BbcnncmentS'Bfdingungen; Hlonnttnentä< Preis priinumerand»: Sierteljnhrl. Z,Z0 Mr.. monatl. 1.10 Mk., wöchentlich SS Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. »ellage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. «ionnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in der Post-Zeitungs- Preisliste sür 1003 unter Nr. 8803. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn- Marl, für das übrige Auslanü» Marl pro Monat. Crtitdot iZgl!» anStr Olootagi. Vevlinev VolKsvl�tk. Die InlertionS'GebQlir beträgt für die sechSgespaltenc Kolon«!» zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Bcreini» und Äersammlungs.Slnzeigen 20 Psg. „Kleine Hnzeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett)! Inserate sü» die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Fesitagen bis S Uhr vormiMagS geöffnet. Telegramm.«oreff«: „SocIlliKmskrat Rtrllo". Centralorgan der socialdemokratisihen Partei Deutschlands. Keclakriont SM. 68» I�inäensrvasge 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 198». Nr. 272. SV. Jahrg« Sonnabend, den 21. November 1803. Cxpeäitlon: SM. 68» �.inäensdeasse 69. __ Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984._ Die Klassenwahl. DaS elendeste der Wahlsysteme hat seine Aufgabe geleistet. Was die Wahlmännerwahlen des 12. November bereits feststellten, das wurde am Tage der Abgeordnetenwah! lediglich bestätigt: In Preuhen werden als Abgeordnete und Gesetzgeber gewählt die An- gehörigen der Partei, welche im Volle den geringsten Anhang haben- Je weniger Vertrauen die Wählerschaft einer Partei schenkt, um so siegreicher wird diese Partei; die Partei, der das größte Vertrauen gehört, erreicht das geringste Ergebnis. Die Oeffentlichkeit der Wahl hindert viele Hunderttausende an der Ausübung des Wahlrechts, an der Erhebung deS oppositionellen Protestes, den sie nach ihrer lleberzeugung erheben wollen. Die Oeffentlichkeit der Wahl zwingt viele Zehntausende zur widerwillig geübten Bekundung einer politischen Anschauung, die sie selbst ver- werfen, zu der sie sich bekennen müssen, wenn nicht die Gewalt der Herrschenden sie dem Hunger überliefern soll. Die Oeffentlichkeit der Wahl macht in der großen Ueberzahl der preußischen Wahlkreise die Wahl zur Lächerlichkeit und zur Unmöglichkeit. In einer Anzahl größerer Städte wird die Brutalität des kon- trollicrten Wahlrechts" durch die Massen des arbeitenden Volkes überwunden. Die Socialdemokratie vereinigte in zahlreichen Kreisen, besonders in Berlin, in Altona, Kiel, Breslau, Magdeburg. Halle, Elberfeld-Barmen und so fort imposante Stinnnenzahlen auf ihr Programm trotz der öffentlichen Wahl. Aber hier wirkt die Klassen Ivahl als unfehlbares Werkzeug der ungeheuerlichsten Un- gcrechtigkeit. Mögen Zehntausend in einem Wahlkreise öffentlich den Socialdemokraten als ihren Vertreter fordern, einige Dutzend Wohl- habender und ein einziger Krösus haben das doppelte Wahlrecht als die Zehntausendmasse der Unbemittelten. In keiner politischen Auseinandersetzung unsrer Tage tritt die Gewaltherrschaft des Besitzes über die Besitzlosigkeit so brutal in die Erscheinung als bei diesen preußischen Wahlen. Scheinheilige Volks- feinde bemühen sich, den Klassenkampf der Socialdemokratie zu verdächtigen. DaS preußische Wahlsystem ist der Klassen- kämpf! Das preußische Wahlsystem reißt die Staatsbürger in drei Klassen auseinander, es errichtet die Alleinherrschaft der Geldmacht über die Masse der Arbeitenden, es hetzt die Klassen in den Kamps wider einander. Der tapfere Kampf, den unsre Genossen führten, er ist nicht verloren. Diese Wahl brennt das preußische Unrecht in die Seele des Volkes. Das Bewußtsein dieses Unrechts kann von jetzt an niemals erlöschen. Die socialistische Arbeiterschaft hat der preußischen Klassenherrschaft unablässigen, unerbittlichen Krieg erklärt I Gin Wimstererlaß ul»er die Diktatur der Wahtkommissare. UcLereinstimmend wird berichtet, daß bei den Abgeordneten- wählen überall da. Ivo sich die Socialdemolraten beteiligten und bemüht waren, die Jnnehaltung der gesetzlichen Vorschriften zu sichern, die Wahlkommissare mit diktatorischer Willkür vor- gingen und sogar, wenn ihre Ungesetzlichkeiten den Widerspruch der Parteigenossen erregt hatten, die Ausübung höchster staatsbürger- licher Pflichten durch Requisition der Polizei störten. Kein Satiriker könnte eine blutigere Verspottung des tollen preußischen Wahlsystems ersinnen, als dieses Aufgebot von Polizei zum Schutze behördlicher Ungesetzlichkeiten! Namentlich bei der unter der Leitung des Landrats v. S t u b e n- rauch erfolgten Wahl in Teltow-Beeskow trat diese Diktatur des WahlkommiflarS besonders schroff hervor. Aber auch fteisinnige Wahlleiter ließen an»Schneidigkeit" nichts zu wünschen übrig. Dieses befremdliche Vorgehen ist nun, wie wir mitteilen können, direkt auf einen Erlaß des Polizeiministers zurückzuführen, dessen entscheidende Stelle wie folgt lautet: Der Minister des Innern. Berlin, den 9. September 1903. »Der in daS Reglement neu eingefügte 8 31 enthält keine Aenderung, sondern nur eine Klarstellung und Formulierung des bereits bestehenden RechtszustandeS. In dem Runderlasse vom 7. Juli 1849 ist schon darauf hin- gewiesen, daß die Wahlvorsteher, insbesondere auch zur Ab- Wendung von Störmigen und Verzögerungen des Wahlaktes, gegenüber den Wählern alle Maßregeln zu ergreifen berechtigt seien, welche sie zur ordnungsmäßigen Behandlung des Wahl- gcschäftes für erforderlich erachten. In Uebereinstimmung damit soll auch nach Z 31 des Reglements der Wahlleiter zum Erlaß und zur Vollziehung aller für die gehörige Durchftihrung des Wahlaktes erforderlichen Anordnungen und Entscheidungen allein berechtigt sein, soweit nicht Entscheidungen des Wahl- Vorstandes entweder— wie bei der Feststellung der Gültigkeit einzelner Wahlstiinmen— ausdrücklich vorgeschrieben, oder— wie die über das Wahlergebnis— durch die Natur der Sache bedingt sind. Diese Abgrenzung der beiderseitigen Befugnisse schließt nicht aus, daß der Wahlvorsteher(Wahlkommissar) sich auch sonst geeignetenfalls über die von ihm zu erlassenden Bestimmungen, z. B. über Umfang und Dauer der nach Z 27 der Verordnung vom 30. Mai 1349 bei der Prüfung beanstandeten Urwahlen zuzu- lassenden Diskussionen, über die Erteilung und Entziehung des Wortes dabei, über die Fonn der dabei erforderlich werdenden Abstimmungen usw.— ins Einvernehmen setzt; im Zweifel oder bei Meinungsverschiedenheiten ist seine Entschließung in diesen Fällen aber allein entscheidend. Die auf sein Erstichen zu seiner Unterstützung ibm zuzuweisenden Beamten, namentlich die Polizei- Exekutivorgane, haben seine zur Auftechterhaltung der Ordnung bei dem Wahlgeschäft getroffenen Entscheidungen und Anordnungen auf Erfordern in Vollzug zu setzen. Es muß erwartet werden, daß'die Wahlleitcr durch takt- vollen, aber auch, wo erforderlich, energischen Gebrauch ihrer Befugnisse eine» ordnungsuiaßigen Verlauf der Wahlen zu sichern wissen werden." Im Austrage: gez. von Kitzing. Der angezogene§ 31 des neuen Reglements lautet: »Der Wahlvorsteher und der Wahlkommissar sind für den vor- schriftsmäßigen Verlauf der Wahlhanolung verantwortlich; sie sind, so weit nicht Entscheidungen des Wahlvorstandes vor- geschrieben sind, berechtigt, alle zur geordneten Durchführung der Wahlhandlung erforderlichen Entscheidungen und An- ordnungen allein zu treffen und mit den gesetzlich zulässigen Mitteln in Vollzug zu setzen. Die Befugnis des Wahlvorstandes, das Wahlergebnis festzustellen, wird durch diese Vorschrift nicht berührt. Beschlüsse des Wahlvorstandes werden mit Stimmen- mehrheit gefaßt; bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Wahlvorstehers(Wahlkommissars)." Diese ministerielle Aufforderung zur Schneidigkeit und die Empfehlung polizeilicher Hilfeleistungen erklärt hinlänglich die Vor- kommnisse bei den Wahlen. Nur haben sich init Diktaturgewalt ausgestattete Wahlkommissare nicht zur ordnungs mäßigen, sondern auch zur ordnungs widrigen Durchführung der Wahlhaudlung polizeilichen Sukknrs geholt. Es ist gewissermaßen das Stand- recht für die Wahl proklamiert worden, um die Gesetzlichkeit niederzustrecken, deren Jnnehaltung die Wahlhandlung notwendig ein wenig verzögern mußte. Zun: erstenmal seit Menschengedenken ist diesmal zum preußischen Landtag wirklich gewählt worden. Und die Wahlbeteiligung der Partei, die beflissen ist. selbst das blödeste Gesetz durch sorgfältige Jnnehaltung der Gesetzlichkeit zu ehren und zu achten, hat genügt, um die Wahlen mit dem Aufgebot von Polizei über die eignen Gesetze hinweg zu bugsieren. Das preußische Wahlsystem ruft nach der Polizei, damit sie eS vor sich selbst und gegen sich selbst schlitze. So befahl's der Minister Anno 1903, und so befolgten es die Wahl- komnrissare I Wahlresultate. Ausführlichere Schilderung der Berliner Wahlen findet sich weiter unten im Blatte. Die Resultate sind: Erster Berliner Wahlkreis. Gewählt Dr. Hirsch(freis. Vp.) mit 803 St., Kreitling(freis. Vp.) mit 802 St., Träger(freis. Vp.) mit 802 St. Es erhielten v. Wcnckstern(k.) 127 St., Stockmaun(k.) 127 St.. v. Loebell/z Uhr wurde die Wahlversamm- lung von dem Wahlkommissar eröffnet, die gesetzlichen Bestimmungen wurden verlesen, der Wahlvorstand ohne Widerspruch gewählt. Dann fanden die Abstimmungen über die Gültigkeit der beanstandeten Wahleir statt. Im 262. Bezirk lvird die Wahl in alleil drei Ab- teilungen sür ungültig erklärt. Die beiden andren Proteste wurden als unerheblich zurückgewiesen, die Abstimmung ergab die Gültigkeits- erklärung. Eine ganze Reihe andrer Wahlproteste, die eingereicht worden warcir, wurden vom Wahlkonumssar gar nicht zur Ab- stimmung gebracht, weil nach seiner Ansicht keine Bedenlcir gegen die Gülngkeit der betreffenden Wahlen vorlagen. Die Wahl« Handlung begann jetzt und wickelte sich in großer Eintönigkeit ab. Unterdessen war die Anzahl der Schutzleute, welche den Wahlalt bewachten, bis auf etwa hundert erhöht ivorden. Sie bekamen aber natürlich keine Gelegenheit zum Einschreiten, was wohl einem Teil der bürgerlichen Wahlmänner nicht in ihr Programm paßte. Denn wenn der Wahlkommissar überhaupt die Schutzmaunschaftherbcirief, mußte wohl der Gedanke bestehen, dies elendeste üiler Wahlgesetze unter Umständen durch die Polizei zu schützen. Um 2 Uhr wurde der Wahlakt geschlossen. Um 3>/« Uhr wurde das Wahlresultat verkündet: Abgegeben sind 1397 Stimmen, davon für die Freisinnigen Gold- s ch m i d t 909, Kopsch 909 Stimmen; für die S 0 c i a l d e m 0- kraten AronS 487. S i l b e r s ch m i d t 487 Stimmen. Somit sind Goldschmidt und Kopsch gewählt. Vor dem Verlassen des Saales forderte ein Genosse die an- wesenden Parteigenossen auf. bei der Stadtverordneten- Wahl der ersten und zweiten Wählerklasie die Quittung zu erteilen, indem die ganze dritte Abteilung erobert wird. Unter dem Gesänge der Arbeitermarscillaise leerte sich der dichtgefüllte Saal. Tritter Wahlkreis. Die gute alte Zeit, wo dem Freisinn die Berliner Landtag?- Mandate ohne Kampf in den Schoß fielen, ist dahin. Die Wahl der Abgeordneten, die früher von unsren Parteigenossen kaum beachtet, und von den FreisinnSmanuen ohne sonderliche Umstände, jedenfalls aber ohne neunenSiverten Widerstand ihrer Gegner voll- zogen wurde— die konservative Partei kam ja kaum in Betracht— bietet im dritten Landtags-Wahlkreise diesmal das Bild eines wirllichen WahlkampfeS, der allerdings in andrer Weise geftihrt wird, wie der Kampf um die Reichstagsmandate. Heute müsse» freisinnige und konservative Wahlmänner schon erhebliche Opfer an Veit und allerlei Unbequemlichkeiten bringen, wenn sie ihrem Kandidaten die Stimme zuwenden wollen. Der Beginn der Wahlhandlung war auf S Uhr vormittags an fest- gesetzt. Die Wahlmänner der Socialdemokratie waren zum Teil schon vor 8 Uhr im Wahllokal, dem Saale der Brauerei Friedrichs- Hain. Die Genossen, welche in den entlegenen Bezirken des ansgedchnren Wahlkreises wohnen, kamen gruppenweise in Kremsern vorgefahren. Kurz nach 8 Uhr war das Wahllokal— der größte Versnmmlungssaal in Berlin— bereits vollständig, und zwar größtenteils von unsren Wahlmännern besetzt. Als dann die Freisinnigen, die wie gewöhnlich, auch diesmal zu spät anfge- standen ivaren, gegen 9 Uhr antraten, da entstand ein fiirchter- lichcS Gedränge. ES war nicht möglich, daß die Nachzügler, die noch nach 9 Uhr erschienen, im Saale Platz fanden. Sie ergaben sich denn auch in das Unvermeidliche und ließen sich in den Nebensälen und RestanrationSräumen nieder, in aller Gemüt- lichkeit den Frühschoppen zu sich nehmend. Unsre Parteigenossen im Saale hatten sich auf eine lange Dauer der Wahlhandlung ein- gerichtet. Umfangreiche Stullenpakete, wie man sie an Sommer- sonntagen bei Fmnilienausfliigen mitzunehmen pflegt, lagerten auf den Tischen. Einer unsrer Wahlmänner erzählte seinen Nachbarn, daß er auf eine Daner der Wahl bis Sonnabendabend vorbereitet sei und demgemäß seine Frau ersucht habe, ihm am Sonnabend das Mittagessen ins Wahllokal zu bringen. Den Freisinnsphilistern wurde angesichts dieser Situation augenscheinlich etivas unbehaglich zu Mute. Um 9 Uhr eröffnete der Wahlkommissar Stadtrat Fischbeck die Versammlung: im Wahlvorstand saßen von unsrer Partei die Stadt- verordneten Borgmann und Hintze. Zunächst wurde über eine An- zahl von angefochtenen Wahlmannsmandaten verhandelt. Dabei ging es anfangs recht lebhaft zu, denn es handelte sich in den ersten Fällen um Anträge des Wahlkommissars auf Ungültigkeitserklärung socialdcmokratischer Wahlmänner, und bei dieser Gelegenheit griffen unsre Genossen energisch in die Debatte ein, während die Freisinnigen einen Vertrauensmann vorschickten, der bei allen Protesten gegen unsre Genossen zu sprechen hatte. Der Wahl- kommissar war bemüht, das Verfahren nach Möglichkeit abzukürzen und die Erörterungen auf das unumgänglich notwendige zu be- schränken; trotzdem vergingen volle zwei Stunden, ehe die Verhandlungen über die Wahlprotcste beendet waren. Durch die ersten Ab- stimmnngen wurden im Gegensatz zu den Anträgen des Wahl- konmiissars verschiedene Mandate unsrer Genossen für gültig erklärt. Dann folgte eine Abstimmung, nach welcher der Wahlkommissar seinen Antrag ans Ungültigkeit als angenommen erklärte; zur größten Ueberaschung der Versammlung, denn das Verhältnis der für und gegen Stimmenden war genau so wie vorher. Mair protestierte lebhaft gegen die Erklärung des Wahlvorstehers, jedoch ohne Erfolg. Die dann folgenden Verhandlungen wurden meistens ohne erhebliche Debatte beendet. Gegen 11 Uhr erklärte der Wahlvorsteher, daß nun alle vorliegenden Proteste erledigt seien. Unsre Genossen widersprachen, sie hatten selbst eine Anzahl von Protesten eingereicht, über die noch gar nicht verhandelt war. Der Wahlkommissar erklärte jedoch, e r habe darüber zu befinden, ob ein Protest zur Verhandlung kommen solle oder nicht, er halte die noch vorliegenden Proteste für unbegründet und diesen Teil der Ver- Handlung damit für erledigt.— Im ganzen sind 36 Wahlmänner- Mandate als ungültig erklärt worden; 6 socialdemokratische und 30 bürgerliche, darunter sämtliche Mandate des fünffachen Wahlmanns Kantinenpüchter Karl Schulze. Nach einer kurzen Pause begann gegen 1IA2 Uhr die eigentliche Wahlhandlung. Es waren alle möglichen Vorkehrungen getroffen, um die Stimmenabgabe so schnell abzuwickeln, wie es unter den schwierigen Verhältnissen denkbar ist. Bezirksweise wurden die Wahl- »«inner aufgerufen, und immer 10 Bezirke, die jeweils an der Reihe waren, durch große Zahlen an einer schwarzen Tafel angezeigt, zu dem Zweck, daß die Wahlmänner der betreffenden Bezirke sich recht- zeitig in die Nähe des Wabltisches begeben. Der Namensaufruf war auch nur in der allernächsten Nähe des WahltischeS verständlich, in den übrigen Teilen des Saales hörte man nichts von dem, was am Wahltische vorging. Die Abgabe der Stimmen ging verhältnismäßig schnell und ohne Störung von statten. Unsre Parteigenossen hatten ein gut funktionierendes Kontrollbnreau eingerichtet, welches schon während der Wahl die Zahl der abgegebenen Stimmen feststellte. In den ersten Stunden, wo die Bezirke der Oranienburger Vorstadt und andrer Gegenden, in denen die Herren vom Besitz do- minierten, zur Stimmabgabe kamen, standen die für unsre Kandidaten abgegebenen Stimmen hinter denen der Freisinnigen bedeutend zurück. Später änderte sich jedoch das Verhältnis zu Gunsten unsrer Partei, und jemehr die Zeit vorrückte, desto größer wurde die Spannung auf den Ausgang der Wahl. Giebt es eine Stichwahl oder nicht? Das war die Frage, von deren schließlichcr Beantwortung es abhing, ob die Wahl heute beendet werde, oder ob die entgültige Entscheidung erst in den Morgenstunden des nächsten Tage? fallen kann. Vitt Spannung die Ergebnisse unsrer Zählung er- wartend, umstanden die Parteigenossen in großer Zahl unsern Kontrolltisch und verbreiteten von da aus die Resultate weiter im Saale. Es fiel auf, daß verhältnismäßig wenige konservative Stimmen abgegeben Ivurden, obgleich das konservative Wahlkomite durch Plakate im Vorsaal eigne Kandidaten für die konservative Partei bekannt ge- geben und deren Wahlmänner aufgefordert hatte, im ersten Wahl- gang unbedingt für diese Kandidaten, und erst in der Stichwahl für die Freisinnigen zu stimmen. Es scheint aber, daß der größere Teil der konservativen Wahlmänner, in richtiger Erkenntnis des Umstandcs, daß sie mit den Reaktionären um Eugen Richter ja doch im Grunde genommen ein Herz und eine Seele sind, von vornherein freisinnig gestimmt haben. Während unsre Parteigenossen in gespannter Erwartung des Wahlresultats harrten, saßen die bürgerlichen Wahlmänner größten- teils auf den Galerien und in den RestaurationSräumen am Skat- tisch und beim gewohnten Mendschoppen. Gegen den Schluß der Wahlhandlung kamen die Bezirke vom Wedding und Gesundbrunnen an die Reihe, wo unsre Genossen in vielen Fällen alle drei Abteilungen erobert hatten. Das Stimmen- Verhältnis verschob sich nun immer mehr zu unfern Gunsten,»vir waren nur um wenige Stimmen hinter dem Freisinn zurück, als der Wahlkommissar um 6 Uhr erklärte, der Aufruf der Bezirke sei nun beendet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten unsre Stimmenzählcr ermittelt, daß eine Stichtvahl erforderlich sei. Jetzt kamen aber noch diejenigen Wahlmänner an die Reihe, die beim Aufruf nicht an- wesend waren. Diese Nachzügler stimmten ohne Ausnahme für die bürgerlichen Kandidaten, größtenteils für die Frei- sinnigen, wodurch sich das Verhältnis wieder zu unfern Un- aunsten verschob. Aber immer noch glaubten unsre Stimmenzähler Icststellen zu können, daß eine Stichwahl erforderlich sei, allerdings handelte es sich nur um wenige Stimmen. Angesichts der schwierigen Verhältnisse, unter denen unsre Kontrolleure arbeiten mußten, war ein Irrtum nicht ausgeschlossen und die Spannung auf die amtliche Feststellung war deshalb eine um so größere. Ilm e1/» Uhr wurde der Wahlakt geschlossen, um 7 Uhr ver- kündete der Wahlkommissar, daß die Auszählung noch wenigstens V/a Stunden dauern werde. Unsre Genossen wichen nicht vom , Platze, während die Gegner es sich in den Nebenräumen gemütlich I machten und versicherten auch, sie würden die Nacht hindurch aushalten. Eine lange Pause, während der zuletzt auf allen Seiten die größte Spannung herrschte. Um W/t Uhr war die Auszählung be- endet. Vom Vorstandstische her drang das Gerücht in den Saal, cS sei eine Stichwahl notwendig, da den Freisinnigen 4 Stimmen an der absoluten Mehrheit fehlten. Am VorstandStifche steckte man die Köpfe zusainmen, diskutierte und rechnete eifrig. Die Mienen der freisinnigen Mitglieder des Wahlvorstandes erhellten sich; für unsre Genossen keine günstige Vorbedeutung. Um 9 Uhr 2ö Min. verkündete der Wahlkommissar das Resultat. Es sind abgegeben an erster Stelle 260.7 gültige Stimmen. Die absolute Mehrheit ist 1303. Rosenow sfrs.) Hai 1309 Stimmen erhalten, er ist gewählt. Außerdem erhielten Bebel 1099, Dittrich(k.) 184, Zwick sfrs.) 10, Ledebour 1, Wendland sl.) 2 Stiinmen.— An zweiter Stelle sind 2603 gültige Stimmen abgegeben, die absolute Mehrheit ist 1302. Zwick sfrs.) erhielt 1309 Stimmen, er ist gewählt. Außerdem erhielten Ledebour 1100, Wendland(I.) 101, Dittrich(f.) 2 Stimme». Tie Freisinnigen stimmten ob ihres mit konservativer Hilfe er- langten„Sieges" ein Jubelgeheul an. Als Antwort ertönte aus tausend Kehlen unser alter Kampfgesang: Die Arbeitermarseillaise. Wuchtig durchbrausten die Klänge den weiten Saal. Trotzig tönten den Freisinnigen die Worte:„Da-Z freie Wahlrecht ist das Zeichen, in dem wir siegen!" in die Ohren.—„Das ist das letzte Mal, daß Ihr diesen Kreis bekommen habt!" riefen unsre Genossen den Machern des Freisinns entgegen. Vierter Wahlkreis. Um 9 Uhr erklärt der Wahlkommissar, Herr Stadtrat Mielenz, die Wahlhandlung für eröffnet. Der Raum des Böhmischen Brau- häus-Saales wurde schon um 8 Uhr zum größten Teil von social- demokratischen Wahlmännern besetzt. Die später kommenden mußten sehen, wo und wie sie Platz fanden. Veranda, Restaurationsraum lind so weiter sind dicht mit Wahlmäunern besetzt. Auf Vorscklag des Wahlkommissars werden als Beisitzer für das Bureau dem numerischen Verhältnis entsprechend drei Herren von der liberalen, zioei von der socialdemokratischen und einerj von der konservativen Partei gewählr. Nach Verlesung der gesetzlichen Bestimmungen über die Prüfung der Mandate bemerkt Stadtrat M i e l e n z— bei großer Unruhe schwer verständlich—. daß er die beanstandeten Mandate und zu- gleich die Gründe dafür verlesen Iverde und die versammelten Wahl- männer mögen durch Abstimmung, und zlvar durch Aufheben der Hände entscheiden, ob die betreffenden Mandate ungültig sind oder nicht. Hierauf erwidert Stadtv. H 0 f f m a n n: Ich möchte mich gegen den Wunsch des Herrn Stadtrats wenden, denn so lange als nicht feststeht, ob hier im Saale nur Wahl- männer anwesend sind, kann nichts beschlossen werden. Erst nach halb 9 Uhr wurde angefangen, eine Kontrolle auszuüben. Ich beantrage, daß vorher eine Prüfung der Mandate stattfindet insofern, ob auch alle Anwesenden Wahlmänner sind. fLebhaster Beifall.) Stadtrat M i e l e n z: Ich frage zunächst, ob hier im Saale ein Herr anwesend ist, der nicht Wahlmann ist, also nicht berechtigt ist, an der Wahl teilzunehmen, eventuell hat er den Saal zu verlassen. (Großer Lärm. Ruf: Das ist keine Kontrolle!) Hierzu wird von mehreren Wahlmäunern bemerkt: 1. Daß diese Art von Ausübung einer Kontrolle gegen den klaren Wortlaut der anrt- lichen Einladung und damit gegen die gesetzlichen Be- stimmungen verstößt. 2. Daß das Vorgehen des Herrn Stadtrars unzulässig ist. und um diese Unzulässigkcit festzustellen, beantragt Redner eine iramcntliche Abstimimmg. Nur die Wahlmänner prüfen die Mandate und von dem Augenblick an, wo dies nicht geschieht, ist die ganze Wahl ungesetzlich und gegen die Vornahme dieser ungesetzlichen Wahl protestieren wir. Wir ver- langen auch namentliche Abstimmung über die Gültigkeit der an- gez'.oeifelten Mandate; das hat zu geschehen auf Verlangen aus der Mitte der Versammlung.— Stadtrat M i e l e n z: Ich habe bereits erklärt, daß über die Ausführung der Wahl und was namentliche Abstimmungen betrifft, nur rch zu bestimmen habe. Diese Fragen sind ini Reglement nicht behandelt. ES giebt keine nament- lichen Abstimmungen. Diejenigen, welche die Wahl für ungültig halten, mögen die Hand erheben.(Großer Lärm.) Meine Herren l Die Proteste müssen zu Protokoll gegeben werden und wir fahren in der Wahlhandlung fort.— Stadtv. H 0 ff m a nn: Da sich herausgestellt hat, daß, wenn jemand spricht, von einer Seite Skandal gemacht wird, so bitte ich diejenigen unsrer Partei, die da sprechen wollen, immer so lange zn warten, bis der Skandal vorbei ist. und dann erst weiter zu reden, denn wir haben Zeit. Redner macht serner daraus aufmerksam, daß der Saal für 1250 Personen volizeilich abgenommen ist. Nach dem Gesetz ist der Saal überfüllt, es ist aus diesem Grunde für die Wahlmänner unmöglich, die Wahl ordnungsgemäß auszuüben. Ich protestiere ferner gegen die Art und Weise, wie die Prüfung der Mandate vorgenommen werden soll, da der Vorsitzende gar nicht in der Lage ist, die Abstimmung zu übersehen, weil ein großer Teil der Wahlmänner draußen stehen inuß; ich beantrage Auszählung der Stimmen. Stadtrat M i e l e n z weist darauf hin, daß der Saal in jeder Beziehung genügen würde, wenn sich jeder nur so ruhig verhält, wie es bei einer solchen Versammlung üblich ist. Ich bitte Sie, sich als Wahlmänner zu betragen, sonst fühle ich mich veranlaßt, die Ruhestörer zu siftieren.(Großer Lärm.) Beisitzer Wels schließt sich der Bitte des Stadtrats an und ergeht sich in längeren Ausführungen darüber, von welcher Seite fortgesetzt Skandal gemacht wird. Er bemerkt, daß lvenn i» dieser Weise fortgefahren wird, Wirdes Nachts 12 Uhr mit der Wahl nicht fertig sein werden. Stadtrat Mielenz: Ich werde jetzt die Diskussion abschneiden. Wir kommen zur weiteren Abstimmung.(Großer, an- haltender Lärm. Rufe: Zur Geschäftsordnung I) Er mache den Vorschlag, über die letzten drei Mandate aus drei vcrschicdcueu Ur- wahlbezirkcu, die alle aus gleichen Gründen beanstandet sind, zu- sanunen abstimmen zn lassen.(Großer Lärm. Rufe: Einzeln abstimmen 1 Zur Geschäftsordnung!) Die Einwendungen werden nicht beachtet und es erfolgt die Abstimmung. Der Herr Stadtrat ersucht diejenigen Herren, deren Mandate für ungültig erklärt loordcn sind, den Saal zu verlassen, denn die Rainen lo'erden von der Wahl- inännerlistc gestrichen. Während der nunmehr eingetretenen Pause, nach welcher mit der eigentlichen Wahl begonnen iverdcn soll, betreten sechs S ch u tz m a n n e r den Saal. Unter großem Lärm und„Raus! Raus!"-Rufen wenden sich dieselben zum Gehen. Während der Abstimmung macht Stadtv. Hoffmann die Mitteilung, daß Kriminalbeamte im Saale anwesend sein sollen, was wieder lebhafte Entrüstung hervorruft. Die Abstimmung geht sodann ordnungsmäßig vor sich. Der Schluß derselben erfolgte �5 Uhr. Es erhielten die liberalen Kandidaten Justizrat Cassel und Max tschulz 031 bezw. 029 Stimmen, die socialdemokratischen Kandidaten Singer und H e i m a n n je 530 Stimmen. Von andrer Seite wird uns noch über Vorgänge bei der Wahl in diesem Kreise folgendes berichtet: „Herr Wahlkommissar, ich bin init sechs Mann hier und werde den Saal jetzt räumen lassen, damit Sie am Eingang des Saales die Mandate der Wahlmänner prüfen können". Mit diesen Worten stürmte ein Polizei lieutenant»»gerufen unter dem Gaudium der Wahlmänner zu Anfang der Wahlhandlung mit 6 Schutzleuten auf die Tribüne im Böhmischen Brauhause. Als der Herr von Herrn Stadtrat Mielenz und dem_ gesamten Wahlvorstande darauf auf- merksam gemacht wurde, daß man seine Hilfe weder gerufen habe, noch wünsche, und Stadtv. Hoffmaim und Genosse Wels die Eni- fermina der Beamten ans dem Saale verlangten, ging der Herr mit seinen Beamten, nachdem er versucht hatte, zur Versammlung zn sprechen, Ivieder fort und stellte sich innerhalb der Saalthür ans. Nach Schluß der Wahlversammlung erschien, als auS social» demokratischen Kehlen imposant die Marseillaise erschallte, der Herr abermals mit seinen Beamten und wollte das Singen verbieten. Die Genossen Wels und Hoffmann machten den Herrn auf da-Z Ungesetzliche seiner Handlungsweise aufmerksam und letzterer betonte, daß dem Herrn Lieutenant die Verantwortung für die Art seines Vorgehens zufalle. Die Massen sangen das Kampflied zn Ende und schloffen mit einem kräftigen Hoch auf die Socialdemokratie. Das preußische Wahl- Ueberbmtl war zu Ende und der Herr Lieutenant verließ thatenlos den Schauplatz. Tettow-Beeskow-Storkotv-Charlottenburg. Wir Socialdemokraten waren am frühesten aufgestanden. Um 8 Uhr fanden sich unsre Wahlmänner zusammen, um sich gemeiusain nach dem Wahllokal zu begeben. In der Bcsprcchimg von Mund zu Mund stellte sich die erfreulichste Uebereinstimmung heraus. Kampfes- mut beseelte die Genossen und jene frohe Laune, die den Kampf zu einem Vergnügen macht. Die Gesetzlichkeit tötet! Dieser Satz sollte an dem verrotteten Wahlshstem erprobt werden. Das war die Parole, die in der Luft lag und gar nicht erst ausgesprochen zu werden brauchte. Auf uns allein gestellt müssen wir den Kampf ausfechten, gestützt auf unsre eiserne Disciplin und entschlossen, dem Gesetz, so widersinnig es auch ist, unter allen Um- ständen Achtung zu verschaffen. Kein Mann von uns weicht von der Stelle vor Beendigung des Wahlaktes. Alle Süßigkeiten der Wahlhandlung sollen von den Philistern ausgekostet werden. Mögen sie schwach werden! Wir sind gerüstet. Um 9 Uhr brach unser Zug nach der„Neuen Welt", dem un- gesetzlichen Wahllokal, auf. Es war eine dichte Schar, die die Hügel der Hasenheide hinabzog. Die meisten trugen Päckchen mit Butter- broten unter dem Arm, die vorsichtigsten Gemüter hatten sich mit Ledertaschen versehen, in die von Muttern für mehrere Tage Fourage verpackr zn sein schien. Während die Hauptmasse in die Thore des Ricsensaales einlenkte, warfen einige Neugierige vorher»och einen Blick in die Versammlung der Liberalen, die bei Kliem abgehalten wurde. Der Saal war höchstens zu einem Viertel gefüllt. Oben auf der Bühne stand der„Zehner"- Ausschuß, an seiner Spitze der weißbärtige Mathematiker Professor Dr. Schwarz, der mit Toimcrstimmc die aufgeregten Verhandlungen leitete. Die Versammlung hatte stimmungsvoll damit eingesetzt, daß man sich in einer 20 Minuten währenden Gcschästsordmmgs-Debatte darüber gestritten hatte, ob die liberalen Kandidaten fünf oder zehn Minuten lang feurige Ansprachen halten sollten. Nach Ueberwindung dieser ersten Stromschnelle war noch ein ernsteres Hindernis zn nehmen, es fand sich nämlich ein Häuflein Demokraten, das mir aller Energie auf ein Bündnis in letzter Stunde mit den Social- demokraten drang. Aber ihre schwachen Stimmen verhallten in dem Heulkonzert der„Unentwegten", die mit„Schluß"- und„Unsinn"- Rufen die Gründe der Vernünftigeren spielend überlvanden. Die Herren Dr. Ullstein und Fabrikbesitzer Stern, die den Vorschlag machten, zur Bekämpfung der Reaktion für Hirsch und Karsten zu stimmen,»rußten unter ironischem Dank an die Versammlung abtreten, ohne ihre Reden zu Ende führen zu können. Kläglich war das Eingeständnis, zu dem sich Justizrat v. Gordon zur Beschwich- tigung der Gemüter genötigt sah. Wochenlang haben sich die Herren vom liberalen Komitee ihre Köpfe zerbrochen; drei, vier Anhänger eines Wahlbündnisses»nt der Socialdemokratie waren im Ausschuß vorhanden, aber als die UrWahlen ergaben, daß rund 1100 Konser- vative, 900 Liberale und 600 Socialdemokraten gewählt waren, da rechneten die Herren— freilich rechneten sie falsch—, daß sie für ein Bündnis mit uns 700 Wahlmänncrstimmen mobil machen müßten(500 hätten es auch gethan I), und das konnten sie nicht, die Armen. Zuviel abhängige Existenzen, Lehrer, Beamte, sind in ihren Reihen. „Was ist der Philister? Ein hohler Darm, Von Furcht und Hoffnung angefüllt, Daß Gott erbarm!" sagt Goethe. Zun» Schluß entdeckte die Versammlung noch eine häßliche Mogelei, deren Urheber nicht ermittelt werden konnte. Es waren zur Jrrestihrung der liberalen Wahlmänner zweierlei Zettel verteilt worden. Auf dem einen stand Karsten, auf dem andern Reinbacher an erster Stelle. Die Verbündeten sahen sich mit miß- trauische» Augen an, und Herr Heinrich Bürgcr-Fränkel, dessen Gehirn die Idee der Gründung einer Aktiengesellschaft zur„wissen- fchaftlichen" Widerlegung des Socialismus entsprungen ist, mußte die Manen Franz Zieglers schänden, indem er das Wort des großen Demokraten in den Mund nahm:„Die Disciplin ist die Mnitcr der Siege."— In voller Verwirrung ging die Versammlung aus- einander. In einem Nebensaal der„Neuen Welt" hatten die Konservativen Unterschlupf gefunden. Der Eintritt war nur gegen Karten gestattet. Uns standen etwa zehn Stück zur Verfügung; die Genossen, die das Central-Wahlkomitce delegiert hatte, erhoben nachher lebhafte Be- schwerde. Selbst der Anblick des Herrn Hammer konnte sie nicht für die Langeweile und den Stunipffinn der Verhandlungen cnt- schädigen. UebrigenS konnte bei dieser Gelegenheit sofort daS enge, freundnachbarliche Verhältnis des staatlichen Wahlkommissars zu den Konservativen festgestellt werden. Herr Stubenrauch hatte die gesamten Räume des Riescnetablissements, sogar den Garten, gemietet. und er duldete auf Grund dieses Kontraktes nicht, daß Wahlzettel anders als auf der Straße oder von Wahlmännern im Wahllokal verteilt wurden. Die Konservativen müssen ihm also als Aftermicter willkominen gewesen sein. Ein Polizeilieutenant, drei Schutzleute und ein dickbäuchiger„Geheimer" sorgten für die Durchführung jener Anordnung des Wahlkommissars, für die ein gesetzlicher Boden kaum zu entdecken sein dürfte. Auch bei der Kontrolle der Legitimation der Wahlmänner wurde mit doppelte»: Maße gemessen. Obwohl eine solche Kontrolle nur durch den Wahlkommisiar zulässig ist, verlangten doch einige uu- bekannte Herren, die als Thürhütcr fungierten, an dem Eingang, durch den die Liberalen und Socialdemokraten den Saal betraten. Lcgitiinationspapicrc ab. Die Konservativen konnten ohne Legiti- mation durch eine andre Thür direkt von ihrer Versammlung auS den Saal betreten. Als unsre Bcobachtnngspostcn gegen 10 Uhr in den Saal kamen, fanden sie zu ihrer Freude die vorderen Plätze von unsren Genossen besetzt. An der weiß gedeckten Tafel auf der Bühne thronte einsam der Wahlkommissar und Landrat Stubenrauch. Es ist der Typus des Kröcherschen starken Mannes. Von Zeit zu Zeit sah er auf, um einen Blick in den Saal zn werfen, in den sich die Flut der Wahl- männer ergoß. Die Konservativen schimpften, sie mußten sich im Hintergrund zusammendrängen. Manche hatten für ihre agrarische Beleibtheit nicht einmal einen Stuhl zur Verfügung. Um 10 Uhr erhob sich der Kommissar, und das Stimmen- gemurmel der tausendköpfigen Versammlung verstummte. Im Kommandoton erklärte er die Wahlhandlung für eröffnet. Die gesetzlichen Bestimmungen wurden verlesen, aber gleich zu Be» ginn nicht befolgt. Der Rufforderuiig eines unsrer Genossen, den konservativen Kandidaten, Herrn Hamnicr, der nicht Wahlmann war, ans dem Saal zu weisen, kam der„Hüter des Gesetzes" nicht nach. Dagegen suchte er seine Unparteilichkeit dadurch an den Tag zu legem daß er in das Wahlbureaü zwei unsrer Genossen, die Rixdorfer Stadtverordneten Jäger und Wntzki, als Beisitzer neben zwei Kon- servatiben und den liberalen Wahlmännern Dr. Spiegel und Ströhlcr- Charlottenbnrg berief. Nun kamen die Wahlproteste. Nach einer kleinen Vorrede, in der Herr Stubenrauch auf die unendlichen Mühen hinwies, die die Prüfung der Wahlakten diesmal verursacht habe(seine Beamten haben bis zum Bußtage Tag und Nacht gearbeitet) teilte der Wahlkommissar die Ergebnisse seiner Studien mit. Der erste Wahlmann, der nach seinem Wunsch über die Klinge springen sollte, war ein Socialdemokrat. In Lichterfelde haben unsre Genossen einen Wahlmann gewählt, der zwar in der Wählerliste steht, aber nicht Preuße ist. Erst nach der Wahl hat er seine Naturalisation nachgesucht. Diese große Gewissenhaftigkeit sollte ihm verhängnisvoll werden. Witzig und schlagfertig verwies unser Genosse Wenzel ans das Gesetz und die Entscheidungen des Ober-Verwaltungsgerichts, wonach die ohne Protest erfolgte Aufnahme in die Wählerliste die Wahlfähigkeit auch eines NichtPreußen bedingt. Als weiteren Grund für die Aufrecht- erhaltung des Mandats fügte unser Redner unter dem Jubel der Genossen hinzu:„Bestätigen Sie ihn nur, Sie werden nach- her an der Abstimmung sehen, was für ein vorzüglicher Wahlmann er ist!" Aber diese guten Gründe blieben lvirkungslos, die Wahl wurde kassiert— ob durch eine Mehrheit oder durch eine Minderheit, das konnte allerdings bei der Riesenausdehnung des Saales nicht festgestellt werden. Auch einige andre Wahlen, die der Kommissar beanstandete, wurden für ungültig erklärt. Die Wenzelschen Ausführungen blieben die einzige Probe socialdcmokratischer Redekunst, woran sich die Versammlung erfreuen konnte, der Versuch mehrerer Genossen, ihrerseits Wahl- Proteste zur Kenntnis des Kommissars zu bringen, wurde von diesem im Keime erstickt. Seine landrätliche Selbstherrlichkeit ließ weder Meldungen zur Geschäftsordnung noch Fragestellungen zu. Er erhob seine starke Faust, und das Gesetz ging in Trümmer. So lvar es möglich, daß um Vell die Abstimmung beginnen konnte. Der erste Wahlmann, dcrdie Bühne gemessenen Schrittes betrat, war ein Socialdemokrat, unser Genosse Wroick aus Köpenick. Seine Abstimmuirg wurde jubelnd begrüßt, eine Demonstration, die uns die Konservativen bei der ersten Abstimmung für Hammer und Fetisch nachmachten. Eine kleine Weile ging das Wahlgeschäst in Ruhe vor sich, bis der Herr von Stubenrauch wiederum daS Gesetz verletzte.§ 27 des Reglements bestimmt ausdrücklich, daß jeder Wahlmann in der Reihenfolge des Verzeichnisses auf- zurufen sei, an den Tisch zu treten und abzustimmen habe. Da bei der bedeutenden Entfernung einzelner Wahlmänner vom Wahltisch einige unsrer Genossen nicht so schnell die Bühne betreten konnten, wie eS der an militärischen Drill gewohnte Herr Landrat verlangte, rief er gleichzeitig mehrere Wahl- männer auf und nahm Abstimmungen außerhalb der Reihenfolge vor. Stünnische Zwischenrufe unsrer Genossen machten Herrn v. Sftlbenrauch auf das Ungesetzliche seines Verfahrens aufmerksam. Aber unbeirrt fuhr er in seiner Methode fort. Nun wurde der Sturm zum Orkan, tnimitenlang ertönten Rufe: Reihenfolge! Reihenfolge! Gesetz! Gesetz!§ �!§ 27! Einige impulsive Genossen sprangen auf die Bühne und stellten den Kommissar persönlich zur Rede. Nun verließ Herrn v. Stubenranch auf kurze Zeit seine gelvohnte Ruhe, er drohte die Polizei herbeizurufen, und in der That rückten bald darauf ein Lieutenant mit sechs uniformierten Schutzleuten und sechs Geheimen in den Saal. Sofort richteten Baake, Hirsch und Eber- Hardt die schriftliche Aufforderung an den Kommissar, die Beamten, soweit sie nicht Wahlmiinuer sind, aus dem Lokal zu entfernen. Zu- nächst kümmerte sich der Kommissar nicht um diese Aufforderung. Erst als unsre Genossen gegen das Verhalten des Landrats zu Protokoll Protest erhoben, verschwand die Polizei, sie blieb aber in einem Nebenraum konsigniert. Vorher hatten die socialdemokratischcn Beisitzer im Wahlbureau auch ihrerseits Protest gegen das ungesetzliche AbstimmungSverfahre» eingelegt. Der Wahlkommissar fragte die übrigen Beisitzer, und diese— einschließlich der beiden Liberalen— hießen gehorsamst seine Willkür gut. Unter solchen Nmstnnden verzichteten die socialdcmo- kratischcn Beisitzer aus die Ehre, au dem gesetzwidrigen Verfahren weiter mitzuwirken und schieden auS dem Borstande aus. Beim Verlassen der Tribüne empfing sie brausender Zuruf der Socialdemokraten. Vergeblich wurde der Kommissar um die Ergänzung des Bureaus ersucht, er hielt es nicht für nötig, Ersatz zu schaffen. Und nun verrann Stunde auf Stunde, während das Wahl- geschäft sich abwickelte. Unermüdlich waren unsre Genossen ans dein Posten, um durch Zurufe jegliche Uebertretung des Reglements zu rügen. Zur Erleichterung der Arbeit traf die Kommission die Ein- richtung, ganze Ortschaften auf die Bühne und die Treppe zur Bühne zu postieren. Die OrdnungSparteiler waren be- fliffcn— und dazu gehörten auch die Liberalen, der Aufforderung des Landrats zu folgen, sie bildeten einen wechselnden Männerchor, der mit den Notenblättern, dem Wahl- zettel, in der Hand an den Coulisscn stand und auf daS Stichwort lauerte. Um S'/z Uhr, d. h. nach Verlauf von 7 Stunden, hatten etwa 1809 Wahlmänner abgestimmt. Um 6 Uhr lvird der etwas beleibte Kriminalbeamte, der des morgens bor der Eingangsthür Wache hielt, wieder im Lokal erblickt. aber sofort durch unsre Genosse» an die frische Luft befördert. Da die landrätliche Hilfe versagt, sind wir auf Selbsthilfe angewiesen. Einige Minuten später erscheint er wieder unter dem Schutz eines Lieutenants und etwa eines Dutzend andrer Beamten. Genosse Bogel bcgiebt sich zum Landrat und protestiert. Der Landrat erklärt, daß er den Beamten habe rufen lassen. Grosser, minutenlang anhaltender Tumult. Genosse Hirsch bcgiebt sich auf die Bühne, spricht mit dem Landrat und mit dem Polizei- lieutenant und erhält die Zusicherung, daß die Polizei zurückgezogen wird. Genosse Hirsch richtet hierauf au seine Parteigenossen eine kurze Ansprache, er fordert sie auf, die Gänge frei zu lassen und sich den gesetzlichen Anordnungen zu fügen. Die Genossen zollen seinen Ausführungen Beifall und in wenigen Sekunden ist, nachdem die Polizei zurückgezogen, durch unsre eignen Ordner die Ruhe wieder hergestellt. Der Rest der Wahlhandlung vollzieht sich in musterhafter Ordnung. Die Polizei ist verschwunden, der Landrat achtet auf die Durchführung der gesetzlichen Bestimmungen, unsre Genossen haben keinen Grund zu Protesten. Der Parteien bemächtigt sich allmählich große Aufregung, mit atemloser Spannung verfolgt man den Verlans der Wahl, denn bis zuletzt ist es zweifelhaft, ob Stichwahl zwischen Socialdemokraten und Konservativen oder zwischen Liberalen und Konservativen nötig ist. Endlich um SV« Uhr hat der letzte Wahlmann seine Stimme abgegeben. Aber erst um 10 Uhr erfolgt die Verkündigung des Resultats. Es haben erhalten an erster Stelle Fetisch(k.) 1010, Hirsch (Soc.) 653, Rcinbachcr(fts. Vp.) 822, zersplittert 22 Stimmech an zweiter Stelle Hammer(k.) 1000, Znbcil(Soc.) 646, Karsten(natl.) 835, zersplittert 17 Stimmen. Also Stichwahl zwischen Felisch und Rrinbachcr auf der eine», Karsten und Hammer auf der andre» Seite. Nach 10 Uhr beginnt die Stichwahl. Das Resultat ist nicht zweifelhaft, da unsre Genossen zwar an der Abstimmung teil- nehmen, aber ungültige Stimmen abgeben. Die Stimm- abgäbe der ersten Wahlmänner, die beide Hirsch, Zubeil sagen, wird von unsrer Seite mit lebhaftem Beifall begrüßt. Vor morgens 7 Uhr ist die Wahl keinesfalls beendet. Wir harren aus. Die Freisinnigen hoffen noch immer, daß wir zu ihren Gunsten ent- scheiden, die Hoffnung wird sich als eitel erweisen. Um lOVa Uhr beugt das Bureau von neuem das Recht. Der Kommissar, lebhast unterstützt von dem volkspartei- lichen Beisitzer Dr. Spiegcl-Charlottcnburg weigert sich, die Namen Hirsch und Zubeil zu protokollieren und erklärt, daß ungültige Stimmen nunmehr nicht mehr eingetragen werden würden. ES ent- steht ein Lärm, wie er während der ganzen Wahlhandlung nicht dagewesen ist. Rufe wie„Gesctzcsverächter",„GewaltSpolitiker" werden den Mitgliedern des Bureaus entgcgcngeschleudert.„Ich bin Idas Gesetz I"„Hier geht Gewalt vor Recht!" erwidert der Landrat. Die Aufregung ist unbeschreiblich, ein bc- kaimter StaatsrechtSlchrer begicbt sich auf die Tribüne, um den ciiieu Beisitzer von der Gesetzwidrigkeit dcS Verhaltens des Wahlvorstandes zu überzeugen. Vergebens. Der Landrat droht, die Polizei zu rufen. Unsre Genossen, überzeugt, daß sie im Rechte sind, lassen sich nicht einschüchtern. Die wackeren Köpenicker— sie sind gerade an der Reihe— stehen wie eine Mauer, sie erklären, nicht eher den Wahltisch zu verlassen, als bis dem Gesetz Genüge geschehen ist, sie verlangen, daß ihre Proteste protokolliert werden. Auch daS wird abgelehnt. Nun fordern sie die Protokollieruug der Ablehnung dcS Protestes. Etwa eine halbe Stunde vergeht, während in immer neuen Zwischenrufen das beleidigte Rechtsgefühl des Volkes explodiert. Aber schließlich hat diese, unsre Erziehung zur Gesetzmäßigkeit Erfolg. Nach kurzer Beratung mit den Beisitzern läßt der Kommissar die Glocke ertönen und verkündet:„Das Bureau hat beschloffen, alle Namen zu protokollieren". Stürmischer Jubel brauste durch den Saal, es ist ein moralischer Erfolg über landrätliche und freisinnige GesetzeSauslegung, wie man ihn sich größer nicht wünschen kann. Zur Anerkemmiig giebr einer der nächsten socialdemolratischen Urwähler seine Stimme— Herrn Landrat v. Stubcnrauch. So hat das Zwischenspiel, durch daS die Wahl fast um eine Stunde ver- zögert wurde, wenigstens einen humoristischen Ausgang.. Um llffz Uhr herrscht wieder Ruhe. Wie lange??? Ober- und Niedcrbarnim. In der großen Kirche z u B e r n au waren die Wahlmänner des Wahlkreises Ober- und Niederbarnim zur Abgeorduetenwahl erschienen. Von den 1410 zu wählenden Wahlmänner» waren etwa 10 nicht ge- wählt, die Mandate von einigen 20, darunter 1 socialdemokratische, wurden für ungültig erklärt. Die Abstimmung ergab um 0Uhr folgendes Resultat: für den an erster Stelle zu wählenden Abgeordneten waren 1313 Stimmen abgegeben. Von diesen entfielen aus v. Veltheim (k.).701, Zion(nl.) 311. Stadthagen(Soc.) 328 Stimmen. Für den an zweiter Stelle zu ernennenden Abgeordneten entfielen auf Dr. Inner(kons.) 675, Müller(sreis.) 341, Bruns(Soc.) 328; jedoch ist die S t i in m e n z a h l für Dr. Inner und die Gesamtzahl der für die zweite Stelle abgegebenen Stimmen noch zweifelhaft. Stichwahl zwischen I r m e r und Müller wahrscheinlich. An dritter Stelle wurden 1313 Stimmen ab- gegeben, von denen Paulien. Der Senat möge der Maßregel seine Zustimmung geben, die oas Land verlange.(Beifall links.) Das Land habe in den dreißig Jahren kongreganistischen Unterrichts schwer«u leiden Jfthabt. Die Regierung fordere die Zustimmung zu dem Antrage Delpech. denn es sei notwendig, die geistige Einheit deS Landes zu sichern. Das Ziel der Kongregattoncn sei der Triumph der Reaktion, die Agitation unter den Bürgern.(Erneuter Beifall auf der Linken.) Wakdeck-Rousfeau erklärt, man könne das Recht zum Unterrichten den Kongregationen nicht absprechen. Er kritisiert sodann die von der Regierung zur �lung der Frage des kongreganistischen Unterrichts gemachten Vorschlage. Es handle sich mehr mn die polittsche, als um die sociale Frage. Der Anttaa Delpech würde undurchsiihrbar sein. Redner sagt, wenn inmt den auerkannien Kongregationen das Recht zum Unterrichten verweigere, so widerspreche dies dem Gesetz vom Jahre 1901. Er lehne den Antrag Delpech ab(Beifall im Centrum.) .Clömonceau erhebt gegen Waldeck-Roussean den Vorwurf, daß er stets Kritik übe. aber selbst keliie Losung vorschlage. Hierauf wird der Antrag Delpech mit 147 gegen 136 Sttmmen angenommen. aue 14 �.age je O«ueilj Peicvn-t»» zu c>>e,e, yiu m.«,u uie �-........---_——______ Julius Kaliski in Berlin. Für den Inseratenteil verantiv.: TY. Glocke in Berlin. Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Vcrlagsanitalt Paul Smger« Co., Berlin LV. Hierzu Beilagen. Hr. 272. 20. laiw 1. DtÜllKt Der Oldenburger Jnstizminifter. Oldenburg i. Gr., 19. Novenibsr 1903. � Der bekannte Prozeß wegen Beleidigung des oldeuburgischen Justiz- und Kultusministers Ruhstrat und des hiesigen Landrichters Haale gelangt heute vor der ersten Strafkammer des großherzog- lichen Landgerichts erneut zur Verhandlung. Es handelte sich um mehrere Artikel des«Oldenbnrger Residenzboten", in denen behauptet wurde: der oldenburgische Justiz- und Kultusminister Ruhstrat habe, als er noch Staatsanwalt war, im hiesigen Civil- kasiuo stark hazardiert, so daß er bisweilen in Geldverlegenheit ge- raten sei. Gymnasial-Oberlehrer Früstück habe ihm mehrfach Geld geliehen. Zum Dank dafür sei Früstück, als Ruhstrat Minister wurde, zum Gymnasialdirektor in Virkenfeld ernannt worden. Es wurde ferner behauptet: In dem Civilkasino zu„Dingelfingen", damit war die Residenzstadt Oldenburg gemeint, wurde von Leuten, die vermöge ihres Aurtes Hüter von Recht und Gesetz sein sollten, derartig hazardiert, daß ein junger Referendar und ein junger Offizier sich wegen Spielschulden das Leben genommen hätten und ein junger Assessor nach Amerika ausgewandert sei. Im weiteren wurde behauptet: Minister Ruhstrat habe, als er noch Staatsanwalt war, im Civilkasino einen inzwischen verstorbenen Oberlandesgerichts- rat„Oberschaf vom Obcrlandesgcricht" genannt. Ferner hieß es in einem Artikel: Der Minister sei auf Staatskosten zu der Tonnen- und Backenschau nach Brenierhaven gefahren, obwohl doch ein Minister für Kirchen- und Schulwesen von der Be- tonnung und Befeuerung der Weser nicht das mindeste ver- stehe. Von dem Landrichter Haake wurde gesagt:„Seine kirch- liche Bcthätigung sei nur Heuchelei und Streberei usw.". Der ver- antwortliche Redakteur und Herausgeber des„Residenzboten", Hans Biermann, wurde in, August vom hiesigen Schöffengericht wegen Beleidigung des Ministers zu einem Jahre Gefängnis und einige Wochen darauf von der Strafkammer wegen Beleidigung des Landrichters Haake zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Inzwischen gelang es, den Verfasser aller dieser Artikel in der Perion des Ghmnasial-OberlehrerS Dr. Ries, jetzt an, Real- Gymnasium zu Barmen, festzustellen. Das Urteil deS Schöffengerichts wurde deshalb aufgehoben und Anklage gegen Dr. Ries und Biermann von Amts wegen erhoben. Das Straf- kammer-Urteil gegen Bicrmann wegen Beleidigung des Landrichters Haake ist, da das Reichsgericht die Revision verworfen, inzwischen rechtskräftig geworden. Der Zuschauerraum des Schwurgerichtssaales, in dem die Ver- Handlung der vielen Zeugen wegen stattfindet, wurde förmlich ge- stürmt. Der Angeklagte Dr. Gustav RicS bekennt sich als Verfasser der zur Anklage stehenden Artikel. Dr. Ries bemerkt: Am 1. April 1902 wurde eine Oberlehrerstelle am hiesigen Gymnasium eingezogen. Ob- wohl ich nicht der jüngste Oberlehrer war, wurde ich an das Gymnasium zu Jever versetzt. Ich fühlte mich dadurch sehr gekränkt, zumal ich pekuniär sehr geschädigt tvurdc. Meine Eltern haben mit großen Opfern meine Studien ermöglicht, Ich fühlte mich daher verpflichtet, meine Eltern zu unterstutzen. Dazu war ich aber in Jever nicht mehr im stände. Ich fühlte mich um so mehr gekränkt, da die Versetzung eines Oberlehrers aus der Hauptstadt an ein Gynmasium der Provinz noch niemals vor- gekommen war. Ich fühlte mich um so mehr verletzt, da ich der bestimmten Meinung lvar, meine Versetzung sei erfolgt, weil ich Mit- gründer des hiesigen Oberlehrer-Vereins war. Dieser im Jahre 1898 begründete Oberlehrer-Bcrein nach preußischem Muster hatte den Zweck, für Erhöhung der Oberlehrer-Gehältcr zu wirken. Ich war Verfasser einer Denkschrift, das war der Regierung zweifellos bekannt. Es wurde auch in den Kreisen meiner Kollegen sofort, als meine Versetzung erfolgte, gesagt:„Das ist die Folge der Denkschrift!" Ich war außerdem Theilnehmcr einer Oberlchrer-Konferenz, die gegen den Sohn des Herrn Ministers Ruhstrat wegen einer Straßcuprügclei eine exemplarische Strafe verhängt hat. Vors.: Sie scheinen ein großer Gegner des Hazardspiels zu sein. Sie haben niemals hazardiert?— Dr. Ries: Ich habe aller- dings in den ersten Jahren n, eines Lehramts bisweilen hazardiert, ich habe aber schließlich einen Abscheu dagegen enipfunden.— Vors.: Wer am letzten Kaisers-Geburtstag hatten„Sie diesen W- scheu wieder überwunden".— Dr. Ries: An Kaisers Geburtstag lvurde ich wieder einmal zun, Spiel verführt.— Vors.: Wieviel haben Sw bei diesem Spiel verloren?— Dr. R i e S: 300 Mark.— Vors.: Sie hatten damals schon Ihrem Abscheu über das Hazardieren Ausdruck gegeben?— Dr. Ries: Jawohl.— Vors.: Dies hielt Sie aber nicht ab, selbst dein Hazardspiel zu frönen? Verteidiger Rechtsauwalt Greving: Herr Vorsitzender, ich muß doch bitten, nicht Schlußfolgerungen zu ziehen. Vors.(heftig, mit erhobener Stimme): Ich lasse mir keinerlei Vorschriften machen. Verteidiger: Ich bin weit entfernt, dem Herrn Vor- sitzenden Vorschriften zu machen, ich habe aber als Verteidiger ein Recht, gegen die Schlußfolgerungen des Herrn Vorsitzenden Einspruch zu erheben. Vors.: Un, Ihrem Mißmut Ausdruck zu verleihen, hielten Sie es für angezeigt, aus dem Hinterhalt Herrn Minister Ruhstrat auzu- greifen und wählten als Organ de» hiesigen„Residenzboten"?— Dr. R i e S: Ich sah keinen andren Weg.— Vors.: Daß Sie sich dadurch strafbar machten, scheint Ihnen bewußt gewesen zu sein, sonst hätten Sie die Artikel dem„Residenzboten" nicht anonym ein- geschickt. Sie sandten die Artikel unter dem Pseudonym:„GerdeS" oder„Göritz. Ingenieur" mit verstellter Handschrist. Sie schrieben außerdem init deutschen Buchstaben, während Sie gewöhnlich lateinisch schreiben 1— Dr. Ries: Jalvohl. Ter Angeklagte B i e r m a n n bemerkt: Er habe die Artikel auf- genommen, iveil er glaubte, öffentliche Mißstände rügen zu sollen. Er werde das Beweismaterial hierfür vorführen.— Vors.: Von wem haben Sie das Bcweismaterial? Verteidiger Rechtsauwalt Dr. �Sprenger: DaS Beweismaterial ist mir zugegangen. Vors.(heftig mit sehr lauter Stimme): Ich muß es mir ver- bitten, mich bei meiner Vernehmung zu unterbrechen. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Sprenger: Herr Vorsitzender. ich habe das Recht als Verteidiger, bei der Vernehmung meines Klienten einzugreifen. Verteidiger Rechtsanwalt G r e v i n g: Ich kann mir dqn beschimpfenden, polternden und aufgeregten Ton des Borsitzenden Unmöglich gefallen lassen. Sollte sich ein solcher Vorgang wie vorhin wiederholen, dann sehe ich mich in meiner Verteidigung beschränkt und sehe mich genötigt, dieselbe niederzulegen. Vors.: Ich muß es entschieden zurückweisen, baß ich in bc- schimpfendem Tone gesprochen habe. Minister Ruhstrat, der in seiner Eigenschaft als Nebenkläger der Verhandlung beiwohnt, als Zeuge: Ich habe die Versetzung des Dr. Ries nicht vorgenommen, sondern bin lediglich nach den Vor- schlügen des Ober-Schulkollegiums verfahren. Ich hatte keinerlei Kenntnis, daß Dr. Ries der Spiritus rsotor des Oberlehrer-Vereins war, ich hätte, wenn ich es gewußt, es ihm auch durchaus nicht nachgetragen. Ich wußte auch nicht, daß Dr. Ries der Verfasser der Denkfchrift war. Das Vorkommnis betreffs meines Sohnes ist voll- ständig falsch dargestellt. Wäre Dr. Ries einmal bei mir vorstellig geworden, dann hätte ich vielleicht seine Rück- Berufung sehr bald wieder veranlaßt. Ich habe mit dem Direttor Früstück, der. ebenso wie ich, Reserve- Offizier ist, nach einem gewöhnlich alle vier Wocycn stattgestindenen Liebes- mahl zumeist im Civilkasino gespielt. Es ist auch möglich, daß ich mir von Herrn Direktor Früstück einmal Geld geliehen habe; es ist mir aber absolut nicht erinnerlich. daß ich zu Fr. gesagt habe. ich werde mich dafür revanchieren. ES ist doch vollständig ausgeschlossen, daß ich daran gedacht habe, ich werde Herrn Früstück, wenn ich des Jontiiirtö" Serli Minister werden sollte, befördern. Ich habe zur Beförderung des Herrn Direktors Früstück in keiner Weise beigetragen. Vors.: Es wird min weiter behauptet, Tie hätten einen alten, bereits verstorbenen OberlandesgerichtS-Rat im Kasino in sehr lauter Weise „Oderschaf vom Obcrlandesgcricht" genannt.— Zeuge erklärt das für erfundenen Klatsch. Verteidiger Sprenger: Ist Ihnen bekannt, daß Gerichts- asscssor Hcllwarth wegen Spielschulden nach Amerika auswandern mußte? Zeuge: Ich verweigere hierüber die Autwort. Ich behaupte. Dr. Ries hat aus Rachsucht, Biermann aus Skandalsucht gehandelt. Die Beantivorwng dieser Frage wäre dem Angeklagten Bierinan». an dessen Artikeln der hohe und niedere Pöbel Gefallen findet, gerade recht. Vorsitzender: Ich weise ebenfalls diese Frage als unzu- lässig zurück. Verteidiger Sprenger: Dann beantrage ich einen Gerichts- beschluß. Ich bin ein entschiedener Gegner jeder Skandalsucht, ich habe deshalb auch anfänglich die Verteidigung Bicrnianns abgelehnt. Ich habe mich aber schließlich entschlossen, die Verteidigung zu über- nehmen, weil ich zu der lleberzeugnng gekommen war. es sei gegen Biermann ein juristisches Unrecht begangen worden, indem man ihm jeden Wahrheitsbeweis abgeschnitten hat. Erster Staatsanwalt Riesebieter: Ich beantrage, die Frage als unzulässig zurückzuweisen. Ich bin der Meinung, sobald die Absicht der Beleidigung festgestellt ist, kann der Wahrheitsbeweis eine Einschränkung erfahren. Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt W i s s e r: Ich kann mich der Ansicht des Herrn Ersten Staatsanwalts nur anschließen. Zu fürchten hat der Minister diese Fragen nicht, obwohl in versteckter Weife mit einem Skandalprozeß gedroht wurde, wenn der Herr Minister den Strafautrag nicht zurückziehe. Ich bin der Meinung, es muß alles vermicdc» werde«, was gcciguct ist, einem Skandal- Prozeß Borschub zu leisten. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Sprenger: Ich nmß es mit boller � Entschiedenheit bestreiten, daß in irgend einer Weise ein Erpressuiigs- oder Bedrohnngsverstlch gemacht worden ist. Nach der Meinung deS Herrn Staatsanwalts müßte man ja bei einer Anklage auf Mord oder Totschlag sich lediglich auf die Thatsache beschränken, daß der Thäter den Revolver abgedrückt hat, und alles was der That vorausgegangen ist, als unerheblich von der Belveisaufnahmc ausscheiden. Ich bin der Meinung, selbst wenn bereits die Absicht der Beleidigung festgestellt wäre, dann ist doch der Wahrheitsbeweis für das Strafmaß von Belang. Nach kurzer Beratung bestimmt der Gerichtshof, die Frage des Verteidigers zuzulassen. Minister R u h st r a t: Ich inag mit Herrn Assessor Hellwarth einige Male gespielt haben, er ist aber erst vor einiger Zeit ausgewandert. Ob dies Spielschulden halber geschehen ist, kann ich nicht sagen. Verteidiger Sprenger: Ist dem Zeugen bekannt, daß der Referendar Dr. Dietrich sich, weil er seine Spielschulden nicht bezahlen konnte, erschossen hat? Zeuge: Ich erinnere mich, Herrn Referendar Diettich einige- male gesehen zu haben, ob ich mit ihm gespielt habe, weiß ich nicht mehr; weih auch nicht, weshalb Referendar Diettich sich er- schössen hat. Verteidiger: Ist Ihnen erinnerlich, daß ein aktiver Offizier im Civilkasino so viel verloren hatte, daß er sich am folgenden Morgen erschossen hat? Zeuge: Ich habe wohl gehört, ein Offizier habe sich wegen Spielschulden erschossen, ich weiß aber nicht, ob dies festgestellt wurde. Verteidiger: Glaubten Sie damals, der Offizier habe sich wegen Spielschulden erschossen?— Zeuge: Was ich vor länger denn zehn Jahren geglaubt habe, kann ich heute nicht mehr sagen.— Verteidiger: Haben Sie mit dem Offizier gespielt?— Zeuge: Das ist möglich.— Verteidiger: Sie sollen vorzugsweise Bankhalter gewesen sein?— Zeuge: Vorzugsweise war ich jedenfalls nicht Bankhalter.— Verteidiger: Wer mag am meisten ver- lorcn haben?— Zeuge: Das kann ich nicht sagen. Beim Spiel ist sich jeder selbst der Nächste, da achtet man nicht auf andere.— Verteidiger: Man weiß doch aber, wer mit vollen und wer init leeren Taschen nach Hause geht, so blind braucht man doch nicht zu sein. V o r s.: Herr Verteidiger, diesen Ton muß ich mir entschieden verbitten. Verteidiger: Sie sollen ganz besonders zu hohen Ein- sätzen verleitet haben? Zeuge: Davon ist mir nichts bekannt. Bert.: Ist es richtig, daß Sie sich von Früstück einmal Geld geliehen haben, weil Sie kein Geld mehr hatten, um für Ihre Familie Weihnachtsgeschenke zu kaufen?— Zeuge: Auch das ist u n w n h r. Gymnasialdirektor Früstück-Birkeufeld: Er habe einige- male dem Minister Geld geliehen. Irgend loelche Versprechungen habe ihm der Minister nicht dafür gemacht. Dr. RieS habe bei Lehrern und Schülern in hohem Ansehen gestanden. Versicherungsdirektor Harbers(Frankfurt a. M.): Er habe in den Jahren 1883/89 ofttnals in: Civilkasino gespielt. Es sei bisweilen sehr hoch gespielt worden. Gemeindevorsteher Köster(Zehlendorf bei Berlin): Er sei in den 1830er Jahren hier Referendar geivescn und sei auch Offizier der Landwehr. Er habe im hiesigen Civilkasino oftmals gejeut. Obcramtsrichter C a st e u s gicbt zu, daß im Civilkasino hoch gespielt worden sei. Amtsrichter S t u! e n b o r g: Sluch er habe, als er hier Referendar war, im hiesigen Civilkasino viel gejeut. ES sei ziemlich hoch gespielt worden. Einmal habe er mit dem Minister Ruhstrat gespielt. Er habe einmal gehört: Minister Ruhstrat habe den Ober- landcsgcrichtsrat Tenge„Oberschaf vom Oberlnndesgericht" genannt. Geheimer Schiilral Menge: In Jever wurde ein Oberlehrer verlangt, der Altphilologe und imstande war, französisch zu unter- richten! Es konnte deshalb bloß Dr, Ries in Frage kommen. Dieser sträubte sich gegen diese Versetzung. Die Gründe, die er angab, schienen auch derartig, daß der Mann ihm leid that; es ließ sich aber beim besten Willen nicht anders thun. Gyiimasial-Oberlehrcr Professor Dr. Schuster: Die Versetzung des Dr. Ries nach Jever wurde allgemein als Strafversetzung auf- gefaßt. Buchhändler Max Schmidt(Oldenburg): Er sei Reserve- Offizier und habe auch vielfach im hiesigen Civilkasino gespielt. Es sei ihm bekannt, daß ein Offizier, der noch am Abend vorher im Kasino gespielt, am folgenden Morgen plötzlich gestorben sei. Verteidiger Sprenger: Ist im Civilkasino hoch gespielt worden?— Zeuge: Jawohl.— Verteidiger: Ist Ihnen bekannt, daß. wenn die jungen Referendare Silvcrgcld einsetzten, Minister Ruhstrat dies in verächtlicher Weise vom Tisch herunter- fegt:?— Zeuge: Das habe ich gehört. Nach einigen unwesentlichen Zeugenvernehmungen wird die Ver- Handlung auf Freitag vertagt. Eue Induftrle und Handel Tie Allgrineine Elektricitütsgesellschast in Berlin. In dem Jahresbericht für 1902/93, den die Allgemeine Elektricttätsgescllschaft soeben veröffentlicht, wird zunächst kurz aus # Zolmabevd, 21. November IM die jetzige Lage der deutschen Elektricitätsindustrie und die im letzten Geschäftsjahr hervorgetreteneu Konzentrationsbestrebungen hin- gewiesen. „In unserm letzten Geschäftsbericht," heißt es darin,„war gesagt, welche Mittel zu ergreifen seien, um unsre Industrie zu konsolidicreu.„Ein engeres Zusammenschließen der großen Firmen wird sich kaum vermeiden lassen, wenn die Verkaufspreise der Er- Zeugnisse wieder auf ein die Fabrikation lohnendes Niveau gebracht werden sollen." Es konnte nicht fehlen, daß dieser Prognose Zweifel, Einschränkung und Widerspruch auch von berufener Seite entgegen- trat Die Ereignisse des abgelaufenen Jahres aber scheinen unsre Auffassung zu bestätigen. Der erste Schritt in der Richtung, die wir stets als die wünschenswerte bezeichneten, ist geschehen: die vier bedeutendsten Unternehmungen unsrer Industrie sind heute zu zwei Gruppen vereinigt, die mehr als drei Viertel der Gesamtproduktion repräsentieren. Die bisher zumeist bekannten und betretenen Wege industrieller Konsolidierung, Bildung von Kartellen, Syndikaten und Vcrkaufsvereinigungen, sind für die Elektrotechniker aus zwei Gründen, schwerer gangbar: einmal weil die Fabrikation in zahl- losen Gattungen von Erzeugnissen verschiedenster Konstruktion und Bewertung sich spaltet, sodann, weil nicht Zwischenprodukte, sondern für den Einzelkonsum bestimmte Endprodukte hergestellt werden, und nicht der weiterverarbeitende Fabrikant, sondern der Verbraucher selbst in der Hauptsache die Kundschaft unsrer Industrie bildet..., Tie Transaktion, durch die diese Bewegung eingeleitet wurde, unsre Interessengemeinschaft mit der Union Elektricitätsgescllschaft, wurde in der Generalversammlung vom 7. April d. I. beschlossen und begann am 1. Juli. Sie berührt das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres somit noch nicht. Seither ist die vorgesehene Ver- schinelzung der Verwaltung, insbesondere auch in den deutschen Zweigniederlassungen, und eine Arbeitsteilung im Werkstattbetrieb durchgeführt, welche sich zu bewähren scheint. Der Wunsch nach Konzeutraiion führte zur Mitwirkung bei Umwandlung der be- kannten Firma Gebr. Körting-Hannovcr in eine Aktiengesellschast nnt einem Grundkapital von 10 000 000 M., an dem sich die A. E. G. mit 1 100 000 M. beteiligte. Tie elektrotechnische Ab- tcilung wurde von uns übernommen und als G. m. b. H. ins- besondere zum Zweck der Herstellung von Generator-Gasanlagen für elektrische und andere Betriebe organisiert. Ein Ergebnis weiterer Verständigung ist das Zusammenwirken mit der Aktien- gesellschaft Siemens u. Halske zur technischen und kommerziellen Ausgestaltung der Funkcntelegraphie nach den Systemen Slaby-Arco und Braun, und neuerdings die gemeinsame Beteiligung am Bau eines großen Unternehmens in Valparaiso für Licht-, Kraft- und Bahnbetrieb." � lieber die finanziellen Ergebnisse des Betriebes und die speziellen Geschäftsvcrhältnissc heißt es weiter im Bericht: „Wir nahmen an Aufträgen ins neue Jahr eine höhere Ziffer herüber als pro 1901/02, die inzwischen noch erheblich gestiegen ist. Die Zahl unserer Arbeiter und Angestellten betrug am 1. Oktober 18 278 gegen 11 897 am gleichen Tage des Vor- jahres. Ter Umsatz in der Maschinenfabrik Brunnen- st r a ß e stieg um mehr als ein Viertel. Auch in der Apparatefabrik Ackerstraße stiegen die Umsatzziffern erheblich. Die Fabrik Schlegel- stratze für Glühlampen und N e r n st l a m p e n hat gut gearbeitet. Besondere Bedeutung wird der Konstruktion von Dampf- turbinen beigelegt. Es wird beabsichtigt, die Herstellung dieses besonders für die Seeschiffahrt wichtigen Motors, welcher ein hervorragendes Organ auch der elektrischen Stromerzeugung zu werden verspricht, im großen Umfange zu betreiben. Die Nernstlampe wurde in Bezug auf Haltbarkeit und Lebensdauer der Brenner noch ver- vollkommnet und liefert besonders für höhere Spannungen, wie sie in modernen Anlagen fast allgemein sind, sehr günstige Resultate.... Außer Erweiterungen der Berliner Elektricitätswerke wurden von uns 57 Elektricitätswerke und Erweiterungen bestehender Anlagen mit einer Gesamtleistung von 43 265 UL(im Vorjahre 30 100 US) und einer Kabellänge von 595 Kilometer hergestellt. Erheblich größer sind die uns vorliegenden Aufträge für Errichtung und Er- Weiterung von 40 Elektricitätswcrkcn mit einer Gesamtleistung von 67 540 l?S und 769 Kilometer 51abellänge. Auf dem Gebiete elektrischen Bahnbanes macht sich eine, wenn zunächst auch noch geringe Besserung der Verhältnisse be- merkbar. Die durch den Zusammenschluß mit der 1l. E. G. bewirkte Entlastung unsrer Fabriken hat uns Veranlassung gegeben, den Bau von Eiscnbahnsignal- und Sicherungsanlagcn aufzunehmen, der in Rücksicht ans die bevor st ehe n de Ausdehnung des elektrischen Betriebes auf V o l l b a h n e u eine natür- liche und aussichtsreich- Ergänzung unsrer sonstigen Fabrikations- zweige bilden wird. Zu dem Zwecke haben wir uns an der auf diesem Gebiete erfolgreichen Eisenbahnsignal- Bau- a n st a l t A. Hartwig, K ö S l i n. beteiligt. Die Bahnbetriebe in eigner Verwaltung zeigten ein zufriedenstellendes Ergebnis.... Als Gcschäftsgewinn werden nach'Abzug der Obligatwnszmscn im Betrage von 1 213 940 M. insgesamt 6 984 047 M. ausgewiesen. Hierzu Vortrag 1901/02 von 234 042 M.. also zusammen 7-118 089 M Nach Abzug von HandlungSunkosten, Steuern und Abschreibungen stehen 5 624 385 M. zur Verfügung, deren Ver- teilung wie folgt vorgeschlagen wird: Dividende auf 60 000 000 M. gleich 8 Proz., Tantieme des Anssichtöratcs 120 000 M.. Grali- sikationen an Beamte und Wohlfahrtscinrichtungcn 240 000 M.. Pensions- und Unterstützungssonds 240 000 M.. Vortrag auf 1903/04 224 385 M." Kapitnlaerhohuug der Berliner Handelsgesellschaft. Ter Nach- richt von der Vereinigung der Dresdener Bank mit dem A. Sebaass- bausenschen Bankverein ist gestern die nicht minder überraschende Nachricht gefolgt, daß die hiesige Handelsgesellschaft beabsichtigt, ihr Aktienkapital von 90 Millionen auf 100 Millionen Mark zu erhöhen. In irgend einem Zusammenhang mit der Fusion der obengenannten beiden Institute steht diese Bankkapitals- Erhöhung natürlich nicht; sie ist sicher schon seit längerer Zeit geplant, aber bisher war über solche Absicht absolut nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen, so daß gerade jetzt am wenigsten eine derartige Nachricht erwartet wurde. In der von der Handelsgesellschaft versandten offiziellen Mit- teilnng heißt es: Der Verwaltungsrat der Berliner Handelsgesellschaft hat auf Antrag der Geschäftsinhaber beschlossen, auf den 19. Dezember 1903 eine Generalversammlung der Kommanditisten einzuberufen, deren Tagesordnung die Beschlußfassung über die Erhöhut'g des Grund- kapitals der Gesellschaft um 10 Millionen Marl sowie die Fest- setzung der Bedingungen für die Ausgabe dieser neuen Anteile bilden wird. Die Erhöhung des Gcsellschaftskapitals findet ihre Begründung darin, daß seit der letzten K a p i t a l s v e r m e h r u n g eine namhafte Steigerung des Geschäfts- umfange» stattgefunden hat, welche mit der Er- Weiterung der Geschäftsbeziehungen ein ent- sprechendes Anwachsen der Anlagen zur Folge hatte. Diese Bewegung hat im Zusammenhange mit der Be- lebung der industriellen Betriebe im laufenden Jahre weitere Fort- schritte gemacht; überdies macht sich in der Art wie in der Aus- dehnung der bankgeschäftlichen Transaktionen von Jahr zu Jahr eine stärkere Jnaüspruchnahme der Kapitalskrast geltend. Nach Durchführung der beantragten Kapitalserhöhung wird das Grundkapital der Berliner Handelsgesellschaft 100 Millionen Mark betragen: die bilanzmäßigen Reserven werden sich unter Zu-. grundelegung des in Aussicht genommenen Ausgabekurses der neue» Anteile auf über 29 Millionen Mark beziffern. Die Ergebnisse des laufenden Jahres können als recht befriedigende bezeichnet werden. Wie die relativ geringe Erhöhung des Aktienkapitals beweist, handelt es sich keineswegs um Verwirklichung weitgreifender Pläne. Tliatsächlich dürfte das Motiv, wie es in der obigen Ankündigung heißt, in einer erfolgten„Steigerung des Geschäftsumfangcs" und „Erweiterung der Geschäftsbezichungen" zu suchen sein. Die Handelsgesellschaft hat sich in letzter Zeit an verschiedenen auswärtigen Banken beteiligt und außerdem Anteile der Firnia Gebr. Stollwerk in Köln und der Montangesellschaft Lothringen-Saar übernommen. Vielleicht gedenkt sie auch die jüngst mit der New Zorkcr Firma Hall- garten eingegangene Geschäftsverbindung zu erweitern. In der Ccmentindnstric regen sich schon seit langem allerlei Truswildungsbestrebungen, die aber bisher, trotzdem es an langen Konserenzen nicht gefehlt hat, zu keinem praktischen Ergebnis führten. Auch die vorgestern in Hannover abgehaltene Versammlung der Wcrlbesitzcr der Cementindustrie hatte nach langer Debatte wieder kein andres Resultat, als die Annahme einer Resolution, m der die Versammlung erklärte, daß sie der„Idee einer Trustbildung" großes Interesse entgegenbringe, aber glaube, daß der gegenwärtige Zeit- Punkt zur Durchführung eines Trustprojekts„nocl, nicht genügend geeignet erscheint". Damit keine Zeit verloren gehe, müsse jedoch auf„andren, schon jetzt gegebenen Wegen eine Besserung der Ver- Hältnisse" angestrebt werden. Trese„gegebenen Wege" ausfindig zu machen, wurde die Einsetzung einer aus neun Mitgliedern destehenden Kommission beschlossen und in diese hineingewählt: Direktor Eck. Halle; Dr. Harmcning, Jena; Bankdirektor Haspcr, Hannover; Direktor Müller. Rüdersdorf; Bankier Pretzsch, Berlin; Rambke; Hannover; Bankdirektor von Roy, Elberfeld; Direktor Schott, Heidelberg, und Seligmann, Hannover. Die Lage des amerikanischen Eisenmarktes hat sich nach den lebten Berichten wenig verändert, doch läßt sich eine weitere all- mähliche Abnahme der Nachfrage konstatieren. Nach dem Wochen- bcricht der Londoner„Jronmonger" bleibt die Haltung des Marktes schwach und ging das in den Südstaaten fabrizierte Roheisen im Preise um 60 Cents bis zu 1 Dollar zurück, während nördliches Roheisen sich im Preise zu halten vermochte. Auch die Frage nach Eisenbahnschienen flaut mehr und mehr ab, schon sollen 20 000 bis 30 000 Tonnen Schienen zur Ausfuhr verkauft sein. Ueberall regt sich das Bedürfnis, den Export zu verstärken. Der Stahltrust hat bereits, wie es heißt, von verschiedenen Eisenbahnen das Zugeständnis erlangt, daß sie seine Fabrikate mit 33'/, Proz. Frachtcrmäßigung transportieren wollen. SevverKlcKaftttedes. Kein Schutz vor„Arbeitswilligen"? Der Schutz vor Arbeitswilligen ist, wie mannigfache Erfahrungen beweisen, oft sehr notwendig, leider aber nicht so leicht und nicht so rasch aufzutreiben, wie der angebliche Schutz, den man Arbeits- willigen dadurch zu teil werden läßt, daß man Streikende hindert. nüt ihnen ein aufklärendes Wort zu sprechen. Die Streikbrecher ent- behren zumeist des moralischen Halts, lvelchen der zielbewußte Arbeiter der Aufklärungsarbeit in der Organisation verdankt; des- wegen ist die Zahl der moralisch minderwertigen Menschen unter den Arbeitswilligen größer als unter den organisierten Arbeitern. Wo es in Prozessen gegen Arbeiter, welche sich durch Arbeitswillige zu einem Vergehen gegen den§ 163 der Gewerbe- Ordnung provo- zieren ließen, zur Verlesung der Vorstrafen der angeblich beleidigten Arbeitswilligen gekommen ist, hat sich immer gezeigt, daß das Conto dieser„nützlichen Elenrente" ganz erheblich mit solchen belastet war. Diebstahl, Körperverletzung. Ehebruch und andre Delikte marschieren da in lieblicher Abwechselung auf. Kein Wunder, wenn man weiß, woher manchmal diese Leute als Retter in der Not bezogen lvcrde». Dieses„Woher" scheint eine gewisse Nolle zu spielen in einem Falle, von dem die„Bremer Bürger-Zeitung" erzählt. Unser Bruder- blatt schreibt: „Vier Rickmerssche Arbeitswillige, anscheinend Hamburger Obdachlose, zogen am Bnßtagabend die Grüncnstraße entlang. Zwei unter ihnen schienen sehr kampfsüchtig und machten dieser Neigung nicht nur durch laute Aeußerungen Aus- druck, sondern auch durch Thatcn, freilich keine Helden- thaten. Ein ruhig des Weges Daherkommender mußte es sich gefallen lassen, daß ihn einer der Arbeits- willigen ins Gesicht schlug. Gegenüber den Rcismnhlcn stand ein dort wohnhafter Steindrucker ebenfalls ruhig vor der Thür. Er wurde von einem der Händelsuchenden angerempelt und ohne Ursache ins Gesicht geschlagen und zu Boden geworfen. Der Geschlagene hat sich an die nächste Polizeiwache gewandt und Schutzleute geholt, mit deren Hilfe er das sogenannte „NotlogiS" in der Rcismühle durchsuchte. Der Thäter aber wurde nicht entdeckt, nur der Name seines Kumpans konnte festgestellt werden. Die Staatsanwaltschaft lehnte ein Einschreiten ab." Wir meinen, gerade in diesem Falle hatte die Polizei mehr als sonst Veranlassung, den Arbeitswilligen einige Aufmerksamkeit zu schenken. Die Obdachlosen erfreuen sich ja doch sonst der rührendsten Aufsicht der Behörden und sind ihnen unter allen Umständen „Verdächtige". Ist denn das, ivas den Obdachlosen in den Augen der Polizei„verdächtig" macht, mit einem Male hinwcggewischt, wenn der Mann sich als„Arbeitswilliger" produziert?— Immerhin, der Vorfall lehrt jedenfalls, daß das Publikum vor den schlimmsten Ausschreitungen von Streikbrechern nicht ebenso geschützt ist, als diese selbst auch vor den harmlosesten Kränkungen. Wenn der geschlagene Steindrucker ctloa zu dem falschen Urteil über unsre Justiz gelangt sein sollte, daß diese Vergehen wie die der Streikbrecher ungerochen läßt,— er mag sich beruhigen I Hätte er einen der Streikbrecher ins Gesicht gc- schlagen: Hei! Die Justiz hätte eS als einen Schlag ins eigne Gesicht empfunden I Berlln und Umgegend. Achtung, Gastwirtsgehilfen! Die Lokale„Kastanienwäldchen", Badstr. 16, Inhaber Ballschmieder,„Marienbad", Badstr. 36, In- Haber Niecke, sowie Fröbel, früher Puhlmann, Schönhauser Allee 148, sind für organisierte Gastwirtsgehilfen gesperrt, da seitens dieser Wirte der kostenlose Arbeitsnachweis unsrcr Organisation nicht au- erkannt wird. Verband deutscher Gastwirtsgehilfen, Dirksenstr. 39, I. Achtung, Steglitz i Die Geschäfte der hiesigen Gewerkschafts- kommifsion Übernimmt während der Krankheit des Genossen Döring der Revisor Richard Krug, Kurzestr. IIa. Sendungen gehen an die alte Adresse. Die GcwcrkschaftSkommission ftir Steglitz und Umgegend. Deutfcbcv Reich. Der Streik der Uhrenarbeiter in Ruhla wurde für beendet er- klärt. In einer am Sonntag stattgeftindenen Versammlung erklärten sich von den 87 noch am Orte befindlichen Ausständigen 47 für die Beendigung, während 14 dagegen stimmten. Die Direktion der Fabrik erklärte sich zur Wiedereinstcllnng eines Teiles der Streikenden bereit. Ein großer Teil der Streikenden ist nach dem Schwarzwald gereist, um dort Arbeit zu suchen. Der Rest erhält vom Metall- ärbeiter-Verband bis auf weiteres die Arbeitslosen-Unterstntzung. Der Manrerstrcik in Emden sckieint zu einem ungünstigen Aus- gang zu kommen, da sich sehr viel Streikbrecher gefunden haben. Die Streikenden haben sich der Erkenntnis nicht verschließen können, daß nach Lage der Sache nicht viel zu erreichen ist, und sie haben den Stadtsyndikus nm die Anbahnung von Verhandlungen mit den Unternehmern gebeten. Die Innung hat zugesagt, mit dem Ge- sellenausschuß zu verhandeln, stellt aber als erste Bedingung: An- erkennung der bisherigen Arbeitsbedingungen bis zum 1. April. Zweite Bedingung ist: Bevor nicht die Lohn- und Arbeitsbedingungen über den 1. April hinaus auf längere Zeit auf eine der Innung genehme Weise festgelegt sind, iverden die Streikenden nicht wieder eingestellt. Die Streikenden haben beschlossen, auf Grund des Jnnnnasangcbots zu verhandeln. Bei der Gewerbrgcrichtswahl in E l st e r b e r g siegte die social- demokratische Liste mit 214 Stimmen gegen die gegnerische, auf lvclche nur 26 Stimmen entfielen. Ein Kampf»in die Organisation spielt sich gegenwärtig in der Bankelschen Ofenfabrik in Laus bei Nürnberg ab. Der Unter- nehmer will nicht dulden, daß seine Arbeiter ihre Interessen durch die Organisation lvahrnehnien, und hat sämtlichen Arbeitern, die dem Verbände angehören sca. 126) zum 1. Dezember gekündigt. Die Ausgesperrten sind entschlossen, den Kampf aufzunehmen und nicht eher nachzugeben, als bis ihre Organisation anerkannt ist. Da sich die Firma voraussichtlich bemühen wird, Arbeiter von auswärts heranzuziehen, werden fälle Töpfer ersucht, auf keinerlei Arbeits- angebote aus Lauf zu reagieren. Ausland. Ei» schwedisch-norwegischer Steinhailerkongreß tagte am 16. No- vember in Fredrikshald und war von 12 Abteilungen des schwedischen und 18 Abteilungen des norwegischen Steinhanerverbandes beschickt. Es wurden Beschlüsse über ein Zusammenarbeiten beider Verbände bei Lohnbewegungen gefaßt. An den Arbeitsplätzen, wo die Löhne am niedrigsten sind, soll zunächst auf eine Erhöhung hingewirkt werden und im übrigen in Zukunft versucht Iverden, so weit wie möglich gemeinsame Lohntarife für das ganze Arbeitsgebiet zu schaffen. Der Kongreß sprach sich ferner daftir aus, daß die an- ständigen Arbeitgeber in ihrem Kampf gegen gemeinschädliche Schmutzkonkurrenz nach bestem Vermögen unterstützt werden sollten. Für die streikenden und ausgesperrten Weber in Crimmitschau gingen bei der Berliner G e w e r k s ch a s t s k o in m i s s i o n folgende Beiträge ein: Vom Personal der Buchdruckerelen: A. Boll 27,85. Otto Elsner 52,05. Gebr. Ernst 5,—. Scydel u. Co., 3. Rate 15,60. Julius Sittcnseld 34,20. Ullstein u. Co., Accidenz, 4. Rate 14,60. Gebr. Ungcr, 2. Rate 14,10. „Vorwärts", 3. Rate 50,—. Otto Walter, 2. Rate 5,—. H. Klockow, Sechserkasso 10,—. Hcmpel u. Co., Accidenz 28,10. Ortsverein Königsberg 50,—. Orts- vcrcin Beuthen 10,—(Verb. d. Buchdrucker). Eichler 6,75. G. Schade 22,55. H. S. Hermann 8,15. W. Gronau, Schöncbcrg, Belzigerstraße 20,—. R. Mcerwaldt, Zossen 40,05. NaucklO,—. Karl Rosen 5,—. Kvble 13,65. Sckirist- gictzcrci Gursch 10,—. Tellers. Landiagswahi, Gcwcrkschastshaus 17,85. Verband der Buchbinder Berlin 200,—. Lcdcrwarcnsabrik S. Markicwicz 6,30. Bcsaiästigtc der Schiffs werft Kabnt 17,—. Personal der Firma Stern 9,30. Expedition des„Vorwärts" Unbekannt 2.—. C. F. 10,—. Waldrosc, Wcitzcnsec 10,—. Berlin NW. 23 10,—. Gesangverein Geselligkeit, Char- lottenburg 10,—. Von Beschäftigten in Möbelfabriken, Möbeltischlereien und Bautischlcrcien, FIntow 15,—. Dunski 14,25. Pill 6,—. Gcrson 14,25. Psaff, Saal 2, 2. Rate 13,90. Kühn, Luisen-User, 2. Rate 15,50. Einclut 12,05. Schöning 2,—. A. H. Schcy 27,50. Hcllmund u. Co. 9,50. I. E. Psafs, Saal 4, Prozcnt-Ratc 13,80. G. Meier, Neue Jakobswatze 15,—. Huse 9,—. Lade, Nixdors, Rcuterstr. 17,40. R. Körner, 3. Rate 7,60. Franz Bernd 29,75. Dobbcrt 3,—. Trampjer 3,20. Dischlcit u. Co.. dabei 1,45 Scchjerkasse 27.80. Mctzcr, 3. Rate 11,50. Pricbbenow 3,—. Kaiser. Krcuzbcrgftr. 14,80. Tischler u. Poliere v. Becker, Oranienstr., 3. Rate 25,—. Kimbcl u. Friedrichfcn 19,55. G. H. schütze 10,—. A. S. Ball, Warschauerstr. 19,55. F. Dictze- Königsbergcrstraße 6,—. Höhne u. Krämer d. Peters 20,30. Philipp 7,30. Prcchtel, Böckhstraße 10,75. I. C. Pfaff, Saal 3 32.35. Hahn u. Gerten 22,75. Werner, d. Mosch. Gr. Franksurtcrstraßc 20,25. Sicbcrt u. Aschen- bach 16,15. Friedrich, Fruchlstraßc, 2. Rate 15.—.?l. Bingcr, Görlitzcr User 25,—. Groschkus, Bierprozentc, Saal 7 und 8 20,—. Textilarbeiter- Verband Berlin 200,—. Festrede Bei Sattler 15,—. Bierprocentc von Beizer d. Firma I. C. Pfaff 5,—. Gesangverein Alte Linde 10,—. Pers. von Götz n. Breitmann 7,15. Pianosabr. W. Hamann 6,75. Heuer 7,25. Pers. d. mechanischen Stickerei v. Kausmann 8,—. Die Elenden aus der Reuen Königstraße, 3. Rate 7,—. Einige Spandauer StaatSarbciter 11,—. Buchbinderei von Kämmerer 27.10. Buchbinderei des„Vorwärts" 10,—. Mäiiiier-Gcsaiigvcrein Süd-Ost 2 durch Beer 10,—. Chcmigraphcn von Labisch 10,—. Portcscuillcr von Sörcnscn 4,75. Treffpunti Schlenschcr Busch 20,—. Brauerei-Hilssarbeiter, 3. Rate 100,—. Werkstatt G. Bartel 2,—. Delegierte der Central-Krankcnkassc der saltler 11,65. Knobländer-Ecsell- chaft 3,—. Firmcnschilder-Fabrik Schmiedel 5,75. Kistcnsabrik Stolz 1l.95. Wcißgerbcr und Färber(Verband d. Lederarbeiter) 4. Rate 100,—. Social- demokratischer Wahlvcrein Großbcstcn 9,—. Aich, von Gebr. B rasch 5,—. Tapezierer von Keller, Bülowstr. 4.—. Rote Waffenbrüder 10,—. Anton 1,—. Klempner von Zitzte 3,15. Parkettbodcnleger der Firma Kampmeicr 1. Rate 29,—. Buchbinderei Schreibern. Co. 8,35. Bildhauer v. Gossow 2,55. Photographische Fabrik Koller 3,25. Spazierstock-Fabrik v. Goldmann 4,85. Lederwarcn-Fabrik S. Markicwicz 4. Rate 4,35. Pianosabrik Stösscl 5,—. Kartonsabr. Sturzcbcchcr 9,50. Karlonfabr. Geister 10,60. Ans der Vereins- kasse„Fröhliche Weihnachten", Sparvercin, Rcichenbergerswaßc 20,—. Leder- lvarcniabrlk v. Brummer 7.—. Riesenstahl u. Zumpe, Buchbinderei 18,—. Brotsabrik Wittlcr 7,50. Lcdcrwarcnsabr. Loth u. Wcinland 7,15. Werkzeugbau A. E.-G. Voltastraße 16,05. Sündengeld 3,—. Zuschlag aus einen Küchcnrahmen 2,—. Gaswerk Stralaucrplatz 7,40. Brauerei Patzen- hoser, Abteilung I d. Stoiber 24,45. Stammgäste von Fritz Wolter 5,—. Rauchklnb Kollegia 10,—. Herzog 22,—. Fensterputzer des Ritterguts Lichten- bcrg 10,05. Klaviatursabr. Hermann u. Bartrow 8,85. Maschincnarbeiter von R. u. Ä. Roller, 2. Rate 14,50. G. Manzei u. Gäste 4,—. Nagel 14,50. Urwähler der 3. Abu d. 246 Bez. 3,—. Schneiderwerkstatt 16,80. Kistenmacher von 2H. Adolf 20,—. Verb, der Tabakarbcitcr Berlin 50,—. Cigarcttenarbciter (V. D. T-A.) 7,80. Kemling 2,—. sCenträlvcrband der Bildhauer Berlin 100,—. Arbeiter von Behling u. Lüple 5,—. Verband der Schneider Berlin 100,—. Personal von Witsche! 9,75. Verband der städtischen Arbeiter 25,85. Männer- chor Nord-Ost 10,—. Perband der Glaser Berlin 100,—. Zungenwurff- Abend bei O. Herbst 3.—. Skat bei Habermann 1,40. Robert Arnold 16,15. Rauchklub Eldorado 10,—. M. S. 1,—. Tischlerei Runge 11,—. Glasarbeiter zu Langewiese» 4,75. 5 Tabakarbeitcr Schliemannstr. 29 4,80. 'Arbeiter der chirurgischen Fabrik von L. u. H. Lölvenstein 20,60. F. Wonner 5,—. Ortsvcrcin Potsdam(V. d. D. B.) 25,—. Gasarbeiter Werk 3 18,65. Buchdr. Wallmäim, Gv-Lichterjclde 4,05. Kcgelbrüder Klub Luftige 9 Hutten- straße, 3,—. Rascher u. st. 1,—. 4Frel!nde 2.—. Tischlergcsellcn E. Schmidt 7,45. M. St. 10,—. S. K. 10,—. H. F. 2,—. Ashelmschc Kontobuch-Fabrik 33,75. Buchdr. F. A. Günther». Sohn 2. Rate 6,—. F. Bergseide 5,—. L. Harris-Himbach 5,— Kernmacher von Siemens u. Halske, Pankow 10,—. Dr. K. v. M. 5,—. A. B. in W. 1,—. Dachdecker auf Stistungssest 17,—. Gesang».„Einigkeit", Groß-Lichtcrseldc 12,—. Ein paar Elende auS den Spandauer Staatswerkstätten 4,50. Verein d. Böttcher Berlins u. Umg. 5,—. Baulffchlerei Mittag, Bcllcalliancestraße 24,30. Buchdrucker 6,55. Fritz Fränkel, Marburg 10,—. Tischlerei Herzog. Friedenau, 12,30. W. Wohlsein, Essen, Geiverlschastskartell 100,—. Verband der Zimmerer, Spandau, 100,—. H. R. 1.—. Summa 3202,25. Bereits quittiert 21 79l, 99. Gesamtsumme 24 993,24. Weitere Beiträge werden in unserm Bureau in der Zeit von 9—1 und 6—8 Uhr entgegengenommen. Gelder, welche mit der Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engel-Uscr 15, zu senden. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschastskommission. Versammlungen. Ter Centralvcrband der Tchlächiergesellen hatte zum Mittwoch eine öffentliche Schlächtervcrsammlung nach dem„Englischen Garten" einberufen, die ungewöhnlich stark besucht war. Hermann Möller, Altgeselle aus Hamburg, referierte daselbst über den kürzlich günstig verlaufe neu Streik der .Hamburger S ch l ä ch t e r g c s c l l c n, bei denk, dank der Einigkeit der Streikendeu, die Abschaffung des Sonntags- s ch l a ch t e n s und einige andre Forderungen nach nur eineinhalb- tägiger Arbeitsniederlegung durchgesetzt wurden. Redner zeigte an diesem Beispiel, daß auch für die Schlächtergesellen nur lediglich durch eine feste Organisation Verbesserungen ihrer Arbeits- bcdingungcn und Abstellung der schon sprichwörtlich gewordenen Mißstände in dem Berufe zu erreichen seien und ersuchte die Berliner Gesellen, nunmehr die entsprechenden Lehren aus dem Hamburger Streik zu ziehen.(Lebhafter Beifall.) Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats, unter scharfer Kritik der hier üblichen niedrigen Löhne, der überlangen Arbeitszeit in den Ge- chästen wie auch aus dem Schlachthofe und des demoralisierenden Stetlenschachcrs. Eine Resolution, in der die Anwesenden zur Stärlung der Organisation verpflichtet wurden, fand Annahme. Ke ß l i u k e teilte alsdann mit. daß die Lohnkommission der organisierten Gesellen an die F l e i s ch e r- I n n u n g ein Schreiben gerichtet hat, in dem derselben folgende Wünsche respektwe Forderungen unterbreitet iverden: Regelung der ArbeitZvermittlmig. gänzliche Abschaffung der Sonntagskündigung und-Entlassung. Kontrolle der schlaf- und Arbcitsräume unter Hinzuziehung von organisierten Gesellenvertretern. Regelung des Lehrlings- und Herbergswesens, Durchführung der gesetzlichen Sonntagsruhe rcsp.. nur dreistündige Sonntagsarbcit, Freigabe der ersten Feiertage an den drei hohen Festen, Einführung der zwölsstündigen täglichen Arbeitszeit inkl. einer einstündigen Mittags- sowie ciiihalbstündigcr Frühstücks- und Vesperpause und mithin der elfstündigen Ruhepause, Bezahlung eventuell notwendiger Ueberstunden mit 60 Pf. pro Stunde. Eine Antwort über die Stellungnahme der Innung zu diesen Forderungen erwartet die Lohnkommission bis spätestens zum 1. Januar 1904. Hierauf gab H e n s c l einen ausführlichen Bericht über die Verhalldlungeii mit den Vorständen des „R a b a t t- S p a r v c r c i n s S ü d- O st" und des„Ber- liner Konsumvereins" betreffs Einführung einer regulären Arbeitsordnung in den Fleischereien dieser Vereine. Anknüpfend an die in dieser Angelegenheit erfolgtePreßpolemik im„Vorwärts" spricht Redner sich sehr abfällig über die Art der gepflogenen Verhandlungen aus. Besonders hätten sich die Herren Ahrens und Kunze als Leiter des Vereins„Süd-Ost" der Gesellenkommission gegenüber noch viel anmaßender und abstoßender benommen wie irgend ein protziger Jlmuiigskrauter. Tie Geschäftsführer der Vereinsschlächtereien aber seien mit geradezu auffallender Aengstlichkcit bemüht gewesen, nur ja keinen Anstoß bei ihren„Vorgesetzten" resp. Vorstandspcrsoncn zu erregen, toeshalb sie denn auch mit jenen stets in ein Horn gewter hätten. Wohl nur, um nicht allzusehr den Unwillen der Ocffent- lichkeit herauszufordern, haben sich die Vorstände schließlich zu der Einführung einer Arbeitsordnung bereit fmdeii lassen— es sei aber auch eine danach. Schon die Festfetzung des Mindestlohnes habe ein Feilschen. Schachen! und Kneifen hervor- gerufen, wie man es bei Leuten, die auch noch einen nicht zu ver- kennenden Einfluß in ihren Arbciterorgmiisatioucn ausüben, niemals hätte erwarten sollen. Sogar der geforderte Mindcstlo h n von 12 M. pro Woche bei voller Kost sei ihnen z u viel ge- ivesen; sie hätten ihn heruntergedrückt bis ans 10 M. Die übrigen Vereinbarungen sind: c l f st ü n d i g e Arbeitszeit; ftic notwendige Ueberstunden 60 Pf.; Lohn für Aushilfskräfte 3.60 M. pro Tag; Schaffung eines Arbeitcrausschusses; Bezug der Arbeits- kiäftc vom Arbeitsnachweis der Organisation; Regelung der Sonntagsarbcit nach gesetzlicher Vorschrift; Zahlung der Kranken- kassen-Beiträge und der Jnvalidenmarken. Diese Vereinbarungen sollen mit dem 1. Januar 1904 in Kraft treten und gelten nur für die Vereinsschlächtcceic», nicht aber für die Liefcrantcngeschäfte. M ö ll e r- Hamburg bemerkte dazu, solche Arbeitsverhältnisse. tvie die hier geschilderten, müßten auf Unternehmungen, die von organisierten, klassenbclvußtcn Arbeitern geleitet werden, allerdings ein sehr ungünstiges Licht werfen. Da müsse er denn doch dein Hamburger Konsumverein„Produktion" ein ungleich besseres Zeugnis ausstellen. Dort betrage der Minimallohn für die Schlächtcrgescllen der Genossensebaftsschlächterci 25 M. pro Woche, ausschließlich der Mittagskost. Die Hamburger Arbeiter würden es sich auch schön verbitte», wenn in ihren eignen Unternehmungen so niedrige Löhne gezahlt würden, wie sie von den Leitern der Berliner Konsum- oder Rabatt-Sparvercine den hier besckstiftigtcn Arbeitern geboten werden. — Zum Schluß ermahnte der Vorsitzende die Anwesenden noch, am 26. November zahlreich zur Delegiertenversammlung der Krankenkasse zu erscheinen, weil dann die Vorstandswahlen zur Kasse vor- genommen werden. Mit der Tariffrage im Töpfcrberufe befaßte sich am Dienstag auch eine Niitgliederversammlung des Lokal- Vereins der Töpfer Berlins und Umgegend. Nachdem nämlich vor kurzem der Centraiverband ein Zusammengehen mit den Lokaliften auf Grundlage der von letzteren vorgelegten Resolution abgelehnt hatte, waren sich die Lokaliften schlüssig geworden, auf eigne Hand eineli Tarif auszuarveiteil. Namens der dazu eingesetzten Lohnkommission erläuterten L a h r s o n imd Glas die einzelnen Positionen des neuen TarifentwurfS, der von der Versammlung in allen Teilen gntgeheitzen wurde. In der regen Diskussion betonten mchrcre Redner, es mache zwar keinen besonders vorteilhasten Eindruck, wenn von der Arbeiterschaft eines Berufes den Arbeitgebern zwei verschiedene Tarifentwürfe unterbreitet tvürden, doch sei der Lokalvercin infolge der Unduldsamkeit der Eentralisten zu seinem jetzigen selbständigen Vorgehen direkt genötigt gewesen. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme:„Die Vcrsamm- linig des Vereins der Töpfer Berlins und Umgegend fvricht ihrer Lohnkommission für die Ausarbeitung des vorliegenden Tarifcntwurfs volle Anerkennung aus und beauftragt den Vereinsvorstand. diesen Entwurf mit einem entsprechenden Begleiffchreiben beiden Innungen, zu Berlin und Steglitz, zwecks Einleitung von Verhandlungen zu- zusenden." Unter Verschiedenem berichtete Pech, daß es in diesem Herbst wegen der Fe n st erfrage zu eigentlichen Differenzen nicht gekonimen sei. Nur in einem Falle haben die Kollegen drei Tage lang die Arbeit eingestellt, sonst sind auf allen Bauten die Fenster nach einhalb- bis höchstens eintägigem Aussetzen verglast gewesen. — Als Beisitzer resp. Revisoren der Geschäftskommission der Töpfer Deutschlands wurden gewählt: Wendschlag. Linke und D i e s i n g, als Ersatzmann Radau. Dir Leitergerüstbauer hielten am Sonntag im Gewerkschastshause eine stark besuchte Versanimlung ab, welche sich mit der freiwilligen Unterstützung der vernnglüelten Kollegen und namentlich init dem paritätischen Arbeitsnachweis beschäftigte. Ueber letzteren fand eine sehr rege Diskussion statt. Man hat mit demselben sonderbare Er- fahrungen gemacht. So verlangte die Firma G u t s ch e(Friedenau) Gerüstbauer und ftagte, als sich solche meldeten, ob selbige nicht n n t e r 60 P f e ii n i g pro Stunde arbeiten könnten. Ms die« selben Herrn Guffche auf den im Tarif festgelegten Arbeitslohn(pro Stunde 60 Pf.) aufmerksam machten, verlangte er billigere Kräfte(für 46 Pf.) und erhielt auch solche, während die Organi- sierten auf dein Nachweis sitzen blieben. Die Versammlung war der Meinung, daß solche Meister, die durch ihre Unterschrift den Tarif anerkannt haben und nachher vom paritätischen Arbeitsnachweis Leute für 46 Pf. pro Skmde verlangen, überhaupt keine Gerüstbauer bekommen müßten._ eingegangene Drucfefcbnften. „Der Arbcitsmarkt-', Halbmonatsschrift der Eeiitralstelle für Arbeits» martt-Berichte(Herausgeber Dr. I. Jastrow, Berlin, Verlag von G. Reimer). Die als Organ des„Verbandes deutscher Arbeitsnachweise" erscheinende Zeitschrist enthält in Nr. 4 des 7. Jahrganges unter anderm: Rundschau über die Lage des Arbeitsmarktcs.— Allgemeines: Internationale Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz.— Statistik der gewerkschaftlich or» ganisicrten Arbeiter.— Situationsbericht aus einzelnen Gewerben: Berg« bau(Arbcitcrlciswngen im Steinkohlenbergbau. Ursachen des Rückgangs der geförderten Tonnenzahl pro Kops der Belegschaft); Textilgewerbe(Ge, stältung des Verbrauchs von Textilwaren. Mattigleit des Beschästigungs. grades); Spielwaren(Exportsteigerung während der Krise. Weihnachts- saison); Genußmittcl(Beschäftigungsart in der Tabakwdustrie. Polemik über den Umschwung zum Leffern): Baugewerbe(Die Bauthätigkeit der größeren Gemeinden während der Krise).— Statistisches Monatsmaterial: Wetterbericht.— Arbeitsnachweise.— Sweikoerzcichnis für Deutschland, Oestreich-Ungarn, Schweiz.— Litterarische Nenerscheimmgen.— Mitteilungen ans deutschen ArbeitSnachweis-Vcrbänden: a) Amtliche Bekannt- machungen: Verband deuffcher Arbeitsnachweise: Beitrittserklärungen.— b) Sonstige Mitteilungen: Verband bayerischer Arbeitsnachweise: Mit- gliederbestand.— Reservistenvermittlung.— Beilage: Mitgliederliste des Verbandes deuffcher Arbeitsnachweise nebst zahlenmäßigen Angaben über Ottober 1903. F. A. Brockhaus. KonversationS- Lexikon. Jubiläums- Ausgabe. Band 13 P. bis Band 14 R. bis S., Band 15 S. bis T., und Band 16 T. bis Z. Z. Verlag F. A. Brockbaus in Leipzig. Berlin und Wien. Ter Zweck heiligt die Mittel als jesuitischer Grundsatz erwiesen von Gras Paul v. HocnSbroech. Berlin. Verlag von E. A. Echweffchte u. Sohn. Alkohol und Berkehrswelen. Vortrag vom Effenbahndirektor Le Terra. P. Jepsen, Flensburg, Neustadt 45. Br. med. Herbst. Erprobte Schutzmittel zur Verhütung und Heilung der Gelchlechtskrankheiten. Verlag von I. M. Spaeth, Berlin 0. 2. Preis 1 M. Freiherr v. Guhlen. Lins irs. st stuäio. Militärische Be- trachtuugen 1900—1903. Dresden und Leipzig. Verlag von Heinrich Minden. Preis 3 M._ ßncfhaftcn der Rcdalrtfon. R. H. 10. Ein zehnjähriger Gemeindeschüler wird Ihnen sagen, daß der Decimeter der zehnte Teil eines Meters ist.— Invalide. Die A l t e r s v e r s o r g u n g s- Zl n st a I t e n haben jede ihre besonderen Ausnahmebcdingungen. Auslunst darüber zu erteilen ist nur möglich, wenn uns die vollständigen Personalien des Ausnahmesuchenden an- gegeben werden: Geburtsdatum, Geburtsort, letzter Wohnort, Dauer des Ausenthaltes daselbst, Beruf, Familienstand, Konsession, Vermögens- Verhältnisse usw. Die von Ihnen gemachten Angaben reichen nicht aus.— E. Sch. 35. Nur durch einen Arzt.— N. O. Otto, nein!— Kon- Zession. Erlaubnis; daher Konzcssionsschulze.— B. B. 1. und 2. Ja. Jimftilcbe? Seil. SU juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme deS SonnabeudS Von 7'k bis O'/j Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. H. 31. 71. Wenn angenommen wird, Ihr Sohn habe die Sachen mit der Absicht entnommen, Zahlung nicht zu leisten und mit dem Bewußtsein. zahlungsunfähig zu sein, so kann Betrug als vorliegend angenommen und die Polizei in Thättgkeit gesetzt sein. Ihr Sohn soll beim Amtsgericht oder der Polizeibehörde Rückgabe der Sachen beantragen.— F. T. O. l. Ja: jede zwei Jahre sind mindestens 40 Marken zu kleben. 2. Uns nicht be- kannt.— Paul. 1.— 4. Ohne Kenntnis der Verträge unmöglich zu beant- Worten. 5. Strasantrag scheint keine Aussicht aus Erfolg zu haben. ff._„Arbeiterrecht" S. 359. 7. Sie müßten selbständig das Geschäft be- treiben und könnten Ihren Schwager als Vertreter gegen Lohn anstellen. — K. B. 10. Ist der Weg thatsächlich unbehindert 50 Jahre lang vom Nachbar benutzt, so ist er im Recht.— 31. S. 117. 1. Nach herrschender 'Ansicht ist die Arbeitsordnung durch Aushang verbindlich geworden. 2. Ihre Klage auf Zahlung des rückständigen Lohnes und Ersatz sür drei(nicht vier- zehn) Tage hat Aussicht aus Erfolg.— M. Wittenberg. Sic könne» bis nach erreichter Volljährigkeit warten und bedürfen dann nicht mehr der väterlichen Zustimmung.— Neu Sorge. 1. und 2. Nein.— O. D. 10. Ohne Einsicht in die Mietsverträge ist nicht zu beantworten, wer anS denselben hastet.— Paul Rosenbach. Ja."— S-, Rixdorf. Jede Gemeinde erläßt ihre besondere Hundesteuer-Ordnung. Aus welchen Ort sich Ihre Anfrage bezieht, ist nicht ersichtlich. Sie thun gut, sich im Gemeinde- bureau der von Ihnen gemeinten Gemeinde nach den Vorschriften der betreffenden Steuerordnung zu erkundigen.— R. Sch., Rixdorf. Nein. — 03. M. P. Um dem vor der Ehe gebornen. von einem andern als dem jetzigen Ehemann unehelich erzeugten Kinde den Namen des Ehe- mannes beizulegen, ist eine dahin gerichtete Erklärung des Ehemannes, der Mutter und des Vormundes vor dem Standesbeamten, bei dem die Geburt eingetragen ist, erjorderlich. Diese Erklärungen können auch dem Standes- beamten in notariell oder gerichtlich beglaubigter Form überreicht werden.— Durch�diefe Namensänderung wird in der Rechtsstellung des Kindes zum Sticsvatcr nichts geändert. Sie haften sür die Schulden nicht.— Reh- bock. In der Veranstaltung kann die Bornahme einer unerlaubten Lotterie gesunden werden. Dann ist(§§762, 763 B. G.B.) die Klage gegen denjGast- wirt abzuweisen, während eine Anklage des Staatsanwalts gegen den Wirt Aussicht aus Bestrasung des Wirts eröffnet. Wird angenommen, es liege kein Ausspielvertrag, sondern eine Art Mietsvertrag vor, so hat der Wirt Beiden, die zum Abstechen kommen, den Nehbock zu ersetzen, weil er den Vertrag in einer Treu und Glauben verletzenden Weise vereitelt hat.— 3l. B. 25. 1. Ja. Sie müssen aber die Verschlechterung nachweisen. 2. Ja. — E. S. 1871. Zwecks Aufnahme in den preußischen vstaatsverband richten Sie an das Polizeipräsidium einen Antrag solgcndcn Inhalts:„Ich bin sächsischer Staatsbürger und habe mich ausweislich der anliegenden polizeilichen Anmeldung feit dem... in Berlin niedergelassen. Anliegend überweise ich meine Geburtsurkunde sowie meine Militärpapiere und be- antrage mich in den preußischen Staatsverband auszunehmen." Haben Sie einen sächsischen Staatsangchörigkeits-Ausweis, so fügen Sie diesen bei. Haben Sie solchen nicht, so warten Sie ab, ob ein solcher von Ihnen vcr- längt wird, wenden Sie sich an die zuständige Llreishauptmannschast um Ausstellung eines solchen und reichen diese Urkunde ein.— Havelberg. 1. Eine Entlassung der Tochter durch die Schulbehörde ist auch dann erforderlich, wenn diese das 14. Lebensjahr überschritten hat. Gegen die Herausnahme aus der Schule ohne Zustimmung der Schulbehörde ist schul- versäumnis-Strase und Zwang möglich.— 2. Abschrist hat nicht beigelcgcn. Die Sache selbst ist unS nicht erinnerlich.— W. W. 12. 1. Ja. 2. Siein. — E. D. 10. 1. Nein. 2. bis 4. durch 1. erledigt.— Schulbesuch. Nein. — Eupen. Soweit Ihre Darstellung den Sachverhalt erkennen läßt, ist die Ungültigkeitserklärung der Wahl des W. R. zu Recht erfolgt, nicht aber die Proklamierung der Wahl des Herrn D. Ein Rekurs erscheint deshalb, soweit es sich um D. handelt, nicht aussichtslos.— Silvio B. Sie wollen den Sachverhalt Ihrer Gewerkschaft vortragen. War Kündigungsfrist aus- geschlossen, so läßt sich im Ziechtswege nichts erreichen. Anders liegt eS, wenn Kündigungsfrist bestand. Machen Sie darüber Angaben.— U. Nein. — P. W« 1. Nur das Eigentum Ihrer Frau, nicht Ihr Eigentum wäre pfändbar. Welche Sachen im bestimmten Falle pfändbar sind, läßt sich nicht sagen. Zunächst entscheidet der Gerichtsvollzieher, aus Beschwerde das Amtsgericht, ob die betreffenden Gegenstände unpsändbar sind. Die Be» urteilung dieser Frage hängt von der Anzahl der Familienmitglieder, der Art der Beschäftigung, dem Empsinden des Richters usw. so sehr ab, daß eS zwecklos ist, Mutmaßungen anzustellen. 2. Nein.— Krüger. Heiners- dorserstraffe. Ob eine ärztliche Rechnung der Gebührenordnung cnt- spricht, läßt sich ohne Kenntnis der Rechnung nicht sagen.— Hr. 0. Nein. — 3l. S. 1. Gegen das Läuten können Sic aus dem Prozcßweg nichts ausrichten.— Armshcim. Gegen den ablehnenden Bescheid können Sie Beschwerde einreichen. Die Frage, ob eine Einsendung zur Veröffentlichung geeignet wäre, läßt sich vor Kenntnis der Einsendung und ohne genaue Kenntnis des Sachverhalts nicht beantworten.— Fr. S. Nein.— G. T. Bauch. Es kann sowohl der Lehrling selbst wie der Vater namens seines Sohnes klagen.— Ermsleben. Solange Entmündigung nicht stattgefunden hat, liegt kein Grund sür eine Neulvahl vor.— O. H. 37. Soweit ersichtlich, liegt keinerlei Verpflichtung vor und kann deshalb auch keine Verjährung eintreten.— 3l. B. oder O>. B. Sie können nicht die Ehe anfechten, sondern lediglich aus Herstellung des ehelichen Lebens gegen Ihre Frau klagen.— W. M. 6000. Sic'machen sich dadurch strasbar. — H. St. Wenden Sie sich an den Schwiegervater mit der Forderung der Zustimmung und wenden Sie sich dann, wenn er die Zustimmung ver- sagen sollte, in» sinne Ihrer Darlegungen an das Amtsgericht.— P. H. 50. 1. u. 2. Die in der ersten Ehe Ihrer Frau gebornen Kinder sind rechtlich eheliche Kinder � aus dieser ersten Ehe. Sie können die Rechte als Vater nur durch Adoption der Kinder erlangen. Der Adoptionsvertrag bedarf der Genehnügung des Amtsgerichts. Der Kostenpunkt betrügt 50 M. 3. Sie sind zur Zahlung nicht verpflichtet.—')>. Z. Das ist zu spät. — Herborn. Zllbina Pl. und Tagrcb. Ein Ausländer(Nichtdeutschcr) kann nicht gezwungen werden, sich naturalisieren zu lassen. Er kann aber ohne jede Veranlassung ausgewiesen werden. Ein Recht aus Naturalisation hat ein Swsländer nicht. Der Antrag aus Naturalisation ist in Berlin an den Polizeipräsidenten, in der Provinz an den Rcgierungs» Präsidenten zujichten. Als eine Bedingung der Naturalisation wird die wirtschaftliche Selbständigkeit erachtet. Ob dem Antrage stattgegeben wird. hängt vom Belieben der Behörde ab. Wird ihm stattgegeben, so kostet die Naturalisation 50 Mark.— W. W. 1. Ja. 2. Nein. 3. und. 4. Ja. Socialiieniokratisclier Watilverein für Nowawes-Keuenilorf. Hierdurch machen wir den Ge- Nossen die traurige Mitteiwng, daß am Dienstag, den 17. d. M. unser Genosse, der Webermeister KsrI Qruhl sen. im 69. Lebensjahre sanst ent- chlasen ist. Derselbe war ein treues Mit- iglied unsrer Organisation und �werden wir stets ehrend seiner ge- jdcnken. I»er Vorst»!,«!. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Friedhofes statt und ersuchen wir die Ge- nassen, sich zahlreich daran zu be- teiligen. 204/18 Am 19. d. M., früh 5 Uhr, cnt- schlief nach schwerem Leiden unsrc liebe Mutter, Großmutter, Schwiegermutter und Tante, Frau !.ui8k Sciimidtke geb. Kunze im 85. Lebensjahre. 3332b Die Beerdigung findet statt am Sonntag, den 22.. d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Jerusalcmer Kirch- hoseS, Rixdorf, Hennannstraße. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsrcs guten BaterS, Schwiegervaters und Großvaters friellricli Sehwebs sagen wir unsren liefgcsühltcn Dank, insbesondere seinen Kollegen von der Firma Schwartzkopff und dem Ar- oeiter-Gesangvcrcin„Loreleh"(Ge- sundbrunnen). 3334b Die Hinterbliebenen. Für die vielen Beweise der Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Be- teiliatcn, insbesondere den Hollcgcn der Abteilung 97, Siemens u. Schuckert und dem Deutschen 5.>!ctallarbcitcr- Verbände meinen herzlichsten Dank. Luise Brinkmann nebst Kindern. Oris- Krankenkasse für die in den Cescliäftslietrieben der Ansalte, Hoiare und Gericfitsvoll- ziefier, der Krankenkassen, Herufs- possenschaften und Versiehernngs- anstaiten tieschäft. Personen zu Berlin. Zu der am 30. November d. I., abends 8'/, Uhr, in den Armin- balle«, Kommandantenstr. 20. slattsindendcn 279/4 Seneral- Versammlung werden hiermit die sür das Jahr 1903 gewählten Vertreter emgeladen.(Nicht legitimierte Personen haben keinen Zutritt.) TageS. Ordnung: 1. Bericht der Kommission zur Prüfung der Jahresrechnung pro 1902. 2. Wahl der Kommission zur Prüfung der Jahresrechnung pro 1903. 3. Antrag der Delegierten Huhn- fleisch und Genossen, lautend: „Ist eS möglich, an Stelle der freien Arztwahl ein für die Jnler- essen der Mitglieder sowohl wie sür die Kassen günstigeres System der ärztlichen Behandlung� eventuell beamtete Aerzte einzuführen." 4. rH.trag des Vorstandes aus Ab- Änderung des§ 47 Abs. 4 u.6dcs neuen Statuts(Reducierung der Anzahl der Delegierten). 5. Wahlen von Vorstandsmitgliedern sür die Jahre 1904 u. 1905: e) an Stelle der 3lrbeitnehmer: Cohn(Abt. 3), Golombiewski (Abt. 5), Danzigcr(Abt. 1), Dochow(Abt. 4); Ergänzungswahl sür daS Jahr 1 904 für Herrn Ebersbach(Abt. 3); b) an Stelle der Arbeitgeber: Fiedler(?lSt. 2), Zwerg(Abt. 2). Berlin, den 19. November 19YZ. ver Torstand. <5. Bauer, Vorsitzender. W. OJise, Schrijljührer. VI. Wahlkreis! Montag, den 23. November 1903, abends 8'/z Uhr, in der Kronen-Brauerei, Lllt-Moabit 47/49: OeffeMche Mhfer-NechlWfW. TagcS-Ordnung: I. Vortrag des Genossen W. Pfanuknch über:.Die bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen". 2. Freie Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet 220/7 Der Tertrauensniann. » !1- veutscher Metallarbeiter Verband. Berwaltnngsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Simmer 1—5. Fernsprecher Amt IV, 3S58. Sonntag, den 22. November 1903, vormittags 10 Uhr: General'Ucrfaromlung dcrUmvaltungsiteile Berlin im Palast-Theater(Feenpalast). Burg- und Wolfgangstraßen- Ecke. TagcS-Ordnung: l. Kassenbericht und BeAcht der Revisoren. 2. Diskussion. 3. An die Verwaltung gelangte Anträgt. UgT Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt.-gsW _ Zahlreichen Besuch erwartet_ 161/1_ Die Ortsycrwallnng._ Zweigverein tier Brauer, Berlin. Sektion I. Sonntag, den LS. ÄTovember er., nachmittags l'/i Uhr, im Gewerkschaftshansc. Engel-Ufer 15, Saal 1: Monats-Vers ammlung. TagcS-Ordnung: I. Vortrag deS Schriftstellers Herrn M. H. Baege über:»Die Darwinsche Theorie". 2. Innere Vereinsangclegenhciten. 3. Verschiedenes. Die Versammlung wird präcisc 1'/, Uhr eröffnet. 4I/g_ Der Vorstand. EbU-IM lir In EatoM Sektion der Gips- und Cement-Branche. Gruppe Gementierer, Sonntag, den LS. November, vormittags 10 Uhr, bei Wilke, Brunnenstr. 188; Mitglieder Urrsammlung Tages-Ordnnng: Arbeiterschutz- Geseffgebung. Rescrent: Genosse tiustav Eink. (Srschcinen aller Kollegen dringend notwendig.— MitglredS- buch legitimiert._ Der Vorstand. iig Is Bureau; Berlin C., Dragonerstr. 15. Telephon: Amt III, Mo. 5028. Sonntag, den LS. November 1003, vormittags 10 Uhr: Gross* Versammlung des Ntreitis der Zimmerer Sellins und Umgegend in den Indnstrie-Festsälen, Benthstr. 19—20. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Dr. Sädeknm über: Arbeitsvertrag»nd Organisation. 2. Vereins- Angelegenheiten und Verschiedenes._ 258/1_ Der Vorstand. Verband der Klöbelpolierer. Montag, den 23. d. Mts., abends 8'/z Uhr, Admiralsir. 18c: Mff- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen M. Schütte über:„Die Todesstrafe".— 2. Dislussion.— 3. Verbandsaiigclcgenhciten.— 4. Wahl der Bezirksleitung und des Delegierten.— 5. Verschiedenes._ Hierzu find die Kollegen, speciell die Gebrüder Lemke von Schropp u. Ritter, Clisabethstraße 5/6, eingeladen. Mittwoch, den 25. L. Mts., abends 8'/» Uhr, Blnmenstr. 38; MW" Vorstands- Sitzung."WU Unser unentgeltlicher Arbeitsnachweis befindet sich nur: Blumenstr. 38, Oranicnstr. 197/ Brunnenstr. 96 und in Weißensee, König-Ehaussee 55. Der Vorstand. KßfisumgenossensGliäft von Adlershof u. Umg. (E. ffi. m. b. H) Sonnabend, de» 28. November 1003, abends 8ffz Uhr, in Arthur Laus„Gesellschaftsbaus", Adlershof. Bismarckstr. 10: CeeneraSoVersamBiftlung. TageS-Ordnung: I. Geschäftsbericht des Vorstandes sür das Gcschästsjahr 1903. 2. Bericht des AussichtsratcS. 132/18' 3. Genehmigung der Bilanz und Enllastung des Vorstandes. 4. Verteilung des Reingewinnes. 5. Neuwahl und Ergänzungswahlen deS AussichtSrates und Vorstandes. 6. Antrag der Verwaltung betreffend Erwerbung eines zweiten Geschäfts- i'lntciles der GroßcinlausS- Gefellschast Deutscher Konsumvereine in' Hamburg. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borstand. Hermann Hlldcbrand. Wilhelm Kohl. August Silske. Jede MHKAH zu reparieren und reinige» kostet bei mir unter Garantie des GutgchcnS nur 1 außer Bruch, kleine Reparaturen billiger. Großes Lager in Uhren. Goldware», Ketten zu erstaunlich billigen Preisen. Dukaten-Trauring, 000 gest., 1'/, Dukaten 15,50, 2 Dukaten 20,50. 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Die Lokale.Fsstsnleimsldeliell" BÄrchmiedherr: „Marlenbad", Bad%f*tefaber: sowie Fröbel, frillier Publmann, Schönhauser Allee 148, sind für organisierte Gastwirtsgehilfen gGSpSI�B�tj da seitens dieser Wirte der Arbeitsnachweis unsrer Organisation nicht anerkannt wird. 292/10 Der Vorstand. ÜT 8 mm ,«», t£ Restaurant o. Ball-Saal, ..r lOrSI Spidan, ÄTST J y nahe Pichelsdorf. Bei Ausflügen über Grunewald, Kchelswerdor bietet sich für Vereine, Herrenpartien ein angenehmer Aufenthalt. * Emil Koepnick. Capeau claquo, von 7,50. CylindorhOte., von 4,00 FilzhiUe.... von 1,50. Oofo-Waren W nur eignes Fabrikt 2844L* � � W-mtwkw n„r eignes Fabrikat. öchifttic grööstes Lager. Dresdener-Strasse 2. Ecke Skalitzer-Str. Otto Üerbldt, Billiges Kmnmtkml. AbfallholzperMeter 4,509». Buchen-, Eichen-, Kiefern- Mobenholz, Steinkohlen und Briquetts. �ol* J. C. Brock Söhne, Kaiserin Augusta-Allee 5 a. Bekanritmaohung der örls-KpaBkenkgssefirlßewerlie- Iifitrieti der WIeiWandelstt yiid ÄpoMer zu Berlin. Die von der Generalversammlung am 31. August d. I. beschlossene dritte Abänderung zum Statut unsrer Kasse ist durch Beschluß des Bezirksausschusses von»! 27. Oktober er. genehmigt worden. Dadurch ist vom 1. Oktober d. I.- ab die VcrsicherungSpsticht auf alle Handlungsgehilfen und Lehrlinge, soweit deren Arbeitsverdienst an Lohn, oder Gehalt zweitausend Mark für daS Jahr gerechnet nicht übersteigt, ausgedcbni. 3326b Die Abänderung wird auf Ver» langen im Kassenlokal ausgehändigt. Berlin, den 19. November 1903. Der Borstand. ff. tiilraderg, Vorsitzender. ff. Pbiliflsobn, Schristführer. HuflöfungS'Husverhauf vorhanden gewesener und ergänzter Waren. Serren-Anfüge schon m 5,50 Mluter-Metots.. 6,50 stehen in gro Hktttn-Kissea schon für 1,30 Kinder-AnMe.. 1.00 zer Auswahl. 3371L August ActlillBS, Gr. Frankfürlerstr. 16. Beim Einkauf von Hcrrcn-Anzügcn oder Paletots erhält jeder Käufer einen eleganten Hut und Krawatte gratis! Ots- Kranhenkaffc der ßucbbindcr und verwandter Gewerbe. Am Sonntag, den 29. November, findet im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 3, die Wahl der Ver- treter der Kassenmitglieder zur Generalversammlung statt, gemäß der§§ 48 und 49 des Kaffenstawts. Z» wählen sind 296 Vertreter. Die Wahl beginnt nm 19 Uhr vermittags und wird um 21/a Uhr geschloffen. DaS Mitgliedsbuch muß zur Legiii- mation vorgezeigt werden. Die Wahl der Vertreter der Arbeit» geber findet am Mittvvrch, den 2. Dezember, abends von 6 bis 81/, Uhr, im Restaurant Lehmann, Naunyn- strasse 44 statt. Zu wählen sind 13Z Vertreter. 2ä9/5 Der Borstand. Bernh. Jost, Georg Bässler, Vjorsitzcnder. Schriftführer. Herren-Kragen,• — reinleinen, garantiert 4fach, m verschiedene Fagons in allen Weiten, GtÜrktiiPt., so lange der Vorrat reicht. Geschlossene Kragen— per Dutzend 3 Hk. und Z Mk. 50 Flg. Manschetten, Prima, garant. ifach Va Dutzend i.8o JVlft., Oberhemden, Serviteurs, Krawatten, in größter Auswahl, Trikotagen, StrLrnpke,, Hosenträger, Handschuhe. 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Das letzte Mal geschah das iin Mai dieses Jahres und hatten da auch die Arbeiter de» Erfolg, daß man nunmehr der Frage näher trat und sich nicht nur im Princip für den Abschluß von Tarif- Verträgen entschied, sondern auch gleich eine Kommission zur Ausarbeitung einer Vorlage einietzte. durch welche die Frage für das ganze Gewerbe geregelt werden sollte. Man be- nachrichtigte den Vorstand der Arbeiterorganisation diesbezüglich, teilte demselben aber auch gleich mit, daß man in der Sache nicht mit der Organisation verhandeln, sondern dieselbe durch die Gesellen- ailsschiisse regeln lassen wolle. Wenn nun auch die meisten der in Frage kommenden Gesellen- «usschllsse aus organisierten Arbeitern znsammengescyt sind und in engster Fühlung mit ihrer Organisation stehen, so sind doch aber die Gesellenausschüsie keine Vertretung irgend einer Arbeiterorganisation, und erklärte deshalb die Organisation auch öffentlich, daß irgendwelche mit den Gesellenausschüssen ohne ihre Zustimmung getroffenen Ab- machungen für die Arbeiterschaft nicht bindend wären. Das hat aber allem Anschein nach den Vorstand des Jnnungs- Verbandes nicht gehindert, an seinem Plane festzuhalten, obgleich man sich sagen müßte, daß ohne die Zustimmung der Arbeiter- organisation der ganze Plan in der Luft schtvebt. und an eine Durchführung desselben nicht zu denken ist. Jetzt scheint man nun noch viel weiter zu gehen und die unbequeme Organisation der Arbeiter dadurch umgehen zu wollen, daß man eine neue Arbeiterorganisation ins Leben rufen will! Eine Arbeiter- organisation natürlich, wie die Herren vom Jnnungsverbande sie sich vorstellen und wünschen. Als formellen Vorwand zu dieser Neugründung benutzt man die Thatsache, daß auch auf der andern Seite die Innungen als solche nicht Träger von rechtsverbindlichen Tarifverträgen fem können und man deshalb noch außerhalb des Jmumgsverbandcs eine besondere Organisation schaffen muß, die den Namen„Genossenschaft" er- halten soll. Aber auch auf feiten der Arbeiter, so wollen es die Herren vom Jnnungsverbande, sollen„Genossenschaften" errichtet werden. Nun bestehen ja auch schon in andren Gewerben außer der eigentlichen Berufsorganisation Tariforganisationen, die formell die Träger des bestehenden Tarifs sind, und wenn es hier auch so geineint wäre, dann hätten die Arbeiter des Steinsetzergewerbes keine llrsache, sich principicll ablehnend gegenüber dieser Sache zu vcr- halten. Aber hier soll mehr als bloß eine Tariforganisation ge- schaffen werden. Hier handelt es sich um nichts Geringeres, als um die Schaffung einer Organisation, die gemeiniam Arbeiter und Unter- nehmer umfassen soll. Und man will den Arbeitern die Sache damit schmackhaft machen, daß man ihnen eine Versicherung gegen Arbeits- losigkcit in Aussicht stellt. Die Nr. 2 der eben wiedcrgearündeten „Deutschen Steinsetzer- Zeitung" läßt sich darüber wie folgt der- nehmen: „Diese Genossenschaften sollen Bindemittel sein zur. Wieder- anknüpstmg des jetzt abgebrochenen Zusammenhalts zwischen den oberen und unteren Klassen des Volkes und sie sollen bekrönt werden durch einen Versichcrungsverein sämtlicher deutscher Steiilsctzerei-Betriebsinhaber zur Sicherung ihrer eignen Zukunft, wie der aller ihrer Arbeitnehmer. Wie bei den Berufsgenossen- schastcn müssen sich die Beiträge nach den verdienten Löhnen richten, sowohl beim Arbeiter wie beim Betriebsinhabcr. Die er- strebte Tarifgemeinschaft muß als obersten Grundsatz aufstellen, daß alle dem Stande Zugehörigen bis zum Reichsten nach ihrem Vermögen zusteuern und der Versicherung sich unterwerfen müssen, um bessere Verhältnisse im Steinsetzerstande zu schaffen." Diese„Genossenschaften" sollen dann zugleich die Träger der geplanten Tarifgemeinschaft sein. Bezüglich der„Genossenschaften der Arbeitnehmer" heißt es dann weiter an andrer Stelle: „Die Genossenschaften der Arbeitnehmer sollen einerseits die Gewährleistung für die Einhaltung der Tarife seitens ihrer An- gehörigen übernehmen, andrerseits sollen sie einen Anteil an den- jcnigeu Vorteilen empfangen und ihren Anteilsberechtigten zu- ftihren, welche den Arbeitgebern dadurch erwachsen, daß Vertrags- treue Arbeitnehmer nur Vertragstreuen Arbeitgebern ihre Dienste und Kräfte widmen. Nur auf diesem Wege wird es gelingen, die sonst unerreichbare Einigung der Arbeitgeber zu erzwingen." Der Vorstand der Arbeiterorganisation hat hierauf in einer an Schärfe und Deutlichlcit nichts zu wünschen übrig lassenden Kollektiv- erklärung in Nr. 23 der„Allgemeinen Steinsetzcr-Zeitung" den Herren vom Jnnungsverbande erklärt, daß sie sich vergebliche Hoff- nnngen machen, wenn sie glauben, daß die Arbeiterschaft des Stein- sctzergelvcrbes um derartiger halb romantischer, halb phantastischer Pläne willen die Selbständigkeit ihrer Organisation auch nur an- tasten lassen werden.— Zum Abschluß eines.Tarifvertrages erklären sich die Vertreter der Arbeiterorganisation bereit und ebenso dazu, eine Tariforganisation zu schaffen, wie solche schon in andren Berufen bestehen, sofern man auf der andren Seite mit der Arbeiter- organisation direkt nicht in Verbindung treten will. Und damit sollten sich die Herren vom Jnmmgsvcrbaiide genügen lassen. Aber diese Herren scheinen sich ihrer Sache sehr sicher zu sein! sollen doch schon am lö. Februar 1904 im Berliner Rathause die „Abgeordneten des Stcinsetzerstandcs"(!) zu der ersten Beratung der„Stliiidesvcrsassiiiig", wie man das Ding wörtlich nennt, zusammentreten. Ja, man scheint die neue Arbeiterorganisation schon fix und fertig in der Tasche zu haben, da es bei dem vor- gesehenen komplizierten Wahlverfahren zu der„Steinsetzer-Standes- Versammlung" sonst undenkbar ist, daß dieselbe bis zu genanntein Datum zu stände kommen kann. Man vergegenwärtige sich nur diese Zusammensetzung: Ter ganze..Steinsetzerstand" wird in„StandcSklassen" geteilt, als da sind: Lehrlingsklasse, Klasse der Hilfsarbeiter, Klasse der Ranimer, Klasse der„Junggesellen und der Gehilfen, die in der Prüfung versagen", Klasse der„Jnnungsgesellen"(d. h. Steinsetzer, welche mindestens sechs Jahre im Berufe thätig sind), Klasse der Postengesellcn und Poliere, Klasse der Werkführer und endlich Klasse der Betriebsinhabcr. Dann heißt es wörtlich in§ 4 des veröffentlichten„Verfassungsentwurfs": Behufs Annahme und Ausbildung dieser Standesverfassung unter Zustimmung der Mehrheit der heute dcni Stande An- gehörigen wird das Gebiet des Deutschen Reiches in folgende Steinsetzerstandes- Bezirke geteilt, innerhalb deren die den einzelnen Standesllassen Zugehörigen entsprechend der politischen Teilung in kleinere oder größere Kreise, je nach der Dichtigkeit der Bevölkerung, sich zusammenzuschließen haben; jede KreiSversammlung hat zwei Wahlmänner, die Wahlinänner für jeden Bezirk und jede Klasse 2 StcinsetzerftandeS-Abgcordnete durch absolute Stimnienmehrhcit in einem Wahlgange zu er- nennen. Bezirk I: die Probinzen Ost- und Westpreußen; Bezirk H: die Stadt Berlin sowie die Provinzen Brandenburg und Pommern; Bezirk III: die Provinzen Posen und Schlesien; Bezirk IV: die Provinzen Schleswig-Holstein, das Fürstentum Lübeck, die freien Hansastädte Hamburg, Bremen und Lübeck, die Großherzogtiimer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg- Strelitz, sowie das Herzogtum Oldenburg; Bezirk V: die Provinz Hannover, das Herzogtum Braun- schweig und die Fürstentümer Pyrmont, Lippe und Schauin- burg-Lippe; Bezirk VI: die Provinzen Rheinland, Westfalen und Hessen- Nassau; Bezirk VI!: die Provinz Sachsen und die sämtlichen thüringischen Kleinstaaten; Bezirk VIII: das Königreich Sachsen; Bezirk IX: das Königreich Bayern ausschließlich der Pfalz; Bezirk X: das Königreich Württemberg, das Großherzogtum Baden und der preußische Regierungsbezirk Sigmaringen. Bezirk XI: die Reichslande Elsaß- Lothringen, die bayrische Pfalz und das Großherzogtum Hessen. In welcher Weise die„Urwahlen" vor sich gehen sollen, das hat man merkwürdigerweise nicht öffentlich bekannt gemacht. Und da bis jetzt auch noch keine praktischen Vorbereitungen für diese Wahlen getroffen sind, so ist. wie schon gesagt, der Verdacht nickst von der Hand zu weisen, daß man in Jnnungskreisen glaubt, die ganze Geschichte schon in der Tasche zu haben. Nun— die Organisation der Arbeiter des Steinsetzergcwerbes, die schon so manchen harten Strauß erfolgreich bestanden hat, wird auch in diesem Falle, wenn nötig, dafür sorgen, daß die Rechte der Arbeiter gewahrt bleiben— wenn der Plan, soweit die „Genossenschaften" in Frage kommen, nicht schon am Widerspruch der Unternehmer selber scheitert; denn, wie cS ganz richtig in der „Allgemeinen Steinsetzer-Zeitung", dem Organ dcrArbeiterorganisation, heißt:„Eine Tarifgemeinschaft als Instrument zur Sicherung einer höheren Profitrate— das mag angehen. Aber von dem höheren Profit einen nennenswerten Teil wieder an die Arbeiter zurück fließen zu lassen— dafür sind 99 Proz. der Unternehmer nicht zu haben". 'Im übrigen lehrt ein weiterer Artikel derselben Nummer des Verbandsorgans, daß die Organisation der Arbeiter auch ohne die Zustimmung des Jnnungsverbandes schon stark genug gewesen ist, sich eine ganz erkleckliche Anzahl zum Teil sehr vorteilhafter Tarif- Verträge zu erkämpfen, und die Arbeiter des Steinsctzcrgewerbes müßten Thoren sein, wenn sie unter Preisgabe ihres bisherigen Klassenstandpunktes sich den socialpolitischen Romantikern des Jnnungsverbandes mit Haut und Haaren verkauften. Das ist aber auch nicht zu befürchten. Partei- FsacKncKten. Gemeindcwahle». In O e l s n i tz i. V. wurde in der Klasse der Ansässigen der dritte Parteigenosse in das Stadtverordneten- Kollegium gewählt. In dem Vororte Pforten bei Gera wurden sieben Parteigenosse in den Gemeinderat gewählt und je einer in den thüringischen Orten L a n g e n w i e s e n und Blankenhain. poli-eilickes, Sericbtlicbes ufw« Polizei und Staatsbürger oder Eltern und Kinder. Obcrschlesien, das Land, iu dem Kapitalismus und FendalismnS sich unter dem Schutze des kiltramontanismus zu einem Bunde vereint haben, hat in der jüngsten Zeit mehrfach die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt durch Gerichtsverhandlungen, Gerichts- urteile und Polizeithaten. Der Befreiungskampf des arbeitenden Volkes, der noch kompliziert wird durch denNationalitätenstreit, ist dortbesonders schwierig. Nicht nur lastet auf dein Volke die Unwissenheit, in der es mit Absicht erhalten wird, nicht nur der Zwang des Pfaffentums und nicht nur die wirtschaftliche Uebermacht des gewissermaßen über Nacht zum Jndustriekapitalisten gewordenen Feudalherrn, auch die Behörden stehen in diesem Banne— sie sind oberschlesisch. Die Versammlnngsprozesse, die Flugblattprozesse, die Prozesse gegen daS Arbeitersekretariat, die Preßprozesse gegen die„Gazeta Robotnicza", die Anftuhrprozesse, die Urteile und das Verfahren in diesen Prozessen bilden ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Arbeiterbewegung, das der Titel„Oberschlesisch" kennzeichnet als eine Summe von Ereignissen, die im übrigen Deutschland in dieser Form und in dieser Vollständigkeit nicht mehr zu finden sind. Einen neuen Beitrag zu diesem Kapitel liefert eine Gerichtsverhandlung in R atibor gegen den Genossen Franz Scholtyssek. Dieser verbreitete, wie vor dem Gericht festgestellt wurde, am 12. Mai dieses Jahres Flugblätter zur Reichstagswahl auch in Parufchowitz, daS ein großes Hüttenwerk„Silesia" mit 2000 Arbeitern besitzt. Sch. stellte sich in der Nähe des EingemgS zur Hütte auf einem öffentlichen Platze auf, der von Fuhrwerken gar nicht und sonst meist nur von den in der Hütte beschäftigten Arbeitern benutzt wurde. Die'zur Nachtschicht gehenden Hüttenarbeiter nahmen die Blätter entgegen, ohne daß dadurch irgend eine Mens chenans anunliing entstand. Der Direktor der Silesiahütte, Herr Schweißfurt, der zugleich Amtsvorsteher in Parufchowitz ist, kam heraus, um Scholtiffek aufzufordern, sich von dort zu entfernen. Er schrie dabei laut — wie er in der Verhandlung selbst zugab—, weil er angeblich pefürchtete, daß'durch das Verteilen der Flugblätter ein Auf- lauf der zur Nachtschicht gehenden Arbeiter und dadurch eine Verkehrs- stockung entstehen könne. Er bedrohte Scholtyssek, ihn durch den Gendarmen einsperren zu lassen, dieser weigerte sich aber, mit der Verteilung aufzuhören, bestritt in der Verhandlung auch entschieden, daß Herr Schweißfurt sich ihm damals als AmtSvorstcher bekannt gegeben habe. Zunächst ging der Amtsvorstcher weg, kam aber nach einiger Zeit wieder dorthin, wo Scholtyssek immer noch fleißig Flugblätter verteilte und zwar jetzt an die von der Tagschicht kommenden Arbeiter. Eine Verkehrsstockung war auch jetzt nicht entstanden, denn die zur Hütte gehenden Arbeiter müssen schon angetreten sein, wenn die nach Hause gehenden Arbeiter das Werk verlassen. Allerdings waren einzelne von der Arbeit kommende Hiittenlcutc, die schon in der Hütte von zur Nachtschicht Kommenden von der Flugblattverbreitung und dem Auftreten des Direktors gehört hatten, in kleinen Gruppen stehen ge- blieben. Als dann der Amtsvorsteher und Hüttendirektor wieder in sehr erregtem Tost Scholtyssek zum Verlassen des Platzes aufforderte.verstärktcn sich diese Gruppen Neugieriger nach Aussage des Amtsvorstehers auf 20—30 Personen. Sch. blieb bei seiner Weigerung und nun packte der Amtsvorsteher Scholtyssek am Arm und führte den nicht Wider- strebenden in das nahe gelegene Amtsbnrean. Der Amtsvorsteher entfernte sich dann sofort wieder, um, wie er sagte, die mittlerweile in großer Zahl vor dem Amtsbureau versammelten Arbeiter zu zer- streuen. Scholtyssek wartete eine Viertelstunde im Bureau, und da der AintSsekretär erklärte, er wisse nicht, ob ein Protokoll aufgenommen werden solle, entfernte sich Scholtyssek mit seinen Flugblättern, ohne von irgend jemand daran gehindert zu werden. Schollyssek war über die ihm widerfahrene Behandlung empört und reichte bei der Staatsanwaltschaft in Ratibor eine Anzeige gegen den Amtsvorsteher ein, in welcher er diesen des Mitzbrauchs der Amtsgewalt, der Beleidigung. Mißhandlung, Freiheitsberaubung und der Verursachung eines Menschenauflaufs bezichtigte. Der Staats- anwalt lehnte jedoch die Einleitung des Verfahrens ab und eine dagegen erhobene Beschwerde wurde sowohl von der Oberstaatsanwalt- schaft wie vom Justizminister abgewiesen. Statt dessen wurde Scholtyssek angeklagt der verleumderischen Beleidigung des Amtsvorstehers. In der Verhandlung behauptete der Staatsanwalt, der Amtsvorsteher habe nur seine Pflicht erfüllt, als er die Verteilung der Flugblätter zu verhindern suchte, um damit einen Menschenauflauf und eine erhebliche Verkehrsstörung zu verhüten. Das Recht, nach Belieben den Ort der Verteilung zu wählen, hätten die Flugblattverbreiter auch zu Wahlzeiten nicht, sonst könnten sie am Ende auch das Recht beanspruchen, in ein umfriedetes Besitztum zum Zwecke der Flugblatt- Verbreitung einzudringen(!). Derartige den freien Verkehr auf öffentlichen Wegen schützende Polizeiverordnungen müßten auch in Wahlzeiten streng beachtet werden. Die Uebertretung dieser Vcr- ordnnng wollte der Staatsanwalt mit 30 M. Geldstrafe an dem Angeklagten geahndet wissen, die Verleumdung des Amtsvorstehers aber mit sechs Monaten Gefängnis. Der Angeklagte habe nach dem eidlichen Zeugnis des AmtSvorstehers die Unwahrheit in seiner An- zeige bei der Staatsanwaltschaft behauptet und zwar bewußter- weise. Der Amtsvorsteher sei bei Erfüllung seiner Amtspflicht gegen den Angeklagten in durchaus rücksichtsvoller Weise(I) vor« gegangen. Auch den Menschenauflauf habe nicht der AmtSvorstcher, sondern der Angeklagte sowohl durch die Verteilung der Flugblätter vor dem Hüttenwerk wie durch seine beharrliche Weigerung, sich zu entfernen, verursacht. In scharfer Weise kritisierte der Verteidiger, Jnstizrat Ziilzer- Rattbor. das Verhalten de? Amtsvorstehers. Die Verhaftung des Angeklagten sei in jedem Fall ungesetzlich vorgenommen, auch dann, wenn man annehme, das jene Polizeiverordnung über Aufrecht- erhaltung des Verkehrs auf öffentlichen Straßen und Plätzen die vom Gesetz ganz ausdrücklich ausgesprochene Berech- tigung, zu Mahlzeiten überall öffentlich Wahlflugblätter zu ver- breiten, aufzuheben im stände sei. Wollte der Amtsvorstcher wegen der vermeintlichen Uebertretung die Personalien des Angeklagten feststellen, dann mußte er ihn zunächst dort am Platze nach diesen Personalien fragen und durfte nach feststehender reichSgerichtlicher Entscheidung erst zu einer Sistierung schreiten, wenn er anders seinen Zweck nicht erreichen konnte. Aber der Amtsvorsteher habe ja gar nicht erst den Versuch fgemacht, die Personalien des Angeklagten festzustellen, selbst in seinem Bureau nicht, das er unmittelbar nachdem er den Angeklagten hineingeführt hatte, wieder verließ. Gegenüber der Behauptung des Amts« Vorstehers, er habe seinen Amtssekretär mit Feststellung der Personalien und Abfassung des Protokolls beauftragt, stellte der Verteidiger fest, daß auch das ungesetzlich sei, denn solche Amts« Handlungen müssen von einem Beamten vorgenommen werden, der sogenannte„Amtssekretär" sei aber lediglich Privatsekretär des Anitsvorstehers und ohne jede amtliche Befugnis. Von einer die Verhaftung etwa rechtfertigenden polizeilichen Prävcntivmaßrcgel könne hier deshalb nicht geredet werden, als der Angeklagte über- Haupt nichts Ungesetzliches gethan habe, sondern unzweifelhaft voll- tömnien berechtigt war, ans jenem Platze seine Flug- blätter zu verbreiten. Die übrigens auch nach der Meinung des Amtsvorstehers ganz unbedeutende Menschenansammlung sei nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme nicht durch den Angeklagten, sondern durch das sehr erregte Verhalten des Amts- Vorstehers verursacht. Das vom AmtSvorstcher als Anfassen be« zeichnete Anpacken des Scholtyssek und die Abführung ins Amts- bureau könne von diesem sehr wohl als für ihn beleidigend, ja als eine Mißhandlung empfunden worden sein. Und ganz ohne Zweifel habe der in seinen Rechte» verletzte Angeklagte seine Anzeige, gegen deren Form ja auch die Anklage nichts einwende, in der Ueber- zeugung erstattet, nur die Wahrheit zu sagen. ES sei daher die kostenlose Freisprechung zu beaittragen. Das Gericht verurteilte Scholtyssek wegen verleumderischer Be- leidigung entsprechend dem Antrage des Staatsanwalts zu sechs Monaten Gefängnis wegen Uebertretung der Polizeivcrordnung zu 80 M. Geldstrafe. In der mündlichen Begründung des Urteils wird gesagt, daß die Polizei die Pflicht habe, die öffentliche Ordnung aufrecht- zuerhaltcn. Der Erfüllung dieser Pflicht diene auch die Verordnung über den Verkehr auf öffentlichen Wegen ec., deren Rcchtsgültigkeit der Angeklagte auch gar nicht angefochten habe. Jener Pflicht der Polizei, für Aufrcchterhaltung der Ordnung zu sorgen, stände die Pflicht eines jeden ob hoch oder niedrig Stehenden. gegenüber, der Polizei zu gehorchen, auch dann, wenn man glaube, sie habe Unrecht. Man könne sich ja nachher ordnungsgemäß beschweren. So wenig wie ein Kind sich den wohl- erwogenen Anordiuinge» der Eltern oder des Lehrers widersetze» dürfe, so wenig dürfe daS irgend jemand gegenüber den Auordnnngc» der Polizei. Der Angeklagte habe gegen diesen Grundsatz nnsrer öffentlichen Ordnung gehandelt und damit die Autorität des Staates und seiner Vertreter verletzt. Er habe aber weiter auch gröblich die Pflicht verletzt, den Behörden den wahren Sachverhalt in seiner späteren Anzeige gegen den AmtSvorstcher vorzutragen, habe, nach dem Ergebnis der Verhandlung, wissentlich Unwahres von einem Beamten behauptet, der nur seine Pflicht erfüllte, habe verleumderischer- weise gegen diesen Beamten die ehrkränkendstcn Beschuldigungen geschleudert und mußte deshalb, trotzdem er bisher nicht vorbestraft sei, mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe belegt werden. BcrUncr partei-Hngclcgcnbeiten. Charlottenburg. Arn Sonntag früh 8 Uhr findet eine Flugblattverbreitung für die Stadtvcrordnctcuwahlcn statt. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich und pünktlich in folgenden Lokalen ein- zufinden: 1. Bezirk: Baabe, Neringstr. 25; 2. Bezirk: Pasche, Pots« damcrstr. 44; 3. Bezirk: Müller, Rosinenstr. 3. und Gimpel, OSna- brückerstr. 4; 4. Bezirk: Dörre, Wallstt. 90; 5. Bizirk: Batsch, Seesenheimerstr. Hill. Bezirk: Fischer, Pestalozzistr. 84; 7. Bezirk: Röttger, Leibnizstr. 3; 8. Bezirk: Meißner, Passauerstr. LS. Der Vorstand. Stralau. Sonntagnachmittag Punkt 2 Uhr ist bei Gursch, Alt-Stralan Nr. S, die General-Bersamml u u g des Wahl- Vereins. Ans der Tagesordnung steht ein Bortrag des Herrn Dr. Alberty über„christliche und moderne Weltanschauung" und Reu- wählen.______ Lobakd. Eine militärische Betrachtung. Heute erlebt Berlin, wie alljährlich um diese Zeit, das Schau» gepränge der R e k r u t e n v e r e i d i g u n g. Es mag vor allem unsre Leser interessieren, wie ein militärischer Fachmann über diese Feierlichkeit von seinen: Standpunkt aus urteilt. Ein Freiherr von Guhlcn hat unter dem Titel„Sins iva et studio" allerhand militärische Betrachtungen geschrieben, deren einige Ivir bereits im Leitartikel unsrer DienStagsnunnner unter die Lupe genommen haben. In diesem Buche ist der Rekrutenvereidigimg im Berliner Lustgarten ein besonderes Kapitel gewidmet. Der Freiherr nimmt sich bei dieser Gelegenheit zunächst den Berliner Philister vor. Er erinnert baran, daß nach der Alcxandrinerrede des Kaisers die Berliner- Bürger au Paaren getrieben werden sollen, wenn diese wieder wie dereinst im Bölkerfrnhling 1843 die Lust anwandeln sollte, Frechheit und Ilnbotmätzigkeit herauszukehren. Mit Recht hebt unser Gewährsmann hervor, dah der Berliner Bürger mich nicht im geringsten revolntionslüstern ist.„Bis in die Knochen," so schreibt er, „ist er lammfromm, so lammfromm, daß er sich nur noch in der Nolle des allerunterthänigsten Unterthanen zurechtfindet!" „Seine Langmut verdiente spriichwörtlich zu werden. Nicht einmal dann verliert er sie, wenn er sich durch Maßnahmen der Obrigkeit in der Erledigung seiner Geschäfte behindert sieht. Wie oft werden nicht ini Jahre auf viele Stunden die zu dem Schloß und dem Lustgarten führenden Straßen gesperrt! Wer zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Orte sein will und jenen Stadtteil zn passieren hat, dem bleibt nnr übrig, am Abend vorher ein Lokalblatt zu studieren, damit er nicht plötzlich aus seinem Gange von Schutzleuten angehalten und zn einem weiten Umwege genötigt werde. Bekanntlich ist Zeit Geld und bekanntlich hört in Geldangelegenheiten die Gemiitlichkeit ans. Wer aber an der Wahrheit dieser beiden Sätze nicht irre werden will, darf sie nicht an der Haltung des Berliners prüfen." Nun stellt der Freiherr v. Guhlen die Frage: Wer will be- haupten, daß die Vereidigung der Rekruten im Lustgarten eine unvermeidliche Notwendigkeit ist? Er meint, daß voni militärischen Standpunkt aus sich in diesem Falle das Feierliche nicht an das Auge, sondern an das Gemüt zn wenden habe. Früher sei die Vereidigung dort vor sich gegangen, wo der Rekrut seit seiner Einstellung schon Wochen in und außer dem Dienst zugebracht habe, nämlich im Exerzierhau s e. Nicht fremdes, neues, konnte die Sinne des Rekruten gefangen nehmen. Bei den jetzt üblichen Ver- eidigungen finde aber nur das Auge seine Rechnung. „Schon die vorbereitenden Maßnahmen sind dazu angethan, jede wärmere Regung des Gemüts ini Keime zn ersticken. Zuerst wird der junge Mensch im langen Marsche durch die Straßen gc- fuhrt. WaS giebt es da nicht alles zu schauen! Bisher hat er die Kaserne noch nicht verlassen dürfen. Wer weiß, ob er sich in sie zurückgefunden hätte. Wie staunt er jetzt über die hohen Häuser, über die Pracht der Paläste, die endlose Reihe der elektri- schen Straßenbahn, das hastige Treiben ungezählter Menschen!" Nun erörtert der Verfasser die Schwierigkeiten, den Rekrute» vorher für das militärische Schauspiel zn drillen. Diese Schwierig- leiten habe auch der junge Mann empfunden und über dem Be- mühen, seinem Hauptmann und seineni Gliederunteroffizier zu ge- fallen, vergesse er ganz und gar, weshalb er eigentlich nach dem Lustgarten geführt worden sei. Auch die im Winde verhallenden Worte des Geistlichen vermöge der Rekrut nicht zu vernehmen und stumm bleibe sein Gemüt auch in dieser Phase der Feier. Die Religion gedeihe kaum aus den Plätzen und Straßen der großen Stadt, unter Assistenz der Photographen illustrierter Wochenschriften, die glücklich sind, ihren Verlegern wieder einmal ein prächtiges Bild mit wehenden Fahnen, wallenden Federbüschen und präsentierenden Ehreiicompagnien liefern zu können.„Wird dem Rekruten," so fragt der Verfasser,„jemals zum Bewußtsein kommen, daß er in jener Stunde seinem Gott die unverbrüchliche Treue gegen den König und das Vaterland gelobt hat?" Wieder zu den Absperrungen zurückkehrend, geht das Urteil des Fachmanns dahin, daß die Langmut des Berliners noch viele Püffe vertragen kann und noch Jahrzehnte vergehen werden, bis die Grenadiere den Befehl erhalten können, ihn mit dem Bajonett zu Paaren zu treiben. Aber, so fragt der Freiherr: „Herrscht denn nicht schon genug Unzufriedenheit und Er- bitterung im Volke? Wozu also das Feuer schüren, wenn es nicht beabsichtigt sein sollte, den Ausbruch eines großes Brandes zn beschleunigen?... Die Einwirkung deS Eides aus die Gesinnung und Handlungsiveise des Mannes gehört zn den Imponderabilien, die sich erst fühlbar machen, wenn die politischen Wogen hoch gehen und für die Dhnastie und das Vaterland die Existenzfrage gestellt wird. Wozu diese kritischen Phasen noch ernster gestalten als sie ohnehin schon sind, indem man einer oberflächlichen Be- Wertung des geleisteten Soldateneides mit allen nur möglichen Mitteln Vorschub l e i st e t?" Unsre Sache ist es natürlich nicht, in Betrachtungen über die Frage, ob der Rekrut den von ihm geleisteten Eid auch vollwichtig genug bewerte, uns schlaflose Nächte zu bereiten. Wir sind besonnen genug, der Entwicklung der Dinge nicht vorzugreifen und begnügen uns mit der Gewißheit, daß der junge Mann, der bis zu seine Aushebung Socialdcmokrat war, vom Tage nach der Entlassung ab ganz selbstverständlich wieder seinen politischen und gewerkschaftlichen Pflichten genügen wird. Und wenn uns von Leuten, die es wissen können, so von dem Verfasser des jetzt viel gelesenen Romans„Jena oder Sedan". attestiert wird, daß auch so mancher, der bis dahin von unsren Lehren keine Ahnung hatte, sich zu einem Reservisten mit socialdemokratischer Gesinnung entwickelt, so soll uns selbst- verständlich auch dieses recht sein. Weit interessanter als dies alles aber ist für uns die immer deutlicher hervortretende Thatsache, daß an dem heutigen System von Tag zu Tag mehr seiner Stützen irre werden und man auch in militärischen Kreisen sozusagen in aller Gemütlichkeit Dinge erörtert, an die ein Offizier vor fünfzehn Jahren auch nicht einmal zu denken gewagt hätte. So belanglos die Klagen Über die moderne Rekruten- Vereidigung an sich sind, auch sie tragen zum Ganzen bei und decken das Krebsgeschwür der Zersetzung im bürgerlichen Lager auf. Jiikoilsequente Hygicniker. Die kürzlich im„Vorwärts" wicdergegebenen Ausführungen der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" über die in den Schulen übliche Benutzung gemeinsamer Trinkgefäße sind namentlich für die Volksschulen von großer Bedeutung. Die Diphtherie. oeren klebertragung durch Trinkgefäße darin erwähnt wurde, fordert ,a ihre Opfer hauptsächlich unter den Kindern der Unbemittelten. Jener Artikel des ärztlichen Fachblattes in Verbindung mit der Thatsache, daß auch in den Gcmeindeschulen Berlins gemeinsame Trinkgcfäße üblich sind und ihre Beuutmng wenig überwacht wird, könnte nun den Eindruck erwecken, daß man in der Berliner G e m e i n d e- V e r w a I t n n g über die gesundheitlichen Gc- fahren dieses Zustandes nicht unterrichtet sei. Gegen diesen Verdacht möchten wir aber unfern Magistrat und die in Betracht kommenden VerwaltungS- Deputationen denn doch in Schutz nehmen. Alles, was recht ist: d i e D e p u t a t i o n f ü r dieStraiikenaustaltenund die Gesundheitspflege hat schon in ihrer Sitzung vom 13. September 1002 durch ein- stimmig gefaßten Beschluß sich dahin erklärt, daß eine Uebcrtragung von Krankheiten durch Trinkgefnjic möglich ist, und zwar nicht nur dann, wenn die Gefäße absichtlich verunreinigt werden, sondern auch dann, wenn der Benutzer sie»rdnungsgcmäs! gebraucht. Das hohe Maß von Einsicht, das sich in diesem Beschluß kundgiebt, verdient um so mehr Anerkennung, da einige Mitglieder der Deputation sonst in Fragen der Gesundheitspflege nicht immer sehr vorteilhaft von sich reden gemacht haben. Der Magistrat ist in ihr vertreten durch die Stadträte Weigert und Straßmann, bekannte �Ver- leidiger der Krankenhausmißstände, und unter den Stadt- verordneten, die der Deputation angehören, ist ein Haupt- Wortführer der freisinnige Herr Louis Sachs, der tiirzlich in der Stadtverordneten-Versammlung über„hygienischen Taumel" klagte, weil verlangt wurde, das Kinder-Krankenhaus in der Reinickendorfer- straßc auszubauen und im Moabiter Krankenhause eine Station für Geschlechtskranke einzurichten. Selbst solche Männer haben die Gefahr gemeinsamer Trinkgefäße anerkannt! Die genannte Depu- tatton war übrigens nicht mal die erste, die auf diesen Gedanken kam. Ein paar Monate vorher hatte schon die B a u d c p u t a t i o n die Befürchtung ausgesprochen, daß eine klebertragung ansteckender Krankheiten durch Trinkgefäße möglich sei. Es handelte sich nämlich um die Anbringung von Bechern an den Straßenbrunnen, die seit langem in der Bevölkerung gewünscht und schließlich auch von der Stadtverordneten-Versammlung enipfohlen worden war. Die Bau- dcpntation, zu deren Ressort die Brunnen gehören, hatte Versuche da- mit gemacht, wollte sie aber nicht fortsetzen, weil die an einigen Brunnen angebrachtenBecher böswilligbeschmutzt und beschädigtworden waren, namentlich aber deshalb nicht, weil ihr noch zu rechter Zeit auch sanitäre Bedenken gekommen waren. Durch die Baudeputatton wurde dann die Deputation für die Krankenanstalten usw. veranlaßt, sich als sachversländige Autorität über die Becherfrage zu äußern. Dem oben angeführten Urteil dieser Autorität trat später der Ma g i st r a t bei. Unter ausdrücklichem Hinweis auf die sanitären Bedenken erklärte er, es würden keine Becher mehr an den Straßen- brunnen angebracht werden, und von der Stadlverordneten- Versammlung wurde dieses Radikalmittel gebilligt. Also die ninsigcbcndcn Kreise in unsrcr Gcmcindcverwalttmg wissen Bescheid. Um so verwunderlicher ist es freilich, daß in den Schulen bezüglich der Trinkgefäßfrage seither nichts geändert worden ist. Wollten diese Trinkgcfäß-Hygicnikcr konsequent sein, so mußten sie auch hier, wo ja dieselben sanitären Bedenken bestanden, auf Beseitigung der Trinkbrecher dringen. Daßdashierwohlnichtging, scheint maneingesehen zu haben. Nur hat man sich leider keine Mühe gegeben, nun nach einem andren Mittel zu suchen, durch das für die Schulkinder die gesund- heitlichcn Gefahren der gemeinsamen Becher wenigstens eingeschränkt worden wären. Sollte die hygienische Einsicht so weit doch nicht gelangt haben? Das Aerzteblatt rät, in den Schulen durch.Er- wachscne die jedesmalige Ausspülung der Becher überwachen zu lassen. Wir fügen den Vorschlag hinzu, daß nicht länger Becher aus emailliertem Eisenblech benutzt werden. Sie Pflegen nach Ab- splitterung der Emaille rasch zu rosten; eine Prüfung der in den Schulen vorhandenen Becher würde zeigen, in welchem Zustand diese manchmal sich befinden. Man sollte nur Porzcllanbechcr zulassen. Sie sind am leichtesten sauber zu halten und würden bei Beaufsich- tigung nicht allzu oft zerbrochen werden. Wird Herr Louis Sachs, wenn er von solchen Vorschlägen hört, erneut über den hygienischen Taumel unsrcr anspruchsvollen Zeit klagen?__ „Alkohol-Merkblatt". Der Polizeipräsident erläßt folgende Be- kanntinachimg: Unter dem Titel„Alkohol-Merkblatt" ist im Kaiser- lichen Gesundheitsamt eine Schrift ausgearbeitet worden, welche den Zweck verfolgt, weite Kreise der Bevölkerung über die Gefahren, welche der übermäßige Genuß geistiger Getränke im Gefolge hat, in gemeinfaßlicher Weise aufzuklären und zu belehren. Im Austrage des Herrn Ministers des Innern mache ich hierdurch auf diese Schrift mit dem Bemerken aufmerksam, daß sie von dem Verlage von Julius Springer in Berlin dl., Monbijouplatz 3, zum Preise von 3 M. für 100 Exemplare, zuni Preise von 2ö M. für 1000 Exemplare bezogen werden kann. Eine neue Sensation im Prozeß Kwilecki weiß das Wiener „Deutsche Volksblatt" zu melden. Von Berlin aus sei amtlich an die Behörde in Krakau das Ersuchen gerichtet worden. einen Geburts- schein des von der Parcza, der jetzigen Frau Meyer, geborenen Knaben zu besorgen. Dies Dokument erscheint von bcsondcrer Wichtigkeit, nachdem die erste Amme des vermeintlichen Grafen aus- gesagt hat, daß das Kind höchstens einen Tag vor ihrer Ankunft in Berlin, also am 25. Januar 1897 auf die Welt gekommen sei, da es noch nicht einmal zu saugen vermochte. Ans den Aussagen der Parcza ging aber hervor, daß sie ihr Kind am 17. Dezember 1896 geboren hat, somit mehr als einen Monat zuvor. Dr. Rosinski sagte auch aus, daß er ein neugeborenes Kind vorfand. Nun stellte sich heraus. daß im Matrikel- buch des ParochialamteS der St. Nikolauskirche, wo der kleine Parcza getaust wurde, das Geburtsdatum von unbekannter Hand weggekrant wurde. Das Gericht wandte sich sofort an daS Statistische Bureau des Krakauer Stadtmagistrats, wo eine Kopie des Geburtsscheines liegen mußte. Zur größten Ueberrafchung der Suchenden fand man, daß aus dem betreffenden Fascikcl mehrere Geburtsscheine, darunter der des kleinen Parcza gestohlen waren. Der Betrug konnte nur von eingeweihten und mit den adniinistrativen Einrichttmgen der Stadt gut vertrauten Personen verübt worden sein. In juristischen Kreisen in Krakau herrscht die Anschauung, daß diesen wohldurchdachten Betrug nur die Agenten des Grafen Heltor Kwilecki begehen konnten. Der erste Schnee ist gestern mittag in Berlin gefallen. ES waren große Flocken, die im Malsch ein gar klägliches Ende nahmen, so daß in höheren Regionen bald die Parole„Zuzug fernhalten" ausgegeben wurde. Anders sieht cS im Südosten Preußens aus. Im R i e s e n g e b i r g e und im Hirschberger Thale sind seit gestern gewaltige Schneemassen niedergegangen, die beträchtliche Verkehrs- ftörnngen hervorrufen. Tie Eiscnbahnzüge erleiden Verspätungen. Lastfuhrwerke können nur mit Vorspann fort. Viele Telegraphen- drähte sind zerrissen, der Telegraphen- und Telephonverkehr teilweise gestört. In den Wäldern ist viel Schaden durch Schneebruch ent- standen. Auch in der Graffchaft Glatz ist starker Schneefall ein- getreten. Aus Magdeburg wird leichter Schneefall gemeldet, ini Wiener Wald ist Freitag Schnee gefallen, auch in T r i e n t ist Wettersturz mit starkem Schneefall eingetreten. Ein unbekannter Toter. Amtlich wird nntgeteilt: Am 16. No- vcmber, nachnnttags gegen ö Uhr, wurde auf dem Hausflur Engel- Ufer 6u. vor der daselbst einmündenden Treppe ein unbekannter Mann bewußtlos aufgefunden, der anscheinend in der Trunkenheit von der Treppe heruntergestürzt war. Der Unbekannte, welcher keinerlei Papiere bei sich führte, wurde nach Anlegung von Not- verbänden ans der Unfallstation III, woselbst ein schwerer Schädel- brnch festgestellt wurde, nach dem Krankenhause am Urban über- gestihrt, woselbst er am 17. d. M., ohne das Bewußtsein wiedererlangt zn haben, an den Folgen der Verletzung verstorben ist. Personen, die über die Persönlichkeit des Verstorbenen Auskunft zu geben ver- mögen, werden gebeten, dieses jedem beliebigen Polizei- Revier oder im Polizei-Präsidium, Zimnier 219, zn 8966 IV/27 03 mit- zuteilen. Der entsprungene Falschmünzer Gclhaus wird nach seiner Wiedcrergreistmg abermals auf seinen Geisteszustand untersucht. Der geriebene Verbrecher entwischte, wie wir seiner Zeit mitteilten, mit dem Heiratsschwindler Hasse, der ebenfalls den„wilden Mann" spielt, aus der Charito. Während Hasse bald wieder ergriffen wurde, gelang es GelhauS, abermals eine Verbindung mit einem Falschmünzer zu gewinnen. Als ihm dann das echte Geld knapp lvurde, versuchte er auf dem Jahrmarkt in Neisse falsche Zweimarkstücke an den Mann zu bringen. Hierbei abgefaßt, gab er sich erst für einen Kauftnann Jernenskh aus Lodz aus. Da aber die hiesige Kriminal- Polizei allen Behörden seine Maßkarte und Beschreibung zugesandt haue, so wurde er bald erkannt und gab dann auch zn, der gesuchte Gelhaus zu sein. Von Neisse nach Berlin gebracht, macht er wieder den wilden Mann. Ob er vor Gericht gestellt wird oder in eine Irrenanstalt kommt, steht noch dahin. Bei der Arbeit tätlich verunglückt ist der 37 Jahre alte Last- kuscher Karl M a n i g k ans der Forsterftr. 40. Als Manigk vor dem Hanse Dresdenerstr. 127/28 Gerüstbretter auflud, that er beim Packen der Last einen Fehltritt, stürzte rücklings von: Wagen, schlug niit dem Hinterkopf auf die Bordschwelle und verletzte sich so schwer, daß er im' Krankenhaus am Urban starb. Der Verunglückte hinterläßt seine Frau mit fünf Kindern im Alter von 1 bis 7 Jahren. Bermißt wird seit drei Wochen der 26 Fahre alte Schaickwirt Ernst Henkel aus der Reinickendorferstraße 37b. Henkel war stüher Bicrfahrer. Als ihn am 2. dS. Mts. einige ehemalige Berufskollegen besuchten, kneipte er mit ihnen länger, als seiner Frau lieb war. Daher kam es zu einem häuslichen Auftritt, der den Mann veranlaßte, nachmittags, während die Frau schlief, mit der Barschast von 160 M. zu verschwinden. Zu einigen Bekannten, die er bald darauf traf, äußerte er, daß er sich entweder das Leben nehme oder nach Anierika gehe. Seitdem hat man nichts mehr von ihm gesehen oder gehört. Auch die Ermittelungen der Polizei haben noch zn keinem Ergebnis geführt. Der Vermißte ist 1,70 Meter groß, hat blondes Haar, blaue Augen und einen dunkelblonden Schnurrbart und trägt eine hellgraue Schirmmütze, einen dunklen Anzug und Schnürschuhe. Auf den Eisenbahnschienen hat sich gestern morgen um 9 vhr der Arbeiter Leder aus der Köpnickerstr. 149 zu töten versucht. Als der Sttngbahnzug auf der Strecke zwischen Rixdorf und Treptow in Sicht kam, warf Leder sich aus das Geleise; der Zug konnte nicht rechtzeitig zum Stehen gebracht werden und so wurde der Arbeiter von der Maschine entsetzlich zugerichtet. Der rechte Oberschenkel wurde völlig vom Körper getrennt; trotzdem konnte Leder noch lebend ins Krankenhaus gebracht werden. Doch ist keine Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Was den Unglücklichen zum Selbstmord- versuch getrieben hast ist nicht bekannt. Selbstmord eines Berliner Studenten in Neapel. Wie dem „Berliner Tageblatt" gemeldet wird, erschoß sich in Neapel in einer Droschke ein junger Deutscher. Bei dem Selbstmörder fand man eine auf den Namen„Rudolf Stern, stnck. areb., Charlottenburg, Goethe- straße 13". lautende Visitenkarte. Der Besitzer des„Eden-HotcIS", in dem der Deutsche wohnte, glaubt den Selbstmord auf Liebes- kummer zurückführen zu müssen. Die weitere Untersuchung des Falls lvird ergeben, ob der Tote mit Rudolf Stern identisch ist. In dem Hause Goethestraße 13 wohnt eine große Anzahl Studierender der Technischen Hochschule, aber keiner mit dem Namen Rudolf Stern. Ein solcher ist auch dort nicht bekannt. Fcncrbericht. Drei größere Brände machten in der Nacht zum Freitag der Wehr viel zn schaffen. Gegen 6 Uhr wurde sie nach der Langestr. 84 gerufen. Hier war im zweiten Stock in der Schleiferei der Leuchterfabrik von Schiller ein Feuer entstanden, das sehr schnell an Ausdehnung gewann und. bei Ankunft des ersten Löschzuges auch schon den dariiberliegenden Dachstuhl ergriffen hatte. Ein großer Teil des Dachstuhles ist vernichtet. Abends 11 Uhr kein in der Fruchtstr. 32 in der im dritten Stock belegenen Möbel- tischlerei von Hoheisel auf noch nicht ermittelte Weise ein größerer Brand ans, der an den dort lagernden Hölzern reiche Nahrung ge- funden hatle. Fast zur selben Zeit mußte in der Bellern, annstr. 12 ebenfalls in einer Tischlerei ein größeres Feuer beseitigt werden. Im übrigen hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden noch an ver- Ichiedencn andren Orten kleinere Brände zu beseitigen. In der Brunnenstr. 143 war in einem Keller allerlei Gerümpel und Verpackungsmaterial in Brand geraten. Kleidungsstücke und Möbel hatten abends 8 Uhr in der Mulackstr. 21 in einer Wohnung Feuer gefangen, während in der Reichenbergerstr. 10 Feuerungsmaterial eingeäschert wurde. In, Urbanhafen brannte auf einem Müllkahn ein größerer Posten Müll._ Cirkus Busch. Der Wahlspruch deS MünchenerS Spießer? ist. wenn man dem„Simplicissimus" glauben darf:„Mci Ruh' will i hab'n!" In Berlin gilt eine andre Devise; hier verlangt man die Aufregung. Dem Berliner genügt es auch nicht, tagtäglich selber sein Leben zwischen Straßenbahnen, Automobilen und andern Gc- fährten zn riskieren; in Zeiten der Erholung muß er mindestens zusehen, wie andre zn seiner Unterhaltung ihre gesunden Knochen aufs Spiel fetzen. Wenn der letzte Steepler in Karlshorst im Herbst das Genick gebrochen hat, in Friedenau die letzte Pneumatik geplatzt ist und auf Wannsee und Müggel die Herbststürme die himmelhohen Segel der letzten Rennjachten platt aufs Wasser geworfen haben. dann bleibt noch den beiden Konkurrenten Busch und Schumann übrig, für die nötige Aufregung der Berliner zu sorgen. Sie haben Mühe, immer eine passende„Attraktion" zu finden. In diesem Jahre ließen sie gleichzeitig Dutzende von Löwen aufmarschieren; aber die Berliner fanden nach zwei Wahlschlachten, die sie hinter sich hatten, die wilden Bestien zahm. Selbst die Löwen der Miß Helliot erschienen ihnen wie Gentlemcn aus der Wüste, brachten fie der Dame doch nur eine Schramme am Arm und nicht die geringste Ehrverletzung bei. So mußte denn Herr M ü n d n c r seinen„Totensprung" aus der Rennbahn in die Manege vornehmen; cS gelang ihm besser, als mancher Dame von, Brett der aufs Brettl. Am Mittwochabend führte er ihn das erste Mal in seiner ganzen Vollendung, als Sprung über eine Herde Elefanten, vor. Selbst der älteste der Dickhäuter äußerte brummend seine Anerkennung über die Leistung. Die Schleifenfahrt überlieh Herr M ü n d n e r an diesen. Abend dem neu engagierten Mr. Eclair, der sich dabei nicht eines Fahrrades, sondern einer großen Radfelge bedient, in der er sich mit Händen und Füßen festhält und nun in rasendem Tempo sich überschlagend die Schleife durchmißt. Sportlich steht die Leistung des Herrn Mündner wohl höher: aber eine tollere Variation der Schleifenfahrt, als sie Herr Eclair in seinem„Teufelsrad" bietet, dürfte nicht leicht ein Artist erfinden.— Die sonstigen Dar- bietmigen des Cirkus sind dieselben und wurden mit derselben Verve abgespielt. Ans der Treptow-Sternwarte spricht Direktor Archcnhold am Sonntag, den 22. d. M., nachmittags 5 Uhr, über„Weltuntergangs- Prophczeiungcn in kritischer Beleuchtung", um 7 Uhr abends über „Die Einführung in die Astronomie". Am Montag, den 23. d. M., findet ein„Aufsuchen der Sternbilder" mit praktischen Hebungen statt. Mit dem großen Fernrohr wird der Mond bereits von 4>/., Uhr nachmittags an täglich, von Sonntag an Ivährend der ganzen Woche gezeigt, außerdem noch Jupiter und ein Nebel- fleck. Charlottenvurg. Sonntag, den 22. November(Totensonntag), findet abends l*!t Uhr ein künstlerischer Unterhaltungsabend im Volkshause(kleiner Saal) statt. DaS Programm wird morgen i», Inserat bekamst gegeben. Am Donnerstag, den 3. De- zember, abends 8'„ Uhr, findet der dritte große Kunstabend statt. Im Institut für Meereskunde, Georgenstr. 34/36, finden in der kommenden Woche, abends 8 Uhr, folgende öffentliche, Herren und Damen zugängliche Vorträge statt: Mittwoch, den 25., und Freitag, den 27. d. M., � spricht Prof. Plate- Berlin über:„Die neueren Ticfsee- Erpeditionen und ihre bioloaischen Ergebnisse"(mit Licht- bilden,); Sonnabend, den 28. d. M.. Dr. Gerhard Schott-Hamburg über:„Die physische Meereskunde in ihren Anwendungen auf die transoceanische Segel- und Dampfschiffahrt"(mit Lichtbilden,).— Einlaßkarten sind wochentüglich von 12 bis 2 Uhr mittags und an den Vortragsabenden selbst von 6 Uhr ab erhältlich. Cirkus Schumann. Wenn wir in nächster Zeit bei Treptow eine Radlerin quer über die Spree hinwegsauscn sehen, so darf uns das nicht sonderlich wundern. Die Zeiten, wo sich die„Steher" mühten, hinter dem Benzinmotor Schnellzugsgeschwindigkeit zu erreichen, werden bald der Vergangenheil angehören, denn man strebt höheren Zielen zu. Unter einer gelinden Turmhöhe geht es nun einmal nicht. Seitdem Amerika uns im vorigen Winter die Schleifenfahrt beichert hat, sind die Radlcr nickst faul gewesen und haben in der Mathematik die Bahn der Parabel studiert. Zuerst wagte Mündner den kühnen Sprung über die Manege und jetzt hat in mächtigerer Forsche die Pariser Radfahrerin Helene D u t r i n u sich erfolgreich i», Cirkus Schumann in diesem Kunststück versucht. Die Fahrbahn beginnt wie gesagt hoch oben unter dem Dache im entferntesten Winkel des Cirkus, fie wird am Eingange zur Manege unter- brachen. In sausender Fahrt geht es von oben herunter, im Schwünge fliegen Rad und Radlerin eine Sttecke von fünfzig Fuß durch die Luft und erreichen an der andern Seite erst am Ausgange wieder den Boden. Eine Radfahrt auf Leben und Tod. Aber der Götze Publikum will es so, und bald wird aucki diese aufregende «Sensation" einer noch gefährlicheren weichen müssen. Wo sind die Seiten bin, ci man vergnügt war, wenn Altmeister Renz die hohe Schule ritt ud ein paar Komiker ihre höchstens geistig bedenklichen Faxen machte? Neben den 25 Löwen des Herrn Seeth treten bei Schumann Ebären und Kragenbären auf, der Elefanten ganz zu geschweigen. Zeiche Antwort wird so ein„Dompteur" geben, wenn man ihn frag ob ihm der König der Wüste oder das unersättliche Publikum als ie bedenklichere Bestie erscheint? Theater. Im Theater des Westens wird heute„Rip-Rip", romantisch-phatastische Spieloper, nrit Julius Spielmann als Gast erstmalig aufiführt. Tie übrigen Hauptrollen werden von den Damen Mary?agen, Berta f. Martinowska und Lueie Schulz sowie von den Herre Reinhold Welhof, Adolf Ziegler, Paul Bleiden und Lorenz Corviiö dargestellt.— Zu dem Vortrage, den Dr. Raphael Löwenfeld in ir Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur Sonn- tag,� den 22. llveniber, mittags 12 Uhr, im Bürgersaale des Rat hciuses—„ur Frage der Kostüme für die weiblichen Mit glieder»iisrerBiihuen"— hält, hat jedermann freien Zutritt.— Im Carl Weit- Theater geht heute das fünfaktige Schauspiel von Walter Fern«„Die Toten leben" zum erstenmal in Seene. Die Hauptrollen legen in Händen der Damen Wichmann, Detschzie. Dehmanns opie der Herren Brackmann, Rosen und Schneider. Die JnseenieriliZ hat Herr Max Tyrkowski.— Central-Theater. Sonn abend, der 21. November, wird nachmittags 4 Uhr das Kinder- märchen Der gestiefelte Kater" wiederholt; abends 7�/., Uhr kommt dieNovität„Ter Rastelbinder" zur Wiederholung. Sonntag, den 22., stdet eine einmalige Aufführung der romantrsch-komischen Operette ,Die Glocken von Corneville" statt.— Bernhard Rose- Theater, ndstr. 58. Am Mittwoch, den 25. d. M., findet eine große Extra-Votellling zur Feier des 20jährigen Biihnen-Jubiläums des DirektoreBernhard Rose statt. Zur Aufführung gelangt:„Wilhelm Teil". Hua den Nachbarorten. Die Angst vor der öffentlichen Meinung. Die Spandauer »Laterm ist in der Lage, folgenden Ukas, der von der Feldzeug- meistere zu Berlin an die Direktionen der militär-technischen Institut gerichtet ist, zu veröffentlichen: F.-Z l. Berlin, den 3. November 1353 Lnßerungen von Meistern Arbeitern gegenüber haben mehr- fach Veranlassung unliebsamer Erörterungen in Zeitungen ge- gcber(!) E wird deshalb bestimmt: das gesamte Meisterpersonal der technkhen Institute ist darauf hinzuweisen, in dem Verkehr mit den rbeitern sehr vorsichtig zu sein und insbesondere alle Aeutzmngen zu vermeiden, welche Anlaß zu Angriffen in der Press geben können. I. A.: gez. Dahlmann. An saitliche technischen Institute. Roe Aeußerungen, deren Meister sich Arbeitern gegenüber schuldig gemacht haben, sind mehrfach in der unabhängigen Presse und aiu im Reichstage glossiert worden. Statt der Mahnung, vor- sichtig z sein, wäre die Anordnung am Platze, im Arbeiter auch den Mensche zu achten. Wi,4u>servative Wahlen zu stände kommen. Aus Spandau wird uiS berichtet: Die hiesigen Konservativen haben sich die Wahlmämertiahlen am 12. d. M. überaus bequem gemacht. Während es den f-reisimgen und noch mehr unsren Parteigenossen bei dem hier seitens er„Staatserhaltenden" geübten ivirtschaftlicheu TerroriSmuS nr schwer möglich Ivar, die nöttge Anzahl Wahl männer zu finln, griffen die Konservativen einfach„hinein ins volle Menschenleen". DaS große Heer der in den hiesigen Staats- betrieben beschäfßten Beamten bot ihnen eine überaus reichhaltige Auswahl, dazu kai noch, daß von solchen Leuten kein„Korb" zu erwarten ist, dem eder Beamte, der etwa eine tönservative Kandidatur unter irgend einei Vorwande ablehnen wollte, könnte sicher sein, daß ihm im selbei Augenblick ein„rotes Kreuz" angehängt würde llnd so sind denn vier den 162 konservativen Wahlmännern Spandaus nicht mehr und icht minder als 125 Beamte und Arbeiter der Staatsbetriebe untzwar 29 Meister, 17 Meistergehilfen, drei Obermeister, vier Jngenure, drei Betriebs-Jnspektoren, fünf VerwaltungS- und BetriebSschreikr, fünf Ober-Büchsenmacher, zwei Aufseher usw Durch diesen Schaqug gelang eS den Konservativen leider gar zu gut, auch die Staavrbeiter zu terrorisieren, denn kaum einer hat es gewagt, gege seinen Meister, Aufseher oder dergleichen zu stimmen. Die Charlottenlrger Stadtverordneten-Versammlung beschäftigte sich gestern mit derFrage, welche Maßregeln gegen die Unfall- gefahren bei statischen Bauten zu treffen seien. Die Frage soll noch weiteren Beramgen unterliegen.— Eine längere Besprechung entstand dann zu d> Frage der F e u e r b e st a t t u n g. Der Ver- band preußischer fuerbestattungsvereine bittet nämlich um den Beitritt der Stadt harlottenburg zu einer Petition an den Landtag um Einführung der kultativen Feuerbestattung für Preußen. Stadtv. Frank bezeichnete d ganze Feuerbestattungsftage als„Modesache ohne jede praktisck Bedeutung", als einen Luxus für reiche Leute. Die Behaupmg, die Feuerbestattung liege im Interesse der Hygiene, sei unbewien. Oberbürgermeister Schustehrus trat diesen Ausführungen ciitgzen. Die Feuerbestattung führe die immer schwieriger werdend Friedhofsfrage einer Lösung entgegen. Schon jetzt seien in der Nie großer Städte keine Friedhöfe aufzutreiben; Berlin und die Boohner von Vororten werden den weiten Weg bis nach Stahnsdff machen müssen, was eine Erhöhung der Beerdigungskosten zr Folge haben werde. Im übrigen müsse der alte preußische Grudsatz hochgehalten werden:„Jeder möge nach seiner Fa�on selig erden I" Es wurde dann auch beschlossen, der Eingabe beizutrete— Zuletzt gab es noch große Aufregung. Stadtverordneter Zlleiiburg brachte schwere Beschuldigungen gegen den Vorstelr und einige Mitglieder deS Ausschusses vor, welche die letzte Stadttatswahl vorbereitet hatten. Damals ward Stadtrat Casrer nicht wiedergewählt; dagegen wurden die Herren Winckelman und Beringer, die bis dahin in der städtischen Verwaltung unbekcnt waren, gewählt. Stadtv. Jllenburg behauptete nun, daß diese bsen nur gewählt worden seien, weil sie sich an einem Ströhlersche ZeitungSunteriiehmen beteiligt hätten. Gaffire r habe eine Beteiliaag abgelehnt, istadtv. Jllenburg richtete hieraus persönliche Angrisftgegen den Stadtv. Rosenberg. Dieser beantragte, das Stenogramm er Jllenburgschen Ausführungen sämtlichen Berliner und Eharlotttburger Zeitungen zugänglich zu machen. Stadtv. Dr. Erüger erweerte diesen Antrag dahin, daß das Stenogramm der ganzen Verhadlung den Zeitungen zugestellt werden falle. Die Versammlung naii diesen Antrag an. Die Rixdorfe Stadtverordneten- Versammlung erledigte in ihrer letzten Sitzung eie Anzahl Straßen- und Bausachen ohne Debatte. Unter anderm geehmigte sie die Skizze fiir die architektonische Ausbildung des Einangsgiebels der beschlossenen Rathauserweiterung und die Erhöhug der für den Erweiterungsbau bewilligten Summe von 45V 000 ff. UM 20 000 M. Zu einer Debatte führte die Magistratsvorlage betteffend den Bau zweier'oppel- Gemeindeschulhäuser, wovon das eine auf bei städtischen Grundstück an der Fontane- und Weser- straße, das andre an der Elbestraße zu stehen kommen soll. In der Begindung wird gesagt, die Zahl der Schulkinder sei der- artig angewchsen. daß die schleunige Beschaffung von neuen Klassenräunn dringend erforderlich sei. Es empfehle sich nicht, diese Bedürfnisse urch Anmietungen oder den Bau von Schulbarackeu zu beseitigen, kächst dem Stadtv. M i e r trat Stadtv. Silber st ein (Soe.) für die Vorlage ein. Letzterer ersuchte namens seiner Freunde zgleich die Bau- und Schulverwaltung, die Bauten möglichst;u fördern. Selbst in der bürgerlichen Presse sei schon viel_ über die Schulnöte in Rirdorf geschrieben worden, die Schulklassen seien zum Teil so überfüllt, wie es sonst nr in Ostelbien anzutreffen sei. Auch sei eine bessere Aus- gestaltungier Schulen, namentlich im sanitären Interesse ertvünscht. Sie müßt« nicht nur Treppenhäuser, sondern auch Korridore er- halten, u> z. B. die Sachen untergebracht werden könnten. Ferner fehle es an Aulen; für die Neubauten mußten welche vorgesehen werden, ebenso Turnhallen, damit nicht wieder für teures Geld solche von privaten Vereinigungen gemietet Iverden brauchten. Ferner müßten Räume für Bade-Einrichtungen reserviert werden. Bis jetzt sei eS ja in Rixdorf nicht dazu gekommen, Schulbäder einzurichten, aber die Möglichkeit müsse ge- geben sein, und er wünsche, daß Rixdorf die Schillbäder selber auch bald erhalte.— Stadtv. K o y e möchte auch eine ideale Volksschule haben, tröstete sich aber allsogleich mit dem Sprichwort vom Sich- strecken nach der Decke, während er andrerseits doch den Magistrat zu animieren suchte, dem Bau städtischer höherer Töchterschulen nahe- zutreten, weil die Zustände in den höheren Privatschulen fehr schlecht seien. Stadtverordneter Schmidt findet, daß die neueren Schulbauten in Rirdorf so ziemlich allen Anforderimgen entsprächen. Dagegen habe auch er den Wunsch nach größter Beschleunigung der beiden Schnlbauten, damit möglichst beide schon 1005 benutzt werden könnten. Es seien in letzter Zeit nicht nur viele Neubauten, sondern sogar ganze Straßenzüge in Rixdorf entstanden.— Die Vorlage wurde einstimmig angenommen. Gmcdts-Leitung. Arbeiterelend. Sie hatten früh geheiratet; ihr Haushalt war nur mit dem Notwendigsten ausgestattet und dabei war noch ein Abzahlungsgeschäft in Anspruch genomnien worden. In dem ersten Jahre der Ehe ging es dem Paare leidlich gut, beide waren fleißig. Der Ehemann hatte regelmäßige Arbeit, die Frau schaffte sich eine Nähmaschine an— auch auf Abzahlung— und erzielte einen kleinen Nebenverdienst durch Hemdennähen für ein größeres Geschäft. Dann erschien das erste Kind. Von jetzt an wurde das Sparkassenbuch häufig nach dem Molkenmarkt gettagen, sobald es angängig war. Die Frau wurde zum zweitenmal Mutier und von da ab war es mit dem Nebenverdienst zu Ende, der Haushalt und die Pflege der beiden kleinen Kinder nahm die Frau vollständig in Anspruch. Das Sparkassenbuch wurde noch einige Male aus der Kommodenschublade hervorgeholt, bis der letzte Pfennig abgehoben war. Dan» traf die kleine Familie ein böser Schlag. Der Ehemann verlor seine Arbeit. Seine Frau nähte wieder Henlden, ihr lag jetzt die Unterhaltung der Familie ob. Sie war außerordentlich fleißig. Das Dutzend Hemden wurde mit 4M. bezahlt. Sie nahm einen Teil der Nacht mit zu Hilfe und brachte eS durch ihre Unermüdlichkeit so weit, daß sie in der Woche drei Dutzend fertigstellte. Darnach hätte sie einen Verdienst von wöchentlich 12 M. gehabt. Aber das Garn, was sie vernähte, mußte sie selbst be- zahlen, dazu kamen 50 Pfennig, welche wöchentlich auf die Näh- Maschine abbezahlt wurden und die Nachtarbeit erforderte Be- leuchtung. Wenn man ferner 5 Mark wöchentlich für Miete rechnet — denn Stube. Kammer und Küche mußte die an© vier Köpfen bestehende Familie doch haben— so läßt sich ermesfen, daß Schmal- Hans Küchenmeister sein mußte. Wie früher nach der Sparkasse, wurden jetzt Wanderungen nach dem Leihamt angetreten. Die Stube machte bald einen kahlen Eindruck, die Not ivar eingekehrt und machte sich dort breit. Eines TageS war das Elend auf's höchste gestiegen. Die Miete war fällig, die Kinder waren hungrig und im Hause war kein Pfennig Geld. Da nahm die Frau einen Teil der ihr anvertrauten Hemdenstoffe und ging damit zum Versatzamt. Die Folge war, daß sie eine An- klage wegen Unterschlagung erhielt. Zu ihrem Unglück war sie vor einer Reihe von Jahren schon einmal wegen Unterschlagung mit fünf Tagen Gefängnis bestraft worden. Das Schöffengericht hielt dies für einen erschwerenden Umstand und verurteilte sie zu drei Wochen Gefängnis. Sie legte Berufung ein. Im gestrigen Termine lvieS der Verteidiger, R.-A. Dr. Werthauer, darauf hin, daß die ganze Familie der Angeklagten durch ihre Verurteilung zu einer Gefängnis strafe außerordentlich schwer bettoffen werde. Der Mann habe wieder Arbeit, die Frau nähe wieder Hemden und habe der ge- schädigten Firma schon die Hälfte wieder ersetzt. Die begangene Unterschlagung lasse sich allerdings nicht aus der Welt schaffen, aber mit Rücksicht darauf, daß die Angeklagte im Kampfe mit dem Hunger unterlegen sei, ließe sich ihr Vergehen doch mit einer Geldstrafe sühnen. Der Gerichtshof schloß sich dieser Ausführung an und setzte da- Strafmaß auf eine Geldstrafe von 20 M. herab. Wegen eines dreisten Erpressungsversuchs stand gestern der Kauf mann Jaeob Pyatkowki vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I. Im Juni d. I. hatte der Angeklagte erfahren, daß der Kausinann E., welcher der Leiter einer Fabrik lvar, zu einer der bei ihm beschäftigten Arbeiterinnen in einem unerlaubten Verhält- nisse stand, obgleich er verheiratet war. Der Angeklagte richtete darauf an ihn ein Schreiben, worin er 200 M. verlangte unter der Androhung, im Nichtzahlungsfalle seine Handlungsweise im„Vorwärts" brandmarken zu wollen. Eine Drohung, die um so alberner war, als es doch wohl allgemach bekannt sein dürfte, daß gerade unser Blatt von allen Berliner Zeitungen das letzte ist, das über private Angelegenheiten herfällt und von dem die Arbeiterschaft ferner weiß, daß es Mißstände und Ungehörigkeiten auf Arbeitsstätten erst dann zur Sprache bringt, wenn sie von der zuständigen Gewerkschaftsorganisation eingehend untersucht worden sind. Dem erwähnten Drohbriese folgte ein zweiter, in welchem die Forderung auf 00 M. ermäßigt wurde. Als auch dies keinen Erfolg hatte, war der Angeklagte so dreist, sich mit E. telephoniscki in Verbindung zu setzen. Nun ging der Bedrohte zum Schein auf die Forderung ein, und eS gelang ihm dadurch, die Verhaftung des Erpressers zu erwirken. Der letztere behauptete im Termine, daß er lediglich aus sittlichen Gründen gehandelt habe, er habe dem unlauteren Verhältnis des Zeugen ein Ende bereiten wollen. Würde ihm das Geld angeboten worden sein, so würde er dessen Annahme verweigert haben. Weder der Staatsanwalt noch der Gerichtshof glaubten dies dem Angeklagten, der erstere beantragte gegen ihn eine Gefängnisstrafe von neun Monaten, drei- jährigen Ehrverlust und sofortige Verhaftung. Nur dem Umstände, daß der Angeklagte bisher.unbescholten war, hatte dieser es zu ver- danken, daß er mit drei Monaten Gefängnis davonkam. Eue der frauenbewegung* Ober-Schöneweide. Montag, den 16. November, hielt der Frauen- und Mädchen-Bildungsverein seine Monatsversammlung ab, in welcher Dr. Maurenbrecher über„Liebe und moderne Weltanschauung" referierte. An den sehr lehrreichen Vortrag knüpfte sich eine rege Diskussion, in toelcher der Wunsch laut wurde, öfter ähnliche Vor- träge zu veranstalten. Die nächste Versammlung findet Montag, den 14. Dezember, statt. Die Frauen im Dienste deS Ulttamontanismus. Der„Kölnischen Zeitung" zufolge ist nunmehr in Verfolg der eingehenden Beratung auf dem letzten Parteitage des Centrums am Montag in Köln der engere Zusammenschluß der ganzen ultramontanen Frauenwelt end- gültig beschlossen worden. Als Zweck wird angegeben, die auf ver- ichiedenen Gebieten sich bewegende Vereinsthätigkeit der katholischen deutschen Frauen zu planvollem Zusammenwirken zu verbinden. Als Armenpflegennnen wurden in Solingen sechs Frauen von der Armenkonimission gewählt. Versammlungen. Für den 24. Kommunal- Wahlbezirk hielten unsre Partei- genossen am Donnerstag�eine Versammlung in Herzogs Saal in'der Memelerstraße ab. Sowohl der Referent. Stadtverordneter Dr. Friedeberg, wie der Kandidat deS Bezirks, Genosse Paul Schneider, beleuchteten an einzelnen Beispielen die Mißstände, welche die Kommunalpolitik des Freisinns verschuldet hat und zeigten, welche Forderungen die Arbeiter an eine gesunde, die Interessen der Allgemeinheit fördernde städtische Verwaltung stellen. Hinweisend auf das reaktionäre Verhalten des Freisinns bei den Landtags- Wahlen, zeigten die Redner, daß die Angehörigen dieser Partei auch in der Stadtvertvaltung nicht die Leute sind, von denen die arbeitende Bevölkerung eine Förderung des Allgemeinwohles erwarten kann. Darum muß jeder Parteigenosse dahin wirken, daß auch der letzte Mann aus unseren Reihen zur Wahl geht, damit der Freisinn aus der Vertretung der dritten Wählerklasse völlig verdrängt, und diese nur von Angehörigen der Socialdemokratie vertreten wird. Eine Wählerversammlnng für den 28. Kommnnal-Wahlbezirk tagte am 10. November in den Königssälen, Nene Königstraße. Reichstags- Abgeordneter Robert Schmidt referierte. Ein- leitend gab er einen Ueberblick über das Wesen der staatlichen und kommunalen Verwaltung und über die wichtige Stellung der Kommune im Staat, um dann eingehend an der Hand des socialdemokratischen Programms die Aufgaben einer modernen, vorsorgenden und für- sorglichen Kommune darzulegen. Unter besondrer Bezugnahme auf Berlin zeigte er, wie schwer dagegen selbst in den städtischen Ver- waltungen gesündigt werde, wo der Liberalismus herrsche. Wie die Verhältnisse der städtischen Gasarbeiter Berlins und das letzte rigorose Vorgehen gegen sie anläßlich der Landtagswahlen bewiesen, ständen auch in Berlin einander gegenüber der Mangel auch der geringsten socialpolitischen Einsicht und ein Unternehmerstandpunkt. wie er krasser nicht gedacht werden könne.(Zustimmung.) Solche Vorkommnisse und Tatsachen müßten bei Beratung des städtischen Etats noch viel mehr kritisiert werden, als dies bisher auch seitens unsrer Genossen geschehen sei. Treffende Kritik übte Redner dann an der Rückständigkeit unsrer„fortschrittlichen" Komunalverwaltuug auf den verschiedensten Gebieten, so dem des Schulwesens, der Kranken- und Jrrenpflege usw. Mit kräftigen Worten gegen den Freisinn und sein schofles Verhalten bei den Landtagswahlen und einem begeisternden Aufruf, dem Genossen K o tz k e am 27. November zum Siege zu verhelfen, schloß Genosse Schmidt seinen Vortrag unter lebhaftem Beifall.— Ter Kandidat für den 28. Kommunal- Wahlbezirk. Genosse Kotzte, ergriff hierauf das Wort zu einer feurigen Ansprache, worin er sich gleichfalls gegen den reaktionären Freisinn scharf aussprach und dazu ermunterte, den Siegen der Socialdemokratie einen neuen Sieg anzureihen. Auch seinen Worten wurde lebhaft zugestimmt. Ter Borsitzende Zucht schloß die Versammlung nach Hinweisen darauf, daß nach den Ergebnissen der Landtagswahlen im Bezirk der Sieg sicher wäre, wenn jeder Äommunalwähler am 27. November ans dem Posten sei. Der>etzt in freisinnigen Händen befindliche Bezirk werde dann unser sein. Am Donnerstag, den 26! November, findet noch eine Ver- sammlung für den 28. Bezirk statt, und zwar im Alten Schützen« hause, Linienstraße. RummelSburg. Eine vom Gewerkschaftskartell Rummelsburg einberufene Versammlung beschäftigte sich am Sonntag den 15. d. Mts. mit der vom städtischen Centralverein für Arbeits- Nachweis geplanten Errichtung einer Filiale mn Orte. Der Reichstags-Abgeordnete Genosse K ö r st e n referierte einleitend über die verschiedenen Arten der bestehenden Arbeitsnackstueise. wie sie sich in Händen der verschiedenen Industriellen und privaten Vermittler befinden. So ist z. B. der Nackweis der Metallindustriellen(Kühnemänner) nur eine K o n t r o l l st a t i o n für die Arbeiter. Jeder Arbeiter, der sich jemals mißliebig gemacht, wird einfach gesperrt und dem Verhungern preisgegeben. Aehnliche Mißstände sind bei verschiedenen anderen Arbeitsnachweisen zu verzeichnen. So werden speziell die arbeitsuchenden Personen aus dem Schlächter- und Gast- ivirtsgewerde nach Menschenmöglichkeit ausgebeutet. Kommt es doch vor, daß eine Stellung suchende Person das Drei- bis Vierfache des Monatsverdieiistes für die Vermittlung zahlen muß. um beim Autrittsversilch zu erfahren, daß die Stellung überhaupt nicht zu besetzen, sondern nur gemeldet Ivar, um das Einstreichen der Per- mittlungSgebühr zu ermöglichen.— Eine weitere Art der Arbeits- Vermittlung bildet die Vermittlung durch die Presse. Hunderte von Arbeitsuchenden harren auf das Erscheinen des sog.„Arbeitsmarktes". um, nachdem sie mit Mühe und Not ein Exemplar davon erwischt haben, im Trabe nach der angekündigte» Arbeitsstelle hingelaufen, meist zu erfahren, daß die angekündigte Stelle längst besetzt sei. Redner empfiehlt hierauf die paritätischen Arbeitsnachweise. Wenn dieselben auch»och vieles zu wünschen übrig lassen, so sind derartige Mißstände, wie die geschilderten, doch vollständig ausgeschlossen und ist die Erreichung von Arbeitsgelegenheit jedem Arbeitsuchenden bequem und ohne nennenswerte Geldausgaben möglich gemacht. Schon aus diesem Grunde wäre die Errichtung eines derartigen Stachweises für die Vororte, speziell für Rummelsburg, mit Freuden zu begrüßen.— Nach einer eingehenden Diskussion, welche sich Hauptsächtich im Rahmen des Referats bewegte, wurde folgende Ztesolutiou angenommen:„Die am 15. November tagende Ge- wqrkschaftsversammluiig erklärt sich mit der Errichtung einer Filiale dos Arbeitsnachweises am Orte einverstanden, wünscht aber den Wirkungskreis derselben auf die umtiegelideii Orte ausgedehnt. Sie beauftragt das Kartell, die Angelegenheit auch weiter iin Auge zu behalten und sich sofort mit den Gewerkschaftskartellen der übrigen Orte wie Friedrichsberg. Lichtenberg, Johannisthal-Rieder-Schöne- weide, Adlershof. Stralau. Treptow usw. in Verbindung zu setzen." Freireligiöse Gemeinde. Sonnlag. den 22. November, vorm. 8'/, Uhr, in der Schul-Aula, Kleine Franksurterstt. 6: Versammlung. Freireligiöse Vor- lesung.— Ilm 10-/, Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Waldcck Manaffe:„Unsre Toten". Gäste, Damen und Herren, sehr ivilllonuncn. Allgemeine Kranken- und Sterbekässe der Metallarbeiter (E. H. 2g, Hamburg). Filiale Berlin I. Sonntag, den 22. November, vor« mittags 10 Uhr: Mitgliüer-Versammlung in Habels Brauerei. Bcrgniann« slrahe 5—7.— Filiale Berlin:!. Mitglieder-Vcrsammlung Sonnabend, den 21. November, abends 0 Uhr bei Bergcner, Rcichenbcrgerstr. 157.— Filiale Berlin 4. Sonnabend, den 21. d. M.. abends 0 Uhr: Mitglieder- Ver- sammlung bei MerkowSli, AndreaSstr. 26.— Filiale Berlin 5. Sonnabend, den 21. November er., abends v Uhr: Mitgliedcr-Vcrsammlimg bei Fritz, Lolhringersir. 68.— Filiale Berlin 8. Sonntag, den 22. d. M., vormittags 10 Uhr bei Schirm, Badstr. IS: Mitglieder- Versammlung.— Filiale Gharlotlcnburg. Am Sonnabend, den 2l. November, abends S'/j Uhr, im Volkshaus, Rosinenstr. 3: Mitglieder- Versammlung.— Filiale Rixdorf. Versammtung am«onnabcnd, den 2t. d. M., abends 8'/, Uhr, Bcrgstr. 161 bei Thiel._ Markipreise von Berlin nach Ermittelungen des 'Weizen, gut D.-Elr. mitiel gering 'Roggen, gut , mittel gering ßGcrsie, gut „ mittel gering tHafer, gut mittel gering Richtstroh Heu Erbsen Spciscbohnen Linsen ' ab Bahn. -f frei Wagen und ab Bahn. am 19. November 1903 kgl. Polizeipräsidiums. Kartofseln.ncueD.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch Kalbfleisch, Hammelfleisch Butler Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 kg per Schock 6,50 1,80 1,50 1,60 2,00 1,80 2,80 5,00 2,00 2,60 2,60 2,00 1.80 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1.10 1.10 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,40 0,80 3,00 Witterungsübersicht vom 30. November 1903, morgens 8 Uhr. Stationen S i Swinemde. Hamburg Berlin Franlj.a.M. München Wien .5-C s? 763 Still 763 MS 762 NO 763 N 762, S 762 W Wetter bedeckt 1 Nebel 2 Regen 2 bedeckt 5 bedeckt 1 bedeckt !S K H S-. -0 2 Stationen 2— aparanda 751 S etersburg 763. NW Cork Aberdeen Paris 769 WNW 767 NW Wetter 4 Regen 1 Schnee 4bedeckt 2wolkenl i-iSi e?« » II i w& 1 -2 9 -2 Wetter-Prognose für Ionuabend, den 21. November 1903. Zunächst wärmer, zeitweise aufklarend, vorwiegend ttube mit Niederschlägen und lebhasten westlichen Winden; später wieder etwas kühler. Kür den übernimmt Publikum gegenüber keinerlei Bcrmitwortung. Inhalt der Inserate it die Redaktion dem Zheatcr. Sonnabend, 21. November. Anfang VI, Uhr: Odcruhauo. Nomco l»id Julia. Schauspielhaus. Im stillen Gäfzchcn. Deutsches. Rose Bernd. Berliner. Ein Wintcrmärchen. Lessing. Zapfenstreich. Svcste». Nip-Rip. Neues. Salome. Vorher: Der Kammersänger. Residenz. Das groste Geheimnis. Central. Der Raftelbinder. Nachm. 4 Uhr: Der gestiefelte Kater Thalia. Der Hochtourist. Slnfang 8 Uhr: Schiller O. iWallner- Theater.) Wilhelm Tell. Schiller lFriedrich-Wilhelmstädt.) Der Talisman. Belle- Alliance. In Vertretung. Carl SÄcist. Die Toten leben. Nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. Luisen. Das Kälhchen von Heil Lronn. Kleines. Nachtasyl. Trianon. Biscotte. Casiuo. Berliner Nachtasyl. Hotel Klingebufch. Metropol. Durchlaucht NadicSchcn! Specialitäten. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n grotzcn Teich. Apollo. Frühlingsluft. Special!- täten. Winter-Garten. Specialitäten. Pafsagc-Theater. Specialitäten. ReichShallen. Stettiner Sänger. Palast. Die Tochter des Herrn Fabricius. Specialitäten. llrania. Taubenstrahe iStlQ. Nachm. 4 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober-JtalienS. Jnvalidenstrafic S7/KS. Sternwarte. Täglich geöfstrct von 7 bis 11 Uhr. Central-Theater. Sonnabendnachmittag 4 Uhr, halbe Preise, jeder Erwachsene ein Kind frei. Kindervorstellung: Der gestiefelte Kater. Märchenspicl mit Gesang und Tanz in 4 Bildern.— Abends 7V- Uhr: Ter Nastelbiuder. Operette in 3 Akten von Victor Leon. Musik von Frz. Lehär. Sonntagabend: Oiv Glocken von Cornevilie. Luisen-Theater. Ansang 8 Uhr. Sonntagabend: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Der Aktienbudiker. Dienstag: Der Widerspenstigen Zähmung. Mittwoch: Die Logenbrüder. Donnerstag zum erstenmal: Der Verschwender. Freitag: Der Widerspenstigen Zähmung. Sonnabend: Die Jungfrau von Orleans._ Neues TMer. Schissbauerdamm 4a— 5. Salome. Vorher: Der Kammcrsiingcr. _ Ansang 7'/, Uhr._ Selle-JUIiance- Theater. Belle-Alliancestr. 7-8. Ansang 8 Uhr. In Vertretung. Ein L-oldatcnschwank in 3 Akten von Heinz Gordon. Sonnabend: In Bertretung. Sonntag: Der Menvuit._ Trianon-Theater. Georgenslraste, zwischen Friedrich- und Unioersitätsstraste. Eüscotie, Ansang 8 Uhr. Sonntag: Einmaliges Gastspiel Dir. Sigimiml Lautenburg mit dem Ensemble des Residenz-Theaters: Die Wildente,_ Apollo-Theater. Heute: FrithliNgSluft. Vorher die glüneemlen Specialitäten. Totensonntag, den 22. November: Einmalige Aufführung mit großem Orchester von Visum nach dem Balle. Pantomime. Musik von Joachim Albrecht. Prinz von Preuffen. königliche Hoheit.(Eigne Bearbeitung für das Apollo-Theater.) Dazu: Die Zanbergeige. Operette in 1 Akt von Jacg. Offenbach. Die Nürnberger Puppe. Oper in 1 Akt von Ad. Adam. Vorher: Glänremle Specialitäten. Carl Weiss-Theater. Große Frankfurter Straße 132. Nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellrng: 10, 25, 40 Pf. usw. Max nnd Moritz. Abends 8 Uhr zum erstenmal: Dl« Toten leben. Schauspiel in 5 Alten(8 Bildern) von Walter Ferna». Sonntagabend: Die Toten leben. Schiller-Thealei*. Schiller-Theater O. (Wallner-Thcater). Sonnabendabend 8 Uhr: Wilhelm Teil. Schauspiel in 5 Ausz. v. Fr. Schiller. Sonntagabend 8 Uhr: W ilhelm Teil. Montagabend 8 Uhr: Hedda Gabler. Schiller-Theater ST. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Tbcater). Sonnabendabend 8 Uhr: Her Tallisman. Dramatisches Märchen in 4 Auszügen von Ludwig Fulda. Sonntagabend 8 Uhr: Iledda Gabler. Montagabend 8 Uhr: 5.1 ebelei. Hierauf: Utteratur. Cirttus Schumann. •Heute, Uhr: Sonnabend, de» 21. November, 4 Uhr und Th. � grosse Vorstellungen'-2 naehtniftags 4 Uhr: Sxtra-Vorstellung. Nachmittag hat jeder �2,. iW» weitere Kinder zahle» Besucher»Hilf fiel, halbe Preise. In beiden Vorstellungen, nachmittags und abends: „La FSeche ffufimaine"<«i«s original). Kshordsfinmn von 5® fuss= 15 ZKster ausgeführt von der berühmten Pariserin Mllc. Helene Wntrleu, öis Meii ises Pfellpiips i dem Fahrrad. 25 Kaiserlöwen.— Eis- iinii Kragen-Bären. afSS" Morgen nur eine Vorstellung, abends 7'/. Ihr. Urania. Taubenstrasse 48/49. üm 8 Uhr im Theater; An den Seen Ober-Italiens. Um 4 Uhr im Theater: M der Zugspitze m Watzmann. (Kleine Preise.) Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. CASTANS PANOPTICUM Priedrichstr. 165. Jndianer-jtiese Die zusammengewachsenen Lebend. Schwestern! lebend. Boeren-Rtese ehemal. Leibsoldat des Präsidenten Paul Krüger von Transvaal. Kleines Theater. Unter den Uinden 44. Biachiasyl. Anfang 8 Uhr. Sonntag: Elehtra. Heute Sonnabend: Bmlilaiii Miesieii! Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Leone gesetzt vom Direktor Bichard Schultz. Im 4. Bilde: Grosse« Kallett Wie damals im Monat Mai. Anfang 8 Uhr. Sonntag, den 22. November er.: Einmalige Aufführung von Mein Leopold. Volksstück mit Gesang in 4 Akten von Adolf L'Arronge. Weigelt: Emil Thomas a. G. Zum 84. Male Theater &7Kdpnitker5tr.68. JebcrnpjjenTgich" Anfang flUhr. flLT-£HlNI\ Kunst-Ausstellung LapziKR- STR�seta Täglich geöffnet 10-8. Untre« 1 M., Sonntag 50 Pf. Reichs hallen Stettincr Sänger. Camino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. V!t s Uhr: Kerl. Uachtasyt. 8'/- Uhr: Verch- Woliff. Gastspiel Kapit. Martens. b'/z uhr: Alotsl Zlüngeduselt. ResidkltMhtllter Direktion S. Lauteuburg. Ansang 7't. Uhr. Das grosse Geheimnis. Lustspiel in 3 AktetTv. Pierre Wolff. Deutsch von Max Schönau. Morgen und solgende Tage: Die- selbe Vorstellung._ I tals M. Direktion: Robert Dill. Brannenstrasise 16. Heute wegen Privatsestlichkeit geschlossen. Sonntag zunt letztenmal: Wilhelm Tell. Ansang VI, Uhr._ Entree 30 Pf. Palast-Thealer Bnrgstr. frühe: Feen-Palast. s«. Größter Fattj-Echlg! Ins Hieksparadies und das Ideal-Programm. Morgen: Einmalige Aufführung: Wuttersegen. Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Entice 50 Ps. Montag nnd folgende Tage: Das Liebesparadies. Psssaxe-Theater Anfang Sonntags Z Übe, Wochentags S Uhr. Anfang der Abend- Vorstellung 8 Uhr. ?ertms die erste Exceutric- Tänzerin der Welt. Die Berliner Preise stellt sie ein- stimmig an die Spitze aller bisher in Berlin gesehenen Tänzerinnen. 14 gliinmide Nummem. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstrage 58. Sonnabend: Keine Vorstellung. Sonntag: Oer ßlöckner von Notre Dame. FröbeP Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Friibel. Gexäing-Vereln„i.aetitia". Montag, den 23. November: Gastspiel des Bühnen-Berbandes Goethe-Ensemble SS: Die Haitbenlrrche. Sd)auspicl von Wildcnbruch. Dienstag, den 24. November: Gastspiel des Märkischen Städte- bimd-Thenters: Charleys Tante vom Zldols Ernst-Theater. Anfang H Uhr.(futree 30 Pf. Königstadt-Xasino Holzmarktitr. 72, Ecke ZUeranderstraffe. Täglich: Vranv! Sobnnskl, Geschw. Lehmann, C.Groth, I.Durand, La Traviata, Lesardo and Trepp. Zum Schluft: Ein Goldsnchs. _ IX. Berliner Saison. CirhnsSuseh. Sonnabend, den 21. November er., abends 7ffz Uhr: Die neueste Sensation Berlins: AUr. Ntelalr im Teufelsrad. M Miininers Todessprung durch den ganzen Cirkus und über cine Herde Elefanten. »«bat:::»«bat::: Erstes Auftreten des Herrn UM S«" als«cbnlccltci-, Schüler des berühmten.Janic« Villi«. Nur noch kurze Zeit Austreten d°r Miß Heiiiif, Löwentat Berliner Winterfreudeu Humorist. Manege-Schaustück. Sonntag, den 22.: Nur eine Vorstellung, abends 7'/, Uhr. f§STI»S8 01iel. Kotibuser Thor— Stat. der Hochbahn. Sonntag, Montag und Donnerstag: HofTmanns Hopitetsclie Singer. Nach jeder Soiree: Tansilccuniscllcn. Sonntag, 22. November, (Totensonntag): _ Zum zweitenmal: Der Leiermann unil sein Fflegekinil. Volksstück mit Gesang in 5 Zlkten von Charlotte Birch-Pseiffer. Lienen Programm: Saliaret australische Tänzerin. Emil Sondermann Humorist vom Central-Theater Berlin. Lucio Krall Bravoursängerin. Ida Füller in ihrer elektr. Sensat. „Feuer und Wind". Urban! u. Sohn Gymnastiker. Lamborg Klavierhumorist. Little Fred Hunde-Dresseur. Les Agoust's Humorist. Jongleure. Hadj Abdullah Ärab. Gymnastiker. Eggor Rieser Tyrol. Gesangstruppe. 0. K. Sato Komischer Jongleur. „Pariser Luft" Ballet. Der Biograph. XSosef fischer� Brombergerstraße 19/20 KönigL Ostbabnhos. Preise ab Platz,: Bruch-Briguetts nur.. 65 Ps. p. Ctr. Halbsteine la.... 70,, Senstenberger Briguetts 6+7 Zoll.... 75,, Senstenberger, Henkels Werke 6+7 Zoll. 85„ Bei Abnahme von 10 Ctr. 5 Pf. weiriger. 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Bernhard, 3. Hutmachermeister P. Lucht, als Vertrauensmänner der Arbeit- gcber, 4. Tischler R. Ahrcns, 5. Former 8L Karsten, als Vertrauensmänner der Arbeit- nehmcr, »ach zuvor erfolgter Anrufung durch beide Teile ein Vergleich nachstehenden Wortlauts zwischen den unterzeichneten Parteien abgcichlosscn worden, welcher gemätz§ 76 des Orts- statuls für das Gewcrbegericht der Stadt Berlin vom 1602 hiermit öffentlich bekannt gemacht wird. 1. Die tägliche Arbeitszeit beträgt 0 Stunden. Ueberstundcn dürfen nur im äutzcrsten Notsall gemacht werden und lind dann mit 25 Proz.»Ausschlag zum Lohn zu bezahlen. Es ist nicht gestattet, Uebcr- stunden machen zu lassen, sobald noch die Möglichkeit besteht, neue Arbcitcr einzustcllen. 2. Der Mindcstvcrdienst beträgt für den Gürtler pro Stunde 5V»Ps., für den Drücker pro Stunde 60»Ps. Dieser mutz, gleichviel ob in Lohn oder Accord gearbeitet wird, unter allen Umständen erreicht werden. Der Arbeitgeber braucht den neu eintretenden»Arbeitern bei'Accord- arbeit während der ersten 14 Tage den Mindcswerdienst nicht zu zahlen, wenn derselbe in der genannten Zeit von diesen»Arbeitern nicht erreicht wird. Bei Arbeiten autzerhalb der Werk- statt bezw. der Fabrik wird den Gürtlern ein Zuschlag von 10 Ps. pro Stunde gewährt. Gürtler und Drücker erhalten im ersten Jahre nach vollendeter Lehr- zeit einen Stundenlohn von 45 bezw. 55 Ps. Die Festsetzung dcS»Arbeitslohnes für durch»Alter, Invalidität und Un- fall mindertcistungssähige Arbcitcr untcrlicgt der srcien»Pcrcinbarung der»Arbeitgeber und»Arbeiter. Ebenso unterliegt die Lohnfcftsetzung der freien Vereinbarung, soweit in Frage komme» jugendliche»Arbeiter bis zum 18. Lebensjahre, welche beim Polieren beschäftigt werden. 3. Den Drücken, sind an Werk- zeugen zu liefern: Holzröhren, Holz- meitzel, Stichstahl, Umlcgezange, Oel- stein und bei der Bearbeitung von Eisenblech das gesamte hierzu nötige Werkzeug. 4. Bei eintretendem Arllcitsmanqcl mutz, bevor Entlassungeu vorgenom« men werden, die»Arbeitszeit möglichst bis aus sechs Stunden pro Tag verkürzt werden. 5. Die Lohnzahlung mutz späte- stcnS mit»Beendigung der»Arbeitszeit beginnen, lvidrigensalls ist dem Ar- bester die Wartezeit seinem Lohn entsprechend zu vergüten. 6. Es ist für die»Arbeiter Wasch- gclcgenhcit in genügender Weise zu gewähren. 7. Die Reinigung der Bänke hat innerhalb der»Arbeitszeit zu gc- schchen. 8. Sollten in einzelnen Werkstätten bezw. Fabriken bessere Lohn- und »Arbeitsbedingungen, als in diesem Vertrage festgelegt sind, bestehen, so gelten dieie auch sür die Zukunft weiter uns werden von dem vorstehenden Vergleiche in incr Weise berührt. 0. Es ist eine paritätische Hlichiungs« kommissionzur»PcrmeiduiwonStrcikS und»Aussperrungen zu Iben. Ein Sitz in der Kommission wird dem Gcwertvcrein der deutscheivlaschinen- bau- und Metallarbeiter»geräumt. Die Kommission hat zu btchen aus g»Arbeitgebern und 9»Arbtnchmcrn, welche berechtigt find, sicheinen un« parteiischen Vorsitzenden wählen. Die»Parteien haben pä Recht, gegen Beschlüsse bezw. Entscidungen der Komniission innerhalb cht Tagen nach Erlatz der Bcschlüsseisw. das Einigungsamt anzuruien.>ie Kon,« Mission soll verpflichtet in. vom Ollober an sür dicjenigeiArbeitcr, welche autzer den Drück» und Gürtlern von den vertragscietzenden »Arbeitgebern beschäftigt werm, eine» Taris-Vertrag zu entwcrscnDcrselbc ist alsdann den in»Betracht knmenden »Arbeitern und Arbeitgeber- zur Ge« nehmigung vorzulegen undsobald er genehmigt ist, auf dem Gembegericht von Vertretern der»Parten proto« kollarisch zu sanktionieren, ollte eine Einigung der»Arbeiter u» Arbeit- geber nicht erzielt werden, shaben die Parteien unverzüglich das tnigmigs« amt des GewerbegerichtS nzurufen. Das EinigungSamt soll möglichst in derselben Besetzung fingiren und eventuell durch SchrdSsspuch den Tarisvertrag sestsetzer Im übrigen soll üe Sdlichwngs- kommisfion vor Alans des vorstehenden»Vergleich und deS dem- nächst zu schlietzent» Vertrages neue Vertragsentwürfe für die Parteien vorbereiten. Falls Einigungnicht herbeigesührt wird, verpflichten sich die»Parteien, iviederum das(nigungsaint anzu» rufen. 10. Matzregelugen aus?lnlatz der Lohnbewegung lr»Arbeiter dürfen nicht stattfinden. 11. Der vorshende Vertrag tritt mit dem heutdn Tage in Kraft und hatGültigkebiS zum 1. September 1905. Wird d- Vertrag nicht vier Wochen vor ferm»Ablauf gekündigt. so läuft er miterselben Kündigungs- srist stets ein Ar weiter. 12. Es steht en bisher dem Ver- trage nicht beiäretenen»Arbeitgebern frei, noch nachäglich dem»Vertrage ihre Zuststnmry zu erteilen und sich dadurch der larisgemeinschast an» zuschließen. v. g. u. gez. v. Schulz E Bernhard. Paul Lucht. RoberAhrens.»A. Körften. Als»Arbc-geber-'Bertreter von 4 Firmen: gez. R. Schubt. W. Jaffc. Philipp Funck. Fr. llapiwotzki. Leopold Kaufmann, itzcl u. Lindcmanu. Emmech u. Schöning. Als Arbeiwlimer-'Bertreter: gez. A. Striclt(Vertreter des GcwerkvereinserdeutschcnMaschinen» bau- un Metallarbeiter). gez. Adolf Cohr(Bevollmächtigter des Deutschen Mctlarbeitcr-'VerbandeS). gez. Otto Hapel. Martin Vogel. Bruno Fiedler Mar Fallnich. Mar» Fallnich. M« Bchrend. OSkar SchmilewSki. erm. Henning. Otto Gerling. Vorstehenden Tarifverträge find bis zu der am 2. d. MtS. in einer »Versammlung ir streikenden Metall- arbciter bcschlwncn Aushebung deS Streiks, so wt uns bekannt ge- worden ist, nocholgcndc sechs Firmen beigetreten: L. Krebs JubS Stoof Nachsolgcr, Robert Medcn. Co., A. M. Schulz, Gebrüder Engcllrdt, Hermann Klinke u. Co..»A. Bläsig u.«ohn. Berlin, den 1 November 1903. Der»Vorfitzende!s Einigungs-»AmteS. _ gez. m Schulz._ »Allen Genossen, Freunden und Bekannten bringe icin in Treptow, Neue Krugsillee 59 (5 Minuten von der Endstation der �.iemei-Bahn) gelegenes und neu renoviertes Familen-Ziestanrant �1=„NEU» TIVOLI4- zur freundlichen Erinnerung. Vit» Prenss. 32586 Strassenschilder au< 10 Meter - Entfernung zu ertenntn ist ffle bat normale Aug» eine Kleinigkeit. dm Kurz- sichtigen ist es möglick,,�?» dm» pasieude oumec lorriglerl swv. 2?acl>u>äl»ltktd anacprobi««ritte» UNO»icnnner erhält nan zu sehr „aniaia lol-den Preisen iu dem allbekannten iBtltut fttr »'ray.tHjoii»-0[>ttk von Carl BnttendorS, Berlin N., Weinbergsreg 15b, 6. ifaben vom Bonenthaler Tor. Bitte oenau auf Haus i5b».»«»den vom Rosenth. Sr zu achten. Nickel-Brillen u. K'.emmcrl zsbs(.. von M. 50— 4.00 Doubl«...\yj* Gold j gfsg 150—13.00 ÖO— 40.00 �ür a.chers,alb Wolincndc: ZI°Mum-e.dgbammend„ wrweii,»temincr. Ferugigser zc. iosicnios. Berantwortl.»Redakteur: Julius ttaliSti in»Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Dh. Glocke in»Berlin.»Druck u.»Verlag:»Vorwärts Buchdruckcrei und»Lerlagsanjtalt»Paul Singer te Co.,»Berlin 6 IV. Nr. 272. 20. Jahrgang. 3. KriiU des Jotroirb" Itrlintt AMlM. Sonnabend, 21. November 190Z. Ukeater. Theater des Westens.„Peer Gyn t." Dramatisches Gedicht bou Jbse n. Aufführung der Lessing-Gescllschast.— Auf den nordischen Bühnen ist„Peer Gynt" häufig und mit großem Erfolge gespielt, in der Fremde aber— das Experiment der Lessing- Gesellschaft bestätigte nnr, was man von vornherein annehmen mußte— wird das Drama schwerlich jemals das Theater sich er- obern. Der Glanz und Wohllaut der Verse, der nach dem Urteil landsmännischer Kritik, in diesem Schauspiel so bestrickend ist, kann durch keine noch so feinfühlige Uebertragung in adäquater Weise nach- gebildet werden; das spccifisch Nationale, das norwegische Kolorit in den Sagen und den Anspielungen weckt, losgetrennt von dem heimischen Boden, keinen lebendigen Nachhall und vor allem, es fehlt der Dichtung die klare Fassung des großen menschlichen Problems, die Wucht und Einheit, die Ibsen in seinem„Brand" erreicht. Beide Werke sind unmittelbar hintereinander entstanden, 1866 erschien „Brand", im folgenden Jahre„Peer Gynt". In beiden ringt dieLebens- auffassung Ibsens, mit voller Schärfe ihren Gegensatz zum Zeitgeist wie zum Volksgeist hervorkehrend, noch ungebunden durch das streben naturalistisch treuer Reproduktion nach größzügig symbolistischer Gestaltung. Insofern nennt man dieses Dramcnpaar mit Recht zu- sammelt. Doch die Art der Symbolik ist grundverschieden. Im „Brand" ist alles straff und konzentriert, aus sich heraus baut die Idee den Körper. In inachtvoll bis zum Schluß sich steigernden Bildern lebt der Konflikt sich aus, es klingt das„Alles oder nichts" in jeder Scene durch. Auch der„Peer Gynt" hat solch ein Leitwort, den höhnischen Spruch, den der verirrte Held beint Spukvolke der Trolle vernimmt:„Sei Dir selbst genug". Dieser Geist des von jedem Höheren, von Liebe und Treue sich loslösenden im Grunde phantastischen Egoismus ist das flackernde Irrlicht, dem Peer in seinem Leben folgt, bis endlich die verzeihende, selbst- los-reine Liebe Solveigs den finsteren Bann verscheucht Aber dies cinheitgebcnde Motiv ist eigentlich nur für die nach- l täglich daS Ganze überblickende und es konstruierende Reflektion vorhanden, nicht als fruchtbar lebendiges Princip der Dichtung, auS dem heraus unmittelbar überzeugend, den Sinn des Hörers zwingend, daS Einzelne gestaltet wäre. Die Handlung löst sich in der zlveiten Hälfte des Stückes in ein tumultuarisches Gewühl von Abenteuern, die poetisch gestaltende Symbolik in ein willkürliches und skizzenhaft abstraktes Allegori- siereit auf. Prächtig ist die Gestalt dcS jungen phantastisch flunkernden hitzigen Norweger Bauernburschen in den ersten Akten gezeichnet— eine" Meisterleistung voller Saft und Kraft, die als satirische Person!- sizierung eines Bolksgeistes, wie Brandes richtig bemerkt, dem besten, was die Weltlitteratur in diesem Sinne geschaffen, sich zur Seite stellt. Peers Lügen haben nichts Krummes. Schleichend-Verlegenes, sie strömen und brausen aus einem urwüchsigen. unbäitdigeii. frischen March engeist hervor. Es ist eine Lust, ihm zuzuhören, wenn er der scheltenden Mutter von seiner wilden Jagd aus dem Rücken eines Zauberbockes über den Berggrat hin und von dem Sprung in die gewalttge Tiefe erzählt. Keine Frage macht ihn verlegen, blitzschnell arbeitet die Einbildungskrast. und einmal im Inge be- rauscht er sich an seinen Worten, glaubt er sich selbst. Wirklichkeit und Traum verwischen sich in eins. Mit geflicktem Rock am Boden liegend, sieht er sich als Kaiser; und wie er von der reichen Ingrid Hochzeit hört, stürmt er hinweg, das Mädchen mitten aus dem Kreis der Gäste zu entführen. DaS Wunderbarste, Schönste ist die Scene an dem Bett der sterbenden Mutter, da bricht rührend die kindliche Liebe in dem leichtsinnigen Schwärmer hervor. Aber sofort reißt ihn auch hier die übermiittge Phantasie wieder ins Weite, Ilnbestiutmte fort. Er plaudert, die Kranke aufzuheitern, von einer Schlittenfahrt; und vergessen ist mit eins das Kranken- Bett; sich ans die Lehne setzend, wirst er eine Schnur um den Stuhl und schwingt einen Stecken als Peitsche:„Hü Rappe! Spute Dich, Mähre— sag', Mutter, frierst Du auch nicht?" Und nun hört er und sie, von feinen Worten mitgerissen, den Wind in den Tannen rauschen, sie sehen daS Flimmern des Schnees, und in sausender Geisterfahrt geht's aufwärts bis zum Himmelsschloß, wo Sankt Peter die Wache hält. Peer wendet sich— die Mutter ist tot. Ein kurzer inniger Dank, ein Kuß auf die starren Lippen, und er eilt in die Ferne.— Ingrid, die Entführte, hat er, von Sehn- sucht nach der Reinheit SolvcigS ergriffen, verlassen und neue größere Schuld auf sich gehäuft, da er, im Gebirge streifend, dem Lockruf der Säterinnen und der Tochter des Dovrealten folgte, die ihn zum Kaiser in dem Reich der Trolle zil machen verspricht. Die Scene in der Höhle der Berggeister erinnert in ihrem derben Spuk an die Faustsche Hexenküche. Peer schlürft den ekelhasten Trunk, den ihm die Trolle bieten, hört ihren Spruch, aber im letzten Augenblick, als ihm, damit er völlig einer der Ihren werde, sein Menscheuauge durchbohrt werden soll, rettet ihn ein Zauber, der Klang der Kirchen- glocken, der in die Gruft hinuntertönt. Als Solveig ihn im Walde aufsucht, jagt ihn die Erinnerung seiner Sünde und die Drohung der Trolle von ihr hinweg. Im vierten Aufzug aber ist Peer Gynt als Individuum ver- schwunden. Peer Gynt wird hier zum Namen aller aufgeblasenen Menschenthorheit, die der Dichter in hastigem Maskenspiel an uns vorüberhuschen läßt. Eine Art von Einheit existiert höchstens in- sofern, als in allen Verwandlungen jener Zug des prahlerisch Phantastischen wiederkehrt. Wir sehen Peer als cynischen, durch Negerhandel reichgewordcnen Nabob an der afrikanischen Küste, wo er einer internationalen Tischgesellschaft seine Grundsätze vorttägt. Er lacht über das Freiheitsgerede, hinter dem die andern ihren Egoismus verstecken. Die lieben Freunde fliehen mit seinem Gelde, doch die Dampffacht, die sie fortträgt, explodiert, als Peer, auf seine Verdienste um die Gottheit pochend, im Gebet rächende Strafe auf die Räuber herabfleht. Aus dem Dollarkönig wird im Handumdrehen ein afrikanischer Kaiser und Prophet, den ein schönes Haremsmädchen um alle Schätze prellt, und der Prophet schlägt lvieder um in einen schwindelnden Kulturprojektenntacher und Universal-Gelehrsamkeitsschwärmcr, der schließlich in das Irrenhaus, in dem Professor Begriffcnfeld, der Mann der„absoluten Vernunft", den Borsitz führt, hinein gerät. Auch der Schlußakt ist von diesem aphoristisch Schillernden nicht frei. Ein alter Mann, weißhaarig, steuert Peer dem Vaterlande zu. Beim Schiffbruch stürzt er, um sich selbst zu retten, den Reise- genossen von der Planke ins Meer. Aber wie er den Heimatboden betritt, drängt Reue auf ihn ein. Knäuel rollen vor seinen Blicken und Geistcrstiinmen klingen daraus: Wir sind die Gedanken, die du hättest denken, Ivir sind die Thaten, die du hättest thun sollen> Ein mystischer Knopfgießer, ein subalterner Teufel, der die für die Hölle zu leicht befundenen llebelthäker in seinem Löffel um- schmilzt, tritt ihm an jedent Kreuzlveg drohend entgegen. Da in der tiefsten Verzweiflung erscheint ihm Solveig. Demütig stürzt er vor ihr, die durch ihn am tiefsten gelitten, nieder:„Hier ist ein Sünder! Dein Urteil— sprich's aus." Sie aber streicht nur mit linder Hand ihm über die Haare.„In ihrem Glauben, in ihrem Hoffen und Lieben" hat das Gute, das auch in ihn hineingepflanzt war, fortgelebt, von ihr her wird es zurückflutend nun ihn, den Sünder reinigen. In einem wunderschönen Liebe Solveigs:„Ich wiege Dich und wache, schlaf und träume lieber Junge mein", klingt die seltsam verschlungene Dichtung ans. Bei der Aufführung, die natürlich ohne sehr bedeutende Streichungen nicht möglich war, trat das Sprunghafte notwendig noch stärker als bei der Lektüre hervor. Das Publikum folgte den Scenen mit ehrfurchtsvoller Verdutztheit. Aus der freilich arg kümmerlichen Jnscenierung und einzelnen Mängeln des Spiels läßt sich der Mangel an Wirkung— allein die stimmungsvolle Musik Griegs fand wirklichen Beifall— nur zum Teil erklären. Auch die glänzendste Vorstellung auf einem deutschen Theater würde die in dem Drama selbst liegenden Hemmungsmomente kaum haben überwinden können, llebrigenö ivar hier die Hauptrolle durch Winter- stein sehr gut besetzt. Die überschäumende Phantasiekraft, das Frisch-Verwegene und LiebenSwürdig-Kindliche in dem jungen Peer gelang ihm ausgezeichnet.—" dt. Im Central- Theater wurde am Donnerstag„Der Rastel» Binder", Operette in einem Vorspiel und ztvei Akten, zum ersten- mal gegeben. Der Text ist von Victor Lvon, die Musik von Franz Lehär. Die Operette hat gefallen. Kunst- lerischer Wert, soweit man überhaupt von einem solchen sprechen kann, liegt nur im Prolog, der auch ganz vorzüglich gespielt und gesungen wurde. Der Mittelpunkt der ganzen Handlung— im Vorspiel in einein slovakischen Dorf— sind der Jude Wolf Bär Pfefferkorn und zwei Rastelbinderkindcr, die der Sitte des Dorfes gemäß in Kinderjahren, bevor die Rastelbinderbubcn auf die Wander- schaft gehen, verlobt werden. Ganz überraschend gut durch Sing- talent und Intelligenz des Spieles ivirkten die Vertreter der beiden Kinderrollen im Prolog: Hansi Hanke als Suza und Annie von Babos als Pflegekind Jankn; bei dieser sei die prächtige Schulung der Stinmte, an deren Ansgeglichenheit der einzelnen Lagen manche erwachsene Künstlerin ein Beispiel nehmen könnte, hervorgehoben.— Der erste Akt der Operette spielt in einem Speuglerladen"Wiens nach zwölf Jahren. Jaitku, der kleine Rastelbinderbub ist in diesem Laden Spengler und findet hier in der Tochter des Ladenbesitzers, der durch Herrn Ander in humorpoll-satirischcr Weise dargc- stellt wurde, seine Liebste. Ebenso hat seine früh Verlobte ihr Herz an jemand andern verloren. Die Wirrnisse lösen sich natürlich wie in jeder Operette zum Glück aller. Mta Werber spielte im ersten Akt die Suza und Karl Schulz den Janku in gewohnter flotter, tentpera- mcntvoller Art. Herr Eduard Steinberge'r war als Jude Pfefferkorn löstlich und brachte alle psychologischen Nuancen des jüdischen Cha- ratters gut heraus. Es wehte ein frischer Zug von der Bühne und vom Kapellmeister her, man fühlte, daß alle Darsteller ganz bei der Sache wyreit. Wer sich an graziöser, gefälliger, ntelodiettreicher Musik erfreuen will, wird gewiß sein Vergnügen an dem„Rastelbinder" haben. Von einer gesätttgieit, d. h. instruntentalreicheit Mnsik ist keine Rede.— c. o. Singer Nähmaschinen. Einfache Handhabiliig! Große Haltbarkeit! 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MM" Bitte genau auf 107 zu achten! Verkauf 9— 1 und VaS— 9.— Viesen Sonntag 8— 10, 12—2. 83375 nserate für die nächste Unmmer müssen bis 3 Inserate bitten wir vorher anzumelden U.Ziehling S�Ksasse 209. Kgl. Preuk- Lotterie. IN P0"' 20- SloticmCcc 1903, uormittaa«. Kmt die»emiimc»der 240!»if. Rnb den telreffent« äwwmeru in Slammeni bei>ielilzt. . fCIjne Gewähr.) Nachdruck»crdolen, öi 5ia 614 737 8SU 1500] 917 4312 400 «mio nrf�r7.� UU,J01 m t>2 07 5U5U 473 80 x85 SI5 J012 59 riqooi 200 320 401 930 7018 llUUOI m 51?) 611 721 98 1 500] 851 963 67 8205 96 354 5li 737 804 ii» 2,3 338 430 507 58 58 UüUOj 756 350 75 104.);') ßl Ufifi 79ö flno oc ror�i____ Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. � «2? 78 n'i00?2. 83 3u'7' dV 7 18 54 80*877 921 ,8.ick4105 518 riOOO|_U5ü 302 1500) 20592 691 k IM o-:? SJ'onrv,10' 343 03.10 32 76 953 6 13äM 80 327 bl 457 607 37 839 63 67 71 960 §?! 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