Ur. 186. lllMnnementS'Bedingungen: Abonnements, Preis pränumerando z Nerteljährl. 3,30 ÜRt., monatl. 1,10 Ml.. «oöchentlich 28 Pfg. frei WS Hau». Einjeine Nummer S Pfg. GomitagS. nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post-ZeitungS. Preisliste für IVOS unter Nr. 8303. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland t Marl pro Monat. ftlcheilil tZglich außer Montag». 20* Jahrg. Die lnIert1on$'Gebill)r beträgt für die fechSgefpaltene Kolonet- zetle oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und BerfammlungS-Anzeigen 20 Pfg. „Klein« Tlnzclgtn" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer niüfsen btS 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 3 Uhr vormitttagS geöffnet. Devlinev VolkcslrlAkk. relegramm-Aoreffe! „Sodaldemokrat BtrHn". Centralorgan der socialdemokratischen Nartei Deutschlands. l�eäakNon: 8 AI. 68» Vincke»»«?»«»« 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 198». Mittwoch, den 12* August 190B» Sxpedition: 8M. 68» Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Aint IV. Nr. 1984. Zur Lage der preußischen Bergarbeiter. Zur Beurteilung der Ursachen, auS denen sich die großen Er- regungen unter den preußischen Bergarbeitern, insbesondere im Ruhrrevier herleiten, bieten auch die amtlichen Berichte der B e r g i n s p e k t 0 r e n für das Jahr 1902 einiges recht beträchtliches Material. Nur wenige dieser Berichte, wie die der Bergreviere Kassel und Goslar wissen zu melden, daß die Löhne sich annähernd auf der alten Höhe hielten. Wo dies der Fall, ward es erreicht durch der- mehrte Arbeitsleistung bei verminderter Kopfzahl. So sagt unter anderm der Bericht von Kassel:„Die gedrückte Geschäftslage... hat eine Herabminderung der Löhne nicht mit sich gebracht. Der Ausgleich ist durch erhöhte Arbeitsleistung des einzelnen Arbeiters entstanden, wie daraus hervorgeht, daß in den letzten acht Monaten des Berichtsjahres trotz geringerer Kopfzahl der Belegschaft gleiche und größere Förderziffern erreicht sind wie im Vorjahre." Das aber sind die Ausnahmefälle. Die weitaus überwiegende Anzahl der Berichte der Bergräte muß ganz erhebliche Lohnminderungen trotz zahlreicher Feierschichten und Herabsetzung der Belegschaften konstatieren. Wir können im Folgenden nicht alle Thatsachen dieser Art berück� sichtigen. Wir werden nur einige der markantesten verzeichnen. So gingen im Bergrevier Zabrze die Durchschnitts-Schichtlöhne der Hauer von 4,76 M. in 1901 auf 4,49 M. in 1902 zurück. Auf den Steinkohlenbergwerken des Bergreviers Ost-Beuthen betrug der reine Jahreslohn eines Arbeiters im Durchschnitt 816 M., auf den Erz- bergwerken 623 M. gegen 398 M. und 629 M. im Vorjahre. Da neben kamen noch die Prämien in Höhe von 10 Proz. des verdienten Lohnes, welche ftüher für regelmäßiges Anfahren gewährt worden waren, durchweg in Wegfall. Im Bergrevier Königshütte erfuhren die Löhne gegen das Vorjahr im Durchschnitt eine Abnahme von 3 Proz.,„weil wohl auf allen Werken Feierschichten eingelegt werden mutzten". In Süd-Kattowitz ging der Jahres-Durchschnittslohn der Belegschaft von 817 M. auf 762 M. zurück. Auch für Nord-Katto>vitz wird eine„empfindliche Einbuße", ein Zurückgehen des Jahres- Durchschnittslohnes auf den Kopf der Belegschaft um 2,9 Proz. von 964 M. auf 936 M. festgestellt. Im Bezirk Ost- Waldenburg fiel der Schichtlohn der Belegschaft von 2,86 M. auf 2,70 M., also um 16 Pf., während er im Vorjahre nur um 6 Pf. zurückgegangen war.„Prägt sich die Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse", fügt der betreffende Bericht hinzu,„schon in dem Rück- gang der Schichtlöhne aus, so tritt diese im Gesamtverdienst eines Arbeiters noch mehr in die Erscheinung, da im Berichtsjahre durch- schnittlich zehn Schichten weniger als im Vorjahre verfahren Ivorden sind." In West-Waldenburg fiel der Durchschnittslohn der Beleg- schaft von 2,96 M. auf 2,76 M. Dem Wortlaut des amtlichen Be- richts zufolge„weisen die Zahlen des Berichtsjahres ein wesentlich ungünstigeres Resultat auf als die des Vorjahres, eine Folge der durch den gedrückten Geschäftsgang bedingten Lohnherabsetzungen, zum Teil auch der Verminderung der durchschnittlichen Leistungen, die für den Kopf der Belegschaft im Jahre 1901— 183 Tonnen, im Berichtsjahre hingegen nur 176 Tonnen Kohlen betragen hat". Auch der Görlitzer Bericht stellt für den Braunkohlen-, Salz- und Erz- bergbau einen Rückgang der Löhne gegenüber dem Vorjahre um 3— 4 Proz. fest. In dem Vorstehenden haben wir nur Zahlen aus dem Ober-Berg- amtsbezirk Breslau mitgeteilt, wo, wie besonders hervorzuheben ist, die Gesamtbelegschaft gegenüber 1901 eine wesentliche Erhöhung erfahren hat. Aus allen übrigen Revieren lauten die Berichte durchweg noch ungünstiger. So hat im Bergrevier Weißenfels„die bereits im Vorjähre bestandene ungünstige Lage der Braunkohlen-Jndustrie auch im Lauf des Jahres 1902 keine Besserung erfahren. Zwar haben die größeren Werke Arbeiterentlassungen in weiterem Unifange nicht eintreten lassen, doch mutzte zeitweise die Schichtdauer gekürzt werden... Die auf den Tag und die ganze Belegschaft berechneten Löhne der Arbeiter fast aller Klassen auf den Braunkohlengruben sind im Durchschnitt um etwa 6 Proz. zurückgegangen", der Durch- schnitts-Jahresverdienst von 967 auf 908 M. gefallen. Auch für die übrigen Zweige und Reviere des sächsischen Bergbaues werden teil- weise erhebliche Lohnkürzungen festgestellt, die durchweg„in den schlechten Absatzverhältnissen" ihre Ursache haben. Dazu kam, daß, wie der Bericht für das Bergrevier Ost-Halle ausspricht, Arbeiter überall reichlich vorhanden waren.„Das Angebot von Arbeits- kräften war durchweg erheblich größer als der Bedarf. Arbeiterentlassungen haben auf fast allen Gruben statt- gefunden.. Im Revier Stolberg-Eisleben fiel der Durchschnitts- lohn der im Kupferschiefer-Bergbau beschäftigten 16 034 Arbeiter bei einer Gesamtbelegschaft von 16 649 Köpfen von 3,30 M. auf 2,84 M., also um volle 14 Proz. Im Bergrevier Osnabrück ging der Durch- schnittslohn für unter Tage beschäftigte Arbeiter I. Klasse(Aus- und Vorrichtung, Abbau und Förderung) von 2,98 M. in 1901 auf 2,64 M. zurück; für„das starke Sinken der Löhne" macht der Bericht die„allgemeine schlechte Lage der Werke" verantwortlich. Im Berg- revier Dortmund I mußten in der ersten Hälfte des Berichtsjahres nicht weniger als 186 Feierschichten eingelegt werden. Nach einer dem Bericht für Dortmund II beigefügten Lohntabelle des Berg- meisterS Köhler waren die Löhne gerade der unter Tage beschäftigten Arbeiter im dritten Ouartal 1902 unter die des gleichen Onartals in 1899 erheblich heruntergegangen. Während der reine Vierteljahrs- verdienst für das dritte Quartal 1899 für die Arbeiter der I. und H. Klasse 374 bezw. 251 M. betragen hatte, ergab er für die gleichen Monate des Jahres 1902 nur mehr 326 bezw. 240 M.; auf die Gesamtbelegschaft berechnet, reducicrte sich der Neinverdienst des dritten Quartals von durchschnittlich 316 M. auf durchschnittlich 281 M., also um 11,7 Proz. Gleiches muß der Bericht für das Revier Dort- mund III feststellen.„Durch die ungünsttge Lage des Kohlenmarktes, welche in den durch das Kohlensyndikat beschlossenen Förder einschränkungen ihren Ausdruck fand, sind die Zechen des Reviers allenthalben zu Betriebseinschränkungen gezwungen gewesen. Um Arbeiterentlassungen nach Möglichkeit vorzubeugen, sahen sich die Zechenverwaltungen zur Einlegung von Feierschichten gezwungen. So sind beispielsweise auf der Zeche Dorstfeld 29, auf Zeche Germania 20, Zeche Zollern I 16 Feierschichten im Lauf des Be- richtsjahres eingelegt worden." Der Bericht für Herne stellt ein Sinken des Durchschnittslohnes von 6,7 Proz. fest, während die Arbeitsleistung für die Schicht von 0,84 Tonnen auf 0,869 Tonnen stieg. Im Bericht für Gelsenkirchen heißt es:„Die auch im Jahre 1902 noch anhaltendefgedrückte Lage auf dem Kohlenmarkt hatte naturgemäß eine Verminderung des Ab satzes und dementsprechend eine Einschränkung der Förderung zur Folge... Die Gesamtbelegschaft des Reviers fiel von 16 967 Mann im Jahre 1901 auf 16 861, d. i. um 6,58 Proz. „Der durchschnittliche Verdienst hat gegenüber den Vorjahren eine Abnahme von 6,16 Proz. erfahren." Dem Essener Bericht zufolge betrug„der Gesamtverdienst eines Arbeiters in den ersten drei Quartalen 871 M. gegen 964 M. in der gleichen Zeit des Vor- jahres!" Danach ist selbstverständlich, daß im Berichtsjahre Ausstände kaum zu verzeichnen sind. Wo doch der eine oder andre parttelle Streik ausbricht, geschieht dies, wenn auch erfolglos, um drohenden Lohnkürzungen vorzubeugen. Wie Krisen auf die Lebenshaltung und die Konsumfähigkeit der Arbeiter zu wirken Pflegen, dafür bietet der Diezer Bericht einige bemerkenswerte Zahlen, wonach der letztjährige Warenumsatz sich in den Konsumvereinen zu Ems von 340 143 M. auf 269 800 M., und zu Friedrichssegen von 63 373 M. auf 62 997 M. vermindert hat. Ueber den Stand der Wurinkrankheit im Ruhrrevier und die Maßnahmen, die man in der Bekämpfung dieses Leidens gegen die desselben verdächtigen Arbeiter beliebt, ist von uns bereits das Nötige gesagt worden. Aus den Berichten der Bergräte mag nur hervorgehoben sein, daß man in einer halbprozentigen Karbollösung ein Mittel zur Vernichtung des Wurms gefunden zu haben glaubt; „eS besteht die Absicht, auf der Zeche„Graf Schwerin" in größerem Umfange die Versuche derartig durchzuführen, daß die Grubenräume mit einer halvprozenttgen Karbollösung besprengt werden, welche aus einem besonderen Bassin durch die vorhandene Verieselungs lcitung den Bauen zugeführt wird". Nachdem in den letzten Monaten insbesondere der Kohlenmarkt eine gewisse Belebung erfahren hat, darf man als gewiß annehmen, daß das Bild, wie es uns die preußischen Bergräte von der Lage der Bergarbeiter entworfen, nicht in allen seinen Einzelheiten mehr zutrifft. Immerhin bildet das Wenige, das sich aus diesen amtlichen Berichten entnehmen läßt, ein wertvolles und unwiderlegliches Material, um die Krise in ihren verheerenden Wirkungen auf einen der wichttgsten und zahlreichsten deutschen Arbeiterzweige erkennen zu lassen und um dse Ursache der jetzigen Erregung unter der Berg- arbeiterschaft zn erkennen. Ipolitilcke dcbcrficbt. Berlin, den 11. August. Das gesegnete Hochwasser. Zehntausende Menschen in Obcrschlesien leiden unsäglich unter den Folgen der Hochwasser-Katastrophe und der Versäumnisse der preußischen Regierungsgclvalt. Mancher beklagt nahe Anverwandte, die im Strudel der Wasser den Tod fanden. Zahlreiche sehen ihre Habe vernichtet und harren der Hilfe noch in bangem Zweifel, ob sie schnell genug und hinreichend gebracht werde. Inmitten all dieser trüben Not hat das ewig gütige Geschick doch auch Erfreuliches gespendet, es bewährt sich das schale Philister- wort, daß jedes Ucbel auch seine guten Seiten habe. Die Klopf- fechter des Monarchismus und Byzantinismus haben den beglückenden Segen der verheerenden Ueberschwcmmung erblickt. Die Kaiserin hatte sich entschlossen, das Ueberschwemmungs- gebiet zu besuchen, und in einem Hofzug von sechs Salonwagen fährt sie durch das schlesische Land. Die Absicht und das Thun der Kaiserin ist verständlich. Sie wünscht Kenntnis der schlesischen Zu- stände zu gewinnen wie mancher andre dasselbe wünscht und das- selbe ausführen würde, wenn er die Mittel dazu hätte und wenn er in der Lage wäre, hier und da selbst mit einigen Geldgaben un- mittelbar einzugreifen. Diese unauffällige Absicht der Kaiserin, die angesichts der Furchtbarkeiten der Hochwasserwirkungen und der polittschen Fragen, die sich daran knüpfen, anscheinend geringen Anlaß zu weiteren Be- trachtungen giebt, wird in der gesamten Presse des junkerlichen und bürgerlichen Byzantinismus zu einer außerordentlichen Angelegenheit emporgeschraubt. Dieser vor keiner Gesinnungslosigkeit scheuenden Presse gedeiht das schlesische Unglück zu einem— Triumphzug der Monarchie! Es tritt in jener Presse eine hoch gesteigerte Kunst zu Tage, auch diesen erschütternden Anlaß zu monarchistischen Verherrlichungen zu nützen. Von den Aeckern, die der Schlamm der Hochflut vernichtet und auf denen nicht bald ein Halm wieder wächst, steigt empor der Huldigungschorus für daS Hohcnzollcrnhaus. Ein Beispiel möge ein AuSzug des Berichts bieten, den die Kreuz-Zeitung" auS dem Uebcrschwemmungsgebiet veröffentlicht:. „Der hochherzige Entschluß Ihrer Maj. der Kaiserin, der durch die Hochivasserkatastrophe der Julitage besonders hart bettoffenen Bevölkerung der Kreise Neiße und Neustadt O.-S ihre und Sr. Maj. des Kaisers innige Teilnahme an der schweren Heimsuchung zun, Ausdruck zu bringen, den bekümmerten Herzen zu bezeiaen. daß unser erlauchtes Herrscherpaar getteu den Traditionen deS HohenzollernhauseS gerade in den Zeiten der Not und der Prüfung mit seinem Tröste, seiner Liebe und seiner Hilfsbereit- schaft den Landeskindern nahe sein will. Diese rechte und echte Hohenzollernart weckte überall lebhafte Freude, erfüllte die Mutlosen mit neuer Hoffnung, gab dein ganzen Lande die Gewißheit, daß es an einer wirksamen und aus- giebigen Staatshilfe nicht fehlen werde.... Nachdem Ihre Majestät gestern den hübschen Landsitz Kabinen verlassen, traf sie nach ununterbrochener Fahrt heute morgen acht Uhr mittels Sonderzuges auf Bahnhof Ziegenhals ein. Hier hatte sich zum Empfange der Präsident der Bezirksregierung zu Oppeln Holtz und der Landrat des Kreises Neiße, kgl. Kanimer- Herr v. Jerin-Geseß eingefunden. Räch kurzer Begrüßung begab sich Ihre Majestät, in deren Begleitung sich die Hofdame Gräfin Keller und der Vice-Obercercmonienmeister und Kamnierherr vom Dienst Ihrer Majestät der Kaiserin von dem Knesebeck befanden, > durch die Straßen der Stadt nach der von den Truppen des Pionier-Bataillons Nr. 6 unter Lcitung des Hauptmanns und Compagnicchefs Eylmann im Zuge der Freilvaldauerstraße er- bauten Notbrücke. Hier hatten sich die Mitglieder der städtischen Körperschaften versammelt, an deren Spitze begrüßte der Bürgermeister von Ziegenhals Ihre Majestät namens der Stadt, gedachte der schweren Heimsuchung, die Ziegenhals betroffen und sprach den innigen Dank der Bürgerschaft für die durch den hohen Besuch der Stadt und ihren Bewohnern erwiesene Teilnahme aus. Ihre Majestät gab zu erkenne», daß es ihr Bedürfnis gewesen sei, sich von der Lage im Ueberschwcmmungsgebict persönlich zu unterrichten. Sodann nahm die Kaiserin die Meldung des Majors und Kommandeurs des schlesischen Pionier-Bataillons Nr. 6 Brune entgegen. Weiterhin begrüßte die erlauchte Frau den Erzpriester, Stadtpfarrer Dittrich in überaus liebenswürdiger Weise und zog dann mit der ihr eignen Leutseligkeit den Pastor Wendel in ein längeres Gespräch. Sie erinnerte daran, daß„es wohl bange und schwere Stunden gewesen seien", die Ziegenhals erlebt habe, und daß es lange dauern werde, bis Ziegenhals die Schädigungen werde über- wunden haben. Dann nahm Ihre Majestä't die Vorstellung der Amts- und Gemeindevorsteher aus den betroffenen Ortschaften, und zivar des Amtsvorstchcrs May und des Orts- Vorstehers Teuber aus Deutsch-Wette, sowie des Amtsvorstehers Mählich und des Gemeindevorstehers Kirchner aus Schön» walde entgegen und unterhielt sich in herzlicher Teilnahme mit dem Arbeiter Berg aus Deutsch-Wette, dessen Frau und Enkel» kind in den Hochwasserfluten den Tod gefunden haben. Weiterhin ließ sich die Kaiserin von den geschädigten Besitzern, dem Fabrik- besitzer Handschel ans Deutsch-Wette sowie dem Fabrikbesitzer Methner in Ziegenhals über die entstandenen Schäden berichten. Hierauf zog die hohe Frau noch den Hauptmann und Compagnie- chef Eylmann in ein kurzes Gespräch, in dem sie der militärischen Hilfe anerkennend gedachte. Während des längeren Verweilens be« grüßte Ihre Majestät ferner die Mitglieder der städttschen Körper- schaften und unterhielt sich besonders mit dem hochbctagten Stadt- verordneten Josef Pietsch, einem der ältesten Burger der Stadt, längere Zeit. Inzwischen trat der Sängerchor des kgl. katholischen Lehrerseminars hervor und brachte unter Leitung des Musiklehrer» Osburg eine Hymne„Gott grüße Dich, Kaiserin" zum Vortrag. Die Kaiserin dankte huldvollst den Sängern wie dem Dirigenten und verabschiedete sich nach einigen Fragen von dem letzteren. indem sie ihm die Hand reichte. Ehe die Kaiserin wieder den Wagen bestieg, wandte sie sich einem im Spalier stehenden alten, barfüßigen Miitterlein zu, richtete einige Fragen an sie und drückte ihr freundlich die Hand. Unter den jubelnden Hochrufen der unabsehbaren Menge begab sich hierauf Ihre Majestät mit den Damen und Herren ihres Gefolges nach dem etwa eine Stunde entfernten, vom Hochwasser furchtbar verwüsteten Arnoldsdorf. Auf dem Wege dorthin fand die hohe Frau überall rührende Be- weise der treuen Liebe der Schlesier zu ihrem Kaiser- hause. Die Bewohner der Ortschaften hatten es sich nicht nehmen lassen, ihre Häuser und Häuschen mit allerhand Fähnchen, Schleifchen, Kaiscrbildern, Kränzen, Tannengrün auszuputzen, und so schmerzlich auch die Veranlassung des allerhöchsten Besuches war, es mußte doch jedes patriotische Gemüt lebhaft erfreuen, zu sehen, wie in der kleinsten und ärmlichsten Hütte gewetteifert worden war, dem dankbaren Empfinden ihrer Bewohner auch äußerlich in wenn auch schlichter, so doch wahrhaft herzlicher Art Ausdruck zn verleihen. In Dürrkuugendorf erwartete die Kaiserin eine besondere und sinnige Ueberraschung: hiu begrüßten eine Anzahl frischer anmutiger Mädchen und etliche junge Burschen in alt« schlesischcr, ungemein gefälliger Bauerntracht die Kaiserin, die, als sie die Gruppe gewahrte, sofort halten ließ und in leutseligster Weise einen poetischen Gruß entgegennahm, den Fräulein Martha Pietsch, eine Tochter des Fabrik- bcsitzers Pietsch, darbot. Bei dem ins Gespräch gezogenen Fabrikbesitzer Pietsch erkundigte sich Ihre Majestät danach, ob die Mädchen stets in schlestscher Bauerntracht gingen, was dieser für einen Teil zusagen konnte, gab alsdann ihrer besonderen Freude über die Huldigung Ausdruck und bat, den Teilnehmern an der Gruppe ihren Dank zu übermitteln...." In dieser Art geht die Schilderung der Reise der Kaiserin weiter, um schließlich in diesen Hymnus zu münden: „So schwer auch das landesmütterliche Herz unsrer Kaiserin von all den trüben Bildern, die hier unaufhörlich an ihrem Auge vorüberzogen, mag verwundet worden sein, es muß ihr aber bei alledem wohlgethan haben, auf Schritt und Tritt im Volke der wahrhast innigen Liebe und Treue zum Kaiscrhause zu begegnen. Der Gnadcnlicweis, den die Kaiserin der Provinz Schlesien gegeben hat, zeigt aufs neue, wie unzertrennlich unser erhabenes Hohen» zollernhaus mit seinem Volke verbunden ist." In solchen Verzückungen der Unterthänigkett arbeiten zahlreiche Blätter, der Besuch der Kaiserin wird zum Ereignis. Und doch wissen all diese byzantinisch Schwelgenden, daß eine einzelne Frau, die das Ueberschwemmungsgebiet bereist, weder die Ver- säumnisse der Gesetzgebung zu ändern, noch die Not durch ihre Anwesenheit zu lindern vermag. Man duldet nicht, daß die Kaiserin in stiller Betrachtung die furchtbare Menschennot sieht und mitleidend sich den Leidenden nahe fühlt, man mißbraucht das menschliche Mit- gefühl zu einer lärmenden Demonstration. Das natürliche Empfinden des Volkes wendet sich voll Ekel von dieser widerwärtigen Ausbeutung menschlicher Not zu monarchistischen Huldigungen I Vielleicht beschäftigt sich der K r o n r a t der preußischen Minister, der am Donnerstag unter Vorsitz des Kaisers stattfinden soll, mit der Frage, wie der Ueberschwemmung der Monarchie durch die Schlammflut des Byzantinismus einigermaßen vorgebeugt werden kann.— Wahlparole. Wahlparole I so rufen die Konservativen der Regierung auch jetzt zu den Landtagswahlen wieder ebenso eifrig zu, wie zu den Reichstagswahleiu Und„Wahlparole!" antworten nun auch die Liberalen. Auch ihnen soll die Regierung eine Wahlparole geben. Die„Berliner Zeitung" erhebt diesen Ruf als Antwort ans die konservativen Rufe. Es soll allerdings einen andern Zweck haben. Klar sehen wollen die Liberalen, was von der Regierung zu erwarten sei, auf daß sie ihre Wahlvorbereitungen treffen könnten. Was die „Berliner Zeitung" sonst zur Begründung ihres Verlangens sagt, scheint uns wirklich das Bedürfnis nach Klarheit bei den Liberalen ebenso zu rechtfertigen, wie das gleichfalls ausgesprochene Verlangen der Rückenstärkung durch die Regierung. Dies sei citiert: «Andrerseits würde es für die Wahlen von großer Wichtigkeit sein, die Stellung der Regierung zu kennen gegenüber dem als sicher anzusehenden Unternehmen der Konservativen und der Centrumspartei zur Beglückung Preußens mit einem Schulgesetz von der Art des Zedlitzschen. Daß ein solcher Versuch gemacht wexden wird, und daß ihm, wenn es bei den jetzigen Mehrheits- v�thältnissen des Abgeordnetenhauses auch in Zukunft verbleibt, voller parlamentarischer Erfolg beschieden wäre, das ist ganz zweifel- los. Nun kommt aber die interessante Frage, was die Regierung zu diesem Unternehmen sagen würde. Der„getreue Eckart", Groß Herzog Friedrich von Baden, hat wohl in Berlin-Potsdain iricht mehr den Einfluß, der ihn zum zweiten male zum Retter Preußens vor einem solchen Verhängnis machen könnte. Wie steht die Re- gierung zu dem Plänchen? Will sie überhaupt eS bei dem, von einzelnen wirtschaftspolitischen Lichtern abgesehen, tiefdunklen Bilde der inneren Politik Preußens bewenden lassen oder am Ende gar die Reaktion, die Brentano kürzlich„die große Gefahr für die Zukunft des deutschen Volkes" genannt hat, noch steigern und verschärfen?" Die Biindnisbereitwilligkeit der Liberalen von der Ullsteingruppe ist anerkennenswert. Die liberale Partei von der Socialdemokrätie bis zum Großherzog von Baden wäre wirklich groß. Nützlicher für den„liberalen Gedanken" und nützlicher für die freiheitliche Eni- Wicklung des deutschen Volkes und speciell der preußischen Verhält- nisse schien es uns jedoch, wenn das liberale Bürgertum aus eigner Kraft, ohne die kindlichen Hoffnungen auf den getreuen Eckart aus dem Musterländle, sich zu einer ernsten Politik und zu rückhaltlosen: Kampfe gegen die Reaktion aufraffte. Rückenstärkung durch die Regierung— die Liberalen müssen ja wissen, ob sie der Rückenstärkung so bedürftig sind; wer jedoch den Drachen Reaktion bekämpfen und das Volk von der agrarischen Gefahr befteien will, der muß allein Rücken- stärkung im Volke selber suchen. Die Stellung der Regierung zur preußischen Junkerreaktion kennt man ausreichend und die Reaktion ist eine so handgreifliche Thatsache, daß man ihr gegenüber die denkbar klarste Stellung schon jetzt nehmen kann— Ivenn man den Mut dazu hat. Die Regierung würde sich auch mit einem wirklich liberalen Bürgertum abfinden, aber sie denkt nicht daran, ihm den Rücken zu stärken. Im Volke aber verbessern die Liberalen ihre Stellung wahrlich nicht durch Anrufen der Regierung oder etwelcher getreuer Eckarte der liberalen Sage.— .» veutfckes Reick. Die Bewegung der Ruhr-Bergleute kam am Sonntag in einer größeren Anzahl Versammlungen zum Ausdruck, die an verschiedenen Orten des Reviers stattfanden. Von den Rednern wurde auf die steigende Erregung der Arbeiter hingewiesen, die auf die Behandlung der 50000 wurmkranken Bergleute und auf das immer ärger werdende Wagennullen zurückzuführen sei. Die Führer mahnten zwar zur Ruhe, aber wenn die Zechenverwaltungen nicht einlenkten, dann könne es leicht gegen den Willen der Organisationen zum Streik kommen. Dann aber würden die Bergarbeiter solidarisch zu- samnienstehen. Es scheint, daß die Grubenherren doch einlenken wollen. Zu dem gestern schon gemeldeten Beschluß des Vereins für bergbauliche Interessen, die Zahlung des vollen Schichtlohnes an Wurmkranke zu empfehlen, dem einige Zechen schon nachgekommen sind, melden heute bürgerliche Blätter: „Infolge der großen Erregung unter den Bergarbeitern über das Wagennullen lenken die nieisten Zechen ein, indem sie d a S Nullen bedeutend einschränken. Einige Gruben wollen auch die Kontrolle des Nullens den Arbeitern auf deren Kosten gestatten. Die Bergbehörde macht ihren Einfluß dabei geltend." Es dauert immer sehr lange, bis den Kapitalsgewaltigen das elementarste Pflichtgefühl kommt, und es bedarf dazu erst der cnergischten Regungen der Arbeiterschaft. Hoffentlich bringt die starke Bewegung unter den Bergarbeitern ernstliche Abhilfe der offenbarsten Mißstände.—_ Zu den sächsischen Landtagswahlen. Aus Sachsen wird uns in Ergänzung unsrer Mitteilungen über die dortige politische Situation geschrieben: Den sächsischen Landtagswahlen blicken die Kartellparteien nicht so bange entgegen, wie den Reichstagswahlen. Noch besteht ja das „elendeste aller Wahlsysteme", das Dreiklassen-Wahlsystem, das die große Mehrheit der Wähler brutal entrechtet und den Kapitalprotzen und Ausbeutern den Sieg sichert. Aber es ist den Wahlrechtsräubern trotzdem nicht wohl umS Herz. Die Wucht des socialdemokratischen Sieges vom 15. Juni lastet schwer auf ihnen. Sie sind sich sehr gut bewußt, daß dieser Sieg das Ende ihrer Herrschaft bedeutet, die sie usurpatorisch nur mit Gewalt- Mitteln zu verlängern suchen. Denn das Gewäsch der Kartellpresje über eine zu vollziehende Wahlrechtsreform hat den Zweck, die Ge- Waltherrschast der kapitalistischen Minderheit in milderem Lichte erscheinen zu lassen. Käme eine Wahlrechtsreform— woran wir jedoch stark zweifeln— dann als Farce. Höchstens zur gnadenvollen Neber- lassung einer möglichst niedrig abgegrenzten Zahl von Landtags- Mandaten an die Socialdemokratie könnten sich die Nationalliberalen wie die Konservativen aufschwingen. Und doch hat die Socialdemo- kratie, wie uns durch die Reichstagswahlen bewiesen, die große Mehrheit der gesamten Bevölkerung Sachsens hinter sich. Eine so schäbige Aenderung des Wahlunrechts könnte nicht als Reform be- zeichnet werden und höbe die begangene Ungerechtigkeit nicht auf. Ohne völlige Beseitigung der 1896 verübten Wahlentrechtung wird dem Kampfe ums Wahlrecht nicht das mindeste von seiner jetzigen Schärfe genommen Gewiß wird die Socialdemokratie immer agitieren für d>e Em- führung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts mit Proportionalverfahren. Aber man braucht nur an die Zeit ihrer Agitation vor der Wahlentrechtung zurückzudenken, um sofort zu er- kennen, daß zwischen jener, wir möchten sagen herkömmlichen Agitation und dem Kampfe gegen die Schmälerung von Volks- rechten speciell gegen den Wahlrechtsraub ein großer Unterschied zu machen ist Die WahlrcchtSräuber haben den Kampf provoziert, in dem sie jetzt die erste, schlvere und entscheidende Niederlage erlitten haben. Das mindeste, was fte in aller Einfachheit thun könnten, wäre, zu sagen: Wir haben eingesehen, daß das Dreiklapen- Wahlsystem schädlich ist, gut, stellen lvir darum vorerst den Status gno-mto wieder her. setzen lvi. das Wahlrecht wieder ein, wie es bis 1896 bestand. Die Socialdemokratie wird dann immer noch auf ihrer Forderung des gleichen, allgeineinen, direkten, geheimen Wahlrechts stehen bleiben, aber dem Kampfe ist der Stachel der Provokation genommen, der sich immer tiefer bohrt, je länger das Wahlunrecht besteht. Selbst bei der großen Wählerzahl, die die Socialdemokrafte bei der Reichstagswahl erhielt, ist nicht daran zu denken, daß sie unter dem alten Landtags-Wahlrecht, das den Census einer direkten Staats- steuer von 3 M. voraussetzte, die Mehrheit der Mandate für die Zweite Kammer erränge. Darüber brauchen wir uns keinen Illusionen hinzugeben; höchstens 20 von 82 Mandaten wären uns sicher, mehr zu erringen, vereitelte die Wahlkreiseinteilung und die Bestinimung über die relative Mehrheit. Genug, die Situation ist Verfahren, die Gegner zappeln in ihrer eignen Schlinge, möchten zwar gern heraus, wollen aber das von ihnen begangene Unrecht nicht austilgen und müssen darum so lange zappeln, bis sie verendet sind. Die Ersetzung des bittersten Unrechts durch ein geringeres Unrecht macht für sie die Sache nur noch schliinnier, denn dem Eingeständnis eines Unrechts muß seine Beseitigung folgen, sonst ist das Eingeständnis nur als eine elende Heuchelei zu betrachten. Belieben die Wahlentrechtler eine solche Posse zu spielen, dann werden die Mühlen der Socialdemokratie noch schneller laufen. Es gäbe in, Landtage wie im Lande eher keilten Augenblick Ruhe, bis das Unrecht gettlgt ist.— Im Wahlkreise Dessnn-Zerbst haben die Vertrauensmänner der ireisinnigen Parteien jetzt ihren Kandidaten an Stelle des verstorbenen lichard Rösicke gefunden. Der bisherige Abgeordnete Karl Schräder, der bei der letzten Wahl in seinem Wahlkreise Lands- berg-Soldin unterlag, ist auserkoren. Die Nationalliberalen haben die Absicht einer Kandidatur Büsing fallen gelassen und beabsichtigen den Direktor der Dessauer Zucker- raffinerie Kommerzienrat Burdenmenger aufzustellen. Für die S o c i a l d e in o k r a t i'e kandidiert wieder unser Ge- uosse K ä p p l e r. Die erste socialdemokratische Wählerversammlung findet bereits am Donnerstag und die erste Flugblattverbreitung am Sonntag statt. Wir wünschen unsrcn Genossen des ersten Anhaltischen Kreises besten Erfolg zu den Mühen, denen sie sich so schnell wieder unterziehen müssen.— Die nationalsociale Anhängerschaft zaudert, den plötzlichen Auf- forderuugen ihrer Führer zum Aufgehen in die Freisinuige Vereinigung nachzukommen. In Göttingeil wurde vor einigen Tagen eine ab- lehnende Resolution angenommen, und der Vorstand des nattonal- socialen Ortsvereins für Jena und Umgegend stellt in einer von der„Thür. Rundsch.', dem Organ des Herrn Damaschke, veröffentlichten längeren Erklärung die Forderung, es solle statt eines einfachen Aufgehens der Nationalsociale» in die Freisinnige Vereinigung eine Verschmelzung beider zu einer Gruppe erfolgen, die einen neue» Namen anzunehmen habe, und zwar den Namen social- liberal. Demgemäß solle der bevorstehende Göttinger Parteitag klar aussprechen:„Wir verschmelzen mit der Freisinnigen Vereinigung in eine neue Partei, die sociallibcral genannt wird und die Hauptpunkte der beiderseittgen Programme vertritt. Die bisherigen liberalen Wahlvcreine und die bisherigen natioualsocialen Ortsvereine nehmen die gleiche Bezeichnung„socialliberale Vereine" an. Sollte die Freisinnige Vereinigung auf diese Namensänderung nicht eingehen, so sei es' besser, daß die Natioualsocialen bleiben, ivas sie sind, und unter der alten Flagge mit ihren bescheidenen Kräften dem So- cialismus und dem Liberalismus zu dienen suchen, bis der Tag für die große deutsche Linke hereinbreche." Hinter dem Verlangen nach einem neuen Namen steckt die Eni- pfindung, daß nian nicht vor einer Partei kapitulieren will, die in vieler Hinsicht den bisherigen natioualsocialen Anschauungen fernsteht. Es ist hierzu zu bemerken, daß auch in den freisinnigen Kreisen, und nicht nur in denen der Freisinnigen Volkspartei, sondern auch in der Freisinnigen Vereinigung vielfach gleichfalls der neue Bund mit den Naumannschen nicht geheuer scheint. Die„Vossische Ztg." leistet bereits eine ganze Anzahl Arttkel, um die Wandlungsfähigkeit der Natioualsocialen zu zeigen und dem Freisinn Vorsicht vor den neuen Bundesgenossen einzuschärfen.— Untersuchung über Wahlfälschungen. ES wurde mitgeteilt, daß die bayerische Regierung einen Erlaß an die Unterbehörden ge- geben hatten, der eine Prüfung der Wahlen auf etwaige Fälschungen forderte. Es scheint, als sei dieser Erlaß nicht auf Bayern be- schränkt geblieben, sondern von den Reichsstellen für alle Bundes- staaten veranlaßt worden. Von dem Inhalt des bayerischen Erlasses wird jetzt etwas Näheres bekannt, es heißt darin: „Die Fälschungen sollen darin bestanden haben, daß in vielen Wahlkreisen und Wahlbezirken eine große Anzahl von Personen— sei es unter richtigem, sei es unter angenommenem Namen— als neu zugezogen polizeilich gemeldet worden sind, obwohl dieselben ihren eigentlichen Wohnsitz in einem andren Wahlkreise oder Wahl- bezirke niemals aufgegeben hatten, daß dann diese fälschlich in die Listen eingetragenen Personen entweder selbst nach einander in zwei oder mehr Wahlbezirken oder Wahlkreisen gewählt haben, oder daß für sie durch ortsanwesende Parteiangehörige Stimm- zettel abgegeben worden sind, sowie, daß ferner für verstorbene, auf Reisen abwesende, nach entfernt gelegenen Orten verzogene, im Krankenhaus oder Gefängnis befindliche Personen von un- befugter Seite gestimmt worden sei." Wir sind der Meinung, daß die in der reakttonären Presse aus- gesprengten Gerüchte über dergleichen Wahlfälschungen, die den Erlaß veranlaßt haben dürften, mindestens sehr überttieben waren. Es war das nur ein kleines Mittel des Trostes über den bösen Wahlausfall. Immerhin ist gegen eine gründliche Nachforschung über Wahlunregelmäßigkeiten niemals etwas einzuwenden und wir wollen nur wünschen, daß die Regierungen den durch Junker und be- amtete Junkerfteunde geübten Wahlungesetzlichkeiten ebenso eiftig nachgingen.— Pferde und Lehrer i» Preußen! Kürzlich wurde mitgeteilt, daß zur Erwerbung eines englischen Deckhengstes nicht weniger als 420 000 M. aufgewendet wurden. Dazu vergleiche man die Schilde- rungen, die erneut aus Trakehnen, dem Reiche des Herrn v. Oetttngen, kommen. Die„Preußische Lehrerztg." erzählt über die Gestaltung der Verhälttnsse in Trakehnen nach der Revision durch den Minister v. Podbielski: Alle Beschwerden über den schadhaften Keller, worin dem Lehrer Nickel regelmäßig die Kartoffeln ver- derben, über die teils unterlassene, teils mangelhaft ausgeführte Be- stellung des Dienstlandes Nickels, über den Umtausch des erttagreichen Lehrergartens gegen eine gleich große Ackerfläche mit jungen Obstbäumen ohne jeden Erttag usw., waren bis heute beim Land- wirtfchafts-Miiiistcrium ohne Erfolg, und Nickel hat infolge dieser und noch vieler andrer ähnlicher Verluste pekuniär schwer zu kämpfen. Die aufs höchste überfüllten und ungesunden alten Schul- klaffen haben im Verein mit den andren traurigen VerhälMissen auch die Gesundheit Nickels sehr angegriffeu, weshalb er bereits im vergangenen Jahre unter Einreichung eines ärztlichen Attestes das Ministerium uni eine Beihilfe zu einer längeren Kur gebeten hatte; jedoch vergeblich, während andre Beamte in Trakehnen namhafte Zuwendungen erhielten. Nach der huldvollen Anerkennung der Unterrichtserfolge Nickels durch den Minister v. Podbielski und trotz der Aufforderung, Nickel solle sich„vertrauensvoll" an ihn, den Minister, wenden, bat Nickel sofort wieder durch eine Eingabe um eine Beihilfe zur Wiederherstellung seiner Gesundheit. Thatsächlich ist ja auch im Etat des Gestüts ein Fonds zur Unter- stützung für mittlere Beamte, und ausdrücklich auch für Lehrer aus- geworfen. Nickel erhielt jedoch wieder einen abschlägigen Bescheid. Der zweite Lehrer Fr. in Trakehnen dagegen erfreut sich eineS größeren Wohlwollens; denn er erhielt vor mehreren Monaten eine Unterstützung von 100 M., obwohl er erst ein Jahr und drei Monate in Trakehnen amtiert, Nickel aber bereits mehr als acht Jahre. Die genannte Lehrerzeitung schließt ihren Bericht:„Der Lehrer Fr. ist der aus dem Trakchner Prozeß bekannte Zeuge Oettingens, ohne daß er mit seiner Aussage Nickel belasten konnte. Daß aber der Minister, nach- dem er sich an Ort und Stelle informiert und Nickel eine solche An- erkennung gezollt hat, nun wieder in den alten Kurs, der ftiedliche und gedeihliche Verhältnisse in Trakehnen unmöglich macht zu ver- fallen scheint, ist uns unverständlich. Sollte er etwa gegen Herr» v. Oetttngen machtlos sein? Oder sollte er trotz des zerschnittenen Tischtuches sich dem Einfluß der Landbündler, wie eines v. Olden- bürg, der ein Freund v. Oettingens zu sein scheint, beugen?"— Ausland. Oestreich-Ungarn. Ter TodeSmarsch von Bilek. Die„Politische Korrespondenz" meldet: Die auf Grund der Erhebungen des Kommandanten des 15. Corps, Barons Eppel, vorliegenden Berichte über den bekannten Bileker Marsch des 12. Jnfanterie-Regiments besagen:„Der Marsch ist bei der Einhaltting der durch besondere bindende Vorschriften geregelten Marschordnung für das Karst-Terrain eine von jeder Truppe anstandslos zu bewältigende, wiederholt zu jeder Jahreszeit durchgeführte Leistung. Im gegebenen Fall aber kamen die Anordnungen bezüglich der Wasserversorgung nicht in ausreichender Weise zur Durchführung. Insbesondere ist es mehrfachen Mängeln in der Befehlsgebung, die geahndet werden, zuzuschreiben, daß Einschaltung längerer Ruhepausen sowie die Wasserversorgung während des Weitermarsches nicht in angemessener Weise erfolgten. Der ge- eignete Zeitpunkt zu Vorbeugungsmatzregeln seitens der Berufenen wurde leider nicht erfaßt. Diese Umstände, verbunden mit einer Temperatur von 37 Grad Reaumur, führten die bekannte Kata- strophe herbei. Die Heeresleitung zog vorläufig durch die Ent- Hebung der verantwortlichen Personen von den Kommandoposten die Kousequenzen aus den Geschehnissen und traf Vorsorge, daß der- artige bedauerliche Vorkommnisse sich nicht wiederholen." Der Bericht des Corpskommandanten ist danach so ausgefallen, wie erwartet werden durfte: Alles war in größter Ordnung, nur mit der Wasserversorgung und den Ruhepausen haperte es etwas; die eigentliche Schuldige an den Vorfällen ist die Temperatur, die es sich zu ungelegener Zeit erlaubte, bis auf 37 Grad Reaumur zu steigen. Hoffentlich schließt sich nicht das Kriegsministerium diesem lächerlichen Urteil an. Die„Reichswehr" veröffentlicht eine Aeutzerung des Chefs des östreichischen Generalstabes über den Bileker Marsch, die wesentlich anders lautet, wie der schöne Bericht des Generals Baron Eppel. Der Generalstabschef soll danach er- klärt haben:„Die Untersuchung hat eine Reihe von Unregelmäßig- leiten ergeben, wie solche leider dort unten eingerissen sind. Die Schuldtragcnden werde,: der strengsten Bestrafung zugeführt; es werden P e n sionicrungen und Degradierungen verfügt werden. Allerdings ist das bedauerliche Unglück auch teilweise auf die abnormalen Witterungsvcrhältnisse zurückzuführen, die aber andrerseits wieder größere Vorsichtsmaßregeln erfordert hätten. Ich kann nicht leugnen, daß große Fehler vor- gekommen sind, und deshalb wird auch die Bestrafung eine strenge sein müssen."— Frankreich. Ende des Streiks von Hennebont. Pa r i S, 9. August.(Eig. Ber.) Es ist anders gekommen als die hartherzigen Ausbeuter von Hennebont, und mit ihnen die kapitalistischen Parteien, gehofft hatten. Die polizeilich-militärische und gerichtliche Ordnugsrettcrei hat schließ- lich die Geduld der bretonischen Arbeiter erschöpft. Nach einem vier- wöchentlichen ruhigen Verlauf des Streiks haben die empörten Ar- bciter die behördlichen Herausforderungen mit Gewalt beantwortet. Aber die Zusammenstöße und die Krawalle haben diesmal nicht eine Niederdrückung des Streiks bewirkt, sondern den Sieg der Streiken- den beschleunigt. In elfter Stunde hat Ministerpräsident C o m b c S auf die für seine Regierung besonders gefährlichen Lorbeeren eines ordnungsretterischen Sieges verzichtet. Der Eifer dsp lokalen Behörden wurde gedämpft, die Streikenden durften sich wieder auf ihrer„gewerkschaftlichen Wiese" versammeln und die Pariser Direktion der Aktiengesellschaft wurde zur Kapitulatton gezwungen. In der betreffenden offiziösen Preßnote heißt es, daß die Direktion dem Appell des Ministerpräsidenten und des Präfektcn von Morbihm: an ihre humanen Gefühle, gefolgt wäre. Eine herrliche Humanität. die erst nach blutigen Vorgängen, und weil man nicht mehr anders kann, eine winzige Lohnerhöhung bewilligt! Noch wenige Tage vor- her wollte die„humane" Direktion die Delegierten der Gewerkschaft nicht einmal empfangen. Der materielle Gewinn für die Arbeiter ist eine Lohnerhöhung von 25 Cts.(20 Pf.) täglich, und das nur für etwa 100 Hand- langer, die bisher einen Hungcrlohn von 1 Fr. 70 Cts. bezogen. Der Kanipf drehte sich nämlich, wie erst in den letzten Tagen authentisch bekannt wurde, ausschließlich um die Aufbesserung der Handlanger-Löhne. Die übrigen 1700 Metallarbeiter traten in den Streik nur aus Solidarität. Das proletarische Solidaritäts- gefühl hat denn auch die Kundgebungen der maritimen Arsenalarbeiter der benachbarten Hasenstadt Lorient gezeistigt. Ursprünglich forderten die Handlanger von Hennebont eine tägliche Lohnerhöhung von 50 Cts., um sie dann auf 25 Cts. herabzusetzen. Es handelte sich also für die Compagnie, die 6 Proz. Dividende verteilt, um ein „Opfer" von höchstens 25 Franken täglich! Und darum fünf Wochen protzigen Widerstandes seitens der Compagnie und ein paar Wochen OrdnungS-Terrorismus im Dienste des Protzentums!.. Zugleich mit der Bewilligung der Lohnerhöhung hat die Com- pagnie sich verpflichtet, keine Maßregelungen wegen des Streiks vor- zunehmen. Die Ausständigen in Hennebont haben die Nachricht von der Kapitulation der Ausbeuter mit Jubelrufen aufgenommen. Hoffentlich wird der moralische Gewinn des Kampfes für die bisher rückständige Arbeiterschicht ein dauernder sein. Heule, am 9. August, findet in Lorient eine schon vor dem Siege behördlich genehmigte friedliche Straßenkundgebung statt. Sic wird nun zu einer Sieges- kundgebung werden. �. Zu erwähnen ist noch der Frontwechsel der Richter von Lorient. Am Freitag hatten sie weitere 26 Angeklagte zu ver- donnern. Sie zeigten sich wieder ebenso hart und arbeiterfeindlich. wie ihre bretonischen Kollegen im Vorjahre sich milde und klerikal- parteiisch gegenüber den klerikalen Aufrührern benommen haben. Ein Arbeiter wurde zu drei Monaten Gefängnis, der Vorsitzende der Ge- werkschaft. G a u d i n. und der Pariser Delegierte des Metall- arbeiter-Verbandes, L a t a p i e, wurden zu je 2 Monaten ver- urteilt, obwohl den beiden letzteren selbst die Gendarmen keinen gewaltsamen Widerstand vorgeworfen hatten. Die übrigen Angc- klagten bekamen 8—15 Tage Gefängnis. Aber bald nach der Urteils- verkündung beschloß das Gericht die Provisorische Frei- l a s s u n g der bereits ins Gefängnis zurückgeführten Arbeiter. Das geschah auf die Vorstellung des U n t e r p r ä f e k t e n zum Zwecke der Beruhigung der Gemuter. Lokalbehörden und Richter tanzten nach der neuen von oben gepfiffenen Melodie. Diese letztere aber erklärt sich wohl zum Teil aus dem besonderen Umstand, daß C o m b e s sich gerade anschickte, in Marseille einen feierlichen Einzug zu halten. Die Fort- setzung der Ordnungsrctterei im Streikgebiet wäre eine gar schrille Begleitmusik gewesen zum„Demokratischen Baiikctt" von Mar- Zur Charakteristik des neuen Pavstcs. Gegenüber der Verherrlichung des neuen Papstes durch die liberale Presse, verdient eine von der„Franks. Ztg." veröffentlichte Zuschrift wiedergegeben zu werden, die an das Verhalten des bisherigen Patriarchen von �enedig gegenüber einer dortigen Wohlthätigkettsanstalt erinnert. I» dic;er Zuschrift wird erzählt: „Auf dem Internationalen Kongreß der„Gesellschaften für ethische Kultur" zu Zürich im September 1896 wurde bittere Klage über den Patriarchen Sarto von Venedig geführt. Die Gesellschaft für ethisch-sociale Kultur zu Venedig hatte nämlich eine Einrichtung geschaffen, welche es sich zur Aufgabe machte, die Kinder von Ar- beiterinnen. welche in venetianischen Fabriken(Tabalsabriken, Glas- fabriken usw.) tagsüber beschäftigt waren, zu beaufsichtigen, damit sie dem entsittlichenden Einfluß der Straße entzogen wurden. Diese Einrichtung der Ethische» Gesellschaft von Venedig hatte einen über- raschenden Erfolg und die arbeitende Bevölkerung machte starken Gebrauch von derselben. Dieser Erfolg erregte aber eine förmliche Wut unter der klerikalen Partei in Venedig. In den Kirchen wurde derartig gegen die Gesellschaft für ethisch-sociale Kultur geeifert, daß die Frauen es aus Angst vor den ewigen Höllenstrafen nicht mehr wagten, ihre Kinder in das Kinderheim zu bringen. Der Patriarch von Venedig verschmähte es nicht, persönlich gegen dieses Wohlthätig- keitsinstitut zu predigen, und er hatte auch die Genugthuung, es ein- gehen zu sehen."— Türkei. Zur Lage in Makedonien. Nach Berichten aus Saloniki ver- kautet daselbst, daß sich die Telegraphen- und Bahnbeschädigungen wiederholt haben und daß die mit der Reparatur beschäftigten Arbeiter bedroht werden. Der Zuzug zu den Insurgenten dauert fort; viele junge Bulgaren werden vermißt. Die Banden äschern die Ernte ein. Generalinspekteur Hilmi Pascha und Oberbefehls- haber Omer Ruschdi Pascha haben Saloniki in der Richtung nach Monastir passiert. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Konstantinopel gemeldet: Infolge der Weigerung des Bahnpersonals der Strecke Saloniki— Monastir, ohne starken Schutzdienst Dienst zu thun, ist die Ein- stellung des Verkehrs dieser Strecke unvermeidlich geworden.— Schnelle Sühne. Die Pforte beeilt sich, Rußland Genug- thuung für die Ermordung seines Konsuls zu geben. In Monastir ist bereits gestern das Standgericht zusammengetreten, um den Mörder Halim und seine Compliccn abzuurteilen. Der zum interimistischen Wali von Monastir ernannte General Hussein Hilmi Pascha wird auch seine Stellung als Gcneralinspekteur beibehalten.— Sofia, 10. August.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.- Korrcsp.-Bureaus.) Wie verlautet, übersandten die Vertreter der inneren Organisation in Macedonien den diplomatischen Agenten der Großmächte eine Proklamation des Aufstandcs, in welcher als Bedingungen für die Einstellung der Bewegung die Ernennung eines christlichen, von der Pforte unabhängigen Gouverneurs in Macedonien und die Kontrolle der Mächte über die Durchführung der Reformen gefordert werden.— Landtagswahlbewegung. Die focialdemokratische Kreiskonferenz für Potsdam- Spandau- Osthavelland behandelte am letzten Sonntag neben andren Gegen- ständen auch die Stellungnahme zu den Landtagswahlen. Es referierte dazu Genosse Paris- Velten. Er erklärt das Wahl- systcm und geht auf die Fragen ein, welche der Landtag zu verhandeln habe und die auch für das Proletariat großes Interesse haben. Als solche bezeichnet er namentlich das Schul- und Verkehrswesen. Er stellt sich auf den Standpunkt, daß, so schwer es manchem auch werde, man bei der Stichwahl unter ganz gewissen Bedingungen doch für den Freisinnigen ein- zutreten habe. Vom Genossen Liebknecht lag ein Brief vor. der sich in demselben Sinne aussprach. Redner wies auch noch darauf hin, daß bei der Landtagswahl Potsdam einen Kreis für sich bilde, daher zwei Kandidaten in Frage kämen. Von feiten der Delegierten für Ketzin, Spandau und Nauen wurde die Erklärung abgegeben. daß sie den Auftrag haben, gegen ein Eintreten für den Freisinn zu stimmen. Auf Antrag des Genossen Paris- Velten wurde beschlossen, sich strikte an den Beschluß des Parteitages zu halten, wonach über Ab- machungen mit dem Freisinn der Parteivorstand zu entscheiden habe. Ueber die Aufstellung der Kandidaten zur Landtagswahl konnte sich die Konferenz nicht einigen, da der Genosse Liebknecht eine Kandidatur abgelehnt. Man beschloß deshalb, dem Kreis- Wahlkomitee die Regelung der Kandidatenftage zu überlassen. Zu den Landtagswahlen am Nicderrhcin nahm an, 9. August in Elberfeld eine vom Niederrheinischen Agitationskomitee einberufene Konferenz Stellung, in welcher die Landtagswahlkrcise Elberfeld- Barmen, Düsseldorf, Krefeld. Hagen, Altena-Jserlohn, Solingen- Remscheid-Lennep, Mcttinann und Duisburg-Mühlhcim-Essen durch '45 Delegierte vertreten waren. Genosse Gewehr hielt ein einleiten- des Referat, in welchen, er die Notwendigkeit der Beteiligung an den preußischen Landtagswahlen, die diesbezüglichen Beschlüsse des Mainzer Parteitages, sowie der Berliner Konferenz und die Bc- stimmungen des Wahlreglemcnts erörterte.— An das Referat knüpfte sich eine längere Diskussion, in welcher sich mit Ausnahme der Ver- treter von Krefeld und Essen die Anwefenden für ein Eintreten in den Landtagswahlkampf erklärten, selbst auf die Gefahr hin, nur sehr geringe Erfolge zu erzielen. Als wesentlich wurde das agitatorische Moment dieser Wahlen hervorgehoben. In einer Anzahl der nieder- rheinischen Wahlkreise dürften die socialdemokratischen Wahlmänner das Zünglein an der Wage bilden, z. B. in Düsseldorf und Hagen. Eugen Richter hat in Bezug auf Hagen erklärt, daß die Freisinnigen nach Rechts Anschluß suchen müßten. Unter Umständen können die Socialdemokraten Eugen Richter bei einer Stichwahl durchplumpscn lassen, ein nicht unverdientes Schicksal. Der Vertreter von Essen motivierte das ablehnende Verhalten der Essener Genossen damit, daß in Essen die Kruppschen Arbeiter ausschlaggebend seien. Die unter diesen Arbeitern erst neu gewonnenen Genossen befürchteten nicht mit Unrecht von der öffentlichen Stimmabgabe ihre Brotlosmachung. Unter diesen Umständen halte es schwer, eine nur nennenswerte Zahl von Wahlmännern aufzubringen. Möglicherweise müssen im Herbst nochmals die Gewerbegerichtswahlen vorgenommen und die neugewonnenen Mandate in hartem Kampf gegen die Christlichen verteidigt werden. Hierbei dann noch gleichzeitig den Landtagswahl- kämpf zu führen, würde es an Zeit. Säften und Geld fehlen. In einer Konferenz der Genossen von Duisburg und Essen könne jedoch die Frage nochmals erörtert werden, da offiziell in Essen noch keine Stellung wegen der Beteiligung genommen worden sei.— Der Vertreter von Krefeld erklärte, daß es ihnen unmöglich sein werde, ge- nügend Wahlmänner aufzubringen. Es fänden auch fast zu gleicher Zeit die Stadtverordnetenwahlen statt, wobei die Krefelder Genossen das letzte Mal gute Erfolge erzielten. Die Agitation gegen die preußische Mißwirtschaft könne auch hierbei betrieben werden. Zur Zeit stellten sie durch Umfrage fest, wieviel Genossen sich als Wahl- männcr zur Verfügung stellen wollten. Von dem Ergebnis soll die weitere Stellungnahme abhängen.— Das Agitationskomitee wurde beauftragt, eine gedruckte Instruktion für die Urwahlen herauszu- geben und unentgeltlich verbreiten zu lassen. Zum Schluß wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Auf Grund des Parteitagsbeschlusses in Mainz und des Beschlusses der preußischen Konferenz vom 26. April d. I. wird den Genossen der Landtags- Wahlkreise Elberfeld-Barmen. Lennep-Remscheid-Solingen. Mett- mann, Hägen-Schwelm, Altena-Iserlohn. Düsseldorf. Duisburg- Mühlheim-Essen und Krefeld empfohlen, mit eignen Wahlmännern in die Wahl einzutreten.— Da bei der Teilnahme an den preußischen Landtagswahlen wie an allen Parlamentswahlen für die sozial- demokratie in erster Linie die Entfaltung der Agitation zur Auf- klärung der Massen steht, mutz ohne Rücksicht auf etwaige materielle Erfolge überall dort in die Wahl eingetreten werden, wo überhaupt die Aufstellung socialdemokratischcr Wahlmannskandidaten möglich ist. DaS gilt im besonderen auch für einzelne vorgeschrittene Orte solcher Wahlkreise, in denen ,m allgemeinen an die Aufstellung social- demokratischer Wahlmänner nicht gedacht werden kann.— Kommt es Landtagswahlen wie in allen Parlamentswahlen für die Social- kratcn liberaler Kandidaten solchen andrer Parteien gegenüber stehen. so wird im allgemeinen für den liberalen Kandidaten zu stimmen sein.— Nach den UrWahlen treten sofort Vertreter der beteiligten Wahlkreise zu einer Konferenz zusammen, um gemeinsam über die dem Centralwahlkomitee zu unterbreitenden Vorschläge für unser Verhalten bei der Abgeordnetenwahl zu beraten. Jedenfalls sind in allen Wahlkreisen, in denen sich unsre Partei an den Wahlen be- tciligt, schon vor den Urwahlen so viel Abgeordneten-Kandidaten aufzustellen, wie in dem Wahlkreise Abgeordnete zu wählen sind.— Zur Vorbereitung der Wahlen ist sofort mit der Feststellung zu bc- ginnen, an welchen Orten und ,n welchen UrWahlbezirken social- demokratische Wahlmannskandidaten aufgestellt werden können, und es ist die Aufstellung der Kandidaten zu vollziehen. Ferner ist über- all bei den Gemeindebehörden darauf zu dringen, daß die Urwahl- bczirkseinteilung möglichst schnell veröffentlicht und der Beginn der Urwahlen auf nachmittags, etwa 5 Uhr festgesetzt wird." Partei-I�admckten. Die vermutlich letzten Gratulanten zum Wahlsieg der deutschen Socialdemokratie find die Genossen von Auckland(Neuseeland). Ihr Gratulationsschreiben ist datiert vom 9. Juli. Erst zu dieser Zeit haben sie genaueres über die Wahlen erfahren. Sehr begreiflich: den halben Weltball haben die Nachrichten zu ihnen durchreisen müssen und den halben Wettball mußte denn auch ihre Gratulation an das deutsche Proletariat umwandern.— Eine treffliche Illustration zu der Thatsache, daß in der That schon heute die Idee des SocialismuS zu einer weltumspannenden sich ausgewachsen hat. polizeiliches, Sericbtlicbes ulw. — Die Staatsanwaltschaft in Kassel nimmt sich des angeblich in einem Flugblatt beleidigten Herrn Liebermann v. Sonnen- b e r g recht kräftig an, ohne daß sie erst von dem Herrn Justiz- minister dazu gezwungen werden muß. Am Montagmorgen um 7 Uhr fanden be, dem Genossen Garbe in Kassel, in der Buch- druckerei Gutcnberg sowie bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern des socialdemokratischen Vereins und bei den Mitgliedern der Agitations- konimission für dieProvinz Haussuchungen statt. Mtgenommen wurde bei den, Genossen Garbe ein Flugblatt sowie das neueste Heft von E.Bernstein „Die Dokumente des SocialismuS". Man suchte angeblich nach dem Manuskript des Flugblattes gegen Herrn L i e b e r m a n'n, das naturlich nicht mehr vorhanden ist, weil es nach der Drucklegung seinen Zweck er- füllt hat. Das„Volksblatt für Hessen" sagt über das so eiftig verfolgte Flugblatt: „Wer das letzte Flugblatt des nationalen Wahlverbandes hier in Kassel, dessen Verfasser, wie uns bestimmt versichert wurde, Liebermann gewesen ist, gelesen hat, der wird zugeben, daß die Antwort, die darauf erteilt ist, eigentlich einem Liebermann gegenüber noch gar nicht scharf genug war.— Wir werden den Inhalt des Flugblattes des nationalen Wahlverbandes in der öffentlichen Gerichtsverhandlung einer Besprechung umerziehen, in welcher wir den Beweis er- bringen, was eigentlich im öffentlichen Interesse geschehen müßte, und was nicht geschehen ist." Wenn die Sache s o liegt, sollten die Kasseler Genossen dem eiftigen Staatsanwalt doch das Flugblatt, auf das sie ge- antwortet haben, einschicken mit dem Antrage, im öffentlichen Interesse auch Anklage gegen ihre Gegner zu erheben. Es giebt ja gar keine bessere Gelegenheit für sie, zu beweisen, daß die Kasseler Staatsanwaltschaft objektiv genug ist, nicht nur für, sondern auch gegen einen Liebermann. seinen Drucker- und sonstigen Anhang das öffentliche Interesse zu wahren. W i r wenigstens zweifeln bis zum Beweise des Gegenteils nicht daran. Ge�erksckaMiebes. Berlin und QmgegeneU Und wieder die Firma SiemenS-Schuckert. Mehrere Zuschriften an den Metallarbciter-Verband von Arbeitern des Sien, ensschen Kabelwerkes, die an den B l e i p r e s s e n und in der Blei- schmelze beschäftigt sind, werfen auf die unter der Maske „traditioneller" Ärbeiterfreundlichkeit beliebten Ausbeutungspraktiken der Weltfirma mit einem Male ein derartig grelles Schlaglicht, wie es selbst der mißtrauischste Arbeiter wohl kann, für möglich gehalten hätte. Die Bleipresse ist gewissermaßen die Strafabteilung des Werkes. Hier werden die mißliebigen Arbeiter hinversetzt, sei es, daß sie sich wirklich irgend etwas haben zu Schulden kommen lassen, oder sei es nur, daß sie sich bei einem Ingenieur oder Meister unbeliebt gemacht haben. An den Pressen, speciell an den Warmblei- presse», herrscht infolge der durchaus ungenügenden Ventilation eine kau», zu atmende Luft. Dazu kommt die Hitze von dem Dampf und den Schmelzpfannen; der Blei-, Kohlen-, Talkum- und Gummistaub, die schmierigen von Masse starrenden Geräte und Werkzeuge. Alles was abgekühlt ist, bleibt an den Händen kleben und umgekehrt kleben die Hände an allem, was heiß ist. Der Staub lagert sich fest auf der Haut und erzeugt ein widerwärtig brennendes Jucken. Da die Firma nur eine Viertelstunde Frühstück und Vesper giebt, so hat kein Mensch Zeit, nach dem Waschraum im Keller zu gehen und sich zu reinigen. So reibtj denn alles nach dem Pfeifen die Hände mit Oel ab, und dann wird drauf los gefüttert. Ein Waschen vor dem Pfeifen wird mit Entlassung geahndet. Uebrigens fehlt es in der Wascheinrichtung an wannem Wasser; mit kaltem Wasser aber läßt sich der Bleischmutz nicht entfernen. Eine B a d e e i n r i ch t u n g, die so nötig wäre, den Körper von Staub und Schmiere zu reinigen, giebt es hier überhaupt nicht. Ebenfalls bekommen die Arbeiter in dem Blciwerk auch keine Milch, obwohl solche vorgeschrieben ist. Die Arbeitszeit war bis vor kurzem eine unbegrenzte, einige Wochen vor Pfingsten mußte täglich 14, 15, ja mittmter sogar 18 Stunden gearbeitet werden; jetzt ist Schichtwechsel eingeführt von bei Tage 11 und bei Nacht 12 Stunden Arbeit. Der Lohn differiert zwischen 29 und 41 Pf. pro Stunde je nach der Länge der„Dienstjahre". Alle vier Wochen hat dann jeder das„Glück", Feuermann an der Bleischmelze zu sein, wofür er eine Feuerungszulage von 3 Pf. pro Stunde erhält, jedoch hat er dafür auch bis zu 110 Mulden Blei, das sind ca. 130 Centner, sieben Treppenstufen hoch zu tragen. Bei einer derartigen Arbeit ist eS denn kein Wunder, daß es in dieser Abteilung so viel Kranke giebt. Es ist aber auch kein Wunder, daß die Arbeiter das Bleiwerk allgemein mit dem Namen„Siemen ssches Sibirien" belegt haben. Anläßlich des neulichen Schlosserstteiks mag die Direktton sich wohl endlich einmal an die in diesem Sibirien schmachtenden Leute erinnert haben, denn danials bekamen die Arbeiter ganz unerwartet eine Gratifikation von 2,50 bis 5 M. pro Mann ausgezahlt— eS hieß, das seien Blciprozente I Ferner ist den Arbeitern für Ueberstunden ein Lohnzuschlag von 20 Pf. wie den streikenden Schlossern versprochen worden. In den übrigen Ab- teilungen des Kabelwerks sind die Löhne ebenfalls ungemein niedrig. Die Arbeiterinnen iverdcn mit einem Anfangs-Stnndeillohn von 18 Pf. eingestellt, sie erreichen höchstens 24 Pf., das heißt nach Jahren. Jugendliche Arbeiter erhalten bis zum Alter von 22 Jahren 13, 22 und 25 Pf., Leute von 23 bis zu 28 Jahren 26—30 Pf. Arbeiter mit einem„Dienstalter" von 9 Jahren bekommen 34. von 10 Jahren 37. von 12 Jahren 38 Pf. In einem Falle hatte es ein Arbeiter nach 25jähriger Thättgkeit in dem Betriebe auf ganze 42 Pf. Stundenlohn gebracht. So also sieht es in dem Betriebe der so viel gerühmten Siemens- Werke aus. ES erscheint fast unerklärlich, wie die Direktion es nur fertig bringen konnte, die Arbeiter derarttg einzulullen, daß sie sich gegen solche Zustände nicht schon längst energisch aufgelehnt haben. Nun, der Metallarbeiter- Verband dürfte das Versäumte jetzt bald mit gewohnter Gründlichkeit nachholen. Fliescnlegcr-Sttcik. In der Versammlung am Montagabend wurde festgestellt, daß der Beschluß vom Freitag,„im Fall der Nicht- bewilliaung, am Montag die Arbeit ruhen zu lassen bei den in Frage kommenden drei Firmen",� nicht den davon erwarteten Erfolg gehabt hat. Bei der Firma Rosenfeld u. Co.. die einige 60 Arbeiter beschäftigen soll, sind nur 15 in den Ausstand getreten, während die Arbeiter der Firma Villeroh u. Bode erklärt haben, der Beschluß sei für sie eine unbillige Forderung— daselbst arbeiten zum großen Teil Mitglieder der„Freien Vereinigung"— sie könnten den Tarif nicht brechen; hier sind zehn Arbeiter in den Ausstand getreten. Aehnlich liegen die Ver- Hältnisse bei der dritten Firma Ernst Ende. Gegenüber dem Vorwurf, daß sich„Arbeitswillige" der„Freien Vereinigung" gefunden haben, giebt der Vorstand dieser Organisation, Rätz, die Erklärung ab, daß ihm davon bisher nichts bekannt geworden sei; er werde die vorgebrachten Fälle untersuchen und gegebenenfalls, soweit es in seiner Macht liege, Remedur eintreten lassen. Im übrigen wiederhole er, daß die Mitglieder seiner Vereinigung den Streikenden nicht in den Rücken fallen würden bezw. Arbeiten, die die Stteikcnden verlassen haben, nicht fertigstellen werden, jedoch werde er den Vertrag mit den Arbeitgebern nicht brechen. Die Streikleittmg erklärt zum Schluß, die Lohn- bewegung verlaufe trotzdem nicht ungünstig, da nicht allein die große Majorität der Firmen die Forderungen anerkannt habe und die Mehrzahl der Leger zu den neuen Bedingungen arbeite, tü würden auch fortwährend Arbeitnehmer gesucht— sechs Unter» nehmer hätten sich dieserhalb bereits schriftlich an die Organisatton gewandt—, so daß alle Streikenden immer gleich wieder untergebracht werden könnten. Angesichts dieser Thatsache nehmen die Versammelten einstimmig folgende Erklärung an:„Der Beschluß vom Freitag wird aufrecht erhalten; die Arbeiter obiger drei Firmen haben die Arbeit niederzulegen." Die Lohnbewegung der Glaser nimmt einen ziemlich günsttgen Verlauf. In der Versammlung, die am Montag im Gelverkschafts« Hause tagte, konnte nach den eingegangenen Fragebogen festgestellt werden, daß der am 1. August in Kraft gettetene Tarif im allgemeinen, wenigstens in den Geschäften, Ivo organisierte Glaser in Betracht kommen. Anerkennung gefunden hat. Aus diesem Grunde ist die Zahl der Streikenden auch eine gering«. Unter- schriftlich bewilligt haben noch Gersdorff, Pallasstraße, und Kirchmeyer, Friedrichsfelde, so daß über diese Geschäfte die Sperre aufgehoben ist.— Gesperrt sind nunmehr noch folgende Firmen: Jachmann, Jnvalidensttaße; Berliner Spiegelglas- Verkaufscomptoir; Hartmann, A�l t u. C o., Burgstraße; N e u m a n'n, Rummelsburg; Metz- dorf, Reinickendorferstraße; G o st u. C o., Bilderrahmenfabrik, Kurfürstensttaße; Rothe. PallaSstraße; A ß m u s, Moritzstraße; Fischer, Maaßenstraße; Mutz, Äntonstraße; E. Teil, Stolzische- straße; Scheltzki, Elsasserstraße, und Scheltzkijun. in Friedrichs- berg.— S t a m p e h l, Brunnenstraße, hat zwar mündlich, aber noch nicht unterschriftlich die Forderungen anerkannt. Wie berichtet wurde, hat der Staffeltarif, wonach ver- schicdene Lohnklassen zulässig sind, zu verschiedenen Differenzen geführt, indem mehrere Unternehmer zwar die tarifmäßige Lohn- erhöhung zugestanden, aber verschiedentlich für einen Teil der Arbeiter nur die zweite Stufe des Tarifs in Anrechnung gebracht haben. Für diese Woche wird ebenfalls noch 1 M. Extrabeitrag erhoben.— Die Bauarbeiter aller Brancheu sollen ersucht werden, über die auf den Bausen beschäftigten Glaser eine strenge Kontrolle zu üben und namentlich auch darauf zu achten, ob dieselben ihren Verpflichtungen nachgekommen sind. Die Nadler, Drahtspinner und Lackierer machen erneut darauf aufmerksam, daß der Betrieb derFirmaSchulz, Hasenheide, Eisenmöbel-Fabrik, nach wie vor fiir sämtliche Metallarbeiter g e- sperrt ist. Der Kampf um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen bei dieser Firma soll jetzt nach 13 wöchiger Dauer des Streiks mit vermehrter Energie geführt werden, weil dort gegenwärttg die gute Geschäftsperiode einsetzt, in der die Arbeit drängt. Bislang ist es Herrn Schulz noch innner nicht gelungen, eine genügende Zahl brauchbarer Arbeitskräfte zu bekommen, obwohl er selbst nicht die Mühe scheut, Arbeitsuchende persönlich auf der Straße an- zusprechen, um sie in seinen Betrieb hineinzulotsen. Bei energisch durchgeführter Sperre dürfte also schließlich sehr Wohl aus einen Er- folg zu rechnen sein. Die Feilenfabrik von Schaaf in Charlottenburg sucht durch Inserate in der auswärtigen Presse Streikbrecher. Es sei aus diesem Anlaß darauf hingewiesen, daß Feilenhauer Berlin und Umgegend wegen des derzeitigen Streiks unter allen Umständen meiden mögen. Ocutkches Reich. Schneider-AuSsperrung in Wilhelmshaven. In Wilhelmshaven- Bant gelang es im Frühjahr den Schneidern, den Unternehmern ohne besondre Ansttengungen eine Anzahl von Zugeständnissen ab- zuringen. Man war sofort der Ueberzeugung, daß dies nur der günstigen Konjunktur zu danken sei und daß die Unternehmer bald einen Anlaß fuchen würden, das Errungene illusorisch zu machen. So kam es auch. Durch den Tarif war die Heimarbeit aus» geschlossen. Als nun eine Firma gegen diese Bestimmung verstieß. verhängten die Gehilfen über die Firma die Sperre und stellten die Arbeitervermittelung für dieselbe ein. Nun rührten sich die Unternehmer und verlangten die Schaffung eines paritätischen Arbeitsnachweises an Stelle des Gchilfcnnachweises, ohne über die gelvünschte Form desselben sich genauer auszu» lassen. Die Angelegenheit geriet aber ins Stocken, bis am 11. Juli der Arbeitgeber-Verband den Tarif und einer Anzahl Ge- Hilfen zum 25. Juli kündigte. Den übrigen Gehilfen wurde acht Tage später gekündigt. Als Grund wurde die Forderung einer Aenderung des Arbeitsnachweises angegeben, aber irgendwelche Vor- schlüge auch jetzt nicht gemacht. Man beschränkte sich auf die Mit- teilung, daß man drei Mitglieder zn den Verhandlungen mit den Gehilsen gewählt hätte.' Auf zwei Anschreiben seitens der Gehilfen antworteten die Arbeitgeber am 18. Juli mit dem Ersuchen. schleunigst drei Mitglieder zu den Verhandlungen zu ernennen. Dem Schreiben lag nunmehr ein Entwurf zn einem Arbeitsnachweis» statut ber, der aber für die Arbeiter unannehmbar war. So ver» pflichtete der Entwurf nur die Arbeiter, den Nachweis zu benutzen. ließ es aber den Unternehmern ftei, ob sie den Nachweis benutzen wollten oder nicht. Sogar anderwärts können diese sich Arbeiter beschaffen und haben dann nur eine Pflicht zur Anmeldung auf den Nachweis. Außerdem war ein Vormerkungsrecht vorgesehen. nach dem ein Unternehmer bestimmte Arbeiter verlangen konnte, wenn diese arbettslos würden, ohne daß in solchen Fällen die Reihenfolge der Arbeitslosen innegehalten lvar. Sich auf ein Statut mit diesen und ähnlichen Einrichtungen festzulegen, lehnten die Ge- Hilfen ab und so kam es dann, daß schließlich beide Teile zur Schlichtung des Streites das Einigungsamt anriefen. Bor dem Schiedsgericht wurde dann ein Arbeitsvertrag sowie ein Statut für den Arbeitsnachweis vorgeschlagen, die beide die Anerkennung der Gehilfen fanden, von den Unternehmern aber ein» stimmig abgelehnt wurdenl Am Sonnabend endlich haben die Herren nun gezeigt, auf was es ihnen in Wirklichkeit ankommt. Sie haben den Arbeitern einen neuen Tarif vorgelegt, durch welchen den Arbeitern das im Frühjahr Errungene glattweg genommen werden soll. An Stelle de» Wochenlohnes von 24 M. soll ein T a g e l o h n von 4 M. treten, wodurch den Arbeitern nicht nur der Lohn für die Feiertage entgeht. sondern man sie auch durch„Aussetzen" in der stillen Zeit auf halbe Ration setzen kann. Dann soll die Hausarbeit wieder eingeführt werden und die Lohnzahlung, die bisher am Freitag stattfand, soll in das Belieben eines jeden Arbeitgebers gestellt werden. Von einem „paritätischen" Arbeitsnachweis ist keine Rede; eS heißt ganz einfach: Die Arbeitsvermittlung regelt unser Nachweis. Die Versammlung der Schneider hat einstimmig diesen Eni- Wurf abgelehnt und sich auf den Boden des Schiedsspruches gestellt, den das Einigungsamt abgegeben hatte. Zuzug von Schneidern nach Wilhelmshaven- Bant ist fern zu halten I______ Der Prozeß Humbert. 2. Berhandlungstag. Paris. 10. August. Der Andrang zu dem heuttgen zweiten Verhandlungstage gegen die Humberts war fast noch gewaltiger als am Samstag. Hatte doch Therese feierlich versprochen:„Ja, am Montag da werde ich reden, vorausgesetzt, daß ich gut disponiert bin". Und es giebt immer noch Leute, die den Worten der braven Komödiantin, die ihre Rolle bis zum Schlüsse ausspielen will, Glauben schenken. Frau Therese ist in der That heute gut disponiert. So sagt sie wenigstens, als sie gleich zu Beginn der Sitzung den Präsidenten um Wiederaufnahme ihrer Vernehmung bittet. Doch so galant und entgegenkommend Herr Bonnet sonst ist, er weist Frau Therese zur Ruhe, bis er sie fragen wird, und setzt die Vernehmung Frederic Humberts über die Rente Viagere und die Erwerbung der zahlreichen Schlösser und Immobilien fort. Der Gatte Theresens ist wieder in seine all- gewöhnliche, vorsichtige, lauernde Haltung, die er meist einzunehmen für gut befindet, zurückgefallen. Aufmerksam folgt er den Fragen des Präfidenten und es ist eigenartig mit anzusehen, wie dieser fast stumpfsinnig ausschauende große hagere Mann, der weit älter er- scheint, als er thatsächlich ist, mit unglaublicher Schnelligkeit sich in jede neue Situation hineindenkt und immer wieder ein Hinterthürchen findet, bis er schließlich doch durch die geschickten Fragestellungen des Präsidenten gefangen wird, zum Mißvergnügen von Frau Therese, die wiederholt energisch auf die Barre der Anklagebank schlägt und durchs unwillige Ausrufe ihrer Unzufriedenheit Ausdruck giebt. Frederic muß schließlich zugestehen, daß er es thatsächlich war, der die gefälschten Protokolle über niemals stattgehabte Sitzungen der Aktionäre und des Aufsichtsrats der Rente Viagere abgefaßt hat, auch daß er seiner Gattin bei einer imaginären Buchführung„ge- Holsen" hat, daß er,„um ungestört malen und dichten zu könne n". eine zweite Wohnung unter falschem Namen gehabt hat. Frederic erklärt, daß kein Mensch einen einzigen Centime verlieren werde, und daß das Gericht einen unverantwortlichen Leichtsinn gezeigt habe, als es die Gründer einer so einträglichen Gründung wie die Rente Viagere eingesteckt habe.„Allerdings," so ruft er pathetisch aus,„haben wir viel Geld, Millionen, hincinge- steckt." Der Präsident weiß nun alles, was er im Augenblick von jenem wissen will, seine Vernehmung ist zu Ende. Romain Taurignac, der Bruder der„großen" Therese, tritt auf die Scenc. Während seiner Vernehmung glaubt man sich wirklich in ein Posientheater versetzt, denn es ist geradezu haarsträubend, wie dieser Mann es wagt, vor Gericht zu sprechen. Zunächst versucht er ganz ernsthaft, für die verschiedenen Zeiten, in denen er nach Angabe der Anklageschrift sich bei der Post die unter H. C. für Henri Crawford bestimmten Briefe abgeholt haben soll. Alibibeweise anzutreten. Er behauptet, zu diesen Zeiten fast immer bei seiner Geliebten, Mme. Delance, ge- Wesen zu sein. Als ihm der Präsident vorwarf, daß er gleichzeitig für mehrere Frauen große Ausgaben gemacht habe, da ruft Herr Romain mit wohlgefälligem Lächeln in den Saal:„Wer von Ihnen, meine Herren, hätte wohl keine Maitreffel Frauen muß man haben, denn sie machen erst das Leben lebenswert, und ich frage ernstlich alle Männer, die hier sind, ob sie im Leben nicht auch vier, fünf Frauen gehabt haben, die Ihnen nahe gestanden!" Der ganze Saal ist in Heiterkeit, der Vorsitzende, die Verteidiger, ja selbst die Geschworenen, die sonst eine sehr würdevolle Haltung ein- nehmen, schmunzeln vergnügt, und selbst Frau Therese bricht in helles Lachen aus. Das positive Ergebnis der Vernehmung Romain Daurignacs ist, daß er bestreitet, jemals auf der Post die für die Crawfords be- stimmten Briefe abgeholt zu haben, trotzdem in der Voruntersuchung die Postbeamten erklärten, sie könnten sich nicht irren und Romain sei mit dem Abholer der Crawford Briefe identisch. Ferner stellt der Präsident unter fortdauernder Heiterkeit des Publikums fest, daß Romain ein besonderes Faible für die Schauspielerkunst hatte und sich selbst nicht scheute, verkleidet mit seiner Geliebten auf einen Ball der großen Oper zu gehen.„Und wie Sie da gewandt und sicher sich in die Rolle eines Bojaren hineinfanden," giebt der findige Präsident seine, Romain sogar in Verlegenheit bringende Schluß- folgerung ab,„so haben Sie sich auch mit gleicher Sicherheit in die Rölle des wackeren Crawford hineingespielt, und sie getreulich bis zu Ende durchgeführt." Nun giebt der Präsident das Stichwort zum Auftreten von Emile Daurignac. Mit einem Schlage ist die heitere Stimmung hinweggeweht, denn Emile ist weit ernster und gewiegter als sein Bruder, und weicht mit unglaublicher Geschicklichkeit allen verfänglichen Fragen aus. Er will niemals einen Zweifel gehabt haben, daß die Crawford-Geschichte in schönster Ordnung war. Selbstverständlich stellt er demzufolge auch in Abrede, jemals sich für einen der Crawfords ausgegeben zu haben. Er sagt: Was Therese und Frederic getrieben haben, weiß ich nicht. Ich glaube, jedenfalls nichts Unrechtes. Jch� aber habe immer nn guten Glauben an die Rechtmäßigkeit meiner nächsten Anverwandten gehandelt. Präsident Bonnet hat anscheinend noch eine Frage an Emile zu stellen, da plötzlich wendet er sich mit schneller Wendung zu der völlig unvorbereiteten Therese und ruft ihr mit erhobener Stimme zu: „Wo sind die Crawfords? Wo sind die Millionen? Wo liegt Schloß Marcotte?— Nun können S i e reden. Nun machen Sie Jhre Ent- hüllungen, die Sie uns versprachen." Therese ist wie aus den Wolken gefallen; dieser unerwartete, überaus geschickte Angriff hat sie um ihre mühsam bewahrte Haltung gebracht. Verwirrt stammelt sie einige Worte, die niemand im Saale versteht. Die Spannung ist aufs höchste gestiegen. Da Plötz- lich, sie weiß sich nicht anders zu helfen— winkt sie dem Gerichts- arzt, der in ihrer Nähe steht, und ruft mit ängstlicher, unsicherer Stimme statt jeder Antwort dem Präsidenten zu:„Ich kann nicht mehr, nur eine kleine Pause, dann werde ich alles sagen." Der Präsident thut ihr den Gefallen, er hat erreicht, was er wollte. Es tritt eine halbstündige Pause ein. Man bringt den Angeklagten eine kleine Erfrischung. Die Pause ist beendet und Frau Therese erhebt sich schwer- fällig, um dem Präsidenten ihre Antwort zu geben. Erst inhalts- leere Phrasen, Gerede ohne Sinn, dann plötzlich das überraschende Geständnis: „Die Crawfords heißen nicht Crawford." Ein angenommener Name nur ist es, weiter nichts. Sie habe nicht nur die Welt damit betrogen, sondern auch ihren Mann, ihre Familie. Aber die Crawfords werden kommen, nein jene andren und die Millionen werden kommen, und wenn sie nicht kommen bis zum Ende des Prozesses, dann wird sie alles sagen, eher nicht, erst müssen die Zeugen alles gesagt haben, das will sie hören, und auch den Staatsanwalt. Dann erst will sie alle Lügen- (jebilde zerstören. Der Zwischenfall ist beendet. Ucber den Zuhörern liegt eine beklemmende Spannung, die sich bei den nun folgenden ersten Zeugenaussagen nicht lösen will. Sie sind auch gar zu belanglos. Die Zeugen, einige Frauen aus Toulouse, erklären, wie die Humberts auf große Rententitel hin sich bedeutende Darlehen verschafft haben. Ein Advokat, Camp aus Narbonne, sagt aus, daß er selbst feinen Klienten geraten habe, den Humberts Darlehen zu geben, da diese ihm ebenfalls große Rententitel gezeigt hätten. Diese Rententitel seien aber gefälscht gewesen, denn der Präsident stellt schließlich fest, daß einer der Rententitel, der 40 000 Fr. betrug, ursprünglich nur auf 4 Fr. ge- lautet habe. Frau Humbert giebt die Möglichkeit zwar zu, be- hauptet aber, daß der frühere Advokat Amigue diese Fälschungen begangen habe. Thatsächlich ist dieser Amigue auch schon wegen ähnlicher Fälschungen bestraft. Advokat Ahme wird über das gerichtliche Verfahren gegen die Crawfords gehört. Ein kleines Scharmützel zwischen dem über Er- warten ruhigen Labori und dem Präsidenten über das Laden einiger weiterer Zeugen— dann ist auch die zweite Sitzung des Humbert- Prozesses geschlossen. Das Gesamtergebnis: Der offensichtliche Zusammensturz deS Crawford- Märchens. PraiS, 11. August.(W. T. B.) Prozeß Humbert. Die Sitzung wird um Mittag eröffnet. De» Anwalt Parmentier setzt das Ver- fahren in den mit den Crawfords zusammenhängenden Angelegen- heiten auseinander: er habe die Crawfords verschiedene Male gesehen; die Daurignacs hätten keineswegs deren Rolle gespielt. Im weiteren Verlauf des Verhörs des Anwalts Parmentier wurde festgestellt, daß dieser in der That die Crawfords persönlich nicht gesehen hat. Parmentier beteuert aber seinen guten Glauben und versichert, er habe ebenso wie alle Welt an das Vorhandensein der Crawfords geglaubt, obwohl er mit ihnen nur auf dem Wege des „Poste restante"-Verkehrs in Verbindung gewesen sei. Der Anwalt der Crawfords, Auzour, sagt aus, daß diese ihm eine Abschrift der strittigen Testamente übermittelten und giebt dann Einzelheiten über die auf richterliche Entscheidung bewirkte Oeffnung des Geldschranks. Er wird mehrmals durch Therese Humbert unter- brachen. Nach kurzer Unterbrechung der Sitzung Berichtet der Anlvalt Labat, daß Therese Humbert dem Liquidator der Girardschen Bank 5 Millionen Frank und andren Gläubigern 4 Millionen Frank zurück- erstattet habe. Labat erklärt, daß er nur Frederic Humbert etwa zehnmal gesehen habe. Nachdem Rechtsanwalt Labat geendet, erhebt zunächst FrZdäric Humbert und dann auch Frau Humbert heftige Angriffe gegen den Minister Balls, dessen Erscheinen als Zeuge fie verlangen. Der Präsident erklärt, die Leere des Geldschrankes rechtfertige das gerichtliche Verfahren. Labori führt aus, die Behörden hätten die Angeschuldigten abreisen lassen. Der ftühere Ministerpräsident Waldeck-Rousseau habe ihre Abreise durch Unthätigkeit begünstigt. Auf die Einwendungen des Vorsitzenden erklärt Labori mit lauter Stimme:„Ich werde den Gerichten beweisen, daß einige Monate vor der Verhaftung der Humberts in Madrid der frühere französische Botschafter am spanischen Hofe Patenötre, der behauptet, von der Anwesenheit der Humberts nichts gewußt zu haben, beinahe die Marie Dauvignac geheiratet hatte." Nachdem dann noch zwei weitere Zeugen ihre Aussagen gemacht haben, wird die Sitzung geschlossen. Hus Induftrie und F)andeU Neue Berliner Stndtanlcihe. Von einem hiesigen Blatt wurde kürzlich berichtet, daß die wegen Begebung eines größeren Teils der neuen Berliner Stadtanleihe mit einem Konsortium geführten Ver- Handlungen nunmehr soweit gediehen wären, daß eine Emission des übernommenen Betrages in nächster Zeit in Aussicht steht. Wie dem „Verl. Tageblatt" mitgeteilt wird, ist diese Nachricht unzutreffend. Die neue, von der Stadtverordneten- Versammlung genehmigte Berliner Stadtanleihe hat die erforderliche Genehmigung der Auf- sichtsbehörde noch nicht erlangt. Bevor diese nicht vorliegt, könne an eine Emission nicht gedacht werden. Schweißstnbeiscn-Walzwcrke. Wie die„Kölnische Zeitung" er- fährt, wurde in der heutigen in Düsseldorf abgehaltenen Versammlung der Bereinigung der Rheinisch-Westfälischen Schweißstabeisen- Walzwerke festgestellt, daß sich die Bethätigung im allgemeinen ge- bessert hat. Es wurde beschlossen, an dem bisherigen Mindestpfund- preise von 120 M. für Handelsersen und 130 M. für Nieteisen fest- zuhalten. Es sollen Verhandlungen eingeleitet werden, um die aufgelöste Vereinigung der Flutzstabeisen-Walzwerke wieder auf- zurichten. Betrügereien infolge der Preispolitik der Kartelle werden bekannt- lich geradezu dadurch provoziert, daß die Kartelle ihre Preise für das Ausland billiger als für das Inland stellen. Die Kompliziertheit der modernen kapitalistischen Volkswirtschaft begünstigt solche Betrügereien insofern, als der verzweigte Zwischenhandel zwischen Kartell und Kon- sument den Weg, den das Produkt nimmt, außerordentlich verschleiert. Daher kommt es denn, daß solche Betrügereien verhältnismäßig selten aufgedeckt werden, und daß, wenn ein solcher Fall doch eintritt, das Geschrei desto größer ist: natürlich nicht über den wirklichen Urheber solcher Betrügereien, die Preispolitik der Kartelle, sondern über den Händler, der sich lediglich diese Preispolitik zu Nutze macht. So gebt jetzt wieder ein großer Sturm durch den kapitalistischen Blätterwald, weil ein galizischer Händler einen größeren Abschluß auf Walzeisen mit dem oberschlesischen Walziverks- Verband zum Export zu herabgesetzten Auslandspreisen gemacht hatte, das Walzeffen aber in Myslowitz umladen und nach Kattowitz behufs Verkaufs auf dem Jnlandmarkt hatte zurück- senden lassen. Nach bürgerlichen Blättern erregt dieser„Betrug" in Schlesien„großes Aufsehen", obwohl er doch, zu den natürlichsten Folgen der Kartellpreispolitik gehört und, wie gesagt, durch diese geradezu provoziert wird. ErSffnnng der Dampffähre Warnemünde— Gjedser. Nach einer qn die Handelskammer gerichteten Mitteilung der Grotzherzoglichen General-Eisenbahndirektion zu Schwerin in Mecklenburg wird am 1. Oktober d. I. zwischen Warnemünde und Gjedser eine von den Mecklenburgischen und Dänischen Staatseisenbahncn betriebene Dampffähr-Verbindung eröffnet werden, die den direften Wagen- durchgang von und nach Dänemark, Schweden und Norwegen ge- stattet. Die Einrichtung führt gegenüber der bereits bestehenden Fährvcrbindung über Vamdrrtp-Friedericia-Körsör eine beträchtliche Wegeabkürzung herbei; so wird z. B. der direkte Schienenweg Berlin— Kopenhagen um über 300 Tarifkilometer abgekürzt. Die neue Strecke wird mit dem Tage der Betriebseröfsnung in den Teutfch-Dänischen Berbandstarif imd demnächst auch in den Deutsch-Schwedischen und Deutsch-Ztorwegischen Gütertarif einbezogen werden; es wird dadurch eine wesentliche Vcrbilligung der zur Zeit geltenden direkten Güter- tarife eintreten. Uebcr die voraussichtliche Höhe der künstigen Fracht- sätze erteilt das Verkchrsbureau der Handelskammer nähere Auskunft. Eisenbahnfracht-Ermäßigungen für Zuckerrüben auf östreichi- scheu Bahnen. In einer gestern in Wien im Eisenbahn-Ministerium mit Vertretern der Privatbahn-Verwaltungen sowie mit jenen des böhmisch-galizischen Landesausschusses abgehaltenen Konferenz teilte Ministerialrat von Buschmann mit, das Eisenbahn-Ministerium habe für Zuckerrüben die Anwendung des Ausnahmetarifes 2 an Stelle des Ausnahmetarifes 1 in Erwägung gezogen sowie niedrigere Frachtsätze für Rübenschnitzel und andre verwandte Produkte. Der Vertreter der Südbahn erklärte, da die Südbahn den Zucker sowohl im internen Verkehr als auch im Export bereits wesentlich billiger verftachte als die deutschen Eisenbahnen, könne er die Herabsetzung der Frachtsätze nicht zugestehen. Auch die übrigen Vertreter der Privatbahnen verhielten sich ablehnend gegen- über den Forderungen der Zuckerindustriellen, welche sie als un- berechtigt bezeichneten, zumal es noch fraglich sei, ob die Brüsseler Konvention so nachteilig wirken werde, wie die Industriellen be- haupteten. Der Vertreter des böhmischen Landesausschusscs«r- klärte sich gegen eine generelle Tarifermäßigung der auf dem Staäts- betrieb stehenden böhmischen Lokalbahnen, während der Vertreter des galizischen Landesausschusses den Tarifermätzigungen zu- stimmte. Angesichts der Haltung der Privatbahn-Verwaltungen be- merkte Frhr. v. Buschmann, daß das Eisenbahn-Ministerium nunmehr sich die weiteren Entschließungen vorbehalten müsse.— Sociales. An die bmigewerblichen Arbeiter Deutschlands! Arbeitsgenossen l Durch Beschluß des zweiten Kongresses für Bauarbeiterschutz ist der Centralkommission zu Hamburg wieder die Leitung der Agitation für den Arbeiterschutz übertragen worden. Bei der Ausübung dieser Thätigkeit ist die Centralkommission selbst- verständlich auf die regste Unterstützung der Organisationen der bau- gewerblichen Arbeiterschaft angewiesen. In diesem Sinne hat der Kongreß beschlossen: Zur Unterstützung der Centralkommission sind die örtlichen Zweigvereine s Filialen, Zahlstellen) der baugewerblichen Arbeiter verpflichtet, und sind zu diesem Zweck Lokalkommissionen für Bau- arbeiterschutz einzusetzen. Die Achtung vor unsren Beschlüssen und die immer bewährte Disziplin der organisierten Arbeiter des Baugewerbes werden dafür Sorge tragen, daß der Wille des Kongresses entgegen allen reaktionären Machenschaften zur Geltung kommt. Durch die Solidarität der baugewerblichcn BerufSarbciter sind die gesetzgcben- den Faktoren gezwungen worden, zur Frage des Bauarbeiter- schutzes Stellung zu nehmen. Was auf diesem Gebiet erreicht ist, verdient Beachtung; aber wie die Unfallstatistiken der Baugewerks- Berufsgenossenschaften der letzten Jahre zeigen, haben die Halbheiten in den Maßnahmen der Behörden in den einzelnen Orten und Bundesstaaten nicht zu dem von uns geforderten Bauarbeiterschutz geführt. Die Partikulargesetzgcbung ist bei dem großen Einfluß des Unternehmertums in den EinzeUandtagen unfähig, auf den Bauten geordnete Zustände zu schaffen. Auf dem Gehiete des Gerüstwesens beim Hoch- und Tiefbau, in Bezug auf den sanitären Schutz, be- treffend die Baubuden, Aborte, die Fenster- und Coakskorbfragc, und besonders gegen Farben-, Blei- und Metallvergiftung, zeigt sich die bisherige Gesetzgebung völlig unzulänglich. Für die baugcwerblichen Arbeiter muß deshalb nach wie vor die wichtigste Forderung sein: Erlaß eines Reichs-Bauarbeiterschutzgesetzes, worin die Re- organisation des baupolizeilichen Ueberwachungsdienstes dahingehend festgelegt wird, daß den Arbeitern für die Wahrung ihrer Jnter- essen eine gleichberechtigte Mitwirkung durch den Baukontrolleur aus den Reihen der Arbeiter gesichert ist. Der Kampf um dieses Gesetz wird die Wege ebnen für ein Reichs-Bau- und Wohnungsgesetz, und so in socialpolitischer Beziehung von scgenbringendcr Tragweite sein. Die Rechte der Arbeitervertreter bei den Bcrufsgenosscnschaften be- dürfen ebenfalls einer Erweiterung und zwar dahingehend: daß fie nicht allein auf dem engeren Gebiete der Unfallverhütung, sondern bei allen Reformen der Baugesetzgebung gutachtlich gehört werden müssen. Die Agitation für diese Forderungen tckird dazu beitragen, die strafrechtliche Mitverantwortlichkeit der Behörden für die Außer- achtlassung des Arbeiterschutzes in das rechte Licht zu rücken und ist deshalb auch mit Nachdruck für eine Reform der Strafprozeßordnung einzutreten. Um die übliche Rechtsprechung über sträfliche Vermach- lässigung des Arbeiterschutzes mehr mit dem Rcchtsbewußtsein des Volkes in Einklang zu bringen, bedarf es einer Mitwirkung der Arbeitervertreter als Sachverständige und Richter. Im weiteren ist die Beseitigung des Submissionswesens eine dringliche Forderung im Interesse des Arbeiterschutzes. Wo sich zur Zeit diese Forderung nicht realisieren läßt, muß es unsre Aufgabe sein, eine Reform dahingehend anzustreben, daß die Unternehmer durch Bestimmungen in den Lieferungsverträgen zur Durchführung der Unfallverhütungsmaßnahmen und des sanitären Schutzes und ebenfalls zur Anerkennung der Lohnklausel im Sinne der Kongreß- beschlüsse verpflichtet werden. Die Centralkommission wird ihrem Auftrage gemäß den Lokal- kommission und Vertrauenspersonen bei ihrer Thätigkeit unterstützend zur Seite stehen. Durch Kontrollen der Bauten und Statistiken über die vorgefundenen Mißstände werden wir ein reiches Material zur Begründung unsrer Forderungen und Vorschläge zusammentragen. Die Vertrauenspersonen werden es aber als ihre besondere Pflicht betrachten müssen, der Centralkommission die Arbeit dadurch zu er- leichtern, daß sie ihr alles einschlägige Material zur Kenntnisnahme einsenden. Bei einem solchen Zusammenarbeiten werden auch für die kommenden Jahre auf dem vielseitigen Gebiet des Bauarbciterschutzes die Erfolge nicht ausbleiben können. Arbeitskollegen! Vieles müssen wir im eignen und im Jnter- esse der kommenden Generation noch erreichen, große Aufgaben stehen uns bevor!— Eine gewaltige Waffe im Kampf für den Arbeiter- schütz ist die Organisation. Der Ausbau unsrer gewerkschaftlichen und politischen Organisationen ist gleichbedeutend mit der Erkenntnis und Erweiterung des Schutzbedürfnisses der baugetverblichen Arbeiter. Wenn wir stets eingedenk sind, daß die Organisation ein mächtiger Wall gegen Unternehmerwillkür und Brutalität bedeutet, dann wird es uns gelingen, auch im Baugewerbe die Profitgier und Ausbeutung zurückzudrängen und manches Arbeiterleben der Vernichtung zu ent- reißen! Nun vorwärts! Die Centralkommission für Bauarbeiterschutz zu Hamburg._ NB. Alle Briefe und Sendungen für die Centralkommission sind an G. Heinke in Hamburg-St. Georg, Brennerstraße 11. 2. Etage, zu richten._ Achtung, GewcrbcgerichtS-Beisitzrr! �Arbeitnehmer.) Am Donnerstag, den 10. Sepien, der, abends 7'/, Uhr, findet in Dresden, imGasthauS„ZumSennefelde r", K a u l- bachstraße 10, eine Konferenz der Arbeitnehmer-Beisitzer statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Berichterstattung des geschäftsführenden Ausschusses. 2. Aussprache über die Tagesordnung der Verbandsversammlung des Verbandes deutscher Gewerbegerichte. Mittags 2 Uhr desselben Tages findet im genannten Lokal eine kurze Besprechung der anwesenden Beisitzer statt. Der Centralausschuß der Gewerbegerichte Deutschlands. 1. Vorsitzender: A. Körsten. Im Dienst der Bernfsgcnossenschast! Die Vertrauensärzte der Berufsgenossenschaften haben schon manches geleistet, aber ein Stücklein, wie es jetzt der.Voltsbote". unser Stettiner Parteiblatt, mitteilt, ist uns doch noch nicht vor« gekmumen. Ein F o r st a r b e i t e r, der infolge von zwei Unfällen vollständig erwerbsunfähig war, bezog durch zwei Jahre die Voll- renke. Im Herbst 1902 sollte seine Rente herabgesetzt werden. Auf seine Berufung wurde er auf Vevantqssung des Schiedsgerichts von einem Dr. B e r n d t untersucht und in dessen Gutachten lautet der Schluß: „Außer einer geringen Schwellung und Empfindlichkeit des rechten Fußes sind also Folgen des Unfalles oder der Unfälle nicht mehr nachweisbar. Dagegen ist der Mann im Genuß seiner hohen Rente fett und bequem geworden. Es ist die höchste Zeit, daß er wieder ordentlich zu arbeiten anfängt. Mit dem Schwinden deS fanlcn Fettes werden auch die jetzt nock: vor- handenen geringen Beschwerden vergehen. Ich halte eine Ueber- gangsrente für 30 s dreißig) Prozent Erwerbsunfähigkeit für völlig ausreichend. Nach einem Jahr wird der Mann vorausficht- lich eine noch größere Arbeitsfähigkeit erlangt haben, vorausgesetzt. daß er arbeitet. gez. Dr. Bern dt." Man beachte, daß der Mann Forstarbeiter ist. Nach 8 6sn de? Unfallversicherungs-Gesetzes für land- und forstwirtschaftliche Arbeiter wird die Rente berechnet nach dem durchschnittlichen Jahresverdienst, der ohne Rücksicht auf den Jndividuallohn durch die Verwaltungsbehörde festgesetzt wird. Für den Bezirk, zu dem der betreffende Forstarbeiler gehört, ist der durchschnittliche Jahres» verdienst auf 450 M. festgesetzt, so daß die Vollrente— zwei Drittel des Lohnes— 300 M. für ein Jahr beträgt. Der unglückliche Forstarbeiter, der nach der Angabe unsres Stettiner Parteiblattes auch verheiratet ist, hat also monatlich 25 M. Rente bezogen. Man muß fast an der Zurcchnungsfähigkcit eines Arztes zweifeln, der angesichts solcher Thatsachcn schreiben kann, der Verunglückte sei im Genuß seiner hohen Rente fett und bequem geworden. Welche Entscheidung das Schiedsgericht gefällt hat, wird in dem genannten Blatte nicht mitgeteilt. Letzte JVaebnehten und Dcpcfchen. Ans dem schlesischen Notstandsgebiet. Breslau, 11. August.(W. T. B.) Der stellvertredende Oberpräsident der Provinz Schlesien macht bekmmt: Ihre Majestät die Kaiserin und Königin haben bei ihrem Scheiden aus Breslau mich allerhöchst be» aufttagt, zum Ausdruck zu bringen, wie das schwere Ueber- schwemmungsunglück und seine traurigen Folgen für viele Tausende ihrer schlesischen Untcrthanen ihre Herz mit tiefstem Mitleid erfüllt haben, wie aber anderseits ihrem Herzen zur Freude gereicht habe, daß auch in den schwerstbetroffenen Gegenden die Einwohner sie freudigst begrüßt und ihr einen begeisterten Empfang bereitet haben. Ihre Majestät lassen hierfür ihren allergnädigsten Dank sagen. Im allerhöchsten Auftrage bringe ich dies zur öffentlichen Kenntins. Der Obcrpräsident. In Vertretung: Michaelis. Bremerhaven, 11. August.(W. T. B.) Für die von der Westküste Südamerikas kommenden Schiffe hat das Quarantäncamt wegen Auftretens der Pest in Südamerika die Quarantäne angeordnet. Londou, 11. August.(W. T. B.) DaS Oberhaus hat die dritte Lesung der irischen Landbill angenommen. Petersburg, 11. August.(20. T. B.) In mehreren Ortschaften des KreiseS Klimowitschi im Gouvernement Mogilew ist eine Ruhr- e p i d e m i e aufgetreten. Im vorigen Monat sind bereits 110 TodeS» fälle vorgekommen._ V»rantwortl.Nedarteur: Julius Kaliski in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th.Glocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanftaltPaul Singer& Co.. Berlin SW. Hierzu S Beilagen n. ttnterhaltungsblatt. Nr. 186. 20. IahrMg. 1. KrilU b« Jormätle" Sttlintr UxIksdN Mitw-ch, 12. m 1903. Das Erwache» Chinas. London, S. August. Hätten wir aus der Feder eines gebildeten Chinesen eine Gc- schichte seines Vaterlandes in den letzten zehn Jahren, wir würden mit Schrecken gewahren, dah der europäische Imperialismus seit 1897 an der verbrecherischen Arbeit ist, um das geistige Erwachen und die kulturelle Verjüngung eines Viertels der Menschheit zu der- hindern. Denn nach den in den letzten Jahren aus dem fernen Osten eingetroffenen Nachrichten kann kein Zweifel mehr darüber ob- walten, daß gegenwärtig unter den gebildeten Schichten der mongolischen Nasse eine tiefe geistige Gärung vor sich geht, die von den reaktionären Elementen Chinas mit Hilfe Rußlands, Deutschlands und Frankreichs gewaltsam unterdrückt wird. Die chinesischen Reformer sind in Gefahr, das Schicksal der russischen und jungtürkischen Reformer zu teilen und im Exil oder im Gefängnis zu verderben und zu sterben. Dies ist die Bedeutung der in den letzten Tagen auS Peking und Shanghai eingetroffenen Nachrichten über Verhaftung, Hin- richtung und Flucht verschiedener chinesischer Schriftsteller und Studenten, ebenso der Nachrichten aus den Vereinigten Staaten, von wo aus die dort wohnenden chinesischen Reformer an die Völker des Westens um Hilfe appellieren. Auf feiten der Reformer stehen Japan und England. Erst vor einigen Tagen erklärte der Premierminister Mr. Balfour im Unter- hause, daß die britische Regierung beschlossen habe, die chinesischen Majestätsbeleidiger in Shanghai dem chinesischen Hofe nicht aus- zuliefern. In noch stärkerem Maße sind die Japaner für eine kulturelle Verjüngung Chinas und fiir die Aufrichtung eines fortschrittlichen gelben Reiches im fernen Osten. Wie der chinesische Korrespondent Mr. Georg Lynch im laufenden Heft der„Ninetccnth Century" schreibt, giebt es in China Beweise geimg, daß Japans Einfluß dort immer stärker wird. In den letzten drei Jahren sind viele junge Chinesen nach Japan gegangen, tun die dortigen Universitäten und Militärschulen zu besuchen. Die Japaner haben in China selbst eine Hochschule gegründet, wo nur japanstche Professoren unterrichten und Japane rhaben die Pekinger Polizei reorganisiert.sBekannt ist ferner, daß die Chinesen die fremden Arinee-Jnsttuktoren entlassen und deren Stellen an japanische Offiziere vergeben, die mit großem Eifer ihre Pflichteil erfüllen. Es sind bereits 79 solcher Offiziere in chinesischen Diensten. Auch bestellte die chinesische Regie- rung drei Kanonenboote bei japanischen Schiffbauern. Dann soll eine japanisch-chinesische Bank errichtet werden, die ähn- liche Aufgaben erfüllen soll wie die russisch-chinestsche Bank. Lynch erzählt, daß die japanischen Waren im ganzen fernen Osten an Ab- satz gewinnen. Ebenso wird Korea jopanistert; die Armee Koreas ist von der japanischen kaum zu unterscheiden. Das Erwachen Chinas zeigt sich vor allem im höheren Schul- Wesen. Vor einigen Monaten veröffentlichte die„Contemporary Review" eine Korrespondenz aus Shanghai, die darüber erschöpfende Auskunft giebt. Danach werden jetzt den chinesischen Studenten beim Staatsexamen u. a. folgende Fragen zur schriftlichen Beant- Wartung vorgelegt: In den Provinzen Kiangsu und Anhui. .1. Hat nach internationalem Recht jemand die BestlgniS, sich ff, die inneren Angelegenheiten eines ftemden Landes zu mischen? 2. Wann entstand die Goldwährung? Warum wird Gold teurer? Wer sind die Führer der Gold- und Silberwährungs- Parteien? In der Zahlung der Kriegsentschädigung macht der Preisfall des Silbers einen enormen Unterschied. Was ist das Heilmittel dagegen?" In den Provinzen Hupeh und Hunan. .1. Rußland hat eine absolute Monarchie; England eine be- schränkte; in Amerika ist das Volk souverän und wählt sich seine Herrfcher. Welche von diesen Ideen würde für China nützlich oder schädlich sein? 2. Als Japan seine Refonnen nach europäischem Muster ein- führte, da meinten manche Leute, es habe gut gethan, und andre glaubten, es habe Fehler gemacht. Setze diese Argumentation klar auseinander und zeige, was China thun sollte?" In der Provinz Thekiang. .1. Da das europäische Erziehungswesen in Griechenland ent- stand, zeige den Beginn und Fortschritt des Schulwesens im alten Griecheiilaitd. 2. Was sind die Quellen der wirtschaftlichen Blüte Europas? China ist sehr arm; waS soll es thun, um wirtschaftlich zu er- starken? 3. Da die europäischen Gesetze in Rom entstanden sind, zeige die Grundlinien ihres Anfangs und Fortschritts. Da China von der Exterritorialität leidet(d. h. da die tn China wohnenden Europäer den chinesischen Gesetzen und Gerichten nicht unterworfen sind), zeige, wie es möglich wäre, daß China wieder Herr deS Landes wird, wie es andre Völker in ihren Ländern sind. 4. Geographie und Landmessungen werden in Europa hoch- geschätzt. Infolge der großen physikalischen Verschiedenheit der Welt- teile sind auch die Sitten und Gewohnheiten verschieden. WaS soll China auS diesen Thatsachen lernen? 6. In der europäischen Naturwissenschast werden immer neue Naturgesetze entdeckt und neue Maschinen erfunden. In unsren letzten Handelsverträgen erhielten die Ausländer das Recht. Fabriken im Innern Chinas zu errichten. So verliert China wieder einen Teil des Landes. Was sollen wir thun, um dies zu vermeiden?" Ju der Provinz Schantung. .1. Die Steuern in fremden Ländern sind sehr schwer, und doch werden sie bereitwillig gezahlt. Was sind die Ursachen davon, und wie kann auch die chinesische Regierung ihre Steuerquellen aus- weiten? 2. Nach internattonalem Recht müssen Ausländer, die zeitweilig sich in unsrem Lande aufhalten, geschützt werden. Diesen Grundsatz nlüssen wir festhalten, damit die Ausländer sich beruhigt fühlen. g. Erkläre die Vorteile der Eisenbahnen für Schantung. 4. Erkläre den Nutzen der chemischen Studien auf den Ackerbau."— �. Diese merkwürdigen Fragen zeigen deutlich. wte tief die denkenden Chinesen sich mit der Krise ihres Vaterlandes beschästigen. Wie viel Geisteskraft hat es gebraucht, bis ein Orientale sich über Monarchie und Republik. Ueberlieferung und Wissenschaft, europäische Lekonomie und Kultur so klare Fragen stellen konnte? Und doch kann diese» reforniatorische Erwachen auf Jahre hinaus unterdrückt werden, wenn Ruhland und seine Gefolgichast die Oberhand in Peking behalten. So berichtet neulich eine Reuter« dcpesche aus Peking,„daß sechs chinesische Sttldenten, die in ihren Aufsätzen Refonngedanken entwickelten, vom Censor denunziert wurden, worauf die Studenten die Flucht ergriffen, da sie sich vor der Hinrichtung fürchteten; man glaubt, sie seien nach Japan ent« kommen". Es ist die Kaiserin-Witwe, die diese Reformerverfolgtmgen insceniert. Aber es ist sicher, daß die Kaiserin-Witwe nur daS Werkzeug in den Händen Rußlands ist._ Die Kreiskonferm des Kreises Potsdam-Spandau- Osthaoelland wurde am Sonntag, den 9. August, in Spandau im 5kumkeschen Lokale abgehalten. Es waren anwesend 29 Delegierte aus 19 Orten. Die MandatsprüfungS- Kommission hatte zwei Mandate beanstandet, dieselben wurden aber für gültig erklärt. Außerdem waren anwesend einige Genossen vom Spandauer Vorstand und von der Preß- kommission mit beratender Stimme, von der»Brandenburger Zeitun■" die Genossen S i d o w und Voll mann, vom sechsten Berliner Wahlkreise die Genossen F r e y t h a l e r und M a ß, und von der Agitattonskommission Genosse Di mm ick. Die Tagesordnung lautete: 1. Bericht des Kreisverttauensmannes und Berichte aus den einzelnen Orten. 2. Presse. Referent Bräuer-Velten. 3. Was lehrt uns die letzte Reichstagswahl und unsre Stellung zur LaudtagSwahl. 4. Aufstellung des LaudtagSkandidaten. S. Wahlen der Delegierten zum Parteitag und Provinzial- Parteitag sowie Wahl des Kreisvertrauensmannes. 6. Verschiedenes. Auf Anttag des Genossen Paris- Velten wird der Punft 3 Absatz 1 der Tagesordnung.WaS lehrt uns die letzte Reichstags- wähl?" gleich mit dem 1. Punkt der Tagesordnung zusammen der- handelt. Der Kreisvertrauensmann Genosse Paris- Velten gab zum 1. Punkt der Tagesordnung zunächst einen Rückblick auf das verflossene Johr, das er als ein sehr arheitsreiches bezeichnete. Die Arbeiten bei der diesmaligen ReichstagSwahl haben sich gegenüber der 98er Wahl verdoppelt und verdreifacht. Redner bemängelt dann, daß so viel Flugblätter herausgegeben und daß ein großer Teil davon über die Köpfe des Central-Wahlkomitces hinaus verbreitet wurden. Das Wahlkomitee war dadurch außer stände, den Inhalt der Flugblätter zu konttollieren. An den meisten Flugblättern sei etwas auszusetzen gewesen. Es liege dies wohl zum Teil daran, weil der Sitz des Centtal-Wahlkomitees in Velten unglücklich ge- wählt war. Auch verschiedene Broschüren wurden verteilt und er- freue sich namentlich der„Märkische Volkskalender" großer Beliebtheit auf dem Lande. Versammlungen wurden 198 abgehalten. Bei den ländlichen Vcrfammlungen seien seitens der Amtsvorsteher sehr viel Schwierigkeiten gemacht und verschiedene derselben aus sehr nichtigen Gründen inhibiert, jedoch sei man durch sofort eingelegte Beichwerden meist doch zu seinem Recht gekommen. Der Besuch der Versammlungen war namentlich in den Städten immer ein guter. Die Presse sei bezüglich der Abonnentenzahl im Verhältnis zu den allgemeinen Fortschritten nicht besser geworden. Es werden im Kreise gelesen: 482 inal der„Vorwärts", 1382 mal die„Branden- burger Zeitung" und 1295 Exemplare der„Laterne" sletztere nur in Spandau), zusammen 3111 Zeitungen. Hier müsse unbedingt eine Besserung herbeigeführt werden, namentlich wenn man bedenkt, daß bei der letzten Reichstagswahl rund 15 999 socialdemokratische Stimmen abgegeben wurden. Die Organisation habe auch Fort- schritte gemacht, allerdings sei die politische Organisation immer noch hinter der gewerkschaftlichen zurückgeblieben. Auch die Lokal- frage habe sich gebessert. In den meisten größeren Orffchaften stehen der Partei Lokale zur Verfügung. In verschiedenen ländlichen Orten wurden Versammlungen in Scheunen abgehalten; auf diese Art der Versamnilungen, die noch neu fei, werde man eventuell zurückgreifen müssen. Zum Kassenbericht übergehend, verwies der Referent auf die gedruckt vorliegende Abrechnung, wonach die Einnahmen inklusive eines Bestandes von 836,89 M. vom Vorjahre 5226,55 M. und die Ausgaben 4964,59 M. betrugen, so daß ein Bestand von 261,96 Mark verbleibt. Die ganzen Einnahmen aus den Ortschaften des Kreises könne man auf rund 12 999 Mark und die Ausgaben auf rund 9999 Mark berechnen. Erfreulich sei, daß man die enormen Kosten aus eigner Kraft decken konnte, während man 1898 einen Zuschuß von 1999 Mark vom Parteivorstand fordern mußte. Ueber- gehend zu dem Thema: Was lehrt uns die letzte Reichstagswahl? bemerkt Redner, daß die Fortschritte im allgemeinen gut seien, so daß es bei der nächsten Wahl gelingen werde, den Sieg zu erringen. Die Schuld, daß wir bei dieser Wahl nicht gesiegt, trage der Spandauer Freisinn durch seinen Beschluß, bei der Stichwahl dem Reakttonär Pauli die Stimme zu geben. Man möge aber fleißig weiter- arbeiten, dann werde der Erfolg nicht ausbleiben. Es folgt hiernach der Bericht der Delegierten aus den einzelnen Ortschaften, die im ivesentlichen die Ausführungen des KreiS-Vertrauensmannes be- stätigcn und ergänzen. Allgemein wurde geklagt über den Inhalt der Flugblätter und wurde die Schuld dafür dem Kandidaten Ge- nossen Liebknecht beigemessen, dem man die Ausarbeitung über- lassen hatte. Es wurde auch bedauert, daß Genosse Liebknecht nicht erschienen sei. Allgemein wurde auch das Verhalten des Freisinns bei der Stichwahl verurteilt. Ueber den zweiten Punkt, Presse, referiert Genosse B r ä u e r- Velten. Derselbe verwies zunächst auf die Bedeutung der Presse im allgemeinen und bedauerte, daß nicht einmal'/e der Socialdemokraten des Kreises Leser von Parteizeitungen sei. Er bedauert, daß außer dem„Vorwärts" noch zwei Lokalblätter, die„Brandenburger Zeitung" und die„Laterne vorhanden seien. Der Zustand könne so nicht bleiben. Entweder müsse eins dieser beiden Blätter eingehen oder es müssen einheitliche Verhältnisse geschaffen werden. Er meint, eS wäre besser, tue „Laterne" eingehen zu lassen und die„Brandenburger Zeitung" durch Beilagen auszubauen. Seitens der Spandauer Genossen wurde der Antrag eingebracht, die„Laterne" als Kreisblatt anzuerkennen. Dieser Anttag wurde nach längerer Debatte abgelehnt. In der Diskussion wurde auch bemängelt, daß die Brandenburger Genossen so wenig Entgegenkommen gezeigt und dem Kreise Ost- Havelland keinen Sitz und Stimme tn der Preßkommission ein- geräumt hätten. Seitens der Spandauer wurde betont, daß, wenn man beschließen sollte, die„Laterne" eingehen zu lassen, für Spandau und Umgegend ein großer Rückschlag in der Parteibewegnng ein- tteten würde, für welchen die Spandauer Genossen die Verantwortung ablehnten. Es wurde schließlich beschlossen, eine Kommission zu wählen, welche mit der„Brandenburger Zeitung" wie mit der „Laterne" über eine Einigung verhandeln soll. In diese Kommission wurden gewählt die Genossen Hornig« Spandau, Staad« Potsdam, L e m m e- Spandau, B r ä u e r« Velten und Müllen« st ä d t« Nauen. Ueber die Stellung zur Landtagswahl wird an andrer Stelle (unter„LandtagS-Wahlbewegung") referiert. Als Sitz des Kreis-Wahlkomitees wird wieder Velten bestimmt. Zum Delegierten ftir den nächsten Parteitag wurde Genosse Paris- Velten, als dessen Stellvertteter Genosse Lehmann- Marwitz gewählt. Zu Delegierten für die Provinzialkonferenz wurden gewählt die Genossen L e m m e- Spandau, Kiesel« Pots- dam und Müllen st ädt- Nauen. Zum Kreis-VertrauenSmamt wurde Genosse Paris- Velten wiedergewählt. Es wurde be- schloffen, die nächste Kreiskonferenz in Nauen abzuhalten. Mit einem Hoch auf die internattonale Socialdemoftatte wurde um'/«S Uhr abends die Konserenz geschlossen. Eue der frauenben>egung. An den Aufruf deS Parteivorstandes zum Parteitage knüpft die Vertrauensperson der Genossinnen DeuffchlandS folgende Mahnung: Genossinnen! Der Aufruf deS Parteivorstandes wendet sich so gut an Euch, wie an die Genossen. Die Aufgaben der gesamten Soctaldemokratte sind auch Eure Aufgaben. Der Erörterung der Fragen, die auf der Tagesordnung deS Parteitages stehen, die sich infolge deS glänzenden Sieges der Socialdemokratte aufdrangen, kommt auch eine schwerwiegende Bedeutung für den doppelten Befteiungskampf der Proletarierinnen zu. Wie die Genossinnen arbeitend und kämpfend redlich ihre Pflicht gethan und das ihrige zum glorreichen Wahlausgang beigetragen haben, so müssen sie ihr Recht auf Anteilnahme an den Berawngen deS Parteitages nutzen. Die Zahl der weiblichen Delegierten in Dresden sollte im Ver- hältnts zu der fortschreitenden kräftigen Entwicklung der prole- tarischen Frauenbewegung stehen, im Verhältnis zu der steigenden Mtarbeit der Genossinnen auf allen Gebieten der varteithättgkeit. Dies lväre um so wünschenswerter, als sicherlich manche der zu behandelnden Fragen in besonderem Maße die Interessen der pro« letarischen Frauenwelt berühren. Es sei da vor allem an die Frage der künfttgen Parteiaktion auf dem Gebiet der Eocialreform erinnert. Hervorgehoben sei auch, daß der Parteitag Genossinnen und Genossen Gelegenheit bietet, ihre Ansichten über die Agitattons- und Organisationsarbeit unter den Proletarierinnen auszutauschen. Mögen deshalb die Genossinnen in allen Mittelpunkten unsrer Bewegung dafür sorgen, daß dem Parteitage als Delegierte auch trauen beiwohnen, die in tteuer Pflichterfüllung alle Arbeiten und ämpse der Socialdemokratte teilen. Wo es angängig ist, sollten die Genossinnen sich sofort mit den Genossen ihrer Wahlkreise über die Wahl einer gemeinsamen Delegiertin verständigen. Wo die Möglichkeit eines gemeinsamen Vorgehens ausgeschlossen ist, haben sie das statutengemäß gesicherte Recht auszunutzen, in öffentlicher Frauenversammlung eine eigne Delegierte zu wählen. Die erfolgte Wahl weiblicher Delegierten ist der Unterzetchneten mitzuteilen. Berlin, den 25. Juli 1993. Mit socialdemokrattschem Gruß Ottilie Baader Verttauensperson der Genossinnen DeuffchlandS Berlin SW. 29, Bellealliancestraße 95, Hof 8 Treppen. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. ßerliner partel-Hncfelegcnbcitcn* Zur Lokal-Liste! Berlin, VI. Wahlkreis(Moabit). DaS Etabltffement ermann Shof", Beusselstr. 9, steht der Arbeiter« aft zu Versammlungen tc. jetzt zur Verfügung. Rudow bei Johannisthal. Da der Lokal-Jnhaber Franz Reime, Bendastraße, jetzt seine it Saal der Ar- beiterschaft zur Verfügung stellt, so ist die Sperre über dieses Lokal aufgehoben.— Außer dem obigen Lokal ist noch das Verkehrslokal von August Palm, Köpnickerstraße, frei.— Dagegen sind die andren Lokale daselbst jetzt als gesperrt zu betrachten. Hohen-SchSilhausen. Das Lokal von Robert Schulze, Berliner st r. 8, steht der Arbeiterschaft zu Versa ntm- l u n g e n-c. nicht mehr zur Verfügtmg, infolgedessen ist dasselbe als gesperrt zu betrachten. Charlottenburg. Am Sonnabend, den 22. August 1993, ver» anstaltet der Theater- und Vergnügungs-Verein „ F i d e l i t a S" ein S o m m e r f e st im„Schützenhause". D a dieses Lokal der Arbeiterschaft zu Versamm« l u n g e n-c. nicht zur Verfügung steht, so ersuchen wir, die an- gebotenen Billets zurückzuweisen und das Vergnügen streng zu meiden. Die Lokalkommission. Erster Wahlkreis. Am Freitag, den 14. b. M., findet in D räsels Festsälen, Neue Friedrichstr. 35, eine Versammlung statt, in welcher Genosse Dr. F r i e d e b e r g referieren wird über das Thema:„Ueber welche Machtmittel verfügt das Proletariat zur Niederwerfung der Klassenherrschaft!"— Rege Teilnahme erwartet Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Morgen Donnerstag, den 13. d. M., abends 8>/z Uhr, hält der Wahlvereiu eine Bezirksversamm« lung für Treptow im Restaurant Bock, Kiefholzstr. 6 ab. Auf der Tagesordnung steht außer Wahl eines Bezirksleiters, die preußischen La itdtagS wählen. Da dieser Punkt stir die Arbeiter von großer Wichtigkeit ist, wird zahlreicher Bestich erwartet. Gäste will- kommen. Rixdorf. Heute, Mittwochabend, findet im Dcuffchen Wirtshause. Bergstt. 137, eine Mitgliederversantmlung des social« demokratischen Wahlvereins statt. Da eine reichhaltige Tagesordnung vorhanden ist, bitten wir um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen. Der Vorstand. lokales. Die HauSagrarier sind in diesen Tagen in Dresden zum Verbandstage d«s „Centralverbandes der städtischen HauS- und Grundbesitzer« Vereine Deutschlands" versammelt gewesen, um wieder mal einander ihre Not zu klagen und über Mittel zur Abhilfe zu beraten. Was man da zu hören bekam, war die alte Litanei. Man erfuhr aufs neue, daß ein Hausbesitzer ein armes geplagtes Geschöpf ist, daS zugleich von oben und von unten getreten wird. Die Mieter sind unbotmäßig und wollen sich nicht ohne Gegenwehr schröpfen und chikanieren lassen, und die Regierung läßt eS in ihrer Verblendung zu, daß den HauSagrariern ihr bisheriges Privilegium des WohnungS- Wuchers durch die Wohnungs-Genoffenschaften geschmälert wird. Die Berliner Hausbesitzer, denen es ja bekanntlich ganz besonders schlecht geht, waren auf dem Verbandstage mit einer stattlichen Zahl von Vereinen und Delegierten vertreten. Die Ver« Handlungen leitete der famose Dresdener Stadtrat Baumeister Hartwig. Der Mann versicherte, daß die Hausbesitzer- Vereine niemals Sonderinteresien vertteten hätten; sie hätten immer danach gestrebt,«in gutes Verhältnis zwischen Haus- besitzern und Mietern herzustellen. Er pries die von den Dresdener Hausbesitzern gettoffene Einrichtung, seßhaften Mietern eine„Ehrentafel" zu widmen, und äußerte sich mit gleicher An« erkennung über das„goldene Buch", in das die Leipziger HauS- besitzer die„lobenswerten" Mieter einttagen. Der Hauswirt als Patriarch unter seinen Mietern— ein idyllisches Bild! Von den Gegenständen, die auf dem VervandStage zur Ver- Handlung kamen, waren einige nur für Hausbesitzer wichtig. Dahin gehören die Fragen der Errichtung von Pfandbrief» Instituten, der Hypotheken-Versicherung usw. Die Verdeutschung von Fremdwörtern aus dem Gebiet deS Hansbesitzes und des MietsweseitS, die von den Hausbesitzern angesttebt wird, ist schon eher allgemein interessant. Man wird abwarten müssen, ob bei Benutzung des aufgestellten Verzeichnisses von Verdeutschungelt, das der VerbandStag empfiehlt, die künftigen„Mietsverttäge" weniger chikanöS sein werden als die ehemaligen„MietSkonttafte", ob die Wirte von nun an weniger rasch zur«Ausweisung" zahlungsunfähiger oder nicht fügsamer Mieter schreiten werden als bisher zur„Exmission". Von besonderem Interesse für Mieter dürsten die Verhandlungen über die Be» schleunigung der MietSstreitigkeitssachen gewesen sein, doch gebrauchten die Herren Hausagrarier gerade hier die Vor- ficht, die Vertteter der Presse hinauszuweisen und hinter ver» fchlossenen Thüren zu verhandeln. Die hausbesitzerlichen Klagen über angeblich zu hohe B e« lastung des Grundbesitzes mit Steuern sind bekannt. Auf dem Verbandstage wurde vorgeschlagen, die Umsatzsteuer anders zu gestalten und die Gemeinde-Grund« und Gebändesteuer,! die eine Modesteuer der Hausbesitzer bezw. eine drückende indirekte Steuer der weniger bemittelten Klassen sei, aufzuheben und durch andre Steuern zu ersetzen. Gedacht wird unter anderm an ewe Besteuerung " des Konjunkturgefinnes und an eine progressive Wohnungs- Ware bei der Firma S. Hartstein u. Co. abgeliefert hatten, haben wären. Das Ober- Berwaltungsgericht hat in einem Kompetenz steuer für Wohnungen von 600 M. Miete aufwärts. Beschlüsse mit Sicherheit ergeben, daß die Flüchtigen nur verhältnismäßig fonflittsfall vor Jahren angenommen, bei ganz ungebildeten und unterwurden darüber nicht gefaßt. geringe Geldmittel, vielleicht einige tausend Mark, mitgenommen haben geordneten Polizei- Organen, die in einem ihnen bislang fremden RechtsWie die Hausagrarier über die Frage der Wohnungs- fönnen. Noch in den letzten Wochen vor ihrer Abreise befanden sich die gebiet funktionieren, sei ausnahmsweise anzunehmen, das Be beiden Socien nach nächtlichen Orgien derartig in Geldmangel, daß sie aufsicht benken, haben wir bereits am Sonntag mitgeteilt. Der nicht im ſtande waren, bas Stollgeld für empfangene Kollies wußtsein der Rechtswidrigkeit, z. B. bei einer unzulässigen Versammlungsbrave Mann denkt an fich selbst zuletzt"; darum machen sich unsre zu entrichten. Da die fraglichen Sendungen wertvolle waren ent- Auflösung, fehle ihnen. Ein Amtsvorsteher ist aber weder ein lieben Hauswirte nur die eine Sorge, daß die Mieter durch die hielten, so suchten Hartstein u. Adam gewaltsam die Wiedermitnahme untergeordnetes Polizei- Organ, noch würde zugegeben werden können, Wohnungsaufsicht geschädigt werden könnten. Und auf solche Pracht- der Ballen durch die Rolltutscher zu verhindern. Es tam infolge- daß er ganz ungebildet sei weshalb soll ihm der dolus menschen will noch einer schelten?! dessen zu einem Streit, bei welchem die Polizei intervenieren mußte. besonders nachgewiesen werden müssen? Der dolus ist ja nach AnNoch sind die Feststellungen über die Höhe der erschwindelten Kredite nahme des Reichsgerichts nichts andres als das Belvußtsein des Die Wahllüge von den„ pflichtvergessenen Postbeamten", die durch nicht abgeschlossen. Verschiedene Fabrikanten ziehen es vor, die ihnen Thäters von der Tragweite seiner Handlung. Und das sollte ein Herrn Wilhelm Bruhn, den im fünften Berliner Wahlkreis entstandenen Verluste zu verheimlichen und so konnte das Eigentums- Amtsvorsteher nicht haben? Nach Annahme der Staatsrechtslehrer unterlegenen Reichstags- Kandidaten der Antisemiten und recht einiger Posten bei einem Partiewarenhändler aufgefundener leben wir ja in einem Rechtsstaat. Konservativen, aufgebracht worden war, ist durch behördliche Waren bisher nicht festgestellt werden. Ermittelungen, wie wir gemeldet haben, als Schwindel nach- Zu dem Bootsunfall auf der Oberspree wird noch mitgeteilt, daß Lichtenrade. Daß die Turnvereine vielfach mit den Kriegergewiesen worden. Herrn Wilhelm Bruhns Staatsbürger- die Beteiligten jezt alle bekannt sind. Der Gerettete ist ein 19 Jahre vereinen in der Bekämpfung der Socialdemokratie wetteifern zu Beitung" hatte diese Meldung, obwohl sie sie bereits am alter Arbeiter Ernst Brabandt, der mit seiner Mutter, einer Witwe müssen glauben, beweist folgender Brief des„ Schriftwarts" des Sonnabendabend hätte veröffentlichen fönnen, bisher nicht Richter, in der Kaiserstr. 34 wohnt. Der junge Mann, der über gebracht. Erst am Dienstagabend, nach dreimal vier Verlegungen an den Beinen und innere Schmerzen flagt und wahr- hiesigen Turnvereins" Frisch auf": Lichtenrade, 3. August 1908. undzwanzig Stunden, teilt das Blatt die Nachricht scheinlich ein Krankenhaus aufsuchen muß, wurde gestern auf der " mit, fügt aber hinzu: Da dem„ berufenen Beschwerdeführer" das Ergebnis der Ermittelungen von der Ober- Postdirektion noch nicht zugestellt worden sei, so müsse die Richtigkeit jener Meldung einstweilen bezweifelt werden. Merkwürdig, daß man in der Staatsbürger- Zeitung", wo man doch den berufenen Beschwerdeführer" genau tennt, so spät auf diese lahme Ausrede verfallen ist! " Geehrter Herr Potschalt i Wache des 21. Reviers über den Vorfall vernommen und behauptet, Hierdurch seze ich Sie zur genüge in Kenntnis, daß in der daß der Dampfer„ Auguste" das Boot überrannt habe. Dem widersprechen aber alle Augenzeugen, deren Aussagen mit unsrer gestrigen letzten Monatsversammlung vom Turngenossen Otto Semmler Ihre Ausschließung beantragt und von dem Verein zu gleicher Zeit einDarstellung übereinstimmen. Der ertrunkene Mann ist ein 25jähriger Bäckergeselle Karl Holzschuh, der jüngste Sohn eines wohlftimmig angenommen worden ist, es ist Ihnen nachgewiesen worden, habenden Fuhrwerksbesizers aus Friedrichsroda. daß Sie socialdemokratischen Gesinnungen nachgehen, was wir in Seine Mutter unsrem Verein nicht dulden dürfen und auch niemals werden. wurde gestern telegraphisch nach dem Amte Adlershof gerufen und Mit Hochachtung Karl Schiel, Schriftwart. Unterstützungsfonds. Einigen bedürftigen Personen beiderlei erkannte in der morgens geborgenen Leiche die ihres Sohnes. Wir hoffen, daß die Arbeiter die" patriotischen" Gesinnungen Geschlechts, und zwar jungen Männern, welche ein mit der Metall- Holzschuh, der seit vier Jahren in Berlin war, arbeitete drei Jahre und Eiſenindustrie im Zusammenhange stehendes Gewerbe erlernt, bei dem Bäckermeister Danner in der Kaiserstraße Nr. 18. Vor dieser Sorte von Turnbrüdern respektieren und dem Verein künftig fernbleiben werden. und jungen Mädchen, welche ihre Schulzeit hinter sich haben, tönnen vierzehn Tagen gab er diese Stellung auf, um sich zu verändern, diefer Sorte von Turnbrüdern respektieren und dem Verein künftig und wohnte einstweilen in Schlafstelle in der Kaiserstraße Nr. 34. für den Fall, daß sie einen selbständigen kaufmännischen oder ge= werblichen Beruf erstreben, die hierzu erforderlichen Mittel aus Hier lernte er vor einigen Tagen Brabandt kennen, mit dem Ober Schöneweide. Unter dem Namen„ Arbeiter Turn einem, der städtischen Stiftungs- Deputation zur Verfügung gestellten der ertrunkenen Mädchen ist eine sechzehn Jahre alte Ella von ca. 40 Mitgliedern ein Turnverein gegründet, der, wie schon die verhängnisvolle Fahrt machte. Das jüngste verein Ober- Schöne weide" wurde hier unter Beteiligung Betrag bewilligt werden. Bewerbungsgesuche bedürftiger Personen, die deutscher oder deutsch- östreichischer Abstammung sind, und Kroll, die Tochter eines Schlossers aus der Jagowstraße 22. die zahlreichen Gründungsteilnehmer beweisen, einem lange gefühlten mindestens zwei Jahre in Berlin gelebt haben, find bis zum Musik auf der„ Stralau" für die Mondscheinfahrt übernommen. So Gründen einem hier bestehenden Turnverein nicht beitreten wollen. Ein Schwager dieses Mädchens ist Berufsmusiker und hatte die Bedürfnis abhelfen wird, da die hiesigen Arbeiter aus mancherlei 1. September an die städtische Stiftungs- Deputation, Poſtſtr. 16 II, fam Ella Kroll, die die Schneiderei erlernte, dazu, mit ihrer ver- Bis zur Hergabe der Gemeinde- Turnhalle, auf deren baldige zur Bimmer 47 und 48, einzureichen. Den Gesuchen sind die Schul-, heirateten Schwester sich der Fahrt anzuschließen. Lehr- und sonstigen Zeugnisse beizufügen. Sie veranlaßte Verfügungstellung der Verein hofft, wird das Turnen anfangs außerdem die zweite Ertrunkene, die 17jährige Tochter Frieda eines September in einem hiesigen Saale beginnen. Eine am Montag, Ueber Banschereien in Mineralwasser- Fabriken werden uns von Droschkenkutschers Riez, ihre Schulfreundin, zur Mitfahrt. Erst nach den 17. Auguſt cr. stattfindende öffentliche Agitationsversammlung organisierten Arbeitern Mitteilungen gemacht, die geeignet sind, all- langem Bitten ihrer Freundin hatten die Eltern dieses Mädchens und eine Generalversammlung zur Statutenberatung und Vorgemeines Interesse hervorzurufen. So kommt es in einzelnen Be- ihre Einwilligung gegeben. Die Leiche der Frieda Riez ist noch nicht stands 2c. Wahl werden dem jungen Verein noch viele Mitglieder trieben vor, daß Eimer, die schon zu allen möglichen efelerregenden gefunden. zuführen, die sich schon jetzt melden können bei Richard Fürl, er dann Es findet Dingen verwandt worden sind, auch zum Einfüllen der bei Brause- Am Spirituskocher verunglückte gestern nachmittag der zehnjährige Edisonstr. 4 II. limonaden benötigten Fruchtsäfte benutzt werden. Von den Kutschern Knabe Naphthali Lewit aus Kischinew. Sein Vater, ein Vermittler, zurückgebrachte Selter und Limonaden, die schon als sogenannte ist nach den Krawallen aus Rischinew ausgewandert und befindet Friedenau. In seiner lezten Versammlung beschloß der WahlAusläufer mehrere Tage lang gestanden haben, werden von findigen fich, während er seine Frau und andre Kinder noch in der Heimat verein, am Sonnabend, den 15. August, in Grubes Lokal " Fabrikanten" zusammengegossen und dann als„ frisch" wieder zum zurückgelassen hat, mit zwei Kindern auf der Durchreise nach Amerika" Zur grünen Linde" eine Wahlsiegesfeier, verbunden mit Verkauf gebracht. Besonders bedenklich aber erscheint es, daß zur bereits in Berlin. In der Amalienstraße Nr. 12 hat er im zweiten Sommerfest und Sommernachtsball, abzuhalten. Das hierzugeHerstellung von Sauerstoffwasser mehrfach weder vorschrifts- Stock ein kleines Quartier, für das er täglich eine Mark bezahlt. wählte Komitee hat bereits alle Vorbereitungen getroffen, den Teilmäßig filtriertes, teimfreies Wasser, noch sogar Sauerstoff ver- Hier machte er sich gestern nachmittag um 6% Uhr auf dem Spiritus nehmern einige genußreiche Stunden zu verschaffen. wandt wird. Vielmehr ist das in diesem Fall aus unfiltriertem tocher seinen Kaffee. Dabei wollte er nach einer unausrottbaren Konzert, ausgeführt von organisierten Civil- Berufsmusikern, Prolog, Wasser hergestellte Getränk ganz gewöhnliches Selter, aus welchem Unfitte aus der Flasche Spiritus nachgießen, während die Flamme gesangliche und humoristische Vorträge, Beluftigungen aller Art für die Kohlensäure meistens durch Deffnen der Flaschen entfernt worden noch brannte. Diese schlug nun hoch empor und entzündete den Inhalt die Kinder sowie Gratisverlosung für dieselben statt. Der Garten ist, um so den Geschmack von Sauerstoffwaffer anzunehmen. Dieses der Flasche, der sich dann brennend über das Gesicht und die Hände wird illuminiert. Das Entree ist auf 20 Pf. festgesezt und zahlen Getränk" wird nun vornehmlich an Krankenhäuser geliefert des neben seinem Vater stehenden Naphthali ergoß. Der Knabe Herren, welche am Ball teilnehmen, 30 Pf. nach. Das Komitee erund dient dort zur Labung Genesender. Im Interesse der öffent- wurde schwer verbrannt von seinem Vater und einem Schußmann wartet, daß die Genossen für einen regen Absatz der Karten Sorge lichen Gesundheitspflege dürfte es sich für die zuständigen behörd- in ein Krankenhaus gebracht. tragen, damit das Fest auch einen zahlreichen Besuch aufzuweisen hat. lichen Drgane wohl empfehlen, solchen Mineralwasser- Quetschen eine vermehrte Aufmerksamkeit zu widmen. Am Kirchhofszaun erhängt hat sich der 45jährige Arbeiter Christoph Kuhnert. Der Selbstmörder wurde an der Umfriedung des neuen Jakobi- Kirchhofes in der Emserstraße an einer Buder schnur erhängt aufgefunden. Wiederbelebungsversuche hatten feinen Erfolg. Der Tote wurde auf polizeiliche Anordnung nach ber Leichenhalle in der Kirchhofstraße gebracht. Die Ursache des Selbst Gesundheitsschädigung durch ein Krankenhaus? Anwohner und Bassanten der Adalbert- und Waldemarstraße führen lebhafte Beschwerde darüber, daß einem an der Ecke beider Straßen liegenden Winkel des Krankenhauses Bethanien" schon seit mehreren Tagen wahrhaft mephitische Düfte entströmen, die den Bewohnern mordes ist noch nicht ermittelt. den Aufenthalt in jener Gegend geradezu verekeln. Wahrscheinlich rührt der Gestant bon allerlei Abfällen aus dem Krankenhause her, die in dem Winkel angehäuft werden und nun in Verwesung und Gärung übergegangen sind. Aus allgemein hygienischen Gründen wäre jedenfalls die schleunigste Abstellung dieses Uebelstandes dringend geboten. Die Firma David Growe, Friedrichstraße, macht uns die Mitteilung, daß ihrerseits feinerlei Druck auf die dortigen RohrTeger ausgeübt worden ist, um dieselben zu einer Dampferpartie nach einem gesperrten Lokal in Rauchfangwerder zu veranlassen, wie solches fürzlich in einer Lokalnotiz des„ Borwärts" behauptet wurde. Nach erneuten Informationen bei der betreffenden Gewerkschaft ist allerdings nicht die Geschäftsleitung der Firma, wohl aber find deren Beamte an der Beeinflussung der Arbeiter beteiligt gewesen, so daß sich eine Mehrheit für das gesperrte Lokal entschied. Die Minderheit hat daraufhin die Partie nicht mitgemacht. Demnach ist es also lediglich Schuld der Arbeitermehrheit selber, daß sie sich dazu hergab, fich durch die Betriebsbeamten zum Besuch des gesperrten Lotals bestimmen zu lassen. Aus dem Landwehrkanal gelandet wurde gestern abend vor dem Hause Tiergarten- Ufer 50 die Leiche eines etwa 55 Jahre alten unbekannten Mannes. Derselbe trug einen grauen Bart und war mit einem schwarzen Anzug bekleidet. Die Leiche, welche schon längere Zeit im Wasser gelegen zu haben scheint, wurde in das Leichenschauhaus gebracht. Zeugen gesucht. Diejenigen Personen, welche am 13. Januar dieses Jahres abends 10 Uhr vor dem Hause Frankfurter Allee 44 Möbel aufgeladen und nach der Rosenthalerstr. 63/64 gefahren haben, werden recht sehr um ihre Adressen gebeten. Frizz Köhler, Kreuzigerstraße 28. Nichtabgeholte Geschenke. Am Sonnabend, den 8. August, feierte der Centralverband der Zimmerer Deutschlands( Bahlstelle Berlin und Umgegend) in der Brauerei Friedrichshain, am Königsthor, sein 20jähriges Stiftungsfest, wo u. a. auch 80 Geschenke für die Damen zur Verlosung gebracht wurden. Von diesen haben trotz mehrfachen Aufforderns auf dem Vergnügen 15 Gewinner ihre Geschenke bis dato nicht abgeholt. Wir bitten nun, unter Vorzeigung untenstehender Einem stattbekannten vierbeinigen Künstler, dem wertvollen Hund Billetnummern ihre Geschenke in der Zeit von vormittags 8-1 und " Bolzen" des Humoristen Henry Bender, der in der Lokalposse nachmittags von 3-8 Uhr im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15 III, Neuestes Allerneuestes" unzähligemal das Publikum zu stürmischem Zimmer 32, in Empfang zu nehmen: 37. 97. 134. 154. 230. 343. Beifall hingerissen, ist ein bedauerliches Mißgeschick widerfahren. 437. 523. 542. 681. 710. 714. 830. 832. 842. In der Wilhelmstraße, unweit Belle- Allianceplatz, wurde der intelligente Vierfüßler von einem robusteren Artgenossen durch Bisse in die Seite schwer verletzt. Der Besizer des angreifenden Hundes soll diesen erst auf" Bolzen" gehetzt haben. Herr Henry Bender war begreiflicherweise aufs äußerste empört über das auf seine vier beinigen Kunstfollegen verübte Attentat und ließ den Besitzer des biffigen Hundes durch einen Schußmann feststellen. nicht als Hus den Nachbarorten. Aufhebung eines Versammlungsverbotes. Bahnhofsban Zehlendorf. Wie schon in der Sonntagsnummer des Vorwärts" berichtet wurde, hatte die Polizei die Arbeiten fo lange inhibiert, bis Unterkunftsräume für die Arbeiter geschaffen wurden. Nach unsrer Schäßung genügen diese Räume bei weitem noch nicht für alle Arbeiter, neugierig fragen mir aber, wie die Baupolizei die Bretterbuden abnehmen konnte, die doch nicht ein einziges Fenster befizen? Oder nimmt man an, die Arbeiter finden den Mund beim Essen auch im Düstern? Oder wird es dem Unternehmer etwa zu teuer? Der Unternehmer war mehrere Tage nicht am Sonnabendmittag kam, wurde die anivefend; sofort, als er Wir unfertigen Bretterbuden. Arbeit wieder aufgenommen trop der, nach unfrer Meinung, fragen Herrn Baurat Echter meier, Leiter des hiesigen Bauamts, ob hier die Baupolizei richtig abgenommen hat? Und was sagt er zu den fensterlosen Buden? Am Sonntag früh hatten wir Gelegenheit, uns etliche Lohnzettel der Arbeiter anzusehen. Wir trauten unsern Augen kaum als wir lasen für 20 Arbeitsstunden 2,30 M., für 125 Stunden 24 M., dito 128 Stunden 26 M. usw. Es wäre doch ganz selbstverständlich, daß man den Arbeitern mitteilte, was bei solch niedrigen Löhnen alles in Abzug gebracht wird. Doch weit gefehlt, nichts steht da, wer muckſt wird derb angeſchnauzt. Für das Kampieren während dreier Nächte im Freien solte jedem eine Mark gezahlt werden, bis jetzt hat jedoch keiner etwas davon gesehen. So geht's den lieben Ausfremde Arbeiter eingeschleppt worden( die verheerende Wurmkrankheit ländern, wenn sie erſt hier sind. Wie manche Seuche ist schon durch fremde Arbeiter eingeschleppt worden( die verheerende Wurmkrankheit sollte ein warnendes Beispiel sein). Wir fragen deshalb: Sind genügend Aborte vorhanden und wie steht's mit andern sanitären Einrichtungen? Inzwischen find von den Italienern nur noch 10 Mann am Plaze. Der Schachtmeister ist ebenfalls verschwunden. Man spricht von allerhand Unredlichkeiten, die er verübt haben soll. Lieferanten machen bereits unbefriedigte Ansprüche in Höhe von 800 M. geltend. fann es Ihnen Briefkaften der Redaktion. um Der Witwe Klemm in Rahnsdorfer Mühle war während der Die neue Eisenbahnbrücke über den Teltowkanal wurde mit dem Wahlzeit vom Amtsvorsteher Kottemeier ohne Angabe von Gründen S. D., Kottbuserdamm. Mit diesen Vorschriften steht die betreffende heutigen Tage zwischen den Stationen Grünau und Adlershof- unter Androhung von 60 M. Ordnungsstrafe das Verbot zugegangen, Staffe nicht allein und es käme in erster Linie auf den Inhalt der„ AnGlienicke in der Richtung nach Berlin in Betrieb genommen, das Lokal zu der Versammlung herzugeben, in der Stadthagen leitung" an; an sich hat das zur Beachtung" auch eine berechtigte Seite. während in entgegengesetter Richtung die Züge von morgen ab ver- referieren sollte. Der Amtsvorsteher setzte den Einberufer kaffen, Engel- Ufer 15.G. P. Fragen Sie deswegen an in der Centralfommission der Kranten P. W. 14. Vereinsadresse haben wir nicht. fehren werden. Da mit dieser neuen Fahrstrecke die alte in Fort- der Versammlung, Genossen Sonnenburg, und den Referenten Wenden Sie sich also an Frau P.. NW., Turmſtr. 34. B. B. 77. Wir fall kommt, so steht dent Durchstich des Teltowkanals an dieser Verbot in Kenntnis. Die Wirtin erklärte, empfehlen Aerzte grundsäglich nicht, ebensowenig Rechtsanwälte usw. G. 6. 43. Am 4. August 1901. Stelle nichts mehr im Wege und ist zu erwarten, daß die Arbeiten von dem sie halte aller Einwirkungen auf fie unbis zum Beginn des Winters beendigt sein werden. Ruderverein Vorwärts. Sikung Donnerstags 9 Uhr abends im ihrem Wort fest, das 2okal her Bootshause, Stralau, Tunnelstr. 17. Spandau, W. S. Darüber be. geachtet an Der Erweiterungsbau des Stadt- Postamts in der Spandauerstraße ist mun so weit gediehen, daß mit der Innen- Einrichtung des zugeben. Die zur Ueberwachung gesendeten Polizeibeamten stimmt nicht die Redaktion, sondern der Verlag der Buchhandlung. Bon Gebäudes begonnen werden konnte. Das Erdgeschoß wird, nachdem teilten das Verbot dem Einberufer und Referenten nochmals mit Ihrer Anregung haben wir die erforderliche Mitteilung dorthin gemacht. H. K. 82. Wir sehen in der Sache nicht flar; man müßte doch auch durch Durchbruch der alte Paketannahme- Raum mit dem Neubau Diese erklärten, das Verbot gehe sie nichts an, eine Hinderung der A. 1903. In solchen privaten Angelegenheiten geben wir keinen Rat. urteilen zu fönnen. verbunden worden ist, ber Bäckerei- Abfertigung dienen. Hierdurch Abhaltung der Versammlung sei unzulässig; übrigens sei es ja ein den andren, den verklagten Teil hören, Glaser. Wenn Sie eilige Handzettel und Versammlungsanzeigen statt wird es ermöglicht, eine strengere Scheidung der zur Aufgabe ge- Unding, Beamte zur Ueberwachung einer Versammlung zu langenden In- und Auslandspakete vorzunehmen. Ebenso wird eine senden, die nicht stattzufinden habe; die Gründe für eine Ver- an die Druckerei und an die Erpedition an die Redaktion adressieren, da die Redaktion noch zu einer Zeit thätig ist, wo die Saalabteilung für Einzelpakete angelegt. Die oberen Etagen werden sammlungsauflösung stehen im darin Vereinsgesetz: steht wirklich zuständigen Abteilungen geschlossen find passieren, daß in der ausschließlich Bureauräume enthalten. Grund ein polizeiliches Verbot angegeben. Die Redaktion ein Brief zu spät geöffnet wird und ihre Aufträge nicht mehr Iserlohn. Näheres war nicht zu erfahren, In der Untersuchungsfache J. Hartstein u. Co. ist die Kriminal- Versammlung wurde dann abgehalten. Diefelbe war außer- ausgeführt werden können. sicherlich sehr bedenklich. 777. Sie müffen einen Anwalt nehmen, der polizei bemüht, einen Ueberblick über die von den Schwindlern ordentlich zahlreich besucht. Ihr Erfolg zeigte sich bei den Reichstags- sich mit einem Anwalt am Wohnorte des Beklagten in Verbindung setzt. Hartstein und Adam mitgenommen Beute zu gewinnen, sowie auch wahlen. Nunmehr sezte der Amtsvorsteher 60 Mark Strafe gegen durch die Bernehmung derjenigen Personen, die mit den Schwindlern die Wirtin Klemm fest. Gegen die Festsetzung und gegen das VerJuriftifcher Ceil. in Verkehr gestanden haben, die zweifellos noch in Berlin weilenden bot legten sie und Stadthagen Beschwerde ein. Der Landrat des Mitglieder der schwarzen Bande zu ermitteln. Hartstein und Adam müssen mit dem so leicht gewonnenen Geld überaus wüst ge- Nieder- Barnimer Kreises hat jetzt der Beschwerde stattgegeben und Preiburg. 1. Bahlen Sie die 7 M., melden Sie sich an und beantragen wirtschaftet haben. Sie hielten Verkehr mit einer größeren Anzahl beide Verfügungen außer Kraft gefegt. Rückgabe des Papiers. 2. Nein. 3. Preußin. 4. Nein: Sie können ja auch Mädchen, mit denen sie wahre Drgien feierten. Bei Kneipgelagen Strafanzeige, wegen desselben Herganges dort einen Ehevertrag schließen. I. Neisse. 1. Ja. 2. Der Betreffende Kottemeier der Staatsanwaltschaft mit ihnen wurde mit Sett angefangen und in einer Nacht von den den Amtsvorsteher ein- fann unter Erfüllung der sonstigen Voraussetzungen des Statuts Staffendes mitglied werden. Staatsanwaltschaft Einstellung beiden Burschen mehrere hundert Mark ausgegeben. Aber nicht nur gereicht ist, hat M. G., Oberschöneweide 18. Sie können mit Aus in den Weinlokalen, sondern auch in den Geschäftsräumen der Verfahrens beschlossen, da nicht der geringste Grund für die Ansicht auf Erfolg beim Amtsgericht gegen den Unteroffizier auf Erstattung Ihrer Auslagen flagen. M. G. 10. Er erhält die höhere Rente: ob Firma sind derartige Bechgelage zweifellos getrieben worden. In den beiden Lagerräumen, in denen sich ja bekanntlich keine nahme vorläge, daß der Amtsvorsteher bewußt seine Befugnisse in Ihrem Falle die Altersrente höher sein würde, ist aus Ihren Angaben Waren befanden und zu denen„ Unbefugte" teinen Zutritt erhielten, überschritten habe, oder sich bewußt war, daß er einen Amtsmißbrauch nicht zu ersehen. Der Antrag auf Bewilligung der Altersrente soll jeden. F. G. G. N. Wenn Sie das Wort„ politische" wurde noch ein größerer Vorrat leerer Weinflaschen, die die besten in Aussicht stelle. Die hiergegen eingelegte Beschwerde schwebt noch. falls gestellt werden. Seben Sie ſtatt„ politischen" ökonomischen". 100. 5. Rixdorf. Weinsorten enthalten hatten, vorgefunden. Bierseidel dienten als Es würden die zum Schutz gegen Amtsmißbrauch gegebenen Straf- aufnehmen, fönnen Sie leichter als politischer Verein betrachtet werden. Die erwähnten Ver- vorschriften völlig nuglos sein, wenn ein besonderer Beweis Drohen Sie, falls" die Reparatur in einer bestimmten Frist nicht erfolgt, Gläser für die Weine und echten Cognac. nehmungen, sowie auch die Ermittelungen bei Rollfutschern, welche für die Rechtskenntnis und den dolus des Beamten erforderlich fie auf Stoften des Wirts ausführen zu lassen und handeln Sie danach. die die Auf eine gegen Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von 7% bis 9 Uhr abends ftatt. Geöffnet: 7 Uhr. 1 -Oberkaffel 104. Versicherungspflicht liegt in beiden Fällen vor, da| früheren Termin ein, so ist diese Vereinbarung gültig. Chiffre 99.| Gemeinden, wo die Verlobten ihren Wohnsitz haben, ferner wenn einer der es sich nicht um Wertmeister usw. handelt. Selma. 1. Wenn fein Urteil Wenn Sie einen Gefangenen sprechen wollen, so müssen Sie bei der Verlobten seinen gewöhnlichen Aufenthalt außerhalb feines gegenwärtigen ergangen ist: ja. 2. Nein. A. R. 43. Nein, aber trotz Ihrer Weigerung Gefängnisverwaltung um Erlaubnis einkommen und erhalten dann Bescheid, Wohnsitzes hat, auch in der Gemeinde seines jebigen Aufenthalts, und M. K. 777. endlich, wenn erfolgt Pfändung. 9. 3. 7. 1. Welche Kirchenbehörde Sie meinen, ist ob und wann Sie den Betreffenden sprechen können. einer der Verlobten seinen Wohnsitz innerhalb der nicht ersichtlich. 2. Die Adresse der Schuldeputation ist: Rathaus, Magistrat, Slagen Sie, falls in der ungenannten Stadt ein Gewerbegericht besteht, lezten sechs Monate gewechselt hat, auch in der Gemeinde seines Schuldeputation. G. S. 25. Können Sie den Beweis der Zahlung bei diesem, sonst beim Amtsgericht auf Zahlung des Lohnes. Formulare früheren Wohnsizes. Es ist daher zweckmäßig, dem Standesbeamten ( z. B. durch Eid) nicht führen, so thun Sie am besten, ohne eine Klage ab- und Beispiele finden Sie in dem in den öffentlichen Lesehallen ausliegenden eine polizeiliche Anmeldung über den Zuzug mitzubringen. Der Aushang zuwarten, zu zahlen. E. V. 33. 1. Ja. 2. Nein. E. F. 34. Ja. Arbeiterrecht". F. W. Mit einer Beleidigungsklage fämen Sie erfolgt zwei Wochen lang. 5. Vor der Heirat müssen mindestens 200 Marken August W., Hadersleben. 1. Ja. 2. Nein. Nähere Darlegungen schwerlich durch. Verlangen Sie ein Zeugnis, das sich über Ihre Leistungen geklebt sein, wenn die junge Frau den Anspruch auf Rückerstattung der enthält der Briefkasten vom 8. August. M. J., Pankow. Amtsgericht ausläßt, und klagen eventuell auf Berichtigung dieses Zeugnisses. Hälfte der für sie geklebten Marten geltend machen will. Sie verliert dann zu Rathenow. G. 44. 1. Nein. 2. Sie müssen sich an die Gefängnis- P. S. und 23 andre Heiratsfrager. 1. Zur Eheschließung ist für die aber alle Ansprüche aus der Versicherung. Klebt sie selbst weiter( mindestens verwaltung um Gestatten des Besuchs wenden. 3. Weil Sie sonst Ihr An- Braut Zurüdlegung des 16., für den Bräutigam Volljährigkeit( Zurück- 40 Marten in je zwei Jahren), so behält sie ihre oft wertvolleren Ansprüche, recht auf Rente verlieren. A. P. Ist besoldet. P. T. 1000. Nein. legung des 21. Lebensjahres oder Volljährigkeitserklärung nach vollendetem z. B. die Möglichkeit, eine Heilstätte zu besuchen. 6. Rücksichtlich des AnNirwana. Wenden Sie sich an den Vorstand der Strankenkasse um 18. Lebensjahre) erforderlich. Das Ehemündigkeitsalter muß bei der bietens der Bruderschaft dem Verschwägerten gegenüber besteht kein jeſter Auskunft oder sprechen Sie mit dem Statut in der Sprechstunde vor. Anmeldung zum Aufgebot vorhanden sein. 2. Bis zur Vollendung des Brauch: in der Regel bietet der Verständigere das Duzen an. 7. Eine R. M. 33. 1. Verjährung liegt nicht vor. 2. Ja. O. V. Der In- 21. Lebensjahres bedürfen eheliche Kinder der Einwilligung des Vaters, firchliche Trauung ist für die Rechtsbeständigkeit der Ehe völlig unerheblich. validenrentner fann versuchen, so viel zu verdienen, als ihm möglich ist. uneheliche der Mutter. 3. Beim Aufgebot werden verlangt: die Geburts- Die Ehe wird durch das Ja der Heiratslustigen vor dem Standesbeamten K. N. 1. Klagen Sie beim Gewerbegericht auf Rückgabe. 2. Nein. urkunden beider, die Militärpapiere des Bräutigams, eine beglaubigte Ein- geschlossen. Dieser Heirat kann sich ein Hochzeitsschmaus, ein Gang in die Tempel 45. Da nichts andres vereinbart ist, so hat das Dienstmädchen willigkeitserklärung des Vaters( oder der Mutter) für die etwa noch minder- Kirche, eine Hochzeitsreise anschließen: irgendwelche Rechtsfolgen sind an mur Anspruch auf Kündigung zum 1. Dktober. Geht die Herrschaft auf den jährige Braut. 4. Das Aufgebot erfolgt in der Gemeinde oder in den solche Ceremonien nicht geknüpft. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 12. August. Anfang 72 Uhr: Neues Operntheater. Die Fleder maus. Westen. Alt- Heidelberg. Lessing. Der blinde Passagier. Deutsches. Rosenmontag. Anfang 8 Uhr: Urania. Taubenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. CASTANS Liederspielhaus( Kroll). Bision Panoptikum nach dem Balle. Berliner. Der Troubadour. Kleines. Nachtafyl. Belle: Alliance. Specialitäten. Carl Weik. Frau. Der Fehltritt einer Apollo. Die Liebesinsel. Specialitäten. Metropol. Neuestes! Allerneuestes! Reichshallen. Stettiner Sänger. Passage Theater. Specialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Von der Zugspitze zum Wakmann. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Belle- Alliance- Theater. Im herrlichen Sommergarten, Friedrichstr. 165. !! Menschliches Doppelwesen: die zusammengewachsenen Schwestern 20 Jahre alt, spielen Violine! Passage- Theater. Anf. Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. bei ungünstigem Wetter in Theater: Die Tritons, die besten Taucher Specialitäten- Vorstellung. Amanda Harold mit den dress. Möpsen. Gentaro Kikuto, japan. Hofjongleur. Mar Zerner, Anna Verdier, Theth Begrotts, Mieze Forée. Anf. 8 Uhr. Entree 50 Pf. Bon 6 Uhr ab( Sonntags 4 Uhr): Konzert. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachtasyl. Anfang 8 Uhr. Metropol- Theater. Der grösste Erfolg dieser Saison! Zum 213. Male: Neuestes! der Welt, 5 Min. unter Wasser ohne z. atmen. Kapitain Martens, Kunstschütze. Ganz Berlin zerbricht sich schon den siebenten Monat den Kopf über AGA! Freitag, 14. Aug., erstes Auftr.: Das Moto- Mädchen. Mensch oder Maschine? Das neue Rätsel für Berlin. Z DOLOGISCHER CARTEN Täglich ab 5 Uhr nachmittags: Doppelkonzert. Entree 1 M., ab 6 Uhr 50 Pf. Kinder unter 10 J. die Hälfte. In der Arena: Allerneuestes! Raubtier- Spielschule. Dramatische Revue in 5 Bildern. Glänzende Balletts. 300 Mitwirkende. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo- Theater. Zum 98. Male: 6 Löwen, 1 Leopard, 1 Hyäne, 1 Bär. Vorstellungen: Wochentags 4-5, 6-7 Uhr, Sonnt. 12-1, 4-5 u. 6-7 Uhr. Eintritt: Sperrsitz 1 M., Stehplatz 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Die Liebes- Insel Trianon- Theater. mit bem Briefmarken- Ballett. Georgenstraße, zwischen Friedrichsensationellen Ein ungetreues Weib. Mimodrama in 2 Aften, gespielt von Merians dressierten Hunden. The Avolos · Brothers Kaufmann. Carl Weiss- Theater. Große Frankfurter Straße 132. Abends 8 Uhr: Der Fehltritt einer Frau. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Leiermann und sein Pflegekind. Im Garten: Neue Specialitäten. Anfang 5 Uhr. und Universitätsstraße. Sonnabend, den 15. August cr.: Wiedereröffnung. Die Notbrücke. Fröbels Allerlei-Theater Snhaber: Wilhelm Fröbel. Großer Elite- Spielabend fr. Puhlmann. Schönh. Allee 148. Heute: des gesamten, neu engagierten Auguft- Spielplans Um 8 Uhr: Großer W. Noacks Theater. Das Bild des Vaters. Direktion: Robert Dill. Brunnenstrasse 16. 8 Uhr: Liane, die zweite Frau. Vorher: Dir wie mir. Anfang 6 Uhr. Kaffeeküche von 3 Uhr ab. Bei schlechtem Wetter: Vorstellung im Saale. Bernhard Rose- Theater. Gesundbrunnen, Badstraße 58. Mittwoch, den 12. August: Driginal- Boltsstück v. Anton Anno. Jm Saale: Grosser Ball. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. Freitag, den 14. August: Hugo Schulz- Benefiz. Ostbahn- Park. Am Küstrinerplatz. Rüdersdorferst. 71, Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater Friede auf Erden. und SpecialitätenLebensbild mit Gesang und Tanz in 3 Aften von H. Schulz. Delbost, einbeiniger Handakrobat. Karl Groth, Groteskkomiker. The 3 Amaranths, atrob. Tänzerinnen. Vorstellung. Gauert mit feinen dreffierten Hunden Herren- Moden Rivas und Dixas, Antipodenalt auf lebendem Piedestal. Mary Ellys, moderne Tyrolienne. Richard Wagner, Konzertfänger. Ballett- Gesellschaft Saltarello". Marie Förster, Solotänzerin. Anjang 4 Uhr. elegante Ausführung geringe Teilzahlung J. Kurzberg, Hene Königstr. 47 direkt am Alexanderplatz. Charlottenburg. Voranzeige. Am Sonntag, den 16. August, findet im Volkshaus, Rosinenstraße 3, ein Sommerfest zum Besten des Volkshauses statt. Alles Nähere im Freitags- Inserat. Max Kliem's Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. 17182* Täglich: Grosses Konzert, Theater- und Specialitäten- Vorstellung. - Jeden Mittwoch: Die beliebten Jeden Montag: Sommerfest. Kinderfeste.- Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 hochelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand 2c. In den Sälen: Familien- Kränzchen. Schloss Weissensee. ,, Zum Sternecker", Inhaber: C. Koch. Täglich: Grosse Theater- Specialitäten- Vorstellung. Riesenprogramm, 40 Nummern. Jm Bal champêtre: Grosser BALL. Illumination der Fontaine lumineuse. Jeden Mittwoch: Grosses Kinderfreudenfest mit Gratis- Verlosung. Jeden Donnerstag: Grosses Monstre- Elite- Feuerwerk u. Doppelkonzert. Jeden Sonntag: Grosses DOPPEL- KONZERT. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Prater- Cheater Kastanien- Allee 7/9. Direkt.: M. Kalbo. Taglia: Alt- Heidelberg du Feine. Liederspiel in 3 Atten von D. Richter. Konzert und Ball. 1. a.: Deta Waldau. Bravour- Soubr. Original Eugen Milardo, Tanzhumorist. Neu! The Berlings, New! die singende Luftfee. Johnke Compagnie. Transformations Red Pantomime. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., num. Plak 50 f. Schweizer- Garten am Königsthor, am Friedrichshain. Täglich: Theater und Artisten- Vorstellung, it. Ball Volksbelustigungen. Abends 10 Uhr: Berliner Sportmädel. Bosse mit Gesang in zwei Bildern von Gericke. Bioscop. Lebende Bilder. Neueste Aufnahme. Jeden Mittwoch: Kinderfest. Specialitäten- Theater Diez Fob schön! Ob Regen! Landsberger Allee 76-77 ( Ningbahn- Station). Täglich das vollständig konkurrenzlose Riesen- August- Programm! H. Stahnke. Mst. Deamando und Miss Anni. The Delsons. Loro- Quartett. Gebr. Bellong. Fritz Brand. Dustes Bioscop usw. Sommab., Sonntag, Montag: Tanz. Anf. Wochent. 5 Uhr, Sonnt. 4 Uhr. WIE DORTEN 84 765 Eröffnungsvorstellung Sonnabend, 15. August. Der Vorverkauf findet an der Tageskasse von 10-5 Uhr statt. Reichs hallen Täglich: Stettiner Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Neue Welt Safenbeide 108/114. Arnold Scholz. Mittwoch, den 12. August: Ernte- Dankfest verbunden m. Bonbonregen, Fackelpolonaise und Gratis- Verlosung. Hauptgewinn für Mädchen: Eine filberne Damen- Uhr. Hauptgewinn für Knaben: Eine filberne Remontoir- Uhr. Gr. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 4 Uhr. Entree 15 Pf. Morgen Donnerstag: Riesen- Feuerwerk. Sanssouci. Täglich im Garten: Hoffmanns Norddeutsche Sänger und Konzert. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tanzkränzchen. Für die Wintersaison sind noch einige Sonnabende frei zu Festlichkeiten. Etablissement [ 2320L* Extraverkauf einer Gelegenheits partie imit. Perser Teppiche Gebet- u.Decorationsstücke, getreue echter Perser Kopien von wunderbarer Farbenpracht auf beiden Seiten benutzbar. " 99 5,50 8,25 " 99 " 91 8,25) 12,75) 37. 23 12,50 18,50) " 39 99 " 19,50 " 28,50) 26,00 " 39,00) 90X185 cm M. 3,75( bish. 6,00) 130X200 160X230 200X300 250X350 300X400 Passende Bett- u. Pult- Teppiche Stück 75 Pf., 1,00 u. 1,50 Mk. Nach auswärts per Nachnahme. Teppich- Specialhaus Emil Lefèvre Verband der Bau-, Erd- und gewerbl. Hilfsarbeiter Deutschl. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Am Sonnabend, den 8. August, verstarb unser Kollege, der Bauarbeiter Christian Kuhnert. neuen Die Beerdigung findet am Mitt woch, den 12. August, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Rirdorfer Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 39/19 Die Ortsverwaltung. Steinarbeiter. Am Sonntag starb unser Kollege, der Steinmet ROJoh. Reck. Die Beerdigung findet Mitt wochnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle der Christus- Ge meinde in Mariendorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 179/3 Der Vorstand. 99 Radfahr- Verein Wanderer" Friedrichshagen. ( M. d. A.- R.- B. ,, Solidarität".) Am 6. d. Mts. verstarb unser Fahrgenoffe Friedrich Graebenitz infolge eines Berufsunfalles. Die Beerdigung findet am 12. August, nachmittags 68%, Uhr, von der Halle des Köpenicker Friedhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 246b Der Vorstand. Berichtigung. Berlin Oranienstr. 158. Solzarbeiter- Berbandes in der gestrigen S., Katalog 1903 auf mit ca. 600 Illustrat. Wunsch gratis u. franco. Vorwärts- Buchhandlung SW., Lindenstrasse 69. Für Radfahrer! Radfahrerpläne von Berlin mit Angabe der Art des Straßen pflasters, der für Radfahrer bers botenen Straßen 2c. Buggenhagen Radfahrertarten am Moritzplatz. Jeden Tag: Konzert des berühmten Drchesters des Signor Vincenzo Ferrara. Donnerstag, Sonnabend, Sonntag im Kaiser- Saal: Tanz. Königstadt- Kasino. Holzmarktstr. 72, Ecke Meganderstr. Tägl. Im herrl. Garten: Tägl. Grossart. Programm. Tom Bryasly, Gerra- Sano, Anny Raaly, Eduard Reetz, Henriette Donneux, Bonnet- Trio, R. Schaup. Mittw., Sonnab., Sonntag: Tanz. Anfang 8 Uhr, Sonntags 5 Uhr. von 50 Pf. Bertin und weiterer Umgebung( von Joachimsthal bis Jüterbog, von In der Todesanzeige des Deutschen Nummer muß es statt Rinke Gustav Zinke heißen. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung unsres lieben Sohnes und guten Bruders Walther Huber sowie für die vielen Beweise der Teilnahme insbesondere seitens seiner Arbeitskollegen der Firma Schubart u. Werth, des Turnvereins Fichte", der 1. Männer- Abteilung des Turnvereins " Fichte", der Sängerschaft des Turns vereins Fichte", des Athleten und Artisten- Verbandes Berlins und Umgegend, des Athletenklubs„ Helgoland" Berlin 92 und des Klubs" Wilhelmsbera fagen wir hierdurch unfren herzlichsten Dank. 2306 Die trauernden Hinterbliebenen. Hahns Volksgarten Rummelsbury, Hauptstr. 14 am See, ( altes Gefängnis). 19822* Genthin bis Frankfurt a. D.) auf Schönster Familien- Aufenthalt, NonLeinwand aufgezogen, in Starton zert und viele Voltsbelustigungen. Kaffeeküche. Weißbier 20, Seidel 10 Pf. 1,75 M. Radfahrerkarten von Deutschland und angrenzenden Ländern, mit Angabe der Beschaffenheit der Wege, Entfernungen der einzelnen Drte unter sich, Höhe über dem Meere, Steigungen 2c., fleinem Führer, aufgezogen, in Karton, jede Sektion 1,50 M. 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We fo 30 000 art, 1 zu 10 00) m, 1 zu 5000 t., zu 3000 Mt., 9 zu 1000 R 1200 War, 36 a 400 r., 74 4 300 Bar'. Die Expedition. 1. Biehung 2. Klasse 209. Ngl. Preuß. Lotteric.| 207 24 327 522 39 96 690 838 112063 251 323[ 200] Biehung vom 11. Auguft 1903, nachmittags. Nur die Gewinne über 96 Mt. stub ben betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 7 329 81 658 92 742 860 1001 506[ 1000] 18 83 2005 207 45 359 83 93 412 38 70 566 72 630[ 200] 44 901 49 3084 212 49 372 614 55 921 4203 313 87 451 694 833 927 79 5116 51 340 76 411 859[ 200] 6055 92[ 200] 193 585 696 738 841 89 958 7011 318 576 647 98 785 805 8041 53 117 325 430 512 679 9003 90 [ 200] 206 420 51 634 45 735 10188 411[ 500] 698 703[ 200] 853[ 400] 98[ 200] 953 97 11383 415 649 915 12022 226 95 98 348 3001 72 86 505 645 57 59 924 13038 147 88 681 766 828 96 904 47 72 14013 292 420 506 20 28 92 640 [ 200] 41 91 97 717 864[ 200] 934 94 15113 224[ 200] 78 564 850 70 925 16075 120 327 632 60 812 901 69 17011 428 32 93 677 818 910 44 18063 241 479 576 720 52 824 19065 482 620 83 768 801 49 927 20211 323 61 595 685 844 21010 15 129 266 434 79 80 570 731 848 22003 69 135 389 422 528 62 622 71 844 975 23145[ 300] 503 86 630 70 789 822 907 94 24133 406 533 734 846 957 99 25022 39 137 39 228 320 414 58 683[ 200] 928 26002 100[ 300] 72 331 400 652 716 986 27015 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200] 68 646[ 300] 730[ 30 000] 965 115316 492 502 784 89 811 22 85 954 116030 73 134 332 421 84 503 21 78 698 771 80 982 86 117240 399 415 547 79 740 96 856 905 14 118049 259 463 64 646 65 812 119000 194 97 203 74 553 60 616 83 737 68[ 200] 801 6 922[ 400] 120034 39 72 80[ 200] 89 308 13 402 15 954 121108 304 34 531[ 400] 615 20[ 500] 63 710 33 37 832 976 96 122045 247 310 538 680 747 55 76 96[ 300] 981 123066 224 29 569 750 124035 53 54 163 205 83 394 445 679 755 76 891 125007 220 825 902 25 126154 208 54 308 401 2 62 707 852 93 127528[ 200] 90 729 927 78 128257 365 83 96[ 200] 680 898 998 129057 114 40 68 205 74 482 717 130030 143 236 70 74 413 93 633 58 772 99 926 32[ 300] 131069 289 459 521 81 815 132045 51 138 339 473 525 660 758 848 133124 92 265 90 359 421 647 97 766 938 83 134001 98 136 84 368 759 955 135199 270 72 321 31 481 876 933 41 136014 51 311 21 36 38 431 570 632 137060 111 409 49 55 71 841 96 138050[ 200] 55 293 471 527 81 625 139023 64 128 47 83 215 68 599 749 837 939 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300] 118 53[ 200] 200 21 93 343 95 496[ 200] 705 182182 270 303 420 37 75 510 603 93 183080 293 304 80 501 92 851 71 944 184020 53 91 99 140 63 75 290 746 843 185124 290 303 649 95 829 63 186057 188 454 543 756 909 83 [ 200] 187107 48 257 62 439 88 638 721 83 870 979 188012 72 203 56 338 555 75 760 809 59 976 189055 95 105 570 10001 73 92 689 770 881 190130 228 62 345 95 429 92[ 200] 601 737 55 852 90 949 73 85 191 114 324 472 785 833 64 192339 752 898 193024 120 45 415 545 92 774[ 200] 945 194117-271 306 403 555 739 99 827 195169 441 70 509 629 47 886 196093 259 99 351 74 487 606 95 702 32 47 197080 210 24 358 417 30[ 200] 507 771 72 [ 200] 85 908 55 198301 503 681 766 199131 251 329 31 452 518 600 741 968 200090 152 244 322 34 615 53 977 201075 90 355 410 26 63 529 765[ 200] 98 852 202090 132 217 73 329 406 541 614 80 875 975 203159 67 441 50 65 513 [ 300] 604 715 29 78 924 28 204117 35 46 385 435 812 [ 2001 527 40 13001 601 28 56 69 87 770 866 205073 199 320[ 200] 34 49[ 300] 458 87 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Redakteur: Julius Kaliski in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag: Borwärts Buchdruderei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. 110030 75 216[ 300] 311 589 656 93[ 200] 111061 Br. 186. 20. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt., 12. 1908. gain 8 sdaswad not be Auguft Furchtbare Brandkatastrophe auf der über das Unglück ein. Nach amtlicher Feſtſtellung beträgt die Baht ganze kapitaliſtiſche Syſtem die Bekämpfung dieſer, zu ſeinen ſchlimmsten Pariser Untergrundbahn. ist tod ugledal natual of Alkohol- Abftinenz und Arbeiterschaft. e a Eingegangene Druckfchriften. Bon der ,, Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen ( Stuttgart, Diet Berlag), ist uns soeben die Nr. 17 des 13. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: 1 Paris, 11. August.( W. T. B.) Der Staatsantvalt leitete heute überwinden. Es ist daher auch auf diesem Gebiete die Aufgabe der vormittag mit den Ingenieuren der Stadtbahn eine Untersuchung tämpfenden Arbeiterttasse, neben dem Kampfe gegen das der ans Tageslicht geschafften Opfer 84. Der Minister der öffentlichen Erscheinungsformen zählenden Volkskrankheit zu betreiben, um die Arbeiten Maruéjouls traf auf der Station Menilmontant ein, um die Arbeiterklasse immer fampffähiger und bildungsfreudiger zu machen traf Unglücksstätte zu besichtigen. Auf der Station Couronnes, wo die und der höchsten Entfaltung der menschlichen Kultur in der Auf Station Controles, wo die unb the item a macer neber eine furchtbare Brandkatastrophe, die sich am Montag Reisenden in der Dunkelheit in dem von der Bahnhofsmauer gebildeten focialistischen Gesellschaft den Weg zu bahnen. Die Versammlung abend auf der Pariser Metropolitain- Untergrundbahn ereignete und Engpaß eingeschlossen waren, befindet sich eine große Blutlache, erwartet daher von der socialdemokratischen Partei und mehr als 100 Menschenleben forderte, meldet das Wolffiche in welcher Schirme und Hüte liegen. Der Bug, welcher ihrer Preffe wie von allen der modernen Arbeiterbewegung nahe Telegraphen- Bureau": n dort liegen geblieben ist, ist nur angeschwelt. Die Scheiben sind zer- stehenden Organisationen das Studium der Alkoholfrage und die Gegen Uhr abends ging ein teerer Zug, der einen andern brochen. Die Wände und Bänte am Dienstraum des Stations- ernsthafte Belämpfung des Alkoholismus im öffentlichen und privaten leeren Zug schleppte, nach der Wagenremise der Place de la Nation. vorstehers haben sich durch die noch immer herrschende große Hitze Leben durch Beispiel, Aufklärung über die Gefahren des Alkohols In der Nähe der Station Ménilmontant gerieten diese beiden verbogen und haben ebenfalls zu schwelen angefangen. und socialpolitische Verbesserungen aller Art. Sie betrachtet die völlige the gerieten diese beiden berbogen und haben ebenfalls au figwelen angefangen. nicht möglich, zu dem verbrannten Zuge zu Enthaltsamkeit von jeder Art des Alkoholgenusses als das toicksamste Züge in Brand. Der Maschinist und das übrige Zugpersonal gelangen. Nur Feuerwehrleute haben sich demselben genähert, und und der Arbeiterbewegung würdigste Mittel zur Bekämpfung des fonnten sich jedoch rechtzeitig retten. In demselben Augenblick diese erklären, daß sich vor und hinter der Station Couronnes keine Alkoholismus wie zur Stählung der Arbeiterklasse im Stampf um traf aber ein mit zahlreichen Reisenden besetter Zug auf der Leichen mehr befinden. eine bessere Zukunft." no. Station Couronnes ein. Der Maschinist dieses Zuges stoppte, da Paris, 11. August.( W. T. B.) Der Munizipalrat hat beschlossen, die Linie blockiert war. Sofort war der Zug in dichten Rauch ge- die Opfer des Unglücks auf der Stadtbahn auf Kosten der Stadt hüllt und es entstand eine furchthare Banit unter den Reisenden, Baris beerdigen zu lassen. Die meisten unter den bereits festgestellten besonders, als nach ein bis zwei Minuten das elektrische Licht erlosch. Berunglückten wohnten in Paris oder innerhalb der Bannmeile von Paris; nur einige wenige waren aus der Provinz. Präsident Loubet Die Reisenden, über 200 an der Zahl, fuchten einen Ausgang. Das hat an die Stadtvertretung ein Telegramm gerichtet, in dem er Bahnpersonal bemühte sich zwar, den Reisenden den Weg zu zeigen, feiner Erschütterung und der Teilnahme Ausdruck giebt, die er an aber es scheint, daß es sich wegen der entsetzlichen Verwirrung fein der Trauer der Bevölkerung von Paris nimmt. Aufruf des Parteivorstandes. Aufruf der Vertrauensperson. Ber Gehör verschaffen konnte. Die Rettungsarbeiten waren wegen längerte Mittagspause oder früherer täglicher Arbeitsschluß für die Arbeiterinnen. I. Von Klara Zetkin. Rückblick auf die Geschichte der proletarischen des den Tunnel erfüllenden dichten Rauches ungeheuer schwierig. Frauenbewegung in Italten. Das„ böse" Jahr 1898. Von Dr. Robert Es bergingen Stunden, ehe die Feuerwehr in den Tunnel Michels. Aus der Bewegung. – Feuilleton: In Abendſtille. Von Mizzi Kirchner, Wiedergrün. Haß und Liebe. Gedicht von R. Bruz. Notizeneindringen konnte. Anfänglich glaubte man, daß niemand das Vereinsrecht der Frauen. FrauenLeben eingebüßt habe. Gegen Mitternacht verbreitete sich jedoch das Der erste Deutsche Abstinententag hat am Montag in teil: Weibliche Fabrikinspektoren. stimmrecht. Frauenbewegung. Gerücht, daß von den 200 fee for at feien. Her Gerücht, daß von den 200 Reisenden sich kaum die Hälfte habe allerlei Festlichkeiten und Bergnügungen seinen Abschluß gefunden. habe allerlei Festlichkeiten und Vergnügungen seinen Abschluß gefunden. Die„ Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer retten können und die übrigen Reisenden erstickt seien. Der ver- In dem Kongreßlokal, den Kellerschen Festsälen in der Koppenstraße, 10 Bf., durch die Post bezogen( eingetragen in der Reichspost- Zeitungsliste wundete Maschinist des in Brand geratenen Zuges erklärte, er wurde mittags ein feierliches Mahl und abends ein großes Konzert Nr. 1903 unter Nr. 3189) beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne glaube, der Brand sei dadurch verursacht worden, daß sich ein einem andren Punkte der Stadt, in Dräsels Saal in der Neuen mit anschließendem Ball veranstaltet. An demselben Abend fand an Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Pt. soeben Nummer 20. Metallbestandteil von dem Motorwagen gelöft habe und auf die Friedrichstraße, eine andre sundgebung für Altobol- gangs erscheinen laffen. Aus dem Inbalt geben wir die beiden farbigen Schienen gefallen sei, wodurch ein Sturzschluß entstanden sei. Die Abstinenz statt, die war. Auf den Ruf Bilder hervor„ Germanias neuestes Techtelmechtel" und" Schlechte Wahlen" Guttaperchahülle der Leitungsdrähte habe sich entzündet und der des Deutschen Arbeiter- Abstinentenbundes waren sowie die Illustrationen Zwei Scheinheilige", Wassersnot in Schlesien", Holzboden in öffentlicher Bersammlung diejenigen Abstinenten beide mit Gedichten, Eugen in der Sommerfrische"," Die Entwicklung des Falles Hüffener" und der Eid des Schußmanns". In der Nummer wird zusammengekommen, die aus politischen und religiösen Gründen dann eine in Rußland start verbreitete satyrische Zeichnung wiedergegeben, Jm ganzen find 84 Leichen aus dem Tunnel zu Tage gefördert. nicht mit den Guttemplern, Blaufreuzlern usw. Hand in hand gehen die Tolstoj auf den Schetterhausen gebunden darstellt. Der Oberfynod Die meisten Verunglückten hielten krampfhaft das Taschentuch in der mögen und deshalb dem deutschen Abstinententag fern geblieben Pobjedonosszew, der Führer des russischen Mudertums und der Reaktion, ist Hand; ihre Gesichter waren rot aufgebunsen und von dem heißen waren. Auch einige Teilnehmer des Abstinententages fah man in im Begriff, den Scheiterhaufen anzuzünden. Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte Wir haben es gut", Verzweiflung", Lorenzchens Dampf versengt, der noch in den Morgenstunden den Tunnel der gut besuchten Versammlung, unter ihnen Professor Forel. Zwei Referenten hatten sich in die Aufgabe geteilt, die Klage"," Rübezahl"," Johannisnacht von Klara Müller, Ein Vorschlag erfüllte und das Arbeiten der Feuerwehr sehr erschwerte. Frage des Alkoholgenusses und der Alkohol- der Junker", ferner die Novelle Sonnensegen" und außer zahlreichen fleineren Beiträgen noch die größeren Satiren in Proja tulide über die 40 Opfer find in Ambulanztagen in die Morgue geschafft. a b st in enz bon der gesundheitlichen und bon 44 in die Caserne de la Cité. Von der ungeheuren Vollsmenge, der socialpolitischen Seite zu beleuchten. Beide Bapstwaht“ und„ Die neue deutsche Reichskunst. Der Preis der Nummer ist 10 Pfennig. welche sich schon den ganzen Morgen vor ganzen Morgen vor den Zugängen tamen zu dem Ergebnis, daß nicht bloße Mäßigkeit im der Morgue und der Kaserne drängt, werden Gruppen von je zehn Alkoholgemuß, sondern völlige Enthaltsamkeit von Altohol zu Personen in die Säle eingelaffen, wo sich herzzerreißende Scenen fordern fei; denn die Mäßigkeit" fei nur die Borstufe späterer abspielen. Um 10 Uhr waren mehrere Opfer von ihren Angehörigen Unmäßigkeit. Unser Parteigenoffe Dr. med. Otto Juliusburger wiedererkannt. Der Polizeipräfekt traf alsdann persönlich in der zeigte die gesundheitlichen Gefahren des in neuerer Beit mehr und mehr auch von Frauen geübten Alkoholgenusses, der nicht Morgue die nötigen Anordningen für die Beerdigung der rekognos- nur den Körper, sondern auch den Geist schädige, der die Nervosität zierten Leichen. Gegen 10%, Uhr erschien Ministerpräsident Combes steigere, das Gedächtnis beeinträchtige und nur zu oft zu völliger in der Morgue und in der genannten Kaserne. Geistesfrankheit führe, der so manchen in frankhaftem Rauschzustand Das Berliner Tageblatt" erhält folgende Darstellung des fich befindenden oder von Bahnvorstellungen erfüllten Trinter zum Berlaufs der Katastrophe: Gegen 8 Uhr erhält der Zugführer Verbrecher werden lasse und selbst der Nachkommenschaft des Trinkers Chauvin den Auftrag, seinen beschädigten leeren Zug an einen Krankheit und Siechtum als verhängnisvolles Erbe mit auf den anderen leeren Zug anzuhängen und so zum Bahnhofe unter Lebensweg gebe. Die Alkoholfrage sei von besonderer Bedeutung der Place de la Nation zu dirigieren. Er handelt demgemäß, bemerkt für die Arbeiterschaft: für die Krankenkassen, denen ein dem Rom, 11. Auguft. Heute früh turz nach 5% Uhr wurden in aber unterivegs, daß unter dem Wagen bisweilen Kleine Flammen Alkohol ergebenes Mitglied gewöhnlich sehr teuer werde, und für den Bari zwei wellenförmige Erbstöße verspürt, deren zweiter der stärkere aufichlagen; er hofft, noch die Station zu erreichen, aber zwiſchen wirtschaftlichen und politischen Kampf der Ar- war. Auch in Milazzo und Meffina wurde das Erdbeben waljrden Bahnhöfen Wenilmontant und Couronnes schlägt plöglich, beitertlaffe, der gehemmt werde durch die genommen. In Syrahus erfolgte um 5 Uhr 38 Minuten früh ein offenbar infolge Kurzschlusses, eine meter hohe Flamme Erdstoß mit dumpfem Rollen, dem drei Minuten später ein zweißes empor. Im selben Augenblick erlischt im Tunnel bas elektrische Licht mehrere Sekunden anhaltendes Beben folgte. Auch in Taranto, und dichter Rauch hüllt alles ein. Das Personal der beiden leeren Stabia und Castellamare wurden heute früh Erdstöße verspürt. Büge stürzt zum Ausgang des Bahnhofes Menilmontant, entkommt Rom, 11. August. Fortwährend laufen noch Meldungen von halb erstickt und schlägt Alarm. Erdbeben ein, so aus Segni und der ganzen Provinz Lecce. Rom, 11. Auguft. Aus Neapel, Catania und fast dem gamzen östlichen Sizilien wurden gegen 5 Uhr morgens Erderschütterragen gemeldet. schreiend auf die Straßen. Einige Häuser wurden beschädigt. gegriffen habesagens habe Feuer gefangen, das rasch um sich hier • narkose", burch die dem Alkohol entstammende Gemütlichkeit, Zufriedenheit, Gleichgültigkeit, Mittelmäßigkeit und Berdummung. P " " " Die Gründung der deutschen Socialdemokratie. Eine Festschrift der Leipziger Arbeiter zum 23. Mai 1903. Zweite Auflage. Preis: 40 Pf. Berlag Leipziger Buchbruckerei Attiengesellschaft. Ratgeber für Arbeiter. Preis: 1,25 M. Berlag Leipziger Buchdruderei Attiengesellschaft. Protokoll der fünften ordentlichen Generalversammlung des Deutschen Werftarbeiter- Verbandes nebst Geschäftsbericht. Abgehalten vom 10. bis 13. Mai 1903 in Begejad. Verlag von Otto Dellerich, Lehe. Vermischtes. Erdbeben in Italien. Vater und Sohn ertrunken. Wie aus Swinemünde berichtet wird, sind heute früh im, dortigen Hafen nahe am Bollwert ein Fischer aus Ahlbeck und sein Sohn ertrunken. Letterer war von Focsegel über Bord geschleudert, und der Vater war ihm nachgesprungen, um ihn zu retten. Sch Bom Blik erschlagen. Auf dem Artillerie- Schießplahe bei Thorn wurde vorgestern nachmittag, wie ein Telegramm aus Thoru meldet, ein Arbeitskommando, das unter dem Befehl des FeuerwerksOberlieutenants Beutel stand, von einem schweren Gewitter überrascht. Ein Blitzstrahl tötete den Oberlieutenant Beutel mit seinem Pferde, das ganz versengt wurde. Die Mannschaften des Kommandos tamen mit dem bloßen Schreck davon. Genoffe Juliusburger hatte in seinem Vortrage unter dem Beifall der Berfanmilung darauf hingewiesen, daß der Mann, der sich um die Auftlärung über die Gefahren des Alkohols hervorragende Inzwischen ist auf der entgegengefeßten Seite auf dem andren Verdienste erworben habe, Professor Forel, im Saale anwesend Geleise ein Zug gekommen, der dicht mit Fahrgästen bolIfei. Gleich nachdem der Redner geendet, ergriff Forel, von der Vergepfropft war. Der Führer diefes Buges bemerkt vor sich das fammlung nochmal mit freudigem Beifall begrüßt, außer der TagesFeuer und den Rauch und stoppt. Die Fahrgäste springen hinaus und ordnung das Wort. Der berühmte Gelehrte sprach hier lebhafter fuchen den Ausgang des Bahnhofes Couronnes zu erreichen. Der und anregender als auf dem Abstinententag. Er setzte auseinander, Qualm, der zuerst wie eine Wolle über den Boden kriecht, erfüllt wie der Altohol die ganze Raffe herunterbringe. Seine Aus jezt bereits den ganzen Tunnel. Schon brennt das ganze Gewölbe. führungen schloß er mit dem Rat, die abstinente ArbeiterEastend, striechend und drängend kommen die Fahrgäste zur Aus- fchaft möge mit andren Abstinentenvereinigungen gangstreppe. Mehrere sind betäubt und müssen in eine Apotheke Hand in hand gehen, felbst mit Mudern". Man getragen werden. Andre halten sich vor dem Billetschalter auf, applaudierte stürmisch, aber nicht um dieses Schlußfazes willen, zurften to orbem gerungen, er zu fordern drohend ihr Geld zurück und versperren fo ben Nach- sondern trotz ihm. Die Bietät gegen den Vorkämpfer der Abstinenz drängenden den Weg. Nach wenigen Minuten ist die Treppe so bewegung ließ feinen Widerspruch aufkommen. mit Rauch gefüllt, daß es unmöglich wird, hinabzusteigen. Niemand Der zweite Redner des Abends, Genosse Simon Rabenstein, weiß, ob noch Personen unten zurückgeblieben sind. Die Feuer- warf die Frage auf, was denn Alkoholfrage und Arbeiter wehr eilt herbei, Polizei und berittene Gardisten sperren die Straße bewegung mit einander zu thun hätten. Er beantwortete fie in weitem Umkreise ab. Man befürchtet das Einstürzen dahin, daß die Affoholfrage keine Frage von bloß persönlicher, der brennenden Gewölbe. Der Polizeipräfekt Lepine ver- sondern von jocialer Bedeutung sei, wenn sie auch nicht, wie fucht zweimal, mit mehreren Beamten die Treppe hinabzusteigen, man gemeint habe, die sociale Frage" überhaupt sei. Der Altoho und muß jedesmal umkehren. Man rechnet, daß der Bug 240 Jn- lismus sei eine Voltstrantheit. Gesteigert worden sei sie durch 14 Personen durch Pilze vergiftet! Wie gemeldet wird, find in faffen gehabt hat, aber nur 50 haben sich gemeldet. Ein Arbeiter die moderne kapitalistische Entwicklung, durch die heutige Möglichkeit, kommt weinend und erzählt, er vermisse seine Frau. Ein Feuer- Alkohol in großen Mengen zu erzeugen, durch den Aufschwung der Mülheim am Rhein die Angehörigen dreier Familien nach dem Mit Ausnahme eines wehrmann mit Rauchhelm wird hinabgelassen, giebt aber sofort das Branntwein Industrie und in neuester Zeit auch der Bier Genuß gekochter Pilze schwer erkrankt. Notzeichen und wird wieder hinaufgezogen. Die hinabgesandten Industrie, und sie schädige nun die große moderne Mädchens liegen fämtliche Angehörige, insgesamt 14 Personen, Wasserstrahlen sind wirkungslos. Um 3 Uhr morgens entschließt man se ulturbewegung, die Arbeiterbewegung. Zwischen danieder, mehrere befinden sich in Lebensgefahr. fich, die Straße und das Bahngewölbe zu sprengen und eine Deffnung zu Alkoholismus und Not bestehe ein Cirkel von Ursache und Wirkung. zu schaffen. Man hört unter der Erde das Geräusch der einstürzenden Nicht immer sei die Trunksucht eine Folge wirtschaftlichen Elends; Eisenbögen. Um 144 Uhr morgens findet ein Feuerwehrmann, der oft werde gerade von den besser bezahlten Arbeitern am meisten durch die Deffnung eingedrungen ist, einen verkohlten Leichnam. Der getrunken. Bekämpfen fönne man den Alkoholismus schon innerhalb Beizen, gut Feuerwehrmann wird selbst fast leblos herausgezogen und ins Ser bürgerlichen Gesellschaft, durch das direkte Mittel des guten mittel gering Hospital geschafft. Um 14 Uhr werden am Fuße der Treppe des Beispiels und auch indirekt durch Besserung der Arbeitsbedingungen durch Unterweisung Wohnungen, Bahnhofs Menilmontant fieben Leichen gefunden; zwei Leichen und Heranwachsender Noggen, gut mittel in Hauswirtschaftsführung, durch Berbilligung der älterer, zwei jüngerer Männer und drei Frauen. gering Die ra dital- abstinenzlerischen Forde ngis Diese fieben Leichen sind diejenigen von Personen, die gerade Lebensmittel. ihre Billets lösen wollten, und von der anstürmenden Menge rungen, die Kazenstein schließlich an die Vorkämpfer der umgerannt wurden. Eine Dame hatte sich in das Billet- Arbeiterbewegung stellte, und die herabseßenden Worte, die er den bureau geflüchtet unbiebert tot borgefunden. In nicht- abſtinenten Parteigenoſſen und ihrer Thätigkeit im Dienste der Hafer, gut dort diesem Augenblick glaubt man, daß weitere Tote fich nicht im Partei widmete, werden wohl selbst von einem großen Teile der Tunnel befänden, aber bald zeigt sich, daß diese Annahme irrig ist. Abstinenten nicht bedingungslos unterschrieben werden. Dicht am Bahnhofe Couronnes werden drei andre Leichen Einen formellen Proteft gegen Forels Rat an die Ar- Nichtstroh entdeckt, und gleich darauf folgt noch eine weit furchtbarere beiterschaft, mit andern Abstinenten- Vereinen Entdeckung. Im Winkel des Bahnhofs liegen übereinander- felbst mit Mudern" zusammenzugehen, enthielten die Ge Speisebohnen gestapelte ganze Saufen verkohlter Leichname. Viele Ausführungen des Genossen Stagenstein nicht. Der Redner ließ Linjen Zoten halten ihre Taschentücher in den Händen. Die Gefichter sind aber doch teinen gweifel darüber, daß der abstinente Arbeiter tiefrot, wie geröstet. Um 6 Uhr morgens sind 45 Leichen ans Licht nichts zu thun haben will mit jenen Kreisen, die gegen den gefördert, um 7 Uhr bereits 84. Die Toten gehören meistens dem Alkohol predigen, aber gleichzeitig aber gleichzeitig der Trunksucht Vorschub Arbeiterstande an, doch findet man auch Zeichen einiger elegant leisten, indem fie für Lebensmittel- Berteuerung eintreten. Auch in getleideten Damen. Sehr zahlreich find die Kinder- der furzen Distusfion, die sich anschloß, kam es nicht zu der offiziellen Leichen, brei liegen dicht bei einander und scheinen Geschwister zu Erklärung, daß und warum die Arbeiter in der Abstinenzbewegung sein. Alle diese Leichen werden aus dem qualmenden Tunnel herauf ihre eignen Pfade gehen wollen. Die Versammlung beschloß ohne befördert und auf die Ambulanztagen geladen, während weit hinten Widerspruch folgende Resolution: an der Absperrungstette eine dichte Menge steht, und die Frauen nach ihren vermißten Männern schreien. In der ganzen Stadt rufen Camelots Ertrablätter aus. Im Laufe des heutigen Bormittags tverden immer neue entfebliche Details bekannt. Ein Journalist, der nach der Bergung der Leichen in den nun ziemlich rauchfreien Tunnel hinabgestiegen ist, erzählt, daß fünf Wagen des Zuges unverbrannt sind, aber die Scheiben und Size sind zerschlagen. Der Bahnsteig ist mit vertohlten Gegenständen und Blut bedeckt. Man fordert jegt etwas spät, daß die Wagen imprägniert und die elektrischen Drähte von der Erde an das Deckengewölbe verlegt werden sollen. der und Marktpreise von Berlin am 10. August 1903 nach Ermittelungen des fgl. Polizeipräsidiums. D.- Chr. * Gerste, gut mittel gering n mittel gering ** Heu " 14,40 13,70 13,60 13,00 12,90 12,30 Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Kartoffeln, neue D.- Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch 8,00 5,00 1,80 1,20 1,40 1,00 1,60 1,20 " 1,80 1,20 " 1,80 1,20 2,60 2,00 60 Stüď 4,00 2,40 1 kg 2,40 2,00 2,80 1,40 3,00 1,20 " 2,40 1,20 1,80 80 2,60 1,20 1,40 70 Cier Karpfen 16,60 15,40 Aale 15,30 14,10 Bander un 14,00 12,80 echte 4,16 3,82 Barsche 6,80 4,50 Schleie 40,00 25,00 50,00 25,00 Strebse 60,00 20,00 * flamm und Geruch. ** fret Wagen und ab Bahn. Bleie per Schod 18,00 3,00 Witterungsübersicht vom 11. August 1903, morgens 8 Uhr. Stationen .2909 Barometerind richtung stand mm 761 28 Bindstärke Better 19 Temp. n. C. 5.4° º. Stationen Die am 10. August 1908 in Drei Festfälen zu Berlin tagende Boltsversammlung sieht in dem zunehmenden und das ganze Gesellschaftsleben durchleuchenden Alkoholgenuß eine schwere Gefahr für die törperliche und geistige Entwicklung insbesondre des arbeitenden Boltes. Swinemde. 759 34 wollig Der Altohol verschlimmert noch die schweren Schäden der kapita Hamburg 760 S liftischen Wirtschaftsordnung, wird als mitwirkende oder Hauptursache Berlin zur Quelle von Verbrechen, Not, Krankheit und Entartung und ist München 767 Still tollent 16 Paris eines der schwersten Hemmnisse im Kampfe um die Befreiung des Bien 765 231wolfig 17 arbeitenden Boltes. Die tapitalistische Gesellschaft hat sich, aller anerkennenswerten Bestrebungen aufrichtiger Boltsfreunde ungeachtet, bisher unfähig gezeigt, diese mit dem ganzen socialen und geistigen mit Gefüge des Kapitalismus enge verwachsene Best des Voltslebens zu Frankf.a.M. 7636 Barometer sland mm Windrichtung Windstärke Better Temp. n. C. 5° C.= 4° N. 15 Haparanda 753 D 2bededt 15 3woltig 14 Petersburg 752 DND 1 Regen 14 2halb bb. 17 Cort 759 N 1heiter 13 2pollent 15 Aberdeen 763 SSD 1bedeckt 14 Wetter Prognose für Mittwoch, den 12. August 1903. Veränderliches, jedoch vorwiegend heiteres und etwas wärmeres Wetter schwachen Südwinden ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Fliesenleger- Hilfsarbeiter! Arbeiter- Sekretäre gesucht. Orts- Krankenkasse Freitag, den 14. Auguft d. J., abends 8 Uhr, in den Industrie: Festfälen, Benthstraße 19/20: Versammlung aller bei Fliesenlegern beschäftigten Hilfsarbeiter Berlins und Umgegend. Tages- Ordnung: 1. Der Streit der Filesenleger und welche Lehren ziehen wir daraus? Referent: Kollege Georg Heinemann. 2. Wie stellen sich die FliesenlegerHilfsarbeiter zum Anschluß an die Organisation. 3. Verschiedenes. Für das am 1. Januar 1904 zu errichtende Arbeiter- Sekretariat für Leipzig Handschuhmacher und verwandten Gewerbe zu Berlin. Die in der Generalversammlung bom 1. März d. J. beschlossene neunte Abänderung des Statuts betreffs Einführung von Lohnstufen, Erhöhung dieses Jahres und 23. Juli d. I. 39/18 wird ein erster und ein zweiter Sekretär gesucht.ber Beiträge u. a. ift durch Beschlus Bewerber werden ersucht, ihre Gesuche nebst Gehaltsansprüchen bis 10. September Pflicht aller bei Fliesenlegern beschäftigten Hilfsarbeiter ist es, in diefer d. J. an A. Dieckmann, Leipzig- Menfchönefeld, Eisenbahnftr. 10, Ill, zu senden. Bersammlung zu erscheinen. Wir ersuchen die Fliesenleger, ihre Hilfsarbeiter auf diese Versammlung aufmerksam zu machen. Verband der Bau, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter. ( Bahlstelle Berlin und Umgegend.) Die Ortsverwaltung. Restaurant und Café„ BELLEVUE" 99 Socialdemokrat. Wahlverein Charlottenburg. Rummelsburg am See! 3nh. F. Walterstein& Sohn. General- Versammlung am Donnerstag, den 13. August, abends 8% Uhr. Tages- Ordnung: 1. Wahl eines zweiten Borsitzenden und Schriftführers. 2. Anträge zur Brandenburger Provinzialfonferenz und zum Parteitag. 3. Wahl der Delelegierten zur Generalversammlung des Kreises. 4. Vereinsangelegenheiten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 250/15 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Donnerstag, den 13. August 1903, abends 812 Uhr, im Lokal von Wilh. Koepke, Hermannstraße 27: Konferenz der Vertrauensleute für Rixdorf. Da wichtige Dinge zur Beratung stehen, ist das Erscheinen aller dringend erforderlich. 120/6 Die Ortsverwaltung. Luftbad Nüpi am Bahnhof Jungfernheide eröffnet für Herren. Jedes Wort: 5 Pfennig. Nur das erste Wort fett. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Restauration, 7 Jahre bestehend, Vereinszimmer mit Verein, Kegelbahnen, sofort zu verkaufen. Schmidt, Bappel- Allee 114. + 68* Parteilokal wegen andern Unternehmens sofort billig zu verkaufen, fünfmal Bereine in der Woche. Zu erfragen bei A. 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Kirchmeyer, Friedrichsfelde, u. Gersdorff, Hohenstaufenstraße, verhängte Sperre wird hierdurch aufgehoben, da dieselben den Lohntarif durch Unterschrift anerkannt haben. 13/10 Desgleichen heben wir hiermit die Sperre über Stampehl, Brunnenstraße, auf. Die Ortsverwaltung. Für eine große Fabrik( Ausland, über 200 Arbeiter) wird ein tüchtiger junger Vormann gesucht, welchem der Wertmeister einen Teil seiner Arbeiten überlassen fann, speciell auch befähigt ist, die Aufsicht zu führen und dafür zu sorgen, daß sämtliche Arbeiten vorbedacht, praktisch, schnell und tadellos ausgeführt werden. Betreffender muß ferner den Stüdlohn mit bestimmen tönnen, nötigenfalls selbst mit anfassen und den Arbeitern in allem mit gutem Beispiel vorangehen. Eifer, Pünktlichkeit und Kenntnis aller Neuerungen der Branche sowie prima Referenzen, Bedingung. Sprachkenntnisse nicht erforderlich. Angenehme dauernde Stellung bei gutem Gehalt, bei zufriedenstellenden Leistungen wird zugesichert. Dfferten mit Angabe des Gehaltsanspruchs, des Alters, der bisherigen Stellung, ob verheiratet usw bitten unter J. C. 568 an Haasenstein& Vogler A.-G., 131/ 7* Berlin W.8 zu richten. Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.