Nr. 376. BNnnementS'Bcdingungtn: «donnemmts> Preis pränumerando: «ierteljährl. 3&) SSM, nionoll. 1,10 Ttt, wv�entlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- »Ummer mit illustrierter SonntagS- Bellage.Die Neue Welt- 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post-ZcitungS» Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn s Marl, für das übrige Ausland» Marl pro Monat, vlchtlit litgll» Zill!» lllsnlZgz. 36. Itthrgt Nevlinev Volksvl�kk. vle salettionz-Ledithr beträgt für die sechSgespaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg, für politische und gcwerlfchaftliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Hnzeigen" jede» Wort 6 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate sül die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtage» bis 8 Uhr vorniitttags geöffnet. Telegramm-Norefle: „Sotlilltlmslllilt still!»". Ceniralorgan der focialdemokratischen Nartei Deutschlands. l�eclaktion: 8W. 68, Lindcnstraoac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. 6xpeditton: 8M. 68, Lindenstraeae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Genossen! Ans znr Kommnnalwahl! Beseitigt den Freisinn aus der Wählerklasse des Volkes! Die dritte Wählerklasse gehört der Socialdemokratie! Der Kampf um das Rote Haus. Am Freitag beginnen die Ersatzwahlen für die Berliner Stadt- berordneten-Versammlung. Es handelt sich um 50 Mandate, ivovon 1(5 auf die dritte Abteilung entfallen, und je 17 Mandate den privilegierten Wählern der zweiten und ersten Abteilung vor- behalten sind. Für das durch das Älassen-Wahlsystem entrechtete und enterbte Proletariat— für die in der Socialdemolratie politisch organisierte Arbeiterklasse der Reichshauptstadt— lomint nur die dritte Abteilung in Frage. Hier gilt es wieder Abrechnung zu halten mit dem rückständigen arbeiterfeindlichen Kommunalfreisinn, der seine Macht in der (»icmeindeverlvaltung mißbraucht, um die lvirtschastlichen Interessen der Besitzenden zu vertreten. Dem 3fc$isinn ist die Gemeinde nichts als eine große Wirtschaftsvereini'guiig der besitzenden Klasse znr gegenseitigen Unterstützung. Die bürgerlichen Parteien, vor allem der Freisinn in Berlin, betrachten die Gemeindeverwaltung als einen Tummelplatz privatkapitalistischer Unternehmungen, denen die städtischen Einrichtungen überliefert werden, damit das Kapital lohnende Verwendung findet. Für die großen ethischen, hygienischen und socialen Aufgaben der Gemeinde, die als sociale Gemeinschaft die Pflicht hat, für die Wohlfahrt aller Geineinde-Angehörigen zu sorgen, hat der Rathaus- Freisinn in Berlin weder das Verständnis noch den Willen zur Lösung. WaS in dieser Hinsicht in Berlin während der letzten Jahre geschah, mußte der ersten Gemeinde des Reiches durch den Zwang des Gesetzes abgerungen werden. Die Hoffnung, daß Berlin durch freiwillige Ausführung der in manchen Socialgesetzen den Gemeinden erteilten Rechte dem socialen Fortschritt die Bahn ebnen werde, hat sich noch stets als trügerisch erwiesen. Auf diesem Gebiet herrscht in Berlin eine Rückständigkeit. die geradezu unbegreiflich erscheint, und die sich nur aus dein Um- stände erklärt, daß die freisinnige Majorität der städtischen Körper- schaften ängstlich bemüht ist, das Unternehmertum zu schützen und ihm jede materielle Belastung durch sociale Auflagen fernzuhalten. Nur die Vermehrung der socialdemokratischen Stadtverordneten kann hierin Wandel schaffen. Je mehr Vertreter des Proletariats in den Stadtverordnetensaal eindringen, desto schneller und stärker wird die sociale Erkenntnis im Rathause wachsen— desto wirksamer wird der Einfluß der Arbeiterklasse auf die kommunale Arbeit sein, und desto früher wird es gelingen, die kommunalen Forderungen der Socialdemokratie zur Geltung zu bringen. Diese unsre Forderungen erstrecken sich über das ganze weite Gebiet der kommunalen Anfgaben. Die wirtschaftliche und politische Haltung der Berliner Stadtverwaltung ist einzig auf die Förderung der besitzenden Klassen zugeschnitten. Polittsche Bevorrechtung und materielle Vorteile aus der Gemeindewirtschaft— das sind die Früchte, die den Besitzenden in den Schoß fallen und sie in der Kommunalvcrwaltung immer mächtiger machen. Diese Thatsache zeigt sich in allen Zweigen der Verwaltung. Für die Volksschule geschieht eben nur das notdürftigste. Die Bevorzugung der Besitzenden zeigt sich deutlich in den sehr erheb- lichen Mehranftvendungen, die für den Schüler einer Vorschule an höheren Lehranstalten gemacht iverden als für einen Volksschüler. Die hygienischen und pädagogischen Mängel in den Gemeinde- schulen— die Ueberfüllung der Klassen usw.— sind bekannt; die Ilnentgeltlichkeit der Lehrnnttel ist immer noch nicht erkämpft. Die Socialdemokratie will die privilegierte Volksschule— die Vorschulen an Realschulen und Gymnasien— für die Kinder der Besitzenden beseitigen; an ihre Stelle soll die Einheitsschule treten, Ivo reich und arm, gering und vornehm auf derselben Schulbank zu den Füßen ihrer Lehrer sitzen. Wenn die Wähler der ersten mid zweiten Abteilung ihre Lieblinge ebenfalls in die Volksschule schicken müssen, dann werden sehr bald all die gesundheitlichen Mißstände, sowie die pädagogisch nicht zu verantivortende Ueberfüllung und die mangelhafte Ausbildung an den Schulen verschwinden, weil dann die Angehörigen und Vertreter der die kommunale Macht ausübenden Klaffen an ihrem eignen Fleisch und Blut die schlimmen Folgen des bestehenden Zustandes spüren. Die unzureichenden Leistungen der Schule finden ihre Fortsetzung in der Vernachlässigung der Volksbildung überhaupt. Hier muß vielfach Privathilfe ersetzen, was die Gemeinde zu leisten verpflichtet wäre. Neben den Mängeln im Volksschul- und VolksbildungSwcscn machen sich schwere Mißstände in der Kranken-, Waisen- und Armen- pflege geltend. Auch hier find es meist nur die Socialdemokratcn, die in genauer Kenntnis der thatsächlichen Verhältniffe die Mißstände zur Sprache bringen und auf Abhilfe drängen. Nur widerwillig und gezwungen läßt sich die freisinnige Majorität jede noch so kleine Ver- besserung abringen, während es doch der Stolz und Ehrgeiz Berlins sein müßte, auf diesem Gebiete das denkbar Vollendetste zu leisten. Für eine der wichfigsten Forderungen der Volkshygiene: für die Bc- kämpftmg der Wohnungsmisere, hat der Rathausfreisinn fo gut wie gar kein Interesse. Der dreifache Panzer: Schutz des Privatkapitals. Bevorrechtung des Grundbesitzes und Förderung der Bau-Nnternehmer, erweist sich als hieb-, stich- und kugelfest gegen alle Versuche, den: WohnungS elend ernstlich auf den Leib zu rücken. Die Weigerung der Stadt. entsprechende Wohnungsvorschriften zu erlassen, sowie die Ablehnung der Errichtung passender, dem Arbeiterverdienste entsprechender preis werter, gesunder Wohnungen auf städtischem Terrain und in städtischer Regie, macht jede durchgreifende Wohnungsreform un- möglich, und überläßt die Befriedigung des Wohnungsbcdürfnisses der Arbeiter nach wie vor der privatkapitalistischen Initiative. Die Weisheit der freisinnigen Finanzpolitik gipfelt in dem Bestreben, die direkte Einkommenstencr auf dem Normalsatz zu halten, während man sich kein Gewissen daraus macht, indirekte Steuern in Form von hohen Gas- und Wasjerprcisen zu erheben. In der Finanz- und Steuerpolitik des Berliner Freisinnsliüngels tritt die kapitalistische Wirtschaftsweise sinnenfällig in die Erscheinung. Statt die Einstellung und den Betrieb der elektrischen Verkehrs-, Be leuchtungs- und Krafterzeugungseinrichtungcn für die Stadt in vollem Umfange nutzbar zu machen und dadurch die für Kultur zwecke notwendigen Mittel zu beschaffen, überläßt man dem Privat kapital diese gcwinnreiche Thätigkeit lind begnügt sich»nit den Abgaben, die der Kapitalismus der Stadt gnädigst zugesteht. Das Privatkapital verdient Millionen an der Ausbeutung der Stadt. Der Rathaus- Freisinn liefert die Gemeinde dem Elektricitätsring aus, der mehr und mehr jede Möglichkeit eigner städtischer Initiative auf diesem Gebiet zu ersticken droht Dieses von der Socialdemokratie mit Nachdruck und Zähigkeit bc kämpfte kapitalistische Ausbeutungssystem, welches unter Zustimmung und Förderung der liberalen Kommunalmachthaber betrieben wird, führt den Aktionären der Gesellschaft hohe Dividenden zu, um deren Betrag die Stadtkasse gebracht wird. Wäre das Allgemeininteresse für die Stadtverwaltung entscheidend, dann würden wir schon längst das Bedürfiiis nach Straßenbahnen aller Art und Krasterzeugnngs Werken durch städtische Einrichtungen beftiedigen. Aber der Geld- Hunger, die heilige Aktie, der Güter höchstes, die Dividende— das ist des Pudels Kern. Die Klassenvcrtretung im Roten Hause muß so tanzen, wie der KapitaliSnms pfeift. Den Kapita listen, oeren Interessen die nicht vom Volke gewählten, sondern von ihren Klassengenossen der ersten und zweiten Wählerabteilung ernannten Stadtverordneten wahrzunehmen haben. ist die Dividende von 8—12 Proz. Straßenbahn- oder ElektricitätS aktien angenehmer und erstrebenswerter als die 3'/, Proz., mit denen Reich, Staat und Städte ihre Anleihen verzinsen. lind deshalb müssen die Straßen und Plätze der Stadt dem Privatkapital zur Belegung mit Schienen und Kabeln ausgeliefert werden, deshalb könne» die für Volkswohlfahrt, Volkögesundheit und Volksbildung notwendigen Mittel nicht aufgebracht Iverden, weil der entnervte und versumpfte Rathausfreisinn unter der Diktatur des dividendengierigen Privatkapitals steht. Mit der Verkommenheit der freisinnigen Machthaber geht Hand in Hand seine Brutalität gegen die Arbeiterbevölkerung Berlins. I Die Freisinnsheldcn bestreiten den Vertreten! der Arbeiter, in deren Namen Forderungen zu stellen, weil die Arbeiter nur einen geringen Teil der Einkonimensteuer aufbringen. Die Unverschämt heit dieser Denkweise wird noch von ihrer Niedertracht übertroffen. Die Steuersähigkeit, welche den Besitzenden die kommunal- politische Herrschaft über die Besitzlosen verleiht, verdanken die Wähler erster und zweiter Abteilung der durch die kapitalisttsche Wirtschaftsweise erzeugten Ausbeutung der Arbeiterklasse. Die Arbeiter sind es, die den Kapitalisten Wohlstand und Reich- tum schaffen— die Arbeiterklasse ist es, die mit ihrem Blut die Bourgeoisie zahlungs- und steucrsähig macht. Jedes Geldstück, mit dem die Kapitalisten am Wahltisch ihre polittsche und bannt wirt- chaftliche Herrschast über die Arbeiter erkaufen, ist gemünzter Arbeiterschweiß, der in dem Joch der Lohnsklaverei vergoffen wurde. Ist der Berliner Bezirksvereins-Freisinn unfähig, die kommunalen Aufgaben in socialer und ethischer Beziehung zu erfüllen, so fehlt es ihm auch an Willen und Kraft, die kommunalpolitischen Rechte der Gemeinde wahrzunehmen. Jedem Winke von Oben nachgebend, verfällt der Berliner Freisinn immer mehr der Rückgrats- und Gesinnungslosigkeit. Von wirklich demokrattschen Grundsätzen ist in dem Verhalten des Magistrats und der Stadtverordneten-Majorität keine Spur zu entdecken. Aengstliches Ducken sowie Mangel an Widerstandskrast tritt bei jeder Veranlassung in die Erscheinung; das liberale Wort„Männerstolz vor Königsthronen' ist zum Gespött geworden. „Nach oben servil— nach unten brutal', dahin ist es unter der FreisinnShcrrschast gekommen und es wäre noch trauriger um die Selbstverwaltung bestellt, wenn nicht die socialdemokratischen Stadt- verordneten immer wieder und wieder das Bürgertum zur Scham gerufen hätten. Am Wahltag sitzt das Volk zu Gericht über seine Bertreterl Sechszehn Mandate der dritten Abteilung sind zu besetzen. Wenn jeder Parteigenosse und Arbeiter, jeder Handwerker und Kleingewerbetreibende seine Pflicht thnt, so ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß unsre Partei nicht nur die bisherigen Sitze wieder gewinnt, sondern einen beträchtlichen Zuwachs erhält. Es ist die letzte Wahl in diesem Jahre in Berlin, bei der die Socialdemokratie in Aktton tritt. Zeigen wir dem verlotterten und verrotteten Freisinn, daß er dem Ansturm der Socialdemokratie gegenüber rettungslos verloren ist, wo das Geldsacks-Wahlrecht ihn nicht schützt. Die dritte Wählerabteilung gehört der Socialdemokrattel Was der 16. Juni in Berlin für den Reichstag so glänzend be- gönnen— das muß morgen bei den Ersatzwahlen der dritten Ab- tcilung für das Rote HauS fortgesetzt werden. Deshalb alle Mann auf zum Kampfei Ohne Fleiß— kein Preis I Das rote Jahr wird unS— wenn alles seine Schuldig- keit thut— noch einige aus socialdenwkratischem Holz geschnitzte Sessel ins Rathaus schaffen, es wird enden mit dem Siege des arbeitenden Volkes! Vorwärts! Hoch die Socialdemokratie! Das Schauspiel in Moabit. Gräfin Kwilecka und die übrigen Angeklagten sind frei- gesprochen worden. Vor dem Kriminalgericht wogt eine auf- geregte Menschenmenge, die das Urteil mit lauter Zustimmung be- grüßt. Das Schauspiel ist aus, Saal und Tribünen leeren sich. Die eleganten Damen von Berlin W., die sich wochenlang in dem düstern lustlosen Raum drängten und wenn die Welle der Zuschauer hineinwogte, sich ihre kostbaren Pelze und wundervollen Hute zer- drücken und herabrcißcn ließen, müssen nach einer neuen Auf- regung suchen. Aber auch filr ernstere Leute war das Kulturbild, das dort vor- geführt wurde, interessant. Schon die Personen des Schauspiels: Die Gräfin Wesierska- Kwilecka, mit der guten Haltung und dem Ranbvogelgesicht, die man so oft bei alten Aristokratinnen findet, der Graf, der Typus des weichlich-bcquemen Adligen, die„reumütige' OssowSka mit dem Ausdruck pfäffischer Verblödung und Schein- Heiligkeit, die ChwiatkowSka, eine kranke gedrückte Dienerin, und dahinter die einzige wahrhaft sympathische Erscheinung von allen, die alte KnoSka, die 78jährige Greisin mit dem feinen freundlichen Gesicht, die cS im Untersuchungsgefängnis bequemer findet, als im Hotel, und die von ihrem Großvaterstuhl aus mit dem Ausdruck vollkommenster Seelenruhe die endlosen Scharen der Zeuge» vorbei- ziehen sieht: sie ist an der Stelle des menschlichen Lebens angelangt, wo man ihr nichts mehr anhaben kann, mag die Sache gehen, wie sie will. Und die Zeugen, ein buntes Gewimmel, aber alle Typen des polnischen Landes vertteten, wie aus der Arche Noah. An der Spitze natürlich die„Edelsten', ohne deren Herrentalente Preußen und das Deutsche Reich nicht existieren könnten, und für deren Unterhalt die Nation durch Brotverteuerung sorgen soll. Die Agnaten Grafen Kwilecki aus Oporowo und Kwilcz, darunter Graf Hektar, päpstlicher Kammerhcrr, Rittmeister eines Garderegiments und glücklicher Bc- itzer eines Jahreseinkommens von 150 000 M., auch einer von den Notleidenden, die im Reichstage am 14. Dezember 1902 für das Zolltarif-Gesctz gestimmt haben. Dann allerhand adlige Damen und Herren aus dem Kreise der Angeklagten, auch der vornehme geistliche Hausfreund und Berater Prälat Dr. v. Jazdzewöki. Polnische Kleinbürger verschiedenster Art, die Andruszewska und ihre Verwandten und der betriebsame Herr Hechelstt, deren„Eni- hüllungen' der Prozeß zu danken ist, und die auf Belohnungen vom Grafen Hektar hoffen, aber auch der Sohn der Hebamme Cwell, ein armer Teufel, der trotz aller Geldangebote, die im Laufe der Jahre an ihn herangetreten sind, zu nichts zu haben gewesen ist. Den Troß der Leute aus Wroblewo und Umgegend, Frauen in bunten Kopstüchern, Wirtschastsbeamte und Knechte, fast alle voller Anhänglichkeit an die verschuldete Herrschaft. Auch Herr Lewinsky aus Warschau gehört zum Bilde, der einen Justizrat in Posen zum Bruder hat und für ihn Ermittlungen besorgt; und damit des spezifisch Preußische nicht fehle, Aintsrichter und Diswittskommissar und der allgegenwärtige Kriminalkommissar v. Tresckow. Als corpus ckelictt, wie die Juristen sagen, der hübsche Knabe, der Majoratsknabe von Wroblewo, dessen sprechende Aehnlichkeit mit der Gräfin allgemein konstattert wird. Was uns da vorgespielt wurde, fiel zum großen Teil ins heitere, ja ins komische Genre. Eine fidel» Wirtschaft in Wroblewo. Das Gut wirft jetzt bei ordentlicher Verwaltung 70 000 M. Ueber- chuß ab, das gräfliche Paar hat aber nicht nur die erhebliche Mit- gist der Gräfin verbraucht, sondern hatte 1896 Schulden im Betrage von 200 000 jetzt von 450 000 M. Wenn die Gräfin 20 000 M. in die Hand kriegt, fährt sie nach Paris, kommt in vier Wochen zurück, das Geld hat sie verbraucht und die Hotelrechnung ist sie noch 'chuldig geblieben, so erzählte ein Zeuge. In Wronke gab es Gerichtstage, wo niehr als die Hälfte aller Klagen gegen den Grafen gerichtet waren. Auch Alimentenklagen gab es darunter, denn Warum soll ich keine Verhälwisse haben?' sagt der Graf heiter. Die regelmäßige» Besuche des„Onkels Gerichtsvollzieher' wurden mit Humor aufgenommen, Gut und Schloß konnten als Majorat ja nicht versteigert werden. Die Gräfin ist überhaupt eine joviale, ungenierte Frau; vor dem Inspektor macht sie gewagte Scherze und ein Besucher kamt durch eine durchsichttge Bettdecke die Wölbung ihres MajoratSerbcn schwangeren LeibeS konstatieren. Mit dein Hern? Grafen steht sie per„Lumpensack", dann unter dein wilden Himmel Italiens leben sie wie die Turteltauben. Der ernste Hintergrund aber, vor dem sich das lustige Treiben abspielt, ist die Majoratsverfassung von Wroblelvo. Stirbt der Graf ohne Sohn, so fällt die Herrschaft an den Vetter Grafen Hektor und die Grasin, die ihr Vermögen zum Teil ins Gut gesteckt und den Rest verbraucht hat, muß mittellos vom Schlosse lveichen; auch von den„gnädigen Comtessen" erhält nur die eine noch ininder- jährige eine Rente bis zur Großjährigkeit. Verhungern oder sich bis zur Arbeit erniedrigen müssen sie auch dann nicht, denn sie haben reiche hilfsbereite Verwandte, aber mit der eignen Herrlich- lcit ist's vorbei. Die Geburt eines Majoratserbcn kann das alles zum Guten wenden, kaum aber ist er in Aussicht ist, beginnen die Anzweifelungen durch die Agnaten. Nach- dem der kleine Graf eingettoffen und gehörig mit Champagner gefeiert ist, setzen die Angriffe sich fort, es folgen die„Ermittelungen" des Herrn Hechelski, bis der Schlußakt in Moabit ein Ende macht. Natürlich tritt Graf Hektor 5kwilecki, der nächste Fideikommiß- Anwärter, als der Großartige auf. Er hat Tausende aij Hechelsli und an Detektiv-Jnstitttte gezahlt und mehr versprochen, falls er den Prozeß gewinnt, aber beileibe nichts des Majorats, sondern der„ F a m i l i e n e h r e" wegen, und er erklärt feierlich, daß er „für seine Person" auf das Majorat verzichte; das heißt, daß die Herrschaft an seinen ältesten Sohn fallen müßte, für den er gar nicht verzichten könnte. Der Staatsauwalt Müller protestierte in seinem Plaidohcr dagegen, daß die Presse von einem„Kampf um das Majorat" spräche, und er meinte, die Fideikommiß-Gcsctzgcbung hätte mit dem Fall gar nichts zu thun, durch ein Testament könnte ganz dieselbe Rechtslage geschaffen werden. Dies ist schon deshalb falsch, weil der Graf Klvilecki, wenn er keinen Sohn bekommen hätte, niemals freiwillig sein ganzes Vermögen den Vettern ver- macht und seine Witwe und seine Töchter der Gnade von Ver- lvandten überliefert haben würde, ganz abgesehen vom Pflichtteils- recht, das ihn daran gehindert haben Ivürde. Wenn die Gräfin ein Kind untergeschoben hätte, so läge die Schuld vor allem daran, daß das Gut ein Majorat war, und die Beschaffung eines männ- lichen Stammhalters der einzige Ausweg aus diesen Schwierigkeiten. Aber auch die verkehrte Wirtschaft aufWroblewo hängt offenbar damit zusammen. Die Gräfin steckt einen Teil ihres Vermögens hinein ohne Aussicht, Früchte davon zu ziehen, wenn die Herrschaft später an die andre Linie fällt, und auch der Graf hat kein Interesse daran, die Wirtschaft in Ordnung zu halten, so lange er damit nur für fremde lachende Erben sorgen würde. Für den Kenner der Äriminalstatistik nicht neu, aber sprechender als trockene Zahlen ist der Einblick in das ethische Leben der be- teiligteir Kreise. Selbstverständlich ist alles streng religiös und katholisch, nur auf die geschätzte Kronzeugin Andruszeriska werfen ihre eignen Verwandten einen Schatten, weil sie nicht oft genug zur Beichte geht. Der Dr. Rosinski, der Hausarzt vornehmer Familien, natürlich auch polnisch und katholisch, erklärt die Dorf- leutc und das Gesinde für viel zu religiös, um Meineide zu leisten. Der Amtsrichter und sein Sekretär aber korrigieren das rührende Bild: „In dieser Gegend werden s e h r v i e l e M e i n c i d e g c s ch w o r e n, die Zeugen treten oft gruppenweise einander gegenüber und schwören völlig entgegengesetzt, so daß keiner Partei zu glauben ist; der Nachweis des Meineids aber gelingt trotzdem nicht." So stehen ja auch in diesem Prozeß Gruppen von Zeugen gegen einander und bekunden Unvereinbares. Hat die Hälfte von ihnen Meineide geschworen?— Schwerlich. Wir wissen, wie ver- schieden schon im Moment des Geschehens ein Hergang von ver- schiedenen Personen aufgenommen wird, und wie sich das Erinne- rungsbild unter allerhand Einflüssen umgestaltet. Nur geschulte Bcobachtungsfähigkeit verbunden mit fester Willenskraft geben die Möglichkeit, einen Thatbestand klar zu erfassen und festzuhalten. Er- Icbtes von Zugetragenem oder Gefolgertem zu trennen. Auf den Dorfschulen des Ostens und vor dem Beichtstühle werden Intellekt und Charakter der Menschen nicht genügend entwickelt, und deshalb ist die Möglichkeit, mit Hilfe solcher Zeugen die Wahrheit festzu- stellen, äußerst gering. Das aber mußte die Staatsanwaltschast sich sagen, ehe sie die Anklage erhob und eine vierwöchcntliche Verhandlung verursachte, die Zehntailsende kostete und bei der eine Freisprechung als Nieder- läge der Justiz lvirken mußte. Die Andruszewska hatte die Fäden des Gewebes aufgezogen, den Einschlag bildeten die„Ermittelungen" HcchelSkis in Krakau. Aber die AndruSzewska war erst nach Jahren mit ihrem„Geheimnis" hervorgetreten und spekulierte halb auf Befriedigung des Hasses, halb auf daS Geld des Grafen Viktor, und Hechelski half ihr bei dieser Fruktifizierung, locnn er nicht der Anstifter der ganzen Aktion war. Was konnte man mit solchen Zeugen und denen die sie beschafft hatten anfangen?— Mochte noch so viel Auffälliges in der Sache sein, der Umstand, daß die Andruszewska und HcchelSki die beiden Säulen waren, die die ganze Anklage tragen sollten, hätte von dem Versuch abhalten müssen, ein so schweres Gebäude auf so morschen Fundamenten zu er- richten. Was einer Anklage an innerer Kraft fehlt, kann äußerer Eifer nicht ersetzen. Mit vollem Rechte betonte der Verteidiger Justizrat Wronker, daß dieser Prozeß wieder einmal die Unhaltbarkcit der ge- Heimen Voruntersuchung bewiese, bei der die Verteidigung fast von jeder Mitwirkung ausgeschlossen ist. Wenn alle Entlastungsbeweise schon in der Voruntersuchung erhoben worden wären, wenn der Ver- tcidiger Gelegenheit gehabt hätte, vor einer Eröffnungskammer mündlich die Schwäche der Anklage darzulegen, so hätte es wohl des ganzen kostspieligen Apparats einer SchwurgerichtS-Verhandlung nicht bedurft. Eine ganz besondere Erscheinung dieses Prozesses war der vor- gefaßte Eifer, mit dem eine ganze Reihe unbescholtener Personen teils während des Vorverfahrens, teils noch nachträglich des Meineids oder der Begünstigung beschuldigt und mit Eröffnung der Vorunter- suchung bedacht wurden, nachdem sie zu Gunsten der Gräfin ausgesagt hatten, und der aus Juristen bestehende Schwurgcrichtshof setzte dies Verfahren in der Verhandlung fort, indem er die Ver- cidiguug einer ganzen Reihe wichtiger Entlastungszeugen wegen„Ver- dachts der Begünstigung" ablehnte, ja eine Zeugin sofort verhaftete. Ter Buchstabe des Gesetzes wag ein solches Vorgehen zur Not stützen, mit dem Geiste eines unparteiischen Strafverfahrens ist es unvercin- bar. In diesem Falle hat es nichts geschadet, sondern anscheinend das Gegenteil bei den Geschwonicn belvirkt, aber man muß daraus eine ernste Warnung gegen die Bestrebungen entnehmen, die in den klcri- kalen und konservativen Gesetzentwürfen der Abgeordneten Rintelen und Salisch zum Ausdruck gekommen sind, wonach den Gerichten die noch weitergehende Freiheit eingeräumt werden soll, Zeugen sogar wegen„Unglaubwürdigkeit" unbecidet zu lassen. Tie Gefahr, daß diese Anträge angenommen tverden könnten, ist nicht gering, zumal der Reichstag unbegreiflicherweise einer entsprechenden Bestimmung schon bei der Militär-Strafgerichts-Ordnung zugestimmt hat. Ein andres altes Klagelied, das auch in diesem Prozesse wieder ertönte, ist das von der unwürdigen Stellung der Verteidigung in der Hauptverhandlung. Herr Justizrat Wronker sagte darüber sehr schöne mannhafte Worte. Es war auch Wirklich ein etwas starker Kontrast, daß der Staatsanwalt Müller seine Rede mit Ausfällen gegen die Verteidigung spicken durfte, der er Kinkerlitzchen und Ver- suche, die Auftnerksamkcit von der Hauptsache abzulenken, vorwarf, ohne daß der Vorsitzende mit der Wimper zuckte, während der Ver- tcidiger Wronker, der die Schwäche der Anklage deutlich aber mit viel feineren Mitteln darlegte, sofort eine Mahnung wegen seines „satirischen Tons" erhielt. Indessen ist diese Beschränkung der Verteidigung nur ein Ausfluß der allgemeinen Unter- drückung der Redefreiheit, die in Deutschland jedem beschccrt ist, der nicht zu den offiziellen Kreisen gehört. Im Gesetz ist sie nicht begründet, sondern in der Schwäche derer, die sich so behandeln lassen. Die Rechtsantvaltschaft hat eben erst bei der Adresse an Schönstedt und was darauf folgte, bewiesen, daß sie selber die Schuld daran trägt, mögen einzelne auch sich mutig ihrer Harlt wehren. Als der Anklage alle Stricke zu reißen drohten, wurde die Be- hauptung aufgestellt, daß das Polentum sich gegen die Anklage ver- bändet hätte. Also die Anklage ein Stück moderner Antipolen- Politik?— da kann man sich nicht wundern, daß sie so zusammenbrach. Die Geschwornen gaben die richtige Antwort darauf, unbekümmert um die ebenso ungeschickte Drohung, daß sie dadurch das Institut der Schivurgerichte gefährden würden. Vorder vffentlichei, Meinung haben sie ihm neuen Glanz verliehen, indem sie sich trotz aller scheinbaren Belastungen, trotz Appells an nationale Leidenschaft und Furcht kühles Blut bewahrt und einen zuverlässigen Beweis verlangt haben. politische(lebersicdt. Berlin, den 25. Notzcinber. Flottenkollcr. Die Flottenpresse arbeitet unermüdlich an dem edlen Werke, über das Flottenprogramm von 1900, ja über die damals durch den Reichstag abgelehnten RcgicrungSforderungen hinauszutreiben. Die „Allgemeine Marine- und Handelskorrespondenz"— welche in demselben Verlag erscheint wie das Organ der Panzerplatten-Jndustrie!— erklärt in längerem Artikel es als„unabweisbare Notwendigkeit, für den Anslandsdienft ein eignes Liiiicngcschwadcr zu beschaffen und bereit zu halten". Es genüge nicht, wie die Regierung 1900 forderte, eine größere Zahl von Panzerkreuzern im Auslände zu stationieren, neben den Panzerkreuzern müßte in O st a s i e n, zu kriegerisch en Zwecken, ein ganzes Geswwadcr großer Linienschiffe bereit stehen. Das Marincblatt faßt die Wünsche der Auftraggeber also zusammen: „Es kann sich daher nur um ein Geschwader von acht Linienschiffen mit zwei Kreuzergruppen, das heißt zwei Panzerkreuzern und sechs kleinen Kreuzern n e b st zwei bis vier Torpedoboot-Divisio neu handeln. Bei der weiten Entfernung von der Heimat, inmitten der starten Seestreitkräfte der andern Mächte und angesichts der unberechcn- baren Verhältnisse in Ostasien, muß diesem Geschwader, dem auch der Schutz von Tsingtau obliegt, eine Gefechtsstärke beiwohnen, die ihm die Unabhängigkeit seiner Bewegungen und die Ausdauer bis zum Eintreffen heimatlicher Verstärkungen sichert. In den obigen Ziffern ist die M a t e r i a l r e s c r v c selbstverständlich gleichfalls nicht mit einbegriffen. Der G e s a m t b e d a r"f für die Auslandsflotte an dienstbereiten Schiffen würde sich hiernach be- messen auf: acht Linienschiffe, sechs Panzerkreuzer und achtzehn kleine Kreuzer lexkl. Materialreserves. Gegenwärtig sind vier große resp. Panzerkreuzer und zehn kleine Kreuzer im Auslan.de in Dienst, es würde also außer den Linienschiffen ein Zuwachs von zwei Panzerkreuzern und acht kleinen Kreuzern zu diesem Zwecke erforderlich sein, wobei vielleicht noch die Frage offen bleibt, ob und welche in den Heimathäfen vorhandenen Kreuzer älteren Jahr- ganges vorübergehend zur Aushilfe mit in Anrechnung kommen können." Der Marine-Etat für 1904, dessen Hauptziffcrn gestern mitgeteilt wurden, überschreitet zwar erheblich die Vorschläge des Programms von 1900, aber die damals zurückgestellten Forderungen an Auslandsschiffen treten in diesem Etat noch nicht auf. Da die Ausführung dieser Forderungen schon 1900 erst auf das Jahr 1906 in Aussicht genommen worden ist. so würde erst der nächstjährige Etat die Frage des erneuten Umsturzes des Flottcnprogramms aufwerfen. Auch schließt die jetzige Finanzlage die Aufrollung der neuen Pläne völlig aus. Aber die fortdauernde Propaganda der Marinctreiber zcigt unzweideutig, wohin der Kurs gehen wird. Was man in diesem Jahre absolut nicht fordern kann, das soll im folgenden Jahre doppelt und dreifach nachgeholt werden. Es wird darauf hin- gearbeitet, neben der Verstärkung andrer Stationen in Ostasicn ein ganzes Geschwader von Linienschiffen zu schaffen. Das würde nichts andres bedeuten als Deutschland immer gefahrvoller in die ostasiatischen Verwicklungen hineinstürzen. Das würde zugleich Kosten verursachen, die in umgekehrtem Verhältnisse stehen zu der Förderung dcutscher Handelsinteressen ist Ostasien. Tie Tollheit der Pläne hindert aber keineswegs, daß die Wünsche der Panzcrplatten-Prcsse alsbald von der Marincverwaltung auf- genommen und gleichfalls als„unabweisbare Notwendigkeit" ver- kündet werden. Es ist eine Aufgabe der ersten Session des neuen Reichstags, diesen Bestrebungen nachdrückliches Halt zu gebieten!— Bischof Anzcr. Der geistliche Pionier unsrer glorreichen Chinapolitik, der Bischof Anzer, apostolischer Vikar von Süd-Schantung, ist am Dienstag in Rom gestorben. Der erst 52jährige Würdenträger hat durch seine Missionsthätigkeit. die sich nicht auf die BckchrungSarbeit beschränkte, sondern eine eminent politische war. sein gutes Teil zu unsrer Ost- asien- Politik, zur Besetzung Kiautschous und zur Entfachung dcS Boxer-Aufslandes beigetragen. Bekanntlich ist ja der Gang aller Kolonialpolitik der. daß zuerst der Missionar in einem Lande erscheint, das dem ExpansionS- bcdürfnis eines modernen Industriestaates herrenlose Beute dünkt. Alsdann erscheint der Kaufmann, der Handelsbeziehungen anknüpft. Ist dergestalt eine Interessensphäre geschaffen, so erscheint der anncktionslüsterne Staat mit einem Truppenaufgebot, um die Fahne zu hissen und das betreffende Gebiet als Kolonie zu reklamieren. So haben es wenigstens die älteren Kolonial-Länder gehalten, Deutschland hat freilich auch hier ein abgekürztes Ver- f a h w; n beliebt. Es verzichtete auf das Zwischen- g l i e d dcS K a u f m a n n s. Ihm genügte der Missionar, respektive die Ennordung etlicher Missionare, um sofort, ohne daß erst der Beloeis für einen kommerziellen Vorteil erbracht ge- Wesen wäre, ein Landgebiet zn annektieren. In Kiautschou z. B. ist es bekanntlich so gehalten worden. Bischof Anzer ivar seit 1879 in China als Missionar thätig. Seit 1882 tvirkte cr'als Gcneralvikar in Süd-Schantung. Bereits 1886 wurde er zum Bischof geweiht und sein Amtsbezirk zu einem apostolischen Vikariat erhoben. Im Jahre 1890 stellte Bischof Anzer seine Mission unter Deutschlands S ch u tz. Seit dieser Zeit, ja schon seit einem früheren Zeitpunkt, datieren die Pläne Deutsch- lands, in Ostasien einen Nagel der Weltpolitik einzuschlagen. Als dann 1897 das Deutsche Reich die Ermordung einiger Missionare— natürlich nicht ohne Beeinflussung durch Bischof Anzer— dazu fruktifizierte, Kiautschou zu„pachten", avancierte Anzer zu einer hochpolitischen Persönlichkeit. Die„Germania" selbst berichtet darüber stolz: „Zu derselben Zeit, als unsrc M a r i n e t r u p p e n in der Ts ingtqn bucht landeten, iveilte der Bischof in Berlin, um den maßgebenden Faktoren über die Verhältnisse in China Bericht zu erstatten; schon damals wies er auf die bedrohliche frcmdenfeindliche Bewegung unter der einheimischen Bevölkerung hin. Kurz vor dem Ausbruch der großen Boxer- rebellion stattete Anzer. der inzwischen in den Adelsstand erhoben war, wiederum einen Besuch in Berlin ab, er wurde am 31. Dezember 1900 von Kaiser Wilheln? in längerer Audienz empfangen. Der Hof zu Peking sah sich nach Wiederherstellung friedlicher Verhältnisse veranlaßt, den einflußreichen deutschen Bischof besonders zu ehren; er erhielt im ZWai liK)2 wegen seiner Verdienste um die Aufrechterhaltung der guten Be- ziehungcn zwischen christlichen und andersgläubigen Chinesen den „ e r st e n R a n g k n o p f", eine Auszeichnung, die von christlichen Geistlichen vorher nur dem franzöfischen Bischof Favier zu teil geworden war. Der P r i n z r e g c n t von Bayern zeichnete ihn durch Verleihung des Adels aus, der Kaiser ehrte ihn durch Verleihung hoher Orden und nicht minder durch seine persönliche Freundschaft." Wie sehr die Missionspolitik des Bischofs Anzer die deutsche Eroberungspolitik in Ostasien beeinflußte, setzt also das führende ultramontane Organ selbst trefflich auseinander. Wie sehr aber die Thätigkeit AnzerS auch die Erregung des Boxeraufstandes und des Waldersec-Feldzuges verschuldete, das beweist unter audcrm die Schilderung Sir Robert Harts, des Mannes, der 89 Jahre lang die chinesischen Scezölle verwaltete und ein Kenner chinesischen Lebens ist lvie kaum ein andrer. Sir Robert Hart führte seiner Zeit in der„Forthnightly-Rcvicw" aus, daß die Propaganda der Missionare sich weder die Ächtung, noch gar die Zuneigung der Chinesen habe erwerben können, da sie, namentlich die römisch- katholischen Missionare, sich in die Prozeßangelegenheitcn ihrer „Bekehrten" rechtStvidrig eingemischt hätten. Namentlich hätten sie auch dadurch Empörung hervorgerufen, daß sie sich das Recht er- wirkt hätten, sich grüner Tragstühle zu bedienen und das Ansehen und die Ehren von Gouverneuren und Vicekönigen zu beanspruchen. Bischof Anzer selbst heischte ganz besondere Ehrungen. Im Ni an darin cn kleide besuchte er die Pagode von I e n t s ch o u f o n, wodurch er begreiflicherweise allgemeine Empörung hervorrief. Durch dieses Auftreten und den in die Kompetenzen der chinesischen Justiz eingreifenden Schutz der Bekehrten— die nach dem Urteil der Chinakenner zum größten Teil aus allerhand Ge- sindel bestanden— wurde zum großen Teil jene Gärung erregt, die sich später in der Erhebung gegen die Fremden, die„roten Teufel", entlud. Die„Germania" ist so entgegenkommend,„angesichts der erschütternden Todesnachricht" diese Dinge, die Bebel am 23. November 1900 im Reichstag gebührend brandmarkte. mit Schweigen übergehen zn wollen. Sie meint:„Seine sAnzers) lang- jährigen Verdienste um die katholische Mission in Süd- Schantung und auch die guten Dienste, die er dem deutschen Baterlande geleistet", sicherten ihm ein ehrendes Andenken. Uns ist Bischof Anzer freilich nur der gefährliche und un- sympathische Typus des politisierenden Missionars, der seine geist- liche Thätigkeit, die ihm doch vor allem die Pflicht der Toleranz und Bescheidenheit auferlegen sollte, zu kirchlichen An- m a ß il ii g e n und politischen Ränken ausnutzt. Daß das Centrum einen Mann, der wie kein andrer die ultramontane China- Politik mit dem Mäntelchen religiösen Bekchruugseifers bedeckte und der deutschen Wcltpolitik den päpstlichen Segen verschaffte, ganz be- sonders feiert, ist allerdings nur zu erklärlich.—. Die französische AbrüstungSdcbatte in der Deputiertenkammer hat das Schicksal der Haagcr AbrüftungS- debatten geteilt, sie ist ausgegangen wie das Hornberger Schießen. Der Minister des Auswärtigen, D c l c a s s s, erklärte rund und nett, daß Frankreich nicht daran denken könne, mit der Abrüstung zu beginnen. Im übrigen dürfe man die Tragweite von SchiedSgerichts-VertrSgen, lvie der französisch-cnglische, nicht überschätzen. Das Schiedsgericht würde an dem Tage in die Brüche gehen, wo eine große Ration ihre Interessen oder mehr noch ihre Ehre von der Meinung eines Dritten abhängig sehen lvcrde. Das heißt ungefähr, daß Schiedsgerichte gut genug dazu sind, Bagatell- fachen zu behandeln und untergeordnete Konflikte zu beseitigen, daß aber in wichtigen nationalen Jntercsscnfragen und in Fragen der nationalen„Ehre", des nationalen Prestiges, nach wie vor die Waffen entscheiden würden, sofern man aus sehr realen Gründen, aber beileibe nicht der SchiedsgcrichtSidee zuliebe, vor der„ultima ratio" nicht zurückschrecke. Delcassö hat damit eine politische Wahrheit ausgesprochen, die, so unangenehm sie utopistischcn bürgerlichen Friedensschwärmern vom Schlage d' Est o urn e lies sein mag. der kapitalistischen Wirklichkeit nun leider einmal entspricht. Kein Schiedsgerichtsvertrag, keine Abrüstnngs- konferenz vermag den internationalen Kampf um die Futterplätze zu beseitigen. Der internationale Friedcnsgedanke läßt sich erst dann realisieren, wenn die Ursache des Völkerzwiespalts, der Kapitalismus, beseitigt ist. So wenig sich innerhalb der Nationen der Klassen- kämpf beseitigen läßt, so lange der Kapitalismus noch das herrschende System, so wenig läßt sich der Völkerfriedcn herstellen, solange der Kapitalismus die wirtschaftlichen und nationalen Gegen- sätze schürt. Unrecht hatte Delcassö allerdings darin, daß er die kühne Be- Häuptling aufflcllte, Frankreich habe nicht nötig, den Nationen gegen- über die Friedensschalmei zu blasen, weil Frankreich im Sinn des Friedens gehandelt, nämlich seit einigen Jahren die Budgets für den Krieg und die Marine etivas herabgesetzt habe. DaS ist leider nicht richtig. Im Jahre 1897 betrugen die betreffenden Ausgaben 880 Millionen Frank. 1899 952 Millionen Frank. 1901 1020 Millionen Frank. Auch die Ausgaben für die Kolonien fliegen von 83 auf 90 und 111 Millionen. Das ist eine Ausgaben erhöhung von 168 Millionen Frank, wobei anderweitige Ausgaben für den Militarismus, die Militärpensionen, die Verzinsung der Kriegsschuld usw. nicht mit- gerechnet sind. Frankreichs T h a t e n entsprechen also ganz dem System des die Völker so ungeheuerlich ausplündernden„bewaffneten Friedens", dem System der Rüstungen. Der Mlitarismus eines jeden Landes läßt sich eben nur be- kämpfen durch stritte Befolgung der alten socialistischen Parole: Dem herrschenden kapitalistischen System keinen Man» und leinen GroschenZ!—< Deutlchen Reich. Ein guter Beschluß. Aus München tvird vom Mittwoch gemeldet: Die Kammer der Abgeordneten verhandelte heute über einen Antrag Müller-München jSoc.j, das K r i e a s m i n i st c r i u in zu ersuchen, dahin zu wirken, daß Offiziere und Unter- offizicre, deren Mitschuld, sei es durch aktiiic Bctriligmig, sei es durch Miingcl n» pflichtgemäßer Beaufsichtigung, an systematischen Soldatenmißhandlungen nachgewiesen ist, unnachsichtlich au» dem Heere entfernt werden. Nachdem Müller- München(®oc.) seinen Autrag begründet hatte, erklärten L e r n o(C.) W a g u e r sLib.) und D i r r< Freie Vereinigung) die Zustimmung ihrer Fraktionen zn dem Antrage. Hierauf nahm der KricgSminister Geucrch v. Asch das Wort und führte auS, er werde nach wie vor den leider in nicht geringer Zahl vorkommenden Soldatenmibhandlungcn und dem Mibbranch der Dicnstgewalt mit aller Kraft cntgeqcntrctcir Er müsse gegen den Antrag aber ein formelles Bedenken erijeben. Die Entfernung aus dem Heere könne nach dem Militär-Strafgesctz nur auf Grund gerichtlichen Urteilspruches erfolgen. Wenn die Tendenz des Antrages aber nur die sei, daß Soldatenmiszhaudluugcu mit der Entfernung aus dem aktiben Heere geahndet werden sollen, so könne er sich gegen den Antrag nicht ablehnend verhalten. Der Antrag wurde darauf c i n st i m m i g angenommen. Die Annahme des Antrages ist sehr zu begrüßen. Wird für seine rücksichtslose Durchführung Sorge getragen, so ist damit wenigstens der e r st e Schritt zur Beseitigung eines unerträglichen Austandcs gesichert. Am wenigsten täuschen sich aber die social- dcmotratischen Antragsteller, daß selbst bei erheblicher Wirkung des Antrages, bestenfalls doch nur die allerrohcste Form der Soldaten- Peinigung ausgerottet wird. Zum vollen Schutz der Gesundheit und der Ehre des Soldaten bedarf es noch anderer mannigfacher Maß- nahmen.— Ei» betrübter Lohgerber. AuS M ii n ch e n Ivird uns geschrieben: Im bayerischen Landtage sollte, wie wir schon berichtet haben, auf Betreiben des ultramontanen Kammerpräsidenten die Geschäfts- ordnnng nach rückwärts revidiert werden. Tie Abgeordnetenkammer lehnte jedoch den einen der beiden Hauptvorschläge gänzlich ab und verwies den andren an den Ausschuß zurück. Dieser letztere Vor- schlag sollte durch eine erhebliche Beschränkung des PetitionSrechtes die Verhandlungen vereinfachen und wesentlich abkürzen. Der GeschästSordnungs-Ausschus; trat nun neuerdings zu einer Sitzung zusammen, um zu beraten, welchen neuen Vorschlag er der Kammer unterbreiten könne. Au dieser Sitzung beteiligte sich auch der Präsident Dr. v. Orter er, der dem Ausschuß eine gepfefferte Vorlesung über seine schlampige Arbeit hielt. Er meinte, die ganze Arbeit des Ausschusses tauge nichts und lediglich der socialdcmokratische Ab- geordnete Scgitz(der mit seiner Kritik die ganze Geschichte über den Haufen geworfen hatte) habe einen volle» Triumph errungen und nahezu ans der ganzen Linie gesiegt. Da sich der Ausschuß über einen neuen Vorschlag nicht einigen konnte, so wurde eine Subkommission eingesetzt, die nach Besprechung in den einzelnen Fraktionen eine Formulierung finden soll, der auch das Plenum zustimmen kann.— Entsetzliche Rekrutensch indereien kamen durch eine Verhandlung vor dem Obcr-Kriegsgericht des 8. Armeecorps an die Ocffcntlichkeit. Zehn frühere Kanoniere der 6. Batterie des in Kol n liegenden Feld- Artillerie- Regiments Nr. 50 sind vom Kriegsgericht der 15. Division wegen fortgesetzter Mißhandlungen jüngerer Soldaten zu Gefängnisstrafen von drei Tagen bis zu einem Monat verurteilt worden. Der GerichtSherr legte wegen der ihm zu gering erscheinenden Strafen Berufung ein. Die Kanoniere entschuldigen sich damit, daß der F u t t e r m e i st c r Schott ihnen förmlich befohlen habe, d i e R e k r u t e n zu mißhandeln. Die Reimten wurden die Stallgassc ans und ab gejagt und mit B es e n st i e l e n, Zaumzeug, G u r t e n und P e i't s ch e n geschlagen, mit Fußtritten mißhandelt, gestoßen usw. Wenn die im letzten Dicnsrjahr stehenden Soldaten die Mißhandlung der Rekruten nicht ausführten, wurden sie von dem damals noch im Unteroffiziersrang stehenden Schott mißhandelt. Sie mußten dann stundenlang die Egge durch die schlammige Reitbahn ziehen, in der glühenden Sonnenhitze ohne Kopfbedeckung Kniebeuge machen, dabei Schemel und andre Gegenstände in die Höhe halten usw. Schott ist vom Kriegsgericht zu einem Jahr Gefängnis und zur Degradation verurteilt worden. Die Soldatenschindereien haben monatelang gedauert, ohne daß einer der Gequälten Anzeige erstattete oder einer der Vorgesetzten etwas wahrnahm, bis der Bruder eines der Mißhandelten, ein Architekt, die Sache au- zeigte. Der Bruder des Architekten. Kanonier Limbach, war wieder- holt derart gegen den a g e u getreten worden, daß er trank w u r d e. Der Vertrcker der Anklage beantragte höhere Strafen; es müsse gegen die allgemein hervor- tretende Ueberhebung der Soldaten älteren Jahrganges gegen die Rekruten streng eingeschritten werden. Das Obcr-Kric'gs- gericht verwarf die Berufung: es sei zwar nicht zu verkennen, daß in den l e tz t c�i Jahren die Mißhandlung der Rekruten durch dJ e älteren Leute immer mehr z n n e h m e und daß diesem Zustand mit allen Mitteln entgegen- getreten werden müsse; in dem vorliegenden Falle sei aber der Ein- slutz des Unteroffiziers Schott in die Erwägung zu ziehen, der die Leute zu den Mißhandlungen geradezu gezwungen habe.— Eine Laiidesversamuilung der nationalliberalen Partei im Großhcrzogtum Hessen hat am Sonntag in Frankfurt a. M. stattgefunden. Abgesehen von Referaten der notleidenden Agrarier v. Hehl und v. Oriola über die Aufgaben des neuen Reichstags, über die bis zur Stunde nur An- dcutungcn in der einzig zu den Verhandlungen zugelassenen nationalliberalen Presse gemacht worden sind, beschäftigte sich die Versammlung vorzugsweise mit der W a h l r c ch t 6 r e s o r in i n H esse n. Und es verlohnt sich thatsächlich, einige der markantesten Redeblütcn zu registrieren. Das dürfte um so mehr am Platze sein, als der Notleidende v. Oriola mit Emphase betonte:„Unsre Partei ist eine liberale Partei." Das war wirklich ein famoser Witz nach den vorausgegangenen Auseinandersetzungen über die Wahlrechts- reforni. Freiherr v. Hehl zu Herrnsheim, der Wormser Ledcrkönig und Alleinherrscher aller Lederproletarier in der Nibelungenstadt, sprach also: Das Wahlrecht zum Reichstage muß aufrecht erhalten werden.(Fein diplomatisch ausgedrückt!) Ob es sich aber empfehle, auch das L a n d t a g s- W a h l r e ch t zu einem direkten zu machen, fijc he dahin. Bei den Laudtagswahlen in Preußen sei trotz des D r e i k l a s s e ii- W a h l s y st e in s der Erfolg ein günstiger gewesen.(Ein Wunder!) Es würde bedenklich sein, eine Wahlgesetzgcbung gutzuheißen, bei der lediglich die ge- r i n g e r e n Einkommen den Ausschlag geben, alle andern aber mehr oder weniger ausgeschlossen und keinen Einfluß auf die Gesetzgebung erhalten würden. Er beantrage: zu be- schließen, daß an den Centralvorstand der nationalliberalen Partei das Ersuchen gerichtet werde, demnächst eine Sitzung zu bestimmen und Vorschläge zu machen, welche die Abänderung der Wahlgesetze in den Partitular-Landtagen in Betracht ziehen. Abg. Dr. Heide n reich: Nach den Erfahrungen der letzten ReichStagSwahlen werde vielleicht ein Teil derjenigen, die sich früher im Princip für die direkte Wahl ausgesprochen haben, jetzt andrer Ansicht sein.(Zustimmung.) Dr. Osann, früher lange Jahre Mitglied der hessischen Kammer. ist stets gegen das direkte Wahlrecht gewesen. Er sei es nicht mehr, denn seit sich die S o c i a l d c m o k r a t i e t r o tz des in- direkten Verfahrens an den Laudtagswahlen beteilige, sei die Sache eine andre geworden.„DaS indirekte Wahlrecht hatte Berechtigung zu den Zeiten einer ruhigen Entivicklung, nicht aber heute zur Zeit der Agitation. Professor N e st l e- Darmstadt: Können wir uns heute für die direkte Wahl aussprechen, ohne zu wissen* was für K a u t e l e n wir bekomme n V Graf Oriola: Die große Mehrheit der nationalliberalen Kammcrmitglicder habe sich durch namentliche Abstimmung gebunden und auch gelegentlich der Reichstagswahl ihre Stellung zum Ausdruck gebracht. Frhr. v. Hehl: Die Abgeordneten seien verfassungsmäßig verpflichtet, nach ihrem Gewissen zn entscheiden, nicht nach ihren früheren Ansichten. Fabrikant B r e h m- Osscubach: Ich erkläre, ich sliinme heute unter keinen U m st ä n d e n für das direkte Wahl- recht, ehe ich die 5tautelcn kenne. So ging cS weiter mit Grazie. Das Ende vom Liede>var die Annähme des Heylschen Antrages mit allen gegen eine Stimme. Wir mußten nach einem nationalliberalen Reptil berichten, llnd ans dem Rcptilicnbericht, der sehr nationalliberal, d. h. zweideiltig, abgefaßt ist, geht klar und deutlich hervor, daß die Nationalliberalen entschlossen sind, die Wahlrechtsreform in Hessen wieder zum Scheitern zu bringen. Die �wenigen Herren, die sich für die direkte Wahl ausgesprocheii haben— ver- steht sich unter der Voraussetzung, daß die K a u t e l e n nicht von Pappe sind—, setzten wohl ihre ganze Hoffnung auf die Erklärung des Freiherr» v. Hehl, daß die Differenzen im Wahl- g esetz-Ausschuß schon wieder so große sind, daß leine Aussicht b e st e h e, das Gesetz zu erledigen. Die ehemals so blutrünstigen nationallibcralcu hessischen Revoluzzer sind reaktionär geworden bis aus die Knochen. lind die Versächselung Hessens macht enorme Fortschritte. Trat das schon bei den Laudtagswahlen im vorigen Jahre hervor, so noch mehr bei den diesjährigen Reichstagswahlen. Der Socialdeniokratie standen alle übrigen Parteien von den Freisinnigen bis zu den A u t i s e m i t e n g e s ch l o s s e n gegenüber. In den meisten hessischen Wahlkreisen rang die Soeialdemokratie mit den zu eine in .Kuddelmuddel vereinigten bürgerlichen Parteien. Wir freuen uns dieser Entwicklung,«ie bringt uns zunächst schwierigere Kämpfe, als sie unsre Partei in Hessen bisher zu führen gewöhnt war. aber sie bringt uns auch mit Gewißheit Siege, wie sie die Sachsen zu verzeichnen hatten.— HusUnd. Italic». Ein Offizier als Soldatcnschinder. Vor dem Kriegsgericht von Florenz wurde am 10. November der Lieutenant Giuliv C a g n i vom Kavallerie-Regimeut Savoia zu zwei Monaten Gefängnis ver- urteilt wegen Mißhandlung und Mißbrauchs der Autorität gegen- über den Soldaten. Elf Soldaten, die als Eivilpartei dem Prozesse beiwohnten, sagten aus, daß sie vom Angetlagten mit Fauststößen, Ohrfeigen und Peitschenhieben traktiert worden wären. Der die An- ilags vertretende Offizier beantragte neun Monate Gefängnis, das Gericht erkannte nach dreistündiger Beratung auf die oben mit- gcteiitc geringe Strafe. Eagni ist ein Bruder des Fregatten- Kapitäns, der die Nordpol-Expedition des Herzogs der Abbruzzen leitete.— Bon der Marineverwaltung Italiens. Rom, den 22. No- vcmber.(Eig. Bcr.) Das heutige„Giornale d'Jtalie" bringt eine erbauliche Notiz über die Ursachen, die verhindert haben, daß die Aacht des englischen Königs, die den König von Italien nach Eng- land brachte, von italienischen Kriegsschiffen begleitet lvurde. Daß diese Begleitung Sitte sei, ist den maßgebenden Persönlichkeiten erst in zwölfter Stunde eingefallen. Man beorderte daraus drei Kriegs- schisse, aber das eine hatte seine Kessel nicht in Ordnung, das andre konnte sich nicht in der kurzen Zeit ausreichend verproviantieren, dem dritten fehlte auch etwas, so daß man aus die Ehrcnbegleitnng ver- zichten mußte! Diese Enthüllungen eines stockkonservativen Blattes werfen ein schönes Licht auf die Marineverwaltung, die sich die „Kriegsbereitschaft" der Flotte nicht eben angelegen sein läßt.— Spanien. TaS Programm der neuen liberalen Partei. Im Senat cnt- wickelte M o n t e r o Riss das Programm der iieueu liberalen Partei. Er führte aus, die Partei werde die Monarchie, aber auch die Freiheitsrcchte des Volkes verteidigen, sie werde für die Weiter- bildung des Unterrichtswcsens und für die Regelung der Beziehungen zwischen Arbeit und Kapital eintreten, sowie für Achtung des Konkordats, weltlichen lkuternchi, freundschaftliche Bezielumgcn zu Portugal und den südameritanischeii Republiken, Achtung der Rechte der Frcmdmächte und Aufrechtcrhaltung der Rechte Spaniens in Marokko. M i n i st e r p r a s i d c n t Villaverde hielt sodann eine Begrüßungsansprache an die neue Partei.— Rußland. Ttiideiiteiidemoiistrationcii. Petersburg, 22. November. Heute sind hier Einzelheiten über S t u d e n t e n u u r u heu i n Kiew eingegangen. Am 10. d. M., dem Jahrestage der Hinrichtung des Studeurcn an der Kiewschen Universität Balniaschew, welcher den Minister Ssipjagin ermordet hatte, fand in einem Auditorium der Universität ciuc Versammlung einiger hundert Studenten st a t t. Ter Kurator, der Rclwr und der Inspektor der Universität wurden mit Geschrei und Pfeifen cnipfmigen. Umsonst überredeten der Kurator und der Rektor die Studenten, aus- einander zu gehen. Eine Anzahl Studenten verließ, nachdem der Kurator und der Rektor sich entfernt hatten, das Auditorium unter dem Gesäuge des„De profmidis" und strömten dem im Nebenviertel belegenen Studcntcu-Speiseramn zu. Als die Polizei hinzukam, gingen die Studenten auseinander; 2V von ihnen, die von der Uuiversitätsiiispektion erkannt worden waren, sind der Polizei übergeben Wörde n. An demselben Tage fand im P o l h- t e ch n i k u m eine von m e h r e r c n hundert Studenten besuchte Versammlung st a t t, die einen st ii r m i s ch e n Verlauf nahm. Nach längeren Beratungen verließen die Studenten den Saal und drangen mit Fahnen und dem Porträt Balinaschews in die Aula ein, Ivo sie eine Gedächtnisfeier abhielten. Nach mehreren vergeblichen Auffordermigen des RetrorA löste sich die Versammlung endlich ans. Gestern fand im Poly- tcchnikuni wieder eine Versammlung der Studierenden der mechanischen Abteilung stalt, in der beschlossen wurde, den Dekan Professor Sworikiu zur Niedcrlcgung seines Amtes aufzufordern. Dem Rektor, der zu dieser Versammlung eingeladen war, wurde diese Forderung vorgelegt. Zugleich forderten die Polytcchuitcr auch die Entlassung des Professors Lomonosolvs.— Asien. Zur ostasiatischen Krisis. Russische Truppen treffen nach einer Lafsan-Meldung in der unteren Mandschurei ein. Die Russen be- setzten, wie gemeldet Ivird. Haiching. Sie hatten bei Hsinniingting einen ernsten Zusammenstoß mit Räuberbanden. Es herrscht die An- ficht, daß die Lage sich stetig verschlimmert.— London, 25. November.„Standard" meldet aus Ticntsin von gestern: Die Russen haben am Donnerstag, den 10. d. M., von neuem Haitscheng, etwa i10 Meilen nördlich von Niutschwang, besetzt.— Nach den Landtagswahlen. In eigner Schlinge. Eine eigenartige Bemerkung zur BreSlauer LandtagSwahl macht die hochkonservative„Schlcsische Zeitung": ,'.Jii Breslau sind dem Freisinn seine drei Mandate verloren gegangen. Das ist in der Ordnung. Eine Partei, die n u r übe r e i ii Fünftel oder S c ch st e l der Wählerschaft ver- fügt, wie sich dies bei den letzten ReichStagslvahleu gezeigt hat, kann wohl durch die Gunst besonderer Parteikonstcllatioueu zur Herrschaft gelange», aber auf dauernde Vertretung einer Wähler- schast, die zu vier Fünfteln oder fünf Sechstel» ihr nicht angehört, hat sie keinen A n s p r u ch." Das konservative Blatt erdrosselt seine Partei in der selbst- geschürzten Schlinge. Es ist richtig, daß bei den Reichstagswahlen die Liberalen in Breslau nur 18,6 Proz. der Wählenden aus sich vereinten, daß es deshalb ein Blödsinn wäre, wenn sie Breslau im Landtage vertreten würden. Ist es also weniger blödsinnig, daß ihre Nachfolger im Landtage die Reaktionären werden, die eS bei der Reichstagswahl auch nur auf 20.3 Proz. der Wählenden brachten, während die S o c i a l d c m o k r a t e n 51,-1 Prozent zählte n? Sehr stolz ist. nach dem oben citicrten Ausspruch zu urteilen, die„Schlesische Zeitung" gewiß auch auf die beiden konservativen Mandate in G ö r l i tz. Dort erhielten nämlich bei den letzten llieichStagswahlen die beiden koiiserbatibcn Parteien z u s a m m e u Null Stimmen; die Nationalliberalen, denen das dritte Landtags- mandat znsiel, 25,3 Proz., die Freisinnigen 26,2 Proz., die Social- deinolratcu 15,5 Proz.!! Ein liberales Urteil über die Landkagsivahlc». Wenigstens eins der führenden Blätter der Nationnlsiberalcn, der„Hannoversche Courier", macht ein paar verständige Bemerkungen über die Wahlbeteiligung der Soeialdemokratie, wenn auch dieser Artikel gc- iiügend unsinnige Schimpfereien enthält. Der„Hannoversche Courier" schreibt: „lieber die Wahlen in den vier Berliner LandtagSbczirken ist wenig zu sagen. Mit Unterstützung eines Teils der konservativen Wahlmänner ist cS den Freisinnigen gelungen, auch im dritten Wahlkreise ihre Kandidaten im ersten Wahlgauge ohne Stichlvahl durchzubringen, allerdings nur mit einer absoluten Mehrheit von eiuem halben Dutzend Stimmen. so daß mit der Möglichkeit einer llugültigkeitSerkläruiig, falls sich die geringsten lln- regelmäßigkciteu nachweisen lassen sollten, gerechnet werden muß. Sollte es zu einer Wiederholung der Wahl im dritten Bezirk kommen, so würde das Ergebnis wahrscheinlich anders ausfallen. Hier habe» die Freisinnige»"wohl das letzte Mal ohne Stichwahl gc- siegt.... Wenn die Socialdeniokratie auch in Berlin kein Mandat er- obert hat, so muß man doch fcsistcllcn, daß sie beim ersten Eingreisc» in die Landtagswnhlbcwcguiig einen relativ starken Erfolg davon- getragen hat.... Für den ersten Versuch sind das respektable Minderheiten, und wenn man sich vergegenwärtigt, daß in Linden bei Hannover und in Altona sich die social- demokratischen WahlmäniieMiiimcii gegen 1808 um 10 Proz. und mehr erhöht, in Breslau gar sich verdreifacht haben, so läßt sich der Schluß ziehen, daß auch Berlin bei den nächsten LandtagSwahlcu cincii entsprechenden Zuwachs an soeialdcmokratischeii Wahlmänncrii aufweisen wird, womit der Ucbergang des dritten Bezirks in social- demokratischen Besitz besiegelt sein würde— und das trotz des elendesten aller Wahlsysteme I" Unzweifelhaft ist die völlige Unhaltbarleit dcS bisherigen Wahl« Verfahrens durch die diesmaligen Landtagswahlcn so schlagend er- wiesen worden, wie nie zuvor. Hus Induftne und Handel Stahlwerts Verband. Die Aussichten, daß doch noch schließlich der geplante Stahlwerks-Verband zu stände kommt, haben sich durch die während der letzten Tage in Düsseldorf abgehaltenen Kau- ferenzcn der Wcrksvcrtrcter keineswegs gebessert. Verschiedene der Vertreter, besonders der Vorsitzende, Herr A. Thyssen(Mül- heim a. d. Ruhr), bemühten sich eifrigst, die oorhandeucu Differenzen beizulegen, hatten aber keinen Erfolg, da die oberschlcsischen Werke ebenso wie die Saarlvcrke von ihren- Mehrfordernngen durchaus nichts ablassen wollten. Wie die„Rhein.-Wests. Zig." meldet, be- anspruchten die Saarwcrke eine Mehrbctciliguug von 155 000 Tonnen, während ihr die rhcinisch-westfälische Gruppe nur 00 000 Tonnen zugestehen will. Sollten die weiteren Verhandlungen am 7. Dezember ebenfalls kein positives Ergebnis haben, so wird man, um Zeit zu gewinnen. die besichenden Verbände in Halbzeug und Trägern auf 3— 6 Monate verlängern, und inzwischen versuchen, die der Konstiruierinig des Stahlverbaudcs noch entgegenstehenden Schwierigkeiten zu be- fettigen. Erweiterung der Porzellaukonventivn. Schon seit Jahren be- steht ein Verband der deutschen Porzcllanfabriken, der bisher aber nur einen Teil der deutschen Porzevaiiindiistrie umfaßte. Jetzt hat sich diese Konvention bis zum Jahre 1010 verlängert und zugleich sind, wie dem„Brcslauer General-Auzeiger" aus Fachkreisen gc- schrieben wird, sämtliche Porzcllansabrikcn Teutschlands bis auf drei unter Ucbcrnahmc aller Konbentiviisbedingungeu beigetreten. Von den drei außenstehciideii kommen zwei wegen ihrer ganz geringen Produttion nicht in Betracht, die dritte fabriziert nur Qualitätsware, Gleichzeitig mit der Verlängerung der Koiweutiou ist der lange Kampf mit den Warenhäusern beendet worden. War es diesen in der letzten Zeit bor Erneuerung- der Konvention schon schwer, sich außerhalb des Verbandes genügend zu assortieren, so ist dies durch die Verbandsverlängerung bezlv. durch den Beitritt aller in Betracht kommenden Fabriken dirckr unmöglich geworden. Mit dem größten derselben ist denn auch bereirs ein Vertrag abgeschlossen, demzufolge dieses Warenhaus nur noch Koubcntioiisporzellau bezieht. Tie übrigen Warenhäuser lvcrdeu voraussichtlich diesem Beispiel folgen. Eine Erhöhung der Preise soll„v o r l ä u f i g" nicht be- absichtigt sein. Ter Kamps gegen das Schifsalirtsabgabeu Projekt, das die Agrarier ausgeheckt haben, gewinnt in der HandelSlvclt an Aus- dehnung. Auch der Cculralausschuß hiesiger kaufmännischer, ge- werblicher und industrieller Vereine bat sich in der letzten Sitzung, in der fast sämtliche Delegierte der ihm angeschlossenen 51 Vereine anwesend waren, mit der Frage der Einführung von Schiffahrts- abgaben ans deutschen Strömen beschäftigt und folgende Resolution angenommen:, „T«r Artikel 51 der Reichsberfassuug gewahrleipet die Frei- hcit von Abgaben für die Bc fahrung von Strömen. Tie hierdurch dem Güterverkehr und Warenaustausch gewährleistete Erleichterung hat zum wescutlichcii Teile zur wirtschaftlichen Entwicklung imsres Baterlandes beigetragen. Diese Vorteile tommen s ä in l l i ch e n Kreisen der Bevölkerung, ebensowohl der Laudlvirkschafl als auch dem Handel und der Industrie zu gute. Die Einführung von Bcsahrungsabgabcu auf den freie» Strömen wird eine neue Quelle für Stcuern cröffiieu. deren Aus- Nutzung im fiskalischen Sinne sich nicht übersehen läßt. Es muß daher einer solchen Gefahr unbedingt vorgebeugt und im Jutotefis von Schiffahrt. Handel und Gewerbe gegen die Absicht der Ei»« führimg von Schisfahrtsabgabc» außer-den bisher erhobenen Schleusen-, Brücken- und Hafenabgaben mit aller Entschiedenheit Einspruch erhoben werden.„ Bei dem großen timfange des Wasserstraßenverkehrs zlvilchen Hamburg und deni industriercichen Böhmen und Sachsen einerseits und den obcrschlesischen und pommerschen Wirtschaftsgebieten andrer- seits sind auch die wirtschaftliche» Interessen Berlins an der Frage der Einführung von Schiffahrtsabgaben aus der Elbe und der Qdcr in hohem Maße beteiligt; es muß daher von der Einführung von Schifsahrtsabgaben eine schwere Be- cinträchtiguiig des Berliner Handels und der Berliner Industrie bc- fürchtet werde». Elbschiffahrts- Verkehr. Ter Kampf gegen die geplanten Schiffahrtsabgabe» aus deutschen Strömeu, den der deutsche Handel zur Zeit führt, lenkt den Blick auch der nicht nnmittelbar daran interessierten Kreise auf die Bedeutung des deutschen Flnßschiffahrts- Betriebes. Eine hervorragende Stellimg in diesem Verkehr nimmt die Hamburger Flußschiffahrt ein. Im Jähre 1002 kamen z. B. 16141 Kähne, Schlepp- und Güterdampfschiffe»sw. von der Ober- Elbe nach Hauiburg-Altoua(der Vertchr beider Häfen ist für die Flußschisfahrt in der hmuburgischcu Statistik nicht«--trennt) und 16 852 ebensolcher Fahrzeuge gingen ab. Die Tragfähigkeit dieser ein- und aiislaufcndcn Schiffe belief sich insgesamt auf 10,7 Millionen Touiieu. die Besatzung— ebenfalls aus- und einkommend zilsammeii- gerechnet— aus 121801 Man». Zn Thal schwimmend träfe» aus diese Weise Güter im Gcsamtgcivicht von 25,5 Millionen Doppel- cenlner brutto in Hambirrg-Attona ein. zn Berg verladen wurden sogar 31,3 Millionen Doppelzentner. Tic meisten Schisse»»d Güter kamen van Magdeburg und gingen nach Berlin; die Verschiffungen nach der Reichshaupkstadt betrugen 7,2 Millionen Doppelccutncr aus 2011 Fahrzeuge». Ter riiglische Eisciiuiarkt gerät nach und nach immer mehr unter den Einfluß der aincrilauische» Eisenkrise, da die Hoffnung, daß die Einschränkung der Eisen- und Stahlerzeugung i» den Ver- einigten Siaateu ein Nachlasse» der Zufuhr amerikanischer Eisen- Produkte bewirken würde, sich bisher nicht erfüllt hat. Die letzten beiden Wochen habe» dem englischen Markt eine entschiedene Ver- schlechtcrung gebracht. Das Geschäft in Roheisen war, auch in Nord-England, recht slau und verspricht vorläufig keine Besserung. Noch ungünstiger als für Roheisen war die Lage für fertiges Eisen und Stahl; verschiedentlich mußten die Preise reduziert lvcrden.— Tie Eisciiinärtte des Auslandes gestalteten sich ebenfalls für das britische Geschäft wenig günstig. Ans den Vereinigten Staaten von Amerika wurden in England Stahl-Barren und-Billets zu be- deutend niedrigeren Preisen als lion einheimischen Werken an- gebotcir Stahlbillets sind in Pittsburg neuerdings wieder von 27 Dollar auf 23 Dollar pro Tonne gefallen, während Roheisen im allgemeinen eine fallende Tendenz zeigte, und insbesondere solches aus dem Süden an inländische Verbraucher für ivenigcr als 10 Dollar abgegeben wurde. Auch im Handel mit fertigem Eisen und Stahl bleibt das Geschäft fortgesetzt ruhig, und die Preise zeigten cinc� weichende Tendenz. In einigen Zweigen des Eisen- und Stahlgcschäftes machte sich ein starker Wettbewerb Deutschlands und Amerikas fühlbar. Zum Beispiel wurden deutsche Stahlbillets in Manchester zu 4 Pfund Sterling 4 Schilling bis 4 Pfund Sterling !> Schilling Angeboten, während für amerikanische nur 4 Pfund Sterling 2 Schilling 0 Pente gefordert wurden und englische Billets 4 Pfund Sterling 1V Schilling bis 4 Pfund Sterling 13 Schilling 0 Pence kosteten._ 6ewerhrchaftUcbc9. Der Klassenkampf in Crimmitschau. Man schreibt uns aus Crimmitschau: Der Streik dauert nun schon in die vierzehnte Woche. Die Aus- gesperrten halten stand. Am Montag haben wieder 100 Arbeiter und Arbeiterinnen die Fabriken verlassen. Das hat einzelne Unternehmer ganz aus dem Häuschen'gebracht. Die Firma Gebr. Pfau ließ wieder ausgetretenen Arbeitern ein Schreiben zugehen, in dem es heißt: „Wenn Sie heute, Dienstag(24. November) die Arbeit bei uns nicht wieder aufnehmen, so zwingen Sie uns, von dem uns nach dem Gewerbegesetz(!) zustehenden Rechte, Sie durch die Polizei zur Arbeit führe» zu lassen, Gebrauch zu machen." Weiter heißt eS zum Schluß für die Arbeiter, die dennoch nicht sofort zur Arbeit kommen: „Wir machen Sie noch darauf aufmerksam, daß Sie in einer hiesigen Fabrik niemals wieder Arbeit bekommen können." So weit sind wir ja zum Glück denn doch noch nicht gekommen, daß die Polizei den Unternehmern die Fabriken mit Arbeitern füllen könnte, wenn sie auch wohl dazu den guten Willen haben mag. Auch die Drohung, die Arbeiter nicht wieder einzustellen, kann keinen Eindruck auf die Ausgesperrten machen: wenn die Unternehmer die Arbeitskräfte brauchen, nehmen sie die Leute ganz gern, die jetzt die Fabriken verlassen. Wie gern die Polizei sich den Unteruehmer-Jnteressen widmet, geht daraus hervor, daß Gendarmen zu Arbeitern in dieWohnung kommen und fragen, wodurch sie ver anlaßt wurden, die Arbeit wieder einzustellen. Auf der Straße sind die Gendarmen in den letzten Tagen etwas weniger schneidig vorgegangen. Es kann natürlich jeden Tag wieder ein schärferer Wind wehen. In Hausthüren können Streikposten jetzt unbehelligt stehen. Das ist die Folge davon, daß das Gericht angeklagte Arbeiter, die sich weigerten, ihren Standort zu verlassen, freisprach. Die Hauswirte müssen allerdings ihre Erlaubnis dazu erteilt haben, daß die Posten in der Thür stehen. Sonst giebt es jetzt in jeder Sitzung des Crimmitschauer Ge- richts Verurteilungen. Es sind schon eine ganze Anzahl Aus- gesperrter zu einem Tage Haft verurteilt worden, weil sie angeblich den Anordnungen von Polizcibeamten oder Gendarmen nicht nach- gekommen sind. Genosse Redakteur G o l d st e i n vom„Sächsischen Volksblatt" in Zwickau erhielt am Montag wegen Beleidigung eines Fabrikanten eine Woche Gefängnis, zwei andre Genossen 100 und SO Mark Geldstrafe. In einer Beleidigungsklage mehrerer Mitglieder des Streikkomitees gegen eine Anzahl Fabrikanten erfolgte Freisprechung! Nur ein Unternehmer, der ein Mitglied des Streikkomitees in unflätiger Weise beschimpft hatte, erhielt 50 M. Geldstrafe. Die Zahl der Arbeitswilligen ist noch immer eine ganz geringe. In kapitalisttschen Blättern hieß es dieser Tage, als seien über 1000 Arbeitswillige vorhanden. Das istnichtwahr! Es sind von den Arbeitswilligen, wie schon gesagt, ein erheblicher Teil wieder ausgetteten. Mehr als 200 Werkmeister und Angestellte sind von Anfang an in den 82 Bettieben vorhanden gewesen. Die paar hundert Arbeitswilligen, die sich auf diese Fabriken verteilen, sind unzweifelhaft von keiner Bedeutung. Die Vettiebskosten müssen bei so wenigen Arbeitskrästen den Gewinn bedeutend übersteigen. Bei einem Rundgang, den wir am Dienstagmittag und abend durch Crimmitschau und die Vororte unternahmen, konnten wir uns davon überzeugen, wie gering die Zahl der Arbeitswilligen ist. ES laufen vor den Fabriken fast ebenso viele Gendarmen mit dem Gewehr im Arm herum, wie Arbeiter den Fabriken„entströmen". Die Stimmung der Ausgesperrten ist eine geradezu bctvunderns- werte. Männer wie Frauen, mit denen man spricht, zeigen keine Spur von Mutlosigkeit. Gewiß, erklären sie,„der Stteik ttifft uns hart und es ist schwer mit der Stteikunterstützung durchzukommen, aber die Arbeit wird auf keinen Fall eher aufgenommen, als bis die Unternehmer Zugeständnisse gcniacht haben". Dazu sind die Fabrikanten aber noch immer nicht bereit. Der Verband der sächsischen Textilindusttiellen will um jeden Preis eine Niederlage der Arbeiter herbeiführen. Das geht aus Ans- lassungen ganz klar hervor, die der Vorsitzende der Unternehmer- organisatton, Geh. Kommerzienrat Vogel- Chemnitz gegenüber dem Crimmitschauer Bürgermeister Beckmann that, der mit ihm wegen der Beilegung der Aussperrung verhandeln wollte. Der Kampf wird sich bis ins neue Jahr hineinziehen. Wie im vorigen Jahre die M e e r a n e r Weber, so werden diesmal die Crimmitschauer Textilarbeiter ihre Hoffnung darauf setzen müssen, daß die klassenbewußte Arbeiterschaft Deutsch- lands ihnen und ihren Kindern eine Weihnachtsfeier bereitet. Wie in Meerane ist auch in Crimmitschau den Unternehmern jetzt das Geschäft einer Saison unrettbar vollständig verloren gegangen. Die neue Saison beginnt erst nach Neujahr. Wie in dem erstgenannten Orte müssen auch in Crimmitschau die Unter- nehmer dann den Arbeitern kommen. Die Arbeiter find fich darüber einig, daß sich der Kampf noch wochenlang hinziehen wird. In sechs Versammlungen, die am Dienstagnachmittag stattfanden, wurde die Situation eingehend be- sprachen. Auch nicht einer von den Tausenden der Ausgesperrten ttat niit einem Wort für die Aufnahme der Arbeit ein. Alle Redner sprachen vielmehr energisch unter dem lauten Beifall der Anwesenden für die Fortsetzung des Kampfes. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: „Die versammelten Texttlarbeiter weisen das Anerbieten des Verbandes der Industriellen, sich für etwaige Dienste als Arbeits- willige mit einer Prämie belohnen zu lassen, entrüstet zurück. Sie verurteilen auf das entschiedenste jeden Treubruch am Verbände und der Arbeiterklasse und versprechen, mit aller Kraft den Kampf fort- zuführen, bis ein ehrenvoller Abschluß erreicht ist." Die Unternehmer werden nun neue Fangmittel ersinnen müssen, nm Arbeiter zum Stteikbruch zu verleiten. Es erscheint aus- geschlossen, daß sie damit besseren Erfolg haben werden als bisher. Die deutsche Arbeiterschaft aber möge hinter den Crimmitschau er Kämpfern stehen. Die Unter- nehmer haben aus dem einfachen Kampf um kürzere Arbeitszeit einen Klassenkampf gemacht, den sie in der rücksichtslosesten Weise zu Ende sichren wollen. Sie wollen am sächsischen Prole- tariat durch die Niederwersimg der Crimmitschauer Arbeiterschaft Vergeltung üben für die Reichstagswahl vom 16. Juni. Zeigen wollen sie, daß sie zwar auf politischem Gebiete von der Arbeiterklasse überflügelt werden, aber noch immer über die größeren wirtschaftlichen Machtmittel verfügen. Es wird zu einer Ehrensache für das deutsche Proletariat, daß der Crimmitschauer Klassenkampf von de» Arbeitern siegreich zu Ende geführt wird! Kerlin unck ümgegeneU Achtung, Drücker! Die Lohnbewegung der Gürtler und Drücker scheint verschiedene Arbeitgeber nervös gemacht zu haben. Nachdem die Firma Niemann u. Cie. eingesehen, daß das nicht gut thut, kommt jetzt die Firma H a l I e r u. Cie. und setzte unfern Kollegen dermaßen zu, daß diese gezwungen waren, den Betrieb zu verlassen. Die Firma Haller u. Cie., Dresdenerstraße, ist deshalb für Drücker gesperrt. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Linoleumleger und Teppichnäher! Den Mitgliedern zur Nachricht. daß der Arbeitsnachweis für die Linoleumleger und Teppichnäher mit dem heutigen Tage eröffnet worden ist. Der Arbeitsnachweis befindet sich Berlin LO., Gewerkschaftshaus, Engel Ufer 15, Zimmer 22. Die Vermittelung findet täglich statt, und zwar in den Wintcrmonaten Oktober bis Ende April vormittags von 8—10 Uhr, in den Sommermonaten Mai bis Ende September vormittags von 7—9 Uhr. Die Arbeitsvermittelung geschieht vollständig kostenlos. Wir ersuchen die Kollegen dringend, im eignen Interesse den Arbeitsnachweis zu benutzen. Die Lrtsverwaltung Berlin des deutschen Sattler-VerbandeS. Achtung, Berliner Gasarbeitcr! Trotz des einstimmigen Be schlnsses der gesamten Seittonsvorstände unternehmen es einige Gasarbeitcr, persönlich von ihnen hergestellle Sammellisten zu verbreiten und darauf zu sammeln. Wir ersuchen alle Kollegen, diese Listen anzuhalten und nur auf die von der Organisation herausgegebenen und mit dem Stempel ver- sehenen Listen zu zeichnen, da hier nur Gewähr geboten ist, daß die Gelder ihrer Bestimmung zugeführt werden. Verband der in Gemeindebcttieben beschäfttgten Arbeiter. Der Filialvorstand Berlin. Deutkches Reich. Zu einer Bausperrc auS eigentümlichen Ursachen mußten die Magdeburger Maurer greifen. In Magdeburg grassiert nämlich im Baugewerbe das Schwindeluntcrnchmcrtum. Vielfach sind dort Bau- arbeiter um ihren schwer verdienten Lohn gekommen und konnten den- selben auch nicht einklagen, weil die angeblichen„Unternehmer" unpfändbare Strohmänner waren. Auf Beschluß einer kombinierten Versammlung der Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter rückt man nun diesem Sttohmänncrtum mit Sperren zu Leibe. Eine solche Sperre ist verhängt worden über den Bau D r u b e u. Engel- mann in der Helmstedterstraße. Die Unternehmer versuchen nun den Bau durch ein andere Firma weiterführen zu lassen. Unter solchen Umständen thun Bauarbeiter aller Branchen gut, bei Arbeits- angeboten von Magdeburg aus zunächst immer erst Erkundigungen über die bctteffenden Firmen bei der Organisation einzuziehen, che sie die Reise nach Magdeburg antteten. Ueter den Schriftgießerstreik in Leipzig meldet die dortige„Volks- zcitung": Am Montag sind in sechs Offizinen 120 Schriftgicßer und 9 Arbeiterinnen in den Ausstand getteten, während nächsten Sonn- abend die Arbeiter und Arbeiterinnen aus acht Hausgietzereien folgen. Der Austritt aus dem Arbeitsverhältnis ani Sonnabend folgte ge- schlössen, so daß nur drei Schriftgietzer in diesen sechs Handels- gießereien weiter arbeiten. Es schließen sich Ende dieser Woche aus den noch verbleibenden Hausgießereien 20 Schriftgietzer ihren Kollegen an, und nur in der Firma Brockhaus bleiben zwei und im Bibliographischen Institut ein Schriftgießcr stehen. Es bleiben somit Ende dieser Woche nur sechs Arbeitswillige in den in Bettacht kommenden Schriftgießereien. Die Firma K l o b e r g. woselbst das gesamte Personal(31 Gießer und 19 Arbeiterinnen) in Kündigung stand, hat am Sonnabendabend sämtliche Forde- rungen bewilligt._ Für die streikende» und ausgesperrten Weber in Crimmitschau gingen bei der Berliner G e w e r l j ch a s t s I o m m i s j i o n folgende Beitröge ein: Verband der Bäcker, Verw. Berlin 50.-. F. T. l.-. Unfall F. H. 5,—. Kranzspende Schuchart 4,—. Gesangverein Oranienburger Vor- stadt 4,59. Rote Hochzeit P. S. O. 3,05. Marmorarbeiter Berlins 50,—. Centtalvcrband der Böttcher, 3. Rate 50,—. Textilarbeiter(Filiale 2) 6. Rate mit Tischler von Parchnit u. Kreuzer 0,40, t50,—. HolzbcarbcitungS- Maschinenarbciter, 4. Rate 100,—. Wahlmönncr d. Brinkner 2,90. Berliner Genossinnen 500,—. P. Richter 5.—. Verband der Bauarbeiter Berlin 300,—. Alb. Schöppke 5,—. Tcxtilarbeiter-Verband Berlin 100,—. Gesangverein Morgenrot I Rummelsburg 10,—. Verb. d. Stcinarbeiter Berlin I. 108,50. Adreßbuch-Sctzer, 2. Rate 30,—. Personal der Handelsstätte Belle- Alliancc 20,70. Möbelfabrik Hosfmann Krautstraße 13,70. Möbcl- sabrik Latz 0.70. Möbelfabrik I. G. Psafs, Saal I 12,70. Dito Saal IV, 5. Rate 16,10. Möbelpolier-Genossenschast 15,-. R. M. 1,-. Steindrucker v. P. PitiuS 6,50. 12 rote Graveure 3,65. Stockfabr. Schilke, 5. Rate 15,05. Gürtler der Luxusabteilung Mosler 8,—. Tischlerei Blanken- bürg w Schwabe 8,—. Kislcnsabr. Stolz, 3. Rate 11,80. Verb, städttscher Arbeiter d. Dittmer 67,15. Polslerer d. Eisenmöbclsabr. Seifert 7,—. Verb. d. Vcrgolder, Filiale Berlin 100,—. Tischler und Möbelpolierer von Thomas, Adaibertstr. 16,60. Bautischler v. Hellwig, Ackcrstr. 10,40. 2. Kreis, 3. Gruppe, Herrcnpartic 7,—. Möbelt. Kalisch 6,—. Generalversammlung d. Metall- arbeiter 44,00. Chemigraphischc Abt. Meißenbach, Rifsert u. Co. 32,20. Bau- tischlerei Henke, Mattenbors 5,15. Ges. b. Hoppe in Rixdorf, 21. 11. 03 6,50. Die Packer der Firma Hecht, Pseifser u. Go. 25,—. Die Arbeitenden d. Neubaues d. kath. Schule, Schöncberg 10,—. 7 Graveure 3,50. Schriftgießerei v. Wilhelm Wöllmer 55,60. Tischlerei Wöltewitz, Boxhagener- sttaße 10,—. Marmorarbeiter Berlins, 2. Rate, 70,—. Schlosserei Scherbe! 0,—. Äiöbelsbr. Hoheisel 3,—. Möbelsbr. Hülsebeck n. Kroll 36,25. Leder- warensbr. von S. Martiemiez, 5. Rate, 5,45. Gesangverein Frohsinn 20,—. Tischlerei Schwartz, Urbanstraße, 3. Rate, 27,35. Mehrere Mitgl. der Zeug- u. Raschmacher-Gesellenkassc 6,—. Siemens u. HalSle, Abt. Schmuser 17,25. Goldleistensbr. Külitz u. Imberg 11,50. Aiübclfbr. Schirn u. Bombe, Weißen- sce, 35,75. Eisbeincssen bei Hahn, Grenzsttaße 3,65. Beamte d. Mechaniker- lasse 6,10. Von Personalen der Buchdruckereien: Emil Billig, 5. u. 6. Rate, 13,90. Deutscher Verlag, Werk und Acttdenz, 2. Rate, 17,—. H. S. Her- mann, 4. Rate, 83,35. W. Möser 10,30. Paß u. Garleb 10,—. August Scherl, Maschinenmeister von„Tag" und„Woche", 3. Rate 14,15. Ullstein u. Co. 27,30(Accidenz 5. Rate). Gebrüder Unger, 5. Rate 13,60. „Vorwärts"(Singer u. Go.) Werk. 3. Rate 20,—. Verein Berliner Buch- druck-Maschinenmeister 75,—. Eichler 6,05. Wilhelm Pilz 8,35. Buch- und Kunstdruckcrei Zossen 14,—. Verb, der Buchdrucker, Gau Ostpreußen 25,—. Verb.-Mitgl. Brandenburg 25,—. Ottsverein Bochum 33,40. Rauchklub „Sieben rocht", Adlershos 5,—. Rote Geburtstagsseicr Raumerstr. 3,05. Janik, Straßburgerstt. 3,—. Kautskv, Fttedenau 5,—. Im luftigen Wols 2,30. G. Z. 2,— Möbels. Wendland, Rixdorf 3,—. Holzarbeitcr-Berband Spandau 75,—. Möbels. Herzig u. Bannemann, Weißensee 13,50. Fabrik Land- u. Hilfsarbeiter, Zahlst. Ober-Schöneweide 25,—. Verb, der Tapezierer, Duisburg 10,—. Maschinenarbciter von G. Mavchrzak 8,25. Stiftungsfest der Gharlottcnburger Buchdrucker 7.05. Verband städtischer Arbeiter Sektion Ib 30,-. Fabrik Gebr. Röhlich 20,30. Tischlerei WenkclS Nachj. 28,75. Tischlerei Schüttekopf U. Heine 10,50. Nasse Ecke Adler 9,20 u. Beerdigung 3,50 durch Lendemann. G R., E.Sch.. zwei Wahlmönncr d. 1. Landtags-Wahlkreiscs 4,—. Parkettbodenlcger der Firma Kampsmeier, 2. Rate 11,90. Bautischlerei Eerrmann, Skalitzetttratze 13,70.'Arbeiter. Radsahrverein Mattenselde 5.05. leeblatt 3,—. Pesional d. Schttftgießerci u. Messingliniensabttk tz. Berthold 115,15. Bautischlerei Kühn, Luifen-User, 3. Rate 20,90. Turnfahrt nach Fürstcnwalde 3,—. Verband d. Land-, Fabttk« u. HilsSarbeiter Ketzin 25,—. Vom Lager d. Lederwarensabttk Eick u. Strasser 15,15. Arbeiter d. Trepp cn- geländerlabrik Vogt u. Söhne 12,05. SS. V. hier 1,05. Ges. b. Uhlich, "chlicmannstraße 4,90. Handschuhmacher v. 31. Ullrich Go. 3,—. Summa 3175,40. Bereits quittiert 24 994,24. Gesamtsumme 28 169,64. Berichtigung aus letzter Quittung: Statt Meerwald-Zossen, muß es heißen Buch- und Kunstdruckerei Zossen 40,05. Ferner heißt es Schneiderwerlstatt Ebenstem 16,80. Weitere Beittäge werden in unsenn Bureau in der Zeit von 0—1 und 6—8 Uhr entgegengenommen. Gelder, welche mit der Post eingesandt werden, sind an 3l. Körstcn, Engel-Uscr 15, zu senden. D e r 3l u s s ch u ß der Berliner G e w c r k s ch a s t s k o m m i s s i o n. Hus der frauenbewegung* Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 30. November, abends 8>/z Uhr, in den Arminhallen, Kom- mandantenstraße 20: Vortrag des Herrn Dr. Heinrich Lux über das Thema:„Technik und Kultur". Gäste loillkommen. Der Vorstand. Versammlungen. Die Hauptwerkstätten-Arbciter der Großen Berliner Sttaßenbahn hatten sich am Dienstag im„Marienbad" zu einer Besprechung über das neuerdings eingettssene Ueberstnnden- Unwesen und die willkürliche Reducierung der Accordsätze zusammen- gefunden. Leider ließ der Besuch der Versammlung sehr zu wünschen übrig, da auf den Arbeitsplätzen das Gerücht per- breitet war, daß wer die Versammlung besuche, unliebsame Folgen zu gewärtigen habe. Bei dem Geiste, der gegenwärtig unter den Wcrkstättenarbeitern herrscht, haben derartige Einschüchterungen ihre Wirkung denn auch nicht verfehlt, und das um so mehr, als eS der Direktion gelungen ist, ähnlich wie bei dem Straßenbahn- Personal so auch hier durch freundliche Werbungen für den„Ascher- verein" Zwiespalt in die Reihen der Arbeiter zu tragen, so daß einer dem andern kaum noch traut. Nicht mit Unrecht mögen die gewerk- schaftlich organisierten Arbeiter fürchten, von den lvarm protegierten Aschcrbrüdern" bei den Meistern und Werkleitern angeschwärzt zu werden. Die Redner des Abends, Vertteter der Metallarbeiter- Gewerkschaft, des Melallarbciter-VerbandeS und des Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereins, gaben ihre Meinung denn auch deutlich dahin kund, daß die Arbeiter selbst Schuld an den jetzigen Verhältnissen in den Straßenbahn-Hanpt- Werkstätten seien, einmal weil sich Leute finden, die in dem Glanben sich„oben" beliebt zu machen, Mitglieder des„AschervereinS" werden, dann aber auch, weil sie sich förmlich zum Ucbcrstundenschieben drängen und nun darauf losarbeite», als wollten sie es in Ivenigcn Wochen bis zum Rentier bringen. Natürlich verdienen sie dann nach Ansicht der Direktton„zu viel", und die Folge sind Reducierungcn der Accordpreise. Es wurde zahlcumäßig nachgewiesen, daß auf einzelne Arbeilen jetzt 10 bis 15 Prozent'Abzüge gemacht worden sind, außerdem müssen täglich bis zu drei U e b e r st u n d e il zemacht werden. Letzteres ist um so mehr zu verurteilen, als bei ?er„Großen Berliner" noch immer die zehnstündige Slrbeits- zeit besteht anstatt der in den meisten andren Metallfirinen üblichen neunstündigen, womit dann die Gesamtarbeitszeit auf 12 bis 13 Stunden täglich herausgeschraubt wird. Die Versamm- lung nahm schließlich eine Resolution an. wottn sie den nicht er- schienenen Kollegen ihre Mißbilligung ausdrückte und unter Protest zegen die Accordabzüge sich zur Hinwirkung auf Verweigerung der leverstundcnarbeit verpflichtete. Tie Rohrer hielten am Sonntag eine gut besuchte Versammlung ab. Nachdem verschiedene Vereinssachen erledigt waren, wurden diejenigen Kollegen, die bei den vertragsfeindlichcn Firmen immer noch weiter arbeiten, einer sehr scharfen und abfälligen Kritik unter- zogen. Es wurde darauf eine Resolution angenommen, in der die Versammlung alle organisierten Kollegen, welche bei den vettrags- feindlichen Firmen arbeiten, auffordert, binnen acht Tagen ihr Arbeitsverhältnis zu lösen.— Für die Crimmitschauer Textilarbeiter wurden 50 M. bewilligt._ Letzte ISacbncbten und Depelcben. Stadtvcrordnctenwahl in Görlitz. Görlitz, 2S. November.(Pttvatdepesche des„Vorwärts".) Bei der Stadtverordneten-Hauptwahl am 4. November wurden zum erstenmal zwei Socialdemolraten gewählt und drei unsrer Kandidaten kamen in die Stichwahl. Bei der heutigen Stichwahl siegten unsre Ge- nossen in allen drei Bezirken. Mit fünf Verttetern hält die Socialdemottatie ihren Einzug in die Stadtverordneten- Versammlung._ Abgeordnetenhans. Wien, 25. November.(W. T. B.) Ministerpräsident Dr. von Körbcr erörtert die Kritik, welche der Abgeordnete Kramarcz an dem Vorgehen der Regierung in Militärfragen geübt habe, indem er er- klärte, die Armee sei eins und einheitlich und keine österreichische Re- gierung dürfe daran etwas ändern lassen. Die einsettige Aenderung der Ausgleichgesctze werde praktisch nie wirksam, wenn sie nicht zu einem Vakuum führen oder, was wichtiger sei. wenn sie nicht bei der Aufhebung des Dualismus, bei der Aufhebung der Personalunion landen solle. Ueber den wichtigsten Punkt im ungarischen Militär- Programm sei schon unter dem Ministerium Szell die Entscheidung ge- ttoffen, nur das Erziehungswesen käme neu hinzu. Der Minister- Präsident erinnert an den Ausspruch des ungarischen Minister- Präsidenten Tisza:„ES ist das größte Interesse Ungarns, die gemein- üme Armee nicht zu schwächen"; und fuhr fort:„Vertrauen Sie allen Faktoren, welche das Gesckick der Armee bestimmen, es wird nichts geschehen, was mit ihrer Vergangenheit in Widerspruch stehen könnte, auch dann nicht, wenn es sich wiederholen sollte, was wir jüngst in Oestreich erlebten, daß aus nationalen Mottven Bestrebungen unterstützt würden, welche anderen Zielen zusteuern." Auf die nationale Frage übergehend, erklärt der Minister- Präsident, er stimme Baernreithcr darin bei, daß der größe Gewinn Oestteichs in der Verständigung der Deutschen und Tschechen liege. Die Regierung habe sich zweimal um dieselbe verglich bemüht und sei ein drittes und viertes Mal dazu bereit; er halte es für undenkbar, daß eine Beratung über die wahren Forderungen der Tschechen, wenn sie solche zuließen, nicht zu einem Ergebnisse sichren sollte. Redner verwahrt sich sodann auf das ent- cbiedenste dagegen, als ob er die Alters- und Jnvaliditäts- Versicherung der Arbeiter willkürlich verzögern wolle und verweist auf die Notwendigkeit einer eingehenden Vorberatung einer derarttgen großen sozialpolitischen Reform.— Der Ministerpräsident geht sodann auf die Frage der Universitäten über und bemerv, über den kulturellen Fragen könne hierbei das nationale Moment unmög- lich übersehen werden. Die Regierung hoffe, für die Frage der mährischen Universität eine Lösung zu finden, welche beiden Volks- kämmen gerecht werde.— Nachdem noch Barwinski und Ebenhoch gesprochen, wird die Fortsetzung der Debatte auf morgen vertagt. Bremen, 25. November.(W. T. B.) Die ausständigen Arbeiter der Firma Bremer Reismühlen, vorm. Anton Nielsen u. Co., haben die Arbeit bedingungslos wieder aufgenommen. Tie Unterchlagunge» bei der Posener Landschaftsbank. Pose», 25. November./z Uhr: Opernhaus. Die verlauste Braut. Dchanspielhaus. Julius Cäsar. Deutsches. Rose Bernd. Berliner. ZUt-Heidelberg. Lessing. Zapfenswcich. Weste». Der Zigeunerbaron. Neues. Salome. Vorher: Logik des Herzens. Residenz. Das große Geheimnis. Central. Der Rasleibinder. Thalia. Der Hochtourist. Ansang 8 Uhr: Schiller«.(Wallner- Thealer.) Liebelei. Hieraus: Litteratur. Schiller X.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Vasautasena. Bclle-Alliance. Los vom Manne. Carl Weist. Die Toten leben. Luisen. Der Verschwender. Kleines. Nachtasyl. Triauo». Biscottc. Deutsch- Amerikanisches. Ucber'n großen Teich. Casino. Berliner Nachtasyl. Hotel Klingebusch. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Apollo. Frühlingslust. Palast. Muttersegcn. Winter-Gartcn. Spccialitälcn. Passage-Theater. Specialitäte». Neichshalleu. Stcttincr Sänger. Urania. Tanbenstraste 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Oberitaliens. Um 8 Uhr im Hörsaal: Dr. F. Ristcnpart:„Der Ausbau und die Entstehung des Weltalls". Jnvalidenstraste ä7/KL. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis ll Uhr. Htm Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Salome. Vorher: hogiU des Herzens. Anfang 7'/, Uhr. Freitag zum erstenmal: 8« Ist dns I-obcn.___ Kleines Theater. Unter den U in den 44. Elektra. Anfang 8 Uhr. Freitag: Nachtasyl._ Central-Theater. Abends TL Uhr: Der Rastelbinder. Operette in 3 Akten von Franz Lehär. Freitag: 27. Abonncmcnls- Vor- ftclluug. Das süste Mädel. Operette in 3 Sitten von M. Reinhardt. Je süns Freitag- Abonnements- Billets werden zu halben Preisen ausgegeben. Luisen-Theater. Zum erstenmal: Der Verschwender. Ansang 8 Uhr. Freitag: Der Widerspenstigen Zähmung. Sonnabend: Die Jungsrau von Orleans. Soimlagnachmitlag: Der Wider- spcnfligcn Zähmung. Abends: Der Verschwender. Moniag: Die Logenbrüder._ Apollo-Theater. Zum 49. Male: Frühlingsluft. Im 3. Alt: B lüten hoch zeit. Ballett von Gundlach. Ferner die sensationellen Specialitüeo. AnjaiiZ S Uhr. Schillep-Theater. Schiller-Theater O. (Wallncr-Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Liicbelci. Schauspiel in 3 Akten von Arthur Schnitzlcr. Hieraus: Lltteratar. Lustspiel in 1 Alt v. Arthur Schnitzler. Freitagabend 8 Uhr: Idehelel. Hieraus: Utterat ur. Sonnabendabend 8 Uhr: Wilhelm Teil. Schiller-Theater ÜT. (Friedrich-Wilhelmitädtisches Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Zum erstenmal: Vasautasena. Drama in 5 Akten nach einer Dichtung des Königs Sudraka. Frei bearbeitet von Emil Pohl. Freitagabend 8 Uhr: vle Ohre. Sonnabendabend 8 Uhr: Vasantasena. Cirktis Schumann. Heute. Tounerstag, den 2«. November, abends 7'/. Uhr: Um 9 Uhr: Die grUsste Sensation. Ilm 9 Uhr: „La Flache Huitiama"(das original). Hekordsprnng von 50 Tuss= 15 Meter ausgeführt von Mlle. IDUKne Oiitrien, i EMerin dieses rieilspuyes mit dem FaM. Außerdem: 2ö männl. Kaiser-Löwe» u. das Riesenprvgramm. Morgen Freitag, den 27. November 1993, abends 71/, Uhr: Gr. ausserordentliche Gala-Vorstellung zum Besten der unterzeichneten Kricger-Tanitäts- Kolonne vom Rote» Kreuz, Berlin u. des unter dem Protektorate Ihrer Majestäten des Königs u. der Königin stehend, preim. Landesvereins v. Roten Kreuz. Es ladet ergebenst ein Der Vorstand d. Krieg.-Sanit.-Kol. v. Rot. Kreuz, Berlin. iworgei +i / 2 U9L• + Urania. Taubenstrasse 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober-Italiens. Um 8 Uhr im Hörsaal: Dr. F. Ristenpart:„Der Aufbau und die Entstehung des Weltalls." Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Judianer-Riese k1™. Die zusammengewachsenen Lebend. Schwestern! Lebend. Boeren-Riese vncÄ ehemal. Leibsoldat des Präsidenten Paul Krüger von Transvaal. {{IX- CHlNft Kunst-jlusstellttng LeipztssR' aitv�ae ta Täglich geöffnet 10-8. Entree 1?»., SonntagSOFf. Belle-jUliance- Theater. Bcllc-Allianccstr. 7—8. Zum erstenmal: Los vom Manne! Schwank in 3 Akten von W. Jacobh und A. Lippjchitz. Ansang 8 Uhr. Freitag bis Moniag: Los vom Manne t Sonntagnachmittag 3 Uhr zu halben Preisen: Doktor Wespe._ CarF Weiss-Theater. Groste Frankfurter Strafte 133, Abends 8 Uhr: DerFebUriit einer Frau. Bert. Sittenbild in 5 Akten v. Werner. Freitag: Die Schule des Lebens. Sonnabcndnachm.: Der Waldineister. Sonniagnachm.: Der Trompeter von erättingen. Sonnabend 8 Uhr: Maria Theresia und ihr Hosl»per Eule Nacht, HstnSchkn i RksldellMhkettr Direktion S. Lautenburg. Ansang 7'l, Uhr. Das grosse Geheimnis. Lustspiel in 3 Alien v. Pierre Wolfs. Deutsch von May Schönau. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend zum erstenmal: Ein Seitensprung. Vorher: Der zündende Funke. Sonntaginichmittag 3 Uhr: Lutti. Zum 89. Male Thealer j67Köpnidtersrr.6& JebernjrojxnTeich" Anfang 6 Uhr. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8. Sonnt.?>/,. Letzte Woche: Berliner Vachtasyl. Letzte Woche: Gastspiel Käpitan Martens-c. Letzte Woche: 9'/,: Betel Kllngcbnsch. Sonntagnachm. 4 Uhr: Ein edles Weib. DrtUli WM! Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Scene gesetzt vom Direktor Kichard Schultz. Im 4. Bilde: SW Grosses Ballett-MW Wie damals im Monat Mai. Anfang 8 Uhr. — Hauchen überall gestattet.— Passage=Theater Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 6 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Die 1. Excentric-Tänzerin der Welt Tertina Die Berliner Presse stellt sie ein- stimmig an die Spitze aller bisher in Berlin gesehenen Tänzerinnen. Dss Moto- Mädchen Mensch oder Maschine 3 Das neue Rätsel für Berlin. 14 glimMde Nummer«. .... IX. Serliner Saison.. Cirkus 3«sch. Donnerstag, den 26. November, _ abends T'/s Uhr; MV Nur noch wenige Tage: Miß Heliot, Löwenbraut. DV Nur noch wenige Tage: Paul Miindners Todesspruuu durch den ganzen Cirkus und über eine ganze Herde Elefanten. Die grösste Sensation Berlins: Mr. Eclair im Teufelsrad. Zum Schluß: Serlmer Winterfreuden Humorist. Manege-«chaustück. Sonnabend, den 28. November: Benefiz und Ehrenabend für die Löwenbraut Miss Ciaire Heliot. Trianon-Theater. Gcorgcnstraße, zwischen Fricdrich- imb Universitätsstraße. Biscotte. Anfang 8 Uhr. Somttagnachinittag: Die Notbrücke. I Direktion: Robert Dill. Brunnenstrasse 16. Große Wte-Norstellung: Hamlet. Anfang 8 Uhr. Entree.1« Ps. Nach der Vorstellung: Familien-Ball. Fröbels Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148, Inhaber: Wilhelm Fröbel. Jeden Sonntag 5 Uhr: Grosse Extra- Vorstellnng der beliebten Zimmermanns Norddeutsche Sänger. Nach der Vorstellung um 10 Uhr: Grosser 8xt?a-3aU EinWitt 36 Pf. Sperrsitz SO Ps. Montag 8'/. Uhr: Gastspiel Bühnen- Ensemble„Goethe".— Dienstag 81/, Uhr: Gastspiel Stätstebund- Theatcr.— Mittwoch 8 Uhr: Familien- Abend. Norddeutsche Sänger. Nach der Vorstellung Frei-Tanz._ früher 'een-Palast. Palast-Theater fi Burgstr. 22. Anhaltender Erfolg! Das Diebesparadies Gesangs-BurleSke in 3 Akten von W. Gerickc. Das ideale NoTember-Programm. Anfang 8 Uhr. Enlree 50 Pf. Freitag, den 27. November 1903: Miliin utiii Sch». Reichs hallen Stcttincr Sänger. Als einfach„nnerfetzlich" wird Kathrciners Malzkaffce von vielen Hausfrauen bezeichnet. Diesem Urteile muß jeder unbedingt beistiminen, der die vielen Vorzüge aus Erfahrung kennt, die Kathrciners Malzkaffce that sächlich in sich vereinigt und die ihn hoch über alle ähnlichen Erzeugnisse stellen, jeder, der sich von seiner B e k ö m ni l i ch k e i t, von seinem Wohlgeschmack und seiner Billigkeit durch die P r a x i s überzeugt hat. i�ansscncl. Kottbuser Thor— Etat, der Hochbahn. Sonntag, Montag, Donnerstag: BokTmaans Horddeiitsehe Sänger. Sonnabend, 28, November: Wohtthätigheits- Vorsfeltung zum Besten einer Weih- nachtS-Bcschcrung armer Kinder. Nach der Soiree Tanzwänzchen. Kaffccpausc. Ansang 8 Uhr. Enlree 50 Ps. ) » » > II« Arnold Scholz Hasenheide No. 108/114. Donnerstag, den 26. November: Bernh. Rose-lleatep-EnseiBfile. Grosse Extra-Vorstellung zum 20 jährigen Bühnen-Jubiläum des Direktors Bernhard Rose. Ailhclm LcII. Schauspiel in 5 Akten v. Schiller. Nach der Vorstellung: Eamlllon-Tanxltränxohon. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Nur noch wenige Tage: Saharet australische Tänzerin. Emil Sondermann Humorist vom Central-Theater, Berlin. Lucie Krall Bravoursängerin. Ida Füller in ihrer elektr. Sensat. „Feuer und Wind". Urban! u. Sohn Gymnastiker. Lamborg Klavierhumorist. Little Fred Hunde-Dresseur. Les Agousts Humorist. Jongleure. Hadj Abdullah Arab. Gymnastiker. Egger Rieser Tyrol. Gesangstruppe. 0. K. Salo Komischer Jongleur. „Pariser Luft" Ballett. Der Biograph. F für dicke Portieren in allen gangbaren Farben, Breite 130 cm 160 cm pPrMtSr.l,75-3,50, 2,25-4,25 Master- Kollektion WM" franco!-MW Abge- passte Frle •'Fenstern in all.Farben 3,50, 4, 5 u' 6 � ' Emil Lefevre Teppich Haas B«l!|n0ranienslr.l58. Königstaät-Kasino Holzmarltstr. 72, Ecke Sllexandcrstraße. Täglich: I�raniE 8obanski, Geschw. Lehmann, C. Groth, L. Durand, La Traviata, Lesardo and Trepp. Zum Schluß: Ein Goldfuchs. Ziehung 30. o. 31. Dezember Baditcin(„ose* 1 11 Lose 10 M., Porto u. Liste SO cj. Pferde- m. 70% u. 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Donnerstag, den 26. November 1903, abends S'/a Uhr: Grosse öffentliche Wähler'Versammlung in den Antiinhalletl, Kommandantenstraße 20. Tages-Ordnung: 1. Auf zur Stadtverordneten- Wahl. Referent: Städte Dr. Karl Liebknecht. 2. Diskussion. 208/13 A?" Ansprache des Kandidaten �fcUleeK Üflawassc."WU Zahlreichen Besuch lMänncr und �mucn) crwarten»iv Vei-tri»uvilsleiite. 8. BeistaslagS' Wahlkms Kommunalwahl im 17. und 18. Bezirk. Donnerstag, den 2K.?tovember, abends 8 Uhr, im Apollo-Saal, Sebastianstraße 39: Kommunalwähler-Yersainnilung. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Auf zur Stadtverordnetenwahl. Referent: Stadtv. Dr. C u r t F r e u d c n b e r g. 2. Diskussion. 212/17 Regen Besuch erwarten Die Vertrauensleute. Vierter Wahlkreis(Süd-Ost). Donnerstag, den 26. November, abends 8 Uhr: Zwei öffentliche Wähler-Versammlungen in den Lokalen: Urania, Wrangelstr. 10/11; Zur Drachenburg, Vor dem Schlesichen Thor 2. Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehenden Jtadtvcrordücteiiwahlen. 2. Diskussion. 213/7 Referenten: Die Reichstags-Abgeordneten?au! Singer, Arthur Stadthagen. _ Alle Wähler sind hiermit srenndlichst eingeladen.!>»« Walillioinlte«. Sechster Wahlkreis! Donnerstag, den 26. November, abends 8V2 Uhr: Sechs öffentl. Aähler-Versammlungen in folgenden Lokalen: tSzn'eSlRAUSiK, Kirchstraße 13. FeldsclilöNselien, Müllerstraße 142. Brauerei Köni�tadt, Schönhauser Allee 10/11. Marienbad, Badstraße 35/36. Hirthe, Elisabethkirchstraße 14. tSebmidt, Gartenstraße 9. TageS-Ordnung: 1. Altf zur Stadtverordneten-Wahl. 2. Freie Mshusjlon. Referenten: Genossen Sorgmann. Lmalll. Lr. Jriedeberg, Katzenstein, Waldeck jütanasse, Sr. Poersch, fx. Zuheil. 220/10 Freitag, den Ä7. November, abends 9 Uhr: 11 Volksversammlungen in folgenden Lokalen: 209/13* 1. Kreis: Stidusfrie-Testsäle, Beuthstr. 20/21 Ä. Kreis: Kahels Srauerei, Bergmannstr. 5/7. in folgenden Lokalen: 209/13* 4. Kreis(Oft): Uönigshanh, Gr. Frankfurterstr. 117 3. Kreis: Sehulsenhaus, Linienstr. 5. 9. Kreis: 3. Kreis: dresdener Uasmo. Dresdenerstr. 96 4. Kreis(Südost): Urania-Saie, Wrangelstr. 9/10. Tagesordnung in allen Versammlungen: _ Zahlreichen Besuch erwarten Vröheis Allerlei-Theater, Schönhauser Allee 148. Wilhe, Brunnenstr. 188. Schmidt, Gartenstr. 9. Lehmann, Schulstr. 29. Arenen-Sranerei, Alt-Moabit 47/49 Verkündigung des WaHlresultats. Itie Vol'ti'»i»»'n»I«>iit«>. Avkiung l Achtung! Zinoleutnleger unnTeppiehnäher! D.. Arkeits Unchweis Befindet sich Berlin SO., Getverkschaftshaus,<5ngcl Ufer 15, Zimmer 22, Die Bermittelung findet täglich statt, und zwar in den Winter- Monaten November bis Ende April vormittags von 8— 10 Uhr. Die Arbeitsvermittelung geschieht kostenlos. 158/8 Die Branchcnleitung der Linoleumlcger u.TePpichnahcr Berlins. .4- t-ir. cmbryologlscher Uchtblldcr- F r a u e n= Vo r t r a g morgen Freitag, abends 8'/, Uhr, Naunyn- Strafte 27, Nähe Uottbuser Thor. Entwlckclaiifi: des Menschen. Krankheltsanlagcn. Fölsen der Unwissenheit. Das L-eben der 9 Monate. Zahlreiche anatomische, pathologische, mikroskopische Bilder. Für Frauen und Mädchen höchst lehrreich. Zum erstenmal vom bekannten Naturheilkundiaen Grnndmann vorgetragen. SlW Eintritt nebst Broschüre 20 Ps.-igJSE Naturhcilverein„Reform", Kuranstalt Köpeuickerftr. 72. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Das Wahlkomitce. \i n»er Zahlstelle Charlottenburg. Freitag:, den 27. lVovembcr er., abends 8'/, IJhr, im großen Saale des VolkshauseS, Rosinenstr. 3: Aiißnordeiit!. Milzlirim-NtlsniiiiilluW. TageS-Ordnung: l. Abrechnung vom III. Ouarlal 1903. 2. Wahl von zwei Gewerbe- gerichtS-Beisißern. 3. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. > B. Werte Kollegen! Die wichtige Tages-Ordnung erfordert das Erscheinen sämtlicher Kollegen. ES erwartet deshalb recht regen Besuch Mit kollegialem Gnisi 298/2___ Die«rtllchc Vcrwallnns. Achtung! Klempner! Achtung! Die Kollegen werden ersucht, sich vollzählig in der Versammlung der Orts- Krankenhasse der Klempner eiiizusindett, welche am Freitag, den 27. d. M., abends 8'/. lthr, in der Sebastiaiifir. 39 bei Franke stattfindet. ES wird die Wahl von 150 Vertretern für das Jahr 1901 vorgenommen und liegt es im Interesse der Kollegen, daß Vertreter gewählt werden, die daS Zeug haben, uns vertreten zu können. Ißl/l Der Branchen Vertreter. Vorwarts-ßuchbandUing 8CCI., Lindenstrasse 69, Laden. Sittige Klassiker-Ausgaben: Sörno, in Leinen, 3 Bände � „ in Halbleder, 3„ 9,50 Bürger, in Leinen, 1 Band 1,75 „ inHalbleder, 1.. 2,75 Brinckmann, in Leinen, 1 Bd. 2,— „ in Halbled., l. 3,— Odamisso, in Leinen, l Band 1,75 „ in Halbled., l. llickemiorff, in Leinen, 2 Bd, , ausgewählte Werke in Leinen, 1 Band.... ssreiMgratk, in Leinen, 3 Bd. 15,— Caudy, in Leinen, 1 Band 1,50 Goethe, in Leinen, 1 Bände 6,— „ in„ 6. 10,— „ i» Halbled, 5„ 15,— Grillparzers Meisterdramen in Leinen, 1 Band ltault, in Leinen, 2 Bände Heddel, in Leinen, 1 Bände Heine, in Leinen, 4 Bände „ in H»wieder, 4 Hoffmann, in Leinen, 4 Bd. 2,70 3,50 1,25 1,75 3,50 6— 6,- 9,50 8,- Kleist, in Leinen, 1 Band 1,75 I Körner, in Leinen, 1 Band 1,60 „ inHalbleder, 1. 2,40 Henau, in Lernen, 1 Band 1,75 I„ in Halbleder, l„ 2,70 Lessing, in Leinen, 3 Bände 5,— „ in Halbled., 3„ 7,50 Ludwig, in Halbleder, 2 Bd. 6,— Novalis ausgewählte Werte in Leinen, 1 Band 2,— «, in Halbled., 1- 3,— Reuter, billige BolksauSgabe, in Leinen, 4 Bände 10,— „ in Leinen, 8„ 12,— Rüekerl, in Leinen, 3 Bände 6,— Schiller, in Leinen, 4 Bände 6,— „ in Halbled., 4„ 9,50 Shakespeare, inLeinen, 1 Bd, 6,— inHawIed..4Bd. 9,50 Stiller,-in Leinen, 4 Bände 6,— Storm, in Leinen, 4 Bände 24,— Uhland, in Leinen, 1 Band 1,75 inHalbleder, 1, 2,70 Dr. Simmel, sw"""; Speeialarzt für[35/16* Bant- und Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12. 2—4. Wir offerieren mit 12 Noten dazu Achtung. Musikautomat: ....... I Am Montag, den 23, November, I verschied nach langen, schweren g Leiden meine liebe Frau, unsrcO gute Mutter, Groß- und Schwteger« mutier, Tochter, Schwester. Schwä- gerin und Tante Ida Hensch geb. Antonowitz im 53. Lebensjahre. 34626 I Dies zeigen tiefbetrübt an Bio trauernden Hinterbliebenen, i Die Beerdigung findet am Frei-! tag, den 27. November, nach-! mittags 3 Uhr, von der Leichen- 1 halle des ZionS- Kirchhofes ins Nieder-Schönhausen aus statt. 58/191* r ♦ hm- Wert Mk. 300,00! i für Mk. 100,00 bei Mk. 60,00 |Geo I für Mk. 100,00 bei Anzahlung und Ml. 40.00 Abzahlung. tzjkeosg Brandt 8. Co.,®. m, b.§.. Berlin, Prinzessionenstr. 19j G. A. Büttner 65. AteFanderstraße 65. Nähmaschinen aller Systeme Schnellnäher, über äOOO Stiche in der Minnte, mit 1 Mark Abzahl. pro Woche. 33862* Treis Volksliiiliiie. Sonntag, den 29. November, 23/« Uhr: Mctropol-Thcatcr.| L-essing-Thcater. 9.;10. Abteilung. ' Der Widersiienstigen Zähmung. 2.13. Abteilung. Ein Verbrecher. Llhencro n-(Kunstabend)| Sonntag, den 13. Dezember, abends 7 Uhr, im Cewcrkschaftshansc, Engel-Ufer 15. Billets a HS Pf. in den bekannten acht Zahlstellen: C. Beyer, Plarr, Kumke, Böttger, G. Schulz, Horsob, Vogel II, Löwenberg. Kostüm=Fest am 9. Januar 1904 in der Äfcncn Welt(Hasenheide). Festmarken a 50 Pf. in allen Zahlstellen von Anfang I Dezember ab. Secesston(Kunstausstellung) Billets a 25 Pf. nur in den Zahlstellen: Beyer, Kumke, G. Schulz und Vogel II. I 230/10 Der Torstand. I. A.; G. Winkler. Andreas-Qarteti, Andrcasftr. 36. Kleine und graste Säle zu Versamm- hingen, Hochzeiten und Festlichkeiten noch einige Sonnabende zu vergeben, Fremdenlogis. Kegelbahn, Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt 3234L* Fran» Merkowski. f Musikwerke 1 [ mit Glockenbegleitung tt. auswechselbaren Notenscheiben, so- , wie Zithern, schönste Familien-� > Unterhaltung, qeringetsilzahlung,, / J.XURZBllRG, Neue llönigstr, 4711,, 'I dirctt aiii Alexanderplatz, Vorwärts-ßuchhandlung SM., Lindcnstr. 69, Laden. Sehriften von K. Kaatsky: Die Vernichtuna der Social- demokratie durch den Gelehrte» des(kentralverbandes deutscher Industrieller. Mk.—.20 Dir katholische Kirche und die Socialdemokratie. Mk,—.75 Dasselbe. Zlgitations- Ausgabe. Mk,-.30 Die sociale Revolution. I, Social- resorm und sociale Revolution, II, Am Tage nach der socialen Nevolution. Mk. 1,50 Socialrcform und sociale Re- volution. Agitations- Ausgabe, Mk.—.40 Am Tage nach der socialen Revolution. LlgitationS-Ausgabe. Mk,—.30 Karl Marx' Ockonomischc Lehren Gemeinverständlich dargestellt und erläutert. Brosch, Mk, 1,50: gebunden Mk, 2,— Die Agrarfrage. Eine Uebersicht der Tendenzen der modernen Land- Wirtschaft und die Agrarpolitik der Socialdemolratie, Mk, 5.—. Lbd, 6,50 Das Erfurter Programm in seinem grundsätzlichen Teil, Mk, 1,50; gebunden M, 2,— Konsumvereine und Arbeiterbewegung. Mk,—,15 Die Klaffengegensäfte von 178». _ 50 Bernstein und das soeialdemo- kratische Programm. Eiiie Anti- kritik. Ml, 2,- ,...__ Dasselbe. Volksausgabe. Mk, 1,— clcg. Aussuhrmig, geringe Teil ! llknnhei'gIMijniN.ttl!.!„Nem NorherNolksieitmig" — direkt am Alexanderplatz, OK» 25jähriges Jubiläum, 1878—1903. pgT" Wir geben den Rest dieser Jiivilaunisnummer jetzt mit 75 Pf. ab anstatt des früheren Preises von Ml, l Deutscher Metallarbeiter-Yerbandi (Verwaltungsstelle Berlin). Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, hast I unser Mitglied, der Klempner Georg Mörschel am 23. d, M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Freitag, den 27, November er,,, nachmittags 4 Uhr, von der I Leichenhalle des Friedhofes in i Lankwitz aus statt. Rege Beteiligung erwartet 161/5 Dio Ortsverwaltung. Herren-Moden tirttttrtt Unversälschl, Deutscher Zj U 11 1. Bienenbonig, best, Qualit. Vers, die lO Psunddose zu 7,00M,,5Psd, 4,30 M, sraneo, Garant, Rücknahme. E Nail T«rdl«h, Bahnhof . IlvII, Augustsehn, Oldenbg,* Nirtorkn-Skle Perlkbergtlltraße an Sonnabenden noch frei! Dr. Schünemann Speeialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden, Sieydelsiti'. O. '/ilS-'/a», V.O-m Sonnt. 911 Deutscher Holzarbeiter-Verband.! Den Mitgliedern zur Nachricht daß der Kollege, Tischler Aelnn Okunewski am 24. November verstorbe» ist. Die Beerdigung findet amt Sonnabend, den 28, November,/ nachm. 2 Uhr, vom Trauerhause! Marsiliusstr 16 aus nach den, Pius- Kirchhofe in Wilhelmsberg statt. Um rege Beteiligung ersucht 90/2 Dio Ortsverwaltung. Sonntag, den 22. November. 4°/, Uhr, starb plötzlich am Herz- schlag meine liebe Frau Minna Thies g°b. Eimer, Die Beerdigung findet Donners-. tag, den 26,. nachmittags 3 Uhr, f von der Leichenhalle in Friedrichs- i selde aus statt, 1121! Der trauernde Gatte «tt» Thles. Nach langen, schweren Leiden! ist unser heißgeliebter Vater, der I Kaufmann Hepiaun Maass im 77. Lebensjahre gestorben. Die Beerdigung findet Sonnlan- mittag 1'/, Uhr in Weissensee statt, 3466b Namens der trauernden Hinterbliebenen: Benno Maass. Orts-Krankenkasse der Maler. Montag, den 36. November er.» abends 8-/, Uhr, in den Arminhallcn, Komman- dantenstraße Nr, 20; General-Versammlung der Belegierton. Tagesordnung: 1. Ersatzwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder, Herren Wiegmann, Brunnert(Arbeit- geber), Jaeobeit, Pusch, Wendel. Unger(Arbeitnehmer), 2, Festsetzung des Gehalts des Kassierers, eventuell Festfetzimg einer Gehaltsskala, 3. Wahl des Kassierers, 4, Verschiedenes, 31K7b_ l>er Torstand. Hasaburger Cigarrenlager 500 000 la. Sumatra, Brasil, Vorslld. v. 20 Mk. für Tausend an zu verk.; von 500 Stück an gegen Nachnahme. l-eo Isaacscn, Hamburg, 145/11* Gerhofstrasse 32. erliner Ulk-Trio. Felix Scheuer II StralioudHiU. t. | 1 Qertraudten- Ck fl a• 1 Strasse 26 27 /SS« � �I0PPSN0Urg Qertraudten- Strasse 26-27. Fertig und nach Mass. QCSChäftshflUS fÜT Herren- Ulld KnäbCtl-KonfcktiOll. Verkauf nur gegen Bar zu sehr niedrigen Preisen. Unsere 7sri»ge Xlsickmg Z Knaben zeichnet sich aus; durch Kute Ausarbeitung:, „ tadellosen Sitz, ,, prima Ausrüstung;. Grosse Vorräte der Tersehiedenen Gattungen von Bekleidung für Herren, Knaben und Kinder. Bequeme Einrichtung zum inprobieren. Zweig:'Geschäfte m: Amsterdam| Haag Rotterdam Utrecht Düsseldorf> liaarlem Groningen| Arnheim Nymwegen Leuwarden Leiden Breda ü H b-iA■!- rt. � uachste Plummer müssen bis 3 W)r nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 ßlhr nachmittags einzusenden. � Expedition IS.Ziehung S.Klasse 209. Kgl. Preusj. Lotterie. Nur Liehuilg vom LS. Siovember IS 02, vormittags. die Vewin Gcwiiine über 240 Mf. find den beireffenden Nnminern in Klammern beigelnat. (Ohne GewShr.) �lachtrnii verbalen. . � L8 24V 72[500] 387[500! 432 79 866 982 1151 249 V2 351|3000] 543 733[500] 812 57 985 2205 15001 20 94 376 97 427 569 110001 98 780 3044 186 233 60 67 307 71 518 643 53 58 76 700 4043 121 63 259 60 79 85 681 97 654 738 53 54 57 831 5054 118 270 307 70 tlOOOJ 408 541 619 53 891 972 77 6016 99 15001 203 308 74 653 73 808 76 7092 230 376 470 78 672 766 8404[5001 592[5001 608 729 43 1500] 77 879 9042 64 250[1000] 589 626 39 42 719 975 94 „„ 10077 315 506 1 10001 11024 54 83 303 405 1500] 86 544 822 23 28 1 2011 134 324 42 466 537 754 824 900 79 1 3057 89 175 232 349[500] 94(5001 405 616 25 67 1 4020 68 103 41 49 77 282 324 13000] 87 479 542 «48 53 64 87 706 889 1 5039 272[ 500] 333 52 402 1 10001 38 509 050 700 860 9-49 1 6155 227 404 528 69 646 762 828 49 88 1 7024[50 001 29 173 367 403 23 711 937 43 18013 42 410 59 577 631 857 1 9041[500] 218 60 98 369 403 18 31 618 763 f 10001 960 201Ü5[500] 55 312 403 35 44 516 54 93 772 849 65 21178 329 90 677 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Ziehung 5. Klasse LOS.Kgl.Preuß. Lotterie. RIchuna vom 2». November 1003. nachmittag«. Rur die Gewinne Über 240 MI. find den deirefieubeu Nummern in Klammern beigciugtt (Cline Gewähr.) Nachdruck verboien. 25 26 67 95 179 215 623 55 836 105) 100 6 71 237 40 85[1000] 646 74[500] 724 81 810 29 940 2t56 827 3000 8 12 35 93[500] 142 270> 0 313 32 593 611 709 905 4059[500] 90 122 41 59 220 1500] 47 423 24 98 503 78[10001 684[500] 98 721 28 937 70 5033 67 85 300 84 423 580 724[3000] 863 961 6238 53 342 75 411 71 516 782 940 53 69 7042[10 000] 162 242 450 538[500] 40 873 931[1000] 45 8063 255 348 60 401[500] 26 604 9048[500] ISO 360 05 78 87 471 578 691 10159[500] 297 546 706 983 11108 465 556 710 25 27 807 78 947 87 1 2079 168 241 79 680 923 1 3001 [1000] 215 20 88 496 722 33 50 898 14093 281 458 655 61 923 74 81 15253[500] 576 798 853 78 1 6156 264 444 46 71 591 99 604 719 68 95 808[500] 946 1 7033 193 449 653 747 58[1000] 59 96 18079 108[500] 11 88 264 351 433 61[1000] 538 758 859 900 17[1900] 19010 18 133[3000] 200 78[1000] 304 10 1500] 502 34 62 77 89 Gl 652 95 759 886 20692[3000] 113 90[500] 252 392 515 790 902 2 1 033 75 159 217[500] 381 417( 30001 74 794 2 2017 65 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Die Parteigenosten aus andern Wahlkreisen, welche sich uns noch zur Verfügung stellen wollen, werden ersucht, sich nach der Centrale, Alexandrinenstr. 39, zu begeben. Vierter und fünfter Wahlkreis. 24. Bezirk bei Paul Litfin, Warschauerstr. 61; H. Baumgarten. Königsbergerstr. 7; Oskar Blume, Stralauer Allee 31b. 25. Bezirk bei Otto Franke, Zorn- dorferstr. 8. 28. Bezirk bei Schnitze, Weberstr. 40»; Post, Fliederstraste 5, und im Centralburcau Rosenthalerstr. 57(fünfter Kreis). Vierter Wahlkreis früh 7Vz Uhr auch bei Pttsch, Lübbcnerstr. 1 (Fernsprecher Aint IV Nr. 1709). Fünfter Wahlkreis. Freiwillige Hilfskräste für die Stadt- derordnetenwahl wollen sich früh von V38 Uhr an bei Belter, Neue Königstr. 69, melden. Sechster Wahlkreis. Früh 8 Uhr: 31. Bezirk: Behrend, Chorinerstr. 7; Wernau, Schwedterstr. 23(Amt III, 586); Fiedler, Saarbrückerstr. 6. 37. Bezirk: Korst, Elisabethkirchstr. 18; Weig- mann. Bernauerstr. 94; Dieke, Ackerstr. 123(Amt III, 6114). 39. Bezirk: Aeissen, Gartenstr. 101; Michaelis, Eichendorffftr. 21; I. Kaiser. Pflugstr. 6(Amt Hl, 6422). 42. Bezirk: K. Streit. Kirchstr. 22. 43. Bezirk: K. Fischer. Waldstr. 8(Amt H, 660). 47. Bezirk: August Do Ys. Mllllerftr. 32a; Herrn. Schwandt. Seestraste 25; Adolf Abendroth. Badstr. 42/43; Joh. Fricke, Maxstr. 131b (Amt II. 3157). Die Genosten, welche nicht den ganzen Tag helfen können, werden gebeten, sich wenigstens nachmittags in obigen Lokalen zur Verfügung zu stellen. Parteigenossen, beteiligt Euch zahlreich an der Agitationsarbeit! Wer es irgendwie einrichten kann, übe sein Wahlrecht schon vormittags ans! Der Kampf ums Majorat. 20. VerhandlungStag. Gestern war der letzte Verhandlungstag. Er endete, wie vor- weg bemerkt sei, mit der Freisprechung sämtlicher Angeklagten. Ueber die Bedeutung des Prozesses lasten wir uns an andrer Stelle aus; wir fahren hier in dem Bericht über die PlaidoyerS fort. Zu unferm Bericht über die gestrige Sitzung müssen wir be- richtigen, daß Justizrat Dr. v. S i k 0 r s k i, der gestern auf ein Plaidoyer verzichtete, nicht Verteidiger der Angeklagten Frau Knoska und Chwiatkowska, sondern gleichfalls Verteidiger dcS gräflichen Ehepaares ist. Nach Eröffnung der Sitzung ergreift das Wort Rechtsanwalt Chodziesner: Nach§ 140 der Strafprozeh- Ordnung ist die Verteidigung vor dem Sckiwurgcricht eine notwendige luid jedem Angeklagten, der vor dem Schwurgericht zu erscheinen hat, wird von Amts wegen ein Verteidiger gestellt. Für so wichtig hielt der Gesetzgeber die Mitwirkung des Verteidigers bei der Er- Mittelung der Wahrheit vor dem Schwurgericht. Leider ist der Gesetz- geber auf halbem Wege stehen geblieben, er hat dieser Tochter nur eine unzureichende Aussteuer mitgegeben und dies macht das Amt der Verteidigung besonders schwierig. Neben dem Recht, Anträge zu stellen, ist das vornehmste und wichtigste Recht der Verteidigung das Recht der Fragestellung. Die Verteidigung kann sich bei der Ausübung dieses Rechts nicht dadurch beirren lassen, daß von einer Seite, die die Intentionen der Verteidigung nicht kennt, diese Fragen für lästig und überflüssig erachtet werden. Ist es doch sogar hier vorgekommen, daß ein Zeuge in völliger Verkemiung der Stellung des Verteidigers gegen diesen aggressiv und ausfallend geworden ist. Was mußte sich die Frau Gräfin alles gefallen lasten I Die tiesttcn Geheimnisse ihres Ehe- und Frauenlebens wurden hier rücksichtslos vor aller Welt e»t- züllt, der Schleier wurde erbarmungslos von allem weggerissen, was lvnst jede Frau schamvoll verbirgt. Der Herr Staatsanwalt hat geglaubt, eine Lanze für das Majorat brechen zu müssen. Hier haben wir gesehen, wie das Majorat nicht nur die Bande der Familie sprengt, sondern sogar oemoralisiercnd wirkt. Als bekannt wurde, daß nach laugjähriger Pause die Gräfin sich wieder in andern Umständen befinde, schlug das wie eine Bombe ein. Die Agnaten regten sich. Wir haben aus dein Munde des Herrn Abgeordneten und Prälaten Dr. v. JazdzewSky gehört, welche Gerüchte im Uinlauf waren; Herr Kantorowicz hat uns erzählt, wie geklatscht winde und wie er selbst zuerst mit- geklatscht hatte. Dann kani der Brief der Agnaten. Die Gräfin nmstte diesen Brief als einen Eingriff in ihre Rechte betrachten, in ihre Frauen- und Mutterchre. Und mit spitzen Redensarten suchte man noch Oel ins Feuer zu gießen. So erinnere ich an die Acuste- rung: Ja. wenn wir Dir glauben sollen, dann mußt Du auf dem WilhelinSplatz in Posen gebären I Da erwachte die Hcrrennatur ai der Gräfin und sie entschließt sich, alles zu thuit, ivas die Agnaten ärgern kann, und nichts von dem, was dieselben wünschen. Das ist ihr Unglück gewesen, denn das ist ihre ganze Schuld. Wenn man jemand schlagen will, findet man einen Stock, und wenn man ver- dächtigcn wtll, dann findet man alles verdächtig. Die angeklagte Gräfin soll die Hedwig schlecht behandelt haben— das ist vor- dächtig! Sie soll die Valentine AndruszewSka fürstlich auf- genommen haben— das ist wieder verdächtig. Und dann der Herr Graf! WaS sollte diesen Mann, auf desseii Leben kein Makel fällt, bestimmen, am Ende seines Lebens ein schweres Verbrechen zu begehen. Er blieb doch bis zu seinem Tode Majoratsherr und ein Kind konnte ihm doch nur Unbequemlich» leiten bringen. Wir haben gehört, daß die Gräfin und der Graf spinnefeiild lvaren. Seit waim begeht jemand ein Verbrechen, um seinem Kind zu helfen? Ihm konnte es doch recht sein, wenn nach ihm die Sündflut kam, damit die Gräfin dann erkenne, wie sie an ihm gesündigt habe. Seit waun vereinigen sich überdies Feinde zur Begehung eines gemeinsamen Verbrechens? Dem Grafen hat man auch vorgehalten, daß er viele Liebschaften gehabt hat. Nun, wer viel liebt, dem wird viel verziehen! (Heiterkeit.) Der Herr Staatsanwalt hat gesagt, daß Graf Hektar so wie er gehandelt hat, handeln mußte, um die Reinheit seines Geschlechtes zu erhalten. Aber was vom Grafen Hektar gilt, gilt doch auch voni Grafen Zbigniew. Und will man die Ehre der Grasen Bainsky niedriger einschätze», als die des Grafen Heltor Kwile'cki? Run sehe man sich das große Heer der Mitwisser an und stelle sich ein Verbrechen vor, welches von so viel Leuten gekannt wird! Der Staatsanwalt hat ausgeführt, daß in der Gegend von Wroblewo eine wahre Meineidsseuche grassiere, die nach seiner Meinung auch alle Entlastungszeugen ergriffen haben soll. Nur— 0 Wunder— Herr Peter Hechelski und Fräulein Hedwig AndruSzewska sind von dieser Seuche verschont geblieben! Und doch haben diese das Gold des Grafen Hektar deutlich rollen hören! Wie heißt das wunder- bare Serum, das gerade diese beiden Zeugen immun gemacht hat? Noch andre Merkwürdigkeiten sind aus diesem Prozeß zu verzeichnen. Beispielsweise die Stellung der Staatsanwaltschaft zu dem gewiß hochansehnlichen Sachverständigen Professor Dr. Dührssen. Der Staatsanwalt hat gesagt, das Strafverfahren gegen Professor Dr. Dührssen sei wesentlich aus dem Grunde eingeleitet worden, um ihm Gelegenheit zu geben, sich zu rechtfertigen. Ich weiß nicht, ob Prof. Dr. Dührssen über diese Fürsorge des Staatsanwalts sehr entzückt lvar, daS aber weiß ich, daß in Preußen sich keine Strafkammer gefunden hätte, die das Hauptverfahrcn eröffnet hätte, um einem Angeklagten Gelegen- heit zu geben, sich zu rechtfertigen. Nein, die Strafkammer, die das Verfahren eröffnete, hat den Prof. Dr. Dührssen fiir„hinreichend verdächtig" befunden, genau so, wie hier andre Personen„hinreichend verdächtig" befunden wurden, und wenn das erkennende Gericht Herrn Dr. Dührssens Ehre so glänzend wieder herstellte und sich nicht an den Eröffnungsbeschluß gebunden hat, ebenso wenig ist fiir Sie. meine Herren Geschworenen, die Ansicht der Eröffiningskammer bindend, ebenso wenig ist fiir Sie maßgebend, wenn hier einzelne Zeugen, als der Be- günstigung verdächtig. nicht vereidet worden sind. Man hat in den Aussagen einzelner Entlastungszeugen Widersprüche eut- deckt. Was sind diese Widersprüche aber gegen den Widerspruch, dessen sich der Gesetzgeber bei der Konstruktion der Schwurgerichte schuldig gemacht hat{! Sie, meine Herren Geschworenen, sind dazu berufen, das entscheidende Wort über Schuld oder Unschuld d eis An- geklagten zu sprechen und dann kommt ein Dreimänner-Kollegium und entscheidet, ob ein Zeuge vereidigt iverdeu soll oder nicht! Die Entscheidung müßte doch gewiß auch den Herren Geschworenen zustehen. Der zweite Herr Staatsanwalt hat den Herren Geschworenen zugerufen: Wenn Jhncir diese Beweise noch immer nicht genügen, dann erklären Sie gewissermaßen den Bankrott der Schwurgerichte. Ja. die Schlvurgerichte sind ja manchem ein Dorn im Auge, sie sind schon deshalb verdächtig, weil sie aus dein Jahre 1848 stammen! Ich glaube, das Geschworcncn-Gericht wird noch lange den jüngste» Berliner Staatsanwalt überlebe», dem ich im übrigen ein recht langes Leben wünsche.(Heiterkeit im Publikum, die der Vorsitzende rügt.) Der Verteidiger giebt jetzt eine Charakteristik des Grafen Hettor Kwielecki und zweifelt an dessen Uneigcnnützigkeit; er zerpflückt ferner die Anschuldigungen, die gegen die Hebamme Cwcll und die alte Andruszewska von der Staatsainvaltschaft erhoben lvordcn sind, ebenso kennzeichnet er das Vorgehen des Agenten Hcchelski. Ueber das Verhältnis des Staatsanwalts zu Hcchelski sagt er: Und dieser genügend gekennzeichnete Mann wird über den Gang des Vorverfahrens informiert. Ich erblicke in diesem Verfahren eine Gefahr für die Ehre und Freiheit jedes Bürgers. Und nun zum Droschkenkntschcr Wilke! Da muß ich sagen: Dikficile, est satyram non scribere! Man stelle sich nun diesen Rosselenker vor, der bei angeblich 18 Grad Reaumur, vor Kälte halb erfroren, zwei mysteriöse Frauen, die allerlei Mysteriöses mit sich führen, durch Berlin nach dem Schlesischen Bahnhofe fährt, stelle sich vor, wie nach seiner Schilderung diese Frauen nachher eiligst wieder in seine Droschke gesprungen sind, denke daran, daß die alte, damals 73jährige Knoska alle diele Springereien mitgemacht haben soll und erinnere sich des „schwarzen Koffers", des„Skeletts", des„Kindes in der Spree" ze. Wenn das„einer aus Wroblewo" gesagt hätte, dann würde er für seinen Anfcnthalt einstweilen nicht zu sorgen haben; das würde die Staatstasse für die nächste Zeit besorgt haben! Und damit komme ich zu der Frage: Was ist Wahrheit? Ueber diese Frage hat man sich seit Jahrtausenden den Kopf zergrübelt. Die Wahrheit ist eine spröde Schöne, die sich nicht demjenigen entschleiert, der da meint, sie auf Grund einer aus den Akten gewonnenen Vorein- gcnommenheit gewinnen zu können. Einst hielt man fiir Wahrheit, daß die Erde stille stehe— und sie bewegt sich doch! Im Interesse der angeblichen Wahrheit hat man Luther verfolgt und Hnß verbrannt und der Molochdicnst der Wahrheit fordert auch in unsren Tagen noch immer Opfer. Eins dieser bedauernsloerten Opfer ist die Zeugin WienSkowska, die mit ihrem Säugling ins Untersuchungs- gefängnis wandern mußte. Ich muß uach nieiner juristischen Ansicht, die ja vielleicht von andren Juristen bestritten werden mag, es hier offen aussprechen: Nach meiner Ueberzeugung war die Vereidigung dieser Zeugin bei dem Untersuchungsrichter ungesetzlich und unzulässig, denn nach§ 65 Abs. 3 der Strafprozetz-Ordnung soll in dem Vor- verfahren eine Vereidigung nur stattfinde� wenn die Ver- eidigung als Mittel zur Herbeiführung einer wahrheits- gemäßen Aussage erforderlich erscheint. Der Untersuchungs- richter hielt ja aber die Aussage der Zeugin, die sie vor ihm abgegeben, für ivahr und deshalb war die Vereidigung durch den Untersuchungsrichter unzulässig. Und nun ist diese schwache, konfuse Frau zu ihrem Unglück auch hier in der Hauptverhandluug vorher vereidigt ivorden und daher stammen fiir sie die traurigen Folgen. Ich muß»och ein Wort über die S a ch v e r st ä n d i g e n sagen. Ich habe gewiß die größte Hochachtung vor der Wissenschaft, aber doch nur vor der wahren Wissenschaft, die sich dadurch dokumentiert, daß sie die Grenzen ihres Könnens kennt und b e kennt. Wer aber als wissenschaftlicher Gutachter nur auf Grund von thatsächlichcn Momenten der Beweisaufnahme dazu kommt, ein „Glaubens"-Bekenntnis abzulegen, der diskreditiert sich selbst und seine Wissenschaft! Wer den Dichter will verstehen, mutz in Dichters Lande gehen, und wer die Gräfin lvill verstehen, muß ihren ganzen Charakter kennen. Wie sollte wohl die Gräfin auf die Notwendigkeit einer Nabeluntersuchung kommen? Ich bestreite, daß man ohne eine solche nicht ein 24 Stunden altes Kind von einein vierwöchigen unterscheiden kann, und wenn ich hier rufen könnte:„ M ü t t e r vor die Front!", so würden sich alle in diesem Saale weilenden Mütter erheben und mir recht geben! Meine Herren! Dieser Prozeß wäre längst zu Ende, wenn nicht die StaatSanwalffchaft die Anklage wie eine verlorene Festung mit Todesverachtung verteidigt hätte. Jeder Tag brachte neue Wunden und die schlimmste Wunde lvar für die Anklage, als wir hier nach dreitägigem Warren die Aussage des Cwell aus Warschau entgegennahmen. Da brach das morsche Gebäude zusammen, die Anklage löste sich in Atome auf. Es ist nichts übrig geblieben. Daran kann auch die gestrige Würdigung der Zeugenaussagen durch den zweiten Herrn Staatsauwalt nichts ändern. Der zweite Herr Staatsanwalt hat im wesentlichen nur die Anklageschrift vorgetragen, die er selbst verfaßt hat, und seine Ausführungen hin und wieder ge- wiirzt durch ein Wörtlein, das die Schriftsprache nicht kennt und nicht verträgt. Er hat von Leuten gesprochen, die heute einen Meineid leisten und'morgen beichten. Ich bin nicht Katholik, aber habe mich gewundert, daß ein Staatsbeaniter, eine Stütze von Thron und Altar, hier so wenig achtungsvoll von einer Einrichtung der katholische» Kirche gesprochen hat.— Staatsanwalt Dr. Müller: DaS kann ich nicht zulassen. Rechtsanwalt Chodziesner(fortfahrend): Bitte mich nicht zu stören! Der zweite. Herr Staatsanwalt hat daun weiter davon gesprochen, wie der Civilprozeß unter allen Umständen zu Gunsten des Grafen Hcktor und zu Ungunsten der Gräfin entschieden wird. Mit Emphase hat er gesagt, er gebe Ihnen Brief und Siegel dafür.?iun, dieses Siegel kostet kein Geld und diese Prophezeiung ist falsch, dieser Civilprozeß wird niemals stattfinden, lveit er nicht stattfinden kann; denn gegen ein Versäumnisurteil ist ein Wicderaufnahme-Verfahren fast unniöglich. Er wird aber auch deshalb nicht stattfinden, weil auch in der Brust des Mannes, mit dem wir uns ausgiebig hier beschäftigen mußten, der Friede eingezogen sein wird und er sich unter Ihr Urteil beugen und wieder ein Edelmann sein wird, wie früher. Er wird vornehm um Verzeihung bitten, davon bin ich überzeugt. Meine" Herren Geschworenen! Schwer war die Bürde Ihres Amtes und schwerwiegend sind die Folgen, die sich an Ihren Spruch knüpfen. Es handelt"sich darum, soll die Frau Gräfin ins Zucht- haus wandern, sollen den Eltern das Kind, dem Kinde die Eltern genommen iverdeu? Was des Kindes harrt, hat uns Graf Hektar in einer schwachen Stunde verraten. Er sagte, ich werde es nicht zum Schuster und Schneider bringen und man wird sorgen müssen, daß cS nicht zum Verbrecher wird. Was berechtigt den Herrn Grafen Heltor, so hon diesem schönen Knaben zu sprechen, der in seiner Unschuld keine Ahnung hat, welchen Kampf hier die Verteidiger seiner Eltern durchkämpfen, dessen unschuldsvolle Seele nichts ahnt von den Niederungen dieses Lebens. Meine Herren! Sprechen Sie die Angeklagten frei und geben Sie denen endlich die Ruhe wieder, die seit sechs Jahren verleumdet und verfolgt werden wie ein gehetztes Wild.� Vorsitzender LandgerichtSdirektor L e u f ch n e r: Als ungehörig muß ich es zurückweisen, daß der Herr Verteidiger dem Nntersuchungs- richter vorwarf, er wäre ungesetzlich vorgegangen. Ebenso weise ich es zurück, daß irgend ein Sachverständiger irgendwie seine Wissn-e schifft diskreditiert hätte. Verteidiger Rechtsanwalt Chodziesner: Ich habe durchaus nicht dem Herrn Landrichter Footh einen Vorwurf machen wollen, sondern nur gesagt, nach meiner Auffassung und der Ansicht vieler wäre die Vereidigung nicht zulässig gewesen. Nach kurzer Pause nahm als dritter Verteidiger des angeklagten gräflichen Ehepaares Rechtsanwalt v. Rychlowöki(Posen) das Wort. Er befaßt sich u. a. mit Hechelski. Wenn Herr Hcchelski hier eine jämmerliche Rolle gespielt hat. so ist die Staatsainvaltschaft nicht so ganz unschuldig daran. Wir haben gehört, wie die Urteile einer ganzen Reihe von Personen üher Herrn Hechelski lauteten, wir haben gehört, wie ein schließlich noch aus Warschau hierher ge- ladener Zeuge durch den Mund des Herrn v. Tresckolv Herrn Hechelski für einen„Schwindler" erklärt hat, wir haben gehört, wie sich Valentine und Hedwig gegenseitig der niederträchtigsten Hand- lungen beschuldigt haben— kurz, man kann diesem Trifolium nicht über den Weg trauen, weil überall da, wo man sie nach mensch- lichem Ermessen nicht kontrollieren kann, sich die Unwahrheit dessen crgiebt, was sie behaupten. Auf der andern Seite ist es ganz ans- geschlossen, daß die vielen Laien, die nach vielfachem Augenschein be- kündet haben, daß sich die Gräsin in andren Umständen befand, sich getäuscht haben können; noch mehr ausgeschlossen ist es, daß die beiden Damen, welche am Tage der Entbindung bei der Gräfin weilten, düpiert worden sein können. Sollten sich diese beiden hochangcsehenen Damen, deren Wort genügte, um Herrn Dr. Rosinski zur Abstandnahme von einer Untersuchung des Knaben zu veranlassen, wirklich zur Beihilfe zu einem Verbrechen erniedrigt haben, sollten sie sich so schwer an sich selbst, an ihren Familien, an ihren Kindern versündigen und ihr irdisches Glück und Seelenheil verscherzen? Der Staatsanwalt glaubt es, andre Leute werden es unter keinen Umständen glauben, denn es ist zu sehr gegen die Vernunft und gegen die menschliche Natur! Ich dächte, die Aus- sagen des Propstes Dr. v. JazdzewSki und der Amme genügt doch auch zur Feststellung, daß die Gräfin am 27. Januar von einem Knaben entbunden loorden ist. Auch die Natur ist der Gräfin zu Hilfe gekommen. DaS Laienauge und daS Künstlerauge sind sich darin einig, daß der schöne Knabe der Gräfin überaus ähnlich sieht. Wenn alles schwinden sollte, so ist, meine Herren Geschwornen, dies der feste Punkt: Sie werden nimmermehr einer Mutter ihr Ebenbild vom Busen reißen und es einer andren Frau zusprechen. Der Staatsanwalt hat von„großer Phantasie" gesprochen, die größte Phantasie hat er aber selbst eist- lvickclt, indem er ausführte, daß der Knabe sich den schönen Schwester» angepaßt haben kann.(Heiterkeit.) Der Verteidiger hat Ihnen, meine Herren Geschwornen. auch vorgeführt, daß Sie dem Institut des Gcschwornengcrichts Schaden zufügen könnten, wenn Sie die Angeklagten nicht schuldig sprechen. Da seien Sie ganz unbesorgt: Wie Ihr Spruch auch ausfallen möge, das Vertrauen in das Ge- schwornengerichl wird nicht erschüttert iverden, es ist und bleibt der beste Hort für Ehre und Gerechtigkeit! Nach Aiistcht des Staats« anwaltS sollen Sie auck eine„Kulturaufgabc" erfüllen, indem Sie zu einem Schuldigspruch kommen. DaS fehlte auch noch gerade, daß die Schwurgerichte zu Kulturaufgaben benntzt iverdeu! Sie haben nach Ihrem Eide und nach bestem Gewissen und Wissen Ihren Spruch zu fällen! Daß es zil solchem Prozeß kommen konnte, ist sehr bedauerlich, aber begreiflich. Graf Hcktor hatte schon bei dem Poseucr Prozeß 10 000 M. ausgesetzt, falls er den Prozeß gewönne— noch eine solche Prämie und vielleicht machen neue Leute neue Enthllllungen über das große Geheimnis. Ich zweifle nicht, daß die Gräfin als Siegerin, lvcnn auch mit vernichtetem Lebensglück diesen Saal verläßt, daß Sie ihr die Ehre und die lang entbehrte Freiheit wiedergeben werden. Eine Bewegung im Publikum giebt dem Vorsitzenden Ver- anlassung, die Aufsichtsbeainten zur Ermittelung desjenigen zu be- auftragen, der„im Begriffe war" Bravo! zu rufen. Diele Er- inittclung führt zu nichts und der Vorsitzende verbietet nochmals jede Acußcrung des Beifalls. Rechtsanwalt Zborowski verteidigt die beiden letzten Angcklagtcir Frau Knoska und Frau EhwiatkolvSka. Wenn die Gräfin schuldig sein sollte, so könnte sie zweifellos die That nicht allein vollführt habeit. sie müßte Helfers- Helfer gehabt haben. Auf diesem Standpunkt stehe auch die Anklage und sie bezeichne die Angeklagten als Mitwisserinnen. Den Beweis hierfür sei sie aber schuldig geblieben. Wie könne man von diesen in Berlin fremden Frauen annehmen, daß sie dem Kutscher den Weg so genau. angeben tönuten. Er lebe schon lange in Berlin, habe aber»och nicht einmal gelvußt, daß es eine Waisen- brücke gebe. Bezüglich des Droschkenkutschers Wilke werde man sich des Eindrucks nicht erwehren können, daß es ein großer Ouatschkopf sei, und dafür halten ihn auch seine Berufsgenossen. (Heiterkeit.) Er verweise, daß die Geistlichen Probst Jaculski und Prälat v. Jazdzewski beiden Angeklagten das beste Zeugnis ausge- stellt haben. Der Staatsanwalt habe von Herrn Prälat v. Jazdzewski in einem Tone gesprochen, der ihn(Verteidiger) im höchsten Maße empört habe. Prälat v. Jazdzewski sei einer der angesehenften Geist- lichcn der Provinz Posen, genießt das Vertrauen der Bevölkerung, sei Mitglied des Reichstages lind Abgeordnetenhauses. Derselbe stehe so himmelhoch, daß ihn vergiftete Pfeile aus demHinjergninde nicht treffen können. Was lag gegen diesebeidcu unbescholtenen treuen Frauen vor. daß man sie lediglich auf die Angaben einer von der Staatsanwaltschaft selbst als einfältig bezeichneten Person hin aus ihrer Familie herausreißt und»ach Berlin ins Untersuchungsgefängnis schleppt. Welche» Anlaß sollte die alte Knos'ka haben, sich zu einem solchen Verbrechen herzugebe»? Sie ist eine 78iährige Frau, steht am Rande des Grabes, und da sollte sie sich so leicht des ewigen Lebens verlustig mache»? Man vergesse doch nicht, daß die Leute in Posen sehr religiös sind. BeMiefe» sei nichts, was für irgend eine Schuld der Angeklagten spreche. Er hoffe, daß die Geschwornen mit einem Freispruch wieder zur Anerkennung bringen werden, daß eS in Berlin noch Richter gebe. Nach Beendigung der PlaidoherS der Verteidiger trat darauf I_ Echöneberg. Ain Sonnabend, den 28. d. Mts., veranstaltet der eine Pause ein. Der Andrang des Publikums ist inzwischen immer mächtiger angeschwollen. Auf den Fluren ist das Durchkon, men fast unmöglich, obwohl an den Treppenaufgängen Schutzleute postiert sind, die niemand mehr, der nicht legitimiert ist, durchlassen. Im Zu schauerraum selbst und auf den den Zeugen und' der Presse ein geräumten Plätzen sitzt und steht alles dicht gedrängt nebeneinander. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen ergriff Erster Staatsanwalt Steinbrccht das Wort, um auf die Angriffe des Rechtsanwalts Wronker zu entgegnen, und fordert die Ge schwornen nochmals auf, ihren Wahrspruch für Schuldig abzugeben. Staatsanwalt Dr. Müller bemerkt u. a.: Ein Verteidiger hat es gewagt, einen Vortrag über den guten Ton in dicserjBerhmidlinig zu halten. Darüber, was und wie etwas in diesem Saale zu sagen ist, hat lediglich der Herr Präsident zu bestimmen. Die Verteidigung hat iveder das Recht, noch das Amt, hierüber Belehrungen zu erteilen. Ferner hat der eine Verteidiger gesagt, es sei eine Ehre für die Staatsanwälte. gegen die Verteidiger zu plädieren. Das verstehe ich, offen gestanden. nicht. Die Staatsanwaltschaft plädiert nicht gegen die Verteidiger. sondern für die Gcschwornen. Mir hat natürlich nichts ferner ge- legen, als den Verteidigern persönlich zu nahe zu treten. Ich habe nur darauf hingewiesen, zu welcher Folter die übertriebene Aus- dehnung des Fragerechts führen muß. Justizrat Wroiiker hat viel über die Reformbedürftigkeit der Voruntersuchung des ganzen Strafprozesses gesprochen, aber iÄ behaupte, daß gerade dieser Prozeß nicht als Beweis für die Reform- bcdürstigkeit gelten kann. Es ist in diesein Prozeß hier der Ver- teidignng in weitestgehender Weise entgegengekommen. Bezüglich des Meldezettels habe sich die Verteidigung reserviert verhalten. Es sei allerdings angedeutet worden, daß hier nach Art des Drcyfus- Prozesses etwas hineinbugsicrt sein könne, Ivem mache man demr den Vorwurf? Doch nur der kaiserlich-königlichen Polizeidirektion in Krakau. Wolle»ran dieser zutrauen, daß sie ihre Hand dabei im Spiele habe? Der Staatsanwalt hält zuletzt nochmals die Schuld der Gräfin für bewiesen. Rechtsanwalt Chodziesner: Die Verteidigung hält cS nicht für nötig, auch nur ein Wort zu erwidern. ~7a Uhr beginnt der Vorsitzende mit der Rechts- Gegeil belehrimg. Bevor der Vorsitzende das Wort zur Rechtsbelehrung nimmt, gicbt er den Angeklagten selbst noch das letzte Wort. Die Gräfin erklärt: Ich bin unschuldig! Weiter habe ich nichts zu sagen. Die- selbe Erklärung geben der Graf und die Angeklagten Frau K n o s k a und Frau C h w i a t k o w s k a ab.— Die Angeklagte O s s o w s k a erklärt gleichfalls, daß sie nichts zu sagen habe.— Vors.: Sie haben nun ja gehört, daß Ihr Verteidiger beantragt hat, Sie frei- zusprechen. Was sagen Sie denn nun dazu?— A n g e k l.: Ich würde mich sehr freuen, wenn ich könnte nach Hause.— Vors.: Meinen Sic, daß Sie unschuldig sind?— A n g e k l.: Nein 1 Ich bin schuldig! Das Urteil. Nach genau 2>/z stündiger Beratung erschienen die Geschwornen um 6 Uhr abends wieder im Saale, und der Obmann Stadt verordneter F r i t sch verkündete unter lautloser Spannung den Spruch der Geschwornen, wonach die Angeklagten Graf und Gräfin Wcsieröki-Äwilecki sowie sämtliche übrigen Angeklagten nicht schnldig erklärt werden. AIS der Obmann zur ersten Frage, ob die Gräfin der Kindesunterschiebung schnldig sei. mit lauter Stimme das Nein aus- spricht, bricht das Publikmn spontan in ein vielhundertstimmiges Bravo aus, was den Vorsitzenden erneut Anlaß zur Rüge giebt. Während der Obmann die weiteren Fragen verliest, schallen von der Straße herauf die Hochrufe der Menschenmassen, die sich vor dem Kriminalgerichts- Gebäude schon seit Stunden zu Tausenden an- gesammelt hatten. Die Gräfin, der sich die allgemeine Aufmerksani- keit zugewendet hat, hört den Spruch, indem sie ihre Lorgnette auf den Gerichtshof gerichtet hat, mit vollster Selbstbeherrschung, ohne auch nur mit einer Miene zu zucken an. Der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Leuschner verkündet darauf folgendes Urteil: Sämtliche Angeklagten werden freigesprochen, die Kosten des Verfahrens werden der Staatskasse auferlegt. Die erlassenen Haftbefehle werden aufgehoben. Die Gräfin ioinkt nach diesem Urteil freundlich mit dem Taschen- tnch nach den Logen und dem Zeugcnraum, der Graf wirft Kuß- Hände den Zeugen zu, die Angeklagte OssowSka scheint ihr Glück nicht zu fassen und spricht lebhaft mit dem Verteidiger Dr. E g e r. Mit lebhaftem Dank an die Geschwornen für ihre aufopfernde Pflichttreue schließt der Vorsitzende die Sitzung um 6� Uhr. Mit chevaleresker Verbeugung vor den Richtern und Staats- anwalten verläßt das gräfliche Paar den Gcrichtssaal. ßerlimr partci-Hngclegcnbciten. Das Preßkommissions-Mitglicd Emil Schumann wohnt jetzt in Neu-Weißensce, Lehderstr. 5, part. Erster Wahlkreis. Heute abend findet in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20, eine Volksversammlung statt, in ivelcher Dr. Karl Liebknecht referieren wird. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vertrauensmann. Aweiter Wahlkreis. Heute, Donnerstagabend 8>/z Uhr, finden zwei öffentliche Wählerversammlungen statt und zwar bei Zühlke, Dennelvitzstr. 13, und in Habels Brauerei-Ausschank, Bergmannstr. 3/7. Die Genossen E.Wurm und Otto Antrick werden über die bevorstehenden Stadtverordnetcnwahlen sprechen. Dritter Wahlkreis. Zur Agitation für die K o m m u n a I w a h l im 17. und 18. Bezirk findet heute abend 8 Uhr im Apollo-Saal, Sebastianstratze 39, eine Kommunalwähler- Versammlung statt, in welcher der Genosse Stadtv. Curt F r e u d e n b e r g über das Thema:„Auf zur Stadtverordnetcnwahl!" sprechen wird. Außerdem Diskussion. Pflicht der Parteigenossen ist es, für guten Besuch der Versammlung zu agitieren. Die Vertrauensleute. Vierter und fünfter Berliner Reichstags-WahlkreiS. Heute, Donnerstagabend 8 Uhr, finden für den 24., 23. und 28. Kommunal- Wahlbezirk drei Wählerversammlungen statt, und zwar für den 24. Bezirk bei Herzog. Meinelerstraße 67. für den 23. Bezirk in der Germania-Braucrei, Frankfurter Allee 33. und für den 28. Bezirk im Alten Schützenhause. Linienstraße 3. Tagesordnung: Nieder mit dem Kommunalfreifinn! Um zahlreichen Besuch bittet Das Wahlkoniitce. Fünfter Wahlkreis.®ie_ Parteigenossen werden ersucht, in der heute abend im Schiiticnhause, Linienstr. 3, stattfindenden Wähler- Versammlung zahlreich zu crscheineir. Stadtverordneter Dr. Wehl und Franz Konke werden über die Kömmunalwahlen sprechen. Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Heute, Donnerstagabend 8V3 Uhr, finden sechs öffentliche Wählerversammlungen in folgenden Lokalen statt: Sprcehallcn, Äirchstr. 13: Feldschlößchen. Müllerstr. 142: Schmidt, Gartenstr. 9: Hirthe, Elisabethkirchstr. 14: Marienbad, Vadstr. 33: Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10/11. Tagesordmmg in allen Versammlungen: 1. Auf zur Stadtverordnetenwahl! 2. Freie Diskussion.— Referenten sind die Genossen Borg mann, Ewald, Dr. Friedebecg, Katzen st ein. Waldeck M a n a s s e, Bruno P 0 c r s ch und Fritz Z u b e i l.— Zu zahlreichem Besuch laden ein Die Vertrauensleute. Diejenigen Arbeiter-Radfahrer, die am Freitag Zeit haben, um den ganzen Tag bei der Stadtverordnetenwahl zu helfen, werden er- sucht, sich vormittags 9 Uhr Lindenstr. 69 einzufinden. Zu der Abcndarbeit melden die Genossen sich in den ihrer Wohnung am nächsten liegenden Wahllokalen. F. Stöckcl, Vertrauensmann der Arbeiter-Radfahrer. Socialdemokratische Wahlverein für seine Mitglieder und deren An- gehörige ein Vereinsvergnügen im Ob st scheu Saale, Meiningerstr. 8.— Entree nach Belieben, Tanz frei.— Zutritt mir gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Ober-Schöneweidc. Heute abend 8V2 Uhr findet im Lokal von Kaufhold, Wilhelminenhofftraße 18, eine öffentliche Ver- s a m m I u n g statt. Genossin Paula Thiede spricht über: „Frauenarbeit und Frauenorganisationen". Ferner folgt Bericht- erstattung der Vertranensperson und Neuwahl derselben. Vierter Wahlkreis, Südost. Parteigenossen, die am Tage der Wahl helfen wollen, haben sich morgens 7>7 Uhr im Centralbureau, Lübbcncrstr. 1 bei Pitsch, einzufinden. Fernsprecher: Amt 4, Nr. 1709. Die Vertrauensleute, lokales. Die unentbehrlichste Pcrsön in der Stadtverordneten- Versammlung. In der Hitze des Kampfes, den in diesen Wochen und Tagen vor den Stadtverordneten Wahlen unsre Genossen gegen den Freisinn führen, dürfte mancher fast vergessen haben, daß auch die sogenannte Bürgerpartei noch existiert. Eigentlich kann man ja den Ausdruck„existieren" ans daS Scheindasein dieses kläglichen Parteigebildes kaum noch anwenden. In der Stadtverordneten- Versammlung lvird die„Bürgerpartei", die in den achtziger Jahren über ein Dutzend Mandate besaß, heute nur noch durch einen einzigen Mann repräsentiert, durch den Fabrikanten P r e tz e l, und in der Bevölkerung hat sie ungefähr noch soviel Kredit, daß man mit ihren aus ganz Berlin zusanimengetromnielten Anbängern einen unsrer größeren Säle knapp füllen könnte. Aber das Häuflein, das übrig ge- blieben ist, wird sich auch diesmal Wiederanden Stadtverordnetenwahlen beteiligen. Herr Pretzcl, dessen Wahlzeit jetzt abläuft, bewirbt sich im zweiten Bezirk der dritten Abteilung aufs neue um sein Mandat. Der Zeitpunkt, wo auch diese letzte Säule zusamnienbricht, der letzte Schimmer ehemaliger Herrlichkeit erlischt, soll möglichst noch hinaus geschoben werden. Wird's Herrn Prehel noch einmal gelingen? Wenn man den Annen in seinen Wählerversannnlungen betrachtet, dann merkt man ihm an, daß ihm recht bange ums Herz ist. Aber die unfreiwillige Komik, die in ihm steckt und mit der er in der Stadtverordneten- Versammlung so manches Mal seine Zuhörer erheitert hat, ist ihm deshalb doch nicht verloren gegangen. Herr Pretzel schwadroniert mit der ernstesten Miene von der Welt, gerade er sei die unentbchr- lichste Person in der Stadtverordneten-Bersammlung. Es müsse doch wenigstens einer da sein, der den Aufpasser macht und den andern auf die Finger sieht. Ihm werde vorgeworfen, daß er nichts in der Stadtverordneten- Versammlung geleistet habe. Man möge ihm doch mal eine wichtige Frage nennen, zu der er nicht gesprochen habe; an den wichtigsten sei er sogar in hervorragender Weise beteiligt gewesen. Solle er Beispiele bringen? Er beginnt mit der Aufzählung und nennt an erster Stelle seine Verdienste um— die Erhaltung des Reitweges der. Linden". Der Reitweg liegt in dem Bezirk, den der verdienstvolle Mann ver- tritt. Aber Herr Pretzel hat noch viel mehr gethan. Er hat zur Gas rage gesprochen, zur Straßenbahnfrage, zu manchem andern noch— und wie! Zuletzt, doch nicht als Geringstes, erwähnt er seine Bemühungen um die V e r m i n d e r u n g der jüdischen Lehrkräfte an den G e m e i n d e s ch u l e n Berlins. Offiziell hat er darauf keinen Einfluß gehabt, aber hinter den Conlisscn ist er thätig gewesen. Ein Besuch beim Justitiar des Provinzial- Schulkollegiums, eine Eingabe an den Kaiser und ähnliche Dinge spielen dabei eine Rolle. Er hat's erreicht, und er rühmt sich dessen. In demselben Atemzuge stricht er von seiner Thätigkeit bei der R e i ch s t a g s w a h l in erlin V und bedauert, daß sein und seiner Freunde Plan, durch ihre Wahlbeteiligung eine Stichwahl zwischen Freisinn und Social- demokratie zu erzwingen und dann dem Freisinnskandidaten Stadt-Schulinspektor Zwick zum Siege zu verhelfen, so kläglich gescheitert ist. Herrn Zwick macht er das Kompliment, daß er ein anständiger Mann sei. Biel Ehre! Wer Prctzels Thätigkeit in der Gemeindeverwaltung genauer kennt, dem werden bei Nennung dieses Namens noch etliche andre „Thaten" einfallen, beispielsweise die Haltung Pretzcls in der Debatte über die Wohnungsfrage, in der er die Wohnungswucherer zu entlaste» suchte und die Arbeiterschaft beschimpfte, oder sein Ein- Verständnis mit allem, was von der Regierung zum Schaden Berlins unternommen wird. Ani 27. November wird diesem„un- entbehrlichsten Mann" der Berliner Stadtverordneten-Versammlung von der Wählerschaft des zweiten Bezirkes die Quittung für solche „Thaten" gegeben werden._ Hüllenloser Freisinn. „Er danke dem Grundbesitz für seine Wahl, dieser hätte sich als Avantgarde bewährt und die Zeichen der Zeit verstanden, die ge- bieterisch den Kampf des gesamten Bürgertums gegen die Social- demokratie fordern. Nicht als Feinde der Arbeiter, sondern als ihre besten Freunde müßten wir sie von der despotischen Socialdcmokratie befreien. Beim Gürtlerstreik hätten hunderte braver Arbeiter gern für Weib und Kind die Arbeit wieder aufgenommen, sie durften es aber nicht, weil es ihr Führer, ein Herr Cohen, nicht erlaubte. Die Social- demokratie propagiere den Kampf wider den anständigen Rock, erst wenn der letzte anständige Mann am Laterncnpfahl baumele, sei ihr Ziel erreicht. Und da gebe es noch in den bürgerlichen Reihen ideale Schwärmer, wie Dr. Barth, die vor der Socialdemokratie den Kotau machen. Diese Herren kennen die Genossen noch lange nicht. Bei der LandtagSwahl habe man einen Vorgeschmack vom Zukunfts- taat bekommen, die Socialdcmokraten hätten die Säle besetzt und die Bürger an die Wand gedrückt oder draußen stehen lassen. Alle Gegensätze in der Bürgerschaft müßten zurücktreten vor der wichtigsten Aufgabe, dem Kampf gegen die Socialdemokratie." Wer hat diese Rede geredet? Der starke Kröcher, Onkel Felisch oder gar ein Edelster aus der„Herrenhaus" genannten Fossilien- sammlung? Nein, dieser Rufer im Streit für Ordnung, Religion und Sitte entstammt nicht OstelbienS junkcrgescgneten Fluren, sondern ist ein Produkt des in seiner unentwegten Reaktionsfeind- schaft tadellos dastehenden Berliner Liberalismus. Herr Gemeinde- schulrektor Kopsch, Abgeordneter zum Reichstag und zum preußischen Klassenparlament, hat diese Worte gestern im Hausbesitzervercin des Südostens seinem linksfreisinnigen Rinnde entströmen lassen. Und zu unsrer offenbaren Freude, wie wir gestehen müssen. Denn so viel wir auch von der Vermorschung des Berliner Freisinns erlvartet haben, daß er so prächtig unscrm Borschreiten den Weg ebnen, daß er so sächsisch geworden sei, hätten wir doch nicht gedacht. Wenn wir nun auch diese Rede im großen ganzen in ihrer strahlenden Schöne unberührt lassen wollen, so mutz Herr Kopsch uns doch eine Richtigstellung gestatten und zwar in Bezug auf den Laternen pfähl. Gewiß sympathisieren wir mit Glaßbrenners Herzenswunsch: Daß ich alle, alle Menschen Könnt' mit gleicher Lieb' umfassen, Und daß ein'ge ich von ihnen Morgen dürfte hängen lassen. Aber zu diesen AuSerwählten gehört, wie wir nach genauer Durch-! ficht unsrer ProfkriptionSliste versichern können, kein Vertreter des> linksfreisinnigen„Gedankens", denn wer hängt wohl Leichen? Im übrigen hat Rektor Kopsch durchaus recht, wenn er der Social« demokratie Rücksichtslosigkeit attestiert. Auch ferner wird dieser klein« freisinnige Reaktionär das ihm trostlose Schauspiel erleben müssen, daß die Socialdemokratie die Bürger au die Wand drückt oder sie lachend draußen stehe» läßt, und wenn ihr während solchen Thuns das Gewissen schlägt, so höchstens darüber, daß sie sich an diese nützliche und notwendige Kulturausgabe bisher nicht energischer als geschehen herangemacht hat. Aber bei den Stadtverordneten- wählen am nächsten Freitag läßt sich ja noch das Ver- säumte nachholen, und wir hoffen, daß Herr Kopsch auch hierbei unsrer Energie keine schlechte Censur ausstellt. Ihm aber und seinen Freisinnsfreunden— Stadtverordneter Iben dankte in der erwähnten Versammlung dem Redner für seine zu Herzen(!) gehenden Worte— ihnen wünschen wir im Interesse des politischen Fortschritts viel Glück auf dem Wege der Versächselung. Wir würden auf die für die Socialdcmokratie so segensreichen Folgen des einen reaktionären Breis hinweisen, wenn die in Sachsen ein- getretene Wirkung sich in Berlin nicht bereits schon gezeigt hätte, bevor noch der Richtersche Freisinn sich in aller Form mit der offenen Reaktion verbrüdert hat. Hier ist für ihn im Volk eben nichts mehr zu holen, und daher jetzt sein grundsätzliches Bekenntnis zu Scharf- macherei und Rückschritt._ Die Bernauer Märchen. Wir haben gestern von den Schauergeschichten Notiz genommen, die mit vielem Behagen von der gegnerischen Presse über die Vor- gänge bei der Abgeordnetenivahl in Bernau gebracht werden. Die von uns hierbei ausgesprochene Ansicht, daß unsre Parteigenossen nicht die Leute seien, als die sie in diesen Berichten hingestellt werden, wird uns jetzt zum Ueberflnß bestätigt. Ein Pfarrer vom Strafgefängnis Plötzensee war es, der sich im„Reichsboten" darüber beschwerte, daß Frühstück und Vesper in der Kirche verzehrt ist. daß die Schnapsflasche gekreist habe, daß geraucht ist und allerlei Kurzweil getrieben sei, die Kanzel sei von einem„Rauchverein" der Socialdemokraten erklommen und nur widerwillig geräumt, ein Socialdemokrat hätte einem Pastor nachgeäfft, ein andrer sei mit einer Stall-Laterne einem Haufen Socialdemokraten vorangezogen usw. Nach den uns von verschiedenen Seiten gemachten Mitteilungen muß man sich über die phantasicvolle Darstellung der gegnerischen Zeitungen wundern. Die Kirche war durch zwei Kronleuchter spärlich beleuchtet. Am Eingang waren zu jeder Seite noch je drei Laternen — es mögen Stall-Laternen gewesen sein— nicht von socialdemokratischer Seite aufgestellt. Dieser Laternen mutzte sich bedienen, wer über dunkle Räume fortkommen wollte. Dies haben, genau so wie Konservative und Liberale, auch Socialdemokraten gethan. Ein Ranchverein oder dergleichen war von socialdemokratischer Seite am Altar nicht etabliert. Unrichtig ist natürlich auch, daß Socialdemokraten den Altarraum„auf widerholte Bitten widerwillig geräumt" hätten. daß sie im Zuge marschiert seien und dergleichen mehr. Zutreffend ist, daß in der Kirche von Mitgliedern aller Parteien ge- raucht worden ist. DaS Rauchen wurde auf Ersuchen des Wahlvorstehers eingestellt. Das Ersuchen mußte öfters wiederHoll werden: das ist bei einer Anzahl von 1400 Männern, deren Mehrzahl ohne linterschied der Parteirichtung rauchlustig ist, begreiflich. Nichtig ist, daß die Socialdemokraten ihre Stärkung in der Kirche verzehrt habe». Dazu waren sie vollauf berechtigt. Von den Konservativen verließen recht Viele die Kirche, um in einer gegenüber der Kirche belegenen Kneipe mit holder Damenbedienung «tärkung zu sich zu nehmen. Manche von ihnen betraten die Kirche dann mit brennender Eigarre und in recht gehobener Stimmung. Ist das dem Herrn Pastor entgangen? Selbstverständlich war es vor und während des fünfstündigen Zählgeschäfts nicht mäuschenstill wie es während eines Gottesdienstes sein soll. So erzählt uns ein Wahlmann, daß sogar, weil sämtliche Gefängnisbeamten von Tegel und Plötzensee konservativ wählten, angeregt ist. beide Gefängniffc, Tegel wie Plötzensee, zu boykottieren. Hoffentlich unterstützt der Pfarrer Cottmeier diese löbliche Anregung und hält von Plötzensee Zuzug fern. Durchaus einverstanden würden die sociäldcmokratischen Wahlmänner sein, wenn in Zukunft ein besser geeignetes Lokal als eine Kirche zu Wahlzwecken ver» wendet würde. Wurde sie als Wahllokal verwendet, so war sie so lange profan. Es ist deshalb durchaus unangebracht, wenn der Pfarrer sich darüber aufhält, daß der Kirchenraum auch zu dem profanen Zwecke körperlicher Stärkung herhalten mußte. Nur mit Unrecht kann man dadurch das Gefühl andrer verletzt erachten. Viel eher könnte man behaupten, daß das Gefühl der Nichtkirchlichen durch die Festsetzung einer Kirche als Wahlraum hätte verletzt lvcrdcn können, wenn nicht eben durch diese Festsetzung die Kirche für die Dauer des Wahlaktes ihrer kirchlichen Bedeutung entkleidet wäre. So die Nichtigstelluiig der Bernaucr Märchen. die unsre Ordnungsstreiter gewiß rechr betrüben wird. Hat die brave„Kreuz- Itung" doch schon einen Leitartikel daran riskiert, um in ihrer holden Denunzianten- Manier die Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch herauszufischen, die geeignet wären, um die Socialdemokraten ob der Wahrnehmung ihrer staatsbürgerlichen Befugnisse ins Gefängnis zu bringen! Desgleichen hat die„Deutsche Tageszeitung" des Herrn Ocrtel sich bemüht, um diesmal ausnahmsweise nicht deni Stock als dem Wahrzeichen des Junkertums ein Loblied zu singen, sondern die Bestrafung wegen— Kirchen- s ch ä 11 b n n g dem Staatsanwalt ans Herz zu legen. Die Liebes- müh' ist vergeblich und die Schauergeschichten dürften, auch wenn sie nmtlich oder nichtamtlich mit weit hellerem Licht als dem von den Bernaucr Stall-Laternen gespendeten beleuchtet werden, als eitel Phantasicwcrk erscheinen._ Das Reglement für die Ausführung gestern nach zweimaliger Lesung von der Fürsorge-Erziehuug ist dem zur Borbcratung ein- gesetzten Ausschuß mit ivenigen Modifikationen in der vom Magistrat vorgeschlagenen Fassung angenommen. Die erheblichste beschlossene Aenderung ist die, daß die Verwendung eines schulpflichtigen Zög- lings zur Arbeit in Fabriken und ähnlichen Betrieben sowie bei der Hausindustrie auf Antrag unsrer Genossen(Koblenzer, Stadthagcn, Tolksdorf) unbedingt verboten ist. Abgelehnt wurden u. a. olgcnde Anträge unsrer Genossen: Die Zöglinge nur in olchen Anstalten unterbringen zu lassen, auf deren Leitung der Stadt Berlin für die Fürsorge-Erziehung ein bestimmender Einfluß eingeräumt ist. ferner: Alsbald nach Kenntnis- nähme des Beschlusses des Bormundslhaftsgerichts auf Unterbringnng zur Fürsorge-Erziehung hat die Waisenvcrwaltnng sich darüber schlüssig zu macheu. ob von dem Recht der sofortigen Beschwerde gegen den Beschluß Gebrauch gemacht werden soll. Ebenso erfuhr Ablehnung ein Antrag: Bei der Auswahl der PflegefteUrn für chulpflichtigc Zöglinge dürfen mir solche Orte berücksichtigt werden» die mindestens sechsklasfige Schulen haben und bei denen die Schul- Verhältnisse so geregelt sind, daß einer Uebcrfüllniig vorgebeugt wird. Die Forderung zu streichen, nach der der Zögling zu länd- lichcn Arbeiten anzuhalten ist, wurde gleichfalls abgelehnt. Ebenso- wenig fanden die Anträge Annahme. 1. in dem Passus„in religiös- lttlichcm Sinne zu erziehen"„religiös" zu streichen oder nach religiös- iltlichem einzuschalten:„insbesondere nicht zur Heuchelei oder Schein- Heiligkeit"; 2. auszusprechen, daß bei der Auswahl der Pflegestellen auf die politische Ucberzeugung des Familienoberhauptes keine Rück- ficht genommen werden darf: festzulegen:„Die Anstalten und Familien, welche zur Unterbringung von Fllrsorgezöglingen benutzt werden, sind auch auf Grund einer mit Aerzten zu treffenden Ber» cinbarung von diesen ein- bis zweimal im Jahre zum Zwecke der Prüfung des Gesundheitsziistaodcö der Zöglinge sowie des ZustandcS der Uiitcrbriiigungsrüiimc in sanitärer Hinsicht zu besuchen und die Berichte über das Ergebnis dieser Besuche dem Vorsitzenden der Waisenvcrwaltung einzusenden". Zum Berichterstatter für das Plenum Wurde der Stadtverordnete Stadthagen bestellt. $et Armen-Etat von Berlin wurde dieser Taqe in der Armen- Direktion beraten. Stadtrat Münsterberg teilte zunächst mit, daß der Etat vom vorigen Jahre mit einem Fehlbetrage von 750 000 3)2. «ltschließen würde; hieran sei die öffentliche Annenverwaltung mit 8 Proz., die Waisenverwaltung mit 21 Proz. und das Arbeitshaus vit 16 Proz. beteiligt. Die Schuld sei in dem wirtschaftlichen liückgang sowie in den teuren Wohnungsverhältnisien zu suchen. .Pi fast allen größeren Städten wie Charlottenburg, Chemnitz, Nünchen, Leipzig, Frankfurt a.M., Hamburg sei ein rapides Anwachsen kt Armenlasten zu konstatieren. Berlin leide namentlich unter dem Zufluß an Fremden, welche so lange sich hier auf irgend eine Heise durchschlagen, bis sie die Ortsangehörigkeit erworben haben lud dann der Stadt zur Last fallen. Ilm allen Anforderungen zu genügen und lveitere Etatsüberschreitungen zu verhüten, schlage die >on der Direktion eingesetzte Subkommission eine Erhöhung des rtats um 1 189 510 312. vor; der Etat würde dann in Einnahme md Ausgabe mit 10453 010 M. balancieren. Zu lebhaften Erörterungen kam es über die monatlich laufend ;ezahlten Unterstützungen. Einige Mitglieder traten für die Vor- chläge der Subkommission ein, diesen Betrag auf 6 700 000 M. fest- ."setzen; da der Posten im Jahre 1003 mit einer Mehrausgabe von -00 000 M. abschließen dürfte. Demgegenüber stellten sich andre Herren auf den Standpunkt, nicht mehr zu bewilligen als bisher, !a man hierdurch die Armen nur noch begehrlicher machen und !ie Armenkommissionen die Gelder noch leichter wie bisher verteilen vürden i lieber wolle man bei der Etatsüberschreitung bleiben. Ein lberaler Antragsteller verließ hierauf den Saal, da er nun nichts »ehr zu sagen habe. Die Erhöhung von 6 300 000 auf 6 700 000 M. vurde denn auch abgelehnt. Die monatlichen Pflegcgeldcr wurden von 838 000 Mark im Lorjahre auf 1 000 000 3)2ark erhöht. Dagegen wurde die Erhöhung d'.s Postens für außerordentliche Unterstützungen um 100 000 M. abgelehnt und hierfür 1 050 000 M. eingesetzt. Die Gehälter der Armenärzte, welche jetzt 1200 und 1300 M. betragen, sollen vom 1. Llpril 1004 ab einheitlich auf 1600 M. fest- gesetzt werden. Bei dieser Gelegenheit kam es zu lebhafter Diskussion über die von der Aerzte- Kommission vorgelegte Denk- s ih r i s t. Zwei Mitglieder forderten eine eingehende Beratung der Denk- schrift, da die Frage der freien Arztwahl, die Festsetzung einer zweiten Sprechstunde, die Behandlung durch Spccialärzte noch nicht genügend erörtert seien, eine Vertagung der Beratung sei der vorgerückten Zeit wegen dringend erforderlich. Die Mehrheit hielt auch diese Fragen für genügend geklärt; von einer freien Arztwahl könne keine Rede sein und man schloß auch hierüber kurzer Hand die Verhandlungen; die Denkschrift soll dem Magistrat und den Stadtverordneten über- reicht werden. Mit der Etatsüberschreitung und der Erhöhung der Positionen werden sich nunmehr Magistrat und Stadtverordneten-Versammlung zu beschäftigen haben. Nähmaschinen und andre HandwerkSgeräte werden hilfsbedürftigen Bewohnerinnen der Stadt Berlin, welche verarmten Familien an- gehören, insbesondere Hilfsbedürftigen gebildeter Stände christlicher und jüdischer Religion aus der Padersteinschen Stiftung zur un- entgeltlichen Benutzung gewährt. Bewerberinnen haben ihre Gc- suche unter Angabe der Religion bis zum 31. Dezember d. I. einschließlich an die städtische Stistungs-Deputation, Poststraße 16 ll, Zimmer£7�18, einzureichen. Gesuche ohne Angabc der Religion und des vollständigen Nationales, desgleichen verspätete Anträge werden nicht berücksichtigt. Die Verteilung der Maschinen ec. erfolgt iin Laufe der ersten drei Monate des Jahres 1004. Etwa inzwischen eintretende Wohnungsveränderungen der Antragstellerinnen sind der städtischen Stistungs-Deputation mitzuteilen. Zur Agitation für den Achtuhr-Ladenschluß. In einer am 17. d.M. stattgefundenen Sitzung derjenigen Geschäftsinhaber, die den Antrag auf Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses an das Polizeipräsidium unterzeichnet haben, wurde folgende Entschließung angenommen: „Die versammelten Geschäftsinhaber aller Geschäftszweige erklären hierdurch, daß der Achtuhr-Ladenschluß für Berlin und Vororte nur segensreich werden kann und richten daher an alle der Bewegung noch fernstehenden Ladeninhaber das Ersuchen, sich diesen Be- strebungcn anzuschließen." Die Anträge sind bereits für fast alle Branchen, mit Ausnahnre der Lebensmittel- und Cigarrenbranche, dem Polizeipräsidium übergeben. Komische Bemerkungen findet man häufig in den ernsten Kund- gebungen der Staatsanlvalte, Untersuchungsrichter und Polizei- Verwaltungen. Da wird z. B. ein recht empfehlenswerter Privat- Nachtwächter K o w a l l wegen vorsätzlicher Brandstiftung verfolgt und als„besondere Kennzeichen" angegeben:„Kowall trägt die Mütze schief und(!) hat vier Finger der linken Hand verloren." Auf die Spur eines andren Verdächtigen soll die Kleidung führen, bei welcher angegeben ist:„Stiefel: lanaschästig. Mütze: Spessart." Einen Dritten kennzeichnet der Untersuchungsrichter wie folgt:„Beim Gehen zieht er die Schultern ein und schlägt mit der hohlen Hand nach hinten. Streicht fortwährend den Kinnbart je." Das sind aber .Kundgebungen von außerhalb, in der«tadt der Intelligenz kommt so etwas natürlich nicht vor. Dafür beschreibt unsre Staatsanwalt- schaft II(in den Akten 2a J. 630. 08) aber eine„unbekannte... männliche Leiche eines Unbekannten", die noch dazu ein„Ge- sundheits-Hcmde" trägt. Das geht noch über die Mitteilung des Herrn AmtsvorstcherS im Gruncwald-Forst, die von der Leiche eines männliche n Selbstmörders spricht, wohl zum Unterschiede von der eines lv e i b l i ch c n Selbstmörders, den man kurz Selbstmorde r i n nennen könnte... Ein glücklicher Gewinner. Der 50 Jahre alte Drechsler Albert Oette aus der Alexandrinenstr. 43 hatte seit 14 Tagen keine Arbeit mehr, weil die Fabrik, in der er beschäftigt war. einging. Gestern, Mittwochmorgcn, brachte ihm ein Bote von der Lotterie die Nach- richt, daß er 10 000 M. gewonnen hatte. Kurz vor 11 Uhr verließ er seine Wohnung, erzahlte Bekannten in der Nachbarschaft von seinem Glück und sprach die Absicht aus, einen Freund auszusuchen, um ihn mit der frohen Kunde zu überraschen. Kaum war er jedoch einige 3)2inutcn gegangen, als er vor dem Hause Sllexandrinenstr. 26 zusammenbrach. Leute, die des Weges kamen, brachten den hilflosen Mann auf den Hausflur, wo_ er nach fünf Minuten starb. Wahr- chcinlich hat ein Herzschlag seinem Leben ein Ende gemacht. Verhungert? In der Potsdamerstr. 83 wohnte seit acht Jahre» für sich allein im Hofe im Ouergebäude die 72 Jahre alte pensionierte städtische Lehrerin Fräulein Roscnthal. Tie alte Dame war fast menschenscheu. Mit Hausgenosstnnen sprach sie kaum ein Wort, ihr Hauswesen besorgte sie ganz allein. Die aus zwei Stuben und .>tüchc bestehende Wohnung betrat außer dem Geldbriefträger wohl ftlten jemand. Sie enthielt nur die notdürftigste Einrichtung und ftcß an Ordnung so ziemlich alles vermissen. Da die sonderliche Ereisi» seit Sonnabend im Hause nicht mehr gesehen wurde, so ließ der Hausverwalter gestern abend ihre Wohnung aufbrechen imd fand sie nun besinnungslos auf dem Fußboden liegen. Neben ihr saß. halbverhungert, ihre Katze, das einzige lebende Wesen, das sie um sich duldete. Die Hilflose wurde mit einem Rünzelschen Rettungs- wagen in ein Krankenhaus gebracht, wo sie bald nach der Aufnahme starb. Die Katze wurde dem Tierschutzvcrein übergeben, die Wohnung von der Revicrpolizei geschlossen. Was der?2achlaß der Ver- storbencn enthält, ist noch nicht festgestellt. Not litt die Dame nicht, da sie schon von ihrem Ruhegehalt leben konnte. Das Gerücht von einem Morde tvar gestern in Pankow ver- breitet. Veranlaßt wurde es durch einen Lcichcnfund; ob aber ein Verbrechen vorliegt, läßt sich noch nicht sagen. Zwei Jungen fanden in einer Kohlpflanzung in der Stühe des Bahnhofes Pankow-Hemers- dorf eine männliche Leiche, die wohl schon acht bis vierzehn Tage dort gelegen haben mag. DaS Kohlfeld gehört zu einer großen Gärtnerei, in der viele Personen beschäftigt sind. Wahrscheinlich hatte der unbekannte 3>2ann, der auf der Pflanzung seinen Tod fand, Kohl stehlen wollen. Spuren äußerer Gewalt wurden an der bis ans das Gesickit und die Hände gut erhaltenen Leiche bisher nicht gesunden. Erst die gerichtsärztliche Oeffnung kann zeigen, ob der Mann eines natürlichen oder gewaltsamen Todes gestorben ist. Militärkantinen und Gasthausrcform. Eine Bewirtschaftung der Militärkantinen durch gemeinnützige Vereine schlägt ein höherer Offizier vor. Insbesondere könnte der Verein für Gasthausrefornt auf diese Weise segensreich wirken und zunächst seine Bestrebungen verbreiten. Die Verpachtung an einen derartigen Verein soll die Vorteile der Selbstwirtschaft mit denen der Verpachtung an einen Unternehmer vereinigen. Die Selbstbewirtschastung der Kantinen hat den Vorteil, daß jeder Verdienst den Mannschaften bei besonderen Gelegenheiten wieder zukommt. Jedes Mitglied genießt den Ertrag zu gleichen Teilen, ob es viel oder wenig auszugeben hat. Schwierig- leiten macht hier aber die Bestellung von zuverlässigen und ge- wandten Verkäufern, Rechnungsführern zc. Einen vollständigen Ausschluß des Alkohols hält der Verfasser des Artikels in der Gast- Haus-Resorm nicht für empfehlenswert, die Mannschaften würden dadurch nur minderwertigen Wirtschaften zugeführt, wo sie schlechte Gesellschaft finden._ Theater. Im Luisen-Theater geht heute, Donnerstag, zum erstenmal„Der Verschwender" von Ferd. Raimund mit den Damen Stauffen, Hüstel, Winter, Dolski und den Herren Kruczynski, Hüner, Majewski, Toussaint und Ruff in den Haupt- rollen in Scene.—„Los vom Manne!" Wilh. Jacoby und Arth. Lipps dreiaktiger Schwank, gelangt am heutigen Donnerstag im Bellealliance-Theater zur ersten Aufführung.— Ilm Freitag findet im Apollo-Theater eine Jubiläums-Vorstellung statt, und zwar die Feier der 50. Aufführung von„Frühlings- l u f t", der Operette von weil. Joseph Strauß.— An diesem Abend spielt die Originalbesetzung mit Poldi Augustin, Robert Steidl und Arnold Ricck an der Spitze, und Karl Kapeller wird das Werk mit gewohnter Verve dirigieren.— Für das am Sonnabend zu Gunsten der Heilstätte zu Belzig in der Philharmonie stattfindende Konzert hat Fräulein Roxy King, erste dramatische Sängerin vom Theater des Westens an Stelle der be- hinderten Fräulein Heddi Kaufmann ihre Mitwirkung zugesagt. Ferner wirken noch mit: Fräulein Bella Adwards(Klavier). Fräulein Eva Mudocci(Violine), die Herren Malkin(Cello) und Procop(Orgel). Billetvcrkauf bei Bote u. Bock. Charlottenbnrg. Am Donnerstag, den 3. Dezember, abends SVa Uhr, findet im großen Saale des Volkshauses, Rosinenstr. 3, als IH. Äunstabend ein Lichtbilderabend„Aus dem Reiche der bildenden Künste" statt. Parteigenossen und Gewerkschaften, welche auf Plätze reflektieren, können dieselben unter der Adresse Emil Müller, VolkShaus, vorausbestellen. Sie werden ihnen dann an der Abendkasse reserviert. fliis den Nachbarorten. Dir Charlottenburger Stadtverordnetenwahlcn für die zweite Ab- teilung haben am gestrigen Mittwoch stattgefunden und mit einer vollständigen Niederlage der Ströhlerschen Fraktion der freien Vereinigung geendet. Bisher war die zweite Wählerabteilung, soweit sie gestern zur Wahl schritt, durch drei Stadt- verordnete der Fraktion Alt- Charlottenburg, durch vier An- Hänger der Freien Vereinigung und einen Liberalen vertreten. Bei der gestrigen Wahl errangen die Liberalen fünf Sitze, ivährend sich die Fraktion Alt-Charlottenburg in ihrer bisherigen Stärke behauptete. Die Wahlresultate sind folgende: Im l. Wahlbezirk gewählt: Rackwitz und Scholz(Mt-Charlotten- bürg). Im II.„„ Münch(lib.) und Protze(unpolit). Im Hl.„„ Kaufmann(lib.) und Lingner(lib.). Im IV.„„ Heinzelmann und Schwarz. Neu-Weißensee. Am 8. Juli 1806 faßte die damalige Gemeinde- Vertretung den Beschluß, der Kirchengemeindc den Cuxhavener Platz zur Erbauung einer Kirche unentgeltlich herzugeben und auszulassen. Dies geschah, trotzdem die politische Gemeinde in Kirchen-Angelegen- heften, insbesondere bei Anstellung der Pastoren und sonstigen Beamten, nichts zu sagen hatte, da sie nicht im Alleinbesitz des Patronats war. Nunmehr ist die Kirche im Bau vollendet und es drängt daher die Kirchengcmeinde um Auflassung des Grund und Bodens der Bethanienkirchc, wozu die letzte Gemcindevertreter- Sitzung einen Schöffen beauftragen sollte. Jedoch sind in der Zlmschen- zeit Zwistigleitcn in der polilischen und der Kirchengemeindc entstanden und man versuchte den alten Beschluß umzustoßen. Jedoch einigten sich die Herren dahin, die Auflassung von der Bedingung abhängig zu machen, daß ihnen Anstellungsrcchte usw. zugestanoen werden. Unsre Genossen nahmen diese Gelegenheit wahr, um den Herren verständlich zu inachen, daß es nicht im allgemeinen Interesse liegen kann, öffentliche Plätze mit Kirchen zu verbauen, und der Beschluß wäre wohl nicht so leicht zu stände gekommen, wenn unsre Genossen in der jetzigen Zahl auch schon damals vertreten gewesen wären. Die Geschäfte des Gcwerbegerichts besorgt bis zur Anstellung eines besoldeten Schöffen der Geineindeverordncte Könitz. In das Kuratorium der Fortbildungsschule wurde von unsrer Seite Taubmann als Gemeindevertreler und Schmädicke als Arbeitnehmer neu gewählt, während Genosse Eschbach in der Minderheit blieb und die 3>iehrzahl den WerlfiiHrer Hoppe als Arbeitnehmer wählte, dessen Chef eben- falls dem Kuratorium angehört, wodurch die Gewähr gegeben ist, daß der Herr Hoppe die Interessen der Arbeitnehmer nicht ver- treten wird. Für die höhere Knabenschule wurde für das nächste Halbjahr ein Zuschuß von 750 M. bewilligt, ivährend man anfänglich der von einigen Lehrern gegründeten 3'iädchen- F o r t- b i l d u n g s s ch u l e nicht einmal freie Beleuchtung und Heizung von Schulräumen gewähren wollte, dies vielmehr nur unter der Bedingung geschehen solle, daß die Fortbildungsschule nur in eine ganz bestimmte Schule(Rölckestraße) verlegt werde. Für die staatliche Kontrolle und Beaufsichtigung unsrer Klär- anlage hat die Gemeinde die horrende Summe von 600 Mark jährlich an die dazu berufene Kommission der Regierung zu zahlen. Als Siaatsbeihilfe zu den Schullaften hat die Regierung einen Beitrag von 10000 M. bewilligt statt der beantragten 12 000 M. Aus dcnr Erlös der sogenannten Pferde- Auktionen auf dem Pferdemarkt wurden auch in diesem Jahre circa 700 M. für Feuerungsmaterial an arme Einwohner verwendet, die Ausgabe ge- schicht durch die Armendeputierten. 200 M. finden Verwendung für die Kinderfürsorge und der Rest von ca. 1000 M. soll für die Be- scherung armer Kinder Verwendung finden. Aus dein Bericht der Armenärzte für das Jahr 1002 ging hervor, daß ihre Arbeit eine ziemlich bedeutende gewesen ist; es haben im ganzen ca. 600 Be- Handlungen stattgefunden, auch sind mehrere Atteste ausgestellt worden. Auf eine Anfrage, ob der Gemeindevorstand noch keine Kenntnis von dem Ober-Berwaltungsgerichts-Entscheid in Sachen Barz wider die Gemeindevertretung erhalten hat. erhielten wir eine vermeinende Antwort.— Die Wahlen der Abgeordneten zum Kreis- tage verliefen prograinmmäßig. Pankow, llnsre Vollziehungsbeamtcn müssen, wie von unfern Parteigenossen in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung fest- gestellt wurde, nicht allein die Kirchensteuer der evangelischen, sondern auch die der katholischen Gemeinde einziehen. Unsre Partei- genossen beantragten, den Beamten diese Arbeit künftig nicht mehr aufzubürden, da es nicht deren Sache sei, die Zwecke der Kirche ans die geschilderte Weise zu fördern. Der Gemeindevorsteher meinte jedoch, daß man der Kirche entgegenkommen müsse; es sei ratsam, möglichst viel gute Freunde zu haben, die man doch immer gebrauchen könne. Uebrigens erhielten die Burcaubcanftcn für ihre Mühewaltung 7 Proz. der eingezogenen Steuern. Dies Argument gab unfern Parteigenossen Anlaß zu dem Hinweis, daß. die Beamten der Gemeinde keine Trinkgelder annehmen dürsten und als eine Art Trinkgeld sei die ihnen von der Kirche gegebene Entschädigung zu betrachten, müsse die Arbeit hierfür doch während der Dienststunden geleistet werden. Das Ende dieser Erörterung war natürlich, daß alles beim alten bleibt. Aus Potsdam wird uns berichtet: Bei einer Meuterei im GerichtsgcsängniS gelang es zwei Verbrechern, daS Weite zu gewinnen. In einer Zelle des zweiten Stockwerks des Gefängnisses in der Lindenstraße befanden sich sechs Gefangene, darunter die Untersuchungsgefangenen Lucht, Lange und Kühn. Lucht ist ein Berliner Dieb, welcher kürzlich mit noch zwei Genossen in Berlin verhaftet wurde, weil er bei einem Einbruchsdiebstahl bei dem be- kannten Herrenreiter Lieutenant v. Mitzlaff in Potsdam beteiligt war. Die drei Einbrecher hatten beschlossen, aus dem Gefängnis auszubrechen. Mit Flechten von Bastdcckcn beschäftigt, benutzten sie ein ihnen zur Arbeit übergcbencs Messer, um die eisernen Gittcrstäbe des Zelleiffenstcrs in dem Mauerwerk zu lockern. In der Nacht zu gestern haben sie das Gitter ganz herausgebrochen, sind dann in den Holzkasten vor dem Fenster geklettert und ließen sich an einem aus Bast gefertigten Seil hinab. Dabei stürzte Kühn ab und fiel in den Holzlasten eines Zellenfensters des ersten Stockwerls. Die Insassen dieser Zelle hörten den Fall und machten Lärm, wodurch der Nachtausseher herbeigerufen wurde, welcher Kühn in dem Abort des Gefängnisses festnahm, wohin er sich, nachdem er auf den Hof gesprungen war, geflüchtet hatte. Lucht und Lange gelang es, über die Mauer des Nachbargrundstücks hinweg zu entkommen. Da sie Gefängniskleidung trugen, wollten sie im Nebenhaus einen Einbruch vollführen, um sich andre Kleider zu verschaffen. Durch das Geräusch, das sie dabei machten, verrieten sie sich aber und flüchteten nun über ein Dach hinweg nach dem Hof des Gasthofs zum Schtvan in der Waisenstraße, um von dort durch die offene Hausthür die Straße zu erreichen. Die beiden Flüchtlinge haben sich nach Berlin zu gewandt, denn sie wurden gestern vor- mittag im Walde bei der Pfaueninscl von einem Gendarm gesehen, wobei der eine der Flüchtlinge ohne Kopfbedeckung war. Daß sie mit noch mehreren anderen Gefangenen im Einverständnis gehandelt haben, scheint aus dem Umstände hervorzugehen, daß am Dienstag- mittag noch ein andrer schwerer Junge, welcher in einer andren Zelle eingesperrt war, den Versuch gemacht hat, die eisernen Traillen seines Fensters mit seinem Messer zu lockern. Man hatte aber das Geräusch gehört und konnte den Mann bei der That ertappen. Er wurde, ebenso wie der wieder dingfest gemachte Kühn, sofort in Ketten gelegt. Selbst in Potsdam wird es Licht. Die Frage der fakultativen Zulassung der Feuerbestattung in Preußen hat in der letzten Sitzung der Potsdamer Stadtverordneten-Versammlung eine bemerkenswerte Debatte hervorgerufen. Die Vereine für Feuerbestattung hatten auch den Potsdamer städtischen Behörden ihre an das Abgeordnetenhaus gerichtete Petition mit der Bitte um Beitritt übersandt und der Stadtverordnete Dr. Masius befürwortete dieselbe eingehend. Stadt- verordneter Agent Töpfer entgegnete, wir seien hier nach nicht so weit, der Tradition zu entsagen. Er sei erstaunt zu hören, daß in einem Gebäude tausende von Urnen aufbewahrt werden könnten. Das würde ja aussehen, wie die Safes in der Deutschen Bank. Er sehe nicht ein, warum aus Gefälligkeit unterzeichnet werden solle. Stadtverordneter Hof-Sattlermeister Bernhard erklärte, daß er aus religiösen Rück- sichten dagegen sei. Man habe in Potsdam am allerwenigsten Veranlassung, eine Initiative zu ergreifen und dadurch sein Ein- Verständnis zu erkennen zu geben, zumal diese kleine Gefälligkeit die Stadt gegenüber dem Abgeordnetenhause binden würde. S o weit seien wir hier noch nicht. Stadtv. Tischlermeister Pauli, der konservative Reichstags-Abgeordnete für Potsdam-Osthavel- land, bemerkte, daß, wer in Gotha das Krematorium gesehen habe, von demselben nur einen abschreckenden Anblick g e- Winnen könne. Wie ihm, sei es wenigstens andren auch er- gangen. Die Urnen könnten dort sehr leicht umgestoßen werden. Falle eine um und werde die Asche dabei verstreut, dann werde etwas andres hineingethan. Er bitte um Ablehnung. Nachdem noch einige Stadtverordnete für den Beitritt zu der Petition und einige dagegen gesprochen hatten, ergab sich bei der Abstimmung eine große M aj o r i t ä t für die Petition, worüber die Gegner sehr überrascht waren. Von einem Eisenbahnzugr ist Mittwochnachnnttag 2 Uhr 20 Minuten der Streckenarbeiter Schulz aus Schulzendorf ans der Görlitzer Bahnstrecke tödlich überfahren worden. Zwischen Eichwalde und Grünau ging Schulz auf der Strecke, ohne den hinter ihm daher- kommenden Zug zu bemerken. Als der Lokomotivführer das Warnungssignal gab, war es bereits zu spät, und der Arbeiter wurde von der Maschine zermalmt. Schulz stand im Mer von 33 Jahren und hinterläßt eine Witwe, die in nächster Zeit ihre Niederkunft erwartet. Aus dem Zuchthause zu Brandcniurg entwichen ist am Montag- abend der 32 Jahre alte Maler Reinhold Fritz aus Eichwalde(Kreis Teltow). F. lvar seit Mai 1001 in der Strafanstalt, wo er wegen einer Reihe schwerer Verbrechen eine 8� jährige Zuchthausstrafe ver- büßen sollte. Bisher ist es noch nicht geglückt, des Ausreißers Hab- Haft zu werden._ Vcrnrifcbtcs* Die Rückkehr der deutschen Südpolar-Expcdition. DaS deutsche Südpolarschiff„Ganß" ist nach zweijähriger Abwesenheit am Dienstagabend in Kiel angetroffen. Gestern vormittag fand an Bord des Schiffes eine Begrüßungsfeier statt; als Vertreter der Regierung begrüßte Unterstaatssekretär Dr. Hopf die zurückgekehrte Erpedition. Er würdigte die Bedeutung dieser Expedition, die ihre Aufgabe glänzend gelöst habe, dankte dem Professor D r y g a I s k i, dessen Leitung nach Meinung der Sieichsverwaltung nicht besser, geschickter und umsichtiger geführt werden konnte. Besonders gedachte er des Forschers Enzensberg er. der seine Begeisterung für die Wissenschaft mit dem Tode bezahlte. Professor Drygalski gab seinem Danke Ausdruck für das Vertrauen, das man der Expedition schon bei ihrer Aus- fahrt entgegengebracht habe. Er schilderte die Schwierigkeiten, mit denen man im Eise zu kämpfen gehabt habe. Trotzdem habe man zur Zeit des Herbstes auf der südlichen Halbinsel nochmals einen Versuch gemacht, trotz der schweren Polarstürme noch zum zweitenmale vorzudringen. DaS seien schwere Zeiten für das Schiff gewesen, in den heftigen Stürmen, bei der bereits herrschenden Dunkelheit. Nun sei die Expedition heimgekehrt, um der Heimat die Resultate der Forschung zu überbringen. llcbcr ein Dyuamitattcntat gegen einen Fabrikanten in Ardning in Obcrsteicrmark hatte die„Grazer Tagespost" und nach ihr viele rcichSdcutsche Blätter die Mitteilung verbreitet, daß bei diesem Attentat dreizehn Personen getötet und acht schwer verletzt wurden. Nach amtlicher Feststellung ist diese Schaucrmär darauf zurück- zuführen, daß das Kanzleigebäude der Tunnelbau-Unternehmung Zataranda durch Explosion von Dynamit, die infolge von lln- Vorsichtigkeit erfolgte, zerstört wurde; bei der Explosion wurde ein Mann leicht verletzt. Hochwasser der Newa. Petersburg, 23. November.(Tel.) Durch starkes Unwetter ist das Wasser in der Nclva und in den Kanälen sehr bedeutend gestiegen und überschwemmt die Straßen. In vielen Straßen können Wagen wegen des hohen Wasserstandes nicht mehr fahren. Heute vormittag um O'/i Uhr dauerte die Ueberschwemmung noch an. In einigen Straßen benutzten die Bewohner Boote und Flöße. Bei einem schweren Grubenunglück infolge einer Gasexplosion in einer Kohlengrube zu Bonanza(Arkansas) wurden dreizehn Arbeiter getötet.__ Eingegangene Druckschriften. Der„Süddeutsche Postillon" Nr. 24 illustriert in seinem Titelblatt die neue Militärvorlage—„Eine kleine Garnison" benennt sich das Lcit- gcdicht.— Der Kwilccki-Prozctz- Biedermeier.— Was in der Welt vorgeht und Bruder Straubingcr geben Ausschluß über die Geschehnisse in der Welt- geschichte. Ein paar Pcndcnts„Wie es gemacht wird", zeigen die fetten durchlanchtigten Betrüger und den entlohnten Betrogenen.— Kirchen zu von Schelm von Bremen.— Nach Schema F.— Der Hecht und der Hai.— Die Rettungsmedaille. Eine Ordcnsgcschichte.— Den Schluß bildet ein Prinz Prosper von'Aremberg-Denkmal. Der Postillon erscheint alle 14 Tage im Berlage von M. Ernst in München und ist unfern Leser» cmpsohlcn. Preis der Nummer 10 Pj. Briefhaften der Redahtton. Wer trägt de» Zoll? Wir ersuchen um sosortigeAn- gäbe Ihrer Adresse.— M. M. 41. I. Trockenelemente werden hergestellt, indem ein Gipsgus; mit Zinksulsatlösung und ein solcher mit klupsersulsatlösung je in die beiden Schenkel eines U- förmige» Glasrohrcs eingegossen und in den erstercn ein Zinkdraht, in den letzteren ein Kupfer- draht gesteckt wird, welche nach Erhärtung der Gipsmassc in derselben scst- gehalten werden. 2. Aus mehreren Trockenelementen. Marx, Kapital,(i. Auslage, Seite 62, Note 54.) In der Ucbersetzung aus dem Englischen:„Unser Münzsystem war ursprünglich nur aus den Ge» brauch von Silber eingerichtet, daher kann zwar eine Menge>silbcr immer in eine bestimmte, adäquate Anzahl Goldstücke geteilt werden; da aber das Gold erst zu einer späteren Periode in ein Münzsystem eingeführt wurde, das nur aus Silber eingerichtet war, so kann eine Unze Gold nicht in eine adäquate Anzahl Goldstücke ausgemünzt werden." Maclaren, Geschichte der Währung. London 1858. S. 16.— Die Lücke, von der Sie reden, ist gedeckt. Sie kennen offenbar nicht: Karl Marx' ökonomische Lehren, gcmeinverständ- lich dargestellt und erläutert von Karl Kautsky. 4 Uhr Si>. Der Eisenbahnverkehr nach Tegel wurde im Herbst 1893 eröffnet. Von einem Unfall des ersten Zuges ist uns nichts bekannt.— Florian. Ja, und noch mehr.— H. A. 33. Wenden Sie sich an Herrn Eugen Simanowski, Hochstr. 46.— I. P. DaS erfahren Sie mit Leichtig- keit im Auskunstsburcau des Schlesischen oder Potsdamer Bahnhofs.— Petrus. Sie meinen den„Socialdemokral"; er hatte zwei Vorgänger gleichen Namens.— C. S. 41. Für 1. und 2. Abteilung Paul Singer. — 939 T. Frage ganz wiederholen.— C. K. Anfang 19 Uhr, Schlug 7 Uhr.— Aussig. 1. Broschüre uns nicht bekannt. 2. Später im juristischen Teil. 3. Wir haben die Adresse nicht.— Hautkrankheit. Sie konsultieren offenbar einen Arzt. Fragen Sie ihn also danach.— W. H. Für solche Zwecke ist der Briefkasten nicht eingerichtet. Machen Sie sich gesälligst selbst die Berechnung.— Antagonist. Gegner. juristischer Zeil. Sie jurlstifchc Sprechstiiudc findet täglich mit Ailsuahmc deS Soiuiabeuds bo»?'/, bis Uhr abends statt. Geöffnet! 7 Uhr. N. Eine solche Art der Beschästiaung ist möglich.—(k. B., Stolpe. Nicht entgangener Verdienst, sondern wohl die nach dem Gesetz dem Beamten zustehenden Neisegebühren sind berechnet. Wenden Sie sich an da das Gericht mit einer Anfrage oder Beschwerde, dann erhalten Sie über den BcrechnungsmoduS Bescheid.— Friedrichsfelde 8£. Das ist verschieden: eine Darlegung finden Sie S. 314, 315 in dem in den öffentlichen Lese- hallen auslicgcnden.Arbeiterrecht". Können Sie danach die Berechnung nicht selbst vornehmen, so wiederholen Sie Ihre Frage unter Angabe: wann der Betreffende geboren ist, welche Art Beschästigung er betreibt und wann er zuerst geklebt hat.— 3C. B. 100. Es gilt die gesetzliche Kündigungsfrist(sechs Wochen vor den; Ouartalsersten). — 784 B. T. 1. Schwerlich 2. Innerhalb einer Woche ist bei dem Gericht, das verurteilt hat, in Strafsachen Berufung einzulegen.— G. W. 130. ES muff abermals ein Sühnctcrmin stattfinden. Dann lassen Sie sich das Armenrecht bewilligen und reichen durch den Ihnen beigeordneten Anwalt die Klage beim Landgericht ein. Erscheint die Beklagte im Termin nicht, so müssen mindestens zwei Termine stattfinden. In der Regel dauert eine Ehe- scheidungsklage mindestens ein balbeSJahr.— H. M. 100. I.Ja. 2. Ein Jahr. — A. 2. Wenn die Vereinbarung dahin ging, Sie nehmen an allen Klaffen Teil, so steht Ihnen ein Anspruch zu.— 2. K., Rotterdam. Wer nach zurückgelegtem 31. Lebensjahr nach Deutschland zurückkehrt, kann nicht mehr in die Ferienkolonie gesteckt werden. Er kann, wenn er durch zehnjährigen Auscuthalt im Ausland seine Staatsangehörigkeit verloren hat, Wiederausnahme in einem deutschen Bundesstaate verlangen, wenn er sich hier niederläfft. Will er sich hier nicht niederlassen, sondern nur aus- halten, so kann er wie jeder Nichtdeutsche, inag er ein andres Heimatsrccht erlangt haben oder heimatlos sein, als„lästiger Ausländer" ausgewiesen werden. Etwa früher verwirkte Strascn sind vollstreckbar, es sei denn, das; Verjährung der Vollstreckung vorliegt.— M. M. 1000. Nein. — C. H.(Buchholzerstr.). Ja.—(£. H.(Turmstr). Gegen die Vcr- anlagung kann Ihre Frau bei der Gewcrbedcputation reklamieren; leider ist wenig Aussicht auf Erfolg. DaS Geld dient sür die JnnungSlasten.— Gölduer. Maßgebend ist§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.— C. B. 100. Wöchncrinnen-Unterstützung ist vom 1. Januar 1994 ab an Krankenkassenmitglieder, welche mindestens sechs Monate hindurch einer auf Grund des Gesetzes errichteten Kaste oder der Gemeinde-Krankenversicherung angehört haben, auf die Dauer von sechs Wochen nach ihrer Niederkunft zu gewähren. Außerdem kann durch Statut srcie Gewährung der Hebammendienste und eine ärzlliche Behandlung der Schwangcrschasts- Beschwerden sowie eine Unterstützung bis auf die Dauer von sechs Wochen auch während der Schwangerschaft beschlossen werden.— E. E. B. Ja. — N. M., Weidenweg 21. Die Impfung soll vor Abiaus des aus das Geburtsjahr folgenden Kalenderjahres ersolgen. Unterlassene Impfung kann erst strasbar werden, wenn sie trotz amtlicher Aufforderung unterbliebe» ist — W. B. 40. Wenn wirkliche Adoption vorliegt, so haben die Adaptiv» eltern sür das Kind zu sorgen und die hinterlegte Summe nur im Notfill sür das Kind anzugreisen.— A. S. 11. Es muß der nck» dürftige Unterhalt sür den Almientenpflichtigen und der stände- mäßige sür seine Familie bei Lohnbeschlagnahme wegen Alimentatiin sür ein außereheliches Kind belassen werden.— Zehntausend. Ii. — Rote. Bei der großen Ueberfüllung ist kaum Aussicht vorhanden. Jh:e Schwester kann aber einen Versuch machen. Sie müßte sich zunächst cn das Polizeipräsidium wenden, gelangt dann zum Vorcxamen beim Krei<» physikus, dann wird sie vornotiert, hat einen mindestens halbjährlich»! Kursus durchzumachen und kann als Hebamme erst dann und nur wem sie dann unter 39 Jahre alt ist, angestellt werden. Bei der großen Uebe:« füllung ist kaum anzunehmen, daß Hcbammenlustigc, die bei der erst« Meldung älter als 25 Jahre sind, ihr Zicl erreichen.— I. M. 42. Se haben nicht aus der bayrischen Unterthancnscligkeit auszutreten, sonder, lassen sich einen StaatSzugehörigkeits- Ausweis von der betreffenden Kreit- regierung erteilen und beantragen dann heim hiesigen Polize« Präsidium Ausnahme in den preußischen StaatSverband.— M« Ju Witterungsübersicht vom 35. November 1903, morgens 8 Uh:. Stationen L n Swinemdc. Hamburg Berlin ranks.a.M ünchen Wien i« i 761 WSW 762 SW 764 ISW 766 W 766 765 sW Weller 3heiter 3 bedeckt 2beiter 2 bedeckt 4 Regen 3 bedeckt »» m cS- WS: Stationen taparanda ctersburg Cork Aberdeen Paris 741 776 779 W N Wetter Lbedeckt 3hald bd. Ibedeckt öS c<» 5". Wfo -12 Wetter-Prognose für Donnerstag, den 20. November 1903. Ein wenig wärmer, vorherrschend wolkig mit leichten Regcnsällen und ziemlich lebhasten südwestlichen Winden. Berliner Wette rbureau. abliau zum Kochen und Braten sehr zu empfehlen, ganze Fiscbe ohne Kopf Pfund 18 PfH im Anschnitt Pfund 20�22 Pf. Bratflunder (Scholle) pro Pfund 20 Pf» pro 3 Pfund 50 Pf. Fernsprecher Amt III 8804. Wichtig für jede Hausfrau!!! Darstellung des Eiweissgebaltes, deneinnefMr«rk bei Fischen und Fleisch erhält. Nach den Untersuchungen über den Xilhrwert der Seelische von Prof. Dr. Lehmann, Güttingen. 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Feinster Tafelxander pro Pfd. 00-70 Pf. „ Seezungen pro Pfd. 75-11« Pf. „ liebende Hammer pro Pfd. 2,75-2,90 M. IT. Holländer Austen« pro Dtz. 1,8«— 2,0« M. Seemascheln pro 169 St. 75— 00 Pf. Ferner alle Arten geräucherte und marinierte Seefische sowohl wie Flussfische Kleine Wort fett, Worte mehr als Jm mL ML ML ML JA MMM ML 0 Am in de W Iß Buchstaben tählen doppelt. MA MA W& Anzbigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, der Ilauptexpedition Lindenstr. 69. bis 4 Uhr angenommen. sie rden (in JtM M Verkäufe. Garbinenhans Große Frankfurter straffe 9, parterre._ t37' vochvornehme Herrenanzüge. Winterpalctots, seinften Maßstossen herrührend, 18.99—33,99, Beinkleider 8—11 Mark, Deutsches Versandhaus, Jägcrstraße 63, 1 Treppe. 1938K» Herrenanzüge und Paletots, extra gute und chice Maßarbeit, Modell- fachen sehr preiswert. Julius Linden- bäum, Große Franksurterstraße 141, Ecke Fruchtstraße. 1975K* Totalausverkaiif. 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Stahl, Wollankstr. 67: C. Jngold. Prinz Eugcnstr. 24; A. Krause. SiemcnSslr. 28; A. Tchrödter, Gr. Hamburgerstr. 30a; E. Weise juu.. Wilmersdorf. 292/5» vlc liohnkomiulsslon. Achtung, Hcharbeiter! In der Möbeltischlerei von J. Kraus, Weistensee. Langhans- slraße 22, find Differenzen auS- cbrochen. Zuzug ist streng sernzu- alten. 88/11 Gesperrt ist ferner Halm 4fc Mctzkow. König-Chaussee 71. Tie Ortsvermaltung. BeranlworlL Redakteur: Julius Kaliski in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW