Nr. 246. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Bellage Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitungs. Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das Ebrige Auslan& Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Sine chaton20. Jahrg Vorwärts Berliner Volksblatt. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 20 Bfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Infecate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttags geöffnet. Telegramm Noreffe: ,, Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der Socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 21. Oktober 1903. 1878-1903. Du da droben. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Es war im Jahre 1881. Bei der Reichstagswahl hatte die vom Hofprediger Stöcker, Professor Adolf Wagner und andern ins Leben gerufene„ Berliner Bewegung" eine Rolle gespielt. Diese Leute glaubten die Partei mit socialen Reformen födern zu können. Von der damaligen Regierung wurden die darauf gerichteten Anstrengungen gutgeheißen, wie aus dem Verhalten des Ministers v. Puttkamer und offiziösen Zeitungsartikeln hervorging. Den Kämpfern des Socialistengesetzes! zerstampften Erde eine Heimat zu gestalten. Aber die Gözen Als man gewahr wurde, daß die Socialdemokratie nicht daran treten nicht willig ihre eifersüchtige, enge und grausame Herr- dachte, sich durch das Ausnahmegesetz in ihrer agitatorischen Dieser Tag gehört den Alten, denen, die mit schaft ab. Man muß sie zwingen, bewältigen. Im Socialisten Wirksamkeit beirren zu lassen, und die Wahlerfolge der Partei dabei waren, deren Meut, Bähigkeit, Klugheit den frechen, sinn- gesetz hatte die ältere Generation jenen prometheischen Trotz dies unwiderleglich bewiesen, versuchte man es statt mit der losen Versuch in zwölfjährigem Befreiungskampf überwand, gelernt, ohne den niemals eine große Sache zum Siege gePeitsche des Socialistengesetzes mit dem Zuckerbrot der Verden Gedanken in Ketten zu schlagen und das ungestüme, un- führt ward. Daß diese Leidenschaft zum Großen und Höchsten sprechungen! zerstörbare Reifen der Zukunft mit plumpen Händen nie ermatte, sei das Gelöbnis, mit dem wir Jüngeren den zu würgen. Dieser Tag gehört den Alten! Es ziemt Dank an die abstatten, die sich opferten, damit ihr Werk Lebe: sich für die Jüngeren, für die neue Generation, still beiseite Wen Du nicht verlässest, Genius, zu treten und bescheiden zu hören, was unsre Führer der Nicht der Regen, nicht der Sturm Heroenzeit uns zu erzählen und zu lehren haben. Der Haucht ihm Schauer übers Herz. Wen Du nicht verlässest, Genius, Humor lächelnder Erinnerung umflimmert heute wohl die BeWird dem Regengewölk, richte von harter Pein, die einst so bitter empfunden ward, Wird dem Schlossensturm Als bei der Reichstagswahl im Ottober 1881 die Genossen Bebel die klaffende Wunde ist zu einem mahnenden, aber nicht mehr Entgegen fingen, und Hasenclever im IV. und VI. Berliner Wahlkreis mit Forts Wie die Lerche, schrittlern zur Stichwahl standen, knüpfte Stöcker mit den Berliner schmerzenden Mal vernarbt. Sie alle stehen heute hoch und Genossen Verhandlungen an, die den Zweck hatten, gegen bestimmte triumphierend über den Tagen, da sie gehegt und geächtet Zusicherungen unsrerseits die Konservativen bezw. Socialreformer und gequält wurden. Denn sie sind Sieger geblieben. Ihr zu veranlassen, in der Stichwahl für die socialdemokratischen Kandi Werk, unter dem sie begraben werden sollten, ist zu herrlicher daten zu stimmen. Später wollten die Konservativen dann auch Größe gediehen. Ihre Propheten- Zuversicht hat sie nicht geim Reichstage für die Aufhebung des Socialistengesetzes stimmen. täuscht. Niemals hatten sie, auch im tiefsten Elend nicht, nur Das Stöckersche Anerbieten führte zu einer Verhandlung, die einen Augenblick an dem Recht und der Wahrheit ihrer großen Fünfundzwanzig Jahre sind vergangen seit dem Tage, an dem in dem Redaktionslokal des Deutschen Tageblatts" in der LeipzigerSache gezweifelt. Die Sache mußte sich durchringen, wenn das Socialistengeset erlassen wurde. Am 21. Oftober 1878 wurde straße stattfand. Das Liebesgirren der socialreformerischen Täuberiche fand bei auch die Kämpfer selbst auf dem wilden Wege hinsinken würden. Die schmachvolle Handlung des deutschen Reichstags Gesez, die in der Socialdemokratie politisch organisierte Arbeiterklasse Deutschlands den socialdemokratischen Teilnehmern an der Konferenz kein williges Dieser starke Glauben an die Sache, diese heilige Religion durch ein Ausnahmegesetz schimpflichster Art der brutalen Polizei- Gehör. Trotz aller Bemühungen der Herren Wagner, Stöcker, der Ueberzeugung hat den Kämpfern des Socialistengesetzes willfür auszuliefern. Was die Polizei durch sinnlose, blind- Diestellamp 2c. fand sich niemand bereit, die uns zugemutete Er das Glück geschaffen, daß sie heute am Gedenktag scheinbarer wütige Verbote von Zeitungen, Vereinen, Gewerkschaften und durch klärung abzugeben. Als alle Lockungen an dem socialdemokratischen Zerschmetterung ein Siegesfest feiern dürfen. Vernichtung nach Tausenden zählender Einzeleristenzen sowie durch Block zersplitterten und die Herren sahen, daß es mit dem Abdas mit dem Socialistengefeß gezüchtete Spigeltum vorbereitete, schwören der Revolution" so etwa lautete das Schlagwort wurde später von der Justiz durch von Klassenhaß diftierte un- nichts sei, wurde der Vorschlag gemacht, den Parteiführern die glaublich harte Strafurteile vervollständigt. Angelegenheit zu unterbreiten und deren Meinung über die Sache zu hören. Dies geschah, und das jähe Ende des verflucht ge= scheidten Plänchens, die Socialdemokratie in das Stöcker- Wagnerfche Garn zu loden, zeigt sich in einer am 16. November 1881 ber öffentlichten Erklärung der Genossen Bebel und Liebknecht. erschien. Das Schmachgesetz. Wir fagen ausdrücklich erschien. Denn nachdem der erste Schrecken überwunden, richtete die Partei sich auf den durch das Schandgesetz geschaffenen Zustand ein und sehr bald fand mutige Entschloffenheit, getragen von einer Opferwilligkeit ohnegleichen, Mittel und Wege, die Agitation und Propaganda für die Partei in intensiverer Weise als je zuvor trotz Socialistengesetz zu betreiben. Es ist ein finsterer, Hoffnungsloser Gedanke, daß der einzelne Mensch nach einem Leben voll Bedrängnis und Schmerz plößlich auf immer verschwindet. Der Tod erscheint, in der Zersplitterung des individuellen Einzeldaseins, wie ein Eine Flut von Erinnerungen aus jenen Tagen stürmt auf uns furchtbarer, blind rasender Zerstörer. Die religiösen Be- ein. Die Organisationen zerstört, die Staffen leer, die Genossen einschwichtiger solcher Seelennöte erfannen darum jene Erlösung geschüchtert, die Agitatoren ausgewiesen, die Partei- Organe verschwichtiger solcher Seelennöte erfannen darum jene Erlösung boten, jeder einigermaßen bekannte Genosse auf Schritt und Tritt im Jenseits, in dem alles sein wird von eitel Freude und strahlende, von Spigeln verfolgt- furz, es war eine Zeit, in der das Parteiewige Reinheit. Der moderne Mensch, der moderne Gedanke, leben gelähmt und die Aktionsfähigkeit der Partei in Frage gestellt der in der proletarischen Klasse kulturbauend wirkt, kennt besseren Trost. In dem ewigen Leben und Wachsen der Arbeit der gesamten Menschheit, in dem Jenseits auf Erden, erkennt er die Unsterblichkeit des Geschlechts, an der auch der einzelne, sofern er ehrlich, wie immer ruhmlos, mitgearbeitet hat, seine Unsterblichkeit findet. Für den Menschen, der in dem gewaltigen Kulturprozeß der Entwicklung zur freien, allWir pfiffen auf das Gefeß, und haben die Bestrebungen der umfassenden Humanität sein Tagewerk redlich geleistet, für bürgerlichen Parteien und der Regierung, die Socialdemokratie durch den giebt es keinen Tod, kein Verschwinden. Mag man die Polizei und Justiz zu ersticken, gründlichst zerschlagen. Wie die Socialisten als Träumer und Narren verspotten, oder als herrschenden Klassen und ihre Polizei- und Justizorgane in der Verbrecher und Gemeinschädlinge verfolgen, daß sie an der socialistengesetzlichen Zeit gewirtschaftet haben, davon legen folgende Wahrheit und den Sieg ihrer Sache glauben, das macht sie Zahlen Zeugnis ab. underwundbar und führt sie zum Sieg. Das ist die religiöse sind nach oberflächlicher Berechnung Empfindung des nicht nur äußerlich sich nennenden, sondern 293 Personen innerlich erfüllten Socialdemokraten, daß er nicht leben möchte, ausgewiesen, von Haus und Hof vertrieben worden. Von Berlin, wenn er nicht durchbrungen wäre von der Idee, daß alle Hamburg- Altona, Leipzig, Frankfurt a. M., Offenbach, Stettin und die Mühsal seiner Arbeit nicht umsonst sei, daß einst die Spremberg find infolge Verhängung des kleinen Belagerungszustandes hellere Zeit kommen werde, für die er gekämpft. Von dem 893 Bersonen, Triumph der Zukunft nur erhält die schmerzende Gegenwart davon 304 verheiratet mit 973 Kindern, in die Verbannung gejagt Licht, Inhalt und bedeutungsvollen Sinn. Glaubt an den Sieg und ihr werdet siegen! Kaum Zeitungen und sonstige Druckschriften find ein geschichtliches Ereignis lehrt so eindringlich die Macht der Ueberzeugung, die auf dem Grunde wissenschaftlicher Er- verboten worden. Die erste in Berlin herausgegebene Verbotsliste tenntnis ruht, war das deutsche Socialistengesetz. Dieselben enthielt sehr bezeichnend für das Unterdrückungsgesetz- an der tapferen, unbeugfamen Männer, die ihrer Ueberzeugung einer Spige das Verbot der Gedichtsammlung von Leopold Jacoby„ Es werde Licht". übermächtigen Welt von Feinden zum Trok den Weg bahnten, haben es erlebt, wie aus der kleinen verfolgten Schar von Gewerkschaften, Unterstützungs-, Vergnügungs- und politische Vereine sind Kezern die stärkste Macht ward, auf deren Ueberwindung oder Zerrüttung im Ernst niemand mehr rechnet. aufgelöst worden. So ward es erwiesen, daß der opfernde Kampf um die Zukunft des Volks, der Völker kein nuklos Thorenwesen ist. Auch die Tausende, die unter dem Joch des Socialistengesezes rangen, die Weitbekannten wie die Namenlosen, die das heutige Gedent fest nicht mehr mitfeiern können, sie leben dennoch in ihrem Wert; in der Größe und Gewalt der socialistischen Bewegung, so wie sie sich entwickelt hat, webt die Unsterblichkeit ihrer Arbeit und Opfer, sie bleiben an unsrer Seite, in der Schlacht der Geister unfre Mitkämpfer... Nur allein in Berlin worden. Und nun 1299 352 die Ehrentafel der auf Grund des Socialisten gefeges verhängten Freiheitsstrafen. Auch hier können nur annähernde Zahlen gegeben werden, da es nicht möglich ist, alle Opfer der Prozeß- Epidemie, die durch das Schandgesetz zu jener Zeit über Deutschland hereingebrochen war, genau festzustellen. Die vorhandenen Ziffern zeigen, daß 611 Jahre 6 Monate 23 Tage Strafhaft und 119 Jahre 5 Monate 13 Tage Untersuchungshaft zu verzeichnen find. Zusammen also " www Wir glauben das Andenken an den 21. Oktober 1878 nicht beffer feiern zu können, als durch die Feststellung, daß die Socialdemofratie so wenig wie heut vor 25 Jahren gewillt war, den Boden des revolutionären Klassenkampfes zu verlassen. Das für die Partei und für die Geschichte des Socialistengesetzes wichtige Aktenstück lautet: „ Die Mitteilungen des Reichsboten" in Bezug auf die Unterhandlungen, welche anläßlich der Stichwahlen im vierten und sechsten Berliner Wahlkreis zwischen den Führern der Konservativen und Socialreformern( den Herren Prof. Wagner, Hofprediger Stöcker, Diestelkamp 2c.) einerseits und Angehörigen der socialdemokratischen Partei andrerseits stattgefunden haben, veranlassen uns zu folgender Darlegung: Donnerstagmittag, den 10. November, erschienen hier in Dresden zwei unfrer Berliner Parteigenossen und teilten uns mit, daß zwischen ihnen und den Führern der Konservativen und Socialreformern Unterhandlungen wegen der bevorstehenden engeren Wahlen in Berlin stattgefunden und zu folgendem Resultat geführt hätten: Wir die Unterzeichneten nebst Hasenclever sollten folgende Erflärung unterschreiben: ,, Wir erklären: 1. Daß wir die arbeiterfreundliche Absicht der deutschen Reichsregierung in ihrer Reformpolitit anerkennen; 2. daß wir ernstlich gewillt sind, gemeinsam mit den focial reformerischen Parteien in Frieden an der Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse zu arbeiten; 3. daß wir hoffen, nach dem Worte eines unsrer ReichstagsAbgeordneten(?), durch energische sociale Reformen die Revolution zu überwinden." geboten: Ms Preis für die Unterzeichnung dieser drei Punkte wurde uns 1. Die oben erwähnten Führer der Konservativen und Socialreformer wollten dafür eintreten, daß ihre Parteigenossen im vierten und sechsten Berliner Wahlkreis bei der Stichwahl am 12. November für uns stimmten; 2. erboten sie sich alsdann, folgende Gegenerklärung zu unterzeichnen: " Dagegen erklären wir, daß, wenn die deutschen Socialisten auf gesetzlichem Wege innerhalb der bestehenden Staatsordnung die Reform erstreben, wir für die Aufhebung des Socialistengefeges im gegebenen Falle stimmen werden." Weiter wurde uns mündlich mitgeteilt: Weigerten wir uns, auf diesen Vertrag einzugehen, so würden die erwähnten Führer die Losung ausgeben: Stimmenthaltung, und dann sei unsre Niederlage in Berlin gewiß. Wir haben darauf entschieden und bestimmt mündlich erklärt: Der Tag gehört den Alten. Sie sollen uns schlicht be731 Jahre und 6 Tage richten, wie es war und ward. Die Jugend aber, die morgen Gefängnis mußten die Arbeiter Deutschlands erleiden, damit die das Alter sein wird, mag sorgen und wachen, daß sie dereinst Bourgeoisie ihre Rachegelüfte an der machtvoll vorwärtsdringenden auch aus reinen Händen das übernommene Pfand über- Arbeiterklasse befriedigen konnte. Jedoch nicht nur dieser, den brutalen Mißbrauch ihrer Macht antworte. Zum zweitenmal raubt prometheischer Trok bezeugenden Thaten unsrer Feinde denken wir heute, sondern wir 1. Daß wir jeden Schacher und Stimmenkauf von uns wiesen; den Gößen das ängstlich gehütete Feuer: wärmendes erinnern uns auch der selbstverständlich erfolglosen Anstrengungen daß wir lieber breitausend ehrlich gewonnene Herdfeuer a II en Menschen bringen, das will der Socialismus. der Reaktion, die Arbeiter durch Lockungen aller Art der social- Stimmen als 30000 erkaufte haben wollen; daß Die Menschheit kämpft, um aus der in Greueln und Flüchen demokratischen Partei zu entfremden. wir nicht in der Lage seien, die mit Erlaß des 3. Daß wenn mit Punkt 3 die Annahme ausgesprochen sein sollte, als wollten wir eine gewaltsame Revolution, dies eine ganz willkürliche Annahme sei. Wir hatten stets erklärt, daß planmäßige, gründliche und ganze Reformen der gewaltsamen socialen Revolution, die andernfalls eine notwendige Folge unsrer politischen und ökonomischen Entwicklung sei, vorbeugen könnten und wir nicht verantwortlich seien für Dinge, die nicht in unsrem Willen und in unsrer Macht liegen, sondern von dem Willen und der Macht unsrer bisherigen Gegner abhängen. Mit dieser Antwort reisten unsre Parteigenossen nach Berlin zurüd. Das Wahlresultat ist bekannt. Dresden, den 16. November 1881. A. Bebel. W. Liebknecht." Die Socialistengefeges inaugurierte Wirtschafts- Ms wir nach einem längeren Spaziergang gegen Abend zurück- und jeder Vertrauensmann seine Hilfsmannschaften bereit zu halten. politik der Reichsregierung: Vermehrung und Erhöhung der kehrten, erwartete uns ein andres Bild. Das erste Extrablatt, das Sollte ein neues Flugblatt verbreitet werden, so wußte bis zum indirekten Steuern und Zölle auf notwendige uns jetzt in die Hände fiel, enthielt die, wie sich später herausstellte, Tage der Verbreitung nur das Central Wahlkomitee die Gehilfen bekamen bloß Auftrag, ihre VerLebensbedürfnisse, Vermehrung der Militär- frech erlogene Wolffsche Depesche, daß Nobiling bekannt habe, davon; Socialdemokrat zu sein und Mitschuldige zu haben. Und ein andres trauensmänner zu irgend einem ihnen noch mitzuteilenden Lasten, Imnungsgesetz und dergleichen als arbeiterfreundlich anExtrablatt ich glaube, es war vom„ Berliner Tageblatt" Zwed zuſammenzuberufen, und wurden erst im legten Moment zuerkennen. wußte zudem auch schon, daß man bei Nobiling viele socialistische davon unterrichtet, um was es sich handle. Dann arbeitete der 2. Daß wir nie abgelehnt wie unsre Haltung und Er- Zeitungen und Broschüren gefunden habe. Apparat so schnell, daß die Polizei im für sie günstigsten Falle flärungen noch zuletzt gegenüber dem Unfallgesez gezeigt, Reform- Nun war's ernst. Von dem Bedürfnis getrieben, Genossen zu höchstens einzelne Posten des Flugblattes erwischte. So übten die vorschläge der Reichsregierung ernsthaft zu prüfen, zu versuchen, sprechen, gingen wir ins Café Central in der Jerusalemer Straße, Behörden höchstselbst in ihrem Verfolgungseifer die Socialdemokraten sie unsren Wünschen entsprechend umzugestalten und, wenn sie unsrem das damals viel von Socialisten bürgerlicher Abstammung oder für den Kampf unter dem Socialistengesetz ein. Von gleichen äußeren Bedingungen des Kampfes zwischen Standpunkt entsprächen, zu acceptieren, daß wir es aber ab- Lebensstellung besucht wurde, und in dem namentlich Johann Most lehnen müßten, mit Parteien gemeinsame Sache Stammgast war und sich gern von echten und unechten Akademikern Socialdemokratie und bürgerlichen Parteien war dagegen fast in feiner Hinsicht die Rede. U. a. versagte der Berliner Magistrat uns zu machen, die in ihren Bestrebungen realtionär auftaunen ließ. Aber Most war schon der Hödel- Hezze zum Opfer gefallen und Abschriften der Wählerlisten, die er den Fortschrittlern willig ausund darum arbeiterfeindlich seien. faß im Chemnizer Gefängnis, und auch sonst waren von den socia- stellen ließ. Das hatte damals, wo das Berliner Parteilistischen Stammigästen wenige im Café erschienen. Die wenigen, Organ in gauzen etwa 12 000 Abonnenten zählte mud unfre die sich trafen, verbrachten den Abend mit Ausmalungen der Dinge, Organisation noch jung war, viel mehr zu besagen, als die da kommen würden. Inwieweit wir das Richtige trafen, vermag etiva heute. Es mag hierbei eingeflochten werden, daß wir in den ich nicht mehr zu sagen. Wahrscheinlich werden wir den nun Jahren 1875/76 bis ins Jahr 1877 hinein so gut wie gar keine folgenden Wutausbruch von Presse und Publikum ebenso unterschäßt Organisation in Berlin gehabt hatten. Alle Versuche, einen socialhaben, wie wir von der Polizei Schlimmeres gewärtigten, als sie demokratischen Verein irgend welcher Art ins Leben zu rufen, scheiterten daran, daß jede Neuschöpfung, mochte sie eine Form haben, wenigstens zunächst zum besten gab. Hätte am 3. Juni die Hochlöbliche alle Redakteure und Ver- welche sie wollte, unrettbar als Fortsetzung des gerade zuletzt verwaltungsbeamten der„ Berliner Freien Presse" verhaftet, die Druckerei botenen Vereins wieder verboten ward. Da verfiel eines Tages der geschlossen und die bekannteren Agitatoren der Partei ebenfalls hinter Berliner Vertrauensmann der Partei, der unverwüstliche August Schloß und Niegel geſtedt, es hätte tein Hahn danach gekräht. Die Heinsch auf die Idee, statt sich zum rtenmale mit Polizeidirektion Presse, die liberale sowohl wie die konservative, geberdete sich wie und Staatsanwaltschaft herumzuschlagen, einmal in die Höhle des besessen. Von bürgerlichen Blättern machte einzig die Berliner Löwen zu gehen und mit der maßgebenden höchsten Instanz einen Volts- Zeitung" eine Ausnahme. Ihr Redakteur, Aron Bernstein, Versuch zu machen. Er organisierte eine Arbeiterdeputation beim Minister der bis dahin die Socialdemokratie aufs bitterste und mit unglaub- des Innern, Grafen Eulenburg, und führte sie selbst dem Minister vor. lich spießbürgerlichen Argumenten bekämpft hatte, lenkte plötzlich ein Das war für die damalige Zeit, wo die Partei im Parlament ganz und rechtfertigte von neuem das Wort Varnhagens über ihn: abseits des Geschäftsverkehrs zwischen Regierung und Volksvertretung „ Bernstein, immer ausgezeichnet, wenn es das Recht zu verteidigen stand, wo jede nennenswerte Mitarbeit positiver Art an Gesetzgebung gilt." Um so schändlicher benahmen sich die liberalen Zeitungen und Verwaltung ausgeschlossen schien, wo wir allesamt„ Reichsfeinde" Berliner Tageblatt"," Tribüne", und die damals noch ziemlich ver- waren, eine ganz unerhörte Neuerung. Indes, sie hatte Erfolg. Der Indes nicht nur bei Gelegenheit der Wahlen ist von den Gegnern der breitete piendo- demokratische Staatsbürger Zeitung". Die un Minister verteidigte zwar seine Polizei jo gut er konnte, aber der Versuch gemacht worden, im Trüben zu fischen. Einige Zeit, nachdem erhörtesten Verdächtigungen und die albernsten Lügen, die nur ein jovialen Dialektik Heinsch' gelang es doch, ihn in die Ecke zu jagen, das damalige Partei- Organ in Berlin und seine auf die Lebensdauer Reportergehirn ersinnen konnte, fanden in jenen Blättern willige d. h. ihn zu Erklärungen zu bewegen, durch die er faktisch die Polizei von einem Tage beschränkten Nachfolger im Jahre 1878 unterdrückt aufnahme. So arg trieben insbesondere einzelne Reporter ihr desavouierte, und unsre nächste Vereinsgründung, der„ Verein zur waren, wurde in Berlin unter dem Titel„ Der Volksfreund" ein denunziatorisches Lügenhandwerk, daß es in der That selbst der Wahrung der Interessen der werkthätigen Bevölkerung Berlins", Polizei zu arg wurde. Als etwa 14 Tage nach dem Attentate in wurde nicht verboten! Er war indes wesentlich noch in den Blatt herausgegeben, das in Arbeiterfreundlichkeit" machte. Man meiner Abwesenheit bei mir gehaussucht wurde, meinte der die Kinderschuhen, als die Attentate erfolgten, die Polizei mit erneuter hatte einen in der Partei nicht unbekannten Mann, den vor dem Haussuchung leitende Polizeihauptmann zu meinem Vater, der zu Vernichtungswut über unser Agitationswerk herfiel. Das Kind der Socialistengesetz als Redakteur der„ Berliner Freien Presse" thätigen ihm von der denunziantischen Verlogenheit eines Reporters W. ge- erfinderischen Kombinationsgabe unsres August Heinsch sollte seinen Buchdrucker Dolinski als Redakteur gewonnen und glaubte durch sprochen hatte:„ Ach, der W. ist noch immer nicht der schlimmste, Vater, der am 7. März 1878 der Proletarier- Krankheit erlegen war, dieses Arbeiterorgan" die Arbeiter Berlins in das königlich der B. lügt noch viel unverschämter." Und das stellte sich bei näherer nicht lange überleben. Für einen der Berliner Wahlkreise, und obendrein einen der größten, preußische Reformlager hinüberführen zu können. Das nötige Untersuchung als durchaus zutreffend heraus. Man muß aber nun nicht glauben, daß die Polizei etwa gelangten wir indes doch in den Besitz der Wählerlisten, allerdings Geld kam aus Regierungsfonds. Lange vegetierte dieser Volks- glimpflich mit uns umging. Sie trieb es nur nicht ganz so schlimm auf Kriegspfaden. Wir mußten sie uns jedoch ſelbſt abſchreiben, und freund" nicht. Gegen die polizeilich abgestempelte Arbeiter- wie Presse, Staatsanwaltschaft und Gerichte. Aber sie leistete doch zwar hatte das heimlich zu geschehen, wofür uns obendrein nur freundlichkeit machte sich in der Arbeiterschaft ein so gesundes Miß auch ihrerseits genug Standalöses in Brutalisierungen und Terro- einige Nachmittagsstunden und eine Nacht zur Verfüngung standen. Auch trauen geltend, daß da die Polizei nicht gern umsonst, man risierungen. Eine der Nichtswürdigkeiten, auf die sie sich verlegte, durfte, weil die Existenz eines kleinen Beamten in Frage stand, nur könnte hier auch sagen für die„ Kaz", Geld ausgiebt der„ Volks- war die politische Einschüchterung der Gastwirte. Auf ihr Betreiben ein beschränkter Kreis von Leuten um die Sache wissen. Aber sie freund" eines Tags verschwunden war. verschwand plöglich aus all den vielen kleinen Wirtschaften, wo die ward in wünschenswertester Weise besorgt, die aufgewendete Mühe Inzwischen war von den Parteigenossen das„ Berliner Volks- Arbeiter verkehrten, die Berliner Freie Presse", das damalige täg machte sich sehr gut bezahlt, und das Geheimnis ist getreulich beUnd was der wahrt geblieben. blatt" der Vorläufer des im Jahre 1890 zum Centralorgan der liche Organ der Socialdemokratie in Berlin. Terrorismus der Polizei nicht that, das besorgte der Terrorismus Partei berufene Vorwärts" geschaffen worden, welches tapfer der Hauswirte, so daß die„ Berliner Freie Presse" in der ersten half, dem polizeilichen„ Voltsfreund" den Garaus zu machen! Woche nach den Attentaten um mehr als den vierten Teil ihrer Genau so erging es den früheren Parteigenossen Körner und Abonnenten verlor, bei der damaligen Auflage ein Verlust, der ihre Finn, die sich als schwarz- weiß- rote Socialreformer etablierten, um Fortexistenz ernsthaft in Frage stellte. die Berliner Arbeiter vernünftig" zu machen. Das Wahlresultat ergab die Wahlen der Fortschrittler. Mandate gingen verloren aber der Schild der Partei blieb blank und rein ihn stets so zu erhalten ist die vornehmste Aufgabe der Partei. Daß es ihr Wille ist, hat der diesjährige Dresdener Parteitag bewiesen. " " " " " Was die schon damals für das Wohl der Arbeiter schwärmende ..socialreformerische" Regierung und ihre mit Polizeigeld gespeisten Verbündeten erreichten, das beweisen die Wahlerfolge unter dem Socialistengesetz. Die Partei hat die schweren Opfer, die das Socialistengesetz Tausenden von Parteigenossen auferlegte, glänzend überwunden; sie war nach dem Fall des Gesetzes stärker als zuvor! Das Leben und Wachstum der Partei unter der Herrschaft des Socialistengesezes zeigt sich am deutlichsten in der andauernden Zunahme der bei den Reichstagswahlen abgegebenen Stimmen. Am 10. Januar 1877 der letzten Wahl vor Erlaß des Gesetzes wurden bei der Hauptwahl 486 843 socialdemokratische Stimmen abgegeben und 12 Mandate erobert. Am 20. Februar 1890- der legten Wahl unter dem Gesetz erhielten wir 1427 289 Stimmen und 35 Mandate. Das Gesetz lag zerfetzt am Boden, die Socialdemokratie aber war in unaufhaltsamem Vorwärtsdrängen an die Spitze der politischen Parteien in Deutschland getreten. " " Aber bald sollte sich zeigen, daß der von Polizei, Hauspaschas 2c. ausgeübte Druck auf eine Gegenkraft stieß, die ihm kräftig entgegenwirkte und sein Ziel vereitelte. Die Berliner Arbeiter waren damals viel weniger zahlreich, viel weniger organisiert und viel stärker Aber doch nahmen sie es bald ökonomisch gedrückt als heute. wieder in ihrer Art mit der Polizei auf. Sie zeigten den Gast wirten so deutlich, daß wer die Arbeiterkundschaft haben wolle, auch das Arbeiterblatt halten müsse, daß ein Wirt nach dem andern die Freie Presse" von neuem bestellte. Erst angeblich nur für sich und um das Blatt etwa dem einen oder andren Gast, der es verlangte, geben zu können; es dauerte aber nicht gar lange, so lag die böse Beitung fast überall wieder offen aus. Der Polizei aber wurde er flärt: Du bietest uns keinen Ersatz für die Arbeiterkundschaft, also kannst Du es uns auch nicht verargen, wenn wir ihr, von der wir abhängen, zu willen sind. Politische Verfolgungen können heutzutage immer nur Personen, nicht aber die Masse treffen. Und so hatten im Verhältnis unter der Attentatsheye die die bürgerlichen und die halbbürgerlichen Elemente in der Partei( Redakteure, Agitatoren 2c.) in mancher Hinsicht erheblich mehr zu leiden, als das Gros der Arbeiter. " " Wie die ernsten, so warfen auch die humoristischen Momente des Kampfes mit der Polizei, den die Socialdemokratie unter dem Socialistengesez in so wirksamer Weise führen sollte, damals ihre Schatten voraus. Von den humoristischen Episoden, welche die unter so erschwerenden Umständen betriebene Verteilung der Wahlflugblätter zeitigten, mag hier eine erzählt werden; die Polizei figuriert in ihr freilich nur in plagiierter Gestalt. Ein Berliner Hauswirt hat einen Flugblattausteiler erwischt, brutal am Kragen gepackt, auf die Straße geschleppt und ruft nun nach der Polizei. Ein auf der andern Seite der Straße in einiger Entfernung auf und abgehender Mann eilt herbei und fragt ihn, was es giebt. Dieser Mensch hier hat in meinem Hause socialdemokratische Flugblätter verbreitet." ,, So? Das ist ja ein netter Kunde, den wollen wir mal gleich in Sicherheit bringen." Was, Sie sind selbst...?" Hier, meine Karte," erklärt der Angefragte mit Würde und zeigt auch eine Karte, die der Haustyrann vor Ehrfurcht nicht näher zu betrachten wagt, packt den Delinquenten am Arm, empfiehlt sich und Parteilokal. Es war der kontrollierende bringt ihn in das nächste Vertrauensmann der Partei. Das Wahlresultat, wie es uns am Abend des Wahltages ( 30. Juli 1878) vorlag, erfüllte uns mit sehr gemischten Gefühlen. Wohl hatte sich unsre Stimmenzahl in Berlin gegen die Wahlen vom 10. Januar 1877 fast verdoppelt sie war von 31 494 auf 56 147 gestiegen. Aber von den beiden Wahlkreisen, die wir 1877 erobert, war der eine, der sechste Berliner Wahlkreis, schon im ersten Wahlgang verloren gegangen, der andre Berlin IV den Tücken einer Stichwahl ausgesezt. Und welche Enttäuschungen brachten uns die ersten Telegramme aus der Provinz. Fast nur Mandatsverlufte. Gerade die Wahlkreise, die für bombensicher gehalten, waren verloren gegangen. So vor allem Chemniz. 1877 war Most dort gegen den Fortschrittler Franz Duncker, der doch immerhin etwas vorstellte, glänzend durchgedrungen. Jetzt hatte man ihm einen Es war am Morgen nach der Hinrichtung Hödels, die durch geistig unbedeutenden Pelzfabrikanten, eine politische Null, gegenüberSäulenanschlag dem Volke zur Lehre und Beherzigung bekannt ge- gestellt, und wir rechneten auf einen um so größeren Erfolg. Wir geben wurde. Ich habe einige Leute einen Anschlag studieren gesehen, wußten eben noch nicht, daß uns gegenüber die Nullen, namentlich war daraufhin näher getreten, las das Ding nun auch und dachte wenn sie das erste Mal kandidieren, die gefährlichsten Kandidaten mir mein Teil. Da hörte ich plöglich, wie jemand uns anschrie: find. Aber die Hiobsbotschaft aus Chemniz meldete, daß die Null vierzig Prozent mehr Stimmen erhalten hatte als Moſt. Nur machen? Haltet den Mund und schert euch eurer Wege!" Es ist mir, als vernähme ich die Worte in diesem Augenblick wieder. Sie kamen aus dem Munde einer Hageren Frau aus der Eindrüde und Erinnerungen von Ed. Bernstein. Arbeiterklasse oder dem Kleinbürgertum. Ich hatte nicht Zeit, ihre Am Sonntag, den 2. Juni 1878, saß Schreiber dieses nachmittags Psychologie zu studieren, denn die Sprecherin hielt sich nicht weiter zwischen 3 und 4 Uhr mit einem der damaligen Redakteure der auf, sondern ging selbst ungesäumt ihres Weges weiter. Aber aus Berliner Freien Preffe", L. Schapira, zu Hause beim Schachspiel, dem Ton ihrer Worte hatte etwas wie Entsetzen geklungen. Was als ein Dienstmann sich melden ließ und meinen in der Verwaltung hatte diese Frau erfahren? Wie tief mußte sie von der Gefahr, in Frizsche, es für gut hielt, sich neben die Polizei am Eingange des der Berliner Freien Presse" angestellten Schwager und Hausgenossen der sich die ihr fremden Männer befanden, durchdrungen sein, daß Bamberger zu sprechen verlangte. Auf die Frage, um was es sich sie ihnen, die einen amtlichen Anschlag lasen, gerade als ständen sie handle, antwortete er:„ Ich wollte man bloß wissen, ob wir nu an einem Abgrund, zurief:„ Wollt ihr euch unglücklich machen? wieder keine Ertrablätter ausgeben, wo doch alle andren Zeitungen Macht, daß ihr fortkommt!" und keiner von denen, an die die welche haben." Wozu Ertrablätter?" fragten wir erstaunt. Worte gerichtet waren, hielt es für angemessen, über sie auch nur „ Na, sie haben doch auf den Kaiser geschossen!" ,, Was? Auf den zu lächeln. Kaiser?"" Jawohl, und diesmal haben se'n getroffen." Und seit 1890 von nahezu 12 Millionen auf über 3 Millionen Stimmen auch darin zeigt sich ein gut Stück der Schulung, die das Socialistengesez uns gebracht hat. Heut an seinem Jubiläumstage feiern wir das zu einem Monument der Schande für seine Väter gewordene Gesetz als ein unbergängliches Wahrzeichen für die sieghafte Unüberwindlichkeit der deutschen Socialdemokratie. Paul Singer. Aus den Tagen, Ueber die Schmach der massenhaften Denunziationen und die noch größere Schmach der grausamen Verurteilungen wegen an geblicher Majestätsbeleidigung im Attentats sommer ist schon soviel geschrieben worden, daß ich hier auf das Kapitel nicht weiter eingehen will. Nur eine Scene will ich erwähnen, die es vielleicht schärfer illustriert als alles andre, und die mir ewig im Gedächtnis bleiben wird. " wo das Socialistengesetz ward und ins was habt ihr da zu stehen? Wollt ihr euch etwa unglücklich Leben trat. " Nach einigen hingeworfenen Bemerkungen, daß die Frau eigentlicht recht habe, ging man auseinander. Mit Unbekannten zu politisieren, hatte niemand Lust. zwei Size hatte die Partei im ersten Wahlgang behauptet, deren Zahl sich bei den Stichwahlen auf neun hob. Zu den sieben in der Stichwahl errungenen Sigen gehörte auch Berlin IV. Der Jubel in Berlin- Ost am Stichwahltage spottete jeder Beschreibung, der Andrang zu dem Gartenlokal in der Andreasstraße, wo das End= resultat verkündet und gefeiert wurde, war so groß, die Fülle so erdrückend, daß eine Weile der siegreiche Kandidat, Genosse F. W. Lokals zu postieren und der Gewaltigen bei Abwehr des Menschenstroms kräftig Hilfe zu leisten! Der Attentatsschrecken und die unter seinem Einfluß vorgenommenen Wahlen hatten im Lande Preußen den Liberalen den legten Funken von Widerstandskraft gegen Bismarcks AusnahmegesezPolitit ausgetrieben. Lasker setzte etliche Abschwächungen des Regierungsentwurfs durch, von denen die meisten nur formal waren In zwei Minuten waren Bamberger, Schapira und ich auf der und für die Polizeipraris wirkungslos blieben, nur eine oder zwei Straße und eilten von unsrer Wohnung in der Franzstraße durch wirkliche Abmilderungen waren. Es muß übrigens zugestanden Annenstraße, Roßstraße und Breitestraße dem Opernplatz zu. Je mehr Das war die Psychologie der ersten Monate nach den Attentaten werden, daß die Art und Weise, wie die Polizei sich gleich in den wir uns diesem näherten, um so mehr Leute begegneten uns. Vor und in diese schmachvolle Zeit fiel der Wahlkampf für den ersten Tagen des Gesetzes über alle Begriffsabgrenzungen hinwegdem kaiserlichen Schloß aber wogte eine ungeheure Menschenmenge, neuen Reichstag. setzte, die der Reichstag am Regierungsentwurf vorgenommen hatte, durchsetzt mit einem ganzen Bataillon von Schußleuten. Aus Extra- Es war ein harter Kampf, in Berlin kaum weniger mit selbst für viele unter uns überraschend kam. Bei den letzten Beblättern erfuhren wir zunächst nur die nackte Thatsache des Attentats Schwierigkeiten verbunden als wie in der Provinz. Wir hatten nur sprechungen, denen der Schreiber dieses in Deutschland damals beiund daß der Thäter ein Dr. Nobiling sei, der Unter den Linden 18 sehr wenige Säle zur Verfügung, die Organisation der Partei ließ gewohnt hat, war eine weniger gewaltthätige Anwendung des wohnte. Da uns eine Persönlichkeit dieses Namens ganz unbekannt noch in gaz mancher Hinsicht zu wünschen übrig, und bei der Flug- Gesezes vorausgesezt worden, als wie sie in Wirklichkeit geübt war, athmeten wir ziemlich beruhigt auf, denn die Heße, die dem blatt- Verbreitung hatten wir mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. werden sollte. Hödelschuß vom 11. Mai gefolgt war, steckte uns allen noch in den Wo die Hauswirte dahinter kamen, daß Leute von uns Flugblätter Als das Gesetz in Kraft trat und nun die Gewaltschläge hagelKnochen. Auch wußten wir, wie wenig daran gefehlt hatte, daß Bismarck austrugen, ließen sie sie aus dem Hause heraustreiben, je nachdem dicht auf die Partei herniedersausten, weilte ich nicht mehr auf schon auf Grund jenes Schusses sein ersehntes Ausnahmegesetz erhielt. jogar polizeilich fistieren. Obendrein riskierten wir bei jedem Flug- deutschem Boden. Der aus Gesundheitsgründen sich im Süden aufUnfre Beruhigung steigerte sich noch, als die an verschiedene Leute gestellte blatt, daß es auf Betreiben der Staatsanwaltschaft polizeilich fon- haltende unvergessene Karl Höchberg, der in den nun folgenden Frage, ob man denn von den Motiven des Thäters etwas wisse, schließlich fisziert wurde. Wir mußten daher darauf bedacht sein, die Ver- schweren Tagen der Partei so hilfreich zur Seite stand, hatte mich von einem anscheinend unterrichteten Mann dahin beantwortet wurde, breitung so schnell zu besorgen, daß sie beendet war, ehe die aufgefordert, ihm als Sekretär für die Redaktion der von ihm herein Bruder des Dr. Nobiling sei auf dem Großen Kurfürst"( eine Konfiskation verfügt wurde. Es war thatsächlich schon eine Wahl ausgegebenen" Zukunft" zu begleiten, und ich hatte dem Ruf Folge deutsche Panzerfregatte, die am 31. Mai 1878 im Aermelkanal von unter ausnahmegeseßlichen, das heißt außer gesetzlichen Zuständen. gegeben. Aber wenn die Polizeischläge mich auch nicht persönlich einem deutschen Kriegsschiffe, dem„ Kaiser Wilhelm", in Grund ge- Aber die Situation erzog sich ihre Kämpfer und ihre Stampf- trafen, so versezten sie mich darum doch nicht minder in Erregung. bohrt worden war) mit zu Grunde gegangen. Das gab eine leid- methode. In jenen Tagen wurden rein aus dem gegebenen Be- Besondere Umstände trugen sogar noch dazu bei, ihren Eindruck auf lich begreifliche Erklärung der politisch völlig finnlosen That, und so dürfnis heraus, d. h. ohne daß wir an einen weiteren Zweck dachten, mich erheblich zu verschärfen. Vieles sah ich im Ausland womöglich nahmen wir es nur humoristisch auf, als ein aus dem Schloß die Grundlinien eines Organisationsapparats ausgearbeitet, der als noch schwärzer an, als es in Wirklichkeit war. Es drangen eben nur herauskommender Gardelieutenant einigen nach dem Attentäter eine Vorschule für das spätere Ausnahmegejez gute Dienste geleistet Nachrichten von Unterdrückung, Beraubung, Brotiosmachung, Aechtung fragenden Leuten im echten Kasernenton die Antwort hat. Die sechs Wahlkreise von Berlin die Vorortkreise zählten auf uns ein; sie betrafen die intimsten Kampfgenossen, die besten gab:„ Der Mann ist ein Socialdemokrat." Wir wußten, welches noch kaum waren einem sechsköpfigen Central- Wahlkomitee unter- Freunde man kann sich vorstellen, wie sie auf uns wirken mußten, Samals der politische Horizont des Offizierskafinos war, und gingen, stellt, von dessen Mitgliedern jedes einen Wahlkreis zu leiten und die wir in einem einsamen Häuschen auf einem Berge bei Lugano als wieder herauskommende Extrablätter auch nichts Bestimmtes wieder zunächst eine kleinere Anzahl Genossen als Stab von Gehilfen unser Domizil aufgeschlagen hatten, und manchmal, wenn die Gottüber das Motiv der That zu melden wußten, dem Tiergarten zu. unter sich hatte; jeder Gehilfe hatte eine Anzahl Vertrauensmänner hardstraße durch Schneestürme verlegt war die Gotthardbahn war " " noch im Bau- bis zu einer Woche ohne jede briefliche oder| Der passive Widerstand kann in einer Weise geübt werden, daß er Gegenteil davon Natur treu geblieben und haben, sobald fie den Zeitungsnachricht über Maßregelungen blieben, von denen konfuse dem Verfolger weher thut, wie die meisten Versuche attiver Ernst der Staatsgewalt fühlten, unter den wahlverwandten Gemütern Telegramme Mailänder Zeitungen berichtet hatten. Gegenwehr. der Londoner Schiefelbande einen sicheren Unterschlupf gesucht". Sie Lugano ist ein altes Flüchtlingsnest; es besitzt unter andrem Waren wir in einzelnen Punkten mit dem Verhalten der Partei toben draußen in ohnmächtiger Wut, während drinnen im Reich Recht ein Haus, in dem im Laufe der Jahre nach einander vier sehr be- in Deutschland nicht ganz einverstanden, so konnten wir uns jedoch und Ordnung, Glück und Zufriedenheit herrschen. Das strenge Ver rühmte Verschwörer gewohnt haben: Langiewicz, der Bole, Kossuth, noch weniger mit der Art befreunden, wie der nach seiner Frei- bot der socialistischen Vereine und Schriften" hat in der That„ den der Ungar, Mazzini, der Italiener, und Bukunin, der Russe. Zur lassung nach London übergesiedelte Most bald auf die Partei losschlug ehrlichen und denkenden Freunden des Volkes wieder den Zugang verZeit, wo wir dort wohnten, beherbergte es nur einen Flüchtling und sich in einen immer unsinnigeren Revolutionarismus halb selbst schafft zu dem Dhre der Massen", das ihnen damals fast ganz vervon Ruf den französischen Kommuneflüchtling Benoit Malon, hinein räsonnierte, halb von andern hineintreiben ließ. Wie andre schlossen war- nachzulesen in Treitschte: Der Socialismus und mit dem wir natürlich in engen Verkehr traten. In einem Café versuchten auch wir, auf Most belehrlich einzuwirken, aber ihm war der Meuchelmord. Hunderttausende deutscher Arbeiter lesen mit Bes traf man dann noch freiwillige und unfreiwillige Erilierte minderer nicht zu raten. Immer mehr stellte sich die Notwendigkeit heraus, geisterung die von edlen Fabrikanten gegründete Deutsche ArbeiterQualität sowie ehemalige italienische Verschwörer, die sich in Lugano| ein Organ im Auslande zu schaffen, das wirklich die Stimme der Zeitung" und schöpfen aus ihr Belehrung und Anfeuerung zu uns angesiedelt hatten und total verbürgerlicht waren. Als ich nach Partei sein würde. verdroffener Thätigkeit in der Werkstatt und musterhafter Führung Berhängung des Belagerungszustandes über Berlin einem sprach Wie dann im Herbst 1879, nachdem wir im Frühjahr nach Zürich außerhalb derselben. Sie haben ihr Vaterland wieder lieb fundigen Angehörigen der letzteren Gruppe, dem Professor Ippolita übergesiedelt waren, mit Höchbergs Hilfe der Socialdemokrat" ge- gewonnen, das Vertrauen auf die warmherzige Fürsorge der Pederpolli, den bekannten Aufruf zu lesen gab, den unsre ersten gründet wurde, das ist an andrer Stelle in der Denkschrift Fünf- Regierenden ist in ihr Gemüt zurückgekehrt, sie haben sich von der Berliner Ausgewiesenen erlassen hatten, rief er mit seiner Stentor- undzwanzig Jahre Kampf und Sieg" erzählt worden, und Partei der Hezzer losgesagt, und als im vorigen Jahre stimme, die durch das ganze Café hindurch bis auf den Marktplatz hinaus braucht hier nicht wiederholt zu werden. Die Geschichte des„ Social- die Regierung unter dem Ruf: Das Vaterland ist in ertönte: Troppo moderato, cavo amico, Troppo moderato!*) Jch hätte demokrat" überhaupt erzählen, hieße aber die ganze Geschichte der Gefahr, der Erbfeind steht vor der Thür! das Volk an die Wahlgewünscht, daß man seine Stimme bis in gewisse Amtsstuben in Partei unter dem Socialistengesez erzählen, so eng ist sie mit dieser urne rief, da zeigte es sich, daß der Erbfeind im Innern siegBerlin hörte. verknüpft. Und das verbietet sich im Rahmen einer furzen Er- reich überwunden war und jeden Anhang im Volke verloren hatte. Eines begriff ich damals nicht und schrieb darüber auch an einen innerung von selbst. So will ich mich am Schluß darauf be- Kaum daß hier und da von verbissenen Grämlingen einige Hundert einflußreichen Parteigenossen, der aber von der Idee nicht viel hielt: schränken, aus dem„ Socialdemokrat" einen kleinen Nekrolog des Stimmen für die einst so starte Partei aufgebracht wurden, im nämlich warum niemand in Deutschland den passiven Widerstand Schandgesetzes aufzuwärmen. Als das Bismarcksche Ausnahmegesez ganzen erhielt dieselbe aber keine siebentausend von sieben Millionen in radikalerer Form zur Anwendung brachte. Die Ausweisungen sein zehntes Jahr zurückgelegt hatte, da glaubte der Social- der im Reiche abgegebenen Stimmen. Preisen wir daher den großen bei völligem Fehlen jeder Gefahr, wie sie der Wortlaut des demokrat" dies Machwerk einer brutalen Regierungsmethode nicht Staatsman, der dies wohlthätige Gesetz ins Leben gerufen, und Belagerungszustands- Paragraphen des Socialistengesezes verlangt, eindrucksvoller verspotten zu können, als indem er in einer erdichteten der den Nörglern, die dessen Wirksamkeit in Zweifel stellten, vor hatten unzweifelhaft auch viele Nichtsocialisten stußig gemacht. Aber Festrede einen Bismarck- Gläubigen das als erfüllt schildern ließ, versammeltem Reichstage am 17. September 1878 mit den Worten die ganze Niedertracht dieser brutalen Maßregel war dem Publikum was das Socialistengesetz hatte bewirken sollen, was aber mit entgegentrat:„ Ich glaube auch nicht an die Fruchtlosigkeit unfrer doch nicht zum Bewußtsein gebracht worden. Sie war u. a. an dem wirklich Erreichten in schreiendem Kontrast stand. Nachdem er Versuche, von der man immer spricht; wir haben gar nicht nötig, in Leuten verübt worden, die niemals bestraft waren und deren gesetz die socialistische Agitation vor Schaffung des Socialistengesezes im Deutschland zu den drastischen Mitteln wie in Frankreich zu greifen, licher Heimatsort eben das Berlin war, aus dem man sie ohne Urteil Jargon der Reptilienpresse geschildert, fuhr dort der Pfeudo- Fest- aber Frankreich ist von dem Vorort des Socialismus sehr erheblich und Anklage verjagte. Wie, wenn einige oder wenigstens einer von ihnen redner fort: zurückgetreten auf einen Standpunkt, mit dem die Regierung und unter Betonung dieses Umstandes der Ausweisung nicht Folge gab Wie anders ist dies hente, meine teuren Festgenossen, nachdem die Gesellschaft es aushalten kann. Wodurch denn? Etwa durch und erklärte: Von diesem Fleck Erde, dem einzigen, wo ich zu das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der deutschen die leberzeugung? Nein! Durch gewaltsame Hause bin, lasse ich mich nicht verjagen", und sich mit dieser Er- Socialdemokratie in zehnjährigem Bestande seine segensreichen pressalien. flärung immer wieder von neuem wegen Baumbruchs prozessieren Wirkungen ausgeübt! Die verheßende Agitation ist von der Die Gewaltfur war gewiß bedauerlich, aber sie war notwendig ließ? Das mußte nach meiner Ansicht den tiefsten Eindruck auf alle Deffentlichkeit, ja wir dürfen sagen von dem Boden unsres geworden, und heute erfreut sich Arm und Reich, Hoch und Niedrig machen, die noch einen Funken Rechtsgefühl besaßen. Würden die Vaterlandes verschwunden, die Wühlerei hat, wie der große ihrer heilsamen Wirkungen... Richter es wagen, einen solchen Appell an das elementarste Rechts- Historiker Heinrich von Treitschke in seiner unvergeßlichen Streit- So durfte der„ Socialdemokrat" in seiner Jubel- Nummer vom empfinden mit hohen Freiheitsstrafen zu belegen? Den Versuch sollte schrift„ Der Socialismus und der Meuchelmord" die bis in die 20. Oftober 1888 die Väter des Socialistengesezes verhöhnen. man, so meinte ich, wenigstens machen. Aber die Stimmung in fernsten Zeiten als ein leuchtendes Denkmal tiefer geschichtlicher Mögen es sich alle gesagt sein lassen, die etwa ein Gelüste vers Deutschland war dieser Anschauung wenig günstig. Wir sind ja Erkenntnis bewundert werden wird im Sommer 1878 mit spüren, das Erperiment heute zu wiederholen, heute, wo die schließlich auch ohne Derartiges ausgekommen. Unter bestimmten prophetischem Blick voraussagte, ihren Reiz für die Masse verloren, Arbeiterklasse sich zu einer ganz andern Zahl, socialen Bedeutung Umständen würde ich jedoch die Idee trotzdem wieder aufnehmen. sobald die Freuden der Feste und Aufzüge, der öffentlichen Schreierei und Reife entwickelt hat wie 1878, dem Jahre der wilden und doch und Prahlerei aufhörten", und die Führer sind, genau wie er ver- so impotenten Socialistenhayz. *) Zu gemäßigt, lieber Freund, zu gemäßigt! tündete, in ihrer großen Mehrzahl ihrer heroischen nämlich das Politische Ueberlicht. Die Konferenz der bundesstaatlichen Finanzvertreter hat Montag und Dienstag beraten. Ueber den Inhalt ihrer Beratungen giebt die„ Norddeutsche Allgemeine Zeitung" nur diese dürftigste Mitteilung: " " Re= Die Leipziger Volksztg." bemerkt zur Mitteilung dieser Massen Auch Spec erhielt 6 Monate zudiftiert, wurde jedoch auf Be= ladung: Die Zeit der Vernehmung liegt zivischen 9 und 11 Uhr treiben Krieters( durch Fürsprache bei Puttkamer) bereits vormittags. Da also morgen vormittag von 10 bis 11 Uhr das na ch Berlin, den 20. Oktober. acht Tagen begnadigt! Als dieser Ehrengesamte Comptoirpersonal auf dem Landgericht anwesend sein wird, mann, der Duzende von Familien unglücklich gemacht, wieder Finanzvorschläge des Reichskanzlers. muß während dieser Zeit das Comptoir der ,, Volkszeitung" geschloffen zur Fabrik kam, drohten sämtliche Arbeiter, die Arbeit niederzulegen. gehalten werden." Auch die Beamten wollten mit dem Judas nichts gemein haben und Aber nicht diese Störung des Geschäftsbetriebes ist das so wurde er entlassen. Auf Betreiben Krieters wurde er dann wesentlichste, sondern die Zumutung, daß die Redakteure und die Magistrats bote, mußte aber auch bald infolge der Haltung im gleichen Betriebe beschäftigten Geschäftskollegen Aussagen des Publikums abgehen und ist heute noch( infolge hoher Protektion) Die Verhandlungen der zur Erörterung von Finanzfragen über Vorgänge in der Redaktion machen und gegebenenfalls Fahrer bei der elektrischen Straßenbahn in Magdeburg. Die 31 Anhier eingetroffenen bundesstaatlichen Vertreter haben unter Vorsitz einen ihrer Freunde verraten sollen. Es versteht des Reichskanzlers am Montag begonnen. In einer einleitenden daß keiner fich, geklagten, darunter die Genossen Klees, Bremer, Dieck, Nitsch, Lankau der Beteiligten, mag der Ansprache drückte Graf Bülow seine Genugthuung über das bereit wie immer, dem Untersuchungsrichter irgend etwas mitteilen wird. Gefängnis verurteilt. Sie hatten zudem fast insgesamt sieben Jahre Sachverhalt liegen wurden am 12. und 13. Mai 1887 zu insgesamt 164 Monaten willige Eingehen der Bundesregierungen auf die Einladung zu will dieser dann den Zeugniszwang fortführen, so wird dieser Fall Untersuchungshaft erdulden müssen. diesen Besprechungen aus, wies auf die ungünstige Lage der ReichsDer Schneider Habermann finanzen hin, die einen weiteren Aufschub der allseitig als unabweis- die Empörung über den Zeugniszwang um so mächtiger entfachen starb darin an der Schwindsucht. Obwohl nachgewiesenermaßen bar erkannten Reform nicht thunlich erscheinen lasse, und unter- und endlich dazu führen, daß diese mittelalterliche Inquisition durch die Krietersche Broschüre ein reines Phantasieprodukt war, nichts entbreitete mehrere auf seine Anregung ausgearbeitete die Gesetzgebung beseitigt wird. hielt als platte, erdichtete Allgemeinheiten, diente sie doch im Prozeß Vorschläge zur Neuregelung der Finanz beziehungen als einziges Beweisdokument! Ferner wird uns berichtet: bei m Reich und den Einzelstaaten der Zwei Jahre später war das Fiasko des Ausnahmegeseges näheren Prüfung. Diese Vorschläge wurden sodann durch den Das Zeugniszwangs- Verfahren gegen den ReStaatssekretär des Reichs Schatzamts eingehend begründet. dakteur der Pankower Zeitung" nimmt seinen Fort- bollendet. Und als besondere Antwort auf den Prozeß darf Frhr. v. Stengel wird als Stellvertreter des Reichskanzlers in gang. Es handelt sich dabei bekanntlich um die von dem Blatte das Ergebnis der Reichstagswahl von 1890 betrachtet werden: Es den Reichsfinanz- Angelegenheiten den Vorsitz bei den Beratungen gebrachte Mitteilung, daß die Gemeinde versehentlich 15 500 M. zu viel wurden abgegeben für v. Vollmar 17 261 gegen 11 438 Stimmen führen, sofern der Reichskanzler persönlich durch andre Amtsgeschäfte an Kreissteuern gezahlt habe. Die Mitteilung an sich war richtig, der vorigen Wahl 1887! Vollmar fiegte im ersten daran verhindert ist." doch wurde vom Gemeindevorstand angenommen, daß die Redaktion des Wahlgang und da er in München annahm, siegte bei der Nachwahl Der Jammer der Reichsfinanzen ist freilich num schon Jahre Lokalblattes nur durch den Vertrauensbruch eines Beamten in den Bod gar mit 18 455 Stimmen, also eine Zunahme von über alt und im letzten Etat ist man zu verfassungswidrigen Zuschußz- Besiz der Nachricht gekommen sei, und der Amtsvorsteher that zu- 7000 Stimmen! Mit dem Ueberschuß der Wahlgelder wurde anleihen gelangt, um den Etat zu flicken. Es ist auch zuzugeben, nächſt ſein mögliches, um auf dem Wege mehr oder minder gemüt noch in demselben Jahre die„ Volksstimme" gegründet. daß eine Reform allseitig als unabweisbar" erkannt ist. Aber lichen Zuredens den Redakteur zur Preisgabe seines Gewährsmannes zu veranlassen. Dies gelang nicht und so wurden denn Gewalt- Jezt geht fang- und klanglos Krieter in Pension. Er und sein was für eine Reform? maßnahmen angewendet. Gestern hatte der Redakteur Salis eine System find tot. Magdeburg ist hochburg der SocialVernehmung vor dem Untersuchungsrichter zu bestehen, in der dieser demokratie. Daß sich die 25jährige Feier des Socialistenan ihn das Verlangen stellte, den lleberbringer der für den Pankower gefeßes heute gerade verkettet mit dem Ende eines Mannes, der ein Gemeindevorstand so unangenehmen Nachricht namhaft zu machen. großes" Werkzeug dieses Gesetzes gewesen, ist eine besondere Jronie Als der Redakteur erklärte, daß die Erfüllung eines solchen Verlangens des Schicksals. sich nicht mit den Pflichten eines Redakteurs vertrage, verurteilte ihn der Richter zu 300 M. Geldstrafe event. 6 Wochen Haft und kündete ihm weiter an, daß die Zeugniszwangshaft über ihn verhängt werde, wenn er binnen zehn Tagen nicht den Namen seines Gewährsmannes preisgebe. Da wohl nicht zu erwarten ist, daß der Redakteur dem Verlangen des Untersuchungsrichters nachkommt, so barf angenommen werden, daß Deutschland auch in diesem Fall das Schauspiel einer modernen Folterung erlebt. . Etatsberatung in der bayrischen Kammer. Ju München begann am Dienstag die Etatsberatung und damit die Debatte über die allgemeine politische Lage. Als Redner der in der Kammer der Abgeordneten herrschenden Partei, des Centrums, sprach an erster Stelle Abg. Schädler. Er sprach zunächst über die Veränderungen im Ministerium, er sprach wie ein Gebieter zu seinen Dienern: " Graf Bülow, so sagt die offiziöſe Auslaſſung, hat mehrere Vorschläge zur Neuregelung der Finanzbeziehungen zwischen dem Reich und den Einzelstaaten" unterbreitet und zur höheren Ehrung des reichskanzlerischen Finanzgenies wird hinzugefügt, Graf Bülow habe diese Vorschläge selbst angeregt und ausarbeiten lassen. Welcher Art aber die Vorschläge sind, erfährt man nicht. Immerhin wird von neuem bestätigt woran freilich niemand, der die Finanzgedanken der Regierungen kennt, je zweifeln konnte daß von dem Versuch einer wirklichen Gesundung des Reichsfinanzwesens keinerlei Rede ist. Der ganze Jammer gilt dem Uebel, daß die Bundesstaaten mit einigen Millionen jährlich an den Ausgaben des Reiches beteiligt sind. Die Bundesstaaten behaupten, Auch das Zeugniszwangs- Verfahren gegen den früheren Redaß sie diese Störung ihrer eignen Landesfinanzen nicht ertragen Blickt man zum Ministerpodium, so kann man sagen: es könnten. Thatsächlich aber haben die Bundesstaaten selbst diese dakteur der„ Hilfe", Hildebrandt, dauert fort. Dieses Verder wegen nervöser lieberreizung seine Entlassung genommen, fehlt manch teures Haupt. Der frühere Kultusminister Landmann, Störung verursacht, indem sie ihre Vertreter im Bundesrate Reichs- fahren wurde eingeleitet, weil die" Hilfe" im Februar dieses erfreut sich guter Gesundheit. Crailsheim ist Minister in ausgaben in solcher Fülle bewilligen ließen, daß trotz der ge- Jahres einen Erlaß an die Rektoren der Volksschulen im ruhender Aktivität, sein Rücktritt läßt das Centrum vollwaltigen Einnahmen des Reiches Ebbe in die Reichskasse tam. Regierungsbezirk Potsdam veröffentlicht hatte. Hildebrandt wurde ständig kühl. Crailsheims Weggang hilft über viele Schwierigkeiten Außerdem ist die Klage der Bundesstaaten zumeist weit übertrieben, deshalb in der ersten Hälfte September in 3eugniszwangs- fort; denn der nachhaltige Widerstand, den er leistete, hätte zu denn im laufenden Etat beträgt die Gesamtsumme, die sie dem haft genommen, nachdem ein Disciplinarverfahren gegen die heftigsten Verwicklungen unfehlbar geführt; wir stellen nicht die haben, zu geben es nicht besser wäre, Mark, wovon imbekannten Ueberbringer des Erlasses eingeleitet worden war. Frage, ob wenn auch noch die letten Stüßen des Crailsheimschen Geschäftsministeriums auf das finanziell leistungsfähige Preußen allein 15 Millionen Hildebrandt befindet sich seitdem in Zwangshaft, d. h. jetzt über nachfolgten, wir verlangen auch kein Parteiministerium, obkommen, so daß die kleineren Staaten nicht allzuviel zu tragen fünf Wochen! wohl kein Grund dafür denkbar denkbar ist, daß die Vergebung haben. Wenn die Bundesstaaten dennoch über Verwirrung ihrer Der Verein Thüringer Presse", der am Sonntag seine dies- der Minister Portefeuilles ein liberales Privileg sein soll, wir sind Finanzverhältnisse flagen, so haben sie das ungeheuer einfache Mittel, malige Jahresversammlung in Erfurt abhielt, protestierte, wie wir aber auch nicht Ministertrabanten und in das neue Ministérium nicht die Ausgaben des Reiches für Militär, Marine und Weltpolitik, nur im Anschluß an obige Mitteilungen anführen möchten, gegen das verliebt, wir warten dessen Thaten ab und nehmen dann unfre ein wenig einzuschränken. Dann wäre ihnen sofort geholfen und es Zeugniszwangsverfahren und sandte dem inhaftierten Hildebrandt Stellung. Durch Schaffung eines Verkehrsministeriums wird die bedürfte nicht der neuen Finanzheilfünfte des Grafen Bülow und der ein Sympathietelegramm. Kraft des Ministerpräsidenten von Podewils frei für die großen Aufgaben auf staatsrechtlichem und allgemeinem Gebiet. Ministerkonferenz.Wir erwarten, daß er das Schwergewicht seiner Arbeiten auf die Pflege der Beziehungen zum Reich legt. Es trat manchmal zu wenig an die Deffentlichkeit, daß und wie bedeutend Bayerns Einfluß im Reich ist." Reiche ernten. 24 Millionen Massen- Zeugniszwang. * * Deutsches Reich. Weiter führte Dr. Schädler aus: Aus Anlaß des Falles Dippold sei er von neuem veranlaßt, auf eine lex Heinze hinzuwirken. Aber nicht nur die kinder müssen geschützt werden, eine andre Best bedrohe die heranwachsende Jugend: der Unglaube, der durch staatlich besoldete Hochschullehrer groß gezogen werde. Seit Jahren werde das katholische Bolt provoziert, in seinen heiligsten Gefühlen gekränkt und geschmäht. Redner polemijiert scharf gegen den Evangelischen Bund. Die Liberalen hätten die Religion in die treiben, denn man trete seine Rechte mit Füßen, aber in diesem Politik hineingebracht. Heute müsse der religiöse Katholik Politik Kampf habe man nur noch mit der äußersten Linken zu thun. Den Liberalen sei das Rückgrat gebrochen, in kurzem würden sie ausgeschaltet sein. Die Justizbehörden in Leipzig haben sich manches Jahr einer gewissen Zurückhaltung in reaktionären Maßnahmen befleißigt. Polizei Inspektor Krieter in Magdeburg, Neuerdings ist das ganz anders geworden. Zu den schroffen der Organisator der Geheimbunds- Prozesse von 1887 Majestätsbeleidigungs- Urteilen der letzten Tage will anscheinend nimmt am 1. November seinen Abschied. Also wird uns aus die Leipziger Justiz noch höheren Ruhm im deutschen Rechtsstaat Magdeburg berichtet. Gerade jetzt. Die Nachricht ist geeignet, nach denkliche Erinnerungen wachzurufen. Krieter war der Verfasser Wir berichteten jüngst, daß wegen eines Artikels der„ Leipziger der ominösen Broschüre:„ Die geheime Organi Volkszeitung" Anklage erhoben ist nicht nur gegen den ver- sation der Socialdemokratie, nach autoritativen antwortlichen Redakteur Seger, sondern unbegreiflicherweise auch gegen Quellen bearbeitet", die seitens der Regierung als den politischen Redakteur des Blattes Jäck h, in dem man den Unterlage zur Inscenierung der berüchtigten Geheimbundsprozesse Verfasser des Artikels vermutet, ohne zur Bestätigung der Vermutung gemacht wurde. Die„ autoritativen Quellen" Krieters waren die die nötigen Beweismittel zu haben. Um den Verfasser zu Spigel Heinrich und Sped, die die geheimen Zusammenkünfte ermitteln, wurde Zeugniszwvang gegen andre Redakteure und erst entrierten und dann getreulich für Geld der Polizei Bericht Geschäftsbeamte der Leipziger Volkszeitung" angedroht. Und that- erstatteten. Auf Grund der Angaben dieser Spitzel wurden am Für die Liberalen sprach Abg. Wagner. Auch er berührte sächlich scheint diese unerhörte Drohung jetzt zur Durchführung 7. Februar 1887, furz vor den Faschingswahlen, 36 Genossen plöglich zunächst den Wechsel im Ministerium: Die Agitation des Centrums gebracht zu werden. Für Dienstagvormittag wurden vor den Unter- verhaftet. Der Zweck, dadurch ein ungünstiges Wahlresultat zu gegen Crailsheim sei unbegreiflich gewesen, denn er ſei ſeinen suchungsrichter des Landgerichts zum Zwecke der Befragung" erreichen, wurde thatsächlich erreicht. Wünschen in weitestem Maße entgegengekommen. Freilich sei er ein geladen: parteilofer Geschäftsminister, kein ultramontaner gewesen. Durch Die Redakteure Pollender, Julge, Dr. Morgenstern, Später wurde 46 Genossen der Prozeß gemacht wegen angeb- feine Entlassung sei die Begehrlichkeit des Centrums Wagner, der Geschäftsführer Seyferth, der Faktor Lehmann, der licher Geheimbündelei und Verbreitung des" Socialdemokrat". unerhört angewachsen. Aus dem Verhalten der ultraKassierer Horn, die Comptoiristen Wittig, Sauer, Borkmann, Gaschüß, Ueber 30 der Angeklagten, darunter der alte 63jährige Veteran montanen Presse habe man den Schluß ziehen müssen, daß der Haferkorn, der Buchhändler Hennig und die Expedienten Piller und Grenz. Bremer, wurden verurteilt zu 4 bis 9 Monaten Gefängnis. Sturz in einem Druck des Centrums seinen Grund habe. " ein= Konservativen zu zeigen, daß auch wir auf dem Plane find, tro aller Wahlrechtschikanen." Die Liberalen fönnen sich also darauf gefaßt machen, aus eigner Kraft zu- sterben. Gewerkschaftliches. ( Siehe auch 2. Beilage.) fei bis fegt nicht ausreichend widerlegt, es wäre jedenfalls der Entwurf ursprünglich noch viel schlimmer und dehnbarer war. zu bedauern, denn noch sei das Centrum zwar im Landtage, aber Die Vorlage ist ein unverhülltes Klassengesetz, das die bürgerlichnicht im Lande ausschlaggebend, es danke feine Macht nur fapitalistische Mehrheit der Bundesversammlung gegen das arbeitende einer systematischen Unterdrückung der Wahlfreiheit, Beichtstuhl und Volt gemacht hat und das die herrschende raditale Geldjackspartei Kanzel allein ermöglichten diese Erfolge. Auch sie seien Freunde während der Referendumsbewegung in der Presse und in den Verder katholischen Kirche und widersprächen entschieden dem Satz, daß sammlungen verteidigt und dem Volke mundgerecht zu machen sich katholisch und ultramontan gleich sei. Die Liberalen verwahren sich bemüht. Die Tendenz des Gesetzes ist eine durchaus reaktionäre; gegen den Vorwurf, Störer des konfessionellen Friedens zu sein. es will die Freiheit der Kritik in Wort und Schrift Es herrsche heute ein Jesuitengeist, der durch Aufhebung des an den Handlungen und Excessen der Offiziere, Gesetzes kaum verschärft werden könne. Gewiß fönne auch beim die den besitzenden Klassen angehören, Evangelischen Bund manches nicht gebilligt werden, aber er sei keine schränken oder in der dem Volke eignen etwas einiger Zeit ihren Arbeitgebern einige minimale Aufbesserungen Lohnbewegung der Rohrer. Die Rohrer hatten bereits vor politische Partei, sonst würde er feitens der Liberalen ebenso bekämpft der beren und fräftigeren Form unmöglich ihres alten Tarifs zur Bewilligung unterbreitet. Von den 16 in werden wie das Centrum. machen und so das Klassenregiment auch in Betracht kommenden Firmen haben sich indessen bis jetzt nur 5, die dieser Richtung sichern. Die weitaus größte Zahl der der Arbeitgeber- Organisation nicht angehören, zur vollen Anerkennung Offiziere sind Fabrikanten, Fabrifdirektoren, Unternehmer aller Art, der Forderungen bereit erklärt. Da bei letzteren Firmeu vollauf ferner Herrenbauern sowie die Söhne dieser Kreise, und da werden Beschäftigung ist, um fast die gesamteu Rohrer Berlius zu plazieren, nun die Gewohnheiten, die Ausdrücke und die Behandlung gegenüber so nahm die gestrige Rohrerversammlung von der offiziellen den Arbeitern in der Fabrik usw. übertragen auf die Kaserne, auf Proklamierung eines Streits Abstand. Dahingegen gelangte folgende das ganze Verhältnis vom Offizier zu dem Soldaten. Es sind also Resolution zur einstimmigen Annahme: Die Versammlung erklärte die Klassengegensäße, die die Einheit der schweizerischen Milizarmee sich mit dem, Verhalten der Lohnkommission einverstanden. Die so start gefährden und sie sind auch die Erklärung für die Soldaten- Rohrer versprechen von morgen( Mittwoch) ab nur dort zu arbeiten, mißhandlungen, die in ihrer brutalen, ercessiven und mannig wo die Forderungen der Organisation anerkannt sind. Die Lohn faltigen Form würdige Seitenstücke zu den bezüglichen Ercessen der kommission ist ermächtigt, mit den Ringfirmen auf deren Wunsch zv stehenden Heere sind. unterhandeln. Sodann gab Ministerpräsident Freiherr von Podewils folgende Erklärung über die Gründe des Rücktritts des früheren Ministerpräsidenten Grafen Crailsheim ab: Als Grund für die Ministerkrisis wurden seiner Zeit in einer offiziösen Mit teilung Meinungsverschiedenheiten über die Behandlung gewisser Angelegenheiten bezeichnet. Die Meinungsverschiedenheiten betrafen die Frage, ob der Vorsitzende im Ministerrat zu gewissen Handlungen ohne vorherige Fühlungnahme mit andren Ministern befugt sei. Diese hielten für die fragliche Handlung mit Rücksicht auf deren große Bedeutung eine solche vor herige Kollektivberatung für um so entschiedener geboten, als turz vorher eine allerhöchste Verordnung für alle wichtigeren Angelegen heiten gemeinsame Beratung im Ministerrale besonders vorgesehen hatte. Wenn die Differenz auf dem Gebiete der formellen Geschäftsbehandlung sich bewegte, standen keineswegs formale Bedenken von untergeordneter Bedeutung, sondern das wichtige und entscheidende Interesse in Frage, ob das Selbstbestimmungsrecht der Ministerfollegen in Fragen ihres Ressorts, in Angelegenheiten, die sie mit ihrer politischen Verantwortung zu decken hatten, gewahrt geblieben fei. Die Lage erfuhr eine unerwartete Verschärfung dadurch, daß Graf Crailsheim ſein Entlassungsgesuch einreichte, ohne mit den übrigen Ministern sich zu benehmen, ehe die Angelegenheit erledigt war. Die Krisis hat damit zu jener Lösung gedrängt, die sie durch Genehmigung des Entlassungsgesuchs gefunden hat. Eine Berände rung in den Regierungsgrundsägen ist infolge des Personenwechsels nicht eingetreten. Das Ministerium will die guten Beziehungen zwischen Bayern und dem Reiche auf Grundlage der Verfassung forgfältig pflegen und sich bei der Geschäftsführung nicht von Barteirücksichten, sondern ausschließlich durch die Interessen der Krone und des Landes leiten lassen. Die Debatte wird fortgesetzt. Kasernen- Enthüllungen eigner Art tamen bei einer Verhandlung vor dem Ober- Kriegsgericht Magdeburg ans Licht. Uns wird darüber berichtet: Der Unteroffizier Ferd. Koller von der 11. Compagnie des Infanterie- Regiments 66 in Magdeburg war seiner Zeit wegen Diebstahls, Unterschlagung und verleumderischer Beleidigung zu einem Jahr Gefängnis, Degradation und Versegung in die zweite Klasse des Soldatenstandes verurteilt worden. Er hatte eine Hose eines Kameraden und ein Tricothemd, dem Fiskus gehörig, gestohlen. Als er acht Tage im Gefängnis saß, ließ er sich plötzlich vorführen und gab aus freien Stüden allerlei Interna aus der Kaserne zu Protokoll. " Verfammlungen. Die socialdemokratische Partei des Staates Zürich hat auf die Voltsabstimmung über das Maultrattengeset" hin, wie die erwähnte Vorlage zutreffend getauft wurde, eine vom Genossen Paul Brandt verfaßte Broschüre herausgegeben, in der eine ganze reiche Kollektion von seit 1898 borgekommenen Centralverband der Maschinisten und Heizer. Die Ortsvers Soldaten beschimpfungen und-Mißhandlungen vorgeführt sowie die Korruption waltung Berlin hielt am Sonntag in Vogts Ritterſälen ihre Generalin der eidgenössischen Militärverwaltung dargestellt und kurz kritisch bersammlung ab. Zunächst erstattete der Kassierer Paschen den beleuchtet wird. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Wisse auf 3665,05 M., die Ausgaben auf 3457,12 M., so daß 207,93 M. Sassenbericht vom verflossenen Quartal. Die Einnahmen beliefen sich thaten von Offizieren, vom Lieutenant angefangen bis zum Oberst hinauf, nur ausnahmsweise wird auch über Ausschreitungen von Ueberschuß erzielt wurden. Hierzu kommt ein alter Bestand von Unteroffizieren berichtet. Wir erfahren da von geschmackvollen 8583,08 M. Am Ende des Quartals war demnach ein Kassenbestand Ausdrücken, wie„ Saubande"," Lausbuben“,„ Lümmel"," fule bon 8791,01 M. vorhanden. Unter den Ausgaben sind 2290,45 M. Hung"( faule Hunde),„ trauriger Simpel" und" Schweinefer!". für die Centralfasse. Gegen die Kassenführung wurden keinerlei Ein Soldat, der Ohrfeigen erhalten und dazu bemerkt hatte:" Ich Einwendungen erhoben. Eine längere Diskussion fand über den bin kein Hund!" mußte verschiedene Male hintereinander hersagen: Arbeitsnachweis statt. Hierzu wurde beschlossen, daß in Zukunft nicht Ich bin ein Hund!" Die Austeilung von Ohrfeigen an die wie bisher alljährlich, sondern alle Vierteljahr anschließend an den Soldaten ist überhaupt kein seltener Vorgang mehr. Dazu kommen Kassenbericht der Bericht vom Arbeitsnachweis gegeben werden soll. nach den berüchtigten Muſtern der stehenden Heere die Püffe, Darauf erstattete Siewert Bericht von der GewerkSäbelhiebe, Hiebe mit der Reitpeitsche. Zwei Soldaten mußten aufchaftskommission. Er wies besonders auf den Streik und Befehl des Offiziers mit Sack und Pack über eine steile Wiesen- die Aussperrung in der Metallindustrie hin, sowie auf das Bestreben böschung auf den Kopf springen und auf dem Bauch rückwärts, der Handelsangestellten zur Einführung des Achtuhr- Ladenschlusses, die Füße voraus, wieder hinaufkriechen. In Bern wurde auf Befehl das, wie Redner ausführte, von allen Arbeitern und Arbeiterfrauen des Lieutenants ein Rekrut mit Schmierseife eingeschmiert, mit dadurch unterstützt werden sollte, daß sie ihre Einkäufe stets vor 8 Uhr Reisbürsten abgerieben, mit ein paar Gimern kalten Wassers be- abends besorgen. Im Anschluß an den Bericht teilte der Kassierer gossen und dann ins Bett gebracht. Am andren Tage mußte der Paschen mit, daß von der Aussperrung in der Offizieren gegen den Bürger im Civil sind nicht mehr selten. Es bandes der Maschinisten und Heizer betroffen Mißhandelte ins Lazarett. Auch die Fälle der Ausschreitungen von Metallindustrie nur zwei Mitglieder des Ver= ist der überhebende, anmaßende und unerträgliche Säbelraßlergeist, find, troßdem eine große Anzahl in solchen Be= der sich in den Soldatenmißhandlungen und Ercessen aller Art betrieben arbeitet, die für den Aussperrungs= kundet und der nun auch noch durch das Maulkrattengesetz vor der beschluß der Fabrikantenvereinigung in Be= unangenehmen Kritik geschützt werden soll. Die vollste Freiheit der tracht kommen mußten. Die Beschwerdekom= Stritit an solchen Vorgängen ist aber um so dringender notwendig, mission, über deren Thätigkeit esse berichtete, hat nur wenige Die Generalverals die so excedierenden Offiziere in der Regel nur äußerst gelinde, und unbedeutende Fälle zu erledigen gehabt. nachsichtig und untvirksam bestraft und sie derart zu neuen Ercessen sammlung nahm schließlich noch folgende Anträge an: Alle Be schwerden, die sich auf den Arbeitsnachweis beziehen, sollen in geradezu ermuntert werden. Zukunft dem Kuratorium des Arbeitsnachweises unterbreitet werden; interne Beschwerden dagegen dem Vorstand der Ortsverwaltung. Damit tritt die bisherige Beschwerdekommission außer Funktion. Die Aenderung wurde dadurch veranlaßt, daß der Arbeitsnachweis nach der Gormannstraße verlegt worden ist und sich somit dem Statut des Centralvereins für Arbeitsnachweis anpassen mußte. Des weiteren wurde beschlossen, daß der Vorstand Todesanzeigen nur von den Angehörigen der verstorbenen Mitglieder entgegennehmen soll und nur schriftlich oder mündlich, nicht telephonisch. schweizerische Socialdemokratie das Maulfrattengefes als ein faules Produkt der Klaffengesetzgebung, und die ganze Situation läßt die Hoffnung darauf zu, daß am 25. Oktober die große Mehrheit der Stimmberechtigten den Wechselbalg seinen Vätern, den Beschüßern entarteter Offiziere, vor die Füße werfen wird. Belgien. = So berichtete er dem Untersuchungsrichter, daß ein Feldwebel Waterstraat sowie der Vicefeldwebel Steinbach Soldaten gemißhandelt hätten. Sergeant Brüggemann Im Zeichen des Klassenkampfes bekämpft sehr richtig die habe lange Zeit hindurch Petroleum der Kaserne zu Privatzweden benust usw. K. gab an, diese Denunziationen aus Pflichtgefühl zu machen. Damals sah das Kriegsgericht diese Angaben als wahrheitswidrig an und erkannte auf obige Strafe. Jezt aber hat sich herausgestellt, daß der N. damals die Wahrheit gesagt, denn es haben inzwischen eine ganze Anzahl Bestrafungen vorgenommen werden müssen, ferner mußte ViceUeber den Ausfall der Kommunalwahlen liegen bisher folgende feldwebel Steinbach zur Disposition gestellt und der Nachrichten vor: In Brüssel haben die Socialdemokraten einen Die Arbeiter- Bildungsschule hielt am 8. d. M. ihre regelmäßige Sergeant Brüggemann wegen Unterschlagung und Stimmenzuwachs zu verzeichnen. In der Vorstadt Schaerbeek siegte Generalversammlung ab. Dem vom Vorfigenden Genossen Lammé Verdacht des Meineids verhaftet werden! Es war das socialistisch- liberale Startell, in Ganshoven desgleichen. In gegebenen Vorstandsbericht sei entnommen, daß der Schule im also offensichtlich der Angeklagte zu Unrecht verurteilt worden. und 324 Herren als MitZur Verhandlung am Montag waren 22 Beugen, meistens Wauthier- Braine fiegten die Socialdemokraten mit 110 Stimmen verflossenen Quartal 45 Damen Reservisten, geladen. Durch diese wurde festgestellt, daß Vice- Godarville wurden 3 Socialdemokraten und 2 Katholiken gewählt, fchaftlichen Organisation 130 Personen angehörten, 139 waren Vice- Mehrheit. In Familleureux kam die socialistische Liste durch, in glieder angehörten, von denen der politischen und gewerkfeldwebel Steinbach den Musketier Schulz wegen angeblichen gewerkschaftlich, 14 nur politisch organisiert. Nach dem schlechten Schießens dadurch mißhandelte, daß er ihm befahl, das in Seraing erlitten die Socialisten eine Niederlage, in Bastogne nur bom Kassierer Genossen Königs gegebenen Kassenbericht Gewehr mit den Zähnen festzuhalten nnd dabei auf allen Bieren" wurden alle Katholiken geschlagen und durch Liberale ersetzt. im Schnee herumzukriechen!! Ueber Unruhen bei den Kommunalwahlen wird aus Brüssel vom betrug die Gesamt Einnahme im legten Vierteljahr 175 Mart Kaum war diese Aussage gemacht, da ließ der Verhandlungsleiter urplöglich wegen Ge Sonntagabend anläßlich der Kommunalwahlen Unruhen vor. Dienstag gemeldet: In Quaregnon bei Mons tamen am 77 Pf, die Gesamt Ausgabe 322 Mart 25 Pf., so daß am Als 1. Oftober ein bon Kassenbestand 2569 fährdung der militärischen Disciplin die DeffentMart 65 Pf. Der Bibliothekar Genosse Riedlinger lichkeit ausschließen!( Was die übrigen Zeugen noch an Enthüllungen einer der Ruheftörer von der Gendarmerie verhaftet wurde, ergriffen zu verzeichnen war. seine Genossen für ihn Partei. Sie warfen die Fenster des Rat- berichtet, daß an den 16 Abenden, an denen die Bibliothek brachten, bleibt daher einstweilen noch Geheimnis.) Erst nach fast hauses ein und versuchten vergeblich, dessen Thüren zu sprengen. geöffnet war, insgesamt 139 Bände von 69 Mitgliedern auss fiebenstündiger Verhandlung wurde folgendes Urteil gefällt: Der Aus Mons wurde berittene Gendarmerie requiriert, die die Unruhen geliehen wurden. Berufung des Angeklagten wird stattgegeben, das erfte Urteil wird, bald unterdrückte. In der Nacht wurde ein Arbeiter in dem Dorf bie Bibliothet 1573 Bände umfaßt. Auf Antrag der Revisoren Neu angeschafft wurden 6 Bände, so daß soweit es sich auf die verleumderische Beleidigung be- burch unbekannt gebliebene Personen angegriffen und durch einen wurde dem Kassierer und den Bibliothekaren Decharge zieht, aufgehoben, da dem Angeklagten der Wahrheitsbeweis zu Dolchstich getötet. teilt. In der sich an 99 Prozent geglückt" sei. Nur für den Hosen- und Hemdenden Vorstandsbericht schließenden diebstahl wurde er zu fünf Wochen Mittelarrest, DegraDebatte wurde gewünscht, einmal über deutsche Litteratur lefen zu dation und Versetzung in die Dittmar giebt seiner Verwunderung darüber Auszweite Klasse verurteilt. Protest gegen den beabsichtigt gewesenen Zarenbesuch. In Molinella lassen. druck, daß es so schwer halten solle, für die Schule Fünfzehn Wochen saß der Angeklagte in Untersuchungs hat der gesamte Gemeinderat am 14. Oktober gegen zwei Der Vorstand solle sich haft, aber nur eine wurde ihm trotz der 99 Proz. Wahrheits- Stimmen einen scharfen Protest gegen den 3arenbesuch be- geeignete Lehrer zu bekommen. gründlich mit der Angelegenheit befassen und sich beweis angerechnet, angeblich, weil er nach Meinung des Gerichts schloffen, dem russischen Proletariate feine Sympathien ausgedrückt einmal gründlich mit nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus niederen Motiven die Angaben und den Wortlaut seines Protestes dem" Avanti" übermitteln vielleicht an die Abgeordneten 2c. wenden. Vom Vorfizenden wurde gemacht habe. lassen. zugesagt, in den Sizungen, welche gemeinsam zwischen Vorstand und Zehner- Kommission stattfinden, die Sache zu erörtern. Ats Revisoren wurden die Genossen Treu und Geithner wiederBruno- Bund" in Verbindung zu treten, um den Mitgliedern den Besuch der geplanten Vorstellung„ Letzte Menschen" zu ermöglichen. Der wohlverwahrte Zar. Der Herrscher aller Reußen weilt noch in Darmstadt bei feinen Verwandten. In Italien wollte man den Vertreter des russischen Blutsystems nicht empfangen, er muß sich statt des sonnigen Südens des herbstlichen Deutschlands erfreuen; immerhin mag er sich in Darmstadt gemütlicher fühlen als in der eignen Heimat, wo allerlei Gefahren den nervös ängstlichen Gewaltigen auf dem Thron umlauern. " Italien. Amerika. ers Neue Marineforderungen. Die Morning Post" meldet ausgewählt. Unter Berschiedenes" wurde angeregt, mit dem GiordanoWashington: Marinesekretär Moody beabsichtigt, dem Kongreß eine Forderung von 102 000 000 Dollar für Marinezwecke für das nächste Jahr zur Bewilligung zugehen zu lassen. zu Landtagswahl. Die Der socialdemokratische Wahlverein für Groß- LichterfeldeLankwis hielt am Mittwoch seine ordentliche Generalversammlung ab. Den Bericht des Vorstandes gab Genosse opf, den Kassenbericht Genosse en st. Die Mitgliederzahl ist von 179 im Vorjahre Für Berlin wird dem Freisinn konservative Wahlhilfe auf 205 gestiegen. Leider mußten eine Anzahl Mitglieder wegen rückAuch in Darmstadt sorgt man natürlich gut für die Absperrung zugefagt. Die" Post" fordert die freikonservativen Wähler auf, ständiger Beiträge gestrichen werden. Der Vorsitzende wies noch auf des Herrschers. Der Mainzer Volkszeitung" wird darüber mit zunächst die Wahlmänner ihrer Partei zu wählen. Dies geschieht das reiche Agitationsfeld für den Verein hin, indem bei der Reichstags geteilt: " Die Ueberwachung des Schlosses Wolfsgarten, wo die Fürsten in der Voraussetzung, daß, wenn bei der Wahl der Abgeordneten es wahl 1798 socialdemokratische Stimmen abgegeben wurden. einer Stich wahl zwischen Freisinnigen und Bibliothek wurde nur in 36 Fällen in Anspruch genommen. In der ihren Aufenthalt haben, ist eine ziemlich umfangreiche. Eine Socialdemokraten tommen sollte, selbstverständlich die Diskussion forderte Genosse Iaz zur regeren Agitation für die Gendarmeriepostenkette( in Civil) von ca. 30 Mann, Wahlmänner, welche im ersten Wahlgange für die beiden konservativ- politische Organisation auf, während Genosse Bogheimer die welche dem Kreisamt Offenbach unter Leitung des Herrn nationalen Kandidaten gestimmt haben, den Ausschlag zu Gunsten minimale Benutzung der Bibliothek, die äußerst reichhaltig sei, rügte. Streisamtmann Emmerling untersteht, der in Egelsbich Wohnung genommen hat, hält die Umgebung und Eingänge der Freisinnigen geben." Dem Richter- Freifinn wird die Hilfe, die In den Vorstand wurden gewählt: Wenzel als 1. Borsigender, seiner würdig! um das Jagdschloß besetzt. Zur Verstärkung der Posten und AusBlaz 2. Vorsitzender, Borheimer Kassierer, Geisen Kersting übung des Sicherheitsdienstes zur Nachtzeit ist ein zu Egels- Die Verhinderung der Nachprüfung der Wählerlisten scheint an Schriftführer, Fritsch Beisitzer, Revisoren: Senst, Lehbach stationiertes Infanterie- Detachement von ca. 50 Mann unter manchen Orten unter dem Vorwand der Auslegung betrieben zu mann und Lubasch. Lokalkommission: Theurig, Pius. Befehl der Herren Oberlieutenant Freiherr Röder v. Diersburg werden. In Breslau machte der Magistrat erst am Sonntag Als Delegierte zu den Kreisversammlungen wurden Geisenund Oberlieutenant v. Schrötter kommandiert. Den ständigen durch ein kleines, unauffälliges Straßenplakat bekannt, daß vom Kersting und Wetter gewählt. Beschlossen wurde die WiederPatrouillendienst bei Tag und Nacht versieht ein Montag, den 19., bis zum 21. Oftober die Wählerlisten ausliegen. Einführung der Haus- Rassierung. Als Bezirksführer fungieren: Kloß, Lubasch, 80 Mann startes Detachement des zweiten Leib- Dragoner- Regiments Da die Zeitungen frühestens am Montagabend die Bekannt- Bepmeifel, Augustin, Nr. 24 unter Kommando des Herrn Rittmeisters v. Mackensen. Die machung weiter verbreiten konnten, wurde zum mindesten ein Tag noch hut, Menzel, Wolf, Pius, Schulz, Wölfling, Lehmann, Begleitung bei Ausflügen ist einer fünf Mann starten von den drei gefeßmäßigen Tagen unterschlagen. Sintenburg, Wolter. Richter und Kriminalabteilung des Polizeiamtes Darmstadt übertragen." Die vom Vorstand aufgestellte Wahlmännerliste wurde acceptiert. In Bochum stellten die Nationalliberalen die bisherigen Ab- Ueber die Neuwahlen zur Gemeindevertretung bezw. den Wahlgeordneten wieder auf. Man wies auf die seitens der Socialdemo- anfechtungs- Prozeß, der siegreich für die Parteigenoffen ausgefallen fratie drohenden Gefahren hin. Das Centrum proklamierte Wahl- ist, referierte in großen Bügen Genosse Wenzel. Als Kandidaten enthaltung. wurden die Genossen Wenzel und opf nominiert; Genosse Die Breslauer Kartell- Liberalen, die das letzte Mal nur mit e ter, der ebenfalls vorgeschlagen war, lehnte mit Rücksicht auf Am 25. Oktober haben die Stimmberechtigten der Schweiz über socialdemokratischer Hilfe siegten, wenden sich energisch gegen Ge- seine Berufspflichten ab. Nachdem Genoffe ersten noch darauf die Ergänzung einer„ Lücke" des Strafgesezes in folgendem Sinne rüchte, als ob sie bereit seien, einen Socialdemokraten ins Kartell hingewiesen hatte, den Wirt Wolff in Lankwiz, der sein Lokal den abzustimmen:" Artifel 48 bis: Wer Militärpflichtige zu einer Dienst- aufzunehmen. Die Breslauer Volkswacht" bemerkt zu diesem Ver- dortigen Genossen stets zur Verfügung stelle, zu berücksichtigen, erfolgte pflichtverletzung, welche den Thatbestand eines durch die Militär- halten: Schluß der Versammlung. gerichte des Bundes zu beurteilenden Verbrechens oder Vergehens„ Unfre Genossen werden daraus die Erkenntnis ziehen, daß Bankow. In dem Bericht über die Generalversammlung des bilden würde, anstiftet oder verleitet, oder anzuftiften oder zu ber- sie ihre Stimmen in feinem Stadium des Kampfes den Herren Wahlvereins am 13. Oftober cr. in der Sonntagnummer befindet sich leiten versucht, wird, je nach der Schwere des Vergehens, mit Geld- aufdrängen, die überall mit Abschen den Verdacht eines Bündnisses ein Druckfehler. Als Beisitzer wurden die Genossen Stechert und buße oder mit Gefängnis bestraft. Unter die Bestimmungen dieses mit uns ablehnen. Wir müßten unsre Würde verloren haben, wenn Wointe, als Vertrauensmann Kubig gewählt. Die Genossen Artikels fällt auch die im Auslande begangene Handlung." wir an solche Wolfsmänner noch eine einzige Stimme verschwendeten. Eichler, Fengler und Riebke wurden nicht Beisitzer, sondern vollendeter Kautschukparagraph, der dadurch nicht besser wird, daß Statt dessen wollen wir alles aufbieten, um Pseudoliberalen wie| Revisoren. Ausland. Soldatenmishandlungen und Militärreaktion in der Schweiz. Zürich, 18. Oktober.( Eig. Ber.) Ein " Raus Verantwortl.Redakteur: Julius Kaliski in Berlin. Inferatenteil verantwortlich: Th.Glocke in Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 246. 20. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch, 21. Oktober 1903. Das Socialistengeset in Oestreich. Das Ergebnis war die Verhängung des Ausnahmezustandes mußte. Die„ Bureaus" des neuen Blattes waren sehr der Situation über Wien im Jahre 1884, ter zu einem völligen Zusammenbruch entsprechend; sie bestanden aus zwei kleinen Parterrezimmern in der des Radikalismus führte. Die Auflösungen der Vereine, Verbote Zimmerstraße. Im vorderen Zimmer hauste Genosse Ewald und der Zeitungen, Verhaftungen und Ausweisungen erreichten in Wien waltete seines Amtes als Erpedient; im hinteren Zimmer saß die mit einem Schlage, was das Socialistengesetz in Deutschland nie Redaktion. Sie bestand neben meiner Person aus dem ehemaligen erreichte: das gänzliche Aufhören der Bewegung für einige Zeit. Lieutenant und späteren Naturprediger" Guttzeit, den man die Socialdemokratie Destreichs schwerer getroffen als die Deutsch- wärtig sein mußte, wenn man ihn in die Redaktion berief, wie dies So hatten die Rückwirkungen des deutschen Socialistengeseges berufen hatte, weil ein direkter Parteigenosse der Ausweisung ges lands selbst. ja später auch mit Rödiger aus Gera geschah. Doch hatte ich mich dafür verbürgt, daß der Inhalt des Blattes den Parteiinteressen angemessen sein werde. waren. " Nicht bloß die Socialdemokratie Deutschlands, sondern auch die Nicht bloß die Socialdemokratie Deutschlands, sondern auch die Destreichs wurde durch das Ausnahmegefeß vom 21. Oftober schwer getroffen. Natürlich nicht direkt. Die Schüsse Hödels und Nobilings beranlaßten in Destreich keine Aera der Verfolgungen gegen uns. Auch die Anforderungen an unfren Geldbeutel, die aus der Socialistenhaz in Deutschland entsprangen, waren gering. Höchst selten verirrte fich ein Flüchtling über die schwarzgelben Grenzpfähle, der Unter- letarische Bewegung aufhalten. Aber auch in Destreich konnte es nur vorübergehend die proftüßungen östreichischer Parteigenossen in Anspruch nahm. Wem das Destreich die Aera der Verfolgungen dazu bei, die Ausdehnung der Wie in Deutschland trug auch in Leben in Deutschland unmöglich gemacht wurde, der wandte sich nach Bewegung zu beschleunigen. Hier wie dort war sie vor dem stark und konnte nicht mit der Tagespresse konkurrieren. Dazu vers Das Blatt hatte schwer zu kämpfen, denn es war nur vier Seiten der Schweiz oder nach dem Westen, Frankreich, Belgien, England, Socialistengesetz auf einige Industriecentren beschränkt getvesen. langten die Leser unerbittlich noch den Abdruck der Lotterieliſten auf Amerita, nicht nach Destreich. Durch die Ausweisungen wurden gerade die energischesten und dem beschränkten Raum. Ohnedies lag die ganze Arbeitslaſt im Es war in ganz andrer Weise, daß der hohe Wogengang in intelligentesten unsrer Vorkämpfer gezwungen, sich in Gegenden Anfang auf mir allein, denn der„ Naturprediger" und Philosoph Deutschland auf uns zurückwirkte. niederzulassen, die noch wenig von socialistischer Aufklärung berührt Guttzeit- da er tot ist, kann man es sagen Diese östreichische Arbeiterbewegung war im eminentesten Sinne war ein an sich vorein Kind der Deutschen. Und sie hatte 1878 die Nabelschnur noch und als sich unsre Partei in Deutschland und in Destreich zu Ende brauchen. Es sind in den mehreren Monaten, die er als„ Redakteur" So wurde unsre Lehre in das ganze Land hinausgetragen, trefflicher Mensch, aber in einer Redaktion zu gar nichts zu ge nicht völlig zerrissen, die sie an die Mutter band. Wohl war Dest- der achtziger Jahre wieder freier zu bewegen vermochte, da hatte sie in der Zimmerstraße zubrachte, keine dreißig Zeilen von ihm gedruckt reich 1866 aus dem deutschen Bunde hinausgeworfen worden, aber eine weit breitere Basis gewonnen, als vor dem Socialistengesetz worden. Auch zum„ Verantwortlichen" taugte er nicht. Als die erſte nichtsdestoweniger fühlten sich die Deutschen Destreichs noch lange der Fall gewesen. nicht bloß als Angehörige der deutschen Nation, sondern auch als Vorladung kam, fragte er, wie er sich verhalten solle. Ich riet ihm, engverbunden mit dem staatlichen Leben Deutschlands. Und das Gleiche vollzieht sich heute in Rußland. Chedem war die Auskunft über Verfasser usw. zu verweigern. Guttzeit aber auf dem Eisenacher Kongreß tagten Destreicher und Reichsdeutsche fie leichter überwacht und niedergeschlagen werden konnte. Roch 1869 die revolutionäre Bewegung fast ganz auf Petersburg beschränkt, wo meinte, er müsse doch auf dem Polizeipräsidium die Wahrheit sagen". als Delegierte zusammen und organisierten eine gemeinsame Partei verschicken der unruhigen Köpfe in die Provinz verschickte damit möge ihn doch als Agitator anstellen; er als Vegetarier brauche nur Das Schließlich meinte er im Gefühl seiner Unzulänglichkeit, die Partei mit dem Siz der Parteileitung in Braunschweig und der Kontroll- auch deren Ideen dahin, und dank dem erhebt sich heute die socia- die nötige Quantität Aepfel und Schrotbrot dazu. tommission in Wien. Erst die Verfolgungen der östreichischen liftische Bewegung im ganzen Lande und wächst den russischen MachtBehörden, die alle Mitgliedschaften der von Braunschweig aus ge- habern über den Kopf. Denn man kann nicht überall in dem Riesenleiteten Partei verboten, zerrissen das organisatorische Band zwischen reiche eine geschulte politische Polizei, Gendarmen und Soldaten Band blieb bestehen und der„ Voltsstaat", später, Vorwärts" wurde auch von uns Destreichern als Centralorgan angesehen, dem gegenüber selbst als ein Teil jener Kraft, die stets das Böse will und stets das unsre eigne Presse bloß die Bedeutung einer Lokalpresse bekam. Gute schafft. Unfre geistige Leitung war in Leipzig und wir standen ihr vielleicht weniger selbständig gegenüber, als die deutschen Genossen selbst. der deutschen und der östreichischen Socialdemokratie. Aber das geistige haben erweisen sich die gegen uns gerichteten Verfolgungsmaßregeln und machte Fortschritte. Da man nach Ablauf der Reichstagssession, orn einen tüchtigen Mitarbeiter an, um mich zu entlasten. Später Die Preßkommission stellte in der Person des Journalisten wurde auch Sturt Baate engagiert, der damals von Breslau kam. Horn wurde durch Cronheim ersetzt, das Blatt wurde vergrößert als ich Berlin verlassen mußte, keinem direkten Parteigenossen die Leitung am Orte übertragen konnte, so ward ein Hauptgewicht auf auswärtige Mitarbeiterschaft gelegt; Hasenclever, der sich sehr um das Blatt annahm, und ich lieferten die Leitartikel. Wilhelm Eich hoff die Redaktion in dem Moment, als Rödiger Nicht unerwähnt wollen wir lassen, daß der verstorbene Genoffe gewiesen wurde, bis zum Eintritt eines neuen Redakteurs, übernahm. einige Tage nach seinem Eintritt in die Redaktion aus Berlin ausAus diesen fleinen Anfängen und unter solchen Schwierigkeiten W. Io3. Eine Bewegung, die in derselben Richtung wirkt, in der die Und nun kam das Socialistengesetz und zermalmte die Organi- liche Notwendigkeit ist, wird von allem gefördert, was ihr passiert; gesellschaftliche Entwicklung geht; eine Bewegung, die eine gesellschaftfation und die Presse unsrer Bruderpartei. Damit vernichtete es auch was uns anscheinend am meisten schädigt, schlägt am Ende zu auch unsren Leitstern, ratlos und haltlos standen wir da, fast betäubt unsren Gunsten aus. über die anscheinende Widerstandslosigkeit, mit der die so gewaltige, des Socialismus gewaltig beigetragen, nicht nur in Deutschland Das Socialistengesetz hat zur Verbreitung von uns geradezu verehrte deutsche Socialdemokratie die auf sie selbst, sondern auch in Destreich, wie wir gesehen; ebenso in England heruntersausenden Schläge über sich ergehen ließ. Selbstverständlich und Amerika, wo die aus Deutschland Vertriebenen die besten ist das Unternehmen entstanden, das jetzt den Namen„ Vorwärts" erwartete niemand von uns, die deutschen Genossen würden der Pioniere der socialistischen Bewegung wurden. Gewalt mit Gewalt begegnen. So klug waren wir auch, ein solches Amerika eine gewaltige socialistische Bewegung heranwächst, dann Wenn heute in trägt. Beginnen für ein selbstmörderisches zu halten. Aber wir erwarteten, darf man nie vergessen, daß sie zum Teil auf der unermüdlichen die Partei werde sich doch ein neues Organ des Protestes, der Arbeit derer beruht, denen das Socialistengeses die Heimat geraubt. Brandmarking, des Kampfes im Auslande schaffen. Aber alles blieb still. Wer in einen Feuerbrand hineintritt, löscht nicht damit die Was unter der Decke spielte, wie viel Arbeit Flamme, sondern bewirkt nur, daß die Funken weit umher stieben da geleistet, wie viele Opfer da gebracht und innere Kämpfe und die Flamme weiter tragen. Das und nichts andres hat Bismarck ausgefochten wurden, davon ahnten wir nichts. Wir hatten die mit seinem plumpen Tritt am 21. Oftober 1878 geleistet. Empfindung, jene Partei, der unser felsenfestes Vertrauen gegolten, fei zusammengebrochen ohne auch nur den Versuch zu machen, sich aufzubäumen, und sie gedenke stillschweigend das schwere Joch zu tragen, das ihr auferlegt worden. Mutlosigkeit erfaßte die einen, fiefer Grimm die andren. Der Grimm der letzteren wurde noch gesteigert, als Most im Sommer 1879 die Freiheit" herauszugeben begann, die wir mit Jubel begrüßten, die aber in den leitenden Barteifreisen Deutschlands auf eine sehr ablehnende Haltung stieß. Die Gründe dafür kannten wir nicht, wir sahen nur die Wirkung, und die brachte uns in Destreich, ebenso wie Most selbst, in zunehmenden Gegensatz zu der eben noch von uns so hochgehaltenen deutschen Socialdemokratie. Als endlich im September 1879 diese ein offizielles Organ in Zürich, den Socialdemokrat" herauszugeben begann, war der Gegensatz fchon so vertieft, daß für einen großen Teil der östreichischen Socialdemokratie das Band, das sie an die deutsche gekettet hatte, thatsächlich bereits zerrissen war. Ohne Bebenten folgten fie Most bei seinem weiteren Entwicklungsgange, der ihn aus den Reihen der Socialdemokratie heraus in die des englischen Emigrantenanarchismus führte. Je weniger Anklang Most in Deutschland selbst damit fand, um so größer sein Bemühen, die Destreicher zu sich herüberzuziehen. Und er hatte nur zu viel Glück dabei. Wir" Gemäßigten", die wir den Zusammenhang mit der deutschen Partei aufrecht hielten, kamen bei der erfolgenden Spaltung in die Minorität. R. Kautsky. Die Anfänge des Vorwärts". " Ein bewegtes Jahr. Es war nicht das erstemal, als im August 1884 unser Generalfeldpostamt uns mit der erfreulichen Nachricht beehrte, daß zwei Kisten Porzelain" unfrer harrend in Worms lagern. Wenn dieses hohe Amt befahl, dann mußten die Knechte hören, und sie thaten es gerne, nur hatten wir den Wunsch, daß die hohen Aufträge nicht gar zu oft kommen mögen. es war Es war um die Zeit der zweiten Verlängerung des Socialisten- Solch zerbrechliche Waren mußten schnell und vorsichtig expediert gefehes, im Frühjahr 1884, als das„ Berliner Volksblatt", werden, deshalb wurden mit dieser Mission stets die zuverlässigsten der Vorläufer des Vorwärts", ins Leben gerufen wurde. Das Genossen betraut. Für diesmal war unser„ Fallstaff" Kesseltreiben gegen die Socialdemokratie stand wieder in voller Blüte, fein Spiznamen wie wir alle solche hatten dazu ausersehen. nachdem der Puttkamersche Kniff, durch eine stellenweise mildere" Unser Fallstaff" war ein eigenartig Menschenkind, hätte ihn ein Praris" einen Steil in die Bewegung zu treiben, vollkommen miß- widerwärtig Schicksal nicht auf den dreibeinigen Schusterbock verglückt war. Troß der ungünstigen Situation war aber die Gründung schlagen, so wäre er vielleicht ein Dichter geworden, er hat stets geeines Blattes notwendig geworden, denn die Reaktionäre hatten ein dichtet, feine Verse waren und sind noch heute, denn er lebt und pseudosocialistisches Blatt ins Leben gerufen, den Volksfreund", der dichtet auf besonderen Wunsch immer noch, nicht die schlechtesten gemit geschwollenen Phrasen gegen die Bourgeoisie die Arbeiter für das wefen. Er war der ruhigste, aber auch der fetteste unter uns allen. System Bismard Buttkamer 311 gewinnen suchte. Diesem Inser Jdeal coupierte auch sein Herz bis auf die legte Falte, deshalb demagogischen Treiben mußte entgegengetreten werden. Eine Preß- blieb er vorläufig auch selbstverständlich unbeweibt. fommission wurde eingesetzt, und diese beschloß die Gründung des " Berliner Boltsblatt", das in der Bading schen Buchdruckerei hergestellt werden sollte. Die Leitung der Redaktion wurde mir übertragen, ich konnte aber nur für die Dauer der Reichstagsſeſſion zusagen. Denn nach Schluß des Reichstages wäre ich zweifellos aus Berlin ausgewiesen worden. Wilhelm Hasen clever arbeitete auch für das neue Blatt. = Der Befehl, die beiden Kisten in Worms zu holen, wurde ihm sofort nach Empfang zugestellt und nach 15 Minuten dampfte er schon vergnügt nach Worms. Nach zwei Stunden hatte er das kostbare Borzelain zu Schiff gebracht, um damit gen Ludwigshafen zu steuern. im Hinterzimmer eines großen Verkehrslokals, wo sich täglich allerlei Marktgüter stauten, fanden auch unsre Porzelaintiften bors läufig Plaz. Um die elfte Abendstunde entleerten sich, wie das in einer fittsamen Kneipe üblich war, die Wirtsräume. Nur einzelne gepaßt, unbeschlagnahmt blieb, konnte man hoffen, auch mit dem wenige hielten stand. Als diese sich ganz allein fühlten, verschwanden Blatte selbst die tausend Klippen des Socialistengefeßes zu umschiffen. fie im Nebenlokal. Mit unheimlicher Ruhe, als gelte es einen KaffenImmerhin blieb der Versuch sehr schwierig, aber er gelang, trotzdem fchrant auf ungefeßliche Weise seines Inhalts zu entleeren, wurden er mit sehr bescheidenen finanziellen Mitteln unternommen werden die Kisten geöffnet. Das„ Porzelain" war wohlverpackt, wurde mit Most Beukert beherrschten die socialistische Bewegung in Destreich, und in dem Bedürfnis, sich an Radikalismus zu überbieten, Ich verfaßte den Prospekt und als dieser, der Situation antrieben sie schließlich in die Bahnen des Verbrecher- Anarchismus, der mit Raub, Mord und Brandstiftung den Emancipationskampf des Proletariats zu führen suchte. Die Lockspigelei fand hier einen dankbaren Boden. Feldpost- Abenteuer. " Der hilfsbereite Polizist. Hinter dem Hause war ein Hügel mit Gartenhäuschen und prächtiger Aussicht; allda waren auch noch einige Colli eingegraben. In Waldsee im schwäbischen Oberland faß ich einmal in einer Gr. lub die Herren dorthin zu einem Trunk Wein ein als Belohnung Brauerei und machte meine Bakete, den Rest, den ich noch hatte, für die Strapazen und um ihnen Gegend und Ausblick zu zeigen. fertig zur Poſt. Da kam ein Polizeier mit einer Bestellung an den Später ließ er die Herren mal wissen, daß sie eigentlich auf dem Wirt. Er unterhielt sich mit mir und ich zahlte ihm einen Schoppen Braten gesessen hätten. Als die Gesezeshüter wieder fort und fragte ihn aus über einige Firmen, mit denen ich angeblich waren, kam auch der Junge wieder vom See zurück und die Sache Geschäfte machen wollte. Ich war natürlich Reiseonkel. wurde dann ohne Anstand fortgeschafft. fragte ich ihn, wo die Post sei und als er sah, daß ich etwas schwer zu schleppen hatte, nahm er die Hälfte der Sachen selbst und trug sie mit bis an den Postschalter. Ich danke diesem Wackern heute noch. -W Meine Berhaftung. 黃 " * Ein Schlauberger im Polizeirock. Dann Der Transport des Socialdemokrat" über die deutsche Grenze war je länger je mehr eine ungemein schwierige Aufgabe. Alle die romantischen Geschichten von den Gipsfiguren, den Sardinenbüchsen 2c., in deren Inneres angeblich die verbotene Litteratur hineingepackt und so über die Grenze geschafft wurde, find natürlich freie Er findungen der Reporterphantasie. Man braucht bloß die Menge des wöchentlichen Transportes, das relativ so hohe Gewicht des Papieres und die sociale Stellung der uns zur Verfügung stehenden Adreffaten solcher Sendungen ins Auge zu faffen, um zu aus Immenstaad. Du," sagte er mir, gestern bist Du in FriedrichsEines schönen Tages erhielt ich den Besuch eines Bekannten begreifen, daß nur unter dem Aufgebot größter Selbstlosigkeit Woche hafen verhaftet worden. Ich war gerade dort, als der Dampfer für Woche das Werk gelingen konnte. Es handelte sich ja nicht von Romanshorn landete. Der Wachtmeister, ein Freund von mir, wie zum Beispiel in den vierziger Jahren bei der bürgerlich nahm einen aussteigenden Herrn fest. Ich fragte ihn, was er da ich auf dem Perron in Auf einer Rückfahrt nach gethaner gethaner Arbeit promenierie tiberalen Bewegung- um Kaviar für eine Handvoll Feinschmecker, für einen Fang gemacht habe? Na, feinen schlechten! meinte er. Verbindungszug. Ein Konstanzer Schußmann, Kurz hieß der gute Radolfzell und ertvartete den sondern um die Befriedigung großer Massen; und es war eine Jezt haben wir endlich den lange gesuchten Belli, der alle Grenzen Mann, that dasselbe. Er musterte mich fortgesetzt und als ich einProletarier- Partei, der die geschäftlichen Verbindungen mit den mit seinem socialdemokratischen Schriftenfchmuggel unsicher macht, stieg, tam er auch mir in mein Coupé nach. Hier betrachtete er mich großen Firmen fehlten. Trotz alledem gelang das Werk 12 Jahre" So, so," sagte ich,„ Du, das ist aber der Belli nicht, denn den nochmals von unten bis oben. Endlich faßte er sich ein Herz und lang und was noch feine revolutionäre Betvegung irgend eines fenne ich zufällig." Lendes fertig gebracht hat: das im Ausland erscheinende revolutionäre Berhaftete protestiert zwar auch dagegen, daß er Belli heißen soll, dann meinte er:„ Mit Ihnen ist etwas nicht in Ordnung. Ich „ Doch, doch," meinte der Wachtmeister, der fragte mich:" Nicht wahr, Sie sind Herr Belli?" Jch bejahte und Bartei- Drgan war, allen Berfolgungen zum Trozz, schließlich sogar aber es stimmt ganz genau mit dem Signalement, glaube, es hat etwas im Fahndungsblatt gestanden. Sie find ein a einer Einnahmequelle für die Partei geworden. auch ist uns gemeldet, daß er heute kommt." Welche Summe von Opfern an Freiheit, Glück und Gesundheit socialistischer Agater, jest weiß ich nicht, soll ich Sie verhaften oder nicht." Nach kurzer Zeit wurde der Fall aufgeklärt und der Pfeudo- Ich sagte ihm nun:" Herr Kurz, das ist sehr einfach. Wenn wir nach bon den unzähligen Namenlosen bei diesem Dienste für die Partei Belli konnte wieder gehen. gebracht werden mußte, davon soll hier nicht die Rede sein; wir Konstanz tommen, dann ist dort, wie immer, wenn ein Zug anwollen hier aus dem schweren Kampfe ein paar heitere Episoden kommt, der Wachtmeister auf dem Perron. Da fragen Sie ihn dann eben, was zu thun sei mit mir." Damit war der Wiedere herausgreifen. Genosse Belli in Stuttgart, früher in Zürich, dessen Verdienste Mein Nachbar in Kreuzlingen hatte einen Lehrjungen, der mit zufrieden. Der Wachtmeister war auch richtig am Perron. Kurz um die socialdemokratische" Feldpost" bereits an andrer Stelle einem Polizisten in Konstanz verwandt war. Der Polizist instruierte stieg schnell aus und ging auf ihn zu. Ich stieg aber auf der andern hervorgehoben wurden und der zu dugendmalen bei diesem Dienste den Jungen, fich mit meinem Jungen ins Benehmen zu setzen, um Seite auch schnell hinaus, ging den Zug entlang neben dem Geleife feine Haut furchtlos für die Partei zu Markte trug, teilt uns aus allemal zu erfahren, wann und wohin ich verreise. Daß auf dem hinauf und war am Ende des Zuges dann gleich auf Schweizer feinem reichen Schaße seiner Erfahrungen ein paar Erlebnisse mit, Bahnhof in Kreuzlingen ein Schweizer Beamter den Auftrag hatte Gebiet, während die zwei Polizisten wie toll den Bahnhof aba die auch unsern Lesern gefallen dürften. und auch unschweizerisch genug war, es zu thun, allemal Meldung suchten. an die Konstanzer Polizei zu machen, wenn ich dort einstieg, das wußte ich. Ich ließ nun dem Jungen sagen, daß ich am Donnerstag Wurde da mal gemunkelt, auf der Bodensee- Insel Reichenau bei nach Romanshorn und dann Friedrichshafen fahre. Jch taufte Ronstanz lagert bei dem Schreiner Grießer eine Ladung der ver- auch in Kreuzlingen ein Billet nach Romanshorn. Daß botenen Ware. Blöglich erscheinen ein Amtsrichter mit Gendarmen 2c., das hinübergemeldet wird, und wußte ich ja um Haussuchung zu halten. Wohnung und Werkstatt werden besetzt, wurden auch richtig zwei Polizisten nach Friedrichshafen Frachtbriefe dazu, da kam ein Gendarm angeritten, stieg ab und begab sich Die Fenſter gingen nach Süden auf den Bodensee hinaus. beordert, um mich dort in Empfang zu nehmen. Ich stieg in ins Nebenzimmer zum Bahnmeister. Durch die offene Tür hörte ich, Die Sonne schien herein und das störte den suchenden Amts- Kreuzlingen ein und verließ in Münsterlingen, der ersten Station wie er die Meldung machte, daß ich unterwegs sei und man verrichter. Er befahl, die Rouleaug herunterzulaffen. Dadurch gelang es nach Kreuzlingen, den Zug, um zu Fuß wieder nach Hause zurück mute, daß ich waren aufgeben werde. Wenn ich komme, folle man einem der Söhne des Hauses unbemerkt hinauszukommen. Er schlich zu gehen. Fuhr aber dann entgegengesezt über Schaffhausen ins mich festhalten. Als er herauskam, fragte der Assistent auch noch auf den Speicher. Dort lagerten drei Ballen, die er nun einfach Elsaß, wo ich die schon vorausgefandte Ware glatt distribuierte. nach der„ Affair" und ich frug mit. Als er uns erzählt hatte, was zum Speicherloch hinauswarf. Den heruntergelassenen Rouleaug In Friedrichshafen hatte man mich natürlich vergebens erwartet. er wußte, forderte ich ihn auf, den Kerl unbedingt nicht entwischen war es aber zu banten, daß das Herunterfallen der Ballen bem Am Abend ging mein Junge an den Konstanzer Hafen, um die au laffen. Dafür habe ich gesorgt", sagte er triumphierend und Herrn Amtsrichter unbemerkt blieb. Gefichter der zwei ausgesandten Späher zu sehen. Diese wußten ging. Leider wurden diese beiden Kisten an den Ankunftsorten in Der Junge lud dann die Ballen auf einen Nachen und fuhr freilich, als sie mit dem Schiff tamen, dem sie erwartenden Wacht- also doch gemerkt, daß ich der Gesuchte gewesen sein mußte. Kaufbeuren und in Frankfurt beschlagnahmt. Nachträglich hat man es auf den See hinaus. Die Herren suchten stundenlang und fanden meister nichts andres zu berichten, als: er isch nit kumma". nichts. Eine schlaue Haussuchung. Mißglückte Spionage. das es * Auf der Bahn signalisiert.. Eines schönen Tages gab ich auf einer Güterhalle einer elfäffischen Station zivei Stiften auf und schrieb eben auf dem Bureau die Adressen versehen und als der Mond eine Stunde später mit aufgeblasenen Backen neugierig ans uns herabglotzte. verdufteten die nächtlichen Gesellen einer nach dem andren schwer mit Paketen beladen durch das Hinterhaus. Die ersten Eisenbahnziigc brachten den über das ganze Reich verstreuten Eigentümern bereits die Sendungen. Vom Empfang des oberpostamtlichen Befehls bis zur völligen Ex- peditton waren kaum 24 Stunden verflossen, selbst von den Kisten war keine Spur mehr vorhanden. Alles ging glatt, wir waren seelenvergnügt. Es mußte im großen Expediftons-Mcchanismus wieder einmal ein Rädchen gebrochen sein, denn schon des folgenden Tages wurde uns eine weitere Sendung signalisiert. Unmittelbar darauf folgte aber die betrübende Nachricht, daß Verrat im Spiele sei. Wir ver- suchten zwar mit der größten Vorsicht die Rettung der Sendung, aber das Porzelain war diesmal verloren, wir mußten es leider schwimmen lassen, die Polizeiers angelten es bereits. Das war zwar recht schlimm, aber es war noch nicht das schlimmste. Es begannen nunmehr die Nachforschungen nach dem Adressaten, zugleich aber auch nach den zuvor bereits expedierten Kisten; unser„Fallstaff" bescheinigte näm- lrch den Enrpfang der letzteren als„Friedrich Meyer". Die Polizei- liche Spur führte nach Ludwigshafen, allwo solche Schandthaten „ortsbehördlich bekannterweise" schon öfters vorgekommen sein sollten. In ihrem unergründlichen Scharfsinn begannen Polizei und Gendarmerie nunmehr zu haussuchen: wo sollten sie anders suchen als bei dem„Friedrich Meyer": deren gab es aber mehrere; sie hatten deshalb alle das Vergnügen, be- haussucht zu werden, als aber bei den Friedrichen nichts, gar nichts entdeckt wurde, ging's an die übrigen Meyer, mit dem gleich negativen Erfolge. Ganz zuletzt machte die findige Polizei aber doch eine Entdeckung bei einem der Meyers resp. bei dessen Ehefrau. Als die ärmste nämlich der grünberockten tgl. bayrischen Gendarmen ansichtig wurde und diese ihr bedeuteten, daß sie eine Haussuchung vornehmen wollten, geriet das arnie Weib in furchtbare Angst, in ihrem Schreck wehklagte sie und gestand reumütig ihre Schuld. Des Hausherrn ungetreue Dienstmagd hatte ihr nämlich „Seefe aufgedrungen", die der Herrschaft gestibitzt worden sei, sie überantwortete unaufgefordert den verdutzt dreinschauenden Gendarmen das Vierpfundpaket und bat reumütig um Gnade, da sie ja mir von dem gottvergessenen Weibsbild in das Unglück gestürzt worden sei. Seife hatten die bewaffneten Vollstrecker des famosen Ausnahmegesetzes allerdings nicht gesucht, da sie aber nichts andres, namentlich nichts Verbotenes fanden, be- gnügten sie sich gerne mit der„Seefe". Die Aermste wurde später zwar nicht wegen Verbreitung verbotener Druckschriften, soiidern wegen Hehlerei bestraft, sie konnte sich glücklich preisen, als sie nach- weisen konnte, daß sie und die ganze Familie völlig sozzenrein waren, ansonsten wäre ihre Strafe gewiß etwas härter ausgefallen. Inzwischen rochen Ivir Lunte, daß man unsrem Fallßasf auf den Fersen war. Eine Bierhebc glaubte nämlich unsre nächtliche Expedition bemerkt zu haben und denunzierte uns, sie wollte sich an ihrem Herrn rächen. Es galt für uns zunächst, den Wirt zu schützen, der zweifellos seine Konzession eingebüßt hätte. Er war kein Genosse, umsomehr hielten wir uns verpflichtet, ihm Unannehmlichkeiten vom Halse zu halten. Der einzige Weg bot sich uns dadurch, daß Fallstaff aus- reißen mutzte. Dieser sträubte sich zwar ganz entschieden dagegen, er wollte nicht als Feigling gelten, indes der Bicn mußte! Ein halbes Jahr irrte unser armer Freund in der Schweiz und den deutschen Vaterländern, dem größten Verbrecher gleich, umher. Unglücklicherweise fanden um jene Zeit beständige Razzias auf den Herbergen nach Eomulicen des Frankfurter Rumpf-Mörders statt. Ebenso sorgenvoll, wie er des Abends sich zur Ruhe gebettet, er- wachte Fallstaff des Morgens. In wehmütigen Briefen be- stürmte er uns um die Erlaubnis, wiederkommen zu dürfen; wir versagten es ihm. Schließlich traf er nächtlicherweile ohne unsren Konsens, aber zu unsrem größten Schrecken ein. Wir einigten uns und des andren Morgens trabte der Missethäter freudigen Herzens zum Staatsanwalt nach Franken- thal und zugleich selbstverständlich ins Loch. 90 Tage harrte er resigniert seines Urteils. So lange brauchte der Ankläger nämlich, um zu konstatieren, daß Fallstaff der einzige und alleinige Verbrecher war. Endlich kam der Tag der Erlösung, nur zu zwei Monaten wurde er verknurrt, er hatte also einen Monat zu viel gebrummt; da er dem Staate nichts schenken wollte, so nahm er in seiner urwüchsigen Gutmütigkeit an, daß er nunmehr für den zu viel ab- gemachten Monat aufs neue sündigen dürfe, und er hat's gethan, er hat dem Staatsanwalt mit Zinsen und Zinseszinsen Vergeltung geübt. Wir wurden zu jener Zeit von unsrer Polizei viel geplagt, aber wir übten nach besten Kräften Revanche. Wenn alles bei uns recht sauber war, dann wurden unsre Polizeier auf den Trab ge- bracht. Wenn sie so Tag und Nacht in Aufregung waren, die Zu- gänge der Stadt, die Postschalter und Briefkästen bewachten und nichts fischten, dann stellten sie ermüdet ihre undankbare Arbeit ein, Unerwartete Hilfe. Die Hüter des Gesetzes waren aber mitunter auch einmal recht anständig. Auch das soll gesagt werden. Auf einer badischcn Station sah mich einmal nach gethaner Arbeit ein Wachtmeister, der mich kannte. B. mache schnell, daß du auf den Zug nach Basel kommst, sagte er mir. Ich war aber auch gerade im Begriff es zu thun. Einmal lief ich auf dem Perron des Bahnhofes in Schasfhauscn auf und ab, um den Genossen Adolf Geck zu erwarten. Da hörte ich hinter mir meinen Namen nennen. Ich drehte mich um und sah zwei Grenzer, einen deutschen und einen schweizer. Ich fragte, waS man von mir wünsche und da sagte mir der deutsche Grenzer, daß er seinem Kollegen soeben erzählt habe, daß ich vor einiger Zeit in Singen in den Etzwyler Zug umgestiegen sei, da habe ihm der dortige Gendarm gesagt:„Das ist der B., der die socialdemo- kraftschen Sachen besorgt, den sollte man festnehmen, aber mir fährt er wohl davon." Auch diesem Braven sei cS noch gedankt. Eine neugierige Beamtenfrau. Auf einer Station wurde die Sache allemal in Körben als Gemüse und Obst verpackt aufgegeben, nachdem der in der Nähe stationierte Grenzer, der mit uns im Bunde war. die Sache hatte passieren lassen. Da kam einmal die Frau des Stationsvorstandes zu dem Grenzer und sagte ihm, daß in den Körben, die von denen und denen immer gebracht werden, kein Obst und Gemüse sei, oder nur obenauf etwas und weiter unten socialistische Schriften. Der Grenzer fragte nun, woher sie das wisse und nun gestand die Frau, daß sie einen Korb geöffnet habe jedenfalls wollte sie etwas mausen) und da habe sie es gesehen. Der Grenzer sagte ihr nun, daß er die Bursche, die diese Sache bringen, schon fassen werde, sie solle sich aber ja nicht unter- stehen, etwas über die Sache zu plaudern, denn sonst komme ihr Mann unbedingt vom Dienst, denn es ist nicht erlaubt, Sachen zu öffnen. Sonnt ging es gut ab. *** Ein schießlustiger Graf. Graf Douglas besaß eine Villa am Bodensee, bei welcher wir einen hübschen Landungsplatz hatten. Eines Tages empfing er mich, als ich mit einer Bvotsladung in die Nähe kam, mit der Flinte am Backen und den Worten:„Ihr Hallunken, ich werde Euch eins aus den Pelz brennen". Er vermutete wahrscheinlich, es sollte bei ihm eingebrochen werden. Na, geschossen hat er nicht. Ich ruderte wieder zurück. Sehr angenehm waren solche Fahrten in finsterer Nacht nicht; oft mußten wir bei schwerem Sturm über den See rudern und tonnten manchnml erst nichts ausrichten. Heute natürlich, nach überstandener Gefahr, bleiben in der Er- innerung die heiteren Momente hasten— die oben angeführten sind natürlich nur eine Auslese— in der Regel waren es harte, schwere Stunden, wie sich die Genossen wohl selber sagen können. Belli. und nun begann stets unsre Thätigkeit. Da auch die Post bielfach in Konnex mit der Polizei arbeitete, so bedurfte es bei Verbreitungen von Kreuzbandsendungen eines außergewöhnlichen Mittels. So waren die Flugschriften zc. in Couverts und Streifbändern bald init dem Ausdruck eines Krieger- oder landwirtschaftlichen Vereins, bald mit der Firma der badischen Anilin- und Sodafabrik oder eines andren ordnungstreuen Unternehmens gehüllt, es klappte fast immer, aber stets entleerte die bürgerliche Presse einen großen Kübel sittlicher Entrüstungsjauche über die elenden Missethäter. Die gcmißbrauchten Finnen verwahrten sich hoch und teuer, daß sie mir solch freventlichem Inhalt nichts gemein hatten. Alle wollten sie kein Verständnis dafür haben, daß wir im Krieg mit der Gesellschaft standen, der von dieser mit gemeinen Mitteln gegen uns geführt wurde, sie wollten nicht begreifen, daß wir im Kampfe um unser heiliges Recht all jene Mittel benutzten, die uns zur Propaganda als geeignet schienen, die aber namentlich unsren Zweck förderten, das infamste aller Ausnahmegesetze allgemein verächtlich zu machen und zu Fall zu bringen. ES wurde immer toller. Polizei und Gendarmerie reichten nicht mehr aus. Aus den guten jungen Bürgern und Bürgersöhnen wurde eine Hilfs- Polizeitruppe gebildet,' die in der Jagd auf Rotwild gedrillt wurde. Das Abzeichen war eine blauweiße Armbinde. Selbstverständlich traten nunmehr mit diesem polizeilichen Massenaufgebot auch Massen- Haussuchungen ein, aber sie waren stets ohne jeden Erfolg. Früher als es den polizeilichen Arrangeuren lieb war, erkaltete das Feuer der freiwilligen Polizei, sie schämten sich ihrer Aufgabe und be- gannen sich zu drücken. Unser Heim war stets polizeirein, nur eine Stelle hatten wir, die niemals bei einer Razzia vergessen wurde, die uns aber immer Bauchzwicken verursachte, das war bei unserm„Fallstaff". Er hatte mittlerweile selbständig eine Schusterei angefangen. In einem auf einen großen Garten mündenden Hinter- hause hämmerte und pftiemte er drauflos. Es war eine Lust ihm zuzuschauen, wenn bei der Razzia ein ganzes Rudel ordentlicher und unordentlicher Polizeier in seiner Klause einschneite.„Der dicke Fallstaff" saß alsdann vergnügt, als tanzten Elsen um ihn, auf seinem Holzthron, er hatte es mit der Arbeit so wichtig, daß er keinen Moment den seinen Raum bis auf den diskreten Strohsack durchwühlenden Be- lästigenden widmen konnte. Ein cenwerschwerer Berg von alten zerrissenen Schuhen und Stiefeln lagerten um ihn, auch diese wurden einer peinlichen Untersuchung unterzogen, da- bei teilweise ihres Staubes entledigt. Als schließlsch die Schnüffler schmutzig und bestaubt des Junggesellen Wohnung von außen schlössen, dann drehte er ihnen lustig eine Nase, er harte alle Ursache dazu. Unter seinem Thron war nämlich der Fußboden ausgehöhlt und ein Lager von„Verbotenem" errichtet: es war zuweilen sehr umfangreich, eine Entdeckung hätte uns schwere Stunden bereiten müssen. Das interessanteste Bild boten unsre Versammlungen. Da jede öffentliche Regsamkeit verboten war, so mußten wir im geheimen tagen. Unser beliebtester Versammlungsplatz war eine Stelle am User des Rheins; dort wo jetzt der Hafen mit seinen großen Anlagen errichtet ist, waren damals noch Löcher und Gräben, die mit ausgehöhlten Weidenstcimmeii bewachsen waren. Eine sumpffrcie Stelle wurde ausgewählt. Zuvor erhielt die Polizei in der Regel eine vertrauliche Mitteilung, daß an einem entgegengesetzten Ende der Stadt etwas vorgehe, wir waren von der Seite aus ungeschoren. Wenn Finsternis eingetreten, dann erst rückten die Obleute mit ihren Gruppen aus den verschiedensten Richtungen kommend, in aller Sttlle heran. Hier entwickelte sich mehrere Jahre lang und stets ohne Störung, ein Stück Ludwigs- hafener ja vorderpsälzischer Parteigeschichte. Einstmals, es war bei dem die Gemüter erregenden Dampfersubventionsstreites, wurde die Stelle sogar an einem Sonntagnachmittag mit Erfolg benutzt. Ruhig wie wir gekommen, verließen wir stets vergnügt unsren Weidenstumpf. Etwas ungemütlicher wickelten sich die sogenannten öffentlichen Versammlungen ab. Jahrelang war uns auch hier jede öffentliche Bethätigung rücksichtslos verboten. Wir halfen uns dabei so gut es ging mit dem Frage- und Antwortspiel. An einem Ende des Lokals nahm der Referent Platz, am entgegengesetzten Ende ein Wiß- begieriger, der a» den Referenten laute Anfragen stellte. Die vorher kartenspielenden Gäste wurden ruhig, der befragte Genosse konnte seine Antwort derart geben, daß auch die übrigen Zuhörer, die mit Vergnügen die Karten beiseite legten, den Ausführungen lauschen konnten. Eine solche Unterhaltung bleibt mir in steter lebhafter Erinnerung, es war in Oggersheim. Der alte Schädler(Vater des jetzigen Centrumsabgeordneten) ivaltete dort als einer der Gestrengsten seines Amtes als Polizeikommissariils. Die von uns einberufene Versammlung lvar selbstverständlich verboten. Wir erwirftcn indes von Schädler, daß die große Anzahl der Versammelten sich in dem Saale zu einem gemütlichen Beisammensein niederlassen dursten. Ich lies mich in Ermangelung eines andren Platzes auf dem Klavier nieder. Von dem entgegengesetzten Ende des Saales wurde ich gefragt, was ich von dem unterdrückten Centrum und den nahe bevorstehenden Rcichstagswahlen halte. Kopf an Kopf drängte sich die Masse, unter ihnen selbstverständlich der alte Schädler. Ich begann zu erzählen, aber es war von außen her noch etwas unruhig. Da hob der Äommissarius in seiner ganzen Würde mit schneidender Stimme zu befehlen an:„Ruhig da draußen, wer nichts hören will, soll verduften!" Und es trat eine wundervolle Ruhe ein, just als wäre es eine wirkliche Versammlung. Etwa s/4 Stunden hatte ich zur Beantwortung der Frage verwendet, donnernder Bei- fall lohnte mein„Tischgespräch". Es hätte kein Hahn nach diesem geselligen Zusammensein gekräht, wenn nicht andern Tages die liberale Presse in einer Notiz der hohen Behörde kund und zu wissen gethan hätte, daß wir Ordnung und Gesetz umgangen und die Polizei verhonipelt hätten. Schädler wurde darob zur Verantwortung seiner Haltung an die Regierung nach Speyer berufen. Er ver- sicherte mir später allen Ernstes, daß er nie mehr ein solches Tischgespräch dulden werde, denn er habe am grünen Tisch eine lange Nase erhalten. Wir haben darob dem Alten, der sich jähre- lang schwer an uns versündigte, gern alle Sünden vergeben. Ich kam schon um deswillen mit einem blauen Auge davon, als mir ja der Schutz der kgl. bayrischen Behörde in meinem frevelhaften Thun zur Seite stand. Je näher wir der ReichstagSwahl entgegenrückten, um so mehr spitzten sich die Dinge zu. Ganz besonders war das in Ludwigs- Hafen der Fall, wo jede Spur einer Versammlung unterdrückt wurde. Der Pächter zu den„Drei Mohren" stellte uns zu jeder Zeit seinen Saal bereitlvilligst zur Verfügung. Fast jede Woche beriefen wir eine neue Versammlung ein, jedesmal erfolgte kurz vor dem Termin das prompte Verbot derselben. So nahte denn der letzte Sonntag vor der Wahl heran, an dem wir lviederum auf nachmittags drei Uhr eine Wählerversammlung einberiefen. Ein freisinniger Buchdrucker stellte uns des Morgens seine Typen und Maschine— eine Handquetsche— zur Verfügung, wir schusterten auf derselben, so gut es eben ging, selbstverständlich im Auftrage von„Hottingen-Zürich", höchst eigenhändig ein kleines Flugblatt zu- sammen, in dem wir feierlichen Protest gegen die maßlose Ver- gewaltigung der Regierung einlegten. Plötzlich kam der als Posten von uns aufgestellte Genosse atemlos hereingestürzt und machte uns die wenig erfreuliche Mitteilung, daß soeben Militär in die Stadt einrücke. Richtig vernahmen wir alsbald den unheimlichen dumpfen Massenschritt; ein Bataillon der Landauer Infanterie zog selb- marschmäßig, mit scharfen Patronen ausgerüstet, an uns vorüber. Auf einem öffentlichen Platze wurden die Schießprügel in Pyramiden gestellt. Patrouillen ordneten sich zum Ausmarsch. Wir aber druckten, wenn auch etwas beklommen, ruhig weiter. Des Mittags traf noch ein weiterer Trupp Soldaten ein. Die Lage war nun, dessen waren wir uns bewußt, sehr ernst. Um drei Uhr sollte nnsre verbotene Versammlung beginnen, der Saal war aber längst schon mit Militär besetzt. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in der Um- gebung, besonders auch in Mannheim, die Nachricht von dem LudwigShafcncr Belagerungszustand, denn es war thatsächlich ein solcher. Nach vielen Tausenden strömte die Volksmasse mit Kind und Kegel in die Stadt. Die Hauptstraße, in der sich auch die „Drei Mohren" befanden, war von einem vieltausendfacheu Mensche» knäuel besetzt. In der nächsten Straße war das Militär gegen uns aufgestellt. Pünktlich um drei Uhr holten wir unsren Kandidaten Genossen Dreesbach aus Mannheim ab, er war damals von einer schlveren Erkrankung soweit hergestellt, daß er in Decken gewickelt den Transport gerade noch mit Mühe aushalten konnte. Als der Wagen die Rheinbrücke und das Ludwigshafener Gebiet passierte, da ertönte ein vieltausendstimmiges Hoch auf unfern Kandidaten und die Socialdemokratte. In lauten Verwünschungen erging sich das Volk und zwar fast ausnahmslos über die Polizei bis hinaus zum Polizeiminister. Nunmehr flatterten auch unsre des Morgens hergestellten Flugblättchen, von den Dachstuben herabgeworfen, zu vielen Tausenden in den Lüsten. Langsam nur konnte sich unser Wagen durch die Menge bewegen. Wir fuhren ruhig durch die Hauptstraße der Vorstadt Friesenheim zu. Die ungeheure Volks- menge wälzte sich nach. Hinter diesem Menschenstrom marschierte das Militär mit gefälltem Bajonett. Wir befandei�uns in höchster Aufregung. Wohl hatten wir unser heiliges Recht für uns, allein auf der andern Seite war die brutale Gewalt; es wurde uns mit- geteilt, daß es in Friesenheim zum Zusammenstoß kommen sollte, was gleichbedeutend mit einem furchtbaren Blutbad gewesen wäre. Da ohnedies unser Zweck, gegen die Regieruugsgewalt zu pro- testieren, erreicht war, so machten wir an der Peripherie der Stadt eine Wendung und alsdann Halt! Hier erhoben wir unsren kranken Kandidaten im Wagen, mit dem Aufgebot all seiner Kräfte sprach er mit durchdringender Stimnie zu der Menge, die einzig richttge Ant- wort am folgenden Wahltage zu geben, sich nunmehr nach allen Richttmgen ruhig zu zersttcueu und jeder Provokation aus dem Wege zu gehen. Noch ein die Lüste durchzitterndes Hoch und unsre Ordnungsmannschaften traten in Thättgkeit, die Masse löste sich auf, unser Kandidat fuhr erschöpft in geschlossenem Wagen aus Umwegen nach Mannheim zurück. Für uns— die Ohrenzeugen— begann aber nun ein schwer Stück Arbeit. Wir mutzten dafür sorgen, daß die Soldateska keine Arbeit bekam, und es gelang uns dies im voll- kommensten Matze. Als das Militär in Friesenheim eintraf, war der Ort von Arbeiten, frei wie ausgestorben. Enttäuscht zog das Militär wieder heimwärts. Des Abends gegen 9 Uhr wurden die verkehrsreichsten Sttaßen ohne allen Grund militärisch abgesperrt, die von Mann- heim zurückkehrenden Theaterbesucher vom Militär in seinem Thaten- dränge in rohester Weise belästigt. Unsre Vertrauensleute eilten von Wirtschaft zu Wirtschaft, die alle besetzt waren, zur Mäßigkeit mahnend, daß nicht etiva der Alkoholteufel uns einen Sttich durch die Rechnung mache. Unser Bemühen war von Erfolg gekrönt. Verhaftungen wurden wohl in großer Zahl vorgenommen, Gefängnisse und Wachtloknle reichten nicht aus, all die Herbei- geschleppten ohne Geschlechts- und Standesunterschied zu fassen, aber keiner der Unsrigen war dabei. Groß war die Niederlage der Ordnungs- gesellschaft, als sie andern Tages nicht eine einzige der vielen Verhaftungen aufrecht erhalten konnte, als nicht einmal ein Grund für ein Straf- mandat vorlag. Erst des Nachts um 2 Uhr trennten wir uns, im Schweiß bis auf die Haut durchnäßt, um unser Heim aufzusuchen. Des andern Abends hatten wir in die Vorstadt Blumkenheim eme Versammlung einberufen, auch sie lvar selbstverständlicki verboten. Das Militär folgte uns ivie Tags zuvor. Allein der Ortsbürger- meister erwartete das Militär an der Ortsgrenze und protestierte gegen dessen Einrücken, er wolle, sagte er, Frieden in seiner Ge- meinde haben, der werde aber vom Militär gestört werden. Nachdem das Militär noch etwa zwei Stunden die Land- straße belagert hatte, zog es mißmutig wieder nach Ludwigshafen zurück. Des andern Tag? fand die Reichstagswahl statt. Das Resultat war ein für uns günstiges, unsre Sttmnienzahl hatte sich gegen all unsre Erwartung vermehrt, wir kamen in die Stichwahl! Wir hatten nun das Vergnügen, unser Militär noch weitere zehn Tage, bis zur Sttchwahl zu beherbergen, aber ruhig wickelten sich die Dinge nunmehr ab. Hätten unsre Ordnungsverteidiger nicht durch ihr beständiges Pattouillcnlaufcn sich der Einwohnerschaft in Erinne- rung gebracht, so hätte niemand von ihrer Aufgabe weiter Notiz genommen. Der Pattouillenaufmarsch machte sich be- sonders des Nachts in unheimlicher Weise bemerkbar. Vor meiner Wohnung machten sie sich alle zwei Stunden zu schaffen. Kaum vierzehn Tage verheiratet, hatten lvir unter solchen Umständen recht sonderbare Flitterwochen. Endlich war auch die Stichwahl beendet. Wir fielen selbstverständlich durch. Das Militär nahm von seinem wenig rühmlichen Operationsfeld schleunigst Reiß- aus. Zum Schießen hatte es keinerlei Gelegenheit, nur in zwei Fällen hatten sich Soldaten aus Versehen gegenseitig angeschossen. einer erhielt dabei einen Denkzettel für sein ganzes Leben. Nunmehr kam die Begleichung der Zeche, niemand wollte die Soldaten gerufen haben, niemand sie bezahlen, es bedurste langer Verhandlungen und Prozesse bis die Saalbcsitzer, bei welchen das Militär einquarttert lvar. entschädigt wurden. Der Katzenjammer trat aber bei unfern Gegnern in augenscheinlicher Weise ein. Vom Regierungspräsidenten bis herab zum Polizeikommissar erkannten sie, welche unverantwortliche Eselei sie begangen. Alle waren sie bis auf die Knochen blamiert. Von dieser Zeit ab ttat auch eine Wendung zum Besseren ein. ab und zu wurde eine Versammlung gestattet, selbst einen Wahl- verein zu bilden, hatte man uns gnädigst erlaubt. Die Thatsachen haben auch selbst den vernageltsten Sozzenfressern gezeigt, daß mit dieser Art Socialistcnbckämpsung sie nichts zu erreichen vennochten. Wir arbeiteten ruhig und unverdrossen, einig unter uns, weiter— von Erfolg zu Erfolg. Hatten wir 1884 auch noch keinen posittven Sieg zu verzeichnen, so sind sich die älteren Genossen, die jene brcnzlichen Tage mit erlebten darüber einig, daß durch jene brutale Acchtung der Arbeiter ein beträchtlich Teil zu unfern späteren Siegen vorgearbeitet wurde, daß unsre Gegner, die Regierung mit ihren Organen dazu aller- Vings gegen ihren Willen, ihr redlich Teil beigettagcn haben, darüber mögen sie sich alsbald gewiß selbst klar geworden sein. F. Ehrhart. Zwei Spitzelgeschichten. l. Wie Wohlgemuth nicht in die Falle ging. Am Ostersonntag 188S wurde in Rheinfelden in der Schweiz der Mülhauser Polizei-Jnspektor Wohlgemuth auf frischer That als Lockspitzel verhaftet— nicht vom Polizei-Hauptmann Fischer aus Zürich, wie Bios jüngst in der„Leipziger Volkszeitung" schrieb, sondern vom Rheinfelder Bezirksammann Baesmann. Der Polizei- Hauptmann Fischer bekam mit der Sache erst zu thun. als von dem wutschnaubenden Bismarck die Hetze gegen die Schweiz insceniert und dann in Zürich bei den Genossen Conzett und Belli Haussuchungen vorgenommen wurden, Iveil Bismarck mit Recht annahm, daß die Knoten der Schlinge, in der Wohlgemuth sich gefangen hatte, von dem geschickten Belli m Zürich geschlungen worden seien, llebrigens bewährte sich auch bei dieser Gelegenheit der Polizei-Hauptmann Fischer als ein mannhafter Demokrat, der vor Bismarck nicht den Knieschlotter bekam. Wohlgemuth. der vor wenigen Monaten verstorben ist, war während des Socialistengesetzes beiin„Socialdemokrat" in Zürich wohlbekannt. Schon zu Anfang der achtziger Jahre hatte er sich— unter dem Namen Mergenthaler— an den Genossen Belli heran- gemacht. Belli besaß bei Gründung des„Socialdemokrat" bis in den Anfang der achtziger Jahre inKreuzlingen bei Konstanz ein Schuhwaren- aeschäst. Er besorgte von Anfang an mit virtuosem Geschick, seltener Geistesgegenwart und furchtloser Unerschrockenheit den Schmuggel des„Socialdemokrat", organisierte die„Feldpost" und wieder und immer wieder, wenn alle Löcher nach der Grenze verstopft waren, bohrte und fand Belli neue. Kein Wunder, daß an ihn die Polizei in erster Linie dachte; bei der durch das Socialistengesetz zum staats- rettenden System erhobenen Korruption hatte die Polizei alles Urteil für Ehre und Treu und Glauben verloren. Mit Geld, meinte der im Polizeischmutz grau gewordene Polizeichef in Berlin, sei alles und jedes zu kaufen. Als nun Wohlgemuth in der Mergen- thalschen Verkleidung sich an Belli herandrängelte, suchte dieser ihn nach Zürich zu locken, aber dazu fehlte Wohlgemuth die Courage. Ein paar Jahre später kam er doch nach Zürich. " Dort lebte ein armes Schuhmacher H., der nebenbei auch noch zu müssen, daß sie auch dem indirekten Urheber dieser deutschen| Bekenntnisse" vollenden und sie am zweitfolgendem Tage selber nach Tanz- und Anstandslehrer" war. Wenn ich nicht irre, war er Polizeiblamage, dem Genossen Lutz, das gleiche Schicksal bereitete. Zürich bringen werde. Sein reumütiges Geständnis, überzeugte ich Militärflüchtling, hatte also keine Ausweispapiere, konnte folgedessen ihn, werde ihm die Amnestie des Züricher Landesausschusses be= nicht heiraten und lebte mit seiner Frau in sogenanntem Konkubinat. II. Wie der Spitel selber in die Falle ging. wirken. Ju Basel war ihm deswegen und weil seine Familie allmählich zu Um Weihnachten 1887 herum war's; die„ Eiserne Maske" hatte Als ich mit diesem Versprechen in Zürich ankam, begegnete ich zahlreich wurde, so daß die Behörde sich vor Belastung ihres Armen- aus Berlin an den Socialdemokrat" in Zürich eine Liste von tauben Ohren und ungläubigem Lächeln, das da sagte:„ Na, dich Etats in der Zukunft fürchtete, die Ausweisung angedroht worden, Polizei- Agenten im Auslande gesandt: Namen, die zum Teil wie schicken wir gleich wieder mit solcher Mission". Zwei Tage später er ging nach dem toleranteren Zürich und lebte dort bei aller Armut Oberwinder, Trautner, Nonne usw. schon längst verdächtig flangen, tam Haupt nach Zürich; ich holte ihn vom Bahnhof ab; beim Geund vieler Arbeit fröhlich und wohlgemut. andre, die bisher als gute Genossen galten. nossen Manz hielten wir eine Sigung ab; Haupt brachte schwarz Eines Tages erschien bei der Frau H. ein„ nobler Herr". Gr auf weiß den dokumentarischen Beweis preußisch- deutscher Polizeierkundigte sich nach ihrem Mann, liebkoste die Kinder, spendierte Infamien. Mittags ging er von uns weg nach dem deutschen Verein ihnen Bonbons(„ Pläglis"), frug wohlwollend nach Lohn und Verauf der Gemüsebrücke verhaftete ihn die Züricher Polizei und steckte dienst, klagte mit der Frau über ihre Armut und meinte dann ganz ihn zu seinem Spizzelfollegen, dem Dynamit- Schröder, in Numero Sicher. leutselig: Er könnte ihre Lage schon verbessern; ihr Mann könnte Einige Zeit später stellte dann der Züricher Polizeihauptmann Fischer viel Geld verdienen und dabei hielt er der Frau die mit Gold unfren Genossen Bebel und Singer die bekannte Urkunde über die und„ Blauen“ wohlgespickte Geldbörse unter die Nase und sie preußische Lockspigelei zur Verfügung, die im Reichstage so ungeheures solle nur ja ihrem Mann gut zureden, wenn er am Abend wieder Aufsehen erregte und schließlich die Erpatriierungs- Vorlage Bismarckkomme und diesem seine Vorschläge mache. Vorläufig gab er ihr Buttys zum Scheitern brachte. ,, aus Wohlwollen" einen 20 Mark- Schein. -Der„ noble Herr" kam wieder und wollte den armen Teufel zum Verräter werben. H. aber kam sofort zu uns nach Hottingen in die Druckerei und nun wurde nach gemeinsamer Beratung der Plan zur Entlarvung Wohlgemuths entworfen. Unter letzteren war Karl Haupt in Genf. Man stuzte. Je doch die bisherigen Informationen der„ Eisernen Maske" und ihre jezigen bestimmten Angaben bis auf die Einzelheiten des Gehaltsbezuges alles sprach für die Richtigkeit. Um aber direkte Beweise von den Beschuldigten selber zu erhalten, wollten wir selber noch Nachforschungen anstellen lassen. So wurde ich nach Genf geschickt. Unterwegs gestaltete sich mir ein fester Plan. Ich berief in Genf eine Anzahl alter bewährter Genossen zusammen und daneben auch Haupt. Denen teilte ich mit, daß unter den Genfer Genossen ein Polizeispiel sei und der Zweck meines Kommens wäre, mit ihnen zu beraten, was man mit dem Kerl num machen soll. Einer schlug dies vor, ein andrer jenes; ein dritter meinte, man solle nachts mit ihm am Ufer des Genfer Sees spazieren gehen und ihn dann bei der Gelegenheit über die Rhonebrüde in die eisigen Fluten stürzen; ein vierter wollte sich mit einer Tracht Prügel begnügen, falls der Bursche ein reumütiges Bekenntnis ablege furz, die liebevollsten Vorschläge kamen zum Vorschein. Ich hatte mich so neben Haupt niedergelassen, daß ich ihn immer seitwärts vor mir hatte, ohne daß er meine Blicke beobachten konnte. Nach ganz kurzer Zeit war ich meiner Sache sicher. Haupt konnte seine innere Unruhe kaum verbergen, er litt unter der Angst, daß seine Rolle verraten sei; er wechselte die Farbe, Angstschweiß stand ihm auf der Stirn, seine Ohren waren ganz blutleer, nahezu gelb Haupt wurde aus der Schweiz ausgewiesen, ging nach Argentinien, errichtete dort mit dem Judasgelde der deutschen Polizei eine Selterwasserfabrik und wurde ein vermögender Mann. Vorigen Sommer kehrte er nach Deutschland zurück, um jedem, der es hören wollte zu wiederholen, was er dugendmale an den Genossen Liebknecht geschrieben hatte: daß er ein ehrlicher Kerl, ich aber deshalb, weil er in Zürich der Polizei in die Hände gefallen, ein Lump fei, denn ich hätte ihn treulos in eine Falle geloďt. Richard Fischer. Die Sache zog sich in die Länge; am Pfingstsonntag 1884 erhielt ich nach Baden bei Zürich, wo die Generalversammlung des Schweizerischen Typographenbundes tagte, eine Depesche, sofort nach Zürich zurüdzukommen. Ich erfuhr, daß Wohlgemuth am andern Mittag in Rheinfelden zum Rendezvous mit H. sich einfinde. Am Pfingstmontag, morgens 5 Uhr, dampften H., Belli und ich natürlich nicht gemeinsam nach Rheinfelden ab. Der Rhein bildet dort die Grenze; jenseits der Brücke ist deutsches Gebiet, herrscht deutsche Polizei und deutsches Recht", diesseits ist das wilde Land". An der Brücke auf Schweizer Boden ist auf einer Kleinen Landzunge ein Park mit prächtigem Baumbestand und herr- geworden. Um seiner Aufregung Herr zu werden, verschlang er Am 27. September 1890 erschien in London die Teşte Nummer lichem Ausblick auf den Rhein und die dort angebrachten Lachsfallen. ein Stück Weißbrot nach dem andern, trotzdem ihm das trockene des Socialdemokrat". Es war selbstverständlich, daß die In diesen Park sollte H. den Herrn Polizeikommissar führen und Brot im Gaumen stecken blieb und er es fast nicht hinunter- Redaktion in dieser Nummer nicht nur den hauptsächlichsten ihrer ihm dort seine Geheimnisse verraten. Belli und ich wollten dem würgen konnte. Da kam die Reihe an ihn, seine Meinung zu Mitarbeiter ein Abschiedswort verstattete, sondern auch jener geJezt stand ich auf, legte ihm die Hand auf die Schulter und fagte: un sprechen Sie, Haupt, denn Sie sind der Hallunke, von dem wir reden." Herrn dann einen Denkzettel verabreichen, der ihm das Wieder- äußern. kommen nach der Schweiz für sein Lebetag verleiden sollte, und zum Schluß aber erst nach geraumer Weile sollte dann die Polizei auf der Bildfläche erscheinen und uns alle verhaften. Wir waren mit Zürcher Legitimation versehen, außerdem kannte uns der Polizist und zudem hatten wir Schweizer Bürger zur Verfügung, die uns rekognoscierten, so daß wir sofort wieder entlassen werden konnten, während der ausländische Lockspizel erst der Oberbehörde vorgeführt werden mußte, was ja am Pfingstmontag nicht ging. Für den Fall, daß aus irgend welchen Gründen dieser Plan sich nicht durchführen ließe, weil Wohlgemuth vielleicht nicht in den Park gehe, war durch einen Rheinfelder Genossen mit dem Polizisten einem ehemaligen Cigarrenarbeiter verabredet worden, daß dieser natürlich in Civilkleidung sich nach der Brauerei Dieschi begeben dort hin hatte Herr Wohlgemuth seinen„ Gewährsmann" bestellt, dort das Rendezvous beobachten und zum Schluß dann den Mülhauser Kommissar verhaften sollte. " Einen Augenblick allgemeine Aufregung, seinerseits Bestürzung, dann brach er zusammen und weinte wie ein Kind. Schluchzend legte er sein Bekenntnis ab. Aber er war nicht das Opfer der Versuchung und Verführung, er hatte sich selber der Polizei angeboten; angeblich hatte ihn die Not der Arbeitslosigkeit dazu getrieben, in der That hatte ihn der leichte Verdienst gelockt. Für seinen ersten Brief, einen Bericht über eine Versammlung in Paris, in welcher Liebknecht gesprochen hatte, an der er( Haupt) aber vorsichtigerweise nicht teilgenommen hatte( natürlich um sein Alibi beweisen zu können), waren ihm 100 Fr. zugesandt worden. Dieser leichte Verdienst köderte ihn und führte ihn von Schritt zu Schritt: erst Gelegenheitsarbeiter, Achtgroschenjunge", dann festbesoldet mit 100 m. pro Monat, die auf 125, 150 M., und zuletzt auf 200 M. monatlich stiegen. Wir hofften natürlich auf das„ Abenteuer" im Park. Auf Mit diesem Bekenntnis hatte ich vorläufig meinen Zweck erUmwegen einzeln dahin schlendernd, wartete jeder von uns Stunde reicht; die näheren Umstände wollte ich von ihm allein hören. Wir auf Stunde umsonst, weder H. noch Wohlgemuth ließen sich verabredeten mit den Genossen eine Abendzusammenkunft. Den sehen. Wir saßen wie auf Nadeln, gingen hin und her, keiner Tag über blieb ich mit Haupt allein; gebrochen, wie er war, erkannte den andern, endlich erschien der Polizist und meinte: Der zählte er alles: wie Herr Kriminalkommissar v. Haake und schließlich Chaib isch no nit cho( der Hallunke ist noch nicht gekommen)". der Kopf der ganzen Spionageschlange, der Polizeirat Krüger selber, Schließlich mußten wir uns an den Gedanken gewöhnen, daß unser zu ihm nach Genf gekommen seien; wie man ihn aufputschte und Plan aus irgend welchen Gründen mißglückt sei. Am meisten ihm deutlich zu verstehen gab, was man von ihm hören wolle, wie ärgerte sich darüber unser braver Rheinfelder Polizist, doch tröstete er Krüger von ihm( erlogene) Berichte über das nächste, von Genf schließlich beim Abschied sich mit der Hoffnung: Der Chaib chunt aus vorbereitete" Attentat auf den Zaren verlangte. Haupt äußerte scho wieder emol; na nemet- er aber kei andere Polizist denn mi, unverhohlen seine Meinung dahin, daß Krüger und andre gleichdene Chaib will fange."( Der Hallunke kommt schon wieder ein zeitig im Dienste der russischen Polizei standen mal; dann nehmt Ihr aber doch keinen andren Polizisten als mich, und schweres Geld dabei verdienten; daher immer wieder die Aufden Hallunken will Ich fangen.) forderung an ihn, die Russen und Polen zu überwachen, bei ihnen sich einzuschmuggeln, sie betrunken zu machen, um ihre Taschen und Schränke usw. zu durchsuchen usw. Auch als Militärspion war Haupt angeworben und er gab interessante Aufschlüsse über die Missionen, die ihm erteilt worden waren. " " Am Abend fuhren wir mit enttäuschten Mienen nach Zürich zurüd: aber Es wär' so schön gewesen, Es hat nicht sollen sein." bielleicht war er verhindert zu kommen, fagten wir uns, wenn auch mit etwas Zweifel. Aller Zweifel war indes behoben, als H. am andern Morgen von Wohlgemuth einen Brief erhielt, der mit den Worten schloß:„ Wer mich fangen will, muß früher aufstehen." " Durch ihren Neinfall bei früheren Gelegenheiten war die Polizei im Laufe der Jahre vorsichtiger geworden: Haupt mußte z. B. alle Briefe, die er von der Polizei erhielt, postwendend wieder zurücksenden. Und Haupt war nicht so vorsichtig gewesen wie sein Spizelfollege Trautier, mit den ich später wegen Erwerbung seines Am Osternsonntag 1889 war dann Belli wirklich früher aufge- Tagesbuches" verhandelte: Trautner hatte die Polizeibriefe alle standen; in demselben Rheinfelden, am selben Bahnhof, wo fünf feinfäuberlich photographiert, ehe er sie nach Berlin jeweilen zurückJahre früher Herr Wohlgemuth uns reingelegt hatte, ging er in sandte. Haupt aber hatte somit mir noch den letzten Brief Krügers die gestellte Falle, und das sittsame, fromme Preußen hatte einen und sonstige Kleinigkeiten im Besig, die er reumütig auslieferte. seiner höheren Polizeibeamten als Lockspizel im Rheinfelder Ge- Am Abend trafen wir in einem Restaurant mit den Genfer Gefängnis ſizen. Wühlen Sie nur tapfer darauf los," hatte Wohl- nossen wieder zusammen; inzwischen hatte ich aus Zürich die Depesche gemuth an unfren Genossen Luz nach Basel geschrieben. Der wühlte erhalten, daß Spitzel Schröder und sein Polizeidynamit sicher ge= zwar nicht darauf los, sondern gab der Schweizer Regierung Ge- borgen seien. Als die Genfer Freunde hörten, daß ich Nachts über Tegenheit, wieder einmal vor ganz Europa den Beweis zu liefern, der Gast Haupts sei, übergab mir ein besonders vorsichtiger Genosse daß dieselbe Regierung, die sich über die Umtriebe" in der Schweiz für alle Fälle" seinen Revolver aber ich war meiner Sache bellagte, burch ihre Beamten, mit deutschem Gelde diese Umtriebe ficher: Haupt führte gegen mich nichts im Schilde, im Gegenteil, ich hatte ihn dazu gebracht, seine ganze Spigelgeschichte in gedrängtem Der auf frischer That ertappte Bismarck schäumte wie ein Memorandum niederzuschreiben. Er wurde damit in jener Nacht nicht Berserker; die Schweiz wies den preußischen Polizeiinspektor als fertig; und da ihn geschäftliche Rücksichten noch für einen oder zwei gemeingefährlichen Lockspiel aus dem Lande, aber die kleine Schweiz Tage an Genf banden, reiste ich am andren Morgen nach Zürich glaubte der deutschen Regierung wenigstens die Genugthuung geben zurück, von Haupt das Versprechen in der Hand, daß er seine heiße Empörung, flammenden Zorn entfachen muß. Wahrlich, zeitigte unsre Wahlbeteiligung auch keinen andren Erfolg als Aufklärung zu verbreiten über das Maß der Rechtlosigkeit des Volkes und die Empörung darüber zu wecken, sie wäre des Schweißes, der Mühe, der selber erst ins Werk setzen ließ. Aus der frauenbewegung. Welches Intereffe haben die Frauen an den preußischen Landtags. Opfer mehr denn vollauf wert. wahlen? Von Louise ziet. I. Preußen ist der Hort und der Schrittmacher der schwärzesten Reaktion. Und mit Recht ist es auch der Kettenhund derselben genannt worden, der nur darauf warte, losgelassen zu werden, um das Deutsche Reich zu schüßen gegen den inneren Feind. In Preußen ist die Macht des Junkertums und der von ihr abhängigen Monarchie ungebrochen. Polizei und Bureaukratie werden in ihrem Sinne beeinflußt und ausgebaut. Protest aufgerufen werden kann. ber Schrittn Ein Abschiedsgedicht. dachte, die das von der Reaktion gefürchtete Blatt dem Verbot zum Troz tapfer verbreitet hatten. Diesen Beamten der roten Feldpost ist ein stimmungsvolles Gedicht unsres Julius Motteler ge= widmet, das wir zur Erinnerung an jene Tage aus dem„ Socialdemokrat" wiedergeben. Der Abschiedsgruß lautete: Den Ungenannten Grufs und Angedenken. Die Feder ruht, es wandert zu den Formen Vom Winkelhaken das gereihte Blei, Schon tritt gepanzert in des Rahmens Normen Scharf der Gedanke auf und tadelfrei. Er lebt, und prüfend streift das müde Auge Der leiblichen und geist'gen Vaterschaft, Den ersten Abzug, ob er klar und tauge, Wert sei der eingesetzten Lebenskraft Gut! Vorwärts denn, gebaut, geklopft die Mater, Gepreßt, getrocknet, dann zum Plattenguß Heran, beim bleigetränkten Feuerkrater! Fertig zum Drud! Zur Presse, und dann Schluß. Schluß? Nein, erst krallt vom rollenden Cylinder Hinweg der Greifer feine Legion Streitbar gerüsteter Rebellenkinder, Dann, wohlgeordnet stürmen sie davon. Weit ist der Weg. launisch sind Sonn' und Winde, Drum jedes Fähnlein führt sein Doppelkleid, Taufschein und Schutzbrief hat als Angebinde Sorgfam die rote Feldpost angereiht. Vorbei das Planen, Prüfen, Ordnen, Zimmern; Voraus, vom Ausguck flattert das Signal, Gleich wie ein stillgeschäftig Sternenflimmern, Hin über's Meer und fort zu Berg und Thal. Und tausend Treu- erfüllte Herzen pressen Verjüngt das Blut zum arbeitsmüden Hirn, Not und Gefahr begeist'rungsvoll vergessen, Und daß kein Kranz je schmückt die fählichte Wohlan, was auch die besten unsrer Meister Zur Lehr und Wehr dem Volfe ausgedacht, Was die vertriebenen, stillen Arbeitsgeister Stirn. An fremdem Bort gerüstet und vollbracht Ihr wart's, Ihr selbstlos mut'gen Ungenannten, Die unser Sturmzeug durch die Grenzen trugt, Ihr, die daheim, bedroht von Büttelbanden, Straß auf, Straß' ab mit ihm die Schlachten schlugt. Euch gilt der Gruß, der letzte freudenhelle! Trag ihn im Sturm, der heut die Welt durchbraust, Zu den Verlornen" in die Kerkerzelle, Zum Friedhof, wo die Unfren eingeflaust. Und nun, geschieden sei's mit froher Weise, Das Posthorn her und blast in Reih und Glied: Der roten Feldpoft Glück zur letzten Reife Und ihren Reitern dieses Abschiedslied. J. M. Verlangt jene Verordnung doch nicht nur die Anmeldung von Versammlungen, in welchen öffentliche Angelegenheiten erörtet werden sollen, bei der Behörde, sondern auch die Anmeldung der Mitglieder und Einreichung der Statuten solcher Vereine, die eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecken. Gleichzeitig verbietet sie den Frauenspersonen", Schülern und Lehrlingen die Teilnahme an politischen Vereinen. Gelingt es uns außerdem, hier und da einen Abgeordneten durchzubringen, so haben wir uns zudem im Junkerparlament eine Bühne erobert, von wo aus in der schonungslosesten Weise Kritik an Diese reaktionäre, vor mehr als einem halben Jahrhundert erder Junker- und Klerikerherrschaft geübt und das Volk zum flammenden lassene Verordnung ist nach Ansicht des Ministers v. Hammerstein Darum heißt jetzt die Losung: und der Mehrheit des preußischen Landtages nicht nur sehr zeitAuf, Ihr Frauen und Männer des arbeitenden Volkes! Auf zur gemäß, nein er wünscht sie sogar für alle 3 ukunft zu er Agitation, zur kräftigen! halten. Erklärte der Herr Minister doch: Es sähe traurig aus Nußt der Junker seine wirtschaftliche Macht, seinen politischen um unser preußisches Volk, um unsern preußischen Staat, wenn die Einfluß, das Centrum den Gewissenszwang, Kanzel und Beichtstuhl, leichte Erregsamkeit der Frauen gerade in öffentlichen Versammum das Proletariat fernerhin in Knechtschaft und Elend zu erhalten, lungen das Volk bewegen sollte. Davor müssen wir uns hüten. ſo ſeßen wir dem entgegen die Forderung unsres Rechts, Cs jol deshalb per Polizei immer die Befugnis Vom Herrenhause und preußischen Landtage aus verkündet der die Macht unsrer Argumente. Und vor der Fackel der Aufklärung bleiben und sie soll scharf eintreten, sobald die Frauen ber Junker seinen Willen, unterstützt von den Finsterlingen des Centrums. wird schließlich der Geist der Finsternis weichen müssen. Namentlich suchen, auch politisch thätig zu sein. Bilden doch Konservative und Centrum fast dreiviertel Majorität wir Frauen haben alle Ursache, uns an der Arbeit zu beteiligen. Was braucht auch ein preußischer Minister zu wissen, und wenn des Landtages. Wie sehr die Frauen bei der Entscheidung über er es weiß, was braucht er darauf Rücksicht zu nehmen, daß die Wo aber Junker und Pfaff zu entscheiden haben, da ade die einzelnen Fragen, über die der preußische Proletarierinnen interessirt sind, außerordentlich interessiert sind an Freiheit! Landtag zu befinden hat, interessiert sind, das allen Fragen des politischen Lebens. Als Hausfrau und Mutter Daher auch das Wort im Volksmunde: Was kann aus Preußen wollen wir an einigen Beispielen im Folgenden nachweisen. Die z. B. am Zolltarif, am Militarismus die scheußlichen Soldaten( lies preußischen Landtag) Gutes kommen? Regelung des Vereins- und Versammlungsrechtes liegt mißhandlungen, die namentlich in der letzten Zeit einen erGrund genug für freiheitliebende Frauen und Männer des bis jetzt leider noch den Einzellandtagen ob. Für Preußen also dem schreckenden Umfang annahmen, haben das um so deutlicher Volkes, alles daran zu setzen, diese junterlich- fleritale Neaktions- preußischen Landtag. In Preußen besteht kein von einer gefet- gezeigt, an der Socialgesetzgebung, von deren Beschaffenheit Herrschaft zu brechen. gebenden Körperschaft geschaffenes Vereins- und Versammlungsrecht, oft Leben und Gesundheit der Ihrigen abhängt. Was braucht ein Infolge des elendesten aller Wahlgesetze zum Junkerhort, ge- fondern nur eine Verordnung vom 11. März 1850 über die Ver- preußischer Minister zu wissen, wie sehr die immer größer werdende nannt preußischer Landtag, das nicht nur die Dreiklassenwahl, die hütung eines die gesegliche Freiheit und Ordnung gefährdenden Miß- Zahl der erwerbsthätigen Frauen persönlich interessiert ist am indirekte Wahl, sondern auch noch die Deffentlichkeit derselben und brauchs des Vereins- und Versammlungsrechtes. Arbeiterinnenschuß, der Arbeiterversicherung. Und solange den Frauen sonst noch allerlei schöne" Sachen vorschreibt, hatten sich die Social- Wie man an dem Datum und der Jahreszahl der Verordnung das Wahlrecht fehlt, fie umsomehr Ursache haben, durch die politischen demokraten bis dato nicht an der Landtagswahl beteiligt. Wohl sieht, liebt man in Preußen das„ Gute" Alte, das sich„ bewährt Vereine sich einen Einfluß auf die Lösung all dieser Fragen zu aber sollte eine intensive Agitation für die Einführung des all- hat. Namentlich wenn es Verordnungen sind aus den Jahren 1849 sichern. Doch pardon! Den Damen der Junker steht eine Begemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts zum Landtage und 50. Aus der Zeit der Konterrevolution, der Zeit des„ weißen schäftigung mit der Politit frei. Im Circus Busch hält ungehindert der entfaltet werden. Schreckens", der Zeit schlimmster politischer und geistiger Knechtung. Bund der Landwirte mit Damen seine Zusammenfünfte ab. Die Be Bald kam man jedoch zu der Ueberzeugung, daß die beste, Der Zeit, wo das Juntertum, gestützt auf die Bajonette der Sol- schäftigung mit der Frage, wie dem dummen Volte am besten die Taschen lebendigste und begeisterndste Agitation nur möglich sei, wenn man datesta, nicht nur aufräumte mit den Errungenschaften der März geplündert werden, ist jedenfalls von so hohem sittlichen und ethischen zur Wahlbeteiligung aufrufe. Man beschloß also die revolution von 1848, sondern auch grausame und blutige Rache nahm Einfluß, daß den Damen ohne Besorgnis die Teilnahme gestattet Wahlbeteiligung. Und wahrlich der Fragen sind so viele, über die für jene Niederlagen. werden kann. Spricht doch die Verordnung auch nur von Frauens der preußische Landtag zu entscheiden hat; Fragen, die tief in das Wir Frauen haben sattsam unter der Verordnung, die den Geist personen", nicht von adligen Damen. Wahrlich, wem ob solch' Wirtschaftsleben des Volkes eingreifen und über welche infolge des jener Zeit atmet, zu leiden gehabt, haben noch täglich darunter zu doppelten Unrechts die Empörung nicht das Blut in die Wangen elenden Wahlgefezes bis heute Millionen nicht mit entscheiden dürfen, leiden. Und wo der Wortlaut derselben nicht hinreichte zum Kampf treibt, den muß Mutter Natur mit Fischblut abgespeist haben. daß die klare Erkenntnis dieser Thatsache, das Gefühl der Ohn- gegen uns, war's polizeiliche Willfür und Auslegungskunst, die ein macht infolge solcher Rechtlosigkeit in unzähligen Proletarierherzen übriges that. Doch noch ebenso schlimm wie die reaktionäre Fassung ist die Auslegung und Handhabung der Verordnung. Der Fälle sind Juriftifcher Teil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabenbe bou 7 bis 92 1hr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. Region, wo die Polizei in ihrer unergründlichen Weisheit und Fürsorge| Junker nach noch weiterer Verschlechterung des Vereins- und Ver- Briefkaften der Redaktion. den Frauen die Teilnahme an öffentlichen, an Volfsversammlungen sammlungsrechtes, wie es z. B. am trasfesten zu Tage trat in der berbot. All unser Protestieren und der Hinweis, daß nur für lex Recke, müssen wir die Forderung entgegenstellen:„ Her mit politische Vereine ein Verbot der Teilnahme für Frauen bestehe, einem einheitlichen und freiheitlichen Vereins- und Versammlungsfruchtete nichts. Gewalt geht vor Recht. Man kann sich ja be- recht für das ganze Deutsche Reich. schweren Zähneknirschend geht man nach Hause, beschwert sich, bekommt in den meisten Fällen auch Recht oder auch nicht und beim nächsten Mal geht's oft wieder so. Dafür leben wir im Lande der„ bollendetsten Rechtsgarantien". Jm Arnsberger Regierungsbezirk ist auf diese Weise jahrelang den Frauen jede Teilnahme an einer Versammlung unmöglich gemacht worden. Dann war es wieder die Segment- Rede des Ministers Hammerstein, die in unterschiedlichen Polizeihirnen eine arge Konfusion anrichtete. " Auf Widerruf war bekanntlich den Frauen ein Quentchen Bewegungsfreiheit mehr gegeben, sie durften nach Hammerstein Zuhörer in politischen Vereinen sein, wenn sie sich nicht mit den Männern bermischten", sondern fein säuberlich ins Segment" gingen. Preußisch- polizeiliche Schneidigkeit verwandelte das Quentchen Freiheit schleunigst in sein Gegenteil und bestimmte, in Volts versamm: lungen müssen Frauen ins Segment. Für die erwerbsthätigen Frauen, die es so notwendig wie das tägliche Brot haben, sich ihrer Gewerkschaft anzuschließen, war die seitens der Polizei beliebte Interpretation des Wortes Politik von verhängnisvollen Folgen. Zahlreiche Zahlstellen der verschiedensten Gewerkschaften, namentlich des Fabrikarbeiter und des Schuhmacher- Verbandes verfielen der Auflösung, weil sie sich angeblich mit Politik beschäftigt hatten und Frauen in denselben Mitglieder waren. In einem Falle ward die Politik" darin gefunden, daß im Statut der Gewerkschaft der Passus enthalten war, nach Möglichkeit die Accordarbeit abzuschaffen. " Eingegangene Druckschriften. Aus A. N. 1. In fünf Jahren. 2. Jede Strafthat verjährt für sich. 3. Nein. 4. In drei Jahren. 5. Ein Hinweis für den Fall der Nichtbeschäftigung oder dergl. Anzeige zu erstatten, kann als Erpressungsversuch erachtet Von der Neuen Zeit"( Stuttgart, Dick' Verlag) ist soeben das werden. Rügener 23. Krankenversicherungspflicht liegt nicht vor. 3. Heft des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben Wettende 1877. Der 3euge muß auf Befragen alle Fragen, die das wir hervor: Zum 21. Oktober. Die Krisis in Destreich. Von Karl Gericht für zulässig hält, wahrheitsgemäß beantworten, also die Frage, ob Kautsky. III. Der Niedergang der britischen Industrie. Von Th. Roth- er bestraft ist, mit Ja beantworten, auch wenn die Strafe nur in Geldstrafe stein- London. II. Chinesische Stuli. Reise- Eindrücke von Gustav Eckstein. oder in einem Verweis bestanden hat. Einem Zeugen pflegt solch all ( Schluß.) Die Wahlen in Serbien. Von Milorad Popowitsch. Eine gemeine Frage nicht vorgelegt zu werden. Liegt dem Zeugen daran, daß Leonid Andrejew, Im Nebel. Welt- Enquete der Buchdrucker. Von D. Zinner. Litterarische Rundschau: sie ihm nicht vorgelegt wird, so wendet er sich vor dem Termin unter Notizen: Der Arbeitsnachweis als Kampf- Darlegung des Sachverhalts( Bestrafung, Grund usw.) mit der Bitte mittel der Arbeitgeber- Verbände. Von Emil Fischer. Frauen- und Kinder- schriftlich an das Gericht, Fragen nach seinen Vorstrafen nicht zuzulassen. arbeit in den Fabriken Deutschlands und der Schweiz. Solches Gesuch hat Erfolg. Ein Angeschuldigter kann der Polizet Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- und dem Gericht gegenüber jede Antwort ablehnen. Die Antwort handlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro wegen Straffragen abzulehnen, ist schon deshalb unzweckmäßig, 1000. Nein. Duartal zu beziehen. In der Zeitungspreisliste der Postanstalten ist die weil die Strafen aus der Strafliste hervorgehen. nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft fostet 25 Pf. Neue Zeit" unter Nr. 5575 eingetragen, jedoch kann dieselbe bei der Post S.O. 48. 1. Der Witwer einer finderlos und testamentslos verstorbenen Ehefrau erbt die Hälfte des Vermögens. Die andre Hälfte fällt den Eltern, Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. bezw. den Großeltern und Geschwistern zu. Aber bei der Teilung erhält Von der Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen gehört haben, und die Hochzeitsgeschenke. Da auch die Nachlaßschulden der Ehegatte als vor aus alle Gegenstände, die zum ehelichen Haushalt ( Stuttgart, Dieg' Verlag), ist uns soeben die Nr. 22 des 13. Jahrganges( Begräbnis usw.) zum Nachlaß gehören, jo erbt in den meisten, wie es Auf, der Anklagebank. zugegangen. dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: scheint, auch in Ihrem Fall der Ehegatte allein. 2. Ja. 2. 33. Die Wurmfrankheit im Ruhrrevier. Von Louise 1. u. 2. Ja. 3. u. 4. Nein. Bieg. E. F. 1. Auf Antrag ist ein Invaliden Zur Frage der Erstattung von Invalidenversicherungs- Beiträgen rentner von der Weiterklebepflicht zu befreien. Der Antrag ist an die im Falle der Eheschließung. Bon H. Sch. Aus der Bewegung. untere Verwaltungsbehörde( auf dem Lande der Landrat, in Berlin Feuilleton: Mumu, das Hündchen des Laubstummen. Erzählung von Magistrat, Abteilung für Invalidenversicherung, Breitestr. 24 a) zu richten. 3. S. Turgenjem. Aus dem Russischen übersetzt von 2. A. Hauff.( Fort- Von der Stellung eines Antrages ist abzuraten, wenn die Möglichkeit des segung.) Notizenteil: Der Behnstundenkampf der Tertilarbeiter in Fortfalls der Erwerbsunfähigkeit vorliegt, insbesondere also, wenn die Crimmitschau. Gewerkschaftliche Arbeiterinnen- Organisationen. Socia- Invalidität Folge einer möglicherweise zu beseitigenden Krankheit ist, weil listische Frauenbewegung im Ausland. Frauenbewegung. sonst spätere Ansprüche auf Alters- oder Invalidenrente beseitigt oder Die Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. 10 Pf., durch die Post bezogen( eingetragen in der Reichspost- Zeitungslifte Preis der Nummer gefürzt werden könnten. 2. Nicht unbedingt. P. D. Nein. Nr. 1903 unter Nr. 3189) beträgt der Abonnementspreis viertelfährlich ohne besten. Wollen Sie in einer andren Aufnahme finden, so sehen Sie fich Mag Aner. Die von Ihnen bezeichnete Heilanstalt gilt als eine der Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Pt. mit dem Vorstand Ihrer Kasse oder mit der Versicherungsanstalt oder mit 1913. Eine Berufung gegen dem Roten Kreuz direkt in Verbindung. ein amtsgerichtliches Urteil in Civilsachen muß von einem bei dem Landgericht zugelassenen Anwalt eingelegt werden. In Ihrem Falle erscheint eine Berufung aber aus dem formellen Grunde aussichtslos, weil der Forstfistus, nicht der Forstmeister zu verklagen gewesen wäre. Materiell steht der Gewerbe- Ordnung, aber nach§ 623 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zu, falls Ihnen als Forstarbeiter eine 14 tägige Sündigungsfrist( nicht nach nicht etwa, wie Beklagter eingewendet hat und Sie zugegeben haben sollen, Sie nur für eine bestimmte Arbeit angenommen sind. Wird jemand ( ändlicher, gewerblicher oder Forst- Arbeiter) nur für eine bestimmte Arbeit angenommen( z. B. Buddeln der Kartoffeln für fünf Morgen, Anfertigung eines bestimmten Spiegels, Bearbeitung bestimmter Jagen) so hört das Arbeitsverhältnis ohne Kündigungsfrist mit Beendigung der vertraglich umgrenzten Arbeit von selbst auf. Freie 27. Welche Aenderungen für Strankenkassen erforderlich sind, ist in der Sonntags nummer des Vorwärts", 1. Beilage, unter" Sociales" ausführlich dargelegt. " Es ward durch diese Auslegungskunst also direkt den Arbeiterinnen das bißchen Koalitionsrecht estamotiert. Die Möglichkeit sich organisieren zu können, bedeutet aber doch für sie das einzige Mittel, sich ein besseres, reichlicheres Stück Brot, ein besseres Kleid, eine bessere Wohnung, mehr Lebensfreude, mehr Bildung, mehr Zeit zur Ruhe, zur Erholung, furzum die Möglichkeit, mehr als Mensch leben zu können, zu erringen. Diese Möglichkeit raubt man ihr, man hindert sie durch solche Auslegungsfünfte an der Organisation. Wahrlich, jede Arbeiterfrau, jede Arbeiterin, die ein wenig Freiheitsdrang, ein wenig Rechtsempfinden, die ein wenig Selbst- und Persönlichkeitsbewußtsein hat, muß sich aufbäumen bor Empörung ob solcher Ungerechtigkeit und Rückständigkeit. Wieviel mehr aber noch diejenigen Frauen, die, ge trieben bon Heißer, brennender Sehnsucht nach Freiheit, sich den Emancipationsbestrebungen des Proletariats angeschlossen und auf Schritt und Tritt die Annehmlichkeiten" der Verordnung und ihrer Auslegung zu kosten bekommen. Hoffen wir, daß die Empörung über dies doppelte Unrecht sich umsetzt in eine um so leb- Hat Christus überhaupt gelebt? Vortrag von G. Tschirn- Breslau. Haftere Agitation zur Landtagswahl. Dem Streben der preußischen 18 Seiten. Verlag der Handelsdruckerei Bamberg. 1903. Narren Der Wahre Jacob" hat soeben die 22. Nummer seines 20. Jahrgangs erscheinen lassen. Aus dem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder Eine Sehenswürdigkeit" und" Zur Finanzreform", sowie die Illustrationen zu spät erkannt", Eine feine Nase", Das beruhigende Schloß"," Herrenrechte"," Beitbild aus Capua a. d. Jar"," Kinder und vaterliebe", ferner Gedichte„ 8 95"," Der nationalliberale Parteitag", Der tertliche Teil enthält die geschichtliche Blauderei„ LandesPatriotenseufzer", Hochmut kommt vor dem Fall"," Schlummerliedchen", " Im Nebel" von Ludwig Lessen, Das Dreigestirn"," Beuthen" von Erich mühsam, sorvie außer zahlreichen fleineren Beiträgen die größeren Feuilletons Kriegsgericht"," Kasernen- Hygiene"," Menschliches- Allzumenschliches" und die Skizze aus dem Gefängnisleben" Nur einen Hut...!" Der Preis der 12 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. 11 " Mittwoch, den 21. Oktober, abends 8 Uhr, Rummelsburg- Boxhagen finden zur Erinnerung an das vor 25 Jahren in Kraft getretene Socialistengesetz statt. 14 Volks- Versammlungen Tages- Ordnung: Nach 25 Jahren. 1. Wahlkreis: Wendts Industrie- Festsäle, Beuthstr. 20/21. 2. Wahlkreis: Berliner Bock- Brauerei, Tempelhofer Berg. 3. Wahlkreis: Buggenhagen, am Moritzplatz. 4. Wahlkreis( Südost): Sanssouci, Rottbuserstr. 4a. Urania, Wrangelstr. 11. Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. 4. Wahlkreis( Oft): Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 11. Keller, Stoppenstr. 29. 5. Wahlkreis: Schützenhaus, Linienſtr. 5. 6. Wahlkreis: Gollubes Volksgarten, Schönhause: Allee 101. Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünderstr. 42. Fritz Wilke, Brunnenstr. 188. Germania- Säle, Chausseestr. 103. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. 209/10 Heute, Mittwoch, den 21. Oktober, abends 8%, Uhr: Volks- Versammlung im Lokal von Weigel, Thürrschmidtstraße 45. Tages- Ordnung: ,, Vor 25 Jahren." Referent: Fr. Kozte Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Der Einberufer. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel- llfer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 358. Donnerstag, den 22. Oftober 1903, abends 81%, Uhr: ersammlung der Mechaniker, Uhrmacher und Optiker in den Arminhallen, Kommandanten- Strasse 20. Tagesordnung: 128/10 1. Vortrag des Rechtsanwalts Victor Fränkl. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreichen Besuch, erwartet Die Ortsverwaltung. Central- Verband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Donnerstag, den 22. Oktober 1903, abends 61% Uhr: General- Versammlung in Kellers großem Saal, Koppenstr. 29. Zages Ordnung: 1. Kassenbericht vom 3. Quartal 1903. 2. Der Stand der Fensterfrage und die sonstige Lage im Beruf. 3. Wahl von Vertretern zur Gaukonferenz. 4. Gewerkschaftliches. 196/17 Der Vorstand. Achtung! Referenten: Genossen Augustin, Ewald, R. Fischer, Heymann, Hoffmann, Frau Jhrer, Achtung! Rabitzputzer. Ledebour, Frau R. Luxemburg, Manasse, Motteler, Singer, Tutzauer, Wurm, Zadeck. Die zu Mittwoch, den 20. d. M., einberufene Versammlung fällt ans. volks- Versammlungen statt. An diesem Tage finden in a Il en Stadtteilen öffentliche Wir ersuchen die Genossen und Genossinnen, recht zahlreich zu erscheinen, um so sollegen auf, Mann für Mann in diesen Bersammlungen zu erscheinen. Wir fordern unfre eine würdige Demonstration für den siegreichen Gedanken des Socialismus zu dokumentieren. Die Berliner Vertrauensleute. Arbeiter- Radfahrerverein Steglitz Charlottenburg. Mittwoch, den 21. Oktober, abends 8%, Uhr, im Volkshause, Rosinenstraße 3: Volks- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vor 25 Jahren ( 21. Ottober 1878: Erlaß des Socialistengesetes). 2. Diskussion. 204/3 Referent: Reichstags- Abgeordneter Fritz Zubeil. Der Einberufer. Kranten: u. Sterbe Zuschukkaffe der Schneider Berlins. Sonnabend den 24. Oftober 1903, abends 81, Uhr: 25976 Ausserordentliche General- Versammlung in den Arminhallen", Kommandantenstraße 20. 4 Tages Ordnung: 1. Abrechnung bom II. und III. Quartal 1903. 2. Kaffen Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Hierdurch zur Mitteilung, daß die neu genehmigten Statuten vom 1. Dftober d. J. in Kraft treten; selbige gelangen in der Versammlung zur Ausgabe. Der Vorstand. Centralverband der Maurer Deutschlands. Deutschlands. Kronleuchter- Fabrik Zweigverein Berlin. Freitag, den 23. Oftober 1903, abends 8%, Uhr: General- Versammlung der Zahlstellen Berlins und der Umgegend, sowie der Puzer, Rabigpuzer, Spanner und Cementierer Berlins im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( großer Saal). und der Bororte Tages Drdnung: 1. Abrechnung vom III. Duartal. 2. Bortrag und Diskussion. 3. Berschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert ohne dasselbe kein Zutritt. Guten Besuch erwartet 144/15 Der Zweigvereins- Vorstand. 3. A. Wilh. Fritzsch. 656 für Gas, Petroleum u. elektrisch Licht 28/ 18* Siegel& Co., Berlin, Prinzenstr. 33. Grösste Auswahl. Verkauf z. Fabrikpreis. an Private. Musterbuch franko. Land. Woche 2 M. Abzahlung, 840 qm 300 M. Bor9 ort. Nur mündlich. Herronimy, Blumenstr. 79. * 252/19 Der Vorstand. ( Mitgl. d. Arb.- Radf.- Bundes Solidarität"). Sonnabend, den 24. Oktober 1903, in Richters Lokal, Gr.- Lichterfelde, Chausseestr. 104: Großes Herbstvergnügen bestehend in Reigenfahren, Vorträgen und Ball. Entree 25 Pf., Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Der Ueberschuß fällt den streikenden Gewerkschaften oder dem am Orte bestehenden Kartell zu. Sämtliche Bundesmitglieder sind freundlichst eingeladen. Max Kliems Fest- Säle Hasenheide 11-13. Jeden Mittwoch im neuen Saale: Grosses Militär- Konzert. 26025 29292* Jeden Sonntag in allen Sälen: Grosser Ball wozu ergebenst einladet Max Kliem. Mariannen- Festsäle. Säle zu 50, 80 und 200 Personen, hochelegant eingerichtet, find noch Sonnabende und Sonntage im November, Dezember, Januar, Februar und März frei. Alex Mayer, Mariannen- Ufer 2.[ 30492* Tafel- Honig goldgelb, feiner Geschmad. 10 Pfund- Emaille- Eimer infl. 3,75 M. Gar. Zurücknahme. 10 Pfd. Dose Kaiser- Frucht ff. Marmelade 3 M. intl. Kredit. Monatlich 10 Mark liefere Anzüge Paletots nach Maß. Per Kaffe auch billigste Breise. Schneidermstr., P. Napp, Swinemünde Nr.56. J. Tomporowski, Prinzenſtr. 65. Berantwortl. Redakteur: Julius Kaliski in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 246. 20. Jahrgang. 2. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Socialistengesetz und Gewerkschaften. Das Socialistengesetz richtete sich gegen die gesamte Arbeiter bewegung, nicht nur wie man vorgab gegen die politische. Die immer mehr erstarkende Gewerkschaftsbetvegung war der Bourgeoisie auf wirtschaftlichem Gebiete ebenso unangenehm wie die socialistische Parteibewegung auf politischem. Dazu kam, daß beide Bewegungen, wie trotz mancher Reibereien auch heute noch, untrennbar mit einander zusammenhingen. Die in der socialistischen Schule aufgeklärten und über den Charakter dernen Produktionsweise Arbeiter nieder! der mo= Natürlich versuchte man immer wieder den Aufbau der zerstörten Organisationen, man vereinigte sich in lokalen Organisationen, in ben sogenannten Fachvereinen, und wenn in der weiteren Geschichte des Socialistengesetzes wieder von der Auflösung getvert schaftlicher Organisationen die Rede ist erft 1886 ist das wieder der Fall, betrifft diese immer lokale Vereinigungen. If die Agitationskommission für die Proving Brandenburg ein Verein? " am Mittwoch, 21. Oktober 1903. Partei- Nachrichten. Die Aufgaben beschäftigt, hat doch neben ihren wirtschaftlichen Aufgaben geltend gemacht werden sollte, er sei aber in Höhe von effe an der Erhaltung des Koalitionsrechtes. Wie notwendig dieses gebung des ersten Wechſels möglichst versucht habe, nicht den Einnach wie vor wenigstens ein hohes politisches Interesse, das Inter- 4500 M. eingeklagt worden. Der Zeuge giebt zu daß er bei Bes gerade der Gewerkschaftsbewegung ist, haben ja die schweren Opfer brud zu erwecken, als befinde er sich in einer Notlage. Der Angein der Zeit des Socialistengesezes gezeigt. Dieses politische Inter- lagte Rosenstiel stellte unter Betveis, daß er sich erboten habe, dem esse der Gewerkschaften vertritt aber nur eine Partei, vertritt rück- Zengen den Wechsel auszuhändigen, wenn dieser ihm die 2000 M. zurückgäbe. Der Zeuge behauptete dagegen, daß er dem Angeklagten haltlos lediglich die Socialdemokratie! Nosenstiel die 2000 W. habe zurückgeben wollen, Rosenstiel habe es aber abgelehnt. Der zweite Wechsel ist dann in die Hände der Angeklagten Fraude und Lorff übergegangen und vom Angeflagten Rittel, der nur eine vorgeschobene Person gewesen sein soll, eingeklagt worden. Einer der Hauptanklagepunkte betrifft die Angeschuldigten Georges unterrichteten Arbeiter gaben die Diese Frage beschäftigte abermals die Berufungskammer beim und Schröter wegen betrügerischer Ausbeutung eines minderjährigen besten Führer der Gewerkschaftsbewegung ab und die Massen der Landgericht I. Bekanntlich hatte die Ferienstrafkammer in der Straf- Studenten der Rechte, den Sohn eines reichen Geheimen Kommerzien Gewerkschaftler fonnten zu zielbewußtem Handeln, zur zuverläffigen fache gegen Stadthagen, der als Vorsteher" des Vereins" rats zu Dresden. Der junge Mann war die Angeklagten um die Mitarbeit an den Aufgaben der Gewerkschaft hinwiederum mur er- Agitationstommiffion eine Meldung unterlassen haben sollte und des- Vermittelung eines Darlehns in Höhe von 50 000 M. angegangen zogen werden, indem man auch ihnen flar machte, welch unüber- halb mit 20 Mt. Geldstrafe belegt war, 15. Auguft und foll toloffale Opfer gebracht haben, ohne einen Pfennig Geld brückbare Kluft zwischen Besitzenden und Besitzlosen flafft, wie sehr Ladung des Schriftstellers Hirsch und des stellvertretenden Polizei- erhalten zu haben. Auch in diesem Falle spielt Rosenstiel von einander fich die Interessen der Unternehmer und der Arbeiter werden, ob, wie der Strafbefehl behauptete, es eine„ Agitations Jahren Gefängnis und 10000 M. Geldstrafe verurteilte Kaufmann präsidenten beschlossen. Die Zeugen. sollten darüber gehört eine Rolle und ebenso der fürzlich wegen Wuchers zu zwei trennen. Wo das nicht immer wieder den organisierten Arbeitern fommission des Wahlvereins Teltow Beeskow", Pariser. Die Angeklagten Hirschberg und Sacks find beschuldigt, den gepredigt wird, kann auch die Organisation nicht dauernd auf eine oder ob, wie das erstinstanzliche Urteil behauptete, es Besserung der Lage hinwirken. Die Organisation ist nicht einen socialdemokratischen„ Central- Wahlverein" daß der Zeuge stud. jur. E., der zu heute mittag geladen war, Selbstztved, sondern Mittel zum Zweck. Wäre es nicht gebe und ob Stadthagen diesem angehöre, oder ob, wie Stadthagen nicht erschienen war, nach einer dem Gerichtshofe zugegangenen Mitwahr, daß die Verhältnisse der Arbeiter einer Aufbefferung behauptete, diese Gebilde Phantasiegebilde feien. Die Straffammer teilung befindet der Zeuge fich zum Zwecke des Studiums in Zürich. bedürfen, dann wäre die Organisation in Gewerkschaften unter Vorsitz des Landgerichtsrats Casper beschloß dann, von einer Der Gerichtshof beschloß deshalb, diesen Fall auszuscheiden und überflüssig. Aber wenn die Gewerkschaften über die Arbeit der Beweisaufnahme hierüber Abstand zu nehmen, weil Stadthagens ihn einer späteren Verhandlung vorzubehalten. Die an diesem Organisation die der Aufklärung vernachlässigten, wäre die Behauptungen nach den inzwischen eingegangenen polizeilichen Mit- Falle beteiligten Zeugen werden entlassen. Darauf beantragt Organisation nuglos. teilungen durchaus zutreffend seien. Die Arbeiter, welche unaufgeklärt der lediglich durch Schreibirrhum an Stelle der Bezeichnung„ Agitations- Biefer, auch die Vertagung insoweit die angebliche Urkundenteilungen durchaus zutreffend feien. Jene Phantasiegebilde feien Rechtsanwalt Dr. Ballien, als Verteidiger des Angeklagten Organisation nur durch augenblicklich wirkende materielle Vorteile kommission für die Provinz Brandenburg" getreten. In der jest statt fälschung betreffend den 200 000 Mark- Wechsel und den damit vererhalten bleiben, sind höchst unsichere Stantonisten, die im Kampfe gefundenen Verhandlung führte Stadthagen aus: Die Agitations- bundenen versuchten Betrug in Frage kommt. Der Zeuge Leffel gar zu leicht zum Feinde übergehen, wenn ihnen dort ein aus- fommission ist kein Verein, ich bin nicht ihr Vorsteher, die Kommission hat habe früher schon beschworen, daß er hinzugekommen sei, als Graf reichender Ersatz für die aufgegebenen Unterstützungs- Einrichtungen feinerlei Statuten, Organisation oder dergleichen und soll feine Statuten Larisch foeben den Wechsel in der Wohnung Rosenstiels ausgestellt oder gar in Form von dauernder und besser bezahlter Arbeit noch haben. Entstanden sei die Agitationskommission auf Anregung einer habe. Graf Larisch sei bei seinem Eintreten gegangen und freudemehr gegeben wird. Provinzialkonferenz im Jahre 1892. Sie besteht lediglich aus strahlend habe Rosenstiel ihm den noch auf dem Tische liegenden Das wissen leider nicht alle Arbeiter, das weiß aber die Delegierten der sechs Berliner Wahlkreise und der beiden Wahlkreise Wechsel gezeigt mit den Worten:" Sehen Sie mal, welch' ein feiner Teltow- Beeskow und Niederbarnim. Bourgeoisie. Darum versucht sie heute durch ihre Kreaturen Arbeiter einzelnen Wahlkreisen Rechenschaft schuldig, haben deren Anordnungen 200 000 M. ausgestellt": Der Zeuge Leffel set so wichtig, daß die Die Delegierten find den Mann der Graf Larisch ist, er hat mir einen Wechsel über organisationen zu schaffen, die nicht auf dem Boden des Klassen sich zu fügen. Mit voller Absichtlichkeit sei für die Kommission die Verteidigung nicht auf ihn verzichten könne, er müsse auch ermittelt kampfes stehen, und darum knüppelte sie vor 25 Jahren erbarmungs- vereinslose Form gewählt. Bis zum Jahre 1899 sei es auch der werden können. Auch der Berteidiger Rosenstiels, Rechtsanwalt los neben der politischen auch die gewerkschaftliche Organisation der Polizei nicht eingefallen, die Kommission als Verein zu betrachten. Dr. Löwenstein, stellt neue Beweisanträge zur Entlastung Rosenstiels. Die Versuche, sogenannte Vorsteher zu konstruieren und Er beantragt die Ladung mehrerer Zeugen, u. a. eines, der sich in Bom 21. Oftober 1878 bis zum Schluß des Jahres, im Verlaufe zur Bestrafung zu ziehen, feien bislang stets gescheitert. New York aufhält. Der Staatsanwalt beantragt die Aussehung von 10 Wochen, verfielen der Auflösung 17 central organisierte Er selbst sei lediglich Leiter der zwangslosen Sigungen. Ohne eine der Beschlußfassung über diese Anträge, bis noch einmal Graf Larisch, und 62 Iokal organisierte Gewerkschaften, außerdem ein central- Verpflichtung hierzu und unter ausdrücklicher Verwahrung gegen der zu Mittwochvormittag wieder geladen ist, gehört worden ist. Der Gerichtshof beschloß die ganze Sache zu vertagen. eine solche habe er der Polizei mitgeteilt, auf welchen Tag die und 10 lokalorganisierte Unterstützungsvereine. So gründlich war Sigungen anberaumt seien und wer Mitglied der Agitationskommission verschiedenen Anklagepunkte griffen so in einander ein, daß ein Gedie Arbeit, daß im Jahre 1879 nur noch eine Lokalorganisation auf- fei. Weitere Mitteilungen habe er, wie er schon früher als Zeuge in famtbild von der Thätigkeit der einzelnen Angeklagten nicht gezulösen war, daneben 5 Unterſtügungsvereine. Man hatte mit der den andern Prozessen ausgeführt habe, unterlassen, weil Bolizei wonnen werden könne, wenn die verschiedenen Fälle getrennt würden. Gewerkschaftsbewegung vollständig reinen Tisch gemacht; nur der beamte versucht hatten, den Genossen wasewiß zu Wann der nächste Termin anberaumt werden könne, sei noch nicht Buchdruckerverband blieb bestehen, freilich unter der strengsten Kon- 6e stimmen, ihnen gegen Gelb Berichte zu liefern. abzusehen. Es sollen zu diesem der Zeuge Lessel und der in New trolle der Behörden. Annahme des Amtsgerichts, Verein ist jede dauernde Verbindung Vort wohnende Zeuge geladen werden. Mehrerer zur Verfolgung bestimmter gemeinschaftlicher Zwecke" ent- Die Angeklagten Rosenstiel, Zieser und Georges bleiben in Haft. halte eine irrige, an eine Ausführung im Obertribunals- Erkenntnis ständige Umschreibung des Begriffs Verein". Eine ähnliche Umvom 30. April 1869 fich anschließende, unzureichende und unvollfchreibung gebe das Reichsgericht in seinem Urteil vom 2. November 1888, jedoch mit dem Hinzufügen unter einer Leitung". Auch hierdurch werde aber der Begriff Verein keineswegs definiert. Sonst Ueber Revisionismus und Revolutionarismus Aber nicht nur das Recht der Vereinigung war unterdrückt, auch wäre ja beispielsweise eine Familiengemeinschaft, eine fagt Bebe I in einer ernenten Erwiderung an v. Elm im„ Hamdie Versammlungsfreiheit existierte nicht mehr. Nach Erlaß des Erziehungsanstalt, eine Strafanstalt, eine tolle burger Echo": Socialistengefezes fand bis zum Schluß des Jahres 1878 nur noch gialbehörde ein Verein. Dasselbe gelte dann für allerlei Es handelt sich nicht um eine plötzliche Groberung der politieine einzige Gewerkschafts- Versammlung in Berlin statt, eine öffent- Gesellschaften, die zweifellos feine„ Bereine" find. Die oft an- fchen Macht und ebensowenig um die willkürliche Herbeiführung entliche Tischler- Versammlung, oder eigentlich: sie fand nicht statt, Obertribunals, des Reichsgerichts, des Kammergerichts, des Ober- fondern um die unbestrittene Thatsache, daß, wenn auf der einen was niemand unter uns behauptet hat-, geführten Paraphrasen eines Vereins sollen nach der Ansicht des scheidender Ereignisse denn sie wurde sofort nach der Eröffnung wegen angeblicher Ueber- Verwaltungsgerichts feineswegs eine Definition des Begriffs Verein Seite die Bewegung von dem Tempo beeinflußt wird, in dem die füllung des Lokals aufgelöst. Im Jahre 1879 herrschte auf dem bilden, sondern nur wesentliche Unterschiede zwischen Verein und fapitalistische Gesellschaft sich entwickelt, auf der andern Seite das Gebiete des Gewerkschaftslebens in Berlin Friedhofsruhe; nur eine Versammlung flarlegen. Aus einer Reihe höchstrichterlicher Tempo der Entwicklung unsrer Bewegung wieder im höchsten Malerversammlung und eine Versammlung der Tischler- Krankenkasse Entscheidungen gehe in Uebereinstimmung mit dem Sprachgebrauch Grade abhängig ist von unsrer eignen Thätigkeit. Je eifriger, je gaben der Behörde Gelegenheit zu Verboten und eine Maler und der Theorie hervor, daß für das Vorliegen eines Vereins unter energischer, je gründlicher wir arbeiten, um so rascher kommen wir bersammlung wurde aufgelöst. anderm erforderlich sei: eine nicht zu kleine Anzahl von Teilnehmern, zum Ziel. Im Anfang der achtziger Jahre machte sich dennoch schon wieder eine ziehung der Mitglieder zu dem Vereinszweck, Verfügungsgewalt des Ver- Expropriation der Expropriateure erfolgen folle, wie v. Elm fragt, ferner Selbständigkeit, Vereinszwed, getvollte Unterordnung und Be Marr hat nirgends einen Zeitpunkt festgesetzt, an dem die Bewegung unter den Arbeitern geltend. Die Tischler schritten in eins über seine Mitglieder, ein auf einen Vertrag beruhendes Rechts- eine Frage, zu der er um so weniger Veranlassung hatte, da wieder Berlin und Hannover zum Streit und namentlich die Berliner Bau- verhältnis zwischen den Mitgliedern und dem Verein, eine die ein- uiemand dergleichen behauptete. Wohl aber hat Mary in der Vorarbeiter regten sich. Das gab Herrn v. Buttkamer Veranlassung, zelnen Mitglieder verbindende, ihr gemeinsames Wollen umgarnende rede zum ersten Bande„ Das Kapital" ausgeführt, daß, wenn eine durch seinen berühmt oder berüchtigt gewordenen Streiferlaß 1886 und ordnende Organisation. Das alles fehle bei der Agitations- Gesellschaft dem Naturgesetz ihrer Bewegung, auf die Spur gedie Behörden zum erneuten verschärften Vorgehert gegen die fommiffion. Ihre Mitglieder werden nicht aufgenommen, fommen sei, sie deswegen naturgemäße Entwicklungsphasen weder Gewerkschaftsbewegung zu veranlassen. 1886 wurden sofort können nicht ausgeschlossen werden, sondern werden von den überspringen noch wegdekretieren könne, wohl aber die Geburtswehen 4 Gewerkschaften aufgelöst, 1887 folgten darauf 10, im Jahre darauf acht Wahlkreisen delegiert, stellen in ähnlicher Weise wie Vereins- abzutürzen und zu mildern vermöchte. vorstände oder Gewerkschaftskartelle allenfalls einen Ausschuß diefer Man fürzt und mildert aber nicht die Geburtswehen einer Aber der Streiferlaß ist auch sonst ein Dokument, das verdient, Wahlkreise dar. Die Kommission kann und will nur einen Meinungs- neuen Gesellschaft dadurch, daß man unausgesetzt die Massen warnt Aber der Streiferlaß ist auch sonst ein Dokument, das verdient, austausch vornehmen und durch Ueberzeugung wirken. Die polizei- au glauben, fie feien schon start, ihnen das Ziel in feraften Fernen wieder einmal an die Deffentlichkeit gezogen zu werden. Man liche Verfolgung der Kommission beruhe auf dem Grundirrtum, es zeigt und ihnen Mut, Selbstvertrauen und Hoffnung nimmt, sondern betrachtete ihn damals und betrachtet ihn noch heute als den Gipfel könnten durch gemeinsame Ueberzeugung getragene Wünsche indem man ihnen im Sinne von Mary sagt und zeigt, daß die Erpolizeilicher Koalitionsbekämpfung und selbst diejenigen, welche nicht nutr durch Vereine zum Ausdruck gelangen. Das Ver ringung ihres Ziels mit in erster Linie von ihnen selbst abhänge, auf dem Standpunkt stehen, daß der Klassenkampf sich heute in hältnis der Mitglieder der Agitationskommission zu einander von dem Maße ihres Eifers, ihrer Begeisterung und ihrer Erkenntnis. milderen Formen abspielt als früher, meinen wohl, daß so sei ein viel lockeres als das regelmäßiger Stammgäste. Eine Auf- Das erste thut der Revisionismus, der den Bessimismus, das intensiv wie unter dem Socialistengesez die Bekämpfung der Arbeiter- nahme findet nicht statt, also fann fie auch nicht der Polizei mit schwarze Mißtrauen in das eigene Können und die eignen Kräfte bewegung heute von den Behörden nicht mehr betrieben werden geteilt werden. Das Gericht erkannte nach 1½stündiger Beratung schürt, und immer von der Angst geplagt wird, die Stunde möchte tönne. Da ist ein Satz aus dem Buttkamerschen Streikerlaß besonders sei eine Personengemeinschaft, die durch Delegationen seitens der andere thut der Revolutionarismus, der den Optimismus, die Be auf Verwerfung der Berufung. Die Agitationsfommission zu früh tommen, in der das Proletariat zur Macht gelangt; das interessant. Er lautet: einzelnen Kreise entstehe, die aber doch einen selbständigen Verein geisterung, das Selbstvertrauen und die Siegesfreudigkeit darstellt, In der Mitte zwischen den nach den Strafgeseßen zu bilde, wenngleich sie feine Statuten habe. Das folgere das Gericht Eigenschaften, ohne welche nie in der Welt ein großes Ziel erreicht ahndenden Delikten und der erlaubten Ausübung des im Anschluß an ein Erkenntnis des Ober- Verwaltungsgerichts wurde." Koalitionsrechtes liegen nach den seither gemachten Erfahrungen daraus, daß die Kommission einer Provinzialfonferenz all- Im Volksblatt" für Anhalt veröffentlicht Beus Ausschreitungen, welche, ohne gerade mit Notwendigkeit jährlich Rechnung lege, eine gemeinsamen Zwecken dienende einige Artikel unter der Aufschrift, Mein Revisionismus". unter den Begriff von Straftaten zu fallen, doch den Charakter Klasse habe und daß die einzelnen Delegierten der Wahl- Darin, verwahrt er sich gegen die ihm gemachten Vorwürfe hinsichtlich der widerrechtlichen Gewaltsamkeit in dem Grade an sich tragen, bereine eine weit über die Interessen dieser Vereine hinaus seiner taktischen Haltung und sagt:" Was die Resolution 130 were daß die Polizei vollen Anlaß und Beruf hat, sich ihnen auf erachten und habe den Wechsel der Mitglieder nicht angezeigt, die Artikeln, die er kurz vor dem Parteitage geschrieben und worin er gehende Thätigkeit entfalten. Der Angeklagte sei als Vorsteher zu langt, habe ich noch niemals verleugnet". Anrufen der durch sie Beschädigten thatkräftig entgegenzustellen. freilich in die Agitationskommission delegiert, nicht von dieser auf- ausführt, daß die Beseitigung der Selassenherrschaft unser Endziel sei Namentlich fommen in dieser Beziehung in Betracht genommen würden. Angeklagter habe die Thatsachen der Mitglied- und sagt weiter, er habe noch nie eine Zeile geschrieben, die darauf die bei Arbeitseinstellungen auf Seite der Arbeiter schaft der Polizei zur Kenntnis bringen müssen, selbst wenn diese hinausliefe, unsre bisherige bewährte und sieggekrönte, auf dem häufig hervortretenden Bestrebungen, den Arbeitgebern die von dieser Thatsache bereits Kenntnis gehabt habe. Gegen das Urteil lassenkampf beruhende Taktik" zu ändern. Aufnahme und Durchführung des Kampfes dadurch unmöglich ist Revision angemeldet. Die grundfäßlich wichtige Frage, ob die zu machen, daß durch alle Mittel der Ueberredung, Ver- Agitationskommission ein Verein sei, wird nun endlich vor dem führung und unter Umständen sogar der Einschüchterung ver- Kammergericht ausgetragen werden. sucht wird, solche einheimischen Arbeiter, welche als Ersatz für die durch die Arbeitseinstellung entstandenen Lücken einzutreten bereit sind, oder solche, die aus andern Orten herangezogen werden, von der Erfüllung ihrer freiwillig eingegangenen pertragsmäßigen Verpflichtungen abzuhalten." noch eine. Prozeß Rosenstiel und Genossen. " " Nach dem Parteitage. Er citiert Stellen aus In Wurzen sprach Lipinski in einer Parteiversammlung für den 11. sächsischen Kreis. Er verurteilte den Revisionismus als parteischädlich und verlangte, daß energisch Front gemacht werde gegen das ewige Herumdoktern an unsrer bewährten Taktit. Auch über die Mitarbeit an bürgerlichen Blättern sei ein ernsthaftes Wort notwendig gewesen. Der Ueberfall auf Mehring sei nur inscentert worden, um Deckung zu suchen für die eignen Sünden. Sämtliche Redner stimmten dem Berichterstatter zu und die Bersammlung schloß mit Annahme einer dementsprechenden Resolution. In einer Kreis- Parteiversammlung des 10. fächsischen Landgerichtsrat Söpple eröffnet die Sigung um 9 Uhr. Es gelangt der Anklagefall betreffend die Bewucherung des Forstassessors Welch ein Stümper war doch dieser Herr v. Buttkamer gegen W. zur Verhandlung. Wie schon erwähnt, war der Zeuge früher die modernen Behörden! Was er als in der Mitte zwischen erlaubten Befizer eines Gutes im Ostpreußischen. Im Jahre 1901 geriet er Reichstags- Wahlkreises in Döbeln wurde über den die modernen Behörden! Was er als in der Mitte zwischen erlaubten in Zahlungsschwierigkeiten, die er durch Aufnahme einer zweiten Parteitag verhandelt hauptsächlich aus dem Grunde, weil dem Abund strafbaren Handlungen liegend bezeichnet, das Streifpoftenstehen, Sypothet in Höhe von 30 000 Mark zu heben suchte. Er wandte sich zur geordneten des Kreises, Grünberg, Gelegenheit gegeben werden sehen unsre jezigen Behörden lange als strafbar an und bestrafen Beschaffung dieser Hypothek an Rosenstiel, welcher auch der Sache sollte, seine Abstimmung gegen die Resolution 130 in Dresden zu es dementsprechend! faber zu treten versprach. Der Zeuge brauchte aber sofort Mittel rechtfertigen. Der Delegierte Thate gab zunächst seinen Bericht Run, auch der Puttkamersche Erlaß vermochte nicht, die Gewerk- und versuchte deshalb ein Gefälligkeitsaccept in Höhe von 6000 m., und stellte sich in den beiden Hauptfragen auf den Standpunkt, daß schaftsbewegung auf die Dauer zurückzuhalten. In der aufsteigenden welches er von einem Freunde erhalten, zu versilbern. Rosenstiel die Auseinandersetzungen nötig und gut waren und die Wirtschaftskonjunktur wuchsen zu gleicher Zeit die Bedingungen für versprach auch dies zu besorgen. Das Geschäft tam dadurch zum gefaßten Beschlüsse nützlich sein werden. Grünberg vertrat die die Gewerkschaftsbewegung, und wie die politische Bewegung der Abschluß, daß der Zeuge für den Dreimonatswechsel in Höhe Meinung, daß die Mitarbeiterfrage vorher in einer Kommission Arbeiterklasse das Socialistengesetz schon vor seinem Verschwinden von 6000 2. 4800 M. erhielt, welches einem Prozentsatz von hätte verhandelt werden sollen und dann durch Vorlegung einer Revon der Bildfläche überwunden hatte, war dies auch bei der Gewerk- bei der Begebung eines zweiten Wechsels über 6000 M. Hierfür Resolution 180 habe er gestimmt, weil ihm der Ausdruck Ne80 Proz. entspricht. Noch schlimmer erging es dem Zeugen solution an den Parteitag erledigt werden konnte. Gegen die schaftsbewegung der Fall. Die Angriffe auf das Koalitionsrecht der erhielt er nur 2000 m. bar und ein Pferd, das ihm mit visionismus als zu unbestimmt nicht gefalle. Nach seiner Meinung Arbeiter aber bestehen fort. Auch die Gewerkschaftsbewegung, die sich 1500 W. angerechnet wurde. Es sei vereinbart worden, daß arbeite der Revisionist so gut wie der Marrist nach besten Kräften nicht mehr in dem Maße wie seiner Zeit die Fachvereine mit politischen dieser zweite Wechsel nur in Höhe von 4000 Mark für die Partei. Wir ständen alle auf dem Stlassenkampf- Standpunkte. Das Parteiprogramm erkennten alle an, in taktischen Fragen dürften Europa wesentlich teurer, und die höheren Löhne in Amerika die Arbeiter wieder eingestellt haben, wurden genannt: Erich wir uns jedoch nicht festlegen. Eine längere Debatte ergab nichts gleichen sich, wenigstens soweit England in Betracht kommt, u. Gräz, Henninger, Lohse und Stobwasser. Wesentliches. Die meisten Redner stimmten dem Delegierten Thate zu, durch die hier benötigte größere Arbeiterzahl aus. In Der Redner weist schließlich noch auf die im Vorwärts* doch wurde auch zugleich von solchen Rednern erklärt, daß sie an Grün- der ganzen Geschichte des englischen Eisengroßgewerbes abgedruckte Mahnung hin, daß kein Streifender Arbeit nach bergs Haltung nach seinen Aufklärungen nichts auszusetzen hätten. Einige hat Fertigeisen nicht den niedrigen Herstellungskostenpunkt auswärts annimmt, ohne fich vorher mit dem Vorstande Redner tadelten auch die Haltung der Chemnizer Volksstimme", berührt, Ser in Amerika regelmäßig herrscht. Bestes South des Metallarbeiter- Verbandes in Verbindung zu sehen. Hinsichtlich während Landgraf und Grünberg diese in Schuß nahmen. Beschlüsse Staffordshire- Stabeisen hatte in England im Jahre 1895/96 der von Schottland aus in Aussicht gestellten Unterstützung bemerkt wurden nicht gefaßt. den niedrigsten Preis, nämlich 140 Schilling die Tonne berührt, der Redner, daß seitens des Verbandes keinerlei Aufforderung dazu " 11 m Die Parteigenossen in 3 ell a. H. die zur Organisation des gleich 1,50 Cent das Pfund in Amerika. Heute steht der Preis auf an ausländische Kollegen ergangen sei. Es sei das ein durchaus 7. badischen Wahlkreises gehören, ließen sich am 17. d. M. durch den 170 Schilling oder 1,85 Cent das Pfund, während gewöhnliches freiwilliger und spontaner Beweis internationaler Solidarität und Abg. Geck den Bericht vom Dresdener Parteitag erstatten. Sie er- Stabeisen in England 130 Schilling die Tonne, oder 1,41 Cent das eine Gegenleistung für das, was von deutscher Seite seiner Zeit flärten sich einstimmig mit dem Beschluß der ehler Wahlkreis- Pfund kostet. Der niedrigste Preis für Barren zur Herstellung geleistet wurde. Im übrigen aber werde man in solchen Konferenz vom vorhergegangenen Sonntag einverstanden. von Blechen war in England 75 Schilling die Tonne oder Fällen, wo Unterstützung vom Ausland angeboten 18,25 Dollar, und derselbe Preis galt für Stahlschienen. werde, vorsichtig sein und genau prüfen, Vom Dresdener Parteitags- Protokoll sind bis jetzt zwei Auflagen Stahlplatten standen nie auf ein Cent das nicht etwa die Interessen auswärtiger hergestellt, die beide vergriffen sind. Solche Orte, die ihren Bedarf Pfund, wie dies in Amerika häufig der Fall Kapitalisten zu fördern. Das Referat, das in der Ueberzeugung. noch nicht gedeckt haben, werden gebeten, ihre Bestellungen umgehend war. Auch die Kosten der Herstellung von ausflang, daß der Kampf unter keinen Umständen aufgegeben werden aufzugeben. Der Einzelpreis beträgt 75 Pf., gebunden 1 M. Weißblech in Amerika sind weit geringer, wie in dürfe, fand stürmischen Beifall. und Porto 20 Pf. Bei Partiebezug Rabatt. Bestellungen Südwales. Aehnlich verhält es sich mit andren Erzeugnissen, Die Polizei ist dieser Tage wiederum mit einer Rücksichtslosigkeit find zu richten an die Buchhandlung Vorwärts, Berlin wie Nägeln, Draht, Röhren usw. Amerika ist immer im Vorteil, und Energie gegen Streitposten vorgegangen, die geradezu Staunen SW. 68, Lindenstr. 69. hauptsächlich infolge der vermehrten Anwendung sogenannter„ arbeit- erregen muß. Ueber die Vorgänge, die sich in der Schillingstraße abgespielt haben, wurde in der Versammlung ausführlich berichtet. Ein parender" Maschinen. Beim Aufbau eines Ausfuhrhandels muß natürlich immer die Streifposten nach dem andern wurde sistiert und zu Fuß nach dem recht beträchtliche Ausgabe für den ersten Versuch, Fuß zu fassen, Alexanderplatz transportiert. Kaum 2 bis 3 Minuten konnte ein berücksichtigt werden. Auch hier hat nun Amerika den Vorteil, daß Streitposten in der Straße auf und abgehen, so wurde er sistiert. der größte Teil des Geschäftes in einer Hand vereinigt ist, die in Innerhalb 26 Minuten wurden mit der bekannten dem Bewußtsein, daß die gemachten Aufivendungen für sie allein Geschicklichkeit, die die Polizei hierbei an den sich mußbar erweisen werden, größere Mittel verausgaben kann. Bei Tag legte, sechs Mann abgefangen". Das Mertdem europäischen Geschäft ist dies weniger der Fall; denn hier be- würdige ist, daß die Polizei gar keine Verkehrsstörung wahrnahm, steht immer die Möglichkeit, daß, bei dem lebhaften Wettbewerb der als zufällig gerade vor dem Hause des betreffenden Fabrikanten ein Werke untereinander, eine Firma aus den Versuchen und Auf- Pferd zu Fall tam und sich eine große Menschenmenge ansammelte; wendungen des Wettbewerbes den Gewinn zieht, während der letztere während die Streikenden, die keinem im Wege waren, sofort als selbst für seine Bemühungen Ergebnisse nicht erzielen kann." ganz gefährliche Verkehrshindernisse erkannt wurden. Auf dem Polizeipräsidium wurden den Sistierten die Taschen ausgeräumt, sie wurden in dunkle Zellen gesperrt und bei der Entlassung, die erst nach geraumer Zeit erfolgte, wurde ihnen gesagt, wenn sie wieder erwischt würden, sollten sie sofort dem urteilenden Richter vorgeführt werden. Wie durch Zuruf aus der Versammlung be= kannt wurde, sind am Dienstagvormittag wieder = Dem Dresdener Parteitage bringen auch die englischen Parteigenoffen so lebhaftes Interesse entgegen, daß Genoſſe F. G. Jones in London am 21. Oktober in einer Versammlung über die Tagung sprechen wird. Aus den Organisationen. Am 18. Oktober fand im Wahlkreise Bensheim Erbach( Hessen) eine Streisionferenz statt, die von 29 Delegierten aus 24 Bezirken beschickt war. Von den Organifations- und Agitationsverhältnissen in diesem Kreise enthüllte die Konferenz ein seltsames Bild. Das Agitationskomitee konnte mitteilen, daß es mit 160 von den 210 Orten des Kreises Verbindung hatte. Stimmen wurden in dem Kreise für uns 3279 im Jahre 1898 und 5749 im Jahre 1903 abgegeben. Und unter solchen Umständen wurden im ganzen Streise 10 M. für Wahlzwecke aufgebracht, und der Referent über die Frage der Agitation und Organisation im Kreise, Genosse Weinschild- Offenbach, konnte aussprechen, daß es notwendig sei, nicht nur in der Wahlzeit social: demokratische Propagandazu treiben. Da scheint es allerdings höchste Zeit gewesen zu sein, daß man beschlossen hat, an Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. " Der Streik und die Aussperrungen in der Metallindustrie. In der gestrigen Streifversammlung der Gürtler fonnte allen Orten des Kreises Organisationen zu schaffen und sie im ganzen Pawlowitsch wiederum über einzelne Vorgänge berichten, die a cht Streitposten sistiert worden. Sonderbar ist Kreise straff zusammenzufassen. Ein Anfang dazu ist ja auch, wie berichtet wurde, schon gemacht worden, indem in fünf Orten des dafür zeugen, daß der Streit trop seiner verhältnismäßig langen es, daß die Streitposten bisher während der ersten 5 Wochen ihres Amtes walten konnten, und Kreises Organisationen gebildet wurden. Hoffentlich führt die auf Dauer keineswegs ungünstig für die Arbeiter steht. Verschiedene des Streits ungehindert der Kreiskonferenz durchgebrochene Erkenntnis von der Notwendig- Firmen haben für einen Teil ihrer ausgesperrten Arbeiter die Aus- daß die Polizei erst jezt, wo der Fabrikant so daß der Metallarbeiter- Verband in nach Arbeitskräften annonciert, das Verkehrss unter Hindernis entdeckte. Die Streifenden lassen sich aber weder stützen haben wird. Seitens der Lohnkommission wird nichts durch die Sistierungen noch durch die Drohungen mit dem Richter dagegen eingewandt, daß die Ausgesperrten einer Auf von der Ausnutzung des ihnen gesetzlich zustehenden Rechts abhalten. An die Stelle der Festgenommenen treten immer neue Streitposten. Und wenn er nach Moabit komme, erklärte der betreffende Streifende, der über diese Polizeimaßnahmen berichtete, werde er nicht ablassen vom Streitpoſtenſtehen. teit der Organisation und der dauernden planmäßigen Agitation perrung aufgehoben, so dieser Woche 150-200 Ausgesperrte Ausgesperrte weniger nun auch zu ernster That. " " Hus Induftrie und Handel. „ Kölnische Zeitung", daß in der am zu " Der Referent bestärkte die Streikenden durch sein wirkungsvolles Schlußwort in dieser Auffassung, und an der Stimmung der Versammlung merkte man, wie agitatorisch und aufrüttelnd diese polizeilichen Maßnahmen auf die Arbeiterschaft wirken. " Die socialdemokratische Presse Schwedens gewinnt immer größere Berbreitung." Socialdemokraten", der in Stockholm erscheint, hat forderung, wieder zur Arbeit zu kommen, Folge leisten; die jetzt 15 000 Abonnenten, Arbetet" in Malmö 12 000 und Ny Tid" Streifenden jedoch gehen selbstverständlich nicht eher wieder in den in Göteborg 6000. Diese Blätter erscheinen täglich. Dreimal Betrieb, als die Forderungen bewilligt sind. Die leitenden Personen wöchentlich erscheinen„ Smaalands Folkblad" in Jönköping mit der Fabrikantenvereinigung bezeichnen bekanntlich alle Nachrichten 4000, Aurora" in Ystad mit ebenfalls 4000, ,, Arbetarebladet" in über Uneinigkeit in ihren Reihen als unwahr, wenn nicht gar als Gefle mit 3500, Derebrofuriren" mit 3000 und Landskrona Lüge. Wie sie es selbst mit der Wahrheit halten, zeigte die ThatKuriren" mit 1800 Abonnenten. Zweimal wöchentlich:" Nya sache, daß das„ Berliner Tageblatt" noch am Sonntag die Lüge Samhället" in Sundswall mit 3000, Lysekils Kuriren" mit der Kühnemänner, die Streitenden forderten 2500 ,,, Arbetaren" in Motala mit 2000 Abonnenten. Ferner erscheint 60 Pf. Stundenlohn, wiederholen konnte, trotzdem sie ganz in Stockholm ein Wochenblatt unter dem Titel" Folkebladet" in genau wissen, daß es sich nicht so verhält. Die Forderung von 5400 Exemplaren. Das sind zusammen 12 socialdemokratische Blätter 60 Pf. Stundenlohn wurde für 650 Drücker, für 1200 Gürtler aber Zur Lohnbewegung der Rohrer ist mitzuteilen: 5 Firmen, welche mit 62 200 Abonnenten. Außerdem werden zwei Drgane der die von 50 Pf. Stundenlohn aufgestellt. Darüber ist seiner Zeit in der Fabrikanten- Organisation nicht angehören, haben am ersten Tage socialistischen Jugendorganisationen unter den Titeln" Brand" und der Presse genau berichtet worden, und dieselbe Thatsache geht ebenso die Forderungen bewilligt. Die 11 vereinigten Firmen haben von " Fram"(" Vorwärts") herausgegeben, jedes in 3000 Eremplaren. entschieden aus den Berichten über den Abschluß des Tarifvertrags 24. Mai" d. I., an welchem Datum wir den Unternehmern unfre Die Weihnachtszeitung der Partei Julfaclen" wird in 45 000 Erem- vor dem Gewerbegericht hervor. Das sollte doch auch das„ Tage- Forderungen mitteilten, bis heute keine Zeit gehabt, dazu Stellung plaren gedruckt und das Wigblatt Karbassen" erscheint wöchentlich blatt" wissen und, wenigstens nicht in diesem Fall, die Behauptungen zu nehmen. Für die Rohrer steht die Sache so, daß sämtliche in 15 000 Eremplaren. der beiden Parteien als unentschieden und unentscheidbar gegenüber- organisierte und sonst noch anständige Rohrer bei den Firmen, stellen. Der Referent ging ferner auf die Mahnung des Berliner welche bewilligt haben, in Arbeit treten können. Sie können es also Tageblatt" ein: man solle sich auf beiden Seiten der größten ruhig abwarten, bis die vereinigten Fabrikanten ihnen ihre Beschlüsse Wahrhaftigkeit befleißigen. Für die Arbeiter, so erklärte der Redner, mitgeteilt haben. Die Bauarbeiter, vor allem die Puzer, werden sei diese Mahnung durchaus überflüssig. Die Streitversammlungen darauf aufmerksam gemacht, daß die zu den neuen Bedingungen Die Neue Berliner Omnibus- Gesellschaft beruft auf den 11. No- tagten in voller Deffentlichkeit und dort würden nur arbeitenden Rohrer mit Legitimations- Karten versehen sind. vember ihre ordentliche Generalversammlung ein. Als wichtiger Thatsachen mitgeteilt. Den Berichterstattern der Diejenigen Auch"-Rohrer, welche abends nach 6 Uhr noch arbeiten, Gegenstand steht auf der Tagesordnung der Antrag auf Genehmigung bürgerlichen Presse könne nur empfohlen werden, sind zum Teil was neuerdings modern zu werden scheint eines mit der Allgemeinen Berliner Omnibus- Aktien- Gesellschaft ge- in diese Versammlungen zu kommen. Sie könnten von mit Revolvern bewaffnet. Die Organisationen der Maurer und schlossenen Fusionsvertrages, nach welchem das Vermögen der Neuen allem Notiz nehmen und erhielten bereitwilligst zuverlässige Aus- Zimmerer ersuchen die Rohrer, dahin zu wirken, daß von seiten ihrer Berliner Omnibus- Attien- Gesellschaft unter Ausschluß der Liquidation funft; es sei nicht wie bei den Unternehmern, die unter Ausschluß der Organisationsangehörigen jetzt keine Rohrdecken angefertigt werden. an die Allgemeine Berliner Omnibus- Aktien- Gesellschaft gegen Ge- Deffentlichkeit tagten und dann den Zeitungen einen Bericht gäben, Die Sattler der Geschirrbranche bereiten eine 2 ohnbewegung währung von Aktien der letzteren übergehen soll; ferner wird Be- den kein Außenstehender auf seine Zuverlässigkeit prüfen könne. Im vor, die sie im kommenden Frühjahr zu realisieren gedenken. In schlußfassung beantragt über den Umtausch der Aktien der Neuen" Berliner Tageblatt" wird des weiteren die Auslassung eines Fabri- der Branchenversammlung am Montag wurde allseitig betont, daß Berliner Onibus- Aktien- Gesellschaft gegen Aftien der Allgemeinen fanten abgedruckt, nach welcher es unmöglich sein soll, wenn der es sich weniger um Neuforderungen Handele, als darum, die vor Berliner Omnibus- Attien- Gesellschaft und Kraftloserklärung der nicht Preis eines Artikels festgesetzt ist, noch etwas an den Arbeitslöhnen ca. 3 Jahren erzielten Errungenschaften endlich einmal in allen Bezum Umtausch eingereichten Aktien. zu ändern. Auf Grund seiner Erfahrungen und der Erfahrungen trieben zur vollen Durchführung zu bringen. Damals wurde mit den Zu den Kartellbestrebungen in der Cementindustrie erfährt die andrer Arbeiter der Branche, erklärt der Redner diese Behauptung für Arbeitgebern ein Minimallohn von 22,50 M. pro Woche und neunstündige 16. Oktober in durchaus unwahr. Es sei ganz allgemein, daß, wenn ein Artikel Arbeitszeit vereinbart. Die Abmachungen sind jedoch, größtenteils durch Hannover abgehaltenen Versammlung der Gruppen Hannover, schon in Arbeit gegeben sei, noch an den Preiſen für die einzelnen die Schuld der Gehilfen selbst, nicht überall zur Durchführung gelangt. Mitteldeutschland, Berlin und Rheinland- Westfalen zwei neue Vorschläge Arbeitsleistungen geändert werde, daß 1 Pf. bis 5 Pf. zugelegt würden. Nach einer Statistik, die sich über 18 Betriebe erstreckt, arbeiten für die Syndicierung der Cementindustrie zur Vorlage gelangten, bei Teilarbeiten, wo einzelne Pfennige einen großen Prozentsatz aus 45 Gesellen in Lohn und 29 in Accord. Die durchschnittliche Arbeitsdie zunächst durch die in der Versammlung vom 3. Oftober gewählte machten. Bei andren Arbeiten sei es schon oft vorgekommen, daß zeit beträgt 53 Stunden pro Woche; in einigen Betrieben find 48, Kommission, bestehend aus den Obmännern der einzelnen Gruppen, ſtatt 75 Pf. 1 M., ja 1,25 gezahlt, ſtatt 1,50 W. gar 3 W. gezahlt in andern bis zu 63 Stunden wöchentlich gearbeitet. Auch hier zeigt werden mußten. Die Unternehmer rechneten bei ihren Kalkulationen es sich, daß in den Betrieben mit der fürzesten Arbeitszeit auch In dem einen der beiden Vorschläge heißt es, daß er vor schon derartig, daß sie auf keinen Fall zu kurz kommen könnten. Das die höchsten Löhne gezahlt werden. Die Löhne variieren zwischen bereitend für spätere( eventuell beſſere) Maßnahmen wirken soll, und Accordieren der Arbeiter mit dem Weiſter ſei ein Feilschen und 68 und 30 Pf. pro Stunde. Bemerkenswert ist, daß der Höchstden meisten Werkstuben, so daß von der Verfasser dieses Vorschlags glaubt, daß derselbe vor allen andern Handeln in eintem verdienst von 68 Pf. oder 37 M. pro Woche bei der Lohnarbeit erfestgesetzten Preis nicht die Rede sein allein Aussicht habe, von jedem Werk angenommen zu werden. Man unabänderlich zielt wurde, während bei der Accordarbeit der Höchstverdienst nur Alle diese Einwendungen, wodurch die Unternehmer 58 Pf. betrug, sinkend bis zu 16,10 W. pro Woche. Die Notwendig will eine Umfrage herbeiführen nach der Höhe des Versandes jeder könne. Fabrit in 1902/1903 und nach der Höhe derjenigen Absahmenge, mit zu beweisen suchen, ein Tarifvertrag ſei für die betreffenden Branchen keit einer einheitlichen Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisje Der sich jede Fabrik für 1904 begnügen würde. Es müsse hierbei unmöglich und führe zum Ruin, seien hinfällig. Ebenso verkehrt sei wurde umſomehr anerkannt, als laut der Krankenkassen- Statiſtik die berücksichtigt werden, daß jede Fabrik den jetzt für sie herrschenden die Behauptung, der Mindestlohn bilde eine Prämie auf die Faulheit. Geschirrsattler den höchsten Prozentsatz an Augen- und LungenVerhältnissen wirklich Rechnung trägt und ihre Wünsche in an- Der Redner verweist darauf, daß im Tarifvertrag eine Probe franken aufweisen. Um die Lohnbewegung jedoch mit genügendem gemessenen aber bescheidenen Grenzen hält, dann erst habe dieser zeit feſtgeſetzt ist, damit der Arbeitgeber sich überzeugen kann, ob Nachdruck führen zu können, soll vorerst eine energische Agitation Borschlag Aussicht auf irgend welchen Erfolg. Selbstverständlich ein neueingestellter Arbeiter auch den Mindestlohn verdient, und daß zur Stärkung der Organisation betrieben werden. invalide und nicht leistungsfähige Arbeiter nicht der sollen die Aussagen auf die gestellten Fragen ganz unverbind- für wird, sondern die freie Vereinbarung lich sein. Werden die Ansprüche zu hoch geschraubt, so Mindestlohn verlangt wird alles weitere Bemühen um Verständigung überflüssig. vorgesehen ist. Der Redner befaßte sich ferner mit den Verhandlungen Ein kleiner Unterschied zwischen beiden Gesamtziffernt werde aber der letzten außerordentlichen Generalversammlung der Fabrikantenleicht auszugleichen sein. Werden die fraglichen Angaben gemacht, vereinigung, die am Sonnabend stattgefunden hat, wie gewöhnlich ist in dem Kampf der Textilarbeiter in Crimmitschau so sollen sich nach dem Vorschlage die Fabriken verpflichten, nicht unter völligem Ausschluß der Deffentlichkeit. Nach dem Bericht, der eingetreten. Die Unternehmer haben bekanntlich durch ihren von der bürgerlichen Presse zugestellt wurde, ist dort einstimmig folgender blinder Wut diftierten Beschluß, 7000 Arbeiter und Arbeiterinnen mehr als die gewünschte Menge zu verkaufen oder abzuliefern. auf die Straße zu werfen, ihrer Konkurrenz die Möglichkeit gegeben, Die Festsetzung eines Mindestpreises soll vermieden werden, weil Beschluß gefaßt worden: Die am 17. Oftober 1908 in der Börse tagende General- fie von einem Teile des Warenmarktes zu verdrängen. Daß vormanche Fabriken ihn nicht halten würden und nicht halten könnten. versammlung der Vereinigung Berliner Metallwarenfabrikanten Diejenige Fabrik aber, die trotz billigeren Angebots die gewünschte nimmt mit Befriedigung Kenntnis von dem gestern gefaßten ein- läufig auf dem Gebiete der Produktion, den die Crimmitschauer Menge ihrer Marke nicht absetzen kann( also nicht einmal ohne stimmigen Beschluß des Verbandes Berliner Metallindustrieller.( Dieser Textilindustrie beherrscht, durch die Aussperrung auf lange Zeit mit Gewinn), möge sie gegen eine bestimmte Vergütung andren Werken hat nämlich beschlossen, bis auf weiteres keine Arbeiter mehr einzu- dem Bestande aufgeräumt worden ist, ist nur ein schwacher Trost ganz oder teilweise übertragen. Daraus werde beiden Teilen ein stellen und den Arbeitsnachweis zu schließen!) Sie vermißt gegenüber der Thatsache, daß auf demselben Gebiete über furz oder Vorteil erwachsen und außerdem ein übermäßiges Werfen der Nichtjeglichen Nachweis für die fortlaufend von der Streifleitung ver- lang eine Ueberproduktion eintreten muß, weil eine Reihe preise vermieden. Die Organisation einer derartigen Vereinigung breiteten Nachrichten, daß innerhalb der Vereinigung Uneinigkeit von Fabriken in andern Teilen des Reiches auf die sei schnell und leicht zu bewirken; sie bedürfe keines langatmigen und Neigung zum Nachgeben herrsche, sie erklärt diese Nachrichten Crimmitschauer Specialitäten eingerichtet worden Vertrags, feiner Rücksicht auf Vorverkäufe oder auf Nachlieferungen find, für vollkommen unbegründet. Sie erklärt ferner, daß der bis- auch eine Anzahl von Abnehmern vermutlich ihren bisherigen aus dem Vorjahre. Auch bei Verdingungen werde eine zwanglose herige Verlauf und der gegenwärtige Stand der Bewegung für Crimmitschauer Lieferanten dauernd fern bleiben werden. In ihrer Verständigung schon ihre gute Wirkungen nicht verfehlen. Die fie feinerlei Anlaß zur Aenderung der bisher beobachteten Maß- Berzweiflung haben sich nun die Fabrikanten an die schnöde von Besserung der Preise und Verhältnisse ergebe sich aus dem verminderten Angebot und aus dem Eigeninteresse jeder Fabrik. In jener Generalversammlung wurde unter andern mitgeteilt, ihnen auf die Straße Geworfenen gewandt und folgendes Flugblatt Zur Krise des amerikanischen Eiscumarkts. Aus den Bereinigten daß die Werkstattkontrolle überall befriedigende Resultate ergeben an die Ausgesperrten verbreitet: Staaten wird eine neue Produktionseinschränkung berichtet. Die habe und daß am Sonnabend wieder ein Fabrikant 80 Arbeiter entWerke der Carnegie Steel Company in Youngtson( Ohio) lassen habe. Ferner wurde gesagt, der Vorwärts" habe stellten nach einer New Yorker Meldung des Daily Telegraph" den Verleumdungen ausgestreut, die den Zweck hätten, uneinigkeit Betrieb auf eine Woche ein. Die Werke beschäftigten 2500 Arbeiter. in die Reihen der Fabrikanten zu tragen. Uebrigens ist davon Die Betriebseinstellung wird, wenn sich die Marktlage nicht bessert, auch in dem Rundschreiben der Vereinigung die Rede, das uns ebenmöglicherweise noch länger dauern. Die Werke produzierten täglich falls zugegangen ist. Der Referent bemerkt hierzu, daß er jeder 2000 Tonnen Schienen; doch annullierten mehrere Eisenbahngefell- Beit bereit fei, vor Gericht den Beweis für die schaften verschiedene Aufträge. Behauptungen anzutreten, die hier als Vereiner Prüfung unterzogen werden sollen. " nahmen bieten." Mit der Frage, ob dann, wenn die Krise der amerikanischen Leumdungen des Vorwärts" bezeichnet werden. Ferner Eisenindustrie sich weiter ausdehnt, die amerikanischen Werke im sei festgestellt, daß bei der Firma, die angeblich am Sonnabend stande sein werden, auf dem europäischen und speciell dem englischen 80 Arbeiter entlassen haben soll, bis Montag Markt zu konkurrieren, beschäftigt sich in längeren Ausführungen die nur 33 entlassen worden waren; die übrigen würden jetzt Köln. Volksztg." Sie meint: wahrscheinlich selbst die Arbeit niederlegen. Die Thatsache, daß ver„ Auch bei der Umwandlung von Eisen und Stahl schiedene Firmen Ausgesperrte wieder eingestellt haben, beteise find die amerikanischen Hersteller im Vorteil. Kohlen usw. sind in schon, daß die jetzt gefaßte Resolution eitel Dunst sci. Als Firmen, Deutfches Reich. Eine entscheidende Wendung und An die Arbeiterschaft von Crimmitschau und Umgebung! Die beim hiesigen Stadtrat und bei den Mitgliedern des Spinner- und Fabrikantenvereins eingegangenen Anerbietungen Arbeitswilliger veranlassen uns, Ermittelungen anzustellen, ob eine zur Wiederaufnahme aller Betriebe genügende Anzahl Arbeitss williger vorhanden ist. Es werden deshalb alle diejenigen, welche die Arbeit wieder aufnehmen wollen, hierdurch aufgefordert, sich bei ihrem früheren Arbeitgeber bis Montag. den 19. Oktober d. J. abends zu melden. Die Meldungen sollen brieflich erfolgen und verpflichten sich alle Arbeitgeber, die Namen der sich meldenden Personen streng geheim zu halten, um niemand der Gefahr des Verlustes der Streifunterstügung auszusetzen. Den Arbeitswilligen wird von den Behörden und den Arbeitgebern der weitgehendste Schuß gewährt werden. Die Fabriken sollen, wenn nur irgend möglich, und auch dann eröffnet werden, wenn nur ein teilweises Arbeiten in allen Abteilungen aller Fabriken durchführbar sein würde. Ist die Wiederinbetriebsegung aller Fabriken einmal möglich geworden, so wird auch weiter gearbeitet werden. Die Arbeitswilligen hätten dann keine Wiederentlassung zu befürchten. Crimmitschau, den 17. Oktober 1903. Der Verband von Arbeitgebern der sächsischen Textilindustrie Ortsgruppe Crimmitschau und Umgebung. Lucas Schmidt, Vorsitzender. fa denselben fogar den Gebrauch wissenschaftlich als wertvoll er-[ mehr vorhanden. Unser Berliner Lokalblatt suchte sich so gut es ging kannter hervorragender Kurmittel und von Autoritäten anerkannter, in die neuen Verhältnisse zu fügen. Die letzten Nummern der in Klinik und Praxis durch tausendfältige Erfahrungen bewährter Freien Presse" enthielten in beträchtlichem Umfange Betrachtungen Medikamente, die der Arzt zur raschen Heilung seiner Kranken als theoretischer Natur oder Artikel über Fragen, die außerhalb des Genötig erachtet, direkt untersagt, bieten einen bemerkenswerten bietes der Tagespolitik standen. Daneben wurden VerhaltungsBeweis mindestens sehr einseitiger Auffassung der Bekämpfung der Tuberkulose zum Zwecke der Volkswohlfahrt. Man scheint in der maßregeln für die kommenden Zeiten veröffentlicht, so z. B. die That an bestimmten Stellen immer mehr Neigung zu verspüren, auch gesetzlichen Bestimmungen, die bei Haussuchungen in Betracht aus den sich freier Forschung hingebenden wissenschaftlich vorwärts kommen. In der Nummer vom 20. Oktober, also einen Tag vor strebenden Badeärzten bureaukratisch zu zügelnde folgsame Heil- Annahme des Socialistengesezes, erschien ein Aufruf:„ An die maschinisten züchten zu wollen. Bei einer kontinuierlichen Be- Abonnenten der„ Berliner Freien Presse", worin es hieß: schneidung naturwissenschaftlichen Denkens und auf Erfahrung gestützten ärztlichen Handelns würde man unter Umständen die Behandlung der kranken Arbeiter auch irgend einem Heilgehilfen oder gefügigen Sekretär anvertrauen können. möchten aber die öffentliche Aufmerksamkeit auf sie lenken. Wir können die Berechtigung dieser Klagen nicht nachprüfen, Die Ausgesperrten haben darauf mit mehreren Flugblättern geantwortet und es als eine elende Feigheit bezeichnet, wenn man jetzt ohne Lösung der Zehnstundenfrage an die Arbeit ginge. Für den Montag waren fünf Textilarbeiter Versammlungen einberufen, welche sich mit der neuen Situation beschäftigten. Die Versammlungen waren völlig überfüllt. Die Genossen Goldstein, Seeger, Grenz, Reinhold und Wagner waren herbeigeeilt, um die Textilarbeiter zum Ausharren im gegenwärtigen Gegen den Alkoholmißbrauch der Brauerei- Arbeiter. Augenblick zu begeistern. Die Stimmung in den Versammlungen Arbeiter in den Brauereien bemühen sich schon längst um die Abwar großartig. Mit Entrüstung wurde die Zumutung der Fabri- lösung des sogenannten Freitrunks durch Geldlöhnung. In diesem fanten zurückgewiesen und einstimmig die folgende Resolution an- Bestreben kommt ihnen jezt der württembergische Landesverband des genommen: Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke zu Hilfe. Er hat an sämtliche württembergischen Brauereien dieses Schreiben gerichtet: Die Versammlung erblickt in dem Vorgehen der Fabrikanten den letzten Versuch, die Arbeiter zur bedingungslosen Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Das Interesse und die Ehre der Arbeiterschaft erfordert entschiedene Abwehr dieses Versuchs. Es ist deshalb Pflicht der ohne Grund aufs Pflaster geworfenen Textilarbeiterschaft, auch für die Zukunft unentivegt in dem aufgezwungenen Kampf auszuharren. Die Versammlung weist weit von sich, jene, den Arbeitern von den Fabrikanten zugedachte, alles moralische Empfinden tief verlegende Rolle der Verräterei zu übernehmen. Das Versprechen der Geheimhaltung des Verrats muß der Arbeiterschaft zeigen, welche niedrige Meinung man von der Arbeiterschaft in den Kreisen der Urheber der veröffentlichten Aufforderung hat. Jeder Arbeiter, jede Arbeiterin, welcher die persönliche Ehre höher steht als das Wohlwollen der Fabrikanten, wird es deshalb als Ehrensache betrachten, vereint mit den übrigen Arbeitsbrüdern und -Schwestern den Kampf fortzusetzen bis ans Ende. Die Versammlung erblickt in dieser gegenwärtigen Phase eine entscheidende Wende des Kampfes und verspricht in diesem entscheidenden Augenblick treu der Parole des Verbandes zu folgen und die Wiederaufnahme der Arbeit zu den alten Bedingungen abzulehnen. Das Schreiben von Briefen an die Fabrikanten ist als Verrat zu betrachten und deshalb zu unterlassen. Es kommt nun in diesem entscheidenden Augenblicke darauf an, daß die kämpfenden Textilarbeiter in Crimmitschau von der Arbeiterschaft Deutschlands in ausreichender Weise unterstützt werden, um zu verhindern, daß noch im letzten Augenblicke der Hunger sie in die Fabriken hineinzwingt! Arbeiter! Gedenkt der Wackeren in Crimmitschau, die seit neun Wochen unerschrocken im Kampfe gegen das Unternehmertum stehen! Husland. Die Gipser in Zürich streiken um einen minimalen StundenLohn von 60 Cents und zweijährige Festlegung des Tarifs. Die Unternehmer wollen den Minimallohn in der Regel" zahlen, ein Seitenstück zu dem„ Normallohn" der Genfer Bauunternehmer. Sociales. Die " Sehr geehrter Herr! Da auf Grund zahlreicher und einwandfreier Beobachtungen der Stand der in Brauereien beschäftigten Arbeiter ungemein große Erkrankungs- und namentlich Sterblichkeitsziffern aufweist, so erlaube ich mir im Namen des Württembergischen Landesverbandes des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke Sie zunächst auf diese Ihnen vielleicht nicht genügend bekannte, aber gerade für Sie höchst bedeutsame Thatsache hinzuweisen, und, falls auch Sie ähnliche Beobachtungen gemacht haben sollten, Sie zu bitten, mit uns auf ihre Beseitigung hinzuwirken. Nach der Ansicht aller Sachverständigen sind nämlich gewisse Erkrankungen und der frühe Tod vieler in Brauereien beschäftigter Arbeiter durch den mißbräuchlichen Genuß von oft geradezu unglaublichen Mengen alkoholischer Getränke bedingt. Dieser Miß brauch aber wird entschieden gefördert, wenn nicht wesentlich bedingt durch den sogenannten Freitrunk und durch die teilweise Auszahlung der Arbeiter mit Biermarken. Wenn diese Behauptungen, woran nicht zu zweifeln ist, zu treffend sind, so liegt ihre Abstellung selbstverständlich in erster Linie in Ihrem eignen, dann aber auch im allgemeinen Interesse, und ich erlaube mir daher im Namen obigen Verbandes, folgende Bitten an Sie zu richten: 1. Es mögen den Angestellten des Morgens passende warme Speisen( wir nennen nahrhafte Suppen, Milchkaffee u. dergl.) ge= reicht beziv. zugänglich gemacht werden. 2. Es mögen für die Biermarken in bestimmtem Betrage Speisen verabfolgt werden. 3. Es möge die vollkommene Ablösung der Biermarken durch Geld in eingehende Erwägung gezogen werden." Es ist sowohl im Intereffe der socialen Lage der BrauereiArbeiter wie im Interesse ihrer Gesundheit zu wünschen, daß diese Bestrebungen Erfolg haben. Krankenkassen und Aerzte. Wie anderwärts, haben auch die Stassenärzte in Hof erhöhte Honoraransprüche erhoben. Sie wollen vom 1. Januar an von allen Fabrikkassen per Kopf der ledigen Mit glieder 3 Mark und per Kopf der verheirateten 6 Mark Bauschale neben Extrabezahlung für chirurgische und geburtshilfliche Leistungen, sowie für auswärtige Besuche. Die Kassen haben sich noch nicht geäußert. Nicht kann es unsere Absicht sein, nunmehr die Flinte ins Korn zu werfen, es dem blinden Zufall oder den demagogischen Umtrieben gewisser Hofprediger zu überlassen, wer in Zukunft die Führung des vierten Standes übernehmen soll. Eine gründliche Verbesserung des Loses der Arbeiterklasse kann nur durch die unausgesetzte Thätigkeit der Arbeiter selbst herbeigeführt werden. Wenn es uns auch nicht möglich sein wird, für die Umgestaltung der kapitalistischen Produktionsweise im demokratischen Sinne zu wirken, so ist es doch durch das Ausnahmegesetz nicht verboten, für die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts zu den Kommunal- und Landtagswahlen zu wirken. Vereine, in denen socialdemokratische, socialistische oder kommunistische Bestrebungen zu Tage treten, sind nach dem Ausnahmegesetz zu verbieten und deren Mitglieder zu bestrafen, nirgends ist jedoch die Agitation für freies Vereins- oder Versammlungsrecht als ein Verstoß gegen die gesetzlichen Bestimmungen bezeichnet. Dasselbe gilt von der Presse. Die Preßfreiheit soll nach den Ausführungen der nationalliberalen Redner im Reichstage erhalten bleiben. Zeigen wir unsren Gegnern, daß wir auch im Rahmen des Ausnahmegesetzes noch im stande sind, die Wahrheit sagen zu können. Es wird sich ja bald herausstellen, ob die Urheber des Gesetzes, durch den Erfolg ermutigt, hinausgreifen in die übrig gebliebenen Reste unsrer politischen Rechte, um auch diese zu vernichten. Das deutsche Volf mag dann entscheiden, wo die Untergraber des Staates zu suchen sind. Es wird dann in dem Aufruf das Programm aufgezählt, das die„ Freie Presse" sich unter dem Ausnahmegesetz zur Richtschnur nehmen wollte. Das Augenmerk sollte auf den Ausbau der Volksschule, der Gewerbegesetzgebung und besonders auf die kommunalen Angelegenheiten gelenkt werden. Die Veröffentlichung schloß mit den Worten: Die Wahrheit wird sich durchbohren und trotz aller entgegenstehenden Hindernisse wird der Tag kommen, an dem Freiheit und Gerechtigkeit ihre Triumphe feiern. Am Dienstag, 22. Oftober, veröffentlichte die" Freie Presse" die Bekanntmachung des socialdemokratischen Central- Wahlkomitees zu Hamburg, worin dieses anzeigte, daß es sich bei der Behörde abgemeldet habe und folglich der Reſt einer centralistischen ParteiOrganisation in Deutschland verschwunden sei. Unterzeichnet war die Veröffentlichung von Hartmann, Brasch, Derossi und Geib. Weiter ist aus dieser Nummer ein Bericht über eine Versammlung des Vereins zur Wahrung der werkthätigen Interessen der Bevölkerung Berlins erwähnenswert, die abgehalten war, damit der Verein sein Programm dem Socialistengefez anpassen könne. In dieser Versammlung wurde unter andern der Beschluß gefaßt, in die Agitation zu den Kommunalwahlen einzutreten. Am Mittwoch, 24. Oktober, erschien die letzte Nummer des Blattes. Sie brachte die Mitteilung, daß der Reichs- Anzeiger" am Abend vorher das Socialistengesez publiziert habe, das " Dresdener Berliner Partei- Angelegenheiten. fomit am 28. Oktober, nachmittags 4 Uhr in Geltung getreten fei. Parteigenossen! Aus dem Geschäftsbetriebe der Musterkrankenkassen. Wegen Beleidigung einer Musterkrankenkasse, der Krankenversicherungskasse" stand wieder einmal ein Redakteur vor Gericht. Der Genosse Feldmann in Langen bielau, Redakteur des„ Proletarier aus dem Eulengebirge", hatte die genannte Kasse, mit der sich im Anfang dieses Jahres ein großer Heute sind es 25 Jahre, daß das„ Gesetz gegen die gemeinTeil der Presse beschäftigte, kritisch beleuchtet und sie als Schwindel- gefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie" in Kraft trat. Jenes tasse und ihr Gebahren als Gaunerindustrie bezeichnet. In der Ver- Schandgesez, bestimmt, die aufstrebende proletarische Bewegung zu handlung vor der Strafkammer in Schweidnih, vor die der Staats erdrosseln. Es hat allerdings das Gegenteil von dem bewirkt, was es anwalt auf Antrag des sich beleidigt fühlenden Kassenvorstandes die bewirken sollte. Die Socialdemokratie hat seine Urheber überdauert Sache gebracht hatte, führte Feldmann einen umfangreichen Beweis. und steht heute trotz allen Verfolgungen stärker denn je auf dem Er hatte vom Stadtrat in Dresden die Auskunft eingeholt, daß gegen Plan. Diesem Tage sind am heutigen Mittwoch 14 Volksversammdie Kaffe in einem Vierteljahr sieben Ermittelungsverfahren anhängig waren, weil sie unter nichtigen Vorwänden Mitgliedern das Kranken- lungen gewidmet, in denen die Erinnerungen an die socialistengesetzgeld verweigert hatte. Der amtliche Kontrolleur der Stranfenfassen liche Zeit aufgefrischt werden sollen. Es wird gebeten für zahlreichen in Dresden hat bekundet, daß die Kasse im Jahre 1902 85 Prozent Besuch Sorge zu tragen. ihrer Einnahmen für Verwaltungsausgaben verbraucht hatte, davon 78 Prozent für persönliche Ausgaben. Auch bei der Polizei in Langenbielau sind nach amtlicher Auskunft viele Beschwerden über die Kasse eingegangen. Ein als Zeuge und Sachverständiger vernommener Arzt in Langenbielan sagte, es sei die höchste Zeit gewesen, daß gegen die Kasse öffentlich vorgegangen wurde. Auf Grund dieser Beweisaufnahme billigte das Gericht dem Angeklagten für die objektiv beleidigenden Ausdrücke den Schutz des § 193 zu und sprach ihn frei. Noch einige Beleidigungsklagen solcher Musterkassen, die sich getvisse Mängel des Hilfskassen- Gesetzes zu Nuze machen, dürften zur Aufklärung der Oeffentlichkeit erheblich beitragen. Es wird auch versucht werden müssen, ihnen auf gesetzlichem Wege beizukommen. Den Genossinnen und Genossen diene zur Nachricht, daß am Mittwoch, den 28. Oktober im Lokale des Herrn Thiel eine öffentliche Versammlung stattfindet. Näheres siehe Annonce am Sonntag. Die Vertrauensperson. Schöneberg. Heute, Mittwochabend, findet bei Obst, Meiningerstraße 8, eine Volts Versammlung zur Erinnerung an das vor 25 Jahren in Kraft getretene Socialistengesetz statt. Tagesordnung:„ Nach 25 Jahren". Referent: August Bebel. Straße 122 eine öffentliche Versammlung statt. Genosse Weißensee. Heute abend 81%, Uhr findet im„ Prälaten", LehderAlbrecht Fülle spricht über:„ Erinnerungen an 1878." Zahl reichen Besuch erivartet Der Vertrauensmann. Rummelsburg- Boghagen. Heute, Mittwoch, abends 8 Uhr, Bersammlung im Lokal von Weigel, Türrschmidtstr. 45. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersuchi.( Siehe Annonce in heutiger Nummer.) Auf der letzten Seite der Beilage befand sich folgender von Karl Anders, August Baumann, Otto Fischer und Wilhelm Körner unterzeichneter Aufruf: An die Gesinnungsgenossen in Berlin. Immer näher rückt die Stunde heran, in der durch das Ausnahmegesetz gegen die Socialdemokratie alle die Bestrebungen, denen wir bis jetzt im Interesse der leidenden Menschheit huldigten, tödlich getroffen werden sollen; immer größer werden die Ges fahren, denen die als Socialdemokraten bekannten Genossen ausgesetzt sind. Jetzt schon fizzen nicht weniger als vier unsrer Freunde in der Villa am Bößensee, einer in der Stadtvogtei, und drei sind gegen Kaution vorläufig aus der Untersuchungshaft entlassen; gegen mehrere andre Genoffen sind überdies noch politische Prozesse int Gange, welche ebenfalls zu längeren Freiheitsstrafen führen dürften. Das ist vor dem Ausnahmegesez. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes sind alle Arbeitervereinigungen, ist die gesamte freisinnige Preffe auf das äußerste gefährdet. Es bleibt also nur die Privatthätigkeit, die Privathilfe für die Märtyrer einer freien, selbständigen Ueberzeugung. Freunde, vergeßt die leidenden und unglücklichen Familien unsrer im Kampfe für die gerechte Sache der Arbeit verfolgten Brüder nicht! Die Am selben Tage noch wurde die„ Berliner Freie Preffe" ver boten. Die Polizei hatte mit diesem Schlage die Ersparnisse zahlreicher Arbeiter vernichtet, die Associations- Druckerei, in der das Gemeinnüßiger Bauverein und Umsatzsteuer. Ju Misburg war der gemeinnützige Bauverein mit 1164 M. zur Umsatzsteuer heranParteiblatt hergestellt wurde, mußte liquidieren und die Anteile der gezogen worden, nachdem er in der Gemeinde verschiedene GrundGenossenschafter gingen verloren. Denn alle Bestrebungen, die ftüde erworben hatte. Auf seinen Antrag beschloß der GemeindeDruckerei in Thätigkeit zu halten, mißlangen. Der Versuch, ein farbloses Blatt, die„ Berliner Tagespost", herzustellen, wurde an ausschuß( Gemeindevertretung), ihm mit Rücksicht auf seine gemein nügigen vede die Summe zurüdzuerstatten, auf den Steuer- Brit. Ueber die bevorstehende Landtagswahl spricht dem Redakteur und dem Verleger schlimm gefühnt; in einem anspruch zu verzichten. Der Gemeindevorsteher beanstandete Genosse 3 u beil Donnerstagabend 8 Uhr in Püschels Saal, Prozeßverfahren verurteilten die Richter beide wegen Fortsetzung demnächst diesen Beschluß als gesetzwidrig, worauf der Chausseestr. 97. einer verbotenen Zeitschrift zu je 500 Mark Geldstrafe. Gemeindeausschuß gegen ihn im Berwaltungsstreit= Verfahren flagte und die Außerkraftsetzung der Beanstandung Stralau. Sonntagnachmittag 1½ Uhr findet im Lokal„ Alte dann erschienenen Berliner Nachrichten" wurden als Fortseßung Taverne", Alt- Stralau 26, eine öffentliche Wähler des verbotenen Blattes in der Frühe konfisziert; nach diesen Gewaltverlangte. Die Klage wurde jedoch in erster und zweiter Instanz abgewiesen. Der Bezirksausschuß führte be- bersammlung statt. Tagesordnung: Auf zur Landtagswahl! thaten blieb kein Zweifel mehr, daß die Polizei ein von Socialgründend aus: Es sei ein allgemeiner Rechtsgrundsay, daß eine Referent Reichstags- Abgeordneter Stadthagen. Ferner folgt: demokraten für Socialdemokraten geschriebenes Blatt unter keinen Verzichtleistung auf Steuern unzulässig sei, wo keine gesetzliche Er- Aufstellung der Wahlmänner. Die Genossen werden ersucht, für Umständen dulden werde. mächtigung dazu bestehe. Eine solche fehle hier, denn die Umsatz- regen Besuch dieser Versammlung zu agitieren. steuer- Ordnung von Misburg enthalte keine Vorschrift, wonach die Zoffen. Am Mittwochabend 8 Uhr bei Nüffer findet die GeneralUmsatzsteuer der gemeinnügigen Baugesellschaft hätte erlassen versammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht werden können. Der Steuererlaß sei un statthaft, wenn er hier unter andrem: Bericht des Vorstandes und Kassierers. Es wird zahlauch billig und zweckmäßig wäre wegen der gemeinnüßigen Zwecke reiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder erwartet. des Bauvereins. Der Gemeinde- Ausschuß legte Revision ein und das Ober- Vertvaltungsgericht hob die Vorentscheidungen auf und fezte die Anfechtungsverfügung des Gemeindeborstehers außer Kraft. Die Steuer darf also zurückgezahlt werden. Lokales. Am Vorabend der Schande. Mittlerweile war außer allen Gewerkschaftsblättern auch die ges famte Broschüren- Litteratur der Socialdemokratie verboten worden. Ebenso eine Reihe Arbeitervereine. Das erste vom Polizeipräsidium erlassene Verzeichnis verbotener Schriften enthielt 33 Nummern, an deren Spizze in einem Anfall von Selbstironie Leopold Jacobys Gedichtsammlung„ Es werde Licht" gestellt war. Das Polizeipräsidium hatte recht. Die Nacht war über Deutschland hereingebrochen. " " " Herr Hermann Sudermann wehrt sich im" Tag" gegen die Angriffe, die von liberaler Seite gegen sein neuestes Drama Landesversicherungs Anstalten und Tuberkulosebekämpfung. Als es feststand, daß das Socialistengesetz vom Reichstag an„ Sokrates, der Sturmgesell", geführt worden sind. Das Stück verDie Bekämpfung der Tuberkulofe als Volfsseuche ist zur Zeit Hygieniter wie Gesetzgeber widmen ihr die größte Aufmerksamkeit sich in die neuen Verhältnisse einzurichten. Allerdings war die Frage, vorübergegangen sind, und dieser Spott hat dem Dichter in der eine Frage von allgemeinſtem Interesse. Socialpolitiker, Aerzte und genommen würde, da hatten die führenden Parteigenossen die Pflicht, spottet jene Achtundvierziger, die sich im Alter an hohlen Phrasen gesättigt haben und an den Ideen neuerer Zeit verständnislos und in anerkennenswerter Weise nehmen sich auch die Landesver- wie das geschehen solle, um so schwerer zu beantworten, als niemand Voff. Ztg." den Vorwurf des Renegatentums eingetragen. In sicherungs- Anstalten der Sache an. Unter diesen Umständen verdient sich über die Wirkung des Socialiſtengesetzes ein Urteil zu bilden seiner Abwehr hiergegen sagt Sudermann: die Klage eines Badearztes in Bad Lippspringe, Dr. med. Rohden, vermochte. Einig waren die Parteigenossen sich nur darin, daß das Was ich in meiner Komödie„ Der Sturmgeselle Sokrates" Beachtung, die er über bureaukratische, der Krankenbehandlung Gesetz nicht loyal, wie die Lasker und Stauffenberg und andre seiner einem nachdenklichen Lachen preisgebe, ist, wie sich von selbst vers hinderliche Einschränkungen durch Landesversicherungs- Anstalten er parlamentarischen Väter versicherten, sondern mit äußerster Schärfe steht, nicht die Demokratie, die den Reichsgedanken schuf, die unsre hebt. Er schreibt, wie wir einem Artikel der Bielefelder„ Volkswacht" angewendet würde. Es war kein Zweifel, daß man sich auf Staatsverfassung und unfre spärlichen Freiheiten erzwang, sondern entnehmen, in dem Lippspringer Badeblatte: " Der Arzt behandelt keine Strankheiten, sondern Kranke. Schriftenverbote und Vereinsauflösungen einrichten müsse und der Niedergang und die Auflösung der Demokratie. Hieraus geht für den Arzt, welcher einen Schwindsüchtigen mit be so wurden denn von den Parteigenossen das mit der Expedition der wie die siebziger Jahre sie mit sich brachten, jene Entartungs- und Umwandlungsprozesse, die unter der erdrückenden Uebermacht gründeter Aussicht auf Erfolg behandeln will, das Erfordernis voll-" Berliner Freien Presse" verbundene Schriftenlager in den ständiger Freiheit in seinem Handeln, besonders in Bezug auf Dauer letzten Zeiten so ziemlich ausgekauft. Braces Broschüre„ Nieder mit Bismärdischer Ideen und Erfolge in den Gemütern sich vollzogen im einzelnen von vielfältiger Form in ihrer Geder Kur und Wahl der ihm passend erscheinenden Mittel hervor. den Socialdemokraten" fand in wenigen Monaten einen Absatz samtheit einen Zusammenbruch darstellen, dem sich an Tragik vielEinengungen, wie man von seiten einiger Landesversicherungs- von über hunderttausend Exemplaren und von den meisten Lassalle- leicht nur das Ausgemerztwerden des heutigen Freisinns aus dem Anstalten Lippspringer Aerzten in der Wahl der Sturmittel auferlegt, schen Broschüren war bei der Publikation des Gesetzes kein Egenplaran sich freisinnig gearteten Boltsbewußtsein an die Seite und die Weiter schildert Sudermann die Petrefakten von Achtundbierzig: den Odem neuer Zeiten mich umwehen. " Aus den seelischen Kämpfen und Erschütterungen jener heißblütigen Jugendzeiten ist mein Stück entstanden, das ich lange traurig- luftige Helden ich nun gegen Verkennung und Verlästerung Jahre mit mir herumtrug, ehe ich es niederschrieb, und dessen in Schuh nehmen muß." " ftellen läßt. Wie aber fonnte es geschehen, daß, wenn ich Ets| leeren Alexander- Ufer vor Nr. 2 die jungen Leute über den wehr- 1 follen. Das Heim steht, im Gegenfah zu Vereinshäusern, jebem eignisse von tragischem Werte als Material aufschöpfte, sich unter lofen Kellner her, warfen ihn zu Boden, mißhandelten ihn und be- Studierenden der Königl. Technischen Hochschule ohne weiteres offen, meinen Händen Vorgänge von drastischer Komik daraus entwickelten? raubten ihn seiner Barschaft in Höhe von 200 M. Dann entfernten aber auch wiederum nur diesen und deren Gästen. Hervorgegangen Weil die höchste Tragit, die ein Menschendasein kennt, der Nieder- fie fich schleunigst und überließen den betrunkenen Mann seinem ist das Unternehmen aus der ja schon durch andre sociale Eingang zum Banalen sich immer in komischen Formen abspielt." Schicksal. richtungen bekannten Charlottenburger Wildenschaft( Organisation Gegen die Theatervereine ergreift die Polizei immer strengere der weitaus größte Teil des Kapitals stammt aus der Studentenschaft. der nichtinkorporierten Studierenden). Die Verwaltung als auch„ Und während draußen auf den Märkten, in den Zeitungen Maßregeln. Es wird von einem Vorfall berichtet, der sich in der Man hofft, daß dieses erste studentische Unternehmen dieser Art in und von den Kathedern her der Rausch des Bismärkischen Liberalismus Nacht zum Montag in den neuen Musiker- Vereins- Festsälen in der Deutschland Erfolg hat und von der Studentenschaft selbst recht stark jubelte, dem bereits nach einem Lustrum der Kazenjammer folgen Kaiser Wilhelmstraße 18 ereignet hat und der erkennen läßt, daß frequentiert wird, damit es nicht nur selbst immer weiter ausgebaut sollte, tranten sie weiter ihr Bier, hielten Brandreden, tigelten die die Polizei selbst vor dem äußersten nicht zurückschreckt in dem werden kann, sondern in allen Hochschulstädten Deutschlands auch Kellnerin und verfimpelten mehr und mehr. Wie sie dabingingen, Kampfe gegen angebliche Auswüchse im Theatervereinsleben. In Nachahmung findet. wie diejenigen aussehen, die heute, ein Wierteljahrhundert später, den genannten Festfälen veranstaltete am Sonntagabend ein Theaterauf denselben Bänken sißen, ich weiß es nicht. verein Wallenstein" ein Vereinsvergnügen, das durch eine Theater„ Aber schon tauchte ein Bote fünftiger Stürme in dem welt- vorstellung eingeleitet wurde. In Pankow ist gestern nachmittag im Amtsbureau eingebrochen fremden Neste auf. Ein Socialist das Wort Hlang seltsam Gästen erschienen, die durch Mitglieder des Vereins eingeführt übt worden sein, wenigstens wurde der Diebstahl schon kurz nach Es war eine große Anzahl von worden. Die That muß bald nach Schluß der Bureaustunden ver und vielverheißend in unsre heilsbegierigen, jungen Ohren mit waren. Während der Vorstellung erschien ein Herr an der Kontrolle vier Uhr bemerkt. Wie es heißt, haben die Diebe die Portokaffe geleert; Namen Lampe er hieß Lampe wie in meinem Stück hielt und verlangte eine Eintrittskarte gegen Bezahlung. Er wurde übelberufene Versammlungen ab, und dort, inmitten schmieriger darauf aufmerksam gemacht, daß Billets an Fremde nicht weitere Gelder scheinen nicht abhanden gekommen zu sein. Die tecke Stittel und kachektischer Gesichter fühlte ich andächtig zum erstenmal verkauft würden, würden, er möge sich aber, went er als Gast Diebesthat ist um so unerklärlicher als die Kassenzimmer im Amtsan dem Vergnügen teilnehmen wolle, an die Garderoben- bureau mit einem selbstthätigen Alarmapparat versehen sind. frau wenden, an die zu diesem Zweck einige Eintrittstarten abgegeben worden seien. Von dieser erhielt der Herr Der Prozeß wegen des Zusammenbruchs des Bankhauses Burgfalls erlegten Betrag von 30 Pf. bezahlte. Die Vorstellung war be- Montag bei der Eröffnung der Schwurgerichtsperiode seine Schatten auch eine Einlaßkarte, für die er den von allen andern Gästen gleich- halter in Potsdam, welcher am 29. Oktober vor dem Potsdamer Schwurgericht beginnt und drei Tage dauert, warf bereits am endet und der Tanz hatte kaum begonnen, als ein Polizeilieutenant mit vier uniformierten Schuyleuten und dem vorerwähnten Herrn voraus. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Barchewiß, forderte Gefahren für die Religion. In Berlin tagt gegenwärtig die in Civil, einem Kriminalbeamten, im Saal erschien, die Ver- nämlich diejenigen Geschworenen, welche durch den betrügerischen fünfte ordentliche Generalsynode. Wer noch nicht weiß, anstaltung wegen des einen an den Beamten verkauften Billets als Bankrott des durch Gift aus dem Leben geschiedenen daß die Herren von der Kirche den neuen Dingen, die sich im socialen eine öffentliche erklärte, die er inhibieren müsse. Die Beamten Bankiers Burghalter geschädigt sind, auf, sich zu melden, weil sie als Leben vorbereiten, hilflos und verständnislos gegenüberstehen, der räumten den Saal trotz des erhobenen Protestes und, wie von den Geschworene bei der Verhandlung gegen den Prokuristen Wilhelm betrachte sich folgenden vom Grafen Hohenthal- Döllau bei Beteiligten behauptet wird, in einer Form, wie sie sonst einer an- Gladow, welcher der Beihilfe zu dem betrügerischen Bankerott anMerseburg gestellten Antrag, der die Bekämpfung der von ständigen Gesellschaft gegenüber nicht angewendet zu werden pflegt. geklagt ist, nicht mitwirken können und deshalb das Gericht darauf der Socialdemokratie drohenden Gefahren zum Von dem Vereinsvorstande ist zunächst an die höheren Instanzen bedacht sein müßte, eventuell Hilfsgeschworene einzuberufen. Etwas Biele und etwa folgenden Inhalt hat: Im Hinblick auf Beschwerde gerichtet worden. zögernd meldeten sich hierauf drei Geschworene. Wie groß das fortschreitende Anwachsen der Socialdemokratie und den aber die Zahl der durch den gewiffenlosen Bankier geschädigten damit verbundenen Abfall der Massen von der Kirche erkennt die Ein großer Brand, der anscheinend auf eine Benzinerplosion Personen ist, geht aus dem Umstand hervor, daß sich schon längere Generalsynode die Notwendigkeit an, von neuem in Beratung der zurückzuführen ist, wütete gestern nachmittag in der Niederwallstr. 33 Beit täglich berartige Leidtragende" um Einlaßkarten zur VerMaßnahmen zu treten, welche vom evangelisch- kirchlichen Standpunkte in der Kurbelstickerei und Bosamentenfabrik von W. Schmidt. Die handlung bewerben. Die Gesuche tönnen nicht berücksichtigt werden, geeignet erscheinen, den von der Socialdemokratie drohenden Ge- im dritten Stock belegenen Arbeits- und Lagerräume brannten total da nur 60 Karten ausgegeben werden, über welche bereits verfügt fahren entgegen zu treten. Als geeignete Mittel bringt der Antrag aus, so daß der verursachte Schaden recht beträchtlich ist. Glücklicher- ist. Es hat sich herausgestellt, daß der hochangesehene Bankier in Vorschlag: 1. Verstärkung der seelsorgerischen Kräfte in den weise sind jedoch keine Personen verlegt worden. Gegen 2 Uhr be- Burghalter schon seit 1873 mit den ihm anvertrauten Depots arbeitete. Großstädten und den großen Industriebezirken: 2. Förderung fanden sich etwa 25 Arbeiterinnen in dem Arbeitssaale und in dem der Stadtmiffionen, sowie Bestellung anderweiter Helfer für angrenzenden Comptoir. Blöglich gab es im Nebensaale einen Abteilung am 23. und 24. November von 11 Uhr vormittags bis Die Stadtverordnetenwahlen in Potsdam finden für die dritte die Geistlichen an den besonders bedrohten Punkten zur heftigen Knall. Fensterscheiben flogen auf die Straße und große 8 Uhr abends, für die zweite Abteilung am 26. November bon 10 Unterstützung der seelsorgerischen Thätigkeit. 3. Organisation Stichflammen schlugen heraus. Alle Personen stürzten in wilder bis 3 Uhr und für die erste Abteilung am 28. November von 11 bis von Wandervorträgen durch besonders befähigte vorgebildete Hast ins Freie. Das Feuer griff mit unheimlicher Schnelligkeit um 11 Uhr statt. Die Angst vor der Socialdemokratie hat sämtliche Männer geistlichen und weltlichen Standes; 4. Schaffung von Ein- sich. Kartons, Stickereien und Posamenten gaben ihm Nahrung, und bürgerlichen Vereine veranlaßt, sich zusammenzuschließen; unfre richtungen, durch welche die theologischen Studierenden auf der als die infolge falscher Feuermeldung etwas spät eintreffende Wehr Parteigenossen werden daher einen heißen Kampf zu bestehen haben. Universität, die Kandidaten in den Seminarien und die in social anlangte, brannten bereits drei große Säle. Die Wehr ging bon worden. Vermischtes. " bewegten Städten und Landesteilen angestellten Geistlichen durch sofort von der Alten Leipzigerstraße wie auch von der Nieder- Bei der Vergebung städtischer Arbeiten in Potsdam find recht un Kurse in die notwendige Kenntnis der socialen Verhältnisse und wallstraße aus über Treppen und eine mechanische Leiter hinweg saubere Dinge entdeckt worden. Es handelte sich um eine RohrProbleme eingeführt werden; 5. Erweiterung der Thätigkeit auf dem mit mehreren Schlauchleitungen vor und brachte das Feuer bald zum leitung in der Berliner Vorstadt, welche an den Mindestfordernden Gebiete des evangelischen Preßwesens und der Kolportagelitteratur; Stehen. Ueber die Entstehungsursache des Brandes herrscht teine vergeben werden sollte. Unter den Bewerbern befand sich nun der 6. thunlichste Förderung der auf evangelisch- christlicher Grundlage volle Klarheit, da bei Ankunft der Wehr das Feuer schon zu weit Inhaber einer Firma, dessen Vater lange Jahre Stadtverordneter beruhenden socialen Vereinigungen zum Zwecke einer volkstümlichen vorgeschritten war und in jenem Saale, in dem zweifellos der Brand war und früher viele Straßenpflasterungen ausführte. Dieser christlichen und monarchischen Gegenbewegung gegen die Social- austam, augenblicklich sich feine Personen befanden. Es wird jedoch stellte nun 7 Personen, welche sich gleichfalls um die Arbeit Semokratie; 7.) Bereitstellung von landeskirchlichen Mitteln für die mit der Annahme einer Benzinerplosion gerechnet. In dem er bewarben Wechsel über je 500 Mart aus, die er ihnen unter 1-4 bezeichneten Zwede. wähnten Saale war ein eiserner Ofen angeheizt, und dessen Hize zahlen wollte, wenn er die Arbeit bekäme und sie ihm nicht durch Unser Programm erklärt bekanntlich die Religion zur Privat- soll Benzin, das zum Reinigen von Blusen diente, entzündet haben. Herabdrückung des Preises dazwischen tämen. Die städtischen Arbeiten fache und demzufolge hätten die Vertreter der Religion an sich keine Dußende von neuen Näh- und Stickmaschinen, große Posten wurden aber an einen andren Unternehmer bergeben, welcher StadtUrsache, sich über die Socialdemokratie den Kopf zu zerbrechen. Daß Posamenten und teure Stickereien sind durch die Flammen vernichtet verordneter ist und die enttäuschten Wechselempfänger hielten nun die Herren aber dennoch von Gefahren reden, die durch die Social- worden. nicht mehr reinen Mund, wodurch die Sache auch der städtischen Ver demokratie drohen sollen, beweist, daß sie sich nicht nur als Anhänger des Mannes fühlen, dessen Reich nicht von dieser Welt ist, sondern waltung bekannt wurde. In anerkennensiverter Weise hat man bei Zu dem Todesfall des Schlächtergesellen Auft aus der Char derfelben jetzt den Beschluß gefaßt, in Zukunft den panamamistischen die Religion, die sie vertreten, mit dem Bestand der heutigen Gesell- lottenburgerstraße 113 zu Neu- Weißensee, der am 13. d. M. infolge Unternehmer bei der Vergebung städtischer Arbeiten auszuschließen. schaftsordnung verquickt wähnen. Und indem sie der Meinung nach einer Messerstecherei um das Leben kam, wird berichtet, daß die hängen, daß sie diese nun einmal dem Untergang gewählte Ordnung 21 Jahre alte Arbeiter Paul M. und der 22 Jahre alte Hausdiener beiden Thäter nunmehr ermittelt werden konnten. Es sind der zu stützen haben, bringen sie ihre Religion bei allen denen in Mißkredit, die von der Notwendigkeit einer Umgestaltung der Dinge im Rudolf R., die beide in der Schönhauser Allee wohnen und noch socialistischen Sinne überzeugt find. Klüger wäre es daher gewesen, nicht bestraft find. Beide stellten bei ihrer verantwortlichen Verauf der Generalfynode über die Gefahren, die der Religion von nehmung den Gebrauch eines Messers in Abrede, wollen sich vielkirchlicher Seite drohen, zu reden. Es sei bemerkt, daß der Antrag mehr mir Schlüssel bedient haben. Sie haben ein Liebesverhältnis mehr nur Schlüssel bedient haben. Sie haben ein Liebesverhältnis Centralgefängnis in Halle berichtet die Saale- Zeitung" unterm Ueber den gemeldeten Ausbruch acht schwerer Verbrecher aus dem einer Kommission überwiesen wurde. mit zwei Schwestern und befanden sich auf dem Wege nach der 19. Oktober: In der Nacht zum Sonntag etwa zwischen 3 und 4 Uhr Wohnung der Mädchen, als sie mit den Schlächtern zufammen Bom Berliner Krankenkassenwesen. Die 55 Berliner Dets- gerieten. Sie schieben die Schuld den letzteren zu, von denen sie war unser hiesiges Centralgefängnis am Kirchthor der Schauplaz einer schweren Meuteret. Krankenkassen hatten im Jahre 1902 einen durchschnittlichen Bestand angerannt sein wollen. In ihrer Wohnung wurde zwar kein Messer Acht Strafgefangene, die ein Komplott 240 953 männlichen und 159 025 weiblichen, zusammen vorgefunden, das beweist aber umsoweniger etwas für fie, als bei geschmiedet hatten, rotteten sich zusammen, inebelten zwei Aufseher 399 978 Mitgliedern. Die 46 Betriebs-( Fabrik-) Krankenkaffen der gerichtsärztlichen Leichenöffnung als Todesurfache Stichberlegung und ergriffen die Flucht. Es handelte sich um eine besondere Abhatten durchschnittlich 79 635 und zwar 64 257 männliche und des Gehirns" festgestellt wurde. Nun soll allerdings noch eine teilung in der Anstalt, die neuerdings erst eingerichtet wurde, um 15 878 weibliche Mitglieder. Die Innungs- Krankenkassen, deren dritte Person bei der Schlägerei beteiligt gewesen sein, die ein Verbrecher, die irrfinnig find, auf ihren Geisteszustand zu untersuchen. Bahl 20 betrug, wiesen einen Durchschnittsbestand von 43 844 männ- Meffer benutzt habe. Ob das zutrifft, bedarf noch näherer Ermitte- Im hiesigen Centralgefängnis sind zur Zeit dreißig solcher lichen und 17 207 weiblichen( aufammen 61 051) Mitgliedern auf, lungen. Die beiden Genannten find von ihren Arbeitsstellen fort Individuen aus allen möglichen Landesteilen untergebracht worden; Auf die Gemeinde- Krankenversicherung entfielen nur 55( 21 männ- berhaftet und am Dienstag dem Untersuchungsgefängnis eingeliefert Herr Profeffor Aschaffenburg, der bekannte Irrenarzt, hat die liche und 34 weibliche) Bersicherte. Die sämtlichen, der Aufsicht der medizinische Leitung. In jenem Saal nun, wo die Meuterei entGetverbe- Deputation des Magistrats unterstellten Krankenkassen hatten stand, befanden sich zehn Sträflinge, fast durchweg schwere Jungen, demnach einen durchschnittlichen Bestand von zusammen 540 718 verbüßen haben. Zwei von ihnen lehnten eine Beteiligung an der von denen einzelne Zuchthausstrafen von 12, ja von 15 Jahren zu ( 349 074 männlichen, 191 644 tveiblichen) Mitgliedern. Revolte ab, wagten aber von dem schon langer Hand vorbereiteten Gestern nacht nun begann die Ausführung des Werkes. Einige der Anschlag nichts zu verraten, da ihre Genossen sie mit Totschlag bedrohten. Verbrecher beobachteten von dem Guckfenster aus den im Gange patrouillierenden Wärter, andre brachen Mauerwerk aus. Um 3 Uhr etwa durchſtießen die Sträflinge in einem günstigen Moment vollends die Wand, schlüpften hindurch und fielen über den Aufseher her. Der Beamte wurde zu Boden geworfen; ein Stück von einer dicken wollenen Decke preßten ihm die Schurken auf Mund und Nase und banden dann ein breites Halstuch, wie die Gefangenen es tragen, sorgfältig darüber. Dann schleppten sie den Unglücklichen, den sie an Händen und Füßen gefesselt, in eine leere Belle und schlossen ihn ein, nachdem sie ihm vorher nicht nur die Schlüssel abgenommen, fondern auch Portemonnaie, Messer und Uhr geraubt hatten. Danach drangen die Unholde in eine Wärterstube, wo der zur Ablösung Die städtische Gewerbe- Deputation hat das Ersuchen der Berliner bestimmte Hilfsaufseher auf dem Bett schlief. Auch er wurde ge= Tischler- Innung, die Benutzung der Schulräume in der Straßmanne fnebelt und ausgeplündert; selbst den Ring streiften sie ihm vom Finger straße zur Abhaltung von Meisterkursen zu gestatten, mit dem HinDer Berliner Lehrer- Gesangverein( Dir. Prof. Felix Schmidt) und nahmen ihm auch seine Kleidung fort. Mit den Schlüsseln weis abgelehnt, daß die Absicht bestehe, von seiten der Stadt zum veranstaltet am nächsten Sonntag, den 25. d. M., mittags 12 Uhr, öffneten sie verschiedene Thüren und gelangten auch zu dem Raume, April 1904 Meisterkurse einzurichten. Zu den Beratungen sollen sechs ein Volks- und Jugendkonzert im Cirkus Busch, den Herr in dem Leitern angeschlossen standen. Auf diesen setzten sie, ohne Mitglieder der Innung, die dem Kuratorium angehören, hinzu- Direttor W. Busch frei zur Verfügung gestellt hat. Die Hälfte der daß jemand in der Strafanstalt von dem Vorgange etwas bemerkt gezogen werden; auch die Handwerkskammer Berlin beabsichtigt Blastarten gelangt zur unentgeltlichen Verteilung an Kinder der hatte, nach dem Kirchthor über die Mauer und flüchteten. Die Wärter solche Kurse einzurichten. Oberklassen der Gemeindeschulen, während zur Deckung der Kosten verblieben geraume Zeit in ihrer entfeylichen hilflosen Lage; aufZu der zweiten deutschen National- Konferenz zu internationaler die übrigen zu niedrigsten Preisen( 0,20 bis 1 M.) verkauft werden. Schließlich gelang es dem zweiten der Ueberfallenen, sich etwas au zurichten und auf den in dem Thürrahmen angebrachten Knopf zur Bekämpfung des Mädchenhandels, die am 27. und 28. Oktober im Im Wissenschaftlichen Theater der Urania, Taubenstraße 48/49, elektrischen Klingel zu drücken, die nun laut durch die Gänge und Rathause stattfindet, liegen bereits so zahlreiche Meldungen sowohl wird der bekannte Südpolarforscher Carsten Borchgrevink aus korridore schallte und das Aufsichtspersonal alarmierte. Bei dem feitens der Provinzial- Komitees als auch aus Berlin vor, daß Teil- Christiania am Mittwoch, den 28. Oftober, einen einmaligen Licht einen der Beamten kam jedoch Hilfe zu spät; er war bereits tot. nehmer- Karten nicht mehr ausgegeben werden können. Wie wir er- bildervortrag über„ Das Südpolarland" halten. Borchgrevink ist Die Mordbuben hatten die Atmungswege so sorgfältig, mit jenem fahren, wird bei der Konferenz auch die Regierung, die Stadt Berlin im Jahre 1900 auf einer Erpedition, die mit Hilfe des englischen Wollzeug verstopft, daß der unglückliche Mann, der erst seit wenigen und das Polizeipräsidium vertreten sein. In den Verhandlungen Millionärs Sir Nevnes ausgerüstet war, bis zu den großen eis- Monaten verheiratet ist, der Aufseher Walter aus Giebichenstein, gelangen zur Besprechung: 1. Der Stand der Frage zur Bekämpfung bedeckten Vulkanen Erebus und Terror und weiter über die große nach der Knebelung alsbald erstickt sein mußte. Bis zum Abend Des Mädchenhandels; 2. Organisationsfragen des National- Stomitees; Eisbarriere mittels Schlitten bis zum 78. Grad 50 Minuten füd- waren sämtliche Ausbrecher wieder eingefangen. 3. Vorschläge, betreffend die strafrechtliche Bekämpfung des Mädchen- licher Breite vorgedrungen, hat also den südlichsten Punkt erreicht, handels und zwar unter besonderer Berücksichtigung von a) Aus- der bis dahin von Menschen betreten worden ist. Der Bericht über behnung auf Fälle der Einwilligung, b) Ausbeutung der Notlage, seine gefahrbolle Expedition wird von größter Abwechslung und c) Strafbarkeit des Versuchs, d) Ausdehnung der Anzeigepflicht, reich an merkwürdigen Naturereignissen und Erlebnissen sein. e) Beschränkung der Freizügigkeit der Prostituierten. Ferner wird Forscher wird denselben durch ein außerordentlich großes Bilderverhandelt werden über die Fragen: Mädchenhandel und Kunst und material illustrieren. Eintrittskarten zu diesem Vortrag sind bereits Stationen Herbergerecht der Vermietungs- Bureaus. von heute an an der Kasse der Urania zu beziehen. sich gestern in der Bouchéstraße in Treptow. Daselbst wurde plötzDas Lied vom braven Mann. Ein schwerer Unglücksfall ereignete lich ein Pferd des Pianofortefabrikanten Jaschinsky scheu und ging Beseitigung der jetzigen Gewichtskontrolle durch Einführung der Arbeiter Schönholz, Kottbuserdamm 7 wohnhaft, dem Gespann ent mit leerem Wagen durch. Um Unheil zu verhüten, stellte sich der obligatorischen Nachaichung. Dieses Thema beschäftigte den Verein Berliner Kolonialwarenhändler in seiner letzten Sizung. Nach einem gegen, um es aufzuhalten. Er wurde jedoch umgerissen und überfahren. Leider erlitt er dabei so schwere Verlegungen, daß er in eingehenden Referate des Vorsitzenden, Handelskammer- Mitgliedes Hoffnungslosem Zustande dem Krankenhause am Urban zugeführt Richard Riel, durch welches die unhaltbaren Zustände der jebigen werden mußte. Hier stellte man Nippenbrüche, Stopfverlegungen und Revision fargelegt wurden, wurde folgende Resolution einstimmig eine schwere Lungenquetschung fest. angenommen:„ Der Verein richtet an den Herrn Handelminister die Bitte, bei der bevorstehenden Regelung der Maß- und Gewichtsordnung die Einführung einer periodischen Nachaichung in Vorschlag zu bringen." Gleichzeitig wird der Vorstand beauftragt, in dieser Angelegenheit mit den hiesigen Handelsvertretungen Fühlung zu nehmen. Mit einem Schuß in der Brust wurde gestern morgen der Lederhändler Leuschner aus Rigdorf auf dem Tempelhofer Felde hilflos aufgefunden. Wie sich herausstellte, hatte L. fich infolge des Ablebens feiner Mutter erschießen wollen, hatte sich aber nur eine schwere Verlegung beigebracht. Der Lebensmüde ward zunächst nach der Unfallstation XII und von dort nach einem Krankenhause gebracht, da die Kugel auf operativem Wege entfernt werden muß. Aus den Nachbarorten. Der Witterungsübersicht vom 20. Oftober 1903, morgens 8 thr. Better Stationen Swinembe. 769 23 Hamburg Berlin 768 SD 769 9 1voltig 2Nebel 1 wolfig 3wolfen! Wetter Zemp. n. T. 5 Haparanda 768 M 2 Petersburg 771 SH 3 Cort 75528 2beiter -11 bebedt 1 bedeckt 11 2 lberdeen 1 wolfenl 3moltig 0 Paris 4 764 SD 1 bedeckt Straßenräubern zum Opfer gefallen ist ein Kellner T., der von auswärts nach Berlin tam und sich in angetrunkenem Zustand am Lehrter Bahnhof aufhielt. Zu ihm gesellten sich fünf junge Burschen, denen seine Unbeholfenheit aufgefallen war. Sie erboten sich in der Ein Studentenheim wird anfangs der Woche in Charlottenburg, München 768 D zuvorkommendsten Weise, den Betrunkenen nach seiner in der Marienstraße 25 belegenen Wohnung zu geleiten und machten sich auch gleich Schillerstraße 5, eröffnet werden, in einem eignen Hause. In ihm Bien 768 NNW auf den Weg. Natürlich konnte man nicht auf einmal die weite soll besonders den Nichtverbindungsstudenten ein Heim, ein geselliger Wetter Prognose für Mittwoch, den 21. Oftober 1903. Strecke zurücklegen, sondern mußte in einem Wirtshaus Rast machen. Mittelpunkt gegeben werden, wo ein Lese- und Spielzimmer wie auch Ein wenig wärmer, teilweise nebelig, sonst meist heiter und trocken bet Dort bemerkten die freundlichen Begleiter, daß T. viel Geld bei sich Speiseräume mit guter und billiger Bewirtung sich befinden, und wo schwachen füdöstlichen Winden. hatte. Als sie später den Heimweg fortsetten, fielen am menschen- des Abends wissenschaftliche und sonstige Versammlungen stattfinden Berliner Wetterbureau. Berantwortlicher Redakteur: Julius Kalisti in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druf und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 246. 20. Jahrgang. ars. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch, 21. Oktober 1903. Verfammlungen. Koft- und Logiswesen im Barbiergewerbe. In einer am Donnerstag im„ Englischen Garten" stattgefundenen öffentlichen Versammlung der Barbier- und Friseurgehilfen Berlins sprach Estorn Hamburg über die Frage: Wie stellen wir uns zur Abschaffung des Kost- und Logiswesens beim Arbeitgeber?" Er führte aus: Der Zwang des Kost- und Logiswesens ist ein Ueber bleibsel der alten patriarchalischen Arbeitsverhältnisse. Er bedeutet für Barbier- und Friseurgehilfen ebenso wie für andre Berufe die ungeschriebene Gesinde- Ordnung. Aus ihm resultieren die Niederhaltung der Lebenslage und schwere rechtliche, moralische und gefundheitliche Schädigungen. Die Meifter behaupten, das Kost und Logiswesen übe einen moralischen und erzieherischen Einfluß Das Gegenteil ist der Fall. Nur die materiellen Interessen der Meister halten diese mittelalterliche Einrichtung noch aufrecht. Redner forderte zum Eintritt in die Organisation auf, damit hinter der Centralkommission, die sich zur Agitation für die Abschaffung des Koft- und Logiswesens gebildet hat, auch eine starke Gehilfenschaft stehe. In der folgenden lebhaften Diskussion, für welche die Redezeit auf 15 Minuten festgesetzt wurde, beklagte man allgemein die Lässigkeit der Kollegen. Der größte Feind der Gehilfen sei der Gehilfe selber. Nur die Stärkung der Organisation könne Abhilfe schaffen. Nach einem Schlußworte des Referenten wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„ Die am 15. Oktober im „ Englischen Garten" tagende öffentliche Versammlung der Friseurgehilfenschaft Berlins, von circa 150 Gehilfen besucht, ist mit dem Inserate Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 21. Oktober. Anjang 7, Uhr: Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. Agnes Bernauer. Deutsches. Rosenmontag. Berliner. Das Kätchen von Heilbronn. Lessing. Der Sturmgeselle Sokrates. Westen. Die Fledermaus. Nenes. Salome. Vorher: Der Kammersänger. Residenz. Das große Geheimnis. Central. Bruder Straubinger. Thalia. Der Hochtourist. Anfang 8 Uhr: Schiller O.( Wallner Theater.) Die Stüßen der Gesellschaft. Schiller N.( Friedrich- Wilhelmstädt.) Die Ehre. Belle Alliance. Madame de Pompadour. Kleines. Nachtafyl Luisen. Das Kätchen von Heilbronn. " Referenten der Ansicht, daß das patriarchalische Verhältnis nur noch erstattung vom Parteitage er hervorhob. Für berechtigt hielt er die in dem ungerechten 3wang besteht, statt reinen Handlohnes Kost erfolgte Kritik am Vorwärts", der auch jetzt noch nicht die Massen und Logis beim Meister nehmen zu müssen, daß dieser Zwang, in für den Wahlkampf begeistert durch aufklärende und agitatorisch hohem Maße unmoralisch, in Widerspruch steht mit§ 105 der Reichs- wirkende Artikel über die Begehungs- und Unterlassungsfünden des Gewerbe- Ordnung und schwere Schädigungen der rechtlichen, gesund- Landtages in der letzten Legislaturperiode. Als Wahlmänner heitlichen und socialen Interessen der Gehilfen darstellt. Die Ver- wurden aufgestellt für den 1. Bezirk Guttbier und Wilte, für sammlung erblickt in der Organisierung, dem Zusammenschluß aller den 2. Bezirk Publik und Brilte. Die nächste öffentliche Gehilfen, dann auch in der in Anregung gebrachten gemeinsamen Wählerversammlung soll am 27. Oktober im Restaurant Sanssouci" Aktion aller beteiligten Berufsorganisationen die geeigneten Mittel stattfinden. zur Bekämpfung des durch Gewohnheit und Profitgier geheiligten groben Unfugs des Kost- und Logiszwanges. " Charlottenburg. Ms Einleitung zur Agitation für die " " " " " Marktpreise von Berlin am 19. Oftober 1903 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.- Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg mittel Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen 6,00 4,00 1,80 1,20 " 15,64 15,60 13,05 13,03 do. Bauch " 1,50 1,10 1,80 1,00 " mittel " gering " " mittel " gering " " mittel 13,01 12,99 12,97 12,95 14,50 13,40 13,30 12,20 12,10 11,00 15,80 14,80 14,70 13,80 2,00 1,20 " 1,80 1,10 " 2,60 2,00 60 Stüd 5,00 3,00 1 kg 2,20 1,20 Male 2,60 1,40 Zander 3,00 1,00 " " gering 13,70 12,80 Hechte 2,00 1,00 " " " 4,00 3,50 Barsche 1,80 0,80 " 7,30 " 4,70 Schleie 3,20 1,40 " " 40,00 25,00 Bleie 1,40 0,80 " 50,00 25,00 Krebse 60,00 20,00 per Schock 15,00 3,00 bevorstehenden Landtagswahlen hielten die Charlottenburger Ge-* eizen, gut D.- Ctr. 15,99 15,78 nossen am 15. Oktober im Volkshause eine Volksversammlung ab, in welcher Genosse Baate über die bevorstehenden Landtagswahlen Roggen, gut gering referierte. In der Diskussion nahm von den zahlreich anwesenden Gegnern nur der Nationalsociale Pastor a. D. Herr Kötschke das Wort, und begrüßte es mit Freuden, daß die Socialdemokratie+ Gerste, gut endlich den Kampf gegen den Herd der Neaktion aufgenommen habe. Wenn wir in Preußen keine nennenswerten Erfolge erzielt haben, so sei daran der Liberalismus schuld, der unfähig geworden, auch nur die geringste Besserung unsrer Verhältnisse herbeizuführen. An der weiteren Diskussion im Sinne des Referenten nahmen noch die Richtstroh Genossen Dr. Borchardt, Fricke u. a. teil. Der Vorsitzende Heu Gehrke forderte die Anwesenden auf, die kurze uns noch zur Ver- Erbsen fügung stehende Zeit zur Agitation tüchtig auszumuzen. Im Schmargendorfer Wahlverein gab Brilke den Bericht von der Kreisgeneralversammlung, deren würdigen Verlauf bei der Berichtthafer, gut Speisebohnen Linsen * ab Bahn. + frei Wagen und ab Bahn. für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. Urania. Taubenstrasse 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober- Italiens. Um 4 Uhr: Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Schiller- Theater N. 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Allen Genossen, Freunden, Verwandten und Bekannten, besonders Herrn Ludwig Krüger, Herrn Ernst Obst und dem Gesangverein„ Rote Nelke" sagen wir für die rege Beteiligung beim Begräbnis meines und Röcke in Engrosgeschäft tannes und umires guten A. Schwarz beziehen Grüneberg, Vaters, des Maurers August von 26065 hierdurch unsren Die trauernden Hinterbliebenen. mannstr. 1, Ede Landsberger- herzlichsten Dank. straße, 1. Etage. 30482* Institute in Berlin: Bülow: Herren- und Damen- Garderobe, Danksagung. strasse 20, Oranienburgerstr. 14. Sprechstunden 12-2. Kostüme, Saccos, Röcke, Blusen etc. 47. Wrangelstr. 47. part. Reste Hochbahnhof Schlesisches Thor. von Kammgarn, Tuch, Seide etc. Zuschnitt gratis! bessere Damenjacketts auf Lager. der Beerdigung unsres guten Sohnes Eleg. Ausführung, gering.Teilzahlg. J. Kurzberg, * Neue Königftr. 47, II, direkt am Alexanderplatz. T Wurm's MAGENDOCTOR ist das. 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