossen in der Stadt. lichen Bestimmungen sowie der Bestimmungen des Reglements zu staaten verschiedene, von einander abweichende Bestimmungen. dringen. Der Wahlvorstand darf nicht ernannt, sondern muß Preußen hat auch noch keine gefeßlichen Vorschriften über Wohnungs- berordneten Versammlung die amtliche Veranstaltung aus der Mitte der Versammlung gewählt werden. Es ist darauf aufsicht. Die Hausbesiber meinen es auch vermutlich ganz anders, von Ferienspielen auf Schulhöfen und in Parkanlagen forderten, zu achten, daß die Wahlmänner nicht von ihrem Platz aus einfach als wie es in dem Beschlusse lautet. In der Diskussion über den betonte Genosse Singer auch die Notwendigket, mit den Kindern geBen Namen des Abgeordneten nennen, sondern daß sie sich, wie es Antrag wurde nur gewaltig über die Socialdemokraten geschimpft, legentlich Ferienausflüge in die Umgegend zu machen. vorgeschrieben ist, an den Vorstandstisch begeben und hier zu die schuld sein sollen an der Wohnungsaufsicht, aber daß die Social- Die Vorschläge fanden damals eine Mehrheit in der Versammlung, Protokoll erklären, wem sie ihre Stimme geben wollen. Auch ist demokraten die Interessen der Hausagrarier vertreten, das werden aber für offizielle Ferienausflüge ist die Schulverwaltung noch immer zu verlangen, daß das Wahllokal so groß ist, daß es alle er- die Herren ja gewiß nicht sagen wollen. Es ist also schwerlich das nicht zu haben. Was in dieser Richtung bisher geschehen ist, ist eine Schienenen Wahlmänner faßt. Interesse der Mieter, weshalb sich die Hausbefizer gegen die Ist eine Vereinbarung mit einer andern Bartei geschlossen- was Wohnungsaufsicht wenden. Die Herren fühlen wohl instinktiv, daß private Veranstaltung, deren Kosten aus milden Spenden bestritten mur unter Zustimmung des Parteivorstandes erlaubt ist und sehen man bei der Wohnungs aufsicht nicht stehen bleiben kann; so werden. Aus dem Stadtsädel Geld für Ferienausflüge der Schulwir, daß die andre Partei die Berabredung nicht innehält, so find nüßlich und notwendig fie an fich ist, so schreit sie doch geradezu nach finder herzugeben, das erscheint vielen heute noch als eine Zumutung, auch wir von unserm Versprechen entbunden; wir stimmen dann nur Ergänzung durch die Wohnungs befchaffung unter Ausschaltung auf die nicht eingegangen werden darf. noch für Socialdemokraten. Den Moment, von dem ab dies ge- der Privatspekulation. Die Beschränkung der Aftervermietung und schieht, hat ein vorher zu ernennender Obmann der socialdemo- die Maßregeln gegen die Ueberfüllung der Wohnungen können nur tratifchen Wahlmänner zu bestimmen. Ihm haben sich alle Genossen ernstlich durchgeführt werden, wenn man den Arbeitern gesunde und die unsre Berliner Gegner- nach einer Bemäntelung ihrer zu fügen. geräumige Wohnungen zur Verfügung stellt, die sie bezahlen können. fchimpflichen Niederlage vom 16. Juni fuchend- schnellfertig Mit den öffentlichen Versammlungen beginnt man so zeitig als Ohne dies bleiben die wesentlichsten Vorschriften der Wohnungsmöglich, wennschon die eigentliche Wahlbetvegung erst vier bis sechs aufsicht auf dem Papier stehen. Hat man also eingesehen, daß die zurechtmachten und schamlos verbreiteten, ist jetzt die eine durch Wochen vor der Wahl in Fluß kommen dürfte. Alle andren Vor- Wohnungsaufsicht mit ihren Vorschriften im Interesse der Gesund- behördliche Ermittelungen als frecher Schwindel nachbereitungen dagegen müffen schon jetzt getroffen werden. heit und Sittlichkeit unentbehrlich ist, dann wird man sich auf die gewiesen worden. Aus den Diskussionen hat die Frage, ob wir uns an den Dauer der Notwendigkeit nicht entziehen können, die materiellen Von vielen Wahlfomitees waren diesmal die für die Wähler beWahlen beteiligen follen, auszuscheiden. Die höchste Justanz, der Voraussetzungen für ihre Durchführung zu schaffen, nämlich den stimmten Sendungen, wie Flugblätter, Stimmzettel usw., Parteitag, hat die Wahlbeteiligung befchloffen und diesen Beschluß Wohnungsbau zu einer öffentlichen Angelegenheit zu machen und der Post zur Beförderung übergeben worden, es hatte hat jeder auszuführen, mag er im Herzen ein Gegner der Wahl- Wohnungen durch die Gemeinde zu bauen. Und das fürchten die sich aber herausgestellt, daß die Briefträger eine große Bast beteiligung sein. Das erfordert die Parteidisciplin. Hausagrarier und Grundspekulanten. von Wählern nicht auffinden konnten und die Briefe als unbestellbar zurückgeben mußten. Hieran war die Vermutung Von den Wahllügen, geknüpft worden, dag das nicht ganz nnt rechten Dingen zugegangen sei. Der im fünften Wahlkreise unterlegene Kandidat der Antisemiten und Konservativen, Herr Wilhelm Bruhn, wußte mitzuteilen, daß ihm allein MO) Briefe zurückgeschickt worden seien, und er deutete an, daß hier Beziehungen der Briefträger z�ur Socialdemokratie im Spiele seien. Hierzu schreibt jetzt eine Lokalkorrespondenz: Die hiesige Ober- Postdirektion hat daraufhin eine eingehende Untersuchung veranlaßt und festgestellt, daß grobe, vielleicht ans Partei- politischen Gründen verursachte Pflichtverletzungen nicht vorgekommen sind. Allerdings ist eine große Zahl von Briefen als unbestellbar zurückgewiesen worden, obwohl die Adressen richtig ausgefertigt waren. Es erklärt sich dies damit, daß unter den Adressaten sich viele Tausende von Chambregarnisten, Schlafburschen usw. befanden, die bisher vielleicht gar keine oder nur vereinzelte Briefe erhalten haben. Die Namen derartiger Mieter sind zum größten Teil den Hausbesitzern wie auch den Mitbewohnern nicht bekannt. Bei der großen Zahl solcher Briefe, die gelegentlich der Wahlagitation zur Beförderung der Post übergeben wurden und bei der begrenzten Zeit, welche die Bcstellbeainten haben, war es diesen vielfach nicht möglich, die sonst für die Ermittelung der Adressaten zur Anwendung kommende Sorgfalt auch diesen Sendungen zu widmen. Die außer- ordentliche Schwierigkeit, welche die Bestellung solcher Briefe ver- ursacht, kann man sehr leicht daraus ermessen, daß einzelne Beamte löl) auch 200 Briefe und mehr hatten, welche an Schlafburschen adressiert waren, ohne daß die Briefe Angaben ent- hielten, bei wem der Adressat wohnte. Daß unter solchen Umständen Sendungen als unbestellbar zurückgegangen sind, welche bei energischen und anhaltenden Bemühungen seitens der Beamten den Adressaten hätten ausgehändigt werden können, ist erklärlich. Herrn Wilhelm Bruhns„S t a a t s b ii r g e r- Z e i t u n g" hat sich zu dieser Mitteilung noch nicht geäußert; man darf gespannt darauf sein, wie sie sich herauszulügen suchen wird. Es bleibt nun noch die andre Wahllüge als solche nachzuweisen — die blödsinnige Behauptung, daß viele Taufende von Social- demokraten einen Umzug fingiert hätten, um unsichere Wahl- kreise für die Sozialdemokratie zu erobern. Das statistische Material, das über die Umzüge der letzten Monate vom städtischen statistischen Amt zur Verfügung gestellt werden kann bezw. bereits veröffentlicht ist, reicht nicht aus, um diese Frage zu prüfen. Vielleicht kommt auch hier eine Behörde uns Socialdemokraten zu Hilfe und weist aus den Umzugsmeldungen nach, daß die„fingierten" Um- züge— von unfern Gegnern fingiert worden sind. Haussegen oder Höllenqual. Maxim Gorki, der geniale und ge- feierte russische Dichter, der noch vor wenigen Jahren als„Land- streichet:" durchs Land zog, schildert in einer seiner Skizzen den Anschauungsunterricht, den ihm einmal ein ehemaliger Schicksalsgenosse im Betteln gegeben. Als Gorki sich ungeschickt anstellte, erklärte sein erfahrener Kollege, ihnr eine Lektion erteilen zu wollen. Er trat zunächst demütig an eine Bäuerin heran und bat mit den üblichen Worten um ein Stück Brot. Die Bäuerin verweigerte mürrisch die Gabe und drohte gar, ihren Mann zu rufen. Da herrschte der Bettler sie an:„Weib, möge Deine Brust versiegen". Und gleichzeitig niachte er mit den Händen allerhand beschwörende Gestikulationen.„Bleibt, bleibt, ihr sollt Brot haben", flehte da geängstigt das abergläubische Weib und brachte zu dem Brot auch gleich ein großes Stück Speck. An diesen Bettlertrick erinnert uns eine ähnliche Episode, die uns mitgeteilt wird. Man schreibt uns:„An die Thür eines Partei- genossen klopfte eine Diakonissin an. Ob er nicht einen„Spruch" kaufen wolle. Natürlich handelte es sich um eine verschleierte Form des GabenheischenS. Man bemerkte der sanften jungen Frau kurz aber höflich, daß man für solche Zwecke nichts gebe und die Thür schloß sich wieder. Durch den Briesspalt der Thür aber flog alsbald ein kleines Pappkärtchen in den Korridor mit dem Stempel des Diakonissenheims in der Ouitzowstraße. Das trug in großer Schrift den Auf- druck: Wo wirst D» die Ewigkeit zubringen? Und darunter lvar in kleiner Schrift auf Ev. Matth. 2S, 14 bis 30 verwiesen. Es ist das Gleichnis von den anvertrauten Eentnern und der Vers 30 lautet: „Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklapper»". Der also zur Hölle Verwiesene sieht ja diesem Schicksal mit großem Gleichinute entgegen, aber diese als Drucksache in Borrat gehaltene Grobheit, die jedem ins Haus geworfen wird, der nichts geben will, hat ihn dennoch ein wenig in Erstaunen gesetzt." Man sieht, unsre Diakonissin versteht ihr Handwerk ebenso gut, wie der Lehrmeister Gorkis im Fechten. Sic übertrumpft ihn sogar noch. Der Gefährte des russischen Dichters bedrohte seine Leute doch nur mit leiblichen Uebeln, unsre Diakonissin dagegen stellt ihnen ewige Höllenqual in Aussicht. Außerdem scheint es uns, als ob dem russischen Barfüßler diese Methode des Fechtens eher anstehe, als einer Diakonissin. Hunger thut weh, und wenn der Appell an die Mildherzigkeit nichts nützt, wird eben an die Dummheit appelliert. Daß eine Diakonossin sich ähnlicher Mittel bedient, ist zum mindesten originell. Die Angestellten der Strasienbahn Berlin— Hohen-Schönhausen der«Kontinentalen Gesellschaft Nürnberg" führen lebhafte Beschwerde über zu große Anstrengung ini Dienst. Die tägliche Dienstzeit soll für Fahrer 10 Stunden und für Schaffner 12 Stunden betragen, ist also an und für sich schon übermäßig lang; sie wird aber nicht selten soweit ausgedehnt, daß dem Personal nur 3— 4 Stunden Nachtruhe übrig bleiben. Sonntags giebt es keine Haltcpausen, vielmehr hat jeder 11 Stunden ununterbrochen Dienst zu leisten. Da infolge der übermäßigen Anstrengung sich eine ständige Abspannung bei den Angestellten bemerkbar macht, so kommen auch häufig Zusammenstöße vor. Mit dazu beitragen dürfte allerdings auch, daß des Abends vom Steuerhaus bis Wilhclmsberg keine Laterne brennt. Trotz weitgehendster Ausnutzung der Arbeitskraft sind die Angestellten noch obendrein mit einem rigorosen Strafsystem beglückt. So wird für ein Zuspätkommen von vielleicht 5 bis 10 Minuten der Lohn für einen Vierteltag abgezogen; für sonstige kleine Dienstvergehen sind Strafen von 50 Pf. bis b,00 M. festgesetzt. Die aus dem Abzug von Strafgeldern resultierende Gesamtsumme dürfte schon sicher eine beträchtliche Höhe erreicht haben; genaues ist darüber jedoch nicht zu erfahren, weil den Angestellten keinerlei Mitbestimmungsrecht über die Verwendung der Straf- g e l d e r eingeräumt ist und sie von der Betriebsleitung auch keinerlei Aufschluß darüber erhalten. Alles in allem sind die Dienftverhält- nisse der Angestellten dieser Gesellschaft derartig unwürdige, daß sich die tiefgehende Unzufriedenheit bei ihnen von Tag zu Tag ver- größert. Die Strecken- und Tiefban-Arbeiter der„Großen Berliner Straßenbnbn" fristen schon seit langem ein wenig beneidenswertes Dasein. Ihre Arbeitszeit beträgt 80 bis 00 Stunden pro Woche, erhöht sich mit den abzuleistenden Wachen aber häufig bis über 100 Stunden. Bei dem Umlegen der Geleise usw. sind die Leute den Unbilden der Witterung meistens schutzlos preisgegeben. Regen- mäntel existieren Ivohl, doch sie liegen auf der„Kammer", die Arbeiter aber erhalten keine. Diese müssen vielmehr mit durch- näßten Kleidern bei der stinkigen, qualmigen Gasätherbeleuchtung weiter arbeiten, wobei sie sich dann nicht selten Erkrankungen zuziehen. Eine grobe Unterlassung ist es auch, daß auf den Arbeits- stellen kein Verbandszeug zu haben ist, obwohl die betreffenden Vor- schriften die Mitführung von Verbandskästen vorsehen. Diese Nach- lässigkeit ist um so tadelnswerter, als die Leute bei derartigen Ar- beiten häufig Verletzungen ausgesetzt sind. In der gemütliche» Rcntenquctsche der Nordöstlichen Baugewerks- Berufsgenossenschaft sSektion I), von der wir kürzlich berichteten, geht alles seinen gewohnten Gang weiter wie bisher. Die Leitung der Bernfsgenossenschaft scheint gegen eine öffentliche Besprechung von Mißständen in ihrer„Klinik" ebenso unempfindlich zu sein wie gegen die Einzelbefchwerden der armen Unfallrentncr. An sich ist dies eigentlich kaum verwunderlich; ist doch der Vorsitzende der Berufsgenossenschaft der Maurer- und Zimmermeister Etzmann, dem der ganze Häuserkomplex in der Großbeerenstratze gehört, wo- selbst sowohl die Bureauräume der Berufsgenossenschnft als auch die Rentenquetsche untergebracht ist. Da also von dieser Seite kaum aü Abhilfe zurechnen sein wird, so könnte es keineswegs schaden, wenn sich die Gesundheitsbehörden gelegentlich um die Einrichtungen dieser„Klinik" ein wenig kümmern würden. Thatsächlich ist es ein wahrer Hohn auf die moderne Krankenpflege, daß eine der reichsten Berufs- genossenschaften ihren Unfallverletzten den Aufenthalt in Räumen zu- mutet, die sich zu allem andern eignen mögen, nur nicht zur sach- gemäßen Behandlung von Rekonvalescenten. Es Ividert einem geradezu an, wenn man sieht, wie diese Leute sich überall umherdrücken müssen. Wenn sie aber noch obendrein die ausgetretenen, völlig defekten Treppen hinauf- oder hinunterklettern, so kann man sich nur wundern, daß sie die ihnen noch verbliebenen paar gesunden Knochen auch nicht noch zerbrechen. Das aber alles rührt die Berufs- genossenschaft nicht; jedenfalls ist ihrer Ansicht nach die Bude zur Rentenquetsche gerade gut genug— sonst würde sie endlich auf Ab- Hilfe bedacht sein. Rücksichtslosigkeit der oberen Zehntausend. Der traurige Vorfall, welcher sich am 6. d. Mts. in H a l e n s e e zutrug, und welchem leider ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel, indem ein Arbeiter von einer Equipage überfahren und schwer verletzt wurde, worauf sich die Insassen der Equipage schleunigst„dünne machten", mahnt ernstlich daran, auf die Zustände in Halensee energisch hinzuweisen. Jeder, der die Brücke passiert, ist schon au und für sich auf das höchste gefährdet durch Tausende von Equipagen und Radlern, welche in schnellstem Tempo die Brücke passieren, leider aber in den seltensten Fällen von dem dort befindlichen Polizeiposten wegen ihres übermäßig schnellen Fahrens festgestellt werden können. Die größte Gefahr für das Publikum bilden jedoch die zahlreichen Automobilfahrer. welche den Bemühungen der Polizei, sie wegen übermäßig schnellen Fahrens oder sonstiger Uebertretungen festzustellen, Hohn sprechen. Es ist dringend notwendig, daß ständig dort ein berittener Gendarm postiert ist, und daß vor allein die dort stationierten Beamten mit Aufbietung aller ihrer Kräfte zur Feststellung der Uebertrctungsfälle beizutragen versuchen. Erhöhung der Kurkostc». Durch einen Erlaß des Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten ist die Direktion der Königlichen Charitö angewiesen worden, in bestimmten fällen eine Erhöhung der Behandlungskosten eintreten zu lassen. S handelt sich um alle aus der chirurgischen Nebenabteilung der Charitö aufgenommene» Kranken, die mir Massage oder Elcktricität behandelt werden oder die medikomechanischen Apparate der Anstalt benutzen. Der erhöhte Kurkostensatz— von 2,50 auf 3M.— kommt erst von dem Zeitpunkt an zur Anwendung, wo der behandelnde Arzt die medikomechanische, oder die elektrische, oder die Massage- behandlung für das Heilverfahren ftir notwendig erklärt und die Ueberweisung der Kranken an die Station für Unfallverletzte aus- gesprochen wird. Voni 1. August d. I. ab ist dieser Satz auch für die Kranken, so weit sie zur Durchführung des Heilverfahrens der Station für Unfallverletzte überwiesen werden, vom Zeitpunkte der Ueberweisung an in Anrechnung gebracht. Es handelt sich um die Kranken der Orts-Krankenkassen Berlins und der Vororte, der Be- triebs-Krankenkassen und der JnnungS-Krankenkassen. Diese Kassen haben kürzlich schon von der neuen Einrichtung amtlich Kenntnis erhalten und sich zum Teil bereits zustimmend dazu ausgesprochen. Auch der Magistrat kommt dabei in Betracht. Ucbcr die Thätigkeit falscher Hundefängcr wird neuerdings wieder Klage geführt. Junge Burschen, die sich als beauftragte Fang- bcamte ausgeben, lassen sich, wenn sie von dem Eigentümer des ge- fangenen Tieres überrascht werden, die übliche Auslösegebühr in Höhe von 3 M. zahlen, im andren Falle aber nehmen sie den Hund mit, um wertvollere Tiere an Hundehändlcr, Nichtrassetiere an Viviscktionsanstaltcn zu verkaufen. Es sei darauf hingewiesen, daß jeder Fangbeamte mit Dienstmütze und Dienstschild versehen ist. außerdem aber eine polizeiliche Bestätigung, die ihn als Fang- beamten legitimiert, bei sich führen mutz. Diese Bestätigung hat der Fänger auf Verlangen vorzuzeigen. Personen, welche nicht in der genannten Weise legitimiert sind, sind als gewerbsmäßige Hunde- diebe zu betrachten und festzunehmen. Bei einer Rettnngsübnng verunglückt ist gestern nachmittag der 24 Jahre alte Feuerwehrmann Ernst Dorband, der in der Zehdcnicker- straße 27 bei seinem Vater, einem pensionierten Feuerwehrmann, wohnt. Dorband stürzte bei einer Uebuna zur Rettung Verunglückter aus der Höhe des zweiten Stockes auf der Hanptwache in der Lindenstraße in die Tiefe und zog sich einen Bruch des einen und eine Verstauchung des andren BeineS zu. Ein Kamerad brachte ihn nach dem Krankenhause. Wieder der Obstrest. Als der 17 Jahre alte Arbeitsbursche Max Genczerek aus der Sorauerstr. 10 gestern mittag die Treppe zum Hochbahnbof an der Oranicnstraße hinaufgehen wollte, glitt er auf einem Obstrest, den jemand leichtsinnig hingeworfen hatte, aus, fiel fünf Stufen der steinernen Treppe herab und brach sich den rechten Arm. Der Verunglückte erhielt auf der Rettungswache am Görlitzer Bahnhos die erste Hilfe. Eine verhängnisvolle Gas-Explofion, bei welcher zwei Arbeiter getötet und zahlreiche andre verletzt worden wären, sollte, wie in der vorgestrigen Nacht in Berlin verbreitet wurde, in der Gasmesser- fabrik der Englischen Gaswerke in Mariendorf stattgefunden haben. An amtlicher Stelle ist über dieseExPlosion nichts bekannt. Wie die Direktion der Englischen Gaswerke mitteilt, dürfte dies Gerücht durch einen Vorgang veranlaßt worden sein, welcher am Freitagnachmittag in der Werkstätte des erwähnten Eta- blissements in Mariendorf sich abspielte. Ein Klempner wollte einen zehnflammigen Gasonieter reparieren, in dessen Behälter sich noch eine geringfügige Menge Gas befand. Als er sich mit der Lötflamme dem Gasoinetcr näherte, entstand eine schwache Explosion, die jedoch so unbedeutend war, daß selbst der Gasometer unbeschädigt blieb. Die Verwaltung der Gaslverke bestreitet entschieden, daß auch nur die geringste Verletzung irgend eines Arbeiters hierbei vorgekommen sei, ebenso wird diese Darstellung von der Polizeibehörde in Mariendorf, wie auch von Angestellten der Mariendorfer Gaswerke bestätigt. Brennend aus dem Fenster gesprungen ist gestern die achtjährige Tochter der Hebamme Kamotta aus Reinickendorf-WilhelmSruh. Das Kind hatte, um sich Kaffee zu kochen, in Abwesenheit der Mutter einen Spirituskocher benutzt. Durch eine ungeschickte Handhabung explodierte das Gefäß und entzündete die Kleider des Mädchens. In seinem Schmerz und der Angst lief es nun zum Fenster und stürzte sich vom 1. Stock kopfüber in die Tiefe. Mit schrecklichen Brandwunden am ganzen Oberkörper und einem doppelten Arm- bruch brachte man die Kleine schließlich nach dem Reinickendorfer Kinder-KrankenhauS, wo sie bald nach der Einlieferung verstarb. Anläßlich des ersten deutschen Abstinentcntages, welcher vom 8. bis 10. August in Berlin stattfindet, haben die abstinenten Arbeiter Berlins beschlossen, zu Montag, den 10. August, abends 8Vz Uhr, in Dräsels Festsälen, Neue Fricdrichstr. 35, eine öffentliche Volksversammlung einzuberufen. In dieser sollen die principiellen Gründe öffentlich klargelegt werden, weshalb es ihrerseits abgelehnt wurde, sich offiziell an diesem Abstinententag zu beteiligen, und warum sie nicht mit den bürgerlichen Abstinenzorganisationen Hand in Hand gehen können. Näheres siehe Inseratenteil. Die„Freie Volksbühne" beginnt mit ihren künstlerischen Ver- anstaltungen am Sonntag, den 30. August, nachmittags 3 Uhr, im Metropol-Theater. Für die erste Vorstellungsscrie wurde Henrik Ibsens:„Klein Eyolf" auf den Spielplan gesetzt. Die zweite Serie bringt Lessings dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen„Nathan der Weise" im Lessing-Theatcr. Die künstlerische Leitung und Jnscenierung der Vereinsvorstellungen liegt in den Händen des Oberregisseurs Fritz Witte-Wild. Eine Anzahl von Kunst- und Vortragsabenden wird bereits im Oktober veranstaltet werden. Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. Eonrad Schmidt, I. Vorsitzender. G. Winkler, Geschäftsstelle und Kassenverwaltung. Kurt Vaake, II. Vorsitzender, Schriftführer: Simon Katzenstein, Max Buschold. Littcrarischer und künstlerischer Beirat: Frau Dr. July Zadel, Kurt Eisncr, Willi Wach, Robert Schmidt, Friedrich Stampfer und Joseph Bloch. Die Baugenosscilschast„Freie Scholle" schreibt uns:„Eine Ver- einigung von Schwachen erreicht so manches, was dem Einzelnen ganz unmöglich gewesen wäre. Einen glänzenden Beweis dieses Satzes wird der finden, der bei seinem Sonntagsausslug die zwischen Waidmannslust und Tegel in der Egidhstraße, aber noch im Walde liegende freundliche Niederlassung der Baugenossenschaft„Freie Scholle" aufsucht. Diese Vereinigung geringer Kräfte erreicht, daß ihre Mitglieder ein bescheidenes, aber abgeschlossenes kleines Häuschen mit kleinem Garten(nach Ablauf einer gewissen Wartezeit) bewohnen können. Die Miete ist niedrig bemessen, eine jährliche kleine Rück- zahlung bringt der Genossenschaft allmählich das aufgewendete Kapital wieder zurück, so daß den Nachfolgenden ebenfalls eine Heimstätte geschaffen werden kann. Da am nächsten Sonntag, den 9. August, auf der Ansiedlung ein anspruchsloses Sommerfest gefeiert wird, so eignet sich dieser Tag besonders zu einer Besichtigung, zu der alle eingeladen sind, insbesondere die, welche nähere Kenntnis erlangen möchten." Passnge-Thcater. Mit dem August-Programm hat das Passage- Theater einen großartigen Griff gemacht. Allabendlich spendet das ausverkaufte Haus den einzelnen Darbietungen lebhaften Beifall. Sensation erregen die Taucher Tritons, deren Leistung, fünf Minuten unter Wasser zu bleiben, ohne zu atmen, bisher unerreicht dasteht, und der Kunstschütze Martens. Auf dem Gebiete der Komik stehen I o s.e p h i n e D e l c l i s e u r als Berliner Köchin, die Pierrots Jim und Ja m sowie der Excentricer G a u im Vorder- gründe. Die Schaunummern_ sind durchweg erstklassig; es sei besonders erwähnt die Jackson- Truppe; The Barr eis V i n c e n z a und viele andre. Aga schwebt noch immer weiter und mit Berlin zerbrechen sich auch die zahlreichen Fremden den Kopf über dieses wunderbare Rätsel. Der Kinematograph bringt interessante Bilder, u. a. Automobil-Renncn um den Gordon- Bennet-Pokal.— Der Riese Machnow bleibt nur noch eine kurze Zeit im P a s s a g e- P a n o p t i k u m, er bildet nach lvie vor das Tagesgespräch und das Wandcrziel aller. Jedermann will erzählen: „Ich habe den größten Menschen, der je gelebt hat, gesehen." Berlin- Babel. Fremdsprachliche Elemente giebt es in Groß» Berlin nach der neuesten Bevölkernngsaufnahme des Statistischen Amtes nahezu 56 700; von diesen beherrschen neben ihrer Mutter- spräche 17 140 auch das Deutsche, während 39 355 nur mit fremder Zunge reden. Am zahlreichsten sind natürlich die polnisch- sprechenden Mitbürger vertreten<34 623), von denen aber eine große Zahl<13 328) auch deutsch sprechen können. Englisch sprechen 3677. russisch 2074, ungarisch 2016, dänisch 1960, f r a n- z ö s i s ch 1929, i t a l i e n i< ch 1652, s ch w e d i s ch 1041, h o l l ä n» disch 993. Viele dieser fremdsprachlichen Elemente haben sich naturalisier» lassen; Ausländer geblieben sind 2185 Engländer, 5262 Russen. 3335 Ungarn. 1427 Dänen, 703 Franzosen. 1682 Italiener, 1177 Schweden, 863 Holländer-c. Im übrigen beherbergt die Reichshauptstadt mit Vororten nicht weniger als 19 939 östreichische Staatsangehörige, 2756 amerikanische Bürger und 2800 Czechen; der Orient ist mit 315 Türken, 135 Serben, 7 Aegyptern und einem Araber vertreten. Japaner haben wir 116, Chinesen 80. Endlich gehören 27 bezw. 23 Bürger Groß-Berlins fiidaftikanischen Staaten