Kr.S7l. » BbonnemtnfS'Bfdtngungen: Abonnement?- Preis pränumerando! »ierteljährl. 330 Mk., monatl. 1,10 2Rt„ wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. ilbonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post< ZeiwngS. Preisliste für 1003 unter Nr. 8303. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn z Marl, für daS übrige Ausland L Marl pro Monat. CrfdltlBt täglich außer moutaas. £0* Iahrg« Die Tnfertlons'GebQbr beträgt für die fcchsgespaltcnc Kolonel- zcile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gelvcrlschaftlichc BereinS- und Bersammlungs-Anzeigen 20 Psg. „Kleine»nreigen" jedes Wort ö Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Soim- und Festtagen bis 8 Uhr vornntttags geöffnet. Vevlinev VolksblÄtk. rclegramm> Aorcsse: „SocialdemoKrat Btrliu" Centralorgem der socialdemokratischen Uartei DeutMlands. Keäak�ion: 831. 68» Lindcnstrasse 69. Kernfprccher: Amt IT. Nr. 1983. Expedition: 831. 68, Lindenstraosc 69. tScniUJvedicr: Nint IT, Nr.>984. Reaktionäre Utopien. Zu bcn Begriffen, mit denen trotz der gemeinhin über sie herrschenden Unklarheit der gröbste Unfug getrieben zu werden pflegt, gehört nicht in letzter Linie das Schlagwort„Mittel- standspolitik". Als ein bequemes Agitationsmittel gegen die Socialdcmokratie, die es von jeher verschmäht hat, sich Wünsche und Strömungen zu nutze zu machen, die unter den heutigen Wirtschaftsvcrhältnissen keinerlei Aussicht auf Ver- wirklichung besitzen, ist jenes Schlagwort zum gemeinsamen Feldgeschrei der konservativen und klerikalen Reaktion ge- morden. Schon das bloße Wort schließt eine Täuschung in sich. Eine einheitliche Mittclstandspolitik ist heute s o wenig denkbar als es einen einheitlichen Mittelstand giebt. Neben den alten Mittel- schichten der Handwerker, Bauern und sonstigen kleinen Gewerbetreibenden bringt die ökonomische Entwicklung neue Mittelschichten herauf, die sich vorwiegend aus Angestellten der privaten und staatlichen Großbetriebe zusammensetzen und je nach Besoldung und„socialer Stellung"' entiveder die Interessen des Kapitals vertreten oder mit dem Proleta. iat gemeinsame Sache machen; das letztere um so eher, als kein unmittelbares Interesse sie an die Aufrcchterhaltung der gegenwärtigen Gesellschaftsgrundlage, des Privateigentums an den Produktionsmitteln bindet. Mit diesen neuen Mittelschichten hat es die Reaktion nicht zu thun. Sie wendet sich, abgesehen von einiger Scheinfürsorge für die Beamten, ausschließlich an die alten Mittelstände der Handwerker und Bauern, deren Opposition gegen die sie ruinierende kapitalistische Gesellschaft sich noch nicht zu socialistischer Erkenntnis durchgerungen hat, sich vielmehr in den: Streben nach einer unmöglichen Wirt- schaftlichcn Rückwärtserci Luft macht. Sofern unsre Mittelstandsretter noch nicht zu bloßen politischen Klopffechtern herabgesunken sind, werden sie zu- IediA. yfu eine Besserung in der Lage der alten Mittel- schichten nur möglich wäre, wenn diese wirksam vor der Uebcr- macht des Kapitals geschützt werden könnten. Zu den weitest gehenden in dieser Richtung gehört z. B. der Socialpolitiker des Eentrums Hitze. So findet er den Inhalt des Schlagivortcs „obligatorische Innung" weniger in der Ordnung des Lehrlings- und Gesellcnwcscns und der„Sicherheit der notwendigen Im- tiatioe für gemeinsame Einrichtungen" als iin Schutz des Handiverkers gegen das Kapital. Dies letztere ist ihm die Vorfrage fiir alles, ohne deren Erledigung das Handwerk von selbst aufhört und alles weitere überflüssig ivird.„Das Äunsthandwerk und die Flickarbeit bleiben aller- divgs immer bestehen", sagt er,„aber die Masse des historischen Hllndwerkerstandcs verschwindet in der Expropriation durch das Kapital. Die obligatorische Innung allein thut es also nicht und cL ist ganz verkehrt, das Handwerk zu binden, die kouktlrrierende Großindustrie aber freizulassen, jenes auf ge- lernte, also teurere Arbeiter anzuweisen und dieser den Bezug ihrer Arbeitskräfte von der Straße weg zu erlauben".„Der Handwerkerstand selbst hat das erste Anrecht auf die Be- uutzung der Maschine und die Maschine soll in den Dienst der Arbeit, nicht des Kapitals gestellt werden; der in Innungen organisierte Handwerkerstand wird die Ge- fahren der Maschine und Arbeitsteilung zu überwinden wissen und die Maschine wirklich in den Dienst der Gemeinschaft stellen, während sie heute in der Hand des Kapitals die Gesellschaft tyrannisiert, der Ausbeutung einzelner preisgiebt".„Innerhalb unsrer nationalen Gesellschaft halten wir im großen und ganzen an der Bannmeile des Mittel- alters für das Handwerk fest und glauben, daß die Hand- werkcr einer Stadt auch das erste Anrecht auf die Kundschaft der Bewohner dieser Stadt haben." Dies wird erreicht,„wenn der Verkauf den Produzenten selbst in die Hand gelegt ist", d. h. die Innung erhält das Monopol des Magazinverkaufs für jede Stadt. Des weiteren werden die jetzigen privat- kapitalistischen Magazine abgelöst und durch den„genossen- schastlichen und Jnnungs-Socialismus" ersetzt, worunter Hitze nicht völlige Aufhebung der eignen Werkstätte, sondern nur ihre Ergänzung durch eine Werkstatt der Innung versteht. Dieses Beispiel ist für unsre MittelstandStheorcfiker charakteristisch. Wir brauchen diese sonderbare Sorte von Socialismus" nicht näher zu kritisieren; es liegt auf der Hand, daß der Gesellschaft nicht gedient sein kann mit einer bloßen Erweiterung des privatkapitalistischen Systems zu einem genossenschaftlich kapitalistischen, das dem Produzenten noch obendrein das alleinige Marktprivileg verleiht. Immerhin ist die klar ausgesprochene Erkenntnis kennzeichnend, daß den Mittelschichten nur geholfen werden könnte, wenn die Vor- Herrschaft des Privatkapitals sich brechen ließe. Da dies aber aus technischen, ökonomischen und politischen Gründen eine Un- Möglichkeit, so ist mit dieser Thatsache allein das Urteil über die sogenannte Mittelstandsrettung vom theoretischen Standpunkte aus gesprochen, die ganze Aktion von vornherein auf eine Wirt- schaftlich unfruchtbare politische Agitation beschränkt. Wie wenig ' henden der Eindämmung des großstädtischen Baüschwindels entgegengesetzt hat, nicht nur der Umstand, daß die Regierungen der Forde- rung des dem Handwerk übrigens nur schädlichen Befähigungs- Nachweises in der Praxis nicht stattgegeben haben, das zeigt in erster Linie die Novelle zum Handelskammer-Gcsetz vom 19. August 1897, die an Stelle des bisher üblichen gleichen Wahlrechts zur Handelskammer ein Dreiklassen-Wahlrecht auf Grund der Gewerbesteuer einführte, eine Maßregel, die in den Handelskammern dem Großkapital zum vollen lieber- gewicht verhalf. Der Teil der Mittclstandspolitik, der nach der Meinung der Mittelstandstheorctikcr jene Verdrängung des Privat- kapitals unter Staatshilfe zu bewirken berufen sein soll und dem man noch am sympathischesten gegenüberstehen kann, ist das Genossenschaftswesen. Der Preußische Staat giebt sich in der That alle Mühe, durch besondere Jnstruktoren, Wanderredner, Lehrkurse, pekuniäre Beihilfen usw. für das Genossenschaftswesen zu wirken. Die neueste Denkschrift über den Stand der Gewerbe- förderung in Preußen läßt jedoch erkennen, daß die Be- strebungen auf diesem Gebiet, wenigstens soweit das Hand- werk in Betracht kommt, kaum mehr als ein Fiasko zu ver- zeichnen haben. Eine besondere Förderung hat man sich u. a. von den Kreditgenossenschaften versprochen, insbesondere von den sogenannten Innungsbanken, deren jede, ursprünglich als das Finanzinstitut der vereinigten Innungen eines Ortes und seiner Nachbarschaft und in Verbindung mit der preußischen Central- Genossenschaftskasse gedacht. „vom Staat und wohlwollenden Privatpersonen durch billige Darlehen unterstützt", den Personalkredit in Handwerker- kreisen vermitteln sollte.„Auf diese Weise ist aber ein weiter- gehender Personalkredit ermöglicht, da die einzelnen Mit- glieder, welche stets in der Innung miteinander verkehren und in Fühlung stehen, sich gegenseitig kennen und beurteilen können, wie weit der einzelne durch seine persönlichen Eigen- schaften eine moralische Sicherheit bietet." Es liegt hier der gleiche Gedanke zu Grunde, der den sog. Raiffeiscn-Kassen eigen ist, die sich die Kreditvermittelung gleichfalls auf Grund persönlicher Bekanntschaft und Würdigkeit unter den Bauern zur Aufgabe gemacht haben und in manchen Teilen Deutsch- lands sich einer nicht unbeträchtlichen Verbreitung erfreuen. Das Jnnungsgesetz vom Jahre 1897 verfolgte die ausgesprochene Absicht, dem Handwerk in der Innung die für enossenschaftliche Bildungen aller Art erforderliche organi- atorische Unterlage zu bieten, insbesondere in den Hand- Werkskammern eine Einrichtung zu schaffen, die energisch auf die Förderung des Genossenschaftswesens hinarbeiten sollte. Die starke Tendenz, mit der die gesamte industrielle Eni- Wicklung bei uns auf die Großbetriebsforni hindrängt, machte es jedoch von vornherein gewiß, daß die ganz Aktion ein Schlag ins Wasser sein werde. Die Neberlegenheit des Kapitals, die sich gar nicht in einer Aenderung der Wirtschaft- lichen Technik auszudrücken braucht, gelangt gerade durch die bloße Summieruug und Organisation einzelner Handwerks- mäßiger Betriebe zum Zivecke des Massenabsatzes zu jenen eigentümlichen Formen des Großbetriebes, die den ehemals selbständigen Handwerksmeister zum Haus- industriellen oder Schwitzmeister, den ehemals selbst- ständigen Kleinbetrieb zur Filiale eines Großbetriebs herab- drücken. Im Gegensatze zur industriellen Entwicklung zeigt die Landwirtschaft nicht jene entschiedene Belvegung im Ver- hältnis der Betriebs- und Größenklassen zu einander, und diesem Umstände mag es mit zuzuschreiben sein, wenn das Genossenschaftswesen unter dem Bauernstände breiteren Boden gewonnen hat als im Handwerk. Nichtsdestoweniger nimmt auch hier die Abhängigkeit vom Kapital in rapidem Maße zu, wenn auch die Form der Enteignung eine andre ist als in Industrie und Handwerk.„Der Wert des Bodens", schreibt Pichlcr in seinem Schriftchcn„zur Agrarfrage der Gegen- wart". Ivird in Deutschland auf 50, mit dem Inventar auf 60— 70 Milliarden, die Verschuldung auf mindestens 20 Milliarden geschätzt. Nach der vom preußischen Land- wirtschaftsminister jüngst veröffentlichten Denkschrift hat„in den ländlichen Gebietsteilen Preußens" in den letzten neun Jahren(bis 1897) die Zunahme der eingetragenen Hypothckenschulden jährlich durchschnittlich 175 Millionen betragen". Nach einer Zusammenstellung von Prof. Conrad stieg der Betrag der ländlichen Hypothekenschulden in dem Jahrzehnt 1886— 1895 um 15<6 Millionen. Dazu nahmen von 1882— 1895 die Betriebe ohne Pachtland in Deutschland ab, die mit ausschließlich oder teiliveise ge- pachtctem Boden dagegen um über 360000 zu. Was also das Lohnsystem in der Industrie, das sind Pacht und Ver- schuldung in der Landwirtschaft. Die Ausbeutung durch das Kapital ist die gleiche, nur die Form der Ausbeutung ist ver- schieden, und das Genossenschaftswesen hat sich hier im großen und ganzen ebenso unvermögend erwiesen, dem Privatkapital ein Halt entgegenzusetzen, wie in Industrie und Handwerk. Als ein Stück Mittelstandspolitik versuchte trotz seiner großagrarischen Tendenz auch der Antrag Kunitz vom 7. April 1894 sich zu geben, wonach der Ein- und Verkauf aus- ländischen Getreides ausschließlich für Rechnung des Reiches erfolgen sollte. In dieselbe Kerbe schlugen die sogenannten Nqr.tzer Beschlüsse der Vertreter des rheinischen Bauernvereins. die in Erweiterung des Marktprivilcgs, das Hitze fiir die Hand- Werksinnung fordert, den erst noch zu bildenden landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften das Gctreidehandels- Monopol zuerkannt wissen wollten. Am krassesten aber trat die ganze Heuchelei der Mittelstandsretterei in dem Gesetze zu Tage, das angeblich den kleinen und mittleren Handels- betrieben aufhelfen sollte: in dem Gesetz gegen die Waren- Häuser vom 18. Juli 1900. Gerade der Niedergang des handwerksmäßigen Klein- betriebes bringt es niit sich, daß die Kleinbetriebe im Handel sich zur Zeit noch enorm vermehren. Die ruinierten Hand- werker, sofern sie nicht sofort ins Proletariat versinken, strömen dem Zwischenhandel zu und überfüllen ihn, und das um so mehr, als nach landläufiger Ansicht zum Handel nichts als Kredit, d. h. Schulden gehören. In derselben Zeit, in der sich die Bevölkerung des Deutschen Reiches um 14,5 Proz.(1882 bis 1895) vermehrte, wuchs die Zahl der Mittelbetriebe im Handel um 85,7 Proz. Zu der Konkurrenz der Großbetriebe, die in demselben Zeitraum sich um 107 Proz. vermehrten, und derjenigen der Konsumvereine kommt also noch die scharfe Konkurrenz, die die Kleinen sich untereinander machen. Man braucht nur alles dies zu erwägen, um die Notlage der kleinen Geschäfte durchaus erklärlich zu finden und zu der Einsicht zu kommen, daß hier mit Repressalien gegen die großen Ge- schäfte wenig oder gar nicht zu helfen ist. Trotzdem wurde der Versuch unternommen, die Großbazare durch eine Steuer von 1 bis 2 Proz. auf den 400000 M. übersteigenden Um- satz, was einer Steuer bis zu 20 Prozent des Reinertrages gleichkommt, zu einer Erhöhung ihrer Verkaufspreise zu zwingen. Der Abgeordnete Ganip hat diesem Gedanken bei der ersten Lesung des Entwurfs klar Ausdruck verliehen, wenn er sagte:„Diese Umsatzsteuer wird allerdings dazu nötigen, die Preise etwas zu erhöhen, das ist aber gerade der Zweck dieser Steuer. Ich wünsche nicht, daß diese Steuer getragen wird von den Inhabern der betreffenden Geschäfte, sondern ich wünsche gerade, daß sie abgewälzt werden müßte auf das kaufende Publikum, und daß diese Geschäfte mit ihren Preisen in die Höhe gehen und nicht zu solchen Schleuderpreisen verkaufen, wie es vielfach der Fall ist. Die 2 Proz. des Wertes wird das Publikum ohne weiteres tragen können." Der damalige Finanzminister Miquel sah das Unzweckmäßige der Maßregel wohl voraus.„Ich bin persönlich", so ließ er sich aus,„der Meinung, daß es höchst bedenklich ist, sociale Umgestaltungen lediglich durch die Gestaltung der Sieuerversassung herbeiführen zu wollen." Die beabsichtigte Wirkung blieb denn auch völlig aus und die Preiserhöhung, auf die man gerechnet, trat nicht ein. Die Warcnhaus-Jnhaber ließen sich nun die Steuer in Form einer Umsatzprovision von den Fabrikanten zurückvergüten und diese wälzten sie naturgemäß auf ihre Angestellten, in erster Linie auf das industrielle Proletariat ab. „Wir brauchen die wirtschaftlich selbständigen Personen im Kampfe gegen die Socialdcmokratie." Mit diesen Worten hat der Abgeordnete Gamp bei der Beratung des Warenhaus- steuer- Gesetzes den Kern der ganzen Mittelstands- rettcrei enthüllt. Die wirtschaftliche Rückständigkeit setzt sich um in politische Reaktion; deshalb, um sich die Wählerschaft zu erhalten und sie mißbrauchen zu können. werden Gesetze geschmiedet, von denen man wissen muß, daß sie die Unzufriedenheit nur schüren, weil sie von Anbeginn an zur Wirkungslosigkeit verdammt sind, da eS ein vollendeter Blödsinn ist, von der kapitalistischen Gesellschaft zu erwarten, daß sie den Kapitalismus aufhebe. Die Kosten ihrer Ver- blendung aber zahlen in erster Linie die Mittelstände selbst, die in Unkenntnis und Täuschung über ihre Klassenlage nur der Reaktion des Industrie- und Agrarkapitals und damit ihrem Todfeinde in die Hände arbeiten. Landtagswahl. Aus dem Landtags-Wahlkreise Teltow-ÄeeSkow wird uns geschrieben: Die Liberalen deS Kreises Teltow-BeeSkow sind ihres Sieges doch nicht so gewiß, wie sie sich in dem von uns veröffentlichten Briefe an das socialdeniokratische Ccntral-Wahlkomitee den Anschein geben. Der Wahlausschutz der vereinigten liberalen Parteien wendet sich jetzt mit bewegten Worten an alle liberalen und„auch an alle sich selbst nicht einer bestimmten Parteirichtuna zuzählenden Wahl- männer", um sie zu veranlassen, am Freitag für die liberalen Kau- didaten zu stimmen. Fast undenkbar erscheint es diesen naiven Seelen,„datz nicht so manche von den gegnerischen Parteien aufgestellte Wahlmünner. von ihrem Gewissen gedrungen, davon abstehen sollten, durch ihr Verhalten bei der Wahl— sei es durch Stimmabgabc oder durch Stimmenthaltung— Bestrebungen zum Siege zu verhelfen, durch welche- das Wirtschaft- liche Gedeihen und die geistigen Güter des preutzifchen Volkes den schwersten Gefahren alisgesetzt werden." Es folgt dann ein langes Loblied auf den Liberalismus; nur die Wahl der liberalen Kandidaten sei vereinbar mit dem Eintreten für alle höchsten Güter unsrer Kultur. Vermutlich, um die Gelvissen zu schärfen, werden die liberalen Kandidaten am Wahltage selbst, eine Stunde vor Beginn der Wahl, im Saale von Max Kliem, gegenüber dem Wahllokale noch einmal Ansprachen an die Wahlmämier ohne Unterschied der Partei halten. So weit die socialdemokrattschen Wahlmänner in Betracht koinmcn, mögen sich die Herren Karsten und Reinbacher die Arbeit sparen; wir sind so hartgesottene Sünder, datz wir unS durch die einstündige liberale Erbauungsstunde nicht bekehren lassen. Unter den freisinnigen Wahlmännern des Kreises herrscht arotze Unzufriedenheit mit der eignen Kreis-Parteileitung. Eine Zuschrift an die„Berliner Zeitung" bekundet diese Mißstimmung wie folgt: „Das Verhalten der Liberalen für die Abgeordnetenwahlen ist ein Schauspiel ftir Götter. Ohne mit den Wahl» männern irgend welche Fühlung zu nehmen, hat der Zehner-AuSschutz das angebotene Kompromiß mit der Socialdemokratie abgelehnt. Die meisten liberalen Wahl- männer sind darüber in Heller Empörung. Sie halten sich für hintergangen. Am Montagabend setzten sie es in einer Versammlung des Liberalen Vereins in Charlottenburg fcurdj, fcafe dieser Lercin die Führung in der Sache über- nähme und entweder den Zehner-Ausschuß bestimmte, eine liberale Wahlmäiiner-Btrsammlung für Donnerötagabend zu berufen oder selbständig vorzugehen und von sich aus die Liberalen zu einer grotzen Bersamnmnlg zusammenzurufen, in der Herr Professor Delbrück als Wahlmaun gebeten werden sollte, zu referieren und das K o m p r o m i sz zu empfehle it. Selbst volksparteiliche Größen, wie Dr. Crügcr, stimmten nach beftigem Widerspruch dem zu. � Aber dieser Vereinsbeschluß ist einfach n i ch t ausgeführt worden. Das Vcrcinsorgan, die„Neue Zeil", brachte sogar einen ganz falschen Bericht über die Sache und be- hauptete, es sei kein Beschluß gefaßt worden. Es sind eben Draht- zicher am Werke, die j e d e vernünftige Aktion hinter- treiben. Nun hat der Zehner- Ausschuß auf morgen früh ll Uhr, eine Stunde vor der Wahl, naclt Rixdorf zu SUteiu eine liberale Wahlinänner-Versainmlung einberufen, in der die beiden Kandidaten Ansprachen halten werden. Natürlich ist eS da viel zu spät, eine gründliche Aussprache herbeizuführen. Eine solche will man eben nicht. Auch sind gar nicht alle liberalen Wahlmänner dazu eingeladen worden. Hostentlich finden sich aber doch noch einige mutige Männer, die das Verfahren kennzeichnen, wie man es fertig bringt, den Wahlkreis ohne Gegen- wehr den Rcnttionnrcn zu überliefern. Für Kopsch geopfert. Wir haben mitgeteilt, daß Dr. Langerhans im zweiten Berliner Wahlkreise zu Gunstcn des in Görlitz durchgefallenen Kopsch auf das Mandat verzichtet hat. Es stcllr sich heraus, daß der Verzicht des alten'Herrn keineswegs freiwillig war. In einer liberalen Ver- fammlung der Wahlmänner des Kreises am Mittwoch wurde die Mitteilung des Verzichts nun unter vielfacher Mißstimmung der Wahlmänner entgegengenommen. In einem Bericht der„Volts- Zeitung" wird lvciter mitgeteilt, daß au Veranlassung Liebenows der am Varstandstische hinter zlvei großen Blumensträußen sitzende Stadtveroronclen-Vorstehcr Dr. Langcrhans das Wort zu einer kurzen Erklärung nahm, ans der eine gewisse Bitterkeit hervorklang. Es ist mir schwer gcivorden— führte er aus—, mich zu dem Schritte zu entschließen, doch hielt ich es nicht für richtig, im Widerspruch mit vielen liberalen Wählern an meiner .Kandidatur festzuhalten. Die Wiederwahl des Abg. Kopsch ist wünschcns- lvert und da ein andrer Kandidat doch nicht zurücktritt, so will ich es thun.(Aha! hört!) Wenn man alt wird, wird man leicht doppelt falsch beurteilt. Viele Freunde haben mir gesagt:„Tritt zurück zu Gunsten von Kopsch". lBewcgung, Ruf I Also nicht freiwillig I) I ch hatte mir f ü r die nächste Session noch vieles V o r g e n o M m e n, da aber meine Kraft angezweifelt wird, trete ich zurück. Wählen Sie Kopsch, ich'wähle ihn auch. Der Vorsitzende fragte nun nochmals, ob die Ver- sammlung auf Dr. Langerhans' Kandidatur verzichte, und da sich starker Widerspruch regte, so stellte er die Unterstützungsfrage. Es wurden einige sechzig erhobene Hände gezählt, ivorauf Herr Licbenow erklärte, daß die Unterstützung nicht ausreiche, da man sich vorher auf hundert Stimmen festgelegt habe. Von verschiedenen Seiten Ivird das bestritten, außerdem aber Ivird auch behauptet, daß bei der Abstimmung nicht richtig gezählt sei. Es wird eine noch- maligc Abstimmung verlangt, die jedoch unterbleibt, als ein Wahl- mann eindringlichst mahnt,„im Interesse der Einigkeit" sich in das Unabänderliche zu fügen. Runmehr werden Goldschmidt und Kopsch z» Kandidaten proklamiert. Beide danken für„das ihnen bc- wiesene Vertrauen." wobei Kopsch hervorhebt, daß er Dr. Langerhans wohl nicht ersetzen könne, aber bestrebt sein werde, ihm nachzueifern. Damit war die Tragikomödie zu Ende. Run gilt es noch den Herrn Dr. Müller-Sagan unterzubringen. Vielleicht wiederholen einige gute Freunde das„Tritt zurück" bei— Herrn Engen Richter;»ganz jung ist er auch nicht mehr. Seltsame Vorgänge. Die„Freisinnige Zeitung" berichtet, daß im Wahlkreis Iütcrbog-Luckenwalde das amtliche Kreisblatt in der Wahlmännerlifte unter Nr. 8t, 8!?. 83 den Freiherrn v. Arnim, Rittergutsbesitzer auf WicperSdorf aufzählte— der Herr ist in feinem Gutsbezirk in der ersten, zweiten und dritten Abteilung gewählt. Die„Freisinnige Zeitung" bemerkt dazu, daß der Betreffende doch nur einmal als Wahlmann fungieren könne: das trifft nicht zu, Herr Freiherr v. Arnim auf WicperSdorf darf überhaupt nicht als Wahlmann abstimmen. Aus dem Umstand, daß er für alle drei Abteilungen amtlich als Wahlmann aufgeführt ist, geht hervor, daß er nicht erklärt hat, für welch', der drei Abteilungen er die Wahl annimmt, denn sonst hätte für die beiden andern Äbteilungen eine Neuwahl vorgenommen lverdcn müssen. Nun heißt es im§ 18 Absatz 2 des Reglements:„Annahme unter Protest oder Vorbehalt, wie das t!l u S b l e i b c n d e r E r k l ä r u n g über d i e d r e i t ä g i g e Frist hinaus gilt als Ablehnung." Folglich Haider Freiherr v. Arnim für alle drei Abteilungen„abgelehnt"! der Frei- Herr von Arnim auf WieperSdorff muß deshalb vor Beginn der Wahlhandlung in Jüterbog aus der Liste der Wahtmänncr ge- strichen und, nachdem dies erfolgt ist, aus dem Wahllokal vcrlviescii werden! Mit Recht bringt die«Freisinnige Zeitung" ihre Nachricht unter der Spitzmarke„Seltsame Vorgänge werden aus dein Wahl- kreise Jüterbog-Luckenwalde berichtet"; gewiß ist es mehr als felt- sam, daß der dortige Wahlkommissar. der die Wahlmännerliste an- fertigt, niid der WiepcrSdorfcr Wahlvorsteher sviclleicht derselbe Freiherr von Arnim?) solche IlnkennttriS der gesetzlichen Vorschriften zur Schau tragen. Aber die„Freisinnige Zeitung" muß mit der Verurteilung vor- sichtig sein: genau der gleiche Fall ist in Berlin III vorgekommen, wo in der amtlichen Wahlmännerlistc folgendes zu lesen ist: Abt. 118». Urwahlbezirk 3. Kantinciipächter Karl Schulze, Jnvalidenstr. 55a 2. Kantinenpächter Karl Schulze, Jnvalidenstr. 55a 2. Kantinenpächtcr Karl Schulze, Jnvalidenstr. 55a t. Kantinciipächter Karl Schulze, Jnvalidenstr. 55 a. Herr Karl Schulze übertrifft den Freiherrn v. Arnim nur da- durch, daß er in der zweiten Abteilung sogar zlveimal gewählt ist. Wahlkonimissar für Berlin III aber ist Herr Stadttat Fischbrck!! In der Wahluiäuucr- Versammlung in Breslau wurde, Ivic uns von dort geschrieben wird, beschlossen, an der AbgeordnetciUvahl sich zu beteiligen und die drei Kandidaten Schippe!, Schütz und B e r n st e i n zu wählen. Eine Abstimmung für die Liberalen soll nur erfolgen, wenn uns ein Mandat abgegeben wird. Dieser Beschluß erfolgte einstimmig. Als entscheidende Kraft bei der Abgcordnetenwahl kommt die Socialdemokratie auch im Kreise W a n z l e b e n in Betracht. Das dorttge Äreisblatt stellt das Ergebnis der Wahstnännerwahl dahin fest, daß 110 Wahlmänner für den konservativen Herrn v. Kotze, ebenfalls 110 liberale Wahlmänner für den Reichstags-Äbgeordneten Schmidt-Wesicrhüsen und 36 s o c i a l d e m o k r a t i s ch e Wahl- inänncr gewählt sind. DaS tolle Wahlsystem. Im 43. Charlottenburger Urwahlbezirk nahm die Wahl der zweiten Abteilung eine gerckume Zeit in Anspruch, obwohl nur vier Wähler zur Stimmabgabe erschienen waren. Zu wählen waren zwei Wahlmänner. Zwei der Herren gaben ihre Stimmen für die liberalen Wahlmanns-Kandidaten ab, einer für die konservativen und einer für die socialdemokratischcii. Die absolute Mehrheit von vier Stimmenden ist drei, diese hatte aber kein Kandidat erreicht. Der konservative Wähler', ein hoher mit der Ueberwachung vieler Gesetzesbestimmungen betrauter Beamter, meinte, es entscheide ja die relattve Mehrheit, und schickte sich zum Fortgehen an. Er schien auch ungläubig, als der Wahlvorsteher erklärte, es müsse zur Stichwahl geschritten werden; er überzeugte sich erst, als der Wahlvorsteher, ein Parteigenosse, in liebenswürdigem Entgegen- kommen ihn Einsicht in den fi 17 des Reglements zur Ausführung der Wahl nehmen ließ. Der kleine Vorgang bewies wieder einmal drastisch, daß ohne die peinliche Aufmerksamkeit gerade unsrer Genossen sehr leicht eine Reihe von GcsetzeSvcrletzungen aus Unkenntnis begangen werden. Zur Stichwahl standen an erster Stelle natürlich die beiden liberalen Kandidaten, da sie je zwei Stimmen erhalten hatten. Wer weiter zur Stichwahl gestellt wurde, mußte das LoS entscheiden. DaS Los kennt natürlich nicht tonservative imd socialdemokratische Kandidaten, sondern nur Namen, und entschied sich von den vier Namen* für einen konservativen'und einen socialdemokratischcn Kandidaten. Zur Stichwahl standen also zwei liberale, ein kon- servativer, ein socialdemottatischer Kandidat. Als das Los auch für einen konservativen Namen sich erklärt hatte, schloß die liberale Partei, vertreten durch die Hälfte der an- wesenden liberalen Wähler, einen höheren Schnlbeamten, ein Koni- promiß mit der konservativen Partei, verttcten durch deren sämt- liche anwesende Wähler, den schon erwähnten höheren Beamten. Der eine liberale Wahlmamlskandidat, der selbst Wähler ziveiter Klasse war, Halle nämlich soviel Interesse an der Wahl bekundet, daß er gar nicht erschienen lvar. Diesen ließ der kompromisielnde liberale Wähler fallen und gab seine Stimme nur für den andern liberalen und für den konservativen Kandidaten ab: dafür stimmte der konservative Wähler außer für den konservativen auch für denselben liberalen Kandidaten. Der zweite am Kompromiß nicht beteiligte liberale Wähler stimmte für beide liberale Kandidaten, iiiid der socicildernokratischc Wähler gab nur eine Stimme ab, nämlich für den socialdernokranschen Kandidaten. Geivählt war also nnr ein Kandidat und zwar derjenige liberale, wclcbcr drei Stimmen erhalten hatte. Da aber zlvei Wahl- männer zu wählen waren, so mußte eine erneute Stichwahl statt- finden. In diese kain zunächst der konservative Kandidat— er hatte ja zwei Stimmen erhalten— und einer von den beiden. die je eine Stimme erhalten hatten, wer von ihnen, das mußte das Los entscheiden. Es entschied gegen den Socialdemokraten, für den Freisinnigen. Man schreitet also zur zweiten Sttchwahl. Ungeheure Spannung! Wie ivird der kompromisselnde Liberale jetzt stimmen, da die Ent- scheidung nur noch zwischen Konservattv und Liberal z» treffen ist? Wird der Socialdemokrat dem Liberalen Helsen, da sein eigner Kandidat ausgefallen ist? Die Wahlhandlung beginnt. Der kompromisselnde Liberale wählt konservativ, der Konservative wählt konservativ, der Socialdemokrat stimmt gar nicht, der andre Liberale wählt liberal. Tie Entscheidung war aber trotzdem noch nicht gefallen: es war inzwischen nämlich ein weiterer Wähler zweiter Klaffe erschienen. Derselbe war sehr erstaunt und ärgerlich, zu vernehmen, daß er die Haupt- inid erste Stichwahl versäumt hatte, und sichtlicki erfreut, daß er vielleicht jetzt noch den Ausschlag geben könnte. Als er hörte, wer zur Stichwahl stand, ein Konservativer und ein Liberaler, wählte er— liberal. Wiederum hatten also vier Wähler gestimmt nnd wieder hatte jeder der beiden Kandidaten zwei Stimmen, keiner die Mehrheit, erhalten. Von neuem mußte das LoS in Kraft treten und dieses entschied fiir den Liberale». So hatten also die vier Wähler die Wahl zlveier liberaler Wahlmänner glücklich zu stände gebracht— nach einem Kompromiß mit den Konservativen, nach zweimaliger Stichwahl und nach drei- rnaligem Losen. Das Widersinnige des ganzen Wahlverfahrens ttat hier recht drastisch in die Erscheinung: wäre die Wählerschaft nicht gar so winzig gewesen, so hätte die Wahlhandlung eine ganz ungebührlich lange Zeit in Anspruch nehmen müssen. Aber noch in andrer Bczichniig trat das Widersinnige deutlich hervor. Von 1 Wählern waren hier 2 Wahlmänner ausgeknobelt morden, denn von einer Wahl kann man dabei nicht reden. Das- selbe geschah � in der ersten Abteilung, Ivo ebenfalls 4 Wähler er- schienen nnd mit Hilfe einer Stichwahl und cininaligen Losens. auch 2 liberale Wahlmänner„wählten". Von den 8 Herren Ivarcn also 4 liberale Wahlmänner„gewählt". In der dritten Abteilung dagegen erschienen 154 Wähler, von welchen 101 socialdeniolraiische, 44 konservative und 0 liberale Stimmen abgegeben wurden. Diese überwiegende Mehrheit konnte nur zwei socialdeniokratische Wahlmänner wählen. Der Blödsinn der Klassenwahl trat dadurch so kraß zu Tage, daß zwei Herren voni Wahlvorstand ihrem Unmiit über diesen Kontrast inid die unsinnige Einrichtung deutlichen Ausdruck gaben. Diese Herren, selbst Wähler dritter Klaffe, hatten gestimmt— für die konservativen Kandidaten, für Wahlmänncr, die am 20. November Herrn Fetisch ihre Stimme geben iverden. Ja, über das Dreillassen-Wahlrecht als ein nngercchtes und unsinniges schimpfen und gleichzeitig Herrn Fetisch wähle», dazu gehört die ganze politische Bildung konservativer Wähler. Solche beschränkten kleinbürgerlichen Elemente iverden das Dreillassen-Wahlrecht sicherlich nicht bcscittgcn, diese Aufgabe überlassen sie den Arbeitern. politifcbe(leberlickt. Berlin, den 19. November. Eine Nachwahl. Jin 15. sächsischen Kreise hat die Socialdemokratie mit einer Mehrheit von 6000 Stimmen über die bürgerlichen Gegner gesiegt. Dem Rückgang von 3000 socialdemokratischcn Stimmen steht ein solcher von 1000 bürgerlichen Stimnicn gegenüber. Die Gegner haben sich selbst belogen, als sie immer wieder versicherten, die große Stimmenzahl für Göhrc rühre nicht von Socialdemokraten, sondern von uiiziifriedenen bürgerlichen Wählern her, die für den liebenswürdigen Pastor a. D. gestimmt hätten. Die erhoffte Rück- kehr großer Wählerniassen zu den bürgerlichen Parteien ist voll- ständig unterblieben. Der 15. sächsische Reichstags-Wahlkrcis, der bisher so wcchselvolle Resultate ergab, ist nun zum festesten Besitz- stand der Socialdemokratie geworden. Nachdem der Kreis unter so besonders ungünstigen Umständen mit einer so großen Majorität behauptet worden ist, kann er ims nicht mehr entrissen werden. DaS stand von vornherein fest, daß bei der Nachwah. nicht die- selbe Stimmcnzahl wie bei der Hauptwahl aufgebracht Iverden konnte. Der Kreis lvar zur Hanptwahl so intensiv wie vielleicht kein zweiter im ganzen Reich bearbeitet worden. Tie Wahl- betciligung lvar mit 87 Prozent außergewöhnlich groß. Daß die MaiidatSniederlegung Göhrcs großen Mißmut bei den Wählern hervorrief, ist erklärlich. Die Genossen des Kreises haben aber ein hohes Maß von Pflichtgefühl und Parteidisciplin gezeigt; denn mld die Arbeit von neuem begonnen werden mutzte, waren sie eifrig ans dem Posten, Eine ganze Anzahl Wähler wurden am Dienstag an der Aus- Übung des Wahlrechts gehindert. Die Rmtshauptlente machten un- mittelbar vor der Wahl bekannt, daß alle diejenigen, die nach dem 16. Juni ihren Wohnsitz nach einer andern Gemeinde verlegt habe», in ihrem früheren Wohnort nicht wieder wählen dürsten. DaS socialdemokratische Central-Wahltömitce des 15. KreiseS wandte sich sofort telegraphisch mit einer Beschwerde an das sächsische Ministerium des Innern. Es wurde folgender Bescheid erteilt: „Schon wegen Kürze der Zeit Einschreiten unthunlich. Ministerium des Jnneni." Bei sofortiger telcgraphischcr Anweisung an die Be- Hörden konnten die Wahlvorsteher noch rechtzeitig instruiert werden. Das unterblieb nun und die Folge war, daß zahlreiche Wähler zurückgewiesen wurden. Das eingeschlagene ebenso unverständliche wie ungesetzliche Verfahren mutet ganz ostelbisch an. Wie zu erwarten war, haben die Gegner in den letzten Tagen vor der Wahl versucht, durch tendenziöse AuSnützung der Dresdener Parteitagsdebattcn nnd der MaiidatSniederlegung GöhreS zu unfren Uiignnften auf die Wähler einzuwirken. Wie der Wahlausfall beweist, haben sie damit kein Glück gehabt. Das ist die bedeutsame Lehre dieser Nachwahl, über die so viel geredet worden ist: Wer einmal socialdemokratisch gewählt hat, bleibt der Socialdemokratie treu. Nicht den„Mitläufern", nicht d» Personen der Kandidaten verdanken wir den Wahlsieg vom 16. Jum, sondern nnsrer Sache, der auch niemand wieder abtrünnig wird, weil ihm diese oder jene Erscheinung in der Partei gelegentlich nicht gefällt. Das ist der erfreulichste Beweis dafür, daß wir alles der Werbe« kraft des socialistischen nnd demokratischen Gedankens verdanken, alles der freien, denkenden Ueberzeugung unsrer Anhänger, nichts dem blinden Antoritätsgcfühl. Das siehr auch Lertels„Deutsche Tageszeitung" ein, die wütend schreibt: „Der Wahlausgang beweist wieder einmal, wie stark ent- wickelt der Herdentrieb in der Socialdemokratie ist. Die- selben Genoffeii, die am 16. Juni dem Revisionisten Göhre zu- jubelten, haben ihn jetzt schrnählicki im Stich gelassen nnd durch ihre Abstinmmug dein Gegner Göhrcs, der ihn ans dem Parteitage anfs gröblichste beschinipste, gewissermaßen ein Vertrauensvotum ausgestellt. Die Erfahrungen des Dresdener Parteitages sind absoliir ivirkungolos vorübergegangen. Die Genossen folgen eben ohne eignes Nachdenken und ohne eignen Willen stuinpfsinnig dein Herdentriebe." Das Wort von den Lämmlein nnd den Hirten ist dem konser- vativen und religiösen Sprachschatz entlehnt; dort preist man unter den Stichworten:„Autorität",„Treue" usw. als höchste deutsche Tugend, wenn die Herde willig ihren gottbegnadeten Führern folgt, und sei cS nur ein Unteroffizier, ein Gutsherr oder ein Pastor. Die Befreiung von diesem Herdentrieb Ivird in dem Augenblick vollzogen. wo die Masse nicht mehr lvillenlos irgend einem Führer oder irgend einer Autorität folgt, sondern sich durchringt zn der abstrakten Höhe einer Weltanschauung, zu der sie sich bekennt nnd für die sie kämpft — unabhängig von allem Persönlichen, Zufälligen. Herr Oertcl allerdings hat reichlichen Grund, auf den„Herdentrieb" der über- zeugten Socialdemokraten zu schelten, ans den„Herdentrieb" nämlich, der endgültig überwunden ist und durchaus nicht mehr der kon- servativen Knute folgen will.— Das östrcichische Budget. —st— Wien, 18. November. Ter Reichsrat ist gestern znsamn, engetreten und nach alter Ge- wohnheit hat im Abgcordnetenhause der Finanzininister den Staats- Voranschlag für das nächste Jahr vorgelegt. Es ist ein knappes, aber doch gebessertes Budget: der präliminierte Ueberschutz beträgt 2sis, Millionen Kronen. Bei Einnahmen von 1737 Millionen ist das zwar nicht viel, aber die schlechten Zeiten haben die Finanzministcr bescheiden gemacht. Allerdings: das Elleichgewicht im Staatshanshalt ist nur durch drei Glücksnmstände erhalten geblieben: eine zufällige Einnahme von 0 Millionen sdie Einvcrlcibllng eines privaten Pen- sionssonds ins Staotsvermögcn), durch die Brüsseler Zuckerkonvention sdiirch welche E estreich 13,8 Millionen an Prämien erspart und 6>/z Millionen an Zuckersteuer mehr einzunehmen hofft) und duräi die Konverticrnng der 4'/zprozcntigeil Staatsschuld— des Erbteils des Dualisnuis— in vierprozentigc, wodurch eine Zinsenersparnis von 6.3 Millionen erzielt wird. Allerdings wachsen die Zinsen wieder durch die neuen Anleihen— für die großen Bahnen und Kanalbanten,— aber alle diese von dem Willen der Finanz- Ver- walttnig nnabhängigen Thatsachen schaffen die Möglichkeit, ohne Deficit abzuschließen. Ans dem Expose des Herrn v. B ö h in- B a w e r k, der nicht bloß ein gelehrter Professor, sondern mich ein tüchtiger Finanzminister ist, wären die Betrachtungen über die all- gemeine Wirtt'chaftslage zn verzeichnen. Herr v. Böhm meint, daß „der Höhepinilt des wirtschaftlichen Mißbehagens bereits überwunden, der Wendepunkt znin Besseren nicht mehr fcnie sei". In der Privatwirtsckiast ist das freilich noch wenig zn spüre». Weitaus trostloser als die wirtschaftliche Lage mßi aber d.„ politische— von einer Arbeitsfähigkeit de-Z hohen Hauses ist keine Rede mehr und der Zeitpunkt seiner Vertagung ist aus dem Kalender zu entnehmen. Herr v. Koerber hat zioar wieder seinen gewohnten Appell losgelassen, da er aber verhindert war, ihn mit den früher so wirksam verwendeten Kraftphrascn gegenüber Ungarn zu verzieren, war die Aufnahme seiner Rede mehr als kühl. Ucbrigcns hat sich die Sidiation durch die heute in Budapest gesprochene Antwort so verfinstert, daß die Demission K o e r b c r s in die unmittelbarste Nähe gerückt i st. Herr v. Koerber hatte nämlich gestern zu beweisen gesucht— vor- sichtig nnd schüchtern—' daß die inneren Armee-Angelegenhiiten ein Vorrecht der Krone seien, welches Vorrecht durch die be-den Ausgleichsgesetze verbürgt sei und zu dessen einseittgcr Aendcrnng der ungarische Reichstag nicht kompetent wäre. Das hat er in sehr zuriickhaltcndcr, geradezu bescheidener Weise vorgebracht und rasch hinzugefügt, daß er mit dem ungarischen Militärprogramm völlig einverstanden ist. Aber Graf T i s z a hat ihn heute im nngarischen Abgeordnetcnhause dennoch mit einer Derbheit angefaßt, die selbst im Verkehr mit östrcichischcn Ministern bisher ganz unüblich war und ersichtlich den Zweck hat, Herrn v. Koerber zum Prügelknaben des Stteites zwischen der ungarischen Regierung und ihrer Obstruktion zu ver- wenden. Mit bewußtem Hohne erklärte T i s z a, die„gewissen Exlnrfionen KocrbcrS auf das Terrain des ungarischen Staatsrechtes können weder Rechtskraft noch politische Bcdeuttmg haben", es seien „die dilettantischen Aeußemngen eines clistinguishcd Foreigner, eines vornehmen Ausländers, denen ein besonderes. Gewicht bei- zulegen verfehlt wäre", nnd mit einer Entschiedenheit, die nicht übertroffcn iverden kann, sagte er seinem östreichischen Kollegen, er solle sich's nicht beifallcn lassen,„eine „fakttsche Ingerenz" ausüben zu wollen, den Versuch würden ämtliche Faktoren des ungarischen öffentlichen Lebens energisch zurückweisen". UnsrcS Erachtcns ist es ganz undenkbar, daß Koerber diese moralische Bcohrfcigung ruhig einstecken könnte: die Antwort darauf kann nur der offene Konflikt der beiden Regierungen sein. Erhält Koerber vom östreichischen Kaiser nicht Genugthunng für die Beleidigungen, die ihm der Ministerpräsident des Königs von Ungar» zugefiigt hat, so muß er und wird erj wohl gehen. Das wird sich'am Freitag, wo das östrcichische Abgeordnetenhaus wieder Sitzung hält. sicher zeigen. Unter solchen Umständen verliert das„Arbeitsprogramm" des östreichischen Abgeordnetenhauses wohl jedes Jntcreffe. Wir be- gnügen uns also mit der Mitteilung, daß der Ministerpräsident die Einbringung des neuen Militär-Sttafgcsetzes angekündigt und be- züglich der Alters- und Jnvaliditäts-Versicherung berichtet hat, daß der Gesetzentwurf„nahezu" fertig sei nnd an das Haus gelangen wird,„sobald der ungarische Ausgleich� zu� stände gebracht sein wird". Ein Wechsel auf längste, unbestimntteste Sicht!— � � Deutrehe» Reich. Reaktionäre Biilow-Stürzcr. Die„Krcnz-Zeilung" hat es noch vor kurzem für klug gehalten. dem Reichskanzler ihr Vertrauen zu bekunden. Sie hat wiederHoll sich im Gegensatz zu den extremen Agrariern gestellt. Jetzt spricht sie anders. Vor den preußischen Wahlen wollte sie die Regierung und ihr Oberhaupt nicht herausfordern, sie wollte ihrer Partei den Regiernngs-Wahlapparat nicht im mindesten verscherzen. Jetzt kann sie wieder ihres Herzens Zuge folgen und reaktionäre Opposition be- treiben. Heute schreibt sie: ,... In. es wird sogar behauptet, das am 1. April kommenden JahreS ablaufende Militär-Ouinquennat solle nur provisorisch auf ein Jahr verlängert werden. Früher würde mau eine solche Augabc von vornherein als un glaub! ich au- sehen; aber heutzutage ist in mancher Hinsicht daS Pro- visorium der herrschende Zustand. Allmählich ist die politische Initiative von der Regicrnug ans das Parlament übergegangen. Die„Souveränität des Volkswillens" gewinnt immer stärkeres Gewicht im deutschen Regiment, und darum klingt der Gedanke, erst einmal zu sehen, wie im neuen Reichstage der„Hase läuft", und danach die nationalen Ausgaben zuzuichneidcn, heutzutage sehr glaubwürdig. Das Parlament soll den Kurs bestimmen, nicht die Regierung. Sehr imposant nimmt sich ja eine solche Stcllniignahine nicht aus: aber man macht-in leitenden Kreisen wohl auch keinen Anspruch darauf, als imposant zu gelten; nmn fristet durch Kompensationen und Konzessionen von heute auf morgen das Leben." Nach einigen inhaltlosen Bemerkungen über die Socialdemokratie führt das konservative Organ aus, daß ini neuen Reichstage leb- haste Debatten zu erwarten seien. und es kündigt an. das; die regierungstreuen Konservativen auch ein„kräftig Wörtlein" reden »vollen: „Auch die konservative Partei wird an manchen Borgängen der letzten Zeit nicht schweigend vorübergehen dürfen; sie wird vielmehr sich entschließen müssen— nicht um aufzureizen, sondern um zu beruhigen—. manch kräftig Wvrtlcin über gewisse Zustände zu sprechen." Die Konservativen wollen der Regierung zeigen, wie regiert werden muß. lind nicht nur der Regierung!— Staatscrhaltendc Majcstätsbclcidigungc». Niemand ist mehr sicher bor dem MajestätSbeleidigungS-Paragraphcn. Er geht um wie ein brüllender Löwe und suchet, wen er verschlinge. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft gar ein hochgradig staatserhaltendes Blatt, das Organ der Jndustriebaronc, die„ R h e i» i s ch- W c st- fälische Zeitung" an» hohen, eleganten Stehkragen gepackt. Wie aus Essen telegraphiert wird, wurde dort die letzte Sonnabendnummer des Jcchcnblattes beschlagnahmt. Eine Uebersetzung ans der Londoner Wochenschrift„Trnth" (Wahrheit) soll Majestätsbeleidignngen enthalten. In dem englischen Organ lvar eine angebliche Unterredung mit Mo mm sen über den deutschen Kaiser veröffentlicht. Eine augebliche Unterredung. Denn wir möchten hoffen, daß Monnnsen niemals solche Albernheiten gesagt hat, wie ihm„Trnth" in den Mund legt. Eine M o m m sen- Beleidigung ist sonach der Artikel, aber eine M a j c st ä t S- Beleidigung? Wir finden nichts, was so gedeutet werden könnte. Daß Wilhelm II kein militärisches Genie sei, darf doch wohl noch gesagt werden, genait so wie etiva, daß man ihn für keinen großen Maler oder Komponisten halte. Auch das scheint uns nicht beleidigend, daß man die AbHolzung des Tier- gartens beklagt oder behauptet, er habe seine rednerische Begabung von seiner Mutter geerbt. Die Hervorhebung seiner Auffassung über Regierungsformen ist zweifellos auch keine Ehrkränknng odcrEhrfnrchts- Verletzung. Und schließlich klingt es zwar byzantinisch, aber nicht eben nacki den herrschenden Anschauungen beleidigend, daß Mominsen vom Kaiser gesagt haben soll: Er bleibe frisch und jung und sei rine seltene interessante Persönlichkeit voll Güte und Klugheit. Das staatsanwaltliche Einschreiten wird um so merkwürdiger, wenn man bedenkt, daß auch das englische Organ, dein die Betrachtung entnommen, ein H o f bl a t t ist. Am englischen Hofe scheint man also in derlei Charakteristiken dcS so intim befreundetcu Monarchen nichts ArgeS zu finden. Geht die Reizbarkeit der preußischen Staats- anwaltschaftcn für Majestätsbeleidignngen in der Weise fort, so iverden wir es noch erleben, daß man im„ReichS-Anzeigcr" oder der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" Majestätsbeleidigungcn entdeckt. Freilich die preußische Gerichtspraxis faßt ja bereits unter- l a s s e n e Huldigungen als majestätsbeleidigend auf. In der DienStag-Nummcr berichteten wir, daß in Sagau jemand zu drei Monaten wegen Majestätsbelcidignng verurteilt worden war, ivcil er bei einem Kaiserhoch sitzen geblieben war. Damit scheint der Maicstätsbclcidigungs-Paragraph umgewandelt zu sein in einen Zwangsparagraphcn, der die Majestätsverherrlichung als Pflicht einführt. Darf die Staatsgewalt aber vielleicht noch das Recht beanspruchen— waSwirnichtanerkennen— dcnMonarchcn vorun- licbsamer Kritik zu schützen, so kann keine Macht der Erde jemand zwingen, einem Fürsten eine Huldigung zn erweisen. Das Strast-ccht ist ein Systein voir Verboten, gewisse Handlungen zu unterlassen, aber nicht, bestimmte Handlungen zu unternehmen, sofern die Unterlassung nicht selbst die Wirkung eines Verbrechens oder Vergehens hat. Man darf nicht stehlen, aber niemand ist gezwungen, etwas zu schenken. Man soll Gott nicht lästern, aber es giebt im modernen Recht kein Zwaiigsnnttel, Gott zu bekennen. Zu der- artigen positiven Bekenntnissen zu nötigen, handle es sich nun um die Reverenz vor dem Geßlerhut, oder um die Beschwörung des rechten Glaubens, heißt Folter und Tortur einführen. Aber die Neigung, in der bloßen Abwesenheit monarchischer Gesinnung und Demonstration schon ein Vergehen gegen die Majestät zu erblicken, erklärt auch wieder all' die gefährlichen Konstruktionen, denen unsrc Staatsanwälte und Richter auf diesem Gebiete verfallen.— Ei» Protest gegen die Russistzicrung. Aus M c m e l wird uns geschrieben: Die Hochverratsaktion gegen preußische Staatsbürger wurde in Mcmel von konservativer Seite zur Agitation für die Landtagswahl verwertet. In der Stadt wurden die unaufgeklärten Arbeiter gewarnt, socialdemvkratische Wahmäimer zu wählen, da sie sonst auch leicht in den Prozeß verwickelt werden könnten. In Bommclsvittc, einem Vorort von Memcl, ging der Amtsdiener am Tage vor der Wahl umher und sagte zu den Einwohnern:„Wählt nicht die social- demokratischen Wahlmänncr, nehmt Euch iir acht! Trcptau, Klein und Kugel befinden sich schon in Haft, auch den Braun in Königs- berg, der hier kandidiert hat, hat die Polizei sogar schon eingesperrt. So kann eS Euch auch gehen, wenn Ihr soeialdcmokratisch wählt." Thatsächlich haben sich eine ganze Anzahl Wähler durch dieses Agitationsmittel einschüchtern und beeinflussen lassen. ES wurde von drei aufgestellten socialdcmokratischcn Wahlmänncrn nur einer gewählt. Am 17. d. M. fand jedoch eine öffentliche Arbeiterversaminlung in Memcl statt, in der Genosse Linde ans Königsberg die ganze Geheimbunds- und russische tzochverratsgeschichte ans Tageslicht zog und in allen ihren Einzelheiten als das aufdeckte, ivaS sie in Wirklichkeit ist: ein schwerer Eingriff in die persönliche Freiheit deutscher Staatsbürger zu Gunsten der russischen Regierung. Unter großem Beifall wurde folgende Resoluston von der Versammlung einstimmig angenommen: „Die am 17. November in Mcmel tagende öffentliche Volks- versannnlung protestiert mit Entrüstung gegen die Aktion, welche die deutsche Staatsrcgierung gegen fünf ehrliche deutsche Bürger zu Gunsten der russischen Regierung unternommen hat. Tie Versammlung erklärt als Antwort darauf, jetzt erst recht die socialdemokratische Arbeiterbewegung zu fördern und die fünf verhafteten Genossen nach Ivie vor als Ehrenmänner betrachten zu wollen." Des Edlen„Widerstand". Der mecklenburgische Kammcrherr Victor Graf v. Voß- Ullrichshausen geruhte auf einem verbotenen Wege zu radeln. Dem Anruf eines Chaussee- Oberwärters folgte der Graf nicht, und der Beamte war nun so frech, den hochcdel- gebornen Radlcr anzuhalten. Das ging dem Kammerherrn denn doch über den Spaß. Er versuchte dem Beamten eine gnädige Züchtigung zu teil werden zu lassen; aber der Oberwärter war so unverschämt, dem Schlage auszuweichen, worüber dann der Graf mit der leutseligen Bemerkung quittierte:„Sie können von Glück sagen, daß Sie so davonkommen und daß Sic nicht ein paar zwischen die Ohren gc- schlagen kriegen." Die Anklage, die vor dem R o st o ck e r Schöffengericht der- handelt wurde, lautete auf zwei U e b c r t r e t u n g e n, die erblickt werden in dem Fahren auf dem Bankett und der Mchtbcfolgung der amtlichen Aufforderung, zu halten, ferner auf je ein Vergehen des Wider st andes und der Beleidigung. Der Angeklagte lvar von dem persönlichen Erscheinen entbunden. Das Schöffengericht verlieh ihm für seine diversen Verfehlungen insgesamt eine Strafe von-- 150 Mark. Da kann der Oberwärter von Glück sagen, daß man ihn nicht wegen Beleidigung des Grafen unter Anklage gestellt hat. Wenn ein Kammcrherr in Mecklenburg nicht einmal thun kann, was er will, dann ist doch der Umsturz nahe. Immerhin ist die Preisfrage interessant: Was würde ein Arbeiter unter gleichen Umständen„verdienen"— Der gemaßregclte Hcrrenhäuslcr. Aus Baden wird uns geschrieben: Die soeben bekannt ge- Ivordenen Neuernennungen der acht vom Großherzog zu bestimmenden Mitglieder der E r st e n K a m m e r aus dem Bereich der obersten StaatSämtcr sowie des Industrie- und Handelsmagnatentums vcr- dienen ein gewisses politisches Interesse. Es fällt dabei vor allem auf, daß der Präsident des Karlsruher Ober- Landesgerichts, Dr. von Neubronn, der bereits einige Legislaturperioden hin- durch dem„Herrenhaus" angehört hatte, nach dem Willen deS Landes- Herrn nicht mehr in das„höchste Hans" zurückkehrt. Der Name v. Neubronns wurde vor etlva anderthalb Jahren im Kampf um Zolltarif- und Handelsverträge viel genannt. Damals hatte er gelegentlich der Generaldebatte über daS LandeshauShalts-Blldgets eine Rede gehalten, in der er in sehr cnt- schicdener Weise die Haltung der Landesregierung in der Zollstage be- kämpfte und sich eine ganze Reihe der lvichtigsten Argumente der Gegner unsrer offiziellen Zoll- und Handelspolitik zu eigen inachte. Seine Worte erregten in der ganzen politischen Welt Aussehen und leisteten den Gegnern der zollwucherischen VollsauSbentnng in ihrem schlveren Kampfe wesentliche Dienste. Das scheint man dem mutigen Herrn in Karlsruhe nicht vergessen zn haben, und nun hat er den Lohn für sein kühnes Unterfangen dahin. Er wird jetzt selbst einsehen, daß auch im badischcn Herrenhaus für Männer mit Rückgrat und eignem Urteil kein Platz ist. Unter den übrigen Ernennungen verdient vielleicht noch die Bcrnstliig eines Professors von der Technischen Hochschule in Karlsruhe in die Erste Kammer erwähnt zn werden. Es war in letzter Zeit von verschiedenen Seiten der Wunsch lailt geworden, gleich den beiden Landes-Univcrsitäten Heidelberg und Frcibnrg auch der Karlsruher Hochschule das verfassungsmäßige Recht auf einen Sitz in der Ersten Kammer einzuräumen.— Eine Baffermanniade. Man schreibt uns aus Bade Vor acht Tagen wurde aus Mannheim die„hochpolitische" Sensationsnachricht verbreitet, in den Herrn B n s s e r m a n n nahestehenden Kreisen cirknliere das Gerücht, dieser sei auf Veranlassung des kaiserlichen Civilkabinetts nach Berlin berufen worden, um dort wegen der II e b e r n a h m e eines R e i ch s a m t e s in Verhandlungen ein- zutreten. Es seien also„politische licbcrraschungen" zu erwarten, da Herr Bassermaim, offenbar zu demselben Zweck, bereits einige Tage zuvor schon einmal in Berlin gewesen sei.— An dieser ganzen Sensationsmeldung ist, wie hier bestimnit versichert Iverden kann, kein wahres Wort. Sie beruht von A bis Z auf vagen Kom- binatioucn, denen jede feste thatsächliche Grundlage fehlt.— Ultrauwntanc Denunzianten. Aus Köln wird uns berichtet: Die fünfte Strafkammer in K ö l n verurteilte den Händler Peter H e r ff wegen M a j e st ä t s b e l e i d i g n» g zu drei Monaten Gefängnis. H. begann am 2. Juni in einer Wirtschaft mit zwei zur Centrumspartci gehörenden Leuten ein Gespräch über die Rcichstagswahlen. Er forderte sie auf, socialdemokraffsch zu wählen, und machte dabei Redensarten über den Papst, die Geistlichkeit, die Reisen des Kaisers usw. Schließlich that er eine Aeußernng iiber die Person des deutschen Kaisers, in der daS Gericht eine Majestätsbeleidigung erblickte. Der Angeklagte bestritt die Absicht der Beleidigung und daß er überhaupt eine solche Aeußernng in Bezug auf den Kaiser gethan habe. DaS Gericht kam aber zur Vcr- urteilnng. Die frommen Denunzianten haben die Genngthnung, einen Menschen wegen unbesonnener Worte ein Vierteljahr' ins Gefängnis gebracht zu haben.— Rcichstagsmandat und Prcstprozeß- Verjährung. Durch einen Artikel im„Volksblatt für Halle" vom 24. Juni 1902 fühlte sich der Ober-Polizei-Jnspektor W. beleidigt. Er stellte deshalb gegen den verantwortlichen Redakteur, den Reichstags- Abgeordneten Adolf Thiele, Strafantrag. Der Staatsanwalt leitete das Verfahren ein, aber eine richterliche Handlung gegen den Angeklagten erfolgte nicht, weil er damals Rcichstags-Abgeordneter war. Während der Sitzungsperiode von Oktober 1902 bis Anfang Mai 1903 war eine Strafverfolgung nicht möglich. Am 14. Mai 1903 erfolgte die erste richtcrlichcHandlung gegen den Angeklagten. In diescrZeitwaraber, wie das Landgericht angenommen hat, die Verjährung bereits eingetreten. Das Gericht hat deshalb durch Urteil vom 23. Juni d. I. daS Verfahren gegen Thiele eingestellt.— Gegen dieses Urteil hatte der Staatsanwalt Revision eingelegt. In der jetzigen Verhandlung vordem Reichsgericht wies der Reichsanwalt nach, daß das Land- gericht sich insofern in einem Irrtum bestmdcu habe, als es an- genommen habe, im Juni 1902 habe der Reichstag nicht getagt. Die Session sei keineswegs geschloffen, sondern nur vertagt gewesen. Mithin habe nach dem Gesetze für die ganze Zeit vom Juni 1902 bis Anfang Mai 1903 die Verjährung geruht. DaS Delikt fei also am 14. Mai 1903 noch nicht verjährt gewesen. Der Angeklagte trat dieser Auffassung in ansfiihrlichcr Begründung entgegen, aber daS Reichsgericht erkannte doch im Einverständnis mit dem gkcichsanwalt auf Aufhebung des Urteils und Zurückverweisung der Sache an das Landgericht.— Einen Beweis gegen die H-lzzoll-Erhöhung liefert eine Bundes- regierung, die bei der Beratung des Zolltarifs für die Erhöhung ein- trat. Wie das„Saalfelder Volksblatt" berichtet, stellt das Regicrungs- blatt für Schwarzburg- Rudolstadt in einer Artikelserie ziffernmäßig scst, daß der Forstertrag im Fürstentum seit 50 Jahren sich fort- gesetzt erhöht hat. lind zwar war dies nicht nur die Folge eines größeren Einschlags(1852: 50 708 Kubikmeter, 1902: 73 278 Kubik- mctcr), sondern auch eine Folge der fortgesetzten Erhöhung des H o l z p r e i s e 8(1852: 7,66 M., 1902: 15.75 M. pro Kubik- meter, also um 105 Proz.), so daß 1902 für 779 296 M. mehr für Holz aus fiskalischen Forsten gelöst wurde als 1852. Der Rein- ertrag ist gegenüber 1852, wo derselbe nur 295 098 M. betrug, in der Zeit um 529 135 M., also um 79 Proz. gestiegen, während die Ausgaben gegenüber den Einnahmen um nur 3,1 Proz. gestiegen sind und zwar von 29,2 auf 32,3 Proz. Trotz solcher Thatsachcn wurde mit andern Zolllicbesgabcn die Holzzoll- Erhöhung zu Gunsten der großen Waldbesitzer in den Zolltarif eingesetzt.—' !/!ülhn«scn i. Elsaß, 15. November.(Privat-Telegramm.) Bei der heutigen Wahl eines Vertreters für den Landesan°schuß wurde im Gcmeinderat Genosse E m m e l mit 17 Stimmen gewählt, der Demostat Simonct erhielt 13 Stimmen.— Aus Dcutsch-Südmcstafrika liegt folgende offiziöse Meldung bor: Wie der kaiserliche Generalkonsul in Kapstadt vom 18. November meldet, besagen die letzten von der Grenze eingegangenen Depeschen, daß das Hauptlager der Bon delzwarts in den K a r a s- bergen v o n d e n d e u t s ch e n T r u p p c n n in z i n g c l t s e i, die übrigen Stämme sich ruhig verhalten und Warmbad«och in den Händen der Deutschen sei. Die englischen Aufstandsnachrichten sind dauacki erheblich über- trieben gewesen. Ans der Kapkolouic wird ferner gemeldet: Spriiiftdockfontein, l7. November.(Meldung des.„Rcuterschen Bureaus".) Einer amtlichen Depesche aus Painansdrift am Oranje- fliiß zufolge, hat eine Abteilung Bondelzwarts die Furt überschritten. Sie erklärten dem Offizier, welcher an der Furt Dienst hatte, sie wollten keinen Angriff auf die Kapkolonie machen oder in Berührung mit der Polizei kommen. Die Hottentotten berichteten ferner, eS seien bisher noch keine Deutschen in Warmbad von Kcetmannshoop eingetroffen. Die Besatzung sei noch am Leben: die Deutschen hätten Warmbad niemals in Brand gesteckt. Tie Bondelzwarts fragten schon an, ob sie in die Kapkolonie übersiedeln dürften, wenn sie von den Deutschen vertrieben würden. Kapstadt, 17. November.(Meldung des„Rcuterschen BureauS".) Ein Offizier der Kap-Polizei, welcher über die Erhebung der Hotten- totten in Deutfch-Südwcstafrika Untersuchungen angestellt hat, er- klärt, die Aufständischen rechneten mit einem Vorgehen der Deutschen gegen sie und winden sich in das unzugängliche Pallagebirge zurück- ziehen.— Hudlaiid. Bctiolo gegen Fern. Am Montag hat vor dem römischen Tribunal der BeleidigungS- Prozeß des Ex-MarincministerS Beltolo gegen Ferri und den „Avanti" begonnen. Dem Prozeß, der in ganz Italien� mit großer Spannung erwartet wurde, liegen folgende Ursachen zu Grunde: Nachdem der Admiral Bctiolo im April vorigen Jahres in das Ministerinn! Zauardclli eingetreten war, begann der socialistische Deputierte Ferri im„Avanti" unter feinem Namen eine Artikelserie gegen ihn zn veröffentlichen. Bcttolo gab sich zunächst den Anschein, als dürfe er diese Angriffe gegen seine Ehre vollkommen ignorieren, und er erhielt auch in der Kammer gegen die Stimmen der Socialisten eilt Vertrancnsvotnm mit überwältigender Mehrheit. Ferris Angriffe aber wurden immer schärfer, die Beschuldigungen immer bestimmter: Bcttolos Stellung im Ministcrimn wurde er- schüttcrt, er nahm seine Demission und verklagte nunmehr Ferri wegen Verleumdung. Ferris Angriffe gegen Bettolo erstrecken sich in der Hauptsache auf folgende Punkte: Bctiolo war schon im Jahre 1899 einmal Marinemiiiistcr, und als solcher soll er nach dem„Avanti" durch geheime und nugesetzliche Handlungen und ohne Autorisation des Parlaments mit den Stahlwerken von Fcrni LicferungSkontraktc abgeschlossen haben, die für dcnSraat im höchsten Grade ungünstig und kostspielig waren. Um die Austncrksamkeit des Publikums von dieser be- trügerischen Manipulation abzulenken, wurden die Aktien der Stahl- werke erheblich bcrabgesetzt: später stiegen sie in rapider Weise. 2. Soll Bettolo feinen Einfluß dazu benutzt haben, daß die staat- lichcn Arsenale von Neapel und Eaftellamare in Privatunternehmen nnigcwandelt wurden. Schließlich wird dem Bcttolo vorgeworfen, er habe iin Jahre 1899 als Marineminister LicferungSverträge für Kohlen für die Marine abgeschlossen, nur um einer Akticn-Gescll- schaft. deren Rkitglicd er selbst war, große Gewinne zuzuschanzen. Die Verhandlungen begannen ain Montaamorgcn unter großem Andränge dcS Publikums.'Vor dem Justizpalast sind Truppen und Gendarmerie postiert, weil man Demonstrationen zu Gunsten Ferris erwartet. Als Zeugen werden gegen lOOPersynen auftreten, unter denen sich Deputierte, Senatoren, Marine-Offiziere und andre hohe Person- lichkcitcn befinden. Dem Genossen Ferri stehen ein ganzes Dutzend Verteidiger zur Seite; cS haben sich ihm viele freiwillig zur Vcr- fügung gestellt. Ferri erklärt sich moralisch und gesetzlich verantwortlich für alle im„Avanti" erschienenen Artikel gegen Bcttolo und bedauert, daß die Klage nicht auch auf den Artikel vom 18. Juni ausgedehnt ist. der von einer Lieferung von Lebensmitteln für die Marine im Be- trage von 26'/z Millionen Frank handelt. Bettolo. der mit drei Advokaten zur Stelle ist, erklärt alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe für Verleumdung.—' Der neue Pniiaiiia-Vcrtraq. Ans New?)ork meldet das„Rentersche Bureau" vom Ist. No- vembcr: Der Wortlaut des zwischen dem Staatssekretär Hay und den: Gesandten der Republik Panama, Bunan-Varilla, vereinbarten Kanalvertragcö ist zwar n v cki nicht veröffentlicht, doch ist folgendes vom Inhalte desselben bisher bekannt: Panama tritt ans ewig an die Bereinigten Staaten alles Landgebicl überall in der Republik ab, das in Verbindung mit dem Bau, dem Be- triebe und der Unterhaltimg des Kanals für wünschenswert befunden werden kann. Der Vertrag gewährt den Vereinigten Staaten auch das volle Souveränitätsrecht über e i n e n L a n d st r e i f e n v o n z c h n b i s z w ö l f c n g l i s ch e M c i lc n B r e i t c z u b e i d e n Seiten des Kanals. Ferner erhalten die Vereinigten Staaten die E r l a n b n i s, eine Linie an den Endpunkten mit Befestigungen zu versehen und polizeilich zu überwachen. Die Städte Panama und Colon behalten ihre S e k b st v c r lv a l t n n g unter der Oberhoheit der Republik solange, wie sie die Ordnung und die Regelung der Gcsnndhcitsverhältniffc zur Zufriedenheit der Per- einigten Staaten anfrcchtcrhaltcn. Die Nichterfüllung dieser Bc- dingnngen giebt den Vereinigten Staaten das Recht, die genaue Erfüllung ihrer Wünsche durchzusetzen und sogar Gewalt anzuwenden, um sich Gehorsam zu erzwingen. Panama erhält zehn Millionen Dollar. Der Vertrag sieht ferner vor, daß der Kanal neutral und allen Völkern zu den gleichen Bedingungen geöffnet bleibt. Präsident Roosevclt hat noch nicht bestimmt, wann der Vertrag dem Senat zur Ratifikation unterbreitet iverden soll. Es verkantet, Präsident Roosevclt beabsichtige, die Einbringung des Vertrages so lange zurückzuhalten, bis durch feine Beratung die gesetzgeberischen Arbeiten während der laufenden außerordentlichen Tagung nicht mehr ans- gehalten werden.— Oestreich-Ungarti. Wahlsieg bei de» Gcincindcwahlcn in Graz. Bei den Gemeinde- rats-ErgänznngSlvahlcn aus dem dritten Wahlkörper in Graz drangen die socialdcmokratischcn Kandidaten mit ansehnlichen Majoritäten durch. Von den 4856 Wahlberechtigten beteiligten sich 2671 an den Wahlen. Die soeialdcmotratischeii Kandidaten erhielten 1415 bis 1553 Stimmen, während auf jene des deutschen Wahlausschusses nur 1104 bis 1202) Stimmen entfielen. Die Socialdcmokraten, welche bisher nur drei Vertreter im Gcmcinderate hatten, werden nun- mehr deren n e u n haben.— Schweiz. Die neuen Ausweisungen aus Genf. AuS der Schweiz wird uns geschrieben: Der Strqil der Maurer hat rasch zu Verhastnngen und Ausweisungen geführt, von letzteren wurden 17 Italiener betroffen, die der neuen Praxis zufolge von der schweizerischen Polizei an die italienische Grenze gebracht wurden. Es handle sich dabei um„Notorische Anarchisten", wird berichtet. Das mag sein, aber wenn sie streikten, haben sie sich nicht als Anarchisten bcthätigt, sondern als Arbeiter einfach vom Sstcikrecht Gebranch gemacht. Aber sie haben die Weiterarbeitenden zur Arbeits- cinstellung veranlaßt oder veranlassen wollen, und hierin liegt wohl das„Verbrechen". Das hätten die Leiter der Genfer Maurer nach den reichen Erfahrungen auch voraussehen können und es erscheint daher ihre Taitik als völlig verfehlt, liefern sie dadurch doch, wenn natürlich auch unbeabsichtigt, der Polizei immer wieder neue Opfer in die Hände. Der tiefere Grund dieser Vorgänge liegt natürlich in der mangelhasten Organisation. Ein kleiner Teil der Maurer beschließt eines schönen Tages Arbeitseinstellung und daraufhin sollen nun andre Taufende auch plötzlich die Arbeit liegen lassen. Wenn sie sich dessen weigern, kann man sie nicht einmal als Streik- brecher bezeichnen. Es wird in Genf nicht besser werden, bis die gewerkschaftliche Organisation der Maurer und Handlanger einen befriedigenden Stand erreicht hat und eine überlegte Kanipfcstastik befolgt wird. Nur eine gute gewerkschaftliche Organisation ist auch int stände, Errungettschasteit hochzuhalten und deren Nichtachtung. wie sie jetzt von den Genfer Baumeistern dem netten Tarif gegen- über bezeugt wurde, hintnitzuhalten.— England. Eine Folge der Zollagitation. London, 10. November.(Qsig.©er.) UeBer die Wirkungen der ChamBcrlainschen Zollagitation in Schottland bringt das laufende Heft der„Fortnigthly Review" einen anonymen Artikel, der zu den lehrreichsten politischen Kundgebungen der letzten Jahre gehört. Wir werden auf ihn beim Abschluß der Chamberlainschen Agitationstour ausführlicher zurückkommen, jetzt sei nur soviel bemerkt, daß der Anonymus der Ansicht ist, die Zollagitation habe das Erivachen des Klassenbewußtseins unter den schottischen Arbeiten? um 25 Jahre Beschleunigt. Der Liberalismus verliert dort zusehends an Einfluß Ul?d eine socialistische Arbeiterpartei sei iin Entstehen. Und sollte der Zufall es fügen, daß das schottische Proletariat einen Führer erhalte, nicht vom Typus John BurnS, sondern von dem eines Robert Burns, so würden die Arbeiter bald zum Siege marschieren m?ter den Klängen des Liedes:„Ein Mann ist ein Mann trotz alledem I" Was die schottischen Arbeiter jetzt brauchen, sei ein „schottischer August Bebel." Die Verhältnisse seien dort reif dafür.— Ruhland. Die Ratlosigkeit der Regierung in dem Kampf mit der revolutionären Bewegung und dem Wirt- schaftlichen Niedergang des Landes spricht sich wieder einmal deutlich in den Gerüchten aus, die in Petersburg gegenwärtig cirkulieren und die auch teilweise schon in Erfüllung gegangen sind. Da ist in erster Linie der Personen Ivechsel in dem Justiz- ln i u i st e r i u m zu nennen, von dein schon lange gemunkelt wurde, der aber nunmehr greifbare Gestalt gefunden hat. Schon vor längerer Zeit hieß es, daß auf Witte ein weiteres Opfer der Plehweschei? Jutrigucn folgen werde, nämlich der Justizminister Murawiew, der dem gewaltsiichtigcn Minister des Jmrern eine zu selbständige Erscheinung war. Nicht als ob Murawiew der blutigen Politik seines 5lollegen etwas in den Weg gelegt haben würde, davon kann keine Rede sein. Derjenige, der so fleißig an der Ausrottring der Narodowolzen, speciell der Teilnehmer der Verschwörung gegen Alcxarider II., gearbeitet hat, der die Socialisten Scheljabow, Perowskaja und andre an den Galgen brachte, dieser Mann kann Plehwe nicht weich erscheinen. Das einzige, was Plehwe rricht ertragen kann, ist, daß neben ihm in der Regierung Beamte sitzen, die nicht vollständig willenlose Werkzeuge seiner Hand sind. Mrlrawiew hat Bildung, er ist ein gritcr Jurist, das paßt Plehwe aber nicht in den Kram. Es heißt, daß an S t c l l c M ri r a w i e w s der jetzige Direktor des Polizeidepartements, L o p n ch i n, kommen werde, der einer der G ü n st l i n g e P l e h w e s ist. Lopuchin soll aber durch eine ganz neue Kraft er- setzt werden, durch den früheren Prokurator für politische Angelegen- Herten in den baltischen Ländern, T r u s e w i t s ch. Trusewitsch war noch vor einigen Jahren das letzte Rädchen in dem Gendarmen- rnechanismus, eine Art Gehilfe des Staatsanwalts in Riga, doch schon hier bewies er seine wirklich mißerordentlichen Polizcitalentc. Daß Plehwe auf ihn aufmerksam wrrrdc. steht außer Zweifel, und so spricht für einen gewissen reellen Grund des Gerüchtes eine That- fache, die nicht zu unterschätzen ist. Auch der K r i e g ö m i n i st e r Kuropatkin s e i am t Sinü d c; es hieß, daß er bereits seine Entlassung eingereicht habe, doch ist noch nichts Genaueres bekannt. Wenn die Beamtenschiebungcn für den Einfluß Plehwes zu sprechen scheinen, so wird auf der andren Seite bestimmter versichert, daß P I e h w e s Tage gezählt seien. Während des Aufenthalts Nikolaus' in Deutschland sei es Witte gelungen, seinen Rivale?? in Ungnade zu bringen. Es steht fest, daß Plehwe Ende Oktober nach dein Auslande abdampfte,?md diese Reise wird ii? Verbindung ge- bracht mit dem angeblich bald bevorstehenden Abgang des jetzigen Polizeiministers. Ueberraschen würde dieser Personenwechsel wenig, denn die Politik Plehwes ka???? wohl ans die Dauer nicht fortgesetzt werden. Die Blößen, die er sich giebt, häufen sich von Tag zu Tag. Die Schlappe, die er sich durch die Affaire Hotz in Italien zuzog, die Brutalitäten gegen Streikende, die Galge??, die er in allen Ge- bietsteilcn deZ Reiches aufpflanzt, die Mißerfolge seiner Spitzelcicn in der Schweiz, die Dcinonstratione?? in Jtalie?? gegen den Zaren- besuch, die ebenfalls bis z?im hohen Grad auf sein Conto gesetzt werden müssen, die Feindschaft, die er sich m den höheren Beamteickreisen geschaffen hat.— das alles zusarnmcn ist dazu angetha??. seine Stellung nicht zu stärken. Außerdem darf nicht vergessen werden, daß er eines Tages von einer Sturmwelle weggefegt werden kann, wie es mit Ssipjagin geschah. Daß der Hof unter solche?? Um- ständen schon beizeiten nach einer frischen Kraft umschaut, das kann man ihm nicht verdenken.— Amerika. Zur Revolution auf San Domingo meldet„Daily Mail" aus Washington, daß dort eiilgetroffe??ei? Telcgran?inci? aus San Domingo zl?folge die A u f st ä n d i s ch e n die H a?? p t st a d t a??- griffen, aber tiach s ch w e r e?n K a n? p f z?? r ü ck g e s ch l a g e?? wurden. A??? e r i k a??? s ch e M a r i?? e t r u p p e n wurde?? gelandet. Die Lage ist äilßerst kritisch. Der a???erikanische Ge- sandte berichtet, daß die Eroberung der Stadt durch die Auf- ständischen jeden Augenblick möglich sei. Die Bereinigten Staaten erkennen die Blockade von San Domingo nicht an. Amerikanische Handelsschiffe werden?inter dem Sch?>tze des Kreuzers„Baltimore" die Blockade brechen._ Gcwerhrcbaftlicbeö. Berlin und Clmgegtnd. Die Lohnbewegung der Mnsterkoffermacher. In der Branchen- Versammlung der Täschner?l??d Koffermacher, die an? Dienstag in? Gewerkschaftsha?lse tagte und zahlreich besucht war, beschlossen die anwesenden Musterkoffermacher, daß die von der Lohn- kommission aufgestellten Forder?l??gen den Arbeitgeben? eingereicht lverden sollen. Wie ei?ie kürzlich aufgenommene Statistik ergeben hat, sind die Lohn- und'Arbeitsverhältnisse ii? der M?isterkofferbra??che sehr verbesserungsbedürftig. Die Stundenlöh??? schivanken zwischen 50 und 30 Pf., der durchschnittliche Stundenlohn beträgt in den sieben i?? Betracht kominenden Werkstätten 41 Pf. Die tägllche Arbeitszeit dauert über 9, bis zu 10 Stunden. Die Musterkoffermacher, die noch vor nickst langer Ze?t recht mangelhaft organisiert waren, gehöre?? jetzt fast sämtlich de?n Verbände an. Da a??ßerdem gegenwärtig ein guter Geschäftsgang in der Brm?che herrscht, schei??e?? die Aus- sichten für die Loh??be>vegll??g nicht ungünstig zu sein. Ferner ivurde in der Versamn?l??ng über den Tarifvertrag der Täschner und Koffer macher gesproche??. Der Referent Weyher wies darauf hin, daß dieser mit der Fabrika??ten- Vereinigung abgeschlossene Vertrag, der bis zum 1. Juli 1905 gilt, es notlvcndig vorallssetzt, daß die Arbeiter fest zusamme??halten??nd streng dara??f achte??, daß die Bestimm?lngen aena?? i??negehalten lverden. Ebe?rso liegt es im allgenreinen Interesse, daß die Kollege?? die Accordarbeit melden. Hierbei wurde die Firma Führman?? gena?mt, die Arbeiter, die als Lohnarbeiter eingestellt wurden, zur Uebernahme von Accordarbeit zu veranlassen sucht. Ferner ivurde darauf aufmerksam gemacht, daß das sogena»?lte Nachholen von Feiertagen durch Ueberstunden ohne Prozentzuschlag nicht statthast ist und daß aus jeden Fall die 26 Prozeilt Zuschlag gezahlt werden »lliissen. Der Holzarbeiter- Streik bei der Firma Kümuiel dauert noch immer unverändert fort. Herr Kümmel bemüht sich unausgesetzt, Arbeitswillige hera??z?lziehen, doch vergebens, sei?? Betrieb ist und bleibt leer. Da alles Annoncieren in Berliner Blättern also nutzlos war, so versllcht er jetzt, dllrch Agenten die??ötigen Arbeitskräfte im A u S l a?? d e anzuwerben. Doch die internationale Solidarität hat ihm auch hier einen argen Streich gespielt. So wurde dem Holz- arbeiter-Verbande vor einigen Tage?? aus Prag gei??eldet, daß in der dortigen Gewerkschaftspreff'e vor den Kümmelschen Werbe-Age?lten ciachdrücklichst gewarnt sei, da n?an daselbst solche Ele?nente in ihren Bemühungen. billiges?lnd williges Me?lschenfleisch nach Berlin zu importieren,'beobachtet und gestört habe.— Vorstehende Thatsachen werfen n??n allerd???gs ein eigen- artiges Licht auf die Prahlereien der„Fachzeii?i??g". Schrieb diese doch erst kürzlich, daß auf dein Arbeitsnachlveis in der Alexanderstraße„noch Hunderte von Arbeitslosen" ei??- getragen seici?, so daß allf absehbare Zeit jeder Bedarf an Arbeits- kräften gedeckt lverden kölNle. Eictlvedcr existieren diese„Hunderte" nur in der Phalltasie der„Fachzeit?i?lg", oder sie Ivollen llicht hin zu Herrn Kü????nel, oder aber sie sii?d?licht zu gebrauche??, anders iväre das Ausstöbern von a??§läi?dischei? Arbeitslvilligen nicht recht verständlich. Da es ii? Prag nicht geglückt ist, so welldet sich Herr Kümmel vielleicht nach China! Eine Loh?ibcweg?li?g der Droschke?lk?itschcr Berlins Ul?d Umgcgelld steht bevor. Eine Vertrallensrnänner-Versa:???nl?lng solvie die Agi- tationskommission i>?? Verein mit de??? Gesellenausschllß hatten sich bereits?nit der A??gclegenhcit befaßt lind beschlossen, z????? Zweck der Klarstellung eine öffentliche Versa???ml?lng einz?lber?lfcn. Nachdecn in dieser der Vertralle??Si??anil die ungüilstige Wirt- schaffliche Lage i??folge der hohen Lcliens?nittelpreise, hohen Wohi?llngsmieten>lsw. besproche??, e??twickelte sich eine lebhafte Diskussion, in der sich alle Redner für den sofortigen Ein- tritt in eine L o h n b e iv e g.?? n g aussprachen. Es wurden eine ga?lze Reihe von Forde??ingen?mter Zustimmung der Versammelten geltend gemacht, jedoch einigte man sich schließlich auf Autrag des VertrauenSmanlrcs, vorläufig folgende Forderungc?? aufzllftellen:„1. Lohn pro Tag 1,50 M.; 2. 80 Prozent der ganzen Ei????ahme; 3. verschließbare Ra?lme zur Auf- bewahrcing der KleiduilgSstücke usw.:' diese Räume müssen bis z?l?n 1. April 1904 auf jedem Fuhrhofe eingerichtet sein."— Im Fall eS zu??? Ausstände ko?????ien sollte, crlvartcn die Droschkenklltscher, daß die Polizeibehörde mir solchen Kutschern den Fahrdiellst gestatten lverde, die im Besitze eilles Fahrscheiils sind. Schließlich gelangte folgender Ailtrag zur Annahme:„Der Vorstand und die Agitatio?lsko????l?lssion lverden beauftragt, eilie Kvmniission zu ivählen, die mit den Arbeit- geber- Vereilligllilge??, der Fuhrherren- Jnnuilg, dem Fachverein der Fuhrherren und de?n Abwehrvcrband der Fllhrherrei? in VerHand- liingen treten soll z?>m Zivecke der Annahme der Forder????gen. Außerdem lvird das Bureau ermächtigt, demnächst wieder eine Ver- sammlung einzuberufen, in der zu de??? Resultat dieser Verhaiidlungen Stellung'genommel? lverden soll. Die Differenzen der Metallarbeiter mit der Firma Nicmann u. Co. sind beigelegt. Bekaniltlich handelte eS sich????? cntlvürdigcnden Bedirigungen, von denen die Firma die Wiedereinstellling der Drücker nach erfolgter Beendigung des jüngsten Metallarbeiterstreiks ab- hängig machte. Nunmehr hat sich die Firma bereit erklärt, ihre An- ordnullgen betreffs Revision der Löhne ui?d Ableistling bestimmter Ueberstunden zurückzunehmen und s ä?n t l i ch e Arbeiter z?? den alten Bcdingllngc?? wieder einzllstellen. Unter diesen Umständen ist die Arbeit in de?n Betriebe gesteri? wieder aufgenominen Wörde??. Achtung, Zillkgicßcr nild Stürzer! Wegen Differenzen ist die Werkstatt vo?r Borsch, Alexandrinenstr. 97, gesperrt.— Zuzlig ist sernzllh alten. Achtung, Leistenvergolder! In der Go�dlcisten-Fabrik von Aurig lt. Westermann, Meerane in Sachsen, sind Differenzen ausgebrochen. Zllzug ist stre?ig fernzuhalte. Der Hauptvorstand des Verbandes der Vergolder. Deutsches Reich. Der Streik der Reismüllcr i?r Bremen hat sich min auf ei?? drittes Etablisse?nent ausgedehnt. Die Arbeiter der Firma Anton Nielsen sollten den Kahn„Indus", der Reis für die Finna R i ck m e r s geladen hatte, löschen. Sic haben als Anttvort sämtlich die Arbeit niedergelegt. Auch die Schlosser, Schmiede und Zimmerer der Firma Nielsen haben sich dem Streik angeschloffen, Nicht so eine Anzahl Schlachtarbeiter, die den Streikenden in den Rücken fielen u?ld sich an die Löschlliig des Kahnes„JndnS" machten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Streik sich auch nach Hamburg ausdehnt, da schon ein großer Rick mersscher Kahn mit Reis von Bremerhaven nach Halnbllrg llnterwegs ist. Die dortigen Arbeiter werden wissen, was sie ihre?? Bre?ner Kollegen schuldig sind. Ruslanck. Neue Beioeguilg unler den Dockarbeitern ucid Hafenarbeiter?? in Amperda???. Die Organisation der Amsterdamer Dockarbeiter richtete in der vorigen Woche ein Cirkular a?i die Ka?lffnai?l?schaft, wori?? sie mitteilt, daß eiilige Transport-Gesellschaften weniger Loh?? bezahlen ulld>ve??iger Le?lte stellen, als der geltende Lohntarif vorschreibt, lind daß die Direkcionen die Vertreter der Organisation in??ieder- trächtigster Weise behandeln. Wem? vielleicht lvieder?ln? ein die Handelswelt schädigender Streit ausbrechen würde, so seie?? die Direktionen der Transport-Gesellschaften dafür verantwortlich. Ge- llannt ivllrden i?? dem Cirkular die Wilhcl?ni??aveen? u??d die Blaauwhoedenveen?, die für eine Arbeitsleistung, die bei andren, anständigen Firme???nit 21 Gulden bezahlt wird, nur 8 Glllden zahle??. Die Blaauwhoedenvee?n loar es, von der die Differenzen n??sgingen, die den Generalstreik in diesem Frühjahr z?lr Folge hatte??. Es hat nui? eine Konferenz von Vertreter?? des Handels ?nit den Vertretern der Transport-Gesellschaften stattgefunden, Ivo die Klagen der Arbeiter größtenteils für unbegründet erklärt wurden. Auch mit den Vertreter?? der Arbeiter habe?? die Kaufleute konferiert und nach einer offiziellen Mitteilung sollen die Differenzen jetzt beseitigt sein. Auch ui?ter den Amsterdaii?cr Hafenarbeitern gärt es wiederum, auch sie klagen über viele Mißstände. Hin die Unzufriedenheit zu ui?terdriicke??, sind die Unternehmer ailf de?? Geda??kei? gekommen, eine Arbeiterkoinnlission lvählen zi? lassen, die die Aufgäbe haben soll, mit einer Kommission der Unternehmer über Streitigkeiten in? Arbeitsverhältnis zu beraten. Die Arbeiter glauben jedoch, daß die Unternehmer durch diese Maßnahme?? nur ihre eigne Position stärken?ind die wieder aufftrebei?de Hafenarbeiter- Organisation niederhalten wollen. Auf Veranlassung der Unternehmer fand dieser Tage eine Versaininllmg von Hafenarbeiter?? statt, wo die Kandidaten die Arbeiterkonnnission aufgestellt lverden sollten. Es kau? jedoch nicht dazu. Die Mehrzahl der Anwesenden erklärte, daß sie eine solche Kommission nicht anerkennen werde, forderte laut zum Eintritt in die Hafenarbeiter- Organisation auf und verließ schließlich, den Socialistenniarsch singend, den Saal. Die Maurer von Genf haben wieder gestreikt und zwar darum, weil verschiedene Baumeister den neuen Tarif nicht ein- gehalten haben. Da ca. 400 Streikende von einem Bauplatz zun? andern zogen, um die Weiterarbeitenden zur Arbeitseinstellnirg z?? veranlassen, so ivurdcn alle guten Bürger in Genf filchstc?lfelswild, veranstalteten eine Protest- und Entrüstungs-Bersammlung und schickten eine Deputation a?? den Staatsrat zun? Schutze des Geldsacks, der a?lch versprochen Iv??rde. Ueber die wortbrüchigen Baumeister entrüsteten sich die guten Bürger nicht und auch den Schutz des Tarifs sollen sie ebenfalls vergessen haben. Wie?mn a?ls Genf gemeldet wird, soll der Streik unverrichtetcr Sache beendet l?nd die Arbeit wieder ausgenommen worden sei??.— Ueber den ca. drei- monatigen Streik der Genfer Maurer während des Solnniers ist kürzlich die Abrechnung veröffentlicht tvorden. Danach kostete er 34 920 Frank und sind gegenwärtig noch ca. 10 000 Frank Schulden zu tilgen. Die Genfer Arbeiterschaft brachte 12 352 Frank auf, aus dem Ausland(Italien?lnd Frairlreich) kan?en 2000 Frank, 3348 Frank brachten die Maurer seit der Wiederaufnahme der Arbeit selbst auf. Der größte Teil der Ausgaben entfiel auf die Verpfleg????g der Streikenden?lnd ihrer Familien, Barunterstiitzung erhielten notleidende Fainilien in? Betrage von 554 Frank und abgereiste Italiener i?n Betrage von 1080 Fraiil. Ein Grubenarbeiter- Streik schei??t in Charleroi bevorzilstehen. Die Gr?lbenbesitzer haben eine zehnprozentige Lohnreduktion beschlossen und d??rch Plakate an den Gruben- Einfahrten bekannt« gegebe??. Ul?ter den Arbeitern herrscht große Erregung. England. Nach dem Berichte des Sekretärs der„Genera! Fcderation of Trade Ui?io??s" streiken die Ei s e n f o r??? e r der „Medway Steel Works" in C h a t h a in Englai?d. Die de?ltschen Former tverdc» dr?i?gend ersucht, sich für dieses Werk nicht aniverben zu lassen._ Das Ende des Penrhyu-Streiks. London, 10. November.(Eig. Ber.) Nach einen? dreijährigen opferreichen Kai??pse für das Gewerkschaftswesen erklärten sich am letzten Sonnabend die Arbeiter der Schieferbrüche von Bethesda (Wales) zur bedingungslose?? Aufnahme der Arbeit bereit. Die Lelite sind vollständig besiegt?ind hängen nunmehr von der Gnade des walischen Junkers, Lord P e n r h y?? ab. Das Elend, das die Streikenden lvährei?d ihrer dreijährigen Kainpfperiode erlitten, läßt sich kau??? beschreiben. Denn zu den unvermeidlichen Entbehrlingen der Arbeiterfamilien kamen noch die Austreibungen anS ihren Häusern und die Auswai?der?ingen aus ihrer Heimat, mit der sie Generationen hindurch verknüpft ivare:?. Die Opfer, die die britische Gewerkschafts- loelt diesem Koi?fllkt gebracht hat, sii?d ebenfalls bedeutend, sie dürften sich allf mehrere Millionen Mark belaufen. Aber es??utzte alles nicht gegenüber dem Entschlüsse Lord Pcnrhyns, das Princip des kollektiven Unterhandelns nicht anzu- erke????en. Wenn we??igstens die Arbeiter aus dieser Niederlage lernen möchten, daß das Gewerkschastswesen seine notwe??dige Vollendllng iin Socialismus finde. Dies ist indes sehr unwahr- scheiillich. Die Liberalen sorgen schon daflir, daß die TradeS- Unionisten„praktisch" bleiben. Die walisischen Arbeiter wählen dllrchwcg liberal. Sic sind auch radikal, aber ihr ganzer Radikalisinns erschöpft sich im religiösen Sektellwesen und in rednerischen Phrasen von Freiheit??ild Mei?schel?t?l?n. Eii?er ihrer Bertrauensmäiriler, der walisische Abgeordl?cte Lloyd George, ließ sich während des Streiks eimnal dazu hinreißen,?nit dein Antrage auf Nationalisierling(Verstaatlichung) der Schieferbrüche zu drohen. Allein die liberale Partei, deren Mitglied er ist, trieb ihm diese Mucken bald aus. Sie gestattete ihin, über Lord Penrhyns Tyrannei die grellsten oratorischen Phrasen zu gebrallche??, sonst aber beim liberale??, gesunden Menscheilverstand zu bleibe?? und den Arbeitern nichts von Nationalisierung zu sage??. Lloyd George, der ein sehr begabter Redller ist, lvird allem Anschein nach iin nächsten liberalen Kabinett einen Unterstaatssekretärpoftei? erhalten. Und die Arbeiter von Betheöda werden auf ihren Lands- mann stolz sein.—_ Versammlungen. Die Dekateure hielten am 10. d. Mrs. im Gewerkschaftshause eine Versammlllng ab. Letzren gab den Bericht über die Aus« sperrung bei der Finna Mühlbcrg: Tie Situation ist un- verändert. Die Ausgesperrten geben sich keinen Illusionen hin; sie wissen, daß, tvcm? nicht unvorhergesehene Zwischeirfälle stattfäildeit! sie vor Jariuar Aussicht auf Arbeit nicht hätten. Aber sie seien gesonnen, gerade deshalb fest zusammen zu halten, um zu zeigen. daß sie derartige Maßregelringen nicht ungestraft hinnähmen. Der Schaden, welchen der Inhaber der Firina haben lverde, sei kein geringer. Außer Bartschart, der ein Vierteljahr Kündigung habe, klage auch Lukoschck auf sechswöchcntliche Entschädigung. Wenn diese Klagen erledigt sind, kämen noch Uebcrraschungen, über welche Herr Lehmann sich wundern würde. Die Konkurrenz würde dann das Ucbrige thun. Tie Diskussion war eine sehr lebhafte. Es wurde beschlossen, die Sperre bestehen zu lassen, ferner von dem Ausschluß verschiedener Mitglieder aus dein Verbände bis zur nächsten General- Versammlung Abstand zu nehmen. Tie Maßnah?i?en des Vor- standeS in betreff der Untcrstützungsfrage wurde,? gutgeheißen. Tie Rabitzbutzer, Cementierer und Spanner(Sektion des Ten- tralverbmldcs der Maurer) wählten a?n Mittwoch in einer außer- ordentlichen Gcileralversammlung an Stelle des zurückgetretenen Sekretärs Nieke den Cementierer Otto Heese zum besoldeten Vcrbandsbeamtcn. Letzte Nachrichten und Depefchen. Das Deficit in Bade». Karlsruhe, 19. November.(38. T. 33.) Die„Karlsruher Zeitung" ineldet: Die B?idgetarbciten si??d diesinal infolge des Rückschlages in den staatlichen Cmnahmegucllen und der Eni- behrnng der Ileberschüsse früherer Jahre großen Schwierigkeiten begegnet. Ungeachtet der starken Zurückhaltung ii? den Budget- forderungen ist in der neuen Budgetperiodc mit einem so ein« h ertlichen Fehlbetrag zu rechnen, daß. wie Ivir hören, eine Erhöhung des Steriersrrßes der Einkommen- rind Kapital- Rcntcn-Sterier als bevorstehend anzusehen ist??i?d eine diesbezügliche Vorlage der Ständekammer alsbald nach ihrem Zusammentritt zu- gehen wird._ Nilterschlagungen im ungarischen Ministerium des Innern. Budapest, 19. Novenrbcr.(B. H.) Im Ministeriuin des Innern ist mair einer großen Teftaudation auf die Spur gekoininen. Die Untersuchung ist noch rricht abgeschlossen und Details sind noch nidit bekannt. Festgestellt ist bisher??ur. daß der Hilfsämter- Direkt''' Kadar zun? Schaden des Ministeriums den Betrag von 104 000 Kronen unterschlagen hat. Kadar ist heute verhaftet worden. Er war ein leidenschaftlicher Besucher der Reirnen und hat am Totalisator das Geld verspielt._ Frankreichs auswärtige Politik. Paris, 19. Novenrbcr.(W. T. B.) Deputiertenkammer. Zur Verhandlung steht das Budget des Auswärtigen. DeSchanel fragt unter Hinivcis auf die Reise?? des Körrigs von Eirglaird und des Königs von Italien und die des Präsidenten Loubet, ob die Annäherring FrairtreichS a?? England inrd Italien von Dauer sein werde, und ivelches ihre Ergebnisse sei?? werden. Redner sagt, er glarrbe, daß in 'Anbetracht deö Wettbewerbes Dcutschlarrds?n?d der Vereinigte?? Staaten die gegenwärtige Polisik Englands darauf hinziele, sich neue Absatzgebiete zu schaffen. Frankreich müsse dahin wirken, England und Rußland in dereir Interesse uird im Interesse Frankreichs selbst einander näher zu briirge??.(Beifall.) Während des Krieges in Südafrika habe Frankreich El?gland gegenüber eine loyale Halt?lng bewiesen und diese Politik inüsse Frankreich weiter verfolgen. Auch die politische Lage Ei?glai?dS in Egypten müsse Frai?k- reich in Betracht ziehen, allerdings?ll?ter Wahrung seiner eignen Rechte. Der jüngst abgeschlossene Schiedsgerichts- vertrag zwischen Frankreich und England dürfe lveder skeptisch noch init Ungeduld beurteilt werden. Verantwortlich für den be- Ivasfneten Friede?? seien diejenige??, die bei den Verhandlimgen in? Haag sich geweigert hätten, die Frage der Entlvaffnung näher zu treten. Es sei??icht Frai?kreichs Sache, die Initiative zu einem Abrüstungsvorschlage zu ergreifen.(Beifall.) Es würde e?i? Verbreche?? sein, Zwietracht zwischen Frai?kreich?li?d England zu säen. Redner geht sodann auf die Reffe des Köi?igS von Italien i?ach Frankreich eil???nd sagt, die wirtschaftlichen Interessen, die Erinnerung an das gemeinsam vergossene Blut und die Erinnerung an die Reise würden dazu diene??, die i?euen Beziehungen zu kräftigen, welche den gemeinsaincn Interessen dienen.(Beifall.) Kischiiirw, 19. November.(W. T. B.) Heute begann vor dem hier eingetroffenen Odessaer Gerichtshof im Beisein von Vertreten? der Stände unter Ausschluß der Oefientlichkeit das Hauptverfahreu in der Angelegc??heit der Unruhen vom 19. und 20. April d. I. Angeklagt sind 30 Christel??i??d ein spanischer Untcrthan. Vorgeladen sind drei Sachverftäi?digc und 500 Zeuge??. Verantwortl.Redaktelin Jl?lius Kaltski in Berlin. Inseratenteil verantivortl.!TH.Glov underte",— so wird es einem Socialdemokraten, der jene Hoffnungen von vornherein als eitel bezeichnet hat, wohl ae- stattet sein, aus die Mitverantwortlichkeit der Jauresschen Taktik für die militärischen Brutalitäten hinzuweisen. Das und nichts andres habe ich in der von Jaures gefälichten Korrespondenz gethan. Jaures hat sich aber mit der materiellen Fälschung des Citats nicht begnügt. Er sucht außerdem seinen Lesern aufzubinden, ich hätte in jenem Citat das Ergebnis des Streiks zusaniinen- gefaßt. Er vergißt, daß die Korrespondenz, an der er seine Fälschung -erübt, am 11. November geschrieben wurde, das heißt, dre, zun g e vor dem Eintreffen der Nachricht über den erfolgreichen Ausgang des Streiks, worüber ich erst am 14. November berichten konnte und berichtet habe. Er hat sich also beeilt, vor der Ver- öffentlichung meines Schlußberichts alle Register seiner Entrüstung aufzuziehen, um so seine materielle Citatenfälschung durch eine— um in seiner zarten Sprache zu reden—„skandalöse Erfindung und Auslegung" noch zu verschönern. Uebrigens ist der schließliche Erfolg des Streiks in keiner Weise geeignet, die antisocialistische Taktik von Jaures in der Kammer- sitzung vom 7. November nachträglich in proletarischer Glorie er- strahlen zu lassen. Die Arbeiter haben gesiegt nicht dank, sondern trotz jener Taktik. Die von Jaures angezogenen Beglückwiinschungen, die ihm die„siegreichen Arbeiter" votiert haben, beweisen in diesem Punkt desto iveniger, als er die Beglück- wünschungen mit dem— Nordpräfekten zu teilen hat. Hoffentlich ivird nientand aus den Beglückwünschungen an die Adresse des Präfeften folgern, daß dieser während des Streiks eine— socialistische Taktik befolgt hat. An seine inaterielle Citatenfälschung und deren„skandalöse AuS- legung" knüpft Jaures noch eine gar nicht hoffähige Schintpferei über meine Berichterstattung im allgenleinen. Da offenbar insbesondre meine Berichte über seine neuesten Handlungen seinen Zorn erregt haben, so stelle ich an den maßvollen und unbefangencn Be- schimpfcr folgende Fragen: 1. Ist es eine„Vcrleuntdung", daß er an den G a I a f e st e n zu Ehren des italienischen Königs teilgenommen hat? Ist es serner„sektiererische Voreingenommenheit", was den Sekretär der italienischen socialistische» Partei veranlaßt hat, auf die Anregung des jauresistischen„Jnterföderalen Komitees" hin einige Monate vor den, italienischen Königsbesuch zu erklären, daß d a S Fernbleiben von S o ci ali st cn an de» königlichen Galaseste,, sich von selbst ver st ehe? Und ist schließlich die„sektiererische Voreingenommenheit" oder die„Entstellung der Ab- sichten" Zc. daran schuld, daß der oppositionelle Flügel seiner eignen Partei im„Jnterföderalen Komitee" die—„inonströs- verleumderische" Resolution durchgesetzt hat, welche die Beteiligung eines Socialistei, an jenen Galasesten verbietet„unter Strafe der Entwürdigung(sous peine de dschoir) in den Augen revolutionären Proletariats"? 2. Ist es eine„Verleumdung", daß er die italienischen Genosici, in der„Petite Röpublique" von der Heilsanikeit des Zaren- b e s u ch s in Italien zu überzeugen versucht hat? Und ist es „sektiererische Voreingenommenheit", was das Internationale socialistische Bureau veranlaßt hat, in, Gegensatz zu Jaures sich mit den Vorbereitungen der italienischen Genoffen zn zaren- des„Kmiilts" feindliche» Kundgebungen solidarisch zu erklären? Oder hat das „JnterföderaleKoniitee" seiner eignen Partei seine edlen Absichten „entstellt, indem es die italienische Partei beglückwünschte zur Ver- Hinderung des Zarenbesuchs als zu eine»,„großen Verdienst um den internationalen Socialismus"? 3. Ist es eine„Entstellung" seiner Absichten, wenn ich das Votum von 14 jauresistischen Deputierten, darunter er, Jaures, Millerand, Dcville undRouauct.fürdcn„einfachen Uebcrgang zur Tages- ordnung" über die Pariser Arbeiter metzelet durch den Wunsch erklärt habe, vor allen, das Ministerium zu retten? Und ferner: haben sich nicht die IS Mitglieder der jauresistischen Fraktion, die, trotz seiner Mahnungen, gegen die„einfache Tagesordnung" ge- stimmt haben, der gleichen„Entstellung" feiner lauteren Absichten schuldig gemacht? Und schließlich: ist die S e i n e- F ö d e r a t i o n seiner eignen Partei nicht derselben verdammungswürdigen„Eni- stcllung" verfallen, indem sie beschlossen hat, die ihrer Kontrolle unterslehendcn Pariser Deputierten, die mit Jaures gestimmt haben, zur Verantwortung zu ziehen?... Oder zieht Jaures vor, sein Votum für die„einfache Tagesordnung" dadurch erklärt zu sehen, daß er wie die Meli,, ist en. die in demselben Sinne gestimmt haben, aus ordnungsrettcrischen Motiven gehandelt hat? 4. Ist es eine„monströse Verleumdung", daß Jaures seine Fraktion dezw. deren überwiegende Mehrheit bewogen hat, für die Geheimfonds zu stimmen? Ist es eine„Entstellung" seiner Absichten, wenn ich auf Grund des in der„Petite Republique" ver- öffentlichten Besckilusses seiner Fraktion berichtet habe, daß jenes Votum dazu bestimmt war. die Rücktrittsstiminung Conlbes wegen des vorausgegangenen Abfalles eines Teils der Ministeriellen zu verscheuchen? Oder zieht JaureS vor, jenes Votum auf seine uu- eigennützige Liebe zu den Geheimfonds und zu den Geheimagenten zurückgeführt zu sehen?... Ich weiß freilich sehr wohl, daß Jaures auch auf diese und andre ähnliche Fragen mit rcinivaschen sein sollenden„öffentlichen Zeugnissen" seitens ministcrialistisch mißleiteter Arbeiter antworten könnte. Das müßte aber in den Augen derer, die s o c i a l i st i s ch „voreingenommen" sind, die Schuld seiner Taktik nur noch er- fch w e r e n. Es gab einmal eine Zeit, wo JaureS loyal polemisierte, loyal polemisieren konnte und auch nicht zu schimpfen brauchte. Diese Zeit ist längst dahin. Sein Ministerialismus zivingt ihn zur Illoyalität, weil der Ministerialismus unvereinbar ist mit dem Socialismus(im international- proletarischen, nicht im fran- zösisch- radikalen Sinne), auf den JaureS aber dennoch zu schwören fortfährt. Eine innerlich gegensätzliche Stellung, ein Zweiseelen- Zustand, die ihn im großen und kleinen zur Unwahrhaftigkeit ver- urteilen. JaureS hätte daher allen Grund, sich um sein eignes Ansehen im internationalen Socialismus zu bekümmern, anstatt für das An- sehen der deutschen Socialdemokratie zu sorgen. Vor allem aber mag er erst lernen oder wieder lernen, richtig und ivahrheitsgemätz zu citieren. Auch würde es seiner Sache nicht schade»! wenn er Socialdemokraten gegenüber etwas von seinen an königlichen Gala- festen ja bereits erprobten feinen Manieren merken ließe. Noch eins. Es bietet sich ihm gleich eine Gelegenheit, eine kleine Probe seiner Unbefangenheit und Wahrhaftigkeit abzulegen. Mag er doch iveiiigstenS meine Berichtigung seiner materiellen und „moralischen" Citalenfälschung in der„Petite Sispublique"— ungekürzt und unverändert— veröffentlichen. Ich biete ihm meine Uebersetzerdienste an. Wird er es über sich bringen? Paris, 16. Novcinber. _ B. KritschewSkh. Ländliche Arbeiterverhältnisse im Rheinland. Zu den beliebtesten Argumenten der Agrarier, durch welche sie die ländlichen Arbeiter für ihre Schutzzollpolitik einzufangen suchen, gehört die Behauptung, daß wenn die Preise für Bodenprodukte steigen, auch der Landmann höhere Löhne zahlen könne, also ein Teil seines MehrverdicnsteS zweifellos in die Tasche der Landarbeiter fließen werde. Demgegenüber haben wir schon wiederholt darauf hingewiesen, daß der Arbeitslohn keineswegs zum Unternehmerprofit in einem Parallelverhältnis steht. Gerade zur Zeit der höchsten Blüte der ostelbischen Landwirtschaft in den fünf- ziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als das preußische Junkertum für seine Land- und Viehprodukte in England einen willigen und gutzahlenden Abnehmer fand, die Grund- und Pacht- preise von Jahr zu Jahr rasch stiegen nud der Adel auf feinen Herrensitzen nach Art altfranzösischer Grandseigneurs frohe Feste feierte, befand sich der preußische Landarbeiter in den elendesten Verhältnissen. Während alle Lebensmittelpreise mehr und mehr emporschnellten, blieben die Löhne der Landarbeiter auf gleicher Höhe, ja erlitten sogar in einzelnen Gegenden einen Rückgang, so daß selbst der bekannte streng konservative Volkswirt und Agrar- Politiker Dr. Th. Freiherr von der Goltz sich in seiner Schrift „Die ländliche Arbeiterklasse"(S. 114) zu dem Zugeständuis ge- zwungen sieht: „Für die Mitte dc§ Jahrhunderts wurde oben der durchschnitt- liche Mannes-Tagelohn in den östlichen Provinzen auf 0,80 M., nach Roggenwert auf 13l/2 Pfd. Roggen ermittelt und dabei fest- gestellt, daß nach Roggen wert der Tagelohn von 181S b i s 1848 nicht gestiegen, von 1840 ab sogar eher noch etwas gesunken i st." Ilnd doch ist die von dem Freiherrn von der Goltz beliebte Be- rcchnung nach Roggenwcrt die den Junkern günstigste; jedenfalls liefert eine Berechnung nach dem Weizenwert oder den Viehpreiseu ein für den Landarbeiter noch weit traurigeres Resultat. Auch in den nächsten beiden Jahrzehnten findet, obgleich die durchschnittlichen Pachtpreisc in den ostelbischen Provinzen von 1849—1863 um nicht weniger als 125 Proz. steigen, keine wesent- liche Lohnstcigerung statt; erst der industrielle Aufschwung in den achziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bewirkt als Folge der Abwanderung der Landarbeiter nach den Städten ein Anffteigen der Landarbeiterlöhne. Dies gilt für den Osten Preußens, und dasselbe hat jüngst in einer Untersuchung über die„Landwirtschaft im Kreise Bonn (Bonn, Fr. Cohens Verlag) Dr. A. Hollmann auch für das Rhein- land nachgewiefen. In einem Artikel der„Köln. Volkszeitung", die bekanntlich selbst für höhere Agrarzöllc eintritt, heißt cs über diese Schrift: „Um die fünfziger Jahre gab es bei uns eine ländliche Arbeiter- frage nur vom Standpunkte des Arbeiters. Es war Ueberschuß von landwirtschaftlichen Arbeitern vorhanden, und unter dem Druck des Angebots hielten sich die Löhne auf cinein Tiefstand, der hart an d a s x i ft e n z m i n i m u in d r irn g t e, st e l l c n w e i s e s o g a r darunter sank. Nach einer exakten HauShaltungsrechnung des che- maligen Direktors der landwirtschaftlichen AkademiePoppelsdorf. E.Hart- stein, aus dem Jahre 1830 standen bei einer normalen ländlichen Arbeiterfamilie ohne Grundbesitz einer Einnahme von 103 Thalern Bedürfnisse im Wert von 204 Thalern gegenüber. Das Deficit klingt ungeheuer, aber man kann nach Hartstein nicht daran zweifeln, muß vielmehr annehmen, daß die Familie mit der Hälfte ihrer Bedürfnisse auf tvohlthätige Unter- st ü tz u» g e n oder aber auf Unterkonsumtion an- g e w i e s e n w a r. Die einzige Hoffnung dieser Leute baute sich Freitag, 39. November l99Z. auf das Verdienst der Kinder. Aufs diese bitteren Pfennige lauerten sie; deshalb war ihnen der Schulzwang ein Greuel.„Die Wohltat dieser Einrichtung zu würdigen, liegt außerhalb der FaffungS» kraft dieser Leute," bemerkt Hartstcin. Bis in die siebzigerJahre hin ein hielten sich die L ö h n e a u f d i e s e in T i e f st a n d. Da nun setzte mit der Eni- faltung der Industrie der Umschwung ein, der einerseits die Land- Wirtschaft selbst umgestaltete und auf intensiveren Betrieb hinwies, andrerseits durch die �Ausdehnung des Arbcitsmarktcs auf die Löhne der Landarbeiter steigernd wirkte. Es sei notwendig, betont Hollmann, auch einmal von dieser Seite, vom Stand- punkte des Arbeiters, auf den Zusammenhang von Industrie und Landwirtschaft hinzuweisen und nicht immer nur die lohnsteigernde Konkurrenz der Industrie vom Standpunkte des Arbeitgebers zu be- trachten. Unter dem Einflüsse dieser Konkurrenz hat eine Steigerung der landwirtschaftlichen Gesindelöhne um 70 Proz. und der Tage- löhne um 140 Proz. stattgefunden. Freilich ist niit diesen blanke» Zahlen noch nichts gesagt, da inzwischen auch die LebenSbedürfniffe gestiegen sind." Als die ländlichen Grundbesitzer ohne nennenswerte Be- einträchtigung ihres wachsenden Profits es vermochten, ihren Arbeitern höhere Löhne zu zahlen, fiel es ihnen durchaus nicht ein— rücksichtslos beuteten sie die Notlage ihrer Arbeitssklaven aus; nun aber, wo ihnen der Gewinn nicht mehr in gleichem reichlichem Maße zu- fließt, hoffen sie die Arbeiter durch Versprechungen zu ködern, ihnen vermittelst der Zollgesetzgebung wieder zu ihren früheren hohen Profitraten zu verhelfen. Und doch würde, wenn es ihnen gelingen sollte, die Entwicklung der Industrie und damit zugleich die„Flucht nach den Jndustrierevieren" zu hemmen, ihr Erstes sein, die Löhne ihrer Arbeiter wieder herabzudrücken. partei-�ackrickten. Bei den Gemeindewahlen in Wösslingen in Baden wurden zum erstenmal Socialdemokraten in den Bürgerausschuß gewählt. und zwar gleich neun auf einmal. Ein zehntes Mandat ging nur infolge ungenauer Schreibung eines Namens verloren. Druckfehler-Berichtigung. In Nr. 269 des„Vorwärts" unter Partciiiachrichten sind in dem Citat aus dem Artikel des Genossen B I i e g e n zwei Druckfehler enthalten, die wir auf Wunsch des Genossen Vliegen noch nachträglich berichtigen. In der Mittel- spalte mutz eS in Zeile 10 von unten heißen Produktionsbranchc, nicht aber Produktionsweise. Am Ende der Spalte wird der Generalstreik unter den erwähnten Bedingungen als unmöglich be- zeichnet, während cs heißen muß: unnötig. Bei dieser Gelegenheit sei auch erwähnt, daß der Druckfehlerteufel sogar die ganze lieber- schrift der Notiz:„Diskussion über den Generalstreik" gefressen hat. Hiis Induftne und Handel DaS Projekt der Erhcbuiig von Schiffahrtsabgaben auf den deutschen Strömen ist, wie die„FreihandelS-Korrespondenz" aus- führt, eine Erbschaft Miguels, der mit der Zähigkeit, die ihm eigen war, wenn er seine reaktionären Ansichten verwirklichen wollte, für die Erhebung von Schiffahrtsabgnbcn auf den natürlichen Wasserstraßen agitierte, so lange er im Finanzministeriuni saß. Er hat seine Absicht im Landtag persönlich wiederholt dar- gelegt und durch die ihm ergebenen Preßorgane verteidigen lassen und ist noch in der letzten Landtagssession, die er als Minister er- lebte, darauf zurückgekommen. Die Befürworter des angeblichen Planes der preußischen Regierung fügen der letzteren eine schwere Beleidigung zn, wenn sie ihr unterstellen, durch die von ihnen ver- teidigte Interpretation den Begriff„natürliche Wasserstraße" in sein Gegenteil zu verkehren. Durch Buhnenbauten, Ilferbefestigungen, Vertiefen der Fahrrinnen durch Ausbaggern wird keine natürliche Wasserstraße zu einer künstlichen: wäre es anders, so hätten wir schon zur Zeit des Erlasses der ReichSverfassung keine schiffbaren natürlichen Wasserstraßen mehr gehabt, denn auch vor 1870 sind umfangreiche Korrektionen an den Strömen vorgenommen worden. Wie schwer die wirtschaftliche Elitwicklung Westdeutschlands unter den von Holland auf dem llthein, entgegen den Bestimmungen der Wiener Schlußakte, bis zum Abschluß des Handelsvertrages zwischen dem Zollverein und Holland bis 135 1 erhobenen Schisfahrsabgaben gelitten hat, ist dort noch nicht vergessen; das Deutsche Reich würde seine Interessen aufs schwerste schädigen, wenn es selbst die Erhebung von Abgaben auf dem Rhein in Anspruch nehnien und somit Holland das Recht wiedergäbe, auf Rhein, Lel und Waal lvicdcr Abgaben zu erheben. Der von Hannover zu Stade erhobene Elbzoll wurde 1362 beseitigt gegen Zahlung von 2'/z Millionen Mark, zu der auch Ocstreich einen Beitrag leistete. Glaubt man wirklich, daß die ostreichische Regierung so kurzsichtig sein könnte, jetzt einer Wiedcrcinführiiiig von Abgaben auf der Elbe zuzustimmen? Will man endlich Belgien das Recht zur Erhebung von Abgaben auf der Scheide wieder znlvcisen, nachdem man sie 1863 durch Geld ab- gelöst hat? Zur Bereiiiigiing der ElbschiffahrtS-Gcscllschaften weiß das„Berk. Tageblatt" zu berichten, der Zusammenschluß solle in der Weise vor sich gehen, daß die Gesellschaft v e r e i n i g t e r E l b- u n d Saale schiffer sämtliche Aktien der„ K e t t e" und einen großen Teil der Aktien der O e st r e i ch i s ch c n N o r d Iv e st- D a m p f- schiffahrts- Gesellschaft erwirbt. Während aber die „Kette" als selbständiges Unternehmen verschwindet, wird die Nordlvest- Gesellschaft formell bestehen bleiben, ver- mutlich, um weiter unter üstreichischer Flagge zu fahren. Die Aktien der„NodwestschiffahrtS-Gescllschaft" werden also, soweit sie von der Gesellschaft„Bereinigter Elbe- und Saaleschiffer" erworben werden, als Aktivum in der Bilanz der„Bereinigten sElbe- und Saaleschiffer" erscheinen. Dagegen dürften die Aktien der„Kette" nicht in der Bilanz der„Vereinigten Elbe- und Saaleschiffer" figurieren. Viel- mehr werden die Aktiva und Passiva der„Kette" in die Bilanz der „Nordwest-Gescllschast" übernommen werden. DasAktienkapitalder„Ver- einigten Elbe- und Saalschiffer" beträgt gegenwärtig 3500000 M., das der„«-»-"-Gesellschaft 6 450 000 M. Für je 3000 M.„Kette'-Aktien sollen 2000 M. der„Vereinigten Elbe- und Saaleschiffer" gegeben werden. Es müßte also das Kapital der„Vereinigten Elbe- und Saaleschiffer" behufs Erwerbs der„Kette" um 4 300 000 M. erhöht werden. Das Kapital der„Nordwest-Gesellschast" besteht aus 1,6 Mill. Kronen Aktien und 2,4 Mill. Kr. Prioritätsaktien. Da für die Werte der „Nordwest-Gesellschast" 97 Proz. in Aktien der„Elbe- und Saaleschiffer" gegeben werden sollen, würden, vorausgesetzt, daß schließlich sämtliche Aktien und Prioritätsaktien der Nordwestgesellschaft auf die Elbe- und Saaleschiffergescllschaft übergehen, ca. 3,3 Mill. Mark neue Aktien der Elbe- und Saäleschiffergesellschaft geschaffen werden. Im ganzen also müßte das Aktienkapital der„Elbe- und Saaleschiffer" behufs Erwerbes von Kette- und Nordwcstaktien um 7,6 Mill. Mark erhöht werden. Die„Kette" hat auch eine Obligationsschuld von 1 373 000 M. Diese dürften in Obligattoncn der Elbe- und Saaleschiffer um- getauscht werden. Stahlwerks-Bcrband. In der Generalversammlung, der West- fälischen Stahlwerke sprach Generaldirektor Köhler über die geplante Gründung eines StahlwerkS-VerbandeS. Er sagte, unter den gegenwärtigen Umständen könnten die W e st- fälischen Stahlwerke dem Verbände nicht beitreten, weil den besonderen Verhältnissen der M a r t i n w e r k e keine Rechnung getragen sei. Man ?offc allerdings, das; ein vroäus vlvsuäi gefunden werde. Eollie der Verband nicht zu stände kommen, so dürfe gehofft werden, daß die bestehenden Verbände verlängert werden. Tie schottische» Kohlengruben sehen sich, wie„Laffans Bureau" meldet, infolge Ueberproduktion durch Erbohrung zahlreicher neuer Flöne genötigt, die Preise herabzusetzen. Eine der größten Gruben in den Lvthums ermäßigte vorige Woche den Preis für beste Haus- brandkohle um 1 Shilling ü Pence für die Tonne. Eine derartige Preisherabsetzung im November steht bisher nahezu ohne Beispiel da. Jiu vorigen Jähre um diese Zeit mußten die Vertreter der Grube viele Aufträge ablehnen, da die ganze Förderung voll ver schloffen war. Sociales. Kindcrinord. Aus Mainz berichtet das„Tffcnbacher Abendblatt" vom 17. November: „Gestern abend würde ein vorbcs»raftcr Tieb im Haftlokal des 2. Polizeibezirks zusammen mit zwei Knaben im Alter von 13 Jahren in eine Zelle gesteckt. Ter Tieb benutzte die Gelegenheit, um an den Knaben ein Siltlichkeitsverbechcn zu verüben." Es mich; als eine strafwürdige Rücksichtslosigkeit bezeichnet werden, Kinder mit einem gewerbsmäßigen Verbrecher zusammen- zusperren. Hoffentlich nehmen sich unsre Genossen. im Landes- parlamcin oder im �tadrverorductentollcgium der Angelegenheit an um den Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen und vor allen Dingen festzustellen, ob Nachlässigkeit eines einzelnen Beamten vorliegt oder ob cS bei der Mainzer Polizei überhaupt Sitte ist, Kinder mit Verbrechern zusammenzufperren. Sollte das der Fall sein, dann muß unter allen Ilmständen sofort Abhilfe geschaffen werden. Eilmarsch der deutschen Tocialrcform. Die für gewisse Ziegeleien seit dem 1. Januar 189V bestehenden Ausnahmen von den Vor- schriften der j;§ 13ö, 137 R.-G.-O.— Arbeitszeit- Verlängerung für jugendliche und weibliche Arbeiter— laufen mit Ende dieses Jahres ab und werden nicht wieder erneuert. Der„Reichs- Anzeiger" ver- öff'cntlicht soeben eine neue Bekanntmachung des Bundesrates über die Beschäfiignng von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern. Darin werden die bestehenden Verbotsvorschristen für Beschäftigung dieser Arbeiter mit gewissen Arbeiten auf weitere 10 Jähre ver- längert, die Ausnahmevorschriftcn aber sind in der neuen Bekannt- machung nicht mehr enthalten. Bei der Z e r k l e i n c r u n g der T h o in a s s ch l a ck e n dürfe» Arbeiter nicht länger als 10 Stunden täglich beschäftigt werden und rs müssen ihnen in dieser Zeit Pausen in der Gesamtdaner von zwei Stunden gewährt werden. Diese Vorschrift hat durch Bekannt- machung des Bundesrats vom 15. November 1903 jetzt folgenden Zusatz erhalten: „Sofern die Arbeiter täglich nicht länger als sieben Stunde» bcschäfngi werden, und die Dauer ihrer durch eine Pause nicht unterbrochenen Arbeitszeit vier Stunden nicht überschreitet, braucht nur eine Pause von mmdestens einstündiger Daner gewährt zu werden." ß 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Durch Klage beim Berliner Gcwerbegericht beanspruchte der Hausdiener S. von dem Kaufmann 28. den Lohn für drei Tage, an_ welchen er krankheitshalber nicht arbeitete. Kläger berief sich auf den Z 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Festgestellt wurde, daß S., für den Kündiguugsausschluß galt, am dritten Tage seiner Krankheit erst entlassen worden war, der Vertrag also so lange bestand. Die Klammer VlI wies ihn mit folgender Begründung ab: An sich könnte S. einen Anspruch auf 616 stützen, wenn hier die drei Tage vor seiner, definitiven Entlassung als eine„Verhältnis- mäßig nicht erhebliche Zeit" im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs anzusehen wäre. Es handle sich hier um eine Tat- und Aus- legungsfrage. Das Gericht könne nun aber mit Rücksicht daraus, daß das Arbeirsverhältnis bei dem Ausschluß der Kündigungsfrist jeden Tag gelöst werde» konnte, im vorliegenden Falle die drei Tage nicht als eine solche„verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit" ansehen, denn diese Zeit betrage die dreifache Dauer der Kündigungs- frist. Kläger sei daher mit seinem Lohnanspruch für die drei Tage, wo er infolge Krankheit an der Dienstleistung verhindert sein wolle, abzuweisen. Gegen dies Urteil ist einzuwenden, daß bei der Feststellung der„verhältnismäßig nicht erheblichen Zeit" im Sinne des 8 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs die Tatsache des Ausschlusses der Kündigungsfrist doch wohl keine Rolle spielen dürfte. Es kann»ach unsrer Meinung höchstens das Verhältnis der?lnspruchszeit zur wirklichen Tauer des gesamten Arbeitsverhältnisses berücksichtigt werden. Wenn dieses mehrere Wochen dauerte, dann sind eben drei Tage eine„verhältnismäßig unerhebliche Zeit". Tic Konsequenz des obigen Urteils wäre ja, daß bei Kündigungsansschluß selbst bei einem I a h r e dauernden Arbeitsverhältnis drei Tage als„verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit" gelten müßten. Und das hat doch der Gesetzgeber sicherlich nicht gewollt. Borsicht beim Hantieren mit farbigen Kreiden. Im Unterrichts- wescn sind die Lehrer oft gezwungen, an den Wandtafeln Zeich- Hungen mit Hilfe farbiger Kreiden zu entwerfen. Es hat sich nun herausgestellt, daß diese farbigen Kreiden recht erhebliche Prozent- sätze von Blei oder Arsen ausweisen. Beim Gebrauch derselben entsteht nun Staub genug, um nach und nach zu nicht unbedcnk- lichcn Vergiftungserscheinungen zu führen. In dieser Weise hat sich ein deutscher bekannter Professor eine schwere Arsenvergistung zu- gezogen, deren Heilung über zwölf Monate Zeil er- forderte. Die Uebertragung des arsenhaltigen Kreidcstaubes gc- schicht zunächst durch die Einatmung, dann aber setzt sich der Staub auch auf Kleidung und Fingern fest. Die Bersuchnng, gelegentlich die bestaubten Finger an den Mund zu bringen, ist be- kanimich eine große. Jedenfalls genügt eine oberflächliche Reinigung der Hände nicht, mn vor Vergisrnngserscheimmgen beim Hantieren mit bunten Kreiden sicher zu sein und es gilt als durchaus möglich, daß das Arsen auch durch die Haut dcS Menschen hindurch zu wirken vermag. Im allgemeinen werden ja die Erkrankungen nur als Unwohlscm-Erscheinungen auftreten, die der davon Befallene wohl nur in den seltensten Fällen auf die richtige Quelle zurück- führen dürfte; immerhin ist die Gefahr durchaus nicht zu unter- schätzen, da Kreiden im Handel vorkommen, die bis 43 Proz. Blei- geholt ausweisen. Bei dieser Gelegenheit sei auch darauf hin- gewiesen, daß häufig Kinder mit bunten Kreiden spielen. Hier liegt natürlich die Gefahr von Arsen- oder Blci-Erkrankungcn ganz be- sonders vor. Glücklicherweise ist die Industrie in der Lage, Kreiden in allen Farben herzustellen, die weder Blei- noch Arsenzusätze ent- halten, so daß ein Verbot der Verwendung dieser giftigen Stoffe bei der Herstellung von bunten Kreiden ohne weiteres durch- sührbar ist. Ein lausiger Backstuben Prozeß beschäftigte das Schöffengericht Nürnberg. Ter Bäckermeister Kraus; hatte einen jungen Gc- Hilfen, Namens Beisel, Knall und Fall entlassen. Der Gehilfe klagte beim Gcwerbegericht auf Lohnenischädigung für 14 Tage. Ter Meister wollte aber nicht zahlen und führte zu seiner Rechtfertigung an, daß er den Gehilfen nur deshalb entlassen habe, weil er voll- ständig verlaust gewesen sei, worauf der Gehilfe entgegnete, wenn er Läuse gehabt, so könne er sie nur bei dem Meister bekommen haben. Der Meister zahlte den eingeklagten Betrag schließlich freiwillig, stellte aber gegen den Gehilfen wegen obiger Acußcrung Be- leidigungsktage, die am Mittwoch verhandelt wurde. Dabei fiel der Herr Bäckermeister gründlich hinein. Ter Angeklagte wies ihm durch Zeugen nach, daß es in der Bäckerei sehr unreinlich zugeht; so wurde konstatiert, daß die Backbretter nur alle Vierteljahre einmal ge- reinigt, daß die Betten der Gehilfen und Lehrlinge überhaupt nicht gemacht werden, wenn dieselben dieses Geschäft nicht selber be- sorgen, und daß eininal auf Anordnung der Meisterin schmutziges Bettzeug in den heißen Backofen geschoben wurde, um die darin hausenden Läuse zu vernichte». Ein früherer Gehilfe des Krauß bekundete, daß er ziveinial als Arbeiter in dieser Bäckerei war und jedesmal Läuse bemerkt hat.. Einmal stellte er deshalb den Meister zur Rede, worauf dieser nach ihm schlug und schließlich, um den Gehilfen zum Schweigen zu veranlassen, eine Marl Wochenlohn mehr gab. Tic Bretter seien nur gefegt worden, wenn getüncht wurde, was alle Jahre einmal �dcr Fall war. Tas Schlafgemach der Burschen befindet sich im Souterain, wo es sehr feucht ist; wenn es regnete, stand das Wasser fußhoch in der Kammer. Es wurde dann Stroh hineingeworfen, aus das man Bretter legte. Ein Zeuge, der den Meister als das Musterbild der Reinlichkeit hinstellen sollte, legte ihn erst ordentlich hinein. Anfangs schilderte er die Verhältnisse als ganz tadellos, als ihm aber ein von ihm selber ans- gefülltei: Fragebogen einer statistischen Aufnahme vorgelegt wurde, beichtete er, daß es sehr viel Ungeziefer,»amcnt- lich Flöhe, in der Backstube gegeben habe, daß die Bettwäsche jährlich nur viermal erneuert werde usw. Tos Gericht erklärte den Wahrheitsbeweis für vollständig erbracht, sprach den Beklagte» von Schuld und Strafe frei und überbürdete dem Kläger alle Kosten, die bei dem großen Zeugcnapparat nicht gering sind. TaS UrteL spricht aus, es sei unter allen Umständen nachgewiesen, daß es in der Bäckerei Lause gab und daß es auch sonst sehr unsauber zu- gegangen sei. Auch eine Krankenkassen-Angelegenheit. Tie Krankenlassen« Vertreter der Kruppschen Gußstahlfabrik in Essen erhielten folgende Einladung: Gußstahlfabrik Essen,....... P- P. Die Vertreter der Krankcnlasscn-Mitgliedcr sowie deren Ersatzmänner werden zu der am Samstag, den 14. er., nach- mittags 6 Uhr, im Speisesaale Portier I stattfindenden Ver- sammlung betr. Denkmalsangelegenheit unsrcs ver- srorbenen Herrn Chefs ergebenst eingeladen. £b wohl in dem Kruppschen Krankenkassenstatut die Errichtung von Denkmälern als?lufgabe der Kasse bezeichnet ist? Em der frauenbewegiing. Ter socialdemokratische Frauen-Watzlverein für die Landtags- Wahlen hielt am Dienstag seine letzte Versammlung ab, und zwar im„Vkaricnbad". im hohen Norden Berlins, dem 3. Landtagswahl- kreise, der zu den wenigen Kreisen gehört, auf die am heutigen Entscheidungstage die Genossen nicht nur Preußens, sondern ganz Teutschlands blicken. Genossin Zeplcr referierte über die Volksschule. Anknüpfend an die Landtagswahlcn, gab sie in trefflicher Zeichnung ein klares Bild von dem Schulelcnd in Preußen. Sie legte auch die aus dem Sclbsierhaltungstticb der herrschenden Klassen ent- springenden Ursachen so mancher Erscheinungen in unserem Schul- Wesen dar und gewährte erfreuliche Ausblicke auf die Schule der Zukunft, wie sie die Socialdcmokrarie erstrebt. Tie Älassenschule der Gegenwart, die uns die elementarsten Kenntnisse vermittele und mit den Mitteln längst überlebter Naturauffassungcn und einer elenden Geschichtsdarstellung Unhaltbares aufrecht zu erhalten strebe. werde abgelöst werden durch eine reine Kulturschule, eine Pflegstättc des freien und klaren Denkens, den Bedingungen des Fortschritts. Mit Hinweisen auf das hervorragende Interesse, das gerade die Frauen als Mütter an der Förderung einer solchen Entwicklung hätten, und mit einem Aufruf an die Frauen, den Willen dazu durch die Tat nach Möglichkeit zu bctnnden, schloß Genossin Zeplcr ihren interessanten Vortrag unter lebhaftem Beifall.— Tie Vorsitzende, Genossin Baader, nahm nach kurzer Debatte das Wort, um das Ende des 28ahlvcreins anzukündigen. Launig bemerkte sie, die Frauen hätten sich während der Landtagswahlcn wieder mal sehr gehoben gefühlt, sich gleich den Männern in einem politischen Verein bethätigen zu können. Es sei ja in diesem Wahljahr schon das zweite Mal gewesen und der pmißische Staat bestehe immer noch. lHeitcr- teit.) Soviel man konnte, habe man agitiert. Sic hoffe, daß die Frauen, mir denen man durch den Wahlverein neue Fühlung be- kommen habe, nun auch der proletarischen Frauenbewegung treu bleiben und ihr ihre Kräfte weiter widmen möchten.— Tic Abrechnung wird im„Vorwärts" gegeben werden. Mit einem Hock) auf die Socialdemotratie trennten sich die Versammelten. Marktpreise von Berlin nach Ermittelungen des �Weizen, gut D.-Ctr. mittel gering., »Roggen, gut Nuttel gering„ tzGcrste, gut „ mittel gering iHafcr, gut mittel gering Richtstroh Heu Erbsen„ Spciscbohlicn Linse» * ab Bahn. t frei Wagen und am 17. November 190? kgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.-Etr. Rindfleisch, Keule 1 kg da. Bauch„ Schweinefleisch„ Kalbfleisch„ Hammelfleisch Butter Eier Karpseu Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Slück 1 kg 6,50 1,80 1,50 1,60 2,00 1,80 5,00 2,00 2.60 2,60 2,00 1,80 3,00 - i 1,40 per Schock I 15,00 5,00 1,20 1,10 1,10 1,20 1,10 2,00 3.00 1,20 1.40 1,20 1,00 0,80 1,40 0,80 3,00 Eingegangene Dnichrcbnftcn. Ad. Tvgaiinski.„Lebcnsjrcudeu". Verlag von Dr. I. Marchlewsli u. Go. München. Preis clcg. geb. 4 M. Inserate für die nächste Unmmer müsseil bis 3 Uhr nachmittags iu der Expedition abgegeben werden. Größere Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. � Für de» Jntzalt der Inserate übernimmt die Rcdaktto» dem Publikum gegenüber keinerlei _ Berantwortung. XTbeater« Freitag, 20. November. Ansang 71/, Uhr: Opernhaus. 4. Smsonie- Abend der Königlichen Kapelle. Mittags 12 Uhr: Iinsoiiic-Matinec. Tchausptelhaus. Wallensleins Tod. Deutsches. Rose Bernd. Berliner. Gräsin Lea. Leffing. Zapfenstreich. Westen. Die Asrikancrin. Neues. Salome. Vorher: Der Kammersänger. Residenz. Das große Geheimnis. Central. Der Rastelbinder. Thalia. Ter Hochlourist. Ansang 8 Uhr; Nenes Opcrntheater. Die Dorf- Musikanten. Schiller<>.(Wallner- Theater.) Wilhelm Tell. Schiller Hl.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Hcdda Gabler. Belle-Alliance. In Vertretung. Carl Weist. Hannemaun vom Viehhos und Der kleine Cohn. Luiicu. Der Widerspenstigen Zähmung. Kleines. Elellra. Trianon. Biscoltc. Casino. Berliner Nachlashl. Hole! Klingebusch. Mctropol. Durchlaucht Radieschen! Spccialitäten. Deutsch- Amerikanisches. Uebcr'n großen Teich. Apollo. Frühlingslust. Speciali- täten. Winter-Garlen. Specialitälen. Passagc-Theater. Specialilälen. Reichshalle». Stettiner Säuger. Palast. Die Tochter des Herrn Fabricius. Specialitäten. Urania. Taubenftrastc 48/49. Um 8 Uhk im Theater: An den Seen Ober-JtalienS. Um 8 Uhr in: Hörsaal: Dr. G. Naß: ..Die Leichtmetalle". Jnvatidenstrastc 57/62. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Htm Theater. Schifibauerdamm 4a— 5. Salome. Vorher: Der Kammersänger. Anfang 7'/, Uhr. Kleines Theater. Unter den länden 41. Elektra. Anfang 8 Uhr. Sonnabend; Jfaehtaayl._ Central-Theater.' Heute: Zehnte Abonnements- Vorst. Abends Ist* Uhr: Ter Rastelbinder. Operette in 3 Akten von Victor Löon. Musik von Frz. Lehür. Ed. S t e i n b e r g e r als Gast. Sonnabcndnachmitlag 4 Ubr, halbe Preise, jeder Erwachsene ein Kind srei. Kindervorstellung: Der gestiefelte Kater.— Abends 7V, Uhr: Der Rastelbinder. Luisen-Theater. Zum erstenmal: Der Anfang 8 Uhr. Sonnabend; Das Käthchcn von Hcilbron». " Sonntagabend: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Der Aktienbudiker. Schiller-Theater. Schillcr-Thcatcr O, (Wallner-Theater). Freitagabend 8 Uhr: Wilhelm Teil. -ichauspiel in 5 Ansz. v. Fr. Schiller. Sonnabendabend 8 Uhr: Wilhelm Teil. Sonntagabend 8 Uhr: Wilhelm Teil. Schiller-Theater'S. (Friedrich-Wilhelm städtisches Theater). Freitagabend 8 U h r: Hedda«abler. Schauspiel in 4 Aufzügen von Henrik Ibsen. Deutsch von M. v. Borch Sonnabendabend 8 Uhr: Her Talisman. Sonntagabend 8 Uhr: Kedda Oabler. Cirkus Schumann. den 20. November, abends 71/. Uhr: tt Zum S. Male! Carl Weiss-Theater. Graste Frankfurter Dtraste 13S. Vollsvorstcllung(Parkett 60 Pf.); Hannemann vom Viehhof und Der kleine Cohn. Zlnsanz 8 Uhr. SonnabenSiiachmittag 4 Uhr: Max und Moritz. Abends: Die Toten leben. Sonntagabend: Die Talen leben. Heute Freitag, Zum S Haie! Phänomenal!"UX™ Sensationen! ftekordsiirung von SO?uss= 15 jfteter ausgeführt von der berühmten Pariserin Mlle. llckiene Dutrieu, i ErlMn dieses Plelispnps mit im Umii. Siegerin aller Schnclirahrt-Champijgnonmatchs, die einzige Kadfnhrerin. welche sämtliche Weltrekords geschlagen. Dein Berliner Publikum vom Sportpark Friedenau bekannt, wo sie im Jahre 1902 gegen sämtliche ersten Rennfahrer als Siegerin hervor- gegangen ist.— Außerdem 25 männlich- Kaiserlöwsn. 4r,ss,İn Eis- Iinit Kragen-Bären. Sonntag(Toten[c(t) nachmittag keine Borstellung Um vielen Wünschen z» eist sprechen. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Extra-Vorsteiinng. Ein Kind frei, weitere Kinder zablen halbe Preise.____ Casino-Theater. Lothringerslr. 37. Ans. 8,«onnl. 71/.. 3 Uhr: Kerl. Nachtasyl. 8'/z Uhr: Tereh- WolfT. Gaslsviel Kapit. Martens. 0'/, uhr.- flötet fllingebnseb. Sonnlagnachm. 4 Uhr: Lltsrnles. Passage=Theater Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. fertina die erste Exeentrie- Tänzerin der Welt. Die Berliner Presse stellt fie ein- stimmig an die Spitze aller bisher in Berlin gesehenen Tänzerinnen. 14 glämende AllRwtrv. Zum 83, Male otsdAfflerteiies Theater j67Köpnitker3fr.6ft .. ngwaerifeich" Anfang 6 Uhr. Seile-Ulliance- Theater. Bellc-Allianeestr. 7—8. Ansang 8 Uhr. In Vertretung. Ein Soldateuschlvanl in 3 Alte» von Heinz Gordon. Sonnabend: In Vertretung. Sonntag: Ter Menonit. Direktion S. Lanienburg. Ansang 7'i, Uhr. Das grosse Geheimnis. Lustspiel in 3 Akten n. Pierre Wolff. Deutsch von Max«dhönau. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung.______ Trlanon-Theatep. Keorgensiraße, zwischen Friedrich- und Universitälsstraße. Biscotte. Anfang 8 Uhr. Sonntag: Einmaliges Gastspiel Dir. Sigmund Uuiondurg mit dem Ensemble des Refideuz-ThealerS: Tie Wildente, Uraniav Taubenstrasse 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober-Italiens. Um 8 Uhr im Hörsaal: Dr. G. Xass:„Die Leichtmetalle". Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. I Direktion: Robert Dill. Brnnncnstrassc 16. Zum letztenmal: lüuttcrkgen. Schauspiel mit Gesang v. W. Friedrich. Anfang 8 Uhr. Entrec 30 Pf. Johannisthal. Raas Park-Restamnt. Feden Sonntag: Grosser Ball. KaffeekUche.— Kegelbahn.— Aus- spinnung.— Zaal für Vereine und Versammlungen. 2806L" CASTANS PANOPTICUM Friodrichstr. 165, Sndianer-Kiese k«™«0 Bio zusammengewachsenen Lebend. fSchsvcstcrn! Lebend. Boeren-Riese Ventifr! ehemal. Leibsoldat des Präsidenten Paul Krüger von Transvaal. Heute Freilag u. morgen Sonnabend: Will WM! Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Scene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. _ Im 4. Bilde: SV Grosses Ballett Wie damals im Monat Mai. Anfang 8 Uhr. Sonntag, den 22. November or.: Einmalige AuSührung von Mein Leopold. Volksstück mit Gosang in 4 Akten. von Adolf L Arronge. Woigelt: Emil Thomas». G, R. Berliner Saison.=, Cirhns 8nseh. Freitag, den 20. Siorcmbcr er., abends T'/o Uhr: Die neueste Sensation Berlins: Mr. Eclair im Teufelsrad. Paul Mündner: Sprung durch den ganzen Cirkus und über eine Herde Aesantc». Nur noch kurzes Auftreten der Miss HßUOl, Löwenbraut. Ritter von Renroff, Schulreitcr. Mademoiselle de Holstein, Schulreiterin. Berliner Winterfreuden Humorist. Manege- Schaustück. Die unübertrefflichen Clowns fratellini.Mgeriil-Giowns Daniels, Albane und Dale mit ihrer urkomischen Dogge. Apollo-Mot. Novemb«! Frühlingsluft. Vorher die glänzenden Specialitäten. Totensonntag, den 22. November: Einmalige Aufführung mit großem s Orchester von x Vision nach dem Balle. Pantomime. Musik von Joachim Albrecht, Prinz von Preuße«. königliche Hoheit. sEigne Bearbeitung für das'Zlpollo-Thealer.) Dazu: Tie Zaubergeige. Operette in 1 Akt von Jacq. Offenbach. Die Nürnberger Puppe. Oper in 1 Alt von Ad. Adam. Vorher: Diänzende Specialitäten Fröbels Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Fräbel. IW Totensonntag: Gesang-Verein..Laetitia" Montag, den 23. November: Gastspiel des Bühnen-Verbandes Goethe-Enfemble Llufführung: Die Haubtnlklcht. Schauspiel von Wildenbruch. Dienstag, den 24. November: Gastspiel des Märkische» Städte bund-Theatcrs: Charleys Tante vom'Adolf Ernst-Thcatcr. Anfang 8 Uhr. Üentree 30 Pf. !lasianicn-Allcc 7—9. Freitag, den 20. November 1903; Bernlianl Rose-Tlieater-Eiiseintile. Ein ehrlicher Makler. Aolksftück mit Gesang in 4 Akten von L. Treptow. Musik v. Hübner-Trams. Ansang 8 ishr. Falael-Thealerl- krülrer Itoii-I'alazt. Bnrgstr. 22. Slite-Extra- Vorstellung: Die Tochter des Herrn Fabricins. Schauspiel in 4 Akten v. A. Wilbrandt. Morgen: Oae tiehesparallies Sonntag, den 22. November 1903: Muttersegeu. Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Entree SO Pf. veutlcher Metallarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Bnrean: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher Amt IV, 3353. Sonntag, den 22. November 1903, vormittags 10 Uhr: Seneral-vei'lammlllng der vewaltungsitelle Berlin im Palast-Theater(Feenpalast), Burg- und Wolfgangstraßen- Ecke. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Diskussion. 3. An die Verwaltung gelangte Anträge. IW Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. _ Zahlreichen Besuch erwartet_ 161/1_ Die Ortsverwaltnng. für die Hanssonci. Koltbnser Thor— Stat. der Hochbahn. Sonntag, Montag und Donnerstag: HofTmanns Horilileiitselie Sanier. Stach jeder Soiree: Van�hrriin�chen. Sonntag, 22. November, (Totensonntag): _ Z u nr zweitenmal: DerLeienanniinfi sein PllegeW. Volksstück mit Gesang in 5 Akten von Charlotte Birch-Pfciffer. Xömgstaüt-Xssmo Holzmarktstr. 72, Ecke'Alexanderstraße. Täglich: Franz: Snhanshi, Geschw. Lehmann, C.Groth, L.Durand, La Traviata, Lesardo and Trepp, Zum Schluß: Ein Goldfuchs. Zu der am Dienstag, de» Ä4. d. M.. abends 7>/„ Uhr, in den Zlrminhallen, Kommandantcnstr. 20, stattsindcndcn 58. oi-clentlicken Oeaeral-VereaimiilMg der Lrts-Krankenkasse für die Wäschefabrikation wird hiermit crgcbcnst cmgcladen. Tages-Ordnung: 1. Neuwahl für vier Vorstands- Mitglieder(1 Arbeitgeber und 3 Arbeit- nchmcr). 2. Wahl des Ausschusses für die Prüfung der Rechnung des Jahres 1903. 3. Beantwortung aller derjenigen Anfragen. welche im allgemeinen Interesse der Wmnkcntaffc liegen und bis zum 21. November d. I. schrist- lich oder mündlich an den Vorsitzenden der Kasse gestellt werden. 4. Verschiedenes. 278/16 Berlin, den 11. November 1903. Der Vorstand der Orts-Kranhenhasse für die Wäschetabrikation. Frankfurther, Vorsitzender, _ Meycrbcerstr. 1—4. igilalionsmaterial! Als billiges und wirksames Zlgitationsmatcrial cmpschlcn wir: 100 Exemplare zu Ml. 7, 500„..„ 25. Georg v. Bollmar: Lehren und Polgen der letzten Reichstags wählen. Robert Albert: Kaiser-Adressen! nebsi einem Anhang: Kruppscher Wohlthätigkeitsschwindsl. Iah. Timm: Socialdemokratie und Centrum. Thatfachen- Material zur Arbeiterverficherung und Ecntrumspolitik. Lieferung kann nur erfolgen, soweit der Vorrat reicht, 0. Birk& Co., Münclien. Bürsten-- u. Pinielmacher. Montag, den 23. d. Mts., abends S'/.. Uhr, bei Pfeffer, Rosenthalerstraßc 57: Oeffentliche Versammlung Tages-Ordnung: 1. Die gegenwärtige Lage im Bürstenmachcr-Gewerbe. Referent Kollege Gtnsehe. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 89/14 Sämtliche' Kollegen Berlins ersuchen wir, in dieser Versammlung bestimmt zu erscheinen. Die Branehenkammission der Bürstenmacher. CentraSverhand der Daehdeeker (Filiale Berlin.) Sonntag, den 22. November, vorm. 10 Uhr, Wcinstr. 11 bei Feind: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom dritten Quartal 1903. 2. Bericht vom Streikfonds. 3. Verbandsanglegenheilen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 4/t9__ Die Ortsverwaltung. Uttbliiih des Itdin. Ktihlikil-Persslstils. Sonnabend, den 21. November, abends 11 Uhr: DP Versammlung"WZ im Gewerkschaftsftause, Engel-llfcr 15. TaaeS-Ordnung: 1. Verbaiidsangelegenheiteir. 2. Abrechnung der Billcts vom Stistimgs- fest. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet 190/11 Der Vorstand. Kilnstiiohe Zähne, Plomben sc., Carl Goeringer, Dentist, N., Eichendorffstr. 21, jrühcr Brunuenstraßc. Bei Vorzeigung der Annonce Preisermäßigung. 3233b Pienes Frugramni: Saharet australische Tänzerin Emil Sondermann Humorist vom Centrai-Theater Berlin. Lucie Krall Bravoursängerin. Ida Füller in ihrer eloktr. Sensat. „Feuer und Wind". Urhani u. Sohn Gymnastilcor. Lamhorg Klavierhumorist. Little Fred Hunde-Dresseur. Les Agoust's Humorist. Jongleure. Hadj Abdullah Arab. Gymnastiker. Egger Rieser Tyrol. Gesangstruppe. 0. K. Sato itomischer Jongleur. Pariser Luft" Ballet. Der Biograph._ HirsiWsch 25-30-40 Pj. Blatt 50 Pj. Rehkeulen und Blätter. Gespickte Hasen mx 3 m. a» Oderbr. Gänse M SS-, B w. Junge Enten, Hühner, Kaninchen 70 Pf. ÄDilcrhl Dresdener- Amt IV, . nllaUll, Straffe Gl. 1593. GUriiaBliiiclü Wer seinen Kindern zu Weihnachten eine Freude bereiten ivill, der lause ein Kiftchei, des von nnsren Genossen angcscriigtcn gold- und silbcrglitzcrndcn Christbaumschmucks. covtintcnt I für 5 M. sranco gegen Nachnahme, cuihaltcnd 8—9 cm große Kugeln, dazu eine schöne große Restex- Baumspitzc, tlingcndc Glocken, Achsel, Bir- neu. Aprikosen und Früchte aller Art. Phantasie- u. Reflex- Ariiket.übcrsponncne, glatte, bemalte und imbcmaltc Eier und Kugeln, HundcriStück versilberte Strang- kugeln. Eiszapseii, Lametta, Konjell- Halter nslv., kurz alles lvas die Glasindustrie in Lauscha fertig bringt. Hierzu eine Gralis- bcilagc: ein Erdbcer- oder.Himbecr stock aus Glas. 3237L. Sortüneut H stanco gegen?!ach- nnhine jür 3,50, ebenfalls sehr bc- sriedigcnd. 'Auch versenden wir in allen Quanten und garantieren für völlige Zu- friedcnhcit Gmcko MIlBlei« js11. Lauscha, S.-Ri. 1 OeffentSiehe Volksversammlung am Freitag, den 20. November, abends 8-/., Uhr, im großen Saale von Kellers Festsälcn, Koppenstraße 29, unweit Schlesischcr Bahnhof. Vortrag für Männer und Frauen über: Tie homosexuelle Frage (das dritte Geschlecht)»nd der S 175. Rcscrent Dr. üf. Hlrschfcld. Nach dein Vortrage Diskussion und Fragebeanitooriiing. Zur Deckung der Unkosten wird ein Eiuirittsgeld nicht unter 10 Pf. er- hoben. Um zahlreichen Besuch bittet Die volhswlssenschnftliche Vereinigung. Vorsitzender: Heinr. Idchte, Berlin SW. 48., Wiiheimslraße 6. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Verband der Fabrik-, Fand-� Hilfsarkeiter «nd-Arbeiterinnen Deutschlands. ILnhlslelle Charlottenburg. Sonnnbend, den 9. Januar 1904, im großen Saal des Charlotten- vurger Bolkshanses, Rosincnstraßc 3: ffuslikil-Klill. — Demaskierung um 12 Uhr. Prämienvcrtcilung an die dm sebönften JMaekcn. Während der Kafsccpause: Gesangsvorträgc Ansang 8 Uhr. Ende??? Billct 4.G Ps. inkl. Tanz. Abendkasse findet nicht statt. 64/16 Das Komitee. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Sehlafraöbsl-SazarJabiT Centrale Jnvalidcnstraßc 160. Filialen;! Frantsuricrstllö Potsdamerstraße 83h, Tauenzienftr. 7a a. d. Göbenstraße. Beusselstr. 18 Bcllc-'Allianccsir. 107!Orauienstr. 31 Rcinickendorserstr. LCsBrunnenstr. 92 8, 10, 15—60 M. Fertige Betten«nd Metall- Bettstellen für Kinder und Erwachsene. von 29,1)0 M. a». 12, 15-90 M. lellAhliisig gestattet. Lieferant dcS Post-Spar- und Vor schuß-Vereins. zpekwsrmMrik XeiR«?i«»i»igstr. 21 verlaust nach beendeter Engros- < Saison ihre Reisemuster, be- stehend in: 38/17 Pelzstolas, Colliers, Muffen etc. - g zu billigsten Engrospreisen. ES j gelangt nur reelle Kursehnenware < zum Verkauf.— Sonntags geschloss. äLinpseblc allen Freunden u. Bekannten vlmein'dVel!««-, Daz-rl�ehhler- und gr. 8pel«ege«ehiil't. Reich- baltigcS Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Pf. sowie Abendiisch ä la carte von 30 Ps. an. 2 Bercinszimmer mit Klavier für 20—50 Personen.* II. Stramm, Rest.Ritterstr. 123. Herren-Moden elcg. Ausführung, geringe Tcil- , zahlung. iJ.turzIiergJeueKöiiigstr.llll,: -i direkt am Aicxandcrplatz. Ausverkauf VeirzoUfe preise. Brasil..... 05 Ps. an Carmen....«5-/,„„ Scedleaf.,,, 55„„ Java..... 63„„ Tomingo... 65„„ sein Java ttmblatt itxt'/,„„ Havanna...- 90„„ Mexiko. 299.. tadelloser Brand, gui deckend. Borstenland Telk 169 Ps. Sumatra Decker: 195, 12O, 125. 149. 189, 200, 210, 290-350. Allerodelste Marke; Dell KaMy, Dell My/M/PB. Dell My LM,-c.:c., GE Laukat soweit Vorrat reichend. KonMgdaltt Goldschmidt _ Dirksenstr. 42. 9—1. Damen erhalten elegante Garderoben nach Maß bei nur geringer Teilzahlung.[32632*| ' Werg. KönigÄi n Direkt a. Alexanderpl. Arbeiter-Radlahrerjerein „Berlin". Sonntagmittag 1 Uhr: Franksurtcr- und Memclerstraßc-Ecke, nach VSilhelmshagen. 13/4 Große Ketten IS M. (Oberbetr, UnterbUl,»W-i«ig,n> mit a«reinigte»»rn�n Krdern bei «uft-v Luftig. straie 4v.«riislisli loftensrei. Biel» ��»nerkeniinnAsschre�� Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 68 Lindcnstraffe 69, Laden! Aufklärnngs-Schnften über das �hristentuul. War Jesus Gott, Mensch oder Uebermensch? Von Dr. Eugen Losinsky.— Preis 15 Pf. Waren die Urchriften wirklich Ioeialisten? Von Dr. Eugen Losinsky.— Preis 15 Pf. Das wahre Christentum als Feind von Kunst und Wissenschaft. Von Dr. Eugen LosinSky.— Preis 15 Ps. Was haben die Armen dem Christentum zu berdanken? Von Dr. Eugen Losinsky.— Preis 20 Pf. Christentum und Socialismus. Neue Zlusgabc mit einem neuen Vorwort vomMail901 von A. Bebel. — Preis 10 Ps. Die wahre Gestalt des Christen- tnms. Uebcrsetzt und mit Vorwort versehen von Ä. Bebel. �— Preis 50 Pf. Glossen zur wahren Gestalt des ChristentnmS. Von A. Bebel. — Preis 30 Pf. Die Religion der Socialdcmo- kratic. Von I. Diepgen.— Preis 20 Pf. Wider GottcS- und Bibclglaube». Von A. Donai.— Preis 30 Ps. Die Kirche im Dienste des Unter- nehmertnms. Von R. Calwcr.— Preis 10 Ps. Arbciterkatechisinus. Von R. Calwcr.— Preis 10 Ps. Wie ein Pfarrer Socialdemokrat wurde? Von P. Göhrc.— Preis 10 Ps. Worte und Thatcu des arbciter- freundlichen CcntrumS.— Preis 10 Pf. GrundsäNc und Forderungen der Socialdemokratie.— Preis 10Ps. Die Ziele der socialdemokrati- scheu Partei.— Preis 15 Ps. Nieder mit de» Socialdemo- traten.— Preis 10 Ps. Christliche Zirbciterpslichten.— Preis 20 Pf. Schriften über die Arbeiteriuneu- und Fraueu-Frage. Bebel, Zt., Die Fr an und der Socialismus. 2 M., geb. 2,50 M. Braun, L., Fraucnfrage»nd Socialdemokratie. Reden aniäß- lich des Internationalen Frauen kongreffes zu Berlin. 20 Ps. — Franenarbeit und Hauswirt schaft. AgitationSausgabc. 20 Pf. — Tie Franc» und die Politik. AgitalionSausgabe. 20 Ps. — Die neue Frau in der Dich- tuug. 1 M. — Die Fraucnfrage, ihre geschicht- liche Cutwickluug und ihre wirtschaftliche Seite. 10 M., geb. 12 M. Fürth, H., Die Fabrikarbeit ver- heiratetcr Frauen. 1 M. Gnauck-Kühnc, Lage der Arbci terinnen in der Berliner Papierwaren-Jndustric. 60 Pf. Ihrer. E., Die Arbeiterinnen im Klassenkampf. Ansänge und Aufgaben der Arbeiterinnen! bcivcgung. 20 Pf. Zcpler, W.. Welchen Wert hat die Bildung für die Arbeite- rinne« 10 Ps. Zetkin, C.. Geistiges Proletariat, Franenfragc»nd Socialismus. 25 Pf. berliner LenoiienlchaM- ßädlerei. (Eingetragene Genossenschast mit bc- schräntter Haftpflicht.) Am 5. Dezember, abends S'/j Uhr, Neue Hochstr. 18: Ordentliche General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Auf- sichtSrats, Vorlegung der Bilanz und Beschlußsaffung über dieselbe. 2. Entlastung des Vorstandes und Llus sichtSrats. 3. Steulvahlen. 295/1 4. Antrüge und Verschiedenes. Die Bilanz liegt den Mitgliedern im Comptoir, Neue Hochsir. 18, zur Einsicht aus. Der Vorstand. Franz Schersath. Paul Lenz. Herren-Kragen,• reinleinen, garantiert 4fach,— verschiedene Fa�ons in allen Weiten, StÜCk ISP}., so lange der Vorrat reicht. Geschlossene Kragen— per Dutzend 3 Mk. und 3 Mk. 50 Pig. Manschetten, Prima, garant. 4fach 1/.i Dutzend i.8o jVlk.» Oberhemden, Serviteurs, Krawatten, in größter Auswahl, Trikotagen, Strümpfe, Hosenträger, Handschuhe. Deiailvcrlauf zu Engrospreisen. £rn«t»«rönne, Mnnzstr. 23. Central-Verband der Töpfer VenWlands. Filiale Berlin. Die Beerdigung des Kollegen Bnmo Lacotta findet nicht von dem Krankenhause Friedrichshain, sondern von der Halle des St. Hcdivigs-Kirch- hoss,' Weißensec, Wörthstraße, aus nachmittags 3 Uhr statt. 297/1 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die überaus große Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines liebe» Mannes, des Putzers'Wilhelm DUhring, sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere dem Unter- stützungs-Verein der Putzer unsren innigsten Dank. 3314b Witwe iohanna Dühring geb. Taschen nebst Kindern. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner unvergeßtichcn Frau sage ich allen meinen herzlichen Dant. 3318b A. Sachse nebst Tierwandtcn. Örts-Kpaitekasse für das Goldsefiieile- Gewerbe zn Berlin. 270/2 Ordentl. General-Versammlung sämtlicher Delegierten am Sonu- abend, den 28. November 1993. abends S1/. Uhr, im Gewerkschafts- hause, Engel-Ufer 15, Saal 3. Tages-Ordnung: 1. Wahl von 4 Vorstandsmitgliedern seitens der Arbeiinchmcrpro 1904/ 1905. 2. Wahl von 2 Vorstandsniitgliederil scilenS der Arbeilgeber pro 1904/1905. 3. Wahl von 3 Revisoren zur Prüfung der Jahrcsrcchnilng für 1903. 4. Noch- malige Beschlußsassung des Gebühren» tarisS. 5. Kaffcnangclcgcnheitcn. Berlin, den 20. November 190Z. Der Vorstand. E. Davidshäuser, Vorsitzender. H. Hertz, Schriftführer. Gleichzeitig bringen wir aus Grund des 8 67 des Statuts den Mitgliedern und Arbeitgebern hierdurch zur Kenntnis, dag die in der außerordent- lichcn General- Versammlung vom 19.>vcp!cmbcr 1903 nach der Novelle vom 25. Mai d. I. beschlossene XI. Ab- änderung zum Statut unter dem 27. Oktober 1903 vom Bezirksausschuß genchmigt ist. Der Vorstand. Mjrfmbrn- n. Sterbkliaffe der Metallarbetter (E. H. Nr. 29 Hamburg, Fil. Berlin 4). Sonnabend, den 21. November, abends 9 Uhr, bei Merkowski, Andreasstr. 26; Mglieder-Verfammlung. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Herrn Dr. Hirsehfelck über„Kurpsuschcrei". 2. Dislnssion. Kassenbericht pro Oktober. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersucht 3319b Die OrtSverwalkung. Einladung zur der gewählten Vertreter d. Orts- Krankenkasse für den Gemeinde- bezirk Lichtenberg ans Sonnabend, d. 28. November 1993, abends H1/, tthr. im Gast. Hof zum„Schwarzen Adler" hicr- selbst, Frankfurter Chaussee 129. im Zimmer rechts vom Haupt- eingange. Tages-Ordnung: 1. Vornahme der ersorderlicheu Neil- wählen zum Vorstände,(ckr.§§ 40, ■II, 52 des Statuts j In getrennter Wahlhandlung sind zwei Arbeit- geber und vier Kassenmitglieder zu wählen. 2. Wahl des Ausschusses für dle Prü- sung der Rechnungen für das lausende GcschästSjahr der Kasse. 3. Abänderungen der Strasbcslim- mungen in de» Vorschristen über .Krankmeldungen, das Verhalten der Kranken und die Kranken- kontrollc. 4. Beschlußsassung über den Antrag des Vorstandes aus Enthebung der Herren Laue und Lchncrt(Kassen- Mitglieder) von ihren Vorstands- ümtcrn. 5. Beim Kassellvorstande cingegangeiie Anträge bczw. Beschlußsassung über dieselben. 6..Kaffcnangelcgenhcitcn und Ver- ischiedencs. 279/3 Lichtenberg. 19. November 1903. □er Vorstand der Orts-Krankenkasse Lichtenbirg. P. L c v y n, Vorsitzender. in 1 All. leicht ausführbar und sehr wirkungsvoll. erscheint Sonnabend. Komplett 8 Bücher mit Porto 3,70. A. Hoffmanns Verlag, Man verlange Prospelt gratis u. sranco. vr. Scttunenuum Spccialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden, izeydelstr.». 3, VlO-V, 8, Sonnt. 9-11 Vorwarts-ßucbbandUing 8CCI., Linden Strasse 69, Laden. Unschädlich. Erfolg überraschend. In Drogerien 50 Pfg rer- sofortd Kopfläuse�lÄ „pur SUHge Xlsssiker-Ausgaben: Börno, in Leinen, 3 Bände 6,— M. „ in Halbleder, 3„ 9,50 Bürger, in Leinen, 1 Band 1,75 „ inHaldleder, 1„ 2,75 Brinckmann, in Leinen, 1 Bd. 2,— „ in.öalblcd, 1„ 3,—, Chamisso, in Leinen, 1 Band 1,75 in Halbled.. 1„ 2,70 Eichendorff, in Leinen, 2 Bd. 3,50 „ ausgewählte Werke in Leinen, 1 Band 1 ,25 Frolligrath, in Leinen, 3 Bd. 15,— Gaudy, in Leinen, 1 Band 1,50 Goethe, in Leinen, 4 Bände 6,— „ in„ 6„ 10,' „ in Halblcd., 6„ 15,— Griilpsreers Meisterdramen in Leinen, 1 Band 1 ,75 fiauff, in Leinen, 2 Bände 3,50 Hebbel, in Leinen, 4 Bände 6,— Heine, in Leinen, 4 Bände 6.— „ inHalblcdcr,4„ 9,50 Hoffmann, in Leinen, 4 Bd. 8,— 1,75 1,80 2.40 1,75 2,70 5- 7,50 6- 2- 3,- Kleist, in Leinen, 1 Band Körner, in Leinen, 1 Band „ inHalblcder, 1 benau, in Leinen, 1 Band „ inHalblcder, 1 l-eeoing, in Leinen, 3 Bände „ inHaIblcd.,3 l.ud«ig, in yalbledcr, 2 Bd. ffovalis ausgewählte Werfe in Leinen, 1 Band „ in Halblcd., 1 Reuter, billige Volksausgabe, in Leinen, 4 Bände 10,— ,, in Leinen, 8„ 12,— RUckert, in Leinen, 3 Bände 6,— Schiller, in Leinen, 4 Bände 8,— „ in Halbled., 4„ 8.50 Shakespeare, in2eirtcit,4Bb. 6,— inHalbled..4Bd. 9,50 Stifter,"in Leinen, 4 Bände 6,— Storm, in Leinen, 4 Bände 24,— Uhiand, in Leinen, 1 Band 1,75 inHalbledcr, 1„ 2,70 M. Kur neueste SRoden. Dieser steife, schwarze HntmitFutter, moderne Form, Kosttt 1,»« M.- m4u>m Special-Hut-Engroslager nur neuesterModen. Einzelverkauf zu Fabrikpreisen im Comptoir Neue Königstr. 48, t Treppe, aar drittes Haas vom Alexander- Platz. EM Gröstte Auswahl, austergewöhnlich billige Preise. 3277L» HlzbiHe tllr Herren, S«'..ifÄ,™8"""'m- 1M f Musikwerke 1 I mit Glockenbcglcitung u. ans- I wcchsclbaren Notcnscheiben, so- 1 ! wie Zithern, schönste syamilien-] > lmterhaltung.gcringcleilrahlung., [ J�. KURZBERG, Neue Königstr. 47 llj� 1 direkt am MexanderplaH. -- Heute gicbt es wieder risehe Blut- und Leber-�VlirSt in bekannter tadelloser Qualität. Ried. Augustin, Ä'tnTe: „Vorwärts"-Haus. Frühstücks- und Mittagstisch. Sitzungszimmer. Charlottenburg Rrununestrasse 5 Antertigang feiner Herreo■ ßaitolien naeb Mass von Karl Etiring, Schneidermeister. Stofflagcr, englische u. deutsche Stofie. Solide Preise. 308 IL" Dr. SimnAei, strrnz4i; specialarzt für[35/16* Haut- and Harnleiden. 10—2,5—7. sonntags 10— 12 2— 4. Qualität M. 2,50, extra feine M. S>—, hochfeine 3,-, beste Qualität A». 4.5«. Rro58k8 tlMoristkek-zatirked« Kujalirs-Iesi arrangiert von A. Hoffmann und B. Schröder zum Besten des BauMs der Freirelipen Gemeinde Sonnabend, den 2. Januar 1904, ttt Louis Kellers sämtlichen Sälen, Koppenstraste Lst. Anfang abends 8 idbr. 62/5 V filier e« durch spütere Inserate. Billeis erhalten Mitglieder in den bekannten Zahlstellen der Gemeinde vom 1. Dezember ds. Js. ab. fe» werden nur ho viel Billets ausgegeben, als Sltzplittze vorhanden sind. s teppdeeken 31731,» Gelegenheitskauf! I, alle Farben 4,85 llile, Farben 6,00 Normal- n n Seblafäeekeo Z,oo, 6,0 M. Bs,.,,in OranieDstrasse 158. Nickel-Remont.-Uhren von 5 M. an Silb. Remont-Uhren„ 8„ r Gold. Remont.-Uhren„ 15„„ Regul.-Nussb.-Uhren., 9 n n Reelle schriftliche Garantie. E. Möbis 83 Koppen- Strasse W» 3 Min. v. Schl.Bahnh. Id. Ziehung 5. Klasse 209. Kgl. Preusi- Lotterie. Piihung vom Ig. November 1903,»ormiitazZ. Slut die Gewinne über 240 Mt. sind den beiressendeil Runimern in tiiamnier» beizesüZ. lOhne Gewähr.) Siachdrnck vcrboien. 101[5001 256 97 394 628 82[5001 1146 61 238 309 4o8 804 50 2144 330 491 723 15001 69 973[500 s 98»107 380 542(ÖOOl 46 707 40 867 99 110001 4106 262 69 92 300 11000 1 471 758 87 840 900 5017 30 114 67[1ÜOUJ 486 89 6085 101 597 1500[ 627 787 J 3000[ 824[10001 25 67 98 948 7026 139 130001 641 898 975 87 8272 79 434 63 563 715 933 48 9084 282 314 34 56 70 446 553 679 83 730 1500] 88 908 1500] 10042[5001 432 40 99 564 611 11156 363[1000] 511 737 867 901[1000] 73 12008 250 381 426 619 821 27 1 3064 331 855 810 21 945 1 4211 12 388 407 742 93 902 1 5148 49 15001 256 726 869 964 69 1 6010 94 128 234 431 858 970 78 1 7129 308 32|ll)00| 412 86 622 28 62 76 877 968 1 8156 57| 3000| 306 521 73 639 802 95 9/6 1 9034|1000| 135 300 35 79 1500] 483 707 20205 16 17 340 72 443 652[30001 713 802 38 89 21121 53 282 99 361 74 422 525 640 52 74 771 836 62 89 22115 20 1500 1 2)5[6001 366 74 640 758 66 966 82 83 2 3039 250 379 435 83 555 703 915 33 35 89 2 4076 139 300 74 461 547 632 966 2 5055 92 94 110001 III 276 315 409 76 89 13000s 99 582 669 80 763 812 98 953 92 26040 57 ISO 453 85 97 524 618 89 2 7024 278 368 423 632 78 917 93 28039 57 80 324[5001 66 84 15001 418 26 27 513 700 50 919[15 OOOl 2V060 180 206 72 347 99 464 533 600 747 853 59 937 30191 224 63 40« 09 11000] 549[500] 713[10001 43 896 990 3 1247 398 493 523 919 4« 15001 32026 193 290 321 56 40! 61 638[1000] 92 821 40 33120 35 219 30 1500 1 583 648 851 900 3 4009 32 282 72 314 769 70 810 19 956 58 97 3 5454 82 s 5000 s 651 726 63 86 979 84 36007 62 115 13000] 249 78 520 755 89 846 37065 6« 232 420 40 44 110001 650 82 782 953 [50O0I 38229 46 437[500] 747 892 39018 151 330 588 15001 964 40154 93 234 804 18 41024 186 35-5 65 463 594 661 88 716 17 85 89 949 4 2018 174 20« 83 393 473 91 505 643 803 63 922 J 1000] 43011 215 11000 1 395 633 61 753 818 57 996[500] 44043 166 267 329 86 447 76 11000] 591 623[5001 716 42 49 82 45101 691 718 fSOO] 907 54 11000] 62 46065 257 770[500] 992 47028 34 251 64 89 343 548 645 4 8070 175 207 58 358 94 594 11000�670�716 94 49191 310 42[1000] 421 709 37 844 50ol4 218 81 473 528[3000] 006 28 31 767 823 95 985 15001 5 1 021 75 673 79 982 5 2005 113 224 442 617 35 096 702 865 89 998 1.500) 53220 746 974 5 4012 1500) 204 80 472[30001 581 621 54 759 5 5072 150 76 215[1000 1 71 300 71 607 62 745 830 64 79 975 56115 310 495 581 86 613 737 53 843 78 98 5 7322 28 47J500] 731 854 987[3000] 58038 219 28[10001 334 87 549 71 620 58 11000] 748 58 5 9011 175 231 65 86 422 68 15001 632 64 772 812 929 49 71 78 80007 15 21 77 103 19 86 13000] 287 70 318 37 99 415 59 72(5001 538 611 16 70 95 700 43 886 6 1006 84 262 535 661[10001 761[30001 895 62112 76 229 40 [500] 686 887 934 6 3008 71 528 804 61 64252 302 68 430 596 652 15001 737 11000].56 849 76 967 6 5005 40 326 55 68 514 600 37 941 66127 76 376 411 581 726 935 11000! 49 6 7058 143 62 340 72 518 602 738 890 958 68083 206 15001 9[30001 300 711 843 94 [10001 69296 377 78 428 62 540«93 110001 7.)4 903 70005 118 317 418 62[5001 596 641 52 723 895 7 1049 193 223 29 30 333 807 72104 36 69 5001 256 467 678 73153 23« 437 643 64 7 4041 114 15001 399 701 42 51 825 87 953 75 7 5276 110001 521 1500 1 656 71 782 88 91 15001 815 82 7 6556 673 709 33 825 064 77031 100 45 59 452 53 613 953 1500] 78108 306 445 517 20 79157 223 405 550 748 55 861 67 93 965 80179[5001 214 436 520[30001 80 692 772[10001 99 805 8 1038 291 482 530 34 85 15001 648[30001 733 76 955 82008[10001 208 25 42 51 378 431 515 66 737 929 130001 69 8 3032 78 190 99 224 41 40 80 357 408 641 62 878 007 84230 495 130001 680 83 753 809 92 8 5039[30001 55 99 242 067 98 775 900 86023 15001 375 11000] 547 610 87241 339 468 687 794 8 8024 251 60 348 487 500 36 82 613 870 89138 330 86 461 83 539 626 749 910 15001 28 38 51 65 90061 140 60 89 247 50 466 549 667 91010 84 143 53 387 418 47 67 511[5001 645 15001 78 922 98 92087[30 OOOl 160 82 286 313 684 836 86 922 45 48 66 93162 396 625 61 863 983 94215 67 322 617[1000! 77 80 9 5332 68 87 520 54 749 63 9 6087 [30001 134 68 71 460 97 693 745 53 834 97176 272 460 74 75 97 510 48 708 800 9 8188 283 535 66[5001 722 53 85 915 49 9 9015 94 192 361 477 593[30001 606 793 821[500] 904 100243 545 630 59 799 800 40 969 10 1 267 493 590[5001 763 895 929 1 02002 54 197 227 386[5001 568 670 71 103010 130001 153 363 484 550 110001 96 912 67 79 104103 67 69 245 309 611 33 37 50 713 888 921 105147 91 96 360 83 433 542 70 787 849 917 lOßfllS 43 130001 58 116 369 96 519 673 782 107153 83 371 540 62 604 26 820 36 108146 264 486 98 573 97 606 850 1 09350 473 545 88 692 710 77 934 110012 165 67[5001 329 659 742 60 111190 280 93[500] 373 98 427 534 698 769 112484 715 ,55 89 113189 398 356 114068 86 221 543 72 627 65 893 115064 178 516[10001 18[10001 58 783 967 116299 369 580 605 764 831 117225 365[5001 6-1 97 130001 461 70 76 688 97 703 60[10001 805 118150 201 39 95 306 25 598 672 724[5001 920 25 119087 119 53 215 467 563 85 94 726 82 975 120-225 325 587[10001 902 32 1 21146 52 335 721 122142 254 77 383 15001 403 16 61 639 808 51 986 92 96[10001 123037 90 104 34 280 336 664 756 64 124065 185[5001 255 517 692 742 858 963 97 125258 78 313 40 459 540 660 738 52 82 818 911 37 126195 203 301 405 546 621 46 15001 715 804 79 925 68 76 1 27233 311 19 33[5001 43 75 464 128065 130 218 60 392 487 553 1 29098 427 661[10001 822 913[5001 31 77 79 130102[10001 71 286 323 54[5001 552 84 90 615 96 725 887 952 131192 316 27 429 110001 601 80 705 13000] 916 44 78 132125 416 50 546 614 27 857 1 33253 316 437 50 51 74 82.561 650 85 705 881 91 903 1 34147 15001 765 826 13000] 905 1 35121 231 443 99 548 60 618 938 44 1 36037?25 110001 720 37 950[10001 137033 80 305 465 656 795 802 [30001 138090[30001 146[5001 333 37 58 75 582 626 729 82 802 58 976 1 39044 154 68 291 449[30001 728[10001 833[500] 78[10001 140128 49 242 445 565[1000] 918[1000] 22 14 1 224 49 83 92 441 532 84 605[500] 789 1509] 142078 107 64 291[500] 331 493 532 887 780[5091 869 94 970 1 43038 189[5001 368 464 73 601 46 957 144427 68 612 748 921 36 86 145065 89 210 51 [30001 612 15 95 703 9 42 897 938 56 1 46070 84 220 306 58 80 583 625 93 807 981 147236 301 50 456[500] 614[5001 771 77 896 1 48151 74 238 43 671 783 149175 224[1000] 447 513 37 612 130001 80 96 712 878 98 976 150103 229 63 i 30001 73 441 579 612 40 752 885 15 1633 38 253 444 544 731 15 2034 164 250 357 578 79 89 602 28 714 88 831 53 902 78 1 53077 1500] 91 164 207 1 10001 61 90 769 842 1 54056 68[5001 210 54 321 471 605 1 5 5252 65 72 413 24 649 759[30001 87 93 815 929[5001 156064 37 42[.5001 73 150 1 6001 366 403 36 54 537 70 940 1 57003 114[5001 25 44 72 78 411 28 990[5001 158022[5001 79 266 348 61 540 636 57 868 948 83 1 59031 526[30001 649 723 [30001 807 160160 318 503 640 949 1 6 1278 522 739 813 931[10001 67 68 1 62064 208 93 376 596 757 841 95 974 1 63307 78 410 60 643 706 800 1 64035 44 86 254 63 382 553 901 89 1 65204 46 616 40 945 60 98 166112 18[5001 49 403 700 973 1 67013 72 314 27 94 485 559 15001 97 743 952 1 68054 434 518 652 801 64 927 169042[30001 283 378 446 500 28 84 781 130001 887 170026 236 323 416 22 527 94 607 748[10001 61 829 91 950 1 7 1066 182 209 493«67 172035 139 94 203 10 32 458 64 543 663 751 982 1 73299 347 91 814 901 30 77 1 74033 133 53 l 10001 272 15001 86 314 716 915 1 75002 104 253 393 497 568 1500] 647 791 853 176110 15[1000] 203 435 66 94 540 90 655 74 96 97 706[500] 30 804[5001 910 30 96 177107 69 313 451 618 892 919 76 178022 152 303 53 76 497 883 98 905 92 1 79015 391 491 538 60 879 916 180015 242[5001 498 597 635 89 06 749 838 72 962 1 81174 273 687 780 941 182441 618 828 916 1 83082 89 254 81 494 537 53 644[10001 67 714 852 68 75[10001 184040 94 204 76[3000] 92 96 402 555 044[10001 776 887 1 85164 327 414 680 727[5000] 75 88 817 965 186779 187135 63 204 431 62 526 062 704 806 93 1 88140 528 708 21 [5001 960 59[10001 189088 89 171[3000] 224 348 50 402 63 512 46 716[500] 967 190002 43 60 fSOO] 152 265 336 81 463 516 20 741 191030[5001 130 407 607 719 806[500] 89 192061 313 42 409 43 533[10001 87 193014[10 OOOl 68 102 52 284 391 539 52[1000] 706 802 97 921 194060 432 521 51 645 195245 453[3000] 756 826 65 917 48[30001 196229 35 78 323 28 63 06 634 41 64 773 817 60 79 914 197054(30001 157 28 1 542 717 74 807[500] 977 1 98096 353 91 487 91«85 89 890 915 23 199113 260 67 453 60 581 665 11000] 82 906 9[500]_ 200029 188 444 535 639 90 9« 748 77 827 28 35 85 953 201170 254 440 504 613 11000) 703 840 59 20 2011 393 429 43 48 524 97 606(3000] 25 840 910 47 80 203106[500] 378 421 531 45 83 789 900 31 204059( 3000) 65 305 61 590 674 130001 783 857 72 908 98[3000] 20 5024 15001 61 247 417 80 525 97 668[500] 770 77 970[5001 91 206049 130001 69 466 534 64 610 72[3000] 83 733 207042 214 314 444 2 0 8212 22 80 89 365 459 85 532 601 14 87 774 952 209419 63 502 21[3000] 888 210041 127 35 516[500] 609 709 56 74[5001 804 937 87 211140 86 268 87 441 536 94 634 817 936 212146 327 39[5000] 458 73 515 47 792 95 922 33 79 213053 150 356 481 529 859 214057 130001 103 60[30001 254 62 417 695 711 91 960 2 1 5016 135 55 214[3000] 71 355 535 833 78[30001 87 216006 98 116[5001 212 650 51 54[1000] 779 898 948 217088 431[10001 646 749 51 54 837 954 2 1 8213 31 51 83 99 330 639 714 92 825 971 96 2 1 9253 408 12 569 84 824 924 88 220353 089[5001 880 221033[5001 30 97 118 255 56 57 78 635 52[5001 809 222098 112 274 89 471 793 95 2 2 3298 518 602 5 17 727 69 836 [3000] 972 Hlm«ewinarobe»eebNeben! 1 Prämie j* 300 000»f, 1 Seieinn in»00000 ffllf, l ,n 500000 Stf.. 1«n isnooe«f.. I ÜB 100 000 3RC i ,n»0000m,* IN WKIOO SVf., 8 IN 18 000 El, 21 ,n 10 000 m,»0 IN 500U m, 825 jn«WO Ml, 1231 ,n 1000■SIL, 1100 ,n 500 m 10. Ziehung S.Klasse LOS.Kgl.Prensj. Lotterie. Uehung vom IS. November>903, nachmiilagS. Nur die Gewinne über 240 Mt. sind den detrehenden Niiinmern in Klammern beizciügt. ivhne Gewähr.) siachdrud verbolen. 15 72 337 68 490[10001 512 719 65 1184 91 218 386»30 84 671 769 92 832 97 931 2020 78 326 451 624 703 59[5001 3087 148 71 15001 209 575 628 68 725 86 981 4051 224 391 487 704 891 940 86 5063 188 349 483 583 704 854 68 74 15001 905 45 49[5001 73 6067 77 150 94 228 358 556 68 90 756 73 918 7053 133 71 217 25 315 619 130001 675 773 806 51 89 949 57 81 8003 44 129[500| 97 203 596 040| 5001 827»5 908 50 9181 229 357 561 666 705 97[10001 829 947 74 45 15001 98 931 13294 319 425 130001 61 509 50 730 59 1 4009 145[5001 220 73 355 881 951 79 1 5029 209 23 303 15001 50 486 900 41 16018 276 378 576 779 855 63 17000 10 16 167 212 684 98 810 29 52 1 8026 74 99 150 249 72 15001 690 778 890 97 1 0344 784 871 20038 71 380[30001 81 426 72 76 581 94 747 21199 245 421 33 543 672 823 34 969 2 2055 09 175 (5ÜÜ| 519 28[10001 35 853 23151 851 74 24259 79 435 859 900 58 2 5001 102 52 360 74 78 466[30001 588 673 26029[10001 114 501 701 923 24«3 27075 151 97 328 82 88[5001 499 578 707 1 10001 76 83 28008 95 226 55 479 540 53 57 01 067 74 911 92 2 9332 42 450 60 735 848 30003 78 135 519 31186 226 40 376[5001 547 675 92 söOOl 780[10001 937 3 2136 43 414 559 918 75 3 3218 61 65 349 595 722 58[5001 85 935 34103 422 551 655 75 35152 71 583 634 40 3 8077 223 15001 27 31 353 501 689 931[5001 37083 206[30001 348 50 70 459 508 743 838 99 1 38002 26 224 67 360 813 935 64 39076 172[1000] 86[1000] 360 663 82 769 98[500] 846 40 100 201 29 870 4 1 046 128 59 247 482 93 638 728 830 37 912 42117 247 733 69 74[1000] 831 920 24 5-1 43024 303 11 455 551[5001 799[5001 44337 52 488 633[ 500) 47 727 70 877 45180[5001 353 436 84 515 616 51 733 877 83 4 0032 153 67 210 53 391 401 66 74 844 997 4 7083 122 35 71[5001 310 403 505 708 812 87 074 48104 35 81[10001 430 505 715 864 [500 1 040 4 9518 732 902 59 50052 305 680 720 858 947 5 1001 83 126 74 203 28[10001 336[5001 527 782 861 52011 139 211 482 84 533 88 748 57(3000] 844 60[10001 925 30 53145 77 358 72 498 920 54308 13 655 721 55 55007[30001 155[1000] 07 208 344 82 537 749 56157 79 97 729 963 57103 6[10001 62?21 90 616[10001 760 90 811 901 74 5 8041 87 r 1000 1 429 630 732[5001 834 67 901 59024 43 224 71[5001 357 580 703 31 829 37 OOO85 332 130001 41[500] 542 49 730[5001 840 85 947 61103 385 440 51 502 807[1000] 935 63 62031 63 68 342 71 482 935[1000] 63018 22 26 51 365 64026 66 418 32 74 503 63 914 73 6 5343 79« 820 71 913 66025 54 56 211 50 326 80[5001 96 426 066 767 845 967 6 7043 239 805 68139 220 65 357 441 59 667 76 95 782[5001 895 69073 126 81 232[500] 562 644 49 770 70225 62 471 666 70 786 89 90 841 67 71157 221 28 392 400 56 546 47 670 83 701 70 805 902 26 7 2215 64 411 30 505 688 99 73151 83 209 15001 29 90 322 35 455 62 523 665 833 49 51 76[1000] 74232 320 462 610 59 66 705 8 31 33.50[10001 75101 374 509 39 58 640 797 76179 219 313 57 410 48 042 759 98 833 948 66 77016 457[30001 592 733[10001 996 78000[500] 43 143[500] 320 66 87 655 904 0 58 79206 67 323[3000] 66[500] 417 567 668 839 987 88 8 OOOl 201 U 93 482 992 8 1045 130 221 362 533 81 833 38[30001 91 I500J 936 43 13000] 82012 60 469 548 649[1000] 726 33 91[1000] 937 40 52 8 3075[3000] 108[10001 318 76 96 702 8 4043 102 63 275 91 582 T ll 85111 28 32[500] 218 491 86362 406 512[500] 34 679 739 825 62 82 ,7 87107 47[10001 80 200 57 316 70 404 530[ 3000] 813 45 8 8065 197 262 378 677 78 881[3000] 83 984 89140 414 504[3000] 981 90088 153 83 252 408[5001 84 1500] 504 631 736 80 89 94 91415[1000] 93 558 902 48 9 2031 154* 73 369 457[10001 80 82 530 93[10001 687 882 975 93120 218[30001 374 83 410 68 529 86 804 29 83 914 73 92 1500] 94036[5001 130 296 417 46 713 27 66 89 9 5530 640 64 716 30 867 959 96 9 6025 164 232 68 412 553 [30001 697 713 888 937 97115(10001 332 44 78 99 476 555 824 9 8032 257 560[3000 1 790 99165 209 [50001 347 80 89 610 36[3000] 53 955 100104 20 204[10001 9 86 419 42[500] 917 101020 96 109 36 305 412 71 573 15001 691 95 1500] 779 973 102193 458 575 78 80[ 5001 601 83 814(1000 i 99 98 103088 119 99 344 637 58 974 1 04023 375 502 723 832 927 46 105011 485 1 06037 125 312 74 428 15001 50 [10001 563 87 698 705 54 72 872 1 07244 315 77 1500] 697 15001 721 816 92 1 08032 313[1000] 499 602[3000] 905 11 109022 457[30001 657 725 856 72 982 110161 248 85 93 95 638 806 1500] 111110 67 652 825 70 923 112200 12 20 321 421 91 99 567 84'24 826 28 81 952 113009 57 481 618 923 114111 87 15001 230 628(3000!»i 78 799£84 961 115141 257 490 899 [1000] 794 896 907 73 116013 IlOOOT 102 376 88 464 573 7« 763 65 99 812 32 935 48 1 17029 354 607 44 45 55 808[500] 93 948 FSOO] 118029 243 73 301 2 78 583 600*13 89 1500 1 819 28 915[1000 1 33 45 119192 255 426 500 65 696 770[1000J 830 903[500] 92 120136 66 327 Wl 671|300ul 731 85 952 57 1 21147 227 34 331 74 824 58 902 73 1 22217 380 407 46 70 539 123038 98 171 78 287 315 44 425 624 15901 840 934 84 1 500] 124153 348 443 1 200 UOO l 563 W 90 841 014 60[500] 12505« 88 216 62 420 548 678 80 1 2 606« 257 389 400 130001 509 83 700 86 839 130001 51 66 127022 94 191 274 13000] 543 700 824 49 15001 80 949 50 128us4 15001 483 99 519 619 58[1000] 737 808 932 129037 288 471 564 91 816 130361 732[1000] 55 131103 52 250 83 332 34 82 [5001 546 78 80 640 828 1 32154[ 3000] 69 293 439 84 [10001 575 869 972 1 33007 39 151 61 70 77 200 367 75 435 538 64 96 673 15001 768 900 134041(1000) 99 [500] 112 16 37 348 488 513 78 991 135107 83 226 66 393 43/£14[10001 94 604 24 84 939 91 136155 76 209 18 47 50 333 437 541 619 88[ 500] 810 13 1500) 137017 208 367 482 553 623 45 825 83 1 38018 15001 276 386 481 97 597 804 937 1 39191 238 47 54 69 446 90 5* 88 607 110001 845 72 140051 107 32 77[1000] 201 370 496 557 669 709 141055[1000 1 391 574 769 934 39 96 1 42055 145 85 286 300 509 626 343 68 143055[1000] 78 100 296 582 803 955 1 44332 450 99 768 70 83 1500] 881 974 1500] 93 1 45039 157 397 565 613 75 97 820 73 901 146020 396 405 814 36 45 870 917 flOOUj 98[30001 147076 249 502 51 84» 148037 40 1500] 60 91 245 345 479 525 750 63 941 149157 257 518 20 690 851 71 921 45 74 150207 28 326 45 91 433 529 776 834«04 151011 182 478 110001 847 13000 1 87 1 52066[1000] 101 48 25« [.500] 69 509 773 74 822 J5001 153013 62 98 138 244 [10001 785 903 1 54019 50 69 81 189 282 646 56 94| 300n| 975 1 55210 329 434 757 804 93 920 1 56134 395 588 130001 60O 733 73 829 49 15001 81 915 45 1 57010 35 78 83 183 293 305[1000] 35 440 625 838[5001 921 J500J 43 158037 117 280 457 529[500] 38 808 76 922 71 159010 23 60 100 68 288 383 88[5001 427 35 947 160422[1000] 59 82 623 1 1000) 31 52 62 703[10001 95 858 1 61142 345[500] 65 474 524 894 162220 32 322 53 453 87 598 626 99 843 942 163015 17 121 382 88 98 407 8 576 612 69 899 164253 330[30001 432 87 567 739 87[500] 16Ö074 120 39 404 37 564[10001 86 648 50 60 75 911 19 32 1 66004 353 455 639 777 857 93 167115 45 82 286 536 801 79 89 912 29 168006 79 223 85 323 53 496 539 45 51[500] 803 904 169021 27 102 40 77 404 627 63 753[30001„„, 170173 94 407 40 561 750 85 838 83 911 36 171222 39 315[500]'9.3 517 614 971 172016 65 218 354 70 401 8 51 87 571 754 807 934[500] 173057 161 89 295 313[10001 19 525 098 851 174083 121 60 74 307[30001 30 547 722 94 821 962 1 75301 10 62 444 669 782 826 92[5001 900 176030 34 93 106 25 402[30001 19 516 36 602 743 887 961 87 99 177033 100 34[5001 76 230 349 433 43 604 728[5001 69 77 828 938 178016[3000] 44[10001 46 402 613 88[1000] 90 752 71 72 94 824 97 990 1 79401 2 FSOO] 46[10001 506 30[5001 58 742 857 83[5001 84 90[30001 1 803 12 41 48 882 917 32 181011 110 96 289 302 449 65 750[5001 846 48 991 182044 94 146 288 428 46 566 76 864 930 53 1 83077 184 221 550 760 886 96 184082 83 86[5001 127 568 744 827 941[S00[ 185148 60 214 20 36 40 332 532 47 612[5001 27[10001 96 885 186098 191[5001 310 66 443 187078 223 [5001 58 91 95 555 623 65[5001 713 53 915[5001 188076 120[10001 209 336 87 673 712 831 064 189011 392 880 110001 96 190018 241 48 56 110001 521 39 78 82 692 801 85 939 99 191127 203 41 99 308 448[5001 66[10001 566 813 974[5001 192118 63 77 86[5001 331 130001 85 583 618[5001 21 54 782 871 99 906 34 99[5001 193047 95 109 31 87 225 42[10001 47 68 71 83 607 12 64 194057 549 602 797[5001 872 195162 292 422 85 527[5001 703 69 88 98 875 196016 158[5001 249 84 511 687 838 1 97121 54 518 52 64 922 198060 [500 1123 67[10001 88 370 586 604 769 130001 871[5001 84 1 99073 507 37 15001 626 62 932 42 200009 89 130001 180 326 436 562 66 768 891 919 201046 54 87[30001 230 418 709 202059 486 501 062 74[10001 976 78 2 0 3069 254 328 416[5001 591 646 64 700 92 896 903 35 45 55 204001 187 282 718 47[5001 205086 104[5001 338 88 450 86 564 71 684 922 83 206015[10001 79 277[5001 647 70 781 207086 113 32 45 212[10001 659 736 44 52 20S303 501 77[10001 616 833[30001 209048 320 456 574 665 77 82 841 920 35 39 210350 454 534 211012 187[3000] 238 505 [10001 712 88 893 2 1 2025 108 635 797[500] 972 213117 99 206.584 783 214155 248 382 13060] 401 96 705 25 62 954 215013 55 2 1 6047 96 392 409 539 750 55 76 845[1000] 52 2 1 7014 23 36 60 73 322 425 90 598 638 64 93 739 90 97 2 1 8256 93 slOOOl 348 73 sSOOl 75 605 46 810 219106[1000] 218 60 329 407 20 513 641 91 812[500] 22 0062 93 108 205[1000] 10 61 462 69 74 82 221018 168 219 71[10001 469 93[30001 576 742 59 803 933 83 222054 313 464 76 88 679 861 223114 209 85 405 511 641 756 90 815 79 /Im lüewinnradc verblieben-> Primi« i» 800 000 Wr l Gewinn IN»00 000 Ml, 1 jn 160 000 Ml. I ,n loocoo Ml. 2 IN 60 000 Ml., 4 ,n 30000 Ml. 8 in IS 000 Sil., 21 JU 10 000 MI. 49 ja 5000 Ml, 773 ja 8000 Mr. 1162 ja 1000 Ml., J884 ja»To Sit, 'Berantworll. Redakteur: Julius K'aliSki in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck«. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul SingerchCo., Berlin ÄW. Dr. 27l. 20. Jahrgang. 2. Möge Ks Jorroiirts" Knlim ilolbfilntt. Freitag, 20. Uoveulber 190S. Kommunales. Stadtverordncten-Bersammlung. 27. Sitzung vom Donnerstag, 19. November 1903, nachmittags 9 Uhr. Vorsteher Dr. Lmigcrhims eröffnet die Sitzung gegen Uhr. Das Andenken des verstorbenen Stadtv. Hinz(A. L.) ehrt die Versammlung in der üblichen Weise. Der Ausschuß zur Vorbcratung der Anträge Nathan und Landau, die Erweiterung des Kaiser und Kaiserin Friedrich- Kinderkrankenhauses und die Errichtung einer Station für Geschlechtskranke im Krankcnhause Moabit betreffend, ist gewählt und hat sich konstituiert. Demselben gehören u. a. auch an die Stadtvv. Dr. Freudenberg und Koblenzer(Soc.s. Die Petition des Eisenbahnbeamten K e t t n e r, Eberty- straße 48, der irrtümlich für 1993 zur Gemeinde-Einkommensteuer voll veranlagt worden ist, um Z u r ü ck e r st a t t u n g der schon bezahlten Steuer beantragt der Petitionsausschuß, trotzdem der Petent die Reklamationsfrist nicht innegehalten hat, dem Magistrat zur Berücksichtigung zu überweisen. Es Händelt sich um einen Betrag von 8 Mark. Stadtv. Prelis? iN. L.) beantragt Verhandlung des Gegenstandes in öffentlicher Sitzung. Stadtv. Wallach(A. L I bekämpft diesen Antrag. Stadtv. Esmann sFr. Fr.) unterstützt ihn dagegen. Die Mehrheit entscheidet für öffentliche Verhandlung. Referent Dr. Preuß stellt fest, daß es sich hier nur um die Eni- scheidung der Frage handle, ob unter allen Umständen die Fristvcrsaun'.nis das Eingehen auf den sachlichen Inhalt des Petitums verbiete oder ob unter Umständen solches dennoch statthast sei. Die Ausschußmehrhcit habe entschieden, daß in diesem Fall, wo der Irrtum die städtische Verwaltung treffe, aus Billigkeitsgründen eine Ausnahme gemacht werden sollte. Stadtrat TmirbiS bestreitet, daß ein Irrtum oder auch nur eine Unregelmäßigkeit vorliege. Gehe man soweit wie die Ausschutz- Mehrheit, dann verliere die Fristscstsetzung jede Bedeutung. «tadtv. Wallach pflichtet den Ausführungen des Stadtrats bei, desgleichen Stadtv. Bamberg sA. L.). dieser unter dem gleichzeitigen Ausdruck des Bedauerns, daß auf diese Weise dem Petenten vielleicht Unrecht geschehe. Nachdem auch Stadtv. Esmami sich kurz in gleichein Sinne ge- äußert, wird der Ausschutzantrag abgelehnt. Damit ist der Ucbergang zur Tagesordnung über die Petition ausgesprochen. Auf dem st ä d t i s ch c n Gelände zwischen Stephan-, Perleberger- und O u i tz o Iv st r a tz e soll, um dem Bedürfnisse der katholischen Einwohner des ö st l i ch e n M o a b i t entgegen- zukommen, eine G c m e i u d e s ch n l e von 16—29 Klassen erbaut ivcrden. Dabei ist gleichzeitig die Vergrößerung des angrenzenden TurnhofeS der V. Ziealfchule um ca. 219 Quadratmeter an der Luitzowftraße in Aussicht genommen. Stadtv. Wallach beantragt Auöschußberatung und bezieht sich zur Begründung u. a. auf die zeitige Finanzlage. Stadtrat Schäfer macht dagegen geltend, daß in Moabit noch drei Mietsschulen mit 68 Klaffen vorhanden sind. Stadtv. Gcriäe sFr. Fr.) befürwortet den Magistratsantrag. Tie Vorlage geht au einen Ausschuß. Mit dem freihändigen Erwerb des Grundstücks R ii d c r S d o r s e r st r. 79, Ecke Brombergerstratze, zu Straßen- l a n d z!o e ck e n fiir den Preis von'79 M. pro Quadratmeter 05 839 M. hat sich der eingesetzte Ausschutz einverstanden erklärt. Die Versammlung giebt ebenfalls ihre Zustimmung. Nach einem vom Stadtv. K y l I m a n n am 3. d. M. mit Unter» stiitzung sämtlicher bürgerlichen Fraktionen eingebrachten Antrag soll der Mag ist rat aufgefordert werben, mit der Ferti g- st e l l u n g d c s IX. R a d i a l s y st c m S s ch l e u n i g st v o r z u- gehen. Stadtv. Kiillmann sFr. Fr.): Mit der Ausführung des IX. Radial- shstemS fei schon 1887 begonnen worden. Nor zehn Jahren seien die ersten Häuseranschlüsjc erfolgt. Bisher feien erst 599 Häuser an- geschlossen. 2999 könnten noch angeschlossen werden. Die Fertig- stellung werde durch technische Schwierigkeiten schwerlich gehindert, aber der Magistrat scheine Kanalisierung nicht für notwendig zu halten, so- lange da? Terrain nicht bebaut fei. Praktischer wäre doch, nach dem Muster der Vororte vorweg zu kanalisieren, um die Bebauung zu fördern, fast treibe man ja init Gewalt die Leute in die Vororte. Stadtbaurat Krause: Die Ausführung wird dadurch gehindert. daß das Straßenland nicht frei liegt. Der Bebauungsplan wird geändert werde» müssen, da die Bauguartiere desselben zu groß sind. Verhandlungen in dieser Richtung schweben mit verschiedenen Adjaccnten, ihr Ausgang ist aber ungewiß. Auch der Fiskus tomint hier in Betracht. Der Antrag tvird hierauf einem Ausschuß übertviesen. Dem wiederholten Andrängen der Versammlung nachkommend hat der Magistrat zum Zwecke der Heranziehung eines g e- eigneten Wärterpersonals in den städtische» Kranken- Häusern die Errichtung einer st ä d t i s ch c n Pflegerinnen- schule im Krankenhause Moabit zum 1. Januar 1994 vorgeschlagen. Er legt die Entwürfe von Satzungen für 1. die Ausbildung und Anstellung von S ch w e st e r n für den Krankcnpflcgedienjt der Stadt Berlin, 2. die Oberin der städtischen Schwestern- schaft, sowie den mit rund 11799 M. abschließenden Nachtrags-Etat fiir den Betrieb der Schule und für die Ingebrauchnahme der beiden neuen Wohngebäude für männliches und weibliches Pflege- und Dienstpersonal für die Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1994 vor. Stadtv. Nathan-2 t e i n b r e ch t: Ich bitte doch den Herrn v. Äoezorowski zu hören, weil anzunehmen ist, daß er die 3000 M. geboten hat. _ Der Ehemann v. Ä o e z o r o w s k i soll darüber aussagen, ob er in Warschau war und dort init Herrn Cwell in Verbindung ge- treten ist. Er erklärt,_ daß er natürlich oft in Warschau sei. Eines Tages sei ihm im Hotel dÄngleierre ein Herr Cwell gemeldet worden, der ihm den Eindruck machte, daß er irgend ein Geldgeschäft machen lvollte. Er habe ihm gesagt,, daß das Hotel wohl nicht der richtige Ort für solche Unterredungen sei, er werde zu ihm nach Hause kommen; er habe es dann aber vorgezogen, jede Verbindung mit Cwell zu unterlassen und habe ihn memals aufgesucht. Ewell habe später noch mehrmals vergebliche Versuche gemacht, sich ihm zu nähern. Er habe sogar neuerdings versucht durch Vermitteluug einer kranken Dame sich mit seiner(des Zeugen) Ehefrau iu Vor- bindung zu setzen. Rechtsanwalt C h o d z i e s n e r: Was kann den jungen Cwell wohl veranlaßt haben, sich an Sie heranzudrängen? . Zeuge v. K o e z o r o w s k i: Ich glaube wohl, daß der Mann auf Geld ausgegangen sein wird. Staatsanwalt Dr. M ü l l e r: Auf der andern Seite steht doch fest, daß der Herr Cwell erst nach einigem Widerstreben dem Herrn v. Treßckow auf das Generalkonsulat gefolgt ist und dort stank und frei seine Bekundungen so gemacht hat, wie es Herr v. Tresckow be- kündete. Rechtsanwalt Chodziesner: Sollte sich dies nicht vielleicht dadurch erklären, daß, nachdem Herr Cwell dreimal vergeblich den Versuch gemacht hatte, sich dem Ehepaar v. KoezorowSki zu nähern, er nunmehr sich so ausgelassen hat, wie eS Herr v. Tresckow be- kündete.� Welchen Grund inag wohl der junge Herr Cwell gehabt haben, sich der Frau v. KoezorowSka zu nähern. Kriminalkommissar v. Tresckow erklärt hierzu, daß der junge Cwell böse darüber war, daß Frau v. KoezorowSka seine Mutter nach Berlin geschleppt hatte. Möglicherweise habe er der Frau Vor- hallungen darüber machen lvollen. Rechtsanwalt Chodziesner: Der Zeuge' und seine Gattin wohnen nicht weit von Herrn Cwell; sollte dieser nun sieben Jahre gewartet haben, um nun endlich der Frau v. KoezorowSka Vorhaltungen zu machen.(Lautes Gelächter im Publikum, was den Borsitzenden aber- mals veranlaßt, die im Saale anwesenden Ordnungsbeamten dringend aufzufordern, genau aufzupassen und jeden aus dem Saale zu weisen, der irgend eine Bemerkung macht.) Hierauf tritt wieder eine Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erbittet sich Erster Staats- anwalt Steinbrecht das Wort: Nach den Nachrichten, die Herr V. Tresckow aus Warschau mitgebracht, wonach die Hebamme Ewell ihrem Sohne gesagt hat, daß sie die Entbindung gar nicht vor- genommen hat. bin ich gezwungen, so bedauerlich bs ist, daß die Sache erneut bis Montag vertagt werden müßte, zu beantragen, daß der Mechaniker Thomas Cwell und seine Frau als Zeugen hierher geladen werden. Das ist doch notwendig, um ein Urteil darüber zu erhalten, ob dem Zeugen Ewell Glauben zu schenken ist imd ob jener Ewell nut demjenigen identisch ist, den Herr v. KoezorowSki meint. Zur Aufklärung bedarf es der versönlichen Anwesenheit der Zeugen. ES sei auch notwendig, festzustellen, wer dem Cwell 3000 M. angeboten hat und wer ein Interesse daran hatte, sein Schweigen oder sein Sprechen zu erkaufen. Außerdem beantrage er die Vorladung deZ Herrn Lewmsti, der Frau v. Grabowska in Posen, die einige der von Frau v. KoezorowSka bestrittenen AeußeruNgen der letzteren bekunden soll, dann noch einer Zeugin aus Posen" und des Hauptmanns v. Ziegler, damit Dr. Störmcr durch körperliche Besichtigung des Herrn v. Ziegler feststellen kann, ob und welche Aehnlichkeit zwischen ihm und dem kleinen Grafen obwaltet. Justizrat W r o n k e r hält diese Anträge für unerheblich, weil sie sich durch die Aussage des Herrn v. Tresckow erledigen. Sollte der Gerichtshof dennoch eine Vertagung bis Montag be- schließen, so müßte die Verteidigung sich auch noch die Ladung weiterer Zeugen vorbehalten. Er bedauere, daß der Verteidigung. die doch immerhin ein gewisses Interesse an der Sache habe und wissen möchte, was vorgeht, keinerlei Mitteilung von der Mission des Herrn v. TreSckolv gemacht worden. Sie hätte dann vielleicht auch noch weitere Aufklärungen veranlassen können, was in erster Reihe im Interesse der so überbürdeten Herren Geschworenen gelegen und eine Verzögerung vermieden hätte. Wenn festgestellt wird, daß Herr v. Ziegler der Vater des kleinen Meyer ist, ist damit schon gesagt, daß er auch der Vater des kleinen Grafen ist? Soll dieses Tröpfchen den Eimer zum lleberlaufen bringen, dann zeigt das doch eine Schwäche der AuNagebehistde die sie besser nicht gezeigt haben sollte. Erster Staatsanwalt Steinbrech t widerspricht der Be- hauptung. daß die Anträge eine Schwäche der Anklage bedeuten. Herr v. Tresckow sei in erster Reihe nach Warschau geschickt, um über Herrn Gordon sich zu informieren und sonstige Ermittelungeil anzustellen. Eine Mitteilung über die Entsendung des Herrn v. TreSckolv nach Warschau würde für die Verteidigimg kein Interesse gehabt habeil, denn die persönliche Ladung der Warichauer Zeugen würde sich doch nicht umgehen lassen. Justizrat W r o n k e r: Nach dem Resultat der Enilittelunaen deS Herrn v. Tresckow haben wir allerdings kein Interesse an dieser Thatsache, aber vorher hätteil wir eS gehabt. Man sollte doch meinen, daß in alle Ecken und Kanten nun genügend hineingeleuchtet sein dürfte: mehr Licht als bisher dürfte in diese Affaire doch nicht gebracht iverden können. Rechtsanw. Chodziesner beantragt, den Dr. RosinSki über seine Wahrnehmungen bezüglich der Hebamme Cwell zu vernehmen. Eventuell beantrage er, den Professor Dr. H e u b n e r, Vorsteher der Kinderklinik, zu vernehmen. Dieser»verde bekunden, daß im Z, weifelfalle allerdings das Alter eines Neugeborenen durch die Nabelnntersuchung festgestellt wird, daß es sonst aber auch ohne diese Untersuchung möglich ist, ein nengeboreneS von einem fünfwöchigen Kinde zu nilterscheiden. Sanitätsrat Dr. RosinSki erklärt ans Befragen, daß die Hebamme sich ihm gegenüber Cwell genannt habe und eine große, starke Dame gewesen iei. Sie habe in Bezug auf Reinlichkeit keinen günstigen Eindruck auf ihn gemacht. Daß sie krank gewesen, habe er nicht bemerkt, jedenfalls sei sie nicht bettlägerig krank gewesen. Justizrat W r o n k e r: Der Verteidigung geht täglich überreiches Material, auch von Aerzten zu. und er kündige dies jetzt schon an, damit der Verteidigung bei etwaiger Stellung neuer Anträge nicht der Vorwurf gemacht werde, daß sie überrasche. Staatsanwalt Dr. Müller: Auch der Anklagebehörde geht täglich inassenhafteS Material zu. Ter Gerichtshof beschließt, dein Antrage des Staatsanwalts entsprechend, die sämtlichen ileligenannten Zeugen zu laden, die Ladung des Prof. Leubner aber abzulehnen, da schon durch andre sachverständige dieses Thema genügend geklärt sei. Tie Verhandlung wird hierauf aus Montag O'/z Uhr vertagt. Berliner partel-Hngelegenbeiten. Sechster Kreis. Roseuthaler Vorstadt. Die zu Sonntag für den 37. Kommmial- Wahlbezirk geplante Handzettel-Verbreituiig findet Umstände halber nicht statt. Die soeiaNiemokratischen Wahlmänner des Kreises Teltow- Beeskow-Storkow-Charlottenburg werden darauf aufmerksam gemacht, daß laut Beschluß der Generalversammlung keiner von ihnen bei der Abgeordnetenwahl in Rixdorf am 20. d. M. fehlen darf. Es ist Ehrenpflicht, pünktlich zur stelle zu fein und bis Schluß der Wahlhaiidluiig auszuharren. Das Eentral-Wahlkomitee des Kreises Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg. Charlottenburg. Am Montag, 23. November, von vormittags 10 Uhr bis abends 8 Uhr finden hier die Stadtverordneteiiwahlen statt. Jeder Wähler versehe sich mit einer Legitimation: wer vom Magistrat keine Karte erhalten haben sollte, nehme seinen Mets- koutrakt oder Steuerzettel mit. Wer es irgend ermöglichen kann, gebe spätestens am Nachmittag seine Stimme ab, damit für die Wähler, die erst am Abend zur Wahl gehen können, die Stuiideu zwischen 0 und 8 Uhr frei bleiben. Der Wahlakt wird pünktlich 8 Uhr geschlossen. Parteigenossen, welche am Wahllage helfen wollen, besonders solche, die keine Arbeit haben, werden ersucht, sich ihren Bezirksführern früh 9 Uhr in folgenden Lokalen zur Verfügung zu stellen: 1. Bezirk: Baabe, Neringstr. 25. 2. Bezirk: Pasche, Potsdamerstr. 11. 3. Bezirk: Müller, Rosinenftr. 3. 4. Bezirk: Dörre, Wallstr. 00. ö. Bezirk: Bartsch, Seesenheimer- straße 11. 6. Bezirk: Fischer. Pestalozzistr. 84. 7. Bezirk: Röttger, Leibnizstr. 3. 8. Bezirk: Meißner, Passauerstr. 25. _ Der Vorstand. Friedrichshagen. lieber den französischen Soeialismus seit 1789 hält Genosse Dr. Laufeuberg Sonnabendabeiid 8V2 Uhr in einer bei Kasulke stattfindenden Versammlung des Arbeiter» Bildungsvereins einen Vortrag. Lokales. Die juristische Sprechstunde fällt am Freitag aus. Das Schicksal deS kleinen Tiergartens. Die Nachricht, daß in Moabit, wie wir mitgeteilt haben, wieder ein Stück des kleinen Tiergartens der Axt zum Opfer fallen soll, hat dort begreiflicherweise eine starke Erreguilg unter der Bevölkerung hervorgerufen. Ob die Proteste, die gegen diese neue Schmäleriing der schönen Parkanlage geplant sind, viel Erfolg haben werden, das erscheint leider schon jetzt sehr fraglich. Die Behörden, die dabei in Betracht kommen, gehören nicht zu denjenigen, die ihre Wünsche leicht airfzugeben pflegen. Iii Moabit streitet man sich vorläufig noch darum, ob der Plan vom FiskuS oder von der Venvaltung der H e i l a u d s-Kirchen- gemeinde ausgeheckt worden ist. Nach einer von kirchlichen Kreisen ausgehenden Darstelluiig wäre es der Fiskus, der das Park- land in der Umgebililg der Heilandskirche auSgeboten lind erst da- durch die Verwaltung der Kirckiellgemeinde veranlaßt hätte, sich hier um ein Grundstück für ein GeineiudehauS zu bemühen. Bebaut werden solle dieser Teil des ParkeS ja doch; da könne man es der Gemeinde nicht verdenkeli. daß sie zugreife, um sich ein Grundstück zu sichern. Von andrer Seite dagegen wird behauptet, der Fiskus habe noch gar nicht verkaufen wollen; die Heilands-Kirchengemeinde sei es, die diesen Gedanken jetzt von neuem augeregt habe. Tie kirchlichen Körperschaften seien an den Fisknö herangetreten und hätten um Ueberlassuiig eines Grundstückes ersucht. Wir kennen die Plusmacherei des Fiskus, aber iu dem vor- liegenden Falle können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, daß das erste Wort diesmal nicht vom Fiskus, sondern von der Kirche gesprochen worden ist. Die Hauptschuld trifft offenbar die Kirche. Die kirchlichen Körperschaften wollen ein Gemeindehaus bauen— folglich muß die Parkanlage weichen. Giebt's denn in der Nähe der Heilandskirche gar keine andren Griiiidstücke mehr, auf deiieu das Gemeindehaus errichtet werden könnte? Ter FiskuS scheint sich diesmal mit der Rolle eines Mitschuldigen begnügt zu haben, der verständnisinnig auf die Vorschläge der Kirche einging, weil sie seinen eignen Wünschen eatgegenkamen. Wer den Fiskus ein Geschäft machen lassen will, kann rasch mit ihn, einig werden. Das Grundstück, das für das Gemeindehaus beansprucht wird, bedeutet nach seiner Größe nicht viel im Verhältnis zu der ganzen Parkanlage, die man als kleinen Tiergarten bezeichnet. ES ist aber so gelegen, daß durch seine Bebauung die lvestliche Hälfte der Parkanlage abgetrennt lliid isoliert wird. Ist erst das Genleindehaus fertig, so wirb die Bebauung des ganzen Geländes zwischen ThuSnelda-AIlee und Ottostraste von selber nachfolgen. Die Moabiter iverden sich dann bei der Heilauds-Kirchengemeinde dafür zu bedanken haben, daß ihnen die Möglichkeit, sich inmitten des Häuser- meeres au einem bißchen Grün zu erfreuen, noch mehr eiiigeschräukt worden ist. Ob ihnen der Anblick des Gemeindehauses hinreichender Ersatz sein wird?_ Die diesjährigen Schilellsahrversnche der Studiengesellschaft gehen ihrem Ende entgegen. Die letzte Fahrt dieses JahreS, bei welcher es auf Erzielung hoher Fahrgeschiviiidigkeiten ankoinint, wird bereits am morgigen S 0 n n a b e n d stattfinden. Man wird dann zwischen 9 und 1 1 Uhr vormittags bei Station Dahlwitz die beiden Schnellinotore mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometer pro Stunde vorübersausen sehen. Wer sich dieses sehenswerte Schauspiel leisten will, mutz aber, wie schon früher erwähnt, pünktlich am Platze sein, d. h. früh 8� vom Potsdamer Ringbahnhofe abfahren. Aber auch mit dem nächsten Vorortzuge(ab 8� Potsd. Bahnh.) verlohnt eS sich noch zu fahren; man gelangt dann freilich nur bis Mahlow, woselbst die Schuellmotoreu mit einer Geschwindigkeit von etwa 180 Kilometer pro«tuiide vorüberfahre»; am Wege- Übergänge hinter Mahlow kann man die Strecke ebenfalls recht gut übersehen. In der nächsten Woche finden dann die Schlutzfahrten der Studiengesellschaft statt. lieber die Brrhandlunge», betreffend die Fortführung der Hoch- bahn vom Potsdamer- nach dem Aleranderplatz hat sich der Minister der öffentlichen Arbeiten vom Polizeipräsidenten Bericht erstatten lassen und es verlautet, daß Herr Budde demnächst die Vertreter der Stadtgemeinde, der Gesellschaft und der Aufsichtsbehörden wiederum zu einer Konferenz einberufen wird. Da bezüglich der Tiirchquerung des Häuserblockes zwischen Hausvoigteiplatz und Spittelmarkt die Ailsichten noch nicht geklärt siiid, dürfte eS sich zunächst um die Jnaiignffnahme des Tunnelbaues vom Potsdamer bis zum HauS- voigteiplatz handeln, der für nächstes Frühjahr ziemlich gesichert sein soll. In städtischen Kreisen neigt man jetzt der Ansicht zu, daß die Anlegung einer neuen Straße durch jenen Häuserblock, die in der Verlängerung der Kroneiistraße durch jenen Häuserblock gedacht war, sich erübrige, zumal die Kronenstraße ciiiell ganz miilimalen Verkehr habe. Zur Unterführung des Häuserblocks durch die Tuuiielbahir ist ja in der That eine Straße nicht erforderlich, diese würde wegen der Verteilung der Kosteiilast das Projekt mir komplizieren und die Bau- auSführung noch weiter verzögern. Kann es so«och weitergehen? Eine weitere Betrachtung zum Kwilecki-Prozetz findet man in der„Deutschen Jnristen-Zeitung wo Justizrat Staub über manche verkehrten Wege des richterlichen Vev» fahrens folgendes schreibt: Zur Zeit, wo diese Zeilen geschrieben werden, sind die Verband« lungen eines KinbesüiiterschiebungS-Prozeffes in Berlin in vollstem Gange. Die Verhandlungen find äußerst interessant. Neben der Hauptangeklagten nimmt der Kampf um die Zeugen, der sich hier abspielt, das Interesse aller in Anspruch. So liefert zum Beispiel das Schicksal einer Zeugin geradezu klassisches Material für die zur Zeit beratene Strafprozeß-Reform. Tie Zeugin, eine polnische Bäuerin, hat zunächst vor einem angesehenen Anwalt in Posen erklärt, die alte Haushälterin A. sei kurz vor der Niederkunft der Gräfin nicht von ihrem Wohnort abgereist. Das war wichtig und die Angeklagte entlastend. Vor dem Untersuchungs- richtet in Berlin wiederholte sie das. Da erklärt ihr der Unter- suchuilgsrichter, wenn sie nicht„die Wahrheit sage", so habe sie die Folgen des Meineids zu tragen. Der Untersuchungsrichter hielt dabei das Gegenteil von dem, was sie aussagte, für die Wahrheit. Und die Frau sagte ihm nunmehr die„Wahrheit" und ward auf diese Aussage durch ihre Beeidigung festgelegt. In der Haupt- Verhandlung kehrt sie zu ihrer ersten Aussage zurück, bleibt bei dieser, obgleich ihr eiudriiiglich vorgehalten wird, daß sie sich ja selbst des Meineids bezichtige, wen» sie jetzt das Gegenteil von dem sage, was sie beimUntersuchlmgsrichter beschwor:sie beteuert, auchbeimUnterinchungS- richtet habe sie ja zuilächst dasselbe erklärt, was sie heute sage, und sie habe ihre Aussage dort iiur geändert, weil sie eingeschüchtert worden sei; sie ruft endlich aus: mau möge mit ihr machen, was man wolle, aber sie könnte iiilr die Wahrheit sagen, und die Wahr- heit sei, daß jene Reise nicht stattgesilndeii habe. Darauf beantragt der Staatsanwalt, uud der Gerichtshof beschließt: sie wegen Ver- dachts des MeiuSids und der Begünstigullg zu verhaften. ES ist überflüssig, hier ein Wort hinzuzufügen. Nach dem bestehenden Gesetz mag alles in Ordnung sein. Aber das Gesetz, das ein solches Schicksal eruiöglicht. ist reformbedürftig, und nicht bloß in einem Punkte. Die Herren, die im Reichs-Juslizanit darüber beraten, finden in dem bejammernswerten Geschick dieser polnischen Zeugin mehr Stoff als in tausend gelehrten Abhaiidliingen. In diesem Meineidsverfahren, bei dem die Politik außer Spiel steht, kömieu die Geschivoreueu am Ende noch durch ein dem Rechts« belvilßtsein der Bevölkerung entsprechendes Urteil das Entsetzlichste abwenden. Aber man erwäge, ivas der Justiz in den bekannten politischen Meineidsprozessen zu Essen und Wismar zugefügt worden ist und wie Unsägliches die Opfer einer solchen Rechtsprechung haben leiden müssen! Die Beschaffung besonderer Amtsziiiiliier für die Schulärzte ist in Berliner Aerztefceifen angeregt worden. Gegenwärtig sind in den Schilleii Berlins solche Amtszimmer noch nicht vorhanden. Soll die ärztliche Untersuchung der Schulkinder im Schul- hause selber ausgeführt werden, so mutz das in der Aula. im Konferenz- oder Lehrerzimmer oder auch in einem gewöhn- lichen Klassenzimmer geschehen. Manche der Schulärzte glauben. damit auskommen zu können. Andre finden, daß das zu Mißständen führt, und ziehen cS daher vor, die zu mltersucheliden Kinder mit den Eltern nach ihrer Privatwohiiung zu bestellen. Es hat sich aber ergeben, daß auch das für den Arzt wie für die Eltern nicht frei von Unbequemlichkeiten ist. Neberdies ist die Befürchtung auf- getaucht, daß bei dem Verfahren, die Schulkinder in die Wohnung zu bestellen, dem Schularzt auch noch mancher andre Patient aus den Familien der untersuchten Kinder zugeführt iverden könnte. In Charlottenburg find die Schulärzte angewiesen, die Kinder nur im Schulhause zu untersuchen. Allerdings stehen den Charlottenburger Schulärzten in den Schulgebäuden die besonderen Amtszimmer zur Versügiiug, die von einem Teil der Aerzteschaft mm auch für Berlin als wünschenswert bezeichnet werden, iveil die Untersllchuiig der Kinder sich in solchen Räumen leichter und besser ausführen lasse. Ein Berliner Landtagswahl-Jdhll. U»S wird geschrieben: Ost- elbische Schule scheint der Wahlkommissar im 17. UrWahlbezirk (Grünstraße) genossen zu haben. Eine Eigentümlichkeit dieses Wahl- Vorstehers war, daß er sich die Nameii socialdemokratischer Wahl- »länner stets zweimal nennen lassen mußte, um sie richtig zu ver- stehen, während er die freisinnigen imd konservativen Namen stets beim erstenmal richtig verstand. Ja, nicht iiur das, wenn ein Wähler nur ansetzte und die Anfangsbuchstaben ftaats- erhaltender Wahlmäuner stotterte. da er den Namen nicht genau kaimte, nannte der unparteiische Wahlleiter ihm die Cr- wählten seines Herzens. Oder wenn einer der Wähler von zwei zu ivählendeu freisillnigen Kandidaten nur eine» nannte, wurden ihm trotzdem beide aufgestellten Kandidaten zugezählt. SScnnjiicIc andre Wähler statt des aufgestellten Kandidaten Sonnenfeld, Sonnnerfeld als ihren Erwählten bezeichneten— ob das irrtümlich war. darüber hatte der Wahlvorsteher nicht zu cntjchcideu—, daim änderte das Bureau diese Namen willkürlich in Sonnenseld. Als sich unsre Ge- Nossen, über eine derartige„unparteiische" Leitung empört, durch unsren Wahlleiter darüber beschwerten. wurde der Herr Kommissarius ftichswild ,inb_ rief ihm zu:„Wenn Sie nicht ruhig find, fliegen«ie hinaus, wie es in Ihrer Partei Mode ist Das war unsren Genossen doch zu viel imd die helle Entrüstung brach aus. Von da ab war der Kriegszustand erklärt. Bei derartigen, immer wieder- kehrenden„unparteiischen" Handlungen opponierten unsre Genossen selbstverständlich beftig. Da lvar z. B. eine ganze Serie von Wählern in der amtlichen Liste mit falschen Vornamen versehen. Selbstverständlich komtten sich die Betreffenden bei dem Aiifrilf nicht melden. Als der Jrrtimi seitens unsrer Listenführer entdeckt uiid der Kommissar darauf aufmerksam gemacht wurde, wollte� et glatt darüber hinweggleiten. doch da dräiigten von allen Seiten die falsch allsgerilfenen Wähler heran und unser Wahlleiter verlangte eine Wiederholimg der Abstimmung der falsch Aufgerufenen. Die allgenleiue Empörung und das entschiedene Auftreten unsres Wahkleüers ließen das freisiimige Herz des KommissarmS in wilde Wallung geraten, die sich schließlich in dem Rufe nach Schutzleuten Lust machte. Bald kamen auch zwei behelmte und be- wehrte Gestalten, die aber, unfähig der Aufforderung unsreS Wahl- leiters nachzukommen und den frcismnigen Wahlvorsteher über das Wahlreglement aufzullären, bald merkten, daß es nichts für sie zu thiin gab. Sie zogen darauf von bannen. Nur von Zeit zu Zeit stellte jemand, wenn der Herr Vorsteher iu Ekstase geriet, ironisch aus der Wählerversammlimg die Frage:„Ist denn kein Schutz- mann da?!" Daß das öffentliche Wahlversahre» bei der Landtagswahl für Denunziationen wie geschaffen ist, zeigt eine Mitteiluiig in der „Deutschen Zeitlmg", die, nebenher bemerkt, sich sonst blutwenig um kommimale Dinge kümmert und fast mir in alldeutschen HanS- wurstiaden macht. Bon dem Wahlivirken des Oberbürgermeisters Kirsch u er wird diesem Blatt folgende entsetzliche Mär verkündet: „Wissen soie schon, wie der Herr Oberbürgermeister Kirschner zum Abgeordnetenhaus gewählt hat? Zuerst natürlich den liberalen Wahlmann. AIS dann aber Stichwahl zwischen dein Konservativen und dem Soeialdemokraten war— verschwand er!" Es wäre interessant, zu erfahren, so bemerkt hierzu die gesilimingsverwaudte„Staatsbürger-Zeitung", ob das Oberhaupt der Berliner Stadtverwaltung thatsächlich indirelt die Wahl eines Soeialdemokraten gefördert hat. „Interessant" ist es, daß die tentschen Männer, die hier so tapfer den Oberbürgermeister der Umsturzförderung zeihen, sich vor einigen Tagen gar nicht genug über den von der Socialdemolratie angeblich geüblen Terrorismus entrüsten konnten. Folgende Herren erklären uns noch, daß sie gegen ihren Willen von bürgerlicher Seite als Wahlmanns-Kandidaten aiifaeftellt worden sind: Richard Müller, Bäckermeister, Pappelallee 104, und Karl GieSmaim, Bäckermeister, Wittstockerstr. 7. Ter Arbeiter-Radfahrcrbund zählt jetzt 18 464 Mitglieder. Ein Beweis für die Rührigkeit des Blindes und das Interesse, das die Arbeiterschaft dem Radfahren eiilgegenbriilgt. Seit 1900 hat die Mitgliederzahl des Bundes sich vervierfacht, er zählt jetzt doppelt so Ijtele Mitglieder als die Allgemeine Radfahrer-Union und die Hälfte der Mitgliederzahl des Deutschen Radfahrerbundcs. Der„Arbeiter- Radfahrer", dem wir diese Mitteilungen entnehmen, hofft, daß der Arbeiter-Radfahrerbund auch die eben genannte bürgerliche Organi- sation in einigen Jahren überflügeln und sich so zur größten Rad- fahrcr-Drganisation Deutschlands entwickeln wird. In den letzten zehn Monaten hat der Bund in 240 Fällen 3700 M. Unfall- entschädigung gezahlt, die Bundeszeitung wird von der Organisation in gut 20 000 Exemplaren abonniert. Pfingsten 1804 wird in Erfurt der nächste Bundestag abgehalten. Im Zeichen des Verkehrs. Aus Anlaß der am 21. ds. Mts. um 10 Uhr vormittags im Lustgarten stattfindenden Vereidigung der Rekruten der Garnisonen Berlin, Charlotteuburg, Spandau und Grotz-Lichterfeldc werden der Lustgarten, die Schloßfteibeit, die Schloß- und Kaiser Wilhelmbrücke von 0 Uhr vormittags ab bis nach be- cndeter Feier für jeden Verkehr gesperrt. Anleihe der Handelskammer. Der Handelskammer ist die köiiig- liche Genehmigung zur Aufnahme von Schuldverschreibungen auf Inhaber in Höhe von 2'/z M i l i o n e n Mark erteilt worden. Dem ftüher an den Finanzminister gerichteten Antrage, den Stempel der Schuldverschreibungen nicht nach Tarifstelle 3 des Reichs-Stempel- Gesetzes mit 6, sondern nach Tarifstelle 2 mit 2 vom Tausend zu erheben— was ausnahmsweise bei de» Schuldverschreibungen der Kommunalvcrbände und Kommunen, der Korporationen ländlicher und städtischer Grundbesitzer usw. nach dem Gesetz zu erfolgen hat— ist merkwürdigerweise nicht stattgegeben worden. Lohnbücher in der Kleider- und Wäschekoiifrktio». Nachdem durch die Bundesratsverordnung vom 9. Dezember 1902 die Führung von Lohnbüchern für die Kleider- und Wäschekonfektion ab 1. April 1903 vorgeschrieben war, sind bekanntlich aus Unternehmerkreisen lebhafte Klagen darüber laut geworden, besonders in den großen Konfcktions- ceniren wie Berlin. Hier hatte sich die Handelskammer dieser Klagen und Beschwerden angenommen und war bereits im Mai dieses Jahres beim preußischen Handelsminister vorstellig geworden um darzulegen, daß„jene Verordnung in der Praxis aus die erheb- lichstcn Schwierigkeiten stoße". Im September fand dann zur Er- örterung der Beschwerden im Berliner Polizeipräsidium eine Beratung statt, in der auch die Handelskammer vertreten war. Nach den offiziellen Protokollen der Kammer war nun das Er- g e b n i s jener Beratung, daß der Centralbehörde der Ersatz des Arbeitsbuches durch den Arbeit Szcttel vorgeschlagen werden soll. Zu Unrecht scheint der Arbeiter O. Griese des Sittenverbrechcns bezichtigt worden zu sein. Wir berichteten den Fall in der letzten Nummer unsres Blattes. Jetzt teilt uns Griese mit. daß er, nach- dem die Polizei die Angelegenheit untersucht hat, noch am Tage der Verhaftung wieder ans freiem Fuß gesetzt worden ist.' Durch ciiicn Sturz aus dem Kinderwagen ist der sl4 Jahre alte Selm Paul des Tischlers Plettner aus der Großen Frankfurter straße 106 tödlich verunglückt. Als Frau Plettner einholen ging. während ihre fünf älteren Kinder in der Schule ivaren, ließ sie die drei- jüngeren, Knaben von 6, 6 und:'!4 Jahren in der Wohnung zurück. Der kleine Paul lag in seinem Sportwagen in der Küche. Bei ■ihrer Rückkehr fand Frau Plettner die beiden älteren Knaben 'weinend und ratlos am Wagen stehen. Neben diesem lag der jüngste aus einer schweren Kopfwunde blutend auf dem Fußboden. Aus seinen beiden Brüdern konnte man nur herausbringen, daß er aus dein Wagen gefallen war: wie cS gekommen war, wollen sie nicht wissen. Die Mutter brachte das verunglückte Kind gleich nach der Unfallstation am Grünen Weg und von dort nach dem Krankenhaus am Fricdrichshain. Hier starb es jedoch an einer Erschütterung und Vereiterung des Gehirns. Drei ungarische Taschendiebe wurden am Dienstag bor einem Warenhaus in der Leipzigcrstraße festgenommen. Eine Sonder- Patrouille von Kriminalbeamten beobachtete die jungen Leute, wie zwei von ihnen ihre Hände in die Taschen der vor dem Schaufenster stehenden Damen versenkten, während der dritte sie zu decken vcr- suchte. Sehr überrascht waren die Fremdlinge, zwei Brüder und ihr Helfershelfer, als sie nach einem guten Griff alle drei zugleich gc- packt wurden. Ob die Namen, die sie sich beilegen, richtig sind, lveiß man noch nicht. Selbstverständlich behaupten die Langfinger, daß sie eben erst aus ihrer Heimat nach Berlin und ganz zufällig gleich nach der Leipzigcrstraße gekommen seien. Gestohlen wurde einem Reisenden in der Kurstraße ein schwarzer Karton mit Mustern von Spitzenkragen. Da diese Muster für den Reisenden von beträchtlichem Wert sind, hofft er, daß er den Karton gegen Aussetzung einer Belohnung wieder erhält; er bittet die Ware bei Beer, Spcnerstr. 32, abzuliefern. Feucrbrricht. lieber ein Dutzend Brände hatte die Wehr im Laufe des Bußtages zu beseitigen. Früh gegen 3 Uhr wurde sie nach der Markgrafcnstr. 62, Ecke derLeipzigerstraße, gerufen, weil hier ein Posten Stoffe in Brand geraten war. Vormittags ivar in der Teltowcrstr. 16 durch einen eisenicn Ofen in einer Schlächtcrgesellen- stube ein Feuer entstanden, dem in der Hauptsache Betten, Kleidungsstücke und Körbe zum Opfer fielen. Etwas später gingen in der Rathcnowerstr. 69 im dritten Stock Möbel und Decken in einer Wohnung in Flammen auf, während in der Frankfurter Allee 140 alter Hausrat und Verpackungsmaterial brannte. Gegen Abend mußten in der Wilsnackerstr. 16, Dcmminerftr. 9, Philippftr. 4 und in der Perlcbergerftr. 58 Zimmerbrände abgelöscht werden. Im wesentlichen wurden in allen diesen Fällen Wäschestücke, Möbel und Kleider beschädigt. Tic übrigen Alarmierungen, die in den letzten 24 Stunden von der Alexandrincnstr. 121. Bcrnauerstr. 66/67 und noch von verschiedenen andren Orten einliefen, betrafen Brände, die von Hausbewohnern bereits vor Ankunft der Wehr beseitigt waren. „Ter Leiermann und sein Pflegekind" in unsren Tagen noch ein Publikum finden würde? lind doch war es möglich, mit diesem s-tück im Südosten unsrer Jntelligcnzstadt ein volles Haus zu er- zielen. In Sanssouci nämlich, dort, wo sonst Hoffmanns Konzertsänger ihre fröhlichen Weisen erschallen lassen, verändert sich am Dienstag jeder Woche das Bild. Das Ouartett tritt ab, eine höhere Kunstgattung placiert sich; und da die Eintrittspreise er- schwinglich sind, ist der freundliche Saal an diesem Wochentag über- füllt. Es wächst der Mensch mit seinen höheren Zwecken, und so sollte denn auf allgemeines Verlangen der Direktion auch die Krittk ihr Teil thnn. Nun ist garnicht daran zu zweifeln, daß so ein dramatischer Abend im Hause Koitbulerstraße 4 ungemein aus das Gemüt der zahlreichen Besucher gewirkt hat'. Wenn das Pflege- kind des treulosen Leierkastenmannes hungernd und frierend in den Bäckerladen tritt und bald darauf der humpelnde Held des Dramas selber als heulendes Elend erscheint, dann bleibt so leicht kein Auge trocken und männiglich ist einig in dem Urteil, daß es doch etwas Schönes um die dramatische Kunst ist, namentlich, wenn so nett ge- spielt wird wie hier in Sanssouci. Aber uns will scheinen, daß trotz des riesigen Beifalls, den das Rühtdrama gefunden hat, die Direktion gut thut, mit etwas weniger verjährter Kost zu kommen. Es brauch! ja gewiß kein ganz modernes Drama zu sein und noch weniger ein klassisches; aber es ist in den letzten fünfzig Jahren doch so manche anständige Posse fabriziert worden, die ein genügsames Publikum noch sehr schmackhaft findet. Warum muß man da seinen lieben Gästen die krinolinenhafte Unnatur der cnt- schlichen Charlotte Birch-Pfeiffer vorsetzen? Theater. Im Luisen- Theater geht heute, Freitag, Shakespeares„Der Widerspenstigen Zähm u n g" mit den Damen Stauffen, Natrowska und den Herren Bartels, KruSzhnski, Ruff, Wald, Majewski, Hüner und Toussaint in den Hauptrollen erstmalig in Sccne.— Im Trianon-Theater spielt Herr Direktor Lautenberg als Gast mit seinem Ensemble am Sonntag Ibsens„Wildente". Den Hjalmar spielt Herr Lautenberg.— Central-Theater. Am Sonntag findet nur eine Vorstellung statt und zwar am Abend 7l/2 Uhr. Zur Aufführung gelangen „Die Glocken von Corneville, Operette in drei Akten von Planquette. Hervorragend beschäftigt sind die Damen Josefine Vettori, Hanni Wildner, Marietta Richon und die Herren Oskar Braun, Rudolf Ander, Martin Klein, Emil Albes.— Die 257. Veranstaltung des Vereins für B o l k S u n t e r h a l t n n g e n (3. Separatvorstcllnng des königl. Schauspiels für den Verein) findet am Dienstag, den 24. November, abends 8 Uhr, im Neuen königl. Operntheater(Kroll) statt. Zur Aufführung gelangt das Trauerspiel von Gotth. Ephr. Lessing„Emilia Galotti". Ter Verein für gesundheitsgemäße Erziehung der Jugend ersucht uns, folgendes bekannt zu geben: Alte aber noch brauchbare Schlitt- schuhe werden— wie in früheren Wintern— zur Verteilung an unbemittelte Schulkinder dankend entgegengenommen für den Verein für gesundheitsgemäße Erziehung der Jugend bei:' Arndt, Aork- straße 82: Stadtverordneter Frenske. Zossencrstr. 8; Rektor Ehr- mann, Ruheplatz 7; Direktor Gutzmann, Markusstr. 49; Dr. Jacusiel, »urfürstenstr. 43; Rechtsanlvalt Jacusiel, Kaiser Wilhelmstr. 20; Zahnarzt Löwenbcrg, Friedrichstraße 211; Frau Stadral Dr. Cohn, Augsburgerstr. 30/31; Dr. Hcimann, Charlotteuburg, Kantstr. 136. Tos 20. Jugend-Konzert(für Gemcindcschülcr) findet Mittwoch, 25. November, nachmittags 4 Uhr, in der„Philharmonie" statt. Fräulein Dcrnburg und Fräulein Dietsch singen Duette, begleitet von Herrn Kapellmeister Fritz Otto: die Herren Kammermusiker Möffert, Lehmann, Viel und Iran sind mit sechs Quartetten für Waldhorn auf dem Programm vertreten, während der deklamatorische Teil übernommen ist von Herrn Direktor Rudolf Lorenz, dem Lehrer für Sprechtechnik und Vortragskunst an Em. Reichers Hochschule für dramatische Kunst.— Diejenigen Kinder, welche keine Einlaßkarten in ihren Schulen erhalten, können sich direkt an das Seminar für Musik, W. Neue Winterfeldstr. 48, wenden oder an den Portier der „Philharmonie".— Die nächsten Jugend-Konzerte finden erst Ende Jcmiiar statt. Zur Ausstellung der Berliner Sccession stehen wiederum er- mäßigte Eintrittskarten zu 10 Pf. statt 1 M. zur Verfügung. Tiefe Karten haben an allen Tagen Gültigkeit. Die Organisationen werden gebeten, eine beliebige Anzahl im Bureau des Gcwcrkschafts- Hauses in Empfang zu nehmen. Ein Verkauf an Einzelpersonen findet nicht statt, wer Karten wünscht, hat sich an seine Organisation zu wenden, Theater in Sanssouci. Was einst dem Menschen im Zeitalter der Krinoline Thräiicn entlockt hat, übt trotz Hauptmann auch noch heute im Zeichen des Reformkleides seine Wirkung aus. Wer möchte glauben, daß die s lige Charlotte Birch-Pfeiffer mit ihrem Rührstück Kus clen Nadibarofteu. Der Plan, einen Teil der Jnngfcrnhcidc in cineu Volkspark umzuwandeln, ist, der„Voss. Ztg." zufolge, in diesen Tagen bedeutend gefördert worden. Die Verhandlungen, die zwischen dem landwirtschaftlichen Ministerium und dem Charlottenburger Magistrat schweben, nähern sich einem crfteulichcn Abschluß. Der Charlotten- burger Magistrat ivird ein Gelände von 600 Morgen in der Jnngscrnheide mit der Verpflichtung erstehen, diesen Teil nie abzu- holzen, ihn aber zu gemeinnützigen Zwecken zu erschließen. Der Landwirtschaftsminister, der früher den Forderungen der Charlotten- burger Gemeinde gegenüber einen ablehnenden Standpunkt vertrat und für die Abtretung einen außerordentlich hohen Preis verlangte, zeigt sich nun sehr entgegenkommend. Im Witnierdorfcr Fenn ist Mittwochmittag der 13 Jahre alte Sohn des Ingenieurs Montua aus der Maiinhciinerstraße 44 in Wilmersdorf ertrunken. Der Knabe hatte sich mit seinen jüngeren Geschwistern ans die dünne Eisdecke gewagt, die sich auf dem Sump' an der Mannheimerstraße gebildet hatte und war infolge eines Fehltritts so unglücklich ausgeglitten, daß er ins Wasser stürzte und dort hilflos liegen blieb. Als die Geschwister schreiend nach Hause liefen und die Mutter herbeiholten,>var es bereits zu spät; der Knabe ivar langsam im Moor versunken und konnte nicht mehr auf- gefunden werden. Erst mit Hilfe der Feuerwehr gelang es, nach einer halben Stunde den Körper im Schlamm aufzufinden; die dann noch angestellten Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos Die Leiche des verunglückten Knaben wurde nach der Leichenhalle des Wilmersdorfer Friedhofes gebracht. Nownwcs. Die Landtagswahl-Campagne hat die patriotischen Einwohner unsres Nachbarortes Ncüendorf veranlaßt, über ein Mittel nachzudenken, wie man die Socialdemokratie am schnellsten vernichten könne. Bisher versuchte sich in diesem Geschäft der neue konservative Wahlverein. Da aber dank seiner energischen Thätigkeit die social- demokratischen Stimmen bei der RcichstagSivohl ungeheuer anschwollen, so hat man jetzt ein Mittel ausfindig gemacht, das seine Wirkung gclviß nicht verfehlen wird. Man hat nämlich vor kurzem einen„Verein der vereinigten bürgerlichen Par- teien" gegründet, in welchem sich Konservative. Freisinnige und Nationalliberale ein Nendez vons geben sollen. Ter specielle Zweck dieses Vereins ist, bei Reichstags-, Landtags- und Gemeindewahlcn zu verhüten, daß socialdemolratische Kandidaten geivählt werden, Leider mußte man aber bei den UrWahlen erleben, daß trotzdem vier unsrer Genossen als Wahlmänner gewählt wurden. In der konstttuierenden Versammlung suchte man auch die bürgerlichen Parteien in Nowawes' für diese eigenartige Organisation zu interessieren, erlebte aber dabei einen bösen Reinfall, da man hierorts bereits eingesehen hat, daß gegen das Vordringen der Socialdemokratie kein Kräutleiu gewachsen ist und es vernünftiger ist, wenn man sucht, ans anständige Weise mit ihr ausznkonimcn. So werden also die Ncuendorfer allein iveirer- kämpfen gegen die„rote Gesellschaft": die Erfolge lvcrdcn hoffentlich darin bestehen, daß wir bei den nächsten Gcmeindewahlen ebenso gut abschneiden wie bei den Wahlnrännerwahleii. Erweiterung des Güterbahnhofes Wilmersdorf-Friedena». Seit dem 5. d. Mts. beträgt die Belade- und Entladefrist für Wagen ladunacn auch ans dem Ringbahnhöf WilmerSdorf-Friedenan, wie auf allen andern Berliner Bahnhöfen, Iviedcr zwölf Stunden, nach� dem sie dort vier Monate hindurch ans sechs Tagesstmiden beschränkt war. Den berechttgten Beschwerden der Interessenten über die Vcrkehrsverhältnisie dieses Bahnhofes ist dann zwar vorläufig zum Teil abgeholfen; der ständige Platzmangel daselbst Ivird aber nur durch schleunige Vermehrung der Fmladegeleise zu beseitigen sein. ES besteht jetzt auch die begründete Hoffnung, daß der dringend notwendige Umbau bald zur Ausführung gelangt; denn der Minister der öffentlichen Arbeiten hat der Handelskammer aus ihre Eingabe hin mitgeteilt. daß er der Erweiterung des GütcrbahnhafeS Wilmersdorf treten wird. � Friedenau voraussichtlich in nächster Zeit näher- Gerickts-Leitung. Die Abenteuer riucs Deserteurs wurden in einer Verhandlung aufgerollt, welche am gestrigen Tonuerstagvormittag vor dem Kriegs- gericht der 1. Garde- Jnfantcrie-Divisivn stattfand. Der 39 Jahre alte Bergmann Johannes Schmitz, der in der Landwehr ersten Auf- gcbates sich befand, hatte sich im August des Jahres 1900 als Frei- williger für den Chinakrieg gemeldet und war in das Ostasiatische Pion'ier-Bataillon eingestellt worden. Am 3l. Oktober desselben Jahre? sollten diese Mannschaften auf dem Kriegsschiff„Prinzeß Irene" die Reise von Antwerpen nach China antreten. Am Tage vorher erhielten die Pioniere die'Erlaubnis, in der Hafenstadt in'geschlossenen Trupps spazieren zu gehen und sich dieselbe anzusehen. Schmitz kaufte ans dem Spaziergang in einem Geschäft eine Kiste Cigarren für die bevor- stehende Fahrt. Als er den Laden verließ, waren die übrigen China- krieger nicht mehr zu sehen, und als Sch. weiter gehen wollte, sprach ihn ein junges Mädchen an, das ihn aufforderle, gemeinschaftlich ein Glas Bier zu trinken. Der Bergmann war leider galant genug, der Bitte der Schönen Folge zu leisten, das Pärchen begab sich in eine Kneipe und zechte hier. Sch, scheint dort des Guten zu viel qcik-n zu haben er schlief cm iii.i) wachte 1 erst wieder auf, als es bereits dunkel war. Der Freiwillige eilt« schnell ans die Straße und begab sich nach dem Hafen. Da er wiederum Durst hatte, so ging er in eine Matrosenkneipe und traf hier einen Vorgesetzten, den er grüßte. Der Vorgesetzte erwiderte jedoch den Gruß nicht, und als der Freiwillige nach dem Grund einer derartigen Hcrabwttrdignng frug, er- hielt er nur eine barsche abweisende Antwort. � Wie_ der Angeklagte in der gestrigen Verhandlung des Kriegsgerichts angab, hat ihn diese Art und Weise, wie er, der Chinafrciwillige nnd ältere Mann, von einem jungen Unteroffizier behandelt worden sei, im höchsten Grade gekränkt. Noch halb im Rausch, beschloß er zu desertieren und nicht mehr ans das Schiff zurückzukehren. Als er noch dnmpfbrütend am Tisch in der Kneipe saß. trat ein elegant gekleideter Herr an ihn heran, der den Vorfall vorher mit angehört hatte. Der Fremde fragte den ehrlichen Deutschen länger aus und redete ihm zu, das China-Abenteuer aufzugeben. In Frankreich würden tüchtige Bergleute gesucht, und dort könne der„pauvre garcon", der ja in China doch nur zum Krüppel geschossen werden würde, in kurzer Zeit viel Geld verdienen! Der Fremde trank dem Deutschen zu, ein Handschlag, eine anständige Anzahlung und wenige Tage später befand sich Sch. nicht in einem Bergwerk in Frankreim. sondern ans einem Dampfer im Mittelmcere und bald darauf in Algier. Dort, im fremden Lande, der� französischen Sprache nicht mächtig, begann für den Leichtsinnigen eine entsetzliche Leidenszeit. Sch. arbeitete thatsächlich in einem Bergwerk und zwar im Hochlande des AtlaSgebietcS; hier hielt er cS 17 Monate hin- durch aus. Dann wurde der Bergmann als untauglich entlassen, und jeglicher Mittel bar irrte er am Rande der Sahara entlang, bis er, von der Malaria gepeinigt, in Algier eintraf und dort monatelang im deutschen Krankenhause schwer krank danieder lag. Nach seiner Genesung kehrte Sch., dem ja die Heimat infolge seiner Desertion verschlossen ivar, nach Frankreich zurück und arbeitete dort in einem Bergwerk. Hier lernte er ein junges Mädchen kennen, das er zu heiraten beschloß. Aber vorher wollte er sein„Vergehen" wieder gut machen und erst dann nach Erledigung der Strafe heiraten. So stellte er sich im September in einer Grenzgarnison bor deutschen Militärbehörde und stand gestern vor seinen Richtern. Mit Rücksicht ans die tiefe Reue des Fahnenflüchtigen und ferner deswegen, weil er sich selbst gestellt, verurteilte das Kriegsgericht der 1, Gardc-Jnfattterie-Division den Angeklagten wegen Fahnen- flucht im Felde szu dem niedrigsten Strafmaß in der Höhe v o n fünf Jahren Gesang ni s und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes. Acht Wochen Untersuchungshaft wurden dem Deserteur als verbüßte Strafe in Anrechnung gebracht. Ter Vcrichtigiingszwaug der Presse beschäftigte das Landgericht Nürnberg als Berufungsinstanz. Das dortige Schöffengericht hatte den vormaligen verantwortlichen Redakteur der„Fränk. Tagespost" Genossen Fr. Westmeyer wegen llebertretung des Preßgesetzes durch Nichtaufnahme einer Berichtigung zu 10 M. Geldstrafe verurteilt und die nachträgliche Anfnahme der Berichtigung angeordnet. In der Sache handelte es sich um folgendes: Die„Tagespost" hatte einen Artikel aus Scheiufcld gebracht, worin berichtet wurde, daß die dortige Gemeindeverwaltung, wahrscheinlich ans Betreiben des Pfarrers, die drei Kinder der Witwe Vcth in deren Abwesenheit habe wegnehmen und in die Zwangserziehungsanstalt schaffen lassen. Gegen diesen Artikel sandten' der Pfarrer und der Bürgermeister eine Berichtigung ein, deren Aufnahme verweigert wurde, weil sie sich nicht ans that- sächliche Angaben beschränkte und eine Reihe beleidigender Be- hanptungen enthielt, deren Nichtigkeit der Redalicur nicht kontrollieren konnte. So war darin behauptet worden, die Vcth führe einen schäm- und sittenlosen Lebenswandel, habe Ehebruch verübt, sei der Gewerbc-llnzucht ergeben, auch solle sie gc- droht haben, daß sie die Kinder eher vergiften werde, als daß sie sie in die Anstalt schaffen lasse. Um sich keine Beleidigungs- klage zuzuziehen, lehnte der Redakteur die Aufnahme dieser Be- richtigung ab, worauf Anzeige gegen ihn erstattet wurde und auch Verurteilung erfolgte. Das Schöffengericht stellte sich ans den Standpunkt, daß, wenn auch der Inhalt der Berichtigung teilweise strafbarer Natur sei, die Einsender doch zweifellos gedeckt seien durch den§ 493 des Strafgesetzbuchs, da sie in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt hätten. Das Landgericht verwarf die dagegen eingelegte Berufung und erklärte den Redakteur für verpflichtet, die Berichtigung aufzunehmen. Aus Grund dieser Berichtigung hätte niemand zur Verantwortung ge- zogen werden- können. Allerdings seien einzelne Behauptungen ge» eignet, die Veth in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen, der Pfarrer habe jedoch in der Berichtigung behauptet, daß das alles wahr fei und von dem größten Teile der Einwohner- schaft Schcinfclds bezeugt werden könne. Aber wenn auch ein Teil der Bcrichiifjung beleidigend für die Vcth sei, so sei doch für die Einsender aus Grund des§ 193 Straflosigkeit sicher gewesen und der Schutz dieser Bestimmung wäre auch dem Redakteur zugebilligt worden, jedenfalls hätte ihn kein Richter verurteilt, wenn er wegen Beleidigung verllagt worden wäre. Gegen dieses unHalt- bare Urteil wird Revision eingelegt, denn der Redakteur ist durch § 11 des Preßgesetzes ermächtigt, eine Berichtigung, die einen straf- baren Inhalt hat, zurückzuweisen, und man kann ihm nicht zumuten. daß er erst Wahrscheinlichkcitsberechnungen darüber anstellen solle, ob er im Falle einer Beleidigungsklage vielleicht den Schutz des § 193 zugebilligt bekommen würde. Lnefkaften der Redaktion. O. D. Es handelt sich in der Anzeige unsres Wissens um eine Lotterie- Rcllainc. Fideicommifsum. 1. Vermächtnis, das nur den Nießbrauch gewisser Güter überläht. Gut, das nicht verlauft werden kann und bei einer Familie verbleibt. 2. Ein solches Buch ist annähernd vorhanden in: Wurm. Bollslcxikon. Auch Liebknechts Voiks-Frcnldwörterbuch dürste manche Lücken decken, obschon es eine ganz andre Richtung einschlägt.— M. D. Frau, Nicht bekannt.— Levante. Morgenland. jUrnftifchcr Ceil. Tic jnriftischc Tprcihstiuidc findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von?>/, bis»>/- Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. Cr. S. 41. 1. Der Hauswirt ist im Recht. 2. Ja.— F. S. 57, dann die Unterstützung Ja.- W. R. 112. I. im Nein, es >>. hört Göld». auf. 2. Sie müssen sich die Heirats- und Geburtsurkunden Ihres Paters beschasscn und dann die Umschreibung der danach unrichtigen Einwägung beanwagcn.— Gottliev V. Eine Erhöhung der Altersrente ist unmöglich. Wenn Sic erwerbsunfähig sind, so erhalten sie die Rente, die höher ist. also entweder die Alters- oder die Invalidenrente. Welche von hcid-nt höher ist, läßt sich nur aus den Karten selbst berechnen.' Äci> jährung würde nur vorliegen, ivcrni seit 1900 weder etwas gezahlt, noch die Forderung anerkannt ist. Wenn Sie gegen den ZahlungSbesehl nicht rechtzeitig Widerspruch erheben, so ist er in vollem Umfange vollstreckbar. 911. 68. Wegen Gewährung der Kriegsvcterancn-Rcnte wenden Sia sich an das Polizeipräsidium, wegen Gewährung ans Stiftungen an den Magistrat.— I. Sch. 10. 1. Nein. � 2. und 3. Fordern Sic den Wirk unter Festsetzung einer Frist aus, die'Fehler zu beseitige», drohen Sie ihnh an, cvcutucU würden Sic die Fehler aus seine Kosten beseitigen lassen. handeln«ie der Drohung entsprechend und klagen Sie die Kosten ein, falls der Vermieter mit der Aiiflcchnmsg gegen die Miete nicht einverstanden ist. Wittcvuiigsübcrsicht vom.gu. November 1003, morgens 8 Uhr. Stationen SS § S Swinemdc. 767 Hamburg Berlin Frankfa.M. München Wien Wetter-PrognÄse für Freitag, den 20.?lobcmber 1003. Ein ivenig kälter, Zeitweise nebelig, sonst ziemlich heiler und trocken b j chwachen nordöstlich«? Winden. Berliner Wctterburea» a « ft A e *s ü u ü k ♦ 0 V s ö s i- k Klegante in allen modernen Farben und Streifen 18—45 Mark. schwarz und farbig von 85—54 Mark. Sioff-Hosen von 8—14 Mark. Wier-Mls elegante und moderne Verarbeitung in allen modernen B0WUB Farben und Streifen ' von 16—54 Mark. WllgZ- Mi (iSi-Merofee 3�| in grosser Auswahl. iteWen von 1,7S-7,S0 Mark. Gegründet 1879- Herren- und Knaben-Garderobe Julius Lindenliauin 141, Grosse Frankfurterstr. 141, Ecke Fruchtstrasse. Grösstes Geschäft der Branche in den Bezirken 0, NO, SO. Feste Preise! Feste Preise! 1 a t * js «• e •». * 1 N. s »» (t "! L e •d « B i Die schönsten Kenren- 2854S* Anzüge, Winterpaletots, Joppe» etc. sind zu bedeutend herabgesetzten Preisen in gross. Auswahl vorhanden. Abt. I: Selbstangefertigte Garderobe, keine Fabrikware, durch diesen Vorteil alles viel billiger. Anfertigung nach Mass. Abt. II: Monats-Abonnements-Garderobe, von Kavalieren getragene Sachen, sehr preiswert. Für jede Figur passend. JWarBrl Hauptgeschäft: Prinzcnstr. 17 •'* an der Wasserthorstrasse.' Filiale: Gr. Frankfurterstr. 116, an der Andreasstrasse. Puppen-Fabrik u. Klinik Brunnenstr. 119, OÜO lCf*©ySSI�<, Brunnenstr. 119. taust man, wie befannf. am besten und billigsten Puppen, sowie samt- liche sür Puppen nötige Artikel. Erjaptcile werden gratis bcsestigt. puppvn-IKSpsnsKus'sn KzilöiigsK. Seeben prämiiert Silberne Medaille wegen allerhöchsten fteizeffekts! Große Kohlesecharms! Emaillierte Heizrohren mit III Zügen ä Nur durch diese drei Züge wird die enorme Hitze erzielt. Vorrätig in den Küchengerät» Gcschästcn.— 8 Züge, emailliert grau und ncublau, 3 .50 Mt. Wo nicht erhältlich, dann Gräfestr. 37 p. Unverwüstlich, ewig zu gebrauchen! Das Grossartlgste für den Christbaum ist daS in der ganzen Welt die größte Bewunderung hervor- rusende e!niSfdiUI!It-v«!Sttl, KS. ItaiKiif! Nach Anzünden der Weihna chts- kcrzen ertönt das Geläut in drei barmonisch abgestimmten Ton- arten so lange, bis die Kerzen ganz ausgebrannt sind. Man glaubt unwillkürlich ein in weiter Ferne ertönendes Glockengeläut zu hören und gestaltet so die Weihnachtssrcudcn psesdig reizend. Noch nie hat>ür den Christ- bäum eine so wunderbar schöne Illusion existiert. Klinge, Glöcklcm, klinge, Vcrsandsrei ins Haus gegen Einsendung von 1.50 Mk., auch in Briesmarken, Die schönsten Weihnachtsgeschenke,[S S unlcrm Katalog, verlangen Sie selben ganz umsonst. Kirberg$ Comp.* Joche bei Aeltesies Fabrikationsgeschäft. Solinger Siahlwaren mit Versand direkt an Private! I J o? Versuch bitten wir mit unserer anerkannt guten S P/g.- Cigarre etw zu machen; Sie haben dann eine hochfeine Qualitäts- Cigarre Alleinverkauf bei Stein, Chausseestr. 65166. Oderbrueher und pommersche Gänse sowie Gänsefleisch. Leber». Liesen u. Gänsekiel» empsiehlt zu den billigsten Tagespreisen Fritz Weber, 57* Von»ärts-8ncbhani)tung SOS., t-indenstr. 69, Hadert. Sehrilten von l Kautskj: Die Vernichtung der Social- demokratic durch den Gelehrten des CentralvcrbandeS deutscher Industrieller. Mk.—,20 Die katholische Kirche und die Socialdcmokratie. Mk.—,75 Tasselbe. AgitationS- Ausgabe. Mk.—,80 Die sociale Revolution. I. Social- resorm und sociale Revolution. II. Zlnr Tage nach der socialen Revolution. Mk. 1.50 Toeialresorm und sociale Revolution. Agitations- Ausgabe. Mk.—.10 Slm Tage nach der socialen Revolution. AgitationS-Ausgabc. Mk.-.30 Karl Marx' Oekonomische Lehren. Gemeinverständlich dargestellt und erläutert. Brosch. Mk. 1.50: gebunden Mk. 2,- Dic Agrarfrage. Eine Ucbersicht der Tendenzen der modernen Land- wirtichnst und die Agrarpolitik der Vocialdemokratie. Mk. 5.-. Lbd. SchO Das Erfurter Programm in seinem grundsätzlichen Teil. Mk. 1.50; gebunden M. 2,— Konsumvereine und Arbeiterbewegung. Mk.— ,15 Die Klassengegensähe von 1780. Mk.—.50 Bernstein»nd das soeialdemo- kratische Programm. Eine Auti» kritik. Mk. 2.— Dasselbe. Volksausgabe. Ml. 1,— „ilfic NorherVothsieitling" 25jähriges Jubiläum, 18�—1903. HM- Wir geben den Rest dieser Jnbilaumsnummer jetzt mit 75 Pf. ab anstatt des früheren Preises von Mk. 1.-. Seheruehs Jestsäle Rudersdorfeckrnße Ar. 45. Renoviert!!! Säle von 50 bis 2000 Personen fassend zu 2933L. Volksversautmlungen- Werkstättenversainniliingen. Vergnügunge», Hochzeiten re. Sonnabende und Sonntage AM- noch zu vergeben.-MU Kleine Anzeigen. M lr /«y Buchstaben zählen doppelt W b — Riiigschistct! eu. Bobbin. Schnell- Dteppdecken. spottbillig, Fabrik Wollen Sic inäl eine wirtlich Pfandleihe Prinzenstraßc 63, 7�...f näher, ohne Anzahlung, Woche 1,00, Weinstraße 20. s-SS» gute Herrenjoppe sehen, die elegant Ecke Anncnstraße, täglich 8— 8, Sonn- �Ll JVciUIL. gebrauchte 12,00. Köpnickerstraße60/gl," gPaflkraktbier. blutbildend für'st und sehr haltbar, so sehen Sie sich tag« 8— 10 und 12-2 g-össnct. Prenzlauerstrabe 59/60 und Grobe Blutarme. Brustkranke. Schivackliche. 2106 bei Schlesinger au. 200lK Damenpaletots. Mabans Anzeigen in den A n n ah m es teilen für Berlin bis 2 U/ir,/ür die Vororte bis 1 Uhrt der Haupt expedition Llndenstr. bis 4- Uhr Gewichtszunahme, bessere Gesichts färbe, überraschend, 14 Flaschen 3 Mark.'I,, Tonne 3,50 exklusive. Nicht Flaschcnzahl, Qualität ent- scheidet, Porter- Kellerei Ringlcr. Bcrnauerstrabc 119._ 99/13* Hochfeine Herrenanzüge und Paletots aus besten Maßstossen 25—10 Mark. Bcrkaus Sonnabend und Sonntag. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. I981K* Steppdecken billigst Fabrik Grobe Franksurterstrabe 9, parterre.+37* prachtvolles, 18,007 Bett. Dresdcncrstrabe 38. Michel, 33166 Gut erhaltenes Reibzeug, Theater, Schaukelvserd, eiserner ikindcrschlitten billig zu verlausen. Ruppincrstrabc 5, 11 rechts, 33106 Seifcngeschöft vertäuslich wegen Abreise. Sluskunst Baumgarten, Petersburgerstrabe 5,_ 33126 Pancclsosa, Salon- Garnitur' Taschensosa, Chaiselongue, Trumcau' Portieren, Ncanderstrabe 7, Fabrik gcbäudc. 38/l9 Gelegenheit! Braufleutc! Grobe Wirischast, snns Zimmer, billig vcr- käuflich, darunter Salongarnitur, vier Fautcuils, Pancelgarnitur, Säulen und meterhohem Spiegel 95,00, gc- schnitzle Schränke, Stühle 2,75, auch einzeln, noch neu, Friedrichstrabc 1 13, II. Herrenrad, tadellos, mit neuem Gummi 45,00, nlit Neltlaternc vcr- kaust Neue Hochstraße 47, Vorder- haus III,_ 3215b Restanratton mit Vereinszimmer verkäuflich Kurstrabe 22. 3317b* Nähmaschinen. Zablc bis zehn Mark, lver Teilzahlung Nähmaschine kaust oder nachweist, alle Systeme. Woche 1,00. Postkarte genügt, Borchcrt, Zorndorserstrabc 50, 60/1 3* Für die Halste des Wertes sind allcrneuestc Damenjackctts abzugeben. Für Händler seltene Gelegenheit. Particwaren cn gros, Müiizstraße lS.I. Gutgehende Restauration wegen lleberiialnne andren Geschäfts ver- kaust billig Schönborn, O., Kron- prinzenstraße 50. tl39 Obst-, Grünkram-Geschäst, gute Kundschaft, zu verlaufen.(Krankheit der Frau.) Erfragen Krautslraßc 48, Restaurant, 3320b Paneel-Plüfch-Garnitur Ist Um- ftändchalbcr bei Schniah, Gastwirt, Bcrgstrabc 2, zu verkaufen, 33216» Paneelsofa sehr billig zu ver- kauscn(Nutzbaum), Milbradt, Dem- minerstratze 4, Ouergebäude 1, 3322b Paneelsofa billig. Fräulein Gebier, Prinzenftratze 64._ 38/14 Goldwaren, Uhren, Brillanten, bctrutcnd unter regulärem Preis, Leihhaus Grast, Beuthstratze 5.» Zleisertstamm, Kanari enrollcr 6,00 Neanderstratze 7. 38/15 Versckieclenes. Ttrafsachen.RechtSbureau.Chaufiec- stratze 75, 30236* Patentanwalt Dammann, Moritz- platz 57,_ 30506' Unfalllachen.RcchlSbureauPiitzgcr, Steglitzerstratzc sünsundscchzig.sl904A' Rechtsburrau, GerichtssckretSr, früherer, AndreaSstratzc 38. Billig.' RechtSbnreäu(Alcxander-PIatz) I Kurzeftratze achtzehn! Sicherste Rechtshilfe! Eingabengesuche! Rat- erteilung I 60/6* Rechtslmreau!(Andreasplatz), Grünerweg vierundneunzig. Gerichts- beistand, Eingabengesuche, Raferlei- lung. Langjährige Erfolge! 3264b* Rechtsbnrcan Falk, Brunnen- slraßc vierzig, Prozeßbeistand, Ein- gabcngesuche, Naterteilung, 3271b* Rechtsbnreau. Gcrichisklagen, Ehesache» Eingabengesuche, Rat- erteilung. Pctsch, Brunncnstraße 97.* Rechtsbureau 2ützowstrabe 21. Zahnschmerzen beseitige, ohne aus- zuziehen, absolut schmerzlos sür immer. Unbedingten Erfolg garantiere. Zahn 1,00. Zahnatelicr Olioicr. Annen- stratze 26, gegenüber Thalia-Theatcr.* Kunstftopferei von FrauKotosktz, Sfciiimctzstratze 48, Ouergebäude hoch- parterre,» Wer Slost rhsfe 2 erden trlin fr, Damenpalctots, Matzansertigung, Modernisierung, Spötter, Stcttincr- stratze 8._______ 3269h» Fabrradgcsilch. auch defekt, Ratz- last, Schönbauser Allee l63a. 93/10* BereinSzimmcr, schönes, grobes zweifenstriges mit Piano, gut 60 Per- tonen sasteud, ist zu oergeben. Schwarz. Dalldorferstratzc 5._____ fOl Vereinszimmer: Hier, Alte piaiob- stratze 1l9. 1906K* Vereinszimmer, 40 Personen, Pianino, zu vergeben Kominan- dmttcnstratze 65, Laoewig. 1973K* Waschanstalt. Jede Art Wäsche tvird sauber ohne EHIor gewaschen, Freien getrocknet. Leibwäsche, Bett- Wäsche. 0,10, vier Handtücher, süns Tischtücher 0,10. Abholung sofort. Frau Duschynski, Köpenick, Schlotz- stratze 15._ Vereinszimmer bis 25 Personen, Luhm. Pctristratze 8/9. 1999K* Tüchtige» Dirigenten sür Diens- tags sucht Gesangverein(Klavier). Osferten sofort Otto Scham», Blumen- stratze 52.___ f39 Tüchtige Besteckarbeiter, Silber- schleiser und Sllberpolicrcrinnen wer- den nach autzcrhalb gesucht. Neandcr- stratze 12 1.__ 38/16 Karton- Arbeiterinnen verlangt Backe,.Kastanien-Allee 26.-fS2 Barockvcrgolderinne» verlangt Max Leonhard, Schlcsischcstratzc 31.» Im ArbeitSuiarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 4« Pf. pro Zeile. Platina. Gold, Silber, Gebisse, alte Uhren, Brillanten, Blattgold, Kehrgold kaust Broh, Wrangclstratzc 4. Vermietungen. Zimmer, Kleines Zimmer, einen Herrn, zu vermieten Matlhey, Arndtstratze 29. Schlafstellen, Dchlafstelle, freundlich möbliert, vermietet Ruppinerstratze 5, ll rechts. �rbeitsmarkt. Stellenxesuehe. Der Zuzug für Stackarbeitcr aller Branchen ist streng fern- zuhalten bei Schmülliig & Barta, Thürmgcrstr. 18. 88/9 Die Ortsvcrvvnltnng. Schinna! Holzarbeiter! Ä» der Möbelfabrik von ICümenel, Frankfurter Allee Rr. 117 a. bejwdcn sich sämtliche'Arbeiter aller Branchen seil dem 13. Oktober im Streik. Zuzug streng fernhuiteu! Die Ortsvertualtung. Willig! Ruhm! Als gesperrt sind zu betrachten: H. Beermann, Lehrterstr. 48 c; Julius Beermann. Sübendc: W.Ttahl. Wollankitr. 67: C. Jngold. Prinz Eugenslr. 24;. A. Krause, Siemensslr. 2?: A. Schrödtcr, Gr. Hamburgerstr. 30a: G. Weise sun., Wilmersdorf. 292/5* Die>><>I»iih»iu>i»i«�i<»n. hat, fertig Anzug oder Paletot nack Zulharc !e clcganlen � � Nah Inkl. Zulhaicn von15Markan. B. Lewkowitz. Alcxandcrstratze l4a. s19I3K* Pfandleihe» stratze 35. Müller, Z offen ei'- 37/2» Hnmorist Max Schmcltzer ist frei. Nügenerftratze 10. f-101* Stellenanxehote. Dirigenten(tüchtigen) sucht Ar- bcilcr- Gesangverein sü'. Montags. Adressen: Schräder, DunckerslraHc 88. Achtung, Holiarbeiter! In der Möbeltischlerei von 4. Kxaili,, Weisiensee, Langhans- stratze 22, sind Dissercnzcu aus- gebrochen. Zuzug ist streng sernzu- halten. 88/11 Gesperrt ist ferner Bai»» 4k Betzkow. König-Chaussee 71. Tie OrtSvcrwaltung. Berantwortl. Redakteur: Julius Kalisk'i in Berstn. Jnseratentell vcraiilwortlich: Dh> Glocke in Berlin. Duilk u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW