Nr. 259. 0 Abonnements- Bedingungen: 43 Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitungs Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 art, für das brige Auslans e Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 20. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttags geöffnet. Telegramm- Aoresse: ,, Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der socialdemokratischen Partet Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Stadtverwaltung in Preußen. = P Donnerstag, den 5. November 1903. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. preußischen Städte wohl recht gute Staatsdiener, aber sicherlich keine auf den Kultusminister schlimm genug, daß eine preußische unabhängigen Kommunalbeamten sind.... So lange dieses absolute Stadtverwaltung auf diesen schwachen Trost angewiesen ist. Bestätigungsrecht der Regierung dauert, ist... an die Selbständig- Es gilt, Rechte zu erfämpfen und dieser Kampf feit und Unabhängigkeit der Städte absolut nicht zu denken." muß zunächst bei den Landtagswahlen aufgenommen werden! Wir begnügen uns mit dem bisher angeführten zur Charakteristik preußischer Stadtverwaltung, wir übergehen die vielfachen besonderen Chikanen, die mit der reichsgesetzlich vorgeschriebenen Beschäftigung der Militäranwärter im städtischen Dienst in Preußen verbunden sind, wir übergehen den Umstand, daß die städtischen Beamten jeden Ranges der staatlichen Disciplinargewalt unterstehen, und wollent den preußischen Verhältnissen nur in ganz kurzen Zügen die Grundfäße der englischen Stadtverwaltung gegenüberstellen. * * Unfre deutschen Kommunalprogramme zerfallen im allgemeinen in zwei Teile, von denen der eine die Aufgaben umschreibt, die unsern Vertretern in dem städtischen Vertretungskörper selbst ob- Und doch giebt es noch wichtige Gebiete, die man in Preußen giebt es noch m Gebiete, die no liegen, während der andre die Forderungen bezüglich der Stadt- der so außerordentlich vorsichtig gebildeten und ängstlich unter verwaltung dem Staat gegenüber behandelt. In der That ist die Einengung strengster Kontrolle der Staatsbehörden gehaltenen Stadtvertretung selbst der städtischen Verwaltung durch die staatlichen Behörden besonders nicht anvertraut die wichtigsten sind Polizei und Schule. bei uns in Preußen außerordentlich stark; wir sagen: selbst der städtischen, Die Polizeiverwaltung wird in Preußen überhaupt ausschließlich da die Landgemeindeordnung noch traurigere Verhältnisse zeigt. als Staatsangelegenheit behandelt von England stellt ein gründGewiß haben wir in Preußen eine von der Bürgerschaft gewählte licher und gewissenhafter Kenner der dortigen Verhältnisse fest:„ daß Stadtverordneten Versammlung; aber das Wahlrecht zu dieser ist es dort eine Staatspolizei nicht giebt und daß keine von der Renicht nur an die Bedingung einer bestimmten Steuerleistung geknüpft, gierung mittelbar oder unmittelbar durch Befehle geleitete Polizei- In England wird die Stadtverwaltung ausschließlich und allein sondern auch nach der Höhe der Steuerleistung verschieden bemessen; macht existiert.... Eine Befehlsgewalt in Polizeisachen hat kein von Erwählten der Bürgerschaft geführt. Der Stadtrat( Town es ist ein Dreiklassen Wahlrecht schlimmster Art. Dazu kommt, einziges Organ der englischen Regierung." Council) besteht aus den Stadträten, die direkt gewählt werden, daß die Stimmabgabe öffentlich ist. Alle diese Umstände Wie steht es nun mit der Polizei in den preußischen Städten? und den Aldermen. Die Stadträte werden von allen großjährigen tragen dazu bei, der Stadtverordneten- Versammlung einen durchaus Zunächst kann durch einfachen Beschluß des Ministers des Innern in Bürgern nach direktem gleichen und geheimen Wahlrecht gewählt, konservativen Charakter zu verleihen. Aber diese gewählte" Ver- allen Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern die örtliche Polizei- die in die Wohnsteuerliste aufgenommen sind. Aftermieter, Haustretung der steuerzahlenden Bürgerschaft hat ja gar nicht verwaltung besonderen Staatsbeamten übertragen werden; föhne und Hausgesinde entbehren des Wahlrechts, das im übrigen die Verwaltung der Stadt zu besorgen. Nach§ 35 der Städte- von dieser Befugnis ist vielfach Gebrauch gemacht; so giebt es auch den unverheirateten Frauen zusteht. Mit Ausnahme der Frauen Ordnung von 1853, auf deren Geltungsbereich wir uns hier be- tönigliche Polizeipräsidien in Berlin, Königsberg, Stettin, Breslau, deckt sich das aktive und passive. Wahlrecht. schränken, hat die Stadtverordneten- Versammlung über alle Gemeinde- Magdeburg, Hannover mit Stadt Linden, Frankfurt a. M. und Die auf drei Jahre gewählten Stadträte wählen weiter die Angelegenheiten zu beschließen, soweit dieselben nicht ausschließlich dem Köln; königliche Polizeidirektionen in Charlottenburg, Schöneberg, Aldermen( ein Drittel soviel als Stadträte vorhanden), die 6 Jahre Magistrat überwiesen sind. Eine Reihe wichtiger Angelegen- Rigdorf, Danzig, Posen, Potsdam, Kiel, Kassel, Wiesbaden, Aachen, im Amte bleiben. Außer durch die längere Mandatsdauer unterheiten, so die Anstellung der Beamten, über die die Stadt- Koblenz, Hanau und Fulda. Aber auch in sämtlichen andren scheiden sich die Aldermen in keinerlei Weise von den Räten; fie verordneten Versammlung nur vernommen wird( St. D.§ 56 Städten, in denen die örtliche Polizeiverwaltung den Bürgermeistern dienen wesentlich zur Aufrechterhaltung der Traditionen. Räte und Nr. 6) find also dem Magistrat ausschließlich überwiesen; zusteht, wird sie von diesen im Namen des Königs geführt"; als Aldermen wählen außerdem jährlich einen Mayor, meist mit aber auch die Beschlußfassung in den andren Angelegenheiten nutzt solcher hat der Bürgermeister völlig die Pflichten eines Bürgermeister übersetzt, der aber keinerlei Vorrechte genießt, nichts, wenn der Magistrat ihr nicht beitritt. Können sich Staatsbeamten, er ist oberster Ortspolizeibeamter und ,, die außer daß er die Stadtverwaltung bei Festlichkeiten Stadtverordneten- Versammlung und Magistrat nicht einigen, so Ortspolizeibeamten sind verpflichtet, die ihnen von der vor- repräsentiert, wodurch ihm erhebliche Kosten erwachsen. entscheidet auf Anrufung seitens eines Teiles der Bezirksausschuß, gefegten Staatsbehörde in Polizei- Angelegenheiten erteilten An- Der Stadtrat hat nun die ganze Stadtverwaltung selbständig zu führen. in Berlin der Oberpräsident. Der Magistrat ist also stets in der weisungen zur Ausführung zu bringen."( Ges. über die Polizei- Dazu teilt er sich in Komitees, die teils dauernd für bestimmte VerLage, gegen Beschlüsse der Stadtverordneten- Versammlung seinen verwaltung v. 11. März 1850§ 1 Abs. 2.) Hiermit ist der Bürgermeister waltungszweige, teils vorübergehend für bestimmte Aufgaben ge= Willen mit Hilfe der staatlichen Behörden durchzusehen; denn der zum Untergebenen des Regierungspräsidenten gemacht, dessen An- bildet werden. Ueber die Verhandlungen und Beschlüsse dieser Bezirksausschuß ist keineswegs als ein Organ der Selbstverwaltung weisungen er gehorchen muß. Weiter bestimmt das Gefeß, daß alle Komitees müssen allen Mitgliedern des Plenums ständig ausführ zu betrachten mit vollem Recht hat noch 1899 der Oberbürger- Polizeibeamten, die von den Gemeindebehörden zu ernennen sind, der liche Berichte zugestellt werden, so daß jede einzelne Handlung der meister Bender von Breslau gelegentlich einer besonderen Frage im Bestätigung durch den Regierungspräsidenten bedürfen und schließlich Komitees im Plenum zur Sprache zur Sprache gebracht werden kann, Herrenhaus erklärt:„ Ich protestiere jedenfalls dagegen, daß in der heißt es:„ leber die Einrichtung, welche die örtliche Polizei- wo es einem Mitgliede nötig erscheint; andres kann in Bausch und Mitwirkung des Bezirksausschusses ein Korrektiv auf dem Gebiet der verwaltung erfordert, kann der Regierungspräsident besondere Vor- Bogen genehmigt werden, denn die ausschlaggebende Entscheidung Selbstverwaltung gegeben wird." Bezeichnend ist ja auch der schriften erlassen." Also die städtische Polizei ist thatsächlich steht rechtlich stets dem Stadtrat als Ganzem zu. Die Aufteilung Umstand, daß für Berlin schlankweg der Oberpräsident der Provinz ganz in den Händen der Staatsbehörden; die scheinbare Mit der Arbeit unter die Kommitees ist von der Gesetzgebung völlig dem Brandenburg eintritt. wirkung der städtischen Behörden aber ist nicht nur deshalb Stadtrat selbst überlassen; vorgeschrieben ist nur, daß ein besonderes gefährlich, weil sie scheinbar ist und wie alles Scheinbare den Ein- ständiges Kommitee für die Polizeiverwaltung einzurichten ist. Nun wird ja freilich der Magistrat mitsamt dem Bürgermeister druck der nackten Wirklichkeit abschwächt, sondern vor allen Dingen, Der Stadtrat hat alle Beamten zu ernennen und zu entvon der Stadtverordneten- Versammlung gewählt; diese Wahl weil diese( scheinbare) Anteilnahme den Ausgangspunkt aller Be- lassen, wie er es im Interesse der Stadtverwaltung für ist aber nur scheinbare. Das Bestätigungsrecht, das in Städten strebungen bildet, die spärlichen Anfänge einer Selbstverwaltung zu angemessen befindet; ja, es steht in seinem Ermessen, welche über 10 000 Einwohnern in Bezug auf die Bürgermeister ersticken. Sehr lustig ist es, daß wir uns als Zeugen hierfür auf und wie viel Beamte er für nötig hält. Nur für den dem König, in Bezug auf die besoldeten besoldeten Stadträte Stadträte in Herrn Miquel berufen können, den späteren Ministerliebling der obersten Beamten( Town Clero) ift von der Städteordnung Letzter Instanz dem Minister des Innern zusteht, ist Rechten. Als nationalliberaler Abgeordneter führte Johannes Miquel ein Arbeitsgebiet mit bestimmten Pflichten und Rechten vorgeschrieben; in Preußen thatsächlich ein Ernennungsrecht, da erstens Gründe für im Jahre 1876 aus: selbstverständlich hat aber auch der Town Clerc die Beschlüsse des eine Nichtbestätigung nicht angegeben werden, ja nicht angegeben ich rede von einem praktisch vor- Stadtrats unweigerlich auszuführen, wie er auch von diesem erwerden dürfen, und da zweitens, wenn auf Grund der Nichtbestätigung gekommenen Fall ein Regierungspräsident fährt durch eine Stadt, nannt und entlassen wird. Auf die Polizeiverwaltung kann die Centraleine Neuwahl stattgefunden und auch dieser Gewählte die Bestätigung findet die Straße nicht hell genug beleuchtet, dekretiert an den behörde( Local Governement Board) einen gewissen Einfluß ausüben. nicht findet, der Regierungspräsident- in Berlin der Oberpräsident Bürgermeister: das ist für die öffentliche Sicherheit gefährlich, eine Jährlich hat die Stadtverwaltung ausführlich an die Centralbehörde ermächtigt ist, die Stelle einstweilen auf Kosten der Stadt kommissarisch solche Beleuchtung genügt nicht, die Stadt muß die Straße mit Gas über die gesamte Verwaltung zu berichten. Findet die Centralbehörde verwalten zu lassen", und zwar bis eine Wahl stattgefunden hat, die erleuchten, nur dadurch wird die nötige Sicherheit hergestellt, und ich in der Organisation und Leistungsfähigkeit des Polizeidienstes die Bestätigung findet! verfüge dies kraft der mir obliegenden Aufsichtsrechte an dich, Mängel, so regt sie deren Abänderung bei dem Stadtrat an; geht Von welchen Grundsäßen man bei der Aufrechterhaltung und, Bürgermeister, der du allein die Polizei handhabst. Dann ist die der Stadtrat auf die Vorschläge nicht ein, so muß die Stadt auf den wir dürfen getrost sagen, noch heute bei Ausübung des Bestätigungs- Stadt verpflichtet, dies auszuführen. Wo bleibt da eine selbständige staatlichen Zuschuß zu den Polizeikosten( Hälfte der Besoldung und rechts, das ja ganz im diskretionären Ermessen der Behörden liegt, Kommunalverwaltung, wo ist da überhaupt noch eine Grenze zwischen Bekleidungskosten für die Mannschaften) verzichten. Einen weiterausgeht, läßt ein Immediatbericht des Ministers v. Rochow Aufsichtsrecht und Selbständigkeit vorhanden." Das Beispiel gab Miquel gehenden Einfluß vermag die Centralbehörde nicht einmal auf an den König Friedrich Wilhelm IV. aus dem Jahre 1842 um den Satz zu beweisen: Das herrschende preußische System führt diesem Gebiet zu üben. Gegen ungefeßliches Vorgehen der erkennen. In ihm heißt es:" Bei dieser höchst wichtigen Stellung angesichts der absoluten Unmöglichkeit, die Polizei- von der Kom- städtischen Behörden steht der Centralverwaltung, wie übrigens des Magistrats selbst der kleinsten Stadt ist diesen Behörden munal- Verwaltung real zu scheiden, in Wirklichkeit dazu, unter der dem Gesetz nach jedem Bürger, nur der Klageweg bei den ordent eine bedeutende Einwirkung auf die Gesinnung der Ge- Firma der Polizei die kommunale Selbstverwaltung zu untergraben. lichen Gerichten offen. Die öffentliche Schule ist in England nicht meinden gesichert. Von einer einzigen Wahl hängt es oft obligatorisch eingeführt. Wo öffentliche Schulen nicht bestehen, ab, ob auf Jahre hinaus Eintracht oder Zwietracht, Ordnung Vielleicht noch übler steht es mit der Schule. In Wahrheit haben die Stadträte ein Schulbeaufsichtigungs- Komitee zu bilden; oder Unordnung, Sittlichkeit oder Liederlichkeit in dem giebt es in Preußen kein Schulrecht; aber was schlimmer ist, an to öffentliche Schulen eingerichtet werden, stehen sie unter dem öffentlichen Leben der Stadt herrschen soll." Könne sich selbst der feiner Stelle herrscht ein Chaos von Wust und Moder abgelebter Local School Board, Lokal- Schulbehörde, die genau ebenso wie der Staat trotz aller ihm zur Verfügung stehenden Mittel bei Beamten- Institutionen, deren formelle Fortexistenz behauptet wird, ob- Stadtrat selbst gewählt wird, sich wie jener zu Verwaltungsernennungen bergreifen, so um vieles leichter eine Stadtverordneten- gleich sie zu allen realen Verhältnissen des heutigen Lebens in zwecken in Komitees gliedern kann, Lehrer anstellt usw. Versammlung. Gegen widerwärtige Erscheinungen dieser Art, die dem unversöhnlichen Gegensage des Toten zum Lebendigen Schulausgaben werden durch Zuschläge zur städtischen Hauptallerdings nur sehr vereinzelt vorkommen, liegt das alleinige stehen; und in diesem Chaos tummelt sich ein Schwarm von steuer gedeckt. Die Schulverwaltung wird von der CentralKorrektiv in dem Bestätigungsrecht der Regierungen. Ministerialreskripten und sonstigen Verwaltungsverfügungen, die behörde beaufsichtigt. Eine direkte Einflußnahme ist dieser aber Sie haben nach dem Gesetze dieses Recht in gleicher Un- einander vielfach durchkreuzen und widersprechen, die oft von proble- wiederum nur dadurch möglich, daß die Staatszuschüsse, die abhängigkeit auszuüben, wie die Stadtverordneten ihr Wahlrecht." matischer Rechtmäßigkeit, manchmal von zweifelloser Rechtswidrigkeit übrigens auch Privatschulen empfangen, nur zur Auszahlung geWenn die Regierung einen Mann als unbrauchbar für sind". Dies die Worte eines freisinnigen Universitätslehrers in langen, wo die Aufsicht die vollständige Erfüllung der staatlichen die Stellung halte, könne sie ihn auch nicht für einen geachteten einem ernstwissenschaftlichen Buch( H. Preuß, Das städtische Amts- Anforderungen ergiebt. Mann ansehen, selbst wenn die Stadtverordneten ihn mit der über- recht in Preußen 1902), dem wir den größten Teil unsrer Anführungen Die Grundpfeiler der städtischen Verwaltung in England find wiegendsten Stimmenmehrheit gewählt hätten, da die dissentierende entnehmen. Selbstverständlich ist es im Rahmen eines Artikels nicht die völlige Freiheit bei Bildung der Gemeindevertretung, wobei das Minderheit... vielleicht eben die Meinung des besseren Teils der möglich- wenn es überhaupt möglich ist ein Bild der Rechtsverhält- Wahlrecht freilich an eine Steuerleistung geknüpft ist, und die Bürgerschaft ausgesprochen hat". Das ist die auf die Stadt- nisse im städtischen Schulwesen zu geben. Wir können uns damit be- völlige Freiheit bei der Gestaltung und Durchführung der Verwaltung verwaltung angewendete Theorie vom beschränkten Unterthanen- gnügen auf den Fall hinzuweisen, der sich jüngst in unsrer Nachbar- selbst. verstand. Daß sie noch heute herrscht, beweisen eine Anzahl stadt Charlottenburg abgespielt hat und der im Leitartikel des Erst diese freie Ausgestaltung städtischen Lebens hat es ermöglicht, Beispiele aus der neuesten Zeit ihre Zahl kann nicht„ Vorwärts" vom 30. Oktober besprochen ist. Durch einen Rechts- die großen Aufgaben der Gemeinden auch auf wirtschaftlichem Gesehr groß sein, δα die Stadtväter von Dreiklassenwahl bruch, wie sich der Oberbürgermeister Schustehrus ausdrückte, wolle die biete in die Hand zu nehmen- der Municipalsocialismus" wegen den Wünschen der Regierung nur allzu bereitwillig Regierung die Stadtverwaltung der Kirche gegenüber in Schulsachen ist in England in mächtigem Fortschritt begriffen. Rechnung tragen. Daß diese Theorie und Praxis Praxis mit gefügig machen. Unter dem 24. Dezember 1902 verfügte der RegierungsSelbstverwaltung gar nicht vereinbar ist, hat gelegentlich präsident in Potsdam wesentliche Einschränkungen der Be- Die letzte Bemerkung dürfte allerdings einen Liberalen von gutem des Versuchs, eine neue Städte- Ordnung zu schaffen, besonders der fugnisse der städtischen Schuldeputation, die ohnehin sehr wenig weit- Schrot und Korn ein wenig stußig machen; sonst würde er ganz alte Centrumsführer Windthorst im Abgeordnetenhaus im gehende find. Der Stadtschulrat Dr. Neufert stellte fest, daß gewiß erklären: Alles was hier über Stadtverwaltung gefagt Jahre 1876 ausgesprochen:„ Ich kenne für meine Person teine stärkere es den Rektoren sogar verboten sei, Berichte über die Thätigkeit der ist, unterschreibe ich gern; dazu braucht man nicht Socials Verneinung der Selbständigkeit einer Stadt, ich kenne feinen größeren Lehrer an die Schuldeputation zu senden. Zwei liberale Mitglieder demokrat zu sein. Das ist ganz richtig. Wir Socialdemokraten Hohn auf die Selbstverwaltung, als wenn die Regierung ohne jeglichen der Charlottenburger Schuldeputation legten ihre Mandate nieder, sind uns auch hier über zweierlei klar. Einmal, daß die Forderung Grund den Mann des Vertrauens der Stadt verwerfen kann." Und bei da unter solchen Umständen das Amt eines Mitgliedes der nach politischen Freiheiten gegenüber dem rückständigsten Polizeistaat einer andern Gelegenheit erklärte er:„ daß die Bürgermeister der Schuldeputation ein Schattenamt sei. Herr Schusteherus hofft eigentlich Sache des Liberalismus ist; diese Aufgabe hat eben die " Stellen wir uns vor " Die Bourgeoisie Englands gelöst, während die deutsche, speciell die preuBische Bourgeoisie den Stampf, wenn überhaupt, nur sehr schwächlich geführt hat. Heut liegen bei uns die Dinge so, daß die Frage nicht mehr lauten kann: Soll die Socialdemokratie im Kampf gegen die Ueberreste des Feudalismus und den Polizeistaat dem Liberalismus Heeresfolge leisten, sondern: Der Aufstand in Deutsch- Südwestafrika. Dem„ Tag" wird aus London gemeldet: mit dem Wahlakt ſtatiſtiſche Chahungen gefunden, oeren ergeb- habe bieten zu der Haussuchung, bei der man hoffte, die Adressen nisse für eine nachfolgende statistische Bearbeitung der Beteiligung ruffischer Genossen zu finden, die dann den russischen Schergen überan den Wahlen im allgemeinen und in den einzelnen Abteilungen liefert werden sollten? im besondern, sowie für den Ausfall der Wahlen die Unterlage ab Jedenfalls ist hier Aufklärung dringend geboten. gegeben haben. Solche Erhebungen sind auch für die im November dieses Jahres bevorstehenden Landtagswahlen angeordnet worden. Von den Wahlkommissaren wird dementsprechend über die Wahl eines jeden Abgeordneten eine Zählkarte auszufüllen sein. Außerdem ist für jeden Urwahlbezirk ein Zählbogen aufzustellen. Diese Materialien Aus Kapstadt wird telegraphiert, nach dort eingetroffenen Nachs Kann sich der Liberalismus noch so weit aufraffen, daß er sind alsdann dem Königlichen Statistischen Bureau einzusenden. richten befinde sich der ganze Stamm der Bondelzwarts von etwa der Socialdemokratie, die diesen Kampf notgedrungen aufgenommen Um etwa auftauchenden irrtümlichen Auffassungen" vorzuhat, seine eigentliche historische Aufgabe nicht ganz allein überläßt. beugen, wird amtlich ausdrücklich festgestellt, daß die betreffenden Erzehntausend Mann im Aufstand. Am 28. Oktober wurden Lieutenant obst, ein Sergeant und ein Farmer getötet und Andrerseits wissen wir sehr genau, und die Erfahrungen in Eng- hebungen einzig und allein den Zweck haben, einen statistischen Ueberblick über die Wahlbeteiligung, die Gruppierung der Wähler- mehrere verwundet. Der deutsche Posten wird belagert, und land predigen es laut genug, daß es mit der Erkämpfung der poli- abteilungen, den Wahlausgang und die praktischen Wirkungen des die Lage gilt für kritisch. 110 Mann mit vier Berggeschützen, tischen Freiheit für uns sein Bewenden nicht haben kann, daß sie bestehenden Wahlsystems zu gewinnen. 50 Bastard- Hottentotten und 25 Witbois gingen von Windhoek nach nur die Vorbedingung für die ökonomischen Kämpfe, für die Warmbad ab. ökonomische Organisation ist, deren Ziel der Uebergang der brachten wir eine Notiz über freisinnig- landrätliche Wahlstunden", Die Wahlstunde im Königsberger Kreise. Am vorigen Sonntag Sollte die Zahl der Aufständischen wirklich 10 000 Mann beProduktionsmittel in den Besitz der Gesamtheit die dem Königsberger Landrat vorwirft, daß er auch dort die Wahl- tragen, so könnte es sich nicht um die Bondelzwarts allein handeln, ift. Vergebens zetert Eugen Richter, daß die Socialdemokratie die stunde angesezt hat, wo er teine Befugnis hat. Wir werden jezt da diese nur circa 2000 Mann stark sind. Vielmehr müßten die Erringung der liberalen Forderungen erschwert, weil sie immer weitere barauf aufmerksam gemacht, daß der Vorwurf ungerechtfertigt ist. gesamten Hottentottenstämme im Aufruhr sein. Forderungen in Aussicht stellt. Das wird uns nicht abhalten, flar Vielmehr hat der Landrat nur in den Orten unter 1750 Ein- Diese Hottentottenstämme stehen auf einer relativ hohen Kulturund rein unsre Ziele darzustellen- gerade in dem Fernblick auf hohe wohnern wie es sein Recht ist eingegriffen und zwar in stufe, sie sind gut beritten und mit Büchsen vielfach moderner KonIdeale besteht die Kraft der Socialdemokratie und wir haben nicht dankenswerter Weise, indem er, wie schon mitgeteilt, die Wahlstunde, struktion gut bewaffnet. gesehen, daß die liberalen Forderungen ungeftügt, aber doch Jahrzehnte die anfangs für den ganzen Kreis auf 11 Uhr festgesetzt war, auf lang auch ungefährdet durch socialdemokratische Begehrlichkeit, Ent- Uhr verlegte. ſtügen. Politische Uebersicht. Berlin, den 4. November. Ihre Niederwerfung dürfte also gar nicht so leicht sein. Deutsches Reich. Ein internationaler Schuhmanns- Kongreß gegenkommen gefunden hätten. Auf der andern Seite werden wir Centrumszwist in Oberschlesien. In Oppeln ist dem bisherigen fest und energisch die alten demokratischen Forderungen vertreten Abgeordneten und auch jetzigen offiziellen Centrumskandidaten und bei diesem Kampf die Unterstützung des Liberalismus nicht zurück- 3 mula ein klerikaler Gegenkandidat in der Person eines Justizweisen, soweit er solche noch zu bieten vermag und soweit er sie ehrlich klerikaler„ deutsch- nationaler Männer" beschlossen, Vogt zu unter- findet gegenwärtig in Wiesbaden statt. Preußische, ruſſiſche und rats Vogt gegenübergestellt. Jezt hat eine Versammlung nicht und ohne ihm besonders schlecht anstehende Ueberhebung bietet. wohl auch andre Schuyleute sind zusammengekommen, um unter Eines aber werden wir, unbekümmert um den Einspruch der Liberolen, Assistenz großer Militärmassen und internationaler Spizelschwärme vor allen Dingen thun müssen: die breiten Volksmassen aufklären eine Zusammenkunft des Zaren mit Wilhelm II. zu ermöglichen. über das was ist, und sie aufrufen zum unerbittlichen Kampf gegen Die„ Nordd. Allg. 3tg." feiert diesen schwierigen Besuch, an dem Reaktion und Polizeistaat. Die günstigste Gelegenheit dazu bieten auch die Grafen Lamsdorff und Bülow teilnehmen, als„ erfreuliche die bevorstehenden Landtagswahlen. Also auch hier lautet unser Schlußwort: Die preußische Polizei im Dienste Väterchens. Bekräftigung des engen freundschaftlichen Verhältnisses der beiden Am vorigen Sonnabend stand Popoff, richtig Schekoldin, der Monarchen". Dieſe Freundschaft zweier Fürsten, so intim sie immer zweite der am 14. v. M. in Charlottenburg berhafteten Russen sein mag, bleibt reine Privatangelegenheit beider. Dagegen erscheint ( vergl.„ Vorwärts" vom 28. v. M.), gleichfalls wegen Führung eines uns eine etwaige Freundschaft der beiden Regierungen gar nicht erfalschen Namens und Benutzung eines falschen Passes vor der freulich, vielmehr als ein Zeichen des mangelnden Kulturbewußtseins Abteilung 154 des hiesigen Schöffengerichts I. Nach kurzer Ver- unsrer Regierung. Das System des Zarismus müßte von allen handlung, die unter Zuziehung eines polnischen Dolmetschers statt Kulturstaaten geächtet sein, die ein Gefühl dafür haben, daß es ein fand, wurde er be er obwohl gänzlich unbestraft-- auf Grund seines Syſtem der Verbrechen und Gewalt ist, von dem das Blut des Geständnisses zu drei Wochen Haft, d. H. ebenso viel wie Straffikoff, russischen Volkes und seiner besten Männer und Frauen trieft. verurteilt. Auch Schefoldin beruhigte sich nicht. bei dem Urteil. Auf zum Kampf um die Landtagswahlen! Landtagswahl. Berlegung der Kontrollversammlungen. Wir haben neulich darauf hingewiesen, daß es den preußischen Staatsbürgern nicht verwehrt werden kann, ihr aktives und passives Wahlrecht auszuüben, auch wenn fie am Wahltage zur Teilnahme an einer Kontrollversammlung genötigt seien. Jetzt ist nun die für den 12. November d. J., 9 Uhr vormittags, anberaumte Stontrollversammlung der Jahresklasse 1898 der Provinzial- Infanterie des Bezirkskommandos II Berlin mit den NamensAnfangsbuchstaben L bis Z wegen der Wahlen zum Abgeordneten hause auf Freitag, den 13. d. M., 12 hr mittags, verlegt worden. wahlen durch Kontrollversammlungen beeinträchtigt. Hoffentlich hat Auch in andren Gegenden ist Urwahltag und Tag der Abgeordneten man auch da für Verlegung gesorgt. Es ist ein blödes und widerwärtiges Gerede, wenn unser Bemerkenswert ist die immer zunehmende Unverschämtheit, mit Regierungsblatt der Zusammenkunft nachrühmt, daß sie geeignet sei, der die deutschen oder russischen„ Gentlemen" just wieder ihr Wesen den Frieden unsres Weltteils vor Erschütterungen zu bewahren und treiben. Als Genoffe Dr. Karl Liebknecht, der Schefoldin vertreten etwaigen auf die Störung des Friedens gerichteten Entwicklungen hatte, nach Beendigung der Verhandlung mit einem Bekannten durch entgegenzuwirken", und„ segensreiche Folgen für die Wohlfahrt der Völker" voraussieht. Gerade in Wiesbaden sollte man nicht von die Königstraße ging, merkte er plötzlich, wie ihm jemand über wollte. Genosse Liebknecht erkannte sofort die vom Socialistengeses der nicht anders aufgefaßt werden konnte als eine fühle Absage an die Schulter in ein Schriftstück, das er vor sich hielt, hineinsehen Weltfrieden und ähnlichen schönen Dingen ſprechen; denn gerade dort hielt Wilhelm II. im Mai 1899 jenen Trinkspruch auf den garen, her so wohlbekannte Spigeluniform und Spigelfrisur. Einige kleine Kafernen Wahlbezirke. Die Freisinnige Zeitung" macht auf Manöver bestätigten den dringenden Verdacht. Leider entzog sich der die Schwärmereien des zaristischen Friedensmanifestes, zu dessen Auseine große Schwierigkeit aufmerksam. Brave allen Unannehmlichkeiten durch schleuniges Verduften. Wieder- führung im Haager Kongreß die deutschen Delegierten im abBesondere Wahlbezirke, die sich auf Kasernen beschränken, find holt find inzwischen Spitzel bei dem Bureau und selbst im Hauslichen Beziehungen sind im Zeichen des Antrags Kardorff nicht der lehnenden Sinne instruiert waren. Und auch die wirtschaftgesetzwidrig. Die betreffende Bestimmung im§ 49 des Reichs- eingang des Genossen Liebknecht beobachtet worden. Alle hiesigen Militärgesetzes von 1879 scheint manchen Gemeindebehörden gänz- Russen mögen auf der Hut sein. Sie haben gerade jetzt jeden art, daß durch einen Fürstenbesuch daran etwas gebessert werden lich unbekannt zu sein. So bildet in Groß Lichterfelde die " Haupt- Kadettenanstalt mit Ausschluß der Lehrerwohnungen" Augenblick mit Haussuchungen, mit Siſtierungen und Visitierungen Hat der Besuch überhaupt irgend welche Bedeutung, so läßt sich einen besonderen Urwahlbezirk. Ebenso soll es besondere zu rechnen. mifitärische Urwahlbezirke in Moabit im dritten Berliner mehrere in den letzten Tagen vorgekommene Fälle, in denen auf weit eher von ihm befürchten, daß die deutsch- russische Polizei Landtags Wahlkreis geben. In Königsberg giebt es einen der Straße und in öffentlichen Restaurants von Geheimpolizisten Intimität in der Verfolgung der russischen Freiheitstämpfer eine Urivahlbezirt, der lediglich den Bereich der Kaserne Stronprinz um- ohne jeden Anlaß zu glücklicherweise ergebnislos verlaufenen Fest- weitere Verschärfung erfährt. faßt. Der§ 49 des Reichs- Militärgeseges, welcher seiner Zeit auf stellungen" geschritten worden ist. Antrag des Abgeordneten Richter gerade mit Rücksicht auf das Landtagswahlrecht in das Gefeß aufgenommen wurde, lautet wie folgt: = Das beweisen außer dem Fall Krassiloff- Schekoldin Fast unglaublich flingen die Einzelheiten eines Falles, der uns aus Königsberg berichtet wird. Er bestärkt den Verdacht, daß thatsächlich eine„ Heilige Allianz" zwischen Rußland und Deutschland besteht, derart, daß Deutschland den willigen Büttel Rußlands spielt. Alle Organe Preußen- Deutschlands scheinen sich nachgerade in den Dienst der russischen Blutherrschaft zu stellen: Für die zum aktiven Heere gehörigen Militärpersonen, mit Ausnahme der Militärbeamten, ruht die Berechtigung zum Wählen sowohl in betreff der Reichsvertretung als in betreff der einzelnen Landesvertretungen. Eine Vereinigung der hiernach wahlberechtigt bleibenden Militärpersonen zu besonderen Militärwahlbezirken für die Wahl der auf indirektem Wahlrecht beruhenden Landes- Ver- Universitäten tretungen darf nicht stattfinden. Die Breslauer Genossen haben die Vorarbeiten für die bevor ftehenden Landtagswahlen nahezu beendet. Von 504 Wahlbezirken sind in der dritten Wählerabteilung 400 mit Wahlmanns- Kandidaten bejezt. 100 Bezirke in den„ vornehmen" Vierteln werden nicht besetzt. Außerdem sind etwa 40 Bezirke II. Abteilung mit Kandidaten besetzt, und es ist fast sicher, daß die Liberalen von dem Entschluß der socialistischen Wahlmänner abhängen. fönnte. Uebrigens wird auch die deutsche Schuljugend für den Zarismus zu begeistern gesucht. Auf„ kaiserlichen Befehl" sind am Tage der Barenankunft die Wiesbadener Schulen geschlossen. Nach den ParadeFerien Zaren- Ferien! Zu der Maßregelung des Assessors Simon behauptet die„ National Zeitung" uns gegenüber, daß die Abberufung des Assessors vor Erledigung feines Stommissoriums nicht ungesetzlich sei: " Das Gerichtsverfassungs- Gesez sagt in seinem§ 69 allerdings: Die Beiordnung eines nicht ständigen Richters darf, wenn sie auf eine bestimmte Zeit erfolgte, vor Ablauf dieser Zeit nicht widerrufen werden." Durch Nachschlagen des Gesetzes wird sich indessen der„ Vorwärts" überzeugen, daß sich diese Bestimmung nur auf nicht ständige Richter bei den Landgerichten bezieht. Einen kommissarisch bei einem Amtsgericht thätigen Assessor kann der Justizminister jederzeit versetzen oder vorzeitig von seinem Kommissiorium entbinden." hängigkeit. In derselben Angelegenheit erhalten wir folgende Berichtigung: " In einem vor einiger Zeit in Ihrer Zeitung gebrachten Artikel, betreffend die Versetzung des Gerichtsassessors Simon in Militsch, findet sich folgender Passus vor: " Der Gendarm habe über die ihm zu teil gewordene Behandlung einen Bericht an den Landrat v. Stosch geschickt und dieser habe seinerseits für die Weitergabe des Berichts an die höheren Instanzen Sorge getragen." sie verraten die Papiere der russischen Gäste- der Polizei, die Polizei selbst, jetzt sogar die Zollbehörder; da liegt der Verdacht nahe, daß auch in der Post wieder„ schwarze Kabinette" hier und da eingerichtet sein fönnten. Es wird eine der ersten Aufgaben unsrer Genossen im Reichstag, und wenn es gelingen sollte, auch im preußischen Landtag sein, energisch die Regierung zu fragen, welchen skandalösen Inhalt die„ Anarchisten Konvention" habe, wenn der= Es ist charakteristisch für unsre Liberalen, daß sie selbst nicht Am Dienstagabend sprach Genofie Bebel vor einer riesigen gleichen wahrhaft russische Willtürakte in dem Rechtsstaat Preußen mehr für das liberale Grunddogma der Unabhängigkeit der Richter eintreten. Selbstverständlich darf auch bei Amtsgerichten Versammlung, in welcher er die Liberalen noch einmal warnte, fich möglich find! tein Assessor bor Ablauf feines Kommissoriums seines über uns zu täuschen; wir würden sie unbarmherzig durchfallen Ueber den Königsberger Fall selbst schreibt uns unser Amites enthoben werden. Die Assessoren sind auch im laffen, wenn sie uns unser Recht weigerten. Diese Ausführungen Korrespondent: Kommissorium Richter und auf Grund der preußischen fanden stürmischen Beifall. Staatsanwalt und Polizei in Königsberg i. Pr. scheinen nicht Verfassung ohne ihren Willen und ohne Disciplinarverfahren Die Königsberger Liberalen und die Redefreiheit. Ans Königs nur um das Wohl des preußischen Staates besorgt zu sein, sondern nicht zu entsetzen. Wäre es in der That möglich, kommissarisch mit berg wird uns geschrieben: Die hiesigen Genossen erhalten keinen auch die Erhaltung des benachbarten Zarenreiches scheint ihnen sehr Richterstellen betraute Aſſeſſoren nach Belieben zu maßregeln, fo größeren Saal zu Bersammlungen. Das haben sich die Gegner, insbesondere die Liberalen, die das vorwiegend verschulden, schon am Herzen zu liegen. Vor kurzem erhielt ein Königsberger Genosse würde damit eine Kategorie von Personen geschaffen werden, die jahrelang zu nuge gemacht. Sie hielten Versammlungen ab, be- einige Postpakete mit russischen Druckschriften aus der Schweiz ge- aivar alle richterlichen Funktionen ausüben, denen aber die erste schimpften und verdächtigten die socialdemokratische Partei und ihre sandt. Auf der Zollabfertigung wurden die Pakete geöffnet, Vorbedingung fehlt: die verfassungsmäßig garantierte UnabFührer in der niederträchtigsten Weise, darauf bauend, daß diese um festzustellen, ob ihr Inhalt zollpflichtig wäre. Doch da ihnen ja nicht in größeren Bersammlungen antworten konnten. Be mit nicht genug. Anstatt nun dem Adressaten die Pakete einsonders schamlos trieben sie es auch bei der letzten Reichstagswahl. zuhändigen, behielt der Beamte sie zurück und entnahm je Als sie daher auf Montag, den 2. d. M., eine öffentliche Ver- cin Exemplar der Schriften, um sie, wie er angab, der Polizei fammlung einberiefen, zu der sie alle Landtagswähler, die den liberalen Wahlmännern ihre Stimme geben wollten, freundlichst ein zur Prüfung einzureichen. Auf die verwunderte Frage des Adressaten, luden, hatten sich auch mehrere Hundert socialdemokratische Arbeiter was denn der Inhalt der Schriften mit der Frage der Zollpflichtigkeit zu dieser Versammlung eingefunden. Die drei liberalen zu thun habe und vor allen Dingen, was die Polizei damit zu erhielt er zur Antwort, sei Anweisung Standidaten: Justizrat Krause, Berlin, Rechtsanwalt Gyẞling schaffen hätte, Kaufmann Boffeldt, sollten Ansprachen halten. Noch gegeben worden, russische vor der Ablieferung Schriften vor Beginn der Versammlung fragien zivei Genossen bei einem immer erst der Polizei einzureichen. Nach einigen Tagen Herrn vom liberalen Wahlkomitee an, ob nach den Reden der drei erfolgte sodann die Ablieferung. Mittlerweile hatte sich auch ein Kandidaten freie Diskussion gewährt werde. Nach kurzer Beratung Bolizeispiel bei dem Adressaten eingefunden, bes Komitees wurde den Genossen der Bescheid: Diskussion werde der ungeschicktesten Weise zu erkunden, für wen die russischen Schriften nicht gewährt, man werde die Socialdemokraten hinausweisen!!! Der Genosse hatte nun bereits die Episode fast vergessen, als Als diese echt liberale Heldentaktik im Saale bekannt wurde, bemächtigte sich der Versammelten eine große Erregung. Man wollte am Dienstag, den 3. d. Mis., ein Kriminalkommissar in Begleitung fie wie Schulbuben hinausweisen, wenn sie nicht ruhig wie in der eines zweiten Polizisten bei ihm erschien und ihm eröffnete, daß Stirche ohne Widerspruch die Reden der drei liberalen Leuchten au- ein Strafverfahren wegen Geheimbündelei gegen ihn und den hören wollten. Der Vorsigende eröffnete nunmehr die Versammlung früher in Zürich, jetzt in Stettin wohnhaften Genossen Quessel und forderte die Socialdemokraten, die nicht eingeladen feien, auf, eingeleitet sei. Er ersuche ihn, die russischen Schriften den Saal zu verlassen. Da erbittet sich Genosse Gottschalt das Wort und die darauf bezügliche Korrespondenz herauszugeben. Da die zur Geschäftsordnung, um dem Vorsitzenden klar zu machen, daß nach der Form der Einladung die Socialdemokraten wohl das Recht Schriften wohl längst ihren Bestimmungsort erreicht haben dürften, hätten, zu der Versammlung zu erscheinen. Das Wort wird ihm fonnte der Genosse die Wünsche des Polizisten nicht erfüllen, worauf Im ungarischen Abgeordnetenhause beantragte bei Beginn der nicht erteilt. Als er sich dabei nicht beruhigt, wird er aufgefordert dieser zur Haussuchung schritt. Das Ergebnis: eine Postkarte, in Sigung Abgeordneter Szedertenhi im Namen seiner Fraktion, das den Saal zu verlassen. Nunmehr bricht die Empörung der Ver- der Frau Duessel mitteilt, daß ihr Mann in Zürich glücklich an- Haus möge die Demiffion Apponyis nicht zur Kenntnis fammelten los, stürmisch verlangen sie, daß man Gottschalt reden gekommen sei, und Zettel mit mehreren lateinischen Pflanzennamen. nehmen und ihn ersuchen, dieselbe zurückzuziehen. Franz Laise. Nun versuchten die liberalen Helden mit Hilfe der Polizei( Höchst verdächtig!) Kossuth drückt Apponyi seinen Dank aus für die unRuhe zu schaffen, doch vergeblich, die Entrüstung war zu groß. Das ganze Vorgehen der Post- und Zollbehörde, sowie ins- parteiische Handhabung der Hausordnung und erklärt, feine Schließlich mußte der Vorsitzende die Versammlung schließen. aus staatsrechtlichen Gründen nicht für einen In ihrer verlogenen Weise berichten die liberalen Blätter wieder besondere der Polizeibehörde in dieser Angelegenheit erfordert noch Partei werde stimmen, der sich von dualistischen Gründen bis in alle Einzelheiten über diesen angeblicher Gewaltaft" der dringende Aufklärung. Wie kam die Zollbehörde dazu, den Paketen Präsidenten leiten lasse. Daranyi( Volkspartei) beantragt, die Demission Socialdemokraten, verschweigen aber ihren Lesern die Ursache des Schriften zu entnehmen und sie der Polizei zur Prüfung des Inhalts Apponyis auf die Tagesordnung zu setzen, da die Gründe Standals: die feige Verweigerung der Redefreiheit durch das liberale einzureichen? Wer hat den Zollbeamten diese ungeschliche Anweisung er- für dieselbe nicht aufgeklärt seien und ein äußerer Drud ausgeübt Wahlkomitee. teilt? Noch mehr muß man aber fragen, auf Grund welcher Thatsachen worden zu sein scheine. Baron Daniel spricht im Namen der liberalen Statistit der Landtagswahlen. Bei den Landtagswahlen in den hat man das Strafverfahren wegen Geheimbündelei gegen die Partei Apponyi als Präsidenten seinen Dant aus, erklärt jedoch, er Jahren 1803 und 1898 haben in unmittelbarem Zusammenhang Genossen eingeleitet? Oder sollte dieses Verfahren nur die Hand- seze voraus, daß objektive wohlüberlegte Gründe ihn zur Demission wind " zum Saal bestimmt seien. um in Diese Darstellung entspricht nicht den Thatsachen. Meinerseits ist der fragliche Bericht weder an die mir vorgesetzten höheren Instanzen noch an eine Behörde eines andern Refforts zur Kenntniss nahme weitergegeben worden. Ich stehe der Bersetzung des Königlichen Gerichtsassessors Herrn Simon vielmehr vollkommen fern. Graf v. Stosch, Landrat." Ist der Originalbericht des Gendarmen nur nicht weitergegeben worden, oder hat vielleicht der Herr Landrat über den Fall selbst weiter berichtet? Husland. Oestreich- Ungarn. Der Rücktritt Apponyis Tiszas Debut. belvogen hätten, und stelle daher den Antrag, den Rücktritt Apponhis = Die Bürgermeister Wahl in New York willigt; da fie aber für diese Vergünstigung den höchsten, selbst füt unter dem Ausdrucke des Bedauerns zur Kenntnis zu nehmen und hat mit dem Siege des Tammany- Kandidaten Mac Clellan ge- den reichsten Bankier nicht überschreitbaren Satz von drei Mark pro ihm die Anerkennung des Hauses auszusprechen. Rakovszky endet. Er erhielt eine Mehrheit von 61 414 Stimmen. Grant, Tag Entschädigung verlangte und unser Genoffe natürlich ( flerikale Volkspartei) erklärt, falls der Nachfolger Apponyis gleichfalls Tammany- Kandidat, wurde mit ähnlicher Stimmen nicht in der Lage ist, diesen Betrag zu bezahlen, nicht dieselben Principien der Geschäftsführung anwenden, sondern mehrheit zum Leiter der New Yorker Stadtkämmerei gewählt. Der so mußte er auf die Selbstbeschäftigung ver Willkürakte begehen sollte, werde eine entschiedene Abwehr Reformkandidat und gegenwärtige Bürgermeister Seth Low hat 3ichten. Er muß nun Gras zupfen. Dadurch verdient er von seiten der Opposition nicht ausbleiben. An nur im Borough Richmond gefiegt. Von den fünf New Yorker für die Verwaltung vielleicht 50 Pfennig, pro Tag. Warum die der Debatte über den Antrag Szederkenyis beteiligten sich noch die Borough- Präsidenten sind vier Demokraten. Das bedeutet Verwaltung bei Selbstbeschäftigung nicht einfach diesen Verlust von Abgeordneten gron und Hock. Nach zweistündiger Debatte erscheint eine große Wandlung gegen die Wahlen vor zwei Jahren, wo 50 Pfennig vom Gefangenen als Ersay fordert, sondern gleich das Graf Apponyi im Sizungssaale und wird stürmisch begrüßt. Seth Low in allen Boroughs, mit Ausnahme des Borough Queens, Sechsfache( drei Mark) ist doch wirklich ein Rätsel. Sieht man Er ersucht, seine Demission als definitiv zu be siegte. denn nicht ein, daß durch diese unerhört hohe Forderung die Vertrachten, da er zu tief in die politische Kontroverse verwickelt Zu dem Sieg Mac Clellans haben auch die zahlreichen günstigung der Selbstbeschäftigung wieder hinfällig wird? Wer kann worden sei und sich daher nicht mehr als geeignet erachten könne, deutschen Bevölkerungselemente beigetragen, die sich durch die denn in enger dumpfer Zelle bei einigen Büchern drei Mark durch das Präsidium zu führen. temperenzlerische und namentlich in der Schulfrage deutschfeindliche schriftstellerische Arbeiten verdienen? Bei Tagesschriftstellern ist das Ministerpräsident Graf Tisza betritt nach einer Politik Seth Lows veranlaßt fühlten, dem Tammany- Kandidaten ihre ausgeschlossen, da man sie ja in ihrer Arbeit beschränkt und sie Pause mit den Mitgliedern des neuen Kabinetts den Sigungssaal. Stimme zu geben. politisch angehauchte oder die Religion verächtlich" machende Notizen Die rechte Seite des Hauses bricht in stürmische Beifallsrufe aus und Ueber die Gouverneurswahlen liegen folgende Nachrichten vor: nicht schreiben läßt. Wir erheben unablässig die Forderung, daß die empfängt das Kabinett mit lebhaften, sympathischen Kundgebungen. New York, 4. November. Nach den letzten Berichten über die Gefängnisse nur den ihnen durch Selbstbeschäftigung entgehenden Graf Tisza hält in der Hand das königliche Handschreiben über seine Wahlen in den Staaten haben die Republikaner in Verdienst von den Gefangenen als Ersatz fordern, nicht aber Ernennung und beantragt dessen Verlesung. Die Opposition verlangt Pennsylvanien eine Mehrheit von über 200 000 Stimmen einen vielleicht sechsfachen Betrag, der zwar sicher ein gutes Geschäft unter ungeheurem Lärm die Fortsetzung der Debatte über die erlangt. Zum Gouverneur von Ohio wurde der republikanische für den Fistus bedeutet, für mittellose Redakteure aber nicht zu Demission Apponyis. Ein Schriftführer verliest unter stürmischem Standidat mit einer Mehrheit von über 100 000 Stimmen gewählt. erschwingen ist. Das ist nur den Bankschwindlern und Wucherern Widerspruch der Opposition das fönigliche Handschreiben. Graf Die Republikaner zählen auch auf eine große Mehrheit in der Legis- vorbehalten, die sich dann im Gefängnis den Lurus der SelbstTisza ergreift das Wort. Er sagt, er werde seine Programm latur für die Wiederwahl des Senators Mark Hanna. In beschäftigung leisten können. Wird man dieser gerechten Forderung rede halten, sobald das Haus seine Ruhe wiedererlangt haben Massachusetts haben die Republikaner eine Mehrheit von endlich nachgeben?" werde. Inmitten des ungeheuren Lärms bleiben die weiteren 37 000 Stimmen erlangt. Die Berichte aus Maryland ergeben So tveit so gut. Wir schließen uns dem Protefte gegen diese Worte des Ministerpräsidenten unverständlich. Rakovszky erklärt, der den Sieg der Demokraten. Nebraska hat die ganze republikanische ganz ungerechtfertigte Erschwerung der Selbstbeschäftigung in jeder Präfident habe die Freiheiten des Hauses verletzt. Hollo beklagt sich Kandidatenliste gewählt. Kentucky dürfte demokratisch gewählt Beziehung an. Andrerseits können wir aber nicht umhin, unfre darüber, daß die Debatte über Apponyis Demission nicht beendigt haben. In Virginia haben die Demokraten, wie gewöhnlich, einen Verwunderung darüber auszusprechen, daß das Erfurter Parteiblatt worden sei; das königliche Handschreiben sei unter Verlegung der vollständigen Sieg errungen. den eingesperrten Redakteur nicht in die Lage versetzt, den für GeHausordnung verlesen. Hierauf erklärt Graf Tisza, nach der beIn Kentucky ist es zu blutigen Wahlkrawallen gekommen. An währung der Selbstbeschäftigung geforderten Betrag zu zahlen. Daß stehenden Praris des Hauses könne die Debatte immer unterbrochen verschiedenen Orten in Kentucky wurden bei gestern vorgekommenen dieser freiwillig darauf verzichtet, ist wohl nicht anzunehmen. Der werden zur Verlesung eines allerhöchsten Handschreibens. Er hoffe, Wahltumulten sieben Personen erschossen, zehn ver- im Dienste der Partei ins Gefängnis geratene Redakteur hat be daß im ungarischen Abgeordnetenhause diese Gepflogenheit stets beiwundet. In Virginien wurden zwei Personen gegründeten Anspruch darauf, daß ihm die Erlangung gewisser Haftbehalten und ein Handschreiben des Königs stets mit der schuldigen tötet. erleichterungen nicht durch Versagung der erforderlichen Geldmittel Ehrfurcht angehört werde. Kossuth fordert hierauf den Präsidenten unmöglich gemacht wird. des Hauses auf, abzudanken. Partei- Nachrichten. Aus dem Parteibureau wird uns geschrieben: In seiner Programmrede sprach Graf Tisza, wie weiter berichtet wird, aus, daß die Finanzen des Staates auf abschüssiger Bahn seien, und daß es eines starken Entschlusses bedürfe, wenn man finanzielle Schwierigkeiten verhindern wolle. Seine Politik werde Ein konkreter Fall ,, Volksblatt für Hessen und Waldeck", liberal fein; nationale Richtung mit voller Nr. 255 vom 31. v. M. giebt uns Veranlassung, darauf hinAchtung des Rechts und brüderlichem Gefühl zuweisen, daß es unzulässig und mit der Wahrnehmung der gegenüber den andren Nationalitäten Ungarn& Interessen der Partei unvereinbar ist, Firmen deshalb zu boykottieren, werde das zweite Grundprincip fein. Hierzu sei es weil dieselben sich weigern, in dem Parteiblatt zu inserieren. notwendig, daß die Agitatoren, die die fremdsprachigen StaatsLeider ist der Boykott in dem Kampf, den die Arbeiterklasse zur angehörigen gegen den Staat aufhezen wollten, nicht nur die Kraft Wahrung ihrer Interessen zu führen hat, nicht zu entbehren. Doch des Staates in ihrer ganzen Schwere zu fühlen bekämen, sondern dafür trifft die Verantwortung nicht die Arbeiterklasse, sondern auch sich fremdsprachigen, aber patriotisch fühlenden Staatsangehörigen ihre Gegner. Deshalb darf der Boykott auch nur im äußersten Notfall zur Anwendung kommen. gegenüber sähen. Frankreich. M Exkapitän Dreyfus hat seine der Familie Arconatti gemachte Zusage, an den Jagden auf deren Schlosse teilzunehmen, wieder rückgängig gemacht. In dem Absagebrief teilt Dreyfus mit, daß Kriegsminister André ihn ersucht habe, Paris nicht zu verlassen, da pie Revision seines Prozesses bevorstehe. Rußland. Als Unfug muß es bezeichnet werden, wenn sich der Verlag oder die Redaktion eines Parteiblattes herausnimmt, den Lesern des Blattes zu empfehlen, Geschäfte zu boykottieren, weil dieselben sich weigern, in dem Blatt zu inserieren. Die Verhängung des Boykotts darf nur nach sorgfältiger Prüfung der Verhältnisse, durch Beschluß der organisierten Arbeiterschaft des Ortes bezw. des Kreises geschehen. Niemals kann und darf ein Verlag oder die Redaktion eines Parteiblattes ein so gewagtes Experiment auf eigne Hand in Scene fezen, durch das den Gegnern Waffen in die Hand gedrückt werden, deren Anwendung die Partei schwer schädigen müssen. Einen Schandfleck Genosse Bebel spricht demnächst in Breslau über die Landtagswahlen. Zu dieser Versammlung wurden in Erwartung großen Andranges Karten ausgegeben- nur an organisierte Parteigenossen. Troßdem waren die Karten bald nach Beginn der Ausgabe so vollständig vergriffen, daß Hunderte von Parteigenossen zurückgewiesen werden mußten. Darüber entstand bei einigen Mitgliedern des socialdemokratischen Vereins, wie die„ Breslauer Volkswacht" bes richtet, eine solche Erregung, daß sie ihren Austritt aus dem sociol demokratischen Verein erklärten. Ein solcher Fall dürfte gewiß noch nicht dagewesen sein. " Der Verlag Richard Münch in Charlottenburg wendet sich an Parteiblätter mit der Empfehlung eines Werkes„ Münchs Haus. Die Blätter sollen das Werk als Weihnachtsprämie in großen Posten schatz, deutsche Dichtungen der Gegenwart und deutsches Stizzenbuch". erwerben. Um seine Leistungsfähigkeit als Geschäftsmann zu erweisen, beruft sich der Verleger darauf, daß es ihm gelungen sei, für eine von ihm verlegte Schrift die noch nie dagewesene Auflage von 2 600 000 zu erreichen. Es mag richtig sein, daß solche Auflage im Buchhandel noch nicht erreicht worden ist, die Mitteilung dieser Zahl ist jedoch auch nach der Richtung interessant, daß sie zeigt, wie weit fie hinter den Erwartungen der Scharfmacher zurückgeblieben ist. Es handelt sich dabei nämlich um nichts weniger wie die berüchtigte Fränkel Bürgersche Lügenbroschüre gegen die Social demokratie, die man bekanntlich in acht bis neun Millionen abzusetzen hoffte. Es spricht für die geschäftliche Ungeniertheit der Firma, daß sie fich bei Parteiverlagen einzuführen sucht unter Be rufung auf ihre Leistungen in der Socialistenvernichtung. Bei den Gemeindewahlen in Arnstadt wurde nur ein ParteiPartei entfalten kann. Vom Parteivorstand wurde in dessen heutiger Versammlung Genosse P. 2. Tat, eine anerkannt erste journalistische Kraft, zu seinem Nachfolger ernannt. 52 von 71 Abteilungen der Partet hatten diesen als Kandidaten für diesen Posten aufgestellt. Erklärung. Die Bewegung gegen die Privat Stellenvermittelung dehnt sich auch auf die übrigen Städte des Landes aus, so haben am Montag Demonstrationen der betreffenden Arbeitergruppen in Marseille, Lyon ind andren Orten stattgefunden. Die Bäckerei- Arbeiter von Paris waren am Montag wieder in der Arbeitsbörse versammelt und nahmen eine Resolution an, in welcher sie gegen jedes Gesetz protestieren, das nicht die sofortige Aufhebung der Stellenvermittelungsbureaus und zwar ohne Entschädigung verfügt. Jaurès polemisierte in der„ Petite République" gegen diesen Beschluß, indem er feststellt, daß der Senat niemals in eine entschädigungslose Aufhebung der Bureaus willigen werde. Beschließe die Kammer den Wünschen der Einen schweren Verlust hat die Partei in Sachsen erlitten. Der Bäckerei- Arbeiter gemäß, bedeutet das nur eine Verzögerung der Abgeordnete für den 22. fächsischen Reichstags- Wahlkreis, Genosse von den Arbeitern herbeigewünschten Reform. Uebrigens gebe ja Franz Hofmann, ist Mittwochabend in seiner Wohnung der§ 11 den Gemeindeverivaltungen das Recht der sofortigen Auf- in Chemnitz an einer Nierenerkrankung gestorben. Der Ver hebung der Bureaus( aber gegen Entschädigung), sofern anderweitig storbene, der nur ein Alter von 51 Jahren erreichte, gehörte genosse wiedergewählt, so daß wir jetzt nur noch zwei Mandate genügend für Stellenvermittelung gesorgt ist. der Partei seit langen Jahren an und war ein beliebter gegen bisher drei innehaben. Agitator, der gern gehört wurde. Von Beruf war er Cigarrenmacher. Den 22. Streis, der von 1877 bis 1878 von Auer und Aus Amsterdam schreibt man uns vom 31. Oktober: 1884 bis 1887 von Kayser vertreten wurde, vertrat er seit 1892 un- Am heutigen Tage trat Genosse P. J. Troelstra, Hauptunterbrochen, nachdem in der Zwischenzeit der Kreis an den Kon- redakteur des holländischen Parteiblattes" Het Volk", von der Leitung servativen Kurtz übergegangen war. Infolge Beförderung mußte desselben zurück, die er seit Errichtung desselben inne hatte. Mit dieser 1892 zurücktreten und bei dieser Wahl wurde der Kreis end- streitbarem Kampfesmut trat er in unserm Blatte, wie auch sonst, gültig von uns erobert. Bei der letzten Wahl wurde Hofmann bei stets den zwei Erbfeinden der Socialdemokratie in den Niederlanden einer Beteiligung von über 86 Proz. mit 19 100 Stimmen gegen entgegen, der Bourgeoisie, aber nicht weniger auch dem alles zersetzenden Die Kischinewer Excesse in amtlicher Beleuchtung. 12 900, die für Hoensbroech abgegeben wurden, wiedergewählt. Auch Nieuwenhuisschen Anarchismus und zwar mit stets steigendem Der Vossischen Zeitung" wird aus Petersburg geschrieben: dem fächsischen Landtage gehörte der Verstorbene jahrelang an. Die Erfolge. Seine vielseitige anderweitige Parteithätigkeit, an Die Anklageschrift gegen die erste Gruppe der Rischinewer Ercedenten Parteigenossen werden ihm stets ein treues Andenken bewahren. erster Stelle als Abgeordneter des dritten Amsterdamer Wahlkreises ist den Beteiligten ausgehändigt worden. Zugleich ist sie auch andren zur Zweiten Kammer und als erster Propagandist, verhinderte ihn, Leuten zugegangen, darunter dem einflußreichen antisemitischen Blatte die Leitung unsres Blattes gerade in letzter Zeit so wahrzunehmen Nowoje Bremja", das sich durch den Inhalt des offiziellen hat die„ Post" wohl Herr M. Lorenz an der Socialdemokratie wie die Bedeutung unsrer Partei es erheischt. Unser Blatt verliert Aktes veranlaßt gefunden hat, in der heftigsten Weise gegen die entdeckt." Weil er im Augenblick nichts Besseres gewußt zu haben an Troelstra zwar eine erste Kraft, andrerseits aber kann die Partei Justizbehörde vorzugehen. Die Ergebnisse der Untersuchung sind scheint, ist er beim Studium unsrer Parteitags- Protokolle auf die als solche sich nur beglückwünschen, daß er seine allseitig, selbst von in der That äußerst unbequem für die Freunde und Gönner Angelegenheit der Unterstützung der Effener Meineidsopfer gestoßen gegnerischer Seite, voll anerkannten glänzenden Eigenschaften als der„ Nowoje Wremja". Nicht nur die wichtigsten Behauptungen der und da ist ihm der„ Schandfleck" eingefallen. Es soll nämlich nicht Barlamentarier in voller Kraft und zum weiteren Gedeihen der antisemitischen Presse werden dadurch Lügen gestraft, sondern auch weniger als ein Verbrechen gegen den§ 246 des Strafgesetzbuches bedie wesentlichsten Angaben der offiziellen Bekanntmachung des gangen worden sein, weil das auf Veranlassung unsrer Partei von Ministers des Innern, die ein paar Wochen nach den Kischinewer unsern Parteigenossen gesammelte Geld damals nicht bei Heller und Unruhen durch den offiziellen Draht in alle Welt hinausgeschickt Pfennig an die Verurteilten und ihre Familien verteilt worden ist. worden war. Die offizielle Darstellung der Ereignisse enthielt, In einem Anfall von Ehrlichkeit verschweigt der Inspirator der wie erinnerlich, folgende zwei Behauptungen: 1. Die einheimische Post" seltsamerweise nicht einmal die Thatsache, daß das Verfahren Bevölkerung Bessarabiens sei durch die jüdische Ausbeutung in eine in der Eisener Unterstüßungssache durchaus, wie auf dem ParteiVerfassung gebracht worden, daß der geringste Anlaß den heftigsten tage 1898 festgestellt wurde, den Absichten der Geldgeber entsprach Wutausbruch hervorrufen mußte, 2. der Anlaß sei von Juden selbst und daß der zurückbehaltene Fonds auch in Zukunft noch zu etwa Genossen A. Spieler, 2. Werner, B. Budzinski, S. Pacyna, In der ersten Beilage Nr. 255 des„ Vorivärts" fühlen sich die geliefert worden; am ersten Tage der Excesse dadurch, daß ein erforderlich werdenden Unterstützungen der damaligen Berurteilten B. Koczorowski veranlaßt, cine Erklärung zu veröffentlichen, die in jüdischer Starussellbesitzer eine christliche Frau gestoßen habe, so und ihrer Angehörigen dienen soll. Allerdings auch zur feiner Weise den Thatsachen entspricht. daß ihr kleines Kind, das sie in den Armen hielt, zu Boden fiel; Unterstügung ähnlicher Fälle. Die" Post" weidet sich in am zweiten Tage dadurch, daß ein großer Haufe bewaffneter Juden Entrüstung darüber, daß das Geld den Opfern des Essener Prozesses hörten, revidierte laut Protokoll die Verhältnisse der„ Gazeta Ludowa" Die Revisionskommission, zu der auch die Unterzeichneten geam frühen Morgen eine fleine Schar wehrloser Christen überfallen nicht auf einmal und nicht ganz gegeben wurde. Sie wären die am 14. Juli, also in der ersten Hälfte des Monats, wo noch ein und einen Christen getötet hätte. Diese Behauptungen der amtlichen rechtmäßigen Eigentümer gewesen, behauptet sie, und ihnen sei es größerer Posten der Abonnementsgelder ausstand, wie das ja immer Darstellung wurden dann von der gesamten antisemitischen Presse veruntreut. des In- und Auslandes als Stützpunkte benutzt, um die Schuld an der Fall ist bei Arbeiterblättern. Solche Veruntreuungen" werden recht oft begangen. Wir der Kischinewer Judenmezelei auf die Durch vorherige mangelhafte Kontrolle und die Unfähigkeit des - Juden zu wälzen. Und wollen gar nicht an die Verwendung des berühmten Otto- Pfennigs derzeitigen Expedienten war eine genaue Feststellung der Abonnentennun sind diese selben Behauptungen von der gerichtlichen Unter- erinnern; bei allen Hilfsaktionen, die infolge großer Unglücksfälle zahl aus den Büchern nicht möglich, auf dringendes Monieren gab suchung vollständig widerlegt worden. eingeleitet werden, wird so verfahren. Uns steigt die Erinnerung an der Expedient aus seinen Notizen ungefähr die Zahl vierzig an, Die einheimische moldauische Bevölkerung hat sich an den eine Hilfsaktion auf, die infolge eines ungeheueren Unglücks vor wobei jedoch unberücksichtigt blieben die Post- und KreuzbandExcessen verhältnismäßig wenig beteiligt und sich ihnen überhaupt mehr als dreißig Jahren eingeleitet und unter gesetzlicher Sanktion Abonnenten, auch diejenigen, die für einen größeren Zeits erst später angeschlossen. Die Mehrzahl der Ercedenten bestand noch bis heute fortgeführt wird. Im Jahre 1869 verunglückten in den abschnitt schon vorher Abonnementsgeld eingesandt haben, wie aus russischen Arbeitern aus entfernten Gegenden, die alljährlich um Bergwerfen des Plauenschen Grundes( Kgr. Sachsen) 276 Bergleute dies thatsächlich von auswärtigen Abonnenten geschehen ist. die gleiche Zeit nach Kischinew konumen, wo die Arbeitslöhne höher infolge schlagender Wetter. Sie hinterließen gegen 1000 hilfs- Auch ist dabei übersehen worden, daß einzelne Kolporteure bis dahin find als in Mittelrußland. Diese Arbeiter konnten offenbar eine bedürftige Angehörige. Eine Sammlung wurde eingeleitet, zu der ihre eintassierten Gelder noch nicht alle abgeführt hatten. So entAusbeutung durch die Juden nicht empfinden, selbst wenn eine solche aus aller Herren Länder gegen 11 Millionen Mark gegeben wurden. stand jene Legende von 37 Abonnenten. vorhanden gewesen ist. Eine Herausforderung seitens der Juden Das Hilfskomitee, dem staatliche Verwaltungsbehörden angehörten, hat die Untersuchung nicht festgestellt. Sowohl die Geschichte von Posen, den 2. November 1903. Schulz. dem jüdischen Karussellbesizer wie die von der Ermordung eines Christen haben sich als Erfindungen herausgestellt. Die Untersuchung Sremski, Vorsitzender der Posener Agitationskommission. hat für die erste Geschichte gar keine thatsächliche Unterlage finden fönnen, für die zweite nur ein falsches Gerücht, das dadurch entstanden war, daß ein Christ von Juden geschlagen worden war. In diesen Punkten hat die Darstellung der amtlichen Bekanntmachung durch die gerichtliche Untersuchung eine Widerlegung erhalten. In einem Punkte ist die amtliche Darstellung in vollem Maße beſtätigt worden, nämlich in Bezug auf die Thätigkeit oder, besser gesagt, Das Unterstüßungwert läuft, wie gesagt, noch heute, es ist noch die Unthätigkeit der Polizei. Die Anklageschrift besagt, daß die jetzt eine sehr beträchtliche Summe Geld vorhanden und es ist aus Polizei den Krawallen unthätig zugesehen hat, und fügt hinzu, daß drücklich angeordnet, daß der Ueberreft zu einem dem dieses Verhalten der Polizei bei dem Volke den Glauben erweckt 8 toede des gegenwärtigen Unterstübungswertes habe, die Erceffe gegen die Juden seien mit Bewilligung der Re- berwandten gemeinnügigen 3wede nach der Bes gierung in Scene gesetzt worden. stimmung der Staatsregierung" zu verwenden sei. Genau so ist unser Parteivorstand unter Zustimmung der Geldfind, verfahren. Dieses Schandfleckes" braucht sich die Social: geber und derjenigen Stellen, die ihm Decharge zu erteilen berufen demokratie nicht im geringsten zu schämen. Amerika. cirkulieren Eine Petition an den zaren, in welcher gegen die Judenmezeleien in Kischinew protestiert wird, haben die Russen in den Vereinigten Staaten laffen. Dieselbe wurde mit 50 000 Unterschriften bedeckt. Da der Zar die Annahme der Betition verweigerte, so wird dieselbe jetzt auf Wunsch des Präsidenten Roosevelt dem Archiv der Minister des Aeußern einverleibt. " stellte als Hauptgrundsay seines Verteilungsplanes den Satz auf: „ Daß den Empfängern ein maßgebender Einfluß auf die principielle Begründung des Verteilungsplanes nicht zugestanden, ja daß selbst eine Verpflichtung zur Rechnungslegung den Hinterbliebenen gegenüber nur in den Sinne anerkannt werden könne, daß die Rechnung und ihre Grundlagen zu veröffentlichen seien, sie aber im übrigen sich bei der Decharge zu beruhigen hätten, welche die Hauptsammelstellen sich auf dem ihnen geeignet erscheinenden Wege verschaffen würden." * Erwiderung. " Da ich keine Neigung für Kautskys Zumutung verspüre, uns gegenseitig in der Partei als Feinde zu behandeln und Schuften oder Narren gleichzustellen, gehe ich auf seine Erklärung im Vorwärts" vom 3. November nicht näher ein, sondern stelle lediglich fest, daß Kautsky für seine in der Nenen Zeit" veröffentlichte Behauptung, der Revisionismus verfolge Mehring wegen dessen theoretischer Klarheit mit wütendem Hasse, auch nicht die Spur eines Beweises erbracht hat. Berlin, den 4. November 1903. Ed. Bernstein. V Zur Richtigstellung. von 34 Genossen unterschrieben, sich gegen eine Fortsetzung der Jm heutigen Vorwärts" ist eine Zuschrift abgedruckt, welche, Debatte Braun- Mehring wandte. Den Unterschriften war zum Schluß in Klammern hinzugefügt: Personal der Orts- Krankenkasse der Kaufleute. Unterzeichneter ist beauftragt zu berichtigen, daß dieser Zujah ohne Wissen und Willen der Unterzeichner „ Die Staatsanwaltschaft hatte Genossen Sommer, der gestern erfolgte, vielmehr eigenmächtig von dem Genossen Nieger hinzufeine viermonatliche Strafe angetreten hat, Selbstbeschäftigung be- I gesetzt ist. Preßsünder im Erfurter Gefängnis. Wir lesen in der„ Erfurter Tribüne": Das Personal unsrer Kasse besteht aus 74 Personen und es haben die Unterzeichner nur als Einzelinteressenten ihre Unterschrift gegeben, weil sie inhaltlich mit der Zuschrift einverstanden waren. Berlin, 4. November 1903. Der Arbeits- Ausschuß des Personals der Orts- Krankenkasse der Kaufleute. J. A. D. Schultzki. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. und | In Weimanns Boltsgarten hatten sich die Genossen bevorstehenden Wahlen wurde die Neuwahl des Vorstandes vom Gesundbrunnen so zahlreich eingefunden, daß die Tische sowie Bericht desselben bis zur nächsten Versammlung vertagt. An aus der Saale entfernt werden mußten, um für die Erschienenen Stelle des ausgeschiedenen Genossen Nieder als 2. Beisitzer wurde genügend Platz zu schaffen. Schon lange vor Ankunft des Referenten Ba de gewählt. Bei der Aufstellung der Kandidaten zur Stadtfah man die Genossen in angelegentlichster Unterhaltung begriffen verordnetenwahl entspann sich eine ausgedehnte Debatte, da über die etwaigen Wahlaussichten sowohl der einzelnen Abteilungen als der Vorstand den Genossen des siebenten Bezirks den von ihnen des ganzen Kreises. Daß es dabei nicht an drastischen Bemerkungen über nominierten Kandidaten, den Genossen Brill, abgelehnt hatte. das famose Wahlrecht fehlte, ist wohl nicht besonders verwunderlich. Es wurden aufgestellt im 1. Bezirk Paul Hirsch, im 2. Bezirk Heiterfeit erweckte auch die Mitteilung, daß die Freisinnigen Heinrich Vogel, im 3. Bezirk Dr. med. 3epler, im 4. Bezirk Dörre, am Montag ihre" voraussichtlichen Urwähler eines Stadtbezirks zu im 5. Bezirk Ferdinand Pasche, im 6. Bezirk August Sellin, im einer Besprechung in Ballschmieders Lokal zusammengetrommelt 7. Bezirk sidor Rosenthal und im 8. Bezirk Paul Hirsch. hatten. Aus vier Urwahlbezirken waren ganze sieben Mann Friedenau. Die legte Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins Hausfriedensbruch unter Mithilfe von Polizeibeamten. erschienen. Drei davon gehörten dem Wahlkomitee an, und die In der Alexanderstraße verursachte der bekannte Herr Meinide übrigen vier waren zünftige Irwähler. Mit süßsaurer Miene haben beschäftigte sich besonders mit den bevorstehenden Landtagswahlen. Es wurde beschlossen, Protest zu erheben gegen den frühzeitigen gestern wieder eine turbulente Scene. Vor dem Arbeitsnachweis des dort die Komiteeherren erklärt, in der dritten Abteilung werde wohl Wahlbeginn( 11 Uhr vormittags), wodurch der arbeitenden BeHolzindustriellen- Verbandes standen in Ausübung ihres ihnen gesetz- meistenteils nichts zu machen" sein. Jedoch sollen die Wähler der lich zustehenden Rechtes zwei Holzarbeiter. Dieselben wurden von zweiten und ersten Abteilung möglichst persönlich aufgesucht bölkerung zufolge der damit verbundenen größeren Arbeitsversäumnis, erhebliche Lohnverluste entstehen. Weiter wurde einHerrn Meinicke belästigt und unmotivierterweise mit Sistierung zu Gunsten der Freisinnigen bearbeitet werden. Wie anders hat es dagegen in bedroht. Um dem Herrn aus dem Wege zu gehen, begaben sie sich ganz den socialdemokratischen stimmig angenommen, daß sich die Genossen, da sie wegen der in das gegenüberliegende Lokal von Cibrovius. Kurz nach ihnen Bezirksversammlungen ausgesehen. Stets vollzählig waren die gerade in diesem Orte obwaltenden Verhältnisse in der 1. und an den stürzte Herr Meinicke in das Lokal, hinter sich einen Schußmann, und Genossen erschienen, um jeder sein Teil der zu verrichtenden Klein- 2. Abteilung überhaupt gar nicht in Frage kommen, nur verlangte die Sistierung einer Anzahl Gäste, die teilweise mit dem arbeit zu übernehmen, obwohl sie durchaus nicht alle so überaus Wahlen der 3. Abteilung beteiligen, worauf alsdann die Aufstellung der Wahlmänner erfolgte. Unter Verschiedenem wurde über eine Holzarbeiter- Verband gar nichts zu thun hatten. Der Wirt, der begeisterte Anhänger der Wahlbeteiligung sind, sondern sich nur als Der Wirt, der begeisterte Anhänger der Wahlbeteiligung sind, sondern sich nur als hiesige Lofalangelegenheit gesprochen und ein Antrag des Genossen Herrn Meinicke bereits früher das Lokal verboten und ihn noch gute Parteigenossen den Parteibeschlüssen unterordnen. wegen Hausfriedensbruchs zur Anzeige gebracht hat, warf den Mann Die Versammlung folgte dann den Ausführungen des Re- Kunkel, die Bibliothekordnung seitens des Schriftführers auf hektoeinfach zur Thür hinaus, und der Schutzmann, der eine ruhig sich ferenten Dr. Leo Dr. Leo Arons, der über die Aufgaben des graphischem Wege für die Mitglieder herstellen zu lassen( um Stosten unterhaltende Gesellschaft vor sich sah, entfernte sich, da er feinen preußischen Landtages sprach. Keiner habe diese Aufgaben wohl zu sparen), angenommen. Anlaß zum Einschreiten sah. präciser zusammengefaßt, wie Bebel auf dem Kölner Parteitage, als Rummelsburg. Das hiesige Gewerkschaftskartell nahm in seiner Damit schien die Sache zunächst erledigt. Sie sollte es aber er sich gegen die Beteiligung an den Landtagswahlen erklärte. Teßten Sigung Stellung zu der vom Centralverein für Arbeitsnicht sein. Nachdem aber ein Umschwung der Meinungen eingetreten war und nachweis geplanten Gründung einer Filiale obigen Vereins in Es dauerte nämlich nicht lange, so erschien der beharrliche die Partei jetzt unmittelbar vor der Wahl stehe, so erörtere er mit Rummelsburg. Hausfriedensstörer Die Vertreter der hiesigen Gewerkschajien stehen dem sympathisch abermals, diesmal in Begleitung doppelter Freude die einzelnen Punkte der von Bebel so prägnant von nicht weniger als fünf Schußleuten. Der Wirt stellte den Schutz- gezeichneten Aufgaben des Landtages. Nach einer treffenden Cha- gegenüber, wünschen aber, daß diese Gründung nicht nur auf Teuten bereitwilligst den Eintritt in das Lokal frei, verweigerte ratterisierung der preußischen Landesgesetzgebung ging Redner dann Rummelsburg beschränkt bleibt, sondern auch auf die umliegenden Herrn Meinide aber abermals den Zutritt. Num auf unser Verhältnis zu den Freisinnigen über, dabei auf seinen in Orte wie Stralau, Friedrichsberg, Friedrichsfelde, Ober- und Nur dadurch, daß ereignete sich etwas, was bisher wohl in der Geschichte der Berliner früheren Reden geäußerten Standpunkt und auf die wohlerwogenen Nieder- Schöneweide 2c. ausgedehnt wird. Streits und Aussperrungen einzig dasteht. Die Polizei verschaffte Beschlüsse der Preußenkonferenz verweisend. Stürmischer Beifall der Wirkungskreis dieser Filiale ein möglichst ausgedehnter wird, für die gesamte Arbeiternämlich Herrn Meinicke gegen das ausdrückliche Verbot erscholl, als er die Anwesenden zum Schlusse aufforderte, im dritten fann diese Filiale nußbringend Aus praktischen und taktischen Gründen wäre des Gastwirts Eingang in das Lokal, sistierte den Berliner Landtags- Wahlkreise so zu arbeiten, daß hier irgend welcher schaft wirken. der Siz der Filiale aber im Mittelpunkte dieser Ortschaften, also Gastwirt und ermöglichte so dem Herrn die abermalige Ausführung Kuhhandel mit den Freisinnigen gar nicht erst nötig werde. eines Hausfriedensbruchs! Das Lokal war von Leuten gefüllt, die In der Diskussion meldete sich darauf ein Herr Neumann Rummelsburg zu belassen, da dieser Ort von allen Orten bequent, Die Zuteilung der andern Orte zum größten Teil nicht einmal Holzarbeiter waren, noch weniger mit zum Wort, der sich zwar zu keiner bestimmten Partei bekannte, den schnell und billig zu erreichen ist. dem Streitpostenstehen etwas zu thun hatten. Herr Meinide drang Genossen jedoch nahezulegen suchte, zwecks Schwächung der wäre deshalb zu empfehlen, weil dort die Industrie zur Zeit schon mitten durch die Leute, die sich natürlich erhoben hatten, und wollte Reaktion gleich von vornherein für die Freisinnigen zu stimmen. Er stark vertreten ist und sich im Laufe der Zeit noch bedeutend ausdie bezeichnen, die er verhaftet wissen wollte. Dabei kam es zu entwickelte seine Ansichten unter vollster Ruhe der Versammlung. dehnen wird. einem Gedränge, das den nervösen Herrn derart erregte, daß er Dr. Arons machte dem Redner später klar, daß wir auf solche Art seinen Schirm erhob und rücksichtslos auf einen vor ihm Stehenden die Bildung einer kompakten Reaktionsmehrheit, die heute schon durch einſchlug. Nun entſtand eine allgemeine Empörung, in der Herr das Centrum und die Konſervativert gebildet werde, doch nicht Letzte Nachrichten und Depefchen. Meinicke von der Menge in der ersten Erregung in eine Ecke ge- hindern könnten. Sollten es aber die Konservativen diesmal selbst drängt, dann aber in rascher Erkenntnis der Situation freigelassen zu einer Majorität bringen, so sei das nicht unfre, sondern lediglich Stadtverordnetenwahl in Görlitz. wurde, da die Anwesenden nicht Luft hatten, auf die Provokationen der Freisinnigen Schuld, weil diese in ihrer selbstmörderischen StarrGörlitz, 4. November.( Privatdepesche des„ Vorwärts".) Zum des Herrn einzugehen. Auf der Straße hatte sich inzwischen eine töpfigkeit jede Verständigung mit der Socialdemokratie ablehnen. Es große Menge von Menschen angesammelt, aus der Herr Meinide prachen alsdann noch die Genossen ager und Hesse. Zum erstenmal fiegten bei der Stadtverordnetenwahl zwei unsrer Genossen; schnell noch zwei junge Leute zur Siftierung herausgriff. Die Be- Schlusse forderte der Vorsitzende Herfurth zu pünktlichem Antritt drei kamen außerdem in die Stichwahl. zeichneten wurden auch wirklich sistert. am Wahltage auf. Die Volksversammlung in Senfels Salon in der InvalidenAusweisung russischer Spikel. Viel weniger gefällig als gegen Herrn Meinide war die Polizei gegen die Leute, welche nun die Verhaftung Meinickes oder auch nur die Feſtſtellung seiner Personalien forderten. Hier schlug die Bereitwilligkeit in das Gegenteil um. Aber trotz aller Hilfe, die Herrn Meinide zu teil wird, wird in furzer Zeit der Arbeitsnachweis der Holzinduſtriellen doch aufs Trockene gesetzt und Herr Meinicke überflüssig sein. anwesend, darunter Rührt daher die Wut? Der Streit der Bühnenarbeiter im Metropol- Theater ist beendet. Die Wünsche der Angestellten, welche zum Streit führten, sind erfüllt worden. Deutfches Reich. In die Redaktion des„ Correspondent für Deutschlands Buch drucker" trat mit dem 1. November der Genosse Willi Krahl ein. Derfelbe war bisher als Buchdrucker in der Druckerei der Magdeburger Volksstimme" thätig und war der Hauptleiter der Buchdruckerbewegung in Magdeburg. " Sociales. Achtuhrschluß und Konsumvereine. Der„ Wochenbericht der Großzeinkaufs- Gesellschaft" beschäftigt sich mit den Bestrebungen der hiesigen organisierten Handlungsgehilfen um die Herbeiführung des Achtuhrschlusses. In Anknüpfung an die Verhandlungen der Berliner Gewerkschaftskommission am 8. Oftober über den Gegenstand und die dazu beschlossene Resolution( Siehe „ Vorwärts" Nr. 237) macht das Blatt auf die Konsumvereine aufmerksam, indem es schreibt: ver genommen werden!) Deputiertenkammer. straße zeugte durch zahlreichen Besuch sowie durch die gespannte Auf- Frankfurt a. M., 4. November.( B. H.) Wie der Frankfurter merksamkeit und den starken Beifall, die dem Vortrage des Reichs- Zeitung" aus Genf gemeldet wird, ist die Untersuchung über die tags- Abgeordneten Pfannkuch gewidmet wurden, für das wachsende Thätigkeit des russischen Spigels Rabinowitsch nunmehr beendet. Interesse, das die Arbeiterschaft den bevorstehenden Landtags: Nachdem das Resultat dem Bundesrat mitgeteilt worden war, iſt beder Nebensaal waren voll besetzt; es waren gegen 700 Personen helfer auszuweisen.( In Preußen wird der Spigel sicher gastlich aufSowohl der große Saal als auch schlossen worden, nicht nur Rabinowitsch, sondern auch seinen Helfersauch eine Anzahl Frauen. Der Referent gab in seinen fesselnden Ausführungen einen Ueberblick über die geschichtliche Entwicklung der Verfassungsverhältnisse Preußens. Es machte einen tiefen Eindruck auf die Versammelten, Paris, 4. November.( W. T. B.) Die Beratung des Budgets als der Redner ihnen vor Augen führte, wie das preußische Wolf des Ministeriums des Innern wird wieder aufgenommen. Forrette nach den sogenannten Befreiungskriegen und dann wiederum nach( Nationalist) beantragt die Streichung der Kredite für die geheimeu der 48er Revolution um den Preis des Kampfes geprellt und be- Fonds. Ministerpräsident Combes erklärt, die Kredite seien eine trogen wurde, welche Mißgestalt eines Wahlrechts dem Volke Notwendigkeit für die Regierung, die aus der Annahme derselben schließlich aufgezwungen wurde, wie infolge dieser erbärm- eine Vertrauensfrage mache. Die Kredite werden darauf mit 314 des Staates leiden lichen Verhältnisse alle Kulturaufgaben gegen 225 Stimmen genehmigt. und wie die übermütige und, wenn es ihr nötig erscheint, Das Budget des Ministeriums des Innern wird genehmigt. gegen Regierung und Krone rebellierende Junkersippe alles zu hinter Bei der damn folgenden Beratung des Stultusbudgets unterzieht treiben weiß, was einmal zu Gunsten des Volkes geplant wird. Abbé Gayraud die Politik der Regierung in religiöser Beziehung Der Redner fennzeichnete die unzuverlässige und feige Haltung, die einer Stritit, spricht sich besonders dagegen aus, daß gegen Geistder Liberalismus so oft bewiesen hat, und zeigte schließlich, daß nur liche die Gehaltssperre in Anwendung gebracht werde, und ver durch thatkräftige Beteiligung der Arbeiterschaft an den Landtags- langt, daß den Geistlichen das Recht zustehen müsse, ihre Pflichten wahlen Besserung der Zustände möglich ist. Nachdem sich noch als wähler zu erfüllen und die Religion in der Kirche und Sabor und der Vorsitzende Bittdorf in gleichem Sinne ge- außerhalb derselben zu verteidigen. Allard( Soc.) tritt für einen äußert und zu eifriger Teilnahme an den Wahlarbeiten aufgefordert Abänderungsantrag ein, der Aufhebung des Kultuss hatten, wurde die Versammlung mit Hochrufen auf die Social- budgets vorsieht. Ministerpräsident Combes erklärt, dieser Abdemokratie geschlossen. änderungsantrag sei unzeitgemäß und unlogisch. Die Frage könne Auch im Berliner Prater hatte sich eine zahlreiche Menge nicht auf dem Wege der Budgetberatung gelöst und zu ihrer Lösung versammelt und nahm regsten Anteil an dem Gemälde preußischer müßten vorbereitende Maßnahmen getroffen werden. Mit dieser Resolution, gegen die principiell nichts einzuwenden Polizei- und Kulturherrlichkeit, das hier Genosse Hermann änderungsantrag wird hierauf mit 312 gegen 205 Stimmen ab ist, soll eine Attion eingeleitet werden, die von vornherein ein Schlag Schubert in großen Zügen entwarf. Die Empörung der gelehnt und das Kultusbudget genehmigt. ins Wasser ist und bleiben muß. Glaubt man und ist man der Versammlung wurde laut über all die reaktionären EinrichMeinung, daß der Konsument die Kraft ist, von der man sich tungen und feudalistischen Ueberbleibsel in Preußen- Deutschland, die nur die Erringung des Achtuhr- Ladenschlusses verspricht, so hat man aufgezählt werden brauchen, um schon„ Empörer" schaffen. Und Genosse Schubert verstand es, in Paris, 4. November.( W. T. B.) Der Gemeinderat beriet heute eines vergessen, die Konsequenz zu ziehen und dem Ausdruck zu Wesens Schattenseiten hineinzuleuchten. Mehr als eine Tagesordnung bezüglich des Vorgehens der Polizei am 29. v. M. zu geben, daß in erster Linie die Geschäfte zu unter- ihres die den Achtuhr stützen find, mehr als ein Hohngelächter über und des Eindringens in die Arbeitsbörse und nahm eine TagesLadenschluß und noch viel ein vielstimmiges Sehr richtig! mehr durchgeführt haben: das sind die Konsumgenossenschaften. den Gegensatz zwischen der verfassungs- papiermäßigen Freiheit des ordnung an, durch welche die Rechte der Stadt Paris gegenüber der Eine Tagesordnung, Vereint mit diesen können die Gewerkschaften unbedingt das erreichen, preußischen Bürgers und Preußens Polizeistaat wirklich Stadtpolizei in Anspruch genommen werden. was man erstrebt, wenn man nur ernstlich will; dann wird auch teit begleiteten den lebhaften Redner auf seinem Spaziergange durch wonach alle Beziehungen mit der Polizeipräfettur so lange abvon Gesetzes wegen notgedrungen der Achtuhr- Ladenschluß para den lieblichen Garten preußischer Kultur. Seinen Mahnruf an die gebrochen werden sollen, als Lépine an ihrer Spike stehe, wurde graphiert werden müssen. Urwähler, daß jeder am 12. November auf dem Posten sein müsse, abgelehnt. Es sind heute schon ca. 60 Verkaufsstellen der hiesigen Konsum- schloß Redner mit dem Streitruf:" Nieder mit der Reaktion! Hoch genossenschaften vorhanden und was liegt näher? Die Verkaufs- die Socialdemokratie!" Ein Beifallssturm aus der kampfbegeisterten andtag nahm in der Specialdebatte die gesamte geänderte Nach einer kurzen Debatte im Sinne stellen können noch immerhin den fünf- bis zehnfachen Umsatz des Hörerschaft antwortete ihm. jezigen bewältigen; weitere Berkaufsstellen lassen sich mit Leichtigkeit des Referats schloß die Versammlung mit Hochrufen auf die völker- Geschäftsordnung einschließlich des Ausschließungsparagraphen mit der Abänderung an, daß der Antrag auf Ausschließung nur eröffnen, ohne daß die Arbeiterorganisationen auch nur einen Feder- befreiende Socialdemokratie. vom Landmarschall gestellt werden kann, worauf der Antrag strich dazu thun und auch nur einen Pfennig dazu zu steuern haben. Charlottenburg. Am 29. Oktober cr. hielt der hiesige Wahl- dem Disciplinar- Ausschusse zugewiesen wird, der ohne weitere: Sie brauchten nur auf ihre Mitglieder dahin zu wirken, daß sie berein seine Generalversammlung im Voltshause, Rosinenstr. 3, ab. Appell an den Landtag über die Ausschließung beschließt. Das Mitglied werden und in den eignen Geschäften kaufen, um Genosse Pasche gab den Bericht der Stadtverordneten- Fraktion. Haus nahm ferner in Anwesenheit der erforderlichen Anzahl der das Unternehmen zu sichern, und ein herrlicher Sieg wäre zu Redner betonte, daß die Fraktion sich stets bewußt gewesen Landtagsmitglieder mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit die Abverzeichnen. sei, daß sie Vertreterin der Socialdemokratie sei und sich änderung der Landesordnung an, welche durch den angenommenen Schon der Hinweis, daß man diesen Schritt thun wird, würde den Gewerbetreibenden start in den Gliedern liegen. Die Kon- das Programm der Socialdemokratie stets als Richtschnur ge- Ausschließungsparagraphen der Geschäftsordnung erforderlich ist. nommen hätte. Die Fraktion, meinte Redner, sei für unkurrenz der Genossenschaften würde veranlassen, die Forderung auf London, 4. November.( W. T. B.) Drei Armenier, deren D M Der Magistrat von Paris gegen die Polizeikanaille. Der AbWien, 4. November.( W. T. B.) Der niederöstreichische Der Richtuhr- Sabenſchluß anzuerkennen, wie ja thatsächlich heute entgeltliche Lieferung der Lehrmittel eingetreten; jedoch sei dieſer Namen mit Gregorian, Szmician und Karapetian angegeben schon die Genossenschaften als Preisregulator und auch in andren Antrag von den Gegnern abgelehnt worden. Dem Antrage, freies werden, gingen heute im armenischen Viertel Peckham ,, wo Beziehungen vorbildlich wirken. Will man also ernstlich den Frühstück zu liefern, haben sich die Gegner dadurch zu entziehen gekürzlich der Armenier Sagouni ermordet wurde, Achtuhr- Ladenſchluß, so möge man sich sagen, daß der Weg dahin wußt, daß fie 3000 Mt. an den Volksküchenverein gaben, damit dieser plöglich feuerte ein mit zwei Revolvern bewaffneter Mann, der über eine nachhaltige Unterstützung der Konsumgenoſſenſchaften führt." den allernotdürftigsten der Kinder solches gebe. Auf dem Gebiet auch ein Armenier sein soll, gleichzeitig auf Gregorian und Szmician der Armenpflege sowie in der Wärmehallenfrage feien sie Schüsse ab, die tot niederfielen, und dann auf Karapetian, der verenergisch für die Interessen der Notleidenden eingetreten. wundet wurde. Der Mörder verübte Selbstmord. Es heißt, daß Wenn in betreff der Wohnungsfrage gerade in Charlottenburg so die Opfer Mitglieder des hiesigen armenischen Centralkomitees waren. wenig geschehen sei, so sind hier einmal die Gegner und zweitens die geradezu unverständliche gesetzliche Bestimmung, daß die Hälfte der Stadtverordneten troß der Dreiklassenwahl auch noch Hausbesizer sein müsse, daran schuld. Redner geißelte das Bestreben der Stadtverordneten- Versammlung, die Wahlzeit zum preußischen Landtag auf nachmittags 2 Uhr festzusetzen. Verfammlungen. Zur Agitation für die Landtagswahlen veranstalteten die Parteigenossen des sechsten Reichstags- Wahlkreises ( dritten Berliner Landtags- Wahlkreises) am Dienstag vier öffentliche Bersammlungen. unter Washington, 4. November.( Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Regierung der Vereinigten Staaten erhielt heute früh ein Telegranum aus Panama, in welchem sie ersucht wurde, neue Regierung anzuerkennen. Die Behörden wissen hier noch nicht, wer die neue Regierung bildet, und haben deshalb auf Jm Kolberger Salon sprach Genosse Paul Hirsch. Der lebhafte Beifall, welcher seinen Ausführungen zu teil wurde, An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Sporer, dieses Gesuch nichts veranlaßt. Sollte der Protest der amerikanischen zeugte dafür, daß die Zuhörer und mit ihnen die gesamten Partei Grig, Hirsch und Baake. Die beiden letzteren, welche der Vicekonsuls Ehrman in Panama gegen die Beschießung der Stadt genossen des Wahlkreises entschlossen sind, mit gewohntem Eifer in Stadtverordneten- Fraktion angehören, gaben einige salomonische durch das kolumbische Kriegsschiff nicht genügen, so soll das jetzt auf den Wahlkampf einzutreten und alles daran zu setzen, um auch Weisheiten der Gegner in Arbeiterfragen zum besten. Hirsch dem Wege nach Panama befindliche Kriegsschiff Boston" ein der Herrschaft des reaktionärsten aller Wahlsysteme teilte die Ansicht des Vorstehers Ströhler mit, wonach die folumbisches Kanonenboot mit Beschlag belegen. Die Thatsache, daß einen für unsre Partei günstigen Erfolg zu erringen und durch die Verpflegung im Bürgerhause von 85 auf 80 Pf. pro Tag deswegen der eine Endpunkt der Panama- Eisenbahn von den RegierungsThat zu beweisen, daß der Ruhm des sechsten Berliner Reichstags- herabgesetzt werden könne, weil alte Leute ja nicht mehr so viel truppen, der andre von Aufständischen besetzt ist, macht die Lage noch Wahlkreises, eine Hochburg der Socialdemokratie zu sein, auch auf Fleisch zu essen brauchten. Auch könne am Licht gespart werden. tomplicierter. Die amerikanischen Seeftreitkräfte find angewiesen, die den dritten Berliner Landtags- Wahlkreis übertragen werde. Wenn Dem Antrage des Genossen Baake, gegen die Bestrebung der amerikanischen Interessen in allen Punkten zu schüßer und alles zu jeder Parteigenosse seine Pflicht thut das war die Meinung der Stadtverordneten Versammlung, Wahlzeit auf nach thun, um Blutvergießen zu verhindern. Es besteht hier kein Zweifel, Bersammlung, dann kann es uns gelingen, den Wahlkreis aus mittags 2 Uhr festzusetzen, die Berliner Resolution anzu- daß die Vereinigten Staaten an den Endpunkten der Panamaeigner Kraft zu erobern. nehmen, wurde einstimmig zugestimmt. In Anbetracht der Eisenbahn Marinemannschaften landen werden. Berantwortl.Redakteur: Julius Kaliski in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th.Glocke in Berlin. Druck u. Berlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsblatt die Nr. 259. 20. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Bonnerstag, 5. November 1903. Parteigenoffen, beteiligt Euch Sonntag früh 8 Uhr Mann für Mann an der Flugblattverbreitung zu den preußischen Landtagswahlen! Die Vertrauensämter der Berliner Socialdemokratie. A. Bertrauenspersonen: 1. Wahlkreis: Georg Oppel, Oranienburgerstr. 5, born III. Georg Weihnacht, Grünstr. 21 part. 2. Wahlkreis: P. Scholz, Barutherstr. 22, Ecke Bossenerstr. 1. H. Werner, Mittenwalderstr. 30 part. 3. Wahlkreis: Franz Hoch, Admiralstr. 7, vorn IV. Aug. Pohl, Naunynstr. 30, vorn IV. Erster Wahlkreis. Am Sonntag früh 8 Uhr findet eine Flugblatt- Gesellschaft Neptun in Bremen mit 4590 Tonnen( 17 Dampfern), die Verbreitung von folgenden Lokalen aus statt: Hahn, Stralauer- Firma E. Th. Lind in Hamburg mit 1984 Tonnen( 7 Dampfern), die straße 48. Weihnacht, Grünstr. 21. Glaue, Krausenstr. 18. Wenzel, Woermann- Linie in Hamburg mit 1831 Tonnen( 1 Dampfer), die Dorotheenstr. 69. Wolf, Mauerstr. 50 und Radtke, Flensburger- Firma de Freitas u. Co. in Hamburg mit 748 Tonnen( 4 Dampfern), straße 24. Die Parteigenossen werden um zahlreiche Beteiligung die Mittelmeer- Linie der Reederei Sloman mit 387 Tonnen ersucht. ( 3 Dampfern) und die Schleppschiffahrts- Gesellschaft Unterweser in Dritter Wahlkreis. Achtung, Parteigenossen! Die Bezirksleiter Bremen. sowie die Wahlmanns- Kandidaten werden hiermit nochmals auf die Arbeiterleistungen im Bergbau. Die, National- Zeitung" heute abend 8 Uhr im großen Saale des Gewerkschaftshauses, veröffentlicht in ihrer letzten Nummer unter obigem Titel einen Engel- Ufer 15, stattfindende Bersammlung aufgemacht gemacht und Artikel, der anscheinend dazu bestimmt ist, die Preiserhöhungen für ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Den Vortrag hält Kohlen als eine Folge der verringerten Arbeitsleistung im Stohlenbergbau Genosse Dr. Leo Arons. Die Vertrauensleute. erscheinen zu lassen, d. h. nicht als eine Folge der Abnahme der Arbeits4. Wahlkreis( Südost): Rich. Hadelbusch, Cuvryftr. 16, Hof II. findenden Flugblatt- Berbreitung werden die Genossen ersucht, sich nötigt wird, in solcher Tiefe verhältnismäßig geringen Flößen nachDritter Wahlkreis. Zu der am Sonntag früh 8 Uhr statt- intensität, sondern der Thatsache, daß der Bergbau immer mehr gezahlreich und pünktlich in nachstehenden Lokalen einzufinden: zugehen, daß die Leistung pro Kopf auch bei angespanntester Thätigkeit der Grubenarbeiter sinken muß. Schnieber, Admiralstr. 21; Krüger, Naunynstr. 54; Manzei, Dresdenerstr. 18; Flick, Simeonstr. 23; Zacharowsky, Brandenburgschaft jährlich folgende Mengen gefördert: Nach der amtlichen Statistik wurden nämlich pro Kopf der Beleg straße 49; Stramm, Ritterstr. 128; Wendt, Alexandrinenstr. 39; fchaft jährlich folgende Mengen gefördert: Ladetig, Kommandantenstr. 65; Schneider, Sebastianstr. 7, Keller; Asmuß, Prinzenstr. 59; Marquardt, Stöpnickerstr. 113a; Lenz, Alte Jakobstr. 69; Tauschke, Brückenstr. 2; Achterberg, Adalbertstr. 62. Die Vertrauensleute. 4. Wahlkreis( Ost): Paul Schneider, Blumenstr. 48 III. Otto Frante, Zorndorferstr. 8, vorn part. Wilhelm Jöchel, köpnickerstr. 190. 5. Wahlkreis: Leopold Liepmann, Linienſtr. 242 I. Leo Zucht, Landwehrstr. 39, vorn II. 6. Wahlkreis( Moabit): Karl Fischer, Waldstr. 8. ( Wedding und Oranienburger Vorstadt): Eugen Ernst, Ackerstr. 62, II. ( Rosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen): Adam Bitt dorf, Fehrbellinerstr. 25. ( Schönhauser Vorstadt): Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96. Nieder- Barnim: Georg Freiwaldt, Pankow, Florastr. 36. Teltow- Beeskow: Paul Hirsch, Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Aug. Schnell, Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Für die Frauen Berlins: Ottilie Baader, Blücherstr. 49, Hof II. Frau Bauschke, Berlin NW., Rostoderstr. 43, Quergebäude I. Frau Wulff, NW., Rostockerstr. 9, Hof parterre. Frau Lug, Waterloo- Ufer 9, Laden. Nieder- Barnim: Frau Emma Jhrer, Pankow, Schloßstr. 8. Teltow Beeskow: Frau Thiel, Tempelhof, Friedrich Wilhelm straße 17. B. Preßkommission: 1. Wahlkreis: Rich. Strehl, Swinemünderstr. 118 I. Friz Kubat, Jakobikirchstr. 2. 2. Wahlkreis: Albrecht Fülle, Mariendorferstr. 1. Richard Köderis, Plan- Ufer 92e. 3. Wahlkreis: Otto Kräter, Oranienstr. 143, Seitenfl. IV. May Voß, Köpniderstr. 25 a, Seitenfl. I. 4. Wahlkreis( Osten): Otto Büchner, Andreasstr. 75. 4. Wahlkreis( Südosten): Rich. Weiße, Forsterstr. 39. 5. Wahlkreis: Willy Friedländer, Elsasserstr. 25 II. Otto Wels, Greifswalderstr. 45 IV. 6. Wahlkreis: W. Gaßmann, Badstr. 14. H. Guttmann, Brunnenstr. 9. Nieder- Barnim: Oswald Grauer, Friedrichsberg, Frankfurter Allee 197. Emil Schumann, Neu- Weißensee, Lehderstr. 118 part Teltow- Beestow: Herm. Köster, Zehlendorf, Flensburgerstr. 2 Friz Hoppe, Rigdorf, Berlinerstr. 14. C. Lokalkommission: 1. Wahlkreis: Jakob Ege, Roßstr. 23. Wilh. Nehen, Surstr. 25. 2. Wahlkreis: Wilh. Mews, Gräfestr. 6, Hof Quergeb IV. Karl Polenste, Gitschinerstr. 73 II. 3. Wahlkreis: Wilhelm Hinz, Prinzenstr. 66, vorn Karl Heise, Josefstr. 11, Hof IV. 4. Wahlkreis( Osten): D. Blume, Gubenerstr. 6 part. F. Zimmermann, Zorndorferstr. 44. iv. 4. Wahlkreis( Südosten): Wilh. Sedler, Lausigerstr. 14 III. Wilh. Hauschildt, Falckensteinstr. 6 I. ( Treptow.) Gustav Beer, Stalizerstr. 65, vorn IV. 5. Wahlkreis: Karl Klein, Georgenkirchstr. 12. Wilh. Merker, K. Hamburgerstr. 10. 6. Wahlkreis: Otto Fischer, Beusselstr. 66. Richard Thiel, Chauffeeftr. 68/69, II( für Dranien burger Vorstadt und Wedding). Gustav Wizel, Brunnenstr. 164( für Rosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen). Schöneberg. Parteigenossen! Morgen finden die Stadtberordnetenwahlen statt. Wer in der Lage ist, sich den ganzen Tag bei der Wahlarbeit zur Verfügung zu stellen, finde fich morgens 9 Uhr bei Obst, Meiningerstr. 8, ein. Diejenigen Parteigenossen, die in den Nachmittags- und Abendstunden Helfen wollen, werden erfucht, sich in folgenden Lokalen zu melden: Schilling, Kyff= häuserstr. 16; Döring, Merseburgerstr. 7; Reimer, Hohenfriedbergstr. 26; eltner, Gothenstr. 51; und Moll, SponHolzstr. 34. Es wird eine zahlreiche Beteiligung erwartet. In Oberschlesien. Niederschlesien 1890 1895 1900 1901 1902 349 345 363 327 309 Tonnen 202 217 215 195 190 286 274 271 247 226 226 233 274 226 245 " " Ruhrgebiet " Saargebiet " Großbritannien. 313 293 310 292 296 " Destreich Ungarn 183 178 163 167 " Belgien. 174 " Frankreich 173 177 166 215 204 206 197 Nordamerika " 19 450 458 545 548 an Dazu bemerkt das Blatt:„ Die großen Unterschiede der Leistungshöhen zeigen schon, daß hier nicht individuelle, sondern geologisch- technische Eigenarten ausschlaggebend sein müssen. Anerkannt sind die Ruhrgebiets- Arbeiter zu den besten Bergleuten zu Adlershof. Freitagabend 8 Uhr findet im Lokale von Wöllstein, rechnen, ihre Intelligenz ist zweifellos durchschnittlich größer als die Bismarckstr. 24, eine Bolts versammlung Männer und ihrer oberschlesischen Berufsgenossen. Wenn die letzteren dennoch Frauen statt. Reichstags- Abgeordneter Ed. Bernstein spricht über eine bedeutend höhere Leistung erzielen, erzielen, so liegt dies die bevorstehende Landtagswahl. Die Versammlung wird pünktlich den günstigen Flößverhältnissen. Noch schärfer tritt dieses Moment 8 Uhr eröffnet, wegen der um 10 Uhr eintretenden Polizeistunde. hervor, wenn wir die Leistungen der wegen ihrer beruflichen Wilmersdorf. Sonntagnachmittag 3 Uhr findet in Wittes Volks- Tüchtigkeit von altersher berühmten englischen Kohlengräber in Vergarten eine öffentliche Landtagswähler- Versammlung gleich zu den oberschlesischen Ziffern stellen. Entscheidend ist nicht statt, in welcher Genosse Ledebour über die Bedeutung der Wahl in erster Linie die Persönlichkeit, sondern die Arbeitsstätte. Die in sprechen wird. Zu diefer Versammlung findet nunmehr von folgenden langer Schicht emsig schaffenden belgischen Bergleute fördern weniger Lokalen aus am Freitagabend 7 Uhr eine Handzettel- Ver- 3 Tage als ihre Berufsgenossen im Saargebiet, deren Schicht zwei teilung statt. 1. und 2. Bezirk bei Natusch, Uhlandstr. 71; 3., 4. bis drei Stunden kürzer ist. und 5. Bezirk bei Witte, Berlinerstr. 40; 7. Bezirk bei Rudloff, Bruchsalstr. 18; 7. Bezirk bei Hilpert, Halensee. Friedenau. Sonntag, den 8. November, früh 71% Uhr, Flugblatt- Verbreitung. Vormittags 11 Uhr: Voltsversamm lung im Sportpark", Eingang vom Bahnhof. Tagesordnung: Die Landtagswahlen und deren Bedeutung für die arbeitende Bevölkerung. Referent: Schriftsteller Mag Grunwald. Aus Industrie und Handel. = tracht zu ziehen. Von den 531 366 preußischen Grubenarbeitern find Weiter ist auch noch die Verschiebung der Belegschaften in Be1902 über 150 000 über Tag beschäftigt gewesen; überhaupt sind nur 45-50 Broz. der Gesamtbelegschaft bei der eigentlichen Kohlengewinnung thätig. Früher war der Prozentsaz viel größer, weil nicht entfernt so viel indirekt produktive Arbeiten bei der Vorrichtung usw. nötig waren. Vor einigen Jahrzehnten kannte man auch noch sehr wenig die jest fast überall existierenden oberirdischen Nebenanlagen, Kokereien, Wäschereien, Ziegeleien, Brikettfabriken usw. Deren Belegschaft drückt nun rechnerisch die Leistung pro Kohlengräber herab." Das ist richtig. Aber keineswegs werden dadurch allein die obigen Schwankungen in der Arbeitsleistung erklärt. Das lehrt schon ein Blick auf die Zahlen für die Jahre 1900 und 1901. Eine neue Vereinigung in der Elektricitätsindustric. Der Ver- Ueberall zeigte sich während des letzten dieser Jahre in den deutschen waltungsrat der östreichischen Schuckert- Werke hat die Fusion mit der Kohlenrebieren ein plötzlicher starker Rückgang in der Zahl der pro Firma Siemens u. Halste in Wien beschlossen und ein Komitee Kopf der Belegschaft geförderten Zonnen und zwar am bedeutendsten beauftragt, die Verhandlungen darüber zum Abschluß zu bringen. in Oberschlesien, das die günstigsten Flöß- und Abbauverhältnisse Die Entschließung ist, wie das Berliner Tageblatt" erfährt, hat, am wenigsten im Saargebiet mit seinen Staatsbetrieben. Schon nur eine Konsequenz der zwischen den Schuckert- Werken und der das giebt zu denken. Haben denn thatsächlich in Oberschlesien, nachSiemens u. Halste Gesellschaft in Berlin durchgeführten Ver- dem in den voraufgegangenen Jahren die Leistung beträchtlich zueinigung. Es würden sich auch hierdurch getvisse Fabrikations- genommen hatte, die Abbauberhältnisse sich in einem Jahre dermaßen ersparnisse erzielen lassen, da beide Firmen in der Hauptsache verschlechtert, daß die Jahresleistung des Bergarbeiters um 36 Tonnen die gleichen Geschäftszweige kultivieren. Die Anlagen der Firma finken mußte? In Wirklichkeit sprechen bei dem Rückgange Siemens u. Halste in Wien und Leopoldau bilden übrigens nur noch verschiedene andre Umstände mit, die von der National- Zeitung" einen Teil der Aktiven, da die Firma Siemens u. Halske auch in vergessen worden sind. Das Jahr 1901 war bekanntlich ein KrisenBudapest, Lemberg, Graz, Dlmütz, Laibach sowie in Serajewo ge- jahr, in welchem natürlich weit weniger Ueberschichten gemacht schäftlich thätig war. Es besteht eine ganze Reihe von elektrischen worden sind als in den voraufgegangenen flotten Geschäftsjahren. G Lokalbahnen, die aus dem Fusionsplane ausgeschieden wurden und Zudem aber werden in solchen Zeiten flauen Geschäftsganges immer nunmehr in selbständige Unternehmungen umgewandelt werden sollen. eine Reihe Arbeiten zur Instandhaltung der Bergwerke( Abstüßungen, Auch die Schwachstromabteilung von Siemens u. Halste bleibt außer- Erweiterung der Stollen zc.) vorgenommen bezw. nachgeholt, die halb der Fusion. während der Perioden äußerst gesteigerter Förderung nach Möglichkeit Voraussichtlich werden die östreichischen Schuckert- Werke, um aufgeschoben worden sind. Als Nachweis dafür, daß die Preisdie Aktiven der Siemens und Halske- Gesellschaft übernehmen zu erhöhungen eine einfache Folge der verminderten Arbeitsleistung können, ihr Aktienkapital um 10 Millionen Kronen erhöhen. Die sind, lassen sich deshalb die obigen Ziffern durchaus nicht gebrauchen. Schuckert- Werte haben bisher die städtischen Elektricitätswerke( ein Objekt von 30 Millionen Kronen) gebaut und mit diesem Geschäfte warenfabrik. Am 12. d. M. sollte, wie schon früher gemeldet, vor Zum Patentstreit der Firma Krupp mit der Rheinischen Metall19 triebes bei der Neuen Wiener Tramwaygesellschaft in den elektrischen einen unbestrittenen Erfolg erzielt. Auch die Umwandelung des Be- dem Landgericht Essen als erster Instanz die Verhandlung stattist von den Schuckert- Werken durchgeführt worden. Die SchuckertAftien befinden sich noch zum weitaus größten Teile im Besize der Destreichischen Länderbant, die bei der Fusion mit Siemens u. Halske das entscheidende Wort spricht. Wenzel, Schliemannstr. 43, vorn IV( für Schönhauser Vorstadt). Nieder- Barnim: Otto Riebe, Friedrichsfelde, Victoriaftr. 4. Teltow- Beeskow: Herm. Schliebiz, Briz, Jahnstr. 3. Alle Zusendungen in Lofalangelegenheiten sind an Wilhelm Hinz, S. 14, Prinzenstr. 66, vorn IV, zu richten. D. Agitationskommission für die Provinz Brandenburg: 1. Wahlkreis: Albin Schuster, Straßmannstr. 2. 2. Wahlkreis: Friz 8inte, Reichenbergerstr. 138. 3. Wahlkreis: Karl Dimmick, Luisen- Ufer 11. Wasewis, 4. Wahlkreis( Often): Albert Wase wit, Friedrichsbergerstr. 4. Wahlkreis( Südosten): Karl Scholz, Wrangelstr. 110. 5. Wahlkreis: Franz Kopte, Marienburgerstr. 3/4. 6. Wahlfreis: Mag Stiefel, Togostr. 68. Gustav Lautant, Voltastr. 45. Nieder- Barnim: A. Taubmann, Neu- Weißensee, Elsaßstr. 15. Teltow- Beeskow: Ernst Obst, Schöneberg, Meiningerstr. 8. Arthur Stadthagen, Corneliusstr. 3. E. Borsitzende der Wahlvereine: 1. Wahlkreis: Felig Guttmann, Friedrichsgracht 35. 2. Wahlkreis: Hugo Woldersti, Stegligerstr. 84. 3. Wahlkreis: St. Friz, Oranienstr. 157 IV. 4. Wahlkreis( Osten): Ernst Bader, Große Frankfurterstr. 34. 4. Wahlkreis( Südosten); Paul Hoffmann, Oppelnerstr. 21. 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Landwehrstr. 39, born II. 6. Wahlkreis: Wilh. Freythaler, Gartenplag 1. Berliner Partei- Angelegenbeiten. finden über die Verlegungsklage der Rheinischen Metallwaren- und finden über die Verlegungsklage der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik( Ehrhardt) contra Friedrich Krupp Aktiengesellschaft, ( Ehrhardt) hat jedoch unter der Begründung, daß das Reichsgericht betreffend das deutsche Reichspatent 95 336. Die Klägerische Firma die Ansprüche ihres Patentes durch Urteil vom 28. Oktober geändert habe und unter diesen Umständen eine Verhandlung nicht möglich sei, vielmehr die nähere Begründung des Reichsgerichts- Urteils abgewartet werden müsse, beantragt, die Verhandlung zu vertagen. Aus der Frauenbewegung. Sonntag Genoffin 3etfin in einer Versammlung unter großem Ueber das Landtags- Wahlrecht und die Frauen sprach am Beifall bei Richter in Groß- Lichterfelde. In längeren Ausführungen schilderte sie die Gegensätze zwischen Proletariat und Junker. Lettere, handen. Der Schiffahrtsverkehr in Emben. Der preußische Regierungspräsident in Aurich veröffentlicht eine Specialnachweisung über den Verkehr im Emdener Hafen im dritten Vierteljahr 1903, welche die enorme Zunahme des Verkehrs gegenüber dem gleichen Zeitraum in den voraufgehenden Jahren erkennen läßt. Die neuen Hafenbauten in Emden waren darauf berechnet, den Hafen dem modernen Vertehr großer, leistungsfähiger Oceandampfer zu erschließen. Mit welchem Erfolge das geschehen ist, das zeigt sich darin, daß fich im letzten Vierteljahr die Schiffszahl im Seeverkehr gegen über der Zeit vor drei Jahren von 545 auf 439 vermindert hat, Central- Wahlverein für Teltow- Beeskow: Paul Hirsch, Char- 151 412 Registertonnen gewachsen ist. Der Verkehr ist also nicht nur welche hauptsächlich im Landtage figen, empfangen Liebesgaben in daß aber die Tonnage dieser verkehrenden Schiffe von 68 122 auf lottenburg, Rosinenstr. 3. auf mehr als das Doppelte gestiegen, er kann bei den jezigen Hafen- Hülle und Fülle. Ersteres aber ist wohl zum Zahlen gut, aber für verhältnissen auch rationeller durch eine kleinere Zahl leistungsfähiger die allernatürlichsten Forderungen ist weder Zeit noch Geld vorSchiffe bedient werden. Die Güterbewegung im Seeverkehr stellt sich für das dritte An Thatsachen zeigte sie, daß Arbeiterschutz- Gefeße, Vierteljahr 1900 auf 67 549 Gewichtstonnen in der Einfuhr und Koalitionsrecht und das Fabrikinspektionswesen nur auf dem Papier 11 328 in der Ausfuhr, 1903 dagegen auf 155789 Tonnen in der Einfuhr ständen. Gerade die Frauen hätten das größte Jnteresse daran, daß Freitagabend finden vier Parteiversammlungen statt, in denen die in der Ausfuhr Kohlen mit 48 314 Tonnen an erster Stelle. Dem Bum Schluß forderte sie die Anwesenden auf, bei den Landtagsund 76 850 in der Ausfuhr. In der Einfuhr stehen Erze mit 65646 Tonnen, bei der Fabritinspektion weibliche Angestellte hinzugelassen würden. Kandidaten für die Landtags- Abgeordnetenwahl nächst folgen in der Einfuhr Getreide und Holz, in der Ausfuhr wahlen der Socialdemokratie zum Siege zu verhelfen, da nur sie die aufgestellt werden sollen. Die Versammlungen beginnen 8 Uhr Eisenbahnmaterial und Getreide. In der Zusammenstellung werden Interessen des Proletariats wirklich vertritt. in folgenden Lokalen: nicht weniger als zehn auswärtige Schiffahrts Gesellschaften mit In der Diskussion sprach Genosse Wenzel über die Urwahlen regalären Linien genannt, die sich jetzt an dem Emder Verkehr be= teiligen und denen seine Zunahme in erster Reihe zuzuschreiben ist. Zum Schluß forderte Genossin Thiel die Frauen auf, auch 3. Vierteljahr 1903 beförderter Waren( 14 Dampfern), die Reederei zu helfen. Nachdem noch einige Frauen sich in den Wahlverein für Es sind das die Hamburg- Amerika- Linie mit 48 795 Tonnen im ihrerseits an den Landtagswahlen durch Verteilung von Stimmzetteln W. Kunstmann in Stettin mit 27 016 Tonnen( 9 Dampfern), die Ver- Frauen hatten aufnehmen lassen, wurde die Versammlung mit einem einigte Bugsier- und Frachtschiffahrts- Gesellschaft in Hamburg mit dreimaligen Hoch auf die Socialdemokratic, in welches die An20 573 Tonnen( 27 Seeleichtern), die Westfälische Transport- Gesellschaft wesenden begeistert einstimmten, geschlossen. in Dortmund mit 7575 Tonnen( 13 Seeleichtern), die DampfschiffahrtsAn die Landtagswähler Berlins! Erster Landtags- Wahlkreis: Bod brauerei, Am Tempelhofer Berg. Zweiter Landtags- Wahlkreis: Sanssouci, Stottbuserstr. 4a. Dritter Landtags- Wahlkreis: Eisteller, Chauffeeftr. 88. Vierter Landtags= Wahlkreis: 2ipps Brauerei, Friedrichshain. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. am am Drt. Vermischtes. der Messaggerios Maritimos, der die Insel Lord Howe anlief, über-| beben, daß der§ 13 Ihre Bürgschaft auf ein Bierteljahr beschränke, jedoch bracht. Die„ Ovalau" traf bei der genannten Insel am 19. Oktober ist es mangels einer ausdrücklichen Verabredung mit Ihnen sehr zweifelhaft, Neber den Untergang zweier Dampfer sind soeben Nachrichten mit brennendem Vorderschiff ein. Fahrgäste und Mannschaft wurden ob dieser Einwand vom Gericht als durchschlagend erachtet werden wird. sofort während der Nacht gelandet. Immerhin sollten Sie es, wenn ein Vergleich nicht erfolgt, auf einen Prozeß Am Morgen erfolgten zwei ankommen lassen. nach London gelangt. Danach scheiterte der englische Dampfer„ Loch Explosionen, worauf der Dampfer vollständig fant. Das Feuer war sorgnis, hier auch dienen zu müssen, nach Deutschland nicht zurückkehren, Rettungslos 22. Ihr Bruder kann ohne die BeMaree" am 31. Oktober auf der Rückfahrt von der Levante nach schon am 18. Oktober unter einer Ladung Kopra ausgebrochen, die weil er das 31. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Durch den zehnjährigen Dundee( nördlich vom Kap Serrat und westlich von Biserta( Tunis): besonders feuergefährlich ist. Man wußte sofort, daß die Sache Aufenthalt im Ausland hat er allerdings seine deutsche Staatsangehörigkeit Als der Kapitän sah, daß keine Rettung möglich war, setzte er zwei ernst war, und daß es nötig sei, an die Rettung der Fahrgäste und verloren, das schützt aber nicht vor dem Nachdienen. Seine Staats. Rettungsboote aus, in denen die Offiziere und Mannschaften sowie der einzige an Bord befindliche Fahrgast Platz nahmen. Der Kapitän verließ Mannschaften zu denken. Das Wetter war rauh und die" Ovalau" angehörigkeit erhält er in Deutschland wieder, sobald er sich in Deutschland als letter das Schiff. Die Boote waren kaum weit genug von dem Dampfer nahm mit Volldampf ihren Kurs nach der Insel Lord Howe. Man niederläßt und die Naturalisation beantragt. 3ft wegen unerlaubten Ausentfernt, als dieser infolge des Verrückens cines großen Teils der hatte diese kaum erreicht, als schnell hinter einander die beiden wanderns oder dergleichen auf Strafe erfannt, so fann diese, falls nicht Verjährung vorliegt, auch dann vollstreckt werden, wenn das Urteil Ihrem Bruder unbekannt ist. W. Sch. 100. Ohne Zweifel sind Sie im Recht. Ladung sich vollständig überschlug. Fast im selben Augenblick füllte Explosionen erfolgten, die das Schiff völlig zerstörten. eine große Woge eines der Boote und die zehn Jusassen ertranken. 1. Die Frau haftet nicht für die Schulden des Mannes. Troz des schweren Seeganges gelang es dem zweiten Boote, fich bis zur Ankunft des Dampfers" Olanda" zu halten. Die„ Olanda", ein holländischer Dampfer, hatte die Notzeichen der„ Loch Maree" gesehen, konnte jedoch nicht mehr rechtzeitig eintreffen, um fämtliche Schiffbrüchigen zu retten. Die Rettung der Ueberlebenden geschah durch Seile, die man ihnen zuwarf. Die Ladung der„ Loch Maree" bestand aus Korn. Unter den Ertrunkenen befinden sich der Kapitän, der erste Maschinist, der zweite Maat und der einzige Fahrgast der„ Loch Maree". Aus Sydney liegen über den Untergang des auf hoher See verbrannten australischen Dampfers„ Ovalau" zwei Telegramme vor. Die Nachricht von dem Unfall wurde durch einen Dampfer von Für den Zuhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, 5. November. Anfang 7, Uhr: Opernhaus. Die Entführung aus dem Serail. Schauspielhaus. König Johamm. Deutsches. Rose Bernd. Berliner. Kater Lampe. Leffing. Der Sturmgeselle Sokrates. Westen. Der Trompeter DOI! Sättingen. Neues. Galomte. Kammerjänger. Vorher: Der Residenz. Das große Geheimnis. Central. Bruder Straubinger. Thalia. Der Hochtourist. Anfang 8 Uhr: Reues Operntheater. fanten. Dorfmusi Schiller O.( Wallner Theater.) Die Stüßen der Gesellschaft. Schiller N.( Friedrich- Wilhelmstädt.) Ricbelei. Ritteratur. Belle Alliance. In Vertretung. Kleines. Elektra. Luisen. Der Pfarrer von Kirchfeld. Carl Weiß. Sältingen. Der Trompeter von Trianon. Biscotte. Deutsch Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Apollo. Frühlingsluft. täten. Specialis Metropol. Durchlaucht Radieschen! Casino. Berliner Nachtasyl. Hotel Klingebusch. Winter- Garten. Specialitäten. Baffage- Theater. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Palaft. Das Liebesparadies. Specialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober- Italiens. Um 8 Uhr im Hörsaal: Dr. F. Ristenpart: Sterne und Sternhausent. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a- 5. Salome. Borher: Der Kammersänger. Anfang 7%, Uhr. Central- Theater. Täglich 7%, Uhr: Bruder Straubinger. Operette in 3 Aften von Edm. Eysler. Dritte Freitags- Abonnements Borst.: 7 Uhr: H. J. 158. Ein Dynamitanschlag aus Eifersucht scheint in Christiania vor gekommen zu sein. Wie„ Christiania Verdensgang" meldet, flog bei Schließt der Mann einen Vertrag mit seiner Frau, durch den er be einer Hochzeit in Siongsfjorden ein Batet mit Dynamit auf. Efflichtigt seine Gläubiger zu dieſen gehört auch sein außerehelich erzeugtes Kind zu benachteiligen, so ist dieser Vertrag ungültig. In welcher Form Personen wurden verwundet, davon vier tödlich. Das Hochzeitshaus der Vertrag geschlossen ist, ist gleichgültig. 2. Gegen die später entstehenden. wurde teilweise zerstört. 3. Ist die Wohnung gesundheitsgefährdend, so sind Sie berechtigt, auf Aufhebung des Vertrages zu tlagen: Die Gesundheitsgefährdung müssen Sie beweisen. N. K. Ja. Velten 1903. 3weds Erwirkung des Armenrechts beantragen Sie bei dem Amtsvorsteher Ihnen ein Eine Studentin. Bevor wir Ihre Mitteilung über den Fall R. ver- Zeugnis auszustellen, daß Sie zur Bestreitung der Prozeßkosten unveröffentlichen können, bitten wir Sie um Ihren Namen. mögend find. Das Zeugnis überreichen Sie dem Prozeßgericht( Landgericht Berlin II, Hallesches Ufer), legen dar, weshalb Sie flagen Juriftifcher Teil. wollen und durch welche Beweismittel Sie Ihre Behauptungen erweisen wollen und beantragen Bewilligung des Armenrechts. Briefkaften der Redaktion. Samburg, B. C. Nach§§ 765 bis 778 des Bürgerlichen Gesetzbuches haften Sie als Bürge in vollem Umfang. Sie können den Einwand erSchiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft. Schauspiel in 4 Aufzügen von Henrik Jbsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Freitagabend 8 Uhr: Liebelei. Hierauf: Litteratur. Sonnabendabend 8 Uhr: Liebelei.gierauf: Litteratur. Schiller- Theater N. ( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Liebelei. Schauspiel in 3 Akten von Arthur Schnitzler. Hierauj: Litteratur. Lustspiel in 1 Aft v. Arthur Schnişler. Freitagabend 8 1hr: Der Talisman. Sonnabendabend 8 Uhr: Die Ehre. Cirkus Schumann. Sente, Donnerstag, den 5. November, abends 72 Uhr: Die ersten dressierten in Sis- und Kragenbären Berlin. Demonstration der Darwinschen Theorie: August, der mimische Affe. Frühling, Sommer, Herbst, Winter, Pariser Ballett- Divertissement. Die größte Löwengruppe der Welt: 25 männliche Abessinier d. Herrn Jul. Seeth Löwen Urania. Taubenstrasse 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Deutsch- Amerikanisches Theater 67/68 Köpnickerstr. 67/68. Jeden Abend Anfang 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipp. An den Seen Ober- Italiens. Ueber'n großen Teich Um 8 Uhr im Hörsaal: Dr. F. Ristenpart: Sterne und Sternbaufen. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Indianer- Riese Mianko Karoo Die zusammengewachsenen Lebend. Schwestern! Lebend. Buren- Riese Andries Venter, ehemal. Leibsoldat des Präsidenten Paul Krüger von Transvaal. Morgenstunde hat wirklich Gold im Munde, wenn man regelmäßig Kathreiners Malzkaffee zum Frühstück trinkt, nämlich das Gold der Gesundheit, Ruhe und Arbeitslust! IX. Berliner Saison. Cirkus Busch. Donnerstag, den 5. November, abends 7, Uhr: SchulRitter v. Renroff, reiter. Mademoiselle de Holstein, Schulreiterin Spanische Schulquadrille. Berliner Winterfreuden humorist. Manege- Schaustüd. Miss Claire Heliot, Löwenbraut. Paul Mündners Schleifenfahrt u. Todessprung. Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide No. 108/114. Jeden Donnerstag: Heitere Bilder mit Gefang aus dem Bernh. Rose- Theater- Ensemble. Leben der Deutsch- Amerikaner in 5 Abt. von Adolf Philipp. Passage- Theater Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Das durchweg neue November Programm: " Pertina Das Tanzphänomen, übertrifft alles bisher in diesem Genre Geschene. Berliner Johannes Cotta, Sargon- Dichter. 14 nene glänzende Nummern. 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Schauspiel von Dumas in 5 Atten. Gastspiel erster Schauspielfräfte. Trianon- Theater. W. Noacks Theater. Fröbels Allerlei Theater stindervorstellung: Der geftiefelte Trianon- Theater. Kater. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr. Der Pfarrer von Kirchfeld. Freitag zum erstenmal: Die Rogenbrüder. Sonnabend: Krieg im Frieden. Sonntagnachmittag: Maria Stuart. Abends: Die Logenbrüder. bronn. Montag: Das Rathchen von Heil. Belle- Alliance- Theater. Stürmischer Heiterkeitserfolg! In Vertretung. Sin Soldatenschwank in 3 Aften von Heinz Gordon. Anjang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: In Bertretung. Sonntagnachm. 3 Uhr: Die Kinder der Excellenz. Apollo- Theater. Zum 30. Male: Frühlingsluft. Operette in 3 Akten von weiland Josef Strauss. Im Blütenhochzeit. 3. Akt: Ballett von Louis Gundlach. Georgenstraße, zwischen Friedrichund Universitätsstraße. Direktion: Robert Dill. Brunnenstrasse 16. Biscotte. Grosse Extra- Vorstellung: Anfang 8 Uhr. Metropol- Theater. Durchlaucht Radieschen! Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Scene gesetzt vom Direktor -3 Richard Schultz. Im 4. Bilde: Grosses Ballett Wie damals im Monat Mai. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Elektra. Anfang 8 Uhr. Freitag: Nachtasyl. Casino- Theater. Lothringerstr. 37. Anf. 8, Sonnt. 7. Die neuen November- Specialitäten. 8 Uhr: Berl. Nachtafyl. 3 Eitners. 4 Madcaps. Gebr. Willé. Georg Schicklay, The Bucifals. 8, 11hr Verch- Wolf. Gastspiel Stapit. Martens. Der Kosmograph. 9% up: Hotel Klingebusch. Anfang 8 Uhr. Sonntagnachm. 4 Uhr: Elternlos Mutteriegen. Schauspiel mit Gesang in 5 Atten. Anjang 8 Uhr. Rachher: Ball. Stadt- Theater Moabit Alt- Moabit 47/49. fr. Puhlmanns Vaudeville-Theater, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Fröbel. Jeden Freitag: Gastspiel Berliner Volks Theater. # Jeden Sonntag 5 Uhr: Grosse Extra- Vorstellung der Norddeutschen Sänger. Nach der Vorstellung: Um 10 Uhr: Grosser Ball. Jeden Mittwoch 8 Uhr: Grosse Elite- Vorstellung: Entree 30 Bf. Sperrsitz 50 Pf. Donnerstag, den 5. Rovember 1903: Norddeutsche Sänger und Ball. Bernhard Rose- Theater- Ensemble. Wohlthäter der Menschheit. Schauspiel in 3 Aufz. v. F. Philippi. Anfang 8 Uhr. Sonntag: Kean oder: Genie und Leidenschaft. Reichshallen Stettiner Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. WINTER CARTEN 8 Neues Programm: Dem Kistenmacher Maxe zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch! K, T. A. T. A. F. A. Sch. Aber Mare, heute machen wir ge zinkte Arbeet. 30216 Königstadt- Kasino. Holzmarktstr. 72, Ede Alexanderstr. Täglich: Das glänz. November- Programm mit Franz Sobanski. Des folossalen Erfolges wegen noch einige Tage: August auf Urlaub. Nach der Vorstellung: Mittw., Sonnab., Sonnt.: Tanz. Sanssouci. Kottbuser Thor Stat. der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag u. Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsche Sänger. Nach jeder Soiree: Tanzkränzchen. 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November, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause Frucht straße 63, aus nach dem CentralFriedhof, Friedrichsfelde, statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Zeilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unfres Bruders, Schwagers 30176 und Onkels, des Arbeiters Wilhelm Schmolling fagen wir allen Berwandten und Be Baus fannten, insbesondere dem Biljsarbeiter Verband Deutschlands, dem Arbeiter- Raucherbund, dem Rauchklub Zufriedenheit", M. d. A.. R.-B., unsern herzlichen Dank. Rirdorf, den 4. November 1903. Die trauernden Hinterbliebenen. 000 Anfertigung feiner Herren Damens U, Garderobe, bessere DamenJacketts auf Lager, elegante Ausführung, geringe Teilzahl. J. Kurzberg, NeueKönigstr.47, direkt am Alexanderplatz.c Andreas- Garten, Andreasstr. 26. Aicine und große Säle zu Verſammlungen, Hochzeiten und Festlichkeiten noch einige Sonnabende zu vergeben. Fremdenlogis. Kegelbahn. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt 32342* Franz Merkowski. 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NeichstagsDedon Wahlkreiſe) Stags- und der Stadtbezirke 211-2171 Wahlkreises V Referent Genosse Barthels. im Saale der Bockbrauerei, Tempelhofer Berg. im großen Saale des Eiskeller, Chauffeeftr. 88. Referent Genosse H. Schubert. 2. Landtags- Wahlkreis ( umfassend die Stadtbezirke 1-5 und 74-144)] Sanssouci, kottbuſerft, fa, 4a. Referent Genosse Theodor Glocke. 4. Landtags- Wahlkreis ( umfassend die Stadtbezirke 192-210 des 5. Reichstags- Wahlkreises Oft) tretjes und den 4. Reichstags- Bahltreis, in Lipps Brauerei, Am Friedrichshain. A- Referent Genosse Heimann. asd oad Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Vortrag über: ,, Welche Forderungen stellen wir an den preußischen Landtag? 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Kandidaten. pusnA- ludo Um zahlreichen Besuch wird gebeten. JM 08. III. Wahlkreis. Sonntag, den 8. November, abends 6½, 1hr, in dem großen Sant der Arminhallen, Kommandantenstr. 20: Versammlung mit Frauen. Vortrag des Genoffen Dr. Alberty über: Das Proletariat und die Kunst. Hierauf: Geselliges Beisammensein. Rege Beteiligung erwartet 240/20 Der Einberufer. Freie Volksbühne. Sonntag, den 8. November, 2 Uhr: Lessing- Theater. Metropol- Theater. 5./6. Abteilung. 16. Abteilung. Der Widerspenstigen Zähmung. Nathan der Weise. Winterfest: Offenbach- Abend: 19 Sonnabend, den 14. Novbr., 8 Uhr, in der Brauerei Friedrichshain. U. a. Die Verlobung unter der Laterne. Hansi weint und Hansi lacht. Der Zaubergeiger. Liederspiele. Couplets.* Konzert etc. 24 230/8 209/12 Festmarken a 50 Pf. in allen Zahlstellen. Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Centralverband der Maurer Deutschlands. Scheruchs Vorwärts- Buchhandlung Zahlstelle Berlin. Freitag, den 6. November 1903, abends 8 Uhr: Ausserordentliche Mitglieder- Versammlung im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel- llfer 15. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Genossen C. Legien über:" Der steigende Einfluß der Gewerkschafts- Organisation". 2. Diskussion. 3. Abrechnung des Kassierers vom dritten Quartal 1903. 4. Verbandsangelegenheiten. 144/18 NB. Berte Stolfegen! In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden VerbandsKollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Es erwartet deshalb recht regen Besuch Mit follegialem Grup Die örtliche Verwaltung. 3. 2.: Wilh. Fritzsch. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 353 Freitag, den 6. November, abends 6 Uhr, in der Kronenbrauerei, Alt- Moabit 47-48: Metallarbeiter- Versammlung. Zages Ordnung: Empfehle allen Freunden u. Bekannten mein Weiss-, Bayrischbierund gr. Speisegeschäft. ReichFestsäle Rüdersdorferstraße Nr. 45. Renoviert!!! Säle von 50 bis 2000 personen ſaiſend zu 29332* Bolfsversammlungen, Werkstättenversammlungen, Vergnügungen, Hochzeiten 2c. Sonnabende und Sonntage noch zu vergeben. 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Er bean- tragt die Vorladung des Baumeisters T. Ankiewicz in Warschau. Dieser soll bekunden: In der letzten Zeit habe er zufällig im Zuge von Posen nach Krakau den Zeugen Hechelski getroffen. Letzterer habe dabei erzählt, daß er nur noch für den Grafen Kwilecki Reisen mache. Jede Reise bringe ihm ein schönes Stück Geld, gelänge ihm aber die Sache, so würde er noch viel mehr erhalten. Auch soll der Zeuge Ankiewicz in der Lage sein, im allgemeinen über den Leu- mund des Hechelski und seine Geschäftsgepflogenheiten Auskunft zu geben. Ferner beantragt Justizrat W r o n k e r die Vorladung des Grundstücksagenten S. Kozlicki in Wronke, der über den Leumund der Angeklagten Ossowska sich äußern soll. Er soll bekunden, daß diese überall einen schlechten Leumund hat, sowohl nach der gcschäst lichen als nach der menschlichen Seite, und daß sie sich sogar straf- rechtlich zu verantworten haben werde. Diese Zeugen sollen geladen werden. Rechtsanwalt Chodziesner: Graf Hector Kwilecki habe hier behauptet, daß die Uebernahme des Majorats für ihn kein Geschäft sei. Demgegenüber behaupte die Verteidigung, daß es ein glänzendes Geschäft wäre, und um dies zu beweisen, bedürfe es der Grundakten von Wroblewo. Der Gerichtshof beschließt, diese ein- zufordern. Als erste Zeugin wird heute Frau Valentine Andruszewska, die Schwägerin der Hedwig, vernommen. Ihr verstorbener Mann war Möbclhändler. Vor zwei Jahren im Sommer habe die Hedwig in Briefen wiederholt über die schlechte Behandlung geklagt, die ihr in Wroblewo zu teil wurde, und um Hilfe dagegen gebeten. Sie hat dann auch von dem Geheimnis erzählt, genau so, wie eS später zu Papier gebracht worden ist. Darauf habe die Zeugin an die Gräfin geschrieben, man wisse von dem Geheimnis und sie solle doch die Hedwig besser behandeln. Die Gräfin habe diesen Brief nicht angenommen, dann habe sie den Brief anders adressieren lassen und nun sei er angenommen worden. Die Zeugin ist dann auch mal selbst nach Wroblewo gefahren, um die Hedwig zu sprechen und der Gräfin Vorhaltungen zu machen. Sie sei dabei auffallend gut aufgenommen worden und es sei ihr gar nicht angenehm gewesen, daß sie da zur Tafel gezogen wurde, gut zu essen und zu trinken bekam und zwischen dem gräflichen Ehepaar sitzen mutzte. Sie habe dadurch keine rechte Gelegenheit gehabt, mit der Hedwig ausführlich zu sprechen. Sie habe das ganze für eine Komödie gehalten.— Aus weiteres Befragen erklärt die Zeugin: Ihr eigner Ehemann habe schon die Sache in die Hand nehmen wollen und auch schon einmal nach Krakau geschrieben. Später habe der Bruder die Angelegenheit aufgenommen. Richtig sei es, daß nach dem Tode ihres Mannes ein Erbschaftsstreit unter den Angehörigen entbrannt sei, ihr Bruder Max habe schließlich behauptet, daß sie einen falschen Offenbarungseid geleistet habe, und es sei eine Denunziation wegen Meineids gegen sie ergangen. Das Verfahren sei aber eingestellt worden und die Verwandten haben sich wieder friedlich vertragen. Hedwig habe sich auch einmal i13 M. von ihnen geborgt und das Geld sei, als die Hedwig auf das Vorwerk geschickt wurde, ihnen durch Frl. FalkowSka im Auftrage des Grafen zurückgezahlt worden.— Präs.: Haben Sie denn nun die Erzählung der Hedwig über das Geheimnis geglaubt?— Zeugin: Zuerst wollten wir es nicht glauben, aber sie erzählte immer dasselbe und so haben wir es dann geglaubt.— Präs.: Was halten Sie denn von der Hedwig? Schwatzte sie denn so etwas in den Wind hinein?— Zeugin: Sie war etwas nervös, aber sonst war sie ganz umgänglich.— Weiter bekundet die Zeugin auf Borhalt des Vorsitzenden, daß die Gräfin einmal einer dritten Person gesagt habe, sie werde die Hedwig wegen Beleidigung vor- klagen. Bei dieser Gelegenheit soll die Gräfin gesagt haben:„Ein Junge ist ja hergeholt worden für den Fall, daß das zu erwartende Kind ein Mädchen iverden sollte; nun ist es aber ein Knabe ge- worden und deshalb ist der Knabe zurückgeschickt worden.— Auf Wunsch des Ersten Staatsanwalts Stein brecht muß die Zeugin die Art und Weise, wie die Hedwig zum erstenmal Mitteilung von dem Geheimnis gemacht hat, ganz genau schildern. Danach' hat sie, als sie sich aufgeregt über die Behandlung durch die Gräfin beklagte, auch gesagt: die Gräfin sollte sie doch eigentlich besser behandeln, denn sie sei Mitwisserin eines Geheimnisses. Der verstorbene Bruder habe darauf geantwortet:„Ach, was bist Du gegen die Gräfin!" Die Hedwig habe dann aber gesagt, sie wisse etwas von dem Knaben; das sei gar nicht das Kind der Gräfin, sie habe es vielmehr von außerhalb kommen lassen. Dann habe sie immer und immer wieder das erzählt, was sie nachher zu Papier hat bringen lassen, und dabei gesagt, daß die alte Mutter ihr da« Versprechen abgenommen habe, erst nach ihrem Tode von dem Geheimnis andren Personen Mitteilung zu machen. Die nächste Zeugin ist eine andre Schwägerin der Hedwig, die Konditorftau Stephanie Andruszewska. Sie bekundet, daß sie von ihrer Schwiegermutter aus Wroblewo den Austrag erhalten hatte, etwaige für sie selbst bestimmte Briefe, die an ihre(der Zeugin) Adresse ankommen würden, anzunehmen und dann unter andrem Couvert an sie zu schicken. Da sei einmal ein Brief angekommen, den sie irrtümlich geöffnet habe, weil sie glaubte, er wäre für sie bestimmt. Erst als sie ihn geöffnet, habe sie gesehen, daß dieser aus Krakau gekommene Brief für die Schwicgcrnmtter bestimmt war. Der Brief, von dem sie nur die erste Seite gelesen, habe sie sehr erschreckt. Der Inhalt war etwa folgender:„Da eine Zeitlang vergangen ist und Sie haben nichts lassen von sich hören, so muß ich an Sie schreiben und Sie fragen, ob Sie mich nun wollen belohnen für meine Mühe, denn Sie werden doch nicht wollen, daß ich meine Mühe umsonst geleistet habe. Dann inuß ich Ihnen noch sagen, daß Sie mir mit- teilen, wo das Kind ist, der Vater will es nämlich wissen, da er das Mädchen heiraten will. Machen Sie die Sache bald richtig, denn sonst werden wir noch vor Gericht kommen und Sie werden doch nicht wollen, daß ich mit meinen weißen Haaren noch aufs Gericht muß." Sie sei sehr erschrocken gewesen und sofort zu ihrem Manne nach der Backstube herunter gegangen und habe ihm von dem Briefe Mitteilung gemacht, der ihr gesagt, sie solle den Brief sofort zur Schwiegermutter hinschicken. Sie habe aber zunächst der Schwieger- mutier geschrieben, und diese habe geantwortet, sie solle den Brief nur behalten, denn sie wolle selbst nach Posen kommen. Das geschah denn auch. Ms die Schwiegermutter in Posen war, habe sie nach der Bedeutung des sehr verdächtigen Briefes gefragt und ihr gesagt, daß der Inhalt sehr beunruhigend sei. Die Schwiegermutter habe darauf geantwortet:„Ach, Dummheit, der ganze Brief hat gar keinen Wert, es handelt sich um eine sehr wenig wichtige Sache." Die Zeugin habe sich aber nicht beruhigt und nähere Auftlärung verlangt und darauf habe die Schwiegermutter erwidert:„Der Brief betreffe ein Dienstmädchen vom Lande und gebe gar keine Ursache zu Bedenken." Die Zeugm ließ sich aber noch nicht beruhigen und fragte, ob es sich etwa um die Gräfin Kwilecka handele. Daraus habe die Schwieger- mutier gesagt:„Solche Sachen darfft Du nicht denken; ich werde Dich nicht belügen!" Darauf habe die Schwiegermutter ihr die Hand gegeben und gesagt:„Nein, die Gräfin kommt dabei gar nicht in Betracht, ich gebe Dir darauf mein Wort." Der Ehemann Konditor Boleslaus Andruszewski schließt sich der Aussage seiner Ehefrau an und bekundet auf Beftagen des Kreisarztes Dr. Panienski, daß er seine Schwester Hedwig keineswegs für dumm oder schwachsinnig halte. Längere Zeit beanspruchte die Vernehmung des Droschkenkutschers Adolf Wilkc. Er bekundet: Eines Tages im vorigen Jahre hielt ich mit meinem Taxameter an einer Haltestelle in der Kochstraße. Ein Kollege hatte ein Zeitungsblatt in der Hand und las eine Bekannt- machung der Polizei vor, wonach ein Droschkenkutscher gesucht wurde, der im Jahre 1897 zwei polnisch sprechende Damen nach dem Schle- fischen Bahnhof und von dort nach der Kaiserin Augustastraße ge- fahren habe. Ich sagte zu meinem Kollegen: Lassen Sie mir mal lesen! Ich lese also die Annoncen durch und sage: Willst Du mir das Blatt schenken? Der Kollege sagte darauf: Na ja, nimm es Dir man. Ich gehe also nach Hause und sage: Mutter, seh' Dir mal die Annonce an! Meine Frau las das Dings durch und meinte dann: Herr Gott, das bist Du wohl? Du hast ja mal erzählt, daß Du mit zwei polnischen Damen eine Fahrt gemacht hast und außer dem Fahrgeld von 6 M. noch 1 M. Trinkgeld bekommen hast. Ich sagte: Mutter, det kann am Ende sind I, wodrauf meine Frau sagte: Denn jeh' man hin und melde Dir. Ich habe mich denn auch gemeldet. Wie ich auf der Polizei meine Aussage gemacht hatte, da stimmte die Personenbeschreibuitg und die Fahrt mit die Vornkten ganz überein.— Präs.: Nun erzählen Sie mal, was Sie von Ihrer im Jahre 1897 gemachten Fahrt noch in Erinnerung haben.— Zeuge: Am 25. oder 26. Januar 1897, jedenfalls kurz vor Kaisers Geburtstag, habe ich an der Ecke der Kaiserin Augustastraße und v. d. Heydtstratze als Dritter mit meinem Taxameter gehalten. Ich saß auf meinem Bock und schnitzte mir etwas zurecht, als gegen 2 Uhr nachmittags Plötz« lich zwei Damen, die verschleiert waren, in meine Droschke stiegen. Die eine hatte einen Koffer bei sich, die andre trug etwas unter dem Mantel. Darauf sagte die eine der gut angezogenen Damen zu mir:„Kutscher, fahren Sie Bahnhof Friedrichstraße". Das sagte sie in einem gebrochenen polnffchen Deutsch. Ich nehme also meine Decke von dem Pferd, deckte noch zu und bin losgefahren. Unter- Wegs, am Kemperplatz, hat die eine Dame mir zugerufen: „Kutscher, fahren Sie nach Jannowitzbrücke!' Wie wir auf die Waisenbrücke kommen, geht gerade ein Fernzug aus der Stadtbahn vorüber, die Damen sprachen auf polnisch etwas mit einander und die eine gab mir die Weisung: „Fahren Sie nach dem Schlesischen Bahnhof! Fahren Sie gut, wenn Zug ist weg, ist sich alles verloren I" Ich fahre also auch zu, denn die Damen hatten mir ein gutes Trinkgeld versprochen. Wie wir am Schlesischen Bahnhof ankamen, sagte die eine Dame: „Kutscher, haben Sie Zeit zum Warten?" worauf ich natürlich sagte:„Na, gewiß doch l"(Heiterkeit.) Die Damen stiegen also aus und die eine nahm den Koffer mit. Na, es verging dann eine Viertelstunde, eine Halbestunde, es wurden drei Viertelstunden und da fing mir an zu stieren, ich bin'rüber gegangen in die Kneipe und habe mir ein bißchen nffgewärmt. iHeiterkeit.) Ja na, es lvar kalt; wir hatten 13 Grad Kälte. Wie ich rauskam, kamen auch die Damen wieder an; die eine hatte noch immer etwas unter dem Mantel verborgen, sie sah sogar etwas dicker aus wie vorher, aber der Koffer war nicht mehr da. Die andre Dame hat mir dann einen Zettel gegeben, auf welchem zwei Straßen und Nummern angegeben waren; zu oberst stand Charlotten- straße 56. Ich fuhr erst dahin, die eine Dame stieg aus, kam aber nach 5 Minuten wieder. Dann rief die Dame: Kuffcher, fahren Sie nach Kaiserin Augustastraße!" Als ich die Hohenzollernstraße bereits durch war und nur noch drei Häuser von der Kaiserin Augusta- straße ab lvar, hieß es plötzlich:„Kutscher, halten I" Ich hielt an und die Dame zahlte mir die Fahrt und das Warten mit 6 Wkark, wobei sie das Geld schon abgezählt in der Hand hatte. Natürlich hat sie mir auch noch 1 Mark Trinkgeld gegeben. Dann entfernten sich die Damen nach der Kaiserin Augustastraße zu. Ich habe nachher meiner Frau erzählt, daß ich einen guten Tag gehabt habe, da mir zwei polnische Frauen eine Mark Trinkgeld gegeben haben; wenn ich am Kaisergeburtstage auch noch ein solches Glück hätte, dann wäre ich zufticden. Meiner Frau habe ich die ganze Geschichte erzählt und die Frau hat gesagt: Herrjeh, vielleicht haben die Frauen ein Kind tot gemacht, vielleicht war in dem Koffer noch das Skelett des toten Kindes vorhanden und sie haben es beiseite gebracht.— Präs.: Sind Ihnen nicht auf dem Gerichte einige Frauen vorgestellt worden?— Zeuge: Ja, vier Stück. Ich habe aber keine als meine Fahrgäste heraus- finden können.— Auf Anordnung des Vorsitzenden müssen die An- geklagten Frau Chwiatkowska und K n o s k a heraustreten. Der Zeuge, der vorher gesagt hatte, daß die beiden Damen 25 bis 35 Jahre alt und 1,66— 1,75 Meter groß gewesen seien, sieht beide Angeklagte längere Zeit prüfend an und meint: die Aeltere scheide ganz aus, dagegen konnte die Chwiatkowska vielleicht eine der Damen gewesen sein. Der Zeuge wünscht, die Zeugin mal sprechen zu hören, und sagt ihr vor:„Kutscher, fahren Sie Bahnhof Friedrichstraße." Die Chwiatkowska sagt die Worte nach, worauf der Zeuge meint:„Der Dialekt stimmt!"(Große Heiterkeit, die der Präsident ernstlich rügt.) Ein Geschworener wünscht von dem Zeugen Wilke zu erfahren, wie er dazu gekommen sei, die beiden Damen ohne Bezahlung aus- steigen zu lassen und eine Stunde auf sie zu warten. Der Zeuge giebt hierauf zur Antwort:„Nun, man denkt doch, die Herrschaften kommen wieder." Auf weiteres Befragen erklärt der Zeuge, daß er sich in betreff des Jahres 1897 nicht irren könne. Die folgende Zeugin, Frau Wilke, giebt an, daß ihr Mann einen Tag oder zwei Tage vor Kaisers Geburtstag im Jahre 1897 gegen Abend nach Hause gekommen sei und sofort erzählt habe, daß cr'zwei Damen nach dem Schlesischen Bahnhofe und zurück gefahren habe, wofür sie ihm 7 Mark bezahlt hätten. Die eine Dame habe ein Paket vorsichtig auf beiden Annen unter ihrem Ilmschlagetuch verborgen, getragen. Er habe gesagt:„Das ist gewiß ein Kind gewesen", worauf sie erwidert habe:„Das kann wohl möglich sein." Als ihnen dann die Zeitungsannonce zu Gesicht gekommen fei, sei ihnen das Vorkommnis wieder ins Gedächtnis zurückgerufen worden, worauf ihr Ehemann sich gemeldet habe. Auf Befragen des Staats- anwalts Müller erklärt die Zeugin, daß von keiner Seite auf sie eingewirkt worden sei. Amtsgerichtsrat Weißleder aus Posen bekundet, daß er vor etwa einem Jahre die Hedwig Andruszewski längere Zeit vernommen und den Eindruck gewonnen habe, daß sie zwar eine etwas nervöse Person, aber sonst geistesgesund sei. Die folgende Zeirgin ist eine Arbeiterfrau ObelSka aus Wroblewo, welche verfängliche Aeußenmgen aus dem Mimde der Hedwig Andruszewska über den Zustand der Gräfin gehört haben soll. Die Zeugin erzählt, daß Hedwig vor etwa zwei Jahren eine Zeitlang bei ihr gewohnt habe, gelegentlich einer Unterhaltung habe Hedwig gesagt:„Die Leute jagen, es sei gar nicht das Kind der Gräfin, aber das ist nicht wahr, das Kind sieht der Gräfin ähnlich ivie ein Ei dem andren, und auch der Kam- tesse Marie sieht es ähnlich." Die Zeugin behauptet ferner, daß Hedwig A. sich wiederholt in ungünjtigem Sinne über die Gräfin geäußert habe. Sie sei nicht zu bewegen gelvesen, regelmäßig zur Beichte zu gehen, und habe auch selten die Kirche besucht.— Die Zeugin Hedwig bestreitet, die erwähnte Aeußerung gethan zu haben. Auch sei sie w.ederholt zur Beichte gegangen, aber nach einer andren Parochie. In ähnlichem Sinne wie die Vorzeugin äußert sich die Arbeiter- ehefrau K r o m p über Hedwig Andruszewska. Die letztere habe sich darüber beklagt, daß sie von ihrer Herrschaft schlecht behandelt werde, obgleich ihr versprochen worden sei. sie solle es gut haben, denn sie sei im Besitze eines Geheimnisses der Gräfin. Hedwig habe häufig unanständige Worte gebraucht und sich in lvcgwerfendem Tone über Religion und Kirche ausgesprochen. Als die Zeugin Kromp ihre Anssage der Hedwig Andruszewska ins Gesicht wiederholen muß, bestreitet diese, daß sie die Aeußerung gethan habe. Kriminalkommissar Schulz aus Posen: Die Hedwig habe bei ihrer Vernehmung anfänglich einen befangenen Eindruck gemacht, sie sei dann aber in ihren Aussagen ganz klar und bestimmt gewesen. Ihr Bruder Max habe ihm einmal gesagt:„Sie wollen sie verrückt machen, aber sie ist vollständig klar."— Juftizrat Wronker: Hat der Max mit dem„sie" irgendwie bestimmte Personen bezeichnet?— Zeuge: Nein.— Staatsanwalt Dr. Müller: Ist dem Zeugen bekannt, daß der Max Andruszewski für die jetzigen Angeklagten thätig war?— Zeuge: Ja, er hat mir selbst einmal erzählt, daß er auf Aufforderung des Justizrats Lewinski-Posen Ermittelungen in der Kwileckischen Sache angestellt habe. Hierauf wurde der Hauptzruge für den Staatsanwalt Kaufmann Hechelski aus Posen vernommen, der im Auftrage deS Grafen Hektar Kwilecki öfters Reisen nach Krakau unternommen hat. Durch eine alte Dienerin Namens Thekla Dembska habe er dort er- fahren, daß das angebliche Kind der Gräfin in Begleitung einer Frau und einer gewissen Anna RadwanSka nach Berlin gebracht worden sei. Er habe die Wohnung der letzteren erfahren, und die Radwanska, die dem Kinde als Amme auf der Reise nach Berlin gedient haben sollte, habe die ganze Geschichte von dem Wegbringen des Kindes erzählt und gesagt, sie habe 50 Gulden und freie Reise erhalten. Auf sein Ersuchen habe die Radwanska die betreffende Hebamme in ihre Wohnung gebeten. Dort habe er dann die Hebamme Rademacher, jetzt verehelichte Moll getroffen, welche die ganze Sache bestätigte und die damals unverehelichte Cäcilie Pärczä, jetzige Frau Weichensteller Meyer als die Mitter des Kindes bezeichnet. Alle diese Ermittelungen habe er dem Grafen Hektar Kwilecki mitgeteilt, dieser sei nach Krakau gekommen und habe gesagt, die Sache sei eine Staatsanwaltssache. Man habe sich infolge dessen auf die Polizei begeben und die Polizeidirektton habe die beteiligten Personen protokollarisch der- nommen. Er sei selbst in Krakau geblieben, um die Mutter des Kindes ausfindig zu machen. Im Juli v. I. habe er auch den Auf- enthalt des Meyerschen Ehepaares ermittelt. Der Zeuge wird dann in ein Kreuzverhör genommen und er» klärt, daß er von dem Grafen Hektor für seine fünfundvierzigtägige Reise nach Krakau 4000 M. erhalten habe und für weitere Dienjte noch mehr. Er hätte kein persönliches Interesse an der Sache. Hierauf wird die Sitzung um 3 Uhr vertagt. lokales. Der Vater als„Zeuge". Der Prozeß Kwilecki, der gegenwärtig vor dem Schwurgericht verhandelt wird, hat manche Wunde am Körper der heutigen Ge» sellschaft aufgedeckt und von einer schlimmen Verlotterung Kunde gegeben. Auch das Schicksal der unehelichen Kinder erhebt sich in diesem Drama, um von neuem gegen die Urheber von Elend und Verbrechen zur Anklage zu schreiten. Wir glauben im Sinne unsrer Leser und Leserinnen zu handeln, wenn wir einem Beitrage Raum geben, der auf die Leichtferttgkeit und Gewissenlosigkeit hinweist, mit der gar oft die„Herren der Schöpfung"— und nicht allein die aus den höheren Gesellschasts- schichten— sich von ihrem eignen Fleisch und Blut abwenden. Eine Dame schildert den Eindruck, den sie von der Aussage des angeblichen Vaters der zwei als Zeugen in Frage kommenden Kinder, des östteichischen Hauptmanns v. Ziegler, empfangen, in folgender Skizze: „Hauptmann v. Ziegler, zu seinem Urteil aufgefordert, erklärt. daß er sich gar nicht äußern könne, da er beide Kinder bis jetzt noch nicht gesehen habe." Die Mutter, die ihr Kind umbringt, wandert ins Zuchthaus; der Vater, der beinahe ebenso Schlimmes thut, indem er sein Kind führerlos den Gefahren des Lebens preisgiebt, gehört zu den„bestell" Kreisen der Gesellschaft! Wahrlich l Ein Tier sieht nach seinem Jungen. Der„gebildete" Mann hat keine Empfindung für die hilflosen Wesen, welche er in die Welt gesetzt hat. Wird noch lange über die Umwertung der Werte gelacht werden können? Erfaßt denn nicht jedermann Entsetzen im Fall„Ziegler, der sich nicht äußern könne, da er beide Kinder bis jetzt noch nie gesehen habe"? Knaben von sechs und sieben Jahren sind den: „Zeugen" gegenüber gestellt.-- Nie hat der Mann Verlangen ge- habt, seine Kinder zu sehen. Nie! Kleine„erotische" Abenteuer fallen bei der Wertschätzung des Mannes nicht in Bettacht. Mag die Frau an den Folgen zu Grunde gehen, weshalb„fiel" sie? Handelt es sich um ein Verbrechen, welches zwei Menschen ge- meinsam begehen, so erhalten beide bei gleicher Schuld gleiche Strafe. Das Verbrechen, Leben zu geben, ttägt nur dem einen der Erzeuger lebenslängliche Knechtung ein.— Die unehelich gebärende Mutter der höheren Stände leidet in ganz andrer Weise, als der Dienstbote oder die Arbeiterin. Das kleine Geschöpf hindert die letzteren vollkommen in ihrer weiteren Bewegungsfreiheit.„Ich heiße nach Muttern", kann gar manches Kind sagen, das allmählich auf die weite Straße des Verbrechens geschoben wird.— Hunger macht mürbe.— All diese Verhältnisse sind mehr als bekannt. Hin und wieder treten sie in ihrer ganzen Schwere vor uns hin.— Elisabeth Browning hat das Wort geprägt: Die Nationen werden, was sie wollen". Sicher hat sie dabei nicht zum mindesten die Jugend ins Auge gefaßt. Seitdem ist das„Jahrhundert des Kindes" gekommen. Mutig Denkende fahren wie Sturmwind auf bisher unangetastete Gebiete im Reiche der Mütter.— Mag man sie leicht lächerlich machen können, diese Männer und Frauen, die das Verhältnis der Geschlechter zu einander glaube» umformen zu dürfen; diese Leute mit den„merkwürdigen" An- sichten; diese, die sich den stolzen Glauben nicht rauben lassen, daß es besser werden kann. Schwerer zu verlachen ist das Kind als seine Mutter. Dieses hilflos im Morast stecken zu lassen, ist nicht jeder-. manns Sache.— Der„Vater" Ziegler als Zeuge könnte zum Markstein werden.— Nicht von„neuen" Menschen ist hier die Rede, von „wahren". Lange genug hat man Unschuldige ftir die bestehende Gesellschaftsordnung büßen lassen. Rettet das Kind l I Wie e i n Schrei sollte es durch alle Kreise gehen. Jedermann kann zur Macht werden. Jeder kann Qual und Jammer verringern, indem er das Gefiihl der Scham in sich wach hält denen gegenüber,„die sich nicht äußern können, weil sie ihre Kinder nie gesehen"._ Daß die vom städtische» Ausschuß angeregte Billetsteuer nicht allein kulttirwidrig, sondern auch wenig einträglich ist, lehrt eine vom „Berliner Tageblatt" gebrachte Zusammenstellung. Danach würde der Ertrag nicht mehr als 3—400 000 M. sein. Die für Berlin geplante Lustbarkeitssteuer ist übrigens in andren Städten bereits in Kraft. Im Etatsjahr 1900/01 steht Magdeburg mit 148 000 W. an| Meter groß, fchlant, hat blondes krauses Haar, blonden Schnurrbart,| Kraak, deren Erstaufführung im Luisen- Theater am Freitag der Spize. Es folgen Köln mit 129 000 M. und Dresden, das mit blaue Augen, längliche Gesichtsbildung und blaffe Gesichtsfarbe. stattfindet, sind wie folgt besetzt: Habermann: Albert Hüner, 120 000 m. verzeichnet steht. Frankfurt a. D., auf das man im Bekleidung nicht bekannt. Nachrichten über seinen Verbleib werden Karoline: Elise Hüftel, Brückner: Hermann Bartels, Eva: Stefanie Berliner Rathause bei Erörterung der Frage besonders verwiesen schriftlich zu den Akten 7114 IV 25. 03 an die Kriminalpolizei oder Stauffen, Lulu: Izabella Natrowska, Annie: Tony Sylva. hat, brachte im genannten Zeitraum 104 000 m. auf, Breslau mündlich im tgl. Polizeipräsidium( 3immer 246) und in jedem Polizei- Central Theater. Morgen Freitag wird als dritte Abonnefiguriert mit 86 000 m., während München nur 42 000 M. auf- revier erbeten. ments- Vorstellung der zweiten Serie Offenbachs Operette Orpheus gebracht hat. Auch Potsdam und Spandau haben sich eine solche Mit einer Schußwunde im Kopf wurde am 1. d. M. in Wilken in der Unterwelt" zur Aufführung gebracht. Die Hauptrollen Einnahmequelle gesichert, die unsrer Nachbarresidenz 11 400 M. und dorf bei Straußberg ein Mann von dem Wildmeister Möller aus sind mit den Damen Josefine Vettori, Else Cramer, Irene Stuart, Spandau 12 100 M. brachte. Frankfurt a. D. erzielte 9000 M. Straußberg aufgefunden. Der Verwundete wurde nach dem Strauß- Frizi Lieder und Günther- Hahn und den Herren Karl Schulz, Rudolf Rigdorf ist mit 3500 M. und Schöneberg mit 2800 m. verzeichnet. berger Krankenhause gebracht und starb dort, ohne daß er über Ander, Emil Albes und Hans Horsten besetzt. Die städtische Hochbaudeputation hielt gestern unter dem Borsiz seine Person und über den Vorfall selbst vernommen werden konnte. Feuerbericht. Ein größerer Dachstuhlbrand kam in der Nacht des Stadtrats Wagner eine Sigung ab, in welcher die besonderen In der Nähe des Fundortes lag ein kleiner Revolver, mit dem die zum Mittwoch am Lüzow- Ufer 13 zum Ausbruch und beschäftigte Entwürfe zu der höheren Mädchenschule und der Gemeindeschule in That ausgeführt zu sein scheint. Anfangs nahm man einen Selbst- die Wehr über zwei Stunden. Das Feuer entstand auf nicht ermittelte der Kantstraße, zum Friedrich- Realgymnasium und zum Desinfektions- mord als vorliegend an; indes ist die Möglichkeit, daß an dem Weise auf dem Boden des Vorderhauses und wurde erst bemerkt, als und Verbrennungshause für das Rudolf Virchow- Krankenhaus zur Manne ein Verbrechen verübt wurde, nicht von der Hand zu weisen. Flammen aus dem Dachstuhle drangen. Mit unheimlicher Schnelligs Annahme gelangten. Stadtbaurat Ludwig Hoffmann teilte mit, daß Darauf können vor allem Fußspuren schließen lassen, die in der feit griffen sie nun um sich, denn als der erste Löschzug eintraf, alle noch ausstehenden Entwürfe zu Bauten des Rudolf Virchow- Nähe des Geschossenen entdeckt wurden, von ihm selbst aber nicht brannte bereits der größte Teil des Dachstuhles. Die Wehr ſezte Krankenhauses und der Jrrenanstalt in Buch sowie der Entwurf zur herrühren. Zur Aufklärung des Sachverhalts ist zunächst die Fest- daher sofort mehrere Schlauchleitungen in Thätigkeit und ging von Siechenhalle in Buch so weit bearbeitet worden sind, daß ihre Vor- stellung der Persönlichkeit notwendig. Der Mann trug einen schwarzen verschiedenen Seiten aus gegen den Brandherd vor. Immerhin lage noch im Laufe dieses Winters erfolgen wird. Mantel, einen ebensolchen Jacketfanzug, schwarze Schnürschuhe und dauerte es doch über eine Stunde, bevor die Gefahr als beseitigt In der gestrigen Situng der städtischen Schuldeputation unter einen braunen Hut. Sein Taschentuch ist A oder K gezeichnet; gelten konnte. Der entstandene Schaden ist beträchtlich, da neben dem Vorsitz des Stadtfyndikus Dr. Hirseforn beschloß dieselbe am genau läßt sich dies nicht erkennen. einem großen Teile des Dachstuhls auch die vierte Etage start hat. Bei einem Briefmarkenhändler in der Friedrichstadt wurde vor gelitten Mittwoch zur Erweiterung der Kenntnisse unsrer Schuljugend fünftig Mittwochnachmittag gegen 3 Uhr wurde die 78 gerufen, weil eine größere Zahl von Pflanzen den Schulen von der städtischen einigen Tagen ein Posten deutscher Briefmarken mit Beschlag belegt. Wehr nach der Manteuffelstraße Barkverwaltung zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zweck follen Es handelte sich um sogenannte Dienstmarken, die mit dem Aufdruck hier ein Pferd in eine auf dem Hofe befindliche Grube, Es dauerte entsprechende Borfehrungen getroffen und die Transportwagen ver- Frei durch Ablösung" zum Zwecke der Feststellung einer neuen bie mit gelöschtem Stalf angefüllt war, gestürzt war. größert werden. Den hiesigen Privatschulen soll der Bezug von Bauschalsumme für Gerichtsbriefe nur für das Jahr 1903 aus geraume Zeit, bevor das Tier aus seiner unglücklichen Lage befreit Bflanzenmaterial erleichtert werden. Gegen eine Bauschalsumme gegeben sind. Diese Marken werden nur für die Behörden aus- werden konnte. In der Sebastianstr. 14 war im vierten Stock ein von 50 Mark wird ihnen die Parkverwaltung ebenfalls eine größere gegeben und sollen ungestempelt nicht in Umlauf kommen. Sie Ballon mit Schwefelsäure geplagt. Kleidungsstücke und Möbel Menge brauchbarer Pflanzen regelmäßig gern überlassen. Der An- gelten daher nicht als Zahlungsmittel und werden, wo sie un- waren abends in der Zimmerstr. 24 in einer Wohnung in Brand schauungsunterricht und die bei Stadttindern oft nicht sehr große gestempelt in Privathänden vorgefunden werden, ohne weiteres geraten, während in der Großen Frankfurterstr. 74 allerlei Gerümpel Ein Tischlereibrand Kenntnis der Pflanzen soll durch diese vermehrte Lieferung von beschlagnahmt. Der Briefmarkenhändler hatte einen größeren und Verpadungsmaterial eingeäschert wurde. Pflanzen gefördert werden. Posten solcher ungestempelter Marlen von einem Händler aus der beschäftigte die zweite Compagnie längere Zeit am Lausitzer Provinz bezogen. Dieser kann nur durch das Dienstvergehen irgend Play 14/15. Die übrigen Alarmierungen, die in den letzten 24 Stunden eines Beamten in den Besitz der Marken gelangt sein. Nach dieser erfolgten, waren auf„ blinden Lärm" zurückzuführen. Richtung ist bereits die Untersuchung eingeleitet worden. Die Leiche des Professors Mommsen wird heute nachmittag von der Kaiser Wilhelm- Gedächtniskirche aus beigesetzt werden. An dem Sarge des Verblichenen werden Professor D. Dr. Harnad im Namen der Akademie der Wissenschaften, Oberbürgermeister Schustehrns für die Stadt Charlottenburg und Professor Dr. Hirschfeld im Namen der Universität Berlin sprechen. Die Feier beginnt 1 Uhr. Von der Kirche aus nimmt der Trauerzug seinen Weg nach dem Dreifaltig Teits- Kirchhofe in der Bergmannstraße. " Die Einfahrt in die Oberwasserstraße von Osten her in der ist unter Richtung von der Gertraudten- nach der Jungfernbrücke Bezugnahme auf§ 49 Absatz 1 der Straßenordnung vom 31. Dezember 1899 verboten. Hus den Nachbarorten. Vom städtischen Arbeitsnachweis in Rigdorf erhielten im Monat Zahlreiche Reklamationen werden von Abonnenten und sonstigen Fahrgästen der Stadt- und Ringbahn erhoben, weil ihre Fahrkarten auf den Stationen der Vorortstrecke Stralau- Rummels burg- Kaulsdorf zurückgewiefen werden. Sie berufen sich Oktober d. J. 253 Personen Arbeit nachgewiesen und zwar 54 Hands darauf, daß die über Stralau- Rummelsburg hinausgehenden Züge werker, 18 Fabritarbeiter, 119 ungelernte Arbeiter, 22 jugendliche auf den Fahrplänen als„ Stadtbahnzüge" bezeichnet würden und Arbeiter unter 16 Jahren, 2 Lehrlinge, 9 Dienstmädchen, 17 FabrikDer frühere Rechtsanwalt Gustav Flatow ist hier Ende voriger Woche daß deshalb auch Lichtenberg, Friedrichsfelde, Bies- arbeiterinnen und 12 ungelernte Arbeiterinnen. Beschäftigung gesucht gestorben. Er wurde seiner Zeit wegen fortgesetter Stempelgeid- dorf und Kaulsdorf Stadtbahnstationen" seien. Dem ist aber wurde von 463 Personen, welche sich rekrutierten aus 60 Handhinterziehung zu einer Gefängnisstrafe von dreizehn Monaten ver- nicht so. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß jene Züge werfern, 30 Fabritarbeitern, 266 ungelernten Arbeitern, 49 jugendurteilt. Anfang Mai wurde er aus dem Gefängnis entlassen. Die lediglich aus Betriebsrücksichten in der Formation von Stadt- lichen Arbeitern unter 16 Jahren, 2 Lehrlingen, 12 Dienstmädchen, lange Haft und die gewaltigen feelischen Erregungen vor seiner Ver- bahnzügen bis Kaulsdorf weiter geführt worden sind, ohne daß da- 29 Fabrik- und 15 ungelernten Arbeiterinnen. Arbeitgeber nahmen Haftung hatten den bedauernswerten Mann derartig geschwächt, daß durch in den Tarifverhältnissen irgend eine Aenderung eingetreten den Arbeitsnachweis in 203 Fällen in Anspruch. 186 Fälle wurden er bald einen Schlaganfall erhielt, von dem er sich jedoch bald wieder wäre. Die billigen Monatskarten( 4,50 M. für beliebige Benutzung durch den Fernsprecher erledigt. erholte, so daß er für einen hiesigen angesehenen Rechtsanwalt der ganzen Stadt- und Ringbahn in dritter Klasse) gelten also nur Die Charlottenburger Schlächter- Innung hält in nächster Woche juristische Arbeiten erledigen konnte. Es ist noch erinnerlich, wie der bis Stralan- Rummelsburg, als der östlichen Grenzstation der Stadt- eine Versammlung ab, in welcher der vielfach erörterte Terrains nun Verstorbene in Verzweiflung über die begangenen Verfehlungen, und Ringbahn, darüber hinaus tritt der Fünfftationen- Tarif außer verkauf, bei dem drei Mitglieder der Innung einen Gewinn von als diese einen Höhepunkt erreicht hatten, von dem aus er feine Kraft, und nach dem Vorort- Tarif werden für die Strecke bis 400 000 m. erzielten, zur Verhandlung kommen soll. Die an dem pekuniäre und gesellschaftliche Rettung mehr sah, tagelang zwecklos Friedrichsfelde 15 bezw. 10 Pf., bis Staulsdorf 30 beziv. 20 Bf. Berkaufe beteiligt gewesenen Meister sind durch eingeschriebenen umherirrte und sich dann selbst der Staatsanwaltschaft stellte. Er( zweiter bezw. dritter Klasse) erhoben. Brief zur Versammlung besonders eingeladen worden. Auch ein lieferte fich aus, als er fühlte, daß ihm zu dem beabsichtigten Vertreter des Magistrats wird derselben beiwohnen, da die Regierung einen ausführlichen Bericht eingefordert hat. Es wird, wie die Selbstmord bereits die nötige Energie fehlte. Flatow, der aus einer fehr anständigen Berliner Familie stammte, auch reiche Verwandte Allg. Fleischer- Beitung" mitteilt, beabsichtigt, die Versammlung au hatte, die wiederholt seine dauernden Geldkalamitäten zu ebnen einer nicht öffentlichen zu machen und die Vertreter der Bresse von der bemüht waren, bis ihre Geduld, Nachsicht und Opferivilligkeit erschöpft Teilnahme auszuschließen. Das wäre sehr bedauerlich, da es doch Klessische Kunst" bildet das Thema des volkstümlichen Kunstwar, ist im letzten Grunde ein Opfer traurigfter häuslicher Verhältnisse abends am Sonntag, den 8. November, 7 Uhr, in der Kaiser gerade im Intereſſe des Ansehens der Innung liegen muß, der geworden. Die„ National- Zeitung", der wir diese Nachricht ent- Friedrich- Schule am Savignyplak, welchen die Bolts- Kunstkommission weitesten Deffentlichkeit völlige Aufklärung in der Sache zu vers nehmen, schreibt weiter über den Verstorbenen:„ Ein Verbrecher war der Stadt Charlottenburg in Verbindung mit dem Verein zur Gustav Flatot nicht, sondern er hat nicht verstanden, mit seinen Ein Förderung der Kunst, zugleich als erste künstlerische Gedenkfeier für Steglit. In anerkennenswerter Weise hat der hiesige Gemeindenahmen hauszuhalten und geriet dann allmählich aus Leichtsinn und den eben heimgegangenen Ehrenbürger ihrer Stadt, Theodor vorstand die Vorschrift des Wahlreglements beherzigt, die Wahl auf Fahrlässigkeit auf die schiefe Bahn, auf der kein Halten war und die Mommsen, veranstaltet. Die Recitation von Dichtungen Homers, eine für die Wahlbeteiligung möglichst günstige Stunde festzusetzen. ihn immer tiefer hinab führte. Die Achtung seiner Kollegen hat Soraz, Sophokles' und Aesculos', sowie Goethes, Schillers uit. Die Wähler der dritten Abteilung werden zu 5 Uhr nachmittags einunfres Wissens Flatow stets, auch noch nach dem Bekanntwerden hat Herr Direktor Bruno Türschmann inne. Die ursprünglich für geladen und ferner wird bestimmt, daß die Wahlhandlung der seiner strafwürdigen Handlungen nicht verloren und viele von ihnen den 1. November ausgegebenen Karten behalten für diesen Abend hätten gern, wie allgemein versichert wurde, eine gemeinsame Hilfe- ihre Gültigkeit, außerdem find Karten für jedermann in den größeren weiten Abteilung nicht vor 7 Uhr, die der ersten nicht aktion zu seinen Gunsten unternommen, wenn er sich einem Freunde Gymnasien, Buchhandlungen Charlottenburgs und der Potsdamerbeizeiten anvertraut hätte. In der vorigen Woche erfitt er wiederum straße, Bureau der Akademischen Lesehalle, Bureau des Vereins zur auf der Treppe zu dem Bureau eines hiesigen Justizrats, bei welchem Förderung der Kunst, Brüderstraße 1. Verlag Bloch, sowie in der er in letzter Zeit juristisch thätig war, einen erneuten Schlaganfall, Buchhandlung Zichoch, nesebeckstraße neben der Kaiser Friedrichdeffen schwere Folgen seinem verfehlten Leben ein Ziel ichten. Schule zum Preise von 50 Pf., einige reservierte Reihen zu 1 M. Gustav Flatow hat zahlreiche Freunde hinterlassen, die dem unglückzu haben. lichen Manne, der seine menschlichen Schwächen gar schwer hat büßen müssen, ein mitleid- und anteilvolles Gedenken nicht vorenthalten werden." " schaffen. bor 7 Uhr stattfindet. Ein schwerer Unglücksfall trug sich gestern auf dem Bahnhof Lehnitz an der Nordbahn zu. Ein Arbeiter wollte abends gegen 6 Uhr den nach Berlin fahrenden Vorortzug benutzen, verweilte jedoch längere Zeit auf dem Bahnsteig, ohne den zur Abfahrt bereit stehenden Zug zu besteigen. Als sich der Zug in Bewegung setzte, Im Verein für volkstümliche Kurse von Berliner Hochschullehrern lief der Arbeiter hinterher und sprang auf das Trittbrett eines beginnt am Donnerstag, den 5. d. M., abends 812 Uhr, Herr Wagens dritter Klasse. Hierbei glitt der Leichtsinnige jedoch ab. Professor Dr. L. Plate feinen Vortragskursus über das Thema: stürzte zu Boden und die Laufbretter der nachfolgenden Wagen Am Dienstag brachten wir nach einer Lokalkorrespondenz die wie unterscheiden sich Tiere und Pflanzen". Eine Einführung in gingen über seinen Körper hinweg. Zwar wurde der Arbeiter von Mitteilung, daß die Leiche der Lehrerin Fräulein Schönfeld polizei- bie Grundbegriffe der Lebenskunde. Die Vorträge werden im Hör- den Trittbrettern nicht berührt, doch hatte er bei dem Sturz einen lich beschlagnahmt worden sei. Wie uns von zuständiger Seite mit faale des Zoologischen Instituts, N., Juvalidenstr. 43, abgehalten. Bruch des linken Unterarmes sowie auch anscheinend innere Bergeteilt wird, ist diese Nachricht falsch. Fräulein Schönfeld, die Am gleichen Abend und um dieselbe Zeit beginnt Herr Privatdocent lezungen davongetragen und niußte nach einem Krankenhause ge= längere Zeit frank war, ist einem Herzschlage erlegen und bereits Dr. Gottschalt seinen Vortragskursus über„ Die Hygiene der bracht werden. am Montag auf dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde in Weißensee Frau" in der Aula des Andreas- Realgymnasiums, O., Langestr. 31. Adlershof. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung beerdigt worden. Eintrittskarten für den sechs Abende von je anderthalb Stunden wurde ein Antrag der socialdemokratischen Gemeindevertreter verFalschmünzer und Verausgaber in einer Person ist der der umfassenden Kursus des Herrn Professor Plate zum Preise von handelt, den Urwählern zum preußischen Landtag Wahleinladungen Bolizei bekannte Verbrecher Eigenbrodt, der in Moabit Wohnung 1 M. find zu haben bei: Georg Belling, Leipzigerstr. 128; zuzustellen und zu diesem Zweck 65 M. zu bewilligen. Gegen die und Werkstatt besaß und gestern in der Grünthalerstraße bei der A. Schüß, Holzmarktstr. 60; Chr. Tischendörfer, Sophienstr. 20 Stimmen der Socialdemokraten wurde dieser Antrag abgelehnt, weil Verausgabung falscher Zweimarkstücke abgefaßt wurde. Obgleich in. E. Lederer, Kurfürstenstr. 70; Bernhard Staar, Friedrichstr. 250; die Gemeinde nicht notwendig hätte, politisch denkunfähige Wähler der letzten Zeit verschiedene Falschmünzer eingesperrt wurden, fam Centralſteile für Arbeiter- Wohlfahrtseinrichtungen, Dessauerstr. 14 zur Wahl heranzuholen. Die Gebühren für die Benutzung der hiesigen noch immer falsches Geld in den Verkehr, so daß die Polize: cin( 8-8 Uhr). Freibank wurden für die ersten zum Verkauf gestellten 25 Pfund auf besonders wachsames Auge hatte. Eine Leibesdurchsuchung führte Tas Cafino- Theater wandelt auf Gorkis Bahnen. Ein Einafter 2,50 M. und für weitere 25 Pfund auf 1,50 M. festgesetzt. bei Eigenbrodt zu dem überraschenden Ergebnis, daß er noch 50 Berliner Nachtasy!" weiß von Verbrechern und Dirnen zu Zum Schluß wurde noch mitgeteilt, daß die kgl. Eisenbahndirektion solcher Falschstücke bei sich trug, die sehr gut gearbeitet sind melden, die in einer Berliner Kaschemme relative Glückseligkeit die Petition betr. Einlegung eines Buges nach 12.37 Uhr vom und das Münzzeichen A 1902 tragen. E. bestritt zunächst das Münzverbrechen. Als er aber sah, daß in seiner in der From finden. Nicht alle, die uns an dieser Stätte des Elends begegnen, Görlizer Bahnhof resp. Stadtbahn abgelehnt hat, da dieselbe ein straße befindlichen Werkstelle eine Durchfuchung geschehen sollte, gehören zu den Gwig- Verdammten; wir erleben vielmehr, daß das Bedürfnis nicht anerkennen könne und ein derartiger Zug nicht Es wurde beschlossen, nochmals beforgte Haupt einer guten Familie fein zartes Töchterlein wieder einmal die Kosten decken würde. flein bei und gestand, daß er die Herstellung und Verbreitung ohne fremde Hilfe betrieben habe. Seine Wohnung aus dem Sumpf fiſcht, in den es, aus Liebe zur Kunst irrend, in einer Eingabe der Direktion den Vorschlag zu machen, einen nach bot ein Bild von der Geschicklichkeit des Falschmünzers, der das hineingeraten war. Der beträchtliche Reft, der dann noch übrig bleibt, 12 Uhr von Berlin abgehenden Zug aufzuheben und dafür gegen schönste Handwerks zeug aus den einfachsten Dingen zusammenzustellen nach bekanntem Muster ein Baron und ein Schauspieler mit ihrem 2 Uhr einen Zug in den Fahrplan aufzunehmen. verstanden hatte. Da war eine elektrische Batterie aufgestellt, die Anhang, beschließt den Abend nicht mit Wehklagen und Selbstgab er ihren Strom in eine Kinder- Kochmaschine gab. In den Behältern auf dem Kinderspielzeug wurden die Falschstücke auf galvanischem Wege verfilbert. Gießlöffel und Formen hatte er aus alten Löffeln gearbeitet; auch eine Zahnmaschine zur Herstellung des Randes war vorhanden- furz, die einzelnen und einfachsten Gerätschaften wurden so sinnreich und sachgemäß verwandt, daß die Arbeit glatt von statten ging: Eigenbrodt folgte den fürzlich eingesperrten Falsch münzern in das Untersuchungsgefängnis. " " " mittel gering Marktpreise von Berlin am 3. November 1903 nach Ermittelungen des fgl. Polizeipräsidiums. Startoffeln, neue D.- Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter mittel gering " 15,82 15,78 15,74 15,70 13,10 13,06 13,02 12,98 12,94 12,90 14,50 13,40 mittel Eier " gering thafer, gut mittel gering 12 15,70 14,80 " " 13,30 12,20 12,10 11,00 Karpfen Male mord, sondern strampelt sich in einem vergnügten thé dansant aus. So entfernt sich im fünften Stand das Berliner Gefühlsleben von dem russischen, so differiert der Dichter Blank in Geistesrichtung und Nutz- Weizen, gut D.- Ctr. 15,90 15,86 anwendung von dem Dichter Gorki. Auch die Talente sind in Berlin N wohl nicht anspruchsvoller als das Elend und so wird Roggen, gut unser Dramatiker uns wohl nicht böse sein, wenn wir sein Werk zu den minder tragisch zu nehmenden zählen. Gespielt wurde von den des Berliner Dialetts gewohnten nftlern ganz vortrefflich. Diesem Gerste, gut Drama folgten- Specialitäten, unter denen der Kunstschüße Martens Der Buchhalter Willi Hustan, isen Unterschlagung und Flucht Vorzügliches bot, und den Beschluß des Abends bildete das Boltsstück gemeldet wurde, figt bereits im Untersuchungsgefängnis hinter Hotel Klingebu sch". Der Anblick der arg geplagten und Schloß und Riegel. Er war aus Berlin überhaupt nicht heraus- verleumdeten Unschuld, die als mutterlose Waise schließlich am Arm gekommen, da er dem Spieltenfel verfallen war und die veruntreute eines tugendhaften Oberkellners über das Laster triumphiert, wirkte Richtstroh Summe von 4000 0. bis auf den letten Pfennig auf Rennplägen start auf das gute herz des Publikums und männiglich nahm in Heu angelegt hatte. Er hat sogar von einem Buchmacher noch 10 M. dem Bewußtsein, einen auch in moralischer Hinsicht einträglichen Erbsen Speisebohnen entliehen. Seinem Prinzipal hatte er brieflich mitgeteilt, daß er Abend genoffen zu haben, vom Cafino- Theater Abschied. Linsen eine Postvollmacht für sich gefälscht und die eingehenden Gelder daraufhin erhoben habe. Die Mahnbriefe, die von dem Geschäft an die Stunden gerichtet wurden, hat er vernichtet, damit die Unter schlagungen nicht aufgedeckt werden sollten. Abgesehen vom Spiel war Hustan nicht ausschweifend. " * ab Bahn. Zander Hechte 14,70 13,80 13,70 12,80 4,32 3,82 Barsche 6,80 4,80 Schleie 40,00 25,00 Bleie 50,00 25,00 Strebse 60,00 20,00 † frei Wagen und ab Bahn. 6,00| 4,00 1,80 1,20 1,50 1,10 " 1,60 1,10 2 2,00 1,20 " " 1,80 1,10 2,60 2,00 60 Stüd 5,00 3,00 1 kg 2,00 1,20 2,60 1,40 " " 3,00 1,20 9 2,00 1,00 19 1,80 0,80 3,00 1,40 1,40 0,80 per Schod 15,00 3,00 Witterungsübersicht vom 4. November 1903, morgens 8 Uhr. Wetter Stationen Windstärke Better 2wollent Temp. n. E. 15° E.= 4° 9. Theater. Das Schauspiel Wilhelm Tell", das Volksdrama im höchsten Sinne, gleich bedeutend als Kunstwerk wie durch die freiheitliche Idee, die in ihm lebt, ist unter den dramatischen Werten Schillers dasjenige, das auf das Publikum des Schiller= Theaters die tiefste Wirkung und die stärkste Anziehung ausWegen des Einsturzes eines Stalles auf dem Grundstüd Saargeübt hat. Seit der ersten Aufführung im Schiller- Theater Stationen brückerstraße 6, neben Bößows Brauerei, wurde gestern abend die im Oktober 1895 ist" Wilhelm Tell" vierundsiebzigmal, einerste Compagnie nach 7 Uhr alarmiert. Als die Gefahr bemerkt schließlich Voltsschüler Borstellungen, zur Darstellung wurde, war es schon zu spät, sämtliche in dem Stall untergebrachte gelangt und wird sicherlich noch in diesem Winter die hundertste Pferde zu retten. Drei wurden unter den Trümmern begraben und Aufführung im Schiller- Theater erleben. Das Wert wird nämlich Swinemde. 769 Still dann von der Feuerwehr wieder herausgeholt. Eins war schon tot, gegenwärtig einer gründlichen und sorgfältigen Neuinscenierung Hamburg 770 W während zwei mur Verlegungen erlitten hatten. Die Feuerwehr unterzogen und gelangt, von Grund aus neu besett, in ganz neuer Frankf.a.M. 771 OND beseitigte weitere Gefahren, während die Polizei die Unfallstätte dekorativer Ausstattung, die namentlich auch die Reize des land- München 770 D schaftlichen Hintergrundes der Dichtung zur Geltung bringen soll, Wien 770 Still Vermißt. Der Kaufmann und Chemiler Reinhold Wadel, am 10. November zur Aufführung. Das Schiller- Theater ges Wetter: Prognofe für Fonnerstag, den 5. November 1903. am 11. Juni 1874 zu Schönefeldt, Kreis Leipzig, geboren, hat sich am denkt damit den Geburtstag des Dichters in diesem Jahre Mild, jedoch ziemlich trübe und nebelig bei schwachen westlichen Winden; besonders würdiger 9. September cr. aus seiner Wohnung, Am Cirkus 7 bei Stroher, in Weise zu begehen. Die teine erheblichen Niederschläge. bon Karl Lauff und Kurt Berliner Wetterbureau. entfernt und ist seitdem nicht mehr zurüdgekehrt. Derselbe ist 1,70 12ogenbrüder", Schwank Berantwortlicher Redacteur: Julins Kalisti in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortilh Th. Glocke in Berlin. Druf und Berlag: Gorvirts Budrukerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW absperrte. " Berlin 769 SW Nebel 1 bedeďt 1 bedeckt 2 bedeckt Rebel 8 Haparanda 752 23 7 Betersburg 10 Cort 1 bedeckt 10 Aberdeen 6 Paris 1heiter 775 N 770 DND 1 bedeckt