Nr. 204. me am Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 8,80 m., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitungs. Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Auslan 8 Mart pro Monat. 1190 Ericheint täglich außer Montags. 9.20. Jahrg. Vorwärts Berliner Volksblaff. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Infecate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr 973 nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttags geöffnet. Telegramm- Noreffe: ,, Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der Socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Jungbürgerliche Strömungen. Mittwoch, den 2. September 1903. strebt, sich zu bewahren und die unerfreulichste Seite in politischen Thätigkeit einer Minderheitspartei, die Fragen Tattit, ihren älteren Parteigenoffen zu überlassen. " der Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Beim Reichs- Invalidenfonds find infolge der verstärkten Fürsorge für die Kriegsinvaliden 2001 000 m. Mehrkosten entstanden, denen ein Minderaufwand für einzelne Ausgabezwecke in Höhe von 279 000 m. gegenübersteht. Da zur Deckung der sich hiernach ergebenden Mehrausgabe von 1722 000 m. aus Mitteln des ReichsInvalidenfonds nur 781 000 m. verfügbar waren, so mußten 941 000. Aufstellung des Etatsentwurfes für 1904 wird die nachträgliche etatszunächst aus ordentlichen Mitteln des Reiches gedeckt werden. Bei mäßige Bereitstellung der Ueberschreitung beim Reichs- Invalidenfonds in Erwägung kommen. Im ganzen werden bei den in Betracht kommenden Fonds die Minderausgaben durch die Mehrausgaben um 8 734 398,90 m. überschritten. Die Einnahme an Zöllen und Tabaksteuer hat gegen das Etatsſoll 13 860 000 M. mehr eingebracht. Bei den den Bundesstaaten sonst noch zustehenden Steuererträgen find an Verbrauchsabgabe für weniger aufgekommen, so daß sich im ganzen ein Mehrertrag von Branntwein 3253 000 M. und an Reichsstempelabgaben 2203 000 m. 8 404 813,57. ergiebt. der Der nationalliberalen Jugend ist das verjährbare Recht auf Raum hat der nationalsociale Vertretertag in Göttingen jugendliche Begeisterung zugesprochen worden, dagegen soll sie die feine Beratungen geschlossen, die mehr die allgemeine Konfufion Taktik der Partei älteren Geschäftsleuten überlassen. Aus dem und Diffusion der kleinen Gruppe verrieten, als sie der großen Berichte der„ National- Zeitung" geht mit feinem Wort hervor, daß " Fusion" des Liberalismus dienten, so haben in Mannheim andre sich die Jugend die ja auch nicht mehr gar so jung ist, denn Leute das Spiel wieder begonnen, das gerade erst in Göttingen ihr Führer, Reichstags- Abgeordneter Dr. Böttger, zählt begeendet hatte. Die Jungliberalen" haben in Mannheim ihren reits vierzig Zenze gegen eine so sonderbare Verteilung der BeVertretertag abgehalten. fugnisse irgendwie aufgelehnt hätte. Daß der„ Ruck nach links", den Diefe Jungliberalen haben sich nun allerdings nicht als eine Herr Sattler jetzt in Mannheim prophezeit, anders ausfallen wird besondere Partei konstituiert. Ganz im Gegenteil versuchen fie als jener, den Herr Bassermann einst in Jena proklamierte- es in der nationalliberalen Partei eine ähnliche Rolle zu spielen gehört wahrhaftig eine ganz gehörige Portion von„ politischem wie jene, die sich die gewesenen Nationalsocialen inner- Jdealismus" dazu, um das zu glauben! halb der Freifinnigen Vereinigung neuerdings zumuten. Sie nehmen Wäre es den Nationalliberalen, Jungen und Alten, ernst mit es sich vor, innerhalb ihrer Partei das radikalere Element der Bekämpfung jenes junkerlich- und klerikal- reaktionären Regiments, au repräsentieren, und den alten Körper mit dem Geiste der Demo- das in Preußen nicht nur das Proletariat niederhält, sondern auch Dieser Mehrertrag mußte nach§ 1 des Gesetzes vom 28. März 1903 kratie und der bürgerlichen Socialreform zu durchdringen. Wie bei die realen Interessen der Bourgeoisie nach Kräften unterdrückt, dann zur Tilgung der durch den Reichshaushalts- Etat für 1903 bewilligten den Nationalsocialen steht es aber auch bei ihnen außer Frage, daß hätten sie es nicht nötig, mit ihrer Taktik hinterm Berge zu halten. Buschußanleihe zurückbehalten werden, so daß den Bundesstaaten ein solcher Umwertungsprozeß nichts von dem kritisch antasten dürfe, Die Socialdemokratie erstrebt ihren Eintritt in den preußischen nur der etatsmäßig festgestellte Betrag zu überweisen war. was der Jargon der Drdmungsparteien die heiligsten Güter der Landtag, um praktische Politik zu treiben. Sie will Schaumweinsteuer, deren Erträge im Etat noch nicht berücksichtigt Nation" nennt. Sie sind Dogmenfanatiker des Chauvinismus, un- für freies Wahlrecht, für gute Schulen, werden konnten, hat 2750'000 m. erbracht. Bei der Brennsteuer, eine bessere entwegte Anhänger des nationalen Parademilitarismus und starre Gemeinde- Ordnung, humane Rechtspflege und tausend andre welche in der Gestalt von Vergütungen für ausgeführten oder zu gewerblichen Zwecken verwendeten Branntwein wieder zur Dinge kämpfen, die dem Wohl des Volkes dienlich sind. Dazu Verausgabung gelangt, find zunächst 4818 000 m. mehr vereinnahmt Desto lauter beklagen sie sich über den Dogmenfanatismus der brauchen sich noch lange nicht jene abenteuerlichen Erwartungen als verausgabt worden. Socialdemokratie und verfolgen mit denselben traumhaften Hoff erfüllen, die die Jungliberalen an den„ Revisionismus" knüpfen. Gegen den Voranschlag zurückgeblieben ist die Einnahme aus der nungen wie die Nationalsocialen die innere Entwicklung der deutschen Wenn man aber erst warten will, bis der„ Revisionismus" seine Buckersteuer um 16 731 000 m., aus der Maisch bottichstener Arbeiterpartei. Herr 3öphel brachte es fertig, in einem Referat fabelhaften Ziele erreicht hat, so verlegt man den Ruck nach links um 917 000 M., aus der Brauftener um 2 464 000 m. und aus der Braktische Gedanken über die Socialdemokratie" zu erklären, viel- abermals drei Meilen hinter Weihnachten, und die Rebellion der Wechselstempelsteuer um 788 000 m. leicht werde es dem" Revisionismus" gelingen, feinen Teil der bürgerlichen Jdeologie gegen das antiproletarische Klaffenintereffe Reichsbruderei- find mit ihren Ueberschüssen hinter den EtatsDie Betriebsverwaltungen mit Ausnahme der heutigen, ihrer Natur nach dem Liberalismus feindlich entgegen des Bürgertums endet wie immer noch mit einer kläglichen Nieder- ansägen zurückgeblieben. Bei der Boft- und Telegraphenverwaltung stehenden Socialdemokratie zur Demokratie umzugestalten. Dann lage. 201 beträgt der Ausfall 3 397 000 m., und zwar 3 602 000 Mr. Minderfönne mit ihr gerechnet werden. einnahme, namentlich an Borto- und Telegraphengebühren, gegen 205 000 m. Ersparnis bei den fortdauernden Ausgaben. Verwaltung der Reichseisenbahnen steht einer Mehr ausgabe von 967 000 m. mir eine Mehreinnahme von 323 000 m. gegenüber, so daß sich ein Minderüberschuß von 644 000 M. Herausstellt. " Doktrinäre der Monarchie. Der socialdemokratische Dogmenfanatismus" aber wird aber mals seinen sichern Vorteil davon haben. Daß doch die, die gegen das Dogma des Klassenkampfes mit Worten streiten, es niemals unterlassen können, es seine Richtigkeit durch Thaten zu beweisen! Schließlich nahm man eine Resolution an, worin erklärt wird, daß die Jungliberalen für eine Abänderung des„ bestehenden und erprobten Wahlrechts" niemals zu haben sein werden. Herrn Zöphels Ausspruch erinnert nun allerdings start an jene tieffinnige Bemerkung, wonach des Lebens Unverstand mit Wehmut zu genießen, Tugend und Begriff ist. Weder giebt es einen Revisionismus, der die Socialdemokratie zur Demokratie umgestalten will, noch steht die Socialdemokratie, soweit ihr politifches Programm in Betracht kommt, ihrer Natur nach dem Liberalismus feindlich gegenüber, vielmehr hat sich der Liberalismus felbst in einen sehr unnatürlichen Gegensatz zur politischen Demofratie gestellt, die heute in Deutschland nur mehr von den Socialdemokraten ernstlich vertreten wird. Zum wirtschaftlichen Liberalismus, zur Manchestertheorie, wird sich aber auch Herr Zöphel als sien nomo Jung liberaler schwerlich bekennen wollen. Es wäre Zeitvergeudung, über solche Selbstverständlichkeiten noch biele Worte zu verlieren, wenn nicht eben unsre Gegner aus der Verwirrung der einfachsten Thatsachen die Argumente zögen, mit denen sie ihre einseitigste Klaffenpolitik zu begründen versuchen. Man hat sich nämlich in Mannheim auch mit viel praktischeren Dingen beschäftigt, als mit Herrn göphels„ praktischen Gedanken" mit den preußischen Landtagswahlen. Von den vertraulichen Verhandlungen, die über diesen Bunkt gepflogen wurden, glaubt die National- Zeitung" nur das Folgende verraten zu dürfen: Das flingt sehr bestimmt. Hoffentlich bleiben die Jungliberalen auch immer jung und überlassen die taktische Behandlung der Wahlrechtsfragen nicht ihren älteren Parteigenossen um Hieber und Bahn. 512 Politische Ueberlicht. Berlin, den 1. September. Mit mehr als 30 Millionen Defizit schließt die Endrechnung des Reiches für das Rechnungsjahr 1902. Im ganzen sind an ordentlichen Einnahmen, soweit sie dem Reiche berbleiben, 21 988 127,74 m. weniger aufgekommen. Da die Mehrausgaben 8 734 393,90 m. betragen, so ergiebt sich ein Fehlbetrag von 30 722 521,64 2. Von den Etatsüberschreitungen sind zu erwähnen: 102000 m. beim Reichstag, darunter die außeretatsmäßigen 48 000 m. für die Mitglieder der Bollkommission. Die Bei der Die Reichsbruderei hat bei einer Mehreinnahme von 391 000 M. und einer Minderausgabe von 256 000 M. einen Mehrüberschuß von 647 000 m. abgeliefert. Die Mehreinnahme ist im wesentlichen zurückzuführen auf verstärkte Herstellung von Postwertzeichen. Gegen den Etatsansatz find ferner zurückgeblieben die Einnahmen aus dem Bankwesen um 9093 000. Die verschiedenen Verwaltungseinnahmen haben unter Einrechnung der oben bereits erwähnten Mehrerträge bei der Militärverwaltung, beim Reichsschazamt und beim Patentamt sowie der Mindereinnahme bei der Marineverwaltung insgesamt 3 897 000 m. mehr ergeben. Alles in allem ein Abschluß des wirtschaftlichen Niederganges und der finanziellen Mißwirtschaft! Deutfches Reich. Zur Wahlreform in Sachsen. Vorstand und Ausschuß des Landesvereins der Freisinnigen Bollspartei im Königreich Sachsen haben am Sonntag in Dresden zur Wahlrechtsfrage diefelbe Resolution angenommen, die schon von einigen Ortsvereinen der Partei angenommen worden ist. Sie lautet: Von der Aufstellung einer Resolution über die Tattil bei den Wahlen, wie sie ursprünglich auf Grund eines Antrages Köln in einigen Kreisen der Delegierten beabsichtigt gewesen war, wurde 693 000 m. hat das Auswärtige Amt mehr verausgabt, als ihm ganz abgesehen. Eine solche tattische Resolution wurde namentlich zugestanden war. auch von seiten solcher Jungliberaler als überflüssig erklärt, die Das Reichsamt des Innern hat im ganzen nur 82 000 m. mehr" Die Freifinnige Volkspartei im Königreich Sachsen erklärt sich im übrigen in der folgenden Diskussion energisch dafür eintraten, verbraucht, ja der Reichszuschuß auf Grund des Invalidengesetzes gegen jedes Klassen, Stände und Berufswahlrecht für die sächsische daß die nationalliberale Partei durch eine rücksichtslos liberale ist sogar um 316 000 M. geringer, als im Etat veranschlagt war. Zweite Kammer. Sie fordert in erster Linie Einführung des allBolitit sich selbst aus eigner Kraft eine Stärkung ihres Einflusses Die socialpolitischen Ausgaben sind die einzigen, die im gemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für die erringe. Man begnügte fich weiterhin auch Angesichts der That Etat höher angesetzt werden, als sie wirklich betragen; das dient Wahl der Abgeordneten der Zweiten Kammer unter propor sache, daß es sich um eine den Reichsverband nicht direkt berührende, offenbar zur kulturellen Verschönerung des Anschlags. tionaler Verteilung der Mandate unter die konkurrierenden speciell preußische Angelegenheit handle und daß der bevorstehende Für das Reichsheer sind einschließlich der mit einer Ersparnis Parteien, in zweiter Linie Rückkehr zum früheren LandtagsParteitag der preußischen Nationalliberalen in Hannover, zu dem von 2 191 000 m. abschließenden Titel des allgemeinen Pensionsfonds Wahlrechte unter Aufhebung der Drittels- Majorität und proauch jungliberale Vertreter erscheinen werden, die Stellung des bei den fortdauernden Ausgaben zusammen 3 262 000 m., bei portionaler Verteilung der Mandate nach Maßgabe der für die ein Liberalismus im nahenden Kampf flar präcifieren werde, mit den einmaligen Ausgaben 297 000 M. mehr erforderlich gewesen, zelnen Parteien abgegebenen Stimmenzahlen. In jedem Fall fordert einer freimütigen Aussprache im Kreise der Delegierten des Jung während an Einnahmen 1 626 000 m. mehr aufgekommen sind. Das sie geheimes und direktes Wahlrecht. Sofern man nicht auf EinLiberalismus und des nationalliberalen Centralvorstandes. Bahl Gesamtergebnis stellt sich somit gegen den Etat beim Reichsheer um führung der Proportionalwahlen( z. B. nach Kreishauptmannschaften) reiche jungliberale Redner geißelten mit großer Schärfe die realtio 1933 000 m. ungünstiger. Jm einzelnen sind erheblichere Mehr- oder Neueinteilung der Wahlkreise zukommen sollte, ist der städtischen nären Zustände Preußens in Regierung und Verwaltung und aufwendungen wie es im offiziellen Bericht heißt nicht zu Bevölkerung wenigstens eine gerechte Vertretung in der Zweiten forderten die Abgeordneten der Partei in Reichstag und Landtagen umgehen gewesen" bei der Militär- Justizverwaltung, beim General- Rammer zuzubilligen. Die Freifinnige Boltspartei fordert weiter eindringlich auf, überall da, wo es die Aufdeckung von stab und Landesvermessungswesen, bei der Naturalverpflegung Aufhebung, zum mindesten aber zeitgemäße Reform der sächsischen Schäden und Mißständen gelte, die Initiative zu ergreifen.( 3 479 000 M.), beim Garnisonderwaltungs- und Serviswesen, beim Ersten Kammer. In derselben müssen, so lange sie fortbesteht, neben Die anwesenden Abgeordneten, von denen sich Dr. Sattler, Militär- Medizinalwesen, bei der Pferdebeschaffung, bei den Reise der Landwirtschaft auch die übrigen Berufe eine ihrer Bedeutung Dr. Hieber, Dr. Deinhard und Dr. Böttger an der kosten und Tagegeldern, Vorspanns und Transportkosten, bei dem entsprechende Vertretung finden. Die Wahlen sind am Sonntag und Debatte beteiligten, waren mit den Jungliberalen vollkommen einig Fonds zu Festungsanlagen und Einebnungsarbeiten sowie für den mittels Wahlbriefs zu vollziehen." in der Forderung, daß ein zielbewußtes und kraftvolles Auftreten Neubau der Kriegsschule zu Potsdam. Diesen Mehrausgaben stehen gegen die konservativ- ultramontane Mehrheit im preußischen Landtag nennenswerte Eriparniffe gegenüber bei der Geldverpflegung, bei der erfte und bringendste Pflicht der nationalliberalen Fraktion sei, daß Verpflegung der Ersatz- und Reservemannschaften, beim Artilleriedie Reaktionäre, wo sie auch zu suchen seien, entschiedener, als und Waffenwesen und bei Neubauten von Kafernen. es bisher geschehen, bekämpft werden müßten. Speciell Ab- Man wird gut thun, diese großen Etatsüberschreitungen der geordneter Dr. Sattler, dessen längere und flare Rede leb Militärverwaltung im einzelnen genau nachzuprüfen. Die Mehrhaften Beifall der ganzen Versammlung fand, charakterisierte ausgaben für die Naturalverpflegung deuten auf die gesteigerten Die Konservativen als eine Partei, die im Lauf der Jahre bei Lebensmittelpreise hin. ihrer Politit immer mehr die Rücksicht auf den Gesamtorganismus, In der Marineverwaltung sind 728 000 m. über den Etat hinaus Wer nicht fluchtverdächtig ist. Während unser Genosse Leid die staatlichen Gesichtspunkte hätte in den Hintergrund treten verausgabt worden, die zum Teil durch das Venezolanische Aben- wegen eines Delifts, das er nicht begangen, und wegen Flucht Laffen. Sie feien heute eine wirtschaftlich- egoistische Gruppen- teuer entstanden sind. Die Etatsüberschreitung beim Reichs- Marine- verdachts, der durch nichts begründet ist, noch immer in der Unter partei geworden, ihr Programm sei Agrarismus und Orthodoris amt wäre aber noch viel größer, wenn man nicht einfach einen suchungshaft festgehalten wird, ist in Dresden wieder ein Bant mus. Stürmischer Beifall.) Auch die nationale Gesinnung sei Etatstitel ganz gestrichen hätte: Es waren 1 100 000 m. für die Ein- schwindler, der Geh. Kommerzienrat Hahn, aus der Untersuchungs. bei einzelnen nicht ganz einwandfrei, es genüge, an, Raniz und die richtung des Schiffes Marie" als Artillerie- Schulschiff gefordert und haft entlassen worden. Er hat bloß 100 000 m2. Saution stellen Kähne" zu erinnern. Diese bedauerliche Entwicklung lege der national- bewilligt worden. Man hat nun auf diese Einrichtung berzichtet". brauchen, deren Verlust er leicht verschmerzen kann. liberalen Partei mit doppelter Schwere die Pflicht auf, im Dienste des Es ist eine grobe unzulässigkeit, daß man im Anschlag Hahn gehörte zu den Mammuth- Aufsichtsräten: er„ beaufsichtigte" Geſamtorganismus zu wirken, eine politische Partei zu bleiben, große Summen fordert für Zwecke, die dann gar nicht erfüllt werden, 27 Attiengesellschaften; kein Wunder, daß er bei solcher Ueber was die Konservativen nicht mehr seien. Abg. Dr. Hieber sprach und diese Summen für andre Ausgaben, als für die sie bewilligt bürdung" Bilanzen fälschte und sonstigen Betrug verübte. Von den hauptsächlich über die socialpolitische Wirksamkeit der Jungliberalen waren, verwendet. ergaunerten Reichtümern wird er 100 000 m. auf sein Unkosten Conto buchen und das Ausland aufsuchen, sofern er seine Sache für bedenklich hält. " und der Gesamtpartei und gab seinem tiefen Bedauern über die Die Verwaltung und Berzinsung der Reichsschuld hat mit einer Niederlage des Führers in der Socialpolitik, des seitherigen Abg. Mehrausgabe von 2825 000. abgeschlossen. Bassermann Ausdrud. Er forderte die Jungliberalen auf, den Beim allgemeinen Pensionsfonds sind 2093 000 m. erfpart politischen Idealismus, der gern mit eigner Kraft fich erporzuringen worden. Die Freifinnigen in Sachsen fönnen sich schon etwas Radikalismus leisten, da sie schwerlich in die Lage tommen werden, ihn prak tisch zu bethätigen. Die einzige Gelegenheit dazu wäre, daß fie bei den bevorstehenden Landtagswahlen für die Socialdemokraten stimmen. Die Resolution soll der Regierung überreicht werden, die sie ihrem Archiv einverleiben wird. Man muß in Deutschland schon ein Bankschwindler oder Kurpfuscher sein, um das Vertrauen der Gerichte zu genießen! Vantschwindler im Gefängnis. Die„Leipziger Neuesten Nach- richten" hatten Mitteilungen gebracht über die Behandlung des ehe- maligen Bankdirektors Exner'in der Strafanstalt Zwickau. Sie er- hielten darauf folgende Zuschrift: Zwickau, am 28. August 1903. An die Redaktion der„Leipziger Neuesten Nachrichten" zu Leipzig. Die in Nummer 238 Ihrer Zeitung über den vormaligen Bankdirektor Exner enthaltene Noti, ist geeignet, irrtümliche Auffassungen zu erwecken, insofern sie mt, die demselben gewährte„Selbstbeschäftigung" Bezug nimmt.„Selbst- beschäftigung kann allen zu Gefängnisstrafe Verurteilten gewährt werden, bei denen die nach der Hausordnung bestimmt be- grenzten Voraussetzungen dazu gegeben sind, keineswegs nur solchen Gefangenen, welche wegen Preßvergehens Strafe verbüßen. Da jene Voraussetzungen bei p. Exner vorliegen, so durfte sich die Anstaltsdircktion nicht für ermächtigt halten, den Antrag des Ge- nannten auf Gewährung der— übrigens unausgesetzter Kontrolle unterworfenen— Selbstbeschästigung, welche als eine besondere „Vergünstigung" nicht anzusehen ist,' abzulehnen. Besondere„Ver- günstigungen" erhält Exner in der Strafanstalt nicht, er trägt die Kleidung und genießt die Kost aller übrigen Gefangenen. Königl. Anstaltsdirektion. Höckner. Als ehemalige Bürger der Zwickauer Strafanstalt können wir die selbsterworbene Erfahrung zum besten geben, daß Gefangene, die wegen Preßvergehens in Zwickau eingesperrt wurden, sich dennoch die Selbstbeschäftigung erst durch Wohlverhalten als Vergünstigung er- werben mußten. Uns sind drei Fälle bekannt, wo socialdemokra- tischen Redakteuren, die Gefängnisstrafen von vier und fünf Monaten wegen Prcßvergchen zu verbüßen hatten, die Selbstbeschäftigung erst nach verschieden langer Zeit, dem einen erst nach zwei Monaten, als Vergünstigung gewährt wurde. Es scheinen danach bei Preßsündern die Voraussetzungen für Ge- Währung der Selbstbeschästigung doch nicht so günstig zu liegen wie bei Bankschwindlern. Mit der Kleidung und der Kost aller übrigen Gefangenen müssen sich Preßsllnder in Zwickau obendrein auch noch befreunden. Und am Ende wird solchen auch noch bei der.Entlassung die Mahnung, sich zu bessern, mit auf den Weg gegeben. Möglich, daß dem Bankschwindler diese Vergünstigung nicht zu teil wird.— Der deutsche Städtetag ist am Dienstag in Dresden eröffnet worden. Seitens der Berliner Stadtverordneten-Bersammlung sind u. a. unsre Genossen Singer und Borgmann abgeordnet worden. Auch der Kaiser hatte sein Erscheinen angekündigt. Dresden prangte in dem üblichen patriotischen Flaggenschmuck. Er hat aber am Dienstagmorgen plötzlich telegraphisch abgesagt und seinen ältesten Sohn auf den Städtetag geschickt.— Der Reichtum an Fiirstenbesuchcn entlockt selbst den erz- reaktionären„Berliner Neuesten Nachrichten" einige nicht gerade respektvolle Betrachtungen: sie schreiben über den reisenden Monarchismus u. a.: „Seit Menschengedenken ist wohl kein Jahr gewesen, in dem so viel Monarchenbesuche stattgefunden, wie das Heuer der Fall ist. Der deutsche Kaiser war im Frühjahr in Kopen- Hagen und Rom; der König von England besuchte Portugal, Italien und Frankreich, Präsident Loubet stattete daraus Gegenvisite in London ab, wo auch der König von Portugal sich einfand. König Victor Emanuel hat noch eine Reise nach Paris vor. Augenblicklich weilt König Eduard beim Kaiser Franz Joseph in Wien. Mitte resp. Ende September kommen Kaiser Wilhelm und der Zar nach der östreichischen Hauptstadt, letzterer geht weiter nach Rom. Ferner ist im Herbst aus Anlaß des vierzigjährigen Regierungsjubiläums des Königs von Dänemark große Fürftenversammlung in Fredensborg: der Kaiser von Ruß- land, der König von England u. a. treffen dort zusammen. Später geht der Zar nach Darmstadt und dürfte dort eine Be- gegnung mit dem deutschen Kaiser haben. Bei dieser Menge kann eine fehlende Nummer auffallen: Der König von England kommt nicht nach Berlin, wo er seinen offiziellen Antrittsbesuch noch schuldet." Woraus zu schließen ist, daß nach der Meinung des Scharf- macherblattes nur noch diejenigen Fürstenvisiten einige Bedeutung haben, die— unterlassen werden.— Höchste Zerstreutheit. Auf dem junguationalliberalen Vertretertag in Mannheim, über den wir an andrer Stelle ausführlich berichten, erklärte Generalsekretär Breithanpt im Auftrag dcS Abg. Zuck» s ch w e r d t- Magdeburg, daß diesem nicht erinnerlich sei, für Herrn Dr. Giesebrechts Pläne einen Beitrag gegeben zn haben. Es ist immer noch ein Glück zu nennen, daß dieser Herr Zuck- schwerdt, gegen den der Universitätsprofessor der„Fliegenden Blätter" immer noch ein Wunder von Geistesgegenwart ist, nicht im Reichs- tag sitzt. Der Mann hätte dort am Ende aus purer Zerstreutheit sür eine Wahlrechtsverschlechterung gestimmt.— Arveiter vervete»— Beamten heran! Zu unsrer Notiz in der Sonntagsuummer„Arbeiter ver- beten" wird uns aus Erfurt geschrieben: „Die hiesigen Fabrikbesitzer werden dem Wunsche des General- kommandoS gar nicht Rechnung tragen können, aus dem einfachen Grunde, weil die Arbeiterschaft, soweit sie nicht den Krieger oder sonstigen Klimbimvereinen angehört, gar keine Neigung zur Schlachte nbummelei hat. In den Kreisen der Beamten freilich ist Neigung dafür vorhanden, und ver schiedene Stimmen werden bereits in der Presse laut, die das Schließen der Bureaus wünschen. In einigen Fällen sind mich bereits Zusagen gemacht. Bei der hiesigen l-isenbahn- Direktion und auch bei der Gewehr- s a b r i k dürfte man in eine arge Zwickmühle geraten, wenn man für die Herren Beamten den Tag freigäbe und die Arbeiter ruhig schuften ließe. In diesen Betrieben verlangt man doch von den Arbeitern, daß sie bis auf die Knochen patriotisch sein sollen und wie deprimierend müßte es doch auf die Arbeiter wirken, wenn nur den Beamten gestattet würde, ihren Pattiotismus am Tage der Kaiserparade zur Schau zu tragen. Man ist sich deshalb auch über die Freigabe für die Beamten noch nicht ganz schlüssig. Daß den Kommunal- und Regierungsbeamten der Tag freigegeben wird, steht wohl außer allem Zweifel. Wenn die Herren Beamten, sofern sie nicht zu den höheren und höchsten gehören, sich die„Parade" ansehen wollen, werden sie sicher Gefahr laufen, von einem Feldgendarm oder mit einem Ringkragen versehenen andern Mann in respektvolle Entfernung zurückgedrängt zu werden, damit sie nicht etwa— Flurschaden anrichten, der, nebenbei bemerkt, ja gar nicht mehr angerichtet werden kann, weil der eigentliche Paradcplatz auf Kosten der Steuer- zahler so fei» säuberlich planiert worden ist. Die Plätze auf den Zuschauertribllnen. von denen man überhaupt nur etwas sehen kann, sind selbstverständlich nur fürdieReichen bestimmt, denn die Preise, die dafür gezahlt werden müssen, bürgen dafür, daß nicht etwa der Pöbel davon Besitz ergreift. Die Klasseneinteilung zeigt aber auch, daß„Art neben Art" zu sitzen kommen soll. Die Preise der Plätze sind folgend,': Sitz mit Lehne 10 M.; ohne Lehne und selbstverständlich im Hinter- grund 6, 5 und 4 M. Unbemittelte Schlachtenbummler, die Maul- äffen feil halten wollen, werden also höchstens geknufft und gepufft werden, ohne etwas zu sehen, ja, noch nicht einmal ein Glas Bier werden sie bekommen, denn im weiten Umkreise dürfen geistige Getränke nicht verkauft werden, weil die Militärbehörde es so haben will._ Ein konservatives Urteil über den Komuiunalfreisinn. In einer Notiz gegen die„National-Zeitung". die aus Anlaß des Städtetages von der Thättgkeit des Kommnnalfreisinns schrieb, daß ihn„nicht ganz unverdienter Tadel" schon getroffen habe, sagt die„Kreuz- Zeitung": „Wir möchten das nicht so milde ausdrücken. In seiner Domäne, in Berlin, hat sich der„Kommunalfteisinn" als ganz und gar unfähig für eine wirklich sociale Kommunalpolitik gezeigt. Was die.National- Zeitung" als socialhygienische Leistungen preist— Wasserleitung, Kanalisation, Straßen- reinigung, Schlachthöfe, Marthallen, Verschüttung alter Stadt- grüben und vieles andre— darin ist Berlin ja groß. Könnte man aber untersuchen, wie weit die Angst um das eigne Leben und die eigne Gesundheit das Motiv für diese Thätigkeit der Stadtväter ist und wie viel ein gesunder socialer Altruismus dazu beigetragen hat, man würde gewiß zu wenig schmeichelhaften Resultaten kommen. Jedenfalls sind hygienische Verbesserungen kein Maßstab für die sociale Einsicht einer Stadtverwaltung." Wir benutzen mit Vergnügen dieselbe'Gelegenheit, zu erklären, daß wir dem Urteil der„Kreuz-Zeitung" in diesem Punkte durchaus zustimmen.— Für die Sicherung der Wahlfreihcit tritt die„Post" ein, leider mit untauglichen Mitteln. Sie schreibt über sogenannten social- demokratischen Wahlterrorismus: „Ermöglicht wird dieser Terrorismus allein durch die politische Thätigkeit der Gewerkschaften, die sich zu rein politischen Organi- sationen der Umsturzpartei entwickelt haben. Im Interesse des socialen Friedens und der politischen Meinungsfreiheit des Einzelnen mutz dieser politischen Zwaugsherrschaft der unter der falschen Flagge der Wahrnehmung der wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder segelnden Organisattonen entgegengearbeitet werden. Erst wenn die Arbeiterschaft von diesem Zwange befreit worden ist, wird für sie die Möglichkeit einer unabhängigen Stimmabgabe bei den Wahlen gewährleistet sein. So lange dieser Zwang bestehen bleibt, wird freilich auch die Einführung der Wahlpflicht der Sociäldemo- kratie, wenigstens innerhalb der Arbeiterschaft, keinen Abbruch zu thun vermögen, da dann auch die jetzt der Wahl fernbleibenden Arbeiter unter der Konttolle ihrer„Genossen" gezwungen sein würden, socialdemokratische Wahlzettel abzugeben." Weil die Arbeiter bei den Wahlen einem sttupellosen Terrorismus ausgesetzt sind, deshalb sind wir stets so entschieden für Maßregeln zur Sicherung des Wahlgeheimnisses eingetteten, und deswegen fordern wir auch die Beseitigung der öffentlichen Abstimmung bei den Wahlen zum Landtage und zur Gemeinde, wo der Terrorismus seine höchsten Triumphe feiert. Die„Post" hat wohl, wie man ja so häufig das Nächstliegende übersieht, an diese Kleinigkeit nicht gedacht. Wir haben deswegen auch so entschieden die erpresserischen Maßnahmen verurteilt, die bei der Reichstagswahl besonders in agrarischen Wahl- bezirken angewandt ivurden, mit Hilfe zu kleiner Wahlurnen trotz der Wahlumschläge das Wahlgeheimnis zu durchbrechen. Daß die „Post" auf das untaugliche Mittel verfällt, zum Schutze des Wahl- geheimnisses die Gewerkschaften zu bekämpfen, ist natürlich nur der Harmlosigkeit zuzuschreiben, durch die sich die Arbeiterfreundlichkeit der„Post" auszeichnet?—_ Chronik der Majestätsbcleidigungen. Wegen Majestätsbrleidigung ist in K o l m a r im Elsaß nach der „Straßburger Post" ein Franzose zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Ende Juli hatte er mit einem Landsmann eine Wirtschaft in Oberbergheim besucht, in der ein Bild des Kaisers an der Wand hing. Er hatte mit Bezug auf das Bild Acutzerungen gegen den Kaiser ausgestoßen und war deshalb verhaftet worden.— Hustand. Der Zwist in der spanisch-socialistischen Arbeiterpartei. Die Frage, ob bei den nächsten Municipalratswahlen die socia- listische Arbeiterpartei mit den Republikanern zusammengehen soll, wird in den spanischen Parteikreiscn und-Ortsgruppen noch immer lebhaft diskutiert. Die fünf Unterzeichner, die in der Mitglieder- Versammlung des Madrider Ortsverbandes den Antrag auf Ab- schließung einer Alliance mit den Republikanern gestellt haben, ver- öffentlichen im Madrider„Socialista" eine zwei Spalten lange Darlegung über die Beweggründe, die sie zur Stellung ihres Antrages bestimmt haben, und das„Comirs Nacional"(der Parteivorstand) antwortet darauf mit einer noch längeren Motivierung einer gegenteiligen Ansicht. In der Hauptsache läuft die Begründung der Antragsteller darauf hinaus, daß die Regierung immer mehr ins klerikale Fahrwasser geraten sei, sich gegen das neue lokale Selbstverwalttingsgesetz auf- lehne und bei Streiks zu Gunsten der Unternehmer eingreife. Um diese Haltung zu brechen und den reaktionären Mächten einen Damm entgegenzustellen, sei ein gemeinsames Vorgehen der radikalen Parteien erforderlich. Darauf antwortet die Parteileitting. Daß genau dasselbe Ver- halten von den früheren Regierungen beobachtet sei, zeitweilig sogar in stärkerem Maße. Dann aber bedeute die Madrider Resolution einen Verzicht auf eine eigne selbständige socialistische Aktion, eine Lähmung der Partei; denn nach der Resolution hätte die Partei nur das Recht in den 14 Ortschaften, wo sie schon bisher im Municipalrat vertteten gewesen sei. wieder eigne Vertreter zu fordern. Nun wäre aber seit den letzten Wahlen die Partei in den verschiedenen Ortschaften beträchtlich erstarkt, so daß mit ziemlicher Sicherheit darauf zu rechnen wäre, dort eigne Kandidaten durch- zubringen. Darauf müßte sie jedoch, wenn die Madrider Resolution Gültigkeit für die Partei erlange, verzichten, und wenn wirklich die Republikaner hier und dort so„generös" wären, der socialistischen Orts- gruppe die Ausstellung eines Kandidaten zu konzedieren, so würde doch dieser, als mit Hilfe der Republikaner gewählt und von ihnen ab- hängig, völlig einflußlos im Municipalrat bleiben. Noch wichtiger aber sei die Hinderung, die durch solchen Zu- sammenschluß bei den Wahlen die socialistische Partei in ihrer Agi- tation und in ihrer bisherigen energischen Kritik der republikanischen Politik erleide. Wenn die socialistische Partei in solcher Weise, wie gefordert werde, für die Republikaner eintrete, dann könne sie nicht deren Verhalten, nicht ihre socialpolittsche Verständnislosigkeit so rücksichtslos mehr befehden, wie bislang, dann müßten Konzessionen gemacht werden. Zudem seien die Republikaner, wenn auch eine polittsch- radikale, so doch eine kapitalistische Partei, die noch, wie an verschiedenen Beispielen nach- gewiesen wird, bis in die letzte Zeit die Gewerkschaften, die Maifeier und die von Arbeitern proklamierten Streiks bekämpft haben. Wie der Stteit enden wird, läßt sich nicht voraussagen. Mehrere in der letzten Woche vorgenommene Absttmmungen der Ortsverbände haben ergeben, daß unter den Parteimitgliedern die Neigung zu einem Zusammengehen mit den Republikanern weit verbreitet ist; aber nach den Statuten unsrer spanischen Bruderpartei mutz der Antrag von mindestens zwei Dritteln der Ortsgruppen angenommen werden, wenn er für die Gesamtpartei Gültigkeit erlangen soll.— Schweiz. Die Volksabstimmung im Kanton Zürich. Zürich, 31. August. (Eig. Ber.) Der demokratische Sinn und das selbständige Urteil des Volkes haben in der gesttigen Abstimmung des Kantons Zürich Herr- liche Triumphe gefeiert, über die wir uns umsomehr freuen dürfen, als sie vollständig überraschend kamen. Mit einer einzigen Aus- nähme trat die gesamte bürgerliche Presse des Kantons für das reaktionäre Machwerk, das Verwaltungsgesetz der Stadt Zürich, ein und sie bearbeitete das Volk in einer so wüsten verlogenen Weise, daß man die Annahme des Gesetzes für sicher halten mutzte. Ganz unverblümt wurde es als eine Maßregel gegen die Socialdemottatie, speciell gegen die Partei in der Stadt Zürich, er- klärt. Und nun das Resultat? Mit 33 021 gegen 17�333 Stimmen wurde das Verwaltungsgesetz, mit 32 884 gegen 17 173 jier Verfassungsartikel, durch den die Volkswahl der Lehrer in der Stadt Zürich ab- geschafft Iverden sollte, verworfen. Ein einziger von den 11 Bezirken hat beide Vorlagen angenommen(mit 1179 gegen 872 bezw. 1082 gegen 937 Stimmen), nämlich der Bezirk Andelnngen. Die Stadt Zürich selbst, die durch den reaktionären Wechselbalg von der Socialdemottatie„befreit" werden sollte, verwarf mit 11 554 gegen 6307 Stimmen das Gesetz; das Arbetterquartter Außersihl, das in drei Stücke zerrissen werden sollte, mit 5614 gegen 1716 Sttmmen. Von den fünf städtischen Kreisen nahm nur der erste Kreis, der die ehemalige alte Stadt umfaßt, mit 1487 gegen 1234 Sttmmen das „Erlösungswerk" an.— Frankreich. Zur Frage der Konkordatskündigung. Auf die Umftage des „Eclair" haben sich noch die Erzbischöfe von Aix und Toulouse sowie die Bischöfe von Frejus, Trohes, St. Claude, Moulins, Cahors, Ouimper und Versailles für die Auftechterhaltung des Konkordats ausgesprochen. Die Bischöfe von St. Flour, Soissons, Nizza, Poitiers, Tarbes, Chambsry und Nancy lehnten es ab, eine Meinung zu äußern und verwiesen auf die Weisheit des heiligen Vaters.— England. Zoll-Liigen. Die englischen Befürworter der Chamberlainschen Zoll- Pläne sind in der Wahl ihrer Mittel, Sttmmung für ihre Bestrebungen zu machen, ebensowenig wählerisch, wie ihre deutschen Gesinnungsgenossen. Wie diese diejenigen, die ihrenprofitablenZollforderungen entgegentreten, als Agenten des Cobdenklubs und des Auslandes bezeichnen, so be- ginnt jetzt die Anhängerschaft Chamberlains, die englischen Frei- Händler als deutsche Söldlinge zu verdächtigen. Der„Daily Expreß", der schon häufig in allerlei Erfindungen brilliert hat— erinnert sei nur an seine erfundenen Schreckcnsberichte über die Ermordung der fteniden Gesandten in Peking— hat vorgestern nach dem Bericht des„Berl. Tageblatt" ein angebliches Cirkular eines ungenannten deutschen Professors ver« öffentlicht, worin deutsche Großfirmen zu Geldbeiträgen zur Be« kämpfung Chamberlains bei den englischen Wahlen ersucht werden. Der Anonymus schlägt die Errichtung offizieller deutscher Preßbureaus in London und eine Unterstützung des Cobden- klubs vor: ferner die Bestechung englischer Politiker und eine regierungsseitige Bedrohung des Projektes kolonialer Vorzugszolle mit prohibitivem Zoll auf englische Waren. Das angebliche Cirkular erklärt Deutschland für den Erben der eng- lischen Kolonien und ruft aus:„Die deutsche Erbschaft wird ver- nichtet, wenn Chamberlain seine imperialistischen und fiskalischen Projekte ausführt, welche die gegenwärtige hilflose Sammlung der stagnierenden Nationen in ein homogeneres fortschrittliches Reich ver- wandeln würden. Kein Mittel und keine Kosten sollten gespart werden, um Chamberlain zu vernichten."— Dänemark. Reaktionäre Alliance. Die Ersatzwahlen zum Landsthing für die verstorbenen Abgeordneten Borup und Oct. Hansen sind von der Regierung auf den 2. Oktober verschoben worden; die Wahlmänner- Wahlen der allgemeinen Wählerklasse auf den 16. September, die der Höchstbesteuerten auf den 23. September. Durch diese Hinaus- schiebung der Wahlen wird den bürgerlichen Parteien will- kommene Gelegenheit geboten, sich gegen die Socialdemottatie zusammenzuschließen, und„Politiken", das einst demokratische Organ der Radikal-Liberalen Kopenhagens ist es, das jetzt den Konservativen ein Wahlbündnis anbietet.„Wenn Rechte und Linke sich zusammen- schlagen würden," schreibt das Blatt,„und die zwei Plätze unter sich verteilen, würden die Socialdemokraten gewiß nicht ihre Kandidaten durchbringen können." Oeffentlich ist dieses Liebeswerben von den Konservativen höhnisch zurückgewiesen worden und„Vort Land" vertröstet die Liberalen auf ein andres Mal, da dieses Mal der Rechten ja doch ein Mandat sicher sei. Es ist aber kaum zweifelhaft, daß trotz dieser öffentlichen Slbsage im geheimen ein anttsocialdemottatischeS Wahl- bündnis zustande gebracht wird. Socialdemokratische Wahlsiege. Wie wenig der Zusammenschluß der Reaktton dauernd die Fortschritte der Socialdemottaten zu hindern vermag, das beweisen die kommunalen Wahlen, die gegen- wärttg in den dänischen Städten stattfinden. Trotzdem unsre Partei- genossen an den meisten Orten rein socialdemokratische Kandidaten- listen aufftellten, haben sie bis jetzt gesiegt in: Aarhus, Randers, Silkeborg, Odense, Ryborg, Stakskow, Hobro, Horsens und andren Städten. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um Wahlen zu den Steuerkommissionen und zur Verwaltung der Armenkassen, teilweise auch um Ergänzunoswahlen zum Stadttat. Der Ausfall dieser Wahlen zeigte deutlich, daß die dänische Socialdemokratte stark genug ist, um auf die zweifelhafte Wahlhilfe der Liberalen verzichten zu können.— Türkei. Die Forderungen des macedonischrn Komitees. Wie bereit« ge- meldet wurde, hat das macedonische Komitee der türkischen Re- gierung und den europäischen Großmächten ein SelbstverwaltungS- Projett für Macedonien zugesandt, in welchem in 18 Artikeln die Forderungen dargelegt werden, welche das Komitee als Bedingung für die Einstellung seiner bisherigen Thättgkeit stellt. Die wichttgsten dieser Forderungen sind: Statt der Silajets Saloniki. Bitolia, Kossowo, Adrianopel, Skntari und Janina sollen vier Provinzen: Albanien. Macedonien, Altserbien und Thracien gebildet werden, die Selbstverwaltung er- halten, aber unter der direkten polittschen und militärischen Autorität des Sultans bleiben. Er behält das Recht, die Grenzen dieser Provinzen zu befestigen und mit seinen Truppen zu verteidigen. Die Ordnung im Innern wird durch eine internationale Polizei und eine Eingeborenen- Polizei, unterstützt durch Lokalmiliz, auftechterhalten. Ein Oberkommissar europäischen Ursprung« und Nationalität, dem die internationale Polizei unterstellt.wird, soll durch die sechs Großmächte für drei Jahre ernannt werden. Für jede der Provinzen wird von der Pforte mit Zustimmung der Mächte ein Generalgouverneur europäischer Nationalität auf 5 Jahre ernannt. Eine europäische Kommission, unterstützt von einer durch die Bevölkerung nach den verschiedenen Nationalitäten und Konfessionen gewählte Delegation, wird binnen 6 Monaten gemeinsam mit der Pforte die Organisatton der 4 Provinzen ausarbeiten und zwar auf Grund des im Jahre 1880 von der Jnternattonalen Kommission in Konstantinopel ausgearbeiteten Projektes. Bis zur Durchfiihrung der neuen Organisation verwaltet die Kom- Mission dieProvinzen. Zu diesem Zweck wird ein internationalesOkkupa« tions-Corps in der Stärke von 45 000 Mann— 4 Divisionen Infanterie und 1 Division Kavallerie— durch freiwillige Anwerbung gebildet unter europäischen Offizieren und unter Generalen eines der neu- tralen Staaten Europas. Das Okkupations-Corps wird auf Kosten des Landes unterhalten und die Dauer der Okkupatton hängt von den Arbeiten der Kommission ab. Sobald das Corps gebildet ist und die Kommission ihre Thätigkeit beginnt, zieht der Sultan alle seine Truppen zurück mit Ausnahme derjenigen, die für die Grenz- befestigungen nöttg sind. Die Wahlen für die oben erwähnten Delegationen sollen 14 Tage nach der Räumung des Gebiets durch die ttirkischen Truppen stattfinden. Alle internationalen Verttäge, die zwischen der Pforte und den fremden Mächten abgeschlossen worden sind oder noch ab- geschlossen werden, finden ebenso auf die vier Provinzen Anwendung wie auf alle andren Teile des Reiches. Alle den Fremden zu- kommende Vorrechte sollen ihnen in diesen Provinzen gewahrt bleiben, ebenso sollen alle Rechte und Verpflichtungen der Pforte betteffend die Eisenbahnen streng beobachtet werden. Die Kom- Mission hat zu bestimmen, welchen Teil der ottomanischen öffentlicbcn Schuld die vier Provinzen zu übernehmen und wieviel sie für die Civilliste des Sultans sowie für die Erhaltung der türkischen Armee und Flotte zu zahlen haben.— Amerika. Revolution in Panama. Die„Netv Dork Times" melden aus Costarica: In Panama ist wegen der Ablehnung des Hay-Herran- Vertrages eine Revolutton ausgebrochen. Die Indianer haben sich erhoben. Die früheren Anhänger des Generals Herrera haben in den Bergen gegen 1000 Mann angeivorben. Man glaubt, daß Herrera den Befehl wieder übernehmen und daß General Lorenzo sich mit ihm vereinigen wird. Die Regierungstruppe« von Panama beren Zahl weniger als 1500 beträgt, sollen der Revolution günstig gesinnt sein, weil sie schlecht bezahlt sind. Aus Washington wird ferner den„ New York Times" berichtet, es verlaute, daß Staatssekretär Hay verschiedene Mitglieder des Senats und des Repräsentantenhauses zu einer Beratung über die Lage, eingeladen habe. Da, auf die Dauer der Revolution in Banama die Arbeiten für den Kanalbau ausgesetzt werden müssen, wird bei der Beratung erwogen werden, ob es nicht das beste wäre, unverzüglich die Nicaragua- Linie in Angriff zu nehmen. Pläne der Vereinigten Staaten in Betracht zieht, recht verdächtig. Der Ausbruch des Aufſtandes iſt, wenn man die PanamakanalSollten nicht Yankeegelder dabei mitgewirkt haben? Landtagswahl. Ueberwacht wurden die Verhandlungen durch den Landessekretär I und ErFort- Staaten gestaltet sich folgendermaßen: Der Bedarf der des Regierungsbezirks und durch mehrere Gendarmen und Polizei- importierende Staaten übersteigt den Ueberschuß der exportierenden beamte in Civil. Staaten um 13,27 Millionen Doppelcentner. stellung eines Parteiprogramm 3. Der hierzu von dem be- Jahrzehnts wiederholt beobachtet werden konnte, führt eine günstige Einer der wichtigsten Punkte der Tagesordnung war die AufZur Lage der Kammgarnspinnerei. Wie im Laufe des letzten treffenden Komitee ausgearbeitete Entwurf, der einstimmig vom Geschäftslage in der Kammgarnspinnerei nur zu leicht und zu rasch Parteitag angenommen wurde, enthält der Hauptsache nach folgende zur Ueberproduktion; so auch jetzt wieder. Das Jahr 1902 war für Bestimmungen: Die socialdemokratische Partei in Finnland strebt, ebenso wie die Kammgarnspinnerei von Anfang bis Ende überaus günstig. Doch ganze Volk von den Fesseln der ökonomischen Abhängigkeit, der der Spinnereien tritt so start auf, daß die Preise in raschem Fallen die socialdemokratischen Parteien in andern Ländern, danach, das hat diese günstige Situation alsbald wieder zu einer Ausdehnung der Erzeugung verleitet, die sich jetzt schon bitter rächt. Das Angebot politischen und geistigen Vormundschaft freizumachen. Die nächsten Forderungen der Partei sind unter anderm: allgemeines gleiches begriffen find. Die Umsäße sind gering, und die Bestellungen lassen Wahlrecht für alle finnischen Männer und Frauen vom 21. Lebens- zu wünschen übrig. Die deutsche Kammgarnspinnerei arbeitet zur jahr ab, sowohl auf kommunalem als auch auf staatlichem Gebiet Teil in„ reinen" Kammgarnspinnereien laufen. Meist ist die KammBeit mit ca. 2 Millionen Spindeln, die aber nur zu einem kleineren Einkammersystem; vollständige Vereins-, Versammlungs-, Rede- und Drudfreiheit; allgemeiner Schulzwang; tostenfreier Unterricht auf garnspinnerei mit Wollkämmerei und Weberei verbunden; auch giebt es einige Kombinationsbetriebe, die Wollkämmerei, Kammgarnallen Lehranstalten usw. Arbeiterpartei aufgestellt, das im wesentlichen mit den Forderungen die ihr Kammgarn selbst verarbeiten oder doch nur einen kleinen Außerdem wurde auch ein Kommunalprogramm der von den veränderten Marktverhältnissen alle die Betriebe betroffen, Spinnerei, Weberei und Wirkerei umfassen. Am wenigsten werden Ländern an die Kommunen stellen. übereinstimmt, die die socialdemokratischen Parteien in andern Teil für den Verkauf erzeugen. Am schärfsten dagegen wirkt die Zur Wahlrechtsfrage wurde eine umfangreiche Resolution Hebererzeugung auf die reinen" Spinnereien und auf die mit angenommen, die der Hauptsache nach folgendes besagt: Die Partei Spinnereien verbundenen Wollkämmereien ein, die zusammen über berlangt volles Recht der Selbstverwaltung für alle Bürger und den größten Teil der Gesamtspindelzahl verfügen. Es verlautet nun, verlangt darum Einfammersystem mit gleichem Wahlrecht für jeden daß angesichts der zu starken Erzeugung eine gemeinsame Betriebsnur als eine Pflicht despolitischen Anstandes, sondern auch als ein den Kampf um das Wahlrecht für eröffnet und ermahnt die Arbeiter wird sich aber die beabsichtigte Einschränkung nicht verwirklichen jede vom 21. Lebensjahre ab. Die Bartei erklärt Alt politischer Klugheit, den freisinnigen Führer für die Behauptung und gerecht gefinnte Leute aus den höheren Klassen energisch am nicht gleichartig liegen. Schon 1901 mußte aus diesem Grunde die seines Landtagsmandates nicht auf die Unterstützung der Sociallassen, da die Marktverhältnisse in den verschiedenen Garnnummern demokraten zu verweisen." Kampfe teilzunehmen.- Wenn alle andern Mittel versagen, soll zum Generalstreit zwecks Erringung des allgemeinen Wahlrechts geDie Rettung Eugen Richters vor dem Durchfall in Hagen legt die" Post" den Nationalliberalen dringend ans Herz. Sie schreibt: „ Wenn der„ Vorwärts" es so darstellt, als ob selbst Herrn Eugen Richters Hagener Mandat nur mit Hilfe der Socialdemofraten und auf Grund eines allgemeinen Bündnisses mit den selben behauptet werden könnte, so ist dies sicher eine billige Bosheit gegenüber dem freifinnigen Parteiführer ohne thatsächliche Unterlage. Denn nach dessen korrektem Verhalten gegenüber der socialdemokratischen wadennur Es handelt sich im Kreise Hagen um zwei freisinnige Mandate. Es müßten dann entweder die Nationalliberalen auf den Kampf verzichten und bedingungslos für die beiden Freifinnigen eintreten oder die Freisimmigen müßten den Nationalliberalen eines ihrer Mandate abtreten. Wahlvorbereitungen. Jm 19. Hannoverschen Kreise wurde folgende Resolution beschlossen: griffen werden. " gemeinsame Erzeugungseinschränkung formell aufgehoben werden. Oberschlesisches Roheisen- Syndikat. Für das 1. Quartal 1904 wird zeiger" versuchen, eine Preiserhöhung durchzudrücken. Für die vers das Oberschlesische Roheisensyndikat laut Breslauer General- Aneinzelten Abschlüsse, die pro 1904 schon zu stande tamen, ist eine Preiserhöhung um 1,50 M. pro Tome auch bereits erzielt worden. " frage. Es giebt zur Zeit ca. 40-50 Genossenschaften, deren MitDer Parteitag befaßte sich ferner mit der Genossenschaftsglieder größtenteils Arbeiter sind. Zu diesem Punkt wurde ein Beschluß gefaßt, worin unter anderm gesagt wird: Wie die Arbeiter die Genossenschaften unterstützen so sollen auch die Genossenschaften die Arbeiterpartei- bis auf weiteres nach Gutdünken- unterstützen. Zuckerpreise. Am Magdeburger Zuckermarkt ist, da bekanntlich Die Streistonferenz des 19. Hannoverschen Wahlkreises empfiehlt Schließlich wurde noch ein Agrarprogamm angenommen, Einfuhrzoll auf 18,80 m. pro 100 Kilogramm ermäßigt, die er mit dem heutigen Tage die Ausfuhrprämien wegfallen und sich der auf Grund des Parteitags- Beschlusses in Mainz und des Beschlusses worin verlangt wird, daß fommunaler und staatlicher Besitz an wartete Breisreduktion eingetreten, die jedoch, wie gestern in unfrem der preußischen Landtagswahl- Konferenz vom 27. April d. J. den Grund und Boden nicht veräußert, und unkultivierte Ländereien Leitartikel dargelegt wurde, infolge der Bildung eines neuen Kartells Genoffen in dem Landtags- Wahlkreise Lehe- Geestemünde, mit eignen fultiviert werden. Wasserläufe, Bergwerke, Güter, die im Zwangs- hinter der Zoll- und Inlandssteuer- Herabsetzung zurückbleibt. Die Wahlmännern in die Landtagswahl einzutreten. Kommt es bei den verfahren verkauft werden, soll der Staat oder die Kommune an- Verkaufsvereinigung der Raffinerien notierte heute: Urwahlen zu einer Stichwahl, in der die Socialdemokratie ausfällt kaufen. Auch sollen Staat und Kommunen Expropriationsrecht und ein wirklich liberaler Kandidat einem solchen andrer Parteien erhalten. Der besitzlosen Bevölkerung sollen Ländereien zwecks Neuer Preis Alter Preis gegenübersteht, so ist im allgemeinen für den liberalen Kandidaten gemeinschaftlicher Kultivierung und Bebauung zugeteilt werden. zu stimmen. Ueber das Verhalten bei der Abgeordnetenwahl hat Außerdem wird eine Reform des Häusler- und Hofgängerivefens das Wahlkomitee des Kreises sich mit dem Central- Wahlkomitee in und Abschaffung des Mietssystems verlangt. Verbindung zu setzen." = Die Kreiskonferenz für Bochum Gelsenkirchen wählte nach einem Vortrage des Genossen Arons ein Komitee von 12 Mit gliedern, um mit den Genossen Dortmunds die vorbereitenden Schritte zur Wahl zu vereinbaren. Partei- Nachrichten. Zum Brotraffinade I Würfelzucker II • • Gem. Raffinade Gent. Melis Kristallzucker I 20,95 M. 21,95 20,70 20,70 " " 29,70 M. 30,825 29,45 " " 29,45 " " 19,95 28,95 " " Der Parteitag befaßte sich dann noch mit verschiedenen Fragen der socialen Gesezgebung und stellte folgende Forderungen auf: Ein wirksames Schutzgesetz für Frauen, weibliche Fabrik- Auch im Kleinhandel gingen heute die Preise zurück; allerdings inspektion mit Beihilfe von Arbeiterinnen. Altersversicherung durch nicht im gleichen Verhältnis wie im Großhandel. den Staat, mit dem 55. Lebensjahre in Kraft tretend; Maßregeln gegen die Arbeitslosigkeit durch Einführung des Achtstundentages, Arbeitslosen- Versicherung, Minimallohn, öffentliche Arbeiten für Staat und Kommume in Fällen von Arbeitsmangel, landwirtschaftliche Kolonien usw. Als Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Der nächste Parteitag foll foll im Auguft 1905 statt- In der Kassenblock- Fabrit Paragon haben gestern sämtliche Für den Wahlkreis- Zanch- Belzig- Jüterbog- Budenwalde fand finden. Repräsentanten der socialdemokratischen Partei Buchdrucker und Stereotypeure wegen Maßregelung der am Sonntag eine Kreiskonferenz statt. Es wurde ein Antrag ange- Finnlands im Socialistischen Sekretariat zu Brüssel Vertrauensleute die Arbeit niedergelegt. Konditionsangebote ersuchen nommen, der die Vertrauensleute verpflichtet, eine fortgesette plan- wurden Edvard Walgas aus Helsingfors und J. K. Kari wir zurückzuweisen. Der Gauvorstand. mäßige Agitation zur weiteren Verbreitung der Brandenburger aus Abo gewählt. Der Parteivorstand soll auts Zeitung" im Kreise zu betreiben. Bezüglich der Gemeindewahlen 19 Mitgliedern bestehen, wovon 7 in Abo, die übrigen an andren dings von einzelnen Firmen versucht wird, den festgelegten Tarif zu Zur Tarifbewegung der Glaser wird uns mitgeteilt, daß neuerempfiehlt die Konferenz den Parteigenossen allerorts, sich mit eignen Orten im Lande wohnhaft sein sollen. Als Siz des Parteivorstandes umgehen. So wurden seitens der Bilderrahmenfabrik von Gost u. Co., Kandidaten an den Wahlen zu beteiligen, um dadurch auch auf wurde Abo bestimmt. Als Vorsitzender der Partei wurde T. Tainio, Kurfürstenstraße, am Sonnabend bei der Lohnzahlung Abzüge gekommunalen Gebiet dem Fortschritt die Wege zu ebnen. Zum als Vicevorfißender Seth Heikkilä gewählt und als Sekretär macht; dem energischen Vorgehen der dort beschäftigten Kollegen Kreisbertrauensmann wurde Jahn Luckenwalde gewählt und und Kassierer J. K. Kari. Ewald wieder als Reichstagskandidat aufgestellt. und dem entschiedenen Gintreten der dortselbst thätigen BilderrahmenParteitage wurde nachstehender Antrag angenommen: macher ist es zu danken, daß der Unternehmer sich gezwungen sah, " In Anbetracht dessen, daß die bürgerliche Opposition in den Einen glänzenden Erfolg" erzielte am Montag vor dem am Montag früh das Versprechen abzugeben, den einbehaltenen Lohn Stichwahlen zum Reichstag überall, wo sie zwischen der Social- Magdeburger Schöffengericht der dortige Polizeipräsident. nachzuzahlen, um Arbeitseinstellungen in seinem Betriebe zu verhindern; demokratie und der Reaktion die Entscheidung in der Hand hatte, Wie wir bereits mitteilten, hatte dieser Herr, bekannt durch seinen woraus die Glaſer ersehen können, daß es oft nur eines festen Auftretens lekterer das Mandat in die Hände gespielt, beschließt der Parteitag, Stampf gegen unser dortiges Bruderblatt, den Genossen Albert als organisierter Arbeiter bedarf, damit Lohnkürzungen verhütet in Stichwahlen zwischen zwei bürgerlichen Kandidaten für die Partei- verantwortlichen Redakteur deshalb zweimal verklagt, weil A. zwei Werkstätten mehrere der Jahr und Tag in Arbeit stehenden Kollegen werden. Leider ist auch zu verzeichnen, daß in einigen genossen strengste Stimmenthaltung." belanglose Berichtigungen des Herrn nicht in derselben Schrift wie die zu berichtigende Notiz veröffentlicht hatte! In der den Versammlungsbeschlüssen nicht nachgekommen sind und nicht Verhandlung vor dem Schöffengericht beantragte der Vertreter der zwei rote Streitfondsmarken geklebt haben; wir richten an die BauAnklage gegen Albert je 10 M. Geldstrafe für jeden der beiden handwerker das dringende Ersuchen, stets von neuem jeden Glafer Fälle. Das Gericht jedoch sah als erwiesen an, daß A. nicht aus Böswilligkeit, sondern einem jahrelang bestehenden Brauche entsprechend die Anordnung der Petitschrift( anstatt Korpus) bewirkt hatte, und erkannte für jede der beiden lebertretungen der §§ 11 und 19 des Preßgefeßes auf eine Geldstrafe von einer, im ganzen also auf eine Strafe von zwei Mark! 44 Die Kreistonferenz für Sorau- Forst beschloß die Gründung eines Central- Wahlbereins, der sich über den ganzen Kreis erstreckt, und beauftragte eine Kommission mit der Ausarbeitung der Statuten. Der Landesvarteitag für Rens j. 2. wurde am Sonntag in Gera abgehalten. Nach längeren Debatten über den Ausbau der Organisation beschäftigte man sich mit dem Parteitag in Dresden. Zu diesem Punkt der Tagesordnung wurden folgende Anträge angenommen: 1. Der Parteitag für Reuß j. 2. hält es für das parlamentarische Da dies das erste Mal ist, daß die Volksstimme" auf Antrag Recht unsrer Reichstagsfraktion, entsprechend ihrer Stärke, einen Sitz des Polizeipräsidenten verurteilt wurde( bisher waren stets& rei im Präsidium zu beanspruchen; er weist es aber entschieden zurück, sprechungen erfolgt), kann man sehr wohl von einem Erfolge daß dabei andere als durch die Geschäftsordnung des Reichstages des Herrn sprechen. Bekanntlich hat unser Magdeburger Bruderblatt vorgeschriebene Bedingungen erfüllt werden. Der Parteitag erblickt trotz dieser eifrigen Bekämpfung seit einigen Monaten über in dem Vorschlage Bernsteins über die Besetzung der Vicepräsidenten- 3000 neue Abonnenten gewonnen. stelle eine Aenderung unsrer bisherigen altbewährten Tattit und erwartet vom Parteitag in Dresden, daß er gegenüber der immer wieder auftretenden Tendenzen auf Abänderung derselben ein entschieden abweisendes Wort spricht. Der Parteitag mißbilligt ferner auf das schärffte die Art und Weise des Vorgehens des Genossen Bernstein in der Vicepräsidentenfrage. 2. Der Parteitag in Reuß j. 2. erklärt sich mit der bisherigen Tattit der socialdemokratischen Reichstagsfraktion einverstanden und kann keine Veranlassung erkennen, dieselbe zu ändern." Die Kreiskonferenz des 19. Hannoverschen Wahlkreises reicht beim Parteitag folgende Resolution ein: Ohne die " Die Konferenz betrachtet es als selbstverständlich, daß die focialdemokratische Reichstagsfraktion wie bisher entschieden Anspruch erhebt auf eine ihrer Stärke entsprechende Vertretung im Reichstagspräsidium. Sie erwartet ferner, daß die Fraktion ebenso entschieden festhält an der seitherigen Praris, indem sie es zurückweist, Verpflichtungen zu übernehmen, die weder von der Verfassung noch von der Geschäftsordnung des Reichstages gefordert werden. freie Meinungsäußerung innerhalb der Partei antasten zu wollen, bedauert die Konferenz dennoch die Art und Weise, wie der Genosse Bernstein zu der obigen Angelegenheit Stellung genommen hat. Die infolge dessen durch die notwendig gewordene Erörterung dieser Frage verbrauchte Zeit und Kraft hätte zum Wohle der Gesamtpartei zu etwas Besserem verwandt werden können. Von dem Dresdener Barteitag erwartet die Konferenz, daß er in diesem Sinne entscheiden wird." Die Kreiskonferenz für Mainz- Oppenheim nahm die nachstehende Resolution zum Parteitage an: 1. Die Konferenz enthält sich einer Beurteilung der Frage der Beteiligung an dem Präsidium des Reichstags und erachtet es für geboten, diese Frage der Reichstags- Fraktion zur Erledigung zu überweisen. Die Art und Weise jedoch, wie diese gänzlich untergeordnete Angelegenheit von einer Anzahl Parteigenossen benutzt wird, um daraus einen ernsten Konflikt in der Partei zu konstruieren, verurteilt die Konferenz auf das entschiedenste. 2. Die Konferenz schließt sich in Bezug auf die Maifeier den Resolutionen der Genossen in Breslau und Köln( Land) an und spricht sich für die Demonstration am Abend des 1. Mai durch große Volksversammlungen aus." Der Parteitag der finnischen Socialdemokratic. Bom 17. bis zum 20. August fand in Forssa, einer kleinen Industriestadt im Tavastehus- Bezirk, der Parteitag der finnischen Arbeiterpartei statt. Vierzig der Partei angehörende Vereinigungen hatten Delegierte gefchidt. Im ganzen zählt die Partei jest 59 Vereinigungen mit ca. 10 000 Mitgliedern. auf den Bauten nach dem Verbandsbuche zu fragen. Gleichfalls versucht wird, an den klaren Bestimmungen des Tarifes herumwerden alle Kollegen aufgefordert, sobald seitens irgend einer Firma zudeuteln oder Abzüge zu machen, sofort dieses dem Vorstand zu melden. Es ist unbedingt nötig, daß die ersten derartigen Versuche der Unternehmer energisch zurückgewiesen werden, damit im Glasers wie früher werde. Treten wir den ersten Versuchen entgegen, so gewerbe die Lebenshaltung der Arbeiter nicht wieder eine so schlechte wird niemand von diesen Herren versuchen, sobald fie gemerkt haben, daß eine festgefügte Organisation im Berufe vorhanden ist, irgendwelche Winkelzüge zu machen. Bis im Annoncenteil Widerruf erfolgt, bleiben folgende Firmen gesperrt: Schelsti sen., Elsasserstraße; Schelsti jun., Lichtenberg; im öffentlichen Interesse Anklage erhoben, um eine Be- Mutz, Antonstraße; Stier, Nieder Schönetveide; Alt, Hartmann -Gegen unfer Parteiorgan in Kassel hat der Staatsantvalt ßmus, Morißstraße; Rothe, Ballasstraße; E. Tell, Stolpischestraße; leidigung des Antisemitenführers Liebermann v. Sonnenberg zu u. Co., Berliner Spiegelglas- Verkaufscomptoir, und Fischer, Maaßenfühnen. Am Sonnabend wurde das gesamte Setzerpersonal vom straße. Wir machen die Kollegen auf den Versamm Untersuchungsrichter zur Beugenaussage geladen. Das Blatt konnte Lugsbeschluß aufmerksam, daß jeder Glaser das deshalb nicht in gewohntem Umfange fertiggestellt werden. Aus Induftrie und Handel. = Einsetzen von Spiegelscheiben mit Arbeitern des Berliner Spiegelglas Verkaufscomptoirs bedingt zu verweigern hat; eigentümlich berührt es uns überhaupt, daß jene Arbeiter, welche ja allerdings unorganisiert sind, diese Arbeit für niedrigen Lohn leisten und den Glasern durch ihre Thätigkeit in den Rücken fallen. Genaue Abrechnung der Lohnbewegung wird in der ordentlichen Mitgliederversammlung am Montag, den 21. September 1903, erfolgen. Die diesjährige Getreide- Welternte. Wie alljährlich, so veröffentlichte auch nunmehr das ungarische Ackerbauministerium die Schäßung des Ertrages der diesjährigen Welternte unter specieller Berücksichtigung Ungarns. Danach beträgt in Ungarn( Kroatien Centralverband der Glaser. und Slavonien ausgenommen) die Menge des Weizens 41 226 700 Die Albumarbeiter und Arbeiterinnen hatten sich am Montag Doppelcentner gegen 46 507 000 Doppelcentner im Vorjahre; Roggen im Gewerkschaftshause zahlreich versammelt, um über Maß ergab 12,47 Millionen gegen 13,60 Millionen, Gerste 13,35 Millionen nahmen zur Verbesserung ihrer Lohn. m Durchschnitt beläuft sich der Minderertrag gegen das Vorjahr auf wies auf die Erfolge hin, die die Buchbinder durch die Organisation gegen 13,57 Millionen, Hafer 11,80 Millionen gegen 12 Millionen. Arbeitsbedingungen zu beraten. Der Referent Bytomati 8 Proa. Die Aussichten des Maisertrages sind genügend, die Pflanze erzielt haben, und schilderte demgegenüber die traurigen Verhältnisse bedarf des Regens; das zu erwartende Erträgnis wird auf 37 bis 40 Millionen Doppelcentner geschätzt. Weizen quantitativ 14 Proz., andre Getreidegattungen 5-8 Proz. Das Erträgnis in Kroatien und Slavonien ist folgendes: beffer als im Vorjahre, Mais quantitativ 40 Proz. günstiger gegen das Vorjahr, Weizen 3,72 gegen 3,27 Millionen Doppelcentner im Vorjahre, Mais 5,2 gegen 3,88 Millionen Doppelcentner. und in der Albumbranche, wo bis jetzt feinerlei tarifliche Vereinbarungen getroffen werden konnten, weil die große Maffe der Arbeiter und den Albumfabriken besteht mit wenigen Ausnahmen noch die zehn Arbeiterinnen den Wert der Organisation nicht erkannt hatte. In stündige Arbeitszeit und in einzelnen Fabriken müssen die männlichen Arbeiter sogar Sonnabends bis um 7 Uhr arbeiten. Prozentzuschläge für Ueberzeitarbeit giebt es in manchen Fabriken auch noch Der Gesamtertrag der Welternte für Weizen beträgt 822,62, nicht. Dabei herrscht in großem Maße die Saisonarbeit, so daß in für Roggen 384,29, für Hafer 510,30 und für Mais 720,31 Millionen der schlechten Geschäftszeit nur 4 bis 6 Stunden täglich gearbeitet wird, Doppelcentner. Der wahrscheinliche Ertrag des Weizens der Getreide in der guten aber 13, 14 Stunden und noch länger. Ein korporativer importierenden Staaten, und zwar Großbritanniens beläuft sich auf Arbeitsvertrag für diese Branche würde selbst für die Fabrikanten 14,50, der wahrscheinliche Bedarf auf 55 Millionen Doppelcentner, von Vorteil sein, die jetzt durch maßlose Konkurrenz einander die der Frankreichs auf 92 resp. 7,50, derjenige Deutschlands 35,5 Preise verderben. Da das Verständnis für die Aufgaben der resp. 21, Oestreichs 12,50 resp. 13,50, Jtaliens 38 resp. 10, der Organisation in letzter Zeit bei den Albumarbeitern und-ArbeiteNiederlande 1,20 resp. 4,50, der Schweiz 1,14 resp. 4,70, Belgiens rinnen in Wachsen begriffen ist, wird es auch ihnen bald möglich 3,50 refp. 11,50, Dänemarks 1,25 resp. 0,90, Schwedens und werden, sich geregelte Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Norwegens 1,35 refp. 2,55, Spaniens 33,50 resp. 2,50, Portugals An den Vortrag, der lebhafte Zustimmung fand, schloß sich eine rege 1,50 resp. 1, Griechenland 2,65 resp. 1,80 und Aegyptens 3,30 Diskussion. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: resp. 1 Million Doppelcentner. " In Anbetracht der ungeregelten Arbeitszeit sowie der niedrigen Für die Getreide ausführenden Staaten wird der Weizenertrag Wochen- und Accordlöhne in unsrem Gewerbe beschließen die Ver und der wahrscheinliche Ueberschuß in Millionen Doppelcentnern wie fammelten, danach zu streben, folgende Forderungen zu erreichen: folgt geschäßt: Rußland 140 bis 145 und 29, Ungarn einschließlich 1. Die neunstündige Arbeitszeit; 2. einen Zuschlag für Ueber Seroatien und Slavonien 45 und 14,50, Rumänien 18,5 resp. 7,50, stunden; 3. Einführung von Minimallöhnen; 4. für Accordarbeit Bulgarien und Oftrumelien 10,7 refp. 3,25, Serbien 3 refp. 0,67, einen Prozentzuschlag, und wenn möglich Aufstellung eines AccordTürkei 20 refp. 1,75, Ostindien 77,74 refp. 13, Vereinigte Staaten tarifs. Bei Festsetzung der Löhne und Accordpreise soll dahin gevon Amerita 174 refp. 57,5, Kanada 25,5 resp. 10,5, Argentinien wirkt werden, die im Buchbindergewerbe bestehenden Minimallöhne 25 refp. 17, Chile 3,50 resp. 1,50. Die Bilanz zwischen den Importe lats Mindestforderung aufzustellen. Mm diese Ziele zu erreichen, ist eine kräftige Organisation u*- bedingt notwendig. Aus diesen Gründen ersucht die Versammlung olle diejenigen Kollegen und Kolleginnen, die bis heute noch keiner Organisation angehören, sich im Deutschen Buchbinder-Verband zu organisieren." Ueber den Zeitpunft, wann die Forderungen durchgeführt werden sollen, wird später beschlossen werden. Von mehreren Rednern wurde das nächste Frühjahr als die geeignete Zeit be- zeichnet. Achtung, Nadler? In Aachen befinden sich 32 Nadler im Ausstand. Sollte irgendwelche Arbeit von Aachen hier angeboten werden oder Arbeitsangebote nach Aachen erfolgen, ersuchen wir sofort um Nachricht. Achtung, Buchbinder und Buchbinderei-Nrbeitcrinnen! In N«»« Ruppin befinden sich die Buchbinder seit Montag, den 3t. August, im Ausstand und ist Zuzug streng fernzuhalten. Ortsverwaltung Berlin. Feilenarbeiter! Sämtliche Feilenarbeiter der Firma K a b i s ch in Brandenburg a. H. haben, da der Unternehmer Me Berliner Streikarbeit nicht zurücksandte, einmütig die Arbe'� am Montag niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Alle Arbeiter- blätter werden um Abdruck gebeten. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Verband der Portefcuiller! Den Mitgliedern machen wir hier mit bekannt, daß wir im Gewerkschaftsyause, Lnigcl-Ufer /5, Zimmer 24, eine Geschäftsstelle errichtet haben, und bitten wir, all,- Verbandsangelegenheiten dort zu melden. Geöffnet vormittags von 8- 1 Uhr und nachmittags von Uhr. Gleichzeitig wird dort der Arbeitsnachweis erledigt, jedoch nicht mehr wie bisher abends von 8— S, sondern vormittags von 10—1 Uhr. Die Ortsverwaltimg. Die Einsetzer des Hokzarbeiter-BervandeS nehmen heute, Mittwoch, eine Baukontrolle zur Aufnahme einer Statistik vor. Sollten dabei Bauten vergessen werden, so ersuchen wir die Einsetzer oder andren Bauarbeiter, dies dem Obmann O. Paris, Schweden- straße 18a, mitzuteilen. Kommission der Einsetzer. Oeutkebes Reith. Aussperrung von Spinnerei-Arbeitern. In der Kammgarn spinnerei Liebschwitz an der El st er find annähernd 200 Spinnerei-Arbeiter und-Arbeiterinnen ausgesperrt worden. Die Ursachen dazu sind, wie durch ftühere Meldungen bereits bekannt, durch Lohnreduktionen hervorgerufen worden. Eharaiteristisch ist, daß es weibliche Arbeiter gewesen sind, die die Bewegung begannen. Sie erhielten seither für 1000 Zahlen 4 Pf. und sollten in Zukunft diese Arbeitsmenge für 3>/z Pf. liefern. Da der Lohnausfall zu beträchtlich sein wird, lehnten die Arbeiterinnen energisch das An- sinnen der Betriebsleitung ab, worauf letztere allen übrigen Arbeitern vor 14 Tagen kündigte. Mit Rücksicht, daß der Textilarbeiter- Verband durch die Erimmitschauer Bewegung stark mgagiert ist, versuchten die Arbeiter einen Vergleich zu stände zu bringen, jedoch vergebens. Die Aktionäre haben in einer in letzter Stunde ab- gehaltenen Besprechung an ihren Anordnungen festgehalten. Die Stimmung unter den Ausständigen, die sämtlich organisiert find, ist vorzüglich. Der Zuzug von Spinnerei-Arbeitern nach Liebschwitz ist unbedingt semzuhalten. Den Streik und die Aussperrung in Kassel beendet zu sehen, ist der lebhaste Wunsch der Geschäftsleute und Gewerbetreibenden, die durch den langwierigen Ausstand begreiflicherweise in ihren Ein- nahmen geschäoigt werden. Der Tischlerstreik dauert bereits 18 Wochen, und die zur Niederzwingung der Streikenden von den Unternehmem ins Werk gesetzte Bauarbeiter-AnSsperrung währt jetzt fünf Wochen. Die Geschäftsleute haben mm den Oberbürgermeister ersucht, einen Einigungsversuch zu machen. Der Erfolg des Gesuches bleibt abzuwarten. Vergewaltigung der Versammlungsfreiheit. In St. Ingbert in der Pfalz fand am Sonntag eine gewerkschaftliche Versammlung der Bergarbeiter statt. Zwei Tage vorher wurde den Bergleuten der benachbarten preuhisch-fiskalischen Gruben von den Steigern zu ver- stehen gegeben, daß jeder, der diese Versammlung besuche, seine Kündigung bestimmt zu erwarten habe. Am Versammlungsorte er« schienen denn auch Beamte der betreffenden Gruben, um zu sehen, ob und wer von den ihnen unterstellten Arbeitem die Versammlung besuchen werde. Die Drohung mit der Kündigung that ihre Wirkung. Nur Bergarbeiter aus den bayrischen Gruben erschienen. So achten preußische Grubenbeamte das gesetzliche Versammlungsrecht. Sociales. Einen intponierenden Neubau hat der Dresdener Konsumverein„Vorwärts" dieser Tage Ecke Freiberger- und Rosenstraße bezogen. Bei Konsumvereinen ist man an große Zahlen gewöhnt, und man weiß auch, daß sich bei Konsumvereins- bauten eine Vorliebe für die Verwendung modernster maschineller Anlagen bemerkbar macht, nichtsdestoweniger wird jedermann trotz des großen Maßstabes, den er zur Kritik mitbringt, von dem soliden und höchst praktischen Bau überrascht und erfreut sein. Der Dresdener Konsumverein„Vorwärts" steht in Bezug auf Größe und Umsatz unter den deutschen Konsumvereinen an dritter Stelle. Nach dem Br.eslauer Konsumverein mit 60 000 Mitgliedern und 13 Millionen Mark Umsatz und dem Leipzig-Plagwitzer Konsumverein mit etwa 80 000 Mitgliedern und 11 Millionen Mark Umsatz kommt gleich der Dresdener Verein mit 22 800 Mitgliedern und 5'/, Millionen Mark Umsatz. Der Bau ist diesen großen Verhältnissen angepatzt. Das Grundstück, das um 820 000 M. gekauft wurde, bedeckt 10 000 Quadratmeter Bodenfläche. Der Neubau währte zwei Jahre und kostet mit dem Grundstück 1 600 000 M. Das Gebäude, das nach der Straße zu liegt, beherbergt im Parterre die Comptoirs und Kassenräume sowie das Empfangs- zimmer. In den oberen Geschossen befinden sich Wohnungen. An das Verwaltungsgebäude schließt sich hinten das 70 Meter lange und 17 Meter tiefe Lagerhaus, das 6 Geschosse hat, an. Beide Ge- bäude können als eine dauernde Elektricitätsausstellung gelten. Es ist unheimlich, zu wie vielen Verrichtungen man sich die stillen Kräfte der Elektricität dienstbar gemacht hat. Von dar elektrischen Be- leuchtung, den eleftrischen Klingeln und den Fernsprechern, mit denen jeder Raum ausgestattet ist, reden wir erst gar nicht. Be- merkenswerter ist schon, daß sämtliche zqhltcich vorhandenen Maschinen mit Elektricität angetrieben werden. Aber auch alle in den Ge- bänden verteilten Uhren werden elektrisch reguliert und in Gang er- halten. Die drei Fahrstühle, die den Verkehr zwischen den 6 Ge- schössen des Lagerhauses vermitteln, besitzen elektrische Druckknopf- steuerung. Diese technische Neuerung macht den Fahrstuhlportier überflüssig. In jedem Fahrstuhl und vor jeder Fahrstuhlthür der verschiedenen Geschosse sind Knopftastaturen ähnlich der einer Schreib- Maschine angebracht. Man braucht nur die� Knöpfe zu drücken und der Fahrstuhl schwebt aufwärts oder abwärts gehorsam und ge- räuschlos. Die Fahrstühle können mit Lasten bis zu 600 Kilo beschwert werden. Das Lagerhmis besitzt zwei Keller, der tiefere liegt 7 Meter unter der Erde. Von schlechter Lust merkt man hier aber nichts, weil eine großartige Lüftungsanlage stets für frische Luft sorgt. Große Cementröhren führen frische Luft zu, andre Cementkanäle saugen die schlechte Luft ab. Die zirkulierende Luftbewegung ent- steht durch die Uinmantelung des 45 Meter hohen Bäckereischornsteins. Letzterer ist gewissermaßen in einem großen Schornstein von 2 Meter lichter Weite hineingestellt. Die stets heiße Luft zwischen beiden Echornsteinwänden geht aufwärts und so entsteht die dauernde Ventilation, da die Kellerluft mit der Ummantelung in Verbindung steht. Im unteren Keller liegt ein 5 Meter tiefer Brunnen, der Wasser zu technischen Zwecken liefert.. Das Pumpwerk ist elektrisch. Im vberen Keller findet man mehrere finnreich« Apparat«: einen Syrups-Abziehapparat mit Dampfcrwärmung, einen Tafelöl-Abzieh- apparat und eine elektrisch betriebene Flaschenspül-Vorrichtung, die selbstthätig in der Stunde 1500 Flaschen blitzblank putzt. Der letztere Apparat kostet 3000 M. Der Buttereiraum ist mit Mettlacher Kacheln ausgekleidet. Mit Hilfe von Maschinen werden hier jede Woche 13 000 Stück ausgeformt. Der Konsumverein verkaust die Woche 80 Centner Butter. Im ersten Geschoß findet man eine Rosinenwaschmaschine. Da der Verein jährlich 08 000 Stollen bäckt, würde die Handwäscherei zuviel Zeit in Anspruch nehmen. Auch die Mandeln werden maschinell geschält und gerieben. Im zweiten Geschoß steht die Kaffeerösterei. In 20 Minuten werden 150 Pfund auf einmal geröstet. Der Wochen- Umsatz des Voreins in geröstetem Kaffee beläuft sich auf 60 Centner. Ein Qualmabsauger verhindert jeden lästigen Geruch. In einem be- nachbarten Raum stehen fünf Gewürzmühlen. Im dritten Geschoß lagern die Manufakturwaren. Hier befindet sich auch die Schneider- Werkstatt. Alle Nähmaschinen sind elektrisch betrieben. Eine Sehenswürdigkeit bildet die Bäckerei des Vereins. Der Backraum ist ein lichter, hoher Saal. An der einen Wand liegen die Thüren zu den 7 Doppelöfen, die je zweimal 40 Brote zu 4 Pfd. aufnehmen. In der Woche werden bereits 1300 Centner Bort ge- backen, obgleich der Betrieb erst vor drei Wochen eröffnet wurde. Die Oefen werden mit Dampf geheizt. Der Betrieb geht mit drei- schichtigem Arbeitswcchsel Tag und Nacht. Für die Arbeiter ist in umfassender Weise gesorgt. Sie haben große, helle Umkleide- und Speiseräume, die mit Speisenanwärme- und Kaffeekochapparaten ausgerüstet sind. Ferner besitzt jedes Ge- schoß Wasserklosetts und Baderäume. Um die Bäcker gegen Er- kältung zu schützen, ist das Treppenhaus geheizt. Zu erwähnen bleibt noch, daß das Lagerhaus eigne Eisenbahn- Geleise besitzt, auf denen die Eisenbahn-Frachtgüter direkt angefahren werden. Das Personal des Vereins zählt 5 Vorstandsmitglieder. 10 Buchhaltor, 2 Lageristen, 2 Maschinisten, 27 Arbeiterinnen, einen Packmeister, 30 Bäcker, 175 Verkäuferinnen und 30 Verkäufer. Alle Arbeiter erhalten die von den Gewerkschaften geforderten Löhne und Arbeitsbedingungen. Ein Mangel des alten und des neuen Phosphorziindwaren- Gesetzes. Das leider noch bis zum 1. Januar 1007 resp. 1003 geltende Gesetz vom 3. Juli 1803 erstreckt sich nur auf die Ein- richtung und den Betrieb von Anlagen zur Anfertigung von Zünd- hölzern unter Verwendung von weißem Phosphor und das dann in Kraft tretende Gesetz vom 10. Mai 1003, betreffend Phosphorzünd- waren, erstreckt sich wohl auf die Herstellung von Zündhölzern und anderen Zündwaren, bestimmt aber in Absatz 4§ 1, daß„die Be- stimmnngen dieses Gesetzes auf Zündbändcr, die zur Entzündung von Grubensicherheitslampen dienen, keine Anwendung finden." Es ist dies um so auffälliger, als bis jetzt zur Herstellung dieser Zünd- bänder eine mit weißem Phosphor bereitete Zündmasse benutzt wird. Aus diesem Grunde hielt es auch der Gewcrbeaufsichtsbeamte des Bezirks Zwickau, nach Angabe des Jahresberichts der sächsischen Ge- wcrbcaufsichtsbeamten über ihre Thätigkcit im Jahre 1002, ans eignem Antriebe für geboten, auch den Inhabern einer in diesem Bezirk be- findlichen Anlage. zur Herstellung von Zündbändern für Gruben- sicherheitslampcn, obschon diese Anlagen alsc nicht unter die er- wähnten Gesetze fallen, eine ärztliche Ueberwachung und Untersuchung des Personals dieses Betriebes, das zur Zeit nur aus Arbeiterinnen besteht, zur Pflicht zu machen, da auch er der Meinung war, daß Gesundheitsschädigungen des Personals wegen der Verwendung von weißem Phosphor nicht ausgeschlossen seien. Diese ärztlichen Unter- suchungen haben im Jahre 1002 zum ersten Male stattgefunden. Dabei ist zwar kein Fall von Kiefernekrose unter den Arbeiterinnen konstatiert worden, Wohl aber einige Zahnfleischentzündungen. Es liegt nun doch nahe, daß bei fortgesetztem Arbeiten mit der gefähr- lichcn Zündmasse aus weißem Phosphor aus dieser Vorstufe der Nekrose, den Zahnfleischentzündungen, sich wirkliche Nekrosen aus- bilden können, und daß dies auch nicht durch die Anwendung von Zahnbürsten und Zahnputzmitteln verhindert werden kann. Denn der weiße Phosphor bleibt doch offenbar ebenso giftig, ob er zur Her- stellung von Zündhölzern oder zu der von Zündbändern verwendet wird. Aus diesem Grunde ist eine recht baldige Abänderung der betreffenden gesetzlichen Bestimmungen im Interesse der bedrohten Arbeiterinnen dringend nötig. Wie furchtbar die Folgen der Phosphorvcrgiftung in manchen Fällen sind, ist aus einer Mitteilung des Jahresberichts der hessischen Aüfsichtsbeamten für 1002 ersichtlich. Darauf mutzte am 1. Juli ein in einer Zündwarenfabrik beschäftigter Arbeiter, der aushilfsweise in Schreinereien und anderen Gewerbebetrieben arbeitete, wieder ivegen Phosphornekrose die Arbeit einstellen und sich in ein Kranken- Haus in ärztliche Behandlung begeben. Er war in der Fabrik„Haupt- sächlich" mit Herstellung von Wichse und Lederfett beschäftigt und hatte sich die Phosphornekrose in Kassel in einer Fabrik bei Her- stellung der Zündmasse für die sogenannten Vulkanhölzer im April 1806 zugezogen. Er ist 43 Jahre alt, Vater von 10 Kindern und war innerhalb zwei Jahren zwölf Operationen am Oberkiefer unterzogen worden. Von der Jnvalidenversicherungs-Anstalt bezieht er monatlich 14 M., für Wohnung allein muß er monatlich 13 M. bezahlen. Von seinen Kindern sind zwei als Dienstmädchen thätig und unterstützen die Familie, was aber nicht zur körperlichen Er- nährung derselben ausreichen kann. Und für diese furchtbaren Ver- stümmelungen seines Gesichts, unter denen seine ganze Lebensthätigkeit leidet, und die dabei ausgestandenen langen qualvollen Schmerzen erhält der Mann monatlich 14 M. Invalidenrente, noch nicht 60 Pf. pro Tagl Daß diese Rente auch dann ganz ungenügend wäre, wenn der Mann nicht zehn Kinder hätte, liegt auf der Hand. Aber trotz solcher offenbaren Unzulänglichkeiten des Jnvalidenversicherungs- Gesetzes wird dasselbe in allen regierungsfreundlichen Beröffent-. lichungen über das Bohnenlied gelobt. Pyridin als Denatnrierungsmittel. Die hessischen Gewerbe- Aufsichtsbeamten empfehlen in ihrem Bericht über das Iaht 1002 ein gänzliches Verbot des Pyridin als Denaturierungs- mittel des zur Politurbereitung dienenden Spiritus, da sie die Be- obachtung gemacht haben, daß das dem Spiritus zugesetzte Pyridin -durch seinen Geruch und seine Eigenschaften, selbst in geringeren Mengen, beim andauernden Aufenthalt in Räumen, die mit Dämpfen von mit Pyridin denaturiertem Spiritus geschwängert sind, nachteilig auf die Gesundheit der Arbeiter einwirkt. Ganz ähnliche Beob- achtungen sind von Berliner Aerzten, z. B. Herrn Dr. Blaschko, ge- macht worden; aber ihre, eine andere Denaturierungsmethode be- zweckenden Vorschläge haben bis jetzt keinen Erfolg gehabt, obwohl eine ganze Reihe dem Pyridin gleichwertige Denaturierungsmittel zu Gebote stehen. Nachdem nun dieselben Klagen von den hessischen Aufsichtsbeamten erhoben werden, sollte doch endlich der Bundesrat Abhilfe schaffen.' Versammlungen. Die Bäckergesellen und die preußischen LandtagSwahlen. In einer öffentlichen Bäckerversammlung, die Dienstagnachmittag in Kellers Festsälen tagte, sprach Reichstags-Abgeordneter Eduard Bern- stein über die preußischen Landtagswahlen und ihre Bedeutung für die Bäckergesellen. Der Redner wies darauf hin, welche wichttgen und großen Gebiete der Gesetzgebung und Verwalttnig von dem preußischen Landtag abhängig sind, welch hervorragendes Interesse die Arbetter- schaft daran haben muß, eigne Vcrtteter in den Landtag zu senden und mit aller Energie nach Beseitigung des schreienden Wahlunrechts zu streben. Wie aber die Bäckergesellen nicht nur als klassenbewußte Arbeiter und als Staatsbürger, sondern auch in ihrem Beruf als Bäcker aufs stärkste� an der Zusammensetzung des Landtags inter- essiert sind, das zeigte der Redner unter Hinweis auf viele That- sachen, die beweisen, wie sehr jene Körperschaft zum Schlupfwinkel und zum Bollwerk der Reaktion auch in socialpolitischer Hinsicht geworden ist und jede gesetzliche Maßnahme zu Gunsten der Bäckergesellen zu vernichten, jeden Forffchrttt zu hinter- treiben sucht, was ihr ja auch mit der im Jahre 1906 von der preußischen Regierung geplanten Verordnung über die Zu- stände in den Bäckereien leider gelungen ist. Der Redner schloß seinen Vorttag mit der Aufforderung an die Anwesenden, alle Kräfte auszubieten, um Bresche zu legen in das Bollwerk der preußischen Reaktion.