ib. 384. )ltmnemenlt'8cdiitguitsefl- Moimemcnts- Preis prümancrcal&o: Bierteljährl. S,30 SMt, monalL 1,10 mt, wSiH entlich 28 Pfg. frei fnS Haus, Einzelne Nummer ö Pfg, Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Posl-Zeitungs- Preisliste für 1903 unter Nr, 8303. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn a Mark, für das übrige Ausland 2 Mark pro Monat. krlibflllt taglich auBcr tnonlags, 20. Iahrge Vevlinev Volksblelkk. Eentralorgan der 1oeicrU»emokrcttiMen Martei Deutschlands. vie lnlertlonz-LebW betrügt für die sechsgespaltcne Kolonel- zcile oder deren Raun» 40 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche PerciuS- und BcrsaimnIungs.Anzcigcn 20 Pfg. „Mein« Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate süt die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8Uhr vornntttags geöffnet, Telegramm-Norcsse: „ScctaMHiblirat Berlin". Rcdalttlon: 8M. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Zur Reichs-Fmanzreform. Seit der Schaffung des Reichs trägt unser Finanzsystem den üharakter eines Notgerüstes. Selbst die Bestimmungen der Ver- sassung sind provisorischer Natur und als provisorisch auch nur gc- dacht. Die Grundlinien des ursprünglichen Verhältnisses zwischen deni Reiche und seinen einzelnen Mitgliedern bestehen darin, daß das Reich seine Bedürfnisse aus eignen Einnahmen decken sollte und nur für den Fall, daß sich diese Einnahmen als unzureichend er- imesen, sollten die Einzelstaaten für das rechnungsmäßige Deficit des Reichs-Haushalts aufzukommen haben. Der§ 70 der Verfassung geht von der Annahme aus, das Reich würde in die Lage kommen, seine Einnahmequellen so zu erweitern, daß auf die Mittel der Einzelstaatcn nicht mehr zurückgegriffen werden müßte. Bismarck ging dabei von dein Gedanken aus, daß die Ver- brauchsabgaben die idealste Form aller Steuern seien und legte darum seinen Plan darauf an. diese Verbrauchsabgaben des Reiches thunlichst zu vermehren. Wäre es nach seinen Wünschen gegangen, so lvären die Ausgaben des Reiches nicht allein aus diesen in- direkten Steuern gedeckt worden, sondern es lvären auch riesige Summen aus ihnen flüssig gemacht worden,' um die Einzelstaaten zu entlasten und die Steilerpflichten der besitzenden Klaffen thun- lichst einzuschränken. Diesen plutokratischen Grundcharakter hat das Reichsfinanzwesen trotz der verschiedenen Aenderungcn, die an ihin vorgenommen worden sind, dauernd behalten. Bismarck und seine Jünger wurden bei solchen Plänen nicht bloß von ihrer bürgerlichen oder junkerlichen Abneigung gegen direkte Steuern geleitet. Es handelte sich auch darum, den preußisch- deutschen Militärstaat unter eine möglichst starle Autokratie des Kanzlers zu stellen und alle gesetzgebenden Faktoren für die stets tveiter fortschreitenden Forderungen des Militarismus gefügig zu erhalten. Hatten sich doch die meisten deutschen Einzelstaaten nur unter kläglichen Protesten gegen die preußischen Militärlasten dem Norddeutschen Bunde und später dem Reiche angeschlossen. Konnte nun das Reich von dem Brot, dem Fleisch, dem Salz, dein Tabak, dem Bier, das das Volk verbrauchte, durch Zölle und Steuern genug abzwacken, um nicht nur seine cigneir Bedürfnisse zu decken, sondern mit seinem Wuchergclde auch die Staatskassen übcrschlvcmmen zu können, so war von den Regierungen der Einzelstaaten ein Wider- stand gegen die immer größeren Rüstungen nicht mehr zu erwarten. Da ferner der Reichstag zum größeren Teile aus Angehörigen und Vertretern der besitzenden Klassen besteht, war auch von ihin die Bewilligung militärischer Forderungen nur dann zu erwarten, wenn es nicht die besitzenden Klassen waren, die für die Zeche auszukommen hatten. Schließlich haben die Einnahmen aus den Verbrauchssteuern auch den Vorteil, daß sie automatisch weiterlaufen. Das Parlament eines Reiches, dessen Etat auf indirekten Abgaben basiert, ist, sofern nicht besondere Bcstinnmmgcti geschaffen werden, des wichtigsten konstitutionellen Rechts aller Volksvertretungen, des Einnahme- bcwilliguugsrechtes entkleidet. Das Ideal, das dem Fürsten Bismarck vorschwebte, war also eine Äanzlerdcspotie, ausgeübt im Interesse der besitzenden Klassen, Indes ging es auch diesem Ideal des autokrattschen Mammonismuö wie allen Idealen: cS tvurde nur annähernd erreicht. Als die Zoll- und Steuerreform des Jahres 1870 neue gcivaltige Einnahmen brachte, wollte die Mehrheit des damaligen Reichtages zwar keineswegs die Lasten des Volkes vermindern, wohl aber den Einfluß der Einzelstaaten sowie des Reichstages auf die Einnahme- Politik des Reiches erhalten wissen. So entstand die sogenannte FranckcnsteinscheKlauscl, nach ihrem Urheber, demEenkrtunsabgeorditeten Franckenstein, so genannt, welche bis jetzt die Grundlage des Reichs- finanzwesens abgiebt. Sie bestand ursprünglich aus zwei Teilen, deren erster die„bayrische Klausel", das Recht der Einzel- staatcn wahren, der ziveite das EinnahmcbetvilligungSrecht des Reichstages festlegen sollte. Der erste bestimmte, daß mir ein fester Betrag(130 Millionen Mark) von dem Ertrage der Zölle und der Tabaksteuer dem Reiche verbleiben, der Rest aber au die Einzelstaaten überwiesen Ivcrden sollte. Der ziveite aber ging dahin, daß die Abgabe von Salz und einzelne noch näher zu be- stimmende Zölle nicht ein für allemal, sondern nur von Jahr zu Jahr bewilligt werden sollten. Der erste Teil dieser Finanzklausel lourde angenommen, der zweite aber, gegen den sich Bismarck mit großer Heftigkeit tvandtc, eiligst zurückgezogen, um die neugewonnene Freundschaft des Centrums mit dem Kanzler nicht zu stören. Aber auch die Annahme dcö ersten Teils der Franckensteinschen Klausel hatte die Folge, daß die zur eignen Verwendung freien Ein- nahmen des Reiches auf eine unzureichende Summe beschränkt, die Erhebung von zu bewilligenden Matrilularbciträgen zur dauernd notwendigen Einrichtung gemacht wurden. Dieses System hat bisher ivohl eine teilweise, aber keine grund- stürzende Aenderungen erfahren. Zu diesen Aenderungen gehört, daß auch die Einnahmen aus den Stenipelsteuern sowie aus der Branntiveinabgabe den Einzelstaaten überwiesen wurden, daß andrer- seits die Summe des festen dem Reiche verbleibenden Betrags erhöht wurde, daß durch Schuldentilgungsgesetze die Aussichten der Einzelstaaten atkf überschüssige Uebcrweisungcn vermindert ivurde. Praktisch hatte die neue Ordnung der Dinge die Wirkung, daß in dem Jahrzehnt 1383— 1893 480 Millionen aus Reichsmitteln an überschüssigen Ileberweisungen in die Kassen der Einzelstaaten flössen. Als nun Anfang der neunziger Jahre die neue Militärvorlage ein Loch in die schöne Rechnung riß und die Einzelstaaten für ein entstandenes Deficit aufkommen sollten, wurde die Frage einer Reichs-Finanzreform akut. Im Jahre 1893/94 ging dem Reichstage eine Finanzvorlage zu, wonach aus Tabaksteuern und andern Ab- gaben die Einnahmen des Reiches so(etwa um 100 Millionen) erhöht werden sollten, daß man den Einzelstaaten ein festes Plus der Neberweisungen von 4V Millionen Mark garantieren zu können glaubte. So kehrte, wenn auch in veränderter Form, das alte Ideal Bismarcks wieder. Der Entwurf, dessen Vater Miquel war, fiel, und das gleiche Schicksal hatte auch eine ziveite Vorlage vom Jahre 1894/9ö, die den Einzelstaaten die Sicherheit verschaffen sollte, daß die Matrikular- beitrage die Ueberweisuug niemals übersteigen würden. Der entschiedenste Gegner solcher Jinanzreforinen ivar natürlich die Socialdemokratte. Denn ihnen allen lag der ursprüngliche Gedanke zu Grunde: die Einzelstaatcn und die besitzenden Klaffen sollen vor allen Forderungen des Reichs- Militarismus sichergestellt, die ganze Last zeitlos den Massen des Volkes aufgebürdet werden. Die neueste Finanzreform bringt nichts als das alte Lied in einer neuen Tonart, Die Franckensteinsche Klausel wird zwar nicht aufgehoben, aber ihre Bedeutung auf das äußerste eingeschränkt. Die eignen, nicht aus Matrikularbeiträge» fließenden Einnahmen des Reiches werden erhöht und dadurch riesige Summen dem Ein- nahmebewilligungSrecht des Reichstages entzogen. Der Betrag der Einnahmen, die der Belvilligung durch den Reichstag unterliegen, ivürde um etlva eine halbe Milliarde erniedrigt, und als kläglicher Niest blieben nur jene Matritularbeiträge in der Höhe von etwa 100 Millionen, die bis auf weiteres noch für die fortdauernde Ueber- Weisung der Branntweinsteuer an die Einzelstaatcn von diesen rück- vergütet werden würden. Die Erfüllung des— gesetzlich allerdings völlig unverbmd- lichcn— Versprechens, daß„der budgetmäßige Betrag der von den Bundesstaaten aufzubringenden Matrikularbeiträgc den Betrag der von ihnen durchschnittlich in den fünf Borjahren empfangenen lieber- Weisungen in der Regel nicht übersteigen" solle, würde zu dem- selben Zustande führen, der durch die gescheiterte Reform von 1894/95 erreicht iverden sollte: die Einzelstaaten, d. h. unter den bestehenden Verhältnissen die besitzenden Klassen wären des letzten Restes von Sorge überhoben darüber, daß auch sie zum kleinen Teile wenigstens für die Kosten des Heeres und der Flotte aufkommen müßten. Schade gewiß um jeden Groschen, der aus den Kassen der Einzelstaaten für dieses System aufgewendet wird. Aber Mitleid braucht man darum mit den Staatsregierungen noch lange nicht zu haben. Im großen und ganzen sind sie bei den Verhältnissen, wie sie sich seit der Franckensteinschen Klausel eingebürgert haben, recht gut weggekommen. Sie, die die überschüssigen Ileberweisungen in den fetten Jahren lächelnd eingesteckt und in einer nicht immer einwand- freien Finanzwirtschast verwendet haben, haben kein Recht, darüber zu klagen, ivenn sie in mageren. Jahren als ungedeckte Matrikular- beitrüge einen Teil des Erhaltenen wieder herauszahlen müssen. Allezeit ist aus den angeführten Gründen die Sorge des Reichs- Schatzamtes dahin gegangen, die Einzelstaaten thunlichst zu entlasten, Während ihr Zuschuß für Reichszlvecke in den ersten Jahren nach der Rcichsgründung 82, 59, 51, 52, 59, 04, 70, 94 Millionen be- trug, belauft er sich in den jetzigen kritischen Zeiten doch nur auf 23 Millionen. Indem man systematisch eine ganze Reihe von Posten, die eigentlich in den ordentlichen Etat gehörten, auf den anßerordent- lichen abschob, schob man ihre Reichslasten einfach auf den Bankier als Gläubiger und das Volk als Schuldner ab. Seit 1877 stieg die Reichsschuld von 10 Millionen Mark auf mehr als drei Milliarden. Die neue Reichs-Finanzreform tvill diesen Zustand bessern, indem sie einen weiteren Posten des ordentlichen Etats in den außer- ordentlichen abschiebt. Wird wie bisher der zur Regel gewordene Fehlbetrag der Vorjahre auf den ordentlichen Etat übernommen, so haben die Einzelstaatcn, sofern er nicht auS ordentlichen Mitteln gc- deckt werden kann, für ihn aufzukommen. Jetzt sollen diese Fehl- betrüge von vornherein aus den antzerordentlichen Etat übernommen d. h, durch Pump gedeckt werden. Da man aber, wenn man der Begründung dcS vorliegenden Gesetzentwurfs Glauben schenken darf, nicht bloß neue Schulden, sondern auch alte tilgen will, bleibt immer noch die große Frage offen, womit das eigne Deficit des Reiches gedeckt lvcrden soll, wenn„in der Regel" ungedeckte Matrikularbciträge nicht erhoben werden. Ein alter Possenwitz giebt zur Anfertigung von Kanonen das Rezept: man nehme ein Loch und gieße Metall herum. Herr von Stengel stellt sich das Zustandekommen der Reichs-Finanzreform ähnlich vor, aber vorläufig hat er nur das Loch genommen und woher das blinkende Metall kommen soll, wenn cS nicht aus den Einzelstaatcn kommt, das ist vorläufig sein großes Geheimnis. Tie konservative Presse hat also die Bedeutung der neuen Vor- läge sehr richtig begriffen, wenn sie über sie jubelt, weil jetzt— der neue Zolltarif möglichst bald in Kraft gesetzt werden müßte. WaS dieser aber nicht bringen wird, daS müßten offenbar neue Reichs steuern bringen. Das sieht auch die Centrumspresse ein und es ist ihr gar nicht wohl bei dem Gedanken, daß durch neue Steuervorlagen die Popularität ihrer Partei und ihr reichstreuer Bewilligungseifer in einen tragischen Konflikt geraten könnte. In ähnlichem Sinne spricht sich die freisinnige Presse auS, während die Organe der Partei Drehscheibe noch nicht wissen, woher der Wind weht. Die Soeialdemokratie wird über das Wesen dieser Reform nicht lange im Zweifel sein. Diese Reform will bei den Einzelstaaten den letzten Rest von Verantivortlichkeit gegenüber der Reichswirtschaft ertöten, sie will die besitzenden Klassen dauernd vor allen Reichslasten sichern, sie will die- konstitutionellen Rechte der Volksvertretung mindern, sie läuft in ihrem Enderfolg auf eine Vermehrung der Massensteuern hinaus. Sie ist nichts als ein Teil jenes Systems, dem die Vertreter des Proletariats noch keinen Mann und keinen Groschen belvilligt haben. Expedition: 8M. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV Rr. 1984. politische(lebersicbt. Berlin, den 4. Dezember. Ballestrem-Stolberg-Paaschr. Tie zweite Sitzung verhalf dein neuen Reichstag in mühsamer Zettelwahl zu seinem Präsidium. Mehr denn drei harte Stunden wurde« für das langweilige Geschäft verbraucht, dessen Ergebnis die Kardörflcr ohneSeniorenkonvent ganz fürsichimvorauSgcregclt hatten. Ballestrcm, Stolberg, Pansche heißt daS Triumvirat, das auS den dreimal ftisch aufgefüllten Bronzeurnen herausstieg, zur Erfüllung der Polizei- ftinktion, die Ordnung innerhalb und außerhalb des Sitzungssaales aufrecht zu erhalten. Das verkündete die Dankrede des Grase». Ballestrcm in gcivolltcr Erinnerung ait die Zolltarif-Campagne als die erhabene Aufgabe des Reichstagspräsidiums, in dessen Zusammen- setzung für solche Zwecke ein socialdemokratischer Vizepräsident allerdings schlecht gepaßt hätte. Im unmittelbaren Anschluß an diese etwas provokatorisch gefärbten Worte bat, wie um sie zu mildern, der Präsident der Mehrheit um die allseitige Unterstützung des Hauses. DaS Ergebnis der Wahl, das ihn ans seinen Posten berief, paßte allerdings sehr schlecht zu dieser Hoffnung. Die hundert unbeschriebenen Zettel, die bei der Wahl des Präsidenten abgegeben wurden, sagten ganz unverblümt, daß Graf Ballestrem nicht mehr wie bor fünf Jahren das Vertrauen aller Parteien des Parlaments besitzt, daß man ihm jene systemattschcn Rechtsbrllchc gegen die Minderheit nicht vergessen hat, an welche auch die in der Zwischenzeit schon recht schäbig gewordenen weißrosa Aichbichlerblcch- Vasen auf dem Tische des Hauses erinnerten. Die unbeschriebenen Zettel bei der Präsidentenwahl rührten nicht nur von tmsrer Fraktion her, die etwa 70 Mann stark anwesend war. Ihrer Demonstration werden sich außer der Frei- sinnigen Vereinigung und der Polen wohl anch einige Mitglieder der Freisinnigen Volkspartei angeschlossen haben, die nicht zur un- bedingten Gefolgschaft des Herrn Richter gehören. Unter der Leitung deS Grafen Ballestrem, dem Herr v. Winter- seid die Schelle abgetreten hatte, ging die Wahl des ersten Vice- Präsidenten vor sich. Ans Singer fielen unsre 08 Stimmen, 25 Zettel tvaren unbeschrieben, 3 Stimmen zersplittert, während die Mehrheit den Grafen Stolberg wählte. Daß die Rationalliberalen für die Stelle eines zweiten Vicepräsidcnten nicht den Prinzen Schönaich- Carolath, von dem zuerst die Rede war, sondern Herrn Paaschs in Vorschlag brachten, soll nach ihren eignen Angaben eine Verbeugung vor dem bürgerlichen Empfinden in ihren' Reihen darstellen, dein cS unbehaglich sei. wenn das Präsidium der bürgerlicheit Institution des Parlaments von zwei Grafen und einem Prinzen gebildet worden wäre. Herr Paasche ist merkwürdiger Weise noch nicht geadelt, aber seilt waschechtes Agraricrtnm macht ihn durchaus würdig, an der Seite der beiden feudalen Großgrundbesitzer zu sitzen. Die 103 unbeschriebenen Zettel, die seine Wahl begleiteten, werden das Hochgeftihl dieses detitsche» Musterbürgers nicht allzu sehr stören. Der Name des Herrn Liebermaim v. Sonncnbcrg wurde bei dein ersten und zweiten Wahlgang einmal, beim letzten sogar zweimal unter der verständnisinnigen Heiterkeit des Hauses aus der Urne geholt. Die Ehre widerfuhr sonst immer Herrn Ahlwardt, dessen Narrenkappe jetzt einem andent ans das Haupt gestülpt ist. Die Wahl der acht Schriftführer ging, wie die GeschäftSordmmg vorschreibt, iu einem Wahlgange vor sich. DaS Ergebnis soll aber erst in der nächsten Sitzung mitgeteilt werden. Erst dann wird »ran erfahren, init wieviel Stimmen unsre Genossen Richard Fischer und Schippe! in der Minderheit geblieben sind. Noch wurden als Ouästoren die Abgg. Rintelcn(C.) und Münch- Ferbcr(itotl.) vom Präsidenten ernannt, dann schloß ein Nachruf ans die verstorbenen Kollegen die Sitzung. Vier Tage nahm das Haus Pause, um sich zum ersten größeren parlamentarischen Kampfe zu rüsten. Am Mittwoch beginnt die Generaldebatte über den Etat.— Zur ostprcußischcn„Hochvcrrnts-Bcihilfe". AuS Königsberg wird uns tclcgraphisch mitgeteilt, daß jetzt auch in Tilsit bei bekannten Socialdemokraten eine Haus- such un g aus Anlaß des Hochverrats- Verfahrens vorgenommen ivurde. Anscheinend hat die Razzia keiirerlet Ertrag geliefert. Auch ist schloer zu ersehen, auf Grund welcher thatsächlichcn Ver- dachtsmomcnte hin solche Hanssuchnng unternommen wird. Jedenfalls genügt der im Russendienst ereiferten Behörde die Thatsache, daß jemand ein bekannter Socialdemokrat ist und in einem Orte wohnt, der geographisch zur Vermitteklmg einer Druckschriftenseudung nach Rußland geeignet ist. Ferner werden uns aus Königsberg geradezu»»glaubliche Mit- teilmigen über das Vorgehen der Justizbehörde gegen unsre in Unter- suchungshast befindlichen Genossen Bräun und NowogradSky gemacht. Dem letzteren ist jetzt verweigert worden. Besuche seiner Frau selbst unter Aufsicht von Beamten zu enipfangen. Dem Genossen Braun ist sogar das bisher gestattete Lese» der mildest liberalen„Königsberger Hartungschcn Zeitung" verboten worden! Wie ist ein solches Verbot möglich? Womit versucht die Untersuchungsbehörde es zu recht- fertigen? Es ist gänzlich unerfindlich, wie eine solche Maßregel begründet werden könnte. Allerdings könnte unser Parteigenosse Braun durch die Zeitung Kenntnis erhalten, daß die öffentliche Meinung Deutschlands gegen daö ihm zugefügte Verfahren nachdrucklichst zu protestieren beginnt,— dies aber kann natürlich nicht der Grund des unerklärlich seltsamen Verbotes sein! Der ostpreußische„Hochverrats"fall zeitigt stets erstaunlichere Er- schcinimgcn. Der Dienst des Zarismus spornt die Justiz in der Grenzprovinz zu Leistm igen, die in aller Knltnrivelt die höchste Vitt- rüstnng entfachen.— Deutrehe» Reich. Eine socialpolitische Tragikomödie. Die socialpolitische Gesetzgebung auf den in früheren Äund- gedungen vorgezeichneten Grundlagen fortzuführen, sind die Re- gierungen fest entschlossen— so verkündet die Thronrede. Und sogleich bekräftigt die Thronrede, daß in der That die Socialpolitik in derselben tragikomischen Uneutschlossenheit und Kläglichkeit fort- geführt werden soll, die sie bisher stets auszeichnete. Die social- politischen Pläne der Regierungen werden in die Ankündigung zu- sammengesaftt, das; dem Reichstage eine Vorlage unterbreitet werden wird, welche die Absicht hat „in Erfüllung eines weitverbreiteten Wunsches Streitigkeiten der Handlungsgehilfen aus ihrem Dienstverhältnisse vor einem durch sachkundige Beisitzer aus den Kreisen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer verstärkten Gericht in einein schleunigen Ver- fahren zun: Austrag zu bringen." Mehr als der unter tönenden Worten vergeblich verborgene Mangel sociaft'olitischen Wollens charakterisiert diese demnächst zu erwartende Vorlage die preuhisch-deutsche Socialresorm. Schon bei Schaffung des Gewerbegerichts- Gesetzes versuchte die socialdemokratische Fraktion, die Handlungsgehilfen gleichfalls unter die Bestimmungen dieses Gesetzes zu bringen. Fast in jeder Session kehrte dieser Antrag wieder. Der damalige Handels- minister v. Berlepsch unternahm eine Rundfrage an die Handels- kammern über die Notwendigkeit der Schiedsgerichte, das Reichs- Justizamt und das Reichsamt befanden sich nach den vielfachen Erklärungen des Staatssekretärs beständig in„Erwägungen" und„Verhandlungen". Dieses Stadium dauerte eine Reihe von Jahren fort, bis im Januar lö02 ein Antrag Bassermann im Plenum zur Beratung kam, der im Gegensatz zu der socialdemo- tratischcn Forderung den Anschluß der kaufmännischen Schiedsgerichte an die Amtsgerichte verlangte. Der Antrag lvurdc einer Kommission überwiesen. Bei dieser Gelegenheit teilte die Regierung mit, daß „innerhalb der Ressorts Verhandlungen gepflogen würden und die Feststellung eines Entwurfs in nicht zu ferner Zeit er- folgen würde." � Die ewigen Verhandlungen fanden ihren äußeren Abschluß in der Regierungsvorlage über die„Kaufmanns- gcrichte", die Ende des Jahres 1V02 erschien. Dieser Entwurf brachte die_ Anlehnung der neu zu schaffenden Institution an die Gewerbegerichtc. Er war lediglich eine Abschrift der Bestimmungen des Gewerbegerichts und trng neben vielen andren Mängeln den, daß die Bcrusungssunvne— gleichfalls dem Gewerbegerichtsgesetz entnommen— auf 100 M. angesetzt war. Trotzdem erhob sich in Unternehmerkreisen der Sturm des Unwillens. Besonders die von Großindustriellen beherrschten Handelskammern brachten von neuem sogenannte Gutachten, nach denen der sociale Friede, das patriarchalische Verhältnis zwischen Chef und Angestellten bei Annahme des Gesetzes in die Brüche gehen Ivürdc. Ausnahmslos forderten da- gegen sämtliche Gewerbcgerichte den Anschluß der Kaufmannsgerichte an die Gewerbegerichte und die Erhöhung der Berufungssumme. Selbst Graf v. Posadowsky, der sicherlich nicht revolutionärer Ge- sinnung geziehen werden darf, hielt diesen Anschluß als den zweck- mäßigsten. Alle socialpolitisch thätigen Handlungsgehilfen-Vcreine traten den anmaßlich austretenden Handelökammer-Gutachten ent- gegen, nach denen im weitgehendsten Fall ein Anschluß der Kaufmannsgerichte an die Aimsgcrichte und eine Ernennung der Beisitzer erfolgen sollte. Der Schluß des Reichstags brachte wiederum eine Vertagung der Frage. Vor einiger Zeit meldete nun ein Lokalblatt, das tmrch seine Gesinnungslosigkeit zum offiziösen Organ berufen ist, daß die Frage der kaufmännischen Sonde rgerichte werde demnächst den Bundesrat beschäftigen und daß nicht nur die Angliederung an die Amts- oder Gewerbegerichtc offen gelassen ist, sondern auch die Frage, ob die Mitglieder dieser Gerichte gewählt oder ernannt werden � sollen. Gewisse Vorgänge bei den Gewerbegerichtswahlen haben in Regiernngskrciscn die Neigung nicht verstärkt, auch die Mitglieder der neuen Gerichte aus Wahlen hervorgehen zu lassen. Die Thatsache also, daß socialdemokratische Arbeiter in zu- nehmendem Matze als Beisitzer gewählt worden sind und werden, hat die Regierung nochmals schwankend gemacht, und sie beabsichtigt die Ernennung der Beisitzer zu den Kaufmannsgerichten vor- zuschlagen. Dieser Absicht entspricht völlig die undeutliche Form der Bülowschen Erklärung in der Thronrede. Die großindustriellen Handelskammern haben seit langem die selbst von Gewerbe- gerichts-Vorsitzenden und sonstigen behördlichen Korporationen schon häufig widerlegte Lüge verbreitet, daß die socialdemokratischrn Ge- werberichtcr das Reckt zu Gunsten der Arbeiter beugen. Sie ver- langen eine Unternehinerjustiz unter der Beihilfe sorgfältig gesiebter, ihren Wünschen willfähriger Angestellter. Der Arbeitsvertrag der Handlunasgehitfen soll unter keinen Umständen der Rechtsprechung einer Klassenjustiz entzogen werden. Der heutige Zustand bedingt für die Handelsangestellten trotz mannigfacher Verbesserungen des Handels- gesetzbuches die völlige Rechtlosigkeit, weil der Rechtspruch der ordentlichen Gerichte für die Rechtsuchenden in den meisten Fällen infolge des kostspieligen und langwierigen Verfahrens nicht zu erlangen ist. Aber gegenüber den Plänen der Regierung die Beisitzer zu ernennen, würden die Handlungsgehilfen lieber auf Kaufmannsgerichte verzichten. Die Scharen der Handlungs- gehilfen, die bisher der Socialdemokratie noch fern standen, werden m die socialistischen Reihen förmlich hineinqepeischt werden, und damit wird die Absicht der Regierung wohl erfüllt sein.— Die Geschichte dieser Kaufmannsgerichte ist die Geschichte der gesamten Socialresorm: Rührige Unthätigkeit der Regierung und Widerstands- lose Abhängigkeit vom Scharfmacherbunde.— Die socialdemokratische ReichStags-Fraktion bestimmte in ihrer Sitzung am Freitagabend die Genossen Bebel und Singer als Redner zur ersten Lesung des Etats. Sodann wurde über die ein- zubringenden Initiativanträge Beschluß gefaßt. Ein Antrag verlangt die Wiederherstellung der früheren Bestimmung in der Geschäftsordnung des Reichstages über die Wort- Meldungen„zur Geschäftsordnung". Ein zweiter Antrag verlangt für alle Bundesstaaten und für Elsaß-Lothringen eine Volks- Vertretung, die aus Grund des allgemeinen, gleichen und ge- Heimen Wahlrechts für alle über zwanzig Jahre alten Einwohner ohne Unterschied des Geschlechts gewählt wird. Der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Errichtung eines Reichs-Arbeitsamtes usw., der seit 1881 regelmäßig von unsrer Fraktion ohne wesentliche Aenderungen eingebracht wurde, wurde nach lebhafter Debatte in seinen Grundlagen gutgeheißen, aber es wurde eine Kommission von neun Kollegen gewählt, welche die gegebenen Anregungen prüfen und eventuell Aenderungen, die die Grundlagen des Entwurfs aber nicht be- rühren, ausarbeiten soll. Ter vorliegende Entwurf soll jedoch einstweilen in seiner jetzigen Fassung eingebracht werden. Beschlossen wurde ferner die Einbringung der Anträge betreffend die Auf- Hebung der Majestä'tsbeleidigungs-Paragraphen und der Erweiterung des Artikels 31 der Verfassung, der von der Immunität der Mitglieder des Reichstages handelt. Der Antrag unsrer Fraktion verlangt, daß auf Beschluß deS Reichstages jede Inhaftierung eines Abgeordneten für die Dauer der Sitznngs- Perioden aufgehoben werden mutz. Der Gesetzentwurf über das K o ali t i o n s r e ch t soll in der nächsten Sitzung nochmals durch- beraten werden. Ebenfalls soll über die andern noch einzubringenden Anträge in der nächsten Fraktionssitzung verhandelt werden. Be- schlössen wurde schließlich, einen Antrag einzubringen, der die geheime Wahl bei den K n a P p s ch a f t s w a h l e n verlangt.— Gegen den Luxus im Heere wendet sich lvieder einmal ein hoher Offizier, der kommandierende General des ersten Armeecorps, Freiherr von der Goltz. Der General behauptet zwar, daß im allgemeinen beim h ä u s- l i ch e n Leben der Offiziere von einem übertriebenen Luxus nicht ge- sprachen werden könne. Wenn die Offizierslaufbahn gleichwohl den Söhnen minder bemittelter Familien mehr und mehr verschlossen werde, so liege das au der zunehmenden Verteuerung der Offizierslaufbahn. Einmal mache sich das Sinken des Geldwertes— anders ausgedrückt das Steigen der Wohnungs- und Lebensmittelpreise, das man gewöhnlich in Anschlag zu bringen vergißt, sobald eS sich darum handelt, den „begehrlichen" Arbeitern ihre Lohnerhöhungen vorzurechnen I— „überaus fühlbar", andrerseits hätten sich auch die Anforderungen des Dienstes gesteigert. Was die letzteren anlange, so könnte manche Ausgabe sehr wohl wegfallen durch Vereinfachung der offiziellen und inoffiziellen Geselligkeit, durch Einschränkung der„L i e b e s m ä h l e r" usw. Statt dieser kostspieligen Arrangements solle man lieber gemeinsame Vergnügungen schlichterer Art, wie kleine Sommeransflüge, einführen. Im Grunde ihres Herzens machten viele der jüngeren Offiziere die kostspieligen Kasino- Veranstaltungen nur niit heimlichem Seufzen mit, um, aus einem falschen Ehrgefühl heraus, nicht den Schein der Knickrigkeit oder gar der Armut auf sich zu laden. In dieser Beziehung müßten die herrschenden Ehr- begriffe im Offiziercorps reformiert werden. Die Offiziere müßten sich dessen bewußt werden, daß es unehrenhaft sei, auf andrer Leute Kosten„nobel" zu sein und das Geld der Eltern oder Verwandten(der Verfasser hätte schon deutlicher sagen können: Schwiegereltern) totzuschlagen. Das sei des Hochstaplers Geschäft! Man sieht, der Herr General scheut nicht vor einer kräftigen Kapuzinade zurück. Aber ob er nennenswerten Erfolg haben wird? Es macht sich ja so schön, wenn er schließt:„Keine Mühe darf daher gescheut werden, den Offizier wieder mit dem Stolze der Armut zu erfüllen, den einst der Ordensritter empfand, als er dieser Göttin mit bloßem Haar und nackten Füßen die ewige Treue schwor", aber Herr von der Goltz wird ja selbst aus der Ge- schichte wissen, daß die Ritterorden gar bald mit andern Gelübden auch das der Armut über Bord lvarfen und durch Pfrllndenjägerei, Ueppigkeit und Ausschweifungen excellierten. Das Waffenhandwerk an sich ist so aller Ideale, aller erhebenden Momente bar, daß es wenig Liebhaber finden würde, wenn es nicht einen bevorzugten gesellschaftlichen Rang verliehe, die Anwartschaft auf alle materiellen Genüsse böte, die heute geschätzt werden. Daß kein Offizier nach einer kleinen Grenzgarnison abgeschoben werden will, daß man eine solche Versetzung einer Strafverletzung gleich er- achtet, ist ja der beste Beweis für diese Thatsache. Durch die Ver- schmclzung der im Offiziercorps dominierenden Geburtsaristokratie mit der Finanzaristokratie sind die Ansprüche begreiflicherweise noch außerordentlich gestiegen! Der„Stolz der Armut" des Herrn v. d. Goltz wird deshalb ein Ideal sein, das in Offizierskreisen keinen Kurs erlangen wird. Jeu, Weiber und Pferde, ja, da weiß man eher wo und wie!— Abentcnerlichc Schicksale zweier Flugblattverbreiter. Aus Königsberg, den 2. Dezember 1003, wird uns geschrieben: Zwei Genossen kamen am Sonntag, den 21. Juni, im Memeler Wahlkreise bei der Flugblattverbreitung auf das Gehöft eines littauischen Bauern. Da niemand in der Wohnung anwesend war, legten sie die Blätter auf den Tisch. Beim Verlassen der Wohnung kamen ihnen jedoch der Besitzer aus einer andern Thür nach. Mit den Worten:„Wieder vom verfluchten Braun!" versetzte er dem einen Genossen einen Stoß in das Genick, daß er auf die Straße flog. Den zweiten Genossen trat er mit dem Fuß in den Unterleib, daß er fast zusammenbrach. Die gebückte Stellung des Genossen benutzte der Bauer, um ihn vollends zu Boden zu drücken. Dann bearbeitete er dessen Gesicht mit den Füßen in der unmenschlichsten Weise. Später erzählte der Bauer im Dorfe, daß er es den Socialdemokraten ordentlich ge- geben habe. Nach Memel zurückgekehrt begab sich der Gemiß- handelte zu einem Arzt, der ihm folgendes Attest ausstellte: „Um 10% Uhr abends erscheinl der Arbeiter Sch. in meiner Wohnung zur Untersuchung. Dieselbe ergiebt folgendes: Das linke Auge ist in seiner Umgebung so geschwellt, daß die Lid spalte geschlossen ist. In derselben ist flüssiges Blut sichtbar, sowie die Hornhaut rot von Blut unterlaufen. Das rechte untere Auge ist eben- falls blutunterlaufen. Die Verletzung ist Folge stumpfer Gewalt." Unter Beifügung dieses Attestes stellte der so arg Gemißhandelte bei der Memeler Staatsanwaltschaft gegen den Besitzer Strafantrag. Nach etwa zwei Monaten erhielt er den Bescheid, daß im öffentlichen Interesse gegen den Besitzer kein Strafverfahren ein- geleitet werden könne, da die Untersuchung die im Strafantrag angeführten Thatsache» nicht als so schwerwiegendes Material ergeben habe. Es gehe auch aus dem ärztlichen Attest nicht hervor, daß hier eine schwere Körperverletzung vor- liege. Es werde anheimgestellt, gegen den Besitzer ans dem Wege der P r i v a t k l a g e vorzugehen. Viel Zeit zur Verwunderung über diesen sonderbaren Bescheid blieb den Genossen nicht; denn' schon nach 11 Tagen erhielten sie eine Anklage wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs" zugestellt, den sie am Sonntag, den 21. Juni." bei der Flugblattverbreitung in der Wohnung und auf dem GeHöst des Besitzers, der sie gemiß- handelt hatte, begangen haben sollten. Schon am 7. November fand vor dem Schöffengericht zu Memel die Verhandlung statt. Als Zeugen gegen die beiden angeklagten Genossen waren von der Staatsanwaltschaft geladen der beteiligteBesitzer und dessen D i e n st m ä d ch e n. Auf Grund der Aussagen dieser Zeugen wurde jeder der beiden Genossen, von denen der eine nur einmal vor- bestraft, der andre vollständig unbestraft ist, zu einem Monat Ge- fängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil ist Berufung eingelegt.— Reaktionäres aus der Republik Hammonia. Furcht vor dem weiteren Vordringen der Socialdemokratie hat allem Anschein nach die erstaunliche Thatsache zu Wege gebracht, daß der Hamburgische Senat, nachdem ihm erst vor 11 Tagen cm Gesetzentwurf betreffend Ncueintcilung von Wahlbezirken in ziemlich rücksichtsloser Weise von der Linken- Majorität der Bürgerschaft vor die Füße geworfen Ivar, mir fabclhascer Geschwindigkeit einen neuen Entwurf ausarbeiten ließ und der Bürgerschaft zur Genehmigung vorlegte. Derselbe steht erst auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung und ist— nach Hamburgischcr Gepflogenheit— deshalb seinem Wortlaut nach noch nicht bekannt. Nach den Mitteilungen des Präsidenten in der gestrigen Sitzung enthält er jedoch neben der Einrichtung von Wahlbezirken niit nur je einem Abgeordneten— au Stelle der bisherigen Doppelmandate— die von der Linken aus Furcht vor der Socialdemokratie geforderte Einführung von Stich- wählen. Da man sich auf den Vorschlag unsrcs Genossen Stalten, für die Bürgcrschaftswahlen den Proporz einzuführen, kaum ein- lassen wird, dürften die Stichwahlen in Hamburg Gesetz werden, und damit wäre, das läßt sich nicht verkennen, die Position der alten bürgerlichen Parteien, die sich bei jeder Stichwahl mit uns ohne Frage zusammenschließen würden, der socialdemokratie gegen- über ein wenig gebessert. Jedoch bleiben unsre Chancen angesichts der vielen Neubürger der letzten Jahre noch immer ausgezeichnete für die bevorstehenden Wahlen. Und wie nötig es ist. daß die Socialdemokratie in größerer Zahl in die Bürgerschaft einzieht, das bewies die letzte Sitzung derselben zur Evidenz. In das Budget locrden jedes Jahr 1 Million Mark für unvorhergesehene Ausgaben eingestellt. Aus diesem Fonds be- willigt der Bürgerausschuß, eine von der Bürgerschaft gewählte Korporation, die eine Art Kontrollkommission für alle Staats- angelegenheitcn ist, auf Antrag des Senats die für besondere, un- vorhergesehene Ereignisse nötigen Gelder. Der Bürgerschaft lag nun ein Antrag des Senats vor, für diesen Fonds in diesem Jahre noch 2ö0 000 M. zu bewilligen, da die Million Mark nicht ausgereicht habe. Diese Forderung gab unseren Genosien Stolten Anlaß zu einer sehr scharfen Kritik des Senats und des Bnrgerausschusses. Die 250 000 Mark sind nämlich naliezu allein veivraucht zu einer pomphaften Feier bei Gelegenheit der Enthüllung des Denkmals für Wilhelm I.— drei Tage nach dem grandiosen Reichstags-Wahlsiege der Socialdemokratie- Aus Plünnen, bunt gestrichenen Brettern, Blech, Gips und anderm Zeugs hatie man damals prunkhafte Ehraw pforten, Triumphstraßen, Zelte und im Hafen gar das Abbild eines alten Schiffes aufgezimmert. Dazu gab es eine große Gasterei unk» manche andre kostspielige Sache. Jetzt sollen die Steuerzahler den Rummel bezahlen, und darüber herrscht große Entrüstung bis tief hinein in das Bürgertum. Aber der Bürgcrausschuß, der die Gelder in Raten von 175 000 M. und 50 000 M. bewilligt hat, setzt sich noch aufs hohe Pferd und ließ durch seinen Sprecher, den frei- willigen Senatskommissar Dr. Wolfsohn, verkünden: der Bürger- ausschuß, der sein Mandat durch die Verfassung habe, sei niemand Rechenschaft schuldig, und eine Diskussion dieser Angelegenheit vor der Oeffentlichkeit sei takiloS. Unser Genosse Stötten ließ sich trotz dieser hochtrabenden Worte nicht abhalten, den Herrschaften daS Gewissen zu schärfen, indem er ihnen sagte: daß sie ohne Frage den Steuerzahlern Rechenschaft schuldig seien, da sie auf deren Kosten die Gelder bewilligt hätten. Ein derartiges Verfahren sei eine Durchbrechung des Budgetrechts der Bürgerschaft, das diese sich unter keinen Umständen gefallen lassen bürfe. Wenn von gewisser Seite bei derartigen Festlichkeiten mehr gefordert würde, als man bieten wolle, und der Senat nicht fähig sei, dagegen Widerstand zu leisten, so solle wenigstens die Bürgerschaft die Kraft haben, Einhalt zu gebieten, daß nicht die Gelder der Steuerzahler derartig ver- gcudet würden. Zum Schluß wurde das auch im„Vorwärts" schon erörterte Vorgehen der Hamburger Steuerbehörde gegen eine ganze Anzahl Arbeiter erörtert, die sich auf ein ihnen das Wahlrecht garantierendes Einkommen von 1200 M. per Anno eingeschätzt haben. ohneVer- nehmung von der Behörde aber auf ein niedrigeres Einkommen herabgesetzt wurden. so daß sie das Bürgerrecht nicht erwerben können. Genosse Stötten hatte einen Antrag eingebracht, der ein- unzweideutige Fassung der Formulare für die Steuererklärungen bezweckte und weiter forderte, daß die Steuerdeputation veranlaßt werden soll, Herabsetzungen von Selbsteinschätzungen ohne zwingenden Grund zu unterlassen, Herabsetzungen innerhalb einer. Steucrstufe aber unter allen Umständen zu vermeiden. In der Begründung des Antrages wandte sich Genosse Stalten nochmals scharf gegen die Maßnahmen der Stcucrbchördc, die willkürlich und daher staatsrechtlich nicht zu recht- fertigen seien. Da ein hervorragender Hamburger Jurist im„Cor- rcspondenten" denselben Standpunkt vertreten bat, beantragte ein Redner der Linken, die Sache an einen Ausschuß zu verweisen, der die Rechtslage und die thatsächlichen Vorgänge prüfen solle. Tie Rechte beantragte dagegen, vom Antrag Stötten den Teil anzunehmen, der eine unzweideutige Fassung des Einschätzungs- formulars fordert, im übrigen den Antrag abzulehnen; dafür aber den Senat zu ersuchen, mitzuzcuehmigen, daß hinfort die Steuer- behörde eine Herabsetzung des angegebenen Einkommens erst nach Anhörung des Steuerpflichtigen erfolgen dürfe. Dieser Antrag der Rechten wurde angenommen, alle andren Anträge abgclehm. Hinfort wird die Steuerbehörde also die Leute erst hören und ihnen dann das selbst eingeschätzte Einkommen herabsetzen, indem sie vom Ein- kommen z. B. die Beiträge für Kranken- und sonstige Arbeiter- Versicherung m Abzug bringt. Das darf nämlich nach dem Ham» burger Einkommensteuer-Gesetz geschehen, mutz aber nicht geschehen. Tie Steuerbehörde hat es trotzdem, und zwar in zahlreichen Fällen gegen den Willen der Steuerpflichtigen, gethan und diesen dadurch die Möglichkeit genommen, das Bürgerrecht zu erwerben. Freilich nützen werden ihnen auch diese Maßnahmen nicht viel, das werden die Wahlen im Februar zeigen.— Zur bayrischen Wahlrechts-Reform. Gegen die Wahlgesetz- Vorlage der bayrischen Regierung wird seit einiger Zeit von den Liberalen im ganzen Lande eine lebhafte Agitation entfaltet. ES sind namentlich zwei Punkte, gegen die sich ihre Opposition richtet, nämlich die Einführung der relativen Mehr- heit und die vorgeschlagene Wahlkreis- Einteilung. In zahlreichen liberalen Versammlungen ist erklärt worden, daß diese beiden Punkte nicht die Zustimmung der Landtags-Fraktion finden dürfen. Da die socialdemokratische Fraktion und das Centrum nicht die für die Wahlrechts- Reform nötige Zweidrittel- Mehrheit aufbringen können, so ivird das Schicksal der ganzen Borlage davon abhängen, daß es gelingt, wenigstens mit einem Teil der Liberalen eine Verständigung zu erzielen. Dazu scheint bis jetzt wenig Aussicht vorhanden zu sein. In den letzten Tagen hat der Wahlgesetz-Ausschuß einige Sitzungen abgehalten, in denen ein liberaler Antrag, wonach die relative Mehrheit durch die absolute Mehrheit und Einführung der Stichwahlen(wie bei den Reichstagswahlen) zu ersetzen sei, gegen die Stimmen der Liberalen und Bauernbiindler abgelehnt wurde. Das jetzige Verhalten der Liberalen ist umso auffälliger, als lediglich ans ihr Verlangen hin in der in der vorigen Session beschlossenen Resolution, die die Grundzüge für die'Wahlrechtsreform festlegte, die relative Mehr- heit aufgenommen wurde und zwar gegen den anfänglichen Widerspruch des Centrums. Der Vertteter der socialdemo- kratischen Fraktion, Abgeordneter S e g i t;, erklärte. daß unsre Partei priucipicll am Proportional-Wahlsystem festhält und alle andren Systeme lediglich als einen Notbehelf betrachtet; es liege aber kein Anlaß vor, jetzt einen Frontwechsel vorzunehmen.— Em weiterer liberaler Antrag wollte eine Art Ausnahmegesetz gegen Beamte und Geistliche einführen. Er verlangte, daß Beamte und Geistliche, die dadurch zu öffentlichem Aergernis Veranlassung geben, daß si: unter Mißbrauch ihres amtlichen oder kirchlichen Einflnsses Wahlbeeinflussung treiben, mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft werden können. Von ultramontaner Seite wurde hier ans die oft« mals noch viel schlimmeren Wahlbceinflussungen der Fabrikbesitzer und Direktoren hingewiesen. Ein liberaler Kommerzienrat bemerkte hierauf mit nnschnldsvoller Miene, in seiner oberfränkischen Heimat seien solche Fälle gänzlich unbekannt. Ihm wurde sofort die gebührende Antwort durch unsern Genossen Segitz zu teil, der ihm nachwies, daß gerade in Oberfranken Wahlbeeinflussungen durch Fabrikanten bei den Rcichstagswahlen an der Tagesordnung waren und auch zu einem Wahlprotest geführt haben. Im übrigen erklärte Segitz. daß die socialdemokratische Partei einer solchen Bestimmung nicht zustimmen könne. Der Antrag wurde dann mit allen gegen die liberalen Stimmen abgelehnt. Die socialdeniokranschen Mitglieder hatten beantragt, daß Bei der Wahlkreis- Einteilung jedesmal die jeweils letzte Volkszählung maßgebend sein soll lder Rcgierungsentwnrf will ein für allemal die Zählung vom Jahre 1900 zu Grunde legen). Da sowohl vonseiten der Regierung als auch der andren Parteien dagegen Widerspruch er- hoben wurde, zog Genosse Segitz seinen Antrag zurück mit dem Vorbehalt, daß er ihn in geänderter Form im Plenuni wieder ein- bringen werde. Abgelehnt wurde auch ein socialdcmokratischer Antrag, der das aktive Wahlrecht vom vollendeten 2l. Lebensjahre ab gewähren will. Dagegen ergab sich eine Mehrheit für den Vorschlag, für das passive Wahlrecht die Altersgrenze auf das 25. Lebensjahr herab- zusetzen. Endlich wurde noch ans Autrag des Genossen Segitz be- schloffen, zukünftig auch den Abgeordneten Diäten zu geben, die in München ihren dauernden Wohnsitz haben und den Abgeordneten auch während der Zeit freie Fahrt auf den Staatsbahnen zu gewähren, wo der Landtag nicht zu einer Tagung versammelt ist. Damit wäre die eigentliche Wahlgesctzvorlage im Ausschusse er- ledigt und es bleibt nur noch die Wahlkreiseinteiluug zur Berattmg übrig. Da die Liberalen dazu eigne Anträge einbringen wollen, diese aber noch nicht ausgearbeitet haben, wurden die weiteren Be- ratuugen bis zur nächsten Woche verschoben.—• Ein Centrumshcld. Wir berichteten im Depeschentcil der gestrigen Nummer bereits über die Selbstverurteilung, die sich der Abg. Gerstenberger durch eine Anklage gegen einen unsrer Parteigenossen bereitet hat. Es lohnt sich, den Fall dieser Centrumssäule etwas näher zu be- trachten. Herr Liborius Gerstenberger, Reichstags- und Landtags- Abgeordneter, Chefredakteur des„Fräukischeu Volisblatts" inW ürz- bürg, ein Hauptagitator des Centrums, hatte, wie seiner Zeit von uns berichtet lvurdc, gegen den verantwortlichen Redakteur unsres Nürnberger Parteiblnttes, Genossen Eberhard, eine Privatbeleidigungs- klage angestrengt, weil dieser in der„Fränkischen Volks- tribüne". einem Kopfblatt des Nürnberger Organs, ihm den Vor- Wurf der politischen Lügenhaftigkeir gemacht hatte. Die Beleidigung erblickte der Privatkläger in Zwei Notizen der „Fränkischen Volkstribüne". In der ersten handelte es sich lediglich um Wiedergabe einer Beurteilung Gerstenbcrgers von seilen der bauernbündlerischen„Neuen bayrischen Landeszeitung", worin gesagt wurde, daß es traurig sei, wenn Herr G. nicht mehr wisse, ob er ein Mann oder ein Lausbub sei. In der zweiten Notiz, die ihren Ursprung der Wiedergabe der Bebcl-Bernsteinschen Erklärung ick dem Centrums- vlatt mit dem Zusatz„Gegeben zu Äütznacht usw." und einer daran ge- knüpften hämischen Bemerkung Gerstenbergers verdankt, war letzterer „ein gemeiner Fälscher und Lügenbartl" genannt. Das Schöffengericht verurteilte am 1ö. Oktober er. unfern Genossen Eberhard wegen Beleidigung in zwei Fällen zu je 10 M.. wobei es ausdrücklich den unanständigen Ton Gerstenbergers konstatierte und festlegte, daß der , erbotene Wahrheitsbeweis für die Lügenhaftigkeit des Herrn Benefiziaten Gerstenberger in zwei andren Fällen als erwiesen an- zusehen sei.„In diesen beide» Fällen habe der Privatklägcr die bewußte Unwahrheit gesagt, also gelogen", wie es direkt in der schriftlichen Urteilsbegründung heißt.— Gegen dies Urteil hat Herr Gerstenberger das Rechismittel der Berufung ergriffen, die am 3. Dezember vor dem Landgericht Würzburg verhandelt wurde. Herr Abgeordneter Gerstenberger hatte den gerade am selben Tage zusammentretenden Reichstag Reichstag sein lassen und war per- svnlich erschienen, ufn sich zu seiner moralisch schweren Niederlage auch noch die juristische zu holen. Nachdem der geistliche Herr im bayrischen Landtag, als ihm dort die gerichtliche Be- stätigung seiner Lügenhaftigkeit vorgeworfen wurde, mit großem Pathos ausrief:„Warten Sie doch erst das Urteil der höheren Instanz ab!" mußten wir annehmen, daß er den Vor- wurß in zwei Fällen bewußt die Unwahrheit gesagt zu haben, von sich, so gut es gehe, abzuwaschen versuchen werde. Der Angeklagte hatte sich deshalb vorbereitet, auch in einer Reihe andrer Falle, in denen das Gericht angenommen, daß der Wahrheitsbeweis dafür, daß Gersteirberger bewußt die Unwahrheit gesagt, nicht vollständig erbracht sei, diesen Beweis durch Zeugen zu erbringen. Der Herr Abgeordnete Gerstenberger hat jedoch die Gründe des ersten Urteils, so weit sie sich daraus beziehen, daß er in zwei Fällen bewußt die Unwahrheit gesagt, also wissentlich gelogen hat, ncccptiert und nur gegen das Strafmaß Berufung eingelegt. Damit»oar dem Angeklagten die Möglichkeit der weiteren Beweisführung benommen. Herr Gerstenberger hob ganz besonders die Schwere der beleidigenden Ausdrücke hervor und meinte, daß für Worte wie„Lausbub" und „gemeiner Fälscher und Lügenhartl" denn doch gewiß eine Höhere Strafe am Platze sei, als für jedes 10 Mark Geldstrafe. Er verweist aus das Urteil, das kürzlich gegen den Abgeordneten Hauß wegen Beleidigung eines Reserve-Offiziers gefällt wurde, durch tvelches H. zu 500 M. verurteilt worden sei. Wenn er, Gerstenberger, seiner Zeit nicht ins Priesterseininnr eingetreten wäre, so würde er heute auch die Qualifikation zum Rcserve-Offizier besitzen. Demnach sei seine Ehre gelviß nicht minderwertiger. Nach längerer Beratung verkündete das Gericht die Verwerfung der Berufung und legte auch die Kosten derselben Herrn Gerstenberger zur Last.— Der zum Neserve-Offizier qualifizierte Herr Gerstenberger bleibt also von Gerichtswegen der wiederholten Lügenhaftigkeit überführt I— München, 4. Dezember. Wie wir erfahren, ist bor einiger Zeit ein hiesiger Großindustrieller, Reichstngs-Abgcordnctrr ftir einen aus- »värtigen Wahlkreis und Landrat, in Haft genommen worden. Schon nach kurzer Zeit wurde jedoch wegen angeblicher Er- krankung seine Haftentlasiung verfügt und es soll sich der Be- treffende in einer Heilanstalt befinden. Die Untersuchung nimmt jedoch ihren Fortgang. Es soll sich um eine Wechselaffaire handeln, bei der jedoch niemand geschädigt wurde. Huoland. Eine Agrardebatte der belgischen Genossen. Am 29. November und die folgenden Tage fand im Maison du Peuple zu Brüssel ein Agrarkongreß der socialisiischen Arbeiterpartei Belgiens statt. Wie Vandervelde ganz richtig hemerkte, handelte es sich eigentlich nicht um einen„Agrarkongreß", sondern vielmehr uin eine Konferenz, welche über Mittel zu beraten hatte, wie der Socialismus am besten auf dem Lande verbreitet werden könne. Anwesend waren 71 Delegierte. Nach dem Bericht des Redakteurs des„Laboureur", des Genossen Debarsy, sind in Belgien 128 000 landwirtschaftliche Arbeiter vorhanden. Die eigentlichen Bauern teilt er in folgende fünf Klassen, es haben: weniger als 2 Hektar.... 663 000 2—5...... 100 000 5—10„.... 50 000 10—50„.... 40000 über 50„.... 3 521 Hieran schließt Debarsy seine Meinung über die Art der Propaganda auf dem Lande. Er kommt dabei zu dem Schluß, daß man sich in erster Linie an die kleinen Bauern wenden müsse. Die Arbeiter, welche zum Teil in den Städten arbeiten, würden ans andre Weise dem Socialismus gewonnen. Von den fünf Klassen der Bauern, die er bezeichnet habe, seien nur die der obersten Klassen als Kapitalisten,„als die Bourgeoisie des flachen Landes" zu bezeichnen; die übrigen seien wohl für den Socialismus zu gewinnen. Namentlich glaubt er durch die Kooperativgenossen- schaften die Eigentümer gewinnen zu können. Den entgegengesetzten Standpunkt nimmt Vanderveldc ein. Er ist der Meinung, daß vor allem das landwirtschaftliche Proletariat gewonnen werden müsse. Er schlägt vor, außer dem„Laboureur" leine Zeitung, die speciell für die Landarbeiter geschriehen wird) besondere Broschüren für die Landarbeiter zu verfassen und zu verbreiten. Besondere Agitationskomnüssionen müßten gebildet werden zu dem ausschließlichen Zweck, die Agitation auf dem Lande zu betreiben. Die Propaganda unter den kleinen Bauern werde wenig fruchtbar sein. Bor allem müsse die große Masse gewonnen werden, und hier wiederum müsse mit den auf dem Lande ivohnenden, aber in der Stadt arbeitenden Proletariern begonnen werden. Auch die Saison- und Wanderarbeiter sSachsen- gänger) seien leicht zu gewinnen. Sodann habe man sich an die eigentlichen landwirtschaftlichen und Forstarbeiter zu wenden, An die zwei Referate schließt sich eine lange Diskussion, welche mehrere Sitzungen ausfüllt. Die zwei entgegengesetzten Meinungen der Referenten kommen auch bei den Diskussionsrednern zum Ausdruck, schließlich� gelangt aber eine Resolution Vandervelde mit Mehrheit zur Annahme, in welcher folgende Grundsätze niedergelegt sind: Die socialisiischen Agitatoren auf dem Lande dürfen niemals außer dem Auge lassen, daß die socialistische Partei! eine Klassenkampf- parte» ist. Dieselbe hat folglich die Interessen aller Ausgebeuteten zu vertreten, in erster Linie aber die der industriellen und land- wirtschaftlichen A r b e i t e r, sodann die der kleinen Bauern, deren Lebensbedingungen sich denen der Lohnarbeiter nähern.— Massenverhaftungen von Studenten in Kiew. Am Mittwoch wurden auf der Straße 82 Personen verhaftet, darunter 80 Studenten. Der dritte Teil der Verhafteten sind Juden. Bei der Verhaftung erhielt ein Student eine tiefe Kopfwunde. Ein Verhafteter warf einen geladenen Revolver fort. Vor der Universität stand am Freitag eine Polizei- wache. Seit dem ftühen Morgen wurden in verschiedenen Räumen des Polytechnikums Aufrufe zur Veranstaltung einer Versammlung -zugeschlagen. Mittags fand im großen Hörsaale des Hauptgebäudes eine Versammlung von Studenten der Abteilung für Mechanik statt. Von den „iO Hörern der Abteilung waren 217 anwesend, außerdem gegen 200 Studenten zweier andrer Abteilungen, jedoch ohne Anteil zu nehmen. Die Versammlung erhob Einspruch gegen den Beschluß deS Professorenrats, den Dekan der Abteilung für Mechanik Professor Sworykin um Zurücknahme seines Abschiedsgesuchs zu bitten und ihm das Vertrauen des Professorenrats auszusprechen. Um 4 Uhr ging die Versammlung auseinander. Auf Montag ist eine V e r- sammlung aller Polytechniker einberufen zur Beratung über die Uebergabe der Studenten an das Universitätsgericht. Täglich werden im Lesesaal und den Hörräumen neue Auf- rufe veröffentlicht.— Schweiz. Die Oberherrschaft Italiens über die Schweiz. Bern, 1. Dezember. sEig. Ber.) Die 52 Geschäfte umfassende Tagesordnung für die am 7. Dezember beginnende Wintcrsession der Bundesversammlung enthält auch die Uebertragung der italienischen S i m p l o n k o n z e s s i o n auf den Bund und der bezügliche Vertrag, mit dem sich bereits eine Kommission des Ständerates beschäftigt, soll in dieser Session genehmigt und erledigt werden. Dieser Vertrag enthält nun so merkwürdige Bestimmungen, durch die förmlich Italien die Oberheit über die Schweiz übertragen wird, daß man es geradezu für unglaublich und unmöglich halten sollte, daß der schweizerische Bundesrat ihm zustimmen und den Mut finden konnte, bei der Bundesversammlung dessen Genehmigung zu be- antragen. Die Simplonkonzession, die jetzt infolge der bevorstehenden Verstaatlichung der Jura-Simplonbahn, die aber thatsächlich schon seit 1. Januar 1903 auf Rechnung des Bundes betrieben wird, auch dem Bund übertragen werden soll, ist der genannten Bahn bezw. der betreffenden Gesellschaft im November 1895 von Italien erteilt worden und zwar unter Bedingungen, die ein privates Unternehmen, eine Aktiengesellschaft wohl acceptieren, nimmermehr aber ein selb- ständiger, unabhängiger Staat annehmen kann, will er nicht andern- falls seine Integrität preisgeben. Eine dieser Bedingungen lautet, daß die teckmischen und administrativen Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die italienische Simplonkonzession vom italienischen Bantenminister entschieden werden, der also bei An- nahine dieser Bedingung durch• den Bund ein Stück Ober- Hoheit über die Schweiz erhalten und ausüben und bei Differenzen zwischen der schweizerischen und der italienischen Regierung einseitig entscheiden würde. Die Simplonkonzession enthält ferner die Bedingung, daß mindestens ein Drittel des Betriebspersonals der Simplonbahn aus Italienern bestehen soll. Weiter ist die Einsetzung einer aus je sechs schweizerischen und italienischen, von den beiden Regie- rungen zu ernennenden Delegierten zusammengesetzten int er- nationalen Kontrollko in Mission mit dem Sitze in Bern im Vertrage vorgesehen, durch die Italien eine staatliche Kontrolle über die Verwaltung, den Bau und den Betrieb der schweizerischen Staatsbahn ausüben würde. Dabei ist die Sache durch den Ver- trag nicht einmal definitiv festgesetzt, sondern erst noch die Ver- einbarung eines Reglements über die Thätigkeit und die Form der Beschlüsse der Kommission vorgesehen, wobei Italien zweifellos mit neuen, weitgehenden Forderungen kommen würde. Der Vertrag gesteht der italienischen Regierung endlich das Recht zu, nicht nur am Südausgang des Simplontunnels Festungs- anlagen zu erstellen, sondern auch im Tunnel selbst bis zu der in demselben liegenden italienisch-schweizerischen Grenze und durch ständige Militärposten bewachen zu lassen. Italien kann auf der genannten Strecke Militärzüge passieren, aber auch alle Züge überhaupt durch italienische Militär- oder Civilbeamte begleiten und an jeden» be- liebigen Punkt dieser Stelle anhalten lassen. Das sind ganz ungeheuerliche und für die Schweiz unannehm- bare Bedingungen. Die Anmaßung Italiens ist um so größer, als es von den vier Millionen-Subventionen an den Simplontunnel, die staatlich garantiert sind, nur 1 600 000 Frank bezahlt hat, während von schweizerischer Seite die zugesagten ca. 20 Millionen Frank prompt bezahlt worden sind. Im gewöhnlichen geschäftlichen Leben würde nach so vielen unangenehmen Erfahrungen und Ent- täuschungen, wie sie die Schweiz im Verkehr mit Italien schon er- leben mußte, ein Geschäftsmann gegenüber einem solchen„Geschäfts- ftcund" hundertfache Vorsicht üben. Der schweizerische Bundesrat aber begegnet Italien mit einer Gntmüttgkeit, Sorg- und Kritik- losigkeit, die das ganze Schweizervolk zur Stellungnahme heraus- fordern muß. Für die Socialdemokraten, für jeden politisch reifen Schweizer- bürger kann es unter solchen Umständen nur die Parole geben: Nieder mit dem Simplonvertrag!— Frankreich. Die Nationalisten protestieren in einem von den Generalen Mercier und Zur linden sowie dem früheren Kriegsminister Cavaignac unterzeichneten, über ganz Frankreich verbreiteten Aufruf gegen die Wiederaufnahme des Drcyfus-Prozesses. Die Revision des Prozesses wird ein gerichtlicher Staats- st r e i ch genannt. Sodann werden die Erklärungen der Herren Mercier, Chanoine, Billot, Cavaignac und Zurlindcn wieder- gegeben, welche die Ueberzeugung von der Schuld Dreyfus' aus- gesprochen hohen. Zum Schluß heißt es, man kann jetzt die Prozeßakten fälschen, Zeugen bestechen, sich des Gehorsams ver- schiedcner Gerichtsbeamten versichern, das Volk wird sich nicht täuschen lassen und die Anstrengungen der geheimen Sekte der Internationalen und der Geldmächte zu nichte machen.— Italien. Das Ministerium»Üolitti dürfte ein langes Leben wohl keinen- falls haben, denn nicht bloß die ganze Linke, mit Ausnahme des Ab- geordneten Marcora, werden jljm Opposition machen, sondern auch bei der Gruppe Sonnino wird es keine Unterstützung finden. Die ge- samte Linke hat sich auf eine Resolution geeinigt, in der cs heißt: Die Kammer könne, in Erwägung, daß das Ministerium durch seine Zusammensetzung und indem es seine Grundlage in einer Koalition von Personen suckien mußte, anstatt sich auf das Programm einer Partei und auf die gesunde Energie des Volkes zu stützen, nicht das Vertrauen zu ihm haben, daß cs im stände sei, die für das Wohl des Landes so notwendigen Reformen durchführen zu können, und anerkennen deswegen n i ch t die durch Giolitti Herbeigeführte Lösung der Krisis.— Spanien. Kabinettskrise. Aus Madrid wird vom 4, Dezember gemeldet: Der gestrige Ministerrat fand unter dem Vorsitze des Königs statt. Die Reise König Alfons' nach Lissabon wurde auf den 19. d. M. festgesetzt. Villaverde berichtete alsdann über die parlamentarischen Arbeiten. Bei Erörterung der auswärtigen Politik nahm das Ministerium Kenntnis von der Anerkennung der Un- abhängigkeit Panamas. Ueber die Lage in Marokko er- klärte Villaverde, daß augenblicklich Ruhe herrsche wegen der religiösen Festlichkeiten, denen der Sultan beiwohne. Darauf wurden Telegramme aus Berlin zur Verlesung ge- bracht, welche über die Besserung im Befinde» Kaiser Wilhelms berichten. Nach der Sitzung begab sich Villaverde zum königlichen Schlosse, um das Demissionsgesuch des Kabinetts zu überreichen. Der Rücktritt erfolgt wegen der Opposition, welche die monarchistische Minderheit gegen die Erleichterung der Budget- Annahme macht. Man glaubt, daß Azcaraza mit der Kabinetts- bildung betraut wird; er hatte bereits gestern abend eine Unter- redung mit Villaverde.— Gestern abend konferierte der König noch zu später Stunde längere Zeit mit den Präsidenten der Kammer und des Senats; der letztere empfahl den» Könige die Beibehaltung des Kabinetts Villaverde.— England. Parlamentarische Ersatzwahlen. London, 1, Dezember.(Eig. Ber.) In den letzten zwei Wochen wurden vier parlamentarische Mandate durch den Tod ihrer In- Haber erledigt. Es starben: Mr. John Penn. Abgeordneter für Lewishain(London, Südost); Sir John Blunddll Maple, Ab- geordneter für Dulwich(London, Südost); Mr. Jasper More, Ab- geordneter für Ludlow, und Oberst Seale-Hayne, Abgeordneter für Ashburton. Die ersten drei gehörten der konservativen Partei an. der vierte war radikal. Von den Verstorbenen kann nur Sir John B. Maple die deutschen Leser einigermaßen interessieren. Er war der Inhaber der berühmten Londoner Möbelfirma Maple u. Co. und hinterließ ein Vermögen von 17 Millionen Mark. Sein einziger Erbe ist Baron Eckardtsiein, Sekretär der deutschen Gesandtschaft in London und Schwiegersohn des Verstorbenen. Maple war der Schwiegersohn eines unbedeutenden Möbelhändlers und heiratete als unbemittelter Kaufmann ins Geschäft hinein. Seinen Reichtum verdankt er den Arbeiten der französischen Kommüne-Flüchtlinge, deren Talent und Geschmack den Ruf der Firma Maple begründet haben.— Von den vier erledigten Mandaten sind zwei städtisch und zwei ländlich. Infolge der Zollagitation ver- spricht der Wahlkampf etwas lebhafter zu werden, als dies sonst bei Nachwahlen der Fall ist. Die Ergebnisse werden vielleicht andeuten, wie die Wähler sich zu den Chamberlainschen Plänen stellen.— Niederlande. Gegen den Gemcindcsocialismus. Die„christliche" Regierung sorgt dafür, daß nicht etwa die Kommunen im Interesse ihrer Ein- wohner den Privatunternehmern zu viel Konkurrenz machen. Sie hat einen Entwurf zur Ergänzung des Gemeindcgesetzes eingebracht, wonach den Gemeinden verboten sein soll, andre Betriebe in eigne Regie zu nehmen, als: a) solche, bei denen durch unter- oder ober- irdische Leitungen Verbrauchsstoffe ins Bereich der Konsumenten gebracht oder ihnen Dienste erwiesen werden; b) Institute, Ein- richtungen und Unternehmen, die dem Berkehr, der Industrie, der Landwirtschaft und dem Handel dienen, Bankinstituts nicht ein- begriffen.— Rußland. Aus Russisch- Polen. Warschau, 29. November.(Eig. Ber.) Die neulich beschriebene Erregung unter der Arbeiterschaft in B i a l y st o ck hat bereits zu hochnotpeinlichen Maßregeln der Re- gierung geführt. jDer Gouverneur ist höchstselbst in der ans- rührerischen Stadt erschienen, hat sofort Polizeibureaus, das Ge- fängnis und Fabriken visitiert und eine außerordentliche Sitzung des Stadtrats angeordnet und mit seiner Teilnahme beehrt. Das Objekt dieser Extrasitzung war— die Schaffung eines städtischen Adreßbureaus in Bialystock zur besseren Kontrolle und Ueber» wachung„unruhiger" Elemente und— die„Organisierung" der „Dworniks", d. h. der Hausknechte, die immer mehr zur'Unter- abteilung der Polizei, speciell zur Aufspürung„revolutionärer Um- triebe" verwendet werden. Nach sothaner Arbeit erließ der energische Herr den folgenden Ukas: „Seit einigen Wochen legen in Bialystock manche Fabrikarbeiter die Arbeit nieder— ohne jeden rechtlichen Grund(!>. Sie geben dabei an. daß gewisse dritte Personen Drohungen gegen sie ausstoßen, falls sie sich weigern, den Streik mitzumachen. Angesichts dessen empfehle ich den Fabrikarbeitern Bialystocks, auf die Böse- Wichte(wörtlich!) nicht zu hören, sondern ruhig weiter zu arbeiten. Ich erkläre, daß ich alle Maßregeln zur Sicherheit und zum Schutze der Arbeiter ergriffen habe, die ehrlich und ruhig arbeiten wollen. Alle Individuen dagegen, die sich erlauben, Drohungen aus- zustoßen, Gewaltthaten, Eingriffe in die Fabriken und verbotenen Straßenauflauf zu arrangieren, um andre zur Nicdcrlegung der Arbeit zu zwingen, werden strafrechtlich verfolgt. Gez. Gouverneur O s o r g i n." Charakteristisch ist eS, daß sich der Gouverneur hütet, in seinem Erlaß auch nur mit einer Silbe den politischen Charakter der „Straßenaufläufe" d. h. der Demonstrationen und der Streiks zu berühren. Von den„Bösewichtern" derSocialdemokratieRussisch- Polens und Litauens erhielten folgende endlich ihr Urteil: Buginski, I. Chojecki, I. Jackowski und Eduard Chwalewik je drei Jahre Ansiedelung in Sibirien, Jan Rosol— vier Jahre Sibirien(im Gouvernement Jenissejsk), M. Unschlicht und I. Koslowski wurden vor dem Urteilsspruch nach Sibirien verschickt, um dort ihre weiteren Schicksale in„vorläufiger Ansiedelung" abzuwarten. Letzteres Verfahren kommt immer mehr in Mode und hängt wohl mit der Ueberfüllung der Gefängnisse zusammen. Zu bemerken ist, daß der genannte Jan Rosol das Familienhaupt einer ganzen social- demokratischen Familie in Warschau und der Gendarmerie seit langem gut bekannt ist. Bereits 1893 war Rosol in Warschau verhaftet, saß 26 Monate im Untersuchungsgefängnis und büßte nachher drei Jahre Ansiedelung im Gouvernement Archangel ab. Seine Frau war desgleichen wegen Teilnahme und Beihilfe in der Agitation verhaftet und verbannt. Der ältere Sohn der beiden alten Rosol nahm regen Anteil an der Bewegung, wurde verhaftet und saß lange in der Warschauer Citadelle. Endlich der jüngere Sohn stürzte sich schon mit 18 Jahren in die Agitation der Socialdemokratie, wurde im Februar 1900 festgenommen, holte sich im Gefängnis eine Lungen- und Knochentuberkulose, der er auch bald nach der Haftentlassung im Juni 1902 erlag. Jetzt geht der alte Vater zum zweitenmal nach Sibirien— ungebrochen und trotzig, wie früher. Außerdem erhielten— gleichfalls wegen Teilnahme an der Thätigkeit der Socialdemokratie Russisch-Polens und Litauens: BroniSlaw Owczarski. Stanislaw Äudlacki und Joseph Olszcwssi(agent provocatoui) je drei Jahre An»' siedelung im Gouvernement Archangel(der nördlichste Teil des europäischen Rußlands). Jurczynski und StamirowSki je drei Jahro; Gouvemement Wologodsk.— parlamcntanrcbca» DaS Centrum hat den Jesuitenantrag und den Entwurf eines Gesetzes betreffend die Freiheit der Religionsübung im Reichstage eingebracht. Wahlprotest. Auch gegen die Wahl des Reichstags-Abgeordneten Gräfe, des letzten nichtsocialdemokratischen Vertreters im König- reich Sachsen, ist seitens unsrer Parteigenossen ein Wahlprotest ein- gereicht worden. ES sollen bei der Wahl im 3. sächsischen Wahl- kreise schwere Verstöße vorgekommen sein.— Eue Induftrie und Handel. Helios ElektricitiitSgesellschaft, Köln. Nach dem Geschäftsbericht über das mit dem 30. Juni abgelaufene letzte Geschäftsjahr ergiebt sich ein Gcsamtvcrlnst von 1 375 000 M. AuS der im vergangenen Jahre durchgeführten Sanierung ergab sich ein Buchgcwinn in Höhe von 15 926 000. M. Er hat nach dem vorliegenden Gewinn- und Vcrlustconto folgende Verwendung gefunden: 3 853 000 M. zur Deckung der Untcrbilanz aus 1901/02, 5 529 000 M. für außerordentliche Abschreibniigen, 184 000 M. zur Deckung der Unkosten der Sanierung und 1 337 000 M. zur Deckung des oben erwähnten diesjährigen Verlustes. Die in der Begründung des Sanierungs- planes ausgesprochene Hoffnung der Verwaltung, daß sich die Er- trägnissc damit bessern würden, hat sich alft, nicht erfüllt. Bald so, bald so, wie's trefft. Daß unsre Herren Groß- indlfftriellen sehr beständig in ihren Ansichten über das Konkurrenz- Verhältnis der deutschen zur amerikanischen Industrie sind, kann man nicht behaupten. Als der neue Zolltarif im Reichstage beraten wurde, wußten sie nicht genug von der drohenden „amerikanischen Gefahr" zu erzählen. Nachdem der Tarif angenommen war, wurde cs plötzlich davon still, und als dann vor einigen Monaten die amerikanische Eisenkrise ausbrach, da hieß es plötzlich in der Handclspresse, um die Kurse an der Börse nicht sinken zu lasten, von Amerika sei wenig oder nichts zu befürchten, die deutsche Industrie sei so hoch entwickelt, daß sie es mcht nur mit der amerikanischen Konkurrenz auf dem einheimischen deutschen Markt, andern auch auf dem Weltmarkt aufnehmen könne. Jetzt schlägt der Wind wieder mal um. Der„Bund der Industriellen" warnt in einem offiziellen Organ vor einer Verkennung der amerikanischen Gefahr. Das Blatt ist mit der Auffassung, die Herr Goldberger in seinem Buch„Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten" über den amerikanischen Wettbewerb äußert, unzufrieden und schließt nach einem Hinweis auf denZollfchutz und den Naturreichkun derVereinigtcu Staaten: „Besorgnis aber muh es erwecken, wenn anscheinend„halbamtliche" Stimmen die Gefahr leugnen! Jegliche Verschleierung der Sach- läge macht sie zu einer verderbendrohenden. Es ist deshalb die Pflicht der berufenen Stellen der deutschen Industrie, die Sachlage gn klären und die Meinung der deutschen Produzentenkreise zum Ausdruck zu bringen/' Vielleicht liest man demnächst wieder anders. Die Auswauderung über See ans den, Deutschen Reiche zeigte "r ti'l 3' gegenüber den boraufgegangenen Jahren eine erhebliche Steigerung. Es wanderten über deutsche und fremde Häfen Deutsche aus gegen.'5172 im Ottober 1903, 2130 im Oktober 1901 und 2298 im Oktober 1900. Die Auswanderung über fremde Häfen ,st aber für das laufende Jahr noch nicht vollständig ermittelt und oJJÄ'V■'•*'1' Bc'- endgültiger Feststellung vermutlich noch um etwa 200 Kopfe erhöhen, so dah die gesamte Auswanderung im Berichts- monat ungefähr 4100 Personen betragen haben wird. Seit Beginn des laufenden Jahres bis Ende Oktober sind im ganzen 30 001 Deutsche ausgewandert gegen 28 408. 19 372 und 19 099 NN gleichen Zeitraum der Jahre 1902, 1901 und 1900. Die Auswanderung Deutscher über fremde Häfen ist in, laufenden Jahre bisher erst ans 0041 angegeben gegen 78t ä im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wird sich bei endgültiger Feststellung aber noch um mindestens 2200 erhöhen, so das; im ganzen in de» ersten zehn Monaten d. I. etwa 32 800 Personen auSgelvandert sein werden, da» sind etwa 4400 mehr als in demselben Zeitraum dos Vorjahres. Das rheinisch-westfülifche Eemcntsyndiknt ist nach langen Vcr- Handlungen nun doch zu stände gekommen. Wie die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" aus zuverlässiger Quelle über den Verkaufs- verein der rheinisch-westfälischc,, und mitteldeutschen Eementwecke erfährt, gelang es vorgestern der in Köln tagenden Versammlung erst gegen 10 Uhr abends die drei letzten ausstehenden Werke zum Bei- tritt zu bewegen. In nächster Zeit wird die Festsetzung neuer Preise erfolgen. Schiffahrtsabkomnien zwischen der Hamburg-Amerika-Linie und der White Star-Linie. lieber die kürzlich in der Unterredung des Generaldirektors Ballst, mit einem Redakteur des„New ihork Herald" angedeutete bevorstehende Vereinigung der Mittelmecr-Liriicn der Hamburg-Amerika-Linie und der White Star-Linie Ivird aus New "lork gemeldet, das; dieser Vertrag jetzt perfekt geworden ist. Jede der beiden Gesellschaften stellt vier Dampfer für eine Linie zwischen dem Mittelincere und Nordamerika ein. Die Zwcig-Niederlassung der Hainburg-Aincrika-Linie in Genua übernimmt die Geschäfts- leitung auch für die White Star-Linie. Die Schiffe der Hamburg- Amerika-Linie behalten ihren Terminus in New Jork, diejenigen der White Star-Gescllschaft gehen nach Boston. Baumwollernte Amerikas. Das Ackerbau-Amt der Vereinigten Staaten von Amerika veröffentlicht feine Abschätzung des Gesamt- crtrageS der diesjährigen Baumwollernte. Danach stellt sich das Enite-ErgebniS auf 9 902 039 Ballen gegen 10 417 321 Ballen im vorigen Jahre und 9 904 904 Ballen in 1901, 10 480 148 Ballen in 1900 nnd 9 045 974 Ballen in 1899.— Die abgeerntete Flüche be- trägt 28 014 800 Acres gegen 27114103 Acres in, vorigen Jahre. Die totale Faserprodnktion beträgt 174,0 Pfund per Acre bei cincin DurchschnittSgeivicht von 490,8 Pfund gegen 188,0 Pfund respektive 490,7 Pfund per Ballen im vorigen Jahre. Die erst vorgestern in später Ttimde erfolgte Bekanntmachung führte, da sie einen über Erwarten großen Fehlbetrag angiebt, an der New jhorkcr Börse zu Scenen wildester Erregung, ja es kam fast zu Kämpfen zwischen den Maklern. Die Preise schnellten immer um 10 bis 20 Punkte in die Höhe und schloffen bis 74 Punkte höher, d. h. nahezu zum höchsten Stand des Tages. Auch an der New Orlcaner Baumwollbörse kam es zu wilden Scenen. Die Verwirrung war nach Veröffentlichung der Census- Ziffern so gros;, daß geschäftliche Transaktionen immöglich wurden. Innerhalb cincS Zeitraumes von fünf Minuten nach Bekanntwerden der Schätzung wurden Vermögen verdient und verloren. Ge�verKleKaftUcKes. Gedenkt der Zehnstnndentämpfer in Crimnntschau! In Erimmitschau kämpfe» die Behörden den Vrrzwciflungskanips kür das Untcrnehmert»»,'. Seit gestern Mittag find alle Berfa», mlnngcn verboten! Tic öffentlichen Bcrsammliingen sind verboten, die nichtöffcnt- ffchen sind verboten» die Bolksversammlniigen» die Vcreinsversamin- hinge», die Lnbrikznsammcnknnfte sind verboten! Ilmzügc dürfen nicht stattfinden! Alle Tanzvergnügen sind untersagt! Die Behörden begründen ihr Vorgehen mit dem Hinweis auf angebliche Volksanflänfc? auf den Strasien aber bewege» sich in Masse» nur Polizei»nd tstendarmc»! Tie Behörden dcriifc» sich auf angebliche Verstöße gegen den S 133 der Gewerbe Ordnung» nie wurde ein solcher Ricscnkampf in größerer Ruhe» mit mehr Würde geführt als der in Erimmitschau! Erbarmungslos gemacht durch den wütenden Haß gegen die Organisation warf der Erimmitschnucr Kapitalismus über 7000 brave Männer»nd Franc» auf die Straße, um sie durch Hunger auf die Knie zu zwingen. Den.Hiiiiger in« eignen Leibe, das Weh im Herzen über das Elend ihrer Kinder sianden die Taufende dennoch aufrecht,»ngcbciigt, und wichen keinen Schritt im Kampfe. Ihre Bersammlnngen wurde» ihnen nntersagt, das Strritposte» stehen wurde ihnen unmöglich gemacht, ans ihre Führer ließ man, weil sie Flugblätter nnterschrirben hatten, den ß 153 der Gewerbe- Ordnung los. Die Fabrikanten machten aus dem Kampf u», eine Verkürzung der Arbeitszeit einen Klassenkampf; die Behörden wandelten durch ihr Borgehen den wirtschaftlichen Kampf um in rincn politischen! Die Gesetzlichkeit der Zchnstnndenkämpfer brachte beide zur Bcrzweiflnng! Arbeiter Deutschlands! Seit gestern Mittag hat das öffentliche Leben in Erimmitschau lttifgehört. Wein» auch nicht formell, herrscht doch thatsächlich der Belagerungszustand. Kein ermutigendes Wort kann mehr zu den Streikenden ge sprochcn werden; still liegen die Straße» da, ans denen nur dir Schritte der Polizei wirderhalleu und die Waffen klirren, die zum Leidwesen des Kapitals nichts zu thun bekommen. Die Behörden kämpfen den Berzwcifliingskampf für das Unter- nehmertnin. Arbeiter! Verlaßt Eure Brüder nicht! Berlin und Qmgczend. Bnchbinderci-Arbriterimie»— Falzerinnen. In der Vuchdrnckcrei bon Hnascnsteii, u. Vogler, Wasserthorstr. 00, sind Differenzen ans- gebrochen. Die älteren, jahrelang dort beschäftigt gewesenen Kolleginnen sind entlassen worden. Für sämtliche in Betracht kommenden Arbeiterinnen ist die Werkstube gesperrt.� Die Verbands- nntgliedcr werden gebeten, die Kolleginnen darauf aufmerksam zu machen. Die Ortsvcrwaltnng Berlin des Deutschen Buchbinder-VerbandcS. Drahtarbciter! Bei der endgültigen Festlegung des Tarifs auf den, Gewcrbegericht ist vereinbart: Für Sonnabend den 0. Dezember wird die nennte Stunde für Accordarbeiter nicht mehr bezahlt. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeitcr-VcrbandcS. Vom Verbände deutscher Gasttvirtsgehilfen(Ortsverwaltung Berlin) wird uns mitgeteilt, daß nun auch die Sperre über„Fröbrls Allerlci-Thcatcr" aufgehoben ist. Herr Fr. hat u n t e r s ch r i f t l i ch den kostenlosen Arbeitsnachweis des Verbandes sowie dessen Lohn- tarif anerkannt. Deukkckes Reich. Die geplante große Töpfcr-AuSsperrung wird in einer großen Anzahl deutscher Städte mit einer wohlverdienten Blamage ab- schließen. In B r e s l a u wurde der brutale Erpressungs-Revers, der den Austritt ans dem Ccntralvcrbande der Töpfer unter An- drohung der Aussperrung verlangt, von den Arbeitgebern nur 70 bis 100 Werlstubenarbeitern vorgelegt, obwohl in, ganzen 400 Töpfer und Ofensetzer in der Stadt beschäftigt sind. Der von den Scharf- n, achern beabsichtigte Hieb, die Aushungerung der Streikenden, geht also hier daneben. Ilm nun den Reinfall der Unternehmer zu einem vollkommenen zu gestalten, haben fast alle Betroffenen in Breslau den Revers einfach kaltblütig unterzeichnet— sie sind nämlich der Meinung, daß sie sich den Zeitpunkt für ihre Kämpfe nicht von den Unternehmern vorschreiben lassen brauchen. Die Meister sind über die Gefügigkeit ihrer Gesellen sehr erfreut und die Veltener Kollegen werden davon keinen Schaden haben! Die letzte Versammlung, die die aus den, Verband aus- geschiedenen Töpfer abhielten, schloß init einem von trotziger Bc- geisterung gettagenen, donnernden Hoch ans— den Central-Verband der Töpfer Deutschlands. Buchbinder, Galontcric-Arbeiter:c. Die Kollegen Hamburgs bc- finden sich in einer Lohnbewegung und ist Zuzug nach dort streng fernzuhalten. Eine Provokation. Zu cincin Kampfe in, Baugewerbe zu Bremen rüsten die dortigen Unternehmer. Der Tarif, der von denselben mit ihren Arbeitern abgeschlossen ist, gilt bis zun, 1. April nächsten Jahres; Abändern, ,aSanträge sind jedesmal in den Monaten November bis cinschließlich Jaimar zu stellen. Die Unternehmer haben sich nun in zwei Versammlungen mit den, Vertrag beschäftigt und Ab- änderungSanträge gestellt, über deren Bedeutung sie sich selbst„icht im geringsten im unklaren sind. In den, Begleitschreiben, mit den, sie ihre Vorschläge den eignen Kollegen übcrsandt haben, sagen sie nämlich ausdrücklich: „Wenn der Vertrag so, wie vorgeschlagen, nicht angenommen Ivird, so i st hier nächstes Frühjahr ei» großer Streik zu erwarte n." Man sieht, die Herren e r w arten einen Ausstand der Bau- arbeite,', und wenn inan weiß, was sie denselben bieten, so kann man sogar zu der Meinung kommen, sie wünschen einen Ausstand. So sollen die Zimmerleute, die jetzt bei neunstündiger Arbeits- zeit 00 Pf. pro Stunde bekommen, sich damit einverstanden erklären, daß in Zukunft für Leute unter 20 nnd solche«, über 00 Jahre ein Stundenlohn von 00 Pf. gezahlt wird. Ueb erstunden dürfen nicht verweigert werden; die Weigerung, solche zu machen, gilt als VertragSbru ch. Wer den 1. Mai feiert, ist zu c n t- lassen und darf'vor 14 Tagen nicht wieder eingestellt werden. Der neue Tarif nach Vorschlag der Arbeitgeber soll dann vom 1. Januar biS zum 31. Dezember gelten. Das beweist nichts andres, als daß der verschlechterte Tarif zu gleicher Zeit die Vor- vereitung zu einer weiteren V e r s ch I e ch r e r n n g ist. Denn an, 1. Januar ist naturgemäß in, Baugewerbe die slaueste Zeit, und bei ciiien, Tarif-„Vertrag". der um dieje Zeit abläuft, brauchten die Arbeitgeber die neuen Bedingungen mit den Arbeitern nicht mehr zu vereinbaren, sondern könnten sie einfach diktieren. Gegen wen sich aber der von den Bremer Baugewaltigen ge- wünschte Kampf vor allem richtet, inögen folgende ihrer Forderungen zeigen. So heißt es an einer Stelle: Accordarbeit ist nach Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu leisten nnd sind erfolgreiche'Ein- reden dritter Personen a l S V e r t r a g S b r n ch an- zusehe n. Nnd an andrer Stelle: Das Kontrollieren der Bauten. Vertreiben bon Flugblättern und dergleichen von nicht auf der Baustelle beschäftigten Personen ist verböten und wird als Hausfriedensbruch vcr- f a l g t werden. Und schließlich: D a 6 A g i t i e r e» für V e r e i n s z w e ck e sowie das Delegiertensystem i st auf den Bauten und Ar- beits Plätzen verboten. Also der Organisation der Bremer Bauarbeiter will man an de» Kragen! Wenn ninn diese abgewürgt und einen Tarif eingeführt bat, in den, für die Unternehmer nur Rechte, für die Arbeiter nur Pflichten vorgesehen sind, wenn das ZukmiftSideal der Fetisch und Kühncmann im Baugewerbe zu Bremen Wirklichkeit geworden ist, dam, ist das goldbriiögende Endziel der Bremer Bauprotzen erreicht. Aber leider stehen ihnen die Arbeiter mit kühler Ueberlcgenheit gegenüber. Der abgeschlossene Vertrag berechtigt sie. sich ihre Gegen- Vorschläge bis Ende Januar zu überlegen und dann dürften die Verhandlungen sich bis ins Frühjahr hinziehen. Die Arbeiter werden sich jedenfalls nicht zu einen, Streik vor Ablauf des Tarifs, d. h. vor den, 1. April nächsten Jahres provozieren lassen; wollen es aver die Herren Unternehmer unter Vertragsbruch vorher mit einer Aussperrung probieren, so werden sie die Arbeiterschaft auch dann gerüstet finden._ Achtung, Leistcnvcrgoldcr! Die Sperre über die Firma A u r i ch u. W e st e r m a n„ in Mccrane i. S., Goidleistenfabrik, ist auf- gehoben, da die Differenzen beigelegt sind. Ter Hauptvorstand. ZZusland. Ans Schweden. Der Droschke nltttscher-Strcik in Stockholm ist an, Sonnabend durch einen Vertrag des Fachvcreins des Droschken- Personals mit der Aktiengesellschaft„Taxameter" beendet worden. Bekanntlich war die Hauptursache des Streiks, der Ende Oktober ausbrach, die schlechte Beschaffenheit und mangelhafte Pflege der Pferde. Behördliche Untersuchungen ergaben trotz der Milde, die man gegen die Gesellschaft walten ließ, daß die Pferde sich durchaus nicht alle in brauchbaren. Zustande befanden. Außerdem sahen sich auch die Tierschntzvercine auf Grund von Klagen, die ihnen von an- gesehenen Privatleuten zugegangen waren, genötigt, gegen die Ge- sellschaft vorzugehen. Durch den nun geschlossenen Vertrag der- pflichtet sich die Gesellschaft, alles zu thnn, um ihre Pferde in mög- lichst bestem Znstande zu erhalten. Die entlassenen Kutscher wurden wieder eingestellt. Ans Entlassung des mißliebigen Direktors haben die Streitenden verzichtet, doch wurde die Machtbefugnis dieses Mannes so weit eingeschräntt, daß er nicht ohne Zustimmung des obersten Direktors Entlassungen vornehmen kann. Die Kürschner Stockholms haben durch Verhandlungen init den Unternehmern und nach kurzen» partiellen Streik einen Tarifvertrag erzielt, durch den unter andern, die wöchentliche Arbeits- zeit auf 08 Stunden beschränkt wird. Die Elektromonteur e Stockhol nis haben ebenfalls durch Verhandlungen mit den Unternehmern eine Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse erzielt. In den, Tarifvcrlrag. der bis zum 1. November, 1900 gelten soll, wird sowohl die Bezahlung für Lohn- wie für Accordarbeit geregelt. Die Arbeitszeit wurde auf täglich zehn Stunden, Sonnabends sieben Stunden festgesetzt und für Ueberzcitarbcitcn wurden Zuschläge von 00 und 100 Proz. eingeführt._ Versammlungen. Möbelpolierer. In einer zahlreich besuchten Vertrauensmänner- Versammlung der Möbelpolierer, die am 2. Dezember in, Gewertschafts- Hause tagte, wurde ein eingehender Bericht gegeben über die bereits beigelegten Differenzen bei der Firma Lehmann in der Königsberg«« straßc.(„Vorwärts" vom 27. November.) Schulz nahm Anstoß daran, daß in der sich darauf beziehenden„Vorwärts"-Notiz von einen, Vorgehen„der Möbelpolicrcr iHolzarbeiter-Verband)" gesprochen »verde. Er führte diese Notiz aus den Holzarbeiter-Verband zurück nnd interpellierte deshalb die eingeladenen nnd erschienenen Vertreter des Holzarbeitcr-VcrbandeS, Maß nnd Stuschc, indem er feststellte, daß von den vorgegangenen Polierern neun dem Möbel- p o li ercr- V.c rb a n d nnd nur vier dem Holzarbeiter-Verband angehörten. Unter diesen Umständen dürste der noch dazu in Kartell- vertrag zum Verband der Möbelpolierer stehende Holzarbeiter- Verband solche Notizen nicht veranlassen, wo er als maßgebend durch die Erwähnung in der Klan, nicr erscheine. Maß und S tusche erwiderten, daß diese Hervorhebung des Holzarbeiter-Verbaitdes nicht ans Beamte desselben zurückzuführen sei. Dem Berichterstatter des „Vorwärts", der die Bureaus besuche, sei von Klinger nur die Thatsache der Beilegung der Differenzen mitgeteilt worden. Wahrschein- lich habe der Berichterstatter irrtümlich das Vorgehen dem Holzarbeiter- Verband zugeschrieben. Dem Verband und seinen Beamten treffe kein Verschulden.— Schulz nnd die Versammlung erachteten damit die Sache für erledigt. Schulz bemängelte indessen noch ein vom Holz- aröeitcr-Verband an die Unlerneynicr zwecks Empfehlung des Arbeits- Nachweises versandtes Cirkular. worin auch die Vermittelung von Möbelpolierern angeboten und schließlich von der Bermittelung der verschiedensten Arbeitskräfte gesagt wird, sie erfolge nur durch den Arbeitsnachweis des Holzarbeiter-VerbandeS. Ten Gebrauch des Wörtchens„nur" rügt Schulz scharf, da doch der Möbel- Polierer- Verband seine eignen Arbeitsnachweise habe, die viel mehr Polierer vermittelten als der NachiociS des Holzarbeiter- Verbandes.— M a ß stellte fest, und S t u s ch e trat ihm darin bei, daß nicht die geringste Hinterhältigkeit gegen den Poliercr-Vcrband in, Gebranch des Wörtchcns„nur" liege. Es sei gebraucht lediglich in Beziehung auf den I n„ n n a S Nachweis, gegen den ja der bekannte opferreiche Kampf geführt werde. Wie wenig man geneigt sei, den Polierern ihre Nachweise zu meiden, gehe schon daraus hervor, daß der Arbeitsdermittler des Holzarbeltcr-Verbandes sehr oft die Kräfte vcr- laiigendeil Unternehmer direkt an die Nachweise des Policrcr-Verbandcs verweise.— Auch diese Angelegenheit wurde für erledigt erklärt.— AnS den Berichten der Vertrauensmänner sind besonders die Klagen über die Neberzeit-Arbcit hervorzuheben. Gegen diese und die auch noch vorkommende SonntaaSarbeit soll energischer vorgegangen werden.— ilebcr den am 27. Dezember, nachmittags 2 Uhr, im Gewcrkschaftshansc beginnenden Dclcgiertentag machte Schulz einige nähere Mitteilungen. Außer Anträgen, betreffend die Statistik, die Ausgestaltung des UnterstützungswelenS, die Mitgliedschaft der so- genannten„Borkarrer" mit viertel- oder halbjährigen, Arbeits« vertrag:c., werden den Delegiertentag auch Anträge beschäftigen, die abzielen darauf, daß der Möbclpoliercr-Verband sich als Sektion dem Holzarbeiter-Verband anschließen soll. Die Anträge gehen von den Bezirken Rirdorf und Norden ans. Die Bezirke"Osten, Süd- oftcn, Weißensce und FricdrichSbcrg haben stch dagegen erklärt. Letzte]N[achncbteti und Depefeben. Spionage Prozes.. Bclfort, I. Dezember.(35. T. 25.) Der der Spionage be- schuldigte.Jffcnecker wurde heute zu einem Jahre Gefängnis und 1000 Fr. Geldstrafe verurteilt. Der Aufenthalt in Frankreich wurde ihm auf zehn Jahre untersagt. Die Verhandlung fand unter Aus- schlns; der Oeffentlichkeit statt. TaS Gericht„ahm als durch die Beweisaufnahme erwiesen an, daß Jffcnecker einen Plan des Forts llioppc ausgenommen habe; die Auslieferung des Plans an eine Frcmdinacht wurde als nicht vewicscn angesehen. Eisenbahnunglück. Dortmund, 4. Dezember.(W. T. B.)(Amtliche Meldung.) Heute nachmittag 4 Uhr wurden ans Bahnhof Rauxel die Bergleute Franz Heinrichs, Friedrich Schlenz und Heinrich Göbcrt aus Mengede durch den durchfahrenden Schnellzug von Dort«, und nach Herne überfahren und sofort getötet. Die drei Bergleute wollten mit dem Personenzug, welcher von der andren Richtung kam, nach Mengede fahren. Die Getöteten hatten trotz Warnung von feiten des Stationsbeamten versucht, den Mittelbahnsteig durch Urberschrcilen des Geleises, ans den der Schnellzug durchfuhr, vor diesem Zuge zu erreichen. Die russische Kaiserreise vor dem Senat. Rom, 4. Dezember.(28. T. 23.) Das Haus erörtert die von der Regierung abgegebenen Erklärungen. Gegenüber dem Senator' P e l l o u x erklärt Ministerpräsident G i o l i t t,, die Ber- tagung der Reise des Kaisers von Rußland sei nicht auf die Ablehnung der in, März dieses Jahres von Rußland beantragten Auslieferung des russischen Staatsangehörigen Götz zunickzufiihren. Auf eine Bemerkung Pelloux, der Aufschub der Reise des Kaisers von Rußland habe auch die tu Paris gelegentlich des Besuchs des Königs Bietor Einanuel veranstalteten Festlichkeiten beeinflußt, crlvidert G i o l i t t i, diese Feste seien soglänzend und so herzlich gewesen, daß kein Italiener und kein Franzose sie großartiger hätte wünschen können.(Lebhaste Znstimnmng.) Der f r ü h e r c Minister des A c u ß er» M o r i n crltärt in einer persönlichen Bemerkung gegenüber der von Pelloux erhobenen Beschuldigung, er— Moni,— habe in der Kammer eine Frage des S o c i a l i st c n M o r g i r, bezüglich der Reise des Kaisers von Rußland nach Ron, angenommen, die Geschäftsordnung der Deputierte,, kemimet schreibe vor, daß Fragen angenommen werden müßten. Der Zwischenfall habe nicht vermieden werden können, weit, wenn auch der Minister erklärt Hütte, nicht antworten zu wollen, der Fragesteller immer noch das Recht gehabt hätte, seine Fragen zu begründen Gegen die Ansiveisung Turners. New S)ork. 4. Dezember.(23. H.) Eine Massenversammlung, an der mehrere bekannte Bürger teilnahmen, erklärte sich gegen die Zurücksetzung des englischen Arbeiterführers Turner, welche von der Regierung auf de» 2lnarchistcnvaragraphcn des neuen Einwanderungs- gesetzcö hin verordnet worden war, weil Turner nur theoretischer Anarchist nnd Gewaltakten abhold sei. Die Wahlen zum australischen Parlament. Sidncy, 4. Dezember. Bei der gestrigen Aufstellung wurden von Kandidaten fiir das Bnudesparlament. da keine Gegenkandidaten vorhanden waren, für gewählt erklärt: zehn Ministerielle, zwei Frei- Händler nnd zwei Mitglieder der Arbeiterpartei. Die Stimmung ist Deutschland gegenüber unfreundlich, infolge der Hetzereien der Schutzzöllncr.— Die Behaupttmg, das; Deutschland gegen Llustralien ebenso wie gegen Kanada WiderVergeltung üben könne, wird hier verlacht, da es als sicher gilt, daß die australische Wolle unentbehrlich für Deutschland ist.- Koblenz, 4. Dezember. In der gestrigen Sitzung des Ober- Kriegsgerichts wurde Major Ziernimu,-Aachen wegen fahrlässiger Tötung zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Es handelt sich un, einen Vorgang von, 7. September, als der Major von der Hühner- jagd zurückkehrend, sein Gewehr, ohne es zu entladen, dem Burschen zum Reinigen übergab, wobei ein Schuß losging und ein neben dem Burschen stehendes Mädchen getötet wurde. Arlon, 4. Dezember.(B. H.) Bei einer Erplosion in einer Grube wurden zwei Arbeiter verschüttet, von denen einer sofort getötet, der andre tödlich verletzt wurde.___ Hierzu 2 Beilagen. Vcranlw. Redakteur: Julius Kaliski in Berlin. Für den Inseratenteil veranlw.: Tü. Glocke in Berlin. Druck nnd Berlng: Vorwärts Buchdrnckerci und Verlagsanstalt Paul Singer ch Co., Berlin SW. Nr. 284. 20. Jahrgang. yWhjc Ks„ilotmärts" Inlinri ZlslWM. Sonnabend, 5. Dezember 1908. Reichstag. 1903, eröffnet die 2. Sitzung. Freitag, 4. Dezember nachmittags 2 U h r. Am Bundesratstisch: Niemand. Mterspräsident v. Winterfeldt-Menkin Sitzung. Auf der Tagesordnung steht die Wohldes Präsidenten, der V i c e p r ä s i d e n t e n und der Schriftführer. Es erfolgt zunächst die Wahl des Präsidenten, und zwar durch Abgabe von Stimmzetteln. Der Namensaufruf beginnt mit dem Buchstaben B; die aufgerufenen Abgeordneten treten einzeln vor und übergeben ihre Settel einem der Schriftftihrcr Himburg und Slrebs, die die Zettel in eine llrne legen. Alterspräsident v. Winterfeldt-Menkin verkündet das Resultat der Wahl init folgenden Worten: Meine Herren I ES sind 3S3 Zettel abgegeben, davon 100 lvcitzc, ungülttge Zettel. Von den 283 abgegebenen gültigen Zetteln haben erhalten Herr Graf V. B a l l c st r e m 250, Graf Stolberg(t.) 2 und Lieber- mann v. Sonnenberg 1. fGroste Heiterkeit.) Präsident Graf BaUcstrcw: Meine hochverehrten Herren Kollegen! Sie haben mich wieder zum Präsidenten des Reichstags berufen, der höchsten Ehrenstelle, die das deutsche Volk durch seine Vertreter zu vergeben hat. Jede hohe Ehre setzt aber auch eine hohe Pflicht und eine intensive Arbeit voraus. Wenn Ihr Präsident die hohe Ehre geniesit. dann muß er auch allen den nicht ganz leichten Pflichten nachkommen, die mit diesem Amte verbunden sind. Seitdem Sie mich zum erstenmale zu diesem Amte berufen haben, sind fünf Jahre vergangen und fünf Jahre sind in meinem Lebensalter keine Kleinigkeit. Ich stehe im 70. Lebensjahre: ich weiß nicht, ob ich auf die Dauer die nötige geistige und körperliche Frische haben«verde, mn den Pflichten meines Amtes iminer nachzukommen. jRufe: Jalvohl! Doch! Doch! auf der Rechten und im Centrum.) Ich«verde mich aber beniühen, das zu thun.(Bravo! rechts und in« Centrum.) Ich kann nur das wiederholen,«vas ich vor fünf Jahren in diesen« Hause gesagt habe. Ich«verde«nich beinühen unter allen Hin- ständen die Würde dieses Hauses««ach Innen und Außen zu«Vahren. (Bravo! rechts und in« Centrum). Ich«verde mich bemühen, die Arbeite«« des Reichstages zu fördern nach jeder Richtung hin,«vie es die Pflicht des Präsidentenjsist. Ich werde i«, ich bemühen,' die Ordnung in- und außerhalb dieses SaaleS, solveit ineine Koinpetenz reicht, aufrecht zu erhalten.(Bravo! rechts, iin Centnim und bei den Natioi«alliberaleit.) Aber, meine Herren, dies alles kann ich nur, wei«n ich allseittge Unterstützung finde, und auf ihre allseittge Unterstützung rechne ich, und um diese bitte ich Sie. Ich nehme das An«t an, das Sie«nir überttagen haben.(Bravo! rechts und in« Cei«ttum.) Der Präsident übernimint das Präsidium und sagt: Mein Aint kann ich wohl nicht besser antrete«« als damit, daß ich den« ehr- «vürdigcn Manne, der bisher die Geschäfte des Reichstages geleitet hat, unser aller Dank ausspreche.(Bravo!) Das HauS schreitet darauf zur Wahl des e r st e n Vice- Präsidenten, die cbei,so«vie die vorhergegangene Wahl etwa eine Swnde m Anspruch nimmt. Präsident Graf Ballestrem: Ich habe das Resultat der«Abstimmung kundzugeben. Es sind in« ganzen abgegebe«, 336 Zettel, davon gehen ab als lveiße 25 Zettel«ind als ungiittig einer, auf welchen« zwei Rai«,en stände««. Es sind also gültige Zettel 310. Von diesen lallten auf den Abg. Grafen zu Stolberg- Wernigerode 239, auf den Abg. Singer 68, auf den Abg Liebermann v. Sonnenbcrg 1(Große Heiterkeit), auf den Abg. v. Bollmar 1, auf den Abg. Bernstein 1. Abg. Gra v. Stolbcrg-Wcrnigcrode ist also«nit absoluter Majorität zum erste«« Biccpräsidcnten gewählt. Ich frage ihn. ob er die Wahl anniinmt. Abg. Graf v. Stolberg-Wernigerodc(k.): Meine Hcrrei«, ich nehme die Wahl»nit Dank an und ich«verde, soweit es ai« inir liegt, bestrebt sein, das Verttaucn,«velches Sie mir durch diese Wahl entgegenbringe««, zu rechttertigen.(Beifall.) Präsidei«t Graf Ballestrem: Wir kommen zur Wahl des zweiten Mcepräsidenten. Auch diese Wahl erfolgt in derselben Weise«vie die voran- gegangenen. Nach etlva einer Stunde verkündet das Wahlresultat Vieepräsident Graf Stolberg-Wernigerode: Es sind abgegeben 314 Zettel, davon ungültig 103,«oeil unbeschrieben, ungültig«veil mehrere Namen darauf verzeichnet. Von den somit' gültigen 234 Sttmmen erhielten der Abg. Dr. Paaschs(natl.) 230, Abg. Liebermann v. Sonnenberg(Antis.) 2(Heiterkeit), Abg. Prinz Schönaich-Carolath(natl.) 1, Abg. Krolik(C.) 1. Abg. Dr. P a a s ch e ist also mit absoluter Majorität zum zweiten Vieepräsidenten gewählt. Ich frage ihn, ob er die Wahl an- nimmt. Abg. Dr. Paasche(natl.): Ich nehme die Wahl mit Dank an. (Bravo! bei den Nationalliberalen.) Hierauf«oird die Wahl von acht Schriftführern vorgenommen, die nach Z 10 der Geschäftsordnung in einein Wahlgange nach relativer «uSttminenmchrheit erfolgt. ' st- Präsident Graf Ballestrem: Meine Herren! Ich schlage dein Hause vor, das Resultat dieser Abstimmung nach Schluß der Sitzung durch die provisorstchen Herren Schriftführer feststellen zu lassen, wie das iinmer so geschehen ist. Das Resultat«vird alsda«««« in der nächsten Sitzung bekannt gegeben werde««.— Hiermit ist das Haus einverstanden.— Ich ernenne meinerseits zu Ouästoren die Herren Abgg. Rintclei«(C.) und Münch-Ferber(natl.). Wenn von seitcn der Herren kein Widerspruch erfolgt, setze ich voraus, daß sie das Aint annehmen.— Das ist der Fall.— Ter Reichstag ist hier- «nit konstituiert, und ich«verde nicht unterlassen, Seiner Majestät dem Kaiser die vorgeschriebene Anzeige zu erstatten. Wir haben schmerzliche Verluste erlitte«« und gedenke«« ihrer. (Die Abgeordneten erheben sich von ihren Sitzen.) Von den ge- «vählten Abgeordneten des gegenlvärtigcn Reichstages sind ver- starben in der Zeit zwischen«hrer Wahl und der Berufung dcS Reichstages: Am 21. Juli d. IS. der Abg. Richard Rösicke, der sich hervor- ragend an den Geschäften des Reichstages stets beteiligt und dein Reichstag seit 1890 urmnterbrochen angehört hat; ferner die Abgg. V.' Sperber(k.), Franz Hofmann(Soc.), V. G l e b o ck i (Pole), v. Schele-Schelenburg(Welfe). Weiter haben wir zu gedenken des Todes unsres langjährigen, all- seitig hochverehrten und hochverdienten früheren Präsidenten des Reichstages, Dr. v. L c v e tz o>v,«velcher am 12. August dieses Jahres nach schweren Leiden' in seiner Heimat verschieden ist. Der Reichstag wird diesem langjährigen ausgezeichneten Präsidenten ein ehrenvolles Andenke» iinmerdar bewahren.(Bravo! rechts.) Ferner haben wir zu gedenken des früheren langjährige«« Abgeordneten Gras v. Prehsing, der an« 6. Juli 1903 in seiner Heimat, in der er in hohe«» Ansehen stand, verschieden ist; auch hier haben alle, die ihm näher stände««, ein ttefes Bebauen« über seinen Heimgang empfunden. Die Herren Kollegen haben sich zum Gedenken der Ber- storbenen bereits erhoben, ich konstatiere das. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Mittwoch, den 9. Dezember, nachmittags 2 Uhr.(Tagesordnung; Eiste Beratung des Reich s- hanshaltS-Etats. t Schluß 5-/2 Uhr. Zur Polenfrage. Eine Erwiderung. Auf den von Rosa Luxemburg unterzeichneten Artikel in Nr. 251 des„Vorwärts" konnte ich wegen einer Agitationsreise llicht sofort erwidern und mußte nachher auch die Wahlen vorübergehen lassen. Die Angelegenheit hat aber ein über die persönlichen Moineirte weit hinausgehendes Juteresse, da eS sich dabei um unsre Stellung nahii«e zu einer wichtigen Frage des internationalei« Socialismus handelt. Das rechtfertigt eine gründliche Beantivortung der Angriffe Es ist dabei iiotwendig, auf den Auögai«göpui«kt der Auseinander setzungei« zurückzugehen. Auf dem Parteitage zu Lübeck in« Jahre 1901 hatte«m Verla«lf der Polendcbatto- die Genossin Luxemburg laut Protokoll unter ander»« folgendes gesagt: „Wenn es zu Unzuträglichkeiten, zu unaitgenehme»« Koi«flikten innerhalb der polnisch- socialistischen Orgal«i«ation Deutschlands gekomnren ist, so handelt es sich nicht nm einen Konflikt zivischen Deutschen und Polen, sondern um einen zwischen p 0 l 1« i s ch e n S 0 c i a l d c n« 0 k r a t e n, die au internationalen« Boden stehe««, und solchen, die auf nationalem Boden stehen." Im«veileren Verlaufe der Polemik gegen diejenige polnisch socialistische Gruppe, deren Organ die„Gazeta Robotnicza" ist, sagt sie dann von eben dieser Gruppe: „Uebrigens«vird soviel SumS darum gemacht, daß derjenige, der die Verhältnisse nicht kennt, glauben könnte, eS handelte sich mn eine zahlreiche Gruppe, die mit ui«s nicht Hand in Hand gehen kann. Beruhigen Sie sich, es sind nur eine Handvoll Krakehler, eine sogenannte Partei, die beguen« auf einen« Sofa Platz nehmen köni«te.(Dr. Gumplolviez ruft:„Frech gelogen!") Ach Sie sind ja auch da; Sie gehören ja auch dazu.(Heiterkeit.) Mit Leute««, die auf den« Boden der internationalen Solidarität stehen, sind wir i»«nier bereit, zusammei« zu arbeite««,«vie«vir es in Posen und Obcrschlesien thun. Will aber jenes Häufchen Leute durchaus ihr Extra-Eckchen auf dein Sofa haben, so mögen sie es behalten." Wenn man nun auch die rhetorische Uebertreibung von der Sofa- ecke nicht«vörtlich zu nehmen hat, so geht doch, sofern Worte über- Haupt einen Sinn haben, aus den vorstehenden Sätzen zweifellos hervor, daß die Genossin Lurcniburg behauptet, es handle sich um einen Zivi st innerhalb der polnischen Social- d en, okratie in Deutschland. Die von ihr bekämpfte Gruppe, die sich Polnisch-socialistische Partei(abgekürzt P. P. S.) nci«nt u>«d zun« Organ die„Gazeta Robotnicza" hat, bestehe nur aus einer Handvoll Krakehler, die, im Gegensatz zu der von ihr vertretenen Mehrheit der polnischen Partei- genossen in Deutschland gar keine Beachtung ver- dienten. Zunächst hatte die Frage,«velche der beiden polnisch-socialistischen Gruppen die stärkere sei, keine erhebliche Bedeutung für uns. Das kointten die Polen unter sich abmachen. Anders«vurde die Sache aber, als in« Juli 1902 die Genossin Lureniburg ein eignes polnisches Organ, die„Gazeta Ludowa", als Gegenzeitschrist gegen die „Gazeta Robotnicza" ins Leben gerufen hatte, ui«d dani« aus dem diesjährigen Rechenschaftsbericht des Vorstandes die Thatfache her- vorging, daß die„Gazcta Ludoiva" im verflossenen Geschäftsjahr vom Parteivorstand mit 2650 M. unterstützt worden war. Da«vurde es allerdings ein allgeineincs Interesse der deutschen Parteigenossen, zu erfahren,«vie stark der Abonnentenstand dieses Blattes sei und ich«virklich die Behauptungen der Genossin Luxen«burg über das Stärkeverhältnis der beiden polnisch-socialistischen Gnippen au Wahrheit beruhten oder nicht. Nun schreibt die Genössin Luxemburg in ihrem Artikel „Ledebour hat sich von l a n g e r H a n d seinen Knalleffekt«nit der Aboi«iiei«tenzahl unsres polnischen Blattes vorbereitet." Diese Be hanptmg ist unwahr. Die Sache kam«nir auf folgende Weise zur Kenntnis: Wenige Tage vor den, Parteitag überbrachte«nir ein Genosse im Auftrage der Posener Agitatioirskommissio««, von deren Existenz ich bis dahin keine Ahnung gehabt hatte, alleihand Schrift- stücke, darunter auch das Protokoll über die Revision der Geschäfts- büchcr der„Gazcta Ludoiva", n«it dem Ersuchen, sie dein Parteitage zu«lnterbreitcn. Stach Durchsicht des Materials erklärte ich ihm zlvei Tage darauf, daß die Sachen in der Mehrzahl sich n««r au Dinge bezögen, die die Posener Genossen unter sich abzuinachen hätten. Aber auch das bei Revision der„Gazeta Ludoiva" ermittelte Ergebnis könne ich nur dann auf den« Parteitage mitteilen,«venn ich ausdrücklich dazu von der Revisiol«skomn«ission brieflich ermächtigt «vürdc. Am 13. Septeinber erhielt ich den Brief, den ich auf dein Parteitage verlesen habe. Ich mußte«nich unter diesen Umständen allerdings für voll- ständig berechtigt halten, die mir von autoritativer Seite zugegangene Jnformatton, daß bei der Revision der„Gazeta Ludoiva" Mitte Juli ein Stand von 37 zahlenden Abonnenten vorgefunden sei, dem Parteitage mitzuteilen. Die Gei«ossin Luxeinburg erhebt nm« den Vortvurf, ich habe mich dainit zun«„unbewußten Werkzeug der ehrabschneiderischen Ab sichten einer fanatischen Gruppe von Leuten" gemacht. Sie stützt sich dabei auf die im November unter Assistenz eines Partei- vorstai«ds»nitglicdcs vorgenonunene Revision der Büchcr der „Gazeta Ludoiva", die einen Bestand von ungefähr zlvei- hundert Abonnentei« fiir da? zweite Quartal 1903 ergeben hat. (Tun steht fest, daß die fragliche Kommission von den Posener Partei- genossen«««it der Revision beaustragt«vordcn ist. Sie bildete also eine vollgültige Partci-Jnstanz. Unzweifelhaft steht ferner fest, daß die Kommissionsinitglieder zu den« Revisionsergebnis in voll k 0 m in e n gutem Glauben gekoinmen sind. Es wird das aber noch ausdrücklich bestätigt in der Erklärung derjenigen zlvei Mitglieder der Kommission, die an der neuerlichen Untersuchung in« Oktober teilgcnominen und nunmehr deren Resultat für richtig halten. In der Nr. 259 des„Vorwärts" erklären„äinlich die Genossen Schulz und S r em s k i: „Durch vorherige mangelhaste Kontrolle und die Unfähigkeit des derzeitigen Expedienten tvar eine genaue Feststellung der Abonnentei«- zahl aus den Büchern nicht möglich, auf dringendes Monieren gab der Expedient aus seinen«Notizen ungefähr die Zahl 40 an, lvobei jedoch unberücksichtigt blieben die Post- und Kreuzband-Abonnenten, auch diejenigen, die für einen größeren Zeit- abschnitt schon vorher Abonneinentsgeld eingesandt habe««,«vie dies that«ächlich von auSlvärtigen Abonnenten geschehen ist. Auch ist dabei übersehen Ivorden, daß einzelne Kolporteure bis dahin ihre einkassierten Gelder noch nicht alle abgeführt hatten." Daraus geht doch hervor, daß für den Irrtum, zu den« die Kommission gekoinmen ist, ausschließlich die Schuld die Un- Zuverlässigkeit des Expedienten trägt. Dieser Expedient aber, der ich nicht fähig zeigte, die Bücher eines Wochenblattes von rund 200 Abonnenten ordnungsgemäß zu führen und der über den Abonnentenstand ganz unzuverlässige Auskunft gab,«var jedoch nie- n>and anders als— K a s p r z a k, der engste Freund und Bundes- genösse der Genossin Luxemburg, den sie durchaus den Posener Genossen als Reichstags-Kandidat hat ausdrängen«vollen. Da muß ich denn doch sehr entschieden Einspruch dagegen er- heben, daß die Genossin Luxemburg die Mitglieder jener Kom- nnssion, die solveit sie irrten, unbestreitbar in gutem Glauben sich befunden haben, unausgesetzt als„Stänker" und„Ehrabschneider" zu verdächtigen sucht. Sie haben die Aufgabe, die die Posener Genoffen ihnen übertrugen, nach besten Kräften erfüllt. Einen Vor- wurf ihnen wegen Veröffentlichung des Revisionsergebnisses zu machen, ist niemand berechtigt. Es liegt«nir natürlich andrerseits durchaus fern, die Richttgkeit der neuerlichen Revision, die für das ziveite Quartal 1903 einen Stand voi« ungefähr 200 Abonnenten ergeben hat, anfechten zu «volle««. Entscheidend für den Kern des ganzen Streites, ob die Ge- n 0 s s i n L u x c n« b u r g auf d e in Parteitage in Lübeck die Wahrheit gesagt hat über das Stärkeverhältnis der beiden polnisch-socialistischen Gruppen in Deutschland ist nun aber der Abonnentenstand der„Gazeta Ludolva" und der„Gazeta Robotnicza. Ich habe mich an die Leitung des letzteren Blattes gelvandt und folgende Auskunft erhalte««, deren Nichtigkeit die polnischen Genossen verbürgen: Anfang Oktober: Postaboimcuten..... 220 durch die Expedition... 1148 Zusammen 1368 Anzahl der pünktlich zahlenden Abonnenten: rund 1000. Es stehen also nach den beiderseitigen Angaben rund 200 Abonnenten der„Gazeta Ludoiva" rund 1000 Abonnenten der „Gazcta Robotuicza" gegenüber, also fünfmal so viel. Die Genossin Luxemburg sucht die Bclvciskrast eines solchen Vergleichs in ihrem Artikel abznschlvächen durch unterschiedliche irre- führende Behauptungen. Sie meint, der„Wirkungskreis" der„Gazeta Ludolva" sei größer als die Zahl ihrer zahlenden Abonnenten vcrimltcn läßt. da sie zur Zeit der Wahl in Tausenden von Exemplaren auch in andern Gegenden Deutschlands von Posen aus verbreitet wurde. Das trifft aber auch zu für die„Gazeta Robotuicza". Sind mehr Exemplare der„Gazeta Ludoiva" gratis verbreitet, so ist das ein Belvcis für die größeren finanziellen Hilfskräfte, die ihr dank der Unterstützung durch den Partcivorstand zu Gebote gestanden haben, aber für sonst nichts. Die Abonnenten beider Blätter erschöpfen sicher nicht deren Anhängerschaft, sie bilden aber den einzig«nög- lichen Maßstab für die Kräfte, die hinter ihnen stehen. Die Polen, die deutsche Blätter halten, sind jedenfalls in der Mehrzahl germanisierte Polen oder solche in den«vestlichen Provinzen. Letztere gehören beiden Richtungen an und scheiden aus für den Vergleich. Der Haupttrumpf der Genossin Luxeinburg ist aber ein un- glaublich vcrlvegener Täuschungsversuch. Sie substituiert nämlich für die polnischen Genossen, die sie auf ihrer Seite zu haben behauptet, eiiffach die Gesa n,t zahl der deutschen und polnischen Genossen, die in Posen und Oberschlesicn zur socialdemokratischen Partei halten. Daß sie das«vidcr besseres Wissen thut, geht aus ihren Eingangs citierten Worten in Lübeck hervor. Die Genossin Luxem- bürg vcrlvahrt sich jetzt feierlich dagegen, daß ich in Dresden über- Haupt von einer„Gruppe Luxemburg" gesprochen habe, es gebe nur eine Organisation der deutschen Socialde»nokratie in Posen wie in Oberschlesien. Selbstverständlich habe ich die nicht gemeint, sondern nur die polnischen Genossen, die zu unsrer Gesamtorganisation halten. Den Ausdruck„Gruppe" hat sie selbst in Lübeck angetvandt auf die andren polnischen Socialistei« der P. P. S., die eine eigne Partei bilden. Da darf sie doch um so weniger die Gruppenbezeichnung für sich und ihre näheren polnischen Freunde ablehnen, da sie noch dazu die Genossen von der P. P. S. nie bei i h r 0 in offiziellen P a r t e i«« a m e n nennt, sondern sie beharrlich durch solche Ausdrücke«vie„Sociali- sationalisten",„nationalistische Sonderbündler" in den Augen der deutschen Parteigenossen zu verdächtigen sucht. „Gruppe Luxemburg" ist demgegenüber doch ein recht harinloser Verlegenheitsausdruck für eine Gruppe, für die es nun eben keine offizielle Bezeichnung gicbt. Ich«vill aber«veiblicher Bescheidenheit gern dadurch entgegenkommen, daß ich bis zu dem Augenblick, daß jene Gruppe sich selbst eine andre Bezeichnung«vählt, sie„Gruppe K a s p r z a k" neniic, denn Kasprzak ist die andre eherne Säule, auf der jene Gruppe ruht. Wie Genossin Luxemburg nui, im einzelnen auf Grund dieser irreführenden Voraussetzung noch lviedcr ganz falsche Schluß- folgerungen al«s den Wahlergebnissen in Posen und Obcrschlesien herausarbeitet, das«verde ich, um diesen Artikel nicht noch mehr auszudehnen, durch eine besondere Analyse der dortigen Wahlen nachloeisen. Nebensächlichere Fragen übergeheild, wende ich mich nuinnehr den« Kernpunkt des gegcmvärtigen Streites zu,«velche Stellung nämlich die polnischen Socialdemokraten zur Aufrichtung eines selb stän big en polnischen Staats«vesenS cinnehnien sollen. Bekanntlich sind die durch den Parteitag in München ge- forderten EiniguiiaSvcrhandluiigen hauptsächlich hieran gescheitert. In Dresden hatte ich darauf hingewiesen, daß der Parteivorstand anfangs diese Frage in seinen Leitsätzen gar nicht berührt hatte, und daß erst die Genossin Luxemburg diesenZankapfcl hineingelvorfen hat in die Ver- Handlungen. Die Genossin Luxemburg macht jetzt geltend, alle zehn Vertreter der socialdemokratischen Partei aus Posen und Oberschlesien auf der Konferenz hätten sich auf die Bedingungen geeinigt, die ich als die ihrigen bezeichnet hätte. Das war natürlich das gute Recht jener Genossen; aber das ändert doch an der Thatsache nichts, daß sie die Urheberin dieser Klausel«var. Wie sehr ihre intellektuelle Urheberschaft dabei hervorgetreten ist, dafür kam, ich mich auf einen klassischen Zeugen berufen, auf den Parteivorstand selbst. Nachdem i««« Dezember 1902 eine vorläufige Vereinbanmg er« zielt«vorden«var, erschien nämlich am 12. Januar 1903 eine Kund- bung, in der der Vorstand selbst auf Wunsch der Posener e n 0 s s e n nachträglich Stellung niinmt zu dem„Absatz 2 der L u x em b u r g s ch e n L e i t s ü tz e". Also«veshalb sucht die Ver- fasserin denn durchaus jetzt andren Genossen die Verantloortung fiir diesen Absatz 2 aufzubürden'{ Er lautet übrigens«vörtlich: „Als Programm der Partei gilt das Erfurter Programm. DaS Postulat der Unabhängigkeit des polnischen Staates kann nicht als bindendes politisches Programm gelten und in der Agitation b e- thätigt werden." Die Genossin Luxemburg hat ganz genau gelvußt, tvaS für die wlnisch-socialisttsche Bewegung dabei herauskommen mußte,«venn der Parteivorstand sich gleichfalls aus diesen Standp«uikt stellte. Enttvedcr lehnten die Mitglieder der P. P. S. in Deutschland die Zumutung ab, dann mußten daran die EiniguugSverhandlungei« «nit der deutschen Socialdeinokratie scheitern, oder sie nahmen sie an, dann sagten sie sich damit von ihren durch den ZarendespotiSmuS völlig rechtlos gemachten Brüdern in Russisch-Polcn los. Nur unter diesem letzteren Gesichtspunkt läßt sich die Stellungnahme der polnischen Socialdemokraten z«« der Luxemburgschen Forderung über- Haupt verstehen. Die Polen, ein Volk von 15 Millionen, entbehren seit mehr als einem Jahrhundert eines eignen Staatswesens. Zun« kleinen Teil ind sie Oestreich und Preußen angezliedert, zuin größeren Teil dem russischen Reich. Sie fühlen sich aber heute als ein Volk, vielleicht 'tärker noch als zur Zeit der alten polnischen Adelsrepublik. Auch die polnischen Socialdemokraten bethätigen die ideale Volkseinheit untereinander trotz aller Grenzpfähle. Die polnisch-socialistischen Organisationen der drei Reiche bilden zlvar nicht eine organi- 'atorische Einheit«nit gleichen« Programin, ihre drei Landes- organisationen tragen aber den nämlichen Namen: Polnisch- 'ocialistische Partei(P. P. S.). Und«vas die Haupt- äche ist, auf u n s r e n internationalen Kongressen Iverden sie als nationale Einheit anerkannt, auch unter Zustimmung der deiltschen Partei. Sie treten dort nicht aus als Oestteicher, oder Deutsche oder Russe««, sondern als Polen. Die internationale Socialdemokratie muh das auch zugeben,«vill sie nicht ihre Forderung des S e l b st b e st i m n« u n g s r e ch t e S der Völker zu eii«cr leeren Phrase«verde» lassen. Aus dieser Forderung geht mn« aber auch hervor, daß die Polen innerhalb der socialistischen Gesellschaftsordnung ein eignes polnisches Gemeinwesen bilden werden, lvobei cS natürlich heute noch eine völlig offene Krage ist. wie dessen Abgrenzung gegen die Gemein- Wesen benachbarter Böller vorzunehmen sein wird. Für die polnischen Socialdemokratcn in Russisch- Polen ist die Errichtung eines selbständigen polnischen Staatswesens nun aber auch heute schon eine brennende Frage der Gegenwart. Gegenüber dem barbarischen, kulturvernichtendcn Druck des ZarcnrcgimentS, das jede politische und gewerkschaftliche Bethätigung auszurotten sucht. ist die politische Befreiung eine Forderung, die untrennbar verknüpft ist niit den socialistischcn'Bestrebungen im engeren Sinne. Politische Befreiung aber ist für die Polen in Russisch-Polen identisch mit der Errichtung eines eignen Staatswesens. Auch in einem befreiten Rußland müßten die socialistischcn Polen sofort ihre Selbständigkeit bean- spruchen. Mit Fug und Recht haben sie deshalb auch die Forderung einer polnischen Republik in dem Programm ihrer Organisation. Für die polnischen«ocialisten in Lestreich und Preußen ist die Frage eines eignen polnischen Staatswesens an sich keine Lebensfrage. Sie tritt in den Nahmen ihrer Tagesbestrebungen gar nicht hinein. �-ie g e-h ö r t deshalb auch nicht in das Programm der P. P. S. im Deutschen R e i ch c. Ja, sie st e h t auch gar nicht darin. Das Programm der polnischen Socialistcn in Deutschland ist das Erfurter Programm der deutschen Socialdemokratie mit dem einzigen Zusatz, der Unterricht sei in der Volkssprache zu erkeikeii, nebenbei bemerkt eine ganz berechtigte Forderung, die wir selbst praktisch immer vertreten und die wir in unser eignes Programni hineinsetzen könnten. Nun ist es aber ein wesentlicher Unterschied, ob eine Partei eine Forderung nicht in ihr Pogramm setzt, oder ob sie die dieselbe ausdrücklich abschwört. Das mutete die Genossin Lnpembnrg aber den polnischen Socialisten geflissentlich zu. Hätten sie das jedoch gethan, hätten sie sich auf den Luxemburgschen Standpunkt gestellt, so hätten sie nicht nur den obersten Grundsatz jeder Befreiungsbewegung, das Selbstbestinimnngs- recht der Völker, verleugnet, sie hätten auch ihre doppelt unterdrückten Brüder in Russisch-Polen schmählich im Stich gelassen und ver- raten. Mit Jubel wäre dieser Abfall der polnischen Socialisten in Deutschland von der gemeinsamen Sache des polnischen Socialismus ausgebeutet worden von deren Feinden, vor allem von den Zaren- fchcrgeu. Und deshalb wiederhole ich meinen Ausspruch:„Die polnischen Socialdeniokraten wären Schufte, wenn sie diese Forderung der Genossin Luxemburg sich zu eigen gemacht hätten." Ganz entsetzt ist die Genossin Luxemburg, daß ich den Ausdruck „Schuft" gebrauche,„schon, wo es sich um Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf Prograinmfragcn handelt." Ich will versuchen, ihrem Verständnis nachzuhelfen. Jüngst hat der nämliche grausame Despotismus, der die Polen daniederdrückt, der die deutsche Kultur in den ballischen Provinzen zertritt, der die dorligcir Deutschen, der die Letten, die Esthen ent- rechtet, der das eigne Volk in Sklavenketten hält, auch die staats- rechtliche Sonderstellung F i n n l a n d s rrotz feierlicher Zareneidc vernichtet und die hochcivilisierten Finnländer der niederträchtigen russischen Polizeiwirtschaft unterlvorfen. Nun, ich würde jeden Finnländer für einen Schuft halten, der im«sinne der Rosa Luxemburg das Postulat der Selbständigkeit Finnlands abschwören würde. Oder denken wir uns, Dcuffchland wäre unter Fremdherrschaft geraten, halb französische, halb russische— im Anfang des vorigen Jahrhunderts war es nahe daran—, in meinen Augen wäre jeder Deutsche ein Schuft, der die Befreiung seines Volkes im Sinne der Rosa Luxemburg feierlich abschwören würde. Oder aus einer andern Sphäre unsrer Bestrebungen: Denken Wir uns, denScharfinacherngclänge dieVerntchtungjedwedenKoaliiions- rechts in Deutschland. Ich würde jeden Arbeiter für einen Schuft halten, der sich die Zugehörigkeit zu einer Partei durch Unterzeichnung folgender Klausel erkaufen würde:„Das Poftulrat des un- beschränkten Koalitionsrechts darf nicht als bindender Programm- Punkt gelten und in der Agitation bethätigt werden." Wenn die Genossin Luxemburg das auch nicht begreift, ich denke, socialdemokratische Arbeiter werden mir darin zustimmen, daß auch ein Programmpunlt seine Unterzeichner zu Schuften machen kann! Wie die Genossin Luxemburg sich bei der Verteidigung ihrer Klausel hinter„alle zehn Mann" aus Posen und Oberschlesien ver- stecken wollte, suchte sie auch noch den Partcivorstand mit sich zu identifizieren. Ich habe schon in Dresden darauf hingewiesen, daß das ein wesentlicher Unterschied ist. Tie Klausel des Partei- Vorstandes lerntet: „Es existiert kein polnisches Sonder- Programm, in dem die Wiederherstellung Polens gefordert wird. Die von früheren polnisch-socialistischcn Parteilagen in der Frage der Autonomie Polens angenommenen Re- folutionen halten sich durchaus im Nahmen der auf dem Jnter- nationalen Kongreß in London 18W angenommenen Resolution betreffend das SelbsibestimmungSrecht aller Nationen." Das ist an sich weiter nichts als die K o n st a t i e r u n g einer T h a t s a ch c. Die Wiederherstellung deS alten Polens wäre übcrdem ein Unding. Da übte der polnische Adel eine Fremd- Herrschaft auS über weit mehr Litiauer, Ruthencn und Deutsche alS Polen dem Staate angehörten. Trotzdem war auch jene Vorstands- klausel unannehmbar für die p o l n i s ch e n S o e i a l i st e n, weil sie weit über ihren Wortlaut hinaus eine ganz andre Bedeutung erhielt als Äbschwächnng der Klausel Luxemburg und weil die polnischen Socialisten mich den Schatten eines Verdachts vermeiden inußten, als ob sie ihre Genossen in Russisch-Polen im Stich lassen ivolltcn. Obendrein war die unglückliche Forin eines Geheim- Vertrages gewählt. Es war das ein schwerer Mißgriff. Unser Parteivorstand ist sicher in einer schwierigen Lage. Befürchtete er jedoch, durch die polnischen Genossen kompromittier� zu werden, dann bliebe ihm nur übrig, der P. P. S. die volle Selbständigkeit zu lassen und von Fall zu'Fall, bei Wahlen z. B.._ Vereinbarungen mit ihr zu treffen. Eine Kontrolle über Personen versuchen zu wollen, deren Sprache man nicht versteht, ist sowieso ein Ding der Unmöglichkeit. Jetzt hat leider der Parteivorstand der Genossin Luxemburg eine Mög- lichkeit gegeben, ihn vielleicht noch schlimmer, in andrer Weise zu töm- promittieren, da er das Polnisch der„Gazeta Lndowa" ebensowenig kontrollieren kann, wie das der„Gazeta Robotnicza". Dann hat die Genossin Luxemburg auch noch den verstorbenen Genossen Liebknecht zu ihren Gunsten citiert. Sie meint. Lieb- Znccht habe noch im 70. Jahre seine Ansicht über die Polcnfrage geändert, und„wie uns scheint, sich auf den Standpunkt gestellt, den ich heute vertrete, wie sein im„Vorwärts" Nr. 183 vom 14. August 1000 abgedruckter Brief beweist." Nun ist es für meine Stellungnahme ganz ohne Belang, ob Liebknecht so oder so gedacht har. Ich bilde mir meine Ansicht nach eignem Ermessen. Aber eS ist obendrein durchaus falsch, aus dem fraglichen Briefe zu folgern, daß Liebknecht verluxemburgert gewesen sei. Es handelt sich da um eine flüchtige Bemerkung in einem Tank- fchreiben Liebknechts an den„Naprzod". das Organ der P. P. S. in Krakau, eine Antwort auf Glücklviinsche. die ihm l8S8 bei seiner Entlassung aus dem Gefängnis zugegangen waren. ES heißt darin: „Ich bin überzeugt, daß die internationale Socialdemokratie die polnische Frage lösen wird und dem polnischen Volke dieselbe Bedeutung zurückgeben wird, Ivie sie jetzt die Deutschen, Franzosen und Engländer haben. Das liegt im Wesen der socialistischen Selbstbestimmung. Diese Autonomie kann der heutige Kapitalismus nicht mehr schaffen.... Nur der Socialismus wird den Schlachtruf„Noch i st Polen nicht verloren" in Wirklichkeit umsetzen." Nun halte auch ich es zwar für u n lv a h r s ch e i n l i ch, daß fn der kapitalistischen Aera noch ein selbständiges Polen erstehen loird, aber für u n m ö g l i m nicht. Es sind Komplikationen deutbar, die den früheren Zusammenbruch des zarischen Weltreiches bcrbeifllhren müssen. Doch selbst wenn man auch mit dem Siege des Socialismus ans die Errichtung eines selbständigen polnischen GemeiuivesenS rechnen kann, gehl doch in aller Welt nicht auS einer solchen Voraussetzung hervor,, daß die polnischen Socialisten die Geliendntachung der Selbständig- keit Polens in der Gegenwart abschwören müßten. Wir haben sehr viele Forderungen, deren Verwirklichung wir erst nach unserm Gesamtsicge erwarten können: den KomnmniSmus, die Republik, die gleiche Bildungsmöglichkeit für alle Menschen. Seit wann verleugnen wir sie in der kapitalistischen Aera? Wir müssen sie sogar heute schon fordern, da die Geltendmachung dieser Forderungen eines unsrer Mittel zum Siege ist. Rosa Luxemburg will aber gerade den Ruf:„Noch ist Polen nicht verloren!" als Schlachtruf, also als politische Losung ausmerzen aus der polnisch- socialistischen Bewegung. Und das hätte Liebknecht billigen können, der nämliche Liebknecht, der gerade jenes Trostwort den Genossen von der P. P. S. in einem Dankesbriefe zurief! Ich bin überzeugt, er hätte mit Entrüstung jedwede Gemeinschaft mit dieser rosafarbenen Ronzession an die Unterdrücker von der Hand gelviesen. Aber Rosa Luxemburg hat ja das Audeuken Liebknechts nur in diese Polemik hineiugezerrt, um mir einige giftige persönliche Bos- heften zu widmen. Dagegen ein Wort der Widerlegung zu ver- schwende», halte ich für unnötig. Wer sich durch solche Offenbarungen einer schönen Frauenseele gegen mich beeinflussen läßt, auf dessen gute Meinung verzichte ich gern. Auf eine andre Anzapfung muß ich indes noch eingehen, nicht meinetwegen, sondern tveil sie auf Personen gemünzt ist, die sich nicht verteidigen können. Frau Luxemburg beklagt sich über Angriffe gegen sie selbst und ihre Freunde, die i n G a l i z i e n und in der Warschauer bürgerlichen Presse erschienen seien, und ruft m i r dann großartig zu:„Um sich zum Sprachrohr einer solchen Kampfesweise zu machen, dazu gehört wahrhaftig zum min- besten ein bedenklicher Mangel an nioralischcm Gefühl." Ich weiß nicht, was da in Warschau lind Galizien gegen die Rosa Luxen, bürg geschrieben ist. Aber mag es sein, was eS will, es ist doch geradezu ein unerhörter Rabulistenkniff, mich dafür Verautlvortlich zumachen! Doch diesmal sollen durch die Herbeizerruug einer Sache, mit der ich gar nichts zu schaffen habe, offenbar andre Leute getroffen werden. Genossin Luxemburg hebt hervor, diese„social- nationalistischen Korrespondenzen" seien erschienen „unter den Fittichen d e r z a r i s ck e n C c n s u r. die natürlich jede Entgegnung zu ineinen Gunsten unterdrückt". Man braucht nur un- gefähr eine Ahnung von der russischen Polizeiwirtschaft zu haben. um zu ermessen, welche Wirkung dieser Klageschrei für bestinunte Personen haben kann, die natürlich ihre Situation noch ver- schlimmern würden, wenn sie sich öffentlich gegen diesen tückischen Streich verteidigen wollte». Ich glaube aber, sie können diese Ver- tcidigung auch ruhig den deutschen Parteigenossen selbst überlassen, deren Verständnis für solche Situationen durch zwölf Jahre Aus- nahmegesetz geschärft ist. Mit diesem Ausfall gegen Artikel der Warschauer Presse steht es ja auch vollkommen in, Einklang, daß Frau Luxemburg in Dresden die Gesamtheit unsrer p'o l n i s ch- s o c i a l i st'i s ch e n G e- Nossen in Russisch-Polen als„internationale Stänke r" beschimpfte, weil sie sich angeblich in einem„Gegensatz zu den russischen Genossen, zu den jüdischen Socialisten" befinden. Ich kenne die Meinungsverschiedenheiten, die da ausgebrochen sind, nicht, und kann deshalb nicht darüber urteilen, wer recht hat. Aber eins ist doch sehr merkwürdig. Die jüdischen S ö c» a l i st e n bilden in Polen und Littnuen eine Sondcrorgantsation ihrer Sprache wegen. Sie sprechen einen durch hebräische und slavische Worte verderbten deutschen Dialekt, das„Jiddisch", das mit hebräischen Lettern gedruckt wird. I ch verarge ihnen nicht, daß sie sich als jüdischer„Bund" gesondert organisieren, wenn sie glauben, auf die Weise besser den Socialismus ausbreiten zu können. Die Genossin Luxe m bürg aber handelt völlig inkonsequent, lvenn sie die Sonderorganisatiou der jüdischen Proletarier gutheißt, aber den polnischen Socialisten die Sonderorganisation verwehren will. Ein eignes„jiddisches" Gemein- Wesen können die jüdischen Proletarier natürlich überhaupt nicht erstreben, weil sie wohl in einzelnen Orten, nicht aber in geographisch abgrenzbaren Landesteilen die Mehrheit der Bevölkerung bilden. Ww die Würfel auch fallen mögen, sie werden immer als Minder- hcitcu Staatswesen inil anderssprachigen Mehrheiten angehören müssen. Schon diese widerspruchsvolle Haltung der Genossin Luxemburg gegenüber den, jüdischen„Bund" in Polen einerseits, der P. P. S. in Deutschland andrerseits zeigt, wie brüchig die angeblich so principientreue Luxeinburgsche Politik ist. Wenn sie den Anspruch erhebt, auf internationalem Boden zu stehen, so mißbraucht sie den Begriff„international" in schmählicher Weise. Es ist eine Forderung internattonaler Gerechtigkeit, wie die internationale Socialdemokratie sie bisher zur Geltung zu bringen gesucht hat, daß jedem Volke das volle Selbstbestimmungsrecht gewahrt bleibt, unbeschadet diplomatisch erschacherter Willkürgrenzen. Wer diesem Grundsatz entgegenarbeitet, der handelt nicht international, sondern ivirkl als unbewußter Bundes- genösse der nationalen Unterdriickungspolitiker. Würde die P. P. S. das Luxeinburgsche Programm sich zu eigen machen, so würde der Sache des Socialismus im polnischen Volke ein fchwercr Schlag versetzt und die Zarenschergen könnten sich vergnügt die Hände reiben. Da die Genossin Luxemburg es sich zu ihrer Aufgabe gemacht hat, die deutsche Socialdemokratie zur Annahme ihrer eignen ver- derblichen Politik gegenüber den polnische» Socialisten zu bewegen und dabei nicht vor geflissentlichen Täuschungen zllriickschreckt, werde ich allerdings trotz ihres„Entsetzens" es nach wie vor für meine Pflicht halten, ihr Treiben zu bekämpfen. Berlin-Halensee, iZ0. November 1903. G. Ledcbour. Partei- aebr ich ten. Gemeiiidewohleii, In Sachsen: I o h a n n g c o r g c n st a d t wurde die ganze iocialdemotratische Liste mit acht Kandidaten ge- wählt. In Falken st e i n wurden in der dritten Klasse zwei Parteigenossen gewählt. In Döbeln zieht zum erstenmal ein Socialdcmokrat ins Stadtverordnctcn-Kollegiuin ein. In Württemberg: In C a n n st a t t wurden zwei Partei- aenosien gewählt, während wir bisher nur ein Mandat besaßen, Zwei Genossen wurden ouch in Eßlingen gewählt. In Ober- c ß l i n g c n und Nellingen siegten die vom Arbeiterverein vor- geschlagenen Kandidaten. Zur Gemeinderatswahl in Stuttgart veröffentlicht der Vor- stand des dortigen Socialdemoftatischen Vereins folgendes: „Zwischen 1. dem Konservativen Verein, 2, der Deutschen Parte: Stuttgart, 3. dem Wahlvercin der Katholiken, 4, dem Volksvercin Stuttgart, 5. dem Socialdcmokratischen Verein Stuttgart, 6. den Vereinigten Bürgervereincn Stuttgart, 7. dem Stuttgarter HauS- befitzerverein. 8, dem Stuttgarter Mieterverein ist folgendes Ab- kommen getroffen worden: l. Die genannten Wahlgruppen einigen sich zum Zwecke der Verciiffachung und Verbilligung des Wahlmodus bei der Gemeinde- rats-Wahl 1903 auf folgende Punkte: l. Den sämtlichen, aus der Wahlliste zu cnttichmcnden Wahl- berechtigten tverden die Wahlzettel der acht Gruppen thmilichst am Tage vor der Wahl unter Eouvert durch die Post zugestellt. 2. An den einzelnen Wahllokalen wird ein für die acht Gruppen gemeinschaftlich thätiger Wahllokalsteher sin Außenbezirken zwei) auf- gestellt, welcher jedem zurWahl Schrcitenden auf Verlangen die Wahlzettel der acht Gruppen unter Streifband überreicht. Für diese Wahl- lokalsteher ist eine genügende Anzahl Ablöser zu bestimmen.» II. Die Kontrolle über die Vollständigkeit der Adressen, die richtige Einlegung in die Converts und Streifbänder, sowie die Kontrolle über das Vorhandensein der Wahlzettel an den Wahl- lokalen und die Aufsickit über die Wahllokalsteher wird von sämtlichen Wahlgruppen gemeinsam durch Vertrauensmänner ausgeübt. III. Die Kosten der gemeinschaftlichen Aktion werden von den acht Gruppen zu gleichen Teilen gemeinschaftlich getragen. IV. Die kontrahierenden Wahlgruppen sind darüber einig, daß durch die hier vereinbarte gemeinsame Thättgkeii keinerlet Ein- fchränkung in der Wahlagitation geschaffen sein soll. Insbesondere sieht es den einzelnen Gruppen ftei, durch Beilegung der Wahlzettel in den Zeitungen, durch Zusendung von Flugblättern oder Eirkularen usw. die ihnen geeignet scheinende Agitation zu entfalten." Parteipresse. Die Verfolgungen, unter denen die Arbeiter- bewegnng in Breslau leidet, haben wieder ciimral die alte Er- fahrung bestätigt, daß sie den gegenteiligen Erfolg herbeiführen, als in der Absicht ihrer Urheber liegt. Die„ V o l k s w a ch t" hat auch nach den Reichstagstvahlcn eine weitere Zunahme ihrer Abonnenten- zahl zu verzeichnen, so daß sie von jetzt ab jeden Tag mindestens sechs Seiten stärk erscheint. Di» Genossen in B r a u n s ch w e i g beschästigen sich mit dein Plane der Gründung einer eignen Druckerei, mn das Blatt ver- größern zu köimen. Die Preßkommission legte einer Parteiversamni- lung, die jüngst tagte, einen entsprechenden Antrag vor, der jedoch noch nicht erledigt wurde. Gefahr im Verzuge. Bald nach den Reichstagswahlen wurde, wie unser Königsberger Pattciblatt berichtet, der Gemeindevorsteher des Dorfes Neu-Stremehnen im Kreise Tilsit seines Amtes enthoben, tveil er sich öffentlich als Socialdemokrat bekaimte und für die Socialdemokratie thätig war. Tie Führung der Geschäfte wurde dem ersten Schöffen, Herrn Dettmann übertragen. Kaum war Herr Dettmami Verwalter der Gemcindegeschäfte.da— wurde auch cr Social- deniokrat und stellte der Partei sein Haus zu Versammlungen zur Verfliguiig. Schon zwei socialdemokratische Versammlungen haben bei ihm stattgefunden. Und es ist in diesem Zusammenhange gewiß bemerkenswert, daß in beiden Versammlungen Frauen anwesend ivaren, so daß sogar aus diesem Grunde der überwachende Gendarm in Unkenntnis des Vereinsgesetzes die zweite Versammlung auflöste. Fast ist danach zu befürchten, daß sich in dieser Gemeinde kein Nicht- socialdemokrat für das Amt des Gemeindevorstehers findet und man die Verwaltung schließlich dem— Gendarm überttagen muß. polireikicbes. 6ericbtUcbes ukw. — Wegen Beleidigung dcS Generalarztes König von der Marine. früher Chefarzt am Werft-Krankenhause zu Wilhelmshaven, jetzt in Kiauffchou, stand der Redakteur des„Nordd. Volksblattes", Genosse Jacob, vor der Straskammcr des Landgerichts in Oldenburg. Die Beleidigung wurde darin gestmden, daß im Anschluß an einen dem„Vorwärts" entnommenen Artikel über die Unfallrentenklage eines Werftarbeiters vor dem Reichs-Versichernngsamle, nach welchem König als Vertrauensarzt der kaiserlichen Werft zu Wilhelmshaven in einem Bericht den Kläger für einen Simulanten hielt, gesagt wurde: es seien der Redaktion schon viele Klagen zugegangen über den Marine-Arzt König und seine Vorgänger in Bezug auf oberflächliche Untersuchung und unfreundliche Behandlung. Tie Arbeiter fühlten sich in seiner Behandlung als Rekruten nicht als freie Arbeiter. Durch sieben Zeugen wurde festgestellt, daß die bei der Redaktion des„Norddeutschen Bolksblattes" in Bant vor- gebrachten Klagen der Werftarbeiter berechtigt waren. Der Staatsanwalt mußte zugeben, daß die Behandlung der kranken Werftarbeiter eine recht soldatische gewesen sein möge; aber der allgemeine Vorwurf, König sei gegen die Kranken nnfreimdlich gewesen, involviere eine Beleidigung, um- soniehr, als von den mehreren Tausenden von kranken Arbeitern. ivelche König während seiner Thätigkeit im Werftarbeiter- Kranken- Hause behandelte, sich nur sieben Klage führende gefunden hätten. Wie sehr die kranken Werftarbeiter dem Marine-Arzt König zugethan gewesen seien, erhelle daraus, daß bei seinem Abgange die Insassen des Krankenhauses samt den Kranken, die nicht ans Bett gefesselt waren, ihm einen Fackelzug mit brennenden Talglichtern gebracht hätten, Dcni Gericht waren sieben Zeugen auch zu wenig; eS verurteilte den Angeklagten zu ISO M. Geldstrafe. Sociales. Arbeitslöhne in Elsaß- Lothringen. Dem„Eliasser" wird aus Mutz ig im Kreise Mölsheim berichtet, daß in der dortigen Werk» zengfabrik jetzt an verheiratete Arbeiter 1,80 M. und an jüngere 1,80 M. Tagelohn bezahlt werden muß, weil auch im benachbarten Dinsheim demnächst zwei Fabriken eröffnet werden. Es geben sich deshalb die übrigen Arbeiter in Mutzig der Hoffnung hin, daß auch siir sie bald Lohnaufbesserungen eintreten werden' Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, daß sich die Arbeiter dort nicht gerade drängen. So wird aus E r st e i n und aus S ch i r m b e ck berichtet, daß dortige Fabriken„wegen Mangel an einheimischen Arbeitern" Galizierinuen iinportiert haben, die außerordentlich genügsam seien. Diese Galizicrinnen wohnen gemeinschaftlich und führen gemeinschaftliche Küche mit den Lebensmitteln, die ihnen der Unternehmer frei liefert. Frei, das heißt natürlich an Stelle von Barlohn, Hoffentlich wird dabei die Gewerbe-Ordnung beachtet, welche die Lieferung der Lebensmittel nur zu den An- f ch a f f u n g s k o st e n gestattet. Der Staat als Ausbeuter. In den ungarischen Tabakfabriken, die als �taatSmonopol betrieben werden, sind 16 339 Arbeiterinnen, U66 Arbeiter, 24 Kinder. 233 Unterbeamte und Diener und 134 höhere Beamte beschäftigt, zusammen also 17 896 Personen. An Lohn und Gehalt wurden rund 12 Millionen Kronen bezahlt, durch- schnittlich 670 Kronen la 85 Pf,> im Jahre. Ter Reingewinn, den die Staatskasse aus den Betrieben bezog, belicf sich auf 61 Millionen Kronen, war also fünfmal so hoch wie die Gesamtansgabe an Löhnen und Gehältern, )Zus cler ffanenbewegiing. Gegen das staatsbürgerliche Wahlrecht der Frauen. Das KonstituttonSkomitee des norwegischen StorthingS hat einstimmig beschlossen, dem StoNhing zu empfehlen, die vorliegenden Anträge auf Einfiihrnng des allgemeinen staatsbürgerlichen Franenwahlrechts abzulehnen, tveil, wie in dem Gutachten des Komitees aus- geführt wird, man noch zu wenig Erfahrung über die Wirkungen des kommunalen Wahlrechts der Frauen gesammelt habe und weil außerdem noch zu wenig Sympathie für die Forderung unter den Wahlberechtigten vorhanden, so daß die Zeit für eine derartige Aus- dehnung des Wahlrechts noch nicht getommcn sei. Die älteste organisierte Arbeiterin dürfte wohl Frau M. Thomsen in Flensburg sein, die der dortigen Zahlstelle des Fabrikarbeiter- Verbandes angehört, Sie wurde ain 3. Dezember 90 Jahre alt. Tie brave Alte arbeitet noch aushilfsweise in einer Brauerei. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 6, Dezember, vorm, Uhr, in der Schul-Aula. Kleine Frankfurtcrsw.6: Versammlung. Freireligiöse Vor- Icsung.— Um 103/4 Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag deS Herrn Dr. Bruno Wille:„Ursprung des GotteSglaubcns." Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Montag, den 7. Dezember, abends S'/j Uhr, pünktlich, im großen Saale des Ccntral-Klubhauscs, Am Königsgraben 14a: Bcschliclzcndc Versammlung. Wichtige Tagesordnung. Weiße Quittung legitimiert. Hilfskaffe der Graveure. Eifeleure und verwandten BerusSgenossen Berlins lagt jeden 1. Montag im Monat im Restaurant Eltze, Luisen-User 1. abends 8-16 Uhr._ Witterungsüberjicht vom 4. Dezember 1903. morgens 8 Uhr. Wetter- Prognose für Sonnabend, den 3. Dezember 1903. Etwas wärmer, veränderlich, oielsach wolkig mit geringen Nieder- schlügen und lebbasten südwestlichen Winden, Berliner Wctterbureau. Herren-Fiizhttte Mk. dirclt aus der Fabrik Z44SL* ».SV, 1.30, kk� SMO, S.80 und 3.00. Seldenhütc von Md 4.00 an. Chapeau claqneN und Haarhütc. Wintermützen für Herren u. Knaben. Grössfes Special geschäit im Norden! 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Zu der nächsten Sonntagnachmittag 6 Uhr stattfindenden Urania-Vorstellung sind noch Billets bei Weihnacht, Grünstr. 21, und am Tage der Vorstellung vor dem Theater zu haben. Eichwaldr. Sonntag, den 6. Dezember, nachmittags 5 Uhr, findet die Generalvers ammlung im Wendischen Lakale statt. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Funktionäre. 2. Neuwahl des Vorstandes. lokales. Polizei und Gesetzlichkeit. Es ist noch nicht lange her, daß Polizei und Gerichte in allen Lebenslagen den groben Unfugsparagraphen gegen die Arbeiterschaft ausnutzten.„Was man nicht definieren kann, sieht man als groben Unfug an", so lautete damals das bekannte geflügelte Wort, und es hatte seine volle Berechtigung. Gegenwärtig hat der„grobe Unftlg" eine gewisse Einschränkung erfahren, nur hin und wieder wird noch jemand mit dieser Strasthat behängt, dafür aber ist die findige Berliner Polizei auf einen andem nicht minder sinnreichen Gedanken gekommen, nämlich ans die Anwendung der Straßenordnung gegen Streikposten. Hundertfach wurde streikenden Arbeitern ihr Recht durch die Straßenordnung verkümmert. Die Polizei- behörden erließen an ihre Beamten einfach die generelle Anweisung. das Streikpostenstehen unter keinen Umständen zu dulden und jeden Streikposten auf Grund der Straßenordnung fort zuweisen. Leisteten die Streikenden unter Berufung auf ihr Koalitionsrecht den Anordnungen der Schutzleute nicht so fort Folge, so wurden sie kurzerhand wie Verbrecher nach der Wache gebracht und später mit gepfefferten Straf Mandaten beglückt. Bis jetzt kam die Mehrzahl der also polizeilich geschuhriegelten Arbeiter durch die Gerichte ent- weder gänzlich von Strafe frei, oder es wurde ihnen die in den Strafmandaten zudiktierte Geldstrafe doch erheblich ermäßigt. Bei den Freisprechungen betonten die Gerichte auch in mehreren schriftlichen Urteilen ausdrücklich, daß die Polizei die Straßenordnung in gänzlich ungerechtfertigter Weise gegen die be treffenden Arbeiter zur Anwendung gebracht habe. Doch die Polizei schert sich den Teufel um solche Gerichtsurteile. Sie schickt ihre Strafmandate nach wie vor in die Welt, obschon sie der Freisprechungen der damit drangsalierten Arbeiter schon im Voraus sicher fein müßte. Die Polizei giebt der Straßenordnung sogar eine neue erweiterte Auslegung, sie bezieht das„Berliner Straßcnjuwel" nicht nur auf Vorfälle, die sich auf der Straße abspielen, sondern sie maßt sich jetzt schon an, Streikposten aus den Häusern auszuweisen, Iveil sie auch dort den Verkehr behindern sollen I Und das alles auf Grund der Straßenordnung. Während des letzten Drücker- und Gürtlerstreiks sind eine ganze Anzahl Arbeiter, die Streikposten standen, aus Häusern. Thorwcgen, .Hausfluren ec. von den Beamten hinausgejagt, im Weigerungsfall sistiert und dann mit Strafmandaten bedacht worden. Der erste dieser„Fälle" wurde vorgestern vor dem Schöffengericht erörtert. Die Sache betraf den Gürtler H o s p e l, der am 22. September im Hausflur der Eckardschen Fabrik in der Brunnenstraße als Streikposten stand. Flugs kam ein Schutzmann, wies ihn dort fort und nahm ihn, als er nicht gutwillig gehen wollte, mit zur Wache. Das Strafmandat über 80 M. ließ nicht lange auf sich warten. Ohne in eine materielle Prüfung des Strafdelikts näher einzutreten, sprach das Gericht den Angeklagten frei, weil der Polizei überhaupt kein Recht zustehe, die Straßenordnnng auf Vorgänge anzuwenden, die sich gar nicht auf der Straße abgespielt haben. Wenn der Angeklagte im Hausflur irgend jemand lästig gefallen wäre, so wäre es Sache des Wirts oder des Fabrikbesitzers gewesen, ihn dort fortzuweisen oder wegen Hausfriedensbruchs gegen ihn vorzugehen. Ein selbst- ständiges Einschreiten der Polizei gegen den Angeklagten aber ent- behre jeder berechtigten Begründung. Am allerwenigsten aber könne der Angeklagte den öffentlichen Verkehr behindert haben, und es komme somit die Straßenordnung von vornherein bei ihm nicht in Betracht. Seitdem es einen Emanzipationskampf des Proletariats giebt, hält die Polizei es für ihre Pflicht, den Unternehmer gegen den Ausgebeuteten, den Starken gegen den Schwachen zu unterstützen. Diese Parteinahme von Organen des Staates der Socialreform hat den einzelnen gewiß sehr geschädigt, der Arbeitersache aber unzählige Anhänger geworben. Auch der jetzt geführte Polizeikampf gegen anständige Arbeiter schädigt jeden Betroffenen, denn selbst im Falle der Freisprechung entstehen dem behördlich in der Ausübung seiner Pflicht gehinderten Mann Unkosten, die ihn in seiner Armut doppelt drücken. Möge aber einmal ein an der Erhaltung der heutigen Ordnung interessierter Wiann darüber nachdenken, welche verwüstenden Wirkungen dieser Polizeikampf auf den Sinn für Gesetzlichkeit aus- üben muß._ Das biologische Klärverfahrcn. Die geplante Nenkanalisation von Wilmersdorf kvar bekanntlich vor einigen Wochen in der Charlottenburger Stadt- verordneten-Vcrsammlung Gegenstand heftiger Angriffe, gegen die sich jetzt in den amtlichen Wilmersdorfcr Blättern der Leiter des Kanalisationstvesens in Wilmersdorf, Baurat Müller, wendet. Ter Bmirat setzt auseinander, daß für den größten Teil von Wilmersdorf das Trennsystem in Betracht kommt, d. h. es werden Regen- und Schmutzwässer in besonderen Kanälen abgeleitet. Das Regenwasser der Trennsystcmsgcbicte soll auf dem kürzesten Wege du|ch einen Rcgenauslaß dem nächsten natürlichen Rczipicnten, dem llrnerwasser des Landwehrkanals zugeführt werden, während die Schmutzwässcr dieser Gebiete nach der Pumpstation gelangen. Der principielle Unterschied zwischen Trenn- und Mffchsvstem ist für die Frage der Flußvcrseuchung durch städtische Avwager, auf welche später näher eingegangen werden soll, wohl z» beachten. Das gesamte nach der Wilmersdorfer Pumpstation gelangende Schmutz- und Mischwasser soll zur Reinigung maschinell nach Klär- anlagen geschafft lverden. lieber das von Wilmersdorf in Erwägung gezogene b i o- logische Verfahren, gegen das sich die Charlottenburger Angriffe richteten, schreibt nun Herr Müller: Die Rücksichtnahme auf eine landwirtschaftliche Ausnutzung, spcciell auf Bestellung und Ernte, beeinträchtig!"bic quantitative Leistungsfähigkeit der Rieselfelder hinsichtlich der Abwasser- rcinigung ungemein. Vergrößert wird diese Beemirächtigung weiterhin durch den Umstand, daß das Rieselverfahrcn sich des natürlich ?.ewachsenen Bodens bedienen muß, dessen nach lokalen Verhältnissen chwankende Leistungsfähigkeit immer eine quantitativ beschränkte sein muß. Da liegt es nahe, die beiden, die quantitativen Leistungen hinsichtlich der Abwasserreinigung beschränkenden Einflüsse dadurch zu eliminieren, daß man einmal von vornherein auf eine landwirt- schaftliche Ausnutzung der Abwasserreinigungsanlage, d. h. als auf einen Pachtertrag verzichtet, sodann ein Filtermaterial von günstigerer Beschaffenheit wählt evcnt. t ü n st l i ch h e r st e l l t, als es der natürlich gewachsene Boden in jedein Falle bietet. Letzteres wird ermöglicht durch die im Vergleich zu Rieselfeldern außer- ordentlich geringen Dimensionen, welche künstliche Kläranlagen be- anspruchen. Man kann also Rieselfelder als n a t ü r l i ch- biologisch, Kläranlagen als k ü n st l i ch- biologisch wirkende � Abwasserreinigungsanlagen bezeichnen. Es liegt auf der Hand, daß die künstlich-biologische Methode der Abwasserreinigung von lokalen Ver- Hältnissen losgelöst und somit im Gegensatz zu Rieselfeldern über- all durchführbar ist. Es wird nun in Wilmersdorf beabsichtigt, da? maschinell nach der Kläranlage beförderte Abwasser durch Sedimentierbecken zunächst von den leichteren Schwebestoffen, lvclche im Sandfang der Pump- station nicht abgefangen werden können, möglichst zu befreien, um einer hierdurch leicht eintretenden Verstopfung der Oxydationskörper vorzubeugen. Das mechanisch geklärte und hierbei, naturgeinäß je nach der Dauer der Sedimentierung an- oder vorgefaulte, also zum Teil gleichzeitig anacrobisch behandelte Abwasser, wird selbstthätig in möglichst fein zerstäubtem Zustande in kurzen Pausen inter mittierend auf Oxydationskörper, d. h. mit grobem Material an gefüllte Becken verteilt, in denen es herabrieselt, also hier aerobisch behandelt wird. Es sind zwei hintereinander geschaltete Gruppen von Oxydationskörpcrn in Aussicht genommen, primäre und sekun- däre Gruppen, welche das sedimentierte Abwasser zu passieren hat. Ob das aus den sekundären Oxydationskörpern abfließende Wasser, welches nach den bisherigen Ergebnissen einer nach demselben Princip erbauten Versuchskläranlage nicht mehr der stinkenden Fäulnis anheimfällt� also in chemischer Beziehung ein wandsfrei gereinigt ist, noch einer Nachfiltration bedarf, um den Gehalt an allerfeinsten Schwebestoffen, deren Vorhandensein im geklärten Wasser zum Teil auf die angestrebte Mineralisierung der Schmutz- stoffe in den Oxydationskörpern zurückzuführen ist,"wird von dem Ausfall der noch im Gange befindlichen Versuche und der Ent- scheidung der staatlichen Aufsichtsbehörden abhängig zu machen sein. Mit der Wilmersdorfer Kläranlage soll eine DesinfektionS- a n l a g e verbunden werden, um bei Epidemien die pathogenen Keime abtöten zu können, obschon durcb das Klärverfahren selbst die Zahl der Keime so wesentlich herabgesetzt wird, daß das geklärte Wasser als bakteriologisch genügend gereinigt bezeichnet werden kann. Durch eine mit der künstlich-biologischen Abwafferrcinigung ver Durch eine mit der künstlich- biologischen Abwasserreinigung ver- bundene DesinfektionSanlagc, so meint der Baurat Müller resü- niierend, ist die Möglichkeit gegeben, bei Epidemien alle schädlichen Keime durch Zusatz von Chemikalien abzutöten, ehe sie in öffentliche Gewässer gelangen, während eine Abwasserreinigung durch Riesel fclder diesen unbedingten Schutz crfahrungsmäßig nicht verbürgt. EL ist daher, um ein naheliegendes Beispiel zu gebrauchen, von einer eventuellen Ableitung der geklärten Wilmcrsdorfer Abwässer in das Unterwasser des Landwehrkänals weniger zu befürchten, als von einer Wleitung der Berliner Rieselwässcr durch die Pauke in den Nordhafen und die Spree. Wenn erwiesen wird, so schließt die Polemik, daß das Abwasser durch Kläranlagen so gereinigt werden kann, daß es weder in Fäulnis übergeht, also chemisch einwandsfrei ist, noch auch in sanitärer Be- ziehung zu Beanstandungen Veranlassung giebt, d. h. auch bakterio- logisch nicht minderwertiger ist, als anderswie und anderswo gc- reinigte Abwässer, so dürfte für die Gemeindeverwaltung eine unberechtigte Rücksichtnahme auf unbegründete Empfindlichkeiten andrer Gemeinden nicht am Platze sein. Jcistige Arbeet. Gegen den„Ansturm der feindlichen Kräfte" inachen die Konservativen von neuem mobil. Jeder„patriotische Mann" wird aufgefordert, mit„Herz und Hand" sich dem neuen Bunde anzuschließen, den der Arrangeur der neuen Liga, Freiherr v. d. Bottlenberg-Schirp, der ruhmreiche Erfinder der „jeistigcn Arbeet", organisieren will. Freilich nicht höchstselbst, sondern mit Hilfe eines eigens zu diesem Zwecke herbeigerufenen starken ManneS, eines bewußten Anreißers— oder Entreißers. AlS solcher wird er nämlich gerühmt in einem Cirkular, das der Central- Verein der Konservativen vor dem Potsdamer Thorr am 3. d. M. versandte und das folgenden Wortlaut hat: Sehr geehrter Herr! Die diesjährigen Wahlen haben gezeigt, daß Berlin noch genug christliche und monarchische Bürger aufweist, welche bereit sind, sich dem Ansturm der feinlichen Mächte entgegenzustellen. Unsre mühsamen Vorarbeiten zu den Wahlen haben durch die Stimmabgabe unsrer politischen Freunde die wohlverdiente Anerkennung gefunden. Aus den Kreisen der Wähler, denen das Wohl des Vaterlandes am Herzen liegt, ist vielfach an uns das Ansuchen herangetreten, eine Versammlung anzuberaumen, unr an der Hand der gemachten Erfahrungen eine festere Organi- sation aller Patrioten herbeizuführen. Wir haben uns daher be- müht, eine organisatorische Kraft zu gewinnen. Es ist unS ge- lungen, Herrn Rechtsanwalt Dr. jur. Regula, Ivelcher den Kreis Harburg a. E. den Socialdemokratcn entrissen hat. zu einem am 0. Dezember d. I., abends 8>/z Uhr, im Königshof. Bülow- straße 87, stattfindenden Bortrage über„Partei-Organisation als Vorbedingung der Partei- Aktion" zu gewinnen. Wir bitten Sie höflichst, diesem Vortrage beiwohnen und uns durch Ihren Rat und Ihre Erfahrungen freundlichst unterstützen zu wollen. Die beste Kraft geht uns ungenützt verloren, wenn sie sich nicht opferwillig in den Dienst der gemeinsamen Sache stellt. Möge unser Ruf nicht ungehört verhallen und uns Herz und Hand jedes patriotischen Mannes zu ernster Mtarbcit in Staat und Gesell schaft gewinnen. Strömt herbei ihr reaktionären Scharen und lauscht dem WahlkreiS-Entreißer Dr. Regula und dann auf ans Werk! Schon zittern sämtliche Wahlkreise Berlins vor dem fchwarz-weißen Ansturm und in banger Sorgb blicken unsre Genossen auf den historisch denk- würdigen Abend des 9. Dezember hich an dem die festere Organi- sation der„Patrioten" erfolgen wird, WaS die Gemeindeschkler und waö die höheren Schüler„ge- schenkt" erhalten. Auf den Kopf der Schülerzahl berechnet hat die Stadthauptkasse bei den Genreindeschulcn 70 M. an Zuschüssen zu zahlen. Bei den höheren Schulen bewägt dieser Zuschuß pro Kopf 165 M., bei der Baugewerkschule 288 M., bei der Handwerkerschule I 55 M., bei der Handwerkerschule II 60 M. und bei der Webeschule 245 M. Das abgelaufene Geschäftsjahr der städtischen Feucrsocietät, deren Etat gestern im Magistrat beraten wurde, schließt nicht so günstig ab, wie das vorige Jahr. Es wurden vom 1. Oktober 1902 bis 30. September 1903 bei der städtischen Feuersocietät 2042 Brände gemeldet. Die zu zahlende Entschädigung erhöhte sich gegen das Jahr 1902 um 249 897 M. Außerdem ist der Beitrag, den die Societät zu den Kosten der Berliner Feuerwehr zu leisten hat, be- trächtlich gestiegen, der zu deckende Betrag der Societät beläuft sich auf 2 060 180 M. Zur Aufbringung dieser Summe mutz ein Beitrag von 4� Pf. für je 100 M. der Versicherungssumme von den Haus- besitzern erhoben iverden. Im Jahre 1902 belief sich dieser Satz auf 4 Pf. Der Gesamt-Feuerkassenwert der bei der Societät versicherten Grundstücke beträgt jetzt 4 310 495 800 M. Immer langsam voran. Bei Gelegenheit des Abschlusses eines Vertrages über den Betrieb der öffentlichen Bedürfnis- anstaltcn hatte die Stadtverordneten-Versammlung bei Ge- nehmigung des Vertrages beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, den Betrieb dieser Anstalten in städttfche Verwaltung aufzunehmen. Der Magistrat hat nun beschlossen, den Vertrag auf 2 Jahre zu ver- längern, mit der Maßgabe, daß die Unternehmer statt der jetzigen Abgabe von 10 Proz. des Brutto-ErtrageS 15 Proz. desselben an die Stadtgemeinde zahlen. Es sollen erst noch Erfahrungen über die Erfolge der jetzt schon im städtischen Betrieb befindlichen Bedürfnisanstalten gesammelt werden, bevor eine Aenderung vor- geschlagen wird. Die ersten Eisbahnen sind heute eröffnet worden, da der Frost gestern und in der Nacht fleißiges Gießen ermöglichte. Hoffentlich hält das prachtvolle Winterwetter— 1 Grad Kälte und Sonnen- schein— jetzt an. Es ist das solvohl aus Gesundheitsgründen, als im Interesse des Weihnachtsgeschäftes dringend zu lvünschen. Reklamezettel, auf deren Rückseite die Bildnisse socialdemo- kratischer Abgeordneter wiedergegeben sind, lvnrdcn in letzter Zeit seitens eines hiesigen Geschäftes verbreitet. Es ist festzustellen, das; zur Benutzung der Photographien der betreffenden Parteigenossen um Erlaubnis bei diesen überhaupt nicht uachgeftagt ist, welche Erlaubnis auch in keinem Falle erteilt tvordeii iväre. Auf Vor- stellung bei dem Inhaber des Geschäftes hat dieser zugesagt, die weitere Verteilung der Zettel sofort anzustellen. „In Freien Stunden". Illustrierte Wochenschrist für das� arbeitende Volk. Heute gelangt Heft 49 dieser Zeitschrift zur Aus- gäbe. Es bringt die Fortsetzung des RomonS„Die Regulatoren in Arkansas" von Friedrich Gerstäcker; ferner die Fortsetzung der Novcllenserie„Aus dem Leben der Enterbten" von Robert Schweichel;. eine kleine Erzählung„Schmuggel-Abenteuer" sowie„Dies und JeneS",„Witz und Scherz" vervollständigen den Inhalt. Jedes Heft kostet 10 Pf. und ist in allen Parteispedittonen, sowie in der Bucki- Handlung Vorwärts. Berlin SW., Lindenstr. 69, zu haben. Eine blutige Aussprache. Die Tischlerswitlve Schräge betreibt in dem Hause Schönhauser Allee 65 neben ihrer Wohnung eine Kostümschneidcrei für ein Konfektionsgeschäft. Bei ihr arbeiteten außer ihrer Stteftochter, der 19 Jahre alten Charlotte Nitzsch, fünf Dkädchcn und drei Männer, die zugleich bei ihr tvohnten. Der 21jährige Zuschneider und Bügler Francesco Forgiarino sing nun vor längerer Zeit init der Stieftochter seiner Wirtin und Arbeitgeberin ein Liebesverhältnis an, das jedoch durch seine Eifersucht oft schwer getrübt wurde. Schließlich wollte das Mädchen von dem heiß- blüttgen Italiener nichts mehr wissen und ivandte ihre Gunst einem seiner Mitarbeiter zu. Versöhnungsversuche blieben ohne Erfolg. Gestern abend fand in Gegenwart des Nebenbuhlers eine letzte Aussprache statt. Noch einmal versuchte der Italiener eine Aussöhnung, aber wieder vergeblich. Zuletzt geriet er in eine solche Wut. daß er dem Mädchen mit seinem Messer einen Stich in den Mund und je zwei Stiche in Brust und Rücken beibrachte. Dann wollte er die Schwerverletzte noch zun, Fenster hinaustverfen, ivurde aber von seinen beiden Arbeitsgenosscn gepackt und überwältigt. Die Polizei, die von Hausgenossen geholt ivurde, brachte den Wüterich nach dem Revier, während das Mädchen nach einem Krankenhause geschafft wurde. Forgiarino befindet sich in Unter- suchungshaft. Der Scherlfche„Tag" hat wieder einmal v o r b e i p h o t o- g r a pH i e r t. In femer Nummer vom Sonntag bringt er ein Bild, das angeblich die W i e d e r t ä u f c r k ä f i g e in Münster darstellt. ES sind aber, tvie der„Münst. Anz." schreibt, nicht die richtigen im Bilde wiedergegeben, sondern das Nlkarraugcmcnt des hinlänglich bekmuiten Professors LandoiS von der TuckSburg. Daß im Text ernsthaft behauptet wird, daß die Käfige— die echten sind natürlich gemeint— lebensgroße Puppen enthielten, setzt dem un- freiwilligen Scherz die Krone auf. Wenn solche Verwechselungen dem Blatte bei Darstellungen im eignen Lande unterlaufen, tvessen kann man sich da erst bei den Bildern aus fernen Ländern versehen? Feuer entstand gesten, im Neuen Theater am Schiffbauerdamm während der Vorstellung. Kurz vor Schluß der Vorstellung Ivarf jemand aus Unvorsichtigkeit eine brennende Fackel auf einen Teppich. Zum Glück beseittgte die anwesende Feuerwache schnell die Gefahr, und das Publikum blieb vollkommen ruhig. Auf den Ringbahn-Stationen Papestraße und Ebersstraße komnit eS häufig vor, daß Reisende, die nach Schönebcrg wollen, über das Ziel hinaus fahren und den Ringbahnzug unwissentlich weiter be- nutzen in der Weise, daß sie, von Osten sRixdorfj kommend, anstatt bei Papcstraße umzusteigen oder, von Westen sHalensee) kommend, bei Ebcrsstraße umzusteigen und direkt nach Schöneberg zu fahren, erst auf Station EberSstraße bezw. Papestraße den Zug verlassen, un, auf diesem Umwege Schöneberg zu erreichen. Die Stattons- beamten haben in solchen Fällen die Reisenden angehalten, um fest- zustellen, ob eine Fahrgeldhinterziehung oder ein bloßes Versehen vorliegt. Da diese Fälle sich in letzter Zeit häuften, hat die könig- liche Eisenbahndirektion angeordnet, daß eS den Reisenden ein ftir allemal fteistehcn soll, nach Schöneberg direkt zu fahren oder den Umweg über Pape- bezw. EberSstraße zu wählen, vorausgesetzt, daß die nach Maßgabe der betr. Fahrkarte zulässige Stationenzahl dadurch nicht überschritten wird. Zum Streik der Oberlehrer an den kaufmännischen Fort- bildungsschnlen wird hiesigen Blättern aus dem Centralbureau der Aeltestcn der Kaufmannschaft mitgeteilt: Der Unterrichrsbetrieb unsrer neun Schulen hat durch den vor dein Beginn des Winter- semcstcrs erfolgten Austritt der betreffenden Oberlehrer, Hilfslehrer und Kandidaten nicht die geringste Störung erfahren. Zur Uebcr- nähme der vakanten Stunden erklärten sich sofort die verbleibende» akademischen, sowie sämtliche seminaristischen und ausländischen Sprachlehrer des 172 Personen iimfaffenden Lehrkörpers bereit. Diesem gehören im übrigen neben akademisch und seminaristisch gc- bildeten Lehrern praktische Kauflcntc, Fabrikbesitzer, Prokuristen, höhere städtische Beamte, Juristen und Nationaläkonomen an. Seit langen Jahren besuchen die Leiter den Unterricht dieser Lehrkräfte, ohne daß sich jemals eine Unzuträglichkcit ergeben hätte. Der Aus- tritt der betreffenden Herren gab Gelegenheit, eine Anzahl Vorzug- lichcr, gerade für den kaufmännischen Sprachunterricht geeigneter Lehrkräste einzustellen, insbesondere durch langjährigen Auslands- aufcnthalt geschulte Akademiker, sowie kaufmännische und methodisch vorgebildete Ausländer. Gerade die Sprachkurse unsrer Schulen sind in diesem Winter außerordentlich stark besucht. Die Gesmntschülcr- und Schülerinnenzahl der kaufmännischen Fortbildungsschulen, zur Zeit 3639, beträgt über 590 mehr als im Wintersemester 1902/03. Wir müssen gestehen, daß, so sympathisch es uns berührt, wenn auch die Lehrer den Mut haben, auf Verbesserking ihrer Lebenslage zu dringen, der Streik der Herren Oberlehrer unS nicht sehr erquicklich istinkt. Einer Förderung des Standes- oder Zunftdünkels können lvir unmöglich das Wort reden. Urbersahrcn wurde gestern mittag kurz nach ein Uhr eine ältere Dame. Um einen Straßenbahnwagen auszuweichen, lief sie auf die andre Seite des FahrdammS einen Schuttwagen entgegen, der sie uinstieß und ihr über beide Beine fuhr. Es dauerte leider über eine Stunde, bis ein Krankenwagen die Verunglückte abholte, um sie in ein Krankenhaus zu bringen. Beim Baden vom Tode ereilt wurde der 56 Jahre alte Sänger- Theodor Kage aus der Rykestratze 43, der feit 20 Jahre» dein hiesigen königlichen Opernchor angehörte. Kage stammte aus Wolgast und war linderlos verheiratet. Seit einigen Wochen litt er an einem Herzfehler und mußte alle acht Tage unter ärztlicher Aufficht ein Bad nehmen. Nachdem er vorgestern abend noch im Ehor ge- sungen hatte, rührte ihn gestern vormittag in einer Wasserheilanstalt während des Bades der Schlag. Sott tittct; Lokomotive überfahren wurde am Donnerstagabend der Bahnarbeiter Leopold Borgmann ans der Hasenheide Nr. 65, als er auf dem Lehrter Güterbahnhof, wo er beschäftigt war, ein Geleise überschreiten wollte. Dein Verunglückten wurde das linke Bein ab- gefahren. Er wurde nach dem Elisabeth-Krankenhause gebracht. Wie fährts sich's so gemütlich... Dem„Teltower Kreisblatt" wird gemeldet: Die Verkehrsunsicherheit auf dein S ü d r i ti g hat in jüngster Zeit wieder zugenommen. Nachdem erst vor einigen Tagen dte Passagiere eines Nachtzuges sich gezwungen sahen, wegen eines Bruchs der Kolbenstange an der Lokomotive a/t Stunden auf der Strecke zivischen Halenfee und Schmargendorf in den Abteilen zu- zubringen, fielen Doniterstagabend zwei fahrplanmäßige Züge um 5i/4 und 7 Uhr wegen Maschinendefekts vollständig aus. Welche Rachteile für das Publikum durch solche Vorkommnisse entstehen, braucht nicht erst besonders erläutert zu iverden. Künstlerischer Wandschmuck. . �it der gegenwärtig im Gewerkschastshause etablierten AuS- stellung empfehlenswerter Jtlgcndschriftcn ist auch, wie wir schon mttteilten, eine Ausstellung künstlerisch wertvoller Wandbilder ver- bunden. In dem Ausstellungsraum findet sich eine größere Anzahl der farbigen Künstler- Steinzeichnnitgen aus dem Verlage von G. B. Teubner in Leipzig zur Attsicht ausgehängt. Als die Er- zeugniue dieses Verlages vor einigen Jahren aus dem Markte er- schienen, wurden sie von Kunstfreunden und Kunstkennern mit leb- hafter Freude begrüßt. Und mit vollem Recht. Sind doch diese Kunstblätter bestimmt und geeignet, den Schund, der sich in der Industrie des Wandschmuckes breit macht, zu verdrängen und den Künstlerischen Geschmack im Volke zu heben. Leider sind die von Teubner herausgegebenen farbigen Künstler- Steinzeichiiuugen in weiteren Kreisen noch nicht so bekannt, wie sie es verdienen, und es ist deshalb sehr anerkennenswert, daß die Veranstalter und Leiter der Ausstellung im Gewerkschastshause die zahlreichen Besucher mit den Werken des Teubnerschen Verlages bekannt machen. Es ist eine noch weit verbreitete Ansicht, daß wirklich gute, künstlerisch ausgeführte Bilder so teuer sind, daß sie nur von wohlhabenden Leuten gekauft werden können. Die Künstler-Steinzeichnungen liefern den Beweis, daß diese Anschauung heut nicht mehr zutrifft. Die Preise, für welche niait diese Bilder haben kann, sind nicht höher, ja im allgemeinen wohl bedeutend geringer ivie die Summen, die der Minderbemittelte, der in der Lage ist, für die Ausschntücktmg seines Heims etwas anzuwenden, zahlen mutz, wenn er in einem der Bilderläden, die sich jetzt in allen Stadtgegenden aufthun, jene schauerlich bunten Oelbilder in goldglitzernden Rahmen ersteht. Es ist eine Freude, die ausgestellten Bilder des Teubnerschen Verlages anzuschauen. Wer diese mit einfachen Mitteln hergestellten und doch in hohem Maße künstlerisch wirkenden Bilder eingehend betrachtet, wird sich mit Widerwillen von dem leider noch weit verbreiteten und verhältnismäßig teuer bezahlten Schund der Bilderindustrie ab- wenden. Verständnis für gediegene Jugendlitteratnr und Sinn für künst- lerische Ausschmückung des Zimmers zit verbreiten, das sind zwei Bestrebungen, die eng zusammen gehören, denn beide dienen der Erziehung des Volkes zu höheren geistigen Genüssen. Das ist ja auch das Ziel, welches sich die Leiter der Ausstellung gesteckt haben. Der Besuch der Ausstellung war schon bisher so zahlreich, daß der Saal öfter abgesperrt werden mußte. Ein Belveis, daß das Bestreben der Aussteller das verdiente Berständnis in Arbeiterkreisen findet, und daß jene Volksschichten, die von den Gegnern der Social- denwkratie als die rohe ungeschliffene Masse betrachtet werden, das lebhafteste Verlangen nach höheren geistigen Genüssen haben. Die Ausstellung empfehlenswerter Jugendschriften im GeWerk- schastshause wird heute nachmittag 5 Uhr geschlossen. Die Jugend- fchriften-Äoinmission des Charlottenburger Lehrcrvercins veranstaltet eine ähnliche Ausstellung in der Aula der 16. Gcmeindeschule, Spree- straße 29. Diese Ausstellung ist morgen Sonntag von 19— 12 und Von 3—7 Uhr geöffnet. Jederntann hat steien Zutritt. Ermäßigte Eintrittskarten zur Ausstellung der Seccssion(10 Pf. statt 1 M.) sind nach wie vor bei den Gelverkschaftsvorständen zu haben. Die Vorstände können diese Karten im Bureau des Gewerkschaftshauses in Empfang nehmen. Zur Förderung der Berliner Konsum-Genossenschaftsbewrgung werden in der nächsten Woche mehrere öffentliche Versammlungen abgehalten. Um für regen Besuch dieser Versantmluitgen Sorge zu tragen, findet am Sonntagmorgen 8 Uhr eine Flug bla t t- Verbreitung statt. Pflicht jedes Genossenschafters ist es, sich an dieser Flugblattverbreitung zu beteiligen. Die Verbreitung geschieht von nachstehenden Lokalen aus: Schmelz. Chorinerstr. 45; Werth, Wiclefftr. 38; Renfer, Heidcnfeldstr. 17; Müller, Tempelhof, Berlinerstr. 41; Döhring, Schöneberg, Merseburgerstr. 7; Wellner, Schöneberg, Gothenstr. 51. Der geographische Verlag von Alexius Kießling in Berlin, Klein- beerenstraße 26, veröffentlicht soeben zlvei hübsch ausgestattete Ge- sellschaftsspiele, die sich besonders zu Weihnachtsgeschenken eignen. Die„Wettfahrt durch Berlin"<3 M.) bezweckt das rasche Zurechtfinden in der Hauptstadt in anregender und kurzweiliger Weise zu fördern, zugleich mit den wichtigsten Verkehrslinien, der Einteilung des Stadtgebietes und der Lage der hervorragendsten Gebäude und Denkmäler vertraut zu machen. Ein besonderer Vorzug des Spiels liegt darin, daß bei dem Spiel nicht der Zufall, sondern die Findigkeit des Spielers eittscheidet. Das„Neue Geographische Lotto"(2 M.) besteht aus 16 Spielkarten, die zusammen- gesetzt eine große Karte der Provinz Brandenburg darstellen. Die Spielweise ist dieselbe wie beim Zahlenlotto. Da die Spieler gleichsam eine Reise durch die Provinz Brandenburg unternehmen, wird ihre Kenntnis von der Heimat spielend gefördert. Cirkus Busch. Ehedem galt es für Tollkühnheit, der Bestie stärkeren Kalibers gegenüberzutreten, zun: Teil auch für zwecklos, denn der hochselige Äotzcbue jammert nöch in seinem Ausbruch der Verzweiflung, was er unter Tigern, unter Affen solle. Aber die Zeiten ändern sich und wir, das heißt die gesamte Kreatur vom borno sapiens bis zuin Kommabazillus, mit ihnen. Allmählich wird ein Sport daraus, mit Löwen, Tigern, Eis- und andern Bären um- .zugehen, sie zu sanften Sitten, zur Einkehr in des Menschen Hütten zu gewöhnen. Kein Cirktisabend mehr ohne zoologische Unterhaltung. Miß Heliot mit ihren Löwen hat von Berlin Abschied genommen; an ihre Stelle ist ein junger Mann, Herr Richard Sa w ade getreten, der eine Musterkollektion aus dem zoologischen Geschäft von Karl Hagenbeck inHamburg tnitsichftihrt.SiebestehtaussechsKönigs- tigern, drei Löwen, zwei entsetzlich großen Eisbären und drei schwarzen Bären. Herr Sawade scheint seine Künstler noch mehr in der Gewalt zu haben, als Miß Heliot die ihren; tvenigstenS gestern »arbeitete" er mit einer erstaunlichen Sicherheit. Die Bären, selbst die im weißen Kostüm des Nordpols, scheinen von Haus aus gemüt- liche Käuze zu sein, mit denen sich leben läßt; mehr aber will es besagen, daß unser Mann die niederträchtigste Bestie der Welt, den Königstiger vollkomtnen in der Gewalt hat. Die Kerle gehorchen ihrem Herrn, als ob es sittsame Pudel wären, und der Zuschauer hat nicht den geringsten Anlaß, um den„Dompteur" ängstlich zm werden. Man kann sich solche Raubtierschau gefallen lassen; auch sie ist ein Triumph des Menschengeistes und auf jeden Fall den Schleifenfahrten und ähnlichen halsbrechenden Radfahrkünsten vor- zuziehen. Diese arten immer mehr zum rohen Nervenkitzel aus, zum zwecklosen Unfug, über dessen Nichtsnutzigkeit der besser erzogene Teil des Publikums sich endlich klar werden sollte. Ein Ricsensmaragd aus dem ehemaligen Besitz Alexander v. Humboldts wurde in Lepkes Kunstauttionshaus öffentlich ver- steigert. Der Stein, den einst Kaiser Nikolaus I. von Rußland Humboldt schenkte, hat eine Länge von 10 Centimeter, bei 6 Centi- meter Durchmesser; er ist von vier Seiten geschliffen, ditz übrigen Teile sind roh geblieben. Eigenartig ist die Fassung des kostbaren �Steines. Er ruht in einem Felsen von Silber, um den sechs Gnomen gruppiert sind, die den Felsen mit ihren Hacken bearbeiten. Das Ganze ruht ans einem Ebenholzpostament mit silbernen Verzierungen. Das Kuttstwerk stammt aus dem Besitz des Eigentümers der jüngst abgerissenen Villa Neumann in der Potsdamerstraße. Der jetzige Besitzer erstand es für den Preis von 2020 M. Orgelkonzert. In der Marienkirche werden Montag, den 7. Dezember, abends 7V. Uhr. Musikdirektor Otto Dienel. der Chor von Frau Marie Kornatis(Soli Frl. Heinrich, Büttner, Oelschläger, Henning, Metzner, Herr Tschache. Poppenhagen u. a.), Violinist Merlin. Bratschist Sager und Orgamst Schwießelmann Advents- und Weihnachts-Kompositionen(Johannes der Täufer, von Löwe. Weih- nachts- Sonate von Dienel u. a.) bei freiem Eintritt auf- führen. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der mit zahl- reichen farbigen Bildern und Wandelpanoramen ausgestattete Vor- trag„An den Seen Oberitaliens" in dieser Woche noch allabendlich zur Aufführung gelangen. In der Weihnachtstvoche aber soll schon ein neuer dekorativer Vortrag von Herrn Wilhelm Bölsche zur Dar- stellung kommen. Im Hörsaal spricht am Montag um 6 Uhr Herr Dr. Donath über„Das Problem der elektrischen Energie-Ueber- tragung" und am Freitag um 8 Uhr über„Das Gold und die Edel- metalle". Theater. Carl Weiß- Theater. Die 30 oberbayrischen Volksschauspieler sind mit ihrem gesamten Fundus an Dekorationen, Originalkostümen und Requisiten bereits eingetroffen, um am Sonn- abend, den 5. Dezember, ihr Gastspiel mit dem ausgezeichneten Volksstiick„Der Meineidbauer" von Ludwig Anzengruber zu eröffnen. Unter den Hauptdarstellern sind bestbekannte Namen aus dem Schlierscer Bauern-Theater, wie Anna Dengg, Michael Dengg, Lina Geigl, Veri Niedermeier.— Sonntag geht„Der Pfarrer von Kirch- feld" in Sccne, Montag„Die Krcuzelschreiber" von Ludwig Anzen- gruber.— Im Luisen-Theater geht am Sonittagabend erstmalig Ferdinand Raimunds romanttsche Gesangsposse„?l l p e n- k ö n i g und M e n s ch e n f e i n d" in Scene.— Im Schiller- Theater befindet sich gegenwärtig das Lustspiel„Der Com- Pagnon" von Adolph L'Arronge in Vorbereitung, das Mitte dieses Monats, zuerst im Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater), zur Auf- führung gelangen wird._ flus den Nachbarorten. Lichtenberg. Unser Ort mit seinen 50 000 Einwohnern hat zwar lveder ein Krankenhaus noch Bade-Anstalten und Erholungs- Plätze, auch find die Einrichtungen der Kranken- und Waisenpflege höchst mangelhaft. Wohl aber haben wir fliegende Schulklassen die schwere Menge; und damit das überflüssige Geld nur ja an den Mann komme, werden jetzt 80000 M. für den Bau einer Kirche im bekannten Mirbach-Stil hergegeben. Zuerst forderten die selbstlosen Förderer des Kirchenbaues sogar 100 000 M., doch gaben sie sich mit der vorhin genannten Summe zufrieden, nachdem es auf Betreiben der Freisinnigen geglückt war, zwei socialdemokratische Mandate zu beanstanden und so zwar nicht eine günstige Mehr- heit zusammenzubringen, wohl aber mit Sttmmengleichheit den Antrag zu„bewilligen". Die Gemeindevertretung hatte sich in ihrer letzten' Sitzung mit der Aufnahme einer Anleihe für die kirchlichen Zwecke zu befassen, und wiederum traf es sich so, daß diese mit Stimmengleichheit bewilligt wurde. Ein merkioürdiges Glück war es allerdings, das den Förderern des Kirchenbaues half. Einer unsrer Parteigenossen war schwer krank, ein andrer ortsabwcsend, und der dritte erst fünf Minuten nach der Abstimmung erschienen. Der Versuch der Herren Grundbesitzer, den Schulbauplan zurückzurevidieren, konnte zum Glück abgeschlagen werden. Nach Ansicht dieser Herren ist der Schulbau zu teuer, zu komfortabel; ftüher habe man fiir diesen Zweck nicht so viel Geld aufgewendet, und es sei auch gegangen. So klagte der ftühere Schlächtermeister und jetzige Rentier Tiedke. Nachdem mehrere unsrer Parteigenossen -dem Herrn unverblümt die Wahrheit gesagt hatten, hielt er es für bester, seinen Berschlechterungsanttag zurückzuziehen. Bei dieser Gelegenheit spielte auch die bekannte Phrase eine Rolle, daß die Herren, die die meisten Gemeindesteuern zahlen, auch an der Ent- toicklung der Genteiitde ein entsprechend großes Interesse hätten. An der Hand der Broschüre„Grotz-Berlin" des Berliner Stadtverordneten Haberland zeigtet: unsre Parteigenossen, daß in Lichtenberg die 8653 Steuerzahler, die mit weniger als 3000 M. Einkommen 104 103 M. Steuern zahlen, während die 354 Steuerzahler mit einem Ein- kommen von mehr als 3000 M. 66 342 M. aufbringen. Unsre Parteigenossen hatten vor Wochen einen Antrag eingebracht, der sich mit der Festsetzung der Zeit für die Wahlen zum Äbgeordnetenhause befaßt. Vor den Wahlen kam er nicht mehr auf die Tagesordnung, diesmal fehlte er ganz. Der Gemeinde- Vorsteher hatte geglaubt, daß der Antrag durch die Beendigung der Wahlen erledigt fei; unsre Parteigenossen waren andrer Meinung. Der Antrag soll später noch aufs Tapet kommen. Schöneberg. Die Jahresrechnung der Armenverwaltung 1902 schloß mit der ansehnlichen Summe von 282 631 M. ab. Für das laufende Etatsjahr dürften sich die Ausgaben dieser Ver- waltung bedeutend erhöhen, wie ja auch die Organisatton«ach dem sogenannten Elberfelder System sich ebenfalls hier zu bewähren ■cheint. Neuerdings sind für die Ausübung der Armeitpflege auch eine Anzahl Frauen(zum allergrößten Teil fteilich nur aus„bürger- lichen" Kreisen) berufen worden. Die unsrerseits in dieser Beziehung gemachten Vorschläge ließ man unberücksichttgt. Die nächste Stadtverordneten-Versammlung wird sich wieder mit der Neuanstellung von Lehrpersonen an den hiesigen Schulen zu beschäftigen haben. Die leidige Spielerei mit einer Schußwaffe, vor der so oft ge- warnt wird, hat wieder einmal Unheil angerichtet. Das 18iährige Dienstmädchen Anna Mehls, das bei dem Bauenthofbesitzer Kleffcn in Hohen-Neuendorf in Stellung tvar, stand gestern nachmittag mit dem 16 Jahre alten Sohn ihres Dienstherrn zusammen, während der junge Mann an einem Jagdgewehr, das er für un- geladen hielt, herumhantierte. Scherzend rief eS:„Hier sitzt mein Herz!" und stellte sich vor die Mündung der Waffe. Der junge Mann legte an, im nächsten Augenblick krachte ein Schuß und das Mädchen sank in die Brust getroffen zu Boden. Ein großer Teil der Schrotladung drang mit dem Pfropfen der Patrone tief in die Brust ein. Die Schwerverwundete wurde sofort nach Berlin in ein Krankenhaus gebracht, doch ist kaum noch Hoffnung vorhanden, sie mm Leben zu erhalten. In Zehlendorf geht der Kampf für Ordnung, Religion und Sitte mit Forsche vor sich. Der Kriegerverein hat dieser Tage ein Mitglied ausgeschlossen, weil es bei den Laudtagstoahlen den Mut gehabt hat. socialdemnkratisch zu wählen. Schärfer noch kämpft der Vaterländische Frauenverein in seinem am Orte unterhaltenen Kinderheim. Einzelnen der Kleinen lvurde ange- kündigt, daß sie auf Weihnachtsgeschenke wohl nicht rechnen könnten, weil ihre Väter socialdemokratisch gewählt hätten. Es geht doch nichts über praktisches Christentum. Gerichts-Leitung. Der neue Trakehner Prozeß vertagt. Der bekannte Trakehner Prozeß stand gestern abermals vor der siebenten Strafkauuner des Landgerichts I zur Verhandlung an, nachdem das Reichsgericht das im Oktober v. I. gegen den Sanitäts- rat Dr. Paalzow-Berlin und den Lehrer Otto Nickel-Trakchnen von derselben Strafkammer gefällte Urteil aus Rechtsgründen aufgehoben hatte. Sanitätsrat Dr. Paalzow ist inzwischen gestorben, der An- geklagte Nickel ist vom persönlichen Erscheinen entbunden worden, da die gestrige Verhandlung nur einen vorbereitenden Charakter hatte. Für ihn war Rechtsanwalt Sonneufcld als Verteidiger zur Stelle. Ten Vorsitz im Gerichtshofe führte Landgerichts-Direktor Heidrich. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Joel. Es handelt sich bekanntlich um einen in der Fachzeitschrift„Der Pferdefreund" veröffentlichten, vom SanitätSrat Dr. Paalzow verfaßten Artikel, zu dem der Lehrer Nickel das Material geliefert hatte. Durch den Artikel wurde dem Landstallmeister v. Oettingen zu Trakehuen Chikanierung der Lehrer. Verschwendung, Bevorzugung der eignen Person und Uebertretung der Gesetze vorgeworfen. Zeugen waren zum heutigen Termin nicht anwesend. Ursprünglich war als einziger Zeuge Landstallmeister 0. Oettingen geladen, dann aber wieder abbestellt worden. Er wohnte nun im Zuhörerraum der Verhandlung bei. Zur Frage der geschäftlichen Behandlung äußerte sich Staats- anwalt Joel dahin: Nach seiner Ansicht und nach dem Reichs- gcrichts-Erkenntnis würde bezüglich des Angeklagten Nickel, wenn überhaupt eine strafbare Handlung vorliege, nicht Beihilfe, sondern Mitthäterschaft, das heißt gemeinschaftliche Beleidigung in Frage kommen. Er nehme weiter in Uebereinstimmung mit dem ersten Urteil an, daß nicht Z 186, sondern§ 185 St.-G.-B.(einfache Beleidigung) Platz greifen würde. Dem Artikelschreiber sei es nicht darauf angekommen, durch die einzelnen Thatsachen den schlüssigen Beweis für die Richtigkeit der Beschuldigungen zu führen, sondern es sollte nur eine kleine Blütenlese vorgebracht werden. Bei dem Vorliegen des 185 würde sich eine Beweisaufnahme völlig er- übrigen.— Rechtsanwalt Sonnenfeld hielt diese Ausführungen für unzutreffend. Hier würde es sich zweifellos um Z 186 handeln, da der Artikel eine große Reihe von Thatsachen enthalte. Was in dem Artikel stehe, seien keineswegs allgemeine Behauptungen, sondern ganz specialisierte thatsächliche Angaben. Wenn der Ge- richtshof hier den 8 185 anwenden wollte, würde er dazu nur kommen können, wenn er die Behauptungen thatsächlicher Art als wahr an- erkennt. Aber selbst wenn§ 185 zur Anwendung käme, wäre der Wahrheitsbeweis für die Strafzumessung von Wichtigkeit, und auch dann müßte erwogen werden, wie weit Nickel an der Formgebung des Artikels beteiligt sei. Er könne es ja verstehen, daß die Beweis- aufnähme der Gegenpartei nicht angenehm sei, aber für den An- geklagten sei es— auch seiner vorgesetzten Behörde gegenüber— von der größten Bedeutung, nachzuweisen, daß er alles, was er be- hauptet habe, nachweisen könne. Sein Klient bitte, die Zeugen- Vernehmung nicht kommissarisch, sondern hier in der Hcmptverhandlung vorzunehmen, weil er die Befürchtung der Zeugenbeeinflussung durch Herrn v. Oettingen habe. Er habe Beweis dafür angetreten, daß Herr v. Oettingen auch noch nach der letzten Haupiverhandlung mehrere Zeugen, die gegen ihn ausgesagt, nachträglich rektifiziert habe. Er selbst, der Verteidiger, erkenne an, daß diese Befürchtung der Beeinflussung nicht ganz unberechtigt erscheine, glaube aber, daß die Zeugen bei der kommissarischen Vernehmung unbeeinflußter erscheine nmüssen, als bei einer Vernehmung in Gegenwart des Herrn v. Oettingen. Er schlage also kommissarische Zeugenvernehmung vor.— Staatsanwal t: Alle diese Behauptungen seien ganz einseitig aufgestellt und stehen belvcislos da. Im übrigen sei der Gerichtshof nicht dazu da, um nach dem Wunsche des Herrn Nickel etwa eine Enquete über die gesamte Thätigkeit des Herrn v. Oettingen in Trakehnen anzustellen.— Nach kurzer Beratung beschloß der Gerichtshof: den Redakteur der„Volks-Zeitung" und den der „Hartnngschen Zeitung" in Königsberg darüber zu vernehmen, daß der Lehrer Nickel sich bemüht habe, die Sache in die Zeitungen zu bringen. Ferner sollen die Herren, die bei der bei Nickel vor- genommenen Haussuchung zugegen gewesen sind, darüber vernommen werden, welche beschlagnahmten Papiere auf eine Mitthäterschaft des Nickel hinweisen. Nach der kommissarischen Vernehmung dieser Zeugen soll ein neuer Termin anberaumt, und zu diesem sollen Herr v. Oettingen und die in dem Schriftsatz des Verteidigers vom 20. November ge- nannten Personen als Zeugen vorgeladen werden. Außerdem wurde das persönliche Erscheinen des Angeklagten Nickel zum nächsten Termin angeordnet. Die Frage des Sadismus, die bekanntlich auch in dem Prozesse gegen den blutgierigen Hauslehrer Dippold zur Sprache kam, spielte eine Rolle bei der Anklage gegen den Cigarrensabrikanten Otto E ß l i n g e r aus Mannheim, der sich gestern wegen Körper- Verletzung in zwei Fällen vor der 10. Sttafkammer des Land- gerichts I zu verantworten hatte. Da sich die Verhandlung auf dem Gebiete krankhafter, fast unglaublicher Verirrung der Sinnenlust bewegte, wurde die Oeffentlichkeit für die ganze Dauer ausgeschlossen. Den Vorsitz führte Landgerichtsrat N e u m a n n, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Leonh. F r i e d m a n n, die Anklage vertrat Staatsanwalt B r a ü t. Dem Vernehmen nach hat die Verhandlung nicht die Darstellung gedeckt, die in einer Zeitungsnotiz über die Einzelheiten der dem Angeklagten zur Last gelegten Vergehunge» gegeben worden war, insbesondere soll nicht bestätigt worden sein. daß die Körperverletzung, welche der Angeklagte einer Frauensperson zugefügt, den Tod der letzteren zur Folge gehabt hat. Thatsächlich ist diese Person an einer mit der Verirrung des Angeklagten nicht zusammenhängenden Krankheit gestorben. Auch die Andeutung, daß der Angeklagte mit dem noch nicht aufgeklärten Mord an einer Pro- stituierten möglicherweise in Verbindung zu bringen sei, entbehrt jedweder thatsächlichen Grundlage. Als medizinische Sachverständige waren Medizinalrat Dr. Leppmann, Gerichtsarzt Dr. Stürmer. Assistenzarzt Dr. Bockenheim und der praktische Arzt Dr. Taendler, ferner, gleichfalls als Sachverständtger. Kriminalkoinmissar v. T r e s ck 0 w geladen. Der Angeklagte, ein noch nicht lauge Zeit verheirateter, in den besten Vermögeus- Verhältnissen lebender Mann von 33 Jahren, wurde der Körper- Verletzung in ztoci Fällen, darunter in einem Falle der Körper- vcrlenung mittels gefährlichen Werkzeuges beschuldigt. Letzteres bestand in einer Hutnadel, die er der inzwischen verstorbenen un- verehelichten Dobschin in den Hinterteil ihres Körpers gestochen hat. In dem zweiten Falle handelte es sich um eine einfache Mißhandlung. Zur Verhandlung waren mehrere«dieser Damen" als Zengittttea geladen, mit denen der Angeklagte angebandelt haben soll, und die Thatsachen bekunden sollten, welche auf eine durch das Word „Sadismus" gekennzeichnete Perversität hindeuten konnten. Ueb-r Wesen und Bedeutung dieser krankhaften Neigungen gaben die Sachverständigen Dr. Leppmann und Dr. Stönner längere Gutachten ab, aus denen hervorging, daß ihnen ein ähnlicher, wie der hier verhandelte Fall, jiuf dem Gebiete des Sadismus noch nicht vor- gekommen sei. Staatsanwalt Braut beantragte 4 Monat.« Gefängnis, Rechtsanwalt L. Fried mann dagegen die Freisprechung, evettttiell aber nur eine Geldstrafe.— Der Gerichtshof chrach den Angeklagten der Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges in einem Falle und der einfachen Mißhandlung in einem zweiten Falle schuldig und verurteilte ihn unter Zubilligung mildernder Umstände zu einem Monat Gefängnis. Auch die Begründung des Urteils ging unter Ausschluß der Ocffent- lichkeit vor sich. Wegen Uebertretung des Preßgesetzrs, infolge Nichtaufnahme einer Berichtigung, wurde Mittwoch in zweiter Instanz gegen den verantwortlichen Redakteur der„M etallarbeiter-Zeitung", Genossen Joh. Scherm in Stuttgart, verhandelt. In Nr. 32 dieses Blattes war in einer Bekanntmachung des Verbales- Vorstandes der Ausschluß verschiedener seitheriger Verbandsmitgliever zur Kenntnis gebracht Ivorden. Darunter befanden sich auch die Namen der beiden Schleifer W. Budde und G. H ö f e r, und zwar hieß es, daß sie auf Antrag der Verwalttnigssrelle in Lüdenscheid wegen Streikbruchs aus dem Verband ausgeschlossen worden seien. Sic schickten daraufhin eine Berichtignng ein, laut welcher sie nicht ausgeschlossen, sondern vor Wiederaufnahme der Arbeit ftei- willig ans dem Verbände ausgetreten sein wollten. Da Schern: die Aufnahme dieser Berichtigung verweigerte, wurden sie klagbar. Die Sache kam zunächst vor dem Schöffengericht Stuttgart zur Ver- Handlung, wo der Beklagte wegen Uebertretung des 8 1 1 des Preß- gesetzes zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt und ihm auferlegt wurde, die Berichtigung nachttäglich noch zu publizieren. Gegen dieses Urteil wurde von Scherm, wie auch von der Staatsamvaltschaft, welche eine höhere Strafe forderte, Berufung eingelegt. In der letzten Verhandlung vor der Strafkammer bestritt der Beklagte, zur Aufnahme der Berichtiguitg verpflichtet gewesen zu sein, indem er hierfür verschiedene Gründe ins Feld führte. Ins- besondere machte er geltend, daß nach den Statuten des Metall- 1 arbeiter-VerbandeZ in derlei Fällen der Ausschluß eines Diiigliedes auch dann noch nachträglich ausgesprochen ioerde, wenn dieses durch freiwilliges Ausscheiden dem Ausschluß zuvor�uiommen gesucht habe. Der Ausschluß jener Beiden sei also thatsächlich erfolgt, und es ioerde . somit durch die Berichtigung nichts widerlegt, sondern nur jener in der ursprünglichen iiiotiz ausgesprochenen Thatsache eine andre Tfiat- fache gegenübergestellt.— Das Urteil des Gerichtshofes lautete auf Verwerfung der beiderseitigen Berufung. Entgegen der vom Be- klagten behaupteten Nicht-Jdentität der geforderten Berichtigung mit der ursprünglichen gemeldeten Thatsache sei das Gericht dazu gelangt. diese Identität zu tonstatieren. Auch der§ 19 Abs. 3 des Preß- gesetzes könne nicht Zu Gunsten des Angeklagten herangezogen werden, weil nur ein Rechtsirrtum des Beklagten, nicht aber ein die Be- strafung ausschließender thatsächlicher Irrtum in Frage kommen könne.— Es wurde somit das Urteil erster Instanz aufrecht erhalten. Vermischtes. Ans Baden schreibt man uns: So bald nach der Heidelberger Eiseubahn-Kataslrophe eine neue auf der badischen Staatsbahn! Bei H e r b o l z h e i m ein Materialschaden wohl noch bedeutender als jener beim Zusammenstoß am Neckar, beim neueste» Unglück nur der zufällige Gliicksnnrstand. daß keine Reisenden sich in den kom- fortablen Durchgangswagen im Vorderteil des Zuges befanden und die wenigen Fahrgäste in der dritten Wagenklasse ohne schwere Ver- letzung davonkamen. Aber in Heidelberg wie in Herbolzheim die- selbe Ursache für solch gräßliche Gefahr: unverzeihliche Miß- achwng der einfachsten und klarsten Bestimmungen zur Sicherheit des Fahrdienstes. Der Schnellzug Basel-Hamburg-Bcrlin saust morgens um 7 Uhr zwischen Freiburg und Offenburg durch die Starion Herbolzheim mit 99 Kilometer Geschwindigkeit; das Ein- fahrtssignal ist von der Station gestellt. Von der andren Richtung naht sich ein Materialzug aus Offenburg; auch für ihn giebt die Station freie Bahn zur Einfahrt. Unbegrciflichcrweise gestattet man «roch dem Führer des Materialzuges in diesem kritischen Augenblick sich auf einem Ausweichgeleise quer über die Spur des einfahrenden Schnellzuges nach dem dritten Geleise hinzu- bewegen. Aus dem Dunkel des Morgennebels tauchen die Lichter der rasenden Maffai- Schnellzugsnraschinc auf. Wenige Sekunden und der Zusammenstoß ist fertig. Führer und Heizer des Materialzuges retten sich durch Herabspringen, jene des Schnellzuges treiben mit dem entgleisten Koloß die Böschung hinab, der Heizer stirbt sofort, der Führer ist schwer verletzt; ein Trümmer- Haufen von zerstorier MalerialAUgsmaschine und zermalmten Personen- wagen erster Güte erfüllt die Unglücksstätte. Der Zugmeister des Schnellzuges kam durch einen Zufall unversehrt davon, aber der Gepäckschaffner ist verletzt; desgleichen schwer der Führer des Materialzuges, dessen Maschine zur Unkenntlichkeit zermalmt wurde. Wer wird nun zunächst zur Rechenschaft gezogen? Der unterste Beamte, der W e i ch e n st e l l e r, ist verhaftet worden. Man wird aber nicht leugnen können, daß auf dieser kleinen Station, wo zudem dieses Einfahren des Materialzuges zur selbigen Zeit öfters vor- kommt, die Gefahr von allen Beamten, nicht zuletzt auch vom Fahr- personal des Materialzuges gekannt wurde. ES war ein unglück- seliges Vermessen, in diesem Augenblick ein Manöver auszuführen, das der Dienstordnung und der Vernunft zuwiderläuft. Wie oft noch? Aus Namslan wird über ein Eisenbahnunglück gemeldet: Freitag um 19 Uhr 45 Minuten vormittags entgleiste auf Bahnhof Namslau der Güterzug 6492 infolge falscher Weicheustellung. Der Weichensteller hat sich geflüchtet. Eine im Lokomotivschuppen mit Putzen einer Draisine beschäftigte Frau wurde durch den über die Drehscheibe in den Lokomotivschuppen einfahrenden Güterzug ge- tötet. Ein Lokomotivheizer ist schwer verletzt und ein Lokomotiv- führer und ein andrer Heizer haben leichte Verletzungen erlitten. Der Materialschaden ist bedeutend. Der Betrieb ist nicht gestört. Der klagende v. Bothmer. Im Anfang des vergangenen Jahr- Hunderts gefiel es einem„Edelsten und Besten", dem bekannten Ge- schlecht„V. Bothmer" angehörig, ein armes Mädchen unglücklich zu machen. Selbstverständlich kümmerte sich der„Edle" nicht um fem Kind, das damaliger Sitte gemäß auf den Namen des Vaters getauft und im Kirchenbuch eingetragen wurde. Der Junge wuchs heran und wurde— Arbeiter, der Sohn dieses Arbeiters v. Bothmer hat es zum Briefträger in Hildesheim gebracht. Einem„echten", das heißt standesgemäßer Ehe entsprossenen Abkömmling derer v. Bothmer, dem Herrn Konrad b. Bothmer, Erbherrn auf Bothmer I. Schwarmstedt, gefiel die Verwandtschast mit dem Hildesheimer Briefträger v. Bothmer nun gar nicht. Er klagte also auf Grund des§ 12 des Bürgerlichen Gesetzbuches gegen seinen Verwandten, den Briefträger v. Bothmer, wegen unbefugten Gebrauchs dieses Namens. 8 12 des Bürgerlichen Gesetzbuchs besagt, nun:„Wird das Recht zum Gebrauch eines Namens dem Berechtigten von einem andren bestritten, oder wird das Interesse des Berechtigten dadurch verletzt, daß ein andrer unbefugt den gleichen Namen ge- braucht, so kann der Berechtigte von dem andren Beseitigung der Beeinträchtigung verlangen. Sind weitere Beeinträchtigungen zu besorgen, so kann er auf Unterlassung klagen." Der Kläger. Gerichtsassessor von Bothmer, hatte mit seiner Klage aus Grund des angezogenen Paragraphen den Erfolg, daß dem Briefträger von Bothmer aufgegeben wurde, den Familiennamen von Bothmer «ugelegte Revision wurde vor dem vierten Civilscuate Reichsgerichts verhandelt. Der Vertreter des Beklagten machte geltend, daß der Briefträger v. B. mit Recht diesen Namen führe. In jener Zeit sei es Sitte gewesen, daß uneheliche Kinder den Namen des Baters erhielten. Erst im Jahre 1839 sei dagegen eingeschritten und dieser Brauch untersagt worden. Daß man damals eine Be- richtigung nicht eintreten ließ, fei gleichbedeutend gewesen mit einer stillschweigenden Anerkenming. Nach langer Beratung kam aber auch das Sieichsgericht zu dem Schluß, daß die„Ehre" der Blutsver- wandtschaft mit dem Gerichtsassessor v. Bothmer den Briefträger v. Bothmer nicht berechtige, den Namen seines Großvaters zu führen. Der Großmutter nahm man die Ehre, dem Enkel den Namen— von Rechts wegen. Dynamit. Aus St. E t i e n n e wird berichtet: In der ver- gangenen Nacht explodierte vor einem Fenster der Wohnung des Ingenieurs Baret eine Dynamitbombc. Es wurde niemand verletzt. Der Materialschaden ist erheblich, alle Fenster der benachbarten Häuser wurden zertrümmert. Marktpreise von Berlin am 3. Dezember 1903 nach Ermittelungen des kzl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.-Cw. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch Kalbfleisch Haminelileisch Butter Eier 60 Stück Karpfen 1 kg Aale Zander, Hechte, Barsche, Schleie Bleie Krebse per Schock ab Bahn.+ frei Wagen und ab Bahn. 6.50 1,80 1,50 1,60 2,00 1,80 2,80 5,00 2,20 2,80 2,60 2,00 1,80 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,-10 0,80 3,00 Für den Inbalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Zhcater. Logik Bor- Sonnabend, 5. Dezember. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Figaros Hochzeit. Schauspielhaus. Wie die Alten slingen. Deutsches. Rose Bernd. Berliner. Alt-Heidclberg. Nachm. 3 Uhr: Die sieben Raden Lessing. Zapsenslreich. Weste». Die Fledermaus. Nachm. 3 Ubr: Rotkäppchen. Pienes. Salome. Vorher: des Herzens. Residenz. Ein Seitensprung. her: Der zündende Funke. Central. Der Rastelbinder. � Nachm. 4 Uhr: Der gestiefelte Kater. Dhalia. Der Hochtourist. Nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. Ansang 8 Uhr: Schiller O. lWallner- Theater.): Die Stützen der Gesellschajt. Schiller>.(Fricdrich-WUbelmstädt.) Liebelei. Hieraus: Litteratur. Belle Alliance. Los vom Manne. Carl Weist. Der Meineidbauer. Nachm. 4 Uhr: Hassan Abdul, oder: Der Zauberer vom Berge. Luisen. Der Richter von Zalamea. Kleines. Nachtasyl. Trianou. Biscotte. Deutsch- AinerikanischeS. Ueber'n großen Teich. Kasino. Weibnachtsglocken. Der vertauschte Sohn. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Ülpollo. Frühlingslust. Palast. Keine Borstellung. Wintcr-Garten. Specialitäten. Passage-Dheatcr. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Talibenitraste 4K/4g. Um 8 Ubr im Theater: An den Seen Oberitaliens. Juvalidcnstraste 57/tisJ. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. esntrsl-Tksatsr. Heute nachm. 4 Uhr halbe Preise. jeder Erwachsene ein Kind frei. Der gestiefelte Kater. Aärchenspiel in 4 Bildern mit Gesang und Tanz. Abends 7-/, Uhr: Ver Rastelbiiider. Sonntagnachmiltag 3 Uhr, halbe Preise; Boccaccio. Abends 7'/, Uhr: Der Rastelbinder. Schiller• Theater O. (Wallner-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Die Stützen der Eesellscbsit. Schauspiel in 4 Aufzügen von Henrik Ibsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Sonntagnachmittag 3Uhr: Die Stützen der Gesellschaft. Sonntagabend 8 Uhr: Die Jangfrau von Orleans. Montagabend 8 Uhr: Wllheln, Teil. •Theater. Schiller-Theater IV. (Friedrich-Wilheimstädtisches Tbeater) Sonnabendabend 8 Ubr: I.Iehelei. Schauspiel in 3 Akten vonA. Schnitzler. Hieraus: I.ttteratnr. Lustspiel in X Alt v. Arthur Schnitzler. Sonntagnachmittag 3Uhrl Im weissen Kössl. Sonntagabend 8 Uhr Der Bibliothekar. Montagabend 8 Uhr: Vasantasena. Urania. Taubenstrasse 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober-italiens. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. CASTANS PANOPTICUM Friedrichsfcr. 165. Der Indianer- Kiese Mianlco Karoo vom Stamm der ü/RgT' Sioux-Indianer.~9BU I alianrif Die zusammenge- LCUCIIU! wachsonen Schwestern Rosa und Josefa. Grosses Promenaden-Konzert d. Wiener Elitekapelle Forsoh- neritsch vorm., nachm., abds. /\LT- CHlNI\ Jtunst-jlnssteUung Passage-Theater Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Berlin hat wieder eine Sensation! Kortoncllos Enthauptung einer lebenden Dame! Ausserdem 14 neue erstklassige Nummern. Pertina. Lucia delia Sera. Hasson u. Jenny efc. etc. Carl Weiss-Theater. Grefte Frankfurter Strafte 138. Nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellung 10, 25. 40 Pf. Hassan Abdul oder: Der Zauberer vom Berge. Abends 8 Uhr: Erstes Gastspiel des Oberbayrischen Bauern-Thcaters. (Schlierseer und Tcgcrnseer.) Der Meineidbauer. Morgen nachmittag 3 Uhr, Parkett 60 Ps.: vi« Maschinenbauer von Berlin. Abends 8'/, Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Apollo-Theater. Um 8 Uhr: Frühlingsluft mit dem Ballett Blütenhochzett. Um 93/, Uhr: Mit grossem Orchester: Vision nach dem Balle. Paniomime, Musik von„Drei Kronen". Um 10 Uhr: Die neuen glänzenden Specialitäten; Ivan TKchernolT. ein Morgen aus dem Sport-istallhos. Keiiv and Ashby X Francois-Truppe amer. Excentrics. Eguilibristen. The Passparts, Tanz-Duett. KoHiiiotrraph und Kiophon. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 71/s. 3 Uhr: WeihnachtSglocken. 8'/,: Nuscha Melitta— Löro-Quartett. Corradint. 9'/, uhr: Der oertauschte Sohn. Sonntag 4 Uhr: Hetel Klingebusch. Direttion S. Lautenburg. Ansang 7'/.j Uhr. Ein Seitensprung. Schwank in 3 Akten von G. Bcrr, Dehere und Guillemaud. Deutsch von Max Schönau. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Deine Kammerzofe. MM yiesM Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Scene gesetzt vom Direktor Kichard Schultz. _ Im 4. Bilde: BW Groswes Ballett Wie damals Im Monat Mai. Anfang 8 Uhr. — Hauchen überall gestattet.— Keuos Programm: Saierno Meister jongleur. Johnson u. Dean Cake-Walk-Tänzer. Wood u. Bates Amerik. Excentrics. The Saphos Recktomkünstler. Otto Reutter Humorist. 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Gastspiel Adolf Philipp. Zum|„II E B E K' G K« 8 8 E X Male I Teich." AXFAXG 8 EBB-9g MONTAG, Aufführtini 98. 7. Oez. 03. 1 OO ahds. 8 Uhr*""• ELEGANTE Souvenirs! Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Der Diier von iamea. Sonntagnachmittag: Das Käthchen von Hcilbronn. Abends zum ersten- mal: Atpenkönia und Menschenfeind. Montag: Der Richter von stainmea. Dienstag: Alpenkönig u. Menschen- seind. «Mittwoch: Maria Stuart._ Trianon-Ttieater. Georgenstrasie, zwischen Fricdrich- und Univcrsitätsstraffe. Biscotte, Anfang 8 Uhr. Sonntagnachmittag: Die Notbrücke. I Direktion: Robert Dill. Brunnenstrassc 16. Große Extra-Borstellimg: Die Lieder des Mnjikanten. Lebrecht Winter: Dir. Robert»III. Ansang 8 Uhr. Nach der»».,11 ■ Vorstellung:-6»**11» ftfeihnaebtspräfente! Bekanntinacliuug! Noch nie dagewesen! Wegen vollständiger Lager- Auflösung i einer Engros-Damenmiintel-Eabrik gelangen einige Tausend Pieoen, nur diesjährige Saison-Neuheiten, wie: D3mCn=iV\äntclj GoIf=CcipeS, S3CC0S, Jacketts, Paletots(oohwann. coui., auch weiunses), Abend-Mäntel etc. schleunigst horrend billigen Preisen zum Detail-Verkauk. Jedet* SO» Kaufei** obiger Konfektion(lt. Buch-Nr.) erhält eineU iVlflnfel nach Wunsch im Werte von 15 Alk. gratis. Quittungen sind im Qeschäftslokal einzusehen.— GratlsvertcIInng stren g reell! Unabhängig hiervon oflerieren wir: Lltrit ANgebot ZU eilUrM bllllgev PrelSeni 1 Po uten" Blusen, 1 hosten11 PelZ s Colliers und Stolas. nur Potsdamerstr. 118a Oranienstr. 2 nahe liUtzowstrassc. vis- A-vis der II« cb ball u- Halte»teile. Bitte genau auf Hausnummer und Plakate an den Penstern zu achten.—— Hedwig Döring, der Liebling der Berliner ist wieder da l! I Ansang 8 Uhr. Entree 59 Ps. Bemhai'dlke-'Ms Gesundbrunnen, Badstraße 58. Sonnabend: Keine Vorstellung. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm 1 Teil. Sonntagabend 7 Uhr: vis Blinde von Paris. Montag: Der verkaufte Schlaf. Reichs Ii allen Stcttincr Sänger. Sanssouci. Kottbuser Thor— Etat, der Hochbahn. Sonntag, Montag, Donnerstag: llofrinannt. Nonlileiitselie Saipp. Nach jeder Soiree: Taittkränielien. Jeden Dienstag: Theaterabend. Cirkus Schumann. Heute Sonnabend, den S. Dezember, abends 7'/, Uhr i Zum viertenmal: » Sakvl UN«! Sil»«! WK oder: Die Pracht, der Untergang und die Wieder- erweckung des Weltreiches von Babylon. Eine Wanderung durch acht Jahrtausende in Form einer großen TluS- itattungs-Pantomime in 11 Abteilungen. Nach einer Idee von A. Moszkowskl. In Scene gescdt vom Direktor Alb. Sobumann. Herrn Soll«» L!» männliche Abessinier-Löwen. Mlle. votrleo: RekordsPrnng.SY Inn— IS Meter. Morgen Sonntag: Zwei Vorstellungen. Nachmittags 1 Stint) frei, fnailcvc Slindcr zahlen balbe Preise. Nachmittags: 25 Löwen. Rekordsprung. RöniNstsät-ZtaZins HÄzmarkljir. 72, Ecke Alexanderftraße. Täglich: I'i'»«« biodonslrl. Das arossartige Dezember-Programm mim Molly Verch, The Klatt's usw. Zum Schluß: Der Konfustonsrat. Nach der Vorstellung: Msttmoch. Sonnabend, Sonntag: Tanz. Total-Ausverkanf von Kerrengarderobe-u außer- gewöhnlich billigen Preisen. Maß. bcstcllungen, saubere Arbeit u. guter Sitz, Anzug v. 28 M. an, Paletot v. 353�an- U. Pincuss, WilsnackorstF. 48. Nirtoria Säle Perkbergerstraße 14' an Sonnabenden noch frei! MM«-AR \ Nene«bitntgstr. Sil verkauft \ nach beendeter Engros» Saison ihre Reiscmustcr, bestehend in: Pelzstolas, Colliers, Musten ustv. zu billigsten ISngros- Preisen. Es gelangt nur Knrschnertvare zum Verkauf. begründet l8S4. 42/2' r Damen erhalten elceantc Oarderobcn nach Maß bei nur geringer Teilzahlung.[32632' J. Werg, KenÄ«!!. Direkt a. Alexanderpl. Erkner� Bnuftellcn billig, gümt. Zahlung, mrr b. Bauer Caihoiy, Buchliorsterstraste, 5 Min. ab Schmle. 5-2 Stck. bis jetzt vcrk. Näh. 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Jahresbericht der Agitalionskommission und Neuwahl derselben. 2. Unsre Äerufsstatistik. 3. Verbandsangelegenheitcn und Verschiedenes. KM- Mitgliedsbuch legitimiert.-Wd Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Sonntag, den S. Dezember, vormittags 19 Uhr: Branchen-Versammlung der Bauanschläger im Gewerkschaftshause, Saal I. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen bieliSirier. 2. Diskussion. 3. Wahl der Agitationskommission. 4. Verbandsangelegenheiten. 161/10 Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Meli tsi Billiges Kmümtmal. Abfallholz per Meter 4,S0M. Buchen-, Eichen-, Kiefern- Klobenholz, Steinkohlen und ' Briquetts. 31492* J. C. Brock Söhne, Kaiserin Augusta-Allee 5». In voriger ffoebt hat man die Preise nochmals herabgesetzt, wir verkaufen: Getragene Herren- Hosen zu 1,50 bis 3,50 Mark Getragene Herren- Anzüge zu 5, 6 bis 8 Mark Getragene Herren-Paletots zu 4, 5 bis 9 Mark Winter- Loden- Joppen zu 3,50 bis 5,50 Mark (Von feinsten Herrschaften, Reisenden und Kavalieren.) |„Blitz", Rein igungs- Anstalt, cnamamr. so. NB. Von Herrschaften, die Garderobe verkaufen wollen, erbitte Postkarte. 3539L* Verband der Jfföbelnolierer. Kollegen I Im Jnleresse unsrer selbst, ist es Pflicht jedes einzelnen, dahin zu wirken, daß aus jeder Wcrkstclle ein Fragebogen wahrheitsgemäß beantwortet wirb. Wo dieses noch nicht geschehen ist, müssen die Kollegen die Fragebogen heute abend 8—10 Uhr in den Zahlstellen abliefern: daselbst werden Beiträge entgegengenommen. Die Zahlstellen befinden sich in Rixdorf, Steinmctzstr. 10!!-, Lichtenberg, Friedrich ftmlftr. 11; Berlin: Zorn» dorscrstr. 6, Slalitzerstr. 58, Dalldorserslr. 16, FricdrichSbcrgcrstr. 11, Schön- bauser Allee 139, Blumenstr. 38, Brunnenstr. 96, Oranienstr. 197. Weis jee: Könia-Chausjec 55; in den letzteren vier besindet sich unentgeltlicher ArbeitSnachlvctS. nur unser 147/20 Montag, 7. d. M., abends«>/z Uhr, in Rixdorf, Steinmctzstr. 193: Versammlung."WD TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Albertt, über: Christliche und moderne Weltanschauung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Ausgabe der BilletS zur llraiiia-Vorsielluiig. Oer Vontland. Sektion der Gips- und Gementbränehe. Gruppe Jabitzspanner Sonntag, den 6. Dezember, vormittag« 19 Uhr: Mitglieder' Uersammluug bei Jannssclilt, Jnselstraste 19. TageS-Ordnung: Vortrag des Genossen Albrecbt POIIe: �Der Staat als Arbeitgeber«. Gewerlschastliches und Verschiedenes. Di- Versammlung wird pünktlich eröffnet. Zahlreichen Besuch erwartet 298/4 D«r Toreland. Freireligiöse Gemeinde Montag, den 7. Dezember, pünktlich 8'/, Uhr: Viehtige beschliessende Versammlung im tkentral-Klnbhause, Am Königsgraben 14 a, nahe dem Alexanderplatz. Bericht über die internationale Freidenrer-Konserenz u. a.— Nur voll- berechtigte Mitglieder haben Zutritt. Jeden Sonntag, vormittags 10'/, Uhr: Bortraa in der städtischen Aula, Kleine granlsurlerstr. 6, nahe dem Alexanderplatz.— Gäste sehr 62/6 Uergower! Derbltt-d der im Vergoldergewerbt beslhiistigten Arbeiter und Arbeiterinnen Dentschlands. Filiale Kerlin. Montag, den 7. Dezember, abends p r S e i s e 8 Uhr: Ordentl. Niitglieller-versammlung in den„Arminhalle»*, Kommandantenstr. 20(gr. Saal). Tages-Ordnung: 1. Bericht der Werkstätten-Verlrauensleute. 2. Beschlußfassung über den Erlaß des Lokalzuschlages der weiblichen Mitglieder. 3. Bericht der Delegierten zur Gewerkschasts-Kommission. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch aller Mitglieder erwartet 226/o v«? V«r'»l»i,S. KL. Die Kollegen, welche noch im Besitz von Matinee-Btllets sind, werden ersucht, bis zu dieser Versammlung abzurechnen._ D. C. Huflöfunas-flusoerhauf vorhanden gewesener und ergänzter Waren. Herrtn-AvWt sch°n sür 5,5l)>Herrtn-Hosev ,ch°n sar 1,30 Winw-Paletots.„ 6.50!Klnder-An;ügt.. 1,00 stehen in großer Auswahl. 3371L AligUSt Achilles, Gr. Frankfurterstr. IG. Bctm Gtnkauf von Herrcn-Anzügen«der Paletots erhült jeder Käufer einen elegauten Hut«ud Krawatte gratis k Stralau. Sonntag, de« 9. Dezember, nachmittags Punkt 2 Uhr, im Lokale des Herrn dSisrscl», Alt-Stralau 15: GeneralTersammluDg des Socialdemokratischen Wahlvereins für Stralau und Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Boltrag des Genossen vi-..Alkei.'4.v über:„Christliche oder moderne Weltanschauung.' 2. Bericht des Gejamtvorstandes bezw. Vertrauensmannes und Neuwahl derselben. 3. Bericht der Lokalkommission und Neuwahl derselben. 4. Verschiedenes. Gäste, die Mitglieder weiden wollen, haben Zutritt. 223/17 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ermcht_ Ter Porftand. Am Donnerstag, den 3. De- zember, abends 7 Uhr, starb nach kurzer schwerer Krankheit, unser lieber Mann und Vater, der Buchdrucker 171b Kail Pasewaldt geb. 18. 8. 52 in Berlin. Di-Beerdigung findet am Sonntag, den 6. d. M., nachm. 2'/, Uhr, auf dem Emmaus- Kirchhos in Rixdorf, Hermannstraße, statt. Hie traueriiden Hinterbliebenen. tTypographia. Xachruf. Den verehrl. Mitgliedern hier- durch die schmerzliche Nachricht, daß unser langjähriger zweiter Vorsitzender und Mitbegründer des Vereins, Kollege Ksr! Pasewaldt am Donnerstagabend nach kurzer schwerer Krankheit verschieden ist. Wer den Verstorbenen gekannt, Wird unfern Schmerz zu würdigen wissen. Sein aufrichtiger Charakter sowie seine langjährige Thätigkeit im Interesse des Vereins, sichern ihm ein bleibendes Andenken bei den Mitgliedern. 66b Beerdigung siehe vorstehend. Die Mitglieder werden ersucht, unserm verstorbenen Kameraden vollzählig die letzte Ehre zu er- weisen, 0er Vorstand. Vödes- ilaivlgv. Am Donnerstag, den 3. De- zember er. verschied nach kurzem Krankenlager unser lieber Kollege, der Schriftsetzer 164b Gart Pasewaldt im 52. Lebensjahre. Durch seinen ehrenhasken Cha- rakker har er sich die Achtung Aller erworben. Ehre seinem Andenken! Gas Personal der Buebdriicksrei Emil Billig Naehf. Centrai-Verband der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgen. Deutschlands. Sonntag, 6. Dezember, nachm. 5 Uhr, bei Voigt, Ritterstr. 75: Außerordentliche Generalversammlung Tagesordnung: Wahl des Gefamtvorstandes, der Revtsvre», de Delegierten zum Berbandstage und zur Gewerkschaslsrommiffion. 139/7—- er Anträge. Die OrtSverwaltung. Gapeau claque. von 7, SO. Cylinderhüte.. von 4,00. Filzhüte,... von 1,50. S�ßlz-Waren • nur eignes Fabrike 2844L*_____ aar eignes Fabrikat. 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Mts verstarb»ach kurzen schweren Leiden unser Mit- glied, der Schuhmacher W. Schuhmacher Ehre seinem Andenken I Die Beerdigmg findet am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhoses in Rixdorf, Hermann- straße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 238/14 Der Vorstand. Verein deutscher Schuhmacher. Todes- Anzeige. Mittwoch, den 2. Dezember verstarb nach kurzem Krankenlager im 37. Lebensjahre unser lang- jähriges Mitglied 170/20 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- tag. den 6. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobl-KirchhoseS, Rixdorf, Hermannstraße aus statt. ' Um zahlreiche Beteiligung er- sucht Die Ortsverwaltnngr. Invaliden-Dnterstiitzungskasse d.Steindriiekeru.Litbograplten. Die Beerdigung des ain 2. De- zember verstorbenen Steindruckers Ollu Krüger findet statt am Sonntag, den 6. Dezember, nachmittags l'l, Uhr, vom Kranlenhause Friedrichshain aus nach dem Bartholomäus- Kirchhos, Welßetijee. 175b Da« Komitee. Danksagung. Für die überaus große Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsres gulen VaterS und Schwagers. des Schlossers Dodolk Schnell sage dem Herrn Ches Leopold Ziegler sowie iämllicheti Beamten, Meistern und Kollegen meinen herzlichsten Dank. Die trauernde Wtlwe Frau Schnell nebst Kindern. Danksagung. Hierdurch sage ich allen Freunden und Bekannten meines verstorbenen Manne« Oskar KUmpfel, besonders dem Gesangverein Männer- Quartekt„Arldn" memen aufrichtigen Dank. iböb IVltwo Barle Kttmpfcl nebst Kindern. Allgem. Orts-Kranbeukliffe gewerblicher Arbeiter und Arbeiltnuuen m Kerlla. Die für die Wahlperwde 1902/1303 gewählten Delegierten werden hiermit zu der am Sonntag, den 13. De- zember 1993, vormittags 10 Uhr bezw. IG/z Uhr, in den„Armin- hallen", Kommandantenstr. 20, statt- findenden Ordentliche» Getiers!• Versammlung crgcbenst eingeladen. Um 19 Uhr: Versammlung der Arbeitgeber-Delegierten. Tages-Ordnutig: Wahl von zwei VorstanoS- Mitgliedern für die Zeit 1391/05 an Stelle der ausscheidenden Herren Israel und Auerbach. Um- Um 19'/, Uhr:"Mk Versammlung sämtlicher Delegierten. TageS-Ordnung: 1. Definitive Genehmigung des mit dem..Verein der frcigewähttcn Kassenärzte" sür das Jahr 1304 ab- zuschließenden Vertrages. 2. Wahl des Ausschusse» zur Drüsung der Rechnung des laufenden Jahres. 3. Beschlußfassung über den Antrag wegen Ausscheidung der m Cigaretten- sabriken bcichästigteu Kasscnmitglicder zur Orts-Krankenkasse der Cigarrcn- iiiachcr. 4. Mitteilungen des Vor- sianocS. Versammlung d.Arbeitnehmer-Delegierten. Tages-Ordnung: Wahl von vier VorstandSniilglledern für die Zeit 1904/05 an Stelle der ausscheidenden Herren Wolter, Lusch- nath, Sinn und" Frl. Schaub. Berlin, den 3. Dezember 1303. 279/12 Der Vorstand. G. Wolter, Vorsitzender. Knaben- und Jünglings- Garderobe s. d. Alter v. 2-19 Jahr. in reichhaltigster Auswahl am dillig- sten und reellsten direkt in der Fabrik »onKarlHusladl 0., Koppcnstr. 85, 2 Min. v.iZchles.Bahnh. Herren-Garderobe nach Mass. Verantwortlicher Redakteur: Julius Kaliski in Bcrliir. Für den Jnscratenleil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsansrall Paul Singer& So., Berlin SW.