Pr. 370. RtennementS'BedlngungM- SOonnemcntä• Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 SKI,, monotL 1,10 Mk,, wöchentlich 23 Pfg, frei in» Haus. Einzelne Nummer e Pfg, Sonntag». nummer mit illustrierter Sonntag». Vellage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post. AdonnemeiU: 1,10 Wart pro Monat. Eingetragen in der Post. Zeitung». Preisliste für IVOS unter Nr. 8»0». Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn s Match für da» übrige Anslan» t Marl pro Monat. Crfditlnt täglich auBtr montagi. yy? SV. Jlchrg« Berliner Volksvlnkt. Centralorgan der 1oriaU»emokratisihen Martei Deutschlands. Sie lnlertisnk-Ledühk beträgt für die scchsgcspaltenc Kolonel- zeilc oder deren Raum 40 Pfg,, für politische und gewcrlschaftlichc Vereins- und AersaminlungS-Atizeigen 20 Pfg, „KUine Anreizen" jedes Wort 3 Pfg. snur da» erste Wort fett). Inserate siit die nächste Nummer inüsseti bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition Ist au Wochentage» bis 7 Uhr abends, an Sonn, und Festtagen bis 3 Uhr vormitttags geöffnet, rclegramm-Norefse: „Soctalötinolttat BtrliD". Redahtiom 8Ll. 68, Lindenstraeoe 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. IS8Z. Expedition: 8M. 68, I�indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1084._ Die nächste Nummer des„Vorwärts" erscheint des heutigen Feiertages wegen Freitag früh. Das kommende Geschlecht. Der Reichtum eines Volkes beruht in der Zahl seiner lebens tüchtigen und lebensfrohen Angehörigen. Die kapitalistische Wirt- schaftsordnung führt aber zu einer verhängnisvollen Verschwendung indem sie die Lebenstüchtigkeit und den Lebensmut ganzer Generationen vernichtet. Dah die bejammernswerten Lebens- Verhältnisse, unter deneil der weitaus größte Teil des modernen Proletariats zu leiden hat, in erster Linie für seinen N a ch lv u ch 5 verhängnisvoll werden, liegt auf der Hand, Deutliche Zeichen der Degeneration machen sich an nur allzu vielen Proletarier- lindern bemerkbar. Und zwar nicht nur in der Großstadt I Wäre das Leben in der Großstadt— abgesehen von den besonderen Um- ständen, unter denen es sich abspielt— für diese Degeneration an sich verantwortlich, dcmn müßten auch die Kinder der Wohlhabenden in demselben Maße bresthaft sein, wie die Kinder der Armen, und dann müßten ferner alle Kinder in ländlichen Orten oder in Klein- städten den großstädtischen Kindern gesundheitlich überlegen sein. Das ist aber nicht der Fall. Die Lebenstüchtigkeit aller Kinder kann man vielmehr in ein bestimmtes Verhältnis zu der Z a h l u n g s- fähigkeit der Eltern bringen. Natürlich giebt es auch lebens- untüchtige Kinder von reichen Leuten, denen vollsaftige und voll- kräftige Proletarierkinder gegenüberstehen: aber es bedarf gar nicht erst des Nachweises, daß die Pflege, deren ein Kind in den wichtigsten Zeiten seiner Entwickclung teilhaftig wird oder nicht teilhaftig wird, entscheidend ist. Wenn man sich ein Bild machen will von der Bresthaftigkeit des kommenden Geschlechts, dann muß mm: sich einmal einige Zahlen aus den Berichten der Schulärzte ansehen! Geradezu furcht- bare Zustände enthüllen sich uns da. Greifen wir einmal eine Stadt heraus, die durch ihre Wohlhabenheit bekannt ist: Wiesbaden, eine Stätte des grandiosesten Luxus, einer phäakischen Schlemmerei, der Rendezvousort für die Knallprotzen der Geburts- und Geld- aristokratie. Wie sieht es dort mit der Gesundheit der heran- toachsenden Jugend aus? Im Jahre 1V01/02 untersuchten dort die Schulärzte 383 Schulneulinge in den sechs Volksschulen. Und davon waren nicht weniger als 583 mehr oder minder erkrankt! Von 334 untersuchten Mittelschülern waren 126 krank; auch noch eine er- hebliche Zahl, aber doch relativ viel kleiner als die der erkrankten Proletariersprößlinge. Nach dem unlängst über das Schuljahr 1962/63 herausgegebenen schulärztlichen Berichte aus derselben Stadt waren von den 416 Schulneulingen der Mittelschulen 176= 42,3 Proz. erkrankt, von den 685 ABC-Schützen der Volks- schulen 748= 76 Prozent! Die Wiesbadener Schulärzte haben die ihnen vorgeführten Kinder nach guter, mittelguter und schlechter Gesamtkonstitution eingeteilt. Dabei ergab sich, daß in den Mittel- schulen 2,4 Proz., in den Volksschulen aber 5.6 Proz. der besichtigten Kinder eine schlechte Konstitutton hatten. Wenn man diese Zahlen liest, ist man versucht, auszurufen: „Schickt doch alle diese Kinder einmal nach-- Wiesbaden!" Ja, ja, wenn sie sich das„leisten" könnten, was sich die noblen Kurgäste in Wiesbaden anthun, dann würden sie wohl bald zu einer gefestcten Konstitution kommen. Aber was haben diese Enterbten der kapitalistischen Gesellschaft davon, daß an ihrem Wohnorte die Erde ihrem gütigen Schöße die heilkräftigen Sprudel entströmen läßt, was haben s i c davon, daß die lachenden Hügel rings umher den feurigsten Wein, das köstlichste Obst tragen!...— Ein andres Bild: Dresden. Das deutsche PcnsionopoliS, Sitz eines satten und bornierten PhilisteriumS, das voll heiligen Abscheus auf die Begehrlichkeit der Arbeiter hcrabblickt. Wie stehts dort mit dem kommenden Geschlecht? 1662/63 fanden die Dresdener Schulärzte unter den 5695 untersuchten Schulkindern nur 2522=: 49,5 Proz. gesund, dagegen 2573=- 50,5 Proz. krank. In der deutschen Städtc-Ausstellung zu Dresden konnte man im Sommer dieses Jahres in der Sektion der Schulhygiene eine lehrreiche graphische Darstellung bettachten, aus der sich ergab, daß die Stadt- teile mit kleinen und starkbevölkerten Wohnungen die höchsten Relativ- zahlen der erkrankten Kinder lieferten. Mit andren Worten: es waren die Proletarierkinder, die am meisten an Gebrechen litten. Aehnlich liegen die Verhältnisse auch in Berlin: hier mußten in einem Jahre 12 Proz. der zum Einschulen erschienenen Kinder wegen allgemeiner Körper schwäche als aufnahmeunfähig erklärt und zurückgestellt werden. In kleineren Orten sind die Zustände nicht weniger bedenklich, und auch dort erweist sich immer wieder die Armut der Eltern als der Fluch für die Kinder. So sagt z. B. der Schularzt Dr. Dumstrey in Rathenow in seinen Bemerkungen über die Untersuchung von 36 Angehörigen einer Hilfsklasse, die alle mehr oder weniger krank waren:„Die Eltern der meisten dieser Kinder waren der ärmsten Klasse angehörig und daß sie alle von dem Rechte Gebrauch machten, die Behandlung auf Stechnung der Stadt durch den Armenarzt vor- nehmen zu lassen, ist ein Beweis dafür, daß in den meisten Fällen nicht Gleichgültigkeit oder Nachlässigkeit, sondern die Rot allein die zum Teil sehr bedenklichen Leiden entstehen ließ." Derselbe?lrzt fand unter 136 untersuchten Kindern nicht weniger als 57 mit tuberkulösen Leiden behaftet. Sehr interessant ist auch folgende Bemerkung Dr. Dumstreys:„Alle diese Kinder ivaren in irgend einer Weise in der Schule unan- genehm aufgefallen und hatten Tatel erfahren müssen. Meine Untersuchung ergab, daß bei ihnen ein pathologischer Zustand bestand, durch den ihre Schulversehen zu entschuldigen waren." Für ein krankes Kind hat eben der Schulunterricht so gut wie gar keinen Wert. Aber nicht nur die körperliche, sondern auch die sittliche Gesundheit der heranwachsenden Generation ist unter den dem Prole- tariate aufgezwungenen Lebensverhältnissen den größten Gefähr- düngen ausgesetzt. Hier sind namentlich die schauerlichen Wohnungsverhältnisse verhängnisvoll. Auf der fünften Generalversammlung des rheinischen Vereins für ArbeiterwoHnungs- wefen lieferte der Landesrat Schmidt dafür schlagende Beweise. Er hatte sich der Mühe unterzogen, der Ursache der Verwahrlosung von solchen Kindern nachzuspüren, die der Fürsorgeerziehung hatten unter- stellt werden müssen. Da ergab sich denn ein direkter Zusammen- hang zlvischen Wohnungselend und Kinderverivahrlosung,— der sich ja auch erwarten ließ. In 416 Fällen wurden die Wohnungs- Verhältnisse der Eltern von verwahrlosten Kindern erforscht, und es zeigte sich, daß 35 von diesen„Wohnungen" oder 8,4 Proz. nur aus einem Räume bestanden; dabei hatten in diesen 35 Räumen 161 Personen gehaust, d. h. 4"/- Personen in je einem Räume! Unter den Wohnungen mit zwei Räumen waren solche, die mit 16, 11, 12 ja mit 16 Personen beiderlei Geschlechts besetzt waren. Daß unter solchen himmelschreienden Zuständen das Leben der Proletarierkinder schon in seinen Anfängen verpfuscht werden muß, ist klar. Und wem's noch nicht einleuchtet, der werfe noch einen Blick auf die Zahl der Betten, die in den Häufungen der Eltern jener verwahrlosten Kinder benutzt wurden. Es fand sich nur 1 Bett vor in 8 Fällen für je 2 Personen, in 7 Fällen siir je 3 Personen, in 2 Fällen für je 4, in 2 Fällen für je 6, in je 1 Falle für 7 beziehungsweise 9 beziehungsweise 11 Personen. Dazu kommen in 191 Fällen männliche und weibliche Schlafleute. Diese Verhältnisse finden sich in allen Gegenden, sowohl in Land als Stadt, aus denen Für- sorgezöglinge überwiesen werden. Daß das so nicht weitergehen kann, sollte allmählich zu einer allgemeinen Ueberzeugung geworden sein. Vorläufig ist aber nur das klassenbewußte und aufgeklärte Proletariat davon durch- drungen. Es muß um die Anerkennung dieser seiner Ueberzeugung schwer ringen und kann sie nur durch Kampf, durch seinen Klassen- kämpf, durchsetzen. Mit der von ihm erstrebten Besserung seiner Lebenslage sichert es allein die gedeihliche Zukunft des ganzen Volkes. Es muß die Bourgeoisie als die Verschwenderin und Zer- störerin unsrer nationalen Kraft unter Kuratel stellen; politisch ge- sprachen: es muß die Bourgeoisie depossedieren, die politische Macht erringen, um die Klassenherrschaft abzuschaffen. Gestern im Rcichstagswahlkanipfe, heute im Ringen um den preußische» Landtag, morgen im Ansttirm gegen die Bourgeoisherrschast in der Gemeinde — es ist überall dasselbe Ziel, dem wir zustreben. Landtagswahl. „Liberale Pflichten". Die„Nasional-Zeitung" mahnt den Libe- ralismus an die Pflichten, die ihm im neuen Abgeordnetenhause er- wachsen. Die„Nalional-Zeitnng" empfindet aber wohl selbst, wie wenig Anlaß zur Hoffnung auf liberale Pflichterfüllung gerade das liberale Verhalten im jetzigen Wahlkampf giebt, und so läßt schlechtes Gewissen die Pflichtbetrachtung aufbauen auf einen lächerlichen Versuch, die liberale Pflichtvergessenheit der Social- d e m 0 k r a t i e anzukreiden. Es ist zu unsinnig, als daß es aus Ueberzeugung geschrieben sein könnte, wenn die„National-Zeitung" sagt, die Socialdemokratie befinde sich in einer Lage,„in der es für sie nichts zu fordern giebt". Die Socialdemokratie hat das Schicksal von etwa einem Drittteil der Mandate in ihrer Hand, welche für die Freisinnige Volkspartei ohne socialdenwkratische Hilfe in Aussicht stehen. Noch toller wird dann die„National-Zeitung": „Um die ganze Brutalität und Schroffheit der preußischen „Genossen" zu vergegenwärttgen, genügt es, an ihre Ver- zu erinnern, oie Liberalen mundtot zu machen— siehe Königsberg—, und an die erneute Proklamasion des suche z. mgi Satzes:„Wer sich nicht fügt, der fliegt I" im Wahlkreise Charlottenburg. Die iittranssgenten Führer der Socialdemo- krasie haben das Ziel erreicht, die Isolierung ihrer Partei vollkommen und den Liberalen eine Verständigung mit ihnen unmöglich zu machen. Mag man über die Berechtigung ihrer Kompensationsfordernngen im einzelnen denken, wie man will— eine Partei, die cS fersig bekommt, in dem genannten Wahlkreise einen von ihr so verschrienen Reaktionär, wie terrn Fetisch, zum Siege über einen von ihr gelegentlich der ollkämpfe als wahrhaft Liberalen offen anerkannten Kandidaten, wie den KammergerichtSrat Karsten, zu verhelfen, steht auf einem so brutal-egoissischen Standpunkt und schlägt den angeblich von ihr vertretenen Interessen so rücksichtslos ins Gesicht, daß es nicht möglich ist, in eine Verständigimg mit ihr einzutreten, so lange sie nicht andre Bahnen beschreitet. Wir haben mit denkbar größter Objektivität die Entwicklung des Wahlkampfes und der politischen'Konstellasion nach dieser Seite hin beobachtet und wären die ersten gewesen, die nach den Urwahlen einer Verständigung der gesamten Opposition gegen die reaktionäre Mehrheit von Fall zu Fall das Wort geredet hätten, wenn die Möglichkeit einer solchen Verständigung offen geblieben wäre. Aber wissentlich und geflissentlich hat die reaitionsfvrdernde Socialdemottasie diese Möglichkeit abgeschnitten, so daß wir heute nicht anstehen, die Abweisung der ge- forderten Kompromisse alsPflicht der liberalen Selbstachtung zu bezeichne n." So sehen dem links-nationalliberalen Blatte, baS zu liberaler Pflichterfüllung niahnt,„liberale Pflichten" aus. Wenn der Freisinn in Königsberg die Arbeiterschaft jahraus jahrein um die Möglichkeit betrügt, Versammlungen abzuhalten, und wen» der Freisinn es fertig bekommt, �lieber Reaktionären die Wahl- kreise auszuliefern, als auch der Socialdemokratie ei» Miudestteil ihres guten Rechtes zu geben,— dann hat die Socialdemokratie sich isoliert und eine Verständigung unmöglich gemacht. Die in- transigenten Führer der Socialdemokratie haben ihr Ziel erreicht, sagt dieselbe„Nasional- Zeitung", welche jüngst den socialdemo- kratischen Landtagswahl- Aufruf als höchst„revisionistisch" belobte, als so milde, daß fast ein jeder Liberale ihn unterschreiben könne. Jetzt aber, da der Libe- ralismus feig und jämmerlich sich der Reaksion ergiebt, soll die Socialdemokratie Schuld au der liberalen Verkommenheit sein. Die„Nasional-Zeitung" wird es nicht erleben, daß der Libera- lisnuts, der in diesem Wahlkampfe so elend zu Grunde geht, im Abgeordueienhause seine Auferstehung erleben und„liberale Pflichten" erfüllen wird. Einige liberale Blätter, die jedoch in ihrer Partei keinen größeren Einfluß haben, bestätigen denn auch selbst trauernd die liberale Pflichtvergessenheit. Das„Berliner Tageblatt" sagt: „Wenn vor den Thoren Berlin? oder, genauer gesagt, in einem Teile Groß-Berlins die reattionäre Fahne wehen wird, so ist dieses Ergebnis nur durch eine mangelhafte Taktik der liberalen Parteien möglich geworden." Und die„Berliner Zeitung" klagt unter der Aufschrist„Trostlos": „Noch wäre es möglich, die Reaktion wenigstens etwaö zu schwächen, und mansollte annehmen, in einer Situation, in der von dem Gewinn oder Verlust einiger Mandate bei den wichtigsten parlamentarischen Entscheidungen einer nahen Zukunft Sieg oder Niederlage der Opposition abhängen könne, müßte diese mit den äußersten Mitteln streben, zu retten, was zu retten ist. Acht Mandate könnten der Reaktion entriffen werden, drei in Breslau, ebenso viel in Halle-Herford und zwei in Teltow- Charlottenburg. ES wird nichtgeschehen. Wie eine überreife Frucht fällt der ansehnliche Mandatsgewinn den Junkern und ihren Bundesgenossen in den Schoß, weil der Liberalismus nicht dir Entschlußkraft sindeil kann, mit der Socialdemokratie gemeinsame Sache zu mache it. Lieber läßt man jene» acht Mandate in die Hände fallen, che man diesen auch nur eins gönnt." Teltow-Bceskow. Zu dem gestern von uns mitgeteilten Antwort- schreiben des liberalen Wahlausschusses an unsre Parteigenossen er- klärt die„Deutsche Tageszeisimg": „Es wäre wohl würdiger und vornehmer gewesen, wenn der Wahlausschuß der vereinigten liberalen Parteien den letzten Absatz seines Antwortschreibens weggelassen hätte. Dieser letzte Absatz ist einerseits zwecklos, weil die Socialdemokrasie sich da- durch keinesfalls bestimmen lassen wird, andrerseits macht er aber den unangenehmen Eindruck der Bettelei Wie sich die Dinge in Teltow-Beeskow gestalten werden, ist außerordentlich fraglich.' Die Socialdemokraten werden alles versuchen, um den Wahlakt aufzuhalten oder gar zu hindern; deshalb werden die konservativen Wahlmänner unbedingt mit größter Pünktlichkeit und Ausdauer zur Stelle sein müssen. Wenn aus unsren gestrigen Be- merkungen hie und da geschlossen wird, daß eine Verständigung zwischen den Konservativen und Liberale» geplant werde, so möchten wir hervorheben, daß wir ausdrücklich gesagt haben, uns sei von dem Plane einer solchen Verständigung nichts bekannt. Wir hatten lediglich die Möglichkeit erörtert." 'Auch die„Freisinnige Zeitung" erklärt es als tendenziöse Er- findiing. ivenn die„Liberale Korrespondenz" die Absicht eines Kompromisses der Nationalliberalen mit den Konservasivcn andeute. Herr Richter kennt den reaktionären Charakter seiner Partei offenbar so gut, daß er c« als unmöglich erachtet, selbst ain weitesten rechts- stehende Nationalliberale konnten sich nach einem Bunde mit den Konservativen sehnen. Ferner wird uns gemeldet: In Wahlmännerkreisen des Wahl- kreises Teltow- Veeskoio wird angeregt, den Wahlkommissar ans- zufordern, die Wahlmänner zur Wahl nach Köpenick einzuladen. Nach ij 25 des Wahlrcglementö hat näntlich der W a h l k 0 m m i s s a r die Wahlmänner einzuladen. Selbstverständlich darf er nur nach dem vom Gesetz vom 27. Juni 1866 festgelegten Orte einladen. Verstößt er hiergegen, so macht er sich einer schweren Gesetzes» Verletzung schuldig, woran durch eine widergesetzliche Verordnung des Ministers des Innern nichts geändert werden katm. Konservative Zersplitterung in Ober- und Rieder-Barnim. Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt:„Aus dem Kreise Ober- und Nieder- Barnim kommt die überraschende Nachricht, daß zwar die Wahl der Kandidaten Pauli und v. Veltheim gesichert sei, nicht aber die des dritten konservativen Kandidaten Jrmer. Es sollen vielmehr ziemlich viele Wahlmänner aus den Vororten, die als konservative Wahlmänner gewählt worden sind, entschlossen sein, statt ftir Jrmer für den freisinnigen Kandidaten Gustav Müller- Schöneberg zu stimmen, weil Jrmer angeblich kein Interesse für die Bedürfnisse der Vororte gezeigt habe." Aus dem Kreise Zauch-Belzig-Brandenburg ersucht das social- demokratische Wahlkomitce um die folgende Bekanntgabe: Auf Grund der im„Vorwärts" veröffentlichten Erklärung des Central-Wahl- tomitees hat das diesseitige Wahlkomitee die Beteiligung der social- demokratischen Wahlmünner in unsrem Wahlkreis beschlossen. Am Freitagvormittag 16'/, Uhr findet eine Versammlung der social- demokratischen Wahlmänner in Mengerts Bolksgatten zu Brandenburg statt, in welcher Dr. Leo Arons-Berlin referiert. Die Wahlmänner werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Guben-Sorau. Von den 737 Wahlmännern des Kreises erhielt das konservativ-nasionalliberale Kartell 463, ferner ein nasional- liberal-freisinniges Kartell 198 und die Socialdemokratie 71 Wahl- männer. Das socialdemokratische Wahlkomitee beschloß für die Abgeordnetenwahl Wahlenthaltung. Danzig. Die konservative„Danziger Allgemeine Zeitung" bringt als angeblich endgülsigcs Wahlergebnis die Wahl von 413 konser- vativen und Centrums- Wahlmäniiern gegen 415 freisinnige Wahl- männer._ Centn»» und öffentliche Wahl. In einer Anzahl von Wahlkreisen leidet auch das Centrum durch die Oeffentlichkeit der Wahl, die ihm in den meisten Kreisen seines Besitzes äußerst zu gute kommt. Im Wahlkreise Beuthen-Kattowitz- Zabrze wird nach der„Schlesischcn Volkszeitung" seitens des Centrums sehr über den„liberalen Wahldruck" geklagt; eine Zuschrift aus dem Kreise sagt: „Ausschlaggebend für die liberale Stimmenzahl war der Landkreis Kattowitz, wo die grohen Gesellschaften Georg von Giesches Erben. Kattowitzer Aktiengesellschaft und Fürstlich Hohenlohesche Verwaltung dafür sorgten, dast ihre zahl- reichen Protestantischen Beamten Mann f ü r M a n n antraten, die katholischen Arbeiter dagegen in der Grube und den Hütte» blieben. So erklärt es sich, daß in Ortschaften, die zu 95 Proz. gut katholisch find, kein einziger Centrnmsmann gewählt wurde. lleberall saßen im Wahlvorstande natiirlich liberale Gruben- und Hüttenbeamtc, abhängige Leute und jüdische Freunde der Gruben- Partei. Es ist nicht zu verwundern, daß unter diesen Verhältnissen in einem Bezirk in der dritten Abteilung kein einziger Wähler eine Stimme abgegeben hat. Sollten die liberalen Kandidaten am 20. gewählt werden, so wird sicher sofort die Wahl angefochten werden/' Diese Beschwerden hindern natürlich nicht, daß das Centrum die inlimste Fühlung mit den Konservativen hält, durch deren Schuld die Oeffcntlichkeit der Wahl und damit der brutale Druck der Mäch- tigen auf die Schwachen fortdauert. Uebrigens hofft die Centrumspresse, daß der Wahlkreis noch für rhre Partei zu retten ist.— Nachwahlen für Wahlmänncr. In einem Leitartikel bezüglich der Landtagswahl sagt die„Freisinnige Zeitung":„Im Falle einer Ablehnung oder wenn eine Wahl in einer Abteilung nicht zu stallde gekommen ist, hat soviel wie möglich eine Nachwahl noch vor der Hauptwahl stattzufinden." Das trifft zu n u r für den Fall der Ablehnung: ist die Wahl incht zustande gekommen z. B. weil kein Wähler erschienen war, so greift ß 20 des Reglements Platz, wonach, wie der Hinweis aus § 18 der Verordnung noch ausdrücklich festlegt, erst für den Fall einer Ersatzwahl eines Abgeordneten des Kreises die betreffende Ab- teilung zu einer Neuwahl zusammenzurufen ist— diese Neuwahl ordnet der Regierungspräsident, für Berlin der Oberpräsident an. Das gleiche findet statt, wo die Wahl der Wahlmänner für ungültig erklärt wird. Die Wahl im Regierungsbezirk Magdeburg. CEig. Ber.) In oen überwiegend ländlichen Kreisen des Regierungsbezirks lStendal- Osterburg, Salzwedel-Gardelegen, Jerichow I und ll, Neuhaldens- leben-Wolmirstedt, Wanzleben, Halberstadt-Oschersleben und Calbe- Aschersleben) kam es naturgemäß zu einem eigentlichen Kampfe nicht. In einigen Städten mit Jndustriebevölkeruug erhielten wir im ganzen einige Dutzend Wahlmänner, so in Aschersleben, Schöne- beck, Halberstadt, daneben auch in einigen vorgeschrittenen Dörfern (Ottersleben, Benneckenbeck, Fermersleben, Barleben, Borne, Olven- stedt usw.). Bei der Reichstagswahl erhielten wir in diesen Kreisen dagegen 45 000 Stimmen. Einzig in Betracht kommen unsre 36 Wahlmänner im Kreise Wanzleben. Dort haben nämlich die Nationalliberalen 124, die Konservativen 113 Wahlmänner aufgebracht. Beide Parteien sind sich aber nicht einig. Ein Teil der„nationalliberalen" Wahlmänner iveigert sich, für den Nationalliberalen zu stimmen und so würden schon unsre 30 Stimmen den Ausschlag geben, wenn— die„Liberalen" eben wirklich Liberale wären. Sie aber setzen sich zum großen Teil aus Freisinnigen zusammen und die sind' bekanntlich gerade hier verkommener, denn nur irgendwo. Im Kreise Calbe-Aschersleben wäre es, bei nur einigem politischen Verständnis der Freisinnigen, sehr leicht möglich gewesen, die beiden freikonservativen Abgeordneten zu verdrängen. Hier bildeten nämlich die Soeialdeniokraten mit 51,6 Proz. aller abgegebenen Stimmen bei der Reichstagswahl mit 8,9 Proz. Freisinnigen die Majorität. Statt dessen prostituierten sich die Freisinnige» von vornherein und stimmten ge- schlössen für die Konservativen. Ebenso in der S t a d t Magdeburg. Das Resultat ist hier ein für uns überraschendes. Obwohl die Wahlzeit auf 11 Uhr anberaumt war, stieg die Beteiligung an der Wahl von 12—15 Proz. im Jahre 1898 auf 32—40 Proz.! In der dritten Klasse holten wir 135 Wahlmänner, in der zweiten 10 und in der ersten 2, zusammen 153. In zwei UrWahlbezirken der Neustadt siegten wir sogar in allen drei Klassen. Infolge der verrückten Drittelung war es nämlich gekommen, daß man in einigen Bezirken erst mit 2250 M., in einigen andren jedoch bereits mit— 21,00 M. Wähler der zweiten Klasse sein konnte! Sämtliche„Spitzen": Regierungs- Präsident, Polizei-Präsident, Ober-Regierungsräte, Landgerichts-Direttoren, Stadträte, Biirgenneister usw. wählten in der dritten Klasse, während die erste Klasse gebildet wurde von Schlächtermeistern, Zuckerbaronen und Großindustriellen. In fiinf Bezirken kamen diese gar nicht einmal zur Wahl, so daß sie hier völlig resultatlos verlief. Eine sinnige Demonstration der Geldsäcke gegen das Dreiklassen-Wahlrecht! Was aber vor allem andren erfreulich ist, das ist die imposante Stimmenzahl, die wir zu verzeichnen haben. Bei 8456 Stimmen erhielten wir 153, die koalierten Gegner bei nur 7995 Stimmen dagegen 675 Wahlmänner! Bei den bevorstehenden Stadtverordneten- Ersatzwahlen wird unS dieses Resultat schätzbare Dienste leisten._ poUtifcbc dcbcrftcht. Berlin, den 17. November. Der Chor deS Schweigens. Die ganze bürgerliche Presse schweigt sich aus über den un- geheuerlichen Versuch, preußische Staatsbürger, die im Besitze russischer Schriften befunden wurden, wegen Beihilfe zum Hochverrat gegen Rußland und zur Beleidigung des Zaren zu prozessieren. Nur ein paar Scharfmacherorgane freuen sich der Sache und selbst diese finden das Vorgehen verwunderlich; so fragt Max Lorenz, das blusig- lächerliche Torquemadochen gegen die Socialdcmokraten, bekümmert, warum man denn die Interessen des russischen denen des eignen deutschen Volkes vorziehe; weit näher liege es doch,„daß die deutsche Reichsregierung Stellung nähme gegenüber der Erziehung zum Hoch- verrat gegen das Deutsche Reich, deren die deutsche Socialdemokratie sich nach wie vor unbehindert schuldig macht." Freilich bekennt Herr Lorenz schmerzlich, daß das deutsche Strafgesetzbuch noch immer nicht so weit vorgeschritten sei, um die„Erziehung zum Hochverrat" unter Strafe zu stellen. DaS Schweigen der liberalen Presse über Vorgänge, die gerade jeden Liberalen im tiefften empören müßten, ist aber auch selbst nur ein neuer Beweis für die Russifizierung Deuschlands. Unsre biirger- liche Presse ist russischer als die russische. In Rußland verhindert die Censur jede unabhängige Meinungsäußerung. In Deutschland unterwirft sich die liberale Geschästspresse freiwillig einer Censur, die über alles hinausgeht, was selbst in Rußland gefordert wird. Das Elend unsrer politischen Zustände wird kaum durch eine andre Thatsache so grell charakterisiert wie durch das Verhalten der bürgerlichen Presse in allen Fragen der internationalen Politik. Auf diesem Gebiet giebt eS in Deutschland überhaupt kaum ein un- abhängiges Blatt, das ganze Pretzgesinde ist offiziös im schlimmsten Sinn. Jeden Tag laufen die Herren in die Wilhelmstraßc und lassen sich dort von irgend einem Angestellten jdeS Auswärtigen Amts Befruchten. Sie bringen dann in ihren Blättern nur das, was man in der Wilhelmstraße lesen und hören will, und sie hängen sich lieber auf, als daß sie der eignen Vernunft und dem eignen Urteil irgend eine Acußcrung verstattcten. Und diesem' jämmerlichen Offiziösentum, das zugleich einen ruchlosen Betrug des Publikums bedeutet, unterwerfeil sich die Zeitungen deshalb, um nicht das ge- waltige Privileg zu verscherzen, alle Jahre einmal eine gleichgültige „Jnformasion" als Honorar zu erhalten. Der Münchener Verlag, der neulich den Zeitnngskorrespondenten 30 Pfennig für jede Reklamcnotiz versprach, die sie in die Blätter hineinzuschmuggeln verständen, handelte noch nobel gegenüber dem Auswärtigen Amt, das für den Verzicht auf jede freie Meinung wertloses«unterrichtetes" Gewäsch zahlt. Rußland, das Unsmnmcn auszieht, um das Heer seiner Spitzel im Auslände zu besolden, hat es nicht einmal notwendig, die deutschen Blätter zu bestechen. Hier hat sich die Presse ohne Entgelt freiwillig verkauft und prossituiert. In Rußland ringen die Besten des Volkes verzweifelt gegen den Absolutismus. In Deutschland verfolgt man die eignen Staats- Bürger, weil sie russische Ausklärungsschriften verbreiten sollen. Die liberale Presse aber schweigt, daS Auswärtige Amt erlaubt es nicht. Dorther weht ja der russische Wind; man unterstützt aktiv den Kampf gegen die russischen Freiheitsheldcn. In Rußland ver- bluten die Tausende, die deutsche Bourgeoisie aber schwärmt für Tolstoj und Gorki und läßt es geruhig zu, daß ihre Regierung dem Zarismus HeHlerdienste leistet und Bürger des Deutschen Reiches, weil sie russische Schriften verbreiten, wegen Beihilfe zum Hochverrat gegen den Zarismus ins Gefängnis sperren. Welche unsägliche Verrottung! Dieser Chor des Schweigens ist eine Ver- schwörung der Schande! Wäre die Socialdenrokratie nicht, Napoleons Wort hätte sich bereits erfüllt: Europa wäre kosakisch. Die Bourgeoisie ist kosakisch geworden, aber das Proletariat rüstet das freie Europa.— England und Tibet. England scheint dem unaufhaltsamen Vordringen Rußlands gegen Indien doch endlich durch die Offensive entgegentreten zu wollen. Nachdem Rußland seit geraumem an der Arbeit ist, den nordtvestlich von Indien gelegenen Pufferstaat Afghanistan in einen russischen Vasallenstaat zu verwandeln, nachdem eS sich im Pamir- Gebirge an der Nordgrenze der indischen Provinz Pendschab fest eingenistet und alle Pässe durch Militärftationen gesichert hat, war es auch schon dazu übergegangen, Tibet, also das ganze nördliche Grenzland Indiens, in seinen Besitz zu bringen. Unterhändler waren als Reisende und Handelsleute in das Land des Dalai Lama entsandt worden, um auf dem Wege der Diplomatie die ersten Schritte der Annektion ein- zuleiten. Wäre Tibet nicht zum größten Teil eine von Eisstürmen gepeitschte Einöde und hätte Rußland in den letzten Jahren nicht in Ostasien so viel zu thun gehabt, so wäre Rußland wahrscheinlich England schon zuvorgekommen und an den Himalaya-Pässen befänden sich Grenzkosaken den englischen Grenzposten gegenüber. Nun hat England die ostasiatischen Verwicklungen dazu benutzt. um selbst nach russischer Art in das Grenzland Tibet einzufallen. Offenbar beabsichtigt England nichts Geringeres, als mindestens den Südteil des ausgedehnten Hochlandes inklusive der Hauptstadt Lhassa in seinen Besitz zu bringen, um auch die Nordseite des ge- waltigen Grenzgebirges gegen einen russischen Durchbruch militärisch sichern zu können. Diese strategische Bedeutung des Landes kommt für England in erster Linie in Betracht, denn der ivirtschaftliche „Reichtum" Tibets könnte England schwerlich reizen. Tibet besitzt bei einem Flächenraum von 2 100 000 Ouadratkilometer nur circa zwei Millionen Einwohner, es ist also hundertmal weniger dicht bevölkert als das Deutsche Reich, das ja nur eine Ausdehnung von 540 000 Ouadratkilometer besitzt. Der für England wichtigste Teil des Landes ist auch der fruchtbarste, in dem auch die Hauptstadt Lhaffa ge- legen ist. Das„Reutersche Bureau" erfährt, ein wichtiger Vormarsch der englischen Tibet-Expedition unter Oberst Doughusband stehe unmittelbar bevor, das Chumbi-Thal zwischen Sikkim und Bhutan solle b e- setzt und ein Vormarsch nach Giantse, ungefähr 150 Meilen von Lhassa, unternommen werden. Das ge- nannte Bureau meldet weiter: Infolge der letzten Nachrichten aus Lhassa, nach welchen eine friedliche Lösung unwahr- s ch e i n I i ch sei, habe Oberst Aounghusband vor kurzem in Simla mit dem Vicekönig konferiert. Die Regierung von Lhassa verteile große Mengen von Gewehren und fordere die Bevölkerung auf. sich zum Kriege vorzubereiten. Die Tibetaner erwarten offenbar eine Unter st ützung von feiten Rußlands. Die Tibetaner erwarten auch Unterstützung durch ihre Verbündeten von Nepal, die Regierung von Nepal habe aber die Tibetaner vor geheimen Abmachungen mit Rußland gewarnt und weigere sich, Tibet im Falle des Ausbruches von Feind- seligkeiten mit England zu unterstützen. Ob Rußland gerade in diesem Augenblick etwas zu Gunsten Tibets wird thun können, ist fraglich. Ebensowenig kommt China als Bundesgenosse Tibets in Betracht, obwohl eS ja eine Art Ober- Herrschaft über das Land ausübt und in Lhassa einen Residenten sitzen hat. Der unabhängige Himalayastaat Nepal aber wird sich hüten, England zu einem Vorgehen gegen ihn zu provozieren. Freilich, anneksiert England Süd-Tibet, so wäre Nepal von eng- lischem Gebiet umschlossen und seine Annettion nur eine Frage der Zeit.— * Veuttckeu Reich. Die Einberufung des Reichstages wird auffällig verzögert. Jetzt spricht die Münchener„Allgemeine Zeitung" gar von einer Einberufung erst auf den 8. Dezember. Die„Preußische Korresp." giebt einen sehr seltsamen Grund für die Verzögerung der Ein- Berufung an: „In amtlichen Kreisen halte man eS für sicher, daß der Kaiser den Wunsch hege, wenn irgend möglich, d. h. wenn dadurch nicht eine allzu große Verzögerung entstehen sollte, die neue Legislaturperiode persönlich zu eröffnen. Danach ist es wahrscheinlich, daß. wen» die volle Wiederherstellung des Monarchen für einen verhältnismäßig nahen Termin zu erwarten ist, der Reichstag erst zu diesem Termin zusammentritt; sollte sich dagegen zeigen, daß nach der Entwicklung des Heilungsprozesses der Kaiser sein Organ noch für einige Zeit schonen muß, so sei die Einberufung für einen näheren Termin zu erwarten." Die späte Einberufung des Reichstages ist für die Arbeiten des Parlaments überaus schädlich, da dann fast nur der Etat beraten werden kann und alle auS den Parteien kommende» Anregungen und Anträge zu kurz kommen. Die Regierung hat schon stets Neigung, das Parlament spät einzuberufen, wodurch unbequeme Debatten verhindert werden. Durch das HalSleiden des Kaisers noch eine lveitere Verspätung«intreten zu lassen, entspricht den Interessen der Gesetzgebung ganz und gar nicht.— Die Handclsvcrtrags-Vrrhandlungcn mit Belgien werden wahr- scheinlich, wie die„Münchener Neuesten Nachrichten" erfahren, eben- falls im nächsten Monat in Berlin beginnen. Belgien soll den Wunsch ausgesprochen haben, mit Rücksicht auf den neuen deutschen Zolltarif schon jetzt Verhandlungen zur Erneuerung des Handels- Vertrages anzuknüpfen. Deutschland kam diesem Wunsche nach. Der Handel Deutschlands mit Belgien belief sich im letzten Jahre auf 357,4 Millionen Mark. Davon entfallen 196,7 Millionen Mark auf die Einfuhr, 50,3 Millionen Mark auf die Ausfuhr. Deutschland bezieht aus Belgien vornehmlich rohe und gekämmte Wolle, Pferde, Steinkohlen und Blei. Die Ausfuhr nach Belgien be- steht hauptsächlich aus Steinkohlen, Maschinen, Eisen und Eisen- waren, Tuch- und Zeugwaren.— Deutsch- amerikanische Handelsbeziehungen. Wie das Bureau „Herold" meldet, hatte der Berliner Vertreter der„Chemnitzer All- gemeinen Zeitung" heute mit dem in Berlin weilenden deutschen Botschafter in Washington Freiherrn Speck von Sternburg eine Unterredung über die zollpolitischen Beziehungen Deutschlands zu den Vereinigten Staaten, in welcher der Botschafter bezüglich der rigorosen Zollbehandlung der deutschen, tnS» besondere der Chemnitzer Exportindustrie erklärte, die Stellung der amerikanischen Unternehmer und ihrer Finanziers sei derart, daß gegenwärtig selten etwas auf dem Beschwerdewege erzielt werde. Die Unternehmer hätten auch im Senat einen mächtigen Rückhalt. Auf die Frage, ob eine Abänderung der gegenwärsigen rechtsgülsigen Bestimmungen im Wege gesetzgeberischer Initiative denkbar sei, daß an Stelle der Wertzölle Gewichtzölle treten, äußerte der Botschafter, die Neigung zu einer solchen Aenderung habe er nicht bemerkt. Wir wissen, so führte Herr v. Sternburg weiter aus, daß gerade der Wertzoll der Kernpunkt aller laut gewordenen Klagen ist. Ich bin ja wegen der Erörterung gerade dieser Frage nach Deutschland gekommen und ich kann versichern,_ daß Präsident Roosevelt und die Regierung großen Wert auf die freundlichen Be- Ziehungen zu Deutschland legen. Auf die Frage, ob die Aussicht auf Abschluß eines Tarifvertrages mit den Bereinigten Staaten aus- geschlossen sei, erwiderte der Botschafter, daß zur Zeit kaum daran zu denken sei. Die Amerikaner seien sich der Vorteilhafsigkeit ihrer Stellung bewußt und die einflußreiche Großindustrie würde diese nicht ohne weiteres aufgeben.— Mittelland-Kanal und Berliner Handelskammer. Die Handels- kammer von Berlin, die seit ihrem Bestehen amtlich zu den Kanal- Projekten noch keine Stellung genommen hatte, vertritt nach ihrem offiziellen Protokoll„einhellig die Auffassung, daß der Bau der neuen Kanalwasserstraßen, namentlich des Mittelland- Kanals, nach wie vor als ein dringendes Bedürfnis auch für die wirtschaftlichen Interessen des Berliner Handels und der Berliner Gewerbthätigkeit erachtet und deshalb die baldige Einbringung einer neuen Vorlage an den Landtag aus das lebhafteste gewünscht werden muß". Ein— ftommer Wunsch mehr.— Aus dem 22. sächsischen Reichstags-Wahlkrrise wird berichtet: Der Vorstand des socialdemokrasischen Kreisvereins beschloß, für die Nachwahl im 22. Reichstags-Wahlkreise den Genossen Adolf Hoff- m a n n in Berlin den Parteigenossen in Borschlag zu bringe«. Sonntag, den 29. November, wird eine Kreis-Parteiversammlung hierüber endgültig Beschluß fassen.— An der Reichstags-Ersabwahl im Kreise Darkehmen-Goldap- Stallupönen, die bereits am 1. Dezember stattfindet, lvird sich unsre Partei nicht beteiligen. Es wird von uns kein Kandidat aufgestellt werden. Den Genossen im Kreise wird empfohlen, sich von der Wahl fernzuhalten. Die Parteileitung in Königsberg, die diese Parole ausgegeben hat. ist der Ansicht, daß sich nennenswerte Erfolge in einer so kurzen Zeit nicht erzielen lassen. Die Agitation müßte von Königsberg auS erfolgen. Hier aber wird jede Kraft zu den Stadtverordnetenwahlen gebraucht. Ten Genossen iin Kreise sind Cirkulare geschickt worden, in denen die Gründe für die Nicht- Beteiligung angegeben sind. Sie werden darin aufgefordert, sich der stillen Agitation zu loidmen, damit sie nach fünf Jahren der Welt zeigen können, was für Fortschritte die Socialdemokratie in diesen, entlegenen, hart an der russischen Grenze liegenden Kreise gemacht hat. Von einer Agitation der Freisinnigen, die außer uns in diesen, Kreise nur noch in Betracht kommen, ist auch noch nichts zu merken, so daß der Kreis den Konservasiven mühelos in die Hände fallen wird.— Studentische Sandalen. Wir erhalten folgende Berichtigung: In Nr. 264 des„Vorwärts" befindet sich ein Artikel mit der Ueberschrift„Studentische Vandalen". in dem behauptet wird, daß hiesige Studenten aus purer Zerstörungswut sich einer erheblichen Beschädigung der Rathausthür schuldig gemacht hätten. Die Untersuchung des Universitätsgerichts hat ergeben, daß einige Ssildierende— allerdings durchaus ungehörigerweise— nachts eine Meldung auf der Polizeiwache erstatten wollten und durch Klopfen und Treten an die verschlossene Rathansthür sich Eiitzlaß zu ver- schaffen suchten. Hierdurch ist der frische zartgrüne Anstrich be- schädigt worden, jedoch so unerheblich, daß die Wiederherstellung mit einem Kostenaufwand von 5 M. erfolgen kann. Marburg, den 14. November 1903. Der Rettor der Universität. Mirbt. � ES spricht für eine außerordentliche Toleranz der UniversitätS- Behörde, daß sie das Betragen mit mildem Tadel nur„durchaus ungehörig" findet. Daß der angerichtete Schaden finanziell un- beträchtlich sein soll, macht die Handlung der Excedentcn durchaus nicht entschuldbar. Bor allem aber vergißt der Rektor gänzlich mitzuieilen, was für eine„Meldung" denn die Herren Studie- renden auf der Polizeiwache nächtlicherweile erstatten wollren; man wollte den Verlust von— fünf Pfennigen anzeigen. Das mag ein Ulk sein. Daß man deswegen eine künstlerisch wertvolle Thür mit den Füßen bearbeitet, ist schon weniger ulkig. Vor allem aber wirkt eine solche Milde aufreizend in einer Zeit, wo Arbeiter wegen der kleinsten Unüberlegtheit in der Ausübung ihrer Rechte mit den härtesten Strafen verfolgt werden. Wir möchten keinem Marburgcr Arbeiter raten, auch'nur die geringste Beschädigung etwa des dortigen Universitätsgebäudes in nächtlichem Uebermut zu wagen.— Ein„Nachfolger Hödels" im Heere. Wie in der Armee Lächer- lichkeiten, wenn sie einen scheinbar politischen Anstrich haben, ernst genommen werden, das zeigt eine Verhandlung vor dem Ober- Kriegsgericht des IV. Armeecorps in Magdeburg. An- geklagt war der jetzige Militärsträfling Adolf Binder aus Königs- berg, der wegen angeblichen„Ungehorsams gegen einen Dienstbefehl" vom Kriegsgericht Halle zu drei Wochen strengen Arrest ver- urteilt worden war. Der Angeklagte hatte einmal index Trunkenheit, lange Jahre vor seinem Dienstantritt, in Königs- berg auf der Straße gerufen:„Es lebe die Anarchiel" Das brachte ihm den Spitznamen„Hödels Nachfolger" ein. Augenblicklich sitzt der Angeklagte eine vierjährige Gefängnisstrafe wegen Fahnenflucht ab. Als er einmal aus dem Gefängnis an seinen Bruder in Magdeburg eine Karte schrieb, unterzeichnete er diese ulkhasterweise mit seinem Spitznamen. Später renommierte er in einem Briefe an seine Eltern damit, er wolle nach seiner Entlassung„in die Fußstapfen eines Nobiling und eines Hödel treten". Vor Gericht hatte er erklärt, er sei weder Anarchist, noch Socialdemokrat. Trotzdem war dem Gerichtsherrn obige Strafe zu niedrig und er legte Berufung ein. Vor dem Ober- kriegsgerichl erklärte der Vertteter der Anklage, der Angeklagte müsse mit Gefängnis bestrast werde» und zwar weil dieser Ungehorsam ein„Ungehorsam mit erheblichen Nachteil" sei' Das Oberkriegsgericht schloß sich jedoch dieser seltsamen Auffassung nicht an, erhöhte aber trotzdem die Strafe auf vier Wochen strengen Arrest I Der Angeklagte ist bereits 16mal vorbestraft. Er gab u. a. zu seiner Entschuldigung an: Der Spitzname„Hödels Nachfolger" habe schwer auf ihn gelastet und se» der Hauptgrund seines verfehlten Lebens gewesen. Man sah es dem Angeklagten an. daß er weder„anarchistischer", noch„socialdemokrasischer Umtriebe im Heere" fähig ist. Thut nichts. Der unbesonnene Ruf im betrunkenen Zustande svor seiner Dienst- zeit!) genügt für die Militärjustiz, einen Menschen, der nicht weiß, was er schwatzt, für sehr„gefährlich" zu halten und in schwere Strafe zu nehmen.—_ Liebesgabenpolitik in Bayern. München, 16. November.(Eig. Ber k Die Cenirumsfrattion im bayrischen Landtage hat wieder einmal einen hübschen Streich geliefert. Während sie bei allen socialpolitischcn Anforderungen über die schlechte Finanzlage jammert und deshalb u. a. auch die Gehaltserhöhungen der Staarsvcamtcn und-Bediensteten bisher verhindert hat, drückte sie am Montag mit freundlicher Unterstützung der Liberalen einen Antrag Dr. Heims durch, wonach die Regierung aufgefordert wird, für die Zwecke der Grund- c n t l a st u n g die Kleinigkeit von IV- Millionen aus den lieber- schüssen des Jahres 1902 zu gewähren. Es ist das ein altes ultra- montanes Taschcnsvicterkunststück, das in jeder Session aufgeführt wird. Bei der Beratung des Budgets lvird nämlich bei allen laufenden Ausgaben geknausert und auch die Voranschläge für die Einnichmen setzt man möglichst niedrig ein. Die Folge ist natürlich, daß sich dann später erhebliche Ueberschüsse ergeben. Seit einer langen Reihe von Jahren ist nur ein einziges Mal, im Ärisenjahre 1.901, eine Unterbilanz entstanden, während sonst regelmäßig ganz erhebliche Mehrerträgnisse zu verzeichnen waren. Nun hat man den Grundsatz proklamiert, daß Ueberschüsse für laufende Ausgaben nicht verwendet werden dürfen. Das wäre an sich ganz richtig, wenn eben diese Ueberschüsse nicht künstlich erzeugt würden; es ist doch Thatsache, daß selbst dann noch Aktivreste geblieben wären, wenn man eine umfassende Gehaltserhöhung zu Gunsten der jetzt buchstäblich bungernde» niederen Bediensteten und der Beamten vorgenommen hätte. Auf die Ueberschußwirtschaft will aber ioedcr die Regierung noch das Centrum verzichten, weil man bei diesem System die Möglichkeit gewinnt, der Landwirtschaft in jeder Session einige Millionen als Liebesgabe darbringen zu können. Der Finanzminister hat vor kurzem mitgeteilt, daß auch das Jahr 1902 mit einem Mchr- erträgnis von oVä Millionen abgeschlossen hat und flugs kam nun das Centrum mit dem Antrag, davon IV- Millionen für die Boden- Zinsablösung zu verwenden. Die einzige Partei, die dagegen opponierte, war die socialdemokratische Fraktion. Genosse E h r h a r t wies darauf hin, daß der Antrag Heim nichts andres bedeutet, als eine Alilösung der landwirtschaftlichen Hypotheken, wobei er sich auf eine frühere Darlegung des Finanzministers v. Riedel berufen konnte. Er erklärte sich dagegen mit einer völligen Beseitigung ungerechter bäuerlicher Grundlasten ein- verstanden, wenn man eine allgemeine progressive Einkommensteuer einführe. Allein die Abgeordnetenkammer zeigt sich in solchen Dingen allen Vernunftsgründen unzugänglich, sie laßt sich von ihrer Liebes- gabenpolitik nicht abbringen und so wurde denn der Antrag Heim mit Hurra gegen die Stimmen der socialdemokratischen Fraktion an- genommen. Bezeichnend war dabei das Verhalten der Liberalen. xLährend die liberale Presse gegen den Antrag Heim polemisierte, stimmten die Liberalen in der Kammer nicht nur dafür, sondern zuvor auch für einen Antrag der Baucrnbündler, die gar 1 Millionen verlangt hatten I— Husland. Oestreich-Ungarn. Der östrrichische Etat. Im Abgeordnetenhause machte der F i n a n z m i n i st e r am Dienstag folgende Ausführungen: Der natürliche Zuwachs der Staatseinnahmen beirage nach dem Durchschnitte der Jahre 1890— 1900 ungefähr 20 Millionen Kronen jährlich. Während das Jahr 1900 gegen das Jahr 1899 einen Zuwachs von noch fast 24 Millionen Kronen aufwies, hätte schon das nächste Jahr unter der Einwirkung der damals herein- gebrochenen loirtschaftlichen Depression einen Rückgang von un- gefähr 11 Millionen Kronen gezeigt. Das Jahr 1902 hätte einen weit hinter dem natürlichen Durchschnitt stehenden Zuwachs von nur S— 0 Millionen Kronen gebrocht. Im laufenden Etatsjahre lverde ebenso von einem normalen Durchschnitte keine Rede sein. Für 1904 könne man nur mit einem wirklichen Zuwachs von 10 bis 12 Millionen Kronen rechnen. Es wäre daher ungerecht, in diesen Zeiten der Depression zu verlangen, daß die Regierung mit größter Eile dasjenige auf allen Gebieten des staatlichen Lebens nachhole, was in besseren Jahren, die bisweilen einen natürlichen Zuwachs von 40, ja sogar 60 Millionen Kronen aufwiesen, nicht g e- s ch e h e n sei. Er wolle das Gespenst des Deficits nicht in das Budget hineinbringen; er sei ohnehin in den letzten Jahren bis an die Grenze des Zulässigen gegangen und habe sogar einige außer- ordentliche Einnahmen verwendet, um nur über den kritischen Punkt wegzukommen. Aber eine Politik der Ausgaben- Vermehrung dürfe man nicht auf außerordentliche Einnahmen stützen, da diese sich erschöpften. Die einzige gesunde Fundierung ftir eine Erhöhung der Ausgaben sei immer nur der natürliche Zuwachs der ordentlichen Einnahmen. Der Minister betonte sodann, daß der mäßige Ueberschuß des Budgets ftir 1904 nur durch den Wegfall der Exportprämien für Zucker, die Zinsersparnis aus der glänzend gelungenen Renten- konversion und durch Heranziehung außerordentlicher Einnahme- Posten in der Form der Uebernahme des Pensionsfonds der Landes- Postbediensteten erzielt werden konnte. Der Minister legt sodann dar, daß der pro 1902 ausgewiesene Ueberschuß von 12 Millionen Kronen keinen thatsächlichen Gewinn bedeute und hebt hervor, daß die Gebarung von 1903 voraussichtlich ohne Deficit abschließen werde, daß jedoch, falls das Haus auf Grund des Gesetzes die er- betene Tilgungsrate nicht bewilligen sollte, unverineidlich ein Fehl- betrag eintreten würde, für den jedoch nicht der Finanzminister, sondern das Haus die Verantwortung zu tragen hätte,— Frankreich. Marineminister Pelletan präsidierte gestern einem Festessen der Schullehrer und Lehrerinnen des Departements Aube in Trohes. Der Minister erklärte in seiner Ansprache, die Regierung sei entschlossen, den Kampf gegen den Klerikalismus fortzusetzen. Wenn ich, so sagte Pelletan. nicht Minister wäre, würde ich sagen, die Regierung habe den Kampf gegen die katholische Kirche aufgenommen. Es liegt mir freilich fern, irgend jemand zu verfolgen, aber die Geschichte lehrt, daß die Freiheit immer von der katholischen Kirche unterdrückt worden ist. Man mutz ihr die Freiheit nehmen, die Freiheit andrer zu beschlagnahmen. Der Minister legte dar, daß der Klerus in den Unternehmungen der Republik seine Hand in Spiele gehabt habe, und schloß, indem er den Lehrern und Lehrerinnen sein Lob aussprach. Es gelangte eine Tagesordnung zur Annahme, in welcher die Regierung ersucht wird, den Kampf bis zum vollständigen Verschwinden des kongreganistischen Unterrichts fortzusetzen.— Die parlamentarische Gruppe für internationale Schiedsgerichte, die im März dieses Jahres gegründet wurde, zählt jetzt unter den Senatoren und Deputierten 250 Mitglieder. Am 25. November wird die französische Gruppe ihre englischen Kollegen bei sich zu Gaste sehen; diese erwidern den Besuch, den die französischen Deputierten vor einigelt Monaten in London machten. Man lvird nun, genau ivie in London, unter Teilnahme von Ministern und andren hohen Persönlichkeiten einige Tage lang von einem Bankett zum andren jagen und glänzende Reden auf den„europäischen Frieden" halten. Bei dem großen Bankett im Grand Hotel wird der Ministerpräsident und andre Mitglieder der Regierung anwesend sein; außer Berthelot und Waldeck-Rousseau wird auch Jaures das Wort nehmen. Eine energische Bekämpftmg des Militarismus und der kolonialen Raubpolitik wäre gescheiter! Zur Humbert- Affaire. Zahlreiche Persönlichkeiten haben an den„Figaro" Zuschriften gerichtet, in denen sie gegen die Behaup- tung, daß sie zu den Humberts Beziehungen gehabt hätten, protestieren. So erklärt der socialistische Deputierte Jaures. der von den Hnmberts Einladungen zur Jagd erhalten haben soll, daß er in seinem ganzen Leben überhaupt noch kein Gewehr angerührt und die Humberts gar nichts gekannt habe. Der Senator und ehe- malige Ministerpräsident M o l i n e erklärt, daß er bei den Hnmberts niemals diniert oder gejagt habe. Im Hinblick auf diese Proteste ist niehrfach die Behauptung ausgesprochen worden, daß Frau Humbert selbst diese an sich bedeutungslosen Papiere gefälscht habe, um ihren Gläubigern mit ihren politischen Verbindungen zu imponieren.— Italien. Der Uebcrfall auf Fern. Rom, 14. November. Heute mittag, als Genosse Ferri aus der Redaktion des„Avanti" zurückkehrte. wurde er im Portal seines Hauses von einem jungen Manne erwartet, der sich ihm als Sohn des Senators Roux, des Herausgebers der„Tribuna" vorstellte und von ihm forderte, die Angriffe gegen seinen Bater zu unterlassen. Natürlich antwortete ihm Ferri, daß ihn keine Drohung bestimmen könnte, seine Pflicht als Journalist nicht zu erfüllen, woraus der junge Roux sich unter Beschimpfungen auf Ferri warf und ihn zu schlagen versuchte. Mit einem gut gezielten Stockhieb auf die Nase richtete aber Ferri den Angreifer übel zu, der seinerseits nicht dazu kam, ihm einen Schlag zu versetzen. Arbeiter kamen dazu und hielten den wütenden jungen Menschen von weiteren Angriffen ab, während Ferri ruhig in seine Wohnung hinaufstieg. Derartige Roh- heiten, wie der Angriff des jungen Roux, sind Folgen der Campagne einiger„Ordnungsblätter", die die Parole ausgegeben haben: „Gegen die Socialistcn Hilst nichts als die Gewalt". Allzu viel dürste die doch auch nicht helfen. Der„Avanti" wird nach wie vor seine Pflicht thun, und der junge Roux hat zehn Tage an seiner Nase zu kurieren.— Dänemark. Liberale Prügclschwiirmer. Ein Gesetzentwurf zur Einführung der Prügelstrafe ist das neueste Produkt der„liberale n" Regierung. Einen solchen Entwurf hat der I u st i z m i n i st e r Alberti am Freitag dem Folkething vorgelegt. Danach sollen männ- liche Personen im Alter von 15— 55 Jahren zu Prügel als Einzel- strafe oder als Zusatzstrafe verurteilt werden können. Die Prügel sollen in Schlägen auf den Rücken, bis zu 27, bestehen. Welches Gerät dazu verwandt werden soll, wird durch königliche Ver- o r d n u n g bestimmt. Zur Prügelstrafe sollen verurteilt werden können Personen, die Notzucht oder andre Sittlichkeits- und Roheitsverbrechen verübt haben. Ter Gesetzentwurf wird mit der Behauptung begründet, daß die Roheiten während der letzten Jahre bedeutend zugenommen hätten. Hoffentlich werden das dänische Volk und seine Vertreter dafür sorgen, daß dieser allem Kulturfortschritt und den liberalen Grundsätzen hohnsprechende Entwurf nicht Gesetz wird. Es ist ja hinreichend bewiesen, daß dieses, auch in Dänemark längst auf- gegebene Strafverfahren nur das Gegenteil von dem erzeugen kann, was es bezwecken soll.— Spaltung der Liberalen Kopenhagens. Die unaufhaltsame reaktionäre Entwicklung des ans der Linkenpartci hervorgegangenen Ministeriums wird durchaus nicht von allen Mitgliedern der Partei gebilligt und hat bei vielen lebhafte Entrüstung hervorgerufen. Innerhalb„Kopenhagens liberaler Wählcrvercinigung", wo die Mehrheit radikal gesinnt ist, suchten die regierungstreuen Elemente die Oberhemd zu gewinnen. Das ist ihnen aber mißglückt und nun haben sie unter dem Namen„Kopenhagens Linkenvereinigung" eine neue Organisation gebildet, die sich. Ivie es in der Mitteilung von Ritzaus Bureau heißt,„genau an die Linkenreformpartci, an deren Programm und das aus der Partei hervorgegangene Ministerium anschließt". Diese Spaltung imirde unvermeidlich, nachdem in den kürzlich abgehallenen Generalversammlungen der einzelnen Wahl- kreisvereine meist Radikale in die Vorstände gewählt worden toaren und dementsprechend voraussichtlich auch die am 25. November statt- findende Generalversammlung der gesamten Vereinigung eine anti- ministerielle Stellung einnehmen wird. Tie Gründer der neuen Linkenvereinigung sind diejenigen Leute, die so eifrig bestrebt waren, ein Wahlbündnis zwischen Liberalen und Anti-Socialisten zu stände zu bringen.— Rnftland. Im Kischinew-Prozcß wurden bis jetzt über 2000 Personen in der Voruntersuchung verhört, sie haben auf Grund der Aussagen der Verhörten gegen 100 Personen Anklage wegen Mordes und Tod- schlages und gegen 250 Anklage wegen Körperverletzung erhoben. Bei den Unruhen in Kischinew wurden, wie die Richter feststellten, 1350 Häuser von der Menge verwüstet, 38 Juden und 2 Christen getötet und 433 Inden und 135 Christen verwundet.— Asien. Ein koreanisch- japanischer Konflikt. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Söul gemeldet: Der japanische Gesandte fordert, daß infolge eines zufälligen Zusammenstoßes zwischen Koreanern und Japanern den Chefs der Polizei und der Gendarmerie Verweise erteilt werden, und daß sie wegen Beleidigung eines japanischen Unterthanen bei der Gesandtschaft Enschuldigungen vorbringen. Die Teilnehmer an der Straßenschlägerei seien streng zu bestrafen und dem Befehlshaber der beteiligten Soldaten sei ein strenger Verweis zu erteilen. Falls sich ähnliches in den Hauptstraßen Söuls wieder- holen sollte, droht der Gesandte, dem koreanischen Polizeiposten Japaner zu Hilfe zu senden. Die Kosten für die Behandlung der verwundeten Japaner habe die koreanische Regierung zu tragen, die auch für den japanischen Unterthanen bei ähnlichen Gelegenheiten zugefügten Schaden aufzukommen hat.— China und Rußland. Wie aus Peking gemeldet wird, hat das russische Vordringen in der Mandschurei bei der chinesischen Regierung große Erregung hervorgerufen, jedoch sei man außer stände, irgend welche Schritte zu unternehmen. Im Palast finden fortgesetzt Be- ratungen der Minister statt, doch spielen die Beamten nur ihren Einfluß gegeneinander aus. Die Kaiserin- Witwe erscheint sehr niedergeschlagen.—_ Partei- INtacbrichtcn» Der Arbciter-Notiz-Kalender 1904, im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erschienen, ist zur Zeit vergriffen. Die noch täglich ein- gehenden Bestellungen haben aber den Verlag veranlaßt, einen Nachdruck zu veranstalten, von dem die ersten Exemplare aber erst von der nächsten Woche ab zur Versendung kommen. Die Besteller wollen sich also bis dahin gedulden. Aufträge auf diesen Kalender, der ein notwendiges und nützliches Nachschlagebnch für alle g e- werkschaftlich und politisch organisierten Arbeiter ist, sind zu richten an die Buchhandlung Vorwärts, Berlin 81V. 68, Lindenstr. 09. Der Preis beträgt 00 Pf. polizetUches, OcrichtHcbcs ufw. Wege» Beleidigung zweier Schutzleute wurde Genosse Düwell in Dortmund, Redakteur des dortigen Parteiblattes, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte in seinem Blatte einen nächtlichen Vorfall auf den Straßen Dortmunds erzählt, wobei sich die Schutz- leute ungehörig benommen haben sollen. Vier Zeugen bestätigten die Richtigkeit der Angaben des Artikels aus eigner Wahrnehmung, die Schutzleute bestritten es und ihnen standen drei andre Zeugen bei. Das Gericht sah den Wahrheitsbeweis alö nicht erbracht an und erkannte infolgedessen auf die hohe Strafe. Hus Induftric und Handel Ter Ausstand, richtiger die Aussperrung de? Textilarbeiter iu Crimmitschau beginnt in der Spinnerei des Rheinlandes, speciell des Miinchen-Gladbacher Reviers,«ine seltsame Umwälzung herbeizu- führen. Die Webereien jener Gegend verarbeiten zu einem großen Teil Crimmitschauer Streichgarne, die als vorzüglich bekannt sind, Als die Zusendungen aus Crimmitschau ausblieben, sahen sich die Verbraucher vor die Wahl gestellt, entweder den Betrieb stillzulegen oder mit Opfern von anderwärts her Garn herbeizuschaffen; sie traten deshalb an jene rheinischen Spinnereien heran, welche zwar nicht so ganz sachgemäß auf die Sonderheiten Crimmitschaus ein- eingerichtet sind, immerhin aber, wenn auch nur bei Gewährung besserer Preise befähigt sind, solche Garne herzustellen. Und da die Webereien schließlich die geforderten Garnpreise bewilligten, ließen sich die Spinnereien darauf ein, Crimmitschauer Garnsorten zu ipimten. Nun machte sich aber, wie der„Kölnischen Volkszeitung" aus Mikachen-GIadbach berichtet wird, eine neue Folge bemerkbar. Der Garnmangel trat auf diese Aenderung im Betnebe hin recht bald auch in de» Sonderheiten dieser Art von Spinnereien, also der Acungospinnerei, ein. Die Mungogarn benötigenden Weber wandten sich dann an die Spinner von Strumpsshoddy- und von Wollgarn, besonders gegen Ende Oktober. Um nun diese Spinner zum Ueber- gang zur Herstellung der gewünschten Garnsorten zu bewegen, mußten denselben,»vie ganz natürlich, hinwiederum höhere Preise bewilligt werden. Mit Ende Oktober sind thatsächlich eine Anzahl Spinnereien von Sftumpffhoddy- und Wollgarn zur Herstellung von Mimgogarn übergegangen, wenn auch nur mit einem Teile de? Betriebes, Täuscht nun nicht alles, so dürsten in der nächsten Zeit die Preise der Strumpsshoddy- und Wollgarne steigen. Woher aber für diese Garne Ersatz kommen soll, weiß man nicht. Nur der Platz Verviers kommt in Betracht. Aber Verviers ist schon in Anspruch genommen; mit Crimmitschau teilte es nämlich aus dem englischen Markte ein Gebiet, welches ihm seit dem Aus- stände allein zur Versorgung blieb, so daß Verviers schwerlich in Deutschland helfen kann. Garnknappheit auf der ganzen Linie dürste somit von jetzt ab, soweit man voraussehen kann, die Losung werden. Die Webereien, ohnehin durch die im Vergleich zu den vorigjährigen jetzt höheren Preise für Baumwolle, Wolle und Kunstwolle bedrängt, weil Preis- erhöhungen des Roh- und Halbstoffs nur zögernd auf Fertigware sich überleiten lassen, werden nun doppelt durch die infolge des Aus- standes zu zahlenden besonders hohen Garnpreise empfindlich berührt. In der Entrüstung über diese widrigen Umstände wird vielleicht mehr als eine Weberei zur Errichtung einer eignen Spinnerei sich entschließen. Der Vorschlag der Erhebung von Schiffahrts-Abgnbeu auf den deutschen Wasserstraßen, der von konservativer Seite gegen das Mittellandkanal-Projekt ausgespielt worden ist und nach neueren Mitteilungen im Eisenbahn-Ministerium eine recht wohlwollende Be- urteilung gefunden haben soll, stößt bei der Kaufmannschaft und den Industriellen des Rheinlandes auf starken Widerspruch. • Wie die Handelskammer in Köln und der Verein rheinischer Binnenschiffahrts-Jnteressenten hat auch die Handelskammer in Mainz gegen die Absicht der Erhebung von'Schiffahrts-Abgaben auf Rhein und Elbe Stellung genommen. In ihrer letzten Sitzung nahm sie folgende Erklärung au: Nach immer bestimmter auftretenden Zeitungsnachrichten sollen in den Kreisen zuständiger Reichsämter oder preußischer Ministerien Bestrebungen vorhanden sein, die dahin gehen, auf den natürlichen Wasserstraßen, insbesondere auch auf dem Rhein, unter Abänderung internationaler und verfassungsrechtlicher Bestimmungen Abgaben einzuführen. Die Handelskammer Mainz fühlt sich veranlaßt, gegen dieie Bestrebungen auf das entschiedenste Stellung zu nehmen und gegen die Verwirklichung derselben nachdrücklich Ver- Wahrung einzulegen. Die wirtschaftliche Entwicklung des Rhein- stromgebietes, sein Wirken und Gedeihen und damit die Wohl- fahrt und Macht des Deutschen Reiches ist fundamental mitbegründet auf die Abgabefreiheit des Rheinstromes. Durch einen jahrezehntelmig mit Kraft und Zähigkeit geführten Kampf, der von Anfang bis über die Mitte des vorigen Jahrhunderts dauerte, ist die Abgabefreiheit des Rheines erstritten und damir der gewaltigen, seit jeuer Zeit dauernden wirtschaftlichen Entwicklung äußerst gute Bahn geschaffen worden. Diese Entwicklung würde zum großen Teil zurückgeschraubt, die mit der Rheiuschiffahrt direkt � oder indirekt zusammenhängenden, gewaltigen, wirt- schaftlichen Interessen würden aufs schwerste geschädigt werden, wenn man neuerdings den Grundsatz der Abgabe, auf welche Art auch immer, verlangen wollte. Wir richten daher in Vertretung der uns anvertrauten wichtigen Interessen und als eine Körperschaft, die seit dem Beginn des vorigen Jahrhunderts unermüdlich an der Befreiung des Rheines mitgewirkt hat, an den hohen Bundesrat und die groß- herzogliche Staatsregierung die dringende Bitte, allen Versuchen um Wiedereinführung von Abgaben auf den natürlichen Wasserstraßen und ans dem Rhein von vornherein unzweideutig entgegenzutreten. Vereinigung der Elbe-Schiffahrts-Gesellschaste». Ueberall das Bestreben. Syndikate und Trusts zu bilden. Auch die Schiffahrts- Gesellschaften der Elbe planen einen Zusammenschluß. Wie der „Köln. Zeitung" aus Dresden gemeldet wird, finden dort Ver- Handlungen statt, die darauf abzielen, eine Vereinigung der Oesi- reichischen Nordwcst-Dampfsthiffahrts-Gesellschaft, der Deutschen Dampfschiffahrts-Gesellschaft Kette, der Schiffahrts-Gesellschaft Ver-» einigte Elbe und der Saaleschiffer herbeizuführen. An den Ver- Handlungen sind die Hamburger Kommerz- und Discontobank und der Wiener Bankverein beteiligt. Tie Vertretung des Auslandes an der Berliner Börse. Die Zahl sec ausländischen Firmen, die an der Berliner Börse Vertretungen unterhalten, Ivar von den Aelteften der Berliner Kaufmannschaft für das Jahr 1900 auf insgesamt 115 an- gegeben, darunter befanden sich 03 Londoner, 30 Pariser, 12 Brüsseler und 10 New Zocker Firmen, Die Zahl der Agenten, von denen manche mehrere Häuser gleichzeitig vertreten, bezifferte sich damals auf 03, mit ihren Unteragenten auf 72. Vor dem 1. Januar 1897 hatte sich die Zahl der Agenten auswärtiger Häuser in Berlin nur auf 25 belaufen. Was die gegenwärtigen Verhältnisse nun an- belangt, so hat die Berliner Handelskammer neuerdings festgestellt, daß im großen und ganzen die Lage seit 1900 sich nicht geändert bat. Im einzelnen beincrkt sie, daß die Zahl der an der hiesigen Fondsbörse beschäftigten Vertreter ausländischer Firmen eher zu- als abgenommen habe; eS seien jetzt 59 eigentliche Agenten mit 20 Unteragenten und anderm Hilfspersonal vorhanden. Unter diesen beträgt die Zahl der für London, Paris, New Zork und Brüssel zugleich beschäftigten Personen 0. der für London, Paris und Brüssel thätigen 11, der für London, Paris und New Uork 2, der für London und Paris 14, der für London und New Jork 4, der für London und Brüssel 1, und der für London allein thätigen 41. Was die Vertreter der ausländischen Firmen an der Produktenbörse betrifft, so hat sich die Zahl derselben zwar nicht vermehrt, es ist aber eine Vergrößerung des Verkehrs, insbesondere mit New Jork und Chicago, eingetreten, indem hiesige Firmen ihre Aufträge direkt den amerikanischen Häusern erteilen. Die Handelskammer betont auch hierbei die bekannte Thatsache, daß dieser Verkehr seit Inkrafttreten des Börse ngesetzes zugenommen hat. da die Berliner Produktenbörse seitdem nicht mehr kräftig genug ist, die Sicherungen gegen Preisschtvankungen vorwiegend hier zu er- möglichen. Ein amerikanischer Gründer. Zu den amerikanischen industriellen Gründern, die am häufigsten mit ihren Arbeitern im Konflikt ge- legen haben, gehörte, so lange er noch selbst an der Spitze seiner ausgedehnten Stahlwerke in Pennsvlvanien stand, Mr. Andrew Carnegie. Das hinderte ihn bekanntlich nicht, theoretisch für Wirt- schaftliche und politische Demokratie zu schwärmen und sogar einige kenfuse Schriften über diesen Gegenstand zu verfassen: ein Sport, den er neben dem Gründen von Universitäten und Bibliotheken auch jetzt noch, nach dem vorteilhaften Verkauf seiner Werke an, den Stahl- trust, tvciker zu betreiben scheint. Leisten kann er sich dies Ver- gnügen, denn seine jährlichen Einkünfte belaufen sich weit über 50 Millionen Mark. Die„Köln. Volkszeitung" berichtet darüber in einer Korrespondenz aus New Uvrk: „Der Morgansche Stahlring hat auf seine Anleiheschuld jährlich die enorme Summe von 25 Millionen Dollar als feste Last aus- zuzahlen. Ueber die Hälfte davon fließt in die Taschen von Andrew Carnegie; denn von den anläßlich der Gründung des Stahlringes begebenen 304 Millionen Dollar Anleihescheinen hat Carnegie für seine Stahlgesellschaft, toelche den Kern des Ringes bildet, nicht weniger als 240 Millionen Dollar erhalten. Dieselben sichern ihm ein Jahreseinkomnien von 12 Millionen Dollar(bei 50 Millionen Mark). Die Gattin Carnegies erhielt ferner 20 Millionen dieser Anleihescheine, welche fürs Jahr rund eine Million Dollar tragen, so daß die Familie Carnegie von den 25 Millionen Anleihezinsen 13 einzieht. Bemerkenswert ist die Klausel, daß die Carnegieschen Anleihezinsen nicht, wie üblich, halbjährig, sondern monatlich ausbezahlt werden müssen, so daß am 1. eines jeden Monats eine runde. Million fällig ist, während Mrs Carnegie einen kleinen Monatscheck von 83 333 Dollar erhält— ein nettes, kleines Nadelgeld!" Die amerikanische Krise und der Kampf gegen die gewerkschaft- Uchen Verbände. Der durch den Ausbruch der Krise in den Ver- einigten Staaten herbeigeführte Arbeitsmangel wird von dem amerikanischen Unternehmertum rücksichtslos dazu benutzt, die Macht der gewerkschaftliche« Arbeitervereinigungen zu brechen und den Arbeitern die kleinen Lohnerhöhungen wieder abzuzwingen, die diese in den vergangenen LluffchwungSjahren errungen haben. Aus New Dort wird uns darüber unter dem 5. d. berichtet: Die Fabrikanten- Vereinigungen des Ostens und Westens hatten letzthin in Chicago eine gemeinsame Konvention, auf der ein nationaler Unternehmer- Verband unter dem Namen ,, Citizen'? Jndustrial Association of America" gegründet wurde. Erst schien es, als ob die Konvention zu keinem Resultat kommen würde, da in den Kreisen der westlichen Unternehmer eine gewisse Antipathie gegen den Hauptmacher, den Präsidenten der seit mehreren Jahren bestehenden„Manufacturers Ass.", Mr. Parry, herrschte, da sie denselben als onfant tsrrible betrachteten. Es wurde daher der Vorschlag gemacht, statt eines Präsidenten ein aus 15 Mitgliedern bestehendes Exekutiv-Komitec einzusetzen mit einem Sekretär als ausführenden Beamten: man kam aber schließlich davon ab, acceptierte die Organisationsform des östlichen Fabrikanteii-Bundes und wählte Parry einstimmig zum Präsidenten. ES lag der Antrag vor, lediglich eine nationale Fabrikanten Bereinigung zu gründen auf Vorschlag eines der Delegierten, eines PreSbyterianer-Pfaffen aus Indianapolis, lvard indessen besckilossen, einen„allgemeinen Bund" gegen die„tyrannischen Arbeiter- Unions" zu schaffen, der alle jene umfaßt, welche die Gewerkschaften für schädlich halten. Die Hauptaufgabe des Bundes soll die Bekämpfung deS Boykotts, der„Verschwörungen" von Arbeiter-Organisationen, des PicketstehcnS kStreikpostcnstehens) und sonstiger Waffen der Arbeiter sein, und ward in den Verhandlungen auf das Vorgehen der Legislatur des Staates Alabama hingewiesen, die ein Gesetz geschaffen hat, durch das den Arbeitern diese Waffen entrissen lvcrden.(Da in der Regel Druck Gegendruck erzeugt, so ist zu hoffen, daß jenes Vorgehen in Alabama dazu beitragen wird, zunächst die dortige Arbeiterbewegung aus de» Bahnen der„Schwanzpolitik" in diejenige der selbständigen'politischen Aktion zu leiten.) In C h i c a g o hat die Fabrikantcn-Konvention zunächst den Effekt gehabt, daß der dortige gewerkschaftliche Centralverein eine Rcsolutioii annahm, nach welcher keine mit ihm verbundene Organisation ein Abkommen unterzeichnen darf, das Synipathie- Streiks verbietet. Zugleich ward beschlossen, den Delegierten des Vereins zur bevorstehenden Konvention der„Fedcration of Labor" zu instruieren, auf derselben danach vorzugehen. Es wird dies wahr« scheinlich zu scharfen Auseinandersetzungen auf der Konvention führen, da der Präsident der Federation of Labor, Gompers, gc- legentlich der versuchten Beilegung der Differenzen in der Bau- Industrie zu Nelv Uork den betreffenden Arbeiter-Organisationen empfohlen hat, die Vorlage der Unternehmer- Vereinigung zu acceptieren, da dieselbe ja„nur die Shmpathie-Streiks abschaffe". (Daß diese Vorlage den Unternehmern u. a. auch gestattet. Nicht- Unionleute einzustellen, falls die Unions nicht genügend Kräfte liefern können, ward von G. übergangen.) SewerKfcKaftUcbes. Berlin und Qtngegcnd. Nachwehen vom Mctallard eiterstreik. Wie bereits kurz mitgeteilt, glaubte die Firma N i e m a n n u. Co., Fabrik für Beleuchtungs- gegenstände, Kommandantensw. 1b, die Wiedcreiifftellung ihrer Arbeiter von der Bedingung abhängig machen zu können, daß sie ihnen Lohn- abzüge und eine Verlängerung der Arbeitszeit anbot. Sie legte den Arbeitern nachstehendes Schreiben zur Anerkennung vor: Wir sind bereit, Sie unter folgenden Bedingungen Montag früh wieder anzunehmen: 1. Versuchsweise Einstellung, unter Vorbehalt und soweit Arbeit vorhanden. 2. Ordentliches Benehmen, vor allem gegen Streikbrecher. 8, Ucberstunden ganz nach unser« Belieben. Voll werden eingestellt: Gürtler, Schlosser, Polierer, Bronceure, Schleifer. Die Monteure müssen etwa die ersten drei Tage ver- kürzt arbeiten, iveil keine Arbeit vorhanden. Die Drücker nehmen wir nur zurück zu neuen Preisen, welche toir uns von Fall zu Fall vorbehalten. Der Meister ist nur berechtigt, unter Vorbehalt unsrer Genehmigung Preise mit den Drückern zu vereinbaren. Bronceure können cvent. schon morgen anfangen. Natürlich weigerten sich die Arbeiter, zu solchen verschlechterten Bedingungen weiter zu arbeiten und gingen aus der Fabrik. Am Dienstag hat sich nun die Specialkommission der Vereinigung Berliner Metallwarenfabrikantcn unter ihrem Vorsitzenden Hege- w a l d t mit der Angelegenheit befaßt. Die Arbeitervertreter waren zu der betreffenden Sitzung hinzugezogen worden und erklärten, daß Herr Niemann ihnen am Freitag gesagt habe, die Driickerlöhne sollten nach und nach heravgesetzr werden. Ueberstunden müßten jetzt, wenn gewünscht, auch bis 1l) Uhr gemacht werden. Nachdem Herr Niemann die Angaben der Arbeiter bestätigt hatte, verlangte die Specialkommission von den Arbeitern die Anerkennung folgenden Vorschlages: 1. Herr Niemann erklärt, daß die Drückerlöhne einst- weilen nicht herabgesetzt werden, aber im Laufe der Zeit revidiert werden sollen. 2. Ueberstunden sollen nur in dem bisher üblichen Maße bis zwei Stunden gemacht werden: längere Ueberstunden sollen als Ausnahme gelten und stets freier Vereinbarung unterliegen. Montags soll nur eine Stunde und Sonnabends keine Ueber- stunden gemacht werden. Es liegt klar auf der Hand, daß dieser Vorschlag wesentliche Verschlechterungen der bisherigen Arbeitsbedingungen enthält; ab- gesehen von der in Aussicht gestellten„Revision" der Löhne würde auch die Arbeitszeit einfach auf elf Stunden verlängert. I n- folgedeffen lehnten die Arbeiter die An- er kennung des Vorschlages ab, indem sie erklärten, nur zu den alten Bedingungen arbeiten zu wollen; auch können sie unmöglich zwei Ucberstunden täglich als Norm gelten lassen, sondern wollen die Ableistung von Ueberstunden völlig der freien Vereinbarung überlassen wissen. Herr Hegewaldt drohte: Wenn die Arbeiter der Niemannschen Fabrik bis zum Donnerstag die Arbeit nicht wieder auf- nehmen würden, so werde erneut eine Aussperrung der Arbeiter in den Berliner Metallwaren- Fabriken erfolgen. Ob diese Suppe so heiß gegessen werden wird, wie sie hier von den Kühnemännern bereitet ist, bleibt einst- weilen abzuwarten. Jedenfalls werden die Metallarbeiter allen lveiteren Maßnahmen ihrer Arbeitgeber ruhig entgegenblicken. Die Einführung der Arbcitslosen-Nnterstützung ist in der Ver- einignng der Maler, Lackierer-c. schon seit Jahren er- örtert'worden. Auch die letzte Generalversammlung, die im Früh- jähr dieses Jahres in Berlin abgehalten wurde, beschäftigte sich lvieder mit dieser Frage und kam zu dem Beschluß, den Lorstand zu beauftragen, daß er den Mitgliedern einen geeigneten Vor- schlag zur Urabstimmung unterbreite. Der Vorstand hat nun diese Aufgabe erfüllt. Er ist davon ausgegangen, daß auf Grund statistischer Erhebungen, welche die Organisaston vornahm, durchichnitllich 75 Prozent der Mitglieder arbeitslos sind und der Durchschnitt der Arbeitslosigkeit pro Kopf der Arbeits- losen 40,4 Tage im Jahre beträgt. Infolge dieser außerordentlich ungünstigen Verhältnisse kann, wenn die Beiträge nicht bedeutend erhöht werden, die Unterstützung der Arbeitslosen nicht sehr er- heblich sein. Der Vorstand rechnet mit einer Beitragserhöhung von Ivöchcnilich zehn Pfennig. Er macht auf dieser Grundlage zwei Vorschläge über Höhe und Dauer der Unterstützung. Nach beiden Vorschlägen soll die Unterstützung zuerst nach einer Karrenzzeit von zwei Jahren gezahlt werden. Der erste Vorschlag sieht einen Unterstützungssatz von 80 Pf. pro Tag vor, der nach zweijähriger Mitgliedschaft für 15 Tage, nach drei Jahren für 23 Tage, nach vier Jahren fiir 30 Tage und nach fünf Jahren für 37 Tage im Jahre gewährt werden soll. Der zweite Vorschlag rechnet mit einem Unterstützungssatz von 1 M. pro Tag. Derselbe soll nach zweijähriger Mitgliedschaft für zwölf Tage, nach. drei Jahren für 18 Tage, nach vier Jahren für 24 Tage, nach fünf Jahren für 30 Tage im Jahre gezahlt werden. Diese Vorschläge werden gegenwärtig in den Mitgliedschaften der Vereinigung der Maler tc. diskutiert. Am Montag beschäftigte sich eine gut besuchte Versammlung der Filiale Berlin I mit denselben. Der Referent Link empfahl den zweiten Vorschlag des Vorstandes. In der regen Diskussion trat nur ein Redner auf, der sich als principieller Gegner der Arbeitslosen-Untcrstützung bekannte. Die übrigen Rebner waren im Princip für die Einführung dieses UmerstützungS zwciges, zum Teil stimmten sie auch den Borschlägen deS Vorstandes zu. Ein andrer Teil der Redner hielt dagegen die vorgeschlagenen Leistungen für ungenügend und weit zurückstehend hinter den Erwartungen der Mitglieder. Einen Beschluß faßte die Versammlung nicht, da die Entscheidung über die Vorschläge der am 13. Dezember stattfindenden Urabstimmung unterliegt. Die Ein- führung der Arbeitslosen-Unterstiitznng gilt als beschlossen, wenn sich wenigstens zwei Drittel der Mitglieder an der Urabstimmung be- teiligcn, und von diesen eine Zweidrittel-Mehrheit für die Ein- führung sich enstcheidct. Sollte sich keine Zweidrittel-Mehrheit finden, so gilt der Entwurf auch als angenommen, wenn mehr als die Hälfte aller Mitglieder dafür stimmen. Jin Falle der Annahme soll die Arbeitslosen-Unterstützung vom 1. März 1904 ab als eingeführt gelten. Die Rohrleger der Firma Glöckner, Huttenstraße 40, werden am Donnerstag die Arbeit wieder austiehmen. nachdem sie mehrere Tage gestreikt haben. Die Firma ist nämlich Mitglied der„Freien Vereinigung der Gas- und WasserleitungS-Jnstallateure" geworden, und so untersteht die Regelung der noch vorhandenen Differenzen der Kompetenz der Schlichtungskommission deS Gewerbes. Achtung, Ziminerer! Verschiedentlich ist in letzter Zeit von Arbeit- gebenr an die Zimmerer das Ansuchen gestellt, fiir die von den Rohrern Berlins und Umgegend gesperrten Firmen Rohrdecken an- zufertigen, und ivcnn dies verweigert wurde, sind die betreffenden Kameraden entlassen worden. Wir ersuchen deshalb, von allen Fällen, in denen derarstge Ar- besten verlangt oder auch schon von Zimmerern ausgeführt werden, unserm Bureau D rag onerstr. 15, Telephon-Amtlll Nr. 5028, sofort Mitteilung zu machen. Der Vorstand des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend. Die Bautischler des Jnniingsbezirks Steglitz hatten ihren Arbeit- gebern bekanntlich einen neuen N e r t o- T a r i f, der am 1. Januar 1904 in Kraft treten sollte, zur Anerkennung unterbreitet. Stach Ab- lauf der ausbedungenen achttägigen Bedenkzeit ist der Lohnkommission nunmehr von dem Meisterschaftsoorsitzcnden S e b a st i a n die Ant- Ivort zugegangen, daß die Arbeitgeber nicht in der Lage sind, die Forderungen der Gesellen schon zu Neujahr zu acceptieren, sondern auf ihrem Vorschlag, bis zum 1. April n. I. zu den alten Be- dingungen weiter zu arbeiten, verharren. Die Arbeiter nahmen gestern in einer aus allen Orten beS ganzen JnnungsbezirkS stark besuchten Versammlung die Antwort der Meister zur Kenntnis und behielten sich die Ergreifung weiterer Maßnahmen vor. Der Streik der Töpfer in Velten und Fürftenwnlde dauert fort. In Fürstenwalde sind 130 Mann, in Velten 1900 Mann, darunter 800 Töpfer. 800 Hilfsarbeiter, 180 Kutscher und Maschinisten, be- teiligt.— Alle Töpfer und Benifsgenossen werden ersucht, Fürsten- Wälde und Velten zu meiden, Deutlcbes Reich. Die Stcinarbeiter befinden sich in Erfurt bei den beiden Firmen Walther und Merkel im Ausstand. Nachdem am Freitag fast sämtliche verheirateten Steinarbciter ausgesperrt wurden, legten die übrigen am Sonnabend die Arbeit nicoer. Gegenwärtig sind 22 Mann ausständig. Da die Unternehmer es auf die Sprengung der Organisation abgesehen haben, hat die Streikleitung am Montag- vormittag das Gcwerbegcricht als EinigungSamt angerufen. Zuzug ist auf alle Fälle fernzuhalten. Die Hoffnung auf Beilegung des Kampfes in Crimmiffchau ist eine geringe. Die Ladenbefftzer-Deputaston ist bereits beim Bürger- meister Beckmann vorstellig geworden. Der Bürgermeister gab aber der Deputation die wenig tröstliche Erklärung ab, daß er nicht im stände sei, helfend einzugreifen, wohl aber wolle er der Bitte der Abordnung nachgeben und in den nächsten Tagen den» Vorsitzenden de? Tcxtilindustriellen- Verbandes, Herrn Geheimen Kommerzienrat Vogel- Chemnitz, einen Besuch machen, um vielleicht eine Verständigung Herbeizuführen. Ob die Intervention beim Vorsitzenden des sächsischen Textilindustriellen- Verbandes etwas fruchten wird, bleibt abzuwarten. Allzu viel Hoff- uung dürste derselben aber nicht beizumessen sein. Bemerkt sei noch, daß die von der Deputation den: Bürgermeister überreichte Petition 106 Unterschriften von Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden trug, welche durch den langandauernden Kampf schwer geschädigt sind. Arbeiter Deutschlands! Dir Frage, ob der Streik in Crimmitschau gewonnen oder verloren wird, ist und bleibt lediglich eine Nntcrstützungs- frage. ES liegt an Euch, ob die Zehnstundenkämpfer den Sieg davon- tragen oder elend zu Kreuze kriechen müsse»! Tragt de» Kämpfer» Munition zu! Sociales. Die Leistungen der preußischen Volksschule. In Wittenberge wird gegenwärtig für die Nähmaschinen- firma Singer Co. ein Fabrikgebäude errichtet. An den Bauaufseher bei diesem Bau, einen Herrn namens Graf, richtete, wie die ..Brandenburgische Zeitung" mitteilt, ein ostelbischer Landarbeiter dieses Schreiben: An Euer Durchlauchter Hern Graf K o m m i t o r S ch e f der Singcrfabrik In Wittenberge Karstadt 9/11 West Prignitz 03 Euer Durchlauchter Hrn Graf Konnitor Schef Euer Durchlauchter Ich frage ergcbcnsl an ob Sie Euer Durchlauchtcr ein Aufseher ein Stellen bei ihren Arbeiter Solde dieses der fal sein daß Sie Aufscher ein stellen Euer Durch- lauchter So bite Ich Sie Euer Durchlauchtcr mir umgehent mit- wort ein zususenden Ich werde gewilt bei Sie Jnstellung ein zu dreien Ich bin ein Landwirthschaftlicher aufseher bin aber erfahren In der Erdarbeit Sölden Sie gefind sein Euer Durchlauchter mich ein zustellen So bite Deilen Sie mir umchehent Mit Maß Sie mir pro Stunde führ Lohn bewelligen Euer Durchlauchter Achwngs Boll Unterschrift I Daß dieses arme Opfer junkerlich preußischer BolkSerziehungs- kunst den Bauaufseher Graf für einen leibhaftigen Grafen hält, ist ja mehr eine komische Verwechselung, die aber immerhin auf seine geistige Verfassung einen Rückschluß zuläßt. Das schlimmste sind Orthographie, Satzbau und Stil des Bewerbungsschreibens. Da der Mann als Aufseher bereits thätig ist, so ist er doch sicher kein Idiot, sondern mit der natürlichen Portton Intelligenz ans- gestattet, die ihm die Beherrschung der ihn umgebenden nächsten Verhältnisse ermöglicht. Einem solchen Menschen in der Jugend das bißchen Wissen beizubringen, das ihn befähigt, einen einfachen Brief richtig zu schreiben, ist doch gewiß keine Kunst; da« muß eine Schule selbst bei den allergeringsten Anforderungen leisten können. Die Volksschule im preußischen Osten, die leider in den Händen der Agrarier ist. nitsprick» eben nicht den allergeringsten Anfordenmqen, die an eine Volksschule gestellt werden können. Der preußische Agrarier will unwissende Arbeiter haben; er züchtet die Unwissenheit planmäßig. Hus der frauenbewegung. Steglitz. Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen von Steglitz und Umgegend hält diesmal, des Bußtages wegen, Donners- tag, den 19. November, abends S'/a Uhr, bei Vogel, Flensburger- straße, seine regelmäßige Vereinsversammlung ab. Frau Dr. Hoff- mann wirb über„Heimarbeit" referieren. Gäste willkommen. Zahl- reichen Besuch erwartet Der Vorstand. Der Berein für Frauen und Mädchen Schönebergs und Um- gegciid hielt am 11. November seine regelmäßige Vereinsversammlung in Obsts Festsälen ab. Frau Dr. Hoffmann referierte über:„Die Heimarbeit". Reicher Beifall lohnte den Vortrag. Es folgte eine rege Diskussion, wobei eigne Erlebnisfe in der Heimindustrie zur Sprache kamen. Iii der Saalfiage kam die Versammlung nach einer Auseinandersetzung mit Herrn Obst zu dem Entschluß, das Vereinslokal nach dem Lokale des Herrn Krüger, Grunelvaldstr. 110. zu verlegen, woselbst alle Montage vor dem 15. jedes Monats die regelmäßige Vereinsversammlung stattstudet. In- zwischen werden Wanderversammlungen, je eine im Klubhause. Hauptstraße, oder in Wilhelmshof, Ebersstraße, abgehalten. Das Weihnachtsfest findet, wie schon mitgeteilt, in WitieS Voksgarte», Wilmersdorf, Berlinerstraße, statt. Um regen Besuch der Mitglieder und Gäste bittet_ Der Vorstand. Versammlungen. Die Agitation für die bevorstehenden Stadwerordneten-Wahlen eröffneten die Parteigenossen des 17. und 18. Kommunal-Wahlbezirts am Di-nStagabend durch eine Versammlung, die in den Arminhallcn tagte. Der Referent Dr. A l f r e d B e r n st e i n unterzog das freisinnige Stadtrcgimcnt und die bürgerliche Kommunalpolitik einer treffenden Kritik und zeigte, daß eine Besserung nur zu erwarten ist, wenn noch mehr Socialdemokraten als bisher in die Stadt- verordneten-Versammlung gewählt werden. Hierauf nahm Genosse Ewald das Wort, er sprach in demselben Sinne und wandte sich an die Parteigenossen mit dem Ersuchen, lebhast zu agitieren und ihre ganze Kraft dafür einzusetzen, daß die beiden Bezirke bei der bevorstchenden Wahl für die Socialdemokratie erobert werden. Das werde gelingen, trenn jeder seine Schuldigkeit thut. Die Kandidatur für den 17. Bezirk wurde dem Genoffen E m i l K e r s i n übertragen, für den 18. Bezirk wurde Genosse Max S ch ö n e m a n n ans- gestellt. Die Nachwahl in Mittweida, die sich infolge der Mandatsniederlegung des Genossen Göhre not- wendig gemacht hatte, hat wieder mit dem Siege der Social- d e n, o k r a t c u geendet. Ein Telegramm teilt uns folgendes Er- gebnis mit: Mittweida, 17. November. Bei der heutigen Ersatzwahl zum Reichstage wurden für Rüdiger(natl.) 10 517, für Stücklen(Soc.) 16040 Stimmen abgegeben. Letzterer ist somit gewählt. * Am 16. Juni beteiligten sich 30 947 Wähler an der Abstimmung; es erhielt der Socialdemokrat 19 270 Stimmen, während auf den Nationalliberalen 11 478 Stimmen entfielen. Bei der 98 er Wahl siegte der Ordnungskandidat mit 12 888 gegen 11 898 socialdemokratische Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 24 986 Wahlern. Unsere Gegner haben in diesem Wahlkampf an Verleumdungen unserer Partei das Menschenmöglichste geleistet, allein ihre Liebes- müh', uns das Mandat zu entreiße», war umsonst; der 15. sächsische Wahlkreis bleibt sozialdemokratisch. !Ut2te Nachrichten und Depefchen. TaS Programm der östreichischen Regierung. Wien, 17. November.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus.) In feinem Expose betont Ministerpräsident o. Koerber, anfangs durch Zwischenrufe deS Abg. Choc(National-socialböhmische Vereinigung). welcher deshalb zur Ordnung gerufen wurde, unterbrochen, er könne von seinen bei der letzten Debatte über das Rekrutenkontingent und über die Armeefragen gemachten Aeußerungen nichts zurücknehmen. denn er habe sich streng an die Ausgleichsgesetze gehalten. Zu den jüngsten Erklärungen der ungarischen Regierung bemerkt der Ministerpräsident, daß die osrreichische Regierung ihrem Recht und ihrer Pflicht gemäß rechtzeitig und sorgfältig alle möglichen Kon- sequenzen dieser Erklärungen geprüft und nichts daran wahr- genommen habe, was den Ausglcichsgesctzen zuwider sei und die Einheitlichkeit der gesmntcn Armee und Monarchie zu alteriercn vermöge.(Widerspruch.) Wenn die ungarische Regierung mit diesen Erklärungen unter anderm auch parlamentarische Hindernisse wegzuräumen gedeule. unter anderm die Schwierigkeit der Votierung des gemeinsamen Budgets und der Erneuerung der Handelsverträge, so bringt die östreichische Regierung diesen Bemühungen die wärmsten Sympathien entgegen. Sie werde im Jntereffe der Dynastie jetzt und in aller Zukunft das einträchtige Zusammenleben der beiden Reickishälften mit ihrer ganzen Kraft fördern.(Beifall.) Der Ministerpräsident betont, daß die Thätigkcit des Hauses diesmal ganz besonderen wirtschaftlichen Aufgaben gewidmet sein solle, und erinnert daran, daß im Jahre 1904 die Bauperiode für die neuen Wasserstraßen beginne. Redner betont die un- bedingte Notwendigkeit der intensiven Hebung der Steuer- kraft der Bevölkerung durch Vermehrung ihrer Arbeit und ihres Einkommens und hebt die Notwenoigkeit der Ausgestaltung der unzulänglichen Baulichkeiten, soivie die Einrichtung verchsiedene'r Hochschulen und die Durchführung der Alters- und Jnvaliditäts-Bersicherung der Arbeiter hervor(Zwischenrufe), worüber der Gesetzentwurf nahezu ferttg ist. Derselbe wird vor das Haus gelangen, sobald der Aus- gleich mit Ungarn zustande gebracht ist. Gelächter, Lärm, Zwischenrufe.) Ein Zoll- und Handelsbündnis mit Ungarn ijt der beste Handelsvertrag, den Oestreich erzielen kann, es ist auch der beste Handelsvertrag für Ungarn.(Sehr richtig I) Wir sind nicht reich genug, um den Ausgleich mit Ungarn ohne weiteres preisgeben zu können. Wenn er ein Ausgleich ist. müssen>vir ihn haben. Auf die Handelsverträge übergehend betont der Minister- Präsident, am dringendsten sei die Auseiiiandersetzuim mit Italien. Die Regierung hofft, fährt v. Körber fort, auf Grund des Er- mächtiguiigSgeietzes mit Italien zu einem provisorischen Ablommeir zu gelangen. Was unsre handelspolitischen Beziehungen zu den einzelnen' Staaten betrifft, mit welchen wir im Vertrags- verhältniffe stehen, so haben wir, wie das Deutsche Reich. das stärkste Interesse an der Aufrechterhaltung der alten Verbindungen. Wir werden daher eine den ver- änderten Grundlagen der Zolltarife der beiden Reiche angepaßte Ausgleichung zu suchen haben. Trotz der Lehre, daß man politisch innig befreundet, handelspolitisch doch gründlich entzweit sein könne, dürfen wir erwarten, daß das feste Band, welches beide Monarchien in der Weltpolittk verbindet, auch beim Abschluß deS neues Handels- Vertrages bemerkbar sein wird, weil die politische und militärische Macht eines Staates in unzertrennlichem Zusammeiihanae mit seinem Wohlstande steht und, soweit uns bekannt ist, dieser Gedanke auch bei der deutschen Regierung volle Anerkennung findet. Lange werden übrigens auch diese Berhandluiigen sich nicht mehr aufschieben lassen. Ebenso werden wir uns um ein günstiges handelspolitisches Ueber- ciickommen mit Rußland bemühen. Berantwortl.Nedaktcur: Jnliu« Kaliski in Berlin. Jnjeratentell verantwortl.: Tb. Glocke in Berlin, Druck u, Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagsanstaltPaul Singer ck Co., Berlin 3 V. Hierzu it Beilagen u. Nnterhaltungsblatß. St 270. 20.Wtj.iJ. 1. Mm Berliner partei-Hngelegenbeiten. Erster WnhlkrciS. Heute Mittwochmorgen 8 Uhr Flugblatt- berbreituug für die Stadtverordnetenwahlen. Parteigenossen, er- scheint Mann für Mann in folgenden Lokalen: Glaue, Krausen- straße 18; Wolf, Mauerstr. 50; Nagel, Dorotheensw. 6g; Radtke, Flensburgerstr. 24. Dritter Wahlkreis. Morgen. Donnerstag, den 19. November: Zahlabend in den bekannten Lokalen. Das Protokoll vom Partei- tag wird ausgegeben. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Vierter und fünfter Berliner Rrichstags-Wahlkreis. Donnerstag- abend 8 Uhr finden für den 24., 25. und 28. Koinmunal-Wahlbezirk drei Wählerversammlungen statt. Es bedarf wohl keines besonderen Hinweises, für diese Versammlungen rege zu agitieren. Siehe auch heutiges Inserat. Die Vertrauensleute. Die socialdemokratischen Wahlmänner des Kreises Teltow- BeeSkow-Storkow- Charlottenburg werden darau aufmerksam gemacht, dafi laut Beschlufi der Generalversammlung keiner von ihnen bei der Abgeordnctenwnhl in Rixdorf am 20. d. M. fehlen darf. Es ist Ehrenpflicht, pünktlich zur Stelle zu sein und bis Schluß der Wahlhandlung auszuharren. Das Central-Wahlkomitee des Kreises Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg. Tegel. Die Mitgliederversammlung am Bußtag fällt aus und findet dafür am Mittwoch, den 25. November, abends 8 Uhr, bei Julius Klippenstein statt. Vortrag des Genossen Kiesel. Bericht von der Kreiskonferenz und die Zugehörigkeit der Funktionäre des Wahlvereins zur Gewerkschaftsorganisation. Adlcrshof. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins fällt Donnerstag der Abgeordnetenwahl wegen aus. Die außerordentliche Generalversammlung wird besonders angezeigt. L-oKales. Eine Untersuchung über das Berliner Detailgeschöft. Die Berliner Handelskammer hat sich bekanntlich veranlaßt ge- sehen, für den Stand der DctaUlisten eine besondere Vertretung zu schaffe� welche die vielen Fragen des Detailhandels vorzuberaten und danach der Kammer für ihre Gutachten und Beschlüsse die er- forderlichen Materialien zur Verfügung zu stellen hat. Im vorigen Monat ist dieser„ständige Ausschuß der Handelskammer für den Detailhandel" aus 40 Vertretern der verschiedenen Branchen gebildet worden. Die erste Arbeit nun, die der Ausschuß in Angriff genommen hat, bezieht sich nach offiziellen Mitteilungen der Handelskammer auf die Berichterstattung für den Jahresbericht der Handelskammer für 1903. Es bandelt sich darum, ein Bild der Lage des Berliner Detailgeschäftes im genannten Jahre zu geben. Die Handelskammer selbst hatte schon zu Beginn des laufenden Jahres in freien Kon- ferenzen Erhebungen über die Verhältnisse des Detailhandels veranstaltet; diese sollen auch als Vorarbeiten für die gegenwärtige Untersuchung verwertet werden. Den Beratungen des neuen besonderen Ausschuffes liegt nun ein interessanter Fragebogen zu Grunde, aus dem eine ganze Anzahl Fragen auch von weiterem Interesse sind. So zum Beispiel die erste allgemeine Frage, ob sich das Berliner Detailgeschöft im Jahre 1903 gegen das Vorjahr gebessert oder verschlechtert hat; ob im Großbetrieb und Kleinbetrieb des Detailgeschäftes, abgesehen von den Warenhäusern, für die eine besondere Reihe von Fragen gestellt ist, eine Verschiebung eingetreten ist; welche Bedeutung das genossenschaftliche Princip für das Detailgeschäst hat. In der ersten Besprechung wurde die Möglichkeit, durch Zusammen- schluß der Detaillisten Vorteile im Einkauf, in der Preisregulierung und dergleichen zu erzielen, nur vereinzelt behauptet. Sehr wertvoll gerade für allgemeine volkswirtschaftliche Interessenten und für die Politik werden dann die Antworten auf die fünfte Frage werden können, wie der Zusammenschluß der Konsumenten wirke. Bekannt ist die Flut von Beschwerden der Detaillisten über die Beamten-, Offizier-, Konsum-, Rabatt- und Sparvereine usw. In ganz weiser Voraussicht, welchen Unfug die Detaillisten in ihren Urteilen über diese Bereine anrichten können, empfiehlt der Fragebogen aus- drücklich,«diese Klagen im einzelnen zu begründen�, und er fügt hinzu, daß dabei«stets im Auge zu behalten sei, daß die Be- kämpfung sich nur gegen die Auswüchse des Koalitionswesens, nicht gegen dieses selber richten könne". Das ist zweifellos eine an sich nur zu berechtigte Mahnung an die Krämer, nicht allein durch die Brille des Interesses und der Vorurteile die Dinge anzusehen, aber es ftagt sich sehr, ob sie Erfolg haben kann, so lange bei solchen Jnterejsenfragen für die Interessenten der Begriff„Auswuchs" nicht definiert Iverden kann. Die sechste Frage behandelt nun in weiteren Specialftagen die Warenhäuser. Es soll zunächst angegeben werden, ob die von ihnen geübte Konkurrenz sich verschärft hat; ob die Neigung des Publikums, in die Warenhäuser zu gehen, steigt oder sinkt; welche Kundschaft be- sonders den Warenhäusern zufällt; ob eine Ueberlegenheit des Waren- Hauses besteht, und eventuell worin; welche Branchen besonders ihre Konkurrenz empfinden; schließlich wird die Frage gestellt, ob mit der Entwicklung, sämtliche Waren im Warenhause zu vereinigen, die entgegengesetzte Entwicklung der weiteren Ausbildung von Special- geschästen geht. Zum Schluß kommen dann noch Fragen über daS Borgsystem, über den Frcmdcnzufluß, über die Wirkungen des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb, über den Straßrnhandel und darüber, ob die Vorschriften über die Beschäftigung der Angestellten, Ladenschluß, Bcr- hängnng der Schaufenster usw. zu„wesentlichen Klagen" Anlaß geben. Man sieht, ai: vernünftig gestellten Fragen fehlt es nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, daß sie ebenso beantwortet werden, und daß sich die Detaillisten nicht von ihrem blinden Hasse, der, lediglich vom eignen Jnteressenstandpunkte aus gesehen, ja menschlich zu begreifen ist, leiten lassen und in alleni, was gegen ihr eignes wirtschaftliches Interesse ist, nicht auch zugleich einen Krebsschaden der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung sehen, und dadurch schließlich wieder, bewußt oder unbewußt, die Antworten färben. Der Ausschuß der Handelskammer wird bei Verwertung der Antworten also keine geringe Arbeit bekommen; unterzieht er sich dieser notwendigen sichtenden Arbeit nicht, so ist zu befürchten, daß die ganze Untersuchung für ernstere wirtschaftspolitische Erörterungen ebenso erfolglos und unbenutzbar bleiben wird wie die Ende der 90er Jahre von einer großen Anzahl Handelskammern unter Leitung''der Hannoverschen veranstalteten gleichen Unter- suchungen für ganz Deutschland. Das letzte Wort wird ja für alle Fälle nur eiue amtliche, mit weitgehendsten inquisitorischen Be- fugnissen ausgestattete Euquctekommission sprechen können, die misrcr- seits schon so lange, aber vergeblich gefordert wird. des JttMlls" Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnctcn-Vcrsammluiig am Donnerstag, den 19. November d. I., nachmittags 5 Uhr. Vor- schlüge des Ausschusses für die Wahlen von unbesoldeten Gemeinde- beamten.— Berichlerstattuug über die Petition eines Eisenbahn- beanüen um Erlaß seiner Gemeindesteuern und Zurückerstattung der schon bezahlten Struern.— Das Urteil des königlichen Kammergerichts vom 18. März dieses Jahres in Sachen dex Stadtgemeinde Berlin contra die St. Markus-Kirchengemeinde— und den speziellen Entwurf zur Erbauung zweier Des- infektions-Cystcmen für die beiden Jnfektionsbaracken der Anstalt für Epileptische„Wuhlgarten" bei Biesdorf.— Vorlagen, betreffend den Geschäftsbetrieb der städtischen Sparkasse im Juli/September- Vierteljahr 1903— und die Teilung deS Bezirks der 115c. Armen- kommission.— Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betreffend die Fertigstellung des ersten Radialsystems.— Vorlagen, betreffend die Bewilligung der Kosten für den Betrieb einer städtischen Pflegerinnenschule und der Wohngebäude für männliches und weib- licheS Pflege- und Dienstpersonal im städtischen Krankenhause Moabit.— Den Jahresabschluß der Hauptkasse der städtischen Werke für die Kassenverwaltung und den Gesamt-Jahres- abschluß dieser Kasse für das Etatsjahr 1902— den Abschluß des Lagerbuches der Stadtgemeinde für das Etatsjahr 1902,— die Vermeidung der durch den plötzlichen Ausfall des Schul- Unterrichts entstehenden Schädigungen,— die Aenderung zu dem Entwurf der Vorschriften für die Untersuchung rohen und zubereiteten Fleisches aus außerpreutzischen Bundesstaaten aus Trichinen,— die Erhöhung des städtischen Zuschusses zur Verschönerung des Tier- gartens, die architektonische Ausschmückung der Achenbach- Brücke,— Berichterstattung des zur Vorberatung der Neuwahl eines Stadt- syndikus und eines besoldeten Stadtrats eingesetzten Ausschusses. Vor den Urwahlen zum Landtage hatten einige liberale Blätter die Behauptung aufgestellt, daß unsre Parteigenossen in verschiedenen Bezirken Leute ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung als Wahl- männer aufgestellt hätten. Für diese Behauptung fehlte aber der geringste Beweis, so daß wir nicht weiter darauf eingingen; er war auch nicht zu erbringen. Die Sache liegt vielmehr umgekehrt. Wir waren nach den Wahlmännerwahlen fast tagtäglich in der Lage, Zu- schriftcn zu veröffentlichen, in denen sich besonders Geschäftsleute darüber beklagten, daß sie ohne ihr Wissen in der bürgerlichen Wahl- männer-Liste figurierten; vielfach hatten sie selbst ihre Stimme für die socialdemokratischen Wahlmänner abgegeben. Heule teilen uns der Bäckermeister Brauner, Strelitzerstraße 64, Handelsmann Hirsch, Hussitenstraße 40, und Herr Max Gusche, Reinickendorferstr. 43 mit, daß auch sie gegen ihren Willen zum konservativen und liberalen Wahlmann gemacht worden seien. „Mansche oben". Die«Vossische Zeitung" und nach ihr einige andre Blätter stellen sehr tiefsinnige Betrachtungen über den— Antisemitismus der Socialdemokratie an. Aus welchem Anlaß? Unser Frankfurter Korrespondent hatte in einer Landtagslvahlbetrachtung geschrieben, daß in der Mainstadt nach dem Siege, die„Sonnemannokratie jetzt„Mansche oben" sei. Nachdem wir uns bei erfahrenen Männern nach der genauen Bedeutung dieses lächerlichen Ausdrucks erkundigt haben, tragen wir keine Bedenken, zu erklären, daß wir die Wendung sehr— hübsch finden. Warum soll nicht auch die Presse ein wenig„Heimatkunst" treiben und bei Schilderung Frankfurter Vorgänge den dort in allen Kreisen der Bevölkerung bevorzugten auserwählten Volksdialekt anwenden! Es liegt wohl lediglich an dem von Lessings Erben in dem Vossischen Geschäft streng befolgten Princip, nur arisch-reine Christen in dem nicht für die Inserenten bestimmten Raum zu be- schäftigen, daß man in dieser Redaktion bei dem Lesen derartiger bodenständiger Ausdrücke nicht freudig erregt mit dem Dichter fühlt: O süße Stimme! vielwillkommner Ton Der Muttersprach' in einem fremden Lande I Wenn wir nicht irren, haben die Vossischen Arier aber doch wenigstens einen Renommier-Nathan den Weisen unter sich. Der mag die Kollegen beruhigen. Der Stadwerordnete Cigarrenfabrikant Hinz, Mitglied der Fraktion der Linken, ist gestern im Krankenhause an den Folgen einer Blinddarm-Entzündung gestorben. Hinz vertrat seit 1900 die zweite Abteilung des 14. Gemeinde-Wahlbezirks. Seine Wahlzeit lief 1905 ab; er war Mitglied der Armcndirektion und der Arbeits- Haus-Verwaltung. Im Gcwerkschaftshnuse haben sämtliche BureauS neue Fernsprech- nummern erhalten. Die Bureaus sind fortan unter Amt IV wie folgt anzurufen: Arbeitervertreter- Verein 3953, Central- Arbeitersekretariat 2297, Centrallommission der Krankenkassen 3953, Bau- arbeiter-Verband 4493, Bildhauer-Vcrband 6230, Buchbiiidcr-Verband 6072, Buchbinder- Orts- Krankenkasse 4336, Generalkommission der Gelverkschasten 2297, Gewerkschaftshaus sBureau mtd Herberge) 2297, GewerkschaftShaus(Restaurant) 4407, Gewerkschafts- Kommission 3733, Goldschmiede- Orts- Krankenkasse 9720, Graveure- Orts- Krankenkasse 2297, Handelshilfsarbeiter- Verband 3348, Holzarbeiter-Verband 3578, Kupferschmiede-Verband 9720, Leder- arbeiter-Centralvorstand 2297, Lithographen-Berband 6189, Maler- Verband 9720, Maurer-Verband 4093, Metallarbeiter-Verband 3353, Sattler-Verband 6076, Schneider-Verband 9720, Schneider-Central- Krankenkasse 9720, Tapezierer- Verband 9720, Töpfer-Central- vorstand 6200, Vergolder- Ortslrankenkasse 9720, Zimmerer- Verband 2789.— Interessenten werden gebeten, dieses Nummern- Verzeichnis auszuschneiden und aufzubewahren. Der Maurer Karl Rieke beging gestern morgen in seiner Wohnung Skalitzerswaße 52 einen Selbstmordversuch. Nicke be- kleidete im Ccntralverband deutscher Maurer, Zweigverein Berlin, Sektion der Gips- und Cementbranche, den Posten des besoldeten Kassierers. Vor etwa fiinf Wochen wurde er in eine Untersuchung lvegen Urkundenfälschung und Unterschlagung verwickelt, und diese führte zu seiner Verhaftung. Nieke mußte aber schon nach einem Tage wieder entlassen werden. Die Organisation dispensierte ihn bis zur Erledigung dieser Angelegenheit von seinem Posten. Nieke war ein fleißiger und erfolgreicher Vertreter der Interessen seiner Berufskollegen und hat die Geschäfte der Organisation ehrlich und korrekt bis zum letzten Augenblick der- waltet. Die Motive zur That liegen in seinem Privatleben und es ist anzunehmen, daß der Selbstmordversuch infolge einer erregten Gcmütsstimmung vollführt wurde. Seit längerer Zeit machte er zu Bekannten und Freunden auf diese Annahme schließende Be- merkungen. Als N. gestern wiederum zu einem Verhör erscheinen ollte, führte er die That aus. In schwerverletztem Znstande wurde er in die Eharits gebracht. Todessturz. Ein tötlicher Unglücksfall ereignete sich am Montag- abend auf dem Grundstück Wißmannstraße 28. Der Rüstungspolier Ernst Kleiber aus der Grünauerstraße 6 war auf der Hoffeite des Hauses auf einem Hängegerüst im vierten Stocklverk beschäftigt, trat ■elil und stürzte hinterrücks in die Tiefe, wobei er auf den asphaltierten Hof des Nachbargrundstücks fiel und mit zerschmettertem Schädel tot liegen blieb. Die Leiche wurde nach der Rixdorfcr Leichenhalle geschafft. Der 32 Jahre alte Verunglückte hinterläßt seine Frau mit zwei kleinen Kindern, während das dritte demnächst erwartet wird. Vom Arbeiter-Schwimmcrbund wird uns mitgeteilt, daß Genosse Menzel, Wcißensee, Rölkestr. 131s, Vorsitzender des Bundes ist; Genosse Danziaer ist Vorstandsmitglied. Der 7. Bundestag wird am 6. Dezember, vormfttags 9 Uhr, im GewerkschaftShause ab- gehalten. Mittwoch, 18. November IM. Nach Unterschlagungen verhaftet wurde der 19 Jahre alte Comptoirist Wilhelm B., der seit zwei Jahren in einem großen Glas- Warengeschäft im Südwesten der Stadt angestellt war. Der junge Mann machte einen so guten Eindruck, daß man ihn auch mit Kassengeschäften betraute. Am Freitag vor acht Tagen verschwand er Plötzlich und war auch in seiner Wohnung nicht mehr aufzufinden. Nun ergab eine Durchsicht der Bücher, daß er wieder eingezogene Posten gar nicht oder salsch gebucht hatte. Wie viel er unterjchlug, ist noch nicht ermittelt, 800 M. kamen gleich bei der ersten Aufmachung heraus. Während man noch nach dem Verschwundenen suchte, wurde in der Nacht zum Dienstag voriger Woche da? Comptoir des Geschäfts erbrochen. Der Dieb war durch das Fenster eingedrungen, hatte das Pult erbrochen und daraus 80 M., einen Spargroschen des Bureaudieners, entwendet. Es wird vermutet, daß es niemand anders als B. war. Dieser hatte wahrscheinlich das nach und nach unterschlagene Geld in schlechter Gesellschaft durchgebracht und sich aus dem Pult die Mittel geholt, um durchbrennen zu können, da er von den Ersparnissen des Dieners wußte. Der Durchbrenner ist aber nicht weit gekommen. Nachdem die hiesige Kriminalpolizei die auswärtigen Behörden in Kenntnis gesetzt hatten, wurde er in Frankfurt a. O. ergriffen und hierher gebracht. Wegen Sittlichkeitsverbrechens, das er an der zehnjährigen Tochter der eheverlassenen Frau Mertens in der Sorauerstraße be- gangen hat, ist der Arbeiter Otto Griese verhaftet worden. Der Unmensch verkehrte bei der Frau Mertens und versuchte, als er bei einem Besuch die Frau nicht zu Hause fand, das Kind zu ver- gewaltigen. Das Mädchen entfloh zu einem Nachbar, der die Ver- Haftung des Mannes bewirkte. Ruchlose Hände haben wiederum einen Kunstgegenstand, der zum öffentlichen Schmuck der Stadt diente, böswillig beschädigt. In der Herkulesgalerie des Museums stehen zehn Standbilder be- rühmter Baumeister und Künstler. Das zweite links vom Eingange ist das des Kupferstechers Daniel Chodowiecki, das von dem Bild- Hauer Paul M. Otto entworfen und in weißem Marmor ausgeführt ist. Das Standbild natürlicher Größe steht auf einem übermannshohen Sockel aus grauem Sandstein. Der Künstler, der mit dem Stift in der Hand bei einem EntWurfe dargestellt ist, trägt die Kleidung seiner Zeit, insbesondere auch den bezeichnenden langen Gehrock. Von diesem sind nun in der Nacht zu gestern anscheinend mit einem Stocke die Spitzen der Schöße ab- geschlagen. Gestern morgen fand man die beiden abgeschlagenen Stücke am Sockel liegen. Es ist an ihnen deutlich zu sehen, daß mehrere Hiebe nötig waren, um sie abzutrennen. Von einer zu- fälligen Beschädigung oder der That eines Kindes kann in diesen, Falle keine Rede sein, da das Standbild dafür zu hoch steht. Die Kriminalpolizei hat die Ermittelungen sofort aufgenommen, aber es steht nach dem bisherigen Ergebnis leider zu befürchten, daß ihre Arbeit auch in diesem Falle nicht zur Entdeckung und Bestrafung des Schandbuben fiihrt. I» welch frivoler Weise manche Leute Leben und Gesundheit ihrer Mitmenschen gefährden, beweist folgender Vorfall. Die Britzer Polizei hatte davon Wind bekommen, daß in Britz mitunter Vieh geschlachtet und das Fleisch unter der Hand verkauft wird, ohne daß die vorgeschriebenen Untersuchungen stattgefunden haben. Nach vieler Mühe gelang es den Beamten auch, eine feste Spur zu ermitteln, und an einem der letzten Abende fand bei dem Schlächtermeister Gustav Kieö, Werderstr. 64, eine Haussuchung statt, bei welcher das zum Verkauf hergerichtete Fleisch einer kranken Kuh vorgefunden und beschlagnahmt wurde. Der hinzugezogene Tierarzt begutachtete, daß das Fleisch ungenießbar sei, worauf es der Abdeckerei überwiesen lvurde. Gegen Kies und einige andre beteiligte Schlächter ist das Strafverfahren bereits im Gange. Nach drei Jahren ist ein großer Wäschediebstahl, der seiner Zeit in Cassels Hotel in der Burgstraße verübt worden ist, entdeckt worden. Vor kurzem wurde dem Hotelier R. Hierselbst ein großer Posten Servietten und Tischtücher zum Kauf angeboten, die oas eingestickte Zeichen des Caffelschen Hotels trugen. Herr R. benachrichtigte den ihm befteundeten Hotelier von dem seltsamen Gelegenheitskauf, und Herr Cassel verständigte die Kriminalpolizei davon. Es wurde nun festgestellt, daß vor etwa drei Jahren ein Mann, der sich s. Z. durch Lcgitimattonspapiere genügend auswies, mehrere Kolli Wäsche bei den Spediteuren Licht u. Patzenhofer lombardiert hatte. Die Wäsche wurde von dem VerPfänder nicht eingelöst und gelangte mit vielen andren Lombardwarcn ordnungsgemäß in der städttschcn Pfandkammer nach der Verfallzeit zur Versteigerung. Hier wurde ein Kolli, welches nicht weniger als 20 Dutzend Servietten. 3 Tafel- tücher von je 7 Meter Länge und mehrere Tischtücher enthielt, von einer HandelSftau erworben, die dann diese Sachen später an Zwischenhändler veräußerte. Nachdem dann die Wäsche längere Zeit bei den Händlern gelagert hatte, suchten sie diese jetzt weiter zu ver- werten. Bemerkenswert ist übrigens, daß in dem Hotel Cassel das Fehlen von Tischtüchern und Servietten in der ganzen Zeit gar nicht bemerkt wurde, und der Hotelier erst jetzt davon Kenntnis erhielt. daß er bestohlen war. Der Dieb, der sich unbedingt falscher Ausweis- Papiere bedient hat, konnte nicht ermittelt Iverden. Im großen Hörsaal der Uranin-Sternwarte in der Invaliden- straße wird Herr Dr. P. Schwahn heute abend 8 Uhr einen Licht- bilder-Vorttag„Werden und Bergehen im Weltenraum" halten und dabei u. a. zahlreiche Himmels-Photographien zur Darstellung bringen.— Im wissenschaftlichen Theater der Urania in der Tauben- sttaße wird der Vortrag„An den Seen Oberitaliens"(Gardasee. Luganer See. Lago Maggiore und Lago di Como) zur Wieder- holung gelangen. Die Charlottenburger Kommission für volkstümliche Kunstabende veranstaltet Sonntagabend 7 Uhr, im Gymnasium am Savignyplatz Vorttäge aus Friedrich Hebbels Werken. Hygienische Vorträge. Donnerstag, den 19. November, werden auf Veranlassung des„Deutschen Vereins für Volkshygiene, Orts- gruppe Berlin" e. B., und des„Zweigvereins Berlin des Vater- ländischen Frauenvereins" aus dem Gebiet der Gesundheitspflege folgende Vorträge in den Aulen der genannten Gemeindeschulen gehalten werden: In der 89. Schule, 17., Schwedterstr. 232/234, spricht Herr Dr. H. Weber, leitender Arzt des Auguste Bictona-Krankenhauses vom Roten Kreuz, über„Die häusliche Gesundheitspflege und ihre wirtschaftliche Bedeutung". In der 33. Schule. 170.. Friedenstr. 23, spricht Herr Privat- docent Dr. Bendix über„Die Krankheiten im Kindesaltcr und ihre Verhütung". In der 45. Schule. 17.. Auguststr. 67/68, spricht Herr Professor Dr. Rosin über„Die Gesundheitspflege erwachsener Mädchen". In der 30. Schule, O., Rüdersdorferstr. 4/6, spricht Herr Sanitätsrat Professor Dr. Lazarus(dirigierender Arzt der Abteilung jiir innere Krankheiten im jüdischen Krankenhause) über:„Das Herz in seiner Bedeutung für Leben und Arbeit".. In der 83. Schule. S., Dicffenbachstr. 60/61, spricht Herr Medizinal- rat Dr. Leppmann, Kreisarzt, ärztlicher Leiter der Sttafanstalts- Jrreii-Abteilung, über„Beruf und Nervenkrankheiten".. In der 133. Schule, SW., Bergmannstr. 28/29, spricht Herr Prwat- docent Dr. Albu über„Die Bedeutung der Kochkunst und Gewürze äir die Verdaulichkeit der Speisen und die Verdauung". Die Vorträge beginnen abends präcise 8'/,. Uhr und steht der Zutritt zu denselben zedermann unentgeltlich frei. Aus plattdeutschen Dichtern(Reuter, Groth, Liliencron) wird Schriftsteller Max Schütte hellte abend 7 Uhr in einer bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75, arrangierten Veranstalttmg der Landsm..nnschaft der Schleswig-Holsteiner recittcren. Treptow-Sternivartr. Km Bußtag, den 1«. d. Ms, spricht wie alljährlich, nachmittags S Ilhr, Direktor Archenhold auf der Treptow Sternwarte über„Das Entstehen und Vergehen der Welten". Das Thema für den 7 Ilhr-Vortrag lautet„Die Bewohnbarkeit der Welten". Mit dem großen Fernrohr werden von 2 Uhr mittags an die Sonncnflecfcn gezeigt, von Eintritt der Dunkelheit an Jupiter und Saturn. Smfonie-Kmizcrt. Am(Sonntag, den 22. November(Toten- Tonntag), findet in der„Neuen Welt". Hasenheide 108/114, ein Sinfonie-Konzert statt, arrangiert von den Gesangvereinen„Nord- deutsche Schleife" und„Kreuzberger Harmonie". Die Instrumental- Kapelle ist mit 43 Künstlern des„Neuen Berliner Tonknnstler- DrcheftcrS" unter Leitung des Herrn Hollfeldcr besetzt. Das Pro- gramm verspricht in allen Teilen einen genußreichen Abend. Theater. Am Totensonntag wird im Apollo-Theater statt„Fruhlingslust" Offenbachs„Zaubergeige" und die„Nürnberger Puppe" von Adam gegeben.— Die neuen Abonnements für das Schiller-Theater 0 sWallner-Theater) und das Schiller- Theater �(Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater) werden den ganzen Monat November hindurch in den Billetabteilungen der beiden Theater während der Bureanstunden(10—2 Uhr vormittags, 6'— 8 Uhr abends) verausgabt. In Aussicht genommen sind für das II. Ouartal, das mit dem 21. November beginnt, folgende sechs Stücke:„Der Eompagnon", Lustspiel von Adolphe L'Arronge; „Kollege Crampton", eine Komödie von Gerhard Hauptniann; „Vasantasena". altindisches Drama von Emil Pohl;„Ein Gesell". Schauspiel von Franz Wolff(Novität);„Ferröol". Schauspiel von Victorien Sardvn;„Uriel Acosta", Trauerspiel von Karl Gutzkow.— —.»Zur Frage der K o st ü ni e für die weiblichen W! i t- g l i e d e r u n s r e r Bühnen" lautet der Titel eines Vortrages, den Dr. Raphael Lvwcnfeld in der D e u t s ch e n G e s e l l s ch a f t für ethische Kultur halten wird. Der Vortrag findet Sonntag, den 22. November, mittags 12 Uhr, im Bürgersaale des Rathauses statt.— Central-Thcater.„Der Rastelbinder" geht, lvie bereits angezeigt, � an, Donnerstag, den IV. d. MtS., zum ersten- nml in Scene. Hervorraaend beschäftigt sind in dieser Operette: Ed. Steinbcrger als Gast, die Kinder Hansi Hanke und Annie von Bavos als Gäste, ferner Mia Werber, Irene Stuart, Marie Hastert, und die Herren Oskar Braun. Karl Schulz. Rudolf Ander, Ennl Albes, Paul Bechert. Karl Knaack. Karl Delfs.— Daö Merropol-Theatcr bleibt am Mittwoch des Bußtags wegen geschlossen. Die Vorstellungen des so erfolgreichen Aus- stattungs-Vaudevilles„D u r ch l a n ch t R a d i e S ch e n" finden dann nur noch eine einmalige Unterbrechung am nächsten Totensonntag. An diesem Abend geh, neu einstudiert das dreiattige Lebensbild von Adolf L'Arronge„Mein Leopold" in Scene. Hus den Nachbarorten. Ter patriotische Eifer unsrer Kricgervereinler steht nicht selten >», umgekehrten Verhältnis zu ihrer Schulbildung. Ein Dokument, das in Johannisthal einem Wähler der zweiten Abteilung vom Vor- sitzenden eines dortigen Kriegervereins zugestellt worden ist, wird nicht verfehlen, bei unfern stets über den banausischen Terrorismus der Arbeiter jammernden Gegnern lebhafte Befriedigung zu wecken. Das Schriftstück lautet wörtlich: Herr Hirschfeld auf Mitteilung des Wahlvorstands Hern, Mitsching Ein Sotzial- demikrat die Stüme gegeben haben vir den Landwehr Verein bis zur Nächstesitzung aus geschloßen sind bis die Sache vom meiner Vorgesestcr Behöhre geregel ist. Mette Vorsitzender. Der Wähler hat sein Wahlrecht ausgeübt und wird aus dem Landwehrverein ausgeschlossen, weil er seine Stimme einen, Social- demokraten gegeben hat. In dem benachbarten Rudow soll der Gast- loirt Palm ausgeschlossen werden, weil er überhaupt nicht gewählt hat. Eine Kritik dieser Vorgänge hieße ihre Wirkung abschwächen. Daß ein Staatsnuwalt Roheitsvergehen unter Umständen mit wahrhaft übcrchristlicher Milde beurteilt, ist in dieser Zeit, wo Streik- brccher-Beleidigungen oft mit monatelangem Gefängnis gesühnt werden, gerade keine Seltenheit. Ueber einen drastischen Fall geht uns folgende Meldung zu: Eine empfindliche Strafe erhielten am Sonnabend von den, Schöffengericht in Köpenick zwei Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr aus Ober-Schvnewcide, die Brüder Kolberg, und ein dritter Angeklagter Namens Wedde. Durch die Aussage eines Genieindedieners und mehrerer andrer Zeugen wurde festgestellt, daß sich die An- geklagten einer schlveren Körperverletzung mittels eines Feuer- wehr-Beiles und eines Stockes schuldig gemacht hatten. Das blutige Beil war auf der Straße gefunden worden, während sein Besitzer am andern Tage auf den, Amt seine Kappe mit dem Bemerken abgegeben hatte, er habe mit der Kappe gehauen und sein Beil verloren. Tie Schlägerei war nach einer Löschübung in einem Lokal und auf der Straße entstandsn. Eine der verletzten Civil- Personen erhielt eine schwere Verletzung am Auge, deren Folgen sich schwerlich beseitigen lassen werde». Der Amtsanwalt wollte die Sache als humoristische Balgerei aufgefaßt wissen und beantragte für den Angeklagten Wedde und dem einen Kolberg Freisprechung, für Franz Kolberg drei Mark Geldstrafe. Der Gerichtshof erkannte bei Franz Kolberg auf sechs Monate und bei den andren beiden An- geklagten auf je drei Msiinte Gefängnis. Ans der Schöneberger Stadtverordneten-Versammlung. Mit den, bekannten Antrage Fröhlich und Genossen, den auch die social- demokratischen Vertreter unterschrieben hatten:„Stadtverordnete dürfen weder Arbeiten noch Lieferungen für die Stadt übernehmen", haben die Antragsteller scheinbar in ein Wespennest gestochen, wenn auch thatfächliche Bevorzugungen in dieser Sache bistier nicht»ach- gewiesen werden konnten. Das bewies die darüber entstandene zweistündige Debatte, in deren Verlauf u. a. Genosse K ü t e r lvieder- holt für Abschaffung des SubmissionSwesenö und Uebernahme städti- scher Arbeiten in eigne Regie eintrat. Der bereits vor Jahren gestellte Antrag wurde einem Ausschuß überwiesen. Vielleicht gelingt es diesem, etwa vorhandenes Material in, Sinne der Antragsteller herbeizuschaffen. Eine ausgedehnte Besprechung erfuhr sodann noch die Lieblings- idee verschiedener Stodtväter, insbesondere des Stadtv. Gottheincr, betr. die Errichtung einer Baugewerks-Schule in Verbindung mit einer höheren Maschinenbau-Schule. Der Magistrat hatte Ablehnung dieses Antrages empfohlen, indc», Herr Bürger- incister Dr. Gerhardt begründend ausführte, daß die Aufwendungen nur einer ganz geringen Anzahl Beteiligter zu gute kommen würden. Erfordere doch der Bau und das Grundstück allein gegen 000 000 M., wozu neben Verzinsung und Amortisation in Höhe"von 06 000 M. noch mindestens 12 000 M. jährlicher Zuschuß konmien. Da über die letzte 20 Millionen-Anleihe bereits verfüg, sei, könne ohne eine neue Anleihe dem Projekt nicht nähergetreten ivcrde».— Stadtv. Küter(Soc.) wies darauf hin, daß eine ganze Reihe dringenderer Aufgaben in der Gemeinde noch zu erfüllen seien; er erinnere nur an die Fertigstellung des Krankenhauses, die schon längst nötige Er- bauung eines Sicchenhauses, einer Volkö-Badeanstalt, die Ausgestaltung des Fortbildungsschulwesens und vor allem die immer norwendiger werdende Errichtung neuer Volksschulen. Nicht die Gemeinden, sondern der Staat habe die Verpflichtung, fiir BaugewerkSschulen. die für erstere ein zu kostspieliges Experiment seien, einzutreten. Tie ablehnenden Gründe des Magistrats sollen indes in einen. Aus- fchuß nochmals geprüft werden. Steglitz. Der von de», hiesigen Schularzte Hern, Doktor Heide„hei m erstattete erste Jahresbericht enthält so interessante Mitteilungen, daß eS sich verlohnt, einiges daraus wiederzugeben. Zunächst konstatiert der Arzt das Entgegenkonimen de« gesamten Lehrerkollegiums, wodurch dem Schularzte erst eine ersprießliche Thäsigieit ermöglicht worden sei. Die bei der Auf- „ahme der Kinder in die Volksschule vorgenommene Untersuchung hatte zur Folge, daß im Berichtsjahre 14 Kinder wegen ungenügender körperlicher und geistiger Entwicklung auf ein halbes Jahr zurück- gestellt wurden; diese Matzregel wird als ein Segen sowohl für die bclrcffendcii Kinder, als auch für die Lehrer bezeichnet und nur be- dauert, daß sie leider nicht überall angebracht ist.„denn," sagt der Bericht wörtlich,„man darf mir der Zurückstellung nicht zu weit gehen, gerade in der Volksschule gicbt es Verhältnisse, wo es geratener ist, die Kinder, auch wenn sie noch s o elend sind. lieber in die Schule zu nehmen, als zu Hause zu lassen; denn besser, so ein Kind sitzt in gesunden Schul- räumen, als in den oft recht trüben häuslichen Räumen." Welches ver- nichtende Urteil über die Wohnnngsverhältnisse der ärnrcren Be- völkernng! Ueber die hauptsächlichsten Krankheiten heißt es in dem Bericht: 33—40 Proz. aller Kinder sind skrophulös oder blutarm, jedoch sollen diese Verhältnisse die höheren Schulen mit den Volks- schulen gemeinsam haben; crfteulicherweise gehen diese KrantheitS- erscheinungcn mit zunehmenden, Alter zurück, so daß schon bei den elf- und zwölfjährigen Schülern der Prozentsatz ganz bedeutend niedriger ist. In zweiter Reihe stehen die W n ch e r n n g e„ in dem Raum zwischen Nase und Nachen, welche die größten Nachteile sowohl in geishger wie körperlicher Beziehung im Gefolge haben. Obwohl dieses Uebel durch eine kleine Operation, welche in den Berliner Kliniken lvie auch von Herrn Dr. Arnold hiersclbst an Kindern unbemittelter Eltern k o st e n l o s ausgeführt wird, beseitigt werden kann, klagt Herr Dr. Heidenheim,„daß die Eltern leider vielfach zu bequem seien, dorthin zu gehen, oder auch den operativen Eingriff nicht für nötig halten". Trotzdem sind bereits in den ersten 10 Monaten 21 Kinder von diesen Wucherungen befteit worden, ei» Beweis dafür, wie weit dieses Leiden verbreitet ist. lieber die Art der ärztlichen Ueberwachnng heißt eS:„Es wird für jedes Kind bei seiner Aufnahme ein Gesundheitsschein angelegt, in welchen, das Befinden fortlaufend verzeichnet wird. Dieser Schein begleitet das Kind während seiner ganzen Schulzeit, und es macht keine be- anderen Schwierigkeiten, an Hand dieses Bogens den Einzelnen dauernd zu beobachten". Ueber die Schulgebände wird folgender- maßen geurteilt: Die beiden neuen Schulhänser genügen allen Anforderungen, während das alte in der Schloßstraße nicht gerade vorbildlich ist; indessen sei die Gemeinde stets bemüht, vorhandene Mißstände zu beseitigen, und loären auf Anregung des Schularztes schon einige Verbesserungen vorgenonmien worden. An die Elrern der Volksschüler sei die Bitte zu richten, den Schularzt dadurch zu unterstützen, daß sie die Kinder zu Hause zu hygienischer Lebens- weise anhalten. Ober- Schöneweide. Ihr wahres Gesicht haben anläßlich der LandtagSwahl die Liberale» wieder einmal gezeigt. In einen, Bezirk standen unsre Genossen in der ztveiten Klaffe mir den Konser- vativen zur Stichwahl, und da brachten es die Stnrmläufer gegen die Reaktion, wie sie sich in ihren Flugblättern nennen, fertig, unsre Genossen unterliegen zu lassen, indem sie für die Konservativen stimmten.— Den Konservativen scheinen die Wahl- männer knapp gelvesen zu sein, denn diese wurden mehr- fach proklamiert, ohne daß sie darum wußten.— Begreiflicher Unwille herrscht unter den Arbeitern, welche in Hunderten die Straßenbahn zwischen Köpenick und hier benutzen, um zur Arbeit zu gelangen. Die Gesellschaft„Berliner Ostbahnen" als Besitzerin der Streckst besitzt die Rücksichtslosigkeit, bei jetziger Jahreszeit den TranS- Port der Arbeiter teilweise mit Sommerwagen zu bewerkstelligen. Hoffentlich trägt dieser Hinweis dazu bei, daß Aenderung eintritt. Die Schmargcndorscr Gemeindewahl findet am Donnerstag- nachmittag von 3— 8 Uhr im Rathause statt. Der amtstreuen Partei ist es bei ihrer Unfähigkeit zu öffentlicher Agitation und der Furcht vor unabwehrbaren Angriffen nicht möglich� ihre Wahlagitation in öffentlichen Versanmilungen zu betreiben. Sie ist darauf angewiesen, aus dem Hinterhalte des„Teltower Kreisblatts" minderwertige Angriffe ihren Widersachern zuzuschleudern. Hilflos, wie„Ordnungshüter" einmal find, lassen sie das rote Gespenst auf- marschieren. Dem Bürgerverein, de», kein Genosse angehört, werden„jüdisch-freisinnig-iocialdcmokratische Allüren und Gepflogen- heiten" unterschoben. Die Denunziation, die hierin gewissen Mit- glieden, des Bürgervereins gegenüber liegt, kennzeichnet, wie manches andre, die Moral der Amtsireuen. Bei der LandtagSwahl sollen die Herren vom Biirgerverein der Socialdemokratie in die Arme gc- funken sein und der„Vorwärts" soll darauf am Sonntag dankend dadurch quittiert haben. daß für die Gemeinde- vcrtreterwahl die Bekämpfung der sogenannten Amtspartci in Aussicht gestellt wurde. Eine leere aber berechnete Behauptung. Nur vier liberale Mitglieder des Bürgervereins haben in der Stichwahl für unsre Wahlmänner gestimmt, ohne den Aus- schlag zu geben. Die Socialdemokratie hat in der 3. Abteilung aus eigner Kraft gesiegt, sie hat also nicht nöttg, dankbar zu sein. Auch lvenn Bürgervereinler den Ausschlag zu unfern Gunsten gegeben hätten, wären wir nicht„dankbar" gewesen. Landtags- wählen haben in diesem Sinne nichts mit Gemeindepolitik zu schaffen. Die Socialdemokratie kam, keinen Hausbesitzer zur Wahl stellen. Wenn nun Parteigenossen etwa zum Aerger und Schaden der Amtspartei sich an der Wahl beteiligen, so geschieht das lediglich, um dieser Partei den Boden abzugraben. Das und nichts andres ist der Grund, weshalb die Amtstreuen, die schon vor IVz Jahren um socialdemokratische Stinnnen unter Versprechungen sich vergeblich bemühten, uns zu Gegnern haben. Entsprungener Gefangener. Den, Kaufmann Felix Stahn, der dieser Tage in Potsdam wegen Diebstahls zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist, gelang es an, Sonntag, in Gesangenenkleidung aus dem dortigen Gefängnis zu entfliehen. Im Kaiserpavillon zu Wannsce versuchte er durch einen Einbruchödiebstahl sich andre Kleidung zu verschaffen. Er wurde aber von einem Nachtwächter beinerkt, der ihn mit Hilfe einiger Bahnarbeiter festnahm und ihn tvicder im Gefängnis ablieferte. vkerzehnken evangelisch-foeialen Kongresses zu Daroisiadt.— BohnungV» refonn und Lokalucrkehr. Von Klemens Heist.— Die Unzuläffigkeit der Loeicilisirung der Landwittschaft unter allgemein sittlichen Gesichtspunkten. Von Hermann Köhler.— Di- Lage der Bergarbeiter im Ruhrrcvicr. Von Dr. Lorenz Pieper.— Die Aufgaben des liberalen Bürgertums aus Grund der Ergebnisse der Reichstagswahlen. Von Polilikus.— Die deutschen Arbeiteriekrctariatc. Von Dr. Richard Soudek.— Protokoll des Parteitags zu Dresden.— Kautsly und die sociale Revolution. Von Emil Tteinigans. — Entwicklung der Socialdemokratie in den zehn ersten ReichStagswahleir (1371 bis 1898). Von Theodor Wacker. 2. In jranzöfischer Sprache. Fourier, Le socialisrno Societaire. Von Hubert Bourgin,— Biblio- qraphia Econornica Universalis. Von Erwin szabö. 3. In eng- iischcr Sprache. Track« Union Congress 1903.— General Feckeratiou of Trade Unions. Siebzehnter Vierteljahrsbericht.— The Municipality frorn Capitalisrn to Sooialisrn.— Von Ernst Untermann.— Religion anck Pohtics. Von Ernst Untermann.— The Labour Laws of New Zealand. 4. In russischer Sprache. Die Genossenschastsbewegung in Rust- tand. Von S.?!. Prokopowitsch.— Eine Betrachtung über die jetzige Lage Rußlands. Von Fürst Gregor Wolkonsky. II. Aus der Geschichte des SocialiSmuS. Ein Vortrag von William Morris über den Kommunismus und die iocialistiiche Taktik. III. Urkunden des Socialismus. Typisch- Wahlflugblättcr aus dem Wahlkamps der deutschen Socialdemokratie. II. Zwei Flugblätter gegen die Gruppen der Freisinnigen. III. Ein srei- stnmg-liberales Flugblatt gegen die Socialdemokratie.— Ein Ausstand russischer Arbeiter nach einem Generalausstand in Kertsch. 13'. Der Socialis- mus in den Zeitschriften. Die„Dokumente des Socialismus" erscheinen monatlich einmal und sind durch alle Buchhandlungen, Postanstaltcn und Kolpotteure zum Preise von 2,2ö M. vro Ouartal zu beziehen. Das einzelne Hest kostet 75 Ps. In der Zeitungspreisliste der Postanstalten sind die„Dokumente" unter Nr, 2206 eingetragen, jedoch ist bei der Post nur Ouartal-Wonnemeut zulässig. Von der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterstmc!, (Stuttgart, Dictz' Verlag), ist uns soeben die Nr. 24 deS 13. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Um de» Zchnstundentag.— Das WohnungSelcnd der Berliner Handels- angestellten. Von I. Raab.— Beschlüsse der zweiten Konicreuz der öslreichischen Socialdemokralinnei,.— Aus der Bewegung.- Aus � chic sie». Von W, K.— Feuilleton; Mumu, das Hündchen des Taubstummen. Er- Zählung von F. S. Turgenjew. ZluS dem Russischen übersetzt von L. A. Hauff.(Fortsetzung.)— Notizenteil: Der Zehnstundenkamps der Textil- ärbeitcr in Kttmmilschau.— Weibliche Fabrikmspeltorcn.— Sociale Gesetzgebung.— Frauenstimmrecht. Die„Gleichheit" erscheint alle tt Tage einmal Preis der Nummer 10 Pf., durck die Post bezogen(eingetragen in der Reichspost-Zeitungslist- Nr. 1903 unter Nr. 31L9) beträgt der Slbonnemcntsprcis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Ps. Der„Wahre Jacob" hat soeben die 24. Nummer seines 20. Jahr- gangs erscheinen lassen. Aus dem Inhalt heben wir die beiden sarbigen Bilder„Der Zweisrontcnmann" und„Enttäuschung"� hervor. Ferner er- wähnen wir die Illustrationen„Der Fall Simon",„Standesgemäste Lebens- Haltung",„Die Mnanzminister-Konferenz",„Bedenkliche Vcrwandschast", ,O, über diese sündige Well",„Hosschlächtermeister Friedrich Wilhelm Müller" (als Beginn einer von Edmund Edel gezeichnelen Sctte„BourgcoiStypcn"), „Sächsische Wablresorm",„Der Tod und die tzlukomobilistcn"(mtt dazu- gehörigem Gcdichi),„Kartoffelernte" und„Schlagende Beweisführung". Die Nummer enthält sodann Porträt und Nachrus für Franz Hosmann, den ver- ltorbenc» Abgeordneten sür den 22, sächsischen Wahlkreis(Auerbach). ferner die Gedichte„Der Reichstagsmehrheit",„Militsch",„Das Reichs- gittcr",„Wenn Väterchen reist"„Vorschlag zur Wahlrcsorm",„Maul halten! Zahlen!" von Ettch Mühsam,„Kattosselseucr", sowie austcr zahrcichcii kleineren Beiträge» die kleineren Feuilletons„Zeuge Exccllcnz", ,Ham- burger Brief"(mit Illustration),„Die Peitsche",„Ein neuer Sport" und „Zur Frage der VollSbibliotheten". Der Preis der zwölj Seiten starken Nummer ist zehn Psennig._ «xcntralverband der Handlungsgehilfe» und-Gehilfinnen Teutschlands, Bezirk Berlin. Heute, Mittwoch(Bußtag), abends 9 Uhr, Sitzung in den Arminhallen, Komnumdantenstr. 20. Vortrag des Kollegen KäliSki. Vchtung, Schlitchtergesellc»! Mittwoch, den 18. November(Bußtag), nachmittags 5 Uhr: Versammlung im Englische» Gatten, Atcrandcr- straste 27e, großer Saal, Tagesordnung: t. Die Erfolge der Lohnbewegung der Schlächtergesellen in Samburg und welche Lehren ziehen die Berliner Kollegen daraus, Reserent Kollege Hermann Möller, tzlltgefellc in Ham- bnrg. 2. Bettcht über die Veryandluiigen betreffs der Einsührung der Arbeitsordnungen in den Schlächiereicn des Berliner Konsumvereins und des Rabatt-SpnrvercmS„Süd-Ost", 3, Verschiedenes. Eingegangene vruckfckriften. Von der„Neuen Zeit"(Swttgatt, Dictz' Verlag) ist soeben das 7. Hest des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Hejtcs heben wir hervor: Der Generalstreik alt politisches Kampfmittel. Von W. H. Vliegen-Amsterdam.— Die Auihcbuno der bäuerlichen Hastpflicht in Ruß- la»d. Von G. Plechanow.— Der zehnte Kongreß der söciaidcmokratischen 'Arbeiterpartei Bulgariens. Von R.«vramoss.— Der Niedergang der britischen Industrie. Von Th. Rothstein-Loiidon(Fortsetzung.)— Der Kohlenhäucr und die„Maschinomanie". Von I. Genna».— Littcrattsche Rundichau: Arbeiternotiz-Kalender sür das Jahr 1901. Theod. Lcipart, Almanach des Deutschen Holzarbciter-Vcrbandes sür das Jahr 1904. Ludtv. Rexhäuscr, Deutscher Buchdrucker-Kalender für das Jahr 1904. Oestreichischer Metallarbeiter-Kalcnder für das Jahr 1904. Bon ack. br, Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Ouartal zu beziehe». In der ZestungspreiSliste der Postanstalten ist die „Neue Zeit" unter Nr. 5575 eingettagc», jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Ouartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von den„Tokumenten des Socialismus". herausgegeben von Ed Bernstein,(Stuttgart, Dictz' Verlag) ist soeben das lt. Hest des III. Bandes erschienen. Aus dem Inhalt des HestcS heben wir hervor: I. Ktttiichc Biblio» graphie des SocialiSmuS."4, In d'ulscher Sprache. Gewinnbeteiligung und Miteigentum der Arbeiter, ArbeiterauSschuß und Arbeitsamt. Von Fritz vom Berg.— Praktische Winke sür die deutsche Zimmererbewegung. Von A. Vringmann.— Das Wesen der menschlichen Kopsarbeit. Das Acquisit der Philosophie und Briese über Logik. Kleinere philosopische Schriften. Von Joses Tictzgen. 3 Bände.— Die Verhandlungen des Vermilektes. Die Nichtsinitzigkeiten des Revisionismus in der Partei übersteigen nachgerade alle Grenzen. Ein Parteiblatt hat in diesen Tagen die folgende Schandwürdigkeit aufgedeckt: „Hier liegt weiter nichts vor als der Versuch, den Revisionis- nmS, den die Partei von sich gewiesen hat, auf Schleichwegen— und noch dazu auf giftgefüittcn Schleichwegen— wieder zu Einfluß zu bringen! ES ivird eine Art Untergrabung vorangegangen fem, bevor dm Schleichwege»m„Gift angefüllt" wurden, vorausgesetzt, daß der etwas dunkle Ausdruck nicht eine zartsinnigc Umschreibung ftir den Begriff einer Verrichtung ist, die nur dann als unanständig gilt, wenn sie statt an dem gebührenden Ort in aller Oeffcntlichkeit gefuhrt wird. Auf alle Fälle sollten die Revisionisten wegen Vergehens gegen das Straßen-Polizei-Regleincnt zur Verantworttmg gezogen werde», Ein Erwachen»ach 17 jährigem nminterdrochcncm Schlafe, s« schreibt die„Bremer Bürger-Zeitung" ist gewiß eine so interessante Seltenheit, daß es nicht Wunder nimmt, wenn die ganze Welt darüber redet. Das wird denn auch binnen wenigen Tagen mir dem Vorgang der Fall sei», der seit Sonntag die bremische Be- völkernng aufregt, nämlich daß das schlafende Mädchen in unsrem Gebietsorte Grambckc, Tochter des dortigen Landmaunes� und Gemeindevorstehers Meyer lhatfächlich aus einem periodenweise wieder- holten, zuletzt 17jährigem schlafähnlichen Zustande erwacht ist. Feuerlärin soll die äußere Ursache zu dem Erwachen gewesen sein. In der Scheune des Sandmannes Scgelkeit war in der Nacht auf Sonntag Feuer ausgebrochen, das auch das von zwei Familien be- wohnte Wohnhaus ergriff und dieses ebenso wie die Scheune ein- äscherte. Durch den Ton der Feuerglocke soll das Mädchen erwacht sein und nach ihrer Mutter, nach andern Angaben nach ihrer Schwester gerufen haben, die jedoch inzwischen verstorben ist. Gesiue Meyer ist bei klarem Verstände und sie erinnert sich deutlich noch mancher Begebenheiten aus früherer Zeit. Sie setzt gewissermaßen ihr Gedächttiiölcbeu aus der Zeit vor ihrem Schlafe fort, da sie von den Vorgängen während ihres Schlafes� nichts weiß. Die Patienttn, deren cigenarttger Zustand_ so viele ausländische medizinische Kapazitäten in das einfache Bauernhaus führte, äußerte nach ihrem Erwachen, daß sie sich setzt wohler im Kopse fühle. Bald fragte sie auch nach ihrer Mutter. Als ihr in schonender Weise der vor Jahren eingett'ctene Tod der Mutter und der älteren Schwester mitgeteilt wurde, zeigte sie sich ttcf ergriffen. Des Gehens ist die Kranke vollständig entwöhnt, aber das Augen- licht ist sehr gut erhalten._ 19031 Marktpreise von Berlin am 10. November noch Ermittelungen deS lgl. Polizeipräsidiums. »Weizen, gut D msttcl genug »Roggen, gut „ mittel gering fGerste, gut inittel gettng iHafer. gut mittel gering Richtstroh Heu Erbsen Speiscbohnen Linsen » ab Bahn. -Ew. Kattoffeln, neue D.-Ew. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch, Schweinefleisch Kalbfleisch, Hammelfleisch Butter Eier Karpfen tzlale Zander .'deckte Barsche Schleie Bleie Krebs« 60 Stück 1 kg per Schock 6.00 1,30 1,50 1,60 2,00 1,80 2.80 5,00 2.00 2,60 2,60 2,00 1.80 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1,10 1.10 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,40 0,60 3,00 + stet Wagen und ab Bahn, Witterungsübersicht vom 17. November 1903. morgens» Uhr. jLL ' 0 s Stationen »ß £ S IS c?!— Letter am H& Swinemde. 75tIS� Hamburg Berlin Feankf.a.Mf759; München Wien 755 SW 757 SW 758 NW >759 SSO 3 bedeckt 2 bedeckt t heiter I molken! Sfitaen 2 Nebel Stattonen � i Lö? Irl 1 Ü Letter Haparanda 759 Petersburg Eork Aberdecn Paris 764 SO 765 NW (60 SSW 2bedeckt 3 bedeckt 5'bedeckt 2bedeckt «SS e Ii Z? |Mjb 8 Wcttrr-Prognoie für Mittwoch, den 18. November 1903. Vorbcnfckcnd wolkig oder nebelig, am Tage ziemlich mild bei schwachen südwestliche» Winden; leine crhcbltckcn Niederschläge. Mr de» Jnbalt der Inserate ubernimmt die Redaktion dem Publiknin gegeiiiibcr teinerlei Zjcrantwortung. —"rrnnrnr Schiller-Theater. ■Cbeater. Mittwoch, den 18. November: Opernhaus. Konzert des Königlichen Opernchors. Ansang VJ., Uhr. Westen. Die Schöpfung. Thalia. Großes Konzert. Ansang 8 Uhr. Central. Großes Konzert. Die übrigen Theater find geschlossen. Donnerstag, IS. November. Ansang 7 Uhr: Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg. Anfang VI, Uhr: Schauspielhaus. WallcnsteinS Lager. Die Piccolomini. Deutsches. Rose Bernd. Berliner. Ein Winlcnnärchcn. Lessing. Zapsensweich. Westen. Undine. Siencs. Salome. Vorher: Logik des Herzens. Residenz. Das große Geheimnis. Central. Der Rastelbinder. Thalia. Der Hochtourist. -Ansang 8 Uhr: Schiller C.(Saliner- Theater.) Liebelei. Hieraus: Litteratur. Schiller X.(Zriedrich-Bilhclmstädt.) Die Ehre. Belle-Alliance. In Vertretung. Carl Weih. Maria Stuart. Luisen. Die Logenbrüder. Kleines. Elellra. Trianon. Biscottc. Casino. Berliner Nachtasyl. Hotel Klingcbusch. Rietropvl. Durchlaucht Radieschen! Deutsch- Amerikanisches. Uebcr'n großen Teich. Apollo. FriiHImgslnst. Speciali- täten. Winter Garten. Spccialttätcn. Pasiagc-Theater. Spccialitäten. Reichshalleu. Stettiner Sänger. Palast. Das Liebcsparadies. Spe- cialitäten. Urania. Taubenftrafie 48/tS. Uni� 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober-Jtaliens. Jnvaltdenstrasie ST/VL. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Dr. P. Schwahn:„Werden und Vergehen im Weltcnraum". �llö8 Schiffbaue rdamm 4a— 5. Mittwoch: Geuchlosueii. Donnerstag zum 50. Male: Salome. V orhcr: 1>«t Kam iner» ttnger. Kleines Theater. Unter den Ulnden 44. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Anfang 8 Uhr. Nachtasyl. Central-Theater. Mittwoch(Bußtag) 71/, Uhr Bei ermäß. Preisen: Grosses Konzert unter Mitwirkung der kgl. Hosopern- sängerin Marie Götze und des.Hos- cellistcn H. Grünfeld sowie von Mia Werber, Josefine Vettori. Oskar Braun. Preise: Loge 4,10, 8,10, 8,10, Parkett 8,60,'2,10, 1,60, 1,10, Balkon 1,60, 1,10, 0,60, Stchplab 0,40. Donnerstag zum erstenmal: Ter Rastelbinder. Luisen-Theater. Heute; Geschlossen. " Morgen 71/. Uhr: Sie Sogenbriider. Freitag zum erstenmal: Der Wider- spenstigeii Zähmung. Sonnabend: Das ztäthche» von Hcilbronn. ' Soimtagabcild: Die Iungjrau von Orleans. Moniag: Der Aktienbudiker. KksidkitMiikiitkr Direktion rlautenburg. UHF- Heute gc,«blossen,"i Donnerstagabend 7'/. Uhr: DüS grosse Geheimnis. Lustspiel in 3 Alten o. Pierre Wolff. Deutsch von Max Schönau. Freitag und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung.__ Heute: Geschlossen. Morgen und dio folgenden Tage; MM W Burlosko Ausstattungsposso mit Gesang und Tanz iri 4 Bildom von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Sceno gesetzt vorn Direktor Bichard Schultz. Im 4. Bilde: Ütf Grosses Ballett Wie damals im Monat Mai. Anfang 8 Uhr — Rauchen überall gestattet.— Bonntag. den'28. November er.: Einmalige Aufführung von Mein Leopold. Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). M i t t w o ch(Saßtag); Geschlossen. Donnerstagabend 8 Uhr: Ijlcbelcl. Schauspiel in 3 Akten von Arthur Schnitzler. Hieraus: Uitteratur. Lustspiel in 1 Akt v. Arthur Schnitzler. Freitagabend 8 Uhr: Wilhelm Teil. Schiller-Theater X. (Friedrich-WilhelmstädtischeS Theater). Mittwoch(Bußtag): Geschloffen. Donnerstagabend 8 Uhr: Die Ehre. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Freitagabend 8 Uhr: Hed«la Gabler. Clrkus Sehumamu Heute, Mittwoch: geschloffen. Morgen, Donnerstag, den Ist. November, abends TU Uhr: Änm 1. Mal!..«...„______. Zum 1. Mal! phänomenal! («las Orisriaal) Sensationell! Ksksräsyrung mn 50 fuss= 15 ZKeier ausgeführt von der berühmten Pariserin Mllc. IZeleae Dutrleu, Siegerin aller Schnclirahrt-Chanipignonmatschs, die elnasige Radfahrerin, welche sämtliche Weltrekords geschlagen. Dem Berliner Publikum vom Sportpark Friedenau bekannt, Ivo sie im Fahre 1901 gegen sämtliche ersw Rennfahrer als Siegerin hervor- gegangen ist.—'Außerdem 25 männliche Kaiserlögen Eis- nml Kragen-Bären. Carl Weiss-Theater. Grosse Ffrauksurter Straffe 133. Heute: Geschloffen._ ZXM Morgen abend 8 Uhr:-�L tVIsria Stuart. Trauerspiel in 3 Akten c. Fr. B. Schiller. Freitag: Hannemanil vom Viehhof. Sonnadcndnachmittag 4 Uhr:?Nar und Moritz. Abends: Die Toten leben. Hrsnis. Taubenstrasse 48/49. Um 8 Uhr im Theater; An den Seen Ober-Iteiiens. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. Dr. P. Schwahn:„Werden und Vergehen im Weltenraum." CASTANS PANOPTICUM Jndianer-jliese Friedrichstr. 16.". Jllanko Karoo. Die zusammengewachsenen Lebend. Schwestern! Lebend. Boeren-Riese ohomal. Leibsoldat des Präsidenten Paul Krüger von Transvaal. Passage=Theater (am Bußtage geschloffen). Pertina, die erste Excentric- Tiinzcrin der Welt. Ü eröhlaffige Nummern. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Mittwoch M geschlossen. � 8iad!-Theaies Moabit Alt-Moabit 47/49. Donnerstag, den 19. November 1903: MstiI Rose-IMer-Enseiiilile. Ein ehrlicher Makler. Volksstück mit Gesang in 4 Alten von L. Treptow. Musik v. Hübner-TramS. ?lnsang 8 Uhr. MM WMsheU sr. publmanns Vaudevllle-Tdeator, . Schönhauser Allee l48. , Inhaber: Wilhelm Erlthel. Jeden Sonntag 5 Uhr: (»rosse Extra- Vorstellung der beliebten Zimmermanns Das Paffage-Panopti- kum ist heute den ganzen Tag geöffnet. «Lassno-l'koater. Loihringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/,. Heute(Bußtag) geschlossen. Morgen: 8 Uhr: Kerl. Nachtasyl. S'l, Uhr: Verch- Wolff. Gastspiel ikapil. Martens. 3'/- Uhr: Note! Rlingelillsek. Sonntagnachm. 4 Uhr: Elternlos. Seile-Mianee- Ehester. Heute(Bußtag) geschlossen. Donnerstagabend 8 Uhr: In Vertretung. Ein Soldatenschwank in 3 Akten von Heinz Gordon. Freitag u. Sönnab.: In Vertretung. Sonntag n. Montag: Der Menonit. Apollo-Theater. Heute: Geschloffen! Morgen und folgende Tage: Ferner die glänzenden Specialitäten. Totensonntag, den'22. November: Einmalige Aufführung der Lper: Die Nürnberger Puppe von Ad. Adam Die Zaubergeige. Operette von Jacques Lffenbach. sowie die glänzenden Specialitäten. Trianon-Theater. Dav~ Heule: Geschlossen,"am Donnerstag und folgende Tage: Biscotte. f. Nach der Vorstellung: Uni 10 Uhr: Grosser Extra-Tanz. Eintritt 30 Pf. Sperrsitz 50 Pf. Jeden Mittwoch: Eanilllenabend. Korddentsche Sänger und Erel-Tanz. Jeden Freitag: lZaatapisI des Märkischen[ Städtebund-Theaters. Heute: Geschlossen. Morgen: Zum 82. Male Theater 67Kopnitkerstr.6& JefcsrngroijenTeich' Anfang 8 Uhr. P3l3St-Tll63t6r FeenMst. Bargstr. 33. Heute: Geschloffen. Donnerstag, den 19. November: Das Liebesparadies und das berühmte Programm. Freitag, den 80. November: hie Toehter des Herrn Fabrieins. Reich s h»Heu StetfiDcr Sänger.; Morgen; presse Vorstellung Heue freie Volksbühne. Heute, Mittwoch, den 18. November, abends 7 Ihr, im Gewerkschaitshause, finge!-Hier Vortrag dos Horm Dr paul Lcgband über Rstmk'jbfen. Hierauf: Ordentliche Qeneralversammhmg. Eintritt nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte. 151/4 Heute, nachmittags 8'/, Ehr, Im NCUSIl Theater, III Abteilung. Zur Aufführung gelangt:„Neigung", Schauspiel von J. J. David. Sonntag, den 39. November, nachm. 3°/, Ehr, Im NCUCfl XHcatCr! Extra-Vorstellung: Salome. 0er Kammersänger. Eintrittskarten für Mitglieder a 1 M., für Gäste a 1.25 M. sind in allen Zahlstellen sowie beim Kassierer zu haben. Am selben Tage, abends 7 Uhr, in Kellers Das Programm umfasst E'estsälen, Koppenstr. 29: IfW BÜH EsJc S SSNd»» ein grosses Hiskinli Wännor ifnnTOrt Zsgehen von dem aussergewühnlieh verstärkten Berliner Sinfoni- niuliHlu Ttayilhl-�UnccU, Orchester, und unter' solistischer Mitwirkung hervorragender Gosangskräfte.— Karten für Mitglieder a 50 Pf., Gäste a'6ö Pf. sind in allen Zahlstellen zu ha hen.— Die ordentlichen Vereinsvorstellungen für Dezember linden am 6., 13., 39. und 35. Dezember im Aeuen Theater statt. Zur Aufführung ge langt:„Ein Fallissement'', Schauspiel von Bjömstjernc Björnson. Der Vorstand. I.A.: II. Ncft, Kassierer, Veterahenstr. 6. Hasenheide. NdlG Haseuhcidc. Sonntag, den 22. November(Toten-Sonntag): J? ic-Konzert GÄer�n, Norddeutsche Sehleifek'"3„Kreuzberger Harmonie"�! 1.) Mitwirkung des Neuen gefliüös Tonkünstier-Orchesters DIA Fr�«0,1 leider._ Gewähltes Programm.— Erstklassige Tonwevke.�l Eröffnung 6 Uhr abends. Anfang des Konzerts präcise 7 Uhr abends. BiUets im Vorverkauf a 40 Pf. 66/ 2" IX. Berliner Saison. Cirkns Busch. Mittwoch, den 18. November er.: Geschlossen. Donnerstag, den 19. November, abends 7'/- Uhr: Zum erstenmal: m. Eclair im Teufelsrad. Zum erstenmal: Paul Zierde Siefanten. Xnr noch knrzc Zeit: Miss Heliot, £omenhrant berliner Winterfreuden Humorist. Dtanege- Schaustück. I Neue Welt Arnold Scholz 4 Hasenheide No. 108/114. Jeden Donnerstag: Ml Röse-Theater-Enseinble. Der Glöckner t von Notre Dame. Nach der Borstellung: fam!l!eli-Tan?ksän�hgn. , Tanz srei. t Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. 1 VorzugSkartcii Haben Gülttgkcit. Xönigstsüt-Rssino Holzmarklstr. 72, Ecke Alerandcrstraße. Täglich: Ifi-anzl«ohan�ki. Gssohw. Lehmann, G.Groth, L. Durand, La Travlata, Lssardo and Trepp. Zum Schlim: Ein Goldsnchs. I Direktion; Robert Dill. Brannenütraene 16. Heute: Keine Vorstellung. Donnerstag: Extra-Borstellung: precioss. Ansang S Uhr. Nachher: Ball. Andreas-QaHen, Audreasstr. 36. Kleine und große Säle zu Versammlungen, Hochzeiten und Festlichkeiten noch einige Sonnabende zu vergeben. Fremdenlogis. Kegelbahn. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt Heute frische Wurst. 32342- Frans Jfrrkowsbi. freireligiöse Gemeinde, Berlin. Sonnabeuv. de» 31. November 1903: Grosses Kerbst-VergnUgen in Ei. Kellers Festwäien, Koppenstr. 39 bestehend in Konzert, Gesang und Theatsr. Zur Auffübrung Gr. romant. Rittcrschauspicl in 5 Akten gelangt: l l CUlUSct. u. P. Alex. Wol>. Regie: B. Schröder. Sämtliche Musiknummcrn, sowie Begleitung der Chöre und Tänze werden von der„Berliner Sinfonie-Kapell c" unter Leitung des Herr» Maximilian Fischer ausgejührt. P r o g r a ui m s a 30 Pf. sind bei solgendcn Komitccmitglicdcrn zu haben: O. Jänickc, Schöncberg, Goltzstr. 4, H. IV.: W. Retusch, Löwestr. 0 im Laden-, G. Bohne, Hochmeistcrftr. 26, H. IV-, C. Christcns, Mühlcnstr. 49,111,- B. Schröder, Passauerstr. 3 im Laden; H. Kollow, Hochmeisterstt'. 5, Qucrg.TV; Frau Kohlhardt, Alexandrincnslr. 21, v. IV: P. kuhirte, JmmanueMrchstt-. 16, r. Seitcnfl, IV; P..öaldaucr, Krautsir. 36, Qucrg. IN; A. Kowalczyk, Swine- münderstr. 82, 1. Lg. IV; Th. Jerwiii, Urbanstr. 6, H. IV; und in unsren Billctslellcii: W. Börner, Rittcrstr. 15; H. Bobsicn, Äommandantenstt-. 62; C. Karkünnis, Holzmarktstr. 48a.; F. Wols, PIntschstr. 3; H. Vogel, Demminer. straße32: W. Krause, Pappel-Allce 15—17; H. Zieh»». Bcrnauerstr. 48; H. Peege, RüdcrSdorserstr. 48, H. II; M. Wendt, Gollnowstr. 44, Og. III; A. Äicvurg, Urbanstr. 68; Th. Mctzucr, Skalitzcrstr. 59; I. Wiedemami, Franlsurtcr Allee 49 und bei unsrcnl Kassenbotcn Ä, Räder, Rheinsberger- straßc 62, v. II, und in unsren Bersammlungen. 62/3» 'Anfang 8ll, Uhr. DaS Komitee. iiÜS ZSosdit. ZLS Mittwoch, de» 48. November 4993(«ufftog), abends 7 Uhr. i« Saale der Kroncn-Brnnerei, Zllt-Moabit 47.48: Ocfftiiti. Nartrag für Mäimer«. Frmleii. Thema: Zur Abwehr der Krebsgesahr. Referent:.Herr Dr. Klegelroth, ehemals leitender Arzt am Sanatorium Birkcnwcrder. Abwehr der Krebsgcfahr! lautet obiges Thema, läßt sich cwe solche Krankheit überhaupt und wodurch abwehren? Diese Frage wird der Reserent (welcher eine Autorität aus diesem Gebiete ist) klar und leicht verständlich beantworten, deshalb ist es Pflicht eines jeden, der Interesse an seiner Ge» sundheit hat, obigen Vortrag zu besuchet!. 292/9 Der Verein für Gesundheitspflege des Volkes Bcrlin-?)!oadit. Soxon Monatsraten von 2 Mk. an liefern wir Musikwerke eelbstspielcntle sowie Drehlnstrumente > mit auswechscl-! baren 1 Metaünoten' von IS lilt. aufwärts. Phonographen nur erstklassige. vorzüglich funktionierende Apparate von 1 80 Mk. aufwärts, 1 Bespielte und i unbespieUc! Walzen! la. Qualität, i Äcsördeons tu sehr reicher Auswahl, ] sehr preiswerte Instrumeuto in allen rrcislagon. Zithern aller Arten, wie Acoord-, Harfen-, Duett-, Konzert-, Guitarrc- Zithern ota Bial& Freund in Breslau II. 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Der Borsitzende bezweifelt die Verlesbarkeit dieses Schriftstückes und der Erste Staatsanwalt Stein brecht bestreitet diese Verles- barkeit, da es sich hier um ein Leunmndszeugnis handle, welches nicht verlesen werden könne. Justizrat W r o n k e r und Rechts- auwalt Chodziesner widersprechen dieser Ansicht; es handle sich keineswegs uni ein Leumundszeugnis, sondern um eine amtliche Auskunft einer Behörde. Der Gerichtshof behält sich seinen Beschluß bis nach Ueber- tragung des Schriftstücks durch den Dolmetscher vor. Als erster Zeuge wird Justizrat Lewin ski- Posen der- nommen. Er hat die Valentine Andruszewska in dem seiner Zeit schwebenden Erbschaftsstreite vertreten. Bei diesen Verhandlungen habe er von der Hedwig Andruszewska einen Eindruck bekommen, daß er zu seiner Klientin damals sagte:„er glaube, daß die Hedwig nicht richtig im Kopfe sei". Seine Klientin habe ihm damals auch zugegeben, daß die Schwester nicht vollständig richtig, sondeni mindestens sehr nervös sei. Der Zeuge weist nach, daß in jenem Erbschastsstreite die Hedwig eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, die nach der Behauptung der Valentine völlig falsch war. Letztere erklärt auf Befragen, daß sie allerdings dies gesagt habe, sie sei aber damals sehr ärgerlich auf die Hedwig gewesen, die vollständig unter dem Einflüsse ihres Bruders Max stand. Von großem Interesse ist die Aussage des Prälaten Dr. v. Jazdzcwski-Schroda. Der Zeuge, der Reichstags- und Landtags-Abgeordneter ist, sagt u. a, aus: Ich bin mit der Familie Wesicrski-Kwilecki seit etwa SO Jahren bekannt und deshalb habe ich mich auch für die An- Wesenheit der Gräfin in Berlin sehr interessiert und habe auch ihren Knaben getaust. Im Jahre 18V6 habe ich aus einer ausgiebigen Korrespondenz mit der Gräfin die Rkitteilung erhalten, daß sie schlvanger sei. Die erste Nachricht darüber war mir durch die Mutter der Gräfin geworden, dann hat sie mich selbst davon benachrichtigt. Wie die Gräfin nach Berlin kommen sollte, hat sie mir eine Mitteilung gemacht und ich bin an dem Tage ihrer Herkunst, am 22. Januar 1897 in ihre Wohnung gegangen. Ich traf dort nur die Angeklagten Knoska«md Chwiatowska anwesend, und diese machten urir Mit- tcilung über die letzten Wochen in Wrobleloo, und Frau Knoska drückte mir Befürchtungen über den körperlichen Zustand der Gräfin auö. Sie bat mich, daß ich meinen Einfluß aufwenden sollte, daß die Gräfin einen Berliner Arzt zuziehen sollte. Als die Gräfin nach einer Viertelstunde nach Hause kam, hat sie alles das bestätigt, was mir über die gesundheitlichen Erscheinungen der Gräfin in den letzten Wochen schon mitgeteilt worden war. Ich habe aus dem ganzen Habitus der Frau Gräfin entnehmen müssen, daß sie sich in gesegneten Umständen befand. Jeder, der Lebenserfahrungen hat, mußte dieser festen Ueierzengung sein. Ich lenkte der Gräfin gegenüber das Gespräch auch auf die Heranziehung eines ArzteS und zwar eines Berliner ArzteS. Ich nannte ihr in erster Reihe Prof. Olshausen und in zlveiter Linie Prof. Dr. Renvers. Die Gräfin sagte, sie habe nichts dagegen, daß ein Arzt zugezogen werde, wenn sich die Notwendigkeit ergeben sollte. Ich war damals parlamentarisch sehr beschäftigt und bat eine Dame, dem Dr. Renvers zu sagen, daß ich ihn eines Abends sprechen möchte. Darüber kam der Tag der Geburt, der 27. Januar, heran und als ich die Nachricht von der Geburt erhielt, ging ich sofort zur Frau Gräfin. Ich traf sie in einem Zustande, der fiir mich cS ganz zweifellos erscheinen ließ, daß sie entbunden hatte; sie hatte an ihren Händen noch den Wochenschweiß und ich hatte nicht den allergeringsten Zweifel» daß sie eine Entbindung durchgenracht hatte. Auch SanitätSrat Dr. Rosinski war anwesend, der von einem kleinen Dejeuner ge- kommen war, welches der Graf Wesierski- Kwilecki in der Freude seines HerzerzS gegeben hatte. Es war alles in der Behausung voller Freude und Jnbcl, auch Dr. RosinSki, der ja der alte HauS- arzt der Familie Ivar, war außerordentlich erfreut. Dr. Rosinssi sagte nun u. a.. cS sei alles in Ordnung, er habe dem Knaben die Zunge gelöst. Dr. RosinSki fügte noch hinzu:„Nun kann sich der Knabe gegen alle Verleumdungen der Welt verteidigen!" Ich habe nach alledem geglaubt/ daß Dr. Rosinski das Kind untersucht hatte. Ich selbst habe das Kind wiederholt gesehen und bin über den Eindruck, den das Kind gemacht hat, andrer Meinung als Doktor RosinSki. Das Kind sah eben so anS, wie kleine Kinder aussehen, hatte ein etwas gerötetes Gesicht und halb geschlossene Augen, außerdem kam mir das Kind sehr klein vor. Ich möchte den Äe- schworenen eine Aufklärung darüber geben, wie ich dazu komme, über diesen Punkt ein Urteil abzugeben. Ich stehe 43 Jahre in der Scelsorge und habe viele Hunderte, vielleicht Tausende von Kindern getauft und da ein katholischer Priester bei der Taufe so ziemlich alle Glieder des menschlichen Oberkörpers berührt, so hat ein katholischer Priester ein gewisses Gefühl in den Augen über die Erscheinung des Kindes. In Posen existiert die Geioohnheit, die Kinder schon in den ersten Tagen nach der Geburt taufen zu lassen. Ich habe die Taufe des jungen Grafen ain 5. Februar vorgenommen und dabei die volle Ueberzeugung gewonnen, daß ich ein erst wenige Tage altcS, aber keineswegs ein schon 7 Wochen altes Kind vor mir habe. Nachdem die Geburt und die Taufe vorüber war, tauchten ganz nichtsnutzige und nichtswürdige Behauptungen auf, die von einer Unterschiebung des Kindes sprachen. Ich habe damals, so viel an mir lag, die Dinge zu beschwichtigen und einen Familienzwist in der gräflich Kioileckstchen Familie zu hintertreiben gesucht. Da kam das Jahr ISlX) und da hat der angeklagte Herr Graf bei einer Gelegenheit, als es sich um Aufnahme einer Hypothek handelte, von dem Grafen Miecislaw Kwilecki einen Brief erhalten, in welchem er darauf hinwies, daß einige Zweifel über die Herkunft des Kindes gelöst werden müßten. Dieser Brief hat den Grafen Wcsnierssi-Kwilecki sehr empört und es enffpann sich darüber ein Briefwechsel, in welchem Graf Kwilecki wiederholt gebeten wurde, seinen unerhörten Verdacht näher zu begründen. Ich selbst habe in- folge dieses Zwischenfalls allen Ereignissen auf das sorgfälsigste nachgeforscht imd die feste Ueberzeugung von der Richtigkeit aller'der Thatsachen gewonnen, die von dem gräflichen Ehepaar behauptet wurden. Bei dem Civilprozeß in Posen ist dann auch alles aufs Haar bestätigt worden. Als der Prozeß in Posen beendet war, habe ich»sich um die Dinge nicht weiter gekümmert. Die Frau Gräfin habe ich erst am Vorabend der Verhaftung wieder gesehen, wo sie eine außerordent- l i ch e Ruhe zeigte. Sie sagte, man habe auch auf sie einwirken wollen, damit sie weggehe, sie denke aber gar mcht daran; sie werde keinen Fuß breit weichen» da sie die recht- inäßige Mutter des Knaben sei. Sie hat mir dies auch in feierlicher Weise erklärt. Was die Voruntersuchung betrifft, so bin ich weit entfernt, irgend einen Vorwurf zu erheben, aber mir scheint... Der Gerichtsvorsitzcudc. Vors.(unterbrechend): Ein Urteil über die Bonintersuchung steht Jhnei: nicht zu; dagegen müßte ich protestiereii I— Zeuge: Ich beuge mich selbstverständlich der Autorität des Herrn Vorsitzenden. — Präs.: Halten Sie es denn für ausgeschlossen, daß Sie über dm Zustand der Gräfin getäuscht sein können?— Zeuge: Das einmal die Be- einen Jungen zu weiß von einer istvollständig ausgeschlossen.— Präs.: Das kann ein Laie mit solcher Bestimmtheit doch kaum sagen. Sehen Sie, Herr Zeuge, � auch bezüglich des Kindes sind die Aerzte nicht der Meinung, daß es möglich sei zu unter- scheiden, ob man ein neugeborenes oder ein mehrere Wochen altes Kind vor sich hat, wenn man nicht den Nabel des Kindes untersucht. Halten Sie sich für sachverstandiger als die Aerzte?— Zeuge: Das fällt mir natürlich nicht ein.— Präs.: Also geben Sie zu, daß ein Irrtum bei Ihnen möglich ist?— Zeuge: Nein, das gebe ich nicht zu. Die Herren Aerzte mögen ihre Ansicht haben, ich habe meine Ansicht aus praksischen Er- wägungen, aus einer Praxis von 43 Jahren geschöpft.— Auf weitere Fragen erklärt der Zeuge: Die Frau Gräfin hatte immer eine lächerliche Scheu vor ärztlichen Untersuchungen. Bor zehn Jahren wollte die Gräfin sich versichern lassen, sie nahm aber davon Ab- stand, da von ihr verlangt wurde, sich ärztlich untersuchen zu lassen. Auch als sie einmal krank daniederlag, hat sie sich vom Arzt nicht einmal in den Mund hinein sehen lassen wollen. Auch ihre Mutter war ganz ebenso. Die Gräfin war nattirlich auf Hechelssi und andre sehr schlecht zu sprechen und hat lviederholt geäußert, daß die Leute bestochen sein müßten. Ich habe sie wieder- holt gebeten, gegen den Grafen Hektar kein böses Wort zu sagen.— Staatsanwalt Dr. Müller: Halten Sie denn die Grafen Kwilecki überhaupt für fähig, Leute zu bestechen?— Zeuge: Ich war mit dem Grafen Hektar lange Zeit Parlamentskollege und habe nie die Idee gehabt, daß die Grafen msls. fide vorgehen könnten. Später im Verlaufe der Dinge bin ich über einzelnes stutzig geworden. Staatsanwalt Dr. Müller: Haben Sie nicht mersimg gemacht:„In Berlin sei es nicht schwer, solchen Zwecken aufzufinden?'— Zeuge: Ich solchen Bemerkung nichts.— Graf Miecislaw Kwilecki tritt vor und behauptet, daß er bei dem erwähnten Briefwechsel immer Zug um Zug geantwortet, man auf der andren Seite aber immer 14 Tage gewartet habe. Die Antworten seien wohl immer erst mit dem Prälaten besprochen worden.— Zeuge: Das ist richttg. Ich habe eben ein Duell vermeiden und eine gegenseitige Verständigung herbeiführen wollen. Präs.: Sie sagten, Sie hätten bei der Frau Gräfin die charak- teristischen Merkmale des Wochenbettes bemerkt, Herr Dr. Nosinski will aber solche Wahrnehmungen nicht gemacht haben.— Zeuge: Ich habe die Gräfin damals alle Tage gesehen, sie hatte große Schmerzen, Ivar kraftlos, hatte heisere Stimme und Schmerzen im Gesäß.— Präs.: Ja, aber vielleicht ist das alles nachgemacht gewesen, vielleicht hat sie sich bemüht, zu schreien usw. Wenn die Gräfin fortgesetzt eine Nacht hindurch schreit, so würde dadurch der Zustand der Erschöpfung auch erklärt werden.— Zeuge: Dazu kann ich mich nicht äußern.— Präs.: Sie nieinen, eine Täuschung sei nicht ausgeschlossen.— Zeuge: Das will ich damit nicht sagen.— Präs.: Wie aus Ihrer früheren Vernehmung hervorgeht, ist es Ihnen aufgefallen, daß Jnstizrat Lewinski in Posen die Zeugen sämtlich vorgeladen und vernommen hat.— Zeuge: Rem, ich habe das ganz natürlich gefunden. Nach so langer Zeit ist es sehr schwierig. Aussagen zu machen und ich mutz mit großer Vorsicht daran gehen, unter meinem Eide hier auszusagen. Warum soll man da nicht den Leuten vorher in rnhiger Weise Fragen vorlegen, fteilich nicht in der Weise, wie es in der Voruntersuchung geschehen sein soll. Präs.: Darüber haben Sie, Herr Prälat, kein Urteil aus- zusprechen.— Sachverständiger Gerichtsarzt Dr. S t ö r m e r fragt den Zeugen, bei ivelcher Beleuchttmg er z. B. bei den Taufhandlungen die Kinder sieht.— Zeuge: Bei der allerverschiedensten.— Sanitätsrat Dr. R o si n s k i bleibt bei seinen ftüheren Behauptungen stehen. Er habe keinen Schweiß bei der Gräfin wahrgenommen, den er als Wochenschweiß bezeichnen könnte, vielleickit habe die die Gräfin nur schweißige Hände gehabt.— Rechtsanwalt Chodziesner möchte von dem Zeugen wissen, ob er die alte Aniela AndruzewSka für fähig hielt, bei einem Verbrechen mit- zuWirken. Der Zeuge verneint das entschieden; er kenne sie seit seiner Jugend, sie habe ihn schon auf dem Gymnasium gepflegt, als er krank war. Er sei nicht Ivenig erstaunt gewesen, als er hörte, daß sie sich zu einem solchen Verbrechen hergegeben haben sollte. Die Hebamme Cwell habe er wiederholt gesehen, sie habe einen ausgezeichneten Eindruck auf ihn gemacht, war sehr einfach und schlicht. Sie habe sich bei ihm über schlechte Behandlung im gräflichen Hause beschwert, die Dienerschaft sei nicht entgegenkommend, die Gräfin sehr nervös und habe daraufhin der Gräfin gesagt, die Amme möchte doch in jeder Beziehung gut behandelt werden. Verteidiger Rechtsanwalt Chodziesner: Hielten Sie die Czwell für fähig, an einem solchen Verbrechen mitzuwirken?— Präsident: Diese Frage kann ich nicht zulassen, hier wird ein Urteil vom Zeugen gefordert.— Rechtsanwalt Chodziesner: ES sind viele Zeugen von bei weitem geringerem Intellekt hier über ihre Eindrücke befragt worden, auch an die OssowSka ist einmal eine derartige Frage gestellt worden.— Pr ä si d e n t: Dann ist es auf Veranlassung der Verteidigung geschehen.— Rechtsanwalt Chodziesner bestreitet das.— Der Zeuge Dr. v. Jazdzewski erklärt weiter, daß die Hedwig Andruszewska schon in ihrer Jugend einen blöden Eindruck gemachr habe, auch ihre eigne Mutter habe das bestätigt und gesagt, ihre Tochter sei beschränkt.— Staatsanwalt Dr. Müller: Wie erklären Sie es sich, daß eine so beschränkte Person ein Geheimnis, das dann hinterher in allen Einzelheiten be- wiesen wird, behalten und mitteilen kann?— Zeuge: Das kann auf Suggestion beruhen.— Staatsanwalt Dr. Müller Ja, die kann doch nicht zu einer Reise und zu Ermittelungen führen, die genau das bestättgen, was von ihr mitgeteilt worden ist.— Zeuge: Ich kann mich ja über diese ganze Untersuchung nicht aussprechen, weil ich vieles nur aus Zeittingsmeldungen habe.— Präs.: Das sollen Sie auch nicht, das ist nicht Ihre Sache.— Zeuge: Es kann ja suggeriert sein, was die Hedivig A. mitteilt. Ich halte es für ausgeschlossen, daß die alte Aniela vier Monate vor- her eine Person, die sie selbst für dumm hält, zur Mitwisserin eines Verbrechens gemacht hätte; sie mußte dann darauf gefaßt fein, daß sie sich selbst verrät.— Staatsanwalt Dr. Müller: Kann man jemand etwas suggerieren, was nian selbst nicht weiß?— Zeuge: Warum nicht.— Staatsanwalt Dr. Müller: Ich glaube, wir verstehen uns noch nicht.— Zeuge: Oh jal(Große Heiterkeit im Zuschauerraum.— Präs.: Ich verbitte nur jede Aeußerung des Publikums; wir sind hier nicht im Theater).— Staatsanwalt Dr. Müller: Man kann doch nur suggerieren, was man weiß.— Rechtsanwalt Chodziesner: Auch, was man denkt, ob es wahr ist, oder nicht.— Zeuge: Gewiß.— Auf eine Frage des Vor- sitzenden, wie der Zeuge sich manche Zeugenaussagen erkläre, meint Dr. v. I a g d z e w s k i, daß er darüber seine Gedanken habe, sie aber nicht äußern wolle. Zeuge bekundet noch, daß Fälle von Geistes- krankheiten in der gräflichen Familie wiederholt vorgekommen sind. Es tritt hierauf eine kurze Pause ein. Nach Wiedcranftiahme der Sitzung gelangt eine amtliche Aus- simft der Ober-Postdirektton in Posen zur Verlesung. Aus dieser geht hervor, daß die Verzögcrun g des von der Gräfin an den Dr. Rosinski siirz vor der Geburt gerichteten Telegramms nicht auf ein Verschulden der Gräfin, sondern auf andre Umstünde zurückzuführen ist. Hierauf giebt Medizinalrat Dr. Leppmann sein ärztliches Gutachten ab, welches sich zunächst auf den Geisteszustand der An- geklagten Chwiatkoloska bezieht. Diese hat vor Jahren einen Unfall durch Einatmen von Kohlenoxydgas erlitten und behauptet, daß sie an völliger Gedächtnisse! ir»che leide Sie wolle, wie der Sachverständige auzftihtt.e, den Antckein»'«ecken, als ob sie über ganze Perioden ihres Lebens und namentlich auch' darüber nichts wisse, was sie in dem Civilprozeß in Posen ausgesagt habe. In dieser Beziehung müsse man sagen, daß sie ihren wahren Geistesinhalt verheimliche. Sie ist eine nervenschwache und zerstreute Person, hat aber nicht derarttge Erinnerungslücken, daß sie über sehr wichtige Ereignisse keine Erinnerung mehr hat. Was den Seelenzustand der Gräfin betrifft, so war die Bildung eines Urteils in dieser Beziehung zuerst etwas schwierig, denn die Untersuchungshaft mache zunächst stets einen sehr ungünstigen Ein« druck auf den Seelenzustand der Verhafteten, namentlich auf solche gebildeter Stände. Die Gräfin, die über Träume, Schlaflosigkeit und dergleichen klagte, hatte eine Reihe nervöser und körperlicher Störungen und machte den Eindruck eiucr seelisch beunruhigten, aber keineswegs bedrückten, sondern mehr aufgeräumten und heiteren Dame. Sie sei nervös und wenn in ihrem ganzen Charakter und Entwicklung auch Zeichen von Entartung vorhanden seien, so liegen keinerlei An- zeichen einer seelischen Krankheit vor. Erster Staatsanwalt Steinbrecht beantragt die Vernehmung des Landrichters M a ß m a n n, der die während des Prozesses ver- haftete Zeugin Wieczkowska nachträglich als Untersuchungsrichter ver- nommen hat. Er halte das besonders deshalb für nötig, weil die Sache wiederholt die Presse beschäfttgt habe.— Zeuge Landrichter Maß mann besimdet: Die Wieczkowska erklärt jetzt, sie könne sich der ftüheren Vorgänge nicht genau erinnern, insbesondere wisse sie nicht, ob die alte Andruczewsta vor der Niederkunft der Gräfin ver- reist gewesen sei, aber es scheine ihr so, als wenn es doch so gewesen. Sie vermöge sich an ihre cZte Aussage vor dem Untcrsuchungs- richter Foth nicht mehr zu erinnern, aber sie habe das Gefühl, als wenn sie damals das Richttge gesagt. Was sie jetzt vor dem Schwurgericht ausgesagt, wußte sie auch nicht mehr und auf die Frage, warum sie jetzt eine andre Bekundung gemacht wie früher, habe sie schließlich nur sagen können, sie habe sich unter vielen Zeugen befunden, die alle behaupteten, die alte Andruczewska sei vorher nicht verreist gewesen und sie habe mit diesen Zeugen nicht in Widerspruch kommen wollen. Im übrigen habe er den Eindruck, die Wieczkowska sei eine schwachsinnige Person. Präs.: Hat die Zeugin Wieczkowska etwas davon gesagt, daß sie eingeschüchtert worden'sei?— Zeuge: Nein.— Der Präsident läßt sich vom Zeugen bestättgen, daß das Verfahren wegen Meineids auch auf den Wirtschafter Biäletzki ausgedehnt worden ist.— Nächster Zeuge ist der Referendar v. W i l I i ch, der bei der ersten Ver- nehmung der Wieczkowska vor dem Untersuchungsrichter Foth als Gerichtsschreiber mitgewirkt hat. Er erklärt, daß ihm die Wieczkowska schon damals, wenigstens anfangs der Ver- nehmung, konftls erschienen sei.— Rechtsanw. Chodziesner: Ist der Wieczkowska damals gesagt worden, daß schon mehrere Zeugen bekunden, daß die alte A. vorher verreist gewesen ist?— Z e u g e: In dieser Form nicht, es wurde ihr nur gesagt, es haben schon mehrere Zeugen bekundet, daß die alte A. vorher weggewesen sein soll.— Rechtsanwalt Chodziesner: Das deckt sich vollständig. Sind der Zeugin auch die nöttgen Vor- Haltungen gemacht worden, was ihr bevorsteht, wenn sie einen Meineid leistet?— Zeuge: Sie ist auf die gesetzlichen Folgen des Meineids auftnerksam gemacht worden.— Rechtsanwalt Chodziesner: Ist ihr gesagt worden, sie würde ins Unter- suchungsgefängnis geführt, wenn sie nicht bei der Wahrheit bleibe?— Zeuge: Nein.— Rechtsanwalt Chodziesner wundert sich, daß die Wieczkowska damals vereidet worden ist, trotzdem sie von dem Zeugen für konfus gehalten wurde.— Zeuge: Weil die Frau auf eine Bluse hin, die sie geschenkt erhalten hat, sich dann bestimmt erinnern wollte, daß die A. vorher verreist Ivar.— R.-A. Chodziesner sieht darin keinen genügenden Grund.— Zeuge: Der Untersuchungsrichter mußte den Eindruck gewinnen» daß die Zeugin die Wahrheit sagte, weil er sie durchaus freundlich behandelt hat. Präs.: Ist Ihnen die Wieczkowska nur anfangs oder während der ganzen Vernehmung konfus vorgekommen?— Zeuge weiß das nicht mehr genau, er habe mir noch den allgemeinen Eindruck, daß die Frau konfuse war. Auf Befragen des Staatsanwalts Dr. Mülle r bestätigt der Zeuge, daß der Dolmetscher Kanzleirat Groß die Frau ebenfalls sehr ruhig und fteundlich behandelt hat. Auf Befrage, t des Ersten Staatsanwalts Steinbrecht er- klärte der Untersuchungsrichter Foth noch, daß er aus bestimmten Anzeichen annehmen durfte, daß die Frau in der Haupwerhandlnng umfalle» könnte. So hatte die Zeugin Cibulka bei ihrer Vernehmung vor dem Justizrat Lewinski zunächst mit tödlicher Sicherheit eine Aus- sage gemacht, die sie auch hier in Berlin zunächst aufrecht erhalten wollte. Bei ihrer Vernehmung habe sie aber plötzlich geweint und auf Befragen habe sie erklärt:„ich bin hierher gekommen, um einen Meineid zu leisten; ich wollte meiner Gräfin helfen". Nach seiner Ansicht mußte bei dem ganzen Material aus Wroblewo und bei dem ganzen Abhängigkcits- und AnhänglichkeitSgefiihl der Leute die größte Vorsicht geboten sein. Der Zeuge beantwortet noch eine Reihe von Fragen der Ver- teidiger Wr'onker, Chodziesner, v. RychlowSki und Dr. E g e r, die auf das Zeugenmaterial und ettvaige Suggestion auf der einen oder andern Seite Bezug hatten. Er bestättgt auf Befragen der Verteidigung, daß er aus der Voruntersuchung dem Grafen Hektar Kwielecki, den er durchaus für einen Gentleman halte hier und da kurze Mitteilung gemacht habe, wie er dies auch bereit- willigst allen Verteidigen: gegenüber gethan habe. Ob Graf Hettor diese Mitteilungen an Hechelski weiter gegeben, wisse er nicht.— Rechtsanwalt Chodziesner erklärt, daß der Untersuchungsrichter in jeder Beziehung der Verteidigung in der dankenswertesten Weise entgegengekommen sei. Längere Erörterungen verursacht die Frage, ob die alte 7Sjährige Zeugin Äadzyk, deren Vereidigung noch aussteht, zu vereidigen sei. Gs ist dies diejenige Frau, die trotz aller Vorhaltungen seitens des Vorsitzenden steif und fest dabei geblieben war, daß die alte A. am 27. Januar 1397 nicht verreist, sondern auf Woblewo anwesend gewesen sei. Der Gerichtshof beschließt die V e r e i d i g u n g. Er nimmt an, daß diese Zeugin, selbst wenn sie objektiv etwas Falsches gesagt haben sollte, sübjckttv der Meinung sei, etwas Wahres zu sagen. Da sie in der Boruntersuchung nicht bewußt Falsches ausg-sagt, liege in diesem Fall der Verdacht der Begünstigung nicht vor. Hierauf findet eine längere Pause statt. Die ärztlichen Gutachten. Der erste Gutachter ist Professor D ü h r ß e n- Berlin. Die Frau Gräfin hätte namentlich dadurch, daß sie keinen Arzt zu Hilfe gerufen, wenn sie schwanger gelvescn wäre, durch ihr Ber- halten vor und nach der angeblichen Entbindung diese Pflichten doch in ungewöhnlicher Weise verletzt. Ich kann nicht den Beweis liefen:, daß die Frau Gräfin nicht geboren hat, aber ick) kann nicht annehmen, daß gerade in diesem Fall eine Reihe von besonderen Umständen zusammen getroffen sein sollte, die eine Entbindung nach Schema 1' für wahrscheinlich erscheinen ließen. Ich glaube daher nicht, daß die Gräfin 1896 schwanger war und im Jahre 1897 geboren hat. Es folgt dann das Gutachten des Gynäkologen Professor Dr. Freund(Straßburg i. Elf.): Für ihn, der seit 49 Jahren mit diesen Dingen zu thun habe, sei das von den beteiligten Per- fönen, der Amme zc. gesehene und beschriebene Kind ein neu- geborenes. Denn zwei Frauen haben den Nabel des Kindes und in der Wäsche das Kindspech gesehen. Dies sei das, was er auf Grund der Thatsachen vorzutragen habe und enthatte sich aller weiteren Bemerkungen, da er auch nicht mit einer Fußspitze die Basis des' medizinischen Gutachtens über- schreiten»wolle. Medizinisch sei nichts Positives vorzubringen gegen die Schwangerschaft oder gegen die Geburt. Auf Vermutungen wolle er sich nicht einlassen und könne sich nicht dazu beauemen. wie sein Kollege Dührßen zu sagen: ich glaube nicht, daß die Gräfin schwanger war. Nach einer thatsächlichen Berichtigung des Staatsanwalts Dr. Müller tritt Prof. Dr. Dührßen einigen medizinischen und thatsächlichen Angaben des Prof. Dr. Freund entgegen, wobei er u. a. erwähnt, daß dieser früher Direktor der Straßburger Klinik gewesen ist. Iustizrat W r o n k e r ivünscht vom Professor Dr. Freund zu wissen, ob nach seinen Erfahrungen Frauen in gesegneten Um- ständen immer geneigt sind, die Anordnungen der Hebammen oder Aerzte gewissenhaft zu befolgen.— Prof. Dr. Freund: Nein, das thun nur die wenigsten! In der weiteren medizinischen Diskussion bestreitet unter anderm Prof. Dr. Freund die Hyvochese des Prof. Dr. Dührsscn, daß es möglich sei, Zum Zwecke der Täuschung einem Kinde mit Heftpflaster und dergleichen einen Nabelschnurrest anzukleben, ohne daß es eine nicht gerade zu dumme Amme merken sollte.— Professor Dr. Duhr s s e n erklärr, daß er selbst einen gelungenen Persuch gemacht habe. Gerichtsarzt Dr. S t ö r m c r: Nicht richtig sei es, daß man ein neugeborenes Kind sofort von einem mehrwöchigen Kinde unter- scheiden könne und er bestreite dem Prälat Dr. v. Jazdzcwski in dieser Beziehung die genügende Sachkenntnis. Er bestreite ferner, daß der katholische Priester durch das Auflegen der Hände bei der Taufe ein besseres Indizium für Beurteilung des Alters von Kindern besitze, als die Aerzte. Zweifellos sei die Frau Gräfin eine impulsive und eigensinnige Frau. Er halte es für denkbar, daß die Frau aus Eigensinn und Trotz den Agnaten gegenüber sich nicht habe unter- suchen lassen und sich sagte: ich will den letzten Trumpf ausspielen. ich fahre einfach nach Berlin und werde den Agnaten von dort ans den Standpunkt klar machen. Nie und nimmermehr aber könne er annehmen, daß eine solche Frau alle Argumente, die bei späteren Anzweiflungen für sie von größtem Werte sein muhten, beiseite schaffen sollte. Geisteskrank fei die Gräfin nicht; wenn sie die That begangen haben sollte, sei sie in vollem Umfange dafür verantwortlich. Hiermit wird um 5 Uhr die Verhandlung auf Donnerstag 9'/, Uhr vertagt. ». u. 5. IMner Rei(l)$tag$'3lal)lkrei$! Donnerstag, den 19. November, abends 8 Uhr: 3 Wätzler-Dersammlungen. Taqes-Ordnung: 1. Die Stadtverordneten- Wahlen und die Socialdemokratie. 2. Diskussion. Für den 5M. Kommunal-Wahlbezirk, die Stadtbezirke und b, 175a bis 178.' Reserenten: die Genossen Stadtverordneter ZZr. Z. �dedsberg und Buchbinder s». Lebneider. Für den 35. Kommunal-Wahlbezirk, die Stadtbezirke 1kl, 179a bis 181 d, Referenten: die Genossen Stadtverordneten Jorgtnstm und Iruns. 244/12 Für den 38. Kommunal-Wahlbezirk, die Stadtbezirke 183, 183 und 19k bis 399. Referenten: die Genossen Reichstags-Abgeordneter g. Schmidt u. Cigarrenhändler TtatlZ Kotzhe. Um zahlreiches Erscheinen ersuchen__ Die Vertrauensleute. veutlcher Ifietallarbeitemrband. Verwaltungsstelle Berlin. Boreaa: Engel-Üfer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher Amt IV, 3353. Donnerstag, den 19. November 1993, abends 8V2 Uhr: Konferenz der gesamten Vertrauensleute der Venoaltungsstelte Sedin in den„Andreas-Festsälen", Andreasstraße 21. Ohne Mitgliedsbuch und starte kein Zutritt. Sonntag, den 33. November 1993, vormittags 19 Uhr: Leneral-veksammlung der Vcrwaltungsftclle Berlin im Palast-Theater(Feenpalast), Burg- und Wolfgangstraßen- Ecke. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Diskussion. 3. An die Verwallung gelangte Anträge. IM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.-MC _ Zahlreichen Besuch erwartet__ 160/20_ Pie Ortsverwaltn ng._ 204/17 Charlottenburg. Donnerstag, den 19. Dovembrr, im Nolllshaufe, Datineußrade 3: Volks« Versammlung:. über: ,, Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Chst-8edvnederg Die kommende Stadtverordneten-Wahl". Ansprach- d» Kandidaten. 2. Freie Diskussion.— Gegner sind ganz besonders eingeladen.__ Ter tsjii berufet. Verein deutscher Schuhmacher. Sonntag, den 23. November, nachmittags 5 Uhr, bei Uicffcl, Stralauer str. 57: I1O/I6 Versammlung der Scbotearbeitcr. TageS-Ordnung: 1. Ausstellung von 74 Vertretern zur Jnnungs-Krankenkasse. 2. Aus- stellung von zwei Vorstandsmitglieder». Pie Ortsverwaltiinff. der Tischler-Innung. General-Versammlung der Vertreter d. Kassenmitglieder und der Jnnungsmitgliedcr am Donnerstag, 36. November, abends 71/., Uhr, im Gewerkschaftshause,(Sngel-Ufer 15. Tages- Ordnung: 1. Vorstandsbericht. 2. Ergänzungs- Ivahl zum Vorstand. In getrennter Wahl sind zu wählen: ein Znnungs- Mitglied und zwei kassenmitglieder aus die Dauer von drei Jahren, so- wie ein Kafsenmitglied auf die Dauer von einem Jahr. 3. Wahl von drei Revisoren zur Prüfung der Jahres- rcchnung pro 1903. 4. Aenderung der§§ 45 und 50 des Statuts. 0. Verschiedenes. 3272b Per Vorstand. Gemeitisame Orts- Krankenkasse für Mariemiort und Umgegend. Am 39. 9V, Uhr: d. Mts. vormittags 273/20 Ordentl. General-Versammlung im Restaurant Reichert in Marien- dors, Chausscestr. 16, zu der die Herren Delegierten hier- durch eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Wahl von zwei Arbeitgebern und vier Arbeitnehmern in den Vorstand. 2. Wahl dreier Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung. 3. Verschiedenes. Etwaige Anfragen oder Beschwerden zur Geschästssührung, zu denen die Einsichtnahme der Geschäftsbücher er- forderlich ist, find dem Vorstand sväte- stens drei Tage vorher jchrijtlich vor- zulegen. Mariendorf, den 16. November 1303. Per Vorstund. C. Schröder, 1. Vorsitzender._ Das beste letall-IPutzmittel b ist und bleibt 3948L* Amor Metall-Putz-Glanz.| üeberall zu haben in Dosen a 10 Pf.| Achtung aut Schutzmarke„Amor". I-nbszynshl A Co., Berlin. General-Versammlung der Orts-Kranhenkaffe b.SdjlolTfrn. vtw.Gemrbe am Donnerstag, den 26. November d.J., abends S Uhr, imDreSdener Garten, Dre§denerstr.45. Tages-Ordnung: 1. In getrennter Versammlung Ersatzwahl der statutenmäßig aus- scheidenden Vorstandsmitglieder: a) griieilgeher. Es scheiden aus aus Grund des Kassenstawts die Herren Kiister und Jahnle. Es sind daher zu wählen zwei Arbeitgeber als Vorstands Mitglieder aus zwei Jahre. b) Arbeitnehmer. Es scheiden aus aus Grund des Kassenstatuts die Herren lliiehner, May, Spalke und Strehl. ES sind daher zu wählen vier Arbeit- nchmer als Vorftandsmit gliedcr aus die Dauer von zwei Jahren. N. Räch beendigter Wahl in gemeinschaftlicher Versammlung: 1. Wahl des Ausschusses für die Prü sung der Rechnungen des lausenden Jahres, und zwar ein Arbeitgeber und zwei Arbeitnehmer(SS 46 und 49 Nr. 4 des Kasscnftatuis). 2. Statuten-Berändcrungen: s 26, sowie des Zusatzes zu§ 26, achte Abänderung des Kasten- statuts vom 14. Mai 1302. 3. Verschiedenes. 32S3b Per Vorstnnd. P. Heinrich, Vorsitzender. EenlrnliittblillH dciltsihkr lUuiim (Zweigverein Berlin). Unsrcn Mitgliedern zur Mitteilung, daß am F r e i t a g, 20. November (Tag der Wahl der Abgeordneten zum preußischen Landtag) den ganzen Tag das Bureau geschlossen bleibt. Alle 4 Kollegen der VerbandSlcitung sind Wahlmänner und werden ihre Pflicht als solche erfüllen. 144/20 Pie Verbandsleltnng. I. A.: Wtlh. Fritzsch. WM- Unser Fernsprech- An- fchlus. ist jetzt Amt IV, 4093. Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme am Grabe meines geliebten Mannes, des Restauratcurs 3307b Otto Weiss, sage ich allen, insbesondere dem Wahl- verein, sowie allen Gästen, Freunden und Bekannten für die überreich großen Blumenspenden meinen vcr- bindlichsten Dank. Wtwe Henriette Weiss. Orts Krankenkasse der KUrfcbner nnd verwandten bewerbe zu Berlin. Ordentliche General-Versammlung der Delegierten am Sonntag, den 33. November, vorm. 10 Uhr, in der Brauerei Bötzow, Prenzlauer Allee Nr. 247. TageS-Ordnung: 1. Verlesung der Präsenzliste und des Protokolls. 2. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern (1 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer). Die Wahlen finden getrennt statt. 3. Wahl von drei Revisoren zur Prü- fung des Jahres-Abschluffes. 4. Erhöhung des Arzthonorars. 5. Antrag der tzilssarb eiterin aus Er- höhung des Gehalts. 6. Anstellung eines Hilfsarbeiters. 7. Aenderung der Verhaltungsregeln für erkrankte Kassenmitglieder. 8. Kassenangelegenheiten. Erscheinen sämtlicher Delegierten ist Ehrenpflicht. 279/1 Ter Borstand. I. A.: 9. Soidenkranz, Vorsitzender. Orts-Krankenkasse der Uadler u. Siebmacher zu Berlin. Sonnabend, 38.Nov., abds. SUHr. im Gewerkschastshauie, Engel-User 15, Saal VIII und Xa: Orb. 1. 3. Tages-Ordnung: Wahl des Borstandes(2 Arbeit- gebcr, 3 Arbeitnehmer). Verlesung der Protokolle. Wahl der Revisoren zur Prüfung der Rechnungen des lausenden Jahres. 4. Beschlußfassung über den Aerzte- vertrag für 1904. 5. Abänderung des§ 8 der Verhaltungsmaßregeln. 6. Verschiedenes. Die großjährigen Kassenmitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu er- scheinen. Das Mitgliedsbuch ist als Legitimation mitzubringen. 278/19 Berlin, im November 1303. Der Vorstand. Rod. Schmidt, Vorsitzender. Für Manrer- «nb Zimmerpoliere. Günstige Gelegenheit! Baureife Baustellen mit kleiner An- zahlung, hohem Baugeld und festen Hypotheken.— Auskunft 9—10 auch Sonntags. 3289b Terrain-«. Finanz-Bureau Wilmersdorserstr. 107, I rechts. 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Abtellnng I umsaßt alle Kasten Mitglieder, die in Betrieben arbeiten, welche im Süden und Südosten Berlins gelegen sind, sowie alle frei willigen Mitglieder(§K 5 und 9 des Statuts), welche im süden und Süd- osten Berlins und in den Vororten Treptow, Baumschulenweg. Nieder Schöneweide, Johannisthal, Adlershos, Grünau, Köpenick. Rixdors und Britz ihre Wohnung haben. In dieser Abteilung find 75 Vor- treter zu wählen. Das Wahllokal befindet sich bei Granmann, Naunynftr. 37. Abteilung II umsaßt alle Kassenmitglieder, die in Betrieben arbeiten, welche im Besten, Süd- Westen und Centrum Berlins gelegen sind, sowie alle freiwilligen Mitglieder, welche im Westen, Südwesten nnd Cenlrum Berlins und in den Vor- orten Tempelhos, Mariendors, schöne- berg, Friedenau, Steglitz, Zehlendors, Lichterselde, Wilmersdorf, Schmargen- darf und Halensee ihre Wohnung haben, In dieser Abteilung sind 134 Ber- tretet zu wählen. Das Wahllokal befindet sich in den „Arminhatten", Komman- dantenstr. Ä9. Abteilung III ullisaßt alle Kassenmitglieder, die in Betrieben arbeiten, welche im Norden und Nord- Westen Berlins gelegen sind, sowie alle freiwilligen Mitglieder, welche im Norden und Nordwesten Berlins und in den Vororten Charlottenburg, Spandau, Tegel, Reinickendorf, Schön- holz, Pankow, Nieder-Schönhausen und Französisch-Buchholz ihre Woh- nung haben, In dieser Abteilung sind 99 Ber- tretet zu wählen. Das Wahllokal befindet sich bei Carl Maschke(Weddingpark), Mütterstr. 178. Abteilung IV umfaßt alle Kassenmitglieder, die in Betrieben arbeiten, welche im Osten und Nord- osten Berlins gelegen sind, sowie alle freiwilligen Mitgiieber, weiche im Osten und Nordosten Berlins und in den Vororten Weißensee, Heiners- dors, Hohen-Schönhaujen, Lichtenberg- Friedrichsberg, Friedrichsseide. Box- Hagen, Rummelsburg, Stralau, Karlshorst, Ober-Schöneweide und Friedrichshagen ihre Wohnung haben. In dieser Abteilung sind 99 Ver- treter zu wählen. Das Wahllokal befindet sich bei Brochnow, Weberstr. 17. Die Wahl beginnt in allen Abteilungen um 9 Uhr vormittags und wird um 12 Uhr mittags geschlossen, Wahlberechtigt und wählbar sind männliche und iveibliche Mitglieder, ivelche großjährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Zur Legitimation dient das Mitgliedsbuch und werden die Arbeitgeber gebeten, dasselbe mit ihrem Firmenstempel zu versehen und den Mitgliedern behufs Teil- nähme an der Wahl auszuhändigen. Die Arbeitgeber wählen in ungeteilter Wahloersammlung 197 Vertreter. Die Wahl dersewen findet statt am Donnerstag, d. 26. November 1903, abends von 6—9 Uhr, im Kassenlokal, Nene Friedrichstr. 9/10, Wahlberechtigt sind alle Arbeit- geber, welche für die bei ihnen be- schästigten Personen Beiträge aus eignen Mitteln zu obengenannter Kaste zahlen. Jeder Arbeitgeber führt bei der Wahl eine Stimme. Zu Vertretern können auch Geschäfts- führer und Betriebsbeamte gewählt werden, Für die Form und Leitung der Wahlen sind die Bestimmungen des Statuts(K 38 Absatz 3—8) matzgebend. 278/18 Berlin, den 18. Noventber 1903. Per Vorstand. Gustav Wolter, Vorsitzender. Zalm-KIB.""-/K''»'»' Olga Jacobson, Mra«1�«. SoeialßemokratisEheF Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 16. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Schlosser 4nliu8 Maertens Beustelstr. 65. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. d.Mts., nach- mittags 3>/zUhr, vomKrankenhaus Moabit(Eingang Birkenstraße) aus nach dem Heilands-Kirchhos in Plötzensee statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 243/13 Per Vorstund. Deutsches Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Roaenthaleratr. 27/29 u. 54.— Oranlenatr. 92/55 Donnerstag, Freitag, Sonnabend soweit der Vorrat reicht: H e rr e n h e m d enSÄn� Mk Nachfjacken ÄL Besatz 1.45 Mk. Nachfjacken �tlcLrei-voiant 2.85 Mk, Nacbtjacken muumÄWen I90 Mk. Nachtjacken Barchent, mit Stickerei 2.40 Mk. Nachfheroden gÄS.zs, gLbaunt3.4o Nachtheroden S'cSlfÄn. 3.75 Mk. Stickerei-Röcke 2.90, Sss, 4.30Mk, Spitzen-Röcke mk, 6.75«k. J}ett"Wäsche Deckbetfbezüge?££oo s�a 3 75 21;. 4 so Kissenbezüge Äeccm» Iis« I.35 Damast-Garnitur und1 2°�" 8 Mk. Schürzen Weisse Tändelschürzen s«ckfSS8er SOpl Weisse Tändelschürzen E�-Ssat 75pf. Organdy- Schürzen mit spitze 85 pf. BatiStSCbÜrZ6n gestreift, mit Stickerei 1.1 5 Mk. Tänd6lSChÜrZ6n einfarbig, bekurbelt 53 Pf Wirfschaffsschürzen voiahnthem 90p#. Wirf schaffsschürzenMadras 1. 1 0. Snl-so Wirfschaffsschürzen bekurcbheshbänd- 1.20Mk. Wirfschaffsschürzen 95 pf. GinghamSChÜrZen extra schwer 1.65 Mk. 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Nachdruck verboien. .»»in.an aeo 1222 822 ßOOOJ 65 6060 86 109 15001 33 201 38 383 410 10001 835 934 63 6245 447 633 751 02 110001 7061 45 202 67 380 84[10001 423 740 828 30 962 8227 130001 5001 57 609 30 823 9012 400 517 31 796 931 78 10006 44 110001 116 73 271 313 624 48 625 768 967 93 11044 194 299 374 433 669 731 63 11000]»69 12346 599 614 62 770 856 1 3145 50 71 265 481 690 757 815 35 1 4064 139 728 1500] 813 13000] 83 928 41 47 60 90 15004 9 15001 37 229 30 451 76 560 61 636 15001 38 706 914 43 86 1 6230 55 324 1 10001 45 1 1000] 63 477 500 776 1 30001 84 1 10001 938 39 11000] 17020 110001 62 166[BÖ OOOl»07 13000) 411 38 89 669 803 89 90 997 1 8127 285 487 670 865 15001 93 018 33 19254 600 972 74[30001 20068 15001 541 1500) 602.39 87 748 950 fdOOl 66 2 1028 73 347 88 811 22124 77 130001 257 64 365 96 448 58 513 77 16001 609 717[1000] 23108 22 30 91 258 427 804 62 11000) 966 86 2 4293.311 469 521 02 708 72 854 2 5 067 132 43 209 46 540 715 73 889 92 931 43 26187 212 14 76 79 321 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Meine alten Säle sind nach am Sonnabend. den 2k. und Sonntag, den 27. ÄHörz 1904, an Vereine jn vergeben. Iffax Kllem. * Männer-Vortrag Freitag, den 20. November, abends 8'/, Uhr, Koinmaudautenftraste 20 4. Die Degeneration und Männerleiden, etfläri an großen neuen Lichtbildern v. prall. Nawrhellk. Graadn»»na. Eintritt ncbsi Vroschüre 20 Pf. 3355b Raturheilv. Aeform, Kuranstalt tpopnickerstr. 72. Sprech jt. 11-2, 6-8. Dr. Simmel, �nzS1; Gpecialarzt für[35/16* Haiit- and Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12 2—4. Herren-Moden . Aussührung, geringe TeU j i zahtuua. j| l iJ.MeriJeuEKöniptr.illl,!! 1 direkt am Alexanderplatz. OGt» »pjjt Jfaatlicli l 6UII.- 10 Mark- liefere Anzüge Paletot» nach Mast. Per Kasse auch bMaste Preise. J. Totnporowski. 9. Ziehung 5. Klasse*09. Kgl. Preith. Lotterie. «iehuiia vom 17. November 1903, nachmittags. N« die G-Dimte über 240 Sit stnd den detretieude» Nnmmeru in tltommcrn betzelüni. (Ohre Bewal/r.)»tachdrnck verbale» 150 258 311 44«70 562 663[ 1000] 889 984 1 067 142 358 1 5oOJ 480 95 618 UOCOj 7l4»08 2160 297 314 19 405 995[ 5001 11»183 246 73 333 16e0i 79 1500) 433 501 14 53 613'1000 i 22 723 803 926 4007 110001 64 108 67 225 435 52 15001 80 llOOO) 6X8 55 642 83a 883 130001 8016 20 65 137il0odl 240 65 110001 TS 79 381 500 730 32 00 893 932 6152 351 15001 u24[500150 391 719 826 37 7118 72 577 96 614 748[1000 831 8148 215 383 143 02 90 624 57 709 006 61 8033 242 012 7''7 39 831 996 ■ 1O00S 91 112 251 321[500] 672 786 11037 Iis 325 430 59 93 657 880 991[SO»] 12034 104 58.133 67 69 586 769 72 801 U 95 13012 45 87 106 261 1 1090] 449 06g 983 1 4202 488 572 1 5046 83 315 89 447 581 981 15001 16116 88 427 13U00] 686 955[10601 17020 77 381[10001 426[5001 45 64 657 75 658 71 843 86 803 15001 9 31 18050 120 75 283[3001 303 UOOOi 566 037 81 39 722 76 83[5001 829 19056 66 211 31 66 39a 440 851 67 92 985 2C099 234 13000] 401 69 797 909 43 45 52 2 1007 43 88 236 333 75 562 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Nach einer eingehenden Besprechung der Polenpolitik der preußischen Regierung— Polizei, Schule, Justiz, Versammlungswesen— wies der Referent auf die Schärfe der Urteile hin, die in den letzten Prozessen von Bromberg und Laurahütte gefällt wurden. Man sei in polnischen Kreisen geneigt gewesen, die Schärfe des Urteils im Laurahütter Prozeß ausschließlich auf die nationalen Gegensätze zurückzuführen. Das sei verkehrt. Man brauche nur das Löbtauer Zuchthausurteil gegen deutsche Arbeiter zum Vergleich heranzuziehen, um zu erklären, daß die herrschenden Klassen gegensätze bei diesen Fragen eine wesentliche Rolle spielen. Andrerseits müsse man betonen, daß z. B. ein socialdemokratisches polnisches Wahlflugblatt, das in zahlreichen deutschen Städten un- beanstandet verbreitet worden ist, unsrem Genossen Dylong in Ober- schlesien l'/z Jahre Gefängnis eingebracht hat, die dann allerdings bei wiederholter Verhandlung auf neun Monate herabgesetzt wurden. Das polnische Parteiblatt„GazetaRobotnicza" habe, so lange eS in Berlin herausgegeben wurde, sehr wenig Prozesse gehabt. Seit 2>/z Jahren sei es m Kattowitz(Oberschlesien) und habe bis jetzt etwa 80 Monate Straf- und Untersuchungshaft zu verzeichnen. Der Wreschener Schulprozeß gebe in dieser Beziehung auch sehr viel zu denken. Man lverde ganz stutzig, wenn man die Urteile in Laurahlltte und die gegen die polnisch-socialistischen Redak- teure mit dem Urteil gegen Hüssener vergleiche. Es sei völlig verlehrt, in dem preußischen Regierungssystem den alleinigen Feind des polnischen Volkes zu sehen. Das ganze System sei nur ein Bruchstück der kapitalistischen Herrschast, die von den polnischen besitzenden Klassen— wo sie die Macht dazu haben— ebenso ausgeübt werde, wie von den Kapitalisten eines jeden andren Volks. Die vielgepriesene„Solidarität aller Klassen", die dem polnischen Arbeiter als Vorbedingung der Abwehr gegen die Germanisationspolitik aufgedrungen werde, sei eitles Geschwätz! Man brauche nur zu den polnischen Meistern nach Posen zu gehen und werde schon da sehen, daß sie trotz ihres Patriotismus „ihre" polnischen Arbeiter ebenso schamlos ausbeuten, wie die Nicht- Polen. Man gehe auf die Güter der polnischen Großgrundbesitzer in Posen und überzeuge sich da, wie solidarisch sie sich mit„ihren Leuten" fühlen! Schamlose Ausbeutung, überlange Arbeitszeit elende Wohnungen, feudale Behandlung! Wo die Arbeiter au die herrliche„Solidarität" glauben— da lassen sie auch die schlimmste Ausbeutung der patriotischen Herren über sich ergehen. Eine nationale Politik, welche nicht dafür sorgt, daß der Arbeiter auskömmlich Lohn, gute Wohnung, kurze Arbeitszeit, Selbst- bewußtsein und Würde sich aneignet, ist eine eitle Phrase. Davon ausgehend ist es ganz erklärlich, daß die polnischen Junker aus der polnischen Fraktion mit ihren preußischen Klassengenosscn— die zugleich die wütendsten Hakatisten sind— in allen wichtigen polnischen und wirtschaftlichen Fragen(Zolltarif, indirekte Steuern, Liebesgaben uslv.) Hand in Hand gehen. Den polnischen Junkern und ihren Helfern, die durch ihre wirtschaftliche Ausbeutung und poliftsche Bevormundung Hunderttausende von energischen polnischen Arbeitern aus dem Lande in die Fremde, ja selbst hinter den Ocean treiben, steht es schlecht an, patriotische Phrasen im preußischen Landtag zu deklamieren. Wann hat denn die preußische Regierung unser» Wünschen nachgegeben? 18481 In den Zeiten der Re- Volution! Da versprach man uns die nationale Reorganisation Posen?, da wurde regierungsseitig anerkannt, daß die Justiz, die Verwaltung und die Schule in den polnischen Landes- teilen von Polen geleitet werden müssen, die sich mit dem Volke verständigen können. Die Wandlung der preußischen Polenpolitik von damals bis heute geht aber Hand in Hand nnt der Wandlung der bürgerlichen national-polnischen Bewegung. Das Geschlecht der polnischen Revolutionäre ist ausgestorben. In der bürgerlichen Gesellschaft hat es keine Erben. Die heutige bürgerliche national-polnische Bewegung ist klerikal, sie hat sich mit dem Todfeind jedes fteiheitlichen Gedankens— dem Klerikalismus— verbrüdert. Mit der Betonung, daß die Social- demokratie als Todfeindin der heutigen Gesellschafts- und Staats- ordnung den Kampf führt für die Befreiung des arbeitenden Volkes von der Ausbeutung und Unterdrückung jeglicher Art— also auch der nationalen Unterdrückung— schloß der Redner, indem er auf das Dichterwort Slowackis hinwies, ein Wort, das— in der Dichtung aus dem Munde des Papstes gefallen— am besten die Stellung des P a p st t u m s zu den Freiheitskämpfen der Polen darlegt:„Laßt die Polen beten, den Zaren verehren und glauben!"— In der Diskussion bestritt Herr Kowalski, daß ein Papst jemals gegen die polnischen Freiheitskämpfer aufgetreten wäre. Unter stürmischem Beifall der erdrückenden Mehrheit der Versammlung erörterte dann Gen. Haase in seinem Schlußwort die Stellung des Papstwms zu der russischen und der deutschen Regierung und die dieser Stellung entsprechende Politik der Erzbischöse und Kardinäle in Warschau, Breslau und Posen. Der demonstrative Beifall, der gerade nach diesem Schlußwort so stürmisch hervor- brach, war um so bemerkenswerter, als die Anwesenden— mit wenigen Ausnahmen— keine Socialdemokraten waren und zu einem großen Teil fast unmittelbar aus der katholischen Kirche in die Versammlung kamen. Schließlich wurde eine Resolution vorgelegt, durch welche die Anwesenden sich verpflichteten, für die„Grundsätze der polnisch- socialistischen Partei" zu wirken. Herr Kowalski stellte den Antrag, dafür zu setzen:„für die national- polnischen Grundsätze". Die socialdemokratische Resolution wurde gegen etwa 15 Stimmen angenommen. Die Dekateure hielten am 11. d. Mts. eine außerordentliche Generalversammlung ab, in der Letzten über die Aussperrung bei der Firma Ad. Mühlberg berichtete. Er führte aus: Die Aus- sperrung käme nicht überraschend, sondern sei das Machwerk einzelner Kollegen, welche sich die Unzuftiedenheit des Chefs, welche sich ja in jeder stillen Zeit den Werkstellenarbeitern besonders fühlbar mache, zu nutze machten, um dabei im Trüben zu fischen. Was seine Maßregelung betreffe, so wisse er wohl, daß er nicht bloß Herrn Lehmann, sondern noch mehreren Herren ein Dorn im Auge sei. Die Motivierung der Entlastung: er habe nicht genug geleistet — obgleich er 14 Jahre an derselben Stelle gut genug war, sich krank zu schindern— ist ebenso hinfällig wie die zu der Entlassung des Vorsitzenden, er habe daran Schuld, daß nicht mehr geleistet wurde. Nachdem sämtliche Werkstellenarbeiter gegen die Entlassungen Ein- spruch erhoben hatten, wurde ihnen die Mitteilung, daß auch für sie, wenn sie sich nicht fügen wollten, schon Ersatz da sei; jedoch hätten sie Zeit, sich bis Montag, den 9. d. M., ftüh 3 Uhr, zu be- sinnen. Bis dahin blieben ihre Stellen offen. Da die beiden Ent- lassenen die Situation als ftir die Arbeiter nicht sehr rosig erkannten, verzichteten sie auf ihre Wiedereinstellung in der Meinung, daß die Angelegenheit nun erledigt sei und ihre Kollegen ihre Plätze wieder einnehmen könnten. Aber die Sache kam anders. Als dre Arbeiter dem Herrn Lehmann mitteilen ließen(und zwar nicht um 8 Uhr, sondern ichon>/,, Stunde früher), daß Bartschat und Letzten ans ihre Wiedereinstellung verzichteten und sie, wie am Sonnabend vereinbart, die Arbeit wieder aufnehmen wollten, wurde ihnen die Erklärung, daß drei von ihnen wieder arbeiten könnten, für die andren wäre bereits Ersatz da. Die drei Erwählten gingen mit ihren Kollegen und sämtliche Werkstellenarbeiter beschlossen, zusammenzuhalten und die Arbeit vorläufig nicht aufzunehmen. Die Situation wäre eine sehr günstige, wenn sich nicht mehrere der auch- organisierten Autzenarbeiter um Arbeitswillige bemühen und sich nicht selbst als solche hingeben würden.— Die Diskussion ivar eine sehr lebhafte und bestätigte das im Referat Mitgeteilte. Es wurde nachstehende von Hallmann eingebrachte Resolutton angenommen:„Die am 11. November d. I. im Gewerkschaftshause tagende außerordentliche Generalversammlung der Filiale Berlin HI des Deutschen Textilarbeiter-Verbandcs ist nnt den Maßnahmen des Vorstandes in Sachen der Aussperrung bei der Firma Ad. Mühlberg einverstanden und erkennt die Sperre als zu Recht verhängt an. Sie bedauert, daß durch die Machinationen einiger Arbeiter, die sogar auch organisiert sind, die Interessen der Arbeiterschaft mit Füßen getreten werden." Der Vorsitzende forderte die Mitglieder dann noch auf, ehrlich, treu und einig zusammenzustehen und ja nicht zu glauben, daß die Organisatton auf dem Spiele stehe, wie die Gegner glauben machen möchten. Die Bauanschlägrr hielten am Sonntag im Gewerkschaftshause eine außerordentliche Generalversammlung ab, um die infolge ihres Uebertritts zum Metallarbeiter- Verband notwendig gewordenen Abschlußgeschäfte des Vereins zu erledigen. Nachdem Leuenberg einen summarischen Bericht über die Thätigkeit des Vereins und des Vorstandes während dieses Jahres gegeben hatte, verlas Donath die Arbeitslosenstatistik für die Monate Januar bis November. Von den ca. 6lX> Mitgliedern waren als arbeitslos gemeldet: im Januar 89, Februar 65, März 101, April 74, Mai 54, Juni 85, Juli 75, August 40, September 32, Oktober und November keine. Davon erhielten Arbeit: im Januar 47, Februar 73, März 81, April 104, Mai 61, Juni 65, Juli 89, August 51, September 3 t. Während der beiden letzten Monate wurden mehr Arbeiter verlangt, als vorhanden waren. Die Dauer der Arbeitslosigkeit erstreckte ßich für die einzelnen Beschäftigungslosen meistens auf ein bis zwei Wollten, seltener auf drei und mehr Wochen. Insgesamt versäumten die Arb ttts- losen 3929 Arbeitstage oder durchschnittlich 6>/z Tage pro Mann.— Den Kassenbericht seit Januar erstattete P l i c t. Vereinnahmt sind 5501,70 M., verausgabt 1353,71 M. Der Gesamtbestand b eträgt 7894,63 M. Zur Unterstützung andrer Gewerkschaften wurden ver- wandt 475 M. Alls Antrag der Revisoren wurde dem K-rssierer Decharge erteilt. Bezüglich der Verwendung des Vereins- Vermögens gelangte folgender Antrag des Vorstandes zur A n n. a h m e: Nachdem in einer Versammlung vom 6. September d. I. o-er An- schluß an den Metallarbeiter-Verband beschlossen wurde, so b eantragt der Vorstand in der heuttgen Generalversammlung wie na«chstehend zu beschließen: 2000 M. für Sterbe- Unterst ützung der mit übertretenden Mitglieder ber köranch'e zu belassen und 5800 Mark nebst Utensilien dem Metallarbeiter-Verband z» überweisen.— Be- schloffen wurde ferner noch, den Verein noch so lange bestehen zu lassen, bis die Angliederung an den Metallarbeiter-Ve rband auch formell perfett geworden ist, was in den nächsten Tagen zu erwarten steht; alsdann wll die Auflösung alksgesprochen werden,. Winter- Paletots Winter-Paletots«Ä" 8«.» Vornehme, wohlfeile Mass-Anfertigung Unvergleichliches Sortiment■ 18, 15, 14, 13, 12, II. 10, 9, 4 M. 8, 7. 6, 5, � alle Arten Piqueestoße« 6, 5. 4. 3,50, 3, 2,25 I M. 75 2,25 1 Neneste Fat�ons und Stoffe 14. 10, 8, 6, 4, Mm M. Knaben-Mäntel Neueste Modelle und Muster 15. 12. 9. 6. 4 M. Winter-Joppen 4».» Pelz-Joppen äsää 18 m. 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