Ur. 213. Udonnementz-keSInglingen: «donnementi- Preis prönumerand» i BierteijShrl. SL0 Ml, monatL 1,10 Mü, wöchentlich 28 Pfg. frei WS Haus. Einzelne Nmmner K Pfg. EomitagS- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- «bonneoient: 1,10 Marl pro Monat. Eingetrogen in der Post- ZcitungS- PreiSIiste für I»«» unter Nr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn» Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. CrtditlDt»glich außer montags. 20. I lchrg. � 6, stellt die ganze Anklage als einen Racheakt hin. Der Angeklagte W. lvill nur ein- mal einem Korrektionär Hübsch„ein paar auf die Hände gegeben" haben. Dieser habe ihm aber erst vorher gedroht. Der Angeklagte Är. kann sich auch nicht auf bestinunte Fälle besinnen; sollte er „manchmal" Ohrfeigen ausgeteilt haben, so bitte er um Nachsicht, denn der Dienst in der Anstalt sei ein sehr schwerer. Die Zeugenvernehmung bietet ein höchst trübes Bild für die Behandlung der Insassen der Saalhausener Anstalt. Die Art der Mißhandlungen ist fast bei allen Zeugen die gleiche gewesen. Gleich nach der Einlieferung ging's los. Mit Frnistschliigen, traktieren mit dem Schlüsselbund, Schimpfreden wie:„Wo kommst Du Bruder denn her" und ähnliche, wurden die Eingelieferten in der Anstalt „eingeführt". Die Fortsetzung der Mißhandlung folgte dann Haupt» sächlich in der ersten Zeit. DaS nicht eher das Treiben in der Anstalt bekannt geworden ist, erklärt sich daraus, daß den Anstalts- Insassen ausdrücklich verboten worden ist, sich zu beschweren; besonders P. hat wiederholt mit Arrest gedroht, falls sich jemand beschweren würde. Der frühere Korrektionär Hermann bekundet: Er sei gleich nach seiner Einlieferung vom Aufseher P. gestoßen und beschimpft worden. Die ganze erste Zeit seines Nufcnthaltes sei eine Zeit fortwährender Mißhandlungen gewesen. Er mußte z. B. bei der Arbeit in der Ziegelei(wo die Anstaltsinsasscn beschäftigt wurden) einmal in den noch heißen Ziegelofen gehe». Ein andermal mußte er mit verschiedenen andern dreiviertel Stunde» lang Kniebcilge machen. Wer „schlapp" wurde, bekam Fanstschläge ins Genick. Auch Prügel mit einem starken Stock hat dieser Zeuge erhalten, und zwar wurde da blindlings drauflos geschlagen. Ider Zeuge R ö hler ist gleichfalls bei seiner Einlieferung vom Angeklagten P. mißhandelt worden. Ferner wurden die Korrektionäre in der ersten Zeit gezwungen, auf dem Hofe Laufschritt bis zur völligen Erschöpfung zu machen. Wer nicht mehr weiter konnte, wurde aeohrfeigt. Er tZeugc) hatte von diesem Laufen sin Holzpantoffeln) böse Zehen bekommen. Trotzder er davon dem Auf- seher P. Meldung machte, mußte er weiter mitlaufen. Eine Be- schwerde in der Anstalt sei vollständig ausgeschlossen. Auch wären sie von dem Aufseher P. stets dadurch eingeschüchtert worden, daß er ihnen mit Arrest gedroht habe, wenn sie sich beschweren würden. Der Zeuge Paul ist von P. mit dem Stiefel derart in die Wade gestoßen worden, daß noch tagelang der Schmerz angehalten hat. Ferner ist er von P. mit einem Rechenstiel geschlagen worden, daß der Stiel zersprang. Der Zeuge G e o r'g i sagt ouS, daß er bei der Einlieferung vom Hund des Inspektors in die Wade gebissen worden ist. Das ist fast stets bei Einlieferung von Leuten vorgekomnien, so daß all- gemein angenommen wurde, daß der Hund darauf abgerichtet ge- Wesen ist. Er sZeuge) habe sieben Wochen laug keine Mittagspause machen können, so habe man es verstanden, ihn mit Arbeiten zu überlasten. Auch dieser Zeuge hat auf Befehl des Angeklagten W., trotz dringender Bitten, wiederholt in den heißen Ziegelofen treten müssen.— Der Zeuge Schmied er sKorrektionär) ist von W. mit der Knute mißhandelt worden. Zeuge S ch a r s ch u ch hat sich einmal beschwert, worauf er vom Angeklagten P. so geschlagen wurde, daß ihm das Blut aus Nase und Mund geflossen ist. Wenn der Amtshauptmann einmal inspiziert habe, dann seien sie sehr gut behandelt worden. Einmal hat er einen solchen Fußtritt in das Gesäß bekommen, daß er drei Tage nicht hat sitzen können.— Zeuge Börner s früherer Korrektionnr): Wenn Revision gekommen sei, wurde vorher ausdrücklich befohlen, daß auf etwaige Fragen nach Beschwerden usw. keiner vorzutreten habe. Zeuge Dietrich ist aus der Anstalt entwichen. Als er wieder gefaßt wurde. hat er, um nicht wieder in die Anstalt zu kommen, eine Majcstätsbeleidigung begangen, worauf er eine längere Gefängnisstrafe erhielt. Wegen eines Briefes, der ge- öffnet wurde, ist er so geschlagen worden, daß er ganz ohne Be- sinnung gewesen ist. Nach all diesen Thatsachen mußte der Staatsanwalt Dr. Bähr in seinem Plaidoyer eine exemplarische Strafe beantragen. Das Urteil lautete für Perlvitzschky auf 2 Jahre 6 Monate Gefängnis, für Wahl auf 1 Jahr 6 Monate und für Bruch auf 6 Monate Gefängnis. P. und W. wurden sofort verhastet. Dieser Prozeß, der so entsetzliche an wehrlosen Menschen verübte Roheiten an den Tag gebracht, ist um so bedeutsamer, als in Sachsen eS jedem subsistenzlosen Menschen begegnen kann, in ein Arbeitshaus gesperrt zu werden; es genügt dazu die Entscheidung eines Ortsvorstehers— ein Zustand, der ohnehin jede Rechtssicherheit aufhebt.—_ Mit„Feuer und Schwert" will die Militärverwaltung gegen die Soldatenmißhandlungen vorgehen, versichert eine Korrespondenz. Unter Feuer und Schwert versteht sie offenbar den Zeugnis- zwang, den die Militärbehörde gegen diejenigen anwendet, die Soldateiimißhandlungen verhüten wollen.— Warum wählen Sie Braun! Ein oft preußisches Idyll. Die ostpreußischen Junker stillen jetzt ihren Rachedurst durch brutalstes Vorgehen gegen diejenigen Landarbeiter, die am 16. Juni socialdemokratisch gewählt haben. Bei dem neuen Wahlreglement ist es ihnen möglich gewesen, durch das Aufeinanderlegen der Couverts eine genaue Kontrolle der Abstimmung zu üben. Fast jeder Besitzer weiß, wie jeder seiner Arbeiter gestimmt hat. Und da infolge des Dainederliegens der Industrie im Westen der Leutemangcl ihnen nicht mehr so fühlbar ist, können sie ihrer Berfolgungswut die Zügel schießen lassen. In der willkürlichsten Weise wird den Leuten der verdiente Lohn und das Deputat vorenthalten, gewährte Vorschüsse auf einmal abgezogen und sie somit mit ihren Familien dem Hunger überliefert. Gegen diese Willkürlichkeiten sich zu schützen, zu ihrem Recht zu kommen, gelingt den Landarbeitern sehr schwer, denn die erste Instanz auf dem Wege zum Recht ist in diesen Fällen der Amtsvorsteher. Dieser ist aber meist ein guter Freund und Nachbar des Gutsherrn, wenn er nicht gar selbst der Arbeitgeber des be- nachteiligten Arbeiters ist. Nachstehende unsrem Königsberger Partei- Organ mitgeteilten Vorgänge sind ein Beispiel davon, wie es ostpreußischen Landproletariern geht, die am 16. Juni den Mut hatten, durch Abgabe eines socialdemokratischen Stimmzettels ihrer politischen Ueberzeugung Ausdruck zu geben. Auf dem Gute Gr.- Legden im Landkreis Königsberg, dem Rittergutsbesitzer und Amtsvorsteher v. Avenarius gehörig, wohnte seit Jahren ein fast erblindeter Jnstmann. Ter Mann wurde mit dem Füttern und dem Putzen der Kälber und Zerkleinern von Holz beschäftigt, wobei er etwa 25 Pf. per Tag verdiente; zudem erhielt er noch 18 Scheffel Getreide jährlich als Deputat. Am 1. Juli d. I. erklärte ihm der Rendant des Gutes, daß er nun- mehr nur noch 16 Scheffel Getreide jährlich erhalten würde,„weil er bei der Wahl Braun(Genosse Braun-Königsberg kandidierte in dem Kreise) gewählt habe". Aber daran nicht genug. Für den Monat Juli erhielt der Mann gar kein Getreide. Als er solches zu Brot forderte, wurde ihm gesagt, er solle nur zu Braun gehen. Mit Weib und drei Kindern hungernd, mußte er ruhig weiter arbeiten und erhielt auch für August kein Getteide. Hätte er die Arbeit ver- weigert, würde er wegen Arbeitsverweigerung, wie üblich. ein Strafmandat erhalten haben. Schon gleich im Juli wandte er sich beschwerdeführend an den Lakkdrat. Bei der Vernehmung auf dem Landratsamt schien der dortige Beamte für das Verfahren des Amtsvorstehers das rechte Verständnis zu haben, denn er soll zu dem Jnstmann gesagt haben'„Ja, sehen Sie, warum wählen Sie Braun". Der Mann erhielt auf seine Beschwerde bisher keinen Bescheid, auch Getreide gab man ihm für den Monat September wieder nicht. Als die Frau wiederum auf dem Landratsamt vorstellig wurde und nach dem Ausgang ihrer Beschwerde fragte, erhielt sie wieder zur Antwort: „Sehen Sie, warum haben Sie Braun gewählt." Der Mann muß mit seiner Familie weiter hungern, was schert da» den Amtsvorsteher, was schert das den Herrn Landrat, warum hat der Mensch auch nicht seine Sttmme stir den Fürsten Dohna ab- gegeben, wie ihm geheißen war. Ja, wir leben eben in einem Rechtsstaat und haben ein geheimes Wahlrecht. Die sonstigen Verhältnisse auf dem Gute deö Ultra-Agrariers sind überhaupt typisch für die idyllisch-patriarchalischen Verhältnisse auf dem Lande in Ostpreußen. Dem Herrn dient ein schönes Herren- haus als Obdach, ein schöner Bark sowie ein wohlgepflegtcr Garten mtt Treibhaus steht ihm zur Verfügung. Die Wohnhäuser seiner Arbeiter dahingegen befinden sich im elendesten Zustande. Alles morsch und defett. Die Strohdächer schadhast, so daß den Leuten die dort Hausen müssen, Stteu und Schmutz auf de» Kopf fällt; bei Regen- Wetter sollen sie oft in der Wohnung durchnäßt werden. Die Leute befinden sich fast durchweg in, elendesten Ernährungszustande, weil auf diesem Mustergut Lohn und Deputat geringer als sonstwo ist. Unter diesen Umständen ist nicht verwunderlich, daß der Herr Arntsvorsteher deutsche Arbeiter nicht genügend erhält. Er hat daher auch zu den sonst so verhaßten Polen greifen müssen. Zwei polnische Familien hat ex bereits auf seinem Gut heiniisch gemacht; auch eine Ansiedelungsthätigkeit zur Hebung des Deutschtums. Im Frühjahr hat er aber noch neun polnische Saisonarbeiter heran- gezogen. Diese sämtliche neun Polen wohnen in einer Jnstnianns- Wohnung bestehend aus Stube und Kammer. Es sind dort zusammen- gepfercht ein Ehepaar, eine verheiratete Frau ohne Mann, ein verheirateter Mann ohne Frau, drei unver- heiratete junge Männer und zwei Mädchen. Diese Personen schlafen alle zusamnicn in einer etwa acht Quadratmeter großen Kammer. In der Stube, die nicht viel größer ist, wird gekocht und gegessen. Ja, das sind Arbeiter nach dem Herzen unsrer ostelbischcn Agrarier. Allerdings da ver- steht man es, daß die ostelbischen Junker alle Ordnungsmächte in Bewegung setzen, um von diesem sittsamen, ländlichen Stillleben den Gifthauch großstädtischer Unsittlichkeit und Begehrlichkeit fernzuhalten. Hier zeigt sich mit aller Deutlichkeit, was das Wohl des Volkes im Munde der Junker bedeutet. Diese Verhältnisse schreien geradezu nach einer Vertretung deS klassenbewußten Proletariats im preußischen Landtag.—-_ Zur sächsischen Wahlreform wird nächsten Sonntag die General- versa», mlung der nationalliberalcn Partei Sachsens in Leipzig Stellung nehmen. Aus diesem Grunde erörtert die„Dresdner Zeitung", das linksstehende nationalliberale Blatt Sachsens, die Forderungen, die von den Nationalliberalen zu stellen seien. Das Blatt will Erhaltung des allgemeinen Wahlrechts im jetzigen Um- fange, also ohne Censns, Erhaltung der geheimen Abstimmung, Abschaffung der indirekten Wahl und Abschaffung des Dreiklassen- Systems. Die Einführung des Dreiklassen-Systems nach der Steuer- lcistung wird als eine rein reattionäre Matzregel bezeichnet. Zun, Schluß aber wendet'sich das Blatt gegen das gleiche Wahl- recht und fordert endlich— doch wir wollen den Satz wörtlich citieren: „Die Erfahrung, die mit zunehniendem Alter kommt, die Bildung, sie bewirken allerdings, daß der Stimme des einen mehr Gewicht zukommt als der des andern, und dazu kommt die für den Staat so überaus wichtig« Stenerlcistnng. Es ist wirklich gerecht, wenn die Stimnien nicht nur gezählt, sondern auch gewogen werden und wenn dabei einmal die größere Urteilsfähiakett des einzelnen Wählers, sodann aber die größere Leistungsfähigkeitfür Staatszwecke maßgebend ist." Wozu der Lärm über dies reaktionäre, nach der Stenerkeistung abgestufte Dreiklassen-Wahlrecht, wenn man doch dasselbe will? Von der nattonalliberalen Partei ist für die Wahlreform auf keinen Fall mehr, eher weniger zu erwarten wie von der„Dresdner Zeitung".— Aus klerikalem Gehirn ist folgende Mär entsprossen, die durch eine CenttumSkorrespondenz ins Land der Dummen wandert. In einer albernen Polemik gegen den„Vorwärts" heißt es: „Hat er vergessen, daß ganz allein die socialdemokratische Presse und Partei von der Hilfsaktion für die im Juli durch Hoch- wasser schwer geschädigten Bewohner des Ostens sich ausgeschlossen haben— weil die so hart Gcttoffenen„nur dumme Bauern" waren?' Bekanntlich hat der„Vorwärts" zuerst die Sache der„dummen Bauern" ergriffen, und zwar so erfolgreich, daß unter dem Eindruck der alarmierten öffentlichen Meinung statt der die Not ver- höhnenden Bettelpfennige der Staat eine Hilfsaktion einleitete.— Soldatcnschindcrei und Bürgermeisteranwartschast. Ein bayrischer Soldatenschinder führte vor Gericht als mildernden Umstand die That- fache ins Feld, daß er auf einen Bürgermeisterposten spekuliert. Der Einjahrig-Freiwillige Gesteite August Hartwig vom 23. bayr. Inf.- Regiment hatte im Juli eine Abteilung Soldaten bei den Schieß- Übungen imLiegen zu beaufsichtigen, wobei seiner Ansicht»ach derSoldat Karl Schulz nicht exatt genug„arbeitete". Der Herr Unteroffizier- Stellvertreter trat dabei mit dem Fuß nach dem ungeschickten Vater- landsverteidiger, dem der Kolben seines Gewehres gegen den Unter- leib fuhr und ihm einen schmerzhasten Stoß versetzte, der ihn einige Zeit dienstunfähig machte. Dastir erhielt der Einjährige vom Kriegsgericht die noch sehr milde Strafe von 14 Tagen gelindem Arrest. Er wollte aber gänzlich steigesprochen sein und ergriff Berufung zum Oberkriegsgericht in Würzburg, wo er durch seinen Verteidiger vorbringen ließ, daß er in seiner Heimat für das Amt eines Bürgermeisters kandidiere, wobei ihm eine Sttafe hinder- lich sei. Das Gericht war jedoch so unbarmherzig, dem Soldaten- schinder die Bürgermeisterkarriere zu verderben und eS bei den vierzehn Tagen zu belassen.— In dem MajestätsbeleidigungS■ Verfahren gegen die„Leipziger VolkSzeittuig" ist am Mittwochnachmittag der Genosse Schöpflin aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Gründe für die Entlassung werden in der«Leipziger Volkszeitung" nicht angegeben.— Hiidland. Die ungarische Krise. Aus Wien wird uns vom 9. September geschrieben: Die zwei Reisen des Kaisers nach Budapest haben nichts gefluchtet, und morgen verläßt der Monarch seine ungarische Hauptstadt, ohne daß in der Lösung der schweren Krise der geringste Fortschritt zu ver- zeichnen wäre. Im Gegenteil, die Lage schaut womöglich noch hoffnungsloser aus: die Parlamentsschwierigkeiten haben sich zu einem offenen Konflikt zwischen Krone und Reichstag entwickelt. Die Sache steht so, daß der Monarch die nationale Hanptfordernng: die ungarische Kommandosprache, rundweg ablehnt, daß er aber im ganzen Parlament keinen Menschen findet, der seine, der Krone, politische Anschauungen vertreten und auf ihrer Grundlage ein Ministerium bilden wollte. Es ist ein kompletler Streik und um was sich die parlamentarischen Menschlein sonst reißen: um die Gelegenheit, Minister zu werden, das wird nur in Ungarn von all denen abgelehnt, die überhaupt in Frage kommen. Hat sich doch der Kaiser mit der Bcrnfung des Finanz- Ministers Lukacs, von dem er und die öffentliche Meinung an- genommen hatten, daß er eine Regierung der Nichtkonzessionen bilden möchte, einen kompromittierenden Korb geholt— ein Vorgang. den man sonst nicht auf den öffentlichen Markt bringt! Das einzige Ministerium, das vielleicht befähigt wäre, die Dinge all- mählich ins Geleise zu bringen, das Ministerium Wcckerle und Apponyi, verschmäht der Kaiser, weil er die zwei Parlamentarier persönlich nicht leiden mag, und sonst giebt es im Augenblicke in Ungarn keinen Menschen von Ansehen und Bedeutung, der die peinliche Vermittelung zwischen Reichstag und Krone unter- nehmen könnte und wollte. Die Abreise des Monarchen will also unverkennbar eine Demonstratton sein. Franz Joseph ver- läßt„seine" Hauptstadt etwa so, wie eS einmal Wilhelm II. den „Nörglern" geraten hat: er will mit den„undankbaren" Ungarn nichts mehr zu thun haben. Das eigenartige Verhältnis zwischen Staat und Monarch in Ungarn wäre damit hell beleuchtet: der König ist in„seinem" Staat nicht zu Hause, ein Gast manchmal, aber doch stets ein Fremder. Gonst wäre eS nicht möglich, daß ein Herrscher das Land, dem«r vorsteht, gleichsam seinem Schicksal überlassen wollte. Was soll nun geschehen? ES ist kaum zu sagen, was geschehen kann— geschweige denn, daß ein Programm aufgestellt werden könnte. Gegen die Bewilligung der ungarischen Forderungen streiten nicht allein militärische RücksiSffen, die in der Umgebung des Kaisers vielleicht noch schroffer form? ltert werden wie von dem Kaiser elbst, der schon weiß, da� man in Oestreich- Ungarn nur regieren kann, wenn n cm nachzugeben sich bequemt; andern nicht minder die iiücksicht auf Oestreich, allwo die Patrioten an der Fiktion der ReichSgemeinschaft mit einer Leiden- schast hängen, die wahrlich einer bessereu Sache würdig wäre. Das Nachgeben ist also gewiß keine leichte Sache, aber mit den Magyaren „Krieg" zu führen eine noch schwerere und aussichtslosere. Denn wenn auch der magyarische VolksstainM in Ungarn nur eine Minder- heit ist, so besitzt er doch alle Machtinittel und hält alle Stellungen besetzt. Was vermag die Krone in einem Lande, in dem sie nicht einmal ein Ministerium zusammenbekommt? Nun wirkt aber die Krise so verwüstend auf alle Beziehungen, daß ihre Lösung einfach eine Existenznotwcndigkeit wird. Daß in Ungarn jetzt keine Rekruten ausgehoben wurden, ist gewiß au-'znhalten, wenn auch die Thatsachc vom Standpunkte der Großmacht gewiß die beschämendste ist. Aber seit vier Monaten dürfen keine Steuern eingetrieben werden, im ganzen Jahre hat der Reichstag nicht ein einziges Gesetz hervorgebracht, das ganze wirtschaftliche Leben ist durch die politischen Wirren beeinträchtigt und unterbunden. Jeden Tag können die internationalen Handclsverttäge gekündigt werden.-— der mit Italien läuft überhaupt Ende des Jahres ab— und der Zolltarif ist von seiner Ferttgstellung weiter entfernt denn je. Solche Wirrnisse müßten den robustesten Staat umbringen, geschweige denn, daß sie das schwächliche, unlebensfähige Gebilde des Dualismus auszuhalten vermöchte. Es scheint wirklich, daß für Oestteich-Ungarn die Todesstunde schlägt, und Herr v. Koerber that gut daran, daß er die zu Wien versammelten„Jnterparlamentarier" flehentlich ersuchte. den Staat deS Dualismus„nicht nach seinen inneren Zwistigkeiten zu beurteilen". Er würde Wohl sonst allzuviel Ekel und Verachtung erwecken.... Der Kaiser wird vorläufig zu-- den Manövern nach Galizien gehen, dann konimen die Besuche des deuffchen und des russischen Kaisers, und mittlerweile mag in Ungarn GrafKhuen„die Geschäfte provisarisch stihrcn". Was aber Oestteich betrifft, so hat Herr v. Koerber das Ersuchen, den Reichsrat einzuberufen, rundweg ab« gelehnt und beruft für September und Oktober die Landtage ein. Herr v. Koerber weiß schon, warum er seinen Reichsrat so vorsichtig im Hintergrunde hält: er würde sich mit ihm wirklich nur blamieren. Die Stärke Oestreichs besteht nämlich derzeit in der Einbildung und Vorspiegelung— manche täuschen sich nämlich selbst, manche wollen andre täuschen— von der Solvenz des öftreichischen Parlaments, von seiner gesetzgeberischen Zahlungsfähigkeit. Aber diese Täuschung würde sofort schwinden, wenn dieses liebliche Parlament einberufen und seine totale Sterilität offenbar würde. wenn es seine der ungarischen Krise ganz ebenbürttge Lerworrcnhe.. zur Schau stellte. Der östreichische Reichsrat schaut nämlich nach einem wirklichen Parlament nur so lange aus. als man ihn nicht sieht; kaum kommt er zum Vorschein, ist der holde Wahn verflogen, daß Oestreich eine Volksvertretung hat. Da nun der Zusammenbruch des Privilegienparlaments, die Bloßlegung der Parlaments- lüge, die unerläßliche Voraussetzung für die Besserung des jämmerlichen Zustandes Oestteichs ist, so müssen die Minister» berufung auch jene beklagen, die von dem Parlament nichts oder nür Uebles erwarten. Im Grunde genommen wird also mit der Nichteinberufung der ReichSrat nicht„beleidigt", sondern— g e» rettet. Der Schwindel von seiner Existenzfähigkeit kann nämlich nur aufrecht gehalten werden, wenn er vertagt ist.— Frankreich. Weitere Pestfälle sind bisher in Marseille nicht vorgekommen. Von dem erkrankten Personal der Giryschen Fabrik befinden sich noch 16 Personen in Beobachttmg. Der Sanitätsrat hält mehrmals täglich Sitzungen ab und hat alle hygienischen Maßnahmen gettoffen, um jede Gefahr zu beseitigen. Die Erkrankten sind nach Sanct Marguerite in eine Besitzung überführt worden, die ein Marseiller Menichenfreund der Hospitalverwaltung zum Geschenk gemacht hat, und stehen dort, abgeschlossen von allem Verkehr, unter strenger ärzt« sicher Aufsicht. lieber die Ursache der Erkrankungen weiß der„Petit Parisien" folgendes zu berichten: Letzten Sonnabend traf eine Ladung Lumpen aus der Levante für die Kartonnagefabrik Girh in Marseille ein. Fünf Arbeiter, die mit diesen Lumpen manipuliert hatten, erkrankten sofort unter allen Symptomen der Beulenpest und starben fast sofort. Ihre Wohnungen wurden geräumt und desinficiert, und achtzehn Familienangehörige nach dem Hospital Salvator gebracht. Die mit dem Auspacken der Lumpen beschäftigten Arbeiter fanden zahlreiche tote Ratten in den Ballen, und sofort flaten die bedenklichsten Symptome auf.— Ein Monstrum im Priestcrrock wurde vor wenigen Tagen in Epinal abgeurteilt. 28 kleine Mädchen im Alter von 9 bis 12 Jahren traten auf und bezichtigten„Hochwürden" der scheußlichsten geschlecht« lichen Vergehen wider sie. Die Mitteilungen, die da gemacht wurden, veranlaßten schließlich den Vorsitzenden voll Ekel auszurufen;„Ich kann wirklich nicht mehr weiter". Das Schwurgericht bejahte alle Schuldfragen ohne Zubilligung mildernder Umstände; H u m b l o t — so heißt der würdige Seelsorger— wurde zu zwölf Jahre« Zuchthaus verurteilt.— Dänemark. Die kommunalen Wahlcrfolge der Socialdemokratie ersttecken sich auf 24 der 46 Städte, in denen während der letzten Wochen Wahlen zu den Steuerkommissionen sowie teilweise zu den Annenkasien» Verwaltungen und zu den Gcmeindcverttetnngen stattfanden. Im ganzen wurden 16 666 socialdemokratische Stimmen abgegeben. Nur in fünf Städten, nämlich in Odense, Holbäk, Hobro, Hjörring und Frederikshavn traten die Socialdemokraten mit den Radikalen ge« meinsam in den Wahlkampf ein. In allen übrigen Städten ver« zichteten sie auf eine Alliance, wenn sie auch hier und da einen Radikalen mit auf ihre Liste setzten. Die Linke hat nur in einer einzigen Stadt, nämlich Kolding, gesiegt und dort auch nur mit Unterstützung der Konservativen. Im allgemeinen beweisen die Wahlen, daß der Bruch zwischen der Socialdemokratie und der Linken nicht, wie manche befürchteten, der Demokratie zum Schaden gereicht hat, sondern daß die Kon- servativcn noch weiter zurückgedrängt worden sind; die Social- demokratie dagegen Fortscbritte gemacht hat und in einer großen Zahl von Städten zur ausschlaggebenden Partei geworden ist. Türkei. Im Wilajet Monastir beginnen sich die Aufftändischen wieder«j rühren. Nach türkischen Nachrichten verlor bei mehreren, am 6. uno 6. d. M. in der Nähe von Resna stattgefundenen Bandenkämpfen eine Komiteebande 22 Tote, eine andre bei Florina 27 Tote. Auf der Höhe von Vice, zwischen Viseni und Bulaö, im Kreise Kastoria, wurde eine Bande und eine zweite im Thale Liposchenk vernichtet. Im Dorfe Rakne l Wilajet Saloniki) hat eine 46 Mann starke Bande 6 Häuser mittels Dynamit in die Luft gesprengt, den Ortsvorsteher ermordet und einen christlichen Gendarmen verwundet. Die Zahl der abgebrannten und verwüsteten Dörfer im Wilajet Monastir wird nach den Konsularberichten aus 86 bis 166 geschätzt, Im Sandschak Kirk-Kilisse auf 26 bis 36. Sie empfehlen dringend Hilfeleistung, da sonst Hungersnot und Epidemien zu befürchten seien. Die Verwüstungen und Brandstiftungen scheinen größtenteils durch Truppen und Baichibozuks verübt zu sein. Die türttschen An- gaben, wonach bei mehreren in der letzten Zeit im Wilajet Monastir vorgekommenen Bandcnkämpfen die Komitatschis 166 bis 366 Mann verloren hätten, stammen aus Berichten ehrgeiziger Kornmandante« und sind maßlos überttieben.— Protest wegen der Vorfälle in Beirut. Die griechische Gesandt- schaft hat Weisung erhalten, wegen der letzten Ereignisse in Beirut. in deren Verlauf mehrere griechische Häuser von Mohammedanern geplündert wurden. Schritte bei der Pforte zu unternehmen.— Toulon, 11. September. Der Kommandant des Mittelmeer« geschwaders bat Befehl erhalten, die Schiffe„Bremms".„Latouche- Tröville",„Du Chayla" und„LinoiS" zur Abfahrt nach der Levante bereit zu halten, um den in lWacedoni?» wohnenden französischen Staatsangehörigen Schutz zu gewähren. Die Bemannung der Schiffe ist aus den Besatzungen der übrigen Schiffe des Geschwaders ver- vollständigt worden. Der Oberbefehl über diese Division wird dem Konteradmiral Jaureguibery übertragen werden.— Landtagswahl. Die Wahlstunde. Gegen die Festsetzung des Wahlbeginns auf 6 Uhr wie in Berlin 1898 zieht die„Freisinnige Zeitung" mit bekannter Un- entwegtheit gegenüber volkstümlichen Forderungen weiter zu Felde. Sie stellt den von der„Volks-Zeitung« berichteten Beschluß des Vorstandes des Wahlvereins der Fortschrittspartei im zweiten Ber« liner Reichstags-Wahlkreife in Abrede, wonach der Magistrat ersucht werden sollte, eS bei der Anberaumung der Wahlmännerwahl aus B Uhr nachmittags zu belassen; sie beruft sich auf die„Magde- burgische Ztg." als Eideshelfer, die behauptet, daß man sich innerhalb der Socialdemokratie für die Anberaumung der Wahl auf S Uhr nachmittags als neuen Schachzug entschieden habe, um das Zustande- kommen der Wahlen zu verhindern, nachdem die ftüheren Pläne durch die Abänderungen des Reglements durchkreuzt seien. Es genügt demgegenüber darauf hinzuweisen, daß wir seit länger als Jahresftist in allen Versammlungen diese Forderung stellen, daß sie in den Resolutionen der Brandenburger Provinzialkonferenz von 1002 wie in derjenigen der Berliner Konferenz vom 27. April 1903 enthalten ist, während das neue Re- glement erst im August bekannt gegeben wurde. Daß die Forderung nur im Interesse einer ausgedehnteren Wahlbeteiligung ge- stellt wird, unterliegt keinem Zweifel.„Im Interesse der arbeitenden Klassen empfiehlt es sich, die Abstimmung auch noch in den späteren Abendstunden, namentlich in der Zeit von 6—8 Uhr zuzulassen", heißt es in dem Werk über das„Parlamentarische Wahlrecht" des ver- storbenen ftüheren nationalliberalen Reichstags-Abgeordneten Pro- fessor G. Meyer. So haben denn auch die Stadtverordneten in Köpenick ohne weitere Debatte einen diesbezüglichen socialdemokra- tischen Antrag dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen, ein Beschlutz, der übrigens mindestens ebenso sehr im materiellen Jnter- esse der Handel- und Gewerbetreibenden, wie der Arbeiter liegt. Endlich behauptet die„Freisinnige Zeitung",„daß die Wahlstunde um S Uhr nachmittags für die dritte Wählerklasse durchaus nicht bequem ist, ergiebt sich auch daraus, daß gerade 1898 in Berlin die Beteiligung der dritten Wählerklasse eine äußerst geringe war und noch nicht ein Siebentel der Wahlberechtigten umfaßte". Daß „gerade 1893" die Beteiligung der dritten Wählerklasse in Berlin eine geringe war, trifft nicht zu; die Beteiligung, die in der dritten Klasse in Berlin im Jahre 1883 noch 22,1 Proz. betragen hatte. sank nach dem Kölner Beschlutz der Socialdemokratie im Jahre 1893 auf 11,2. Sie hob sich, vielleicht wegen der Ver- lcguiig der Wahlstunde auf 5 Uhr nachmittags, 1893 auf 14.7. Daß trotz der Verlegung der Wahlstunde auf 5 Uhr die Wahlbeteiligung nur so wenig anwuchs, beweist nur, daß die Freisinnigen überhaupt nur wenige Mann in der dritten Abteilung auf die Beine bringen können. Betrug doch selbst im dritten Landtags-Wahlkreise die Be- teiligung in der 3. Klasse nur 15,4 Proz., obgleich dieser Kreis nach den Erfahrungen früherer Wahlen von den Konservativen gefährdet war und deshalb eine besonders nachdrückliche Bearbeitimg erfahren haben dürfte. Bezüglich der Wahlen 1893 können wir übrigens einige besonders charakteristische Zahlen für die Wahlbeteiligung in Berlin in der 3. Klasse anführen. UrWahlbezirk W-Hwerechtigte W�gebene 508. O. Langestraße.. 200 1 0,5 695. C. Weydingerstratze. 105 1 1,0 909. N. Borsigstraße.. 122 2 1.6 1052. 17. Schulstratze.. 117 2 1.7 602. O. Memelerstraße. 173 0 0,0 Der 602. UrWahlbezirk von 1893 ist allerdings überhaupt eine Rarität ersten Ranges. Dort sind auch in der I. und II. Klasse keine Sttmmen abgegeben worden, obgleich 18 und 61 Wahl- berechttgte vorhanden waren. Der doch sicher anwesende Wahlvorsteher und ein Stellvertreter haben vermutlich deshalb keine Wahlmänner „gewählt", weil die im§ 12 des Wahlreglenients vorgeschriebene Bildung des Bureaus unmöglich war. Die Socialdemokratie wird dafür sorgen, daß ähnliche blamable Vorfälle nicht wieder vor- kommen. Gegenüber der Behauptung der„Freisinnigen Zeitung", die Wahl dürste nicht über Mitternacht ausgedehnt werden, hatten wir nachgewiesen, daß in Breslau uud in Wirsitz-Schubiu schon in den nächsten Tag hineingewählt worden ist unter Mit Wirkung und ohne Widerspruch freisinniger Wahlmänner. Nach oft erprobtem Rezept sagt uns nun die„Freisinnige", daß das gar nichts beweise, denn— in Dortmund hat man nicht über Mitternacht gewählt. Wenn wir behaupten, im Spreewald wachsen Gurken, so sagt die„Freisinnige", sie wisse ganz genau, daß am Nordpol keine wachsen; folglich hat der„Vorwärts" unrecht. Die„Freisinnige" hatte behauptet, weil die Wahlhandlung um Mtternacht zu Ende sein müsse, könnten viele Wähler um ihr Wahl- recht gebracht werden. Da wir das bestritten, beruft sich die„Frei- sinnige" zum Beweise dafür wieder auf Dortmund. Dort habe der Mnister zur Fortsetzung der Wahlhandlung einen andern Tag an- beraumt. Das heißt also, es ist niemand um sein Wahlrecht ge- kommen; es ist nur an einem andern Tag weiter gewählt worden. Schließlich ist eS gar nicht wahr, daß die Wahlhandlung in dem Dortmunder Fall um 12 Uhr geschlossen wurde, sondern sie dauerte bis 1 Uhr; und da die„Freisinnige" Wert legt auf den von ihr behaupteten Umstand, daß die Wahlhandlung geschlossen werden „mußte", so sei auf die unterdes von der„Volks-Zeitung" gemachte Feststellung verwiesen, daß dies nicht aus gesetzlichen, sondern aus physischen Gründen geschah. Der Wahlkommissar schlief nämlich ein. So glänzend führt die„Freisinnige" stets ihr« Klinge. Zur LandtagSwahl in Nassau wird uns geschrieben: Die Trägheit, die das Bürgerttim bei allen Wahlen auszeichnet. tritt auch bei den Landtagswahlen zu Tage. Nirgends noch regt sich irgend welche Agitation. Wenn nicht die Socialdemokraten jetzt wieder aufs Land zögen und Wahlagitation trieben, kein Mensch erführe, daß in einigen Monaten Landtagswahl ist. Nur in Frank- f u r t a. M. zeigen die Parteien bereits ein gewisses Wahlfieber. Das erklärt sich daraus, daß hier der Kampf voraussichtlich am heißesten entbrennen dürfte. Nationalliberale, Freisinndemokraten und Socialdemokraten sind bereits mit ihren Kandidaten auf dem Plan erschienen. Bei den Nationalliberalen war die Nominierung eine ziemlich schwere Geburt. Die Frank- fnrter Geldsäcke der Großindustrie und Bankaristokratie hätten gern einen der Ihrigen als Kandidaten aufgestellt, aber keiner wollte �das Mandat annehmen. Die Niederlage von den Reichstagswahlen lag ihnen noch zu sehr in den Knochen. So hat man sich nach langem Streiten im liberalen Lager entschlossen, einen schwerreichen Maler- nieister und Stadtverordneten Grüder und einen Volksschullehrer Martell als Kandidaten aufzustellen. Für die Lehrerfteundlichkeit dieser Geldsacksaristokraten ist es kennzeichnend, daß sie gerade an diesem Volksschullchrer am meisten Anstand nehmen, obivohl er seit Jahren ein überaus eiftiger Wahlagitator ist. Leichter hatten eS die Freisinndemokraten. Sie haben die bisherigen Abgeordneten Funck und Ocser wieder aufgestellt und sie hoffen sie diesmal ohne Hilfe der Socialdemokratte durchzubringen. Man rechnet dabei auf ihre„Popularität", die sie sich als Landtags-Abgeordnete erworben haben. Die Nominierung ist absichtlich schon vor Monaten erfolgt, um der Socialdemokratte jede Möglichkeit einer Verständigung zu nehmen und uns zu zeigen, daß die Freisinndeniokraten zu keinem Kompromiß geneigt sind. Die fteisinndemokratische Presse. „Franks. Ztg." wie„Kl. Presse", trägt dieselbe Hochnäsigkeit zur Schau wie Eugen Richter. Ausdrücklich erklärten dieser Tage beide Blätter in Form eines Dementis, daß nian gar nicht daran denke, Herrn Funck fallen zu lassen und das eine Mandat den Social- dcmokraten zu überlassen, obwohl socialdemokratischerseitS noch gar nicht der Versuch gemacht worden ist. auf dieser Basis ein Kom- promiß abzuschließen. Die Socialdemokratie wartet ruhig den Ausfall der Wahlmännerwahlen ab und wird danach ihre Dispositionen treffen. Wenn die freisinnigen Herrschaften zu keinerlei Konzessionen geneigt sind, sind die Frankfurter Genossen so fest ent- schlössen, ihnen eine Niederlage zu bereiten, daß sie schon bei der Auswahl ihrer Wahlmänner diese darauf verpflichten. Und ähnliches geschieht in den umliegenden Kreisen Höchst, Wiesbaden, Hanau zc. Auch hier wird man sich laut Beschlüssen auf den einzelnen Kreis kouferenzen energisch an der Wahl beteiligen, aber nur unter der Bedingung für die Freisinnigen eintreten, wenn die Franksiirter Freisinndemokraten eventuell ein Mandat abtreten. Die Freisinndemokraten in Nassau könnten bei Befolgung der Barthschen Taktik nur gewinnen; aber wie ihr Führer Richter, so scheinen auch sie von einem geradezu verhängnisvollen Hochmut be- seelt zu sein und zu glauben, die Socialdemokraten müßten sie aus Princip unterstütze». Wenn es dem Freisinn um wirkliche Be- thätigung freiheitlicher Principien, um Bekämpfung auch der Reaktion im preußischen Landtag zu thun wäre, so müßte er gerade in Nassau suchen, mit der Socialdemokratie zusammen� zugehen. Denn hier, wo der Freisinn ehemals mächtig war, wäre es gar nicht schwer, den Reaktionären einige Sitze abzunehmen. Aber es gewinnt immer mehr den Anschein, als gipfele die Politik des Freisinns auch bei den Landtagswahlen in nichts als einer elenden Mandatshascherei, als liege ihm nur daran, die bisherigen Mandate zu behalten. Alles andre ist ihm gleichgültig. Die Frankfurter Socialdemokraten denken gar nicht daran, einen der beiden fteisinndemokralischen Abgeordneten aus dem Landtage zu verdrängen. Herr Funck z. B. könnte ganz gut im Höchster Wahlkreis, den er schon im Reichstag vertreten hat, kandidieren und unsre Genossen würden sicher mit Eifer fiir seine Wahl eintreten. Dasselbe ist in Hanau und Wiesbaden der Fall. In Wiesbaden ist das Mandat MllllerS-Sagan ernstlich gefährdet, das wissen die Freisinnigen so gut wie wir. Statt den Freisinnigen für die Wahlhilfe bei der Reichstagswahl zu danken, haben die Nationalliberalen und Konser- vativen jetzt eigne Kandidaten für die Landtagswahl aufgestellt, um ihnen auch dieses Mandat abzujagen. Das ist der Dank vom Hause Bartlig. Für die nationalliberale Partei kandidiert Herr Bartlig, für die Konservativen ein Zünstler Schneider. In letzter Stunde werden sich beide Parteien auf einen Kandidaten einigen. Um die Freisinns-Herrlichkeit wird es in Wies- baden geschehen sein, wenn die Socialdemokratte nicht helfend ein- springt. Dazu liegt aber nach dem Verhalten bei der Reichstags- wähl absolut kein Anlaß vor. Wenn man in fteisinnigen Kreisen bei der Richterschen Taktik beharrt, so wird man auch in Nassau, dieser einstigen Hochburg des Freisinns, eine gründliche Niederlage erleben. Auch hier wird diesmal die Spekulation auf die Gutmütigkeit der Socialdemokratie versagen. Herr Theodor Barth hat von den Vertrauensmännern seiner Partei im Landtags-Wahlkreise Kiel ein Verttauensvotum erhalten. Sie nahmen eine Resolution an, in der sie die Stellung Barths gegenüber der Socialdemokratie principiell billigen. Bürgerliche Wahlkompromisse. Die nationalliberale Partei im Wahlkreise L e n n e p- R e m s ch e i d- S o l i n g e n hat das ihr von der fteisinnigen Partei angebotene Kompromiß angenommen, wonach die Nationalliberalen zwei Abgeordnete zur Landtagswahl ausstellen werden und dem Freisinn ein Sitz zugestanden werden soll. In Czarnikau-Kolmar wollen die Liberalen mit den Polen und dem Centrum zusammengehen. partei-�lackrickten. potizeilichce, Gmcbtlicbeo ufw. — Polizeiliche Gesetzesunkenntnis. Wie wenig oft die mit der Handhabung der Gesetze betrauten Beamten mit dem thatsächlichen Inhalt der Gesetze vertraut find, zeigt ein Fall, der sich zwar schon während der Reichstags-Wahlbewegnng abspielte, uns aber erst jetzt bekannt wird. In Schwerin in Posen war eine öffentliche Ver- sammlung einberufen, in welcher der socialdemokrattsche Reichstags Kandidat des betreffendenKreiseS sprechen sollte. Nach Eröffnung der Ver sammlung verlangte der überwachende Polizeibcamte die Entfernung der im Saale anwesenden Frauen. Sowohl der Versammlungsleiter wie der Referent versuchten dem Polizeibeamten klar zu machen, daß es sich um eine öffentliche Versammlung handle, an der auch Frauen teilnehmen dürften; vergebens. Der Polizeibeamte erklärte einfach, daß er den st r i k t e n Auftrag habe, die Versammlung auf- z u l ö s e n, sobald Frauen in derselben wären. Das that er auch. Selbstverständlich wurde gegen das ungesetzliche Vorgehen des Beamten Beschwerde erhoben, worauf die Schweriner Polizei- Verwaltung folgenden Bescheid erteilte: „Auf Ihre an den Herrn Landrat Hierselbst gerichtete und an uns zur zuständigen Behandlung abgegebene Beschwerde erhalten Sie hiennit zum Bescheide, daß der überwachende Polizeibeamte auf Grund desZ8 des Ver eins gesetzes berechtigt war. die Entfernung der Frauen aus der öffentlichen Versammlung zu verlangen. Zulässig ist auf Grund des Wahlgesetzes vom 31. Mai 1369 die Anwesenheit von Frauen bei Wahlvcreinen. Es ist aber die fragliche öffentliche Versammlung weder von einem Wahlverein einberufen gewesen, noch ist uns die Existenz eines solchen Vereins mit Ausnahme des Cenftums- Wahlvereins" hier bekannt. Ihre Beschwerde muß daher als un- begründet zurückgewiesen werden." Eine Beschwerde, die gegen diesen Bescheid der Polizeiverwalwng beim Landrat eingelegt wurde, bezeichnete dieser als begründet und teilte dem Beschwerdeführer mit, daß der Behörde die erforderliche Eröffnung gemacht worden sei. Bis' zur Erledigung der Beschwerde vergingen vier Wochen. Also nach vier Wochen wurde der Schweriner Polizeiverwaltung durch den Landrat eröffnet, daß sie in das Versammlungsrecht in ungesetzlicher Weise eingegriffen hatte. Den Bürger schützt Un- keimtnis der Gesetze nicht vor Strafe. Einem Polizeibeamten, dermis Unkenntnis der Gesetze die Rechte der Bürger beeinttächttgt, werden die„erforderlichen Eröffnungen" gemacht und die Sache ist damit abgethan._ Die Verbands-Derslimmlung der denWen Genierbegerichte ward durch den Vorsitzenden des Dresdener GewerbegcrichtS, Stübing, eröffnet. Die Verhandlungen beginnen mit der Entgegennahme mehrerer geschäftlichen Mitteilungen und Rechenschaftsberichten. Aus dem Geschäftsberichte über das Archiv notieren wir nur den Wunsch nach einer vollständigen Lieferung aller Arbeitsverttäge, Tarife und dergleichen an das Verbandsarchiv, das in liberalster Weise allen Interessenten zur Verfügung gestellt werden soll. Beantragt wurde, ein erschöpfendes Protokoll über die Verhandlungen zu veröffentlichen und allen Gewerberichtern zuzustellen. Finanzielle Schwierigkeiten stehen der vollen Erfüllung dieser als berechttgt anerkannten Wünsche entgegen, erst wenn alle GewerbegerichtS-Beisitzer das Gewerbe- gericht erhalten, wird die finanzielle Grundlage für die Erfüllung dieses Wunsches vorhanden sein. Oberbürgermeister Dr. Hartenstein« LudwigSburg referiert über die Praxis des Proportional- Wahlsystems bei den Wahlen zu den Gewerbegerichten. Redner ist erstaunt, daß bei verhältnismäßig so wenigen Gewerbegerichten das neue System der Wahl eingeführt Ivurde, umsomehr als im Auslände das Verhältnis-Wahlsystem viel- fach adoptiert wurde. Referent kann sich nicht der Anschauung ver- schließen, daß die Darlegungen Molkenbuhrs und Hochs im Reichs- tage mehr Beachtung verdient hätten, vor allem die Einwürfe gegen die nicht obligatorische Einführung des Systems und gegen das Fehlen von Grundsätzen über die Vornahme der Propottional- wähl. Redner übt eingehende Kritik an den Wahlen verschiedener Gewerbegerichte. M a s s i n i erklärt, Arbeiter und ihre parlamentarischen Ver- treter müssen sich gegen Verhältniswahlen erklären, so lange sie nicht obligatorisch sind, rügt den Wirrwar und die Willkür, wie das Gesetz ausgelegt wird und welche Statuten sich in dieser Hinsicht die Städte gegeben haben. Recht und Billigkeit soll herrschen, aber bei den Wahlen zur Vertretung des Reiches. Staates und der Gemeinden fällt eS niemanden ein, Recht und Billigkeit zu üben, Verhältnis- wähl einzuführen. Deshalb begreift es die Bevölkerung nicht, daß nur bei den Gewerbegerichten der Sinn für Recht und Billigkeit f« stark zum Ausdruck kommt. Wer sind die Minoritäten, die in Frage kommen? Keine speciellen Anschauungen sucht man zu ver- treten, sondern die Gemeinsamkeit der Interessen gegen die moderne Arbeiterbewegung. Hier kommt gar nicht ein ge- sunder Gedanke eines Proporttonal-Wahlsystems zum Aus- druck, er schildert, wie man das Proportional-Wahlsystem nur dort einführt, wo man die moderne Arbeiterbewegung zu schädigen hofft, am Majontätsprincip aber strenge festhält, wo man eine Minderheit modern organisierter Arbeiter vom Gewerbegerichte aus- schließen kann. Stadtrat Dr. F l e s ch- Frankfurt a. M. ist wegen der Samm- lung des nötigen Materials für die fakultative Proporttonalwahl, er ist mit den bisherigen Erfahrungen auch recht zufrieden, weil sie die Möglichkeit einer Vertretung aller Interessenten ermöglicht. Bürgernieister C u n o- Hagen i. W. setzt auseinander, daß man die Schwierigkeiten der Verhältniswahlen erheblich überschätzt. Er weist auf die Verhältnisse in Hagen hin, wo die sich entgegenstehenden Parteien fast gleich stark seien, so daß das einfache Mehrheitssystem mit Ausschluß überaus starker Minderheiten als große Ungerechtigkeit empfunden werden mußte. Magistratsassessor Dr. L u p p e- Frankfurt a. M. warnt vor Ueberschätzung der Schwierigkeiten der Proporttonalwahl, man kann überall Schwierigkeiten hervorheben, so auch beim reinen Mehrheits- system. Das System der Verhältniswahl solle nicht bloß als eine Machtfrage zwischen den Parteien, sondern als eine Frage des Interesses, bestinmite Berufe im Gewerbegerichte vertteten zu sehen, betrachtet werden. Fritz Berg, Vorsitzender des Ortsverbandes der Hirsch-Duncker« scheu Gewerkvereine, setzt das Interesse seiner Organisattonen an dem Proporttonal-Wahlsystem mit allgemeinen Darlegungen aus- einander. Rechtsrat Dr. M e n z i n ge r- München meint, daß es nur auf die Gruppen, nicht auf die Strömungen in der Gruppe bei der Wahl ankomme. Die nächste Zeit habe die Aufgabe, ein einfaches gerechtes System der Verhältniswahl herbeizuführen. Hierzu soll von allen Seiten mitgewirkt werden. Gerichtsassessor Dr. Alfred G l ü ck s m ann- Breslau pole» misiert scharf gegen Massini, dem er Nichtberücksichttgung der von den Arbeitern oft vertretenen Grundsätze vorwirft. Die Beisitzer dürfen niemals als Jntcressenvertreter bezeichnet werden. Das Proporttonal-Wahlsystem bei den Gewerbegerichte» schafft vielleicht Bahn für die Anwendung desselben bei andern Wahlen. K ö r st e n- Berlin erklärt, die moderneu Gewerkschaften seien für das Proporttonal-Wahlsystem, das beweist schon, daß die An- regung für dieses System aus Frankfurt a. M. kommt, aus einer Stadt mit nur„socialdemokrattsche»" Arbeiter-Beisitzern. Wir wollen aber, daß das System nicht nur gegen die modernen Gewerkschaften, sondern auch zu ihren Gunsten angewandt, daß es obligatorisch oder übcrhauvt nicht sei. Die Rednerliste ist erschöpft, eine Beschlutzfassung findet nicht statt. Gewerberichter Dr. P r e n n e r- München referiert über die Ge- setzgebung über den Arbeitsvertrag seit dem letzten Verbandstage. Er legt den Gegensatz zwischen rechtlicher Freiheit und Gleichheit und wirtschaftlicher Unfteiheit dar. Er erörtert die§§ 134 und 139 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, die Frage der Herausgabe der Arbeits- bücher, die Einführung der Lohnbücher, die Bekannttnachung über die Arbeiten in Anlagen für die Herstellung von Cigarren, die neuen Bestimmungen über die Zündholzfabriken. Redner streift die Seemanns-Ordnung; er geht dann kurz auf partikulare Versuche, die Bestrafung des Kontraktbruchs einzuführen, ein. Auf dem Gebiete des Prozeßrechts sei die Frage der Kostenfestsetzung und des Kosten- Vorschusses beim Gewcrbegericht bedeutungsvoll. Bestimmungen znni Schutze von Leben und Gesundheit, von Sitte und Anstand beleuchtet er in ihrer Bedeutung für die gewerbe- rechtliche Urteilsfindung. Er weist nach, daß der Arbeiterschutz nicht nur dem Arbeiter, sondern auch dem Unternehmer Vorteile biete, ihn vor allem vor einer illoyalen Konkurrenz gewissenloser Unternehmer sichere. Aber es liegen auch Interessen der gesamten Nation vor. Stadtrat und Privatdozent Dr. Jastrow giebt ein Resume der Verhandlungen des heuttgen Tages. Em Induftrie und Handel Berlins Güterverkehr auf Eisenbahnen und Wasserstraßen wird eingehend in dem in unserm Blatte schon mehrfach erwähnten, lehr- reichen Gutachten der Berliner Handelskammer dargestellt, das sie auf Ersuchen der Perliner städtischen Verkehrsdeputatton über das Projekt einer städttschen Hafen- und Speicheranlage am Stralauer Anger abgegeben hat. Danach haben während der in Bettacht ge- zogcnen letzten zwölfjährigen Periode die Eisenbahnen einen wachsenden, die W a s s e r st r a ß e n einen abnehmenden Anteil an der Berliner Güterbewegung gehabt. Vom Gesamtverkehr entfielen auf die W a s s e r st r a ß e n im Durchschnitt der Jahre 1891—94 beim Empfang 50,7 Proz., beim Versand 35,8 Proz..; in den Jahren 1901—02 durchschnittlich dagegen nur noch beim Empfang 43,9 Proz., beim Versand 27,8 Proz., also weniger beim Empfang 6,8 Proz., beim Versand 8 Proz. Der gesamte Giiter-Empfang bettug: im Durchschnitt..au�.j6",_.. aut'5e? . Wasserstraßen Eis enbahne« der Jahre Tonnen Tonnen 1891/94: 4 669 700 4 536 116 1901/02:_ 4 986 026_ 6 359 936_ Zunahme: 316 326 Der gesamte Güter-Versand betrug: im Durchschnitt„, den Wasserstraßen bet ,;ahre Tonnen 1891/94: 446 505 1901/02:_ 575 202 1 823 820 auf den Eisenbahne« Tonnen 798 854 1 496 679 Zunahme: 128 697 697 825 Die Zunahme bettug also beim G it t e r e m p f a n g zu Wasser nicht ganz 7 Proz., mit der Bahn aber über 40 Proz.; beim Güterversand zu Wasser nicht ganz 29 Proz., mit der Bahn aber 37 Proz. I Diese Verschiebung des Güterverkehrs von der Wasserstraße auf den Schienenweg ist, wie das Gutachttn mit Recht bemerkt, eine überaus bemerkenswerte Erscheinung. Berlin weicht darin durchaus ab von andren Plätzen, die in ähnlicher Weise die beiden konkurrierenden Beförderungsmittel zur Verfügung haben. Das Gutachten der Handelskammer weist dies in einer insttuktiven Tabelle nach, in welcher sie der Verkehrsentwicklnng Berlins die- jenige in dem niederrheinischen Hafenkomplex Ruhrort, Duisburg und Hochfeld, sowie in den oberrheinischen Schwesterstädten Mann- heim-Lndwigshafen und endlich in Magdeburg gegenüberstellt. Faßt man die Gelamtbewegung der Güter, also Ankunfts- und Abgangs- verkehr znsanimengenommen. einerseits auf dem Wasser, andrer- seits auf der Eisenbahn ins Auge, so ergiebt sich aus dieser vergleichenden Tabelle, daß der Wasserverkehr vim 1891— 94 bis 1900— 01 in Berlin um 3,7 Proz., in Ruhro»- Duisburg-Hochfeld aber um 70 Proz., in M a n n b> M» Ludwigshafen um 68 Proz., in Magdeburg um? Proz. zugenommen hat; der B a h n v e r k e h r hat im gleiRr Zeittaum danach in Berlin um 45 Proz., in RuhrortDuisburg- Hochfeld um 65 Proz., in Mann heim-.AdwigShafen um 48 Proz., in Magdeburg um 3° Proz zugenommen. Während also in dem betrachten �.ttaum der W ass erver k e h r der andren Plätze die sicr Zunahme von 70, 68, 22 Proz. aufweist, hat er sich in Berlin iv 3,7 Proz., d. h. so gut wie gar nicht gehoben. Im Gegenso den rheinischen Plätzen, wo der Wasserverkehr in stärkerem erhä. js wuchs als der Bahn- verkehr, hat in Berlin er Bah», verkehr rnn 45, der Wasserverkehr aber um noch nicht Proz. �ugeuomen. Und das, so sagt das Gutachten, bei dem bannten sttirken Wachstum der Bevölkerung wie der Gewerbethätigke' von Groß- Berlin! Die Handelskammer weist bann ganz richtig auf die so ein- gehend bei der Erörterung des seligen Mttelland-Kanals auf- gerechneten Nachteile hin, die für die ganze Bevölkerung aus der Vernachlässigung und aus dem relativen Rückgänge des Wasserverkehrs entstehen, wie der Wasserverkehr um vieles billiger ist, wie er eine notwendige Ergänzung und Entlastung des überlasteten Schienenweges ist, usw, Für Berlin macht die Handelskammer hierfür eine höchst lehrreiche Rechnung auf, die sich auf die verschiedenen Transport- k o st e n zu Wasser oder zu Lande bezieht. Eine Tonne Getreide z. B. kostet an Fracht von Hamburg nach Berlin auf dem Wasser 2,50— 3,50 M., auf der Bah n aber 16,60—16,80 M., das ergiebt also Mehrkosten für den Bahntransport gegenüber dem Schiffs transport von 13,10—14,30 M, Bon Breslau nach Berlin stellt sich diese Differenz für eine Tonne Getreide auf 8,50 bis 10 Mark. Bei 100 Kilogramm Schmalz, um noch ein Beispiel, das die Massenkonsumenten angeht, herauszugreifen, stellen sich die Transportkosten von Hamburg nach Berlin auf dem Wasser 0,40-0,60 M.. auf der B a h n aber 1,94-3,11 M. Offen sagt zu diesen Thatsachen die Handelskammer:„Wenn nun trotz solcher Mehrkosten der Bahnbezug vor dem Schiffsbezug in steigendem Maße bevorzugt wird, so werden die M e h r k o st e n zwar z u n ä ch st vom Handel verauslagt, aber schließlich doch in Form von Preisaufschlägen auf die Gesamtheit der V" r b r a u ch e r abgewälzt, s o daß diese den großen Schaden des weniger wirtschaftlichen Trans- Portes zu tragen hat." Es ist also eine höchst dringliche Aufgabe, nach den Gründen der verschiedenen und veränderten Beförderungsweise zu suchen, um hier Abhilfe zu schaffen. Die Berliner Handelskammer weist es hierbei zunächst zurück, daß der H a n d e l s st a n d mit einer minder sorgfältigen und wirt- schastlichen Geschäftsführung hieran Schuld sei. Die Handelskammer sieht vielmehr den wesentlichen Grund in der mangelhaften Entwicklung, welche die Anlage-, Lösch- und Lade- Einrichtungen'für den Wasserverkehr im Berliner Wirtschasts- gebiet genommen haben. Während die Eisenbahn- Berwaltuug das System ihrer Berliner Güterbahnhöfe sorgfältig weiter ausgebaut und namentlich durch die Güterstationen der Ringbahn und der Vorortbahnen, sowie durch die Rangierstationen weit außer- halb Berlins die inneren Bahnhöfe entlastet und zugleich die Transporte beschleunigt hat, sind die Ladestellen an den Berliner Wasserstraßen, abgesehen von der Erweiterung des Hafens am Urban, seit Anfang der 1890er Jahre nicht nur nicht ver- mehrt, sondern durch die fortschreitende Bebauung privater Lade- stellen sogar vermindert worden. In der schnellen und möglichst vollkommenen Verwirklichung des Projektes einer städtischen Hasen- und Speicheranlage am Stralauer Anger sieht das Gutachten danach ein höchst wirksames Mittel, den Transport auf den Berliner Wasserstraßen zu heben und damit den gesamten Transport und auch den Warenkonsum zu verbilligen und zu vermehren. Zur Erneuening des KohlensyndikatS. Die an dem gustande- kommen eines neuen Syndikats besonders interessierten Zechen- verlvaltungen machen alle Anstrengung, einen Modus zu finden, der die bekannten vier widerspenstigen Gesellschaften doch noch zum An- schluß bestimmt. So macht Generaldirektor Effertz von der Aktien- gesellschast Königsborn in einem Rundschreiben an die Syndikats- zechen jetzt den Vorschlag, dem Absatz 2 des§ 2 des Organisationsstatuts folgende Fassung zu geben:„Bei den bisherigen Mitgliedern dieser Bereinigung, insoweit dieselben bei Abschluß dieses Vertrages nicht Eigentümer von Hüttenwerken sind, gilt als Grundlage für die Beteiligung am Gesamtabsatz die ihnen bisher zugebilligte Be- teiligunasziffer nach Abzug von 15 Proz." Es sollen also nach dem Effertzschen Vorschlag die sämtlichen am 30. September vorliegenden Beteiliguiigsziffern gleichmäßig um 15 Proz. gekürzt werden. Zur Begründung dieses Vorschlages wird ausgeführt,„daß die bis jetzt noch abseits stehenden Zechen fürchten, eS werde zu lange dauern, ehe sie mit ihren bereits in Angriff genommenen oder noch in Angriff zu nehmenden neuen Schachtanlagen nach Maßgabe des neuen Vertrages an der Zunahme des Bedarfs beteiligt werden können. Würden jedoch alle Be- wiligungsziffern sofort um 15 Proz. gekürzt, so würden in drei Jahren nach Maßgabe der bisherigen Bedarfszunahme nach einer von Effertz aufgestellten Berechnung schon 9 060 550 Tonnen Mehr- bedarf zur Verteilung an die Zechen verfügbar sein. Hieran würden aber die leistungsfähigen Zechen unter allen Umständen den größten Anteil haben. Den Zechen, welche sich jetzt noch ablehnend verhalten, werde also dadurch jeder Grund zur Besorgnis wegen ihrer Weiter- entwicklung entzogen." Stahlwerks-Berband. Ueber den Stand der Verhandlungen zur Bildung eines deutschen StahlwerkS-VerbandeS wird der„Frankstlrter Zeitung" von einem Beteiligten geschrieben:„Die Aussichten für die Begründung des Stahlverbandes haben seit den letzten Sitzungen wesentlich gewonnen, da einzelne dem Plane bisher weniger ge- neigte Werke bei weiterer Erörterung eine freundlichere Haltung zu der Frage eingenommen haben. Auch aus andren Gründen stellen sich die Aussichten für das Projekt jetzt sichtlich günstiger, ab- gesehen davon, daß für die zögernden Werke schließlich das eigne Interesse für deren Beitritt maßgebend sein dürfte. Man wird in den interessierten Kreisen immer niehr darin bestärkt, daß nur durch die Begründung des geplanten Ver- bandes eine gesunde Basis für die Eisenindustrie zu schaffen ist, auf welcher eventuell weitere im Interesse der Industrie dringend not- wendige Produktions- und Preisverständigungen aufgebaut werden können. Eine unangemessene Belastung der nicht selbst Rohstoffe herstellenden Werke bei Begründung des Stahlverbandes wird nicht befürchtet, da infolge der Syndizierung des Rohmaterials die ver- arbeitenden Werke mehr als bisher vor Entstehen neuer Konkurrenz geschützt und außerdem in der Lage sein wiirden, ihr Fabrikat besser zu verwerten."_ Gcwcrhrcbaftlicbca. Berlin und vlmgegend. Die Lohnbewegung der Fliesenleger ist beendet. Am Donnerstag fand eine öffentliche Fliesenleger-Versammlung statt, in der Schulz über den Verlauf der Bewegung berichtete. Es haben nun alle Firmen bis auf drei den vor dem Einigungsamt des Gewerbe- gerichts abgeschlossenen Tarifvertrag anerkannt. ArbeitsberechtigungS- Karten wurden vom Verein der Fliesenleger 122, vom Centralverband der Maurer 42 ausgestellt. Bei jenen drei Firmen sind die Fliesen« leger, die der sogenannten„Freien Vereinigung" angehören und einen besonderen bis zum 1. Februar 1904 geltenden Tarifvertrag haben, nicht zu bewegen, für die Forderungen einzutreten: doch sollen, wie verlautet, vom 1. Februar ab auch dort die neuen Bedingungen eingeführt werden. Unter diesen Umständen erscheint eine Fortsetzung des Kampfes gegen die drei Firmen aus- sichtslos.— Nach kurzer Debatte wurden auf Vorschlag des Redners folgende Beschlüsse gegen wenige Stimmen gefaßt: Die Versammlung beschließt die Sperren über die Firmen Rosenfeld n. Co., Villeroyu. Boch und E. E n d e auf- z h e b e n, da sie jetzt zwecklos sind und wir zur Zeit weiter nichts errei.m können.— Das Bureau wird aufgehoben und der frühere Zustanowieder hergestellt. An diesem Sonnabend ist zum letzten- mal eine'rframarke zu kleben. An die Arve?.- und Krankcnkassen-Mitglieder? Wir bitten bei Besuch von Badeanjnten, bei Inanspruchnahme von Privatmasseuren, wie bei Besuch von Ptient» sei es durch Verwandte oder Arbeit?« genossen des Patienten, me Anfftellten der Krankenhäuser wie Bade- anstalten stets nach der gelbeiclontrollkarte zu fragen. Dieselbe muß für den laufenden Monat abgestempelt sein, Karten ohne Stempel sind zurückzuweisen. Wst wpellieren an Euer Solidaritäts- gefiihl, uns in dem schwerem K-ämp unterstützen zur Erreichung besserer Lebens- und ArbeitSchediiigige,, und Festsetzung sicherer Löhne statt Trinkgelder in den Berlin Badeanstalten. Zur besonderen Kenntnisnahme diene, daß infolge der in der Badeanstalt Chausseestr. 81, Jnh. Benster, erfolgten Matzregelung zweier Kollegen die dort noch beschäftigten zwei Kollegen und eine Kollegin sich mit den Gemaßre�elten solidarisch erklärten und eben- falls in den Ausstand getreten sind.— Wir bitten die Arbeiterschaft Berlins, speciell die Krankenkassen-Mitglieder, von oben stehender Notiz Kenntnis zu nehmen. Verband des Massage-, Bade- und Krankenpflege-PersonalS. Deutkebes Reich. Zum Ausstand in Crimmitschau. Fortgesetzt entwickelt die Polizei, wahrscheinlich aufgemuntert durch die Entscheidung der Kreishauptmannschaft, eine geradezu fieber- hafte Thätigkeit. Tie Arretierungen der Streikposten nehmen kein Ende. Frauen, ja Mütter, werden stundenlang auf der Wache fcstge halten. Am Montag hat auch das Amtsgericht gegen Streikposten- Sünder sofort vollstreckbare Urteile gefällt. Bei einem solchen Vor- gehen ist es geradezu ein Wunder zu nennen, daß es nicht zu Aus- brüchen der immer mehr sich steigernden Empörung und Erbitterung kommt. Nur der geradezu eisernen Disciplin und den Ermahnungen zur Ruhe und Kaltblütigkeit durch die Führer der kämpfenden Crim mitschauer Arbeiterschaft ist es zu danken, daß es nicht infolge dieses Eingreifens der Behörden zu schlimmen Auftritten kommt. Den Unternehmern ist jedes Mittel im-Kampf gegen die Ausgesperrten will- kommen. Selbst vor den kleinlichsten Chikanen schrecken sie nicht zu- rück. So haben zwei Fabrikanten, die sich durch eine Vcrsammlungs- anzeige beleidigt fühlen, den Einberufer der Versammlung verklagt. — Die Bürgerschaft Crimmitschaus, soweit sie nicht zu den Fabrikanten oder deren Anhang zählt, bekundet den in den Kampf getriebenen Arbeitern und Arbeiterinnen volle Sympathie. Ein Bäckermeister spendete für bedürftige Streikende 50 Brote. Fast sämtliche Bäcker haben den Brotpreis wesentlich herabgesetzt. Der Konsumverein Ein- tracht ermäßigte den Preis des siebenpfündigen Brotes um 20 Pf. Auch sonstige notwendige Nahrungsmittel sollen noch im Preise herab- gesetzt werden. Die Erregung innerhalb der Gewerbetreibenden über den Starrsinn der Unternehmer ist allgemein. Kürzlich teilten wir mit, daß die Crimmitschauer Fabrikanten denjenigen Kunden, welche auf Jnnehaltung der Lieferungsverträge klagen, in Zukunft keine Ware mehr liefern wollen. Die neueste Nummer des„Konfektionär" veröffentlicht den Wortlaut des Cir- Mars, worin den Abnehmern der Crimmitschauer Ware dieser Be- schluß mitgeteilt wird und schreibt dazu: „Die Sprache der Crimmitschaucr Fabrikanten ihren Kunden gegenüber erscheint ziemlich selbstbewußt. Es ist nur fraglich, ob sie sich damit gerade viele Sympathien erwerben werden. Die Crim- mitschauer Fabrikanten sind doch auf die Nachsicht und die Unterstützung ihrer Abnehmer angewiesen. Wenn sie aber solche mit Drohungen ge- spickte Sprachen führen, werden die Kunden sich von ihnen abwenden und ihren Bedarf anderweitig decken. Dann sind sie die Boykottierten und haben den Schaden zu tragen. Man soll den Bogen nicht zu straff spannen."— Dem„Konfektionär" sind in sehr erregtem Ton gehaltene Zu- schriften von Grossisten zugegangen. Diese sprechen von„Rücksichts- losigkeit der Fabrikanten" und erheben gegen diese schwere Vorwürfe. Es wird als wenig entgegenkommend hingestellt, daß man langjährigen Kunden, die im Vertrauen auf prompte Lieferung ihre Waren bestellt haben und jetzt ihre schon lange fälligen Waren haben wollen, mit Boykott droht. Allerdings sind die Crimmitschauer Fabrikanten gegen ihre Kun- den ebenso rücksichtslos wie gegen die Arbeiter, und wenn sich die Konfektionäre solche Rücksichtslosigkeiten ruhig gefallen laffen, so ver- dienen sie die Behandlung, die ihnen zu Teil wird. Die Crimmitschauer Fabrikanten werden rücksichtsvoller werden, wenn ihnen die Kon- fektionäre zeigen, daß anderswo auch noch gewebt wird. Für da« Steinsetzergew erbe in Magdeburg ist nach langem Ver- handeln in den letzten Tagen ein Tarifvertrag zu stände gekommen, der für die Arbeiter wesentliche Vorteile enthält. Die hauptsächlich« sten Bestimmungen desselben seien hier hervorgehoben. Die Dauer der täglichen Arbeitszeit ist auf 9l/„Swnden festgesetzt und wird im Herbst und Winter bis auf 7 Stunden gekürzt. Außer den gewöhn- lichen Eßpauien finden noch täglich drei sogenannte Fünfzehn- pausen von je 10 Minuten Dauer statt. Der Stundenlohn belrügt für Junggesellen und alte, nicht mehr voll leistungsfähige Gesellen 45 Pfennig, im übrigen 55 Pfennig. Außerdem werden mit 10 Pf. Nachtstunden-, und Sonntagsarbeit mit 20 Pf. pro Stunde Aufschlag bezahlt. Für die Arbeitsleistung ist ein Höchst- maß festgesetzt, das nicht überschritten werden soll und das sich in einigermaßen vernünftigen Grenzen hält. Die Bezahlung für Ueber- landarbeit soll von Fall zu Fall vereinbart werden, maßgebend ist aber, daß der Unternehmer das Fahrgeld hin und zurück gelvährt und daß da, wo außerhalb übernachtet werden mutz, ein dem- entspreckienber Lohnzuschlag zu gewähren ist. Der Tarif gilt bis Ende 1904 und ist bereits von sieben Finnen unterschrieben: auch alle übrigen zahlen die tarifmäßigen Löhne, nur nicht— der Obermeister der Innung, der sich um das Zustande- kommen deS Tarifes die denkbar größte Mühe gegeben hat und mit demselben bei den Unternehmern thatsächlich von Haus zu Haus ge- laufen ist, um sie zur Anerkennung desselben zu bewegen l Das läßt beinahe den Schluß zu. daß es demselben nur darum zu thun war, seinen Konkurrenten den Tarif an den Hals zu hängen,»cm nun desto bequemer im Trüben fischen zu können: denn dieser Herr ist der einzige, der unorganisierte Arbeiter in nennenswerter Zahl zur Verfügung hat. Trotzdem aber hegen die organisierten Stein- setzer die feste Zuversicht, auch diesen Herrn noch zur Anerkennung des Tarifs zu bewegen. Steinsetzer. Der Streik bei der Firma P ö tz s ch i g in Alte n- burg(S.-A.) ist beendet, die Firma hat den geforderten Lohn bewilligt. Ein Mann ist allerdings ausgesperrt, jedoch sind Mag- nahmen getroffen, um die Wiedcreinstellung desselben zu erzielen. Die Maurer in Dessau haben den Streik beschlossen, nachdem die Unternehmer sowohl die Forderungen selbst wie Verhandlungen vor dem Einigungsamt abgelehnt haben. Gefordert wird ein für alle Maurer gleicher Stundenlohn von 40 Pf. sowie der Abschluß eines korporativen Vertrages. Die Klempner und Installateure in Barmen sind in eine Lohn- bcwegung eingetreten. Sie fordern Wochenlöhne von 18 bis 27 M., die nach Altersklassen abgestuft sind. Der Allgemeine Deutsche Gärtuerverein hat— wie uns mit- geteilt wird— in seiner Ansschußsitzung am 6. September be- schlössen, über die Frage einer A n g l i e d e r u n g an die Generalkommisiion der Gewerkschaften Deulschlands eine Urabstimmung der Mitglieder vorzunehmen. Diese soll anfangs Oktober stattfinden. Wenn die Befürworter der Anglicderung eine erdrückende Majorität erlangen, dürfte eine sonstige Aenderung der Organisation nicht in Aussicht stehen: wird die Majorität aber nur eine schwache, so steht zu befürchten, daß die Unterliegenden unter f ührung deS christlich- socialen Geschäftsführers Behrens eine esondcre Organisation ins Leben rufen. Der Karlsruher Stadtrat gegen daS KoalitionSrrcht. Vor anderthalb Jahren wurde in Karlsruhe eine Filiale� des Hafen- arbeiter-Verbandes gegründet, dem fich die im st ä d t i s ch e n Hafenamt beschäftigten Arbeiter anschlössen. Damals wurden die Wünsche des Vertreters der Organisation vom Stadtrat entgegengenommen, die Organisafton also anerkannt. Kürzlich wurden nun zwei Vorstandsmitglieder des Hafenarbeiter-Verbandes auf daS Rathaus beschiedcn, wo ihnen der zuständige Decement eröffnete, daß sie wohl sich lokal organisieren könnten, daß sie aber keiner Centralorgairisation angehören dürften. UebrigenS sei es gar nicht nötig, daß sie sich organisieren, sie könnten ja ihre Wünsche und Beschwerden durch den ArbeiteranSschuh vorbringen. Liberale und ultramoiltane Stadtväter sind es, die sich nicht scheuen, den städtischen Arbeitern einfach zu verbieten, einer Organi- sation, die den Arbeitern gefällt, anzugehören. Sociales. Die Ruhezeit im GastwirtSgewerbe. Ein Wirt in Köln hatte seinem Küchenchef die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit von 24 Stunden „gewährt", ihn aber trotzdem arbeiten lassen, da der Küchenchef ihm die Arbeit angeblich fteiwillig anbot, also mit der Beschäftigung ein« verstanden war. Es erging ein Strafbefehl gegen den Wirt; er er- hob Einspruch, wurde aber sowohl von dem Schöffengericht wie von der Strafkammer verurteilt. Die Strafkammer entschied: Der Wirt habe jede Beschäftigung seiner Angestellten während der Ruhezeit zu verhindern; er dürfe die freiwillig angebotene Arbeit nicht annehmen; es genüge nach dem Sinne der Bekanntmachung des Bundesrats vom 23. Januar 1902 nicht, daß die Ruhe- zeit nur angeboten beziehungsweise gewährt werde. Gegen dies Urteil legte der Wirt Revision ein. DaS Ober« Landes« gericht verwarf die Revision. In der Begründung wird gesagt, die Angestellten sollten durch die Verordnung gegen jede mögliche Aus- beutung geschützt werden. Die Entscheidung ist durchaus zufteffend; was sagt aber das Breslauer Obcr-Landesgericht dazu, daß im entgegengefetzten Sinne entschieden hat? Versammlungen. Der socialdrmokratische Wahlverein für den 6. Berliner Reichstag». Wahlkreis hielt am Dienstag bei Daafe, Brunnenstraße, eine Ver« sammlung ab, in der Genosse L e w i n s o h n über die Bedeutung des Sauerstoffes sprach und die Wirkung desselben durch verschiedene Experimente zur Darstellung brachte. Der lehrreiche Vortrag wurde voic der Versammlung beifällig aufgenommen.— Der Vorsitzende Herfurth machte sodann auf die am Sonntag stattfindende Flug- blattverbreitung aufmerksam und forderte zur regen Beteiligung an derselben auf. Dann berichtete er über die bisher gettoffenen Maß« nahmen zur Landtagswahl und ersuchte, an den Vorarbeiten tüchtig mitzuwirken, sowie daß sich diejenigen Genossen, welche dazu in der Lage sind, sich als Wahlmänner ausstellen zu lassen, jetzt schon melden, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Eine öffentliche Versammlung der Schlächtergesellen tagte am 9. September in Feuersteins Festsälen. Zunächst wurde ein Vor- trag über die Thätigkeiten bczw. Unthätigkeiten verschiedener Alt« gesellen des Schlächterberufeö gehalten. Die meisten Altgesellen (Äesellen-Ausschüsse) entsprechen nicht im geringsten den Anforde- rungen ihrer Aemter, sondern stehen direkt oder indirekt unter der Knute der Innungen, halten sich fern von der modernen Organi- sation, versuchen den Agitatoren derselben in schärfster Weise ent- gegenzutrcten, um bei den Innungen liebäugeln zu können, und spielen so den Gcsellen-Verräter, nicht aber den-Vertreter. Selbst von Berlin kann man Beispiele vorführen, wo ein Altgeselle in der Versammlung sagte:„Wir müssen froh sein, unsre Füße unter des Meisters Tische halten zu können." TEin andrer Howe bei der Innung den 13stündigen Arbeitstag gefordert, noch ein andrer 90stnndige Arbeitszeit pro Woche. An den diesjährigen Meister- Verbandstag in Potsdam haben die Berliner Altgesellen die Bitte um Einführung einer Arbeitszeit von 75 Stunden pro Woche gestellt, dieselben seien aber kurzweg ab- gewiesen worden. Dieser Verbandstag habe sogar einer Resolution zugestimmt, welche die Verlängerung der SonntagSarbcit von 3 auf mindestens 6 Stunden fordert. Redner führte vor, daß es un- bedingt notwendig sei, daß die Organisation der Gesellen hier Wandel schaffen müsse. Dem gesamten Wesen der Altgesellen sei kein Vertrauen zu schenken, denn so lange dieselben nicht begreifen, daß sie sich selbst organisieren müssen, werden sie auch nicht die Mehrzahl der Kollegen hinter sich haben. Die beste Waffe zur Er« ringung besserer ArbcitSverhälnisse sei nur die moderne Organi- sation mit tüchftgen Führern. Jeder Kollege soll sich derselben an- schließen, dann wird das verräterische Wesen der Altgesellen bald verschwinden. Die Diskussion war sehr ausgedehnt. Es be- teiligten sich daran die Kollegen S o l t a u als Vertreter des hiesigen Gesellen-Ausschusses, Keslinke, Klose und Weiß. Soltau führte unter anderm an, daß hiesige Altgesellen, weil sie für die Interessen ihrer Kollegen eintreten wollten, gemaßregclt worden seien. Der Jnnungs-Sprechmcister habe ihnen dann nur noch Arbeit in Afrika angeboten. Es wurde Soltau ber gute Rat gegeben, sich mit seinen übrigen Kollegen des Gesellen-Ausschusses dem Centralverbande anzuschließen und endlich den christlichen Gcwerk- schaften den Rücken zu kehren, damit ein geschlossenes Vorgehen möglich sei und Gemaßregelte dann kräftig unterstützt werden könnten. Kollege Klose erstattete sodann den Bericht der Delegiertenversammlung der Gewerkschaftskommission. Die nächste Mitgliederversammlung soll am 24. September Rosenthalerstr. 57 bei Pfeffer stattfinden mit der Tagesordnung: Die Arbeits- Verhältnisse in den Fleischereien des Berliner Konsumvereins und des Rabatt-Sparvercins„Süd-Ost". Der Brrband der Bäcker hielt am 8. September eine Mitglieder- Versammlung ab. Barchels sprach über Koaliftonsrecht in Theorie und Praxis. Er schilderte die Auslegung der Gesetze durch die Richter, wodurch oft eine erhebliche Einschränkung der Gesetze zum Schutz der Koattfton herbeigeführt werden könne. Wollen wir emen günstigen Einfluß auf die Gesetzgebung und die polizeiliche Hand« habnng der Gesetze gewinnen, so müssen wir uns mit aller Kraft an den Landtagswahlen beteiligen. Nachdem für die Textilarbeiter in Crimmitschau 30 M. bewilligt wurden, erfolgte Schluß der Ver- sammlung._ Letzte f�admehten und Depelchen* ReichStags-Stichwahl-Ergebnis. Dessau, 11. September. Bei der heute stattgefundenen Stich* wähl im Kreise Anhalt-Desiau erhielten Sftmmen: Käppler(Soc.).... 12732. Schräder| V4 W VI( l| i V 4 fc l V i»•| V4 4 i W 4 fc-VW V W» 4 1 W| 4 1■!%« W| 4 44*» V• � J) I—/ I I--- Lcrantworll. Redakteur: Julius Kaliski- Berlin. JnferatenteU verantwortlich: Tch. Glocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckc.ci und Vcclagsanjlalt Paul Singer sc Co., Berlin BW. Hierzu'2 Beilage». Nr. 213. 20. Jahrgang. I des„öorfiiitts" Srtlinct WliÄÄ Sounabend, 12. September 1903. Zur Flugblattverbreitung am Sonntag früh treffen sich die Parteigenossen an folgenden Orten: Zweiter Wahlkreis. Früh V1/� Uhr Bei D. Knmke, Restanratenr, Bülowstr. 69. Richter. Restanratenr, Kulmstr. 36. Böttcher, Restau- rateur, Steinmetzstr. 29. Richert, Restaurateur, Steinmetzstr. 69. Marsch, Restanrareur, Mvcnslebcnstr. 16. Hähnelt, Restanratenr, Blumenthalstr. 6. W. Brnns, Restanratenr, Wilbelmstr. 146. F. Ohnesorge, Restaurateur, Markgrafenstr. 192. R. Augustin, Restaurateur, Lindenstr. 69. F. Lehmann, Restaurateur, Friedrich- straffe 16. H. Stürmer, Restaurateur, Zimmerstr. 24. Wieprecht, Restaurateur, Schützenstr. 13/19. I. Sasse, Restaurateur, Hornstr. 2. K. Werner. Restaurateur, Hagelsbergerstr. 2. F. Rechtbach, Restau- rateur, Hagelsbergerstr. 23. F. Preuff, Restaurateur, Belle-Alliance- straffe 74». Borgseldt, Restaurateur, Arndtstr. 36. I. Thomsen, Restaurateur, Gneisenanstr. 39. E. Seidel, Restaurateur, Mitten- walderftr. 16. Paul Scholz, Restaurateur, Zossenerstr. 1. Ecke Barutherstrahe. Schülicke, Restaurateur, Bärwaldstr. 1. �ul. Fischer, Restaurateur. Bocckhstr. 7. F. Ewald, Restaurateur, Schönleinstr. 6. Patschke, Restaurateur, Gräfestr. 31. E. Lindemann, Restaurateur, Moritzstr. 9. Schulz. Restaurateur, Wasserthorstr. 14. Dritter Wahlkreis. Die Genossen toerden ersucht, sich früh 8 Uhr an denselben Stellen einzufinden, an denen sie schon bei früheren Vor- breitungen geholfen haben. Diejenigen, welche bisher noch nicht geholfen haben, möge« sich an den nachstehend verzeichneten Stellen einfinden: Schnieder, Adnnralstr. 21; Krüger, Nauuynstr. 64; Schäfer, Alte Jalobstr. 137; gacharowsky, Brandenburgstr. 49; Stramm, Ritterstr. 123; Mendt, Alexandrinenstr. 39; Schneider, Sebastianstr. 7(Keller); Ferd. Affmus, Prinzenstr. 59; Tauschte, Brückenstr. 2; Peulert, Mclchiorstr. 39; Ladewig, Kommandantenstraffe 65. Fünfter Wahlkreis. Va8 Uhr: Rausch, Winsstr. 12; Belter, Neue Königstr. 69; Knötzsch, Hirtenstr. 19; Patt, Dragonerstr. 16; Wirth, Auauststr. 51; Wittchow, Kl. Hamburgerstr. 27, Eingang Elsasserstrahe; Schliz, Luisenstr. 26. Charlottenbnrg. Morgens T'/s Uhr; 1. Bezirk: Ferdinand Paaschs, PotSdamerstr. 44; 2. Bezirk: Horm. Bade, Rebringstr. 25; 3. Bezirk: Ennl Müller(BolkshauS), Rosincnstr. 3; Bernhard Gimpel, Osna- brückerstraffe 8; 4. Bezirk: Eduard Dörre, Wallstr. 99; 6. Bezirk: Adolf Bartsch. Sesenheimerstr. 11; 6. Bezirk: Leopold Fischer, Pestalozzistr. 84; 7. Bezirk: August Nötiger, Leibnizstr. 3; 8. Bezirk: Wilhelm Stolzenburg, Luthcrstr. 45. Schvneberg. Früh 7'/3 Uhr in folgenden Lokalen: Ständer, Hohcnstaufenstr. 79; Schillina, Kyffhäuserstr. 16; Krüger. Grunewald- straffe 119; Döring. Merseburgerstr. 7; Obst, Meiningerstr. 8; Horlemann, Kaiser Friedrichstr. 8; Reimer, Hohenfriedbergstr. 26; Hoffmann, Cheruskerstr. 16; Ruthenberg, Fritz Reuterstr. 3; Moll, Sponhol'str. 34. Wilmersdorf. Früh 8 Uhr. Treffpunkt der Genossen ftir den 1. und 2. Bezirk bei Natusch, für den 3.. 4. und 5. Bezirk bei Witte, für den 6. Bezirk bei iliudloff, ftir den 7. Bezirk bei Hilpert(Halensee). Schmargendorf. Vormittags 10 Uhr im Wirtshaus Schmargen- torf. Friedenau. Früh 7 Uhr bei Grube. Kaiser-Allee 86. Tempelhof. Früh 8 Uhr bei Dreibrodt, Ringbahnstr. 12; Lehmann, lverlinerstr. 79. Mnriendorf bei H. Reichardt, Chansseestr. 17. Marienfelde bei Dietmann, Groffbeeren. Steglitz. Früh T/o Uhr bei Schellhaase, Ahornstt. 15»; Wolf, Schildhornstr. 98; Leetz, Florasttaffe, Ecke Düntherstrahe; Krüger, Heesestr. 1; Kramer, Marksteiiistr. 1. Für den 6. Bez. bei dem Gen. Gratofiel. Potsdamerstr. 7. Zchlendorf. Früh 7 Uhr bei Giese, Teltowerstr. 23. Paukow-Nieder-Schönhausen. Früh 8 Uhr: Treffpunkt ftir Kaiser Friedrichstrahe Maximilian- und Mühlcnstraffe bei Mierke, Berliner- straffe; für Nordbahn-Viertel, Brehme- und Schultzestraffe bei Böhlke, Wollankstraffe 193. Alle andern bei Drcffler, Florasttaffe, Ecke Mühlenstrahe. Treffpunkt für N i e d e r- S ch ö n h a u s e n: bei Anton an der Kirche; für Französisch-Buchholz bei Hähne. Tegel. Früh 8 Uhr bei Paul Krause. Weißensee. Früh 8 Uhr bei Helmke, Heincrsdorfer Weg 38'; Stolle. Lehderstt. 28; Schmutz, König-Chaussee 38; Gartz, König- Saussee 66; Sorrer, Straffburgstt. 66. Um rege Beteiligung wird ucht. RmnmelSburg-Boxhagen. Früh 8 Uhr: 1. Bezirk: Hennig. Echillerstt. 26; 2, Bezirk: Burgenger, Kantstr. 44; 3. Bezirk: Jage, Prinz Alberfftr. 17; 4. Bezirk: Thons, Kantstraße und Goethesttahen- Ecke; 6. Bezirk: Wingert, Neue Prinz Albertstt. 17; 6. Bezirk: Tempel. Alt-Boxhagen 66. Diejenigen Genossen, die nach Aufferhalb gehen, haben sich früh 6>/z Uhr auf Bahnhof Ost einzufinden. Der Vertrauensmann. Lichtenberg. Die Genoffen werden ersucht, sich früh 8 Uhr in den bekannten 12 Bezirkslokalen den Vezirksführern zur Verfügung zu stellen. Friedrichsfeldc. Die Genossen werden ersucht, sich ftüh 7'/z Uhr ihren Vezirksführern zur Verfügung zu stellen. Für Treptow früh 8 Uhr im Restaurant Bock. Kiefholzstr. 6 und Neue Krug-Allee 62. Für Baumschuleuweg früh 8'/z Uhr im Restaurant Staffeid, Baum- schulenstraffe 84—85. Britz. Früh 7 Uhr bei Weniger. Werderstt. 27. Köpenick. Früh 7 Uhr: Treffpunkt bei den Parteigenoffen A. Stippekohl und 81. Rochlitz. Adlershos. Früh 7'/, Uhr bei Arthur Lau. Parteigenossen und Genossinnen; Mit der Verbreitung dieses Flugblattes soll das Interesse für die Landtagswahlen in den weitesten Schichten der Bevölkerung geweckt werden. Die Wichtigkeit der Aktion wird jedem einleuchten; keiner darf daher bei der Verbreitting am Sonntag früh fehlen I Der Wahlkrawall in Lanrahtttte. B e u t h e n O.- S.. 11. September. (Privatdepeschen des..Vorwärts'.) Die Verhandlung beginnt mit dem Auftuf von 79 Zeugen. welche heute vernommen werden sollen. Der Saal ist vollständig gefüllt. Zeuge Kaufmann Suhmann ist aus dem Hause gelaufen. als die Spritzen vorbeifuhren. Er hörte den Amtsvorsteher wieder- holt die Menge auffordern, auseinanderzugehen. Der AmtZvorsteher erklärte den Leuten, sie würden mit Zuchthaus bestrast werden. da rief einer:„Wir sind ja schon in einem Zuchthause.' Sollik und Kubik standen in erster Reihe, als die Spritze in Thätigkeit trat; ich bekam einen Stein in den Rücken, dann ging die Menge entschlossen vor. Dabei war wieder Sollik. Die Wenge richtete den Strahl gegen unS, wir mufften uns zurückziehen, und der Branddirektor ClauSnitzer. der sich nicht zurückziehen konnte, wurde arg zerschlage». Kubik habe ich mit einem Stein werfen sehen. Am Bahnhof war Kubik; als das Militär eintraf, war er verschwunden. Beim Abfahren der Spritze bekam ich auf meine Frage, was die Leute mit der Spritze niachen wollten, einen Fuh- tritt.— Staatsanwalt: Was meint der Zeuge, wozu stand Kubik am Bahnhof.— Suffmann: Das weiff ich nicht. — Staatsauwält: Posten gestanden?— Sußmann: Das weiff ich nicht, er stand an der Thür.— Sollik: Wann hat mich der Zeuge zum ersten-, wann zum zweitenmal gesehen?— Suffmann: Wir waren also alarmiert.— Vorsitzender: Sie wissen also die Zeit nicht? Angeklagter Kubik bestteitet wiederholt, Steine geworfen zu haben. Rechtsanwalt Rozanski richtet an den Zeugen Gendarm Becker die Frage: Haben sich die Leute nach dem Eingreifen der berittenen Gendarmen zerstreut? Vorsitzender! Was soll diese Frage, im Interesse welcher An- geklagten stellen Sie die Frage? Rozanski: Im Interesse aller Angeklagten. Vorsitzender: Sie verteidigen doch nicht alle. RozanSki: Aber auch meine Klienten haben das gröhte Interesse daran, den Thatbestand aufzuklären. Vorsitzender: Ich wiederhole meine Frage: Im Interesse welcher Angeklagten haben Sie die Frage gestellt? Rozanski: Im Interesse Joseph Korfantys. Vorsitzender: Aber was hat der damit zu thun? Rozanski: Die Verteidigung muff das Recht haben, den That- bestand des Vorganges selbständig vollzuklären, sonst kann ich die Verteidigung nicht führen. Ich beantrage Gerichtsbeschluff über die Zulassung der Frage; wird sie abgelehnt, so wäre rch nicht in der Lage, pflichtgemäff zu verteidigen und wäre gezwungen, die Ver- teidigung niederzulegen und den Saal zu verlassen. Vorsitzender: Vorläuflg lehne ich die Frage ab. RozanSki: Ich bitte einen Gerichtsbeschluff herbeizuführen. Vorsitzender: Ich habe schon gestern darauf aufmerksam gemacht, daff das Gericht die Verhängnng von Ordnungsstrafen auch gegen einen Verteidiger in Auwendung bringen kann! Der nächste Zeuge, Pfarrer Andreas Schwiedcr: Gegen 7% Uhr ging ich nach dem Versammlungssaale. Wie ich auf die Bühne kam, riefen die Leute: Hoch, Korfanty! Ich bat um Ruhe, bekam aber kein Gehör. Dann forderte ich noch einmal vergeblich zur Ruhe auf; da sagte ich: Die Bersanimlung ist aufgelöst! Daraufhin löste auch der Gcudarm Becker dir Scrfammluiig auf. Mehr weih ich nicht; ich habe niemand gesehen bezüglich erkannt. Nachher wurden bei mir die Scheiben eingeworfen. Rechtsanwalt Herrnstadt: Haben Sie nicht tviederholt versucht, zu Wort zu komnreu? Schwieder: Nein. Als keine Ruhe war, habe ich die Versammlung aufgelöst. Rechtsnnwalt Herrnstadt: War keine Pause zwischen Ihren beiden Aufforderungen zur Ruhe? Schwieder: Rur wenige Sekunden. Rechtsanwalt Herrnstadt: Haben Sie polnisch gesprochen? Schwieder: Ich sprach nur polnisch. Rechtsanwalt Scyda: Ist Ihnen bekannt,_ daff Sie deshalb nicht zu Worte gekommen sind, weil Sie sich in Laurahütte einer groffen Unbeliebtheit erfreuen? Vorsitzender fällt schnell ein: Wissen Sie, weshalb Sie nicht zu Wort gekommen sind? Schwieder: Das weih ich nicht. Vorsitzender: Bitte dazu keine Aus- f ü h r u n g c n?n e h r. Rechtsanwalt Seyda: Hatte der Zeuge nicht schon vorher mit dem Llmtsvorsteher gesprochen, daff es besser wäre, die Versammlung nicht abzuhalten? Hatte der Amtsvorsteher nicht da gesagt, die Polizei würde schon Ordnung halten? Schwieder giebt eine unklare Antwort mit leiser Stimme. Die Aiigellagten machen eine Reihe von Vorhaltungen; einer ruft verzweifelt in den Saal: Nur das werde ich sagen: wenn nicht der Herr Pfarrer gekommen wäre, dann wären wir alle nicht hier und unsre Frauen und Kinder brauchten nicht zu hungern! Rechtsanwalt Rozanski ersucht um Beschluhfassung über seine letzte Frage. Vorfitzender: Es liegt im Ermesse» des Vorsitzenden, wann er den Beschluß herbeiführt. fcuge Gasthauspächter Skatzek: Wir hielten Wawrosch und fest, weil die Gendarmen hinter ihnen riefen, sie hätten Steine geworfen. Zeuge Lagerhalter Kontag: Nicht nur Kinder, sondern auch Frauen und Mädchen haben Eisensteine gesammelt und der Menge bei Ludwig zugetragen. Zeuge Kantinenwirt Brätle: Vordem Hüttenamte sprach gegen 11 Uhr ein Mann zur Menge. Vor- sitzender: Haben Sie bersianden, was er sprach? Zeuge: Nein, er sprach polnisch.— Borsitzender: Wissen Sie, wer es war?— Zeuge: Mir wurde gesagt, es sei Haase.— Im Hiittenamte wurden etwa 89 Scheiben zerschlagen. Zeuge Oberwachtmeister Penkalla aus Kattowitz kam mit einem Fuffgendarnr gegen 11 Uhr nach Laura- Hütte, als gerade ein Schub fiel- Die Menge rief uns entgegen: Halt! Hier liegt ein Toter! 8lls wir weiter ritten, wurden wir mit Steinen beworfen. Nachher sanimelte ich alle Beamten, und wir ritten hinein. Die Futzbeamten deckten uns den Rücken. Der Vorsitzende fragt wiederholt und eindringlich: Haben Sie die Aufforderung zum Auseinandergehen erlassen?— Penkalla: Wir sind nicht dazu gekstmnen; wir mufften gleich energisch von der Waffe Gebrauch machen, da wir gleich beworfen wurden.— Zeuge Gendarm Grosch, der mit Penkalla zusammen kam. erzählt fast wortgettcu dasselbe: Ich kann mit Bestimmtheit nicht sagen, daff der Mann, den wir festgenommen haben, wirklich Steine gegen mich geworfen hat. Ich habe damals allerdings dem Oberwachtmeister ge- sagt, es wäre einer, der gegen mich geworfen habe, ich nahm es au, weil aus seiner Richtung ein Stein flog; genau weiff ich es aber nicht.— Zeuge Amtssergeant WillymowSli wiederholt nur mit großer Mühe den Wortlaut des Eides. Er bekundet: Ich habe vor Ludwigs Pletteb gesehen, weiff aber nicht, ob damals die Auf- forderung schon erlassen war, auseinanderzugehen.— Zeuge Fleischermeister Stasch: Ein Feuerwehrmann hatte Dienst im Versammlungssaal, er hat geholfen, den Arrestanten ab- zuführen, und hat nachher die Aufforderung des Amts- Vorstehers zum Auseinandergehen in polnischer Sprache wiederholt. An der Spritze habe ich Kubik und Sollik gesehen. Vorher hatte er plötzlich, von wo weiß er nicht, rufen hören:„Feuer I' Da wurde auch gleich Feuer geblasen. Nach der Befteiung deS Gefangenen wurden alle Beamten und Feuerwehrleute niit Steinen beworfen.— Zeuge Sattlergeselle Ernst May, ein Feuerwehrmann: Ich habe mit einem Strahl auf die Leute gespritzt. Nachher mufften wir vor Steinen weichen, ein Weib ttug Steine zu. Ich war 14 Tage in ärztlicher Behandlung.- Zeuge Wilhelm Mai. ein Feuerwehrmann: Ernst May bekam einen Schlag an de» Kops, da übernahm ich den Sttahl. Sollik hat mir ver- boten zu spritzen, da richtete ich den Sttahl gegen ihn. Bei dem Vordringen der Menge mufften wir uns zurückziehen. Den ersten Auftrag zum Spritzen gab der Aintsvorstcher. dann der Brand- direktor.— Rechtsanwalt Seyda: In welchem Tone sprach Sollik? — Mai: Das weiff ich nicht, das kann ich nicht beeiden, wie er das gesagt bat.— Seyda: Hat Sollik drohende Bewegungen gemacht? — Mai: Das kann ich nicht sagen. (Hieraus ttitt eine Mittagspause ein.) Nach der Mittagspause wird als erster Zeuge der 12jährige Schulknabe Joseph Kubik, Sohn des Angeklagten Kubik, aufgerufen. Cr verweigert sein Zeugnis. Die meisten Zeugen werden sofort nach der Vernehmung mit allseitiger Zustimmung entlassen. Der nächste Zeuge, der 16jahrige Kesselputzer Petermann, wird unter Aussetzung der Beeidigung vernonunen. Ich habe gesehen. daff Kowoll den Schlauch, mit de», er gespritzt wurde, gezogen hat; der Schlauch war so laug, daff er ihn gar nicht hatte nach Hause schleppen können. Der 19jährige Zeuge Schlepper Malik sagt aus: Der Angeklagte SchersinSky hat mir am nächste» Tage erzählt, er habe auch einen Schlauch zerschnitten. Der nächste Zeuge ist der 29jährige Schachtarbeiter Pierzchalla aus dem russisch-polnischeu Grenzbezirk. Der Dolmetscher kann seine Fragen nach Personalien und Vorstrafen nicht verständlich machen. Zeuge erzählt, daff Depta ein Fenster im Hüttengasthause ein- geschlagen hat. Der elfjährige Tomanek behauptet als Zeuge, daff der Angeklagte Stallnik Steine geworfen hat. Stallnik behauptet dassett« von Komanek und wieder werden die Aussagen der halbwiichsiglm Burschen und Kinder gewichtig aufgenommen und besprochen, mit früheren Protokollen verglichen, Widersprüche werden aufgedeckt ui»d Schluhfolgerungen gezogen; nur sind sich leider die Aussagenden trotz aller Vorhaltungen durchaus nicht betvufft, welche TragweÄe hier ein einfaches Ja oder Nein hat. Glücklicherweise sind weuiasteus auch bis jetzt die 17- und 18jährigen Zeugen nickst vereidigt worden. Der 17jährige Zeuge Schlosserlehrling Weczerek behauptet, ixiff Viola gegen Scheiben Steine geworfen hat. Beim Steinewersien wurde Ächtung I kommandiert. Auf der Spritze habe ich Goxay sitzen sehen; dann wurde kommandiert:«Nun zum Hüttenhaus I'— Der 12jährige Zeuge Morgalla lehnt die Aussage ab, sinn Bruder ist Angeklagter.— Zeugin Marie Schieraus ki: Ich habe gehört, wie der angeklagte Knabe Wosnütza zu einen, andern Knaben am nächsten Tage gesagt hiat. verrat»„ich nicht, sonst möchte ich auch eingesperrt werden.— Zeiage Steiger Sehr: Ich bin beaufttagt worden zu ermitteln(von wem,?) wer sich von unfrei, Arbeiten, am Krawall beteiligt hat. Der An- geklagte Ochmann hat sich und Kapias und Pietrek des SteinwerfenS bezichtigt. Man gewinnt bei der Aussage Sehrs den Eindruck,� daff diese Ermittelungen bei seineu Untergebenen in änfferst energische,» Tone gehalten waren, selbstverständlich unter Anwendung des Dar. Der fünfzehnjährige Zeuge Hüttenarbeiter Warzecha sagt in der konfusestei, Weise aus, er„weih nicht' im Nachsatz was er im Vordersatz behauptet hat. Wcrzecha erzählt: Pohl hat mir erzählt, daff er bei dem Krawall mit Steinen geworfen hat; nachher hat ihn der Meister danach gefragt, da sagte er. beim Krawall wäre er ge- Wesen, aber Steine hätte er nicht geworfen. Ich habe ihn angezeigt, weil er mich selbst oft bedroht hat. Auf polnisch befragt, warum er den Pohl angezeigt habe, erzählt aber Zeuge: Pohl hat mich wegen Mißhandlung angezeigt; da habe ich gesagt. Ivem, Du mich falsch anzeigst, dam, zeige ich Dich auch an, dcrff Du Steine geworfen und„Hoch Korfanty!" gerufen hast. Und auf Grund solcher konfusen Beschuldigungen— sonst liegt nichts vor— sitzt der 15jährige Slngeklagte Pohl in Untersnchungshaft. Als nächster Zeuge tritt der Meister des Pohl, Gradani Nerlich auf. Pohl, sagt er. gab zu.„dabei" gewesen zu sein, be- sttitt aber, soweit ich mich entsinne. Steine geworfen zu haben. Pohl und Warzecha haben sich fortwährend gezantt. Schluß der Sitzung 4�/« Uhr. ßerllncr partel-Hngclcgcnbcitem Achtung, Parteigenossen! Denjenigen Genossen, die an, Sonntag» morgen 8� Uhr den Schnellzug nach Dresden benutzen wollen, zur Kenntnis, daß die Bahnverwaltung keine Fahrpreisermäßigung gewährt. St. Fritz. Heute abend Stiftungsfest des Wahlvercins für den I.Wahlkreis in Dräfels Feftfälen, Neue Friedrichstr. 35. Auf rege Beteiligung darf wohl gerechnet werden. Billcts find noch bei den bekannten Parteigenossen und den Kassierern C. Bittner, Feilnerstr. 11 und F. Linde, Sieberstt. 17 zu haben. AdlerShof. Sonntagnachmittag 3 Uhr ist bei Wöllstein eine öffentliche Protestversammluiig, welche zu der Notiz des Herrn Restauratcnrs S ch m a u s c r in der„Äldlershofer Zeitung' und den, Plakat in seinem Schaufenster mit der Ueberschrist:„Achtung! Für die Arbeiterschaft frei I' Stellung„in, int. Zu dieser Versammlung werden morgens Handzettel dem Flugblatt beigelegt. Der Vorstand. Nieder-Schöneweide. Den Mtgliedern des Wahlvereins zur Nachricht, daff heute abend 8l/a Uhr im Lokal von Franz. Grünauer- straffe 5, die ordnungsmäßige Vereinsversammlung stattfindet. Tegel. Die Genossen, die das Volksfest in Hennigsdorf besuchen. treffen sich um 1 Uhr bei Paul Krause, Abfahrt 1 Uhr 68 Min. Mittwoch, den 16. September bei Klippenstcin: Mitgliedcr-Versamm- lung. Tagesordnung: Die Landtagswahlen und Slnfstellung von Wahlmännern sowie Berichterstattung von der Kreiskonferenz. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen sämtlicher Ge- nossen notwendig. Reinickendorf. Mittwoch ist bei A. Schorsch, Kopenhagenerftr. 71 (am Bahnhof Reinickendorf-Rosenthal) die außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins. Auf der Tages- ordnung steht: Slenderung der Statuten und der Geschäftsordnung, Gründung des Wahlvereins Wilhelmsruh, Wahl des Beisitzers und der Landtagswahl-Kommifsion. Lichtenberg. Die Arbeitnehmer-Beisitzer des Gcwcrbegerichts haben beschloffen, in Fragen des gewerblichen Arbeitsverhältnisses sowie in GelvcrbegerichtSsachen AuSkunftöstellcn einzurichten. Vor- läufig werden die Parteigenossen Otto Scckel, Kronprinzenstr. 69 I („Vorwärts'-Spcdition), und Moritz Hcntschel, Frankfurter Chaussee Nr. 23 I, in den Abendstunden von 6—8 Uhr Auskunft erteilen. lokales. Wenn man ohne gültige Fahrkarte die Eisenbahn benutzt, muff man 6 M. Strafe zahlen. In Berlin kann einer bei dem Billet- Kuddelmuddel, der hier im Eisenbahnwesen herrscht, sehr leicht dazu kommen, dieses Verbrechen zu begehen. Aber auch, wer ohne eigne Schuld zum„blinden Passagier' wird, erfährt zunächst keine andre Behandlung als der böswillige Fahrgeldpreller, der einen Nickel zu sparen gedachte. Ja. sogar dann, wenn Du wider Deinen Willen„ohne gülttge Fahrkarte einen Eisenbahnzug benutzest, wenn Du z» Deinem eignen Schaden bis zur nächsten Statton mit- fahren mufft, weil Du den Zug nicht mehr rechtzeittg ver- lassen konntest, wirst Du in jenein Tone, über den nur ein preutzischer Beamter verfügt, darüber belehrt, daff Du 6 M. nicht etwa als Entschädigung entgegenzunehmen, sondern als S t r a f e zu erlegen hast. ES giebt Leute, die in solchem Falle seufzend zwar, aber ohne Zaudern ihren Geldbeutel öffnen und dem„strafenden" Eisenbahn» Fiskus ihr Opfer bringen, um weiteren Scherereien zu entgehen. Andre dagegen sind schlauer, zahlen nur unter Widerspruch, fordern das Geld durch schriftliche Eingabe zurück und erreichen dann manchmal bei der höheren Instanz wirklich das Zugeständnis, daff die 6 Mark zu Unrecht eingefordert worden feien. Man bekommt dann fein Geld wieder und kann Bettachtnngen darüber anstellen, wie verschieden die Folgen eines JrrttimS sind, je nachdem dieser von einem Eisenbahnreiscnden oder einem Eisenbahnbeamten begangen wird. Der Reisende, der der Eisenbahnkasse ohne sei« Schuld und wider seinen Willen beinahe einen ganzen Nickel ent- zogen hätte, kommt in Gefahr, dafür eine„Strafe' von 6 M. zahlen zu müssen. Dem Beamten, der ans Unkenntnis des Sachverhaltes den Reisenden zu Unrecht beinahe um 6 M. erleichtert hätte, passiert gar nichts, und die Eiscnbahn-Bcrwaltung braucht sich noch nicht einmal zu entschuldigen. Daß die 0 Bt. oder wenigstens ein Teil davon sogar ohne ausdrückliche Zurückforderung wieder herausgegeben werden, das wird mancher nicht für möglich halten. Aber auch ein solcher Fall hat sich vor kurzem ereignet. Ein Herr hatte eine Dame nach dem Bahnhof Friedrichstraße begleitet, hatte ihr wegen Mangels an Gepäckträgern ihr Gepäck in ein Abteil eines V-Zuges hineingcschafst, war dann bei dem im Wagengange herrschenden Gedränge nicht rechtzeitig wieder hinauSgelangt und hatte bis zum Bahnhof Alexanderplatz mitfahren müssen. Hier wurden ihm die üblichen 6 M. abgenommen, da sein auf Bahnhof Friedrichstraße ausgegebenes Bahnsteigbillet nicht als ein gültiges Billct für eine Fahrt von Friedrichstraße bis Alexanderplatz angesehen werden konnte. Der Frevler zahlte zunächst, richtete aber hinterher an die Eisenbahndirektion ein eschreiben, in dem er, ohne die 6 M. zurückzufordern, die über ihn verhängte„Strafe" als ungerechtfertigt bezeichnete. Er flocht ein paar bittere Bemerkungen über den Mangel an Gepäckträgern sowie über die Ucberfüllung der Eisenbahnwagen mit ein, sagte der Eisenbahn- Verwaltung einiges Unliebcnswürdige über ihre Sparsamkeit und bat schließlich, ihm Bescheid zu geben, wie er sich künstig in gleicher Lage zn Verhalten habe. Als Autwort kam von der Eiscnbahn-Verkehrs- infpektion I ein Brief, der zwar nicht den erbetenen Bescheid enthielt, in dem aber ein mit einem unlesbaren Schnörkel unterzeichneter Herr mitteilte, daß die 6 Mark nach ß 21 der Eiscnbahn-Verkehrs- orldnung erhoben worden seien, weil der Beschwerdeführer den Zeig ohne gültiges Billet benutzt habe.„Trotzdem will ich", so fuhr den Schnörkelzeichner fort,«in dem vorliegenden Falle die vcr- wirkten 6 M. auf 1 M. ermäßigen". Ein Wort der Entschuldigung fand sich nicht in dem Brief. Wir bitten unsre Leser, den angeführten Satz genau zu be° achten. Die 6 M. sind„verwirkt", aber„trotzdem" wird der Be- traZ auf 1 M. ermüßigt! Und das geschieht nicht auf Aufforderung des Beschwerdeführers, sondern freiwillig. Dieser Satz erscheint so widerspruchsvoll und das Verhalten der Eisenbahnbehörde so eigen- tümlich, daß wir wirklich nicht wissen, ob die Behörde hier im Recht zu sein und nur Gnade zu üben glaubt, oder ob sie die Enrpfindung hat, ein Unrecht wieder gut machen zu müssen. Aber wie dem auch sei— auf jeden Fall kann allen, die in eine gleiche Lage kommen, nur geraten werden, niemals ohne Widerspruch zu zahlen. Wer die„Strafe" von sechs Mark erlegen soll, ohne sich eines Verschuldens bewußt zu sein, sollte stets die höhere Instanz zu eincr Prüfung der Maßnahmen des untergeordneten Vcamtcn anhalten. Wird dieser Rat allgemein befolgt, so dürsten die Belästigungen des Publikums mit der kleinlichen Sechs-Mark-. Strafe" bald nachlassen. Der Magistrat hat am Freitag nach einem Vortrag des Stadt- Baurats Krause beschlossen, die Ausschmückung der Achenbach- Brücke im Zuge der Wullenweberstraße und der Straße„Siegis- mundhof" nach den preisgekrönten Entwürfen des Architekten Hermann Krause ausführen zu lassen. Dieser erhielt bei der vom hiesigen Architektenverein kürzlich auf Veranlassung des Magistrats' ausgeschriebenen Konkurrenz zur Ausschmückung dieser Brücke, die das neue Hansaviertel mit dem Bahnhof Tiergarten und Zoologischen Garten verbindet, den ersten Preis, währenddem Baumeister Otto Stahn der zweite zuerkannt wurde.— Zum Ober- lehrer an der 13. städtischen Realschule hat der Magistrat den Kau- didaten Engel gewählt. Statistiker-Kongreß. Am Dienstag, den 22. d. M., findet hier der Kongreß der Statistiker statt. Der Magistrat wird die Kongreß- Teilnehmer im Festsaal des Rathauses begrüßen und zu einem Fest- essen laden. Der lkmban des Berliner RnthauS-Kellers ist so weit vor- geschritten, daß die Eröffnung des Kellers Ende dieses Monats in Aussicht genommen worden ist. Der Keller hat zwei neue Eingänge von der Königstraße bekommen. Neber die Ansübung der Heilkunde durch nicht approbierte Per- sonen ist für den Umfang des Landespolizei- Bezirks Berlin unter Zustimmung des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg nach- stehende Polizeivcrordnung erlassen worden:§ 1. Personen, welche, ohne approbiert zu sein, die Heilkunde gewerbsmäßig ausüben Ivollen, haben dies vor Beginn des Gewerbebetriebes demjenigen Kreisarzte, in dessen Amtsbezirk der Ort der Niederlassung liegt. unter Angabe ihrer Wohnung mündlich oder schriftlich zu melden und gleichzeitig demselben die erforderlichen Notizen über ihre Personalverhältuisse anzugeben. Die Personen, welche bereits zur Zeit die Heilkunde ausüben, haben die vorbezeichnete Meldung und Angabe binnen 14 Tagen nach dem Inkrafttreten dieser Polizeiverordnung zu bewirken. Z 2. Die in§ 1 be- zeichneten Personen haben dem zuständigen Kreisarzte auch einen Wohnungswechsel innerhalb vierzehn Tagen nach dem Eintritt desselben sowie die Aufgabe der Ausübung der Heilkunde und den Wegzug aus dem Bezirks zu melden. § 3. Oeffentliche Anzeigen von nicht approbierten Personen, die die Heilkunde gewerbsmäßig ausüben, sind verboten, sofern sie über Vorbildung, Befähigung oder Erfolge dieser Personen zu täuschen ge- eignet find oder prahlerische Versprechungen enthalten. 8 4. Die öffentliche Ankündigung von Gegenständen, Vorrichtungen, Methoden oder Mitteln, die zur Verhütung. Linderung oder Heilung von Menschen- oder Tiertrankheiten bestimmt sind, ist verboten, wenn 1. den Gegenständen, Vorrichtungen, Methoden oder Mitteln be- sondere, über ihren wahren Wert hinausgehende Wirkungen beigelegt werden oder das Publikum durch die Art ihrer Anpreisung irre- geführt oder belästigt wird, oder wenn 2. die Gegenstände, Vor- richtungen, Methoden oder Mittel ihrer Beschaffenheit nach geeignet sind, Gesundheitsbeschädigungen hervorzurufen. 8 ö. Zuwider- Handlungen gegen die vorstehenden Vorschriften werden, soweit in den bestehenden Gesetzen nicht eine höhere Strafe vorgesehen ist, mit Geldstrafe bis zu 60 M. oder mit entsprechender Hast bestraft. Der Minister für Handel und Gewerbe hat den Polizeipräsidenten von Berlin durch Erlaß vom 11. v. M. ermächtigt, Trödler, welche sich gewerbsmäßig mit dem An- und Verkauf gebrauchten Schuhwerks befassen, von der Verpflichtung zur Eintragung dieser Geschäfte in das durch die Vorschriften vom 30. April 1901 angeordnete Geschäftsbuch gegen jederzeittgen Widerruf zu entbinden. Anträge auf Erteilung des DiSpenseS sind schriftlich bei der Ab- teilung IIb des königlichen Polizeipräsidiums zu stellen. Bei der polizeilichen Suche nach einem Vermißte», von deren Ausgang wir am 5. September Mitteilung machten, soll alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Das„Berliner Tageblatt" versichert jetzt, die Polizei„treffe in dieser An- gelegenheit kein Vorwurf". Dem Blatt ist„von zuständiger Stelle", also wohl von polizeilicher Seite, erklärt worden, der Schlosser E. sei am 5. August dabei abgefaßt lvorden, als er mit einem Dietrich das Gitter des Kreuzbergdenkmals öffnete. Man habe noch sieben andre Dietriche bei ihm gefunden, er sei daher verhastet und dann wegen Unfugs zu vier Wochen Haft verurteilt worden. Am 6. August habe ihn seine Mutter auf ihrem Pölizeibureau als vermißt gemeldet.„Dort hatte man," fährt das Blatt fort,„von dessen Festnahme noch keine Kenntnis und gab die Vermißtmeldung an das Polizeipräsidium weiter. Doch� schon nm folgenden Tage(7. August) erschien die Mutter wieder auf ihrem Polizeirevier und zwar mit eineni großen Paket Chokolade, das ihr Sohn gestohlen hatte. Sie erklärte bei dieser Gelegenheit, daß sie -'in Burschen gedroht habe, jeden weiteren Diebstahl selbst der \-lizei sofort anzeigen zu wollen. Sicher sei er jetzt wieder einmal wegen Diebereien festgenommen worden. Das wurde ihr bestätigt, und damit war die Vermißtmeldung für die Polizei erledigt. Bei dieser Gelegenheit ist auch der Mutter ein von der Polizei eingezogenes Bild des E. wieder zurück- erstattet." Diese Verteidigung der Polizei ist wieder einmal recht unglücklich. Sie enthält grobe Irrtümer, von denen wir hier nur den wichttgsten berichttgen wollen. Die vom„Berl. Tagebl." veröffentlichte Darstellung widerspricht der Wahrheit in einem Hauptpunkte, in derAngabe über den Tag, an dem die Vermißt Meldung„für die Polizei erledigt" war. Nicht schon am 7. August wurde der Witwe E. gesagt, daß ihr Sohn festgenommen sei. Noch am 10. August erschien Fran E. auf dem Polizeibureau und fragte erstaunt nach dem Vermißten. Als man ihr auch jetzt noch keine Auskunft geben konnte, meldete sie ihn am 15. A u g n st vorschriftsmäßig ab, und zwar nicht als„un- bekannt verzogen", sondern als„vermißt". Sie ließ die Abmeldung von der Polizei unterstempeln. DaS Schriftstück, das uns schon vor unsrer ersten Veröffentlichung vorgelegt worden war und sich jetzt in unsrem Besitze befindet, lautet:„Abmeldung. Am 5. August 1903 hat sich mein Sohn (folgen Name, Geburtsdatum ustv.) aus meiner Wohnung entfernt, und ist bis heute den 15. August noch nicht zurückgekehrt, melde ihn deshalb als vermißt ab(folgt Unterschrift)." Der Stempel lautet: „81. P.-R. 15. 8. 03." Wenn die Polizei das noch am 15. August unterftenipeln konnte, dann kann unmöglich schon a m 7. A u g u st die V c r m i ß t m e l d u n g f ü r s i e„erledigt" gewesen sein.„Erledigt" war sie erst am 29. August. Erst an diesem Tage meldete die Polizei der Mutter die Wieder- auffindung des Vermißten im Gefängnis, erst an diesem Tage brachte ein Beamter das Bild zurück— ganz so, wie wir den Vorgang am 5. September dargestellt haben. Wie das„Berliner Tageblatt" zu seiner der Wahr- heit widersprechenden Darstellung gekommen ist, lvird es selber am besten wissen. Das Blatt fügt übrigens hinzu, daß der Schlosser E. wegen Einbruchs vorbestraft sei. Ja. was hat denn das mit dem Mißerfolg der polizeilichen Suche zu thun? Soll es bei einem Vorbe st rasten ent- schuldbarer sein, daß er erst am 23. Tage nach der Vermißt- Meldung als wiederaufgefnnden gemeldet wird, obwohl er bereits 24 Tage vorher von der Polizei festgenomnicn und dann der Stadl- vogtei bezw. dem Gefängnis überwiesen worden ist? Der Zusammenstoß eines Personenzuges mit einem Güterzuge wurde auf der Bahnstrecke Berlin-Zossen am Donnerstagabend zwischen 8 und 9 Uhr bei Lichtenrade durch das umsichtige Handeln eines Bahnwärters verhütet. Von Statton Marienfelde war der Güter- zug 8002 infolge Fahrlässigkeit des dienstthuenden Stationsbeamten auf unrichtigem Geleise in der Ricktnng nach Madlow abgelassen worden, als ein Personenzug von Mahlolv nacki Marienfelde auf demselben Geleise abgefahren war. Der Lokomotivführer des Güterzuges hatte bei der herrschenden Dunkelheit nicht bemerkt, daß er auf falschem Geleise fuhr. Die beiden Züge wurden auf Halte- signale des Bahnwärters bei Lichtenrade in einer Entfernung von etwa 200 Metern von einander noch rechtzeitig zum Halten gebracht. Es ist eine eingehende Untersuchung des Vorfalles eingeleitet worden. Der schuldige Beamte der Station Marienfelde ist vorläufig seines Dienstes enthoben worden. Die Bänke Unter den Linden. Der Stadtverordnete Jnstizrat Cassel und Genossen von der Fraktton der Linken haben der Stadt- verordneten-Versammlung folgenden Antrag unterbreitet:„Die Ver- sammlung beschließt, den Magistrat um Auskunft zu ersuche», weshalb die Bänke Unter den Linden so spät aufgestellt und nicht mit Lehnen versehen worden sind. Die rechtzeitige Meldung von Feuer läßt in Berlin noch viel zu wünschen übrig. Die schnellste Alarmierung kann durch die auf den Sttaßcn aufgestellten Feuermelder, durch die Polizeireviere oder durch die Fernsprecher geschehen. Außer den öffentlichen Feuer- meldcrn befinden sich noch in vielen öffentlichen Gebäuden, Waren- Häusern, Fabriken usw. Feuermelder, die ebenfalls vom Publikum benutzt werden können, wenn Gefahr vorliegt. Für jede Feuer- Meldung zahlt die Feuerwehr deni, der die erste Meldung macht, in der Regel eine Prämie von 3 M. Nachgewiesene Unterlassungen von Feuermeldungen sind unter Umständen strafbar. Hausbesitzer sollten im eignen Interesse und in dem ihrer Mieter Hinweise aus die beste und schnellste Feuermeldung in ihren Häusern anbringen lassen. Die Feuerwehr wurde gestern früh um 6 Uhr wegen einer eigenartigen Veranlassung nach der Brücke in der Großbeerenstraße gerufen. Dort brannte der Bohlenbelag. Das Feuer war durch Kurzschluß in den elekttischen Kabeln unter der Brücke entstanden. Zum Glück wurde die Gefahr bald bemerkt und die Flammen schnell gelöscht. In der Roseuthalerstr. 32 brannten um Mitternacht ein Schreibtisch und andre Möbel in einer Wohnung und in der Mathäikirchstr. 7 im Erdgeschoß um 10 Uhr die Einrichtung eines Zimmers. Ferner mußten in der Grenadicrstr. 7 und Rügenerstt. 1 Balkenlagerbräude gelöscht werden. Am Luisenufer gingen Gardinen, Teppische u. a. in Flammen auf. Einen sehr gefährlichen Brand hatte am Freitag der 7. Zug am Grünen Weg 119 zu löschen. Dort stand bei Ankunft der Feuerwehr im Erdgeschoß des Ouergebäudes eine Menge Kisten und Pack- Materialien in Flammen. Die Räume mit dem Hof waren in dichten Onalm gehüllt, wodurch die Löschung erschwert wurde. Brandmeister Elsner ließ mit mehreren Schlauchleitungen kräftig Wasser geben und zur Beruhigung der Hausbewohner alle Fenster öffnen, damit der Rauch abziehen konnte. Der Schaden am Hause und Material ist nicht unbedeutend. Von einem Rollwagen überfahren und schwer verletzt wurde am Freitagnachmittag 5>/« Uhr der Portter Ernst Wille, Veteranenstr. 5. Beim Passieren der Ackerstraße glitt er aus und fiel zu Boden, während von der Jnvalidenstraße in demselben Augenblick ein Roll- wagen der Firma Thenerkampf in die Ackerstraße einbog. Die Vorderräder des Wagens gingen dem Unglücklichen über beide Arme. In der Unfallstation Eichendorffsttaße wurde der erste Verband an- gelegt und die Ueberfübrung in ein Krankenhaus angeordnet. Die Ehefrau des Verunglückten erhielt erst um 8�4 Uhr von dem Unfall Kennwis durch einen Berichterstatter, der sich nach dem Befinden des Mannes erkundigen wollte. Mit einem Jagdgewehr erschoß sich der 30 Jahre alte Bank- bcamte Walter Schätzer, ein Junggeselle, der bei der Deutschen Bank angestellt war und Lübeckerstt. 48 bei dem Postschaffner Wilke ein möbliertes Zimmer bewohnte. Seit vier Jahren war Schayer an der Dcpositenkasse Alt-Moabit 10d thätig. Hier übernahm er vor vier Wochen die Vertretung des Kassierers, der ans Urlaub ging. Als er abends nach Hanse kam, erzählte er seinen Wirtsleuten, daß ihm 6100 M. in der Kasse fehlten. Er habe morgens die Kasse über- nommen und müßte sich dabei verrechnet haben. Ueber den weiteren Verlauf dieser Angelegenheit sprach er nicht mehr, doch fiel es den Wirtslcuten auf, daß er sehr unruhig war. Nachdem Schayer gestern abend vor 11 Uhr nach Hause gekommen war, fiel in seinem Zimmer bald darauf ein Schuß. Die Wittsleute fanden ihren Mieter mit zerschmettertem Schädel tot auf einem Sttihl. Er hatte sich mit einer Flinte in den Mund geschossen. In einem Brief, den er hinter- ließ, beteuette er, daß die Beschuldigung, er habe den Betrag unterschlagen, nicht zutreffe. Ein radelnder Einbrecher, der in der letzten Zeit in verschiedenen Stadtvietteln austrat, wurde am Donnerstagabend nach einer längeren Jagd gestellt und unschädlich gemacht. Im Ouergebäude des HauscS Tilsiterstraße 39, im dritten Stock, hätte eine Frau an der der ihrigen gegenüberliegenden Wohnung klingeln. Da sie wußte, daß die Insassen verreist sind, so fah sie einmal durch das Guckloch ihrer Thür und bemerkte nun einen Mann, der sich am Schloß zu schaffen machte. Während sie nun ihren Mann ans der Wohnung holte, hatte der Fremde bereits die Thür geöffnet und war in die unbeanffichtigte Nachüarlvöhnung eingedrungen. Die Leute watteien ab. wa» weiter geschehen werde. Nach einem Weilchen rührte der Fremde sich wieder. Als sie jetzt ihre Thür ein wenig öffneten, be» gann er plötzlich, in der halbgeöffneten Thür gegenüber ihnen den Rücken zuwendend, eine Verbeugung nach der andren zu machen. Als ob er sich verabschiedete, sagte er recht laut:„Leben Sie wohl und grüßen Sie auch schön I" Sobald aber jetzt der Aufpasser ihn verwundett fragte:„Rann, wen grüßen Sic denn da, es ist ja niemand zu Hause?" Da war er mit einigen Sätzen unten an der Treppe. Vor der Thüre stand sein Zweirad. Bevor' er es aber noch besteigen koiinte, waren die Verfolger schon hinter ihm. Auf der Flucht durch die Tilsiter- nach der Thaersttaße warf er ein Einbruchswerkzeug nach dem andren von sich. Unter einem großen Auflauf wurde er endlich gestellt und von einem Kriminalbeamten, der zufällig des Weges kam, nach der nächsten Revierwache gebracht. Hier erkannte man in dem Festgenommenen einen Handlungsgehilfen Krummer, der bereits mit Zuchthaus bestraft ist und mit Frau und zwei Kindern in der Blumenstratze wohnte. Außer Stellung, hatte er seinen Angehörigen vorgeredet, daß er die verschiedensten Sachen die er immer mit nach Hause brachte, auf Versteigerungen billig er« stehe, um sie weiter.zu verkaufen. Eine Haussuchung, die die Kriminalpolizei gestern vornahm, fördette ein reiches Lager zu Tage. Beim Zusnmmenkuppeln von Straßenbahnwagen schwer ver« imglückt ist gestern nachmittag in Wilmersdorf der 33 jährige Schaffner Küster. K., welcher einen Anhängewagen von einem Motorwagen losgekuppelt hatte, bemerkte nicht, daß sich dem An- Hänger ein zweiter Motorwagen näherte, welcher zwecks An- kuppelung an den Anhängewagen heranstihr. Er geriet zwischen die Puffer der beiden zusammenfahrenden Wagen und erlitt hierbei schwere Brust- und Beinqeffchungen. Der Verunglückte wurde nach dem Charlottenburger Krankenhaus gebracht. Die Zusaminenknnft der Arbeitcr-Spottvcreine erfolgt im nächsten Frühjahr, wie uns berichtigend mitgeteilt wird, in Marienlust und nicht in Mariendorf. Auskunft etteilt F. Stöcke!, Berlin LO. 26. Kottbuser Ufer 57. Theater. In der heute, Sonnabend. imCentrak-Theater als Eröffnungsvorstellung zur Aufführung gelangenden„Fleder« maus" wirken außer den bereits genannten Hauptdarstellern die kgl. Ballet-Solo-Tänzerin Matte Winkler und der Balletmeister Klebus in dem im 2. Akt eingelegten Ballett mit. Sonntag gelangt nachmittags zu halben Preisen:„Der Bettelstudent", abends:„Die Geisha" zur Darstellung.— Ballettmeister Gundlach ist aus Wien hier eingetroffen, um die Einstndierung des choreographischen Teils der Straußschen Operette„ F r tt h l i n g s l u f t", welche im Apollo- Theater zur Aufführung gelangt, zu leiten. Hus äen Nachbarorten. Ueber Mißstände im Bauwesen der Berliner Vororte schreibt im» ein Architekt: In der Handhabung der baupolizeilichen Bestimmungen für die Vorotte Berlins machen sicfi da und dort Mißstände bemerk- lich, welche jenen Bestimmungen vielfach ihren ganzen Wert benehmen. Diese Mißstände beruhen zum Teil darauf, daß die Baubehörden den Bauunrernehmern zu viel Gutgläubigkeit entgegenbringen, zumTeil darauf, daß letztere von dieicm Umstände zu ausgiebigen Gebrauch machen, indem sie einer übertriebenen Sparsamkeit huldigen,— einer Sparsamkeit, unter welcher die Solidität der Bauten sehr zu leiden hat. Das in Rede stehende Uebel tritt bei den Rohbau« und Gebrauchs- Abnahmen seitens der Baubehörde am deutlichsten zu Tage. Tie Besichtigungen finden in Gegenwatt des Bauunter» »ebmers. des Maurerpoliers und des dazu beorderten Bau« rares statt. Stellt nun z. B. der Baurat die Frage, ob die Träger genau so beschaffen sind, wie es in der stattschen Berechnung angegeben ist, so wird dies gewöhnlich vom Maurerpolier oder dem Bauunternehmer selbst einfach bejaht. In Wirklichkeit aber sind wohl die Träger« Profile in der Straßenrichtnng der Angabe in der statischen Berechnung entsprechend, weil diese leicht erreichbar sind, dagegen kommt es nur allzu oft vor, daß. die in der stattschen Berechnung angegebencil Unterlagsplatten zum größten Teile fehlen. Untcrzugs-Träger in den Mittelwänden bei Durchfahtten rc., also gerade da, wo es sich um die größte Last fiir alle Etagen handelt, werden vielfach um 1—2 Centimcter schwächer genommen: Balkonttäger werden sehr oft überhaupt nicht nach der Vorschttft ausgeführt, vielmehr fehlen hier häufig die Unter- und UeberlagSplattcn. Im Interesse der Solidität und Sicherheit der Banren müßte der Aufsichtsbeamte jeden Träger nachmessen und sich von der vorschriftsmäßigen Ausführung der Neubauten in allen Beziehungen selbst überzeugen, oder wenigstens, wie es in Berlin der Fall ist, verschiedene Sttchprobenmachem Auch hinsichtlich der Bcbauungsfläche ist die Besichtigung in den Vorotten vielfach nicht gründlich. Sonst würde sich oft ergeben, daß dieselbe wesentlich überschritten ist. Der eingehenderen Prüfung könnte allenfalls auch eine höhere Honorierung der betr. Auffichts« beamten entsprechen. Um in all jenen Beziehungen Wandel zu schaffen, scheint es mir aber außerdem unerläßlich zu sein, besondere Auffichtsbeamte damit zu beauftragen, die Neu« bauten in den Vororten zum Zwecke ihrer vorschriftsmäßigen Ausführung von der Fundanientierung an bis zum Ausbau reget« mäßig zu überwachen. Nur dadurch kann es vermieden werden, daß der Unternehmer hauptsächlich in der Jnnenkonstruktion Ersparnisse erzielt, deren Folgen der Laie zu seinem Nachteil erst später entdeckt. Es handelt sich hier sowohl um die Sicherung derer, welche Häuser kaufen, wie auch derer, welche sie bewohnen sollen. SchSneberg. Im vorigen Jahre bei Gelegenheit der Nachwahlen zum Stadtparlament richteten unsre Parteigenossen an den Magistrat das Ersuchen, die Wahlzeit bis in die Abendstunden zu verlängern. Damals wurde dies gerechte Verlangen mit dem Hinweis abgethan, daß die Festsetzungen bereits erfolgt seien und daher die Forderung zu spät komme. Um nun für die Zukunft ähnlichen Antwotten vor- zubeugen, haben unsre Vettreter für die nächste Stadtverordneten- Sitzung hcanttagt, den Wahlakt zu den bevorstehenden Wahlen bis abends 8 Uhr auszudehnen. Es wäre zu wünscheix daß sowohl der Magistrat wie die bürgliche Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung dem Anttage zustimmten, umsomehr, als auch in Berlin dieser Modus längst besteht. Einen ebenso wichtigen wie zeitgemäßen Antrag haben irnfre Genossen bezüglich der Landtags Wahlen eingebracht. Dieser Anttag lautet: 1. Bei den bevorstehenden Wahlen zum preußischen Landtage die Auslegung der UrWählerlisten bis abends 9 Uhr statt« finden zu lassen. 2. Nach Schließung der UrWählerlisten rechtzeitig jedem eingetragenen Wähler eine Benachrichtigung über Zeit, Bezirk und Ort der Wahlhandlung zuzustellen. 3. Die Urwahlen abends 6 Uhr(nicht schon 5 Uhr) beginnen zu lassen.— Gerade der letzte Teil des Anttages dürfte geeignet sein, bei seiner Annahme wenigstens einen kleinen Teil der vielen mit diesem vernunftwidrigen Wahlrecht verknüpften Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Serickts-�eitung. Obermeister Schumann geistesgestört. Die vor sieben Monaten erfolgte Verhaftung des zweiten Obermeisters der Schuhmacher- Innung, Schumann, erregte damals erhebliches Aufsehen. Schumann wurde beschuldigt, mit Kindern unter 14 Jahren unzüchttge Hand- lungcn vorgenommen zu haben. In einem ftühercn Termin fiel die Beweisaufnahme auch zu Ungunsten des Angeklagten aus. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Ulttch, hatte aber Zweifel darüber angeregt, ob Schumann im Vollbesitz seiner Geistes- kräfte sei, und der Gettchtshof hatte daraufhin beschlossen, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. welches inzwischen geschehen ist. Im gesttigen Termin vor der siebenten Fetten-Strafkammer des Landgerichts I begutachteten die medizinischen Sachverständigen, daß der Augeklagte wegen Geistes- störung nicht sür seine Handlungen verantwortlich zu machen sei. ES mußte ans diesem Grunde seine Freisprechung und Haftentlassung erfolgen. TaS BrirftrSger-Gehalt. Gestern stand der frühere Briefträger Richard Hachmann wegen Vergehens im Amte vor der ersten Straflammer des Landgerichts I. Bei dein Postamte, bei dem der Angeklagte angestellt war, liefen sortgesetzt Beschwerden über nicht angekommene Briefe ein. Da stets der Bestellbezirk des Angeklagten in Frage kam, lenkte sich der Verdacht auf diesen. Eine bei ihm vorgenommene Haussuchung hatte ein überraschendes Ergebnis. Es wurden eine großes Menge Briefe gefunden, welche dem An- geklagten zur Bestellung übergeben worden waren. Er hatte sie geöfstiet, um sich etwaige darin befindliche Freimarken oder Geldscheine anzueignen. Der Angeklagte legte sofort ein Geständnis ab, das er vor Gericht wiederholte. Er führte als Eni- schuldigung Notlage an. Das Gehalt von 81, SV M. monatlich habe nicht ausgereicht, um ihn und seine Familie zu ernähren. Nur in vereinzelten Fällen habe er Briefmarken in den Briefen gefunden, Geld niemals. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten wegen Unterschlagung im Amte zu 9 Monaten Gefängnis und wegen Diebstahls an einer Stange Siegellack, die er der Postbehörde entwendet, zu 3 Tagen Gefängnis. Außerdem wurden ihm die Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren ab- gesprochen. Ein Augenblick der Unachtsamkeit hat für den Transportteur Gustav Meißner die Folge gehabt, daß er sich eine Anklage wegen fahrlässigen Entweichenlassens eines Gefangenen zugezogen hatte. Gestern wurde vor der neunten Ferienstrafkanimer des Landgerichts I gegen ihn verhandelt. An einem Julitage hatte der Angeklagte einen Gefangenen aus der Strafanstalt zu RummelSburg nach dem Monbiter Gerichtsgebäude zu transportieren, wo der Gefangene als Zeuge zu vernehmen war. Nach Beendigung des Termins begab der Transporteur sich in Begleitung des Ge- fangcnen nach dem Kassenzimmer, uni seine Gebühren abzuheben. Während er in gebücktir Stellung den Ouittungs- vermerk schrieb, mußte er den hinter ihm stehenden Gefangenen für diese kurze Zeit außer Augen lassen. Der Gefangene benutzte die Gelegenheit, schlich unbemerkt zur Thür hinaus und erreichte die Straße. Es war ein Mann, welcher zwei Jahre zu verbüßen hatte. Man ist seiner bisher nicht wieder habhaft geworden. Der Gerichtshof verkannte nicht, daß die Sache milde lag, und ahndete die Unachtsamkeit deshalb nur mit einer Geldstrafe von 19 M., während der Staatsanwalt 39 M. beantragt hatte. reireligiöse Gemeinde. Sonntag, 13. September, vorm. S'l, Uhr, in der Aula der 69. Gcmeindeschulc, Kleine Franksurterstr. 6: Versammlung. „Freireligiöse Vorlesung".— Um 10'/, Uhr vormittags ebendaselbst: Vor- trag des Herrn Dr. August Specht-Gotha:„Umstrittene Punkte der natür- lichen Weltanschauung." Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Vermischtes. Ein hrftiger Siidweststurm, begleitet von schweren Regenschauern, wütete gestern nach einem Londoner Telegramm durch ganz Eng- l a n d, den Kanal und Irland und verursachte an Gebäuden und Schiffen großen Schaden. Der Telegraphenverkehr nach allen Richtungen ist unterbrochen, der Eisenbahnverkehr hat Verzögerungen erlitten. In dem kleinen walisischen Städtchen Bala brach ein Fluß, der den Ort durchfließt, durch die Ukerdämme. Die Straßen standen mehrere Stunden lang unter Wasser. Bei Dolgclly wurde die alte Steinbrücke weggerissen und der Eisenbahndamm brach auf eine Strecke von mehreren 199 Metern zusammen. In Manchester mußten die an» Flusse Jrwell liegenden Häuser eiligst geräumt werden. Der angeschwollene Fluß trug Schweine. Bäume. Karren und alle möglichen Gegenstände mit sich. Das Militär im Lager von Salisburyplain wurde aus den Zelten durch den Sturni und den Regen herausgetrieben. Großen Schaden richtete der Sturm in Kent und Sustex an, wo die Hopfenernte nahezu zerstört wurde. In London äußerte sich der Sturm am heftigsten in dem Vororte Brixton, wo eine Anzahl Häuser abgedeckt wurden. Von der Küste sind bereits Meldungen von einige» Schiffsunsällen kleinerer Art eingelaufen. Die Rettungsstation von Newquai rettete 7 Personen von dem Schiffe„Jsabella" aus Milford. Wie aus Paris gemeldet wird, sind sämtliche tekegraphische Verbindungen init England infolge des heftigen Sturnics auf dem Kanal unterbrochen. Auch die Dampfervcrbindungei» sind eingestellt. Ein Telegramm aus Havre besagt, daß auch Frankreich nicht verschont geblieben ist. Während der Flut setzte dort nämlich Plötz- lich ein furchtbarer Orkan ein, so daß das Meer die Hafcmnauer überspülte und zwei Cafohäuser unter Wasser gesetzt wurden. Die Typhusepidemie in Bredow. Wie aus Stettin gemeldet wird, wurden in der letzten Stadtverordneten-Sitzung die Typhus- fälle in Bredow bei Stettin zur Sprache gebracht. Es wurde fest- gestellt, daß in der Zeit vom 1. Januar bis 31. August d. I. 41 Typhusfälle vorgekommen sind, welche genügenden Anlaß bieten, die Wasserleitungen und Kanalisation einer gründlichen Regulierung zu unterziehen. Eine WasserleitungS-Deputation wird mit einer Deputation der Stadtverordneten die Regulierung der Wasser- und Kaualisationsverhältnisse in die Hand nehmen. Uebcr den Unfall beim Looping thc Loop in Dortinund wird den „Münch. N. Nachr." geschrieben: Am Sonntag stürzte im Olympia- Theater zu Dorknund bei der Vorführung der Motorwagen- Schlcifenfahrt der Wagen, als er die Mitte des Kreises erreicht hatte, und begrub die Insassin, genannt„Miß Diavolina", unter sich. Die Artistin wurde schwer verletzt vom Platze getragen. Der Manager dieser Nummer ist ein Herr R., der vor wenigen Wochen ain Mänchener Gewerbegerichte wegen dieser Vor- führung eine Streitsache aussocht. Eine junge Daine, die Tochter einer Baumeisterswitwe, hatte, um die Not ihrer Familie zu mindern, sich zu dem Wagestück der Schleifenfahrt hergeben wollen. Allein der Apparat, der durch einen Münchener Schlossermeister her- gestellt wurde, funktionierte unbefriedigend i jedesmal stürzte der Wagen herunter, wenn er auf der vollen Höhe des Kreises angelangt war. Dieser Mißstand niachte weitere Versuche notwendig; das junge Mädchen entschloß sich»»un, ihr Leben nicht weiter bei dem unkontrollierbaren Apparat aufs Spiel zu setzen, sondern vom Kontrakte zurückzutreten und den Manager auf die Verzugskosten zu verklagen. Diese wurden ihr auch beim Gewerbegericht zugesprochen. Der beklagte Manager drohte dainals, daS Mädchen zur Erfüllung ihres Kontraktes gerichtlich zu zwingen, unterließ dies jedoch, als ihn der Gewcrberichter daraus aufmerksam machte, daß es sich im vorliegenden Falle um eine lebensgefährliche Produktion handle, welche gesetzlich nicht erzwungen werden könne, selbst nach unterschriebenen» Ver- trage nicht. Der Manager suchte sodann eine andre junge Dame für seine Produktion; es gelang»hin, eine Verkäuferin in München zu finden, die sich z»lr Ausführung der Schleifenfahrt bereit erklärte und mit ihm aus die Reise ging. Diese jlinge Dame, die unter dem Namen„Miß Diavolina" auftrat, traf nun in Dortinund der Un- glücksfall. Marktpreise von Berlin am 10. September 1993 nach Erinillclungen des kgl. Polizeipräsidiuins. Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 lex do. Bauch. Schweinefleisch Kalbfleisch Hammeljleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 üg per Schock 7,00 1,30 1,50 1,60 1,80 1,80 2.60 4,50 2.40 2,60 3,00 2.40 1.80 3,00 1,40 18,00 4,00 1,20 1.10 1,20 1,20 1,20 2,00 2,60 1,40 1,60 1,20 1,20 80 1,40 80 3,00 » ab Bahn. ch sre! Wagen und ab Bahn. LriekKaCten der Redaktion, „Schule". Städtischer Gewerbesaal, Abteilung lX, Heiuersdorferstr. W. Meldung bei Rektor Lutzenbcrgcr(SchulhauS), der Näheres mitteilt.— Zwei Wettende. Sommer 1892.— E. E. H. Sch. Sie erhalten darüber koftcnsreie Auskunft in den Annoncenburcaus Moffe, Haasenstcin u. Vogler ae. A. L. 10. Der Preis für die Ucbcrsahrt im Zwischendeck von Hamburg nach Buenos-Aires beträgt 170— 180 M.— K. R. 1. Die Ordensverleihung an den italienischen Lieutenant Modugno ist erst kürzlich erfolgt. 2. U. traf den Grotzherzog aus einem Kommers. 3. Ja, der naturalisierte Oestreicher hat das Wahlrecht.— Kohlensyndikat. Wir haben in Nr. 172 unter „Wirtschaftl. Wochenbericht" einen langen Bericht über die Absichten der Ähndikatsleitung gebracht, und seitdem eine lange Reihe Notizen über den Stand der Verhandlungen folgen lassen.. Wir können doch unmöglich jeden Tag einen Leitartikel darüber bringen. Juviktikckei' Ceil. Die juristische Sprechstunde findet täalich mit ZlnSnahme de? Sonnabends von 7'li bis O'/i Uhr abends statt. Geöffnet:? Uhr. Streitfrage Eh. 100. Ihre Anfrage ist unter der damals von Ihnen angegebenen Chiffre Streitsall 100 bereits in Nr. 194 mit Nein beantwortet. — H. U. 36, Otto M. Nein.— 100 K. Wenden Sie sich in Patent» sachen an das Patentamt oder an den Vorstand der eingetragenen Patent- anwalte(Unter den Linden 16) oder besuchen Sie die Sprechstunde und legen Ihre Angelegenheit eingehender dar.— I. S. 176. Die Antrags» srist läuft von dem Tage der Kenntnis des Vorfalls.— 8. 31. 62. Ja. — U. S. 25. Wenden Sic sich an die Jnvalidenversicherungs° Anstalt. — 135. 1. Sie können gleich oder später klagen. 2. Das Gewerbegericht befindet sich Zimmerstraffe 90/91.— P. K. Nippes. Soweit ersichtlich, hasten die Sachen der Ehefrau für die Miete nicht. Fragen Sie den Wirt, ob er Ihre Sachen freigeben will, und klagen Sie eventuell — W. F. 100. 1. und 2. Nein.— M. Bt."Es ist unmöglich, ohne Kenntnis der Statuten eines Versicherungs- oder Sterbekasscn- oder andre»» Vereins zu beantworten, welche Rechte dem einzelnen Mitgliede aus seiner Mitgltedschast erwachsen.— O. H. Ein Anspruch aus Rückerstattung steht Ihnen in leinen von beiden Fällen zu.— G. S. 27. Ja. Ein Beispiel sur solchen AuseinandersetzungS-Anttag finden Sic aus Seite 224 Nr. 13 des dem„Arbeiterrecht" beigefügten Führers. Das Buch liegt in den öffent» lichen Lesehallen aus.— Wilhelm Schmidt, Stettin. Falls in Ihrem Mietsvertrag nicht das Gegenteil vereinbart ist, ist der Wirt zu der notwendigen Reparatur verpflichtet.— N. Dresden. Nein. — St. 10«. 1. Das hängt von dem Einzelsall ab. 2. Abgeschoben.— Zwei Hamburger. Eine Frist besteht nicht. Ordnet die Berussgenosscn» schaft die Ausnahme des Verletzten in ein Krankenhaits an, so muff diese Anordnung in einem berusungssähigen Bescheid unter Hinweis aus die Folgen geschehen, welche das ablehnende Verhalten nach sich ziehen kann. DaS Nähere ersehen Sie S. 32, 33, 34, 91, 97 des in den öffentlichen Lese» hallen ausliegcnden Ersten Nachtrags zum„Arbeiterrccht".— A. D. Die Kündigung und der Mietsvertrag sind beide rechtsgültig.— P. 2. Ja.— R. K. 73». Wenn Sie die der Klägerin erwachsenen Kosten nicht zahle«, ist diese berechtigt, die Kosten durch das Gericht festsetzen zu lassen. Von den» Gerichtskostenvorschilff erhält die Klägerin, wem» Ihre Schilderung zu» trifft, etwa die Hälste zurück.— H. H. 20. Damit die Hälstc der Marken» bettäge zurückgefordert werden länn, müssen mindestens 200 Marken vor der Heirat gekltbi sein. Der Antrag ist innerhalb eines Jahres»»ach der Hochzeit zu stellen. Die Anzahl der Karten ist unerheblich.— Wilhelin Bargfeld. Ob ein Hausreiniger klebepflichttg ist, hängt von dem Inhalt seines Vertrages ab: über diesen haben«ie nichts mitgeteilt. Dir über die Vcrsichcrungspfticht der Hausreinigcr, Portiers usw. vom Reichs- Versicherungsamt besolgten Grundsätze sind»in„Vorwärts" vom 1. No» vember 1902 zusanimeiigestellt. WitterungSlibersicht vom 11. September 1903, morgen? H Uhr. Stationen Swinemde. tamburg crlin Franls.a.M. München Wien S£ L B §•2 S5 S- - I§= 744 S 738 SO 713 SSO 742 SW 750!W 751 IS Vetter 5bedeckt �Ziegen 3hedcckt 6 wolkig übcdeckt 4 heiter e»« f" w z- Stationen Haparanda Petersburg Corl Aberdeen Paris Wetter 2halb bd. 'halb bd. Sbcdeckt w« c 5, »I> HS» 12 Wetter-Prognose für Sonnabend, den 12. September 1S03. Kühl, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit Rcgeusällen und ziem» lich starken westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Aufcrate für die nächste Unnnner müssen bis 3 Inserate bitten wir vorher anzumelden Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. � Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publik»»» gegenüber keinerlei Berantwortung. UKeater. Sonnabend, 12. September. Ansang VI, Uhr: Opernhaus. Siegfried. Ans. 7 Uhr. Schauspielhaus. Der Fremde. Die Schule der Frauen. Neues Operntheater. Geschloffen. Westen. Dalibor. Lesfing. Auserstehung. Deutsches. Der Puppenspieler. Trug- bild. Berliner. Alt-Heidelberg. Residenz. Das beste Mittel. Neues. Eine Frau ohne Bc- deutung. Central. Die Fledermaus. Dhalia. Der Hochtourist. Deutsch> Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner-Theater.) Der Talisman. Schiller X.(Friedrich-Wilhelinstädt.) Im weiffen Röffl. Kleines. Nachtasyl. Triauon. Die Notbrücke. «karl Weih. Amor in Wichs. Luisen. 100 000 Thaler. Belle-AIliance. Specialitäten. Apollo. Die Liebcsinsel. Speciali« täten. Wiuter-Garten. Specialitäten. Metropol. ReuesteSI'Allerneuestes l Paffage-Dheater. Specialitäten. Reichshallen. Stetttner Sänger. Urania. Daubenftrafie<18/40. Von der Zugspitze zum Watz- mann. Jttvalideiistraste 57/62. Stern. warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr._ Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Anfang 7'/. Uhr. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachtasyl» Anfang 8 Uhr. Urania. Taubenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr:■ Von der Zugspitze zum Watzmann. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. CASTANS Panoptikumj Friedrichstr. 165. !! Menschliches Doppelwesen: die znsaiamen- gewachsenen Schwestern 20 Jabre alt, spielen Violine! 1 OOLOEISCHER GARTEN Täglich ab 6 Uhr nachmittags; Gr. Militär' Konzert. Entree 1 M., ab 6 Uhr 50 PI. Kinder unter 10 J. die Hälfte. In der Arena: Kaubtier-Spielschule. 6 Löwen, 1 Leopard, 1 Hyäne, 1 Bär.— Vorstellungen: Wochentags 4-5, 6-7 Uhr, Sonnt. 12-1, 4-5 u. 6-7 Uhr. Eintritt: Sperrsitz 1 M., Stehplatz 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Casino-Theater. LotHringerstraffe 37. Ansang 8, Sonntag« VL Uhr. Großer Sensations-Ersolg I Tolle Kollotion. Vorher das glänz. Eröffmmgsprogr. Somitagnachm, 4 Uhr: Badekuren etc. Leiitral-Theater Heute Eröffnung der Winter- Saison. Ansang 71/, Uhr. Die Fledermaus. Operette in 3 Akten von Joh. Stranff. Im 2. Akte: Ballett-Einlage. ausgcsührt von der kgl. Solotänzcrin Frl. Tl-wle WInklep u. Ballettmeister Klcbuw. Sonntag: nachmittags 3 Uhr, halbe Preise. Der Bettelstndent. Abends: Die tielMha. Montag: Orpheus in der Unter- Welt. Luisen-Theater. Anfang 8 Uhr. iooooo Chaler. Sonntagnachmittag 3 Uhr, zu kleinen Preisen: Faust.(I. Teil.) ZlbendS 8 Uhr: Mönch und Soldat. Montag: 100 000 Thaler. Dienstag: Mönch und Soldat. Mittwoch: Kabale und Liebe. Donnerstag: Mönch und Soldat. RkßdrnMljriittt Direktion S. Lautenburg. Zum erstenmal: vlih beste Mittel. Schwank in 3 Alten von A. Bisson. Deutsch von B. Jacobsohn. Sonntag und solgendc Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Seine Kammerzofe._ Trianon-Thealer. Georgenttraffe, zwischen Friedrich- und UnivcrsitätSsti'affe. Sonnabend: Die Mücke. Deutsch-Iraerikanisehes Tfieatsr (sr. Buntes Thcat.), Köpnickerstr. 67/68. deden �bend Anf. 8 L;hr. Gastspiel Adolf Philipp. " Der Sensations-Erfotg Mbec'itpfieii Teich Heitere Bilder mit Gesang auS dem Leben dcr Deulich-Amcrikancr in 5 Abt. Killets 4 Mochtn im voraus. Heute Sonnabend, 12. September, abends VI, Uhr: nijgh-Iiife-iSoiree. Das Tagesgespräch van Kerlm ist Herr.lullms Seeth mit seinen nicht im zoologischen Garten gezogenen 28 männlichen böven. Geschenk Sr. Majestät des Kaisers von Abessynien. Ein Reiter-Bravourstück in der Horizontalmanege, Erfindung des Dir. Alb. Schumann. 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Montag: Nortetzte Dorsttilung. Mittwoch: Abschieds-Borstellnng. Anfang 5 Uhr. Entree 30 PI. An allen Spieltagen: IW Grofter Ball.*�S Sonntag, de» 20. September er.: Norddeutsche Sänger und Ball. 1 M 1 jjCmpfcblc allen Freunden u. Bekannten 'Cmeiii WelH«-, Bayplschbler- un!) arr. Speiscgeschftft. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Ps. sowie Zlbendtisch k la carte von 30 Ps. an. 2 Vercinszinlmer mit Klavier für 20—50 Personen.• U. Stranuu, Rejt.Rltterftr. 123. Passage-Theater Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 6 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Man muss sie wiedergesehen haben die LONA ■İä Im Boudoir. Das Moto-Mädchen. Monsch oder Mlasohlne? Das neue Rätsel fQr Berlin! 14 erstklassige Nummern. Auftreten der Lena 10 Uhr.. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraffe 58. Sonnabend, den 12. September a.: Keine Borstellung. Sonntag, den 13. September er.: Robert und Sertrum. Bei ungünstiger Witterung findet die Vorstellung im Saale statt. ralasl-Thealen früher Feen-Palast Bnrgstp. Riesen-Erfolg. 8>/, Uhr: Gknießkt dos Fehen. Lebensbild in 2 Akten. Alfons Gettke: Dir. Rieh. Wstiklor. Leopold Roll, Humorist. Frankelly u. Sohn. Parierre-Akt. Msnita Nolls, Ballcttscene. Hedwig Döring, Soubrette. Luciana, TransformationSakt. Meilinis dunkles Geheimnis. Anita und Francis Era, Lustakt. Ansang 8 Uhr. Sonntag? 7 täte. Entree 50 Ps. Schiller-Theater. ■ehlller- Theater O, (Wallner-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Der Talisman. Dramatisches Märchen in 4 Auszügen von Ludwig Fulda. Sonntagnach mittag 3 Uhr: Derne« und Julia. Sonntagabend 8 Uhr: Im weissen KOssl. Montagabend 8 Uhr: Der Talisman. Schiller-Theater'S. (Friedrich-WilhelmstädtischeS Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Im weissen Rtfssl. Lustspiel in 3 Aufzügen von Oskar Blumenthal und Gustav Kadewurg. Sonntagnachmittag 3Uhr: Der Talisman. Sonntagabend 8 Uhr: Der Klhllathehar. Montagabend 8 Uhr: Was ihr wollt. Pratcr-Cbeater Kastanien-Allee 7/9. Direkt.: M. Kalbo. T-snch-MeMei'MeiU Liederspiel in 3 Akten von O. Richter. Konaert und Ball. fl. a.: Paula Grigatli, Kostüm-Soubr. Original Eugen Mllarda, Tanzhumorist. The Berlinds, die fingenden Lnstseen. Heul Oaharets Neu! Miniatur Wunder-Hündchen. Ansang i Uhr. Eintritt 30 Pf., num. Platz SO Ps._ Apollo-Theater. D{e£iebes-3nsel Zum ISO. Male mit dem grandiosen Post-Ballett. Miss Mildred de Grey Original- Barfuss-Tänzerin. Montrel.— Clermonls Cirkus. Pöttingors Schwed. Damen- Quintett. KIMessteßffiophoii�tVÄ In Vorbereitung: Friihlingsluft. Etablissement ien Buggenhagc am noritzplatz. Täglich: Streichkonzert. Dienstag und Donnerstag: Hamburger Singer. Noch d. Vorst.: Tanrkränrclien. Voranzeige! Vom 1. Oktober ab jeden Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Zcdnllss' Künstler-Ensemble „Nordsterne". Nach jed. Vorst.: Tanrkränrobon.\ Keiclis liallcn Stettiner Sänger (Mehscl.PIctro, Britton, Steidl. Böhme/ Bäck- mann, Plättncr, Schräder». Eberino jr.) Carl Weiss-Theater. Groste{Vranffnrfcr Strafte 188. Amor in Wichs. Gr. Ausstattung»- Gesangs- Burleske tn 4 Akten und 7 Bildern von Ernst Ritterseldt. Mufik von Alb. Wich er. Ans. 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorst. Sonntagnachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Ostbabn-Park. Arn Kiistrinerplatz. Rüdarsdorferst.TI, Hermann Imbs. Däglich: Gr. Konzert, Theater und Kpeeialitaten- Norstellnng. Täglich: RaHmanns Aoi'dilsotZLhs Sängsr Anfang 8 Uhr. E n t r c e 50 Pf. Nach der Soiree: Tanzkränzchen. Dienstag, den 15. September er.: Erster Theaterabend. Tie Lieder deö Musikanten. VolkSstück mit Gesang in 5 Akten von Rud. Kneisel. Fiorsnoe o. l.ill!an, musik. Plummer. Anne Danore/, Borissr Soubrette. Die drei Maoagnes, Soenen im Oakä. Florence Moore, amerilc. Sängerin. Mlle. Marguerite, Löwen-Dressouso. Das Motoglrl, die lebende Puppe. Lionel Strongfort, Kraftproduktjon. Alexia, Bravourtänzerin Die Ten Jchi Truppe, Japan. Zaubork Hlckey u. Nelson, ameriK. Exoentrics Paul Desto, Bariton von der Gr. Oper in Paris. Die Jahrmarktsprinzess, Ballott-Div. Biograph, Bilder des Papstes. D,.serste.fe.schwarzeHutmitFn�r. tISl|!ieZ moderne Form. 1,»» M.' in g�fter Auiswahl. Specialsffut'Engroslager. Einzelverkauf zu Fabrikpreisen im Comptoir Neue Königstr. ch«. 1 Treppe, 252tL« MMT- drittes Baus vorn �.le»auder- DIats."WS Gröfttc Auswahl, auftergewöhnlich billige Preise. Miiiitle lllr Herren. T.Ä ctwit M. 2,50, ffi». 3,-, Baalital A. 4,50. Vorband der löboipolierer. Die Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen restieren, werden ersucht, dieselben heute abend in den Zahlstellen zu begleichen. Mo«tag, den 14. September, abends 8>/, Uhr. Hussitensirafte 40: V e r 8 a n» m I n g. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn De. Wellhelrn über: Tie Arbeiter und die LandtagSwahl. L. Diskussion. 3. Ber- bands-Anaelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Differenz bei der F/irma Dahn& IVetzkow in Wciften- see, König-EHaufiee 71, ist noch nicht geregelt. Mittwoch, deu 83. September, Frankfnrterstrafte 417: Oeff entliehe Versammlung für alle in der Möbelpoliererei beschäftigten Personen. Tages-Ordnung: Die Loh»- und Arbeitsbedingungen in unsrem Beruf, spectell in einzelnen Werkstcllrn. Rcserent: Kollege R. Weber. 147/6 Das zwanzigjährige Stiftungsfest findet am 3. Oktober in Kellers Feststtlen, Koppenstr. 89, statt. Die Mitglieder, welche bei der GcsangSaufiührung mitwirken wollen, werden ersucht, am Moniagabend pünktlich 8'/, Uhr Vlumenstrafie 38 zu erscheinen.' Der Vorstand. Kerbanb der Fabrik � Kand-Hilfsardeiter «nd-Ardeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Sonntag, deu 13. September, mittags 1 Uhr, im Lokale Rahus Bolksgarieu, RummelSburg, Hanptstrafte: OeMiehe Fabrikarbeiter-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Mißstände in den Anilinsabriken RummelsbM'gS unter besonderer Berücksichtigung der letzten Vorkommnisse. Referent: Kollege D. Bruns. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 64/11 Die Vertreter der Direktion find hiermit ganz besonders zu obiger Ver- sammlung eingeladen. Zahlreichen Besuch der Fabrikarbeiter Rummelsburg erwartet Die Ortsberwaltung. I. A.: d Brun s. „Mswille" Beste deutsche 2 Pf.-Cigarette. Heller tfirk. Tabak! Hochfeines Aroma! I-eicbte Mischung! Feinste Handarbeit! Vertreter : Hugo Sprödowsky, Berlin N., Brunnenstr.159. I Direktion s, Robert Dill. Brnnnenstrasse 16. �)öNtö Privat- Festlichkeit geschloffen! Gmmtag: Farinettt. «ei schönem Wetter: Vorstellung im Garten.__ Achtung! Bau-Hilfsarbeiter der ehemaligen Zabletelle Berlin 3. Sonntag, den 13. d. M., bei Bernhard Rose, Badstr. 37—38: Grosse Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: Wie stellen sich die Kollegen, zu dem Ueber- schuft vom Sommer-Bergnügen und dem ganzen Lokal-Kasscnbestand? SM" Gleichsolli! ersuche ich die Kollegen die noch im Besitz von BillcISsind. eine Stunde vorher bei dem Festleiter abzurechnen. Grts-Krllnltenltnffe Sonntag, den 89. September er., vormittags pünktlich 10>/, Uhr: Wahlversammtang sämtlicher großjähriger Kasscnmitgliedcr im Lokal der Witwe Welgel, Goethe- und Türrschmidtstraßcn-Scke. TageZ-Ordnung: grgänzungs- Wahl von 11 Vertretern zur General- i/. Mir. Billet 50 Pf. Programm gratis. _ Das Komitee» Sonntag, den 18. September, vormittags 1« Uhr: Branchen» Versanuniunx der Bautischler StJ" im Crewerkscbattshanse, Saal IT.-DIU Tages-Ordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Diskussion. Die Heimarbeiter. 4. Wahl eines Obmannes.--- Zahlreiches Erscheinen eimünscht.— Mitgliedsbuch legitimiert. 87/7 Der Obmann. Verband deutscher Mühlenarbeiter. . Zahlstelle Berlin. Wtf Sonntag, den 13. September, nachmittags 3'/, Uhr.-MM Versammlung im Ciewerkaebartshanse, Fngel-I'fer 15, Saal 7. Vortrag der Genossin Paula Diede über die kulturellen Ausgaben der Gewerkschaften. 290/7 __ Der Vorstand. Um reges Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. Acht»»«! Putzer.«ckjwna! Am Mittwoch, den 16. September, abends 7 Uhr, Rosen thalerstr. 57: AiißcrordeiiUichcKaudeputierteu-Nersammtuttg. Gleichzeitig weist ich noch» 'sperrt sind. Hauptsächli," Ich die Kollegen, dafür Sorge zu tragen, daß jeder Bau vertreten ist. MMWtrWst■ malä bmtfuf hin, daß die Lauten der Firma I-ahne A Bauch, Köpenick, gesperrt Fehll Ihnen etwas ?1 für die neue Wohnung, so gehen Sie rechtzeitig in unser Bpecial-Haus. Dortselbst finden Sie eine überraschend grosse Auswahl von Neuheiten in Teppichen, Tortieren,(«ardinen, Diwan-, Tisch- u. Steppdecken, Möbel- u. Läuferstoffen etc. Da wir riesige"Waren-Posten gegen Cassa-Zahlung ungemein günstig erworben haben, verkaufen wir obige Artikel u wirklich spottbiillgen Preisen. Teppichhans B. Adler«1 Co., Ktfnlgstrasse 80-81, an der Jüdenstrasse. kommen für Putzer Ralhaus-Bau in Köpenick und in Schöneberg der Bau Ehcruskcrstraße in Betrachts __ Die»rtllehe Verwaltung. I. A.: H, Aeumann. Deutscher tRctallarbeiter-Derband. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. BerwalttmgSftelle Berlin. Fernspreeher Amt VII, 35 S. Achtung! Metalldrücker! Achtung! Sonnabend, den 18. September, abends 7'/, Uhr. im Pewerkschastshanse. Gngel.Ufer 13(großer Saal): Wff-\ ertsa in mliin�. 181)8 Tag« S-Ordnug: Der Stand der Lohnbewegung. Rcserent: Cohen. MW Tos Escheine« aller Kollegen ist notwendig.-M> Es werde» Legittmattonskarten ausgegeben sür dtcjenigen Kollegen, die zu den neuen Bedingungen arbeiten. Achtung! Gürtler! Achtung� Montag, den 14. September 1903, abends«>/, Uhr, im Gewerkschaftshause,«ngel.Ufer 13(Saal 41t WM- Versammlnng.-WU TageS»vrdnung: Der Stand unfrer Lohubewegnng. Referent: Cohen.— Das Erscheinen aller Kollegen ist bringend notwendig. VAF~ Es werden LesttimationSkartrn ausgegeben für biejenigeu Kollege«, die zu deu ueuen Bedingnngen arbeite«. Tonntag, den 18. September 1993, vormtttags 9«Hr. im Lokal von F. Mtlller, Prinz«lbertftrafte 5a: Versammlung für Stralau und Rummelsburg. Tages-Ordnung: 1. Die Mrlegung unstet VersavimlungSlokalS. 2. verbandS-AngelegenHeiten. S. K««ahl der Delegierten»« GewerkschaflS-Kartell. Die Drt s ve rwaltuug. BerantworMcher Redakteur: Julius Kattstt In Ä-rlw. Kür den Jnserateutett verantworllich: Tch.«lode tn Berlin. Druck und B-rlag: Borwärt« Buchdruck««! und verlagtanftalt Paut Singer S2. m Die Arbeiter und die Gewerbegerichte. Dresden. 10. September. Den bevorstehenden Verhandlungen des Verbandes deutscher Ge- toerbcgerichte, der morgen zu seiner Generalversammlung zusammen- stand, dast das erste Jahrzehnt des Verbandes sich nun vollendet hat. Dieser Abschnitt hat zu dem bemerkenswerten Bericht der Vor- sitzenden des Berliner GewerbegerichtS, Dr. v. Schulz und Schalhorn, und zu einer etwas«lageren Denkschrift des Verbandes deutscher Gewerbegerichte.Die Thätigkcit des Verbandes in dem ersten Jahr- zehnt seines Bestandes 181)3— 1903" Anlast gegeben. Heute traten ca.� 70 Arbeiter-Beisitzer der Gewerbegerichte in einer öffentlichen Versannnllmg zusammen, um Stellung zu nehmen zu den wichtigeren Verhandlungsgegenständen des Verbandstagcs. Beisitzer des Dresdener GewerbegerichtS leiteten die Verhandlungen. Der Abgeordnete und Berliner Arbeitcrsekrctnr Körstcn erstattete den Bericht des Centralausschusses der Gewerbegerichts-Beisitzer aus dem Stande der Arbciternehmer. Er führte aus, dast die sämtlichen Kosten dieser Einrichtung von der Berliner Gewerkschaftskoinmission getragen würden, die Arbeitslast war keine geringe, wurden doch 1100 Schriftstücke versandt. Da sowohl das preustische Handelsministerium wie die Frankfurter Behörden Landesstawtc auf Grund des neuen Gcwerbegerichts-Gesetzes aus- gearbeitet hatten, sah der Centralausschust von der Abfassung eines eigenen Musterstatutes ab, anfragenden Gewcrbegerichts-Bei- sitzcr» wurde das Berliner Statut mit einigen Ab- änderungsvorschlägen zur Verfügung gestellt. Eine Verständigung mit dem Verbände der deutschen Gewcrbegerichte wurde durch den Umstand erschwert, dast derselbe sich als ein Verband von Behörden fühlt, der nichtamtlichen Stellen eine Gleichberechtigung in seinenl Rahmen nicht gestatten wolle. Heute haben zwischen Ver- trctern des Centralausschusses und der Dresdener Gewerbegerichts- Beisitzer einerseits und dem Verbandsausschusse Verhandlungen statt- gefunden, die zu einer Annäherung geführt haben. Auf die For- dening von Abstimulimgen habe man nicht weiter bestanden, denn man könne über den Wert und die Richtigkeit der Urteile und der GesetzcSauslegung nicht gut abstimmen s? Red.?, auf eine Anteilnahme an den Abstimmungen über formale Dinge zu bestehen lohne sich aber nicht. Eine Beteiligung der Arbeiter-Beisitzer an dem Ausschusse sei zwar formell zugestanden, thatsächlich werde sich aber nicht viel an den bestehenden Verhältnissen ändern. Es ist zwar die Möglichkeit eröffnet, dast Vertreter der Arbeiter und der Unternehmer von den städtischen Behörden offiziell zu den Verbands- tagen entsandt werden und dast je ein Arbeiter und ein Unter- nehmer dem vielgliedrigen Vorstände angehören werden, diese sollen aber nicht von den betreffenden Gruppen gc- wählt, sondem von den Vorsitzenden der Gewerbegerichte cooptiert werden. K ö r st e n weist dann auf die merkwürdige Auslegung deS Gewcrbegerichts-GefetzeS in Prenzlau hin, wo blost den in Arbeit stehenden Arbeitern das Wahlrecht zugestanden wurde. Die Erledigung einer Beschwerde an den Regierungspräsidenten wurde an das Gewerbegericht, aber nicht an den Beschwerdeführer geleitet, das Gewerbegericht weigert sich aber, etwas über die Ant- ioort de» Regierungspräsidenten an den Beschwerdeführer mit- zuteilen. Mail wird sich hiergegen an das Staatsministerium mit einer neuen Beschwerde wenden müssen. Vielfach werde der Wunsch nach einer festeren Organisation der Gewerbegerichts- Beisitzer aus dem.Stande der Arbeiter" ausgesprochen. Dagegen ist auf den sehr richtigen Be- schlust des Stuttgarter Gewerkschaftskongresses hinzuweisen, der sich gegen diesen Versuch weiterer Zersplitterung der Arbeiter- bewegnng wende. Man solle sich hüten vorSchaffuug neuer Organisationen, die Sonderintercssen vertreten; die Gewerbegerichts-Bersitzer sollen sich nicht als etwas Besonderes, sondern als Gewerkschaftler fühlen, sie sollen nicht blost ihre Erfahrungen ihren Kollegen, sondern der Gesamtheit der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter zu gute komnien lassen. Die Vertteter von Mannheim und Zeitz stimmten diesen Ausführungen bei. Der Arbeiterbeisitzer aus Zeitz sprach sich ferner gegen die Vertretung aller Gewcrbegerichte auf dem Verbandstage aus, eine Beschickung desselben durch den Centralausschust und die Veröffentlichung einer Broschüre über den Inhalt der Verhandlungen erschien ihm ein Fortschritt gegenüber dem bisherigen Modus. Dagegen meinte Holz- Dresden, dast man in eine energische Agitation einzu- treten habe, damit alle Gemeindevertretungen aus ihre Kosten Arbeiter- Vertreter zu den Gewerbegcrichtstagen entsenden, was jetzt von vielen Städten, aber bei weitem nicht von allen geschehe. Redner wünscht auch eine stärkere und regelmästigere geistige Fühlung unter den Arbeiterbeisitzern. Oberländer- Zeulenroda tritt dem Wunsche auf feste Organisation entschieden entgegen; er wünscht, dast das„Correspondenz- blatt" der Gewerkschaften Deutschlands den gewerbegerichtlichen Fragen noch mehr Austnerksamkeit schenke und allen Beisitzern regel- mästig zugänglich gemacht werde. Schulz- Elberfeld lehnt eine straffere Organisation des Centtal- Verbandes der Gewerbegerichts- Beisitzer des Deutschen Reiches ab, empfiehlt aber regelmäßige Zusammenkünfte der Beisitzer in jedem Orte. An der Delegation für den Verbandstag auf Kosten der Städte sei festzuhalten. H e h ni a n n- Offeitbach ist mit der Thätigkeit deS Centtal- auSschusieS einverstanden und nimmt die Konzessionen des Verbands- ausschusses an, er empfiehlt eine feste Organisatton der Gewerbe- gerichts-Beisitzer. In seinem Schluhworte stellt Körsten fest, dast der Centtal- ausschust 25 Versammlungen abgehalten habe, so u. a. in Görlitz und Guben, er war bemüht, für die Fortbildung der Gewerberichter durch Rechtsanwälte und andre juristische Vortragende Sorge zu tragen. Die Beisitzer sollen stets bestrebt sein, ihr Wissen zu ver- mehren, die einschlägige Litteratur anzuschaffen und zu studieren, auch an der Zeitschrift„Das Gewerbegericht" mit- zuarbeiten. Um eine Zersplitterung der politischen und gewerkschaft- lichen Organisation zu venneiden, warne er vor besonderen Organi- sationsbcstrebungen der Gewerbegerichts-Beisitzer. Beschlossen wurde, dast die Arbeiter Beisitzer jedes Gewerbe- gerichts einen Kollegen beauftragen, der die Beziehungen mit dem Centralausschusse zu pflegen habe. Der Sitz des Centtalausschusses bleibt in Berlin. Die Beschickung der Verbandstage auf städtische Kosten herbeizuführen, soll überall ersttebt werden. M a s s i n i referierte über die Erfahrungen mit dem Proportional- Wahlsystem. Die Praxis lasse sich nicht zu Gunsten dieses Zwitters deuten. Bei den Wahlen zum Reichstage und zu den Landtagen wäre die Einführimg des Proporttoual-WahlsystemS viel dringlicher gewesen wie bei den Gcwerbegerichtcn. Dasselbe wurde nicht aus Rücksichten der Gerechtigkeit oder um einer Gruppe von Arbeitern eine Verttetung zu sichern eingeführt; nein, man Ivollte der G e- samtheit von Gegnern der modernen Arbeiterbewegung: christ- lichen Gewerkschaftlern, evangelischen Arbeitervereinen, Hirsch- Dunckerschcn Gewcrkvereinen die Möglichkeit schaffen, der modernen Arbeiterbewegung Abbruch zu thun. Wir haben gar keinen Anlast, derartiger Sonderbündelei Vorschub zu leisten, den ZersplitterungS- gruppeit der niodernen Arbeiterbewegung wollen wir nicht zu An- sehen und Macht verhelfen. Dast die Verhältniswahl theoretisch und praktisch nur eingeführt wurde, um der Socialdemokratie entgegen» zu wirken, beleuchtet er unter Anführung von Beispielen und Citaten aus der.Socialen Praxis" und aus dem„Arbeitsmartt". Das Mannheimer System der Proporttoualwahl. erscheint ihm zu kompliziert, den Arbeitern unverständlich und direkt schädlich. Selbst die„Kreuz-Zeitung" habe bekennen müssen, dast die Arbeiter-Beisitzer in den Gewerbcgerichten im vollsten Mäste ihre Pflicht erfüllen. Die Verhältniswahl einzig bei den Gcwerbegerichtcn durchzuführen, sei ein Nonsens. Kraft- Mannheim beleuchtet das Interesse socialdemokratischer Minderheiten in katholischen Gegenden an der Verhältniswahl. Man könne auf Grund dieses Systems auch einen Keil in die Reihen des Unternehmertums hineintreiben. In Mannheim sei dank des Proportional-Wahlsystems auch in Unternehmertteisen für unsre An- schauung bei der geivcrbcgerichtlichen Rechtsprechung Bahn gebrochen worden. Tie Vorteile des Proporttonal-WahlsystemS erschemen ihm für Mannheim nicht wohl bestreitbar. Erst die Beteiligung der Gegner schaffe in unsren Kreisen gesteigertes Interesse und höhere WahlbeteiligungSzifferit. B r u Ii- Mainz erklärt sich von seinem politischen Standpunkte gegen die Ausführungen Massinis, er fordert zwingende reichsgesetz- liche Bestiininungen, an Stelle des Befindens gemeindlicher Be- Hörden. Er schildert dann das in Mainz beliebte System der Ver- hältniswahh welches den Gegnern die Auswahl unter unfern Kair- didatcn, die Auöstheidung uusrcr besten Kräfte ermöglicht. Die Bedeutung und Möglichkeit der Wahl von Unternehmerverttetern durch unS solle man nicht überschätzen, besonders dort, wo daS Kleinbürgertuni durch die Schaffung von Konsumvereinen mist- vergnügt gemacht wurde. H o l z- Dresden: Ueberall dort, und nur dort, wo man uns schaden kann, führt man dieses Wahlsystem ein. Man öffnet der Willkür, unsren Einfluh zu mindern. Thür und Tbor. Wenn auch der Dresdener Vorsitzende unsrer Objektivität alles Lob spendet, haben die Hirsch-Dunckerschcn doch die beste Aussicht auf Einführung der Verhältniswahl. Mau hoffe nicht zu viel auf Entschädigung unsrer Verluste durch Erfolge im Wahlkörper der Unternehmer. Ber diesen koste es bedeutend mehr Mut wie bei den Arbeitern, sich offen zur Socialdemokratie zu bekennen. Starke- Dresden schliestt sich diesen Ausführungen an und bemerkt, dast die zu uns gehörenden Unternehmer-Beisitzer nie so rücksichtslos wie die Arbeiter austreten werden. Er erinnert an den Ausspruch Caprivis, dast man bei jedem Gesetzgebungsakte die Wirkung auf die Socialdemokratie in Rechnung ziehe, dies ser bei Einführung des Proportional-Wahlsystems geschehen. Seiler- Luckenwalde warnt, den Behörden bei Einführung des Proportional-Wahlsystems Vorschub zu leisten. K ö r st e n- Berlin verlangt unter Hinweis auf die Verhältnisse in Rheinland-Wcstfalen obligatorische Einführung des Proportional-Wahl- systems oder Bekämpfung jeder Einführung desselben auf Grund des bestehende» Gesetzes. Falsch sei, uns die Verleugnung unsrer Principien vorzuwerfen. Wir'wünschen auch nicht, dast man uns der Dummheit anklage. Man hat den§ 10 deS Gewerbegcrichts-GesetzeS zu unsrem Schaden verschlechtert, dast socialdemokratische Unternehmer kaum jemals in die Lage kommen können, bei diesen Wahlen ab» zustimmen. Nun können blost Unternehmer, welche Arbeiter beschäfttgen, wählen; wer waren aber unsre Wähler? Kleine Händler, Gast- Wirte zc., die allein thätig waren. Wir dursten in Berlin und in andren Orten mit dem Verluste unsrer Unternehmersitze zu rechnen haben. Die Eiuzeichnung in die Wählerlisten, die die Wahl sehr erschwert, wird nicht vom Gesetze, wohl aber vielfach von den Gemeindeverwaltungen gefordert. Derartige Hemmnisse werden nicht im„christlichen" Münchcn-Gladbach, sondern blost dort bereitet, wo wir in der Mehrheit sind. Redner weist noch auf andre Un» gerechtigkeiten der Kommunalverwaltungen hin, wenn wir uns an der Wahl der„Arbcitgeber-Beisitzer" beteiligen wollen Nicht nur die Tradition, auch die Klugheit muh für uns mastgebend sein. In seinem Schluhworte weist Massini eindringlich auf die schroffe Haltung der Majoritätsparteien hin, wenn diese mit socialistische» Minderheiten zu rechnen haben. Dann gilt für sie nur ein Princip, uns zu schwächen. In Berlin waren für die Anwendung des nun geltenden Proportional-Wahlsystems blost die Vorsitzenden, nicht aber die Beisitzer. Unternehmer und Arbeiter begegneten sich in der Ab- lehnung. Obligatorisches Verhältnis-Wahlsystem oder überhaupt keines, das must unsre Parole sein. Kein Fustbreit von dem er- oberten Terrain können wir dem Gegner freiwillig abtreten. Kern- Würzburg stellt eine Resolution, die, unbeschadet späterer redaktioneller Llenderung, im Princip ohne Widerspruch beschlossen wird. Sie lautet: Das Proporttonal-Wahlshstem bei der Wahl zu Gewerbegerichten wird von den Gemeindebehörden ausschliehlich zur Schwächung der Verttetung der moderneu Gewerkschaften bcnützt; es ist kein Fall bekannt geworden, dast das Proporttonal-Wahlshstem jemals einer Minderheit modern gewerkschaftlich organisierter Arbeiter zu gute kommt. Die Konferenz der Arbeiter-Beisitzer verwirft deshalb das gegenwärtige System der BerhälttiiSwahl, das als Mittel des Klassenkampfes gegen die moderne Arbeiterbewegung ausgenützt wird." Massini wird zum Vertreter dieses Standpunktes auf der Ver» baudsversammlung bestimmt. In gründlicher Weise erörtert A h r e n s- Verlin die Notwendigkeit einer Aug lieber ung der Kauf mannsge' richte an die Gewerbegerichte. Doch dürfe man hier nicht schablonenhaft verfahren. Wohl sind die Handlungsgehilfen in ihrer grasten Masse zu den gleichen proletarischen Lebensverhältnissen verdammt wie die In- dustriearociter. Aber die verschiedeneu Kündigungsftisten schaffen geänderte Verhältnisse, vor allem bedeutend höhere Streitsummen, deshalb müsse man die Grenze für die Berufuuasmöglichkeit von 100 auf 500 M. für die Handlungsgehilfen verschieben. Zu beklagen ist, dast in dem Entwurf der Reichsregierung Einigungsämter nicht vorgesehen waren, dast auch Jjier das Stimmrecht der weiblichen Arbeiter nicht im modernen Sinne geregelt wurde. Die Hinzu» ziehung von Berufsjuristen als Rechtsvertretern würde er bedauern, es würde dies dann auch bald bei den Gewerbe- gerichtcn möglich sein. Aus allen in Vettacht kommenden, eingehend von ihm gewürdigten Gründen erklärt sich Referent für den An» schlust der kaufmännischen Lohndifferenzen an die Gewerbegerichte. Auf Anttag Metzner-Köthen wird der Berichterstatter mit der Ver» tretung dieser Anschauungen auf dem Verbandstage betraut. I o s e p h s o n- Hamburg, der Vorsitzende der modernen Handlungsgehilfen-Organisation, hatte eine gröstere Unterstützung der Handlungsgehilfen-Forderungen durch die Ärbeitnehmer-Beisitzer erhofft. Man vergesse nicht, dast das Heer der Handlungsgehilse« im Deutschen Reiche 500 000 betrage, nur wenige von diesen leben in besseren als proletarischen Verhältnissen. Eine engere Fühlung mit dem Ccntralverbande der Handlungsgehilfen wäre manchem Arbeitcrvertreter in diesem Fall sehr förderlich gewesen. Sie standen nach wie vor mit mündlichem und schriftlichem Rat und instruktiven Drucksachen zur Verfügung. Er sei begierig, ob man zuletzt das Proporttonal-Wahlsyftein bei den Kaufleuten zum Nutzen von uns, zum Schaden der Antisemiten einführen wird. Die weiteren Debatten behandelten Meinungsverschiedenheiten zwischen den Dresdener Gewerbegerichts-Beisitzern und Josephson, dann die Frage der Elbzollgerichre. Bohl-Nürnbcrg bedauert, dast zur Klarstellung mancher Fragen meist den Arbeiter-Beisitzern so wenig Zeit bleibt. Hieraus wird die Konferenz nach vierstündiger Daner geschlossen. Einsegnongs-a; �. M. Schulmeister, Schnelilermeisfer. am KotterThor. 2352L* in den neuesten fa�one in b 1 a n und schwarz KamnigaFn und Cheviot. Julius Lindenhaiim. Grosse Frankfurterstrasse 141, Ecke Fruchtstrasse. 2369L* Qrösstes Etablissement des Ostens,(iordostens und Südostens. X Anerkannt reellste und billigste Bezugsquelle. X Ukreiusnmintr, 100fS0,ncK Montag n. Dienstag frei. Äv'Ss« Gramtajtr. 190._ Inh.: Max Kürslen. 'Mn!�W1�N7W"MNmsr5traZ5L 75, Saal für Vereine und Gesellschaften mit Theaterbühne. Tunnel f. Versomml, geeignet u. Kegelbahn. 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