Ur.«38. Rfeon n«mentS'Redingungen- Abonnements- Preis pränumerando: Lierteljährl. 3,30 Mk., monatl, 1,10 ÜRf., wöchentlich 28 Pfg, frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Reue Welt- 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post-Zeitung?- Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland in:» Oesterreich-Ungarn a Marl, für duS übrig« Ausland» Marl pro Monat, «che««igst« ufter Dient*». 20. Ilchrge die TnKrtloni-GeDflftr betrügt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und VerfammIungS-SInzeigen 20 Psg. „Atetn« Snoeigen" jede? Wort 3 Psg. (nur da? erste Wort fett). Inserate sät die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expeditionabgegebcn werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi? 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttags geöffnet. Vevlinev Volktsblakk. Delegramm< Aorcfl«: „Seclaliltineknt Berlin", Centrawrgan der focialdemokratischen Kartei Deutschtands. li,eäakrion: SM. SS» �.lncteasU-asse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonntag, den 11. Oktober 190B. Bxpedition: SM. 68, Lindcnetraase 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Kommunale Republiken. SIS sich in den siebziger Jahren ein freisinniger Wgeo.dneter über die engen Grenzen beklagte. die der Selbstverwaltung in Preußen gesetzt seien, antwortete ihm Fürst Bismarck, wie er selbst sagte, mit einiger Uebertreibung, ihm widerstrebe die Bildung kommunaler Republiken. Fürst Bismarck wußte aus der Welt» geschichte wohl, daß der kommunale Republikanismus in früheren Jahrhunderten die einzige Grundlage alles deutschen Kulturlebens gewesen war. Bor den Verheerungen des dreißigjährigen Krieges waren es die deutschen Reichsstädte gewesen, die in ihren Mauern alles vereinigt hatten, was ihre Zeit an Geist und Schönheit besaß. Es war die Zeit, in der der Bürger so gut wie der Edelmann sein gutes Schwert an der Seite trug und stolz darauf war, als auf das Zeichen seiner Selbstherrlichkeit und Unabhängigkeit. Die moderne Entwicklung hat die festen Umwallungen der Städte niedergerissen, Stadt und Land, so sehr sie sich auch Wirt- schastlich von einander unterscheiden mochten, zu einem einheitlich gefestigten politischen Gebilde zusammengeschweißt und auf den Trümmern der Stadtgewalt die moderne Staatsgewalt begründet. Mit dem Verfall des lokalen Marktes und seines Zunftrechts hört die Stadtgemeinde auf, für den Bürger ein Gegenstand von hohem politischen Interesse zu sein, seine wirtschaftliche Existenz wurzelt nicht mehr in dem Boden, auf dem sein Haus steht, sondern sie saugt- aus der Volks- und Weltwirtschaft ihre Kräfte. Wenn die Baumwollernte in Amerika günstig war, was lag daran, wenn durch die Straßen Berlins die Jauche lief? Erst die drei großen Bundesgenossen der neuesten Zeit, die Wissenschast, die Technik und das Proletariat haben dem politischen Geniettlwesen der Stadtgemeinde neue bedeutsame Aufgaben zu- gewiesen. Im achtzehnten Jahrhundert und bis weit in das neunzehnte hinein waren die Städte nach I. I. Rousseau gefräßige Rachen, die das menschliche Geschlecht verschlangen. Die Zahl der Todesfälle überstieg weitaus die der Ge- burten. Die Wissenschast der Hygiene hat der gemeindlichen Thätigkeit zum erstenmal wieder große Aufgaben von allgemeinem Interesse zugeteilt. Teils zur Bewältigung dieser Aufgaben, teils zur Befriedigung andrer allgemeiner Bedürfnisse, wie jener des Verkehrs, der Be leuchtung u. a., hat die moderne Technik ein gewaltiges centralisierteS System geschaffen, das wir vorerst unter privatkapitalistischer Ner waltung finden, dessen Pflege und Ausbreitung aber mehr und mehr als ein Politikon erkannt wird. Und wenn auch Verstaatlichungen allerlei Art unter bürgerlicher, staatlich beschränkter Gcmeindeherrschast vorgenommen werden, so entspringen fie doch jener wirtschaftlichen Stotwendigkeit, die erkannt zu haben das Verdienst der Arbeiterklasse ist. Jeder Versuch, wirtschaftliche Vorgänge der Einzelwillkür zu entziehen und sie aus einem politischen Gesamtwillen zu regulieren, komint, bewußt oder unbewußt, der proletarisch-soeialistischen Ge- daukenrichtung entgegen. So stellt sich allmählich heraus, daß die Stadtgemeinde im Wirt schastlichen Leben der Nation wieder ein gewichtiger Faktor wird. Sie ist zwar nicht mehr ein geschlossener Markt, auf dessen engem Ge- biete sich der Großteil aller Produktionen und Konsumtionen in ge- schlossenem Kreise vollzieht; in ihren Wohnstätten leben Menschen. deren Arbeitserzeugnisse in fernen Staaten oder fernen Erdteilen »erbraucht werden und deren Thätigkeit die bunteste Musterkarte Aller Möglichkeiten aufweist. Aber so verschieden die einzelnen in ihrer Produktton gerichtet find, so gleichgerichtet sind sie in ihren Bedürfnissen. Die ungeheure Ansammlung von Menschen an einem bestimmten Orte schafft wieder einen lokalen Martt von erheblicher Bedeutung, der zwar nicht zünftlerisch abgeschlossen ist, in dessen Adern vielmehr der Herzschlag der Weltwirtschast pulsiert, der aber doch in hohem Maße von dem polittschen Willen der Gemeinde ge- regelt und beeinflußt werden kann. Eine solche Beeinflussung liegt aber nur zu geringem Teile im Interesse der in der Gemeinde herrschenden Klassen. Sie find an dem lokalen Markte viel mehr denn als Konsumenten als K a p i- tali st e n interessiert: als Hausbesitzer, Terrainspekulanten, Aktionäre von Gas-, Wasser-, Elektricitätswerken, als Fleischer, Bäcker, Apo- thekcr usw. Das Interesse der Klassengemeinde läuft im Wesentlichen parallel mit dem Interesse des Klassenstaates. So erklärt es sich, daß das Verhältnis der Gemeinden zum Staate noch immer durch Bestimmungen geregelt werden kann, die ein halb Jahrhundert auf dem Rücken haben, die aus nachmärzlicher Zeit stammen und den Tod aller Selbständigkeit bedeuten, die er- lassen worden sind aus dem Geiste der trockensten Bureaukratte und den neuen socialen Funktionen der Gemeinde, die ja zur Zeit ihres Erlasse« noch so gut wie unbekannt waren, keinerlei Rechnung tragen. Das Aufsichtsrecht des Staates kann unter den gegenwärttgen Um- ständen nichts andres sein als ein Teil jenes doppellen Sicherheits- schlosses, von dem das Dreiklassen-Wahlrecht der andre Teil ist. Es ist darum nicht wunderbar, daß die verkommenen Erben eines fteicn Bürgertums, die herrschenden Klassen der Gemeinde, sich heute in hündischer Demut vor der allmächttgen Staatsgewalt verzehren. _ Für sie ist die Frage der Selbstverwaltting nicht aktuell. Für sie ist sie auch keine Frage des Princips. Ihnen kann es ja schließ- lich gleich sein, wie sich das große und das kleine Klassenregiinent in die Besorgung ihrer Geschäfte teilen. Aber in dem Augenblick, in dem etwa ein freieres Gcmeindewahlrecht die Gemeinde zu einem Instrument der Proletarierklasse und ihrer Bestrebungen machen würde, würde das Bürgertum ganz gewiß sofort nach der Staats- fuchtel schreien. Und wenn es umgekehrt möglich wäre, daß der proletarische Standpunkt im Staat obsiegte, während die Gemeinden unter der alten Klassenherrschaft verblieben, dann Würde da?.Recht er Selbstverwaltung" von feinen kapitalistischen Nutznießern als ewiges und unveräußerliches Menschenrecht geltend gemacht werden. Haben wir eS doch schon im kleinen erlebt, daß die Hausherren, die Beherrscher der preußischen Gemeinden, außer sich vor Entrüstung gerieten, weil das Reich unter Anlehnung an socialistische Grund sätze seinen Beamten billige Wohnungen zu schaffen versuchte I Würden sich Staat und Reich in dieser Richtung jemals über einen ersten schüchternen Schritt hinauswagen, würde ins- besondere der preußische Staat von seinen weitgehenden Herrschaftsrechten jemals in anttkapitalisttschem Sinne Gebrauch zu machen versuchen, so würde diese Entrüstung sicherlich ins Ungeheure steigen. Wenn aber vom Staate kommunalen Anstalten alle mög- lichen Erschwernisse auf den Weg mitgegeben, Verträge mit aus« beuterischen Privatgesellschaften über den Kopf der Gemeinde hinweg erneuert und verlängert werden, so ist für das städtische Klassen- Parlament ein so geübtes Aufsichtsrecht sehr wohl schmunzelnd zu ertragen. Erst da? Proletariat ist dazu benifen, die Gemeinde aus ihrer Ohnmacht zu erwecken. Es kämpft für das weitestgehende Selbst- vcrwaltungsrecht, weil nach seiner Auffassung die Gemeinde ein wirtschaftlicher Körper von hoher Selbständigkeit»nd bestimmter Eigenart ist. Aber es weiß auch, daß von einer„S e lb st verwalttmg" nicht die Rede sein kann, wemi die Angelegenheiten der Gemeinde nicht von der Masse ihrer Einwohner selbst, sondern von einer kleinen besitzenden Schichte im angeblichen Interesse der Gesamtheit per- waltet werden. Die fteie Gemeinde mit fteiem Wahlrecht, die den Kreis ihrer eignen Angelegenheit selbständig und ohne staatliche Eingriffe erfüllt, die kommunale Proletarierrcpublik, ist ganz gewiß keine Utopie, wenn sie auch ebenso gewiß im besseren Sinne des Wortes ein gutes Stück„ Zukunftsstaat" ist. Es zeigt sich hier deutlich, daß das nächstliegende praktische und realisierbare Interesse des Proletariats unvereinbar ist mit dem kapitalistischen Interesse und dem Bestände der Klassenherrschaft. Das Kommunalprogramm, mit dem die Socialdemokratte in den Kampf um den preußischen Landtag eintritt, ist also ein praktisches, not- wendiges, ausführbares, gerade deswegen aber ein revolutionäres Programm. Auf diesem Teilgebiete der Staatsverwaltung zeigt fich schärfer vielleicht als auf jedem andern, daß die Wünsche und Ziele der Arbeiterschaft keincsiocgs als unerreichbares Traumgebilde irgendwo in den Wolken hängen, daß vielmehr zu ihrer Erreichung nichts gehört als die Ueberwiudung jener Schranken, die ihr mensch- liches Einzelinteresse in den Weg gestellt hatten. Und kann heute auch niemand voraussagen, mit lvelchen Mitteln und in welchem Zeitpunkt die vollkommene Beseitigung jener Schranken gelingen wird, so ist doch das eine klar geimg: Der Weg zur freien Ge- meinde geht über den Staat, über den Landtag! politische(leberlicht. Berlin, den 10. Oktober. Die preußische Sammlung gegen die Socialdemokratte wird von der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" mit ebenso rührendem wie ungeschicktem Eifer fortgesetzt. Sie schreibt heute: „Dem Gedanken, daß es Pflicht aller staatserhaltenden Par- teien sei, in unsren Zeitläuften stets den gemeinsamen Feind in: Auge zu behalten,... haben wir vor acht Tagen ebenfalls Ausdruck gegeben. Obwohl wir mit dieser Aeußerung nur der Haltung treu blieben, die wir vom Standpunkte des Gemein Wohls seit vielen Monaten(!) beobachtet haben, ist sie den- noch... dahin mißverstanden worden, als hätten wir die bürger- lichen Parteien ermahnt, bei den preußischen Landtagswahlen wie bei den Wahlen zum Reichstage stets gegen die Socialdemokratte anzukämpfen und danach zu' den im Wahlkampfe gegenüber- stehenden Parteien Stellung zu nehmen. In solchem Sinne tonnten wir die Mahnung nicht gemeint haben, da uns ebenso wie jedein andern Politiker bekannt ist, daß in Preußen, soweit die Socialdemokratte in Betracht kommt, Parteikonstellationen, wie sie im Reiche sich entwickelt haben, ausgeschlossen sind. Wohl aber ist nicht zu übersehen, daß ein erbitterter Kampf zwischen den staats- erhaltenden Parteien bei den LandtagSwahlen leicht unliebsame Rückwirkungen auf die Beziehungen dieser Parteien zu einander überhaupt und namentlich auch im Reiche haben könnte. Daß durch eine solche Entwicklung die geineinsame Stoßkraft aller Gegner der Socialdemokratte' gegen diese abgeschwächt werden würde, läßt sich nicht wohl bestreiten.... Jede Epoche hat ihre Aufgaben, die in erster Reihe eine Lösung erheischen. Es mögen dereinst wieder Tage anbrechen, in denen die alten Gegensätze zwischen den bürgerlichen Parteien in ihrer ganzen Schärfe Geltung erhalten. In absehbarer Zeil jedoch wird schwerlich ein iimerpolltischeS Problem hervortreten, das in höherem Maße dir Aufmerksamkeit der Ocsscntlichkcit cr fordert, als das Problem, dir irregeleiteten Massen von dem materielle» und moralischen Terrorismus zu befreien, den die Socialdcmokratic über sie ausübt. Wenn in einem Hamburger Blatt uns nachgesagt wird, wir wollten durch den.Popanz" der socialdemokratischen Gefahr.die Liberalen in eine Alliance mit der Reaktion hineinschrecken", so könnten wir in der gleichen Ton- art erwidern, daß auf jener Seite mit dem Popanz der Reaktton operiert werde. Der Hinweis auf einzelne Parteikundgebungen und Preßäußcrungen verliert dock sehr an Beweiskraft, wen» man sich gegenwärtig hält, daß in Preußen und im Reiche»och andre Faktoren ein entscheidendes Wort zu sagen haben als dir Parteien." Hier wird mit kindlicher Offenheit erzählt, daß in Preußen keinerlei Aussicht und Absicht bestehe, die fünfzigjährige NeakttonS- Periode durch irgend welchen Fortschritt zu unterbrechen. Kein innerpolitisches Problem" soll den inneren Gegensatz zwischen Bürgertum und Jnnkerschaft aufzeigen. Vielmehr wird der liberalen Bourgeoisie zugemutet, sie möge nur ruhig die Hörigkeit unter dem feudalen Lstelbicrtui» weiter tragen, auf daß die Satnmlung gegen den Umsturz nicht gestört würde. Auch die Kanalvorlage wird danach nicht kommen; denn das wäre ja ein innerpolittsches Problem, das den Frieden der Besitzenden stören könnte. Und nach solchem Sang auf die eine reaktionäre Masse wird naiv hinzugefügt, schließlich hätten ja die bürgerlichen Parteien über- Haupt nichts zu sagen, sondern wären nur dazu da, den.andren Faktoren" wider die Revolution zu helfen. Für die Socialdemokratte ist der ganze preußische Staat ein .innerpolitisches Problem" ernstester und drängendster Art. Indem die bürgerlichen Parteien ermahnt werden, an diesem Problem im Interesse der.Sammlung" nicht zu rühren, da jeder irgendwie be« deutendere Reformversuch sofort den inneren Zwiespalt zwischen der modernen kapitalistischen Jndustrieklasse und dem Junkertum, hervor- treten lassen müßte, wird der Socialdemokratte die ganze Aufgabe des Fortschritts in Preußen überlassen. Es wird zugestanden, daß die Socialdemokratie allein noch fähig und gewillt ist, die seit einem halben Jahrhundert stockenden politischen und kulturellen Lieformen in Angriff zu nehmen. Dies Zugeständnis ist wertvoll.— Der russisch-japanische Konflikt, der wegen der Mandschurei und Koreas schon seit geraumem bestand, soll jetzt, nach den Meldungen englischer und russischer Blätter, an: Punkte gewaltsamer Entladung angelangt sein. Bekanntlich hatte Rußland feierlich versprochen, einen Teil seiner Truppen bis zum 8. Oktober aus der Mandschurei zurückzuziehen. Soviel bis jetzt bekannt geworden ist, hat Rußland sein Versprechen nicht nur nicht eingelöst, sondern im Gegenteil seine militärische Position noch befestigt. Japan soll Rußland nun bezüglich der Mandschurei ein binnen zwei Tagen zu beantwortendes Ulti- in a tum gestellt haben. Rußlands Antwort soll in beschleunigten Kriegsvorbereitungen bestehen. So wird aus Paris gemeldet: „Nach einer Privatmeldung aus Tschifu verließ die russische Flotte vorge st er n Port Arthur mit versiegelten Orders. Es heißt, daß eS vor Korea zwischen den Komman- bauten der russischen und der japanischen Flotte zu einer AuS- einaudcrsetzung kommen werde, welche einen modus vivendi zur Folge haben könne. Eine gleichzeitige Landung russischer und japanischer Truppen an ver- schiede nen Punkten Koreas sei nicht aus- geschlossen. Man erwarte allerdings einen Protest Koreas, der aber au den Ereignissen nichts ändern werde. Nach einer Meldung der„M 0 r n i n g P 0 st' haben sich die Russen in T s ch i fu bewaffnet aus Furcht vor der in der Mehrzahl befindlichen japanischen Einwohnerschaft. Die Lage erscheine ernst. Was an diesen sensattonellen Nachrichten wahr, werden die Er- eignisse dieser Tage ja zeigen. Richtig ist ja, daß englische Mel- düngen in den letzten Wochen die Kriegsgefahr so drohend als möglich dargestellt haben. Namentlich wurde über auffällige japanische Truppenverschiffungen berichtet. Diese Nachrichten wurden dann alsbald von dem japanischen Gesandten in London als un- zutreffend und übertrieben bezeichnet. Es kann sich dabei sowohl um ein ernstes Dementi als um ein diplomatisches Pertuschungsnianöver gehandelt haben. Auch die russische Presse erörterte anscheinend ernsthast die Möglichkeit deS bevorstehenden Kriegsausbruchs zwischen Rußland und Japan.„N 0 w 0 j e W r e m j a" bemühte sich dabei, Japan von der Aussichtslosigkeit eines Krieges gegen Rußland zu überzeugen: „ES muß auch der japanischen Regierung klar sein, von welchen schrecklichen Nöten Japan durch einen Krieg mit Nußland bedroht wäre. Selbst der glänzendste militärische Erfolg Japans wird immer nur ein zeitweiliger Erfolg sein, da das verhältnismäßig kleine Jnselreich den russischen Koloß nicht niederzwingen kann. Zu guterletzt wird der Sieg natürlich auf feiten des Stärkeren sein. Eine Niederlage würde den Untergang aller Hoffnungen auf eine ruhmvolle Zukunft. den Rückschritt statt der schnellen Vorwärtsbewegung bedeuten. Das Schicksal des ganzen Volkes, der ganzen Nation auf eine Karte seuen kann man nur dann, wenn kein andrer Weg vor- handen ist. Japan befindet sich durchaus nicht in einer solchen Lage. Seiner Regierung ist das bekannt, und deshalb kann man nicht annehmen, daß sie sich zu irgend einem unüberlegten Schritt entschließen sollte, der als eine Verletzung früherer Verpflichtungen erschiene und Rußland nötigen würde. Maßregeln zu ergreifen, die für die Wahrung seiner Interessen unumgänglich sind." Wie man sieht, hält„Nowoje Wremja" trotz der forcierten russischen Rüstungen die Möglichkeit eines vorläufigen japanischen Erfolges nicht für völlig ausgeschlossen. Und in der That wäre es sehr wohl möglich, daß Japan in einem bluttgen Zusammenprall um die Vor- Herrschast in Ostasien bis auf weitere? Sieger bleiben würde. Auch wäre der gegcnwärttge Zeitpunkt für ein Losschlagen für Japan wahrscheinlich günsttger, als irgend ein späterer. Eine Einmischung Frankreichs zu Gunsten Rußlands erschiene gcgenübex der Haltung Englands und Amerikas ausgeschlossen. Trotzalledem dürften sich die beiden Nebenbuhler der unabsehbaren Folgen eines Krieges allzusehr bewußt sein, um nicht vor dem äußersten so lange als möglich zurückzuschrecken. An die Thatsache des Krieges wird man erst glauben können, wenn die ersten Kanonenschüsse gewechselt sein werden,— Deutfebeö Reich. Ein Kutten Witz. Nor einiger Zeit wurde in der katholischen Presse die Sehnsucht nach einem klerikalen Witzblatt aus- ftsprochen. ES scheint, daß dieser Plan jetzt in der Form zur Aus- ührung gelangt, daß man dem Centralorgan des Centrums, der ..Germania", die ehrenvolle Ausgabe überantwortet hat, sich in ein Witzblatt zu verwandeln. Leider ist die auf dem Gebiet des Witzes ungeübte Redaktion gleich einem fiirchterlichen Aufsitzer zum Opfer gefallen. Sie glaubte einen Scherz über die Socialdemokratie zu machen und hat eine bluttge Selbstverhöhnung geleistet. Die Germania" erklärt also, aus zuverlässiger Quelle mitteilen Es ist auffällig, daß die bürgerliche Presse diesent immerhin be-[ Jude noch getaufter Jude sei. Wir wiesen auf diese Verleugnung zu können, daß ein neues Socialistengesez beschlossene Sache ist. Es merkenswerten Vorgang bisher keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt seines jüdischen Vaters hin. Inzwischen ist uns mitgeteilt worden, handele sich im wesentlichen um eine Bekämpfung des insturzes hat. Offenbar will man vermeiden, daß durch solchen Hinweis das daß Dr. Bernstein mit jener Briefkastennotiz nichts zu thun gehabt der bestehenden Ordnung. Zu diesem Zwecke soll eine weitgehende Gedränge auf den Straßen zur Professur allzu stark wird.- und sie auch keineswegs gebilligt hat. Damit ist auch der von uns erhobene Vorwurf gegenstandslos geworden. Beschränkung der Freiheit, insbesondere eine Beschränkung der freien Meinungsäußerung in Wort und Schrift eintreten, auch ist wiederum eine Expatriierung als Strafe für Vergehen gegen die Ordnung, wodurch jeder gefährlich oder mißliebig gewordene Socialdemokrat unschädlich gemacht werden kann, vorgesehen, womit zugleich eine Infamie- Erklärung verbunden ist. in Wort " Einen Schutsverband gegen die Lügen der Freifinnigen Zeitung" Teltow- Beeskow Dr. Bernstein an, der seine Rede mit dem Sazze abgehaltene, start besuchte Versammlung Stellung. Die Ausführungen Gegen das Laurahütter Urteil nahm eine am 6. d. M. in Posen regte in einer Vertrauensmänner- Versammlung des Wahlkreises schloß:„ Wer Richter nicht kennt, der glaubt ihm; wer ihn dagegen des Referenten, Redakteur Genosse Haase aus Kattowiz, fanden fennt, der glaubt ihm nicht." den ungeteilten Beifall der Versammlung und veranlaßte die einMan merkt natürlich sofort die Pointe. Dieses Socialistengeset arbeitete die ganze Volkspartei gegen uns mit dent Socialisten Was hilft das alles! Während des Reichstags- Wahlkampfes stimmige Annahme folgender Protestresolution: hätten sich die Socialdemokraten in den vom Dresdener Parteitag Die am 6. Oktober im Saale von Szymura in Bosen tagende angenommenen Resolutionen gegeben. Bekanntlich sei ja auf dem Spiegel", der nichts ist wie eine Sammlung ekelhafter Lügen und Bersammlung erklärt: Die Vorgänge in Laurahütte waren die Parteitage in Dresden in den Debatten und in der Resolution Fälschungen. Eine Partei, die derlei Zeug offiziell verbreitet, macht traurige Folge einer ganzen Kette von Unbill und Unrecht, deren Opfer das arbeitende Volk in Oberschlesien ist. Die Unruhen find Bebel- Kautsky- Singer der Revisionismus nicht anders als ein Um- fich mitschuldig. sturz gegen die bestehende Ordnung und als gente ingefährliche Be- Der Parteitag der Freifinnigen Bereinigung ist am Sonnabend entstanden auf dem Boden des wirtschaftlichen Elends und Druces, der politischen Unterdrückung und der Finsternis, zu welcher trebungen gegen die Grundlagen der Socialdemokratie betrachtet abend im Architektenhause in Berlin eröffnet worden. Alls wichtigste die polnischen Arbeiter in Oberschlesien bei dem Fehlen des Schulund parteigesetzlich verboten worden. Um diesen Umsturz- Beratungsgegenstände sind angekündigt: Die Schaffung einer leistungs- unterrichts in der Volssprache, bei der Vernichtung des Vereins- und bestrebungen der Revisionisten entgegenzutreten, ist auch der fähigeren Organisation und die Stellung zu den Landtagswahlen. Versammlungsrechts verurteilt sind. Unmittelbar sind die LauraMaultorbzwang" des alten Socialistengesetzes nicht verschmäht Dr. Barth hat in einem Artikel der" Nation" den Wunsch aus- hütter Unruhen durch das provokatorische Verhalten der Centrums worden. Einer weitgehenden Beschränkung der Freiheit, gedrückt, daß der Parteitag sich für das von der Süddeutschen Volks- geistlichen vor den Wahlen hervorgerufen worden. Auf dieſe fällt insbesondere einer Beschränkung der freien Meinungsäußering partei angeregte engere Zusammengeben der liberalen Parteien zur Sie Verantwortung für das vergosjene Blut, für die unglücklichen liberalen Parteien zur und Schrift, sollen die socialdemokratischen Re- Bekämpfung der Reaktion aussprechen möge. dakteure unterworfen werden. Anhänger revisionistischer Be- Bei Eröffnung des Parteitages am Sonnabendabend wurden Opfer, die hinter den Gefängnismauern schmachten. strebungen gegen die Grundlagen der orthodoren Socialdemokratie unter den zahlreichen Besuchern In Erwägung all' dessen protestieren die Versammelten auf das Oberbürgermeister Kirschner, werden, wenn sie in Wort und Schrift zu revisionistischen An- Professor Mommsen, Pfarrer Naumann u. a. bemerkt. Abgeordneter Gericht über die unglücklichen Opfer der Berfehlungen welche hundertallerentschiedenste gegen die harten Strafen, welche das Beuthener schaugen sich bekennen, erpatriiert, d. H. aus der socialdemo- Schrader eröffnete, wie berichtet wird, den Parteitag mit einer verhängt kratischen Partei ausgeschlossen, was natürlich mit einer InfamieErklärung in den Augen aller Zukunftsstaatsgenossen identisch ist. geordneten Dr. Rösicke gedachte, mit dem einer der trenesten und durch welchen einigen der Verurteilten die Ehrenrechte aberkannt Von einer Verhängung von Zuchthaus und Gefängnisstrafen hat man aufopferungsfreudigsten Witkämpfer der Vereinigung dahingegangen worden sind. einstweilen absehen müssen, da der Zukunftstaat zur Zeit noch nicht sei. Die Beziehungen zu den Nationalsocialen, die den diesjährigen im Besize der Exekutive ist und über die bestehenden Internierungs- Parteitag zu einem der bedeutsamsten machen sollten, seien unter der oberschlesischen Geistlichen für die Hauptschuldigen an dem Unbill, Judem die Versammelten die Centrumspolitik sowie die Thätigkeit anstalten nicht verfügen kann. Rösickes Beteiligung zu stande gekommen und von ihm in erster Da hat ein Schalt die ehrsame Redaktion der Germania" Linie gefördert worden. Seine Mitarbeit habe ferner einen der welches dem polnischen Volke in Oberschlesien geschieht und an den fchlimm hineingelegt. In Hinsicht auf die Socialdemokratie ist schwierigsten Wahlkämpfe wenigstens einigermaßen über- Laurahütter Vorgängen halten, brandmarken sie das Bündnis des über- polnischen Wahlvereins" in Schlesien, des„ Gornoslazak" mit den socialdemokratisch" nur„ katholisch" zu setzen und die Absicht wird stets der Führer der Vereinigung gewesen, wobei er es verstanden Volksverein für Schlesien" als nichtswürdigen Verrat an dem VerAber man braucht statt stehen lassen, und schließlich sei Nöside in socialen Dingen" polnischen Wahlvereins" in Schlesien, des„ Gornoslazak" mit den polnischen Centrumsleuten vom Katolik" und vom„ polnischen fofort flar. Ein Wizzbold hat die Geistessklaverei des katholischen habe, als Arbeitgeber ein warmer Freund der Arbeitnehmer zu ſein Staates geißeln wollen, in dem jede Abweichung von den ewigen und gleichzeitig die Socialpolitik weiter zu führen in einem Sinne, trauen der Wähler, das unter dem Feldruf: Fort mit dem Centrum" Dogmen der Kirche als todeswürdiges Verbrechen geahndet wird, wie es den Intentionen der Partei entsprach.( Beifall.) Die Verin dem sogar das bloße Lesen vom Schreiben ganz sammlung erhob sich zu Ehren des Toten von ihren Sitzen. Von Zu den badischen Landtagswahlen. Aus Mannheim schreibt zu schweigen! fezerischer Schriften verpönt ist und in Professor Brentano lag ein längeres Begrüßungsschreiben vor. man uns: Einen Wettlauf um die Regierungsgunst dem mit Nad, Galgen und Scheiterhaufen nur deshalb Es folgte dann der Geschäftsbericht, den Abgeordneter veranstalten zur Zeit die badischen Ultramontanen mit den Nationalnicht mehr gearbeitet wird, weil die Kirche nicht mehr im Besitz der Schrader erstattete. Die Hauptarbeit sei in Sachen liberalen. Sie bedienen sich dabei der unsaubersten Trics, um ihren Exekutive ist. Und dieser entsegliche Terrorismus beschränkt sich nicht des 3olltarifs geleistet worden, der nach der festen Gegner zu schlagen, konnten aber einen schmählichen Hereinfall nicht etwa auf die Angehörigen eines Glaubens, einer Partei, sondern lleberzeugung der Partei mit aller Entschiedenheit bekämpft werden verhindern. Vor wenigen Tagen noch wimmelte die klerikale Presse strebt danach, Grundgesetz der ganzen Gesellschaft zu sein, in die mußte, obwohl auch die Socialdemokratie ihn bekämpfte. Er sage des Landes von Artikeln, in denen die Liberalen, insbesondere ihr niemand freiwillig hinein geboren wird. Weil der Böse das nicht das ausdrücklich, denn seiner Ansicht dürfe man den Kampf gegen junger" Flügel, der Regierung in skrupellosester Offenheit direkt zu sagen wagte, that er so, als ob er sich gegen die etwas, das man als schädlich erkannt habe, nicht unterlassen, nur denunziert wurden, weil sie, im Gegensatz zu der ScharfmacherSocialdemokratie wenden wollte. Das Centrum hat kein weil andre diesen Kampf auch führten.( Lebhafter Beifall.) Die rede des Polizeiministers Schenkel, die Socialdemokratie Glück mit seinen Wigblatt- Versuchen. Jeder Wizz richtet gegen es Thatsachen, die man auf dem vorjährigen Parteitage gegen den unter gewissen Bedingungen als bündnisfähig und das selbst die Spitze. Bolltarif angeführt habe, feien denn auch vollinhalt- Centrum als den Hauptfeind erklärt hatten. Man machte lich bestätigt worden Das kommunale Wahlunrecht. In der Provinz Hannover durch den Verlauf der Dinge. dabei die einzelnen in Betracht kommenden jungliberalen Führer, soweit ist das kommunale Wahlsystem von besonderer Niederträchtigkeit. Handelsverträge Niemals werde ез möglich fein, vernünftige fie Staatsbeamte sind, der Regierung direkt namhaft, um diese auf Grund dieses Zolltarifs zu zum Einschreiten gegen sie zu veranlassen. Nun wollte es ein Nach der hannoverschen Städte- Ordnung von 1858 ist das Bürger- erhalten, während auf der andern Seite die vorausgejagte Steigerung fückischer Zufall, daß am selben Tage, als eine Reihe der größeren recht und damit das Wahlrecht an die Zahlung eines Bürgerrechts- der Unzufriedenheit der arbeitenden Klassen durch die letzten Reichs- Centrumsblätter des Landes einen dieser schmachvollen Denunziations gewinngeldes" geknüpft. Dasselbe beträgt in der Stadt Hannover tagswahlen zum frappanten Ausdrud gekommen ist.( Sehr richtig!) artikel veröffentlichte und sich darin aufdringlich als staats für den Bürger und dessen Ehefrau 180 M. Da mit der Ge- Wir wissen heute, daß wir mit diesem Zolltarif vor 1904 mit der erhaltendes" Element empfahl, die Landesversammlung der winnung des Bürgerrechts außer der Erlangung des Wahlrechts Vorberatung nicht fertig werden. Ob wir dann Handelsverträge badisch en Centrumspartei nach dem Referat ihres Führers teine besonderen Rechte und Vorteile verbunden sind, so sind bekommen werden, ist zweifelhaft, unzweifelhaft aber ist es, daß sie Wacker einstimmig beschloß, bei der kommenden Landtagsnatürlich nur wenige wohlhabende Leute zur Entrichtung einer auf der einen Seite den Anforderungen der Industrie nicht ent- wahl unter allen Umständen gegen die Nationalderartig hohen Gebühr bereit. Bestände nicht die Bestimmung, sprechen und auf der andern Seite die Unzufriedenheit der Arbeiter liberalen zu stimmen und den Wählern zu empfehlen, daß sie daß jeder Preuße, der in der Stadt Hannover Grundbesig erwirbt, weiter schüren werden.( Zustimmung.)- Die Verhandlungen werden von dieser Regel auch nicht abgehen sollten, wenn dadurch ein daß Bürgerrecht erwerben muß, so würde voraussichtlich die fortgesetzt. Socialdemokrat gewählt werden sollte. Herr Wacker bedauerte ganze wahlberechtigte Bürgerschaft nur aus Beamten, Geistlichen und Lehrern bestehen. Diesen wird nämlich das Bürgerrecht unentgeltlängeren Begrüßungsansprache, in der er des verstorbenen Ab- mal mehr andren als ihnen ſelbſt zuzuschreiben sind hat. Vor allem protestieren die Versammelten gegen den Spruch. -" errungen wurde. Das Plöhliche in der Armee. Nach der„ Königsb. Hart. 3tg." dabei ausdrücklich, daß durch die versöhnliche Haltung der Karls. lich verliehen, obgleich fie teils von der Zahlung der Kommunal- beklagt man sich auch in den Kreisen der Militäreffekten- Lieferanten ruher Centrumsleute bei den Landtagswahlen von 1901 die steuern gänzlich befreit sind, teils nur die Hälfte der Steuer zu ent- darüber, daß, während bei fast allen Militärschneidern große Bestände dortigen Mandate von der Socialdemokratie an die National richten haben. So erklärt sich die schier unglaubliche Thatsache, daß vom bisherigen schwarzen Ueberrock- und dunkelblauen Waffenrock des staatserhaltenden" Centrums, insbesondere unter seinen Vers liberalen übergingen. Nun befinden sich aber unter den Führern die Stadt Hannover bei einer Einwohnerzahl von einer Viertelmillion tuch lagern, die sich bei einzelnen von ihnen auf gegen 1000 Meter nur etwa 8000 wahlberechtigte Bürger befigt! Da die Stadt 11 000 und darüber beziffern, diese Bestände nunmehr so gut wie unverwert unter letzteren allein fünf richterliche Beamte, auf die die liberale tretern im Landtag, eine ganze Anzahl Staatsbeamte, bebaute Grundstücke enthält, so kommt noch nicht einmal ein Bürger bar seien, da plötzlich die dunkelblauen und schwarzen Rockstoffe bei auf jedes Wohnhaus. Und 25 Proz. diefer 8000 Wahlberechtigten sind Neubeschaffungen ausgeschlossen seien, jedoch bei manchen Truppen- Preſſe jetzt natürlich alle die denunziatorischen Anschuldigungen Beamte, also Freibürger. Dazu kommt noch als ein weiterer Weißstand teilen, bei Besichtigungen, Baraden und im großen Dienst nur hell- zurückschleudert, die von klerikaler Seite gegen die liberalen Bedie überaus geringe Zahl der zu wählenden Bürgervorsteher( so blau getragen werden darf, und daß derart große Summen an ent- amten erhoben wurden. Es ist eine wahre Lust, als lachender Dritter diesem Herenfabbat zuzusehen, der jetzt um das Prädikat heißen in Hannover die Stadtverordneten). Nur 24 Personen haben werteten Stoffen verloren gingen. gegenüber einem mit allen Machtbefugnissen ausgestatteten Magistrat der staatserhaltenden" Partei vor der Regierung aufgeführt bie kommunalpolitischen Interessen der Residenz zu vertreten. Alle Bestrebungen in den breiteren Schichten der Bevölkerung, diese ungeheuerliche Brivilegienwirtschaft zu beseitigen, sind bisher erfolglos gewesen. Das preußische Abgeordnetenhaus, das selbst Wir möchten diesen Anlaß benutzen, und einen im Vorwärts" nur durch ungerechtigkeit besteht, denkt nicht an Besserung dieser Zustände. Wie man in Preußen Professor werden kann, zeigten wir neulich an dem Beispiel des Erbauers des neuen Berliner Opernhauses. Vor fünfundzwanzig Jahren. III. = " Dr. Bernstein- Charlottenburg, der von Eugen Richter so grimmig| wird. dem freisinnigen Abg. Kopsch wegen seiner semitischen Abfunft für verfolgte freisinnige Reichstagskandidat, ist, wie neulich erwähnt, von Eine Frau als Agentin des Wahlstimmenkaufs. unwürdig befunden worden, für die Partei zu kandidieren. Die Privatklage der Mitglieder der demokratischen Fraktion des Gemeinderais der Stadt Mülhausen gegen die durch die während des Reichstags- Wahlkampfes erfolgten Angriff gegen Stimmentauf Affaire bei der Landesausschußwahl im April d. J. bes Dr. Bernstein richtig zu stellen. In der Nr. 2 der ,, Freifinnigen Wahl- tannt gewordene Frau Jos. Kirchhoffer wegen Beleidigung kam am zeitung für den Wahlkreis Torgau- Liebenwerda" befand sich eine legten Mittwochvormittag vor dem Schöffengericht in Mülhausen zur Briefkastennotiz, in der mitgeteilt wurde, daß Dr. Bernstein weder Verhandlung. Die Klage stützt sich darauf, daß Frau Kirchhoffer gehezt, den Glauben an die Gesetzlichkeit erschüttert habe. Der erkennen, daß ein Beweis für den Zusammenhang von Nobilings Kanzler widerspreche der Wahrheit, wenn er behaupte, die Social- Attentat mit der Socialdemokratie von niemand erbracht worden sei, demokratie triebe nichts als Negation. Bei der Beratung und nahm seine Zuflucht zur Volksseele, die durch Nobilings Schuß der Gewerbe Gesetzgebung seien die socialdemokratischen Ab- eben aufs tiefste erschüttert worden sei. Dieser Einwirkung könne geordneten bon Paragraph zu Paragraph mit prak sich die Volksvertretung auf die Dauer nicht entziehen. Was sich nun vom 9. bis 19. Oftober im Reichstage begab, der tischen Vorschlägen zur Hebung der arbeitenden Klassen Und Bebel nagelte den geschmeidigen nationalliberalen Herrn tapfere aber aussichtslose Stampf der kleinen socialdemokratischen hervorgetreten. Fabrik Inspektoren, Verkürzung der Arbeits- auf sein Geständnis fest, das Geständnis eines namenlosen SchurkenFraktion gegen die Uebermacht von Interessenwut und politischem zeit, Schuß der Frauen und Kinder, Bekämpfung der Prostitution streiches. Erst hatte man also verleumdet und falsche Nachrichten in Understand, war freilich nur ein Rückzugsgefecht, das größere ent- solcher Art seien die Anträge, die die Socialdemokraten gestellt die Welt gesezt, um die Socialdemokraten als Meuchelmörder erscheidende Operationen deckte, die sich draußen im Lande in aller hätten. scheinen zu lassen. Jetzt ließ man die Maske fallen, weil der Zweck Stille vollzogen. Um so possierlicher wirkt es heute, daß die Das Ereignis des Tages war die große Rede Rudolf erreicht war. National- Beitung" am Morgen jenes 9. Oktober, an dem die zweite v. Bennigsens. Dieser Führer des gemäßigten" National- An dem Tage nach diesem Geständnis, am 19. Oftober 1878, Lesung vor dem Plenum begann, nach rechts wie nach links alle Zeit liberalismus besaß nicht die Schamlosigkeit eines Bamberger, die ward das Socialistengeset in dritter Lejung angenommen. Von pathetisch, diesen stolzen Römerschwur that: mit einer Grimasse über Vergangenes hinwegglitt. Liest man heute 397 Abgeordneten waren 370 anwesend; davon stimmten 221 für, Die Gesetzgebung ist fest entschlossen, die bisherige Agitations- Bennigsens Rede, so hat man das Gefühl, als ob sich der, der sie 149 gegen das Gesetz. Dafür stimmten die Konservativen, die methode der Socialdemokraten nie mehr zu dulden, solange gesprochen hat, doch dabei ein wenig geschämt hätte. Herr Reichspartei, die Nationalliberalen und die Gruppe Löwe- Berger; sie dieselbe zu hindern imstande sein wird. v. Bennigsen machte Komplimente nach rechts und links. Er pries dagegen die Fortschrittspartei, das Centrum, die Elsaß- Lothringer, Dies Gesez oder ein neues oder Specialgesetze, die zu machen Karl Marx als einen Schriftsteller von eminenter Befähigung, Polen und Socialdemokraten. find alle diese Mittel werden von jetzt an den Zweck ver- historischer und dialektischer Bedeutung", er erklärte, niemand könne Die Komödie war zu Ende, und bevor das obligate Kaiserhoch folgen, die Organisation des socialpolitischen Umsturzes zu ver- behaupten, daß die kapitalistische Produktionsweise und die heutige ertönte, hatten die Socialdemokraten nach gutem alten Brauch den hindern. Form des Eigentums ewig und unabänderlich seien aber weder Saal verlassen: siegreiche Besiegte! Man soll nichts verschwören...! Sie praktisch revolutionären Schlußfolgerungen dieser Lehre, noch Der erste Tag der zweiten Lesung brachte ein Duell zwischen ihre Verbreitung in den Voltsmassen entsprachen seinem Geschmack. Wer sich heute in den Verlauf jener parlamentarischen Verhandbem füddeutschen Demokraten Sonnemann und dem Fürsten Bur ökonomischen Geheinlehre, zum Leckerbissen für dialektische Fein- lungen vertieft, in denen die revolutionäre Kraft und Einigkeit der Bismard. Der Chef der Frankfurter Zeitung" ritt schon damals schmecker schien ihm der Socialismus gut genug, gefährlich aber deutschen Socialdemokratie vor ihren Todfeinden beschlossen wurde, bas Steckenpferd der Mauserung. Das wissenschaftliche Organ der für die Masse. Die hochmütige Volksverachtung, die im Laufe dieser dem erscheint das ganze dazwischen liegende Vierteljahrhundert als Partei, die Zukunft" beweise, daß sich die Jdeen der Partei schon ganzen Debatten der deutschen Volksvertretung von der Stirne zu eine fast stillstehende Zeit, von unheimlicher Ruhe und Gewittervon selbst allmählich berichtigten. Ihren Höhepunkt erreichte Sonne- lesen war, hat in Herrn v. Bennigsens Rede vielleicht den schärfften, ftimmung erfüllt. Das Socialistengesetz ist nach zwölf Jahren manns Replit, die eine scharfe Kritik der konterrevolutionären Gewalt aber auch den elegantesten Ausdruck gefunden. gefallen, und die Partei, deren Keime damals schon der bürgerlichen politik enthielt, mit der Feststellung, daß Herr Bamberger, der Nach Bennigsens Rede wurde der§ 1 in der Fassung der Welt als eine unendliche Gefahr erschienen, hat sich zu unerhörter nationalliberale Schönschwätzer und gehorsame Buyer des Kürassier- Kommission angenommen und die Debatte verlor sich jetzt bei ab- Größe entwickelt. Sie ist so revolutionär gesinnt, wie sie es nur Stiefels, sich im Jahre 1849 in Mainz in feierlicher öffentlicher Nede nehmender Aufmerksamkeit in Einzelheiten. Nur Eugen Richter jemals gewesen ist, aber sie zählt jezt nicht mehr eine halbe Million, für die socialdemokratische Republit" erklärt hatte. Alles lachte, und erhob sie nochmals zu der Höhe seiner allgemeinen Gesichtspunkte sondern drei Millionen. Herr Bamberger lachte mit! und beklagte sich lebhaft darüber, daß Bismarck Lassalle, den Ver- Stehen geblieben sind aber ihre Gegner. Man kann ruhig Fürst Bismarck antwortete auf Sonnemanns sachliche Aus- fasser von Brandreden und Brandschriften, gegen welche alles jetzt fagen, daß in den fünfundzwanzig Jahren, die seit jenen Reichsführungen mit einem persönlichen Angriff, deutete an, daß er den von der socialistischen Seite Gebotene mur Stümperei ist", empfangen tagsverhandlungen verflossen sind, die bürgerlichen Kritifer Frankfurter Zeitungsmann für einen Agenten der französischen Re- und ihn zum Troß ermutigt habe. Die socialdemokratischen Ab- des Socialismus feinen einzigen neuen Gedanken gefaßt, gierung halte, wollte aber schließlich doch nichts gesagt haben. geordneten beschränkten sich jedoch nach streng parlamentarischen kaum auch nur eine Meinungsnuance geäußert haben, Nebenbei fang er ein Loblied auf die Gutmütigkeit" der deutschen Regeln auf das Gebiet der vorliegenden Paragraphen. Es ward nicht schon damals dagewesen ist. Sie haben feine Richter zur selben Zeit, da viele Hunderte, Greise, Frauen und ihnen nicht schwer, jezt Glied für Glied nachzuweisen, wie dieser geistige oder materielle Waffe gefunden, die nicht schon ganz junge Leute, oft über höchst unglaubwürdige Denunziationen Entwurf nichts andres war als ein Gemisch von Hilflosigkeit und vor fünfundzwanzig Jahren ichartig geschlagen worden hin wegen Majestätsbeleidigung" im Gefängnis faßen. Dabei Brutalität. wäre. Manches ist aus ihrem Arsenal verschwunden, weil man sich fiel auch das Wort vom Freisinn als der„ Borfrucht der Social- Am 16. Oktober war auch die zweite Lesung zu Ende. heute schämen müßte, damit auf die Straße zu gehen: mit dem Rest Demokratie", wogegen Herr Hänel fast erschrocken protestierte. Die dritte Lesung, am 18. und 19. Oktober, brachte noch hält man Haus, so lange es geht. Alle die Mauserungshoffnungen Der 10. Dktober begann mit einer leidenschaftlich bewegten zwei Neden von Liebknecht und Bebel. Schlagen Sie zu", und Reaktionsphantasien, zwischen denen die bürgerliche Welt hin Antlagerede Hasselmanns gegen Bismarck. Hatte Bebel den rief Liebknecht, aber verleumden Sie nicht! Stempeln Sie nicht und her pendelt, find längst von der Geschichte zu den Toten diplomatischen Schleicher geschildert, der den Vorteil nahm, wo er 500 000 deutsche Wähler und eine Million deutscher Reichsbürger zu geworfen worden: fie sind, die einen wie die andern, nur mehr die ihn fand, so deckte Hasselmann, den Heuchler in ihm auf, der über Meuchelmördern. Sie( nach rechts) hassen uns als Demokraten, Gespenster von gestorbenen Gedanken. Ein wehmütiges„ Es war Gewalt flagte und selbst der Gewaltthätigste von allen war. Bis- Sie( nach links), weil wir Ihre wirtschaftlichen Zirkel stören; hassen einmal" tönt unsern Gegnern aus den Spalten jener alten Protokolle mard und nicht die socialdemokratische Partei sei es gewesen, der Sie uns, aber beschuldigen Sie uns nicht einer Schuld, die nicht und Zeitungen entgegen, uns aber ein fröhliches Werdegebot und Throne umgestürzt, das Eigentum verletzt, Völker gegeneinander besteht." Herr Lasker erklärte darauf verlegen, er müsse an die Stimme eines ewig regenden schaffenden Geistes. " " 1 " die Frankreich. Bei Entfaltung ihrer politischen Verführungstünfte gegenüber Oestreich- Ungarn. unsrem Genossen Bissinger in dessen Wohnung am 27. April d. J. u. a. die Aeußerung that: Was die andre Hirlap" fanden nach einer" Herold"-Meldung am Freitagabend Demonstrationen in Budapest. Vor dem Gebäude des„ Pesti Seite des Gemeinderats( die demokratischen Mitglieder) betreffe, große Demonstrationen statt, bei denen Arbeiter für die streifenden so sei für Herrn Wallach schon alles in Ordnung, Drucker Partei ergriffen. Die wiederholte Aufforderung der Polizei, diefe Herren feien„ schon alle kräftig geschmiert." Frau sich zu zerstreuen, wurde von der Menge mit einem SteinKirchhoffer bestritt die inkriminierte Aeußerung. Die An bombardement beantwortet. Die Polizei griff mit blanker Waffe ein, geklagte macht den Eindruck einer hochintelligenten und energischen so daß es zum förmlichen Straßenkampfe kam. Acht Polizisten und Frau und führte ihre Verteidigung, die im Zurschautragen gänzlicher etwa 20 Demonstranten wurden verlegt, gegen 40 Personen verUntwissenheit und Harmlosigkeit in politischen Dingen bestand, ge- haftet. schickt durch. Der zunächst aufgerufene Zeuge Leopold Bissinger, socialdemokratischer Stadtrat in Mülhausen, der der Beredtsamkeit dieser Frau und dem Gelde des politischen Sekretärs des gegnerischen Zum Textilarbeiterstreik. In 16 von den am Freitagabend stattKandidaten Wallach bei der Landesausschußwahl im April siegreich gehabten 18 Versammlungen der Ausständigen wurde die Fortwiderstanden hatte, schilderte die wiederholten Besuche der An- sezung des Ausstandes beschlossen. In Tourcoing ist die geklagten in seiner Wohnung und die Art, wie sie die Wahlbestechung Ruhe wieder hergestellt. In Halluin dauert der Generalstreit fort. einleitete. An dem Tage, an welchem sie ihm die später bei der Es wurde eine Anzahl von Verhaftungen vorgenommen, auch mehrere Staatsanwaltschaft deponierten 400 Mark überbrachte( es war am Belgier wurden wegen Beschränkung der Arbeitsfreiheit verhaftet. Vorabend der Landesausschuß- Wahl, am 27. April 1903) fuchte sie In Roubaix fand eine Rundgebung der Ausständigen statt, in deren die geäußerten Bedenken Bissingers gegen den Parteiverrat nochmals Verlauf viele Fensterscheiben eingeworfen wurden und ein Polizeizu zerstreuen. Als Bissinger im Hinblick auf die für den Fall der kommissar schwer verletzt wurde. schin Wahl Wallachs in Aussicht gestellten weiteren 800 Mark meinte: Lille, 10. Oktober.( B. H.) Der Ausstand ist in der Abnahme Ja, Ihr redet mir wohl, wie ist es aber, wenn einer von den begriffen. In Armentières erklärte sich der Handelskammer- Präsident Demokraten im Gemeinderat seine Stimme für Emmel abgiebt? bereit, mit den Arbeiterdelegierten über Mittel und Wege zu einer Wird man dann nicht glauben, ich sei derjenige gewesen, der die Verständigung zu beraten. Niederlage des Herrn Wallach verschuldet?" Da antwortete ihm Frau Roubaix, 10. Oftober.( B. H.) Gestern abend erneuerten sich Kirchhoffer: Seid dieserhalb nur ruhig; was die andre Seite be- die Unruhen; zwei Fabrikgebäude wurden von den Ausständigen trifft, so braucht Ihr keine Angst zu haben, die ist kräftig ge- demoliert. Truppen und Gendarmerie mußten einschreiten und die schmiert." Die Angeklagte Kirchhoffer bestreitet erneut, die Aeußerung von den Streikenden errichteten Barrikaden zerstören. Elf Personen über das„ Schnieren" der Demokraten gemacht zu haben. Sie er wurden verhaftet. zählt, daß der Blechschmied Gardner sie zur Anknüpfung der VerLorient, 10. Oktober. handlungen mit Bissinger veranlaßt hätte. Gardner war bei ihr zu Offiziere Der Kriegsminister hat gegen drei des Hause und sagte ihr, er habe eben mit dem Vorsitzenden der eine Untersuchung angeordnet, weil lettere an einer Sigung Kolonial Artillerie- Regiments demokratischen Partei, Herrn Simonet sprechen wollen, den er aber des revolutionären Vereins Louise Michel" teilgenommen hatten. nicht angetroffen habe. Indes habe sein Auftraggeber, Herr Bloch, mit Simonet gesprochen, sie( Frau Kirchhoffer) wolle sich wegen des England. zur Abschließung der Affaire benötigten Geldes nur an Herrn Bloch ( Fabrit S. Wallach u. Cie.) wenden. Daraufhin habe sie an der Pforte der Fabrik Wallach nach dem Herrn Bloch gefragt, worauf man sie zu Herrn Jsidor Bloch wies. Diefer zahlte ihr die ominösen 400 Mart aus, mit denen sie dann zu Bissinger Kolonien? eilte, der in einer Rammer mit ihr verhandelte, da die Wirt- 14 Proz. zweifelhaft. schaft voller Leute war. Die Aeußerung über die Demokraten habe sie nicht gethan. Zeuge Bissinger bestätigt auf Befragen des Richters nochmals, daß er sich ganz genau auf die gefallenen Worte besinne; übrigens könnten dieselben von einer dritten Person bestätigt werden, die in einem Schranke in dem Zimmer versteckt war und die Unterredung mit anhörte. Ihre persönlichen Bemühungen habe Frau Kirchhoffer damit erklärt, daß sie einen Sohn im Gefängnis habe, dessen Befreiung sie von dem Einflusse des Herrn Wallach nach dessen Wahl in den Landesausschuß erwarte. Ausland. Nachklänge vom Generalstreik in Südrußland. " Zollpläne. London, 8. Oftober. Die„ Engineering Times", das Fachorgan der Maschinenindustrie, nahm unter den britischen Maschinenindustriellen folgendes Referendum vor: 1. Sind Sie für ein System von Vorzugstarifen mit den Die Antworten waren: 66 Proz. für, 20 Proz. gegen, 2. Sind Sie für einen Einfuhrzoll auf Rohstoffe aus fremden 43 Proz. gegen, 40 Proz. für, 17 Proz. zweifelhaft. 3. Einfuhrzoll auf Fabrikwaren? 63 Proz. für, 23 Proz. gegen, 14 zweifelhaft. 4. Lebensmittelzölle?. 54 Proz. für, 32 Proz. gegen, 14 Proz. Ländern? 1 zweifelhaft. möglich gewesen. Noch vor wenigen Jahren wäre ein derartiges Referendum nicht Gewerkschaftskongreffe. " 110 dieses Jahres im stande war, 240 000 Tonnen zu fördern. Dems gemäß wurde der Gesellschaft„ Konkordia" die Beteiligung zuerkannt. Eisenmarkt traurige Aussichten bietet, findet doch noch immer eine Amerikanischer Hochofenbetrieb. Obgleich der amerikanische Betriebseröffnung neuer Hochöfen statt. Die Defen sind meist noch zur Zeit der Hochkonjunktur in Bau gegeben worden, und da man sie nun, wo sie fertig sind, nicht gerne stillstehen lassen möchte, bläst man sie zunächst an, bald zeigt sich dann aber, daß für sie keine Arbeit vorhanden ist, und man bläst sie wieder aus, um sie in dem bekannten amerikanischen Optimismus bei nächster Gelegenheit wieder von neuem in Betrieb zu setzen. Thatsächlich sind denn auch im August( über den September fehlen noch die statistischen Angaben) so viele Hochöfen an- und ausgeblasen worden, wie niemals in einem früheren Monat. Der Zahl nach überwogen die Betriebseröffnungen, und unter diesen waren diejenigen von vier neuerbauten Defen bemerkenswert. Von den neuen Oefen war einer im Adrianwerk zu Dubois( Pennsylv.), einer zu Cleveland, der Ofen Nr. 2 im Calumetwerk zu South- Chicago und einer zu Gadsden in Alabama. Eine ganze Anzahl von Oefen im Süden, die während der Arbeiterunruhen in den Kohlenminen ausgeblasen oder gedämpft waren, nahmen im August die Arbeit wieder auf. Im ganzen wurden neben den genannten neuen Defen 19 Kofs- und 4 HolzkohlenHochöfen in Betrieb gesetzt, aber 19 Koks- und 3 HolzkohlenHochöfen ausgeblasen. Am 1. September 1903 waren 272 Stots oder Anthracit feuernde Defen mit einer Leistungsfähigkeit von 361 097 Tonnen pro Woche und 33 Holzkohlen- Hochöfen mit einer solchen von 9736 Tonnen in Thätigkeit. Die gesamte wöchentliche Produktionskraft aller Defen stellte sich demnach auf 370 833 Tonnen gegen 362 330 Tonnen am 1. August d. J. und 335 189 Tonnen am 1. September 1902. Die Nachfrage nimmt ab, die Produktionskraft der Betriebe nimmt stetig zu, so geht es tiefer und tiefer in die Krise hinein. Nachträgliches vom rumänischen Rentenschwindel. In dem Prozesse wegen der in den Jahren 1899 bis 1901 begangenen Veruntreuungen bei den Losziehungen der 4prozentigen rumänischen Rente hat der Appellgerichtshof die Urteile des Zuchtpolizeigerichts gegen den Bureauchef des öffentlichen Schulddienstes Basil Dimitresco, gegen den Wechsler Dan Albahary und dessen Bruder, den Wechsler Behar, bestätigt. Die Strafe gegen den Bankbeamten Bally, der zu 1% Jahren Gefängnis verurteilt war, ist auf 22 Monate Gefängnis erhöht. Die Schadenersableistung Moreno Albaharys und Behars wegen der durch Fälschungen bei den Ziehungen verursachten materiellen Schädigung des rumänischen Staates wurde auf 900 000 Frant herabgesetzt. Der Vicedirektor des öffentlichen Schulddienstes, Parisiano, der zu 5 Jahren Gefängnis und 2000 Frank Geldbuße verurteilt war, hat gegen dieses in contumaciam gegen ihn ergangene Urteil Beschwerde erhoben, die gesondert verhandelt werden wird. Die großen Betrüger läßt man laufen, die kleinen hängt man. shor Aus der Frauenbewegung. Das Gericht gelangte zur Freisprechung der Angeklagten. In London, 8. Oktober.( Eig. Ber.) Der Jahreskongreß des der Begründung wird ausgeführt: Die inkriminierte Aeußerung fei Bergarbeiterverbandes von Großbritannien tagte diese Woche in allerdings als gefallen nachgewiesen, allein das Gericht nehme an, Glasgow. Es waren 97 Delegierte anwesend, die 515 300 Bergleute daß die Angeklagte nicht das Bewußtsein der strafbaren Handlung vertraten. Mr. Harvey, der Sekretär der Bergleute von Yorkshire, Mütter, Frauen und Mädchen! gehabt und nicht beabsichtigt habe, die betreffende Partei zu be- las die Einleitungsrede, die an erster Stelle die Einrichtung wahlen! Beteiligt Euch an der Agitation zu den bevorstehenden Landtagsleidigen, vielmehr habe sie nur in unüberlegter Weise die Einwen- der gleitenden Lohnstala verurteilte, da sie in dungen, welche Bissinger auf ihr Anerbieten machte, aus dem Wege ziehung bersagt vieler Be- Beweist, daß Ihr Interesse daran habt, daß in Zukunft nicht und gewerbliche Streitigkeiten nicht im räumen wollen. geringsten verhindert. An Stelle der gleitenden Skala müßte die Junker, Adel und Großindustrielle die Macht haben, alle BeForderung nach Festsetzung von Minimallöhnen treten. Ferner ver- strebungen der Arbeiter nach einem menschenwürdigen Dasein zu urteilte sie die Zollpläne Chamberlains. In Deutschland, Frank- unterdrücken! reich 2c., wo Schutzölle vorherrschen, seien die Löhne viel niedriger Viele tief in das wirtschaftliche Leben der Arbeiterinnen einals im freihändlerischen England. Der Letzte Trades- greifende Fragen finden im Landtag ihre Erledigung; Bestimmungen Die Wut der Regierung über den Streit zeigt sich in ununter- Unionskongreß nahm fast einstimmig eine gegen den Schutz- über Steuer, Schule, Polizei und Gewerbe- Inspektion werden dort brochen fortgesetzten Berhaftungen. In Kiew find sämtliche Ge- zoll gerichtete Resolution an; dasselbe geschah auf dem getroffen. fängnisse bis auf den letzten Platz überfüllt, so daß die Kasernen in letzten Trades- Unionskongresse in Kanada. Schließlich erwähnte Anspruch genommen werden. Nie hat es dort seit dem polnischen der Präsident die Wurmkrankheit, Mütter! Laßt es nicht länger zu, daß für Eure Kinder die die eine ernste Aufstande, wo nach Kiew die Verhafteten aus dem ganzen südwest Gefahr für die Bergleute bilde. Meiner Ansicht nach," sagte Schulbildung auf das mindeste herabgedrückt und jede weitere Bildung lichen Gebiet zusammengebracht wurden, so viel politische Ein- Mr. Harvey, ist dies teine neue Krankheit. Diese Art Patienten als ein Hemmschuh der Ausbeutung angesehen wird. geferferte gegeben wie jetzt. Im Jahre 1897 erreichte die Zahl der hatten wir seit undentlicher Zeit in unfren Bergwerken. Aber die Arbeiterinnen, lernt das Unrecht erkennen, das man Euch anthut. politischen Arrestanten 300, doch das waren bloß Demonstranten, Krankheit dehnt sich so aus, daß ganze Bergwerksdistrikte in Kommt alle, Ihr Frauen und Mädchen, Mütter und Arbeiterinnen die für einige Tage festgehalten wurden. Jim vorigen Jahre Gefahr sind, vernichtet zu werden. Ich überweise Ihnen eine in die Versammlung des Socialdemokratischen Wahlvereins der hat die Zahl der Verhafteten sich plötzlich gehoben englische Uebersetzung der Erfahrungen über diese Krankheit in Frauen und Mädchen Berlins und Umgegend. Schriftsteller Genosse und jetzt nach dem Streik müssen Verhaftete nach andren Städten französischen und deutschen Bergwerksdistrikten. Ich schlage vor, May Grunwald wird in einem Vortrage alle diese Fragen beleuchten! gebracht werden, denn in Kiew sind sie nicht mehr unterzubringen. daß eine außerordentliche Konferenz aller im Vereinigten Königreiche Kommt alle! Keine darf fehlen! Lässigkeit heißt Pflichtvergessenheit Das Gefängnisregime wurde verschärft, so daß die Verhafteten im vorhandenen Bergarbeiter- Organisationen einberufen wird, um diese gegen Eure Mitmenschen, gegen Euch selbst und Eure Kinder. Die vorigen Monat sich zu einem Hungerstreit entschlossen, an dem Frage zu diskutieren, ebenso die Zollpolitik." sich nicht weniger als 300 Personen beteiligten. In die Zellen wurde Versammlung findet statt Donnerstag, den 15. Oktober, das Essen von bewaffneten Soldaten in Begleitung von Offizieren im Hofjäger- Palast, Hasenheide 52/53. getragen, man drohte und schrie, es half aber alles nichts, nach Mitglieder werden in der Versammlung aufgenommen. einigen Tagen mußte die Gefängnisverwaltung nachgeben. Die Zahlstellen des Vereins befinden sich: Jm Norden: Frau Wulf, Rostockerstr. 9, Seitenfl. part. Frau Seeger, Kolbergerstr. 26, Laden. Der Berband der Eisenbahner hielt diese Woche seinen Kongreß Frau Leid, Soldinerstr. 87. Frau Hinz, Pappel- Allee 128, vorn I. in Peterborough ab. Der Präsident gab eine Uebersicht über den Im Nordosten: Frau Tiede, Elbingerstr. 27, vorn IV. Jm In Odessa ist der Stadtchef General Arsenjew verabschiedet Taff- Wale- Prozeß, dessen Entscheid gegen den Geist des Gewerkschafts- Osten: Frau Wengels, Große Frankfurterstr. 133. Jm Südworden, weil er angeblich nicht refolut genug gegen die Streikenden rechts sei. Er verurteilte die Haltung der Geschwornen in diesem osten: Frau Koßka, Wienerstr. 29, Laden. Jm Süden: Fräul. vorgegangen ist. General Arsenjew war bloß 4 Monate Stadt- Prozeß, denen es kaum zehn Minuten Zeit gekostet, um zu ihrem D. Bader, Blücherstr. 49, Hof II. Frau Luz, Waterloo- Ufer 9, gouverneur, er war an die Stelle des Grafen Schuwalow getreten, Schuldspruch zu gelangen. Man könne schließlich nichts Besseres Laden. Frau Kulike, Prinzenstr. 102, III. Frau Scholz, Gneisenauder es ebenfalls dem Minister des Innern nicht recht gemacht in Gewerkschaftsprozessen von Geschwornen erlangen, deren ganze straße 50. Der Vorstand. hatte. Nunmehr erwartet man die Ernennung eines der Günſtlinge Qualifikation darin bestehe, daß sie mindestens 2000 m. Jahresmiete Plehwes. Die Beteiligten am Streit in Jekaterinos I am sind in einer Zahl von 200 zu Gefängnisstrafen bis zu drei Monaten verzu urteilt worden. " " Der Kongreß beschloß einstimmig, ein Achtstundengesetz zu verlangen. Schließlich protestierte er gegen die Beschäftigung un qualifizierter, fremder Bergarbeiter, die durch ihre Unkenntnis der englischen Sprache und Verhältnisse die gesetzlichen Schutzmaßregeln vernachlässigen und eine Gefahr für die Bergleute bilden. zahlen. Der Kongreß war einstimmig der Ansicht, daß die parla- Eine Versammlung für Federarbeiterinnen hatte der Verein der mentarische Arbeitervertretung mit allen Kräften zu fördern sei. Blumen- und Feder- Arbeiter und Arbeiterinnen am Mittwoch nach Außer dem Sekretär Mr. Bell sollen noch zwei andre Eisenbahner den Arminhallen berufen, um sie an ihre Organisationspflicht zu als Barlamentskandidaten aufgestellt werden. Einer derselben ist mahnen im Hinblick auf die Drganisation der Fabrikanten, welche Genosse J. Holmes, der Führer des Taff- Vale- Streits. sehr geeignet scheint, auch den berechtigsten Forderungen der Arbeiterinnen entgegen zu treten. Ein Fabrikant Friedenthal Dänemark. leistete sich in der Diskussion Beschimpfungen der Arbeiter, In Baku und Umgegend ist das Militär verstärkt worden, denn man befürchtet, daß der Ausstand hier im Frühjahr von neuem ausbricht. Was aus Subatow, der den Streik in Südrußland mit feinem Socialismus“ des Polizeidepartements bis zum gewissen Grad der Regierung eingebrockt hat, geworden ist, weiß bis jetzt noch kein Mensch. Im Umlauf find die kunter- In dem Budget für 1904-1905, das der Finanzminister dem ihrer Organisationen und ihrer Leiter, die das große buntesten Gerüchte, so zum Beispiel, daß er sich in Folkething vorgelegt hat, sind die Einnahmen auf 76 486 027 Stronen, Maß der Geduld der Arbeiterinnen aufs äußerste erschöpften einer Festung befinde, denn ihn ohne weiteres zu entlassen, sei die Ausgaben auf 77 779 615 Kronen berechnet. Die Einnahmen und Stürme der Empörung hervorriefen. Unter andern Invektiven Plehwe unmöglich gewesen, da Subatom unstreitig recht viel aus aus direkten Steuern sind auf 12 263 400 Kronen, die aus indirekten meinte er, wenn die Arbeitsräume als schmutzig geschildert würden, den Geheimnissen der Regierungspraxis weiß. Die Haussuchung bei Abgaben auf 54 914 235 Kronen veranschlagt, darunter 452 Millionen so feien sie doch kaum so schmutzig als die Wohnräume der Arbeiter Subatom habe der Chef der Gendarmerie v. Wahl persönlich Zolleinnahmen. Unter den Ausgaben stehen die für militärische überhaupt; die Arbeiterinnen wollen ja auch nicht arbeiten, sondern geleitet. Außer Subatow sollen auch seine 3öglinge" entlassen Zwecke an erster Stelle. Für Heer und Marine werden zusammen bummeln lieber herum. Die Groschen, welche die Arbeiterinnen für worden sein, die ebenfalls an der Propagierung des zarischen 19 345 779 r. verlangt, nahezu 100 000 Sr. mehr als im vorigen den Verein ausgeben und von denen die Leiter derselben fett " Socialismus" beteiligt gewesen sind. Es wird auch erzählt, daß Etat. Da hierbei jedoch einige Posten, die offenbar dazu gehören, würden, die möchten die Arbeiterinnen licber in Windin dem Polizeidepartement Aenderungen vorgenommen werden sollen. nicht mitgerechnet sind, so beläuft sich in Wirklichkeit die für beuteln anlegen und sich nicht aufwiegeln lassen, denn mit An Stelle Lopuchins, der jetzt Direktor ist, soll eine ganz junge militärische Zwecke verlangte Summe, wie„ Socialdemokraten" nach- den Arbeiterinnen, die doch nur lebende Maschinen seien, könne man ,, Kraft", der frühere Staatsanwalt für politische Angelegenheiten in weist, auf 22 734 659 Kr., das find 3 329 000 kr. mehr als im teine ernsthafte Organisation aufbauen. Die Vorsitzende Genossin Riga, Trusewitsch, kommen. Lopuchin soll Justizminister werden. Budget von 1901-1902, dem letzten des konservativen Regimes. Ihrer sowie der Vater einer Blumenarbeiterin und eine FederMit einem Wort: der Streit hat in den Regierungssphären arge arbeiterin entgegneten dem Herrn Fabrikanten, der das Gastrecht Zerstörungen hervorgerufen. und die äußersten Regeln des Anstandes völlig außer Acht gelassen hatte. Es wurde u. a. betont, daß 14%, Stunden Arbeitszeit und ein Monatsgehalt von 60-63 m. keine Seltenheit sind. Herr Entladefrist auf den Berliner Ningbahnhöfen. Wie alljährlich, Hirschfeld, ein Blumenfabrikant, verwahrte sich und seine erweisen sich die Geleisanlagen des Ringbahnhofs Kollegen dagegen, daß Herr Friedenthal die Ansichten der Wilmersdorf Friedenau auch in diesem Herbst als un Mehrheit der Fabrikanten zum Ausdruck gebracht habe, er zureichend für die Bewältigung des überaus starten Wagenladungs- tönne nur für sich selbst gesprochen haben. Er erkläre namens der verkehrs der angrenzenden Vororte Schöneberg, Wilmersdorf und Blumenfabrikanten, im Gegensatz zu diesem Herrn, daß sie gerechten Friedenau. Um der drohenden Ueberfüllung der Geleise vorzu- Forderungen der Arbeiterinnen gern ein williges Ohr leihen werden, beugen, hat die Eisenbahnverwaltung die sonst 12 Stunden be- und ersucht, ihn zu den Versammlungen, in denen man Forderungen tragende Entladefrist auf 6 Stunden herabgesezt Unter den vor- berate, einzuladen. Die Forderungen der streikenden Arbeiter sind teilweise erfüllt worden. In Balu hat man ihnen sogar den Lohn für die Streittage auszahlen müssen. In Kiew ist der Streit im allgemeinen als siegreich zu bezeichnen. Nur die Arbeiter der Eisenbahntverkstätten mußten fast bedingungslos die Waffen strecken. Die Tramangestellten haben eine wesentliche Verkürzung der Arbeitszeit erlangt, die Buchdrucker haben in Kiew jetzt den Neunstundentag. Aus Induftrie und Handel. Gewerkschaftliches. Der Erfolg der Kiewer Buchdrucker hat besonders aufmuternd auf die Moskauer Buchdrucker gewirkt, die am 22. September ebenfalls in den Ausstand getreten sind. Der liegenden Verhältnissen läßt sich die Notwendigkeit dieser Maßregel Somit ist die junge Organisation als ein berechtigter Faktor Streit ist hier gut vorbereitet worden, so daß am kaum verkennen; sie ist aber für die Empfänger für Wagenladungen von den Arbeitgebern anerkannt und kann nun der Erfolg der 22. September alle größeren Druckereien feierten. Dasselbe von so einschneidender Bedeutung, daß die längst geplante Er- mühsamen Aufklärungsarbeit nicht mehr ausbleiben. An den Blumengeschah in den nächsten Tagen. Den Buchdruckern schlossen sich an die weiterung der Geleisanlagen nicht länger aufgeschoben werden kann. arbeitern ist es jetzt, die Situation auszunutzen. Metalldrucker, Lithographen, Buchbinder usw. Der Streit wurde so Die Handelskammer wird daher den Wünschen der Interessenten ein allgemeiner. Die Arbeiter hielten große Versammlungen ab und entsprechend an die Eisenbahnverivaltung das Ersuchen richten, den erließen Proklamationen, in denen Verkürzung der Tagarbeit auf beabsichtigten Umbau des Bahnhofes Wilmersdorf- Friedenau sobald acht Stunden, der Nachtarbeit auf sieben Stunden gefordert wird. als möglich in Angriff zu nehmen. Der starke Ladungsverkehr hat Weiter wird eine Lohnerhöhung um 25 Prozent verlangt. Die auch für Nirdorf zu einer Verkürzung der EntladeDruderei- Inhaber haben sich bereit erklärt, den Arbeitstag auf zehn frist geführt. Sicherem Vernehmen nach handelt es sich dabei aber Die Tarifdifferenzen im Glasergewerbe. In der gestrigen Stunden zu kürzen, die Nachtarbeit auf neun Stunden. Auch eine Lohn- nur um eine Anordnung von kürzerer Dauer. Mitglieder Versammlung der hiesigen Zahlstelle des Glasererhöhung wollen sie gewähren. Die Zahl der Streifenden beträgt nicht Der Streit zwischen dem Kohlensyndikat und der Bergbau- Verbandes berichtete Jahn, daß die Arbeitgeber ihr Ausweniger als 10 000. Einige Tage lang konnten nur zwei Zeitungen gesellschaft Konkordia" fand gestern in einer Schiedsgerichtssitzung bleiben von der zum Donnerstag einberufenen Sigung der in Moskau erscheinen, die übrigen mußten ihr Erscheinen unter seine Erledigung. Der Schiedsgerichtsspruch lautet zu Gunsten der Schlichtings Kommission damit entschuldigt haben, daß der brechen. WB: 19.00 Konkordia", indem anerkannt wird, daß ihr Schacht 4 am 1. April Obermeister Jost zur Zeit verreist war und die Einladung desBerlin und Umgegend. wegen zu spät an ihn gelangte. In einem Schreiben des Verbandes der Glasereien und verwandten Geiverbe wird des weiteren zu einer gemeinsamen Sitzung der Schlichtungskommission, die am Dienstag stattfinden soll, eingeladen. Dort soll eine Aussprache über die tarif- Vertragsbrüchigen Firmen herbeigeftihrt werden.— Der Redner sprach sich im Namen des Borstandes und der Vertrauens- leute dafür aus, dah trotz der unliebsamen Verzögerung der Angelegenheit erst das Ergebnis der Sitzung abgewartet werden sollte, um danach über die weiteren Schritte zu be- schließen. Von mehreren Seiten wurden Anträge gestellt, die tarif- brüchigen Finnen sofort wieder zu sperren. Nach lebhafter Debatte wurde jedoch schließlich folgender Antrag fast einstimmig angenommen: .Die Versammlung beauftragt die Mitglieder der SchlichtungS- Kommission, darauf zu dringen, daß die tarifuntreuen Firmen auf Beschluß der gemeinschaftlichen Sitzung sofort gesperrt werden." Zur Lohnbewegung der Konditoren und Pfcfferküchker. Am Freitag erstattete die Lohnkommission in einer abermals sehr gut besuchten Versammlung Bericht über den Stand der Bewegung. Be- kanntlich war in einer früheren Versammlung beschlossen worden, sich zwecks Verhandlung über die Tarifforderungen der Gehilfen schriftlich an die in Frage kommenden Arbeitgeber-Organisationen zu wenden. Antworten sind bisher nur von zweien derselben ein- gegangen. Die Bäckerinnung„Konkordia" hat keine Antwort ge- geben. Vom Verband selbständiger Konditoren ist zwar eine recht- zeitige Antwort in Aussicht gestellt worden, doch ebenfalls noch nicht erfolgt, weil noch keine Sitzung derselben stattgefunden hat. Die Bäckerinnung.Germania" erklärt sich zu Verhandlungen mit der Lohnkommission der Gehilfen als unzuständig und überläßt es diesen, sich an die einzelnen Arbeitgeber zu wenden, die Konditorgehilfen be- schäftigen. Eine merkwürdige Antwort hat der Verein Berliner Zuckerwaren-Fabrikantcn gegeben. Derselbe hat sich bereits am 20. August in einer Sitzung mit den Forderungen der Gehilfen befaßt und dort eine Resolution angenommen, deren Sinn und Wortlaut streng geheim gehalten werden soll, also auch der Lohnkommission nicht mitgeteilt werden dürfte. W e i g e l t zeigte an diesem Beispiel, daß die Arbeitgeber sich schon längst weit eingehender mit den Forderungen der Gehilfen be- schäftigt haben, als ein großer Teil der letzteren selbst dies zu thun für nötig befindet. In der regen Diskussion wurden wieder mehrere markMite Fälle von unwürdigen Lohnangeboten den Gehilfen gegen- über zur Sprache gebracht. So schämten sich einige Meister nicht, arbeitssuchenden Gehilfen einen Wochenlohn von 12 bis 14 M. anzu- bieten. Bei der Firma Th. Hildebrandt u. Sohn wurde einem verheirateten Pfefferküchler. der 23 M. Wochenlohn forderte. etwa 20 M. in Aussicht gestellt. Als er der Not gehorchend dafür auch anfangen wollte, erklärte ihm der betreffende Meister jedoch, höchstens 18 M. geben zu wollen. Hierauf zog es der Gehilfe denn doch vor, sich andre Arbeft zu suchen. Es ist auch hinlänglich be- kannt, daß bei dieser Firma die Arbeitermnen, nach Ausweis der Lohnlisten, mft Wochenlöhnen von 8— 10 M. abgespeist werden. Trotzdem haben die Leute dieser Fabrik kürzlich 2000 M. zusammen gesammelt— natürlich durchaus„freiwillig"— um Herrn Th. Hilde- brandt zu seinem 2Sjährigen Ehejubiläum ein Geschenk zu machen, was dieser auch dankend annahm. Er hat sich dann allerdings revanchiert, indem er seinerseits 20 000 M. der Betriebskasse überwies und 55 000 M. zur Einrichtung einer Art Sparkasse für die bei ihm beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen stiftete, deren „Segnungen" diesen einmal später zu gute kommen sollen. In welcher Weise dies geschehen wird, kann heute noch nicht gesagt werden, weil die Statuten der Kasse von der Firma noch nicht aus- gearbeitet resp. den Leuten zur Kenntnis gebracht find. Die Redner meinten, wo noch solche idyllische Verhältnisse herrschen, da thäte es not, Licht in die Köpfe der Arbeiter zu bringen.— Nach der allgemeinen Aussprache wurde beschlossen, die Lohnkommission zu be- auftragen, das E i tri g u n g s a m t des Gewerbegerichts zwecks Ver- mittlung mit den Arbeitgebern anzurufen. Die Gehilfen wollen kein Mittel unversucht lassen, um eine gütliche Regelung der Lohufrage herbeizuführen, ehe sie zu dem letzten Mttel, dem Streik schreiten. Ueber die Tarifbewegung der Töpfer wurde in der sehr stark besuchten Verbandsversammlung am Freitag mitgeteilt, daß die Unternehmer auf die Kündigung des Tarifs, welche seitens der Ar- beftnchmer erfolgt ist. bis jetzt noch keine Antwort erteilt haben, so daß noch völlige Ungewißheit darüber herrscht, wie sich die Arbeit- geber den Wünschen der Arbeitnehmer gegenüber verhalten werden. Gerüchtweise verlaute, daß die Meister zum 15. Oktober gegen die Gesellen etwas unternehmen wollen. Die Töpfer hätten keine Ur- fache, von etwaigen Absichten der Unternehmer etwas zu fürchten, andrerseits würden sie selber aber nicht angreifend vorgehen, sie könnten die Entwicklung der Verhältnisse ruhig abwarten, da die durch den Streit in Velten und Fürstenwalde geschaffene Situation den Berliner Töpfern durchaus günstig sei. Sollte sich, was zu er- warten sei, aus Anlaß des Veltener Streiks ein Mangel an Kachel- zeug in Berlin bemerßiar machen, dann solle nicht die Arbeit nieder- anlegt, sondern Bezahlung für die durch Mangel an Material ver- säumte Zeit verlangt werden. Eine solche Situation würde auch die bevorstehenden Tarifverhandlungen erleichtern.— Der Jnnungs- vorstand hat, wie mitgeteilt wurde, den Gesellen-Ausschnß zu einer gemeinsamen Sitzung eingeladen, die am Montag stattfindet. Da wird vownSsichtlich die Stellung der Meister zur Tarifbewegung bekannt werden. Der Streik in Velten und Fürstenwalde wurde Ebenfalls in der Versammlung besprochen und allgemein gebilligt. Aachfwheudc Resolution wurde hierzu einstimmig angenommen: „Die von etwa 1200 Töpfern besuchte Versammlung spricht ten im Streik befindlichen Kollegen in Velten und Fürstenwalde chre vollste Sympathie aus und erwartet, daß die Streikenden mit i aller'Snergie und Ruhe ihre geringen Forderungen voll zur Geltung bringen. Die Versammlung giebt ihrer Entrüstung Ausdruck über JbaS brüske ablehnende Verhalten der Unternehmer in den beiden Orten und ist der Ueberzeugung, daß unsre streikenden Kollegen. gestützt auf unsre feste Organisation so lange im.Kampf auszu- harren haben, bis ihnen der Sieg gewiß ist. Die Versammelten ver- sprechen den Streikenden die weftgehendste moralische und materielle Unterstützung settens der Berliner Kollegen." Die Versammlung beschäftigte sich auch mit dem Arbeitsnachweis Set Berliner Töpfer und befchloß, jedem der beiden Arbeitsvermitller für jiöden Abend eine Entschädigung von 1,50 M. zu gewähren. Warnung! ES werden von unbekannter Seite Listen in Umlauf gesetzt, angeblich zum Zwecke des Sammelns für die ausgesperrten Metallarbeiter. In verschiedenen Kneipen sind solche Listen cmge- troffen. Da weder von uns noch von sonst einer kompetenten Stelle derartige Listen ausgegeben sind, ersuchen wir, jede solche Liste anzuhalten, da Gefahr vorliegt, daß die Gelder andren als den angegebenen Zwecken dienen sollen. Deutscher Metallarbeiter-Berband. Ortsverwaltung Berlm. Oeutkches Reith. Die Massenaussprrrung in Crimmitschau beginnt nun auch aus die Einlagen der Sparkasse einzuwirken. DaS darf nicht so verstanden werden, daß etwa die Weber selbst in größerer Anzahl von ihren Hungerlöhnen auch noch Spareinlagen gemacht haben, die sie jetzt abheben; wohl aber liegt durch die Riesen- aussperrung das gesamte Erwerbsleben Erimmftschaus. in dem die Texttlbranche eine große Rolle spielt, schwer danieder und es dürsten namentlich kleine Geschäftsleute sein, die jetzt ihre Spar- einlage abheben. Im September dieses Jahres wurden gegen die- selbe Zeit des Vorjahres nicht weniger als 40 000 M. mehr ab- Schoben; die Zahl der neuen Konten war weit geringer als im jähre 1902. die Zahl der erloschenen Konten dagegen doppelt so groß. Im Gegensatz zu den Märchen der Hetzpresse, welche auch die Criminitschauer Ausgesperrten in gewohnter Weise verleumdet, ist in Wirklichkeit von irgendwelchen Ausschreitungen nicht die Rede. Die Arbeiter, welche ihre Kontrolllokale aufsuchen, gehen— um den Behörden jeden Anlaß zum Einschreiten zu nehmen einzeln, niemals in Trupps. Ein hochgestellter Regierungsbeamter äußerte sich dieser Tage über die Haltung der Arbeiter:„Ich mache Ihnen mein Kompliment. Die Crimmitschauer Arbeiter verdienen sich den Dank der Behörden I" Im übrigen find die Aussichten der Ausgesperrten durchaus günstige, falls es ihnen gelingt, genügend lange Unterstützungsmittel aufzubringen, um ein bedingungsloses Zukreuzekriechen zu ver- hindern und der Zuzug fernbleibt. So bringt die„Köln. Volks- Leitung" offenbar aus Fachkreisen eine sehr objektive Darstellung der jetzigen Lage, in der nur irrtümlicherweise immer von einem Streik statt richtiger von einer A u s sp e r r un g gesprochen wird. Es heißt in dem Artikel: „Der heutige Streik begann am 20. August und dauert noch an. Seine Folgen zeigen sich seit 14 Tagen in M.-Gladbach, wo aus Garnmangel 1000 Stühle feiern müffen. Ebenso müssen thüringische kleine Erzeuger von Vigognewesten eingeschränkt arbeiten. Der Zeitpunkt des Streiks ist ausgezeichnet gewählt. Der Garnbedars ist seit Herbst 1902 so rege, daß nach jähre- langem Daniederliegen und infolgedessen geschehener Ans- räumung mancher Spinnerei die vorhandene Spindelzahl voll beansprucht wird, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der Streik beweist diese Schilderung der Lage; nachdem er vier Wochen gedauert, kommt Garn mangel in jenem Umfange, der der Erzeugung des Streikgebietes entspricht." Bekanntlich ist die Aussperrung in der That eine Antwort der Unternehmer auf den Streik mehrerer hundert Textilarbeiter, die durch einen Ausstand den Zehnstundenwg erkämpfen wollten. Durch die Aussperrung von 7000 Webern wollten dann die Unter nehmer die Zehnstundenbewegung auf lange Zeit niederknüppeln. Selbst vom Unteriiehmerstandpunkt giebt der Artikelschreiber der „Köln. Volkszeitung" zu, daß die Crimmitschauer Arbeiter ein Recht haben, eine Verbesserung ihrer Lebenslage anzustreben und in diesem Kampfe volle Sympathie verdienen. Ts heißt dies bezüglich: „Es kann niemand, der die Verhältnisie kennt, abstreiten daß Sachsen und Lausitz erheblich schlechter entlohnen als der Rhein. Um der beliebten Einrede zu begegnen, dafür leiste der rheinische Arbeiter auch mehr, wollen wir uns ganz genau ausdrücken: Wenn der rheinische Arbeiter nach Sachsen geht und dort in den sächsischen Accordlohn eintritt, so verdient er nicht so viel wie am Rhein. Und wenn der Sachse im Rheinlande arbeitet, so verdient er mehr wie in Sachsen. Der ostdeutsche Spinner und Weber giebt, kurz gesagt, für eine gleich große Menge Garn oder Tuch weniger Lohn aus als der rheinische. Den Unterschied muß der westliche Arbeiter rn der Lebenshaltung ausgleichen, das ist des Pudels Kern. Natürlich gestatten diese Verhältnisse den sächsischen Unternehmern die schlimmste Schmutzkonkurrenz mit den besser zahlenden Spinnereien und Webereien andrer Gegenden, und da« erklärt die Sympathie selbst der Fabrikanten in vorgeschritteneren Gegenden für die Ausgesperrten in Crimmitschau. Der Arttkel in der„Köln. Volksztg." empfiehlt den Industriearbeitern schließlich unter Hinweis darauf, daß es Plätze giebt, die noch schlechter zahlen als der Trimmftschauer, zunächst an diesen Plätzen ihre Solidarität zu bethättgen. Das thun die Arbetter im wohlverstandenen eigenen Interesse ohne Ratschlag von andrer Seite. Aber wie pflegt die Sache sich dann meist zu gestalten? Die erste Thäiigkeft, welche die Arbeiter in den kulturell zurückgebliebenen Gegenden zu unternehmen haben, ist die der Organisation, der erste Kampf ist aber dann nicht ein solcher um Erhöhung der Löhne, sondern ein Defensivkampf gegen die An- griffe von Polizei und Unternehmertum auf die noch junge und widerstandsunfähige Orgamsation. Wünschen die einsichtigeren Unternehmer, daß ihnen die Arbeiter die Schmutzkonkurrenz vom Halse halten, indem sie zuerst in den zurückgebliebensten Gegenden vorgehen, dann dürfen sie nicht die Koalitton der Arbetter hmdern und gemeinsam« Sache mit jenen skrupellosen Scharfmachern machen, denen jede Organisation der Arbeiter von vornherein ein Greuel und kein Mittel zu schlecht ist, um diese Organisation zu zerstören. Kür die streitende« und ausgesperrten Textilarbeiter in Erim- inttsch«« ginge» bei der Berliner GewerkschastSIommission solaende Betträg« ein: Ueberschuß von einem Vergnügen der Berliner Schristgießer 19,55. Tellersammlung der Frauen Berlins 4,15. Texlil- arbetter Filiale I 100,—. Von den Sementicrern 50,—. Gesangverein .Freier Männerchor NW.' 16,—. Tischler von Stabenow, Jnh. Teichcrt 12,60. Rudols Möller 6,95. Stukkalcure von Baum u. Klemme 8,—. Verband der Schneider aus Listen 37,60. Centraiverband der Glasarbeiter 300,—. Städttscher Arbeiter-Verband Berlin 17,80. Tischler von Gurisch 10,40. Verein der Bauanschläger Berlins u. Umg. 200,—. Möbelpoliere von Hülsebeck, Kroll u. Co. 9,—. Skatklub„Pique Bube" d. Beer 10,—. Schlüter Steinsetzer 5,15. M. P. 4,65. Verein Berliner Stereotypeirre 50,—. Verband der Möbelpoliere 100,—. Verband der Leder- arbeiter lWeißgerber und Färber) 3. Rate 100,—. Vom Personal der Buchoruckereien G. Bernstein 7,45. Emil Billig 7,40. Norddeutsche 49,—. A. Scherl(Maschinenmeister von.Tag" und.Woche") 16,—. Ullstein u. Co., Accidenz, 2. Rate 16,10. Ullstein u. Co., Stercotypeure, 3. Rate 9,50. Ullstein u. Co., Zeiwng, 2. Rate 29,10. Gebr. Unger 12.—. Verband deutscher Buchdrucker, Ortsverein Königsberg 50,—. Gau Ost- Preußen 50,—. Centtalkasse des Verbandes deutscher Buchdrucker 2000,—. Verband der Llthographe» und Steindruckcr Berlins 300,—. Lackierer 20,—. Schmiede 5,—. Theaterocrein.Norden" 5,—. Wäschebranche 27,50. . Otto 4,30 Am Biertisch bei Scholz, Zossenersttaße, 3,40. Buchdrucker, ezirk Neu-Ruppin, 5,—. Maler-Zahlstelle Ost 17,45. Summa 3689,60. Bereits quittiert 10 654,51. Gesamtsumme 14 344,11. Weitere Beittäge werden in unserm Bureau von 9—1 und 6—8 Uhr entgegengenommen. Gelder, welche mit der Post eingesandt werden, find an A. Körsten, Engel-User 15, zu senden. Der Ausschuß der Berliner Gewerkjchastskommission. Gericbts-Zeitung* Eine polizeiliche Schiesicrei, die sich im Mai dieses Jahres in der Mühlenstraße zutrug, und über die auch der„Vorwärts" f. Z. berichtete, hatte gestern vor dem hiesigen Schöffengericht ein kleines Nachspiel. Angeklagt waren der Arbetter Leine toeber und der Agent Karge wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und gemeinschaftlicher Körperverletzung, die mi dem Kriminalschutzmann B u d e i ck e begangen sein soll. Der Beamte gab als Zeuge folgend« Darstellimg von jenem Vorgang: In der Nacht vom 16. zum 17. Mai habe er um 2 Uhr Gäste aus dem Walterschen Lokal in der Mühlen- strahe kommen sehen. Da er WirtschastSkontrolle hatte, sei er an den Wirt herangetreten, habe sich durch Vorzeigung seiner Marke als Kriminalbeamter legitimiert und gefragt, wie es komme, daß jener noch so spät Gäste herauslasse, da er doch nicht so lange Konzession habe. Der Wirt habe geantwortet, das ginge ihn gar nichts an, und ihm seinen Stock entrissen. Gleichzeitig sei er von den Angeklagten und andren Gästen arg bedrängt, niedergestoßen, und von Korge mit einem Regenschirm über die Stirn geschlagen worden. Als er sich wieder erhoben hatte und die Angreifer trotz seiner Drohung, von der Waffe Gebrauch zu machen, nicht von ihm abließen, habe er zwei Schüffe abgegeben, wodurch Leinweber an der Schläfe und Korge am Ohr verletzt seien. Als Entlastungszeuge wurde Lediglich der Tischler Denker vernommen, obwohl noch mehrere andre geladen waren. Dieser bekundete, es habe sich damals lediglich um eine Geburtstagsfeier gehandelt. Als der Kriminal- schutzmann auf die bor der Thür stehenden Personen zugekommen sei, habe er wohl gesagt, er sei Kriminalbeamter, doch eine Marke Hab« er nicht gezeigt, obwohl man ihn mehrmals dazu aufgefordert hätte. Die Angeklagten hätten sich nun die Belästtgung durch den fremden Mann, der sich als Beamter bezeichnete, verbeten und ihn auf- gefordert, mit zur Wache zu kommen, um seine Personalien fest- stellen zu lassen. Bei dem Wortwechsel hätten sie den Beamten am Aermel gefaßt, eS sei ein Hin- und Herdrängen entstanden, wobei der Beamte zu Fall gekommen sei. Dieser habe sich jedoch sogleich wieder erhoben und zweimal geschossen, wobei die Angeklagten ver- wundet wurden. Geschlagen oder irgendwie gemißhandclt worden. sei der Beamte nicht; Kor�e habe mich gar keinen Schirm bei sich gehabt. Dem Zeugen wird darauf vorgehalten, das er laut Protokoll auf dem Polizeibureau ausgesägt habe, der Beamte habe mehrmals seine Marke gezeigt, er selbst habe sie jedoch wegen der herrschenden Dunkelheit nicht deutlich erkennen können. Hierauf erwiderte der Zeuge, derartiges habe er auf dem Polizeibureau gar nicht ausgesagt. Als ihm die betreffende Stelle dort nach seiner Vernehmung vorgelesen worden sei. habe er dagegen Ein- Wendungen gemacht, jedoch seien diese unbe- achtet geblieben.— Der Kriminalbeamte blieb dagegen bei seiner Aussage und fügte hinzu, Korge habe ihn gleich anfangs von hinten umfaßt und festgehalten, ferner behauptete er, auch dem Leineweber seine Marke gezeigt zu haben, worauf dieser antwortete: Solch Blechding kann jeder zeigen. Beide Angeklagte bestreiten auf das Entschiedenste die Bekundungen des Beamten. Sie hätten nur deshalb seine Personalien feststellen lassen wollen, weil er wohl bc- hauptet habe, Kriminalschutzmmm zu sein, sich als solcher aber trotz mehrmaligen Ersuchens nicht legittmiert habe. Es sei doch schon häufig vorgekommen, daß erstbeste Personen sich als Kriminalbeamte aus- gaben, ohne es zu sein. Im übrigen habe der Beamte auch niemanden von ihnen für verhaftet erklärt, sondern während der Drängerei ohne weiteres darauf los geschossen, sodaß es nur einem glücklichen Zufall zu danken sei. daß sie nicht lebensgefährlich verletzt worden sind. Ferner stellen sie jeden thätlichen Angriff auf den Beamten in Abrede. Das Urteil lautete dahin, daß beide Ange- klagte wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt freizusprechen seien. Dagegen wurden sie der gemeinschaftlichen Körperverletzung für schuldig erklärt, in Anbetracht ihrer bisherigen Unbescholtenheit aber nur zu einer Geldstrafe von je 30 M. und zur Tragung der Kosten verurteilt. Die Erfindungen des Herrn Ganswindt bildeten den Mittel- punkt einer Privatklage des Zeitungsverlegers Rudolf M o s s e gegen den Redatteur B a l e s von der„Kölnischen Zeitung", die gestern das hiesige Schöffengericht beschäftigte. Gegen die Unternehmungen des Erfinders Ganswindt waren bekanntlich seiner Zeit in ver- schiedenen Blättern, insbesondere im„Berliner Tageblatt", mehrere Artikel erschienen, die den Zweck hatten, das Publikum vor der Her- gäbe von Geld zu den Ganswindtschen Unternehmungen zu warnen. Herr G. ist dann längere Zeit in Untersuchungshaft gewesen. schließlich aus dieser entlassen und das Verfahren gegen ihn ist ein- gestellt worden. Nach seiner Entlassung hat Herr G. Privatklagen gegen Herrn Rudolf Mosse und mehrere Redakteure angestrengt, die noch in der Schwebe sind. Inzwischen veröffentlichte Herr Gans- windt in einer Beilage der„Kölnischen Zeitung" ein umfangreiches Inserat, in welchem er sein Vorgehen gegen Rudolf Mosse und seine Redakteure begründete. Das Inserat enthält schwere beleidigende Ausdrücke gegen den Privatkläger, indem es diesen beschuldigt, ge- wissermaßen im Komplott mit dem Kriminalkommissar einen Feld- zug gegen ihn eröffnet und wissentlich unwahre Thatsachen verbreitet. zu haben; es wird darin ferner von einem„Pretzferkel".„Buben- stück",„Verleumdungskrieg" usw. gesprochen. Für das Inseraten- Wesen der„Köln. Ztg." ist der Angeklagte Bales verantwortlich. Dieser übernahm auch diese Verantwortung, entschuldigt« sich aber damit, daß die Aufnahme dieses zweifellos beleidigenden Inserats darauf zurückzuführen sei, daß er wegen Geschäftsüberbürdung zu jener Zeit den Inhalt fahrlässigerweffe nicht genügend geprüft habe. — Für den Privatkläger beantragte Rechtsanwall Mosse mit Rücksicht auf die Schwere der Beleidigungen nicht eine Geld-, sondern eine Freiheitsstrafe, indem er darauf hinwies, daß erst dieser Tage ein Redakteur zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden sei. weil er einen Pastor, der vor Gericht habe zugeben müssen, mit seiner Hausdame geschlechtlichen Umgang gehabt zu haben, einen„Schweine- Priester" genannt habe.— Rechtsanwalt Türk beantragte dagegen die Freisprechung auf Grund des 8 20 Abs. 2 des Preßgesetzes, event. aber nur eine geringe Geldstrafe, da hier nur ein Versehen des An- geklagten vorliege, welches dieser selbst bedauere.— Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 200 Mark Geld st rase event. 20 Tagen Haft und sprach dem Privatkläger Publikationsbefugnis in der„Köln. Zeitung" zu. Der Gerichtshof hielt die Beleidigungen an sich für sehr schwere, glaubte aber, daß bei der Strafabmessung auch die ganze Persönlichkeit des Herrn Ganswindt ins Gewicht fallen müsse, die zur Wahl einer Freiheitsstrafe für die Veröffent- lichung der von diesem begangenen Beleidigungen nicht veranlassen könne. Zu dem Bericht über die Verhandlung der Privatklage des Pastors Krvsell legt Dr. Max Wittenberg Wert aus die Feststellung. daß die den Gegenstand der Klage bildende kurze Notiz in der „Berliner Montags-Zeitung" nichts über Vorgänge im Pastorhause zu Kloxin, insbesondere nichts über intime Beziehungen des Pastors enthielt und daß eine ganze Anzahl von Beweisanträgen der Ver- teidigung über das Leben und Treiben des Pastors Krösell vom Gerichtshofe abgelehnt wurden. Gegen das Urteil des Schöffen« gerichts ist Berufung angemeldet worden. Versammlungen. Weißens«,«m Dienstag, den 6. Oktober, fand in TscheutschlerS Saal die Generalversammlung des Wahlvereiiis statt. Laut Bericht des Kassierers betrug die Einnahme im letzten Vierteljahr 749,53 M., die Ausgabe 308,65 M. Die Mitgliederzahl des Vereins ist in dieser Zeit von 654 auf 683 gestiegen.— Nach dem Bericht der ZeitungS» kommission finden die Neuwahlen fiir dieselbe statt und werden die Genossen Haak. Kaufschild. Siegris. Eschbach. Schu. mann. Z emke und Reich in dieselbe gewählt. In die Lokal- kommission werden nach einem Bericht derselben Breitkreutz. G e h r h a r d t und Marschall gewählt. Nachdem noch mitgeteilt worden, daß in unsrer öffentlichen Zahlstelle bei Schmutz. Königs- Chaussee 38, die„Neue Zeit" und die„Socialistischen Monatshefte" ausliegen, damit die Genossen von den inneren Parteiftagen sich unterrichten können, wurde um 11'/. Uhr die Versammlung ge- schloffen. Soctaldemokratischer«gitations. Verein für de« Reichstags. Wahlkreis Zülltchau- Schwiebus- Krosse«- Sommerfeld. Den Mit- liedern zur Nachricht, daß die Versammlung am Dienstag ausfällt und „asilr am Mitttwoch. den 14. Oktober, abends 8',. Uhr, bei Grosser. Dttkseu- fttaße 39, vorn 1 Treppe, siailfindet. Genossen, welche noch nicht vom Sttstungsseste abgerechnet haben, mögen das bei den Kommissionsmitgliedern thun. Wegen der wichtigen Tagesordrnmg ist es Wucht eines jeden Mitgliedes, zu«rschemen.'„ Allgemeine Familten- Sterbekasse fi»«II». Heute Zahlta«: Ackerfttaße 123 bei Dicke von 3—6 Uhr. Letzte Nachrichten und Depefchen. Solingen, 10. Oktober.(Privatdepesche.) Der Streik d« Maure« nnd Hülfsarbeiter dauert unverändert fort. Zuzug ist fernzuhalten. Marseille, 10. Oktober.(W. T. B.) Der hier tagende Kongreß der socialistischen Radikalen hat eine Resolution angenommen, in welcher die dem Parlament angehörenden Parteimitglieder aufgefordert werden, sich mit ihren Kollegen in den ausländischen Parlamenten, welche für den Frieden und die internationale Gerechtigkeit einträten, ins Ein- vernehmen zu setzen hinsichtlich gleichzeitiger Unterbreitung einer Resolutton in den betreffenden Parlamenten, in welcher die Re- gierungen aufgefordert werden, sich miteinander zu verständigen. und hinsichtlich der Stellung von Abänderungsanttägen zu den Heeres- und Marinebudgets, durch welche eine gleichzeitige Herab- setzung der militärischen Ausgaben erzielt werden soll, die die Arbeiter so schwer belasteten. Wernigerode, 10. Oktober.(W. T. B.) Vom Brocken wird«m» haltender Schneefall gemeldet. München, 10. Oktober.