Ztr. 280. Bbennements-Bedingiins«!): Abonnements- Preis prünumerando: »ierteljährl. 3M Ml, oionaU. l.lv Ml, wöchentlich W Pfg. frei WS Haus. einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nummer niit illustrierter Sonntags. Bellage„Die Reue Well' 10 Pfg. Post- «bonneineill: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Pasl-ZeilungS. Preisliste für 1003 unter Nr, 8303. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn a Marl, für das übrige Ausland t Marl pro Monat, 20. Jahrg. vschtlit laglich auBtr montags. Nevltnev IDalteOIaff. Die Intertlons' Gebühr vekligt für die sechsgespaltene Kolonel. zcile oder deren Raum 40 Psg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versaininlungs-Slnzeigen 20 Pfg. „Kleine Snreigen" jedcS Wort o Pig, (nur das erste Wort fctt>. Inserate süt die nächste Nlmuncr niüsscn bis z Udr nachmittags in der Expedition abgcgedc» werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormitttagS geöffnet. relegramm-Norcsse! „Sotlaldenokrat Rtrlln". Centralsrgan der loriatiiemotrratisihen Uartei Deutschlands. l�cclaktton: SM. 68» I.inäensvnasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. 6xpedttion: SM. 68, Lindcnetraeac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die Ursache»t der Landflucht. Die Ursachen der Landflucht, der Abwanderungen vom Landein die Städte, sind in den letzten Jahren immer mehr in den Vorder grnnd der öffentlichen Diskussion gerückt. Der ganze große Kampf der Agrarier gegen die Wirtungen der Entwicklung vom Agrarstaat zum Industriestaat hat sich zum guten Teil um Forde rungen auf künstliche und gewaltsame Neuerungen und Eingriffe von feiten der Staatsgewalt gegen die ländliche Arbeiterflucht gedreht, und die ungeheuerlichen junkerlichen Vorschläge zur Ein- schränkung und Aufhebung der Freizügigkeit, zur kriminellen Ahndung des Kontraktbruches auf dem Lande sind noch in frischester Erinnerung und können, wie die Dinge heute in Preußen-Dentschland liegen, jeden Augenblick in gesetzt gebcrische Nähe rücken. In manchen Landlagen ist es ja bereits dazu gc- kommen, und daß Preußen vorsolchen Versuchen geradebei der erneuten reaktionären Zusammensetzung des Landtages je länger je lveniger bewahrt bleiben wird, zeigen schon allein die verdächtigen Aeußerungen des derzeitigen LandwirtschastSministers, des biederen Herrn v. P 0 d b i e l s k i, der am 4. Juni 1902 bekanntlich ganz rückhaltlos erklärte:„In gleicher Weise wie mein Amtsvorgänger halte ich es für>v ll n s ch e n s w e r t, S t r a f b e st i m m u n g e n ivegcn Erschwerung des KontraktbrucheS ergehen zu lassen, aber nicht etwa gegen die Arbeitnehmer, sondern gegen die Arbeitgeber, welche kontraktbrüchige Arbeiter in Beschäftigung nehmen, und daß auf der andren Seite die Verleitung zum Kontraktbruch unter Strafe gestellt wird.... Ich hoffe, in der n ä ch st e n Session, nachdem die Erhebungen beendet, die Schwierigkeiten überwunden find, dem hohen Hause eine solche Vorlage, aber nur in der begrenzten Weise, wie ich sie soeben bezeichnet habe, machen zu können und damit eine Materie so lveiter zu führen, daß meiner Ansicht nach berechtigte Beschlverden der Landwirtschaft dadurch behoben werden," Das ist deutlich genug. Auch bei den Z 0 l l d e b a t t e n des vorigen Winters standen die Erörterungen über die Ursachen der Landflucht im Vordergründe, Und ganz besonders damals war es u n s r e P a r t e i, die über diese Fragen zugleich mit denen über die Lage der Landwirtschaft im allgemeinen eine ernsthafte parlamentarische Enquete verlangte, damit endlich der Streit über den Wert bisheriger privater Untersuchungen über diese Fragen halbwegs ein Ende bekomme und besonders für die Ursachen der Landflucht ein vorurteilsloserer Maß- stab gewonnen werden könne. Man weiß, wie Regierung und Agrarier sich gegen diesen unsrcn Antrag mit aller Macht wandten, und leider ja auch allen Erfolg damit bei den Zollwucherern hatten. Unter all diesen Verhältniffen ist eS nun dahin gekommen, daß jede weitere Untersuchung über die Ursachen der Landflucht besondere Bedeutung bekommt; eine außergewöhnlich besondere Bedeutung aber, nicht im wissenschaftlich-volkswirtschaftlichen Sinne, sondern im politischen Sinne, wird man einer Untersuchung beimeffen müssen, die unsren Landwirtschafts mini st er so begeistert hat, daß er weitere ähnliche Untersuchungen desselben Herrn mit einem Stipendium unterstützt hat. Es handelt sich um eine„Untersuchung über die Motive der in die Städte abwandernden Landarbeiter und über die Existenz- bcdingungen der ländlichen und städtischen Arbeiter", die ein Dr. Franz H e i s e r- H a r t t u n g im Jahre 1900 gemacht hat und deren Ergebnisse, wie sie sich in seine n, Kopfe spiegeln, er jetzt zusammen mit„Untersuchungen über die Berufswahl der ländlichen Jugend und das Schicksal der in die Städte Abgesendeten" in den„Landwirtschaftlichen Jahrbüchern" des Gcheimrats und Ministerialdirektors im preußischen Landwirtschafts- Ministerium Dr. Thiel veröffentlicht. Diese letzteren Untersuchungen sind es, die nach Abschluß der elfteren Herr v, Podbielski mit einem Stipendiuin unterstützt hat. Für heute wollen wir uns mit den erstcren über die Motive der Abwanderung beschäftigen, die das Spipendinm provoziert haben. Man wird durchaus vorweg sagen können, daß sie dieser An- erkennung des Herrn v. Podbielski wert und würdig sind, denn was sich im Kopfe des Herrn Heiser-Harttung aus seinen Unter- suchungen w i e d e r s p i e g e l t, ist— bestenfalls— so oberflächlicher Art, daß man beinahe auf den Verdacht koinnicn könnte, Herr v. Podbielski selbst habe an der Bearbeitung der erhaltenen Materialien mitgearbeitet, denn vonde in Material selb st, das zu den„Urteilen" den Grund gelegt habe» soll, wird n ä m- lich auch eigentlich nicht ein Stückchen vorgelegt. Wir werden zwar unterrichtet, daß der Protegse des Landwirtschafts- Ministers von 200 Arbeitern einen Fragebogen beantwortet erhalten hat, aber lvir bekommen lveder den Frage« bogen selbst, noch die eignen Antworten der Arbeiter zur Kontrolle und zur Bildung eines eignen Urteils vorgelegt. Aber nein, wir wollen nicht lügen, aus den 200 Fragebogen wird uns doch eine einzige Ausklmst im Wortlaute mitgeteilt. Waren die übrigen auch so oder ähnlich, so verstehen wir allerdings sehr, warum sie uns nicht mit- geteilt werden; es dürfte dann unmöglich geworden sein, damit zugleich solche„Urteile" der Oeffentlichkeit vorzusetzen. Diese eine einzige Auskunft eines jetzigen Berliner Pferdebahn- schaffners nämlich, die uns mitgeteilt wird und die wir so kontrol- lieren können, lautet wörtlich:„Ich war gesund und kräftig, ich wollte tüchtig arbeiten und Geld verdienen. Arbeiten konnte ich auf dem Lande zwar auch, aber diese Arbeit wurde nicht bezahlt. Ich habe in der Stadt tüchtig gearbeitet und so viel verdient, daß ich mir meine Wirtschaft anschaffen, mich verheiraten und dank memer Stellung meine Familie unterhalten kann. Dieses war mein Ziel und deshalb zog ich in die Stadt. Dieses Ziel mir auf dem Lande stecken, durfte, ja konnte ich nicht, weil es zu erreichen einfach unmöglich Ivar. Dafür standen mir meine Er- fahrungen und namentlich die Erfahrungen andrer Leute zur Seite, denn wer auf dem Lande nichts hat, wie mir es ging, der kommt auch dortzu nichts." Herr Heiser-Harttung belehrt uns einfach, die Ursachen der Landflucht, die in dieser Antwort hervortreten, sind nur„ver- einzelt", nur„gering und nicht in dem Maße zu veranschlagen, wie dies von socialdemokratischer Seite und vieler G e- l e h r t e r, welche sich mit der Landarbeiterftage beschäftigt haben, geschieht". Die„socialdcmokratische Seite" bedankt sich für diese Be- lehrung, deren Grund sie nicht konwollieren kann, und wir vermuten, daß sich die„Gelehrten", gezielt ist augenscheinlich vor allem auf die Professoren v. d. Goltz und Conrad und auf den jetzigen badi- scheu Finanzminister Buchenberger, sich ebenso dafür bedanken werden. Was nun aber sind nach dem Urteile des„Gelehrten" des Herrn v. Podbielski die wahren und vorlviegenden Ursachen der Landflucht? Hören wir l„Bei weitaus den meisten der von mir befragten un- verheiratet abgewanderten Arbeiter spielte die Sucht nach materiellen Genüssen eine große Rolle." Was es zu dieser „Sucht nach materiellen Genüssen" für reichliche Gründe giebt, muß der also Urteilende fteilich selbst angeben:„auf die im engen Gntskreis aufgewachsenen Menschen, welche gewohnt sind, während des ganzen Sommers ftüh um 4 Uhr ihr Tagewerk zu be- ginnen und sich am Abend um neun oder zehn Uhr nach vollendeter Arbeit müde und ohne Erholung zu Bett zu legen, müssen die Ver- gnügungen, die Annehinlichkeiten und Reize der Stadt und die Hoffnung, an jedem Tage einige Stunden zur fteien persönlichen Vcrfiignng zu haben, einen ungeheuren Eindruck machen". Den Wunsch, weniger wie 18 Stunden täglich zu arbeiten, neben ein paar Stunden Schlaf auch noch„an jedem Tage einige Stunden zur fteien persönlichen Verfügung zu haben" und am Ende gar auch noch'mal ein Vergnügen zu genießen,— diese Wünsche und Forderungen bezeichnet dieser Biedermann als«Sucht nach materiellen Genüssen I" Aber es kommt noch besser.„Auch der höhere Lohn in den Städten, welchen mehr als die Hälfte der unverheirateten Arbeiter als Grnnd ihres Abzuges angegeben haben, ist ihnen nur Mittel zum Zweck, ein Mittel zur Erlangung sinnlicher Genüsse. Sie wollen die erhofften höheren Löhne gar nicht sparen, sie wollen die Vergnügungen in den Städten mitmachen, das„lustige Leben" ge- nießen." Und, ohne ein Wort dazwischen, fährt unser Mann, ohne den unheimlichen Widerspruch zu merken, also fort:„Nur die ä u ß c r st e Not, nur die F u r ch t vor d e m H u n g e r t 0 d e hätte die meisten von ihnen veranlassen können, dem lustigen Leben den Rücken zu kehren, und auch dann nur auf kurze Zeit, bis sie die Krifis überwunden und durch die Landarbeit so viel erspart haben, daß sie eS wagen könne», nach der Stadt zurückzukehren." Von durchaus ähnlichem Kaliber sind die übrigen Urteile des Herrn Heiser-Harttung. Nur niit den verheirateten Landarbeitern und ihren Motiven zur Landflucht geht der Herr in unwesentlichen Punkten etwas glimpflicher um. Es ist daher schließlich kein Wunder, daß Herr Heiser-Harttung, als er zum Vergleich auch die wirtschaftliche Lage vor und nach der Abwanderung des Landarbeiters in die Stadt „untersuchte", worüber uns gleichfalls jede Kontrolle versperrt wird, fand, daß„weitaus die meisten der in die Städte gewanderten Arbeiter ihre wirtschaftliche Lage verschlechtert hatten." Und darauf wird ohne jede Hexerei folgendermaßen Schluß gemacht:„Diese Thatsache zeigt ohne weiteres, daß sich auch die übrigen bei der Abwanderung von den Arbeitern gehegten Hoffnungen nicht erfüllt haben können." Damit Punktum. Und solche Untersuchungen, die die Oeffentlichkeit weder in der Methode noch im Material kontrollieren kann, die jeder halbwegs objektiven Art des Urtcilens völlig bar sind, sollen irgend etwas beweisen, sollen bei irgend einem ernsthaften Menschen ernsthafte Wirkungen haben! Herr v. Podbielski, der von ihnen bis zur Bewilligung eines Stipendiums begeistert war, mag sich beruhigen, die Socialdemokratie wird sich auch mit solchen„Unter- suchungcn" nicht vor den Bauch stoßen lassen. poUtilche debcrficbt. Berlin, den 30. November. Ter Militär-Etat. Der Etat für das preußische Mititärkontingeut und die sin die preußische Verivaltung) übernommenen Kontingente weist an Einnahme n für die Bundesstaaten mit Aus- nähme Bayerns 6 691 975 M.(— 4 753 077 SB.), für alle Bundesstaaten 725 504 M.(— 141 362 M.) auf, an außerordentlichen Deckungsmitteln(Erlöse aus dem Verkaufe von Fcstungs-Grund- stücken und-Baulichkeiten 4 821 930 M. i-ft 255-971 M). Die fortlaufenden Ausgaben betragen 451 180 814 M. s-ft 3 440 572 M.>. An Neuerungen sind zu nennen: Die Oberst- lientcnauts sollen künftig ein auf 7200 M. erhöhtes Gehalt be- ziehen, eine besondere Denkschrift begründet diese Forderung. feine zweite Denkschrift betrifft die in Aussicht genommene Besserstellung und Vermehrung der Unteroffiziere. Es sollen 765 neue Stellen für die außerhalb ihrer Truppenteile als Registratoren, etatsmäßige Schreiber oder Zeichner verwendeten Unteroffiziere errichtet werden; gewissen Untcroffiziergruppcn sollen die Gebührnisse der Vicefeldwebel gewährt werden; der vierte Teil der Sergeanten soll eine jährliche Zulage von 72 M. erhalten. Die einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats belaufen sich auf 28 393 828 M.(— 2 387 024 SB.). Im außerordentlichen Etat werden 21 122400 M. s-ft 1441300 SB.) gefordert, und zwar 258 000 M. zur ersten Ausstattung der neuen Formationen und der Verstärkungen, 500 000 SB. als 8. Rate für Feldbahnmaterial, 19 164 400 M. zum Ausbau der Festungen, 1 000 000 M. als Schlußrate für die neuen Bauten in Ulm, 200 000 M. als erste Rate für Ersatzbauten ic. in Mainz und Kastel, deren Umwallungen aufgelassen werden sollen. Der Etat für das sächsische Militörkontingent weist bei einer Einnahme von 380 215 SB.(ff- 27 080 M.) fort- dauernde Ausgaben in Höhe von 42 210 362 M.(-ft 524 M.) auf. Der Etat für das wllrttem bergische Militär« kontingent erfordert bei einer Einnahme von 1013 015 M. 846 500 SB.) an fortdauernden Ausgaben 21 406 440 Mark H- 126489 SB.) Dem Etat sind verschiedene Denkschriften beigefügt, in denen die Erhöhung der Bezüge begründet wird. Die eine Denkschrift motiviert die Erhöhung des künftigen Gehalts der Ober st« l i e u t e n a n t s der Infanterie auf 7200 SB. damit, daß eine Un» gerechtigkeit darin gelegen habe. daß die Obcrstlieuteuants der Infanterie bisher nur den Bataillonskommandcuren gleichgestanden hätten, während die Obcrstlicutenants der Kavallerie und der Fuß- artillerie sich durchweg in Stellungen mit den Gebührnissen eines Regimentskommandeurs befunden hatten. Aus Gründen der aus- gleichenden Gerechtigkeit müsse daher die Einkommensaufbeffcruug der in Frage kommenden 180 Oberstlieutenants der Infanterie statt- finden. Die Denkschrift betreffend die B e s s e r st e l l u n g und Ver» mehrung der Unteroffiziere begründet trotz des zur Zeit nicht„ungünstigen Standes an Unteroffizieren" die in Aussicht genommenen Maßnahmen folgendermaßen: Die dauernde Abkommandierung von Unteroffizieren aus dem Frontdienst bedeute für die Truppenteile bei den an und für sich nur knapp bemessenen Unteroffizieretats und bei den gesteigerten dienstlichen Anforderungen eine erhebliche Belastung. Es müsse da- nach gestrebt werden, der Truppe ihre volle Untcroffizicrzahl un- geschmälert zum Dienste zu belassen und alle in dauernden, auf das geringste Maß zu beschränkenden Kommandos außerhalb der Front befindlichen Unteroffiziere besonders zum Etat zu bringen. Die etatsmäßigcu Schreiber und Zeichner könnten bisher nach neunjähriger vorivurfsfreier Dienstzeit zu überzähligen Vice- feldwebeln usw. befördert werden. Es entspreche den allgemeinen BeförderungSverhältnisscn und den dienstlichen Interessen, wenn dieser Kategorie nach neunjähriger Dienstzeit auch die Vice- feldwebcl- usw. Gebühniissc gewährt werden könnten. Daß die jetzige Lage der Unteroffiziere keine glänzende ist, be- streitet natürlich auch die Socialdemokratie nicht. Aber ebenso selbst- verständlich kennt sie auch gegenüber allen Anträgen auf Ver- besserung der Lage der Unteroffiziere nur die eine Parole: Diesem System keinen Mann und keinen Groschen!« Amtliche Wahlbceiufliissmig. Eine amtliche Wahlbccinflussung skandalöser Art wird in der polnischen Presse bekannt gegeben. Der in Jnowrazlaw erscheinende „Dzicnnik Kujawski" veröffentlichte folgenden Erlaß des RegicrungS- Präsidenten in Brombcrg, der aus dem Polnischen zurückübersetzt lautet: Der Regierungspräsident. 423?. 8. Brombcrg, den 28. März 1903. Um bei den bevorstehenden Wahlen zum Reichstag und zum Landtag dem Siege der polnische» Kandidaten thunlichst vorzubeugen, ist es Pflicht eines jeden Deutschen, sein Wahlrecht im nationalen Sinne auszuüben. Nicht zum wenigsten sind d i e B c a m t c n gemäß dem Inhalt der Ministerialverordnung vom 12. April 1893 berufe», alle ihre Kräfte in den Dienst der nationalen Sache zu stellen, das wird ihnen um so leichter sein, als man nicht annehmen kann, daß eine Zersplitterung der deutschen Parteien die Entschließung der Wähler für diesen oder jenen Kandidaten erschweren sollte. Die Ausführung dieser wichtigsten nationalen Aufgabe lege ich Ihnen als ausdrückliche Pflicht auf und fordere Sie auf, die Beamten Ihres Geschäftsbereichs in entsprechender Weise zu verständige». Amtliche Reisen sind an den Wahltagen nach Möglichkeit zu vermeiden. In Vertretung: Frhr. v. L ü tz 0 lv. An den Herrr» Ersten Bürgermeister in Jnowrazlaw. Dieses Schreiben wurde— ivie das erwähnte polnische Blatt behauptet— durch den Gemcindediener allen Beamte» von den Stadtsckrctären ab bis zu den Nachtwächtern zur Kenntnis über- bracht und jeder Beamte mußte durch seine Unterschrift bestätigen, daß ihm das Schreiben vorgelegt war. Wenn die Mitteilung des polnischen Blattes richtig ist, so hat der Bürgermeister von Jnowrazlaw, in AuLfiihrung einer Anordnung des Rcgicrilngspräsidenten, die GeivissenS- und Wahlfreiheit der städtischen Beamten und Angestellten, die zum großen Teil selbst Polen sind, unberechttgt und unerträglich bedrückt. Es ist auch anzunehmen, daß dieser Eingriff in die Rechte der kommunalen Beamtenschaft nicht nur auf Jnolvrazlaiv beschränkt blieb, sondern überall bethätigt wurde, wo der Germanisierungseiscr des Bromberger Regierungspräsidenten Macht hat. Es wird er- forderlich sein, diesem aintlichen Wahlterrorismus gründlich nach- zugehen: die Wahlprüfungen im Reichstag dürften dazu günstige Gelegenheit bieten.—_ Die verhaßte Oeffentlichkeit der Kriegsgerichte. DaS Thema der Soldatenmißhandlungen beschäftigte ftnher, vor der Oeffentlichkeit der Kriegsgerichte, jährlich nur einmal bei der Verhandlung des Militäretats im Reichstage die Oeffentlichkeit. Hnb zwar waren es fast ausschließlich socialde in akratische Abgeordnete, die den Verzweiflungsschreien brutalisiertcr Mann- fchaften einen erschiittcrndcn Wiedcrhall im Parlament und mehr noch im Volke selbst ermöglichten. Heute ist das ganz anders. Heute vergeht auch nicht eine Woche, in der sich die Presse dank der Oeffentlichkeit der Kriegs- gcrichtc nicht mit scheußlichen Soldatenschindereicn beschäftigen müßte. Da hilft keine Vertuschung, keine Abschwächung mehr: Die Zahl und die Scheußlichkeiten der Mißhandlungen sind derart, daß auch der scharfmacherischen Presse allmählich Mc Entschuldigungsphrasen im Halse stecken geblieben sind. Aber in dem Maße, in dem die Empörung der Masse des Volkes über die enthüllten Brutalitäten der„Stellvertreter Gottes" gegen die Söhne des Volkes wächst, wächst auch die Erbitterung der Militaristen gegen die Oeffentlichkeit des Kriegsgerichtsverfahrens. Diese Erbitterung über die empörenden Enthüllungen aus dem Kasernenloben hat auch den Generalmajor v. Lettow- V o r b e ck veranlaßt, daS Thema der Soldatenmißhandlungen in einem langen Artikel im„Tag" in„etwas andrer Beleuchtung" zu behandeln. Er hat offenbar für den Militarismus eine Lanze brechen wollen, allein die Ungeschicklichkeit, mit der sich die meisten Militärs a. D. litterarisch bcivegen, hat ihn nur die innersten Herzensregungen eines gewiß nicht kleinen Teiles unsrer Militärs ausplaudern lassen. Die spccifisch militärische Beleuchtung, in der uns der Herr Generalmajor die Soldatcnmißhandlungen zu zeigen verspricht, mildert nicht etwa das traurige Bild des Kasernenlebcns, sie zeigt cs vielmehr in noch viel trüberem Lichte. Der Verfasser beweist nämlich, daß der Umfang der Soldaten Mißhandlungen ein noch viel größerer ist. als ihn die Kriegs- ll s r i ch t s- V c r h a n d l u n g e n erscheinen lassen. Nicht nur insofern, als er die bekannte Thatsache bestätigt, daß die miß- handelten Soldaten von ihrem Beschwerderecht vielfach keinen Gebrauch machen— weshalb, ist nur allzubckannt!—, sondern auch dadurch, daß er behauptet rmd durch Exemplifizierung auf sich s e l b st b e w c i st, daß die Herren Offiziere von den Mißhandelten nicht gcineldcte aber auf andrem Wege zu ihrer Kenntnis gelangte Mißhandlungen unter Mifiachtnng der be- stehenden Vorschriften nicht weiter melden! Der Verfasser erzählt nämlich, daß er einen Vicefeldwcbcl, der einem Grenadier m c h r e r e O h r fc i g c n versetzt hatte, nicht durch einen„That- bericht", wie er das selbst als seine„Pflicht" bezeichnet, ge- ineldet habe, weil er den„sehr brauchbaren" Mann sein„Fort- kommen" nicht habe erschweren lvollen! Er fährt dann fort: „Solche oder ähnliche Fälle stehen äußerlich nicht vereinzelt da, sie müssen sich aber geradezu hänfen, wenn ein Regiments- iommandeur, Ivie es vorgekommen, sich zu der Erklärung ver- leiten(!) läßt, in der besten Absicht, die Mißhandlungen zu be- seitigcn, er werde bei keinem Unteroffizier, der wegen Mißhand- lung bestraft ist, die weitere Kapitulation gestatten." Der Herr Generalmajor behauptet also, es existiere ein weit- v'e r b r e i t e t e S Vertuschung s s h st e in von Soldaten- Mißhandlungen bei den Offizieren, ein System, das geradezu groß gezüchtet werde durch Erklärungen humaner Regimentskommandeure, die ernsthaft dem Unwesen der Soldaten- Mißhandlungen zu Leibe gehen wollen! Man wird sich diese Geständnisse eines hohen Offiziers merken «Lssen! Wie der Herr Generalmajor über Soldaten- Mißhandlungen denkt, geht auch aus seiner 5ilage hervor, daß selbst leichte Miß- Handlungen— Ohrfeigen ohne Zerreißen des Tromnielfclls:c.— von den Kriegsgerichten mit einer Mindeststrafe von sieben Tagen Arrest ge- ahndet werden müßten. Eine solche Bestrafung der berühmten „schmerzlosen" Mißhandlungen sei in zahlreichen Fällen viel zu st r e n g. Es sei deshalb dringend wünschenswert, daß diese Fälle der Rechtsprechung der Kriegsgerichte e n t- zogen und entweder dem C o m p a g n i e ch c f zur d i s c i p l i- „arischen Aburteilung oder aber lvcnigstenS eine», R e g i- mentsgericht übertragen würden. Dann werde vor allen Dinge» auch die Oeffentlichkeit nicht unnötig er- regt! Man sieht also/ wie die Herren Militärs über Soldaten- Mißhandlungen und das öffentliche KricgsgerichtS-Vcrfahrcn denken! Nicht die Mißhandlungen s e l b st sind das Nebel, sondern ihr Eindruck auf die Oeffentlichkeit!— Die Revision des Drcyfns-Prozesses steht aller Voraussicht nach nunmehr wirklich bevor. Das„Wölfische Bureau" meldet aus Paris: DaS RevisionSgesuch des Exkapitäns DrehfuS ist am 20. d. M. an das Justiz m i n i st eriu m gelaugt. Geivisse von ihm aus- gezählte Thatsachcn würden den Inhalt des Aktenstückes bestätigen, welches der K r i e g s m i n i st e r Andre schon vordem dem Justiz mini st er Balls mitgeteilt hat. Während der Interpellation des Socialisten Jaurös hatte der Kriegsminister seine Absicht angekündigt, die Akten persönlich zu prüfen. Tie an den Justizminister gelangten Feststellungen des Kriegs- Ministers dürften zieinlich schlverwiegendcr Art sein, da sie den ersteren bestimmten, sie einer Revisionskommission vorzulegen, lieber den Inhalt des Gesuches von Drcyfus ist noch nichts verlautet. Nichtsdesto- weniger nimmt man an, daß Andre in den Aktenstücken des Kriegs- Ministeriums Dokumente von m ehr als zweifelhafter Glaubwürdigkeit gefunden habe, daß er außerdem die Spuren von Machenschaften entdeckt habe, deren nian sich in den Jahren 1897 oder 1898 im Kriegs in i n i st c r i n m bediente, um Schriftstücke oder wichtige Thatsachen zu verHeim- lichen, und daß er endlich von dem früheren Archivar Gribclen be- deutsame Enthüllungen erhalten habe. In der nächsten, ain Mitt- Ivoch stattfindenden Sitzung wird die Revisionskommission von den ihr vom I u st i z m i n i st e r zugegangenen Dokumente» Kenntnis nehme n. Nach Angaben gewisser Persönlichkeiten unterzog KricgSminister Andre den Dreysus-Dossier einer Prüfung, um in seiner Eigenschaft als Armeechcf die gegen einige in die Angelegenheit verwickelte Offiziere erhobenen Anschuldigungen auf ihre Wahrheit hin zu unter- suchen. Unter gewissen Vorbehalten wird behauptet, daß A n d r e in dem geheimen Dossier, welches allein dem Kriegsgericht in Renncö unterbreitet wurde, zwei Schriftstücke entdeckt haben solle, die er deutlich als gefälscht erkannt habe, und zwar derart, daß sie notwendigerweise b e- stimmend zur Verurteilung von DrehfuS bei- tragen mußten. Außerdem seien gewisse Dokumente, die die Unschuld von DrehfuS darlegen konnten, d e m Kriegsgericht nicht in i t g e t e i l t worden. Schließlich sei noch eine Zeugenaussage, die auf die Entscheidung des Kriegsgerichts in Reimes Einfluß üben konnte, infolge Beeinflussung von andrer Seite und von einer interessierten Persönlichkeit abgegeben worden. Ferner wird von andrer Seite berichtet: Der Beschluß des Justizministers, den Dreyfus-Prozeß einer Revision zu unterwerfen, ivurde bekanntlich vor einiger Zeit in der Kannner von Jaures angedeutet. Infolge dieser Andeutung hatte Drehfus einen RcvisionSantrag eingereicht, begründet auf die Er- klärungen Jaures' und die angeblich falsche Zeugen- aussage C h e r n u ch i s. Außer den beiden Fälschungen, welche sich unter den 174 Dokumenten des Aktenmaterials befinden, wird mitgeteilt, daß dem Kriegsminister über 190 Dokumente, welche für Drehfus g ü n st i g waren, entzogen worden waren. Unter den falschen Dokumenten befindet sich ein Brief des Generals P c l l i c u x. Diese Fälschungen waren das Werk des Archivars Gribelcn und des Obersten Henry. Gribelcn soll diese Thatsache eingestanden haben. Der Justizminister ist der Ansicht, daß die neuen Thatsachen von großer Wichtigkeit und geeignet sind, dem Kassationshof unterbreitet zu werden. Der Ausschuß tritt am nächsten Freitag zusammen und wird wahr- scheinlich sehr schnell seine Arbeiten erledigen. Man hofft, den Bericht des Ausschusses bereits innerhalb einer Woche zu erhalten. Der Aus- schuß besteht aus drei Kassationsräte», einem Katholiken, einem Protestanten und einem Juden, ferner aus drei Direktoren des JustizministerininS. Eine Interpellation über die Angelegenheit soll bereits morgen in der Kammer eingebracht werden, obgleich diese früher beschlossen hat, die Dreysiis-Angelegenheit dürfe den Rahmen des Gerichtsverfahrens nicht verlassen. DrehfuS wurde von dem Eni- schluß des Ministers durch seinen Schwager benachrichtigt und er- klärte sich damit zufrieden, lehnte aber jedes Interview in dieser Angelegenheit ab. Die Pariser Blätter besprechen die Angelegenheit der Revision der Drcyfus-Affaire.„ G a u l o i s" ist der Ansicht, daß Drcyfus nunmöhr freigesprochen werden wird. Auf diese Weise wird ein Streich gespielt und Frankreich wird die Kosten tragen. Ter „ M a t i n" sagt, die öffentliche Meinung wird sich nicht mehr für die Angelegenheit aufregen. Das„Journal" vertritt dieselbe Ansicht.„ A u r o r e" sagt, wir begrüßen mit Freuden den Anbruch des großen Tages, an dem die Wahrheit über alle Gehässigkeiten triumphieren wird. I a u r ö s schreibt in seiner„ P e t i t e RS- publique": Die Ruhe der Geister ist wieder hergestellt, und nunmehr wird das Recht bis in die Tiefe aller eindringen.— Der national! st ischeDcputierte Lasies kündigt an, daß er heute in der Depnticrtenkammer über die Wiederaufnahme der DreyfuS-Angelegcnheit interpellieren werde. In parlamentarischen Kreise» glaubt man jedoch, daß die Regierung zweifellos die von ihr beabsichtigte Ablehnung der Interpellation durchsetzen werde: die Regierung wird sich dabei auf den Beschluß der Kammer vom 7. April d. I. stützen, nach welchem die Drcyfns-Angelcgenheit den gerichtlichen Boden nicht mehr verlassen darf.— Deutfebe« Reich. Wahlrechtsreform" in Preußen. Anstatt einer wirklichen Wahlrcchtserncuerung will die preußische Reaktion einige„Auswüchse" beseitigen, die den Reaktionären selbst das Unrecht ihres Wahlsystems unangenehm machen. In erster Linie denkt man an die Teilung einzelner Wahlkreise, deren Größe den Wahlakt fast unmöglich macht. Ferner schlagen jetzt die„Berliner Politischen Nachrichten" vor. daß den größeren Städten das Recht eingeräumt werden soll, die Vornahme der Landtagswahlen nach der Art der Stadtverordnctenwahlen zu vollziehen. Durch Beseitigung solcher„Fehler" des jetzigen Wahlsystems soll) seine Anfrcchtcrhaltung gesichert werden. Diese Meinung des Schweinburg- Organs dürfte die baldige Losung der„maßgebenden" Parteien des Abgeordnetenhauses und der Regierung werden. Man wird nur solche„Reformen" wollen, die eine wirkliche Reform erst recht totschlagen. Das C e n t r u m erklärt bereits, daß es gleichsalls nicht daran denke, sich in die Mühe eines ernsten Vorgehens in der Wahlrechts- frage zu stürzen. Die„National-Zeitnng" hatte erklärt, daß jeden- falls die N e u e i n t e i l u n g der Wahlkreise gefordert und nachdrücklich erstrebt werden müsse. Das nationalliberale Blatt hatte sich dabei ausdrücklich an das Centrnm gewandt, daß diese Partei init den Nationalliberalen einen solchen Kampf aufnehmen solle. Es findet aber keinerlei Gegenliebe beim Centruin.„Die„Korrespondenz für Centrunisblütter" hat bereits eine wahrhast geniale Begründung er- dacht, indem sie schreibt: „In Sachen der Wahlrechtsreform in Preußen liegen jetzt die Verhältnisse wirtlich nicht so, daß von einem D c m o n st r a t i o n s- a n t r a g Vorteil zu erlvartcn lväre. Nach dem Dresdener Parteitage und dem geradezu flegelhaften Verhalten der Social- dcmokraten bei den Wahlen hat jetzt bis weit in die reforinfrcnndlichcn Kreise die TendenzPlatz gegriffen: Rniißgerade nicht: Es darf nichts preisgegeben werden, was noch als Wehrmittel gegen die freche Socialdcmokratie irgendwie zu verwerten ist!... Bei dieser Sachlage erscheint es uns gerade im Interesse einer guten Reform zu liegen, daß die heikle Frage nicht eher angeschnitten wird, als bis eine gclvisse Grundlage für eine Verständigung aller gesetz- gebenden Faktoren gefunden oder wenigstens in bestimmte Aus- sicht gerückt ist. Wer darauf drängt, daß jetzt sofort mit dem Kopf gegen die Mauer gerannt werden solle, ist kein ehrlicher Freund der Reform, sondern hat Hintergedanken." Die Reformehrlichkeit des EentrnmS zeigt sich in dem Entschluß, nichts in der Sache thu» zu lvollen. Nach der früheren Haltung des Ccntrums im Abgcordnetenhanse war eine andre Haltung auch nicht zu erwarten. Neu ist nur der Grund, der setz: das rcakrionäre Wesen des Centrums entschuldigen soll: die Flegelhaftigkeit und Frechheit der Socialdemokratie auf und nach dem Dresdener Parteitage. Merkwürdigerweise hat nur das Centrum seine Abneigung gegen eine Besserung der preußischen Arbeiterentrcchtung auch schon be- kündet und bethätigt, als die Socialdemokratie noch nicht in Dresden „flegelhaft und frech" geworden ist! Die Arbeiter, die noch in Centrumsbanden verstrickt sind, werden die Albernheit, hinter der sich die Entrcchtungspolitik des Centrums schlecht verbürgt, leicht lvürdigen.— Eine ultramontane Stadtverordneten-Mehrheit hat nun»eben Aachen auch das„heilige Köln". Dreißig Jahre lang hat daS Kölner Centrum vergebens gekämpft, um die liberale Mehrheit aus dem Rathaus zu verdrängen: am letzten Sonnabend ist es ihm gelungen. Mit einer Mehrheit von weit über hundert Stimmen haben bei der Stadtverordnctenwahl in der zweiten Ab- tcilung die Centrnmskandidaten nach einem unvergleichlich heißen Kamps bei einer Beteiligung von 86 Proz. der Wahlberechtigten gesiegt. Die Centrnmskandidaten erhielten durchschnittlich 2489, die„liberalen" 2359, der socialdemokratische Kandidat erhielt 33 Stimmen. Auf besonderen Wunsch der in der zweiten Abteilung wahlberechtigten Parteigenossen hatte der Socialdemokratische Verein die Wahlbeteiligung beschlossen. Wozu das Centrum aus Wahlpolitik im stände ist, mag man daraus ersehen, daß eS einen freisinnigen Juden mit auf seine Liste genommen hatte. Die katholischen Ar- b e i t e r lehrt es, daß sie sich in christlichen Sondcrgewerkschaften organisieren müssen: die katholischen Unternehmer aber dürfen ohne Ansehung der Religion, der politischen Gesinnung usw. vor- gehen, ohne daß ihr Seelenheil Schaden nimmt. Hat doch der Kölner Wcihbischof Dr. Schmitz bei einer früheren Stadtratswahl für einen Freimaurer gestimmt, den das Centrum, um die Hausbesitzer zu angeln, auf seine Liste gesetzt hatte. Nun sieht das Centrum in Köln. dem deutschen Rom. seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt: es hat die Frucht der ihm zu Liebe geschaffenen Kommunal- W a h l r e f o r in eingeheimst. Die Zwolftelung hat den Einfluß des Centrums in der ziveiten Abteilung derart erhöht, daß es zum erstenmal die vereinigten Liberalen schlagen konnte. Der Liberalismus war in Köln moralisch und politisch schon lange tot. Nun ist er auch fraktionell tot. Die Liberalen haben nur noch die erste Abteilnng sicher._Für die Socialdemokratie. die sich gewiß nicht über den Sieg des Ultramontanismus fteut, hat die Aenderung der Mehrheitsverhältnisse in, Stadtparlament den Vorteil, daß die Lage jetzt geklärt ist. Da» Kölner Rathaus-Centruni kann sich jetzt nicht mehr damit heraus« reden, daß die liberale Mehrheit es an der Arbeit hindere. Wie die Aachener nltramontane Rathausmehrheit in ihrer unsocialen, arbeiter- feindlichen und kulturrückschrittlichen Hallung nackt vor der öffentlichen Kritik dasteht, so wird es für die Folge auch in Köln sein.— Wahlprotest. Gegen die Wahl des Landgerichtsrats Hagemamr aus Erfurt haben uusre Parteigenossen im Reichstags-Wahlkreise E r f u r t- S ch l e u s i n g e n- Z i e g e n r ü ck einen umfangreichen Wahlprotest a n d c n R e i ch s t a g gelangen lassen. Ilnsre Genossen haben begründete Hoffnung, daß die Wahl des Herrn Hagemann für ungültig erklärt wird, denn die Majorität von 99 Stimmen ist nur durch Nirregelmäßigkeiteit aller Art erzielt worden.— Militärische Reklame für Beyerlcin. Wie uns aus Magdeburg gemeldet wird, ist dort Offizieren und Mannschaften verboten worden. an den Abenden das Theater zu besuchen, an denen Adam BeyerlcinS „Zapfenstreich" zur Aufführung gelangt. � �„ Beyerleins„Zapfenstreich" ist ein überaus harmloses Stuck, das auch nicht einen Hauch jenes ätzend-kritischen Geistes atmet, durch den Bcyerleins Roman„Sedan oder Jena" Aufsehen erregte. In Berlin bildet das Stück, dein sogar, kvenn wir nicht irren, die Aus- Zeichnung eines Prinzenbesuches zu teil wurde, augenblicklich das Repertoire des Lessing-Theaters. Entweder also kennt man daS Stück gar nicht oder aber man will den Autor für seinen Roman „Sedan oder Jena" züchtigen. Natürlich macht man damit in Wirk- lichkeit für Beyerlein nur Reklame. Auch der Bilse-Prozeß Hot ja nur die Folge gehabt, daß der Roman„Aus einer kleinen Garnison" nun», ehr bereits m Oestreich und Frankreich erschienen ist l— Russisches in Ostpreußen. Aus Königsberg wird uns berichtet: Ein erstaunliches HauSsuchungs- und Beschlagnah m e- verfahren wurde vor einigen Tagen in den, dicht an der russi- scheu Grenze liegenden, 6999 Einwohner zählenden Städtchen M a r g r a b o w a von der dortigen Polizei ausgcfiihrt. Die An- gelegenheit hatte sich wie folgt entwickelt:_ 'Weit sie bei der Rcichstagswabl socialdemokratlim gewählt haben sollten, wurden verschiedene Bürger, größtenteils Handwerks- incister, aus dein dortigen Äriegervereine ausgeschlossen. AbZ Antwort darauf beschlossen die Betroffenen, einen neuen Verein zu gründen, der den Namen„Rcform-Volksverein" führen sollte. Durch ein Inserat in der„Oletzkocr Zeitung" wurden Mitglieder geioorbcn. Ein zweites Inserat, in welchem von dem im Entstehen begriffenen Verein empfohlen wurde, bei der Landtagswahl nur solche Wahlmänner zu wählen, die für einen als Landtagskandidatcn aufgestellten Handwerksmeister stimmen würden, wurde von der vorhin genannten Zeitung nicht aufgenommen. Gleichzeitig wurde aber die Polizei vom Landrat bis zum Gendarmen gegen den im Entstehen begriffenen Verein mobil gemacht. Trotzdem gelang eS diesem, ein Statut auszuarbeiten, welches am 23. November der Polizei eingereicht werden sollte. Am Morgen dieses Tages erschien aber schon bei dem in Aussicht genommenen Vorsitzenden des Vereins ein Polizist und verlangte die Herausgabe der Statuten. Als dieses verweigert wurde, entfernte sich der Beamte. Er kam aber bald mit einem Oberwachtmcister und einem Zeugen zurück. Diese nähmet» nun ans Grund eines Schriftstücks des Bürgermeisters eine Haus- s u ch u n g vor. Alles wurde in der Wohnung durchwühlt, bis man die Statuten fand. Aber auch andre staatsgefährlich erscheinende Drucksachen wurden beschlagnahmt. Unter anderm: 1. der vor rund einem Jahre in Ostpreußen ,n 65 999 Exemplaren verbreitete Kalender . Osipmißi'cher Landbote", 2. die preußische Gesinde- Ordnung. 3.„Gesundheitsschutz". 4. Handbuch für socialdemokratlsche Wähler u. a. in. Dos tlingt echt russisch und erinnert an die Haussuchungen in Königsberg und Memel. Hier suchte man nach russischen Schriften und beschlagnahmte dabei sämtliche Privatbriefe der von der Haus- suchiing Betroffenen. Dort sucht man Statuten eines Vereins, der erst gegründet tverdcn sollte, und beschlagnahmte Bücher, die in den Buchhandlungen verkauft und verbreitet werden. Wir sind neugierig. welche» Bescheid die vorgesetzten Behörden auf die gegen die Margraboivcr Polizeivcrwaltung eingereichte Beschwerde erteilen werden._ Aus dem 22. sächsische» Wahlkreise. In einer am Sonntag in Reichenbacks abgehaltenen und zahlreich besuchten KreiSparteiversamm- lnng des 22. sächsischen ReichstagSwahlkreiscs wurde Genoße Adolf H o s f m a n n- Berlin einstimmig als RcichstagSkandidat an Stelle des verstorbenen Genossen Franz Hoffmann erwählt. ES ist sicher, daß nnsre Genoffen im 22. sächsischen Kreise mit ihrem neuen Kandidaten lviedernm einen sckiönen Wahlsieg gewinnen werden. Genosse Adolf Hoffmann ist im Wahlkreise durch größere Agitationstouren bereits wohlbekannt.— Weimar, 39. November. iPrivat-Telegramm.) Die Wahlen zum Landtag sind mm beendigt. Der neue Landtag für Sachsen-Weimar besteht ans 16 Konservativen(bisher 15). 12(11) Nationalliberalen. 2(4) Freisinnigen, 2(2) Socialdemolrateii, 1(1) Ultramonlanen.— Eine Heqls-Botschaft. Wir erwähnten schon die Rede des nationalliberalen Lederkönigs von Worms auf der Landcsvcrsammlung seiner hessischen Partei- genossen in Frankfurt a. M. Die Rede über die Aufgaben des ncucn Reichstags ist jetzt in Worms im Stenogramm erschienen; Herr v. Heist hält seine Weisheit osfcichar für sehr bedeutsam. Wir sind nichl der Meinung, die Herr v. Heist von sich selbst hat. aber einige Stellen der Rede sind doch als Zeichen national,.liberaler" An- schauungen und Absichten der Mitteilung wert. Herr V. Heyl sprach über das Verhältnis seiner Partei zu den Konservativen also: „Meine Herren! Bei den letzten Reichstagswahlen haben die Nationalliberalen in 25 Wahlkreisen Unterstützung durch die Konservativen und nur in 19 Wahlkreisen durch die Linkslibcralen gcfuirden: und auch bei dem jetzigen Wahlkampf zum preußischen Landtag haben ivir 2 5 Wahlkreise in Preußen zählen können, in welchen ein Kompromiß mit der konservative» Partei tliatsächlich vorhanden gewesen ist. Es ist deshalb äußerst bedauerlich, daß einzelne liberale Zeitungen... „National-Zeitnng"...„Hannoverscher Courier".. einen Fcld- zng gegen die Konservativen geführt haben..., der eine solche Bcr- bittcrung in Preußen herbeigeführt hat, daß es schiver für uns sein wird, im Reichstage, mit den Fraktionen, mit welchen wir früher im Wahlkartcll- Verhältnis standen, wieder gemein s a m arbeiten zu können. Wenn wir für die Militär- vorläge, von der Graf Oriola gesprochen hat, eintreten wollen..., so werden wir doch auf die U n t c r st ü tz u n g dieser Parteien angewiesen sei n." Ter nationalliberale.Krösus verpflichtet also jetzt bereits wieder seine Partei auf eine Militärvorlagc, deren Umfang und Kosten er noch nicht kennt. Zugleich bedauert er. daß ein Teil seiner Partei- genossen in den preußischen Kämpfen sich nicht nahe genug an die Konservativen gehalten haben. Zwischen dcr Nummer von Nationalliberalen, wie sie der Wormscr Lederkönig vorstellt, und den Konservativen ist überhaupt kaum noch ein Unterschied zu entdecken.— Hueland. Oestreich-Ungarn. Ein christlich-socialer Reichsratskandidat als Falschnmnzrr. Vor dem Krakauer Geschworenengericht fand dieser Tage ein großer Falschmüiizerprozeß statt. Der Hauptaiigcklagte tvar der christlich- sociale Gegenkandidat des Genossen Daszynski, Namens Wcngcrzyn. Er war eine Zeitlang die Hoffnung der klerikale» Partei und von dieser dazu auserichen, die Socialdemokratie zu vernichten. Wengerzyn wurde überführt, seit mchrcrcn Jahren mit Zwei GelvohilheitZvcrbrrchcrn falsche Fünfkronenstücke angefertigt und verausgabt zu haben. Er will sich nur deshalb daran beteiligt haben, weil er glaubte, daniit die Mittel zu erhalten, um die S o c r a l i st e:: zu bekämpfen. Die Falschmiinzer wurden zu je 2>/, Jahre schweren Kerkers verurteilt.— Eine ungarische Wahlreform angekündigt. Vudapest. IC». November. Die heutige Sitzung des Abgeordnetenhauses brachte eine imerwartete Wendung. Franz K o s s u t h erklärte, die verschärfte Auslegung der Hausordnung werde nicht zum Ziele führet?. Er erinnerte an die Friedens- bedingungen, die er vor einiger Zeit unterbreitet habe, namentlich die Ausdehnung des Wahlrechts, imd drückt den Wunsch aus, das; die nationale Bewegung, die bezüglich der Kommando- spräche keinen Erfolg gehabt, auf einem andren Gebiete Errungen- schaften durchsetze. Ministerpräsident Graf Tis z a führt anS, e r wünsche ein e n Entwurf der Reform des Wahl- rechts noch in dieser Legislaturperiode ein- zubringen, dainit die nächsten Wahlen bereits auf der Grund- läge deS neuen Wahlgesetzes stattfinden könnten. Dainit werde der Parlamentsausschuß zur Beratung der Wahlrcchtsfrage einberufen werden.(Allgemeiner lebhafter Beifall.) Polonyi stimnit der Er- klärung des Ministerpräsidenten zu. abgeordneter Hollo betont, es handle sich hier um das ungarische Kommando und nm nichts andres. Graf Apponyi beantragt, morgen keine Sitzung abzuhalten, dainit die Verhandlnng über das Koinprotniß stattstndcn könne. (Allgemeiner Beifall.) Die Sitzung ivird hierauf geschlossen.— Frankreich. Tod»lud Begräbilis des Kellners Lnsoud. Paris, 29. November.(Eig. Bei-.) An» 29. Oktober, während des polizeilichen Ueberfalls auf die Arbcitsbörse, hatte der jugendliche Kellner Lafond für seinen Teil einen Schlag mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf bekommen. Bor einigen Tagen verstarb er im Spital ai» einer Gehirnkraitkheit. Dieser Zusammenhang paßte dem Präfekten Löpinc. dein Urheber der Arbeitcrmctzclci, und seinen mitverantwortlicheir Beschützern von der Regierung ganz und gar nicht. Umsowcnigcr, als der allgemeine Gewerkschafts- Vorstand in einem Maucrplakat den Tod des Polizciopfers zur Kenntnis der Pariser Bevölkerung brachte. Zunächst versuchte also die Polizei, von der Mutter des Verstorbeneu die Aussage zu er- pressen, daß ihr Sohn an Schwindsncht und air epileptischen An- fällen gelitten hätte. Die Mutter ließ sich aber nicht einschüchtern. Ebenso mißlang der gleiche polizeiliche Versuch bei der Portierfrau der Wohnung Lafonds. Schließlich mußte die ärztliche Leichenschau angeordnet werden. Diese ergab als Todesursache ein Gehirn- geschwür infolge einer eiternde» Plcuresie. Löpinc hält sich nun für reingewaschen. Thatsächlich aber ändert die schließliche Todesursache nichts an dem feststehenden Umstand, daß die ersten nervösen Krankhcitsanfälle sich bei Lafond nach dessen Mißhandlung durch die Polizei eingestellt haben. Die Gewerkschaften haben daher beschlossen, dem Polizei-Opfer in demonstrativer Weise das letzte Geleit zu geben. Das paßte Löpine wieder nicht. Er hat durch ein außerordentliches polizeiliches Aufgebot die Leichenfeier geschändet und jeden Kundgcbungsversuch verhindert. Selbst die im Futteral zusamniengerollten Gctvcrkschasts- sahnen wurden de»-Fahnenträgern brutal entrissen. Auch wurden mehrere zeitweilige Verhaftungen vorgenommen. Tie Arbeiter ließen sich jedoch nicht provozieren. Man sieht, Löpine darf nach wie vor nngehenunt seine polizeiliche Diktatur ausüben. Von der über sein Benehmen ain 29. Oktober angeordneten„Enquete", die übrigens dem— Chef der Kriminalpolizei anvertraut tvurde, hört mai» noch immer nichts.— Deputicrtettkaunurr. In der heutigen Vormitlagssitzung wurde der M a r i n e- E t a t beraten. L o ck r o y(radikal) und C h a u m e t (radikal) tadeln die Amtsführung des Marineministers Pelletan und werfen diesem vor, daß er unnötig Gelder ausgebe und die von den Osfiziere» erstatteten Berichte über den Bau der Schiffe nicht ge- nüaend beachte. Auch das Centrum und die Rechte nehmen entschieden Stellung gegen den M i n i st c r. Letzterer erklärt, er werde antworten, wenn alle Redner gesprochen hätten.— Straßenkundgeiniigeu in Lyon. Nach einer Versanunlung in der Arbeitsbörse veranstalteten mehrere t a»l s e n d A r b e i t e r und Angestellte heute abend eine Straßenkundgebung gegen die Stellen- Vermittler. Ein Gendarm erie-Sergeant wurde v e r- w u nd e t! ein K o h l e n- K l e i n h ä n d l e r wurde von eiiiem Revolverschuß, den ein Polizeibeamter abgab, ge- troffen und starb alsbald. England. Der Minoritätsbericht über die südafrikanische Arbeiterfrage. London, 28. November. DaS neulich gemeldete Ergebnis der Untersuchung über die südafrikanische Arbeiterfrage wird nicht von der ganzen Kommission geteilt. Zwei Mitglieder derselben ver- öffentlichten gesterir einen Minoritätsbericht, der zu ganz entgegen- gesetzten Schlüssen gelangt. Die Minderheit ist der Ansicht, daß sich die Mehrheit der KommissionSmitgliedcr kritiklos den Aussagen der Minenbesitzcr angeschlossen habe. Sie ist ferner der Ansicht, daß die Interessen der Minenbesitzcr nicht immer mit den Interessen Englands und der britischen Arbeiter identisch seien und daß eS nötig sei, den Mincralrcichtum Transvaals zum Nutzen der ganzen Bevölkerung auszubeuten. Bor allem sei aber darauf zu sehen, die weiße» Arbeiter zu beschäftigen und es de»» Minenbesitzern nicht allzu leicht zu iitache», Arbeiter zu erhalten. Die Schlußfolgerungen des MinoritätöberichtS werdet« lvie folgt zusammengefaßt: 1. In Mittel- und Südaftika sind genug Arbeitskräste vorhanden, um den Bedarf der neuen Kolonien zu decken i 2. der jetzt herrschende Arbcitsmangel ist vor- übergehend und leicht zu beheben; 3. der künftige Bedarf wird— insoweit er das Wohlergehen des Landes fördern soll— ebenfalls aus süd- und miltelafrikanischen Oucllen gedeckt werden können; 4. die Zufuhr von Eingeborenen kann in»«chreren Arbeitszweigen durch weiße Arbeiter vervollständigt oder ganz ersetzt »verde».— Der Minoritätsbericht stellt sich also ganz auf den Stand- Punkt der Arbeiter. Er ist aber auch im Interesse der Aufrecht- crhaltung der britischen Macht in Südafrika abgefaßt, dem« nur durch die Einwanderung britischer Arbeiter können die Bocrcnclcmente politisch zurückgedrängt werden. Die südafrikanische Arbeiterfrage bietet eines der sehr wenigen Beispiele, wo das Interesse der Gewcrk- schaff mit dem des Imperialismus sich deckt, während das Interesse des Kapitals dem des Imperialismus entgegcngc>ctzt ist.— Neuwahlcu? Die Morgcnblätter veröffentlichten an» Montag eine Note der Prcß-Association, worin uiitgcteilt wird, daß cS von gewissen Eventualitäten abhänge, ob die Regierung die Neu- wählen bereits in den ttächstcn Tagen ausschreiben oder dieselben auf später verlegen»verde. Es hänge dies in erster Linie von den« Ergebnis der vier in d e r n ä ch st e» W o ch e st a t t f i n d e n d e n E r s a tz iv a h l e n ab.— Serbien. Eine neue OffizierSrebellion? AnS Belgrad, 30. November, ivird gemeldet: Hier cirkulieren unkontrollierbare Gerüchte über bevor st ehe» de weitere e r n st e Ereignisse. Die Königsmörder sind erbittert darüber, daß der König sich infolge ausländischer Einflüsse von ihnen ab- zuwenden beginnt. In einer geheimen Versammlung beschlossen ste, diesen Zustand nicht zu dulden, sondern den König zu zwinge», sich auf ihre Seite zu stellen. Eine Laffan-Mcldung weiß Iveitcr zu berichten: Oberst Maschin, der Führer der Verschwörung gegen König Alexander, berief gestern die Offiziere seiner Division zusammen und hielt eine Rede ai« sie, worin er die nationale Bedeutung des Umsturzes vom 11. Juni hervorhob und die Offiziere aufforderte, einig zu bleiben. Der anwesende Oberst Raschisch, ein ehemaliger Hofinarschall des Königs Alexander, führte darauf aus, eine solche Versammlung sei nicht geeignet, den politischen Teil der Rede des Obersten Maschin zu erörtern. Oberst Maschin gab den Offizieren darauf drei Tage Bedenkzeit, sich für oder gegen die Vorgänge vom 11. Juni zu er- klären. Er versicherte dabei auf Ehrenwort, es werde niemand für seine Gesinnung zur Verantwortung gezogen werden. An der Ver- samntlung nahmen ungefähr 900 Offiziere teil.— Asien. Tic englische Tibet-Expcditio». Den letzten Nachrichten aus Siuila zufolge wird die englische Expedition, welche nach Tibet cnt- sandt tverden soll, auf 2899 Mann indischer Truppen und 69 eng- lischen Offizieren bestehen._ Sociales. An alle Orts-Krankenkafsen! - Von verschiedenen Orts-Krankenkasscn in größeren Orten Deutsch- laiids sind dem Centralvcrbaudc Mitteilungen und Anfragen zu- gegangeit, welche sich auf die freie Arztwahl und auf die Bezahlung nach Einzcllcistungcn beziehen. DieS veranlaßt uns, diese Frage auf die Tagesordnung der nächsten Jahresversammlung des Central- Verbandes von Orts-Krankenkasscn im Deutschen Reiche zu setzen, uu« durch Vorträge bezw. gegenseitige Aussprache Klarheit auf diesem Gebiete zu schaffen. Bis dahin aber raten»vir allen O r ts- K r a n k e n- lassen, b c i w e l ch e ir d i c f r e i e A r z t w a h l noch»licht b e st e h t, von Einführung derselben abzusehen, und die bisherigen Arztverträge nicht zu kündigen. Es ist statistisch nachgewiesen, daß die freie Arztwahl init ihren Folgeerscheinungen nicht nur eine vcrhälnismäßige Erhöhung des Arzthonorars mit sich bringt, sondern auch die Airsgabekapitel: Krankengeld und Arznei- aufivand ms Ungcmessene erhöht, sodaß die Kassen dadurch der Leistungsfähigkeit entgcgcngeführt tverden. D r e S d e n, den 25. November 1903. Die OrtS-Krankenkasse daselbst als geschäftsführende Kasse deS Central- Verbandes von Orts-Krankenkassen iin Deuischcn Reiche. JuliuS Fräßdorf, Vorsitzender. Alle Arbeiterblättcr Deutschlands, gewerkschaftliche lvie politische werden um Abdruck des Vorstehenden gebeten. Des Erfinders Humanität. Herr Hanrpel in Charlottenburg hat eine sellsa»»e Maschine erfunden; daß er mit seiner Erfindung ein Geschäft machen will, versteht man. Aber wie? Mit Herrn Hampels Maschine kann ma»,»vcdcr Brot backen noch Kleider machen noch sonst irgend etwas Nützliches hervorbringen oder thun, nicht einmal Menschen umbringen; niemand hat Verwendung für die Maschine. Es ist nämlich eine— T a t o w i e r>»» a s ch i n e. Unter den Menschenfressern ist»vohl das Tätowieren noch ein blühender Geschäftszweig, auch in der Kultur- Menschheit gicbt es gewisse Schichten, die das Tatolvieren Pflegen, Maschinen»verde»» sie dazu aber schlvcrlich jeinals kaufe» und Herr Hanipel- ivird niemals ein Geschäft mit ihnen machen. Darüber gicbt sich der Erfinder nicht den geringsten Illusionen hin. Was nun Die Maschine muß unbedingt ihre Verlvcndung finden. Herr Hanipel aber»väre kein großer Erfinder,»venu er zu seiner Erfindung nicht auch eine profitable Anwendung erfände. So»vurdc der Erfinder— wie einfach!— auch noch K r i m i n a l i st. In der Vereinigung von Interessenten für Er- s i n d u n g s s ch u tz und Urheberrecht hielt er einen großen Vortrag über die N o t»v e n d i g k c i t der Tätowierung der Verbrecher. Herr Hanipel hat sich in große geistige lln- tosten gestürzt und den polizeilichen ErlennungSdienst gründlich studiert. Er erzählte von der Anlvcndung und der Wirkung der alten Brnndmarkung durch Brandstempel, schilderte die Geschichte der Tatolvicrung, verurteilte die Bertillonsche Meßmethode, erlvog die Aliweiidung des Sandstrahlgebläses für die maschinelle Tatowiennig, demonstrierte dann seine Maschine unter Vorlegung von Muslern ihrer Leistungen und bewies mit der in solchen Fällen üblichen zlvingenden Logik, daß seine Maschine das Rationellste sei, lvaS es giebi und in der Tatolvicrung der Verbrecher nach dem Shsten» Hainpcl das Heil der Polizei, der rächenden Gerechtigkeit, der Menschheit liege. Herr Hampel soll sich mit Herrn Oerie! associicrcn! Giftige Fiirbekreidei». Vor kurzem veröffentlichten tvir eine Mit- teilung, daß beim Gebrauche farbiger Kreiden, die Blei oder Arsen enthielten, Erkrankungen vorgekommen seien. Jetzt haben die Ministerien des Innern, des Kultus und für Handel und Getverbe eine Verordnung darüber a» die Regierungs- Präsidenten erlassen._ In der Verordnung wird darauf hin- gclviesen, daß das Gesetz vom 5. Juli 1887 gegen die Verwendung gesundheitsschädlicher Farben bei der Herstellung von Nahrungs- Mitteln, Gcnnßniitteln und Gebrauchsgegenständen nicht inuncr eine ausreichende Handhabe bieten»verde, der Verwendung von Arsen und Blei bei Farbckreiden entgegenzutreten, da es»vohl den Verkehr mit arsenhaltigen Schreibmaterialien, nicht aber den Blcigehalt der- selben und den Verkehr mit Zeichenmatcrialien regele. Die Regierungs- Präsidenten sollen deshalb bis zu einer späteren Revision des Gesetzes dem ttebelstande durch öffentliche Warnungen entgegentreten und auch die Fabriken auf die gemachten Wahrnehmungen hinlveisei«. Ein Streik der Acrzte wäre fast in C r i in in i t s ch a u aus- gebrochen,»veil die Ortskasscn nicht die von den Kassenärzten ge- forderte Erhöhung der Honorare belvilligcn»volltcn. Der Konflikt ist jetzt beigelegt worden. Die Aerztc gaben sich, wenn auch»vider- »villig, mit einer Lohnerhöhung von 30 Proz. zufrieden. Die Be- willigung ist■ 1 i den Vertretern derselben Arbeiter ausgesprochen »vordcn, die jetzt 14 Wochen ausgesperrt sind,»veil sie eine Ver- kiirzllilg der Arbeitszeit und Zulage um 5—10 Proz. foidcrtcn. Hue InduCtne und Handel. Das Ziistandekomnici» des Kohlciicoiiiptoirs kann nach den letzten Nachrichten als gesichert gelten, denn in einer am Donnerstag ab- gehaltenen Konferenz zlvifchcn den Bevollmächtigten des Kohlen- »'»indikats und den Vertretern der Rcederzechen, Stinncs, Haniel und Äänncngießcr, Ivurde schließlich der VereiiligungSvertrag von allen Seiten angenommen. Ob die andern Kohlcngroßhändler ebenfalls fänttlich zustiinmen, ist ganz nebensächlich, da nur die oben genannten ginne»» eigne Zechen besitzen; die übrigen also in dein Bezüge von Kohlen völlig auf das Kohleilsyndikat an- gclviesen sind. ES kann also baldigst»nit Preiserhöhungen vorgegangen werden. Vorbereitungen dazu»verde»« schon gettoffen. So»veiß z. B. die„Kölnische Volkszeittuig" zu berichten, daß, als vor einiger Zeit die badischen Staatsbahnen 190 900 Tonnen Lokomotivkohlcn für 1994/5 zu laufen suchte, daSKöhlencomptoir in seiner Offerte eine so hohe Preisforderung stellte, daß sich die Verwaltung der StaatSbahnen zur Ablehnung gcnöligt sah; doch gelang es ihr hinterher, das genannte Ouantun» noch zum Preise deS alten Vertrages(13— IS'/s M. pro Tonne frei Waggon Maimheiin) zu crlverbcn unter der Bedingung, daß die Kohle»« noch bis in März 1994 abgenommen»verde»». Berliner Elektrieitätsiverkr. In der gestrigen Generalversainm- lung, die entsprechend dein Vorschlage der Verlvaltung. die Dividende auf 9 Proz. festsetzte, machte Generaldirektor Ralhenau verschiedene Angaben über die Aussichten des bcgom»ensn Geschäftsjahres. In dc>i erstell vier Monaten(Juli/Oktober) dieses neuen Jahres seien 28,9 Millionen Kilowattstunden gegen 25,3 Millionen im Vorjahre nutzbar abgegeben»vordcn. Der dafür erzielte Betrag stelle sich auf 4 450 999 M. gegen 3 999 990 M. in» Vorjahre. In den ersten vier Monaten sei also eine Mehrciunahme von ca. 509 909 M. erzielt worden, die auf den durch die Tarisherabsetzuug auf die Gesellschaft entfallenden Teil im Betrage von 790099 M. zu verrechnen sind. Es sei anzunehmen, daß die fchlendc Summe von ca. 200 009 im Iveitcrcn Verlaufe des Geschäftsjahres ebenfalls durch Mchrabsag cmgebracht und der gesamte Ausfall bereits in« ersten Jahre gedeckt »verde. An neuen Anschlüssen seien bisher 73 783 Kilowattstunden (i. V. 69 640 Kilolvattsttlildeni zu verzeichnen. Ziehe man in Betracht, daß jede Kilolvatfftunde dem Verbranch von 29 Glühlampen eut- spricht, so könne das Res»iltat als durchaus befriedigend gelten. Die Jntcresicngcmcilischaft zwischen der Dresdner Bank»nid dem Schaaffhaiiscnschen Bankverein erfährt bereits eine Ausdehnung, indem, lvie aus Köln gemeldet Ivird, der Schaaffhauscnsche Bankverein an« 1. Januar nächsten Jahres die alte, schon 1826 gegrüildcte Kölner Bankfirma A. u. L. Camphausen in sich aufnimmt. Der jetzige Leiter des Bankhauses, Komnierzienrat Arthur Camphaufei», ein Verivandter des früheren Ministers Cainphausen, ivird in den Aufsichtsrats des Schaaffhausenschcn Bankvereins eintreten. Die Bcreinigiing der Kölner Aktieilgesellschast für Elckiricitäts- aiilage»»nit der Elektrischen Licht- nnd Krastanlniicn-Akticuqcscllschaft in Berlin ivird von der„Kölnischen Ztg." darauf zurückgeführt, daß die Erwerbung der Kölner Gesellschaft durch die Berliner der letzteren die Möglichkeit giebt, in P e t c r S b u r g, wo sie an der Gesellschaft für elektrische Beleuchtung ein großes Interesse hat, eine Neuordnung der Dinge einzuleiten. Die Kölner Aktiengesellschaft für Elekkricitäisanlagcn besitzt nämlich ein Drittel<2 Millionen Rubel) deS Aktienkapitals der Petersburger Gesellschaft für elektrische Anlagen und eine Forderung von 1,5' Millionen Rubel an dieses Unternehmen. Nach ihr ist der K ö l n c r„H c l i o S" der größte Gläubiger und Aktionär der Peters- burgcr Gesellschaft für elektrische Anlagen, Er besitzt rund 3,2 Millionen Rubel Forderung und 1,3 Millionen Rubel Aktien. Da nun die Berliner Licht- und Kraftanlagen- Gesellschaft die an der Petersburger Gesellschaft für elektrische Beleuchtung vom Jahre 1886 mit insgesamt 2 265 999 Rubel beteiligt ist, mit dem Er »vcrb deS Kölner Ilnternehn»ci«S zugleich auch dessen Besitz an Aktien der Petersburger Gesellschaft für elektrische Anlagen und die Forderungen gegen diese Gesellschaft erwirbt, so crgiebt sich, daß die beiden Petersburger Gesellschaften, die sich bisher als Wettbelverber gegenüberstanden, künftighin in eine enge Jnteressengeineinschaft treten. Weiter crgiebt sich, daß im Falle des Zustandekommens des ganzen Geschäfts der Kölner„Helios" Hand in Hand mir der elektrischen Licht- und Kraftanlagcngescllschast die Neu-Ordniulg der Verhältnisse derPetcrs- burgerGesellschaft für clektrischcAnlagen vorzunehmen hat. Die Berliner Licht- und Krnftanlagen-CIcscllschaft'ist aber nicht nur an der PeterS- burgcr Gesellschaft für elektrische Beleuchtung beteiligt, sondern hat auch an de« Aktiengesellschaft Sieme,»S II. Hals ke ein große» Interesse, die ihrerseits wieder an der seiner Zeit unter ihrer Mit- »virkung errichteten Petersburger Gesellschaft für elektrische Beleuchtung beteiligt ist. „Der„HclioS" kommt also, meint die„Kölnische Zeitung", durch das geplante Geschäft in enge Fühlung mit Siemens u. Halske und dadurch mit der S i e n» e n s- S.ch u ck e r t- G r n p p e. Allen» An- schein nach ivird das nicht ohne Einfluß auf die künftige Stellung des„HelioS" bleiben können." Der Ansicht sind»vir auch. Der„Helios" Ivird durch die Ver- ändcrilng völlig isoliert, und zwar in recht ungünstiger Weise, da er an der als Finanzgesellschaft hinter ihn« stehenden Gesellschaft für Elcktricitätsanlagcn eine gute Stütze fand. So dürfte es kaum allzu lange dauern, bis auch die HelioS-Gescllschaft dem SicincnS-Schuckert- Conccrn angegliedert»vird.__ GcwerklcbaftUcbeö» Der Frankfiirtcr svgcuaniilc„Arbeiterkougrefi" spukt»vegen seiner frumbcn Tendenz natürlich auch in der theologischen Presse noch besonders stark herum. Höchst ergötzlich dabei ist nun, »vic diese Vertreter„reiner",„unpolitischer",„nichtkoufesfionellcr" Arbeiter in den ganzen konfessionellen Wirrlvarr hineingezogen »verde». In der„Christi. Welt" zun» Beispiel, die sogenannte „liberal-evangelische" Auffassungen vertreten»vill, ivird das Ergebnis des Frankfurter KonvcnlikelS von einem Teilnehmer also gezogen: vorläufig habe der Kongreß„auf stille Beobachter den Ein- druck gemacht, als»venu es sich hierbei nur um eine B e r e i>u g i» n g christlich-, deutsch- und katbolisch- socialer Führer gehandelt hätte", da„evangelische Männer»nit liberalere n G r u n d a n s ch a u» n g e n" kauin hervorgetreten seien,„vielleicht auch nicht hervortreten konnten". DaS ist deutlich.„ES»vird also", schreibt der Teilnehmer dann»vörtlich zum Schluß,„die Iveitcrc Thätigkeit des gclvählten Ausschusses abgelv artet »verde»» müssen, um endgültig darüber urteilen zu können, ob sich bei den konfessionellen Verhältnissen Deutschlands für solche Zlvcckc ein dauerndes I u s a m»« c n Iv i r k c n ohne Schädigung andrer, m i n d c st e n S ebenso Iv i ch t i g e r(!) Faktoren er- möglichen läßt. oder ob»»an es nicht besser bei dieser acl hoc veranstaltete» Kundgebnilg bewenden lassen soll". Das ist. noch deutlicher: die Arbeiterintcressen haben zu schivcigcn, selbst in dieser devotesten Verkörperung zu schweigen,»venu die„Katho- lischen" den„Evangelischen" im Versuche des Arvcitcrfanges Abbruch thun könnten! IlnS scheint jedoch, als»venu die Herren Konfessionellen zu früh nm die Beute, die deutsche Arbeiterschaft, streiten. Noch haben sie dieselbe nicht und in» Angesichte dieses Streites ivird man allzusehr an Wilhelm Büschs Worte erinnert: Die beiden Eitte»« raufen. Da hat der Frosch gut laufen! Der konfessionelle Hader in den christlichen Gcivcrkschaftcn trägt vielleicht auch sein Teil dazu bei, die cininal dem Organisations- gedanken gctvonncnen christlichen Arbeiter den nichttonfeffioncllc» Geivcrkschaftcn zuzuführen. Serlln»inck llmgegenck. Die Lohiibt>ocn»»ft der Miiftcrkoffcrinachcr ist zu deren Gunsten verlaufen. Den Arbeitgebern sind folgende Forderungen unterbreitet »vorden: Neunstündige Arbeitszeit, eine allgemeine' Lohnerhöhung um 5 Proz.. ein Minimallohn für gelernte Arbcircr und Hilfsarbeiter »i»tcr 20 Jahre» von 37 Pfennig pro Stunde, für llcbcrstnndcn einen Zuschlag von 25 Proz., Lieferung von Werkzeug und Verbandstoffen, Anerkennung des im Mai d. I. abgeschlossenen Vertrages «er Gehilfen der Kofferbranche»nit den Koffwfabrikantcn in den Punlten. die für diese Betriebe in Betracht kommen.— Ein Teil der Fabrikanten hat sich zur Anerkennung der Forderungen sofortbereit erklärt, die übrigen verhielten sich unter Berufung auf die gegenwärtige Konkurrenz zunächst ablehnend. Die Muslerkoffermachcr beschlossen deshalb, bei allen Firmen, denen die Forderungen unterbreitet»vurden, am Montag früh bei Antritt der Arbeit die unterschristliche An- erkennung derselben zu verlangen und Ivo diese verweigert werden öllte, sofort d i e A r b e i t einzustellen. Am Montag nun haben sämtliche F irni c»», bei denen die Forderungen eingereicht »varei«, diese unter schriftlich a n e r k a n n t: infolgedessen ist es nirgends z»» Arbeitseinstellungen gekommen. Der Verband deutscher Gaslwirtsgehilfen(OrtSvcrwaltung Berlin» teilt uns»nit, daß die über das Lokal„Marienbad", Badstr. 86/30, Inhaber H. Niete, verhängte Sperre aufgehoben ist, indem Herr N. den kostenlosen Arbeitsnachweis des Verbandes nebst Lohntarif u n t c r f ch r i f t l» ch anerkannt hat.— In» Laufe dieser Woche sollen noch Verhandlungen mit weiteren Wirten stattfinden; das Resultat wird alsdann veröffentlicht. »n Sachen des Beltener Streits ist zu melden, daß im Laufe der vergangenen Woche auf Veranlassung des Vorstandes des Ofen- fabrikanten- Verbandes abermals Einigungsverhandlnngen statt- fanden. Genannter Vorstand sowie der Vorstand der Veltener Fabrikanten- Vereinigung und die Arbeitervertreter hatten am vergangenen Donnerstag eine achtstündige Sitzung. In derselben kamen Einigungsvorschläge zu stände, dahingehend, daß die minder bezahlten Positionen im Töpfertarif eine Zprozentige Er- höhung erfahren sollten. Die Hilfsarbeiter sollten pro Woche 80 Pf., die Kutscher 50 Pf. mehr bekommen. Gewiß äußerst minimal.— Sämtliche Teilnehmer versprachen, in den Fabrikanten- bezw. Arbeiterversammlungen dahin zu wirken, daß der Einigungs- Vorschlag angenommen werde. Die Arbeiter kamen gar nicht in die Lage, in ihrer Versammlung den Vorschlag zu dis- kutieren, denn die Veltener Unternehmer hatten, obgleich der Vor- schlag von den Unternehmern, die an der Sitzung teilgenommen haben. verteidigt worden ist, diesen abgelehnt und nur für vollwertige Hilfsarbeiter einen Pfennig Erhöhung pro Stunde(!) angenommen; alle übrigen Arbeiter sollten nichts erhalten. Die Arbeiter sahen dies für eine Verhöhnung an und wurde fast einstimmig die Fortführung des Streiks beschlossen. Die Veltener Unternehmer stutzen sich auf die am 1. Dezember stattfinden solle, rde Aussperrung.— Die Töpfer im Lande sind eifrig bemüht, Geld- urittel aufzubringen und ansehnliche Summen fließen der Hauptkasse zu. Allgemeinen Enthusiasmus ruft das Beispiel der Berliner Ofensetzer hervor, welche der Hauptkasse 45 000 M. zur Verfügung stellten.— Zuzug von Töpfer», sowie Arbeitern jeder Art nach Velten ist fernzuhalten. OeutTcKes Reich. Im Erimmitschaucr Klassenkampfe nehmen die Behörden rückhaltlos Stellung gegen die Arbeiterschaft. Während der Dauer der Aussperrung haben mindestens 100 Vcr- sammlungen getagt. Außer einigen Störungen d u r ch ii b e r c i f r i g e Beamte kamen nicht die geringsten Ungehörigkeiten vor. Trotzdem ist jetzt durch den Stadttat ein neuer Eingriff in das Versammlungs- recht der Arbeiterschaft erfolgt. Am 27. Nov. ist den Wirten der Lokale, in denen Versammlungen abgehalten werden, ein Schreiben zu- gegangen, in dem der Stadttat sagt, weil die Säle in vielen Fällen überfüllt gewesen seien, dürfe kein Saal bei öffentlichen Versamm- lungen für die Zukunft früher als e i n e S t u n d e v o r B e g i n n und nicht eher als bis ein Schutzmann an Ivesend ist. geöffnet werden. Bei Zuwiderhandlungen werde in jedem Falle eine Geldsttafe von 50 Mark verhängt werden. Unser Korrespondent ist in vielen der Versammlungen gewesen, die bisher getagt haben. Dieselben waren sehr stark besucht, aber der vorgeschriebene Gang in der Mitte des Saales ist immer ftei gehalten worden und selbst bei unberechtigten Auflösungen der Ver- sammlungen ging die Räumung der Säle glatt vor sich. Gesetzliche Bestimmungen, die dem Stadtrat gestatten, den Wirten solcheVor- schristcn in Bezug auf die Oeffnung ihrer Lokale zu machen, sind uns unbekannt. Die obere Behörde wird wieder einmal genötigt sein, den Crimmitschauer Stadtrat wie schon öfter zurechtzuweisen. Die Polizeibeamten haben Anlveisung erhalten, etwa halb so viele Personen in die Säle hineinzulassen, als bisher bei Ver- sammlungen anwesend waren. Die Arbeiter haben aber auch diesen gegen sie geführten Schlag pariert. Sie halten jetzt doppelte Vcrsanimluiigen ab um 3 und um 5 Uhr nachmittags, und die vielen zur Ueberwachung geschickten Beamten haben mm das Vergnügen, doppelt so lange als bisher in den Sälen zu sitzen. Die Abhaltung dieser doppelten Versaminlungen ist dem Stadt- rat natürlich auch nicht angenehm. Er hat deshalb den Einberufcrn von Versammlungen, die am Sonnabend stattfanden, eröffnet, daß sie für entstehende Aufläufe vor den Lokalen verantwortlich gemacht werden würden. Wie er das machen will, können wir uns freilich nicht denken. In den Versammlungen am Sonnabend wurde über die Ver- suche der Unteruehnicr, ausländische Arbeiter heranzuziehen, ge- sprachen. Die Ausgesperrten sehen diesen Versuchen kühl zu. Bis jetzt sind ganz wenige Ausländer angekommen. Die Fabrikanten finden aber in der Stadt kein Unterkommen für dieselben. Dies- bezügliche Inserate hatten keinen Erfolg. So hat sich denn ein Uiiternehmer genötigt gesehen, den Sttcikbrechern Quartier in seiner Villa zu geben. Das Crimmitschauer Gericht beginnt jetzt über Ausgesperrte schwere Strafen zu verhängen. Für das Wort„Streikbrecher" giebt es zwei Wochen Gefängnis. Weil ein Ausgesperrter einer Streik- brecherin„Pfui!" zugerufen und ihr„frech i n s G e s i ch t g e- sehen" sowie andre Arbeitswillige„durch freches Muster n" belästigt hatte, erhielt er drei Wochen Gefängnis. In der letzten Gerichtssitzung saß eine alte Frau auf der Anklagebank, weil sie ihre Tochter(I!) durch Drohling von der Aufnahme der Arbeit abgehalten haben soll. Die Tochter verweigerte ihre Aussagen und die Richter sprachen die Mntter frei, weil sie annahmen, sie habe der Tochter nur einen guten Rat gegeben. Bc= zeichnend ist es aber, daß die Mutter überhaupt denunziert worden ist. Ein Unternehmer hatte das besorgt. Während gegen den sogenannten Terrorismus der Arbeiter auf das strengste vorgegangen wird, gestatten sich Unternehmer brutale Ausschreitungen. Am Sonnabend packte ein Fabrikant ein Mädchen an undwollte esgewaltsam mit sichschleppen, nurweil es auf der andern Seite der Straße langsam an seiner Fabrik vorbeigegangen ivar. Dem Mädchen wurde das Jackett zerrissen. Auf seine Hilfe- rufe eilte ein Gendarm herbei und befreite es von dem Augreifer. Ein Strafantrag wurde vom Gericht nicht angenommen, sondern die Angegriffene auf den Weg der P r i v a t k l a g e verwiesen! Die Zahl der Arbeitswilligen ist andauernd eine ganz geringe. In einer Anzahl Betriebe ruht die Arbeit noch immer vollständig. Einein Unternehmer, der am vorigen Montag die Arbeit aufnehmen lassen wollte, stellten sich zwei ganze Personen zur Verfügung; die schickte er aber wieder fort. Die Stimmung der Ausgesperrten ist andauernd eine vor- treffliche. Liefert die deutsche Arbeiterschaft die erforderlichen Mittel zur Unterstützung, bleibt den Unternehmern nichts weiter übrig, als zu bewillige». kZuslanck. Die Arbeiter der Steingutfabriken von Znaim stehen bereits seit 23 Wochen im Abwehrstreik, ein andrer Teil wurde von den Unter- nehmern ausgesperrt. Es kommen über 400 gewerkschaftlich organi- sierte Arbeiter in Betracht, die für ihr Koalitionsrecht kämpfen, denn die Absicht der Unternehmer geht dahin, die Organisation zu zer- stören._ Berliner partel-Hn�elegenbeiten. RummelSburg. Die Genossen werden ersucht, sich zu heut abend 7'/i Uhr in ihren Zahlstellen zur Flngblatwcrbrcitung pünktlich ein- zufindcn. Lichtenberg. Heute Dienstagabend S'fa Uhr findet bei Höflich, Frankfurter Chaussee 120, eine öffentliche F r ä u e n v e r s a m m l u n g statt, in der Genossin P. Thiede einen Vortrag über Frauenarbeit und Organisation halten wird; ferner erfolgt die Wahl einer Ver- trauensperson. Frauen und Männer sind als Gäste willkommen. Grost-Lichterfelde. Nachdem nunmehr durch die Entscheidung des Oberverlvaltungsgcrichts die vorjährige Gemeindewahl im westlichen Bezirk wegen gesetzwidriger Zurückweisung von Wählern für un- gültig erklärt worden ist, findet die Erfabwahl morgen, Mittwoch, den 2. Dezember, nachmittags von 4 bis 8 Uhr, im Seddigschen Saale, Kyllmannstrasie 7, statt. Die Arbeiter dieses Bezirks müssen alles aufbieten, im: die beiden Sitze im ersten Ansturm zu er- obern. Bei der vorjährigen Wahl fehlten dem socialdemokratischen Kandidaten nur wenige Stimmen zum Siege. Die beiden social- demokratischen Kandidaten sind: K. Wenzel, Zeitungseppedient, Zehlendorferstraße 3, P. Hopf, Lagerhalter, Dürerstraße 11. Da uns eine Abschrift der Wählerliste nicht mehr bewilligt wird, säumige Wähler also nicht herangeholt werden können, so ist es umsomehr die Pflicht der klassenbewußten Arbeiter, die Lauen aufzurütteln und bis zum Wahltage eine intensive Agitation von Mund zu Mund zu cittfalten. Sieg ohne Stichwahl muß die Parole sein. Der socialdeuwttatische Wahlverein. Nowawes. Mittwochabend'/„g uhx pei Hicmke. Wallstraße, M i t g l i e d c r v e r s a m m I u n g' des Wahlvereins. Tages- Ord- nung: 1. Geschäftliches. 2. Wahl von Delegierten zur General- Versammlung des Central- Wahlvereins. 3. Besprechung über die stattgefundene Landtagswahl. 4. Stellungnahme zur Errichtung einer Volksbibliothek. 5. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet __ Der Vorstand. Gerichts-Zeitung. Auf dem Gebiete des Annoncensammelns scheint sich neuerdings eine Art„schwarze Bande" etabliert zu haben, die insbesondere den Verlegern von Fachzeitschriften gefährlich wird. Als Beweis hierfür kann die Anklage gelten, die den„Ännoncen-Acquisiteur" Franz Conard gestern vor die zweite Strafkmnmer des Land- gerichts I führte. Der Angeklagte hat vier verschiedene Firmen dadurch geschädigt, daß er diesen ziemlich umfangreiche Inseraten- auftrage überbrachte und durch sein ganzes sicheres und Vertrauen erweckendes Auftreten eS zu Wege brachte, daß ihm die auSbedungcnc Provision zumeist gleich bei Ucberbringung der Annoncen bar aus- gezahlt wurde. Die Verleger konnten später die Zahlung des Jnsertionspreises nicht erlangen, da es sich herausstellte, daß die Aufttaggcber fast durchweg zahln-gsunfähige Leute waren. Nach den Ermittelungen der Anklagebebörde„arbeitete" der Angeklagte mit einigen andren Acquisiteuren derart zusammen, daß sie sich gegenseitig zahlungsunfähige Leute zuführten, die bereit waren, gegen Bezahlung einiger Gläser Bier Aufträge auf Annoncen zu erteilen. Diese Leute wurden in Kneipen aufgesucht und verstanden sich dazu, gegen Freibier Auftragsformulace zu unterschreiben, ohne den Text überhaupt zu lesen, oft auch in Blanko, vielfach in der Trunkenheit. Iii den meisten Fällen wurde dem Acguisiteur der Text der Annonce zu selbständiger Abfassung überlassen und dieser gestaltete den Text dann so. daß a dem Verleger gegenüber den Anschein erweckte, als seien die Aufttaggcber große Gewerbetreibende. In einigen Fällen täuschte der Angeklagte die Firmeninhaber mich dadurch, daß er dem Bestellschein eine Annonce des betreffenden Auftraggebers, die in einer andren Zeitung erschienen war, iin Ausschnitt beilegte. Diese Annoncen waren aber in derselben Weise durch Betrug zu stände gekommen.— Mit Rücksicht auf die Gcmcingefährlichkeit eines solchen Treibens beantragte der Staatsanwalt gegen den Angeklagten IV. Jahre Gefängnis, 3 Jahre Ehrverlust und sofortige Verhaftung. Rechtsanwalt Dr. Werthau'er empfahl den Angeklagten einer milderen Beurteilung, da dieser als schon bejahrter Mann offen- sichtlich mit der Not des Lebens schwer zu kämpfen habe.'— Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 0 Monaten Gefängnis. Die Wandelgänge und Flurräume des Kriminal- gerichtsgebäudes in Moabit werden von vielen Personen gewissermaßen als öffentliche Verkchrsstätten betrachtet, in der sie nach Belieben verweilen können und wo ihnen niemand etwas zu sagen habe. Die Plakate an den Wänden, wonach jedermann, namentlich die nicht vorgeladenen Personen, den Weisungen der zur Aufrcchtcrhaltung der Ordnung bestellten Gcrichtsbcamten imchzu- kommen haben, werden zumeist als Kundgebungen bettachtct, die einer Beachtung nicht wert sind und so kommt cS denn häufig zu Konflikten zwischen sogenannten Kriminalstudcntcn und Gerichts- dienern. Zur Warnung sei daher darauf hingewiesen, daß das Schöffengericht gestern zwei Personen, die sich im Kriminalgerichts- gebäude unnütz gemacht hatten, Ivcgcn gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs zu 4 Wochen bezw. 14 Tagen Ge- fängnis verurteilt hat. Beide waren seiner Zeit vom Schöffengericht des Amtsgerichts II verurteilt worden und hatten nach der Vcr- Handlung ihrem Unmut über deren Ausgang in lauter Weise Luft gemacht. Da sie auch sonst noch sich außerordentlich unangemessen betrugen, so waren sie von dem betreffenden Kastellan wiederholt aufgefordert worden, das Gerichtsgebäude zu verlassen, sie hatten dieser Aufforderung aber keine Folge geleistet und hatten nun die Folgen zu tragen. Auf gemeinschaftlichen Hausfriedensbruch steht bekanntlich nur Gefängnis. Ein abschenliches Sittenbild beschäftigte gestern die achte Straf- kaminer des Landgerichts I. Auf der Anklagebank befanden sich der Uhrmacher Wilhelm Ra ck e l b u s ch und dessen beide 18 bezw. 16 Jahre alten Töchter Martha und Ottilie Rackclbusch. Aus der Urteilsverkündung ging hervor, daß Rackclbusch seit längerer Zeit zu seinen beiden Töchtern in einem unsittlichen Verkehr gestanden hatte. Er wurde zu zwölf Jahren Zuchthaus und zehn- jährigem Ehrverlust wegen Blutschande verurteilt, während seine ältere Tochter zu einem Monat, seine jüngere zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt wurde. Der Mann mit den Hutnadeln. Ein Sadistcnprozeß wird am nächsten Freitag vor der zehnten Strafkammer des Landgerichts I verhandelt iverden. Sein Milieu ist Berlin bei Nacht. In gewissen hiesigen Nachtcafes verkehrte öfter ein Mann, der mit dem Gelde nicht knauserte und dennoch bei den weiblichen Stammgästen, die sonst für gemünztes Gold sehr zugänglich sind, nichts weniger als beliebt war. Einige ließen sich durch die Aussicht auf einen großen Gewinn ver- leiten, ihn in ihre Behausung mitzunehmen, aber sie kehrten bald mit allen Zeichen ausgestandener Angst zurück. Schl eßlich war der Mann der Schrecken der Berliner Halbwelt. Trotzdem wagte es eine frühere Tänzerin Pauline Dobschin aus der Flottwellstraße eines Abends, seine Begleitung anzunehmen. Was sich in ihrer Wohnung abspielte, läßt sich im einzelnen nicht wiedergeben. Während andre Mädchen schon beim Beginn der Vorbereitungen davongelaufen waren, hatte dieses sich fesseln lassen und war so wehrlos. Das Ende war, daß die Mißhandelte fast wahnsinnig vor Schmerz zu einem Arzte kam. Die Spitze einer langen Hutnadel war im Becken- knochen abgebrochen und konnte nicht entfernt werden. Das Mädchen begann zu krättkeln und wurde immer elender. In der königlichen Klinik erholte es sich soweit wieder, daß es als gebessert entlassen werden konnte. Aber die Nadelspitze, die nicht herauszubringen war, verursachte immer von neuem und immer heftigere Schmerzen. Die Gequälte machte nun Anzeige und starb bald darauf Mitte Juni dieses Jahres. Das alsbald eingeleitete Verfahren gegen Unbekannt hatte zur Folge, daß die Leiche nach vierzehn Tagen dem Grabe wieder entnommen und gerichtsärztlich geöffnet wurde. Als Todes- Ursache wurde eine Bauchfellentzündung festgestellt. Die Kriminal- Polizei gab sich um so größere Mühe,„Unbekannt" zu ermitteln, als in einer furchtbaren noch nicht aufgeklärten Kapitalsache schon einmal eine solche Verletzung vorgekommen war. Aber der Mann ließ sich geraume Zeit nicht mehr sehen, weder bei Tage noch bei Nacht. Auch die Mädchen, die nachts auf das schärfste aufpaßten, konnten keine Spur mehr von ihm entdecken. Da betrat eines Abends spät ein Mann mit einer jungen Frau das Cafe Keck. Sofort sprang eine vom Stammpublikum, die Rumänierin„Pola", auf und rief:„Das ist der Kerl!" Wen sie meinte, verstand man gleich allgemein, und es gab eine große Aufregung. Ein Schutzmann wurde geholt und der Fremde mußte mit auf die Wache. Hier wies er sich aus als Cigarrenfabrikant Eßlinger aus Mannheim, der für seine eigne Fabrik reist und öfter auch Berlin besucht. An jenem Abend befand er sich auf der. Hochzeitsreise. Seine junge Frau hatte ihn, wie das öfter geschieht, gebeten, ihr einmal einen Einblick in das Berliner Nacht« leben zu verschaffe!:, und Ivar nun mit ihm in die unliebsame Lage geraten. In den Taschen des Angehaltenen fand man mehrere neue große Hutnadeln. Eßlinger wurde auf freiem Fuß belassen. Die Staatsanwaltschaft aber erhob Anklage gegen ihn, und so wird er sich am Freitag wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu verantworten haben. Bei der Verhandlung wird voraussichtlich auch der Arzt ein gewichtiges Wort mitreden; der Angeschuldigte hat sich bereits selbst aus seinen Geisteszustand untersuchen lassen. Die Zeugen gehören meist der Halbwelt an. Das Mädchen, um dessen Tod sich der Prozeß dreht, hinterließ ein Vermögen von 12 000 Mark. Versammlungen. Die Rohrleger und Helfer haben bekanntlich nach ihrer letzten Lohnbewegung einen Tarif mit den Unternehmern abgeschlossen.� Zur Regelung von Streitigkeiten wegen des Tarifs ist eine paritätische Kommission eingesetzt worden. lieber die Thätigkeit dieser Schlichtungskonnnission erstattete Wiesenthal am Sonntag in einer Versammlung der Rohrleger und Helfer Bericht. Er teilte mit, daß mehrfach in den Verhandlungen der Schlichtungskommtssion Auseinandersetzungen init den Unternehmern stattgefunden haben, aus denen die Arbeitnehmer den Eindruck erhalten haben, daß die Unternehmer am liebsten das Tarifvcrhältnis aufheben möchten. In solchen Fällen, wo Tarifverletzungcn von Arbeitern zur Verhandlung standen, verlangten die Unternehmer von den Arbeitervcrtretern, daß sie Garantien für die Jnnehaltung des Tarifs bieten sollten. Die Ver- treter der Arbeiter erklärten, sie seien bereit, in allen Fällen, wo Arbeiter zu Unrecht die Arbeit niederlegen, die Stellen durch ihren eignen Arbeitsnachweis zu besetzen. Andrerseits müsse aber dar- auf gedrungen werden, daß der Arbeitsnachweis der Unternehmer für alle tarifunttenen Arbeitgeber gesperrt werde. Für diese selbst- verständliche, die Durchführung des Tarifs verbürgende Gegenfordc- rnng hätten die Unternehmer aber keine Neigung gezeigt. Was die Vertreter der Arbeiter in der«chlichtnngstominission zur Durch- führung des Tarifs von beiden Seiten für notwendig hatten, ist in folgenden, von den Vertrauensmännern bereits gut geheißenen An- trägen formuliert: I. Die Versammlung beschließt: 1. In den Werkstätten und auf den Bauten ,m Tarifgewet Berlin, wo von den Arbeitgebern der Tarif gebrochen Ivird, sind unsre Kollegen unter allen Umständen verpflichtet, die Arbeit nicht ftllher niederzulegen, bis die Schlichtungskommission über den Streit- fall verbandclt hat.. 2. Sollten Berliner Rohrleger und Helfer, entgegen diesem Grundsatz, die Arbeit niederlegen, so zahlt der Deutsche Metallarbeiter- Verband an dieselben keinerlei Unterstützung. 3. In diesen Fällen wird die Firma nicht vom Verbände im „Vorwärts" gesperrt, ja die Organisation stellt sogar ihren Arbeits- Nachweis zur Vcrftigung. 4. Die Versammelten verpflichten sich, in obigen Fällen, wenn sie vom Arbeitsnachweis des Metallarbeiter- Verbandes geschickt werden, in der ersten Woche zu dem tariflichen Mindestlohn zu arbeiten. II. Die Arbeitnehmer des Rohrlegergewerbes für Berlin und Umgegend beanttagen bei der Schlichtungskommission: 1. Wenn in einer Werkstatt, die den Vereinigungen der Arbeit- geber nicht angehört, die Arbeit zwecks Durchführung des Tarifs niedergelegt wird, so verpflichten sich die Arbeitgeber, ihren Arbeits- Nachweis zu beauftragen, keine Arbeiter an solche Betriebe zu vcr- Mitteln. 2. Den Arbeitgeber, sollte er die Hilfe des Arbeitsnachweises anrufen, anzuweisen, seine alten Leute wieder einzustellen, und dem Tarif dadurch beizutreten, daß er Mitglied einer Arbeitgeber-Organi- satton wird. Der Redner brachte noch einen Mißstand zur Sprache, der für die Berliner Rohrleger sehr nachteilig ist. nämlich den: Auswärtige Firmen, die in Berlin Filialen haben, beschäftigen Arbeiter von außer- halb in Berlin und zwar zu Lohnsätzen, die oft ganz erheblich niedriger sind wie die Sätze des Berliner Tarifs. Es werden in solchen Fällen Stundenlöhne gezahlt bis herunter zu 45 Pf. Hiergegen meinte der Redner, müsse ganz entschieden vorgegangen werden. Die Berliner Rohrleger könnten mit Recht verlangen, daß inr Geltungsbereich des Tarifs nicht anders als zu tarifmäßigen Bedingungen gearbeitet werde, und daß die organisierten Unternehmer dies berechtigte Verlangen der Arbeiter unterstützen. Die vorstehenden Änttäge wurden nach kurzer Diskussion ein- stimmig angenommen. Zu Beginn der Versammlung hielt L i t f i n einen Bortrag über die Gcwerkfchaftsbewcgung einst und jetzt. Köpenick. Am Dienstag, den 24. November, hielt der social- demokratische Wahlverein seine Versammlung in Seidels„Gesellschafts- hauS" ab. Die„Ur- und Abgcordnetcnwahlen" war das Thema. über welches sich eine recht rege Diskussion entspann. Es wurde dem Vorstand aufgegeben, diejenigen Parteigenossen zur Rechenschaft zu ziehen, welche bei den UrWahlen nicht zur Stelle waren. Ferner wurden zehn Genossen in den Wahlverein neu aufgenommen. �et2te Nachrichten und Depefchen« Deutsch- Südwest-Afrika. Berlin, 30. November. �5®. T. 33.) Nack einem heute hier eingegmigenen Telegramm des Kaiserlichen Gouvernements in Windhuk hat Hauptmann v. Kopp!) am 21. d. M. mit der dritten Compagnie und Witbois Unter dem Oberlieutenant Grafen von Kageneck die feindliche Stellung bei Sandfontein südlich von Warmbad erstürmt. Diesseits sind keine Verluste entstanden, die ZZerluste des Feindes sind unbekannt. Die geraubten Frachtwagcn sind zurück- erobert. Munition und Vieh ist erbeutet worden. Die Humbert-Akten. Paris, 30. November.(W. T. 93.) Die Kommission zur Untersuchung der Hunrbert-Angelegenhcit setzte heute die Prüfung der Akten fort. Diese hat bisher keinen Beweis für die Mitschuld eines Parlamentsmitgliedes erbracht. Es wurden nur ganz alltäg- liche auf Jagd- und Thcatcrcinladungen bezügliche Korrespondenzen gefunden. Paris, 30. November. sW. T. 93.) Die Untersuchungskommission in der Humbert-Angelegenheit teilte dem Deputierten D e s ch a n e l auf dessen Antrag den angeblich von ihm g e- schrieben en Brief mit. Deschanel erklärte darauf, der Brief fei eine Fälschung und übergab die Sache einem Advokaten. Wie», 30. November.värtsBuchdruckcrciu.BerIazsanstattPa«lSingcrS!Co.,BcrlinS1V. Hierzu 2 Beilagen u.UnterhalttmgSblatt Ht m zy-zchMg. i. Mm iles„Öunirtö" Attlilltl Polfelilött.» 1 w«btt IM. partei-IVachrichtcn. »Die Arbeit" ist der Titel einer reich illustrierten Silvester- zeitung, die zu Weihnachten im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erscheinen wird. Dem zwiespaltigen Charakter der Arbeit sind Text und Illustrationen gewidmet: Die Arbeit als Befreierin der Menschheit. Die Arbeit als Fluch und Geiste! der Menschheit. Unter den Illustrationen zeigt uns das prächtige Bild des Bahnbrechers der modernen französischen Malerei: Millets„Mann mit der Hacke", den durch uneingeschränkte Ausbeutung und übermähige Arbeit zum blöden Tier erniedrigten Arbeiter, während Stassens wirkungsvolles Titelbild die durch den SocialismuS zur Befreierin der Menschheit erhobene Arbeit versinnbildlicht. Von den Tcxtbeiträgen heben ivir hervor:«Die Arbeit", Gedicht von Klara Müller.—„Die Schnitzer- linder" von E. Rosenow.—„Die Organisation" von C. Legien.— »Streiks und Lohnkämpfe 1903" von A. Braun.—„Frauenarbeit" von Luise Zietz. Der Preis für das in zwei Farben gedruckte Fest- blatt beträgt 10 Pf. Die bis zum 10. Dezember eingehenden Be- stellungen werden vor Weihnachten erledigt. Bestellungen sind zu richten an die Buchhandlung Borlvärts. Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, Die„Neue Zeit" teilt in ihrer soeben erschienenen Nr. 9 mit, daß Genosse Mehring die Mitarbeit an dem Blatte wieder auf- genommen hat. Mehring behandelt in dem ersten Artikel die Bour- geoisie und die Dreiklasscnwahl. polizeilicbest Oericbtlicbes ufo. — Versammlungen unter freiem Himmel im Polizeistaat. Im Reichstags-Wahlkreise Potsdam-Spandau-Osthavelland hatten unsre Parteigenossen während der Reichstags-Wahlbewcgung infolge Ab- treibung von Lokalen häufig mit Saalmangcl zu kämpfen. Es fanden sich dagegen in allen Ecken des Kreises immer wieder Leute, die ihren Grund und Boden der Partei zur Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel zur Verfügung stellten. Fast regelmäßig wurde aber von denselben Be- Hörden, deren Organe erst den Lokalmangel herbeigeführt hatten, die nach 8 9 des preußischen Vercinsgesetzes zur Abhaltung öffcnt- lichcr Versammlungen unter freiem Himmel erforderliche polizeiliche Erlaubnis versagt, weil(§ 9) eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu befürchten gewesen wäre. In allen Fällen kämpften die Genossen, vertreten durch den Kandidaten, Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht, gegen die liebliche Polizeipraxis im Verwaltungsstreitverfahren an. Vor einiger Zeit konnten wir über einen auf diesem Gebiet vor dem Ober-Verwaltungsgericht erfochtenen Sieg berichten. Jetzt haben nun wieder zwei solcher Versammlungsverbote das Ober-Verwaltungsgericht beschäftigt. Sie betrafen Versamm- lungen, die im Bezirk der Gemeinde Synum auf dem Pachtacker eines Büdners, dem sogenannten Sandgarten, abgehalten werden sollten, und zwar SonntagSnachmittagS, die eine am 29. März, die andre am 19. April. Landrat und Regierungspräsident wiesen die Beschwerden der Einbcrufer Bräuer und Paris aus Velten ab, indem sie Berichte des Amtsverstehers zu Dechta und ein Zeugnis des früheren Gendarinen, jetzigen Kriminalschutzmann Thiele, der sich über eine Versammlung von 1898 auslassen mußte, ihren Entschließungen zu Grunde legten. Der Herr Regierungspräsident führte in seinen Bescheiden u. a. aus: Bei der bereits in der damaligen Zeit der Wahlvorbereitungen herrschenden Einigung und bei dem gespannten Verhältnis zivischen den Anhängen, der verschiedenen Partcirichtungen wäre zu befürchten gewesen, daß die Versammlung zu Reibereien und Ausschreitungen unter den einander gegenüberstehenden Parteien und somit zur Ge- fährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit Veranlassung geben könnte. Diese Befürchtung wäre um so begründeter gewesen, als die Landwirte noch die stürmische Versammlung in der Erinnerung gehabt Hütten, welche im Jahre 1898 aus Anlaß der letzten Reichstags- Wahlen im Lokale von Blume stattfand und in der angeblich(!) der socialdemokratische Redner die Arbeiter aufgefordert haben solle, von ihrer Macht in der Ernte Gebrauch zu machen, indem sie den Bauern das Getreide auf dem Felde verfaulen ließen. Das sei zu berücksichtigen. Zum Schluß be- merkte der RegicrungSpräsideiÄ noch auf Grund des Berichts des Wachtmeister Thinius„zur Charakteristik", der Kandidat Liebknecht habe in Gemeinschaft mit Bräuer den Versuch gemacht, die eine Vcr- sammlung trotz des Verbots abzuhalten.— Gegen den Regicrungs- Präsidenten wurde Klage erhoben. Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht als Vertreter der beiden Einbcrufer führte vor dem ersten Senat des Ober-VcrwaltungS- gerichtS gegen den Regierungspräsidenten das oben erwähnte günstige Urteil des Ober-VcrwaltungSgerichts ins Feld, wonach die Befürch- tung die öffentliche Sicherhett und Ordnung könnte gefährdet werden. sich nicht lediglich auf eine ab st rakte Möglichkeit stützen dürfe. Hier habe man eS aber nur mit abstrakten Möglich- leiten zu thun. Stets werde man sagen tonnen, daß es verschiedene Partcirichtungen gebe, daß eine getvisse Spannung und gctvisse Gegensätze vorhanden seien. Und dann die Versammlung von 1898! Was da von den Ausführungen desRedners gesagt sei, stimme schwerlich, gebe sich auch selbst in der Darstellung der Behörde nur als ein Gerücht. Selbst aber wenn die Versammlung, wie sich Kriminal- schutzmann Thiele erinnern wolle, vor fünf Jahren stürmisch verlaufen sei, so wären doch Rückschlüsse daraus auf Versammlungen vom Jahre 1903 und ihrem voraussichtlichen Verlauf hinfällig. Thatsachen. die die Befürchtungen des Amtsvorstehers wirklich be- gründen könnten, seien nicht vorgebracht. Wenn die Begriindung des Regierungspräsidenten genügte, dann bestände stets die Möglich- keit, Versammlungen unter freiem Himmel zu verbieten.— Dr. Liebknecht stellte dann überzeugend fest, daß er nicht die Vcr- sammlung trotz des Verbotes habe abhalten wollen. Im Gegenteil seien Bräuer und er hingegangen, um die erschienenen Leute, die Uebergriffe der Gendarmerie ve,-muteten, zu beruhigen und zum ruhigen Nachhauscgehcn zu vcraulasscn. Also das gerade Gegenteil von dem. was die Behörde behauptete, sei geschehen. DaS Ober-VcrwaltungSgericht wieS beide Klagen ab, erklärte also das Verbot beider Versammlungen für gerechtfertigt. Ausgeführt wurde kurz: Im Bescheide des Regierungspräsidenten fehle es nicht au Thatsachen, die die Befürchtung einer Störung der öffentlichen Ordnung rechtfertigten. Insbesondere kämen in Betracht die Reibereien von der Versan.mlung vom Jahre 18981 H. Greifenbagen Nacbf. Brunnen-Strasse 17-18. Um dem grossen Massen- Andrang Kur? vor den WeUrnaeWs- ftiertsgen vorzubeugen, geben«vir in der Zelt von Dienstags, den 1. bis inkl. Montags, den 7. Dezember Doppelte l�abattmarken. Extra billiges Angebot zum Weihnachtsfest so lange der Vorrat reicht Pelzwaren. Collier Nerz-Marmel, 1 m lang, 4 Schweife, Stück 1.45 Collier Kanin mit Kopf und Schweif.....„ 0.95 Collier Nutria mit Kopf und Schweif....„ 2.90 Fa�otl-Collier Kanin mit 4 Schweifen...„ 3.25 Fa�on-Collier Nerz-Murmel mit 6 Schweifen ,, 6.75 Stola Ras6, Kanin mit 4 Schweifen, 1'/«m lang„ 7.50 Stola Tybeth, i'/.miang........... 11.75 Karin Nutria Nerz-Mnrmcl iTlUIien 1.35 3.0«».«« Kinder-Garnituren, Lammfeu....... 2.45 Kinder-Garnituren, weiss u. grau Krimmer 0,80, 1.50, 2.30, 2.70 Handarbeiten. Parade-Handtücher, gezeichnet 0.33, 0.45, 0.75 Besen-Handtücher„ 1.05, 1.15, 1.50, 1.60 Schlummer-Kissen"gLeiÄ*' 0.48, 0.52, 0.68 Schlummer-Kissen""gST** 110, 1.23, 1.50 Plüsch-Kragenkasten, gestickt 0.68, 0.75, 1.25 Handschuhe. Ein Posten Damen-Ringwoods.... Laar 0.28 Ein Posten Irikot-Handschuhe witvruckknopt � 42 Ein Posten Hamen- u. Herren-GIacdm Fp� 1.45 Kleiderstoffe. Qeschenk=Roben in eleganten Kartons. Jede Robe enthält 6 Meter. Schirme. Ein Posten Damenschirme„Gloria"... 1.85 Ein Posten Damenschirme mlt Xlckge8teii 2.10 Ein Posten Damenschirme""/,«« Sllbergritr. 5.25 Serie I. Hauskleider 6 Meter für 2.90. Serie II. Kostümstoffe OMeterfür 3.50, 3.90, 4,50. Serie III. Schwarze und farbige Stoffe 6 Meter für 4.90, 5,50, 5.90. Seidenstoffe. Blusen-Coupons in eleganten Kartons. Jeder Coupon enthält 4 Meter. Leinen», Serie I Imit. Waschseide, Linons 4 Meter für 0.95, 1.20, 1,80. Serie III GeMe, schwarze u. larb. Seide 4McterIür 4.90, 5.50, 5.90. Serie II Waschseide, Linon IMeterfur 2.50, 3.50, 4.50. Serie IV. Neuheiteo � BloseiSaninielu Seide 4Mcterfür 6.50, 7.50, 8.00. Wollwaren. Ein Posten Umschlagetücher Prima Qua 165 Ein Posten Umschlagetücher!ooW� GsrS 3.65 Ein Posten gestrickte Damenwest.schDn�reis 1.35 Trikotagen. Em Posten Herrenhemden, hultbttre Qualiti�ck 0.85 Ein Posten Herrenhemden,£Chwere Qualitstück l 45 Ein Posten Herren-Hosen....... Laar 0.98 Ein Posten Herren-Hosen mit Eutter. Paar 1.25 Ein grosser Posten KOTSCttS is bestem grauem K«pcv««c I mouernste Enrons 1,60 Frackkorsett, ClCSant0r �tadelloser Ausführung 1.90 Baumwollwaren. TheegedeCk mit 6 Servietten.......... 2.25 TlieegedeCk mit 6 Serviotten in vielen Farben... 2.75 Gerstenkorn-Handtücher, extra breit, vtz... 2.90 Drell-Handtücher, weiss und buntgestreift, vtz... 3.10 Ein grosser Posten Tischtücher Grösse ca. 130/130 130/160 130/200 1.25 1.75 Ä.S5 Iniott, 5/4 breit, Meter«.45 und 0.70 inieil, glatt rot und gestreift, g/t„„«.85„ i.io Bett- Bezugstoffe Meter........ 0,35 N 0.45 Bett-Dimiti, 5/4 breit, Meter....... 0.60—0.65 Beft-Dimiti,8/4„......... 0.90-1.00 DamensKonfektion. Barchend- Bluse mit sanmciien........ 1.25 Seidene Bluse, ganz auf Futter, modernes Faeon 4.90 Kostümrock CZ � � 2.25 Damenjacketts und Capes m grusstcr Auswahl. Kinder-Kleidchen„Lieschen", aus fachend40™ für das Alter von 1—3 Stück 0.00-1.3« 4—7 Jahren 1.5«-L.«5 Kinder-Kleidchen„Gretchen", aus cinrarbigom, reinwollenem Cheviot, schön garniert, für das Alter von 1—3 4—7 Jahren Stück 3.«5-4.«5 4.50— 0.75 Sammet-KIeidchen in grusstcr Ausn-ahi. Damen s Wäsche. Damenheraden, p,i~ä'Ä.f.ceS"' 0.95, 1.25 Damenhemden, Aohselschluss, Handstickerei 1.25 Damen-Beinkleider, gUTOitRspi�fo,0.75,Stiekeroi0.95 Damenjacken,»imiti und Horchend 1.25, 1.50 Kalender 1904 a's hoher Zeitungs-Ständer schönster Zimmerschmuck IQ pf in elegantester Ausführung zum Aufstellen u. Anhängen■"" Blocks mit Sinnsprüchen Kür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikiim gegenüber keinerlei _ Acrantwortiiiig. Theater. Dienstag, 1. Dezember. Ansang �l|� Uhr: Opernhaus. Maiioir Schauspielhaus. König Heinrich IV. (l. Teil.) Deutsches. Rose Bernd. Berliner. Ucbcr unsre Kraft. <2. Teil.) Lesfing. Zapfenstreich. TÄesten. Bettelstudent. NeueS. So ist das Leben. Residenz. Ein Seitensprung. Vor- her: Der zündende Funke. Central. Der Rastelbindcr. Thalia. Der Hochtourist. Ansang 8 Uhr: NeueS Königl. Oper«- Theater. Die Dorsinusikantcn. Schiller O.(Wallncr- Theater.) Wilhelm Test.' Schiller K.(Friedrich-Wilhclmstädt.) Basantasena. Belle-Alliauce. Los vom Manne. Carl Weist. Maria Theresia und ihr Hof. Luise». Der Verschwender. Kleines. Elektro. Trianon. Biscotte. Deutsch-Amerikanisches. Ucbcr'n groben Teich. Casino. Berliner Nachtasyl. Hotel Klingebusch. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Apollo. Frühlingslust. Palast. Mutter und Sohn. Winter-Carten. Spccialitäten. Pasiage-Theatcr. Specialitüten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Tnnbeiistraste 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Obcritalicns. Jnvalidenstraste 57/KS. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis ll Uhr._ Central-Theater. Dienstag, den 1. Dezember, 7»/, Uhr: Der Rastelbindcr. Operette in 3 Akten v. Franz Schür. Mittwochnachmitta» 4 Uhr, halbe Preise, jeder Erwachsene einKind frei. Ter gestiefelte Kater. Abends 7>/z Uhr: Uee sisstoldinilee. Urania, Taubenstpasse 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober-Itaiiens. Sternwarte _ Invalldenstrasse 57/62. Neues Theater. Schiffbaucrdamm 4a— 5. So ist das Leben. 'Ansang 7-/z Uhr. SmiliUdl ksllKeiien! Lnrleske �usstattunxsxosse mit Lesan� und Tana in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Leone gesetzt vom Direktor Richard Schultz. _ Im 4. Bilde: MV CroMses Ballett Wie damals im Alonat Mai. Antang 8 Uhr. — Rauchen überall gestattet.— Kleines Theater. Unter den Linden 41. Elektra. Ansang 8 Uhr. Mittwoch: Xachtawyl. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Der Verschwender. Mittwoch: Der Aktienbudikcr. Donnerstag: Die Logenbrüder.. Freitag: Wohlthätigleitsvorstellung. Romeo und Julia..... Sonnabend: Der Richter von Zalamea. Sonntagnachmittag: Das Käthchen von Heilbronn. Abends zum ersten- mal:"Alpcntünig und Menschenscind. Montag: Der Richter von Zalamea. Rkfidenj-Theitter Direktion S Lautenburg. Ansang I1/« Uhr. Ein Seitensprung. Schwank in 3 Akten von G. Berr, Dchorc und Guillenmud. Deutsch von Max Schönau. Morgen und"folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Seine Kammerzofe. Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/,. 8 Uhr: WeihnachtSglocken. 8'/,: llusoba Melitta— Loro-Quartett. Corradini. k",- uhrtDervertnusthteSohu. Sonntag 4 Uhr: llotel stlingebuscb. Larl Veiss-Ideklei'. Grostc Frankfurter Strafte 1ZS. Abends 8 Uhr: Maria Theresia und ihr Hof oder: Gute Nacht, Hänschcnk Lustspiel in 5 Akten von A. Müller. Morgen: Maria Theresia und ihr Hos. SonnabcndnachinAUhr:. Hassan Abdul. Eoitntagiiachm.3 Uhr: Die Maschinen- baner von Berlin. CASTANS IPANOPTICUM Friedrichstr. 165. Der lndiancr-liics*c 1 Mianko Karoo vom Stamm der S&T' Sioux-Indianer."MS I Übend! I"° Schwestern Rosa und Josefa. Grosses Promenaden-Konzert 1 d. Wiener EUtekapello Forsch- [ neritsch vorm., nachm., abds. stLT- Knnst-jlusstellung Lüpzi&ft 10-8. Entree 1 M.. SountagSOPf. Trianon-Theater. Georgenstrabe, zwischen Friedrich- und Universitätsstrabc. aisvvtt«. Anfang 8 Uhr. ionntagnnchmittäg: Die Notbrücke. Apelle-Theeler. Um 8 Uhr: Prühlingsluft mit dem Ballett Blütenhochzeit. Uni 9°/, Uhr: Mit grossem Orchester: Vision nach dem Balle. Pantomime, Musik von„Drei Kronen". Um 10 Uhr: Die neuen glänzenden Specialitäten: Ivan TMchernolT, ein Morgen aus dem Sporl-Slallhos. Ke»> and Ashby X Francois-Truppo amer. Exccnlrics. Eguilibristcn. Ivo Passparts, Tanz-Duett. Koetmograpb und Biophon. Passage=Theater Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Das glänz. Dezemher-Programm! f*ertina die beste Excentric-Spitzentänzerin der Welt. Die Berliner Presse stellt sie ein- stimmig an die Spitze aller bisher in Berlin gesehenen Tänzerinnen. 14 neue erstklassige Nummern. Oetitscb-Amerikaniscdes Theater Köpnickerstr.67. etat. Jaimowibbrückc. Gastspiel Adolf Philipp. Zum|„EEBEK'M 94. «K088E1V Male AMFAXG 8 EH« MONTAG, u.rv Aufführun 7. Oez. 03,]D||e abds. 8 Uhr- ELEGANT Souvenirs! Seile-Ullianee- Theater. Bcllc-Allianccstr. 7-8. Los vom Manne! Schwank in 3 Akten von W. Jacoby und A. Lippschitz. Ansang 8 Uhr. Montag und solgcndc Tage: Los vom Maune k Sonntagnachmittag: In Vertretung._ I • 1IWHW11W lUWUHVl* Direktion: Robert Dill. Brnnncnstrasse 10. Einer ton unsere leull Anfang 8 Uhr. Entrce 30 Pf. Mittwoch: Hamlet, Prinz von Dänemark. Donnerstag: Benefiz sür den Kapell- meister Fritz Kiefer. Mozart. Palast-Theater Burgstraste 23, srühcr Feen-Palast. Der GMiuier, Schauspiel in 4 Akten von Eharlotle Birch-Pfeiffer. II. ein neues Spccialitätcn-Progr. Mvrgen abend: Der Goldbauer. Donnerstagabend: Der Goldbau er. Freitagabend, zum ernst e»mal: LckillsnWUissGsi». Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Dienstagabend 8 Uhr: IVHheini Teil. Schauspiel in fünf Aufzügen von Friedrich Schiller. Mittwochabend 8 Uhr: liieheiei. Hieraus: Eitteratnr. Donnerstagabend 8 U h r: IVilheim Teil. 8eIiiiier-Theater N. (Friedrich-WilHclmstädtijchcs Theater). Dienstagabend 8 Uhr: Vai«anta»ena. Drama in 5 Akten nach einer Dichtung des Königs«udraka. Frei bearbcitcl von Emil Pohl. Mittwochabend 8 Uhr: Vasrnntasena. Donnerstagabend 8 Uhr: Hedda Gabler. Cirbus Schumann. Heute DienStag, den 1. Dezember, abends 7'h Uhr: Neues Programm. IW" w Uhr: ATlle. Helene Dutrien Rekordsprung von 50 ftfufj= 15 Meter. Erfinderin dieses Pfcilsprimgs mit dem Fahrrad. Herr Julius Seeth mit seinen 25 mUnnl. Abcssinier-Eöwen. Nach dem Balle. Reit- Quadrille. Phänomenaler Sprung: 6 Personen aus einem Pferde. Morgen Mittwoch: MU" Gala-Premiere."MB Babel und Bibel oder: Die Pracht, der Untergang und die Wiedererweckung des Weltreiches von Babylon. Eine Wanderung durch drei Jahrtausende in Form einer groben Aus- statiungs-Pantomimc in 11 Abteilungen. Nach einer Idee v. A. Moszkowski. Fröbel8 Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm FrUbel. Dienstag, den 1. Dezember 1903: Gastspiel des Märkischen Städtebiind- Theaters. Einmalige Aufführung: Cynrienne. Repertoirestück im Residenz- Theater. Nach der Vorstellung: Erel-Taavi. Ocffnung 71/j Uhr. Ansang 8'/t Uhr. Eintritt 3« Pf. Sperrsitz 5« Pf. Mittwoch: Norddeutsche Sänger. Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Dienstag, den 1. Dezember 1903: Bemharil Rose-Theater-Ensemhle. Große Extra-Vorstellung zur Feier des 20jährigen Bühnen- Jubiläums des Direktors Bernhard Rose: Wilhelm Tell. Schauspiel in 5 Auszügen v. Schiller. Wilhelm Tell.. Bernhard Rose. Ansang 8 Uhr. Feldschlösschen. Müllerstraßc 142. DienStag, den 1. Dezember 1903: Bernhard Rose-Iheater-Ensemble. Um Ehr� und Liebe. Volksstück mit Ges. in 3 Akten v. Felsch. Musik von Scheibcnhoser. _ Ansang 8 Uhr._ Keues Programm: Salerno Meisteriongleur. Johnson u. Dean Cake-Walk-Tänzer. Wood u. Bates Amerik. Excentrics. The Saphos Reckturnkünstlor. Otto Reutter Humorist. Little Fred Komische Hundedressur. Kremo Familie|Ikarischo Spiele. Piwitt Pierrot. Annette Gillard e£°in von der Opera Comique in Paris. 4 Schwestern Merkel Equilibristin. Bokken Lassen Strassonsängerin. „Pariser Luft" Ballettdivertissem. Siograph mit neuen intoxess. Aufn. Königstadt-Kasino Holzmarktstr. 72, Ecke Mexanderstraßc. Täglich: Pran� 8«haa«ltl. Das gressarlige Dezember-Programm mit: Moll/ Verch, Tbe stlatLs usw. Zum Schluß: Der KonfustonSrat. Nach der Vorstellung: Mittwoch, Sonnabend, Sonniag: Tanz. Dr. Schünemann Specialarzt für Haut-, Haru- und Frauenleiden, iSevdelste. O. '/,IS--/,3.'/.g-'/�S, Somit. 9-11 Re teil sli allen Stettiner Sänger. Sanssouci. Kottbuser Thor— Etat, der Hochbahn. Sonntag, Montag, Donnerstag: IlelTaiaaas Mdeutsebe Sänijer. Nach jeder Soiree: Tanzkränzehen. Jeden Dienstag: Tbeaterabend. Dienslag, den 1. Dezember: Der Leiermann und sein Pflegekind. Volksstück in 5 Akten von Charlotte Birch-Pseiffcr. Läse Sehurig Orantenstr. 144, a. Moritzplatz. Billard-Saal: BtUarde(flcubuscn mit Kerhau-Bandc) a Stunde 40 u. 60 Pf. Kaffee 10 u. 15, Bier 10 Pf. 5 5 Restaurant?aul Scholz Barutherstr. 22, Ecke Zossenerslr. 1. Bercinszinimer für Zahlstellen noch einige Tage frei(auch Sonn- abends).— Gutes Bayrisch- und Wetstbier. 34312» Nirtoriir-Säle perltbergerstraße Ii' an Sonnabenden noch frei! Saal 450 Personen fassend, erster Weih- nachtsfeiertag frei geworden. 7b E. Herzos, Memelerstr. 67. /« Pfmtd ßrtrt 50 ps. Back wäre __ 6 Stück für 19 Ps. Mg Alhrceht« BJ»ekez-elea:" Wrangelstrastc 9. Krautstraste 19. Falckcnsteinstr. S8, Lausisterstr. S. Markthalle Pücklerstr., Stand 222/23 Markthalle Andreasstr., Stand 16/18. s Die Beleidigung, die ich Herrn Pawlowshl im Baumgartenschen Restaurant zugefügt habe, nehme ich auf Grund schiedsmäimischcn Vcr- gleiches zurück. Hassan, Tischler. IX. Berliner Saison. Cirkns Busch. Dienstag, den 1. Dezember 1903, abends 7'l3 llhr: Wohlthätigkeits-Vorstellung zum Besten des XII. Kreis-Kom- missariats des Nationalsdants sür Veteranen. NM- Unwiderruflich-M Letztes Attstretkn MibReliot, I�övendrant IM- Vorletztes Auttreten PsiiI Miindnei Über eine ganze Herde Elefanten, u. Riesen-Programm. der Damen-Konfektion direkt aus der Fabrik. SMP* KcinEaden!-HWU Jetzt nach beendeter Engros- Saison Einzelverkauf zu enorm bill. Preisen: Jacketts Paletots Capes Kostüm- Röcke für Damen und Mädcben. Damen- Mäntel■ Fabrik Robert Baumgarten Hausvoigtoiplatz 11, 2. Etage (a. d. Jerusalemerstrasse). Auch Sonntags geöffnet. Gelegenheitskauf! MliM'> | in Wolle, extra schwer a g50' 450' 500' KamellMrschlafdtcktn (federleicht) a 750' 900' 12°°' 15°� Nomlllww 2°° (bxintf arbig) 3°°, 400, goo reistdeckev | aparte getigerte Mlnster a 450, goo, goo, JQOO Pftrdkdttllkn a 250' s50' 450' 5,5m0 Versand per Nachnahme. Emil Lefevre |Be|"n Oranienstr. 158. •fehlerhafte Dechen spottbillig!"OK mmmmr Teil- zahlnng (wöchentlich nur 1 M.j Herren- u. Damenuhren Regulateure Broschen Ohrringe Ketten etc. Juhre& König, Warschauerstr. 72>. Dr. Simmel, strrnz4i; Specialarzt für[41/10* Hanl- and Harnleiden. 10— 2,5—7. Sonntags 10— 12. 2— 4. Vorwärts-Suchhandlung 8M.» Lindetiftr. 69(Hacken) empfiehlt als vornehmen und gediegenen Zimmerschmuck: nie Anh-it m im niik. sriÄSÄiÄ Dkl ftflP Mlll. Kupferätzung 95X73 cm M. 3,—. Porträts upn Engels, Lassatte, Mm. 85X65 cm, pro Blatt Ät. 4.-. Porträts von Lebet, Liebhnellit, Singer. �MAem Papier 53X40 cm, pro Blatt M. 1,50. Sämtliche Bilder sind gleichfalls in geschmackvollen billigen Ein« rahmnngcn zu haben. DkotOKraplnen von Bebel, Engels, Jacoby, Kautskq, Laisallc, Liebknecht, Marx, Singer, Kabinettgrößc a M. 0,50. Dieselben, Visitgrößc, a M. 0,25. Bebel, Laffallc, Liebknecht, Marr.Bromsilbcr-PhotograPhic 40: 30 cm a M. 1,— Billigste Preise! Beeile Bedienung! Fracht, Porto, Verpackung frei jeder Station gegen Nachnahme. Neue prima Salzfettheringe! Nur beste, vollfette Dauerware f£f. wird versandt! Berlng-Grossfischerei ES Otto Kaiser, Swinemonde No. ll. HoehleinsteFettheniige 1,1 b. 40U grössere M., hochf. Geschmack, Fass 9 Mk.,>/, a 5>/, Mk. X«. 18. Xo. SO. uutuiuuoM/ iniGIUülllllJO w. os Siebt.>/, Fass UM.,'/, P. 6Mk. No. 55. Kaiser's Haustiallsheringe, hÄin RogEr Allergrösste und beste Marke H. V._|/, Fass 12 Mk.,'/a P- C'/j Mk. :: Hochfeinste Fettheringe ; Hochfeinste Tafelheringe � ÄTcht- gros?�1>- d Be8tc Vi Dose 60 M. Pettheringe 2'/. Mk. Vi„ fff. Vollfettheringe S-1/, Vi n la. Ta. Vollheringe 3 Vi„ b 70 Bratheringe 3 '/,„ prima Bratheringe 3 —------- ViDoseb. lOOneueRollmopse 3Mk. Vi r 60-80 Bismarckheringe 3, Vi„ See-Aal in Gelee... 4„ ♦ ca. 100 Goldbücklinge.... 3„ Vi Kiste Fettsprotten.... 3V„ Vi Kiste Vollbücklinge 3 Mk. Bei Ahn. v. öDosen od. Kist.50Pf. billiger. Q. A. Büttner �65. Aleranderssraße 65. Nähmaschinen aller Systeme"MG Schnellnfihcr, über 2000 Stiche in der Minute, mit 1 Mark Abzahl. pro Woche. 33862» n iciiiiiiiii mrri iiiiiij tiiiiin Den vorehrl. Herren Gastwirten, Bierverlegern und Kantinen-Vorständen empfehlen wir unsre erstldassigen, aus feinstem Hopfen und bestem Mab hergestellten Biere zum gefl. Bezüge: 3213L* Höwcn-I�agcrbicr Eröwcti-pUfcncr Höwctt-J�ün ebener Frei Hans nach Berlin nnd allen Tororten in falTcrn zu Litcrpreifen, in geaickten Gebinden u. in flafcben. Berlin NO., vor dem Landsberger Thor. Cöwen-Braumi MiengesellsclM. Zauverpoffc mit Gesang und Tanz. Heule Ansang 8 Uhr. Enirce 50 Ps. niiiiniViiiViiZDiiiiiiniiiiiHn für Reiniekendorl u. Umgegend Slm 28. d., inittags l'/i Uhr, verschied plötzlich unscr treues Mitglied frjeöricli Seivried. uni- Ahende�ae» n 50 Pf. Donnerstag: Pökelfleisch mit Erbsen und SaucrloHl. »tzreitag: Frische Wurst mit Sauerkohl. Montag: Goulasch mit Bralkartosscln. DienStag: Hainniclsleisch m. Zwiebel- saucc und Püredknrtoffel». Mittwoch: Kalbsleber mit Herings- lartoffcln. Sonnabend: Schweinebraten Klötzen. mit liari rolilit, Cekonom. soweit der Vorrat reicht: Damenwäscb Taghemden � sX1, 1.40, Äl.so T aghemdenÄX' l so. sTÄ'l.so T aghemden,angHuaenu;n2. 1 O, Stickerei 2.40 Taghemden wiXSX 2.io, 3.io T" aghemden mit Stickerei u. Durchbruch 2.40 Beinkleider dazu passend 2.60 Mk. Taghemden röd SAÄei"Ein' 2.45, 2.60 Beinkleider dazu passend 2.70,2.55 Barchent-Beinkleider sStze 1.40 stick. 1.50,2.10, Languett. 1.70,"nguett. 2.35 Kurze 5orm 1 x-x- mit Stickerei>.OCJ, Languetten 2.05 Beinkleider 1.so, 1.70. 2.io Nachthemden 3.25, 3.75 Mk. Nachthemden �"�3.40 Mk. N ac htj ac ke n 1.45, Kr 2. 1 0 Dimiti mit 1 0£- Renforce mit O I.OD, Stickerei � Mk. Besatz Stickerei-Röcke 2.90, 3.35, 4.30 Spitzen-Röcke 6.75 Weisse Barchent-Röcke Languett. 1.50, Stfckerei 2,20, 2.65, 3.30 Herrenhemden Hemdentuch mit Falten 2 Mk. KSnderwäsclh© Mädchenhemden TOpf.b.ljo Achselschluss, mit Spitze, 12 Grössen Beinkleider iÄX'SO pf. b.1.40 Knabenhemden 70pf.b.1.65 Hemdentuch, mit Falten, 9 Grössen Bettwlsclii© gestr. Dimiti Louisiana Deckbettbezug 3.50 4.30 3.75 Kissenbezug 1 Mk. 1 35 I.15 Kissen bezugEÄ""' l.ss Mk. Damast-Garniturl�X" 8 Mk. Dowlas-Laken�SI.65,�2.20 Feine Porzellaefigiiireini». Nippei ausserordentlich vorteilhafter Gelegenheitsposten, in allen Preislagen von 3 5 pf.»l« i 5 Mk. Au den beiden leisten Sonntagen vor Weihnachten sind unsere Geschäftshäuser nur von 1 bis 5 Uhr geöffnet. Kleine Anzeigen, Wi doppelt, Am AM_ S Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin ' bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, inder I/aupiexpeditian Lindenstr. 69, bis 4 Uhr angenommen, irden 'lin m Verkäufe. Nestauration mit LereinSzimmer verkäuflich Kurstrabe 22. 3459b« Parteilotal. vier Vereine, ,,a- milienverhältnisse halber ju verlausen Raumerstrahe 22.__ t62* AlottgehendeS Grünkramaeschäst verkäuslich. Näheres Strache, Nolle»- dorsstrahe 37. Slb Äardinenhaus Grohe Franlsurter- stratze 9, parterre._ t37* Hochvornehme Herrenanzüge, Winlerpaletots, feinfleii Mahstoffen herrührend, 48,00— 38,(v, Beinkleider 8—11 Mark. Deutsches Versandhaus, Iägerstrahe 63, 1 Treppe. 193811« Herrenanzüge und Paletots, eptra gute und chice Maharbeit, Modell- lachen sehr preiswert. Julius Linden- bäum, trotze Arankjurterstrahe 141, Ecke Fruchtstrahe.__ 1975K« DotalauSvertauf. Wegen Gc" schästsverlegung muh das grohe Lager schnellstens geräumt werden. Lficriere Winter-Paletots von 10 Mark an, Slnzüge von 9 Mark an, Joppen von 5 Mark an. Pincuh, Wilsnacker- strahc 48, Ecke Birkenstrahe. l9l85t« ~ Gelegenheitskauf. WinterpaletotS und Anzüge sür Herren, Stück 8 Mark, auch geeignet für Wiederverkäufer, selten günstiges Angebot. August Achilles, Grohe Franksurtcrstrahe 16 WinterpaletotS. Pianinos, Remon- loiruhren, Uhrkette», spottbillig Leih- Haus. Ncandcrstrahc 6.__ 40/12* Teppiche, Lorleger, Gardinen, Stores, Portieren, spottbillig Leih- Haus, Neanderstrahe 6. 40/13« Betten, Steppdecken, Tischdecken, Wäsche, spottbillig, Leihhaus Neander- strahe 6. 40/14« Negulatore». Freischwingcr, Opern gläser, spottbillig, Leihhaus Neander strahc 6._ 40/15' spottbillig MP 40/15« Spiegel. Bilder, hauS, Ncandcrstrahc 6. Teilzahlung, spottbillig Tcppich c, Betten, Steppdecken, Regulatoren, Spiegel, Möbel, Remontoiruhrcn Leibhaus Ncandcrstrahc 6. 40/15« Teppiche!(fehlerhafte) in allen Gröben sür die Hälfte des Wertes im Teppichlager Brünn, Hackcschcr Markt 4, Bahnhof Börse. 93/2« Steppdecken, Wein strahe 20. spottbillig, Fabrik 796» Goldwaren, Uhren, Brillanten, bedeutend unter regulärem Preis. Leihhaus Graff, Bculhstrahe 5.« Tel bständig arbeitende Kunst« schlosscr aus bessere Schmiede- und Treibarbeiten verlangt. Anfrage: vor- mittags 8—9, nachmittags 4—7 Uhr. Paul Heinrichs, Schöncberg, Haupt. strahe 149. Zeugschmied Brntkasten oder Schlosser aus und Kittthürcn verlangt Ouilisch, Anklamerstrahe 25. 89b Sinballicrer aus Goldicisten sucht Werkmeister, Brunnenslrahe 194. 9lb Tamcnhcmden-Nähcrin Gcnziner. Oppclncrftrahc 48._ 1035 Herrenkragrn- Näherinnen, auch zum Lernen, verlangt Frederich, Gör- liversttahe 33. 6l/7» Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene «njeigen kosten 4V Pf. pro Zeile. Mtas.Ztl>il!tirliriItr! Der Z u z u g sür Stockarbeitcr aller Branchen ist streng fern- zuhalte» bei biekinittUns ckr Wart», Thüringerstr. 18. 88/9 IMe Ortsvcrwaltunif. Achtung! Holzarbeiter! In der Möbelfabrik von Vi. Kümmel, Frankfurter Allee Ar. 417a, befinden sich sämtliche Arbeiter aller Branchen seit dem 13. Öktobcrim Streik. Zimig streng ftruhalten! Die OrtSverwaltung. Achtirng! Rohm! AIS gesperrt sind zu betrachten: H. Becrmaun. Lehrtcrstr. 48 o Julius Beermann, Südende W.Stahl. Wollankstr. 67- Ingold. Prinz Sugenstr. 24; A. Kräuse, Siemensstr. 28: A. Schrödter, Gr. amburgerstr. 30»; E. Weise juu., Ulmersdors. 292/5« vl« Achtung, Holmrbkittr! In der Möbeltischlerei von 3. Kraus, Weistensce, Langhans« strahe 22, sind Tisierenzcn aus- gebrochen. Zuzug ist streng sernzu« halten. 88/11 Gesperrt ist ferner Hahn& Xetakow, König-Chaussee 71. Die OrtSverwaltung. Lerantwortl. Redakteur: Julius Kaliski in Berlin. Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck«. Perlag: Vorwärts Bmbdruckerct und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW |t. 280. 20. 2, Wizc des ilotmitto" littlintt WWM Dienstag, i. Dezembtt 1903. Lokales. Bernauer Heuchelchristen. NuS den Vorgängen dci der Abgeordnetenwahl in der Bernauer Kirche wird von der volksfeindlichen Presse immer noch Kapital ge schlagen. Es ist selbstverständlich, daß nnsre schlagende Berichtigung vom letzten Donnerstag von den Entrüstung markierenden Blättern gelesen wurde, ebenso selbstverständlich ist es, dast dies« Blätter gemäß dem Prindp„Ueb* immer Treu und Redlichkeit" mit keinem Worte von dieser Berichtigung Notiz nahmen. Da es ein gar so schöner fetter Bissen ist, widmet die liebe„Kreuz- Zeitung" der Bernauer Angelegenheit heute ebenfalls ihr wohlgemesjen Teil Entrüstung: Die Einzelheiten sind so empörend, daß eine christliche Feder sich sträubt, sie wiederzugeben. Wir wollen deshalb dabei nicht verweilen, sondern in diesem Zusammenhange nur der Er- örterung Ausdruck geben, daß nnsre Gesetzgebung so geändert werde, daß für politische Wahlen künftighin eine Jnansprucknahme der Kirchen nicht mehr nötig sein werde, iviit welchen Gefühlen müssen die Bernauer ihre geschändete Kirche betreten, welchen Eindruck müssen diese abscheulichen Vorgänge vor allem auf ine heranwachsende Jugend hervorbringen, die ohnehin an keinem Ucbcnnaße von Pietät leidet?! Darf das übersehen werden? Glaubt man, daß sich derartige Erscheinungen leicht vergessen, und sich nicht vielmehr tief in das weiche Kindergemüt einprägen, um ihm. je nachdem es sie auffassen lernt, zum Fluch oder zum Segen zu werden? In diesem Sinne kann da» Ein- greifen dcr Socialdemokraten in die Wahlbewegung und die furchtbare Roheit und Gemeinheit, die sie dabei gezeigt haben, von nachhaltiger Bedeutung werden. Diesen Wind» und Seichtbcuteleien gegenüber sei nochmals betont, daß, wenn bei der Wahlhandlung überhaupt Dinge begangen worden sind, die das Gemüt eines Christenmenschen empören konnten, diese Dinge den gut christlichen �konservativen nicht minder zur Last fallen als uns glaubcns- und pietätslosen Social» demokraten. Konservative, Liberale und Socialdemokratcn haben sich in der vom Pastor Kottmeier als anstößig empfundenen Weise in der Kirche der Ttalllatcrnen bedient und bedienen müsien, Konservative, Liberale und Socialdemo- kraten haben in der Kirche geraucht, konservative Wahlmänner sind außerdem von der Damcnknripe in gehobener Stimmung mit brennender Cigarre in die Kirche zurückgekehrt. Wenn also die.Kreuz- Zeitungs"-Phrase von der Kirchenschändung Gelwng haben soll, dann möge das Blatt seine Parteigenossen vors Brett nehmen, bevor es in bübischer Manier gegen die Socialdemokratie scharf macht. Eines noch. Die Ungenienheit, mit der konservative Wahlmänner, um im Jargon der.Kreuz- Zeitung" zu reden, bei der diesjährigen Ab- geordnetenwahl Sirchenschändung verübten, läßt darauf schließen, daß es in der Bernauer Kirche auch bei früheren Wahlhandlungen durch- aus nicht leise, leise, frommer Weise zugegangen ist. Eimge Aufklärung darüber wäre wohl am Platze. Sollte in diesem Falle der kon- servative Entrüstungsspektakel darin seinen Grund haben, daß am 20. November dieses Jahres Socialdemokraten Gelegenheit hatten, sich an dem bösen Beispiel der Stützen von Thron und Altar die Hände zu wärmen, während man früher, wo man unter sich war, die„Kirchenschändungcn" gescheidterweise mit dem Mantel christlicher Liebe zudeckte?_ Der Kommunal-LiberaliSmus in liberaler Beleuchtung. Maßlose, widersinnige Bezichtigungen sollten wir am letzten Donnerstag in unsrem Leitartikel gegen den Rathaus-Freisinn erhoben haben. Die.Boss. Ztg." sagte es und dann mußte eS wahr sein. Da kam der Ausfall der Stadtverordnctenwahlcn, der dann doch diesen und jenen liberalen Mann zum trübseligen Stachdenken brachte. Als Aus- druck dieser Katzenjammerstimmung, dieser sittlichen Einkehr, dürfte ein Leitartikel des.Verl. Tagebl." zu betrachten sein, worin der Gesellschaft, die im Roten Hause das Heft in Händen hält, mit einer Deutlichkeit ins Gewissen geredet wird, die kaum zu wünschen übrig läßt. Das liberale Blatt schreibt u. a.: Statt der großzügigen, von fteien Anschauungen erfüllte» hauptstädtischen Verwaltung von ehedem macht sich jetzt jibcrall ein Koteriewesen, eine Art von Klüngel bemerkbar, der ans den wirllich fteiheitlich gesinnten Teil unsrcS gebildeten Bürgertums von Jahr zu Jahr verstimmender eingewirkt und jene beklagenswerte Gleichgültigkeit gegen Kommunalinteressen erzeugt hat, von der wir leider ivährend dieser jüngsten Wahltage zur Stadtverordneten-Bersammltmg Zeugen fem'mußten. Unbedeutende Gernegroße drängen sich in alle Kreise der Stadtverwaltung, reißen A e m t e r und Funktionen an sich, suchen an allen Ecken und Enden einen Einfluß zu gewinnen, »tra. I n tr i g a n t e n, indem sie ihre guten Namen dazu hergeben, mit ihnen die Wahlaufrufe solcher geschäftigen Tain- many-Politiker zu decken. ES ,st durchaus nicht über- triebe,«, wenn wir behaupten, daß die Dtadwerwaltung Berlins gegenwärtig stark unter dem Einflüsse eines kleinen Kom- munal-Eugens steht, der nachgerade verhängnisvoll zu werden droht. Aber der große Parlaments- Eugen hat doch wenigstens das Schwergewicht seiner Intelligenz für sich. Was aber berechtigt unsre kommunale Miniaturausgabe dazu, solch eine Rolle in der Berliner Stadtverwaltung zu spielen? Aber so geht es allemal und überall. Wo Begriffe fehlen, da stellt sich nicht bloß ein Wort zu rechter Zeit ein, sondern auch ein strebsamer Mann, das heißt ein Mann ein, der nach Ehren und Anerkennung und Einfluß strebt und giert, und der dann auch in der Wahl seiner Mittel nicht gerade feinfühlig ist. So beurteilt ein liberales, jeden Gedanken an Umsturz weit von sich weisendes Blatt den RathauS-Freisinn. Verglichen mit diesem Artikel zeichnet sich unsre Charakteristik des Frcisinns-Klüngcls durch relative Mäßigung aus. Bei den Stadtvervrdnrtenwahlen der 2. und I. Abteilung, die am Sonnabend mrd Montag vorgcnominen wurden, hat der Frei» s i n n die hier zu vergebenden zweimal sechzehn Mandate.behauptet", und die bisherigen.bewährten" Vertreterfind wiedergewählt worden. soweit sie wiederaufgestcllt worden waren, oder durch andre Ver- trcter ersetzt worden, von denen zu erwarten ist, daß sie sich gleicher- maßen.bewähren" werden. Von einem.Wahlkampf" war natürlich keine Rede; die zweite und erste Abteilling find unangreifbare Hochburgen des Freisinns. Auch der vereinzelte Versuch der konservativ- antisemitischen Bürgerpartei, hier eilten der Ihrigen durchzubringen, kam ernsthaft kaum in Betracht. Socialdenio- k r a t i s ch e Stimmen, für die eine Zählkandidawr Singer auf- gestellt war, wurden in allen Bezirken der zweiten Abteilung zu- sammen nur 4S, in allen Bezirken der ersten Abteilimg zusammen nur drei abgegeben. Von den Erwählten der zweiten Abteilung erfreute sich keiner dcS Vertrauens von mehr als 1000 Wählern. Das Maximum war in«inen, Bezirk 96ö Stimmen, da» Mininnim in einen« andren Bezirks 216 Stimmen. Die Erwählten der 1. Abteilung sind mit noch weniger zufrieden. Hier war das Maximum in einem Bezirk 64 Stimmen, da» Minimum in einem andren Bezirk 28 Stimmen. Trotzdem erklären auch sie in der Stadtverordneten-Versammlung, sie seien durch das.Vertrauen ihrer Mitbürger" auf ihren Platz gestellt Ivorden! Für die Stadtvrmd»rtcn-Stich«ahlen im zweiten und fünften Gemeinde- Wahlbezirk, dritte Abteilung, ist Termin ailf den 15. Dezember d. I. von 9 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends festgesetzt Ivorden. Im zweiten Bezirk sWahllokale Mohrcnstr. 47 und Behrenstr. 16) handelt es sich um die Stichwahl zwischen dem Hotelbesitzer L e i s, auf den bei der Hauptwahl 581 Stimmen cutfielen und dem Stadtv. P r e tz r l, der 467 Stiinmcn erhielt,— also ein Entscheidungskampf zwischen Freisinn und Bürger- Partei. Im fünften Bezirk sWahllokale Bülowstr. 37, Pallas� straße 3/9 und Bülowstr. 44) steht der freisinnige Kandidat, Stadtv. Marggraff<1941 Stimmen) unserm Parteigenossen H e r m a n>l Werner<958 Stiinineil) gegenüber. Der zweite Kandidat, Bezirksvorsteher Kuckenburg erhielt 460 Stimmen. Für die Stichwahl werden wieder besondere Karten ausgegeben. Verletztes Standesdewns-tseln hat eine Anzahl Gymnasiallehrer in den Streik getrieben. Die Herren unterrichteten in den hiesigen kau-fmä nn i scheu Fortbildungsschulen in fremden Sprachen. Diesen FortbildlinaSschulen sind Rektoren oder Lehrer hiesiger Gemeindeschnlen als Leiter vorgestellt. Der neue Direktor der Fortbildungsschulen gab in einer im Mai abgehaltenen Konferenz die Anregung, die Leiter möchten sich mehr der Ueberwachung des Unterrichts widmen. Als einer der Herren der gegebenen Weisung Folge leisten wollte, fand er bei einem Oberlehrer Widerstand. Auf eine Beschwerde deö Oberlehrers erklärte der Direktor, er iverde sich genötigt sehen, mit jedem diese Anordnung principiell ab lehnenden Herrn daS Verhältnis zu lösen. Nach den Sommerferien fand denn auch der erwähnte Lehrer seine Kündigung vor. Nun erklärten sich die akademisch gebildeten Lehrer solidarisch und beschlossen, entschieden gegen eine derartige Zu- mutnng Front zu machen. Auch in einer Besprechung mit dem Direktor, die dem Wunsche der Oberlehrer zuwider in Gegenwart der Leiter stattfaiid, gelang es nicht, diesen zur Ziirücknahme seiner Maßregel zu bewegen. Er versprach jedoch, die Sache de», Kuratorium zur Entscheidung vorzutragen. An, Schluß dieser Besprechung drückte der Vortragende, den seine Kallegen zum Sprecher gewählt hatten, sein Bedauern darüber ans, daß die akademisch ge- bildeten Lehrer sich unter den obwaltenden Umständen genötigt sehen würden, ibre Tbätigkeit an den Fortbildungsschulen alv zubrechen. Der Borsitzende des Kuratoriums lud bald darauf den Vortragenden zu sich ein, aber auch diese Aussprache führte nicht zu einer Aenderung der Sachlage. In einer Sitzniig des ZturatorinmS wurde nach dem Bericht des Direktors den Obev lehrern ein abschlägiger Bescheid erteist unter der Begründung, daß den Leitern der Fortbildungsschulen als solchen daS Recht z» stehe, auch die Oberlehrer beim Unterricht zu überwachen. Mit Ausnahme von zwei Oberlehrern gaben zum 1. Oktober alle akademisch gebildeten Lehrer, auch die Kandidaten und Hilfslehrer, ihre Wirk- samkeit an den Fortbildungsschulen auf. Es ist dem Direktor bis heute nicht gelungen, die rnlsgeschiedenen Hetren durch andre akademisch gebildete Lehrer zu ersetzen. Zur Erklärung dieses wunderlichen Verhaltens der Sprachlehrer sei bemerkt, daß eine Art Aberglauben sie der Meinung leben läßt. sie ständen als Akademiker im preußischen Mandannenftaat um einen Rang höher da als ihre nur seminaristisch gebildeten Kollegen von der Gemcindeschule. Au diesem Aberglauben wird sehr strenge festgehalten und so ist der Streik begreiflich. Es bleibe dahingestellt, ob die Fortbildungsschnlen durch den Ausstand Schaden erleiden. Uebrigens verlautet noch nichts davon, daß die an Genieindeschulen uiitcrrichtendeu Lehrer mit akademischer Bildung sich dem Streik an- schließen wollen. Der diesjährige Weihnachtsmarkt wird von Freitag, den 11. bis zum 25. Dezember, am Arkona-Platz und Iliiigegend sowie an den einzelnen für Budcu-Aufbau.sreigegeb'eneii Plätzen' abgehalten werden. Mit dem Aufbau der Buden wird in der Natbt zum 11. d. Mts. begoiineu. Der Abriß der Buden muß. da der 27. De- zcmber diesmal auf einen Sonntag! fällt, am Montag, den 28., beendet sein. Jutercssantc Probefahrten finden gegenwärtig auf der Berlin- Wetzlarer-Eiseubahn, zivischeii den wenig frequentierteil Stationen Drewitz und Wiesenburg statt. Von Grunewald aus werden täglich Züge mit zwei Lokomotiven neuester Konstruktioit und ca. 20 leeren Personenwagen abgelassen, welche aus der vorerwähnten Strecke in schnellster Fahrt dahinsansen und dann plötzlich, nachdem die Lokomotive dazu das Signal gegeben, durch einen noch geheim- gehaltenen Mechanismus zum Stehen gebracht werden. Es handelt sich darum, die Ungefährlichkeit dieser Bremsvorrichtung, die sich bisher bewährt hat, zu erprobet». Der seltene Fall, daß in einer SchwurgerichtSverhandlung ein G e s ch w o r n e r sich für befangen erklärt, ereignete sich gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts II. Bor diesem hatte sich der Maler Barschall, der sich früher als Annoncen-Agent ernährte und schon wegen verschiedener Strastbaten vorbestraft ist, wegen Betruges, Urkundenfälschung und Meineides zu verantworten. Die jetzigen Strafthaten lagen auf dem Gebiete des AnnoncenschwindelS. Zu den zur Ausübung des Geschwonieuamtes berufeneu Männern gehörte der Buchdruckereibesitzer Leo Schultz, Herausgeber des „Friedeuauer Lokal-Anzcigers". Dieser hatte früher mehrfach imt dem Angeklagten geschäftlich zu thun gehabt und nicht die besten Ersahrungen smit ihm gemacht. Er hielt cS deshalb für feine Pflicht, vorzutreten und dem Vor- sitzenden zu erfläre», daß er sich für befangen erklären niüssc und nach seiner Meinmtg in dieser Sache nicht mitwirken könne. Nunmehr beantragte der Staatsanwalt, Herrn Schultz als Zeugen zu vernehmen, da er der Meinung war, daß dieser noch einiges zur Belastung des Angeklagten würde beitragen können. Dicier Ansicht scheint mich der Angeklagte selbst gewesen zu sein, denn er versuchte darzulegen, daß die Vernehmung des Herrn Schultz überflüssig sei. Der Gerichtshof beschloß jedoch diese Vcrnehnnnig und so wurde deim aus dem Geschwornen ein Belastungszeuge.— Die Verhandlung selbst bot sonst keine Einzelheiten von allgemeinem Interesse. Weiblicher Mut. Der Polizeipräsident teilt mit: Fräulein Minna Liniiert Hierselbst, Simeonstr. 23 wohnhaft, hat am 24. Februar d. I. in der Friedrichstraße das vier Jahre alte Kind Gertrud Brosowskh vom Tode des Ucberfahrenwerdeiis gerettet. Ich bringe diese von Mut und Entschlossenheit zeugende That hiermit belobigend zur öffentlichen Kenntnis. Man schlägt sich und verträgt sich..Graf Hektar KwileckiS Rene schweren und nicht erweisbaren Beschuldigimg gegen nahe Verwandte in die Oessentlichleit getreten zu sein. Graf Hektar Kwielecki aber hat noch mehr gethan. Er hat. einem hiesigen Blatte zufolge, nun- mehr in bereitwilligster Weise seine Znstimiiiimg zur Ausnahme einer Hypothekar- An leihe auf Wroblewo gegeben, die auch wirklich in den letzten Tagen und unter der persönlichen Garantie dcS Grafen Hektar abgeschlojjen worden sein soll. Fahrstnhluuglück. In der Metallwarenfabrik von Kreil n. Eo. in der Böckhstr. 7 war gestern morgen der 18 Jahre alle Arbeiter Felix Mehlis ans der Richardstr. IIS im vierten Stock am Fahrstuhl beschäftigt. Wahrscheinlich infolge eines Fehltritts stürzte er in den Schacht hinab und blieb tot imte» liegen. Da niemand bei dem Unglücksfall zugegen war, kann über die Ursache noch nichts mit- geteilt werden. Gattenmord»nd Selbstmord. Der 33 Jahre alte Gastwirt Karl Dreybrodt in der Ringbahnstraße 12 zu Tempelhof lebte mit seiner 34 Jahre alten Eheftrni Rosa. geb. Potochowsly, von jeher in Unfrieden. Dreybrodt war sehr eifersüchtig. Wie weit er dazu Grund hatte, ist nicht festznstelle». Wenn die Frau mit einem Gaste auch nur ein wenig schön that. so geriet er in die größte Aufreguiig. Dabei kam es oft gcnng so weit, daß die Eheleute sich vor den Gästcu prügelten. Erst kürzlich schlug Dreybrodt seine Frau braun und blau und sie zerschlug ihm dafür eine Lampe auf seinem Kopfe. Aber immer wieder söhnten sie sich noch ans, bis es an« Sonnabend zur 5latastrophe lam. Eine Nachbarin beschwerte sich über den Streit und Lärm, hatte aber damit nur den Erfolg, daß beide Eheleute über sie herfielen und sie gemeinschaftlich mißhandelten. Als darauf die Frau zur Polizei ging, kündigte der Hauswirt Dreybrodt die Räumungsklage an. Die Aussicht, das gutgehende Geschäft verlegen zu müssen, versetzte mit allem, was vorhergegangen war, Dreybrodt in die größte Aufregung. Als das Geschäft bereits geschlossen war und die Kinder schon schliefen, hörten die Hausgenossen um lüv- Uhr noch einen sehr heftigen Auftritt. Gegen 2V- Uhr gab es ein Geräusch wie von einem ungemein wuchtigen Schlag oder als ob jemand ge- schössen hätte. Die Nachbarn kümmerten sich darum nicht, da sie ja an alles gewöhnt waren. Sie vernahmen nur noch ein Hin- und Hcrschieben mit Stühlen, dann war alles ruhig. Erst der gesttige Morgen brachte die furchtbare Aufflärimg des nächtlichen Vorfalles. Um 2'/- Uhr hatte Dreybrodt seine Frau durch einen Beilhieb nieder- gestreckt und ihr dann mit der Schneide deS Beiles den Kopf förmlich zerhackt. Nach dem Morde blieb er bei der Leiche in der Gaststube, schrieb einen Brief an seinen Bruder, einen Gastwirt in Alt-Moabit Nr. 57. teilte ihm mit. daß seine Frau ihn zu der That gezwungen habe, gab ihm Auskunft, wo sich das bare Geld und die Sparkassen- bMier befinden, und bat ihn, für die Kinder zu sorgen. Dann machte er sich ans dem Billard aus Decken und einem Kissen ein Lager zurecht, öffnete den Gashahn und legte sich hin, my sich mtt dem ausströmenden Gas zu vergiften. Diese Absicht aber scheiterte daran, daß hinter einer Jalousie ein Obersenster geöffnet war, ohne daß er es wußte. So zog das Gas zum größten Teil ab, Dreybrodt blieb am Leben, schlief ein und wurde um 7 Uhr morgens wieder munter. Ohne die Jalousien wieder aufzuzichen. verließ er jetzt die Gast» stube, schloß die Thür hinter sich ab und ging zu seinen Kindern hinauf, die er zu ihrem'Onffl nach Alt-Moabit schickte. Nach einer Weile ging er dann in den vierten Stock hinauf, öffnete das Boden- fensrer und sprang auf den Hof hinab, wo er mit zerschmetterten Gliedmaßen tot liegen blieb: Die alsbald alarmierte Polizei ließ zuerst die Gaststube öffnen, da sich der Gasgeruch auch im Hause bemerkbar machte. Als mm, die Jalousien aufzog, entdeckte man die furchtbar zugerichtete Leiche und neben ihr daö blutbesudelte Beil. Der Arzt fand nichts mehr zu thun. Schurkenstreiche. Eine Anklage in einer ErpreffimgSsache mit romantischem Hintergrimde wird demnächst vor der Strafkammer deS Landgerichts I gegen den Oberkellner H. und die Pensions- iuhaberin Frau Kl. zur Verhandlung gelangen. H. befand sich in diesem Frühjahr eine Zeit lang außer Stellimg und hatte in der Pension der Mitangellagtcn Frau Kl. Unterkunft genommen. Er er- zählte ihr viel von seinen früheren Liebesabenteuern. Eirnnal habe er zu einer 52jährigen Dame, einer Kallfmannsfrau aus Hamburg, welche vorübergehend in dem Hotel in Süddeutschland, in welchem er in Stellung gewesen sei, gewohnt habe, � in einem Liebesverhältnis gestanden. Um der Frau Kl. zu beweisen, daß er nicht aufschneide, hatte er ihr verschiedene Briefe der Dame gezeigt, wodurch diese arg bloßgestellt wurde. Frau Kl. kam auf die Idee, diese Briefe zu ErpressungSzweckeu zu benutzen und H., der hiermit einverstanden war, handigte ihr zu diesem Zwecke die Schriftstücke aus. Frau Kl. ging sofort ans Werk. Sie reiste nach Hamburg und begann ihr Opfer zu drangsalieren. Nachdem sie verschiedene Summen erpreßt, stieg ihre Begehrlichkeit. Sie verlangte schließlich für die Herausgabe der Briefe ein Darlchn von 8—10000 M. Diese Forderung überstieg die Kräfte der geängstigten Dame. Sie vercaate sich in ihrer Berzweisliuig ihrem Gatten an. Dieser stellte der Erpresserin eine Falle. Sie wurde in die Wohmmg der Dame bestellt, und als sie hier ihre Forderung wiederholte, sprang der Ehemann hiittcr einem Ofenschirm hervor und veranlaßte ihre Festnahme. Auch der Oberkellner H. wurde in Haft genommen. Beiden steht strenge Bestrafung in Aussicht. Frau Kl. wird vom Rechtsaiuvall Dr. Schwindt, der Oberkellner H. vom Rechtsanwalt Dr. Werthaucr verteidigt werden. Ein rabiater Bruder. Der 27jnhnge Schneider August Scheel aus der Schliemaimstr. 13 ist verhaftet worden. Er wohnte bei seinem 29 Jahre alten verheirateten Bruder Karl, der ebenfalls Schneider ist, in Schlafstelle. Die Brüder vertrugen sich schlecht. Am Sonnabendabend trafen sie sich bei ihrem Vater in der Sttelitzer- straße. Hier gerieten sie wieder aneinander. Der Vater begleitete sie auf dem Siiickwege, um weiteren Zwist zu verhindern. Bor dem Hause Eberswalderstr. 19 aber kam der verhaltene Groll doch wieder zum Ausdruck. Nun zog August Scheel seinen Revolver und richtete ihn ans seinei» Bruder. Der erste Schuß versagte, der zweite traf ihn leicht am rechten Arm. Als Leute herbeieilten, ergriff Scheel die Flucht nach der Schönhauser Allee zu. Dreimal schoß er, ohne zu treffen, aus seine Verfolger. Eine Kugel flog einem Droschkenkutscher, der den Flüchtling aufhalten wollte, dicht am Kopfe vorbei. Vor dem Hause Schönhauser Allee 129 wurde der Verfolgte gestellt und festgenommen. Ein Schutzmann mußte blank ziehen,»rn ihn vor der Wut des Publikums zu schützen. Daun wurde Scheel in das Untersuchungsgefängnis nach Moabit gebracht. Ilcbcrfahrcn wurde gestern vormittag um 10 Uhr von einem Bierfahrer der Firma Gabriel u. Richter in der Feurigstrahe zu Schöneberg ein Arbeiter. Der Kutscher war in scharfem Trabe um die Straßenecke gefahren, so daß der Arbeiter sich nicht mehr retten konnte. Dem Unglücklichen, der inS Krankenhaus gebracht wurde, smd beide Beine gebrochen worden. Die Anssiellnug c>upschle»smcrtcr Jugendschriften, die von der Verwaltung des G e w e r k s ch a f t s h a u s e s aucki in diesem Jahre, wie angelüudigt, wieder veranstaltet worden ist, wurde am Montagmittag um 2 Uhr eröffnet. Die Zahl der auSgestelltei« Bücher»st größer als m den vorhergehenden Jahren, aber noch immer nicht sehr groß, so daß mancher Besucher, der die Ailsstelluiigcn der beiden Vorjahre nicht gesehen hat>md die Grundsätze ihrer Veranstalter flicht leimt, im ersten Augenblick enttäuscht sein wird. Aber gerade diese Beschränkung ist. das sei hier noch einmal hervorgeboben, ein Vorzug drr Ans- stellung. Ausgestellt sind.>vie in den Vorjahren, nur Bücher, die von den PrüfungsauSschiiisen der deutschenLehrer« s ch a s t empfohlen werden. Trotz der Riassenhastialeit der Jugend- schrlften-Produktton nimmt die von diesen Priisiiiigsauslchüssen zusammengestellte.Liste empfehlenswerter Jugendschriftcn" in jeden, Jahre nur um wenige Bücher zu. Sie bietet daher keine«große Auswahl" im landlmifigeii Sinne, aber sie erspart dem, der sie als Wegweiser durch die Wildnis der Jngendschriften» Litteratur benutzen will, viele Mühe und Verdruß. Auch wer da» Urteil der Prüfungsausschüsse nicht für unbedingt maßgebend hält, wird doch dankbar auerkeimen. daß hier eine wertvolle Vorarbeit geleistet worden ist. Die Ausstellung macht diese Vorarbeit für weitere Kreise nutzbar, iiide», sie den Eltern aus der Arbeiterbcvälkrrnng Berlins ermöglicht, die empfohlene» Bücher selber»och zu prüft». Das ist in einer Buchhandlung schwer möglich. Auf der Ausstellung sind die Bücher nach Altersgruppen— von den noch nicht schulpflichtigen Kindern bis zur reiferen Jugend— geordnet, und jeder Besucher kann jedes einzelne Buch genau durchsehen oder auch vollständig durchlesen. Wer sachverständigen Beirat wünscht, findet ihn bei den aufsicht- führenden Personen. Ein Verzeichnis der ausgestellten Schriften, das Titel, Verlag und Preis angiebt, wird jedem Besucher un- entgeltlich eingehändigt. Die Ausstellung, im Saal 3 des Äewerk schaftshauses untergebracht, ist geöffnet bis zum 3. Dezember täglich von 12 Uhr mittags bis 10 Uhr abends, am Sonnabend nur bis 3 Uhr abends. Der Eintritt ist unentgeltlich. „Babel und Bibel" heifet ein Ausstattungsstück, das am Mittwoch zum erstenmale im Cirkus Schumann aufgeführt wird. Eine Wanderung durch acht Jahrtausende soll das Publikum hierbei unter- nehmen. Recht so. Schon längst ist das Theater zum Cirkus und umgekehrt der Cirkus zur Schaustätte seriöser Dramen geworden. Warum soll da nicht auch die Wissenschaft, die überall sonst als Aschenbrödel behandelte, in der Manege eine Unterkunft finden? Klus den Nachbarorten. In Teltow hat die Socialdemokratie bei den am Montag er- folgten Wahlen zur Stadtverordneten- Versammlung ebenfalls einen schönen Sieg errungen. Zu den zwei Mandaten, ivelche unsre Partei bereits im dortigen Stadtparlanrent inne hat, ist gestern ein drittes erobert worden. Unser Parteigenosse Schneidermeister Franke wurde mit III gegen 83 Stimmen zum Stadtverordneten gewählt. Die Kirchendiebc aus der Umgebung Berlins scheinen jetzt ihre Streifzüge weiter ins Land hinein auszudehnen, denn Ende voriger Woche wurde zur Nachtzeit auch die Kirche in Bliesendorf bei Werder a. d. H.. woselbst bisher der aus dem Resauer Spukprozeß bekannte Pastor Miller amtierte, erbrochen. Die Diebe suchten nach den silbernen Altargerätschasten, fanden sie aber nicht, weil sie in der Wohming des Pastors waren. Sie nahmen nun die Altardecke und noch einige andre Kleinigkeiten nnt, welche sie aber später im Walde fortwarfen, als sie in der Richtung nach Branden- bürg a. H. weiter gingen. Anscheinend gehören die Einbrecher zu einer ganzen Bande von Kirchendieben, von denen zwei in der vorigen Woche in Brandenburg a. H. festgenonunen wurden, als sie zusammengeschlagenes Silbergerät, das aus einer Kirche stammte, versetzen ivolltcn. Man glaubt, dag dieses Gerät aus der Kirche zu Grost-Glimcke bei Spandau, welche am 7. November erbrochen wurde, stammt. Das ZeugniszwangS-Verfahreu gegen den Redakteur Salis von der„Pankolver Zeitung" scheint wieder eröffnet werden zu sollen. Obgleich dem Beteiligten vor einigen Tagen die Mitteilung von der Einstellung des gegen ihn cingelettetcn Verfahrens zuging und ihm die Strafe von 300 M. erlassen wurde, ist jetzt vom Landgericht II ein neuer Termin in Sachen gegen„Unbekannt" angesttzt und Redatteur Salis abermals als Zeuge geladen worden. Herr S. wird, wie wir erfahren, dabei bleiben, daß die 13 000 M.-Affaire schon vor ihrer Veröffentlichung in Pankolv allgemeines Tages gespräch, also gewissermaßen ein öffentliches Geheimnis war. Die ganze Angelegenheit hatte als Versehen eines Gcmeindcbeamten nur ein lokales Interesse und ist erst durch die Einteilung des Zeugnis- stvaugsverfahrens zu einer Sensation geworden. Daß nochmals ein Termin festgesetzt ist, überrascht um so mehr, als in der öffentlichen Sitzung der Pankower Gemeindevertretung ausdrücklich festgestellt worden ist, daß zahlreiche Gcmeindevertreter das angebliche„Ge- heimnis" bereits vor dessen Veröffentlichung kannten, so dast es sich keineswegs nni eine Jndiskretton, sondern lediglich um Wieder- gäbe eines bereits in vielen Kreisen bekannten thatsächlichen Vor- kommnisses handeln kai,n._ Vernufebtea. Der chargierte Dackel. In der„Hohenzollernschen Volkszeitung" Nr. 269 findet sich folgende Anzeige: Sigmaringen. Kleiner, sckiwarzer Dachshund, auf den Namen Feldniann hörend,(Halsband mit U n t e r o f f iz i e r s- treffe und Sergeantcnknöpfen) verloren. Abzugeben gegen Belohnung bei v. Blumröder, Hauptmann. Soll es für den Dackel oder für den Ulsteroffiziersstand eine Auszeichnung sein, daß der Hauptmann v. Blumröder seinen Hund mit militärischen Abzeichen schmückt? Organisierte Berbrecherbanden. Wie aus Toggia berichtet wird, hat die Gendannerie in San Ferdinando 71 Personen verhaftet, die der geheimen Gesellschaft Mala-Aita angehören. Eine Anzahl Schuldiger konnten sich der Verhaftung durch die Flucht entziehen. Die Gendarmerie beschlagnahmte eine Menge Dolche, Revolver:c., sowie das Archiv der Gesellschaft. Die Vereinigung war gut organisiert und hatte den Zweck, Diebstähle und Erpresmilgen aus- zuführen, sowie Minderjährige zu verführen. Deutscher»rbciter-Abftinenten-Rund. Ortsgruppe Berlin. Mit- woch, den 2. Dezember, abends 81/, Uhr, im Englischen Hos, Neue Rohstr. 9: Experimentalvortrag des Ehclnikcrs Herrn R. Gasch: Die alkoholischen Getränke und ihre Zusammensetzung(Mit Destillation von Weiß-, Lager. bier zc.). Fragebeantlvottuiig. Gruppenangclegenheitcn. Gäste willkommen. Marktpreise von Berlin am 28. November 1903 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. »Weizen, gut D.-Etr. mittel gering. «Roggen, gut „ mittel„ gering. fGerste, gut mittel . gering. 1-Hascr, gut „ mittel„ . gering Richtstroh„ Heu Erbsen„ Speisebohnen Linsen„ • ab Bahn. 16,05 15,97 15,89 13,00 12,96 12,92 14,20 13,00 11,80 15,60 14,50 13,40 4,32 7,00 40,00 50,00 60,00 16,01 15,93 15,85 12,98 12,94 12,90 13,10 11,90 10,80 14,60 13,50 12,40 3,82 4,80 25,00 25,00 20,00 Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 ig do. Bauch„ Schweinefleisch„ Kalbfleisch„ Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Zlalc Zander .zechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 kg per Schock f frei Wagen und ab Bahn. 6,50 1,80 1,50 1,60 2,00 1,80 2,80 5,00 2,20 2,80 2,60 2,00 1,80 3,00 1,40 15,00 5.00 1,20 1.10 1,10 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,40 0,80 3,00 Witterungsuberflcht vom 3«. November l»0Z> morgens 8 IlHt Stationen Swinemde. .erlin Franks.a.M. München Wien L S ~ 5 i- i§ 1 1 s s 745 ONO 745 MO 742 NO 739 M 736 28 Wetter 2 wältig Äwollenl—2 WS? gw H& obedcckt 3 Schnee 4 Schnee 2heiter -0 1 0 Stationen O-ü S5 Haparanda Petersburg Cork Werdeen Paris r 746 747 751 740 Z s N SO N NNO Weller 2bedeckt 4bedeckt 3wollenl 3Schnee ws HS: -9 -3 1 Wetter-Prognose für Dienstag, den 1. Dezember 1903. Ein wenig kälter, veränderlich, vorwiegend trübe mit Schncesällcn ziemlich irischen nordöfllichen Binden, Berliner Wetterbureau. und ! 1- u.«reihig, aus guten halt- ,, - baren Stötten mit gradon oder schrägen Taschen von'ö"*• Rock- und Gehroek-Anzüge* bester aus-..„ führung......... von Dl. Herbst- uol Winter-Paletots« modernster..„ Ausführung........ von«ö lu- Haus- und Jagdjoppen aUen Ausführungen-„ von 0 Hl* an. an. Gegründet; 1878. Specialität der Firma: Paletot nach Mass von 30 M. an. Anzug nach Mass von 33 IE. an. Streng feste Pr JA. Sehutmeister, s i Schneidermeister,*» BERLIN S0.| Dresdener Strasse 4,| Hochbahnstation Kottbuser Thor. 3047h,« Special-Haus kür Herren- und Knaben-Konfektion. Adolph Wormann i 1. Dresdenerftr. 1 1 1 (Haltestelle der Hochbahn Kottbuser Thor). liovfektioiis-Ihaus 330SL« von Mk, » ? s. a— an* I«,- an an Gräfte Auswahl in RIegante Paletots Anzüge.. .. Roek-U-GeM-iiizUge. Winterjoppen.... Burschen- und Knabcn-Zluzüge, sowie fertige > Beinkleider zu staunend billige» Preisen, Anfertigung»ach Mast unter Garantie des guten Sitzes. »»»««««««»»«eosses Stoff- Lager.»»«»«»»»O» 20,- 5,- Mur iSiedeUhr bei mir zu reparieren u. reinigen unter Garantie des Gut- fehens(ohne Bruch), kleine Reparaturen billiger. Grosse« uswahl in Uhren u. Goldwaren zu billigsten Preisen. Goldene Damen-Remontoir, 10 Steine, v. 18,—, Goldene' Herren-Doppel-££3 kapsel-Remontoir v. 50,—, Silberne Remontoir v. 9,—, Regu- lateure, Freisohwinger, Wecker- u. Wanduhren. Goldene Herren- u. Damen-Ketten, Ringe, Schmucksachen in modernsten Facons Geschmack. Für jede bei mir gekaufte Uhr O leiste 3 Jahre Garantie. 2657L* jwv macher, LKaUSSSSStr. 8*. W u. Damen-Ketten, f Q für Jeden Geschr ©Xarl£ux, Speeialgesehäft emaillierter Jtaustialtnngs-Mel Oeorg Wiesner, Ovale Wannen ! Kafferollen mit Ring 35 40 45 50 55 60 65 70 cm 1.13 1,40 1,60 1,90 2,40 3,00 3,75 4,40 pr. St. ca. 14 16 18 20 22 24 cm 45 55 ' Schmortöpfe zu Gas 40 45 1 Tchmortöpfe mit Ring 50 60 Gufteiferne Dchmortöpfe Nr, 2 mit Ring 65 50 75 Z 75 65 85 37, 85 80 100 4 100 Pf, pr. St. 90 Pf, pr. St. 115 Pf. pr. St, 5 6 7 75 95 105 110 120 140 155 Ps, Sümtiiche Preise verstehen sich für Geschirre prima Handelsgualltät. 3ede Uhr __»ureinigen kostet bei mir unter Garantie iihi' 1,50 Mk., auftrr Bruch. Kleine Repara- luren billiger,«ohUsgwoi'k- Regnlatoren von 14 Mk. an. Wanduhren und Wecker von 2,50 Hk. an. Silbcr- BemontolrUhrcn von 8,50 Mk. an. 299111* Emil Rothert, Uhrmacher. AJidrean-Strasse 02.— Frankfiirter Allee 114. Achtung.«K-aa.- ♦ Wir-sseri-r-n Mi u H i � tt lt t v m a t z I mit 12 Noten dazu 58)191» I r Wert Mk. 300,00! • Mk. 100,00 bei Mk* 60,00"HW Anzahlung und Mk. 40,00 Abzahlung, J |Georg Brandt& Co,,«. m.&. Berlin, Prinzessinnenstr. 19J Gngelhardt- Caramel-Jftalz-Sier Gesetzlich geschützt No. 34 934 enthält den geringsten Alkoholgehalt, ist reich an Nährstoffen und deshalb ein hervorragendes Stärkungsmittel. Aerztlich wird es empfohlen für Nervöse, Bleichsüchtige, Mütter Kekonvalescenten. Als Tafelgetränk ist es allgemein bevorzugt.— üeberall käuflich. Preis pro Flasche 10 Pf. Brauerei Ernst Engelhardt Nachf. Berlin ff., Chaussee-Strasse 33. Telephon: Amt III, 8825. 33532* Grosser Fang veranlasst mich die Preise noch zu ermässlgen. 34/8* Ernst Xapp Nachf., Swinemünde No.56. Ost-u. Nordsoe-Fisch.-Imp. Beste Bezugsquelle. Fracht u.Port. freib.jedeStat.KeineNebenberechn. Prämiiert: Goldene Medaille 1903. Gr. Ehrendiplom Paris 1903. cä'1 J"o bis 400 Salzfettlieriiige wirklich weissfleischig u zart, original Grösse M. 10 M., Fass 6 M. st. ff.'/jDose ca. 60 Fettheringo 23/4M., 100 Fettheringe, auch zum Ehst. ' Goldbückl. 3 M. U.U.txiX Cj J I 1�1 ILli.. IL./| vtl. ww a. L-l JJUJA i.Jig v;— J.IJL., V_l xj IX L, -g 4444 Rollmöpse �44 Bismarckheringo 2,90 M., bei 5 Dosen 21/a M. J. W ff. 2,90 M,. cW' Delikatcsshering 2,90 M.,., 5 ,, 2',, M.. 60— 70 Bratheringe 2,90 M., 60 Stück See-Aal in Gelee 3'/, M.(Postdose), '■4_.II 4 Colli enth.Rauch-Lachs,Bismarckhoringe,Oel-Sard,, ■�4 MStdll) Anchovis Ool-Sardinen usw. 4, 4,/i, 5, 5'/� 6 M., 60 Stück geräucherte prima Aale ff. 10 M., 40 fettere 10'/,, 20, die». B'/, M. IlWÄMMM! Wer seinen Kindern zu Weihnachten eine Freude bereiten will, der kause ein Kistchen des von nnsren Genossen angesertigten gold- und silberglitzernden Stp* Chrtftbaumschmulks."Tpfü Sortiment I für 5 M. franco gegen Nachnahme, enthaltend 8—9 cm große Kugeln, dazu eine ichöne große Reflex- Baumspitze, kiingende Glocken, Aepsel, Bir- neu,'Aprikosen und Früchte aller Art. Phantasie- u, Restex- Slrükehübersp onnene, glatte, bemalte und imbemalte Eier�iind Kugeln, hundertStück versilberte Strang- kugew, Eiszapsen, Lametta, Konsekt- Halter usw., furz alles was die Glasindustrie in Lauscha serlig dringt. Hierzu eine Gratis- beilage: ein Erdbeer- oder Himbeer flock aus Glas,'32372,, Sortiment II franco gegen Nachnahme sür 3,50, ebensalks sehr be- sriedigend, Auch versende» wir in allen Quanten und garantieren sür völlige Zu- sstedenheit Guido Müller jr. Lauscha, S M. NtlMrkMM Neue Köuigftraste 21 verkauft nach beendeter EngroS. Saison ihre Reijemuster, bestehend nt: Velzstolas.«ollierS, Muffen-o. zu billigsten«narospretfen. E» gelangt nur reelle Kürschner- «are znnl Berfaus. 39/17* Soinitaas geschlossen. tiraswttneherei Ex- u. Import W. Schwandt, Swinemünde, gegr. 1886. Ohne Grostschreterei nur Ori- ginalmorken. keine Schleuder- ivare. Billigste Preise. Alles portofrei, keine Fastberechnung, per Nachnahme. Salzhennge, nur feine War«, voll u.fett st, Fas» M, 450 Stück 8 M.. st. Faß 4'/. M. >/, Fs,» b. 400 5«.. voll 11. fett 8 und 9 M.. st. Faß 4'/, u. 4-/. M. >/, Fe»»«ff. vorzügl. Marke, 9 und 10 M.-/, Faß 4-/. u. 5 M. st, Fa»» Kronien-Marke, be»ter Vollhering 11, st. Faß 5st, M. 4 Litcr-Dose per Post 70 zarte Fettheringe 2,30 M, Grössere 2st„ beste 2'/,. Vollheringe 2'lt M Ca. 70 Bratheringe 2'/,, grosse 2'/4, ca. 100 Bismarckheringe, Delikatessheringe 2'/4 u. 3 st, M., ca. ,00 Rollmfipse 2'/. u. beste 3st, M. Kiste ca. 120 Geldhüekiinge 2,70, grosse Voll- m. Fett- Bücklinge 2st, M., gemischte Räucherware 3'/, M. st, Kisten Spotten 3st„ 1 Kiste 2st, M. SpWf Eigne Räucherei, Braterei u. Marinier-Anstalt.-H>U 3006E* kllllill-I'oüMW empfiehlt sein Lager inBruchdandage», tzeihhinden, Geradehaltern, Spritzen, Suepensore, sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigne Werkstatt.' Lieserant f. Orts. uHilss-Krankenfassen Berlin 28842* 30. Fimea-Straße 30. IVB. Alle Bruchbänder mit elastl- schen Pelotten, angenehm und weich am Körper'. I�UTÄRHENu KRÄNKEN ärztlich .reufie 'süsser KRAFT- ROTWCiN empfohlen p Flasche l'SOurü 2 Mark,- steht unter ständiger Kontrolle des Gerichtschemikers Dr. C. Blschetf. Win-e?"JiSStr Gaspey-Oslo-Saner nr Brleramf m.dera. Üarad»! ■lat ia all« Uadtra TirWaltit. 3.5t« f.SckaUa a.t.StlM- uBterrifbt(kitrflr ScblBuil). ,«a katickta laisalxa rill er- ichleaea: araMnh, chlnei, Ma., V?>.> fraai., Italien., aHsrltdi., aiatlert,, pt'a., partaoln., ran., lehvet.,