Kr. 268. Ilb«nnements*Redi ngungtn; RBonnoncntä■ Preis pränumerando: Bierteljährl. 33 Mk, monatl. 1,10 Md. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Sinzeine Numnier S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Well" 10 Pfg. Post- ilbonnemeut: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post- ZeihmgS- Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter tireuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn z Statt, für das übrige AuZIani. 2 Marl pro Monat. kllchtl«»»glich auBtr montags. S0. Jahrg. Vevliner VolkcsblAtk. Centralorgan der lorialdemokratisthen Ncrrtei Deutschlands. vl« InferNonz-LedW beträgt für die fechSgefpaltene Kolon»- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für polilifche und gcwerlschaftlichc LcreinS- und BerfanimiungS-Sinzeigen 20 Pfg. „Nteine Rnreigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate süt die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmittags in der ExpcdiNon abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn, und Festtagen bis 8 Uhr vormitttagS geöffnet. Delegramm-Noresi»: „Soclaldtinolirat Berlin". Redaktion: 8 AI. 68, Lindenstrasse 69. Kernsprecher- Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 15. November 1903. Expedition: 8AI. 68, Lindcnetraoae 69. Kernivrecher: Amt IV. Nr. 1981. Zarisch-Preußen. Die Geschichte der preußisch-nlssischen Freundschaft ist eine un- endliche Reihe niederträchtiger Verschwörungen aller Mächte der Finsternis gegen die Freiheit und die westeuropäische Kultur. Durch die heilige Allianz, die selbst konservative Historiker als die tiefste Schmach der in ihr verbündeten Länder brandmarken, wurde die Entwicklung Preustcn-DeutschlandS um ein Jahrhundert betrogen. Aber die schlimmsten Ausschreitungen dieser historischen preußisch- russischen Geheimbündelei gegen die„Revolution" reichen— das läßt sich ohne jede Uebertreibung aussprechen— an moralischer Verwerflichkeit nicht heran an die Vorgänge, deren Zeugen wir preußische Staatsbürger im Anfange des 20. Jahrhunderts werden. Jene geheimnisvolle„Anarchisten-Konvention" zeitigt Früchte, die genügen, um die KnltureHre Preußen-Deutschlands tödlich zu ver- giften. Als die Söldner des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II. gegen die junge, weltumgestaltende Kraft der französischen Revolution marschieren mußten, fand diese lächerliche Farce wenigstens darin einen Schein von Berechtigung, daß sich das verfaulte Europa der Legitimität in dynastischer Geschäftssolidarität um die eigne Er- Haltung bemühte. Auch in der heiligen Allianz handelte es sich schließlich nur darum, daß sich das reaktionäre Osteuropa gegen die westliche Revolution Ivchrte. Wenn Friedrich Wilhcm IV. npH dem 18. März mit dem hochverräterischen Gedanken spielte, wenn es fein müßte. mit den Kosaken das eigne Volk niederzuwerfen, so trieb auch hier die Sclbsterhaltung des Absolutismus. Weit schimpflicher ist die jetzige prcußisch-russische Politik. Jetzt wendet ein Staat, der doch immerhin die ersten Anfänge eines liberalen VcrfassungSwesens erreicht hat, seine Machtinittel auf, um ein andres Volk zu verhindern, daß es auch nur die niedrige Stufe der politischen Entwicklung erreicht, auf der er selbst steht. Die ge- waltsame Niedcrhaltung eines ftemdcn Volkes unterhalb der eignen Entwicklmig— das ist Hochverrat wider die Kultur, wider die Majestät der freien Menschheit, ein Verbrechen, für da§ es vor dem Gericht der Geschichte keine Sühne giebt. Und schlimmer noch: Um diesen Zweck zu erreichen, verfolgt man die Angehörigen deS eignen Staates. Die Schweiz weist die russischen Spitzel aus, die dort ihr gemeingefährliches Handwerk zu treiben suchen, Preußen aber nimmt die Gesellen nicht nur mit offenen Armen auf, sondern es leiht ihnen Beihilfe und opfert ihnen preußische Staatsbürger.- lieber den in Ostpreußen unternommenen Versuch, auf dem Wege dc-s Geheimbündelei- Paragraphen die Verbreitting russischer Schriften zu bestrafen und zu Verbindern, werden weiter unten noch rechuiche Erwägungen angestellt werden. Inzwischen scheint man�ie Unmöglichkeit der Konstruktion eingesehen zu haben und hat sie nunmehr durch eine Ungeheuerlichkeit ersetzt, für die es unsreö Wissens, mindestens in der Geschichte des letzten Jahr- Hunderts, in keinem civilisierten Staate ein vorbildliches Beispiel giebt. Aus Königsberg meldet uns nämlich ein Privat- tclcgramm: „Dir Haftentlassung der Genossen Brau» und Nowagrohki wurde abgelehnt. Die Anklag« lautet jetzt auf Beihilfe zum Hochverrat gegen das russische Reich und aus Beihilfe zur Beleidigung des Zaren." Beihilfe zum Hochverrat gegen das russische Reich— Beihilfe zur Beleidigung des Zaren— das klingt so aufreizend und rätsel- Haft! daß wir beinahe glauben möchten, wir seien durch das Tele- gramm mystifiziert. Aber wir dürfen das leider nicht annehmen. schon deshalb nicht, weil auch der phantasiereichste Satiriker nicht auf den verwegenen Einfall geraten könnte, durch solche Er- findung die preußischen Zustände zu geißeln. So etwas erfindet man eben nicht. Lassen wir einen Augenblick die juristtsche Beurteilung außer acht und betrachten nur die politische Seite. Gäbe tausendmal ein Strafgesetzbuch Anhalt dazu, solche Delikte zu konstruieren und zu verfolgen, in lvelchem civilisierten Staate würde eine Negierung es wagen, ein solches Mittel anzuwenden, ohne daß das ganze System im Augenblick von der öffentlichen Empörung in Trümmer geschlagen würde! Während des Bocrenkrieges haben Deutsche den„Hochverrat" der Boeren thatkräftig unterstützt. Wie hat man darüber bei uns schon gejammert, als die englische Regierung in Transvaal einige englandfeindliche deutsche Blätter verbot; die englische Regierung hätte ja sogar beanspruchen können— wenn auch nicht juristisch—, daß alle deutschen Boerenfteunde, die irgend wie den boerischen Aufftand unterstützten, wegen Beihilfe zum Hoch- verrat prozessiert würden. Denn nichts andres würden unsre ostpreußischen Freunde im schlimmsten Falle gethan haben, wenn sie wirklich ihre Beihilfe einer Organisation russischer Hochverräter ge- leistet hätten. Auch dann hätten sie keine strafbare Handlung be- gangen, sondern die Bürgerkrone verdient. Aber die ostpreußischen Parteigenossen haben überhaupt nichts dergleichen gethan. Sie haben lediglich Schriften bezogen und viel- leicht auch verbreitet, deren Inhalt sie gar nicht kannten und die, wie wir vermuten, nicht irgend welche hochverräterische Aktionen vorbereiteten oder organisierten, sondern das in jedem Kulturstaate erlaubte Ziel verfolgen, über politische Zustände aufzuklären und ftir eine Besserung. Umgestaltung dieser Zustände zu agitieren. Selbst eine litterarische Aufforderung znm Zarenrnord wäre ( noch kein Hochverrat, zu dessen Begriff Handlungen ge- hören, die unmittelbar die That vorbereiten. Beihilfe zum Hochverrat gegen einen fremden Staat, Beihilfe zur Majestätsbeleidigung gegen einen ftemdcn Herrscher— noch nie- mals dürfte eine solche Anklage erhoben sein. Die rechtliche Handhabe zu dem beispiellosen Verfahren, das in einen neuen Pitaval gehöre» würde, selbst wenn es im Sande verlaufen sollte, bietet äußerlich der§ 1Y2 des deutschen Strafgesetzbuches, ivelchcr lautet: Ein Deutscher, welcher im Jnlande oder Auslande, oder ein Ausländer, welcher während seines Aufenthalts im Jnlande gegen einen nicht zum Deutschen Reiche gehörenden Staat oder dessen Landesherrn eine Handlung vornimmt, die, wenn er sie gegen einen Bundesstaat oder einen BundeSfllrsten begangen hätte, nach Vorschrift der KS 81 bis 86 zu bestrafen sein würde. wird in den Fällen der ZK 81 bis 84 mit Festungshaft von einem bis zu zehn Jahren, oder, wenn mildernde Umstände vor- haudcn sind, mit Festungshaft von sechs Monate» bis zu zehn Jahre», in den Fällen der KH 8b bis 86 mit Festungshaft von ciiicm Monat bis zu drei Jahren bestraft, sofern in dem andern Staate dem Deutschen Reiche die Gegenseitigkeit verbürgt ist. Vom Hochverrat handeln die§§ 81 bis 84; die Majcstäts- beleidigung gegen einen fremden Herrscher wird durch den§ 103 unter Strafe gestellt, der lautet: „Wer sich gegen den Landesherrn oder den Regenten eines nicht zum Deutschen Reiche gehörenden Staates einer Beleidigung schuldig macht, wird mit Gefängnis von einer Woche bis zu zwei Jahren oder mit Festungshaft von gleicher Dauer, sofern in diesem Staate dem Deutschen Reiche die Gegenseittgkeit verbürgt ist. Die Verfolgung tritt nur ans Antrag der auswärtigen Re- gierung ein. Die Zurücknahme des Antrages ist zulässig." Was objektiv eine Beihilfe zur Majestätsbcleidigung eines fremden Fürsten ist. kann ohne besondere russisch- juristische Begabung nicht eingesehen werden. Entscheidend ist. daß die Anwendung der vorstehenden Strafbcstmimungen nur dann anwendbar ist, wenn zwischen den beiden Staaten ein Gegenseittgkeitsvertrag besteht. Zur Strafbarkeit genügt natürlich nicht der Abschluß irgend einer Geheim konveution.. Denn niemand kann zur Rechenschaft gezogen werden auf Grund von Verträgen, die nicht publiziert worden sind, deren Bestimmungen also niemand kennt. Ob hinsichtlich des Hochverrats ein solcher Vertrag jemals veröffentlicht worden ist, vermögen wir im Augen« blick nicht sicher festzustellen, wir bezweifeln es aber. Damit wird auch die Bestrasiing nach einem unbekannten Gesetz unmöglich, ganz abgesehen davon, daß jene russischen Aufklärungsschriften nach deutschem Recht zweifellos nicht den Begriff des Hochverrats erfüllen, und daß ihre etwaige Verbreitung auch keine Beihilfe zu einem Delikt, das nicht vorhanden ist, darstellt. Daß subjektiv jede VcrfolgungSmöglichkeit ausgeschlossen ist, braucht nicht erst erwähnt zu werden. Unsre Parteigenossen hatten ja keine Ahnung von dem Inhalt der Schriften, konnten also auch nicht Beihilfe zu den behaupteten Verbrecheu und Ver- gehen leisten. Wenn demnach angenommen werden muß, daß auch diese Aktion, schon aus juristischen Gründen sich in nichts auflösen wird, so wird der Versuch dieser Prozedur doch unvergeßlich und un- verzeihlich bleiben, als ein Dokument, wie weit man sich in dem Preußen des Jahres IVOS unter den Zarismus beugte— bis zur Vernichtimg aller kulturellen und rechtlichen Vernunft und Sittlichkeit. Verantwortlich ist selbstverständlich für diese Entblößung der un- möglichen Möglichkeiten in Zarisch-Preußen nicht irgend ein be- auftragtcr Beamter der juristischen Bureaukratie, sondern die Re- gierung, die dies System stützt und fördert. Die Oeffentlichkcit Europas fordert Rechenschaft mid Halt! Die Grenziiberschreitung des Zarismus nach Westen ist nicht länger zu dulden. Wir protestieren, daß der preußische Junkerstaat die Festungen der Civilisation an den barbarischen Feind ausliefert— ein kulturelles Jena! Znm russisch-preuftischen Geheimbund wird uns noch geschrieben: § 128 unsres Reichs- Strafgesetzbuchs ist der Spiegel des bösen Gewissens unsrer herrschenden Gewalten. Er bedroht nach Herr- schender— freilich nicht ganz einwandfreier— Ansicht jede sogen. „geheime" Verbindung an und für sich, möge sie noch so legale Zwecke verfolgen:„man kann nie wissen", nieint das Klassengesetz; die„Vermuiung" spricht für die Staatsgefährlichkeit alles dessen, was der deutsche Staatsbürger ohne Sanktion der hohen Obrigkeit denkt und thut. Diese Aengstlichkeit hat die gleiche Wurzel wie daS sehende Mißtrauen der Blinden und Tauben. § 128 gehört zu den Kautschukparagraphen im schlimmsten Sinne des Wortes; fast jeder Buchstabe ist Gummi. Was ist Verbindung? Wer die Rechtsprechung zu§ lö3 der Gewerbe-Ordnung kennt, weiß, wie die Grenzen dieses Begriffs schwanken. Was heißt:„geheim gehalten werden soll"? Was heißt„Teilnahme"? Wachsweiche Worte in den Händen der Klassenpolizei, der Klassenjustiz. Nach den jüngsten Posener Schülerprozessen, in denen hannlos kindische Vereinigungen von halbwüchsigen Jungen nach§ 128 qualifiziert und schwer besttaft wurden, glaubte man den Gipfel un- gezügelter Gesetzesauslegung erreicht. Und als die ersten Nachrichten über die Mcmeler, Königsberger, Tilsiter Vorgänge durch die Presse flogen, zweifelte jeder vorsichtige Jurist an der Vollständigkeit der Meldungen über die thatsächlichen Unterlagen des polizeilichen und gerichtlichen Vorgehens: es k o n n t e nicht stimmen, daß gegen die wegen Geheimbündelei gehaussuchten und verhafteten Personen nur vorlag, daß sie als Deckadressen oder gar nur als gelegentliche Empfanger für durchaus legale Büchersendungen gedient haben sollen. Die neuesten genauen Meldungen aber rücken das außer Zweifel und zwingen zur sofortigen schärfften und rücksichtslosesten Verteidigung der strengen Gesetzlichkeit gegen eine überwuchernde politische Justiz, die hier noch den letzten Rest von faßbarem, festem juristischen Kern aus§ 128 Herauszugewinnen sucht; und nicht ein- mal im Interesse Deutschlands oder Preußens, sondern des russischen Despotismus. Wenn das Wort„Verbindung" in jenem Musterparagraphen Wachs ist, so ergiebt doch der Nachsatz:„deren Dasein, Verfassung oder Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werden soll", daß die strafbare Verbindung aus einer einigermaßen umgrenzten Personenmehrheit bestehen, eine gewisse Dauer, eine„Ver- f a s s u n g" und einen faßbaren dauernden und in die Verfassung aufgenommenen Zweck haben muß. Nichts von alledem liegt hier vor. Vor allem fehlt die Dauer; und selbst wenn es sich um ein verzweigtes, längere Zeit hindurch funktionierendes Deckadressennetz handeln sollte, würde die Organisation fehlen, d. h.„die Unterordnung deS Einzelnen unter den irgendwie sz. B. durch Mehrheitsbeschluß, Be- fehle des Oberen zc.) zum Ausdruck gelangten Willen der Gesamt- heit". Hier liegen bestenfalls vor— möglicherweise wiederholte— Gefälligkeiten einer Person gegen eine oder ein paar andre; nicht einmal die Möglichkeit der Bildung eines Gesainthcitwillens kann von der kühnsten Phantasie erdacht werden. Mit genau derselben Logik und Gesetzlichkeit könnte jedes Kaffeekränzchen der Königs- beiger Richtergattinnen oder jedes Betschwestern-Konventitel aus § 128 prozessiert werden. Ilabeaut sidi! Aber ernsthafte Männer möge man mit solchen illegalen Spitzfindigkeiten ungeschoren lassen. Die Sache hat indes noch eine ganz besonders ernste Seite. Es gilt nicht etwa nur sporadische Mißgriffe dieses oder jenes Amtsrichters, dieses oder jenes Polizeibeaniten, sondern ein syste- matisches, von einer Centralstelle aus insceniertes und geleitetes Kesseltreiben im Dienste desjenigen Zarismus, von dem man eben erst— in den Kreisen derer, die nicht alle werden— bei dem längeren Aufenthalte des Zaren im„liberalen" Hessenlande eine Liberalisierung erträumt hatte I Statt dessen ist Deutschland dreifach russifiziert worden. Für dieses systematische Kesseltreiben ist Beweis: die Gleich- zeitigkeit und Gleichartigkeit des Vorgehens an verschiedenen Orten: auch der Fall Krassikoff-Popoff(Schekoldin) gehört hierher; ferner die bereits gebrachte Meldung, daß nach Mitteilung des hiesigen Polizeipräsidiums das Vorgehen gegen Krassikoff und Popoff aus die unmittelbare Initiative des Ministers des Innern zurückzuführen ist. Wir dürfen nach unfern Informationen bestimmt behaupten, daß die Polizei und die StaatSamoaltschaft sdie deutschen Gerichte sind bekanntlich unabhängig) in allen jenen Fällen auf direkte An- Weisung der Minister deS Innern und der Justiz eingegriffen haben und daß die Fäden aller Verfolgungen preußilÄer und russischer Bürger wegen„Schriftenschmuggel" und„Geheimbündelei" direkt in die Wilhelmstraße führen und Unter den Linden zusammenlaufen. Der Prozeß Popoff(Schekoldini hat ein ganzes Bündel von— gelinde gesagt— Polizeiwillkürlichkeitcn zu Tage gefördert, die ein neuerdings ergangener Bescheid des hiesigen Polizeipräsidiums einfach durch den Hinweis zu rechtsertigen sucht, daß die Garantien unsrer Strasprozeß-Ordnung außer acht gelassen werden dürften, da nur sicherheitspolizeiliche Maßnahmen, nicht Maßregeln zur Vorbereitung eines Strafverfahrens in Frage kämen, d. h., daß in Preußen der keiner strafbaren Handlung Verdächtige rechtloser dasteht, als der dringend verdächtige Verbrecher: die Proklamation des„administra- tive» Verfahrens!" Interessant war die Feststellung, daß Preußen einen ganzen Stab russisch sprechender Kriminalbcamten hält, von denen im Fall Popoff das Exemplar Babctzki, AdlatuS des Kriminalkommissars Wiene, mitwirkte. Die Ursache und der Zweck der Memel-Königsbcrger Socialisten- jagden liegt für jeden Denkenden klar auf der Hand: die Schmach Deutschlands, die Rebarbarisierung Deutschlands, das Bauch- rutschen vor der Knute. Aber auch die Ursache der Ein- leitung jener mysteriösen Geheimbunds-Prozesse nicht Nachweis- bar. Im Fall Popoff- Krassikoff wie« das hiesige Polizei- Präsidium den Gedanken an die Einleitung eines Strafverfahrens gegen die beiden Russen zunächst weit von sich:„Sollen wir die Leute noch durchfüttern? Wir setzen sie über die Grenze und damit basta I Haussuchung und Verhaftung geht ja auch so!" Als dann aber die Oeffentlichkcit ausmerkiam wurde, zog man cS vor, auch ein Strafverfahren einzuleiten zur Deckung der Verhaftungen. Die Gefahr liegt nahe, daß der öffentlichen Meinung auch jene gerichtlichen Verfolgungen von Memel, Königsberg und Tilsit als ein Feigenblatt für„sicherheitspolizeiliche" Verfolgungen der per- haßten russischen Aufklärung und ihrer heldenhaften Märtyrer er- scheinen. Im Namen de? civilisierten Deutschlands fordern wir Einhalt. Es ist genug und wird zuviel der unwürdigen Preisgabe an kosakische Expansionsgelüste. Soll das Deutschland, das sich vermißt, die Welt zu erobern, selbst von russischer Barbarei vollends erobert werden? Deutschlands Ehre steht auf dem Spiel I Zum Verfahren bei der Abgeordneten- wähl. Bei den Wahlen der Abgeordneten durch die Wahlmänner, d!o am 20. November an den durch das Gesetz vom 27. 5juni 1800 festgelegten Orten stattfinden soll, werden unsre Wahlmanner vor allen Dingen die Aufgabe haben, auf die strenge Durckiführung der gesetzlichen Vorschriften zu achten. Wie wenig diese eine regelrechte Probe bestehen können, beweist die Verordnung des Ministers des Innern, wonach die Wahl ftir Teltow-BceSkow diesmal statt in Köpenick in Rixdorf abgehalten werden soll. Diese Verordnung verstößt in so unerhörter Weise gegen daS Gesetz, daß die Wahlprüfungskommission des Abgeordnetenhauses auf Anruf die in Rixdorf erfolgte Wahl für ungültig erklären muß. Erklärte doch der Regierungs- k o m m i s s a r noch im März dieses Jahres in der Petitums- kommission, als angeregt worden war, den Wahlort von Köpenick nach Rixdorf auf Grund des Wahlgesetzes vom 27. Juni 1860 auf dem Verordnungswege zu verlegen, nach dem amtlichen Bericht: „daß das Gesetz vom 27. Juni 1860 eine Verordnung in d i e s c ni Falle nicht zulasse; denn nur dann, wenn die Ab- halwng der Wahl an deni ini Verzeichnisse bestimmten Orte durch an- steckende Krankheiten, Unterbrechung der Verbindung nnt dem Wahlortc oder durch andre unabwendbare Zufälle unausführbar werde, fei dies möglich. Diese Umstände kämen hier aber nicht in Betracht; denn man könnte auch nicht von einem unabwendbaren Zufall sprechen, da die beklagten Verhältnisse sich ja allmählich entwickelt hätten." Nach dieser Feststellung eines durchaus nicht nur ungesetzlichen, sondern widergesetzlichen Vorgehens des Ministers mutz man sich auf zahlreiche Versuche der Wahlkommissare, durch ungesetzliches Handeln den Wahkvollzuq bequemer zu gestalten, gefaßt machen. Um fo energischer müssen unsre Wahlmänner für die strengste Innehaltung der Vorschriften eintreten. Da ist zunächst festzustellen, ob da-Z Wahllokal alle erschienenen Wahlmänner faßt: ist das nicht der Fall, so muß dafür gesorgt werden, daß dieser Umstand protokollarisch festgestellt wird? aus alle Fälle muß Sorge getragen werden, daß die erschienenen Wahlmänner sämtlich an der Wahl dcZ Wahlvorstandes sowie an den Diskussionen und Abstimmungen über angezweifelte WahlmannSmandate teilnehmen können. Die Wahlmänner haben den Protokollführer und drei bis sechs Beisitzer„auf den Vorschlag des Wahlkommissars" zu wählen. Bisher scheint diese Wahl stets durch Acclaniation erfolgt zu sein: unsre Partei- genossen werden eine solche nur zulassen dürfen, wenn ihnen bei dem Borschlag zwei Sitze im Vorstand eingeräumt werden— wir fordern zwei, weil die Wahlhandlung sich länger hinziehen kann, als ein Beisitzer, der seine Aufgabe ernst nimmt, hintereinander aushält! bei zwei Beisitzern ist ein abwechselndes zeitweiliges Ausruhen möglich. Wird unsre Forderung nicht erfüllt, so Haben unsre Wahlmänner ordnungsmäßige Abstimmung zu verlangen,— Acclamations- wahl ist nie zulässig, wenn sich Widerspruch erhebt—; sind die Wahlmänner über verschiedene Räumlichkeiten verteilt, so müssen in den einzelnen die Stimmen ausgezählt werden, da hierbei der bekannte„Ucbcrblick des Bureaus" verloren geht. Selbstverständlich ist cS zulässig, eine etwa vorgeschlagene en bloc- Abstimmung abzulehnen und Abstimnumg über die Einzelnen zu verlangen, lvcnn diese etwa verschieden zu bewerten sind, oder zu hoffen ist, daß ein Teil der Wahlmänner während der Abstimmung noch zu einer vernünftigeren Anschauung betreffs der Besetzung des Vorstandes gelangt. Räch der Walch des Vorstandes hat der Wahlkommissar über angezweifelte Wahlnrannsmandate zu berichten und ab- stimmen zu lassen; hierbei stimmen die Wahlmänner mit. deren Mandate angezweifelt sind. Bisher hat es auch mit diesen so Ivichtigen Abstimmungen hänfig windig ausgesehen. So hat 1808 im Wahlkreis Teltow-Becskow„eine Abstimmung sieb. da zwei Drittel der Walchmänner außerhalb des Wahllokals hätten verweilen müssen, wie der Wahlkvmmissar selbst anerkannt habe, nicht vornehmen lassen! Er habe die von ihm gemachten Vorschläge einfach als genehmigt angenommen"!l! lDrucksachen des Abgeordnetenhauses 1800 Nr.>87.) Selbstverständlich werden unsre Parteigenossen nicht in dieser Weise mit den spärlichen Rechten ver- fahren lassen, die den Walchmännern gegenüber dein von der Regierung ernannten Kommissar zustehen. Auch hier mutz eine wirkliche Abstlmmuug verlangt werden! dieselbe kann auch als naurent- liche beantragt werden ssolche namentliche Abstimmungen haben sich z. B bei der Wahl in Görlitz am s. November 1808 sehr nützlich erwiesen. Dort sollte der Herr Wahlkommissar eine größere Reihe von llngültigkeitsvorschlägcn betreffs freisinniger Wahlmänner mitgebracht haben nachdem aber zwei solche in namentlicher Abstimnumg. die von freisinniger Seite beantragt war, verworfen, d. h. die Wahl- männer bestätigt waren, erfolgten weitere Beanstandungen nicht mehr. Auf alle Fälle wird namentliche Abstimmung— selbstverständlich über jedes angezweifelte Mandat besonders— zu verlangen fein, ivemi sich nicht sämtliche Wahlmänner zu gleicher Zeit im eigentlichen Wahlranm aushalten können. Sollte von unsrcr Seite gegen die Wahl einzelner Wahl- niänner Protest zu erheben sein', so wird ein solcher zweckmäßig schon jetzt dem Wahlkommissar mitzuteilen sein; war das bis zum Tage der Wahl nicht möglich oder brachte der Wahlkommissar den Protest nicht vor. so ist ihm derselbe bei dieser Gelegenheit von neuem zu überreichen. Nach Erledigung dieser Geschäfte beginnt der Ausruf der Wahl- männer nach der vom Wahlkommissar aufgestellten Liste! diese muß in den Geschäftslokalen der Landräte und Magistrate der Städte aus- liegen, solveit sie eigne Kreise bilden! sie muß ferner in den Blättern abgedruckt werden, die zu öffentlichen Bekanntmachungen dienen. Es wäre zweckmäßig, lvcnn sich unsre Genossen in den Besitz einer größeren Anzahl solcher Listen im Abdruck setzen könnten, um den Verlauf der Abstimmung besser verfolgen zu können. Der Aufruf m u ß nach der Reihenfolge dieser Liste stattfinden— auch hierauf ist streng zu achten und bei Nichteinhaltung sofort Einspruch zu er- Heven: es kommt vor. daß die Wahlkommissare auch hierbei gegen die Vorschriften verstoßen. „... Daß der Wahlakt nicht unter Zugrundelegung des publizierten amtlichen Wahlmänner-Vcrzcichnisscs... vollzogen worden sei, sei aktcnmäßig richtig..."(Drucksachen des Abgeordneten- Hauses 1800, Nr. 187.) Bei der Abstimmung selbst ist zweierlei zu beachten! erstens muß jeder Wablmann, der aufgerufen wurde, an den Tisch des Wahlvorstandcs treten. Hiergegen ist bisher anßerordentlich häufig verstoßen worden! da die Zahl der Wahlmänner vielfach eine sehr große ist, ist dann der Mogelei Thür und Thor geöffnet und solche ist denn auch häufig genug verübt worden. Hierfür einige Beispiele: Im Wahlbezirk Könitz- Schlochau mußte die Wahl des Landrats K ersten für ungültig erklärt werden! es wurde u. a.„gerügt, daß die Abstimmung seitens der Wahlmänner v o m P l a tz e aus auch dann noch erfolgt sei, als bereits die Dunkelheit eingetreten und das Wahllokal ohne genügende Beleuchtung war, während die Wahlmänner ihre Einwilligung. c. Nr. 114.) Betreffs der Wahl in Bernau(für Nieder- und Obcr-Barnim) 1898 heißt es„daß bei der Hauptwahl in der Kirche zu Bernau Verhältnisse geherrscht, die eine gültige Wahl nicht hätten vollziehen lassen. Es seien Wahlmänner zur Abgabe ihrer Stimme nicht an den Vorstandstisch getreten und der Wahlkommisiar habe sich zwar bemüht, die Identität der Stimmenden festzustellen, dies sei ihni aber nicht überall gelungen.... Eine Anzahl W a h l m ä n n c r, die nach de in A u f r u f i h r e Stimme n hätten abgeben wollen, seien mit d e m B c m e r k e n zurückgewiesen, daß sie bereits g e st i m m t hätte n."<1. e. Nr. 173.) Auch in Breslau sah es 1898 bei der ersten Wahl, die für im- gültig erklärt wurde, höchst sonderbar aus.„Ter Protest machte geltend, daß unter diesen Ilmständcn die Möglichkeit einer fälschlichen Stinimabgabe für Abwesende vcrhauden gewesen sei, namentlich da während der ersten Wahlgänge mit Genehmigung der Versammlung('!) eine A b st i m m u n g vom Platze aus st a t t g e s u n d c n habe. Thatsächlich haben sich nach Angabe des Wahlvorstehers auch nach Schluß des zweiten W a h l g a n g c S und Verlesung der A b st i m m u n g S- l i st e drei Wahlmänner m i t d c r Behauptung g e- meldet, sie hätten noch nicht abgestimmt, obwohl für sie bereits Stimmen in die Wählerliste cingetrageii waren."!!!(Ic. Rr. 188.) Recht interessant ist es gerade für Breslau, wo ja 1308 auch Socialdemokratcn an der Wahl teilnahmen, einem Bericht bürger- lichcr Blätter vom ö. November 1808 noch folgendes Nähere zu eist- uchmcu: „Nach Schluß des dritten Mahlganges interpellierte von der Rechten Herr ScnatSpräsident Knau ff den Wahlkommissar:„Ist im Protokoll konstatiert, daß Stimmen für abwesende Wahlmänner ab- gegeben worden sind?", und als der Dbcrbiirgermcistcr erklärte: „Ja, da» ist in zwei bis drei Fällen von der konservativen Seite geschehen!", bemerkte der Herr Scnatspräsidcnt:„Nun, wir werden die Folgen zn ziehen wissen". Bei der Abstimmung wird alio strengstens darauf zu achten sein, daß jeder aufgerufene Wahlmann an den VorftandStisch tritt; geschieht dies nicht, so ist sofort Einspruch zu erheben; sollte, was wir kaum annehmen können, ein Wahlkommissar die Unverschämtheit haben, trotz dieses Ein- spruches das ungesetzliche Verfahren weiter zuzulassen, so würde aller Grund zur Annahme gegeben sein, daß hier ein Betrug geplant werde. In diesem— wie wir wiederholen, von uns für ausgeschlossen gehaltenen— Fall würde unfern Wahlmännern nichts übrig bleiben, als bei jedem neuen Namensaufruf sofort sämtlich die Namen ihrer Kandidaten in den Saal zu rufen, damit wenigstens durch etwaige .Versehen" unsre Partei nicht benachteiligt wird; übrigens glauben wir, daß dieses Mittel selbst nein borniertesten Gesetzesberächter gegenüber nicht sehr lange angewendet zu werden brauchte.' Als zweites ist bei der Abstimmung zu beachten, daß unsre Wahlmänner dort, wo mehrere Abgeordnete, und zwar nach dem neuen.Reglement in einem Mahlgang zu wählen sind, bei Nennung der Namen genau dieselbe Reihenfolge einhalten müssen. Da es an sich gleichgültig ist, wer an erster, zweiter oder dritter Stelle steht, ist es viel- leicht zweckmäßig, die alphabetische Reihenfolge zu wählen; dieselbe ist dann ans den von uns auf alle Fälle vor dem Lokal zu verteilenden Zetteln festzuhalten, von denen die Wahlmänner ab- lesen dürfen; fie ermöglichten es dem Wählenden auch, sich schlimmstenfalls die Reihenfolge wieder selbst herzustellen. In den wenigen Qrten, wo wir etwa mit Freisinnigen zu einer Einigung gelangen, müßten dementsprechend die Zettel für beide Parteien eingerichter sein. Kommt eS zur Stichwahl und steht keiner unsrer Partei- genossen m derselben, so werden unsre Wahlmänner zweckmäßig das Wahllokal verlassen, soweit sie nichl bei Ueberfluß an Zeit noch weiter zusehen wollen, wie daS Stück sich abspielt. In diesem Falle empfiehlt eS ficki, daß diese Zurückbleibenden auch jetzt noch für unsre Kandidaten stimmen, obwohl die Stimmen ungültig sind. Auf keinen Fall darf nach völligem Ausfall unsrcr Kandidaten ein social- demokrarischcr Wahlmann für einen bürgerlichen Kandidaten stimmen. Eine Ausnahme wäre nur in Wahlkreisen mit eine m Abgeordneten denkbar, wo auf Grund von Abmachungen eine andre Stichwahl- Taktik vorgeschrieben worden sein könnt e.— Nach dem bisherigen Ucbcrblick kommt kein solcher Kreis in Betracht. Nach den Rcichstagswahlen wagten bürgerliche Blätter die Bc- hauptung, daß socialdemokratischersens Wahlniogeleicn verübt worden seien; inzwischen hat gerichtliche Verhandlung einen Fall von so schamloser, vorher verabredeter Wahlbctrügcrei enthüllt, daß alle Welt erstaunt ist, wie die beide» konservativen Gutsbesitzer Gebrüder Käding in Sasve(Kreis Köslin) mit der überaus milden Strafe von 0 Wochen Gefängnis davongekommen sind! bei der Wahl am 20. November soll nun hervortreten, daß die Socialdemokratcn nicht nur keine Wahlbetrngcreicn begehen, was sclbstverstündlicki ist, sondern daß gerade sie eS find, die mir aller Energie den Gesetzwidrigkeiten entgegen- treten und nach Kräften darauf hinarbeite», daß jede gesetzliche Vor- schrist auch beobachtet wird. Zu dieser verdieustvolleu Arbeit können unsre Parteigenossen auch schreiten, wo sie nur wenige Dutzende Wtchlmänner zählen; da sie für„Gesetz und Recht" eintrete», kann es ihnen am Segen von„Oben" nicht fehlen. Aahlmiiltate. Bis S onnabendnachmittag 5 Uhr waren 395 Wahlergebnisse ans 242 Wahlkreisen bekannt. In 10 Wahlkreisen mit 10 Abgeord- ueten haben die Wahlen ein endgültiges Ergebnis nicht gebracht, so daß die Entscheidung erst bei den Abgcordnctenwahlcn fallen wird. Diese Wahlkreise sind: Lingcn-Bcntheim, Hcrford-Halle-Bielcfeld, Rotenburg- Hersfcld, Marburg, St. Goarshansen, Altcnkirchen Neuwied. Teltow-BecSkow-Charlottcnburg, Breslau Stadt, Hamm- Soest, Pleß-Rpbinck. Bisher sind gewählt 130 K o n s e r v a t i v c, 40 Freikonservative, 90 Centruin, 77 National- liberale, 22 Freisinnige Volispartei, 7 Frei- sinnige Vereinigung, 13 Polen, 2 Dänen und 5 Fraktionslose, Von den Konservativen sind u, a. wiedergewählt v. Kröcher und Dr. Jrmer, von den Frcikonscrvativen v. Kardorff, ferner der Nationallibcrale Sieg. Die Berliner magislrarSosfiziöse Korrespondenz bringt folgendes Ergebnis der Urwahlen in Berlin, wofür aber keine Gewähr über- nommen werden kann, weil von niehrcren gewählten Wahlmännern noch keine Erklärung über die Annahme des Mandats vorliegt. Im ersten Berliner Landtngs-Wahlkreise. linkes Sprce-Ufer, untere Stadt, sind gewählt worden: 752 freisinnige, 133 konservative, 186 social- demokratischc, t2S unbestimmte und 2 nationale(d. h also zersplittert) Wahlmänner. Im zweiten Wahlkreise, linkes Sprce-Ufer. obere Stadt, sind 864 freisinnige, 4 konservative, 464 socialdemokratische, 00 un- bestimmte und 4 nationalgesinnte Wahlmänner gewählt worden, Im dritten Wahlkreise, rechtes Sprce-Ufer, untere Stadt, sind 1l01 freisinnige, 266 konservative, 1034 socialdenwkratische, 187 un- bestimmte und 43 nationalgcsinnte Wahlmänner gcwähll worden. Im vierteil Wahlkreise sind 002 freisinnige, 22 konservative, 525 socialdemokratische, 78 unbestimmte und keine Wahlmänner einer andern Partei gewählt worden. Die Zahlen, die von„W. T. B." und von der Korrespondenz „B. S," Verbreiter wurde», sind demnach unzutreffend. Ober- und Niedcr-Barnim. Nach neuerer Meldung wurden 740 konservative. 336 liberale und 334 socialdemokratische Wahl- männer gewählt. Die Gesanitzahl der zu wählenden Wahlmänner beträgt 1410. Die Wiederwahl von Dr. Jrmer(k.), Veltheim(k.) und Pauli(frk.) ist somit gesichert. Tcltow-Bccskow-Charlöttcuburg.(2600 Wahlmänner.) Bis 8 Uhr abends wurden gezählt etwa 1050 konservative, 860 liberale und rund 600 socialdemokratische Wahlmänner. Kiel-Neumünster 675. Das endgültige Ergebnis: 27g freisinnige, 237 nationalliberale und 156 socialdemokratische Wahlmänner. Kassel(Stadt) 372. Gewählt 334 natronalliberale Wahl- männer und 36 socialdemokratische. Die Wahl Schröders(natl.) ist gesichert. Steinburg(Schleswig-Holstein,) 294. Gewählt sind 149 frei- konservative, 57 freisinnige und 55 socialdemokratische Wahlmänner. 33 UrWahlbezirke stehen nocki aus. Die Wiederwahl des bisherigen Abg. Engclbrechl(srk.) ist gesichert. Magdeburg. 159 socialdcniokratische und 658 libcral-national- liberal-konservative Kartellwahlmänncr. Zahl der abgegebenen Stimmen- 8456 socialdemokratische und 7995 Kartell. Tanzig. Nach den Resultaten aus den Landkreisen ist nunmehr eine liberale Mehrheit vorhanden. Erlle 338. Das amtliche Ergebnis lautet: 161 nationalliberale. 79 konservative, 18 welfische, 12 socialdenwkratische und 6t Wahl- männer, deren Parteistellung noch unbekannt ist, 6. Obcrlahnkrcis 220. Bisher wurden gewählt für Mischke (natl.) 100, für Beckmann 0.) 100 Wahlmänner. Tie Parteistellung der übrigen Wahlmänner ist zweifelhaft und somit der Ausfall der Wahl noch ungewiß. Schweb i. Wcstpr. 301. Die Wahl von Holtz(ick.) ist gesichert. Rothenbiirg-Hoyerswcrda. 853. Die Wiederwahl der bisherigen Abgeordneten v. Götz(f.i und Nischwitz(natl.) ist gesichert. Zellerfeld 171. Gewühlt wurden für Synipher(natl.) 72, für Koelle(natl.) 93 Wahlmänner. Bei 6 Wahlmännern ist die Partei- 'lellung unbekannt. Koelle(natl.) ist somit als gewählt anzusehen. Breslau. AuS Breslau wird uns berichtet: Die amtlichen Listen der Wahlmänner ergeben, daß die Social- dcmokratie Breslaus im ganzen 224 Wahlmönncr-Mnndate erobert hat, darunter 203 in der dritten, 20 in der zweiten. 1 in der ersten Abteilung. Der 494. Stadtbezirk wählte in allen drei Abteilungen socialistisch. Es wurden in den von uns mit Wahlmännern besetzten 440 Bezirken abgegeben 10412 Stimmen dritter Klasse und 289 der zweiten Klasse. Im Jahre 1898 wurden mir 2506 Stimmen in der dritten und 23 in der zweiten gezählt. Die Stimmenzahl hat sich also vervierfacht, die Zahl der Wahlmänner hat um daS 2' � fache zugenommen. Arge Verwirrung herrscht im bürgerlichen Lager. Die beiden konkurrierenden Parteien wissen die Parieistellnng von etwa 70 Wahl- männern nicht genau zu bestimmen und streiten sich deshalb dar- über, ob das konservativ-klerikale Kartell die absolute Mehrheit er- langt hat. Die Schwarzen behaupten das entschieden, um den Libe- ralcu und Socialdemokratcn die Lust zur iveitcru Anteilnahme zu versalzen. Doch ist wahrscheinlich eine konservative Mehrhett nicht vorhanden. Aber auch dann können die Liberalen ohne socialdemo« kratische Hilfe nichts ausrichten, ihre Beschlüsse stehen noch aus. Bc« zeichnend ist. daß die Konservativen 49 Wahlmänner-Mandnte gewannen durch die von Social istcnsurcht diktierte Haltung der Liberalen. Diese wählten in den Urwahl-Stichwahlen mit fünf Ausnahmen durchgehend Konservative, also ihre ge- fährlichsten Gegner. Eine Aussperrung als Begleiterscheinung der LandtagSwahi haben wir ebenfalls zu verzeichnen. Weil sie nicht am Wahltage nachmittags um%4 Uhr zur Arbeit zurückgekehrt waren, wie das die Fabrikleitunq" angeordnet hatte, sind 26 Gestellbaucr der Hoffmauuschcu Waggonfabrik bis Montag_ ausgesperrt worden. Hier sind also wiederum Arbeitswillige an freiwilliger Arbeit ge» hindert. Die Landtagswahlen in Nassau höben, so schreibt man nnS, wenig Ueberraschungen gebracht. Unser Regicrnngsoezirk war in der abgelaufenen Legislaturperiode vertretcn durch 6 Natiouallibcrale, 3 Freisinnige, 2 Ultramontane und 1 Kon- servativcn, die bis aus einen Freisinnigen sämtlich wiedergewählt sind. Im ersten Wahllrcis(Biedenkopf) ist der Konservative Heim- bürg wiedergewählt; im Wesrervurg- Unierwestcrwaldkreis der Ecntrumsabgcordnete Dr. Dahlem, der Nachfolger Lieber»; in Lim- bürg werden unter 195 Wahlmännern 105 für den nltramontanen Abgeordneten CahenSly gezählt, dcßcn Wiederwahl also gesichert ist; im viericu Wahlkreis(Unterlahn) ist der bisherige nationalliberale Abgeordnete Schaffner wiedergewählt; im Lberwcstcrwaldkrcis isr der bisherige Abgeordnete Hofmann wiedergewählt. In allen diesen Kreisen waren fast gar keine ernstlichen Gegenkandidaten vorhanden, so daß sich die Wiederwahl glatt vollzog. Etwas schwieriger ge- stattete» sich die Verhältnisse im Bordertaunus. Im 10. Wahlkreis > O bertaunus-Frankfurt-Land) standen sich nicht weniger wie vier Kandidaten gegenüber: zioei Nationallibcrale, ein Uitramontancr und ein Socialdcmokrat(Brühne)..Hier ist der offizielle nationalliberale.Kandidat, Amtsgerichtsrat v. Bülow, Sieger geblieben. Er vereinigte 142 Wahlmänner auf sich, während es sein Partner, Hauptmann a. D. V. Wodizka, es nur aus 18, der Centrums- kandidat Jtschcrt auf 29 und der Socialdentokrat Brühne auf circa 40 Wahlmänner brachte. Für den ersten Versuch ist das in diesem rein ländlichen Wahltreis immerhin ein schöner Achtungserfolg. Im Hanauer Wahlkreis siegte der bisherige nationalliberale Abgeordnete Iunghcnn über den tonservativen Bauernbürgernteister Klccmami, der in letzter Stunde von den Bancrnbündlcrn im Stickte gelassen Ivordcn war. Unsre Genossen brachten in diesem Wahlkreis ca. 50 Wahlmänner durck). Besonders in Hanau ließ die Beteiligung der Arbeiter an der Wahl viel zu wünschen übrig; sonst wäre der Erfolg vielleicht ein etwas besserer. Besonders waschlappig hat sich iu diesen beiden Kreisen der Freisinn benommen. Im Frankfurter Landkreis ist er von voruhcrein ohne viel Bedenken für den national- liberalen Kandidaten v. Bülow eingetreten, und im Hanauer Kreis hat er es nicht einmal gewagt, eine Parole auszugeben, geschweige eine eigne Kandidatur aufzustellen. Ucbcrhauvt hat der Freisinn bei diesen Wahlen iu ganz Nassau überaus schlecht abgeschnitten. In Höchst-Wiesbaden-Laud brachte es der freisinnige Kandidat Dr. Bergas auf ganze 22 Wahlmänner, während wir ohne viel Agitation' 42 Wahlmänner durchbrachten. Tie National- liberalen dabcn 300 und das Ccntrum 90 Wahlmänner, so daß also die Wiederwahl des Bürgermeisters Wolf-Biebrich gesichert ist. Am schlechtesten haben die Freisinnigen in Wiesbaden-Etadt ab- geschnitten. Wie bei der Rcichstagswahl, so haben sie auch bei der Landtagswahl das Mandat verloren. Die Erbschaft tritt der Nationalliberalismus an. Hier war die Wahl insofern recht heiter, als bei der Rcichstagswahl eigentlich schon das Landtagsmoniat verhandelt worden war, und zwar hofften es die Konservativen als Dank für die den National liberalen geleistete Wahlhilfe zu erhalten. Aber dem neugewählten Reichstags-Abgeordneten Bartling kam der Appetit mit dem Esien, und er stellte aus eigner Machtvollkommenheit seine Kandivatur auch für die Landtagswahlen auf. Und da er überreiche Geldmittel berfiigt, ließ er durch ein Dutzend Wahlageitten eine intensive Agitation entfalten, was den Erfolg hatte, daß er die weitaus meisten Wahlmänner auf sich vereinigte und nun auch Herrn Müller-Sagan verdrängt, wie er am 25. Juni Dr. Crüger verdrängt hat. Dein Freisinn ist diese Niederlage von Herzen zu gönnen, denn er hat eine geradezu jämmerliche Agitation entfaltet, und fast gar nichts gcthan. um das Volk über die Bedeutung dieser Wahl aufzuklären. Herr Müller- Sagau begnügte sich damit, ein Fliiqblati mit seinem Bildnis und ein paar Reden, die er im Ab- gcordiictcnhause gehalten, unter den Wählern verbreiten zu lassen. Aber die schönen Augen des Freisstmsmannes zogen nicht mehr; die Wähler gaben ihm den wohlverdienten Lauspaß. Besser wie iu Wiesbaden schnitten die Freisinnsdcmokraten iu Frankfurt a. M. av. Hier haben sie die beiden Mandate gegen den Ansturm von rechts und links behatiptet. Von rechts waren sie bedroht von den Rational- liberalen, von links von de» Socialdemokratcn. Aber dank dem Gcldsackswahlrecht haben sie die Macht hier behauptet. Im ganzen waren diesmal 1085 Wahlmänner zu wählen, gegen 856 im Jahre 1898. Damals brachten es die Freisinnsdemokraten mit social- demokratischer Unterstützung auf 517 Wahlmänner. die Rational- liberalen auf 328, elf waren zersplittert. Diesmal brachten die Freisinnsdemokraten mit uationalsocialcr Hilfe 563 Wahlmänner durch, die Nattonallibcralcn 334 und die Socialdemokratcn 175; gcht Wahlen kamen nicht zu stände. Natürlich ist die Frantfurtcr Sonuemaimokratie jetzt Mansche oben ob dieses Wahlsieges. Sic erblickt darin„eine aussichtsvollc Zukunsrsbürgschaft für die bürger- tickte Freiheit", ein Wiedererwackien des„entschiedenen Liberalismus", oiucn Sieg der demokratischen Idee. Das ist natürlich eitel Selbst- täuschung. Nicht die demokratijchc Idee hat bei dieser Wahl gesiegt. auch nicht der„entschiedene Liberalismus", sondern einzig und allein das große Portemonnaie. Ihm allem haben die Freisinnsdemokraten den e-icg zu verdanken. Die reichen Geldmänner, die Börsen- jobbcr usw., sie haben den beiden Freisinnskandidaten zum Sieg ver- Holsen. Wie richtig das ist, zeigt ein Blick ans die Zahl der ab- gegebenen Stimmen für die einzelnen Parteien. Nach den bisherigen Feststellungen wurden ctlva 1150 socialdemokratische, 3096 freisinnS- dcmotratischc und 3600 uatiouaUibcralc Stimmen abgegeben, woraus erhellt, daß die breite Masse des arbeitenden Volkes nickst dcmolratisch, sondern socialdemotratisch denkt. Zu dem Erfolg der Freisiunsdcmokratcn haben überdies auch die Rationallibcralcn wesentlich beigetragen. Einmal, indem sie zwei Kandidaten aufstellten, die selbst im nationalliberalen Lager auf Widerspruch stießen, was zur Folge hatte, daß eine ganze Reihe von Nationalliberalen und Konservativen, darunter uuscr Oberbürgermeister Adickes, von vornherein frcisinnsdcmokrarisckie Wahlmänner wählten. Tie Leute konnten das mit um so ruhigerem Gewissen thun, als die Herren Funck und Ocscr die kapitalistischen und„Vater- laiidischen" Interessen sicher. so gut vertreten, wie die beiden National- liberalen. Zum andren haben die Nationalliberalen aus Haß gegen die Socialdemokratic bei Stichwahlen in einer ganzen Reihe von Be- zirkcn ftir die freisinnsdemokratischen Wahlmänner gestimmt und so selbst den Freisinnsdemokraten zu einem billigen Sieg vcrholfcn. Zum Dank dafür müssen sie heute den Hohn und Spott der ZcitungS- demotratie üvcr sicki ergehen lassen. Auch die Socialdcmolratie kriegt davon ihr gut Teil ab. Aber bei Lichte betrachtet, hat die Sonne- maunokratie gar tcinc Ursache dazu. Für das erste Mal haben wir einen ganz hübschen Achttmgscrfolg erzielt, wenn auch in dem einen oder andren Bezirk durch eine regere Teilnahme der Arbeiterschaft der eine oder andre Wahlmann mehr hätte durchgebrackst loerden können. Jedenfalls hat die Freisinnsdemokratic keine Ursache zur Großthuerci, lbfirn man sieht, wie kläglich der Freisinn auch in Nassau abgeschnitten hat. Iu der ehemals so stolzen Hochburg des Freisinns, in Nassau, dominiert heute die Reaktion. Und das hat der Freisinn feiner Waschlappigkcit und Energielosigkeit zuzuschreiben. Die Presse über die Landtagswahlen. Die„Freisinnige Zeitung" zählt als Wahlkreise, in denen bei einer Stichwahl zwischen Konservativen und Freisinnigen die social- demokratie ausschlaggebend sein werde. Breslau, Teltow-Bccskolv, Ober- und Nieder-Barmin und Halle-Herford ans. Nichtsdestoweniger nimmt sie von der vom socialdcniokrarischcn Central-Wahlkomitee aus- gegebenen Stichwahlparole keine Notiz. Ihr scheint es also ganz gleich zu sein, ob diese Wahlkreise den Konservativen oder dem Freisinn zufallen. Zeigt die„Freisinnige Zeitung" einen solchen StoiciSmns, so lvird die Socialdcmokratie sich erst recht keine Gewissensbisse machen. Tic„ B o s s i s ch e Zeitung" besitzt nicht ganz den Stoicismgs dcS Unentwegten. Sic druckt den Beschluß des socialdemokratischen Ccntral-WahlkomiteeS ab und begleitet ihn mit einem kindischen Gcwinsel über die„soeialdcmokratische Taktik des Kuhhandels". „In den drei oder vier Wahlkreisen", stöhnt sie,„wo die Socialdcmokratie zu entscheiden hat, ob Liberale oder Reaktionäre gewählt werden, setzt sie den Freisinnigen die P i st o l e aus d i e B r u st; nur Leistung um Gegenleistung, nur ein Geschäft Z u g um Z u g; ob F r e n n d e oder Gegner eines p f ä f f i- schon Schulgesetzes, ob Feinde oder F ö r d c r e r d e r geistigen Freiheit, ob fanatische Scharfmacher oder Verteidiger des V e r c i» s r e ch t c s, ob Ä n Hänger des Polizei st aates oder der freien Selb st v er- waltnng, das ist unter„Genossen" ganz egal." Wir geben der„Boss. Ztg." heiteren Gemütes alle Anklagen zu- rück. Gilt ihr wirklich ein pfäfsischcs Schulgesetz, die geistige Frei- heit, das Vereiusrecht usw. so viel, so liegt eS ja in der H and des Freisinns, in den in Frage kommendeit Wahlkreisen die „fanatischen Scharfmacher" niederzuwerfen und an ihrer Stelle frei- sinnige Abgeordnete und noch energischere Bekämpfer der Reaktion als diese, S o c i a I d c m o l r a t c n. in dm Landtag zu entsenden. Beweist der Freisinn dagegen, daß er es im Grunde seines Herzens mit der bedrohten Freiheit auch nicht ernster meint, als ein Konservativer, nun. so kann cS der Socialdemotrntie auch ziemlich egal sein, ob waschechte oder angeschnnnftc Reaktionäre in das preußische Geldsackparlamcnr einziehen I Sache des Freisinns ist es, zu bekennen, ob er es ehrlich mit der mit so tönendem Phrascnschlvall angekündigten Bckämpsiing der Reaktion meint, oder ob er lieber mit den llltra-Realtionären gegen die Socialdemokrarie techtcl>»echtcln will— beiläufig ein jämmerliches Geschäft, Die„Deutsche Tageszeitung" offeriert dem Freisinn- ein nettes Vertrauensvotum— diese Art von Kuhhandel: „In Breslau, Herford imd Teltow kommcu die Konservativen mit den liberalen Kandidaten in die Stichwahl,— vorausgesetzt, daß die gemeldeten Zahlen richtig sind. Enthalten sich die Social demokratcn der Wahl, so müssen in allen genannten Kreisen die Konservativen siegen. Treten sie für die liberalen Kandidaten ein, so ist die Niederlage der Konservativen wahrscheinlich. Ob es zu einer Verständigung zwischen Liberalen und Socialdemokraten in einzelnen Kreisen oder überhaupt kommen lvird, bleibt abzuwarten. Es wäre auch andrerseits möglich, daß es zn einer Ber- st ä» d i g u n g zwischen den Konservativen n n d Liberalen käme, um die Soeialdcmotratie gänzlich aus- zuschalten. In Hcrford-Halle dürfte eine solche Ver- st ä n d i g u n g wahrscheinlich sein. Was die andern Kreise anlangt, so möchten wir uns d c s Urteil§ u n d jede» R a t s ch l a g c S enthalten," Bchagt der.Vosssicheu Zeitung" dieser Kuhhandel bester? Während der Freisinn„männlicher" Richtung so kläglich jedem gemeinsame» Kämpf wider die Reaktion ausweicht, erwägen sogar nationallibcralc Blätter ernsthaft ein Stichwahl-Zusanmicn- gehen des Freisinns und der Socialdemokratie, So schreibt die „National- Z c i tu u g": .Umgekehrt wie in den bisher behandelten Kreisen liegen die Dinge in O b e r- h n d Nieder-Bar ni m. Hier stehen die Konservativen gegen die Socialdemokraten ir. Stichwahl, und die bereinigten Liberalen, die an Zahl der Wahlmäimcr nur ganz wenig hinter den cLocialdmiokratm zurückstehen, geben den A u s s ch l a g. Das Stimmenverhältnis ist: Konservative 470. Socialdemotraten vereinigte Liberale?2l Hier wäre, soweit überhaupt an Verständigungen gedacht werden kann, der Boden für Kompensationen g c g e b c n, Fänden sieh Socialdemokraten und Liberale hier znsammcn, so ließe sich durch Ausgleich anK ein Kompromiß über die drei andren Wahlkreise erziele», etwa in der Weise, daß c r st c r c n eins der drei B r c s l a u e r Mandate und ein Bornimer, im Rotsall noch das freisinnige E h a r l o t t c» b n r g c r Mandat eingeräumt und dadurch ihre Unterstützung für die übrigen liberalen Mandate in den strittigen Kreisen gesichert wird. Ins- gesamt handelt cS sich für die Liberalen um elf, bcziv, unter Hinzunahmc von Elberfeld ukn 13 Mandate, von denen sie ohne die Socialdcmokratie evcntnell elf verlieren, andernfalls aber mindestens zehn behaupten könne», Ter Einsatz ist immerhin hoch genug, um die vorhandene Möglichkeit voic Kompensationen ernstlich Z» priisen. Nun ist ja die„National-Zeitnng" während des Zoll- kampfS voll der nationaliberalm Fraktion als„wild" verleugnet worden. Aber anch die fraktionsoffiziöse„ Kölnische Zeitung" erklärt sich offen für ein Znsammengehen von Socialdemokratie»nd Freisinn, Tie„Kölnische Zeitung" spricht sich nämlich, wie nii>- lclcgraphisch gemeldet wird, in einer Besprechniig des Verhaltens der liberalen Partei zn bevorstehenden Laildtagswahlen dahin aus, an sich werde man es nicht als U n g l ü ck betrachten müssen, lv e n il c i n oder z>v e i So c i a l i st e n ihren E i n z n g i... Landtag hielte», Selbst die N a t i o n a l I> b c r a l c n sind also an politischer Einsicht dem Richtcrschcn Freisinn überlegen! Gegen den blöden Borwus der KuhhandclS-Taktik, den die „Voss. Ztg." erstrebt, wenvet sich Theodor Barth in der „Nation" mit folgenden Gründen: „Der Socialdemokratie sind ivcgcn dieser bon ihr offen proklamierten Taktik in der freisinnigen Presse fort, gesetzt Vorwürfe gemacht. Unzweifelhaft können bei Befolgung jener Taktit in einzelnen Wahlkreisen, die bisher freisinnig oder nationalliberal vertreten waren, Reaktionäre ge wählt werden. Aber dieser Fflkl wird eden mir dann cintretc», wenn dir liberalen Wahlmäimcr sich weigern, mit den Social dcmokrateii gemeinsame Sache zu mache». Es ist zuzugeben, oatz diese Taktik der Socialdemokratie etwas von Erpressung an sich bat, und wir, die wir der Meinung sind, daß im Kampf gegen dir Rcaktioiiärc der linksstehende Kandidat auch ohne lcor Komveiisation zn nntcrstützcn ist, die ivir also auch einen Socialdcmokratm gegen jeden Reaktionär ohne jede.. politische Entgelt dnrchbringeii helfen würden,_ köiintcn der Socialdemokratie gerechte Vorwürfe machen, daß sie den Kaiiivf gegen die Reaktion nicht üntcr dem ausschließlichen GcsichtSpmik.O der Unterstützung der näherstchenden Partei führen wolle, Abc>: a u S d e n, M n n d e f r e i f i n n j g e r P o l i t i k c r, d i e g a r nicht daran denken, ihrerseits die Socialdemo kratcn bei einer et>vai.geii Stichwahl gegen reaktionäre Kandidaten zu n n t c r st ü tz e», klingt der Borwurf, imß die Socialdemokratie mir ihrer iicuestm Taktik der Reaktion Vrrschub leiste, ein wenig»«logisch. Alle die großen uno schönen Worte von der Notwendigkeit, die Macht der Reaktion im preußischen Abgcordnctcnhanse zu brechen, erscheinen doch als leere Redcilsartcu, sobald man nicht geivilll ist. diese Schwächung der R e a k k t i o n auch durch U n t c r st ü tz n n g der Sveialdcmokratic hcrbeizu führe n," Die„VoltS-Zcitung" endlich erklärt: „Die Freisinnigen»nd Liberalen haben cS also in der Hand, der Reaktion drei wichtige Wahlkreise z n entreißen: die beiden a» Berlin an- grenzenden südlich»nd nördlich der Spree, die im konservativen Besitz ivarcn, und Hcrford-Bielcscld, den bisher zwei Konservative imd ein Naiionalliberaler iime hatten und wo zwei National- liberale und ein Bolksparteiler ausgestellt sind. Gewährleisten die Liberalen den Socialdemokraten einen Anteil an der Beute, so sind sie des Sieges sicher. Wir crivarten, daß sich die Leitmigen der Parteien in den einzelnen Wahlkreisen dieser Erlenntiiis nicht verschließen, daß sie viclinchr dem im Teltow-Becskower Kreise gegebenen Beispiele folgen uiid die t h ö r i cht e, von dcr Reaktion geflissentlich genährte Socialistcn- scheu endlich ablegen werden," Wir begnügen uns mir der Widcrgabc dieser liberalen Preß- siimmcn, ES liegt uns dlirckaiiS fern, verstockten Freisinnsgemütern gütlich zureden zu wollen. Mandatsjägerei um jede» Preis halten wir der Socialdemokratie für unlvürdig. Mägen die» Herren Frei- sinnigen mit sich selbst zn Rate gehen. Wollen sie die Reaktion durchaus verstärken, so mögen sie ihren Willen haben, Glauben sie durch ihr Verhalten bei Reichstagssrichwahlen den Freisinn noch nicht genugsam zum Kindergespött gemaclit zu haben, so mögen sie den Konservativen mich bei der Landtagswahl den Steigbügel halten. Wir sehen in aller Gelassenheit zu und garantieren für die Ab- cechinmg vor dem Forum des Voltes! politische debersickt. Berlin, den 14. November. Tie Wetterwolken in Ostasicn nehmen nach de» neuesten Nachrichten, die freilich mit derselben Vor- »cht aufzunehmen sind, wie die früheren Seiisationsmelduiigen. wieder eine drohendere Gestalt an. Es scheint danach fast, als ob China wirklich wagen wollte, gemeinsam mit Japan gegen Rußland vorzugehen. Die heutigen Nachrichten lauten: Tie japanische Regierung trifft, wie die„ M o r n i n g Post" aus Tschisn meldet, Vorkehrungen, die ans Kriegs- rkstmigcn hinweisen. Ans Ersuchen der Regierung in Peking konferierte einer„D a i I y M a i l"- M e I d u n g ans Ticntsm zufolge Aiiaiischikai mit dem russischen Statthalter Admiral Alcxejew, Das Ergebnis der Be- sprechungen ist für China n n g ü n st i g. Vorräte für die Armee gehen jetzt i» Eile»ach Norde» all. Tie Milirärwerkstätten arbeiten Tag lind Nacht. Der japanische Gesandte hatte eine geheime Beratung mit dem Vice- k ö» i g T s ch a n g t s ch i r u n g imd dem Präsideiitcn des Auswärtigen Amtes Prinzen T s ch i n g, Einem Londoner Telegramm der„Kölnischen Zeitung" zufolge beginnt man trotz amtlicher Bcrilhigimgsvcrsiichc sich dortsclbst wieder crilster Sorge wegen Ausganges des russisch-japanischen Streites hin- zugebe». Ter russische Gesandte in Tokio soll neuerdings neue Weisungen vom Zaren s o>v i e La m b s d o r s erhalten haben, desgleichen der ameritanischc Gesandte in Söul. Dieser soll letzter Tage eine Note seiner Regirrimg übergeben haben, die aus schleunige O e f f n n n g des Hafens D a n p a m p h o dringt. Alsbald nach Schluß des allgemeinen Verkehrs, durch Zufrieren des Flusses verursacht, erwarte man eiiischcidendc Schritte RnßlandS.— Jena oder Tedan? lieber die„ h e e r e s f e i n d l i ch c Litteratur" weh- klage» die„Berliner N e u e st e n N a ch r i ch t e n Schon Hart- lebcns harmloser„Rosenmontng" geht dem Blatt der Panzerplatten- Interessenten wider den Strich. Beyerleins„Jena oder Sedau" verursacht ihm heftige Schmerzen und gar BilseS Schilderung des. Forbacher Garnison-Jdhlls vermag es nicht z» verwinden. Das Blatt beruft sich auf das Urteil eines schweizerischen Blattes, das — offenbar vor den Metzer Kriegsgerichts Verhandlungen— be- hauptete, BilscS Roman sei nichts„als ein im Geschmack der Socialdemokratie ciitworfenesP h a n t a s i e g c in ä l d e". lieber den littcrarischen Geschmack wollen loir uns mit den„Neuesten Nachrichten" nicht streiten. Bürgerliche Nesthctikcr haben er klärt, daß gerade die socialdcmokratischc Presse in ihrem Feuilleton die wertvoll st e n littcrarischen Erzeugiiiffe veröffentliche, während die bürgerliche Presse die Leser fast ausschließlich mit dem jännncr lichstcn Schund füttere. Das.. P h a n t a s i e g e in ä l d e" BilseS hat aber das Metzcr Kriegsgericht als mir allzu r e ä l i st i s ch e W i r k l i ch l c i t s s ch i I d c r n» g anerkannt. Aber gerade ivcil die Beyerlcin»»d Bilse getreue W i r k l i ch k c i l S b i l d e r ciitworfen habe», befürchten die„Berliner Neuesten Nachrichten" imd andre vom Militarismus profitiercnde„nntionale" Blätter eine Erschütterung des Ansehens d e s Mi l i t a r i S in n s. Statt dafür de» Militarismus selbst verantwortlich zn machen, zetert man über da« äußerliche Shniptoin der bedenklichen Zersetzung, die „hccrcsfeindlichc Littcratur"! Nicht niiiilteressant ijt es übrigens, dem heuchlerischen Ge- lvimmer der„Berliner Neuesten Nachrichten" das Urtel der „Leipziger Renesten Nachrichten" gcgeiiüberzilstcllcn: „Wir haben an dieser Stelle schon eiiimal ein Urteil über das Bilsesche Buch gefällt. Die B e w e i s a n f n a h m e hat leider n n s r e Auffassung nicht b e st n t i g t: Das II»- mögliche ist zur Thaffache geworden, und wenn auch nicht alles, so ist doch so viel erwiesen, daß in einem preußischen Offiziercorps Zustände einreißen konnten, wie sie sich die dniikclstr Phantasie ka,»» ausgemalt hätte. Wir werden ans die all- gemeinen wie die spcciellcn Lehren, die dieser Prozeß bietet, nock znrückkpinincn. Aber das eine sei schon heute gesagt: So sehr lv i c n ns dagegen st r ä n b t e n, so er- k e n ii». n wir heute doch an, daß Franz Adam Beherlri» derrchtigt wnr, dir schwere Schicksalsfrage z» stelle»:„Jena oder Srdan?" Aach andre reaktionäre Blätter, so zum Beispiel die„Münchner A l l g e in c i n e Zeitung", erkennen wciiigftciiS an, daß cS eine kindische Vertuschung wäre, die Schuld an dem Forbachcr Sumpf dem Mrlicu, dem öden Garnisonlohen eines gottverlassenen Grenz- nesteö zuzuschreiben. So liest man in diesen Blättern: „Die engen Verhältnisse solcher kleinen Garnisonen c n t- schuldigen aber keineswegs den sittlichen Notstand, den die Metzer Gerichtsverhandlung offmlimdig gemacht hat. Ganz abgesehen davon, daß bei dem Offizicreorps einer Grenzgarnison der Ehrgeiz vorausgesetzt werden muß. sich möglichst k r i c g s t ü ch t i g zu erhalten und zumal im Bereiche des 16. Armeecorps den protestlcriichcn Ele- mcntcn diesseits, den Nachbarn jenseits der Grenze ein gutes Beispiel zu geben—. abgesehen hiervon darf auch nicht d e r G l a u b e a u f k o m m e n, als o b e i n O r t w i e F o r b a ch einem g a l i z i s ch e n oder sibirischen Dorfe gleiche, In an mutig st er Gegend gelegen, den lebhaften P r o v i n z i a l- H a n p t st ä d t e n Saarbrücken und St. Johann g a n z nahe, darf das kleine Forbach von einem deutschen Offizicreorps eine ganz andreLcbensführung als die in Metz enthüllte erwarten." DaS„Milieu" war'S also nicht! Die Frage, was es sonst ge- Wesen sein mag, umgeht man ftcilich zag und schämig. Wäre man ehrlich, so müßte man dem Wesen deS Militarismus die Verantwortung zuschieben, so müßte man zmn mindesten mit den„Leip- cggec Neuesten Nachrichten" erklären:„So sehr wir unS dagegen ircnubtea, so erkennen wir heute doch an, daß Franz Beherlei» be- cechtigt lvar, die schwere Schicksalsfrage zu stellen: „Jena oder Sedan?" Elisen rächt sich. Die politische Ohnmacht des Berliner Frei« sin»? offenbarte sich auch darin, daß er nicht einmal in der Lage war, die nötige Anzahl von Wahlmäimern ailfzlibnngcn. In einer Notiz deS„Bert. Tagebl," würde vor einigen Tagen im Tone resignierter Setbstvrrspottiiiig erzählt, wie freisinnige Ägitatorcn sich tagelang die Stiefelsohlen abliefen, um Wahlmänner anfzugabeln, Ter eine trieb ganze drei Mann ans, der andre erreichte den bclvlUldcrtcn Record von sechs Mann. In ihrer Not stellten die Freisinnigen dann vielfach Leute als freisinnige Wahlmänner ans, die sie, gar nicht erst»in ihr Ein- vcrstäiiduis ersucht hatten. Mehrere dieser Wahlmänncr haben ja bereits sowohl beim Wahlakt selbst>vie im„Vorwärts" gegen die« originelle Vorgehen protestiert. Das. hat natürlich den biederen Engen schändlich geärgert. Er läßt, deshalb folgende läppische Deiiunziation vom Stapel: „Der social demok rat iff.che TcrroriSmuS hat sich in Berlin auch bei den LaudtagS.wahlc.n gezeigt. Von zahl« reichen GeschäftSleiiten des Ostens lvird uns mitgeteilt, daß vor der Wahl soeialdemokrakische Agitatoren zn ihnen gckoimncn seien und sie gebeten haben, für die socialdemokratischen Wahl- »ininis-Äaiididatcn zu stimmen. Begründet wurde die Bitte einfach mit Sätzen. Ivie:„Meine F r a u k a n s t doch bei Ihne»!" oder:„Die Arbeiter l a i i e ii sich doch bei Ihnen rasiere n." In den Arbeitervierteln sind daher fast alle Geschäfts- lcutc mit offene» Läden der Waht scrirgeblieben, und mir dadnrcli haben die Socialdcinokratcn einige zweite Abteilungen mit der Mehrheit von etlichen Stimmen gewonnen. Auch nach der Wahl sind den Geschäftsleuten gegeniilicr Redensarten, wie;„B ei D i r kaufen w i r nicht S m e h r!" gebraucht worden, in eineni Wahlbezirk haben infolge dessen einige Wahlniäimer ihr Amr sogleick iviedcr niedergelegt." Selbst angcnomnicn, die Arbeiter hätten ihre Macht als Kon- sumcirten in dem Maße anSgenutzt, Ivie der Biedermann Eugen in seiner gehässig iibertreibcnden Art behauptet, so würde ein waliryaft sreisiimiger Mann sich schämen, die diircii ein skandalöses Wahlsystem unerhört geknebelten und entrechteten Proletarier für Folgen eines Systems verantwortlich zn machen, dessen liiigehelierlichkeitm auch nur zu mildern der Richtcrsche Freisinn keine Miene gemncbt hat. Denn an dein n n g c h e u c r lich e nT er r o r i Z mn s aller Unter- n e h>n e r g a t t» ii g c n gegenüber den Arbeiter n gemessen wöge selbst ein zil inißbilliaender„TerrorismuS" der Arbeiter etlichen Geschäftslenteii gegenüber zederleictit! Aber es handelr sick, ja nur»in eine sanle F lause deS im- eiitwegtcn Svcialistcntölers. Bei der Reichstagswahl, wo das W aylgrheimnis doch in Berlin fraglos gesichert war. haben zweifellos viele Geschäftsleute für die Socialdemokratie gestimmt. Bei der ö f f e n l l i ch e n Landtagswahl- Abstimmung kömien sie das nicht~ aus Furcht v o r dem Boykott nicht- s oeialdemokrati scher Käufer! Deshalb vielleicht die Entschuldigniigeil vereinzelter GesclläftSleutc, aus denen die„Frei- sinnige Zeitung" sctilcunigst ihr scmödcs Märchen vom Tcrrorisnnis der Zoeialdeinokratic konstruiert!— Haiidelsniiiiisler Möller hat in Stettin bei einem ihm zu Ehren von der Kaufmamischaft gegebenen Festmahl wieder eine seiner be- kanntm geistreichen Reden gehalten, in der alle Rcininisccnzcn au« Frcytags„Soll und.Haben" mit Lesefrüchten aus der inoderneil HaiidelSblalter-Litteratiir z» eincin bunten Heringssalat zusammen- gemischt sind. Herr Möller entdeckte, daß im heutigen Wirtschasts- leben vielfach eine„Eelitcalisation" slatlsindet, die ctlvas„Unabwendbares" sei, daß bei den amerikanische» Unternehmungen häufig.nnvcrnunftigc. Uebcrkapitalisiyrungen" vorkommen» die iiiauchmal sehr schädlich sein töimc» nsiv. Wörtlich sagte er z. B. nach der„Ostsee-Zeitung": „Es geht in der ganzen Welt zur Eentralisation. Ich Hab: mich darüber schon im vorigen Jahre a» verschiedenen andren Orten ausgesprochen. Man kann die Konsequenzen an vielen Orten bedauern, aber dein dürfen wir uns nicht verschließen, daß der einzelne nicht in der Lage ist, den Kampf mit der ivcilcn Weil aiiszutzehmcn. Tic Probleme.der Syndikate und Kartelle stich schwer zu lösen, aber sie zu verwerfen Ivürde heißen, die Kon- kiirrenzfähigkeit innres Landes zu zerstören. Woraus es ankommt, ist, daß man die Herren, die. diese großen Mächte zu leiten haben, dahin führt, daß sie inr eignen Interesse keinen Mißbrauch damit treiben. Ich höre soeben das Wort„Eisenbahn" fallen. Wenn heute der eine oder der andre auch bei der Eijcnbahn klagt, daß man auf die einzelnen Geschäftszlveige-md die einzelnen In- dividnen nickt mehr als solche einwirken kann, wie früher, so ist das richtig, aber ans der andren Seile können wir uns freuen, daß ivir zur Ccntralisatioii gekoinnicn sind, daß wir sogar in dieser Beziehung der leitende Staat, gctvescii sind, der zuerst den Mut hatte, derartig große Geschäftszweige zu ccntralisieren. Sa viel auch geklagt lvird, daß manches an unsrcr Eisenbahn schlecht ist. bei näherer Bctrachtim'g der ausländischen Bahnen werden Sie finden, daß die Verhältiiific bei uns doch noch besser liegen als anderswo. Es wird daraus ankommen, eine Form zu finden, die nicht ivie in den Vereinigten Staaten Amerikas mit der Kon- zentration des Kavitals eine Zerstörung der siidividncllcn Kraft mit sich bringt. Ich habe bereits an andrer Srelle ausgeführt, daß die Lösung der Frage die wäre, die Konzentration zu bewirken mit thnnlichstcr Ansrechtcrhaltung der Individualität. Die amerikanische Art gewaltigen geschäftlichen Znsamuienschweißens zu unver- Künftiger Uebertäpitalisieruilg ist ein Weg, von dem ivir, wie ich hoffe, bewahrt bleibe» werden: das ist der Weg, den ich als ver- Iverflich bezeichne, in dem jede Jndividnaluät verloren geht," Dann versicherte der Minister: daß Deutschland ffich in den letzten vierzig Jahren vom Agrar- zum Industriestaat entwickelt habe, lvomit wan nokwendig rechnen müsse; und schließlich erklärte er, die gegenwärtige Regier una sei die kenntnisreichste von allen, deren sich das deutsche Volk bisher zu erfreuen gehabt habe: „Tie können überzeugt sei», es Hai bei uns zu keiner Zeit eine Regierung bestanden, in der eine solche Summe von praktischen Keniitnisseii vorhanden war, wie dies zur Zeit der Fall ist, e« ist noch nie in solchem Maße eiiigedmngen worden in alle Geschäftszweige. wie es heute geschieht." Fast scheint es, als beabsichtigt Herr Möller seinen Kollegen v. Podbielski noch durch gedankenvollere Aussprüche zu übertrumpfen. Der wahre Charakter der Kriegerverriue entpuppte sich bei einem solchen in der Neumark. Dieser hat, der„Socialen Praxis", Nr. 7, zufolge, ans Geheiß des Landrats— nicht etlva nur Social- deinokraten, denn das wäre ja nichts Neues mehr-- sondern auch diejenigen Mitglieder ausgeschlossen, die sich gewerkschaftlich orgn- »isiert und an eiueni Streik beteiligt hatte», Daß die Kricgcrvereine sich als Schritlinacher der Reaktion be- thätigen, ist ja bekannt, daß sie sich offen als Schutztruppe des Uiiteriiehinertnms bekennen, ist mir mit Freuden zu begrüßen.— Und der König absolut... Die Scharfmacher drohen mit— der Forderung eines p a r l a m e» t a r i s ch e n Regimes, sofern ihnen die preußischen ministeriellen„Handlaiiger" nicht den Gefallen einer noch scharfmacherischen Politit erweisen sollten, als sie die preußische Regierimg bisher befolgt hat. Die„Hamburger Nachrichten." drohen: „Es idas Scharsinachcrtmn) müßte der Krone kund und zn wissen thnii, daß. wenn es die Arbeir des Ministeriums v errichten solle, es notwendig auch i n d e ss e n P o s i t i o n eingesetzt zu werden beanspruche, daß also künftig die Minister, iv i o in England, aus seinen Reihen zu entnehmen seien, imd ihre Auswahl nicht mehr dem f r e i e n E r m e s s c n der Krone a n h c i m g c st e l l t bleiben k ö n n e." DaS Gottesgnadeii-Königtum soll also»ur so lange seine Krön- Rechte ausübe», als cS im Sinne des ScharfmachertumS handelt. Sobald der König ihnen nicht mehr den Willen thut, verlangt man ein parlamentarisches Regiment. Dazu fehlt allerdings eine Kleinig- kcit. ein preußisches Parlament. Bis jetzt existiert>mr eine klägliche Geldsackvertrctiing.— Z« bcit HandelSvertragS-Berhaildluugeil mit Jtalit» wiude kürzlich aus Wien berichtet, die Aufnahme der Unterhandlungen stehe unmittelbar bevor. Demgegenüber wird der„Südd. Reichskorresp." cffiziös aus Berlin geschrieben, diese Meldung besage teils zu wenig, teils zu viel: „Zu wenig, denn thatsächlich sind die Verhandlungen mit Italien bereits aufgenommen, auch ein erster Schriftwechsel hat schon stattgefunden. Zu viel, denn das weitere Tempo der Verhandlungen könnte vielleicht von der Gestaltung der ministeriellen Lage in Italien abhängen, so daß sich heute noch nicht angeben läßt, was zwischen Deutschland und Italien auf handelspolitischem Gebiete im Dezember und Januar geschehen kann. Sicher ist nur, daß auf beiden Seiten für den Abschluß eines neuen Vertrages günstige Dispositionen herrschen und besondere Schwierigkeiten nach dem Ergebnis der ersten Fühlungnahme nicht er- wartet werde n." Diesen schönen offiziösen Erwartungen ist recht wenig Wert beizumessen. Im Dezember vorigen Jahres erwartete die Regierung nicht nur, sondern erklärte sogar für sicher, daß auf Grund des neuen Zolltarifs sich Handelsverträge abschließen lassen würden— bisher aber ist sie nirgends weiter als bis zum„B e- riechen" gekommen.— Wahlschwindel. Immer schärfer stellt sich heraus, daß der Wahlbetrug, den nach dem 16. Juni die geschlagenen Reaktionäre der Arbeiterschaft infan, nachsagte, nicht von Arbeitern, sondern von den Ordnungsstützen selbst begangen ist. Es ist nötig, die zur gerichtlichen Klarstellung gelangenden Fälle zu verzeichnen. Aus Würzen wird unterm 12. November der„Leipziger Volkszeitung" geschrieben: Weil er bei der letzten Rcichstagswahl einen s a l s ch e n N a m- n angegeben haben soll, erhielt der Arbeiter Bock vom hiesigen Stadtrat eine Strafversügung in Höhe von IV Tagen Haft. Er beantragte hiergegen richterliche Ent- scheidung, die heute vor dem hiesigen Schöffengericht zur Ver- Handlung kam. Aus den Zeugenaussagen ging zunächst hervor, wie die Strafversügung zu stände gekommen ist. Nach den Mitteilungen des Wahlvorstehers des in Frage kommenden Wahltbezirks hat das Ministerium des Innern an alle Behörden die Anfrage gerichtet, ob es vorgekommen sei, daß Arbeiter doppelt(das eine Mal unter falschem Namen) gewählt hätten. Die Behörden hätten hierauf die Wahl- Vorsteher gefragt, ob ihnen derartige Fälle bekannt geworden seien und er habe darauf dem Stadtrat mitgeteilt, daß in seinem Bezirk ein Wähler zurückgewiesen wurde, weil er nicht in der Wahlliste stehe, später aber wiedergekommen sei und gewählt habe. Der Angeklagte klärt die ganze Sache dahin auf, daß er das erste Mal seinen richtigen Namen und seine richtige Wohnung angegeben habe, aber zurückgewiesen worden sei, da er- nicht in der Wahlliste stehe. Gegen Abend habe er von irgend eiimn Wahlschlepper die Aufforderung erhalten, zur Wahl zu kommen, worauf er auch nochmals gekommen sei, gefunden wurde und gewählt habe. Der erwähnte Wahlvorsteher giebt min an, der Mann sei zurückgewiesen worden, weil er eine Straße genannt habe, die gar nicht zum Bezirk gehöre, nach dem Namen habe er gar nicht gefragt und könne nicht angeben, ob der Angeklagte seinen richtigen oder einen falschen Namen gesagt habe. Die sodann vernommenen fünf übrigen Wahlbeisitzer können gar nicht angeben, welchen Straßennamen der Angeklagte gesagt hat? sie können sich alle nicht mehr auf den Vorgaug besinnen. Keiner von den sämtlichen Belastungszeugen deutet aber auch nur an, daß Bock einen unrichtigen Namen gesagt habe, was um so bemerken«- werter ist, da der größte Teil dieser Zeugen den Angeklagten seit längerer Zeit persönlich kennt. Das Gericht vertagte die Nerhand- lung zwecks Vorladung weiterer Zeugen auf nächstens Montag. Es ist unverständlich, zu welchem Zwecke das Gericht noch weitere Beweise erheben will, da die ganze Sache doch höchst einfach und klar ist. Die„Freie Presse" für Elsaß-Lothringen berichtet: Vor dem Landgericht Mem mingen steht der Bürgermeister Ebner von Waldstetten bei Jchcnhausen. Derselbe hat bei der im Juni dieses Jahres stattgehabten Reichstagswahl für zwei abwesende Wähler die Wahl einfach selbst vorgenommen und zwar in der Weise, daß er je einen Wahlzettel für den Centrums- kandidaten Dr. Jäger in die vorgeschriebenen CouvertS brachte und beide sodann in die Urne legte. Selbsttedend wurden diese Sttmmen bei dem Wahlergebnis mitgezählt. Die beiden, für die er wählte, gaben ihm wohl die Erlaubnis dazu: einer, der Bierbrauer Mayer, mit dem Bemerken, es sei ihm gleich, sozusagen auf sein besseres Selbst zurückleitcn und es in ehrstirchtSvoller Andacht erschauern machen könnten. Auf so einer Wanderfahrt hat daS Blatt denn ein Juwel gefunden, das sich an Schönheit dreist mit deni sächsischen VereiiiS- gesetz messen kann. Unsre Leser sollen sehen, wie die„Krcuz-Zeitung" selber ihren Schatz in der Sonne funkeln läßt. Wir lesen da in hrer Ausgabe vorn Donnerstagmorgen: Auf einem Kreuzwege zwischen Collenbcy und Burg(bei Merse- bürg) steht vor einer Wiese eine Warnungstafel folgenden Inhalts: Wer diesen Wiesenpfad betritt, Zahlt auf der Stell' acht Groschen, Und wer es nicht bezahlen kann, Dem wird es abgedroschen. Neben dieser ausgezeichneten Sttafbestimmung steht eine Pappel, an der ein Knüppel hängt. Es wäre eine große Wohlthat für unser Volk, wenn alle Rechtssprüche diese herzerfrischende Deutlich- keit an sich hätten. Die.Kreuz-Zeitung" hat recht. Welchem Menschen von Gefühl dämmerte nicht eine Ahnung, von der versöhiienden, ja geradezu in Leiden fröhlich machenden Wirksamkeit solcher Poesie auf. Und: Ex Oriente lux. Vom Osten her kam die Erleuchtung.. In seinen Memoiren aus dem sibirischen Totcnhause erzählt Dostojewski von einem höheren russischen Offizier, der die Spießrutenstraße auf ganz dieselbe sinnige Manier zu versüßen wußte. Bevor das Opfer durch hunderte Stockhiebe entweder vom Leben zum Tode oder doch wenigstens zu längerem Siechtum gebracht wurde, gab der Gemüts- mensch ihm auf, die AnfangSstrophe eines Volksliedes herzusagen. »Zum Himmel auf!" begann daS Lied.»Den Knüppel drauf l" reimte der Offizier, und nun hieb die ganze Compagnie unter vor- schriftsmäßigem Lachen auf daS Opfer los; der arme Sünder lachte, von der allgemeinen Heiterkeit angesteckt, vorschriftsmäßig mit und schritt, wenn anders er Sinn fiir Humor hatte, laut kreischend dem schimpflichen Martertode entgegen. Das Leben für den Zar! Welche Fülle des Gemütslebcns, welch ein humorvoller Sinn für Ordnung entfaltet sich in dieser kleinen russischen Geschichte! ES kommt nur darauf an, den nötigen Schatz von Humor auch im preußischen Volke zu heben, lind eS wird ebenfalls den Wohlthaten des Prügels Verständnis entgegenbringen. Humor und Poesie müssen natürlich zusammenwirken, wenn der Knüppel seine sittlich-reinigende Macht den in Thatcn, Worten und Gedanken begangenen Sünden gegenüber erfolgreich bethätigen soll. Mit Recht hat der Pfadfinder der„Kreuz-Zcitung" daö Instrument zur Läuterung des öffentlichen Gewissens vor ein an sich nicht allzu schweres Vergehen als WarnungS- zeichen hingestellt. Mag in dem Betreten eines Wiesenweges immer- hin eine bedenkliche Fülle sittlicher Verworfenheit liegen, todeswürdig ist das Verbrechen nicht, und eine versöhnende Gerechtigkeit hat denn auch zahlungsfähigen Verbrechern den Loskauf fiir acht Groschen anheinigcstellt. Ein solcher Vorbehalt zu Gunsten der Autorität des Besitzes ist selbstverständlich, denn es bedeutete die Entfeffelung der Anarchie, würde dem, der seine Verfehlungen durch Geld gutmachen kann, ebenfalls unfehlbar der Knüppel drohen. Der ostclbischcn Bildung und dem Besitz gegciiüber sind in der Praxis Einschränkungen not- wendig, wenn man nicht der Gerechtigkeit noch einen Schritt weiter ciitgegenkommen und beiden Stützen der Gesellschaft zu Ehren den Grundsatz, daß wenn zwei dasselbe thun, cS ihres Klassenunter- schiedeS halber nicht dasselbe ist, klar und deutlich im Strafgesetz- buch formulieren will. Einige Beispiele mögen die segensreiche Wirkung der poetisch eingeschränkten„Kreuz-Zeittlngs"-Gcrcchtigkeit dem Volke zu Geniütc führen. Wir denken zunächst an jene Unternehmer, die Frauen und Kinder durch Ucberarbeit ein Stück Geld verdienen lassen und zum Dank für diese Wohlthaten von Gewerbe-Jnspektoren und socialdcmokrattschen Preßbengeln verpetzt und beschimpft werden. Wo nun leider einmal die Gewerbe-Ordnung diese Menschenfreunde mit Strafe bedroht, lassen sich bei solcher Unbill erklärliche Gemüts- aufivalliingcn in ihnen vielleicht durch folgende Verse besänftigen: Denkst du als Unternehmer: Laßt Die Kindlein zu mir kommen Zur Uebcrarbcit, Mensch, dann wirst In Strafe du genommen. Zehn Mark ist keine Kleinigkeit, Die fordert streng der Richter, Auch wenn Du hundertfach verdient Sie hast an dem Gelichter! Tritt in diesem Falle der Knüppel gebührendermaßen nicht in die Erscheinung, so muß er sich aufwiegelnden Streikposten gegenüber in seiner vollen gebieterischen Machtfülle geltend machen. Im Hinblick auf verschiedene Urteile aus der letzten Zeit dürfte es da heißen: Sprich keinen Arbeitswilligen an, Du wirst von ihm verprügelt, Und dann, obgleich der Kerl ein Liimp, Drei Monat eingeriegelt! Auch die Hctzapostel in der socialdemokratischen Presse könncii von der poetischen Gerechtigkeit gar nicht scharf genug angepackt werden. Man weiß, wie sie die Autorität des Besitzes, der Kirche und des Thrones systematisch untergraben: Im Rtajestätsbeleidigen Dien' dieieS dir zur Mahnung Du wirst verknurrt und hast du auch Von nichts nicht eine Ahnung. Preßsünder, kennst du Plötzensee Voll Numfutsch und Gewinsel? Neun Monat blühn dir dort allein Für eine Kaiserinsel! In der Armee als der einzigen Säule, auf die sich die göttliche Wcltordinmg wirklich noch stützen kann, müssen Auflehnungen natür lich besonders streng geahndet werden. Die poetische Gerechtigkeit hat da folgenden Fall warnend anzuführen: In Ketten der Reservemann l Auf sieben Jahre geht er Ins Zuchthaus, denn verprügelt hat Er Gottes Stellvertreter. Selbstverständlich gebietet diese Gerechtigkeit, auch dem Vor« gesetzten plausibel zu machen, was ihm bei einer Verfehlung winkt: Schau, Hüsscncr, ein bettunkner Mann, Vorsicht bei einem solchen! Zwei Jahre FestungSbummel giebt'S, Thust du den Kerl erdolchen! Für heute lassen wir eS an Beispielen genug sein. Von der Wirksamkeit des Mitgeteilten sind wir so fest überzeugt, daß wir hoffen, selbst Knuten-Oertel werde seinen Reichstags-Durchfall vcr- schmerzen und sich niit der von unö und der.Kreuz-Zeitung" seiiiem Ideal nahegerückten Welt endlich wieder versöhnen. Pause. In dem SensationSdrama, das seit einiger Zeit im Schlvur- gerichtssaale zu Moabit spielt, ist eine kurze Pause eingetreten. Die bedauernswerten Geschworenen, die die mit schauerlichem Ernste vor- getragenen Räubergeschichten einer analphabetischcn Zeugenschar über sich ergchen lassen müssen, haben fiir einen Tag gestreift. Einer von ihnen erklärte, daß für manchen Gcschworcncii der finanzielle Bankerott herandrohe, wenn nicht wenigstens der Sonnabend für die Regelung der allerdringendsten Geschäfte freigegeben werde. Der so überaus eifrige Lorsitzende des Schwurgerichts verwies zwar auf die ungünstige Gestaltung der»Geschäfts- läge" in der kommenden Woche und wollte unter allen Umständen wenigstens ein paar Stunden am Sonnabend vcr- handeln. Aber die Geschworenen blieben fest; und man kann eS ihnen wahrlich nicht verdenken. denn es ist ein hartes Opfer, das man von ihnen heischt. Handelte es sich noch um einen Kriminalfall, der durch sich selbst erschütternd und anziehend zugleich wirken, die Interessen weiter Kreise berühren könnte, dann möchte es leichter zu ertragen sein. Aber der Gedanke, daß die bloße Verletzung der Rechtsordnung schon eine Angelegenheit von allgemeinem Interesse sei, erhebt nicht über die llnbilden einer wochenlangen SchwurgerichtSfitziing. Theoretisch und abstrakt mag cS gleich fein, ob das Recht durch das widerrecht- liche Wegnehmen eines ApfKs oder durch die Tötung eines Menschen verletzt worden ist; praktisch wird man die Delikte immer ganz verschieden werten. Und im bor- liegenden Falle kann man doch wohl mit Recht sagen, daß eS allen Berlinern— und dazu gehören doch auch die Geschworenen— ganz . Gottlieb Schulze" ist.' wer das Majorat auf Wroblewo einmal. erlangt! Und dabei wird die Geschichte immer unklarer, je länger die Verhandlungen dauern. Manche Zeugen leisten sich geradezu Orgien in phantasicvollen Erzählungen, andre wieder werden wegen des Vcr- dachtcs der Begünstigung und des Meineids ausgeschaltet, wieder andre als durch Agenten der Klägerpartei bearbeitet hingestellt. Ein wüstes Tohuwabohu! Dazu dann daS vielbesprochene Sachverständigen- Gutachten über die Aehnlichkcit des kleinen Helden de? Dramas mit der angeblichen Mutter und der angeblich„Ivirklichen" Mutter! Aus diesem allen sollen dann die Geschworenen nachher vor ihrem geistigen Auge ein klares Bild rekonstruieren, sollen zede Einzelheit der vielfach verschlungenen Verhandlung nochmals in sich aufleben lassen, sollen weder den Worten des Staatsanwalts noch denen der Verteidiger vorbehaltlos glauben, sondern auch diese sorgsam nach- prüfen. Danke I Besonders lehrreich wird für die Herren der Unistand bei ihrer Beratung werden, daß sie sicherlich über daö eine oder andre Detail, welches in der Verhandlung eine Rolle gespielt hat, verschiedener Meinung sein werden: sie können sich eben nicht mehr genau er- innern. Das geht anderen Leuten auch so und bedeutet durchaus kein Armutszeugnis für die Herren Geschworenen. Nur die— Zeugen machen eine Ausnahme vom allgemeinen Gesetze der Menschlichkeit. Zeugen können sich immer besinnen; noch nach langen Jahren»wissen" sie ganz genau, ob eine Person, die ihnen an einem Dienstag vormittags 10 Uhr 43 Minuten an der Kreuzung der X- und D-Straße begegnet ist, einen grünen oder schwarzen Ueberziehcr trug, ob sie rote oder braune Haare hatte! Ja, man sollte gar nicht glauben, wie so ein Zeugeneid das Gedächtnis schärst: eS geschehen noch Zeichen und Wunder! Der Vorsitzeilde des Schwurgerichts, der noch nicht lange in Berlin amtierende Herr Leuschner, hat neulich in einer nervös-. strengen Ansprache die Presse ivegen ihrer Glossen zuni Kimlecki- Prozeß getadelt und die Geschworenen dann noch einmal vor Beeinflussung gewarnt. Nun, daS eine wird weder dieser noch ein andrer Schwurgerichtspräsideiit verhindern können, daß man nämlich mehr und mehr das Vertrauen zu den totsichercn Bekundungen so« genannter»klassischer Zeugen" verliert, wie sie so zahlreich in diesem Prozeß aufgetreten sind. Die praktisch thätigen Kriminalrichtcr sperren sich sehr gegen diese„moderne" Strömung, denn im Gerichtsbetrieb braucht man nun einmal Zeugnis nndZeugcneid. wie sollte man sonst so manchen .Fall" zum Abschluß bringen?! Aber außerhalb de» Gerichts- faales und des BcratungSzimmcrs gicbt eS eben auch noch Leute, die sich über dcrarttge Dinge ihre Gedanken machen. Und Gedanken sind immer noch zollftei. Sie dringen durch Thüren und Wände und machen nicht einmal an der Barre vor den Bänken der Ge- schworenen Halt. Der Geschworene soll»ach bestem Wissen und Gewissen sein Urteil aus dem finden, was die Verhandlung ihm offenbart hat. Aber er braucht deshalb nicht die Gedanke» zu er- töten, die dcS PrivatinanncS Hirn vielleicht oft durchzuckt haben. Er braucht sich nicht zu kümniern um daS Wort, das in der Feuerbachschcn Zeit einmal ein bayrischer Richter ältesten Kalibers sprach:„Die besten Menschen sind immer die schlechtesten Gcschwornen". Mr sind der Meinung, daß dieser eng- herzige Standpunkt dcS auf Verurteilung versessenen Fletsch ge- wordenen GcsetzeSparagraphcn die SttaftcchtSPflcge geradezu zu einem verächtlichen Geschäfte machen würde. Solche und ähnliche Gedanken läßt vielleicht in dieser Pause der eine oder andre Geschworene durch seinen Kopf gehen; und wir halten das für sehr gut. Man sollte vor jedcni Urteilsspruch die Pause einführen I_ Die Stadtverordneten Baurat Kyllmanu und Genossen haben folgenden Anttag bei der Stadtverordneten-Versammlung ein- gebracht:„Die Stadtverordneten-Versammlung wolle beschließen. den Magistrat aufzufordern, mit der Fertigstellung dcS IX. Radial» systems schleunigst vorzugehen." Dieses System der Kanalisation umschließt Teile der See- und Müllerstraße, die sogenannte Jungfern- Heide, Die Baukosten im Betrage von 8 Millionen Mark sind im November 1888 von der Bcrsammlung schon bewilligt worden. Die Stadt und der Tiergarten. Bisher hat die Stadt Berlin zur Jiistimdhalttiiig des Tiergartens dem FiSkuS einen jährlichen Zuschuß von 30 000 M. gegeben. Der Magistrat hat jetzt bcschlosie», den Ziischuß vorbehaltisch der Zustimmung der Stadtverordneten aus 50 000 M, zu erhöhen. Frurrschich in den Warenhäusern. In der Weihnachtszeit findet erfahrungsgemäß ein starler Besuch der Warenhäuser statt. Es dürfte daher für daö Publikum von Interesse sein, daß die bereits im Jahre 190l unter Geiiebmigmig der Resjortniinister erlassene» besonderen Bestimmungen für Warenhäuser, Geschäftshäuser usw. vom Polizeipräsidium bei den in den letzten Jahren erbauten Waren- Häusern durchweg, bei der überwiegenden Mehrzahl der älteren und größeren, soweit eS den Umständen nach angängig war, zur Durch- führung gebracht worden find. Die erwähnten Bestimmungen be- fassen sich vor allem mit der Bauart der Warenhäuser. Die neu» erbauten müssen auS feuerfcstcm Material hergestellt werden. Treppen müssen so verteilt sein, daß im Umkreise von 25 Metern immer eine solche erreichbar ist. Die Ausgänge müssen durch große Aufschriften kenntlich gemacht sein. Außerdem wird daS Rauchverbot streng gehandhabt, ebenso die Sicherheitsvorschriften fiir Heizimg und Beleuchtung. _ Entlassung von 91 GaSanstaltSardeitern wegen Beteiliguiig an den LandtagSwahlc». Der Magistrat hatte bekanntlich eine Ver- fügung erlassen, wonach den in städttschen Betrieben beschäftigten Arbeitern am Tage der preußischen LandtagSwahlen freie Zeit werden sollte, soweit cS der Betrieb irgend gestatte. Während nun auf drei Gasanstalten dieser Verfügung nach Möglichkeit Rechmnig getragen wurde, sollte auf der Anstalt Danzigerstraße nicht ein einziger BetriebSarbciter beurlaubt werden. Die Ofen- arbciter waren der Meinung, daß dies nicht den Intentionen des Magistrats entspräche; und da sie keinen Urlaub erhielten. blieben sie von 1 Uhr ab der Arbeit fern. Als sie am Freitag früh zur Arbeit kamen, verrichteten sie diese bis Arbeitsschluß, wo ihnen das Handwerkszeug abgenommen wurde und ihre Entlassung er« folgte. In der Erregung wollten nun auch die andren Abteilungen die Arbeit einstellen; auf Anraten der Orgaiiisationslcitung wurde aber davon Abstand genommen, vielmehr in Gemeinschaft mit dem Stadtverordneten E. Wurm bei der Gasdirektton und beim Oberbllrgernieister Kirschner versucht, diese Differenzen aus der Welt zu schaffen. Herr Kirschner betonte, daß die Entscheidung bei der Deputation läge, die am Montag Sitzung höbe und sich jedenfalls mit der Sache beschäftigen werde. In einer unter den GaSarbeitern erfolgten Besprechung wurde diese Antwort erörtert und bcstirwortet, daß man diese Sitzung abwarte, ehe ein weiterer Beschluß gefaßt wird. Allgemein hofftj man, daß die maß- geLenden Instanzen dicse übermtS strenge Maßregel znrück« nehmen, da ja zm» größten Teil die davon Betroffenen altgediente Arbeiter sind. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die am 14. November versammelten Gasarbciter erklären stch mit den Ausführungen dcS Stadtv. Wurm einverstanden und beauftragen die Verbandsfnnltionäre, Schritte zu unternehmen, um die Entlassenen lviedcr in Arbeit zu bringen. _ Im übrigen verpflichten sich die Anwesenden, so lange wie diese Unterhandlungen schweben, nichts Weiteres gegen die Betriebs- Icitnng zu unternehmen. Sie erklären ferner, daß die Arbeitseinstellung auf Anstalt IV unüberlegt gewesen ist und ohne Einwilligung der Organisation erfolgte. Die Versammelten aber hatten die Ueberzeugnng. daß der Betriebsdirigent entgegen der Verfügung des Magistrats handelte, durch die ausdrücklich bestimmt wurde,„alle n wahlberechtigten städtischen Gasarbcitern, soweit es der Betrieb irgend gestattet, freizugeben". Die Versammelten bedauerten lebhaft, daß auf Gasanstalt IV keinerlei Maßnahmen wie in anderen Betrieben getroffen wurden, um die Auswechselung der Bctriebslcute zu ermöglichen. Bon der Wochenschrift„In Freien Stunden" ist daS 46. Heft erschienen. Die illustrierte Zeitschrift bringt in diesem Heft die Fort- setznng des Gcrstäckerschen RomanS„Die Regulatoren in Arkansas" und ebenso die Fortsetzung von Pierre Lotis„Ramuntcho". Eine Erzählung„Belohnte Ehrlichkeit" solvie eine Reihe kleinerer Beiträge vervollständigen den anregenden Inhalt des HefteS, das für 16 Pf. von den Partcispcditeuren und der Buchhandlung Vorwärts, Linden- straße 66, zu beziehen ist. In de» Kranzdindercicn Berlins herrscht lebhafte Thätigkcit. Bis zum Totenfest am 22. d. M. muß etwa eine halbe Million Kränze fertiggestellt werden, oa die hiesigen Kranzbindereien nicht nur Berlin, sondern auch die Vororte mit Kränzen zu versorgen haben. An- nähernd 860 Fuhren Tannenreisig, ganze Waggonladungen Lorbeer- blätter usw. sind in den letzten Tagen in Berlin eingeführt worden, und mit der Verarbeitung dieser Materialien sind mehr als 2006 Personen beschäftigt. Anläßlich des Totenfestes werden Läden und Verkaufsstellen für Blumen und Kränze am 22. d. M. bis um 6 Uhr abends geöffnet bleiben, dagegen wird der Verkauf in der Zeit zwischen 16—12 Uhr vormittags nicht gestattet. Ein eiitsprungeiicr Gefangener. Zu einem gestern vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I anberaumte« Termine sollte der Kaufmann Albert E g g e r s aus Wittich in der Rhein- Provinz durch einen Gendarmen vorgeführt werden. Der Gendarm erschien allein, sein Gefangener war ihm entwischt. Der Transporteur erzählte, wie es zugegangen war. Am Abend vorher sei er mit dem Gefangenen in Berlin eingetroffen. Als sie auf dem Wege nach dem Untersuchungsgefängnisse Unter den Linden entlang gegangen seien, habe der Gefangene der Wunsch geäußert, etwas zu eisen. Der Gendarm habe geglaubt, ihn, diese Bitte nicht abschlagen zu sollen, er sei mit ihm in ein Hotel gegangen, dessen untere Räume_ zu Restaurationszwecken dienen. Während sie auf das bestellte Essen warteten, habe der Gefangene sich die Erlaubnis erbeten, einen Gruß an seine Frau zu schreiben. Er habe sich zu diesem Zwecke in die Portierloge begeben, welche der Gendarm von feinem Sitzpunkte aus übersehen konnte. Er müsse den Ge- fanger.cn aber doch für einen Augenblick ans den Augen gelassen haben, denn als er wieder nach der Portierloge blickte, war diese leer.?Der Gefangene war bereits in dem Menschengewühl Unter den Linien verschwunden. Auf dem Tische des Portiers lag ein Zettel, auf den der Geflüchtete geschrieben hatte:„Machen Sie einen armen Menschen nicht unglücklich!" Der Gendarm n.nßte unver- richteter Sache die Rückreise antreten, es wird ihm wohl eine An- klage wegen fahrlässigen Entwcichcnlassens eines Gefangenen in Aussicht stehen. Wider i.�ren Wille» als bürgerliche Wahlmänncr aufgestellt zu sein, diese Ehre ist anscheinend noch verschiedenen unsrer Partei- genossen zu teil geworden. Heute teilen uuS die folgenden Wähler init, daß die erwähnte Prozedur ohne ihr Zuthun an ihnen vollzogen loorden ist: Gärtner August Ratzlaff, Gerichtstr. 16. Milchhändler Keil, Utrechtcrstr. 2, Schlächtermeister Reckzeh, Utrcchterstr. 4, Nestau- ratenr Karl Korkoiv, Kaiser Friedrichs«. 67 in Pankoiv, und Kaufmann Gleich in Rixdorf. Ein Kuriostim zur LaudtagSwahl. Die amtliche Feststellrmg des Wahlresultats ans dcnr dritten Berliner Wahlkreise konnte auch gestern noch nicht beendet werden. Abgesehen von dem zu be- wältigenden Material(es handelt sich um den größten Wahlkreis Preußens) erleidet der Abschluß des Wahlprotokollcs auch dadurch eine unliebsame Verzögerung, daß der Wahlvorsteher eines Bezirkes nach auswärts z ur I a g d gefahren ist, ohne das amtliche Wahl- Protokoll der Behörde abzuliefern. Die Durchsuchung seiner Wohnung nach dem Schriftstücke ist bisher ergebnislos gewesen, weshalb man den eifrigen Mmrod lelegraphisch zur Rückkehr nach Berlin auf- gefordert hat. Ein diebischer Kassendiencr verhaftet. Bei einem Bankgeschäft Ulster den Linden wurden gestern für 2666 M. Coupons der Buenos- Aires-Stadtanleihe von einem Manne verkauft, der dabei die Quittung mit einem Namen und unter Angabe einer Wohnung unterschrieb, die sich bald darauf als falsch herausstellten. Man ermittelte, daß die Coupons in einem unsrer ersten Bankinstittlte gestohlen waren, und kam durch die eigenartige Schrift jener Quittung dahinter, daß der Dieb in dem dort angestellten Bnrcaudiener Prauß zu suchen sei. Die Handschriftenvergleichung läßt keinen Zweifel, daß er der Dieb der Coupons loar. Ein„Kriminalbeamter". Einem Geschäftsmann in Köpenick stellte sich dieser Tage ein Fremder mit dem Bemerken vor, er sei Kriminalbeamter und wolle sich einmal nach den vor Jahren in seinem Hause verübten Thürklinkcndicbstählen umsehen. Der Ge- schäftsmann holte aber die Ortspolizei und diese nahm den Mann, der sich unterdessen in einer Schankwirtschaft mit feinen krimina- listischcn Erfolgen brüstete, fest. Der„Kriminalbeamte" kam geraden Wegs aus Tegel, wo er ein halbes Jahr gesessen hatte. Wahr- schemlich kennt er den früheren Diebstahl ganz genau. Zu der Schreckensthat in der Landsbcrgerstraße 41 erfahren Ivir noch,' daß die Leichen der drei Knaben Winterstein Frcitaguachinittag gerichtsärztlich geöffnet wurden, mit dem Ergebnis, daß der Tod in allen drei Fällen durch Erhängen herbeigeführt wurde. Der un- glückliche Ehenmnn, dessen Frau sich in der Neuen Charit« zur Beobachtung ihres Geisteszustandes befindet, ist aus Belzig hierher gekommen, um mit den Anverwandten die Beerdigung vorzubereiten, die heute. Sonntagnachmittag, auf dem Georgen-Friedhof in Weißen- see stattfindet. Wenn Kinder Schnsiwaffen führen. Der 13 Jahre alte Sohn Georg des pensionierten Eiscnbahnbremsers Recketat in Müncheberg hatte ein Desching, mit dem er öfter auf Spatzen schoß. Vor sechs Wochen war er wieder einmal hinter einem Vogel her. Sei es nun, daß er die Waffe ungeschickt handhabte, sei es, daß ein Zufall das Unglück wollte, kurz, der Schuß krachte und die Schrotladung drang dem Knaben von der rechten HalSseite aus nach oben in den Kopf ein. Die schwere Verletzung führte zu einer Entzündung und Eiterung der Hirnhaut. Der Knabe wurde zunächst in Müncheberg ärztlich behandelt und schließlich nach Berlin in ein Krankenhaus gebracht. Aber auch hier konnte man ihm nicht mehr helfen. Der Verunglückte erlag der Verletzung. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach der gerichtsärztlichen Oeffnung im Krankenhanse jetzt zur Beerdigung freigegeben. Fencrbericht. Ein größerer Brand kam Freitagabend am Süd- ufer 24/26 in den Elettricitäts-Altien-Gesellschaft-Hydrawerkcn aus und beschäfttgte die Wehr längere Zeit. Im dritten Stock liegt der sogenannte Pechraum, in welchem die elektrischen Batterien verpccht werden. Hier entstand das Feuer durch Ueberkochen von Parasin; angeblich durch die Nnvorsichttgkeit eines Arbeiters. In wenigen Minuten stand der ganze Raum in Flammen. Die Wehr ging sofort mit mehreren Schlauchleitungen gegen den Brandherd vor. Wenn »un auch die Flammen innerhalb einer halben Stunde erstickt werden konnten, so ist doch der ganze Raum mit seinen Werktischen aus- gebrannt.— Sonnabendabend 7 Uhr wurde die Wehr nach der Zimmerstraße 48b gerufen, wo im dritten Stock in einer Wohnung durch die Explosion einer Petroleumlampe ein Wohnungsbrand ent standen war.— Früh 4 Uhr war in der Alexanderstraße 57 in einem Keller allerlei Gerümpel und Verpackungsmaterial in Brand geraten.— Zweimal wurde die dritte Compagme nach dem Anhalter Güterbahnhof gerufen. In beiden Fällen brannten Waggons mit Kohlen. Die übrigen Alarmierungen, die noch ans der Bernauer- straße 78, Kochstraße 74 und noch von verschiedenen Orten einliefen, waren auf ganz unbedeutende Anlässe zurückzuführen. Am Institut für Meereskunde, Georgcnstraße 34/36, finden in nächster Wowe abends 8 Uhr folgende öffentliche, Herren und Damen zugängliche Vorträge statt: Dienstag, den 17. d. M., spricht Prof. Eduard Mcher-Berlin über„Das Meer und die Seeherrschaft im Altertum"; Freitag, den 20. d. M., Prof. L. Plate-B.rlin über„Die neueren Tieft ee-Expeditionen und ihre biologischen Ergebnisse"(mit Lichtbildern); Sonnabend, den 21. d. M., Dr. Gerhard Schott-Ham- bnrg über„Die physische Meereskunde in ihren Anwendungen auf die tranSoceanische Segel-»nd Dampfschiffahrt"(unter Vorlage von Demonstrationsmaterial der Deutschen Scewartc, mit Lichtbildern). Einlaßkarten sind wochentäglich von 12 bis 2 Uhr mittags und an den Vortragsabenden selbst von 6 Uhr abends ab erhältlich. Arbeiter-Bildungsschnle. Uebcr„Kunst und Proletariat" spricht Genosse M. A l b e r t y heute abend 7 Uhr in Frankes Festsälen, Sebastianstr. 36. Eine Vogel-Ansstcllimg veranstalten die Vereine„Aegyntha" und „Canana" in der Zeit vom 11— 15. Dezember in den Andreas- Festsälen, Andreasstraße. Mit der Ausstellung ist eine Lotterie von Papageien, Kanarienhähnen:c. verbunden. Interessenten wollen sich an Herrn F. Jentsch, Rixdorf, Pannierstr. 4, wenden. Der Berliner Zoologische Garten besitzt seit Kurzem einen schönen männlichen Z w e r g f l i e g e n f ä n g c r, der in einem Glaskäfig ans der Singvogelleite des neuen Vogelhauses untergebracht ist. Dieser schmucke, zierliche Vogel, der in seiner Färbungsweise mit der brannroten Brust, dem weißen Bauch und der granbrauiicn Oberseite sehr an das Rotkelchen erinnert, zeigt die typische gestreckte Gestalt und den breiten, am Grunde mit Battborsten ausgestatteten Schnabel der Fliegenfänger und ist außerdem durch eine weiße Binde an der Wnrzelhälste des Schwanzes gekennzeichnet. Obwohl der Z w e r g- flieg enfänger zu den heimischen Sommervögeln zählt, ist er im Freileben nur sehr schwer zu beobachten, und cS giebt selbst unter den Ornithologen wenige, die sich rühmen können, ihn oder sein Nest gesehen zu haben. In den Baumkronen hochstämmigen Laub- Waldes treibt er vom Mai bis August sein verstecktes Wesen, nur sein einfacher aber ansprechender Gesang verrät das Männchen dem Kundigen. Das Nest wird nach Rotschwanzart in Baumhöhlen angelegt. Die für das Berliner Aquarium bestimmten Tiersendungen vor Eintritt des eigentlichen Winterwetters bringen dein Institut er- wünschte Gäste und wertvolle Ergänzungen der Bestände. So brachten die letzten Transporte außer einer beachtenswerten Be-' reicherung des Affenhauses vielköpfige Gesellschaften von Bewohnern des Meeresgrundes und der Meeresküsten, sowie verschiedene Rep- tilicn und Meeresfische. Zu den interessantesten gehören die Meer- grundel» und Schleimfische, erstere, weil sie die kleinsten und zier- lichsten Mitglieder der ganzen Fischklasse enthält. Im allgemeinen winzige und schwache Lebewesen, erregen die Grundeln durch die Schönheit und Anpassungsfähigkeit ihrer Farben, wodurch sie sich dem llntergrunde anähneln können, ferner durch ein dütcnförmigcS, frei bewegliches Saugwerk- zeug, vermöge dessen sie sich an Steinen und Pflanzen anheften, endlich durch unermüdliche Nahrungssuche zwischen den Seegräsern und Algen sowie den eigenartigen Nestbau und die Brutpflege unsre Bewunderung. Die langgestreckten, mit�einer sehr schlüpfrigen Haut be- kleideten Schleimfische hingegen, von denen eine ganze Anzahl lebende Junge zur Welt bringen, wissen durch Kriechen und Schmiegen in dem Schlamm und zwischen Steinen sich zu verbergen und Beute zu machen._ Hub den Nachbarorten. Eine Aushebung von Spielncster» ist, dem„Berliner Tagebl." zu- folge, durch die Charlottenburger Kriminalpolizei in den letzten Nächten vorgenommen worden. Es waren Anzeigen eingegangen, daß mit außergewöhnlich hohen Einsätzen in verschiedenen Lokalen im westlichen Charlottenburg gespielt würde. Daraufhin setzte die Thätigkcit der Kriminalpolizei ein, die unter anderm in einem Restaurant der Danckelmannstraße vierzehn Spieler beim Jeu über- raschte, diese sistierte und das Spielgeld in beträchtlicher Höhe be- schlagnahrntc. Unter den Spielern befinden sich fünf wegen gewerbs- mäßigen Spiclens vorbestrafte Personen, die in einem der letzten großen Spiclcrprozesse zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt worden waren. Die Polizei im Dienste der BcrufSgenosscnschaft. Die Berufs- genoffenschaften scheinen neuerdings auf die eigenartige Idee geraten zu sein, daß die Polizei, die ja allerdings in allen möglichen Fällen gegen die Arbeiterschaft mobil gemacht wird, auch dazu da sei, ihr die Pflicht der Rentengewährung gegenüber den Unfallversichcrten etwas zu erleichtern oder sie— lvas ihnen nalürlich am angenehmsten — gänzlich von dieser unangenehme» Last zu befreien. Die Beauffickti- gung und Observierung von Unfallverletzten durch eigens angestellte Kreaturen der Berufsgenossenschaftcn ist ja nichts Neues. Neu dürfte aber sein, was sich die �Nordöstliche Holz-Berufsgenossenschaft in dieser Beziehung leistet. Sie beauftragte die Polizeibehörde von Groß-Lichterfelde bezüglich der Lohn Verhältnisse eines dort wohnenden Unfallverletzten, der eine kam» nennenswerte ogenannte„Rente" von der genannten Bernfsgenossenschast bezieht, Erkundigungen Bei Dritten einzuziehen und das Ergebnis mitzuteilen, um eventtiell die Rente kürzen oder gänzlich einstellen zu können. Brav und diensteifrig, wie unsre Polizei einmal ist, wenn olch' hohe Korporationen ihrer Hilfe gegen rcntensüchtige Arbeiter bedarf, unterzug sie sich dieser Aufgabe, obwohl sie dazu weder ver- pflichtet ist, n o ch ü b c r h a n p t e i n R e ch t dazu hat! Dieser Diensteifer der Lichterfelder Polizei steht in eigentümlichem Kontrast zu den Klagen, die der Schöffe Lange— auch ein Stück, wenn auch leider kein juristisches, der dortigen Polizeiverwaltung— im Lichter- elder Westverein ertönen ließ. Er meinte nämlich u. a., daß„der Polizei die socialen Gesetze und da? Meldcwesen außerordentlich viel Arbeit machen." Dann wäre es aber besser, wenn der Herr Schöffe Lange seinen Einfluß dahin geltend machen würde, daß die Polizei in Lichterfclde solche ungehörigen Aufträge von Berussgenossen- Schäften, zu deren Ausführung sie gesetzlich nicht einmal be- r e ch t i g t ist, einfach ablehnt. Dann wird sie auch die Zeit dazu finden, den„socialen Gesetzen" und anderen Dingen, für die die Polizeibehörden wirklich da sind, ihre schätzenswerte Kraft zu widmen. Zu Spürdicnsten für die Berufsgenossenschaften brauchen fie sich schließlich nicht herzugeben Beelitz B. 1 und 2. Alle ehemaligen Patienten machen wir ans den Vortrag des Chefarztes Hern: Dr. P i ck e r t austuerksam. Derselbe findet am Sonnabend, den 21. November, abends Fl/, Uhr, in GrupeS Restaurant, Annen st r. 16, statt. Jeder ist herzlich willkommen NowaweS. Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung der Arbeiterschaft fanden hier die Urwählettvahlen statt. Besonders er- fteulich war die große Teilnahnie der vielen auswärts Arbeitenden. Dementsprechend war auch das Resultat, indem von 46 Wahlmännern 22 der Socialdemokratic angehören Das hatten die bürgerlichen Parteien nicht erwartet: unS wurden insbesondere nach der Wahl von den©cgitAit die glänzendsten Zeugnisse ausgestellt. Natürlich fehlte eS bei diesem Alt auch nicht an heiteren Seenen. Als z. B. im 5. Bezirk, welcher bei Regel, Lindenstraße, wählte, die Wahl der ersten Abteilung vollzogen war, erkundigte sich einer unsrer Ge- nossen, der im Wahlvorstande saß, bei seinen Kollegen. welcher Partei die Gewählten angehören. Da ihnen darüber der Vorstand keine Auskunft geben konnte, fragte er einen der betteffendcn Walflmäimcr, zu welcher Partei er sich bekenne. Dieser wurde bei dieser Frage ganz verlegen und erklärte endlich nach längerem Besinnen, daß er liberal sei. Gleich darauf trat der andre der Gewählten an den Vorstandstisch mit den Worten: „Verzeihen Sie, meine Herren, zu welcher Partei gehöre ich nun eigentlich?" Als sich das allgemeine Erstaunen einigermaßen gelebt hatte, erklärte ihm der Vorstand, daß sein Kollege liberal sei, worauf dieser erwiderte:„So, dann gehöre ich auch zur liberalen Partei I" So geschehen in Nowawes im Jahre 1663. Die Streitigkeiten in der Charlottenburger Schlächtcr-Jnnung, die von Terrainverkäusen durch Jnnungsmitglieder ihren Ausgang nahmen, sind nunmehr durch Beschluß der Jnnimgsvcrsannnlung bei- gelegt worden. Ihr wohnten auch ein Vertreter des Charlottenburger Magistrats, der Syndikus der Innung, sowie der Rechtsbcistand der drei Käufer jener Ländercien bei. Nach der mit großer Mehrheit angenommenen Resolution hat die Jnnungsversammlung noch Prüfung der Angelegenheit festgestellt, daß der Jnnungskasse alles dasjenige zugeflossen sei, was ihr zustand. Die Versammlung erklärt deshalb die Angriffe gegen die Innung und die Käufer für uu- begründet und geht über die Angelegenheit zur Tagesordnung über. Ober- Schöncweide. Der letzten Gemeinderatssitzung lag ein Protest unsrer Verttcter und mehrerer Urwähler-Versammlungen gegen die Festsetzung des Landtags-Wahltermins auf 12 llhr vor. Ans die Begründung des Genossen Grunow wurde vom Vorsteher der Bescheid, daß ein Beschluß sämtlicher Gemeindevorsteher vorliege und es zum andre» nicht Sache der Gemeindevertretung sei. hierüber zu bestimmen. Es wurde dementsprechend über den Fall zur Tages- ordnung gegangen, nachdem sich sämtliche Vertreter hierzu ausge- schwiegen hatten. Der Ablauf des Straßenbelenchtungs-VerttagcS mit den Berliner Elektricitätswcrkeu am 1. April 1664 gab unsren Genossen Lange und G r u n o w Gelegenheit, lvegcn der Unzulänglichkeit der elektrischen Glühlichtbeleuchtung, für Gasbeleuchtung zu plaidieren, womit sie bei den andren Verttetern keinen Anklang fanden. Die ElektricitätSwerke wünschen ein vertragsloses Privileg auf 10 Jahre. Beschlossen wurde, einen auf fünf Jahre lautenden Ver- trag in einer nächstens stattfindenden Sitzung vorzulegen.— Die Aufschüttung und Befestigung der Rampe in der Halskestraße, als Zuftihrungsstraße zur neuen Spreebrücke wurde für 37 666 M. vergeben. Mit den Steinen der Halste- und Edisonstraße Ivird der Kirchhofsweg gepflastert. In dem neu eingemeindeten Ortsteil sollen zum Frühjahr die Straße vor dem zu erbauenden Rathause und die neue Querstraße der Wilhelminenhosstraße vom Fiskus asphaltiert werden.__ GcwcrkfcbaftUcbcB. Ist Denunziation von Arbeitsbrüder» zulässig? Die„Einigkeit" versucht in ihrer neuesten Nummer ihre Stellungnahme sachlich zu rcchtfertigeu, nachdem sie sich acht Tage vorher kräftig über uns au-sgeschimpft hat. Auf die Schimpfworte der„Einigkeit" konnten wir natürlich nicht antworten. ES kommt uns nicht darauf an. mit der„Einigkeit" ein Zankduell zu ver- anstaltcn, bei dem wir— neidlos sei es zngestanden— überschrien worden wären, sondern den bösen Grundsatz der„Einigkeit" zurück- zuweisen, daß die Denunziation von ArbcitSbrüdern zulässig wäre. Es thut uns leid, konstatieren zu müssen, daß auch jetzt die „Einigkeit" diesen Standpunkt noch nicht ausgegeben hat. In der letzten Nummer schreibt das Blatt: „Es ist einem beleidigten Mann kein Vorwurf zu machen, wenn er, nachdem alle Mittel versucht sind und ihm den ge- wünschten Erfolg nicht gebracht haben, zuletzt zum Kadi geht. Den in Bezug auf die Zugehörigkeit zu einer Organisation Ver« folgten muß dieselbe letzte Hilfe bleiben." Wir sind erstaunt, wie Männer von den Grundsätzen eines Keßler und Kater zu solchen Aeußerungen kommen können! Bei den Kämpfen zwischen Lokal- und Centralorganisationen ist in der Erregung ganz gewiß manchmal über die Stränge geschlagen worden: aber von beiden Seiten! Wenn das in der Arbeiterbewegung als maßgebend anerkannt werden sollte, was ictzt die „Einigkeit" den Anhängern der lokalen Nichttmg enipfiehlt, wenn die Denunziation als neues Kampfesmittek in dem Streite um die Art der Organisation Verwendung finden sollte, dann wäre in der That nicht abzusehen, welche Formen dieser die Arbeiter- Bewegung hemmende Kampf noch annehmen kann! Nein, da halten wir es doch— und sind un» varin UnsreS Wissens auch mit der Mehrheit der l o k a l organisierten Arbeiter einig— da halten wir es doch mit dein alten Wort: „Der ärgste Schnst im ganzen Land, DaS ist und bleibt der Denunziant!" Die Redaktion der„Einigkeit" bedauert, daß keine Instanz vor- Händen ist, die Streitigkeiteil unter llaffenbewußten Arbeitern ver h i n d e r Ii könnte. Leider ist es umnöglich, solche Instanzen zu schaffen. Alle derartigen Institutionen können erst eingreifen, wenn ein Streit akut geworden ist, und dann der einen Partei Recht oder Uiirecht geben. Verhindern kann keine wie iinmer geartete Instanz einen solchen Streit; sie kann nur ein Urteil sprechen. Und das darf wohl gesagt werde», käme bei einer solchen Gelegenheit zm Sprache,"ab. einer der Beteiligten zur Denunziation eines Kameraden geschritten ist, in jeder anstSiidigen Arbefteroraanisott»» und auch in d-e Partei lautete das Urteil: Ausschluß wegen einer ehrlosen Handlung! Die„Einigkeit" streitet ab, selbst eine Dewmziation verübt z» haben. Ihre Redakteure aebcn sich den Anschein, als alaublen sie. Denunziationen wären nm Anzeiaen von Einzclversonen>>ci Behörden. Wir sprachen in unsrer ersten Notiz misdriu'- lich von einer„Denunziation von Arbeitsbrüderii«ni Scharfwachern". Die„ßfimakeit" verlanat nun von(uu* auf Grund ihrer Theorie vom Denunziaiitenttlm den Nachweis, daß sie Einzel- Personen Behörden angezeigt habe. So lange wir diesen Nachweis nicht geführt haben, denunziert sie uns ihren Lesern gegenüber als„Verleumder". Die„Einigkeit" gestattet wohl, daß wir nur das beweisen, was wir behauptet haben. Die Denunziation der Centtalorganisattonen bei den Scharfmachern ist der„Einigkeit" nur zu gut gelungen. Die„Arbeitgcber-Zeittmg". das Organ der Scharf- macher quittiert dankend: „Daß ein Arbeiterblatt, daS es doch wahrhaftig wissen muß. wie die Sache von den GeWerk- schaftlern centralistischer Richtung gemacht wird, sich solche Enthüllungen leistet, empört den„Vor- wärts" bis zur Siedehitze... Recht hat er damit, daß für ein Gesetz zum Schutze der Arbeitswilligen besseres Material nicht bei- gebracht werden kann." Die„Einigkeit" hat also die ihr von uns angekündigte An- erkcmmng der„Arbeitgcber-Zeitung" wirklich eillgeheimst. Unsre Hoffnung, sie darüber erröten zu sehen, ist leider auf den Nullpunkt gesunken. Berlin und llmgegend. Bcrbaud der Dachdecker. Nachdem die Wahlen der Delegierten xum Verbandstag fiir Berlin in der Versammlung vom 1. d. Mts. stattgefunden, liegen jetzt die Resultate auch au-Z den übrigen Filial- orten des Gaues vor. Demnach sind H ö P P n e r, Görnitz und Jan eil als gewählt zu betrachten. Oeutlcbes Keicb. Eine allgemeine Töpser- Aussperrung. Soeben läuft tclcgraphisch die Nachricht ein, dag ca. SSO Töpfer in M e i h e n gekündigt wurden, ebenso in H e r z f e l d e bei Straus- bcrg(zum 1. Dczemberjl Jedenfalls scheinen auch die Unternehmer, so weit vereinigt, die Töpfer in andren Fabriken zu kündigen. Nach- richten liegen weiter noch nicht vor. Anlag ist der Veltener und Fiirstenwalder Streik; mit allen Mitteln sollen eben die Töpfer nicdergeknüttclt werden. Verlangt wird: Bedingungslose Unterwerfung. Tie Maurer in Danzig haben einen schönen Erfolg zu verzeichnen. Sie forderten am Neubau des Geschäftshauses für die Landes- Versicherungsanstalt Westprcnßens einen Stundenlohn von Pf. Der Unternehmer matzregelte jedoch die beiden bei ihm vorstellig werdenden Delegierten der Maürcr, und nun legten sämtliche Maurer die Arbeit nieder. Ihnen schlössen sich die Kollegen am Neubau der Polizcidirektion an und stellten nun dieselben Forderungen. Nun begann die Innung mit schwarzen Listen zu arbeiten und drohte auch mit einer allgemeinen Aussperrung. Die Einigkeit der Maurer wurde icdoch dadurch nicht erschüttert und die Firma zum Nachgeben gezwungen. Ein Schriftgießcrstrcik steht anscheinend in Leipzig bevor. Die „Frankfurter Zeitung" berichtet von dort: Die von den Gehilfen- Vertretern der Schriftgietzereicn mit den Arbeitgebern gepflogenen Verhandlungen betreffs eines einheitlichen Normaltarifs haben zu keiner Einigung geführt, obwohl das Tarifamt der Buchdrucker ver- mirtclud eintrat. In einer Versammlung. der Gehilfen wurde die ablehnende Haltung des Kreisvereins der Schriftgietzercibesitzer lebhaft bedauert und beschlossen, an den gestellten Forderungen unbedingt festzuhalten und die Kündigung auszusprechen. Hustand. Lohnbewegungen der Buchbinder in Dänemark und Schweden Die dänischen Buchbinder haben sowohl den in Kopenhagen als auch den in den übrigen Teilen des Landes geltenden Tarif- vertrag auf den 1. Februar 1904 gekündigt und den Arbeitgebern Vorschläge zu neuen Tarifverträgen eingereicht. In Anbetracht der niedrigen Löhne im Buchbindcr-Gewerbe hat der Gcsamtvcrband der dänischen Gewerkschaften trotz der nicht gerade günstigen Konjunktur seine Zustimmung zur Lohnbewegung gegeben. In den südschwedischen Städten M a l m ö, L u n d und Karls- k r o» a haben die Buchbinder erfolgreiche Lohnbewegungen durch- gemacht und wesentliche Verbesserungen der bisher geltenden Tarif- vertrüge erzielt. Dagegen konnte in Göteborg noch keine cnd gültige Regelung der Arbeitsverhältnisse durchgesetzt werden. Die Arbeitgeber haben den im April d. I. nach dem grotzcn Streik ver- einbarten Tarifvertrag in verschiedener Hinsicht durchbrochen. Vor Zuzug von Buchbindern n a ch G ö t e b o r g wird auch jetzt noch gewarnt._ Fur Unterstütinng der ausständigen Textilarbeiter Eriininitichaus find eingegangen bei der Hauptkassc des Deiitzchen Textilardeitcr-BerbandeS am lt., 19. und 13 November von Berlin und Umgegend: Klempnerei Zrost u. Wumingcr 4,00. Durch Micdtank 0,50. Tischlerei Fülle 95,—. Tapezierer F. G. Psaff 90,—. Werkstatt C. Naucke 10,—. Durch Ger- bardinger 1,80. I. H. SR, 6,50. Burmann(Werkstatt gcs.) 6,—. Schmargen- dors, Stübling 5,—. Durch Rcinsch 3,05. Durch Elze 96,—. O. S. H. T. G. G. 4.—. A. B. 9,05. Neu-Weitzensce, Frauen- und Mädchcnvcrcin 10,05. Schöncbcrg, A. B. 20,—. Georg Treue, Kassierer. ES sc! daraus aufmerksam gcniachi, datz für Berlin und Umgegend Beträge für die ausständigen Tertllgrbciicr Erimmitschaus von seilen der Berliner GelverkschastSkommission, Engcl-Uscr 15, cntgcacngcnommcn werden. DaS Bureau ist geöffnet von 0—1 Uhr vonnittags und von 5—8 Uhr nachmittags. Postsendungen sind au A. K ö r st c n daselbst zu richten. E c ii t r a l- B c r b a n d deutscher Textilarbeiter. Versammlungen. Der Eentralvcrband der Zimmerer hielt ai» Sonntag im Gewerkschaftshanse seine Generalvcrsaimnlnng ab. Die Zahlstelle hatte cinschlictzlich des Bestandes vom vorigen Ouartal in Höhe von 47»83,44 M. eine Einnahme von 74 864,70 M., bei einer Ausgabe von 94 064,02 M. Davon wurden an die Centralkasse gesandt 20 743.60 M. Mithin bleibt ein Bestand von 49 900,74 M. Ter Generalversammlung lag ein Antrag aus Bezirk 9 vor, welcher dahin ging. die jetzige, durch Regulativ festgelegte Form der bcschlietzenden Versammlung dahin abzuändern, datz statt der Delegicrten-Vcrsammlung wieder allgemeine Mitglieder- Versammlungen eingeführt werden. Dieser Antrag wurde in den einzelnen Bezirken beraten und schon dort fast einstimmig abgelehnt. In der Delegiertcnvcrsammlung sprachen sich auch auch die früheren Gegner dieses Systems ganz entschieden für Beibehaltung der bestehenden Einrichtung aus. Allgemein wurde anerkannt, datz die heutige Form gegenüber der früheren als ein bedeutender Fortschritt zu bezeichnen sei. Die Abstimmung ergab. wie vorauszusehen war. die Ablehnung des Antrages gegen eine Stimme/ Sodann wurde beschsussc», auch lvährcnd der beilragssrcicn Wintermonate die Arbeitslofen-Slbstempelung vorzunehmen, um das daraus zu gewinnende statistische Material im Interesse des Verbandes zu verwerten. Darauf beschäftigte sich die Bersammlung mit den im Streik befindlichen andren Berufen. ES erhielten an Unterstützung die Crimmitschauer Textilarbeiter 500 M., Berliner Metallarbeiter 000 M.. Adressenschreiber 100 Ai.— Zum Schlntz richtete Hinze die dringende Mahnung an die Anwesenden, überall dafür zu sorgen, datz die Kameraden bei der Landtagswahl ihre Schuldigkeit im vollsten Matze thii». Die Fensterpntzcr befatztcn sich ani Mittwoch in einer gut bc- suchten Versammlung mit der Frage der Einführung eines cinheit- lichen Lohntarifs für den ganzen Berus, ferner mit dem System des AnlernenS neuer Arbeirskräfte und der Unzweckmätzigkcit der ein- geführten Arbeitsbücher. George wies in seinem Referat auf die immer noch sehr mißliche Lage der Kollegen hin. Die meisten Firmen zahlen Anfangslöhne von 18 vis herunter zu 15 M. pro Woche, anstatt des geforderten Mindcstlohnes von 10,50 M. Nur bei zwei Firme» beträgt der Anfangslohn 21 M. Auf die Ver- hältnissc in den verschiedenen Geschäften specicll eingehend, erwähnte der Redner nuier anderm auch eine Firma, deren Inhaber, der gleichzeitig ein Restaurant hat. den Leuten- einen Teil ihres Lohnes in Bicrmarkcn(!) auszahlt. Das ist denn zugleich ein Wink mit dem Zaunpsahl, die Marken zum Vorteile des Arbeitgebers bald- möglichst wieder in edles Natz umzusetzen. Nach den letzten Streifs sind sich die Arbeitgeber übrigens schlüssig geworden, sich einen möglichst gefügigen Arbeiterstamm zu erziehen. Sie stellen deshalb am liebsten Leute ein, die noch nicht als Fensterputzer gearbeitet haben. Diese müssen dann einige Tage als„Lehrlinge" umsonst arbeiten und bekommen erst nach und nach den Anfaugslohn. Natiir- lich machen sich die Uuternchmcr durch derartige und sonstige Praktiken gegenseitig die grötzte Schinutzlonkurrenz und gestalten damit gleichzeitig die Lage der ini Berufe tfiätigcn Arbeiter immer prekärer. Obgleich von 583 Fensterputzern Berlins 460 Mitglieder des Verbandes sind, so hcitze es doch, auch die übrigen, und besonders die neu eingestellten Arbeiter ebenfalls dem Verbände zuzuführen. um jeder noch weiteren Verschlechterung der Löhne und übrigen Arbeitsbedingungen mit Nachdruck vorbeugen zu können. Nach leb- hofier Debatte fand eine Resolution Annahme, in der sich die Ver- ' saminluiig für Einführung cincZ einheitlichen Lohntanfs erklärt, dagegen aber das gegenwärtig beliebte Anlernestzstem verurteilt und sich gleichzeitig gegen die Einführung der Arbeilsbüchcr wendet, weil diese von den Arbeitgebern gerne als Handhabe benutzt werden, um mitzliebige Arbeiter im ganzen Berufe anzuschwärzen und dadurch brotlos zu machen. � Eine rcgeliuttffige Mitgliederversammlung des Verbandes der Sattler tagte in der vorigen Woche in den Arminhallen. Unter Geschäftlichem wurde die Einrichtung cincS Arbeitsnachweises für Linoleumleger und Teppichnähcr bekannt gegeben. Ferner wurden 150 M. für die ftrcilendcn Metallarbeiter aus der Lokalkasie be- willigt. Die Diskussion über den Bericht und die Abrechnung vom dritten Quartal behandelte ansschlietzlich den Arbeits- Nachweis.—- lieber den Artikel„Dresden" in der„Sattler- Zeitung" entspann sich dann eine lange Debatte, die durch Annahme folgender Resolution ihr Ende erreichte:„Die heutige Versammlung der Qrtsvcrwaltung Berlin deS Verbandes der Sattler erklärt sich mit dem Artikel„Dresden" in der Fachzeiiimg vom 3.-Oktober 1903 n i ch t einverstanden. Insbesondere können sich die Kollegen nicht mit dem Satz einverstanden erklären:„Für die Arbeiter ist bis jetzt auf gesetzlichem Wege noch keine Minute Arbeitszeit weniger und keinen Pfennig Lohn mehr errungen worden."— Als Mitglied zum Centralvcrbaiid lvnrde fiir den ausgeschlossenen Herrn Lange Kollege Riedel mit grotzer Majorität gewählt. Tie orgaiiisicrtcn Tchiiicktcrgescllcn Berlins hielten am 28. Ol- tcbcr stn Verbändslokal, Roscisthalerstratze, ihrdMitglicdcrvcrsammlung ab. Herr Dr. M. Schürte hielt eisten Vortrag über:„Da S o c i a l i st e n g e sc tz". Kollege Malv erstattete hierauf den Kassenbericht vom dritten Quartal. Die Gesamt-Einnalnne betrug inklusive 87,33 M. Kassenbestand vom vorigen Quartal 457,36 M., der eine Gesamt-Ausgabe von 389,09 M. gegenüberstand, so datz ein Kasseiibcstaiid von 68,27 M. verblieb. Dem Kassierer wurde Deckiargc erteilt. H c n s c l wendete sich gegen die Ausgaben, die im Ver- hältnis zu den Einnahmen sehr hohe seien. Der Vorsitzende Ä e s- linke und der Kassierer M a l y gaben eine Erklärung ab, loonach die Agitation ungeheuere Opfer fordere. Durch die lange Arbeitszeit sind die Kollegen verhindert, persönlich zu agitieren, deshalb müsse der Säulcnanschlag in Anwendung gebracht werden, um den Kollegen die Versammlungen bekannt zu machen. Neben diesen Ausgaben sei aber auch ein ziemliches Konto, welches noch von früher bestand, bc- glichen worden. Auch seien an die Hanptkasse 87,33 M., abgeliefert worden. H e n s e l erklärt den Stand der Lohnbewegung in Ham- bnrg. Tie Sache stehe für die dortigen Gesellen sehr gut und Ivcrde auch siegreich für die Gesellen ausfallen. Leider find in den letzten Ii Tagen Hunderte von Schlächtergefellen nach Hamburg gemacht, nur um bei einem eventuellen Streik sofort in Arbeit zu treten. Hieran schlotz sich eine lebhafte Debatte, an der sich die Kollegen Kcslinkc, Gluch, Wcitz, Malh und Hoppe beteiligten. Hoppe richtete einen scharfen Appell an die Berliner Kollegen bezüglich der Lohn- bewegung, die schon längst in eine ebenso ernste Lohnbewegung ein- getreten sein mutzten. Folgende Resolution wurde einstimmig an- genommen:„Tic heutige Mitgliederversammlung nimmt Kenntnis von der Bewegung in Hamburg und spricht ihre vollste Sympathie den Hamburger Kollegen für ihre mutige Aufopferung aus. Sie hofft einen guten Erfolg im Kampfe, der für alle Kollegen ein Beispiel sein soll." Die Teilnahme am paritätischen Arbeitsnachweis wurde empfohlen, doch will der Vorstand erst nähere Erkundigungen darüber cinzielicn. Tie„Erklärung" des Rabatt-Sparvercins„Süd-Ost" im„Vorwärts", sowie die darauf gebrachte„Richtigstellung" seitens des Vorstandes wird noch in Erwähnung gezogen und das Vorgehen und Verhalten des„Süd-Ost" scharf kritisiert. Zlrbeiter-Samariterkolonne. Morgen, Montagabend 0 Uhr Uebungs- stunde in der Filiale Brunnenstratze 154. Vortrag über Knochenbräche, Tcntsch-amerikanischcs Theater. Allabendlich: Ucbcrii großen Teich. Mittwoch i Geschlossen. Belle- Ailiancc- Theater. Soiinlagnachinittag: Dr. DeSPe. Sonst allabendlich(außer Mittwoch): In Bertrctung. Sonntag, 92. November, Ter Menoiiit. Zipollo-Thcater. Allabendlich(außer Mittwoch): Frühlingslust. ---. Allabendlich(anffcr Mittwoch): Durchlaucht Metropol- Theater- Radieschen. Easiuo-Thcatcr. Soniitagnachmittag (außer Mittwoch): Berliner Nachtasyl. Tteidl-Theater, Liuicnstraße(Ecke Friedrichstraße). Mittwoch): Der große Colin und andre Vorträge. Urania- Theater. Tanbenstraße 48/49. Allabendlich: An den Seen ObcritalicnS. Dienstag und Soimabeiid, nachmittags: Von der Zpgsf'l/ zinn Watzmaiiil._ Elternlos. Sonst allabendlich Täglich(außer Vcrrenlnngcn uiid Verstauchungen. Nachher: Praktische Hebungen. Teilnehmer tonnen in jeder Lchrslunde eintreten. Gäste willkommen. Neue Mocken- Spielplan clei* Berllmr Cbeater. • Königliches Opernhaus. Soniilag: Die Meistersinger von Nürn- wcrg. Montag: Die Hugenotten. Dienstag: Die weiße Dame. Mittwoch: Konzert des königlichen OpcrnchorS. Donnerstag: Tic Meistersinger»on Nürnberg. Freitag: 4. Symphonie-Abcnd der königlichen Kapelle. Sonn- abend: Romeo und Julia. Sonntag: Orpheus und Eurydile. Montag: Lohengrin. Königliches Schauspielhaus. Sonntag: Im stillen Gäßchcn. Montag: Torguato Tasso. Dienstag: Im stillen Gäßchcn. Mittwoch Geschlossen. Donnerstag: WallcnstcinS Lager. Die Piccotomini. Freitag Wallensteins Tod. Sonnabend: Im stillen Gäßchcn. Sonntag: Faust. Montag: Die Welt, in der man sich langweilt. Neues kgl. Oprrn-Tbeater. Soniitagnachmittag: Die Dorf Musikanten. Sonntagabend: Uriel Acosta. Montag: Geschlossen. Dienstag Donnerstag und Freitag: Die Dorfmustkanten.«onnabcnd i Geschlossen. Sonntag: Nathan der Weise. Montag: Geschlossen. Schillcr-Tlieatcr Q.(Wallncr-Thcatcr.) Soiiiitagnachmiltag: Der Pfarrer von Äirchfeld. Sonntagabend: Im weißen Rötzl. Montag Wilhelm Tcll. Dienstag: Libelci. Littcratur. Mittwoch: Geschloffen Donnerstag: Liebelei. LiticraNir. Freitag, Sonnabend und Sonntag: Wilhelm Teil. Montag: Hcdda Gabler. Zchillcr-Theatcr(Friedrich Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntag nachmittag: Kabale und Liebe. Sonntagabend: Hcdda Gabler. Montag imd Dienstag: Ter Bibliothekar. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Tie Ehre. Freitag: Hcdda Gabler. Sonnabend: Der Talisman. Sonntag abend: sicdda Gabler. Montag: Liebelei. Littcratur. Tciitsches Theater. Soiiiitagnachmiltag: Die Weber. Soiiiitag- abend: Rote Bernd. Montag: Faust. Dienstag: Rose Bernd. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag, Freitag, Sonnabend, Sonntagabend, Montag: Rose Bernd. � � Berliner Theater. Sonntagnachmittag: Kater Lampe. Sonntag- abend: Ein Wintcrinärchcn. Montag: Alt- Heidelberg. Dienstag: Das Käthchcn von Heilbronn. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Ein Winter- märchcn. Freitag: Gräsin Lea. Sonnabend: Ein Wintermärchcn. Sonntag abend und Montag: Alt-Heidclbcrg. Lcssing-Thcater. Allabendlich: Zapfenstreich. Mittwoch: Geschlossen. Neues Theater. Sonntag, Montag, Dienstag: Salome und Ter Kammersänger. Mittwoch h Geschlossen. Donnerstag und Freitag: Logik des Herzens. Salome.� Sonnabend: Salome und Der Kammersänger. Sonntag: Logik des Herzens. Salome. Montag: Salome und Der Kammersänger. Theater deS Westens. Soniitagnachmittag: Der Troubadour. onnlagabend: Die Fledermaus. Montag: Der Trompeter von Säkkingcn. Dienstag: Die Fledermaus. Mittwoch: Die Schöpfung. Donnerstag: Undiiic. Freitag: Die Asrikanerin. Sonnabend: Rip-Rip. Sonntagabend: Die Zlfrikancrin. Montag: Rip-Rip. Luise»- Theater. Sollntagnachmittag: Das Käthchcn von Hcilbronn. onnlagabend: Der Aktienbudiler. Montag: Der Atticnbudiker. Diens- tag: Der Richter von Zalamca. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Die Logenbrüder. Freitag: Der �Widerspenstigen Zähmung. Sonnabend: Das Käthchcn von Hcilbronn. Sonntag: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Der Altienbudikcr. Rendeuz-Theater. Sonntagnachmittag: Winlcrschlas. Allabendlich: Das große Geheimnis. Mittwoch: Geschlossen. Kleines Theater. Sonntagnachmittag: Einakter. Sonntagabend: EIcktra. Montag: Nachtasyl. Dienstag: Elektra. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag und Freitag: EIcktra. Sonnabend: Nachtasiil. Sonntagnachmittag: Einalter, ivonntagabend: Elektra. Montag; Nachtasyl. Triauou-Thcater. Somitagnachmiltag: Tic Notbrücke. Sonst all- abendlich: Biscotle. Thalia- Theater. Sonntagnachincktag: Eharlchs Tante. Sonntag- abend, Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, Sonnabend: Der Hoch- lourist. Mittwoch: Großes Konzert. Sonntagabend, den 22. November: Der Verschwender., Ecntral-Theater. Sonntagnachmittag: Die Geisha Sonntagabend: Der Z�ieunerbaron. Montag: Ter Bettclstudcnt. Dienstag: Die Fledcr- maus. Mittlvoch: Konzert. Donnerstag, Freitag, Sonnabend: Der Rastel- blndcr. Sonnabcndnachmittag: Der gestiescltc Kater. Sonntag: Die Glocken von Eorneville. Montag: Der Naslelbiiider. (fori Weist- Theater. Sonntagnachmittag: Der Hüttenbesitzer. Sonntagabend: Hannemann vom Viehhof und der kleine Cohn. Montag: Othello, der Mohr von Venedigs Dienstag: Am Altar. Mittwoch: Gc- schloffen. Donnerstag: Maria Stuart. Freitag: Hannemann vom Vichhos und der kleine Cohn. Sonnabendnachmittag: Max und Moritz. Sonnabend- abend und Sonntag: Die Toten leben. Vermifcktes. Familirndrama. Als vorvergangene Nacht gegen 1 Uhr der Bauarbeiter Nich. Eichlcr in F a l k e n a u nach Hause kam, fand er seine Kinder im Blute schwimmend vor, dem jüngsten, einige Wochen alten Kinde, waren die Pulsadern durchschnitten, wodurch der Tod herbeigeführt war; dein vier Jahre alten Kinde war nichts gc- schehen, dagegen wies daS sechsjährige Kind eine große Halswundc auf. Die Mutter wurde gestern früh tot ans dem Mühlcngraben gezogen. lieber einen Millionen-Dicbstahl wird aus Paris berichtet: Vor einigen Monaten wurde ein Diebstahl von mehreren Millionen Frank zum Nachteil mehrerer Finanzinstitute verübt: das Vor- kommnis wurde zunächst geheim gehalten, um den Gang der Unter- siichung nickst zu beeinträchtigen. Gestern wurde nun einer der an- geblichen Diebe ans dem Boulevard verhaftet; mehrere andre Ver- Haftungen sollen noch bevorstehen. Ein neues Unglück ist auf der S cki w c b e b a b n in E l b e r- selb geschehen. In einem Wagen brach abends auf dem Bahnhof Landgericht infolge Kurzschlusses ein Brand aus. Die Fahrgäste, unter denen eine große Panik entstand, flüchteten durch die zcr- trüminerten Fenster ms Freie, wobei mehrere verletzt wurden. Der Wagen ist gänzlich zerstört. Tos neueste lenkbare Luftschiff. Ein nclics lenkbares Luft- schiff hat dieser Tage in Paris feine Probefahrt gemacht, die einen Erfolg in der Luftschiffahrt bedeutet, da ElnitoS-DumontS Leistnngeu geschlagen tvorden sind. Ten Ballon haben die Gebr. Lelaudy auf ihre Kosten hergestellt. Der Ballon stieg Donnerstag- vormittag 9 Uhr 10 Muiutcn in Moisfon an der Seine ill Kilometer nordwestlich von Mantes, Departement Seine et Oise) auf und legte, obwohl er Wind von rechtsvorn zn bekämpfen hatte, die in Luftlinie 55 Kilometer weite Strecke nach Paris in 1 Stunde 44 Minuten zurück. Er landete um 11 Uhr 4 Minuten auf dem Biarsfelde, wo. der Besitzer, ein Bruder des„Saharakaisers", seine FSmilie und der Jtigcnicnr Jullion, nach dessen Plänen das Lufc- scbrff erbaut Avurde, das Fahrzeug erwarteten. Ans dem Bericht der beiden Mcchaniler. die den„Imme" steuerten, geht hervor, datz der Ballon bei Südwestwind von 5 Meter Windstärke die Fährt ailtrat. Von den ,290 Kilogramm Ballast wurden unterwegs 130 Kilogramm ausgeworfen. Die grötzte Höhe, die das Fahrzeug erreichte, betrug 300 Meter, die mittlere 100 Meter; vor Paris be- wcgte es sich in noch gcringerciii Abstand vom Loden. Wegen des Gegenwindes mutzte das Luftschiff kreuzen, so datz es statt 55 Kilo- iiieter thatsächlich etwa den doppelten Weg gefahren ist. Es mutzte siebenmal die Seine überfliegen. In Fackikreifen ist man der Anficht, datz die Führung des Ballons die vollste Anerkennung verdient, dieser selbst aber noch wesentlicher Verbesserungen, vornehmlich zur Steigerung-seiner Widerstandskraft, bedarf, um für längere Fahrten brauchbar zu sein. Ans Stettin wird berichtet: Im Stadtteil Unter-Bredow brachte der Schneider Vobbcrmin seiner Schlafwirtin, der 36jährigcn Witwe cbubbert, heute früh ans offener Stratze mit einem dolchartigcn Messer fünf Stiche in den Unterleib bei. Die Frau wurde nach einem Hausflur getragen, wo sie kurz darauf verstarb. Ter Thäter stellte sich selbst der Polizei. FcuerSbruiist in Brest. Eine furchtbare FenerSbrnust wütet feit Freitagabend in den Warcndcpots der Grotzlirma Potin. DaS Feuer brach im Alkohollager auS und ergriff die umliegenden Gebäude. Feuerwehr und Truppen bemühen sich aufs eifrigste des Brandes Herr zu werden. In der Stadt herrscht grotzc Aufregung, der Schaden ist bedeutend. Eingegangene vruckfckriften. Tr. Rudolf Leunhosj. Die zuküiistige staatsrechtliche Stellung der Acrztc in Deutschland. 48 Seiten. Berlin\V. 30. 1903. Oskar Coblciitz. Verband der Hondichnhinocher. Thätigkcitsbcricht des Vorstandes an die lt. Generalversammlung in Zeitz. Ostnr Schüler, Nette Kollegen! Begebenheiten im Dienste der Rechtspflege. Preis 5 W. Verlag Cäsar Schmidt, Zürich 1903. (Sewerblichc Buchführung und Wechsellestre. Von I. Mcrlia und Bruno Volger.(Volgers Bücherei.) Verlag ron Albert Goldschmidt, Berlin. Preis geb. 9 M. Der praktische Geschäftsbetrieb für den Gewerbetreibenden und Handwerker. Von I. Mertig und Bruno Volger.(VolgerS Bücherei.) Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin. Preis geb. 9 M. Freiherr v. Guhlcn. Lin» ira ot atuckio. Militärische Betrachtungen (1900—1903). Dresden und Leipzig. Verlag von Heinrich Minden. Preis 3 M. Tierschuti-Kaleilder. Herausgegeben vom Berliner Tierschutz-Verei», Berlin SW., Königgrätzerstt. 108. Preis 10 Pf. Kürschners Jahrbuch 1904. 500 Seiten, broschiert 1 M. Verlag Hermmm Hillger, Berlin, Königgrätzcrstr. 7. F. v. Belli de Pino. Die cibffchc Bedeutung der Frauenbewegung. Preis 30 Ps. Verlag Paul Müller, München. Mitteilungen ans der bayrischen Frauenbewegung. II. Jahrgaug, Nr. t. Preis für den ganzen Jahrgang 75 Pf. Verlag C. Bcckschc Buch- Handlung, München. Wilhelm German. Jesus von Nazarcth. Schwöb. Hag iggt. Wilhelm Germans Verlag- Dr. Herrn. Rehui, RcichSsinanz-Resorm. 41 Seilen. Preis 1 M München 1003. J. Schweitzers Verlag(Arthur Scllicr). Marktpreise von Berlin am 13. November 1903 nach Erinittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. "Welzen, gut D.-Etr mittel gering ,, "Roggen, gut mittel gering„ ßGerste, gut mittel gering fHafcr, gut „ mittel gering Richtstroh Acu Srbfcit Speisebohncn Linsen * ab Bahn. f|ici Wagen und ab Bahn. Brnfhaften der Redabtton. Gutsbezirke. Das empfehlenswerteste Werk aus diesem Gebiet ist: Knapp; Die Bauernbefreiung. Leider handelt es direkt nur von den oft» elbischen Provinzen. Ein Werk über die Provinz Sachsen ist uns nicht bc» tannt. Nach Lage der Gesetzgebung glauben wir aber, daß einmal erfolgte Regulierungen nicht mehr rückgängig gemacht werden tönncn.' Hier würde eine Remcdiir höchstens aus dem Verwaltungswege angebahnt werden können. W. F. 38 und andre, I. streikt wegen schlechter Laime. Winter- Paletots Vornehme, wohlfeile Mass-Anfertigung Winter- Paletots Reichhaltigste Auswahl Q 65, 50, 36, 24, 15, O M. 50 Winter-Raglans ISS: 24«. n_L n I ImUna FeinerEskiraom. Astrachan CC üßnTßlZ'IIHIIdliu. echt. Sealbisam-Kragen 99 M. Unvergieiomicnes Sortiment» 18. 15. 14, 13, 12, 11, 10, 9, 4 M. 8. 7. 6. S. � alle Arten Piqu6estoffe« 6, 5, 4, 3,50, 3. 2,25 I M. 75 Knaben-Anzüge Neueste Fa�ons und Stoffe 14 10, 0, 6, 4. 2 M. Knaben-Mäntel Neueste Modelle und i Muster 15, 12. 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Novembtl IM. Gesamt-Nartkitag der sotialdemokratislhkn Ardeittrprtei Oestreichs. Wien, 13. Noveiicher 1303. Aus dem gestern aüend gehaltenen Nefxrgt und Korreferat über Ksnsumstiereinö'Letvcguiig und die Arbeiterschnft sei noch folgendes mitgeteilt: Ter Referent trmmcrling-Wien verwies darauf, dag die äst« reichische Arbeiterschaft sich seit Jahre» auf ihre» Kongressen mit der Konsumvereins-Bewegung beschäftigen müsse, trotz der ablehnenden Haltung, die bis jetzt alle diese Kongresse, mit Ausnahme des letzten lLewerkschaftskongresses, einnahmen. Die Frage der Konsumenten- Organisation ist eben trotz aller ablehnenden Kongrehbcschliisse nicht mehr auS der Welt zu schaffen. Es ist das eigne Interesse der Arbeiter, das sie treibt, sich ihr zuznwenden. Tie Konsumvereins- Bewegung, deren Ziel die Organisation des Widerstandes gegen die Ausbeutung durch den Zwischenhandel, ist so alt, wie hie AuS- beutung durch den Zwischenhandel. Redner giebk eine Darstellung der ttzeschichle der Konsumvereiut-Bewegung in England und Deutschland, schildert die Enlivichlung der Bewegung in Lestrcich und bemcrlt dabei, datz sich leider noch immer eine große Zahl von Arbeiter-Konsumvereinen bei de,n bürgerlichen Aerhande befinden. Ilnserm Berbande gehören 1?0 Vereine mit 53 000 Mitgliedern und einem Umsatz von 17 Millionen Kronen qn. Redner untersucht dami den Stutzen der Konsumvereine für die Arbeiter. Ihre Bedeutung liegt wesentlich darin, daß sie eins Steigerung der Lebenshaltung der Arbeiter herbsisühren. Die Mitglieder eine» Konsnmverciuö brauche« bei ihren Einkäufen nicht den Profit de» Geschäftsmannes mitzubezahlen und bekommen, wenn trotzdem ein Ueberschuß erzielt wurde, ihn daher Form cjner Dividende am End» des Jahres zurückvergütet. Die Mitglieder der Konsumvereine haben al>o ve» deutend ökonomischer mit ihrem Gelde gewirtschaftet, als diejenigeii, die ihr Geld zu den borniertesten Gegnern ihrer Klasse tragen und so ihr« eignen Feinde unterstützen.(Pessgll.) Bis zu einem ge- wissen Grade könncil die Konsnniuereino den Kartelle», die sich mit der Rahrungsmiftel-Versorgung befassen, entgegentreten. Das ist natürlich nur möglich, wenn die GenossenschaftSidee in die weitesten Kreise der Arbcitcrbevölkerung dringt. Wenn Klagen über die Konsumvereine vorkommen, so sind lvir nicht ohne Schuld. Wir haben un/ZM um diese Organisation gekümmert. Ilm Krach» und unvorsichtige Gründungen zu verhindern, sollen neue Gründungen nur mit Zustimmung der Bezirtsorganisation und im Einverständnis mit dem Verband der Arbeitergenossenschaften erfolgen dürfen. Wenn wir auf Grund dieser Resolution die Konsumonten-Organisation als Bestandteil der p r o l o t a r i sch e n Organisation betrachten und sie als solche auch unterstützen werden, so bin ich sicher, daß auch bei uns die Konsumvereine denselben Aufschwung nehmen werden, wie in Teutschland und England, und daß wir damit dann ein neues wirlsames Mittel im Befreiungskämpfe der Arbeiterklahc gewinnen. lLebhafter Beifall.) Der Korreferent gl,»schar- Prag erklärt: Di- Freunde der Konsumvereins-Bewegung führen«ine ganze Reihe von Argumenten an als Beweis, daß sie der Arbeiterbewegung nützen kann. ES wäre ungerecht, zu leugnen, daß sie das vermag. Aber es spricht auch eine ganze Zahl von Gründen dafür, daß die Konsumvereine der Arbeiterbewegung auch schaden können, und daß man daher in dieser Angelegenheit sehr vorsichtig vorgehen muß. Die Konsumverein- geben dem Arbeiter billige Waren. Richtig I Aber, wir wissen auch. daß, wo die Lebensmittel billig, auch die Löhne niedrig sind. Nehmen Ei' nur einen Textilarbeiter aus Wien und einen aus Nordböhmen. Wo der Arbeiter mehr braucht, wird er besser bezahlt. Tie Bedeutung eines gutgeleiteten Konsumvereins ist nicht zu unterschätze», aber daß er das Niveau der Lebenshaltung der Arbeiter hebt, läßt sich kaum nachweisen. Uebrigens ist eö gar nicht notwendig, daß der Konsnm- verein billiger verkauft. Ich kenne zahlreiche Konsumvereine, die teuer einkauften, deren Leiter nichts verstanden und die dann teurer verkauften, als die K-nifleute. Man erzählt uu». daß die Konsumvereine unverfälschte Waren liefern. Ahcr an der Spitze mancher Konsumvereine in der Provinz steht ein Nichtfachmann, der kauft, was man ihm anbietet, oft auch schon verfälschte Waren. Auch die Tividendenwirtschaft ist ein Schaden der Ksnsumvercine. Die Eigen- tumsbestie wird durch die Dividend« geweckt, die Dividende wird die Hauptsache beim Konsumverein. Wir haben Konsumvereine, die 10—15 Proz. Dividende zahlen. Aber die Angestellten sind skandalös bezahlt, die Waren schlecht. In Böhmen habe» wir besonder« traurige Erfahrungen gemacht. Die Konsumvereine brachten uns vielfach nur eine Schädigung der Partei. Solange dw Arbeiter nicht genug gc- schult find, kann man ihnen die Errichtung von Konsunwereinen nicht empfehlen. Erst muß der Boden für die Konsumvereine vorbereitet worden. Wir sind nicht gegen die Konsumvereine, wir verlangen nur große Vorsicht. Das beste wäre, die grundsätzliche Stellung hier zu bestimmen, alle» übrige den nationalen Kongressen zu Äerlassen. Viele Genosse» überschätzen die Konsumvereine. Es geht sogar so Iveit, daß sie sich einbilden, damit die Gesellschaftsordnung ummodeln zu können, wenn die KonftunvereinS-Bewegung nur genügend erstarkt sei. Der Resolution können wir zustimmen, weil sie uns die Gewähr bietet, daß wir gegen voreilige Gründungen einschreiten können. Ich stelle nur den Zusatzantrag, daß die Durchführung den nationalen Organisationen überlasten werde.(Beifall.) In der heutigen Debatte wurde den B-fürchtungcu de« Kor- referenten von verschiedenen Seiten widersprochen. Frau Seidel- Wien bekämpft die Tividcndenjägcrei und hob hervor, daß die Arbeiter durch die Konsumvereine Pertvalten lernen. Hueber-Wien: Durch die Ucberbürdung mit praktischen Arbeiten leidet allerdings die theoretische Ausbildung der Arbeiter. Das können lvir aber nicht Sichern. Tie Bewegung ist in die Breite gegangen, wir haben»enen ungeheueren Raum vor uns und können jene Aufgaben nicht alle lösen, die wir uns gestellt haben. Allein das ist kein Argument, das uns zwingen könnte, die Konsumverein«- Bewegung in bürgerlichen Händen zu lassen. Es wird beantragt, in der(gestern mitgeteilten) Resolution aus den Leistungen der Konsumvereine für die Arbeiterklasse zu streichen:.Sicherung der Existenz der Opfer des Klassenkampfes." Außerdem beantragt Hneber, den letzlen Elitz der Resolution so zu fasse», daß er lautet:„Ter Parteitag erklärt es endlich als die Pflicht der Konsumvereine, die gestsetzung der Arbeitsbedingungen für ihre Angestellten im Einverständnis mit den Organisationen vor- zunehmen." In der Abstimmung wird der Antrag auf Streichung der Worte: „Sicherung der Existenz der Opfer des Klassenkampfes", der Antrag Hneber und der Zusatzantrag Rouschar angenommen schließlich ein« stimmig die so veränderte Resolution. Punkt 8 der Tagesordnung ist: Die Arbeiterklasse und die Alkoholfrage, Referent Tr. Richard FrZhlich- Wien: Die bürgerliche Be- wcgung gegen die Trunksucht mit ihrem Satz:„Der Suff ist die Ursache der socialen Not", braucht sich nicht zu wundern, wenn die Socialisten erklärt haben: Mit Euch haben wir nichts zu thun, denn sie ist ein Mittel zur verwästerung. zur Verschleierung der Klassen- gegensätze. Gäbe es nur den MoholisinuS, der aus den niedrigen Lebensverhältnissen entspringt, dann hätte die Anti-Alkoholbcwcgung keinen Sinn. Aber neben der Trunksucht in der krassesten Form giebt es einen Alkoholismus, der alle Schichten der Vevölkerung durchsetzt und auch im Kreise der Organisierten herrscht, der in den allgemeinen Triebgewohnheitcn und Truntsitten seine Wurzeln hat. Gegen diesen AlkoholiSmu« namentlich wendet sich die Abstinenz» bewegung. In Wien specicll wird in Bier und Wein doppelt so viel Alkohol konsumiert, als in EchnapS. Dieser AlkoholiSmus fordert auch die größte Zahl von Opsen,. Der AlkoholiSmnS fordert nicht nur direkt Opfer, sondern setzt die Widerstandsfähigkeit gegen Krank« hciten aller Art herab, ES giebt kaum eine Keankheitsgrs, welche au Alkohol genioßcudei, Personen nicht größere Vernichtungen an- richtet, als an alkoholfreien. Tie Arbeiterklasse, die das größte Interesse an widerstandsfähigen Kämpfern in ihren Reihen hat, muß daher den AlkoholiSmus bekämpfen, Ter Alkoholismus vergiftet die Gehirne. Wenn schon die Religion die Menschen einschläfert, indem sie sie auf das Jenseits vertröstet, so ist der Alkohol ein viel gefähr- licheres Opium, weil«s dem Arbeiter berclts ein gutes Diesseits vortäuscht und ihn zeitweise nicht zum Bcivußtsein seiner Lage kommen läßt. Ter Alkoholismns ist-in Feind der Arbeiterschaft, weil er sie zisirieden macht und sie sibcr die Iluhallvarkeit ihrer Lage hinwegtäuscht. In diesem Sinne ist der AltoholismuS direkt eine Stütze der herrschenden Klasse. Der Alkoholismus schadet aber nicht allein jenem, der ihn trinkt, er schgdet auch seiner Nachkommen- schaft, der Nachkonimenschast der gegenwärtigen Arbeiter, welche den Kampf um die Befreiung d-r?ftl>euertlaß'e wird fortführen müssen. Die Trinkgeluohnheit muß untergraben und ihr die Gestmhnheit de? Nichttrinkens entgegeugesteilt werden. Das Paktieren mit dem Alkoholismns, das einen jeden als mähia hinstellt, so lange er nicht unter dem Tisch liegt, muß aushöre». Wenn die Partei den flamuf gegen den Alkohalismus apfnimmt, so erfüllt sie nur die Forderungen der Soialdemokratie, in deren Programm es heißt:„Das Proletariat, kampffähig zu machen, phbstsch und geistig. cS zum Bewußtsein seiner Lage zu bringen, ist Ausgabe der Socialdemolratie."(Lebhafter, anhaltender Beifall.) Nach kurzer Diskussion wird auf Antrag M u ch i t s ch» Graz folgender Antrag angenommen: Der Parwirag empfiehlt daher allen Partei-Organisationen Schädiger der phusjschcn und geistigen Kaulpseösähigkeit der Arbeiterklasse, einen-nächtigen Hemmschuh aller organisatorischen Bcsircbmlgeu der Sociglpemokralie— die daraus erwachsende» Schäden zu beseitigen, dprs kein Mittel unbenutzt bleiben. Das erste Mittel in diesen, Kampfe wird stets die ökonomische Hebung dcö Proletariats sein i eine notwendige Ergänzung hierzu bildet aber die Aufklärung über die Alkoholwirkung und die Er- schütseruna der Trinkvorurteile. Der Parteitass empsiehtl daher allen Partei-Otganisationen und Pqrteigc Nossen die Fördc-ung der alksholgeguerischen Bs- strcbuugcn und erklärt als einen ersten Wichligen SchriU in diesem Kampfe die Abschaffung de« Trinkzwangc» bei allen Zusamwen» fünften von Parlei-Organisationen. Ten für die Abstinenz gewonnenen Parteigenossen ist als wirksamsreo Mittel der Agilatch» gegen den Alkohol der Zusammenschluß in Abstsneu.chereinen zu empfehlen, die ihrerseits dafür zu sorgen haben, daß ihre Mit- glicdcr ihrer Pflicht gegen die poluische und gewerkschaftliche Orgauisailon nachlovimc». In die Parieikentralle werden die Genossen S e i tz und Sie i" er und die Genossin Sei dl gewählt.' Es folgt nun Punkt 0 der Tagesordnung(Verschiedene An- träge). Ter zweite Miener MayUreis hat eine» Antrag ein- gebracht, lomtach m de» sprachlich gemischten Wahlbezirken die Organisation und Agitation für alle öffentlichen Wahlen nicht von den einzelnei, nationalen Gruppen, sondern von allen organisierten Socialdcmokratc» einheitlich und gemeinschaftlich durchgeführt werden sog. In diesen Brzirlen sollen die Vcrtretungskörvcr der nationalen Gruppen zu allen Sitzungen Vertreter der andren Siarioncn einladen. Es wird itait dieses Antrages ein vop deutsche» und czechische».Ge- nossei, gestellter Antrag angenommen, der die Bestimmungen des GesamtorganisationS-Statuis über diesen Punkt in Erinnerung bringt und die gegenseitige Vertretung in den Organisationen bestimmt, Eine Reihe von Anträgen wird dem Parteivorstande zu- gewieft». Mit lebhafter Zustiminung wird folgende Resolution über den Zarismus angenommen: In Anbetracht, daß die Weltmachtstellung des absolutistischen ZarentnmS die politische und sociale Eutwicklung ganz Europas im reaktionären Sinne beeinflußt und eines der schlimmsten Hindernisse für den Vormarsch des Socialismus darstellt; in Anbetracht, daß das Zarentnm in Rußland. Polen, Ukraina, Finnland nnd allen andren seiner Herrschaft unter- worfemm Ländern jeden Kulturfortschritt hemmt, jede Fmyeit des Wortes und des Gedankens unterdrückt, insbesondere aber die Vorkämpfer des Socialismus mit bestialischer Grausamkeit verfolgt und jede Regung des zum Klassenkampf ertvachenden � Proletariats mittels wohlüberlegter Massenmorde in»trömcn Blutes zu ersticken sucht, spricht der Parteitag den Socialisten Italiens wegen ihres kraftvollen Auftretens anläßlich des projektierten Zarcnbesuchs in Italien ans vollem Herzen Dank und Anerkennung ans und be- glückwüuscht sie zu dem schönen Erfolg, heir über nnd über von, Arbeiterblut triefenden Despot?» von ihrem Lande ferngehalten zu haben. Tr, Mantel. Melen. Withk. Gumpkowlcz. Perb Mifiorek. Diamant. Daszynski. Als Orte für den nächsten Parteitag werden Brünn nnd Prag vorgeschlagen. Die Entscheidung wird der Erckntive überlassen. Es folgen Dank- und Sctzuihreden. Die deutschen Delegierten singen die erste Strophe des„Liedes der Arbeit". die rzechischen nnd polnischen die„Rote Fahne". Mit einem Hoch aus die internationale Socialdemokratie wird der Kongreß geschlossen. pavtei-�aekncbtsn. „Der Teufel in der Mohlmne". In einem Auszug von Ernst Preczang. Ein neues socialistisches Theaterstück, das speben i», Berlage der Buchhandlung LoriPärt« erschien«» ist, So wie die früheren von unsrer Partcibuchhaudlnng herausgegebenen Thealerstücke, zeichnet sich auch dieses aus durch die einfache. lebenS- warme Darstellung und die leichte Aussührbarleit. die es besonders geeignet machen zur Aufführung bei Aebeikerfssten und auf Arbeiterbühncn. In dem neusp. Sftick hat der Verfasser auf dem ernsten Hintergrunde einer Wahlhandlung-ine Reihe kost- lichcr Bilder voll launigen Humors gezcsthnek. Der Großgrund- besitz ei- und konservative Kandidat und sein Inspektor, die die Arbeiter mir Schnaps und Eigarrcn,„aber nicht zu teuere", traktieren, um sie zu veranlassen, konservativ zu wählen- der Schulmeister, dem die Erkenntnis von dem Elend des Volkeffchulweftu» den socialdemo- kratischen S-timmzettel in die Hand drückt, sind dem wirklichen Leben entnommene Gestalten; Vereine, die das Stück aufführen, werden ihren Zuschauern einen heiteren Abend bereiten. Der Einzelpreis i>l 1 M. Da? Recht der Aufführung ist an die Abnahme von 13 Rollenexemplurcn zum Preise von 0,S0 M. gebunden. Sociales. 26 Monate Kampf um die Reut». Den Segen der„socialen Fürsorge" lernte der Zimmerer F. Behrendt in seiner ganzen erdrückenden Bedeutung keime». Im Auftrage eines ZimmerpolftrS arbeitete er am 27. September 1000 auf, dem Grundstück einer Berliner Holzsirma bei der Errichtung eines Schuppens. Während er ans einem mit Holz be- ladenen Wagen stehend, mit der Aufrichtung eines Balkens beschäftigt war, brach über ihn, dgL Holz, an dem der Flafchenzng befestigt war. Ehe der herabstürzende sehr schivere Flaschcnznz ihn noch erreichte,>var er vom Wagen gesprungen, wobei er sich infolge Aufschlage».? auf den Erdboden eine Onetschnng des rechten Ellbogens zuzog. Erklärlicherweise hatte er auch einen heftigen Schreck davon- getragen, da der Flaschenzng ihn unfehlbar totgeschlagen hätte, falls er ihn getrosten. Trotz der Schmerze» wa» B. in der Lage, sich mit leichteren Arbeiten zu beschästigen und ex nahm auch zunächst keinen Arzt in Anspruch. Einigemal mußte er zwar aussetzen, aber erst am 13. Februar MI suchte er einen Arzt auf. Nach kurzer Kur arbeitete er ivieder, da aber die Schmerzen jetzt heftiger wurden, ging er zu einem Nervenärzte, welcher sein Gutachten auf„hysterische Kontraktur mit Lähmung der rechten Hand" abgab. Am C. August 1001 erhob B. infolgedessen Anspruch auf Rente beft der Nord- östlichen P a» g e w e r k«- B e r u f S g e« 0 j s e ns ch a f ist Nach acht Monaten, im April 1002. erhielt er den Peich-ih. daß sein Au« spruch abgelehnt werde, weil»ach dem Gutachten des Vertrauens- nrztes Dr. Römert zwischen seinem Leiden und dem linsalle kein Zusammenhang bestehe. B. rief das Berliner Schiedsgericht an und dieses holt« ei» Gutachten des Medizinalrats Dr. L e p p n, a>, n ein. Dr. L zerpflückte das Gutachten des Dr.Römert kritisch und kam zu dem Schluffe. daß der Zusammenhang zwischen dein hysterischen Lähmnngsziisignd des Perletzten, der sich inzwischen noch versäilinunert hatte, und dem Unfälle nicht von der Hand zu weisen sei. Bis zum 22. Auni 1002 sei halbe, von da an völlige Erwerbsunfähigkeit an, zunehmen und Besserung ausgeschlossen. Das Schiedsgericht folgte diesem Gutachten und verurteilte dw BcrufSgenosienschast am 10. Juli 1002 zur Uebernahine der vor- läufigen Fürsorge des inzwischen völlig hilflos geivordenen, in bitterste Not geratenen Mannes. Nunmehr rief die Bernssgeiiossen- schaft das Reichs-VersichernngSamt an, indem sie jetzt nicht nur den Zusammenhang zwischen de», Unfall und der ErwerbSimsähigkeit, sondern auch formell ihre Eutschädiguugs- Verpflichtung bestritt; enlschädigungSpstichtig sei eventuell hie Norddeuische Holz» Berufs- goiiosftnschaft. Das RoichS-PersichcrungSamt hob am 13.� Dezember das Urteil de« Schiedsgerichts auf und verwies die Angelegenheit an dieses Geriebt zurück. Es vegamien umfangreiche Erhebungen zur Feststellung der enischädignngSpslichtigen Slelle, indes der Verunglückte gcdnidig weiter hungerte. Ein Stück seines geringe» Be- sitzimnS nach dem andern wanderte zum Pfandleiher, niemand gab ih», ettvaS- Am 20. April 1003 endlich entschied das Schiedsgericht. daß nicht die Nordöstliche Baugewcr.'s-BerusSgenosscnschast sondern die Norddeutsche Hplz-Venifsgenossenschast zahlimgspslichtig sei. Aber der Erfolg dieser Entscheidung war, trotzdem auch jetzt wieder der Zusammenhang zwischen dein Unfnll nnd der Erwerbsunfähigleit agerlannt wurde, nun nicht etwa die Zuerkemmng einer Rente, sondern die Abweisung der Berufung B's. gegen den ablehnenden Bescheid der BmigewerkS-Berussgenosseiischaft. Jetzt wandte R. sicki i» seiner Not au den Arbeitersekretär 8. Dieser legte gegen die Elttscheidimg de» Schiedsgerichts Rekurs ein und riwtete gleichzeitig an die Norddeuische Halz-BcrufSgenosftnschaft daS Ersuchen, den Unglücklichen, der aller Mittel bar, in vorläufige Fürsorge zu nehmen. Mit außerordentlicher Schnelligkeit--»inner« tz a l b 1 Tagen— wurde dieses Gesuch— abgelehnt. Endlich ließ sich die Norddeutsche Bangeiverl-5-Vernfsgenossenschnft bereit finden, dem Perletzten vom 1. Juni 1003 ab eine vorläufige Fürsorge- entschädigmig von monatlich&0 fflff, zu gewähren. Am 10. Oktober 1003 entschied endlich das Neichs-Versiche- rnngsamt, daß der Verletzte Anspruch aus Rente habe und verurteilte die Norddeutsche Holz- Berufögenossenschast zur Zahlung, nachdem seit Stellung de» ersten Antrages LO Monate verflossen waren. Daß dieser Unglückliche unser de» Segnungen der deutschen Socialresorm nicht völlig zu Grunde gegangen ist. daS ist wahrlich nicht dieser herrlichen Äcsetzgcbimg zu danken, um die uns bekanntlich da» rückfiändige Au-lgiw alle Tage'mindestens einmal beneiden muß. Di- gewerbliche» Arsenvergiftuuge». In den letzten Jahren sind mehrfach in chemischen und andren Fabriken beim Auflöse» von Metallen in Salzsäure oder verdünnter Schwefelsäure tödlich« Ber- giftungei, durch das sich dabei entwickelnde GnS vorgekommen. 'Wenn nämlich das Metall oder die angewendete Säure arsenhaltig ist, so entwickelt sich dabei„eben dam unschädlichen reinen Wasserstoff- gas auch da» höchst giftige Arftn-Wasftrsioffgas. Bisher war man im allgemeinen der Ansieht, daß diese Bildung von Arsen-Wasser- stoffgas nur erfolge, wenn metallisches Zink oder Zinn oder deren Oxyde i» arseiihaltigen Säure» gelöst werden, nicht aber, wenn metallisches Eisen in den arsenhaltigen Säuren gelöst werde, indem man annahm, daß bei der Auslösung Yon Eisen da» in der Säure enthaltene Arsen in elementarer Form als schwarze Arsen« slitter abgeschieden werde. Wenigstens ist diese Ansicht in einer Reihe chemischer Handbücher, wie in den, Handbuch der anorganischen Ehemie von Otto Dammer ausgesprochen worden, obwohl sie von andrer Seile bezweifelt wurde. Diese Zweifel wurden durch einen Unglücksfall bestärkt, der sich bei einer militärischen Uebung bei Thor» ereignete, wo zwei Soldaten bei der Füllung eines Luftballons versehentlich eltvas BallongaS eingeatmet hatte» und darmif d innen wenigen Tagen an Arsen Vergiftung starben. Das Gas war hier ans Eisenspähnen und verdiinnter Schwefelsäure her- gesiegt worden, welch letztere sich bei der darauf vorgenommenen Untersuchung als stark arsenhaltig erwies, während die Eiftnspähne nur Spuren von Arsen enthielten. Das Reichs« Gesundheitsamt wurde infolgedessen damit beauftragt, Untersuchungen daraufhin an- zustellen, ob beim Auflöftn von Eisen in arsenhaltigen Säuren sich netzen Wasiersloffgaö auch Ars«,- Wasserstoffgas entwickle. Das Sftschs- Gesundheitsamt hat dann durch seine Versuche fest- gestellt, daß sowohl bei Perwendung von Eisern, äaeln, Eisendraht, Eisendrahtgeweben. Stücken von Konservenbüchsen, ebenso wie bei Verwendung von Iiul oder Zinn in arsenhaltiger Salzsäure oder verdiinnter arsenhaltiger Schwefelsäure im Marshffchen Apparate ein sehr krästioor Arftnikspiegel erhalten werde, ein Beweis. daß sich neben reinem Wasserstoffgase auch Arsenwasierstoffgas ent- wickelt hat. Ans Grund dieser Feststellungen und der in der Praxis geiuachtcn Ersaynrngen ist es durchaus geooten, daß beim Auslösen der genannten Nietalls in Salzsäure oder Schwefelsäure zum Zweck der Herstellung der Metallsalzlösungen oder zur Gewiimuug von WasserstoffgaS sowie beim Beizen von Eisenwaren, ebenso beim Beizen von Zmkwaren»nr vollständig arsenfreie Säuren verwendet werden. Nun schreibt wohl schon 8 25 der Unfall- PerhiitungSvorschriften der BcrufSgenosienschastder chemischen Industrie vor:„Ans Arbeitsstellen, von denen zu befürchten ist, daß trotz ge- wöhnlichcr Vorsicht gesundheitsschädlicher Staub, gesundheitsschädliche Gase oder gesundheitsschädliche Dämpft in oesahrdrobender Menge sich ansammeln können, sind den daselbst bcschüfiigken Arbeiten, Mnndschwänime. Respiratoren oder andre zweckentsprechende Schutz- miitel zur Verfügung zu halten." Aber es genügt enischieden nicht, aus diesen Paragraphen hinzuweiftn, denn für„zweckent- sprechende Schutzmittel" können in gutem Glaube» auch solch« ge- hallen werden, die e» in diesem Falle durchaus nicht sind, wie Respiratoren und Mundschwäinme. Hier ist es vielmehr durchaus nötig, daß von fetten des Bundesrats eine bestimmte Lerordmmg erlassen wird, welche zu allen diesen Arbeiten die Verwendung von nicht vollständig arsenfreieir Materialien bei Strafe verbietet. Hus der frauenbewegung. Weibliche verzte im Staats- und Gemeindebftnste. Die schwedische Regierung hat am 11. d. Mtl eine Verordnung erfassen, wonach unverheiratete weibliche Aerzte mit demselben Recht wie männliche Anstellung erhalten können alS: Aerzte an den Bezirks- lazarettcn, Krankenhäusern, Hospitälern, als Eisenbahn« und Ge- säiigiiisärzte. in, Dienst der Kommune(jedoch nicht als Stadtarzt). als Assistenten der Universitäten, kurz alle derartigen Stellungen erhalten können mit Ausnahme einiger Stellen als Provinzial-, Stadt und Militärarzt, sowie Oberarz: an Hospitälern und Irren- anstalten. Sobald eine im Amt befindliche Aerztin sich verheiratet, geht sie ihres Amtes verlustig. li-iir den Jnbalt der Inserate ilberninuiit die Redaktion dem Publik»»» gegenüber keinerlei Lerantloortung. �Keater> Tonntag, la. Nobember Freie Bolksbübne. 7 /8. Abt.: Mctropol- Theater. 23/, Uhi' nachmittags: Der Widerspenitige» Zähmung..» I.Abt.: L e s sin g- Theater. 23/, Uhr nachmittags: Ein Verbrecher. Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg. Anfang 7 Uhr. Montag: Die Hugenotten. Anfang ?V, inj:-. Anfang Vj, Uhr: Schauspielhaus. Fm stillen Gätzchen. Montag: Torguato Tasso. Neues Opernthcater. Uriel Acosta. Nachin. L'/z Uhr: Dorfinusikanten. Deutsches. Rose Bernd. Nachm. 2-/. Uhr: Die Weber. Montag:»airst. Berliner. Ein Wintcrmärchcn. Nachm. 2'/. Uhr: Kater Lampe. Montag: Alt-Heidelberg. Lessing. Zabscusircich. Montag: Dielclbe Vorstellung. Westen. Die Fledermaus. Nachm. 3 Uhr: Der Troubadour. Montag:. Der Trompeter bon Säkkingcn. Neues. Salome. Vorher: Der Kammersänger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Das grosze Geheimnis. Nachm. 3 Uhr: Wintcrschlas. Montag: Das große Geheimnis. Zentral. Der Zigcnnerbaron. Nachm. 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Der Bcttclsludcnt. Tbalia. Der Hochtourist. Nachm. 3>/, Uhr: Ehm-lchS Tante. Montag: Der Hochtourist. tkasino. Berliner Nachtasyl. Holcl SUingebusch. Nachm. 4 Uhr: Elternlos. Montag: Berliner Nachtasyl. Holcl Klmgebusch. Urania, Taubenstrasse 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Obe Montag S.Uhr; Dieselbe Vor- Stellung. Um 6 Uhr im Hörsaal: Dr. B. Donath; Elektromotore und Dynamomaschine. (IX Teil.) Sternwarte Invalidenstrasoe 57/62. Anfang 8 Uhr- Schiller O. lBallncr- Theater.) Im weißen Rößl. Nachm. 3 Uhr: Der Pfarrer bon Kirchseld. Montag: Wilhelm Tcll. Schiller As.(Friedrich-Wilhclmstädt.) Hedda Gabler. Nachin. 3 Uhr: Kabale und Liebe. Montag: Der Bibliothekar. Belle-Alliance. i>n Vertretung. Nachm. 3 Uhr: Doktor Wespe. Montag: In Vertretung. Carl Weift. Hanncmann bom Bichhof. Der kleine Cohn. Nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbesitier. Montag: Lihcllo. Luisen. Der Aktienbudikcr. Nachm. 3 Uhr: Das Käthchcn bon Heilbroint. Montag: Der Akticnbudiker. kllcines. Etcktra. Nachmittags 3 Uhr: Liebcsträumc. — Famiticnidlill.— Kollegen.— Screnifsimus-Zwischenspicle. Montag: Nachtasyl. Drianon. Biscottc. Nachm. 3 Uhr: Die Notbrücke, Montag: Biscottc. Mrtropol. Durchlaucht Radieschen! Montag: Dieselbe Vorstellung. Deutsch- Amerikanisches. Uebcr'n großen Teich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. FrühIingSlnst. Speciall- täten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Winter-Garten. Spccialitälcn. Passage-Theater. Specialitälcn. Reichshallcn.>e:tcttiner Sänger. Palast. Das LicbeSpnradics. Spc- cialitätcn. Montag: Dieselbe Vorstellung. Urania. Daubcnftrafte 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober-Italicns. Montag: Dieselbe Vorstellung. Uni 6 Uhr im Hötsaal: Dr. B. Donath: Elellromotorc und Dynamomaschine.(2. Teil.) Juvalide,«strafte S7/«iÄ. Stern- warte. Täglich geöffnet oon 7 bis 14 Uhr. esntral-Tkeatsr. f eute zwei Vorstellungen. Nachm. Uhr halbe Preise. In erster Besetzung: »lv«vfeda. Mimosa: Fränlci» Mia Werber. Abends 7»/, Uhr: v«? Ais/eiinvi-kai-sn. Operette in 3 Arten oon I. Strauß. Montag VI, Uhr: Der Bettelstudent. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Salome. Gorher: Der Kammersänger. Ansang 7ll, Uhr. Kleines Theater. llnter den I-indcn 44. Nachmittags 3 Uhr, bei bedeutend ermäßigten Preisen: Oicdesträume.— kamilieuickyli. Kollegen. Serenissimus-Zwischenspiele, Abends 8 Uhr: Elektra. Montag: Nachtasftl. sriiliioll-iriester. Keorgcnstraße, zwischen Friedrich- und Unwcrsitätsstraßc. Sioootto. 'Anfang 8 Uhr. CASTANS IPANOPTICUM Friedvichstr. 165. Mansr-Kißse?.«"««. I Die zusammongowachsenen Lebend. Sehn cstcrn! Lebend. Boeren-Riese ohemal. Leibsoldat des Präsidenten Paul Krüger von Transvaal. Serliner Apnin» Unter den Linden 68a Eingang Schadow- Strasse No. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis 50 Pfg-"W Keiohhaltigsto Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien eio._ 35/12 Seile-Hiliance- Theater. «onntagnachmitiag 3 Uhr zu halben Preisen: Doktor Wespe. Abends 8 Uhr: Zum 23. Male; In Vertretung. Ein Soldaienfchwank in 3 Akten bon Heinz Gordon. Montag, Dienstag: In Bcrtretuug. Casino-Theater. Lothringcrstr. 37. Ans. 8, Somit. 71/.. 8 Uhr: Kerl. Kachtasyl. S'l, Uhr: Verch• Wolff. Gastspiel Kapit. Martens. 9'/. uhr: jfotel Klmgebusch. Sonntagnachm. 4 Uhr: Elternlos. Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr zu halben Preisen: WiiMuBjni Abends 8 Uhr. Der AhüetMher. Montag: Der Akticnbudiker. Dienstag: Der Richter b. Zalamea. Mittwoch; Geschloffen. Donnerstag: Die Logenbrüder. Rkfidkllz-Theutkr Direktion S. Lautenburg. Ansaug VI, Uhr. Das grosse Geheimnis. Lustspiel in 3 Allen b. Pierre Wolff. Deutsch oon Mar. Schönau. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntagnachm. 3 Ubr: Winterschlaf. Apollo-Theater. Zum 40. Male: Frühlingsluft. a ah: Blütenhochzeit. Ballett von Louis Gundlach. Femer; dänzendc Speclalltäten. SEituers. Oelr.WillUMatleaps. The Bncefals.*« Kosmograpb. _ Anfang 7'/, Uhr. Iii Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollftnder. In Scene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. _ Im 4. Bilde: DBF" Grosse» Ballett-WU Wie damals im Monat Mai. Anfang'/-S Ubr. — Hauchen überall gestattet.— Xcncs Programm; SäilctrCt australische Tänzerin. Emil Sondermann Humorist vom Centrai-Theater Berlin. Lucie Krall Bravoursängerin. Ida Füller in ihrer elektr. Sensat, „Feuer und Wind". Urban! u. Sohn Gymnastiker. Lamborg Klavierhumorist. The great Goldin Ulusionist. Les Agoust's Humorist. Jongleure. Hadj Abdullah Arab. Gymnastiker. EggerRieser Tyrol. Gesangstruppe. 0. K. Safe Komischer Jongleur. „Pariser Luit' Ballet. Der Biograph. Schiller-Theafep. Schiller-Theater O. (Wallncr-Thcatcr). Sonntagnachmittag 3 U h r: Der PFarrer von KlrchkelE. Volksstück mit Gesang in 4 Allen oon Ludwig.Anzengrubcr. Sonntagabend 8 Uhr: Um svel»«eii Rössl. Lustspiel in 3 Aufzügen oon Oskar Blunicnihal und Gustao Kadelburg. M o n i a g a b e n d 3 Uhr: WTlhelm Tcll. Dienstagabend 8 Uhr: Liiebelei.Hioi-nuf: Liitteratur. Schlller-Thentcv SC. tFricdrich-Wilhclmstädiischcs Theater). Sonntag nachmittag 3U h r: Ksdnlc onS U-!ei>e. Ein bürgerliches Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich Schiller. Sonntagabend 8 Uhr: Beclda Gabier. Schauspiel in 4 Aufzügen oon Henrik Fbscn. Deutsch von M. o.'Lorch. Montagabend 8 Uhr: Der Blhllothehar. Dienstagabend 8 Uhr: Der Bibliothekar. Cirkns Sebnmann. Beate, Sonntag. 15. Xov., nachm. 4Thr u. abends 7'/: Uhr: 2 Grosse yorsteiliingen 2. Xachmittags 610 ECjOll f l�eia Weitere Kinder halbe Preise. Machmittags bosondors für die Jugend gewähltes Programm. In beiden Vorstellungen: 25 männliche ICoiSeB�SOWeO des Herrn Seeth. Demonstration der Darwinschen Theorie: August, der mimische Affe. liobs tVunclo raffen. Die ersten dross. Eis- und Kragenbären in Berlin.— Direktor Aib. Schumanns neue und moderne Dressuren und das Ricsenprograuim._ Dfiütsch-Äinerikanisehes Theater 67,68 Köpnickerstr. 67,68. Jeden Abend Ansang 8 Uhr: Gastspiel 4dolf Philipp. Nkbtt'ii grißtllTkilh Heilere Bilder mit Gesang ans dem eben der Deutsch. Amerikaner möAbt. oon Adels Philipp. Passage=Theater Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Die erste Sxccntric-Danzcrin der Welt fuiim Die Berliner Presse stellt sie ein- stimmig an die Spitze aller bisher in Berlin gesehenen Tänzerinnen. 14 glänzende Nummern. I Direktion: Robert Dill. Brannenstrasse 10. Einer von unsere Leuf. Ansang 7 Uhr. Enirce 30 Pf. Nach der Vorstellung: ?amUieti-BaU. Montag: Dieselbe Vorstellung. Carl Weiss-Theater. Gräfte frankfurter Strafte 132. Nachmittags 3 Uhr: Parkett 60 Ps. Der.Huttenbesitzcr. ?lbcnds VI, Uhr: Hanncmann vom Viehhof und Der kleine Cohn. Montag: Othello. Dienstag: Am Altar. Mittwoch: Geschlossen. sc. Pulilmanns Vaudevllle-Theater, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Fröbcl. Jeden Sonntag 5 Uhr: Grosse Extra-Vorstellung der beliebten Zimmermanns P. Nach der Vorstellung: Um 10 Uhr: Gi-oa«ci- Extra-Tanr. Eintritt 30 Pf. Sperrsitz 50 Ps. Jeden Mittwoch: Familienahend. Korllöeutselle ZSngsr und Prcl-Taaai. Jeden Freitag: «Mplsl des Märkischen Städtebund-Theaters. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraßc 58. Sonntag, den 15. November 1903, nachmittags 3 Uhr: Romantisches Drama in 6 Alten von Charlotte Birch-Pseiffcr. Abends 7 Uhr: Des Mädel ohne Geld. Posse mit Gesang in 5 Allen von O. F. Berg und E. Lacobsohn. Montag: Der Glöckner von Netra Dame. Stadt-Theater Moabit Alt Moabit 47/49. Sonntag, den 15- November 1903: Tränlein Doktor. Lustspiel in 4 Auszügen von Walther und Slem. . Anfang 6 Uhr.—— Secession Winterausstellung 1903/1004, „Zeichnende Künste." Kantstrasse 12. Heute Eintritt 30 Pf. Geöffnet 10-« Uhr. 'alast-ThsatefFeSSk Bargstr. L». Anhaltender Erfolg. Raa Uaheaparadiaa und das Trogramm. Anfang 8 Uhr. Soimlag 7 Uhr. Enirce 50 Ps. Kotibuscr Thor— Stat. der Hochbahn. Sonni.ig. Montag und Donnerslag: Boifmaan». UtZfiltlölll�de Nach jeder Soiree: Tan�hi-itnieeheii. Jeden Dienstag: Theater-Äbend. Dienstag, den 17. November: DerLelenäiiiiuiiil sein PllegekiM BoltSstück mit Gelang in 5 Allen von Charlotte Birch.Pfeiffer. tlrania. Wrangclsfrasuo 10/11. Jeden Sonntag: Grosser Ball. Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. Empfehle mein Lotnl zu Fest- lichkeitcn und Versammlungen. 2809L» C. F. Walter. ilGermaniaPrachtsälei: �Ebaussceslr. 103, Arnold Scholz., Jeden Sonntag:, , Nach der Soiree: I familieii'BaU [ Anfang 6 Uhr. Eintritt 50 Ps. i Im weißen Saale von 5 Uhr ab: j Grosser Ball. Kavalieruhren. Noch nie dagewesenes Schweiz. Fabrikat, Mark 4,50. Echt Silberne für Damen u. Herren Mark 10,50. Taschen wecker , Mk. 12. Hlustr. Preisliste üb. Uhren, Ringe, Ketten, Tranringe, Brillen, Pincener u. Musikwerke sende postfrei. E. Fischer, Uhrenfabrik, Berlin, Friedrichstr. 45, zwischen Zimmer- u. Kochstr. K ünstlich. Zähne. Karl Winzer, AIexanderft.27h I. Schonendste Behandlung. Deilzahlung gestattet. .-»»»■» IX. Berliner Saison......... Cirkns Snseb. Sonntag, den 15. November 1903; 2 grofte Vorstellungen: nachm. 4 Uhr n. abends VI, Uhr. Nachmittags 4 Uhr: 1 Kind frei, weitere Kinder aus allen eoitz- platzen halbe Preise. In beiden Vorslellungcir: stur noch kurze Zeit AuHreien der Miss Ctaire Heliot, Löwenbraut. Mar noch knrze Zeit: Payi Miliidfiep; Totepriiss. Exotisches Kontre-Taijleay: 12 Elefanten, 3 Zebras, 50 Pferde. Der Elelant als Chaulleur. Austreten der unüber- Cratolllni trefflichen Clowns ildlBimil, Gigerl« Clown Alfred Daniels, Albane und Dale und Biinbo. Vorführen und Vorreiten der besten Schul- und Freiheit spferde. Austreten der vorzüglichsten Reit- lünstler und Neitlünstlermnen. Nachuiittags 4 Uhr: Elefnat nad Pferd. Volldlut Cybeau o. Barberouffe a. d. Chböle, ger. v. Hrn. Bauerfchmidt. Abends VI, Uhr: Berliner Winierfreuden Humorist. Manege- Schaustück. Rronleacbter-Fabrlk für Gas, Petro- lenm n. elektrisch Eicht 28/18* Siegel& Co,, Berlin, Prinzenstr. 38. Grösste A n s vv a h I. V e rkauf z. Fabrikpreis. an Private. 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Um eine einheitliche llandidatcnliste sür dieÄahl auszuflcllen.jindct zuvor am Freitag, den 20. November d. I., abends 81/- Uhr, ebendaselbst eine Vorvcrsalliiiitlllig der großjährigen Mitglieder statt. Gn beiden Versammlungen lcgiti- micrt daS Ouittungsbuch. Slm Mittwoch, den 25. No- vcmber d. I.. abends 8'/. Uhr, findet bei Gründer, Köpnickerstr. 1, eine Versninlnlung der Arbeit- geber, ivelche Beiträge sür ange- ineldete iRitglieder zu unsrer Kasse leisten, behufs Wahl von 75 Ver- tretern pro 1901 statt, Um eine Kandtdaicniiste dazu aus- zustellen, ersuchen wir dicicingen Arbeitgeber, die gewillt sind, die Wahl anzunehmen, ihre Adresse bis zum 20, November an das Kaisen- lokal einsenden zu wollen. Die Arbeitgeber können sich auch durch ihre Geschästssührcr oder Bciricbsbcamtc vertreten lassen, 3186b Der Vorstand. Orts- Krankenkasse der Handschuhmacher «. verw. Gewerbe zu Berlin. Sonntag, den 22. November, vonnittagS tlt'/. Uhr, ini Lokal Roseuthälerstr. 37: Mjtgliedcr- Zitrsniniillirng. T a g e S. O r d n u n g: l, Dahl vvii2l Delegierten sür das Jahr 1901,- 2, Dahl von Vertretern der Arbeitgeber Zu dieser Versammlung werden die wahlberechtiglen Mitglieder und deren Arbeitgeber eingeladen und ersucht, pünktlich und vollzählig zu erscheinen, Hieran anschlictzcnd: 278/15 Ord. Gtuerat-llersammlung der Delegierten. TageS- Ordnung: 1. Wahl deS Vorstandes, 2 Arbeil» geber, 2 Arbeitnehmer. 2, Wahl von 3 Revisoren sür das Geschäftsjahr 1903. 3. Stalutenabänderung, i. Verschiedenes, Berlin, den 15. November 1903. Bcc Vorstand. I.A.: H. Hinz, Vors., Prinzen Allee 83. Orts-Kraukeuliastt deS Mmm- Genndts z» Berlin. Donnerstag, den 2«. November, abends 8 Uhr, findet Engel-ltfcr 15 lGcwcrkschaslS- hauS, Saal 7) die Grdcntlicbc General-Versammlung der Vertreter der Kassenmitglicder und der Arbeitgeber statt, Tagesordnung: 1. Bericht über die Thättgkcit des Vorstaudes. 2, ErgänzuiigSwahl des Vorstandes für die Jahre 1901 und 1905 für die ausscheidenden Mitglieder: a) von den Arbeitgebern die Herren Linke nnd Bäsell, h) von den Kassen Mitgliedern die Herren Kclpin, Schlösser, Linde und Buchholz,. 3. Dahl des Rechnungs- PrüsungZ- AusschusscS, t. Beratung und Bcschluhsassung über �„Allgemeine Vorschriften und Pflichicn aller Mitglieder in Krank- bcitssällcn" und Abänderung der bisherige!! höchsten Orduungostrase von 20 Mail in OrdnungSstrnsc bis zum dreifachen Betrage des täglichen Krankengeldes sür jeden einzelnen Uebcrtretungssall, Ferner Erneuerung der Mahngebühren, 5. Mitteitiuig des Vorstandes über den Stand deö neuen Statuts, eventuell weitere Beschlubsassung über dasselbe. 31806* 6. Verschiedene Mitteilungen. Berlin, den 6. November 1903. Her Vorstand. «> Daehne- A. Kelpin. Vorsitzender. Schriftführer. »I. 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Am Donnerstag, den 12. d, M. verstarb»ach langem Leiden unser Kollege (.oiils Görlitz an der Proletaricrkranlheit. Die Bccrdiglmg findet am Sonntag, den 15. November, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Sebastian-Kirchhoss in Dalldorf aus siail, Um rege Beteiligung ersucht 13/1 Die Ortsverwaltung. Ceritra!'WeH.8terbetee ifiscbler Ii. and. gew. Arbeiter (CS. H. 3 Hamburg.) Verwaltung Bertin 0(Moabit). Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Mitglied LouZs Görlitz am 12. d. M, gestorben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonntagnachmitkag 2 Uhr, von der Leichenhalle des Sebastian- Friedhofes in Dalldorf aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 182/11 Die Ortsverwaltung. Innungs-Krankenkasse der Sehneider- Innung. Neu Kölln am Wasser 18 1. Montag, 23. d. M., in den„Armin- hallen", Kommandantenstr. 20: Onientliebe General-Versammliing. In aetrenntcr Versammlung: File die Kassenmliglleder im grossen Saal abends 8'/, Uhr. Tagcs-Ordnung: 1. Dahl von zwei Vorstands- Mitgliedern, 2. Dahl von zivei Käsienmitgliedern zur Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres. Für die Innungsmitglieder im kleinen Saal abends 8'/, Uhr. TageS-Ordnung: 1, Dahl von einem Vorstands- Mitglied. 2. Dahl eines JnnungS- Mitgliedes zur Prüfung der Rechnung des lausenden Jahres. 278/13' In gemeinsamer Versammlung »ni« Uhr: Tagcs-Ordnung: 1. Beratung des Statuts. 2. Bc- ratung und Beschlutzsassung über das Mahnvcrsahrcn und die Vorschriften über das Verhalte» der Kranken und die Krantcnaussicht. 3, Anträge. Die Vertreierkartc legitimiert. Her Vorstand. C. Adler, Vorsitzender, Zimmcrstr. 68. zu Berlin. Die Arbeitgeber werden hierdurch ZU den am 23. November 1003 im Neuen Klubhaus, Kommaiidantcii- strasze 72, abends 8 bis 10 Uhr statt- findenden Bertreterwnhten pro 190-1 crgcbenst eingeladen. Tagesordnung: Dahl von 170 Vertretern aus den Ziethen der Arbeitgeber, Z 19 des Statuts(Nachtrag). Anmeldeschein oder die letzte Rechnung der Arbeiter dient als Legtti- mation. Am 21. November 1903 finden in demselben Lokal abends 8 bis 10 Uhr, die Vertreterwahlen der grostjährigen Kassenmitglieder pro 1901 statt, wozu dieselben crgebenst eingeladen werden. Tagesordnung: Dahl von 383 Vertretern auZ den Reihen der ztasscnmitglieder,§ 19 des Statuts(Nachtrag). Das Ouittungsbuch dient als Legi- timatiou, ohne dasselbe keinen Zutritt. Berlin. 15. November 1903. Frau Emma Reimann, Frau RSsieke, Vorsitzende._ Schristsührerin. Kr/V t>. Mojc Richter, Berit» SO. ö l Soeben erschien: Preis e Mark i (auch d. alle Btiehhandlff, erhältlich). Die Harnleiden, ihre VtrlMung, Behandlung und Beseitigung von Dr. med. Schaper, Berlin, Köntggrdtserstr.*j. HomSop. Amt, epec. für Haut- u. Harnleiden, Frauenkrankheiten. Freitagvormittag 11 Uhr ent-, schlief nach kurzem, aber schwerem Leiden mein iimigstgekiebtcrMann, unser Bruder, Schwager, Onkel, der Schankwirt 3339" 1 Otto Weiss im 38. Lebensjahre. Im Namen der ticsbetrüblcn Hinterbliebenen Henriette Weiss. Die Beerdigung findet Montag, den 16, November 1903, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Dorothcciistädtischcn Kirchhofes, Licsenstraße, aus statt, SoEialdeinokratischerWaWverein' des 6. Berliner Wahlkreises. Todes-Anzeige. Am 13. d, Mts, verstarb unser Mitglied, der Restauratcur Otto Weiss Gartenstr, 68. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 3 Uhr von der Halle, de? Dorothccnstädtischcn Kirchhofs, Liesenstrafie, aus statt, Um zahlreicheBctciligmig ersucht 219/18 Ber Vorstand. Allen Bekannten zur Nachricht, datz am 12, November früh 71/, Uhr der Prokurist, Herr Sermann Dietrich verstorben ist. Seine Aufrichtig- keit und sein biederer Charakter sichern ihm ein dauerndes An- denken. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 15. November, nachmittags 2'U Uhr aus dem Hcilig-Krcuz-Kirchhos in Marien- dors statt, Gie Badenleger der Firma E. Ende. 33312 Allen Parteigenossen, Freunden| und Kollegen die traurige Nach-! richt, dafi meine herzensgute Frau| Rosa Sachse geb. Seip nach schweren Leiden an der! Proletanerkrankheit verstorben ist. f Die Beerdigung findet am Mitt-, woch(Buhtag), nachm. 3>/. Uhr.! von der Leichenhalle des Schöne- 1 berger Kirchhofes, Maxstraße, aus I statt, 32,061 Um stilles Beileid bittet der tief- trauernde Gatte nebst Verwaivdten. BeerdigungsTerein Berliner Zimmerleute. Am 10. November starb im Alter vo» 61 Jahre» unser MV glied, der Zimmerer Herr Friedrich Bulst. Ehre seinem Slndenkcn l Die Beerdigung findet Sonntag, den 15. November, nachmittags LA« Uhr, von der Leichenhalle deS uouen Jakobi-KirchhoseS, Her- mamistrasze 99—105 aus statt." Um rege Beteiligung ersucht 3239b Der Borstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzclge, Den Kollegen zur Nachricht, dafi unser Mitglied Ii. Wegener am 13. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Sonntag, den 15, November er nachmittags 1 Uhr, von dcr Halle des neuen Paul-KirchboseS in Plötzcnscc aus statt, Rege Bctefligung erwartet 160/18 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metailarbeiter-Verbandl (Verwaltungsstelle Berlin). Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Sermann Schwarz am 12. d, M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet mn Sonntag, den 15. November er., nachmittags 3 Uhr, von derLeichen- halle des Zions- Kirchhofs in Nicder-Schönhausen aus statt. Rege Beteiligung erwartet 160/17 Die Ortsverwaltung. PhntograplT"""" Atelier 6tto Qntan, 0. KraiJtstr.52 bei d. Frankfurtersir. am Strausb.-Rl. WMSWSKU r; 12 Visit und ein ölM. grosses.. für» 3 Kab. 3 M., 6 Kab. 5 M., 12 Kab. 3M. Bromsüber-Vergrössorungen von 1 M. an. Abends Aufnahmen bei oloktrischcm Licht.[02281.* Sonntags geöffnet von 9—7 Uhr. 12 Visit— 2 M.(Probebilder geliefert.) 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Januar 1304 ab eine Vereinbarung getroffen worden, nach welcher die Geschäfte beider Institute bei voller Aufrechterhaltung ihrer Selbständigkeit in Zw kunft gemeinschaftlich geführt und die erzielten Reingewinne nach dem Verhältnis der jeweiligen Aktien- und Reservekapitale geteilt werden sollen. Zugleich werden je zwei Direktoren und drei Auf- sichtSratSmitglieder des einen Instituts in den AufsichtSrat des andern zu wählen sein. Für den Abschluß dieses Abkommens war die Erwägung maß- gebend, daß die Geschäfte der beiden Institute sich in besonders zweckmäßiger Weise ergänzen. Die gewählte Form der Interessen� gemeinschast wird nach der Uebcrzcugung der Vertragschließenden annähernd dieselben Vorteile wie eme Fusion erreichen lassen, während andrerseits die Nachteile einer solchen, insbesondere die un- produttiven Aufwendungen für Stempel, Kosten beziehungsweise doppelte Besteuerung seitens des Staates und der Kommunen ver- mieden werden. Die Generalversammlungen beider Institute werden auf den 10. Dezember d. IS. einberufen. SchiffahrtSabgabcn. Der jüngst von der„Kreuz-Zeitung" gegen das Mittellandkanal-Projckt ausgespielte Vorschlag, ein«gleich niäßigeS Abgabensystem" auf allen deutschen Wasserstraßen,»atiir lichcn wie künstlichen, einzuführen, findet bei den Schiffahrt?- interesicnten energische Zurückweisung. In der heute in Köln ab- gehaltenen ordentlichen Hauptversammlung de» Vereins rheinischer VinnenschiffahrtSinteressenten wurde, wie uns von dort telegraphiert wird, einstimmig folgende Resolution angenommen: Die Versammlung erhebt im Hinblick auf die außergewöhnliche Bedeutung der fteien Rheinschiffahrt im Wirtschaftsleben Einspruch gegen die neuerdings aufgetretenen Versuche auf Einführung einer Schiff- fahrtS-Abgabe. Ganz abgesehen von den schweren Schädigungen, die zweifellos dem Schiffahrtsgewerbe zugefügt werden, haben Industrie, Handel, Export und Import ein tiefgreifendes Interesse daran, daß die Wohlfeilhcit der Wasserstraßen nicht durch Abgaben verteuert wird. Die Versammlung spricht daher die Erwartung aus, daß die Bundesregierungen die Einführung von Schiffahrt?- abgaben von vornherein ablehnen und jeden Versuch, den Artikel 54 der Reichsverfassung anders als bisher auszulegen oder abzuändern, entschieden zurückweisen iverden. Deutsches Zuckcrkartell. Von den zuständigen Stellen ist laut „Berliner Neuesten Nachrichten" beschlossen worden, sowohl das Rohzucker- wie das Raffinerie-Syndikat mit Dezember d. I. auf- hören zu lasten. Da bei einem Hinauftreiben des JnlandpreiseS über den WeltmarktSvreis plus Jnlandsstcuer und Ueberzoll sofort ein Znckerimport stattfindet, hat die Kartellierung keinen Zweck mehr. Kalispndikat. Entgegen andern Blättcnneldungen hört die .Rheinisch-Westfälische Zeitung", daß der definitiven Erneuerung des Kalisyndikats vorläufig Hindernisse im Wege stehen. Wie bei allen Syndikaten sei es auch hier die Luotenftage, deren Lösung die größten Schwierigkeiten bietet. Die meisten mittleren und größeren Werke beanspruchten eine wesentliche Mehrbeteiligung. Bagdad-Bnhn. Wie der„Franks. Ztg." aus Konstantinopel ge- meldet wird, halten die deutschen und französischen Interessenten der Bagdad-Bahn heute eine abermalige Zusammenkunft in Brüssel ab. Da nacki der Entscheidung des französischen Ministerrats eine offizielle französische Beteiligung unter der Aegide der Regierung aus- geschlossen ist, werden die französischen Kapitalisten aller Voraussicht nach Syndikatsbetciligungen nehmen. ES dürfte demgemäß der swtus quo ante wiedcrhergcsiellr werden, so daß die Deutschen eine Beteiligung von 60 Proz., die Franzosen eine solche von 30 Proz. und die Anatolischen Bahnen eine solche von 10 Proz. erhalten. Die Krise in den Vereinigten Staate». Der Londoner„Daily Expreß" vom 12. d. M. schreibt:«Der Kursrückgang in den Stahl- trust-Papieren scheint kein Ende nehmen zu wollen. Gestern notierten die gewöhnlicben Aktien 103/« und die Vorzugsaktien 53',/,. ein Rückgang von 3l/i resp. G3/. seit dem Beginn des Monats. Im Jahre ISvl standen die gewöhnlichen auf 56>/z und die Vorzugsaktien auf 104. Der Rückgang im Gesamtmarktwert beläuft sich auf über 80 Millionen Pfund Sterling. Ein Bostoner Finanzblatt veröffentlicht eine Liste von 100 Aktiengesellschaften und Trusts, deren Aktien in letzter Zeit einen Gesamtrückgang von 3 48 Millionen Pfund Sterling zeigen. In folgendem einige Beispiele: Rückgang in Pftcnd Sterl. Sugar Refining Co.......... 6 376 000 Jnter. Mercantile Co......... 5 272 000 Standard Dil........... 48 750 000 Unites StateS Steel Corporation: Stammaktien.. 43 222 000 Vorzugsaktien.. 38 380 000 SrneKts-Leitung. Ein Preßprozefi gegen die Spandauer, Laterne" ist vor dem dortigen Schöffengericht verhandelt worden. Angeklagt waren unsre Genossen E. Rieger und A. Könitz er sowie der Schriftsetzer Jahn. Rieger wurde zum Vorwurf gemacht, einen lokalen Bericht in Nr. 37 der„Laterne" verfaßt zu haben, der von einem Leichen- begängniS handelte, das vom Äriegerverein in Falkenhagen am Sonntag, den 7. Juni d. I.. absichtlich„mit besonderem Tamtam" und so arrangiert worden lvar, so daß dadurch eine zur selben Zeit im Dorfe Falkcnhagen in einer Privatwohnung abgehaltene socialdemokratischc Versammlung, in der Dr. K. Liebknecht referierte, g e st ö r t worden sei. K o n i tz e r war als verantwortlicher Redakteur der„Laterne" wegen dieses Berichts und eines Leitartikels in der gleichen Nummer, überschrieben „Majestätsbeleidigung, Gotteslästerung und Leichenschändung im Dienste Paulis", angeklagt. Jahn saß unter der Be- zichtigung auf der Anklagebank, der Anstifter zu den beiden Artikeln zu sein, in welchen die Anklagebehörde eine Be- leidigung des Postschaffners Lehmann und des jetzigen Amts- dienerS erblickte. Jahn hatte nämlich in der erwähnten Volksversmnm- lung erzählt, daß ihm am Sonnabend ganz unvermutet eine fremde Leiche, und zwar die eines im Nachbar- Hause verstorbenen Pensionärs Pfeiffer, vor seine Wohntüre gestellt worden sei, wodurch er selbst in große Auf- regung versetzt worden wäre, da er nervenkrank und seine Frau vor kurzem erst eine Entbindung überstanden habe: seine Interventionen beim Amtsvorsteher Kopp hätten keinen Erfolg ge- habt, dessen Zeit sei durch eine patriotische Versammlung in Anspruch genommen worden. Diesen Vorfall machten umher« schwirrende Gerüchte zu einer patriotischen Allion des Kriegervereins, der mit der Aufbahnmg der Leiche in einem„vom Kirchhofe ent- fernteren Hause" beabsichtigt habe, die ganze Dorf st raße mit dein Leichenzuge zu passieren und so die Aufmerksamkeit der Ein- wohner von der socialdemokratischen Versammlung abzulenken. Die Beweisaufnahme ergab zwar die Richtigkeit der Jcihnschen Mitteilung. nicht aber den Beweis für die den: Kriegerverein zugeschriebene Absicht. Der als Zeuge vernommene Amtsvorsteher Kopp, mit dem unsre Parteigenossen schon wiederholt zu thun hatten, mußte au Vorhalt des Verteidigers Dr. Liebknecht einräumen, daß er die Zeugen Lehmann und Liepe zur Stellung des Straf antrages angeregt und auch die bei den Strafakten befindliche Zeichnung gefertigt, auch daß er die Erlaubnis dazu gegeben habe, daß die Leiche vorzeitig, d. h. schon zwei Tage nach dem Tode beerdigt werden durfte. Sonst hätte das Begräbnis am Montag stattfinden müssen. Auf die Frage des Ver teidigers._ ob der Zeuge Kopp bei dem früheren Verbot einer socialdemokratischen Versammlung, die unter freiem Himmel tagen sollte sda der Socialdemokratte in dem Wohnort des Herrn Kopp alle Säle verweigert werden. D. B.), etwa die Absicht gehabt habe, damit die socialdemokratische Agitation zu erschweren, verweigerte der Zeuge die Antwort, da er sich zur Be- antwortung dieser Frage dienstlich nicht für berechtigt halte. Der Amtsanwalt beantragte gegen R i e g e r ivegen dessen Vor- strafen wegen ähnlicher Delikte drei Wochen Gestingnis, gegen Konitzer 200 M. und gegen Jahn 150 M. Geldstrafe. Rieger bestritt, der Verfasser des betreffenden Berichts zu sein, da dieser thatsächlich von andrer Seite geliefert und er wegen eine? kurze Zeit vorher erlittenen Radunfalls damals nur wenig redaktionell thätig gewesen sei. Das Gericht erklärte Nieger und Jahn für nichtfchuldig und sprach beide frei. Konitzer wurde zu 100 M. Geldstrafe verurteilt 1 Tie von so schweren Folgen begleitete Venzin-Explosion» die am 5. Juni d. I. in einer hiesigen Fabrik stattfand, beschäftigte gestern die zehnte Strafkammer des Landgerichts I. Auf der Anklagebank befanden sich der Fabrikant Gustav Schande und der Werkführer Franz L e s n i e w s k i, welche beschuldigt waren der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung, sowie der fahrlässigen Brandstiftung. — In dem ersten Stockwerk des Ouergebäudes des Grundstücks Wasserthorstr. 54 befindet sich der Fabrikraum der Firma„Metafr Industrie Aktiengesellschaft, vormals Weidner". Ter Angeklagte Schaade ist Direktor, der Angeklagte LcLniewSki Werkführer in der Fabrik. An dem genannten Tage, nachmittags gegen 3 Ilhr, wollten die Arbeiterin Wando Majewski und der Arbeiter Joseph Ziolkewiez aus einem etwa 50 Liter haltenden Benzin-Glasballon Benzin in eine Flasche abfüllen. Zu diesem Zwecke stellten sie den noch zur größeren Hälfte gefüllten Ballon auf eine im Fabrikraum befindliche Bank. Die Majewski ließ dabei den Griff des KorbeS, in welchem der Ballon sich befand, aus der Hand gleiten, der Korb fiel auf den Fußboden und der Ballon zerbrach. Das Benzin ergoß sich aus den Fußboden und floß auf einen im Fabrikraum befindlichen von einer offenen Gasflamme geheizten Trockenofen zu. Als der Werkführer Lesniewski das Platzen des Ballons bemerkt hatte, eilte er dein Trockenofen zu, um die Flamme auszulöschen. Bevor ihm dies aber gelang, erfolgte die Explosion, die eine entsetzliche Wirkung hatte. Es waren außer dem Werkführer sechs Arbeiter und Arbeiterinnen anwesend. Sämtliche sieben Personen erlitten Brandverlctzungen, der ganze Raum glich einem Feuermeer. Mit brennenden Kleidern stürzten die Unglücklichen die Treppe hinunter, zwei Arbeiterinnen sprangen zum Fenster hinan». Einer der letzten, der Rettung durch die Flucht suchte, war der Arbeiter Max Koldrowiez, ein Nesse des Werkführers. In einem Schrank in dem Fabrikraum hing sein Rock, in welchem sich zwei Mark befanden. Koldroivicz ivollte diese zwei Mark noch retten und hielt sich deshalb etwa eine Minute länger in dem brennenden Räume auf. als nötig war, seine Person in Sicherheit zu bringen. Er erreichte seinen Zweck auch nicht, einer brennenden Pechfackel gleich, stürzte er die Treppe hinunter auf den Hof. Hier stand sein Onkel, der Werkmeister, der sich bemühte, sich die brennenden Kleider vom Lfibe zu reißen. Er wurde auf den neben ihm liegenden Neffen aufmerksam, weil dieser trotz der gräßlichsten Schmerzen ihm zurief:„Onkel, Onkel I Oben in meinem Rock stecken noch zwei Mark, gieb sie doch meiner Frau!" Koldrowiez ist am folgenden Tage im Kranlenhause verstorben, die übrigen Verletzten sind wieder genesen. Der Brand hat einen Sachschaden von etwa 7000 Niark angerichtet. Die Explosion ist dadurch entstanden, daß der Polizeiverordnung vom 25. Juli 1833 zuwider das Benzin nicht im Keller, sondern in dem im ersten Steck gelegenen Fabrikraum ausbewahrt wurde und zwar in einem Raum, in welchem ein Trockenofen Tag und Nacbt durch eine offene Gasflamme geheizt wurde. Beide Angeklagte wurden für diese unvorschriftsmäßige Aufbewahrung de» fcuergcfähr lichen Stoffes verantwortlich gemacht. Die Angeklagten, welche von den Rechtsanwälten Justizrat Sello und Dr. Schwindt ver- teidigt wurden, schoben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Der Staatsanwalt hielt den Angesagten Schaade, der sich auf seinen Werksührer verlassen haue und sich viel auf Reisen befand, für wenige. schwer belastet als den Werkführer, er beantragte gegen Schaade einen Monat, gegen Lesniewski z w cj Monate G e- f ä n g n i s. Der Gerichtshof vernrteilte«schaade zu einer Woche, Lesniewski zu vier Wochen Gefängnis. DaS Kammergcricht hat neuerdings sich selbst desavouiert, indem es, im Gegensatz zu früheren Entscheidungen, sich dahin entschieden hat, daß Polizeiverordnnngen, die das Tragen von Waffen verbieten oder von der Lösung eines Waffenscheins abhängig machen, gültig seien. Im Gegensatz zu dem Reichsgericht hatte bisher das Kammergericht die Ungültigkeit solcher Polizeiverordnnngen ange- nommen. weil durch 8 345 7 des preußischen Strafgesetzbuches in Ver- bindung mit z 367° des Reichs-Strafgesetzbuchcs die Materie des Waffentragens erschi. send geregelt sei, sonach erweiternde Polizei- Verordnungen nicht erlassen werden dürften. Diese, auf die Ent- stchungsgescknchte des tz 345' gegründete Ansicht hat, wie sich aus der „Deutschen Jnristen-Zcitung" ergiebt. das Kammergericht nicht auf- recht erhalten können, nachdem dem Senate jetzt Urkunden zugänglich geworden, wonach im Staatsrate im Jahre 1838 bei Beratung eines Gesetzentwurfes über das Tragen verborgener Waffen kein Zweifel darüber bestand, daß der Polizei die Bcftignis zum Verbote auch andrer Waffen in allen Fällen zustehe, in denen das Verbot zur Erhaltung der öfti— Alchen Sicherheit und zur Abwendung einer dem Publikum oder einzelnen Mitgliedern desselben bevorstehenden Gefahr nötig erscheine. Nur aus diesem Grunde sind anderweite Waffenverbote in dem Gesetzentlvurf von 1833 nicht ausgenommen worden. Das damals beratene Sondergcsctz ist nicht erlassen worden, sein wesentlicher Inhalt ist aber in das Strafgesetzbuch von 1351 übergegangen. Daß die Meinungen und Absichten, wie sie im Jahre 1838 im Staatsrate(also auch von den Ministern) einstimmig geäußert waren, sich bis zum Erlasse des preußischen Strafgesetz- buche» geändert hätten, davon erhellt nichts. Unter dem dringenden Verdacht, Mitglieder einer Falschmünzer- bände zu sein, wurden am 25. Juni d. I. in Oranienburg der Gartm Heinrich Schutt und der Bäckergeselle Otto Vollmer von der Kriminalpolizei festgenommen. Beide hatten gemeinschaftlich bei einer Reihe von Ladcninhabcrn falsche Zweimarkstücke mit den Jahreszahlen 1876 und 1896 in Zahlung gegeben und bei ganz g. ringen Einkäufen in echte Münzen umgewechselt. Bei verschiedenen Geschäftsleuten war ihnen dies Manöver geglückt, bei einem Bäcker- meister konnten sie aber ein solches Falschstück nicht los werden, sie mußten es vielmehr zurücknehmen und rechtes Geld dafür hingeben. Den, Bäckermeister kam die Sache verdächtig vor, er beobachtete die beiden und ließ sie schließlich verhaften. Auf dem Wege zur Polizei- wache suchte sich Sch. der Falsifikate zu entledigen, indem er sie über einen Zaun warf, sein Vorgehen war aber bemerkt worden, und so war da» corpus ckelicti nicht aus der Welt zu schaffen gewesen. Tie beiden, schon wegen Bettelns und Betruges vorbestraften Angeklagten standen gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I; sie hatten sich aber nur wegen Betruges zu verantlvorten, da ihre An- gäbe, daß Schutt einen Beutel mit den Falschstücken auf der Land- straße gefunden habe, nicht widerlegt werden konnte. Beide be- hauptcten. nicht gewußt zu haben, daß der ihnen zugefallene Schatz aus falschen Geldstücken bestanden, der Gerichtshof schenkte ihnen aber hierin keinen Glauben, sondern verurteilte Schutt zu 1 Jahr 3 Monaten, Vollmer zn 6 Monaten Gefängnis, unter An- rechnung von je 3 Monaten Untersuchungshaft. Schutt wurde außer- dem wegen Beilegung eines falschen Namens zu 1 Woch« Haft verurteilt. örlefkalten cler Rcdahtfon. �furiftifcher Cell. Sic juristische Tvrcchstuudc findet tnglich mit ZlnSnahme des Sonnabend? von 7'l, vi?»>/, Nile abendS statt. Geöffnet!? Ufjr. Krctischmer. Elsaß-Lothringen hat einen Landtag(Landesausschuß). Das Nähere finden«�ie in den Ncichsgefetzen vom 25. Juni 1873, 2. Mai 1877 und 4. Juli 1370.— H. M. Das Anrecht erlischt, falls nicht inner- halb zwei Jahren mindestens 26 Marken selbst geklebt werden.— F. B. 100. Klagen Sie Ihre Forderung ein; Verjährung liegt nicht vor. — Stichwahl, Rixdorf.„Nach Bildung der Wahlversammlung erscheinende Urwähler melden sich beim Wahlvorsteher und können an den noch nicht geschlossenen Abstimmungen tcilnchinen". sagt tz 13 des Reglements. Da- nach können an der Stichlvaht auch Wähler teilnehmen, die bei der vorher- gegangenen Wahl nicht anwesend waren.— X. B. Z. Leider zu spät. — L. S. 43. Eine feststehende Hebammentaxe giebt cS nicht. In Berlin werden S— 26 M. für die Entbindung, 1—3 M. für jeden Besuch als an- gemessen erachtet.— B. 100. I. Bei einer scchswöchentlichen KündigungS- srist niuß spätestens am l7. Februar(im Schaltjahr ain 18. Februar» zum 1. April, am 19. Mai, 19. August oder am 19. November zum 1. Juli, Oktober, Januar gekündigt, d. h. dem andern Teile die Kündiamig ausgesprochen oder übergeben sein. 2. Zu der ordnungsmäßigen Geschäftszeit, das sind die angegebenen Zeiten, sind Sie zur Arbeit verpflichtet.— G. Marggras. Ein soringercchtes, eigenhändig ge- und unterschriebenes, datiertes Testament ist gültig. Beispiele zu solchen finden Sie S. 233 Nr. 55 bis 59 des Anhanges(Führer durch das Bürgerliche Gesetz- buch) des in den ösicntlichcn Lesehallen ansllcgcnden„Arbciterrcchts". — C. C. L4. Verlangen Sie vom Wirt BeseUigiing des Ungeziefers setzen Sie ihm eine Frist, bis zu deren Wlaus die lästigen Mitbewohner cntjernl sein müssen, drohen Sie ihm an, daß Sie nach sruchtlosem Ablauf der Frist die Tiere durch einen Kammerjäger ans Kosten des Wirtes vertreiben lassen würden und führen Sie Ihre Drohung aus.— Hedwig 20. 1. Wenden Sie sich an Fräulein Ottilie Baader, Bellc-Alliancestraße 95. 2. Mit vollendetem 21. Lebensjahre tritt für Männer und Mädchen Voll- jährigkeit ein. Mit Beginn des Tages, an dem man 21 Jahre alt wird, ist man volljährig.— H. L. 10. Das Reichstags- Wahlrecht hängt von keiner Stcuerpflicht ab.— F. D. Nein. — Adolf N. Daß die vom Staat veranlagte Grund-, Gewerbe- und Gebäudesteuer in Anrechnung kommt, steht ja im H�3 des Rcglcinents (Seite 12 der Broschüre).— P. M. 50. Schließen Sie einen schriftlichen Vertrag über Erstattung des von Ihnen Verauslagten. In diesen fügen Sie ocn Passus ein: Die danach entstehende Schuld der Frau S wird mit deren Tode fällig.— C. K. H. Leider unterliegt die Freigabe der Tanz- und Musikerlaubnis dem„Pflicht- mäßigen Ermessen" der Voiizei. Der Betreffende soll Beschwerde erheben. — 31.®. 100. 1. Sosern solch Antrag erforderlich ist. ja: und zwar aus Kosten des Verkäufers. 2. Die Staats- Einkommensteuer beträgt bei einem Jabrcseinkommen von 12 500 bis 13 506 M. 396, bei einem solchen von 13 566 bis 14 566 M. 426 M., der Tarif für Einkommen von 866 bis 966 M. beträgt 4 M. Die Gemeinde-Einkommensteuer besteht in Zuschlägen zur Staats-Einlominciisteucr. Einen„Nornuu-Steuersatz" giebt es nicht. 3. Nein.— Mephisto 40. Sic sind rechtlich zur Unter»tützung nicht ver- pflichtet(tz 1663 des Bürncrlichcn Gesetzbuchs), lieber die Berpsiichwng entscheiden in Baden die VerwaltinigSgerichte.— St. M. 20. Nein.— 31. 40 a. 1. Ehebruch ist nur strafbar, wenn wegen desselben die Ehe geschieden ist und der schuldlose Ehegatte Bestrafung beantragt. Der Antrag richtet sich gegen beide Ehebrecher. Das Strafmaß beträgt einen Tag bis sechs Monate Gefängnis. 2. Nein.— A. B. 21. 1. Ja. 2. Nein. Sie werden als Zeuge vernommen. Der Ehemann ist berechtigt, auch einen falschen Verdacht unter Beweis zu stellen.— Zk. Nein. Rolt-Tabuk."VE Templinerstr. 3 « JvßUSil» n. d.Schwedtcrstraße. Rohtabak! | Filialen in Berlin; I im Norden: Bmnnenstr.Zü, tz im Osten: Koppenstr.il, im Südost.; Köttbuserstrl Filiale in Sachsen: Ciieranltz, Brückenstr. 19. Filiale in Schlesien: Batibor, Junplernstr. 11. Emil Berstorff, Berlin C. 2. Kaiser Wlllielmstrasse 39. Rohtabakt billigste Preise, gebr. Formen verkauft Miax Jacobj-, N., Strelitzerstr. 52. Roh-Tabak JYläX OttO, KttnigMtr. 6. Filiale Brunnenstr.152. ■ Alle Worten Tabak■■ zu billigsten Preisen.* Roh-Tabak. 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Uhr, bei Fcin.l, Weinstr. 11: PT" Versammlung"WD der in der Leiter- und Filzschuh- Industrie beschäftigten Mitglieder. Taget-Ordnung: 1. Ausslclluug von 53 Ersah- Vertretern sür die Orts-Kraiikelikasse. Wahlperiode 1904. 2. Aufstellung von vier Vorstandsmitgliedern für die Wahlperiode 1904/ö. 170/14__ Die Ortwverwaltung. Im- Montag, den 16. November 1903, abends S1,� Uhr: Werkstatt- Delegierten- Versammlung bei(jiraumann, Naunynstrajze 27. Tages-Ordnnng: Bericht der Telegicrten über in den o-abriken stattgefundene Lohndiffcrcnzen. lur iloaititiinas Jede Fabrik muh vertreten sein. Mit- �>Iil BtUUflullll. gliehsbnch legitimiert. In der Versammlung werden neue Tclegiertcn-5lartcn ausgegeben. 142/16 Der Torstand. Verein für grauen u. Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, 16. November, abends 8'/., Uhr, in den Zirminhallcn, Rommandautenftrahe 26, WWWW» Diskussion s-Altend'* mmmm im AnschluR an den Vortrag von Herrn Dr. Maurcnbrccher über Welt- anschauungSsragcn. 55/17 Gäslc willlommeu. Der Torstand. Dicnötag, den 17. November, abends 6 Uhr, Kellers festlale, Soppen str. 29, Ausserorä. MtgUeüer-Versammlung TagcS-Ordnung: 1. Ergänzungslvahl der Geichäftskomnnssion. 2. Bericht der Lohnkommiision über die Tarisvorlagc und Beschluhsassiiiig. 3. Gcwcrtschasllichcs. Dem Bcichius; der lehien öffentlichen Versammlung vom 6. November zusolge ist das Erscheinen aller Mitglieder dringend notwendig. 292/7 _ Ausnahme neuer Mitglieder. Der Torstand. Cenlralverband der Steinarbeiter Deutschlands. SKCarmorarbeiter! Dienstag, den 17. d. M.. a b e n d s 8 U ft r. im Englischen Garten. Alexauderftrahc 27c: Mitglieder- Versammlung. TageS- O r d n n n g: 1. Vortrag des Genossen M. Kiesel über: Gcwerkschasts- Organisation. 2. Dislussion. 3. Abrechnung der Tarif- und Slrcikkommission. 4. Verschiedenes. 179/14 Die Versammlung wird Punkt 8 Uhr eröffnet»nd ist es Pflicht eines jeden Kollegen zu erscheinen. Der Torstand. itt Sonntag, den 22. November 1968, vormittags»ff, Uhr, in der Schlohbrauerci. hier. Hauptstr. 112111: Orbenttidfe(ücnttiibllftfiinnnliinn gn welcher die Tclegierte» hierdurch eingeladen werden. TagcS-Ordnung: 1. Wahl des Ausschusses zur Prüsung der JaHreSrechumig 1903. 2. Vorstandswahlen(ein Arbeitgeber, vier Arbeitnehmer). I. Aenderung der Kranlenvcrhaltungsoorichrijten. 4. Bericht über Regelung des Slcrzte- vcrhältnisscS. 5. Verschiedenes. UWM- Um pünktliches Erscheinen wird dringend gebeten.-Mgl S w ö n c b e r g, den 13. November 1903. 278/17 31. Wöllcr, Vorsihcndei. Eh. Franke. Schristsübrcr. Sichtung Achtung: i Muslkillkrlimkiiten-Ardkitrr! Montagabend 7 Uhr: Kommissionssitzung im Gewerkfchaftshausc, Engel-Ufer IS. Die Wertstatt-Telegierten ersuchen wir. in dieser Sihung die Sand- zetlel zu der am 23. November stattfindenden öffentlichen Versammlung ab- zubolen. 89/12 _ Tie Branchen-Kommission. Sehäfte-Jlrbeiter! Montag, den 16. November, abends«'/, Uhr. im R-senthaler Hof, Rosenthalcrstr. 12(Großer �aal): OOntt. S"d)flfl(ntbdt(t=yctfiiniinlun9. Tagcs-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Hammacher über:»Tos Koalitionsrecht und die herrschende Klaffe.- 2. Diskussion.— 3. Verschiedenes. 170/15 �er Einbernfcr. Dritter Reichstags- Wahlkreis. Kommunalwahl im 17. und 18. Bezirk. Dienstag, den November, abends 8 Uhr, in den Arminhalle», Kommandantenstr. 20: Volks-Versammtnng. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtv. Dr. Alfred Bernstein über: Die bevor- stehenden� Ttadtverordnetenwahlen. 2. Diskussion. 3. Aufstellung von Kandidaten für den 17. und 18. Bezirk. 212/15» Regen Besuch crwarien Die Vertrauensleute. Söeiaidemokrat. Wahlverein der Frauen Berlins und Umgegend. pifiiütag, drn l7. Illwettther IM, ttbends 8V2 Uhr, im lokale Warienbad, Badstrahe Nr. 1«: AM" VersamRilunsr."WE mg der Genossin Dr. D'allv Zepler über:»Ter Geist der BolkSs 1. Vortrag der Genossin Dr. Wally Zcpler preußische Landtag 2. Diskus von. Männer und!1rauen als Gäslc haben Zutriit. Volksschule und der 1/15" Um regen Besuch ersucht Der Torstaad. (Zentral-Perband der Maurer. Zwoigvcrcin Berlin. Sektion der Gips- und Cementbranche. Mittwoch, de» 18. November d. I.(Bnfttag), vormittags 10 Uhr: im tZewerksebaftsbanse, Engel-User 15(großer Saal); QeneralsV er sammluns. 144/19 agcS-Ordnung: Als einziger Punkt: Ergänzungslvahl des Vorstandes. Mitgliedsbuch legitimiert.-MU Lhne dasselbe kein Zutritt.-H ____ Der SeliUonsvorstand. I. A; Ernst Lange. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Tcmaltungsstclle Berlin. Bureau: Engel-Ufer IS, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Sonntag, 15. November, vorm. 16 Uhr, bei Sachse, Lindowerstr. 26: Kkrsliinililiinll irr itildinrbfitct. Montag, 16. November, abends S'/a Uhr, bei Wilkc, Brunnenftr. 188: Nersninniliing brt djirnig. Krnnchk. Tages-Orduung: 1, Vortrag dcS Genossen Xatienslein über:..Tic Bedeutung der Ge- nosscnschaftensnrdicGcwcrkschasten". 2. Diskussion. 3. VcrbandSangelegenhcitcn. Montag, 16. November, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Idiel, Bergstraße 151—152: Kchrks-Utrsniilitilmin sür Kirdorf. T a g e S- L r d Ii n u g: 1. Vortrag des Kollegen g. Nuscbiol«. 2. Diskussion. 3. Ersatzwahl des ersten BezirksleiterS. 4. VerdandSangetegenheiten. Das Erscheinen oller Kollegen ist unbedingt erforderlich. Mitglieder werden in der Versammlung ausgenommen. Die Ortsverwaltnng. Gold- mid Silberarbeiter. Mittwoch, den 18. Xovcnibcr(Bnsstag): Herrtttpariit vou ileyel aus nalti tzkiligtustr-Spaudau. Treffpunkt früh 9'/, Uhr Tegel, Restaurant Krause. 100/16 Recht zahlreiche Beteiligung erwartet Ter Branchen Vertreter. Berliner Konsumverein. Donnerstag, den 19. November d. I., in U.onis Kellers groffein Festsaal. Koppenstr. 29: & CkljtbildcrWortrag&& des Herrn Dr. Karl Munciinx: �Die deutsche und die englische Konsumgenossenschafts-Bewegung in Wort und Bild-. 132/20 Eintritt 10 Pf.- Anfang 8 Tbr. Eintrittskarten sind in nnsren sämtlichen Vcrknussstellen zu haben. Grosser Lichtbilder- Männer-Yortrag + morgen. Montagabend, 8'/, Uhr, Moabit. Wilsuackerstr. 68 gr. Taal. Anatomisches, Patboloeisches, mikroskopische Aufnahmen, Sexuelle liCiilen.SIlciiguiijfs- u. Geschlechtsorgane.- Bekannter Vortragender; Grnndmaiin. prall. Natnr- hcilkuiidigcr. Diese neuen Lichtbilder sind sür Männer sehr wichtig. Eintritt nebst Broschüre 30 PI., reserviert 50 Pf. Raturheilvcreiu Reform 5 Kuranstalt Köpnickerstr. 72. Ltittrntoertiil der dki>tsd>tii Söttdier Filiale Berlin. Sonntag, den 15. November er» nachmittags 2 Uhr, bei W'llke. Brunncnstraßc Nr. 188: Vereins-Vcrfammlunö� Tagesordnung: 1 Vortrag vom Schriststcller M. Baexe über: Naturwissenschast. 2. Gcwcrkschastlichc Angelegenheit und Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ivcrdcn die Milgticdcr eiffucht, zahl- reich und püntllich zu erscheinen. Nichtinitglicdcr-und Frauen sind höflichst zu dieser Versammlung eingeladen. ;92/18 Ter Vorstand. Angebot!! Selten günstiges Wir verkaufen den Best unserer l>ame]i- Paletots soweit der Vorrat reicht, zu folgenden Ausnahme-preisen: Serie I IG Mark II 15 Mark Wert bis 24 Mark III 20 Mark Wert bis 33 Mark IV 26 Mark Wert bis 56 Mark Wert bis 45 Mark ♦ Für Modelle extra billige Preise! ♦ 3)antenntäntel-?abrik Kronenstr. 44, II Tr.(Fahrstuhl.) Ailgem. Vrts-Krauktllkasse fürditotmnigttnKtmrbe- betrirbe(fharlottenburgs. 'Aus der Reihe der Vorftandsmit- glicder scheiden am 31. Dezember er. Mrinisniäßig aus bezw. es sind aus- geschieden: >. Die Abeitgeber- Delegierten: l-angnev, 7aniler und Sodor. 2. Die Delegierten der Kassen- Mitglieder: Scheel. Schröder, Grade und Reek. Sonach sind a) seitens der Arbeitgeber-Delegierten Vorstandsmit- gtieder durch Neu- resp. Er- gänzungSwahl b) seitens der Delegierten der Kaffen- Mitglieder mHIk Vorstandsmitglieder durch Neuwahl aus die nnchbezcichnctc Mandaisdauer zu wählen. Das Mandat der an Stelle der Herren Langncr, Zander, Scheel, Schröder, Grade und Rcel neuzuwählciiden Personen läuft bis zum 3t. Dezember 1905, dasjenige an Stelle des Herrn Sabor bis zum 31. Dezember 1901. Dies vorailSgcschilft, berpfen wir hiermit zur Vornahme der erforder- tichcn Neu- resp. Ergänzungswahl a) die Arbeitgeber-Delegierten aus Freitag, d-n ÄT'.d. M., abends 8 Uhr. b) die Delegierten der Kasseumit- gtieder aus Montag, den Ath. d. M., abends 8 Uhr. nach dem nnteren Saale des Boltshanses hicrselbst, Rosinen- straffe 8. mit dem Bcmcrfcn, daß beide Wahlakte präeis 9 Uhr abends geschtosien werden. Sm Anschlüsse an die aus Montag. drn 89. d. M.. ciiiberiijcnc Wahl- Versammlung sindet in Gemeinschaft mit den'Urbcitgebcr-Dclcgierten von 9 Uhr abends ob im obCHCtt Saale des Eharlottenburger Boltshanses die ordentliche Gc- ncralvcrfainmliing der Kaffe statt mit der Tagesordnungz I. Wahl eines RdchnungSauSschuffeS zur Prüfung der JahrcSrcchniing für das Fahr 1903. 2. Bcschlußsassiing über die ärztliche Versorgung der Knsicnmitglicder im Fahre 1901. Zu dieser Gcneralver- sammlung laden wir hierdurch die gesamte» Kaffcndelcgicrtcn ein lind bemerken, dar, jeder Delegierte eine schriftliche Einiadinig besonders erhält, die als Legitimation zur Wahl- und zur Generalversammlung dient und deshalb zu den Bcr- sammlungen mitzubringen ist. Delegierte, die die Wählbarkeit oer- licrcn bezw. verloren haben, sind von der Teilnahme an den qu. Vcrsamm- lungcn ausgeschlossen. 278/ t4 Ehartottenburg, 13. November 1903. Der Kaffcnvorstanb. st. Scheel, Vorsitzender. KgitstionLMlerisi! Als billiges und»virkfames ZlgitationSmaterial empfehlen wir: 100 Eremplare zu Ml. 7, 500.,,«5. Georg v. Bollmar: Lehren und Folgen der letalen Reichstagswahlen Robert Albert: Kaiser Adressen! nebst einem Anhang: Kruppscher Wohlthfttigkeitssehwindel. Joh. Timm: Soeialdemekratie und Centrum. Thaftachen- Material zur Arbeiterversicheamg und EentrumSpolittk. Lieferung kann nur erjolgen, soweit der Vorrat reicht. G. Birk& Co., München. Orts- KranbenftalTe der Messersciuniede, Schvertleger u. Yerlertiger ehinirg. Instnimenle zu Berlin. Sonnabend, 21. November 1903, in den Borussia-Sälen, Ackerstr. 6/7: Ordentl. General-Versammlung. Ta ges- O r dn u ng: 1. Wahl von 4 Borstandsniilgliedern (3 Arbeitiiehiner und 1 Zlrbeitgeber). 2. Aulrag des Rendanten und Kos- sierers aus Gehaltserhöhung(event. Neuwahl). 3. Wahl eines Rendanten. 4. Wahl von 3 Ausschußmitgliedern zur Abnahme der zZahreSrechnuiig. 5. statutenabSndernng. 6. Ver« schiedenes. 32t9b Tie Herren Arbeitgeber stnd hiermit eingeladen. Um pünktliches und zahlreiches Er- scheinen eriucht Der Borstand. Generai-Verfammlung der Orts- Krankenkasse der Cigarrenmacher, Sortierer und deren gewerblichen Hilssarbeiter Berlin? Dienstag, den 24. November 1903. abends 8 Uhr, im Restaurant stempel, Roscnthalcrstraße 11/12. Tagesordnung: 1. Statutenberatung. 2. Während der Versammlung eingegangene An- träge. Desgleichen Z r e i t a g, den 27. November 1903, abends 8 Uhr, im Restaurant stempel: General- Verlamnilung. Tagesordnung: 1. Vorlegung dcS Jahresberichts. 2. Wahl von sechs ausscheidenocn Vorstandsmitgliedern. 3. Wahl von drei Revisoren zur Borprstsung der Fahresrcchnuiig. 4. Anträge und Bericht. Nur Delegierte haben in den Ver- sammlungen Zutritt. Am selben Tage, am 27. November mid im selben Lokal findet um 6 Uhr abends die General-Veffammlung der Arbeitgeber statt. Tagesordnung: 1. Neuwahl für drei ausscheidende Vorstandsmitglieder. 2 Verschiedenes. 3224b Der Torstand. Ördentllehe Generalversammlungen der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Orts-Krankenkafse der Maschinenbau-Arbeitcr und vcrw. Gewerbe zu Berlin am Montag. 89. November d. I.. abends 8'/, Uhr. in Weudts E cntral- Elubhaus. SIM Königsgrabcn 14.&. Tagcs-Lrdnnng: Bericht der Kommission über die Abänderungen des am 7. Sep- tember d. F. bcschlossencii StaiuiS. 2. Wabl von drei Revisoren zur Prüsinig der Jahresrcchimng. 3. Verschiedenes. Aach Schluß dieser Gcneral-Vcr- sammlung findet in demselben Lokale eine Gcneral-Bcrsammlnng de:: Vertreter der arbeitnehmenden Mitglieder behnss Bornahme der Wahlen von zwei Vorstands-Mit- gliedern statt. Anfragen und Beschwerden, zu welchen die Einsicht in die Kassen- bücher iiolwendig ist, müssen bis zum 29 d. M. mündlich oder schriftlich be- Hufs Beantwortung dericlben in der »iieneral-VcrsammIung dem Vorstniide mitgeteilt werden. Am Dienstag. 24. November d. I., abends 8 Mr. sindet im Lcr- lincr RntSlcller«Frallionszimmer), Eingang Füdenitraße, die General- Beriammlung der Vertreter der Arbeitgeber statt. TageZ-Ordnniig: Wahl eines Vorstandsmitgliedes. Zahlreiches und pünktliches Er- scheinen der Herren Vertreter ist sehr crioiwscht. 1903. 32266 Das Mandat legitimiert Berlin, den 14. November Der Vorstand. E. Gutheit. für die Viascbefsbriballoii. Dienstag, den 21. d. M.. abds. 7>/. Uhr, in den Arminhallrn, Kommandantenstr. 20, a8. orckutUche General- Versammlung der Otts-Krankenkasse für die Waschefabrikation. Tages-Ordnuilg: 1. Neuwahl sür vier Vorstands. Mitglieder(1 Arbeitgeber und 3 Arbeit- nehm er). 2. Wadl des AuvschuffcS sür die Ptüsmig der Rechnung dcS JahrcS 1903, 3. Bcantivortung aller derjenigen Anfragen. welche im allgemeinen Fnlcresie der Krankenlasic liege» und bis zum 21. November d. F. schrift- lich oder mündlich an den Borfitzendeii der Kasse gestellt werden. 4. Verschiedenes. 278/13 Berlin, den 11. November 1903. Oer Vorstand der Orts-Krankenkasse für die Wäsehefabrikatien. Frankfurther. Vorsitzender, Mencrbeerslr. 1—4. Wichtig fnr Gastwirte! Rezepte zur Sewslbereitung von Essenzen Premlauer Allee 198, pari. l. Warenhaus A. Wert heim Montag den 16. November beginnt der Lelpzigerstr. 132/135(Ver3and-Abtoflung>— Rosenthalerstr. 27/29,— Oranlenstr. 52/56 Puppen Qelenkpuppen 2.40 2.75«.. 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Schon als im Juli die ersten zuverlässigen Nachrichten über die Statuten- und Vertragsänderungen des rheintsch-tvcstfälischen Kohlen- syndikats durch die Presse liefen, wurde an dieser Stelle sNr. 172 vom 2ö. Julis hervorgehoben, daß zu de» Monopolisicrungsplänen der Shndikatsleitung auch das Projekt gehöre, eine unter der Bcr- waltung des Kohlensyndikats stehende Verkaufs- und Handels- Vereinigung zu schaffen, die neben dem Kohlenexport nach den Niederlanden und Frauircich auch das Kohlensrachtwescn auf dem Rhein und seinen schiffbaren Zuflüssen in die Hand nähme. Seitdem sind bald hier, bald dort in der rheinischen Presse Mitteilungen über ein von der Syndikatsleitung geplantes „Kohlencomptoir" aufgetaucht, die im ganzen diese Auffassung bestätigten, über die Form der Organisation und die Ausdehnung des zur Monopolisierung bestimmten Absatzgebietes aber noch manche Zweifel bestehen liesien. Durch eine vor einigen Tagen von der„Köln. Ztg." gebrachte nähere Mitteilung über das Projekt werden nun auch diese Zweifel behoben. Deutlich geht aus den syndikatsoffiziösen Angaben des Blattes hervor, wohin daö Streben der Herren Kirdorf und Konsorten geht und zugleich, das; auch in diesem Fall es sich letzten Endes um nichts andres als eine Hinaustreibung der Äohlenpreise handelt. Die schönen Redensarten, mit der zuerst die Absichten des Syndikats aufgeputzt worden sind, dienten lediglich dazu, das liebe Publikum einzuseifen. Nach der Angabc der„Köln. Ztg." besteht die Absicht, vom 1. April ab zunächst den gesamten Ruhrkohlcnhandcl, soweit er sich über die Rheinhäfen und die angrenzenden Reviere erstreckt, ein- schließlich ganz Süddeutschlands. Elsaß- Lothringens, der Schweiz und einiger Teile Frankreichs zusanimenzufaflen und demnach alle bisher hierfür in Betracht kommenden Kohlcngroßhandluugen zu einer Einkaufs- und Bcrkaufsvcreiniguug zu verbinden. Neben dem Kohlenverkehr rheinanfwärts sollen auch die bisherigen Verladungen rhcinablvärts nach Holland mit einbegriffen werden, während die Liefernngen zu Wasser und zur Strecke nach Belgien hierbei nicht in Betracht kommen, weil für letzteres Gebiet bereits seit mehreren Jahre» eine besondere Alleinverkaufs- stelle in Antlverpcn besteht, ebenso Ivie auch seit Bestehen des Kohlensyndikats stir den Bahnverkchr nach Holland eine Eentralstelle in Utrecht unter der Firma„Steenkolen- Handels- Vereeniging" eingerichtet ist. Für die geplante Vereinigung ist die Form einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung gewählt worden: die Beteiligung wird be- rechnet nach den» Tonnenumsatz im Durchschnitt verletzten drei Jahre, demnach für die Zeit vom 1. April 1901 bis 1904. Da, wie es in der„Köln. Ztg." heißt, das Kohlcnsyndikat seit einigen Jahren für einen großen Teil der auf dem Wasserwege zur Verfrachtung ge- langenden Kohlenmengen eine eigne Regie unterhalten hat, beteiligt es sich s e l b st an der geplanten Vereinigung. Ur- sprünglich lag e-Z in der Absicht, nur die großen Händler init einer Beteiligung von 200000 Tonnen zu vereinigen, jedoch ist schließlich, nach langen Verhandlungen, die Beteilignngsmenge auf 50 000 Tonnen herabgesetzt worden. Es verlautet, daß bereits an- geregt worden ist, die ausfallenden Mengen auf die Betei- ligung des Kohlen syndikats zu ii vernehmen oder der Vereinigung zu überlassen. Mit andren Worten, das Syndikat oder vielmehr die Syndikatsleitung tritt selbst als erste Teilnehmerin in das Kohlencomptoir ein und übernimmt die Führung, der sich die Großhändler völlig unterzuordnen haben. Und der Zweck dieser Vereinigung? Das rheinische Blatt kennzeichnet ihn selbst mit den Worten:„Die zukünftigen Verkaufs- preise werden die zur Zeit geltenden zum Teil wesentlich über- steigen, schon allein aus dem Grunde, weil■ eben die überaus traurigen Verhältnisse im Kohlenhandel, sowohl in Holland als auch in Süddeutschland, veranlaßt durch den mit jedem Tage gewachsenen Wettbewerb der Händler und der Zechen, die bisher außerhalb des Syndikats standen, den unmittelbaren Anlaß zu einer Vereinigung der sich bisher befehdenden Verkäufer geboten haben. Der Um- stand, daß das Kohlensyndikat an dem Kohlen- omptoir unmittelbar beteiligt wird, bürgt indes .afür, daß allerdings auskömmliche Preise ge- stellt werden, aber aus, in Zeiten allgemeiner Kohlennot, un- günstiger Transportvcrhöltnisse oder bei sonstigen erschwerenden Anlässen auf eine gleichmäßig regelmäßige Bedienung gerechnet werden kann." Um die« zu erreichen, sollen die Verkaufspreise denn auch nicht ab Zeche oder VcrladungShafen, sondern für sämtliche auf dem Wasserwege rhcinaufwärts zu liefernden Mengen loco Waggon oder frei Schiff an den einzelnen Stationen und Umschlaghäfen gestellt werden, so daß der Transport der Kohlen ebenfalls aufRechnung desKohlencomptoirs gehen würde und zwar derart, daß zunächst in erster Linie die für den Anschluß an das Kohlencomptoir in Betracht kommenden Transportfirmen berücksichtigt, die überschüssigen Mengen dagegen auf dem freien Markte untergebracht werden sollen. Diese Bestrebungen sind außerordentlich lehrreich. Seit Jahren bemühen sich gewisse„Volkswirte" auf akademische Lehrstühlen, die einfache Thatsachc. daß die Kartelle und Ringe nichts andres als 1'utenrehmerverbände zur Erhöhung des Unternchmerprofits sind, da- durch zu verdunkeln, daß sie ihnen allerlei schöne socialethische Zwecke unterschieben und sie als den Anfang einer neuen Organi- sation der Volkswirtschaft hinstellen. Und bei diesen Dedultioncn mußte gewöhnlich als Beispiel für die guten Eigen- schaffen der Kartelle das Rheinisch-westfälische Kohlensyndikat dienen, dieses„bestgeleitete" aller Kartelle, dessen Vorstand, wie es in den Lobreden hieß, in kluger Erkenntnis der modernen Wirtschaft- lichcn Anforderungen stets eine kluge Preispolitik befolgte und sich nicht habe dazu verleiten lassen, in der Zeit der Hochkonjunktur die Preise allzu hoch hinaufzuschrauben, lind als dann im März der „R e i ch s- A n z e i g e r" das Protokoll über die Verhandlungen (26. und 27. Februar) der vom Reichsamt des Innern angestellten Enquete veröffentlichte, da konnte man fast überall in Zeitungen und Zeitschriften lesen, daß das Ergebnis der Untersuchung eine ent- schiedene Rechtfertigung der Kartellpolitik des Kohlensydikats sei. Selbst die„Frankfurter Zeitung" meinte in ihrem Leitartikel vom 31. März:„Gerade an dem Beispiel des Kohlensyndikats läßt sich auch ersehen, wie nützlich eine völlige Klarstellung der Ver- Hältnisse' nach allen Seiten»oirken könnte; sie wiirde ebenso v o rh an d en e V orurt e i l e gegen die Kartelle be- fettigen, wie sie andrerseits den Kartellleitungen etwaige Fehler zor Augen bringt und sie ihre Gesamtaufgabe erkennen läßt." Und lveiterhm heißt es: „DaS Kohlensyndikat nimmt diese ganz ausnahin�weise Stellung ein,(d. h. als„legales Glied der wirtschaftlichen Oganisation" be- trachtet zu werden), weil seine Leitung sich bemühte, die Wirtschast- lichen Aufgaben zu erfüllen, die ihr zugefallen waren, und weil fit auch bisher in sich die Kraft gefunden hat, die zweifellos vorhandenen Miß stände zu be- scitigcn oder zu mildern. Das Lob, das ihr gespendet wurde, ist sodann auch die direkte Folge ihrer verhältnismäßig milden Preispolitik. Sie hat in der Zeit der Hochkonjunktur mit Preis- crhöhuugen zurückgehalten und damals zweifellos niedrigere Preise erzielt, als der Markt ohne Kartellierung gehabt hätte",.. Die Frage, ob die sogenannte Zurückhaltung der Syndikats- leitung nicht weit weniger einem freien Entschluß entsprach, als dura, die Position des Syndikats, besonders durch sein Konkurrenz- Verhältnis zu den außerhalb des Kartcllvcrbaudes stehenden Zechen und zum englischen Kohlcncrport bedingt war, wurde nur ganz ver- einzelt aufgeworfen. Das Maßhalten, zu dem der Zwang der Ver- hältnisse nötigte, galt ohne Weiteres als Ausfluß weiser Einsicht. Wie völlig verkehrt das war, zeigen die jetzigen Mouopolisierungs- Pläne der SydikatSleiwug. Nachdem es ihr unter Hochdruck ge- lungen ist, eine Erneuerung des Syndikat» auf breiterer Basis zu stände zu bringen und in die Statuten Aenderungen hinein zu praktizieren, welche die Macht der Syndikatsleitung und ihre Kampf- mittel gegen die NichtsyudikatSzechen verstärken, ist cS mit dem Rücksichtnehmen vorbei. Ohne Bedenken wird neben der Monopolisierung der Kohlenproduknon des Ruhrrevier« die Uebernahme des Kohleu-Großhaudels. des Verfrachtungswesens und des Kohlenexports durch die Syndikatsverwaltuug betrieben,— nicht etwa zu dem Zweck, durch diese Zusammenfassung bisher gesonderter Thätigkeits- gebiete die Unkosten und Spesen zu verringern, um dadurch m die Lage zu kommen, die Preise niedriger stellen zu können, sondern in der offen verkündeten Absicht, die Preise hinaufzutreiben. Während das Kohlensyudikat die Früchte seiner„OrganisationS- arbeit" mehr und mehr reifen sieht, will cS mit einem andern MonopolisieruugSprojekt, dem deutschen Stahlwerksverband, nicht vorwärts. Ein baldiger �Zusammenschluß der auf dem Gebiet der Stahlindustrie einander widerstrebenden Kräfte zu einem Kartell- verband erscheint heute noch weit niehr in Frage gestellt, als vor einigen Wochen. Die Schwierigkeiten sind hier beträchtlich größere,.als in der Kohlenindustrie. Während diese im Ruhrgebiet im wesentlichen unter gleichen Be- diugungcn produziert und ihre Produkte absetzt, affo auch im ganzen, nachdem ein Modus für die Respektierung der besonderen Bedürfnisse der sogenannten„Hüttenzechen" gefunden ist, gleiche Interessen hat, besteht die Stahlindustrie aus einer Reihe verschieden- artiger Produktionsstufen, von denen manche bereits in kleineren Ver- bänden syndiziert sind. Und diese Verbände haben sehr verschiedene Interessen. Der Halbzeug- Verband möchte z. B. vom Roheisen- Syndikat das Rohmaterial recht billig einkaufen und sein Halbzeug recht hoch verkaufen. Daniit sind aber wieder der Grob- und der Feinblech-Vcrbaud, das Walzdraht-Syndikat usw. nicht einverstanden. Sie wolle» die Halbzeug- Preise möglichst niedrig gestellt wissen, damit einerseits die in den letzten Krisenjahren ohnehin knapper gewordene Spannung zwischen den von ihnen bezahlten Materialprcisen und den von ihnen auf dem deutschen Inlandsmarkt für ihre Produkte erzielten Preisen nicht noch mehr zusammenschrumpft, und sie andrerseits durch die weit niedrigeren Preise, zu denen der Halbzeug-Berband seine Erzeugnisse nach dem Auslände verkaust, nicht in ihren ausländischen Absatz- gebieten konkurrenzunfähig werden. Der au» diesem Preishalten jeder Gruppe entspringende Jnteressen-Widcrstreit zwischen den verschiedenen Produktionsstufen hat aber zudem die Folge gehabt, daß vielfach die Werke einer höheren Stufe, z. B. die Walzwerke, soweit ihre eignen Mittel es ihnen gestatteten oder Bankinstitute sich zur Finanzierung bereit fanden, die von ihnen zur Weiterverarbeitung benötigten Roh- und Halbstoffe in eignen Betrieben herzustellen suchten, und zu diesem Zweck entweder Hochöfen und Stahlwerke ankauften oder neu anlegten. So sind denn in letzter Zeit vielfach große Werke entstanden, in denen, ähnlich Ivie in den großen amerikanischen Betrieben, das Produkt nacheinander die verschiedensten Stadien durchläuft, manchnial vom Eisenerz bis zum feinen stählernen Fertig- fabrikat. Alle diese kombinierter, Werke haben durchaus kein Interesse daran, daß die Roh- und Halbstoffe billig sind, denn sie brauchen diese ja nicht zu kaufen: im Gegenteil, sie sehen hohe Materialpreise am liebsten, denn je höher diese sind, je weniger sind diejenigen Werke, die diese Stoffe nicht selbst herstellen, im stände, mit ihnen zu konkurrieren. Daher erklärt sich auch, daß die großen kombinierten Betriebe, darunter vornehmlich die Firma Krupp, der Gründung eines StahlwcrkS-Vcrbandes sehr„wohlwollend" gegenüberstehen, während die„r eine n" Walzwerke, das heißt jene, die vom Halbzeugverbaud ihren Bedarf beziehen müssen(es dürsten etlva vierzig Walzwerke sein), größtenteils von dem Projekt nichts wissen wollen, da sie fürchten, nach dessen Verwirklichung noch mehr in den Hintergrund gedrängt zu iverden. Zu diese» aus der Verschiedenheit der Betriebsformen ent- springenden Gegensätzen gesellen sich noch einige andre. Der Leiter der'Verhandlungen, Generaldirektor Kirdorf vom Aachener Hüttcn-Aktienverein„Rote Erde", möchte einen möglichst umfassenden Verband schaffen, in dem alle Stahlbranchen Platz finden: die Her- stellcr von Rohstahl, Walzeisen, Schienen, Träger, Bau-Eisen, Blechen, Draht usw. Erst dieser Tage wieder bezeichnete die„Kölnische Zeitung" in einer Notiz als Zweck des Unternehmens„den An- und Verkauf von Eisen- und Stahl-Erzeugnissey aller Art, den Erwerb von Industrie- Unternehmungen aller Art, den Betrieb von Uirternehmungen aller Art, die ans die Lagerung, den Absatz und die Beförderung von Eisen- und Stahl- Erzeugnissen gerichtet sind, solvie die Beteiligung an solchen Unter- nehmungen." Dagegen befiirworten andre Werksverwaltungen daß der Verband nur als Einkäufer von Eisen und Rohstahl und als Verkäufer von Halbzeug, Schienen und Trägern fungieren soll. Hinzu kommt noch die, Verschiedcnartigkeit der ProduktionS- und Absatzbedingungen im rheinisch- ivesffälischcn Industriegebiet und in Schlesien. Soll das geplante Stahlsyndikat thatsächlich eine Monopol- stellung auf dem deutschen Inlandsmarkt erlangen, dann muß auch die schlesische Stahlindustrie sich ihm anschließen. Dazu sind aber bisher die schlesischen Werke wenig geneigt, vornehmlich aus zwei Gründen: Erstens bezweifeln sie. daß der Verband in der vorhin erwähnten, vom Generaldirektor Kirdorf geplanten Ausdehnung zu stände kommt, besonders, daß er auch die Blech- und Trahtindustrie mit umfassen dürste. Gerade diese spielt aber in Schlesien eine be- deutende Rolle, und wenn sie von der Kartelliernng ausgeschlossen wird, hat für viele der schlesischen Werke der Anschluß keinen Zweck mehr. Zweitens aber exportiert die schlesische Stahlindustrie im Vergleich zur rheinischen nur sehr wenig; den bei weitem größten Teil ihrer Produktion setzt sie auf dem östlichen deutschen Inlandsmarkt ab. Skun aber muß der StahlwerkS-Verband, wenn er nicht zu be- deutenden Produktionscinschränkungen greifen will, einen bedeutenden Export betreiben, und da die Preise auf den in Betracht kommenden Auslandsmärkten zur Zeit ziemlich niedrig stehen und zudem auf ein weiteres Sinken zu rechnen ist, so ergiebt sich, daß bei dem aus- wältigen Geschäft ein großer Nutzen nicht zu erwarten steht, d a S heißt der auf dem Inlandsmarkt zu erzielende Gewinn durch dieEx Portgeschäfte beträchtlich ver- dünnt würde. Zu Gunsten des rheinisch-westfälischen Stahl- cxports sich ihre Jnlandsgewinne schmälern zu lassen, dazu aber haben die schlesischen Werke, die, wie schon oben erwähnt wurde, selbst nur rekativ wenig ausführen, keine Lust. Möglich erscheint es trotzdem, daß schließlich noch unter Ach Und Krach ein Verband der wichtigsten Zweige der Stahlindustrie zu stände kommt, denn in letzter Instanz entscheidet darüber keineswegs allein das Interesse der Werke selbst, sondern das sich mit diesem durchaus nicht deckende Interesse der hinter ihnen stehenden Hoch- finanz. Aber zu einer Ivirklich straffen, aktionsfähigen Kartell- orgauifation, die den sicherlich alsbald innerhalb der eignen Reihen ausbrechenden Friktionen Stand zu halten vermöchte, tvird es schwerlich kommen— dazu sind denn doch die Gegensätze zu groß. Fälschung der Gnittungskarte. Die Schwurgerichte haben immer wieder über Fälschungen von OuittungSkarten abzuurteilen, und immer wieder erfolgt die Verurteilung wegen fchlvercr Urkundenfälschung. Ein Fall dieser Art giebt dem Landgerichtsrat Dr. W. Röunberg in Rostock Veranlassung zu beachteuSIvertcn Ausführungen in der neuesten Nummer der Zeitschrift„Das Recht" über die in Betracht kommenden gesetzlichen Bestimmungen. Der Angeklagte, ein gewerb- sicher Arbeiter, der seine Onittungskarte, wie er angab, die siebente, verloren, hatte sich von der Versicherungsanstalt eine neue Ouittungs- karte ausstellen lassen, die, da er die Nummer der alten nicht nach- weisen konnte, die Nr. 1 erhielt. Um nicht mit einer ersten Ouittungs- karte in Anbetracht seiner nicht mehr jungen Jahre bei dem Arbeitgeber einen schlechten Eindruck zu machen, verwandelte er die Str. 1 in Nr. 5, in der Hoffnung, bei Vorzeigung einer fünften Karte leichter Arbeit zu finden. Von der so gefälschten Ouittungs- karte machte er einem Arbeitgeber gegenüber Gebrauch. Das Schwurgericht verurteilte den Angeklagten wegen schwerer öffentlicher Urkundenfälschung, indes— trotz vieler Vorstrafen— unter Annahme mildernder Umstäude, in eine Gefängnisstrafe von vier Monaten.Mit Recht bezeichnet Rönnbcrg diese Strafe, selbst unter Berücksichtigung der vielen Vorbcstrafungcn des Angeklagten, als eine geradezu drakonische. Er kommt aber auf Grund eingehender Erwägungen zu dem Resultat, daß der An- geklagte wegen Urkundenfälschung überhaupt nicht bestraft werden durfte, daß vielmehr lediglich eine Kontravention des Jnvaliden- versicherungs-GcsetzeS vorlag. Gemäß§ 184 des jetzigen JnvalidenversichenmgS-GesetzeS kann nämlich, wer in OuittungSkarten Eintragungen oder Vermerke macht, welche unzulässig sind, oder wer in OuittungSkarten den Vordruck oder die zur Ausfüllung des Vordrucks eingetragenen Worte oder Zahlen fälscht oder wissentlich von einer derart ge- fälschten Karte Gebrauch macht, lediglich mit einer Geld- strafe bis zu 20 Mark belegt werden, und nur wenn die Fälschung in der Absicht begangen wurde, sich oder einem andren etnen Bermögensvorteil zu verschaffen oder einem andren Schaden zuzufügen, tritt eine Verfolgung wegen Urkunden- fälschung ein. Rönnberg vergleicht nun hiermit die entsprechende» Bestimmungen im 8 151 des älteren Gesetzes, zieht die Vorgeschichte des jetzigen§ 184 zu Rate, und weist nach, daß man bei Schaffung der neuen Bestimmungen darauf bedacht gewesen ist, die Fälschungen von OuittungSkarten möglichst der Verfolgung wegen Urkunden- fälschung zu entziehen. Während nämlich bisher nur die nach dem Gesetz unzulässige» Eintragungen und Vermerke der Strafvorschrift des Alters- und In- validitätsgesetzcs unterstanden, bei andern Eintragungen aber, ins- besondere bei Aenderungen des Vordrucks oder der zur Ausfüllung des Vordrucks eingetragenen Worte oder Zahlen, sofort in Frage kam, ob Urkundenfälschung vorlag, kckuu nach 8 184 des neuen Gesetzes auch eine Fälschung der letzt- gedachten Art nur als Uebcrtretnng des Juvaliden-VcrsicherungS- Gesetzes bestraft werden, und es ist, wie die Begründung zu dem neuen Entwurf ergiebt, ausdrücklich beabsichtigt, durch diese Aenderung in den gesetzlichen Bestimmungen ungerechtfertigten Härten entgegenzutreten, welche sich auS der Eigenschaft der OuittungSkarte als einer öffentlichen Urkunde ergeben'möchten. ES geht zu weit, wenn solche unter Umständen geringfügige und zuweilen in gutem Glauben vorgenommene Aenderungen in allen Fällen als Urkundenfälschung angesehen werden sollen. ES findet aber weiter, während früher überall, wo es sich nicht um eine nach dein Gesetz selbst für„unzulässig" erklärte Einwägung handelte, ebenfalls wieder sofort eventuell eine Bestrafung wegen einfacher Urkundenfälschung gemäß 8267 Str.-G.-B. erfolgen mußte, jetzt eine Verfolgung und Beswafung loegen Urkundenfälschung überhaupt nur dann statt,„wenn die Fälschung in der Absicht begangen wurde, sich oder einem andren einen VernwgenSvortcil zu verschaffen oder einem andren Schaden zuzufügen", wobei es außer Frage steht, daß dieser Vermögensvorteil ein rechtswidriger, d. h. ein solcher sein muß, den zu beanspruchen man nicht das Recht hat. Die Entscheidung der Frage ob in dem Fall, welcher Rönnberg zu seinen Erörterungen Veranlassung gegeben hat, von einer Urkundenfälschung die Rede sein kann, hängt also lediglich davon ab, ob nach dem Sinne des 8 184 des Jndalidenversicherungs« Gesetzes der Zweck, den der Angeklagte mit der von ihm vor- genommenen Aenderung verfolgte, nämlich der. Arbeit zu erlangen, als Absicht, sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen, anzu- sehen ist. Rönnberg führt nun zur Beantwortung dieser Frage aus. daß. schon wenn man ohne Rücksicht auf 8 184 des Jnvalidcn- versicherungs-Gesetzcs lediglich von dem 8 268 des Swasgesetz- bucheö ausgeht, es mindestens zweifelhaft erscheinen muß, ob die Erlanguiig eines honorierten Dienstes ein Vermögensvorteil im Sinne dieser Gesetzesbestimmung ist. da man ja doch, um diesen Vermögensvorteil zu erlangen, gleichzeitig(in der Arbeit, die man zu erlangen trachtet) einen ebenso großen oder noch größeren Ver- mögenswert dafür hingicbt; er weist dann aber weiter über- zeugend nach, daß die qu. Frage gar nicht aus§ 268 des Swafgesetzbuchs, sondern ganz allein aus 8 184 des Jnvalidenversichermigs- Gesetzes zu entscheiden ist, da dieser Paragraph nicht etwa besagt, daß eine Verfolgung wegen Urkunden- fälschung eintntt. wenn die Voraussetzungen des§ 268 Swasgesetz- buches gegeben sind, sondern selbständig bestimmt, daß sie eintritt, „wenn die Fälschung in der Absicht begangen wurde, sich oder einem andern einen Vermögensvorteil zu verschaffen oder einem andern Schaden zuzufügen". Es kann nun aber gar keinem Zweifel unter- liegen, daß der ganze Sinn dieser Bestimmung des Invaliden- versichcrungs- Gesetzes der ist, daß die Absicht, eine lohn- bringende Dienststellung zu erwerben, nicht als Absicht, sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen, aufgefaßt werden soll. Wenn das Gesetz die Fälschung der Onittungskarte nicht als Urkunden- fälschung, sondern als ein besonderes, mit geringfügiger Ordnungs- strafe zu ahndendes Delikt ansieht, so wird man unmöglich an- nehmen können, daß dieses Delikt einen ganz andern Charakter be- komnien und zum schweren Verbrechen werden soll, wenn es von dem gewiß keineswegs verwerflichen Motiv, Arbeit zu erlangen, ge- tragen wird. Rlinnberg weist zum Ueberfluß noch nach, daß man von dieser Auffassung offenbar auch be: Beratung der neuen Gesetzes- Bestimmung ausgegangen ist, und meint wohl nicht mit Unrecht, daß auch die Gerichtshöfe wohl das Gefühl haben müssen, daß die Verurteilung Ivegen Urkundenfälschung in der- artigen Füllen xiue übergroße Härte in sich schließt, da sie regelmäßig selber den Gesetzgeber dadurch korrigieren zu müssen glauben, daß sie den Angeklagten wenigstens mildernde Um- stände zubilligen, da andernfalls auf Zuchthausstrafe würde erkannt werden müssen. Daß 8 268 St.-G-B. überhaupt zu Unrecht an- gelvandt wird, kann nach obigem nicht zweifelhaft sein: abzuwarten bleibt freilich, ob die Gerichte sich durch Rönnbergs Ausführungen eines Besseren werden belehren lassen. Eingegangene DrucMdmften. Dr. Wilhelm Rohnstadt. Die Agrarstage w der deutschen Social- dcmokratic. Preis 3,50 M. Dr. Edgar Daequs. Der Dcsccndenz- gcdanke und seine Geschichte. Preis 2 M. Die zunehmende Unfähigkeit der Frauen, ihre.Kinder zu stillen. Ein Vortrag von G. v. Bunge. Preis 80 Pf. Sämtlich zu beziehen durch die Verlagsbuchhandlung Ernst Reinhardt, München, Karlstr. 4. Ed. Otto, Deutsches Frauenleben im Wandel der Jahrhunderte.(Aus Natur und Geisteswelt.) Leipzig, Druck und Verlag von B. G. Teubner. Preis geb. 1,25 M., Rennen Sie schon MÄGGI5"""«.WÜRZE Sic gießt den einfachsten Suppen, schwacher Bouillon, Saucen, Fleisch- speisen und Gemüsen sofort kräftigen Wohlgeschmack und hilft in der Küche spare». Altbewährt!" Sehr ausgiebig! Nicht überwürzen! 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Jlatusch, Uhlandstr. 71 empfiehlt(ein Lokal allen Genossen und und Freunden. Vereins- zimmer zu vergeben. 33082* EJs ist verkehrt, noch zu glauben, dast nur allein die importierten Spirituosen, gcwöbniich„Echte" genannt, das Vertrauen des Kenners verdienen und ein vollwertiger Ersad nicht existiere. Dies ist ein längst ver- altetcs Vorurteil, welches nur derjenige noch hegen kann, der noch niemals die berühmten OrIjrIiia.I-ITcichci-Esscnzcn zur Selbstbercitung von Cognac, Rum und allen echten Liqueuren probiert hat. Ter sich nach Millionen von Flaschen bezissernde Umsatz beweist mehr als Worte, dag die aus Original-Rcichcl- Ksscnzcn hergestellten Getränke den besten Liqueuren der Well tfmtsächiich ebenbürtig sind und sich die rückhaltlose Anerkeimung weitester Kreise, ebenso wie diejenige aller Fachmänner erworben haben. Dies ist auch ganz erklärlich, denn die Reichel- Essenzen sind im Gegensatz zu den biogcn Imitationen reine, also voll- kommen„echte* Naturprodukte, welche nichts andres als dieselben edlen Bestandteile und ursprünglichen Grundstoffe enthalten wie die teuersten und besten Liqucur-Specialitätcn. wohl aber oft bis um das Zehnfache billiger find.— ES wird jedoch dringend vor minderwertigen Nachahmungen gewarnt und fordere man au§- schließlich„Marke Lichtherz*, die allein für Echtheit und Ersolg garantiert.— Zu haben in den bekannten Apotheken, Droguerten und beim alleinigen Fabrikanten Otto Reichel, Gröstte Dpecialfabrik Tentschtandö, Berlin SO., Eiscnbahnsiraffe 4. OUUM 11V 37 333 433 551 610 804 96 15ÜO| 505 61 610 52 00 890 150001 910 52001 141 75 550 605 718 54 807 47 63 ISOO] 98« 53081 09 415 03 874 5402U 94 170 80 332 522 92 637 904 78 114029 55 507 52 95 617 29 833 999 115137 224 37 400 532 91 628 821 908 116106 15 sSOOOl 22 216 46 50 flOOOl 378 48 901 83 117117 320 523 603 725 54 09 981 118063[3000] 95 14« 255 704 814 91 119023 344 433 44 58 68 95 542[10001 600 92 754 812 120187 337.33 70[1000] 447> 500] 609 808 970 121103 429 562 612 91 935 1 22990 slOl»] 183 492 561 033 37 77 95 711 945 80 1 23239 96 393 667 889 92 908 1 24148 210[500] 12 99[500] 472 74 95 740 74 90 863 902 72 1 25151 59 213 697 753 71 868 986 126334 451 010 738[1000] 875[509]' 127166 74 288 346 548 896 986 1 28054[1000] 58 159 267 464 573 [5000] 793[10091 800 65 921 25 42 73[500] 129085 201 48 480 640 130001 93[3000] 708[3000] 838 130003 169 405 517 36 58 92 638 41 57 83 720 [500] 71 873 1 31169 7' 213 34 60 567 666 832 09 13 2087 115 76 273 336 5.58 031 13000] 05 1 33187 251 533 134104> 5001 95 283 436 65 509[5001 672 781 847 978 1 35442 60 616 1 3 6009 45 80 175 261 465 510 07 634 67 719 861 74[10001 82 96 971 137297 434 515 79 643 846 1 38078 155 275 309[3000] 424 903 139203 53 435 42 523 699 754 68 869 140131 72 228 412 576 77 95 612 749 877 913 44 76 14 1 278 705 833 1 42197 234 98 325 37 477 653 731 36[1000] 847[1000] 974 1 43347 617 773 89 807[10001 928 92 1 44043 56 158 288 92 467 530 41 877 910 145016 185[500] 282 330 420 72 638 797 832 900 [60 000] 146094 285 95 318[3000] 33 416 503 13000] 759 1 47 136 233 34 387 596 646 716 70 835 905 18 65 76 148053[30001 73 375 495[500] 587 674 719 149084 92[1000] 97 158 66 259 492 567 81 870 [1000] 912 56 150291[500] 365 779 832 91 15 1293 363[10001 636[30001 726 850 1 30001 77 89 1 52047 54[500] 78 147 317 443 575 712 913 91 153144[500] 259 81 [5001 428 33 36 517 48 93[10001 95 690 721 812 951 154132 97 292 535 009 155291 369 73 4/6 826 32 [1000] 52[1000] 54 61 968 156050 126 60 223 4)9 [500 11» 2» 84 78 558 94 609 879 96 157169 358 499 Sil 68 975 84 1 58049 94 295[1000] 314[19001 604 fSOOOl 92[1000] 70« 49 932 1 59105[500] 73 88 >500] 42.0 6 4 5 40 815 29>10901 33 921[500] lÖOÖOS 170[500] 315 13000] 460 520 24 96 027 110001 07 707 813 98 952 1500] 16 1 020 43 101 634 91 " 83 ÜOp01 162038 155 270 600 75 95 848 922 IL24,1 664 76 935 164001 45 III 17 456 89 562 629 S®(Ö3„84 165102 17 61 79[ 5001 303 502 897 J® 8071 84 115 233 315 67 456 592 95 718 64 800 16*066 132 73 203 8 391 558 1500] 84 726 2 168246 334 513 901 19 58 16912? 738 [500] 924 39 72 90 809 50 940 427 37 611 763 871 170091 188 510 28 903 43 17 1058 183 233 338 l*2l).2«2 187 13000] 284 86 319 Lfi.n-. 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K49 i» WCO Mt, IM 7 i» 100} Mt, 258« zu de», Mt. Berantwortl. Redakteur- Julius Kaliski in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und VcrlagSanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW Nr. 268. 20. Jahrgang. ki>M des Lmrick" firtlinct MbHrtl Sonntag, 15. November IM. Die Gemeinden und die Arbeiter. l. Die rasche Entwicklung der städtischen Eigcnbetricbe im letzten Mcnschenalter hat da�u geführt, dasz die gröberen Ttädte, mit wenigen Ausnahmen, in ihrem Wirtschaftsrayon die grünten Arbeit- geber sind. Die Stadtgemeinde Berlin beschäftigt z, B. in ihren eignen Betrieben mehr als 12 000 Menschen/ 5töln ungefähr 4000. Dresden nahe an 3000. München über 2000, Nürnberg fast die gleiche Anzahl. Diese Ziffern lassen schon erkennen, von welcher Bcdentnng die socialpvlitische Haltung der Stadtgeineinden für einen großen Teil des städtischen Proletariats sein muß, zumal alle Er- Hebungen die Thatsache erhärtet haben, daß sich unter den städtischen Arbeitem mehr Verheiratete finden als bei den in privaten Unter- nehmungcn angestellten. Leider sind nun die städtischen Betriebe— und zwar ohne jede Ausnahme— noch weit davon entfernt, Musterbetriebe zu sein, die sie sein könnten ohne erhebliche Mehrbelastung der Gemcindc-Etats. Sowohl Ivas die Höhe de? Lohnes, die Ausdehnung der Arbeitszeit, den Schutz des Äoalitionsrechtes, wie auch die Regelung des Urlaub- Wesens und der Altersrenten anlangt, so bestehen da noch mancherlei Gründe zu berechtigten Klagen der Arbeiterschaft, Derselbe Geist, der den preußischen Eisenbahnminister Thielen einst antrieb, in einem Erlasse zu befehlen, in seinem Ressort sollten die Arbeits- bcdiiigungen keinesfalls günstiger gestaltet werden als in der Privatindustrie, herrscht auch in den meisten Stadtgenwinden noch allmächtig: die Gemeindebetriebe sollen keine Muster betriebe werden, damit die Ausbeuterinteressen der private» Unternehmer nicht gefährdet werden! Die Orannisation der Gemeinde- Arbeiter kämpft gegen diese rückständige Gesinnung tapfer an und hat sich dabei der lhatkrästigen Unterstützung der socialdemokratischen Gemeindevertreter zu erfreuen; aber es bleibt uoch mancher harte Strauß auszusechten, Immerhin würden hier Erfolge rascher zu erzielen sein, ivenn das Proletariat energischer auf den Ausbau einer allgemeinen städtischen Arbeitervolitik drängt«. Denn die Gemeinden haben wichtige Aufgaben nicht nur in der Fürsorge für ihre eigenen Arbeiter zu lösen, sondern müssen durch eine allgemeine Arbeiter- Politik ihren socialpolitischcn Leistungen eine breite Grundlage geben, DaS Ziel dieser allgemeinen städtischen Arbeitcrpolitik ist daS gleiche, welches die Gewertschaften erstreben: es gilt, die Erriiiguug von hygienisch und ökonomisch gleich günstigen Arbeitsbedingungen für die Gesamtheit aller im Gemeiiibebezirk lebendeil Arbeiter zu unterstützen und nötigenfalls zu erzivingen. Aber nicht»ur anständige Arbeitsbedingungen will und muß der Arbeiter haben, sondern vor allem auch ständig« Arbeitsgelegenheit. Die Arbeits- losigkeit schwebt stets, ein modernes Damoklesschwert, über dein Nacken des Proletariers, Als Einzelner völlig machtlos gegen die Wirkungen der im Wesen des heutigen Wirtschastsordmmg tief begründeten Krisen, vennag er auch nicht einmal durch den Anschluß an eine Organisation diesem Uebel zu steucnt: gegen krisenhafte Arbeitslosigkeit reichen die Mittel keiner Gewerkschaft anS: öffenilichc Körperschaften müssen hier eingreifen, müssen— die Form, in der daS geschehen soll, wird sich finden lassen I— den Beriifsorgani- sationen einen starken Rückhalt geben. In allererster Linie wird man dabei immer an ein Eingreifen der Gemeinden zudenken habe», weil fie wegen der Armenpflege an dem Problem der Ar- beitSlosigkeit direkt interessiert sind. Die Sorge für die Armen ist im rechten Sinne vornehmste Pflicht und Aufgabe der Gesellschaft und ihrer Organe: dem Arrneu zu helfen um seines Menschentums lvillcn ist aber unmöglich, weuu man sich damit begnügt, jemand. der am Bersinken ist, ivöchentlich eilten Bettelpfennig mnziUverfen, mit dem der notivendigste LebenSbedarf nicht zu bestreiten ist; eine wirklich ihrer Aufgabe sich voll bewußte Armenpflege würde dem Armen auch nicht für das Linsengericht der Armen- Unterstützung das Recht der Erstgeburt abfordern, will sagen: ihm für den Empfang der Unterstützung nicht die politischen Staats- und Gcmeiiidebürgcrrechte nehmen. Das wäre die beste Armenpflege, die sich selbst überflüssig macht, d. h. Teil einer solchen Social- Politik ist, die mit weiter Voraussicht und starkem Verantwortlichleits- oefühle einer Verarmung der Bevölkerung vorbeugt. Die Verarmung tritt erfahrungsgemäß in den meisten Füllen als Folge von langandauernder oder häufig wiederkehrender Arbeitslosigkeit ein. Deshalb heißt eS dieser in allererster Linie entgegenwirken, Die Einrichtung von kommunalen Arbeitsämter,! ist von allen gefordert worden, die sich am Kampfe gegen die Arbeits- losigkeit ernsthaft beteiligt haben, Sie sollen Eentralstellen der ArbeitSvermittclung fein und dürfen deshalb nicht allein der städtischen Vurcaukratie unterstehen: die Arbeiterschaft hat ein Anrecht darauf, an ihrer Aufsicht«beuso beteiligt zu sein. lvie daS Unternehmertum. Geschieht das und wird daS Amt nach den Intentionen dieser paritätischen Aufsichtsstelle verständig geleitet, dann kann es manchen Nutzen stiften. Freilich nur— manchen I Es kann den Arbeitslosen und Stellen- suchenden nur mitteilen, wo etwa offene Stellen vorhanden sind, Und auch der Nachweis einer offenen Stelle kann wegen der Eigenart der Ware Arbeitskraft ihrem Anbieter nicht in allen Fällen helfen. Entfernung der Arbeitsstätte von der Wohnstättc und andre Umstäiide spielen Bei der Annahme oder Ablehnung einer offenen Stelle ost eure entscheidende Rolle, Wa« daS Arbeitsamt, so weit es ccntralisiertcr Arbeits- nachiveis ist, gar nicht kann, das ist, Arbeitsgelegenheit schaffen. Darauf kommt cs'im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit aber Haupt- sächlich an..Die durchgreifendste Hilfe für Arbeitslose ist," wie Greulich mit Recht scharf hervorhebt,.ihnen Arbeit zu geben, und die moderne Arbeiterschaft unterscheidet sich dadurch am meisten von dem Proletariat des alten Roins, daß sie nicht wie jenes Brot und Spiele verlangt, sondern in erster Linie Arbeit— und nur soweit solche nicht gegeben wird, auch Brot," Daß die Beschaffung von Arbeit in einer Zeit der Krise gewisse Schwierigkeiten, zumal für eine einzelne Gemeinde, bietet, ist ohne Zweifel zuzugeben, Aber mehr als bisher könnte dennoch geleistet werden, wenn man einmal eine zweckmäßige allgemeine Arbeitcrpolitik zu treiben lernen wollte, und wenn sodann auch die N o t st a n d S a r b e t t e n anders und hesser eingerichtet würden, als es bisher geschah. Betrachten wir zunächst den zweiten Punkt, so ist festzustellen, daß die NotstondSarbeiten bisher fast in allen Gemeinde», aus denen uns Berichte darüber vorliegen, recht wenig weitschichtig organisiert worden sind. Man kann doch nicht wohl behaupten, daß die letzte gewaltige Geschaftsdcpression mit ihrer Arbeits- losigkeit überraschend gekommen sei, nachdem schon am 2. Dezember 1805 in Preußen mehr als eine halbe Million Arbeitsloser festgestellt worden war, davon mehr als ein Fünftel mit einer Arbeitslosigkeit von länger als S Monaten. Seit Jahr und Tag war gerade die socialdemokratische Tagespreise nicht müde ge- worden, auf die drohende und schon beginnende Krise hinzuweisen, Aber die Bäter unserer Städte hatten kein Ohr für unsre Warnungen und standen der ungeheuren Arbeitslosigkeit in den Jahren 1000—1002 gänzlich unvorbereitet gegenüber, in den meisten Orten wurden Notftandöarbeiten überhaupt erst.in Jnstruktto» gezogen", nachdem massenhaft besuchte ArbcitSloseiiversannnlnugen energisch Hilfsaktionen gefordert hatten, d. h. zu einer Zeit, wo eine gehörige Organisatton der NotstondSarbeiten kaum noch möglich, jedenfalls recht sehr erschwert war. So etwas läßt sich eben nicht improvisieren: es kann aber auch vorgesorgt werden, da über die Art der einzurichtenden NotstandSarbeiten eigentlich gar kein Zweifel auftauchen kann. Alle Arbeitslosen- zählungcn haben gelehrt, daß mehr als 70 Prozent der Arbeitslosen Tagelöhner. Erd- und Bauarbeiter find; also wird inan zunächst für diese Beschäftigung finden mttsien, DaS ist nicht schwer. Denn icdeS größere Gemeinwesen hat im Straßenbau, bei der Landauffchließung, bei der Kanalisation, beim Hochbau und bei den Wasserbauten alljährlich eine solche Menge von Arbeit zu vergeben, daß hier für die bezeichneten Arbeiterkategorien immer Arbeitsgelegenheit zu beschaffen ist. Nur muß man rechtzeitig die Pläne feststellen, die Vorarbeiten abgeschlossen halten und nur die allerdriiigendsten Ausführungen in der Zeit flotten Ganges der Privat-Unter- nehmung«» vornehmen. Man setze zu diesem Zwecke in den Städten einen ständigen Ausschuß ein, der dieses Gebiet fortlaufend bearbeitet. Ferner stelle man bei diesen Arbeiten nur die körperlich dam befähigten Arbeitslosen ein. dann werden auch die Klagen verschwinden, daß die NotstandSarbeiten den Gemeinden viel tdnrer zu stehe» kämen als andre. ArbeitsloscnScsckästiguiig muh eine wirtschaftliche Unternehmung werden, wie C. Hugo mit Recht fordert. Für die andren Arbeitslosen muß natürlich auf andre Weise gesorgt werden, waS dadurch geschehen kann. daß iiian die Koniinunalisieruug der für den Eigenbedarf der Städte notwendigen Betriebe energisch weiter betreibt. Dann hat man die rationelle Arbeits- Verteilung je nach den, Stande de? ArbeitSinarkteS viel besser m der Hand, Vieles läßt sich muh dadurch erreichen, daß die Gubmissions- arbeiten rechtzeitig ausgeschrieben und für die flauen Geschäftszeiten begeben iverden. Die Frage der rechten Zeit hat nicht der Techniker, sondern der Socialpolitiler zu beantworten. kl. Wenn die Gemeinden den NotstandSarbeiten den Charakter deL Zufälligen nehmen, sie prinzipiell von der Arincnpslcge loslösen und als einen Teil einer umfastsnden kommtiirglen Arbeiterpolitik be- trachten lernen, dann müssen sie sich auch mit dem Gedanken vortraut macheiii dafür die von den Gewertschaften gebilligten Löhne zu zahlen und in die Verträge mit solche» Unternehmern, die Arbeitslose bei Arbeiten für die Stadt beschäftigen wollen, die L o h n k l a u s e l aufzunehmen. Unter der Lohntlauscl versteht man eine Vertrags- mäßige Bedingung, daß der Lohn nicht niedriger augesctzt werden soll, als die Organisation der in einem Berufe beschäftigten Arbeiter billigt. Noch in den Iveitaus meisten Fällen wird heute beim Ab- schlug des Arbeitsvertrags der Lohn einseitig vom Unternehmer be- stimmt, nach der bekannten Formel:„wem's nicht paßt, der kann gehen". Die bürgerliche Oekonomil ist inzwischen dahin gelangt, es wenigstens als ein ethisches Postulat anzuerkennen,»daß der Lohn eine solche Höhe habe, daß die Arbeiter im stände sind, aus dem- selben nicht nur ihren notwendigen Lebensunterhalt, sondern inr Fortschritte der Geschichte und speciell der Produktivität der Arbeit auch fortschreitend sittlich berechtigte oder wünschenSlverte Knltnr- bcdürfnifse zu befriedigen,"(Kehm.) Nach unsrer Meinung läßt sich die Forderung des a n st ä n d i g e n L e b e n s l o h n e s mit wirtschaftlichen Argumenten viel kräftiger stützen, als mit den faden ethischen Redensarten. DaS Niveau der Lebenshaltung der arbeiten- den Klasse darf schon um deswillen nicht durch unsinnige Lohn- drückerei gefährdet iverden, weil man die Hauptkonsumenten der land- wirtschaftlichen und industriellen Erzeugnisse dadurch kmifunfähig macht. Es ist eine individuelle und eine Klassenoerpflichtung des Arbeiters, daß er jedem Versuch der Lohndrückern entgegenwirkt; aber in diesem Bestreben bedarf er der Unterstützung der öffent- lichen Gewalten, sin besonderen der Gemeinden. Daher müssen wir die Forderung, daß die Gemeinde anständige, von den Gewerkschaften gebilligte Löhne zahlt und bei Submissionsarbcitcn auSbcdingt, noch dahin erweitern, daß die städtischen Arbeitsämter für solche Unter- nehmer, die ihre Arbeiter wucherisch ausbeuten, überhaupt keine Arbeitsvermittlung übernehmen. Die Anerkennung bestimmter Arbeitsbedingungen, die im einzelnen festzusetzen Aufgabe der gcwcrk- schaftlichen Organisation ist, soll Vorbedingung zur Benutzung des Arbeitsnachweises durch die Unternehmer sein. Damit hat aber das Arbeitsamt sehr den Rahmen bloßer Vermittlung überschritten und ist auf daS Gebiet positiver Arbeitcrpolitik hinübergetreten. Ebenso wie dann, wenn es die Arbeitsvermittlung besin Streik einstellt. DaS Verlange», daß ein Arbeitsamt— als neutrale Institution— während eines Kampfes zwischen Arbeitern und Unter- nehmen! seine Thätigkcit einzustellen habe, erregt bei den Kapitalisten am meisten Entsetzen, wird dagegen von den Arbeitern mit großer Zähigkeit festgehalten. Mit Recht jedenfalls dort, Ivo, wie z, B. in letzter Zeit in Nürnberg, der städtische Arbeitsnachweis sich zu einem großen Streikbrcchcrburcau ausgewachsen hat. DaS ist ganz ungehörig und verdient die allcrschärfste Zurückweisung, die ihm auch zu teil wurde. Dabei braucht man die praktische Bedeutung des VermittlungSvcrbotcs während eines Streiks gar nicht einmal be- sonders hoch aiizuschlagen, denn eS leuchtet ein, daß ein Unternehmer, der auf die Streikbrechcrjagd geht, nicht auf das kommunale Ver- mittlungsburcau angewiesen ist; er kann durch Annoncen in weit- verbreiteten Blättern, durch Agenton, die er iin Lande umherschickt, Arbeitskräfte anwerben, wenn fölche überhaupt verfügbar find. Aber aus principielleu Gründen soll allerdings eine Genieindeinstitution strengste Neutralität bei gewerblichen Kämpfen üben, weshalb wir auch an jener Forderung festhalten, Tie Entscheidung darüber, ob daS Verbot der Vermittlung zu recht besteht oder nicht, darf man freilich der ArbeitSvermitUungsstelle nicht überlassen, weil sie sonst in den Kampf der Parteien hineingezerrt tvird, was ja gerade per- mieden werden soll. Man hat vorgeschlagen, mit dieser Entscheidung das Gewerbegcricht zu betrauen, das ja ohnehin oft bei solchen Kämpfen als Einigungsamt angerufen wird und durch die Art seiner Zusammensetzung eine gründliche Prüfung und gerechte Erledigung der Sache erwarten läßt. Das Arbeitsamt würde also in gewissem Sinne ausführendes Organ des Getverbegerichts iverden, Das Ucberwicgcn dcS bürgerlich-bnreaukratischen Elementes in unsren Gemeinden ist einer weitgehenden Kompetenz der städtischen Arbeitsämter entschieden abhold. Sollen diese aber, wie wir wünschen, in der That Ccntralcn der kommunalen Arbeitcrpolitik werden und auf die Gestaltung der lokalen Arbeitsbedingungen einen merkbaren Einfluß ausüben können, dann bedürfen sie dringendst einer großen Ellenbogenfreiheit. Sehr lehrreich sind in dieser Be- zichung die Kämpfe, die die Arbeiterschaft von Frankfurt a. M. durchzusetzen gehabt hat und noch hat. Dort verhalten sich die Organisationen ablehnend gegen den kommunalen ArbeitSnachtveiS, da ihre» Wünschen weder be, der Einrichtung noch bei der Verwaltung genügend Rechnung getragen wurde. Zunächst behauptete der Vor- sitzende der städtischen ArbeitSvermittlungsstelle andauernd, sie sei eine städtische Deputation im Sinne des ß 66 des Gemeinde- verfassungs-Gesetzcs und sei deshalb in ihren Kompetenzen be- schränkt; als sich die Unhaltbarkcit dieser Ausrede herausstellt«, zog man sich auf die durch keine einzige ErfahrungLthatsache belegt« Behauptung zurück, daß z, B. die Wahl der Beamten durch die Ver- waltlmgslominiision.zu unerträglichen Zuständen führen müßte", und was dergleichen Redensarten mehr sind. Wenn das schon bei den Verhandlungen über die Ausgestaltung der ArbeitsvermittlungS- stelle geschah, so kann man sich denken, welchen Widerstand die Forderung einer wirklichen und machtvollen Centralstellc für städtische Arbeiterpolitit finden wird! Sie durchzusetzen ist überhaupt nur möglich, wenn neben einer weitgehenden Selbstverwaltung auch der Anteil des Proletariats an der Ausgestaltung dieser Selbst- Verwaltung garantiert ist. Unter den verrotteten Prioilegicn-Wahl- rechten in unsren Gemeinden und bei der burcaukratischen Er- starrung in der Hypnose der Soeialistenangst ist das schwer erreich- />ar. Aber immerhin kann manches angebahnt werden, kann mancher Grundstein gelegt werden, auf dem wir wetterzubauen vermögen, wenn daS Proletariat bei den Stadtverordneten wählen wenigstens von seinein geringen Rechte thatkräftigen Gebrauch macht und dafür sorgt, daß seine Vertreter, die immer zugleich die Vor- treter einer nach großen Eescchtspunkten angelegten kommunalen Arbeitspolitik sind und sein müssen, in immer größerer Anzahl in die Rathäuser einziehen. Versammlungen. Die Steinsetzer hielten am Dienstagabend wieder eine vom Gesellenausschuß einberufene Versammlung ab, behufs Stellung- nahm« zu dein von der in letzter Versammlung gewählten Kom« misston ausgearbeiteten Maximal- Arbeitsleistnngs- Tarif. Der Berichterstatter der Kommission betonte ausdrücklich, daß eS in erster Linie notwendig sei. die Zustimnumg derjenigen Firmen zu sichenr, die bis heute noch keine übertriebenen Anforderungen an die Arbeits- leistungen gestellt haben. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend habe die Kommission ihren Entwurf in den Grenzen der Leistungen gelassen, die bei solchen Firmen üblich sind. ES sei deZ- halb auch im Interesse der Sache geboten und klug, auf weitergehende Wünsche Verzicht zu leisten. Die Diskussion war eine sehe eingehende und sachliche, DaS Resultat derselben war die An- nähme des KommissioiisentwurfoS mit einzelnen unwesentlichen Aenderungen. Danach soll die Höchstleistung pro Geselle und Tag bei neunstündiger Arbeitszeit betragen: Mosaik, halbfein, 4 Quadrat- meter; Mosaik, gewöhnlich, v Quadratmeter; Kleinpflaster IS, Rund- steine 18, polygonale Kopfsteine 27, märkische Reihensteine 21, Prisma auf fester Ilntcrbettung 18, in KieS 20, Würfel auf fester Unter- bettung 20, in Kies 22, Granibplatten 25, kleine Cementplatten20, große 15, Graphitplatten 15: Bordschicht, gewöhnliche, 4V laufende Meter, mit Phase 30, Bordschlvellen, gelvöhnliche, untermauert, 30, in KieS 40, Bordschivellen 40 Ccntimetcr breite, untermauert, 15 laufende Meter. Die Festsetzung der lveitcren llmzelheiten ist dem Gesell enausschuß Überiragen. Sodann beschloß die Versammlung einstimmig, am Tage der LandtagSwahl nur bis 12 Uhr mittags zu arbeiten. Die Ramilier nahmen am Dienstagabend in einer stark besuchten Versammlung Stellung zur Lohnfrage für das nächste Jahr. Es entspann sich eine sehr lebhafte, stellenweise sogar erregte Debatte über die Frage, ob überhaupt eine Lohnforderung gestellt werden solle oder ob es, wie der VcrbcmdSvorsitzende K n o l l besonders betonte, nicht im Interesse der Berliner Rammer läge, erst einmal alle Macht und Kraft des Verbandes darauf zu verwenden, die teil- weise tieftraurigen Nerhältnisse der Rammer in der Provinz in die Höhe zu bringen, tvie das auch die Steinsetzer beschlossen haben. Gegen diese LnSführungeu erhob sich wiederholt der heftigste Widerspruch; mehrere der Redner wollten darin den Beweis erblicken, daß die Rammer von den Steinsetzern überhaupt nichts zu erlvarten haben und daß es deshalb besser sei, eigne Wege zu gehen. Diesen Aus- fiihmngen trat Knoll in der schärfsten Weise entgegen, die denn auch den Erfolg hatte, daß solche Ansichten nicht wieder zum Ausdruck kamen. Im übrigen beschloß die Versammlung jedoch nahezu ein- stimmig, für das nächste Jahr ein« Lohnzulage von 10 Pf. pro Stunde zu fordern, dagegen von der Forderung deö Fahrgeldes simerhalb Berlins Abstand zunehmen, wohingegen nach auswärts das verbrauchte Fahrgeld erstattet werden soll. Die sog, Fünfzchn-Pausen sollen überall zugleich mit de» Pausen der Steinietzer stattfinden. Sodann beschloß die Versammlung auf einen Vorschlag Knalls einstimmig, am Wahltage um 12 Uhr mittags Arbeitsschluß eintreten zu lassen. Nachdem sodann noch einige interne Angelegenheiten erörtert waren, erfolgt Schluß der Versammlung. Verband der Dachdecker(Filiale Berlin). In der Versammlung, welche am Sonntag bei Feindt, Weinstr, 11, stattfand, wurde be- schlössen, daß die Erteilung der vom Vorstand beschlossenen Rüge an die Kollegen Wilh, Blau, Otto Röhl, Reinhold Müller und Herrn, Grohn wegen Ausführung von Accordarbeit in dem Bericht im „Vorwärts" mit vermerkt werde, damit jeder Kollege davon KennwiS nehmen könnte. Alsdann schritt man zur Wahl der Delegierten zum Verbandskongreß. Gewählt wurden Höppner, Görnitz und Schlewing. Da auch die übrigen Filialen des Gaues Brandenburg zu wählen haben, so wird das Endresultat vom Ganvorstand im.Vorwärts" veröffentlicht. Für die ausgesperrten Metallarbeiter wurden 300 M,, mehreren verunglückten Kollegen je 20 M. und dem Kollegen WinSkowski für seine erwetterre Thättgkeit pro Quartal 3 M. mehr bewilligt. Der Antrag, dem Ccittralvorstand 100 M, zu überweisen, wurde abgelehnt. Die Hausdiener-, Packer- und GischäftSkntschcr-Bcrewigung hielt am 5. November eine Fortsetzung der Generalversammlung ab. Den Bericht über den sechsten Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften gab Kluge, Hierauf tvurden verschiedene Anträge verhandelt. Der Antrag Kaiser, die Agitationskommisston aufzulösen und die Agitatton dein Vorstand zu überweisen, wurde angenommen. Ein Antrag S ch a t t s ch n e i d e r I: die Kassenberichte in Zukunft den Mitgliedern in ieder Generalversammlung hektographiert vor- zulegen, wurde ebenfalls angenommen. Abgelehnt wurde der Antrag Hilbert, den Geschäftsbericht am Jahresschluß gedruckt vorzulegen; dagegen ivurde der Unterantrag von Reimann angenommen, der besagte, der Geschäftsbericht soll, im engsten Rahmen gehalten. hektographiert den Kollegen zugestellt werden. Von Hrlbert wurde ferner ein Antrag gestellt, die Versammlungen jeden Monat zweimal abzuhalten; derselbe wurde gleichfalls abgelehnt. Angenommen ivurde noch der Anttag K a i s c r. die, ArbeitSiiachweiS-Kominission auszulösen. Ein Antrag Koch:.Dem Kollegen Hilbert ailheimzugeben. die betreffenden Schriftstücke, die von aiiSwärttgen Organisationen eingelaufen sind, dem Vorstande abzuliefern", wurde einstimmig an« genommen. Da Hilbert sein Mandat als zweiter Vorsitzender niedergelegt hatte, wurde I o h, Schmidt als solcher gewählt. Zum Schluß erinnerte der erste Vorsitzende noch an die Landtag?- wählen. In der Charlottenburger Gewerkschaftökonnnission, welche am vorigen Freitag eine Sitzung im Volkshause abhielt, berichtete I o st über die vom Magistrat der Stadt Charlottenburg in Aussicht ae« nommene ArbeitSlosenzählung, Nach dem Referat hat sich ver Magistrat bereit erklärt, die Zählungen dreimal im Jahr» und zwar im Februar. April und November stattfinden zu lassen, nachdem sich die von der Gewerkschastskommission in daS städtische Kuratorium delegierten Arbeittrehmcr verpflichtet hatten, für Verbreitung und eventuelle Einsammlung der Fragebogen Sorge zu tragen, Nach längerer Diskussion Ivurde folgender Antrag angc- nontme»: Die Delegierten der GewerkschaftSkommission erklären sich mit dem Bericht des Genossen Jost einverstanden und beschließen, daß die Zählungen mit Hilfe der politisch organisierten Genossen stattfinden sollen. Unter Punkt 2 gab Jost den Kassenbericht deS oritten Quartals, worüber ihm nach kurzer Debatte einstimmig Decharge erteilt wurde. Bei Punkt 3(Gewerkschaftliches) verfiel eine Resolution der Handlungsgehilfen, welche sich mit dem Achtuhr- Ladenschluß beschäftigte, der vorgerückte» Stunde wegen, der Per- tagung. Nicht vertreten waren die Steinsetzer. Wittern» gstiberstcht vom 14. November IVOS, morgen» 8 Uhr. Stationen Swinemde. 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Jeder Rohrcr ist vcrpstichlet. nur durch den Arbeitsnachweis Arbeit an» zunehmen, Dl« L-olinkommission. P. S. Ehrenpflicht jedes Rohrcrs ist es, nur bei den erstgenannten J-irme» zu arbeiten._ 292)5* Hnnabmc-8teUen für„Kleine Hnzeigen". Osten: Wengels, Gr. Franksurterstr. 133, tz Gustav Vogel, Koppcnstr, 85, K. Karklinnis, Holzmarktftr. 4L». Xvrckanten: I. Renk, Bmnimftr, 42. �f«,i-cken: H.»Rafchke, Rügcncrstr, A, Karl Mars, Kastanten-Allce 95/9S. E. Stoluenburg, Wicsenstt, 41/42. L. Tcchand. Ruhcplatzstr. 24. H. Vogel, Temininerstt, 32. A. Dich, Jnvalidenstr. 124. Xerckventen: Karl Anders, Salzwcdekerstr. L. Bttcktventen: H. Werner, Mittenwaldcrstt, ZV. H. Schröder, Kreuzbergstr. 1-. £>ttden: St. Itzri«, Prtnzenstr, 31. F. Gutfchiuidt, Kottbuser Damm L SUdostoa: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. Martin Mcscha, Adalbcrtstr, 24. P. Harsch. öngcl-User 15, Clmrlottendnrs: G. Schömberg, Sesenheimerffr. t. Steglitz: H. Bernsee, �chloßstt, 115. r>ieeirieli»l»ee's: O. Seikcl, Kronprtnzenstt, 50. : Kümmert, Florastr. 48, «ixcksrk: M. Heinrich, Prinz Handjerhstr, 7. Conrad, Hcrmannstr, c>0. l»lei,»nei»era: Wilh. Bäumler, MartinLuthcrstr.dl. HVeisnennee: W. Reste. König-Chairiiee 33s, Jul. Schillert, König-Chaufsee 39a. Der Gesamt-Auflage unsrrr heutigen Nummer liegen bei ein Prospekt der„Sanatogen- Werke", Bauer ätz Co., «erli» 8W. 48, Friedrich- straste 3Zi und ein Prospekt der Buchhandlung Barl Block tu Breslau l. Feldsrrasie 31c, betreffend die Zeitschrift»Weltall und Menschheit». Lcrantwortiicher Redaetcur: Julius Kaliskk in Berstn. Für den Inseratenteil oeranuoortilch Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag: Vorwärts B ihdruckerei und Veriagsan statt Paul Singer(tz Co.,