Kr. 373. RtonwmcntS'Be dingungen: «bonnemcntZ> Swiä pränumerando: Siedeljä�rl. 3,3» SOB., monatL 1,10 MI,. wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummei niil illustrierter Sonntags- Beilage»Die Reue Well" 10 Pfg, Post- Abonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste fiir I»«» unter Nr.«SO». Unter Kreuzband für Deutschland und vesterreich- Ungarn r Marl, für daS übrige«usian» I Marl pro Monat, «cht!»» täglich außer Montag». 30. Jahrge Vevlinev Volksbletkk. v>e InlerNonz-Ledilh? beträgt für die sechsgespaltene Kolonef- geile oder deren Raum 40 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersammIungS-Anzsigen 20 Pfg. „KUint Hnicigtn" jedes Wort 6 Pfg. (nur das erste Wort fett), Inserate für die nächste Nummer müssen bis b Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen Ks 8 Uhr vormstttags geöffnet. Tetegramm-ktoreffe: „Sodaldtnokrat BmIIb". Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. l�eclaktian: SÄl. 68» l-inäens�rasse 69. Kernsprecher: Amt IV, Sit. 1983. 6xpecHtiom SM. 68, Lindenetraeee 69. Fernsprecher: Amt IV- Nr. 1984. Austlarungs- Wahl! Zwischen Bußtag und Totensonntag hat sich die preußische Reaktion wiederum bestätigt. Die Toten regieren weiter, daß alle Nasen es büßen müssen. Wenn's keine Verfassung in Preußen gäbe oder auch nur das Herrenhaus der geborenen und kommandierten Gesetzgeber existierte, es würde nicht anders sein. Preußen ist ein perfassungsloser Staat oder schlimmer noch: ein Staat, in dem eine irre Scheinverfassung für die Herrschast des dynastisch- junkerliche klerikalen Dreibundes die Massen verantwortlich zu machen sucht, die nur deshalb ihre Stimmen abgeben dürfen, weil man sicher ist, sie zu überstimmen. Die Vertretung der Gutsbezirke, Kirche, Majorate und feudalen Bureaukratie, die sich preußisches Abgeordnetenhaus nennt, geht nur unwesentlich verändert ails der Wahlposse hervor. Die um Kröcher find ein wenig stärker geworden, die um Eugen Richter ein wenig schwächer, aber das ist ja unter Kameraden ganz egal, wenn Herr Kröcher auch wohl in der kommenden Session Herrn Kopsch, den Atlas des unentwegten Freisinns, nicht gerade lieben wird. Und die Parlamentarier der alleinseligmachenden Kirche werden auch künftig ihren Segen zu allem geben, was rückständig und kulturhemmend ist. Kein socialdemokratischer Ketzer aber wird in dem hohen Hause den Gottesfrieden durch die Lästerung stören, daß die Erde sich dennoch um die Sonne drehe. Dennoch sind diese Wahlen nicht vergebens gewesen. In die Novembernebel zwischen Bußtag und Totensonntag wehte der stische Hauch des Lebens, der im Proletariat zur Freiheit drängt. Die Socialdemokratie hat Aufklärungswahlen geleistet, auf die sie stolz sein kann. Die mühevolle Arbeit, die schweren Opfer waren nicht verloren. Es war eine Heerschau über die discipliniertesten, zuverlässigsten und politisch reifsten Truppen, über die die Social- demokratie verfiigt. Sie hat sich selbst darüber aufgeklärt, was sie selbst gegenüber einer uneinnehmbaren Beste des Unsinns und der finsteren Gewalt auszurichten vermöchte. So wurde dem Drei- ,nillionen-Sieg vom 16. Juni eine wertvolle Ergänzung und Be- stätigung zu teil. Der wertvolle Ertrag dieser Wahlen beruht durchaus nicht zu- nächst in der Erfahrung, daß es uns gelungen ist, in einigen Kreisen aus eigner Kraft bis an die Schwelle des Sieges vorzu- dringen, so in Berlin Hl, Linden, auch Mona, auch nicht in der Erscheinung, daß in den Wahlkreisen, wo sich die Socialdemokratie schon stüher beteiligt hat, also das Terrain bereits kannte, über- raschende Fortschritte zeigte— die reiche Ernte der schweren Arbeit liegt vielmehr in dem Gewinn der Aufklärung, in der Stärkung des Bewußtseins für die ganze Schmach des preußischen Elends. Die Wahlagitation konnte benutzt werden, um über die preußischen Zustände sachlich aufzuklären. Die Massen wurden in unmittel- barer Anschauung mit der ganzen Unerschöpflichkeit der preußischen Reaktton vertraut. Sie gewann Verständnis für die ungeheure Fülle der Kulturaufgaben, die in Preußen unmittelbar gelöst werden könnte und längst erfüllt sein müßten, und die doch noch vor dem ersten Anfang ihrer Lösung stehen. Die gesunden Lungen des Pro- letariats rebellierten gegen die beklemmende Katakombenlust dieses vorgeschichtlichen Preußenstaates, von dem immer noch gilt, was Karl Marx 1843 über die deutschen Zustände schrieb:»Sie stehen unter dem Niveau der Geschichte, sie sind unter aller Kritik, aber sie bleiben ein Gegenstand der Kritik, wie der Verbrecher, der unter dem Niveau der Humanität steht, ein Gegenstand des Scharfrichters bleibt. Mit ihnen im Kampf ist die Kritik keine Leidenschast des Kopfes, sie ist der Kopf der Leidenschast. Sie ist kein anatomisches Messer, sie ist eine Waffe. Ihr Gegenstand ist ihr Feind, den sie nicht widerlegen, sondern vernichten will. Denn der Geist jener Zustände ist widerlegt. An und für sich sind es keine denkwürdigen Objette, sondern ebenso verächtliche als verachtete Existenzen. Die Kritik... giebt sich nicht mehr als Selbstzweck, sondern nur noch als Mittel. Ihr wesentlicher Pathos ist die Indignation, ihre wesent- liche Arbeit die Denunziatton. Es gilt die Schilderung eines wechselseittgen dumpfen Druckes aller socialen Sphären aufeinander, einer allgemeinen, thatlosen Verstimmung, einer sich eben so sehr anerkennenden als verkennenden Beschränttheit, eingefaßt m den Rahmen eines Regierungssystems, welches, von der Konservatton aller Erbärmlichkeiten lebend, selbst nichts ist als die Erbärmlichkeit an der Regierung." Und Marx fügte hinzu:„Man mutz den wirklichen Druck noch drückender machen, indem man ihin das Bewußtsein des Drucks hinzufügt, die Schmach noch schmachvoller, indem man sie publiziert." Solche weltgeschichtliche Krittk gegen das Untergeschichtliche, solche Kritik im Handgemenge, aus dem Buch und dem Journal unmittelbar in die handelnde Wirklichkeit bordringend, leistete die Wahlagitatton. Man sah die Erbärmlichkeit an der Regierung— das Dreillassensystem. Und man versuchte es, um abermals mit dem jungen Marx zu reden, die„versteinerten Ver« Hältnisse dadurch zum Tanzen zu zwingen, daß man ihnen ihre eigene Melodie vorsang". Die Landtagswahlen bewährten sich aber auch als Schule für die Bewältigung einer schwierigen polittschen Technik. Fast spieleild errangen unste Genossen die Meisterschaft in der Be- herrschung des koniplizierteften Systems; sie, die Neulinge in dem Labyrinth der preußischen Politik, überragten an Kenntnis und schlagfertiger Anwendung die in der Paragraphenwirrnis ergrauten Beamten des staatlich konzessionierten und ergrauten privi- legierten Unsinns. Mit fröhlicher Energie fingen sie das tausend- köpfige GesetzeS-Monstrum in den Schlingen seiner eignen Gesetzlich- keit und zwangen es, sich selbst die tausend Hälse durchzuschneiden. So souverän beherrschten sie die Tücken und Kniffe eines Wahn- witzigen Systcins, daß sie in heiterer und erfindsamer Gelassenheit die Attion mit karikaturistischen Aandzeich- nungen schmückten; jede Gesetzesbestimmung pfiff sich ihr Spottlied, indem sie gezwungen wurde, sich zu sich selbst zu bekennen. Heute schimpft denn auch das gesamte leberkranke Philistertum, der Bossische und Mossesche und Eugeniale Freisinn voran, auf die un- erhörte Roheit der Socialdemokratte, die so gemütlos gewesen ist, selbst einem'lebendigen Landrat gegenüber die tragikomische Gesetzlichkeit des toten Systems zu verteidigen, auf dem doch alle„Siege" der vereinigten Reaktton beruhen. Endlich haben die Wahlen auch über das Parteiwesen endgültige Ausklärung gebracht. Sollten ettva noch irgendwo in der Social- demokratie Illusionen bestanden haben über die Eigenart unsrer liberalen Bourgeoisie, sie sind für immer zerstört worden. Als die Socialdemokratie sich entschloß, sich an den preußischen Lantttagswahlen zu beteiligen, wurde dagegen besonders eingewandt, daß eine schlunme, verwirrende Kompromissclei mit dem bürgerlichen Freisinn die Folge sein köintte. Keine Befürchtung war grundloser. Die erste» Wahlen bereits haben eine so schroffe Scheidung bewirkt, daß ein klarerer Sckulfall für die Wahrheit des Klassenkampfes gar nicht ersonnen werden kann, als er hier durch die Wirklichkeit geboten wurde. die Socialdemokratie ihren Wahlaufruf veröffentlichte, ging das Geklatsch durch die liberale Presse, das seien ja alles liberale Forderungen. Das war bis zu eineui gewissen Grade zu treffend. Aber trotzdem verhalfen die Liberalen lieber der Reaktion zum Sisge, als daß sie einem socialdemokratischen Ver Weier liberaler Forderungen in den Landtag halfen. Ein neuer. entscheidender Beweis, daß die Ideale nicht nur, sondern auch die be, scheidensten Gegenwartswünsche des Liberalismus nur noch von der Socialdemokratie ernsthaft vertreten werden. Es verlohnt sich nicht, auf das Gewäsch steisinniger Blätter einzugehen, daß die Social, demokratte durch ihre falsche und brutale Taktik dieReaktiongestärkthätte Das ist nur die ohnmächtige Verleumdung derer, die, obwohl sie bei den Reichstagswahlen 25 Sitze an die äußerste Reaktion verkaust hatten, bis zum letztzen Augenblicke hofften, die Socialdemokratte würde auch diesmal so verblendet gutmütig sein, den Leuten zu helfen, die sie verraten. Die Liberalen find jetzt nun auch darüber aufgeklärt, daß d i e Rechnung niemals mehr stimmen wird.„Die Socialdemokraten konnten schon aus Selbstachtung nicht anders handeln als sie eS gethan haben", bekennt die freisinnig-demokrattsche„Volks-Zeitung", eines der paar Blätter, die einsam bemüht sind, für wirklichen Liberalismus zu werben. Aber wir fügen hinzu: Auch die Freifinnigen konnten nicht anders handeln. Sie handelten aus dem Instinkt einer Klaffe, die weiß, daß sie meinals zur politischen Herrschast gelangen wird, und daß jeder Schritt, den sie zur Durchsetzung ihrer eignen Forderungen thun, nur den Sneg der Klasse beschleunigt, der die Zukunft gehört, Die deutsche Bourgeoisie bietet die Erscheinung einer Klasse, die zwischen der herrschenden Klasse der Vergangenheit und der herrschenden Klasse der Zukunft spurlos zerrieben wird, ohne jemals zur polittschen Macht gelangt zu sein. Die deutsche Bourgeoisie verrät daS Proletariat an das Junkertum, wotz aller Interessengegensätze zwischen dem mobilen und immobilen Kapital, zwischen der Welt deS Handels und der Jnduswie einerseits und dem Agrariertum andrerseits, weil sie keinen Schritt vorwärts gehen kann, ohne selbst zu stürzen. Der Liberalismus fördert die Herrschast des an sich ihm feindseligen Junkertums, weil er nicht liberal sein kann und sein will. Der Liberalismus will kein gerechtes Wahlsystem, denn jede Reform dient dem Proletariat. Er will selbst keine Schulverbesserung, denn gute Schulen zeugen Socialdemokraten. Er will keine liberale Kultur, denn sie zerstört in unentrinnbarer Konsequenz ihre eignen Träger. Der Liberalismus unterstützt die Reaktton, weil er von ihren Gnaden sein Dasein fristet. Er darf nicht wagen, sich elbst durchzusetzen, weil er darüber zu Grunde gehen würde. Der Freisinn ist nur noch dazu fähig, fteisinnige Forderungen zu heucheln und ihre Erfüllung zu verhindern. Er fürchtet nichts so sehr, wie zu siegen; die äußerste Reaktton erscheint ihm als kleineres Uebel auch sich selbst gegenüber. So konnte es nicht anders kommen, als es gekornnten ist. An der Socialdemokratte ist es, die ganze Arbeit zu übernehmen, die seit einem halben Jahrhundert liegen geblieben ist. Die russisch- borussische Justiz- Aktion. Man schreibt uns aus Königsberg: Sag' mir, Frage: Freund, wann erscheint sie, die Prachtausgabe von Deutschland? Subskribierten doch schon unsre Väter darauf; Lang ist's unter der Preff' im Notenverlage zu Frankfurt Aber ich wünschte, die Herrn gäben es endlich heraus I Antwort: Sst!— sie erscheint— doch erst in russische Juchten gebunden: Also bekommen's dereinst unsre Kinder beschert. Mit diesen stachlichen Distichen hat Georg Herwegh 1843 im zweiten Bande seiner„Gedichte eines Lebendigen' die russisch- boy.sstsche Verbrüderung und die damals drohende Ruffifizierung Deutschlands gegeißelt. Jetzt endlich, nach 60 Jahren, scheint das prophettsche Wort bittere Wahrheit zu werden. Das Versagen der deutschen Diplomatte im Falle der Frau Kugel, die Aus- lieferung russischer Studenten an die zarische Regierung, der Prozeß Popoff(Schekoldin) haben eine erstaunliche Nachgiebigkeit unsrer Re- gierung gegenübermoskowitischenPolizeigelüsten gezeigt. Dicgepanzerte •) Dem Frankfurter Bundestage. Faust deS Deutschen Reiches, die bei den geringsten Anläffen auf Haiti, Venezuela und andre exotische Kleinstaaten grimmig drein- schlug, verwandelt sich, sobald der russische Bär unzustieden brummt, in ein zartes, sammetenes Schmeichelpfötchen, um ihn begüttgend zu streicheln und ihm sanstnachgiebig Honig umS breite Maul zu schmieren. Aber so beglückt durste Väterchen bisher doch noch nie frohlocken wie aus Anlaß deS Falles Braun und Genossen; soweit haben sich die prelißisch-deutschen Rcgiernngskreise selbst zur Zeit der schwärzesten Reaktton doch noch nicht von seinen schlauen Diplomaten verleiten lassen. Die llnhaltbarkeit des gegen Genossen Braun und seine„Mitschuldigen" eingeleiteten Strafverfahrens haben Sie Ihren Lesern vom juristischen Standpunkte aus schon dargethan. Aber diese Justizaktion ist so charakteristisch für die VerwaltungS- und RcchtSzustäude Preußens und für die Erbsünde seiner Russen- knechtschaft, daß sie auch vom historisch- politischen Standpunkte aus eine eingehendere Würdigung verdient. Es ist in unsrer Presse schon konstatiert worden, daß kein einziger der auf Grund des Socialistengesctzes eingeleiteten Tendenzprozesse so kratz wie dieser Fall gelegen hat. Immer hat es sich hier um Verbreitung in Deutschland verbotener Schriften, um Geheimbündelei oder Hochverrat gegen eine deutsche Regierung gehandelt. Unrecht zu leiden für's Vaterland ist gewiß nicht süß, aber wie bitter ist es, unschuldig in deutschen Gefängnissen zu schmachten für den fremden Despoten, den weißen Zaren I Will man die Königsberger Justtzaktton in ihrer ganzen historischen Bedeutung erfassen, so mutz man weit hinter die Zeit des Socialistengesetzes, in die finsterste Aera der preußischen Reaktton und Konterrevolution zurückgehen. Dieser Geheimbunds- und Hoch- verratsprozeß ist das bis dato letzte Ereignis in der traurigen Geschichte der preußisch-russischen Geheimbündelei und ihres fort- laufenden Hochverrats gegen die westeuropäische Kultur und die bürgerliche Freiheit. Nur in diesem großen Zusammenhange kann er ganz verstanden werden. Der rufsisch-borussische Freundschaftsbund, der für die innere Entwicklung Europas und besonders Deutschlands so verhängnisvoll geworden ist, verdankt seine Begründung den Befreiungskriegen gegen Napoleon X „Und die Moskowiterhorden Haben uns das Heil gebracht, Sind mit uns verbündet worden In der deutschen Freiheitsschlacht"— sang ingrimmig Hoffmann von Fallersleben. Zur Austechterhaltung der Beschlüsse des Wiener Kongresses, zum Schutze der„Legitimität" und zur Unterdrückung aller revoluttonären Bewegungen wurde unter dem Einflüsse des Zaren Alexander I. die„ Heilige Allianz" gestiftet, deren Kem die drei Ostmächte Rußland. Oestreich und Preußen bildeten. Nachdem sie auf den Kongressen zu Troppau<1820), Laibach<1821) und Verona <1822) an der Unterdrückung der Revolutionen in den romanischen Ländern gearbeitet hatte, wandte sie ihre patriarchalische Fürsorge späterhin vornehmlich Deutschland zu. Wie ein Alp hat dieser un- selige Fürstenbund jahrzehntelang auf Deutschland gelastet, alle freiheitlichen Bewegungen im Keime unterdrückend, alle Anfänge eines öffentlichen Lebens niederhaltend. Seinem Geiste entstammen die Karlsbader Beschlüsse von 1319, die die furchtbare Aera der Demagogenverfolgungen einleiteten, die Bundesratsbeschlüsse von 1832, die alle politischen Verbindungen verboten, die geheimen Be- schlüsse der Wiener Ministerkonferenzen von 1834, die den Polizeidruck ins Unerträgliche steigerten. Es ist der größte Schand- fleck in der Geschichte Preußens, daß eS in dieser Zeit seine innere Polittk ganz nach dem Wunsche des Zaren einrichtete. Besonders nachdem 182S der beschränkte Despot Nikolaus X den russischen Thron bestiegen hatte, stieg die preußisch-russische Freundschaft und damit der moSkowitische Einfluß auf die deutsche Politik ins Un- gemessene. Sich als„Hort der göttlichen Ordnung" fühlend, hielt er sich berufen,„Deutschland aus den Klauen der Jakobiner zu retten". Als„formidable Reserve gegen die Revolution"— wie er sich ausdrückte— stand er hinter seinem Schwiegervater Friedrich Wilhelm III. und. von 1840 an hinter seinem Willensschwächen Schwager Friedrich Wilhelm IV., unermüdlich zum Widerstand gegen alle Verfassungsbestrebuugen hetzend. Durch seine rohe Willenskraft imponierend, errang er in Berlin großen Einfluß: absoluttstische Regierungsbeamte. Höflinge und Junker wetteiferten, mit den Moskowitern Bruderküsie zu tauschen. Der Ruffenkultus in Preußen lieg so hoch, daß es zu einer förmlichen Verbrüderung der beiden Armeen kam. Im Sonimer 183S landeten 6000 Russen in Danzig und marschierten nach Kalisch, wo unter des Zaren Ober- befehl gemeinsame Feldmanöver stattfanden. Zum Andenken an 1813 und an dieses Verbrüderungsmanöver wurde hier ein Denkmal errichtet, dessen Inschrift den Segen GotteS für daS preußisch-russische Bündnis erflehte. Als später im Winter 1842 Friedrich Wilhelm IV. auf seiner Rückkehr auS Rußland, wo er wieder einmal seinen lieben Schwager besucht hatte, dieses Denkmal erblickte, stteg er in seiner theatralischen Manier die Stufen herauf und schrieb— eine bis in die Gegenwart hinein symbolische Hand- lung!— ein„Amen" unter die Inschrift. Aber es hat auf dem preußisch-russischen Polizcibund gegen Liberalisinus und Demokratie nicht der Segen GotteS, sondern der Fluch der Völker geruht. Er wird auch auf dem heuttgen Polizeibund gegen den SocialiSmuS ruhen bleiben 1 Wie Nikolaus den preußischen Hof thatkrästig gegen die immer mehr an Macht gewinnende Volksbewegung unterstützte, so verlangte und erhielt er dafür von Preußen die niedrigsten Bütteldienste. Nachdem er den polnischen Aufstand blutig niedergeschlagen hatte, nöttgte er Preußen und Oestreich zu dem Vertrage von Windischgrätz vom 16. Oktober 1333, worin die Ostmächte sich die gegenseitige Auslieferung polnischer Hochverräter verbürgen. Selbst H. v. Treitschke Btaiibtnarlt diesen Vertrag in seiner„Deutsche» Geschichte"(Ld. IV, S. 331), indem er schreibt: „Auf die Dauer mußte dieses Abkommen doch mir den Moskowitern Gewinn bringen; denn im Völkerverkehr ist der rohe Staat fast immer im Borteike. Zwischen Staaten von ganz ver- schiedener Gesittung kann die Gegenseitigkeit der Rechte und Pflichten, die Vorbedingung alles Völkerrechts, selten bestehen. Daß ein preußischer Hochverräter in Rußlands freier Lust Zuflucht gesucht hätte, war bisher noch nicht vorgekommen; die Last der Aus- liefernngspflicht ruhte mithin allein auf den Schultern der deutschen Mächte, und beide erschienen der Welt als dienstfertige Gehilfen Rußlands." Damit hat der hochkonservative Geschichtsschreiber auch das Urteil über den preußisch-russischen Gegenseitigkeitsvertrag gesprochen, auf Grund dessen man unsre ostpreutzischen Genossen prozessieren ivill. Aber selbst damals hat die preußische Regierung dem Herrscher aller Reußen gegenüber doch noch mebr pillckgrat als die gegenwärtige gezeigt. Nikolaus verlangte nämlich mit echt russischer Bescheidenheit, Preußen möge dicht an der Grenze eine hohe Polizeibehörde unter Mitwirkung eine? russischen Beamten errichten, um den Berkehr nach Rußland zu iiber- wachen und besonders die Einschmuggelnng revolutionärer Schriften nach Polen zu verhindern. Dies Verlangen wurde damals rundweg abgeschlagen. Heute aber überwacht die preußische Regierung sorg- fällig die Schriften-Kolportagc»ach Rußland, macht zu diesem Zwecke die Vorsteher der Grenzzollämter zu unmittelbaren Hilfsbeamten der Staatsanwaltschaft und verhaftet die eignen Bürger, die an dieser Schristenversenduug irgendwie beteiligt scheinen, wegen Geheimbündelei oder Hochverrat. Wahrlich, wir haben in der Rusfi- fizierung Deutschlands riesige Fortschritte gemacht! Auch die Anklage wegen„Beihilfe zur Beleidigung der Majestät des Zaren" bedeutet, im Spiegel jener Zeit betrachtet, einen glor- reichen Fortschritt in der feineren russischen Kultur. Der preußische Staat und seine Justizverwaltung können ans dieses russisch-juristische Juwel in borussischer Fassung wirklich stolz sein. So sehr damals der russische Zar von den feudalen Parteigängern des Absolutismus und später von der„Kreuz-Zeitungs"-Kamarilla verhimmelt wurde, vielfach bis zur schan, losen Verletzung des preußischen NationalgcfiihlS, so sehr war er den Liberalen und Konstitutionellen verhaßt, besonders nach der grausamen Unterdrückung des PolenaufftandcS. Unzählbar waren damals die Zarenbcleidigungen in Deutschland. Graf Plate» schleuderte ihm unter dem Jubel der civilisierten Welt Worte inS Geficht, wie sie noch nie ein Fürst hatte hören müsien: Was wird man einst auf deinem Grabe lesen, Der du zugleich Herodcs gegen Kinder, Und gegen Männer Ezzelin gewesen! Gin Unterdrücker, nicht ein Ueberlvinder; Gezeugt von einer schauderbar'» Lemure, Und dann gepfropft noch auf den Stamm der Schinder! Sohn eines Bankerts, Enkel einer H..., Vernimmst du nicht, wie alle dich begrüßen: Rehabeam, wie steht's mit deinem Schwüre? Und Herwegh hält dem Könige von Preußen seine Jistüniiät •nit dem russischen Schwager in dem Gedichte:»Auch dies gehört dem König", also bor: Nur feile Zungen dreschen deine Saat, Als wär' ein Wald von Aehren draus entsprossen: Ich sehe nichts als Unkraut und Verrat. Verrat, der dir die Herzen hat verschlossen, Verrat an dir und deines Volkes Ehre, Das thöricht für dein Haus sein Blut vergossen; Verrat in dem verpestenden Verkehre Mit jenem Scheusal! Scheusal, mag's auch gleichen Wie Nero, dem Apoll von Belvedere�): Es herrscht kein zweites in des Abgrunds Reichen. Und Freund und Bruder nennst Du den Despoten Und lauschest seines Munds geheimen Zeichen; Du willst, wie er, nur schweigende Heloten Und Fürstcnallmacht, die Ukasen schreibt Dem Staube, dem Erniedrigung geboten. Doch glaub nicht, daß der Staub am Boden bleibt! Eö kommt der Tag, da wird Euch Fürsten grauen! Es kommt der Sturm, der ihn nach oben treibt! Man wird den Staub auf Euren Kronen schauen, Auf Euren Purpurkissen wird er liegen— Dann wagt's, auf Eure Söldner zu verttauen! Stärkere Worte können einem Monarchen wohl kaum zugerufen werden. Und dennoch fiel es in jener erzreakttonären Zeit niemand «in, einen der Tausende, die Plate» und Herweghs Gedichte ver- breiteten, wegen„Beihilfe zur Beleidigung der Majestät deS Zaren" vor den Richter zu schleppen. ES blieb dem neuen Deutschen Reiche vorbehalten, unsre ostpreußischm Genossen unter dieser unglaub- lichen Anklage zu verfolgen, obwohl niemand von ihnen russisch ver- steht und die von ihnen beförderten Schriften, wenn überhaupt, sicherlich nicht so schwere Zarcnbeleidigungen enthalten, tvic jene be- rühmten Kampfgcdichte. Wie herrlich weit haben wir es doch gebracht in unserm Lande der unbegrenzten byzanttnischen Möglichkeiten! ES ist fürwahr hohe Zeit, den Reichskanzler Grafen Bülow im Reichstage zu fragen, ob die von ihm verantwortlich redigierte„Prachtausgabe von Deutschland" wirklich in russische Juchten gebunden werden soll. Da ja bekanntlich alle Prophezeiungen unsrer polittsch-nationalen Denker und Dichter bereits durch Bismarck und Wilhelm den„Großen" erfüllt sein sollen, ist eS leicht möglich, daß der litteraturftohe Kanzler, um überhaupt etwas zu„erfiillen". seinen Stolz in die Verwirklichung der Hertveghschen Weissagung setzt. So blüht uns vielleicht noch einmal das„Heilige russische Reich deutscher Nation". In Preußen erhob sich bald ein kräftiger Märzsturm, der den Staub in die Höhe wirbelte und pfeifend sogar an des Königs Krone rüttelte. Rußland mußte noch lange schlafen und erst in unsren Tagen erlvacht der Sturm in allen Ecken des Riesenreichcs. Damals konnte der Zar noch versuchen, den Sturm im Nachbar- lande zu beschwören. Als die Revolution in Preußen gesiegt hatte, drang Nikolaus energisch darauf, der König möge die ihm auf- gezwungene Verfassung als unvereinbar mit dem Wohle seines Volkes für null und nichtig erklären. Der russischen Hilfe könne er gewiß sein; sonst aber sei der Zusammenbruch Preußens un- abwendbar. Dann freilich fei er, Nikolaus, bereit, es mit Gottes Hilfe wieder aufzurichten, wie Friedrich Wilhelm Hl. es hinterlassen. Er wolle an der Grenze erscheinen, eine preußische Standarte ausstellen und alle alten treuen Preußen um diese sammeln.(Vgl. Prutz, Preuß. Gesch. Bd. IV, S. 311.) J» der That hat sich Friedrich Wilhelm IV. lange mit dem landcsverräterischen Gedanken getragen, mit Hilfe der Kosaken durch einen Staatsstreich den alten verfassungs- kosen Zustand wiederherzustellen. Schließlich ist er bekanntlich dank •) Nikolaus I., geistig beschränkt, galt körperlich als der schönste Mann Europas. In NikolanS II. ist das ZarenhauS bekanntlich auch körperlich geschwächt. der Feigheit der preußischen Bourgeoisie auch ohue den hilfsbereiten Schlvager mir der unbequemen Verfassung fertig geworden. Aber die preußische Regierung hat sein freundliches Anerbieten nicht ver- gessen und übt nun welthistorische Vergeltung. Preußen nimmt nichts geschentt, selbst nicht vorn lieben Vetter Zar. Der gute Wille, den Nikolaus 1. während der preußischen Revolutton bewiesen hat, soll Nikolaus II. zu gute kornnren, da nun das Herlige Rußland an der Reihe ist, unter revolutionären Zuckungen zu beben. Nun endlich kann die preußische Regiernirg ihren tiefgefiihlten Dank abstatten, indem sie den Grenzkosaken Handlangerdienste leistet und die preußischen Staatsangehörigen durch Geheimbündelei- und Hoch Verratsprozesse abzuschrecken sucht, den russischen Brüdern in ihrem aufopserungsvollen Befreiungskämpfe beizustehen. Will sich an- gesichts der russischen Unruhen das lichtscheue Treiben der konter- revolutionären Mächte erneuen'{ ES wird eine hohe Aufgabe unsrer ReichstagSfralrion sein, die Reichsregiernng zur Scham aufzurufen über solche vormärzlichen Bütteldienste, die sie dem russischen Despotismus leistet, als wären die schlimmsten Tage der Metternichschen Reaktton zurückgekehrt. Wer ein ganzes Volk von hundert Millionen gewaltsam auf niederer Sttife festhält; wer ihm durch die Vorenthaltung der Preßfreiheit und der notdürftigsten politischen Rechte jede Möglichkeit kulturellen Fortschrittes nimmt, der versündigt sich am heiligen Geiste der Humanität, der greift, wie Kanr an einer der herrlichsten Stellen seiner Werke sagt, in die Regalien der Gottheit selber ein. Gelüstet es die preußische oder die Reichsregiernng— denn von einer dieser Centralstellen geht die ganze Justizaktion offenbar aus— an dem ungeheuren Verbrechen des Zarentums mitschuldig zu werden? Haben sie nicht genug an eigner Schuld zu tragen? Wir wollen unser Vaterland davor bewahren, daß jemals wieder ein zweiter Graf Platen ein zorniges„Lied vom rollenden Dollar" singen oder ein andrer Freiligrath den preußischen Machthabern„den Bund mit dem Kosakcntlim" vorwerfen und sie darob die„schmutzigen Westkalmücken" schelten müßte! Es ist heilige Pflicht, in unfern Staatsmännern, die sich zu so unwürdigen Liebesdiensten erniedrigt haben, das Bewußtsein ihrer moralischen und historischen Verant- wortlichkcit wieder wachzurufen. In dieser Aufgabe der GcwissenSschärsung scheinen wir leider bei dem morschen Liberalismus unsrer Tage keine Unterstützung zu Inden. ES ist charatteristisch genug für die Verrottung der liberalen Parteien, daß ihre gesamte Presse zu dieser empörenden Justizaktton nichts zu sagen weiß. Selbst die Königsberger liberale Lokalpresse enthält sich trotz der in der Bevölkerung herrschenden Entrüstung auch des zahmsten Urteils. Sie hat sich offenbar den ironischen Rat zn Herzen genommen, den seiner Zeit Freiligrath der preußischen russophilen Presse gab: „Drum gebückt Euch und geschmiegt Recht mit kindlichem Genmte, Bis es rings nach Juchten riecht, Wie im Mai nach Apfelblüte!" DaS war einmal anders! Wie tapfer hat der Liberalismus in seiner Jugendzeit gegen die preußisch-russische Verbrüderung vom Leder gezogen. Dieselbe„Hartungsche Zeitung", die sich heute in so beredtes Schweigen hüllt, forderte 1841 stürmisch die Befestigung Königsbergs und sprach von einem Kriege gegen Rußland so deutlich, daß der russische Gesandte in Berlin angewiesen wurde, sich über die Milde der preußischen Eensur zu beschweren. Um dieselbe Zeit höhnte Herwegh über die häufigen Besuche, die sich der Zar und der König abstatteten: „Wanderer, steh! und sage mir an: In welcher Verfassung Du daS gepriesene Land jener Borusscn verließt?... Ist Reinecke der Fuchs bei seinem erhabenen Schwager. Oder sein Schwager, der Petz, wieder einmal in Berlin?" Und als einige Jahre später der russische Kronprinz in Be- gleitung des Königs eine Rheinreise machte, klagte Freiligrath, in seinem Kulturgefühl tief empört:. „Hinblickt' ich knirschend über'n Strand: O Deutschland, du im Dienst der Steppe! Du mit Sibirien Hand in Hand, Du tragend der Kalmücken Schleppe! Du vor dem Polenmvrder Zar In Unterwürfigkeit zerfließend! Du seinen Sohn und seinen Aar Mit Böllerschutz am Rhein begrüßend'• Als jüngst die Herrscher aller Reußen und Preußen im schönen Hessenlande zur Feier eines üppigen Hoffestcs zusammentrafen, hat keines der liberalen Blätter mehr mit so schrillen Tönen den höfischen Festesjubel gestört. Wie wacker haben sie dagegen in der Mehrzahl unsre italienischen Genossen geschmäht, als diese dem Zaren, der mit dem Blute der Arbeitermetzeleicn von Zlatoust, Kiew und Baku be- spritzt zu ihnen kommen wollte, den Boden der ewigen Stadt zu betteten verweigerten. Mehr hätten sie in der Verleumdung unsrer italienischen Genossen und in der Verherrlichung des Moskowiters, deS„Friedenszaren", auch nicht leisten können, wenn die Peters- burger Regierung mit dem goldenen Fahrstuhle in ihre Redakttonen hineingefahren wäre. Aber Väterchen hat das ja gar nicht nötig: die liberale Presse prostituiert sich den Kosaken auch ohne Bezahlung. Nicht lange mehr und sie hat eS zu jener Meisterschaft imKnutenkiissen gebracht, die einst die amtliche Berliner„StaatSzeittmg" und später die„Kreuz- Zeitung" der Gerlach und Wagener unrühmlichst auszeichnete. Diese Revision des Geistes der achttmdvierziger Sturmgesellen ist eines der traurigsten Kapitel aus der NiedergangSgeschichte des deutschen Liberalismus. Trotz alledem und alledem: die Socialdemokraten Westeuropas lverden ihre russischen Brüder in ihrem dreifachen Kampfe gegen eine despotische Regierung, gegen eine fast unbeschränkte kapitalistische Aus- beutung und vielfach auch gegen nationale Bedrückung nicht verlassen. Wenn sich am Anfange des vorigen Jahrhunderts unter Rußlands Führung die Fürsten zu jenem unseligen Polizeibunde gegen alle freiheitlichen Bestrebungen zusammenschlössen, so gilt eS jetzt im zwanzigsten Jahrhundert eine heilige Allianz der Völker und zu- mindest der socialistischen Parteien aller Länder zu stiften, um den revoluttonären Schichten Rußlands in ihrem von jeder menschlichen Hoheit und Würde erfüllten Kampfe gegen den Absoluttsmus des weißen Zaren beizustehen. An dieser heiligen Menschen- und Socialistcnpflicht kann uns auch die neueste russisch- bornssische Justizaktion nicht irre machen. Als Deutsche schämen wir uns ihrer in tteffter Seele, aber sie kann uns nicht hindern, nach Kräften dazu beizuttagcn, daß die Ideen der Freiheit und des SocialiönmS im Triumph bis an den Saun» des Eismeeres dringen. Und trotz der freiwillige» Grenzkosacken-Diensie Preußens können wir und unsre russischen Genossen des eiusttgen Sieges gewiß sein; denn eS gilt hier das Wort, dessen jubelnde Wahrheit noch alle Staatsanwälte und Polizeiminister erfahren haben: Du willst der Rede setzen ihre Schranke, Einkerkern Schrift und Wort? Umsonst! Es wälzt sich jeder Glutgedanke 'Bacchantisch und unsterblich fort. Wahlresultate. Das Gesamtergebnis der Wahlen zum Abgeordnetenhause ist nach der osfiziösen Zusammen« stellung dies: Gewählt sind 148 Konservative, 54 Frcikonservattve, 97 Ccnttum, 79 Nattonalliberale, 23 Freisinnige Volkspartei, 8 Freisinnige Vereinigung, 13 Polen, 2 Dänen, 2 Bund der Landwirte, 2 Reformpartei, 5 Frattionslose. Die Konservativen gewinnen 0 Sitze und verlieren 5, die Frei- konservativen gewinnen 4, verlieren 8, das Eenttum gewinnt 2 und verliert 5 Sitze, die Nationalliberalen gewinnen 12, verlieren 7, die Freisinnige Volkspartei gewinnt 4, verliert 8, die Freisinnige Ver- einigung verliert 2, die Fraltionslosen verlieren 1 und gewinnen 5 Sitze. Ober- und Ricder-Barnim. Nach„Wolfis Telegraphen-Bureau" ist auch der dritte konservattve Kandidat Prof. Inner im ersten Wahlgange mit 690 Stimmen gewählt worden. Wcstliavelland- Brandenburg- Zauch- Belzig. Gewählt sind v. Loebell(t.) mit 389 Stimmen, Dr. Kropatscheckv a h r e r M i t t e i l u n g e n> die Aufnahme in die Wählerliste gefunden hat, für strafbar zu erklären, dem ividcrspricht der§ 108 des Strafgesetzbuches platterdings. Auch das Reichs- g c r i ch t anerkennt dies. So führt es in seinen Entscheidungen Band 21 Seite 414 z. B. aus: Das aktive Wahlrecht zum Reichstag ist in seiner aktuellen Ansübungöbefugnis zum Teil, wie 8 3 zu Nr. 1—4 und 8 7 zeigen, von leicht zweifelhaften, streittgen, für den einzelnen Wähler undurchsichtigen Voraus- setzungen des bürgerlichen, peinlichen und öffentlichen Rechtes ab- hängig. Es kann nicht die Ansicht des Gesetzes sein, über die für die Feststellungen und Prüfimg der Wählerlisten vorgeschriebenen Garantien hinaus den einzelnen Wähler mit einer selbständigen Nachprüftingspflicht des ibm in den Listen eingeräumten Wahlrechts zu belasten. Vielmehr wird davon auszugehen sein, daß jeder ordnungsgemäß in die Liste eingetragene Wähler sich als berufen ansehen kann, sein Wahlrecht an der Urne aus- zuüben und die Sorge, ob seine Stimme als gülttg mitzuzählen stt. ihn nicht zu behelligen braucht. Der gegen- teilige Standpunkt würde mit Notwendigkeit dahin führen, daß jeder in Gemäßheit des 8 3 oder 7 des Wahlgesetzes von der Berechttgung zun, Wählen ausgeschlossene Wähler mit der Strafe des§ 108 Str.-G.-B. zu belegen sei, sobald er sich auch nur im Zweifel darüber befindet, ob... sein Wohn- sitz diesem oder jenem Wahlbezirk zuzuzählen sei und dergleichen mehr, und er, mit ckolu8 ovontualis handelnd, auf die Gefahr hin, diese Frage Würde gegen ihn entschieden, mir- gestimmt hat." Die Anklage enthält aber nicht nur gegen diese zutreffende Auf- fassung des Reichsgerichts einen ohne jede Begründung aufgestellten Verstoß. Sie widerspricht auch d e r K o m P e t e n z des Reichs- t a g e s, dem allein nächst den Enffcheidungen der Wahlkreise die Prüsnng der Wahlbcrechttgung zusteht. Der Reichstag hat Wieder- holt, z. B. bezüglich der Schmtterfrnge, im Falle Pens u. a. m. entschieden, daß in solchen Fällen, wie sie hier vorliegen, der Wähler n, i t Recht in die Wählerliste eingetragen und wahlberechtigt ist. Etwas Weiteres, sehr Naheliegendes übersieht die Anklage. Ist ihre Ansicht zutreffend, so wäre nicht Herzfeld, zum mindesten nicht allein dieser, sondern die Magistratsbeamten zu Rostock, welche Herzfeld zu Unrecht eingetragen haben sollen, nach 8 108 Abs. 1 strafbar. Nicht minder wären alle B e- amten strafbar, die entgegen der wiederholt vom Reichstage ausgesprochenen Ansicht z. B. Schnitter in die Wählerliste nicht ein- getragen und durch diese Nichteiutragung also ein„unrichtiges Er- gebnis der Wahlhandlung", nämlich die Nichtbeteiligung Wahl- berechtigter, herbeigeführt haben. Man sieht, zu welchen uferlosen Willkürlichkeiten, Bedränguna der Rechte der Wahlberechtigten und der Beamten, die seltsame Aus- fassung der Anklage führt. Die Anklage wird von einer zweiten noch über- boten. Danach soll Herzfeld durch eine zweite selbständige Hand- lniig abermals gegen den 8 108 des Strafgesetzbuches verstoßen haben, weil er am 25. Juni sein Wahlrecht in Berlin ausübte. Die Anklage nieint, da nach 8 1 des Wahlgesetzes der An- geklagte nur an einem Orte wählen dürfe, aber am 16. Juni in Rostock gewählt habe, habe er an, 25. Juni nicht in Berlin wählen dürfen. Das ist eine durchaus unzutreffende Annahme: an der Hauptwahl darf nur an einem Orte gewählt werden. Am 20. fand nur in Berlin, nicht in Rostock Wahl statt. Herzsctd konnte gar nicht an zwei Orten an, 2S. Juni wählen. Hätte am 25. auch in Rostock Stichwahl angestanden, so hätte er in Rostock oder in Berlin wählen können. Das Recht, in Berlin zu wählen, blieb ihm auch, wenn in Rostock eine Stichivahl sich erübrigte. Aber selbst wenn man die verkehrte Auslegung der Anklage rücksichtlich des 8 7 des Wahlgesetzes billigen wollte, läge an der unberechtigten Teilnahme des Wahlrechts in Berlin keineswegs eine„vorsätzliche Herbeiführung eines unrichtigen Wahlergebnisses", überhaupt keine strafbare Handlung, sondern schlimmstenfalls Anlaß zur Kassierung der Herzfeldschcn Sttmme durch den Reichstag. Auch hier hat übrigens der Reichstag stets angenomnren, die Berechtigung zur Teilnahme an der Stichivahl besieht auch für die Wähler, die an der Haupt- wähl nicht teilgenommen haben. Die Anklage stellt sich nach alledem als ein juristisches und staatsrechtliches Monstrum dar. dessen versuchter Eingriff in die Kompetenz des Reichstags und in das Wahlrecht Tausender von allen Parteien im Reichstage mit Entschiedenheit mißbilligt werden dürfte. Uns wird mitgeteilt, daß auch in Sachsen und Bayern ähn- liche Anllagen versucht werden, deren Tendenz durchweg dahin geht, das Wahlrecht entgegen der Uebnng des Reichstags einzuschränken._ Halle, 20. November.(Eig. Ber.) Im militärischen Interesse wurde heute von dem Kriegsgericht der 8. Division der 38jährige Füsilier Ernst Julius Müller vom 36. Infanterie- Regiment wegen Fahnenflucht im 1. Rückfalle zu 1 Jahr 1 Monat Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte im Januar 1888, also vor reichlich 16 Jahren, seinen Truppen- teil verlassen, weil er unter der Behandlung des Feld- webels Großmann zu leiden hatte. Es erging zunächst gegen den Angeklagten, der sich bis jetzt in Holland aufhielt und sich dort als Schriftsetzer redlich nährte, ein Kontumacial-Urteil. Der Angeklagte verheiratete sich schließlich ohne Konsens der Militär- behörde— glücklicherweise ist das Vergehen der unerlaubten Ver- heiratung verjährt— und ist nun Vater von vier Kindern. Ansang November zog es ihm wieder nach dem Vaterlande, um, wie er heute unter Thränen erklärte, seinen Kindern eine gute deutsche Er- ziehung zu geben. Er wurde aber bald verhaftet. Wäre der An- geklagte einige Monate später, mit Vollendung des 39. L e b c n s- j ah res, nach Deutschland gekommen, dann wäre die That ver- jährt gewesen. Das Gericht erklärte in der Urteilsbegründung, auf das niedrigste Sttafmaß habe im militärischen Interesse nicht er» kaunt werden können.— Flöha, 21. November.(Amtliche Meldung.) Bei der Reichs- tags-Ersatzwahl im 15. sächsischen Wahlkreise wurde Stücklen (Soc.) mit 16 039 Stimmen gewählt. Rüdiger(Natl.) erhielt 10 509 Sttmmen. Zersplittert 16 Sttmmen.— LandcSauöschiißwahlcn in Elsaß-Lothringrn. Straßburg, 20. November.(Eig. Ber.) Am Freitag fanden in 24 Kreisen die Landesausschußwahlen statt. Ueber das Wahlrcsultat ist früher berichtet worden. Jetzt hatten die von den einzelnen Gemeinderäten bestimmten Wahlmänner und die vier Gemeinderäte der Städte Sttaßbnrg. Colmar. Mülhausen und Metz die Ab- geordneten zu wählen. � Von den vier großen Städten haben Sttaßbnrg und Mulhaufen ihre Vertreter behalten. In Straßburg wurde der liberale Ab- geordnete Riss, in Mülhausen Genosse E m m e l gewählt. Dagegen unterlag in Colmar der bisherige klerikale Abgeordnete Manheimer seinein demokratischen Gegner, dem Reichstags-Abg. Blumenthal. Ebenso wurde in Metz der bisherige„lothringische", d. h. klerikale Abgeordnete Moitrier anffallenderweise durch einen altdeutschen Liberalen ersetzt. In den Landkreisen wurden die klerikalen Führer. Reichstags- Abgg. Wetterle und Wintcrer, sowie zwei andre Klerikale wiedergewählt. Daznl kommen noch eine neue klerikale Größe, Herr Dr. Schott, der freilich nur an die Stelle eines Partei- freundes tritt, ferner die Wiederwahl eines„Lothringers" und endlich die glänzende Eroberung des für ganz sicher gehaltenen liberalen Wahlkreises S tr a ß b u r g- L an d durch den früheren Reichstags-Abg. Hauß. Diese Wahl ist die größte Ueberraschung, zugleich aber ein charakteristisches Merkmal für das berühmte„liberale Erwachen". Herr Hauß, der zur Zeit durch einen politischen Prozeß großen Stils aufs schwerste kompromittiert ist. erhielt 63 Stimmen, der bisherige� liberale Vertreter Bostetter 59 Sttmmen und unser Parteigenosse Schott 2 Stimmen. 3tun haben die Liberalen bei der Wahlmünnerwahl in Schiltigheim. wo sie die Mehrheit im Gemcindcral haben, unsern dritten Kandidaten gegen einen Klerikalen durchfallen lassen l Wären sie würdiger vor- gegangen, so hätte Herr Hauß nicht die Mehrheit gehabt. Die Socialdemokratte hotte sich an diesen Wahlen natürlich nur in sehr beschränktem Maße beteiligen können. Das Wahlrecht läßt ein Stesultat bei diesen Wahlen so lange nicht erhoffen, als wir in den Gemeinden nicht ausschlaggebend sind.— Eine„Ho»gcr"-Kolonie. Ueber D e u t s ch- S ü d w c st- A f r i k a hat der im Kampfe gegen den Stamm der BondclzwartS gefallene Oberlicutenant Jobst folgende bemerkenswerten brieflichen Schilderungen als letzter Zeit hinterlassen. Danach sah es in der Umgebung von Warmbad„einfach trostlos" aus. Das Distriktskommando hat im letzten Halbjahre zwölf Pforde und fünfzehn Ochsen an„Räude und Rt a g e r k e i t" verloren. „Mit Regen wird eS auch nichts mehr in diesem Jahre werden." Ein Viehhändler hat bei dem Heruntertreiben von Ochsen aus dem Gibeoncr Bezirk von 300 Stück 180 an Hunger verloren. Weiter heißt es, daß durch die große Dürre im vorigen Jahre viele Eingeborene verhungert sind, und daß auch im nächsten Jahre die Dürre wieder eine große sein wird. Auf dem Wege nach Uhabis gab es nur ziveimal etwas sehr altes, schlechtes Gras für die Tiere zu fressen, ebenso nur zwei Wasserstellen. In Uhabis selbst war für die Tiere fast kein Futter zu haben, so daß Jobst bereits nach kurzem Aufenthalt wieder aufbrechen mußte. Am 13. Juni schreibt er aus Warmbad, daß die erste Nachricht nach seiner Wiederankunft die Mitteilung von dem Eingang zweier Pferde wegen Futtermangels gewesen sei, und daß er einen neuer. Bericht an den Gouverneur L c u t w e i n wegen der Ochscnvcrluste machen müsse, obwohl das Sterben gar nicht aufhöre, sowie daß er alle Tiere von der Station forischicken würde. Auch am 4. Juli berichtet er. daß die Futterverhältnisse noch„recht traurige" sind. In dieser Tonart schreibt Jobst noch im August: »Hier im Warmbahcr Distrikt sind schon cinigc Lcute dieses Jahr an Hunger gestorLen, btkommrn wir dieses Jahr wieder keinen Regen, dann wird die Sache ziemlich übel." Diese Verhältnisse sind in unscrm sndwestafrikanischen Schutzgebiet nicht etwa Ausnahmen, vielmehr ist die Dürre und der Wassermangel dort chronisch.— Hm dieses gesegnete Oebiet dem deutschen Vatcrlande zu erhalten, schlagen die Alldeutschen vor, jetzt bereits in Deutschland ein Freiwilligencorps zu bilden, daß auf tclegraphischen Ruf des Gouverneurs sofort die Achsreisc nach Afrika antreten mutzte. Der Kostenpunkt spielt für diese Kolonialhelden„keine Rolle". Wir als Vertreter der Masse des Volkes denken über den Kolonialsport selbstverständlich anders und würden es für kein nationales Unglück halten, wenn diese ganze herrliche Kolonie ihrem Schicksale überlassen bliebe, sie ist sicher nicht wert, datz auch nur ein deutscher Soldat sein Vlut für sie lätzt. Hudland. Schweiz. Einführung des Stimmzwangcs. Basel, 1!>. November.(Eig. Ber.) Die schwache Beteiligung der Stimniberechtigten an Wahlen und Abstimmungen hat im Kanton Baselstadt schon seit Jahren die Forderung nach Einführung des Stimmzwanges gezeitigt und wurde die Forderung zuerst in den achtziger Jahren von socialdemokratischer, in den letzten Jahren von freisinniger Seite erhoben. Jetzt hat nun die Regierung dem Grotzen Rat einen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach die Verpflichtung zur Beteiligung an Wahlen und Abstimmungen bis zum 60. Altcrsjahr der Stimmberechtigten festgelegt und die Nichterfüllung der Stimm- Pflicht mit einer Butze von 2 Fr. bedroht wird, die im Falle der Nichtbezahlung in eine Haftstrafe von 12 Stunden umgewandelt werden soll. Diese Buhenbestimmungen erscheinen uns zu hoch und unannehmbar, 50 Cent., wie im Kanton Zürich, sind genügend und die Haftstrafe sollte vollständig ausgeschlossen sein, andrenfalls würde vielleicht das Gesetz in der Volksabstimmung, vor die es tvohl kommen wird, verworfen werden. Es steht auch der Demo- tratie nicht gut an, immer neue Vergehen zu konstruieren und für alles mögliche und unmögliche den Bürger mit dem Gefängnis zu bedrohen. Zugelassen werden nach dem Entwurf Entschuldigungen wegen Nichtausübung der Wahlpflicht, und zwar berechtigen dazu Krankheit oder Gebrechen, gefährliche Erkrankung naher Angehöriger, Todesfall in der Familie und mehrtägige Abwesenheit aus dem Kantonsgebiet. Die Entschuldigung ist an die Polizei bezw. an den Gemeinderat zu richten, und zwar innerhalb 8 Tagen nach der Wahl. Gegenwärtig besteht der Stimmzwang beveits in den Kantonen Zürich, Uri, Obwalden, Nidwalden, Glarus. Zug, Schaff- Hausen, in beiden Appenzell, St. Gallen, Aargau, Bern, Luzern, Solothurn. Thurgau, Tessin und Neuenburg, also in 17 von 28 Kantonen, und er hat sich gut bewährt. In Baselstadt ohne Stunmzwang ist die Wahlbeteiligung in den letzten Jahren bis auf 34,73 Proz., bei den Gewerbegerichts-Wahlen gar auf 32,42 Proz. der Stimmberechtigten gesunken, und da es zum grotzen Schaden ihrer eignen Sache gerade die Arbeiter sind, welche grötztenteils von der Urne fernbleiben und dadurch den Interessen der herrschenden Klassen die besten Dienste leisten, so erklärt sich nun auch die socialdcmo- kratische Partei für den Stimmzwang.— Frankreich. Deputiertenkammer. In der Beratung des Budgets des Aeuheren lagt d' Est o u r n e I l e s de Co nstant lRepublikaner), das französisch-englische Einvernehmen bedrohe niemand. Redner spricht sich lobend über den internationalen Schiedsgerichtshof aus und meint, der allgemeinen Abrüstung müsse eine Abrüstung der einzelnen Länder und eine Einigung unter den Mächten vorangehen.(Beifall.) D e Castellane (Nationalist) billigt das französisch- englische Einvernehmen und tadelt das französisch- italienische. Gauthier de E l a g n y(Nationalist) richtet an D e l c a s s ö die Frage, ob er sich mit der Besitzergreifung von Tanger durch die Engländer einverstanden erklären würde. D e l c a s s 4 erwidert, er sei ebenso sehr wie irgend jemand auf die Freiheit der Meerenge von Gibralter und die Bürgschaften bedacht, die mit dieser Freiheit verbunden seien. D e l o n c l e(Republikaner) wünscht Mitteilungen über Siain und Jüuan. Jaurss(Soc.) er- hebt Einspruch gegen jedwede militärische Ex- vedition nach Marokko und verlangt, daß man in vor- sichtiger Weise dorthin vordringe. Man solle in den Etat dle Mittel für ein friedliches Bordringen ein- stellen, damit man später nicht nötig habe.(Nittel für einen Krieg auszuwerfen.(Beifall.) P r e s s e n s 4 setzt als Berichterstatter die Lage der äußeren Politik aus- einander. Er ersucht Delcass4, England die Fragen anzugeben, die einem Schiedsspruch unterbreitet Iverden könnten, und andre Fragen dem Schiedsgerichtshof im Haag vorzulegen.(Beifall.) Redner lvünscht nicht, daß den Missionaren im fernen Osten ein Protektorat übertragen werde, das nur ihnen zu gute käme; er erklärte sich gegen den Militarismus und fordert ein Studium der A b r ü st u n g s f r a g e. Unsre Politik, schloß er, soll eine Politik des Friedens sein. Streben wir nur nach dem Triumph von Gesetz und Recht!(Beifall.) Hierauf wird die Beratung auf Montag vertagt.— Dänemark. Die Veruntreuung von Jnvalidcngeldern des KriegSministcrS a. D. BahnsonS wurde am Mittwoch im Folkething von unserm Partei- genossen Sabroe, der verlangte, daß die aus Privatmitteln zur Unterstützung der KriegSinvaliden aufgebrachten Gelder unter staatliche Verwaltung gestellt werden, zur Sprache gebracht. Bahnson hat seiner Zelt aus diesem Jnvalidenfonds ein Darlehen von 140000 Kronen auf sein jütländisches Gut Haarupgaard, das er verwahrlosen ließ, erhalten. 70000 Kr. sind davon den armen Invaliden auf immer verloren gegangen. Wie auf die Anfrage Sabroes mitgeteilt wurde, zahlt Bahnson jetzt jährlich 1000 Kr. davon zurück, also nicht einmal die Hälfte der Zinsen, die das verlorene Kapital einbringen würde. Weil der Mann nur 8000 Kr. Jahreseinkommen hat, hielt die Verwaltung des Jnvalidenfonds es nicht für an- gebracht, eine höhere Summe von ihm zu fordern. Der sehr patriotische Bahnson, der bekanntlich als Kriegsminister die Be- festigung Kopenhagens gegen den Willen des Parlaments durchführte, hat seiner Zeit erklärt, wenn ein Linken- ministeriurn zur Herrschaft käme, würde er das Land verlassen. Er weilt noch jetzt in Dänemark und das liberale Ministerium hat auch noch keine nähere Untersuchung der erwähnten Angelegenheit eingeleitet. Bahnson hat übrigens, wie Sabron erwähnte, auch ein Darlehn aus den Mitteln erhalten, die zum Wiederaufbau des Mitte der achtziger Jahre ab- gebrannten Äristiansborg Schlosses gesammelt worden sind. Es soll sich hierbei mn 50 000 Kr. handeln. Da das Schloß jetzt wieder erbaut werden soll, wird man nicht umhin können, hierüber Klarheit zu schaffen.— Gin Scitenstück zu Bilses„Aus einer kleinen Garnison". Der dänische Obcrstlieutenant Emil Flindt hat kürzlich unter dem Titel „Erinnerungen aus verschwundenen Tagen" ein Buch herausgegeben, das eine Erzählung:„M arianes Junge" enthält, die große Erbitterung in Offizierskreisen hervorgerufen hat. Es wird darin die Brutalität und Streberei zweier Offiziere geschildert, in denen man die Porträts der beiden früheren Kriegs- mini st er Bahnson und Schnack erblickt. Der Verfasser wurde vor das Ehrengericht der Offiziersvereinigung geladen, weigerte sich jedoch zu erscheinen und wurde dann gezwungen,„frei- willig" au« der Vereinigung auszutreten. Daniit waren aber die Offiziere noch nicht zufrieden gestellt. Sie sandten eine Deputation an dc» Kncasministcr Madscn und ein Erfolg dieses Schrittes scheint es zu sein, daß sich Oberstlieutenant Flindt jetzt in eine Anstalt für Gemütskranke begeben hat.— Asien. Zum englischen Borstoß in Tibet erhält die„Kölnische Zeitung" ein Telegramm aus Petersburg, das, wenn seine Richtigkeit sich bestätigen sollte, neues Licht ans die Motive des englischen Einfalls wirst. Nach diesem Telegramm nämlich wird aus Peking gemeldet, die chinesische Regierung habe Kenntnis erhalten von dein Abschluß eines Gehcimvertrages zwischen Nußland und dem Dnlai Lama. Die chinesische Regierung sei darüber sehr erregt und habe ihren Bcvoll- mächtigten alsbald aus Lhassa nach Peking berufen.— (ZevverkfckaftlLckes. Das deutsche Gewerkschaftswesen in englischer. Beleuchtung. London, 19. November.(Eig. Ber.) Vor einiger Zeit sandten die„Times" einen ihrer Mitarbeiter nach Deutschland, um die Wirt- schaftlichen und kulturellen Zustände zu untersuchen und darüber zu berichten; die Korrespondenzen mögen für Engländer wohl belehrend gewesen sein, für Deutsche enthalten sie nichts Beachtenswertes. Dagegen macht er in einem Bericht über das deutsche Ge- Werkschaftswesen einige Bemerkungen, die eine Wieder- gäbe verdienen. In den„Times" vom 17. November stellt er vor allem fest, datz das deutsche Recht betreffs Gclverkschasten enger ist als das englische oder amerikanische. Die deutschen Arbeiter haben weniger wirtschaftlichen Spielraum, deshalb wenden sie sich um so eifriger der Politik zu.„Dieser Punkt ist wichtig, denn obwohl die politische und wirtschaftliche Aktion dieselben Ziele verfolgen und obwohl die politische Aktion diese Ziele vollständiger realisieren kann, als die wirtschaftliche, so arbeitet doch die politische Aktion viel ruhiger und greift weniger störend in die Industrie ein, als die Wirtschaft- liche Aktion. Die eingezwängten Energien der organisierten Arbeiter finden dann ihren Abfluß beim Stimmkasten und nicht in der Fabrik.... Jedoch ist zu bemerken, datz auch in England und Amerika, wo die Gewerkschaften größere Bewegungsfreiheit haben, die politische Aktion der Arbeiter immer weiter um sich greift. Die politische Arbeiterbewegung scheint jetzt etwas Allgemeines und Unvermeidliches zu sein. Die deutschen Arbeiter sind in dieser Be- ziehung etwas weiter voraus, mittlerweile vermeiden sie aber alle gewerkschaftlichen Excesse, die der Entfaltung der englischen und amerikanischen Industrie so hinderlich sind." Die„Times" geben dann eine Zusammenfassung der der- schiedenen gesetzlichen Beschränkungen, die den deutschen Arbeitern die Organisation und das Streikpostenstehen erschweren, und be- schreiben die drei verschiedenen Gewerkschaftsgruppen: die freien Gc- werkschaften, die Hirsch-Dunckerschcn und die christlichen. Den freien Gewerkschaften wird die Mission zugeschrieben, die Socialdemokratie zu einer Reformpartei zu machen:„Die freien Gewerkschaften werden gewöhnlich auch socialdemokratische genannt, aber ihre Beziehungen zur Partei sind nicht klar festgelegt. Es scheint nur, datz beide einander suchen und sich gegenseitig beeinflussen. Die Gewerkschaften bilden große Organisationen, die vorzügliche Instrumente für politische Aktionen werden können, andrerseits ist die socialdemokratische Partei eine parlamentarische Macht, die sehr viel für die Gewerkschaften thun kann. Aber man mutz beachten, datz in dem Matze, wie die Partei durch die Stimmen der GeWerk- schaftler an Kraft zunimmt, sie auch langsam und widerwillig, aber sicher und unvermeidlich ihr Programm und ihre Taktik modifiziert. Die arbeitenden Klassen wollen ihre Lage verbessern durch Er- oberung eines größeren Anteils an allem, was das Leben leichter gestaltet. Aber sie wollen weder den Klassenkampf noch die Re- Volution, obwohl sicherlich einzelne Arbeiter an die ganze Theorie des Socialismus glauben. Für diese Annahme spricht auch die Entwicklung der antisocialistischen Gewerkvereine. Diese Thatsache, verbunden mit dem bedeutungsvollen Umstand, datz die socialdemo- kratische Partei ihre Haltung in dem Matze modifiziert, als ihre Wahlerfolge zunehmen, zeigen ziemlich klar, wohin die Richtung geht. Die Arbeiter wollen viele Dinge, die nichts mit der„Vergesellschaftung der Produktionsmittel" zu thun haben. Und sie werden diese Dinge erhalten, wenn nicht alle, so doch einige nach und nach. Und in dem Matze, wie die Arbeiter Konzessionen erhalten, werden sie ge- mächlich den Klassenkampf samt der Vergesellschaftung der Pro- duktionömittel fallen lassen. Die Socialdemokratie wird nicht die erste Bewegung sein, die vom Erfolge gestorben ist." Diese Erklärungsweise der deutschen Socialdemokratie ist durch- aus englisch. Sie ist auch anderswo verbreitet. Merkwürdig ist nur, datz der„TimeS"-Korrespondent die Dresdner Resolution 130 verschweigt. Im übrigen giebt er zu, datz die deutschen Kapitalisten die Gewerkschaften mit einer Intensität hassen und fürchten, wie sie nur noch in Amerika, aber in England nicht mehr vorkommt.— Berlin und Umgegend. Terrorismus gegen Streikposten. Herr Mei nicke, der Sekretär vom Arbeitsnachweis der Holz- industriellen in der Llexanderstraße, setzt sein lebensgefährliches Wüten gegen die Posten des Holzarbeiter-Berbandes unter den Augen der Polizei fort. Die Hausfriedensbrüche und Körperverletzungen der Herren geschehen nicht etwa, wenn er die Polizei fern weiß, sondern in Gegenwart der Schutzleute, die nicht die Hand heben, unr die nnßhandelten Arbeiter vor den Wutausbrüchen des terrn zu schützen I Die ganze Alexanderstraße leidet unter den usschreitungen dieses Mannes, der sich gewissermaßen als Vor- gesetzter jedes einzelnen Passanten der Straße fühlt. Am gestrigen Abend verlangte er wieder die Sistierung eines Tischlers, der während des Regens ruhig unter dem Hausflur des Hauses Alexanderftr. 31 stand. Neben dem Manne stand,, ebenfalls in der Absicht, sich vor dem Regen zu schützen, ruhig ein Schutzmann, der nicht den geringsten Anlaß fand, irgend etwas gegen den vor dem WetterGeflüchtetenzuunternehmen.Da plötzlich kamHerrMeini cke dazu, forderte den Mann unter Berufting auf den Hausfriedensbruch- Paragraphen(Herr Meinicke als Schützer des Hausrechts! I) auf, den Hausflur zu verlassen, und als der Mann, seinem Ansuchen Folge leistend, unter der Dachrinne Schutz suchte, veranlaßte der Herr seine Sistierung, denn Herr Meinicke maßt sich das Hausrecht für die ganze Alexanderstratze an und verlangt, daß jeder diese aus sein Kommando verlasse. Da der von ihm Angehauchte das nicht that, forderte er den Schutzmann auf, ihn zu sistieren, und der Schutzmann, der vorher keinen Anlaß zum Einschreiten gesehen hatte, kam dem Befehl des Herrn prompt nach. Natürlich hatte die Sache sofort einen größeren Menschenauflauf verursacht und die Leute folgten neugierig dem Transport deö Verhafteten nach der Wache. Herr Meinicke fühlte sich nun dadurch geniert und behauptete sogar, aus der Menge hinter sich gestoßen zu sein. Selbst wenn dies richtig wäre, steht in solchen Fällen sonst in ganz Preußen niemand das Recht zur Selbsthilfe zu. Eine einzige Ausnahme macht Herr Meinicke! In Gegenwart der Schutzmänner drehte er sich um, erhob den Totschläger, der ihm als„Spazicrstock" dient, und schlug einen völlig Unbeteiligten damit derartig über den Kopf, datz diesem das Blut über das Gesicht floß. Der Geschlagene mußte sich später aus der Unfallstation im Grünen Weg verbinden lassen. Na, denkt wohl der Leser, da wird aber der Schutzmann den Hertn Meinicke nicht schlecht beim Wickel genommen haben, um ihn nach der Wache zu befördern, von wo er dann natürlich wegen schwerer Körperverletzung mit einem gefährlichen Werkzeug nach dem Alexanderplatz eingeliefert worden ist, während der Toffchläger der Konfiskation verfiel.— So spielte sich aber die Sache nun nicht ab. Während vor der Wache alle Zeugen des Vorfalls, die sich anboten, zurückgewiesen wurden, ließ man den Geschlagenen mit zu in einer Form, die mit einer Verhaftung verzweifelte Aehnlichkeit hatte. Er sowohl als der im Anfang Verhaftete wurden an Stelle MeinickeS für etwa eine halbe Stunde in eine Zelle gesperrt und klagen auch sonst über die ihnen zu teil gewordene Behandlung. Herr Meinicke aber ging ftei aus! Noch mihr! Obgleich Herrn Meinicke das Lokal von Cibrovius, wo die Holzarbeiter verkehren, wiederholt verboten ist und gegen ihn, weil er das Verbot des Wirtes nicht achtet, ein Verfahren wegen Hausfriedensbruchs schwebt, erschien er kurze Zeit nach dem Vorfalle, wieder in dem Lokal, begleitet bei dieser Gesetzesübertretung von vier Schutzleuten, während einige andre Schutzleute vor dem Lokal Posto gefaßt hatten. Was Herr Meinicke dorr wollte, ist unklar geblieben. Offenbar wollte er nur die Anwesenden zu un- überlegten Handlungen provozieren oder damit renonnnieren, wie er es vennag, dem Publikum den sonst gegen Leute seiner Art recht gefährlichen Berliner Schutzmann vorzuführen. Die erstcre Absicht gelang ihm jedenfalls nicht. Niemand ließ sich hinreißen, und auch der Wirt vergriff sich an dem Menschen nicht, den er dem Gesetze überläßt. Eins aber müssen wir bei dieser Gelegenheit wiederholt fest- stellen: In allernächster Nähe des Berliner Polizeipräsidiinns sind anständige Arbeiter dem schlimmsten Terrorisinns eines Unternehmer- Agenten ohne Schuh ausgesetzt; in allernächster Nähe der Behörde, die in Berlin fiir Anfrechterhaltung von Gesetz und Ordnung sorgen soll, unter den Augen von Angestellten dieser Behörde begeht ein Mensch Uebcrgriffe der schlimlnstcn Art, verübt Hausfriedensbrüche und Körperverletzungen— und niemand schreitet gegen ihn ein! Wenn die Arbeiter, die dort in aller Ruhe und Gesetzlichkeit ihr Recht ausüben, sich auch nur den zehnten Teil der Ausschreitungen hätten zu Schulden kommen lassen, welche Herr Meinicke verübt hat, man hätte schon ein Jahrzehnt Gefängnis über sie verhängt. Herrn Meinicke läßt man ruhig weiter wüte». Er ist ja kein Arbeiter, der für sein Recht tämpst; er ist ja ein Söldling des Unternehmertums I Die Relief-, Buntdruck- und Golddrockgraveure Berlins können mit dem Verlauf ihrer Bewegung zufrieden sein; haben doch sofort im ersten Stadium derselben 17 Prinzipale mit ca. 100 Gehilfen die Forderungen anerkannt, darunter auch ein Fabrikbetrieb, womit bewiesen ist, daß auch diese Art von Bettieben in der Lage sind, bei einigermaßen gutem Willen— und wenn die gcschlösiene Haltung der Gehflfen bekannt ist— derartige Forderungen anzuerkennen. Zur Zeit befinden sich noch 24 Branchenangehörige im Ausstand.— Zuzug von Relies-, Buntdruck- und Golddruckgraveurcn nach Berlin ist strengstens zu vermeiden. Achtung, GafiwIrtSgchilfcn! Die Lokale„Kastanicnwäldchen", Badstr. 10, Inhaber Ballschmieder,„Marienbad", Badstt. 30, In- baber Niecke, iowie Fröbcl, früher Puhlmann, Schönhauser Allee 148, sind für organisierte Gastwirtsgehilfen gesperrt, da seitens dieser Wirte der kostenlose Arbeitsnachweis unsrer Organisation nicht an- erkannt wird, Verband deutscher Gastwirtsgehilfen, Dirkscustr. 39, I. Parteigenossen von Köpenick und Umgegend! Achtet im Interesse unsrer Organisatton auf die bis zum 1. Oktober 1903 abgestempelten §rünen Kontrollkarten. ahlstelle Köpenick des Verbandes der Barbier- und Friseurgehilfen. Der Töpfcrstreik in Velten ist in ein andres Stadium getreten. Bekanntlich hat der deutsche Ofenfabstkanten-Verband den Beschluß gefaßt, ab 15. November die Waren-Eiiifuhr für Berlin zu sperren und am 1. Dezember allerorts in Deutschland die Mitglieder des Centtal-Verbandes der Töpfer auszusperren. Verlangt wird entweder Beilegung der Streiks in Velten und Fürftenwalde oder Austritt aus dem Verbände. In Velten sind 37 Fabriken, davon sind sechs nicht im Ofenfabrikanten-Verbande. Die Veltencr Arbeiter haben nun am 19. November in drei Versammlungen der Töpfer, Hilfsarbeiter, Kutscher und Maschinisten beschlossen, in Kon- sequenz des Ofenfabrikantenbeschlusses die Arbeit bei den Nichtverbands Mitgliedern aufzunehmen, vorläufig zu den alten Lohnsätzen. Die Warensperre wird wohl, aus leicht erklärlichen Gründen, von Velten und Fürstenwalde gehalten, jedoch von den sächsischen und süddeutschen Fabrikanten nicht; sonst müßten in Berlin arbeitslose Ofenseher auf dem Arbeitsnachweis eingettagen sein, was aber nicht der Fall ist. Die Veltener Arbeiter haben aber ein begreifliches Interesse, daß die Veltener Ofen-Jndustrie nicht durch die Borniertheit der Veltener Unternehmer auf die Dauer ruiniert wird, deshalb dieser Beschluß, durch den der Berliner Markt wenigstens teilweise für Velten erhalten bleibt. Vorläufig wurde am Freitag in zwei Fabriken— Blumenfeld und C. H. H. Schmidt— die Arbeit aufgenommen. Der Streik dauert bereits sieben Wochen, Streikbrecher sind nicht vorhanden. Letzte]Vachncbten und Depefeben« DaS Urteil im Prozeß des Oldenbnrgcr Justizministers. Dr. RieS wurde z« sechs Monaten, Biermann, einschließlich der bereits erkannten Strafen, zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Zwei Arbeiter verschüttet. Bad Ems, 21. November.(W.T.B.) Bei Neufassungen der frühere» KaiseriWilhelm-Felsenquellen wurden heute nachmittag durch einen Berg- rutsch zwei Arbeiter verschüttet. Die Rettimgsarbeiten mußte» wegen der Gefahr iveiterer Abstürze vorläufig unterbleiben. Zlvei andre Arbeiter wurden leicht verletzt. Oesterreichisch-italienischc HandelsvcrttagS-Berhandlunge». Wien, 21. November.0 000 M. nach Abzug von 817 630 M. für Abschreibungen noch einen Reingetvinn von 1 1S4 606 M. erzielte, woraus 75 Proz. Dividende verteilt wurden. Die Dresdner Bank, deren geschäftlicher Schwerpunkt sich mehr und mehr von Dresden und dessen Hinterland„ach Berlin ver- schoben hat, gehört zu den jüngeren der Berliner Großbanken. 2lls nach Beendigung des deutsch- ftanzösischen Krieges der Milliardenscgen in das neue Deutsche Reich hereinströmte und das Gründungsfieber überall neue Kredit- Ansprüche hervorrief, wurde sie 1872 mit einem Grundkapital von l«,6 Millionen Mark gegründet, erhöhte aber schon 1879 ihr Aktien- kapital auf 15 Millionen Mark. Im Jahre 1881 eröffnete sie ihre Berliner Niederlassung, die dem Institut ermöglichte, ausgedehnte neue Geschäftsverbindungen anzuknüpfen, so daß es, nachdem schon 1881 das Kapital tvicdcrum um 9 Millionen Mark vermehrt worden war, bereits 1383 sein Aktienkapital auf 36, 1887 auf 48, 1889 auf 60 Millionen Mark brachte. Um ihren Geschäftskrcis in Nord- deutschland auszudehnen und zugleich in das ausländische Geschäft hineinzukommen, übernahm sie 1892 die Anglo-Deutsche Bank in Hamburg; zu deren Erwerbung sie erneut ihr Aktienkapital um 10 Millionen Mark verstärkte. Demselben Zweck diente 1895 die Uebernahme der 1856 gegründeten Bremer Bank, die mit einem Aktienkapital von 20 Millionen Mark arbeitete und Ende 1894 einen Reservefonds von 1.6 Millionen Mark besaß. Die Aktionäre der Bremer Bank erhielten dafür 151 Millionen neue Aktien der Dresdner Bank, deren Aktienkapital dadurch auf 85 Millionen Mark stieg. Von dem Buch- gewinn von 6,6 Millionen Mark, den bei dieser Eingliederung das Dresdener Institut erzielt, wurden ungefähr 2 Millionen von den Aktiven der Bremer Bank abgeschrieben. Zugleich wurde eine Filiale in London errichtet und, um neue Mistel heranzuziehen, im Jahre 1896 zur Eröffnung von Depositen- lassen in Berlin geschritten: eine Maßnahme, die entschiedenen Erfolg hatte: im Zeitraum 1896/1900 stieg die Gesamtzahl ihrer Depositen- conten von 9170 auf 26 934. Fetner wurden mit der bayrischen Industrie Geschäftsbeziehungen angeknüpft, indem in deren Censten Nürnberg und Fürth unter Uebernahme der Geschäfte der Firma I. E. Werthheimber Filialen errichtet wurden. Dann folgte die Uebernahme des Bankhauses Alexander Simon in Hannover und dessen Umwandlung_ in eine Filiale sowie die Er- Werbung der Niedersächsische» Bank in Bückcburg, womit die Dresdner Bank ihren GeschästskreiS in der Provinz Hannover bestächtlich ausdehnte. Und nun begann der Vorstoß in das Rheinland, zu dem bis dahin die Dresdner Bank nur vereinzelte geschäftliche Beziehungen unterhalten haste— z. B. mit der Harpener Bergbaugesellschaft— indem sie im Jahre 1900 die Durckführung einer Kapitalsvermehrung deZ Düsseldorfer Bankvereins übernahm und einen größeren Teil der Aktien im eigenen Besitz behielt. Natürlich waren diese stetigen Erweiterungen nicht mit den, alten Attienkapital durchzuführen, schon 1897 sah sich die Dresdner Bank lvieder zu einer Kapitalserhöhung von 25 Millionen Mark genötigt, uiik> 1899 folgte eine weitere Vermehrung um 20 Millionen Mark, so daß sich nun daS Aktienkapital auf 130 Millionen Mark stellte. Dazu kommt aber noch eine starke Benutzung fremder Gelder und des Acceptenkredits. 1899 betrug z. B. das eigne Kapital der Dresdner Bank sAkticn und Reserven) 164 Millionen Mark, die Summe der fremden Gelder<5ireditoren und Debiwren 265, Accepte 122 Millionen Mark) 387 Millionen M a r'.k— dagegen bei der Diskontogesellschaft das eigne Kapital 167, daS fremde 237 Millionen Mark, bei der Bank für Handel und Industrie das eigne 128, das fremde 93 Vkillionen Mark. Die Krisenjahre 1901/02 brachten der Dresdner Bank einen harten Rückschlag. Kommanditarische Beteiligungen an Bank- Unternehmungen ist sie erst in allerjüngstcr Zeit eingegangen und nicht viel bedeutender ist ihre Thätigkeit bisher auf dem Gebiete der staatlichen und städtischen Slnleihen gewesen: ihr Hauptgeschäft ist das der industriellen Gründungen und Beteiligungen lvorzugsweise in der Elektricitäts- und Moiitaiiinduftrie, dem Eisenbahnwesen und neuerdings auch der in südafrikanischen Minenindusstie), fenicr das indusstielle Kreditgeschäft und in relativ hohem Maße die Kredit- gelvährung für die Effektei'spekulation. Diese Geschäftsart hatte des.Amiick" M— �—WWW»M—» natürlich zur Folge, daß durch die 1900 hereinbrechende Krise die Dresdner Bank noch weit mehr mitgenommen wurde als die übrigen großen Berliner Kreditinstitute, so daß sie sich gezwungen sah, 1901 5,4 Millionen Mark aus Effekten- und Konsortialkönio(und im nächsten Jahr nochmals 2.7 Millionen Mark) abzuschreiben. Dennoch hat die Dresdner Bank ihren Vorstoß in das rheinisch- westfälische Jndustrierevier fortgesetzt und durch Erwerbung von Aktien d i c Kölnische Wechsler- und Ko mm is s i ons b an t, die Märkische Bank in M ü I h e i n, a. d. Ruhr und die West- deutsche Bank in Bonn unter ihren Einfluß g e- bracht. Einfacher ist die Geschichte des A. Schaaffhausenschen Bank- Vereins. Im tollen Jahr 1848 in Köln für das industrielle Kredit- gcschäst gegründet, ciütvickelte sich dieses Institut in ruhiger Weise alsbald zu», finanziellen Mittelpunkt des Geschäftsverkehrs im rheinisch-westfälischen Jndustricbezirk und konnte 1870 sein Aktien- kapital auf 31. 1872 auf 48 Millionen erhöhen. Die Krise der siebizer Jahre, welche die rheinische Montanindustrie staf, brachte jedoch auch den Bankverein in eine prekäre Lage, und 1378 wurde durch Herabsetzung des Wertes der Aktien von 600 auf 450 M. das Aktienkapital auf 36 Millionen Mark ermäßigt: i:n Jahre 1891, als das Institut in Berlin eine Niederlassung eröffnete, aber wieder au 48 Millionen Mark erhöht. Bis zun, Jahre 1896 besaß außer in Köln und Berlin der Schaaffhausensche Bankverein keine Nieder- lassungcn und Filialen und war kommanditarisch nur bei dem Walzwerk L. Mannstaedt u. Co. beteiligt. Erst seit 1897 hat er bc- gönnen, sich bei fremden Banksirnien zu beteiligen, und erst in den letzten beiden Jahren ist cS zur Errichtung eigner Filialen in Essen und Düsseldorf geschritten. Durch die Vereinigung dieser beiden Institute rückt der Konzen- stationsprozeß in, Bankwesen um eine bedeutende Sstecke vorwärts. Der neu entstandene Bankenkoncern ist unbedingt der kapitalmächtigste unter allen deutschen Bankgruppen. Zählt man die Aktien- und Reservekapitalien der in ihm zusammengekoppclten Banken zusammen, erhält man allerdings nur ungefähr 425 Millionen Mark, während die von der Deutschen Bank geleitete Gruppe etwa 440, die Gruppe der Diskontogesellschaft 430 Millionen Mark an eignen Kapitalien aufweist; aber bei diesen beiden letzten Gruppen st eckt ein ungleich größeres Kapital der Haupt- b a n k e n i n A k t i e n der N e b e n b a n k e n, als bei der durch die Dresdner Bank und den Schaaffhausenschen Bankverein gebildeten Koalition, so daß die verfügbaren eignen Mittel dieser letzteren die der beiden Konkurrenzgruppen bei weitem überragen. Und doch ist mit der neuen Koaliston nur eine Veränderung der Lage geschaffen, der noch größere Konzentrationen folgen müssen. Es ist ganz aus- geschlossen, daß die Deutsche Bank, gegen die sich die Fusion richtet, sich ruhig ihre Geschäftsgebiete abgraben läßt und nicht der neuen Koalition eine andreKoalition oder vielleichtneueAngliederungen größerer Kreditinstitute entgegensetzt. Schon seit Jahren leidet der Schanff- hausensche Bankverein unter dem erdrückenden Gewicht des um die Deutsche Bank geschalten Konzerns, der wie ein Sllp auf ihm lastet, besonders seit dem vor drei Jahren erfolgten Austritt seines Direktors Karl Klönne und dessen Eintritt in den Vorstand der Deutschen Bank. Auf das Bestreben, den mit diesem Uebertritt verbundenen Verlust eines bedeutenden Kundschaftskreises im nördlichen Rheinland einigermaßen auszugleichen, dürften sicherlich die Filialgründungen des Bankvereins in Düsseldorf und Essen zurückzuführen sein. Allein fühlte er sich aber doch zu schwach, um auf die Dauer dem Koloß der Deutschen Bank Widerstand zu leisten, deshalb hat er sich nach einem Partner un, gesehen. Die Folgen werden baldige weitere Konzentrationen sein: eine Zusammcnhäufung aller größeren Finanzgeschäfte in den Händen einiger weniger Berliner Bankgruppen, deren Diklum sich die Provinz- bankcn völlig unterzuordnen haben, denen sie Agentendicnste leisten müssen, wenn sie nicht auch noch den Schein ihrer Selbständigkeit verlieren wollen. Und diese Konzentration im Bank- wesen wird weiter eine Konzentration in der I n d u st r i e nach sich ziehen. Schon in den letzten beiden Jahrzehnten ist ein großer Teil der industriellen Betriebe Rheinland- Westfalens und Oberschlesicns in finanzielle'Abhängigkeit von den Großbanken gerate,,, teils weil sie von folcheu Banken gegründet sind und diese einen Teil der Slttien behalten haben, teils weil sie bei ihrem Kreditbedarf und ihren BetriebSvergrößerungen sich oft allein auf die Hilfe der Kredit- danken angewiesen sahen. Daß aber die Bankgruppen die vermehrten Machtmittel, die sie durch die Koalierung und Fusion erlangen, in erster Reihe zu industriellen Neugründungen und Betriebs- erweiterungen sowie zur Vereinigung gleichartiger, von ihnen ab- hängiger Werke benutzen werden, daran ist nach dem bisherigen Gang der geschäftlichen Eutwicklung nicht zu zweifeln. Damit wird aber unbedingt das finanzkapitalistische Interesse und die durch diese bestimmte Spekulation einen noch ungleich bedeutenderen Einfluß auf die indusstielle Produktion erlangen, wie sie teilweise heute schon besitzt. Und dieses Finanzinteresse deckt sich keineswegs immer mit dem industriellen. Wenn es z. B. entschieden das Interesse der Eisenindustrie verlangt, Kohlen und Cooks billig zu erhalten, o liegt diese Forderung noch durchaus nicht unter allen Umständen in, Interesse einer zugleich Kohlengruben und Eisenwerke besitzenden Bankfinanz. Für sie kann es vorteilhafter sein, hohe Kohlcnpreisbildungen zu begünstigen, sei es auch auf Kosten der Eisenindusstie, und umgekehrt auf die Kohlenpreise zu drücken, um die Rentabilität bestimmter EiscnproduktionSzweige zu heben, vor allem aber wird eö ihr von ihrem Jnteresfenstandpunkt oft vorteil- Haft erscheinen, Betriebsvereinigungen, Kartellicrungen und Ver- trusstmgen durchzuführen, die dem Produktionsinteresse mehr oder weniger widerstreiten._ Tat. Berliner partel-Hnc{ele/z Uhr findet in der 5tronen-Braucrei, Alt-Moabit 47/49, eine öffentliche"Wähler- Versammlung für beide Bezirke statt, in der Genosse W. Pfann- kuch über„Die bevorstehenden Stadtvero rdneten-Wahlen" einen Borstag hält. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vertrauensmann. Johannisthal. Ueber das Recht der Frau spricht Montagabend Genosse Küter in der bei Senftleben stattfindenden Volksversammlung. Auch erfolgt die Wahl einer weiblichen Vertrauensperson. Der Schmargcndorfer Wahlvcrein hält am Dienstagabend g''» Uhr im„Wirtshaus Schmargendorf" seine Generalversammlung ab, in der die Berichte des Vorstandes und der Kommissionen gc- geben werden und Neuwahlen der Gesamtverwaltung stattfinden. Reinickendorf. Mittwochabend 8'/z Uhr findet bei Lange, in Schönholz die W a h l v e r ei nL- V e rs am n, lung statt. Tagesordnung: 1. Vorstag. Referent M. Schütte. 2. Die Landtags- Abgeordnetenwahl in Bernau. 3. Slbrechnung von, Sommerfest. 4. Verschiedenes. Sountag, 22. November IM. Charlottcnburg. Die Parteigenossen werden ersucht, heute früh 8 Uhr an den bekannten Stellen zur Flugblatwerbrcitung zu erscheinen. Am Montag, 23. November, von vormittags 10 Uhr bis abends 3 Uhr finden hier die Stadtverordnetenwahlen statt. Jeder Wähler versehe sich mit einer Legitimation: wer vom Magistrat keine Karte erhalten haben sollte, nehme seinen Miels- kontrakt oder Steuerzettel mit. Wer es irgend ermöglichen kann, gebe spätestens am Nachmittag seine Stimme ab, damit für die Wähler, die erst am Abend zur Wahl gehen können, die Stunden zwischen 6 und 8 Uhr ftei bleiben. Der Wahlatt wird pünktlich 8 Uhr geschlossen. Parteigenossen, welche am Wahltage helfen wollen, besonders solche, die keine'Arbeit haben, werden ersucht, sich ihren Bezirkssührern früh 9 Uhr in folgenden Lokalen zur Verfügung zu stellen: 1. Bezirk: Baade, Neringstr. 25. 2. Bezirk: Pasche, Potsdamerstraße 44. 3. Bezirk: Müller, Rosinenstraße 3. 4. Bezirk: Dörre, Wallstr. 99. 5. Bezirk: Bartsch, Seesenheimer- straße 11. 6. Bezirk: Fischer, Pestalozzistr. 84. 7. Bezirk: Röttger, Leibnizstr. 3. 8. Bezirk: Meißner, Passauerstr. 23. Montagabend 8�/, Uhr wird im Volkshause, Rosinensst. 3, das Wahlrcsnltat verkündet. Nieder- Schönhause», Bezirk Pankow. Am Dienstagabend 8l/z Uhr Wahlvereins-Versammlung bei Wenzel, Lindenstraße 43. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Wahlen. 3. Verschiedenes. Fricdrichsfelde-Karlshorst. Die Generalversammlung des Wahl- Vereins findet Dienstagabend 8Vz Uhr bei Haberland, Wilhelm- straße 38. statt. Da Berichte und Neuwahlen auf der Tagesordnung stehen, ist es notwendig, daß alle Mitglieder erscheinen. Ferner sei bemerkt, daß über die Mitglieder, die ihr Wahlrecht bei der Landtags- wähl nicht ausgeübt haben, Beschluß gefaßt wird. lokales. Totensonntag ist heute. Unsre Frommen können im Verein mit den Junkem sich nicht genug thun im Klagen über das Sündenbabel Berlin, Ivo die Wunderblume frommer Pietät frivol auf dem Stratzenpflaster zer- treten werde. In Berlin hat man nicht den Drang, für tugendhafter zu gelten als anderswo, wenn man auch in diesem Punkte einen Vergleich mit Posen und Forbach dem Anschein nach immer noch aushalten kann. Das ist es auch weniger, was unsre Frommen ärgert: sie drücken immerhin ein Auge zu, so lange das Dekorum gewahrt wird. Was sie aber mit tiefem Kummer erfüllt, das ist der leidige Umstand, daß die erdrückende Mehrheit der Berliner Bc- völkernng so garnichts vom Kirchenwesen wissen will und dieBeihilfe des Herrn Pastors in manchen wichtigen Angelegenheiten des Lebens ohne Not entbehrt. Nun, der Berliner zeigt durch seinen Wandel, daß es auch ohne dies geht, und man darf sagen, daß wohl kaum an einem andren Orte die Pietät sinniger und durchweg geräusch- loser aufstitt als am heutigen Totensonntag in der RcichShauptstadt. Welch eine Gesinnung jemand auch immer hege, der heutige Tag wird unterschiedslos den Lieben gewidmet, die im Grabe ruhen. Wer da die Friedhöfe betritt, mag höchstens den Kopf schütteln, wenn eine Gunimi-Equipage gar zu protzig vorgefahren kommt und die für daS Erbbegräbnis bestimmten Palmenwedel sich ein wenig auffällig von den schlichte» Kränzen des kleinen ManneS abheben. Und noch eines mag befremdend anmuten, nämlich daß unsre Mucker gerade heute agitatorisch thätig sind und Traktätchen verteilen, deren Quantität für den trostlosen Mangel an Geist, der uns auf solchem Papier entgegcnstarrt, nun eimnal keine Eni- schädigung bietet. Aber auch das erträgt der Berliner. Ueber den Klassenunterschied, der selbst das Leben überdauert, macht er sich seinen eigenen Vers: die Traktätchen-Verteiler läßt er in Ruhe ihrer unfruchtbaren Arbeit nachgehen, ohne sich wegen dieser Personen überhaupt Gedanken zu machen. Sauertöpfisch die Miene verziehen und über eingebildete und wirkliche Sünden sich in Heulen und Zähneklappern ergehen! Quos ego! ruft der Kapitalismus dazwischen, Euch werd' ich sonst was! Der heutige Sonntag mag den Toten gewidmet werden; morgen aber, ja morgen, tritt das Leben mit seinem Ringen, seinem Hasten und seinen mannigfachen Sorgen ums Dasein wieder in seine Rechte, und dies Leben von des Kapitalismus Gnaden kann auf den Tod keine träge Kopfhängerei verstagen. Nicht die leidige Socialdemo- kratie ist der Verwirklichung des Ideals unsrer Frommen am meisten im Wege, sondern die qualmende Fabrik, der Großbetrieb, die gebieterisch einen klaren Kopf und Aufmerksamkeit für die Bedin- gungen der Existenz verlangen! Ter Freisinn im Siegesrausch. „Ueber den Geschmack lägt sich nicht streitest", dachten die Berliner Freisinnigen— da feierten sie am Freitagabend laut jubelnd den Sieg über die Socialdemokratie, den sie bei den Landtags- wählen auf Grund des Dreiklassen-Wahlnnrechtcs davongetragen haben. In einer öffentlichen Versammlung, die der Veffein „W a l d e ck" einberufen hatte, um das Wahlergebnis bekannt zu geben, äußerte sich die stolze Begeisterung dieser„Sieger" in einer Weise, die selbst einen Teil ihrer Freunde und Parteigänger ver- bluffte. Zu Anfang war die Stimmung allerdings ctwaS frostig. Der Vorsitzende laS der schweigenden Versammlung in nüchternem Tone die eingegangenen Telegramme vor und gestand dann mit einer Offenheit, die Anerkennung verdient:„Es folgt uns das Volk nicht mehr!" Es dränge sich ihm. so führte er ms, mehr und mehr die Uebcrzeugung auf�daß doch wohl ein: socialistische Epoche be- ginne. Auch der Stadtverordnete Cassel, nun Landtags- Abgeordneter für Berlin IV, gab noch zu, daß ihm die Brust nicht von Hochgefühlen geschwellt sei. Er klagte, daß der Freisinn in der dritten Abteilung stark an Boden verloren habe: es müffe versucht werden, das verlorene Terrain wiederzugewinnen. Stolzer hob man das Haupt erst, als der Gemeindeschnlrektor Kopsch. dem diesmal der bisherige Abgeordnete für Berlin II. der alte Langerhans, sein Landiagsmandat hat abtreten müssen, auf der Bildflächc erschien und in die Versammlung hineinrief, daß auch Berlin III vom Freisinn behauptet worden sei.„ES gelingt den Socis nichts mehr!" höhnte dieser Adjutant des Herrn Eugen Richter. und in vollen Tönen feierte er den„Sieg" des Freisinns. Ein paar Zwischenrufe, die ihn an den„16. Juni" erinnerten, verhallten Wirtungslos. Sie vermochten weder die Grotzprahlercien eines Kopsch, noch die aufschäumende Begeistersing seiner Freunde zu dämpfen. Nur eine Minderheit der Freisinnigen schien für das Widerwärtige des Auftretens dieses Mannes noch eine Empfindung zu haben. Das Jubcllied wurde fortgesetzt vom Stadtverordneter Gold- s ch m i d t. dem wiedergewählten Landtags-Abgeordnetcu für Berlin II(fast wäre e r hier dem uucnibchrlichen Kopsch geopfert Ivordenl). und dot Stadtverordnete N o s e n o w, nun Landtags- Abgeordneter für Berlin III. lieferte den Schluß. Zu Rosenows stolzen Worten über den„Sieg" des Freisinns in Berlin III machte einer der in geringer Zahl anwesenden Socialdcmokraten eine Bc- incrtüng, die auf den„größeren Geldbeutel" der Freisinnigen hin- wies. Gemcindesdjullchrcr Merten, eine Größe in Berlin III. mutzte das auf und befaß dabei die Begriffsstutzigkeit, das Wort auf die Wahlkasse zu beziehen. Unser Parteigenosse belehrte ihn, dag er die Gcldsiickc gemeint hatte, die bei den Urwahlcn der zweiten und ersten Abteilung dein Freisinn sein Privilegium bewahrt und bei den Abgcordnetenwahlen ihm den„Sieg" verschafft haben. Das Wort ergriff dann noch einmal Herr K o p s ch, um zu erwidern und der Siegesfeier einen würdigen Abschluß zu geben. Man kennt den Ton, den er in solchen Erwiderungen anzuschlagen pflegt. Den socialdcmokratischcn Redner(der, nebenbei bemerkt, längst Wahl- berechtigt ist) bezeichnete er mit wegwerfender Handbewcgnng als „Jüngling"— die freisinnigen Fugend, die im Verein„Waldeck" ihren Mittelpunkt hat, errötete nicht—, und einen Zwischenrufer, der ihn an die nnanfgcklärte Episode Kopsch�Bernstein erinnerte, brüllte er an:„WaS ist denn das für ein Bursche da?" Nach diesem Auftritt verließen die anwesenden Socialdcmokraten den Saal. Die von ihrem Landtagswahl-„Sieg" berauschten Freisinnigen glauvcn, lvie das Schlußwort des Vorsitzenden zeigte, sich der Er- Wartung hingeben zu dürfen, daß nun auch bei den S t a d t- verordnete u- Wahlen ein günstigerer Wind ihre Segel wieder schwellen wird. Es wird Sache der Berliner Arbeiter- bevolkerung fein, diese Hoffnung zu Schanden zu machen und dafür zu sorgen, daß auf diesen Siegesrausch des arbeiterfeindlichen Berliner Freisinns ein derber Katzenjammer folgt. Ei» gutes Beispiel weckt Nachciferimg. Die Stadtverordneten Rast und Genossen haben der Stadtverordneten- Versammlung folgenden Antrag unterbreitet:„Die Stadtverordneten-Versammlung ersucht den Magistat um Mitteilung der Gründe, weshalb der Schul- Unterricht am Tage der II r w a h l c n ausgefallen ist?" Der Aus- fall des Uutcrrichls am Tage der llrwahlen mag sich immerhin bc- gründen lassen, wohingegen für den Ausfall an den Tagen der Paradefeier kein stichhaltiger Grund aufzutreiben war. Die Herren Rast und Genossen sind also nicht besonders glückliche Kopisten der Socialdeinokratie. Arn nächsten Donnerstag hält die Stadtverordneten-Versammlung keine Sitzung ab. Der Magistrat hat heute beschlossen, wegen der Stadtverordneten- Wahl in der III. Abteilung am nächsten Freitag, den 27. d. M., allen städtischen Beamten und Arbeitern zwei Stunden freizugeben, um ihlien die Gelegenheit zur Ausübung ihres Wahlrechts zu bieten. — Mit den Eratsberatungeii wurde fortgefahren. Der Einzeletat des GewcrbegerichtS ist in Einnahme auf 3600 M. und in Ausgabe auf ■i'i 310 M. festgesetzt. Der Zuschuß beträgt danach 20 650 M.— Der Einzeletat für die städtische Taubstimmtettschule balanciert in Ein- nähme mit 1113 M. und in Ausgabe mit 86 658 M. Außerdem wurde noch eine Reihe andrer Specialetats erledigt. Der Magistrat ist gestern den Beschlüssen der Gemischten Depu- tation zur Beseitigung des Fehlbetrages im Haushalts- Etat der Stadt Berlin, die"bestehende llmsatzstcucr für bebaute und unbebaute Grundstücke zu verdoppeln und die Zwischcnverträge zur Besteuerung heranzuziehen, nach einem Vortrage des Stadtrats Tourbie beigetreten. Der Stadtverordneten-Versammlung wird eine Vorlage zugehen. Mittelstand und„Lokal-Anzeiger". Daß die kleineren Geschäfte infolge der Konkurrenz, die ihnen durch die Warenhäuser bereitet wird, schlimm daran sind, steht wohl außer Zweifel. Und um so trostloser ist ihre Lage, als es in diesem Falle kein Heilmittel giebt; die wirtschaftliche Entwicklung räumt mit dem kleinen Geschäftsmann ebenso auf, wie mit dem kleinen Handwerker: und wer den Leuten etwas von Mittelstandsrettung vorschwatzt, ist ein Charlatan. Nun kommt ihnen noch ein andrer„Wettbewerb" eigentümlicher Art in den Weg. Der„Lokal-Anzeiger", auf dessen Weisheit die kleinen Geschäftsinhaber Stein und Bein zu schwören gewohnt sind, veranstaltet eine Reklame- Ausstellung von Puppen, deren Ertrag den Armen zu gute kommen soll. Die verehrlichcn Abonuenten dieses Blattes haben das Recht, sich eine Puppe ans dein Geschäft des Herrn Scherl zu holen, wobei die Bedingung ge- stellt wird, daß das Spielzeug auf Kosten der Abonnentin zierlich angekleidet zu einer Puppenausstellimg in den Räumen des Blattes wieder abzuliefern ist. Die liebe Eitelkeit kann sich dadurch gütlich thim, daß die Namen derer in der Ausstellung prangen, die zwar nicht die Blöße des Elends, wohl aber Scherliche Puppen gekleidet haben. Für den„Lokal-Anzeiger" ist aber, wie gesagt, damit eine neue Reklame gemacht. Auf Kosten der lleinen Geschäftsinhaber allerdings, wie folgende Zuschrift lehrt, die uns vom Verband der Berliner Spiel waren- Geschäfte zugeht: Nicht genug, daß die Bazare den Spielwarenhändlcrn und Puppengeschästen, besonders zu Weihnachten, Konkurrenz machen, beabsichtigt der„Berliner Lokal- Anzeiger" mm auch mit Puppen zu handeln. Wenn auch die Absicht vorliegt, den Armen Berlins Unter- stützung zuzuwenden, so ist doch der Vorteil, den der„Berliner Lokal- Anzeiger" aus dieser Veranstaltung ziehen wird, nicht im- beabsichtigt."Andernfalls wäre es ja dem„Berliner Lokal-Anzeiger" leichier und würde auch selbstloser aussehen, die Kosten, welche ihm durch die Veranstaltung erwachsen, in bar d e r A r m e n v e r- w a l t u n g zu übergeben oder die Puppen an Arme zu verschenken. Wir können nicht unterlassen, dem„Berliner Lokal-Anzeiger" unsre Verwunderung über die Rücksichtslosigkeit s ein c n I n- i e r e n t c n gegenüber,— was in diesem Fahre uns trifft, lann im nächsten Jahre eine andre Branche treffen— auszusprechen und behalten wir uns weiteres vor. Wir verstehen den Schmerz der Spielwarcnhändlcr, können aber nicht die Bemerkung unterdrücken, daß sie in diesem Falle mit einer Ruthe gezüchtigt werden, die sie sich s e l b st gebunden haben. Denn gerade die kleinen Geschäftsleute glaubten bisher besonders gcscheidt zu handeln, wenn sie sich nni öffentliche Angelegenheiten incht kümmerten; um es mit keinem ihrer Kunden zu verderben, hüteten sie sich, irgend ein politisches Partciblatt zu halten und unterstützten durch Abonnement und Inserate den unpolitischoffiziösen„Lokal-Anzeiger". Jetzt kehrt sich der Spieß gegen sie. Die letzte Schuellfahrt zwischen Maricnfclde und Jossen hat gestern stattgefunden, lieber 3000 Besucher sollen in Dahlwitz er- schienen sein i an den Billctschaltcru des Potsdamer RiugbahnhofeS berrfchte iu der achten Morgenstunde ein Gedränge wie sonst nur an schönen Sonuner-Sonntagcn. Anläßlich des zu erwartende» Massenverkehrs am Totensaniitag nach den Friedhofen hat die Betriebsverwaltung der Großen Berliner Straßenbahn außerordentliche Maßnahmen getroffen. Die Linien nach Plötzenfee, die nach den Friedhöfen in der Müllerftraße und West-Ateimckendorf führenden Linien, ferner die Strecken nach Nieder- Schönhausen, Weißensce, Friedrichsfelde. Nixdorf, Mariendorf und Westend werden im Vergleich zu den Totensonntagen in den Vor- jähren einen erheblich erlveiterten Betrieb erhalten. Außerdem werden die sämtlichen Strecken durch zahlreiches� Anffichtspcrsonal und technische Arbeiter überwacht werden. Auf den in Frage kommenden Linien erhalten die sämtlichen Wagen Plakate, die, von außen sichtbar, auf die an der Strecke liegenden Friedhofe hinweisen. — Die Stadtbahnverwaltung wird anläßlich des Totensonntages einen verstärkten Verkehr ans dem Südring einrichten. Es werden sowohl Vollringzüge als auch Einsatzzüge, Stadtbahn— Nixdorf und Potsdamer Bahnhof— Nixdorf— Rummelsburg— Weitzensee verkehren. Tic Bcrcidigimg der Rekritten ist gestern progranmtmäßig unter den üblichen Absperrungen vor sich gegangen. Reden wurden, lvcnn man von den Ansprachen der Geistlichen absieht, nicht gehalten. Ein liebeiiswürdigts„Mädchen". In der Elsasserstraße sprach ein Mädchen einen Arbeiter an, der nächtlicher Weile seinem Heim zustrebte und begleitete ihn bis in die Hansthürnische. Nach einem zärtlichen Abschied vermißte der Arbeiter sein Portemonnaie mit 43 Marl und beschuldigte seine Begleiterin, es ihm gestohlen zu haben. Als diese leugnete, ließ er sie festnehmen und nach der Wache bringen. Hier entpuppte sie sich als der frühere Artist Jakob Laskowski, der nun aus einem doppelten Grunde nach dem Polizei- Präsidium und von dort nach Moabit in Untersuchungshaft gebracht wurde. Das Portemonnaie mit dein Gclde fand man noch bei dem Diebe. Zwei Kollidicbe sind durch die Aufmerksamkeit von nnisormierten Schutzmännern unschädlich gemacht worden. In der Ehorinerstraße sah ein Beamter, daß ein Mann ein Paket mit Bürsten von einem Rollwagen nahm und damit wegging. Er machte den Kutscher darauf aufmerksam und als ihm dieser sagte, daß das Paket ge- stöhlen sei, setzte er dem Diebe nach und brachte ihn mit der Beute zurück. Der Festgenommene ist ein Mann Namens Karl Flöricke ans Neu-Weißeiffee.— Ein„Arbeiter" Paul Bvlter wurde in der Oberwallstratze von einem Schutzmann dingfest gemacht, als er von einem Rollwagen einen Ballen Tuch gestohlen hatte. Ein Schurkenstreich. Ein Verfahren wegen Sittlichkeits- Verbrechens ist gegen einen Ingenieur B. aus der Behrenstraße ein- geleitet worden. Die 16 Jabrc alte Charlotte R. aus Bernau, die hier in der Kirchsttaße wohnte, wurde gestern mit knapper Not vor deni Tobe des Ertrinkens gerettet. Das Mädchen hatte sich am Hafenplatz ihrer Obcrkleidcr entledigt und sprang ins Wasser, wurde aber von einem hinzueilenden Eisenbahnarbeiter gerettet. Vor der Polizeibehörde gab die Unglückliche an, sie wäre am Abend zuvor von dem Ingenieur B. unter allerlei Vorspiegelungen nach seiner Wohnung in der Behrenstraße gelockt, dort in den Zustand völliger Bewußtlosigkeit versetzt und verführt worden. Aus verletztem Scham- gefühl habe sie sich das Leben nehmen wollen. Da die Angaben der R., die als unbescholtenes Mädchen bekannt ist, auf Wahrheit zu beruhen scheinen, so ist gegen ihren angeblichen Verführer ein Verfahren eingeleitet worden. Selbstmordversuch. Durch einen Schutz in den Kopf versuchte sich der 20 Jahre alte Student der Jngenieurwiffenschafteii Albert S. zu toten. Der junge Mann, dessen Vater auswärts Kaufmann ist, besuchte seit Ostern die Technische Hochschule in Charlottenburg, wohnte aber in der Nähe des Bahnhofs Alexanderplatz in der Keibel- straße, weil ihm in Charlottenburg die Wohnungen zu teuer waren. Gestern abend horte ein Zimmernachbar bei ihm einen Schuß fallen und fand ihn, als er mit einer schweren Verletzung am Kopf vom Stuhl sank. Aus der Hand fiel der Revolver, mit dem er sich eine Kugel in die rechte Schläfe geschossen hatte. AuSsctziiiig eines Kindes. Am 14. d. Mts. abends gegen 83/t Uhr wurde auf der Treppe des Hauses Wvrthcrstr. 17. ans dem Ausgang zur Wache des 31. Polizeireviers, ein in Landwand und in fein rot und weiß gestreiftes Flanell gehülltes, etwa zehn Tage altes lebendes Kind weiblichen GelchlechtS aufgefunden. Das Kind be- findet sich im städtischen Waisenhansc, Alte Jakobstr. 33. Personen, die in der Lage sind, über die Herkunft des Kindes bezw. über dessen Mutter irgend welche Angaben zu machen, werden ersucht, sich im Polizeiburcau Wvrtherstr. 17 bezw. im Polizeipräsidium Zimmer 327 zu melden._ Ein Sinfoniekonzert mit ausgewähltem Programm veranstalten heute abend 7 Uhr die beiden Gesangvereine„Norddeutsche Schleife" und„Kreuzberger Harmonie" in der„Neuen Welt". Hasenheide. Der Preis der Karte beträgt 40 Pf. Die Ausstellung empfehlenswerter Jngendschriften, die vom 30. November bis 5. Dezcinder im Berliner Gcwcrkschaftshaus, Engelufer 15 stattfindet, enthält nur diejenigen Werke, die im Ber- zeichnis empfehlenswerter Jugcndlcktüre, ziismnmcngestellt von den vereinigten Prüfungs-Ausschüsscn der deutschen Lehrer, angeführt sind. Auch diesmal ist mit der Bücher-Aussrellung eine Ausstellung von Wandschmuck für Schule und Haus(Künstler-Steinzeichnungen, erschienen im Verlage von B. G. Tcubner, Leipzig) verbunden. Die Ausstellung ist von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends geöffnet. Der Eintritt zur Ausstellung sowie zu dem am Montag, den 30. November, stattfindenden Vortrag über Erziehung und Jugend- lcktüre ist für jedermann frei. In der Winter-Ausstclliing der Berliner Secession wurden in der ersten Woche folgende Werke angekauft: Rosin, 8 Zeichnungen; Lieber- mannS„Landschaft", Kohlezeichnung; Kollwitz'„Frau" Lithographie; Israels„Rabbiner" und„Mädchen mit Korb", Radierung: Kubin: „Der Tag weckt die Blume", Zeichnimg; Whistler:„Bibi Lalouette" und„Stadtansicht", Radierung; Walser:„Dame in Rot" und„Cafe Bauer", Zeichnung; Orlik:„Gustav Mahler". Radierung; Whistler: „Hasen", Radierung; Rath:„Stockholm", Lith; Struck:„4 Land- schatten", Radierung: H. Hübner:„Dampfer", Zeichnung; Heile- mann:„Nachmittag", Zeichnung; Larsson:„Studie", Zeichnung; Lcistikow:„Landschaft", Radierung; Beardsley:„Jcllowbrook", „Savoy" und„Bolpone", Illustrationen. Ter Berliner Zoologische Garten beherbergt seit kurzem im neuen Affcnhause wieder ein Paar H n l m a n s, die bekanntesten Vertreter der Gruppe der S ch Lm n k a f f c n. In ihrem indischen Vatcrlande spielen sie als Heilige eine große Rolle. Tie Raubzüge, welche diese ?lffen in die Pflanzungen der Eingeborenen unternehmen, werden ihnen nicht nur verziehen, sondern die Tiere selbst sind durchaus unantastbar, und der Europäer, welcher sie schießen will, bcgiebt sich in ernste Gefahr. Die Schlankaffcn, welche sämtlich der südasiatischen Fauna angehören, sind durch den ausfallend langen, schlaffen Schwanz und schlanke Glieder ausgezeichnet; das dunkle Gesicht ist häufig von einer ansprechenden und' auffallenden Haar- und Bartfrisur ein- gerahmt, welche den Tieren etwas ungemein Würdiges, man mochte sagen Vornehmes verleiht. Da diese Äffen sich vorwiegend von Blättern ernähren, sosist ihr Magen sehr groß und merkwürdigerweise fast nach Wiederkäuerart in der Mitte geteilt. Im Berliner Aquarimn erregen jetzt zwei neue Gäste des Affen- Hauses ganz besonderes Interesse der Besucher; sie haben aber auch für dieses Institut selbst eine wesentliche Bedeutung, insofern als das Aquarium vom Eintreffen des ersten nach Europa gekommenen Gorilla an stets eine feiner Aufgaben darin gesehen hat, dem weiten Publikum überhaupt und den Staturfreunden und Fachgelehrten ins- besondere durch die Vorführung der körperlich und geistig auf einer hohen Entwicklungsstufe stehenden Menschenaffen Material zu Studien und Beobachtungen zu geben, und es ihm jetzt wieder möglich war, durch Erwerb eines Orang eine seit Jahren bestehende Lücke zu schließen. Der Orang ist dem vor kurzem eingetroffenen Schim- pausen beigesellt worden und man kann sich kaum einen größeren Gegensatz denken, als wie er sich im Wesen und Charakter dieser beiden, trotz aller verwandtschaftlichen Merkmale auch im Aeußereu so verschiedenen Vettern ausprägt. Ter schwarzhaarige Afrikaner ist die Munterheit und Ausgelassenheit selbst, immer bei regstem Appetit und voll toller Streiche, die das Haus noch mitbewohncnden Meerkatzen im Zaume haltend, der rothaarige Hinterindicr dagegen erweist sich als das verkörperte Phlegma, er läßt alles an sich heran- treten und trifft auch unter den Speisen die subtilste Auswahl. Möglicherweise wird er in der einen oder andren Hinsicht sich hier noch ändern.__ Hue den Nachbarorten. Friedenau. Wie der Gemeindevorsteher in der letzten Sitzung der Gcmeindevcrtretcr mitteilte, hat das kürzlich geänderte Orts- statut über die Anzahl der Schöffen und Gemeinde- Vertreter die Genehmigung des Landrates erhalten. Im nächsten Jahre wird der Ort also 5 Schossen statt bisher 4 und 13 Gcmeindcvcrtrcter statt bisher 15 haben. Wann viesc drei Er- gänzungswahlen stattfindeil, wurde leider noch nicht bekanntgegeben. — Aus den übrigen Mitteilungen des Gemeindevorstehers ttr nur noch erwähnenswert, daß in dem letzten Quartal, vom LI. Juli bis 20. Oktober, die Einwohnerzahl Friedenaus wiederiun ga- stiegen ist und zwar von 13 848 auf 14 107, also um 259 Personen. Schiilfragen wurden in der letzten Sitzung der Stadtverordneten- Versaiiimlnng zu Spandau erörtert. Im Frühjahr dieses Jahres hatte die Versammlung gemäß dem Magisirntsvorschlage den Bau eines neuen Schulhauses in der S c e b n r g e r slr a ß e beschlossen. Urplötzlich„fiel" aber der Magistrat um— wie der Ober-Bürgermeister mit einem Anflug von Selbstironie bekannte— und nun mit einem Male sollte der Bau dieses Schul- Hauses noch gut fünf Jahre Zeit haben, dagegen sollte ein zweites Schulhans neben der 5. Gemeindeschnle in der Adainsttaße gebaut werden. Unsre Genossen Pieper und R i e g e r sprachen sich ent- schieden gegen diesen neuen Vorschlag aus und rückten den auffallenden Aiisichtcnwechsel des Magistrats in das rechte Licht. Die neue Vorlage erfuhr denn auch seitens der Versammlung nahezu einhellige Ablehnung. In der zweiten Vorlage verlangt der Magistrat die Zustimmung der Versammlung zu dem Ankauf eines Grundstücks neben der Kaserne des 5. Garde- Regiments für ein darauf zu errichtendes Schulgebäudc. Unsre Genossen sprachen sich durch Linz gegen den Ankauf aus, da der Platz wegen seiner Lage neben der Kaserne und dem Tambonr-Uebungsplatze für Schulzweckc absolut ungeeignet sei, und die Stadt doch bereits in den früheren Predigergärten ein weit geeigneteres Grundstück besitze, das sie unter keinen Umständen, wie beabsichtigt werde, spekulativ ausnutzen dürfe. Gegen die Stimmen der Socialdemokraten und dreier bürgerlichen Stadtväter wurde die Magistratsvorlage jedoch angenommen! Eine weitere Vorlage des Magistrats forderte u. a. für die Schuldeputation die Einräumung der Befugnis, Ermäßigungen von Schulgeld sfür die gehobenen Schulen) gewähren zu dürfen, ohne in jedem Falle erst die Stadtverordneten- Versammlung befragen zu müssen. Hiergegen wandten unsre Genossen mit Erfolg ein, daß dieses eine arge Beschneidung des Mitverwaltungsrechts von nahezu einem Drittel der Stadtverordneten— nämlich der Socialdemokraten— bedeuten würde, denn diese würden bekanntlich in Preußen ebenso konsequent wie ungerecht von der Mitarbeit in den Schuldepiitationen ferngehalten. Dieser Teil der Magistrats- Vorlage wurde hierauf abgelehnt. Serickts-Leitung. Ein Presibelcidignngöprozcs! wurde gestern vor dem Schossen- gcricht verhandelt. Privatkläger Ivar der frühere Generaldirektor der„Continental Preß-Affociation" H. K. K a u l i tz- Farlow, dem die Rechtsanwälte Hugo C a r o und Kantorowicz zur Seite standen. Die Klage richtete sich gegen den verantwortlichen Redakteur der„Köln. Ztg." Dr. Schmits, den Redakteur der„Breslaucr Morgen-Ztg." Doclle, beide vertreten durch Rechtsanwalt A c h n e l t, gegen den Chefredakteur der„Post" Dr. Kronsbcin und gegen den Redakreur des„Westfälischen Merkur" W a r n e ck e, die beiden letzteren vertreten durch Jnslizrat Dr. Siran z. Die Privatklage richtete sich auch noch— und zwar in erster Reihe— gegen den Chefredakteur der„Llönigsberger Hartungschcn Zeitung" Walter; aus diesem Blatt hatten die andren Zeitungen die Be- schuldignngcn wiedergegeben. Da Walter inzwischen verstorben ist, ist das Verfahren gegen ihn eingestellt worden. Die Herren Dr. K r o n s- dein und Dr. Schmits hatten Widerklage erhoben.— Teil Ausgangspunkt des Prozesses bildet ein vor etwa 2 Jahren in der „KönigSberger Hartungschcn Zeitung" erschienener Artikel, der gegen die Preßthätigkeit des Herrn Kaulitz-Farlow in sehr energischer Weise Front machte. Es wurde darin ausgeführt, daß der Privatklägcr derjenige sei, der durch planmäßige Verhetzung in der Presse die seiner Zeit Mischen Teutschland und England bestandene riefe Vet- slimmung mit verschuldet habe. Außerdem wurde Herrn Kaulitz der Vorwurf gemacht, daß er den Zeitungen fingierte Depeschen zu- gesandt und in den achtziger Jahren in London Schwindeleien gelrieben habe. Ter Kläger war nämlich in den siebziger Jahren Soeialdcmokrat und damals wegen politischer Vergehen im ganzen zu 2V, Jahren Gefängnis verurteilt worden. In London hat er mit Johann Most und Karl Schneidt verkehrt Ter als Zeuge ver- nommcne Reichsglöckner Gehlsen, der ihn ebenfalls m London kennen gelernt hat, konnte nichts Belastendes gegen den Kläger bekunden. In der Verhandlung stellte sich heraus, daß die angeklagten Redakteure der„Post" und der„Breslaucr Morgenzeirung" als Verantwortliche nicht in Betracht kommen, so daß nur das Verfahren gegen die.Köln. Ztg." übrig blieb. Die Verhandlung endete mit folgendem Vergleich: Der Angeklagte Schmits erklärt: Tic„Köln. Zeitung" hat den in- kriminiertcn Artikel aus der,, Königsbergcr Hartungschen Zeitung' entnommen; sie hatte, als sie diesen Artikel publizierte, keine Kenntnis davon, daß die„Königsberger Hartungsche Zeitung" schon eine Berichtigung veröffentlicht hatte. Hätte sie dies gewußt, fo_ würde sie den Artikel nicht veröffentlicht haben. Die Kosten des Verfahrens übernimmt der Angeklagte Schmits. Klage und Widerklage werden hierauf zurückgenommen und das Verfahren eingestellt. Ungültige Polizeivorschrift. Eine Polizeiverordnung für den Regierungsbezirk Merseburg, die die Veranstaltung öffentlicher Tanzlustbarkeiten von einer vorherigen polizeilichen Erlaubnis ab- hängig macht, stellt gleich ähnlichen Polizewerordnnngen in andren Regierungsbezirken im tz 2 den öffentlichen Tanzlustbarkeiten solche Tanzlustbarkeiten gleich, die von Vereinen veranstaltet werden, welche vorwiegend oder ausschließlich zum Zwecke der Veranstaltung von Lustbarkeiten zusammen getreten seien, und unter gewissen Voraus- setzungen auch die Tanzlustbarkciten andrer Gesellschaften.— Das Ober-Benvaltiingsgericht hob das Verbot der Tanzlustbarkeit eines geselligen Vereins auf und erklärte jene Bestimmung im tz 2 der genannten Polizciverordnung für rechtsungültig, indem es von folgenden Erwägungen ausging: N u r die Vcranstaltting o f f e n t» l ich er Tanzlustbarkciten unterliege der polizeilichen Regelung, nicht aber die geschlossener Gesellschaften. Bei einer Gesellschaft (einem Verein), deren wesentlicher Zweck die Veranstaltung von Lustbarkeiten sei, spreche ja eine gewisse Vermutung dafür, daß ihre Veranstaltungen öffentliche seien. Aber andrerseits sei doch auch bei solchen Vereinen nicht ausgeschlossen, daß ihre Veranstaltungen den Charakter einer geschlossenen Gesellschaft hätten. Da hiernach der tz 2 der Verordnung auch in der Vorschrift bezüglich derartiger Vereine die geschlossenen Gesellschaften mit treffe, sei er ungültig. Geschlossene Gesellschaften bedürften für ihr Tanzvergnügen in keinem Falle einer polizeilichen Erlaubnis, sofern auch hierbei der Charakter der ge- schlossencn Gesellschaft gewahrt bleibe, deren Voraussetzung das Bc- stehen engerer persönlicher Beziehungen ihrer Mitglieder sei. Versammlungen. Britz. Der Wahlverein Britz hielt am 13. November seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab, in welcher Dr. A l b e r t y einen Vortrag hielt über„Christliche und moderne Weltanschauung." Der Vortrag wurde mit der größten Ruhe und Andacht angehört, und mit reichem Beifall belohnt. Zur Aufnahme gelangten zwölf neue Mitglieder. Als Delegierte zur Generalversammlung wurden die Genossen Nierich. Soldner und Vogt gewählt. Femer wurde das Wahlresultat verlesen. In fünf Bezirken sind in der dritten Klasse unsre Genossen gewählt. Die dritte Klasse im ersten Bezirk ist verloren gegangen, da die Gutsarbeiter den Obergärtner vom Gut gewählt haben. Im vierten Bezirk haben wir in der zweiten Klasse zwei Stimmen und in der ersten Klasse eine Stimme erhalten. Im allgemeinen war die Beteiligung an der Wahl für das erste Mal eine ganz gute. Zehlendors. In der letzten Mitgliederversammlung de§ Verbandes der Handels-, Transpy't- und Verkehrsarbeiter wurde beschlossen. sogenannte Kontrollkarten auszugeben, damit die Kollegen einen Ausweis der OrganisationS-Zugehörigkeit stets bei sich sichren können. Die Versammlung erwartet von allen auf Bauten be- schäfttgten Arbeitem, daß dieselben sich von den Kutschern die Kontrollkarte vorzeigen lassen. Richtigstellung. Zu dein in Nr. 272 des„Vorwärts" ge- brachten Versammlungsbericht des Centraiverbandes der Schlächtergesellen bringen wir nachstehendes zur Richtig- stellung: Es ist wohl auf ein Mistverständnis des Berichterstatters zurück- zuführen, wenn geschrieben steht, dast auch Herr Kunze sich der Gesellenlommissiou gegenüber in der bezeickmetcn Form benommen hätte. H e n s e l hat in seinem Bericht die Aeusterungen des Herrn Kunze gebracht, demselben aber keine derartige Bezeichnung bei- gelegt, da kein Grund dazu vorlag. Der Vorstand dcS Centralverbandes der Fleischer und Berufsgenossen Deutschlands. (Verwaltungsstelle Berlin.) Mocden- Spielplan der Berliner Cheater. Königliches Opernhaus. Sonntag: Orpheus und Eurydike. Mon- tag: Lohengrin. Dienstag: Feuersnot. Die Rose von Schiras. Mittwoch: Die Zaubcrflöte. Donnerstag: Die verkaufte Braut. Freitag: Samson und Dalila. Sonnabend: Der Wassenschmied. Sonntag: Tannhäuser. Montag: Fra Diavolo. Königliches Schauspielhans. Sonntag: Faust. Montag: Die Welt, in der man sich langweilt. Dienstag: Im bunten Rock. Mittwoch: Im stillen Gästchen. Donnerstag: Julius Caesar. Freitag: Wie die Alten. sungen. Sonnabend: Im stillen Gästchen. Sonntag: Das groste Licht. Montag: Weh' dem, der lügt. Neues kgl. Opern-Theater. Sonntag: Nathan der Weise. Mon- tag: Geschlossen. Dienotag: Emilia Galotti. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Goldenes Kreuz. Slavische Brautwerbung. Freitag und Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Die Journalisten. Schiller-Theater O.(Wallner-Theater.) Sonntag: Wilhelm Tell. Montag: Hedda Gabler. Dienstag: Libclei. Litteratur. Mittwoch: Die Stützen der Gesellschast. Donnerstag und Freitag: Liebelei. Litteratur. Sonnabend: Wilhelm Tell. Sonntag: Madame Bonivard. Montag: San Marcos Tochter. Schiller-Theater X.(Friedrich WilhelmstädtischeS Theater.) Sonntag: .'Pedda Gabler. Montag: Liebelei. Litteratur. Dienstag: Die Stützen der Gesellschast. Mittwoch: Libelci. Litteratur. Donnerstag: Vasantasena. Freitag: Die Ehre. Sonnabend, Sonntag und Montag: Vasantasena� Deutsches Theater. Sonntag: Rose Bernd. Montag: Mona Vanna. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Rose Bernd. Sonnabend: Cyrano von Bergerac. Sonntag und Montag: Rose Bernd. Berliner Theater. Soimtag und Montag: Mt-Heidelberg. Dienstag: Ein Wintcrmärchen. Mittwoch: lieber unsre Krast. I. Teil. Donnerstag: Alt- Heidelberg. Freitag: Ein Wintermärchen. Sonnabend: Wilhelm Tell. Sonntag: Ein Wintcrmärchen. Montag: Alt-Heidelberg. Lessiug-Theater. Allabendlich: Zapfenstreich. Neues Theater. Sonntag lind� Montag: Der Kammersänger. Salome. �Dienstag: Logik des Herzens. Salome. Mittwoch: Der Kammer- sänger. Salome._ Donnerstag: Logik des Herzens. Salome. Freitag, Sonnabend und Sonntag: So ist das Lebe».'Montag: Der Kammersänger. Salome. Theater des Westens. Sonntag: Die Afrikanerin. Montag und Dienstag: Rip-Rip. Mittwoch: Die Afrikanerin. Donnerstag: Der Zigeunerbaron. Freitag: Rotkäppchen. Sonnabend: Die Asrikancrin. Sonntag: Der Bcucistudcnt. Ltiisc»- Theater. Sonntag: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Der Altienbudiker. Dienstag: Der Widerspenstigen Zähmung. Mittwoch: Die Logenbrüder. Donnerstag: Der Verschwender. Freitag: Der Wider- spenstigen Zähmung. Sonnabend: Die Jungfrau von Orleans. Sonntag- nachmittag: Der Widerspenstigen Zähmung. Sonntagabend: Der Vor- schwendcr. Montag: Die Logenbrüder. Residcnz-Theater. Sonntag, Montag und Dienstag: Das groste Geheimnis. Allabendlich: Ein Seitensprung. Der zündende Funke. Kleines Thearer. Sonntag: Elektro. Montag: Nachtasyl. Dienstag: Elcktra. Mittwoch: Nachtasyl. Donnerstag: EIcktra. Freitag: Nachtasyl. Sonnabend: Nächtasyl. Sonntag: Elektro. Montag: Elcktra. Trianon-Thcatcr. Sonntag: Die Wildente. Sonst allabendlich: Vermischtes. Biscotte. Thalia- Theater. Der Hochtourist. Ccntral-Theater. öonntag: Der Verschwender. Sonst allabendlich: Soimlag: Die Glocken von Corneville. Montag imd Dienstag: Der Rastelbinder. Mittwochnachinittag: Der gestiefelte Kater. Mittwochabend und Donnerstag: Der Rastelbinder. Freitag: Das süste Mädel. Soimabcndnachmittaa: Der gestiefelte Kater. Sonnabendabend, Sonntag und Montag: Der Rastelbinder. Carl Weist- Theater. Allabendlich: Die Toten leben. Freitag: Die Schule des Lebens. Sonnabendnachmittag: Der Waldmeister. Tcutsch-ameritanisches Theater. Allabendlich: Ucber'n großen Teich. Belle- Alliancc- Theater. Sonntag, Montag und Mittwoch: Der Mcnoiiit. Sonst allabendlich: Los vom Manne. APollo-Theater. Allabendlich; Frühlingslust. Metropol- Theater. Sonntag: Mein Leopold. Sonst allavendlich: Durchlaucht Radieschen. Casino-Theater. Sonntag: Ein edles Weib. Sonst allabendlich: Berliner Nachtasyl. Palast-Theater. Sonntag: Muttcrscgcn. Sonst allabendlich: Das LlebcsparadieS. Freitag: Tie Tochter des Herrn Fabricius. Steidl-Theater, Linienstraste(Ecke'griedrichslrastc). Täglich: Der große Cohn und andre Vorträge. Wintergarten. Täglich: Svecialitätcn. Passage-Theater. Täglich: Pertina. Urania- Theater. Taubenstraste 48/49. Allabendlich: An den Seen Obcritaliens. Hochwasser. Aus Breslau wird berichtet: Das durch an- haltenden Regen bewirkte Hochwasser der Oder hat bei Brieg an der alten Bruchstelle den Deich zerrissen. Mehrere andre Deiche sind stark gefährdet, so daß der ständige Wachtdienst wieder eingerichtet worden ist. Ucber eine ganze Anzahl Eisenbahnunsiille liegen folgende Be- richte bor: Ein anscheinend harmloser Unfall wird amtlich aus Rastenburg gemeldet: Am 20. November sind gegen liß Uhr abends von dem Bedarfsgüterzuge 6817 zwischen Wickbold' und Tharau 23 Güterwagen abgerissen und auf der Strecke stehen geblieben. Der entgegenkommende Güterzug 6864 fuhr auf diese Wagen auf und brachte vier zur Entgleisung. Personen wurden nicht nicht ver- letzt. Um 12 Uhr nachts lvar die Strecke geräumt und der Betrieb wieder ausgenommen. Ein furchtbares Eisenbahnunglück hat sich in CascaeS, 3S Meilen von Lissabon, ereignet. Mehrere Personen, darunter die Ober- yofmeisterin der Königin, Herzogin de Pallmella, haben Verletzungen erlitten. Nach einer andern Meldung hat die Katastrophe auch einige Menschenleben zum Opfer gefordert. Bei Cercedilla fand, wie aus Madrid gedrahtet wird, ein Zu- sammenstoß zweier Eisenbahnziige statt, bei welchem 7 Personen ums Leben kamen. 17 Personen wurden verwundet, darunter 16 schwer. Aus Amerika liegt folgende, bisher unbestätigte HiobSknnde vor: Wie aus Peoria, im Staate Illinois, gemeldet wird, hat dort Freitag- abend auf der Eisenbahnlinie St. Louis— Chicago in der Nähe von Tremont eine furchtbare Eisenbahukatastrophe stattgefunden. Ein Güterzug stthr mit solcher Heftigkeit auf einen Personenzug, daß dieser völlig zerstört wurde. 32 Passagiere waren auf der Stelle tot, viele andere wurden verletzt. Mittelalterliches aus dem roten Königreiche. Aus Zittau be- richtet man dem„Armen Teufel": Es erben sich Gesetz und Rechte, wie eine ewige Krankheit fort— das zeigt sich jetzt wieder durch die Mitteiltmg, daß dem Landtage ein Gesetzentwurf seitens der Regierung vorgelegt wurde, der das allgemeine sächsische Berggesetz auch auf den Erzbergbau in der Oberlausitz erstrecken will. Man könnte daraus schließen, die Oberlausitz habe seither gar nicht zu Sachsen gehört! Die Sache ist aber so. daß man in der Lausitz seither kein Erz gegraben hat„ mm will man aber auf einem Grundstück zu Sohland an der Spree ein Erzlager entdeckt haben, und als an die Ausbeutung des Fundes gegangen werden sollte, habe es sich herausgestellt, daß— man höre und staune I— nach dem alten, in der Oberlausitz geltenden Bergrecht ohne Erlaubnis der„Ritterschaft", als der ehemaligen„Grundherrschaft", keinerlei Abbaubefugnis zu erlangen ist, auch seien die sächsischen Bergümter im ganzen ehemaligen „Hoheitsgebiet" der Oberlausitzer„Ritterschaft" iiilbt zuständig. In der Obcrlausitz gelte noch die Joachimsthaler Bergordnung des böhmischen Königs Ferdinand vom 1. Januar 1S43(!!!) in Verbindung mit den böhmischen Bergwerks- Verträgen von 1ö34 und 1S7S. welche bei der Abtretung der Oberlausitz in dem Receß vom 36. Mai 1636 ausdrücklich gewährleistet worden sei. Der erwähnte Entwurf kann daher auch nur mit Zustimmung des„Walpurgis- LandtageS" der Oberlausitz Gesetz werden. Aon der auf dem WalpurgiS- Landtage vom Jahre 1961 eingesetzten Kommission der Oberlausitzer„Ritterschaft" hat die Regierung nach längeren Ver- Handlungen auch nur errreicht, daß die Grundstücke der ehe- maligen„Gutsunterthanen" dem ehemaligen Berggesetze unter- warfen werden dürfen, auf die im unmittelbaren Eigentun: der Rittergutsbesitzer darf sich dasselbe nicht erstrecken. Mit dieser Ein- schränkung hat die Majorität des„Walpurgis-Landtags" vom 2. Mai 1963 der Ausdehnung des allgemeinen Berggesetzes auf die Ober- lausitz zugestimmt. Sollte die Regierungsvorlage vom sächsischen Landtage geändert werden, so muß erneut die Zustimmung des „Walpurgis-Landtags" eingeholt werden. Im hochentwickelten Jndustrielande Sachsen herrschen im Jahre 1963 noch solche Ueberreste der Feudalzeit I Die„Ritterschaft"— der Adel— genießt noch die Vorrechte des Mittelalters und hat es durch seinen„Walpurgis-Landtag" in der Hand, seine Vorrechte noch so lange zu konservieren— bis das siegreiche Proletariat dieser Privilegienlvirtschaft ein Ende macht, was zu thun das feige„libe- rate" Bürgertum unterlassen hat. Ohne Biilows Schuld. Der deutsche Professor v. Schuttes hatte, wie erinnerlich sein wird, im vatikanischen Archiv einige Dokumente über den Ablaßhandel gefunden, die zu veröffentlichen er mit Rücksicht aus den in Deutschland herrschenden lleriialen Einfluß nicht unternahm, ohne den Reichskanzler um Erlaubnis zu fragen. Der für voraussetzungslose Wissenschaft schwärmende Herr von Bülow gab im modernen Telegrammstil die Antwort: Ignorieren". Nunmehr wird dennoch durch die Mitteilung eines italienischen Blattes bekannt, daß jene Dokumente einen Briefwechsel enthalten, der zwischen dem Vatikan und dem Bankhalls Fugger, das die Einkassierung der Ablaßgelder übernommen hatte, geführt worden ist. Ueber einen Raubmord wird aus Saarbrücken berichtet: Freitagabend wurde zwischen den Dörfern Hambach und Villewald bei Saargemünd der Führer eines Petroleumwagens auf fem«« Wagen festgebunden mit einem Schuß im Genick aufgefunden; die Geldbörse war abgeschnitten und von dem Thäter mitgenommen worden. Der Fuhrmann, welcher nur noch kurze Zeit lebte, be- zeichnete einen Saargemiinder Einwohner als den Thäter, der flüchtig ist. Auf gleiche Weise wurde im vorigen Jahre ebenfalls der Kutscher eines Petroleumwagens ermordet, ohne daß der Thäter bisher ermittelt lverden konnte. Eingegangene l)rucK5cl?nften. „Kommunale Praxis". Zeitschrift für Kommunalpolitik und Gemeinde-Socialismus, herausgegeben von Dr. Albert S ü d c k u m. Redaktion und Verlag Berlin IV. 16. Nr. 22 des 3. Jahr- ganges enthält einen ausführlichen Artikel des Reichstags-Abgeordneten Edmund Fischer über„Die Kommunalpolitik im Dorfe", sodann die Fort- setzung einer Beschreibung des Elberselder Systems der Armenpflege. Der Notizenleil der Zeitschrift ist austerordentlich reichhaltig und bezieht sich auf alle Zweige des koninnlnalcii Lebens. Die„Kommunale Praxis" erscheint am 1. und 15. jeden MonatS und kostet vierteljährlich t,ö0 M. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Zcitungsspediteure; Post-Zeilungslistc Nr. 4263. Briefkasten der Redaktion. A. R. 8. 1. Der politische N. in Rußland bezweckte den gewaltsamen Sturz des'Absolutismus. 2. Uns nicht bekannt. 3. V. huldigte liberale» Anschauungen, Fortschrittspartei. 4. Fragen Sie den Herrn selbst. 5. Wert sehr relativ, wie ja auch M. selbst eine höchst bedenkliche Rolle spielte.— Landtag. Wir können Ihnen nicht zustimmen; denn trotz des scheinbare» MistersolgeS bedeutet die Wahlbeteiligung eine lebenskräftige Aktion und das ist doch etwas mehr als ein lang auSgesponnenes Litteraten- und Partei- gczänk. aus dem nur Schaden für uns erwachsen kann.— In efSgc. Im Bild. Inferno. Die Hölle, Titel eines Teils der göttlichen Komodic von Dante. ?urittis«ber Oeil. Die juristisch- Tprechftundc stndet täglich mit ZlnSnahm-»es Tomiab-UdS von?-/- biS«-/. Nhr abends statt. Geöffnet: 7 Hör. P. B. 2. 1. Ja, aber eö ist das unwahrscheinlich. 2. Stellen Sie den Antrag bei der Invalidenversicherung.— G. K. 44. Innerhalb längstens dreier Monate müssen Sie die Zeugengebühren liquidieren. Ob und i» welcher.Höhe sie zugebilligt werden, hängt in Ihrem Falle vom Ermessen des Gerichts ab.— M. N. 166. 1. In zwei Jahren nach Ablauf de» Jahres, in dem die ärztliche Forderung entstanden ist, verjährt sie, wenn Anerlcnntnis. Ratenzahlung u. dgl. nicht vorliegt. 2. Nein. 3. Ja. — K. W. 646. Wenn aus dem Gesamtverhalten der Parteien oder aus den Abreden nicht hervorgeht, dast die weitere Teilnahme mit Nichtzahlung der ferneren Klaffen aufhören solle, hat der Rückständige weiterzuzahlen und ist an ihn ein etwaiger Gewinn auszuzahlen.— Robert Schulz. 1. In. 2. Offenbacher Krankenkasse für Frauen. 3. Polizeipräsidium.— Vorwärts 166. In der Regel nein.— M. K. 2. Ja.— Beek. Leider liegt volle Hastpflichi auf Ihrer Seite vor. — O. K. 62. Sic müssen von der östtcichischcn Behörde eine Bescheinigung beibringen, dast Ihrer Wicdcrverheiratung nichts im Wege steht. Wenden Sie sich an die hiesige östreichische Gesandschast.— Hans Alverti. Ohne Guillotine.— I. Wandelt. Den Wortlaut einzelner Gcsetzesparagraphcn können Sic in den öffentlichen Lesehallen einsehen. Wir lehnen in allen Fällen schon aus Raumrückstchten den Wunsch ab, Gesetze oder einzelne Paragraphen des Gesetzes im Briefkasten abzudrucken.— Kr. 26. Das Kind führt Ihren Namen, sobald Sie die Umschreibung seines Namen» beim Standesbeamten unter.Hinweis auf Ihr früher abgegebenes Anerkenntnis oder unter Wiederholung desselben beantragen.— W. W. 2. 1.u.2.Nein. 3. Ja. — L. F. 166. Der Chambregarnist ist im Recht. Die Verimreiiiigung ist aber zu bezahlen.— R. 7. Nach unsrcr Meinung ist Ihre Ansicht zu- treffend.— E. R. 25. Sie sind zur Zahlung verpflichtet. Steuern ver- jähren nicht vor vier Jahren.— Grunewald, ei» Arbeiter. Wenden Sic sich an Genossen Hirsch, Charlottcnburg, Rosincnstr. 3.— F. M. 26. 1. Nein; Sie können Rückkehr verlangen. 2. Der Vater kann sich an daS Vormundschastsgcricht wenden. 3. Nein. 4. Das Vormundschastsgericht — S. 63. 1. In der Regel nein. 2. Erscheint der Gegner im Ehe- Sühnctermin nicht,'.so gilt der Sühneversuch als fruchtlos. 3. Das Gericht kann das Erscheinen anordnen.— F. W. 34. Soweit etwa, was wir nicht glauben, Musterschutz vorliegt, dürfen Sie das Muster nicht nachahmen. — A. 2. 6. 1. In drei Jahren. Indes Anerkenntnis, Ratenzahlung und dergleichen unterbricht. 2. Der Gläubiger kann einen Teil einklagen. 3. Ja.— L. W. 64. Der Vater ist schadensersatzpflichtig. Marktpreise von Berlin nach Ermittelungen des »Welz«», gut D.-Ctr. mittel gering„ »Roggen, gut mittel gering„ j G erste, gut mittel gering sHaser, gut mittel gering Richtstroh„ Heu„ Erbsen Speisebohne»„ Linsen * ab Bahn. t frei Wagen und ab Bah». am 26. November 1903 kgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch„ Kalbfleisch, Hammelfleisch„ Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück I üx per Schock 6,56 1,86 1.66 1,66 2,66 1.86 2,86 6,66 2,66 2,66 2,66 2.66 1,86 3,66 1,46 15,06 5,06 1,20 1,10 1,10 1.26 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,40 0,80 3,00 Deutseher Holzaröeiter-Yerband. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast der Kollege, Tischler fUlted Strernpler am 19. November verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montagnachmittag um 4 Uhr von der Leichenhalle der Friedens- Gemeinde ili Nordend- Nieder- Schönhauscn aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 89/13 vis Ortsverrvaitung. MfsIveM[lerDaeliileetor (Filiale Berlin). T o d e s- A n z e i g e. Den Kollegen zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Dachdecker Ernst Kleiber am 16. d. MtS. durch Unfall(Sturz vom Hängegerüst) verstorben ist. Ehre seinem Antenken l Die Beerdigung stndet am Sonntag, den 22. d. Mts., nach- mittags 2Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus-Kirchhoses zu Rixdors, Hennannstrnstc aus, statt. ' Um zahlreiche Beteiligung ersucht 54/90 Die OrtSvcrwaltung 'Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dast meine liebe Frau 3399L Selrna Rudorff am Freitag, den 20. d. M., nach kurzem Leiden lansl cnlschlasen ist. Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 3 Uhr auf dem Kirchhos in Fricdrichsselde von der Leichenhalle aus statt Der trauernde Gatte .Ernst Kudorll. Deutscher Metaliarheifer-Yerband (Verwaltungsstelle Berlin). Todes- Anseelge. Den Kollegen zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Klempner Emil Vallermairn am 17. b. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung jindct am Sonntag, den 22. November er., nachmittags 2'/. Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofs in Rixdors aus statt. Rege Beteiligung erwartet l61/2 Die Ortsverwaltung. lMrsIvei'IüHii! üer Bändels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deutschlands. Hierdurch diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege �osepd Neubauer durch einen Unfall aus dem Leben geschieden ist. 71/4 Die Beerdigung findet am Sonntag, den 22. November, nachmittags°/,4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Hedwigs- Kirchhofes, Reinickendorf, Berliner- straste 26, aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung Berlin I. , Am 20. November starb plötzlich 1 am Herzschlage meine liebe Frau. I untre gule Mutter und Schwieger- I Mutter Hulda Seimbert, geb. Henekc. Die Beerdigung sindei am > Montag, den 23. November, von I der Leichenhalle des Gethsemane- I Friedhofes, Nieder- Schönbausen, | aus nachmittags 3 IKtrj statt. Im Namen der Hinterbliebenen: <». Schabcrt, Tischler, 1 3412b Schliemannstr. 16, 'Am 20. November, mittags 1 II1/, Uhr, starb nach schwerem I Leiden mein guter Mann, unser j lieber Vater, der Stukkateur Paul Preuss. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 22. November. llt3 Uhr, vom Trauerhause, Ruhe-! Platzstr. 21. aus statt. 33946 f Um stilles Beileid bitten Die trauernde Witwe nebst Kindern. Danksagung. Sage hiermit allen Freunden und Bekannten, die meinem lieben Mann. den Schlosser lulius Maertens, die letzte Ehre erwiesen haben, meinen innigsten Dank. 3386b Die trauernde Gattin uebst Tochter.__ Unserm� Kameraden August Weiss ein dreimal donnerndes Hoch zu seinem 66. Geburtstag. Augussi freue Dich noch 10 Jähre, dann bist Du Rentier. Einige Kameraden Bezirk 12 Centrai-Verband der Zimmerer. Rohtabak! Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage allen Bekannten, besonders dem Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend, für die Kranzspende meinen besten Dank. 3384b Witwe Hering nebst Kindern. Centralverein alier in der Unt- branciie beschältigten Arbeiter und Arbeiterinnen. (Filiale Berlin.) Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Kollege Hugo Carls am Dienstagabend verstorben ist. Die Beerdigung stndet Sonntag, den 22. d.M., nachmittags 31/, Uhr, von der Leichenhalle des katholi- scheu Kirchhofs in Neu-Weistensee, Wöcthstr. 17. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 294/3 Der Vorstand. Vaien in Derlin: im Norden: Brunnenstr. 25, im Osten: Koppenstr.9. im Südost.: Kottbnserstrl Filiale in Sachsen: Chemnitz, Brückenstr. 19. Filiale in Schlesien; Ratibor, Junglernstr. Ii. Emil Berstorff, Berlin C. 2. Kaiser Wiihelmslrasse 39. Roh-Taisak USaiX Otto, Köulgstp. O. Pill Rie Brunnenstr. 152. 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November, abends 8'/, Uhr: Versammlung aller Bei (ii Ii im Königstadt-Kasino. Holzmarktstr. 72. Tages-Ordnuug: l. Bericht über die Handwerferkammer. Referent: Kollege Barth er. Distusfion. 3. Neuwahl des GescllenauSschuffeS und zweier Ersatzmänner. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet 89/16 Ter(öescllcnansschust. ___ I. A.: Emil Koppen, Vorsitzender. Verein deutsclier Schuiimaciier. Mittwoch, de» 25. November, abends 8>/s Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Iträhe Vi: Kombinierte Versammlung. Tages-Ordnung: Fortsetzung der Dislussion über die obligatorische Arbeitslosen« vnd K ranlcnv ersich erung. 179/17 HlQ Ortsverwaltang. r*B. Wir machen die Schvsterbeiter noch besonders darauf aufmerksam, das- am Dienstag, de» 24. d. M., abends 8'/, Uhr. im Englischen Garten, Alrxanderftr. 27«, die Generalversammlung der Jiinuiigskraiikenkasse stattsindek. gerliner kmülimereiii Lentral-VerivaltunA: krautstr. 7. Sonntag, den 29. November er., vormittags O Uhr, im Saale des Vereins Berliner Musiker, Kaiser Wilhelmstraße 18m: Delegiertenversammlung. Tagesordnung: 1. Geschäslsbericht des Verwattungsrats. 2. Vorlegung und Ge» nehmigung der Bilanz. 3. Verteilung des Reingewinns. 4. Beschlust über die Berufung zweier Mitglieder gegen den Ausschlust durch den Verwallungs- rat. 5. Ergänzungswahlen zum Gcnosscnschastsrat und zum VerwaltungS- ral. 6.'Antrag der Abteilung 1 aus Acndcrung der g§ 7, 22 und 26 des Statuts. 7. Verschiedenes. 295/2 DaS GcnoffenschaftS-Bureau. Kürzten- u. MelinÄM Montag, den 23. d. Mts., abends Sl:.z Uhr, bei Pfeffer, Roienihalerstraste 37:" Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Tic gegenwärtige Lage im Bürstciimachcr-Ecwcrbe. Rcscrcnt Kollege �tn««h«. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 89/14 Sämtliche Kollegen Berlins ersuchen wir. in dieser Versammlung be« stimmt zu erscheinen. Die Branchenkommission der Bürstenmacher. Mh- Liofornntzs-Äeiller! Montag, den 23. November, abends 8'/. IlHr. im Lokale des Herr» Wernaitzi Schwedterstr. 24; Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Welche Forderungen stellen die Arbeiter an Staat, Gemeinde und Unternehmer, welche Lieferungsarbeit vergeben. Reserent: Kollege Ritter, 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die MilitäriieserttngS-Schneider sowie deren Frauen werde» ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. 163/l5_____________ Verband der SelineMer u. Sehuelderinnen Filiale Berlin. Dienstag, 24. November, abends 81/. Uhr, in den.A.rinlnhalleii, Komniandantenstr. 20: Mitglieder-V er Sammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Bericht und Neuwahl der OrtS- Verwaltung und der Kommissionen für die einzelnen Branchen. 3. Wahl eines unbesoldeten Mitgliedes für den Vorstand. 4. Erledigung der an die Ortsverwaltung gelangten Anträge. An Anbetracht der Tagesordnung werden die Mitglieder aller Branchen und Bezirke ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Am Eingänge ist das Mitgliedsbuch vorzuzeigen. Ohne dasselbe oder mit über 13wöchentlichem Rückstände ist der Zutritt nicht gestattet. 163/16__ Die OrtSverwaltnng. Olga Jacobson, Preise* beliebige Teilzahlung. Invaliden- Strasse 145. Volkshaus- Verein Charlottenbnrg. Sonntag, den 22. November, abends 7st, Uhr: JÜT" Kieiner Kunst-Abend."HW Vortrag. Violinkonzert D-moIl von Vieuxtemps. Ballade von Hebbel. Gedichte von Chamisso und Herwegh. Lieder stir Sopran von Hermann und Meyer-Hclinund.— Nachher: Danz.— Cintritt 30 Pf. Der nächst groste Künstlerabend(Lichtbilderabend) findet Donnerstag, den 3. Dezember statt. 292/12 VorteleuMsr! Verband der Vortefkutiier und Lldergalauttrie-Arbeiter und Arbeiterinutu. Zahlstelie Verliu. Montag, de» 23. November, abends 8 Uhr, in Ciramnaims Festsillen. Nannynstr. 27: OeffentSichc Versammlung. TagcS- Ordnung: 199/12 1. Die Aufgaben unircs Verbandes. Reserent: Verbandsvorsitzendcr Kollege Weinschild aus Offcnbach. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Da der erste Punkt der Tagesordnung äiifferst wichtig ist, so er> warten wir das Erscheinen aller Mitglieder» sowie der unS noch fernstehende» Kollege»._ Ter Cinbernfer. ttr Die Lokal© Bureau: Birkscsistr. 39. Kaslanienwäldeheut\ BSauseh\uiTeder:1: „Marienbad","ad�ie8c"üefaber; sowi© Fröbel, frülier Pilhlmann, Schonhansep Allee 148, sind für organisierte Gastwirtsgehilfon gGSpGrrfj da seitens dieser Wirte der Arbcltsnacliwels nnsrer Organisation nicht anerkannt wird. 292/10 Der Vorstand. VI. Wahlkreis! Montag, dc» 33. November 1903, abends 8'/., Uhr, in der KrcmvH-Bi'anei'si, Ali-Moabit 47/49: OMMche Wjjhlkr-NkckmmlW. Tagcs-Ordnung: 1 Vortrag des Genossen l'tnn»i»u»'t> über: �Dic bevor- stehondon Stadsvcrordneten-Wahlen«. 2. Freie Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet 2-0'7 Der VcrtranenNmann. V8r!)BndderKürsclinerBerlinsu.lJing. Geschäftsstelle und Arbeitsnachweis: Mendelssohustr. it. Telephon: Amt VI!a 6071. Täglich geöffnet vorui. von ö— 1 Uhr, nachm. von 3—7 Uhr. Tionnabends bis 9 Uhr abends. Montag, den 33. November 1903. abends 8'/. Uhr, im alte» ihetiätzetiliaa!«, Linicustrasie 5: Mitglieder Versammlung. TagcS-Ordnnng: 1. Bericht der Delegierten von der Leipziger Vevammlung. L. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Gäste ivilllonimcn. Der Vorstand. AsKwng! Achtung! öonnabend, den 28. �Tovember, Hltcs Scbützen- haus, Linienstraße Nr. 5: Mst-Tergniigen, veranslaliet vom Verband der Kürschner Berlins und Umgegend. Auftreten der Länger Gesellschaft SCWillldOWSUi, ■SSF"" Anfang 8 Ohr.~WB LillctS inkl. Tanz.Herren 3« Pfg., Tomen 33 Pfg. sind im Arbeitsnachweis, Mcndelssohnstr. S, sowie bei den Werksiatt-VcrtrancnS- leutcii zu haben. 104/19 Das Komitee. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Achtung! Parkettleger. Achtung! TienStag. den 34. November, abends 8 Uhr, im Gewerkfchaftshane, Engcl-ttfcr 13: Branchen-Berfammlung. TogeS-Lrdnung wird in der Versammlung bckaimt gegeben. __ Die Kommission. ichtmg! Drechslei*. ichwg! Montag, den 33. November, abends 8'/. Uhr: Versammlung(Bezirk 9kordett) bei Liebte, Brunnenstrahe T a g e S-O r d nn n g': l. Bericht der Slommission. 2. Dlslussion. k!. Dahl der Bezirkskommission. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Recht zahlreichen Besuch erwartet _______ Die Kommission. Branelie der Korbmacher. Montag, den 33. November, abends 81/.. Uhr» _ im GewcrkschaftshauS, tKugcl-Ufcr 13: WM" UsrsKMmiung. Taacs-Trduung wird in der Bcrsammlimg belannl gemacht. Zahlreiches und vünitliches Erscheinen erwartet ?9-18_ Die Kommission. Verband der Tapezierer. Filiale Berlin.(Enget-User 15, Zimmer 35.) Mittwoch, den 25. November er., abends 8'.. Uhr» im Gewcrkschaftshanse, Engel-Ufer 15: Mitglieder Versammlung. Tagesordnung: I. Vortrag des Genossen Bartels. 2. Diskussion. 3. Bericht vom Kuratorium. 4.'tlcrbandSangclegcnyciten. Um rege Beteiligung bittet 177/18 Die Ortsverwaltnng. Centralverein der Bildhauer Deutschlands.- Verwaltungsstelle Berlin. Tienstog, den 34. November, abends 8G. Uhr. im Gewerkichafts Hause,(sngel-Ufcr 13(Janl Ii: "Vereins- Versam mlung. Tagcs-Ordnung: 1. Gcschästliches. 2. Vortrag des Herrn vr feiecheborg:„lieber welche Machtmittel verfügt das Proletariat?« 3. Verschiedenes._____ 21/2 Aclitung! Holzbildhauer! Achtung! Toimcrstag, 26. Novbr., abends 8 Uhr, imGcwcrkschastshaufe, Saal i: Bertranensmänuer- Versammlung. tttf Jede Werkstatt muR unbedingt vertreten fein.-MS Achtung! Steinbildhauer! Achtung! Donnerstag, 26. Novbr., abends 8>/zUhr, imGewerkschaftShause, Saal 9: WW" Branchen- Abend."WE TageS-Ordnung: Wie stellen sich die Kollegen zur Nichtimie- Haltung der sesigcfehten Arbeitszeit? Zahlreichen Belnch erwartet_ Der Vorstand. Achtnnß'• Achtung! Zeitungs-jlusträgerinnen, AufwSrterinnen, Wasch- und Heinmachejrauen, Koch- und Pflegefrauen, sowie jlushilfspersonen! Montag, den 33. November, abends SV, Uhr: Oeff entliche srauen Versammlung im.Märkischen Hof". Admkalstr. ISe. TageS-Ordnung: 1. Portrag der Genossin Frau Dr. I.il.v B.'»»» über:'Ausbeutung und Schub der Frauenarbeit. 2. Diskussion. 3. Die Bestrebungen der gewerkschaftlichen Organisationen. 4. Ausnahme neuer Mitglieder und Ber- jchicdcncs. Kolleginnen»nd Arbeitsgenossinne»! Erscheint in dieser öffentlichen Versammlung vollzählig. Ent'altct überall, wo sich die Gelegenheit bietet, Propaganda, denn die Wichtigkeit der Tagesordnung macht es miß dringend zur Pflicht. 2S2.11 Tic Ginbcrnfrrin. Erster Wahlkreis. Kommunalwahler-Mersammlunegen. Am Montag, den 33. November, abends 81/. Uhr. im Markgrafen-Kaiino, Markgrafcnstraste 83, spricht der Kandidat Genosse Wsldevk BifianaSSe9 am Tienstag, den 34. November, abends 8V. Uhr. im Fricdrichstädtischen Kasino, Fricdrichstr. 336, Reichstags-Abgeordnetcr AJg»,§udebum Z „Vus, ins Stadtparlainent!""HW mii — Hnfpracbe des Kandidaten CClaldcch tVIanaffe.■ In beiden Versammlungen: Diskussion Zahlreichen Besuch erwarten Tie Vertrauensleute. Dritter Reichstags-Wahlkreis. Koimnunalwahl im 17. und 18. Bezirk. Tienstag, den Ä4. November, abends 8 Uhr, im Tresdener Garten, Drcsdencrstr. Volks-Verssmmlun«. Tagesordnung: I- Vortrag des Stadtv. Gottfr. schütz über: Ter Freisinn im Roten Hause.'2. Diskussion. 212/16* Regen Besuch erwarten_ Tie Vertrauensleute. Vierter Aahikreis Süd--Ost. Kommunalwähier des 13. u. 14. Bezirks! Dienstag, den 24. November, abends 8 Uhr: Oeffentl. Wähler-Uersammwng im Lokale„Süd-Ost", Waldemarstraße 75. 2roro Tages-Ordnung: «Sie Kommunalpolitik des Treisinns" Albin 2. Diskussion. Referent: Reichstags- Mgcordncter Alle Wähler sind hiermit srcundlichst ciugeladeu. �rcrlseb. Das H4'aIzII»omitee. Leeluder Wahlkreis! Dienstag, den 24. Nooemkr, abends 8V2 Uhr: vier offentl. Aähier-Versammiungen bei Lehmann, Schulftr. 29, 1 bei Wilke, Brunnenstr. 188, „ Hübner, Chausseestr. ns,|„ Wernau, Schwedterstr. 23. Referenten: Genossen ÄuguLtin, Cründel, Singer, Schubert. TageS-Ordnung: 1 Vis bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen. Zahlreichen Besuch erwarten 2. Freie Diskussion. IH« Vertranenslente. Montag, den 23. Charlottenburg. n 23. November, abends 8�/4 Uhr, im„Volkshause", Rosineiätrasie 3: Uolksversammwng. TageS-Ordnung: 261/19 Verkündung des Wahlresultats von den Stadtberordneten- Wahlen. AcKtunx! Achtung! I!IMi«!lruiiieiiteii-1rIiejler. Montag, den 33. November, abends 8 Uhr, im Gcwcrlschaftshansc, Engel-Ufer 13 tgroster Taal): öesfentliche Versammlung. T a g e S- O r d» u» g: t. Bericht über die Lohnbelvegung»nd das Verhalten der Leitung dcS FachvcrcmS hierzu. 2. Diskussion. 83/11 Die Wichtigkeit der Tagesordnung macht es jedem Kollegen zur Pflicht, in dieser Vcrsaunnluilg zu erscheinen. Kein Kollege und keine Kollegin sollte in dicicr Versammlung sehten. Tie Vrancbenkommiiiion des Tcutfchcn.Solzarbeiter Verbandes. Wiung! Ituslkinstrumentenarheiter. MIhm! Bezugnehmend aus das Flugblatt der Branchen-Kommission des Verbandes betreffs der zw- Oeffentlichen Versammlung"Wm am Aloniag, den 23. Koneraher, ist es Ehrenpflicht aller Mitglieder des Fachvereins, in der Versammlung zu erscheinen. Der Dorstand. Arbeiter® Sängerbund Berlins und lltugegeurt. Bonntag, 29. November, vorm. 11 Öhr, in der Brauerei fricdrichshain; llebnng s- Nd linde. folgende nieder werden geübt:„Gelübde",„Scrbftfeier".„Festgefang" yon lluer. ' Pünktlich erscheinen.-MG Vundeslartc legitimiert. Im A'ebensaale vormittagrs 10 Uhr:_ 16/18 i�T Ausschüsse Sitzung. � Tages-Ordnung: 1.'Ausnahme von Vereinen. 2. BundeSangelegenheiien. Tie Uebuiigsstuiidc» des Sonder-Ehors finden am Alontaw. doa LS., nnd Montag. ........~' �"'> statt."NL Ter Vorstand. den Ziovemver. abends 9 Uhr, in der Vranerei Friedrichshain statt. Orts-Krankenkafse für daS Alte Meiiönliaaserstr. 32. AmMontag.den 39. November, abends 8 Uhr, findet die Brdeutlielie Generai-Versammiung int Gawerkschaftshause; Engcl-User 13, im Saat 1 statt. Tages-Ordnung: 1. Ersatzwahlen zum Vorstand(3 Ar- beitgebcr. 6 Arbeitnehmer i sowie 2 Arbeitgeber- und 4 Arbeitnehmer- Stellvertreter). 2. Wahl der Rcvisions- Kommission zur Prüfung der IahrcSrcchnuug pro 1!>03(ein Arbeitgeber und 2 Arbeitnehmer). 3. Statuteiiälidcruug. 4. Verschiedenes. 273/6 lim recht püiikiliches nnd zahlreiches Erscheinen der Herren Delegierten bittet Der Vorstand. Otto Ullrich, Vorsitzender. 6rl8'|[ranhenha88e der Drechsler und verw. Gewerbe. Am Montag. 30. November, abends 7'/, Uhr, findet die DrdentlleUe Generai- Versammlung im GewerlschastShause, Engel-User 13, siatl, ivozu die Herren Vertreter hier- mit eingeladen werden. T a g e S- O r d Ii u n g: 1. Wobt von 3 Vorstandsmitglieder» (1 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer). Sic Wahl für die Herren Arbeit- gebcr siudct im Saal 2, für die Arbeitnehmer im Saal 5 statt. Hieraus um 8'/, Uhr für sämtliche Vertreter im Saal 3: 3261b 2. Erneuerung des AerztevertragcS für Ilm. 3. Wahl des RechmmgS, ausschuffes sür 1903. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. I. A.: H. Brüssow, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse für dus Sarbitrgelvtrbt. Tienstag. den 1. Dezember 1993. abends 9 Uhr. bei Pfeffer, Ro>cn- thalerstraße 37(großer Saal): «Meneral-Versammlnn« der Tclcgiertcn der Arbeitgeber, Wahl eines Stellvertreters zum Lorslaud. 979/7 tZeneral-VersammInng: selbe totale(kleiner Saal) am� der K äffen Mitglieder im selben Dienstag, den I.Dezember 1993, abends 19 Uhr: 1. ErgänziingSwahI von Delegierten. tDic Zahl wird in derBcrsammlung belannl geniacht.) 2. Getrennte Wahl von zwei Ersatz- Mitgliedern zum Borstand. PV Kassenbuch legitimiert."HDyj Der Vorstand. I. A.: B. Kitlchmann, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse der Stellmaeker zu Berlin. Sonntag. 39.Nov., vorm. UZ.Uliv, bei Herrn Wükc. Briumenstr. 188: (Orb. Gkueralotrsammiullg. Tagcs-Ordnung: I. Neuwahl von drei VorslandSmit- gliedern(1 Arbeitgeber, 2 Arbeit- nchmcr). 2. Ersatzwahl eines VorslandSmit» glicdiS(Arbeitgeber). 3. Wahl von 3 Revisoren zur Prüfung der Iahrcsrechnung sür 1963. 4. Kasscnangelegenheiten. 3396b Ter Vorstand. f. Josewski, Vorsitzender. Kinderwagen, KinderbeUstellou, Puppenwagen, Trirnnphsttthle, Kindermöbel etc. SiHsstss Spezialgescliait j Berlin o., Andreasstr. 23. IX. OeaohUt: B.unmntlr. 95, IIIL, Beussoldr. 67, |IV., Leipriptrjtr,E445 1 Verkaaf Hof, Fabriksjebaaila. H-> lOOO Mark lirlohnnne— |/.ablajadein, der mir inilariiD aic I jröMeres Sperialgeaohftft in dei[ Branche, alsd mein., nacinroist (ailllgste Prelle. Katalog gratis I Kestanrant Seiko, wnmwsdorf, Angenehmer Familienauscnlhalt. Jeden Sonntag: Musikalische Unter- Haltung. Großes Bcrcinsziimner(86 Personen) und Villardzimmcr. Wehiig für Gsswirte! üiezepte z. Lolbstbereitling v. Essenzen. Prenzlauer Allee 196 vorn pari. links, üehiung! Putzer, inwendige, verlangt bei Hohem Ber. dienst Camphausmstr. 9 u. Süden de Step hau itr 24/23, oder bei Bötzer, Emdcncrstr, 9. Sonntag und Montag. abend. 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Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck nnd Verlag: VorwartZ Buchsruckcrci und«erlagsaiistall Paul Singer ch Co., Bcrlm SW. Nr. 273. 20. Jahrgang. 8. KcW Ks Jtrmärts" Scrlintt lolMIntt Sonntag, 22. November 1903. Partei-I�ackrickten. Gemeindcwahlen. In Ilmenau gewannen die Parteigenossen vier neue Mandate und haben damit acht von den 18 Sitzen im Gemeindekollegium inne. Auch in E l t e r w i n d e n in Thüringen wurden vier Parteigenossen gewählt. In Debschwitz bei Gera eroberten die Genossen scchö von acht zur Wahl stehenden Mandaten. Je ein Parteigenosse wurde gewählt in A I st a d e n �Mülheim a. R.) und in dem gleichfalls in dortiger Gegend belegenen Dümpten. Sociales. Zuckerdüten statt Lohn. Zur Hebung des Zuckerverbrauchs macheit die Zuckerinteressenten die kramPfhaftesien Aniivengungen. Nachdem sie durch ihre Wucher- lartelle jahrzehntelang die Zuckerpreise so in die Höhe getrieben, daß der Zuckergenuß dem Volke fast fremd bleiben mußte, möchten sie jetzt, wo durch die Brüsseler Konvention dieser Preistreiberei ein Ende bereitet wurde, mit Gewalt den Zuckerverbrauch steigern, um durch den größeren Ilmsatz den verloren gegangenen Prämien- und Kartellgewimr wieder einzubringen. DaS Verbot des Saccharins hat nicht die erlvünschte Wirkung gehabt, und das neue Kartell, um dessen Profitniacherei sich die Zuckerfabriken und Zuckerrasfinerieit in die Haare gerieten, hat sich nach kurzer Dauer wieder auflösen müssen— ganz wie wir schon vor einigen Monaten voraussagten, als wir den geplanten neuen Zuckerwucher hier geißelten. Nun ist ein genialer Zuckerinteressent auf den Gedanken verfallen, den Zucker als Lohuzahlungs mittel zu enipfehlen! In der letzt abgehaltenen Hauptversammlung des Landwirtschaftlichen Vereins zu Oschersleben wurde, wie die„Deutsche Zuckerindustrie" mitteilt, empfohlen,„an die Arbeitsleute als Extralöhne beim Rübenroden den jetzt so preiswerten weißen Fabrikzucker zu verteilen." Daß eS einen 8 11? der Gewerbe- Ordnung giebt, der die Gewerbetreibenden verpflichtet, die Löhne ihrer Arbeiter bar aus- zuzahlen, scheint jenen Vorschlagsmeister nicht zu genieren. DaS Verbot des Trucksystems scheint ihm den Landarbeitern gegen- über, die sich ja so viel gefallen lassen müssen, nebensächlich. Das offizielle Organ der Zuckerindustriellen bringt den Vorschlag„gern zur Kenntnis weiterer Kreise". Prachtvoll ist, wie es ihn motiviert, Die„Deutsche Zuckerindustrie" hält jene Extrazuckcrdüten zwar nur für ein kleines Mittel, auf die Hebung des Zuckerverbrauches hinzu- wirken, doch, meint sie,„dürfte es bei der geringen Schwierigkeit, die sich seüler Ausführimg in den Weg stellt, besonders geeignet fein, gerade die landwirtschaftlichen Riibenarbeiter init dem endgiiltigen Produkt ihrer Arbeit, dem sie leider bisher im großen und ganzen noch fern standen, näher bekannt zu machen und sie an den dauernden Zuckergeiiuß zu gewöhnen". Also:„genußsüchtig, begehrlich, verwöhnt", und wie die Schmeichelworte alle lauten, die man uns entgegenhält, wenn wir die Hebung der Lebenshaltung des Volkes fordern, wollen die Zuckeragrarier„ihre" Arbeiter machen, nur um den Zuckerverbrauch zu heben. Daß dieselben Zuckeragrarier selber es verschuldeten, daß die von ihnen jetzt heuchlerisch beklagte Entfremdung der Volksmassen gegenüber dem Zucker vorhanden ist, daß sie selber durch ihre Wucherkartelle die Preise in die Höhe trieben, darüber schweigen sie sich selbstverständlich aus. Die„Deutsche Zuckerindustrie" schlägt auch noch vor, daß die Zuckerfabrikanren„ihren Arbeitern kleine Z u ck e r s ä ck ch e n an den Weihnachtsbaum hängen". Natürlich gar nicht große, *g-gi=Bga- das könnte der Baum nicht vertragen! Aber kleine— statt sonst üblicher Geldgeschenke, das ist eine feine Art, die„Wohlthätigkeit" mit dem Geschäft zu verbinden, denn, sagt die„Deutsche Zuckerindustrie", jetzt„mutz alles gethan werden, um den Zuckergenuß zu einer Volks- gewohnheit zu nmchen". Gerade acht Tage vorher stand aber in derselben Zeitschrist ein Artikel über die„Verwendung des Zuckers im Haushalt und in der Industrie", in dem es heißt:„Gewohnheit und Geschmack haben auf Jahre hinaus bei den meisten Menschen den Zuckerverbrauch geregelt. Soll nun dem Körper ein Mehr von Zucker zugeführt iverden, so wird er andre Nahrungsmittel verdrängen müssen(wie z. B. durch stärkeren Marmeladeverbrauch der Biltter- konsum sinken würde). Ein erhöhter Stutzen für den Körper wird also in vielen Fällen nicht nachzuweisen sein, und es dürste niemandem einfallen, seine Nahrungsaufnahme durch erhöhten Zuckergenuß auf die Dauer zu verstärken, und zwar nur, um der deutschen Zucker- industrie einen Dienst zu erweisen." Und weil freiwillig sich zu dieser Dienstleistung niemand her- geben will, soll eben nach Wunsch der Zuckeragrarier der Zwang treten und ein Teil des Lohnes durch Zucker ersetzt werden! Ja, wenn nicht§ IIS der Gewerbe-Ordnung da Iwäre! Das Verbot des Trucksystems existiert nun einmal auch für Zucker- agrarier!_ Das Freibier als Teil deS Jahrcs-ArbeitsverdicusteS bei Be- rcchnung der llnfallrente. Einen wichtigen Prozeß hat das Reichs- Versicherungsamt unter dem Vorsitz des Geheimrats Gräf erledigt. Es handelte sich dabei um den Versuch, einen auf Grund der früheren Unfallgesetze gewonnenen Standpunkt des Reichs-Ver- sicherungsamtes mit Hilfe der Versicherungsgesetze in ihrer neuen Fassung und mit Hilfe deS— preußischen Ober-Verwaltungsgerichts aufzuheben. Das Schiedsgericht Magdeburg hatte der Flaschen- s p ü l c r i n R., die in emer Brauerei verunglückt ivar, eine Unfallrente zugesprochen und bei Bemessung der Rente 108 M. jährlich für Freibier dem Jahresarbeitsverdienst zugerechnet, wodurch sich die Rente entsprechend erhöhte. Zwei Liter täglich lvurden ihr gut gerechnet. Wegen der Anrechnung des Freibieres legte die Brauerei-Berufs- genosscnschaft Rekurs ein und machte schriftlich sowie durch den Mund ihres Vertreters folgendes geltend: Dies Freibier habe der Verletzten lediglich zum Genüsse an der Betriebsstätte und während der Arbeitszeit zugestanden oder sei ihr auch bloß nicht versagt worden. Für die Anrechnung dieses Freibieres fehlte es au den Voraussetzungen des 8 6 des Gewerbe-Unfall- versicherungS-Gesetzes in der neuen Fassung. Nach dieser Gesetzes- stelle gelten als Lohn allerdings auch Naturalbezüge, Voraussetzung sei aber, daß sie ganz oder teilweise an Stelle des Lohnes träten. Hier müsse aber bestritten werden, daß dies bezüglich des Freibieres der Fall sei. Das Reichs-Versicherungöamt habe allerdings den Straßenbahnern ihre Trinkgelder angerechnet, mit der Begründung, daß die Aussicht auf Trinkgelder einen maßgebenden Einfluß auf die Gestaltung des Vertragsverhältnisses geübt habe, nämlich dem Schaffner die Annahme des gebotenen verhältnismäßig geringen Barlohncs und der Swaßenbahn-Gcscllschaft die Gewinnung einer Person für den Posten erst ermöglicht habe. Hier waren Trinkgelder thatsächlich an Stelle von Lohn getreten. Im vorliegenden Fall sei doch aber ausgeschlossen, daß die Gewährung des Freibieres einen maßgebenden Einfluß auf die Gestaltung des BertragSverhältnisses ausgeübt, d. h. die Festsetzung der Höhe des Lohnes beeinflußt habe. Als seiner Zeit das Reichs-Versicherungsamt auch die Anrcchlmngsfähigkeit des Freibieres der Brauerei- Angestellten beschloß, da sei das auf Grund deS alten Gesetzes geschehen. Danach sei aber schon der„Bezug" von Naturalien schlechthin ausschlaggebend gewesen für die Berück- sichtigung ihres Geldwertes bei Festsetzung des Jahres-Arbeits- Verdienstes. Nach dem neuen Gesetze genüge aber der bloße Bezug von Naturalien nicht mehr, sondern sie müßten auch, wie schon ge- sagt, bestimmt sein, ganz oder teilweise an Stelle des Lohnes zu treten. Von denselben Erwägungen gehe auch das Ober-Ver- ivaltungsgericht aus, mdem es die Heranziehung des Frei- biereS als steuerpflichtiges Einkommen für unrichtig erkläre. Mit Rücksicht auf diese Entscheidung machten die Unternehmer der Berufsgenossenschaft fortwährend Schwierigkeiten bei Aufstellung der Lohnlisten ze. Man befände sich in einer Zwickmühle. Das ReichS-Versicherungsamt verwarf jedoch den Rekurs der Berufsgenossenschaft und führte aus: Das Freibier, welches den Angestellten vertragsmäßig oder stillschweigend gestattet werde, biete diesen einen wirtschaftlichen Vorteil. Aus den Motiven des neuen Gesetzes gehe nun aber ausdrücklich hervor, daß bezüglich der Anrechnung der Naturalbezüge die Verletzten eine Benachteiligung gegenüber den Bestimniungen nicht erfahren sollten. Es sei deshalb anzunehmen, daß der Gesetzgeber auch das Freibier als einen Teil des Lohnes angesehen wissen wollte.— Hu9 der Frauenbewegung. Steglitz. Im Bildungsverein für Frauen und Mädchen von Steglitz und Umgegend hielt Donnerstag, den 19. November, Frau Dr. Hofstnann einen Vortrag über„Heimarbeit". Die Refercntin schilderte in ausführlicher Weise die traurigen Zustände, welche in derselben herrschen. Diese Mißstände könnten aber nur dadurch beseitigt Iverden, daß die Heimarbeiterinnen sich organisieren. Der Vortrag fand großen Beifall. In der Diskussion, die überaus rege war, wurden noch mehrere Fälle über die Ausbeutung der Heim- arbeiterinnen vorgebracht. Gleichzeitig wird auf. die Wandcr- Versammlung, Ivelche jeden Donnerstag nach dem ersten in Friedenau, bei Grube. Kaiser-Allee, stattfindet, aufmerksam gemacht. In der nächsten wird Fräulein A l t m a n n einen Vortrag halten. Für die Zeitungsausträgerinnen, Aufwärterinnen', ei�Lasch- und Reinmachefrauen. Koch- und Pflegefrauen sowie Aushilfspersonen findet am Montag, den 23. November er., abends SV, Uhr, im „Märkischen Hof", Admiralstr. 18 c, eine öffentliche Versammlung statt, arrangiert von dem dem Gcwerkschaftskartell angeschlossenen gewerkschaftlichen Frauenverem. Genossin Frau L i l y Braun spricht über das Thema: Ausbeutung und Schutz der Frauenarbeit. Angesichts der miserablen Verhältnisse, denen die Frauen und Mädchen obiger Kategorien ausgesetzt sind, ist zu erwarten, daß der Besuch ein vollzähliger sein wird.(Siehe Inserat.) Lohnbewegung der Dienstmädchen in Helsingfors. Die organi- sierten Dienstmädchen der finnländischen Hauptstadt haben an den „Hausfrauen-Verband" ein Schreiben gerichtet, worin sie die Bc- schränkung der Arbeitszeit auf 19 Stunden, 25 Pcnni(29 Pf.) für Ueberstunden und als Mimmallohn 12 finnische Mark pro Monat verlangen. Im Hausfrauen-Verband, der am 6. November Versammlung hatte, unirde die Verlesung des Schreibens mit Hohn- gelächter entgegengenommen. Die Damen lehnten sämtliche Forde- rungen ab. Es bleibt abzwvarten, welche Maßnahmen die Dienst- mädchen jetzt ergreifen werden, um geregelte Lohn- und Arbeits- bedingungen in ihrem Beruf zu schaffen. Wintei'-pÄlstots Vornehme, wohlfeile Mass-Anfertigung Winter-Paletots.TÄ 8«. 50 Winter-Raglans � 24«. ft.L n.l- ImUnl Feiner Eskimo m. Astrachan C C ü8n"rBIZ"linHflliu. echt Scalbisam-Kragen 00 M. Unvergleichliches Sortiment- 18. 15, 14, 13. 12. II. 10. 9, A M. 8. 7. 6. 5. � alle Arten Piqueestoffo« 6. 5, 4, 3,50, 3, 2,25 I M. 75 2,25 1 Winter- Winter-Jnppen JsSTä« 4m. 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Nach druck verboien. . 14 57 107 49 499[1000] 602 722 951 1913 306 20 507 50[500] 935 81 2079 202 27[509] 66 536[500] 803 5 20 33 3319 751 4055 397 429 605[500] 18 723 69 834 5078 164 295 33) 88( 1000] 466 591 628 38 709[500] 58[3000] 802 86 6025 599 891 08 79 7034 125[500] 409 558 616 71 93[3000] 94 808 27 8132 302 17 680 9061 97 352 604 SO 810 13 982 10026 51 145 52 325 474 632 827 11307 33 84 , 461 689[100 0001 798 909 80 12092 523 692 19 829 72 88 1 3051 52 75 114[1000] 341 03 458 557 856 704 44 870 1 4047 164 83 223 426[1000] 657 718 78 1 5048 364 97 417 575[1000] 758[500] 94 815 [1000] 59 82 958 1 6191 208 14 628 677[3000] 725 870 1 7013 135 481 506[500] 18583 640[500] 727 19121 287 316 450 581 814 914 83 20055[500] 70 263 384 1X000] 585 754 858 60 99 972 84 2 1027 239 495[3000] 506 718[1000] 59 83 832 58 60 82 87 88 962 2 2041 338 88 470 677 851 907 23124 266 304 63 91 622 53 24013 100 245 493 615 30 749 82 863 953 2 5005 68 196 418 53 589 655 767 904 80 26039 140 319 547 611 80 90 27022 95 142 339 424 97[500] 655 67 734 898[1000] 982 97 28065 281[500] 330[1000] 438 780 843 966 20084 114 28[500] 60 62 690 627 29 94 30305[500] 73 485 593[1000] 690 31070 94 96 101 13 90 349[r------------- 563 730[1000] 861 75 356 88 480[5001 518 750 92 868 83 84058 65 335 [500] 37 79 84 440 55 633 58 778 992 96 3 5008" 227 42 99[1000] 380 440 505 87 673 77[1000] 821 934 88 36001 27 106 225[1000] 518 89 60-1 37114 290 480 SSO 806 978 83 38060 192 202 10 56 447 731 43 877[500] 81 39082 89 247 493 571 763 „ 40185 276[1000] 403 90 660[30001 71 88 921 32 4 1074 183 248 390 460 672 736 894 007 36 4 2230 35 387 429[1000] 59 537 70 652 720 886[500]*3327 #34 raMO] 67 533 699 853[500] 87[500] 44165 [3000] 231 617 67 745 880 01 973 45313 66 695 708 49 69[3600] 848 986 46004 147 222 70[500] 343 419 98 768 839 918 88 47003 102 3 332[500] 557 662 880 81 85[1000] 48078 163[10001 238 365 562 652 [1000] 717 49062 105 45 71 281 497 052"- , 50139 51 81 495 948 83 51048 73 155 63 430 [3000] 67 713 27 52 92 805[500] 71[3000] 52038 39 821 53025 96 133 218 83 357 468 678 54083 210 '""TO] 16 617 24 840 090 5 6219 47 875 468 507 49 76 702 35 30[500] 951 04 65 80 56033 78 332 35 637 51 912 57141 64 411 22 687 96 720 95 832 52 78 58017 145 75 88 249 390[1000] 517 78 619 53 724 829 79 986 59097 179[1000] 223 84 488 501[600]' 50 610 67 71 90 718 80 86 99 881 992[3000]-> 60123 47[30001 465[500] 550 86 61023 137 78 "........ 389 719 55 73 808 976 62146 553 1 42 862(5001 63039 197 341 61 667 [30001 [30001 75 88 33006 148 63 267 81 32197 274 406 91 [300] 313 418 86 517 689 719 55 73 808 976 62146 553 614[500] 708[500] 30 42 802(500) 63039 197 341 61 520 83 739 842(5001 48 96 JH» 45 64104 63 88 292 458 607 31 906 19 62 84 65178 374 76 497[500] 608. 66166 1500] 221 99 366 405 84 688 752 846 938 553 6TB39 77 97 332 1500] 35 46 407 50 570[5001 00 603 78 68000[300] 73 166 71 222 33 328 614 46 833�15.26 69064 164 270 83 365 891 720- 76 830 933? 70129[5001 237 55 341 50 542 601 713 SSI 908 13 73 92 7 1 001 87 437 39 505 78[500] 842 990 72090 181 200[30001 60 358 436 800 73091 158 07 243 56 345 67 77 705 71-------------------------- 418' 72 883 74108 258 397 422 84 515 33 95 617 18-67 781 804[1000] 88 913[10001 75051[1000] 145 95[1000] 467 675 731 59 76257[10001 50 307 18 .................... 77............ 79038 [508] 732 57 801 11 04'&4 t£ 851 5000 ML 6SJju ,000 Uli 17 J 324 mit In der filfte vom 21. November,»orntitt,»», ftatt 171 434«1» 300a' Berimtworll. Redatteur: Julius Kaltski in Berlin, �nicratentcll vcr-intwortliih: 21h. Glocke in Bovlln. Druck». Berlaz: Vorwärts Bnchdruckcrci und Perlagsanpall PanI iiutjerL�o, Striin SW. Nr. 373. 20. Jahrgang. 4. Sriligt Ks Jotrairts" Derlim lolbMatt Sonntag, 22. November 1903. Der Oldenbnrger Justizminifter. Oldenburg i. Gr., 20. November 1903. Zweiter Tag der Verhandlung. Der Vorsitzende fühlt sich veranlagt, mitzuteilen, daß sowohl er als auch der Erste Staatsanwalt. Drohbriefe erhalten haben, in denen gedroht wird, wenn Biermann verurteilt werden sollte, so werde man uns die Fenster einschlagen und uns noch andre unangenehme Dinge passieren.(Bewegung.) Angeklagter B i e r m a n n: Ich habe Ivohl kaum nötig, zu versichern, daß es mir nicht im Traume eingefallen ist, derartige Briefe zu veranlassen. Erster Staatsanwalt: Ich bin überzeugt, daß der An- geklagte Biermann die Briefe nicht geschrieben hat. Verteidiger: Und auch nicht veranlaßt hat! Erster Staatsanwalt: Auch dieser Ansicht bin ich. Ich habe die Briefe der Polizei zur weiteren Verfolgung übergeben. Es wird danach mit der BelvciSaufnahme fortgefahren. Der erste Zeuge, LandgerichtSrat M e y e r- Ho l t g r e v e. be- kündet, er habe gehört, daß Minister Ruhstrat einen verstorbenen Ober-Landesgerichtsrat einmal im Civilkasino„Oberschaf vom Ober- Landesgericht" genannt habe. Der folgende Zeuge, Landgerichtsdirektor Niemöllcr, äußert sich in derselben Weise. Zeuge Ober-Landesgerichtsrat Burlage bekundet: Herr Brauereidirektor Franz Hoher sagte mir: ihm sei erinnerlich, daß ein solcher Ausdruck einmal gefallen sei. Im Civilkasino wurde viel gespielt. Verteidiger Rechtsanwalt Greving: Ist nicht im allgemeinen, auch vom Minister Ruhstrat, viel kritisiert und geschimpft worden, wobei Ausdrücke wie„Hornvieh" gefallen sind? Zeuge: Das gebe ich zu. Verteidiger: Herr Minister Ruhstrat ist etwas tempera- mentvoll, eine impulsive Natur?— Zeuge: Allerdings. Minister Ruhstrat: Wie in allen andren Kreisen, so ist auch in den«nsrigen viel geschimpft worden. Ich war eine Zeitlang in Berlin, da ist ebenfalls viel geschimpft loorden. Bert.: Wenn'unbar gespielt wurde, wurden dann Schuld- scheine ausgestellt? Zeuge: Das weiß ich nicht. Minister Ruhstrat: Die Herren B i e r m a n n und Sprenger scheinen Wert darauf zu legen.... Bert. R.-A. Dr. Sprenger(den Minister unterbrechend): Ich muß mir entschieden verbitten, in diesem Tone mit Biermann zusammen genannt zu Iverdcn. Es ist dem Herrn Nebenkläger genau bekannt, daß ich mich weder mit der Person Biermanns, noch mit der Tendenz seines Blattes identifiziere. Minister Ruhstrat: Die Herren Biermann und Sprenger scheinen Wert darauf zu legen, ob bar oder unbar gespielt worden ist. Ich bemerke: Es ist bar u n d unbar gespielt worden. Kaufmann L o h s e- Oldenburg: Ich bin Offizier der Landwehr und habe mehrfach an den im Civilkasino statigefundcnen Offizier- Liebesmahlcn teilgenommen. Zu meinem Leidwesen habe ich gehört, daß von den jüngeren Herren dort sehr viel gespielt wurde. Ich habe in meiner Eigenschaft als älterer Offizier es nicht geduldet, daß Offiziere in Uniform spielen. Bert.: Haben Sic auch Spielern Geld geliehen?— Zeuge: Jawohl.— Bert.: Wer waren diese?— Zeuge: Muß ich darauf antworten? Ich möchte nicht gern Namen nennen. Erster Staatsanwalt: Ich beanstande diese Frage, da sie nicht zur Sache gehört. Vors.: Ich sehe auch nicht ein, was diese Frage mit der hier zur Verhandlung stehenden Anklage zu thnn hat. Verteidiger Rechtsanwalt Sprenger: Es ist die Behauptung aufgestellt, daß der Nebenkläger eine Spielernatur tvar. Bors.: Ich habe Bedenken gegen die Zulässigkeit der Frage. Bert.: Dann beantrage ich einen Gerichtsbeschluß und stelle die bestimmte Frage: Hat der Herr Zeuge dem Nebenkläger Geld geliehen? Vors.: Vielleicht äußert sich der Herr Minister. Minister Ruhstrat: Ich habe nichts gegen die Zulassung der Frage. Vors.: Haben Sic dem Herrn Mmistcr Darlehen gegeben? Zeuge: Ja.(Bewegung im Zuhörerraum.) Minister Ruhstrat: Ich will noch bemerken, daß diese An- gclcgenheit Ende 1889 geschehen ist. tzluf Befragen des Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. Sprenger, be- kündet auch der Zeuge Rechtsamvalt Koch: Er wisse nicht genau, was im hiesigen Civilkasino gespielt ivorden sei; er habe aber ge- hört, daß viel„gepokert" ivorden sei. Es gelangen mehrere Briefe zur Verlesung, die der Augeklagte Dr. Ries geständlich unter dem Pseudonym„I. G., Ingenieur" an den Angeklagten Biermann gerichtet hat. In diesen spricht der Brief- schreiber seinen Dank und Anerkennung aus, daß er den Mut habe, die Mißstände in Oldenburg aufzudecken. Zeuge Zahnarzt Wolffram: Dr. Ries habe seine Eltern und Geschwister stets nach besten Kräften unterstützt und mit einer seltenen Liebe an seinen Eltern und Geschwistern gehangen. Der Vater sei infolge langer Krankheit und seiner zahlreichen Familie in schlechten Vermögensverhältnissen gewesen. Dr. Ries habe 3000 M. auf einmal für seinen Vater und 600 Rk. für seinen Bruder an Schulden bezahlt. Der Vater habe an Asthma gelitten, er konnte sich kaum im Bett selbst aufrichten. Dr. Ries habe viele Nächte am Bett seines Vaters gewacht und ihn in der sorgsamsten Weise gepflegt. Als Dr. Ries nach Jever versetzt wurde, sei im Elternhansc großer Jammer gewesen. Die alte Mutter habe ausgerufen:„Es ist einfach schandbar, daß man einen so guten Sohn von den Eltern entfernt". Inzwischen ist von dem die Untersuchung führenden Amtsrichter der Befehl eingetroffen: den Angeklagten Bicrmann zwecks Antritts der bereits rechtskräftig gewordenen Strafe von sechs Monaten Ge- fängnis wegen Beleidigung des Landrichters Haake sofort in Haft zu nehmen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Sprenger richtet an den Gerichtshof und den Ersten Staatsanwalt die Bitte, die Verhaftung wenigstens bis zum Schluß der Verhandlung verhindern zu lvollen. Der Angeklagte Bier mann lvird in Haft ge- n o m m e n. Direktor Hans Hoher bekundet: Der jetzige Minister Ruhstrat erzählte einmal im Civilkasino einen„interessanten Fall". Dabei legte sich Minister Ruhstrat über den runden Tisch und sagte laut:„Schaf" oder„Oberschaf", genau wisse er das nicht mehr. Worauf sich dieser Ausdruck bezogen habe, wisse er nicht. Bert. Rechtsanwalt Dr. Sprenger: Ich bin leider genötigt, den Antrag zu stellen, Herrn Landgerichtsrat Niebuhr als Zeugen zu vernehmen. Erster Staatsanwalt: Ich beantrage, den Antrag als im- erheblich abzulehnen. Nach noch längeren Auseinandersetzungen zwischen dem Ersten Staatsanwalt und den Verteidigern zieht sich der Gerichtshof zur Beratung zurück. Nach sehr langer Beratung des Gerichtshofes verkündet der Vorsitzende: Der Gerichtshof ist der Ansicht, daß der Antrag auf Ladung des Herrn Landgerichtsrat Niebuhr nicht abzulehnen ist. Der Gerichts- Hof hat daher beschlossen: Herrn LandgerichtSrat Niebuhr als Zeugen zu laden. Da die Ladung aber nicht so schnell auszuführen ist. so hat der Gerichtshof beschlossen, die Verhandlung auf M o n t.a g, vormittags 10 Uhr, zu vertagen. Verteidiger: Ich beantrage, als Zeugen zu laden Re- gierungsrat Mutzenbecher, Slmtsrichter Bott. Regicrungs-As'sessor Pralle. Regiernngs-Assessor Mücke und Rechtsanwalt Ruhstrat. Diese haben dem Zeugen Rechtsanwalt Koch Mitteilungen gemacht. Ich beantrage weiter als Zeugen zu laden Bürgermeister Mahlstedt- Eutin, Amtsrichter Kreßmann-Brake und Regiernngs-Assessor Mutz. Vors.: WaS sollen diese Zeugen bekunden? V e r t.: Ich bitte, mich nicht immer zu unterbrechen, siondem mir zu gestatten, meine Anträge zu begründen. Diese Zeugen sollen gefragt iverden. ob sie das Vorkommnis selbst erlebt, oder van wem eS ihnen erzählt worden ist. Erster Staatsanwalt: Ich habe durch Stellung dieser Anträge die Auffassung gewonnen, daß der Angeklagte Biermann das Bestreben hat, die Sache hinauszuziehen. Ich beantrage daher, nicht nur diese Anträge abzulehnen, sondern auch bezüglich der Ladung des Herrn LandgerichtstatS Niebuhr noch einmal in eine Beratung einzutreten. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. S p r e n g er: � Ich bemerke, daß eine Verschleppung in keiner Weise beabsichtigt ist, zumal dieselbe gar nicht im Interesse der Angeklagten liegt. Nach sehr langer Beratung dcS Gerichtshofes nimmt das Wort der Verteidiger Rechtsanwalt Greving: Ich erkläre in meinem und auch ini Namen des Dr. Ries, daß die sogenannte Oberschaf- Bemerkung, wenn überhaupt gefallen, nicht in der Absicht geschehen ist, um den Obcr-LandeSgerichtSrat Tenge zu verletzen. Der Minister erklärt darauf, daß er nunmehr den Strafantrag be- züglich dieses Punktes zurückziehe.— Die gestellten Anträge erledigen sich nunmehr. Die Verhandlung wird auf Sonnabend vertagt. Deutscher Arbeiter-Abstinenten-Bund, Ortsgruppe Berlin. Sonn« tag, den 22. November, abends 6 Uhr, im Englischen Garten, Wexander» straße 27c: H c r w c g h- A b e n d. Den Vorwag sowie die Ncciwtioncn hat der Schriststellcr Genosse Georg Davidsohn übernommen. Vor und nach dem Vortrag musikalische Unterhaltung. Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Arbeiter-Samariterkolonne. Morgen, Montagabend 9 Uhr: UcbungS- stunde in der Centrale Drcsdcncrstr. 45. Vortrag über Knochcnbrüche, Ver- renkungen und Verstauchungen. Nachher: Praktische llebungett. Neuaufnahmen können in jeder Lehrstunde erfolgen. Gäste willkommen. Allgemeine Familie»-Stcrbetasse zu Berlin. Heute Zahltag: SIckerswaße 123 bei Diekc und Marianncnstraße 48 bei Liebehcitfchck von 3-6 Uhr._ Stationen Swincmde. Hamburg Berlin sürankf.a.M. München Wien L S i£ u B B S 3 745 S 747 WSS 748 W 756!SW 757 W 755 PA Wetter llheiter �bedeckt tbcdeckt 2 wolkig 7hedcckt 5Rcgcn Wetter b�bedeckt 7'bcdeckt llbedeckt ÖK C?- gö W Co 12 Wetter-Prognose für Sonntag, den S2. November 1903. Zeitweise heiter, jedoch sehr unbeständig mit Niederschlägen und ziemlich starken westlichen Winden: Temperatur wenig verändert. Wakennauz A.Wertheim Extra-Preise Lelpzlgerstr. 1 32/1 3S(Versand-Abteilung).— Rosenthaleratr. 27/29.— Oranienstr. 52/55 Montag, Dienstag, Mittwoch soweit der Vorrat reicht: Konserven Reineclauden dÖ« 85, Dol« 48 Ft. Erdbeeren.. 1.15,„ 63 pr. Aprikosen F�cht„ 1.25,„ 68 pr. 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