Ur. S?8. MtniKmtntS'Bedlngunfltn: RBonnemcntS- Preis prknumerando: SicrtcljAhrl. 3£0 Mk, rnona«. 1,10 Mk.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS, Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Vellage„Die Neue Weit- 10 Psg. Post. Abonnement: UO Mark pro Monat. Eingetragen in der Post-Zeitung». Preisliste für ISO» unter Nr.(WO!*. Unter Kreuzband für Deutschland und vesterreich. Ungarn- Mark, silr das übrige Ausland S Mark pro Monat. tfscheliii lagst» außer Istontagt. SO. Iahrg» Bit InftiDons'Gebfllsr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zcile oder deren Rauni 40 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VcrsammInngs.Anzeigen 20 Psg. „«leine Hnzeigen" jedes Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate sü« die nächste Nummer müssen bt» 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn, und Festtagen bis SUhr vormitttag» geSssncl. Devltner Volksblstt. Centralorgan der forialdemokratischen Partei Deutschlands. Zelegramm- Morest«: „SgdMulsItnt Rtrll»". Redaktion: 8Ll. 68, Lindenetraeac 69. Fernsprecher: Amt IV. Str. 1083. Expedition: 8 AI. 68, Lindenetraooe 69. Fernsprecher: Amt IV, Sir. 1984._ Der Kampf nms Rote Haus. Die Stadtvcrordileten- Wahlen der dritten Ab- teilung habeit dem Freisinn nicht in allen Bezirken, für die diesmal eine Ersatzwahl vorzunehmen war, die Nieder- läge gebracht, die er verdiente. Sie haben aber zu einer weiteren Schwächimg drS freisinnigen Besitzstandes gc- führt, und die Socialdemokratie hat eine weitere Vermehrung ihrer Mandate erreicht. Die Beteiligung an der Wahl war nicht sonderlich stark. Drei Wahlen in ein und deniselben Jahre, das erzeugt eine gewisse Müdigkeit; überdies war das Wetter so unfreundlich, daß mancher Wähler dadurch veranlaßt sein dürste, seine Pflicht nicht zu thun. Bis gegen l2 Uhr war noch wenig von der Wahl zu merken. Nur in den ivohlhabenden Stadtteilen wurde bereits in den Vormittags- stunden eine erheblichere Zahl von Stimmen abgegeben. Den ersten Ansturm auf die Wahllokale brachte, wie üblich, die Mittagszeit, bc sonders in den Arbeitervierteln. Nachher flaute die Beteiligung ivicdcr beträchtlich ab, aber als die Sonne sank, begann der zweite und stärkere Ansturm, der dann nach 7 Uhr seinen Höhepunkt er- reichte. Der Schleppdien st, den» sich eine große Zahl unsrcr Genossen mit gcivohnter Opferwilligkcit und Pflichttteue unterzogen, hatte schon zeitig begonnen und wurde bis zuletzt fortgesetzt. In mehreren Bezirken hatten wir ein leichtes Spiel, weil unsre Gegner entweder überhaupt keine Kandidaten mehr aufgestellt oder sich mit einer Zählkandidattir begnügt hatten. Hier herrschte in unsren PartciburcauS bis in den späten Nachmittag hinein ein Stillleben, das manchem kampfesfrohen Genossen fast zum Verdruß gereichte. ES wurden glatt gewählt: im Südosten die Genossen Singer und S t a d t h a g c n sitz, und 14. Bezirk), die diesmal ihre bisherigen Bezirke getauscht haben, iveil der 13. Bezirk einen Haus besitzer zu wähle» hatte; im Nordosten Schneider und Bruns <24. und 25. Bezirk), im Norden B 0 r g m a n n und A u g u st i n <37. und 47. Bezirk), im Nordwesten Ewald<43. Bezirk). Diese sieben Bezirke waren bisher in miserm Besitz und sind glänzend von uns behauptet worden. Das Gegenstück zu ihnen bilden die„Linden"- Gegend<2. Bc zirk), das„Hansa"-Viertcl<42. Bezirk) und die Potsdamer Vorstadt (5. Bezirk). Im 2. Bezirk kommt es wieder zu einer Stichwahl zlvischen Freisinn und Bürgerpartei. Wir haben aber mit unsrem Kandidaten Waldeck M a n a s s e einen recht bedeutenden Stimmen- zuwachs erzielt, während Freisinn und Bürgerpartei gegen 1307 beträchtlich verloren haben. In weiteren sechs Jahren sprechen Ivir uns wieder l Im 42. Bezirk hat Gcricke, der„König von Moabit", sich noch einmal gegen unsren Genossen Anders behauptet, hoffentlich zum letzten Male. Diesmal haben ihn die Biirgerparteiler, die hier, wie in vielen andren Bezirken, mit dem Freisinn gcmeinsache Sache machten, noch herausgerissen. Das nächste Mal soll ihn auch das nicht mehr retten! Im 5. Bezirk ist Genosse Werner in eine Stichwahl gegen den Freisinnigen Marggraf gekonnnen. Heiß u m st r i t t e n wurden die Bezirke der inneren Luisen- stadt, der Teinpelhofer Vorstadt, des Königsviertels, der Rosenthalcr und Oranienburger Vorstadt. Im 18. Bezirk sind wir mit unserm Kandidaten noch einmal dem Freisinn unterlegen. Im 17. Bezirk haben wir mit Kerfin eine» knappen Sieg errungen. Im 8. Bezirk ist Antrick gewählt; der Freisinnige Drenske hatte hier schon vor 6 Jahren nur noch mit Hilfe der Bürger- Partei durchgebracht werden können. Schöne Siege wurden im 28.. 31. und 39. Bezirk errungen, wo unsre Genossen K 0 tz k e, Schubert und Gründe! gegen die Freisinnigen Homann, Groß und Lcntz gewählt wurden. Herr Lentz, Hausagrarierfllhrer in Bcrlin-Nord, bezeichnete sich als„alleiniger Kandidat des gesamten Bürgertums", Herr Groß nannte sich auf einem roten, welcher Einnahme eine Ausgabe zu Prägekosten sc. in Höhe von 815000 M. (— 615 000 M.) gegenübersteht. Die fortdauernden Ausgaben be- tragen 571 382 605 M.<4- 22 664 005 M.); davon find Ausgaben für das Reichsschatzamt 697120 M.(4- 11080 M.), das Beamten- personal vermehrt sich u. a. uin_ einen vortragenden Rat, wogegen ein ständiger Hilfsarbeiter wegfällt. Die allgemeinen Fonds erfordern 16 228 185 M.(4* 10 811845 M.); neu erscheinen darunter 11500 000 M. zur Entlastung des ReichS-Jnvaliden- fonds von den Beihilfen an hilfsbedürftige Kriegsteilnehmer (Veteranenbeihilfe), entsprechend der vom Reichstag am 6. März 1901 au- genommenen Resolution, und 2835 M. als Beitrag des Reichs zu den Kosten der internattonalen Zuckerkommission. Die Neberweiiungen im dir Bundesstaaten betragen 553 931 000 M.(4- 11839 000 MO. und zlvar aus den Zöllen und der Tabaksteuer 372 779 000 M. (4- 17 851 000 M.), der Branntwein- Verbrmichsabgabc und dem Zuschlag dazu 106 400 000 M.(— 2 267 000 M.). den Reichsstempel- abgaben 74 752 000 M.(— 3 745 000 M>. Die Reichskommissariate erfordern 526 300 M.(4» 2080 M.) Die einmaligen Ausgabe» des ordentlichen Etats ketragen S00 M. s— 400 M.) für Rahon- «Uschädigungen, die des außerordentlichen Etats 15 000 M. zur Er- fchließung und zum Verkaufe des in Mainz und Kastel frei werdenden Festungsgelandes. Der ... allgemeine Pensionsfonds kiner gegen das Vorjahr unveränderten Einnahme von 10 7.0 M. eine Ausgabe von 70 941 119 M.(-f- 1255 879 SM.) nach, davon entfallen auf das Reichsheer 03 282 805 M.(4- 562 280 SM.) uud zwar auf Preußen 50 125 200 M. f-j- 353 300 SM.), Sachsen 4 208 830 SM.(+ 123 980 SD?.), Württemberg 2948775 SM.(+ 85000 SM.): out das Reichs-Militärgericht 14 490 SD?,(-f 10113 SM.: auf die !-)- 470 500 SM.); auf die Civilvcrwaltung �197 870 SD!, f-j- 140 980 SD!.), auf sonstige Bewilligungen iBeihilfen wr ehenialrge ftanzösische Militärpersonen und deren Hinterbliebene lc>0 000 M.(-s- 60 000 M). Die Ausgaben des .,. Reichs-Jnvalidensonds velausen sich auf 53121399 M.(-i-4117 050 M.). Davon gehen 11/3 Millionen Mark ab durch Uebernahme der Veteranenbeihilfen auf die allgemeinen Fonds im Etat des Reichs-Schatzamts. Der verbleibenden Ausgabe von 41 021 399 M. steht eine gleiche Ein- nähme gegenüber und zwar 8 835 000 M.(— 1 318 000"SD!) stinsen und 32 780 399 SM.(- 0 009 350 SM.) Kapitalzuschuß. Außerdem erichemt em zunächst aus ordentlichen Mitteln des Reichs gedeckter und daher diesem zu erstattender Betrag von 941225 SM. aus dem Rechnungsjahre 1902 nunmehr zu Lasten des ReichS-Jnvalidenfonds m Form eines nachträglichen Kapitalzuschnsfes. Der Etat für die Expedition nach Oftasien Weist an E i n n a h in c n des ordentlichen Etats auf 10 905 227 M. (— 21 101 SM.) als dritte Zinsrate der Entschädigung von China und 1 375 827 M. s— 458 609 SM.) an rückständigen Zinsen aus der Zeit vor dem 1. Januar 1902, an außerordentlichen Deckunqsmitteln o48 610 M.( r 21 000 SD!.) als dritte Tilgungsrate der Entschädigung und 7500 M. an Verkaufserlösen für entbehrliche oder unbrauchbare Gegenstände. Aus den Erläuterungen ist zu entnehmen, daß die von China an Deutschland zu zahlende Entschädigung sich am Schlüsse des Rechnungsjahres 1903 noch auf rund 274 130 091 M. belaufen wird. Die zu Lasten des außerordentlichen Etats zu verrechneirden Ausgaben find auf 14 109 712 M. 1 776 886 SM.) veranschlagt, davon entfallen auf die Verwaltung des Reichsheeres 12 590 712 M.(+ 3 257 886 SD!.), und zwar an einmaligen Kosten 500 220 SD!.(— 70000 SM.), an laufenden Kosten 12 090 492 SM.) (+ 327 886 SM.). In letzteren heißt es in den Erläuterungen: Die politischen Verhältuisse haben im Jahre 1903 eine wesentliche Verringerung 5er Besatzungsbrigade nicht ermöglicht. Im ganzen hat die Stärke der Besatzungsbrigade sich gegenüber der im Etat 1903 angegebenen um 1 Offizier, 4 obere Beamte, 3 SMann- fchaften und 243 Pferde usw. verringert und beträgt 110 Offiziere, 19 Sanitätsoffiziere. 47 obere Beamte, 12 untere Beamte. 2374 Mannschaften und 1105 Pferde usw. Im Scpteniber 1904 muß ein großer Teil der Mannschaften, deren Dienstverpflichtung zu Ende geht, abgelöst werden. Der Ersatz soll wie im Jahre 1903 so hoch bemessen werden, daß er zur Deckung des bis zur nächsten Ersatzgestellung zu erwartenden Abganges ausreicht. Abgänge kranker und tropendienstunfähiger Offiziere. Sanitätsoffiziere und Bcaniten sind berücksichtigt. Die Politik des guten Tones. Einen seltsamen Entschuldigungszettel für den Wahlverrat der Liberalen schreibt Professor Delbrück in den„Preußischen Jahrbüchern". Ganz richtig legt zunächst Prof. Delbrück dar. daß das reakiionärt Wahlresultat nicht eingetreten wäre,„wenn die liberalen Parteien sich hätten entschließen können, nach Ort und Umständen in einer Anzahl von Wahlkreisen mit den Socialdemokraten zu paktieren. Sie hätten, wenn das rechtzeitig, schon vor den UrWahlen geschehen wäre, den Konservativen wenigstens zwanzig bis dreißig Sitze, die sie jetzt inne haben, entrissen". Die liberale Politik war also verfehlt, sagt Professor Delbrück. Dann aber entdeckt er einen Entschuldigungs- grund für die politische Unreife der Liberalen, in dem wunderliche Naivität nnt ungerechten Beschuldigungen sich mischt. Die Liberalen mochten nicht mit der Socialdemokratie paktieren. Warum?„Nicht aus politischen Gründen, sondern weil ihnen die Gesellschaft, rund heraus gesagt, zu unverschämt und zu unanständig erscheint." Nun spricht der Herr Professor vom Dresdener Parteitag, ohne irgendwie ThatsächlicheS beizubringen, und dann will er aus feinen eigenen Erfahrungen als Wahlmann bei der Wahl in Teltow-Beeskolv-Charlottenburg die Berechtigung des liberalen Ab- scheus vor dem Bündnis mit der Socialdemokratie beweisen. Es wäre amüsant, wenn eS den deutschen Professor allzu sehr bloß stellte, was Herr Delbrück da erzählt: „In einen, Riesen-VergiüigungSfaale der Arbeiterstadt Rix- dorf drängten sich die 2606 Wahlmämier; auf der Bühne, allent- halben sichtbar, thronte der Wahlkommissar Landrat v. Stubenrauch. mit den Beisitzern, durch Ruhe und Nachgiebigkeit oder auch durch Zeigen von Schutzmännern und Vernnttelung des führenden„Gc- nassen" immer wieder die Ordnung, die durch Tumult gestört wurde, wiederherstellend: eine wahrhaft heroische Leistung, denn der Wahlakt dauerte von morgens 10 Uhr ununterbrochen die Nacht hindurch bis zum nächsten Morgen 7 Uhr. Der Grund dieser langen Dauer war aber nicht bloß die ungeheure Zahl der Wahlmänner in dem riesenhaft gewachsenen Kreise, sondern auch die absichtliche Obstruktion der Socialdemokraten. Man wußte von den Wahl- männern. zu welcher Partei sie gehörten, nach der bloßen Art ihres Auftretens. Da der Auftuf nach der Nummer geht, so wußte jeder Wahlniann, lvann er an der Reihe fei. Mitglieder der„Ordnungsparteien" standen an der Bühnentreppe bereit, waren sofort am Wahltifch und nannten ihre Kandidaten. Die „Genossen" saßen hinten im Saale im Gedränge, kamen langsam nach vorn, behielten den Hut auf dem Kopf, den Cigarrenftummel im Munde und nahmen eine möglichst flegelhafte Haltung an. „Und mit solchen Lümmeln soll man zusammengehen?" hörte ich inuner wieder bei solchem Anblick aus Gruppen von liberalen Wahlmännern, wo die SMöglichkeit, die Mandate auf diesem Wege den beiden Konservativen zu entreißen, allenthalben erwogen war und wurde.„Richtige Fortsetzung des Dresdener Parteitages!" hörte man an andrer Stelle.„Hier hat man o vor Augen, daß dort das Proletentum über die Akademiker in der Partei gesiegt hat."„Aber brutalisieren lassen wir uns nicht; dann mögen die Konservativen siegen, es sind wenigstens gebildete Menschen." Die Reaktionspresse nutzt die Darstellung des Herrn Delbrück eifrig aus und die liberalen Blätter haben einen neuen Eideshelfer gefunden für die Schuld der Socialdemokratie am Nichtzustande- kommen einer Wahleinigung; das„Berliner Tageblatt" erklärt auf Grund der Delbrückfchen Darstellung,„daß die Socialdeniokratie durch ihr unqualifizierbares Benehmen ein Zusammengehen mit ihr unnötig erschwert hat". Es ist nicht nötig, in Rixdorf gelvesen zu fein, um die Del- brücksche Darstellung als nichts besseres denn eine politische Kinderei sondergleichen einschätzen zu müssen. Erst erzählt Professor Delbrück selbst, daß die Leitung unsrer Partei für die Ordnung im Wahl- verfahren mit Sorge getragen habe. Dann aber die furchtbaren Sünden der socialdcmokratischen Wahlniänner I Sie haben absichtliche Obstruktion betrieben. Ja, hält denn Pros. Delbrück eine Obstruktion gegen das elendeste der Wahlsysteme für eine politische Todsünde? Ist eS ein Verbrechen, ein wenig den Nachweis zu führen, daß das preußische Wahl„recht" eine Infamie ist, ein Wahlrecht gegen das Wählen? Ein solcher Nachweis ist gewiß mit persönlichen Un- bequemlichkeiten verbunden, nicht nur für die Gegner, denen sie bereitet werden sollen, sondern auch für diejenigen, die sie bereiten. Aber ist eS Ausgabe der Liberalen, den Jammer des Dreiklassen-Wahlsystems zu mildern? Die erschreckliche Obstruktion jedoch war nicht die erfolg- reichste Erregcrin liberalen Zornes. Noch furchtbareres trug sich zu. Wahlniänner sollen bei der Abstimmung den Hut aus dem Kops, die Cigarre im Munde behalten und„eine möglichst flegelhaste Haltung" angenommen haben I Warum hat Herr Delbrück nicht gesorgt, daß diese denk- würdigen Scenen socialdemokratischer Vcrruchtheit photographisch festgehalten wurden? Zwar sagt der Herr Professor hintennach selb von den Vorkommnissen, die er als unangenehm enipfand:„Was zu Tage kam, war schließlich der Trotz, der sich gegen Unterdrückung auflehnt und die Gelegenheit dazu wahrnimmt, wo er sie findet." Und dennoch belastet sich der Professor durch das unendlich kleinliche Verfahren, in eine politische Aktion von größter geschichtlicher Bedeutung die erschreckliche Thatsache hineinzuziehen, daß einige Wahlmänncr angeblich nicht allen Regeln bürgerlicher Salonkorrektheit gewachsen gewesen seien. Der Herr Professor, der den Liberalen politische Unreife vorhält, beweist den eignen Reifegrad, indem er die politische Unreife der Liberalen und ihren folgen- schweren Verrat im Kampfe gegen die Reaftion entschuldigt durch den Cigarrenftummel. der im Munde eines socialdemokratischen WahlmanneL gesehen worden sein soll. Wenn liberale Zeitungen diesen kuriosen Entschuldigungszettel des Professors Delbrück sich zu eigen machen, so leisten sie damit nur einen neuen Beweis liberaler Unfähigkeit. Man läßt lieber die Reaktion triumphieren als daß man einige belanglos äußerliche Unkorrektheiten übersieht. Erst wenn die Socialdemokraten gelernt haben werden, den Hut vom Kopf zu nehmen und säuberliche Ver- veugungen vor dem Landrat zu machen, werden die Liberalen und Herr Delbrück sie als würdige Kampsgenossen gegen die Reaftion anerkennen! Schließlich hat Herr Delbrück, durch Cigarrenftummel und„flegel- haste Haltungen" hypnotisiert, das einzig Entscheidende übersehen, daß die Liberalen lange vor Rixdorf zum Verrat völlig bereit waren. Schon in derHauptwahl haben sieimKreiseTeltow-Beeskow-Charlotten- bürg wie in andren Kreisen sich selbst zahlreiche Wahlmänner-Erfolge ver- scherzt, indem sie der Socialdemokratie jede Gegenseitigkeit verweigerten. Es ist ein groteskes Unternehmen, die Liberalen durch Anschuldigungen gegen die Socialdemokratie entschuldigen zu wollen, da auch Herr Delbrück weiß, daß der Liberalismus in weit überwiegender Zahl schon seit dem ersten Beginn der Landtags- Wahlkämpfe sich ent- schloß, lieber die Reaktion zu stärken, als der Socialdemokratie Mandate zu überlassen, der Socialdemoftatie, die so„unverschämt und unanständig" war, den Liberalen aus der ganzen Linie hilfreich zu sein, wenn ihr nur im geringsten ihr gutes Recht würde. Aus dem Artikel des Professor Delbrück sei übrigens noch die interessante Mitteilung citiert, daß gerade im Wahlkreise Charlotten- bürg eine größere Anzahl von Professoren bereit tvar. an die Spitze zu treten, um durch Zusammenfassung der gesamten Linken den Konservativen die Mandate zu nehmen. Zu den Professoren, die hier erwähnt werden, gehört, wie ver- lauter neben Delbrück und Schmoller Professor Pfleiderer. Pro- fessor Schmoller hat sich mittlerweile in einem sächsischen Blatte da- gegen verwahrt, daß er„lebhaft für ein Kompromiß mit den Socialdemokraten agitiert" habe. Er sei krank gewesen und habe an keinen Verhandlungen in der Wahlsrage teilgenommen. Doch unter gewissen Umständen sei er allerdings dafür gewesen, mit den Socialdemokraten im Kreise Teltow-Beeskow darüber zu ver- handeln, daß ein liberaler und ein socialdemokratischer Kandidat ausgestellt werde. Lebhast eingetreten sei er niemals für das Kompromiß; das sei erfundener Klatsch. Der tapfere Herr Schmoller I Es wäre auch allzu furchtbar, wenn der Herr Professor„lebhast" gegen die konservative Dreiklasscnwahl-Reaktion eintreten würde. Dentfekett Reich. Konservative Wahlfälschung. Andauernd sammeln sich die Nachrichten von konservativen Wahl- beeinflussungen und Wahlfälschungen an. Natürlich unterschlägt die „Ordnungs"presse solche Vorkommnisse und zieht es vor, ohne that- sächliche Belege über Wahlverfehlungen andrer zu schmähen. Aus Jüterbog wird ein interessanter Fall gemeldet, den wir der„Post" und der„Kreuz-Zeitung" empfehlen. Bei der letzten Reichstagswahl, so wird der„Volks- Zeitung" berichtet, wurde in Grüna bei Jüterbog eine Stimme für den social- demokratischen Kandidaten Ewald in der Wahlurne vorgefunden. Diese unerhörte Thatsache veranlaßte ein Mitglied des W a h l v o r st a n d e s. die kurz darauf stattfindende Stichwahl zu kontrollieren, um den„Uebelthäter" heraus- z u f i n d e n, der socialdemokratisch gewählt habe. Es wurde eine Liste angefertigt, in die die Wählenden der Reihe»ach eingetragen »vnrde». Die Wahlcouverts wurden der Reihe nach sorg- sältig auseinandergelegt, und so fand man beim Oeffnen der Couverts richtig das vermeintliche räudige Schaf. Der Wähler, der den verpönten Stimmzettel abgegeben haben sollte, widersprach indes der Behauptung, daß er socialdemokratisch gewählt habe. Er faßte die Vorwürfe eines Mitgliedes des Wahlvorstandes als Be- leidigung auf und reichte die Beleidigungsklage ein. In der Schöffen- gerichtsverhandlung legte sogar, zum Beweise, daß ein Irrtum aus- geschlossen sei, der Beklagte die ominöse Li sie zum Gaudium der Zuhörer auf den Gerichtstisch! Die Bemerkung des Vorsitzenden:„Das nennen Sie wohl geheime Wahl[" erregte berechtigte Heiterkeit. Das Schöffengericht erachtete es trotz des schlauen Manövers des Beklagten nicht für erwiesen, daß der Kläger socialdemokratisch gewählt habe und erklärte den Beklagten der Beleidigung für schuldig. Der Fall komplizierte sich aber dadurch, daß der Kläger bei einem Rencontre mit dem Beklagten die Aeußerung gethan hatte: Wenn in einem Wahlcouvert ein socialistischer Stimmzettel gefunden ioorden sei. so müsse ihn einer der Herren vom Wahlvorstand hineingelegt haben. Hierin erblickte das Schössen- gericht gleichfalls eine Beleidigung, so daß beide Beleidigungen gegen- einander ausgerechnet wurden. Es trat Kompensation mit der Wirkung ein. daß jeder der beiden Parteien die Tragung der Hälfte der Kosten auferlegt wurde. Die schöffengerichtliche Klagesache ist für die Oeffentlichkeit be- langloS, um so wichtiger ist die Feststellung eines Verfahrens bei der Wahl, daS d i e s ch w e r st c P f l i ch t v e r l e tz u n g des Wahl- Vorstandes bedeutet. Dieses Verfahre» ist aber auch strasgesetzlich zu ahnden. Der Wahlvorstand hat im Wahlprotokoll zu bekunden, daß die Wahl entsprechend den gesetzliche» Bestimmungen erfolgt ist, wozu ins- besondere gehört, daß die Geheimhaltung der Sttmmenabgabe durch- geführt wurde. Vollführte der Wahlvorstand diese Bekundung, während er weiß, daß sie unwahr ist, da er selbst das Wahlgeheimnis durch- brach, so hat er sich der Urkundenfälschung schuldig gemacht. Die Staatsanwaltschaft de? zuständigen Gerichts ist genötigt, ein entsprechendes Versahren gegen die Wahlfälscher und Urkundenfälscher einzuleiten.—_ Verdientes Lob. Ter Schmähartikel der„Vossischen Zeitung" gegen den„Vorwärts" und die Socialdemokratie, den lvir gestern kennzeichneten, hat das verdiente Lob bei der—„Kreuz-Zeitung" gefunden. Diese ist entzückt, auf ihren Reakttonspfaden das liberale Blatt folgen zu sehen: „Die„Vossische Zeitung" ist jetzt endlich auf einem Stand- Punkt angelangt, den die Konservativen bereits seit einer Reihe von Jahren vertteten haben. Früher hat man allerdings auf die Mahnungen, die von diesen an die Freisinnige!- gerichtet wurden, nicht hören wollen, da man auf die Hilfe der 'Socialdemokratie gegen die Konservativen nicht verzichten wollte. Wir freuen uns ausrichtig, daß d i e„ V o ssis ch e Z e i tun g" wenigstens jetzt die Socialdemokratie erkannt hat. Vielleicht geht sie noch einen Schritt weiter und prüft das Verhalten, das ihre eigne Partei früher gegenüber den Konservattven und der Staatsregierung beobachtet hat. Sic wird dann finden, daß die Art des Kampfes gegen„Pfaffen und Junker", gegen die „Agrarier" und gegen die in der Regierung angeblich maß- gebenden Kreise sich von derjenigen, die jetzt der Socialdemoftatie mit Recht zum Vorwurfe gemacht wird, nicht wesentlich unter- schieden hat." Die„Vossische Zeitung" und ihre Partei werden kein sehnlicheres Ziel kennen, als in jedein Stück der aufrichttgen„Kreuz-Zeitungs"- Freude würdig zu werden.— Verlegte Wissenschaft. An der Spitze des letzten November- Heftes der„Mitteilungen der Jnternattonalen Vereinigung für ver- gleichende Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre" findet sich folgende interessante Mitteilung: „Ordentliche Sitzung am Donnerstag, den 20. November 1903, abends 7>/.z Uhr, im Künstlerhause, Bellevuestr. 3, Saal parterre links. iAus Wunsch unsrcs Mitglieds, Seiner Hoheit des Herzogs Johann Aldrccht zu Mecklenburg, welcher an der Sitzung teilnehmen wird, ist dieselbe statt aus den 23. November auf den 20. November dieses Jahres verlegt worden.)" Folgt Tagesordnung je. Die Leitung der Berliner Abteilung der Jnternattonalen Ver- einignng verlegt seine Sitzung natürlich nur in Anerkennung der außerordentlichen Bedeutung, welche die Anwesenheit der mecklen- burgischen Hoheit für die Wissenschaft hat. Darum mutz das Er- eignis auch geraume Zeit vorher angekündigt werden und es scheint, daß ohne die Hoheit die Tagesordnung unmöglich wäre. Es ist nur gut, daß die Wissenschaft nicht die Ehre allzu vieler Hoheiten, Fürsten und dergleichen hat. Sonst könnte es ihr gc- schehen, daß sie in folgsamer Anpassung an sämtliche Verlegungs- wünsche selbst verlegt würde.— Der„Post" gegenüber, die aus den preußischen Landtagswahlen die Lehre zieht,„daß an dem preußischen Dreiklassen-System mit öffentlicher Abstinimung unbedingt festzuhalten und eine Reform des RcichstagS-Wahlrechts im selben Sinne in Angriff zu nehmen ist", wollen wir noch die Worte Bismarcks aus der Reichstagssitzung sNorddcutscher Bund) vom 23. März 1807 etwas ausführlicher ab- drucken. Es handelte sich um die Bestimmungen für das Reichstags-Wahlrecht.„Was, ruft Bismarck, was wollen denn die Herren... andres an deren Stelle setzen? Etwa das preußische Dreiklassensystem? Ja, meine Herren, wer dessen Wirkung und die Konstellation, die es im Lande schafft, etwas in der Nähe betrachtet, muß sagen, ein widersinnigeres, elenderes Wahlgesetz ist noch nicht in irgend einem Staate ausgedacht worden... Wenn der Erfinder dieses Wahlgesetzes sich die praktische Gestaltung vergegenwärttgt hätte, hätte er es nicht gemacht". Hier hat der große Menschenvcrächter Bismarck die heutigen Konservativen doch noch überschätzt. Sie wollen das Ividersinnigste, elendeste Wahlgesetz im Reich einführen, obgleich sie dessen prakttsche Ge- >taltung durch und durch kennen— oder gar weil sie sie es kennen?— Kunst, Socialdemokratie und Klassenstaat. Scharfmacherische Blätter verkünden zur Zeit wieder einmal die uralte Entdeckung, daß sich die Kulturfeindlichkeit des Socialismus in seiner Kunstfeindschast offenbare. Ein Artikel des Tübinger Professors Konrad Lange über das Verhältnis der Social- demokratie zur Kunst im letzten Heft der„Zeitschrift für Social» Wissenschaft" bietet z.B. der„Post" Veranlassung zu der Be- hauptung,„daß das socialdemoftatische Urteil in künstlerischen Dingen allein�von der socialistischen Tendenz eines Kunstwerkes abhängt." Die Beurteilung erfolge unter Gesichtspunkten,„wie sie banausischer und engherziger nicht denkbar sind". Und dann folgt der vernichtende Haupttrumps:„Das eröffnet nette Aus- sichten für die Freiheit der Kunst, welche im Zukunftsstaate zu erwarten sein würde." Uns mit Herrn Professor Lange auseinanderzusetzen, ist hier nicht der Ort. Auch das thörichte Geschwätz der„Post" würden wir ignorieren, wenn die„Post" nicht in derselben Notiz, in der sie sich der durch die Socialdemoftatie bedrohten„Freiheit der Kunst" so ritterlich annimmt, selbst den Beweis dafür lieferte, wie es um die Freiheit der Kunst im Klassenstaat aussieht. Die kindische Vcrlenmdung, daß die Socialdemoftatie Kunstwerke engherzig vom Parteistandpunkte aus beurteile, wird am wirk- samstcn durch allbekannte Thatsachen widerlegt, durch die künstle» rischen Veranstaltungen der durch die von den Socialdemokraten geleiteten Volksbühnen jc. Neben den Werken moderner Dichter, die Kunstprobleme behandeln, neben Björnsons„Ueber unsre Kraft" oder Hauptmanns„Webern" gelangen Werke von Shakespeare und andren Klassikern zur Aufführung, denen man beim besten Willen eine socialistische Tendenz nicht wird nachsagen können. Auch bei Beethoven, Schubert, BrahmS wird man vergeblich dieser Tendenz nachspüren. Mit der kritischen Beurteilung künstlerischer Werke steht es nicht anders. Daß die socialdemokrattsche Krittk aber gerade Werke, in denen der Atem eines modernen Geistes weht, herunter- reißt, wird ja wohl selbst die„Post" nicht verlangen, so weit eS über ihren geistigen Horizont gehen mag, zu begreifen, daß jede echte Kunst im ttefften Wesen des Geistes einer jeden Epoche wurzelt. Wahrhaft grotesk ist es aber, daß die„Post" in ihrem Artikel ein paar Zeilen hinter ihrer Verhöhnung des socialdemokratischen Banausentums vom Klassenstaat fordert, alle Kunst in Polizei» e s s e l n zu schlagen, die nicht die kapitalistische Ausbeutungswirt- ichaft verherrlicht: „In allen diesen Punkten, die in dem erwähnten Aussätze ein- gehend verfolgt und ins einzelne erweitert werden, verdienen die Ausführungen Professor Langes entschiedene Zustimmung. Wenn er aber meint, eS sei ganz gefahrlos für den Staat, jedwede Kunst sich völlig frei entwickeln zu lassen. auch die revolutionäre, da in der Kunst in unserm modernen Staatsleben nur ein Ventil zu erblicken sei. durch das die gefährlichen Dämpfe, die sonst infolge ihrer ge- steigerten Spannung den Staatskessel sprengen könnten, einen Ausgang fänden, so kann dem nicht bedingungslos zugestimmt werden.... Gerade auf dem Gebiete der K u n st können im Volke lebendige Bestrebungen politischer Art mächtig gefördert werden.... So vermögen tendenziöse Bühnenwerke auf, reizenden Inhalts den Geist vorhandener Unzufriedenheit wohl schüren und verbreiten zu helfen. Es liegt also oft sehr wohl im Interesse derStaatsraison, unter Umständen die Vorführung oder Verbreitung eines ausreizenden Bühnenwerkes oder Romanes zeitweise oder ganz zu verbitten, wenn auch eine zu engherzige Censur in dieser Beziehung thunlichst zu vermeiden ist, weil Mißgriffe der Staatsautorität auch nicht förderlich zu sein pflegen......... Der Geist der lex Heinze feiert hier seine fröhliche Auferstehung! Mit dem Polizeibüttel wird man aber im Zukunftsstaat die Kunst schwerlich knuten! Doch noch ein andres Beispiel für die staatserhaltende Toleranz unsres Klassenstaates in künstlerischen Dingen. Im Flensburger Stadttheater wurden am letzten Sonntag Hauptmanns „Weber" aufgeführt. Darüber entrüstet sich die„Nord» deutsche Allgemeine Zeitung" folgendermaßen: „Unsre gegenwärtige Zeit ist wahrlich nicht danach angcthan, derartigen socialistischen Z ü n d st o f f von der Bühne aus in die große Masse des Volkes zu werfen. ES ist das um so bedenklicher, als in diesem sowohl in Bezug auf die Zeichnung der einzelnen Charaktere, wie auf die scenischen Vorgänge mit unzweifelhaftem Geschick komponierten, aber bis in seine letzten Atemzüge hinein revolutionären Stück ein Trugbild von der Verknechtung und.Unterdrückung der Arbeiter geliefert wird." Also auch hier der flehentliche Ruf nach der Censur, nach dem Einschreiten der Polizei! Und das wagt der Socialdemokratie künstlerische Intoleranz borzuwerfen!— Hüssener aus dem Offiziersstande entfernt. 9hm ist doch noch nachgeholt worden, was das Kriegsgerichtsurteil gegen Hüssener unbegreiflicherweise auszusprechen versäumt hatte: der Marinefähndrich Hüssener ist aus der Armee ausgestoßen worden. Es wäre auch geradezu ungeheuerlich gewesen, wenn einem Menschen wie Hüssener, dem seine Vorgesetzten jede Fähigkeit der Selbstbeherrschung ab- sprachen, späterhin noch eine Disciplinargewalt über Untergebene eingeräumt worden wäre. Hätte man Hüssener, wozu nach seinen Charaktereigenschaften und seiner Führung alle Veranlassung vorlag, schon ftüher von der militärischen Laufbahn ausgeschlossen, so wäre die furchtbare Essener Blutthat verhütet worden. Ob man daraus eine Lehre ziehen und ähnliche Charaktere beizeiten ausmerzen wird? Als unbegründete Legende stellen die„Hamburger Nach- richten" die Behauptung des Kurators der Bonner Universität b. Rottenburg dar, daß seiner Zeit Bismarck den Gedanken eines spanisch-deutschen Krieges verworfen habe, weil Caprivi damals das militärische Gutachten abgegeben habe, daß Spanien nicht im st an de sei, ernsthaften Wider- stand zu leisten. ,,ä vaincre sans peril un triompho sans jZoire"— zu siegen ohne Gefahr sei ein Triumph ohne Ruhm— habe Bismarck damals erklärt. Das ehemalige Organ des Nörglers im Sachsenwalde nimmt den Reichs- Heros gegen diese Beschuldigung politischer Noblesse energisch in Schutz. Die Kriegserkläruug sei vielmehr unterblieben, weil der Krieg„bei der Hartnäckigkeit der Spanier und bei der Schwierigkeit einer Landung und eines schließlichen Marsches auf Madrid immerhin eine zweifelhafte Sache" gewesen wäre und außerdem die Handelsverbindungen mit Spanien unterbrochen hätte. Wir können also beruhigt sein, Bismarck hat nur als Real- Politiker und nicht in einer bei ihm auch unbegreiflichen ritterlichen Anwandlung gehandelt. Deutschlands auswärtige Politik war da- malS durchaus die gleiche, wie heute: mit Venezuela, Haiti oder Sansibar bandelt man an ohne die Skrupel:„ä vaincro sans peril un triomphe sans gloire"; gegen einen minder wehrlosen Gegner wappnet man sich stnit einer um so dickeren Haut der Nuempfindlichkeit. Zur Affairc des Pastors Jakobsen wird„Hejmdal" aus Scherrebeck berichtet, daß infolge einer mehrtägigen Vernehmung in der Angelegenheit des in Konkurs geratenen Nordseebades L a k o l k auf Röm die ehemaligen Geschäftsführer Pastor Jakobsen, der jetzige Hotelbesitzer Lassen, Kaufmann I. C. Schmidt, der frühere Kaufmann P. Petersen und Gast- wirt Olußen, sämtlich in Scherrebeck, am Donnerstagmittag auf Anordnung des Untersuchungsrichters verhastet bezw. wiederverhaftet worden sind. Wie der„Hejmdal" ferner aus Tondern erfährt, wurde am Freitagvormittag der Redakteur Thamssen von der „Tondern schen Zeitung", Gesellschafter der Gesellschaft Nordseebad Lakolk, ebenfalls verhaftet.— Sachsen-Weimar, 26. November. Bei den heute stattgefundenen Abgeordnetenwahlen zum Landtage wurden, entsprechend dem Resultat der Wahlmänner-Wahlen, in Apolda der Genosse B a u d e r t und in Ilmenau der Genosse N e i d t wiedergewählt. In Allstädt unterlag der Genosse Fischer-Weimar mit einer Sttmme Minorität. Die Freisinnigen haben bis jetzt ein Mandat verloren. Ein Teil der Wahlen findet erst in den nächsten Tagen statt.— Eine hübsche politische Anekdote. Man schreibt uns aus Baden: Durch die Verbannung des Freiherrn v. Neubronn aus dem Olymp des Badischen Ständehauses, aus der so alter- tiimlichen Herrenkammer, wird der Name dieses jovialen Adelsherrn und Präsidenten des Grotzherzoglichen Ober-Landesgerichts wieder in verschiedenem Zusammenhang genannt. Kein Zweifel, der Ge- ächtete findet in dieser Verbannung aus dem Reiche des von- der Huld des Landesvaters erkorenen Pairsparlamentes keine Schmälerung seines Ansehens. Denen, die sich ihm zur Kondolenz nahen, mag er den heiteren Sinn wieder verleihen durch die Er- zählung einer Anekdote, die im Lande seit einem Vierteljahrhundert öfters zum besten gegeben wurde, namentlich in der Kammer selbst. Ein altes badisches Adelsgeschlecht französischen Ursprungs, das dem Aussterben nahe ist, setzte seine schönste Hoffnung auf die Karriere eines Sprößlings, der in seiner körperlicher Erscheinung ein gigantischer Baron war. Obschon die geistigen Fähigkeiten nicht in entsprechender Weise bei ihm vorhanden waren, mußte sich der Baron dem Srudium der Jurisprudenz ergeben, um eventuell die diplomatische Laufbahn in zweiter Reihe zu ergreifen. Wie ibm Freund und Feind mit wohlwollender Offenheit vorausgesagt hatte, so kam es am Ende der langen, mühsam durchbrachten Studienzeit: die Prüfungs-Kommission im Justizministerium zu Karlsruhe hatte ein ungenügendes Verständnis für die wissenschaftliche Befähigung deS Trägers eines tadellosen Adelsnamens. Die Promotion wurde dankend abgelehnt und das Mitglied der Prüfungskommission, Freiherr v. Neubronn, damals wahrscheinlich noch Oberstaatsanwalt, bekmn den Auftrag, dem unglücklichen Kandidaten der Rechts- gelehrtheit sein Los schonend mitzuteilen. Der adlige Herr— so lautet die sagenhafte Dichtung— trat zu seinem Ritterschafts- kollegen mit der liebevollen Miene eines Onkels, klopfte ihm auf die Schulter und sprach:„Freue Dich, lieber Neffe Franzele, Du hast die Qualifikation zum Mitglied der Ersten Kammer erbracht, ich gratuliere Dir!" Majestätsbeleidigungs- Prozesse. Der Königs mord in Serbien wurde für den Maler Josef Huber in P a s s a u der- hängnisvoll. Als seiner Zeit im Wirtshause die Ermordung des Königspaares besprochen wurde, machte er in der Betrunkenheit eine Bemerkung über den Kaiser, die nicht wiedergegeben werden kann. Diese Aeußerung wiederholte er am andern Tage in noch schärferer Form. Der Maler erhielt vom Gericht fünf Monate Gefängnis. Wegen Majestätsbeleidigung stand vor der Strafkammer in Bonn der Maurer Johann Häseling aus Duisdorf. Er sollte, nach einem Bericht der„Frankfurter Zeitung", mit Bezug auf den Kaiser einen beleidigenden Ausdruck gebraucht haben. Die Verhandlung ergab, daß Häseling, der in der Fremdenlegion gedient hat, in an- getrunkenem Zustand auf der Kirmeß in einer Wirtschast den erstaunten Bauern französische Lieder vorgesungen und erzählt hatte, in welchen Ausdrücken man von Bismarck und dem Kaiser bei den Franzosen rede. Eine alte Bäuerin, die den Hergang nicht recht verstanden hatten, erstattete darauf Anzeige. Der Ver- treter der Anklage' hielt selbst für den Fall der bloßen erzählenden Wiedergabe einer solchen Aeußerung eine Majestäts- beleidigung für voruegend und beantragte drei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte aus der ganzen Sachlage auf Freisprechung und hob den gegen Häseling erlassenen Haftbefehl auf. Wegen Nachdruck eines Schloßentwurfs hatte Herr Kommerzien- rat E n g e l h o r n in Stuttgart gegen den verantwortlichen Redakteur . unsres Blattes Strafantrag' gestellt. Herr Kommerzienrat Engelhorn hatte das Urheberrecht an dieser Zeichnung erworben— eine That- jache, die uns bei unsrer Veröffentlichung selbstverständlich unbekannt gewesen ist. Nach einer Klarstellung dieses Zusammenhanges zieht Herr Kommerzienrat Engelhorn seinen Strasantrag zurück. Der „Vorivärts" übergiebt Herrn Kommerzienrat Engelhorn dreihundert Mark, die er dem„Unterstützungsverein deutscher Buchhändler und Buchhandlungsgehilien" überweisen wird. Ferner übernimmt der „Vorwärts" die dem Antragsteller bisher erlvachsenen Kosten.— Hueland. Oestreich-Ungarn. Abgeordnetenhaus. Der Präsident spricht unter Hinweis auf die g e st r i g e n T h ä t I i ch k e i t e n in der Parlamentshalle das tteffte Bedauern darüber aus, daß drei czechisch-radikale Abgeordnete sich zu einer unqualifizier baren Hand- lung hinreißen ließen. �Stürmische Protestrufe der Czechisch- Radikalen.) Abgeordneter Klofac verlangt die Einsetzung eines Mißbilligungsausschusses über die Er- klärung des Präsidenten und betont, daß er nur Zeuge der gestrigen Seenen war. Der Präsident lehnt das Verlangen Klofacs ab, da er nur in Ausübung seiner Disciplinar- g e w a l t gesprochen habe. Hierauf beantragt Abg. P l o j namens des Mißbilligungsausschusses dem Abg. Stein wegen des den Abg. Fresl beleidigenden Zurufes die Mißbilligung auszusprechen. Nach längerer Debatte, in der Abg. Stein zugicbt, mir der Charaktcri- sierung der Handlung des Abg. Fresl als Uhrendiebstahl zu weit gegangen zu sein, und von der Mitnahme eines Andenkens aus dem Belgrader Konak spricht, während Abgeordneter FreSl auf das bestimmteste erklärt, daß er beim Besuch des KonakS über- Haupt nicht irgendwelchen wertvolleren Gegenstand habe mitnehmen können, beschließt das Haus die Mißbilligung auszusprechen. Sodann wird die Debatte über die Erklärung des Mimsterprüsidenten v. Koerber fortgesetzt.— Frankreich. Abermals das Schiedsgericht. Ungeachtet des nicht allzu verheißungsvollen Ausganges, den die Schiedsgerichts-Debatte in der französischen Kammer hatte, war die Schiedsgerichts-Jdee am Donnerstag abermals der Gegenstand aller- Hand mehr oder minder platonischer Sympathie-Erklärungen. Zu Ehren der in Paris anwesenden englischen Parlamentarier fand ein Festmahl statt, an dem Ministerpräsident C o m b e s und gegen 250 französische Parlamentsmitglieder teilnahmen. Ministerpräsidem C o m b e s hielt eine längere Rede. in welcher er die internationale Versöhnung feierte, die der am 14. Oktober abgeschlossene Vertrag zwischen Frankreich und England soeben bestättgt habe. Combcs begrüßt Frederic Passy, welcher fein Leben dem Triumphe des Friedens geweiht habe, und dankt allen denen, welche an dem Werke des schiedsgerichtlichen Ver- fahrcns mitgearbeitet haben. Der Minister schließt mit dem Hinweis, daß Vertreter aller Parteien sich zu der Begrüßung vereinigt hätten, um zu beweisen, daß wenn auch in Paris wie in London Spaltungen herrschten, Frankreich sich doch zu einigen wisse. Der heutige Abend verwirkliche einen Traum, wie man es vor mehreren Jahren sür unmöglich gehalten hätte. Berthelot giebt einen historischen Rückblick über das Zustandekommen des Werkes des Schieds- gerichts, indem er seine Zuversicht ausspricht, daß die Vereinigten Staaten, Holland, Belgien, die Schtveiz, Schweden, Dänemark und die Kleinstaaten sich alsbald dem Grundsatze des schiedsgerichtlichen Verfahrens anschließen würden, das notwendig sei, um eine Ab- rüstung zu ermöglichen. Jan vier erinnert an die Kämpfe zwischen den beiden Völkern; die Mißverständnisse seien jedoch beseitigt und Freundschaft geschlossen, die dahin ziele, jedem Konflikte vorzubeugen. Diese Freundschaft bezwecke auch nicht eine egoistische Vereinigung. sondern eine große europäische Alliancc. Zum Schluß kommt Redner auf die Abrüstung zu sprechen. Lord Avebury spricht darauf über die großen Ausgaben, die die Rüstungen erforderten und bedauert, daß diese Ausgaben nicht besser für den Handel und die Industrie verwendet würden. Ministerpräsident C o m b e s erklärt alsdann seine Zustimmung zu den Wünschen der Parla- mentarier nach einem internationalen Schiedsgericht. Seit Ab- schaffung der Sklaverei habe nichts die Mithilfe edler Menschen mehr verdient als diese Idee. Ein Schiedsgerichtsverttag lege Reserven auf und erfordere zu seiner Durchführung viel Zeit. Den Friedensfreunden komme es zu, in unermüdlicher Propaganda an der Erweiterung eines solchen Vertrages zu arbeiten. Nach einer Ansprache Deschanels, welcher erklärte, die gegenseitigen Besuche seien ein heilsames Gegengift gegen das Mißtrauen, das zwischen den Völkern bestehe, feiern Sir W. H. Houldsworth und Lord Brassey die Einigung der Völker. Italien. Finanzschwicrigkcitcn. Mit großer Spannung wird das Finanz- budget erwartet. Nach den Mitteilungen ministerieller Blätter, ist für die nächste Finanzpcriode ein Deficit zu erwarten und man befürchtet, daß man wieder in eine Aera des Dcficits hinein geraten wird. Dabei werden in der Kammer größere Forderungen zum Zwecke der Aufbesserungen der Lehrcrgehälter gefordert werden. Erweisen sich dicfe Angaben als richtig, so würden dem Ministerium Giolittis, das so schon keinen festen Halt hat, neue Schwierigkeiten erwachsen.—_ Unerhörte Brutalität russischer Offiziere. Rom, 25. November.(Eig. Ber.) Dem„Avanti" wird aus Spezia jNorditalien) geschrieben, daß das im dortigen Kriegshafen verankerte russische Kriegsschiff„Aurora" gestern beim Präfekten von Spezia anftagte, ob es in dem dortigen Hafen eine Disciplinar- bestrafung eines Matrosen vornehmen könne, der im Zustande der Trunkenheit einem Offizier eine Ohrfeige gegeben hatte. Der Präfckt nahm Kenntnis von der Art der Strafe und lehnte sofort ab. da sie eines Kulturlandes unlvürdig sei. Es handelte sich darum, den Matrosen dreimal unter dem Schiffskiel durch- zuziehen, das Schiff ist 9 Meter breit, es waren also 27 Meter unter Wasser zu passieren. Der Kommandant ließ die Schandthat auf offener See vornehmen und der Matrose erlag der Grausamkeit. Dättemark. Kopenhagen, 27. November. Nach der heutigen Staatsrats- sitzung brachte der Finanzminister im Folkething einen Gesetzentwurf ein, wonach 11 Millionen Kronen aus dem 19 Millionen Kronen betragenden Reservefonds der staatlichen LcbenSversichcrungs-Anstalt an die Staatskasse übertragen werden sollen und ferner ein staat- licher Darlehnsfonds von 39 Millionen Kronen errichtet werden soll. Von diesen 30 Millionen Kronen sind 18 Millionen Kronen bereits in zinstragenden Forderungen vorhanden, während der Rest aus der Staatskasse zugeschossen werden wird. Die Mittel des Fonds sollen für die gesetzlich festgelegten Darlehen zur Schaffung von Landparzellen für Landarbeiter. zum Bau von Arbeiter Wohnungen sowie für ländliche Vorschutzvereinc und dergleichen verwendet werden. Durch diese Veranstaltung wird die Balancieruug der Staatshaushalts- Rechnungen erreicht.— Der Landwirtschasts- Minister brachte den Entwurf eines Seefischerei-Gefetzes ein sowie Gesetzentwürfe über die Gewährung von Darlehen aus der Staats- lasse an Fischer und über Abänderung des Gesetzes über die" Schaffung von Landparzellen für Landarbeiter.— Der Ministerpräsident brachte einen Gesetzentwurf ein, durch welchen die R e i ch s t a g s d i ä t e n fiir die Zeit vom Sessionsbeginn bis zum Ende des Finanzjahres von 6 auf 10 Kronen täglich erhöht werden, nach dieser Zeit aber wie bisher 6 Kronen bettagen Zur ostasiatischen Krise. Der„Times" wird aus Peking gemeldet: Der Statthalter Alexejeff habe den bei der jüngsten Truppenschau anwesenden Fremden mitgeteilt, daß 109 000 Mann au derselben teilgenommen hätten. und als Zweifel auf- getaucht feien, eine Erklärung veröffentlicht, wonach es 76 900 Mann waren. Jetzt ergebe sich aus authentischen Nachrichten, daß es nur 21 099 gewesen seien, und man glaube, daß die Unruhe gegenüber der Vollständigkeit der japanischen Riistungen zu Uebertreibungen dieser Art Veranlassung gebe. Die gesamte russische Stteittuacht in dem gepachteten Gebiet umfasse 32 999 Mann, und sie werde jetzt auf 59 990 Mann gebracht.— Wie„Daily Telegraph" aus Shanghai meldet. haben die Vicekönige und Gouverneure von 13 Provinzen außer Tschili dem Kaiser angeboten, 90 990 von Fremden ausgebildete Truppe« zu senden, die gegen Rußland wegen der Besitznahme der Mandschurei kämpfen sollen.(?)—„ M o r n i n g Post" hört: den Berichten, daß Japan bereit sei. Rußland die Mandschurei dafür zu überlassen, daß es in Korea freie Hand behalte, sei kein Glauben bei- zumessen.—_ Nach den Landtagswahlen. Stolz lieb ich— die Konservativen. In den Kreisblättem von Teltow-Beeskow-Charlottenburg findet sich ein köstliches Zeugnis konservativen Wahljubels. Eine halbe Seite füllt in großen Lettern folgendes Inserat: Dank! Der Riesenkampf in dem gefährdctsten Wahlkreise der Monarchie, in Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg, hat mit einem glänzenden Siege der Konservativen geendet! Dank den Männern des konservativen Bürgertums, die in allen Teilen des Wahlkreises, besonders auch in den großen Vororten, für uns Tag und Nacht die Wahlarbeit oft unter den schwierigsten Ver- hältniffen gethan haben. Dank unsren Abgeordneten Felisch und Hammer, die ttotz der wüstesten Angriffe der Gegner in zahlreichen Versammlungen immer wieder unser Programm verkündeten: Fürchtet Gott: ehret den König; habet die Briider lieb! Dank den opferfreudigen 1919 konservativen Wahlmännern, die fast 22 Stunden im Wahllokal ausharrten und trotz der Bc- schimpfungen durch Demokratie und Socialdemokratie bewiesen haben: das konservative Bürgertum ist in Disciplin und Opfer- freudigkcit den Roten Brüdern aller Schattierungen überlegen. Wer diesen Wahlkampf vor den Thoren Berlins erlebt hat, der weiß es genau: die Kernttuppen des Staates stellt der konservative Mittel- stand! Rechts oder links heißt die Scheidung. Wer dazwischen fielst, wird zerrieben! Dank aber vor allem dem Wahlkommifsar Landrat v. Stubenrauch, durch dessen übermenschliche Arbeitskrast, durch dessen eiserne Ruhe und Energie allein dieser Wahllampf im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen trotz der wüstesten und pöbelhaftesten Beschimpfungen und ObstrukttonSversuche geendet werden konnte. Mögen unserm Kaiser solche Handlanger einst in schwerer Stunde mit solchen Nerven zur Seite stehen! Der konservative Central-Wahlverein für den Wahlkreis Teltow- Beeskow-Storkow« Charlotten bürg. Bramarbas war ein Muster der Bescheidenheit gegen diese konser« vattven Helden. Sie rühmen die Herren Felisch und Hammer ok» der tapferen Verkündung des konservattven Programms in zahl- reichen Versammlungen,— in denen den Gegnern Zutritt und Wort verweigert wurde! Sie prahlen mit einem Programm, das nichts enthält als einige Worte, hinter denen sich niedrigste Klassenpolitik verbirgt. Sie verherrlichen die„Kerntruppen des Staates", die in Wahrheit die Ausbeuter des Staates und der Gesetzgebung sind. Sie loben den Mittelstand, der sich mißbrauchen läßt als Kanonenfutter des Junkertums und der Privilegierten. Sie preisen die Opfer- freudigkcit der konservativen Wahlmänner, geringe Unbilden zu ilbernehmen, die ihnen das von ihnen gewollte und erhaltene Klassenwahlsystem auferlegt. Sie sind tapfer genug, andre der wüstesten und pöbelhaftesten Beschimpfungen zu beschuldigen, ohne Namen zu nennen, so daß die durch feige Verallgemeinerung gesicherte Be- schuldigung nicht untersucht werden kann. Und endlich, sie rühmen sich eines glänzenden SiegeSl Ein Sieg des Geldsackes, des schmählichsten Wahlsystems, des gewaltthätige'n Unrechts und noch dazu nur errungen durch liberale Verräterei— so sehen konservative glänzende Siege aus. Ueber Erfolge und Lehren der Landtagswahlen, so wird uns aus Halle vom 26. d. Mts. geschrieben, referierte heute abend der Rcichstags-Abgeorduete Genösse Thiele. Es gelangte nacki statt» gehabter Diskussion, in der man sich für und gegen die zukünftige Beteiligung aussprach, folgende Resolution zur"Annahme:„Die Landtagswahlen haben gezeigt, daß die Eroberung von Mandaten aus eigner Kraft oder mit Hilfe von Wahlbündnissen unmöglich war und auch für die Zukunft nur in beschränktestem Maße und nur vielleicht möglich wird. Die Frage, ob die Arbeiterklasse sich auch in Zukunft an den Landtagswahlen beteiligen soll, wird deshalb davon abhängen, ob der Nutzen der allgemeinen Wahlagitation, für wertvoll genug gehalten wird, das Opfer an Zeit, Arbeit und Kosten aufzuwenden, das die Wahlbeteiligung erfordert." Wahlrecht— Wahlpflicht. In dem Denunziantenarttkel, dessen wir gestern schon erwähnten, brachte die„Kreuz-Zeitung" eine Aus- führung, deren noch mit einigen Worten zu gedenken ist. Sis schrieb: „Denn bei der hohen Bedeutung der Landtagswahlen für die Wohlfahrt des Staates muß gefordert werden, daß die Wahl- berechtigten Mann für Mann durch Ausübung ihres Wahl rechtes der Wahl Pflicht genügen." Wer. wie die„Kreuz-Zcitungs"-Redartion. das preußische Land- tags-Wahlrecht kennt, begeht mit einer solchen, für jedes andre Wahlsystem berechtigten Behauptung die gemeinste Heuchelei. Oder wagt die„Kreuz-Zeitung" zu behaupten, daß sie unter dem preußischen Wahlsystem zunr Beispiel die Beteiligung aller wahlberechtigten Eisenbahn-Angestellten fordert? Das würde zu einer Betriebsstörung führen müssen, die sich über die völlige Einstellung des gesamten Betriebes am Urwahltag hinaus empfindlich fühlbar machen müßte. Wagt die„Kreuz-Zeitung" zu behaupten. daß sie ihre Forderung auf alle Angestellten der übrigen Verkehrs- institute angewendet wissen will? Ihr Freund Micke würde sich bedanken. Und fürchtet die„Kreuz-Zeitung", die das Heil der Welt in der Polizei erblickt, nicht, daß bei Erfüllung ihrer Forderung sämtliche Polizeibeamte auf lange Stunden(man bedenke Wahl- beteiligung von 109 Prozent wird verlangt l) zu gleicher Zeit in die Wahllokale ihrer UrWahlbezirke gebannt sind,— so daß die Gesetzesverächter frech ihr Haupt erheben könnten? Nun, viel- leicht denkt sich die„Kreuz-Zeitung", daß die polizeilichen Funkttonen am Wahltag vom Militär ausgeübt werden ivürden— die aktiven Militärs sind ja nicht wahlberechtigt. Aber wie steht es mit den zahlreichen Arbeitern, deren Platz stets besetzt sein muß, wenn nicht schwere Störungen des ganzen öffentlichen Lebens eintteten sollen, z. B. die Feuerwehr? Wie mit den Arbeitern in den Gas- anstalten. Elektricitätswerken-c.? Was sagt die„Kreuz-Ztg." über den Berliner Magistrat, der 21 Arbeiter von einer einzigen Gasanstalt entließ, weil sie„Mann für Mann durch Ausübung'hres Wahlrechts der Wahlpflicht genügen" wollten, was„bei der hohen Bcdeuwng der Landtagswahlen für die Wohlfahrt des Staates gefordert werden muß"? Wir fragen jeden ehrlichen Menschen, ob ein so verlogenes Blatt wie diese„Kreuz-Zeitung" es wagen darf, einen Stein aus Leute zu werfen, die srauk und frei bor, während und nach der Wahl erklärt haben, daß sie mit Freuden dazu beitragen würden, das elendeste aller Wahlsysteme dem Fluch der Lächerlichkeit, dem Haß und der Verachtung jedes Bürgers auszuliefern. Partei- l�acbrickten. Gemeindewahlen. Eine ganze Reihe von Gemeindewahlerfolgen haben wir heute zu verzeichnen. Am bemerkenswertesten ist die uns durch Privat- relegramm zugehende Meldung aus dem gothaischen Städtchen Waltershausen am Fuße des Thüringer Waldes. Bisher be- saßen unsre Genossen dort schon die Hälfte der 10 Mandate deS Gemeindekollegiums. Durch eine am Freitag stattgefuudeue Ersatzwahl er- langten sie ein weiteres Mandat, so daß jetzt sechs Socialdemotratcn vier Bürgerlichen gegenüberstehen. Ein Parteigenosse wurde gewählt in Geschwenda in Thüringen. In Buckau bei Magdeburg siegte der socialdemokratische Kandidat über den Gegner. In M i t t w c i d a wurde» drei Parteigenossen und sechs Gegner gewählt, in G r o ß e n h a i ii ein Parreigenojse. Unsre Dresdener Parteigenossen. die freilich bei dem bestehenden Wahlsystem. wonach die ganze Stadt einen einzigen Bezirk bildet, noch rein Mandat zu erringen vermochten, können trotzdem mit dem erzielten Resultat ganz zufrieden sehn Es ist die Bürgschaft künftiger Siege. Ihre Stimmen betrugen im Jahre 1900 erst 877, stiegen 1902 auf 2574 und jetzt bis auf 603«. Die Ge- wühlten erhielten von 9121 bis 12 659 Stimmen. Seit vielen Jahren fetzten die dortigen Behörden der Erwerbung des Bürgerrechts durch Arbeiter durch eine ganz unzulässige Auslegung deS Begriffes der lMetzlich vorgeschriebenen Selbständigkeit den hartnackigsten Wiedcrstand entgegen und nur daraus erklärt sich dieses Stimmenverhältnis gegenüber dem Ergebnis der Reichstagswahlen. Durch eine Ent- fcheiduug des erst wenige Jahre bestehenden Ober-Verwaltungs- gerichts-ist dieser Methode des Rates der Stadt Dresden zwar ein Ende gemacht worden, doch an den Folgen leidet die Arbeiterklasse in Dresden noch immer. DaZ Bürgerwerden geht bei den Arbeitern immer noch langsam vor sich. In Hoch st a. M.. Ivo drei Mandate zu besetzen waren, kommen zwei Parteigenossen in die Stichwahl: das dritte Mandat fiel den Gegnern sofort zu. In Biebrich kommen vier Parteigenossen in die Stichwahl. In Elberfeld sind vier Mandate zu besetzen: gewählt wurde niemand. eS muh um alle vier Mandate Stichwahl stattfinden, an der drei Parteigenossen beteiligt sind, auch als Ersatzmann steht noch ein Parteigenosse in Stichwahl. Auch in Hagen, wo unsre Genossen zum erstenmal Kandidaten aufgestellt hatten, kommt ein Genosse in die Stichwahl. In Gevelsberg wurde cm neues Mandat erobert, so daß jetzt drei Social- demokratcn � im Gemeindcrat sitzen. In Ohligs behaupteten unsre Genossen ihre beiden bisherigen Mandate, während die Ge uossen in Wald vier neue Mandate, davon eins in der zweiten Klasse eroberten. Sie zählen jetzt ihrer sechs. Schliehlich wählte der Bezirk Bergen-Enkheim den Genossen T H e i S in den Kreistag für den Kreis Hanau und zwar ein- stimmig. In W ü r t t e m b e r g finden die Gemeinderatswahlen allent- halben im Laufe des Dezember statt, wozu die Genossen bereits ihre Vorbereitungen treffen. Die Gemeinderäte werden mittels Listenwahl durch direkte Wahl aller Gemeindebürger gewählt und zwar entscheidet die relative Mehrheit, so dah es keine Stichwahlen giebt. Während nun die Genossen in Ehlingen beschlossen haben, von jeder Kartellierung abzusehen und eine reine Parteiliste aufzustellen, wurde in Stuttgart gestern abend beschlossen, den Antrag der VolkSpartci anzunehmen und mit dieser eine gemeinsame Liste aufzustellen und zwar solle ver- langt werden, dah fünf Socialdeniokraten neben vier Volks- parteilern aufgestellt werden. Als Kandidaten werden aufgestellt die Genossen Klotz, Bötzel, Schlnmberger, Altvater und Grocken- berger. Klotz hat dieses Jahr auszuscheiden, die Genossen Dietrich, Sperka und Würz bleiben noch zwei Jahre im Kollegium. Der von den Nationalliberalcn gemachte Vorschlag, eine gemeinsame Liste (freiwilligen Proporz) aufzustellen mit drei Deutschparteilern, drei Socialdcmokraten, ze ein Konservativer. Centrum und Volkspartei wurde rundweg abgelehnt, weil er gar zu schlau war. polizeittebee. Omcbtlicbes ulw. Die rote Schleife. Wegen Tragens republikanischer Abzeichen hatten sich vor dem �Schöffengericht N c i ch c n b a ch(Sachsen) die Genossen M. Sachsenweger, Richard Hosmann. Otto Musterer, Wilhelm Konrad, Lorenz Bär, Otto Petzold, Karl Richter, Beruh. Schröder von Mylau und Genosse Ludwig Weih aus Limbach zu verant- Worten._ Das Vergehen haben sich die Genannten beim Begräbnis unfreS Genossen Reichelt in Mylau durch Vorantragcn eines Kranzes mit einer roten Schleife zu schulden kommen lassen. Genosse Sachsenweger wurde zu 10 Tagen Gefängnis und Genosse Hofmann zu 25 M. Geld« strafe eventuell fünf Tagen Gefängnis nach der sächsischen Verordnung vom 14. Juli 1849 in Verbindung mit§ 47 des St.-G.°B. verurteilt. Die übrigen Mtangeklagten wurden freigesprochen. Was man schon davon hat, wegen solcher harmlosen roten Schleife einige Socialdcmokraten ins Gefängnis zu stecken I Wollte man doch lieber jeden einsperren, aber recht lange, der einen roten Stimm- z e t t e l zur Wahlurne trägt. 441 000 Träger republikanischer Ab- zeichen, die den gemicdlichen sächsischen Reaktionären wirklich uit- angenehm werden können, hat man an, 16. Juni ruhig laufen lassen und jetzt sperrt man einen einzigen Träger einer harmlosen roten Schleife cin l______ 6cwerkrcbaftUcbc9. Ferr Fetisch und seine Trabanten, die sich im Arbeitgeberbund für das Baugewerbe zusammengefunden haben, mutzten gelegentlich ihrer Tagung in Stuttgart bekennen, datz die Arbeiterbckämpstmg denn doch nicht so leicht sei, als bei Gründung dcS Bundes der eine oder andre ge- dacht haben mag. Der Bund zählt jetzt drei Landesverbände und 97 selbständige Lokalverbände. Seine Mitgliederzahl ist von 5300 im Vorjahre auf 6365 gestiegen. Autzerhalb des Bundes stehen jetzt noch 32 Verbände mit etlva 1500 Mitglieder. Trotzdem klagte man über den geringen Erfolg der Bundes- aktioncn. Die Versendung der s ch w a r z e n L i st e n hat sich nicht bc- währt. Kein Wunder! Die Felischianer haben dieselben in solchen Massen fabriziert und versandt, datz es bei jeder Annahme eines Arbeiters einer umfangreichen archivalischen Forschung bedurfte, um festzustellen, ob sich derselbe nicht in der einen oder andern der schwarzen Listen verzeichnet fand. Nun sind die Herren„Bauunternehmer" und ihre Sklavenvögte, denen die An- nähme und das Schuriegcln der Arbeiter als Specialthätigkeit übertragen ist, zwar mit de», Munde immer sehr voran, aber mit dem Lesen hapert's bei ihnen beinahe so arg, wie mit dem Schreiben. So werden denn die Leute einfach eingestellt, wenn sie den Herren nicht gerade persönlich als Streikende oder Ausgesperrte bekannt waren.— Das Schreibwerk soll nun vereinfacht werden. Den Halb-Analphabeten de? Felisch-Bundes sollen in Zukunft nur noch Verzeichnisse der Orte zugehen, in denen gestreikt wird oder Arbeiter aus- gesperrt sind, und die von dort Kommenden dürfen nicht eingestellt werden. Die ganze antisociale Stimmung der Herren Felischianer kam so recht zum Ausdruck in der Diskussion darüber, was man alles zur Knebelung der Bauarbeiter thun könne. Ein Kölner Delegierter lietz unter dem Beifall der Anwesenden seinem Hätz gegen die Ge Werbegerichte als Einigungs- ämter die Zügel schietzen. Bei deren Eingreifen würden den Arbeitern stets 50 Proz. ihrer Forderungen bewilligt. Herr Müller- Kassel, der den Karren des Bundes in Kassel so vor- züglich in den Sunwf gefahren hat, ist von dieser Arbeit noch nicht ganz befriedigt; er wünscht, datz Sperren in Zukunft nicht an einem Ort, sondern für eine ganze Provinz verhängt würden. Wäre das ein Riese„rein fall in Hessen- Kassel gewesen!— Ueber die Tarifverträge sprach sich die Mehrzahl der Anwesenden sehr ungünstig aus. Der Hauptcorch, der gegen die Arbeiter ausgespielt wurde, war die Annahme der von uns in der Nummer vom 26. d. Mts. schon mitgeteilten Anträge bezüglich der Schaffung von Unternehmer- Arbeitsnachweisen und der Einführung von Arbeits- Zeugnissen. � Die Organisationen der Bauarbeiter wissen nun, auf welche Art von Kämpfen sie sich für das nächste Jahr einzurichten haben. ES gilt, die Einführung der Unternehmer-Arbeitsnachlveise und der Zeugnisse nnt allen Mitteln hintanzuhalten. Siegt der Bund, dann ist es vorbei mit der Arbeiterorganisafion und jeder Errungenschaft der Arbeiter im Baugewerbe. Darum, Bauarbeiter aller Branchen, auf die Schanze» I Auf zum Kampf gegen den Arbeitgeberbund für das Baugewerbe! Berlin und Omgegend. Achtung, Metalldriicker! Nachdem durch Verhandlungen die Differenzen bei H a l l e r u. C i e. zur Zuftiedenheit der Kollegen erledigt sind, haben die Kollegen die Arbeit dort wieder aufgenommen. Die Sperre ist aufgehoben. Nochmals ersuchen wir, jeden Fall des versuchten VertragSbnichs sofort in unsrem Bureau zu melden. Da das Einigungsamt in Bezug auf Einberuft», g der Schlichtungskonimission immer noch im Verzuge ist, sind wir auf Selbsthilfe angewiesen. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwalftmg Berlin. Die„Schneider-Zeitung", das Organ des Central-Verbandes der in der Schneiderei beschäftigten Personen, hat mit seiner neuesten Nummer eine Auslage von 10 000 Exemplaren erreicht. Die vom Ring der Ofenfabrikanten ftir 1. Dezember angekündigte Aussperrung der Arbeiter wirst auch in Nüniberg ihre Schatten voraus. Die bedeutendste Fabrik dieser Art am dorfigen Platz, die Firma I. H a u S l e i t e r, ist dem Ring beigetreten und hat ihren Arbeitern die Alternative gestellt, entweder dem Verband den Rücken zu kehren oder ausgesperrt zu werden. ES kommen hier meisten? Arbeiter in Betracht, die seit 10— 25 Jahren in der Fabrik beschäftigt sind, wodurch dieser Schritt um so verwerflicher erscheint. Durch die Androhung wurde aber gerade das Gegenteil von dem erreicht, was sie eigentlich bezwecken sollte: statt datz die Arbeiter schleunigst aus der Organisatton aus- traten, schlössen sich auch die noch Fenistehendcn ihr an, so datz jetzt alle Arbeiter bis auf einen organisiert sind. In einer Ver- sammlung, die von sämtlichen Arbeitern, bis auf den einen In- differenten, erschienen waren, wurde einstimmig beschlossen, an der Organisatton unter allen Umständen festzuhalten. So hat der Tcrrorismus des Unternehmertums nur dav erzielt, was die schlimmsten„Hetzer" und„Wühler" bisher nicht ferttg bringen konnten: Den Arbeitern die Stelle zu zeigen, wo sie allein eine wirksame Vertretung ihrer Interessen finden. Bugland. Internationale Diamantarbeitcr-Orgainsation. In Paris tagte vor kurzen, eine internationale Diainantarbeiter-Konferenz, in der eiuftinmug beschlossen wurde, einen Weltverband der D iaman tarbeitcr auf folgender Grundlage zu errichten: Es soll ein permanentes internationales Bureau eingerichtet werden. Die angeschlossenen Organisationen sollen verpflichtet sein, einander bei Streiks Aussperrungen usw. gegenseittg zu unterstützen. Sie sollen ferner verpflichtet sein, dem permanenten Bureau über alle in ihrem Arbeitsgebiet vorkommenden wichtigen Lohnbewegungen zu berichten. Der Weltverband soll vorläufig von einem Komitee, be- stehend aus drei Mitgliedern, die von den Organisationen in Amsterdam, Antwerpen und Paris gewählt werden, ge- leitet werden. Das Komitee soll alle Matznahmen zur Vollendung der internattonalen Organisation treffen, Statuten ausarbeiten und Tarife über die gegenseitigen Unterstützungen bei Streiks, Aussperrungen usw. Die Entwürfe der Stattiten und Tarife sollen den angeschlossenen Organisationen zur Begutachtung vorgelegt werden. Sollte es nötig sein, zur definitiven Gründung des Welt- vcrbandeS einen inten, ationalen Kongreß abzuhalten, so soll dieser durch das Komitee einberufen werden. Der Sitz des Komitees ist Paris.— Ferner wurde beschlossen, auf die internationale Einführung des Neunstundentages hinzuwirken. Die Organisafionen in Antwerpen und Amsterdam wurden beaustragt, einen Bericht auszuarbeiten, der an die Arbeitgeber versandt werden soll. Autzerdem wurden diese beiden Organisationen beauftragt, den Plan zur Neunstunden-Bewegung auszuarbeiten. Für Unterstüüung der ausgesperrten Textilarbeiter Erimmit- schaus von den Ängestelltcn der Chemigraphischcn Anstalt Georg Büxen- stein u. Eo. lö,7ö erhalten. Georg Treue, Kassierer. Sociales. Zur Ausführung dcS KiudcrschutzgesetzeS. Die hamburgische Obcrschulbehörde hat die Hauptlchrer und Lehrer an den öffentlichen Volksschulen angewiesen, mitzuwirken bei der Kontrolle über die Befolgmig der Vorschriften des Reichsgesetzes betreffend die Kinderarbeit in getverblichen Betrieben voin 30. März 1903, das bekanntlich am 1. Januar in Kraft tritt. In der betreffenden Anweisung heitzt es:„Das Gesetz bietet für die Zukunft die Handhabe, einer für Kinder ungeeigneten, sowie einer überniätzigen oder in zu früher oder zu später Tagesstunde stattfindenden Arbeitsleistung, die die körperliche Ent- Wicklung der Kinder schädigt oder ihnen die zum erfolgreichen Besuch der Schule notlvendige Frische nimmt, in wirksamerer Weise als bis- her entgegenzutteten.— Bei Ausübung der Kontrolle über die Befolgung des Gesetzes sind folgende Vorschriften zu beobachten: Sobald sich ein Kind in der Schule auffallend müde oder nach- lässig zeigt, mit seinen Schularbeiten im Rückstände bleibt, oder aus andren Gründen die Vermutung besteht, datz es zu stark oder zu unrechter Zeit angestrengt tvird,_ so ist den, Hauptlehrer Mitteilung zu machen m,d von diesem das Kind, aber nicht in Gegenwart der übrigen Schüler über die Beschäftigung autzerhalb der Sckmle zu befragen." Wenn der Haupt- lehrer die Ansicht gewinnt, datz das Kind übermäßig angestrengt wird, soll er Rücksprache mit dem Vater, der Mutter oder dem Vormunde des Kindes nehmen und diese eventuell auf die Sttafbestimmungen des Gesetzes vom 30. März 1903 hinweisen. Ist nach Lage der Sache hiervon ein Erfolg nicht zu erwarten, so soll der Haichtlehrer, falls es sich um Beschäfligimg des Kindes in einem gewerblichen Bettiebe, also nicht um häusliche Dienste oder landwirtschaftliche Arbeiten handelt, ein mit den Ergebnissen der Ermittelungen aus- gefülltes Formular der Obcrschulbehörde einreichen, die dasselbe dann der Gewerbc-Jnspektion übermitteln will. Bordelle in Hamburg. Es giebt also doch Bordelle in Hamburg. Trotz der feierliche» Erklärung des hamburgischen Bundesratsbevollmächtigten Bürger- Meisters Dr. B u r ch a r d im Reichstage unserm Genossen Bebel gegenüber. In dem Civilprozetz. in dem der Grundeigentümer A. die Hamburger Polizeibehörde auf Zahlung von mindestens 100 OOO Mark Schadensersatz verklagt hat. der ihm. respekttve den von ihm vcrlvalteten Grundstücken in der UlrikuS- stratze durch die Kasernierung der Prostiwtion in dieser Stratze durch die Polizei entstanden ist. hat das Landgericht fest- gestellt, datz zwischen einer Hamburger„Beherbergerei" und einem Bordell keinerlei Unterschied besteht. Trotzdem hat das Gericht anf Abweisung der Klage erkannt,>me eS andrerseits auch die Wieder- klage der Polizei auf Feststellung, dafp dem Kläger keinerlei Schadensersatz-Ansprüche zuständen, abgewiesen hat. In den Verhandlungen über den Prozetz kam zur Sprache, datz die Polizeibehörde allerhand Vorschriften über den Bordellbetrieb an die Bordellwirte erlassen hat und datz sie auch insofen, die Prostituierten zwingt, in den Bordellen Wohnung zu nehnien, als sie dieselben auffordert, sich„erlaubte Wohnungen" zu nehmen, die den bezüglichen sittenpolizeilichcn Vorschriften entsprechen, und das sind eben die Bordelle, die sich über neun Straffen in Hamburgs verschiedenenen Stadtgegenden erstrecken. Das Gericht hatte keinen Zweifel an diesen Thafiachen, die die Polizei in den Verhandlungen zu bemänteln suchte. Es stellte sich aber auf den Standpunkt, datz die Polizei aus hygienischen und ordnungspolizeilichen Gründen zu ihrem Verhalten berechtigt sei, datz sie sich keiner Unterlassung schuldig mache, wenn sie die Bodellinhabcr nicht wegen Kuppelei bei der Staatsanmaltschaft zur Anzeige bringe. Das Anklagemonopol habe die Staatsanwaltschaft, die Polizei dagegen sei lediglich eine ihr subordinierte Helferin, die in diesem Falle um so eher entlastet sei, als die fraglichen Zustände in Hamburg ganz allgemein bekannt feien. Bezüglich des Vorwurfs der Duldung des an sich strafbaren Bordellbetriebes hätte der Kläger sich gegen die Staatsanwaltschaft wenden müssen. Auch stehe es ihm frei, die seinem Grundstücke be- nachbarten Bordellwirte auf Unterlassung ihres Betriebes zu ver« klagen und so seine Rechte zu wahren. Das von der Unfnll-Berufsgenossenschaft gewährte Sterbegeld gilt als Rentenbetrag im Sinne des§ 25 Absatz 2 des Unfall- Versicherungsgesetzes. So entschied das Ober-VerwaltungSgericht. Die Bergleute Hoffmann und Borowczak aus der Gegend von Bochum waren an den Folgen von Betriebsunfälle!, gestorben. Der Allgemeine Knappschasts verein zu Bochum gewährte den Witwen an Begräbniskosten je 88 M. und die Knappschafts-Berufs- genossenschaft setzte für jede ein Sterbegeld von 99 Mark fest, war jedoch bereit, den Witwen davon je 88 Vi. vorzuenthalten und diese Bettäge den, Knapp- schaftsverein zu überweisen, nachdem der Knappschaftsvereii, darauf Anspruch erhoben hatte, indem er sich auf§ 25 Absatz 2 des Gewcrbe-llnfallversicherungsgesetzcs berief, welcher lautet: „Die Verpflichtung der eingeschriebenen HilfSkasscn, sowie der sonstigen Kranken-, Sterbe-, Invaliden- und andren Unterstützungs- lassen, den von Unfällen betroffenen Arbeitern und Betriebsbeamtcn sowie deren Angehörigen und Hinterbliebenen Unterstützungen zu gc- währen, sowie die Verpflichtung von Gemeinden oder Armen- verbänden zur Unterstützung hilfsbedürftiger Personen, werden durch dieses Gesetz nicht berührt.— Wenn auf Grund solcher Verpflichtung Unterstützungen ftir einen Zeitraum geleistet werden, für welchen den Unterstützten nach Matzgabe dieses Gesetzes ein Ent- schädigungsanspruch zustand oder„och zusieht, so ist hierfür den Unterstützung gewährenden Kassen, Gemeinden oder Armenverbänden durch Ueberweisung von Rentenbcträgen Ersatz zu leisten." Die beiden Witwen erhoben gegen die Ueberweisung der 88 M. an den Knappschaftsvereii, Einspruch und beanspruchten von der Berufsgenossenschaft das ganze Sterbegeld. Sie machten geltend, datz dieses ihnen ebenfalls zustehe, obwohl ihnen der Allgemeine Knappschaftsverein die Begräbniskosten gewährt habe. Das Sterbe- geld sei nicht zu den„Rentcnbeträgen" im Sinne des§ 25 Abs. 2 des Unfall-VersicherungSgefetzes zu rechnen und der Knappschasts- verein habe deshalb keinen Anspruch auf Ersatz der Begräbniskosten seitens der Berufsgenossenschast. Der BezirksauSschutz zu Arnsberg erkannte jedoch zu Un- g u n st e n der Frauen und führte aus. eS könne keinen, Zweifel unterliegen, datz das Sterbegeld eine Unterstützung in, Sinne des Z 25 Abs. 2 sei. Es könne nicht darauf ankommen, datz das Gesetz dort nur von Ren tenbeträgen spreche. ES sei anzunehmen, datz daS Wort in weiterem Sinne gemeint sei und datz darunter verstanden werden sollte alles, was die Unfall-BerufS- geaossenschaften«ach dem Gesetz zu leisten hätten. Die Ueberweisung sei gerechtferttgt. Die Frauen legten beiin Ober-Verwaltungsgericht Revision ein, zu deren Begründung u. a. geltend gemacht wurde: DaS Unfall- versicherungs-Gesetz gewähre bei Tötung eines Versicherungspflichtigen den Hinterbliebenen einmal Sterbegeld und dann Hinterbliebenen- Rente. Durch das Sterbegeld sollten die Hinterbliebenen in die Lage uesetzt werden, die besonderen Ausgaben zu decken, die beim Todes- fall entständen, während die Rente den Lebensunterhalt gewähren solle. DaS sei doch etwas ganz Verschiedencs. Wenn trotzdem? 25 Absatz 2 nur„R e n t e„ betröge" nenne, dann sei anzunehmen, datz nach mir Rentenbeträge in, engeren Sinne gemeint seien, denn sonst hätte man im Gesetz daS Sterbegeld extra erloähnt. Das Ober-Nerwaltilirgsgericht erhielt jedoch die Ent- schcidung des BezirlsausschuffeS auftecht und erklärte damit die Ueber- Weisung für gerechtfertigt. Gegen den Schuft der GastwirtSgchilfcn wendet sich die Dresdener Gewerbekamincr. In einen, Gesuche der llnternehmer, daS der Kammer vorlag, wird verlangt, datz die Bestimmung m der Bekannt- machung des Reichskanzlers von, 23. Januar 1902 in der Richttuig abgeändert wird, datz künftighin den Angestellten in Gast- und Schani- wirtschaften anstatt der täglich ihnen zu gewährenden ununter- brochenen Ruhezeit von 8 bezw. 9 Stunden(Schlafzeit) einmal jede Woche in Gemeinden von über 20 000 Einwohnern eine Ruhezeit von 13 Stunden und in Gemeinden»,it geringerer Einwohnerzahl eine solche von 14 Stunden zu gewähren ist. Tie Kammer beschlotz. diesen Antrag zu unterstützen. Ens der Frauenbewegung. Johannisthal. Am 23. d. Mts. sprach Genosse Küter- Schöueberg i», Senftlebcnschen Lokal über das Recht der Frau. In scharfe» Worten kritisierte Redner die Rechtlosigkeit der Frau im preutzischen Staat und forderte die Frauen auf, mit aller Energie mit einzutreten in den Kampf gegen die kapitalisttsche Gesellschaft. Genossin Frau Mann gab den Bericht als Verttauensperson und beklagte, datz das verfloffene Jahr nicht viel Erfolg für die Frauen- bewegung in unsrem Ort aufzuweisen habe. Darauf wurde als Vertraueitsperson ftir die Frauen, Frau Manu wiedergewählt. Rixdorf. Am Mittwoch, den 2. Dezember, abends S'/a Uhr. findet im Lokale des Herrn Thiel, Bergftt. 151/152, eine Volks- Versammlung statt. Genosse Albrecht Fülle hält einen Vor- trag über:„Was fordern die Frauen vom modernen Staate?" Ferner findet Bericht und Neuwahl der Vertrauensperson statt. Siehe Annonce am Dienstag. Die Verttauensperson. Letzte]Macbnchten und Depefeben. Ungarisches Abgeordnetenhaus. Budapest, 27. November.(W. T. B.) Nach 8>/g stündiger, stürmisch bewegter und durch leidenschaftliche Austritte oft unterbrochener Sitzung wurde der Antrag Podmaniczky auf Abhaltung von Parallelsitz, mgei, mit grotzer Majorität angenommen. Das Ergebnis der Abstimmung wurde von der Obstruktion mit EnttüstungSrufen aufgenommen. Lebens- und Altersversicherung aller Gemeindebürger. St. Gallen, 27. November.(W. T. B.) Die Ortsbürgergemeinde beschlotz, versuchsweise die Lebens- und Altersversicherung für sämtliche Gemeindebürger einzuführen. Hildburghausen, 27. November.(B. H.) In der 1749 vom Herzog Friedrich von Hildburghausen gegründeten Leichenkasse„Fraternität" wurde ein Manko von 100000 Mark entdeckt. Chcrbonrg, 27. November.(W. T. B.) Eine Untersuchung auf dem hiesigen Bahnhofe ergab, datz die Steine, die ein Soldat auf das Geleise der von dem italienischen Königspaar zur Rückkehr nach Italien benutzten Strecke gelegt hatte, überhaupt keinen Unfall hätten herbeiführen können. Die gerichtliche Unterfuchmig stellte die Unzurechnungsfähigkeit des Angeschuldigten fest. Tunis, 27. November.(W. T. B.) Der Befehlshaber der ein- geborenen tunesischen Truppen, Oberst Aurousseau, welcher nnter der Beschuldigung, Vcruntrel.ungen begangen zu haben, verhaftet worden war, versuchte sich mit einem Rasiermeffer zu tödten und verletzte sich schwer an der Kehle.________ uns LettagSaifftalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilage«. Verantw. Redakteur: Julius Kaliski in Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckern Kr. 277 20. Jahrgang. 1. Keilige te„Pomlirts" Btiliiirt Jplblilnlt. Sannabend, 28. November lM. kerlmer f)artei-)Zngelegendeiten. Zur Lokal-Liste. Sonntag, den 29. November 1903, veranstaltet der Gesangverein „Eintracht" ein Vergnügen in den Sälen der Old-Fellow-Loge, Alte Jakobstr. 128. Wir weisen darauf hin, daß dieses Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen usw. nicht zur Verfügung steht, und ersuchen, die angebotenen Billets zurückzuweisen. Johannisthal. Das Lokal von Fähring, Friedrichstr. 11. Inhaber Albert Henneberg, steht der Arbeiterschaft jetzt nicht mehr zu Versammlungen usw. zur Verfügung, ist daher von der Liste zu streichen. Charlottenburg. Der„K l o st e r g a r t e n". Inhaber 25. Pasternacki, am Spandauer Schiffahrtskanal, hat durch Unterschrift erklärt, daß er sein Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen usw. zur Ver- fügung stellt. Die Lokalkommission. Lokales. Die Jugcndkonzerte. Wenn der Direktor Eberhard im„Probekandidaten" gelassen das große Wort ausspricht:„Die Wissenschaft gehört gar nicht in die Schule!", so ist er eben nur das Sprachrohr der leitenden Kreise, die sich gegen die unbeschränkte Freiheit der Forschung mit Händen und Füßen sträuben. Aber auch die Kunst wird von den meisten als eine gutmtitS negligeable für die Schule angesehen und demgemäß recht stiefmütterlich behandelt. Die einzigen Fächer, in denen sie zur Geltung kommt, sind Gesang und Zeichnen— und nicht einmal immer. Ab und zu fallen ja auch im deutschen Unter- richt Brosamen für sie von des Herrn Professors Tische, und wenn der Lehrer in einem andern Fache darauf kommt, so ist er des Dankes der geistig regsamen Schüler sicher. Der reifere Schüler, der nicht mit unverwüstlichem Stumpfsinn Tag für Tag nur das Pensum abochst und sich dafür dann im Sport oder durch kommentmäßige Saufereien schadlos hält, findet aller- dings privatim Gelegenheit zu Kunstgenüssen. Diese aber kosten Geld, und just daran hat er meistens keinen Ueberfluß. Will er beispielsweise ein gutes Orchester hören, so geht er für fünf- undsiebzig Pfennige in ein Sinfonie- Konzert der Philharmoniker. Das läßt sich schließlich von Zeit zu Zeit erschwingen. Schlimm lvird die Sache, wenn er einen Liederabend hören möchte, etwa von Heinemann. Wüllner oder Lilli Lehmann; da bleiben die sehnsüchtigsten Wünsche oft unerfüllt. Diese Erwägungen hat auch ein Mann angestellt, der mit vielen andern die Musik für ein ausgezeichnetes Bildungs- und Erziehungs- mittel hält. Er hat die Absicht, zu helfen, und den Willen, sie durchzusetzen. Er gewinnt hervorragende Künstler und Künstlerinnen für seinen Plan, setzt sich mit der Verwaltung der Philharmonie und auch der Hochschule für Musik in Verbindung und veranstaltet die „Jugend-Konzerte". Dieser Mann ist Max Batike, der Direktor dcS Seminars für Musik. Wir erwähnen eines der letzten Konzerte. Die Recitation hatte Marie Fraucndorfer vom Berliner Theater, die Sologesänge Olga von Türk-Rohn aus Wien und die Begleitung Herr Max Fürst über- nommen. Außerdem spielte der Konzertmeister Seibert einiges von Godard und Spohr und Sarasates„Zigeunerweisen" auf der Violine, von dem namentlich das letzte einen lebhasten Erfolg hatte. Als die anmutige Wiener Konzertsängerin geendet hatte, bereiteten ihr die Zuhörer eine stürmische Ovation, so daß sie noch zwei Lieder sang. Lluch das vorige Konzert für höhere Schulen, das am v. September stattfand, hatte den ungeteilten Beifall des jugend- lichen Publikums. Der Cellist Anton Hekking und Mrs. Gutterson, eine junge Klaviervirtuosin, trugen unisono verschiedenes von Bach Chopin, van Goens, Popper und Schumann vor. Margarete Pix vom Neuen Theater recitierte, und Alexander Heinemann sang den „Archibald Douglas",„Die beiden Grenadiere",„Wohin"? und den„Erlkönig" in der Schubertschen Komposition. Der Preis ftir das Billet beträgt 59 Pf. für die Schüler der höheren Lehranstalten, 2V Pfennig für die Gemcindeschüler. Die Garderobe darf in den Saal genommen werden, nur nasse Schirme sind gegen Entgelt von einem Groschen abzugeben. Eine sehr gute Einrichtung ist auch die. daß die Texte der gesungenen Lieder der „Vortragsfolge" angehängt werden. Die Haltung der Zuhörer ist meisteins musterhaft; nur ist zu rügen, daß trotz der Bemerkung im Programm in das Nachspiel hineingeklatscht wurde. Jedenfalls seien diese künstlerischen und kunstverbreitenden Ver anstaltungen jedem empfohlen, der nachmittags zu einem musikalischen Genüsse Zeit übrig hat. Er wird es nicht bereuen. Nachklänge zum Prozeß Kwilecki. Graf Hektar Kwilecki, der neben dem Staatsanwalt und im gewissen Sinne auch den Richtern als der leidende Teil aus dem Sensationsprozeß hervorgeht, hat sich auch in einer Zuschrift an die großen polnischen Blätter seiner Seimat zu rehabilitieren gesucht. Es wird berichtet, daß er folgenden chreibebrief an diese Zeitungen gerichtet hat: „Nachdem ich mich von der Haltlosigkeit derjenigen Vorwürfe überzeugt habe, die Gegenstand des Strafprozesses gegen die Gräfin Jsabella Kwilecka und deren Gemahl waren, spreche ich mein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß ich durch mein Auf- treten die Gräfin nebst Gatten, Kindern, Geschwistern und Ver- wandten schwer beleidigt habe. Ich bitte also, von allen Schluß- folgerungen abzusehen, die aus meinem Auftreten gezogen werden können. Gleichzeitig bitte ich inständigst alle diejenigen um Ent- schuldigung, deren Ehre ich zu nahe getreten bin." Zu dem angeblichen Ilbschiedsgesuch des Staatsanwalts Müller meldet die„Berk. Ztg.":„Wie wir erfahren, war Herrn Müller, der in Berlin als Assessor bei der Staatsanwaltschaft beschäftigt war, bereits vor Beginn des Kwilecki-Prozesses zum Staatsanwalt in Elberfeld ernannt; er wurde nur in Berlin zurückgehalten, um die Slnklagebehörde in dem Prozesse, dessen Vorbereitung ihm obgelegen hatte, auch in der Schwurgerichts-Verhandlung zu vertreten. Wenn er jetzt nach Beendigung des Prozesses zum Antritt der Stellung in Elberfeld aufgefordert ist, so liegt dann nichts Beftcmdendes und nichts, das ihn veranlassen könnte, seinen Abschied zu nehmen. Eine Maßregelung dieses Herrn ist um so weniger wahrscheinlich, als nicht er. sondern sein Vorgesetzter die Verantwortung für die Einleitung dieses Verfahrens trägt." Die Gräfin Kwilecka hat anscheinend auch ihren lieben Nächsten eine Freude gönnen wollen. Vor einem Hause in der Hohenstaufen' straße, so berichtet ein hiesiges Blatt, fanden Donnerstag größere Ansammlungen statt. Passanten, die vorübergingen und kopfschüttelnd die aufgeregt und lärmende Menge, die allerdings zum größten Teil aus Kindern und halbwüchsigen Burschen bestand, betrachteten, wurde die Auskunft zu teil, daß in dem Hause„die Gräfin" wohne. Die Neugierigen konnten dann ein für Berlin recht eigen- artiges Schauspiel beobachten. Oben in der hellerleuchtcten Etage öffnete sich ein Fenster, die Gräfin erschien und warf Kupfer-, Nickel- und auch wohl einige Silberlinge auf das Trottoir herab. Sofort erhob sich unten ein vielstimmiges Hurra- und Hochgeschrei, das rasch verstummte, da sich die begeisterte Straßenjugend mit Ausdauer nm die Geldstücke balgte. Der vor dem Hause aufgestellte Schutzmannsposten mußte, um dem Unfug ein Ende zu machen, schließlich sich in die Wohnung der Gräfin be- geben und diese bitten, die eigenartigen Aeutzerungen ihrer Frei- gebigkcit einzustellen. Die K o st e n des Prozesses werden verschieden eingeschätzt. Das„Berl. Tagebl." nennt die Summe von 130 000 M. Auch die Bühne hat sich bereits, wenn auch nicht in einwand- fteier Weise, der Angelegenheit Kwilecki bemächtigt. In Beyerleins Drama„Zapfen st reich" kommt ein Kriegsgericht auf die Bühne. In der Scene, da der eine Gerichtsbeisitzer, von Franz Schönfeld dargestellt, sich in dem Idiom des Polackcn mit dem Zeugen zu ver ständigen sucht, erklärt er ihm die Frage nach der Verwandt schaft mit dem Angeklagten. Als er auf die Schwestern des Zeugen exemplifiziert, sagt der Zeuge:„Hob ich gor nicht Schwestern. Hob ich mir fünf Brüder!"„Dann ist ja das Majorat gerettet", improvisiert Franz Schönfeld, und das Haus fiel mit stürmischem Beifall ein, wie um die gesteigerte Stimmung des Augenblicks sich austoben zu lassen. Herr Schönfeld scheint das au' ernste Betrachtung Anspruch machende Drama für eine Posse zu halten. Tod im Fahrstuhlschacht. Ein Fachmann schreibt unS: Das in der Nr. 275 des„Vorwärts" berichtete Fahrstuhl-Unglück zeigt wieder so recht deutlich, welcher höchst mangelhaften Aufficht die Berliner Fahrstühle unterstehen. Wie oft haben Ivir schon auf die Quellen dieser gräßlichen Todesfälle unter den Augen der Baupolizei hingewiesen, aber nichts geschieht, um selbst die allereinfachsten Vorsichtsmaßregeln zu er- zwingen. „Oben angekommen, versäumte er es. den Fahrstuhl gehörig einzuschalten", heißt es in dem Bericht. Wie kommt der Fahrer dazu, etwas ein- zuschalten? Der Fahrstuhl muß oben selbstthätig an richtiger Stelle sich einschalten. Wie kann sich ein richtig kon- struierter Fahrstuhl allmählich senken? Wie darf der Fahrer die Fahrstuhlthür offnen können, wenn der Aufzug sich gesenkt hat? Die Thür muß selbstthätig geschlossen bleiben, wenn der Fahrstuhl sich gesenkt hat I! Was muß das für eine nichtswürdige Fahrstuhlkonstruktion sein— wenn der Bericht der Wahrheit entspricht— bei der so viel grobe Fehler auf einmal in Wirksamkeit treten, um ein Menschenleben durch solche gewissenlos in Gang gehaltene Menschenfalle zu vernichten! Wie mag die Fabrik heißen, die den schonen Fahrstuhl gebaut hat, und was wird ge- schehen um diese Schandkonstruktion zu beseitigen, die sogar der überaus milden Polizeiverordnung über Einrichtung und Betneb von Aufzügen vom 24. September 1898 ins Gesicht schlägt? Studierende Frauen an der Berliner Universität. Im gegen- wärtigen Winterhalbjahr sind an der Berliner Universität bis jetzt 540 Frauen als Gastzuhörerinnen zugelassen; das sind fast so viele wie im Vorjahre. Seit dem Jahre 1836/97 hat sich, wenn man nur die Wintersemester heranzieht, die Frequenz der studierenden Frauen an der Universität Berlin folgendermaßen entwickelt: 96, 193, 241, 431, 439, 611, 552 und jetzt 546. In den Sommersemestern ist auch die Frequenz der Frauen erheblich geringer. Schucllfahrtcn mit Dampfbetrieb. Nachdem die elektrischen Schnellfahrten auf der Militärbahn für dieses Jahr ihr Ende er- reicht haben, werden, wie der„Franks. Ztg." mitgeteilt wird, auf Anordnung des Eisenbahnministers in etwa 14 Tagen auf derselben Strecke in täglich zwei Stunden Versuchsfahrten mit Dampfbetrieb erfolgen. Man hofft, daß diese zu praktischen Ergebnissen und zu Ersparnissen an Zeit und Geld für das reisende Publikum führen werden. Gleichzeitig sollen Versuche mit elektrischem Antrieb für mittlere Geschwindigkeiten über 100 Kilometer auf andren Staats- bahn-Linien gemacht werden. Die Weihnachtsbäume sind da. 450 000 Weihnachtsbäume sind gestern auf dem Militär-Bahnhof in Schöneberg angekommen. Der Christbaum-Engros-Markt sollte voriges Jahr nach dem Lehrter Güterbahnhof verlegt werden, doch hatten sich die Engros-Händler dagegen gesträubt, und so wird auch in diesem Jahre wieder der Engros-Markt auf dem militär-fiskalischcn Grundstück in der Groß' flörschenstraße abgehalten. Gestern morgen ist bereits mit der Air uhr und Aufstellung der Tannen begonnen worden. Die gestern eingetroffenen Bäume stammen zum größten Teile aus dem Harz. Ziemlich teuer dürften diesmal die Edeltannen werden, da sie nur in geringem Matze abgeholzt und die ZuftlSr daher sehr klein ist. Weitere Anfuhren von Weihnachtsbäumen werden in den nächsten Tagen auf dem Militär-Bahnhof erfolgen. Das Schiller- Theater hat durch den Tod das Mitglied Max Henze verloren. Henze hat in jungen Jahren die Begeisterung für die Bühne veranlaßt, eine behagliche Zukunft aufzugeben, denn er war der Sohn eines wohlhabenden Rittergutsbesitzers in West- Preußen. Sein eigentlicher Name war v. Starorypinsky. Mit einem kleinen Vermögen, das ihm seine Eltern zur Verfügung stellten, gab er zur Zeit, als Gerhart Hauptmann seine ersten Er- folge hatte, eine Theater-Revue heraus. Später übernahm er die Direktion des Stadttheaters zu Flinsberg, die indessen nur eine kurze Dauer hatte. Er ivar dann am Hamburger Stadttheater und den Ver- einigten Breslauer Theatern als Chargenspieler in bevorzugter Stellung thätig. Dem Ensemble des Schiller-Theaters gehörte er erst seit Beginn dieser Spielzeit an. Vor wenigen Tagen erst ließ er dein Bureau des Schiller-Theaters melden, daß er nicht ganz-wohl sei. Er hatte keine Ahnung davon, daß es sich um eine fchwere, todbringende Krankheit handelte. Er ist von den Folgen eines Typhus, zu dem sich auch eine Lungenentzllndung gesellt hatte, am 25. November ftüh gestorben. Er war namentlich in jüngster Zeit auch litterarisch thätig. besonders vertrat er die Interessen des Schauspielerstandes in zahlreichen Artikeln und Flugschristen. Sein letztes Schristchen ist erst vor zwei Wochen erschienen und hat den Titel„Der Dienst- aufwand der Schauspielerin". Festgestellt sind jetzt zwei Einbrecher, die am Donnerstag in der Wohnung der Gastwirtin Frau Geyer in der Sehdelstraße 19 auf ftischer That ertappt und nach heftiger Gegenwehr von dem Hans- verloalter und andern Leuten unschädlich gemacht und der Kriminal- Polizei übergeben wurden. Es sind 19 und 16 Jahre alte Arbeits- burschen mit Namen Hermann Wallnitz und Karl Henschel, beide noch unbestraft. Henschel war aus einer Zwangs-ErziehungKanstalt in Lichtenberg entwichen und trieb sich in Berlin umher. In einer „Kaschemme" lernte er Wellnitz kennen, der ihn nach seiner Be- hauptung zum Betteln und Einbrechen verführte. Nachdem sie neues Diebeswerkzeug gekaust hatten, gingen sie auf die„Bettelfahrt". Als ihnen die Wohnung der Frau Geyer nicht geöffnet wurde, lvährend auf der andern Seite das Dienstmädchen aufgemacht hatte, hielt Wellnitz die Gelegenheit für günstig, das neue„Kantelzeug" zu pro- bieren. Das Dienstmädchen der gegenüberliegenden Wohnung hörte aber daS Knacken und rief nach der Straße zum Fenster hinaus um Hilfe. So wurden die jugendlichen Einbrecher gefangen. Bei Henschel. der der Verführte sein will, fand man eine Menge Dietriche und andre Einbruchswerkzeuge. Geisteskrank. Der Schlosser Richard Müller feuerte in der Stein- traße aus einem scharf geladenen Revolver mehrere Schüsse auf vorübergehende Personen ab und verletzte eine Frau Wittig an der rechten Schulter. Er wurde auf die Wache gebracht, wo ein Arzt eststellte, daß er gemeingefährlich geisteskrank war. Darauf wurde der Mensch nach Dalldorf gebracht. Allerhand Rachtbilder. Eine Revolver-Affaire verursachte gestern abend in der Steinstraße eine größere Menschenansammlung. Dort war zwischen einem Ehepaar ein Streit entstanden, bei welchem der Mann seine Frau bedrohte. Sie suchte zu entfliehen, und nun zog der Gatte einen Revolver hervor und feuerte zwei Schüsse auf die Frau ab. Glücklicherweise wurde niemand gettoffen.__®er Revolverheld ergriff dann die Flucht, wurde jedoch von Passanten verfolgt und mit Hilfe eines hinzukommenden Kriminalbeamten fest- genommen. Er wurde nach der Polizeiwache in der Alten Schön- hauserstraße gebracht. Einen Kampf um den Geliebten fochten gegen 12 Uhr nachts in der Schönhauser Allee zwei Mädchen aus. Die beiden Rivalinnen faßten sich gegenseifig in die Haare und bearbeiteten sich mit den Fingernägeln, während der Heißumstrittene dem Llmazonenkampf vergnügt zuschaute. Als ein Schutzmann hinzu kam, ergriffen alle drei die Flucht. Im Gegensatz hierzu fand fast zu derselben Zeit in der In- validenstratze ein Streit um die Geliebte statt. Ein junger Kauf- mann ging in Begleitung einer Kellnerin die genannte Straße ent- lang, als ihnen ein Kellner entgegen kam. Dieser kannte ebenfalls das Mädchen und glaubte ältere Anrechte zu haben als der Kauf- mann. Zwischen beiden Männern kam es zu einer Schlägerei, und während sie sich prügelten, bestieg die Kellnerin eine Droschke und jagte davon. Die beiden Kämpfer wurden von einem hinzu- kommenden Schutzmann festgenommen und nach der Polizeiwache sisfiert. Himniclsstnrmer. Ein tolles Stück haben zwei Berliner Knaben, wie nachttäglich bekannt wird, in der Nacht zum letzten Sonntag, während des Sturmes ausgeftihrt. Die Wagehälse sind an dem Leiter- gerüst, das z. Zt. an den beiden Türmen der Petri-Kirche errichtet ist, in die Höhe geklettert und haben dort in die neu vergoldete Kugel unter dem Kreuz ihre Namen eingekritzelt, nachdem sie schon vorher versucht hatten, sich auf ähnliche Weise zu verewigen. Dem Vergolder blieb, als die Verunzierung entdeckt ivurde, weiter nichts übrig, als die Kugel an einigen Stellen noch einmal zu vergolden. Ein gewaltiger Dachstuhlbrand kam gestern nachmittag in der Neuen Friedrichstr. 38— 40 in dem Kaufhause Brandenburg zum Ausbruch und beschäffigte die Wehr bis in die tiefe Nacht hinein. DaS erst vor einigen Jahren fertiggestellte Niesengebäude hat drei Einfahrten und umfaßt ein Dutzend Höfe. Das Feuer kam aus noch nicht ermittelter Ursache im Seitenflügel Nr. 38—39 aus und zwar im Dachboden. Dort hatte die Feldbahnfabrik von Koppel ihr großes Wtenlager untergebracht. Außerdem befanden sich in den einzelnen Bodenräumen Kisten, Kartons und andre Gegenstände der Wäschefabrikcn von Salinger und Israel. Dem Feuer stand also Nahrung im weiten Maße zu Gebote, weshalb es sich auch mit un- heimlicher Schnelligkeit ausdehnte. Llls die ersten Löschzüge aus der Keibelstraße unter Brandmeister Bliesener heranrückten, stand der DachsfilhI des ersten HofeS in seiner ganzen Slusdehnung in hellen Flammen, weshalb sofort die Meldung„Mittel- feuer" an die Feuerwachen ging. In kurzer Zeit waren vier Dampf- spritzenrohre und mehrere Hndrantcn in Thätigkeit. Brandinspektor R o h n st o ck ließ von drei Höfen aus über drei mechanische Leitern und Treppen hinweg gegen das Verheereilde Element vorgehen, um ihn den Weg nach den Ouergebäuden zu verlegen. Die Löscharbeiten wurden anfangs durch starke Rauchentwicklung sehr erschwert. Ueber zwei Stunden mußte Wasser gegeben werden, bevor die Gefahr als beseitigt gelten konnte. Der Dachstuhl über die beiden ersten Höfe hinweg wurde total eingeäschert und zogen sich die Auftäumungs- arbeiten noch stundenlang hin. Die Firma Pappel ist am schwersten geschädigt, da die Slkten der letzten fünf Jahre, die für sie von be- deutendem Werte sind, vernichtet wurden.— Orgelkonzert. Montag, den 30. November, abends 7'/« Uhr. werden in der Marienfirche Musikdirektor Otto Dienel, die Gesang- schule von Frau Diane Kornatis(Chor- und Sologesänge von Fräul. Margarete Heinrich, Frl. Charlotte Büttner, Frl. Lucie Oelschläger, Fräul. Margarete Henning, Fräul. Etti Metzner. Herr Tschache, Herr Poppcnhagen u. a.), der Violinist Herr Georg Merlin, der Bratschist Herr Paul Sager und der Organist Herr Robert Schwicßelmann Advents-Kompositionen von Bach, Händel, Mozart, Weber, Löwe (Johannes der Täufer), Brahms, Schumann, Rheinberger und Dienel bei freiem Entree aufführen. Theater. Im Luisen-Theater ist gestern Raimunds Zaubernlärchen„Der Verschwender" ausgeftihrt ivorden, und zwar im großen Ganzen mit bestem Erfolg. Herr Sllbert Himer gab den Valentin mit schlichtem Humor und sang sein Hobcllied vorttefflich. Desgleichen war Helene Winter eine muntere Tischlers- frau; nur soll sie sich hüten, wienerisch zu sprechen. Der Flottwcll des Herrn KruszinSki behagte weniger. Die Ausstattung und Jn- scenierung konnte sich sehen lassen; nur ist zu tadeln, daß infolge der entsetzlich langen Pausen die Vorstellung erst, um Mitternacht zu Ende war.— Die Damen Fräulein Wachner und Fräulein Wienrich, sowie die Herren Christians und Krautzncck vom kgl. Schauspielhause haben ihre freundliche Mitwirfirng zu einer Wohlthättgkeits-Vor- stellung zugesagt, welche am nächsten Freitag zu Gunsten einer schwerkranken, erwerbsunfähigen Bühilenkünstlerin in» Luisen- Theater gegeben wird.' Zur Aufführung gelangt„Romeo und Julia". Fräulein Wachner spielt die Julia, Fräulein Wienrich die Amme, Herr Christians den Romeo und ' err Kraußneck den Pater Lorenzo.— Im Schiller» h e a t e r 0.(Wallner- Theater) gelangt in nächster Woche, nach einer Pause, die durch die Neueinstudierung des Wilhelm Tell" bedingt ivurde, Arthur FitgerS Drama„San Marcos Tochter" lvieder zur Aufführung, und zwar Montag und Freitag.— Im Residenz-Theater findet die Erst- aufführung von„Crainqnebille", Schauspiel in drei Bildern von Anatole France, im Laufe des Monats Dezember in Form etiles litterarischen Abends statt.— Im Deutschen Theater geht am Dienstag, den 1. Dezember,„Rose Bernd" zum 25. Male in Scene. Als nächste Novität ist für den 12. De- zember Hermann Bahrs Komödie„Der Meister" in AuS- icht genommen. Anfang Januar folgt Ludwig Fuldas Schauspiel„Novella d'Zlndrea", das jüngst im Wiener Burg- Theater mit großem Erfolge aufgeführt ist.— Im Carl Weiß-Theater geht am Sonnabend Arthur Müllers Lustspiel„Maria Theresia und ihr Hof" oder„Gute Nacht Häuschen" erstmalig in Scene.— Am Nachmittag geht als Kindervorstellung Der Waldmeister" oder„Das Wundermännlein im Walde" in Scene.— Central-Theater. Am Sonntag wird nachmittags Uhr„Die Geisha in erster Besetzung gegeben, und nicht Boccaccio", wie ursprünglich angekündigt>var.' Am Abend gelangt„Der Rastelbinder' mit Eduard Steinberger a. G. zur Darstellung. Am Institut für Meereskunde, Georgenstr. 34—36, finden in dieser Woche, abends 8 Uhr. folgende öffentfiche, Herren und Damen zu- gängliche Vorträge statt:' Montag, den 30. d. M., spricht Direttor Dr. Schulze-Lübeck über:„Der Beginn der Ostsee-Dampfschiffahrt am Anfang des 19. Jahrhunderts": Mittwoch, den 2. Dezember, Prof. Plate über:„Die neueren Tiefsee-Expedittonen und ihre biologischen Ergebnisse(mit Lichtbildern); Donnerstag, den 3. Dezember, Herr P. Dehn-Berlin über:„Seewege und Ueberlandbahnen mit be- 'anderer Rücksicht auf den näheren und ferneren Orient"(mit Licht- bildern). Einlaßkarten sind wochentäglich von 12—2 Uhr mittags und an den Vortragsabenden selbst von 6 Uhr ab im Institut, in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags in der Ge- chästsstelle des Deutschen Flotten-VereinS, Bernburgerstt. 35 I, er- hältlich. Für den am 2. Dezember stattfindenden Vortrag sind die Einlaßkarten bereis vergriffen. Hub den Nachbarorten. Eine Jubiläumsversammlung in Wilmersdorf. Am Montag ist ein Vicrteljahrhlmdert abgelaufen, seitdem die Berliner Genossen das erste Flugblatt unter dem Socialistengesetz verbreiteten, indem sie fomtt den Schöpfern jenes„unfehlbaren" Vernich tungsnMel-Z der Sonaldemokratic zeigten, daß diese noch nicht mausetot sei, sondern Wetter kämpfen und schließlich siegen wollte. Da auch die Social- demokraten weiblichen Geschlechts nicht versäumten, mitzustreiten an' öem Felde der Arbeit, dem Felde der Ehre, wollen die Genossinnen Wilmersdorfs diesen Jubiläumstag durch eine öffentliche V e r- s a m m l u n g feiern, in der Genosse Le gic n über„Die Frau vor, Anter und nach dem Socialistengesetz" einen Vortrag hält. In der im Lulsenpark, WilhclniSaue 112, stattfindenden Versammlung wird auch die bisherige V e r tr a u en s p e r so n ihren Jahresbericht geben und Neuwahl einer Vertrauensperson der Genossinnen vor genommen werden. Näheres bringt ein Inserat in der Sonntags Nummer. Rixdorf. Ter zweite volkstümliche Kunstabend am Sonntag- abend 7>,.z Uhr ist dem Volksliede gewidmet. Mitwirkende sind Gerhart Fischer, Marianne Geyer(Gesang), Gertrud v. Hagen lRecttation), Organist Walter Fischer(Vortrag i, Cykluskarten zn 1,25 M. und Einzelkarten zu 30 Pf. sind in der Crpcdition des „Vorwärts", Prinz Handjerystr. 7, zu haben. Den Besitzern von Ehkluskarten ist die erste Hälfte des Saales reserviert. Der Bock als Gärtner. Ein peinliches Vorkommnis hat sich der „Berliner Zeitung" zufolge in der kgl, Gcschützgießcrei in Spandau ereignet. Seit einiger Zeit waren verschiedenen Beamten der Fabrik aus den Taschen der Kleidungsstücke, die sie während der Arbeit ab- gelegt hatten, Geldbeträge abhanden gekommen; alle Anzeichen deuteten darauf hin. daß ein Taschendieb in den Bureaus in Thätig- keit war, und man entschloß sich, genaue Beobachtungen anzustellen, um dem Spitzbuben aus die Spur zn kommen. Gestern ist nun ein älterer Beamter des Instituts dabei ertappt worden, wie er die Taschen des Ileberrocks eines Ingenieurs„revidierte", der das Bureau verlassen hatte, um an einer Konferenz der Direktion teilzunehmen, Der Geldmarder mußte notgedrungen auch die übrigen bisher ver- übten Taschendiebstähle einräumen. Er wurde alsbald seiner Stellung enthoben, gleichzeitig erstattete man Strafanzeige gegen ihn. Wie Pankow in schlechten Geruch kommt. Die Pankowcr Polizei- behörden sind seit einiger Zeit in einer gewissen Erregung. In der Nähe der Gaillardstraße muß sich eine Knochenkochcrei befinden, die ohne behördliche Erlaubnis betrieben wird. Verschiedentlich hat sich des Nachts von hier aus ein kauni zu ertragender Geruch verbreitet. der mit Bestimmtheit auf das Kochen von Knochen zurückgeführt ivird. Nachdem die Polizeibeamten sich vergeblich bemüht haben, die Quelle des bösen Geruchs zu entdecken, hat die Gemeindebehörde jetzt der Sanitätskommission, die sich ans Gemeindevertretern und Aerzten zusammensetzt, auf eignes Ansuchen polizeiliche Rechte ge- geben. Mit großem Interesse wartet man nun ab, ob dieser Kom- Mission gelingen wird, was der Polizei noch nicht möglich war. Bon den Annehmlichkeiten des geltende» Landtags- Wahlrechts scheinen die Landräte sehr wenig erbaut zu sein. Wie uns berichtet wird, machte sich auch bei der Abgeordnctcnwahl für den Wahlkreis Spandau-Osihavelland die räumliche Unzulänglichkeit des Wahl- lokals ganz bedeutend fühlbar. Von Gesetzes wegen ist das kleine Städtchen Nauen als Wahlort bestimmt, und hier fand nun die Wahl in den, Krentscherschen Saale statt, der wohl im stände ist etwa 250 bis 300 Personen, keineswegs aber deren 550 zu fassen. Infolge dessen Ivurde selbst die Bühne als Sitzraum hinzugenommen, aber dennoch war das Gedränge derartig, daß ein konservativer Wahlniann, Major v. Bredow, laut hiergegen remonstrierte. Der Wahlkommissar, Landrat v. WilmS, erwiderte, der Vorsaal gehöre ebenfalls zum Wahllokal. Den Platzmangel bedauere auch er, man habe schon deswegen die Bühne mit herangezogen, wo sonst der Vorstandstisch gestanden hätte. Nauen sei als Wahlort durch das Gesetz bestimmt f sein Vorgänger(der frühere Landrat v. Steinmeistcr) habe sich schon bemüht, in dieser Hinsicht eine Acnderiuig herbeizuführe», aber es sei ihm nicht gelungen. Hiernach erscheint die eigenmächtige Verlegung des Wahlorts für Teltow-Beeskolv von Köpenick nach Nixdorf doppelt auffällig! Am Ende ist der Minister der einzige, der an die Gesetzmäßigkeit dieser Verlegung glaubt I Der Landrat v. Wilms wenigstens fchcint dem skeptisch gegenüber zu stehen, Selbstmord in Gegenwart der Kinder. In Karlshorst hat gestern abend eine Dame, Frail St., die Gattin eines in glänzenden Ver- hältnissen lebenden Reisenden, Selbstmord verübt, indem sie sich im Schlafzimmer ihrer Villa in der Prinz Heinrichstraße aus einem Revolver mehrere Kugeln m die Brust schoß, Sie brach sofort tot zusammen, da eine der Kugeln das Herz durchbohrt hatte. Frau St. war gerade dabei gewesen, ihre vier kleinen Kinder zu Bett zu bringen, als sie an die Ausführung der schrecklichen That schritt, so daß die Kleinen Zeugen der schrecklichen Seene wurden. Die Schüsse und das Gejammer der Kinder alarmierten das Haus, Mau holte einen Arzt herbei, er konnte aber keine Hilfe mehr bringen. Kurze Zeit darauf traf auch der verreist geivesenc Gatte vom Bahnhof in seiner Wohnung ein. Er vermag sich den fürchterlichen Entschluß seiner Gattin nicht anders zu erklären, als daß sie von plötzlicher Schwermut ergriffen worden fei, Ncu-Wcißensee, Unser Ort gedenkt mit dem 1. April 1004 ein Realgymnasium zu errichten; maßgebend hierbei ist die Voraussicht, ein steuerkräftiges Publikum anzulocken. Die Vorarbeiten der ein- gesetzten Kommission sind so lveit gediehen, daß durch Umfrage fest- gestellt werden soll, welche Eltern ihre Kinder der Schule übcriveiscn werden. Das Realgymnasium soll eine Borschule erhalten: lrotzdem die hiesige Lehrerschaft hiergegen energisch protestierte, wurde ihr Protest nur von den der Kommission angehvrigcn Arbeitervertretern unterstützt. Die übrigen Herren haben keine Lust, ihre Sprößlinge mit Prolctarierlindern ans dieselbe Schulbank zu bringen: sie wurden in ihrem Vorhaben von dem zur Informierung anwesenden Schulrat noch unterstützt. Außer der Vorschule lvird vor dem lociteren Ausbau voraussichrlich nur erst eine Sexta-Klasie errichtet werden können, da für die höheren Stufen die Schüler fehlen dürften. Das Schulgeld soll für die Vorschule 80 M, pro Jahr betragen, während für die Houptanstalt 100 M, vorgesehen sind. Die Ausgaben werden sich vorerst auf ca, 10000 M. daö Jahr belaufen. Am Dienstag, den 1. Dezember, wird im Richterschen Lokale, König-Chaussce, eine Be- sprechung hierüber stattfinden, woran sich die interessierten Genossen beteiligen können._ Gerichts-Zeitung. Streitposteu und VcrkehrSordnnng. Wie schon mehrfach berichtet werden konnte, hat die achte Strafkammer des Landgerichts I in letzterer Zeit eine Anzahl freisprechender Urteile gegen organisierte Arbeiter gefällt, die als Streikposten von den Polizei-Organen ohne jede stichhaltige Ursache auf Grund der Verkehrsordnung von der Straße weggewiesen wurden. Im Anschluß an diesen Standpunkt der Strafkammer wurden im Lause dieser Woche auch vom Schöffen- gericht der Arbeiter Lamottkc, der Metallarbeiter Collasius irnd der Mechaniker H i n d e n i t h freigesprochen. Auch hier, wo es sich um drei verschiedene Fälle handelte. wußten die als Zeugen geladenen Schutzleute nicht das geringste zu bekunden, lvas eine Bestrafung zu rechtfertigen ver- inocht hätte. Tie Leute waren einfach als Opfer der ungerecht- fertigten Anweisungen der Reviervorstände sistiert und nüt Straf- Mandaten bedacht worden.— Dagegen erfolgte gestern von der Strafkammer die Verurteilung des Vorsitzenden der Berliner Verivaltungsstelle des Metallarbeiter-VerbandcS, Cohen, zu einer Geldstrafe von 30 M. evcnt. 0 Tagen Gefängnis, Es handelte sich um eine Aufforderung, die ein Schutzmann anläßlich des Streiks bei der Firma Schulz in der Hasenheide an�Cohen gerichtet hatte. Diese Aufforderung ging dahin, seinen Standort am Garten- zäun nahe der an der Straße belegenen Fabrik zu ver- lassen; Cohen leistete ihr jedoch'keine Folge. Vom Schöffengericht war Cohen freigesprochen worden, die Straf- tammer aber verurteilte ibn. weil durch einen Zeugen erwiesen wurde, daß schon vorher Ausschreitungen, wenn auch nur geringfügiger Natur, gegen ihn als„Arbeitswilligen" vorgekommen waren. Eilt streikender Schulfreund dieses Zeugen, der ihn zum Mitstreiken bewegen wollte, hatte nämlich sein Fahrrad angefaßt, so daß er zum Absteigen gezwungen war, als er nach der Fabrik zur Arbeit fahren wollte. Aus diesem Vorkommnis, so folgerte das Gericht, habe die Polizei mit Recht folgern müssen, daß ähnliche thätliche Belästigungen Arbeitswilliger hätten vorkommen können, was dann leicht zu Verkchrsbehinderungen Anlaß gegeben hätte. Auch eine Streikgcschichte. Eine Anklage wegen ruhestörenden Lärms und Bcamtenbeleidigung führte gestern den Klempner L i p p i ck vor das Schöffengericht. In einer Metallwarenfabrik in der Langestraße war ein Streik ausgebrochen. Vor der Fabrik war zur„Aufrcchterhaltung der Ordnung" ein Schutzmann posttert und in einem Schanklokal der Nachbarschaft beobachtete ein Streikposten pflichtgemäß den Zu- und Abgang aus der Fabrik. Nach Aussage des Schutzmannes ist der Angeklagte, aus jenem Schanklokale kommend, direkt auf ihn zugekommen und hat ihn geftagt: „Zu was stehen Sie beim hier? Sie stehen wohl als Streikposten da?" Der Schutzmann will dem unbekannten Frager den Rat gegeben haben, ihn nicht zu belästigen, sondern seines Weges zu gehen, der Angeklagte machte aber Einlvände, so daß der Schutzmann ihn schließlich aufforderte, ihm zur Wache zu folgen. Die Arretierung verursachte natürlich eine llllenschenansamnllluig. Der Angeklagte erklärte, daß er sich zum Marsche nach der Polizei erst eine Ctgarre anzünden müsse und soll dann den Schutzmann durch die Worte:„Sie Streikbrecher! Sie sind ja nicht im stände, eine Familie zu ernähren!" beleidigt haben. Der Angeklagte besttitt seine Schuld. Er be- hauptete, er habe in dem Schanklokale den dort weilenden Streikposten gesagt, daß sie ihr Amt doch aus der Straße ausüben könnten, da, das Streikpostenstehen nirgends verboten sei. Da ihm dies bestritten worden, habe er eine bezügliche Anftage an den Schutzmann gerichtet, dieser habe ihn aber sofort schroff zurückgewiesen,— Auf Grund der Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt eine Woche Gefängnis. Rechts- anwalt Dr. Davidsohn hielt eine Erregung eines Auflaufs absolut nicht für nachgewiesen und beantragte wegen der Beleidigung nur eine kleine Geldstrafe. Der Angeklagte habe den Schutzmann offenbar verulken wollen; wenn so etwas ein Student thue, dann drücke man gelvöhnlich ein Auge zu und hier liege gar keine Ver anlassung vor. den Angeklagten aus seiner Existenz herauszureißen. — Der Gerichtshof erkannte auf 15 M. Geldsttafe. Wieder eine ErprcssungSanklage gegen organisierte Arbeiter wurde am 27. November vor der Straf- kämmer des Landgerichts II verhandelt, und zwar bot sie das be- sondere Interesse, daß hier ein Mitglied der Achtzehner- k o n, m i s s i o n der Maurer sich wegen seiner vermittelnden Thätigkeit zu verantworten hatte. Am 10. Juni 1003 kam es auf einem Bau des Bauunternehmers Spiegel zu Differenzen zwischen dem Maurerpolier Reichert und dem Maurer Fritze, in deren Verlaus Fritze entlassen wurde. Seine Kollegen niaßen die Schuld an den Stteingkeiten dem Polier bei. waren überzeugt, daß dieser sie absichtlich herbeigeführt hätte, um Fritze zu maßregeln und legten die Arbeit nieder. Auf ihre Veranlassung er- schien das Mitglied der Achtzehnerkomniission Fritz Busse, und e? gelang ihm, nachdem auch der Bauunternehmer Spiegel eingetroffen war, einen Ausgleich herbeizuführen, wonach Fritze wieder eingestellt werden und die Arbeit von allen wieder aufgenommen werden sollte. Als Busse dies den Maurern mitteilte, waren sie damit nicht zufrieden, verlangten vielmehr Entschädigung für einige Stunden, die ie auf Spiegel hatten warten müssen, weil der Polier sich nicht für befugt zu Abmachungen gehalten hatte. Busse teilte dies in ihrem Auftrage dem Spiegel mit, der diese Forderung schroff ablehnte; er sprach dann nochmals mit den Kollegen, die nicht von ihrem Anspruch ablassen wollten, und dann wieder mit Spiegel, Er setzte diesem auseinander, daß die Kollegen fest entschlossen wären, ohne Beivilligung der Forderung nicht weiter zu arbeiten, und soll dabei auch gesagt haben, daß das zur Sperre des Baues führen würde. Als Spiegel endgültig bei seiner Weigerung blieb, begab sich Busse wieder in die Baubude, wurde aber, noch ehe die Maurer sich hatten schlüssig machen können, ob sie nicht doch ihre Forderung fallen lassen wollten, durch Spiegel vom Bau verwiesen. Dies entrüstete wieder die Maurer so, daß sie nun sofort den Bau verließen und den Streik proklamierten. In den nächsten Tagen ollen einmal Fritze und einmal Busse einige Maurer, die dem Ver- band angehörten, aber doch dort weiter arbeiteten, darauf hin- gewiesen haben, daß sie den Ausschluß aus dem Verbände zu gc- wärtigcn hätten. Deshalb tvurden Busse und Fritze aus 153 der Gewerbe- Ordnung wegen Drohung angeklagt, B u s s e auch, weil er durch seine Besprechungen mit Spiegel diesem gegenüber einen E r p r e s s u n g S V e r s u ch begangen haben ollte, indem er durch die Ankündigung einer möglichen Sperre diesen hätte bestimmen wollen, den Maurern den„rechtswidrigen Vermögens- vorteil" einer Entschädigung für die Wartezeit zuzubilligen. In der Hanptverhandlung ergab sich der Thatbestand nach den fast übereinstimmenden Aussagen der Angeklagten und der Zeugen, wie angegeben. Der Staatsanwalt beantragte gegen jeden An- geklagten lvegen Gewerbevergehens zwei Wochen Gefängnis, gegen Busse, falls man ihn wegen Erpressungsversuches bestrafen wollte, was er dahingestellt ließe, noch drei Wochen. Der Verteidiger Rechtsanwalt W o l f g a n g Heine wendete sich gegen die ausdehlttnde Auslegung des Wortes„Drohung". Zwischen den Mitgliedern des Verbandes bestünde ein Vertrags- Verhältnis, das nach bürgerlichem Recht als GesellschaftSvertrag aufzufassen wäre. Danach wäre jedes einzelne Mitglied jedem andren Mitglied gegenüber verpflichtet, sich den Beschlüssen der Organi- atton zu fügen, und sich im Weigerungsfall dem Ausschluß zu unter- werfen. Wenn der eine Verttagsteil den andren ans vertragliche Pflichten und die Konsequenz von deren Verletzung hinweise, könnte das unmöglich als Drohung augesehen werden. Anerkanntermaßen wäre das civilrechtlich keine Drohung, und im Gebiete dcS Straf- rechts könnte der Begriff der Drohnng kein andrer sein, als in dem des bürgerlichen Rechts. Deshalb läge kein Vergehen gegen die Gcwerbc-Ordmmg vor. aber mich Erpressung wäre nicht an- unehmen. Busse hätte seine Dienste als Vermittler geleistet, hätte nicht selbst die Forderung aufgestellt, sondern sie nur übermittelt, sein Bestreben wäre die Beilegung der Streitigkeiten gewesen, zu diesem Zwecke hätte er aber auch die Forderungen und Entschlüsse der einen Partei der andern mitteilen müssen. Ter Verteidiger wies darauf hin. daß wenn mcm hier eine Erpressung annähme, jeder Anwalt oder Richter, der einen Vergleich anbahnte und den Parteien die unangenehmen Folgen einer Ab- lehnung des Vorschlags verdeutlichte, in Gefahr käme, sich einer Erpressung schuldig zu machen. UebrigenS hätten die Maurer offenbar auch die Ueberzeugung gehabt, daß ihre Forderung berechtigt wäre. Busse selber betonte noch, daß wenn er verurteilt würde, die Existenz solcher Verinittelungskommissionen überhaupt in Frage ge- stellt wäre. Der Gerichtshof sprach beide Angeklagte gänzlich frei, indem er sich im wesentlichen den Ausführungen dcS Verteidigers anschloß. treten müssen, damit sie gleich andren Berufen den Kampf für die Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse mit Erfolg führen können. Im zlvcitcn Punkt der Tagesordnung wurde eine Angelegenheit behandelt. welche die organisierten Bäcker schon seit Jahren beschäftigt, ohne daß sie'bis jetzt eine be- ftiedigende Lösung gefunden hat. Es handelt sich nämlich um die Forderung der Bäcker, daß ihnen an den drei hohen Fest- tagen: Weihnachten, Ostern und Pfingsten, die Nacht vom ersten zum zweiten Feiertage freigegeben, also in dieser Nacht nicht ge- arbeitet werden soll. Schneider, der über diesen Punkt referierte, führte unter andenn aus: Diese Forderung ist eine so bescheidene, eine so selbstverständliche, daß man sich wundern muß, wenn sie inimer und immer wieder erneut gestellt werden muß, ohne jedoch erfüllt zu lverden. seit Jahren sind die Bäcker wiederholt mit dieser Forderung an die Meister herangetreten. Sie haben die Meister ersucht, daß ihnen von den 365 Arbeitstagen, die das Jahr für die Bäcker hat, ganze drei Tage freigegeben lverden. Die Innungen haben auch an- erkannt, daß knete Forderung berechtigt ist und erfüllt werden soll, aber in Wirklichkeit denkt fast kein Bäckermeister daran, diese Forde- rung zu erfüllen, und die Bäckerinnungen haben nichts gethan und thun nichts, um ihre Mitglieder zur Beachtung der Forderung anzu- halten. Daß die besagten drei Nächte ohne Nachteil für die Bäcker- meister ftcigegcbcn werden können, ist thatsächlich bewiesen, denn in verschiedenen süddeutschen Städten wird diese Forderung der Bäcker- gesellen auf Grund behördlicher Verordnungen bereits erfüllt. In Berlin haben die Bäckergesellen ihrer Forderung dadurch Nachdruck zu geben versucht, daß sie sich in öffentlichen Aufrufen an die Haus- frauen wandten und diese ersuchten, ain zweiten Feiertage keine Backware zu kaufen. Dieser Appell hat in gewissem Umfange gewirkt. aber eine allgemeine Durchführung der Forderung ist noch nicht zu verzeichnen, sie wird wohl erst eintreten, wenn die Arbeit in den Bäckereien in der Nacht vom ersten zum zweiten Feiertage gesetzlich verboten ist. Um einen Schritt nach dieser Richtimg zu thun, empfahl der Referent folgende Resolutton: Die Versammlung beauftragt die Gesellenausschüsse, an die beiden Bäckerinnungen das Ersuchen zn richten, daß die Jnnungs- vorstände in Gemeinschaft mit den Gesellcnausschüssen bei der Regierung beantragen, daß sie, wie es die Behörden in Nürnberg und andren bayrischen Städten gethan haben, ein Verbot der Bäcker- arbeit an den drei hohen Festtagen veranlaßt. Nachdem noch einige Redner im Sinne des Referenten gesprochen hatten, wurde die Resolution einstimmig angenommen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 29. November, vorm, 8'/, Uhr, in der Schul-Aula, itleinc Franksurtersw. 6: Versammlung, Freireligiöse Vor- lesnng.— Um 10»/« Ubr vormittags ebendaselbst! Vorwag des Herrn Pros. Dr, Albert Gehrkc:„Aufwärts geht der Menschheit Gang," Gäste, Daniel? und Herren, sehr willlomnien. Vermischtes. er Versammlungen. In einer öffentlichen Böckerversammlung, die am Dienstag- nachmittag stattfand, besprach Barth die Streiks und Ans- sperrungen im Jahre 1003, um daraus für die Bäcker die Nutz- anwendung zu ziehen, daß sie Mann für Mann dem Verbände bei- Ein Luftballon auf dem Oeeau. Der Luftschiffer Melchior war, von zwei Personen begleitet, am 21, November im Ballon in Oporto aufgestiegen. Eine Stunde später bemerkte man den Ballon über den, Meer, auf der Höhe von Aveiro, südlich von Oporto; er wandte sich weiter südwärts. Man fürchtete alsbald, daß schon während der Nacht ein Unglück geschehen wäre, da man keinerlei Nachricht von den Luftschiffern erhielt. Die Beunruhigung deS Publikums wuchs beständig. Am Abend des folgenden Tages wurde der Ballon von dem Kapitän eines englischen Handelsschiffes mittels eines elektrischen Scheinwerfers gesichtet, als es sich 60 Meilen südlich von Oporto und sieben Meilen von der Küste befand. Die Lustschiffer schienen in Not zu sein, aber der Kapitän hielt nicht an, um ihnen Hilfe zu bringen, wie er behauptet, aus dem Grunde. „weil sie nicht um Hilfe gebeten hätten".(!) Der Schiffs- koch stellt de» Sachverhalt jedoch etwas anders dar; infolge dessen herrscht eine große Entrüstung in Oporto, da man sagt, daß die Lustschiffer noch hätten gerettet werden können, während sie jetzt. ivie man fürchtet, einem fast sicheren Tode verfallen sind. Melchior ist ein Apotheker aus dem Dorfe Gaya in der Nähe von Oporto. Der Aufstieg war nur eine Vergnügungsfahrt, und seine beiden Ge- fährten sind zwei junge Leute aus guter Familie, die der Apotheker ausgefordert hatte, ihn zu begleiten. Parifiano ermordet. Wie uns ein Telegramm aus Bukarest meldet, wurde der wegen der bekannten Rentenaffaire steckbrieflich verfolgte Reichs-Rechnungs-Hoftat Parisiano im Lodengebirge er- niordet aufgeftmden. Erdbeben in Sibirien. Donnerstagabend um 6� Uhr wurden in Jrkutsk zwei ziemlich starke Erdstöße verspürt; einige Minuten später wurde auch in Tschita ein einige Sekunden an- dauerndes unbedeutendes Erdbeben wahrgenommen. Zur Angelegenheit der Prinzessin Schönbnrg-Waldenburz wird ans Rom berichtet: Ein Vertreter des„Giornale d'Jtalia" hatte eine Uitterredung mit einer Verwandten der Prinzessin Schönburg- Waldenburg, einer römischen Dame aus der vornehmsten Gesell- schaft. welche erklärte, die Nachricht von einer Flucht der Prinzessin sei absolut unbegründet. Es handle sich nur mu eine vor vier Monaten mit Zustimmung ihres Gatten erfolgte Trennung. Die Prinzessin, die sich nach Sori begeben habe und nicht erkaimt werden wolle,� habe sich den Namen ihrer Kammerfrau Materni beigelegt. Einige indiskrete Persönlichkeiten hätten jedoch die Identität' der Prinzessin herausgefunden und dem Namen Materiii, den ein Kutscher führe, dessen Frau die Kammerftau der Prinzessin sei, die bekannte schlechte AuS- legung gegeben. Der Bruder des Kutschers Materni, der dem Prinzen Schönburg-Waldenburg angeblich das zwischen der Prinzessin und seinem Bruder bestehende Liebesverhältnis hinterbracht haben öll, befinde sich gar nicht im Dienste der Familie Schönburg, sondern sei beim Prinzen MaSeimo in Tivoli bei Rom. In einer Depesche aus Sori, die von dem Grafen DeSpa an das„Giornale d'Jtalia" gesandt wurde, heißt es, die Prinzessin Alice erkläre alle im Umlauf befindlichen Gerüchte für unwahr. Marktpreise von Berlin am 26. November 1903 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. »Weizen, gut D. mittel gering »Roggen, gut „ mittel gering •fGcrfte, gut mittel gering fiHafer, gut mittel gering Richtstroh Heu Erbsen Speiscbohnen Linsen ' ab Bahn. Ctr. Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche «chleie Bleie Krebse f frei Wagen und ab Bahn. Kartoffeln, n euc D.-Etr. Rindfleisch, Keule I kg do. Bauch„ Schiveiiiefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Änttcr 60 Slück 1 kg per Schock 6.50 t.80 1,50 1,60 2,00 1,80 2,80 5,00 2,20 2,80 2,60 2,00 1,80 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1,10 1,10 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,40 0,80 3,00 Brief haften der Redahtion. Letrab. Sic müssen sich an einen Fachmann wenden.— Schmachten- berg. Wiener Verlag, Wien IX., Garelligasse 2.— T. 30. Expedition. Täglich vor- und nachmittags. Acusicrjt mühsam und überaus zeiwaubcnd. — Kokeklivisnins. Für Kommunismus oder SocialismuS.— Grillen- berger. Starb am 19. Oktober 1897. Jimltikcber Ceil. Tie i II ristische Tvrechstuuve findet täglich mit Ausnahme des Soanaveuds von 7'k bis!>>/' Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. I&. St. 15. Eine Klage hätte wenig Aussicht ans Erfolg.— O. St. Falls aus dem uns nicht bekannten Worltaut des Mictsvcrttagcs nicht cliva Gegenteiliges jolgt, hat der Wirt die Firma auj seine Kosten wieder her» »stelle».— Berlo Markt. Die Verjährun-iZfrist für die van Ibnen lzememtc Zlrt Strafthat beträgt 1V Satire. i>ede richterliche Handlung, die gegen den Thäter gerichtet ist. unterbricht diese Frist.— tkous. Verein Arfurt. Die Luslbarrcitsstcucr-Ordnungen der verschiedenen Orte sind vcr- schieden. Alüglich ist solche Art Steuer.— Karl Heine. Nein.— K. K. 16. 1. Uns nicht bekannt.•Senden Sie sich an die Lffenbacher Krankenkasse. — Simplieissimus. Der Standesbeamte kann sich mit einer unnb ersetzten Urkunde begnügen lassen. Adressen von Dolmetschern usw. findet! Sie S. und 51 des zweiten Teils des ZldreßkalcndcrS.— 15. 11. Sotvcit ohne Einsicht in den«erwäg sich ans Ihren Mitteilungen ein Urteil bilden läßt, können Sic nicht zum April, sondern nur zum Juli kündige».— Otto Lehmann. I. Für den von Fhnen genannten Satz nehmen ösicnt- liche ilnd Privatanstalten auf. 2. Das Kapital verbleibt dem Pflegling. Der Vor- niund darf keineswegs seine Zustimmung dazu geben, das; das" Vermögen seines Pflegling zu dessen Lebzeiten an die ausieirechtlichenkErben gezahlt wird. — W.7ö8>S Hamburg I759W Berlin 7ö9ii1iS Franlf.a.M.!764S München 764 S Wien 761'S Wetter !»6S =%> s Ii WÄ tsvolkig i 0 liNebcl— 1 Übedeckt j 0 ; phalb bd. 1 öbcdeck!—1 ! Ihciter j 1 Stationen Ze k f Haparanda 749 O Petersburg!—!— Eork.749 SSW Werdce»!—— Paris'766 SW Wetter Szj c ä II s? M& Lbcdeilt Ibedeckt L bedeckt -15 11 Deutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltnngsstclle Bevlin. Bureau: Engel-Ufer lö, Zimmer 1— 5. Fernsprecher: Amt VlI, 353. Sonntag, den 29. November, vorm. 19 Uhr, im PleweHrncIml't«,- haus, Engel-Ufer 13, Saal IV; Allgemeine Ilerlammlnug der Rohrleger und Reifer Berlins u. Umgegend. Tagesordnung: 1 Vortrag des Kollegen?. biltin. 2. Diskussion. 3. Bericht des Ver- gnügungskomitees. 4. Bericht der Schlichtnngskommifjion. S. Diskussion. 6. Bcrbaiidsangelcgenhcitcn. 16l/S Kollegen! Die SchuchtungSkommission hat in letzter Zeit einige sehr krasse Fälle von Tarijüberschreitungcn zn schlichten gehabt, es ist daher u n- bedingt notwendig, daß alle Kollegen anwesend sind, um die Vorschläge der Kommission zur Verhütung derartiger Uebertrctungen anzuhören. Sonnlag, den 29. November, vorm. 10 Uhr, bei Watzel, Wranoelstr. 136: der Schraubendreher. VerW der Melpolierer. Montag, den 30.'November, abends 81,., Uhr, in Lichtenberg, Friedrich Karlstraße 11: Versammlung. 147/19 Tages-Ordnu» g: 1. Vortrag des Genossen Rein über: Wie wohnt das Volk 7 Hierzu besonders die Erfolge der Wohnungserhebungen von den Krankenkasse». 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegcnheitcn und Ausgabe der Billeis a 69 Pf. zur Urania am 26. Dezember 1 Nhr. Mittwoch, den 2. Dezember, abends 8 Uhr, Engel-Ufer 15: VerZAmmlung flir sdlutlikhk Vertrauensmänner. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die bestehenden Difierenzen. L. Bericht der Vcrirauensmänncr. 3. Nähcrc Mitteilung über den Delcgicrtciitag. Die Kollegen werden ersucht, die Fragebogen, betreffend die Zählung der Möbclpoliercr Berlins und Umgegend, auSzusüllcn und in obiger Versamm- lung abzugeben. Her Vorstand. Knecht Kuppreeht bringt Für den Vater ��liiraiier-Brili!! Müüil1 Montag, 30. d. M., abends 8',p Uhr. in den„Jndustrie-Aestsälen-, Beuthstr. 29(großer Saal): Oeffeutiiche Aersammlnug alltr in Lnxnspapicr- und Cellnloidwarcn- Fabriken beschäftigten Arbeiter ut,b_ Arbeiterinnen. T a g c s- O r d n u n g: 1. Die diesjährige» Lohnbewegungen in verschiedenen Branchen » nftes Gewerbes. Referent: E. Brückner. 2. Die Miststände in Berliner Luxnspapierfabrikcn. 3. Werkstuben-Anzelegenheitc» und Verschiedenes. Hchg' Das Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen in dieser Ver- sammlung ist dringend notwendig. Ganz besonders aber sind die Arbeiter und Avbcücnmicii folgender Firmen eingeladen: Böhme. 2angc u. Wundsch, Schäfer u. Scheibe. Hchmanii u. Schmidt, Priester u. Ehk, Pauly u. Pinncr, Schwcrdlscger u. Co. und Schall«: u. Eo. 25/19 Bi«> Vertraae»>«i»«r«o»en. Verdsnä der 8aMer. Brt«vci'vraktantr Berlin. Bureau: GewcrkschaftSbaaS, Engcl-Userlö, Zimmer22. Fernsp. Anil4 Nr. 6976. Mterkssser-Ariieiler. M!üei! Sonntag. 29. ö. M., vormittag» 10 Uhr, in, GewerkschastShause, Engcl-Ukcr 15(Saal 19): T a g e s- O r d n u n g: 1. Uuftc Forderungen»nd die Antworten der Fabrikanten. L. Verschiedenes. ' xp?" Es ist einfach Ehrciip'licht cincs jeden Arbeiters der Musterkoffer- Branche in dieser Versammlung anwesend zu sein. 158/9 Dir Lohn- u. AgitationSkommissiou der Taschen- n. Kofferbranchc Berlins. Deutscher W|?arhe!ter�Verhaud. IXaUI�telke Berlin.) Konntag. den 2i>. November 1993. vormittag»-/,19 Uhr. im Gewerkschaftshanse, Engel-User 15(�aal 5): NrKncktSN- Versammlung der Perlmutter-, Ziorn- und Zteinnnssknopj-Weiter. T a g c s- O r d n u n g: 1. Vortrag des Gcnoiien bVcrniati» über:.Sibirien und sein Sträftingsweseu«. 2. Diskuiüou. 3. Bericht der Kommission und Neu- wabl derselben.!. Bre.nweu.'Angelcgcnbeitcn. � Ter Dbmann. Ädolph Wormann i 1. Tresdenerstr. I<[ l Haltestelle der Hochbahn Kottbnser Thor). RonfeUNons-Hails tzköMII-I!. Graste Auswahl in 3Z9EL*- Bleganle Paletots 18,-««? Anzüge„„ 16,-™ i „ Roek-Diehrock-Äiiziige„. 20,- m,# Winlerjoppen....... 8,-| Burschen- und Knabe« Anzüge, sowie fertige0—2, 5—7. SoimtagS 10—12 2—4. L y.AM.JhrntatcU u.A»t0»-lkerÄ-t UtlfttOiffljttoitttr�OT.nlhMtgäsrtt _ Oltt.cl et Bffi.sn.r, EtiTtwaAte�fB t.s. C-lav-s- M Musikinstrumente- Musikwerke _ mit auflegbaren Noten.-Mgr Harmonikas, ViolineQ, Zithern An. Cuitarre- Zithern mit umenegnoten von io Mark Jlnndharnionikas, IMionographon etc. in reichster Auswahl zu soliden Preisen empfehlen 33871,* Jlerinann Korne§ Co., �n hc., ßr. TrauMurterstr.SD. 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Die Beerdigung findet am Soimtagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Krcuz-Kirchhoss in Mariendors aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 238/13 Der Vorstand. tabetp Harmonie. Am Mittwoch, den 25. d. MtS., starb nach langen, schweren Leiden unser altes, treues Mitglied Mus Kretzer. Wir werden ihn stets in ehrendem Slndcnkcn beHallen. Die Beerdigung findet Sonn- tag. den 29. d. MtS.. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Krcuz-Kirchhoscs in Mariendors aus statt. 66/4 Treffpunkt sämtlicher Mitglieder präcise 2-/« Uhr aus dem Kirch- Hof. Ork-Münha�e der Sattler und verw. Gewerbe zu Berlin. Mittwochnachmittag verstarb unser Mitglied HsiiwicK Lau (Werkstatt Wunderlich.) Die Beerdigung findet Sonntag, den 29. d. M. nachm. S'/a Uhr, von der Leichenhalle des Kirch- Hofes der Luthcr-Eemcinde m Lankwitz aus statt. 279/9 Her Vorstand. Dsufccher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tode«- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schniitarbeiter Hermann Gärtner am 24. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 29. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Neuen Jakobi-Kirchhoss in Rirdors, Hermannsttatzc, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 161/7_ Die Oi-tsverwaltung. ßlmtteit- und 19635i Kranzkinderei Richard Engelke, Helebenberger-Strasse 164. Ecke Mariarmenstr. Specialität; Vcrelriakrttiize. Pnlilrliniir H'r tiai».Zkasen» rUlIKIlllln u. Ohrenkranku von Dr. Echtermeyer verlegt nach LUISenStr. 14, abends 7—8 Uhr Mich schmerzt dasAngej ruft mani «oftbar« neuem 6 Allen»lesen ÜeBeln________ peliaMc aingnipläfe* abhelstn. Eine Ecwllhr für(achmännisch auSzevrobte Br:llen und Ullmmer dielet »aS altbckanme Ia»tltut tNc rritclalociu-Opttk von Gär! Lntteääorü, Berlin M., Weinbergsweg 15 b, 0. 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Weisse Plqug-Wcsten: 3, 3,50, 4,50, 6 und 7,50 M. Jackett- Anzüge: 15, 17,50, 20, 25, 30, 35, 40, 45 u. 50 M. Rock-Anzüge: 27, 33, 38, 43, 48 und 54 iL Gehrock-Anzüge: 30. 36, 42. 48, 54 und 60 M. Prack-Anzüge: 54 und 60 M. Paletots: 18, 20, 25, 30, 35, 40. 45, 50, 55, 60 u. 65 M, ff k* 8,50, 12, 15, 20, 25, 30* und 35 M. Farbige Phantasie-Westen: 3, 4,50, 6, 7,50 und 9 M. SchlafrUcke: 8,50, 10,50, 12,50, 15, 17,50, 20, 22,50, 25, 30 und 35 M. Knaben- Anzüge, 41 Fa�ons vorrätig, von 3 M. an. Knaben-Paletots, je nach Grösse von 3,75 M. an. Jünglings Anzüge, je nach Grösse von 11— 36 51. Jünglings-Paletots, je nach Grösse von 13— 31 51. Grosse Weiten für extra starke Herren stets vorrätig."WJ Durch jahrelange Versuche habe ich es erreicht, Modelle für normale sowie anormale Menschen aufzustellen, wodurch ich in der Lage bin, Garderobe für jede Figur passend au fabrizieren und solche zum Verkauf zu bringen. 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Kur die ttoinne übet 241)'Mit, jinb ben bette fjenbtit Äummeni in iUammer» beiaefüat. (Ohne bewahr.) Nachdruck verbolen. „ 153 147 560 642 745 1202 g[30001 445 530 62 621 794 073 2072 185 247 78 395 439 525 55 I50ü| 64 799 [500| 832 3195 213 i 10001 20 562 1 500 1 612 69 L50ÜJ 764 863 110001 954 4113 40 97 398 408 82 519 706 17 63 981 3914 107 47 338 97 539 629 766«029 142 314 619 I 500] 12 84 890 7640 58 719 813 14 33 64 902 1500] 8036 62 130001 301 642 753 9017 50 315 58 476 817 Dt 037 10286 343 15001 413[5001 19 26 565 607 8 708 P45 65 11298 332 464 88 635 46 709 835 940 12060 167 203 61 11000] 447 13000] 905 25 1 3021 238 362 632 34 958 1 4017 97 280 785 87 872 77 901 15052[10001 122 77 233 734 808 903 28 1 6972 105 21 295 310 67 412 36 525 852 1500] 963 71 17218 97 354 73 jöOü] 457 573 031 63[1000 1 64 66 74 751 69 973 1 8056 1 10001 507 671 77 745 944 50 1 9217 327 463 572 97 708 830 54 9ö3 13000] 83 93 20178 219 J 10001 547 732 2 1023 398 432[3000] 87 728 34 801 69 2 2093 191 99 243 56 1500] 412 21 47 621 740 41[500] 834 922 38 63 23160 231 46 80 94 351 499 545 48 78 90 690 701 809 34 53 977 2 4047 253 356 13000) 73 500 20 635 767 816 18 25 30 2 5303 630 710 875 908 2 6084[1000] 241 11ÜOO| 489 784 330 918 62 2 7072 184 348 67 69 1500] 586 735 900 28212 [1000] 68 362 420 575 669 934 2 9070 283( 5001 367 524 15001 663 809[1000] 30064 136 482 08 602 63 3 1053[500] 75 302 450 91[10001 537 723[3000 1 94 980 3 2074 213 323[500! 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J39 zu 1000 MI. S36 ja WO Kt. Berantwvrtl. Redakteur: Jutius«atistt in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buckdruckerei und Beriagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW Nr. 378. 20. Jahrgang. 2. Kilagt des Jrairts" Sonnabend, 28. Navembze r 1903. Theater. Belle-Alliance-Thcater.„Los vom Manne!" Schwank in vier Akten von Wilhelm Jacob y und Arthur Lippschi tz. WaS der Titel des Stückes andeutet, wird durch die Handlung illustriert. Indessen sind die Autoren nicht so grausam mit all' den Frauen, die da als„Emancipierte" sich geberden, Sie lassen diese denn auch, mit Ausnahme eines Fräulein Doktors, unter die Haube konunen. Und das ist löblich. Sonst käme das liebe Publikum ums Lachen und das Verfasserpaar um den klingenden Erfolg, Jedem Teile ist abdr sein erhofftes Vergnügen zu gönnen. Run, und die Urheber des Ganzen haben ja alles gethan, was in ihren Kräften — und in den Witzblättern diverser neuerer Jahrgänge gestanden hat. Sie schenkten sich und letzteren nichts. So trägt denn auch ihre Definifton des weiblichen Wesens kein besonderes Zeichen, Das Schwankrezept hieß: Zusammenfassen aller kleinen Aeußerlichkeiten, welche aus der psychischen und physischen Artung des Weibes resultieren, diese Gegensätzchen in, Widerpart beider Ge- schlechter wirkungsvoll auf die höchste Spitze des Zu- lässigen getrieben und ebenso wirksam zum Austrag ge- bracht. Irgendwelche littcrarische Qualitäten besitzt der Schwank allerdings nicht. Er bringt Bekanntes zu Bekanntem. Aber wenn man das alles wieder mal auf einem Haufen sozusagen wiederfindet, amüsiert man sich doch. Und das Lob darf man den Verfassern geben: ihnen gelang es vollkommen, bis zum Schlüsse angenehm zu unterhalten, sie erweisen sich als raffiniert geschickte Drahtzieher für ihr Genre, Noch mehr Anerkennung sei der Vorstellung selbst gezollt: es lag Zug und Schneid im Einzel- und Ensen, blespiel. Alle Darsteller, von den Trägern der Hauptrollen bis zu den kleinsten Episodisten bemühten sich um die Palme der Heiterkeit. Ihnen mögen es die Dichter Dank wissen, wenn ihr Schwank für einige Zeit sich als Kasscnmagnet bewähren sollte.— e. k. Hub Induftrie und Handel. Berlin-Anhaltische Maschinenbau-Aktiengesellschaft. In der heutigen außerordentlichen Generalversammlung der Berlin- Anhaltischen Maschinenbau-Aktiengesellschaft wurden die Anträge der Verwaltung einstimmig genehmigt, nach welchen die Gesellschaft zum Zwecke des Erwerbes der Aktien der Benrather Maschinenfabrik L'/.z Millionen Mark junge Aktien ausgeben wird, loovon 2'/« Millionen den Mionären der ersteren Gesellschaft zun, Kurse von 180 Prozent angeboten werden follen. Sodann genehmigte die Versammlung die sich aus diesem Beschlüsse ergebenden Statutenänderungen, Zu den Streitigkeiten im Kalisyndikat. Die zu Beginn dieses Monats abgehaltene Plenarversainmlung der Mitglieder des Kali- syndikats hatte eine Kommission eingesetzt, welche bezüglich der Quoten- anspräche der einzelnen Werke zwifchen diesen vermitteln sollte. Wie mitgeteilt wird, hatten bis zu der am 21, d. M. stattgehabten Sitzung der Kommission nicht weniger als 18 von den im Kalisyndikat ver- tretenen 28 Werken gegen die ihnen bisher zugedachte Quote pro- testiert. Es scheint namentlich bei den meisten jungen Werken die für Wilhelmshall und Hedwigsburg zum Nachteile andrer Ansprüche beliebte hohe Einschätzung Unwillen zu erregen, und man ist sich in Syndikatskrcisen einig darüber, daß auf der Basis der in der Vertragsvorlage vorgeschlagenen Ouotensätze ein Zusammenschluß nicht möglich ist. Deshalb soll der„Magdeburger Zeitung" zufolge nun die Vermittlungskominission in nochmaligen Verhandlungen mit allen protestierenden Werken versuchen, eine neue Ouotentabelle auszuarbeiten, um sie der für den 7. n, M. in Aussicht genommenen Plenarversammlung vorzulegen. Die Qceanflotte der Hamburg-Amerika-Linie hat trotz de? nicht besonders allzu günstigen Frachtgeschäfts auch im laufenden Jahre eine nicht unbeträchtliche Vermehrung erfahren. Während Ende März 1ö()3 die Zahl der Oceandampfer 120 betrug, ist sie am 1. November 1903 auf 12ö gestiegen. Die Vermehrung des Raum- gehalts betrug rund 30 000 Registertons? dieser betrug nämlich am 1, November 1903 010 912 Bruttotons gegen 578170 Ende März, Diese Vermehrung ist einerseits darauf zurückzuführen, daß in- zlvischen vier neue Dampfer fertiggestellt wurden. zu einem Teile resultiert sie aber auch aus dem Verkauf und Ankauf von Schiffen, der Anfang August stattgefunden hat. Damals wurden die älteren Damvfer„Allemcnmia".„Polmria",„Polynesia", „Rhenania" und„AthoS" durch Verkauf nach England aus der Flotte ausgeschieden, dagegen kaufte die Gesellschaft vier englische Dampfer, Durch diesen Austausch gewann die Hamburg-Amerika-Linie über 3000 Tons und verbesserte mit den leistungsfähigeren, modernen englischen Dampfern auch ihre Rentabilitäts-Chancem, Die ver» kauften Dampfer gehörten nämlich zu den ältesten und kleinsten See- schiffen der Gesellschaft. Nunmehr besitzt die Hamburg-Amerika- Linie nur noch acht Dampfer aus der Zeit vor 1398, das ist unter den 12ö Oceandainpfern mit über 008 000 Tons, deren Durchschnittsalter sich nur auf etwa sechs Jahre stellt, ein ver- schwindender Bruchteil älterer Tonnage. Außerdem befindet sich noch ein Dampfer in, Bau, der einen Raumgehalt von nicht weniger als 20 000 Brutto-RcgistcrtonS haben und den größten Dampfer der deutschen Schiffahrt repräsentieren wird. Nordamcrikanischcs Kapital in Spanien. Das gegenwärtige spanische Ministerium macht einige Anläufe, die Volksnnrtschast des Landes zu heben. Bei der natürlichen Beschaffenheit des Landes beabsichtigt es, zunächst mit der liebung der lanb Wirtschaft- l i ch e n Bewässerungsanlagen zu beginnen. Der Premier- minister Villaverde und der Ackerbauminister Gasset haben einen bezüglichen Gesetzentwurf in Aussicht gestellt, und diese zu erwartende staatliche Subvention lockt bereits das Kapital an und zwar amerikanisches, llntcr dem Patronate der spanischen Re- gierung und mit Unterstützung des nordan,erikauischeu Konsuls in Madrid hat sich jetzt in New Jork eine Gesellschaft mit einem Kapital von S Millionen Dollar, die„Spanisch-Americau Agricultural Machinerz and Irrigation Comp.", gebildet, an welchem einige der bedeutendsten nordamerikanischen Kapitalisten beteiligt sfind. Die spanische Regierung setzt merkwürdig große Hoffnungen auf diese Gesellschaft und ihre Thätigkeit und den Erfolg der staatlichen frotcktion! erstens würde, so wird offiziös verkündet, die produktive rast der spanischen Landwirtschaft durch systematische Errichtung von Bewässerungsanlagen beträchtlich gefördert wenden, sodann würde Spanien unter dem Schutze hoher Zölle und durch das Kapital der genannten Gesellschaft bald in den Besitz einer leistungsfähigen Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen gelangen. Es ist für den Zustand der spanischen Volkswirtschaft überaus charakteristisch, daß sie ihre letzten Hoffnungen hier auf das Ausland setzen muß. Wie weit sich die Hoffnungen Spaniens auf diesen Segen amerikanischen Kapitals erftillen werden, laßt sich natürlich nicht absehen, gesichert ist der Segen nur für die amerikanischen Unter- uehmer, die hier ein neues, staatlich freigiebigst konzessioniertes Ausbeutungsfeld präsentiert erhalten. Für de» Inhalt der Inserat« überniiumt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, 28. November. Ansang VI, Uhr: Opernhaus. Der Waffenschmied, Schauspielhaus, gm stillen Gätzchcn, Deutsches. Cyrano von Bcrgerac, Berliner. Wilhelm Tell, Lessing. Zapfenstreich. Westen. Die Asrikancrin, Nachmittag« 8 Uhr: Rotkäppchen. Neues. So ist da« Leben. Refidenz. Ein Seitensprung, Vor- her: Der zündende Funke. Eentral. Der Rastewinder. Nachmittags 3 Uhr: Der gestiefelte Kater, Thalia. Der Hochtourist. Nachmittag« 4 Uhr: Max und Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner. Theater.) Wilhelm Tell, Schiller kil.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Vasantascna, Belle-Alltancr. Los vom Manne, Carl Weist. Maria Theresia und thr Hos, Nachmittags 4 Uhr: Der Wald- meister, Luisen. Die Jungfrau von Orleans, Kleines. Nachtasyl. Drianon. Biscotte. Dentsch- Amerikanisches. Ucber'n großen Teich. Cafino. Berliner Nachtasyl. Hotel Klingebusch, Metropol. Durchlaucht Radieschen, Apollo. kkrühIingSIust, Polost. Mutter und Sohn, Winter-Garten. Svecialitäten, Paslage-Theatcr. Speclalttäten, Reichshallcn. Stettincr Sänger. Urania. Taubenstrafte 48/49, Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Oberltallen«, Nachmittag« 4 Uhr: Zu kleinen Preisen: Von der Zugspitze zum Watzmann, Jnvaltdenstraste S7/S2. Stern- Ivartc, Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr, eentraVffiiäterr Sonnabendnachmittag 4 Uhr, halbe Preise, jeder Erivachsene einKind frei. Der gestiefelte Kater. Märchcnspiel mit Ges.».Tanz in 4 Bild, Preise der Plätze: Logen a 3.10, 2,80, 1,85, Parkett a 2,10, 1,60, 1,10, Balkon a 1.80. 1,10, 0.80. 0,40, Abends VI, Uhr: Oer Raetelbinder. Neues Theater. Schissbauerdamm 4a— 5. So ist das Leben. Ansang VI, Uhr. Kleines Theater. Unter den Linden 44, Mtavktaszfl. Ansang 8 Uhr. Sonntag: Klektro. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Sonnabend, den 28. November 1903: Keine Vorstellung. Sonntagiiachmltlag 3 Uhr: Um Ehr' und Liebe. Sonntagabend 7 Uhr: Gin ehr- licher Matter. Svkillvi'-I'kva�vi». Schlllep-Theatep O. (Wallner-Theatcr), Sonnabendabend 8 Uhr: Wilhelm Teil. Schauspiel in fünf Akten von Friedrich Schiller. Sonntagnachmittag 3Uhr! Der Talisman. Sonntagabend 8 Uhr UaUame Bonlvapd. Montagabend 8 Uhr: San ülapcos Tochter. Schlllep-Theatep ST. (Friedrich-Wilhelmstädttsches Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Vasantascna. Drama in 5 Akten nach einer Dichtung de« König« Sudraka, Frei bearbeitet von Emil Pohl, Sonntagnachmittag ZUHr: »on Carlos. Sonntagabend 8 Uhr: Vasantascna. Montagabend 8 Uhr: Vasantascna. Cirkns Schumann. Heute Sonnabend, den 28. November 1993. abends VI, Uhr: ■W llish llfe Solr6c.-« Um 10 Uhr; Die gröstte Sensation in Berlin: Um 10 Uhr „La Fieche Humaine"(das opigmai), Mlle, H616ne Dutrlen, die Ersmderin dieses Pfeilsprunges m. d. Fahrrad Rekordsprung von 39 Fuft— IS Meter. Fräulein Dopa ttchnmann, j Herr Julius Seeth mit jugendliche Schulreiterin.| 25 miinnl. KalsepIOwen. Direktor Alb. Schninanns neue und moderne Dressuren. Mcrgen: In heiden Vorstellungen„La Fliehe Humaine"— 25 Kaiser- I6wen— August Cotrells Miniaturhunde und boä phänomenale Programm. _ gllF* Nachmittag« 1 Kind frei."MU_ Urania» Taubenstrasse 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober-Italtens. Um 4 Uhr im Theater: ie zum WatzmanD. Preise.) Sternwarte lavalidenstrasss 67/62. Von(terZupitze (Kleine CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Jndianer-jliese Die zusammengewachsenen Lebend. Schwestern! Lebend. Boeren-Rlese'VÄ" ehemal. Leibsoldat des PrKsi- denten Paul Krüger von Transvaal. Luisen-Theater. Die Iungftnu von Orleans. Sonnlagnachmittag 3 Uhr kleine Preise: Der Widerspensttgen Zäh- mung. Abends 8 Uhr: Der Ver» fchwender. Montag: Die Logenbrüder. Dienstag: Der Verschwender. Mittwoch zum erstenmal: Alpen- könig und Menlchensewd. Donnerstag: Der Widerspenstigen Zähmung. Freitag: WohlthätlgkeitSvorstellimg. Romeo und Futia, Sonnabend: Der Richter von Zalamea. Apollo-Theater. Zum 51. Male: Frählingsluft mit dem Ballett Blütenhochzeit. Ferner: tjehf. WO. � Ansang 8 Uhr. DgrchHt WM! Burleske Ansstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Soene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Im 4. Bilde: «rosses Ballett-WM Wie damals im Monat Mal. Anfang 8 Uhr. — Rauchen überall gestattet.— RejldknMHkM Direktton S. Lautenburg. Zum erstenmal: Ein Teiteuspnmg. (I,ii Carotte.) Schwank in 3 Akten von G. Berr, Dehöre und Gullmand. Deutsch von Max Schönau. Vorher: Der zündende Funke. Lustspiel w l Akt von Ed. Pailleron. Ansang 7'!, Uhr. Morgen und solg. Tage: Dies. Borst. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Lutti. Trianon-Theater. Georgenstratze, zwischen Friedrlch- und Universitätsswatze. Biscotte, Slnfaiig 8 Uhr. Sonntagnachmittag: Dte Notbrücke. Kasino-1'keater. Lothrwgerslr. 37. Ans. 8, Sonnt. Vlt Letzte Woche: Berliner Vavhtasyl. Letzte Woche; Gastspiel Kapitän Martens ie. Letzte Woche: B/.: Betel Kllngehnsch. Sonniagnachm. 4 Uhr: Ein edles Weih. Setle-HIliance- Theater. Bclle-Allianccstr. 7-8. Los vom Manne! Schwank in 3 Akten von W. Jacob y und A. Lippschltz. Ansang 8 Uhr. Sonntag und Montag: Los Vom Manne! Sonntagnachmittag 3 Uhr zu halben Preisen: Doktor Wespe. i IX. Berliner Saison.!> Girhns 8 tisch. Sonnabend, den 28. November, abends V/, Uhr: Ehrenabend für die Löwenbraut � Heliot _ nur noch 4 Abende. HT' Zum erstenmal:-ME vressur-�kt von Sehras und Pferden, w kurzer Zeit drefstert und vorgeführt von Herrn Kehnmann. GUStaV GOebel Berlin al« Schnlrcltep, Schüler des berühmten darnes Plllls. Neueste Sensation Berlins!!! Mr. Eclair im Teufelsrad. Nur noch einige Tage: Paul MtindDers Todessi über eine ganze Herde Elesanten. Zum Schlutz: berliner Mtersrenäen Humorist. Manege- Schaustück. Palast-Theater Bnrgstrafte L2, früher Feen-Palast, Skur noch kurze Zeit: Der Setlsatjovs-Schlager und da« Elitc-Programm. Morgen nachmittag 3 Uhr OlaTochlarllasnam) Fabricius Abends 7 Uhr: Das Liebesparadies und die berühmten Specialitäten. Ansang 8 Uhr, Sonntag 7 Uhr, ftW- Entrce 50 Pf. Carl Weiss-Theater. Graste Frankfurter Strafte ISS. Zum erstenmal: Maria Theresia und ihr Hof oder: Gute Stacht, Hänschen! Lustspiel in 5 Sitten von A. Müller. Ansang 8 Uhr. Nachmittags 4Uhr: Kindervorstellung 10, 25, 40 Pf. Der Waldmeister. /{LT- CHlNft Kunst-Jlusstellung GfiipaKR» STWSMtt Tdglich geöffnet 10-8. Gntree 1 91., Sonntag SO Pf. Zum 91. Male Theater l67Köpniik8ratr.6& I * tlllUVUW luwwowit Direktion: Robert Dill. Brnnnenstrasse 10. Heute wegen Prloaiscslllchkcit SSr geschlossen. 3S Sonntag: Preciosa. Ansang 7 Uhr. Montag: Hamlet, Prinz von Dänemark. Königstadt-Hasino Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstraße. Täglich: Frans Sobansfel. Geschw. Lehntann, C.Grcth, L.Durand, La Travlata, Lesardo and Trepp. Zum Schluß: Ein Goldfuchs* Passage-Theater Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Die 1 Excenlric-Tünzerin der Welt fertina Die Berliner Presse stellt sie ew- stimmig an die Spitze aller bisher in Berlin gesehenen Tänzerinnen. Las Meto-Mädchen Mensch oder Maschine? Das neue Rätsel für Berlin. 14 glänzende Nummern. Fröbeh Allerlei-Theater fr. Puhtmann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Frttbel. Jeden Sonnlag 5 Uhr: C! rosse Extra- Vorstollang der beliebten Zimmermanns Norddeutschen Sänger Nach der Borstellung um 10 Uyr: Grosser Sxtra-Sall Eintritt SO Pf. Sperrsitz 50 Pf. Montag 8'/. Uhr: Gastspiel Bühnen Ensemble„Goethe".— Dienstag 8'/, Uhr: Gastspiel Städtebund- Theater.— Mittwoch 8 Uhr: Familien- Abend. Norddeutsche Sänger. Nach der Vorstellung Frei-Tanz. Hut noch wtnlga Tage: Saharet australische Tänzerin. Emil Sondermann HumoriBt vom Contral-Theater, Berlin. Lucio Krall Bravoursängerin. Ida Füller in ihrer elektr. Soneat. „Feuer und Wind", Urban! u. Sohn Qymnastiker. Lamborg Klavierhumorist Linie Fred Hunde-Dreasour. 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Das verstehe 1 ich nicht 1 Was soll das I heißen?— Das werde ich j Dir bald klar machen. Sieh' Dir einmal in der ganzen j sladt die Schaufenster mil > Anzügen an. Stelle Dir 1 den Laien vor, der absolut[ 1 nichts von Waren versteht I Wo soll er kaufen? Einer ist immer billiger wie der 1 andre, der eine schenkt schon\ weg, dann giebt der andr, l noch Geld zu. Hier koste! der Anzug 20 M., bort| 1 25 M.. da 30 M. Nun| kommt einer, der vcrkausi I ihn für 18 M. Fa, da ist er I wieder schlechter. Äic's Geld. | so die Ware. Auch richtig aber nicht immer. Ich habe> schon teure Sachen gekauft, die nichts gehalten haben, und andrerseits billige Jachen, welche ich heu' t noch trage. Nun dacht| ich doch, jetzt habe ich einen billigen Liescranten,| ging wieder hin und-- 1 ja und-- ja frag' mich nur: Ich fiel herein. Hätte ich damals einen Wert- messer gehabt, wäre mir 1 das nicht passiert. Das ver- j stehe ich immer noch nicht Es haben doch nicht alle dieselbe Ware. Ja, die Augen muß man freilia, aufmachen, sonst tst'S nichts Wenn ich etwas brauche gehe ich zu Herrmnn» Schleulngcr. Erscheint| mir der Anzug, Paletot?c. gut und preiswert, so I kaufe ich ihn und bin| bei ihm noch nie rein- gefallen. Neulich kam mir! aber wirklich ein Stück zu teuer vor. Ich bot ibm j ! weniger, er nahm's nicht. I Denkst Du nun, er hat mir j zugeredet, seine Ware ge- lobt, andre schlecht gemacht, wie man das so gewohnl ist? J bewahre. Weißt Du. was er sagte? Hier sehen rie sich meine Ware genau an, die kostet bei mir so und so viel. Nun gehen Sic wo anders hin, können Sic solche dort billiger kaufen, so thun Sie es, im I andern Fall kommen Sie wieder zu mir und holen sich diesewe. Ich that's I I Ich bin in 5 Läden ge- wesen, meine Frau hat im j Centrum angefragt: Moabit war der Silligsle! Das nenne ich also Wert- messer. Für mich ist Herr- j mann Schlesinger der Wert- messer. Zuerst gehe ich dort l hin, ich weiß, ich kause gut und billig. Gefällt es mir nicht, so wird mir dort nichts aufgedrängt, und ich I habe immer noch Zeit, wo] anders hinzugehen. F. Reil, Bremen. Weizenkampstr. 187. Rohtabak-jtandtnng Sumatra-Decke, per Psund 130, 1 150, 200, 215, 220 Pf. usw. Gemischtes, loses Gut, gesund, bestehend aus nur überseeischen Tabaken, als Einlage und Umblatt auszuarbeiten, per Psund 70 Ps. Seedleas-Umblatt,! >er Psund 75. 90 Pf. Carmen, per )fund 70. 75. 80 Pf. St. Felix-] Brasil, per Pfund 75. 85, 90, 95, i 100 Pf. Domingo, per Psund 75, 90 Ps. SV* Die Preise verstehen' sich verzollt ab Bremen._ 34085* T Musikwerke 1 28441.*_ w nur eignes Fabrikat. öcbfrme gröeetee Lager. Dresdener-Strasse 2. Ecke Skalltzer-5(r. mit Glockenbegleitung u. aus wechselbaren Notenscheiben, so wie Zithern, schönste Familien- Unterhaltung, gcringeleilzablung. I. KURZBERG, Neue Königstr. direkt am Alexanderplatz lung., 47», I Dr. Schünemann Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden, Scydelstr. O. '/jO-'/iS, Sonnt. 9-11 Dem einen sein Joü ist dem andern sein IJrot. Lieber Tater, liebe Mutter! 01b mir Brot zu essen, leb habe Hanger. Jawohl, geehrtes Pnbliknm, Hunger tat weh, Der Familienvater hat nicht nur für Brot zu sorgen, sondern auch für Kleidung. Lieber Leser, ob Sie viel oder wenig verdienen, ob Sie sehr oder minder begütert eind, wenden Sie sich nur vertrauensvoll an uns, wir helfen Ihnen ihre Lasten tragen und nehmen Ihnen einen grossen Teil ihrer Sorgen dadurch ab, dass wir das ans zur Aufgabe gestellt haben, jedermann, ob arm, ob reich, anf das billigste zn Barderoaen zn verhelfen. Bei der heutigen Zeit, wo der einfachste Lebensunterhalt fast unerschwinglich ist, will und muss jedermann sparen. Jeder muss heutzutage, mag er Kapitalist oder Arbeiter sein, mit seinem Golde haushalten. Unser Augenmerk wird für die Zukunft nnr darauf gerichtet sein, mit den uns rar Verfnernug stehenden liapiialien Waren-.llassen zu den denkbar niodrig'stan Preisen ISasse«nzu.chaöen und diese dann mit einem aussergeiröbnllch geringen Nutzen"MV an das verehrte Publikum abzugeben. in allen Branchen, sei es Mannfaktur, sei es Schuhwaren, sei es Damen- Konfektion, Wäsche etc., bestehen schon hier in Berlin Partiewaren-, d. h. Geseh&fte, die durch Eiukaut Partien gegen har ganze Wai enlager erwerben, und dieselben dann an das p. Hnblikum billig absetzen. Wir gehen mit den fortschreitenden Zeitverhältnissen mit, und aus diesem Grunde nennen wir unser neues Unternehmen mit Recht Pittiewaren Haus I. Etage. �vanti Roseiialer Strasse 60 mr fertige Herren- und Knalien-Oardaroiien. I Etage. Ecke Steinstrasse. Stillstand ist Uttek schritt. 434 Wir haben den Fortschritt am unsere Fahne geschrieben. Wir eröffnen mit dem heutigen Tage unser Etablissement gleich mit dem Verkaut des uugeueuren H arenlagers der liquidierten Firma August Klingenberg, Dresden. Dieses ungeheure Warenlager haben wir in die einseinen Abteilungen unseres Riesen- Etablissements I. Etage. Boseiialer Strasse 60 I. Etage. verteilt und offerieren Ecke Steinstrasse Abteilang I Einen gross Posten Winter-Paletots, die früher bis 30 Mark verkauft wurden, jetzt von 61/2 M. an. Abteilnng 11 Einen gross. Posten Herren-Anzüge, die früher bis 68 Mark veraanft wurden, jetzt von 73/4 M. an. Abteilang III Einen grossen Posten Burschen- Anzüge u. Paletots, die früher bis 40 Mark verkauft wurden, jetzt von 53/4 M. an. Abteilnng IV Einengrossen PostenHerren-Hosen, die früher bis 20 Mark verkauft wurden, jetzt von V-U M. an. Abteilnng? Einen gross.Posten Joppen(.Jacketts, die früher bis 25 Mark verkauft worden, jetzt von 31/2 M. an. Abteilnng VI Einen gross. Posten Knaben-Anzüge u.-Paletots, darunter die feinsten Modell Sachen, die früher bis zu 25 Mark verkauft wurden, jetzt von i3/« M. an. Abteilung VII Einen grossen Posten Schlafrocke, die früher bis 48 MarK verkauft wurden, jetzt von 8.00 M. an. Abteilnng Vin Einen gross. Posten einzeln. Westen, die früher bis 10 Mark verkauft wurden, jetzt von T/a M. an. Einen grossen Posten Livree Anzüge- Bock-Mäntel- Fracks- Pel.- Mäntel- Arbeitsgarderobe für jeden Beruf zu aa.sergewdtmllcb billigen Preisen.-WM Treu unserer Devise„Avantl", ist unser Biesen-Etablissement der Neuelt entnpreebend ausgestattet. 17 grosse, belle Fenster an L Strassentronten erhellen unser Riesen-Ftablissement. so dass ieder Käufer die W aren genau besichtigen kann. Von einer grosser. Anzahl durenaus tüchtiger Fachleute wird das p. Publikum auf das znvorkommendste und schnellste bedient. Für fremde Sprachen sind Dolmetscher im Hause. Wir erlauben uns, jedermann in seinem eigenen Interesse, bevor er für sieh oder seine Familie fertige Garderoben einkauft, einzuladen, unser Riesen-Etablissement I. Etage. >- Bosentlialer Strasse 60 Ecke Sfeinstpasse zu besuchen und sieh von der noch nie dagewesenen reichhaltigen Auswahl der ausgestellten Herren- und Knaben-Garderoben nnd von deren erstaunlich billigen Preisen zu fiberzeugen._ AM- Geld geapart iat Geld verdient."MW Unsere Rlesea-EtabUssements sind geöffnet: «eohantags morgens 8 bis~ An Sonn- n. Feiertagen an den i 8 Uhr ununterbrochen, polisollloh erlaubten Stunden. •uRosenthaler Str. 60, 1. Etage. abends partiewaren- }(aus M tflvawti Qualität! Qualität! 'S o TJ c •S5 a L. �1/� Nur dieser u. dieser allein ist es zuzuschreiben, dass wir den wunderbaren Erfolg hatten, mit unseren TAlPs DIAMANTEN. Wenn Sie bedenken, dass wir sie jetzt, allerdings nur auf eine kurze Zeit, zum Preise von 2,00 Mark pro Stuck verkaufen, anstatt wie früher 6 Mark das Stück, so können Sie sich erklären, warum solcher Andrang in unseren drei Geschäften herrscht Taifs Diamanten sind die beste Imitation der Welt und werden vertrauensvoll von allen solchen Leuten getragen, die in den besten Gesellschaftsklassen verkehren. Unsere Muster sind alle neuesten und schönsten Styles, und sind ganz eigenartig originelle amerikanische zwischen diesen. \\\ � x' Vi'DM /■:,'•'s 7./ uy»- MA MWW" A" � M" W ÄiB-M-K ibk Üfe? M Öp M■ Ol// HP■ ■5I5—.0-5oi eb Der Glanz unserer Steine ist einzig in seiner Art Tait's Diamanten können gewaschen und gereinigt werden, wie echte Diamanten. Eine schriftliche Garantie mit jedem Tait's Diamanten. Nichtconvenirendes wird bereitwilligst kostenlos umgetauscht! Der Versand geschieht ab unserer Adresse: Berlin W., Friedrich-Strasse No. 169. Jeder Gegenstand wird gegen Voreinsendung von 2,30 Mark franco oder gegen Nachnahme von 2,50 Mark verschickt.— Für das Porto von 30 resp. 50 Pfennig kann nicht »»»»»» nur ein, sondern auch zwei oder mehrere Gegenstände versandt werden.«-7 Soll.... 75., Senstenberger, Henkels Werke 6+7 Zoll. 85,„ Bei Abnahme von 19 Ctr. 5 Pf. weniger. Lieferung frei Keller pro Ccntner 10 Ps. mehr. 69 Handwagen verleihe zu Kohlen a 19 Ps. 28882" Kleine ß Anzeigen fäJmerlZZatn in den Annahmestellen für BerlinM bis 2 Ihr, für die Vororte bis 1 �'Ar. in der /faupteipedition Linde nstr. 69. bis 4 Uhr angenommen. iste ji rden Hn FW M Hohlroller t