Nr. 196. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in der Poft- Zeitungs. Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn z Mart, für das übrige Auslan 8 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 20. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonelgeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 20 Bfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Infecate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttags geöffnet. Telegramm Aoreffe: ,, Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der socialdemokratischen Partet Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Eine Jubelfeier des Klerikalismus. Als im Frühjahr der Sturm von Westen den Polizei- und Diplomatenstaat mit all seinen stolzen Burgen und Wällen gleich Kartenhäusern über den Haufen warf, zugleich aber auch den ganzen Bestand der Gesellschaft bedrohte, da mußte es jedem einsichtsvollen Katholiken einleuchten, daß jetzt die Zeit gekommen sei, sich zu vereinigen und mit vereinter Kraft zu handeln, daß es jetzt gelte, die neu errungenen Freiheiten der Versammlung und Vereinigung, der freien Rede und Presse mit Entschlossenheit in die Hand zu nehmen und sich ihrer zu Gunsten der Religion und der Kirche zu bedienen" 27 " Sonntag, den 23. August 1903. Man könnte lächelnd über das thörichte Gerede hinweggehen, wenn man nicht wüßte, daß unsre Regierungen in ihrer Furcht vor der Socialdemokratie sich diesen Thorheiten gegenüber empfänglich zeigen und der Klerikalen Reaktion, die sich ihr in der letzten Zeit so gefällig erwiesen hat, noch mehr als bisher entgegenkommen werden. Es ist kein Zufall, daß vom ersten Katholikentage an bis auf den letzten besonderes Gewicht darauf gelegt wurde, die Schule unter die Botmäßigkeit der Kirche zu bringen, und allemal noch, wenn es galt, die Kirche als die Helferin in den Schäden der Zeit anzupreisen, wurde als erste Bedingung dazu die christliche, d. H. Klerikali fierte Volksschule und weiterhin der Klerikalisierte Unterricht überhaupt gefordert. Der Jugend soll unter pfäffischer Leitung bei Zeiten das Rückgrat gebrochen, Demut und Entsagung ihr systematisch eingebläut und jene Zufriedenheit ihr zur zweiten Natur gemacht werden, die nach dem maßgebenden Urteil Peter Reichenspergers nötig ist, um brauchbare Fabritarbeiter und Ackerknechte zu erzielen. So sieht die Er ziehung der Jugend und die Lösung der socialen Frage" in flerifalem Sinne aus! " Und die Macher der ultramontanen Politik sehen bezüglich ihrer Bestrebungen auf die Kölner Tage besondere Hoffnungen. Das Centrum fühlt sich auf der Höhe seiner Macht, und im deutschen Rom" soll auf der Jubelfeier der Katholikentage der Welt, soll vor allen Dingen der Regierung zum Bewußtsein gebracht werden, was das Centrum zu bedeuten hat. " Fest vertrauen wir darauf, daß Ihr unsrer Einladung folgen werdet, zahlreich wie nie zuvor; daß Ihr die Kölner Tage gestalten werdet zu einem weithin sichtbaren Denkmal der katholischen Weltanschauung". I also heißt es in der vor einigen Wochen erlassenen Einladung des Kölner Lokalfomitees zu diesem 50. Katholikentage. Und das wird eintreffen. Auf die Kunst, Massen anzuziehe und zu unterhalten, versteht sich der Rheinländer, insbesondere der Kölner, wie der Starneval beweist, versteht sich vor allen Dingen auch die Kirche, die in tausendjähriger Uebung das Talent, eine gefühlsselige Menge zwischen Betäubung und Verzückung zum gewollten Biele zu leiten, bis zur Vollendung ausgebildet hat. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Aktion zu stürzen, die ihren nicht besonders hohen Kredit vollends zu erschüttern geeignet ist. Am Sonnabend 1/24 Uhr wurde unser verantwortlicher Redakteur Genosse Leid in seiner Wohnung verhaftet. Der Kriminalkommissar Dr. v. Henninger war persönlich erschienen, um wegen des mit Majestätsbeleidigung verbundenen groben Unfugs- unsren Kollegen zu verhaften. Der Kommissar meinte liebenswürdig, daß er anständig verfahren und eine Droschte nehmen werde, statt, wie er tönnte, den grünen Wagen zu benutzen. Er entschuldigte sich auch, daß er nichts für die Verhaftung fönne; er selbst hätte die Sache auch nicht für so schlimm gehalten. Der Wunsch unfres Genossen, vor der Abführung die Redaktion zu benachrichtigen, wenn auch nur telephonisch, wurde verweigert; Herr v. Henninger versprach, felbft die Mitteilung zu übernehmen, was er denn auch that. " Diese neueste That des Untersuchungsrichters erhöht die Unbegreiflichkeiten des Verfahrens. War schon die Konstruktion einer Majestätsbeleidigung völlig haltlos, so scheint die Verhaftung geradezu unglaublich. Noch niemals hat sich ein Redakteur des Vorwärts" den Gerichten durch die Flucht entzogen. Es kann also nur ein Motiv für das Verfahren gedacht werden. Man hofft auf diese Weise herauszubringen, woher wir unsre Wissenschaft haben und was wir wissen. Aber wenn uns auch das Vertrauen ehrt, das die Behörden in die Zuverlässigkeit unsrer Meldungen sehen, so ist damit nicht der Mißgriff der durch nichts zu rechtfertigenden Verhaftung begründet. Es sind von unsrer Seite natürlich sofort Schritte gethan, um die Enthaftung unsres Kollegen herbeizuführen. Zur Affaire selbst schreibt heute die, Norddeutsche Allgemeine Beitung": ,, Von seiten des Hofmarschalls v. Trotha ist uns die Mits teilung zugegangen, daß ihm von dem Projekt eines Schloßbanes auf der Insel Bichelswerder nicht das geringste bekannt ist. Die Nachricht, daß er der Urheber des angeblichen Planes sei, ist also aus der Luft gegriffen. Herr v. Trotha ist übrigens seit dem 1. Mai d. J. nicht mehr Hofmarschall Sr. Majestät des Kaisers, sondern Hofmarschall Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit des Kronprinzen." Auch jetzt wieder, nach den letzten Reichstagswahlen, ertönte in „ Die katholische Association darf fortan nicht mehr auf den bloß der Centrumspresse diese Weise. Die Kölnische Voltszeitung" negativen Zweck der rechtlichen Freiheit der Kirche sich beschränken. stimmte der Kreuz- Zeitung" völlig zu, als diese meinte, die Wahlen Sie muß vielmehr ebenso wesentlich die Wiedererwedung, Belebung legten ernstlich die Frage nahe, ob die Faktoren, denen die Erziehung und Ausbreitung christlicher Gesinnung und Ge- und Ausbildung der Jugend obliegen, wirklich alles gethan hätten, fittung, die allfeitige Einführung der katholischen um diese mit dem Geiste der Zucht, der Achtung vor Prinzipien ins Leben und die Lösung des großen der göttlichen und menschlichen Autorität, mit der Problems der Gegenwart: der socialen Frage anstreben"...& iebe zu König und Vaterland zu füllen." In diesen beiden Säßen, die dem Vorwort des amtlichen Berichtes über den ersten Katholikentag( Mainz, 3.- 6. Oftober 1848) entnommen sind, ist das Programm des Klerikalismus enthalten. Allerdings muß man die Worte zu deuten wissen:" Freiheit" braucht auch der Klerikalismus; er braucht sie vor allem da, wo er, wie im protestantischen Preußen und weiterhin in Deutschland, eine Minderheit darstellt, wo er sich, wie es ehedem der Fall war, als der Geduldete und Unterdrückte fühlen mußte. Hatte man sich ja so lange schon gesehnt nach Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft, in welcher der allmächtige Polizeistaat die Kirche und das katholische Leben gefesselt hielt" heißt es an einer andren Stelle des oben genannten Berichtes. Das Centrum, die politische Organisation des Klerikalismus, konnte in Breußen und später im Deutschen Reiche sich als oppofitionelle Partei geberden, konnte im Namen von Wahrheit, Freiheit und Recht" gegen den Polizeistaat, gegen den Absolutismus wettern, nicht weil der Klerikalismus ein Gegner des Absolutismus ist, sondern weil sich dieser Absolutismus gegen ihn richtete. Das hat sich, wie die Geschichte des Centrums lehrt, in demselben Maße geändert, wie der Diese Erklärung ist für uns wichtiger als man ahnt. Sollte Herr Klerikalismus in Deutschland aus einer geduldeten und unterdrückten, v. Trotha, den wir als den Zeugen und Vermittler angesprochen zu einer mitherrschenden, zu einer ausschlaggebenden Partei wurde. haben, wirklich der„ Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" versichert Im Motto des Centrums steht zwar neben Wahrheit und Recht" haben, daß ihm von dem Projekt nicht das geringste bekannt ist, auch noch die Freiheit", aber wir wissen, wie es damit aussieht, wir so leidet er entweder an einer höchft beunruhigenden Gedächtniswissen, daß der Klerikalismus gerade so viel Freiheit verlangt, wie schwäche oder er hat, aus irgend welchen Gründen, wider besseres er zur Durchführung seiner reaktionären Bestrebungen braucht. Durch die Masse, für die Masse nach diesem Rezepte sind die Wissen dem Blatt die Wahrheit vorenthalten. Da nunmehr die AnEs hört sich recht harmlos an: Ausbreitung christlicher Ge- Katholikentage arrangiert und jeder folgende übertrifft darin den gelegenheit ein erheblich öffentliches Intereffe beansprucht, fordern finnung und Gefittung". Aber dahinter steckt mehr als die Worte vorhergehenden. Die Programme find ins Unendliche geschwollen; wir die Staatsanwaltschaft auf, gegen uns wegen Beleidigung des besagen. Die„ allfeitige Einführung der katholischen Prinzipien ins Barnum, der Meister des Riesenfpektakels, könnte davon lernen. Hofmarschalls v. Trotha einzuschreiten. Dann können wir nicht nur Leben" bedeutet nichts weniger als die Hinabdrückung unsrer wirt Vier geschlossene, vier öffentliche Generalversammlungen, fünfmal Herrn v. Trotha als Zeugen laden und die Angelegenheit gerichtlich schaftlichen, politischen und geistigen Verhältnisse auf die flein- Sigung der Ausschüsse, jeden Tag in der Frühe Gottesdienst, am zur völligen Aufklärung bringen, sondern wir bieten damit auch der bürgerlich- bäuerlichen Bedürfnisse des Alerifalismus, bedeutet die Abend irgend ein Fest oder eine Feier das ist der Katholikentag Staatsanwaltschaft einen Weg, sich von der unmöglichen ersten AnUnterordnung der Massen unter die Autorität der Junkerei und im engeren Sinne. Außerdem berzeichnet das Programm an neben- flage zurückzuziehen. Alerisei, bedeutet die Reaktion auf der ganzen Linie. hergehenden Veranstaltungen noch einige Dutzend Fest-, General- Wir halten in jedem Punkte unsre Mitteilungen aufrecht und Und in diesem Sinne löst" auch der Klerikalismus die sociale und sonstige Versammlungen besonderer Organisationen, Ver- betonen insbesondere gegenüber einer denunziatorischen Presse, daß Frage. Auf dem ersten Katholikentag in Maing sagte in der allge- eine usw., sowie einen Feftzug und ein halbes Dukend Kommerse. die von uns für den Plan angegebenen Einzelheiten und Motive meinen Versammlung vom 5. Oktober der Vorsitzende Hofrat Buß: Die sämtlichen Säle der Stadt Köln find mit Beschlag belegt; aber( Absperrung, Reichstags- Wahlkreis usw.) lediglich der hösischen BeAm Bau der Staatsordnung sollen die thätig sein, welche die fic reichen nicht aus; für die großen öffentlichen Versammlungen, gründung des Planes entnommen sind und nicht etwa unfre Leuchte haben, nicht die Masse, sondern welche die Masse die Prunkstücke der Katholikentage, ist eine eigne 8000 Personen Schlußfolgerungen und Erwägungen darstellen. als die rechten Männer dazu anerkennt. Wir wollen die Demokratie, fassende Festhalle errichtet worden. Die Masse muß es bringen! aber die christliche; große Körperschaften in freier selbständiger Aber die Masse hat nichts zu sagen auf den Katholikentagen, Gliederung müssen sich wieder gründen, gleich den alten ebenso wenig wie in der Fraktion des Centrums und in seinen WahlInnungen, nicht mit dem Zwange, aber mit der Ehrenhaftigkeit organisationen. Und das ist das Bedauerliche an der ganzen Erderselben; die Gesellen müssen wieder an des scheinung, daß es Arbeiter sind, die sich da, wo es zu raten und zu Meisters Tisch essen, auf daß nicht, von ihm zurüdgestoßen, thaten gilt, beim Centrum geduldig bei seite schieben lassen und sich fich in ihnen eine Herde von Proletariern erziehe." ebenso geduldig hergeben als Stimmvieh bei Wahlen und als Statisten als Material für Festzüge und weihräuchernder Chorus für die Größen der Katholikentage. " " Und weiter: Ohne religiöse Erziehung geht ja notwendig die ganze Zukunft verloren. Manche meinen, den Religionsunterricht könnten immerhin die Geistlichen geben, aber alles andre müsse von ihrer Aufsicht frei sein, denn das gehe sie nichts an; fie vergessen aber, daß es in der Schule neben dem Unterrichte hauptfächlich auf die Erziehung ankommt und die muß ganz auf die Religion gebaut sein, sonst ist sie nichts. Gerade deshalb muß die Schule mit der Kirche im Verband stehen in der Gladbacher Jesuitenschule das Mart aus den Knochen gezogen und von der Geistlichkeit überwacht sein; und die ganze Kraft der Vereine muß darauf gerichtet werden, um die Zukunft und den Kern des Volkes zu retten; ohne das geht unsre Jugend gründlich berloren." Wie das Centrum sich neuerdings zu einigen Arbeitertandidaturen bei den Wahlen verstanden hat, so gestattet es auch in den öffentlichen Versammlungen der Katholikentage seit einigen Jahren wohl einem Arbeiter, allerdings nur einem siebenfach ge= siebten, das Wort, und einzelne Gewerkschaftsführer, denen vorher worden ist, dürfen sich auch in den geschlossenen Versammlungen und den Ausschüssen sehen lassen. Aber das sind Konzessionen, die nicht einmal aus freiem Willen kommen, sonst hätte man die Arbeiter schon eher herangezogen und würde ihnen einen breiteren Raum und mehr Einfluß gewähren; es sind spärliche Brocken, die man den Arbeitern hinwirft, weil man ihrer bedarf als beifallspendenden Hintergrund, als Beweis, daß das Centrum noch die Massen zu seiner Verfügung hat. Zu andren Gedanken haben es auch die Katholikentage der folgenden Jahrzehnte nicht gebracht, und wenn nach und nach, und zumal in der letzten Zeit, die Klerikalen Grundforderungen in Einzelheiten und in der Form etwas gemäßigter erklingen, dann nur deshalb, weil es die Zweckmäßigkeit erfordert, weil es die Hauptsache Und leider merkt ein großer Teil der katholischen Arbeiter noch schädigen hieße, wenn man an unerfüllbaren Einzelheiten festhalten nicht, welch traurige Rolle sie im Gefolge des Centrums spielen, welch wollte. Aber nach wie vor erfordert es das Wesen des Klerikalismus, unverzeihliches Verbrechen sie an ihrer Klasse begehen, indem sie sich die Kirche in den Mittelpunkt des öffentlichen und privaten Lebens zu für eine Politit mißbrauchen lassen, deren Hauptstreben auf die stellen. Ohne die Kirche kein Heil, sie allein kann die Gesellschaft vor Niederhaltung der Masse, auf ihre geistige und sittliche Verkrüppelung dem Umsturz retten! In hundertfältigen Variationen wird dieser hinzielt. So viel Heiteres jeder Katholikentag auch bringt, das ist Sang auch in Köln, auf der Jubelfeier der deutschen Katholikentage die traurige Seite daran. ertönen. Und doch läge nach den Wahlen des vergangenen Juni recht wenig Anlaß zu dieser Ruhmredigkeit vor, namentlich im katholischen Rheinlande, wo doch wie anderwärts auch die Socialdemokraten be= wiesen haben, daß die Kirche mit all ihrer Fülle von Kräften und Mitteln die socialistische Flut nicht zu bannen vermag. kennt die klerikale Tattit, man weiß, wie dieser Einwurf erwidert werden wird: Eben weil die Kirche nicht die ihr zukommende Macht Die lächerlichen Hundstagsphantafien" des„ Vorwärts" über und Freiheit hatte, deshalb hat sie nicht ihre volle Fähigkeit, dem die Kaiserinsel scheinen so unangenehm berührt zu haben, daß die Umsturz entgegenzutreten, entfalten können. Bebörden auf dem besten Wege sind, sich besinnungslos in eine Aber man Politische Ueberlicht. Berlin, den 22. Auguft. Unser verantwortlicher Redakteur verhaftet! Wir stellen noch fest, daß Herr Botho Ebhardt die von uns gewünschte bündige Erklärung nicht abgegeben hat! 11 " Zur Charakteristik der Moral und Intelligenz der bürgerlichen Bresse drei Auslassungen! Die Tägliche Rundschau" schreibt zu der gegen uns unternommenen Aktion: In der That erstaunlich. Es wird ganz unmöglich sein, in den betreffenden Vorwärts"-Artikeln auch nur ein Wort zu finden, das einer Anklage auf Majestätsbeleidigung irgendwie zur Grundlage dienen tönnte. Daß sich die ganze Stänkerei des " Vorwärts" juristisch als grober Unfug wird darthun lassen, ist ebenfalls mindestens zweifelhaft. Es ist aber vorauszusehen, daß das ganze Vorgehen der Staatsanwaltschaft, das, wie man sieht, schon bis zur Instanz des Untersuchungsrichters gebiehen ist, mit einer Niederlage enden wird. Schlinim genug. Schlimmer aber, daß auf diese Weise dem ganzen Hokuspokus des Vorwärts" ganz offiziell eine Aufsehen erregende Bedeutung beigemessen wird, wie sie sich der Vorwärts" gar nicht beffer hätte wünschen können. Was kein vernünftiger Mensch glaubte, daß an den Erzählungen des Vorwärts" etwas Wesent liches fei, was seine aberwißigen Schlußfolgerungen rechtfertigen könne, das zu glauben werden viele durch dieses Vorgehen der Behörden sich gezwungen fühlen. Um Lächerlichkeiten, werden diese vielen fich sagen, führt man keinen Krieg. Daß die Erzählungen des„ Vorwärts" in allem wesentlichen Albernheiten seien, war von allen Seiten bündig dargethan. Daß vor allem der Kaiser selber von dieser ganzen Geschichte nichts wußte, erzählt der Vorwärts" heute selbst, dadurch allein jede Bedeutung seiner Phantasien zerstörend. Er giebt zu, daß es sich nur um Planmachereien unverantwort licher, mit ernsteu Geschäften nicht überlasteter Leute gehandelt habe. Warum, wenn er's wollte, hat man ihm nicht das Vergnügen gegönnt, mit diesen Thorheiten seine Leser noch weiter zu unterhalten. Es hätte niemandem mehr geschadet. Nun aber blüht dem Bortvärts" sein Weizen." " " In der Kunst demokratischen Denunzierens übt sich der Berliner Diplomat der Frankfurter Zeitung":" " „ Als der„ Vorwärts" von dem phantastischen Plane eines festen Kaiserschlosses auf der Jujel Pichels werder in der Havel an der neuen Heerstraße Berlin- Döberig erzählte, da bestand das Aufsehenerregende und Unglaubliche dieser angeblichen Enthüllung nicht darin, daß der Kaiser sich auf dieser landschaftlich recht hübsch gelegenen Insel ein Schloß bauen wollte, -GO " sondern in dem Beiwert, daß es ein festes Schloß sein solle, von einer Zuschußanleihe nicht herumkommen; werde sie in diesem Jahre| christlichen Organisation angehören, gründlich ausgetrieben werden. der Außentvelt abgesperrt, leicht vom Gardecorps cerniert werden vermieden, so würde sich doch im nächsten ihre vermehrte Not- Sie werden es nicht begreifen können, wie man ihre Kameraden zu könne und daß es sogar das war das allertollste wendigkeit herausstellen. Keine Spur eines ernsten Willens, die Verbrechern stempeln kann, die doch nichts thaten, wie im Auftrage mit seiner Umgebung einen besonderen Reichstags- Wahlkreis wichtigsten Grundsäge der Finanzpolitik vor dem Zusammenbruche zu sämtlicher Arbeiter deren Eigentum zurückzufordern. Sie haben zwar bilden solle. Die Tendenz dieser Schilderung war unzweifelhaft schützen und für ordentliche Ausgaben auch ordentliche, dem Volke dem Unternehmer gedroht; aber was sie ihm angedroht haben, ist den Glauben zu erwecken, daß der Kaiser sich in Berlin nicht sicher nichts andres als was der Unternehmer kurz zuvor ihnen gethan fühle und sich für alle Fälle eine geschützte Zuflucht sichern wolle, erträgliche Einnahmen zu suchen. hatte. Die Kündigung sämtlicher Arbeiter war nämlich erfolgt, um derselbe Kaiser, der, nebenbei bemerkt, jeden Tag, den er in Dieser Mangel jeder Führerschaft brachte es auch mit sich, daß die streikenden Arbeiter eines andren Betriebes zur Wiederaufnahme Berlin ist, ausreitet, im offenen Wagen fährt und den man in den die regierende Partei dem Schatzsekretär mehr und mehr ins Hand- der Arbeit zu zwingen. Er war also den Arbeitern mit der Entlassung gefrühen Morgenstunden im Tiergarten fast täglich zu Fuß spazieren werk pfuschte und daß der Centrumsabgeordnete Müller Fulda droht worden, um einem Dritten den Vermögensvorteil zu ber gehen sehen kann und so nahe wie man nur irgend will wie jeden zu Zeiten der eigentliche Reichs Finanzminister genannt schaffen, den er von der Arbeit der Arbeiter hat. Die That ist die andren Spaziergänger begrüßen kann. Die sensationelle Erzählung werden konnte. Man darf zweifelhaft sein, wer von beiden Teilen gleiche; der Unternehmer geht frei aus, der Arbeiter aber wird als des„ Vorwärts" ist dann offiziös für ein Hundstagsmärchen erklärt sich damals mehr blamierte: der Staatssekretär, der knapp vor dem ehrloser Erpresser gebrandmarkt und ins Gefängnis geworfen und worden, über das der Kaiser selbst gelacht hat. „ Es ist begreiflich, daß jetzt in den meisten Blättern Hohn Strach die Notwendigkeit neuer Steuerquellen in Abrede stellte, oder nicht einmal feine Christlichkeit schützt ihn davor. und Spott auf die Enthüllung des Vortvärts" regnet. Es hieße die regierende Partei", die die Erträgnisse der neuen Steuern Polizei und Preffe. diese Hundstagsgeschichte verkennen, wenn man nicht den durchaus charlatanhaft überschätzte. nicht zu unterschätzenden politischen Kern herausfühlte. Es werden Die in vielen Fällen gebräuchliche Mitarbeit von PolizeiFreilich bewies Herr v. Thielmann, daß er mitunter auch zu beamten an Zeitungen hat dem Minister des Innern Anlaß zu einer da dem Kaiser Anschauungen und Stimmungen zugeschrieben, für sparen verstand. Während er noch 1899/1900 die sichere Erwartung untersuchung und infolgedessen zu einigen Verfügungen darüber gewelche sein bisheriges Verhalten, sein Auftreten und seine Lebens- ausgesprochen hatte, man würde ohne Einführung neuer Steuern geben. Den Hauptanlaß scheint der jüngst bekannt gewordene Fall gewohnheiten durchaus keinen Anhalt bieten, die aber, wenn sie die Milliardenflotte bauen können, war ihm ein Jahr später die gegeben zu haben, wo ein Polizeibeamter als Verfasser eines Feuilletons wirklich vorhanden wären, wohl nicht nur in der Anlegung eines Vorlage über die Versorgung der Kriegsinvaliden schon eine„ be- verklagt worden war, weil sich eine betriebsame Adelsfamilie durch das befestigten Schlosses, sondern bald auch politisch in Regierungs- denkliche Störung im Reichshaushalte", der man nur durch Er- Feuilleton beleidigt fühlte. Bei dieser Untersuchung ist die interessante maßregeln oder gesetzgeberischen Projekten zum Ausdruck kommen schließung neuer Einnahmequellen des Reiches vorbeugen könnte". Thatsache aufgedeckt worden, daß in einigen Fällen die Bezahlung dafür müßten. Wozu das?" von den Zeitungen an die Chefs der Polizeibehörden erfolgt ist, die Wenn schon der Herr Demokraten- Diplomat niemals weiß, was und am 8. Januar 1902 fam ihm endlich die Erleuchtung: Wenn der wirtschaftliche Niedergang anhält und der Rückgang Beamte verwandten, die an der Abfaffung der Notizen gar nicht bedas Geld auch zu Unterstützungen und Remunerationen an andre vorgeht, weil er nur mit hohen Mienen wiederkäut, was man ihm in der Einnahmen sich weiter fortsetzt, so werden Sie( die Reichstags- teiligt waren. der Wilhelmstraße zu essen gegeben hat, so sollte er doch diese Mängel Die Verfügung des Ministers macht selbst auf die Abgeordneten) nicht umhin können, neue Einnahmequellen zu be- etatrechtlichen Bedenken aufmerksam, die einem solchen Verfahren nicht durch denunziatorische Winke an den Staatsanwalt zu ersetzen willigen, nicht aber solche wie der Börsenstempel, sondern Ein- entgegenstehen. Dann fährt die Verfügung fort: suchen. Wir haben mit keiner Silbe auch nur angedeutet, daß der nahmen, die wirklich zu Buch schlagen; und da stehen an erster Die direkte Bezahlung der die Mitteilungen verfassenden Beamten Kaiser sich in Berlin nicht sicher fühle usw.; sondern wir haben vielStelle die Worte Bier und Tabak. durch die Zeitungen ist auf der andern Seite geeignet, Unzuträglichkeit mehr als unzweifelhafte Tendenz unsrer Hundstagsgeschichten" Diese Zuflucht zu dem plumpften, banalsten und den herrschenden hervorzurufen. Die Polizeibehörden sind so vielfach auf die Beschon in der ersten Notiz darauf hingewiesen, daß seine hösische Klassen bequemsten Mittel der Sanierung bildet in Herrn v. Thiel- nuzung der Presse angewiesen, und eine möglichst umfangreiche MitUmgebung solche Vorstellungen zu erwecken sucht. Und das manns Laufbahn den Höhepunkt seiner staatsmännischen Erkenntnis. teilung von Ereignissen, die für die Deffentlichkeit von Wert find, Dasselbe Handwerk, wie die Frankfurter Zeitung", übt das schatzsekretär in den wohlverdienten Ruhestand zurück. Ein süd- Forderung einer Vergütung zu erschweren. Ich bestimme daher Nun, da der Karren gründlich verfahren ist, zieht sich der Reichs- liegt so sehr im eigensten polizeilichen Interesse, daß es sich nicht rechtfertigen läßt, die Verbreitung solcher Mitteilungen durch die Drgan des Herrn Bruhn, die„ Staatsbürger- Zeitung": deutscher Staatsmann, der bayrische Bundesrats- Bevollmächtigte folgendes: 1. Die königlichen Polizeiverwaltungen haben über " Man kann ein entschiedener Gegner derartiger Strafverfahren v. Stengel, ist berufen, den leergewordenen Platz auszufüllen. Die Vorkomminiffe auf polizeilichem Gebiete, die für das Publikum sein; aber es ist doch nicht zu leugnen, daß die Behauptung, der Landesherr wolle sich aus Angst vor seinen Unterthanen auf eine füddeutschen Staaten sind von der Misere der Reichsfinanzen am von Wert sind und deren Bekanntgabe keine öffentlichen Interessen befestigte Insel zurückziehen, ein Unfug gröbster Art und eine der tiefsten betroffen; sie haben das größte Interesse an einer Reichs- entgegenstehen, und über solche, deren Verbreitung im polizeilichen schwersten überhaupt denkbaren Majestätsbeleidigungen ist. Es finanzreform, die die Finanzen der Einzelstaaten vom Reiche un- Interesse erivünscht ist, regelmäßig Mitteilungenden nach den Berichten mag im Kopfe der Vorwärts"-Redakteure inzwischen auch wohl abhängig macht. Neue Reich s steuern sollen geschaffen werden! schon bisher benutzten oder sonstigen etwa hierzu geeigneten Zeitungen dämmern, daß ihr blöder Hundstagswätz dem verantwortlichen Die Ernennung eines süddeutschen Schatzsekretärs bedeutet unter zugehen zu lassen. 2. Die Prüfung, welche Mitteilungen zu machen sind, und die Abgabe derselben an die Zeitungen ist einem hierfür „ Genossen" recht teuer zu stehen kommen kann. Sie suchen sich den gegebenen Umständen einen Schritt zur Durchführung jener geeigneten Beamten der Polizeiverwaltung zu übertragen, welcher in nun eiligst zurückzuziehen, und man merkt, trotzdem sie das mit Pläne, die Herr v. Thielmann wohl auszusprechen, nicht aber durch zweifelhaften und in wichtigeren Fällen die Entscheidung des Chefs den üblichen geschwollenen Phrasen thun, doch, wie sehr ihnen das zuführen die Macht hatte. Dem Johannes der Bier- und Tabak- der Polizeiverwaltung oder seines Vertreters einzuholen hat. Herz in die Schuhe gerutscht ist." steuer folgt ihr Messias. Handelspolitisch trat der neue Herr Mitteilungen sind bei der Polizeibehörde in der erforderlichen Anzahl Und weiter: " Nachdem das socialdemokratische Blatt erst den Kaiser in der b. Stengel bei den Tarifverhandlungen wiederholt hervor; er er von Exemplaren zu vervielfältigen und den Zeitungen unentgeltlich unerhörtesten Weise bei seinen Unterthanen verdächtigt, trotzdem schien als ein gelegentlich etwas widerwilliger Agrarier der mittleren zu machen; sie gehören zu den Amtspflichten der damit beauftragten Beamten. Die Annahme einer Vergütung hierfür von den Zeitungen es doch selbst weiß, daß sich Wilhelm II. und seine gesamte Familie Linie. Tag für Tag ungescheut unter Volksmengen bewegen, wie erst Die zweitgrößte Fraktion des deutschen Reichstags, die Ver- ist unbedingt verboten." Der Minister des Innern. dieser Tage die Kaiserin im schlesischen Ueberschwemmungsgebiete, ihn treterin eines Drittels der deutschen Wähler, wird den Finanzplänen Freiherr von Rheinbaben. der Angst vor seinem deutschen Volke bezichtigt hat, verdächtigt nicht thatenlos gegenüberstehen. Es giebt frischen fröhlichen Krieg. An der Verfügung ist nur auszusehen, daß nicht bestimmt ist, nun dasselbe Blatt die Ratgeber und Freunde des Kaisers bei die Mitteilungen müssen allen Zeitungen gegeben werden, die sie diesem, daß sie geflissentlich ihn und sein Volk zu verheyen suchten. wünschen. Hofft das Singersche Blatt durch diese neue Niederträchtigkeit die alte tett zu machen? Fast scheint es so, wenigstens wäre sonst feine Haltung kaum zu verstehen, die uns, offen heraus gesagt, an die eines zum Herrn friechenden gepeitschten Röters erinnert." können wir beweisen. " " Wir sind erkannt und empfehlen nur noch eine Verschmelzung des demokratischen Frankfurter mit dem antisemitischen Berliner Blatte. Thielmanns Flucht. Der Finanzminister des Flottenfurses ist seines Amtes müde geworden. In einem Zustande heilloser Verwirrung läßt Herr b. Thielmann, der Reichsschatzsekretär, die Finanzen des Deutschen Neiches zurück. Sein Nachfolger mag sehen, wie er zurechtkommt. v. Thielmann läuft davon. * * Deutfches Reich. Ausland. Oestreich- Ungarn. Die Die preußische Regierung und das Giesebrecht- Syndikat. Die„ Norddeutsche Allgemeine Zeitung" be Die ungarische Kabinettskrise kommt nicht vom Fleck. Die neuen Veröffentlichung über das Giesebrecht- Syndikat. Während Budapester Blätter bezeichnen die Lage als ernst. Die Schwierigkeit schäftigt sich in ihren letzten Wochenrückblicken auch mit unserer sich nun das Regierungsblatt mit dem Rechtfertigungsversuch der liege darin, daß ohne ein gewisses Maß von Zugeständnissen die ertappten, ö Inischen Zeitung" eingehend beschäftigt, erwähnt Kabinettsbildung auf Hindernisse stößt. Die gestrige Audienz des es nicht einmal die wichtigste Behauptung des Dr. Giesebrecht, daß die preußische Regierung entschlossen sei, auf die Aenderung des Reichstagswahlrechts hinzuwirken. Dieses ratlose Schweigen bestätigt lediglich Giesebrechts vertrauliche Mitteilungen. Die ertränkte Kanalvorlage. Daß die Regierung den MittellandKanal nicht wieder vorlegen wird, bestätigt heute die„ Norddeutsche Allgemeine Zeitung", indem sie schreibt, es sei noch keinerlei Unterlage für die Annahme" gegeben, die sogenannte Kanalvorlage werde binnen kurzem die Volksvertretung aufs neue beschäftigen". Jetzt ist das große Kulturwerk nur noch eine sogenannte Kanalvorlage. Ein Erpressungsfall. Grafen Apponyi, Czaky, Karolyi und Andrassy habe die Lösung der Strife nicht wesentlich gefördert. Man sehe der heutigen Audienz des ehemaligen Finanzministers Weferle mit Spannung entgegen und hoffe, daß seine Vorschläge vielleicht zur Betrauung mit der Kabinetts bildung führen werden; diese werde aber erst in einigen Tagen er folgen, nachdem der Kaiser verschiedene andre Persönlichkeiten angehört haben werde. sonderen Frankreich. über den Als Herr Tirpit, der„ Flaggoffizier in unverantwortlicher Von den Generalräten. Paris, 20. Auguft.( Eig. Ber.) Die Stellung", an die Spitze des Reichsmarine- Amtes berufen wurde, um französischen Generalräte( Departements- Vertretungen) sind gefeßlich seine von seinem Vorgänger Hollmann als unmöglich bezeichneten Pläne durchzuführen, brauchte das Flottengeschäft auch einen Buchnicht befugt, politische Gegenstände und sei es auch in der Gestalt von Wünschen" zu behandeln. Das ist bekannt. Nicht minder halter, der geschäftsunkundig genug war, um die Verantwortung für bekannt aber ist es, daß sie stets jenes gesetzliche Verbot mißachten. das„ Unmögliche" zu übernehmen. Man fand ihn in Herrn v. ThielNiemand übrigens kehrt sich mehr daran, denn die veraltete gesetzliche Bestimmung war von Anfang an innerlich haltlos, ein Erzeugnis mann, den man eigens zu diesem Zwecke aus Amerika zurückholen Von der Strafkammer in Kleve wurde am 20. August gegen der centralistischen Angst vor jeder politischen Regung der lokalen mußte. Herr v. Thielmann begann seine Thätigkeit mit den klassischen fünf ehrenwerte Arbeiter ein Urteil gefällt, das alles übertrifft, was Selbstverwaltungs- Drgane, trotzdem diese schon als senatorische Wähler Worten, es sei seine Aufgabe, die finanzielle Durchführbarkeit des bisher an Urteilen dieser Art zu verzeichnen ist. Als vor einigen mit politischen Befugnissen ausgestattet sind. Flottenplanes zu beweisen. Der Mann hatte seine Aufgabe voll- Monaten die Textilindustriellen am Niederrhein den Beschluß faßten, So hat denn diese August- Session der Generalräte wieder eine kommen richtig erfaßt und während der ganzen Zeit seiner Amts- sämtliche Arbeiter auszusperren, fündigte auch die Firma Wilhelm Reihe politischer Kundgebungen gebracht, die über die Stimmung thätigkeit folgerichtig durchgeführt. Er ist niemals ein Finanz- Schrader u. Comp. in Mörs bei Krefeld ihren Arbeitern. Bevor der Provinz Aufschluß geben. Zunächst sind die zahlreichen„ Bedie Unternehmer die glückwünschungen" des Ministeriums Combes minister gewesen, der den Daumen auf dem Beutel hielt, er hat jedoch zur Aussperrung kam, zogen Kündigung zurück. Die Arbeiter der Firma Schrader hatten hervorzuheben, die sich wirkungsvoll an die schier ununterbrochenen nicht geprüft und nicht gestritten: er war ja dazu angestellt, das Geld jedoch mit dem Unternehmer noch einen alten Span zu beschaffen, das größere Herren zur Durchführung ihrer so ehr- und wollten bei bei dieser Gelegenheit die Sache ins Reine regierungsfreundlichen Kundgebungen der Gemeinde- und Bezirksräte, geizigen wie verhängnisvollen Pläne brauchten. Und er schaffte es. bringen. Die Firma besigt nämlich eine sogenannte Wohlfahrts- der radikalen Wahlkomitees und sonstigen politischen Organisationen Sein Rezept war das denkbar einfachste. Er hatte zwei Ge- einrichtung nach dem Muster derer, die für den Unternehmer eine anreihen. Ferner haben eine Anzahl Generalräte( bisher sieben) auf den Antrag des Abg. d'Estournelles sich für den Abschluß fichter und zwei Reden. Wenn es galt, den Reichstag zur Bewilligung erhebliche Wohlthat, für den Arbeiter aber eine drückende Feſſel find. internationaler Schiedsgerichte gemäß den Bes neuer Ausgaben zu überreden, dann war alles glänzend und vor- Als vor Jahren die Firma an Arbeitskräften Mangel litt und die trefflich, dann schwamm er im Golde und wußte nicht, was er mit Arbeiter Lohnforderungen stellten, da verfiel die Firma auf die Stimmungen der Haager Konferenz ausgesprochen. Ueberhaupt macht sich der Ruck nach links auch in den Generalräten immer fräftiger wohlthätige Einrichtung, die Arbeiter zwangsweise zum Sparen anim Parlament wirkenden den Steuergeldern anfangen sollte, die ihm der Reichstag aus eignem zuhalten. Jedem Arbeiter wurden 5 Proz. seines Zohnes zurück- geltend, trotz der hier stärker als Antrieb bewilligte. Als mit jener tödlichen Gewißheit, die jeder behalten. Am Jahresschlusse wurde ihm der zurückbehaltene Lohn- Trägheitskraft des rein lokalen Elements. Berständige, die zumal die socialdemokratische Fraktion im Reichs- nicht etwa ausgezahlt, sondern in einem Sparbuche gutgeschrieben. verstärken nur diesen Eindruck. Sie sind übrigens in wehleidigem Die vereinzelten reaktionären Kundgebungen der Generalräte tage erkannt hatte, der Umschwung eintrat, wandelte sich der Hochzeits- Das Guthaben wurde ausdrücklich als Eigentum des Arbeiters bezeichnet, Tone gehalten. So namentlich die Präfidialrede Melines im lader mit einemmale zum Leichenbitter. Jetzt gab es düstere blieb jedoch thatsächlich in Händen der Firma und sollte nur in Mienen, besorgte Andeutungen; und drei Jahre nach dem berühmten Krankheitsfällen, bei Invalidität und zunehmendem Alter ausgezahlt Vogesen- Generalrat. Der politisch tote Ordnungskartell- Staatswerden. Nur wenn der Arbeiter ohne Grund entlassenmann jammerte herzbrechend über die politische Lage und im bes Ausspruch:„ Wir schwimmen im Golde!" that Herr v. Thielmit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit mann einen nicht minder berühmten:„ Wir wissen nicht, wie würde, war die Firma verpflichtet, das Geld herauszugeben." Internationalismus" des Kabinetts Combes. Er meinte damit Natürlich war, um dieses Verfahren zu rechtfertigen, eine" Stasse" ben Umstand, daß in verschiedenen zu Ehren der Minister wir die Löcher stopfen sollen". Es hat wohl selten noch- gegründet und ein„ Statut" ausgearbeitet worden, mit dem die wenn man etwa von den Leitern verkrachter Banken absieht an Arbeiter einverstanden sein mußten. Diese lästige Zwangswohlthat veranstalteten Festlichkeiten neben der Marseillaise" die„ Inter nationale" gespielt oder auch gesungen wurde, z. B. während Teitenden finanziellen Stellungen Männer gegeben, die so wenig wollten die Arbeiter endlich los werden, da es für sie in Wirklich Voraussicht bewiesen wie der scheidende Reichsschatzsekretär, oder feit nichts weiter wie eine Lohntürzung war und ein Mittel, fie der der neulichen Marseiller Reiſe des Ministerpräsidenten. Und gar der linksradikale Marineminister Pelletan müsse sich auf seinen Bedoch so wenig zeigen durfte. Firma gefügig zu machen. Sie traten bei Gelegenheit der AusUnter Herrn Thielmanns Regiment ist die Laft der Reichs- sperrung mit der Firma in Unterhandlungen wegen Auflösung der suchen in den Hafenstädten Straßenumzüge zu seinen Ehren gefallen schulden um rund eine halbe Milliarde gestiegen. Die Heraus- Spartaffe und Auszahlung des Guthabens. Die Verhandlungen führten lassen, in denen die maritimen Arsenalarbeiter unter den Klängen zahlungen des Reichs an die Einzelstaaten haben sich durch ein Plus zu feinem Resultat; da es sich um große Summen handelt über der Internationale" und der" Carmagnole" und mit der roten 700 Arbeiter und bei manchem über 1000 m. so scheint die Geld- Fahne an der Spige marschieren. der Matrikularbeiträge zum Gegenteil berwandelt; um die Einzel- frage Schwierigkeiten gemacht zu haben. Die Arbeiter beschlossen Melines über die„ offiziell gewordene"" Internationale" und rote Die Oppositionspresse stimmt natürlich in den Jammerruf staaten zu schonen, erfand man auch die verfassungswidrigen beshalb in einer Fabrikversammlung, um der Firma entgegenzukommen, ahne ein. Vaterlands- und Gesellschaftsretter find in gleichem Zuschußanleihen. Herr Thielmann ist der Direktor des Reichs- es sollten von jest an keine Abzüge mehr gemacht werden, zu Weih- Fahne ein. Vaterlands- und Gesellschaftsretter sind in gleichem Grade entsetzt. Eher aber ließe sich vom proletarischen Finanzkrachs. nachten sollten jedesmal 15 Proz. des Guthabens ausgezahlt werden Selbst bei der engen und beschränkten Auffassung, die Herr und nur eine kleine Anzahl Leute, die infolge der Kündigung sofort Standpunkte gar manches eintvenden gegen die unangebrachte Verv. Thielmann von seinem Amte hatte, hätte er sich doch denken austraten, sollten ihr Geld gleich bekommen. Der Arbeiterausschuß, koppelung der proletarischen Symbole mit bürgerlich- ministeriellen Zwecken und Kundgebungen. müssen, daß es so nicht weiter fort gehen konnte. Selbst wenn ihm aus drei Mitgliedern des christlichen und zwei Mitgliedern des der Mut und die Einsicht dazu fehlte, die Reichskasse vor den ewigen deutschen Textilarbeiter- Verbandes bestehend, erhielt den Auftrag, der dér Mut und die Einsicht dazu fehlte, die Reichskasse vor den ewigen Firma dieses Verlangen mitzuteilen zugleich mit der Bemerkung, Angriffen des Marinismus und Militarismus zu schützen, so hätte daß im Falle der Ablehnung beide Verbände die Sperre über er doch an die Erschließung neuer Einnahmequellen denken müssen. Die Firma verhängen würden. Das thaten die fünf Mitglieder des Und wäre er nur ein bißchen Staatsmann gewesen, so hätte die Bereit- Arbeiterausschusses schriftlich und die Folge war eine Anklage wegen Ein Opfer des Zarismus. Paris, 21. August.( Eig. Ber.) willigkeit der Socialdemokraten, Einkommens, Vermögens- und Erpressung und die Verurteilung der fünf Mann zu je 14 Tagen Der in diesem Jahre aus Sibirien entflohene russische Revolutionär Erbschaftssteuern für das Reich zu bewilligen, einen wichtigen Posten Gefängnis. Zur Konstruktion der Erpressung gehört vor allen Dingen, daß Peter Poliwanoff hat sich im öffentlichen Garten der Hafenfeiner Rechnung bilden müssen. Herr v. Thielmann ließ sich aber einfach vom Winde treiben. der Versuch der Erpressung auf die Erlangung eines rechtswidrigen stadt Lorient durch einen Revolverschuß das Leben genommen. Der Vermögensvorteils gerichtet ist; hier verlangten die Arbeiter aber Verstorbene gehörte von frühester Jugend der revolutionären Be Während alle politischen Richtungen so verschieden sie auch nichts weiter, wie die Herausgabe des ihnen gehörenden, längst ver- wegung der siebziger Jahre an, zuerst in ihrer friedlich- propagan von der Neichs- Finanzreform denken mochten- von der Not- bienten Geldes, das ausdrücklich als ihr Eigentum bezeichnet wird. distischen und dann in ihrer terroristischen Phase in den Reihen wendigkeit einer durchgreifenden Veränderung überzeugt waren, Bor solchem Urteil steht man wie vor einem Rätsel. Der Arbeiter der„ Narodnaja- Wolja"( Volkswille). Wegen socialistischer Propa that er gar nichts dergleichen. Im Jahre 1902 erklärte er dem in Mörs hat sich eine begreifliche Erregung bemächtigt und der Glaube ganda wurde er zu Gefängnis und Verbannung verurteilt, später, Reichstage prophetischen Gemüts, er werde doch um die Peinlichkeit an den Rechtsstaat wird diesen Arbeitern, die in ihrer Mehrzahl der im Jahre 1882, im Alter von 24 Jahren zu lebenslänglicher Katorga " ( Im Anschluß an obige Korrespondenz möchten wir berichtigen, daß die in Nr. 187 unter" Frankreich" erwähnte Rede des Ministerpräsidenten Combes nicht auf dem Lehrerkongreß in Marseille, wie bie Redaktion hinzugefügt hatte, sondern auf dem diesem folgenden präsidenten Combes nicht auf dem Lehrerkongreß in Marseille, wie die Redaktion hinzugefügt hatte, sondern auf dem dieſem folgenden " demokratischen Bankett" gehalten worden ist. Die Red.) " Boliwanoff besaß noch Energie genug, um aus Sibirien zu entkommen. Bald schloß er sich der Socialrevolutionären Partei an, um feinen Jugendkampf wieder aufzunehmen. Doch das lange Martyrium hatte bereits seine Lebenssäfte ausgefogen. In einem vor seiner Entleibung an den Genossen Rubanowitsch gerichteten Brief erklärt er, nach wie vor vom Glauben an die socialistische Sache durchdrungen zu sein, aber feine Kraft mehr zu besitzen, um das Leben ertragen zu können. Die Socialisten und die organisierten Hafenarbeiter von Lorient haben das Opfer des Barismus durch eine demonstrative Leichenfeier beehrt. Türkei. Türkischer Fanatismus. Dieser Tage wurde ein italienischer Unterthan in Galata von vier türkischen Soldaten mit den Worten .Moskowitischer Giaur" beschimpft und derart geschlagen, daß er ins Krankenhaus üb geführt werden mußte. Infolgedessen überreichte der italienische Botschafter der Pforte eine Note, in der Bestrafung der Schuldigen, Entschuldigung und Maßregeln zur Verhütung ähnlicher Ausschreitungen des Militärs verlangt werden. Der russische Botschafter hat der Pforte ebenfalls eine Note überreicht. In dieser weist die russische Regierung darauf hin, daß sie schon früher auf die die Armee und die Bevölkerung erregenden falschen Gerichte aufmerksam gemacht habe, denen zufolge der russische Konsul Rostkowski von dem Gendarmen Halim wegen tätlicher Beschimpfung desselben getötet sei, und daß sie deshalb die Beröffentlichung des Urteils im Prozesse gegen Halim verlangt habe. In der Note wird weiter ausgeführt, der neue Vorfall beweise das Borhandensein einer Erregung der türkischen Bevölkerung gegen die Fremden. Rußland schließt sich daher dem Verlangen Italiens an und fordert außerdem unbedingt die Veröffentlichung der Urteile in derartigen Fällen. Zu den macedonischen Wirren. Die östreichisch- ungarische Botschaft hat in der letzten Zeit wiederholt Schritte bei der Pforte behufs wirksamen Schutzes der Orientbahnen und wegen der Ermordung von Bahnbamten und Bedrohung andrer Personen durch die infolge der vorgekommenen Eisenbahnattentate erbitterten Soldaten unternommen; heute wurde auch eine bezügliche Note überreicht. Konstantinopel, 21. Auguft.( Meldung des Wiener K. K. Telegr.- Korresp.- Bureaus.) Die Stimmung der hiesigen leitenden es, Kreise ist nicht gerade erregt, aber ernst und auffallend gefaßt. Man erklärt in diesen Streifen, daß die Pforte keine Zugeständnisse für die macedonischen Wilajets machen werde, welche früher oder später zur Autonomie führen würden; lieber würde man den Krieg bis aufs Messer aufnehmen, da es sich um die Lebensfrage in Europa handle. Dagegen wolle man die schrittweise Durchführung weitgehendster Verwaltungsreformen, sobald die Bandenbewegung einigermaßen aufhört, energisch betreiben. bolle ( 8wangsarbeit) wegen eines mißlungenen Versuchs, politische Ge-| Staffel- Stadt und Kaffel- Land verfügten unsre Parteigenoffen bei der] geordnet worden. Auf den übrigen Gruben findet zur Zeit ent fangene aus dem Saratower Gefängnis zu befreien. Die Katorga- Strafe letzten Reichstagswahl über 46 und 47 Broz. der abgegebenen Stimmen. sprechend der Bergpolizei- Verordnung vom 18. Juli d. J. eine Stich berbüßte er in den schrecklichen Kasematten der Schlüsselburger Hier haben die Freifinnigen seit 1890 nicht mehr kandidiert. Es probenuntersuchung, 5. h. eine mikroskopische Untersuchung von Festung, wo er 20 Jahre lang schmachtete. Erst 1902 wurde er zur fragt sich, ob sie es zu einem Emporraffen bringen können, 20 Proz. der unterirdischen Belegschaft statt, deren Ergebnis fibirischen Verbannung begnadigt". nachdem Kassel durch immer weiteres Zurückweichen der freisinnigen binnen längstens zwei Monaten nach Inkrafttreten der Verordnung, bürgerlichen Elemente bei der Reichstagswahl den Antisemiten in d. i. dem 1. August d. J., dem königlichen Oberbergamt anzuzeigen die Hände gefallen ist. ist. Der Umfang der Wurmkrankheit im Oberbergamtsbezirk Dort Genosse Arons erklärte, daß laut der Berliner Resolution über mund wird sich daher erst im Laufe des Monats Oktober einigerdie Haltung der eventuell gewählten socialdemokratischen Wahlmänner maßen genau feststellen lassen. in allen diesen Kreisen erst nach Feststellung des Wahlergebnisses von Bei den auch inzwischen weiter fortgesetten Untersuchungen von den Lokal- Wahlkomitees in Vereinbarung mit dem Central- Wahlkomitee Haushaltungsangehörigen wurmtranfer Bergleute ist im Juli d. J. ( Parteivorstand) Bestimmungen getroffen werden könnten. Die Ver- ein zwölfjähriger Knabe, der Sohn eines auf der Zeche„ Graf handlungen des Central- Wahlkomitees mit andren Parteien würden Schwerin" beschäftigten und damals wegen Wurmkrankheit beaber auf alle Fälle wesentlich erleichtert, wenn in möglichst vielen Handelten Hauers ebenfalls als wurmbehaftet ermittelt worden. Kreisen die socialdemokratischen Wahlmänner ausschlaggebend wären. Die lebertragung des Wurms auf das Kind, das einer Abtreibungs Die einzige, aber auch sehr schwierige Aufgabe der Genossen be- fur unterworfen wurde, hat sich nach Ansicht der Aerzte höchst wahrstände deshalb in der Wahl möglichst zahlreicher socialdemokratischer scheinlich in der Weise vollzogen, daß der Knabe die Reste eines von seinem Vater in der Grube nicht völlig verzehrten Butterbrotes geWahlmänner. Dr. Barth setzt in der Nation" seine Betrachtungen über nossen hat. Zur Aufbesserung der Lage der wurmkranken Arbeiter hat der VorDie Zweifronten Theorie und die preußischen and tagswahlen" fort. Er erkennt unbedingt das Recht der stand des Vereins für die bergbaulichen Interessen auf Grund einer am 8. d. M. stattgefundenen Beratung den Vereinszechen Socialdemokratie an, Vertretung im Landtag zu verlangen. Er meint, eine planmäßige Verabredung über ein Zusammenwirken empfohlen, diesen Arbeitern für die Karenztage und die zwischen der Socialdemokratie und den beiden freisinnigen Gruppen Beit der Krankenhaus Behandlung das feitens der beteiligten Parteivorstände sei die einzige Lösung, die Krankengeld, d. h. einen Zuschuß zu der Unterstützung des im Kampfe gegen die Reaktion bei den bevorstehenden Landtags- Knappschaftsvereins in solcher Höhe zu gewähren, daß damit der wahlen größere Erfolge verspricht und schwere Mißerfolge aus- Snappschaftsmitgliedern fagungsmäßig zusteht, Betrag, der den nicht im Krankenhaus behandelten franten erreicht wird. schließt. Allerdings. darf wohl als ausgeschlossen gelten, daß der Eine Reihe von Zechen sind jedoch über die vom bergbaulichen Verein empfohlene Zuwendung hinausgegangen und gewähren jedem Vorstand der Freifinnigen Volkspartei unter Richterscher Führung ihrer wurmfranken Arbeiter einen Zuschuß zu der vom Knappschaftszu einer solchen Abmachung mit der Socialdemokratie von Partei verein gezahlten Unterstützung bis zur vollen Höhe des vormonatigen zu Partei sich bereit finden lassen wird. Die Richtersche Politik hat ihre durchschnittlichen Tagesverdienstes. Sodann hat am 15. d. M. der Spize seit einem Jahre zu entschieden gegen die Socialdemokratie ge- Vorstand des allgemeinen Knappschaftsvereins beschlossen, den Annommen, als daß eine Abänderung des Kurses heute noch möglich wäre. Borstand des allgemeinen Knappschaftsvereins beschlossen, den Angehörigen der der Krankenhausbehandlung unterworfenen Kranken Die Illusionspolitiker, über welche die weisen Männer in der Frei- nicht erst nach Ablauf der Karenzzeit, sondern sofort am ersten Tage der finnigen Zeitung" so so überlegen zu spotten pflegen, haben Strankenhausbehandlung die im Statut vorgesehene Unterstützung zu Socialdemokratie auch kommen zu lassen. Ferner soll derjenige Wurmkranke, welcher nach den blindwütigen Kampf gegen mit Rücksicht auf die unschwer vorauszusehende Entwicklung anfänglicher anscheinender Heilung in den nächsten Wochen wiederum der Situation bei den Landtagswahlen nicht mitgemacht als wurmbehaftet festgestellt und einer erneuten Abtreibungskur und sind deshalb heute in der Lage, ohne sich das geringste unterworfen wird, als in fortgesetter Kur befindlich angesehen bergeben zu müssen, ein Zusammenwirken mit der Socialdemokratie empfehlen zu können. Die Realpolitik des Herrn werden, so daß für ihn selbst sowie auch für seine etwaigen AnRichter dagegen steht jetzt vor der Alternative, etwa die Hälfte der gehörigen auch aus diesem Grunde Karenztage nicht mehr in Anbisher noch gehaltenen Landtagsmandate dahinschwinden zu sehen oder wendung kommen. es den einzelnen Wahlkreisen anheimgeben zu müssen, sich schlecht Bezüglich der fürzlich von einigen Blättern gebrachten Nachricht, und recht mit der Socialdemokratie von Fall zu Fall abzufinden. daß die Wurmkrankheit jetzt auch in Oberschlesien eingeschleppt sei, als ein Drittes täme nur ein Bündnis mit den rechtsstehenden ist folgendes anzuführen: Im Februar d. J. wurden auf der Grube Parteien in Frage, um wenigstens einen Teil der bedrohten Mandate aus Westfalen, nachdem sie auf Wurmkrankheit ärztlich untersucht und " Max" bei Michalkowitz neun italienische und ein deutscher Arbeiter zu halten. Daß viele Freifinnige Neigung haben sollten, von der Reaktion in dieser Weise Almosen anzunehmen, erscheint mir aber als gesund befunden worden waren, in Arbeit genommen, aber einigermaßen zweifelhaft." völlig getrennt von den übrigen Arbeitern beschäftigt. Eine erneute Untersuchung im Juni ergab bei dreien dieser Arbeiter das Vorhandensein des Wurms. Einer derselben, Namens Ambrofio Aldi, weigerte sich, sich im Krankenhause behandeln zu lassen und nahm so fort seine Entlassung. Der zweite, gleichfalls ein Italiener, Namens Luis Daroli, der sich zunächst der Abtreibungskur unterwarf und nach einigen Tagen als geheilt entlassen wurde, zog es vor, als eine fpätere Untersuchung wiederum das Vorhandensein des Wurms feststellte, statt sich von neuem behandeln zu lassen, gleichfalls seine Abkehr zu nehmen. Der dritte Arbeiter ist inzwischen für gesund befunden worden und hat seine Arbeit wieder aufgenommen. Der Regierungspräsident in Oppeln hat die Ausweisung des Albi und des Daroli, deren gegenwärtiger Aufenthalt allerdings nicht bekannt ist, verfügt. Auch sind die Grubenverwaltungen vor der Anlegung der beiden Arbeiter gewarnt worden. Frankfurt a. M., 22. August.( B. H.) Die„ Frantf. 8tg." meldet aus Konstantinopel: Der russische Vertreter besuchte sämtliche Botschafter und gab ihnen beruhigende Aufklärungen über das Erscheinen der russischen Flotte in der Bucht von Jniada. Sinowjew bersicherte, daß sofort nach Annahme der der Türkei gestellten For derungen die Flotte abdampfen werde. Welche Wirkung die Ankunft der Flotte auf die Bulgaren dieses Teils der Türkei hervorrief, zeigen die Sinowojen zugegangenen Depeschen. Der ganze Horizont war vorgestern Nacht blutrot gefärbt und mächtige Feuersäulen Toderten zum Himmel empor. Fünf große, in der Nähe von Jniada und Midia gelegene muselmanische Ortschaften wurden von Bul garen, die der Ueberzeugung waren, daß die Stunde der Befreiung bom türkischen Joche geschlagen habe, in Brand gesteckt und viele Muselmanen umgebracht. Amerika. Der tanadische Premierminister Laurier hat bei dem Festmahl zu Ehren des britischen Handelskammer- Kongresses eine Rede über die verfassungsrechtliche Stellung der englischen Kolonien, speciell Kanadas, zum Mutterlande gehalten. Er führte, anknüpfend an die Rede des Herzogs von Devonshire vom 20. Juli, aus, wenn die Kolonien, obgleich sie bereit wären, für, jedes Zugeständnis, das England einräume, ein Equivalent zu geben, auch noch einige ihrer politischen Rechte preisgeben sollten, dann dürften sie nicht weiter gehen, denn sie seien bereits am Scheidewege angelangt. Es würde das größte Uebel sein, wenn die Kolonien ihre Zu stimmung dazu geben, etwas von ihrer verfassungsmäßigen unabhängigkeit aufzugeben; Kanada sei nicht gewillt, sich damit einverstanden zu erklären, selbst wenn das Bestehen des Reiches davon abhänge. Landtagswahlbewegung. die Partei- Nachrichten. Reichstags- Wahlkreis Nieder- Barnim. Sonnabend, den 29. August, abends 7 Uhr, im Restaurant Bellevue, Rummelsburg, findet eine reistonferenz für Niederbarnim statt. Provisorische Tagesordnung: 1. Abrechnung und Bericht von der Reichstagswahl. 2. Die Provinzialfonferenz, Anträge und Wahl von Delegierten zu derselben. 3. Der Parteitag in Dresden, Anträge und Wahl von Delegierten. 4. Streisangelegenheiten. NB. Die Genossen werden ersucht, das Drganisationsstatut §§ 5-7 zu beachten. Anträge zur Kreiskonferenz sind umgehend an den Unterzeichneten einzusenden. Der Kreis- Vertrauensmann: G. Freiwaldt, Pankow, Florastraße 36. Barteitags- Delegierte aus Preußen. durch folgende, von der„ Statistischen Korrespondenz" veröffentlichte Die Wirkungen des preußischen Warenhaussteuer- Gesezes werden Uebersicht veranschaulicht: in der Provinz Genosse Bebel teilt uns mit, er habe die Absicht, auf dem Ostpreußen Parteitag in Dresden anzuregen, daß gleich nach Erledigung der Westpreußen Geschäfte desselben die aus Preußen anivefenden Delegierten zu Berlin einer Besprechung über die preußischen Landtag 3- Brandenburg Pommern wahlen zusammentreten möchten. Da es sich hierbei möglichenfalls um eine Verlängerung des Posen Aufenthalts der betreffenden Delegierten um einen halben oder Schlesien ganzen Tag handeln könnte, so bringen wir die Absicht Bebels hier- Sachsen Surch zur Kenntnis der beteiligten Genossen. Zum Parteitage. Schleswig- Holst. Hannover Westfalen . im Jahre 1901 VerSteueranlagte pflichtige Steuer 220731 im Jahre 1902 überhaupt davon a. d. Lande Steuer- Ver Steuerpflich anlagte pflich- Steuer Steuer tige tige M. 11 500 M. M. 3 25 220 24 000 1 4.000 1 342 953 17 803 592 131 250 8 134 500 59 000 4 74 000 4.000 1 4.000 10 223 002 8 151 800 3 7 97 400 7 76 300 1 4 64 600 3 66 560 3 76 500 3 66 550 5 53 600 6 32 350 8 121 000 5 97 005 37 865 100 20 377 443 3 32 000 109 3 073 905 86 1913 270 9 102 000 58 000 4.000 2 8 000 Die Genossen des Wahlkreises Marburg Kirchhain Hessen- Nassau. wollen die Stichwahl- Angelegenheit ihres Kreises beziehungsweise Rheinland.. im Staate der Aeußerung des Vorwärts" zu derselben auf dem Parteitage zur Sprache bringen. Sie stellen hierzu den folgenden Antrag: Es ist also ein erheblicher Ridgang der Steuerpflichtigen und 1 Der Parteitag wolle beschließen: Dem Centralorgan bezüg- der veranlagten Steuer zu verzeichnen. Um so viel geht es nun lich seiner Haltung den lokalen Organisationen gegenüber in taktischen wohl den kleinen Händlern besser? Oder auch nicht! Fragen bestimmte, nicht über die kritischen Aufgaben desselben hinausgehende Grenzen anzuweisen. Zur Wahlagitation hat Genoffe Arons auf seiner Tour durch die Provinz Hessen- Nassau in den Orten Frankfurt a. M., Bockenheim, Hanau, Höchst, Wiesbaden und Stassel gesprochen. Die Ver sammlungen waren überall sehr gut besucht und die Stimmung in den Kreisen der Parteigenossen einer energischen Beteiligung günstig. In Kassel sprach sich Genosse A. zum Schluß seines Vortrags über Aerztliche Zünftlerei. Die Aerztekammer der Provinz Schleften die Aussichten der Socialdemokratie bei der Landtagswahl in der ganzen Provinz aus. Seiner Meinung nach werden die social- Außerdem nahm die Parteiversammlung die nachstehenden An- hat vor einiger Zeit beschlossen: Die Aerztekammer sieht in dem Halten von medizinischen VorSemokratischen Wahlmänner in Frankfurt a. M. ficher das Bünglein träge an: an der Wage zwischen den Demokraten und Freisinnigen einerseits, 2. Der Parteitag wolle beschließen: Daß das Verhalten der trägen zur Ausbildung von Zahntechnikern eine Unterstüßung den Rechtsparteien andrerseits bilden. In Frankfurt a. M., dem Reichstagsfraktion zur Regierung überall jederzeit den der Kurpfuscherei. Auch der Kreisverein Pfälzer Aerzte beschloß in der Generalalle übrigen wählen nur einen wird in diesem Falle sprechen habe. überall und einzigen Wahlkreise in der Provinz, der zwei Abgeordnete wählt republikanisch demokratischen Principien unsrer Partei zu ent- versammlung: Das Halten von Vorträgen in Zahntechnikervereinen die Socialdemokratie das eine der beiden Mandate zu verlangen haben. 3. Die Genossen des Marburger Wahlkreises empfehlen die ist verboten. Jetzt wird auch hier in Berlin für einen derartigen Beschluß Der an sich schon hinfällige Einwand, daß die Socialdemokratie zu- Stiftung eines Fonds zur Bestreitung der Reisekosten der Delegierten nächst den Besikstand der Linksparteien zu respektieren hätte, ist für zum Parteitag, damit alle andren Rücksichten außer Kraft gefeßt Stimmung gemacht. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, Frankfurt a. M. im besonderen überhaupt nicht zu erheben. 1898 werden, durch welche sich die einzelnen Sektionen heute in der Wahl daß lediglich Konkurrenzrücksichten derartige Beschlüsse diftiert haben. wurden die beiden Mandate nur mit socialdemokratischer Hilfe den der Delegierten vielfach noch binden lassen mögen. Nationalliberalen abgenommen, die sie von 1893-1898 inne hatten. Der Prozeß Humbert. Elfter Verhandlungstag. Die einen Unfre Parteigenossen in Frankfurt a. M. Hatten 1898 die demokratisch- Ueber die Bicepräsidentenfrage diskutierten die Mannheimer freifinnigen Wahlmänner unterstützt. Die Gefahr, daß die bürger- Parteigenossen in einer start besuchten Versammlung. Der Referent lichen Linksparteien lieber mit den Nationalliberalen pattieren würden, Frank sprach sich dagegen aus, daß wir unter der Bedingung, Paris, 21. Auguft. wenn sie doch ein Frankfurter Mandat aufgeben müssen, kann durch Hofvisiten zu machen, eine Vicepräsidentenstelle übernehmen. Oskar Auch heute ist das Urteil noch nicht gefällt, trotzdem man die Thätigkeit der Parteigenossen in andren Kreifen abgewendet e d vertrat im allgemeinen den Standpunkt Bernsteins, auch allgemein für die späten Abendstunden auf dasselbe rechnete. Die werden. Wiesbaden- Stadt- Untertaunuskreis werden die Freisinnigen, Dreesbach führte aus, daß die Besetzung eines Vicepräsidenten- Schuld daran trägt Labori, denn, wenn er auch gestern verkündete, die jetzt das Landtagsmandat inne haben, nach dem Ausgang der postens von unsrer Seite unter allen Umständen beansprucht werden er habe nur noch etwa eine Stunde zu sprechen, so kehrte er sich Reichstagswahl zu urteilen, nur mit Unterstützung der socialdemokratischen müsse. Eichhorn und Arbeiterfekretär Müller vertraten die heute nur wenig daran und verlor sich in scharfen juristischen DarWahlmänner behaupten können. Im Wahlkreise Höchst- Hortheim- entgegengesetzte Ansicht. Die Versammlung nahm mit einer Zwei- legungen über das, was den Humberts bewiesen ist, und das, was Wiesbaden- Land und im Wahlkreise Hanau- Stadt und Land werden drittelmehrheit nachstehende, von Geck eingebrachte Resolution an: man ihnen hat beweisen wollen. Labori geht heute zunächst zu Beunsre Wahlmänner ziemlich sicher den Ausschlag zwischen dem Frei-" Die Versammlung ist der Ansicht, daß unsre Fraktion ihren ginn seiner dreistündigen Rede auf die finnigen und einem Rechtskandidaten geben können vorausgesetzt, Anspruch auf die Besetzung des Vicepräsidiums im Reichstage unter Gläubiger daß die Freifinnigen sich gehörig ins Beug legen. In Hanau- Stadt und allen Umständen aufrecht erhalten solle. Sie setzt in das TaktLand haben sich unsre Parteigenossen im Jahre 1898 versuchsweise gefühl und Selbstbewußtsein des eventuell Gewählten das Ver- ein, deren man zwei Arten streng zu unterscheiden hat. mit eignen Wahlmanns- Kandidaten an den Wahlen beteiligt. Ohne frauen, daß er bei Ausübung der ihm auferlegten Pflichten die sind jene Bucherer und Geldleiher, die sich an die Humberts herandaß ein Parteitagsbeschluß hinter ihnen stand und ohne daß sie eine Würde der Volksvertretung und die Machtstellung seiner Partei zu gedrängt und gegen die höchsten Zinsen oder immense Kommissionen ernstliche Agitation entfaltet hätten, wurden in der Stadt 20, auf wahren weiß." bei den geschäftlichen Transaktionen ihnen ihre Hilfe geliehen haben. bem Lande 14 socialdemokratische Wahlmänner gewählt, trotzdem in Bum Barteitage nahm die Versammlung einen Antrag an, Diese aber haben sich durchaus nicht derart geschädigt gefühlt, daß der Stadt nur 25 Proz, auf dem Lande nur 18 Proz. der welcher die Besprechung der Reichstagswahlen in einem besonderen sie sich bewogen fahen, Klage gegen die Humberts zu erheben. Der Wähler der dritten Abteilung gewählt hatten. Namentlich Bunft der Tagesordnung wünscht. einzige ist Cattaui. Die andre Gläubigergruppe sind jene Leute, die auch auf dem Lande sind gute Erfolge zu erwarten. Hier In Königsberg i. Pr. sprach Genosse Haase unter lebhaftem der Rente Viagère ihr Geld anvertraut haben. Auch hier ist niemand wie an Gerichtsstelle von dem wohnen zahlreiche Arbeiter, die in Frankfurt a. M. thätig Beifall einer Parteiversammlung gegen die von Bernstein in der geschädigt, denn sie alle werden find und die öffentliche Wahl nicht scheuen. Aehnliche Beobachtungen Präsidentenfrage vertretenen Anschauungen. Liquidator verkündet wurde voll und ganz befriedigt werden. Labori geht dann zu fann man übrigens in der Nähe aller Großstädte machen; sie tommen namentlich auch für eine Anzahl von Kreisen in der Provinz heftigen Angriffen gegen Cattani Brandenburg in Betracht. über. Dieser„ Bankier" sei ein Wucherer genannt worden, und als er die, die ihn so nannten, verklagte, schritt er, trotzdem er Kläger war, als eigentlicher Angeklagter aus dem Gerichtssaal heraus. Und wie Cattaui, so feien auch alle jene andren, die sich mit zäher Aufdringlichkeit an die Humberts herangedrängt haben. Auch die Presse bekommt ihr Teil bon den Angriffen Laboris, der ihr zwar nicht Unehrenhaftigkeit, aber doch stark aus= Sociales. Ueber den Stand der Wurmkrankheit Mit ziemlicher Sicherheit fann ferner darauf gerechnet werden, daß unsre Wahlmänner in Eschwege Schmalkalden zwischen dem freifinnigen Standidaten und dem bisherigen freitonservativen Verteilt der Reichs- Anzeiger" folgendes mit: treter ausschlaggebend sein werden. Im entsprechenden Reichstags- Bis jetzt ist die mikroskopische Untersuchung der ganzen unter Wahlkreise siegte diesmal der Freisimmige Seyboth in der Stichwahl irdischen Belegschaft für 34 Bechen bergpolizeilich, auf einer noch gegen unfren Kandidaten Hugo. In den Landtags- Wahlkreisen größeren Zahl von Gruben von den Verwaltungen freiwillig an geprägte Sensationslust vorwirst. Und dadurch, daß man die Informationen nahm, wo man sie herbekam, ständen heute die Humberts und ihr Prozeß in der öffentlichen Meinung in einem ganz andren und viel schlechteren Lichte da, als sie es in Wirklich keit verdienten. Wer hat denn nun aber die Presse in dieser Sache informiert? ruft Labori weiter aus. Kein andrer, als jene Gläubiger, die ein Interesse daran haben mußten, die Humberts im allerschlechtesten Lichte erscheinen zu lassen. Dieser Prozeß sei nur ein Prozeß Cattauis gegen die Humberts, keinerlei öffentliches Interesse, kein Interesse der Allgemeinheit läge vor. Dann kommt Labori in längeren Ausführungen auf den Prozeß zwischen den Humberts und der Girardschen Bank zu sprechen, in welchem Waldeck-Roufscmi als Anwalt gegen die Humberts austrat und jene bekannten Worte von dem„größten Schwindel des Jahrhunderts" aussprach. Labori richtet hier die in Advokatenkreisen sehr mißfällig aufgenommenen angreifenden Worte gegen Waldeck-Rousseau, jener habe schon damals es gar nicht ernst mit seinen Worten gemeint und nur von der Humbcrt-Erbschast als einem Schwindel gesprochen, um für seinen damaligen Klienten den Vergleich, der der Girardschen Bankliquidation 5 Millionen Frank brachte, herauszubekommen. Denn wenn Walbecke Rousseau es in der. That auch nur für wahrscheinlich gehalten habe, daß die Humbert-Erbschnst eine Gaunerei wäre, dann würde er die Humbert-Daurignacs, als er an die Regierung kam, doch sofort haben in Hast setzen lassen und ein Verfahren gegen sie einleiten müssen. Auch einen andern Minister des vorigen Kabinetts könne er, Labori, schwer kompromittieren, wolle er dessen Rainen nennen, denn dieser habe eine halbe Million Kapital in der Girard-Bank stecken und seine Hand mit im Spiele gehabt. Man habe dann die Bücher der Bank einfach verschwinden lassen, um den Namen dieses Ministers nicht an die Oeffentlichkeit konimen zu lassen und ihn dadurch bloß- zustellen. Ein lebhafter Zwischenfall zwischen Labori und dem Generalprokurator B l o n d e l unterbricht die Einförmigkeit des Plaidohers. Herr Blondel unterbricht Labori, um ihn auf verschiedene kleine Irrtümer in Bezug auf jenen Prozeß, von dem die Rede ist, aufmerksam zu machen. Auch der Vertreter der Anklage kennt diesen Prozeß genau, da er in ihm ebenfalls amtlich beschäftigt war. Doch Labori verbittet sich in überaus gereiztem Tone jede Ein- Mischung und Unterbrechung seitens des Staatsanwalts, denn„er habe ihn ja auch nicht unterbrochen", und Izicht sich dadurch eine Rüge des Präsidenten zu, der ihm kurz und trocken einen derartigen Ton untersagt. Labori gefällt sich darin, einige tiefsinnige Betrachtungen über die herrschende„moralische Anarchie" hineinzuflechten.„Begeistert begrüßte der Nachwuchs nach dem Kriege die Republik", so etwa ruft er pathetisch in den Saal,„was aber hat.sie uns gebracht� Wir haben die schlimmsten Feinde großgezogen, jene Geldleiher vom Schlage Cattauis, die mit der Macht ihres Geldes eine ausschlag- gebende, führende Stellung einnehmen." Von Cattaui, den Labori wohl in jedem zweiten Satze er- wähnt, kommt er wieder auf den jetzigen Justizminister Valle zurück. Labori sucht glaubhast zu machen, daß Cattaui ihn nur zu seinem Anwalt genommen habe, weil jedermann in ihm den zu- künftigen Justizminister gesehen habe und er in ihm dann ein Werk- zeug zur Vernichtung der Humberts haben wollte. Wenn auch Waldeck-Rousseau den Anfang gemacht habe— nachher habe er aber die Humbert-Affaire ebenso wie den Kampf gegen die Kongregationen feinem Nachfolger gelassen undfnicht die Konsequenzen aus seineuHand- lungen gezogen— so sei denn in der That auch das Verfahren gegen die Humberts in dem Augenblick in Fluß gekommen, wo Volle Justizminister geworden. „Welche Undinge muß man schließlich nicht erleben, wenn ein Sensationsprozcß an der Tagesordnung steht", fährt Labori fort, „was liest und hört man da nicht alles". Und damit kommt Labori auf den„Matin" zu sprechen, der bekanntlich gerade heute morgen seine„Volksabstimmung" veröffentlichte, nach der drei Viertel der eingegangenen Beantwortungen eine Verurteilung Theresens und FredSrics voraussehen.(Uebrrgens munkelt man ziemlich laut sogar, daß der„Matin" bei dieser Gelegenheit ein wenig in seinem eignen Interesse„oorrigsr la fortune" gespielt hat.) Labori nennt diese Preisfrage und die Veröffentlichung vor dem Urteil eine unzulässige Beeinflussung der Geschwornen, erhält aber von dem General- Prokurator die Versicherung, daß auch die Justizbehörden mit der Handlungsweise des„Matin" unzufrieden und im Augenblick eifrigst bannt beschäftigt sind, einen Paragraphen herauszusuchen, auf Grund dessen gegen den„Matin" vorgegangen werden könne. Labori antwortet mit einer�Replik, daß dieses Verfahren natürlich zu spät komme, wenn das Unglück, in diesem Falle vielleicht die Ver« urteilung der Humberts, schon geschehen sei. Doch stolz fällt ihm hier Therese ins Wort und ruft ihrem Verteidiger unter dem Ge- lächter des ganzen Saales zu:„Keine Furcht, wir werden auch so stei- gesprochen." Unmutig wendet Labori, dem diese Zwischenrufe ficht« lich peinlich sind, sich zu seiner Klientin und bittet sie, ihn vollenden zu lassen. Jedenfalls werde Therese morgen sprechen, fährt er fort, doch könne er es selbst nicht wissen. Spreche sie nicht, so bleibe die geheimnisvolle Dunkelheit bestehen, die sich um ihr Geheimnis und damit auch über die ganze Crawford-Erbschaft gesenkt hat. Der Staatsanwalt wie die Zeugen haben nichts aethan, um dieses Dunkel aufzuhellen. Nichts lst bciviesen. Und selbst wenn Therese nicht sprechen wird, so werden— so lange nicht die volle Wahrheit an den Tag gekommen— einsichtsvolle, wahrheitsliebende und un- abhängige Männer niemals einen Schuldspruch fällen können. Damit schließt Labori sein insgesamt zehn Stunden um- fastendes Plaidoyer, das zweifellos rhetorisch bedeutend und auch in vielen seinen Teilen von juristischem Scharfblick gettagen war. So hat es denn auch weniger auf das Publikum, als auf die zu- hörenden Advokaten einen durchaus für die Angeklagten günstigen Eindruck hinterlassen. Nach Labori spricht heute noch C l u n e t, der Verteidiger Emile Daurignacs. Unter allgemeiner Unaufmerksamkeit sucht er die geringe Teilnahme seines Klienten an der Rente Viagöre nach- zuweisen. erste Mal habe ich mich mit dem Ursprung meines Vermögens be schästigt, als der Präsident Forichon dazu Stellung nahm. Ich allein forderte damals die Ocffnung des Geldschranks, aber als ich am nächsten Tage den Sohn Crawfords bat, mir das Vermögen zu übergeben, weigerte er sich durchaus mit der Begründung, man wolle es nur zerstreuen, und fligte hinzu, sein Vater wäre in Bordeaux oder Madrid. Nach den Reden der Verteidiger giebt Therese Humbert eine längere Erklärung ab. die darin gipfelt, Crawford sei ein fingierter Name für Rögnier, dem einfügen Unterhändler zwischen Bismarck und Bazaine. Therese Humbert fährt fort, der junge Crawford habe ihr vor seiner Abreise mitgeteilt, daß Crawford nicht sein wirklicher Name sei. Nach emigen Abschweifungen erklärt sie weiter, die einzige Sünde, die sie begangen habe, sei, daß sie dem Bankier Bernhard ungeheure Summen geliehen habe. Die Geschworenen könnten sie unmöglich verurteilen, denn sie werde ihre Ver- urteilung nicht einen Tag überleben. Der junge Crawford habe ihr weiter gesagt, ihr wirklicher Name sei Nögiuer, und das Vor- handensein des Vermögens versichert. Dieses stamme aus dem Jahre 1870 und habe sich durch zinsbare Anlegung vermehrt. Die Angeklagte schließt mit der Versicherung, daß alle Schulden bezahlt werden würden, sobald ihre Freisprechung erfolgt sein werde. Emile Daurignac erklärt, er lvisse nicht, wer Rögnier sei. Labori bemerkt, er habe nichts weiter als den Namen Rögnier gewußt, macht nochmals darauf aufmerksam, daß Rögnier der Vermittler zwischen Bismarck und Bazaine gewesen, daß er vom Kriegsgericht in contumaciam zum Tode verurteilt worden und sodann ver- schwunden sei, und bittet schließlich die Geschworenen unter Beifalls- äußerungen des Publikums um Freisprechung der Angeklagten. Hierauf wird die Verhandlung geschlossen. Das Urteil. Der Spruch der Jury erkennt die Angeklagten in einigen Fragen für schuldig, in anderen für nicht schuldig und billigt ihnen mil- dernde Umstände zu. Therese und Frödöric Humbert werden zu 5 Jahren Einschließung in eine Sttafanstalt (röclusion) und 100 Franks Geldstrafe, Emile Daurignac zu zwei und Romain Daurignac zu dreiJahrenGe- fängnis verurteilt._ Huö Induftrie und Handel Hochöfen gegen Walzwerke. Im Rechtsstreit der Wissener Bergwerke und Hütten in Brückhöfe bei Wissen a. d. Sieg gegen das Hochfelder Walzwerk war letzteres auch in der zweiten Instanz vor dem Oberlandesgericht in Hamm in Westfalen zur Abnahme und Bezahlung des für 1901 gekauften Roheisens verurteilt worden. Dieses Urteil hat nach der„Köln. Volksztg." Rechtskraft erlangt, da die beklagte Firma sich bei dem Urteil beruhigt und auf eine Be- rufung beim Reichsgericht verzichtet hat. In demselben Sinne ist ein Urteil in der Sache der Firma Krupp gegen das Hochfelder Walz- werk rechtskräftig geworden. Letztere Firma ist danach verurteilt, das ftir 1901 gekaufte Roheisen abzunehmen und zu bezahlen. Im ganzen handelt es sich um 2200 Tonnen. Oestreich-Ungarns Außenhandel. Nach der amtlichen Statistik über den Außenhandel des östreichisch-ungarischen Zollgebiets betrug der Wert der Einfuhr im Monat Juli mit 147,4 Millionen Kronen 5,4 Millionen Kronen mehr als im Juli 1902, der Wert der Aus- fuhr mit 179,1 Millionen Kronen 22 Millionen Kronen mehr als im Juli 1902. Hieraus ergicbt sich für Juli 1903 ein Aktivum der Handelsbilanz in der Höhe von 31,7 Millionen Kronen gegenüber einem Aktivum von 15,1 Millionen Kronen im Juli 1902. Der Wert der Einfuhr von Januar bis Juli inklusive betrug im laufen- den Jahre 1079,3 Millionen Kronen gegen 1014,0 Millionen Kronen im gleichen Zeiträume des Vorjahres; der Wert der Ausfuhr stellte sich in den ersten sieben Monaten des Jahres mit 1153,0 Millionen Kronen um 90,1 Millionen Kronen höher als im gleichen Zeiträume des Vorjahres. Das Aktivum der Handelsbilanz für diesen Zeit- räum beträgt demnach 79,3 Millionen Kronen, gegenüber 47,9 Millionen Kronen in der gleichen Periode des Vorjahres. Die Arbeiterfrage in Südafrika. Die Minenmagnaten der Transvaal-Kolonie und ihr kapitalistischer Anhang arbeiten mit allen Kräften, der Regierung die Erlaubnis zur Einführung chinesischer Kulis, deren Unterhaltung und Entlohnung sich noch weit billiger als die der Kaffern stellt, abzuringen. Wie aus Johannesburg ge- meldet wird, sandten am letzten Dienstag die Minenkammer, die Handels- und die Arbeitskammer und die Gesellschaft zur Einführung farbiger Arbeiter eine Abordnung an den Gouverneur Sir Arthur Lawley, die um eine Unterbrechung der Eisenbahnarbeiten ersuchte, bis der Arbeiterbedarf der Minen gedeckt sei. Die Erfüllung dieses Verlangens würde nach Schätzung Sachverständiger eine Vertagung der Eisenbahnbauten auf 2 bis 3 Jahre bedeuten. Man betrachtet (von kapitalistischer Seite) diese Forderung als das stärkste Argu- ment, das bisher für die Einführung asiatischer Arbeiter nach Süd- afrika vorgebracht worden ist. Unter den Mitgliedern der Abord- nung befand sich auch Mr. Quinn, der Präsident der Astikanischen Arbcitsliga, der Mitglied der Arbeiterkommission und einer der bis- herigen Führer der Bewegung gegen die Zulassung von Chinesen ist. Gutem Vernehmen nach beabsichtigt er, durch seine Anwesenheit kundzugeben, daß er seine frühere Ansicht, die Eingeborenen könnten den Bedarf an Arbeitern decken, nicht länger aufrecht erhält. Der Gouverneur verhielt sich den Wünschen der Abordnung gegenüber sehr reserviert. Immerhin dürfte ihr Eingreifen stark zu Gunsten der Zulassung asiatischer Arbeiter wirken und den Bericht der Kommission beeinflussen. Auch General Viljoen tritt eifrig für die Einführung asiatischer Arbeiter ein. Er bereiste die Bezirke Rustenburg, Ermelo und Lüdenburg, um unter den Boeren dafür zu wirken, und begiebt sich jetzt nach Nordtransvaal, wohin er von führenden Boeren zur Erörterung der Frage eingeladen worden ist. Er glaubt bestimmt, daß die holländische Bevölkerung einer be- schränkten Zulassung von Chinesen zustimmen wird. Paris, 22. August.(W. T. B.) Nach Eröffnung der Sitzung nimmt der Verteidiger Romain Daurignacs, Hesse, das Wort. Er weist auf die völlige Ergebenheit Romains seiner Schwester gegen- über hin, die an ihm Mutterstelle vertreten habe. Als er auf die Flucht nach Spanien zu sprechen kommt, wirft er dem ehemaligen französischen Botschafter in Madrid, Patenotre, seine Behauptung vor, die HumbertS nicht zu kennen, während doch bei den versiegelten Atten ein Brief PatenSttes liege, in welchem er sich hei Therese Humbert für eine Blumensendung bedankt. Weiter hebt Hesse nochmals hervor, daß Romain Daurignac niemals die Rolle eines Crawford gespielt habe; er weist nach, daß die Beamten infolge ihrer Urteile und Beschlüsse die Urheber der An- gelegenheit Crawford gewesen seien. Des weiteren führt Hesse aus, Romain Daurignac habe immer an die Existenz der Crawfords ge- glaubt und glaube noch daran, denn er habe sie gesehen, er habe stets in gutem Glauben gehandelt. Mehrere Zeugen hätten auch daS Vorhandensein der Crawfords sowie das des Vermögens bestättgt; es sei daher unmöglich. Romain zu verurteilen. Hesse schließt mit der Aufforderung, Romain freizusprechen.(Beifall.) Der Präsident stagt den Angeklagten, ob er noch etwas zu sagen habe. Romain verneint. Der Präsident wendet sich mit der- selben Frage an Therese(lebhaste Aufmerksamkeit.) Therese ergeht sich dann in längerer Rede. Sie sei immer gut und ehrbar ge- Wesen, sie habe viel gelitten und sei in ihren Angelegenheiten vielen Schwierigkeiten' begegnet. Dabei zieht sie mehrere Persönlichkeiten mit herein. Sie erklärt, wenn der Bankier Bernhard sich nicht getötet hätte, lväre das Unglück nicht eingetreten. Aber die Crawfords hätten unerbittlich das ganze Vernwgen hinweggenommen. Sie fügt hinzu, sie habe ihr Geld dem Bankier Bernhard geliehen, ohne ihre Familie zu benachrichttgen. Das sei die Ursache ihres Unglücks. Sie fährt dann fort: Ich will Ihnen alles sagen. Das ßewerkfchaftUchcs. Berlin und Umgegend. Metallarbciter'mnen-Streik bei Siemens u. Halske. In der Weltfirma Siemens u. Halske, Btarkgrafenstraße, Abteilung des Meisters Jäckel, haben ca. 70 Arbeiterinnen wegen Maßregelung von Kommissionsmitgliedern sowie fortgesetzter Reducierung von Accordpreisen, einstimmig beschlossen, am Montag, den 24. August, die Arbeit ruhen zu lassen, bis diese Ver- Hältnisse beseitigt sind. Am Dienstag, den 25. August, findet bei Martens, Friedrichftr. 230, eine Versammlung des gesamten Stadt- geschäfts statt, wo über die Ursachen dieses Streiks eingehend Bericht erstattet wird. Zuzug ist streng fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Der Streik der Mörtelkutscher der Firma Globig ist beendet. da die Kutscher der Firma Rosenbaum(Inhaber H. Globig) sich als „Arbeitswillige" hergaben. Es sind dies Kutscher, welche den Vieh- tt anspart bewerkstelligen. Gleichzeittg fanden sich genügend andre Elemente von Kutschern ein, welche sich als Streikbrecher hergaben, und somit war eine Fortsetzung des Streiks aussichtslos. Centtalverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter. Achtung, Bmiarbeiter. Wir bitten sämtliche Bauarbeiter, folgendes zu beachten, da die Jalousie-Arbeiter in Lohndifferenzen stehen. Wir haben zum Zwecke der Konttolle rote Karten herausgegeben, welche auf der Rückseite gestempelt sind. Ebenfalls sind die Rolljalousie- Einsetzer zu beachten. NichtinHaber dieser Karte sind als Streik» Brecher zu bettachten. Die Kommission der Jalousie-Arbeiter im Deutschen Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. ' Achtung, Metallarbeiter! Der Stteik bei Schöning dauert unverändert fort. Zuzug ist fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Eine Konferenz von Vertretern solcher Berufe, in denen noch wesentlich mit dem Kost- und Logissystem im Hause des Meisters gerechnet werden muß, tagte am 17. d. M. im Rosenthaler Hof. Einmütig wurde dieses rückständige System verurteilt und der Wunsch nach einem einheitlichen Vorgehen zur Beseitigung desselben ausgesprochen, lieber den einzuschlagenden Weg gingen die Meinungen zunächst noch auseinander. Man sprach sich einerseits für Einleitung einer Bewegung aus, die den Anstoß zur Äeseittgung der Zusätze des 8 115 der Gewerbe-Ordnung auf parlamen- tari schein Wege geben soll, andrerseits wünschte man ein Zu- sammenarbeiten aller in Betracht kommenden Berufe zwecks Beseitigung jenes Systems auf gewerkschaftlichem Wege. Auch äußerte man sich dahin, nebenher gerichtliche Entscheidungen darüber herbeizuführeu, ob nicht die Differenz zwischen dem Satz von 1,50 M., der bei Steucreinschätzungen für Kost und Logis in Ansatz gebracht werde, und dem, was man an geringerem Werte den Arbeitern größtenteils verabfolge, für die letzten beiden Arbeitswochen ausgezahlt werden müsse. Folgende Resolutton fand einstimmige Annahme: „Die Konferenz erklärt sich im Princip damit einverstanden, daß in eine Bewegung eingetreten wird zur Beseittgung der ein- schränkenden Bestimmungen des§ 116 der Gewerbe-Ordnung. Die Vertreter verpflichten sich, zunächst die Ansichten der Hauptvorstände sowie der Mitglieder einzuholen und auch für statistische Unterlagen Sorge zu tragen." Anwesend waren Vertteter von sieben verschiedenen Berufen sowie ein Vertreter der Gewerkschastskommission. Beschlossen wurde noch, daß jede Gewerkschaft, die an der Beseitigung des Kost- und Logiswesens im Hause des Meisters interessiert ist, einen Delegierten zu einer Kommission wählen möge, die die Vorarbeiten einzuleiten hat. Gewerkschaften, die sich an dieser Bewegung beteiligen wollen. werden ersucht, die nöttgen Schritte zu thun und ihre Adressen an das Verbandsbureau der Bäcker, Klosterstr. 101 bei Boß, gelangen zu lassen. Die Grschäftskommission der steien Bereinigung deutscher Ge- werkschaften beruft den 0. Kongreß zum Sonntag, den 13. Sep- tember, nachmittags 4 Uhr, in das Lokal Dräsels Festfäle, Reue Friedrichstr. 35, nach B e r l i n ein. Die provisorische Tagesordnung lautet: 1. Konstituierung des Kongresses. 2. Geschäfts- und Kassenbericht der GeschästSkommisfion«id Bericht über die Presse. 3. Die Stellung der freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften zu den Einigungsbestrebungen des Parteivorstandes. 4. Streiks und Sperren und deren Unterstützung durch den GaranttefondS. 5. Erledigung der eingegangenen Anträge. 0. Wahl der Geschästskommission. Die der freien Vereinigung angeschlossenen Gewerkschaften werden hiermit ersucht, Stellung zum nächsten Kongreß zu nehmen. Anträge und Wünsche, die sich auf den sechsten Kongreß be- ziehen und durch die„Einigkeit" veröffentlicht werden sollen, müssen mit dem Organisationsstempel versehen an obige Geschäftsstelle bis zum 1. September eingesandt werden. Die Geschäftskommission. I. A.: Hinrichsen. Thieme. Deutsches Reich. Der Ausstand in Crimmitschau ist, wie vorauszusehen war. ein vollständiger. 7500 Arbeiter und Arbeiterinnen legten am Sonn« abend einmütig die Arbeit nieder. In 52 Webereien, 20 Spinnereien, einer Trikotagenfabrik, zwei Gerbereien und zwei Hülsenfabriken ruht der Betrieb. Zu den streikenden Fabrikarbeitern kommen noch 1500 Heimarbeiter, die durch den Streik in Mitleidenschaft gezogen sind, so daß im ganzen 9000 Arbeiter und Arbeiteriimen feiern. Der Klempnerstreik in Hannover ist beendet. Durch gegenseittge Vereinbarung kam ein Tarifverttag zu stände, der den Klempnern einen Stundenlohn von 45 Pf. gewährt, welcher sich vom 1. April 1904 an auf 50 Pf. erhöht. Der Verttag gilt bis 1. Oktober 1905, und wenn er zu diesem Termin nicht gekündigt wird, tritt eine Lohnerhöhung auf 52 Pf. ein.— In L i n d e n und den andren m Frage kommenden Orten dauert der Stteik noch fort. Der gute Gewerkverein und die böse Gewerkschaft. In Freiburg in Schlesien wurde kürzlich ein Hirsch-Dunckerscher Frauen-Gcwerk- verein gegründet. Der Direttor einer Fabrik, deren Arbeiterinnen zum Teil diesem Verein beigetteten waren, verlangte von ihnen, daß sie entweder den Verein oder die Fabrik meiden. Die in Berlin wohnende Schatzmeisterin des Frauen-Gewerkvereins wurde in dieser Angelegenheit durch ein Mitglied um Rat angegangen, worauf die Frau Schatzmeisterm folgendes anttvortete: Werte Frau S..... I Mit Bedauern habe von Ihrem Schreiben Kenntnis ge- nommen, werde es Donnerstag dem Generalrat vorlegen, viel- leicht daß ein Artikel zur Aufklärung im..Gewerkverein' veröffentlicht wird. Werte Genossin I Wäre es vielleicht an» gebracht, wenn Sie dem Direttor, Herrn Neumann, sowie dem Spinnmeister wöchentlich den„Gewcrkverein" zur Verfügung stellen würden? Dann könnten sich die Herren doch selbst über- zeugen, daß der Unterschied zwischen Gewerkverein und GeWerk- schast genau so groß ist, wie Tag und Nacht; und wenn ihnen dies klar ist, werden die Herren auch sicherlich nichts mehr gegen unsre Organisatton einzuwenden haben. Wir haben einen großen Teil Arbeitgeber, die nur mit Gewerkvereinen zu thun haben wollen, weil dieselben eingesehen haben, daß dann das Arbeitsverhältnis beiderseits ein zuftiedenstellendes ist. Das ist aber von den Gewerkschaften nicht zusagen, diese wollen den Kampf bis aufS Messer, wir aber wollen Ruhe und Frieden und auf güt- lichem Wege mit den Herren Arbeitgebern verhandeln. Ich möchte Sie nun bitten, den Mut nicht zu verlieren, ebenso auch die , andern Kolleginnen, denn eine Organisatton, die auf so gutem 'Fundament und so gesunden Grundsätzen aufgebaut, wird sich überall Bahn brechen. In der Hoffnung, daß sich alles zum Besten wenden möge.l zeichnet grüßend Ihre E. gerbst, Schatzmeisterin. Der Fabrikdirettor wird ja die Gewerkvereins-Mitglieder wieder in Gnaden aufgenommen haben, denn vor einem Verein, der sich den Unternehmern so angelegentlich empfiehlt, braucht kein Arbeit« geber bange zu sein.________ Letzte JVachnchten und Depefchen. Hamburg, 22. August.(SB. T. B.) Der Lumpensammler W e i g l i n, der unter dem Verdacht, den R a u b m o r d an dem Lotterie-Einnehmer Levy begangen zu haben, kürzlich verhastet war. hat die That heute eingestanden. Wien, 22. August.(B. H.) Im Walde, in der Nähe von St. Veit an der Triesttng, wurde ein angeblich aus Dresden stammendes Liebespaar vergiftet aufgefunden. Der Mann, welcher bereits tot war, soll ein Apotheker gewesen sein; die Frau, welche die Nennung ihres Namens verweigert, wurde schwer krank ins Hospital gebracht. Rom, 22. August.(SB. T. B.) Menotti Garibaldi ist nach einem Krankenlager von wenigen Tagen heute nachmittag ge« storben.__ London, 22. August. 9'/, Uhr abends.