Ur. 211. IlbonnementS'ßedingunsen: «tonnemmts> Preis pränumerando! »ierteljährl. SM Mk., monatl. l,l0 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei in» HauZ. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntag»- nummer mit illustrierter SonntagS» Vellage.Die Neue Welt' lll Pfg. Post» «bonnement: 1.10 Mark pro Monat. «ingettagen in der Post< ZellungS- Preisliste für ISO» unter Nr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn- Mark, für da» übrige SuSlan» 8 Mark pro Monat. 20. Jahrs. CrfdidD! täglidi auBtr niontags. «t Derltner Volkts0lAkk. Die Infcrtions-Gebüftr Beträgt für die sechZgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum.0 Psg., für politische und gewerlschastliche Verein»- und Versammiungs-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Hnreigtn" jedes Wort B Pfg. (nur da» erste Wort feit). Inserate fü. die nächste Nummer müssen biS 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttagS geöffnet. »elegramm-Zioreffe: „Socialiltmökrat Btrlli". Centrawrgcm der socialdemokratischen Partei Deutschtands. Rcdahtiom 8Al. 68, Lindenstraosc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 10. September 1003. 6xpedltiom 601. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Centrnm und„sociale Gerechtigkeit". Die klerikalen Tanten von Berlin:„Germania" und ».Märkische Volkszeitung", können sich über die Besprechung, die wir in Nr. 199 dieses Blattes vom 27. August dem „Mummenschanz" der� Arbeiterdemonstrationen des Kölner Katholikentages gewidmet haben, noch immer nicht beruhigen. Sie glauben jetzt die Wirkung unsrer Feststellungen durch einen Artikel der„Socialen Praxis" entkräften zu können, in dem sich die folgenden Stellen finden: „Mehr noch als in den früheren Jahren traten bei den dies- maligen Tagungen der deutschen Katholiken in Köln vom 23. bis 27. August d. I. die socialpolitischen Kragen in den Vorder- arund. Fast all' die Männer, die im Reichstage innerhalb des entrums sich am wärmsten und überzeugendsten für die Förde- rung der Socialreform einsetzen, traten auch in Köln immer wieder als Befürworter der Fortführung der socialpolitischen Gesetzgebung hervor und bekundeten den ernsten Willen der grötzten Partei des Reichstags, weiter zu wandeln in der bisher beschrittenen Bahn, die durch die kaiserlichen Erlasse vom 17. No- vember 1881 und 4. Februar 1890 und durch die Encyklika „Herum Novarum" Leos XIII. aus dem Jahre 1891 ihre be- stimmende Richtung erhalten hat. Daher standen auch die Ver- sainmlmigen in Köln zum erheblichen Teil unter dem Zeichen der Socialpolitik." Nachdem die klerikalen Organe dann nochmals an der Hand des Artikels der„Socialen Praxis" kurz über die „Socialpolitik auf dem Kölner Katholikentage" referiert, citieren sie noch den Schlufi des Artikels wörtlich wie folgt:„Durch die ausgesprochene Stellungnahme für eine energische Fortführung der Socialreform gewimit der diesjährige Katholikentag für die Weiterentwicklung der deutschen Socialreform eine Be- dcutung, die sich, wie wir sicher erwarten dürfen, in der nächsten Reichstaassession bemerkbar machen wird." Die beiden klerikalen Organe knüpfen daran dann die folgende Nutzanwendung: „Darin dürste die„Soc. Pr." sich nicht täuschen: in jedem Falle wird das Centrum, was an ihm liegt, thun, um den social- politischen Grundsätzen und Bestrebungen, zu denen, wie seine Vor- gänger, auch der Kölner Katholikentag sich bekannt hat, auch im Reichstag bezw. in der Gesetzgebung zum Durchbruch zu verhelfen. Angesichts der mißgünstigen, den Thatsachen ins Gesicht schlagenden Kritik aber, welche der socialdemokratische„Vorwärts" gerade an der arbeiterfreundlichen Thätigkeit des Katholikentages eübt hat, und der frechen Beschimpfungen, die er ans sie häufte— prach erdoch von einein„Mummenschanz" derArbeiterversammlungen am Sonntag, den 23. August I— beanspruchen die Darlegungen der „Soc. Pr." erhöhte Bedeutung. Darin wird von vorurteilsloser Seite der Wahrheit die Ehre gegeben und anerkaimt, daß im katholischen Lager die sociale Frage und deren Lösung nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit in ihrer vollen Bedeutung gewürdigt und diese Lösung mit allen zulässigen Mitteln angestrebt wird. Was hat dem gegenüber die Socialdemokratie aufzuweisen? Im besten Falle unfruchtbare Kritik, die das sociale Reformlverk höchstens verzögern kann. Sie sucht es aber auch direkt zu hindern dadurch, daß sie, wie zuletzt noch bei der Krankenkassen-Novelle, den Arbeitern die Wohlthaten der Reform vorenthalten möchte, dagegen stimmt. Du ist es steilich kein Wunder, wenn sie diejenigen beschimpft, welche wirklich Socialreform treiben wollen." Das klerikale Tantenpaar wiederholt darin dieselben Vor- würfe, die von uns bereits eine Widerlegung erfahren haben. Wir haben dem gegenüber zu wiederholen, was wir schon des öfteren betont und nachgewiesen, daß die„Socialreform", wie das Centrum sie ver- steht, sich von der seiner klerikalen Vorläufer, insbesondere der Ketteler und Moufang principiell im wesentlichsten Punkt unterscheidet, daß insbesondere Ketteler und der gegenwärtig leitende Geist des konfessionellen Centrums- kapitalismus Hitze in ihrer Auffassung der ganzen„Arbeiter- frage" mnerlich weit auseinandergehen. Wir haben insbesondere gegenüber den Lobgesängen auf die sogenannte christliche Charitas, womit nian sich in Köln ja nicht genug zu thun wußte, die Kehrseite hervorgehoben, wonach das kirchliche Armengut bereits mit dem sechsten Jahrhundert eines der wesentlichsten Mittel zur Bereicherung des Klerus geworden ist, wie beide klerikalen Organe in Ratzingers„Geschichte der kirchlichen Armenpflege", falls ihnen diese etwas näher als nur dem Namen nach bekannt ist, bestätigt finden können. Unsrer Aufforderung, diese thatsächlichen Feststellungen zu widerlegen, hat bisher kein klerikales Organ nachzukommen den Mut gefunden. Mit der Bemerkung, als habe die gegenwärfige Social- reform des Centrums ihre bestinimende Richtung mit durch die bekannten Februar-Erlasse erhalten, haben wir, nachdem am 16. Juni die deutsche Arbeiterschaft— die katholische zum großen Teil mit eingeschlossen— über diese Art„Social- reform" wie über einiges andre ihr Urteil gesprochen, uns gleichfalls nicht weiter mehr abzufinden. Anders verhält es sich mit der auch von der„Soc. Praxis" übernomnienen Behauptung, als vollziehe sich die„Socialreform" des Centrumö nach den„Grundsätzen der Gerechtigkeit", wie sie in der sog. Arbeitcr-Encyklika Leos XIII. niedergelegt seien. Da nian nicht müde wird, bei passenden wie unpassenden Gelegenheiten mit dieser Encyklika nach wie vor hausieren zu gehen, so mag die Frage, ob thatsächlich die fainose Centrunis-Socialpolitik mit den in dieser Encyklika niedergelegten Grundsätzen übercin- stimmt, angesichts der agitatorischen Bedeutung derselben einmal kurz erörtert sein. Wo Leo XIII. vom Socialismus spricht, zeigt er klar, daß ihm das Wesen des modernen wissenschaftlichen Socia- lismus ein Buch mit sieben Siegeln geblieben ist, indem er ihn ohne weiteres mit dem platonischen Kommunismus in einen Topf wirft. Zum Beweise nur wenige Stellen.„Zur Hebung des Uebels", sagt er,„verbreiten die Socialisten, indem sie die Besitzlosen gegen die Reichen aufstacheln, die Behauptung, jeder private Besitz müsse aufhören, um einer Gemeinschaft der Güter Platz zu machen, welche mittels der Vertreter der städtischen Gemeinwesen und durch die Regie rungcn selbst einzuführen wäre. Sie wähnen durch eine solche Uebertragung alles Besitzes von den In dividuen an die Gesamtheit alle Mißstände heben zu können, es müßte nur einmal das Vermögen und dessen Vorteile gleichmäßig unter die Staatsangehörigen verteilt werden."„Wenn die Socialisten dahin streben, allen Sonder besitz in Gemeingut umzuwandeln, so ist klar, wie sie dadurch die Lage der arbeitenden Klassen nur ungünstiger machen. Sie entziehen denselben ja mit dem Eigentumsrecht die Vollmacht, ihren erworbenenLohn nach Gutdünken anzulegen, sie rauben ihnen eben dadurch Aussicht und Fähigkeit, ihr kleines Vermögen zu vergrößern und sich durch Fleiß zu einer besseren Stellung emporzuringen." Es„er giebt sich klar die Verwerflichkeit der socialisttschen Grundlehre, wonach der Staat allenPrivatbesitzein zu ziehen und zu öffentlichem Gute zu machen hätte." Hier haben wir die Charakterisierung des Socialismus als nacktesten Güterkommunismus in einem Umfange, wie ihn außer Eugen Richter kein Mensch in Deutschland mehr zu behaupten wagt. Da es aber dem wissenschaftlichen Socialismus und seiner deutschen Vertreterin, der Socialdemokratie, nie auch nur im Traume eingefallen ist. derartige Hirngespinste zu behaupten oder anzustreben, so fällt die päpstliche Kritik in allen daran gegen die Socialdemokratie geknüpften Schluß� solgerungen ins Wasser. Wir können diese Sorte Kritik als gegen ein zurechtgemachtes Phantom, aber nicht als gegen uns gerichtet mit allen ihren Konsequenzen abweisen. Daneben aber detont Leo XIII. das persönliche Besitzrecht des Arbeiters.„Es müssen Rechte erworben werden können, sagt er,„nicht bloß auf Eigentum an Erzeugnissen des Bodens, sondern auch auf Eigentum am Boden selbst. Was dem Menschen nämlich sichere Aussicht auf künftigen Fortbestand seines Unterhaltes verleiht, das ist nur der Boden mit seiner Produktions kraft. Immer unterliegt der Mensch Bedürfnissen.... Die Natur muß dem Menschen demgemäß eine bleibende uiu versiegliche Quelle zur Befriedigung seiner Bedürfnisse an gewiesen haben und eine solche Quelle ist nur der Boden". „Ein dringendes Gesetz der Natur verlangt, daß der Familien� Vater den Kindern den Lebensunterhalt und alles Nötige ver> schaffe, und die Natur hält ihn an, auch für die Zukunft der Kinder zu sorgen, sie möglichst sicher zu stellen gegen irdische Wechselfälle, sie in Stand zu setzen, sich selbst vor Elend zu schützen; er ist es ja, der in den Kindern fortlebt und sich gleichsam in ihnen wiederholt. Wie soll er aber jenen Pflichten gegen die Kinder nachkommen können, wenn er ihnen nicht einen Besitz, welcher fruchtet, als Erbe hinterlassen darf?" Das natürliche Recht zum Besitz privaten Eigentums ist also für Leo XIII. das Mittel, die persönliche Subsistenz sowie die der Familien dauernd zu garantieren, und daraus erklärt sich bei ihm der Sinn des Satzes, daß das Privat- eigentum„unantastbar und heilig" sei. Dieses principielle natürliche Besitzrecht des Menschen wird aber von der Social- demokratie so wenig bestritten, daß sie gerade von ihm aus die Kritik an die bürgerliche Gesellschaft legt. Gerade weil das kapitalisttsche Eigentum heut zu Tage den Minder- besitzenden gegenüber ein fortschreitendes Mittel der Enteignung darstellt, weil wie für die Besitzlosen das für die illusorisch gemachte Eigentum, wenn auch in einer andren ökonomischen und juristtschen Form als der heutigen wiederum herstellen wollen, darum wenden wir uns konsequent gegen die heuttge Gesellschaft und ihre Eigentumsinstitution. Für Leo XIII. liegt das wirtschaftliche Ideal in der Ver- gangenheit, wie seine bedingungslose Anlehnung an die Philo- sophie des Thomas von Aquino schon zur Genüge erklären würde, wie er diesem ja auch seine falsche Ansicht über den heutigen Socialismus verdankt, indem er sich dessen Kritik über den platonischen Güterkon lunismus zum Vorbilde nimmt. Wir dagegen sehen das Jd>l in der gesellschaftlichen Entwicklung über die Gegenwart Hit. us in der Zukunft. In der Grundfrage aber berührt sich Leo-'III. mit dem heutigen Socialismus. daß nämlich für die enteigneten Massen wieder Eigentum geschaffen werden mutz, soll die„sociale Frage" in befriedigender Weise gelöst werden. So läuft die Arbeitcr-Encyklika ihrem theoretischen Inhalt nach auf eine principielle Ablehnung der heutigen Form des Eigentums hinaus. Andrerseits macht der Widerspruch, die heutige Eigentunlsform zu verneinen, sie dagegen nicht natür- lich fortznentlvickeln, sondern allen geschichtlichen Erfahrungen entgegen sie um Jahrhunderte zurückzuschrauben, es erklärlich, wie Leo XIH die Staatsgewalt zu Zwangsmaßregeln gegen die Arbeiter und ihre wichtigsten Rechte, das Stteik- und Koalitionsrecht, ermuntern kann. Diese letztere Seite der Encyklika, die konservative und staatscrhaltende, hat sich nun das Centrum weidlich zu nutze gemacht. Hat es sich doch noch auf dem letzten Katholikentage der Regierung so aufdringlich wie nur möglich als die Partei der Autorität und der Ordnung angepriesen. Von der Kritik jedoch, die Leo XIH. gerade vom Standpunkte der christlichen Gerechtiokeit an der heutigen Eigentumsform übt, von seiner Meinung und Lehre, daß die irdischen Güter dazu da sind, die dauernde Subsistenzgarantte für jeden Menschen und jede Familie— arm wie reich— zu sein, ein Ideal, das gerade der Socialismus sich zur Verwirklichung gesetzt hat, davon merkt man in dem Programm der kapitalistisch- konfessionellen Partei der socialen Gerechtigkeit verteufelt wenig. Die Centrumsherren sind in den letzten Zeiten noch mehr als sonst mit der Person Kettelers hausieren gegangen. Und doch hat gerade dieser der heutigen Centtumspolitik das Menetekel geschrieben:„Es genügt nicht," sagt er in der Einleitung des Buches„Unsre Lage",„einseitige erhabene Ideen auszusprechen, noch ebenso einseitig mit irgend einer vorhandenen Rechtsform einen Kultus zu tteiben unter dem Schein, als ob von dem Bestände dieser Rechtsform das ganze Heil abhängig wäre... es erhellt, wie gefährlich die Lage aller Staaten... werden muß, wenn die großen Principicn der Gerechtigkeit,... ihre Rechtsformen nicht mehr be- leben, wenn ihr Recht vielfach ein bloß formelles, ja wenn das formelle Recht selbst ein Deckmantel materieller Ungerechtigkeit geworden ist.... Wir wissen zwar wohl, daß auch das formelle Recht für den einzelnen verpflichtend bleibt, wir wissen aber nicht mrnder, daß nichts die Staaten tiefer erschüttert, als wenn die ewigen Ideen der Gerechtigkeit mit den be- stehenden Formen der Gerechttgkeit in Kanipf geraten." Diese Worte passen aufs Haar auf unser öffentliches Recht im all- gemeinen und das private Eigentumsrecht im besonderen, was freilich die frommen Centtums-Kapitalisten gemäß ihrem Aus- spruch auf dem Katholikentag nicht hindern wird, sich ttotz Leos XIH. für die gegenwärtige profitlich-göttliche Weltordnung noch fester ins Zeug zu legen als bisher. jpoUtilcke CUberftcbt. Berlin, den 9. September. Freisinn und LandtagSwahl. Die ablehnende Haltung der Richterschen gegenüber einem Zu« saminengehen mit der Socialdemokratie zwecks Schwächung der Reaktion im preußischen Abgeordnetenhaus ist nur aus der Furcht erklärlich, daß dadurch die Socialdemokratie gestärkt und ihr die völlige Verdrängung des Liberalismus bei späteren Wahlen erleichtert wird. Nun verstehen wir diese Furcht vollkommen; wir sind ja gerade der Meinung, daß der Liberalismus, sobald er seine Mijsion der Uebertvindung des Feudalismus erfüllt hat, vom Socialismus endgültig abgelöst werden wird. Wir sind aber einiger- maßen erstaunt, daß die Richterschen durch ihre Haltung zu erkennen geben, für wie berechtigt sie diese Anschauung halten. Bei ihrem Reden von der inneren Haltlosigkeit des Socialismus sollte man einen völlig andren Gedankengang erwarten, der sich etwa folgendermaßen um- schreiben ließe: Der innerlich haltlose Socialismus hat zwar die Köpfe der Masse gefangen genommen; das kann aber unmöglich von Dauer sein; heut wird die socialistische Agitatton durch die brutale Haltung der Reaktion ge- fördert. Die Reaktion muß also, was ja an sich oie Aufgabe des Liberalismus iväre, mit allen Mitteln bekämpft werden, wenn der Socialismus für die Massen seines Reizes entkleidet werden soll. Beteiligen sich die Socialdemokraten mit Energie an diesem Kampf. so wollen wir sie nach Kräften unterstützen; sie hoffen zwar uns danach zu beerben, thatsächlich graben sie sich ihr eignes Grab. Wir glauben, daß wir damit auch ungefähr den Gedankengang unsrer wenigen liberalen„Gönner" tviedergeben. Sie sind ei, die noch an die Möglichkeit eines geistigen Kampfes gegen die Social- demokratie glauben; die um Richter beweisen durch ihre Haltung bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Preußen, daß sie jede Hoff- nung haben schwinden lassen, daß sie das Heil, nämlich die Be- hauptung einiger Mandate, nur noch vom Einverständnis mit den Rechtsparteien erwarten. Uebrigens lenkt auch die„Berliner Zeitung" ein, die bis vor kurzem einem Zusammengehen mit der Socialdemokratie geneigt schien. Sie schreibt im Anschluß an ihren Bericht über das Referat des Genossen Arons auf der Provinzialkonferenz: „Wenn sich die Socialdemokratie bereit erklärt, Schulter an Schlüter mit den Freisinnigen zu kämpfen und Wahlkompromiffe mit ihnen einzugehen, so erfolgt diese Erklärung erstens mal zu spät, und sie wird zweitens mit Bedingungen bepackt, die völlig aussichtslos sind". Das„zu spät" ist in doppelter Hinsicht unzu- treffend. Zunächst sind die socialbcmottatischen Vorschläge wieder- holt bereits vor länger als Jahresfrist gemacht. So heißt es im Leitartikel des„Vorwärts" vom 16. August 1902: «Da bei den Wahlen 1903 die Socialdemokraten überall dort, wo mehrere Abgeordnete zu wählen sind und die Freisinnigen erst mit den Socialdemokraten zusammen die absolute Majorität der Wahlniänner erreichen, auf der Wahl eines socialdemokratischen Ab- geordneten bestehen tverden, müssen sich die Freisinnigen entscheiden, ob sie durch Wahlbündnisse init andren Parteien, die für sie nicht ohne Verluste abgeschlossen werden können, die Trümmer ihrer Partei nunmehr als dauernden Bestandteil der„einen reaktionären Masse" retten wollen, oder ob sie als wirk- liche Liberale die Socialdemokratie auch in Preußen als eben- bärtige Partei betrachten und als kleineres Uebel wählen wollen. In diesem Falle würden sie zwar auch einen Teil ihrer bisherigen Mandate— und zwar an die Socialdemokratte— übergehen sehen, aber diese Verluste würden durch Eroberungen bedeutend überholt werden. Zudem würde der Einzug der Socialdemokratie in den Landtag an sich die oppositionelle Stellung auch der Liberalen stärken." Nach Erwägung der Schwierigkeiten, die einsichtige liberale Führer m ihren eignen Reihen finden würden, heißt es dann weiter: „Ist eS der ernste Wille der Liberalen, mit der ReaMon in Preußen aufzuräunien und mit Hilfe der Socialdemokratie zunächst das Wahlsystem zu zerbrechen, so müssen sie schon heute, ohne eine Minute zu verlieren, Aufklärung darüber in den Köpfen ihrer Leute zu schaffen suchen." Der Vorwurf„zu spät" ttifft also nicht uns. Aber ist es zu spät dazu, daß die freisinnigen Führer die Parole «lSgeven:„Mit der Socialdemokratie gegen die Reaktion"? Ist es zu ipät, daß sie nachdrücklichst auffordern, bei den Stichwahlen in der UrWahl nach Ausfall der Freisinnigen die socialdeinokratischen Wahlmänner zu wählen? Ist es zu spät, daß sie ihren Leuten klar machen, daß eS nur recht und billig ist, da_ in den Wahlkreisen mit mehr als einem Abgeordneten, wo die Socialdemokratie den Ausschlag giebt, dieser ein Mandat ein- zuräumen sei 2 Uno ist es zu spät, die ganz selbstverständliche Forderung in den eignen Reihen durchzusetzen, daß nur völlig un- abhängige Männer als Wahlmannskandidaten aufgestellt werden, die bei der Avgeordnetcnwahl neben einem oder zwei Freisinnigen eventuell auch eineni«ocialdemokraten ihre Stimme geben können? Wir meinen, dazu könne es nie zu spät sein— und wenn der Erfolg zum Teil ausbleibt, es würde doch ein etwas frischerer Zug in die freisinnigen Reihen kommen, wenigstens hier und da die krankhafte Philistrosität gemindert werden. Aber„die völlig anssichtslosen Bedingungen", mit denen die Socialdemokratie ihre Erklärung bepackt! Wir müssen unsre oben gestellten vier Fragen wiederholen i sie enthalten alle Bedingungen, die für einen erfolgreichen Kanipf gefordert werden. Wir bitten, uns zu sagen, welche von ihnen aussichtslos sei, ohne daß mit ihrer Aussichtslosigkeit zugleich die Aussichtslosigkeit des Liberalismus in Preußen eingeräumt werden müßte.— Eine neue Schlacht bei Roßbach. AuS dem Manövergelände schreibt man uns: Am Montag gerieten zum erstenmal die beiden sächsischen Armeecorps, das XII. und XIX., mit den beiden preußischen, dem IV. und XI., aneinander. Die Preußen gingen auf die Linie Naumburg-Merseburg zurück und wurden von den östlich von Leipzig anmarschierenden Sachsen angegriffen. Die armen sächsischen Infanteristen haben dabei ganz Horrendes im Marschieren leisten müssen. Da das preußische XI. Corps noch nicht zum Eingreifen kommen konnte, hattte das IV. Armeecorps den Kampf allein aufzu- nehmen, nmßte sich aber später zurückziehen. Der Vormarsch sowohl wie der Rückzug ging ganz nach Schema? vor sich. In Wirklichkeit würde die Sache ein ganz andres Bild erhalten. So weiß man aber, daß die Platzpatronen der Manöverkartuschen keine Löcher machen, und marschiert tapfer drauflos, wobei man sich oft genug nicht im mindesten um das feindliche Feuer kümmert, das mitunter sehr wirksam sein würde. Aber was frägt man im Kaiser- manöver danach I„Da mutz alles klappen"; folgen doch die Augen vieler Fürsten der fremden Gäste dem kriegerischen Schauspiel. So bleibt es eben auch nur Schauspiel. Die Truppen müssen marschieren, wie es die Manöverleitung in ihrer höheren Weisheit befiehlt. In der Nähe des Dorfes Roßbach entwickelte sich am Dienstag der Hauptkampf. Durften gestern die Sachsen siegreich vorgehen, so mußten sie heute zurückgehen, nicht etwa weil sie heute weniger tampfer waren, sondern weil es eben so im hohen Rate ausgeknobelt sein mag. Inzwischen wurde die sächsische Infanterie in der Richtung auf Bedra dirigiert. Daß sich bei dieser Gelegenheit preußische Kavallerie- Patrouillen in unmittelbare Nähe der feindlichen Infanterie wagten, versteht sich bei der„Kriegsmäßigkeit" unsrer Manöver am Rande. Unter anderm tänzelte eine Offizierpatrouille auf kaum 50 Meter im Schußbereich der vorgehenden Infanteristen herum. Im Ernst- falle würden die Kleinkalibrigen den schneidigen Herren von der Garde diese Naseweisheit schon vertreiben. Auf einmal tauchen auf dem linken Flügel der Sachsen in der Nähe des Schartauer Hügels gewaltige Kavalleriemassen ans. Frei. ohne Deckung marschieren sie aus dem sich sanft senkenden Gelände auf. Scharf heben sich die„Mehlsäcke", die Schwadronen der Kürassiere von den andren dunkleren Reitern ab. Da haben wir das Prunkstück eines jeden Kaisermanövers, die große Kavallerie-Attacke. Die reitende Abteilung der Garde-Artillerie nnd die Maschinengewehr-Abteilung gehen gleichfalls mit vor. In breiten Reihen, wahre Prachtziele, setzen sich die Reitermassen in Bewegung und jagen in der Richtung auf Beiha loS; der Kaiser ist bei ihnen. Potz Wetter, wie würden in Wirklichkeit das Schnellfeuer der Infanterie und die Schrapnells unter den Schwadronen auftäumen I Hier jedoch wird lustig drauf los galoppiert. Vergeblich ftagt man sich, wo denn da eigentlich die„kriegsmäßige Ausbildung" bleibt. Da hatten wahr- hastig die arabischen Reiter, gegen die der Brieffchreiber in Afrika gefachten, inehr taksischen Instinkt im Leibe. In kleinen, aber zahlreichen Gruppen jagten sie heran, jede Terrainfalte be- nutzend, bald hier, bald da angreifend, so daß der Gegner stets be- unruhigt war. Die Leute sagten sich aber, daß bei einem Front- angriff das Magazingewehr übel mitspielen würde. Will man wirklich im Ernstfalle die Kavallerie zu derartigen Experimenten benutzen? Die Regimenter noch obendrein in ihren grell bunten Uniformen? Hat man denn aus dem Boerenkriege nichts gelernt? Bei der heutigen Schlacht bei Roßbach fehlt allerdings der berüchtigt gewordene Troß der Franzosen und Reichsarmee. Dafür kamen eine Menge Hofequipagen. Reitknechte mit Handpferden usw., die sich nach der Mühle bei Leiha begeben, wo Wilhelm II. den Stab um sich versammelt hat. Dorthin begaben sich auch eine Un- menge von Mietsknffchen, in denen Kavallerie-Ordonnanzen sitzen, die den zahlreichen fremden Fürsten und Offizieren die Pferde abnehmen sollen. Ob das alles auch zur„Kriegsmäßigkeit" gehört, fei dahin gestellt. Jedenfalls erreichen die Ausgaben zu Rc- Präsentationszwecken bei Kaisermanövern eine recht hübsche Höhe. Und dabei haben diese Prunkmanövcr nicht einmal einen militärischen, geschweige denn einen Kulturwert. Nach ungefähr einstündiger Pause nimmt das Gefecht seinen Fortgang. Jetzt geht es den armen Sachsen schlechter. Sie müssen aus allen Positionen weichen. Sollte das der Erfolg der großen Kavallerie-Attacke sein? Die preußischen Schützenlinien sind den Sachsen dicht auf den Fersen, zum Teil so dicht, daß man sich auch hier wieder ftagen muß: wo bleibt da die Kriegsmäßigkeit? Einmal sah ich. daß Preußen und Sachsen kaum zehn Schritt von einander entfernt waren und das bei einem Gewehr, das einen Angriff schon auf ca. 800 Meter zum Stocken bringen kann. Noch ungefähr zwei Stunden lang zieht sich da? Berfolgungs« spiel hin. Die Sachsen werden nach der Saale zu zurückgeworfen. Die Preußen, von neuem Sieger von Roßbach, bivouakieren oder be- ziehen Ouartier in den Dörfern der Umgebung von Roßbach.— DeutfcKes Reich. MajestätsieleidigungS-Razzia. Einige Blätter behaupten bestimmt zu wissen, daß der preußische Justizminister den gestern von unS gewürdigten Erlaß nicht verfügt habe. Die Behauptung dieser Blätter ist kein Beweis. Im übrigen haben wir schon gestern die Vermutung ausgesprochen, daß die hübsche Anregung an die Staatsanwälte auf eine Reichs stelle zurückzuführen sein dürste. Thatsächlich brechen jetzt gleichzeitig in den verschiedenen Bundes- staaten die MajcstätSbeleidigungsklagen aus. Jetzt hat die Rostocker Staatsanwaltschaft einen geschichtlichen Artikel der„Mecklenburgischen Volkszeitung" über die Einverleibung Wismars für majestäts- beleidigend erftmden. Der gegenwärtige Großherzog soll durch die Thaten seiner Vorfahren beleidigt sein. Also wieder: dolus eventualis! Wir möchten meinen, ein Monarch darf nicht noch verantwortlich gemacht werden für die Thaten seiner Ahnen wie es die Rostocker Staatsanwaltschaft offenbar thut.— Der Wahttrawall in Laurahütte hat bis jetzt einen Verlauf ge- nommen, der für das staatsretterische Unternehmen sehr wenig aussichtsvoll ist. Die vernommenen Angeklagten sind in der Haupt- fache junge Burschen, deren Handlungen, selbst wenn die Anklage ihnen gegenüber Recht behielte, beim besten Willen nicht politiich auszunützen wären. Wenn bei einem Menschenauflauf, der aus der stark besuchten ausgelösten Versammlung ganz natürlich erklärt ist. eine Anzahl Jungen von 12 bis 18 Jahren mit Steinen werfen. so ist das ein Unfug, der seine entsprechende Sühne finden mag, der aber weder als ein Aufruhr behandelt werden sollte, noch, wie es geschehen ist, als Beweis für Massenterrorismus ausgenützt werden kann. Dazu kommt, daß die Feuerwehr alarmiert und dadurch die Leute erst recht zum Zusammenströmen veranlaßt worden sind. Soweit Auftegung in den angesammelten Massen herrschte, wäre sie überdies recht erklärlich, wenn die bestimmten Aussagen des Angeklagten Sollick bestätigt werden, daß die Absicht der Alarmierung der Feuerwehr schon vorher bestand und bekannt geworden war. Wie die Anklage zustande gekommen ist. das beleuchtet der Fall Korfanty. Der alte Mann ist in Untersuchungshaft genommen worden, anscheinend einzig und allein auf die Aussage eines Mitangeklagten vierzehnjährigen Jungen, die dieser unter dem Zwange der Furcht vor Einsperrung gemacht hat. Der Staatsanwalt hat die Anklage gegen Korfanty schon so gut wie fallen gelassen, und Korfanty wäre schon ans der Untersuchungshast entlassen worden, wenn das Gericht nicht Eile hätte, durchzukonunen. Nur ein wenig kaltes Blut bei den Behörden, nur ein wenig Freiheit für daS Volk und der ganze gewaltige Prozeß wäre überflüssig gewesen. Eine einfache lärmende Menschen- ansammlnng, die sich bald wieder verlaufen hätte, wird zu einer Staatsaktion aufgebauscht einzig und allein, weil das Volk als Kanaille betrachtet und weil die herrschende Klasse Krawalle braucht, um die Massen polittsch einzuschüchtern.— Bou der Grenze der„Stammverwandten". Aus Apen- r a d e wird gemeldet: Eine Massenausweisung fand am Sonnabendnachmittag hierselbst statt, indem sämtliche bei dem Bau der hiesigen dänischen Freigemeinde-Kirche beschäfttgten Maurer mit einer Frist von 24 Stunden ausg.ewiesen wurden. Alle von dem Maurer- meistcr Ahrends in Sillerup, Kreis Hadersleben, der den Bau der Kirche übernommen hat, beschäftigten Maurergesellen waren mit einer Ausnahme dänische Staatsangehörige. Hat die preußische Regierung denn wirklich kein Empfinden für diese Art„nationaler" Politik, die, um die dänisch sprechenden Preußen zu chikanieren, ihnen dänische Arbeiter, Knechte-c. ausweist? In Kopenhagen wurde doch erst jüngst die Stammverwandtschaft gefeiert.— Ueber die bedrängte Lage der Photographen verbreiten sich zwei Denkschriften, die dieser Tage an dem Reichskanzler und die sächsische Regierung abgesandt worden sind. Die Notlage ist hervorgerufen worden durch die Konkurrenz der Warenhäuser und das Umsichgreifen der Liebhaberphotographie. Früher erhielten die Photographen für das Dutzend Visitbrlder zwischen 5 und 15 M. Die Warenhäuser liefern die Bilder für 1,80 M. Der sächsische Photographenbund behauptet, daß dieser Preis allenfalls die Rohkosten deckt und daß die Photographie vom Warenhaushandel nur als Lockware, bei der nichts verdient werden solle, betrachtet werde. Die Denkschriften fordern die Regierungen zu den lächerlichsten Maßregeln auf: Höhere Besteuerung der Warenhäuser, Verbot des Verkaufs von Liebhaber- Photographien und Verbot der unentgeltlichen Zugabe von Photo- graphischen Vergrößerungen in den Geschäften.— Huoland. Oestreich-Ungarn. Eine Brünner Polizei-Attacke. Die Wahlrechtsbewegung hat am Montag in Brünn ihre Bluttaufe erhalten. Nach einer abends in den Redoutensälen abgehaltenen massenhaft besuchte.» Versammlung kam es infolge des provozierenden Vorgehens der Polizei zu einem blutigen Zusammenstoß der Demonstra.rtel'. mit der Polizei, der leider zahlreiche Opfer an Verwundeten forderte. Mehr als zwanzig Arbeiter wurden von den Säbelhieben der wie wahnsinnig drein- hauenden Polizisten verwundet. Die Wiener„Arbeiterzeitung" berichtet darüber: Die Versammlung im Redoutensaal war insgesamt von zehn- bis zwölftausend Menschen besucht, von denen nur der kleinste Teil im Saale selbst Platz fand. Auf dem Krautmarkt vor dem Re- doutensaalgebäude standen kolossale Massen, die in voller Ruhe das Ende der Versammlung abwarteten. In der Versammlung, auf deren Tagesordnung„Die Verlängerung der Dienstzeit der Dritt- jährigen und das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht" stand, sprachen die Genossen Reichsratsabgeordneter Hybesch nnd Dr. Czech. Wiederholt wurden beide Redner von Beifallsstürmen unterbrochen, die ihr Echo auf der Straße fanden. Schon während der Versammlung zeigte eS sich, daß etwas im Zuge sei—■ die Nervosität des Regierungsvertreters war zu ver- dächtig. Dennoch konnte die Versammlung ruhig zu End: geführt werden. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Nach der Versammlung setzten sich die Massen unter Hochrufen auf das allgemeine Wahlrecht in Bclvegung. Hätte sich die Polizei wie bei der vor kurzem abgehaltenen Massendemonstration ver- halten, so wäre auch die heutige Demonstration in voller Ruhe vor sich gegangen. Leider beliebte diesmal den Polizeileirern ei»: andres Vorgehen. Sie sperrten alle Gassen bis auf eine einzige cb. Dadlirch erbitterten sie die Masse, die aber an sich hielt. Sie nahm diese Polizei- chikauen ruhig hin und es verlief alles in voller Ordnung, bis der Zug beim Theater anlangte. Dort kam es zu einem Zusammenstoß. Die Polizei hatte sich unglücklicherweise bei einein großen Ziegelhaufen in der Nähe des Stadt-Theaters postiert. Dort kam es zu einer Stauung, die zur Folge hatte, daß ohne jeden sichtbaren Anlaß die Polizei plötzlich vom Leder zog und wie rasend in die Demonstranten hineinfuhr. Die Demonstrante», flohen, die Polizei wütend hinterdrein mit hochgeschwungenen Säbeln, angefeuert von ihren Kommandanten. Man hörte wiederholt, wie die Polizei- konzipisten und Wacheführer zum scharfen Dreinhauen aufforderten. Der Polizeikonzipist Melon schrie:„Nur fest hinein- gehauen in die Bagage!" Der Wachtführer K r a l i c e k unternahm auf eigne Faust einen Angriff auf das Arbeiterheim. Nur der Besonnenheit und dem that- kräftigen Vorgehen einiger Genossen ist es zu danken, daß es hier nicht zu ähnlichen Scenen kam wie am 7. November in Favorften. Rußland. Ueber die Zunahme der revolutionären Bewegung in Rußland giebt eine offizielle Denkschrift interessanten Aufschluß, die vor einiger Zeit zur Begründung einer Vermehrung des Staatsanwalt- 'chafts-PersonalS dem russischen Staatsrat vorgelegt worden ist und die jetzt von der bekannten socialissischen Stuttgarter Zeitschrift „Oswoboschdenije" veröffentlicht wird. Nach dieser Denkschrift ist die Zahl der polittschen Prozesse, die im Jahre 1800 sich auf 100 belief, im Jahre 1901 auf 448 angewachsen. Die Zabl der an diesen Prozessen beteiligten Personen stieg in derselben Zeit von 380 auf 1551. Im Jahre 1001 wurden 5743 Personen aus poli- tischen Gründen verhaftet. Im Jahre 1000 wurden 1036 wrmelle Ermittelungsverfahren eingeleitet, 1001 waren es schon 1105 und in den ersten vier Monaten des JahreS 1902 644. Noch deutlicher tritt das riesige Anwachsen der politischen Verfolgungen zu Tage in den Zahlen der darin ver!vickelte»!Personen. 1900 ivaren eS 2391 Personen, im darauf folgenden Jahre 2469 und bis zuin Mai des vergangenen Jahres 2063. Damit sind aber die poli- tischen Verfolgungen keineswegs erschöpft, denn außer den formellen wurden noch eine große Anzahl von vereinfachten ErmittelungS- verfahren(ohne Beteiligung der Staatsanwaltschaft) eingeleitet. Ferner stellt die Denkschrift fest, daß die revolutionäre Bewegung in oen letzten Jahren einen viel bedrohlicheren Eharakter angenominen hat. Es gelang ihr, große Massen von Fabrikarbeitern, Studenten und Bauern für sich zu gewinnen. Auch die Zahl der Geheim- druckereien und der von ihnen herausgegebenen«mftührerischen Schriften hat sich bettächtlich vergrößert.— Serbien. Die fortgesetzten Offiziersverhaftungen haben unter den Offizieren, welche die Nischer Proklamation unterzeichneten(eS sollen über 900 von den ca. 2000 Offizieren des serbischen HccreS daran beteiligt «ein), eine starke Erregung hervorgerufen, die sich, wie aus Belgrad gemeldet wird, in einem neuen, zweiten Auftuf Lust macht. In dieser zweiten Proklamation wird nunmehr von der Regierung die sofortige Entlassung der am Königsmord beteiligten Offiziere<68) gefordert. Sollte die Regierung diesem Verlangen nicht nach- kommen, so wollen sämtliche Unterzeichner den Waffenrock ansziehen. Allzu ernst darf man diese Airkündigung nicht nehmen; denn die moralischen Bedeirken haben sich bei den serbischen Trägern des vornehmsten Rockes recht spät eingestellt. So lange sie hoffen konnten, daß ihnen aus dem Thronwechsel Vorteile erwachsen würden, schwiegen sie; erst als man die Verschwörer in die besten Stellungen aufrücken und überall begünstigt sah, ermachte plötzlich die beleidigte Offiziersehre der nicht am Königsmord Beteiligten.— Türkei. Der Aufstand in Macedonien. Die türkische Regierung hat in letzter Zeit energische Maßnahmen zur Bekämpfung des Banden- Unwesens getroffen. Uebereinstimmende Konsularberichte aus den inacedonischen Wilajets und Adrianopel bestätigen, daß in letzter Zeit die Wilajet-Behörden und Truppenkommandanten infolge erhaltenen strengen Befehls die Bandenbewegung energisch und rücksichtslos be- kämpften, wodurch die türkischen Truppen Erfolge erzielten, die für die Banden große Verluste zur Folge hatten. Nach Meldungen aus Adriancpel sollen die zur Beseitigung des Bandenunwesens im Grenzgebiet des Sandschaks Kirk-Kilisse be- findliche» Truppen bereits bei Goektepe, 9 Kilometer von der bulgari- schen Grenze, gesammelt sein. DaS bulgarische Dorf Koudene östlich von Kirk-Kilisse. dessen Einwohner wiederholt Telegraphenlinien zerstörten, wurde zerstört. Die Komitatschis zerstörten andrerseits das türkische Dorf Achlatly. Ein Jrade ordnet die Vornahme strenger Hausdurchsuchungen in allen Orten an: dieselben sind im Beisein von N>-tabeln der ver- schiedenen Konfessicnen durchzuführen. In den Vilajets Monastic und Adrianopel wurde mit den Haussuchungen bereits begonnen. JnMonastir undDedeagatsch haben dieselben keinErgebnis gehabt.— Blutige Zusammenstöße zwischen Christen und Mohammedanern in Beirut. Die lächerliche amerikanische Flottendemonstration vor Beirut hat den befürchteten Erfolg gehabt: sie hat den Haß der mohammedanischen Bevölkerung gegen die Christen aufgestachelt und am 6. dieses MonatS zu blutigen Zusammenstößen in den Straßen Beiruts geführt. Die Pforte giebt von den Vorgängen folgende Darstellung: Einige Personen, die bisher nicht festgestellt sind, griffen vier Mohammedaner, welche durch das Stadtviertel Mezraa gingen, wie man behauptet, ohne jeden Grund an. ES entstand eine Schlägerei. Die Truppen griffen ein und machten der« selben ein Ende. Ein Soldat wurde getötet, drei verwundet, au) feiten der Einwohner wurde einer getötet und einer verwundet. Der englische Konsul hat angeblich selbst anerkannt, daß die Urheber der Schlägerei auf der Seite der Christen zu suchen seien. Di, Pforte wird an die Botschaften im Auslande in diesem Sinne ein Rundschreiben richten. Dagegen meldet der Kommandeur des amerikanischen Geschwaders vor Beirut, Adrniral Cotton, der Zusammenstoß sei herbeigeführt worden durch die Feindseligkeit der ersteren gegen die Christen und durch die Unfähigkeit der türkischen Behörde»», Verbrechen hintanzu- halten. Cotton fügt jedoch hinzu, die türkischen Behörden hätten ihn bei seinen Nachforschungeir unterstützt und versprochen, noch eine Truppen- abteilung von 1000 Mann nach Beirut zu schicken. Washington, 3. September. Der Gesandte der Vereinigten Staaten in Koi»stantinopel meldet, daß nach einem Bericht des Konsuls in Beirut bei den gestrigen Unruhen sieben Christen getötet wurden. Zwei Häuser von Christen seien von den Truppen geplündert worden. Konstantinopel, 8. September.(Meldung des Wiener!, k. Telegr.- Korresp.-BureauS.) Die neuestenKonsularmeldungen aus Beirut besagen, daß die Christenmorde in verschiedenen Stadtteilen fortdauern. ES herrsche große Verwirrung. Handel und Verkehr seien gestört. In einer Versammlung der Mitglieder des KonsularcorpS wurde beschlossen, die soforttge Abberufung des Mali Reschid-Bey durch die Botschafter bei der Regierung zu beantragen und seine Ersetzung durch den Wali von Damaskus Nazim-Pascha anzuregen. Die Versammlung beschloß, auch vom amerikanischen Admiral eventuell Schutz der ftemden Konsuln zu verlangen, welcher ein Landungscorps von 500 Mann bereitstellte. Nach eii»er Meldung wäre dasselbe schor gelandet. Die amerikanischen Schiffe sind gefechtsbereit, andr» Kriegsschiffe werden erwartet.— Asien. Rußlands Festsetzung in der Mandschurei. Die„TimeS" melde» aus Peking: In seiner Note vom 6. d. M. bestättgt der russische Gesandte Lessar die Zusicherung, daß die Häfen vonMukde« undTatuiigkau geöffnet werden sollen, und giebt du Zusage, daß China gestattet sein soll, dieVerwaltungsrecht» in den drei Provinzen derMandschurei wie de» auszuüben, vorausgesetzt, daß China sich verbürge, daß kein» Gebietsteile an eine andre Macht abgetreten werden und daß Eng- land keine Konzession gewährt werde. Ivenn nicht Rußland ein gleicher Vorteil eingermimt werde. Der jetzige Zolltarif auf Waren, die mit der Eisenbahn in die Mandschurei eingeführt werden, solle nicht erhöht werden. Im Fall einer Epidemie in Niutschwang solle daS russische Gesundheitsamt mit der llebcrwachung der erforderlichen Maßnahmen betraut werden. Rußland solle seine Militär-Telegraphenlinie längs der Eisenbahn behalten. Die Niederlasfimgen der russisch-chinesischen Bank in der Mandschurei sollen von chinesischen Soldaten bewacht werden.— Zum Parteitage. Genosse KautSky erörtert in einem Artikel der„Neuen Zeit" die Aufgaben des Dresdener Parteitages. Wir teilen auch aus diesem zur Oriensierung der Parteigenossen einige entscheidende Partien mit. Der Arttkel beginnt erklärlicherweise mit einer Erörterung der Präsidentensrage, wozu Kautsky nach einer Einleitung sagt: „Hoffen wir. daß der Dresdener Parteitag mehr Glück hat al» seine Vorgänger und daß es ihm gelingt, eine Entscheidung zu treffen. die allseittg in gleicher Weise als der unverkennbare Wille der Mehr- heit der Partei anerkannt und beachtet wird. Wird dem revisio- nistischen Flügel einmal nachdrücklich die Ueberzeugung beigebracht, daß für eine Aenderung des Charakters unsrer Partei in dieser kein Boden vorhanden ist. dann dürfen wir wohl erwarten, daß er seine Energie statt dem Auffpüren und Aufwersen von Parteiproblemen viel mehr dem Kampfe gegen den gemeinsamen Feind zuwenden wird, daß unsre bisherigen Revisionisten sich bald ebenso deS Tadels und der Mißachtung unsrer Gegner erfreuen, wie wir„Orthodoxen", und daß das erhebende Schauspiel des letzten Wahlkampfes eine dauernde Erscheinung wird, wo kein Unterschied zwischen Revisionisten und„Orthodoxen" merkbar war und beide Schulter an Schulter ohne den geringsten Mißton kämpften. Freilich, MeiiiungSversckiiedenheiteii wird und muß es unter unS immer geben und sie müssen, dem Charakter unsrer Partei ent- iprechend, öffentlich ausgefochten werden. Aber die MenmngS- Verschiedenheiten dürfen nicht überwuchern, wir haben für längere Zeit mehr als genug davon gehabt und können für ein paar Jahre unsre Selbstkritik retrncieren, namentlich wenn eS eine solche ist, bei der nichts Positives herauskommt. Leider ist der Gegensatz der beiden Richtungen auch diesmal nicht in der Form einer großen und klaren prinzipiellen Frage zur Sprache gebracht worden, sonder»» in der einer kleinen und klein« lichen, gai»z nebensächlichen Forderung, die an sich ganz bedeutungS- los wäre, die aber ihre Bedeutung dadtirch erhält, daß ein kon- iequenter Denker sie unmöglich stellen kann, wenn sein Denken sich nicht im Gegensatz befindet zu den bisherigen Anschauungen unsrer Parte»; daß die Socialdemokratie sie unmöglich stellen kann, ohne dadurch auf die Bahn einer neuen, mit ihrer bisherigen uuverein- baren Taktik gedrängt zu werden. Als Symptom und als erster Schritt einer neuen Taktik erhält die Frage der„Hof- gängerei" eine Bedeutung, die weit größer ist, als der Wert einer Vice- Präsidentschaft im Reichstag. Und die ganze Diskussion darüber, die den Parteitag ausgiebig beschäftigen dürfte, wird aus diesem Zusammen- hang ihre Bedeutung und ihren Nutzen ziehen. Freilich, der Zusammenhang wird bestritten. Im Gegenteil, erklärt man, wenn wir einen der Unsrigen zum Vicepräsidenten zu machen suchen, so bleiben wir nur unsrer bisherigen Taktik getreu, die dahin ging, jede Machtstellung zu erobern, die zu erobern ist. Ja, wenn sich's darum handeln würde I Aber die Eigenart der Situation besteht darin, daß wir den Posten des Vicepräsidenten eben nichr aus eigner Kraft erobern können; unsre Gegner haben ihn zu vergeben und sie fordern einen Kaufpreis dafür. Soll unsre Partei einen Posten durch eine Konzession erkanfen, den sie nicht zu erobern vermag? Das ist die Frage. Damit wird aber eine neue, von uns bisher stets zurückgewiesene Taktik in die Partei ein- geführt. Auch das wird bestritten und es wird auf den Treueid hin- gewiesen, den unsre Abgeordneten in verschiedenen Landtagen zu leisten haben und leisten. Wird da nicht auch ein Posten durch eine Konzession erkauft? Dieses Argument erscheint den Freunden der Hofgängerei äußerst beweiskräftig, sie wiederholen es immer wieder, obivohl ihnen schon oft genug entgegengehalten wurde, welch gewaltiger Unterschied zwischen einer ausgezwungenen und einer freiwillig übernommenen Huldigung besteht... Das bildet den für uns entscheidenden Punkt: Nicht, wie die Hofgängerei auf Bernstein oder Vollniar oder wen sonst wirken würde; das ist eine höchst gleichgültige Sache, sondern wie sie auf die Masse der Bevölkerung wirkt. Für diese und durch diese treiben wir Politik und nicht für uns als Einzelpersonen. Gilt dieser Grund gegen die Hofgängerei für jede republika- nische Partei, so gilt er aber besonders für Deutschland und für unsre heutige Situation. Es ist im Deutschen Reiche nicht möglich, eine systematische republikanische Propaganda zu entfalten um so mehr müsien wir uns davor hüten, der Monarchie Konzessionen zu machen, die von der Bevölkerung als eine Preis- gäbe unsres republikanischen Standpunktes empfunden werden. Jedoch auch die jetzige Situation spricht mehr gegen die Hofgängerei als je Es ist kein Zweifel, daß in Deutschland die Unzufriedenheit mit dem persönlichen Regiment im Wachsen ist z in gleichem Maße wächst aber merkwürdigerweise der Byzantinismus der bürgerlichen Parteien. Einzig die Socialdemokrasie ist bisher auftecht geblieben und hat sich vor höfischem Wesen nie gebeugt. Nicht zum wenigsten darin ist eine der Ursachen ihres glänzenden Erfolges bei den letzten Wahlen zu suchen. Wenn man von einer einzelnen Rede behaupten kann, sie habe diese Wahlen entscheidend beeinflußt, so war's die Bebelsche Kaiserrede. Die Partei wurde den Massen teuer als das einzige unerschütterliche Bollwerk gegen da§ persönliche Regiment. Und nun nach glänzend errungenen: Siege soll unsre erste parla- nientarische Ausnutzung desselben in der Erklärung unsrer Bereit- Willigkeit bestehen, um eines bedeutungslosen Vicepräsideiiteiipostens willen demselben Regiment unsre Reverenz zu erweisen I Wenn trotz alledem die Idee der Hofgängerei nicht der Einfall eines einzelnen geblieben ist, sondern eine ganze Reihe ernsthafter Vertreter gefunden hat, so kann dies nur dem Umstand zugeschrieben werden, daß diese Idee dem taktischen Gedankengang des Revisionismus entspricht, der von der Ansicht ausgeht, daß die Socialdemokratie die Machtmittel, die ihr zu Gebote stehen, nicht genügend ausnützen kann, so lange sie iir ihrer Kampfstellung allen bürgerlichen Parteien gegenüber verharrt. Ihre Macht und ihr Ansehen, sagen die Revisionisten, wachsen von Jahr zu Jahr, aber so lange sie nicht für sich allein die Mehrheit erlangt hat, und das ist in nächster Zeit nicht zu erwarten, bleibt sie zur Unfruchtbarkeit verurteilt, wenn sie sich nicht dazu bequemt, sich mit den benachbarten Parteien zu vereinigen, um mit ihnen zusammen eine regierungsfähige Mehr heit zu bilden." KautSky bringt darauf diese Fragen in Zusammenhang mit der französischen Ministerfrage, erörtert die Frage des Liberalismus in Deutschland und geht dann mit diesem Schluß zu einer Betrachtung der praktisch politischen Aufgaben der Partei über: „Gestaltet sich die Diskutierung aller dieser Fragen zu einer gründlichen und entschiedenen Auseinandersetzung mit dem Revisio- mSmuS, dann verspricht sie ein Mittel zu werden, vorhandene Elemente des Zwiespaltes aufzulösen, neue Elemente desselben fernzuhalten und so den Grund zu einer neuen Aera einträchtigen Schaffens in der Partei zu legen, einträchtigen Schaffens, nach dem sie schon lange verlangt und das die großen Kämpfe, denen sie entgegengeht, not- wendiger machen denn je, dann ist die Zeit, die ihr gewidmet wird, keine verlorene. Freilich wird die Zeit dadurch verkürzt werden für die Erörterung der Frage: Was nun? Welche Aufgaben stellt uns unser Sieg? Aber diese Frage wird nicht schwer zu beantworten sein und bedarf keiner so ausführlichen Diskussion, wenn die Frage der Vicepräsidentschast in den, Sinne erledigt wird, daß wir bleiben, was wir gewesen sind, und unsre Taktik nicht ändern. Wohl hat unser Wahlsieg eine neue Situation geschaffen, aber die Aufgaben, die daraus hervorgehen, werden mehr der Quantität als der Qualität nach neue sein. Unser parlamentarisches Arbeits Programm ist bereits in uiisrem Parteiprogramm enthalten. Ueber die daraus entspringenden Verpflichtungen für unsre Fraktion können höchstens in Details Meinungsverschiedenheiten bestehen. Und auch darüber dürfte man sich leicht einigen, ob die Fraktion auf allen Gebieten die Initiative zu Reformen zu ergreifen hat. Für eine revolutionäre Partei ist der Angriff die natürliche Taktik, und heute, als einzige ernsthafte OppositionS- und daher auch einzige ernsthafte Reformpartei,»nuß die Socialdemokratie mehr als je die Initiative zu politischen und socialen Reformen ergreifen und nicht die Anregungen andrer Parteien abwarten. Die Aussichten auf die Durchbringung von Reformen sind nicht ungünstig. Noch nie zuvor hat der Arbeiter gezeigt, welche Macht er als Wähler zu entfalten vermag, wie sehr alle Parteien von ihm abhängig sind. Aber das gilt fteilich nur, so lange das all- gemeine und gleiche Wahlrecht besteht. Gerade der Umstand jedoch, daß dieses Wahlrecht uns die Möglichkeit giebt, den bürgerlichen Parteien sociale Reformen abzupressen, gerade der mutz ihre Gegnerschaft gegen dies Wahlrecht immer mehr verstärken. Täuschen wir uns darüber nicht. Jede Konzession, die wir für das Proletariat im Reichstage erobern, ist ein Nagel zum Sarge des bestehenden Wahlrechts. Das ist natürlich kein Grund. nicht zu erpressen, was zu erpressen ist; im Gegenteil; je größer die Errungenschaften, die wir für das Proletariat einheimsen, je größer demzufolge die Wut der besitzenden Klassen über das allgemeine Wahlrecht, um so offenkundiger wird sein Wert für die arbeitenden Klassen, um so härter empfinden sie jede Schmälerung desselben als ein ihnen zugefügtes Unrecht, um so tiefer werden sie dadurch aufgewühlt und desto enger werden sie an die Socialdemokratie an- geschlossen. Aber ist eine energische und entschiedene Initiative auf allen Ge- bieten am Platze, so fragt es sich, ob es ratsam ist. sie auch auf dem gefährdeten Gebiet des Wahlrechts selbst anzuwenden, etwa einen Antrag auf Neueinteilung der Wahlkreise einzubringen. Wir müssen uns darüber klar sein, daß wir auf dem Gebiet des Wahlrechts auf keinen Fall eine Verbesserung, sondern nur eine Ver- schlechterung zu erwarten haben, aus demselben Grunde, der auf andren Gebieten die Zeit für Reformen günstig erscheinen läßt: der Furcht vor den Arbeiterwählern. Freilich, diese Furcht ist auch in- sofern ein Schutzmittel des allgemeinen Wahlrechts, als jede der bürgerlichen Parteien zwar das allgemeine Wahlrecht zum Teufel wünscht, aber auch jede sich scheut, das Odium der Initiative zu seiner Abschaffung auf sich zn nehmen. Jede möchte, daß eine andre den Anfang macht. Und nicht jede will das Wahlrecht in gleicher Weise verschlechtert sehen, denn jede will dabei nicht bloß die Social- demokratie einengen, sondern auch das Gebiet ihrer eignen Wähler auf Kosten andrer Parteien erweitern. Diese Furcht vor dem Odium der Initiative und die Schwierig- keit. die großen bürgerlichen Parteien unter einen Hut zu bringen. schützen heilte noch das allgemeine Wahlrecht. Wir reißen diese Schutzwehren selbst nieder, wenn wir die Initiative zu seiner Aen- derung ergreifen. Wir zwingen dann die Gegner, ihre Scheu zu überwinden, aber auch, sich zu einigen. Auf dem Gebiete des Wahlrechts dürste daher die Defensive zu empfehlen sein. Dagegen die Aggressive auf allen andern Gebieten, wie zum Beispiel Normal- Arbeitstag, Koaliftonsrecht, Verkürzung der Militärdienstzeit, Steuerreform, Strafrechtsreform, Zolltarif und Handelsverträge. Die Richtung, in der diese Initiativen sich zu be- wegen haben, ist schon durch unser Programm gegeben und sie haben nur zu wiederholen oder fortzusetzen, was schon die Vorgänger der jetzigen Fraktion geleistet. Die Entscheidung über Wann und Wie muß aber doch dieser vorbehalten bleiben. Darüber braucht sich also wohl keine lange Diskussion zu entspinnen. Aber der Socialdemokratie harren nicht bloß parlamentarische Aufgaben. Die Wurzeln ihrer Kraft liegen im Proletariat, dieses wird jedoch stark nicht bloß durch seinen politischen Einfluß, sondern auch durch seine ökonomische Organisation. Seit jeher, trotz zeit- weiser Friktionen einzelner Stellen, waren Partei und Gewerkschaft aufeinander angewiesen, haben sie einander gefördert. Die kommenden Kämpfe werden diesen inneren Zusammenhalt noch fördern, einen Zusammenhalt, der nichts an Innigkeit verliert durch die äußere Selbständigkeit der beiden Organisationsarten. Die Bourgeoisie haßt die Gewerkschaften nicht minder als die Socialdemokratie, denn sie haßt und muß hassen jede selbständige Organisation des Proletariats. Sollte es gelingen, das allgemeine und gleiche Wahlrecht zu erwürgen, dann geht es auch dem Koalitionsrecht an den Kragen. Die Gewerk- schasten schützen dieses, wenn sie jenes verteidigen. Ist der Wahlkampf die ausgiebigste und vollendetste Form der Propaganda in den proletarischen Massen, so ist die Gewerkschaft die einzige Form, jene Schichten des Proletariats, die überhaupt kämpf- fähig und organisierbar sind, in Masse zu organisieren. Die poli- tischen Organsiationen des Proletariats werden stets nur eine kleine Elite umfassen; Massenorganisationen können nur die Gewerkschaften bilden. Eine socialdemokratische Partei, deren Kerntruppen nicht die Gewerkschafter bilden, hat daher auf Sand gebaut. Die Gewerk- schasten müssen außerhalb der Partei bleiben; das gebietet nicht bloß die Rücksicht auf unsre Vereinsgesetze, sondern auch die Rück- ficht auf die besonderen Aufgaben dieser Organisationen. Aber die Socialdemokrasie hat stets dahin zu trachten, daß die Mitglieder der gewerkschaftlichen Organisationen von socialistischem Geiste erfüllt sind. Die socialisttsche Propaganda unter den Gewerkschaftern hat Hand in Hand zu gehen mit der Propaganda für die Gewerkschaften in der Partei-Agitasion. Besonders wertvoll für Gewerkschaften wie Socialdemokrasie wirkt die Personalunion beider in der Form, daß Vertrauensämter der einen wie der andern in einer Hand vereinigt werden. Es ist keine Frage, daß das Parteileben ein viel weiteres Gebiet eröffnet, als das Leben einer einzelnen Gewerkschaft, daß es den Blick er- weitert und erhebt, während die letztere ihn verengt. Die Be- schränkung auf das Gewerkschastsleben macht den Gewcrkschafts- beamten nur zu leicht borniert und einseitig, wie so manches englische Beispiel deutlich bezeugt. Die Parteithätigkeit bildet ein heilsames Gegengewicht dagegen, sie macht die Thätigkeit des Gewerkschafters in seiner Gewerkichast selbst fruchtbarer und einheitlicher. Nicht zum wenigsten dem ist es zuzuschreiben, wenn die deutschen Gewerkschafts kongresse den englischen intellektuell überlegen sind. Aber auch die Partei zieht Nutzen aus dieser Vereinigung. Das zunehmende Ueberwiegen der Akademiker in den Partei-Aemtern wird oft als ein Uebelstand empfunden; es kann sicher einer werden und den proletarischen Charakter der Partei verdunkeln, wenn es zu große Dimensionen annimmt. Ein genügender Nachwuchs von parlamentarisch, admiisistrasiv, schriftstellerisch geschulten Proletariern ist aber fast nur in den Gewerkschaften zu finden und kann der Partei am ehesten zugeführt werden durch die Personalunion von Gewerkschaft und Partei. Es ist eine der erfreulichsten Erscheinungen des jüngsten Wahlkampfes, daß er eine Reihe von Gewerkschafts beamten teils wieder, teils neu in den Reichstag brachte. Nur wenn Gewerkschaften und Partei Schulter an Schulter stehen, sind sie den schweren Aufgaben gewachsen, die beiden aus der zunehmenden politischen und wirtschaftlichen KrisiS der bürgerlichen Gesellschaft erwachsen. Am offenkundigsten tritt die Gemeinsamkeit der Jntereffen von Partei und Gewerkschaft in der Maifeier zu tage, die der Propagierung der politischen wie der gewerkschaftlichen Ziele des kämpfenden Proletariats gilt uiid die zu ihrer Durchführung in gleicher Weife der Partei wie der Gewerkschaften bedarf. Der Antrag aus Aenderung der Art der Maifeier wird das Theina auch in Dresden zur Debatte bringen. Wir halten den An trag für überflüssig. Aber nicht überflüssig wird seine Diskutierung sein, wenn sie die Solidarität von Partei und Gewerkschaften von neuem bekundet. Aber fteilich, auch da wird nichts Neues gesagt werden können. Auch diese Solidarität ist eine alte Wahrheit und keine neue Taktik wird daraus entspringen."... Partei- f�ackrickteu. Erwiderung. Auf die Erklärung der Genossen EiSner, Wetzker und Schröder erwidere ich folgendes: 1. Die Teilnahme an den Provinzial-Parteikonferenzen steht der Redaktion des„Vorwärts" seit dem Jahre 1882 ftei; die An- nähme, es sei ihr keine Gelegenheit gegeben, an der diesjährigen Parteikonferenz teilzunehmen, ist irrig. 2. Die Behauptung, meine Darstellung des Bebelschen Falles sei„in allen lvesentlichen Punkten falsch" gewesen, ist unzutteffend. Gegenüber einer ähnlichen Behauptung des Genossen Gemisch auf der Konferenz habe ich bereits dort erwidert, daß ich mich auf die wörtliche Wiedergabe der Bebelschen Darstellung in der Leipziger Volkszeisimg" beschränkt habe. 3. Aus dieser Darstellung habe ich den von der Konferenz als zutreffend anerkaunten Schluß gezogen, daß dem Genossen Bebel von der Redattion die Spalten des„Vorwärts" verschlossen sind, eine Thatsache. für die ja auch die Genossen Eisner, Wetzker und Schröder„kein Wort der Entrüstung und der Brandmarkung zu stark gewesen". 4. Daß das Verhalten der Redaktion das„einer revisionistischen Camorra" oder„ein Ausfluß des Revisionismus" sei, habe ich nicht behauptet. Ich habe dargelegt, daß Revisionisten Verttauensstellungen für Genossen verlangen, die an der Socialdemoftatte feindlichen Blättern arbeiten und die MeinungSfteiheit unfreS Partei- Organs Neue Zeit" zu unterbinden gesucht haben, während auf der andren Seite„im vermeintlichen Partei- Interesse" Bebel die Spalten des Vorwärts" in der von ihm geschilderten Art verschlossen sind. 6. Daß Genosse Eisner die Anschauungen der sogenannten Bern- steinianer nicht teilt, war mir bekannt; in der Provinzialkonferenz ist das Gegenteil mit keiner Silbe von mir behauptet. S. Den bereits vom Genossen Gensch auf der Konferenz, jetzt in andrer Form von den Genossen Eisner, Wetzker und Schröder er- hobenen Vorwurf, ich verlangte eine Extrawurst für Bebel, habe ich bereits dort zurückgewiesen. Ich führte etwa aus: Das Recht der Redaktion, eine Erklärung von Parteigenossen zurückzuweisen, habe ich nie anerkannt. Die Preßkommission anzurufen, ist der Genosse nicht verpflichtet. DaS ihm zugefügte Unrecht ist von der formalen Seite, ob er Beschwerde einlegt, völlig unabhängig. Uebrigens teilte ich die von einem Genossen aus der Provinz aus- gesprochene Ansicht, daß ja die R e d a k t i o n die Preßkommissions- Mitglieder hätte beftageu können. Die Frage, ob zu Recht eine Er- klärung zurückgewiesen sei, sei, wenn man ein Recht der Zurück- Weisung der Redaktion zuerkennen wolle, doch allein davon ab- hängig: ob die Genossen, die den„Vorwärts" schufen, dem Genossen Bebel das Recht unterbinden wollten, im„Vorwärts" sich zu äußern. Nirgend sei den Redakteuren das Recht eines Obercensors oder Vor- inundes für Bebel oder andre Genossen, die im Partei-Jnteresse� eine Erklärung abzugeben für erforderlich halten, eingeräumt— abgesehen von strafrechtlichen Bedenken. Arthur Stadthagen. Soweit uns die Erklärung des Genossen Stadthagen verständlich geworden ist. entnehmen wir ihr die Versicherung, daß er nicht be- hauptet haben will, der„Vorwärts" habe aus revisionistischer Tendenz den Genossen Bebel mundtot machen wollen. Auf der Brandenburgischei, Parteikonferenz hat Genosse Stadthagen«ach dem von ihm selbst korrigierten Bericht u. a. geäußert: „Ja, es geht jetzt gar so weit, daß dem Genossen Bebel die Spalten des„Vorwärts" für Erklärungen, die er für nötig hielt, ver- schloffen und feine Einsendungen zurückgesandt wurden. Weit über den Ekel, den ich sonst gegen Dummheiten, die nach dem großen Wahl- kämpf von parteigenössischer Seite aus zum Schaden der Agitation gemacht sind, empfinde, hat mich das erbittert und empört. Unter der Heuchelei des revisionistischen Borwärtsschrcitens oder einer vernreintlichen Wahrnehmung des Partei-Jnteresses sucht man die Meinungsfreiheit in der Partei zu unterdrücken." Mit den, Revisionismus hat er uns also nicht gemeint. Wir konstatieren das. Fällt diese Beschuldigung aber weg, so bleibt lediglich eine einfache Meinungsverschiedenheit über die Aufnahme einer persönlichen Erklärung übrig. Und mag man die Aufnahme der Erklärungen für zweckmäßig oder unzweckmäßig halten, Anlaß zu einer aufgeregten Empörung wäre auch dann nicht gegeben, wenn jemand der Meinuilg sein sollte, es wäre besser gewesen, die Ein- sendungen Bebels aufzunehmen. Stadthagen verttitt allerdings unter Nr. ü die Ansicht, daß die Redaktion verpflichtet sei, unterschriebene Einsendungen von Partei- genossen unbesehen aufzunehmen. Für niemand wäre die Auf- stellung eines solchen Grundsatzes angenehmer wie für die Redaktion, die damit von ihrer peinlichsten Aufgabe befreit würde, tagtäglich durch Zurückweisung von Einsendungen andren und sich Aergcr zu bereiten. Da aber ein solcher Grundsatz zu den tollsten Konsequenzen führen würde, so wird, so fürchten wir, Stadthagcns Auffasiung niemals Rechtens werden, und die Redaktion wird auch künftig mit dem ehrenvollen, aber verdrießlichen Amt be- haftet bleiben,„Vormund" für alle Einsendungen zu sein. Wird aber Stadthagens Meinung über das„unbedingte Rechr auf Erklärungen" nicht anerkannt, so bleibt eben die Redaktton verpflichtet, jede Einsendung fach- lich zu prüfen, und sie würde geradezu gewissenlos handeln, wenn sie für diese Prüfung Rücksichten auf die Person entscheidend sein lasten wollte. DaS unter Nr. 1 behauptete Recht der Redaktion auf Vertretung in der Brandcnburgifchen Provinzialkonferenz war uns bisher un- bekannt. Der Parteitag der pfälzischen Socialdemokratie, der am Sonnabend uitd Sonntag in Speyer tagte, beschloß, das pfälzische Partei-Organ, die„Pfälzische Post", die seit 1835 in der Druckerei der Mannheimer.Volksstimme" hergestellt wird, vom 1. Juli 1305 ab in eigner Druckerei, die in Ludwigshafen errichtet werden soll, herzustellen. Die„Pfälzische Post", die jetzt einen Abonnentenstand von 10 500 hat, erhöhte ihre Abonnentenzahl im abgelaufenen Jahre uin über 4000. An Gerichtskosten hatte das Blatt 352 M. zu bezahlen. Eine Reihe ko'sipieliger Prozesse sind noch in der Schwebe, fo daß das Blatt das nächste Jahre für diesen Posten schon einen höheren Betrag wird einsetzen müssen. Der ThätigkeitSbericht des Gauvorstandes konnte mit Genug- thuung konstatieren, daß es den pfälzischen Parteigenossen im Gegen- satze zu den beiden letzten Wahlen gelang, die Agitatton aus eignem zu führen und nicht bloß auf einen Zuschuß aus der Parteikasie zu verzichten, sondern an dieselbe noch 400 M. abzuführen. Die Ein» nahmen beftugen. einschließlich eines übernommenen Kasfen- bestandes von 1257 M., 8642 M., denen Ausgaben von 8010 M. gegenüberstehen. Die Zahl der Organisasionen stieg von 51 auf 61 und deren Mitgliederzahl von 3570 auf 4776. Die Mitgliederzahl der Organifation in Ludwigshafen stieg allein von 700 auf über 1300. Neue Organisationen wurden in zehn Orten ins Leben gerufen.— In der Diskussion wurde eine Reihe von Anträgen, die sich mit der Landagitatton befaßten, dem Gauvorstande zur Berücksichttgung überwiesen. Eine lebhafte Diskussion rief das Referat deS Reichstags- Abgeordneten Ehrhart über„die Revision der pfälzischen Gemeinde-Verfassung" hervor. Genosse Ehrhart trat für Reform der pfälzischen Gemeinde- Ordnung ein. Die pfälzische Gemeinde- Ordnung kennt nur das E i n k a m m e r- S y st e m in seiner Verwaltung, belastet aber dafür die Städte gegenüber dem Lande in ungebührlicher Weise, was bei den bayrischen Städten mit Magistratsverfassung(Zweikammer-System) nicht zutrifft. Die Parteigenofscn waren sich mit den, Referenten darin einig. daß die pfälzische Gemeinde-Ordnung revisionsbedürftig sei, nur konnten sie sich mit dem bayrischen System nicht be- fteundcn. Ehrhart schlug eine Resolution vor, deren wesentlichster Teil lautet: „Der Gautag ersucht seine Vertteter in Staat und Gemeinde, dahin thätig zu sein, daß die pfälzische Gemeinde-Ordnung unter Wahr il ng der seitherigen Rechte einer zeitgemäßen Reform unterzogen wird. daß besonders für die größeren Städte die Rechte der Bürgermeister auch auf den Gemeinde- rat übertragen werden, daß die Zahl der Gemeinde- vertteter erhöht, daß die größeren Gemeinden von den Distrikts- behörden unabhängig gemacht werden, daß den Städten eine ihren Leistungen entsprechende Vertretung im Landtag gewährt wird. Der Gamag hält im weiteren eine Reform der Gemeindesteuern im Hm- blick auf die derzeisige Uebcrlastung für dringend geboten." Nach eingehender Debatte wurde diese Resolution fast ein, stimmig angenommen. Zum Schluß beschäftigte die Vicepräsidenten-Frage auch noch den Parteitag. Der Parteitag schloß sich der Auffassung an, daß der deutsche Parteitag seine Zeit besser verwenden könne, als sie mit dieser Frage zu vergeuden. Trotzdem hielt man eS nicht angängig, diese Frage totzuschweigen; scharf wandten sich verschiedene Redner gegen Bernstein. Den Delegierten wurde empfohlen, für die Annahme des Antrages 108 zum deutschen Parteitag deS vierten hannoverschen Wahlkreises cinzutteten. Vertteten waren auf diesem Parteitag 50 Organisationen mit 84 Delegierten. Der Wahlkrawall in Laurahtttte. B e u t h e n O.- S.. 9. September. (Privatdepeschen des„Vorwärts".) ...®.ie Vormittagssitzung beginnt mit der Vernehmung des 14jahrigen inhaftierten Handlangers Wosnitza. Er sagt aus: Ich war im Hofe, als Feuer geblasen wurde; ich glaubte, daß Feuer sei und ging der Wehr nach. Er beschuldigt Kubik und den er- schossenen Trafalczyk deS Steinwerfens, bestreitet aber, selbst geworfen zu haben. Der inhaftierte 17jährige Wagenstoßer Ochmann soll seinem Grubensteiger am Tage nach den Krawallen zugestanden haben, er habe Steine geworfen. Er erklärt: Ich habe gesagt, daß ich da war, nicht daß ich Steine geworfen habe. Gleichzeisig soll Ochmann gegenüber dem Grubensteiger den 17jährigen Wagenstoßer KäpiaS und den 17jähriaen Fabrikarbeiter Priettek, beide inhaftiert, bezichtigt haben. Beide bestreiten ihre Schuld. KapiaS erzählt: Ich hörte. nach der Versammlung hätten sich die Leute erhoben. Vorsitzender: Einen Aufftand gemacht! Kapias: Ja. So gaben die jungen Burschen die schwerwiegendsten Antworten. ohne ihre Tragweite auch nur zu ahnen. Sie werden mit Fragen überschüttet, antworten widerspruchsvoll, in zehn Minuten oft dreimal gegenteilig. Entschlüpft ihnen dann ein verhängnisvolles„Ja", so werden daraus weitgehende Konsequenzen gezogen, welche die Ant- wort unter Berücksichtigung der Verstandesreife der Angeklagten gar nicht gehabt haben. Bei Aufklärung von Widersprüchen und Feststellung ein« unlogischen Verteidigung wird den Jungen eine ledankenreife zugesprochen, die sie gar nicht haben. Hört man den Vorsitzenden argumentieren, so glaubt nran, erwachsene Männer würden vernommen. Uebersetzer verschlimmert, wo er eingreifen muß. die Sisiiation durch mangelhafte Uebersetznng. Mitunter denkt man, der Dolmetscher wäre Vorsitzender. Der Dolmetscher sprach heute den zwanzigjährigen Wowrosch mit Du an. Linie Der 15jährige Muffelmacher Pohl foll foll am Tage nach[ richter hier gesagt, Du würdest eingesperrt werden, wenn Die städtischen Arbeiter Berlins haben in ihrer legten Ber dem Krawal dem Hüttenarbeiter Warzecha erzählt haben, Du das nicht aussagst? Wozniza: Nein. Vorsitzender: fammlung eine für die zukünftige Entwicklung ihres Verbandes un er habe auf Aufforderung mit Steinen geworfen. Pohl Na also. Rechtsanwalt Adamczenski: Woznitza hat aber gemein wichtige Aenderung beschlossen: den Zusammenschluß der bestreitet das. Er ist mit Warzecha böse und vermutet deshalb einen eben gesagt, daß er zweimal vernommen worden ist, das eine Mal in jetzigen 23 Filialen zu einer Filiale Groß- Berlin. Die bis Racheaft. Der Vater Pohls hat wegen Mißhandlung desselben gegen der Behausung seines Vaters. Vorsitzender: Hat derselbe Unter- herigen Filialen bilden nunmehr Sektionen, die unter der Warzecha Strafantrag gestellt. Der Verteidiger Adamczenski stellt suchungsrichter Dich schon vorher in Laurahütte vernommen? Woznitza: Leitung von fog. Sektionsführern stehen. Sie sind ein Träger den Antrag auf Vernehmung von Beugen, welche Drohungen War- Nein, es war ein andrer. Vorsitzender: Weshalb hast Du aber der Filialorganisation und bilden sich auf der natürlichen zechas gegenüber Bohl gehört haben, als der Strafantrag gegen ihn auch hier gesagt, Korfanth hätte gerufen? Wozniza: Aus Grundlage der Betriebs organisation. In erster gestellt war. Angst! Borsitzender: Du hast also dem Untersuchungs- haben sich die Sektionen die Pflege der specielleren Bes Der vierzehnjährige Arbeiter Budny soll dem Schulknaben richter ganz bewußt was vorgelogen, um nicht eingesperrt zu rufsund Brancheninteressen angelegen sein zu laffen. Kubik erzählt haben, daß er Steine gegen die Polizisten geworfen werden? Wozniza: Ja! Vorsitzender: Bist Du zur Unterstützung der Sektionskassierer werden Beitragshabe. Budny erklärt: Ich habe nicht geworfen; ich habe im Hofe schon vorher in derselben Sache vernommen worden? Wozniza: fammler gewählt, die allwöchentlich die Beiträge von den Mitgestanden und meine Mutter hat mich ins Haus hineingerufen. Ja, in Laarahütte. Da fragte er mich, ob ich gehört hätte, daß gliedern einziehen und monatlich an den Kassierer abführen. Ein Rubik hat mich aus Rache angezeigt. Schriftfeher Wick, Redakteur Korfanty gerufen hätte. Da sagte ich, ich ich habe nichts jeder Sammler erhält durchschnittlich nicht mehr als 20 Mitglieder. des„ Gornoslazak", giebt zu, Hoch Korfanth" gerufen zu haben. gehört, und δα fagte cr mir, wenn ich die Wahr- Alle 3-5 Wochen finden die Sektionsversammlungen statt. Die GeNachher hat er einigen Personen zugerufen: Bolen macht die Mäuler heit nicht fage, werde ich eingesperrt werden. Vorsitzender: schäfte der Filiale selbst leitet ein Vorstand, bestehend aus sieben Ihm zur auf, denn ihr habt nach Ballestrem Mäuler; ruft Hoch Korfanth, Wer war dabei?- Woznika: Der Gendarm Scholz. Rechts- Personen. Seite steht die erweiterte Vernieder mit dem Centrum!" anwalt Rozanski: War die Mutter Woznizas dabei? Bor- waltung, welche sich aus den Sektionsführern zusammen Der mit Zuchthaus vorbestrafte Bergmann Schulz soll auf eine figender: Wobei? Rechtsanwalt Rozansti: Bei dieser Ver- setzt. Den gemeinsamen Beschlüssen des Vorstandes und der Sprize hinaufgeklettert sein, an einen Schlauch gezerrt und gerufen nehmung. Vorsitzender: Bei welcher? Rechtsantvalt Rozansti: erweiterten Verwaltung unterliegen alle vorbereitenden Maßnahmen haben:" Donnerwetter, gebt ein Messer her, der Schlauch muß zer- Wo Scholz anwesend war. Borfizender: Das war doch eine von größerer Bedeutung, desgleichen auch die Ausführung besonders schnitten werden!" Schulz bestreitet das. Beim Feuerlärm ganz unverantwortliche Vernehmung. Rechtsanwalt Rozansti: wichtiger Beschlüsse der Mitgliederversammlungen. Alle 5 Wochen fragte er einen Wehrmann, wo es brenne und erhielt die Antwort: Es ist erheblich, festzustellen, wie Angeklagte durch solche Einflüsse finden solche statt. Mit diesem System ist ein Zustand geschaffen, " Bei Ludwig". Da ging er hin. Die Leute sagten, der Pfarrer zu Bezichtigungen gebracht werden.- Wozniza: Der Unter der ein gleichmäßiges und gemeinsames Arbeiten sowohl bezüglich wollte nicht mehr in der Kirche, sondern bei Ludwig predigen. suchungsrichter war aus Siemianowiß. Rechtsanwalt Ro- der inneren Organisation als auch der programmatischen Forderungen Kutscher Kubik soll einen Sprigentessel eingeschlagen haben. zansti: Das kann nur der Amtsvorsteher gewesen sein. voraussetzt. Kubik bestreitet das. Er kam zurück, als er den Feuerlärm hörte. Staatsanwalt: Nachdem die Bezichtigung zurüd= Rechtsanwalt Herrnstadt: Sind viele Leute zu Ludwig gelaufen, genommen, ist es nicht mehr nötig, den Vor- Für die streikenden und ausgesperrten Weber in Crimmitschau als der Feuerlärm erscholl? Kubik: Ja, es wurde gerufen: Feuer, fall festzustellen. Rechtsanwalt Adamczenski: Ich bean gingen bei der Berliner Gewerkschaftstommission folgende Feuer! trage die Entlassung Korfantys aus der Unterſtügungsbeiträge ein: Verband der Buchdrucker, Bert. Berlin 1000,-. Grubenarbeiter Lehnert soll den Sprizenwagen mit Steinen be- untersuchungshaft. Vorsitzender: Aber bitte, Deutscher Metallarbeiter- Berband, Berw. Berlin 500,-. Verband der Bildtoorfen haben. Er bestreitet es. Ich stand die ganze Zeit vor der do ch jegt feine Anträge, jezt wollen wir ber- hauer, Verw. Berlin 150,- Verband der Maler, Berw. Berlin 50.Verband der Brauerei- Arbeiter, Fil. Berlin II 100,-. Berein der DroschtenHausthür; ich sah die Sprize, sonst weiß ich nichts. handeln, wir behalten uns Beschluß vor. Die meisten tutscher Berlins 50,-. Organisierte Hutmacher 100,-. Apotheke" Zum übrigen Angeklagten bestreiten ihre Schuld. Der Vorsitzende be- goldenen Adler" 10,-. Bon den„ Glenden aus der Neuen Königstraße" 7. absichtigt, die Vernehmung der Angeklagten heute zu beendigen. Der 20jährige Fabrikschmied Kozlik soll in der Menge gewesen fein, welche vor dem Hüttenamte die Beamten nach dem Schießen bewarf. Kozlit erflärt, hingegangen zu fein aus Neugierde. Dann wollte er den Trafalczyk sehen, die Leiche. Als die Menge floh, fiel er und wurde dann von Beamten festgestellt. Aus Induftrie und Handel. 9 Förderung des Kohlensyndikats. Die Rheinisch- Westfälische Beitung" meldet vom Kohlensyndikat: Im August des Jahres 1903 ist bei einer in Aussicht genommenen Förderungseinschränkung von 18 Prozent die Förderung gegen die Beteiligung um 16,03 Prozent ( gegen 16,48 im Vormonat und 20,54 Prozent im gleichen Wenat des Vorjahres) zurückgeblieben. Die rechnungsmäßige Beteiligung beträgt bei 26( 27 resp. 26) Arbeitstagen 5 551 410 Tonnen( gegen eine Förderung von 4 661 326 Tonnen( 4 814 721 Tonnen resp. 5 764 918 Tonnen resp. 5 210 216 Tonnen). Gegenüber stand 4 139 971). Arbeiterfrage in Transvaal. Die Minenmagnaten agitieren noch immer nach Kräften für die Einführung chinesischer Kulis in die Goldminendistrikte. In einer Mitteilung an die Arbeitskommission schäzt die Minenkammer die auf die Dauer zur Verfügung stehende Anzahl eingeborener Arbeiter auf 235 600, während der gegenwärtige Bedarf 350 700 betrage. Der jährliche Dividendenverlust der Minenindustrie wird auf 2 925 000 Pfund Sterling geschätzt. Die Kammer kommt zu dem Schlusse, daß die einzige Lösung darin bestehe, die Einführung brauchbarer ungelernter Arbeiter zu gestatten. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Lohnbewegung der Gürtler. " Tischlerei Wusterbarth u. Sohn 10,-. Buchbinder vom Wedding 10,-. Arbeiter u. Arbeiterinnen des Vorwärts", Abt. Buchbinderei 5,-. Buchdruckerei Aug. Scherl„ Der Tag" 6,- Von Buchbindern der Firma Georg Klemm 10,-. Personal von dem Verein der Kunstfreunde 3,85. Tischler der Werkstatt Hellmund u. Co. 5,-. Machetes 5,-... 26,-, davon 16 M. Honorar. H. Schlesinger 10,-. Acht Hilfsarbeiter der Firma und Bersonal der Firma Wolf u. Keller 16,15. Möbelfabrik Wöhler u. Singer u. Co., Wert- Abt. 5,- Tischler von Pribbenow 5,-. Schwab 15,-. Arbeiter der Firma Fleischmann u. Co. 20,- Verband der Lederarbeiter, Berlin 2, Lohgerber u. Lederzurichter 50,-. Busammen 2169,- M. Weitere Beträge werden gern entgegengenommen. Arbeiter Gelder welche mit der Post eingesandt werden, find an A. Körsten, Engelufer 15, zu adressieren. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftstommission. Deutfches Reich. " Der Ausstand in Crimmitschau soll nach dem Willen der Fabrifanten vorläufig noch nicht beendet werden. Die Crimmitschauer Ortsgruppe des Arbeitgeberverbandes hat eine von starrer Unnachgiebigkeit diftierte Erklärung beröffentlicht, worin gesagt wird: Ein Nachgeben der Arbeitgeber ist absolut ausgeschlossen; wir find ausnahmslos durch die Höhe unsrer Löhne und die Kürze unsrer Arbeitszeit allen unsren Konkurrenzstädten gegenüber schon weit im Nachteil und werden lieber unsre Betriebe ganz geschlossen halten, als uns durch das Vorgehen unverständiger Elemente vollkommen konkurrenzunfähig machen lassen." Betont wird ferner, daß auch nach Beendigung des Streits feine der Webereien in der Lage sei, den Betrieb wieder voll aufzunehmen, und daß besonders die Weber bei weitem nicht alle wieder eingestellt werden können. Privatschreiber Sollit foll, als auf die Menge gespritzt wurde, dem Wehrmann May das Spritzen verboten haben; dabei sei Way von vier Männern überwältigt worden. Sollik erklärt: In der Versammlung war ich. Vor dem Lokal waren 3000 Menschen. Durch die Hinterthür ging ich in den Saal. Vier bewaffnete Beamte standen in Schuppenketten da. Jch stieg auf den Stuhl und winkte den Leuten, sie sollten doch den Schwieder( Pfarrer) aussprechen laffen. Gendarm Becker löfte die Versammlung auf. Jch ging an Becker heran und batum die Erlaubnis zu sprechen, um die Leute zu beruhigen. Becker jagte, die Versammlung wäre aufgelöst, ich solle nach Hause gehen. Ich ging ins Gaftzimmer, dann in die Schänke, das kann der Gastwirt Ludwig bezeugen. Vorsitzender: Erzählen Sie jetzt; die Beweise nachher. Sollit: Ich muß doch eins zum andern aussagen. Ich ging hinaus und fah eben, wie ein Behrmann das Mundstück des Sprißenschlauchs auf die Straße dirigierte, daß keiner durchgehen fonnte. Da sagte ich zum Wehrmann: Sie sollten doch so vernünftig fein, die Leute in ihren neuen Sachen nicht zu begießen und da bin ich durch den Strahl verletzt worden. Vorsitzender: Sie sollen sich mit vereinten Kräften der Sprize bemächtigt haben. Sollit: Nein, ich war ganz allein. Vorsitzender: Sind Sie bei Pfarrer Schwieder gewesen? Sollit: Ja, auf dem Rückwege von den Aerzten, um mit ihm Rüdsprache zu nehmen. Vorsitzender: Waren Sie allein beim Pfarrer? Sollif: Mit meiner Frau. Vorsitzender: Weshalb hat Mah gefprigt? Sollit: Um das Volk auseinander zu treiben. Vorsitzender: Was sagten Sie zu May? Sollit: Er foll Das ist die alte Geschichte. Die Fabrikanten stellen sich als die die Leute nicht begießen, fie wollten ja nach Hause gehen. Ich hatte unschuldigen Lämmlein hin, die in ihrer Existenz durch das Vorschon vorher erfahren, daß die Sprigen schon vorher gehen unverständiger Elemente" bedroht werden. Es muß dem bereit gehalten waren; schon zur Wahl vom gegenüber immer wieder betont werden, daß die unverständigen 16. Juni. Das sagten alle. Die Sprigen waren Die Versammlung der Gürtler sämtlicher Branchen, die am Elemente", welche den Kampf in seiner gegenwärtigen Ausdehnung borbereitet, um schon mit dieser Nachricht das Dienstag, wie bereits mitgeteilt wurde, den Beschluß faßte, in die herbeigeführt haben, nicht unter den Arbeitern zu suche it Boll zu heben und zu reizen. Borfigender: Worauf beruht Lohnbewegung einzutreten, war so zahlreich besucht, daß der große find. Die Fabrikanten find es, die etwa 7000 Arbeiter und diese Annahme; wer hat das beabsichtigt? Sollit: Die Behörde, Saal des Gewerkschaftshauses, trotzdem die Tische entfernt wurden, Arbeiterinnen ausgesperrt und dadurch erst den Kampf entfacht haben. der Amtsvorsteher. Vorsitzender: Worauf beruht das? Sollit: Darauf, die Maffe faum zu fassen vermochte. Der Referent Cohen zeigte Inzwischen fährt die Polizei fort, nach bekanntem Muster das an daß diese Vorbereitungen gewesen sind, um vielleicht einen Krawall auf Grund statistischer Erhebungen, wie notwendig es für die Gürtler sich erlaubte Streitpostenstehen durch Verordnungen im Intereſſe zu verursachen; der Auflauf und der ganze Krach wäre nicht gewesen, ist, der fortdauernden Verschlechterung ihrer Lohn- und Arbeits- der Verkehrssicherheit" unmöglich zu machen. Die Lohnkommission wenn die Feuerwehr nicht gekommen wäre. Ich berufe mich auf verhältnisse energisch entgegenzutreten. Die Erhebungen erstrecken der Tertilarbeiter hat sich deshalb nochmals an den sächsischen das Zeugnis Vorsitzender: Sie haben alfo gewußt, daß Bor- fich auf 82 Wertstätten mit 1747 männlichen Arbeitern, wovon 1818 Minister des Innern gewandt und ihn ersucht, dafür zu sorgen, daß bereitungen getroffen waren, die Feuerwehr zur Unterstützung der bem Metallarbeiter- Verband, 48 der Hirsch- Dunderschen, 36 andern die Behörden der Ausübung des Rechts, Streitposten zu stehen, feine Polizei zuzuziehen? Sollit: Ja, das ist aber... Bor- Organisationen angehören. Der Metallarbeiter Verband kann fich Hindernisse bereiten. figender: Lassen Sie diese Ausführungen!- Rechtsanwalt Ro- also mit vollem Recht als die maßgebende Vertretung der Berliner In Kottbus wird, wie die„ Märt. Boltsst." mitteilt, in mehreren zanski: Jch bitte, Sollit zu befragen, was der Schaffer Bednarek Gürtler bezeichnen. Die Verhältnisse in jenen 82 Werkstätten find Fabriken Streifarbeit für Crimmitschau angefertigt. In andren zum Amtsvorsteher gefagt hat. Sollit: Bednaret war als Vorgesetzter typisch für die Lage im ganzen Gürtlergewerbe in Berlin. In 16 Orten suchen die Fabrikanten Konflitte mit den Arbeitern wegen der Feuerwehr zum Ausrücken kommandiert; da fragte er den Amts- der 82 Werkstätten besteht noch eine regelmäßige Arbeitszeit von über Anfertigung von Streitarbeit zu vermeiden. So ist in Werdau die borsteher, wo hier Feuer sei. Gießen!" war die Antwort. 9 Stunden, in 59 wird 9 Stunden, in den übrigen 88 und Annahme aufgetaucht, daß Streifarbeit untergeschoben werde. Um Bednaret sagte, wenn wir das Volt hier begießen, so reizen wir die 8 Stunden täglich gearbeitet. Für Ueberzeitarbeit wird in 68 Be- einer Arbeitseinstellung vorzubeugen, hat der Vorsitzende des bor Leute und wissen nicht, was daraus werden kann. Der Amts- trieben fein Zuschlag bezahlt, in den übrigen teils 10, teils 25 Broz. tigen Industrievereins mit der Zeitung des Textilarbeiter- Berbandes vorsteher sagte: Ganz gleich; gießen!" Die Löhne sind außerordentlich verschieden, zum großen Teil durch folgendes Abkommen getroffen: Beide Parteien beauftragen je einen Notar damit, bei den be Rechtswalt Rozansti beantragt die Ladung Bednarets. Rechts- aus unzureichend. Die höchsten Stundenlöhne in den verschiedenen anwalt Seyda: Ich bemerke, daß ich die Ladung Bednarets Betrieben schwanken zwischen 71 und 40 Pf. Jn 13 Betrieben er- treffenden Firmen, bei denen man Streitarbeit für Crimmitschauer schon beantragt habe. Staatsanwalt: Ich bitte festzustellen, mit welchent halten 120 Kollegen den Höchstlohn von 50 Bf, in 22 Betrieben Fabrikanten vermutet, die Geschäftsbücher zu kontrollieren, um feſtThema. Rechtsanwalt Herrnstadt: hat 33 Das Rechtsanwalt wird an 83 Kollegen der Höchstlohn von 55 Pf. gezahlt. Als zustellen, ob die betreffende Firma Streifarbeit während der Dauer Seyda schon angegeben. Staatsanwalt: Mit Ihnen, Mit Ihnen, Herr niedrigste Stundenlöhne werden 50 Pf. bis hinunter zu 25 Pf. der Crimmitschauer Bewegung angefertigt habe bezw. noch anfertige Verteidiger, spreche ich nicht, sondern mit dem Vorsitzenden. gezahlt. In 14 Betrieben erhalten 91 Kollegen den Mindestlohn oder nicht. Mit der von beiden Notaren gegebenen Auskunft geben Herrnstadt: Rozanstis Antrag hat den Zweck, die Ansichten von 50 Pf., in 12 Betrieben 47 Kollegen 35 Bf. Die höchsten Accord- sich die Arbeiter zufrieden." Bednarets über diese Folgen zu hören. Vorsitzender: Die sind verdienste schwanken zwischen 54 und 24 M. pro Woche, die niedrigsten doch für das Gericht nicht maßgebend. Rozanski: Jeden zwischen 36 und 12 M. 20 Kollegen verdienen bei Accordarbeit nur falls haben die Vorgänge den Ansichten recht gegeben. Seyda: 18 M. pro Woche. Neben diesen teils ganz erbärmlichen Löhnen des Zuzuges, da die dortigen Unternehmer beabsichtigen, den im Sollit ist verhaftet worden anscheinend auf Grund der haben die meisten Gürtler noch eine lange Zeit der Arbeitslosigkeit vorigen Jahr abgeschlossenen Tarif zu durchbrechen. unrechtmäßigen Beschlagnahme des Journals des Arztes zu überstehen, so daß ihr Jahresverdienst noch weit geringer entsprechen würde. Steslicki. In den Aften ist fein Vermerk, daß Sollit ift den Arzt von der Amtsverschwiegenheit entbunden hat. Ich Nur 3 bis 8 Monate im Jahr ist in der Regel flott bor worden. " als es den 3 Löhnen angeführten -Die Steinseher in Stargard i. Bomm. ersuchen um Fernhaltung frage, mit welcher Begründung ihm die Aufgabe ſeines Rechts nabe- au thun, bber gitatione a Better Beferent brachte Letzte Nachrichten und Depefchen. gelegt worden ist! Staatsanwalt: Die Frage, was im Vor- folgende von der Agitationskommission und den Vertrauensleuten der Frankfurt a. M., 9. September.( B. S.) Aus Sidney wird verfahren geschehen ist, gehört nicht hierher, zumal das Krankenbuch Gürtler aufgestellten Forderungen in Vorschlag: nicht als Beweisstück dient. Uebrigens ist Sollit vor der Beschlag- dürfen nur im äußersten Notfall gemacht werden und müssen mit der Arbeiterpartei über Einigungsämter und gewerbliche Schieds1. Die tägliche Arbeitszeit beträgt 9 Stunden. Ueberstunden berichtet: Das Repräsentantenhaus hat den Gesezentwurf der nahme verhaftet Senda: Es wird anscheinend Vor 25 Proz. Aufschlag bezahlt werden. Sie sind erst dann zulässig, gerichte, der die Vorschriften auf die Eisenbahner der Einzelstaaten Wert darauf gelegt, wie diese Angeklagten in der Platz untersuchung aussagten, da muß festgestellt werden, in welcher wenn für weitere Arbeitskräfte kein Blas mehr ist. 2. Der ausdehnt, gegen den Widerspruch der Regierung angenommen. Wien, 9. September.( W. T. B.) Wie der Neuen Freien Weise die Voruntersuchung geführt worden ist. Ich beantrage Gerichts- Mindestberdienst beträgt pro Stunde 50 Bf., gleichviel ob im beschluß über Zulassung der Frage. Der Vorsigeude lehnt die Frage Lohn oder Accord gearbeitet wird. Bei Arbeiten außer dem Hause Presse" aus Belgrad gemeldet wird, wurde heute der frühere Leibarzt wird ein Zuschlag von 10 Pf. pro Stunde bezahlt. 3. Entlassungen des Königs Alexander Dr. Welitschkowitsch verhaftet. Die in Nisch ab, Beschluß wird vorbehalten. Einer der nächsten Angeklagten ist Joseph Korfanty, der Vater wegen Mangel an Arbeit dürfen erst dann vorgenommen werden, verhafteten Offiziere wurden in die Festung übergeführt. Basel, 9. September.( W. T. B.) Die Arbeiter- Schußkommission des Abgeordneten. Der ruhige, sympathisch aussehende alte Berg- wenn bei einer Verkürzung der Arbeitszeit auf 6 Stunden nicht invalide soll die Leute bei der Befreiung des Arrestanten mehr für alle Arbeiter genügend Beschäftigung ist.- 4. Ueberall, nahm in der Frage des Verbotes der Frauen- Nachtarbeit einen wo bessere als die oben bezeichneten Arbeitsbedingungen bestehen, Beschlußantrag Millerand- Berlepsch an, das Bureau der Internationalen Ludwig aufgemuntert haben. Auch am Hüttenplay soll er gerufen haben:" Polen, laßt Euch nicht!" Korfanty dürfen Verschlechterungen unter feinen Umständen vorgenommen werden. Vereinigung für gefeßlichen Arbeiterschutz solle den schweizerischen bestreitet das. Er tritt Beweis an, daß er fofort nach Auflösung der 5. Es ist darauf zu achten, daß Waschgelegenheit in genügendem Bundesrat ersuchen, eine internationale Regierungskonferenz einzuVersammlung erst zu Bekannten und dann nach Hause gegangen Maße vorhanden ist.- 6. Die Forderungen treten mit dem Tage der berufen. Wegen befferen Schutzes der in gesundheitsschädlichen Inist. Korfanty soll belastet sein durch Bezichtigungen des Bewilligung in Kraft und gelten zunächst bis zum 1. September duftrien beschäftigten Arbeiter wurde eine Resolution angenommen, bierzehnjährigen mitangeklagten Woznizza. Rechtsanwalt Adam- 1905. 8. Sollte von keiner Seite mindestens vier Wochen vor Ab- welche den Abschluß eines internationalen Vertrages betreffend ein czenski: Woznika hat seine Bezichtigung zurückgenommen; er lauf des Vertrages eine Kündigung erfolgen, so läuft der Vertrag Verbot der Verwendung weißen Phosphors in der Zündwarenhat bor Zeugen behauptet, seine Bezichtigung wäre unwahr ge- ein Jahr weiter.- 8. Maßregelungen aus Anlaß der Durchführung Industrie verlangt. dieser Forderungen dürfen unter keinen Umständen stattfinden. Basel, 9. September.( W. T. B.) Die von der Inters Diese Forderungen wurden von der Versammlung einstimmig nationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz eingesetzte Vorsitzender zu Wozniza: Haben Sie Korfanty gesehen? Woznika: Bei Ludwig. Vorsitzender: Was hat der Korfanty gefagt? Wozniga: Nichts gutgeheißen und gleichzeitig wurde beschlossen, fie in der bereits gestern Kommission versammelte sich hier heute nachmittag. hat er gesagt. Der Untersuchungsrichter hat mitgeteilten Weise durchzuführen. In der sehr lebhaften Debatte wurden waren 30 Delegierte, darunter Regierungsvertreter der Regierungen mir gesagt, daß, wenn ich das nicht sage, ich ein- die anwesenden Mitglieder der Hirsch- Dunckerschen Organisation Destreichs, Belgiens, Frankreichs, Italiens, Luxemburgs, der Niedergesperrt werde; ich habe aus Angst ja gefagt, mehrmals aufgefordert, sich fiber ihre Stellung zur Lohnbewegung lande und der Schweiz. Nach der Begrüßung durch die RegierungsSamit ich nicht eingesperrt werde. Vorsitzender: Was hasi zu äußern. Aber keiner von ihnen meldete sich zum Wort. Es räte von Steiger Bern und Wullschleger- Basel berichtete der Du da ausgefagt? Woznika: Nein, ich habe zuerst gesagt nein. wurde ihnen von Cohen und andern Rednern deutlich zu erkennen Generalsekretär der Vereinigung Prof. Dr. Stephan Bauer einDer Untersuchungsrichter fagte, ob ich die Worte von Korfanth, gegeben, daß die im Metallarbeiter Verband organisierten Gürtler start leitend über die Frage des Verbots der Verwendung von weißem Phosphor in der Zündwarenindustrie. Bolen laßt Euch nicht", nicht gehört hätte; ich würde ein genug sind, um auf ihre Mithilfe verzichten zu können. gesperrt würde. wesen. werden, wenn ich das nicht sagen Vorsitzender: War das in Beuthen? Wozniha: Achtung, Bademeister! Infolge Maßregelung zweier Kollegen ist Nein, zu Hause. Vorsitzender: Das stimmt ja gar nicht; die Bade- Anstalt Chauffeeftr. 81, Inh. Benster, für Bademeister geDu bist ja nur in Beuthen vernommen worden. Woznika: Aber sperrt. Kein Kollege darf dort Arbeit nehmen. auch zu Hause in Laurahütte. Vorsitzender: Am 17. Juli? Wozniza: Ja. Vorsitzender: Hat Dir der Untersuchungs- b Verband des Massage, Bade- und Krankenpflege- Personals Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. M Anwesend Paris, 9. September.( B. H.) Der Gaulois" verlangt von dem zuständigen Minister die Ausweisung des belgischen Socialisten führers Vandervelde aus Tréquier, wo er eine socialistische Rede gehalten hat. In derselben fagte er, die französische Demokratie habe das Königtum vertrieben und sei jetzt damit beschäftigt, den Priestern und Soldaten dasselbe Schicksal zu bereiten. Berantwortl. Redakteur: Julius Kalisti in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th.Glocke in Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsblatt 8,811.»mw» KtilM i>ks Joraärl!)" Sttlintt JolWlirtt. yürtripoffrnjiib■ Kirchliches. Ein Streit zwischen dem Prediger Hagenau an der Kaiser Friedrich-Gedächwiskirche und dem dort ebenfalls angestellten Kirchendiener Theodor Mathes hat gegen den letzteren eine Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung und verleumderischer Beleidigung gezeitigt, welche gestern vor der dritten Ferien-Straf- kammer des Landgerichts I zur Verhandlung gelangte.„Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Leuschner, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Schönian. Der Beleidigte, Pastor Hagenau, war als Nebenkläger zugelassen, ihm stand Rechtsanwalt Marwitz als Rechts- beistand zur Seite. Der Angeklagte, ein 58jähriger. mit dem eisernen Kreuz und andren Mlitär-Ehrenzeichen geschmückter Mann, wurde am 1. Oktober 1900 als Kirchendiener bei der erwähnten Kirche angestellt. Zu seinen Obliegenheiten gehörte es auch, daß er die Reinigung und Heizung der mit der Predigerwohnung verbundenen Vereinszimmer besorgte. Hierdurch entstanden zuerst Mitzhelligkeiten. Dem Prediger Hagenau fiel es auf, daß ungewöhnlich viel Kohlen verbraucht wurden. Es wurde ihm von andrer Seite mitgeteilt, daß der Kirchendiener Mathes seinen Kohlenbedarf ebenfalls aus dem amtlichen Vorrat decke. Der Prediger fragte den Polizeilieutenant des Reviers, wie die Erstattung einer Anzeige zu vermeiden sei. Er erhielt den Bescheid, daß der Lieutenant in der Wohnung des Verdächtigen eine Nachsuchung vornehmen lassen werde. Dies geschah, es wurden aber fremde Kohlen nicht gefunden. Von diesem Zeitpunkte ab war Mathes von Haß gegen seinen Vor- gesetzten erftillt. Er will bald darauf erfahren haben, daß bereits ein Bewerber um seine Stelle beim Konsistorium eingekommen sei. Nun richtete der Angeklagte an das Konfistorium der Provinz Brandenburg eine Eingabe, worin er bat, ihn im Amte zu belassen, da er das Opfer von Ränken sei. Er erhob sodann gegen den Prediger Hagenau Beschuldigungen der ungeheuerlichsten Art. Er be- hauptcte, daß der Prediger sich in vielen Fällen des Diebstahls von Kollektcngeldern schuldig gemacht habe und erbot sich zum Antritt deS Beweises für diese Behauptuirg, die Mathes ebenfalls in einer Anzeige an die Staatsanwaltschaft wiederholte. Die angestellten Ermittelungen er- gaben auch nicht das geringste Verfängliche gegen den Prediger Hagenau. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Er strengte nun die Privat-Beleidigungsklage gegen Mathes wegen verleum- dorischer Beleidigung an. Das Schöffengericht gelangte zu der An- ficht, daß das schwerere Vergehen wegen wissentlich falscher An- schuldigung vorliege, eS erklärte sich deshalb stir unzuständig und der- wies die Sache an die Strafkammer. Im gestrigen Termine blieb der Angeklagte dabei, daß der In- halt seiner Anzeigen der Wahrheit entspreche. Er habe nicht ans Rache, sondern nur aus Pflichtgefühl gehandelt. Nach Schluß des Gottesdienstes habe er die Aufgabe gehabt, die vorhandenen sechs Sammelbüchsen nach der Sakristei zu bringen und den Inhalt der- selben auf einen Tisch auszuschütten. Dabei habe er denn ge- sehen, daß unter dem Haufen der verschiedensten Münzen in häufigen Fällen auch Goldstücke sich befanden. Prediger Hagenau und zumeist auch dessen Eheftau hätten sich daran gemacht, das Geld zu sortteren. Der erster« habe ihn dann unter irgend einem Vorwande stets hinausgewiesen. Weim der Angeklagte dann nach kurzer Zeit die Sakristei wieder betreten habe, seien die Goldstücke verschwunden gewesen. In einzelnen Fällen müssen es 80 bis 100 M. gewesen sein. Er könne nur annehmen, daß Pastor Hagenau oder dessen Ehefrau sich die Beträge angeeignet hätten. In einzelnen Fällen habe auch die Schwägerin des Predigers oder ein andre? von dessen Familienmitgliedern sich an dem Zählen des Geldes beteiligt. Der Nebenkläger, Prediger Hagenau, besttitt, daß er je allein oder nur in Gesellschaft seiner Ehefrau das Geld gezählt habe. Es sei stets noch der Prediger Wapler oder der Küster dabei gewesen. Wie es vorgeschrieben sei, habe stets der Küster Schröter an der Zählung teilgenommen. Der Angeklagte sei eiu Mann, der die größten Wohlthaten von ihm empfangen und dies mit dem schwärzesten Undank gelohnt habe. Er bezog ein Gehalt von 2000 M. bei fteier Wohnung und wurde trotzdem be- ständig von Gläubigern verfolgt. Der Zeuge erklärt, daß er mit Stolz und Genugthuung darauf hinweisen könne, daß seine nur kleine Gemeinde eine besonders opferwillige sei, sie stehe in dieser Beziehung in der vierten Reihe. Der folgende Zeuge, Prediger Wapler, welcher ebenfalls bei der Kaiser Friedrich-Gedächtnis-Kirche angestellt ist. trat für den Nebenkläger ein, welcher über jeden Verdacht erHabe» sei. Auch der Rentter Röhrecke, Mitglied des Gemeinde-Kirchemats, bekundet, daß er als solches ein besonderes Interesse daran gehabt habe, die unangenehme Sache aufzuflären, um sie dann endgültig aus der Welt zu schaffen. Er habe annehmen müssen, daß Mathes seine Beschuldigungen völlig aus der Luft gegriffen habe, um sich dafür zu rächen, daß Prediger Hagenau ihn in den Verdacht des Kohlendiebstahls gebracht habe. Mathes habe ihm auf Vorhalt auch nicht bestritten, daß er aus rachsüchtigen Mottvcn gehandelt. Besondere Schwierigkeiten bot die Vernehmung des bei der ge- nannten Kirche angestellten Küsters Schröter. Er hat sich während der gemeinsamen Dienstzeit mit Mathes mit diesem wie Hund und Katze gestanden, bald waren sie ein Herz und eine Seele, bald be- schwerteü sie sich gegenseitig bei dem Prediger Hagenau. Der Küster Schröter bekundete, daß er seiner Instruktion gemäß bei der Feststellung der Kollektenbcträge zugegen sein solle. Er habe dieser Vorschrift aber nicht nachkommen können, weil Pastor Hagenau ihn häufig hinausgewiesen habe, einmal mit den Worten:„Kümmern Sie sich um den Kindergottesdienst I' Um häufigerem Hinausweisen zu begegnen, habe er es dann vorgezogen, sich schon vorher zu ent- fernen. Obgleich cmfS eindringlichste zur Wahrheit cnnahnt, blieb der Zeuge Schröter dabei, daß das Verhalten des Predigers Hagenau mindesten» verdächtig sei. Der Zeuge Röhrecke hielt dem Zeugen vor, daß er ihn wegen de» von Mathe? ausgesprochenen Verdachts zur Rede gestellt und ihn gefragt habe, ob er irgend etwas wisse, was den Verdacht be- stärken oder begninden könne. Schröter habe mit einem bestimmten .Nein" geantwortet. Der Zeuge Schröter erklärte, sich dieses Gespräches nicht entsinnen zu können. Der Gerichtshof beschloß. den Zeugen Schröder wegen des dringenden Verdachts, daß er an der dem Angeklagten zur Last gelegten Sttasthat beteiligt sei, nicht zu vereidigen. Nachdem auch die übrigen Zeugen bekundet hatten, daß sie von einem Hinausweisen des Küsters durch den Prediger Hagenau nichts vernommen hatten, sondern daß bei der Kollekten- Zählung alles ordnungsmäßig zugegangen sei, wurde die Beweis- aufnähme geschlossen. Der Erste Staatsanwalt Schönian meinte, den Angeklagten müsse eine schwere Strafe treffen, er beantrage gegen denselben zwei Jahre Gefängnis, fünfjährigen Ehrverlust und sofortige Verhaftung. „ Der Vertteter deS Nebenklägers schloß sich diesen Anträgen an, während der Angeklagte seine Freisprechung beantragte und eventuell neue Bewersan trage stellte. Nach längerer Beratung erkannte der Gerichtshof dahin, daß die gestellten Beweisanträge abzulehnen seien und der Augeklagte wegen Verleumdung und wissentlich falscher Anschuldigung zu bestrafen sei. Es sei als festgestellt angesehen, daß der Prediger Hagenau nicht die vom Angeklagten behauptete Strasthat begangen habe und daß dies auch dem Angeklagten bewußt gewesen sei. Das Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis und dreijährigen Ehrverlust. Das Urteil soll in der„Kreuz-Zeitimg" bekannt gemacht werden. Der Angeklagte wurde sofort in Haft ge- nommen._ ßerUner partci-Hngelcgcnbcitcn. Schöneberg. Die Parteigenossen wollen sich zu der am Sonn- tag stattfindenden Flugblattvcrbrritnng ftüh Uhr in folgenden Lokalen einfinden: Ständer. Hohenstaufenstr. 79: Schilling, Kyffhäuserstr. 16; Krüger, Grnnewaldstr. 119; Döring, Merseburgerstt. 7; Obst, Meiningerstt. 8; Horlemann, Kaiser Friedrichstr. 8; Reimer, Hohenftiedbergstr. 26; Hoffmann, Cheruskerstt. 16; Ruthenberg, Fritz Reuterstr. 3; Moll, Sponholzstr. 34. In Britz findet Freitag bei Weniger, Werdcrstt. 27, die Mit- gliederversammlnng des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Be- sprechung der Landtagswahl-Broschüre und Berichterstattung der Delegierten von der Generalversammlung. Treptow-Bmimschnlenweg. Heute abend Uhr hält der Wahl- verein im Restaurant Bock, Kiefholzstrnße 6, für den Bezirk Treptow eine Versammlung ab. Auf der Tagesordnung steht unter anderm: Wie stellen wir uns zur Errichtung einer Parteispedition für Trep- tow? Ferner Aufstellung der Wahlmänner zur Landtagswahl. Gäste willkommen. Köpenick. Sonntag ftüh 7 Uhr Flugblatwerbrcitung. Treffpunkt bei Stippekohl, Rochlitzstraße. kommunales. Das Kuratorium deS städtischen Obdachs und Arbeitshauses hatte nach den Ferien vorgestern die erste Sitzung und erklärlicherweise eine sehr reichhaltige Tagesordnung zu erledigen. Die Verhand- lungen über eine Reihe neuer Einrichtungen und Abänderungen im Rummelsburger Arbeitshause fanden schnelle Erledigung. Unter anderm wurde beschlossen, eine Berechnung darüber anstellen zu lassen, was die Einrichtung einer eignen Apotheke für die beiden Rummelsburger Anstalten(Arbeitshaus und Waisenhaus) kosten würde. Jetzt besitzt das Arbeitshaus mw eine Dispensier- anstatt. Der Bericht der Revisoren gab keinen Anlaß zu besonderen Diskussionen. Anders gestaltete sich das Bild beim Obdach. So schon beim ersten Punkt: Aufhebung des Beschlusses wegen Ver- brennung des Lagerstrohes aus der Geschlechtskranken- Station, welches, da der große neben dem Obdach liegende Platz zum größten Teil an die Gasanstalt abgetteten werden mußte, in Zukunft als Streu an eine Molkerei abgegeben werden sollte. Hiergegen wurde von focialdeMokratischer als auch bürgerlicher Seite ganz energisch Protest erhoben und schließlich dieser Antrag des Hau-Zkurators fast einstimmig abgelehnt. Bei dem Bericht über die Revisionen im Obdach nahm Genosse H o f f m a n n Veranlassung, eine ganze Blumenlese von Vorkommnissen und Beschwerden über das Obdach zur Sprache zu bringen. In erster Linie wünschte er Bericht über die Unterfuchuirg der im„Vorwärts" seiner Zeit angenagelten An- gelegenheit eines Schlossers, welcher an dem Tage, als er eine Stellung antreten sollte, als Ar b ei t s s ch e u e r nach dem Alexander- platz transportiert wurde; ferner über die Beschwerde des Kellners L. wegen unerhörter Behandlung im städtischen Obdach. Da die Akten nicht zur Stelle waren, wurden beide Sachen bis zur nächsten Sitzung vertagt. Ueber ein Vorkommnis im Familien-Obdach, Ivo eine dort Aufnahme suchende Frau für ihr zweijähriges Kind erst am vierten Tage Milch und Weißbrot erhielt, sollen Erhebungen angestellt werde», ebeipo über einen kaum glaublichen Fall, iu welchem Insassen des nächtlichen Obdachs, die nachts um 1 Uhr von drei Wärtern aufgejagt wurden und erst durch eines hinzukommenden Wärters Eingreifen sich wieder niederlegen durften. Fast allgemeines Erstaunen erregte die Mit teiluug Hoffmanns, daß ohne Wissen des Kuratoriums über dessen Kopf hinweg die seiner Zeit aus Anlaß der Affaire Hoffmann im städtischen Obdach abgeschafften Kalfaktoren durch den Haus- lurator wieder eingeführt seien. Der Hauskurator und Herr Stadttat F i s ch b« ck suchten darzuthun, daß es sich nur um einen kurzen augenblicklichen Notbehelf handelte, der erforderlich sei, tveil durch Ueberhandnahme der Wanzen die Hausdiener mit Ver- tilgung des Ungeziefers zu thun hätten und während dieser Zeit die gewöhnlichen Reinigungsarbeiten von sechs Kalfaktoren besorgt werden müßten. Hoffmann wies nach, daß von augenblicklichem Notbehelf nicht die Rede sein könne, denn so weit seine Keuntnis reicht, wären die Kalfaktoren mindestens schon seit dem 2. August angestellt und am heutigen Tage noch thättg. Der Inspektor Ulrich mußte die Richtigkeit der Angaben Hoffmanns bestätigen. Letzterer meinte, es sei ein Skandal, daß eine Stadt wie Berlin Leute beschäffigt, die nichts weiter als das bißchen Essen ftir ihre Thätigkeit erhielten. Herr Hauskuralor W i t k o w s k i und Herr Stadtrat F i s ch b e ck widersprachen dieser Auffassung; diese Obdachlosen wären froh, wenn sie für daß Essen arbeiten könnttn. Hoffmann meinte, gerade darin liege ja die Ausnützung der Notlage z brauche die Stadt Arbeitskräfte, so solle sie auch den ortsüblichen Lohn dafür zahlen, nicht aber auf Kosten der Aermsten sparen. Selbst Herr Stadtverordneter Hinz(Alte Linke) war der Ansicht, die Stadt sei verpflichtet, diesen Leuten eine kleine Ent- schädigung zu zahlen. Schließlich wurde die Angelegenheit bis zur nächsten Sitzung vertagt. Auf Hoffmanns Antrag be'chloß aber das Kuratorium, daß das System der Kalfattoren, welches gegen den Beschluß des Kuratoriums wieder eingeführt ist, mit dem heutigen Tage zu beseittgen sei, obwohl sich Hauskurator und Stadtrat energisch gegen solchen Beschluß gewehrt hatten. Der Hauskurator erstattete dann noch Bericht über eine anonym ein- gelaufene Karte, welche Anlaß zu einer Feststellung über die Arbeitszeit der Hausdiener gegeben habe. In dieser Karte wäre so behauptet, die Hausdiener hätten eine Arbeitszeit von 17 Stunden; er, der Hauskurator, habe die Hausdiener darüber vernommen und f a st alle seien sehr zufrieden mit der Arbeitszeit, er habe herausgerechnet, daß nur acht Stunden pro Tag herauskämen. Auf eine Anfrage Hoffmanns, da„fast alle" zufrieden wären, was denn die andern gesagt hätten, meinte Herr Witkowski:„Ach, die andern, das sind solche, die abgehen und diese sind immer nicht zuftieden". Außer der Erledigung einiger Verivaltungs- Angelegenheiten kam alsdann aber- mals die Sprache auf die unerträglichen Dünste und Gerüche einerseits von der Gasanstalt, andrerseits aber hauptsächlich vom Lumpen-Lagerplatz gegenüber dem Obdach, der um wenige Mark von der Grundstücksdeputatton zu diesem Zweck vermietet ist. Wieder- holte Vorstellungen bei dieser Deputation hätten zu keinem Resultat geführt. Hoffmann meinte, dann müffe aber die Sache einmal in der öffentlichen Stadtverordneten-Sitzung zur Sprache� gebracht werden. Wie schlünm die Sache ist, beweißt, daß von bürgerlicher Seite zum Entsetzen des Herrn Stadttat vorgeschlagen wurde, doch die Polizei auf diesen Zustand aufmerksam zu machen. Eine abermalige Borstellung bei der Grundstticksdeputation soll versucht werden._ LokaUd* Die städtischen Arbeiter und ihre TenerungSznlage. Am 19. Januar d. I. erhoben die in den Betrieben der Stadt Berlin beschäftigten Arbeiter die Forderung einer allgemeinen Teuerungszulage. Begründet wurde die Forderung damit, daß neben einer ziemlich erheblichen Steigerung der Wohnungsmieten, des Feuenmgs- Materials eine ganz bedeutende Steigerung der Fleisch- und Brot« preise stattgefunden hat. Und da dieser Zustand als� ein vorübergehender kaum anzusehen ist, müßte eine Erhöhung des jetzt in bescheidenen Grenzen sich bewegenden Lohn« satzes eintreten, andernfalls eine weitere Unterernährung die Folge sein würde. Jetzt nach sieben Monaten ist dem leider schon seit April verstorbenen Gasarbeiter Guhn folgender Entscheid des Ma« gistrats zugegangen: „Dem uns unter dem 19. Januar d. I. im Auftrage einer Versammlung städttscher Arbeiter unterbreiteten Gesuch um Ge« Währung einer Teuerungszulage vermögen wir nicht zu entsprechen. Aus Grund übereinstimmender Beschlüsse der städtischen Be» Hörden sind erst im Verlaufe des vergangenen Geschäftsjahres sämt« liche Verwaltungen der Stadt angewiesen, den Minimallohn der in Gemeiudebetrieben beschäftigten Arbeiter ans 3,69 M. zu bemessen. Dieser Verfügung ist überall, wo nicht besondere Verhältnisse, wie kurze Arbeitszeit, probeweise Beschäftigung u. a. eine Ausnahme rechtfertigen, entsprochen worden. Hierzu kommt, daß, wie wir inzwischen festgestellt, nur etwa ein Drittel der städtischen Arbeiter diesen Riindestlohn von 3,59 Vi. täglich, meist als AnfangSgehalt, bezieht, zwei Drittel dagegen erheblich höhere Löhne erhalten. Andrerseits sind die in der Begründung enthaltenen Angaben über die Höhe der Fleischpreife nicht mehr zutreffend. Während nach den Notierungen über die Großhandelspreise in unsrer Central- martthalle der Preis für Schweinefleisch im Jahre 1992 zwischen 59 und 69 Vi. pro Centner schwantte, betrug er im Mai d. I. 43,43 bis 49,96 M. Ebenso ist der Preis für Rindfleisch mittlerer Qualität seit Januar d. I. von 53,27 bis 56,58 M. auf 59,89 bis 55 M. im Mai zurückgegangen. Entsprechende Preisminderungen im Klein- Handel sind bereits eingetteten oder in der Folge zu erwarten. Wir sind hiernach nicht in der Lage, die Gewährung einer Teuerungszulage oder eine Erhöhung der Arbeitslöhne in Aussicht zu nehmen." Eine ziemlich lange Zeit hat— wie man zugeben wird— der Magistrat gebraucht, uni die Ablehnung der durchaus berechttgten Forderungen begründen zu können. Aber abgesehen davon, ist die Begründung derart ungenau gehalten, daß sie der Korrektur dringend bedarf. Wir werden uns gestatten, kurz auf die thatsächlichen Ver- Hältnisse einzugehen. Eine erhebliche Anzahl Arbeiter erhält nicht 3,59 M., sondern weniger. So erhalten die Vieh- und Schlachthof- Arbeiter bei einer neunstündigen schweren Arbeitszeit nur 3,15 M. Auch eine große Zahl Parkarbeitcr wären froh, den Verdienst von 3,99 oder gar 3,59 M. verzeichnen zu können. Daß für diese Leute eine wenn auch nur geringe Zulage bedeutend ins Gewicht fällt, sollte auch bei unfern Stadtbehörden ein gewisses Verständnis finden und dies um so mehr, als von einer Preisermäßigung der Lebens- mittel kaum die Rede sein kann. Der Abschluß deS Stadthaushalts für 1992 zeigt unter der Position Geschästsbedürfnisse und Prozeßkosten eine Ueberschreitung des Etats um 89 899 M. auf. Diese ist von der Stadtverordneten- Versammlung noch zu genehmigen. Diese Mehrausgaben sind entstanden durch eine Steigerung der Druckpreise(16 223 M.), der Insertionen(2266 M.), durch ein Mehr an Portokosten von 7592 M. infolge bedeutender Zunahme des Briefverkehrs. Die Auf- Wendungen für Fenrsprech-Einrichtungen waren infolge der Einrichtungen von Doppolleitungen um 1624 M. höher. Die Fuhrkosten erforderten eine Mehrausgabe von 4161 M. Es find mehrere größere Studienreisen ze. unternommen worden, it. a. nach Düsseldorf zur Teil« nähme am Schiffahrtskongreß, nach Kolmar i. E., Frankfurt a. M., dann nach Hannover. Duisburg, Düsseldorf, Koblenz zum Kongreß zur Förderung des Fortbildungswesens und Besichtigung des Schul- Wesens, nach Köln a. Rh. zur Teilnahme an MüllverbrennungS« Versuchen, ferner nach Braunschweig, Hannover ze.. nach London (Blinden-Kongreß), nach Mannheim(Schulturnbettieb), Stuttgart. Dannstadt, München, nach Karlsruhe(Versammlung deutscher Gewerbeschulmänner). Bei der Unfall- Versicherung ergab sich ein Mehrbedarf von 8293 M. Bei den Gerichtskosten liegt eine Ueber- schreitung von 13 169 M. vor. Für die forllaufende Berichtigung der allgemeinen Wählerliste ist eine Mehrausgabe von 3629 M. entstanden. Die Ersatzwahl zum preußischen Abgeordnetenhause im III. Berliner Landtags-Wahlfteise hat 15 962 M. Mehrausgaben verursacht. Stadwerordnetcr Dr. Preuß und Genossen von der Fraktton der Neuen Linken haben folgenden Anttag bei der Stadtverordneten- Versammlung eingebracht:„Die Stadtverordneten- Versammlung ersucht den Magistrat, mit den benachbarten Stadt- und Land- gemeinden in Verbindung zu treten, um gemeinsame Einrichtungen für die Wahrnehmung und den Ausgleich kommunaler Interessen innerhalb dieses Verwaltungsgebietes vorzubereiten". Die Bermehrmig der Schulärzte» die im Frühjahr von den städtischen Behörden beschlossen worden war. ist nun erfolgt. Bisher waren nur 12 Schulärzte angestellt gewesen, für jeden der 12 Schul- kreise Berlins ein Arzt, dem versuchsweise die gesundheitliche Be- auffichtiAuug der Kinder von zwei Schulen seines Kreises übertragen war._ Seit Anfang September sind 36 Schulärzte angestellt, je zwei bis vier für die einzelnen Schulkreise, je nach der Größe des Kreises. Die gegenwärtig 264 Gemeindcschulen Berlins sind so unter die Aerzte verteilt worden, daß 24 Aerzte je sieben Schulen und 12 Aerzte je acht Schulen zu versorgen haben. Im allgemeinen ist darauf Bedacht genommen worden, daß nanientlich in den äußeren, noch nicht voll bebauten Stadtteilen, die noch eine Vermehrung der Bevölkerung und der Schulkinder und daher einen Zu» wachs an Schulen zu erwarten haben, den Aerzten vorläufig nur je sieben Schulen zugewiesen wurden. Aus diesem Grunde und auch wegen der ungleichen Größe der Schulen ist die Zahl der gesundheitlich zu beaufsichtigenden Schulkinder für die einzelnen Schularztbezirke sehr verschieden ausgefallen. Sie geht in einigen Bezirken über 7990 hinaus, während sie andrerseits gekegentlich noch unter 5999 zurückbleibt. Das Polizeipräsidium teilt mft: Seit einiger Zeit haben sich Bißverletzungen von Menschen durch Hunde, die ohne Maul- korb herumliefen, auffallend vermehrt. Die Fangbeamten des Deutschen Tierschutzvereins sind deshalb angewiesen, die Ausübung des Hundefanges, besonders was Hunde ohne Maulkorb bettifft, mit dem größten Eifer zu betreiben. Die Hundebefitzer werden die genaue Einbehaltung der polizeilichen Bestimmungen über das Tragen der Maulkörbe von Hunden, um so mehr zu beachten haben, als durch die Polizei für jede Zuwiderhandlung gegen jene Vor- schriftcn noch eine besondere Strafe gegen den Eigentümer eines ohne Maulkorb auf der Straße getroffenen Hundes festgesetzt werden wird. Im Anschluß hieran wird uns gemeldet, daß gestern morgen auf dem Exerzierplatz an der Schönhauser Allee, wo sich voriges Jahr ein ähnlicher Fall ereignete, der Arbeitsbmsche M. Y. Leider nein. Baum aus der Ruppinerstr. 46 von den Hunden des Wächters| aufzufordern, binnen 48 Stunden 12 000 M. von den übernommenen Interesse zur Sache farlegen.-F. S. 18. Sie müssen nicht, wonnen schwer verletzt worden ist. Der junge Mann wurde nach einer Beträgen an den Verein zurückzuzahlen. Falls das nicht geschieht, aber bereits vor der Entbindung auf Hinterlegung der Entbindungs Unfallstation gebracht. soll an die Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet werden. Im übrigen fosten usw. flagen. Ein Beispiel finden Sie auf Seite 219 Nr. 10 des dem Lesehallen aus. A. A. A. 3. Die Ansprüche des Mädchens find ge Der Berliner Magistrat hat gleichzeitig an alle Berliner Vororte beschloß man, den Verein fortzuführen, wenn nicht unvorhergesehene Arbeiterrecht" beigefügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen rechtfertigt, im Klagewege würde sie mehr erstreiten können. Nur dann ein Rundschreiben gerichtet, in welchem er um gemeinsame Regelung Schwierigkeiten das unmöglich machen. der Besteuerung von Hunden zu und abziehender Personen bittet. Ein seltsames Abenteuer hatte am Sonntagabend ein Galizier, die Betreffende in der Zeit zwischen dem 19. Oktober und 12. Februar mit steht ihr feinerlei Anspruch gegen Sie zu, venn Sie beweisen können, daß Der Magistrat schlägt vor, daß der Abzugsgemeinde für die Zukunft der beim Bau des Teltowkanals beschäftigt ist. Von einem Besuche einem andern intim verkehrt hat. G. W., Velten. 1. Ja. 2. Nein. nur dann das Recht der Besteuerung zusteht, wenn der Abzug nach seines Vaters von Alt- Glienicke her durch den Wald nach Johannis- 3. Ja, es kann auf Antrag der Mutter und in Uebereinstimmung dem 7. April bezw. 7. Oktober erfolgt, und daß die Ankunfts- thal kommend wurde er auf dem sogenannten Glienicker Wege in mit dem Vormunde ein andrer zum Vormund ernannt werden. gemeinde das Recht der Besteuerung üben kann, sobald die Personen der Dunkelheit plöglich aufgefordert, zu warten. Als er trotzdem 2. 77. Die Räumung einer Wohnung muß in Berlin bei aus höchstens bis zum 7. April oder 7. Oktober zugezogen sind. Ein Teil der weiter ging, fiel ein Schuß, und eine Revolverkugel drang ihm in zwei Wohnzimmern und Zubehör bestehenden Wohnungen am 1., bei aus Berliner Vororte hat diesem Antrage, durch welchen vielen Hunde- die Hand. Jetzt ließ man ihn in Ruhe. In Johannisthal erhielt drei bis vier Wohnzimmern und Zubehör bestehenden Wohnungen am befizern große Umstände für die Zukunft erspart werden, bereits zu- der Verwundete noch am selben Abend einen Verband. Am nächsten 2. Oftober um 12 Uhr mittags, und bei größeren Wohnungen am 3. Oktober um 12 Uhr beendet sein. Unter Zubehör find Alkoven, Küchen, Kammern, gestimmt. Tage wurde ihm die Kugel, die in einem Finger stecken geblieben war, Bodenräume, Verschläge und Vorratskeller zu verstehen. Bei Wohnungen, herausgeschnitten. die aus drei Zimmern bestehen, muß jedoch am 1. Oktober ein Zimmer, bei Eine Messerstecherei uuter Geisteskranken gab es gestern abend, der Berliner Zeitung" zufolge, in Dalldorf. In der zur städtischen Die Neue freie Voltsbühne veranstaltet ihren ersten diesjährigen größeren zwei Zimmer bereits vollständig geleert und dem einziehenden Anstalt gehörigen, im Dorfe liegenden sogenannten„ Kolonie", be- Künstlerabend am Sonntag, den 13. d. M., abends 8 Uhr in den Mieter zur Verfügung gestellt werden. Läden rechnen nicht als Wohnzimmer X. 3. Das nicht. finden sich regelmäßig 60 bis 70 Geistestrante, die als Pfleglinge Industrie- Sälen, Beuthstr. 19/20. Mitwirkende: Frau Else Moeft- ebensowenig Schanträume. 145. 1. Ja. 2. In allen von Ihnen angeführten Fällen ist zur fünften der Anstalt geführt werden und dementsprechende Freiheiten genießen. Schoch( Lieder von H. Wolf, Schubert, Brahms, H. Götz, Jensen), Lohnklasse( 36 Pfennigmarke) zu fleben. 3. Wo nichts ist, hat der Kaiser So dürfen sie ungehindert das Dorf und die dortigen Restaurations- Fräulein Else Schiff( Lyrik von Goethe, Ada Negri, Marg. Bruns, fein Recht verloren: die Beschlagnahme des Lohnes ist unzulässig. 4. Den Totale besuchen, sind im Besize von Taschenmessern und erhalten Marg. Beutler, Th. Lingen), Herr Konzertmeister Willy Seibert Mädchennamen. 5. Zu rechnen ist: 52 mal 24, 27 usw. folche zu Weihnachten von der Anstalt( 1) sogar als Geschent. Gestern( Violin- Soli von Dioniawski, Spohr, Brahms). Eintrittskarten für würden zur Zahlung verurteilt werden. Eine Strafe für Nichtzahlung giebt es nicht. E. R. 77. Das Aufgebot erfolgt an beiden Orten. D. 75. sollte sich dieses bedenkliche Entgegenkommen bitter rächen. Der auf Mitglieder 30 Pf., für Gäste( an der Abendkasse) 50 Pf. Rechtzeitige Kündigung. Ist in einem Mietsvertrage als Kündigungsfrist Urlaub gegangene Pflegling Schuster kehrte stark betrunken zurück, Rigdorfer Bescheidenheit. Der Provinzial- Verbandstag der drei Monate und drei Tage vereinbart, so muß die Kündigung spätestens stürzte sich in einem Anfall von Delirium auf den bejahrten Arbeiter Grundbesizer- Vereine der Mark Brandenburg, der in diesem Jahre am 27. Juni dem Wirt zugegangen sein, um rechtzeitig zu sein. Ist in dem Schaaf, der schon im Bette lag, und brachte ihm, ehe es von den in Rottbus tagte, sollte im nächsten Jahre in Rirdorf abgehalten Bertrage drei Monate als Frist vereinbart, so muß die Kündigung spätestens beiden Stubengenossen verhindert werden konnte, nicht weniger als werden. Die Rixdorfer Grundbesizer selbst ersuchten jedoch, davon am 30. Juni dem Wirt zugegangen sein. Ist im Vertrage nichts über die 17 Messerstiche in Kopf und Armen bei. Der Verlegte wurde nach Abstand zu nehmen, da Rigdorf weder landschaftliche noch sonstige Kündigungsfrist vereinbart, so ist eine am 3. Juli dem Wirt erklärte Kündigung rechtzeitig. Die angegebenen Fristen gelten auch dann als der Hauptanstalt gebracht, wo der wachhabende Arzt stundenlang Reize, weder Sehenswürdigkeiten noch irgendwelche Annehmlichkeiten innegehalten, wenn der Wirt die Annahme an dem betreffenden Tage mit dem Nähen der Wunden zu thun hatte. Der Messerheld, der zu bieten habe, ja nicht einmal Hotels zur Unterbringung der Dele-( 27., 30. Juni, 3. Juli) ablehnt, zum Beispiel, weil auf dem Briefe der von dem ganzen Vorgang nichts wissen will, befindet sich in einer gierten besize. Absender nicht angegeben sei, oder weil er einen frankierten( eingeschriebenen Isolierzelle des festen Hauses". Wenn wir recht unterrichtet sind, so liegt in erreichbarer Nähe oder nicht eingeschriebenen) Brief nicht annehmen will, oder weil er nur bis von Rigdorf ein Ort namens Berlin, der die aufgezählten Mängel 6 Uhr abends Briefe annimmt, oder wenn der Brief rechtzeitig eingelaufen wenigstens annähernd ersetzen kann. Daran scheinen die Rirdorfer war, der Wirt aber erst an einem späteren Tage Kenntnis von dem Briefe genommen hat, oder wenn der Wirt verreist, ohne für einen Vertreter zu in ihrer Bescheidenheit nicht gedacht zu haben. sorgen, dem der Brief abgegeben werden kann oder dergleichen, kurz: in allen Fällen, in denen durch Schuld des Vermieters Die Kündigung überhaupt nicht oder verspätet aur Kenntnis des Vermieters gelangt, gilt die Frist als gewahrt, ist also die Kündigung rechtzeitig. Was gegen über dem Wirt nach dieser Richtung hin rechtens ist, gilt auch gegenüber dem Mieter, dem gekündigt wird. " Verband der Friseurgehilfen Deutschlands( Zweigverein Rigdorf). Donnerstag, 10. September, abends 10 Uhr, bei Hoppe, Berlinerstr. 14: Versammlung. Vermischtes. E. Lt. Sie Witterungsübersicht vom 9. September 1903, morgens 8 Uhr. Der Revolver. Durch einen gemeingefährlichen Burschen wurde am gestrigen Abend der Wächter Paul Neumann, Gabelsbergerstraße 24 wohnhaft, angeschossen. N., welcher bei den Neubauten in der Hagenstraße in Lichtenberg den Posten eines Aufsehers versieht, trat gestern abend kurz nach 7 Uhr, vom Kellergeschoß des Grundstückes Hagenstraße 6 kommend, auf den Hof und bemerkte dort einen fremden Mann, der sich schon öfter in der erwähnten Gegend herumgetrieben hatte. Auf seine Frage, was er auf dem Neubau zu schaffen habe, antwortete der Eindringling dem Wächter erst mit Schimpfworten und zog dann aus seiner Brusttasche einen geladenen Revolver hervor, mit dem er auf den Wächter Zu dem Attentat auf den Frankfurt- Berliner D- Zug am 4. d. M. einen Schuß abgab. Die Kugel drang dem Angeschossenen bei Mühlheim a. M., wo eine 10 Centner schwere Schiene quer auf in den rechten Oberschenkel und brachte ihm eine schwere Fleisch die Eisenbahnschienen gelegt worden war, hat die Untersuchung er wunde bei. Der gefährliche Bursche ergriff sofort die Flucht und geben, daß der Thäter der Hilfsbahnwärter Kaiser selbst entkam auch leider, da Hilfe nicht sofort zur Stelle war und N. ingewesen ist. folge der schmerzenden Wunde nicht im stande war, die Verfolgung lohnung und zur festen Anstellung zu gelangen. Er hat die That begangen, um zu einer Be= zur festen Anstellung zu gelangen. Eminembe. 757 aufzunehmen. Von einem später hinzukommenden Kollegen wurde der Verletzte zu einem Arzt und von da nach seiner Wohnung ge- Kaiser hatte sich bei der gestrigen Untersuchung durch die Staats- Hamburg 753 bracht. Der Wächter glaubt in dem Fremden einen Mann erkannt anwaltschaft in Widersprüche verwidelt und schließlich die Thäter- Berlin zu haben, welchen er bereits vor einiger Zeit bei einem in seinem schaft zugestanden. Er wurde verhaftet. Revier verübten Diebstahl abgefaßt hatte. = Stationen Baronieter Wind 764 Bunpa Windstärke Wetter Lemp. 1. E. 5° C. 4° R. 88 Stationen Barometer stand mm Wind. richtung Windstärke 23 6 bebedt 14 Saparanda 749 9 6Regen 14 Petersburg 757 23 B 3wollig 14 Cork 4 bedeckt 14 Aberdeen 2bedeckt 16 Paris 1wolfen! 17 761 N Better 2 bedeckt Temp. n. C. 5°.4° R. 818 763 23 1 bedeckt 11 3 heiter 5bededt 14 12 759 SSD Franki.a.M. 761 S München 766 SW Bon dem Dorfe Bennewitz( Fürstentum Schwarzburg- Sonders- Wien Mit Kleefalz vergiftete sich gestern nachmittag in der Buch- und hausen), das, wie gemeldet, von einer Feuersbrunst heimgesucht Wetter: Prognose für Donnerstag, den 10. September 1903. Steindruckerei von Löwenstein, Rungestr. 18, der 17jährige Lehrling wurde, stehen außer der Kirche und Schule noch das Pfarrhaus Ziemlich fühl, zeitweise aufflarend, jedoch sehr unbeständig mit Regents Alfred Knarr aus Reinidendorf. Der junge Bursche hatte ein und im unteren Teile des Dorfes einige 20 Häuser; das obere schauern und starken westlichen Winden. Berliner Betterbureau. Liebesverhältnis mit einem gleichalterigen Mädchen angeknüpft, das Dorf ist vernichtet. Die meisten Leute waren, weil Holz- unt bei seinen Eltern auf Widerspruch stieß. Es kam deshalb wieder- Streutag war, im Walde sowie auf dem Felde beschäftigt. Die holt zu Auseinandersetzungen, die den Lehrling zu Selbstmord- Not und das Elend find groß. Viele Leute aus der Umgebung gedanken trieben. Während er gestern mit einigen Arbeiterinnen im eilten nach der Brandstätte mit Wäsche, Kleidern, Speise und Arbeitssaale war, ergriff er ein mit Kleefalz gefülltes Gefäß und Trant, um die bitterste Not zu lindern, denn schnelle Hilfe thut erklärte, sich vergiften zu wollen. Noch bevor die erschrockenen dringend not. Mädchen es hindern konnten, trant er einen Teil des Kleefalzes aus und lief dann wie wahnsinnig umher. Man brachte ihn nach einer Unfallstation, wo er bald darauf verstarb. Die glückliche Geburt eines| Orts- Krankenkasse für das kräftigen Mädchens zeigen hocherfreut an 1482b Tapezierer- Gewerbe Berlin N, 9. September 1903, Lothringerstr. 67. geborene Haase. Die Peft in China. Dem Standard" wird aus Tientsin ge= meldet, daß in Niutschwang die Beulenpest ausgebrochen sei. Am Dr. Hermann Weyl und Frau Klara, Sonntag feien 18 Todesfälle vorgekommen. Es scheine, daß keine gesundheitspolizeiliche Kontrolle egiſtiere, die Leichen seien einfach hinausgeworfen und unbeerdigt liegen gelassen worden. Am 8. d. Mts. verschied nach schweren Leiden mein inniggeliebter Mann, unser herzens guter, teurer Vater und Bruder, der Schriftgießer 1490b Robert Jost im Alter von 52 Jahren. Im Namen der Hinterbliebenen Frau Marie Jost, geb. Bethge, Berlin SW., 3offenerstraße 31. Die Beerdigung findet am Frei tag, den 11. September, nach mittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des alten Luisen- Kirchhofs in der Bergmannstraße aus statt. Neue Ross- Str. 3. Eine Fleischvergiftung, der ein Kind zum Opfer gefallen ist, während andre Personen noch frank daniederliegen, beschäftigt die Sanitäts- und Kriminalpolizei. Es werden darüber folgende Einzel- Entdeckung eines neuen Menschenstammes. Der Regierungs heiten berichtet: Ein Maler Pätsch aus Sorau tam mit seiner Frau verwalter von Britisch- Neuguinea hat, wie dem„ Daily Chronicle" und zwei Kindern, einem Sohne Alfred von 14 Jahren und einer aus Melbourne gemeldet wird, einen Bericht über die Entdeckung fünf Jahre alten Tochter Frieda nach Berlin, um hier Arbeit zu eines außerordentlichen Menschenstammes eingereicht, der im Marschfuchen, und wohnte, so lange er noch feine eigne Wohnung hatte, landgebiet der Insel wohnt. Die Gegend ist derartig, daß ein Gebei seinem Schwager, dem Maurer Ackermann, in der Kaiser brauch der Beine fast ausgeschlossen ist. Der Boden ist zu moraftig, Wilhemstr. 39. Da die Familie Ackermann am Sonntag ausging, als daß man darauf gehen könnte, und andrerseits machen so besuchte Pätsch nachmittags mit seinen Angehörigen einen die tropischen Wassergewächse in den weiten überschwemmten andren Schwager, den Stepper Anhäuser in der Spandauerstr. 10. Streden den Gebrauch von Kähnen oder Flößen unmöglich. Die Dieser hatte am Sonnabendabend aus der Markthalle am Alexander- Eingeborenen wohnen in Hütten, die sie über dem Wasser plaz Rindfleisch geholt, das seine Frau am Sonntag zu Mittag an- in Bäumen angelegt haben. Infolge der Naturverhältnisse, richtete. Dazu tam noch Schweinebraten, den Anhäuser aus einer unter denen dieser Stamm sich aufhält, haben die Eingeborenen vollbenachbarten Restauration mitgebracht hatte. Abends nun gab Frau ständig verlernt, ihre unteren Gliedmaßen zu gebrauchen. Als man Anhäuser den Rest vom Rindfleisch und den Schweinebraten als Belag einige von ihnen auf harten Boden brachte, machte ihnen dies offenzum Butterbrot. Es aßen davon die beiden Ehepaare, die Kinder bar viele Schmerzen und ihre Füße fingen an zu bluten. Die des Pätsch und von den Kindern Anhäusers die sechs und fünf Körpergestalt der Leute ist ganz außergewöhnlich. Der Rumpf iftis Jahre alten Töchter Käthe und Lieschen. In der folgenden mächtig entwickelt, während Hüften, Beine und Füße zurückgeblieben 99 zurüdgeblieben, Englischer Hof", Nacht wurden alle mit Ausnahme von Anhäuser und Frau sind. In Geſtalt und Benehmen gleichen die Leute den afferre Säle für Hochzeiten u. Festlichkeiten. Affen. Die Bätsch frant. Sie bekamen Schmerzen im Magen, Kopf, Anthropologen find über die neue Entdeckung in große Erregung Genic und Leib, zum Teil auch Erbrechen und Krämpfe. geraten. Die Regierung hat versprochen, daß sie die Bräuche und Vereinszimmer. Kegelbahn DonnersDie Schmerzen traten bei dem einen in diesem, bei dem andern in die körperlichen Eigenschaften des entdeckten Stammes wissenschaftlich tag für Vereine frei geworden. 14975* jenem Körperteil heftiger auf. Anhäuser suchte in der Nachbarschaft erforschen will. Wundern braucht man sich über diese Mär nicht, woo vergeblich nach einem Arzte und erhielt die Hilfe für seine Frau doch schon die alten Schriftsteller über Menschen zu berichten wußten, und Kinder schließlich von der Hauptwache der Rettungsgesellschaft die den Kopf unter dem Arme tragen. in der Ziegelstraße. Später übernahm Sanitätsrat Dr. Marezki die Behandlung. Die Kranken konnten in der Wohnung bleiben, da eine unmittelbare Lebensgefahr nicht vorlag. Sie befinden sich jetzt auf dem Wege der Besserung, wenn sie auch noch das Bett hüten müssen. Schlimmer gestaltete sich das Uebel bei den Bätsch. Hier erkannte der Arzt Lebensgefahr und ließ die beiden Kinder gestern nach der Charité bringen. Während der Sohn, der am Montag als Mufiler in die Lehre eintreten sollte, heftige Krämpfe bekam, litt die Tochter daran weniger schwer. Ihr Zustand aber verschlimmerte sich in der Nacht, und gestern morgen starb das Mädchen. Pätsch, der ebenfalls an Vergiftungserscheinungen litt, befindet sich wieder so wohl, daß er gestern morgen ausgehen konnte, um eine Wohnung zu suchen. Die Leiche seiner Tochter wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft zur gerichtsärztlichen Deffnung sofort beschlagnahmt. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei ergaben, daß von dem Schweine- Nichtstroh braten in der Restauration mehrere Personen gegessen haben, aber Heu feine erkrankt ist; auch ein Schlafbursche Anhäusers ist nach dem Erbsen Genuß von beiden Fleischarten gesund geblieben. Näheres über die Ursache der Vergiftung wird erst die Leichenöffnung feststellen können. Roggen, gut mittel gering " 15,92 15,88 15,84 15,80 n 12,95 12,94 n mittel " 12,93 12,92 gering n 12,91 12,90 Marktpreise von Berlin am 8. September 1903 nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. Weizen, gut D.- Ctr.| 16,00 15,96 Kartoffeln, neue D.- Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg bo. Bauch Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Cier Starpfen Aale Bander + Gerste, gut 14,50 13,70 13,60 12,80 mittel " gering " 12,70 11,90 + Hafer, gut mittel gering Speisebohnen Linsen 16,00 15,00 14,90 13,90 13,80 12,80 Hechte 4,16 3,82 Barsche 7,20 4,80 Schleie 40,00 25,00 Bleie 7,00 5,00 1,80 1,20 1,50 1,10 " " 1,60 1,20 1,80 1,20 1,80 1,20 " 2,60 2,00 60 Stüd 4,50 2,60 1 kg 2,40 1,40 zu Berlin. Einladung zur Ausserordentl. Generalversammlung am Montag, den 14. Sepfbr. 1903, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 8. Tages- Ordnung: 1. Beratung der Statuten, welche am 1. Oktober d. J. resp. 1. Januar 1904 in Straft treten. 14936 2. Berschiedenes. Um Borliegendes zu erledigen, er suche pünktlich zu erscheinen. 3. A.: Karl Nickisch, Borsigender, Berlin N. 54, Weinbergsweg 11. Ausserordentliche General- Versammlung Montag, den 21. d. Mts., abends 5 Uhr, im Geschäftslokale, Tilfiter ftraße 70. 13906 Tagesordnung: 1. Beschluß über die Auflösung der toren. 3. Verschiedenes. Genoffenfchaft. 2. Bahl ber LiquidaMöbelfabrik Nord- Ost, eingetragene Genossenschaft mit be. schränkter Haftpflicht. Mögenburg. Schröder. Arbeiter- Bildungsschule Berlin Sonntag, den 13. September 1903, im grossen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15: Vortrag des Direktors der Treptow- Sternwarte F. S. Archenhold: ,, Im Reiche der Unendlichkeit" ( mit Lichtbildern). 2,60 1,60 Eröffnung 7 Uhr. Beginn 8 Uhr. Eintritt 30 PL. Garderobe frei. 3,00 1,20 Nach dem Vortrage: Gemütliches Beisammensein und Tanz. 2,40 1,20 1,80 80 " D 3,00 1,40 1,40 80 " 50,00 25,00 Strebse 60,00 20,00 per Schod 18,00 3,00 24212* * ab Bahn. tfrei Wagen und ab Bahn. Briefkaften der Redaktion. Juriftifcher Teil. 5. 2. 32. Vereine: 5/1 Bimmer für 80 und 20 Personen, auch für Gesangvereine. Neues Pianino. Dirffenstr. 39 1. Karl Grosser. Zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Börſe. Verkehrslokal des Verbands deutscher Gastwirtsgehilfen. Tel. Umt 3, 1813. Zeugen gesucht. 10. Wohlfahrts- Lotterie Am 10. Dezember 1902 zwischen zu Ziveden der deutschen Schuhgebiete.. 9 und 10 Uhr abends entstand in der Staligerstraße vor dem Hauje 16 un 17 eine Prügelei wegen eines Hundes. bar ohne Abzug 575 500 Mark. 16870 Gewinne, Die eine Partei schlug mit einem Biehung 28., 29.,( 30. September, Stiefel, die andre mit einer Hunde- 1. und 2. Oftober 1903. peitsche. Es fragt sich, wie der Streit Lose a 3,30 M., Liste und Borto entstanden ist und wer der Angreifer 30 Pf. ertra, empfiehlt und versendet Beugen, die hierüber etwas bei Rechtsanwalt Plinzner, Brückenstraße 15, II, abzugeben. 14856 Worms a. Rh. 14605* Unterschlagungen von Konsumvereinsgeldern wurden, der„ Berl. Zeitung" zufolge, in der letzten Generalversammlung des Konsumbereins" Vorwärts" in Köpenick konstatiert. Zu der Generalbersammlung waren ein Vertreter vom Allgemeinen deutschen F. M. Brief dankend erhalten. Wird Genossenschaftsverband und der Vorsitzende des Brandenburgischen Warum so neugierig? Kein Privateigentum an Produktionsmitteln. Im so ere erated kaum verwerfbar fein.- Sch. Verbandes der Konsumvereine, Krüger- Berlin, erschienen. Es tam übrigen: Abwarten! Th. 24. Die Morgenpost". N. P. Kohinur, ein Bericht eines gerichtlichen Bücher- Revisors aus Berlin zur Ver- berühmter Diamant. Lesung, wonach an Schulden nicht weniger als 39 469 M. festgestellt wenden Sie sich an Herrn Wilh. Hinz, Prinzenstr. 66. " Charlton." Das Handbuch foftet 4,40 m. inf. Porto. wurden. Die Vermögensverwaltung ist ganz vernachlässigt gewesen. Man hat, wie der Revisor vermutet, günstige Abschlüsse aufgestellt, um die Mitglieder zu täuschen, dabei sind falsche Die furiftische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabende wissen, werden ersucht, ihre Abreien Hauptkollekteur Rupp, Eintragungen gemacht worden, so daß der Verdacht der bon 7 bis 9½ Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. . 23. 1. Nein. 2. Ein Jahreslohn bis 1500 M. ift unpfändbar. Alle Wanzen Unterschlagung gegen den Vorsitzenden und gegen den M. K. 17c. Ja. O. 12. Ihre Frau, nicht Sie, haften für Erfüllung Kassierer besteht, die für die fehlenden Gelder verantwortlich des ihr aufgeschwätten Miets- und Kaufvertrages. Ihre Frau ist nur dann Empfehle allen Freunden u. Bekannten werden nebst Brut durch mein Mittel gemacht werden. Die Prüfung der Bücher und Beläge erstreckt sich von der Zahlungspflicht frei, wenn sie bei Abschluß des Vertrages minder- mein Welss, Bayrischbier- vollständig vertilgt. Fl. 50 Pf. und bom Oftober 1902 bis Juli 1903. Durch eine Prüfung der Bücher fährig( noch nicht 21 Jahr alt) war. Ebenso Schwaben, Russen, O. 2. 68. 1. Sie und gr. Speisegeschäft. Reich- 1 M. während der letzten zehn Jahre würden sich wahrscheinlich noch leben außer Gütergemeinschaft. 2. Werden Ihrer Frau gehörige Sachen haltiges Frühstück von 30. Pf., Mittag Franzosen, Blattläufe 2c. andre Verfehlungen herausstellen. Zu diesem Bericht des gerichtlichen wegen Schulden, zu deren Bezahlung Sie verurteilt find, gepfändet, fo fann mit Bier 50 Bf. sowie Abendtisch à la 30, 60 Bf. u. 1 M. Zahlreiche An Bücherrevisors lag ein Brief des bisherigen Vorsitzenden Wölfer vor, Ihre Frau mit Erfolg Widerspruchstlage erheben und mit der Klage einen carte von 30 Pf. an. 2 Vereinszimmer erfennungen. 1000 Mark Belohnung der die Schuld auf den Kassierer Larsen schiebt. Klarheit fonnte in Antrag auf Einstellung der Zwangsvollstreckung mit Aussicht auf Erfolg ver- mit Klavier für 20-50 Bersonen. Mar Berger. Eine Klage Shrerseits hätte wenig Aussicht auf Erfolg. H. Stramm, Rest., Ritterstr. 123. der Versammlung nicht geschaffen werden. Da auch dem Aufsichtsrat Wettende Berlin. 1. Die Staatsanwaltschaft ist berechtigt, anonyme zable demjenigen, der mir einen Nicht heftige Vorwürfe gemacht wurden, so legte der Vorsitzende des Anzeigen zu berücksichtigen. 2. Nein. M. M. Das Gefez tennt feine Roh- Tabak 1903 erfolg nachweist. Nur allein echt Aufsichtsrats, Gottschalt, sein Amt nieder. Nach heftiger, längerer Marimalfrift für Untersuchungshaft. Wann Termin ansteht, können Sie bei Hugo Barth, Droguerie, jest Brunnenstr. 14, früher Nr. 18. Debatte beschloß die Versammlung, die Herren Völker und Larsen durch direkte Anfrage bei der Staatsanwaltschaft erfahren, wenn Sie Ihr binden. -§. 72. Nein. Max Jacoby, Streligerstr. 52. Schachtel 25082 Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. THETA Theater. Donnerstag, 10. September. Anfang 7, Uhr: er Opernhaus. Die Zauberflöte. Schauspielhaus. Goldfische. Neues Operntheater. Der Bettel student. Weiten. Geschlossen. Leffing. Der blinde Passagier. Deutsches. Kollege Crampton. Berliner. Alt- Heidelberg. Residenz. Lustige Ehemänner. Vorher: Zum Einsiedler. Neues. Doppelselbstmord. Thalia. Der Hochtourist. Deutsch Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Anfang 8 Uhr: Liederspielhaus( Kroll.) Liederspiele und Jdylen. Bision nach dem Balle. Schiller O.( Wallner- Theater.) Was ihr wollt. Schiller N.( Friedrich- Wilhelmstädt.) Der Bibliothekar. Kleines. Nachtasyl. Trianon. Die Liebesschaukel. Carl Weiß. Amor in Wichs. Luisen. 100 000 Thaler. Belle- Alliance. Specialitäten. Apollo. Die Liebesinsel. Speciali täten. Winter- Garten. Specialitäten. Metropol. Neuestes! Allerneuestes! Passage Theater. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Von der Zugspitze zum Wahmann. Invalidenstraße 57/62. 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Urania. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. Schiller- Theater N. Taubenstrasse 48/49. on( Wallner- Theater).( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Donnerstagabend 8 Uhr: Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. CASTANS Panoptikum Friedrichstr. 165. !! Menschliches Doppelwesen: die zusammengewachsenen Schwestern 20 Jahre alt, spielen Violine! OOLOGISCHER ZCARTEN Täglich ab 5 Uhr nachmittags: Gr. Militär- Konzert. Entree 1 M., ab 6 Uhr 50 Pf. Kinder unter 10 J. die Hälfte. In der Arena: Was ihr wollt. Lustspiel in 5 Atten v. W. Shakespeare. Freitagabend 8 Uhr: Was ihr wollt. Sonnabendabend 8 Uhr: Der Talisman. Zum erstenmal: Der Bibliothekar. Schwank in 4 Atten von G. v. Moser. Freitagabend 8 Uhr: Der Bibliothekar. Sonnabendabend 8 Uhr: Im weissen Rössl. 16 at forf Freie Volksbühne. Sonntag, den 13. September: 5./6. Abteilung Metropol Theater: Klein Eyolf 1. Abteilung Lessing Theater: -O Nathan der Weise Anfang 2 Uhr. Die Monatsschrift Hefte 1 und 2,, Freie Volksbühne" liegt in den Zahlstellen aus. 229/14 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Cirkus Schumann Heute Donnerstag, 10. September, abends 72 Uhr: er Cirkus Busch. Donnerstag, den 10. September 1903, abends 7%, Uhr: Gala Programm. Miss Claire Heliot, die Löwenbraut. Erotisches Monstre Tableau. !! Eine Hirschjagd!! Raubtier- Spielschule. Große Parade- Vorstellung. P. 6 Löwen, 1 Leopard, 1 Hyäne, 1 Bär.. Vorstellungen: Wochentags 4-5, 6-7 Uhr, Sonnt. 12-1, 4-5 u. 6-7 Uhr. Eintritt: Sperrsitz 1 M., Stehplatz 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Nachtasyl. Neues Theater, Anfang 8 Uhr. Schiffbauerdamm 4a- 5. Trianon- Theater. Doppelfelbstmord. Georgenstraße, zwischen Friedrichund Universitätsstraße. Donnerstag: Anfang 7 Uhr. Freitag: Eine Frau ohne Bedeutung. Die Notbrücke. Residenz- Theater Luisen- Theater. Anfang 8 Uhr. 100 000 Chaler. Boffe mit Gesang von D. Kalisch. Freitag zum erstenmal: Mönch und Soldat. Sonnabend: 100 000 Thaler. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fauft. Abends 8 Uhr: Mönch und Soldat. Montag: 100 000 Thaler. Casino- Theater. Lothringerstraße 37. Anfang 8, Sonntags 7%, Uhr. Großer Sensations- Erfolg! Tolle Kadetten. Borher das glänz. Eröffnungsprogr. Direktion S. Rautenburg. Anfang 7%, Uhr. Luftige Ehemänner. Borher: Zum Einsiedler. Morgen: Dieselbe Borstellung. Sonnabend zum erstenmal: Das beste Wittel. Borher zum erstenmal: Sphing. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Seine Kammerzofe. Apollo- Theater. od Zum Hervorzuheben: männliche Löwen, borgef. durch den foeltberühmt. Löwenbändiger Hrn. Jul. Seeth. Reiter- Bravourstück in der Sorizontalmanege, geritten von Mons. Toto, Aneule, Woodson, Duroff. Erfinder der Horizontal- Rennbahn und Manege Direktor Alb. Schumann. Zwei Gladiatoren auf einem Pferde von Geschw. Biffiuti. Direktor Alb. Schumann mit seinen neuen Original- Dreffuren. Diez' Specialitaten- Theater 76-77 ( Ringbahn- Station). Ob schön! Ob Regen! Täglich vollständig neues konkurrenzloses Riesen- Programm. Orig. Robert u. Bertram sind wieder da. Drig.- Clown Fredoff. Orig. Tom Bryarly. Fred u. Litle Alfons. Eugen Freiberg. Claire Wegener. Mile. Friedrich. Grosser Ringkampf. Emil Nitschke Fritz Müller. Zurüd von der Tournee aus Rußland, fordere ich Ringkämpfer und 127. Male: Die Liebes- Jnsel tarte eute auf, fich mit mir im mit dem grandiosen BriefmarkenBallett. Ferner: Barnum Jean Clermonts Cirkus Bailey. Schwede Miss Mildred de Grey Montrell. Pöttingers Schwed. Quintett. Sonntagnachm. 4 Uhr: Badekuren etc. amerikanische Barfuss- Tänzerin. leb. u. Passage- Theater New! Messter's Biophon, Photographie. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang der Abend03 vorstellung 8 Uhr. Man muss sie wiedergesehen haben die LONA Carl Weiss- Theater. Große Frankfurter Strake 132. Amor in Wichs. Gr. Ausstattungs- Gesangs Burleske in 4 Aften und 7 Bildern von Ermit Ringkampf zu messen und zahle 50 M. Brämie, wer im stande ist, mich in 30 Minuten zu besiegen. Hochachtungsvoll 2468* Emil Nitschke. Sonnab., Sonntag, Montag: Tanz. Anf. Wochent. 5 Uhr, Sonnt. 4 Uhr. früher Palast- Theater Feen- Palast. Burgstr. 22. Mundner mit seinen follt. Brodukt. Dir. Busch mit seinen neuen Dress. Fröbels Allerlei-Theater fr. Puhlmanns Vaudeville- Theater, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Fröbel. Konzert-, Theater- u. SpecialitätenVorstellungen m.völlig neuem Künstlerpersonal finden nur noch Mittwochs, Sonntags u.Montagsitatt. Teue freie Volksbühne 18 Achtung Mitglieder! Die ordentlichen Vereins- Vorstellungen des neuen Spieljahres finden für die I. Abteilung jeden ersten, für die II. Abteilung jeden zweiten, für die III. Abteilung jeden dritten, für die IV. Abteilung jeden vierten Sonntag im Monat im Neuen Theater statt. Für September gelangt ,, Nachtasyl", Drama von Marim Gorki, in der Besetzung des Kleinen Theaters zur Aufführung. Mitglieder zur IV. Abteilung werden noch in allen Zahlstellen des Vereins aufgenommen. Sonntag, den 13. September, abends 71%, Uhr, Industrie- Säle, Beuthstraße 19/20: Künstler- Abend. Mitwirkende: Frau Else Moeft- Schoch( Gesang), Frl. Else Schiff ( Recitation), Herr Stonzertmeister Willy Seibert( Bioline). Nach dem künstlerischen Teil folgt geselliger Teil mit Tanz. Eintrittstarten für Mitglieder a 30 Pf., für Gäste a 50 Pf. find in allen Zahlstellen zu haben. 151/1 Der Vorstand. J. A.: Heinrich Neft, Kassierer, Veteranenstr. 6. Reichshallen WohlfahrtsStettiner Sänger ( Meyfel, Pietro, Britton, Steidl, Böhme, Böckmann, Plättner, Schrader u. Eberino jr.) Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Stepp Geld -Lotterie. Ziehung: 28. Sept.- 2. Okt. 16470 Geldgewinne baar ohne jeden Abzug zahlbar von Mk. 575000 Hauptgewinne: Mark teppdecken 100 000 50000 25000 2505L* Gelegenheitskauf! Cretonne, doppelseitig 2,65 Tim Braditate: Gr. Ball. Purpur, doppelseitig 2,50 Die Kaffeeküche ist geöffnet von 2 bis 6 Uhr. Anfang 5 Uhr. Sonntags 4 Uhr. Mittwoch, den 16.d.: Regte Vorstellg. Mittwochs: Elite- Tag. Sonntags: Gala- Vorstellung. Etablissement Buggenhagen am Moritzplatz. Jeden Tag: Konzert des berühmten Orchesters des Signor Vincenzo Ferrara. Donnerstag, Sonnabend, Sonntag im Kaiser- Saal: Tanz. Sanssouci. III Täglich: Hoffmanns Tricot, doppelseitig Wollatlas, Similiseide, Normalalle Farben alle Farben Schlafdecken 2,00, 3,00 etc. etc. etc. Originaliose à Mk. 8,50 Für Porto und Liste 30 Pf. extra. 3.50 Oscar Bräuer& Co. Nachf. 4,85 5.25 M. G. m b. H., Bank- Geschäft. Berlin W., Friedrichstr. 181 Filialen: NW. Wilsnackerstr. 63. 0. Andreasstr. 46a. SO. Oranienstr. 177. 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Sonntaguachm. 3 Maria Stuart. in ihrer Ori Im Boudoir.morgen: Dieselbe Borft. ginal- Scene Alfons Gettke: Dir. Rich. Winkler. Im Garten: Neue Specialit. Unf. 5ur. Das grandiose Variété- Programm. Das Moto- Mädchen, W. Noacks Theater. Mensch oder Maschine? Das neue Rätsel für Berlin! 14 erstklassige Nummern. Auftreten der Lona 10 Uhr.. Deutsch- Amerikanisches Theater ( fr. Buntes Theat.), Stopnickerstr. 67/68. Jeden Abend Anf. 8 Uhr. Gaftsptel Adolf Philipp. Direktion: Robert Dill. Brunnenstrasse 16. Große Extra- Vorstellung: Farinelli. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Der Sensations- Erfolg Nach der Vorstellung: Familienball. Ueber'n großen Teich Bernhard Rose- Theater Heitere Bilder mit Gesang aus dem Leben der Deutsch- Amerikaner in 5 Abt. Billets 4 Wochen im voraus. Metropol- Theater. Der grösste Erfolg dieser Saison! Wiederauftreten Gesundbrunnen, Badstraße 58. Donnerstag, den 10. September cr.: Robert und Bertram. Boffe mit Gesang u. Zanz in 4 Auf42 zügen bon Raeder. Schmidt- Hawkins, Humorist. Elsa Jocosa, Stostüm- Soubrette. Hermann Stahnke, Salon- Athlet. Max Alexander, Bauchredner. Anfang 4%, Uhr. Diese Borstellungen finden Emil Thomas a. G. bis 15. September cr. täglich ftatt. Josef Josephi. Henry Bender. Prater- Cheater Frid Frid. Rosa Marten. Grete Meyer. X Müller Linke. Zum 242. Male: Neuestes! 179 Allerneuestes! Dramatische Revue in 5 Bildern. Glänzende Balletts. 300 Mitwirkende. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Kastanien- Allee 7/9. Direkt.: M. Kalbo. Tagi: Alt- Heidelberg du Feine. Liederspiel in 3 Aften von O. Richter. Konzert und Ball. 1. a. Paula Grigatti, Kostüm- Soubr. Original Eugen Milardo, Tanzhumorist. The Berlings, die fingenden Lufffeen. Neu! Cabarets Miniatur Wunder- Hündchen. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., num. Platz 50 Pf. New! Morgen: Dieselbe Borstellung. Freitag, den 11. September cr.: Trilby". Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Das Theater ist gut ventiliert und daher kühl. 8 765 Das des Musikanten. 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Nachdrud verboten. 65 132 336[ 300] 78 521 689 714 880 964 1126[ 300] 45 252 95 322 39 48 475 626 785 2468[ 300] 559 80 [ 400] 619 27 3118 52 445 49 556 837 92 900 58 4038 659 804 83[ 400] 5228[ 400] 320 50 407 9 565 800 944 6213 420 91 578 722 873 98 7169 264 385 523[ 300] 72 666 845 8251 92 460 82 619 920[ 300] 9142 94 482 599 614 4 637 10011 124 637 11016 203 75 330 400 35 896 12003 198 528 773 929 91 13223 580 735 14082 214 332 79 507 17 74 781 906 39 15032 143 304 673 83 85 827 91 16159 239 322 47 621[ 300] 17507 727 73 856 964 80 18160 95 97 263 441 528[ 40 000] 702 88 807 35 19162 454 641 75 711 897 20035 66 94 215 86 481 505 8 784 941 21094 196 352 569 896 22276 517 840 67 964 23149 247 337 484 501 621 42 69 722 952 24071 145 481 545 861 25129 501 731 805 26078[ 300] 213 422[ 400] 609 721 945 67 27056 114 682 766 830 970 28287 354 689 983 29304 441 507 719 96 881 89 936 62 30551 65 31469 87 724 70 824 28 32129 219 417 613 748 95 862 956 33010 57 205 26 355 666 714 83 34119 228 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824 941 90 112053 Jedes Wort: 5 Pfennig. Nur das erste Wort fett. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Gardinenhaus Große Frankfurter+ 37* 203362 89 439 675[ 5001 717 75 813[ 1000] 88 204079 717 205011 12 508 812 69 206209 33Z 500 622 747 207000 58[ 300] 164 469 539 98 813 21 208142 211 313 38 445 74 641 91 760 71 209137 380 98 535 673[ 300] 705 955 61 210083 237 388 456 567 646 971 211102 59 215 83 313 95 420 530 32 659 98 934 212085 188 270 535 38 672 808 954 213063 134 231 76 78 344 95 523 [ 1000] 833 214104 508 31 936 37 72 215275 471 83 545 877 900 216036 72 110 209 31 76 380 426 61 588 601 38 217596 773 878 82 948 82 203 24 340 522 645 74 775 800 219016 129 287 392 528 753 83[ 300] 819 908 90 220050[ 400] 154 447 900 221395 594 698 821 222131 232 63 386[ 300] 445 83 500 40 746 73 831[ 300] 223048 166 297 379 424 504 780 86 981 1 3m Gewinurabe verblieben: 5000 i, 2 218078 Gewinn 3 10000 Mart, 000 0 3 au 1000 m., 15 au 500 M 17 an 400 02, 70 i 800 Mt. Die Expedition. 2.Biehung 3. Klasse 209. Kgl. Preuß. Lotterie. 27 830 976 112056 79 116 202 88 880 999 113141 Biehung vom 9. September 1908, nachmittags. Nur die Gewinne über 144 Mt. find den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) Nachdruck verbolen. 118 633 869 85[ 500] 1039 45 118 92 97 224 92 363 441 510 57 871 2122 14001 200 9 26 361 467 615 92 816 54[ 300] 64[ 300] 975 3129 384 484 684 732[ 300] 95 970 4477 737 71 999 5111 428 607 22 848 938 6017 357 13001 497 785 96 977 83 7063[ 500] 364 974 [ 300] 8093 207 303 550[ 300] 99 724 85 944 69 79 9322 89 541 64 84 611 59 770 815 55 10345 576[ 300] 951 11438[ 300] 622 12423 521 674 81 957 13155 214 678 95 778 14003 89[ 400] 167 303 19 748[ 300] 70[ 1000] 96 933 46[ 300] 67 [ 300] 15102 268 528 639 701 33[ 300] 71[ 300] 804 922 46 68 16107 282 94 504 640 754 908 91 17030 233 324 402[ 300] 700 18019 143 230 540 633 797[ 300] 19088 296 422 765 857 925 230 540 633 797( 300) 20172[ 300] 406 519 646[ 500] 80 762 21052 160 73 86 97 673 764 22125 217 393 95 408 30 56 507 38 722 888 956 87 98 23058 200[ 3000] 81 368 580 98 767 91 957 24159 69 242 488 543 731 70 977 25043 216 35 48 345 87 488 645 54 726 43 887 993 26021 350 69 412 27 513 706 56 27047 165 289 635 789 849 99 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