Nr. 228. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitungs. Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Auslan 2 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. pa monand miss20. Jahrg. Norwärts Berliner Volksblatt. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Stolonel zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für not die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr bormitttags geöffnet. Telegramm Aoresse: ,, Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Parteigenossen! Die Wahlen zum preußischen Landtag sind ausgeschrieben. Wahlen der Wahlmänner finden am 12. November und die Abgeordneten am 20. November d. Js. statt. Die Mittwoch, den 30. September 1903. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. " Nachfrage erzielte Preiserhöhung vorweg. Bei diesem höchst der Großstädte in Massenmietshäusern verhütet wird. Die legalen" Geschäfte sind geradezu fabelhafte Summen in die Mietskaserne gilt es zu bekämpfen. Hier seht die Aufgabe Hände erfolgreicher Spekulanten gefallen. Nach den Be- der lokalen Verkehrspolitik ein. Sie darf nicht wie bisher rechnungen von Paul Voigt hat in den Jahren 1887/97 jede hinter der Stadterweiterung langsam herhinten, sondern es der neu hinzugekommene Person den Charlottenburger Grund- fällt ihr die Aufgabe zu, neue Gelände zu erschließen besigern einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 2500 Mart und so so den den Spekulantenring durch überreiches AnIn Ausführung eines Beschlusses des Mainzer Parteitages 1901 gebracht; in Berlin und zahlreichen andern Orten sind die gebot bebaubaren Landes zu brechen. Damit muß hat sich der Parteivorstand als Central- Wahlkomitee konstituiert und Verhältnisse genau so oder ganz ähnlich. Die Folgen sind Hand in Hand gehen der Bodenerwerb durch die Städte die Leitung der Wahlen übernommen. bekannt; sie treffen in allererster Linie die Arbeiterbevölkerung. vor Anlegung der neuen Verkehrslinien, damit die Wir fordern nunmehr die Genossen in Preußen auf, unverzüg- Nach der Wohnungsstatistik vom Jahre 1895 mußten sich Bodenspekulation ausgeschlossen bleibt. Erst wenn die Stadtlich da, wo es noch nicht geschehen ist, wahlkomitees einzusetzen, 44 Proz. der Berliner Bevölkerung mit Wohnungen" be- erweiterung wieder zum öffentlichen Geschäft geworden ist, eigene Wahlmänner zu nominieren und Geldſammlungen einzuleiten. gnügen, die nur aus einem Zimmer, heizbar oder un- dann kann jederzeit Ersatz für geschlossene Wohnungen geBereits sind bei uns Anträge von Wahlkomitees um Bu- heizbar, bestanden; die Wohndichtigkeit in diesen menschen- schaffen werden, dann kann erst die Wohnungsinspektion nach wendungen aus der Parteikasse eingegangen. Demgegenüber müssen unwürdigen Gelassen war schaudererregend und ist es strengen Grundsägen erfolgreich wirken." wir darauf aufmerksam machen, daß allgemein für die Landtags- und auch heute noch, denn die Zustände sind nicht besser, sondern Wenn man sich die Verkehrsverhältnisse Berlins vergegenGemeindewahlen Mittel der Gesamtpartei nicht zur Verfügung ge- eher noch schlechter geworden. Die Unlust der Privat Bau- wärtigt, dann erscheinen solche Worte wie die reinste Zukunftsstellt werden können, sondern für die Beschaffung der hierfür er- spekulation, sich der Errichtung von Arbeiter- Wohnhäusern zu- musit. Die Hauptlinien der Straßenbahn in den Händen einer forderlichen Mittel die Genossen der betreffenden Gemeinden bezw. zuwenden, die weniger leicht zu verwalten und darum auch rücksichtslosen, von hohen Stellen auffallend protegierten Erwerbs. Bundesstaaten Sorge tragen müssen. trok hoher Verzinsung weniger leicht zu verkaufen sind, die gesellschaft mit schier unabsehbarem Privilegium, die Aktionäre Veränderungen in der City, wo immer mehr Wohngebäude ficherlich zumeist selbst an der Bodenspekulation erheblich interessiert, in Geschäftsgebäude verwandelt werden, und andre Ursachen in der Stadtverordneten- Versanimlung St. Manchester als haben zu einer chronischen Wohnungsnot für die Minder Schutzpatron angebetet, in der Eisenbahn Direktion und dem bemittelten geführt, die ihren Ausdruck in der wahnwitzigen Berkehrsministerium eine verknöcherte, nur auf fiskalische Steigerung der Mietspreise findet. Die Leute mit einem Ein Kunststückchen und Tariffuriosa geaichte Bureaukratie; im kommen bis zu 600 m. also solche, die auf das Eristenz- preußischen Landtage eine zähe Reaktion, die den Wasserkopf" minimum angewiesen sind mußten( nach Landolt) in Ham- Berlin tödlich haßt, in der allgemeinen Staatsverwaltung die burg bis zu 26,5 Proz., in Breslau 28,7 Proz., in Leipzig 29,9 Proz., von einem Minister auf den andern vererbte Tendenz, einer in Dresden 26,8 Proz., diejenigen von 600-1200 M. in Berlin organischen Gliederung von Groß- Berlin jedes nur denkbare 24,7 Proz. ihres Einkommens für die Wohnung ausgeben. Hindernis in den Weg zu legen da bleibt wahrhaftig wenig Diese Zahlen beziehen sich auf die letzten Jahrzehnte des zu hoffen! Aber die scheinbare Aussichtslosigkeit unsrer Bevorigen Jahrhunderts, aber sie gelten auch heute noch, ja in strebungen war für uns nie ein Grund, mit unsern Fordeeinzelnen Orten ist seit jenen Aufnahmen sogar eine noch rungen hintanzuhalten, und so werden wir in dieser Sache weiter getriebene Steigerung der Mieten nachgewiesen worden. mit nie ermattender Energie darauf drängen, daß durch die Auf teinem Gebiete des gesellschaftlichen Lebens hat man Ausgestaltung der lokalen Verkehrsmittel der schreienden fürwahr bisher den verderblichen Egoismus der Spekulanten- Wohnungsnot des armen Volkes Abhilfe gebracht werde. gruppen so unbeschränkt austoben lassen, wie auf dem der Wohnungsbeschaffung für die Massen der Stadtbewohner. Geringe finanzielle Leistungsfähigkeit soll und darf nun für ärmere Kreise ein Hinderungsgrund an der Wahlbeteiligung nicht sein. Um den ärmeren Kreisen eine finanzielle Beihilfe leisten zu fönnen, ist die Schaffung eines Fonds zur Förderung der preußischen Landtagswahlen dringendes Erfordernis. Wir richten deshalb das Ersuchen an die Genossen in Preußen, Sammlungen einzuleiten und die nicht am Drt bezw. im Kreis selbst benötigten Gelder an den Parteifaffierer A. Gerisch, Berlin SW. 47, Kreuzbergstraße 30, einzusenden. unter der Adresse: warten. Das Central- Wahlkomitee. 解 Politische Ueberficht. Von den außerhalb Preußens wohnenden Genossen erwarten wir, daß sie die Betreibung der Wahlagitation in Preußen sowohl durch Geldsammlungen wie sonstige Hilfe unterstützen. Um den Wahlkomitees die Arbeit zu erleichtern, hat das Central Wahlfomitee beschlossen, Flugblätter in Auftrag zu geben, die, als Manuskript gedruckt, den Wahlkomitees zur Verfügung stehen sollen. Der Bezug der Flugblätter erfolgt durch das Parteibureau J. Auer, Berfin SW. 47, Kreuzbergstraße 30. Will man der unter dem Wohnungsjammer verkommenden Parteigenossen! Die Disciplin, auf die stolz zu sein die Partei städtischen Bevölkerung thatkräftig helfen, so muß man der ein Recht hat und die ein Grundpfeiler ihrer Stärke ist, kommt bei Bodenspekulation an den Kragen gehen und jedes Mittel Berlin, den 29. September. der Bethätigung für die preußischen Landtagswahlen in großartiger anwenden, um die Grundrente zu senken. Aber dazu sind die Der Freifinn vor der Entscheidung. Weise zum Ausdruck. Trotz der in der Partei herrschenden Gemeindevertretungen bisher nicht zu haben gewesen, weil- Auf einer Agitationstour durch Schlesien für die Beteiligung an Meinungsverschiedenheit über den Wert dieser Beteiligung wett eine Krähe der andren das Auge nicht aushackt. Die den Landtagswahlen beleuchtete Genosse Arons in einer zahlreich eifern die Genossen, die Ausführung des Mainzer Parteitags- Gemeinden sind der Herrschaft der unwissendsten und besuchten Versammlung in Breslau die Aussichten in dieser Provinz. Beschlusses erfolgreich zu gestalten. Richtschnur der Agitation sind gewissenlosesten Gruppe der Bevölkerung ausgeliefert, und die Auf Grund der in Dresden von der preußischen Konferenz eindie Beschlüsse der Delegiertenkonferenz vom 26. April d. J. Regierungen stören in ihrer blöden Angst vor dem Umsturz" stimmig gefaßten Beschlüsse erklärte er, daß wir überall bereit seien, Die Disciplin, der Wetteifer und die Thatkraft der Partei- die staatserhaltenden Elemente" nicht in dem Geschäft der bei der Abgeordnetenwahl die Freisinnigen zu unterstützen, wo wir genossen sind so oft erprobt und haben die Probe so oft herrlich Auspowerung der Massen. So sind die großen Städte den Ausschlag geben könnten, vorausgesetzt, daß die Freifinnigen bestanden, daß wir den Erfolg der Partei quch bei der begonnenen mögen Einzelheiten ihrer Verwaltung noch so vorzüglich sein uns je eines der in Betracht kommenden Mandate überließen. Alle Aftion, der Beteiligung an den preußischen Landtagswahlen, er doch zum Massengrabe der Volkskraft geworden. Nicht weil in Frage stehenden schlesischen Wahlkreise haben zwei oder drei Absie groß sind, wie wir den agrarischen Städtefeinden gleich geordnete zu wählen. Wenn die Freisinnigen Berücksichtigung des Berlin, den 29. September 1903. bemerken wollen, sondern weil sie die Stätte schamloser Besitzstandes verlangten, so sei dies eine Phrase. Es handele sich tapitalistischer Auswucherung sind, die nur im Brotwucher dabei um Görlitz und Breslau. Görlitz sei von 1876 bis 1898 in ihr Gegenstück findet. " In der städtischen Verwaltung den Händen des nationalliberal- konservativen Kartells gewesen; nach überwiegt das Hausbesitzer- Element, dessen privates Interesse 1898 hätten die Freifinnigen den Nationalliberalen angeboten, mit Wohnungsfrage und Lokalverkehr. im schroffsten Gegensate zu den Interessen der Allgemeinheit ihnen zusammen drei nationalliberale Abgeordnete zu wählen, jede Beschränkung in der Verfügung über ihr Grundeigentum um die Konservativen, die zwei der drei Mandate innehatten, zu Mit den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahr verwirft. Dieses selbstsüchtige Element, dessen Horizont, mögen beseitigen. Erst nachdem dieser bescheidene Wunsch von den Nationalhunderts begann in Deutschland die Periode der Entwicklung wir ihm in dem kleinsten Marktstädtchen oder in der großen liberalen zurückgewiesen, hätten sie sich, auf socialdemokratische der größeren Städte. Der starke Geburtenüberschuß und die Metropole des Reiches begegnen, gleich eng ist, dessen Feind Hilfe rechnend, in den Kampf begeben und nur durch das thatvom Lande Abwandernden fanden zunächst Unterschlupf im schaft gegen jeden Fortschritt nur der Ausdruck einer unsäg- fräftige Gintreten der socialdemokratischen Wähler für die freisinnigen Rahmen der alten Städte: der Kern der Städte wurde dichter lichen Borniertheit ist, dieses Element ist durch seine ökonomische Wahlmannskandidaten sei ihnen die Majorität der Wahlmänner und besiedelt, alte kleine Häuser wurden erhöht oder durch größere Macht und die Unterstützung einer veralteten Gesetzgebung damit die drei Mandate zugefallen. Breslau fei zwar auch vorher neue ersetzt, unbebaute Flächen eiligst überbaut, Keller zu doppelt start; sein Widerstand daher außerordentlich schwer zu freisinnig vertreten gewesen, konnte aber 1898 nur dadurch gehalten Wohnzwecken eingerichtet und die ersten Mietstasernen ent- überwinden."( Hugo.) werden, daß die socialdemokratischen Wahlmänner für die freistanden. Doch bald reichte der gewonnene Wohnraum nicht Aber er ist doch zu überwinden, wie in tausend Einzel- sinnigen Abgeordneten- Kandidaten stimmten. Ueberdies könne von mehr aus, und es begann der Ausdehnungsprozeß in das heiten die segensreiche Thätigkeit socialdemokratischer einem„ Besißstand" gegenüber der gerade in Breslau und Görlitz Vorland: an den alten Landstraßen zogen sich zunächst die Gemeindevertreter bewiesen hat und täglich beweist. weitaus stärksten Partei, der Socialdemokratie, schon deshalb nicht neuen Häuserreihen entlang, bald aber wurde auch das Wir unterstüßen freudig jeden Versuch, der privaten Aus- gesprochen werden, weil diese bisher auf die ihr mit Fug und Recht zwischen ihnen liegende Land parzelliert und überbaut. beutung des privaten Grundes Grenzen zu stecken und zu zustehenden Mandate keinen Anspruch gemacht habe. Das habe jetzt Der Weizen der Bodenspekulanten begann zu blühen, die verhindern, daß das private Eigentum an Grund und Boden aufgehört. " Millionenbauern" brachten ihr Schäfchen ins Trockene. Eine als furchtbares Werkzeug zur Ausbeutung der nichtbesitzenden Nun mögen die Liberalen vielleicht noch einen Brief des ParteiFolge der immer mehr zunehmenden Bebauungsdichtigkeit Gemeindegenossen dient und in seiner rücksichtslosen Ent vorstandes ausgraben, der 1898 in der„ Volkswacht" veröffentlicht war die Steigerung der städtischen Grundrente. Sie ist direkt faltung die körperliche und sittliche Gesundheit der Gemein- und vom Genossen Auer unterzeichnet war. In ihm hieß es:„ Den abhängig von den baupolizeilichen Vorschriften über die zu schaft schädigt. Konservativen Breslau zum Landtag ausliefern, das wäre ein Läffige Bebauungsdichtigkeit; solche Vorschriften existierten aber Im Verfolg dieser grundsäglichen Anschauung sind die Schandfleck, den die Partei nie mehr abwaschen könnte." Man wird nur, so weit die Feuersicherheit bei der damals noch wenig socialdemokratischen Gemeindevertreter von jeher und überall sagen, der einsichtige Auer wird den temperamentvollen Genossen schon entwickelten Löschtechnik in Frage kam. Die Konsequenz der für eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Standpunkt flar machen. Demgegenüber erklärt er schon beständigen Steigerung der Bodenpreise war dann wiederum den Städten, speciell in Berlin eingetreten. Denn in der heute, daß der Parteigenosse Auer den damals von allen geteilten die Errichtung der höchstzulässigen Häuser und die stärkste That ist der Ausbau und die planmäßige Erweiterung Standpunkt auf Grund der veränderten Verhältnisse ebenso wie die Ausnutzung der Fläche. Eine Mietstaserne gebar zahllose des lokalen Verkehrs von socialpolitischen Gesichtspunkten andern verlassen hat, daß auch Auer heut die Meinung vertritt: andre, denn wo die Mietskaserne einmal zugelassen ist, kann aus eines der Mittel, den gröbsten Schäden der Wohnungs- Wenn Breslau trotz des Entgegenkommens der Socialdemokratie überhaupt nicht mehr anders als in der Form von Miets- not abzuhelfen. Nicht nur in dem kleinen Maße, daß bessere gegenüber dem Freifinn jetzt an die Konservativen fällt, so wäre das fasernen gebaut werden, weil sonst keine genügende Ver- Straßenbahn- oder Vorortsbahnverbindungen einer mehr ein Schandfleck für den Freifinn.( Großer Beifall.) zinsung des angelegten Kapitals zu erwarten ist. oder weniger großen, aber im Verhältnis zur Gesamt- Die Socialdemokratie werde bei den Urwahlen in Stichwahlen Die sozusagen natürliche" Preiserhöhung des Grund und Einwohnerschaft immer unbedeutenden Anzahl von Gemeinde- nach Ausfall der socialdemokratischen Kandidaten nur für solche Bodens infolge des Zusammenfließens der Bevölkerung auf Einwohnern ermöglicht, sich eine gesundere, weil freier ge- freifinnigen Wahlmannskandidaten stimmen, die bei ihrer Aufstellung fleinem Raum erklärt aber noch nicht ganz die Kalamitäten, legene Wohnung zu beschaffen, sondern mehr noch dadurch, erklärt haben, unabhängig genug zu sein, um bei der Abgeordnetenunter denen die große Masse der städtischen Bevölkerung zu daß sie in Verbindung mit einer durchgreifenden Zonen- Bau- wahl nach freiem Ermessen stimmen zu können. Diese eigentlich selbstLeiden hat. Verschärft und bis zur Unerträglichkeit gesteigert ordnung die Bodenspekulation zum Teil wenigstens lahm legen verständliche Erklärung müßte die Socialdemokratie verlangen nicht wurden sie durch das Treiben der Spekulation. Der tann. Auf diesen Punkt nachdrücklich hinzuweisen ist das Ver- aus Principienreiterei, sondern auf Grund der 1898 in Breslau gemachten Haupttrick der Bodenspekulation besteht in der Aussperrung dienst einer vom Verein Reichs- Wohnungsgesetz herausgegebenen Erfahrung. Weiter dürfte es sich für die Liberalen empfehlen, bei des Bodens von seinem Zwecke, der Bebauung. Der Broschüre von Dr. Clemens Heiß: Wohnungsreform Urwahl- Stichwahlen nach Ausfall des freifinnigen für den socialSpekulant heimst den Gewinn von dem brachliegenden Grund- und Lokalverkehr.( Göttingen, Verlag von Vandenhoeck demokratischen Wahlmannskandidaten zu stimmen. Eine diesbezügliche stück dadurch ein, daß er es von vornherein mit einer mög- und Ruprecht, 1903, Preis 1,60 Mart.) Vor allem ist, so Forderung stellte die Socialdemokratie zwar nicht, ihre Erfüllung lichst großen Hypothet belastet; er estomptiert, er nimmt so meint Heiß, danach zu streben, daß ein weiteres Umsichgreifen läge aber im Interesse des Freisinns selbst, damit nicht etwa die die durch Verminderung des Angebots bei ständig steigender der Anhäufung der Bevölkerung in den Erweiterungsgebieten Urwahlen den Konservativen die Mehrheit der Wahlmänner brächten. Könnten sich die Freisinnigen zu einer derartigen Taktik entschließen, so wären in Schlesien eine ganze Reihe von Mandaten den Konservativen zu entreißen. Zwar im Regierungsbezirk Oppeln, der schwarzen Ecke, käme diesmal noch lein einziger Wahlkreis in Betracht: höchstens dürfte es möglich sein, in Beuthen-Tarnowitz-Kattowitz-Zabrze bei der großen Zersplitterung der andren Parteien eine Handvoll Wahl- männcr durchzubringen; diesen würde die ehrenvolle Aufgabe zu- fallen, den Verlauf der Abgcordnetcnwahl in Beuthcn zu überwachen, wo am 20. November mehr als 2300 Wahl- männer zur Wahl zusanimentreten würden. Achten unsre Wahlmänner darauf, daß alles mit ehrlichen Dingen zu- geht, so kann dort unter Umständen die Wahl unmöglich werden — ein schöner Erfolg für diejenigen, die die Unhnltbarkeit der heutigen Zustände darthun wollen. Sehr günstig lägen die Verhältnisse im Regierungsbezirk Liegnitz: hier gäbe es keinen Kreis, in dem nicht bei der letzten Reichstags- Wahl Socialdemokraten und Freisinn zusammen die absolute Mehr- heit der abgegehenen Stimmen erhalten hätten. Auf Landtags- Wahlkreise umgerechnet ergäbe sich folgendes Bild: In allen diesen Kreisen müßte energisch gearbeitet werden: nehme man aber an, daß in den drei ersten diesmal der un« mittelbare Erfolg noch ausbleiben würde, so wäre es doch möglich 7 Konservative, 2 Freikonservative und einen National- liberalen zu verdrängen. Nimmt man an, daß in jedem Kreis ein Mandat den Socialdemokraten, der Rest den Freisinnigen zufällt, so würden 6 Socialdemokraten und 7 Freisinnige ans der Wahl hervor- gehen, trotz Aufgabe eines Mandates in Görlitz würden es die Freisinnigen von 3 auf 7 Mandate bringen können. Im Regierungs- bezirk Breslau würden von den I I LandtagS-Wahlkreisen für diesmal nur drei in Betracht kommen. In Brcslau-Stadt und Waldeuburg-Reichcnbach ergaben die Reichstagswahlcn 1903 für die Socialdemokratie 61,3 und 66,0 Proz. der abgegebenen Stimmen, also die absolute Majorität, für die Freisinnigen nur 18,6 und 9,1 Proz.; in Striegau- Schweidnitz hatten die Socialdemokraten 38,8, die Freisinnigen 21,8, beide zusamnieit 67,6 Proz.; bisherige Vertretung im Landtage 3 Freisinnige(Breslau), 3 Frcikonservative, 1 Konservativer, 1 Centrumsmann. Wie oben könnten hier 6 Freisinnige und 3 Social- demokraten gewählt wxrden; trotz Aufgabe eines Breslauer Mandats könnten die Freisinnigen von drei auf ftmf steigen. Diese Rechmmgen auf Grund der Reichstags- Wahlergebnisse seien freilich nicht entscheidend. Deshalb sei es das gute Recht der Freisinnigen, sich vor den UrWahlen nicht zur Aufgabe eines Mandates zu verstehen. Die Landtagswahl in Breslau 1898 hat ihnen allerdings gezeigt, wie die Verhältnisse liegen; deshalb ist es dringend nötig, daß sie sich bei Aufstellung der Wahlmanns- Kandidaten auf die Eventualität, nachher einen Social- demokraten wählen zu müssen, einrichten. Für die Social- demokratie gestalten sich die Aussichten noch insofern ungünstiger, als die Freisinnigen auch Anschluß nach rechts, an die Naiionalliberalen suchen können. Auch das ist ihr gutes Recht, das ihnen nicht bestritten werden soll. Die Freisinnigen mögen also bedenken, daß sie ein eventuelles Ent- gegenkommen seitens der Nationalliberalen,— in Liegnitz ist ein Wahlbündnis bereits abgeschlossen—, auch nur dem Austreten der Socialdemokratie verdanken. Ucbrigens werden veraussichtlich auch die vereinigten Freisinnigen und Nationalliberalen noch von den socialdemokratischen Wahlmännern abhängig sein. Also auch in jenen Kreisen müssen die vereinigten Liberalen sich darauf einrichten, eventuell für eineu Socialdemokraten stimmen zu kömien. Die Stcllnngnahnie der Socialdemokratie ist durch die Dresdener Bcschliiffe unabänderlich festgelegt. Unter voller Ueberlegung aller Konsequenzen ist einstimmig beschlossen, überall dort, wo die socialdemokratischen Wahlmänner ausschlaggebend sind und trotz- dem kein Entgegenkommen seitens der Liberalen finden, diese u n- barmherzig durchfallen zu lassen, auf die Gefahr hin, daß dadurch die Liberalen völlig zusammenschmelzen und die Konser- vativen die absolute Majorität im Abgeordnetenhaus erhalten, somit auch äußerlich die Machtstellung einnehmen, die sie bei der Haltung des Centrums that sächlich so lvie so haben. Diese Ausführungen wurden von den zahlreich erschienenen Ge- Nossen mit stürmischer Zustimmung aufgenommen. Bolksprotest gegen das Heidelberger Schreckcnsurtril. Einen Vorgeschmack von der Aufnahme, die das ftirchtbare Heidelberger Kriegsgerichts-llrtcil im Volke finden wird, gab das Verhalten des Auditoriums, das der Verhandlung beigewohnt hatte. Die freisinnige„Neue Badische Landeszeitung" be- richtet darüber: „Als der Ankläger in juristisch kühler Deduktion gegen den, übrigens nur durch erdrückende Indizien belasteten, Keinarth die furchtbare Strafe beantragte, da ging ei» hundertfaches Gemurmel des Entsetzens durch den dichtgcfiillten Raum, und der Verhandlungsleiter drohte den Saal räumen zu lassen. Nachdem der Gerichtshof sich zur Beratung zurück- gezogen, ergab sich die Notwendigkeit, die Gefangenen austreten zu lassen, und damit diese nicht etwa in der dichtgedrängten Zuhörerschar entschlüpften, wollte der Aufsicht f ü h r e n d e O f s i z i e r, ei» junger Lieutenant, den Saal räumen lassen, er gebrauchte indes sofort so wenig glimpfliche Redewendungen— auch den Journalisten schleuderte er ein„Scheren Sie sich raus t" entgegen I! daß er seinen Zweck nicht erreichte und unter dem Gejohle der Menge davonging, Polizei zu requirieren, die indes nichts mehr zu thun fand. Das Publikum füllte allmählich den Saal wieder und harrte l'/z Stunden, die Dämmerung brach herein— da die Gaskrahnen abgeschraubt waren, war seine Mög- lichkeit der Beleuchtung—, es wurde düster im Saal, und immer düsterer wurde die Stimmung des Publikums, das es nicht begreifen konnte, daß ein toller Maiiövcrstrcich— wie die Leute es auffaßten— so ftirchtbare Sühne heische, und der Groll machte sich in kurze ir Ausrufen Luft, die iv ahrlich kein Loblied waren auf die allzu bekannten letzten Sprüche u n s r e r M i l i t ä r j u st i z. Kurz nach 7 Uhr wurde plötzlich bekannt gegeben, daß die Verhandlung, da es unmöglich sei, diesen Saal zu beleuchten, in einem andren Räume weitergeführt werde und daß dieser zu verlassen sei. Wo? wurde nicht gesagt I Entrüstete Stimmen riefen nach Oeffentlichkeit des Verfahrens. Der Polizei hielt es schwer, die Leerung des Saales zu erzlvingen. Nur wenige erfuhren den £)i* der Weiterverhandlung— die nahe Kaserne und erhielten, gegen Karten, dort Zutritt. Allmählich sickert die Kenntnis bei der auf der Straße, im Stimmengewirr, sich drängenden Menge durch, deutlich als die Skichter, Gefangenen und Zeugen, auf Umwegen, dahin gelangen. Und nun sammelt sich die mehrhnndertköpfige Schar vor der im Düster der Nacht gleich einer Zwingburg anfragenden Kaserne, vor deren mächtigem, geschlossenen Thor die Wache angetreten ist. Wie ein Brausen der Sturmflut dringt es hinauf zum Schloß droben auf dem Jettenbühl, über dem friedlich der Mond leuchtet. 8 Uhr schlägt es vom Turm der Jesuitenkirche, kurz danach thut das Thor sich an und es erschienen die ersten der Zuhörer, denen es geglückt war, eingelassen zu werden, stürmisch mit„Hurra! Es sind Civiliste»!" Sie bringen aber die traurige Kunde von dem schweren Urteilsspruch. Nim gerät die Menge fast außer Rand und Band, sie weicht nicht von der Stelle, und als die Militärrichter bald danach erscheinen, dröhnt hundertfältiges Pfeifen, Gcjohl und„Hoch Hüssener!" ihnen entgegen. Alle Kundgebungen mißachtend, bahnen sie sich ihren Weg. Aber noch lange bleiben viele auf der Stelle und starren den Bau an, der die Gefangenen birgt. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht durch die Stadt; alle Schichten der Bevölkerung nehmen daran teil: nichts andres wird heute mehr im Wirtshaus verhandelt; die Tageszeitungen drucken Extrablätter, Camelots schreien sie durch die Straßen. Auch am heutigen Sonntag steht die Signatur der Stadt unter diesem mächtigen Ein- d r ü ck. Die Majestät militärischer Disciplin ist blutig rot am Heidelberger Horizont aufgestiegen! An den Anschlagsäulen, an den Schaufenstern der Kallfleute kleben die Plakate mit dem Urteilsspruch, davor sammeln sich die Fremden, die Landleute, die von den Dörfern hereingekommen, ihre Sonn- tagseinkänfe zu machen, die Soldaten unsres Bataillons, die gestern mit klingendem Spiel aus dem Manöver in die Stadt einmarschiert sind, an dem Gebäude vorbei, wo über ihren vier Kameraden das Damoklesschwert schwebte." Der Sturm der Entrüstung, der sich in Heidelberg in so leiden- schastlicher Weise Luft machte, wird das ganze Land durchhallen! Ein neuer Mcnterei-Prozeß? Die„Neue Badische Landeszeitung" schreibt: „Wie wir hören, sollen in Reichartshausen auch noch weitere schwere Ausschreitungen vorgekommen sein. Fünfzehn Grenadiere des hiesigen Regiments legten ebenfalls nach V e r- a b r e d u n g Civil kleider an und bewarfen den Gast- Hof, in dem die Offiziere tafelten, mit Steinen, so daß die Offiziere flüchten mußten. Auch dieses Vergehen wurde verraten und die 15 Mann verhaftet und ebenfalls nach Heidelberg in Gewahrsam gebracht, llebrigens werden auch noch aus verschiedenen andren Orten, wie N u tz l o ch, Sinsheim, Düren, wo das 110. und III. Regiment im Standquartier lagen, ähnliche Vorkommnisse, allerdings leichterer Art gemeldet." Sollte sich die Meldung bestätigen, so würden dem Militarismus und der„militärischen Disciplin", die nur für die Mannschaften ihre furchtbare Geltung zu haben scheint, noch zahlreiche weitere Opfer fallen! llebrigens lväre angesichts solch zahlreicher Vorkommnisse in demselben 110. Grenadier- Regiment eine unnachsichtige Nach- forschung nach den Ursachen der Ausschreitungen unabweisbar!— Noch ein Gegenstück zum Fall Hüssener. Ein Musketier in Kiel wurde wegen Besuchs eines ver- botenen Lokals arretiert, stieß, nm zu entfliehen, denllnter'offiziejr mit demFuß gegen denUnterleib und widersetzte sich der Patrouille. Dafür verurteilte das Kriegsgericht der 18. Division ihn zu fünfjährigem Gefängnis und Ausstoßung aus der Armee. Hüssener kriegte nur zwei Jahre Festung. Und der Unteroffizier Dunkel kam genau mit der Hälfte der Strafe, die über den Kieler Musketier verhängt wurde, davon, obwohl ihm 356 Fälle zum Teil schwerster Soldatenschindereien nachgewiesen worden waren!— DeutTcbco Reich. Die Steuer-Bedrohung. In der bayrischen Abgeordnetenkammer, die am Dienstag wieder ihre Sitzungen aufnahm, legte der Finanzminister V.Riedel die Finanzlage Bayerns dar und kam dabei in beachtenswerter Weise auf die Thaffache neuer Reichs-Steuerpläne zu sprechen. Er führte aus: Bezüglich des Budgets für die Finanz- Periode 1904/06 seien die anfangs gehegten Befürchtungen glücklicher- weise übertrieben gewesen. Die Finanzlage sei zwar noch nicht ganz gesund, allein der Patient befinde sich bereits auf dem Wege der Besserung. Die Hauptsache sei, sich vor einer zu raschen Vermehrung der Staatsschulden und vor einer Mehrbelastung durch die finanziellen Leistungen an das Reich zu hüten. Der Finanzminister erörterte sodann eingehend die Notwenbigkeit einer beftiedigenden Ordnung der finanziellen Beziehungen zlvischen dem Reich und den Einzel st aaten. Eine vollkommen erschöpfende Reichs- Finanzrefornr wird vor der definitiven Gestaltung unsrer Zollverhältnisse nicht wohl möglich sein, aber eine Anbahnung dazu sollte nicht verzögert werden. Nach meiner Meinung wird es sich nicht umqehen lassen, für das Reich schon in nächster Zeit die eine oder andre neue Einnahme zu schaffen. Der Minister erinnerte sodann daran, daß er selbst schon vor Jahren auf eine Reichs-Finanzreform hingewirkt habe, welche geeignet gewesen wäre, Bayern gegen alle Eventualitäten möglichst zu schützen, und spricht die Erwartung aus, daß es gelingen werde, im nächsten Reichs-Etat die Matrikular- beitrüge in der gleichen Höhe wie die Ueberweisungen zu halten. Der Minister besprach dann die Gestaltung der Einzel-Etats, unter denen der Etat des Staatsministeriums für Verkehrsange- legenheiten, der am 1. Januar 1904 ins Leben tritt, zum erstenmal erscheint. Für die Aufbesserung der Gehälter der Staatsbeamten und Bedien st eten habe bisher keine Forderung ins Budget eingesetzt werden können. Der Minister hofft jedoch, daß noch in dieser Session etwas geschehen könne, wenn die Besserung der Eisenbahnerträgnisse anhalte und überall sonst Sparsamkeit geübt werde.— Der verhinderte Mittelland-Kanal. In unsren Betrachtungen über die lehrreiche Geschichte der Junkerrevolte gegen den Mittelland-Kanal haben wir wiederholt darauf hingewiesen, wie die Regierung sich so tief unter das Junkerjoch duckte, daß sie es peinlich vermied, den Kanal an der Stelle durchzusetzen, wo sie ihn erlangen konnte: im Reichstage. Jetzt erfahren wir, daß in der That die Regierung jedes Mittel angewandt hat, um ihr eignes Werk zu v e r h i n d e r n. Auf dem nationalliberalen Delegiertentag erzählte der Abgeordnete Wallbrecht: „Als im Jahre 1899 der Kanal abgelehnt wurde, traten die Kanalinteressenten zusammen und sagten sich, wir müssen einfach den Kanal selbst bauen, wenn die Regierung die Konzession er- teilt. Wir kamen nach Ausstellung einer Rentabilitätsberechnung zu dem Resultat, daß der Kanal aus Privatmittcln zu bauen ist. Ober-Baudirektor Franzius-Bremen und Generaldirektor Belling- rath-Dresden gingen über unsre Rentabilitätsberechnung sogar noch hinaus. Es ist mir damals gelungen, von den Jnter- effenten 100 Millionen aufzubringen, die übrigen 200 war der verstorbene Herr v. Siemens zu übernehmen bereit. Der Plan wurde den Ministern und Fürsten Hohenlohe vorgelegt. Herr v. Thielen stand der Sache kühl gegenüber, Miquel war heute dafür, morgen dagegen, und nur Reichskanzler Fürst Hohenlohe war ein entschiedener Freund des Projekts. Wir wollten die Konzession nur für den Fall, datz der Kanal wieder abgelehnt würde. Die Berhandlungcn wurden aber durch Thielen i» die Länge gezogen; er sagte, er habe die Sache einer Kommission zur Prüfung überwiesen. Nachdem ich fünfmal in sechs Monaten bei ihm war, erhielt ich die Nachricht, die Regirning wolle die Konzession nicht erteilen. Inzwischen war auch Hohenlohe ans dem Amte geschieden, und der jetzige Reichskanzler brachte der Angelegenheit anscheinend kein Interesse entgegen: ich habe wenigstens von ihm nicht einmal eine Antwort bekommen. Nachher habe ich auch erfahren, daß die von Herrn».Thielen(der das Wort sprach:„Gebaut wird er doch!") eingesetzte„Konmussion" überhaupt niemals zusammengetreten ist." Die Junker wollten den Kanal nicht, vor allem deshalb nicht, weil sie ihn als Kompensationsobjekt für höhere Zölle in der Hand behalten wollten. Und die Regierung arbeitete den Junkern so eiftig in die Hände, baß sie sogar mit Gewalt und List die private Ausführung des Kulturwerkes hintertrieb. Ein ganz köstliches Bild aus dem Junkerreich!—_ Ein Minister über den Dresdener Parteitag. Wir sind es gewöhnt, daß unsre Gegner viel Unverständiges über unsre inneren Partei-Angelegenheiten schwatzen und e§ ist mcht zu verwundern, daß sich an den erregenden Vorkommnissen von Dresden auch die gegnerische Kunst eifrig versucht. Aber was der badische Minister des Innern Schenkel jüngst in einer Rede bei der Eröffnung einer landwirtschaftlichen Ausstellung� in Karlsruhe geleistet hat, zählt ungefähr zu dem unbedeutendsten, was die Gegner unsrer Partei in der letzten Zeit vollbrachten. Der Minister Dr. Schenkel feierte die Ausstellung, in deren Vorführungen auch zum Ausdruck komme,„daß von einem Klassengegensatz zwischen Gewerbe und Landwirsschaft, zwischen Fabrikarbeiter und Grund- besitzer in Baden keine Rede sein könne." Wer so an die Harmonie aller wirtschaftlichen Interessen, an die Interessengemeinschaft unter den Zollwuchereifrigen des Grundbesitzes und den Zoll- ausgcwucherten des Fabrikproletariats glaubt, dem kann freilich ein Parteitag der Socialdemokratie ganz und gar nicht be- Hägen. Aber etwas über dem Niveau der abgedroschensten Redensarten könnte ein M i n i st e r doch>vohl sein Mißbehagen zum Ausdruck bringen. Er donnerte, nach dem Bericht der„Köln. Ztg." also: „Ein um so unerfreulicheres Bild gewähre eine andre Aus- stellung, die in letzter Woche in Dresden stattgefunden habe, eine Ausstellung von Gedanken und Bestrebungen, die der social- demokratische Parteitag in der sächsischen Residenz ins Leben ge- rufen hat. Mit erhobener Stimme, der man aufs deutlichste die innere Erregtheit des Redners anmerkte, wandte sich der Minister unter lautloser Stille der Versammlung gegen die rcvolu» tionäre Denk ungs weise der Socialdemokratie, die lediglich das Ziel verfolge, Älassenhaß zu säen und eine radikale Umwälzung der jetzigen Gesellschaftsordnung herbeizuführen. Während glücklicherweise bei uns die verschiedenen Gesellschaft-:- klaffen und Berufsgruppcn noch, vom Gefühle gemeinsamer Interessen durchdrungen, friedlich zusammenwirkten, wollen die Führer jener Bewegung alle wenig Besitzenden und von der Hände Arbeit Lebenden zu einer von der übrigen Gesellschaft gesonderten Klasse vereinigen, und als Ziel des von dieser Klasse zu führenden Kampfes werde das Traumbild eines p a r a- d i e s i s ch e n, von Freiheit getränkten Lebens vorgeführt, während in Wirklichkeit der eingeschlagene Weg nur zu einem Sumpf mit Zwangsarbeit und, wre die Ver- Handlungen des Parteitages bewiesen haben, zur Unterdrückung jeder, auch der harmlosesten Regung geistiger Freiheit führen müsse. Durch die Reden der socialdemokratischen Führer sei die Maske gelüftet und jedermann könne dieses ins Verderben führende Ziel der revolutionären Partei erkennen. Die Gedankenausstellung in Dresden habe ferner auch gezeigt, daß die Bewegung gegen die geschichtlich gewordenen, in der Verfassung voranstehenden Träger der staatlichen Gewalt inr Reich und Staat, das Reichsoberhaupt und die Landesherren, gerichtet sei; schon aus der Thatsachc, daß man diesen nicht einmal die selbstverständliche Bezeugung der Höflichkeit zukommen lassen wolle, trete die gegen die Monarchie gerichtete Spitze der socialdemokratischen Beivegung hervor. und leichtfertig sei erklärt worden, man schwöre zwar dem Staatsoberhaupt den Eid der Treue, brauche ihn aber darum nicht zu halten. Dies stehe im schroffsten Widerspruch nicht allein mit der Moral und Verfassung, sondern auch mit der Gesinnung unsrer landwirtschaftlichen Bevölkerung, die sich gegenüber dem Landes- Herrn, der selbst und dessen Familie seit Jahrhunderten treu und sorgsam über dem Laude gewaltet, durch den geschworenen Eid zur Treue verpflichtet fühle. Schließlich hat der socialdemokratische Parteitag aufs neue gezeigt, wie diese Bewegung besonders darauf ausgeht, durch gleißnerische Schlagworte und unerfüllbare Versprechungen Mißtrauen gegen alle Organe zu säen, die zur Führung im Staat, inr Äommunalleben, in der Gesell- schaft berufen sind. Namentlich werde dabei mit dem Worte „Reaktion" ein recht tüchtiger Mißbrauch getrieben. Der Redner wies darauf hin, daß zu einem solchen Mißtrauen gerade gegen die badische Regierung keinerlei Anlaß vorliege. Wie wenig die badische Regierung eine Reaktion wolle, wie sehr sie einer fort- schreitenden freiheitlichen Entwicklung zugethan sei, die Bahn ver- folgend, die Großherzog Friedrich vor 51 Jahren beschritten und seither eingehalten habe, das ergebe sich daraus, daß sie auf dem vorigen Landtag ein Gesetz über die Einführung der direkten Wahl der Gcmeinderäte und Bürgermeister in allen Gemeinden von nicht mehr als 2000 Einwohnern durchgebracht, daß sie die Bildung einer Landwirtschaftskammer, die auf der direkten Wahl aller selbständigen Berufslandwirte beruhen sollte, vorgeschlagen habe. und daß sie auf dem bevorstehenden Landtag einen Gesetzentwurf einbringen werde, der die Wahl der Zweiten Kammer auf den Boden der gleichen, direkten, allgemeinen Wahlen stelle. In Dresden sei der bisherige Schleier über die revolutionären Ziele der Socialdemokratie gefallen; es sei zu hoffen, daß in der ge« täuschten Menge nun bald eine Reaktion sichtbar werde, eine innere Reaktion mit der Umkehr zu der alten Fahrt des vernünftigen Fortschritts, der freiheitlichen Entwicklung im wirtschaftlichen und geistigen Leben." Der seltsame Herr Minister deS Innern von Baden sieht nun also endlich„die revolutionären Ziele der Socialdemokratie ent- ichleicrt" 1 In Wahrheit hat er wie andre unsrer Gegner schon vor- her oft genug sich über dieselben erschrecklichen Ziele der Social- demokratie entrüstet und dasselbe verständnislose Geschmäh gegen die Bestrebungen der Socialdemokratie losgelassen. Es bedurfte zu dem neuen Erguß nicht erst des Dresdener Parteitages. Daß die Socialdemokratie eine„radikale Umwälzung der jetzigen Gesellschaftsordnung" herbeiführen will, davon dürften selbst die badischen Landbesitzer, vor denen Dr. Schenkel seine entrüstete Weisheit ausschüttete, ÄennNiis gewonnen haben, vielleicht weiß diese Hörerschaft des Ministers sogar, daß gerade diese Absicht der Socialdemokratie. eine in ihrem tiefsten Wesen ungerechte Gesellschaftsordnung zu be- citigen, mich unter der Bevölkerung Badens die Anhängcrzahl der Socialdemokratie fortdauernd gesteigert hat, wovon noch die letzten Rcichstagswahlen glänzendes Zeugnis ablegen. Und es ist ein gänzlich aussichtsloses Unternehmen des Herrn Ministers, wenn er zlaubt, die Vorkommnisse in Dresden zu einer Beschönigung der apitalistischen Ausbeutungszustände ausnutzen zu können. In den politischen und �wirtschaftlichen Forderungen, welche die Social- demokratie ini Interesse der Unbemittelten und Arbeitenden gegen die Kapitalisten- und Grundbesitzerklasse vertritt, liegt die Not- wendigkeit des socialdemokrafischeu Vorwärtsmarsches. Wenn einzelne Zersoncn, die in diesem Kampfe stehen, Schwächen und Fehler zeigen, o mindert das nicht im geringsten die großen Ideale des Befreiungskampfes der unterdrückten Klassen. Die herrschende Klasse aber, für welche der badische Minister spricht, dürfte sich " Landtagswahl. und muß der Sieg unser sein. Hoch die Solidarität! Auf zum Kampf und Sieg!" Nur auf rühmen, wenn sie nur ein Hundertteil der ehrlichen Bemühungen zur Reinigung ihrer Verfehlungen aufwenden würde, welche unfre Partei aufwendet, um etwaige Krankheitsstoffe zu beseitigen. Jm Wahlkreise Solingen- Remscheid wurden als AbgeordnetenDie Lohnbewegung der Pukerträger hat bis jetzt sehr gute Er Der Minister spricht auch davon, daß die Socialdemokratie der Kandidaten der socialdemokratischen Partei die Genossen Scheide- folge gehabt. Wie Wende am Montag in der Mitglieder- VerMonarchie nicht einmal die selbstverständliche Bezeugung der mann, Meist und Leo Arons aufgestellt. sammlung der im Bauarbeiter- Verband organisierten Bußerträger Höflichkeit erweisen wolle. Der Herr Minister sollte sich ein wenig Der Vorstand der Centrumsfraktion des Abgeordnetenhauses ver- berichtete, sind die Forderungen fast überall in der am Freitag vor bergegenwärtigen, wie die Monarchie in Deutschland sich gegenüber öffentlicht in der„ Germania" den Wahlaufruf für die Landtags- acht Tagen beschlossenen Weise durchgeführt, so daß der größte Teil der politischen Partei gestellt hat, zu der sich die deutsche Arbeiter- wahlen. Der Aufruf ist denkbar inhaltslos. Die zukünftige Politik der Kollegen bereits zu den neuen Bedingungen arbeitet. klasse bekennt. Ueber das alte Gerede vom Verfassungseid lohnt es des Centrums in Preußen erschöpft sich nach diesem Aufruf fast aus- einem Bau waren die Buzerträger genötigt, in den Streit zu treten. schließlich in der Forderung, daß gleichzeitig mit der gesetzlichen Regelung Der Streik dauerte aber nur einen Tag und die Forderungen sich nicht, nochmals ein Wort zu sagen. der Schulunterhaltungspflicht der konfeffionelle Charakter unsrer christs waren bewilligt. Leider hat es ein großer Teil der KolMinister Dr. Schenkel verwahrt insbesondere ſein Muster- lichen Volksschule in Preußen gefeßlich festgelegt werde" und daß ferner legen nicht für nötig befunden, die Organisation über die Erfolge ländle" gegen den Vorwurf der Reaktion. Aber unsre Genossen im„ die Freiheit und Selbständigkeit der Kirche und ihrer Institutionen" ihres Vorgehens zu unterrichten, so daß ein genauer Bericht über den badischen Landtage führen seit vielen Jahren den Kampf gegen zur Durchführung gelange. Die Herrschaft der Kirche über die Schule Stand der Bewegung noch nicht gegeben werden kann. diese Reaktion und weil in Baden wie in andern Bundesstaaten und über das gesamte öffentliche Leben ist also das wiederum an- Kollegen werden dringend ersucht, von allen Bauten, wo die die Nichterfüllung aller freiheitlichen Forderungen so eifrig praktiziert erkannte Hauptziel des Centrums. Forderungen bewilligt sind, dem Bureau des Verbandes der Baus wird, darum gerade ist unsre Partei in Baden stets stärker gearbeiter, Engel- Ufer 15, Zimmer 8, sofort Mitteilung zu machen, damit spätestens bis zum 5. Oktober, wo die Lohnbewegung überall worden. beendet sein soll, eine genaue Uebersicht möglich wird. Die gegen wärtige Lage im Beruf wurde vom Referenten als außerordentlich günstig bezeichnet. Tagtäglich würden Arbeitskräfte verlangt. Es liege nur an der Gleichgültigkeit der Kollegen, wenn auf einzelnen Bauten noch zu den alten Bedingungen weiter gearbeitet und der verwaltung wurde von der Versammlung anheim gegeben, eine Beschluß der letzten Versammlung nicht befolgt werde. Der Orts Bautenkontrolle vorzunehmen. Partei- Nachrichten. Die Der Minister verweist auf die Zusage eines guten Wahlrechts für Baden. Aber wie viele Anstrengungen und Bemühungen Polizeiliches, Gerichtliches ufw. waren nötig, um das bisherige, gänzlich veraltete und ungerechte Konflikt wegen beschlagnahmter Flugblätter. Wahlsystem zu erschüttern; nicht die Regierung, der Dr. Schenkel angehört, beseitigt das Wahlunrecht, sondern der wachsende Unwille neben andren Genossen in Radzionkau Flugblätter des Bergarbeiter Der Gewerkschaftsbeamte Franz Scholtyset aus Königshütte hatte des Volkes. Und dabei muß noch abgewartet werden, ob die neuen Verbandes verbreitet, die die Ueberschrift trugen:" Weshalb Vorschläge der badischen Regierung wirklich so wenig von Reaktion geht es dem Bergarbeiter jetzt so schlecht?" In den Flugan fich haben. Nach einer Meldung der Münchener„ Neuesten Nach- blättern wurde der Anschluß an den Deutschen Bergarbeiter- Die Kutscher des" Berliner Holzcomptoirs", Küstrinerplatz, richten" soll in der neuen Wahlgesetz- Vorlage die Censuswahl Verband empfohlen. Der Amtsvorsteher Wahner zu Radzionkau haben am Montag die Arbeit niedergelegt, nachdem am Sonnabend ein und eine Verstärkung des Budgetrechts der Ersten ließ den Leuten die noch vorhandenen Flugblätter auf der Kutscher, der 6 Jahre im Betriebe beschäftigt war, entlassen wurde, Kammer, deren Eristenz allein die ungeheuerlichste Reaktion in Straße abnehmen, um das weitere Verteilen an die Bergarbeiter und am Montag wieder zwei Entlassungen, darunter die des VerBaden beweist, gefordert werden! zu verhindern. Es gab dann Anklagen wegen Uebertretung der noch trauensmannes des Verbandes der Handels-, Transport- und Vergültigen§§ 10 und 41 des alten preußischen Preßgefeßes, wonach kehrsarbeiter, erfolgten. Da diese Entlassungen den Umständen nach mit Strafe bedroht ist, wer auf öffentlichen Wegen, Straßen, als Maßregelungen angesehen werden, so erfolgte die allgemeine ArMit der Kruppschen Artillerievorlage Plägen oder an andren öffentlichen Orten Druckschriften verkauft, beitsniederlegung. Die Kutscher Berlins, besonders auch die Holzsoll es nach dem Berliner publizistischen Organ der Firma doch nicht ausruft, verteilt, anheftet 2c., ohne im Besige einer polizeilichen und Bretterträger werden ersucht, dies zu beachten. ganz ohne sein. Die„ Berliner Neueste Nachrichten" erklären zwar Erlaubnis zu sein. Eine Erlaubnis hatten die Verteiler nicht. Zwei Tarifbewegung der Töpfer. Zu dem Bericht in unsrer Sonnauch die Ankündigung einer Artillerievorlage für verfrüht. Seien der Angeklagten, darunter Scholtyset, wurden freigesprochen. Das abendnummer schreibt uns Herr Karl Friese, daß er seine Ers indes auch noch keine endgültigen Beschlüsse gefaßt, so sei es doch Gericht nahm an, daß ihnen ein öffentliches Verteilen, ein Verteilen flärung nicht im Namen der lokalorganisierten Töpfer abgegeben höchst wahrscheinlich, daß die Firma Strupp, deren Fabrikate bei den der Blätter außerhalb der Häuser nicht nachzuweisen sei, wenn es auch hate, sondern daß es seine persönliche Meinung sei, daß er mit der Schießversuchen durch die Artillerie- Prüfungskommission ihre Weber- wahrscheinlich wäre. Scholtysek verlangte nun vom Amtsvorsteher Kündigung des Tarifs einverstanden ist. Ausland die höchste Anerkennung gefunden hätten, den Lieferungs- Rücklieferung ins Haus, und beschwerte sich, als nichts erfolgte, beim Arbeiter, Kutscher und Maschinisten scheinen, da die Ofenfabrikanten legenheit über die Erhardsche Konkurrenz erwiesen und auch sonst im Wahner die ihm abgenommenen Flugblätter zurüd, und zwar die Kündigung des Tarifs einverstanden ist. Lohnbewegung in den Veltener Ofenfabriken. 1700 Töpfer, auftrag in nicht zu ferner Zeit erhalten werde. Ob sich freilich die Landrat und beim Regierungspräsidenten. Diese beschieden ihn neue Artillerievorlage in so engen Grenzen, wie angegeben, halten dahin, daß ihm freigestellt werde, sich die ihm gehörigen Flugblätter nicht das geringste Entgegenkommen zeigen, in den Generalstreit ge= werde, scheine fraglich, da die Aenderung eines Geſchüßes sich den voreiligen Amtsvorsteher noch den Weg der Privatklage beim 1. Juli den am 1. Oktober ablaufenden Lohntarif gekündigt und gleichvom Amtsvorsteher abzuholen. Scholtysek beschritt aber gegen drängt zu werden. Die genannten Arbeiter- Kategorien haben am Also schon eine Aenderung unsrer Geschütze würde mehr, Amtsgericht Tarnowiz. Er beantragte, den Amtsvorsteher zu ver- zeitig Forderungen an die Fabrikanten gestellt. Dieselben betrugen wahrscheinlich erheblich mehr als 15 Millionen fosten. Vielleicht urteilen, ihm die beschlagnahmten Flugblätter einzusenden und die für Töpfer 15 Proz. Lohnerhöhung und neunstündige Arbeitszeit aber verlangt man gar völlig neue Geschüße. Was die Kosten zu fragen. ( jezt 10 Stunden), für die übrigen Arbeiter Erhöhung des Stundens tosten würden, kann man sich denken, wenn man erwägt, daß die Die Regierung zu Oppeln erhob jedoch, bevor es zur Verhand- lohnes um 5 Pf.( derselbe beträgt jetzt 27% Pf.). In zweimaligen Schweiz 72 Batterien bei Krupp für 21 Millionen Frant in Be- lung kam, zu Gunsten des Amtsvorstehers den Konflikt, indem sie Eingaben ersuchten die Arbeiter- Kommissionen um Unterhandlungen, stellung gegeben hat! geltend machte, der Amtsvorsteher habe sich lediglich im Rahmen um die strittigen Punkte auf friedlichem Wege zu regeln. Nach der seiner Amtsbefugnisse gehalten. Er sei der Meinung gewesen, die ersten Eingabe erfolgte eine Sitzung von der Dauer einer halben Verteilung der Flugblätter sei eine öffentliche gewesen und Stunde, in welcher die Unternehmer erklärten, nichts zu bewilligen, wird uns aus Mannheim geschrieben: hätte weiter öffentlich erfolgen sollen. Da die Leute die zu und fanden demgemäß Unterhandlungen nicht statt. Auf die zweite Laut Erlaß des Ministeriums des Innern finden die Wahl- so habe er unter diesen Umständen das weitere Verteilen durch die fand nun eine von gegen 1300 Personen besuchte Versammlung statt, Am vergangenen Freitag einer öffentlichen Verteilung erforderliche Erlaubnis nicht besaßen, Eingabe erfolgte schriftliche Ablehnung. männer Wahlen nunmehr am 30. Oftober, tie Abgeord: Beschlagnahme verhindern können. neten Wahlen am 11. November statt. Auf die Rechtmäßigkeit der in ivelcher als letztes friedliches Mittel beschlossen wurde, den Landrat Dies bedeutet gegen Beschlagnahme komme es nicht an. Scholtyset tönne die Zustellung des Kreises als Vermittler anzurufen, sollte auch dieses fruchtlos sein, die letzten Wahlen im Herbst 1901 eine Hinausschiebung um der Flugblätter ins Haus nicht verlangen. Mit Recht sei ihm anheim- so wird jedenfalls in den Versammlungen der einzelnen Arbeiternahezu vier Wochen. Dadurch wird auch der Termin der gestellt worden, sie sich abzuholen. Kategorien der Streit beschlossen werden. An diesem Kampfe, sofern Einberufung der zweiten Kammer( bor zwei Das Ober Verwaltungsgericht, vor dem Rechts- er perfekt werden sollte, sind vier 4 Centralverbände beteiligt, deren Jahren der 26. November) entſprechend hinausgeschoben. Bereits anwalt Th. Liebknecht den Privatkläger vertrat, erklärte den Staffenvermögen gegen 500 000 M. beträgt. Vor allen Dingen ist in früheren Jahren und auch im Verlauf dieſes Sommers wieder Konflikt der Regierung für begründet, so daß das Prozeß es notwendig, daß der Zuzug von Töpfern und Arbeitern nach Velten wies die socialistische Presse unsres Landes darauf hin, daß darin verfahren gegen den Amtsvorsteher endgültig einzustellen ist. Be- ferngehalten wird. eine höchst unerfreuliche Beschränkung der für die Beratung der in gründend wurde ausgeführt: Durch die Beschlagnahme der Blätter dieser Session zu erwartenden wichtigen Vorlagen( es sei nur an die habe der öffentlichen Verteilung der Schriften, ohne daß eine von Minister Schenkel eben offiziell angekündigte Wah Irechts- Erlaubnis vorlag, vorgebeugt werden sollen. Zu den Aufgaben der Vorlage erinnert!) verfügbaren Zeit und damit eine bedenkliche Polizei gehöre es aber, Strafthaten zu verhindern. Beschränkung der Rechte des Parlamentes überhaupt mun, ob ein genügender Anhalt dafür vorlag, daß die Leute die Es frage sich zu erblicken sei, die sich bei einigem guten Willen leicht vermeiden Blätter öffentlich verteilen wollten. Diese Annahme sei aber ließe. Schon auf dem letzten Landtage brachten es diese Verhältnisse mit sich, daß die Regierung dreimal, nach dem Herkommen im Dezember beklagte Amtsvorsteher einer Ueberschreitung seiner Amtsbefugnisse gerechtfertigt gewesen. Daraus ergebe sich, daß sich der für Januar bis April, dann aber Ende April für den Monat Mai beziehungsweise einer Unterlassung einer Amtshandlung nicht und Ende Mai gar nochmals für Juni vom Landtage sich ein schuldig gemacht habe. Danach sei das Klageverfahren auf zu Steuerprovisorium bewilligen lassen mußte, da sich die stellung der beschlagnahmten Blätter für unzulässig zu erachten. Berabschiedung des Finanzgefeßes so sehr in die Länge zog. Als diese, wobei unsre Abgeordneten bekanntlich mit Nein stimmten, dann endlich am 28. Juni erfolgte, waren die bewilligten Steuern zur Hälfte bereits erhoben. Wie die obigen Wahltermine zeigen, hat es die Regierung nicht für ihre Pflicht er= achtet, diesem auf die Dauer unhaltbaren Zustande schon auf dem nächsten Landtage ein Ende zu machen. Zu den badischen Landtagswahlen Die Zustände im deutschen Kolonialgebiet werden überraschend gekennzeichnet durch eine Verordnung im„ Armee- Verordnungsblatt", wonach zur Niederwerfung von Aufständen allein im Jahre 1902 zwölf Expeditionen und Gefechte in Kamerun nötig" waren, welche im Sinne des Militärversorgungs- Gesezes als Feldzug gelten. Für die Schußtruppe in Deutsch Ostafrika kommen im Jahre 1902 vier derartige Expeditionen und Gefechte in Frage. Husland. Schweiz. Serbien. " D Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Der Streit in der Metallindustrie. Deutfches Reich. Verbandes, ist am 26. September in Leipzig gestorben. Schon seit Richard Härtel, der Gründer des deutschen Buchdruckerthätig, war er vor allen die treibende Kraft bei der Gründung des dem Anfang der sechziger Jahre für die Interessen seiner Kollegen deutschen Buchdrucker Verbandes, die am 20. Mai 1866 in Leipzig eines Vorsitzenden der ständigen Kommission des Buchdruckertages, vollzogen wurde. Von 1866-1868 bekleidete Härtel den Posten und von 1868-79 war er Präsident des Verbandes. Seit 41 Jahren gehörte der Verstorbene der Redaktion des„ Correspondent" an und arbeitete an derselben mit, bis ihn vor acht Wochen ein Leiden aufs Krantenlager warf. Härtel erreichte ein Alter von nahezu 68 Jahren. Der Buchdrucker- Verband verliert in ihm eines der verdienstvollsten Mitglieder. Die Fassadenpuzer und Stukkateure in Elberfeld- Barmen befinden sich seit voriger Woche im Streif; von ca. 260 am Ort Befindlichen legten 240 die Arbeit nieder. Die Unternehmer versuchen überall Streifbrecher zu werben, und rechnen hierbei auch auf die Maurer, welche Fassaden puzen können. Da der Stand der Bewegung ein sehr günstiger ist, kann der Sieg nicht zweifelhaft sein, sobald der 3uzug fernbleibt. Husland. Sociales. In der gestrigen Versammlung der streikenden Gürtler, die wiederum so zahlreich besucht war, daß der Saal polizeilich abgesperrt wurde, berichtete Cohen über die Verhandlungen vor dem Ginigungsamt des Gewerbegerichts und den dort vereinbarten Tarif vertrag, durch den denjenigen Firmen gegenüber, die nicht bewilligt haben, der Beweis erbracht ist, daß die Forderungen sehr wohl Die Maurer und Handlanger in Genf stehen schon seit zehn durchführbar sind und daß das Geschreibe der bürgerlichen Presse Wochen im Streit. Der Vorstand des Genfer Gewerkschaftsverbandes von der unerfüllbarkeit dessen, was die Gürtler und Drücker verlangen, wendet sich in einem Aufruf an die Arbeiter Deutschlands nur auf die Irreführung der öffentlichen Meinung berechnet ist. und ersucht sie um materielle Unterstützung. In dem Aufruf heißt es: Es hat auf dem Einigungsamte viele Mühe gemacht, irrige Genossen, die gesamte organisierte Arbeiterschaft Genfs hat in Meinungen einzelner Arbeitgeber über den eigentlichen Sinn einzelner diesem Kampfe von neuem bewiesen, daß ihre Solidarität keine Forderungen aufzuklären. So glaubten einige Unternehmer, fie Grenzen, feine Nationalität kennt, sie hat so große Opfer gebracht, Sürften, wenn sie ihre Unterschrift gegeben hätten, keinen Arbeiter daß ihr heute mehr nicht möglich ist, und wenn sie an die Genossen Berweigerung des Militärdienstes. Vor dem Freiburger bor Ablauf des Tarifvertrags entlassen. Dieser Irrtum ist offenbar andrer Gegenden appelliert, so thut sie das mit der Gewißheit, ge= Militärgericht stand dieser Tage der Rechtslicentiat Naine, an- von interessierter Seite geflissentlich verbreitet worden. Beim Ab- hört zu werden, um so mehr, da sie ihrerseits für Unterstübung geklagt der Desertion nnd insubordination. Naine hatte schluß des Tarifs ist die größte Sorgfalt darauf verwandt worden, kämpfender Genossen auswärts stets ihr möglichstes gethan hat und vor einigen Wochen Aufforderung zur Absolvierung einer mehr- eine Form zu finden, die alle derartigen Mißverständnisse auch fernerhin thun wird. Wer einen Pfennig oder Heller entbehren wöchentlichen Uebungszeit erhalten. Er hatte darauf geantwortet, ausschließt. Die Zugeständnisse, die den Arbeitgebern in fann, um seinen Brüdern beizustehen, der sende an: Decosterd, daß er als Socialist und überzeugter Friedensfreund es ablehnen einigen Punkten gemacht wurden, sind von geringer Bedeutung. Typograph, Tue Boby= 2ysberg 8, Genf. müsse, tünftighin seiner Militärpflicht zu genügen und lieber die Dagegen erscheint es sehr wertvoll, daß auch für die andern Branchen Konsequenzen trage. Er wurde zu dreimonatigem Gefängnis, in allernächster Zeit Tarifverträge geschaffen werden sollen. Die Degradation und Ehrverlust auf ein Jahr verurteilt. Bemerki Organisation hat dafür gesorgt, daß der abgeschlossene Tarifvertrag sei, daß die socialistische Presse, so Arbeiterrecht" und sofort als Formular mit Beitrittserklärung gedruckt worden ist. Den „ Grütlianer" dies Verhalten, Naines als eine unnütze und Vertrauensmännern wurde dieses Formular bereits gestern vormittag Die Wurmkrankheit in der Armee? zwecklose Demonstration verwerfen. in je zwei Exemplaren ausgehändigt. Diejenigen Firmen, die dem Unserm Bochumer Parteiblatte wird vom dortigen ArbeiterTarifvertrage beitreten wollen, können das unterschriebene Formular sekretariat mitgeteilt, daß zwei Reservisten, die sich zur Bergarbeit entweder dem Vertrauensmann oder dem Gewerbegericht über gemeldet hatten, bei der ärztlichen Untersuchung als wurmbehaftet Das Urteil im Nischer Prozeß wurde am Dienstag gefällt. Die geben. Des weiteren wurde in der Versammlung berichtet, daß erkannt und zurückgewiesen worden seien. Die Armeeverwaltung Hauptleute Nowakowitsch und Lazarewitsch wurden zu zwei Jahren verschiedene Unternehmer und namentlich kleinere den Aussperrungs- wird gut thun, diesem Untersuchungsbefunde die sorgfältigste AufGefängnis und Verlust der Charge, Lieutenant Drudarewitsch zu beschluß der Fabrikantenorganisation dadurch zu umgehen oder abzueinem Jahre, die Oberlieutenants Lagumerski und Protitsch zu zehn schwächen suchen, daß sie eine größere Zahl ihrer Arbeiter zu Meistern merksamkeit zu widmen. Selbst wenn sich in diesem Falle, wie Monaten, die Lieutenants Todorowitsch, Georgewitsch und Andritsch machen und Weisterverträge mit ihnen abschließen. Im allgemeinen es schon einigemal vorgekommen ist, der untersuchende Arzt geirrt zu acht Monaten, Major Welischkowitsch und Hauptmann Lonvkiewicz hat jener Beschluß die beabsichtigte Wirkung auf die Arbeiter voll- haben follte, ist es doch gut, die Aufmerksamkeit auf diese Seite der zu einem Monat, die übrigen Angeklagten zu vier Monaten Ge- fommen verfehlt, bereitet aber offenbar den Unternehmern große Sache zu lenken. Die Gefahr der Verpflanzung der Wurmkrankheit fängnis verurteilt. Unannehmlichkeiten. in die Armee durch Rekruten aus den verseuchten Bergarbeiter< Afien. revieren ist gar nicht so gering und es sollten vor allen Dingen die Rußlands Räumung" der Mandschurei. Dem Reuterschen versammlung des Deutschen Kürschnerverbandes wurde mitgeteilt, in diesen Gebieten ausgehobenen Mannschaften vor der Einstellung Bureau" wird aus Tientsin gemeldet, die gegenwärtige militärische daß die Verhandlungen mit den Unternehmern kein Resultat hatten, darauf untersucht werden, ob sie wurmbehaftet sind. Aber auch den Stärke Rußlands im fernen Osten umfasse: 50000 Mann aller weil der Tarif, den die Unternehmer vorlegten, zeigte, daß diese schon in der Armee befindlichen Leuten, die aus solchen Bezirken Waffen, darunter 18 Batterien, in der eigentlichen Mandschurei, nicht willens sind, annehmbare Zugeständnisse zu machen. Folgende stammen, sollte die Heeresverwaltung besondere Aufmerksamkeit 110 000 Mann an den Verbindungslinien zwischen Port Arthur und Resolution wurde angenommen:„ Die Militär- Müßenmacher- widmen. Wie rasch sich die Sache verbreitet, wenn sie einmal eindem Amur und 90000 in Port Arthur und Talienwan. In Port Arthur Versammlung erkennt in dem Lohntarif der vereinigten Militär- gerissen ist, das haben wir ja jetzt erlebt. feien 30 Forts errichtet, 50 andre Forts seien im Bau und alle müßen- Fabrikanten nichts weiter als eine Verhöhnung unsrer FordeGipfel des Gebietes befestigt; ferner seien in Port Arthur ständig rungen, da derselbe im ganzen eine Verschlechterung der jetzigen Verfaulte Gemeinde- Arme. Ein düsteres Kulturbild entrollte eine 40 Kriegsschiffe, und 40 andre lägen beständig unter Dampf in Zustände herbeiführen würde. Die Herren Fabrikanten sind nicht Verhandlung, die vor dem Landgericht Bamberg stattfand. Im verTalienwan. Am 15. Oftober werde die Ankunft von 3 Schlachtgeneigt, einer wirklichen Verbesserung unsrer Lebenslage zu- gangenen Sommer starb im Armenhause des oberfränkischen Dorfes fchiffen, 2 Kreuzern und 4 Torpedobootszerstörern in den chinesischen zustimmen; sie hoffen, daß sich vielleicht aus unfren Reihen Kollegen Teuschnitz die 73 jährige Gemeinde- Arme Marg. Fleischmann. Bei Gewässern erwartet. finden werden, welche Streifbrecherdienste leisten. In Anbetracht der Leichenschau wurde die Leiche in einem entsetzlichen Zustande Die fortschrittliche Partei in Japan hat ein dessen, daß unsre Forderungen gerechte sind, verpflichtet sich die Ver- vorgefunden. Das Bett war durch Koth und Urin in einen MistManifest veröffentlicht, das vom Grafen Okuna unterzeichnet ist sammlung, an unserm aufgestellten Lohntarif festzuhalten, und Haufen verwandelt, an dem Körper hatten sich durch Aufliegen und und das scharf die Notwendigkeit betont, der Macht Einhalt zu thun, macht es jedem Kollegen zur Ehrenpflicht, nicht früher die Arbeit Verwahrlosung viele brandige Wunde gebildet, in denen es von die China beeinträchtige und Korea bedrohe. aufzunehmen, bis unsre Forderungen anerkannt sind. Des weiteren Maden wimmelte, der Kopf war von Ungeziefer bedeckt. Die Pflege fordert die Versammlung alle uns noch fernstehenden Kollegen auf, der alten Frau lag den Nachtwächters- Eheleuten Förtsch ob. Die Ehesich uns in unserm gerechten Kampfe anzuschließen. Dann wird frau Förtsch war die leibliche Tochter der Fleischmann. Sie hatten Lohnbewegung der Militär- Mützenmacher. In einer Sektions fich nicht im geringsten um die Erkrankte gefümmert, feinen Arzt| herbeigezogen und die Gaben, die ihnen von wohlthätigen Leuten für " Deutsches Gas- und Siederohrsyndikat. Die Montag in Düssel dorf stattgehabten Verhandlungen haben zu dem Ergebnis geführt, daß auch das Siederohrsyndikat verlängert wird. Damit ist die Verlängerung der beiden Syndikate auf fünf Jahre perfett geworden, allerdings unter der Voraussetzung, daß inzwischen fein neues Werk entsteht. Dieses Siederohrsyndikat umfaßt, wie bisher, nur den Inlandsmarkt, während das Gasrohrsyndikat auch für den Export zu stande gekommen ist. Die Parteigenossen in Köln- Ehrenfeld beschlossen: Die Versammlung des Volksvereins Köln- Land, Verwaltungsdie Krante übergeben wurden, für sich selber verivendet. Deshalb ftelle Ehrenfeld, spricht ihre entschiedenste Mißbilligung über das in wurden sie wegen fahrlässiger Tötung in Anklagezustand versetzt. Dem in der Rheinischen Zeitung" enthaltenen Artikel Verlorene Vor Gericht wurde fonstaert, daß sich der Ehemann Förtsch Tage" über die Arbeiten des Parteitages gefällte Urteil aus und twiederholt in roher Weise geäußert hatte:„ Die Alte ist nicht mehr erklärt, daß der Artikel nach Ton und Inhalt den Ansichten der tvert, als daß sie die Würmer fressen; die kann man lebendig be- Parteigenossen nicht entspricht." graben." Er wurde jedoch freigesprochen, da für den Schwiegersohn In Dresden- Neustadt berichtete Hahn. Er kann denen feine gesetzliche Pflicht zur Verpflegung der Schwiegermutter bestehe, nicht zustimmen, die den Parteitag für bedeutungslos halten, er dagegen wurde die Frau lediglich wegen Vernachläffigung zu 14 Tagen hält ihn vielmehr für einen der wichtigsten Parteitage. In der Die Berliner Parteiverjummlungen. Gefängnis verurteilt. Die eigeistliche Schuld an solchen entsetzlichen Diskussion verurteilten mehrere Redner entschieden die Mitarbeit Vorkommnissen, wie sie in den letzten paar Jahren besonders häufig von Parteigenossen an bürgerlichen Blättern. Es wurde be= in den frommen Gegenden des nördlichen Bayerns zu Tage getreten sind, ist auch ganz anderstvo zu suchen. Es muß doch sehr befremden, daß im Armenhaufe, einer Gemeinde- Anstalt, ein Mensch verfaulen kann, ohne daß die Behörde das geringste davon weiß. Hier handelt es sich eben wieder um ein Opfer der kulturwidrigen Zustände, die auf dem Gebiete der ländlichen Armenpflege in Bayern Herrschen. Stimmen über den Parteitag. Von Aeußerungen der Parteipreffe erwähnen wir heute die„ Erfurter Tribüne fchlossen: Die Parteiversammlung erklärt sich nach Entgegennahme des Berichts vom Parteitage voll und ganz mit den gefaßten Beschlüssen und Resolutionen, insbesondere über Mitarbeiterschaft und Taktik, einverstanden und erklärt, im Sinne derselben die Agitation und Organisation unter der Arbeiterschaft fortjeßen zu wollen." bleiben." " " Erster Wahlkreis. Die Parteiversammlung in den Arminhallen nahm zunächst den rein sachlichen Bericht des Genossen Fiedler über die Brandenburger Konferenz entgegen. Der Bericht über den Parteitag, den die Genossen Oppel, Lucht und Täterow gaben, führte zu einer sehr ausgedehnten Diskussion, die sich hauptfächlich gegen die sogenannten Revisionisten wandte. Von mehreren Genossen liegen Resolutionen dieser Richtung vor. Zweiter Wahlkreis. Die gut besuchte Versammlung des zweiten Wahlkreises in der Bockbrauerei nahm debattelos die Protestresolution gegen die Anberaumung des Termins der Urwahlen an. Hierauf berichtete Werner über die Verhandlungen des Parteitages, und ant Die Münchner Post", deren Erwiderung auf die Erklärung Bebel- Kautsky- Singer wir gestern schon nach einem Telegramm erwähnten, beruft sich für ihre Behauptung, daß anfänglich eine für die„ Reviſioniſten“ unannehmbare Resolution geplant gewesen sei, auf folgende Mitteilungen der Wiener Arbeiter- Zeitung": zwar über den Geschäftsbericht des Vorstandes, die EinigungsWenn von Genossenseite sogar das Vorhandensein von zwei, für die Resolution Vebels stimmen, aber einen Zusatz einbringen wollen, die Beschickung des internationalen Kongresses und die Maifeier, um , Dresden, 16. September.... Man hört, daß die Revisionisten verhandlungen mit den Polen, den Bericht der Neichstags- Fraktion, von verschiedenen Gefichtspunkten ausgehenden Strömungen geleugnet der gewisse parlamentarische Initiativanträge vorschlägt. und der ganze Gegensaz nur auf die Eifersüchtelei gewisser Litteraten mühungen, ein Schiboleth für den Revisionismus zu finden, wären dann üben, wie Bernhard sich ein Mandat zu verschaffen gesucht hat, nachDie Be am Schluß seines Referates scharfe Kritik an der Art und Weise zu oder die einseitige Meinungstyrannei, die einzelne Parteiführer freilich vergebens gewesen. Das ist nun Veranlassung für einige, insausüben, zurückgeführt worden ist, so beweisen die geführten De besondere Nürnberger Delegierte, einen Antrag vorzubereiten, der sich gieren. ins- bem der zweite Kreis es abgelehnt hatte, ihn zu dele= batten und die von uns gezeigten Enddifferenzen schon zur Genüge, so scharf gegen die Revisionisten wendet, daß diese nicht dafür über daß der Gegensatz besteht und daß es in der That ein Vertuschen stimmen können. Ob es aber dazu kommt, ist noch ungewiß. Redner und Komödiespielen war, wenn von Genossenseite der Auseinander- Wahrscheinlich wird sich die große Majorität des Parteitages damit setzung aus dem Wege zu gehen und der Gegensatz zu überkleistern begnügen müssen, zu zeigen, daß die Partei mit einer an Gingesucht wurde. Fraglich bleibt es mur, ob Debatten und angenommene Resolution den Wunsch nach etwas mehr Nuhe in der mütigkeit grenzenden Mehrheit gewillt ist, bei der alten Taktik zu Partei und nach Aufhören der fleinlichen Nörgeleien an den Parteiprincipien in Erfüllung gehen lassen; fraglich bleibt es auch, ob es ( W. Arb.- 3tg." Nr. 256 v. 18. Sept., S. 4, 3. Spalte.) Dresden, 18. September. Der Antrag Ad. Braun, Keil, Haller nötig war, daß die Abrechnung", die Bebel hielt, in den scharfen, wurde heute zurückgezogen und durch einen Antrag Wurm erfest, agressiven und persönlich nicht gerade angenehmen Formen der ebenfalls versucht, eine Formel zu finden, für welche die vor sich gehen mußte. Aber das ist so Bebels Art, und die Revisionisten erreichte diesmal so eine Revisionisten nicht stimmen können." Art Nemesis. Denn als vor einem Dutzend Jahren Genossen, die den heute ( W. Arb.- 3tg." Nr. 257 v. 19. Sept., S. 3, 2. Spalte.) wieder von Bebel vertretenen Standpunkt niemals verlassen hatten, ausgeführt, es scheine ihm, als habe sich Bebel in der Taktikfrage In der Leipziger Parteibersammlung hatte Gren 3 fich gegen die jetzt ja nicht mehr geleugnete opportunistische wieder breitschlagen lassen durch eine anderthalbstündige UnterSchwenkung wendeten, wurden sie von Bebel, der diese Schwenkung haltung mit Vollmar; der feine Diplomat habe dabei über den Feuermitmachte und, da er heute sich noch nicht zur energischen Vertretung fopt gefiegt. Andernfalls hätte Bebel sicher nicht auf das Schlußdes Achtstundentages bekehrt hat, noch daran laboriert, in ganz der- wort verzichtet. selben Weise behandelt und zu Boden geschlagen. Damals schon hätten die Genossen, die heute klagen, sich gegen eine solche Be- klärung ab, in der er unter anderm sagt: Bebel giebt darauf in der„ Leipziger Volkszeitung" eine ErHandlung von Partei- Angehörigen wenden müssen; da sie dies nicht Das kann ich Genossen Grenz versichern: in dieser Unterhaltung thaten fie gehörten damals ja mit zur„ kompakten Majorität" handelte es sich zu einem guten Teil um ganz andre Themata, als der feine Diplomat über den Feuerkopf gefiegt habe", heißt mir ein solches Armutszeugnis ausstellen, daß ich gegen die Ausführungen des Genossen Grenz- der mir sicher durchaus wohlgesinnt ist protestieren muß." " Der zweite Delegierte, Genosse Fülle, berichtete Mitarbeit die Frage der bürgerlichen Blättern. bedauerte es, daß der„ Vorwärts" den Artikel Debatten in Dresden zum Teil überflüssig gewesen wären. Barteimoral" nicht seinerzeit wörtlich abgedruckt hat, da dann die Bernhard und Genossen hätten in Dresden Mehring treffen wollen, aber das Geschoß sei auf sie selbst zurückgeprallt. Es sei dringend Vorwärts" contra Bebel habe die Preßkommission den einzig notwendig, den Augiasstall zu säubern.( Beifall.) Im Streitfall richtigen Standpunkt eingenommen. Die Resolution in der Frage der Taktik sei so gehalten, daß niemand, der es ehrlich meine, gezwungen sei, der Partei deshalb den Rücken zu fehren. Was den Zwischenfall betreffend die Wahl Auers anbelangt, so habe Fischer schuldigung bitten. In der Diskussion ergriff zunächst Nicolai die Berliner denunziert und diskreditiert, er müsse daher um Entdas Wort, der scharf gegen Bernhard und Braun zu Felde zog. fammlung mehrere Anträge eingebracht, die zum Teil ein uns Im dritten Wahlkreise wurden gleich nach Beginn der Vers zweideutiges Mißtrauen gegen den Abgeordneten des Kreises, Genossen Heine, aussprachen. Heine hielt darauf eine zweistündige Rede zu seiner Rechtfertigung und stellte die Vertrauensfrage an seine Wähler. Einem hierauf gestellten Vertagungsantrage widertrauensfrage gefällt ſehen. Die Debatte wurde fortgesetzt und war bei Schluß der Redaktion noch nicht beendet. so geschieht ihnen heute kein Unrecht, wenn ihnen kein Recht ge- dasjenige, das der Parteitag verhandelte. Zu glauben, daß hierbei sprach Heine, er wolle noch heute die Entscheidung über die Ver" Aus der Freien Presse" in Elberfeld sei dieser Satz citiert: „ Gegenüber den beweglichen Klagetönen, welche wir in einer Anzahl Parteibiätter über das Gezänk" und die„ unfruchtbaren Debatten" auf dem Parteitag finden, sagen wir: ein ſocialdemokratischer Parteitag thut nichts, was nicht unter dem Drucke der Berhältnisse notwendig geworden ist. Damit wollen wir natürlich nicht fagen, daß jede Einzelheit der Verhandlungen eine Notwendig feit gewesen sei. Sicher ist vielfach- und zwar von allen Seiten über die Schnur gehauen worden, sicher ist vieles gesagt, was besser unterbleiben und besserem hätte Platz machen können; aber kommen mußten die Debatten, fie waren eine notwendige Erscheinung. Auf diejenigen, welche nach dem glorreichen 16. Juni gerne ein Siegesfest, eine Parade- oder Schaustellung gesehen hätten, die gegenüber den Gegnern jede Meinungsverschiedenheit in der Partei vertuschen möchten, mußten die Verhandlungen allerdings sehr deprimierend wirken. Mit dem Vertuschen schafft man aber Gegensätze nicht aus der Welt. Und daß solche wirklich vorhanden sind, und zwar nicht nur taktische, das hat der Parteitag deutlich genug gegeigt." tages nicht noch mehr in Anspruch zu nehmen; sonst wäre es Auf das Schlußwort habe er verzichtet, um die Zeit des ParteiVollmar schlecht ergangen. Die Erklärung schließt: fegungen, die wir in Dresden gehabt haben. Die revisionistische " Im übrigen fürchte ich, sind es nicht die letzten AuseinanderPresse und ganz speciell die Münchner Post" urteilt über die Verhandlungen des Parteitags in einer so tendenziös entstellten, ja bireft verlogenen Weise, daß schon dieser Umstand allein auch genügen könnte, die eben erst geschlossene Debatte wieder aufzunehmen. " Die Versammlung im vierten Wahlkreise, die im Gewerkschaftshause stattfand, war gut besucht, zu einer polizeilichen Absperrung einer Resolution die gegen die vom Magistrat beabsichtigte Fest= fam es aber nicht. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde in segung des Beginns der Landtags- Urwahlen auf zwei Uhr Protest gesellschaft die Sympathie ausgesprochen. erhoben. Außerdem wurde den streikenden Angestellten der OmnibusIn die Berichterstattung über den Parteitag teilten sich die Genossen Franke, Vogel und Laser. In der sehr lebhaften Debatte fam vorwiegend die Meinung zum Ausdruck, daß die Debatten viel Unerfreuliches gebracht haben, daß die Aussprache aber notwendig war. Namentlich durch die Erwie groß das Maß dieser Unverfrorenheiten wird." Vor der Hand will ich mir Zwang auferlegen und abwarten, eignisse der letzten Tage sei diese Notwendigkeit erwiesen worden. Singer betonte, betonte, der Parteitag habe deshalb weil In Mehring& Angelegenheit war mehrfach davon die Rede nüßlich gewirkt, Klarheit darüber geschaffen habe, gewesen, daß diefer ein Schiedsgericht anrufen werde. Mehring er- daß in der Partei mur ein ganz verschwindender Bruchteil für die sondern sich in einer Broschüre rechtfertigen werde. Wenn andre klärt darauf in der„ Leipziger Volkszeitung", daß er das nicht thun, revisionisti chen Bestrebungen zu haben ist. auch vor einem solchen zu verantworten. ein Schiedsgericht gegen ihn beantragen wollen, so sei er bereit, sich er Bei Schluß der Redaktion war die Debatte noch nicht zu Ende. Eine Resolution, die sich gegen die Mitarbeiter an der Zukunft". gegen die Mitarbeiterschaft Auers an den Socialistischen Monats heften" und die neue Braunsche Zeitschrift richtet, war noch nicht zur Abstimmung gelangt. " In der Bergischen Arbeiterstimme" in Solingen fagt W. D.: Wie ein reinigendes Gewitter hat der am Sonntag in Dresden beendete Parteitag die Situation innerhalb der Partei und die Aus Induftrie und Handel. allgemeine politische Atmosphäre geflärt. Wir stimmen durchaus Fünfter Kreis. In der gestrigen Generalversammlung fam es Kartell- Enquete. Am 25. und 26. September d. J. haben im zu einer lebhaften Diskussion über die Verhandlungen des Parteitags, nicht denjenigen Partei- Organen zu, zu, welche die Dresdener Verhandlungen als nuplose Zeitvergeudung ansehen, obgleich wir über den Verband deutscher Drudpapierfabriken Resolution:" Die Genossen des fünften Streises erklären sich mit dem Berhandlungen als nutzlose Zeitvergeudung ansehen, obgleich wir Reichsamte des Innern die kontradiktorischen Verhandlungen die sich bis nach Mitternacht ausdehnte. Angenommen wurde folgende vor dem Stattfinden des Parteitags befürchteten, daß dort viel Zeit( Zeitungsdruckpapier- Syndikat) stattgefunden. Außer den Vertretern Verhalten der Delegierten einverstanden und machen die Beschlüsse vertrödelt werden würde. Der persönliche Ton der Debatten ist des Syndikats beteiligten sich nach dem torläufigen Bericht des des Parteitags zu den ihrigen." Punkt 2 der Tagesordnung, Bein unfren Augen lediglich eine Aeußerlichkeit, die verfliegt, die Debatten selbst aber betrachten wir als einen Markstein in der inneren richterstattung von der Provinzialfonferenz, wurde der vorgerückten Entwicklung unsrer Partei und eine scharfe Umgrenzung unsrer Stellung in der allgemeinen Konstellation der politischen Parteien." Nachstehend sei die Stellungnahme der Parteiversamm Iungen angezeigt, die sich bis jetzt mit dem Parteitage beschäftigten: Resolution nieder: wurden." " die Debatte noch nicht geschlossen. " Reichs- Anzeigers" an den Beratungen der Vorstand und mehrere Vertreter der Papier verarbeitenden Industrien, Mitglieder des Vereins Deutscher Zeitungsverleger. Zeit halber vertagt. Bapiergroßhändler und sonstige Sachverständige. Germania" in der Chausseestraße. Der große Saal war vollbesetzt. Im sechsten Wahlkreis tagte die Versammlung im Etablissement Den Vorsiz führte, wie bei den früheren Verhandlungen, der Geheime Den Bericht vom Parteitag gab der Genosse Freythaler. In Regierungsrat im Reichsamt des Innern Dr. van der Borght. Den der Diskussion wendet sich Stiefel unter lebhafter Zustimmung in heftigster Die Genossen in Langenbielau legten ihre Ansicht in dieser erstatteter Bericht über die Entstehung, die Organisation und die ge- Schriftsteller, insbesondere verurteilt derselbe die Handlungsweise des Erörterungen lag ein von dem Referenten Regierungsrat Dr. Boelder Weise gegen die an bürgerlichen Blättern thätigen socialdemokratischen Die am 23. September im„ Hufeisen" tagende Versammlung schäftliche Thätigkeit des Synditats zu Grunde. Die geschäftlichen Maßnahmen des Syndikats, insbesondere feine Genoffen Dr. Braun, der den Parteitag angelogen habe. Kröhn mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden, spricht jedoch ihre zu einer lebhaften Aussprache zwischen den Vertretern des Syndikats Hineintragen partikularistischer Momente in allgemeine Parteifragen. des socialdemokratischen Wahlvereins Langenbielau erklärt sich zwar Preispolitik und die von ihm festgesetzten Verkaufsbedingungen führten schließt sich diesen Ausführungen an. Redner wendet sich insbesondere gegen Vollmar und Timm, sowie auch gegen das stete tiefste Entrüstung darüber aus, daß die Verhandlungen von einzelnen einerseits und den Zeitungsverlegen und Großhändlen andrerseits. Wurzel giebt der Ansicht Ausdruck, daß die Revisionisten aufs Litteraten zum Austrag ihrer persönlichen Angelegenheiten benutzt Hierbei wurden nach dem officiellen Berichte auch Wege erkennbar, schärfste bekämpft werden müssen. Bei Schluß des Blattes war In einer Parteiversammlung in Freiburg i. B. wurde folgende welche zu einem Ausgleiche der Interessengegensäte führen können. Das stenographische Protokoll wird nach seiner Fertigstellung im Resolution einstimmig angenommen:„ Die Parteiversammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden. Sie" Reichs- Anzeiger" veröffentlicht werden, und dann wird man darauf Das Urteil im Prozeß Baganz verurteilt jedoch die persönliche, gehäffige und unparlamentarische zurückfommen können. Für Anfang November sind kontradiktorische Verhand- wurde nach 11 Uhr abends verkündet. Es lautete gegen: 1. Baganz Art, mit der sich eine Anzahl Genossen aufzutreten erlaubten, indem dadurch eher den Gegnern als unsrer eignen Sache genugt wird. Jungen über die Syndikate der Eiſenindustrie in Aus- 4 Jahr Zuchthaus und 8 Jahr Ehrverlust, 2. Frau Baganz 6 Monat Es werden die Roheisensyndikate, die Halbzeug- Gefängnis( 1 Monat verbüßt), 3. Aufrecht 600 M. Geldstrafe event. Die versammelten Genossen erklären, nach wie vor für die Social- ficht genommen. demokratie zu kämpfen und zu agitieren, erwarten aber, daß in und Walzwerkverbände in unmittelbarer Aufeinanderfolge zur Er 60 Tage Gefängnis, 4. Puchmüller 3 Monat Gefängnis, 5. Eduard Zukunft auf unfren Parteitagen mehr das Princip der Brüderlichkeit, örterung gelangen. Sanden 1 Monat Gefängnis zusätzlich, 6. Justizrat Nägell FreiBom Kampf um das Kohlensyndikat. Der Grubenvorstand der sprechung, 7. Hörmann 4 Monat Gefängnis( 2 Monat verbüßt), als die persönliche Bekämpfung Blaz greift." Die Parteigenossen von Dresden- Altstadt verhandelten Zeche" Freie Vogel und unverhofft" tritt mit einer 8. Polzin 300 M. Geldstrafe event. 30 Tage Gefängnis. Gegen am 24. September über den Parteitag. Block als Referent vertrat längeren Erklärung vor die Deffentlichkeit, in der er noch einmal, kurz Baganz wird der Wert des Empfangenen in Höhe von 12000 m. die in den Artikeln der„ Sächsischen Arbeiterzeitung" schon zum vor dem Zusammentritt der entscheidenden Zechenbesizer- Versamm den Staat verfallen erklärt. Hörmann wurde aus der Haft entAusdruck gebrachten Ansichten. Krüger wandte sich gegen die lung, die Gründe anführt, die ihn zu seiner Opposition gegen lassen. Akademiker, tadelte aber auch Bebel und widersprach der Aeußerung, die Neugründung des Kohlensyndikat bestimmt daß wir uneinig seien. Riem erklärt sich außerordentlich enttäuscht, haben: Das Syndikat habe schriftlich und mündlich anerkannt, daß Letzte Nachrichten und Depefchen. daß die praktischen Aufgaben auf dem Parteitage so vernachlässigt der Anspruch der Zeche auf eine Mehrbeteiligung auf 120 000 worden seien. Auch Sindermann hält das Wort von der Tonnen nach dem alten Syndikatsvertrage bestehe. Das Syndikat Leipzig, 29. September.( W. T. B.) Wie das„ Leipziger Uneinigkeit für unzutreffend. Auch er ist der Meinung, daß die sei nicht berechtigt, für die Zeche" Freie Vogel" mir rechnungsmäßig Tageblatt" erfährt, hat das Ober- Landesgericht die Beschwerde der Schuld an dem zu großen Einfluß der Akademiker in der Partei den bestehenden Syndikatsvertrag festzuhalten. Vielmehr sei das socialdemokratischen Redakteure Lüttich und Hellmann und des an den Parteigenossen liege. Er weise bloß auf den 15. Kreis Syndikat verpflichtet, auch materiell den gesamten Syndikatsapparat Metteurs Schmidt gegen ihre wegen Majestätsbeleidigung ( Mittweida) hin. Göhre ſei kaum übergetreten zur Partei, da habe gemäß dem bisherigen Vertragsverhälnis weiter arbeiten zu laſſen. erfolgte Verhaftung verworfen. Das Hauptverfahren gegen die man sich schon um ihn gerissen. Solche Vorkommnisse, wie das Ein gegenteiliges Verfahren stelle einen Kontraktbruch dar. Hereinbringen des früheren Ober Postsekretärs Wagner in die Syndikat könne eine derartige Handlung überhaupt nicht begehen, Genannten sowie gegen den in der gleichen Angelegenheit früher Redaktion der„ Leipziger Volkszeitung", von dem man nichts erstens seiner öffentlichen Stellung nach, und zweitens nicht, weil berhaftet geweſenen, inzwischen aber freigelassenen socialdemo weiter wiffe, als daß er in einer Versammlung ein hoch nicht nur der rechtliche, sondern auch jeder sachliche triftige Grund fratischen Redakteur und Reichstags- Abgeordneten Schöpflin ist nunim auf die Socialdemokratie ausgebracht, machen Lande dafür fehle und auch in sachlicher Beziehung die Ansprüche der Zeche mehr eröffnet. unter den Parteigenossen böses Blut. durchaus motiviert seien. Es komme ganz darauf an, was man unter Revisionisten verstehe. In der Deutsches Feinblechsyndikat Zu den an der vorgestrigen Börse praktischen Arbeit haben sie jedenfalls immer mit an der Spize in Umlauf gekommenen Gerüchten, wonach die Firma Wolff, Netter gestanden. Aber Bebel befürchte wohl, daß ihm die Fraktion und u. Jacobi den Syndikatsvertrag zum 3. Oktober ge= Budapest, 29. September.( Meldung des Ungarischen Korbie Bartei zu groß geworden sei und nicht von ihm allein Direktiven fündigt habe, hört die Voss. 3tg.", daß die genannte Firma respondenz- Bureaus.) Das Ergebnis der Abstimmung in der annehmen wolle, deshalb habe er die Parteigenossen aufgerufen. einen Antrag auf vorzeitige Auflösung des Verbandes gestellt hat, heutigen Sigung des Abgeordnetenhauses, durch welches die Regierung Es sei auch nicht recht von Bebel gewesen, daß er die große Masse worüber in der Sißung am 3. n. M. Beschluß gefaßt werden soll, in der Minderheit geblieben ist, macht starken Eindruck. Es handelt gegen die Angestellten in den Gewerkschaften und in der Partei miß- falls nicht bis zu diesem Tage alle außenstehenden Werke, mit denen sich eigentlich nur um einen formalen Antrag, indem Kranz Kossuth um die Debatte trauisch gemacht habe. Es seien doch gerade die besser gestellten bis dahin noch einmal Verhandlungen geführt werden, in den Ver- vorschlug, morgen eine Sigung abzuhalten, Arbeiter, die Opfer für die Partei bringen und ihren festen Kern band eingetreten sind. Außerhalb des Verbandes stehen unter über die Erklärung des Grafen Shuen Hedervary auf die Tagesbilden. Braune trat für Mehring ein, während Drescher dem anderm die Friedenshütte, de Wendel in Hachingen, das Eisenwert ordnung zu setzen. Ein Teil der Regierungspartei fowie sämtliche entgegentrat. Nach längerer Debatte ging die Versammlung ohne Thale, die Laurahütte, die allerdings ein besonderes Abkommen mit Fraktionen der Opposition stimmten mit der Kossuth- Partei, wodurch dem Verbande hat, und einige andre kleinere Werke. Beschlußfassung zu Ende. der Antrag Kossuths die Mehrheit erhielt. Das Heidelberg, 29. September.( B. H.) Die vom Kriegsgericht wegen militärischen Aufruhrs zu schweren Gefängnisstrafen verurteilten vier Soldaten haben Revision eingelegt. Verantwortl.Redakteur: Julius Kalisti in Berlin. Inferatenteil verantwortlich: Th.Glocke in Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 228. 20. Jahrgang. 1 Kkikze des Jotmärts" letlinn IdbMitt. Mittwoch, 80. September t90Z. HbonncmcntS'Cinladung. Ulit dem 1. Oktober 1903 eröffnen wir ein neues Abonnement auf den„Vorwärts" mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden flnterljaltungsblatt und der Sonntagsbeilage„Die Neue ölelt". ]Für Berlin nehmen sämtliche Zeitungsspediteure sowie unsre £xped)t)on, Cindenstrasse 69, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von i)Marfc 10 Pfennig frei ins Daus. für das übrige Deutschland nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen zum Preise von i)Marh 10 Pfennig pro jMonat (ausschliesslich 11 Pfennig pro Monat Bestellgeld) entgegen.(Eingetragen ist der„Vorwärts" in der Post-Zeitungsliste unter Hr. 8203.) Die Einziehung des Zeitungsgeldes von den bisherigen Postabonnenten erfolgt gegen Quittung durch die Briefträger, die zur vollgültigen Quittungsleistung berechtigt sind. Heu hinzutretende Postabonnenten können die Zustellung der Zeitung und die Einzahlung des Zeitungsgeldes auch schriftlich bei der zuständigen Postanstalt beantragen, für derartige Bestell- schreiben etc. wird eine Gebühr nicht erhoben. Im Buslande kann der„Vorwärts" gleichfalls bei der Post bestellt werden; der flbonnementspreis beträgt vierteljährlich 5 fr. 1 Cts. in Belgien, 3 fl. in Rolland, 3 Kr. 59 Oere in Dänemark, 5 Lire 71 Cts. in Italien, 5 fr. 15 Cts. in Luxemburg, 1 Kr. 66 Reiler in Oestrcich-Üngarn, 6 fr. 10 Cts. in Rumänien, 1 Hr. 17 Oere in Schweden, 5 fr. in der Schweiz; 9 Mark in Frankreich, England, Spanien und Portugal, den Vereinigten Staaten von Nordamerika und andren zum Weltpostverein gehörenden ausscreuropäifchen Ländern. Unter Kreuzband direkt von der Expedition bezogen kostet der „Vorwärts" pro Monat 2 Mark innerhalb Deutschlands und seiner Kolonien, in Oestreich-Ungarn und Luxemburg, im Ausland Z Mark pränumerando. Redaktion und Expedition des„Vorwärts". Der Kongretz von Reims. Reims, 27. September. Mg. Ber.) Vorversammlung. Reims, eine für französische Verhältnisse große Stadt(107 000 Einwohner) mit einer ansehnlichen Industrie, gehört trotzdem nicht zu den Mittelpunkten der foeialistischen Bewegung. Die Organisation steht hier immer noch in den ersten schwachen Anfängen. Im links- radikalen Gemeinderat sitzt kein einziger Soeialist irgend welcher Richtung. Der Deputierte der Stadt ist seit 1898 der politisch viel- deutige Linksradikale Mirman, der sich in seinen Wahlplakaten einen »unabhängigen Socialisten" nennt.... Wenn nun die Soeialistische Partei Frankreichs(P. S. de F.) trotz alledem— den allgemeinen Gepflogenheiten entgegen— die nichtsoeialistische Stadt Reims zum Sitze ihres zweiten Kongresses gewählt hat, so geschah dies mit Rücksicht aus die propagandistischen Wirtungeu de» Parteuage». ZUM Zwecke der Belebung und Stärkung der hiesigen Organisation. Der Verlauf der am Vorabend des Kongresses abgehaltenen Vorversammlung giebt in dieser Hinsicht den besten Hoffnungen Raum. In der geräumigen städtischen Cirkushalle kamen über 2000 Personen zusammen, meist Arbeiter und Arbeiterinnen, die den zahlreichen An- sprachen mit ungeschwächter Aufmerksamkeit lauschten und den Rednern begeisterten Beifall spendeten. 4 Den Hauptinhalt der Ansprachen bildete die Da/egung der Grundprincipien der Partei, die Betonung des proletarischen Klassen- kampf-Charakters ihrer Taktik, eine scharfe Kritik aller bürgerlichen Partei Kl sowie der ministerialislischen Soeialisten und die eindring- liche Mahnung an die Reimser Arbeiter, ihrer eignen, der proleta- rischen Partei endlich in dichten Scharen beizutreten. Auch der Dresdener Parteitag fand sympathischen Widerhall. Den Vorsitz führte der alte Kämpfer Pödron. In seiner Eröffnungsrede verwies er auf die Schwierigkeiten der Anfänge der foeialistischen Partei vor 25 Jahren uird betonte deren wesensgleiche Einheitlichkeit bis auf den heutigen Tag. Die„neue Methode" der Ministerialisten sei irrig, da sich seit 25 Jahren in dem feindlichen Verhältnis der Bourgeoisie gegen das Proletariat nichts geändert habe. Wenn sich die Lage der Arbeiter geändert, so nur zum Schlimmen. Beweis: das Sinken der Weberlöhne in Reims. Redner betont dann die im Wesen des Kapitalismus begründete Verelendung, an der keine bürgerliche Regierung etwas ändern könne. Die revolutionären Soeialisten verschmähten es, die Haus- knechte irgend eines Ministeriums zu werden. Daher ihre Trennung von den Jaurös und Millerand und die Begründung der Revolutionär-Socialistischen Einigkeit. Dubreuilh, Parteisekretär fürs Innere, spricht die Hoffnung aus, daß sämtliche Proletarier Frankreichs sich in den Reihen der F. S. de F. auf dem Boden des Klassenkampfes zusammenfinden würden, weil sie eben Proletarier seien. Die Partei sei revolutionär, weil Reformen nichts ändern könnten und nur die Revolution die Befreiung des Proletariats bringen könne. Alle socialen Um- lvälzungen seien bisher nur auf dem Wege der Gewalt beWerk- stelligt worden. Siehe die bürgerliche Revolution von 1789 und 1793. Wie damals der dritte Stand alle Kraft und alle Intelligenz in sich vereinigt hatte, so gelte das heute immer mehr»md mehr von der Arbeiterklasse. Sie brauche nur sich dessen bewußt zu werden und Vertrauen zu sich zu haben, um die kapitalistische Gesell- schast niederzuwerfen. Bracke, Parteisekretär fürs Aeußere, betont namentlich den internationalen Charakter der Partei. Daher auch unser Jubel über den herrlichen Wahlsieg der deutschen Soeialdemokratie. Redner be- spricht die historische Bedeutung dieses Wahlsieges und verweist so- dann auf die Niederlage der Revisionisten, dieser deutschen Anhänger der„neuen Methode" auf dem Dresdener Parteitag, wo die französischen Ministerialisten die Nolle einer Vogelscheuche, einer Karikatur des Socialismus gespielt hätten. Vaillant(mit lebhaftem Beifall und Hochrufen auf die Kommune begrüßt): Der Revisionismus in Deutschland sei dasselbe wie der Ministerialismus in Frankreich. Beide seien in gleicher Weise zu verurteilen. Wie in Dresden das ftanzösische Beispiel be- folgt worden sei, so müßten die französischen Arbeiter das deutsche Beispiel sich zum Muster nehmen, um gleiche Erfolge wie dort zu erringen, un»in ihrer Gesamtheit die einzig den Sieg verbürgende Methode anzuerkennen. In Dresden habe sich gezeigt. daß die Revisionisten, abgesehen von Bernstein und einigen wenigen Gesinnungsgenossen, sämtlich ihreit Standpunkt verleugnet hätten. Warum? Weil sie zu schwach seien, weil in Deutschland die Einheit der Arbeiterklasse Thatsache geworden. Die Rolle unsrer Partei bestehe darin, dieselbe Einheit m Frankreich zu erreichen. Freilich seien hier die Bedingungen minder günstig. Es gebe noch hier viele schwankende proletarische Mittelpunkte. Genug der Schwankungen! Man trete entweder unsrer Partei bei oder man höre auf, sich als Soeialisten zu betrachten. Alle die- jemgen, die ivirklich die proletarische Befreiung anstreben, müßten sich unsrer Partei anschließen. D e I o r h, Abgeordneter und Bürgermeister von Lille, verweist auf die Erfolge und die Stärke des Soeialismus im Norddepartement, die in der hochentwickelten Industrie und in dem daraus resultierenden klaren Klassenbewußtsein der Arbeiter wurzeln. Die nordischen Proletarier suchten ihr Heil nicht in etwelchen Reformen, sie kämpften selbständig seit 25 Jahren ans allen Gebieten. Auch die Konsum genossenschasten seien dort in den Dienst der Partei gestellt, sie lieferten für Agitationszwecke 25 bis 30 000 Frank jährlich. In den letzten Kammerwahlen wurden ea. 100 000 soeialistische Stimmen abgegeben. Redner schließt mit einer Warnung vor den Aposteln der„neuen Methode" und einer Mahnung zur proletarischen Or ganisation für den endlichen Sieg. Aus den Iveiteren Ansprachen sei erwähnt, daß Lafargue einen warmen Appell an die Arbeiterinnen richtete und auf die entscheidende Bedeutung der Frauen wie für jede weltgeschicht- liche Bewegung, so auch für die soeialistische verwies Rubano witsch(mit lebhaftem Beifall empfangen) begrüßt die Versammlung namens der Russischen Socialrevolutionären Partei: Gegenüber der Solidarität der französischen Bourgeoisie mit dem Zarismus müsse die Solidarität des französischen und russischen Pro- letariats aufgerufen werden. Redner verweist unter lebhaftem Beifall auf den erstarkenden revolutionären Kampf des russischen Prole tariats und auf das Fiasko der Versuche des Oberspitzels Subatow, nach dem Beispiel der französischen Bourgeoisie und ihrer Helfers Helfer durch„gelbe Gewerkschaften" die Arbeiter zu spalten. Der SubatowiSmus sei die russische Form des Millerandismus. In Rußland betrachteten alle socialistischen Richtungen die F. L. äs F. als die einzige soeialistische Partei Frankreichs. Lagardelle überbringt die Grüße der Arbeiter der Haute� Garonne, die die F. 8. äs F. als die einzige soeialistische Partei be- trachten, weil diese allein auf dem Boden deS Klasienkainpfes stehe. Wer mit Millerand von der„Solidarität der Klaffen" spreche, schließe sich selber von der socialistischen Partei aus. Blickt nach Dresden, >vo niemand es gewagt hat, sich zur„Solidarität der Klassen" zu bekennen. Jules Guesde, mit lebhaftem Beifall und Hochrufen be- grüßt: Ihr habt den Reden einstimmig Beifall gezollt. Das genügt nicht. Was habt Ihr, Arbeiter von Reims, g e t h a n? Habt Ihr Wahlerfolge wie die Deutschen aufzuweisen? Habt Ihr so ge- kämpft wie die russischen Arbeiter unter der Knute? Schon vor 23 Jahren habe ich in Reims mit dem alten Blanqui zu Euch gesprochen. Ich habe Euch schon damals das alles gesagt, was Ihr heute gehört habt: über die Konzentration der Kapitale, über das parasitäre Dasein der über- flüssig gewordenen Unternehmer, über die politische Festung der Bourgeoisie, die vor allem erobert werden mutz, um dann die sociale Umwälzung zu verwirklichen, die die Klassen abschaffen und der Arbeitslosigkelt, dem Elend ein Ende setzen wird. Ich habe Euch von den heldenhaften Stratzenkämpfen der Pariser Arbeiter ge- sprachen und auf den Stimmzettel hingewiesen, als das Mittel der Beseitigung der Klassenherrschaft. Ihr habt Beifall geklatscht, aber nichts geleistet. Es ist an der Zeit, Eure Verfehlung wieder gut zu machen. Schließet Euch unsrer, d. h. Eurer eignen Partei an I Rechnet nur auf Euch selbst. Das organisierte Proletariat ist seine eigne Vorsehung. Es braucht nur zu wollen. Ihr werdet wollen, Arbeiter von Reims! Hoch die sociale Revolution I(Stürmischer Beifall.) Die imposante Versanunlung schloß mit dem einstimmigen Votum einer Resolution, worin die Anwesenden„sich verpflichten, sich in einer besonderen politischen Partei zu organisieren, um die BourgeoiSllasse unter allen ihren Formen zn bekämpfen und nach der vollen Befteiung durch die sociale Revolution zu streben". Die Versammlung trennte sich unter den Klängen der von Myreus vorgesungenen„Internationale". » Reims, 27. September. Er st er Verhandlungstag. E r ö f f n u n g S- S i tz u n g. Vormittags lOf/z Uhr. Der Kongreß tagt im Saal des„Freidenker-Hauses". Ueber der Tribüne schwebt in roten Lettern die Inschrift:„Proletarier aller Länder vereinigt Euch" und darunter, von zwei roten Fahnen um- rahmt, das Bildnis von Karl Marx. Die Wände des Saales sind mit zahlreichen roten Inschriften auf weißem Grunde geschmückt: „Die Befteiung der Arbeiter kann nur das Werk der Arbeiter selbst sein",—„8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Muße, 8 Stunden Ruhe" —„Huldigung den Füsilierten von 1871,"—„Hoch die Kommune! Erinnern wir uns I"—„Die Gegner des Socialismus sind zweierlei Art: diejenigen, die ihn nicht begreifen, und diejenigen, die ihn zu gut begreifen I"—„Hoch die Internationale I"—„Hoch die sociale Revolution!"—„Niemand kann glücklich sein, so lange es Unglück liche giebt!" Der Vorsitzende, P e r r o t- NeimS, hält eine kurze Ansprache, worauf zur Wahl der MandatsprüfungS-Kommission geschritten wird. Der Kongreß wird zwei Sitzungen täglich abhalten, am Vor- mittag und am Nachmittag. Die vom Centralrat aufgestellte Tagesordnung wird be- stättgt. Sie enthält folgende Punkte: 1. Berichte des Sekretariats und des Kassierers, des Centtal- organs„Socialiste" und der Parteiblätter. 2. Bericht der revolutionär- socialistischen Kammerftaktton und die parlamentarische Attion der Partei. 3. Berichte der Föderattonen. 4. Innere Organisation der Partei. 5. Legislatives und kommunales Parteiprogramm. 6. Wahlftagen: die Gemeindewahlen von 1904. 7. Die Alterspensionen. 8. Die Unterrichtsftage. 9. Jnternattonaler Kongreß zu Amsterdam. 10. Wahl der Exekuttvkommission. Bracke bemerkt zur Tagesordnung, daß die Berichte der einzelnen Föderationen sich nicht auf die andren Puntte der Tages- ordnung zu erstrecken hätten. Auf Vaillants Antrag wird zunächst eine Kommission zur Vorberatung der Organisattonsftage gewählt. Deren Mitglieder sind: Guesde, Lafargue, Landrin, Bagnol, Coraeron, I. Mortui. Die sonstigen etwa erforderlichen Kommissionen sollen nach der Generaldebatte über die betreffenden Punkte der Tagesordnung ge- wählt werden. Guesde regt an die Besprechung des Punktes 9(Amsterdamer Kongreß). Bracke bemerkt hierzu, daß das Internationale Soeialistische Bureau in einem Rundschreiben die Einsendung von Berichten und Resoluttonsentwürfen über die von der betteffenden Landespartei auf die Amsterdamer Tagesordnung gesetzte Frage verlangt habe. Das Datum der Einsendung ist sodann spätestens auf den 1. Dezember l. I. festgesetzt worden. Die F. 3. äs F., auf deren Anttag das Jnternattonale Bureau den Punkt:„Regeln der internationalen socialistischen Politik" für Amsterdam beschlossen hat, müsse also über diesen Punkt einen Bericht und einen Resolutions- entwurf einbringen. Dieser Punkt ist also unbedingt schon in Reims zu erledigen. Nach einer kurzen Debatte, an der Vaillant, Lafargue und Guesde sich beteiligen, Ivird folgendes beschlossen: 1. Die „Regeln der internationalen socialistischen Polittk" sind schon in Reims zu beraten. 2. Der nächste Parteitag soll uiunittelbar vor dem Amsterdamer Kongreß stattfinden. 3. Bracke soll bei dem Juter- nationalen Bureau beantragen, das Datum der Einsendung von Bericht und Resolutionsentwurf bis zum 1. März 1904 zu ver- schieben. Im Lauf der Debatte hatte Vaillant bemerkte, daß nach dem Dresdener Parteitage die Hoffnung begründet sei, daß in Amsterdam die Ansichten der F. 8. äs F. über den betteffenden Punkt zur Geltung kommen würden. Die Dresdener Resolution über die Talttk habe einen guten Boden zur Verständigung geschaffen. Guesde regt an, falls die Zeit es gestatten sollte, den General- streik auf die Tagesordnung zu setzen. Es gelte, auch über diese Frage die volle Einheit der Partei festzustellen. Lafargue unterstützt den Antrag. Es sei überhaupt not- wendig, den Sinn des Generalstreiks genau zn bestimmen. Denn bisher sei er in Frankreich vieldeuttg, er bedeutet bald die sociale Revolutton, bald einen allgemeinen Berufsstreik in einer Branche oder auch nur in einem Bettiebe. Guesdes Anttag wird angenommen. Auf den Antrag von Lafargue und Lagardelle wird beschloffen, der deutschen Socialdeniokratic im Hinblick auf den Dresdener Parteitag eine Glückwunschadresse zu schicken. Guesde und Vaillant werden mit der Abfassung der Adresse bettaut. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten schließt die Sitzung um 12 Uhr.__ Der Laurahtttter Wahlkrawall vor dem Schwurgericht. B e u t h e n, O.-Schl., 28. September 1903. Die bekannten Vorgänge in Laurahütte beschäfttgen nun auch das Schwurgericht. Vor der Sttafkammer sind die Personen ab- geurteilt worden, die an dem Aufruhr und Landfriedensbruch teil- genommen haben sollen— ohne selbst eine Gewaltthat begangen zu haben— außerdem die jugendlichen Angeklagten einschließlich derer, die sich selbst Gewaltthaten nach Ansicht des Gerichts haben zu Schulden kommen lassen. Dem Schwurgericht wurden 8 Angeklagte überwiesen, welche als „Rädelsftihrer" beteiligt gewesen sein sollen oder als solche, die aus der Menge heraus an Personen oder Sachen Gewaltthätigkeiten begangen haben. Der Eröffnungsbeschluß stützt sich auf§ 125 Stt.-G.-B.— Landfriedensbruch. Die Bestimmungen des Sttaf-Gesetzbuchs über Aufruhr sind nicht einbezogen worden. Die Angeklagten werden sämtlich aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Den Vorsitz führt der Landgerichtsdirektor Dr. Pilling, Beisitzer sind Landrichter Franke und �Assessor Heinisch. Die Anklage- behörde vertritt der bereits im Strafkammer-Prozeß thätig gewesene Staatsanwalt Fipper. Bei der Auslosung der Geschwornen ist das AblehmmgSrecht deS Staatsanwalts sehr bald erschöpft. Der Sitzung wohnt der Oberlandesgerichts-Präsident Kunowski aus Breslau bei. Die Vereidigung führen die Rechtsanwälte Dr. Wiester, Rein- wald, Freund, Jnnnerwahr, Schmidt und Justizrat Neukirchner aus Benthe» O.-S. und Dr. Seyda aus Kattowitz. Der am meisten belastete erste Angeklagte Schlepper Julius G o j n y aus Lnurahütte ist 55 Jahre alt und fünfmal wegen schweren und einfachen Diebstahls vorbestraft. G o j n y ivird beschuldigt, im Saale am lautesten„Hoch Korfanth" gerufen zu haben. Er soll dann zu denjenigen sich zu- gesellt haben, die vor dem Ludwigschen Saale bemüht waren, den Gefangenen zu befteien. Gojny soll ferner gerufen haben:„Laßt ihn nicht einschließen", dann soll er die Feuerwehrleute mit Steinen beworfen, sich dann auf die Spritze gesetzt und durch Klingeln und Kommandieren den Weg der Spritze bezeichnet haben! Dann soll Gojny einer derjenigen ge- wesen sein, welche die Spritze in den Teich warfen, und dabej selbst ins Wasser gegangen sein. Daraufhin soll er gerufen haben:„Jetzt «vollen wir die Scheiben in dem Hüttengasthaus zerschlagen". Er soll dort die Straßenlampe zerstört haben, dann die Scheiben. Er soll dann den Ruf:„Nun zum Pfarrer!" ausgestoßen und an der Spitze von etwa 100 Leuten zur Pfarrei gezogen fein. Dort soll er sich wieder an der Zerstörung ber Fenster, des Thores und des Zaunes beteiligt haben. Gojny erklärt: Meine Frau war an dem Tage verreist. Ich ging abends zum Bahnhof, um sie abzuholen. Unterwegs ttaf ich einen Bekannten und ging mit ihm zu Ludwig, um ein GlaS Bier zu trinken. Korfanty kenne ich nicht und habe nicht„Hoch Korfanth I" gerufen. Ich stand nicht im Saale, sondern draußen am Fenster. Ich hörte dort Hochrufe, dachte es wäre auf unsren Kaiser oder König oder den Pfarrer und stimmte mit ein. Da haben Leute mir gesagt, ich soll nur weiter rufen. Dann habe ich gesehen, wie Gendarmen weggingen und mit den Säbeln nach hinten schlugen. Ich gebe zu, dag ich mit gelärmt habe und auch in ber Menge war, um zu sehen. Ein Gendarm sagte zu mir„Lausejunge", ohne daß ich etwas gemacht hätte, da sagte ich zu ihm„Verfluchter Krüppel". Nun kam die Spritze, das war an allem schuld, die Spritze» waren schon vorher dazu bestellt. Vorsitzender: Nun beginnt Ihre Hauptthätigkeit; haben Sie auf die Spritzen geworfen? Gojny: Steine habe ich nicht geworfen. Vorsitzender: Sie saßen aber auf der Spritze; wie sind Sie daraufgekommen? Gojny: Ja, ich saß drauf. Ich wollte die Spritze nach meinem Hause führen, weil ich dachte, es wäre da Feuer. Vor sitzen ber: Sie haben die Spritze dirigiert, Siehaben die Spritze geftihrt?—Gojny: Nein, ich habe nicht geführt. Die Leute haben von hinten gerufen:„Zum Teich" und da wurde ich bis ins Wasser geführt. Ge- läutet Hab ich nur, bamit die Leute ans dem Wege gingen. Der Angeklagte Fabian hat mich aufgefordert, die Spritze um- zukippen. Andre Leute haben es auch gethan. Ich hatte Angst vor ben andren und da habe ich, als mir selbst gedroht wurde, ich sollte ja mitwerfen— mit Koth gegen die Fenster des Hsittengasthaufes ge- worfen. Mit Steinen habe ich nicht geworfen. Im Hüttengasthaus habe ich mich verkrochen, um nicht noch länger gezwungen zu fein, mitzugehen.— Vorsitzender: Warum sind Sie auch zur Pfarre gegangen?— Gojny: Ja, was sollte ich denn machen; sonst hätte ich ja einen Stein an den Kopf bekommen. Demoliert habe ich da nichts.— Vorsitzender: Es wird Ihnen ja nachgewiesen werden.— Gojny: Ja, ich bin ein Auswärttger, da wälzen die Leute alles auf mich. Der zweite Angeklagte, Klempner August Grajczarek aus Laurahütte, 24 Jahre alt, achtmal ivegen Körperverletzung, Be- leidigung usw. vorbestraft— im Höchstfalle mit sechs Monaten— wird beschuldigt, an der Menge teilgenommen zu haben, die vor das Hüttenamt gezogen ist. Dort soll er gerufen haben:„Vor- wärts, jetzt zur Polizei!" Er soll einen Stein in der Tasche gehabt haben. Grajczarek erklärt: Als ich zur Hugokolonie kam, standen etwa 2000 Menschen. Die Gendarmen ivurden mit Redensarten: „Haut ihn" usw. belästigt. Dann bin ich mit der Menge gelaufen und habe gesehen, daß keine Feuerwehrleute und Gendarmen mehr da waren. Auf den Gendarmen Kynaft wurde gestürmt. Ich suchte die Leute hiervon abzubringen. Dann ging ich weg und sah, daß die Spritze umgeworfen wurde. Gojny saß auf der Spritze und sagte innner:„Gerade aus I" Andre Leute riefen:„Vorwärts, mit der Spritze in den Teich." Gojny sagte darauf:„Immer schneller. immer schneller." In dem Restaurant von Przhgoclek blieb ich bis gegen 10 Uhr. Dann sagte ich zu Strelcezk:„Komm, wir wollen mal sehen, was los ist". Da gingen wir zur Pfarrei. Am Hüttenamt war ich über- Haupt nicht.— Vorsitzender: Sind Sie nicht derjenige, der ge- rufen hat:„Vorwärts, jetzt geht's zur Polizei I"?— Grajczarek: Nein! Der dritte Angeklagte, Paul M r o z e! aus Laurahütte, 26 Jahre alt, achtmal vorbestraft— geringfügige Strafen— wird beschuldigt, an der Bohmstraße mit Steinen gegen Beamte geworfen zu haben, Er soll geholfen haben, die Spritze in den Teich zu werfen, M r o z e l erklärt in polnischer Sprache: Ich war vorher auf der Ziegelei, in Hohenloheichütte, Ich fühle mich vollständig un- schuldig: ich habe mich an der Menge nicht beteiligt, sondern stand nur seitwärts. Gegen 7 Uhr kam ich ins Ludwigsche Gasthaus. Der Saal war schon voll; es wurden schon Steine geworfen; erkannt habe ich keinen,— Vorsitzender: Sind die Steine gegen die Gendarmen geworfen worden?— Mrozek: Ich glaube ja.— Vorsitzender: Haben Sie Gojny ans der Spritze fahren gesehen?— Mrozek: Das weiß ich nicht,— Der Vorsitzende läßt Gojny die Jnfanteriemütze aussetzen,— Mrozek: Ich weiß nicht. Am Teich mußte ich vorbeigehen, um nach Hause zu kommen. Da stand eine große Anzähl von Menschen, Ich wurde auch ins Wasser gedrängt, ich stand bis an die Knie. Wie sollte ich denn selbst dazu kommen, die Spritze in den Teich zu werfen'i Vorsitzender: Und wenn Ihnen nun vorgehalten wird, daß Sie am nächsten Tage denr Zeugen Lislorz zugegeben haben, die Spritze mithineingeworfcn und Steine geworfen zu haben?— Mrozek: Das ist nicht wahr!— Vorsitzender: Sie sollen auch derjenige sein, der ans der Bohmstraße Steine auf die Beamten geworfen hat?— M r o z e k: Ich habe leinen Stein in der Hand gehabt, Der vierte Angeklagte ist der Monteur Paul Weiß ans L a u r a h ü t t c. Er ist 26 Jahre alt und sechsmal unbedeutend vorbestraft. Weiß wird beschuldigt, er habe im Ver- sammlungssaal am lautesten„Hoch Korfanty I" gerufen und hätte sich geweigert, den Saal nach der Versammlungsauflösung zu verlassen. Er soll an der Menge teilgenommen haben, die hinter dem Verhafteten liefen, um ihn aus den Händen der Beamten zu entreißen und soll dabei gerufen haben:„Laßt ihn nicht!" Weiß erklärt: Ich habe eine Auflösung der Versammlung nicht gehört. Wie die Leute schrien, habe ich den Leuten zugeredet, sie möchten doch erst den Pfarrer sprechen lassen. Nachher rief ich auch mit „Hoch I"— Vorsitzender: Haben Sie versucht, den Arrestanten zu befreien?— Weiß: Nein,— Vorsitzender: Haben Sie gerufen:„Laßt ihn nicht einsperren"?— Weiß: Nein. Vorsitzender: Sie sollen mit dem Schirm auf die Gendarmen gewiesen haben,— Weiß: Nein. Der fünfte Angeklagte, Grubenarbeiter Nikolaus B u r c s h l aus Glaubenshütte, 45 Jahr alt, fünfmal geringfügig vorbestraft, wird beschuldigt, sich zusammen mit Gojny und Weiß bemüht zu haben, den Verhasteten den Beamten zu entreißen und zu diesem Zweck die Beamten und den Verhafteten gezerrt zu haben, B u r c s y k erklärt in polnischer Sprache: Ich ging mit, neiner Frau, um einen Besuch abzustatten. Dann ging ich mit meiner Frau, um Wohnung zu suchen. Wir kamen ms Ludwigsche Gast- Haus. Meine Frau ging dann nach Haus, unterwegs holte ich sie am verabredeten Ort, Da war die Straße von Leuten gefüllt, einer stand mit dem Stein, er war mir unbekannt. Ich stellte die Frage, was er mit dem Stein wolle. Da rief einer:„Versetz ihm einS 1" Der andre sagte:„Das ist auch einer von Letocha"(der durchgefallene frühere Centrums- Abgeordnete von Kattowitz- Zabrzes. Ich rannte weg und da Ivurde ich mit Steinen geworfen. Ich sagte das dem Wachtmeister, er sollte es notieren. Er sagte, ich solle es schriftlich machen. Die Steine flogen nach allen Seiten. Dabei hätte ich bald einen Säbelschlag vom Gendann Becker bekommen, den ich auffing. Dann ging ich weg und kümmerte mich um nichts mehr, Der sechste Angeklagte, Zimmcrhäuer Joh, K o t t aus Laura- Hütte, 37 Jahre alt, dreimal geringfügig vorbestraft, soll nach der Anklage den Gendarm Becker durch einen Steinwurf am Fuße getrogen haben, Ä o t t bekundet: Ich war nicht auf der Bohmstraße, auch nicht vor dem Hiittcnaint, Vor sitze ir der: Ein Zeuge wird aber bekunden, daß er ge- sehen hat, ivie Sie einen Stein genommen und gegen den Gen- darmen Beckert geworfen haben? K o t t: Nein, Der siebente Angeklagte, Häuer Victor Karnus aus Siemianowitz Kei Laurahütte, 35 Jahre alt, fünfmal, nicht erheblich, vorbestraft, wird beschuldigt, den Feuerwehrmann Hajda mit einem harten Gegen- stand über den Kopf geschlagen zu haben, Karnus sagt aus: Am 21, Juni hörte ich in der Predigt, daß am Abend eine Versammlung in Ludwigs GasthallS stattfinden würde, Abends standen viel Leute, teilweise auswärtige da. Wie der Herr Pfarrer anfing zu sprechen, da wurde gerufen:„Hoch. Wojcicch! Nach der Auflösung der Versammlung wurde fortwährend „Hoch I" gerufen. Ich sagte zu dem Herrn Wachtmeister Beckert. er möchte die auf der Bühne erschienenen Jungens verjagen. Das that er auch. Vor dem Saale wurde mir gesagt:„Reiß aus, denn die Polizei bringt einen". Da sagte ich:„Was brauche ich aus- zureitzen. ich habe mit der Polizei nichts zu thun," Als ich sah, daß der Feuerwehrmann Hajda über den Kopf geschlagen wurde, da rief ich:„Wer war denn das Schwein" und suchte festzustellen, wer geschlagen hat,— Vor- sitzender: Hajda hat aber in der Voruntersuchung ausgesagt, daß Sie ihn geschlagen haben,— Karnus: Das kann er nicht aussagen, denn es ist nicht wahr. Der achte Angeklagte, Bergarbeiter Emanuel Fabian aus Siemianolvitz, 2g Jahre alt, elfmal. meist unerheblich, vorbestraft. hat schon in der Voruntersuchung zugegeben, daß er im Hütten- Gasthaus einige Scheiben zerschlagen hat. Er soll das auch auf der Pfarrei gethan haben. Fabian erzählt: Die Leute sind mit der Spritze gelaufen und da bin ich mitgelaufen. Acht bis neun Mann haben die Spritze in den Teich geworfen.— Vorsitzender: War einer der An- geklagten dabei?— Fabian: Nein. Nachher hat der Mann mit der Militärmiitze...— Vorsitzender: Der vorher auf der Spritze saß?— F a b i a n: Ja. er hat gesagt:„N u n k o m m t a u f d a s H ü t t e n g a st h a u s".— Vorsitzender: Sie haben ihn im Gefängnis als Gojny wiedererkannt?— Fabian: Ja.— Vorsitzender: Haben Sie gesehen, wie der Mann mit der Militärmütze mir einer Latte im Garten des Pfarrers demoliert hat?'- Fabian: Ja!— Vorsitzender: Und Sie selbst haben im Hüttenamt und Hüttengasthaus Fenster eingeschlagen?— Fabian: Ja. das gebe ich zu.— Vorsitzender: Wie kamen Sie dazu?- F a b i a n: Ich war betrunken.-Vor- sitzender: Aber in der Pfarrei haben Sie auch auf Fenster geworfen?— F a b i a n: Nein I— Vorsitzender: S,e haben gesehen, wie der Mann mit der Militärmütze gerufen hat:„Aus zur Pfarrei!"„Auf zur Hütte I"— F a b ian: Ja, Auf diese Belastung hin erhebt sich Gofny und erklart, der An- geklagte Fabian habe selbst gerufen:„Nun zum Hüttenamt!" „Nun zur Pfarrei!" ES waren auch mehr Leute in der Militär- mutze da außer mir,„. t. ctn.,, Nach Verlesung des Angenscheinprotokolles wird in die Mittags- pause eingetreten. Nach der Pause begann die Zeugenvernehmung, Zeuge Gendarm Becker giebt von der Auslofung der Ver- sammlung und der Befreiung des Arrestanten dieselbe Darstellung wie in dein Prozeß vor der Strafkammer. Der Zeuge fährt fort: Unter den im Saale Aufnotierten, welche den Saal nach der Auf- lösung nicht verlassen wollten, waren die Angeklagten Weiß und Burcsvk, Letzterer war unter der Menge, die den Beamten den Verhafteten entriß. Als der Redakteur Haase vor dem Hüttenamt polnisch sprach, war die Menge ruhig. Als er aufhörte, begann wieder das Geschrei. Der Gendarm Kynast forderte die Menge nun wieder zum Auseinandergehen auf und drohte, daß sonst von der Schußwaffe Gebrauch gemacht würde. Da flogen wieder die Steine.— Vorsitzender: Ist diese Aufforderung auch m polnischer Sprache ergangen?— Becker: Nein, von den Beamten, die da waren, konnte keiner polnisch sprechen. Der Angeklagte Burcsyk hat selbst versucht, uns den Gefangenen zu entreißen. Grajczarek und Gojny habe ich auch beim Hiittenamt gesehen,— Vorsitzender zu Grajczarek: Sie haben doch vorher gesagt, daß Sie nicht am Hüttcnamte waren? Zeuge Amtsscrgeant Krieger: Gojny war unter den Personen, welche den Verhafteten loszureißen suchten, und rief:„Laßt ihn nicht!" Mrozek war auch in der Menge, ich habe aber nicht gesehen, daß er selbst etwas gethan hätte. Gojny habe ich noch wiederholt gesehen, zum Sergeanten Richter sagte er:„Was wollen Sie denn, Sie Unteroffizier?" Vorst: Haben Sie gesehen, daß der Gojny selbst den Ver- hafteten angefaßt hat?— Krieger: Nein, das habe ich nicht gesehen, er war aber in nächster Nähe, Nachher sah ich ihn am Hüttenamte,— V o r s.: In der Soldatenmütze?— Krieger: Ja. — Gojny: Es haben aber mehr Leute Soldatenmützen, Zeuge Gendarm Kynast: Gojny„war einer der' Hauptmacher, der sich an dem Skandal im Saal beteiligt hat". Weiß hat draußen gesagt:„Ich gehe nicht, ich wohne hier in der Hugokolonie". Ich kenne Weiß persönlich nicht, es wurde mir aber gesagt, daß er es sei.— Vors.: Ein Mann in Jnfanteriemütze hat ihnen als seinen Namen Pickling genannt, Ist es Gojny?— K h n a st: Ich halte ihn dafür.— Vorsitzender läßt den Gojny, wie schon sehr oft, die Militärmiitze aufsetzen.— Vors.: Erkennen Sie den Gojny genau? — Kynast: Ja, genau weiß ich nicht. Zeuge Amtssergeant Richter bekundet gleichfalls, wie im Prozeß vor der Strafkammer: Ich führte die beiden Geistlichen, von denen der eine Dr. Stephan war, auf einem Seitenwege aus dem Saal,— Vorsitzender: Fühlten sich die beiden Geistlichen be- droht?— Richter: Meiner Ansicht nach ja. Es war eine kolossale Aufregung gegen die Geistlichen vorhanden. Unter den Personen, die trotz der Aufforderung im Saal blieben, waren auch Gojny und Weiß, Gojny trat mir entgegen und rief:„Was willst Du dummer Junge, was willst Du mit Deinem Revolver, ich bin Unteroffizier gewesen, Du bist ein Krüppel."(Der Sergeant Richter ist eine starke, hohe Gestalt.) Vor deni Hiittenamt war auch Gojny„und deshalb muß ich annehmen, daß er der gemeingefährlichste war". Auch nach dem Schießen wurden Steine geworfen, aber nicht so viel, wie vorher.— Vorsitzender: Wieviel Steinwürfe haben Sie un- gefähr bekommen?— Richter: Vielleicht dreißig.— Vors.: Früher haben Sie zwanzig gesagt. Zeuge Amtssergeanl D u d a belastet gleichfalls Weiß, der bei der Losreißung des Verhafteten gerufen habe:„Laßt ihn nicht." Die Aeutzerung von Weiß:„Ich wohne hier in der Hugokolonie!" habe ich aucki gehört. Auf der Straße kam ein Mann zu mir und sagte mir:„Geben Sie mir einen Wahlzettel, ich habe Frau und Kinder und wir müssen Kartoffelschalen und Mehl essen." Zeuge Polizeiwachtmcister F o l t i n belastet gleichfalls Gojny, der schon vor Beginn der Versammlung Skandal machte. Zeuge er- zählt von der Auflösung der Versammlung und sagt:„inzwischen ist auf Feueralarm geblasen worden." Mit dieser fast gleich- lautenden Redewendung erledigen alle die Polizeibeamtcn den Feucrlärm und seine Ursache. Gojny hat von außen in den Saal gerufen:„Laßt Euch nicht rausschmeißen."— Vorsitzender: Sie hatten den Eindruck, daß draußen Weiß der schlimmste war?— F o l t i n: Ja. Zeuge Amtssergeant B o u n z o l: Ich sah, wie Mrozek einen Stein warf. In der Richtung nach dem Hüttenamt kam Gojny an der Spitze von etwa 36 Mann; einer von ihnen rief: „Hau' das Donnerwetter." Gojny rief:„Donnerwetter." Zeuge Amtsvorsteher Schröter erzählt fast wörtlich dasselbe, wie vor der Strafkammer. Ueber die Spritzen bekundet er: Ich habe die Spritzen nicht gerufen. Als sie kamen, stellte ich an die Leute die Frage:„Habt Ihr Wasser?" Ich habe dann die Spritzen zum Hydranten führen lassen. Nachher, als sich die Menge der Spritzen bemächtigte, wurden wir selbst bespritzt. Ich habe schon bei der vorigen Verhandlung gesagt, daß die Leute Posten aufgestellt hatten, um zu wissen, wann das Militär kommt. Als die Compagnie aus Bcuthcn O.-S. kam, verzog sich die Menge. Beweisen ließ sich meine Uebcrzeugung von den Posten nicht, es ist aber meine Auffassung. Von den Angeklagten habe ich keinen erkannt. Nach meiner Nuffasiung find auch viel Fremde dabei ge- Wesen. Auf Befragen des Rechtsanwalts Dr. Seyda erklärt der Amtsvorstcher, er habe schon im voraus befürchtet, daß Tumulte ent- stehen werden, deshalb habe er auch alle verfügbaren Mannschaften hingeschickt. Dr. Seyda: Haben Sie es nicht für angebracht gehalten, eine Versammlung, von der Sie im voraus Unruhen befürchteten, zu verbieten?— Schröter: Ich hielt mich dazu nicht fiir be- rechtigt.— Dr. Seyda: Würden Sie sich dazu nicht fiir berechtigt halten, wenn die Versammlung von andrer Seite einberufen worden wäre?— Schröter: Nein! Zeuge Schornsteinfegenneister D r o b i g. der Führer der Feuer- wehr: Als die Leute noch aus dem Saal gingen, rief jemand: „Feuer!" Ich wollte hinter gehen, wurde aber zu Boden ge- worfcn. Da fragte mich ein Feuerwehrmann, ob er Feuerlärm blasen solle. Ich sagte ja. er solle blasen. Ich nehme an, daß es Gojny war, der in dem Trupp von etwa dreißig Leuten, die zur Pfarrei zogen,„Mut I Mut!" rief; seine Hand war erhoben. Der Mann hat eine Soldatcnmiitze auf dem Kopf gehabt. Zeuge Feuerwehrmann Kratochwil erzählt von der Räumung des Saales:„Als die Menge andrängte, da bekam ich den Auftrag zum Alarmieren."(Nach den Aussagen der Feuerwehrleute im Prozeß vor der Strafkammer, gewann man den Eindruck, daß der Feueralarm auf bloßen Zufall, auf den unwahren Ruf„Feuer I" aus unbekanntem Munde von dem Brandmeister Drobig an- geordnet worden sei. Zeuge Baugewerksmeister Clausnitzer, Branddirektor der fteiwilligen Feuerwehr, sagt nichts wesentlich Neues aus. Zeuge Pfarrer Andreas S ch m i e d e r, Parrer aus Laurahütte: Als ich vor acht in den Saal kam, da war der Saal schon überfüllt — aber nicht mit Centrumslcuten, sondern mit andren. Da sagte ich zum Gendarmen Becker:„Ich glaube, heute ist nichts zu machen" und daraufhin erfolgt die Auflösung. Im Pfarrhof habe ich nur das Geschrei, einige Axthiebe und Schcibenklirren gehört. Wie ich das Geschrei hörte, ließ ich das Licht überall auslöschen. Das ist meine ganze Wahrnehmung.— Vorsitzender: Es sind bei Ihnen etwa 35 Scheiben eingeschlagen worden.— S ch m i e d e r: Ja. Der Pfarrer wird entlassen. Schluß der Sitzung 6,25 abends. Erklärungen. Nochmals Herr Harden! Auf die heutige„Berichtigung" des Herrn Harden an den„Vor- wärts" möchte ich doch kurz folgendes erwidern: Der Parteivorstands- Brief vom 28. Februar, der für Herrn Harden so ausschlag- gebend ist, enthält den Vorstands-Beschluß über die lviitarbcit an bürgerlichen Blättern, auf den es allein ankommt, nicht, nicht einmal im Auszug, konnte ihn auch gar nicht enthalten, da er, laut Datumangabe im„Vorwärts", überhaupt erst am 2. März gefaßt und sodann am 3. März veröffentlicht wurde. Jener Brief bemerkt am Schlüsse nur, daß der Parteivorstand sich iiber die Frage der Mitarbeit„seine Entschließung vorbehalte"! Herr Harden fälscht also lustig weiter. Aber noch mehr! Er schreibt, daß mein Artikel erst„am 3. März abends in seine Hände kam". Er will natürlich damit den Verdacht erwecken, als ob ich denselben sogar erst nach Bekannwiachung des Vorstands b e s ch l u s s e S über die Mitarbeit im„Vorwärts" an ihn geschickt hätte. Diesen Verdacht schlägt der Po st- Einlieferungsschein meines Artikels an Harden nieder, der vom 28. Februar datiert und in meinenHändenist. Hieraus geht zugleich hervor, daß ich nicht einmal jenen Parteivorstands-Brief vom 28. Februar kannte, als ich meinen Artikel an Harden abschickte, da der Parteivorstand diesen Brief nicht an mich nach Zehlendorf, sondern an Braun oder Heine in Berlin adressiert hatte und ich erst nachher durch diese von seinem Inhalte unterrichtet wurde. Herr Harden fälscht also auch an diesem entscheidendsten Punkte. Emen gelmffen Irrtum hat Herr Harden. vorausgesetzt daß er auch da nicht die Unwahrheit sagt, mir nur in Bezug auf das Datum des Drucksatzes nachzuweisen vermocht doch mutz telbst er zugeben, daß es„d a r a u f n i ch t a n k o m m t". Schließlich wiederhole ich, daß ich nicht dafür verantwortlich bin, was er mit Genossin Braun und diese mit ihm ohne mein Wissen verhandelt hat. Damit ist für mich die Auseinandersetzung mit Herrn Harden beendigt. Zehlendorf, 29. September 1963. _ Paul Göhr«. In seiner Zuschrift an den„Vorwärts" erklärt Herr Harden der von mir erwähnte Zeuge unsres Gesprächs habe ihn auf- gesucht, um die Richtigkeit der Hardenschen Darstellung zu bestätigen und sie dahin zu ergänzen, daß ich ferner gesagt hätte:„Wird die Mitarbeit an bürgerlichen Blättern wirklich verboten, dann muß ich eben mein Pseudonym ändern". Darauf erwidere ich: 1. Der Zeuge des Herrn Harden ist nicht identtsch mtt dem von mir in meiner letzten Erklärung erwähnten Zeugen. 2. Der Zeuge des Herrn Harden, der hiesige Vertteter eines auswärttgen Blattes, der die erwähnte Acußerung gehört haben will, hat mir heute nachmittag in Gegenwart eines unbeteiligten Zeugen erklärt, daß er jene Worte unbedingt scherzhaft aus- gefaßt hat. Er will diese Auffassung auch Herrn Harden mit- geteilt haben. 3. Daß ich die fragliche Aeutzerung nicht ernsthaft gemeint haben kann, ist fiir jeden, der mich auch nur oberflächlich kennt, selbst» verständlich. Aber ich bestreite auf das entschieden st e. auch nur im Scherz eine solche Aeutzerung gethan zu haben. Mein Zeuge hat auch eine solche Acußerung nicht gehört. Mich mit Herrn Harden darüber zu streiten, welche Absichten er bezüglich meiner ferneren Mitarbeiterschaft gehabt hat, ist jetzt müßig. Seine Karte konnte auf mich den von ihm angeblich beabfichttgten Eindruck weder nach Fonn noch Inhalt machen. Jetzt cittert Herr Harden die Karte falsch. Aber selbst in dieser Umstellung wäre das, was er damit hat sagen wollen, zum mindestens zweifelhaft. Es ist mehr als auffällig, daß ein so gewandter Sttlist, wie Herr Harden. nicht in der Lage sein sollte, das, was er wollte, klipp und klar zum Ausdruck zu bringen. Herrn Haidens Zeuge hat mir— in Gegenwart meines Un» parteiischen— erklärt, daß er von meiner Absicht, den Arttkel „Parteimoral" gegen meine Ueberzeugung zu widerrufen, nichts gehört hat... Für mich ist hiermit die Diskussion mit Herrn Harden ge» schlössen. Um aber allem weiteren Klatsch ein Ende zu machen, werde ich beim Parteivorstand die Einberufung eines Schieds- gerichts beantragen, das untersuchen>oll, ob ich mich einer unehrenhaften Handlungsweise schuldig gemacht habe. Berlin, den 29. September 1963. Georg Bernhard. Nachdem der„Vorwärts" in der Nr. 227 den Arttkel des Herrn Harden aus Nr. 52 der„Zukunft" vom 26. September auf den Wunsch von Parteigenossen nochmals zum Abdruck bringt, sehe ich mich veranlaßt, aus Einzelheiten der perfiden Angriffe des Herrn Harden gegen mich zu antworten. 1. In Dresden habe ich gesagt:„... ich für meine Person habe nie eine Zeile dafür{sc. die„Zukunft") geschrieben, obwohl ich vielleicht ein dutzendmal von dem Herausgeber dazu aufgefordert worden bin." Und da ich nicht hinzugefügt habe, daß ich einmal vor ca. sieben Jahren und einmal vor ca. drei Jahren der„Zukunft" Beiträge anbot, sei der Parteitag über meine Halttmg gegenüber der„Zukunft"„belogen" worden. Im Zusammenhang gelesen, er- geben meine oben citierten Worte den Sinn, daß der Verzicht auf eine Mitarbeit an der„Zukunft" im Interesse »„gestörte« gusll>tti«rn>»irkrn« von jedem Parteigenossen gern gebracht würde, und zum Beweis dafür, wie gering das Opfer sei. führte ich an, daß ich. der im Vorder- treffen der Debatte stand, gar nichts, meine Frau im Jahre durchschnittlich circa einen Artikel in der„Zukunft" veröffentlicht habe. Hier wäre es deplaciert gewesen, die höchst gleichgülttgc That» fache zu erwähnen, daß ich unter Umständen wohl'für dw„Zukunft" geschrieben hätte, um so unangebrachter und überflüssiger, als ich in der Beschw»rde an den Parteivorstand, in meinem Arttkel im„Vor- Ivärts" un» in der an die Delegierten in Dresden verteilten Broschüre, also dreimal statt einmal, mit Entschiedenheit für die Mit- arbeit an bürgerlichen Blättern überhaupt, also auch für die an der „Zukunft", eingetteten war. Und ttaut mir jemand— außer Herrn Harden— zu, daß ich mit den citterten Worten mich als un- schuldiges Lamm bezeichnen wollte, während ich in dem un- mittelbar folgenden Satz meine Frau als Mitarbeiterin der„Zukunft" nannte? Ist also nach alledem der Parteitag über meine Stellung zur „Zukunft" getäuscht worden? 2. In den zusammenhanglos wiedergegebeneu Stellen aus meinen Briefen finden sich eine Anzahl lebhafter Anerkennungen fiir Herrn Haidens publizisttsche Leistungen, während ich jetzt ungünstig über ihn urteile. Da sich diese Urteile auf Verschiedenes beziehen, sind sie wohl verträglich. Ich anerkenne auch heute noch das Talent des Herrn Harden als ein ungewöhnliches und halte ebenso wie seiner Zeit manche seiner Leistungen vom litterarischen Standpunkte fiir meisterhafte. Das ist sehr wohl vereinbar mit der Thaffache, daß die inzwischen gemachten persönlichen Erfahrungen mich zu einer von dem ftllheren thörichten Verttaucn zu ihm grund- verschiedenen Beurteilung seiner Person nöttgen. Ich be- dauere danach die Aeußerung, die ich gegen ihn über Frau Zetttn machte, und die in einzelnen Partei-Organen mir besonders verübelt wird. Diese Acußerung erklärt sich daraus, daß Herr Harden nach dem Lübecker Parteitag in einem außerordentlich auf- geregten Brief sich bei mir beklagte, daß ihn gegen die Beschimpfungen der Genossin Zetkin niemand in Schutz genommen habe; darauf gab ich ihm jene Antwort, und ich bin auch heute noch der Ansicht, daß sie sachlich zutreffend ist, aber ich hätte sie gewiß unterlassen, wenn ich die Person des Herrn Harden so gut gekannt hätte wie heute. Die gleich- falls angefochtene Bemerkung über Herrn Haidens Besprechung des Lübecker Parteitags enthält nichts, was ich nicht auch heute fach- lich zutteffend finde: daß sie für einen Gegner und, was für mich besonders in Betracht kam, vom litterarischen Gesichtspunkt meisterlich ist, und ich im übrigen— selbstverständlich— mit vielem darin Gesagten(es giebt Stellen in dem Arttkel, die sehr richttg find und große Anerkennung für die Socialdemokratte enthalten) nicht einverstanden bin. 3. Da Herr Harden in seiner im„Vorwärts" von heute ab- gedruckten Zuschrift nochmals sagt, meine Frau habe in der von ihm behaupteten Ankündigung des Artikels von Göhre über den Glauben des Kaisers diesen Aufsatz als eine Demonsttatton gegen die vom Parteivorstand beabsichtigte„Unterdrückung der Meinungsfteiheit" bezeichnet, so wiederhole ich, daß dies falsch ist. Nach dem Zeit- Punkt, in dem jene Ankündigung erfolgt sein könnte, und auch im Hinblick auf das Schreiben des Parteivorstandes vom 28. Fe- bruar, das Herr Harden jetzt anzieht und das auch nicht eine Silbe von dem enthält, waS Herr Harden in der„Zukunft" Nummer 52, Seite 516 darüber behauptet hat. kann meine Frau nur davon gesprochen haben, daß es sich bei GöhreS beabsichtigter Ver- öffentlichung in der„Zukunft" um eine Spitze gegen gewisse Arttkel der„Neuen Zeit" handle. Herr Harden knüpft an seine falsche Darstellung dieses PnnkteS die unwahre Behauptung, daß er im April dieses Jahres den Verkehr mit dem Ehepaar Braun abbrach und fügt hinzu:„weil mir Dinge aus dem Privat- leben des Ehepaars zur Kenntnis gelangt waren, die mir einen weiteren Verkehr unrätlich erscheinen ließen". Für das, was in den angeführten Worten gegen mich gesagt wird, habe ich noch nicht einmal ein Achselzucken. Daß aber Herr Harden von meiner Frau, von der er weiß, daß sie alles, was ein Mensch für seine Neberzeugung opfern kann, geopfert hat: den Zusammenhang mit ihrer Familie, eine glänzende sociale Stellung, die Anwartschaft auf ein grohes Vermögen, daß Herr Harden von dieser Frau dergleichen zu sagen wagt, stempelt ihn zu einem Infamen, Berlin, 29, September 1993. Heinrich Braun. Herr Maximilian Harden und ich. Wie die Probelieferung eines Kolportageromans schließt Herr Marimilian Harden seinen Artikel im letzten Heft des 11, Jahr- ganges der„Fukunft" mit der Ankündigung, in der ersten Nummer des nächsten Quartals vernichtende Enthüllungen über mich zu bringen. Ich hätte den Neugierigen vielleicht die Spannung nicht verderben und Herrn Harden den Abfall gegen seine groß- artigen Versprechungen nicht ersparen sollen, aber ich höre, daß Parteigenossen jetzt ichon eine Aufklärung von mir'erwarten. Die gebe ich nun, so fchnell als es einem mit Pflichten für andere Ueber- lasteten möglich. Ich las Herrn Hördens Artikel Freitag abends, hatte den ganzen Sonnabend bis nachts 3 Uhr mit dringenden beruflichen und politischen Arbeiten zu thun, Sonntag vormittags Sprechstunde zu halten und mußte des Nachmittags nach Chemnitz zu einer Verteidigung reisen. Hier endlich finde ich nach Beendigung der Gerichtsverhandlung Muße zum Schreiben. Was wird Herr Maximilian Harden über mich enthüllen?— Zunächst wahrscheinlich das eine, daß ich nicht 3 bis 4, sondern im ganzen vielleicht 5 bis ö mal mit ihm in Restaurati onen zusammengetroffen bin, in der Mehrzahl der Fälle in einem Kreise, an dem neben einigen Politikern auch Schriftsteller, Damen und andre höchst unpolitische Personen teilnahmen: zweimal war ich allein mit ihm bei Josty, aus dem Präsentierteller von Berlin, Ich habe die Zusammenkünfte nicht nachgezählt, die Zahl ist auch lvirklich unerheblich angesichts der Thaffache, die ich nicht zu verheimlichen hatte, daß ich mit Herrn Harden zusammengetroffen bin. und wie ich offen hinzufüge, mit Vergnügen, Denn so unerträglich seine Gewohnheiten in der öffentlichen Diskussion sind, so liebenswürdig und zartfühlend gab er sich im Privatgespräch, und ich habe das Bedürfnis und lasse mir das Recht dazu nicht nehmen, nach der mühsamen Tages- arbeit, Erholung und Anregung außerhalb beruflicher oder politischer Fachsimpelei zu suchen. Leider habe ich selten genug dazu die Zeit, Bei einer dieser Zusammenkünste im letzten Winter gab der Artikel Bernhards über Parteimoral und der Angriff der„Neuen Zeit" darauf Anlaß, auf Mehring zu sprechen zu kommen, wobei Herr Harden erzählte, daß er interessante Briefe voir Mehring besäße, die er sich erbot, mir zu schicken. Einige Tage später kamen sie an. Ich wußte nichts von den publizistischen Streitigkeiten Mehrings mit Harden; ich bringe es schon seit vielen Jahren nur ausnahmsweise fertig, einen der Pfeil-Artikcl der„Neuen Zeit" zu lesen, für persönlichen Tratsch habe ich weder Sinn noch Gedächtnis, und noch bis heute habe ich nicht das Be- dürfnis gefiihlt, nachzulesen, was Mehring und Harden gegen einander geschrieben haben. Um so neuer und merkwürdiger waren mir daher die Briese Mehrings. In der That eine höchst interessante Korrespondenz! Aus der Feder Mehrings, den ich mir als grimmen Wolf kannte, ivahrhaft rührende Herzenstöne einer zärtlichen geduldigen Freundschaft, ein Bemühen, Hardens fremdartige Natur und sein Wollen zu verstehen, wie ich es nie für möglich gehalten hätte, Anerkennung und Förderung des Planes der„Zukunft", trotz- dem daß Harden damals längst seine Bismarck-Begeisterung ver- kündet und Socialdemokratcn in seiner bekannten Manier litterarisch gemißhandelt hatte. Daneben freilich auch andre Dinge, z. B, die Postkarte über Schoenlank. Ich schickte die Briefe mit Dank zurück. Ich muß bemerken, daß ich von meinen Schreiben an Herrn Harden im allgemeinen keine Kopien zurückbehalten habe, weil ihr Inhalt völlig gleichgültig war, Nur zwei erschienen mir wichtig genug dazu. Deshalb kann ich auch für die absolute Genauigkeit in der Reihenfolge nicht einstehen, In derselben Zeit schrieb ich Herrn Harden einige Zeilen über eine Theateraufführung und erhielt bald darauf von ihm seine Broschüre �tanlpfgenojse Sudermann" mit einer Dedtkalion und dem Motto.„II croit tout ce qu'il dit", auf deutsch:„Er glaubt alles, was er sagt". Ich fand, offen gesagt, dieses Wort Mrabeaus über den' philiströs trockenen Schwärmer Robespierre keine sehr passende Devise für dies Buch und sprach das aus, als ich mich be- dankte. Ich schrieb— ich kann nur aus dem Gedächtnis den Sinn reproduzieren—: „Das„il croit tout ce qu'il dit" würden Sie mit jedem sub- alternen Schwärmer teilen müssen. Die politische Wahrhaftigkeit zeigt sich vielmehr darin, daß man den Mut hat, nicht m e h r zu glauben, was man nicht mehr glauben kann, und nicht zu sagen, was man nicht mehr sagen kann. Diesen Mut haben Sie bewiesen," DaS war mehr als bloß eine Artigkeit. Vor etwa 16 Jahren, als ich noch mehr Zeit hatte, die Journale zu lesen, hatte ich die Entwicklung Hardens vom Freisinnigen zu dem Mann, der immer das Gegenteil sagt, genau beobachtet und den Ein- druck gewonnen, daß er sich aus Ueberzeugung von den Freisimiigen lossagte, Ich schickte Herrn Harden als Gegensendung einen juristischen Aufsatz von mir und bekam daraus am 6. April d. I. freundlichen Dank und folgende Anfrage: „ES wäre mir eine Freude, wenn ich Sie mit solchem Beitrag einmal in der„Zukunft" zu Gast sähe. Doch die neuesten Vorgänge werden Ihnen die Lust, die etwa dazu sich je geregt haben könnte, wohl genommen haben," Dies gab mir eine ganz erwünschte Gelegenheit, meinen Stand- Punkt in dieser Frage darzulegen; ein glattes Ja oder Nein oder gar ein Schweigen wäre Mißdeutungen nach dieser oder jener Seite ausgesetzt geweicn. Hier ist das Wesentliche des Briefes nach dem in meinen Händen befindlichen Entwurf; Anfang und Ende lasse ich weg, da sie Gleichgültiges betreffen. Berlin, den 3. April 1903. Sehr geehrter Herr Harden! ... Ihre Aufforderung, solche Arbeiten gelegentlich in der „Zukunft" zu veröffentlichen, habe ich keinen Grund abzulehnen, Ich bedauere es oft, daß das öffentliche Interesse für Fragen des Strafrechts, Staatsrechts, Prozeßverfahrens usw., eigentlich für alles außer gewissen Gegenständen des Privatrechts, in Deutschland so gering ist, und ich' sehe in der Erneuerung dieses Interesses ein Mittel politischer Fortentwicklung, Dazu scheint mir die„Zukunft", die von Angehörigen aller Parteien gelesen wird, die geeignetste Tribüne; sie hat auch schon eine Menge anregender Beiträge geliefert, und es läge durchaus im Interesse meiner Richtung, dort auch zum Wort zu kommen, Die Angriffe Mehrings würden für mich höchstens ein Antrieb mehr sein, Ihrer Aufforderung zu folgen. Ich werde stets das Recht unbeschränkten freien Worts für mich beanspruchen, aber es auch andren gönnen. Ich kann deshalb auch Ihnen so wenig übel- nehmen, wenn Sie sich persönlich gegen die Bezeichnung„Brot- Wucherpolitik" zu verwahren gesucht haben, wie ich auf den Gebrauch dieser sachlich bezeichnenden polemischen Wendung verzichten werde, Angriffe auf meine Partei, auch wo ich sie für persönlich ungerecht halte, würden mich nicht abschrecken. Ich halte Empfindlichkeit in der Politik für eine der größten Schwächen, Ich würde nicht be- fürchten Ihre abweichenden politischen Anschauungen zu fördern, wenn ich m e i n e in der„Zukunft" auseinandersetzte, noch weniger natürlich durch Erörterungen über mehr neutrale Stoffe. Ich habe es für einen sehr glücklichen Gedanken gehalten, daß die„Zukunft" ein Diskussionsorgan werden wollte, das allen Rich- tungen offen stünde, und woraus jeder aus der Feder bedeutender Mitglieder gegnerischer Parteien auch deren Auffassungen kennen lernen könnte. Solch besseres gegenseitiges Verständnis der Parteien würde die politischen Kämpfe nicht abschwächen, sondern würde sie klarer machen und mehr auf das Wesentliche richten. Die eigent- lichen Parteiblätter sind— überladen mit notwendiger täglicher Polemik— weniger geeignet, dies Verständnis zu vermitteln. Wenn die„Zukunft" nicht ganz so allgemeine Tribüne für alles Sagenswerte geworden ist, so sehe ich darin eine Folge der politischen Rückständig- keit Deutschlands. / Also wie gesagt, ich fühle mich nicht genötigt, grundsätzlich abzulehnen. Freilich kann ich Ihnen auch kein Versprechen machen, Ich habe stets so viel zu thun, daß ich wirklich nur schreiben kann, wenn ich muß. Der Aufsatz in den„Socialistischen Monatsheften", den ich bei Muße in zwei Tagen und mit den, größten Vergnügen geschrieben hätte, hat mir monatelang die Qualen eines uneingelösten Versprechens und einer vielfach unterbrochenen, stets wieder neu zu beginnenden Arbeit verursacht. Das reizt mich nicht zur Wieder- holung. Vielleicht kommen aber einmal bessere Zeiten.... Das war damals meine Ansicht von der Sache, und theo- r e t i s ch halte ich auch heute noch den Gedanken einer allen Parteien offen stehenden litterarischen Tribüne für sehr gut, wie ich auch auf dem Parteitage betont habe. Praktische Erwägungen aber würden mich in der konkreten Frage der Mitarbeit an'der„Zukunft" heute zu einer andren Stellung veranlassen, worüber weiter unten. Dieselben in dem Briefe ausgesprochenen grundsätzlichen Motive hatten mich schon vorher bewogen, mich der Beschwerde Brauns und Göhres gegen die Kautskyschen Ausfiihrungen auf S, 605 und 606 der„Neuen Zeit" anzuschließen, obgleich ich persönlich dabei g a r n i ch t i n t e r e s s i e r t w a r. Ich hatte aus Kautskys Worten die Anschuldigung gegen Göhre und Lilly Braun herausgelesen, daß sie durch ihre Artikel in der„Zukunft" sich mit Hardens Angriffen gegen die Partei identtfizietten nnd eine gegnerische Politik unterstützten. Dies mußte ich angesichts des Inhalts ihrer Artikel als eine Unwahrheit empfinden, und deshalb protestterte ich dagegen. Der Protest be- zweckte nicht, die„Neue Zeit" in ihrer Meinungsäußerung zu be- Ichränken, sondern lediglich die Einstellung einer so unerfreulichen Polemik vor den Wahlen herbeizuführen. Die Antwort des Parteivorstandes, der die Aeußerungen Kautskys harmloser auffaßte, war mir zwar nicht ganz überzeugend, aber die Angelegenheit er- schien nur nicht wichtig genug, um ihr noch mehr Zeit zu widmen, Ich dachte, daß diese ganzen widerlichen Kleinigkeiten im Sieges- jubel über die Wahl verklingen würden. Leider täuschte ich mich, Je näher wir dem Parteitage kamen, desto mehr wurde geschürt, und es schien, als ob auch die Frage der Mitarbeit an bürgerlichen Blättern zu einem Teil der Hetze gegen die„Revisionisten" gemacht werden sollte. Zu meiner Information bat ich Hern, Harden um den viel erwähnten, mir nicht bekannten Primadonnen-Artikcl und erhielt außer ihm eine ganze Meng« andrer Hefte der„Zukunft". Ich traf mich auch mit Herrn Harden persönlich noch einmal, am 21. August. Mein Zweck war, ihn zu fragen, ob er mir gestattete, gewisse Momente aus einer gewissen Angelegenheit zur Sprache zu bringen. Ich erhielt die Erlaubnis, habe sie aber bisher nicht benutzt und werde es auch ohne Nrt nicht thun, Ich erholte mich darauf einige Tage im Gebirge, mit ver- nünfttgeren Dingen beschäftigt. Da erhielt ich in Tegernsee die „Leipziger Volkszeitung" Nr, 203 vom 9, September mit dem Artikel Mehrings, der mir zeigte, daß in der That der Kampf gegen die Mitarbeit an der„Zukunft" den- Delegierten als erste große Haupt- und Staatsaktion des Partettages vorgespielt werden sollte. Obgleich ich persönlich nicht als Mitarbeiter der„Zukunft" in Frage kam, mußte ich erwarten, daß infolge meiner Mitunterschrift unter der Beschwerde auch ich in die Angriffe hineingezogen werden würde. Der Verlauf hat ja auch gelehrt, daß man sogar von Artikeln in bürgerlichen Blättern aus meiner Feder fabelte, die ich nie ge- schrieben habe, Mehring selbst aber gab mir zugleich einen vorttefflichen Finger- zeig, wie man sich im Falle eines Angriffs seiner zu erwehren hätte, Er schrieb von Harden und der„Zukunft": „Seine Aufforderung, für dies Blalt mitzuarbeiten, habe ich von vornherein abgelehnt, weil ich inzwischen be- stimmte Gründe fiir den Verdacht erhalten hatte, daß Herr Harden sich an Bismarck verkauft habe oder verkaufen wolle," Ich aber wußte aus den Briefen, die ich gelesen hatte, daß das eine Unwahrheit war. Ich wußte. daß Mehring, als die „Zukunft" begründet wurde, ganz anders über Hardens Bismarck- Schwärmerei geschrieben und seinen Glauben an die Reinheit von Hardens Motiven vielfach ausgesprochen hatte. Ich wußte. daß er auch die Mitarbeit nicht von vornherein abgelehnt, sondern ausdrücklich zugesagt, daß er sich, wenn man seinen Mitteilungen glauben darf, bei Bebel und Liebknecht für die„Zukunft" verwendet, und noch am 14. Oktober 1892, nachdem schon mehrere Nummern der Zeiffchrift erschienen waren, selbst Herrn Harden einen Artikel über „Die Krise in der freien Volksbühne" angeboten hatte, der abgelehnt wurde, und daß darauf erst sein Bruch mit Harden eingetteten war. Das alles belegten diese Briefe und ich sagte mir: das ist der Beweis gegen Mehring, nicht für eine viele Jahre zurückliegende Schlechtigkeit, sondern für eine heute, am 9, September 1903, gegen die Genossen verübte Täuschung! Deshalb bat ich Herrn Harden telegraphrsch, mir die Original- briefe noch einmal zu senden. Ich bin nicht in die Lage gekommen, davon Gebrauch zu machen, weil ich persönlich nicht so angegriffen wurde, daß es mir gelohnt hätte. Bernhard aber hat zwei der ihm schon länger bekannten Postkarten angeführt. Inzwischen hatte ich aber von Herrn Harden noch einen Brief erhalten, dem ein ähnlicher nach Dresden gefolgt ist, worin er durch Citate aus seinen Arttkeln beweisen wollte, daß er neben seinen abschätzigen Aeußerungen auch Anerkennendes über die Socialdeino- kratie geschrieben hätte. Auch über den Artikel des Professors Joest äußerte er sich; beides entsprach etwa dem, was er nachher an den Parteitag geschrieben hat. Ich antwortete ihm folgendes: Tegernsee, den 11. September 1903. Geehrter Herr Harden! ... Ihr Schreiben ist mir erst auf Irrwegen nachgegangen, Heute habe ich den Artikel der„Leipziger Volkszeittmg" gegen Sie erhalten und Sie telegraphisch um die bewußten Originalbriefe gebeten. Ob und wie sie verlvendet werden, kann ich natürlich noch nicht sagen. Ich selber habe den Wunsch, möglichst wenig in die Debatte einzugreifen, Ilm auf Ihren Brief zurück zu kommen, so kann ich weder das, was Sie über die Socialdemokratte geschrieben haben, noch das, was die„Zukunft" über Rußland und Kennan gebracht hat, billigen oder zu rechtfertigen suchen. Daß ich nicht an die ehrenrührigen Beweggründe glaube, die Ihnen Mehring und seine Leute unter- stellen, brauche ich nicht zu sagen, ich glaube sogar zu verstehen, wie Sie dazu gekommen sind, dergleichen aufzunehmen, indessen psychologische Erklärungen, die immer nur Ver- mutungen bleiben müßten, kann man bei solcher Gelegenheit nicht auftischen, Sie werden sich also nicht wundern, wenn ich Sie in dieser Beziehung preisgebe, natürlich nicht ohne wahrheitsgemäße Hervorhebung, daß Sie sich über die Bedeutung der Socialdemokratte für die Arbeiter auch anerkennend ausgesprochen haben, wozu ich noch Gelegenheit zu finden denke. Heut nur soviel, daß meines Erachtens bei Ihnen, sowohl wenn Sie bewundern, als wenn Sie angreifen, ästhetische Rücksichten sehr stark mitwirken, die Freude an einer wirklichen oder scheinbaren geschlossenen Einheit einer Persönlichkeit, Partei. Sache oder auch einer Redewendung, Das macht Ihre Kritik immer anregend, aber für praktische Politiker selten ohne Vorbehalt annehmbar. Sie werden mir dies Urteil um so weniger übel nehmen, als Sie wissen, daß ich, ohne meine eigne gerade entgegengesetzte Weise aufzugeben, jeder Individualität ihr Recht zuerkenne,... Auf dem Parteitag nahm ich dann das Wort, wie aus dem Bericht bekannt, hauptsächlich um fiir Bernhard und Herrn Harden einzuttcten und nach der Sttmme der Leidenschaft auch die der ruhigen Vernunft zu Worte kommen zu lassen. Hätte ich mich, lvie Herr Harden behauptet, gefürchtet, so hätte ich ja ganz schweigen können. Ich schickte dann von Dresden aus mit kurzen formellen Begleitworten an Herrn Harden den Bericht des„Vorwärts" über meine Rede mit denselben Korrekturen kleiner Ungenauigkeiten, die ich für den Buchbericht angebracht habe, weil ich das fiir eine Anstandspflicht hielt, und später die Originale der Mehringschen Briefe, Das sind meine beiden Briefe aus Dresden, von denen Herr Harden spricht; ich habe sie ihrer Inhalt- losigkeit halber nicht kopiert; Herr Harden dürste sich, wie er schon in einem früheren Falle gethan, darauf berufen, daß sie mit „Sehr geehrter Herr" anfangen und mit„Hochachtungsvoll crgebcnst" schließen. Soweit die Thatsachen, Herr Harden behauptet, ich hätte auf dem Parteitage nichts erfahren, das mein Urteil hätte ändern können. Darauf eine Antwort: Ich muß scheiden zwischen meinem Urteil über die M i t a r b e, t an der„Zukunft" und über Herrn Hardens Person« l i ch k e i t, Wenn die Mitarbeiterfrage rein theoretisch zu ent- scheiden wäre, würde ich, wie schon bemerkt, heute noch an dem fest« halten, was in meinem Briefe vom 8. April steht. Aber die auf dein Parteitage gewonnene Erfahrung, daß auch viele Genossen, die nicht durch persönliche Gehässigkeiten verblendet sind, mit Miß« trauen und Abneigung die Mitarbeit an einem Blatte betrachten, worin über die Partei solche Ausdrücke gefallen sind, wie in der „Zukunft" haben meine Ansicht über die p r a kti s ch e»Z ul ä s si g« keit geändert, Demi solche Gefühle sind eine reale Thatsache, die die der Politiker respektieren mutz, Um Mißdeutungen vorzubeugen: gewiß soll der Führer sich nicht zunr ivillenloscn Spielball der Volksstimmungcn hergeben. Wer der Masse zuliebe thut was Ehre und Pflicht verbieten oder unter- läßt was sie erheischen, ist ein verächtlicher Demagoge; aber in Dingen,-die man thun oder auch lassen kann, ohne Ehre und Pflicht zu verletzen, soll der VolkSmann, der„Viele befteien", das heißt „Vielen dienen will", nicht gegen das Empfinden seiner Genossen handeln. Und dann kommt noch dazu: als ich kurz vor dem Parteitag die Hefte der„Zukunft" durchsah, die ich teils nur flüchtig. teils vor längerer Zeit, teils noch gar nicht gelesen hatte, fand ich zwar alle Stellen, die mir Herr Harden als Beweis einer gewissen Objettivität gegen die Partei angemerkt hatte, aber ich empfand auch den G c s a m t e i n d r u ck, und der war vielfach doch so, daß es mich nicht mehr wunderte, wenn die Genossen stärkere Empfindungen der Kränkung dabei hatten. Und endlich: Herr Harden hatte mir über den Joestschen Arttkel dieselbe Auffassung mitgeteilt, die er an den Parteitag geschrieben hat, wonach JoestS Aeußerungen sich nur auf Verbannte bezögen, die sich fälschlich als Polittsche aus- gegeben hätten. Auf dein Parteitage erfuhr ich, daß der Artikel auch Stellen enthält, die gegen wirkliche poli- ttsche Verurteilte gerichtet sind, und die nicht Ansichten. sondern lediglich Ausbrüche der Roheit gegen diese bedeuten. Diese Stellen hatte Herr Harden mir nicht mitgeteilt, Und nun ein Wort über Herrn Harden als Persönlich» keit. Ja er hat recht, ich habe auf dem Parteitag nichts erfahren. das mein Urteil über ihn geändert hätte, und auch heute noch, wo er mich aufs gröbste beschimpft hat, bin ich dadurch nicht überrascht. Wenn diese Zeilen in die Hände der Leser kommen, dürfte auch der gesamte Gifterguß des Herrn Harden gegen mich schon gedruckt sein, ich brauche also nicht zu fürchten, daß er sich einreden könnte, ich wollte ihn fiir mich einnehmen, wenn ich versuche, ohne Eifer und Zorn über ihn zu sprechen. Ich kenne ihn wirklich nicht genau genug, um seine komplicierte Psycke sicher zu sezieren und analysieren,' aber aus seinem Handeln und seinen Schriften entnehme ich dies: Ein großes Talent, aber ein unglücklicher Mensch, unglücklich durch die Natur, die seinen Charakter aus Elementen des Mannes wie des Weibes gemischt hat. Ein Mann in seinem Mut, seinem Ernst, seinem Fleiß, ein Weib in seiner fast krankhaften Reizbarkeit, seiner Koketterie, und nicht zuletzt in seiner Fähigkeit, zu schimpfen und um Kleinlichkeiten zu zanken, Kein Feind hat ihm je so geschadet, wie er sich selbst durch seine polemischen Gewohnheiten. Aber was er auch andren, was er Socialdemokratcn angethan haben mag, die Schimpfworte, die über ihn als Person in Dresden ausgeschüttet worden sind, waren nicht berechtigt, Ich habe in Dresden dagegen Verwahrung eingelegt, und bin in meiner Weise für Herrn Harden eingetreten, aus bloßem Gerechtigkeitsgefühl, ohne jeden Zwang, da ihm das nicht genug war, beschimpft er mich in unnobler Weise, Was soll man dazu sagen?— Man muß mit den Achseln zucken, manches seiner nicht unberechttgten Erregung zu gute halten und sich bemühen, nicht auch zu schimpfe», Chemnitz, 28. September 1903. Wolfgang Heine. Sociales. Braunsteinstaub. In den chemischen Fabriken, in denen Chrompräparate her- gestellt tverdcn, und zu diesem Zwecke eine Zerkleinerung des Roh- Materials, des Chromeisenstcins erfolgt, macht sich schon seit Jahren eine empfindliche Gesundhcitsschädigung der Arbeiter durch den dabei entstehenden Staub bcmerklich, die namentlich die Schleimhäute der Nase befällt und häufig zu einer vollständigen Durchlöcherung der Nasenscheidewand führt. Diese Gesundhcitsschädigungen der Chrom- arbeitcr nehmen so sehr zu, daß der Reichskanzler veranlaßt wurde, durch die Bekanntmachung vom 2, Februar 1897 Matznahmen zur möglichsten Verhütung derselben anzuordnen. Seitdem sind diese Erkrankungen zwar nicht ganz verschwunden, aber sie haben doch ivesentlich abgenommen. Bei einem andren Material, das ebenfalls in der chemischen Großindustrie verwendet wird, so zur Herstellung von Sauerstoff, von Chlor und von Kaliumpermanganat sowie in der Glasfabrikation, dem Brannstein, hielt man bisher in den chemischen Fabriken keine besondere Schutzmaßnahmen gegen den Einfluß de» beim Zerkleinern des Minerals entstehenden Staubes für nötig. Der Gewerbe-Jnspektor in Hamburg teilt aber in seinem Bericht über das Jahr 1902 mit, daß in einem dortigen Fabrikbetricbc sich bei drei Arbeitern auffällige Krankheitserscheinungen zeigte», die sich durch schwere nervöse Störungen sehr charakteristischer Art. wie masken- artiger Gesichtsausdrnck, Zwangslachen, heftiges Zittern, Rückwärts- gehen, Lähmungen und Spannungen der Aiuskulatur kundgaben. Da diese Arbeiter beim Zerkleinern und Zermahlen von Braunstein thätig gewesen waren, so werden ärztlicherseits die Erkrankungen auf Ver- giftung durch Einatmung von Braunsteinstaub zurückgeführt. Die Erkrankungen waren sehr schwer und einer ärzt- lrchen Einwirkung kaum zugänglich. Obgleich die Zerkleinerungsmaschine vollständig dicht umkleidet und die Arbeits- räume mit einer mechanisch betriebenen Entlnftungseinrichtung ver- sehen waren, zeigte sich doch in der Atemluft fein zerteilter Braun- steinstaub, Ten Unteniehmern wurde daher aufgegeben, die Staub- beseitigung so umzuändern, daß die Absaugung der Lust ungefähr ein Meter über dem Fußboden erfolgt, damit die oben zutretende frische Luft frei von Braunsteinstaub bleibt, nnd dieser von den Arbeitern nicht eingeatmet werden kann. Ferner wurde angeordnet, daß die Arbeiter in Zwischenräumen von 14 Tagen einer ärztlichen Unter- suchung unterzogen werden müssen, deren Ergebnisse in ein besonderes darüber zu führendes Buch einzutragen sind. Den Unternehmern wurde außerdem aufgegeben, wenigstens alle 4 Wochen einen Wechsel m der Beschäftigung der Arbeiter eintreten zu lassen. Ferner wurden die Arbeiter darauf aufmerksam gemacht, die vorhandenen Wasch- und Badeeinrrchtungen ausgiebig zu benutzen und namentlich vor dem Essen und Trinken Hände und Gesicht gründlich zu reinigen. Seitdem diese Anordnungen befolgt werden, sind in der Hmn- burger Fabrik weitere Erkrankungen nicht mehr vorgekommen, ein Beweis, daß dieselben durch die Anwendung der angeordneten Maß- regeln und die größere körperliche Sauberkeit der Arbeiter vermindert werden können. Da aber der Braunstein außer in Hamburg noch anderwärts in zahlreichen chemischen Fabriken usw. verwendet wird — im Jahre 1901 wurden im ganzen ca, 125 000 Tonnen davon verbraucht— und er jedenfalls in diesen dieselbe schädliche Wirkung mehr oder weniger ausfällig ausübt, so wäre es geboten, daß die hier angeordneten Maßregeln, die sich als zweckmäßig erwiesen haben, vom Reichskanzler ebenso wie die betreffs des Chronialkalis für das ganze Reich angeordnet würden. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, 30. September. Anfang 7, Uhr: Opernhaus. Orpheus und Eurydike. Schauspielhaus.. König Johann. Westen. Die beiden Schüßen. Leffing. Der blinde Passagier. Berliner. Kater Lampe. Residenz. Sphing. Das beste Mittel. Deutsches. Monna Vanna. Central. Bruder Straubinger. Thalia. Der Hochtourist. Anfang 8 Uhr: Nenes. Der Kammerfänger. Salome. Schiller O.( Wallner- Theater.) Der Bibliothekar. Schiller N.( Friedrich- Wilhelmstädt.) Was ihr wollt. Kleines. Nachtasyl. Luisen. Einer von unsre Leut'. Trianon. Die Liebesschaukel. Carl Weik. Amor in Wichs. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Urania. Taubenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr: Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Mittwoch abend 8 Uhr: Der Bibliothekar. Schiller- Theater N. ( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Mittwoch abend 8 Uhr: Was ihr wollt. Von der Zugspitze Gwant in alten von G. v. Moser. Lustspiel in 5 Akten v. W. Shakespeare. zum Watzmann. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. Castans Panopticum Friedrichstr. 165 Lebend!! die zusammengewachsenen Schwestern 20 Jahre alt. Violin Vutusoinnen! Donnerstagabend 8 Uhr: Der Fleck auf der Ehr'. Freitagabend 8 Uhr: Der Fleck auf der Ehr'. Donnerstagabend 8 Uhr: Der Bibliothekar. Freitagabend 8 Uhr: Der Talisman. IX. Berliner Saison. Cirkus Busch. Mittwoch, den 30. September, abends 7, Uhr: ,, Berliner Winterfreuden" Claire Heliot, Die berühmte Löwenbraut. Paul Mündner, der Sprung durch den ganzen Cirkus und Schleifenfahrt. Eine Hirschjagd, geritten mit 20 Voll- u. Halbblutpferden und Riesenprogramm. Bernhard Rose- Theater Cirkus Gesundbrunnen, Badstraße 58. OOLOGISCHER Mittwoch, den 30. September 1903: Z Die Löwenbraut. Apollo. Die Liebesinsel. Specialitäten. Winter- Garten. Specialitäten. Metropol. Neuestes! Allerneuestes! Baffage- Theater. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Casino. Tolle Kadetten. Specialitäten. Palast. Genießet das Leben. Specialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Von der Zugspitze zum Waßmann. Invalidenstraße 57/62. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Central- Theater Abends 72 Uhr: Novität! Bruder Straubinger. Dperette in 3 Atten v. Edm. Eysler. Morgen u. folgende Tage: Bruder Straubinger. Täglich ab 4 Uhr nachmittags: Gr. Militär- Konzert. Entree 1 M., ab 6 Uhr 50 Pf. Kinder unter 10 J. die Hälfte. In der Arena: Raubtier- Spielschule. 6 Löwen, 1 Leopard, 1 Hyäne, 1 Bär. Vorstellungen: Wochentags 32 u. 5 Uhr, Eintritt: Sperrsitz 1 M., Stehplatz 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Sonntagnachmittag: Bettelstudent. Casino- Theater. Abends: Bruder Straubinger. Residenz- Theater Direktion S. Lautenburg. Anfang 72 Uhr. Das befte Mittel. Schwant in 3 Aften von A. Bisson. Deutsch von B. Jacobsohn. Vorher: Sphing. Morgen und folgende Tage: Die felbe Borstellung. Sonntagnachm. 3 Uhr: Winterschlaf. Trianon- Theater. Georgenstraße, zwischen Friedrichund Universitätsstraße. Lothringerstraße 37. Anfang 8, Sonntags 7, Uhr. Zum 26. Male: Colle Kadetten. Contagnagmittag& Use: Unfer Goldjunge. 4 Carl Weiss- Theater. Große Frankfurter Straße 132. Amor in Wichs. Gr. Ausstattungs- Operette in 4 Aften ( 7 Bildern) von Ernst Ritterfeldt. Anfang 8 Uhr. Morgen: Amor in Wichs. Sonnabendnachm. 4 Uhr: Kinderborstellung: Max und Morių. Die Liebesschaukel. Apollo- Theater. Donnerstag: Die Notbrücke. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Einer von unsere Leut'. Bosse mit Gesang von D. Stalisch. Donnerstag zum erstenmal: Krieg im Frieden. Freitag: Krieg im Frieden. Sonnabend: Einer von unsere Leut'. Sonntagnachm. 3 Uhr: Der Pfarrer bon Kirchfeld. Abends 8 Uhr: Krieg im Frieden. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a- 5. Salome. Borher: Der Kammersänger. Anfang 7, Uhr. Zum 147. Male: Die Liebes- Insel mit dem grandiosen Post- Ballett. Clermonts Cirkus Barnum u. Bailey. Nur noch bis 30.September Miss Mildred de Grey Original- Barfuss- Tänzerin. Messters Biophon, Feb.u. Sprech. Photographie. Montrell. Pöttingers Damen- Quintett. In Vorbereitung: Frühlingsluft. W. Noacks Theater. Direktion: Robert Dill. Brunnenstrasse 16. Des Lebens Mai. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Donnerstag: Extra Elite Vorstellung: % Kleines Theater. Dir. Rob. Dill als Don Cesar. Unter den Linden 44. Nachtasyl. Anfang 8 Uhr. Deutsch- Amerikanisches Theater ( fr. Buntes Theat.), Stopnickerstr. 67/68. Jeden Abend Anf. 8 Uhr. Gastspiel Adolf Philipp. Der Sensations- Erfolg Ueber'n großen Teich Heitere Bilder mit Gesang aus dem Leben der Deutsch- Amerikaner in 5 Abt. Billets 4 Wochen im voraus. Fröbels Allerlei-Theater fr. Puhlmanns Vaudeville- Theater, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Fröbel. Sonntag, den 4. Oktober 1908: Extra- Borstellung der beliebten Norddeutschen Sänger. Nach der Vorstellung: um 10 use: Um 10 Uhr: Großer Extra- Ball. Anfang b. 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September 1903. In manchen der schwächstbesuchten Bibliotheken ist die Ausleihe Der letzte Fall der Anklage, der hierauf verhandelt wird, be- In den 28 Volksbibliotheken ist die Zahl der ausgeliehenen Der Streik der Omnibus- Angestellten. trifft den dem Angeklagten Bolzin gemachte Vorwurf der Be- Bände von 1901/02 au 1902/03 von 973 384 auf 1197 922 gestiegen. stechung. Bolzin war von Courths wegen Wuchers angezeigt worden, An der Spize stehen, wie seit Jahren, wieder die 20. und die Wie aus dem gestrigen Situationsbericht Werners hervor- und der Angeklagte Baganz, der über die ganzen Polzinschen Ehe- 1. Bibliothek( Navené- und Mohrenstraße), diesmal mit 160 405 und ging, ist der Stand des Streits auch jetzt noch unverändert. Von den scheidungssachen genau unterrichtet war und mit Courths in so naher 118 706 ausgeliehenen Bänden. Streifenden sind indessen seit gestern 12 Mann abgefallen. Der Verbindung stand, hatte Kenntnis davon, daß bei der StaatsanwaltDer Bericht weist darauf hin, daß Direktion ist noch immer nicht möglich gewesen, den gesamten Verkehr schaft eine anonyme Karte eingegangen war, die den Zweck hatte, die 20. Bibliothek, obwohl ihr Bücherbestand nur 8131 Bände umauf allen Linien aufzunehmen. Sie hat nun versucht, gestern sieben Polzin als fluchtverdächtig hinzustellen und seine Verhaftung herbei- faßt, im Laufe eines Jahres mun bereits halb so viel Bände ausLinien nach 6 Uhr abends verkehren zu lassen, doch sind die Wagen zuführen. Eines Abends erschien Frau Baganz in der Wohnung leiht, wie die mit 1 000 000 Bänden ausgestattete königliche Bibliothek. auf mehreren Linien schon um 8 Uhr wieder ins Depot beordert des Angeklagten Polzin, stellte sich als die Frau eines Gerichts- Die am wenigsten benutzten Volksbibliotheken sind wieder die 14. worden, we fic teilweise in beschädigtem Zustande anlangten. Trotz sekretärs bor und teilte ihm mit, daß seine Verhaftung und die 25.( Schmid- und Fruchtstraße). Sie haben diesmal nur massenhaften Polizeiaufgeboten find nämlich an mehreren Wagen die ihm drohe. Sie will zu diesem Gang aus reinem 13 734 und 11 875 Bände ausleihen können. Fenster eingeworfen und sonstige Beschädigungen vorgenommen Mitgefühl bewogen worden sein, da es sowohl sie selbst als auch worden. Der Referent sprach sein Bedauern über derartige Vor- ihrem Mann empörte, daß man Herrn Polzin nicht nur sein Weib Sie pflegt aber rasch wieder kommnisse aus, konnte jedoch mitteilen, daß nach seinen Infor- genommen habe, sondern nun auch noch durch die Courthesschen ziffer schon seit langem im Rückgang. mationen Streifende an jenen Ercessen nich i beteiligt waren. Im Machinationen ihm seine Freiheit nehmen wolle. Polzin wollte die in die Höhe zu gehen, wenn für solche Bibliotheken täglicher Betrieb Laufe des Tages find nun einer weiteren Anzahl Ausständiger jene Nachricht von der ihm drohenden Verhaftung nicht glauben und eingeführt wird und die Abendstunden dazu bestimmt werden. Jm Karten übermittelt worden, in denen sie unter Androhung, strafrecht- Frau Baganz holte darauf ihren auf der Straße wartenden lezten Jahre haben wieder sechs Bibliotheken den täglichen Betrieb lichen Vorgehens zur Abgabe ihrer Garderobestücke aufgefordert Ehemann herauf. Dieser zeigte ihm die auf die drohende erhalten, und diese sechs haben dann sofort eine Steigerung der werden. Allgemeine Entrüstung erregte auch heute die Behauptung Berhaftung bezüglichen Schriftstücke, die er aus den Staats- Ausleiheziffe von zusammen 116 515 Bänden auf 262 197 gehabt. der Direktion von dem angeblich begangenen Kontraktbruch der anwaltschafts- Atten mitgebracht hatte und beide berieten, welche Hiernach kommen von der Steigerung der Gesamtausleiheziffer aller Streifenden. Von einem Kontraft im eigentlichen Sinne des Wortes Schritte zu thun seien, um der Courthsschen Machenschaft entgegen- Bibliotheken, die sich auf 224 538 Bände stellt, auf die erwähnten könne gar keine Rede sein, denn nur ein Teil der Angestellten hatte zuwirken. Es wurde verabredet, daß Baganz in einem anonymen sechs Bibliotheken allein 145 682 Bände. Täglich geöffnet sind jetzt eine dreitägige Kündigung, die übrigen konnten gehen, wann es Schreiben an Polzin diesem die Nachricht von der ihnen beliebte, auch konnten sie Knall und Fall entlassen werden. brohenden Verhaftung 13 Bibliotheken; nur eine davon, die in noch wenig bebauter StadtEine Art Kontraftverhältnis, wie es die Ausständigen in ihrer aus. Nur dreimal in der Woche geöffnet sind noch 15 Bibliotheken; gegend nahe der Stralauer Allee liegt, lieh unter 40 000 Bände Forderung der 14tägigen Kündigungsfrist festgelegt zu wissen teine von ihnen konnte über 40 000 Bände ausleihen. wünschen, hat die Direktion ja bekanntlich abgelehnt, weil sie keinen ontraft" wünschte. Uebrigens war das Arbeitsverhältnis der jenigen Arbeiter mit der dreitägigen Kündigungsfrist bereits vor Beginn des Streits gerade durch die Direktion gelöst worden, indem sie durch ihren Ukas jedem die sofortige Entlassung an brohte, der an der beschlußfassenden Versammlung teilnehmen würde. Den Streifenden wurde infolgedessen nochmals geraten, die betreffen den Sachen nur dann abzuliefern, wenn ihnen die Direktion die gleich zeitige Aushändigung ihres rückständigen Lohnes, ihrer 50 bis 75 W. betragenden Kaution sowie ihrer Papiere zusichert. Sodann kamen mehrere kraffe Fälle des vor dem Streit geübten rigorosen Straf: ſyſtems bei der Geſellſchaft zur Sprache, die in argem Mißverhältnis zu der jebigen liebenswürdigen Behandlung der Streifbrecher stehen. Ein Schaffner wurde mit einer Strafe von 3 M.( bei einem Tagesberdienst von 2,50 M.) belegt, weil er anstatt der schwarz gedruckten Fahrscheine solche mit Rotdruck verausgabt hatte. Ein Erkrankter. der sich den ärztlichen Anordnungen nicht in allen Teilen gefügt hatte, wurde mit 20 m. bestraft, bei einem Monatsverdienst von 80 M. Wieder ein andrer Erkrankter mußte 7 M. Strafe zahlen, weil er sich an dem Morgen, wo er krant wurde, nicht rechtzeitig entschuldigt hatte. Bei einem so willkürlichen Strafverfahren mußte den Angestellten schließlich die Galle überlaufen, ganz abgesehen von der miserablen Entlohnung und der überlangen Arbeitszeit. geben, Bolzin sich damit zum Oberstaatsanwalt begeben und diesen davon überzeugen sollte, daß von einem Fluchtverdacht gar keine Rede sei und gegen ihn nur Schurkenstreiche verübt würden. Es gelang ihm denn auch, den gegen ihn beabsichtigten Schlag auf diese Weise Der gewaltige Aufschwung, den das städtische Voltsbibliotheks. unwirksam zu machen. Courths hat dann noch einmal versucht, die wefen genommen hat, seit mit der Einführung täglichen Betriebes Verhaftung des Angefl. Polzin durch die Behauptung der Kollusions begonnen wurde, fällt besonders auf, wenn man um zehn Jahre gefahr zu veranlassen. Auch hiervon wurde dem Angeklagten rückwärts blidt. Im Etatsjahr 1892/93 wurden 363 155 Bände ausBolzin telephonisch Kenntnis gegeben. behauptet, daß auch er lediglich aus Mitgefühl mit Bolzin mal fo groß. Und diese Zunahme ist nicht etwa dem bloßen Unter- Der Angeklagte Baganz geliehen im Etatsjahr 1902/03 war die Ausleiheziffer über dreidiesen vor den Verfolgungen des Courths habe schützen wollen. Erhaltungsbedürfnis zu gute gekommen. Wenn die schöne Litteratur hat aber weiterhin 300 M. von Polzin erhalten, über deren Be Deutschlands und des Auslandes samt den Jugendschriften sowie die deutung Polzin und Baganz verschiedener Meinung sind. Ersterer Deutschlands und des Auslandes samt den Jugendschriften sowie die behauptet: die Schwester Polzins sei eines Tages bei ihm erschienen Zeitschriften und Sammelwerke zur Unterhaltungslektüre" gerechnet und habe ihn gefragt, wie sich ihr Bruder erkenntlich zeigen könne. werden, so stieg bei dieser die Ausleiheziffer in 10 Jahren von Darauf habe er gesagt, daß ihm mit 1000 m. sehr gedient sein 812 718 auf 1001 735, also auf das Dreifache. Dagegen ist bei der würde. Polzin habe ihm alsdann 300 M. zugesandt mit dem Be- wissenschaftlichen Lektüre, d. h. Naturwissenschaften und Technik, merken, daß er die restierenden 700 M. zu Neujahr erhalten würde. Staats- und Rechtswissenschaft, Geschichte und Geographie, Philosophie, Der Angeklagte Polzin behauptet dagegen, daß sich Baganz mit Kunst usw. usw., die Ausleiheziffer von 50 462 auf 196 187, also auf der Bitte um ein Darlehn an ihn gewandt habe. bei Polzin vorgenommenen Haussuchung sind die Abschriften von Bei einer später fast das Vierfache gestiegen. Beugenaussagen aus der Wucheraffaire vorgefunden worden. Baganz Aehnliche Fortschritte wie die Bibliotheken haben die Lesehallen hat früher erklärt und erklärt auch jetzt, daß er diese Abschriften au gemacht. Sie sind im letzten Jahre von 6 auf 11 vermehrt worden Polzin gegeben. Letzterer bestreitet dies entschieden; er will die und die Besucherzahl hat sich von 79 589 auf 120 976 erhöht. An betreffenden Notizen teils selbst angefertigt, teils von einer ganz dem Plus von 41 387 Besuchern sind noch 4 der älteren Resehallen andren Seite erhalten haben, die er aber nicht nennen will resp. mit 6174 beteiligt, während 2 davon eine Abnahme der Besucherzahl Weiter wurde mitgeteilt, daß es die Direttion abfann. Er behauptet auch, daß Baganz nicht öfter als höchstens zweimal um 1371 aufweisen. Die 6 älteren Lesehallen im ganzen hatten gelehnt hat, zu Verhandlungen vor dem Eini bei ihm gewesen sei. Die Behauptung des letzteren, daß dies gungsamte des Gewerbegerichts zu erscheinen. mindestens zehnmal gewesen, sei unrichtig. Er habe gewußt, daß hiernach eine Vermehrung der Besucher um 4803, bon 79 589 auf Sie beruft sich auf die Abmachungen mit dem sogenannten Zwölfer- Detektivs der Gegenpartei seine Wohnung beobachteten und er will 84392. Die fünf neueren wurden vorläufig von 36 584 Personen ausschuß, auch giebt sie an, Arbeitswillige in genügender Zahl zur deshalb seiner Schwester gesagt haben, sie solle ihn nur vor Baganz Verfügung zu haben. Eine andauernde Schädigung ihrer Einnahmen verleugnen, denn er wolle von dessen Mitteilungen gar nichts wissen. hält die Direktion für ausgeschlossen, weil ihrer Meinung nach der Die Schwester des Angeklagten bestätigt bei ihrer Bernehmung alle Omnibus das Verkehrsmittel der minder gut gestellten Bevölkerungs- diese Angaben ihres Bruders, doch bleibt das Baganzsche Ehepaar schichten sein und bleiben werde, die Arbeiter mithin direkt auf den bei ihren gegenteiligen Behauptungen über die Art und den Zweck Omnibusverkehr angewiesen seien. Nunmehr will die Streifleitung der Hingabe der 300 Mart. die Intervention des Oberbürgermeisters nach- Wie der Vorsitzende erwähnt, hatte sich herausgestellt, daß bei fuchen, eine Deputation der Streifenden soll baldmöglichst bei Herrn der Staatsanwaltschaft mehrere Aften gerade in Kirschner vorstellig werden. Da man sich aber auch von diesem Schritt teinen großen Erfolg mehr verspricht, so wurde den StreitenWucherprozessen besucht. Bei der Betrachtung dieser Fortschritte, die die städtische Verwaltung mit Stolz erfüllen, fällt uns immer wieder ein, wie spät das alles erreicht worden ist, weil man sich lange Zeit nicht entschließen mochte, im Bibliothekswesen der Stadt dem alten Schlendrian und der alten Knauferigkeit ein Ende zu machen. Auch daran werden wir durch den neuerlichen Aufschwung der städtischen Volksbibliotheken immer wieder erinnert, daß es Socialdemokraten waren, deren unablässigem Mahnen und Drängen wir das zu danken haben, socialdemokratische den geraten, sich unter der Hand nach andrer Arbeit umzusehen. So- fehlten, namentlich war aus den Akten Pariser ein wichtiger Stadtverordnete, die nicht müde wurden, auf den kläglichen Zustand lange die Streifenden jedoch keine anderweitige Beschäftigung er- Bericht der Polizei verschwunden. Auch in dieser Beziehung wurde der Volksbibliotheken Berlins hinzuweisen und Abhilfe zu fordern. langen sollten, werden nach wie vor die täglichen Versammlungen ab- Baganz verdächtigt, es hat ihm aber nichts nachgewiesen werden gehalten. Bis dahin wird der Streit auch nicht für beendet erklärt. können. Dagegen fehlte auch ein Aftenstüd Neugebauer aus schaft gehabt hat, rühmt sich gern seiner Leistungen im Unterrichts. Der Freifinn, der so lange in der Berliner Kommune die Herr Eine diesbezügliche Resolution fand einstimmige Annahme. einem dem Angeklagten nicht unterstehenden Decernat. Es stellte sich heraus, daß das J- Register gefälscht war und zwar nicht von der und Bildungswesen; auch in den nächsten Wochen und Monaten Hand des zuständigen Sekretärs und daß Aften fehlten. Der wird es bei der Agitation zu den Stadtverordnetenwahlen auf freiAngeklagte hat f. 8. dem Untersuchungsrichter auf dessen Vorhalt finniger Seite an solchem Rühmen wieder nicht fehlen. Aber gerade zugestanden, daß er die Aften habe verschwinden lassen und das im Unterrichts- und Bildungswesen hat der Berliner Freifinn fich Register gefälscht habe. Später hat er dies schriftlich widerrufen und besonders arge Unterlassungsfünden zu Schulden kommen lassen. behauptet, daß er von Neugebauer überhaupt nichts wisse. Er erklärt Berlin stände in dieser Hinsicht noch heute so da, wie vor zehn und diesen Widerruf dahin: er sei bei seiner Bernehmung bei dem Unter- vor zwanzig Jahren, wenn nicht die socialdemokratische Arbeiterfuchungsrichter in großer feelischer Depression gewesen und sich mit Selbstmordgedanken getragen, so daß ihm schließlich alles gleich- schaft diejenige Bevölkerungsschicht, die vor den diesjährigen gültig gewesen sei. Er schildert in beweglichen Worten und unter Reichstagswahlen von einem freisinnigen Berliner Schulinspektor Schluchzen seinen damaligen Seelenzustand und versichert, daß er und Reichstags- Kandidaten verächtlich als„ rohe Masse" bezeichnet in seiner Belle schon einen Abschiedsbrief an die Seinen geschrieben wurde sich ihren Anteil an der Kommunalverwaltung erkämpft habe. Er sei schließlich vom Selbstmord zurückgetreten im Interesse hätte. feiner Frau, die ihm verziehen hatte. * Der Oberbürgermeister Kirschner wurde gestern im Rathause bon einer Deputation Ausständiger im Auftrage der ausständigen Angestellten der Allgemeinen Berliner Omnibus- Aktiengesellschaft gebeten, in Sachen dieses Ausstandes das Vermittelungsamt zwischen beiden Parteien zu übernehmen. Der Oberbürgermeister erklärte fich bereit zu vermitteln, unter der Voraussetzung, daß die Direktion der Gesellschaft ihre Bereitwilligkeit zu Berhandlungen zu erkennen giebt. Bestechungsprozeß Baganz. In der Straffache wider den Staatsanwalts- Sekretär Baganz und Genossen wurde heute die Verhandlung unter Vorsitz des Landgerichts- Direktors Opig fortgesetzt. Zunächst gelangte das Erkenntnis Staatsanwalt Bromt beantragt gegen Baganz zehn Jahre Zeitung und Inserent. Es ist ein altes Wort, daß der Inserent zur Verlesung, welches von der Civilkammer in der Chefcheidungs- 3 u chthaus und zehn Jahre Ehrverlust. Gegen Frau Baganz der eigentliche Dirigent einer Zeitung ist; wenigstens trifft auf einen flage der Frau Polzin gegen ihren angeklagten Ehemann und vice beantragt er z to ei Jahre Gefängnis, gegen Hörmann sechs beträchtlichen Teil der bürgerlichen Presse diese Ansicht zu. Gin versa ergangen ist. Die Einzelheiten, die in dem Erkenntnis zur Monate, gegen Buchmüller drei Monate, gegen Sanden Geschäftsmann, der häufig in einem solchen Blatte inseriert, weiß Sprache gebracht werden, bieten das abschreckendste Bild einer zusätzlich einen Monat, gegen Aufrecht drei Monate, bestimmt, daß diese Zeitung nichts bringt, was ihn schädigen könnte; modernen Ehe, wie sie nicht sein soll. Es handelte sich bei der Ehe- gegen Nägell bier Monate, gegen Polzin einen Monat ja, vielfach gilt es als ausgemachte Sache, daß ein Reklame- Artikel, fcheidungsklage vorzugsweise um ein von dem Angeklagten Polzin Gefängnis. Außerdem beantragt er, das zu Bestechungszwecken zu bestimmten Zeiten dem Blatte überwiesen, freundwillig im rea behauptetes, von der andren Seite bestrittenes ehebrecherisches Ver- Gegebene der Staatskaffe für verfallen zu erklären. daktionellen Teil aufgenommen wird. Daß dieser Zustand den hältnis zwischen der Ehefrau Polzin und dem Justizrat Räzell. Hieran schließen sich eingehende Plaidoyers der Rechtsanwalte Inserenten aufbläht, ihn unter Umständen in eine Verfassung bers Im Anschluß an diese Vorlesung verwahrt sich Rechtsanwalt Dr. Löwenstein und Rosenstock zu Gunsten des Ehepaares feßt, die von Größenwahn nicht weit entfernt ist, leuchtet ein, und Dr. Straßmann gegen den Inhalt einer Betrachtung, die die Baganz, sowie des Justizrats Rosenbaum, Rechtsanwalts beinahe komisch berührt es, daß gerade die Bossische Zeitung" Staatsbürger Zeitung" im Anschluß an den jezigen 2eonh. Friedmann, Rechtsanwalts Bollert, Justizrats es ist, die eine Probe dieses Herrentums zu kosten bekommen hat. Brozeß veröffentlicht hat. In der Betrachtung heißt es u. a.: Wie Dr. Sello, Rechtsanwalts Dr. Straßmann und Dr. Diese sonst im Punkte redaktioneller Reklame so ziemlich zu allem ist es möglich, daß bei solchen Ehescheidungs- Prozessen, die im Werthauer für die volle Freisprechung der übrigen Angeklagten. fähige Zeitung rebelliert in einem bestimmten Fall gegen die freche Grunde nur von Anwalten geführt werden, so schwierige Sachen ( Schluß fiehe Hauptblatt.) vorkommen können? Das Rechtsgefühl des Voltes bäumt sich da= gegen auf und fragt: wo ist in solchen Fällen die Anwaltskammer? 28ie kommt es, daß Anwalte, die aktenkundig vor Jahren so schmutzige Sachen mit ihrem Namen gedeckt haben, heute noch vor der Barre stehen dürfen?" Rechtsanwalt Dr. Straßmann bemerkt hierzu: Diese Bemertung fann sich nur auf mich beziehen, da ich Frau Bolzin vertreten habe und auf den Kollegen der Gegenpartei. Ich habe die Bertretung der Frau Polzin erst übernommen, nach dem Justizrat Räzell sein Zeugnis verweigert hatte. Der abgeschlossene Vergleich ist erst zu meiner Kenntnis gekommen, nachdem er abgeschlossen war. Ich habe mit dieser Sache gar nichts zu thun. Berliner Partei- Angelegenheiten. Die Parteigenossen des Wahlkreises Teltow- Beeskow- StorkowCharlottenburg werden auf die außerordentliche Generalversammlung am 4. Oktober, mittags 12 Uhr, bei Thiel, Rigdorf, Bergstr. 151/52, aufmerksam gemacht. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Die bevorstehenden Landtagswahlen sowie der Bericht vom Dresdener Barteitag. Jeder Wahlverein darf drei Delegierte entsenden. Gäste haben Zutritt. Steglit. Freitagabend 81/2 Uhr findet bei Schelhase eine Ver= Als Entlastungszeuge für den Angeklagten Räte II befundet sammlung des Wahlvereins statt. Wir ersuchen die Bezirksder Lieutenant a. D. Kießlich, ein intimer Freund des An- führer, in dieser Versammlung die Listen vom Sonntag abzuliefern. geflagten: Der verstorbene Eugen Courths habe sich fortgesetzt an Potsdam. Die fällige Wahlvereins Versammlung Nägell herangedrängt, der von diesem gar nichts wissen wollte. Auf ist bereits morgen, Donnerstag. Genosse Paris- Velten berichtet Wunsch Räbells hat der Zeuge stets in dessen unmittelbaren Nähe vom Parteitag. Am 8. Oftober referiert Genosse Dr. Borchardtbleiben müssen, wenn Courths zu ihm tam. Von Mitteilungen aus Charlottenburg über die Landtagswahlen. Aften und dergl. sei dabei nie die Rede gewesen. Justizrat Se Ilo: War denn Justizrat Nägell irgendwie erschreckt, als er hörte, daß der Sekretär Baganz verhaftet sei? Zeuge: Keineswegs. Im Gegenteil: Der verstorbene Courths hatte einmal erzählt, daß Baganz bei seiner Vernehmung gesagt habe: er würde nun die großen Herren hineinlegen". Darauf hat ihm Herr Räzell ge= antwortet: ihm sei dies ganz gleich, denn er habe mit Baganz gar nichts zu thun. Auf Befragen erklärt der Angeklagte Baganz: Er habe nie eine solche Redensart gemacht, wie Courths behauptet habe. Courths sei schuld daran, daß seine( des Angeflagten) Frau mit angeklagt worden. Courths habe auch in der Disciplinarfache mindestens Lokales. Tyrannei des Inserenten, indem sie folgende Mitteilung bringt: Heute findet vor einer Straffammer des föniglichen Landgerichts I eine Verhandlung gegen den Gerichtsvollzieher Degering statt. Aus diesem Anlaß erhielten wir gestern folgende Zuschrift: Berlin, NW. 5, den 27. September 1903. An die Redaktion der„ Vossischen Zeitung", hier. Am Dienstag, den 29. d. M., steht gegen den Gerichtsvollzieher Degering in einer Straffache Verhandlungstermin vor der Straffammer des tgl. Landgerichts I hier an. Im Interesse der gesamten Gerichtsvollzieher Preußens er suchen wir dringend, über diese Verhandlung nichts in Ihrem geschätzten Blatte aufzunehmen. Die evtl. Folgen, glauben wir, sind Ihnen hinreichend bekannt. Der Vorstand des Preußischen Gerichtsvollzieher- Verbandes. J. A. Schumacher, Gerichtsvollzieher, zweiter Vorsitzender. Selbstverständlich wird für uns lediglich die Frage, ob die Verhandlung gegen den Gerichtsvollzieher Degering ein öffentliches Interesse bietet, dafür maßgebend sein, ob und in welchem Umfange wir darüber berichten. An den Vorstand des Preußischen Gerichtsvollzieher- Verbandes aber richten wir hiermit öffentlich die eindringliche Frage, ob sein zweiter Vorsitzender Schumacher das oben angeführte Schreiben, dessen Qualifitation wir vorerst unfren Lesern überlassen, mit seinem Wissen und seiner Zustimmung an uns gerichtet hat? Bon den Volksbildungs- Bestrebungen der Berliner Kommune. Die Volksbibliotheken und Lesehallen nehmen unter den Veranstaltungen der Stadt Berlin, die der Fortbildung der weniger bemittelten Bevölkerungsflaffe dienen, heute eine wichtige Stelle ein. Sie haben sich im Etatsjahr 1902/03 in erfreulicher Weise Drohung des Gerichtsvollzieher- Verbandes zum Ausdruck kommt. Es läßt sich ja nicht leugnen, daß ein Stück Brutalität in der weiter entwickelt. Der Jahresbericht, der vom Kuratorium erstattet Einfach anzukündigen, daß man einem den Brotkorb höher hängen drei Meineide worden ist und vom Magistrat jetzt veröffentlicht wird, darf aufs wolle, das kann auch ein Gemüt zur Raserei bringen, welches sonst geleistet. Der Vorsitzende bestätigt, daß zweifellos unwahre Aus- neue feststellen, daß auf diesem Arbeitsgebiet der städtischen Ver- mehr auf gute Bezahlung als auf dito Behandlung zu halten ge jagen des Courths in jener Sache gemacht seien. waltung Fortschritte gemacht worden sind. wohnt ist. Vielleicht auch, daß die Erfolge, welche die leidige Kona Furrenz durch nicht sehr saubere Mittel im besonderen bei den Gerichtsvollziehern erzielt haben mag, die„ Vossische Zeitung" zu dem Entschluß getrieben haben, einmal eine Lippe zu riskieren. Um zu zeigen, mit welchen Mitteln Zeitungsverleger arbeiten, unterbreiten wir der Oeffentlichkeit folgende Zuschrift zur Beurteilung: Berlin, den 23. September 1903. Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt! Im Interesse Ihrer Mandanten dürfte es liegen, wenn Sie bei der Erteilung von 3 wangsvollstreckungsAufträgen an die Gerichtsvollzieher Weisung geben würden, die Versteigerungs- Anzeigen im„ Berliner LofalAnzeiger" erscheinen zu lassen. Bei der großen Auflage und der Beliebtheit des„ Berliner Lokal- Anzeigers" als Inseratenblatt ist zweifellos dem Interesse Ihres Mandanten durch eine Insertion der Versteigerungs- Anzeigen in unserm Organ am besten gedient. Auf Anregung einiger Ihrer Herren Kollegen haben wir zur größeren Bequemlichkeit einen Stempel( Derselbe lautet: Nur im„ Berliner Lokal- Anzeiger" zu an= noncieren.) für die Anweisung anfertigen lassen, den wir uns erlauben Ihnen mit der Bitte zu überreichen, gefälligst Weisung zu geben, daß jede von Ihnen erteilte Verfügung mit diesem Stempel versehen wird. Wir danken Ihnen im voraus bestens für Ihre Gefälligkeit und zeichnen Hochachtungsvoll Fluchtbegünstigung durch Schnurrbärte. " Teil ihrer Lehrthätigkeit dem Schulwesen Berlins gewidmet. Reftor| Schönau im Deutschen Theater am Freitag, den 2 Oftober, ist Herr Gutsch seit 1876, Herr Wieland seit 1880. Die Lehrer zur ersten Aufführung gelangt, find die Hauptrollen folgendermaßen kollegien der 31. und der 94. Gemeindeschule haben zu Ehren der besetzt: Isidore Lechah: Albert Bassermann; Frau Lechah: Luise Jubilare bereits schlichte Feierlichkeiten veranstaltet, an denen auch v. Pöllnis; Hermaine, Xavier, ihre Kinder: Frene Triesch, Hans die Behörde, vertreten durch die zuständigen Schulinspektoren, teil- Godeck; Lucien Harraud: Kurt Stieler; Fink: Bruno Ziener; genommen hat. Herr Gutsch und Herr Wieland haben vorläufig Krug: Karl Meinhard; Marquis von Porcellet: Oskar Sauer; noch nicht die Absicht, sich zur Ruhe zu setzen. Vicomte de la Fontenelle: Start Forest. = Der Berliner Magistrat wird, wie schon furz mitgeteilt ist, jetzt Die fünfte städtische Fortbildungsschule für Männer und Jüngs zur Beseitigung der fliegenden Klassen usw. mit einem Kosten linge, Hagelsbergerstr. 34, war im verflossenen Sommerhalbjahr von aufwande von 200 000 M. einen Versuch mit transportablen 820 Teilnehmern besucht. Die Anstalt ist die einzige im Südwesten Es sollen un unsrer Stadt, die Beamten, Kaufleuten und Gewerbetreibenden AusHäusern, sogenannten Schul- Pavillons machen. berzüglich acht dieser Pavillons in der Nähe des Friedrichshains bildung in allen Fächern des praktischen Lebens gewährt. Unentgeltaufgestellt werden. Nebenraum und kostet rund 36 000 M., wozu noch die Kosten für schreiben, Algebra, Geometrie, Chemie, Physik, Trigonometrie, Jeder Pavillon enthält zwei Klassen und einen licher Unterricht ist in: Deutsch, Rechnen, Buchführung, Schöns Klosettanlagen, Umwehrung usw. kommen. Vorab sollen rund Freihand-, Ornament- und Zirkelzeichnen. Für Modellieren ist halb850 Kinder die Pavillons benutzen. Besser wäre es auf jeden Fall, jährlich nur ein Schulgeld von 1 M., für Maschinenschreiben und wenn die Stadt zeitig für ordentliche Schulräume sorgte. Stenographie 2 M., für Fachzeichnen, Englisch und Französisch 4 M. An der Hobelmaschine verunglückte gestern der 28 Jahre alte zu zahlen. Anmeldungen werden täglich von 7-9 abends Werkmeister Wilhelm Hoffmann aus der Pappel- Allee Nr. 21 in einer bei dem Leiter der Anstalt, Rektor Berndt, entgegengenommen. Tischlerei in der Griebenowstr. 2. Er verlor zwei Finger der linken Hand und erhielt auf der Rettungswache in der Kastanien- Allee die Hus den Nachbarorten. erste Hilfe. Charlottenburg und das biologische Klärverfahren. Haupt- Expedition des Berliner Lokal- Anzeigers", Eine geriebene Taschendiebin, die schon vor Jahren einmal hier Abteilung für Inserate. gez. Boerner. ihr Unwesen trieb, wurde gestern von der Kriminalpolizei wieder Mit einer für die westlichen Vorortgemeinden überaus wichtigen Vielleicht, daß die Rechtsanwalte im großen ganzen für die festgenommen. Wohnen Sie nicht in Lübben?" fragte eine Stadt Angelegenheit beschäftigten sich die Charlottenburger Stadtverordneten Ehre danken, zu Inseraten- Agenten für den Lokal- Anzeiger" er- dame eine Landfrau, die sie in der Brunnenstraße langsam hinunter in einer außerordentlichen Sigung am Montag. Zur Beratung stand gehen sah. Die Angeredete verneinte zwar die Frage, aber ein die Magistratsvorlage betreffend die Verlängerung des Abfanghoben zu werden, vielleicht auch, daß sie das Verlangen tragen, sich Gespräch tam auch so in Gang. Etwas andres hatte die Frage- grabens im Süden des Rieselfeldes von dem Endpunkt des alten die Herren, die dem genannten Blatte die finnige Anregung gestellerin nicht gewollt. Sie begleitete die Landfrau ein Stück Weges, Grabens an dem Gatow- Seeburger Wege bis zur Kreuzung mit der geben haben sollen, bei Lichte zu beſehen. Aber wenn die Gerichts- that so, als ob sie sie doch schon irgendwo einmal kennen gelernt Potsdamer Chaussee. Die Charlottenburger Rieſelfelder sind seit vollzieher sehen, mit welchen Mitteln gewisse Zeitungen sich um ihre haben müßte, und stahl ihr mitten im Gespräch das Portemonnaie lange ein Schmerzenskind. Während bei den Berliner Riefelfeldern Annoncen mühen, dann kann man schon begreifen, daß sie die Presse aus der Tasche. Das sah aber ein Kriminalbeamter, dem das Ver- auf ein Hektar 35 Kubikmeter Abwässer pro Tag entfallen, haben ärger behandeln, wie ein Parvenu seinen Stiefelputer. halten der Dame etwas verdächtig vorgekommen war, und nahm sie die Charlottenburger pro Tag und Hektar 154 Kubikmeter zu bes Ein Stück unfrei- fest. Auf der Revierwache wies sich die Ertappte als eine Frau wältigen. Charlottenburg nimmt außer seinen eignen Abwässern williger Komik leistet man sich in einer magistratsoffiziösen Notiz. Wennrich aus dem Often der Stadt aus, bei der Kriminalpolizei auch die von Schöneberg und Wilmersdorf auf. Schöneberg eignen Rieselfelder in Betrieb nehmen zu Diese lautet: In dem städtischen Arbeitshause in Rummelsburg ist aber erkannte man in ihr eine alte Taschendiebin wieder. Frau hofft, 1905 seine seit einiger Zeit beobachtet worden, daß die Entweichungen von Wennrich, geb. Hohmann, hieß früher Kirschner und nach ihrer ersten können, und Wilmersdorf hat die Erlaubnis erhalten, die mittels des biologischen Verfahrens arbeitsscheuen männlichen Personen, besonders von Zuhältern 2c., im Scheidung und Wiederverheiratung Jahn. Sie hat bereits schwere feine Abwässer, geklärt werden rapiden Steigen sind. Dieser bemerkenswerte Umstand ist eingetreten, Zuchthausstrafen erlitten. sollen, oberhalb Charlottenburgs Charlottenburgs in den seitdem von einer Seite darauf gedrungen worden war, daß den Landwehr Kanal zu leiten. Nun ist aber das biologische Häuslingen, zu denen viel Zuhälter zählen, die Schnurrbärte im dritten Stock das Arbeiter Gosniczytsche Ehepaar. Die Leute bakterienfrei gemacht werden können. Man befürchtet in Charlotten Ein erschütterndes Trauerspiel. In der Koppenſtr. 31 wohnte Verfahren noch nicht so weit vorgeschritten, daß die Abwässer nicht mehr abgenommen werden. Den schnurrbärtigen Häuslingen wird anscheinend die Flucht jetzt erleichtert. Ohne Bart war die waren erst seit einem Jahre verheiratet und noch kinderlos. Sie burg, daß wenn die verseuchten Abwässer oberhalb CharFlucht wegen der leichteren Erkennung schwieriger. galten im ganzen Hause als ruhig und ordentlich und lebten glücklich lottenburgs in einen die Stadt durchziehenden Wasserlauf geleitet Wie erinnerlich, find es unsre Parteigenossen, denen die getadelte der Fabrit, öfter mit nach Hause brachte oder zu Besuch empfing. wohner entsteht. Dies wurde nicht nur von allen Rednern miteinander, bis der Mann einen Freund, einen Arbeitsgenossen aus werden, eine große Gefahr für die Gesundheit der Eins Maßregel zu verdanten ist. In Gefängnissen scheint der Schnurrbart Auch dieser Freund ist ein ordentlicher, anständiger Mensch. Aber betont, sondern auch von den Mitgliedern des Magistrats zugegeben. nicht fluchtbegünstigend zu wirken, wohl aber tritt die verflüchtigende die junge Frau Wirkung in dem nicht minder gehüteten Arbeitshause ein. So be- leiden. Was sie gegen ihn hatte, war ihr selbst wohl nicht klar, gegen das Wilmersdorfer Projekt Einspruch erhoben und auf den sie zählte erst 24 Jahre fonnte ihn nicht Stadtbaurat Bredtschneider teilte u. a. mit, daß der Magistrat denklich diese Erscheinung ist, so hat doch der Magistrat die Gelegen wenigstens konnte sie es nicht sagen. Aber sie mochte ihn nun ein letzten Bestfall und auf das Verschleppen anstedender heit nicht vorübergehen lassen, um aus ihr eine für die Menschheit mal nicht und ihr Mann wollte ohne Grund nicht von ihm lassen, Krankheiten durch die ant Wasserläufen befindlichen heilsame Nuzanwendung zu ziehen. Begünstigt der Schmurrbart Aber trotzdem habe die Landesbei den männlichen Häftlingen das Entweichen, so muß er auf die um dem Freunde nicht Unrecht zu thun. Vorgestern abend führte Ratten hingewiesen habe. im Arbeitshause eingesperrten Frauen offenbar hemmend ein- dieser Zwist zur Katastrophe. Der Freund wollte um 7 Uhr wieder polizeibehörde bis auf Widerruf die Genehmigung zu der wirken. Um sich nun wenigstens der nicht minder freiheitslüsternen zum Besuch kommen, aber Frau Gosniczyk, die öffnete, warf ihm Anlage erteilt, allerdings mit dem Vorbehalt, daß die Resultate die Thür vor der Nase wieder zu. Als ihr Mann ihr darüber Vor- der Probe- Kläranlage befriedigende seien. Angehörigen des schönen Geschlechts zu versichern, hat man für würfe machte, meinte sie:„ Dann kann ich ja meiner Wege gehen", Schuste hrus wies gleichfalls auf die Gefahren hin, die mit der Oberbürgermeister diese unter Garantie wirksame Bartwuchsbeförderungs- Mittel eingekauft. Keine Arbeitshäuslerin ohne Schnurrbart! wird es binnen verließ die Wohnung und kam nicht wieder. Vergeblich suchte ihr Einleitung der Abwässer von Wilmersdorf in den Landwehrkanal Mann sie im ganzen Stadtviertel, bis er nach vielen Stunden die verbunden sind. Diese Gefahren beständen nicht nur für Charlottenfurzem heißen; und das Ergreifen eines weiblichen Flüchtlings ist Hoffnung, sie zu finden, aufgab und nach Hause ging. Als er gestern burg, sondern auch für die Schiffer, die den Landwehrkanal befahren dann Kinderspiel. Diese Konsequenz ist zwar fühn, aber nicht minder geistreich wie die, zu welcher der männliche Schnurrbart stand seine Frau mit einer Tasse in der Hand vor ihm, trant blitz- hielten sich z. B. etwa neun Tage im Wasser lebensfähig. Würde morgen um 6 Uhr klopfen hörte, an die Thüre eilte und öffnete, und Krankheiten ins Land verschleppen können. Die Typhusbacillen magistratsoffiziös den Anlaß gegeben hat. schnell den Inhalt aus und fiel tot vor seinen Füßen nieder. Sie Wilmersdorf einen großen Kanal bis unterhalb Spandaus oder Das Ende vom Liede. Die Angelegenheit des Gärtners Ernst hatte eine Kleesalzlösung bis auf einen fleinen Rest ausgetrunken. Potsdams bauen, so daß die Abwässer nicht durch Charlottenburg Schulze, über die wir in den letzten Wochen mehrfach berichtet haben, Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. geleitet würden, so würde das vielleicht eine Million Mart foll jetzt aufgeklärt" sein. Daß die Polizei, die den von seinen AnKurz vor seiner Hochzeit hat ein sonst von ähnlichem Malheur fosten, aber die Kostenfrage dürfe hier nicht den Ausschlag gehörigen als vermißt gemeldeten 72jährigen Mann erst nach 16 Tagen noch nicht betroffener Kassenbote einen eintassierten Betrag von geben. Jedenfalls müsse man verlangen, daß die auf dem Wege des auffand, über jedem Vorwurf erhaben zu sein glaubt, das hatten 511 M. auf dem mit dem Zweirad zurückgelegten kurzen Wege von biologischen Verfahrens geklärten Abwässer durch ein besonderes wir bereits mitgeteilt. Nunmehr soll man herausbekommen haben, der Luisenstädtischen Genossenschaftshank, Ecke der Köpnicker- und Verfahren noch bakterienfrei gemacht würden. Die Versammlung daß auch für die Wunden, die an dem wiederaufgefundenen Greis Neue Jakobstraße, bis zum Kaufhaus Neu- Cölln in der Wallstraße nahm schließlich einen von allen Frattionen unterstützten Antrag au, von seinen Angehörigen entdeckt wurden, niemand verantwortlich ge- verloren. Da er für den Verlust ersatzpflichtig ist, befindet er sich in der den Magistrat ersucht, mit allen Mitteln der Einführung der Es war wegen dieser Wunden ein Ermittelungsverfahren gegen Finder ihn aus seiner Not befreit. einer sehr üblen Lage und ist ihm wohl zu gönnen, daß ein ehrlicher Wilmersdorfer Abwässer in den Landwehr- Kanal in der Nähe des Gartenufers zu begegnen, auch wenn das biologische Klärverfahren Unbekannt eingeleitet worden. In einem hiesigen Blatt lesen wir sich bewähren sollte, zumal eine andre Einführung unterhalb Charjetzt, die Untersuchung habe zu dem Ergebnis geführt, daß Herr Die Ermittelungen in der Grabowskischen Mordsache wurden lottenburgs oder in den Teltow- Kanal ermöglicht werden kann. Schulze sich die fraglichen Verlegungen selber zugefügt habe. In auch gestern den ganzen Tag über fortgesetzt, ohne daß jedoch Die Beschlußfassung über die Magistratsvorlage wurde ausgesezt, bis der That: ein sehr überraschendes Ergebnis! Wo und wie Herr Sch. wesentliche Momente zur Klärung der ganzen Angelegenheit herbei die Vorlage betreffend die Griveiterung der Riefelfelder erledigt das gethan haben soll wird freilich nicht gesagt. Und auch über die geschafft werden konnten. Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht I ist. Mit dieser Vorlage wird sich die Versammlung am Mittwoch Beweise, die dafür vorhanden sein sollen, daß er selber sich verletzt hat angeordnet, daß der des Mordes an seiner Frau verdächtige befassen. habe, erfährt man nichts. Schlächter Theodor Grabowski vorläufig in Polizeigewahrsam am So sehr es Pflicht der Charlottenburger Gemeindevertretung Um dieses Untersuchungsergebnis richtig würdigen zu können, Alexanderplatz behalten werde. Von dort aus wurde er heute ist, Leben und Gesundheit der Einwohnerschaft zu schützen, so scheint muß man sich den Verlant der ganzen Sache noch einmal ber- morgen noch einmal in die Wohnung, Rückerstr. 6c, geführt. Dort es doch, daß man sich von dem biologischen Klärverfahren eine zu gegenwärtigen. Der alte, geistestranke Mann war, nachdem er sich wurden von der polizeilichen Kommission, die mit den Vor- bedenkliche Vorstellung macht. Dies Verfahren, das in einer Reihe am Abend des 24. Juli von Hause entfernt hatte und seine Wohermittelungen betraut ist, alle Räume einer eingehenden Durchsuchung englischer Städte seit einigen Jahren mit Erfolg eingeführt ist, hat großen Vorteil, daß es nung nicht hatte wiederfinden können, am 25. Juli von der Polizei unterzogen. Es handelt sich namentlich darum, festzustellen, ob von den die Riefelfelder übers wegen Bettelei"-Verdachts festgenommen, zur Wache gebracht und dem Gelde, das die Frau Grabowski zweifellos unmittelbar vor flüssig macht. Die Abwässer werden durch die Einwirkung dann der Stadtvogtei als Untersuchungsgefangener übergeben ihrer Ermordung besessen hatte, noch etwas vorhanden war. Die von Mikroben sowie durch Coatsfilter gereinigt. Die Ge worden. Nach einer 17 Tage dauernden, also für Betteleisachen eingehendste Untersuchung ergab ein negatives Resultat. Grabowski meinde Wilmersdorf hat auf der Charlottenburger Pumpstation ungewöhnlich langen Untersuchungshaft war er am 11. August frei- beteuerte fortgesetzt seine Unschuld. in der Nähe des Bahnhofes Westend jene Versuchsstation eingerichtet, welche die Abwässer von etwa 700 Personen aufnimmt. Obgleich der lärapparat erst wenige Wochen funktioniert und seine volle Wirkfamkeit noch nicht entfalten kann, ist das filtrierte Wasser bereits jetzt von solcher Beschaffenheit, daß Fische darin zu leben vermögen, und von der Polizei aufgegriffen und endlich als der Vermiste erkannt Feuerbericht. Gestern früh um 8 Uhr kam in der Flensburger- man erivartet, daß die Resultate sich noch bedeutend verbessern werden. wurde. Als dann seine am 12. Auguſt benachrichtigten Angehörigen straße 9 Feuer aus. Dort brannten Papier, Lumpen, Kleider u. a. Mitglieder des Reichs- Gesundheitsamtes, welche die Versuchsstation ihn abholten, bemerkten sie an ihm die erwähnten Wunden. Ueber Gleichzeitig erfolgte ein Alarm nach der Gleditschstr. 12 in Schöne- unausgefeßt kontrollieren, fällen über das Verfahren bis jetzt ein günstiges die Entstehung dieser Wunden wurden zunächst die widersprechendsten berg, wo in einer Wohnung Feuer ausgekommen war. Da die Urteil. Ob es gelingen wird, das Wasser völlig bakterienfrei zu Angaben gemacht. Das Polizeipräsidium erwiderte eilfertig, bis Ortsfeuerwehr schon zur Stelle war, konnte die Berliner Wehr bald machen, wissen wir nicht, doch ist diese wünschenswerte Qualität ja zur Entweichung aus dem Obdach habe niemand etwas an Schulze wieder abrücken. Es brannten dort Möbel u. a. Wegen der Gefahr auch nicht dem gewöhnlichen Flußwasser eigen. Es versteht sich ja bemerit. Dagegen wurde den Angehörigen von einem Stadtvoigtei einer Gaserplosion erfolgte ein Alarm nach der Barutherstr. 17. Im ferner, daß in der sehr wichtigen Sache die Gemeinde Wilmersdorf wärter gesagt, Sch. habe die Wunden schon in der Stadtvoigtei Keller hatte sich aus einer undichten Leitung Gas angesammelt. Die nicht allein zu entscheiden hat, wie denn überhaupt von den Vergehabt. Der Mann fügte hinzu, sie seien dort aus heiler Haut ent- Feuerwehr beseitigte die Gefahr. Gleichzeitig mußte in der Möckern- fuchen bis zur endgültigen Durchführung des neuen Klärsystems standen, aber ein Arzt, den die Angehörigen die Wunden untersuchen straße 104a ein Zimmerbrand gelöscht werden. Der 16. Löschzug noch ein weiter Weg ist und es auch noch durchaus nicht feststeht, ließen, bezweifelte bas. In dem Ermittlungsverfahren ist dieser wurde gestern nach der Ecke der Reinickendorfer- und Ererzier- daß die gereinigten Abwässer später dem Landwehrkanal zugeführt Arzt vernommen worden. Dagegen ist Herr Schulze selber nach seiner Straße gerufen, wo zur Zeit auf dem Dache des Lange- Schuckeschen werden. Auf alle Fälle verdient das biologische Verfahren, welches Wiederauffindung, weder vom Polizeipräsidium noch von der Staats- Stiftungshauses Klempnerarbeiten ausgeführt wurden. Ein Klempner eine völlige Umwälzung auf dem Gebiete des Kanalisationswefens anwaltschaft ausgefragt worden. Auch die Mitgefangenen Schulzes, von war auf dem Dache unwohl geworden und drohte, da er nicht an herbeizuführen verspricht, die eingehende Beachtung wissenschaftlicher denen einige mancherlei Wichtiges zur Sache mitzuteilen hätten, sind gefeilt war, abzustürzen. Es gelang, den Mann in Sicherheit zu Autoritäten. entweder überhaupt nicht oder doch, wie wir wissen, mindestens nicht bringen. In der Novalisstraße 15 brannten in einer Wohnung fämtlich verhört worden. Fußboden und Balken, in der Linienstraße 24 Fenster u. a., in der Schöneberg. Die Stadtverordneten Versammlung Aus Anlaß von Ausströmen hatte sich in ihrer Sizung am Montag wieder einmal mit einer Steinnesstr. 6 Schornstein u. a. großer Mengen Dampf wurde die Feuerwehr nach der Straße Unter Nachbeivilligung zu den Vertretungskosten für den Direktor der Ferner hatte die Hohenzollernschule, Herrn Bartels, zu befassen. Es sind wiederum den Linden 11 und Lüßotstraße 107/108 gerufen. Feuerwehr in der Manteuffelstraße 104, am Kottbuser Ufer, Ecke der hierfür 2200 m. erforderlich. Wohl oder übel mußte die Position Grünauerstraße, und an andern Orten zu thun. bewilligt werden, da die bei der Regierung nachgesuchte Pensionierung nicht vor dent 1. April 1904 erfolgen kann. Spatz und Schnellbahn. Eine eigenartige Ursache von Kurzschluß Ihr Herbstfest feierten am Sonnabend die Genossen des sechsten die Nachbewilligung von 11 000 M. zum Bau- Etat, dessen ist auf der Versuchsstrecke der Studiengesellschaft für elektrische Kreises( Schönhauser Vorstadt). Männlein wie Weiblein waren dem Bestand bon 18000 M. nicht ausreicht, fam es zu einer Schnellbahnen auf der Militärbahn zwischen Marienfelde und Zoffen Rufe des Komitees in so reicher Zahl gefolgt, daß die weiten Fest- lebhaften Auseinandersetzung in deren Verlauf sowohl vom Stadtv. beobachtet worden. Wie andre Stromleitungen ist die oberirdische räume der Brauerei Königstadt fast nicht ausreichten für alle Er- Lohausen als von unsrer Seite die Ablehnung der Vorlage empfohlen Stromzuführungsanlage der Versuchsstrecke durch Blitzableiter ge- schienenen. Abweichend von den bisher arrangierten Festen war wurde. Daß hier nicht alles in Ordnung sei, wurde selbst von den fichert. Diesen Vorrichtungen ist die Siemenssche Form von Hörnern diesmal ein volkstümlicher Kunstabend geplant und der Verlauf des die Forderung verteidigenden Stadträten zugegeben; die Angegeben. Zwei starte Drähte nähern sich an ihrem unteren Ende, Festes bewies, daß hiermit ein voller Erfolg erzielt wurde. Nach gelegenheit wurde einem besonderen Ausschusse überwiesen. Die während sie nach oben auseinandergehen und auslaufen. Eine Ver- einem einleitenden Vortrage des Genossen Dr. Alberty folgten Bewilligung von 2000 m. für die im Juli in verschiedenen bindung zwischen den beiden Polen und ein unbeabsichtigter Kurz- Geigenvorträge des Herrn Kammermusiker Hermann Gerlach, Provinzen durch das Hochwasser Geschädigten wurde einstimmig schluß ist nun dadurch herbeigeführt worden, daß sich Spatzen Gesänge des Herrn A. N. Harzen- Müller und des Frl. Margarete angenommen. zwischen die Hörner zu sezen versuchten. Der ungeheuren Spannung Waßmann vom Schiller- Theater, Rezitationen der Herren Baul Steglit. Von Herrn Fr. Weinhausen in Steglig erhalten wir Alle Mitbon 13 500 Volt ist der schwache Tierleib natürlich nicht gewachsen. Schwaiger vom Deutschen Theater und Dr. Alberth. zu dem Bericht vom Sonntag folgende Richtigstellung: Herr Der Vogel fällt sofort zur Erde und büßt seine elektrotechnische Un- wirkenden boten ihr Bestes, um den Abend zu einem genußreichen Dr. Böttger ist seiner Zeit gegen den Willen des Vereins Stegliger fenntnis mit einem schnellen Tode. zu gestalten. Wir können den Genossen nur empfehlen, auf dem Eine fünfzigjährige Lehrthätigkeit haben zwei Berliner Schul- einmal beschrittenen Wege fortzufahren, damit die reichen Schätze Wohnungsmieter vom Stegliger Haus- und Grundbefizer- Verein früheres Vorstandsamt im Mieterverein niedergelegt und bei späterer veteranen, die beide im 70. Lebensjahr stehen, mit Ablauf dieses unsrer Kunst den Arbeitern für Stunden die Sorgen des Lebens um Gemeindevertreter gewählt worden, hat infolge der Wahl sein Sommerhalbjahres vollendet: Herr Rektor August. Wieland vergessen machen. Gelegenheit ebenso wie der Mieterverein durch öffentliche Er flärungen festgestellt, daß er nicht als Vertreter des Mieter vereins im Gemeindeparlament size. Herr Fischer ist so wenig macht werden kann. gesprochen und von der seit dem 26. Juli nach ihm suchenden, Wir erhalten folgende Zuschrift: Restaurateurmarken sind Montagnichts ahnenden Polizei als wohnungslos dem Obdach zugewiesen abend in der Skalizerstraße gefunden worden. Der Verlierer kann sie worden. Von hier war er noch vor der Aufnahme entwichen und bei Liebe, Wienerstr. 27, Hof, abholen. nach dem Tiergarten gewandert, wo er in der Nacht zum 12. August Ueber das Ergebnis der so geführten Untersuchung hat die Familie Schulze bisher noch keinerlei Nachricht erhalten. Die Familie hält die Sache noch feineswegs für völlig aufgeklärt. Wir auch nicht. Aber wir werden es nun wohl glauben müssen, daß eine völlige Aufklärung überhaupt nicht mehr erfolgen wird. leber von der 31. Knaben- Gemeindeschule, Alt- Moabit 23, und Herr Theater. Die Erstaufführung des Schauspiels„ Die Stüßen Rektor Wilhelm Gutsch von der 94. Mädchen- Gemeinde- der Gesellschaft" von Henrik Ibsen im Schiller schule, Straußbergerstr. 8. Beide haben ihre Ausbildung auf dem Theater N( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater) findet nächsten Vertreter des Mietervereins, daß er nicht nur vor Jahren sein Lehrerseminar zu Köpenick erhalten, von dem sie zu gleicher Zeit, Sonnabend, den 3. Oktober, statt. In Octave Mirbeaus Komödie Vorstandsamt aufgegeben, sondern sich auch vor ca. zehn Monaten im Herbst 1853, entlassen wurden. Beide haben auch den größten, Geschäft ist Geschäft", welche in der Uebersetzung von Mag aus der Mitgliederliste des Mietervereins hat streichen lassen geöffnet. Versammlungen. Den Bericht vom Parteitag " Der Grubenbrand in Oberschlesien. Die Schles. 3tg." meldet aus Stattowiz: Die Abdämmungsarbeiten im Ficinusschacht der aurahütte sind nunmehr gelungen. Weitere Gefahr erscheint ausgeschlossen. Vier Tote sind dem Unfall zum Opfer gefallen. Eine Luftschiff- Ausstellung wird gegenwärtig von der Anstalt für Luftschiffahrt in London abgehalten; sie ist auch aus dem Ausland beschickt worden. Die deutsche Regierung hat einen Modellballon, Flugdrachen und eine Zusammenstellung von Gerätschaften für Luftschiffahrt gesandt. welche Thatsachent feiner Zeit ebenfalls durch Versammlungen und| Fragen taktischer Natur, die das Erfurter Programm nicht be- 1, Leipziger Neuesten Nachrichten" zufolge, am Donnerstagabend 8 Uhr Lokalzeitungen allgemein bekannt gegeben worden sind. Jenen rührten, mit dem Nimbus von Haupt- und Staatsaktionen umgeben in ihrer Oberinnentracht auf den Bahnhof, wo sie sich angeblich ums groben Unrichtigkeiten gegenüber ist Thatsache, daß in der von worden seien, der ihnen nicht zukam. Der Besiegte des Parteitags fleidete und seitdem verschwunden ist. Das Luisenheim ist eine Ihnen berichteten Angelegenheit die beiden einzigen Vertreter des sei Franz Mehring. Wenn man auch im allgemeinen Bebels Urteil 1894 gegründete Anstalt, welcher die Weinhold als Oberin vorstand, Stegliger Mietervereins im Gemeindeparlament, die Herren Wein über Mehring folgen könne, über die Postkarte über Schoenlank und deren Verwaltung sie führte. Eine Reihe von Geschäftsleuten hausen und Wohlfahrt, gemeinsam für sofortige Sukraftsegung komme man nicht hinweg. Nach dem unerquicklichen Parteitage und Lieferanten beklagt in die Tausende gehende Verluste. Die der verschärften Umsatzsteuer- Ordnung gestimmt haben. könne man aufatmen, daß man sich nun wieder praktischer Arbeit Weinhold hat angeblich auch Kautionen der Angestellten bis zu 200 M. Friedrichsfelde. Zu den Zwecken der freiwilligen Feuerwehr im Dienste der Partei zuwenden könne.( Redner wurde oft durch mitgenommen. Ueber den Aufenthalt der Flüchtigen ist man vollpaßt es schlecht, wenn diese mit Gemeindemitteln unterstützte zwischenrufe unterbrochen.) ständig im Dunkeln. Körperschaft bei Veranstaltungen hurrapatriotischer Vereine sich als Conrad Schmidt stellte zunächst fest, daß Heinrich Braun Staffage gebrauchen läßt. Es ist vorgekommen, daß bei derartigen zur Zeit der Einführung Mehrings zwar deſſen altes Buch über die Anzeiger" meldet, wütet seit Dienstag früh in Faltenstein Großfener Staffage gebrauchen läßt. Es ist vorgekommen, daß bei derartigen Socialdemokratie kannte, nicht aber die noch schlimmeren im Stadtteil Oberer Anger. Bis Nachmittag waren zehn Häuser Feuersbrunst in Falkenstein i. Vogtl. Wie der„ Vogtländische Festlichkeiten die Feuerivehr den Fadelzug stellte. Vielleicht kommt Artikel der„ Gartenlaube", die erst in der Zeit des Socialistengesetzes niedergebrannt, eine Anzahl weiterer Gebäude stehen in Flammen. dieser Vorgang in der Gemeindevertretung einmal zur Sprache. Die Dienst stunden auf dem hiesigen Amts- und Gemeinde- erschienen. Mehring habe den gegen ihn geführten Schlag selbst niedergebrannt, eine Anzahl weiterer Gebäude stehen in Flammen. bureau dauern vom 1. Oftober ab täglich von 8 bis 3 Uhr, das jetzt mit solchem Aplomb in die Deffentlichkeit zu werfen, habe kein provociert. Die Frage der Mitarbeit an bürgerlichen Blättern Der Schaden ist sehr groß. Standesamt wie die Gemeindekaſſe iſt ſowie bisher von 9 bis 1 Uhr Grund vorgelegen. Es werde niemand behaupten wollen, daß jekt gemeldet wird, ist der Chef des Stanislauer Bankhauses Ephraim Flüchtiger Bankier. Wie der Fraukfurter Zeitung" aus Lemberg Eigentümlich ist, daß bei dem Neubau des Bahnhofs etwa mehr Genossen an solchen Blättern mitgearbeitet hätten als früher. Stamer nach Unterschlagung von 250 000 Kronen Depotgeldern, die Friedrichsfelde- Ost Sonntag für Sonntag gearbeitet wird. Troß- Nun speciell die Zukunft". Sie sei einmal, bald nach der Gründung, er an der Börse und im Kartenspiel verloren hat, seit acht Tagen dem wird der Bahnhof zum 1. Oktober nicht fertig; es bleibt ein das Organ der Bismarckfronde gewesen, habe aber längst jede politische verschwunden. Kamer soll nach Amerika geflüchtet sein. Rätsel, wie die Station an diesem Tage schon in Betrieb genommen Bedeutung verloren. Seitdem lese man Hardens Artikel nur, weil er werden soll. das Talent habe, nach rechts und nach links alle möglichen Bosheiten Bug- Entgleisung. Ueber ein Eisenbahn- Unglück auf der Strecke zu sagen, in einer speciell ihm eignen Weise. Man lese sie wie eine Berlin- Strausberg waren gestern beunruhigende Gerüchte verbreitet. feuilletonistische Plauderei. Gewiß sei Harben boshaft gewesen, aber Wie von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, hat nur eine Entgleisung nicht nur gegen unfre Partei. Er erinnere daran, daß Harden auch stattgefunden. Als der um 5 Uhr 18 Min. nachmittags in Straus- vegen Majestätsbeleidigung bestraft sei, die Royalisten hätten noch mehr berg fällige Vorortszug sich etwa 300 Meter hinter der Station Grund, ihm böse zu sein. Er halte Harden für einen geistreichen Mahlsdorf befand, sprangen die beiden legten Wagen aus dem Schriftsteller, aber für einen Schriftsteller ohne politische Principien. Geleise. Der Zug wurde sofort durch Abgabe des Notsignals zum Etwas andres seien die Artikel der Mitarbeiter. Man könne sagen, Stehen gebracht, bebor größerer Materialschaden eintrat; Personen daß die Zukunft" die interessanteste bürgerliche Wochenschrift gewurden nicht verlegt. Für den Vorort- und Fernverkehr wurde wesen ist und noch sei, die wir haben. Es seien die allerverschiedensten durch den Unfall eine etwa dreiviertelstündige Verkehrsstörung Richtungen und nicht zuletzt die freiheitlichen zum Worte gekommen: Tientsin unter dem 27. September telegraphiert, daß in Peitang in Best und Cholera in China. Dem Bureau Reuter wird aus herbeigeführt. in Kulturfragen, in religiösen Fragen usw. Das sei ausschlaggebend, den letzten 2 Monaten 2000 Todesfälle an Pest und Cholera bors wenn man sich ein Urteil bilden wolle. Wer aufgefordert fei zur tamen. Augenblicklich beläuft sich die Sterblichkeit auf täglich Mitarbeit, der werde sich weniger Hardens Artikel angesehen haben, 15 Fälle. Beitang ist ein kleiner, aber überfüllter Ort von etwa als die seiner Mitarbeiter. Und er, Redner, müsse für seine Person 15 000 Einwohnern, zumeist Kulis und Militärs von den in der fagen, er hätte für sich nicht das geringste dawider gehabt, genau Nähe gelegenen Peitangforts, die bekanntlich während der chinesischen Artikeln, die einzelne Genossen für die Zukunft", verteilt über Jahre, Landungsplatz Taku entfernt liegen. Bis jetzt ist die Cholera und so wie andre es thaten, für das Blatt zu schreiben. Bei den paar wirren gestürmt wurden, weil sie nur etwa 10 Kilometer von dent schrieben, flinge der Vorwurf, es sei um Geld zu machen geschehen, auch die Best auf Beitang beschränkt geblieben, sollten sie sich aber auf geradezu lächerlich. Skandalös sei es, die Genossen, die mitgearbeitet Taku ausdehnen, so würde nicht nur Tientsin, sondern ganz Nordhätten, als" moralisch gesunken" zu bezeichnen. Ein solcher Angriff china in ernste Gefahr geraten. Der Taotai von Tientsin und die mußte die tiefste Erbitterung bei den Betroffenen hervorrufen. Wenn fremden Generale haben sanitäre Kommissionen eingesetzt, um eine man bedenke, daß die Kontrollkommission mit Stimmengleichheit des Verbreitung der Krankheiten zu verhindern. Dr. Bertholds Ausschluß abgelehnt habe, obwohl er die Zukunft" dürften leider dem chinesischen Schmutz gegenüber, der für die Die Kommissionen verantwortlich zeichnete, als Artikel gegen die Socialdemo tratie( z. B. einer gegen Wehring) darinstanden, dann trete erst die Epidemien der beste Nährboden ist, nicht allzuviel ausrichten. ganze Frivolität des Bebelschen Vorwurfs gegen die auf dem Parteitag angeklagten Genossen hervor. Die Debatte über die taktischen Fragen sei ein Dreschen leeren Strohs gewesen. Was unsre Tattit an sich angehe, sei die Partei so einig getvesen wie je. Und das könne gegenüber der heutigen politischen Situation gar nicht anders sein,* Weizen, gut D.- Ctr. 15,70 15,66 bei den Angriffen gegen uns, bei der beispiellosen Schwäche des Liberalismus usw. Ein wirklicher Streit habe nicht vorgelegen, er sei an den Ohren herbeigezogen worden. Gewiß, die Frage des Revisionismus habe eine gewisse Bedeutung. Die sogenannten Revisionisten, sagen wir Bernstein, haben sich mit Vorstellungen be-+ Gerste, gut schäftigt, wie sich die Gesellschaft weiterhin zum Socialismus entwicklen möge. Man habe die überlieferte großartige Marrsche Darstellung und Voraussage, und nun seien Leute gekommen und hätten gesagt:„ Die Sache hat sich anders entwickelt, als wie Mary es vorausgesagt hat." Da sei die landwirtschaftliche Frage, die Ver- Nichtstroh elendungstheorie u. a. Das sei das Gebiet, wo es einen Revisionismus gebe. Da machten sich verschiedene Leute Gedanken, die Erbsen Heu mit den überlieferten Parteivorstellungen nicht zusammenfielen. Und Speisebohnen die wollte man treffen, statt sich über die angeschnittenen Fragen Linsen in Diskussionen einzulassen. Man habe sie treffen wollen als * ab Bahn. politische Opportunisten. Bernstein habe in ungeschickter Weise die Vicepräsidentenfrage aufgerollt, und das habe man benutzt, den Schein eines Zwiespalts, der gar nicht bestehe, hervorzurufen. Und der Erfolg? Der des Hornberger Schießens. Die sogenannten Revisionisten, die im großen und ganzen mit den Aufgaben der Partei übereinstimmen, hätten mit gutem Gewissen die Resolution mit annehmen können. Denn wer sei so verdreht, daß er behaupten wolle, der Klassenkampf sei nicht entscheidend! Oder wer so verdreht, daß er behaupten wollte, man solle nicht mit aller Kraft der heutigen Gesellschaft, den Herrschenden entgegentreten. " nahm der focialdemokratische Wahlverein in Charlottenburg am 28. September entgegen. Der Delegierte, Hoffmann- Nowawes referierte. Redner, der ein Bild von den Hauptsächlichsten Verhandlungen des Parteitages gab, steht auf dem Boden der gefaßten Beschlüsse. Aus seinen, neben dem Bericht einhergehenden kritischen Betrachtungen ist hervorzuheben: Braun habe bei der Erörterung der Frage der Mitarbeit an bürgerlichen Blättern die bis dahin sachliche Debatte auf das persönliche Gebiet hinüber gespielt, habe mit einem Schlage die ganze Debatte verschoben, indem er, der Angeklagte, zum Angriff gegen Mehring übergegangen sei. Das sei sehr zu rügen. Was die von Bernhard vorgebrachte Karte Mehrings an Harden aus dem Jahre 1892 angehe, so sei der Partei tag durch sie geradezu frappiert worden. Man habe nicht erwartet, daß zu dieser Zeit noch so etwas vorgekommen sein könnte. Den Ausführungen Bebels über die Mitarbeit an bürgerlichen Blättern könne er sich wohl in der Hauptsache, aber nicht in allem anschließen. Es gehe entschieden zu weit, von Marodeuren", von„ hergelaufenen Akademikern" usw. zu reden. Er müsse auch jene Mitarbeit an gegnerischen Blättern rügen, er rechne aber den Leuten einen großen Teil Unkenntnis zugute. Er meine, sie würden sich immer mehr in die Volksfeele hineinfinden und könnten dann ganz gute Parteigenossen werden. Laß man Leuten wie Göhre gleich die Ehre abspreche, fönne er nicht für richtig halten.( Sehr richtig!) Aber erklärlich finde er es bei Bebel, bei dem Manne, der mehr als ein Menschen alter in der Partei gekämpft, viel geopfert und viel gelitten habe. Bebel habe wohl über den Strang gehauen, aber im Feuer der Begeisterung für eine große Sache. Deshalb müsse man ihm verzeihen, wenn er zu weit ging.( Vielfaches Bravo! und Sehr richtig!), Redner ist der Meinung, daß es trotz aller Ableugnungen doch einen Revisionismus in der Partei gebe. Es sei doch z. B. schon weit genug gekommen, wenn ein Mitglied der Fraktion die Frage der Bewilligung des Budgets stellen könne. Und Genoffe Stolb habe deutlich gesagt:" Was uns scheidet, ist, daß wir die Evolution und ihr die Revolution wollt." Vieles andre komme dazu. Im Hintergrunde stehe der Millerandismus, der Wunsch der Teilnahme an der Regierung, der socialistische Minister. Das wäre der unheilvollste Abiveg. Es sei darum gut, daß hiergegen kräftig Stellung genommen worden sei. Zum Fall Mehring sei seine persönliche Ueberzeugung, daß es für unsre Partei besser wäre, man beriefe Mehring nicht wieder in die von ihm verlassenen Stellen zurück. Gewiß sei richtig, es habe manches auf dem Parteitage unterbleiben, manches in andrer Form geschehen können; er fei aber dennoch von Nußen gewesen, habe wertvolle Klärung geschaffen. Nach kurzer Zeit würden die vor handenen persönlichen Berstimmungen zurücktreten hinter der Arbeit im Dienste unsrer großen Sache.( Beifall.) genommen. " " " " 1 Marktpreise von Berlin am 28. September 1903 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.- Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen 7,00 4,00 1,80 1,20 1,50 1,10 " 1,80 1,20 " 1,80 1,20 " " 1,80 1,20 2,60 2,00 4,50 2,60 2,20 1,20 mittel 15,62 15,58 " gering 15,54 15,50 " * Roggen, gut " mittel " " gering 12,85 12,83 12,81 12,79 12,77 12,75 " 14,50 13,50 " mittel " gering " thafer, gut " mittel 13,40 12,40 12,30 11,30 16,00 14,90 14,80 13,80 60 Stüd 1 kg 2,60 1,40 " Zander 3,00 1,20 " " # gering 13,70 12,70 Hechte 2,20 1,20 " " 4,32 3,66 Barsche 1,80 0,80 " 6,60 4,50 Schleie " 3,20 1,40 " 40,00 25,00 Bleie 1,40 0,80 " 50,00 25,00 Krebse " per Schock 18,00 3,00 60,00 20,00 " " Aale † frei Wagen und ab Bahn. Briefkaften der Redaktion. Juriftifcher Ceil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends on 7 bis 9½½ Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. B. A. Das Eigentumsrecht Ihrer Frau einzuschränken, haben Sie kein zahlen Sie die Miete nur an einen Bevollmächtigten der Erben oder Recht. H. W. 82. Sind Sie im Zweifel, wer Erbe geworden ist, so das dürfte in Ihrem Fall das ratsamste sein Dr. B. Borchardt hat von der Litteratendebatte einen hinterlegen die Miete. deprimierenden Eindruck gehabt. Er betont, daß es Mehring gewesen, läuft eine neue Frist. C. B. Ein Darlehn verjährt in 30 Jahren. Von jeder Abzahlung ab der zwei Jahre nach dem Fall Berthold die Sache aufgegriffen und schrift darüber, wie lange Schlafburschen sich in der Schlafwohnung auf 3. K. 100. Das Gesez enthält keinerlei Vor sie vor das Schiedsgericht gebracht habe. Es sei bewiesen, daß die halten dürfen. Ist keine Vereinbarung hierüber getroffen, so steht dem Litteratendebatte thatsächlich ein Fall Mehring war, das Vorgehen sogenannten Schlafburschen das Recht des Aufenthalts in dem Schlafraum gegen ihn nicht ausbleiben konnte. sei, daß zur selben Zeit, als Bernhards Artikel erschien, die„ Leipziger zu jeder Zeit zu. Treffen Sie also mit Ihren Pfleglingen eine besondere Eigentümlich und bezeichnend Bereinbarung. 000. 1. Ja. 2. 200 Marken müssen vor der Ehe geklebt Volkszeitung" an Lassalle rühmte, was Bernhard in seinem Artikel Welches diese ist, ist ohne Mitteilung, auf welche Gemeinde sich der Borfall sein. Ungebühr. Beschwerde ist an die vorgesetzte Behörde zu richten. allgemein ausgeführt habe. Redner geht unter anderm auf seine bezieht, nicht anzugeben. eigne Sache ein. Er sei der Meinung, daß der Beschluß betreffend nicht vorgeschrieben. In Preußen haftet der Fiskus nicht für ungerecht Eine bestimmte Frist ist für solche Beschwerde die Mitarbeit an bürgerlichen Blättern die Partei bloßstelle, sie fertigte Berhaftungen. Der Beamte haftet nur dann, wenn ihm minderwertig mache und es starken Individualitäten erschwere, ihr mindestens grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen wird. A. A. Nein. anzugehören. Er habe eine Zeitlang geglaubt, die durch den Be- oder Pflichten, die aus dem Vertrage folgen, nicht beantworten. H. N. 24. Ohne Einsicht in den Vertrag lassen sich Fragen über Rechte schluß ausgesprochene Bindung würde ihm unerträglich sein. Erwägung aller Umstände babe er aber eingesehen, daß er für seine alt, so bedürfen Sie, da Sie elternlos sind, keiner andern Einwilligung zur Nach. R. 17, 18. Sind Sie für volljährig erklärt, aber noch nicht 21 Jahre Person nicht solche Bedeutung habe, daß er auf die Zugehörigkeit Eheschließung als der Ihrer Braut. Ihr Vormund ist mit der Rechtskraft zur Partei verzichten müßte. So habe er sich entschlossen, sich zu Ihrer Volljährigkeitserklärung außer Funktion getreten. Der Standesbeamte fügen. Sein Urteil über den Beschluß bleibe aber dasselbe. Redner oder der Bureauschreiber irrt also. Tragen Sie dem Standesbeamten per geht dann weiter auf die Frage des Revisionismus ein, um aus- önlich Ihren Anspruch auf Aufgebot vor. Beharrt er bei seinem oder einanderzusetzen, daß mancher, den man einen Revisionisten nenne, ihn anzuweisen, das Aufgebot vorzunehmen, beim Gicht. feines Schreibers Irrtum, so beschweren Sie sich über ihn mit dem Antrage, in vielen Fragen revolutionärer sei, als der, der sonst den Re- straße, K. S. Die einschlägigen gesetzlichen Vorschriften den Sie Seite 4 Noftiz volutionär spiele. Anm. 2 des dem Arbeiferrecht" beigefügten Führers. Das Buch liegt in Gerke: Bloßstellend sei der Beschluß betreffend der bürger- den öffentlichen Lesehallen aus. lichen Blätter nur, soweit er jene Mitarbeiter bloßstelle, soweit er viel, ob er schriftlich, gerichtlich oder notariell geschlossen ist, ist ungültig R. 23. 79. 1. Jeder Vertrag, gleichnotwendig gewesen, ihrem Anstandsgefühl nachzuhelfen, Redner und kann den Vertragschließenden Bestrafung einbringen, wenn der Vertrag wundert sich über die Verteidigung Hardens durch Alberth und in der Absicht geschlossen ist, vorhandenen Gläubigern die Befriedigung zu Schmidt. Er habe das Gefühl, daß man Mehring nur als Sturm- 2. Wollen Sie ernstlich ohne die in 1 erwähnte Absicht Eigentum auf Ihre vereiteln. unerheblich ist, ob die Forderung bereits ausgeklagt war. bock brauchte. Zur Herausgabe des Nachlasses von Mary und Engels Frau übertragen, so empfiehlt sich notarieller oder gerichtlicher Vertragsabschluß. wenn er sich auch wieder als Genosse bewährt habe. In der Haupt- auch von andren Seiten mit Recht beklagten Art verspäteter Bertreibung hätte man allerdings einen andren als Mehring nehmen sollen, O. W., Gartenplat. Der Steuerbeamte ist im Recht. Wegen der fache stellt sich Redner auf den Standpunkt des Referenten Hoff- können Sie sich beim Magistrat beschweren; rechtlich sind Sie zur mann. Auch er ist wie dieser der Meinung, daß revisionistische Be- Bahlung verpflichtet. O. K. S. Mit Ihrem Anspruch auf Schadens. strebungen mit dem Ziel des Anschlusses an das Bürgertum vor- erjat für Vorenthaltung des Bodens würden Sie nur dann durchdringen, handen seien, und tritt lebhaft für Bebel ein, dem er auch in der wenn Sie beweisen, daß Sie die Einräumung des Bodens ernstlich und Auffassung beitritt. Ferner wandte er sich dagegen, daß alle Augen- Unfallrente einem früheren Beamten gezahlt, so begiebt er sich durch Anvergeblich gefordert haben. W. H. 33. Wird zu wenig Pension oder blicke neue Projekte in der Partei auftauchten. Eine Kampfpartei nahme der Pension usw. feineswegs seines Rechts, das zu wenig Gezahlte werde dadurch geschädigt. Die Partei müsse bei ihrer bewährten nachträglich zu verlangen. Wie groß die Pension usw. im Einzelfalle ist, Taktik bleiben. läßt sich mit Bestimmtheit nur nach mündlicher Rücksprache und auf Grund sammlung. Um 12 Uhr wurde die Debatte verta gt bis zur nächsten Ver- des Bescheides sagen. G. H. Die Frau ist berechtigt, die unpfändbaren Von den- von Zur Generalversammlung des Central- Wahlvereins Gegenstände mitzunehmen. Ihnen angeführten delegierte man Baate, Liedtke und Müller. Gegenständen ist allenfalls ein Tisch pfändbar. Will der Wirt das Recht der Frau nicht anerkennen, so sollte die Frau schleunigst beim Amtsgericht Klage anstellen und eine einstweilige Verfügung erwirken. Vor dem Eintritt in die Diskussion über den Bericht erledigte die Versammlung den Fall Dr. Br. Borchardt. Der Vorfißende Kurt Baake nahm dazu das Wort. Er verwies auf die befannte Erklärung Borchardts an den Parteitag, daß er sich den Erklärungen Bernhards, Göhres, Heines bezüglich der Mitarbeit an der Zukunft" nicht anschließe. Die Erklärung Borchardts habe den Eindruck gemacht, als wolle er sich Beschlüssen des Parteitages nicht fügen. Das wäre eine Handlung, die mit der Zugehörigkeit zur Partei nicht vereinbar wäre, denn wir seien eine demokratische Partei. Zum Glück sei man in der Lage, die Sache in befriedigender Weise gleich zu erledigen. Der Vorstand, der sich damit befaßte, habe ein stimmig beschlossen, vorzuschlagen, die Angelegenheit durch folgende neue Erklärung Dr. Borchardts für er ledigt zu erklären: Charlottenburg, 28. September 1903. Ich erkläre, daß ich den Beschluß des Parteitages betreffend die Mitarbeit an bürgerlichen Blättern, wie Parteitagsbeschlüsse überhaupt, für mich als Parteigenossen für bindend erachte, wenn ich auch diesen Beschluß nach Form und Inhalt nach wie vor für verfehlt und unzweckmäßig halte. Dr. B. Borchardt. Der Antrag des Vorstandes wurde nach kurzer Debatte an= Die Diskussion über den Parteitag eröffnete Dr. Alberti. Er ist in wesentlichen Punkten mit dem Referenten nicht einverstanden. Aufs schärfste verurteilte er den Ton, der auf dem Parteitage herrschte. Zur Zukunfts"-Debatte bemerkte er unter anderm: Durch die heftigen Angriffe gegen Harden habe man diesem gleichsam die Ehre abgesprochen. Was habe man ihm denn aber Ehrenrühriges vorwerfen können? Nichts. Oder sei es ehrenrührig, daß er in seinem Blatte alle Parteien habe zu Worte tommen lassen? Harden habe nun ja in der Zukunft" auch seinen Standpunkt gegen die Socialdemokratie zum Ausdruck gebracht. Redner verstehe es sehr wohl, daß man sich auf den Standpunkt stellen könne, Parteigenossen sollten nicht an der Zukunft" mit arbeiten. An solcher Mitarbeit aber etwas Ehrenrühriges zu finden und auszusprechen, die betreffenden Genossen seien moralisch gesunken, das entspringe einem Standpunkt von außerordentlich großer Die Möbelpolierer hielten am 23. September eine öffentliche Engherzigkeit, und in dieser Beziehung müsse er Bebel diesen Vor- Versammlung ab, um gegen Betriebe, wo schlechter Lohn und Arbeitswurf machen. Redner übt dann Stritit an der Resolution des Partei- bedingungen herrschen, Stellung zu nehmen. Nach einem Referat Webers vorstandes, die seiner Meinung nach einen Schlag ins Wasser bedeute. wurde nachstehende Resolution einstimmig angenommen: Die VerAuch mit den Ausführungen gegen die Akademiker, die auf dem sammelten verpflichten sich, mit aller Kraft die der Organisation Parteitage gemacht wurden, ist Redner sehr unzufrieden. Bebel habe noch fernstehenden Möbelpolierer und Möbelpoliererinnen zu organi- Stationen dabei mitgewirkt, das Minimum von Achtung vor geistiger Arbeit sieren und überall da, wo schlechte Lohn- und Arbeitsbedingungen in Arbeiterkreisen noch zu verringern. Der große Feldzug gegen in den Betrieben herrschen, dagegen Stellung zu nehmen. die Revisionisten sei ausgelaufen wie das Hornberger Schießen. Centralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Swinemde. 763 Und um dies Resultat zu erreichen, habe man in nicht scharf genug Uhr: Sigung in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20. Gäste sind Berlin Deutschlands, Bezirk Berlin. Mittwoch, den 30. September, abends Hamburg 763 SD zu mißbilligender Weise die Partei in eine unerhörte Erregung 763 SD willkommen. hineingebracht, die Gegensäße auf die Spitze getrieben, beide Frankf.a.M. 764 SD Richtungen, soweit von Richtungen die Rede sein könne, gegen München 766 SD einander gehezt. Stadthagen sehe die Heze fort. Daß Bebel gleich 766 Still nach dem großen Wahlsiege von unsrer Partei gesprochen habe als von einer solchen, in der jahrelang Komödie gespielt worden sei, wäre Die fromme Oberin. Aus Dresden wird berichtet: Unter Hinternoch undiplomatischer gewesen, als das öffentliche Aufrollen der Tassung bedeutender Schulden ist die Oberin Elise Weinhold aus dem Vicepräsidentenfrage durch Bernstein. Bebels Hauptschuld sei, daß Luisenheim, Semperstr. 11, verschwunden. Sie begab sich, den Vermischtes. Witterungsübersicht vom 29. September 1903, morgens 8 Uhr. Wien Barometer stand mm Wind. richtung Windstärke Better Temp. n. C. 5° C. 4° R. Stationen Better Zemp. n. E. 2Dunst 1 Nebel 2beiter 12 Haparanda 764 Stiu 14 Betersburg 760 11 Cort 2 wolfen! 12 Aberdeen 2 heiter 9 Paris wolten! 1 Regen 7 749 S 760 5 heiter 2bedect 14 16 Mebel 11 Wetter: Prognose für Mittwoch, den 30. September 1903. nehmender, später wieder abnehmender Bewöltung, teine erheblichen Nieder Ziemlich warm bei schwachen südwestlichen Winden, mit anfänglich z schläge. Berliner Wetterbureau. Achtung! Achtung! Achtung! Metallarbeiter! Heute Mittwoch, den 30. September 1903, abends 8 Uhr: Socialdemokratischer Wahlverein Rixdorf. Nachruf. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß das Mitglied Herm. Bernard verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 235/6 Der Vorstand. 12 öffentliche Metallarbeiter- Versammlungen Kostüme, Saccos, in folgenden Lokalen: Neue Welt, Hasenheide. Buggenhagen, am Moritzplatz. Drachenburg, Vor dem Schlesischen Thor. Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. Königsbank, Große Frankfurterstr. 17. Germania- Säle, Chausseestr. 103. Kolberger- Salon, Kolbergerstr. 23. Ballschmieder, Badstr. 16. Herzog, Memelerstr. 67. Königshof, Bülowstr. 37. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/48. Volkshaus, Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Tagesordnung in allen Versammlungen: Stellungnahme der Berliner Metallarbeiter zu der heute erfolgten Aussperrung. Referenten: Behrend, Müller, Brachwitz, Wiesenthal, Wuſchick, Körften, Scheffler, Stopsack, Bernicke, Pawlowitsch, Knopf, Cohen, Wücke. 8 Röcke, Blusen etc. 47. Wrangelstr. 47, part. Hochbahnhof Schlesisches Thor. von Kammgarn, Reste Tuch, Seide etc. Zuschnitt gratis! Berufskleidung kauft jedermann nur im Specialgeschäft [ 26362* bon 3. Mühlendamm 3. bisa- bis Adolf Wecker, 1. 3, der Poststraße. Ecke Central- Verband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied 134/8 Hermann Klöpfer am 27. September plöblich verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet 30. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Friedhofs in Nieder- Schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die örtliche Verwaltung. J. A.: H. Neumann. Todes- Anzeige. Am Freitag, den 25. d. Mts., verstarb plöglich durch Absturz von der Elektrischen Straßenbahn im 59. Lebensjahre unser langjähriger Kollege 21405 Hermann Grapp. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 1. Oktober, nachmittags 4 Uhr, vom LazarusKrankenhause aus nach dem Kirchhof der Zionsgemeinde in Weißenfee statt. Die Kollegen der Pianinofabrit von F. Rösner. Ritterstrasse 1, Quifen ufer. Erkner- Baustellen Kollegen! Diese Versammlungen sind wichtiger als alle, die seit Jahren für die Berliner Metallarbeiter stattgefunden haben, darum Dr. Schünemann billig, günft. Zahlung, nur b. Bauer muß auch der letzte Mann zur Stelle sein. 122/9 Der Einberufer: Cohen. Specialarzt für Haut, Harn- und Catholy, Buchhorsterstraße, 5 Min. Frauenleiden, Seydelstr. 9. ab Schule. 52 Std. bis jetzt ver. Näh. 212-3,6-1,8, Sonnt. 9-11. Schulz, Rigdorf, Lenauffr. 12/13. Deutscher Metalarbeiter- Verband Warenhaus P. Rothenberg- Moabit Verwaltungsstelle Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Die Bersammlung der Gold- und Silberarbeiter fällt wegen den öffent lichen Metallarbeiter- Bersammlungen heute aus. Die Ortsverwaltung. 122/8 Socialdemokratischer Central- Wahlverein für Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenburg. Sonntag, den 4. Oktober, mittags 12 Uhr, in Rigdorf bei Thiel, Bergstr. 151/152: Außerordentl. General- Versammlung. Tages Drdnung: Referenten: 1. Kreisangelegenheiten. 2. Die bevorstehenden Landtagswahlen". Referent: Paul Hirsch. 3. Der Dresdener Parteitag". Hoffmann- Nowawes, und Pieleke- Johannisthal. 4. Berschiedenes. Nach dem Statut darf jeder Wahlverein drei Delegierte entsenden. Parteigenossen haben als Gäste Zutritt. Der Vorstand. Achtung! Achtung! Den Parteigenossen des Wahlkreises Teltow- Beeskow- Storfow- Charlottenburg zur Nachricht, daß ich von Spreestr. 24 nach Rosinenstr. 3 verzogen bin. Alle Gelder und darauf bezugnehmende Briefe find an Wilhelm Eberhardt zu richten. Gegen Monatsraten von 2 Mk. an liefern wir Musikwerke selbstspielende sowie Drehinstrumente mit auswechselbaren Metallnoten von 18 Mk. aufwärts. 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Wir be demokratie die Väter des Socialistengefeßes überdauern werde, Bertacchini nicht aber Bertoni. Letzterer hat wohl ein paar gehen die 25jährige Wiederkehr der Tage, an denen Beratung und wieder eine auf die Worte hin, daß die Arbeiter ausessen sollten, was Ansprachen gehalten, daß er der geistige Leiter des Streits gewesen, Erlaß des Socialistengesetzes den deutschen Namen mit Schmach be- die Regierung sich durch den Spizelfall Wohlgemuth eingebrockt läßt sich durch nichts begründen. deckte. Wir begehen sie allerdings etwas geräuschloser, als von habe. Von sich selber führte Singer an, daß eine Versammlung Die Verleumdung unsres Genossen Karl Moor- Bern ist übrigens patriotischer Seite" vor etlichen Jahren Reichsgründung und von Kommunalwählern aufgelöst worden war, als er mit den ganz offensichtlich, denn Bertoni fonnte gar nicht der Polizei Centenarfeier gefeiert wurden; aber die Grinnerung an die Zeit, da Worten begonnen hatte: Meine Herren, Sie werden es begreiflich denunziert werden, er ist seit dem großen Genfer Generalstreik im die Socialdemokratie glänzend die Probe auf ihre Lebensfähigkeit finden... verflossenen Jahre allgemein bekannt als Anarchist. Damals wurde bestand, haftet am Ende noch ein wenig stärker in uns als im Hirn Was war der Zweck dieser Willtürmaßnahmen? Daß der er zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt und erst vor kurzem ist seine des Hurrapatrioten die Bilder von Blut und Leichen aus der Zeit Minister Herrfurth nicht sehr von ihnen erbaut war, mag man gelten Begnadigung erfolgt. Es ist schwer verständlich, wie man den des großen Krieges. Es war die Gewalt, die in den zwölf Jahren lassen, wohl aber steht fest, daß Bickmard- Buttkamer kein Wort des Redakteur der„ Berner Tagwacht" deswegen angreift, weil er in bon 1878-1890 am deutschen Arbeiter ihr Mütchen fühlte, die Ge- Tadels fanden, sondern im Gegenteil die schlimmsten Polizeithaten manchen untergeordneten Punkten andrer Meinung sein mag, walt in ihrer ganzen verbohrten Dummheit. Ihr bißchen Hirn- glorifizierten. Es wäre eine Beleidigung der damaligen Berliner wie der freie Socialist" Bertoni, der übrigens in der That die allschmalz verwandte sie einzig auf die unlauteren Mittel der Spigel Bolizeipräsidenten, der Madai und Richthofen, wollte man an- gemeine Achtung verdient, welche ihm auch von den Genfer Socialisten züchtung und der Verführung zum Verrat, und wie plump beides nehmen, daß Versammlungsauflösungen der erwähnten Art rein aus größtenteils gezollt wird. betrieben wurde, das hat jeder Parteigenosse aus jenen Tagen noch Dummheit von ihnen anbefohlen worden seien. Nein, es lag Daß der Genfer Korrespondent des Grütlianer", Genoffe lebhaft in Erinnerung. System in diesen unausgesetzten Provokationen, die ja nur of, einen wesentlichen Einfluß in Genf besitzt, kann schwerlich beDie Gewalt liebt es, in ihrer Art mit ihren Opfern zu spielen; ein Glied in der Nette ähnlicher Erscheinungen bilden. Hauptet werden. Er ist in der That etwas" revisionistisch", um das es liegt in ihrem Wesen, daß sie den ihrer Willfür überantworteten Sie sollten nach dem Willen der Bismarck und Buttkamer keine andre vielbeliebte Wort zu gebrauchen, und strauchelt leicht einmal über die Menschen zeigt, wie so gar kein Verstand dazu gehört, sich ihnen Wirkung haben als das Treiben der Jhring- Mahlow und Naporra, Principien. Dafür ist er aber auch so ziemlich außer stande, die gegenüber brutal geltend zu machen. Nirgendwo trat diese Er der ostentativ mit dem Allgemeinen Ehrenzeichen bedachten Polizei- Dinge so anzusehen, wie sie sind. fcheinung unter dem Socialistengeset wohl auffälliger hervor als beamten, keine andre Wirkung als die von den Thaten des Polizei- Daß der Genfer Staatsrat auch ohne Moor und Hof zu den auf dem Gebiete der Versammlungspolizei. Nach§ 9 des Socialisten- Agenten Schröder erhoffte, der vom Berliner Polizeipräsidium mit 250 m. größten Schandthaten fähig ist, hat er verschiedentlich bewiesen und gefeges war die Polizei gehalten, folche Versammlungen aufzulösen, Monatsgehalt befoldet war und mit preußischem Polizeigeld Dynamit es verdient ganz besonders erwähnt zu werden, daß selbst die ausin denen socialdemokratische, socialistische oder kommunistische auf auftaufte und den Druck der anarchistischen Freiheit" besorgen ließ, ländischen Konsulate es nicht vermochten, ungerechtfertigte den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung ge- teine andre Wirkung nach dem Willen der beiden Staatsretter als Ausweisungen zu verhindern. So auch bei unserm Genossen Dorichtete Bestrebungen zu Tage traten. Ebenso durften Versamm die, das deutsche Proletariat vor Flinte und Polizeifäbel zu treiben natini, dem Korrespondenten des„ Avanti"- Rom. Man sieht, lungen verboten werden, von denen durch Thatsachen die Annahme und die socialdemokratische Bewegung in einem Blutbade zu er- umgekehrt liegt die Sache: Die Socialdemokraten sind die Ausgerechtfertigt war, daß sie zur Förderung dieser Bestrebungen be stiden. Mochten die unteren Polizei- Drgane, die zu der geschilderten ftimmt waren. Mit diesem Gesetzesparagraphen war es der Polizei Handhabung des Gefeßes benutzt wurden, von den Absichten ihrer anheim gestellt, bei Arbeiterversammlungen nach Laune zu verfahren. Oberen auch noch so wenig wissen, diese selber waren sich nur zu Bald wurden fast alle von Arbeitern einberufenen Versammlungen flar über die Wirkung ihrer Abfichten. Dant ihrer Disciplin ist die unbesehen verboten, wie in der ersten Zeit nach Erlaß des Gesezes, deutsche Arbeiterschaft nicht in die Falle gegangen, wohl aber gingen und dann namentlich in den Jahren 1886 und 1887, bald ließ die Bismarck- Putttamer an ihren eignen Werken zu Grunde. ÜnPolizeiminister Buttfamer einen gewissen Spielraum, so 1883 und vergessen bleiben die Polizeithaten aber dennoch. 1884, als die Regierung sich in dem Wahne wiegte, die Berliner Arbeiter gegen den ihr unangenehmen Fortschrittsring benutzen zu fönnen. Eine andre Prayis war die, Arbeiterversammlungen zwar zu gestatten, sie dann aber mit einem Male aus dem Handgelenk heraus unter einer recht thörichten Begründung auflösen zu lassen. Diese Methode ordnete Buttkamer namentlich in Berlin an, wo vor allen Dingen sein heißes Bemühen dahin ging, die Arbeiter zu Putschen zu provocieren, sie vor den Schußmannssäbel und besser noch vor die Flinte zu treiben. So manche Vorfälle aus der Gegenwart lehren, daß die politische Polizei auch jetzt noch nicht mit einem lebermaß von Intelligenz gesegnet ist; die Art aber, wie damals Buttkamer zu Werke ging, ließ selbst Handlungen wie den Bestechungsversuch vom Anfang dieses Jahres weit hinter sich. Der Genfer Generalftreik im Baugewerbe ist nun nach zweimonatlichem harten Kampfe für die Arbeiter sie greich verlaufen. Wesentlich dazu beigetragen hat wohl das mannhafte Eintreten der Socialisten und ihrer Presse. Ueber diesen Streit brachte die hiesige Bolts- Beitung" bor einiger Zeit einen Artikel„ von einem schweizerischen Parlamentarier", der die Genfer Socialisten der Bekämpfung dieses Streits beschuldigte. Der Artikel stellt die Dinge direkt auf den Kopf. gewiesenen. Als Bertacchini verhaftet wurde und man ihn wegen ,, Aufreizung" auswies, nahm das Organ der Genfer Socialdemokraten auf das entschiedenste Stellung dagegen. Desgleichen bei der MassenAusweisung, wo es schrieb:" Wir für unsern Teil, Repräsentanten der Arbeiterklasse, protestieren gegen die Verhaftungen unsrer streifenden Kameraden, gegen die Ausweisung von Arbeitenden, behandelt als Arbeitsfutter( chair à labeur), ir protestieren gegen die unvernünftigen( sauvages) Repreffalien, nicht nur als einer Ungerechtigkeit, sondern auch in der Erwägung, daß alle Arbeiter das Recht haben, die Arbeit zu verlassen, wenn sie es für nötig halten, und sie wieder aufnehmen, wenn sie es in ihrem Interesse für nützlich finden." Ein wahrer Spottregen in Poesie und Prosa stürzte auf das Haupt des verantwortlichen Staatsrats Odier nieder. Es verdient auch festgestellt zu werden, daß die socialdemokratische Partei in Genf in einer Resolution nach dem großen Generalstreit aller Gewerbe es abgelehnt hat, in Zukunft für die Handlungen des Ministers Thiébaud verantwortlich gemacht zu werden, Es war darin zwar die volle Berechtigung der Forderungen der zumal Thiébaud als Socialist eigentlich kaum gelten fann. Einige Beispiele mögen zeigen, was damals in polizeilichen Maurer anerkannt, merkwürdig sei aber, daß die Arbeiter sich beim wäre er aber selbst ein solcher, so ist sein Einfluß auf den Staatsrat Versammlungsauflösungen geleistet wurde. Eine Stellmacher- Ver- gewerblichen Fachgericht" nicht vertreten ließen. Nun haben aber natürlich nicht ein derartiger, daß er die andern sechs Mitglieder ſammlung, die am 24. Juli 1886 in der Linienstraße 19 tagte, ver- zu Anfang Verhandlungen stattgefunden, es ist also anscheinend die bestimmen könnte, ihre reaktionären Praktiken aufzugeben, die ste schon fiel der Auflösung, als bei Besprechung einer Vergnügungspartie ein Ablehnung der Anwendung des Streitgefeges gemeint, das seit einigen Jahren anwenden. Redner fagte, man möge die Festlichkeit nicht auf einen Wochentag bei gewerblichen Streitigkeiten anzurufen ist und hier in Frage tam. Nach der Ausweisung Bertacchinis stand der Schweizer Bischof, ansezen, da nur diejenigen, die mit einem goldenen Löffel geboren Letzteres ist aber nicht obligatorisch, sondern sieht Ausnahmefälle ein Maurer, an der Spize, sekundiert von der Fédération ouvrière würden Weiter tam der Redner nicht, da der Polizeilieutenant vor, und so waren die Streifenden völlig im Recht, die Verhandlungen( Gewerkschaftskartell) und deren Leiter Hugler, einem sehr thätigen sich erhob und die Versammlung auf Grund des Socialistengesetzes vor dem Fachgericht auf Grund des Streifgesetzes abzulehnen, ist Mitglied der socialistischen Partei. für aufgelöst erklärte. ... doch letzteres nach Ansicht fast aller Einsichtigen ein wahres Monstrum Bischof wurde gleichfalls verhaftet und man hielt ihn 14 Tage von Ungerechtigkeit für die Arbeiter. Sie nennen es das Anti- fest, um ihn dann mit drei Tagen Haft zu bestrafen, weil man nicht Streitgeset. recht ein Vergehen zu konstruieren wußte. Der Pfeudo- Parlamentarier kommt dann auf die Einzelheiten des Streits zu sprechen und sagt: " " Im selben Jahre, am 18. Februar, verfiel eine Frauenversamm lung bei Gratweil der Auflösung, nachdem Reichstags- Abgeordneter Frohme gesagt hatte, es sei heutzutage bei den gebildeten Klassen Der Staatsrat berbot eine geplante Versammlung im Sitte, die Werte unfrer großen Dichter in Prachteinbänden im BücherBâtiment électoral, desgleichen einen geplanten Umzug der schrank aufzustellen, aber eine Ruzanwendung würde aus dem" Die geistige Führung der Ausständigen übernahm der Teffiner Streifenden. Es ist noch immer das gleiche Bild wie früher, nur Inhalte nicht gezogen. As nach erfolgter Auflösung Frohme das Typograph Bertoni. Bertoni ist kein orthodoxer Socialdemokrat, mit dem Unterschied, daß die Arbeiter etwas zäher in ihrem Stampfe Berhalten des Polizeilieutenants als ein ganz unqualifizierbares sondern er huldigt überwiegend Gewerkschaftsideen unter Außeracht geworden sind, und dadurch zum wenigsten einen Teil ihrer bezeichnete, wurde er der Beleidigung dieses Beamten angeklagt und setzung des Parlamentarismus. Er gilt deshalb als Anarchist. Forderungen durchsetzen konnten. Die Kleineren Unternehmer waren dem Antrage des Staatsanwalts gemäß vom Gericht noch zu 100 m. Bertoni ist persönlich ein edler Mensch, opferwillig und ein tapferer ja längst zu Verhandlungen geneigt, sie haben den Schaden des Geldstrafe berurteilt. Eine Wählerversammlung am 18. Februar 1887 Rämpe. Zu seinem Bruder, der dem obersten Landesgericht, dem Streits zu tragen, während die großen eine lästige Konkurrenz wurde aufgelöst, als der Referent Ballmüller gesagt hatte, daß Bundesgericht, als Mitglied angehört, steht er in intimem familiärem los zu werden hofften. Gneisenau bereits vor 70 Jahren gegen die stehenden Heere gewesen Verkehr, und selbst der frühere Bundespräsident, A. Lachenal, hat für Einen ganz erheblichen Anteil am endlichen Siege haben die sei. Am selben Tage verfiel eine andre Versammlung der Auflösung, ihn Partei ergriffen und erst kürzlich seine Begnadigung erwirkt. Socialdemokraten; das wird für die Folge noch stärker zum Ausdruck nachdem ein Redner die Meinung ausgesprochen hatte, daß die Den politischen Gegnern genügte aber die anarchistische Gesinnung tommen, denn jetzt gilt es den Kampf gegen das Anti- Streitgefes", höhere Bildung auch den Kindern des Voltes zu teil werden Bertonis, um sofort die Lohnbewegung der Maurer zu einer wie es die Arbeiter nennen. Seit einigen Jahren müht man sich müsse. Eine Maurer- Versammlung am 26. Juli 1888 wurde anarchistischen zu stigmatisieren. Und selbst Socialdemokraten stellten dagegen und die Socialdemokraten Chatelaine und Schäfer haben für aufgelöst erklärt, als ein Redner den§ 153 der Ge- fich in Reih und Glied mit den Bürgerlichen, um Bertoni zu lästern eine völlige Umgestaltung desselben ausgearbeitet und eingereicht. werbe- Ordnung einen bösen Paragraphen genannt hatte, eine und in den Kot zu ziehen. Dem Führer der Verner Socialdemo- Das Gefeß ist ein Hemmschuh für die gewerkschaftliche Entwicklung, Wähler- Versammlung am 22. August desselben Jahres als einer fraten, Karl Moor, kommt das„ Verdienst", zu, Bertoni als Anarchisten und sobald einmal die Massen der Genfer Arbeiter sich entschließen, der Anwesenden gesagt hatte, wer seine Familie lieb hat, wählt denunziert und die Polizei auf ihn aufmerksam gemacht zu haben. von ihren staatsbürgerlichen Rechten vollen Gebrauch zu machen, Liebknecht zum Reichstags- Abgeordneten. Derselben Maßnahme Seine Stellungnahme ist eine Singularität erster Güte. wird es weggefegt werden. verfiel eine andere Wählerversammlung im 6. Reichstags- Wahlkreise, Nachdem sich so selbst Socialdemokraten, und unter ihnen der In einem Resumee über den Streit sagt der Peuple":" Die als der Referent Curt Baake die Meinung ausgesprochen hatte, daß Genfer Führer A. Hof, mit der Streifleitung in offenen politischen socialistische Partei in ihrer immensen Mehrheit brachte den die Wahlagitation zu Hause und bei Bekannten wertvoller fei als die Widerspruch gesetzt hatten, lag es auf der Hand, daß nun der Genfer Streifenden durchaus volle Sympathie entgegen. Es lag mur an öffentliche. Am Ende wollte der Polizeibeamte den Redner Lügen Staatsrat, in dem auch der Socialdemokrat Thiébaud sist, erst recht den Gewerkschaften, daß diese Sympathie noch stärker zum Ausdruck strafen und mit dieser Auflösung darlegen, daß die behördlichen Mut bekam und gegen die Ausländer die Ausweisungspeitsche schwvang. gekommen wäre. Sobald die Arbeiter fämpfen gegen die UnterMaßnahmen ein noch viel wertvolleres Agitationsmittel für die An einem einzigen Tage wurden 56 streifende Jtaliener ausgewiesen nehmer- Ausbeutung, wird der Platz der Socialisten immer auf seiten berhaßte Socialdemokratie seien; und wie recht der Mann hatte, und bei Chiasso über die Landesgrenze gesetzt." der Arbeiter sein, in welcher socialen Situation sie sonst auch stehen ergab die Nachwahl am 30. August, in der Liebknecht an Stelle des un- Es folgen einige ganz richtige Erörterungen über die Zulässig mögen. Das ist auch der Fall gewesen während dieses Streits, glücklichen Hasenclever in den Reichstag gesandt wurde. Wie arg damals feit der Ausweisungen. Dann aber heißt es: welcher jetzt feinem Ende zugeht, das wird auch so sein nach unsrer die Polizei zu Werke ging, zeigte eine am 28. August 1888 im ,, Berliner„ Auf Grund der geschilderten Vorgänge hat nun der Streif seine Ueberzeugung in der Zukunft. Boltsblatt" veröffentlichte Statistit, aus der sich ergab, daß fünf Lebensfähigkeit verloren. Die ausländischen Führer der Bewegung Je mehr die politisch- socialistischen Organisationen und die Sechstel der angemeldeten und von der Polizei genehmigten Arbeiter- wurden auf dem Schub heimbefördert, und da die Heimats Arbeiter- Syndikate Hand in Hand marschieren, um so mehr werden Versammlungen in dieser Zeit der behördlichen Zwangsmaßregel behörde der Ausgewiesenen die Staatsverträge nicht ins Mittel die proletarischen Forderungen Aussicht auf Erfolg haben. Das ist berfallen waren. ruft, werden dem Ausstand auf anfechtbare Weise die geistigen die Lehre des letzten Streifs. Es gilt, eine gemeinsame Attion zu Buttkamer war inzwischen beseitigt worden und seinem Nach- Köpfe abgeschlagen und die Lebenslichter ausgelöscht. Der realisieren auf all den Gebieten, welche uns unmittelbar befolger, dem Minifter Herrfurth, mochte allmählich die Erkenntnis Streit wird auf diese Weise elendiglich endigen, allein mit Hintan- fchäftigen. Die Abschaffung des Gesetzes über die gewerblichen Konaufdämmern, daß die Blamage, die die Polizei sich durch die un- fegung all der Rechtsinstrumente, die ein Volt zu erhöhen im stande flikte"( Streifgefeß) auf dem Wege der Voltsinitiative giebt motivierten Versammlungs- Auflösungen zufüge, vor der Deffentlichkeit sind. Solche Streifmorde fördern die sociale Aussöhnungsarbeit uns die schnellste Gelegenheit, diese Aktion in die Wege zu leiten. nicht mehr gut zu verantworten sei. Er richtete einen Erlaß an die nicht und schaffen nicht jene Zustände, die der modernen Kultur und Auf denn zur Arbeit." Polizeibehörden, worin er fie auf die vielen ungerechtfertigten Civilisation, der gefunden und autoritativen Rechtsordnung den Der Aufschwung des Peuple", welcher in 5000 Exemplaren seit Versammlungs- Auflösungen hinwies und ihnen anbefahl, unter den Stempel des Nachruhms und der Nacheiferung aufdrücken." dem großen Genfer Streit zweimal pro Woche erscheint, läßt hoffen, für die Bewachung von Versammlungen bestimmten Beamten eine So sehr man mit den anschließenden Bemerkungen über die daß die Zahl der Politisch- Abstinenten schwindet und damit eine forgfältige Auswahl zu treffen. Nichtswürdigkeit und Verwerflichkeit dieser Ausweisungen einverstanden Das war aber leichter gesagt als gethan. Trotz des Erlaffes fein wird, ist es doch völlig unbegreiflich, wie man so schwere Bor- engere Fühlung der Genfer Socialisten mit den Arbeitermassen war in der folgenden Zeit nichts von einer andren Praris zu merken würfe wider die Schweizer socialdemokratischen Führer" erhebt, Die Drakelsprüche des„ Schweizer Barlamentariers" über den und der Skandal dauerte ungeschwächt fort. Am 11. November 1888 ohne auch mir einigermaßen von den Vorgängen unterrichtet zu sein. Ausgang des Streits aber haben sich glücklicherweise als unzutreffend wurde eine Versammlung aufgelöst, als ein Redner gesagt hatte: Da der Artikel der Volks- Zeitung", wenn auch mit kritischen erwiesen. Landräte und Hofprediger gehörten nicht zu den Mühseligen; einer Bemerkungen versehen, in einem Teil der socialdemokratischen Presse andren wurde durch die Polizei ein gewaltsames Ende bereitet, als Abdruck gefunden hat, lassen wir eine kurze Darstellung der Dinge das Wort gefallen war, daß in Sachsen dank der gesetzlichen folgen, wie sie sich in den letzten zwei Monaten in Genf zugetragen Scherereien in gewerkschaftlicher Hinsicht eine Centralisation nicht zu haben. eintritt. Eingegangene Druckfchriften. folgende drei Bändchen der Internationalen Bibliothek erschienen: Jm Verlage von J. H. W. Diet Nachf. in Stuttgart find soeben Preis broschiert 2, M., gebunden 2,50 M. Josef Dietgens kleinere philosophische Schriften. Eine Auswahl. Das Acquifit der Philosophie und Briefe über Logit. Zweite Auflage. Preis broschiert 1,50 M., gebunden 2,- M. fophische Studien zu fördern. Ermutigt in seinem Vorhaben wurde er dadurch, daß die wenn auch Kleine erste Auflage vom„ Acquisit der Philosophie" in wenigen Jahren vergriffen worden ist. entfalten sei. Weiter wurde eine Versammlungs- Auflösung vom As die Maurer und Bauhandwerker Genfs Ende Juli ihre leberwachenden ausgesprochen, als der Redner gesagt hatte, daß die Forderungen eines Minimal lohnes aufstellten, scheiterten die Das Wesen der menschlichen Kopfarbeit. Eine abermalige Stritit Innungen jede freie Arbeiterbewegung illusorisch machen; ein Verhandlungen daran, daß die Unternehmer die wirklich der reinen und praktischen Vernunft von Josef Dietgen. Das Buch andermal verfügte der Beamte diefelbe Maßregel, als das Huttensche minimalen Lohnfäße nur als Durchschnittslöhne enthält außerdem eine Biographie des Verfassers von Eugen Dießgen, Wort„ Ich habs gewagt" citiert worden war. Eine Weberversamm bezahlen wollten. Für die Maurer sollte dieser Lohnfaz 54 Centimes fowie eine Einleitung über die Stellung und Bedeutung von J. Dietgens lung am 1. Juli 1889 verfiel der Auflösung, als der Referent sein, bei den teuren Preisen in Genf gewiß sehr bescheiden. philosophischen Arbeiten von Anton Pannekoek- Leyden. Preis broschiert die umstürzlerische Behauptung aufgestellt hatte, daß der Genoffe Dr. Wyß war es, welcher die bereits abgebrochenen 1,50 M., gebunden 2, M. Arbeiterschaft aus den Schutzöllen noch niemals ein Vor- Verhandlungen mit den Unternehmern wieder ermöglichte. Aber es teil erwachsen sei. In der Versammlung der gewerblichen wurde keine Einigung über obigen Punkt erzielt und der Streik Hilfsarbeiter am 2. August 1889 kam das auflösende Wort aus dem nahm seinen Fortgang. Munde des Beamten, als der Redner die Mahnung an die Ver- Jetzt war es der Socialist Jsler, welcher die eingerichtete Der Herausgeber hofft mit diesen drei Bändchen den Sinn für philosammelten erlassen hatte: Meine Herren, bedenken Sie, daß wir kommunistische für die Streifenden Teitete. alle nackt auf die Welt kamen. Eine Hausdienerversammlung am 1200-1500 Personen nahmen am Streit teil und die Aufforderung felben Tage nahm das übliche gewaltsame Ende, als der Redner und Propaganda zu Sammlungen für die kommunistische Küche gefagt hatte, daß die Arbeiter aller Länder sich über die Nationalitäts- wurden besonders vom Genfer socialdemokratischen Organ Le Peuple" wiener Boltsbuchhandlung, Ignaz Brand, Bien VI, GumpenDer Arbeiter Notizkalender für das Jahr 1904 ist im Verlage der fchranken hinweg brüderlich die Hand reichen müßten. Am 10. Oktober betrieben. desselben Jahres wurde eine Schneiderversammlung aufgelöst, weil Es verdient noch nachgetragen zu werden, daß die Polizei ver- ist durch die Wiener Bolfsbuchhandlung Ignaz Brand, Wien VI, Gumpendorferstraße 18, soeben erschienen. Der Notizkalender kostet 72 Heller und der Referent Täterow die Ansicht ausgesprochen hatte, daß die Arbeiter suchte die kleinen Geschäftsinhaber u. a. einzuschüchtern, damit diese dorferstraße 18, zu beziehen. Wiederverkäufer erhalten hohen Rabatt. sich wenigstens eine solche Lebenshaltung bewahren müßten, daß sie keine Materialien für die Kommuneküche abgaben. Natürlich ver- Protokoll des zweiten ordentlichen Verbandstages des Verbandes der im stande wären, für ihre Ideale einzutreten. In der Reichstags- geblich. Die Verpflegung der meist unverheirateten Streifenden ging Tapezierer und verw. Berufsgenossen Deutschlands. Abgehalten in Magdefizung vom 4. November brachte Singer zur Sprache, daß Ver- bis zum letzten Augenblick ohne Schwierigkeiten vor sich. Ueber- burg 1903. Preis 10 Pf. Berlag von G. Becker in Hamburg. Sve Doppelte Anzahl Sparmarken verabfolgen wir Mittwoch, den 30. September, Donnerstag, den 1. Oktober, Freitag, den 2. Oktober C auf sämtliche Einkäufe als besondere Vergünstigung zum Quartals- Wechsel. Wir geben sonst beim Einkauf von 1,00 Mark 4 Sparmarken, an diesen 3 Cagen jedoch 8 Sparmarken. Warenhaus Wilhelm Stein Schon 7. October Ziehung. IX. Schneidemühler Pferde- Lotterie. à Loos 1 M. 11 Loose 10 M. Porto u. Liste 20 Pf. auch geg. Briefmarke. Hauptgewinn: 10,000 M. 1 eleg. 4spännige Equipage ausserdem 3 complett bespannte Equipagen, 44 Pferde, sowie 2400 massiv silberne Theelöffel. 2434 Gewinne, Gesammtwerth 52,000 Mark. Loose à 1 M., 11 für 10 M. versendet auf Wunsch auch unter Nachnahme Berlin W., Carl Heintze, Unter den Linden 8 gegründet 1872. 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