Kr. 285. HNnnemnttt'Bfdlnsungen: Abonnement«- Preis pränumerando: Bierteijährt z,80 Mr., oionatl. l,l0 Mk., wöchentlich 88 Pfg. frei inS Hau». Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntag». «Ummer mit illustrierter Sonntag». Beilage.Die Neue Welt" lv Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post-Zeitung». Preisliste für Ivo» unter Nr. 8»03. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn r Marl, für da» übrig« Ausland» Marl pro Monat, «»tibi täglich außer Montag«. 20* Jahrg. Vevlinev VolksOlakk. die TnftrtlMK'GcbOftr beträgt für die sechsgefp alten« Uolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftlichc Lereins- und BersammlungS-Anzeigen 20 Pfg. „Ateine Anretgen" jede» Wort 6 Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserat« sü« die nächste Nummer müssen bi» S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen dt« 7 Uhr abend», an Tonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormitttag» geösstKt relegrainm-AoreN»: „SMWdmoknt lull»". Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. KectaKrion: SM. 68, Lindenstraesc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Cxpeclttion: SM. 68, Lfndcnetraeec 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Eine Gefahr im Westen. ES ist eine der entscheidenden Fragen der nächsten preußischen Zukunft, ob das, was einst durch den Zedlitzschen Volksschul-Gesetz- entwurf nicht gelungen ist, nunmehr durch eine Reihenfolge kleinerer konservativ-klerikaler Vorstöße durchgeführt werden soll. Jüngst hat die„Germania"' nachdrücklich die Pflicht der Abgeordnetenhaus� Mehrheit betont, den konfessionellen Charakter der Volksschule endlich gesetzlich festzulegen. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird die Volksschule in Preußen daS große Kichhandels-Objekt abgeben, womit die Regierung die Willfährigkeit des CentrumS in Reichsfragen, ins besondere in Finanz- und Militärangelegenheiten zu erkaufen ge- denkt. Natürlich wird bei der Beratimg künftiger Mlitärvorlagen auch daS alte Lied von der drohenden Gefahr im Osten und Westen er tönen. Nun in der That, im Westen droht eine Gefahr. Eine Gefahr, der fteilich nicht mit Kanonen und Bajonnetten, nicht mit den schwersten Panzerplatten beizukommen ist. Wenn das Wort vom Schulmeister von Sadowa auch für andre Länder einen Sinn besitzt, so hat Frankreich in der besseren Organisation seines Bolksschulwesens Preußen- Deutschland gegenüber ein auch ohne Krieg und auf die Länge der Dauer unfehlbar wirkendes Machtmittel in der Hand, dessen Uebergewicht sich noch steigern muß, wenn wir im größten Bundesstaat einer Verschlechterung des herrschenden. modemen Ansprüchen ohnehin nicht mehr genügenden Volksschul-Systems entgegengehen sollen. „Des Unterrichts bedürfen alle; die menschliche Gesellschaft ist verpflichtet, mit allen Kräften den Fortschritt der allgemeinen Bildung zu fördern und den Unterricht allen zugänglich zu machen." In diesenWorten aus der Erklärung der Menschen- rechte war im Keime daS Schulprogramm des folgenden Jahr- Hunderts für Frankreich gegeben. Das erste Kaiserreich und die Restauration hatten fteilich kein Interesse an der Volksschule; Napoleon kümmerte sich nur um die höheren Lehranstalten, und die Bourbonen überantworteten die Volksbildung vorzugsweise den „Schulbrüdern", spottweise Jgnorantiner genannt, von denen keinerlei Befähigungsnachweis für den Lehrerberuf gefordert wurde, sofern nur ihre geistlichen Oberen einen Universitätsgrad besaßen. Erst das Guizotfche Schulgesetz vom Jahre 1833 besttnnnte, daß jede Gemeinde eine Volksschule, Gemeinden über 6000 Einwohner auch eine höhere Volksschule und jedes Departement ein Lehrerseminar unterhalten solle. Daneben forderte eS den Befähigungsnachweis ftir die Lehrer, denen Beamtencharatter beigelegt wurde, und führte daS Laien- inspettorat ein. Aber die nach 1348 und mit der Regierung des zweiten Napoleon hereinbrechende Reaktton hob die höhere Volks- schule und den Befähigungsnachweis der Lehrer wieder auf und überantwortete die Verwaltung und Beaufsichtigung der Schulen aufs neue der Geistlichkeit. Es ist das Verdienst Victor DuruyS, in einer umfangreichen Stattsttk vom 1. Januar 1864 die immensen Schäden des damaligen ftanzösischen Schulwesens mit größtem Freimut ausgedeckt zu haben. Stellten sich auch seinen Grund- forderungen des obligatorischen, unentgeltlichen und weltlichen Unter- richts zunächst noch unübersteigliche Hindernisse entgegen, so hat er doch die Basis gelegt, von der aus die Schulreform der siebziger und achtziger Jahre in Frankreich einsetzen konnte. In den ersten Jahren der jetzigen Republik hatte der KlerikaliS- mus das Heft noch völlig in der Hand. Erst alS Bardoux das Unterrichtsministerium erhielt, begannen emsthafte Reformen. 1378 wurde das nach ihm benannte Gesetz vottcrt, das den Gemeinden die Mittel gewährt, Schulhäuser zu bauen und damit das wesent- lichste Hindemis zur Durchführung des Schulzwanges aus dem Wege zu räumen. Zu dem Zwecke wurde eine besondere Kasse für Schul- bauten gestiftet, die im Zeitraum von sieben Jahren 16 000 Schul- Häuser bauen und 3000 in Ordnung bringen, ausbessem und möblieren ließ. Dem Bardouxschen Gesetz folgten 187g und 1881 die Gesetze über die Lehrerbildungsanstalten und die Lehrerpmftmgs- zeugnisse, wodurch eigentlich erst die Vorbedingungen für die Weltlichkeit der Schule geschaffen wurden. Das Gesetz vom 28. März 1882 führte die allgemeine Schulpflicht ein, sprach die völlige Neutralität der öffentlichen Schule in Sachen der Religion aus und hob das Geistlichen-Jnspektorat auf. Das Gesetz vom 16. Juni 1834 schaffte das Schulgeld für den gesamten Primarunterricht, die Elementar-, Fortbildungs- und Gewerbeschulen und die Lehrseminare ab. In dem Gesetz vom 30. Oktober 1886 wurde der Laiencharakter der Schule, den bereits das Gesetz von 1882 proNamiert hatte, als unzweideutiges Princip hin- gestellt:„In den öffentlichen Schulen jeder Ordnung ist der Unterricht ausschließlich einem weltlichen Lehrpersonal anzuvertrauen." Freilich bezichen sich alle diese Bestimmungen nur auf die öffentlichen Lehr- anstalten. Daneben läßt das Gesetz private zu. so daß noch etwa ein volles Drittel der ftanzösischen Schuljugend allein von Kongre- gationen unterrichtet wird. Seitens des Bourgeoisstaates bedeutet dies das Aufgeben des eignen Grundsatzes. Rur in den Händen des Staates und unter Ausschaltung aller konfessionellen Gesichtspunkte kann die Schule ihrer Aufgabe gerecht werden, der Bildner und Er- zieher der gesamten Jugend der Gesellschaft zu sein. Die Ueberlegenheit d-s ftanzösischen Volksschulwesens über das preußische ruht vorzugsweip' in dessen Organisatton und Lehrplänen. Zunächst ist dasselbe viel reicher gegliedert. Die unterste Swfe bilden die sogenannten Mutterschulen. Sie sind zur Aufnahme von Kindern von 2 oder 3 bis 6 evenwell 7 Jahren bestimmt und zerfallen in 2 Stufen, je nach dem Alter. Ihre Leitung liegt vorwiegend in weiblichen Händen. An sie schließen sich sehr häufig die sogenannten Kinderklaffen, die zur eigentlichen Volksschule überleiten. Diese letztere zerfällt Ivicder in zwei Kategorien, deren erstere, die elementare, in Unter-, Mittel- und Oberstufe gegliedert, zur Aufnahme von Zöglingen vom 6. bis 13. Lebensjahr bestimmt ist, während die„höhere" Volksschule bereits dem nachschul- pflichttgen Alter dient. An die letztere schließen sich dann die Fortbildungs- und Gewerbeschulen, die ausschließlich auf die pro- fessionelle Ausbildung berechnet sind. Die Lehrpläne sind nach den einzelnen Stufen fest umgrenzt und geregelt. Ziel der intellektuellen Erziehung ist, dem Kind ein bestimmtes Maß posittver Kenntnisse zu übermitteln, die es unbedingt im späteren Leben braucht. Doch soll diese Vermittlung niemals in rein mechanischer Weise geschehen, sondern die geistigen Anlagen der Kinder planmäßig entwickeln. Erreicht soll dies werden in erster Linie durch angemessene Verteilung der Schülerzahl auf die Lehrkräfte. Es ist hoch anzuerkennen, daß man auch auf dem Schulgebiete vor- bildliche Musteranstalten schafft, die ins Leben zu rufen nur große öffentliche Körperschaften in der Lage sind und hinter denen die Privatschule eines Tages verschwinden muß. Bor allem aber läßt die ftanzösische Volksschule der physischen Erziehung des Kindes eine weit größere Sorg- sali angedeihen, als die preußische. Die„Belehrungen über die ein- fachsten Grundregeln der Gesundheitspflege und über die Reinlich keit" sind als besonderer Unterrichtsgegenstand in die Lehrpläne aufgenommen; auch wird in dieser Beziehung eine peinliche Ueberwachung geübt. Außerdem nehmen die gynmasttschen Uebungen einen großen Spielraum ein, während für die Mittel- und Ober stufe besondere militärische Uebungen vorgeschrieben sind. Zu dem Zweck werden Schulbataillone gebildet, die nach einem Erlaß vom Jahre 1887 Donnerstags und Sonntags zusammentteten und von Militärinstruktoren in Civil ausgebildet find. Für die Mittelstufe sind„Uebungen im Marschieren, Ausrichten, Bildung von Rotten, erste Vorbereitung der militärischen Uebungen", für die Oberstufe „soldattsche Schulung ohne Waffen, Marschieren, Richtungswechsel jc. vorgeschrieben. Ms eine der größten Eigenttimlichkeiten des ftanzösischen Normal- Lehrplans aber muß der Handferttgkeitsunterricht bettachtet werden, der, vorzüglich organisiert, in einem Umfange aufttitt wie in keinem andren Lande der Welt. In den Mutter schulen bereits werden auf der Grundlage der Fröbelschen Arbeiten eine beträchtliche Anzahl kleiner Gegenstände durch Flechten mit Papierstreifen, Sttoh, Fäden usw. hergestellt. Für den Klassen Unterricht in der Unterstufe gilt der Grundsatz, daß nichts her- gestellt werden dürfe, was nicht auf einem selbstgezeichneten End würfe beruht. Die oberen Klassen der Mittel- sowie die Ober- stufe erhalten den Handferttgkeits-Unterricht in besonderen mit der Schule organisch verbundenen Schülerwerkstätten, wo bis zur Fertigstellung einfacher Gebrauchsgegenstände in Holz oder Eisen fortgeschritten wird. In der öffentlichen Schule fällt, wie bereits betont, in Frank' reich der Religionsunterricht völlig aus. An seine Stelle tritt eine einfache Pflichtenlehre. Auf die Methode und Resultate derselbe» sowie die Urteile hervorragender Schulmänner über dieselbe werden wir bei andrer Gelegenheit zurückkommen. Wir sind von unserm socialisttschen Standpunkte aus der Meinung, daß für die Volksbildung nie genug geschehen kann. Wir fordern daher die volle Verstaatlichung de« Unterrichts, weil der Staat als die größte auch die leistungsfähigste Körperschaft darstellt. Wir fordern ferner Unentgeltlichkeit der Lehrmittel und öffentliche Verpflegung der Schuljugend als notwendiges Zubehör des Schul- und Lernzwanges. Dies in Betracht gezogen, läßt auch die ftanzösische Bourgeoisschule noch vieles vermissen. Ans der andern Seite aber ist die Ueberlegenheit des fran- zöfischen Schulwesens über das preußische enorm und unbestreitbar. Hier den Hebel anzusetzen und zu verbeffem, wäre Pflicht jeder einsichtsvollen Regierung. Der staatserhaltende Sinn unsrer Junker und Pfaffen aber wird sich statt dessen darin bekunden, daß man das Schlechte noch weiter verschlechtert. Gegen solche Be- trebungen gilt es, die öffentliche Meinung mit allem Nachdruck zu erwecken. Sonst werden wir in der wichtigsten Frage der Zukunft, in der Schulftage, immer mehr von andren Völkern überflügelt, die auf diesem Gebiete in Begriff sind, großen Entwicklungen entgegen- zueilen. Drnckfehlerberichtignng. In unserem gestrigen Leitartikel ist der Sinn zweier Sätze durch Druckfehler arg verdunkelt worden. Im zweiten Absatz der zweiten Spalte soll es heißen:„Die Einzelstaaten und die besitzenden Klassen sollen vor allen Forderungen des Reichö- milttarismus sichergestellt, die ganze Last soll r e st los den Massen des Volkes aufgebürdet werden." Und im neunten Absatz derselben Spalte:„Da man aber... nicht bloß neue Schulden machen. sondern auch alte tilgen will, bleibt noch immer die große Frage offen, womit daS eigne Deficit des Reiches gedeckt werden soll" usw. poUtilcbc CUbcr ficht. Berlin, den 5. Dezember. Socialpolitik im neuen Reichstag. Da die Thronrede außer überschwenglichen Worten nichts ent- hielt, wodurch eine wirkliche Socialpolittk seitens der Regierung er- wartet iverden könnte, so ist es Aufgabe des Reichstags, auf diesem großen Gebiete selbständig vorzugehen. Wie bisher so wird auch im neuen Reichstag die Socialdemokratie diese Aufgabe über- nehmen und, soweit es an ihr liegt, fördern. Neben der Social- deinokratie hat stets das Centrum den Versuch gemacht, sich den Schein einer Partei zu geben, die ernster für die Ausgestaltung der socialen Gesetzgebung besorgt sei. Diesen unwahren Schein sich zu bewahren, gedenkt das Centrum auch jetzt. Das Centrum hat eine Jnterpellatton eingebracht, in der es anfragt, ob die Regierung in Ausführung der Februar-Erlasse gesetzliche Bestimmungen„in Aussicht nehmen werde" über die Formen, „in denen die Arbeiter durch Vertreter, welche ihr Vertrauen be« fitzen, an der Regelung gemeinsamer Angelegenheiten beteiligt und zur Wahrnehmung ihrer Interessen bei Verhandlung mit den Arbeitgebern und mit den Organen der Regierung befähigt werden"? Insbesondere fragt es an, ob baldigst erwartet werden darf: 1. die Borlage eines Gesetzentwurfs behufs Regelung der privatrechtlichen und öffentlichrechtlichen Verhältnisse der Berufsvereine. insbesondere hinsichtlich der leichteren Erlangung der Rechtsfähigkeit und der vollen Sicherung des Koalitionsrechts, 2. dle Vorlage eines Gesetzentwurfs, betreffend die Errichtung einer geordneten Vertretung der Arbeiter(Arbeitskaminern)„zum freien und friedlichen Ausdruck ihrer Wünsche und Beschwerden" auch gegenüber den Staatsbehörden? Nach Zeitlingsmeldungen will das Centrum außerdem eine Resolutton einbringen betreffend: 0) Schaffung eines einheitlichen Berggesetzes; b) Ausdehnung der Gewerbe- Ordnung auf Bergarbeiter; oj Schutzmaßnahmen gegen die Wurmkrankheit. Sodann einen Antrag befteffend die Herabminderung der Maximal-Arbeitszeit der Arbeiterinnen auf zehn Stunden. Einen Antrag betreffend Herabsetzung der Maximal-Arbeitszeit für ver- heiratete Frauen aus neun Stunden. Einen Antrag(Resolutionj betreffend Erlaß einer Bundesrats-Berordnung zur Regelung des Bauarbeiterschutzes. Einen Antrag iResolutionj auf größere Ber- cinheitlichung und möglichste Beschränkung der Ausnahme- Be- stimmungen von der Sonntagsruhe der kaufmännischen An- gestellten. Ferner beabsichtigt das Centrum einige Anträge einzubringen, die, ebenso wie jene andren, auf den Fang katholischer Arbeiter, auf nüttelstandsretterische Bauernfängerei gerichtet sind; es find das An- träge zur Beschränkung des Rechts der Lehrlingsausbildung usw. Durch die Einbringung der Jnterpellatton, die im Unterschied zu den Anttägen schon sehr bald, jedenfalls sofort nach der Weihnachts- pause auf die Tagesordnung gelangen muß, will das Centrum sein Wohlwollen für die Arbeiter beweisen. Leider zeigt bereits der Wortlaut der Jnterpellatton, wie wenig wiederum von dem Vorgehen des Centrums zu erwarten ist. Unsre Gewerkschaften wissen, daß die Rechtsfähigkeit für die Berussvereine ein zweischneidiges Schwert sein kann, leicht geeignet, ihre Bewegungsfreiheit erheblich einzuschränken, und daß sie ftir ihre Finanzen außerordentlich bedenklich werden kann.„Bolle Sicherung des KoalittonSrechteS" ist für sie erheblich wichttger; nur soll man nicht durch solche zweifelhafte Wendungen den Glanben ertvecken, als bestände überhaupt schon irgend eine Sicherung irgend eines KoalittonSrechteS. Weder besteht eine solche Sicherung noch besteht irgend eine Spur eines„Rechtes" auf dem Gebiete der Koalitton. Das Bestehen eines„Rechtes" hat das Bestehen eines gesetzlichen Schutzes für dieses Recht zur Boraus- setzung. Den irrigen Glanben, als ob durch Abschaffung der Koalitions- Verbote ein Recht auf Koalitton geschaffen worden wäre, haben Polizei und Gerichte den Arbeitern längst ausgetrieben. Jede Art Anwendung des fälschlich so gemeinten KoalittonSrechteS kann ja den Arbeitern durch verkehrspolizeiliche Anordnungen, durch Erpressungs- und Nötigungsklagen unmöglich gemacht werden. Dazu kommt das Ausnahmesttaftccht des§ 163 der Gewerbe-Ordnung, mit dessen Hilfe Handlungen besttast werden, die bei andern Staatsbürgern straflos bleiben. Dazu kommt schließlich die Anwendung der Vereins- gefetze, wodurch vielfach die Koalitton vielfach selber geradezu un- möglich gemacht wird, wie z. B. die Politischerklärung gewerlschaft- licher Bereinigungen. Es gilt also vor allen Dingen Schaffung eines KoalittonSrrchtS zu forder« neben Maßregeln, die dieses R e ch t s g u t vor Verletzung durch Polizei, Gerichte und Verwaltungsbehörden schützen. Der Wortlaut der Interpellation des CentrmnS läßt in keiner Weise darauf schließen, daß ernste Absichten auf Schaffung und Schutz des Koalitionsrechts in dieser Partei be- stehen. Eine geordnete Vertretung der Arbeiter durch Arbeitsämter ordert die Socialdemokratie seit Jahrzehnten und fie wird ihren Entwurf in dieser Session des Reichstags wieder einbringen. Da wird dem Centrum Gelegenheit gegeben sein zu zeigen, ob es auf diesem Gebiete etwas Rechtes will. Auch in den sonstigen Anttägen, die erst angekündigt werden. zeigt sich die socialpolitische Ueberbescheidenheit des CenttumS. Wo bleibt denn vor allem dir Festsetzung der Arbeitszeit der erwachsenen «Simlichen Arveiter? Will da? Centrum für diese seht keinen gesetz- kichen Arbeitstag mehr? Den Bauarbeiterschutz durch Bundesrats- Bekanntmachung zu regeln ist ganz unzulänglich; daS kann aus- reichend nur durch ein Reichsgesetz geschehen, durch welches vor allen Dingen die Beteiligung der Arbeiter an der Kontrolle der Schutzborschriften geordnet wird. DaS ist auch bei einem Berggesege außerordentlich wichtig. Da die beginnende Reichstagssesfion nicht durch größere Regierungsvorlagen überladen ist, fo wird die eigentliche Aufgabe dieser Session sein, endlich den Karren der socialen Politik wieder von den Hindernissen, die kapitalistische Uebermacht ihm entgegenstellt, zu befreien und wenigstens ein Strick vorwärts zu bringen. Die Centrimrs-Socialpolitik ist dazu nicht das geeignete Mittel. Und vor allem wird sich zu zeige» haben, ob das Ccurrum auch nur das Winzige, das es als sein Ziel verkündigt, durch- Zuführen bereit sein wird. Bisher hat das Ccntrum seine eignen Forderungen noch immer durch die Ansrcde zu nichts gemacht, daß mehr„nicht zu erreichen" gewesen sei.— Giolitti vor der Kammer. Rom, 3. Dezember.(Eig. Berü Giolitti hat ein sogenanntes glänzendes BertrauenSvoünn davongetragen, eine Mehrheit von 146 Stinimen. Nur die äußerste Linke— mit Ausnahme von ManoraS— � und die waschechten Somiiuianer haben gegen das Kabinett gestimmt. Dieses Votum, das quantitativ doch die Er- wartmigen übertrifft. ist recht charakteristisch für die ilalieuische Politik, für die politische Moral des Bürgertums. Als das neue Ministerium vor einem Monat so mißgestaltet zur Welt kam, sah mach trotzdem voraus, daß ihm die Mehrheit bei den großen Gelegenheiten nicht fehlen würde. Einen Moment schien es dann— nach dem Selbstmord Rosanos—. daß Giolitti, ohne ein Votum abzuwarten, sich zurückziehen würde— aber Giolitti besann sich bald auf sich selbst, auf sein altes, nicht zur Scntimentaiität und nicht zum Schamgefühl befähigtes Ich imd blieb. Trotz des Vertrauensvotums steht Giolitti aber nicht besser, nein, wesentlich imsicherer da als das vorige Kabinett. Dem Kabinett Zanardelli lvar von Anfang an der Stenipel aufgedrückt, die Durch- gangsphase zu einem radikalen oder doch liberal-radikalen Ministerium Giolitti zu sein. Man hat es vielfach daraufhin eingeschätzt und das viele, was es uugethan ließ, der neuen Aera zur Lösung überlassen. Zanardelli sollte ja nichts sein, als der, der den Weg bereitet. Giolitti aber sollte mehr sein. Alles was an Geduld, an poli- tischer Langmut und Jllusiousfähigkeit im Lande war, ist unter dem Kabinett Zanardelli-Giolitii aufgebraucht. Die Phrase bom Hinein- wachsen in die Freiheit, vom allmählichen Reifen zum Gebrauch der Volksrechte ist nachgerade abgegriffen. Jetzt will man T h a t e n sehen. Denn man darf nicht vergessen, daß der Zug nach links, das Drängen nach einer demokratischeren Politik im heurigen Italien nicht etwa einer parlamentarischen Konstellation entspringt, sondern seinen Grund in unabweisbaren Bedürfnissen des Landes hat, die nicht länger durch Reformsurrogate zu befriedigen sind. Der Wirt- schaftliche Aufschwung im Lande hat eS dahin gebracht, daß daS heutige Abgaben-- und Zollsystem absolut unerträglich wird und die fortschreitende Entwicklung zu erwürgen droht. Das an den südlichen Provinzen, an Sicilien und Sardinien begangene Unrecht, das jetzt Jahrzehnte hindurch Zins auf Ziuseszins anstehen gelassen wurde. ist heute eine Gefahr für das ganze Land. Die Eisenbahn- frage heischt eine Lösung, die Konventionen sind in sieben Monaten abgelaufen und der aufblühenden Industrie und dem steigenden Handel müssen moderne Verkehrsmittel in höherem Maße, zu billigerem Preise zur Verfügung gestellt«verden. Die Notwendig- keit, der riesig anwachsenden Großindustrie Grenzen zu stecken in der Ausbeutung und Verwüstung der lebendigen Volkskraft, ist heute selbst den Reaktionären klar. Die Stunde fordert entschlossene Männer, die ihre Zeit verstehen, die die Reformen wollen, aber auch den Preis, den sie kosten, zu zahlen bereit sind. Dieser Preis heißt: Reduktion der Ausgaben für Heer und Marine. Ausrottung des organisierten P a r a s i t e n t u m s. das in allen Verwaltungen haust, Konvertierung der Rente, kurz, eine den Interessen der Hochfinanz entgegentretende Politik. Man kann nicht unihin, sich zu ftagen, tvarum, wenn die Er- füllmig seiner Versprechungen in Giolittis Macht stand, er sie in den zwei Jahren, als er Minister des Innern war, nicht verwirklicht hat? Was steht ihm jetzt zur Verfügung, das ihm ftüher nicht auch zur Verfügung stand? Giolitti hat, wie alle Ministerpräsidenten in Italien, nur da- durch eine Mehrheit um sich gesammelt, daß er diesem Fraktiönchen diese, jenem jene Zugeständnisse machte. Von einem„reinen Tisch machen",„von vorne anfangen" kann bei ihm keine Rede sein. Und deshalb kann man nur mit ttefer Skepsis seine Erklärungen auf- nehmen. Er wird den Süden nicht sanieren, denn er braucht ja gerade seine Korruptton, er stützt sich auf die Abgeordneten, die dort die kleinen Tyrannen der lokalen Cliquen sind. Er wird die Herab- setzung der Agrarzölle nicht durchsetzen, weil er sich des Einflusses der mächtigen Großgrundbesitzer nicht erwehren kann. Die Alters- Versicherung der Arbeiter und die sociale Gesetzgebung wird er im besten Falle zum Gesetze aus dem Papier werden lasten— ist doch das norditalienische Großkapital reich an parlamentarischem und außerparlamentarischem Einfluß. Giolitti kann nicht der Träger einer demokratischen Politik sein, weil er und sein Kabinett mit der Erbsünde behaftet ist, den großen kapitalistischen Jnteressenkoalitionen verpflichtet, verbündet— verkauft zu fein. Nicht im trivialen Wort- sinn, wohl aber in der übertragenen Bedeutung einer tiefgehenden politischen und psychologischen Abhängigkeit. Diese in seinem Ursprünge begründete Unfähigkeit des Kabinetts. die versprochenen Reformen zu verwirklichen, hat auch Bissolati in in seiner gestrigen Rede als einen Grund der Oppositton der Socialisten bezeichnet, ebenso wie die moralische Minderwertigkeit einiger Minister.-- � Veutkickett Reich. I« Kampfe um den Zehnstundentag. Die seit 1ü Wochen im heldenmütigen Kampfe gegen die Unter- nehmer stehenden Weber in Crimmitschau werden jetzt von der Polizei verhindert, Versammlungen der Arbeitslosen abzuhalten. Diese diensteifrige neue polizeiliche Unterstützung der Fabrikanten hat den Vorstand unsrer Partei veranlaßt, den streikenden Arbeitern neben den bereits überwiesenen 6000 M. aufs neue 4000 M. zur Unterstützung in ihrem schweren Kampfe zu übersenden. Wir hoffen zuversichtlich, daß es der Ausdauer der tapferen, gegen Hunger und Elend kämpfenden Streiter sowie der thatkräftigen Hilfe der deutschen Arbeiter gelingen wird, trotz aller polizeilichen Gewalimaßrcgeln den Sieg der Unternehmer zu verhindern.—■ Neue Zollmaßnahmen Kanadas gegen Deutschland. Nach einer „Ldffan"-Meldung aus Ottawa scheint die kanadische Regierung die Absicht zu haben, Deutschland zum Zollkrieg herauszufordern. Sie hat für die Erhebung des Zuschlagszolles auf deutsche nach Kanada importierte Waren neue Bestimmungen erlassen, die erheblich strenger sind als alle vorher in Geltung gewesenen. Es wird darin bestimmt, baß der ZuschlagSzoll von allen Waren erhoben werden soll, von denen 60 Proz. des Verkaufswertes des Fertig- sabrikais in Deutschland erzeugt wurden, wenn auch die Ware als Halbfabrikat vielleicht in oin andres Land gesandt wurde, uni dort fertiggestellt zu werden.— Der Tabak soll bluten. Der sächsische Finanzminister Dr. Rüg er erklärte in der Zweiten Kammer, als er über etwaige Tabaksteuer- Pläne befragt wurde: „Auf der Finanzminister-Konferenz in Berlin ist die Tabak- sieuer mit keinem Worte erwähnt worden; eS liegt also in der Beziehung durchaus kein Grund zur Befürchtung vor. Daß bei einem weiteren Ausbau des Gebietes der indirekten Abgaben aber auch der Tabak mit in Frage kommt, ist ganz s c l b st v e r st ä n d- lich und wir müßten unser Handwerk als Fiuanzmänner doch recht schlecht verstehen, wenn wir nicht auch den Tabak immer wieder mit nnsrem liebevollen Finanzaugc ansehen wollten." Nach berühmten Mustern sucht der sächsische Minister dann dar- zulegen, daß im Ausland der Tabak weit mehr Stenern trage als bei uns und daß dadurch Produktion und Konsuln gar nicht beeinträchtigt würden. Die Mitteilungen des sächsischen Ministers und der Ton, in denen sie gemacht wurden, zeigen deutlich genug, wie ciftig die Steuerkiinstler der Regierungen beflissen sind, ihr interessantes„Hand- werk" auszuüben.— Keine Schiffahrtsabzabe«! Der agrarische Vorstoß, von der Rcgiening einen Gesetzentwurf für Schiffahrtsabgaben auf natürlichen Wasserstraßen zu erpresset?, scheint, vorläufig wenigstens, keinen Erfolg haben zu sollen. Das Präsidium des Deutschen HandelStagcS nämlich, dessen offiziöse Be- Ziehungen notorisch sind, hat der Koblenzer Handelskammer, die wegen der drohenden Gefahr d?e sofortige Einberufung einer außerordeirt- Wen Tag-.mg des Deutschen Handelstages verlangte, soeben wörtlich geantwortet: ..Da es feststeht, daß die preußische Regierung nicht beabsichtigt, ihrerseits den Entwurf eines Gesetzes zur Einführung von Schiffahrtsabgaben auf natürlichen Wasserstraßen einzubringen, halten wir die Angelegenheit, ohne ihre große Bedeutung zu verkennen. nicht für so dringlich, daß ihrerwegcn eine außerordentliche Vollverstmnnlung zu berufen wäre. Wir werden sie zunächst auf die Tagesordnung der am 7. und 8. Dezember stattfindenden Aus- schußsitzung setzen." Das klingt sehr zuversichtlich, immerhin wird man gut thun, auf die Eirtwicklung der Sache auch weiterhin achtzugeben. zumal bei der preußischen Regierung das, was heute„fest- steht", morgen schon wieder über den Haufen gerannt sein kann. Warum Soldaten desertieren. Ein Fall, der typische Bedeutung hat, entrollte sich vor dem Ober-Kriegsgericht in Königsberg. Der Kanonier Kahlau, welcher in Pillau seiner Militärpflicht genügte, war vom Kriegs- gericht zu Königsberg wegen Fahnenflucht zu l> Monaten Gefängnis verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte er Berufung eingelegt. Die Verhandlung fand mm am 3. Dezember in Königsberg statt. Der Angeklagte erklärte, daß er durch fortgesetzte Mißhandlungen zur Fahnenflucht getrieben sei. Aus der Beweisaufnahme ging auch hervor, daß gegen zehn Vorgesetzte des Angeklagten ein Strafverfahren wegen schlverer Mißhandlung schwebt. Ein Vicefeldwebel ist mit gezücktem Säbel auf den Airgeklagten losgegangen und hat gedroht, denselben zu d u r ch st e ch e n. Aus Furcht, der Vicefeldivebel könne seine Drohung einmal wahrmachen, sei er ans und davon gegangen. Auch ein Lieutenant soll bei den Mißhandlungen beteiligt gewesen sein. Der Vertreter der Anklage war gezwungen, eine BerteidigungS- rede zu Gunsten des Angeklagten zu halten. Er erklärte, daß der Fall heute anders liege, als bei der ersten Verhandlung. Damals sei ja auch von der Mißhandlung deS Angeklagten gesprochen worden, doch es lag noch nichts Positives vor. Jetzt weiß man, daß gegen zehn Vorgesetzte das Strafverfahre?! schwebt. Den Notstands- Paragraphen könne man aber nicht anwenden, denn weim jemand wegen Mißhandlung flicht, sei das kein Notstand, er könne sich ja beschweren. Nun ist es aber unzulässig, daß jemand a ch t Monate in Untersuchungshaft gehalten wird wegen eines Ver- gehcns, auf welchem 6—9 Monate Strafe steht. Der Arzt hat schon vor einiger Zeit erklärt, daß der Angeklagte tiefsinnig werden könne, und es wurde schon erwogen, ob er überhaupt ver- nehmungSfähig sei. Der Angeklagte kann geistig und auch körperlich krank werdeu, er beantrage deshalb das erste Urteil aufzu- heben und auf sieben Monate Gefängnis zu erkennen, die Strafe aber als verbüßt zu erachten. Der Angeklagte bat, man möge ihn nach einem andern Truppenteil versetzen. Das Gericht erklärte sich hierzu nicht als kompetent, hob das erste Urteil auf und trat dem Antrage des Vertreters der Auflage bei.— Ei» befangener Richter. Nicht alle Tage kommt es vor, daß ein preußisches Gericht einen Richter zur Murteilung eines social-; demokratischen Redakteurs für befangen erklärt. Freilich offenbaren auch nicht alle Richter ihre Meinung über die Social- dcmokratie in so offener Weise, wie eS der Amtsgerichtsrat Rückcrt in Frankfurt a. M. gethan hat. Dieser hatte kürzlich als Vor- sitzender einer Sckiöffengerichtsabtcilung den verantwortlichen Re- dakteur der Frankfurter„Volkssttmme", Genossen Zander, abzu- urteilen, weil Z. den Herausgeber einer Handels- und Gcrichtszeitung beleidigt haben sollte. Die„Volksftimme" hatte im August d. I. einen Artikel, überschrieben„Geschäftlicher Verruf" gebracht, in dem gegen die Veröffentlichung von Manifestanten usw. in den sogenannten Gerichts- und Protestlisten Front gemacht wurde, weil es notorisch ist, daß der Herausgeber einer solchen Protestliste sich„schmieren" ließ und nur die armen Teufel veröffentlichte, die dazu nicht in der Lage waren. Mt Bezug auf diese Thatsache war in dem Artikel gesagt, daß die moralischen Dualitäten der Herausqeber solcher Protest- und Gerichtslisten keineswegs immer einwandsfrei seien. Dadurch fühlte sich der Herausgeber einer Frankfurter Gerichts- zeitung beleidigt, strengte Klage an und Zander wurde auch wegen Beleidigung des Mannes zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt, obwohl er bis dahin noch nicht vorbestraft lvar. Aber das wäre an sich nichts Bedeutungsvolles und kaum der Rede wert; höchst interessant war aber die Begründung des Urteils.-Darin hieß es:„Bei der Schwere der Beleidigung(!), die geeignet ist, dem Kläger nicht mir die Ehre abzuschneiden, sondern ihn auch gesellschaftlich unmöglich zu machen und geschäftlich schwer zu schädigen, erschien eine erhebliche Strafe angemessen. Jedoch ist von einer Freiheitsstrafe mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit des Beklagten und auf die Leicht- fertigkeü, die in der von i»m vertretenen politische» Partei in Br- ziehung auf die Elire der Mitmenschen üblich und hergebracht ist, noch abgesehen ivorden." Das war denn doch ein etwas sehr eigcntüm- licher und bedenklicher„Milderungsgrund", und da gegen Zander noch eine zlveite Privatbelcidigungsklage vor demselben Gericht schwebte, so ließ er durch seinen Anwalt Dr. Sinzheimcr den Amts- gerichtsrar Rückcrt wegen Befangenheit ablehnen. In der schriftlichen Begründung dieses Ablehnungsgesuches führte Sinzheimcr aus: Der Standpunkt Rückerts sei geeignet, in den Fällen Mißtrauen gegen die Unparteilichkeit dieses Richters zu recht- serttgen, in denen ein Angehöriger der soeialdemoiratischm Partei von ihm abzuurteilen ist. Einem solchen Angeklagten steht von vorn- herein die Ansicht des Richters entgegen, daß er— als Angehöriger einer mit der Ehre der Mitmenschen leichtfertig umgehenden Partei— selbst leichtfertig in Bezug auf die Ehre der Mitmenschen sei. Diese Ansicht, die. wie keiner Ausführung bedürfe, unbegründet ist, kann in dem einen Fall wohl zur Strafminderung, in einem andren Fall aber zur Straferhöhung führen. Es besteht aber auch weiter die Gefahr. daß bei der Frage nach dem Vorhandensein einer strafbaren Be« leidigung überhaupt von dem eingenommenen Standpunkt aus leicht Konsequenzen zu Ungunsten des Angeklagten gezogen werden können. Das gilt besonders bei der thaffachlichcn Feststellung des subjektiven Thatbesrandes der Beleidigung: der Richter, der von vornherein über- zeugt ist, der Angeklagte sei— als Angehöriger einer bestimmten Partei— leichtfertig in Beziehung auf die Ehre der Mitmenschen, ivird möglicherweise leichter dazn kommen, das Bewußtsein bezw. die Absicht der Beleidigung anzunehmen, als derjenige Richter, der gegen den Angcflagtcn eine solche vorgefaßte Meinung nicht hat.— Das L a n d g er i ch t zu Frankfurt(3. Strafkammer) hat diese Gründe als richtig anerkannt und„das Ablchnungsgcsuch des An- geklagten gegen den Amtsgerichtsrat. Rückert für begründet erklärt". Die Zugehörigkeit zur soeialdemokratischen Partei— so führt das Landgericht aus— rechtfertige nicht die Annahme, daß der An- geklagte als Mitglied dieser Partei alle Maßnahmen imd Erklärungen billige. Gegen den Angeklagten liegen auch keinerlei Umstände vor, Welche ihn als einen gewohnheitsmäßigen Beleidiger oder Ehr- abschneider erscheinen lassen könnten. Nimmt_ aber der Richter allein aus der Parteizugehörigkeit des Angeklagten an, daß ihm ein Hang zu beleidigen innewohne, so unterstellt er bei Beurteilung des Angeklagten eine Thatsache, deren Richtig- k e i t er ohne weiteres nicht annehmen kann und er mißt der Partei- Zugehörigkeit des Angeklagten eine Bedeutung bei, die die Besorgnis der Befangenheit in der Beurteilimg des Angeklagten berechtigt er- scheinen läßt.— Es kommt nicht alle Tage vor, daß ein preußischer Richter in dieser Weise rektifiziert wird.— Die oberjchlcsische Gerechtigkeit hat sich von de??? doch wahrlich nicht mit einem Uebermaß von social- politischem Verständnis behafteten Reichsgericht scho?? mehrfach eine Korrektur gefallen lassen müssen. Auch gestern ist dieser Justiz, die den Arbeiter und dessen Wortführer durch unglaubliche Urteile zi? treffen sucht, vom höchsten deutschen Gericht ein beachtenswerter Denkzettel verabreicht worden. Das Landgericht Leuth en hat am 12. Juni den Redakteur de:„Gazeta Rovomicza", Theodor Lukasczyk, wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung nach tz 130 Str.-G.-B. zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. In der Königin Luise-Grübe bei Zabrze hatte ein Einsturz zur czolge gehabt, daß 20 Arbeiter ihr Leben verloren und 7 erhebliche Ver- letzungen erlitten. Das genannte Blatt hatte hierüber einen Benchr gebracht, an den sich ein Aufruf anschloß. In diesem Artikel waren den Arbeiten? die Kapitalisten gegenübergestellt. Das Landgericht hat angenommen, dah dadurch die Arbeiter zu Gewaltthät�gkenen gegen die Kapitalisten angereizt worden seien und daß es sich hier um zwei verschiedene BcvMerungstlasse?? handle. Die Lage der Arbeiter sei so geschildert, daß ihre Unzufriedenheit im höchsten Grade erregt werde???nüsse. Auk die Revision des Angeklagte?! hat das Reichsgericht das Urteil ausgehoben und die Sachs an das Landgericht zurückverwiesen. In der Begründung wurde aus- gefübrt: Welches der Sinn eines Artikels ist, das?st an sich Sache der thatsächlichen Feststellung. Wenn das Landgericht zwischen Arbeitern und Arbeitgebern als zwei verschiedenen Bevöllerungsklasscn scheidet, so unterliegt dies keinem Bedenken. Bcdel?ilicher aber schon ist die Feststellung, daß nach der Intention des Vers fassers der i??kri?nii!ierte Artikel eine Aufreizung dieser ver- schiedenen Bevölkerungsklassen zu Gewaltthätigkeiten gegeneinander enthalten solle. Ter Artikel spricht an sich eine direkte A??fforderun-, zu Gewaltthätigkeiten mit keinem Worte aus. Wenn das Gericht darin, daß gesagt ist. die Arbeitgeber möchten statt der Arbeiter auf der Walstatt der Arbeit zu Grunde gehen, eine Aufreizung zu Gewalt- thätigkeiten erblickt, so ist nicht ersichtlich, wieso darin eine Auf- reizung liege?? soll. Von einer Ausre?Zu??g kann aber insbesondere nicht schon dann die Rede sein. Wenn ein Artikel einen gewissen Sinn haben soll. Erforderlich ist. daß der Sinn derart ausgedrückt ist. daß er denen, die aufgereizt werden sollen, v e r st ä n d l i ch w i r d. Es muß also, wenn eine Verirrteilung erfolgen soll, ausdrücklich festgestellt werden, daß der Sinn des Artikels auch den Lesern verständlich sei??, mutzte. Eine direkte Ausforderung zu Gewaltthätigkeiten ist in dem Artikel mit keinem. Worte enthalten, auch ist nicht festgestellt, daß der Sinn so, wie er von? Verfasser gemeint sein soll, von den Lesern versta??dcn werden Trotz dieser Korrektur werde?? die oberschlesischen Proletarier und deren Vertreter gciviß noch manches schlimme Gerichtsurteil über sich ergehen lassen müssen, bevor sich ihnen die Ketten ein wenig lösen._ Das graue sächsische Elend. AuS Sachse?? wird uns geschrieben: Die Etatsberatung iin sächsischen Landtage hat diesinal ohne Widerspruch von irgend einer Seite den Zusammenbruch der Staats« finanzen konstatiert. Ter Finanzministcr sowohl, als die offiziellen Redner der herrschenden konservativen Partei, sowie die Redner der übrigen Parteien jammerte?? sozusagen um die Wette über die ernste, '.nißliche Fincmzlage des Staates. Das Deficit kann so wenig ge- leugnet werden, wie die unzulässige, ungesunde finanztechnische Ge- staltung des Etats. Letztere ist jedoch nur die Folge der konservativen Mißwirtschaft, die zu den Schiebungen im Etat— Versetzung laufender Ausgaben aus dem ordentliche?? in den außerordentlichen Etat— drängte. Und das Deficit ist noch größer, als wir es jüngst hier angaben. Zu dem von uns festgestellten Deficit von 40 Millionen kommt noch hinzu ein Deficit von 7 Millionen aus der Finanz- Periode 1900/01, daS nach den Angaben des Ministers noch zu decken ist. Um die Kritik an der Finanzwirtschaft des MmsteriumS Metzsch zu mildern, scbrieb der Finanzminister Dr. Rüger die mißliche Lage in erster Linie der wirtschaftlichen Depression und dem?lnhaltbare?i finanziellen Verhältnis zwischen Reich und Einzel st aaten zu. Ferner wendete er sich gege?? den Lu?'us prunkvoller Staatsbauten und empfahl, überall zu sparen. Tann versuchte er i?och durch ein R c che n k u n st st ü ck ch en plumpster Art die Jinauzwirtschast des Ministeriums Metzsch als eilte immerhin??och lukrative hi??zustellen. Er rechnete nämlich die Ueber- schüsse und Fehlbeträge der letzten 22 Jahre zusammen und folgerte dann, daß gegen die Fehlbeträge die Ucberschüfie noch weit über- wögen. Nun steht aber aktenmäßig fest, daß die Deficitwirtschaft, d. h. die oben bezeichnete?? Schiebungen mit der Aera des Ministeriums Metzsch beginnen. Im Etat 1890/91 treten zum erstenmal solche Schiebungen in Höhe von 3V- Millionen ein, die sich bis 19 0 1/02 auf ca. 3 6 Millionen erhöht haben. Diese Thatsache wirft das ganze Rechenexempcl des Finanzministers über den Hansen. ES ist aber ferner nicht wahr, daß die wirtschaftlich« Depression in erster Linie die Ursache der Final?zmisere sei. denn in die Rcgierungszeit des Ministeriums Metzsch fällt der wirtschaftliche Aufschwung in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre. Und wenn es auch richtig ist, daß die hohe?? Matr?kularbciträgc den sowieso schon brüchigen Etat noch schlimmer gestalteten, so trifft doch die S ch u l d an diesem Unglück die Regierung mitsamt den K a r t e l l p a r- t e i e n. die alle?ni!itaristischen, Milliarden verschlingenden Pläne der Reichsregierung unterstützten und dadurch die Ausgaben des Reiches so steigerten, daß höhere Matrikularbeiträge die Folge waren. So fallen also alle Beschömgungs- und Vertuschungsversuche des Finailzministers zusammen, der unter der Wucht des Deficits sich auch nicht a??ders zu helfen wußte, als die Schiebungen im Etat fort- zusetzen, wie wir bereits früher nachwiesen und wie er selbst jetzt zugeben mußte. Praktische Vorschläge zur Beseitigung der mißlichen Lage machte aber weder der Minister,??och irgend einer der Red??er aus den Reihen der Abgeordneten. Der DreUlassenlai?dtag erschien angesichts der trostlosen Lage wie eine Versammlung von Leidtragenden, denen der Mi???ster das alte Rezept größerer Sparsamkeit empfahl. Damit lockt er keinen Hund hinter dem Ofen hervor, geschweige denn die zur Deckung des Deficits nötige?? Millionen aus den Taschen der Besitzende??. Dagegen erklärte er sich nicht??ur gegen direkte Reichs steuern, sondern stellte die Ermäßigung der direkten Steuern als eine Notwendigkeit hin, deren Erfüllung freilich das Deficit unmöglich macht. Das Ideal des Ministers find indirekte Steuern und besonders betonte er eine Erhöhung der Tabakbcsteuerung. Die sehr starke Tabakindustrie Sachsens Ivird sich jedenfalls scharf gegen diese Steuerfchwärmcrci des Ministers wenden. So wie der Minister heulmciertcn die Redner der Konserbativen über die Lage, ohne die Ursachen der Misere aufzudecken. Sie hatten denn freilich ihre eigne Mißwirtschaft anklagen müssen. Auch die schwache Opposition von uationallibcraler Seite rührte nicht an die Ursachen. Näher kam ihnen schon der freisinnige Abgeordnete Günther-- Plauen, der jedoch die Entwicklung des Etats und der ganzen Mißwirtschaft nicht kennt. So erging sich die Beratung in allerhand Tiraden, ohne auch nur den Schatten einer positiven Hilfe in dieses graue Elend zu bringen. Ter konservative Abgeordnete Opitz verstieg sich sogar so weit, die ehemalige socialdemokratischc Landtagsfraktion mitverantwortlich für die mißliche Finanzlage des Staates Zu machen. Sie soll zu viel für— die Schule gefordert und sonst alles bewilligt haben. Demgegenüber stellen wir fest, daß die Schulanträgc der socialdemo- kratischcrh Fraktion nickt angenommen ivorden sind, daß aber bereits in der Session 188ö/6ti für die socialdemokratischen Schulanträge, die höhere Zuschüsse für die Volksschule forderten, der Abgeordnete Bebel einen finanziellen Plan zur Deckung der Forderungen zugleich entwickelte, der den Etat nicht aus dem Gleichgewicht brachte. Alles wurde abgelehnt. Ferner steht fest, daß die socialdem akratische Fraktion gegen die den Etat zerrüttenden Schiebungen protestierte, freilich auch kein Gehör bei der Landtagsmehrheit und Regierung fand und sckließlich hat die focialdcmok ratische Fraktion stets gegen den Gesamtctat gestimmt, gerade weil sie den Zusammenbruch dieser Wirtschaft voraussah und voraussagte. Und Ust not legst wollen wir hier konstatieren, daß die socialdemokratischen Abgeordneren aus allen Deputationen, auck aus denen, in welchen der Etat speciell geprüft wurde, ausgeschlossen waren. Um so lächerlicher ist es, jetzt der Socialdcmokratie die Mit- schuld an den Schandthaten der Konservativen aufbürden zu lvollen. Diese Absicht, andren die eigne Schuld aufzubürden, läßt die Schuld und Wahrheitsliebe der Herrschenden in grellem Lichte er- scheinen. Nach der diesjährigen Etatsbcratung ist bombensicher, daß mucksen noch lange, lange Jahre die traurige Finanzwirtschaft der Wahlentrechtler zu tragen hat, tvenn nicht die socialdcmotratische Partei eine starke Vertretung in der Landcsgesctzgcbung erhält. Aber daran ist vorläufig nicht zu denken, und sc touchert das graue Elend Adctzschscher Politik lveiter. Weimar, den 6. Dezember.(Eig. Ber.) Vitt echt frei- sinniger Wahrheitsliebe versuchen jetzt eine Anzahl bürgerlicher Blätter den Ausfall der LandtagZwahlen in Sachsen- Weimar, insbesondere den Reinfall der Freisinnigen, einzig und allein den Socialdcmokrcttcn zuzuschieben.„Rabiater Haß" und„Vcr- Wendung" hätten die Socialdcmokraten veranlaßt, direkt für einen -llationalliberalen zu stünmen, und nur dadurch sei im Wahlkreise Kaltennordheim-Ostheuir die Wiederwahl des bisherigen freisinnigen Abgeordneten verhindert ivorden. Demgegenüber stellen wir fest, daß zwar unsre Genossen insofern taktisch nicht richtig verfuhren, als vier unsrer Wahlmänner im ersten Wahlgangc für den National- liberalen sttmmten, daß aber auch bei Stimmenthaltung den Nationalliberalen der Sieg sicher war; denn diese verfügten über 13. der Freisinn über 11 und die Socialdcmokraten üver Wahlmänncr. Nach den nnt dem Freisinn gemachten Erfahrungen hatten aber unsre Genossen es keineswegs nötig, dem Freisinn zu helfen. Daß die socialdemokratischen Wahlmänncr in einem rein ländlichen Wahl- kreise, fernab vom politischen Getriebe der Großstädte(im Rhön- gebirge) gegenüber dem Freisinn eine so entschiedene Stellung ein- nehmen, ist auch ein Beweis dafür, wie viel der Freisinn an Ansehen im Volke eingebüßt hat.— Majestätsbelridigung. In Danzig Ivurdc der Tischler Hanischle am 2. Dezember von der Anklage der Majestätsbcleidigung frei- gesprochen. Er sollte am 7. November im angetrunkenen Znstande eine Kaiserbeleidigung begangen haben. Er wurde, trotzdem cr jedes Verschulden in Abrede stellte, sofort verhaftet und auch bis zur Gerichtsverhandlung in Untersuchungshast behalten.— HusUnd. Die Greuel in Kischiuew. Die Gerichtsverhandlungen enthüllen unglaubliche Bestiali- täten der aufgereizten Volksmenge, deren Ausschreitungen durch die Civil- unh Militärbehörden nicht nur nicht verhindert, sondern sogar begünstigt wurden. Räch dem Bericht der„Neuen Freien Presse" sagte in der Ver- Handlung vonr 2. Dezember der Arzt Dr. D o r o s ch c tv S k tz, der als Erster den Verwundeten Hilfe geleistet hat, aus, der Anblick sei so furchtbar gewesen, daß er es m i t W o r t c n nicht zu schildern vermöge. Einer Leiche war das Ohr abgehackt, einem einäugigen Manne wurde auch das gesunde Auge aus- gestochen. Aus der Art der Verwundungen ging hervor, daß die Getöteten in raffinierter Weise zu Tode gemartert Ivorden seien. Einer Leiche war der Bauch aufgeschlitzt und mit Federn angefüllt ivorden. Schuhmacher Nadruschjew berichtete dem Zeugen, daß er in Gcgcnlvart des Untersuchungsrichters Dawidowitsch einer Leiche zwei Nägel aus der Rase gezogen habe. Dr. Doroschewsky hat über diese Greuel in einem russischen Blatt berichtet und erhielt darauf vom Gouvernements-Obcrarzt Pretjotto- viksch den Auftrag, diese Mitteilungen zu widerrufe n. Rechts- anlvalt Karablichewsky fragte den Zeugen:„Wann wurden Sie Ihres Amtes als Spital sarzt enthoben Zeuge: ,„A« 16. Mai."— Vorsitzender:«Wann wurden Sie vom Unter- ' suchungSrichter vernommen?"— Zeuge:„Am 14. Mai." Der Zeuge fügte hinzu, der Untersuchungsrichter Kreynat habe seine Zeugenaussage entstellt wiedergegeben. Er hatte sich eine Abschrift seiner Aussage angefertigt. Bald nach seiner Vernehmung sei in seiner Wohnung Haussuckung vorgenommen und das betreffende Schriftstück beschlagnahmt worden. Der Konfckttonär Fischmann besaß nach seiner Ans- sage in der Nitolewskaja ein großes Wohnhaus, sein Lokal war Ostern geschlossen. Die Exzedenten hoben die Rollbalkcn ans und hausten in seinem Geschäfte fürchterlich. WaS sie nicht mitfchlevven konnten, wurde vernichtet. Das geschah in Gegenwart des Vice- gouverncnrs Ustrugow, deS Gendarmrrie-O berste» Chnnfcntow und zahlreicher Personen aus der sogenannten Intelligenz Kischincws. Als die Plünderer heranrückten, gaben die Offiziere Befehl, daß die Soldaten einige Schritte zurückträten, um den Plünderern Platz zu machen. Man ließ auch das Militär erbeutete Waren wegtragen, Bürger aus den gebildeten Ständen beteiligten sich an der Plünderung. Notar PissartschewSky und Stadtrat Sinardino riefen der Menge zu:„Das ist einmal ein Festtag, gehet heim und leget Soimtagskleider an!" Der Zeuge erklärt, cr habe thalsächlich geglaubt, cS wäre ein allerhöchster Befehl gekommen, die Juden zu berauben. Am 3. Dezember wurden die Familienmitglieder der Erschlagenen vernommen. Schluchzen und Wehklagen erfüllten den Saal. Rnben Kazop hat mit eignen Augen ansehen müsien, wie seine Großmutter unter furchtbaren Oüalen ermordet wurde. Die Plünderer kamen auf Umwegen ins Haus, da das Hausthor mit eisernen Riegeln verschloffen war. Simon Baronowitsch, Vater deS ermordeten RealschullehrerS der fünften Klaffe, schildert. wie er und sein einziger Sohn sich in Todesangst verkrochen hatten, feine Aufregung ist so groß, daß er in Ohnmacht fällt. Die Advokaten und selbst die Richter weinen und die Verhandlung muß auf eme Stunde unterbrochen werden. AIS die Verhandlung wieder eröffnet wird, fragt der Vorsitzende:„Würden Sic die Mörder wiedererkennen?" Der Zeuge erwidert:„Sie sitzen auf /er An- llagcbank(cr nennt sie mit Name»), ich durfte mich in jenen schrcckenS- vollen Minuten nicht rühren: als ich vor Verzweiflung zu schreien be- gann, riefen sie mir zu:..Rühre Dich nicht, wir werden auch Dich bald wie einen Hund tot machen. Eben t ergriffen sie mich, als Soldaten in den Hof traten und ihnen in gemütlichem Tone zuriefen:„Hier habt ihr genug Arbeit gr- leistet, gehet weiter!" Ich wollte nun flüchten, da erinnerte ich mich, daß meine andern Angehörigen in einem Stall versteckt seien.. Ich wollte zu ihnen, da kam der P olizeipristaw Solowkin, ich flehte ihn um Hilfe an.„Es ist ja niemand von Euch etwas gc- schchen," sagte er. da führte ich ihn zu der Leiche meines Tohneö.„Richtig, da liegt cr!" sagte der Polizist und wandte sich zum Gehen. Er war in die Blutlache getreten und blieb stehen, um seine Schuhe zu putzen. Zu«nscrm Schutze that er aber nichts. Die Vertreter der Beschädigten ver- langen die sofortige nochmalige Vernehmung des Pristaws Solowkin. er erscheint kreidebleich. Der Zeuge erinnert ihn an die Scene, Solowkin stellt aber alles in Abrede.. Der bisherige Verlauf der Prozeßveryandlungen in Kischinew hat mit voller Sicherheit den Beweis erbracht, daß die russischen Bc- Hörden die Hauptschuld an de» entsetzliche» Greuclthate» in Kischinew tragen.— Oestreich-Ungarn. Ende der Obstrnktion im ungarischen Abgeordnetenhansc. Auf die Bemerkungen Kossuths über die Bedingungen, unter denen die Unabhängigkeitspartci die Obstruktion einstellen tvürde, erklärte Ministerpräsident Graf Tisza am Sonnabend im Ab- gcordnetenhansc, der Beschluß über die Abhaltung von Nachmittags- sitzungen lverdr außer Kraft gesetzt werden. Seine Erklärungen bezüglich der Wahlreform halte cr aufrecht. Er nehme auch keinen Anstand, den Wunsch deS Vorredners zu erfüllen und im?lb- gcordnctcnhause eine Resolution zu beantragen, die den Grundsatz ausspreche, daß jedes Recht und somit auch das Recht bezüglich der Armee seinen Ursprung in der Nation habe. Gras Tisza führte ferner aus, er habe sich stets zu diesem Kardinalprincip des ungarischen Staatsrechtes bekannt, ivelches die Krone und das Volk in einen organischen Zusammenhang bringe, so daß man sich einen Gegensatz dieser Faktoren staatsrechtlich nicht vorstellen könne. (Beifall auf allen Seiten des Hanfes.) Graf Tisza drückte schließlich unter allgemeinem Beifall den Wunsch ans, daß der Kamps im Parlamcnr nunmehr nach Art lohalcr Gegner und innerhalb der Grenzen der Mäßigung geführt werden möge.— Die Konferenz der Unabhängigkeitspartei hatte am Freitag mir 46 gegen 28 Stimmen einen Bcschlußantrag Koloman ThalyL angenommen, Ivelcher Einstellung der Ob- st r u k t"t o n bedeutet. Es ist anzunehmen, daß die Minorität, mit Ausnahme von etwa zehn Mitgliedern, sich dem Beschlüsse der Majorität fügen wird.— Schweiz. Politische Polizei. Zürich» 4. Dezember.(Eig. Ber.) Im Züricher Kantonsrat brachte Genosse Greulich die H a n d l a n g e r d i e n st e zur Sprache, welche die Zürcherische Kantonspolizei der Bundes- an waltschaft in Bern leistet und wofür diese pro 1002 1000 Franken an Spitzelgeldern entrichtete. Greillich erzählte, daß er bei einem Besuche in der Polizeilaserne zwei Kästen, einen großen und einen kleinen sah, wovon der eine weiße, der andre rote Karten enthält. Auf seine Anfrage, was das bedeuten soll, wurde ihm die Aus- kunft, daß der Kasten mit den weißen Karten die aiithropoinctrischen Signalenieiite der geineiiien, der Kasten mit den roten Karten jene der politischen Verbrecher enthalte. Greulich bezeichnete mit berechtigter Entrüstung es als eine Schande für ein demokratisches Gcmeinivcsen. Leute, die nichts Schlechies begangen, sondern nur Ivegcn ihrer Gesiniiüng als Anarchisten wie Berl'rechcr zu behandeln. Auch die Versaminlnngeit würden überwacht, damit, die Polizei an den Bundesantvali berichten könne. Das sei ein Mißbrauch der Polizisten, auch insofern, als sie doch unfähig wären, einen ordentlichen wahrheitSgetreucii Bericht zu machen. Das heiße mau mit der Polizei Schindluderei treiben: sie sollte lieber den Mördern nachspüren, statt den Anarchisten nachzulaufen. Diese Gefinmirrgs- schnüffelei sei ein Skandal, namentlich da hierzu Jildividucn geringster Sorte benutzt ivürden, wie feiner Zeit der in seiner Heimat wegen gemeiner Verbrechen bestraste italienische„Polizei-- konimifsar" Santoro, der von, Züricher Polizeihauptmann ein Zengnis für geleistete gute Dienste erhielt. Genosse Pfarrer Pflüger konstatierte, daß nicht mir Anarchisten. sondern auch Socialisten überwacht werden. So habe er selbst auf der Polizcidirektion zwei Rapporte über sich gelesei». In eiiicr Streitvcrsammlung hatten sich acht bis zehn Geheimpolizisten eingefunden, die aber an die frische Luft befördert wurden. Weiler meinte er, man sollte sich schämen, vom Bunde Geld für Spitzel- dienfte anzunehmen. Der Polizeidirektor. RegiernngSrat Dr. Stößel, einer der wenigen ehrlichen Demokraten, die von der alten Garde noch geblieben, verteidigte die Polizei tu einer solchen Weise, als wollte cr selbst sie verhöhnen. Daß es potittsche Verbrecher gebe, meinte er, gehe doch aus der Gesetzgebung hervor. Seine Worte, wenn Ansammlungeu stattfinden, müsse doch auch die Polizei dabei sein,„weil man nicht weiß, was geschehen kanil", erinnern fast au die köstliche Eharatteristik der Polizei in dem bekannten Lustspiel „Der Staatsstreich von Galgenhausen". Weiter führte er aus. daß von der BundeSanwaltichaft in Bern nichts Ungebührliches verlangt und die Touvcränetät des Kantons unter allen Umständen gewahrt werde. Genosse Lang ergänzte die Ausführungen Grenllchö und Pflügers noch durch die Feststellung, daß die Signalemente voir Polizisten auf Grund der unglaublichsten Mitteilungen von oft sehr zweifelhafteil Personen gemacht werden. Wenn man die Rapporte kennen würde, so verfiele die politische Polizei mit Recht dem Fluche der Lächerlichkeit. Man sollte mit der politischen Polizei endlich abfahren und die 26 000 Fr., die sie all- jährlich den Bund kostet, für nützliche gtvecke verwenden. Dem Regie rmigsrat Stößel sagte er, es geschehe jedenfalls manches, wo- von cr keine Kenntnis habe. Lang erwähnte auch, daß von über 1000„politisch anrüchigen Personen" Signalemente vorhanden find. Also eine elende Polizeilvirtschast. die eine Schande für die demokratische Republik ist.—_ Schutz der Streikbrecher. Luzern, 1. Dezember.(Eig. 23er.) Der Schutz der Streikbrecher ist von den Mittelstandspolitikcrn im Kanton Luzern als ein neuer Rettiingsivea erkannt worden. Im Kantonsrat beantragten sie den Erlaß gesetzlicher Bestimmungen zum Schutze der Arbeitswilligen und des„Rechts auf Arbeit", das bekanntlich gar nicht besteht und gerade von denselben Leuten vor zehn Jahre» bekämpft und in der Volksabstimmung verworfen wiirde, als seine gesetzliche Anerkennung die Socialdemokraten durch ein Initiativ- begehren einführen wollten. Nach der Theorie jener Leute gehört dem ehrlichen Arbeiter� ein Recht auf Arbeit nicht, während es der Streikbrecher als Natur- und Menschenrecht besitzt. Unsere Genossen A lb i s s e r, Koch niid Tamo bekämpften entschieden den reaktionären An wag und traten für das Recht der ehrlichen Arbeiter ein. Namens der Regierung bestritt R e g i e r u n g s r a t W a l t h e r die Notwendig- teit eines besonderen Schutzes der Arbeitswilligen, da die vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen dazu genügen. Ter Streik ist ein Recht der Arbeiter, und ist er nicht strafbar, dann sind cS auch die Aufreizungen zu demselben nicht: ohne weiteres ist auch das Alifftellcn von Streikposten nicht strafbar, denn das Recht zum Streik und die Koalittonssreiheit der Arbeiter hat doch n»r dann Bc- deutung, wen» sich die Streikeiiden mit den Arbeireru in Beziehung setzen könncn: die Konsequenz dieses Verbotes wäre das Verbot ber sogenan nten schwatzen Listen der Arbeitgeber. Zum Schlüsse Ivurdc der reaktionäre Antrag mit 56 gegen 44 Stimmen angenommen und zwar mit Hilfe der Liberalen, von denen nur sechs mit den Socialdemokraten dagegen stimmten, während von den Konser- vativen(Ultramontanen) 33 den Antrag ablehnten. Der mit zwölf Stimmen Mehrheit angenommene Antrag wird nach unsrem Luzerner Parteiblatt ein totgeborneS Kind bleiben. Gerade jetzt bricht die Mittelstandöpoliti! auch in Basel zusammen. wo sie ihr täglich erschicuenes Blatt wegen Interesse- und Erfolglosigkeit eingehen lassen mußte. Einen Leichnam kann man eben nicht mehr levendig machen.— Steuerdefraudation. Bei der Beratung des neuen SteuergesetzeA beantragten die Socialdemokraten im KantanSrat, den Steuerbetrug mit Geldbußen und Gefängnisstrafe zu ahnden. Für diesen Autrag stimmten nur die 39 Soeialdcmokratcn, dagegea 111 Bürgerliche. Beschlossen wurde hicrauf Geldbuße bis zu 3000 Fr., die Nachzahlung der Steuer und außerdem die Zahlung des doppelten Betrages derselben.— Frankreich. Aus der Huinbert-Kominission. Der Nation alt st Berry, der die Einsetzung der Untersuchungskommissioii für die Humbert- Angelegenheit in der Teputiertenkammer veranlaßt hat, legte iir der gestrigen Sitzung der Kommission seine die Humbcrt-Angelcgcnhcit betreffenden Papiere vor. die er als sehr wichtig bezeichnet hatte. Tie Enttäuschung der Kommission war sehr groß, da die Papiere fast ausschließlich aus Zeitungsausschuittcu bestanden. Während der Sitzung kam es wiederholt Zwischen einigen Mitgliedern der Kommission und Berry zu heftigen Austritten, da letzterer durch Au- deutungen und Anspielungen einzelne republikanische Politiker zu lompromittieren suchte, ohne Namen zu nennen. Ii, die Eiige gc- trieben, konnte cr nur einen Namen, und Zwar den des Deputierten Flourens, angebe», was Heiterkeit hervorrief, da F l o u r e n s gerade der nationalistischen Partei angehört. Ruhland. Ei» Opfer der russischen Bricfschnüffclei inFinnland ist der vor kurzem nach Viatka verbannte finnische Bürgermeister Hallonblad geworden. Er hatte, wie schwedische Zeitungen' mitteilen, in einem an einen Freund gerichteten Brief von dem„kaiserlichen Meineidigen" ge- sprachen— wohl in Bezug auf die Untergrabung der vom Zaren beschworenen finnländischeii Verkass'ung. Der Brief wurde im „Schwarzen Kabinett" gelesen. Daß der Absender nur mit Per- bqimung bestraft lvurde, bezeichneten die russischen Behörden als ein Zeichen besonderer kaiserlicher Milde. Der Empfänger des Briefes wurde ans Finnland ausgewiesen. Dies mag zur Warnung für die- jenigen dienen, die mit Freunden in Finnland korrespondieren, daß sie alles vermeiden, tvas den Adressaten Schaden bringen konnte.— Amerika. Ausbau des Manniomus der Vereiniisten Staaten. Der Sekretär des Marinedepartemcnts hat dem Kongreß eine Vor- tage zugehen lassen, welche die Errichtung eines General» st a b e s der Marine sowie den Bau vonFcstungs» werken aus der Insel G u a m, den M edtvay-Jnseli» und der S u b i g- B a i vorsieht. In der letzteren sowohl wie in Olongapa sollen große Docks angelegt werden. Außerdem wird die Ermächtigung nachgesucht, jährlich einige Turbinenschiffc für die Marine bauen und sämtliche Kriegsschiffe mit Apparaten sür droht« lose Telegraphie versehen zu lassen.— parUmentanfebes. Die Schriftführerwahl, lieber das Ergebnis der Schriftführer- wähl, das erst nach der FreitagS-Siyung festgestellt wurde, wird be- kannr: Das Ergebnis ist. daß der Konservative Himburg, von der Deutschen Reichspartei Pauli(Ober-Bannm). der Nationalliberale Riuqsau(neu), vom Centrum Krebs und Freiherr v. Thünefeld (neu), von der Freisimngen Volkspartei Dr. Hcrmeü und Blell und von den Polen Graf von Brudzew-Mielzynski gewählt worden sind. Die von soeialdcmokratischer Seite aufgestellten Kandidaten Fischer(Berlin) und Schippet sind unterlegen.— Regicruugövorlagcn. Das neue Militär- Pensious- g e s e tz ist nunmehr im preußischen Staatsministerium durchbcraten ivorden. Die Einbringung beim Bundesrat steht unmittelbar bevor. — Die B ö r s e n- R o v e l l e ist noch keineswegs fertiggestellt, und es ist daher die Einbringung derselben beim Reichstag in nächster Zeit noch nicht beabsichtigt. Es werden seitens der Staatsregierung noch Sachverständige zugezogen werden. DieL gilt auch hinsichtlich der Abänderung der Stempelsteuer. Au« den Fraktionen. Die nationalliberale Fcakttov hat den Abg. Dr. Sattler als ihren Vorsitzenden erwählt.—- Die Centrums fraltion hat den Grasen Hompesch als Vorsitzenden und die Abgg. Dr. Spahn und Dr. Schädler als stell- vertretende Vorsitzende wiedergewählt. Die Polen fraktion hat den Fürsten R a d z i tv i l l zum Borsitzenden. den Abg. Dr. Czarlinski zu dessen Stellvertreter gewählt. Tie Aufnahme de« gegen den Willen des- offizielle» Wahlkomitees gelvähltcn Abg. K o r f a n t y als Mitglied der Polcnfrattion er- folgte ohne jeden Widerspruch. Fürst Radziwilt begrüßte Korsanth, der übrigens auch als Berrreter der Polen in die Petttionskommissivn entsendet wurde, als den ersten Vertreter des polnischen Voltes in Oberschlcsien. Dagegen wurde der Abg. K u I e r L k i, gleichfalls. ein polnischer Radikaler und bisher entschiedener Gegner der Fraktionslcitung, erst nach lebhaften Debatten in die Fraktion auf- genommen.— Liberale Wahlprotestc. Dem Reichstage find die Wahtpröteste. gegen die Wahl des konservativen Abgeordneten Malkewitz iir K o l b e r g- K ö s l i n und des Reichsparteilers Schlüter in Z ü kk i ch a u- K rossen zugegangen. In dem ersten Wahl- kreise �siegte der Agrarkonscrvative in der Stichwahl nur mit 208 Stimmen Mehrheit über den freisinnig«» Kandidaten Dr. Barth, in Züllichan der Reichsparteiler mit mir 300 Stimmen über den Freisinnigen Prof. Dr. L i s z t. In beiden Wahlkreisen bilden die Grundlagen für die Proteste grobe Wahlbeemflussimgeir und Verstöße gegen die Wahlordnung. Ein weiterer Protest gegen. die Wahl des Reichsparteilcrs Dr. tzoeffel in Zaber», der nur mit 330 Stimmen Mehrheit über den Kandidaten der Freisinnigen Vcr- eimgling Dr. Lewitt siegte, ist in Vorbereitung und geht dem Reichstage in den nächsten Tagen zu.— GewcrkfcbaftUcbca« Crimmitschau! Crimmitschau! Kein Wort braucht es weiter mehr, um dem deutschen Arbeiter die glühende Röte der Empörung ins Gesicht zu treiben!— Crimmitschau! Das Wort sagt mehr zur Erläuterung der Klassengegensätze. als lange Abhandlungen.— Crimmitschau! Dort sieht die deutsche Arbeiterschaft, was sie von den Behörden im Kampfe mit dem Unternehmertum zu erwarten hat!— Und wenn je wieder im deutschen Proletariat da oder dort der Glaube an eine Milderung des Klassenkampfes auftreten sollte, ein Wort wird diesen Glanben unfehlbar zerstören, das Wort: Crimmitschau! Ein gesetzliches Recht giebt es jetzt für die ausgesperrten Arbeiter dort nicht mehr.. Versammlungsrecht und KoalittonSfteiheit sind über den Haufen geworfen worden. Thatsächlich besteht der Belagerungszustand, wenn das auch in den neuesten behördlichen Kundgebungen nicht a u s g e s p r o ch e n ist. Freitagmittag ist an den Plakatsäulen folgender amtlicher Utas angehestet worden: Bekanntmachung. Da in Crimmitschau und Umgegend durch die in den letzten Tagen wiederholt stattgesundenen VolkSaufläufe und die wieder- holt vorgetoinniellen Verstöße gegen§ 153 der Gelverbe-Ordimng die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit der Personen gestört und bedroht erscheint, so wird sür den Amtsgerichtsbezirk Crimmitschau, mit Ausnahme der Bezirke der Landgemeinde» Ober- und Rieder-Grünberg, Heinersdorf. Thonhausen. Blanken- Hain, Dänkritz und Richzenham bis. auf weiteres hiermit angeordnet; 1. daß alle öffentlichen Auf- und Umzüge und alle öffentlichen Tanzvergnügungen, sowie alle Bersammlungen, und zwar sowohl öffentliche und nichtöffentliche, mit alleiniger Ausnahme der Ber- sammlungen von Vereinen, welchesich inkeiner Weise m,t öffentlichen Angelegenheiten beschäftigen, zu unterbleiben haben; 2. daß sämtliche Schank- unbGa st wirtschaften mit alleiniger Ausnahme der Bahnhofs- Restauration zu Crimmitschau von nachts 12 Uhr bis morgens 6 Uhr für allen Verkehr geschlossen werden müssen. Zuwiderhandlungen gegetr diese Anordnungen werden, sofern nach den bestehenden allgemeinen Strafbestimmuugen nicht härtere Strafen eintreten, mit Geldstrafe bis zu 150 M. oder mit Hast bis zu 14 Tagen geahndet werden. Zwickau und Crimmitschau, 4. Dezember 1903. Kgl. AmtShauptmannschast Zwickau. Stadtrat. Dr. Schnorr v. Carolsftld. Beckmann. Keine Versammlung der Arbeiter ist mehr möglich, wenn diese Verordnung auftechierhalten wird. Auch die Zahlstellen der Gewerk- schaftsverbände gelten in Sachsen als politische Vereine, so daß auch Mitgliederversammlungen nicht abgehalten werden können. In Sachsen wird alles möglich gemacht. Vor kaum einer Woche schrieben wir, selbst wenn die Polizei den guten Willen dazu haben sollte, würde sie doch nicht die Macht besitzen, den Unternehmern durch Zwangsmaßregeln die Fabriken zu füllen. Jetzt haben die Behörden das Aeujjerstr getan, was die Unternehmer wünschen konnten. Während die Unternehmer nach wie vor zusammen kommen können, und zwar ohne Ueberwachung durch ein großes Gendarmerie- aufgebot, sollen die Arbeiter jetzt vollständig daran gehindert werden, zur Beratung ihrer Angelegenheiten zu tagen. Das ist un- geheucrlich! Das reichsgesetzlich garantierte Koalitionsrecht wird von den sächsischen Behörden für die Arbeiterschaft mit einem Federstrich aufgehoben. Es wird den Arbeitern sogar verboten, an den Vor- mittagen weiter wie bisher nach Fabriken zum Zwecke der Kontrolle zusammen zu kommen. Selbst ftir die Auszahlung der Streikunter st ützung sind besondere Vorschriften gemacht worden. Nicht mehr als sechs Personen sollen in einem Lokale zusammenkommen. Gendarmen sollen dabei zugegen sein und politische Erörterungen oder Ansammlungen einer größeren Anzahl Personen verhindern. Auf welche Gesetze sich die Behörden bei diesen Anordnungen stützen, fragen wir uns vergeblich. In der oben abgedruckten Bekannt- machung ist auch nicht ein einziger Gcsrtzrsparagraph angeführt worden. Es ist in Crimmitschau nichts geschehen, was solche behördlichen Maßnahmen notwendig machte. Unternehmer haben sich aller- dings Brutalitäten gegen Ausgesperrte zu Schulden kommen lassen. Deswegen bedarf es aber nicht der rigorose st en Gewalt- maßregeln gegen die Arbeiterschaft. VoUsaufläufe und wiederholte Belästigung Arbeitswilliger sollen vorgekommen sein. Von Aufläufen kann nicht gesprochen werden. Daß mehr Menschen als sonst auf der Straße sind, ist selbst- verständlich, wenn gegen 8000 Personen ausgesperrt sind. Den Transport Arbeitswilliger haben sich eine Anzahl Ausgesperrter an- gesehen. Daß es dabei nicht ganz ohne Bemerkungen abgegangen ist, erscheint begreiflich. Das ist aber auch alles! Es wird nun nicht verboten, in größerer Zahl auf der Straße zu sein, wozu die Polizei übrigens auch noch kein Recht hätte, sondern Auf- und Umzüge werden untersagt und das Tanzen wird verboten. Die Ausgesperrten haben aber weder Umzüge veranstaltet noch auf der Straße Tanzbelustigungen arrangiert und in den Kneipen fitzen sie auch nicht bis nach Mitternacht. Was haben aber dir angeblichen Menschenansammlungen auf der Straße und ein paar ausfällige Worte mit den Versammlungen und Zusammenkünften der Ausgesperrten zu thun? Alle bisherigen Ver- sammlungen find in musterhafter Ruhe verlaufen, abgesehen von einigen Auflösungen durch übereifrige Beamte. Die Versammlungen der Ausgesperrten waren der Behörde von Anfang an unangenehm und den Unternehmern natürlich noch viel mehr. Mit Auflösungen, die unberechtigt waren, wurde un- mittelbar vor Beginn der Aussperrung begonnen, und in den letzten Tagen wurden noch wieder Beschränkungen der Versammlungs- freiheit vorgenomnien. Die Arbeiter haben alle gegen sie gerichteten Schläge pariert. Nun sollte gegen sie ein vernichtender Schlag geführt werden. Die Annahme, die Arveiter werden nun schnell die Fabriken füllen, nachdem ihr Zusammenhalt durch Versannnlungen zerstört worden ist, wird sich als trügerisch erweisen. Durch behördliche Gewaltmaßregcln wird der Kampf nicht beendet werden. Viel russischer wie jetzt können die Zustände in Crimmitschau kaum noch werden. Mit dem Säbel können die Gendarmen die Aus- gesperrten nicht in die Fabriksäle treiben. Bedenklich ist es aller- dings, Voraussagen bezüglich dessen zu machen, was in Sachsen noch möglich wird. Wie eine eroberte Stadt sieht Crimmitschau aus. Auf dem Bahnhofsperron pattouillieren drei, vier Gendarmen, in der Vor- Halle ebenfalls. Auf jeder Seite der Thür, die zum Perron führt, steht ein Gendarm. Reisende werden nach der Fahrkarte geftagt. Angehörige des Bürgertums geben ihrer Empörung Ausdruck. Ausgesperrte werden vom Bahnsteig herab- und aus der Vorhalle aus- gewiesen. Die Unternehmer dagegen haben im Wartesaal II. Klasse eine Art Bureau zum Empfang Arbeitswilliger eingerichtet. So «»verhüllt wie in Crimmitschau tritt die Rcchtsungleichheit selten zu Tage. Das Gendarmerieaufgebot erfuhr Sonnabend eine weitere bedeutende Verstärkung. Eine Deputation alter Arbeiter ist Sonnabend nach Dresden gefahren, um nochmals beim Minister v. M e tz s ch vor- stellig zu werden. Unter der Deputasion war ein Arbeiter, der 4S Jahre in einem Betriebe thätig war und ttotzdcm von dem Unter- nehnier kalten Blutes auf dir Sttaße gejagt wurde, als die Aus- sperrung erfolgte. Es ist leider wahrscheinlich, daß daS Fahrgeld nach Dresden zum Fenster hinausgeworfen ist. Ein Schrei der Entrüstung sollte aus den Reihen der deutschen Arbeiterschaft ob der Crimmitschauer Vorgänge ertönen. Nie ist den Arbeitern deutlicher gezeigt worden, daß sie von dem bestehenden Klasicnstaat nichts zu hoffen haben! Wie ein Mann stehe das arbeitende Volk hinter den Crimmitschauer Klasiengenosien, die unter so unendlich schwierigen Umständen einen Heldenkampf führen. Sie sollen zu Paaren gettieben werden! Arbeiter, verhütet das! Schafft Geld zur Fortführung und fieg- reichen Beendigung des Kampfes! Berlin und vlmgegenck» Achtung, Gastwirtsgehilfen i DaS Lokal„Kastanienwäldchen", Badstraße, Inhaber Ballschmiedrr, ist für organisierte Gastwirts- gehilfcn gesprrrt, indem seitens des Wirtes der kostenlose Arbeits- Nachweis des Verbandes nicht anerkannt wird. Von dritter Seite wurde dem Verbände die Mitteilung, daß Herr Ballschmieder zu Verhandlungen bereit sei; ein diesbezügliches Schreiben des Verbandes ist jedoch bisher unbeantwortet geblieben.(Siehe auch Inserat.) Achtung, Metallsormer und Gießereiarbeiter. Den Kollegen der Firma Herrmann u. Stracke wurden Abzüge angeboten. Versuchte Verhandlungen scheiterten und haben darauf die Kollegen die Arbeit niedergelegt. Der Betrieb ist gesperrt. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Für die streikenden und ausgesperrten Weber in Crimmitschau ginnen bei der Berliner GewerkschastSlommission solgcnde Beiträge ein: Buchdruckerei Funke 8,70. Holzhüter 3,35. Möbelsabrik Barth. Frucht« sttaße 35,—. Baulischlerei Becker. Grotz-Lichterfeldc 8,—. Telcphonwcrkstätte Lorenz, Elisabeth-User 62,50. Tischlerei Siemens u. Halske 47.50. Präger von Littauer u. Boysen 14,60. Möbelsabrik Geislcr, Weißense« 30,—. Tischlerei Jaretzki 10.-. A. E.-G.. Abt. Heinz« u, Müller II 40,75. Tischlerwerkstatt W. Stein. Pallisadensttaßc 14,65. Möbelfabrik Ball 19.—. Möbelfabrik Werkstatt Saal 7 und 8. 5. Rate 37.10. Möbelfabrik GroschkuS 33.60. Tischlerei A. Kraft. Fürstensttaße 13,55. Tischlerei Peuker, Elisabeth-User 16.50. Möbelfabrik Weise, Tilsiterfttaße 6,25. Licht- druckerei I. Bcllmg 10,25. Mitglieder und Dirigent des Gesangvereins .Maiglöckchen- 17,—. Töpser der Firma Wüst u. Weimer, Bau Rir.dors 9,05. Radsahrverein.Voran II" 20,—. Deutscher Holzarbeiter-Verband Weitzensce 50,—. Verband der Schuhmacher. Verw. Berlin 220,—. Rauch- klub„Psälzer", M. d. A.-R.-B. 15,—. Möbelsabrik Hoheiscl 4,75. Schuhfabrik Senger u.-Stockwold, Bicrprozenlc 7,50. Tischlerei Sirocha, dritte Rate 8,50. Tischlerei Firma Reichel u. Co. 9,—. Lotte 2,—. Tischlerei Heinz u. Beier, Koppensttaße 7,60. Modelltischler der Firma Borstg I 38,—. Modelltischler Berlins durch Obmann 108,55. Modelltischler Berlins durch Obmann 4,—. Deutscher Arbciter-Abstincntenbund, Ortsgruppe Berlin, in. Rate 8,30. Goldleistensabrik Spieselc 7,65, Stammtisch Lorenz 2,50. Kommission der Steinbildhauer 9,—. Arbcitcr-Rauchcrbuiid Berlins und Umgegend 200,—. Möbelsabrik Stern. Sclbingcr u. Co. 13,—. Glasarbeiter Porta Westsalika 50,—. Glasarbeiter Porta Westsalika 62.—. M. und I. 3,05. Kautsky 5,—. Gcwcrklchaslskartell Weißensee 50.—. Tellcriammlung von Epple in Freiburg im Breisgau 4,—. Gummilvaren-Fabrik E. M., Weißensee 16,—. Töpser Bau Brucks, Schöncbcrg, Münchenerstraße 5,—.'An- Ichläger der Firma Sonnemann n. Co. 6,05. Kollegen der Firma Ziehlke, Lampenfabrik, Joachimsttaße 8,25. Brauer und Küser der Metzer Aktien- braueret BauvallicreS bei Metz 9,75. Lungenkranke.Augufte Victoria- Heim EberSwalde" 7,—. O. Llcchschmidt 17,05. Munition sür Crimmitschau, Franks. 4,40. Kunstschmiede Lichterseide durch KiooS 10,80. Deutscher Kab.-Arb.-Verband 3,20, Gewerkschasts-Kartcll Ellen a. R. 200,—. Konservative Kassenbcamte 39,55. Cunnersdorser Glasschleiser 7,45. Bau- tischler der Baugcsellschast Fricdrichshagen 6.40. Arbeitende des Neubaues der Munitionssabrik Spandau 5,30. Radsahroerein.Frisch aus" Spandau 10,—. Tcllcrsammlung OrtS- Krankenkassen Spandaus 11,90. Referat von E. Ricgcr, Spandau 6,—. N. W., Spandau 3,50. Sx. Sch., Abt. 85 31,50. Bautischlerei A. Kussin, Wettinersttatze 22,80. Buchdruckerei 6. W. Schade 22,70. Verband der Schmiede, Verw. Berlin 100,—. Möbelfabrik Lcnnig u. Jatzky, 2. Rate 23,20. Riaurer-Fachocrein(Deutsch!.) 10 Fr., Schuhmachcr-Facho. 15 Fr., Brauerversammlung Tcllcrsammlung 12.05, Schlosser- Fachvcrein 20,—, Arbeiter-Bildungsocrein 25,—, Deulsch-Oestreichische Partei 25,—, Aus der Unionskasse 30.—, Sa. 137,05 Fr.— 109,64 M. 4. Berliner Reichstags- Wahltteis Südost 300,—. Arbeiter der Firma Dunski, irrausensttaße 22,50. Socialdem. Landtags-Wahlinänner Köpenicks 35,50. Buchdruckerci Günther u. Sohn, 2. Rate 6,—. Lustige Brüder, Herzog Bernhard, Jena 2,60. Sttaßenbahncr-Vcrband 3,70. Verband der Schneider 50,—. Kronleuchter- Fabrik Hcnn. Dietrich 8,—. Stammgäste Gühnkes Bierhaus 9,20. Tischlerei Görlich. Krautsttaße 5,—. Opposition d. Schuhmacher-Jnnungsmeister d. I. Ege 5,50. H. H. 3,—. Personal d. Firma Schröder, Jerusalemcrsttaße 6,80. Central- verband der Ctvilmusikcr, OrtsverwalMng Berlin 10,—. Firma W. Bern- Hardt u. Co., Wilhelmsttaßc 20,55. Verband der Vcrgolder, Filiale Berlin 50,—. Tischlerei von Packebusch 4,—. E, Lehmann,> Weber 11,10. Ein Referat Dr. R. F. 12,—. Organisierte Schlächtcrgcsellen des Rabatt-Spar-BereinS s.-O. 4.—, Verband der Fabrik- und tzilsSarbeiter, Filiale Oderberg 3,35. Organisierte Kollegen der A. E.-G., Abt.Z. 13,—. Personal 81. Fries, Elisabeth- User 11,30. Aus Liste Nr. 1091 9,30. Vettammlung der Graveure u. Ciscleure d. Schlcisring 15,—. Vergolder Langner 6,95. Blumen- u. Blätterarbciter 10.—. Tischlerei Grün u. Hetlwig 1,— Breilmann 31,55. Drei Klempner 1,70. Handels-HUssarbciter Wcrthcim, O.-Stt. 5,40. Centtal-Verband Handels-, Transport- und Verkehrsarbelter 150,—. Verein.Rote Reese" 6,50. Sänger- Quartett Obcr-Schöncwcide d. Weber 4,70. Pianosabrik Bechstein, Grünauer« sttaße, 2. Rate 77.60. Sechs Nörgler 4,—. Vergolder der Firma Rabe, vruchtstraße, d. Filiale Berlin 23,—. Fidele Kindtause ges. d. A. Bcrend 1,60. Vau Staudt, Karlshorst 4,10. Eine Lehrerin 8,—. Ortmann u. Hemke 1,90. Arbeiter der Firma L. Älobeck 14,—. Mobclpoliere Friedrichsberg 5,—. Claus 20,—. Silbemrbcitcr Firma Schneider 15,10. Putzcrkolonne Pritzkow 10,—. Siemens u. Halste Werkzeugmacher d. Thieleke 23,50. Rauchklub Sumatta SO., M, d. A.-R.-B., 7,—. Mitglieder des Ccnttalverbandcs der Handlungsgehilsen 37,20. Hilssarbeiter der Finna August Scherl. Abteilung „Woche" 20.—. Tapezierer d. F. Flatow u. Priemer 20,—. Tischleret von G. u. H. Schütze, 2. Rate 10,—. Möbelsabrik E. Trabs 15,—. Lederwaren- sabrik S. Markiewitz, 6. Rate 8.55. Rentenquctsche d. S. 4,05. Baron 1,25. Arbeiter d. Dischleibt u. Co., 2. Rate 27,65. Mühlenarbeiter Räthig 25,25. Sunima 3257,14. Bereits quittiert 32 375,87. Gesamtsumme 35 663,01. Die Quittungen sind nur bis zum 3. Dezember angegeben. Weitere Beiträge werden in unserm Bureau m der Zeit von 9—1 und 6—8 Uhr entgegengenommen. Gelder, welche mit der Post eingesandt werden, find an A, Körstcn, Engel-User 15, zu senden. Der Ausschuß derBerliner GewerlschastSIommtssion, SerUner pamL-7Jnge!egenKeiten. Zweiter Wahlkreis. Heute früh S'/a Uhr findet für den fiinften Kommunal- Wahlbezirk eine Flugblattverbreiwng statt. Auch die Genossen, die an der Stadtverordneten-Sttckiwahl nicht beteiligt find, werden ersucht, sich bei Kumke, Bülowstr. SO. einzufinden. Die Vertrauensleute. Dritter Wahlkreis. Mittwochabend 8'/» Uhr im„Märkischen tos", Admiralstt. 13o: Versa m ml nutz des Wahlvereins. agesordmmg: Vortrag des Herrn Dr. Stemel:»Die astronomischen Entdeckungen seit Copernilus". Diskussion. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Der Schmargendorfer Wahlvcrcin hält am Dienstagabend S'/f Uhr im.Wirtshaus Schmargendorf" eine außerordentliche Generalversammlung ab. Um zahlreichell Besuch der wichttgen Ver- ammlung wird ersucht. Pankow. Dienstagabend Uhr: Regelmäßige Mitglieder- Versammlung bei Miercke, Berlinerstr. 54. Tagesordnung: Bericht über die Abgeordnetenwahl in Bernaus Vorbesprechung der Gemeinderatswahlen im Frühjahr 1904; Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Knrlshorst. Montagabend 8'/z Uhr findet bei Märker, Prinz Adalbertstraße, der Zahlabend des Wahlvereins statt. Die Genossen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Mitglieder werden auf- genommen. AdlerShof. Montagabend 8 Uhr im Lokale des Herrn Arthur Lau, Bismarckstt. 10: Volksversammlung für Frauen und Männer. Genosie Bartels hält einen Vorttag über:.Die Bedeutung der Politik für die Frauen". Ferner soll der Krauen- verein in dieser Versammlung definitiv gegründet und die Wahl des Vorstandes vorgenommen werden. JohanniSthal-Rudow. Heute nachmittag 4 Uhr hält der Wahl- verein für Rudow im Lokal von Reime, Dienstag, den 8. d. M., abends 3i/, Uhr, für Johannisthal im Lolal von Senstleben seine Mitgliederversammlung ab. In beiden Versammlungen spricht Genosse Brunzel über:.Erfolge und Lehren aus der Landtags- wähl. Die Mitglieder werden ersucht, die Landtagswahl-Listen und die Billets vom Stiftungsfest beim Kassierer abzurechnen. GencKts-Leitung. „Geld in jeder Höhe vom Selbstdnrleiher". So annoncierte in diesem Frühjahre der Kaufmann Karl Moxvitat. Geldbedürstigte gab es genug. Es kam u. a. ein Herr R. zu Moxvitat, der ein Dar- lehen von 1000 M. suchte..Wenn die über Sie einzuholende Aus- kunst gut ausfällt, steht Ihrem Gesuche kein Hindernis entgegen", meinte der Selbstdarleiher. Herr N, müßte fiir Auskunft, Bemühungen und Auslagen 15 M. zahlen und dann warten, welches bekanntlich nach Jean Paul eine Beschäftigung ist. die der Teufel erfunden hat. zumal für einen Geldsucher. Als Herr N. glaubte, lange genug ge- wartet zu haben, begab er sich wieder zu Moxvitat..Ja, meinte dieser, die Auskunst ist hier und insoweit ganz gut, aber eS geht daraus hervor, daß Ihre Sicherheit nur in Hypotheken besteht, daraufhin kann ich Ihnen doch kein Darlehen geben. Haben Sie nicht etwas Greifbareres, etwa Schmucksachen, Gold oder Juwelen, die Sie als Sicherheit hinter» legen können?" Dies konnte Herr N. nun nicht. Boller Entrüstung verließ er den selbständigen Geldarleiher. Er erstattete gegen ihn Anzeige wegen Betruges, da er annahm, daß es dem Geldverleiher nur darauf angekommen sei, von ihm die 15 M. Auskunstsgebühren zu erhalten, während solche einige Mark nicht zu überschreiten pflegen. Auch das Schöffengericht nahm an, daß ein Betrug vorliege, es verurteilte Moxvitat zu zwei Monaten Gefängnis. Dieser legte Berufung ein. Er machte im gestrigen Termin vor der zweiten Instanz geltend, daß er keine bettügerische Absicht gehabt habe. Er habe zu damaliger Zeit eine zwölf Jahre ältere Witwe geheiratet, die ihm erklärt hatte, daß sie ein Vermögen von 30 000 Mark besitze. Dies Geld habe er in kleineren Posten verleihen und davon leben wollen. Später habe er die Erfahrung gemacht, daß seine Frau nur eine kleine Hypothek von einigen tausend Mark besaß und da habe er das Geldverleihungs- geschäst nicht durchsetzen können. Die Auskünfte habe er mit je 6 Mark bezahlen müssen. Einige Darlehnsgeschäfte habe er aber dennoch abgewickelt. Der Gerichtshof ließ es dahingestellt bleiben, inwieweit die Angaben des Angeklagten auf Wahrhctt beruhten oder nicht. Ein Betrug liege jedenfalls vor und deshalb sei das erste Urteil anstecht zu erhalten._ Versammlungen. Centralvcrband der Handels-, Transport- und Berkehrsarbetter. Die Verwalttmg I hielt am 26. November in den„Arminhallen" ihre ordentliche Generalversammlung für das dritte Quartal ab. Vor Einttitt in die Tagesordnung ehrten die Anwesenden das An- denken von 13 Kollegen, welche im Laufe des Quartals verstorben sind. Der Kassenbericht wurde sodann vom Kassierer Steinicke ge- geben. Es betrug der örtliche Kassenbestand am 1. Juli 3 441,09 M. Tie Einnahmen betrugen 26 398,11 M.; die Ausgaben beliefen sich auf 23 635,61 M., demnach verblieb der örtlichen Kaste ein Uebcrschuß von 2760,50 M.. so daß am 1. Ottober ein Ortsfonds von 11 202,47 M, vorhanden war. Es ist hervorzuheben, daß die Vcrwalkungsstelle im abgelaufenen Quartal einen ganz besonders erfreulichen Aufschwung genommen hat. Es ließen sich in dem Zeit- räum 2027 neue Mitglieder in den Verband aufnehmen. Das Bezirksführenystem fnnkttomert sehr gut. An die Hanptkasse wurden 13 231,39 M. abgeliefert. Für örtliche.Kranken- und Beerdigungs- beihilfe wurden im Quartal 3336,40 M. ausgegeben. Gegenüber dem dritten Quartal 1902 sind in diesem Jahre im gleichen Quartal 22 437 Wochenbeiträge mehr gezahlt worden. Der Bericht vom Arbeitsnachweis wurde von Utheß gegeben. Arbeitslos waren am Schlüsse des zweiten Quartals noch 62 Kollegen. Im Laufe des dritten Quartals meldeten sich neu 605 Kollegen, zusammen 567 Stellenlose. Gemeldet wurden 947 Stellen für fest und 331 Stellen zur Aushilfe. Besetzt wurden 331 Stellen für fest und 185 Stellen zur Aushilfe. Am Sckluste des Quartals blieben noch arbeitslos 26 Kollegen. Der Bericht konstatierte weiter, daß sich der Arbeits- Nachweis günstiger entwickle. In der Diskussion wurde noch die eigentümliche Geschäftspraxis der Arbeitsnachweise der Kühne- männer und der Holzindustriellen scharf kritisiert. Da die Haus- diener und Packer Berlins diese Nachweise meiden, sind die Unter- nehmer gezwungen, wenn sie geübte Kräfte gebrauchen, sich an die Nachweise der bestehenden Handelshilfsarbeiter-Organisationen zu toenden. In letzterer Zeit üben nun die genannten Arbeitsnachweise nach über die Handelshilfsarbeiter eine Kontrolle ans. In vielen Fällen wurden Bewerber, welche von den Arbeftsnachweisen der Arbeitnehmer nach gemeldeten Stellen geschickt wurden, von den betteffenden Unternehmern veranlaßt, sich zunächst erst aus der Dresdener- oder Gartenstratze einen sogenannten Kontrollschein abzuholen. Bis dato erfreuten sich die Hausdiener dieser Aufmerksam- kcit seitens der Industriellen nicht. Aus den Berichten, welche die Arbeitsnachweise der Metallindustriellen allmonatlich an das Reichs- Arbeitsamt einliefern, geht hervor, daß nun auch derartige Stellen, wofür nur ein Kontrollschein aus» gestellt wurde, als von ihnen besetzt aufgeführt werden, während solche in Wirklichkeit von den Nachweisen der Arbeitnehmer besetzt wurden. Da nun auch die letzteren Nachweise ebenfalls allmonatlich ihre Berichte dem ReichS-Arbeitsamt ein- senden, so ergebe sich, daß die Statistik bezüglich der Lage des A r b e i t s m a r k t e s für Berlin keine zu- treffende sei, weil vakante Stellen doppelt als besetzt gemeldet werden. In der ferneren Verhandlung kritisierte der Kollege O e r t e l mehrere Mißstände in der Verwaltung des Gewerkschaftshauseö. Die Versammlung beauftragte die Deputierten zur Gewerkschafts- kommission, in einer Sitzung derselben die Angelegenheit zur Er- örlcrung zu bringen. Nachdem noch den Crimmitschauer Webern 150 M. zugebilligt worden waren, erreichte die Versammlung ihr Ende. In der hnmaniftischcn Gemeinde. Nlederwallstr. 12, in der Slnla der Friedrich- Werderichen Ober- Realschule, hält am Sonntagvormiiiag 10'/, Uhr Herr Dr. Rudolf P e n z i g einen Vorttag über:.Die Predigt Zaratbusträs. Von den Tugendhaslen."— Damen und Herren habe» jreien Zutritt. Arbeitcr-Tamariterkolonne. Morgen, Montagabend 9 Uhr: Uebungs» stunde in der Centrale �reSdencrstr. 45. Vorttag über Verbrennungen, Erfrierungen, Hitzschlag. Blitzschlag, Beschädigungen durch Elekttictlät. Nach- her: Praltifche Uebungen. Neue Teilnehmer können in jeder Lehrstunde eintteten. Gäste willkommen. Toctaldemokratischer AgitationS-verein für den Reichstags» Wahlkreis Stratsund-Franzdurg-Rügcn. Sonntag, den 6. Dezember, vormittags 10 Uhr, bei Ramlow, Schönhauser Allee 135: Versammlung. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Neue Mitglieder werden ausgenommen. Gäste willlommen. Letzte Nachrichten und Depcrchcn.« Duellunfng. Chemnitz, 5. Dezember.(SB. T. B.) DaS Kriegsgericht der 4. Division verurteilte heute den in Plauen im Vogtlande prakti- zierenden Stabsarzt der Reserve Dr. Schwabe und den Marine- Oberassistenzarzt Dr. Flachs wegen eines Pistolenduells, das sie am 15. August bei Plauen miteinander ausgefochten hatten und da» unblutig verlaufen war, zu je 3 Monaten Festung und ferner den Adjutanten des 7. Infanterie-Regiments Lieutenant Böhme wegen Kartelltragens zu zwei Tagen Festung. DaS Duell war die Folge eines Streites zwischen Schwabe und Flachs gewesen, bei welchem elfterer thätlich geworden war. Zur DreyfuS-Affaire. Paris, 5. Dezember. selben Statton schwebten vor MonatSftist eines Tages schon beim Ueberschreiten deS Bahngeleises viele Menschen in Gefahr, von einem Fernzug überfahren zu werden. Die Höherlegung des Bahnhofes Reiinckendorf-Rofenthal zur Beseitigung der Niveau-Kreuzung ist durchaus nötig. Es kam, hier jeden Tag ein ähnliches Unglück ge- schehen, wie vor Jahren in Stegkitz. Der Beamte, der die Schranken bedient, soll autzer einer Reihe kleinerer Arbeiten— so behauptet wenigstens ein Berichterstatter— noch 48 Laternen zu putzen, die Güterzüge einzuttagen, Wagen zu beobachten haben usw. Als der Personenzug heute um 8 Uhr durch war, hob der Beamte die Schranke, um die wartenden Fubrlverke und Personen passieren zu lasten. In demselben Augenblick traf der Güterzug, ftüher als sonst, ein. Auf Leben und Tod. Im CirkuS Busch hatte, wie gemeldet, eine Dame aus der Berliner Gesellschaft, deren Name nicht genannt wurde, einen waghalsigen Radlertrick nachahmen wollen, dabei stürzte sie jedoch und zog sich ernste Verletzungen zu. Nach einer Meldung der„Int. Arttsten-Ztg." ist die Dame an den Verletzungen jetzt gestorben. Glücklicher war der Kunstfahrer Paul Miindner daran, der am Tage nach seinem Sturze bereits wieder austreten konnte. Wir haben uns gestern erst gegen die halsbrechenden und nur auf Nervenkitzel berechneten Künste ausgesprochen, die als Schleifenfahrt und TvdeSsprung neuerdings Mode ge- worden sind. Die CirkuS- Direttoren würden dem Geschmack deS gesitteten Publikums entgegenkomnien, wenn sie jetzt, nach dem entfctzlichen Unglück, mit solchen.Kunststücken endlich aufhörten. Vom Freitagabend wird ein andrer Unfall aus dem CirkuS Busch gemeldet. Bei einem Saltomortale der drei Reitkünstlerinnen Geschwister Randall verunglückte das jüngste Fräulein, so datz eS aus der Manege gettagen werden mutzte, während die beiden älteren Schwestern die Piece fortsetzten. Die Bestürzung des Publikums legte sich, als sich die kleine, pflichtgetreue Künstlerin am Schluß mühsam in die Manege schleppte und unter Applaus den Sitzsprung aufs Pferd ausführte. Ei» großer und gefährlicher Brand kam gestern in der TreSckow- stratze 10 zum Ausbruch. Dort stand bei Ankunft der Feuerwehr ein Pettoleum-Lagerkellcr in Flammen. Diese hatten an den Vorräten schnell und reiche Nahrung gefunden und bedrohten die höheren Stockwerke. Der 3. Löschzug war schnell zur Stelle und es gelang durch kräftiges Wassergeben mit mehreren Schlauchleitungen den Brand zu lokalisieren und schlietzlich auf den Keller zu be- schränken. Der Keller ist ausgebramit. Zum Besten der ausgesperrte» Weber in Crimmitschau gießt der Buchdrucker-Gesangverein„Typographia" am Sonntag, den 13. Dezember, mittags 12 Uhr, in der„Reuen Welt", Hasenheide, eine Matinee. Billets sind im Vorverkauf zu 80 Pf. zu haben. Dte durch ihre Gesangsleistungen rühmlichst bekannte Liedertafel wird mit dieser zur Unterstützung unserer kämpfenden Arbeitsbrüder geplanten Veranstaltung gewiß ein volles Haus erzielen. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Heute früh beginnt der Unterricht in Rede-Uebung für Fortgeschrittene pünktlich um 10 Ilhr im„Gewerksckastshause", Engel-Ufer 15. Zimmer 10 a. Die Teilnehmer sind verpflichtet, pünktlich zur Stelle zu sein und möglichst keinen Sonntagvormittag zu versäumen.— Heute abend 7 Uhr: Vortrag unseres Mitgliedes Genossen C. S t o b o y über„Unser Wollen und Wirken", im Saal 1 des „Gewerkschaftshauses". Ii» Casiiw-Theater ist pflichtgemäß die Weihnachtskomödie ein» gekehrt, in der es nicht an Vorgängen fehlt, die auf das gewohnheits» mäßig zu dieser Jahreszeit besonders weich gestimmte Gemüt des Berliner Theaterbesuchers ihre Wirkung ausüben. Ein recht hübscher Specialitätenteil, in welchem der Komiker Corrarim wieder austritt, schließt sich der Aufführung der.Weihnachtsglocken" an. Zum Schluß aber kommt ein Drama, das wenigstens in seinem Titel„Der ver- tauschte Sohn" ein ungemein zeitgemäßes Thema anschneidet. Allerdings ist von der Angelegenheit der Gräfin Kwilecka in dem Stück keine Rede, wohl aber wird anschaulich darin dargestellt, wie unangenehm es ist, wenn ein Schnstergeselle versehentlich für ein Grafenkmd ge- halten wird. Unangenehm sowohl für seine hochgeborene Sippschaft als auch für ihn selber, da es doch nach dem Urteil aller Einsichtigen gar nichts Schöneres geben kann, als auf dem Schusterbock sich sein Brot zu verdienen. Als neugebackener Graf aber kann man in die Lage kommen, sich duellieren zu müffen, und das ist viel fataler als der Umgang mit dem Pechdraht. Mit dieser Sentenz schließt das Stück und das Publikum erklärt sich durch lebhasten Beifall mit ihr einverstanden._ Hus den Nachbarorten. Zur Ermordung der Frida Boehlke aus Charlottenburg erfahren wir aus Köln, datz ihr Liebhaber, ein junger Franzose, auS Zorn darüber, datz sie seine Neigung nicht recht erwiderte, zum Dolchmesser griff und ihr einen tiefen Stich oberhalb der Nase versetzte, der das Gehirn ttaf. Hierauf vollführte er mehrere Hnmmerschläge aus den Kopf des Mädchens, so datz deren Tod alsbald eintrat. Der Mörder verdeckte das entstellte Gesicht der Boehlke mit deren Kopshaar und versuchte anscheinend zu fliehen. Als er laute Stimmen im Flur des Hotels hörte, jagte er sich eine Kugel in den Kopf. Die Leiche der Boehlke ist gestern nach Charlottenburg übergeführt worden. Die Person des Mörders ist noch immer nicht festgestellt. Ein Feuer in der Kaserne der I. Garde-Nlanrn in Potsdam be schäftigte gestern die dortige Wehr längere Zeit. Gegen 8 Uhr war auf nicht ermittelte Weise in dem im ersten Stock belegenen Zimmer Nr. 122 der Brand entstanden und hatte bei Ankunft des ersten Löschzuges schon eine größere Ausdehnung erlangt. Schränke mit Inhalt, der Fußboden ze. standen in Flammen. Es mußte infolge« dessen längere Zeit mit zwei Schlauchleitungen Wasser gegeben werden, um die Gefahr zu beseitigen. Mochen- Spielplan der Berliner Cheater. Königliches Lpernhans. Sonntag: Mnnon. Montag: Tristan und Isolde Dienstag: Die Entführung aus dem Serail. Mittwoch: Manon. Donners» tag: Lohcngrin. Freitag: Der Freischütz. Sonnabend: Manon. Sonntagt Samson und Dalila. Montag: Die Meistersinger von Nürnberg. Königliches Schauspiethans. Sonntag: Im stillen Gätzchen. Mon- tag: Faust. Dienstag: WaS Ihr wollt. Mittwoch: Othello. Donners- tag: Der Kaufmann von Venedig. Freitag: Am stillen Gätzchen. Sonn» abend: Fm bunten Rock. Sonntag: Gyges und sein Ring. Montag: Die Journalisten. NcneS köntgl. OPern-Theater. Sonntagnachnüttag: Die Dorf» mufilantcn. Sonntagabend: Egmont. Montag! Im stillen Gätzchen. Dienstag: Geschlossen. Mittwoch: Weh' dem, der lügt. Donnerstag, Frei. tag und Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Ein Sommernachtstraum. �"sch i l�r-�h ea ter«.(Wallner. Theater.) Sonntagnachmittag: Die Stützen der Gesellschaft Sonntagabend: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Wilhelm Tell. Dienstag: Hedda Gabler. Mittwoch: Liebelei. Litte« ratur. Donnerstag: Der Bibltothekar. Freitag�und Sonnabend: Vasanta- sena. Sonntagnachmittag: Der Bibliothekar. Sonntagabend: Im weitze» Rötzl. Montag: Unbestimmt. Schiller-Dheater X.(Friedrich WilhelmstädttscheS Theater.) Sonntag. nachmittag: Im wcitzen Röhl. Sonntagabend: Der Bibliotekar. Montag: Vasanlascna. Dienstag: Liebelei. Litleratur. Mittwoch: Vasantasena. Donnerstag: Die Ehre. Freitag: Wilhelm Till. Tonnabend: Liebelei. Litteralur. Sonnlagnachmittag: Wallensteins Lager. Die Piccoiomlni. Sonntagabend: Die Stützen der Gesellschaft. Montag: Unbestimmt. Deutsches Theater. Sonntagnachmittag: Rosenmontag. Sonntag, Montag, Mittwoch und Freitag: Rose Bernd. Dienstag: Chrono von Bergerac. Donnerstag: Faust. Sonnabend und Sonntag: Der Meister. Sonnlagachmitlag: Die versunkene Glocke. Montag: Rose Bernd. Berliner Theater. Sonntagnachmittag: Die sieben Raben Mitt» woch- und Sonnabcndnachmittag: Rotkäppchen. Sonntag, Dienstag und Freitag: Gustav Adols. Montag, Mittwoch und Sonnabend: Alt.Heidel» berg. Donnerstag: Ein Wintermärchen, sonntagnachmittag: Alt-Pcidcl» berg. Sonntag und Montag: Unbestimmt. Lcssiug-Theater. Allabendlich: Zapfenstreich. Neues Theater. Sonntag, Montag, Mittwoch und Freitag: Logik des Herzens. Salome. Dienstag, Donnerstag, Sonntag und Montag: Früchte der Bildung. Sonnabend: Der Kammersänger. Salome. Theater d?S Westens. Sonntagnachmittag: Der Barbier von Se- villa. Sonntag: Die Asrikanerin. Montag, Mittwoch und Sonntag: Der Bettelstudcnt. Dienstag: Das Glöckchen des Eremiten. Donnerstag: Der Trompeter von sätttngen. Freitag: Die Fledermaus. Sonnabend: Der igeunerbaron. Sonntagnachmittag: Zar und Zimmermann. Montag: Die üdin. Luisen- Theater. Sonntagiinchmlttag: Da» Käthchcn von Heilbrvnn. Sonnlag, Dienstag und Sonnabend: Alpenkönig und Menschenseind. Mon- tag: Der Richter von Zalamea. Mittwoch: Marta Swart. Donnerstag. 'rcitag, Sonntag und Montag: Reis-Reisllngen. Sonntagnachmittag: iomeo und Julia. Residenz- Theater. Sonntagnachmittag: Seine Kammerzofe. All» abendlich: Ein Scittnsprung. Sonntagnachmittag: Das grotze Geheimnis. Kleines Theater. Sonntagnachmittag: ScrenissimuS-Zwischenspiele. LicbeSIräumc. Sonntag, Montag. Mittwoch, Freitag und Sonntag: El-ktra. Dienstag, Donnerstag, Somiabend und Montag: Nachtasyl. Sonntag- nachmittag: SerenissimuS-Zwischenspiele. Licbesttämne. Trianon-Thcater. Sonntagnachmittag: Die Notbrücke. Allabendlich!: BiScottc. Thalia- Theater. Sonntagnachmittag: Charlcy» Tante. Sonnabend- nachmittag: Max und Moritz. Sonntagnachmitttag: Charlcy» Tante. Allabendlich: Der Hochtourist. Eentral-Thcater. Sonntagnachmltta: Boccaccio. Mittwochnachmittag": Der gesticsclte Kater. Sonntagnachmittag: Der Zigeunerbaron. Sonntag, Aiontag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag unt» Montag: Der Rastelbindcr. Freitag: Der Vogelhändler. Carl Weih< Theater. Sonntagnachmittag: Die Maschinenbauer von Berlin. Mittwochnachmittag: Wilhelm Tell. Sonnabendnachmlttag: Hansel und Grete!. Sonntagnachmtttag: Der Trompeter von Sükkingen. Sonn- tag und Mittwoch: Der Pfarrer von Kirchseid. Montag und Freltag: Dle Krcuzclschreiber. Dienstag: Der Meinetdoauer, Donnerstag und Sonn» abend: Der GewisseiiSwunn. Sonntag; Bruder Martin. Montag: Un» bestimmt. Deutsch-amerikanischeS Theater. Allabendlich: Uebcr'n grotzen Teich. Belle- Slllianee- Theater. Sonntagnachmittag: In Vertretung. Allabendlich: Los vom Manne. Slpollo-Theatcr. Allabendlich: FrühlingSIust. Metropol< Theater. Allabendlich: Durchlaucht Radieschen. Casino-Theatcr. Sonntagnachmittag: Hotel Klmgebusch. Allabendlich: Palast-Theater. Allabendlich: Wünsche und Träume. Sonnabend: Geschlossen, Steidl-Theater, Linienstratze(Ecke Friedrichstratze). Täglich; Der grotze Cohn und andre Borträgc. Wintergarten. Täglich: Specialiläten. Passage-Theater. Täglich: Pertina. Ilranta. Theater. Taubenstratze 48/49. Allabendlich: An den Seen ObcritallenS. Wetter-Prognose für Sonntag, den S. Dezember 1903. Etwas gelinder, zeitweise heiter, aber veränderlich mit geringen Nieder« schlagen und schwachen westlichen Winden, Berliner Wetterburean. Die glficMiohe Geburt von Hans i Eisner zeigen an 1926 Gr.-Liohterfelde-Süd, 4. Dez. 03. Kurt Eisner und Pran Llsbeth. Socialdeiiiokrat. Mlmm LtU-BerLReiclistagswalreis. (Südost.)[244/10 Den Mitgliedern zur Nachricht. daK unser Genosse Karl Pasevaldt, Wienerstr. 56, am 3. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet heute Sonntagnachmittag um 2'/- Uhr. von der Leichenhalle des EmmauS- Kirchhofes in Ripdorf aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er- sucht Der Lorstand. IceBtral-Kranken- M Sterbe-! kasse der Tiscliler iind andrer gewerblicher Arbeiter. Berlin H. iE. H. 3, Hamburg.) Am 3. Dezember entschlief nach kurzer Krankheit unser Mitglied Karl Pasewaldt im Alter von 51 Jahren. Die Beerdigung findet am Sonntag. den 6. Dezember, nachmittags 2>/z Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirch- Hofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 185/2 Die Ortsverwaltung. Verein deutscher Schuhmacher. Todes- Anzeige. Am 3. Dezember verstarb unser Mitglied l-usla? PiKolett im 49. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 6. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Enmiaus- Kirchhofes, Rixdorf, Hermannstrafic, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er- sucht 171/20 . Vlo Ortsvei-waltnng:. E. M. Ko. 80. Unser Mitglied, Herr Robert Frentzel (Gräfestrasie 77) J ist gestorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, aus dem Friedhos der I St. Jalobi-Gemeinde in der Her- mannstrage(Rixdorf) statt. > 199/16 Der? Vorstand. Danksagung. Für die Teilnahme und Kranz- spenden bei der Beerdigung meines Mannes, unsres Baters und Grog- Vaters David Keimann, sagen dem Herrn Ches Karl Nöthling, sowie den Kollegen und Bekannten unfern herzlichen Dank. Ig7b Frau Ww. Relmann nebst Angehörigen. Für die Beweise ausrichtiger Teil nähme bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Mannes sage ich allen Verwandten, Freunden und Be- kannten, sowie den Herren Kollegen der Buchdruckerei Hermann und dem Arbeiterbildungsvcrein sür Friedrichs- Hägen meinen innigsten Dank. 35662 Ww. C. 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Dezett'ber, abends 8 Uhr: Kronenbranerei, Alt-Moabit47/48 Schöneberg, ObstL Festsäle, Martin Lutherstrafie, Ecke der Meiniiigerstrake. Sisnstag, den 8. Dezember, abends 8 Uhr: Berliner Prater, Kastanien-Allee 7 Elysium, Landsberger Allee 4M. Wttwoek, den 9. Dezember, abends 8 Uhr: Tempelhof, Mart. Müller, Kerliverßr. 41/43. Tages- Ordnung: „Sie Konsum-yenoesensellsften unü illrs Zeüeutuns". Referenten: Frau Steinbach-Hamburg, Rcichstags-Abgcordnete Ed. Bernstein, v. Elm, Pens stmd H. Stühmer ÖentraTVerbaiii der Zimmerer ZahlftcUe Berlin und Umgegend. Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer Sü. Fernsprecher: Amt 4, Nr. 2789. Orts- Krankenkasse der Vieher und verwandten Otewerbe. Vsi'ssmnriung sämtlicher Arbeitgeber sowie der großjährigen Mitgliedex obiger Kasse am 8onnlag, den 13. Dezember 1903, vormittags lO'/s Udr, in Flecks grossem Saale(früher Freischütz), Fruchtstrahe 36a. Tagesordnung 10J/3 Uhr vormittags: Wahl von 74 Delegierte» der Arbeitgeber sür das Jahr 1904. Tagesordnung II1/. Uhr vormittags; 1. Wahl von 164 Delegierten der Kassenmitglieder sür das Jahr 1901. Z. Verschiedenes. 188b Wahlberechtigt und wählbar sind nur großjährige Kassenmitglieder. Zum Eintritt in das Wahllokal ist das Mitgliedsbuch crsordcrlich. Das Wahllokal wird um 12 Uhr eschlossen, da um diese Zeit der Vahlatt beginnt. Berlin, den 6. Dezember 1903. Der Vorstand. F. Last, Bors. G. Berndt, Schriftführer. aller Bezirkszahlstellen Berlins und der Vororte, abends 8 Uhr: Montag, den 7. Dezember, im Gewerkschastshause, Engel Ufer 15, Dienstag, den 8. Dezember, in den Harmonic-Festsälen. Jnvalidcnstr. la. Ecke Vrunnenstrastc, Mittwoch, den S. Dezember, im„Königshof", Biilowftr. 57—40. TageS-Ordnung in allen Versammlungen: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Referenten: die Genossen G. Link, L. Barfels, H. Knäpfer. Pflicht aller Mitglieder ist es, dafür zu agitieren, datz diese Versammlungen gut besucht werden. 254/18_ Der Vorstand. I. A.: W. Witt. Berliner Konsumverein. Central« Verwaltung:: Krautstr. 7. Verkaufsstellen: «bteilung I, Luisenstadt. Michaelkirchplab 4. Abteilung II, Osten. Krautstrasic 7. Iorndorserstrabe 62. Liebigstrasie 7. Klntrlttsgeld SO Pf. Abteilnug Iii, Moabit. Rostockerstrasze 20. Havclbcrgerslrasie 6. Enidenerilrasje 43. Abteilung IV, RummelSburg Türrichmidtstraße 6. Abteilung V, Lichtenberg. Franksurwr Chaussee 48/49. Mainzerit�rsie 4. Wilhelmstrane S. Abteilung VI, Stralau. Stralauer Allee 2»a. «osciiUftHantoZI 10 mark. Bekanntmachung. Austerordentliche General- Versammlung der Orts- KranhenhaJTe für den GewerbelietPieli der Kanf- leote, Hant!els!cute umi Apotheker am Montag, den 14. Dezember, abends Uhr, in cher Berliner Ressource, Kommandantenstr. 57. Tages-Ordnung: 1. Beratung und Bcjchlutzsassung des revidierten Kassenstatuts. 2. Beratung und Bejchlußsasfung über die zu erlassenden. Vorfchristen für erkranke Mitglieder. 177b Der Vorstand. st. Nürnberg, U. Ph'Iipschn, Vorsitzender._ Schriitsührcr. III. Wahlkreis. Dienstag, den 8. Dezember, abends 8'/, Uhr: Versammlung des soeialdemokratisehen Wahlvereins im„Märkischen Hof«, Admiralstrasie 18 o. Tages � Ordnung: 241/1 Bortrag deö Herrn Dr. Steiner:„Die astronomischen Eni- »eckungen seit Eopernikus«. Diskussion.— Gäste willkommen. Zahlreichen Besuch erwünscht Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) und Gesundbrunnen: Montag, de» 7. Dezember. abendS 8'l3 Uhr:-WM Bezirks-Versammlung. TageS-Ordnung: Vortrag des Genossen O. Antrick über:„Die neuen Handelsverträge die Interessen der Holzarbeiter".— 2. Diskussion.— 3. Verbände- angelcgenheiten. Kollegen, es ist Pflicht eines jeden Holzarbeiters, die Bezirksversamm« lungm zu besuchen. Auch Frauen haben Zutritt 1 1. und Ick) bin von der Sleifc zurück und wohne jetzt: Cliarlotleiitiiiri, Berllnerstr. 13511. Sprechzeit: II1/,—!, 5—6. Dr. jl. Arendt, Special-Arzt für Wasscrhcilversahrcn, Massage k. Poliklinik ebendaselbst: Dienstag bis Freitag 2—3. l80d Verwaltnngastellc' Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3353 Sonntag» den 6. Dezember, abcndö 6 Uhr: Mgemeine Versammlung der Klempner mit Trsuen im Englische» Garten. Alexanderstraste 37 c(oberer Saal). Tagesordnung: Portrag des Genossen Rechtsanwalt Victor Fraenkl über: Aus der vergleichenden ReligionSaeschichte. Nachdem: Geselliges Beisammensein und Danz. Wir ersuchen die Kollegen, an dieser Versammlung sich zahlreich zu be- leilißcn. Montag, den 7. Dezember, abends 8'/, Uhr: Nttsiumlmig der MMdröcktr Scrliiis im GewerkschaftShanfe, Engel-User 15, Saal IV. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reich§tagS-?wgcordnctcu Legien über: Der Emanzi pationskamps der Arbeiter. 2. Diskussion. 3. Bcrbandsangelegenhetteu und Verschiedenes Kollegen I Es ist notwendig, daß Ihr alle erscheint! Die Tagesordnung ist gewählt mit Rücksicht aus unsre gegemvärtigc Lage, und wäre Gleich- gülftgkcit der größte Fehler, den wir begehen köunlcn. DienStag, den 8. Dezember er., adendö 8'lä Uhr, bei Richter. Grost-Lichterfeldc, Chauffeestraste 104: AnßniirdkiitllilitMitsliedcriitrsimmlmlg. Tagesordnung: 1. Beendigimg des Streiks der Drücker und Gürtler Berlins und Um- gegend. Referent: Kollege Pawlotvltsch. 2. Diskussion. 2 Verschiedenes. 161/11 Wir machen es cüicm jeden Kollegen zur Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. IMe Ortsverwaltung. Montag, den 14. Dezember 1665. abends 8'/„ Uhr, in Berlin, Engel-Ufer 15, Gewerkschaftshaus igroster Saal): Ordentliche General-Nerfammlnng. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und AussichtSratS über das abgelanseuc Ge- schästsjahr. Vorlegung und Genehmigung der Jahresrechnung. Bericht des Vcrbandsrevisors. 2. Wahlen zum Vorstand und Aussichtsrat.') 3. Etwaige Anträge der Mitglieder.1-«) ») Aus dem Vorstande scheiden aus die Herren S ch u I tz k h und B r e S I a u e r. SlnS deni Aufüchtsrat die Herren Walk, tzerrmaun, Busch und Müller. Dieselben sind wieder wäblbar. 'j Anträge der Mitglieder müssen mindestens drei Tage vor der Generalversammlung schriftlich beim Vorstande eingereicht sein. IW Rur Mitgliedsbuch legitimiert. 295/9* Der Ausstchtsrat. Der Vorstand. f. Schulze, Vorsitzender. L. Breslauer. B. Wutzky. Centraiverein der Bildhauer Deutschlands. Berwaltnngsstelle Berlin. Dienstag, den 8. Dezember, abends 8'/, Uhr, im SewerkichaftShans, Engel-User 15, Saal I: V ervtns» V er sammlang. Tagesordnung: 1. GeschästlicheS. 2. Unsre Stellenvermittelung. 3. Verschiedenes, In Anbetracht der tief einschneidenden Bestimmungen betreffs des de- zweiten Punktes der Tagesordnung, ist es unbedingte Pflicht einrö jeden Holzbildhauers, in dieser Versammlung zu erscheinen. jLllll Recht zahlreichen Besuch erwartet vor Vorstand. mi Sehuhmaeher! Montag, den 7. Dezember 1903, abends 8>/z Uhr, in den Refidcnzsäle». Landsbergerstr. 31: Große öffeiillilhe Uechmtitlung smtlilher in der Schnhindustrie und im Schuhmacher- gewerbe belchiistigten PersglltN. Tages-Ordnuug: 1. Die Ausgaben der Geiuerkschafts-Organisattonen in Bezug aus Ver� besscrung der Lohn- und Arbeitsverhältnifie und Ausbau des Unterstützung� Wesens, besonders der. Arbeitslosen-Unterstützung. 2. Verschiedenes. 171/1 Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Bio Igitatiovskommission. Verband der Kürschner Berlins und Vingegeud. Geschäftsstelle und Arbeitsnachweis, Mendelsahnstr. 9. Tel. Amt 7a. 6071. Täglich geöffnet vorm. von 9—1, nachm. von 3—7 Nhr. NM" Sotmabend bis 9 Uhr abends. Mittwoch, den 9. Dezember 1903, abends 8'/., Uhr: JHItgllcder-Vcrsammluiig im Alten Schiibcnhaus, Linienstr. 5. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen B'aldeoh Banasse über: Friede auf Erde» und dem Meufchrn ein Wohlgefallen. 2. Diskussion. 3. Gewerk schastlicheS und Verschiedenes. Kaste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht l04/20 vor Vorstand. Zlistenmaester!»*«,! Montag, den 7. d. M.. abends 8'l2 llhr, in den AndreaS-Festsälen, Andreasstraste Rr. 21: MM" Versammlung TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bei recht zahlreichen Besuch der Versammlung bittet erschiedcnes.— Um Oer Vorstand. Freireligiöse Gemeinde Montag, den 7. Dezember, pünktlich 8-/z Uhr: Viedtige desetitiessemie Versammlung im Eentral-Klnbhanle, Am Köuigsgraben 14a, nahe d. Alexanderhlatz. Bericht über die internationale Freidenker-Bewcgung u. a.— Nur voll- berechkiate Mitglieder haben Zutritt. Jeden Sonntag, vormittags 103/, Uhr: Vortrag in der städtischen Aula, Kleine Franksurtcrstrahe 0, nahe dem Alexanderplatz.— Gäste sehr willkommen. 62/6 Verband deutscher Castwirtsgehitfen. Ortsverwaltnng Berlin. Das Lokal„KaBtanteiiw&ldcheii", B a d st r. 16, Inhaber Bull schmieder, ist für organisierte Gastwlrtsgchilsen da seitens des Wirtes der kostenlose Arbeitsnachweis unircr Organisation nicht anerkannt wird. 292/10 Dagegen Ist die Sperre über die Lokale„Barleuhad", Badstraße und„FrObels Allerlei- Theater", Schönhauser Allee, auf° gehoben, indem beide Wirte die /"ordermigen der Organisation unter- schriftlich anerkannte«. Der Vorstand. Dienstag, den 8. Dezember, abends 8'/- Uhr:-W> Brauchen- Versammlung der Usmmmsvber und aller in der CeUuloid- Haarsehmuckbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen im„Englischen Garten«, Mexanderstr. 27 o. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen S tusche.— 2. Diskussion.— 3. Werkstatt. angelcgenhcitcn.— 4. Verschiedenes. Der sehr wichtigen Tagesordnung wegen ist es Ehrenpflicht eines jede« Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Güdvesten und Westen: Mittwoch, de» 9. Dezember, abds. 8 Uhr, bei Habels, Bcrgmannstr. 5-7 Bezirks- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Al b ert y über„Chrislliche und moderne Weltanschauimg.— 2. Diskussion.— 3. Bericht der Kommission.— 4. Neuwahl deS BczirkslciterS, eines Schristsührers, eines Beitragssammlers, Ren- Ivahl von Kommissions-Mitglicdcrn. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Auch Rlcht-Mstglieder haben Zutritt! Bezirk Rummelsburg: bei Thsn«. Ka«t-«. Göthestr.-Ede. SMT Mittwoch, de» 9. Dezember, abends 8 llhr-IMS Bezirks- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag.— 2. Diskusston.— 3. Verschiedenes.— 4. Neuwahl der Kommission. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen. Achtung! �arkvttlvKvr! DienStag, den 8. Dezember, abends 8 Uhr, im„GewerkschaftShanfe- Engel-User 15: Bommisstons-Gitzunn mit Vertrauensleuten c KommissionSmitglteder wetten ersucht um 7'/, Uhr zu erscheinen. ES ist Pflicht der Kollegen, ans jeder Firma«inen Vertrauensmann zu senden. 90/13 Um pünktliches Erscheinen ersucht vor Obmann. Centrai-Verband der Handels-, Transport- und Vcrkehrsarheiter. Bureau und Arbeitsnachweis: Gewerkschaftshaus, Engel-User 15, II, Zimmer 13.— Telephon: Amt 4, Nr. 3348. Hausdienep und Packer sowie alle im Handklsgewerbt beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen! DienStag, den 8. Dezember 1995. abends 9 Uhr, in de« Arminhalle«, Kommandantenftraste Sv: IjOgp* Versammlung."VW Tages-Ordnung: 1. Die Lohn- und Arbcitsverhältniise unsrer Kollegen im Warenhaus« B. Tlet. und die Stellungnahme der Herren Inhaber gegenüber der Organisation. Referent: Kollege A. Werner. 2. Diskussion und Beschlutz- faffung. 71/6 Die OrtSverwaltung Berlin I. VereinioM der Maler. Filiale Berlin 1. DienStag, den 8. Dezember, abends 8 Uhr, im GewerkschaftShmfe, Engel-Ufer 15: Mitglieder- Uersammluug TageS-Ordnung: 1. Vortrag mit Slecitationen:„Die Kunst dem Volke" vd«i Genossen Or. M. Alberty. 2. Vereinsangelegenbeiten. 107/16 Regen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Am Sonntag, den IS. Dezember» findet die Urabstimmung über die Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung statt. Die.Kollegen, welche nickst hauskassiert werden, geben die Stimmzettel von 10— 1 Uhr mittags im Bureau Engel-User 15, Zimmer 36, oder in ihren Zahlstellen ab. D. Ö. 3nmmgs-Krankenbasse der Settneider-3nnung. Reu Kölln am Wasser 18 1. Wahl-VerMaimnliing der Vertreter der KaffenmitFicder (Arbeitnehmer) am Montag, den 14. Dezember, abends 8>/z Uhr in den Arminhallen, Komma»- dantenftrastr köv. parterre(Grotzcr Saal). 279/13 TageS-Ordnung: Ersatzwahl von 3 Vorstandsmitgliedern. Oer Vor.tuud. C. Adler, Vorsitzender, Zimmcrftr. 08. Die Bertrcterkarte legitimiert. Wer Stoff hat! eilige unter Garantie tadellosen Tistes, guter Zuthate» daofcettanzug 18 HS. Winterpaletot 18 ZK. AlexanderSchmidt, Wienerst». 1 bis«. I Aufgang vorn 1 Treppe kauFpuppe! Reizende Neuheit! Zum Geschenk für Jung und! Alt vorzüglich geeignet. Braucht nicht geführt werden. Durch starkes Schwmzwälder Werk beweg- sich. 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I. bereits ein enger Zusammenschluß stattgefunden hat, nunmehr vollständig und in der Weise auszuführen, daß die Allgemeine Elektricitäts-Gcsellschast die Union-Elektricitäts-Gesellscl>aft in sich aufnimmt. Die Aktien der Union-Elektricitäts-Gesellschaft werden zu diesem Zweck im Ver- hältnis von 3: 2 in Aktien der Allgemeinen Elcktricitäts-Gcsellschaft umgetauscht. Da das Aktienkapital der Union-Elcktrjcitäts-Gesell- schaft 24 Millionen Mark beträgt, werden zu diesem Zwecke also !ll Millionen Mark neue Aktien der Allgemeinen ElektricitätS- Gesellschaft ausgegeben. Zur Lage der amerikanischen Eisenindustrie. Auf dem englischen und schottischen Ciscnmarkt macht sich daS Angebot der amerikanischen Eisenwerke in rasch steigendem Masse fühlbar. Wie tclegraphisch au» Glasgow gemeldet wird, wurden dort gestern von Vertretern amerikanischer Werlo Etahlknüppcl'uitd Platten zu 76 Schilling die Tonne angeboten. 26 Schillmg unter dem gegenwärtigen englischen Preise. Die Eisenbahnen der Bereinigten Staaten. In den ProsperitätS- jähren 1899—1902 hat wie die Industrie so auch das Eisenbahnnetz der nordamerikanischen Industrie sich gewaltig ausgedehnt. Nach einem Auszug des„Internationalen Volkswirts" aus dem neuesten „Manuel of Railroads" stieg von Ende 1899 bis zum Schluß des Jahres 1902 die Meilenzahl(1 engl. Meile— 1,6 Kilometer) von 187 781 auf 199 685. Das amerikanische Eisenbahnnetz reicht also um ungefähr 30 900 Kilometer über da» europäische hmauS. Ueber die kilometrische Länge hinaus besitzt die Union an Doppel- und Jndustriegelcisen weitere 75 990 Kilometer, während Beispiels- weise 1898 nur 60 000 Meilen Doppelgcleise vorhanden waren. Der Lokomotivenpark ist ebenfalls stark gestiegen; er beträgt 41 626 gegen 37 245 im Jahre 1899. Der Wagen- park umfaßt 27 364 große Passagierwagen. 9726 Gepäckwagen und 1 594 990 Güterwagen. Das Anlagekapital betrug im Jahre 1992 die gigantische Summe von 13,5 Milliarden Dollar. Die Passagierfrequenz betrug 1992 655 Millionen, die Fracht- frequcnz 1,19 Milliarden Tonnen. Vereinnahmt wurden aus dem Personenverkehr 397 Millionen Dollar, auS dem Frachtenverkehr 1197 Millionen Dollar. Die Netto-Einnahme belief sich auf 669 Millionen Dollar, zuzüglich andrer Einnahmen summiert sich die Reineinnahme auf 638 Millionen Dollar. Englische Kapitalanlagen im Auslande. Wenn auch specielle amtliche Angaben über die Höhe der englischen Kapitalanlagen im Auslande nicht vorliegen, so gicbt doch der Statistical Abstract for the United Kingdom ein Material an die Hand, das auf den Umfang des im Auslande investierten Kapitals schließen läßt. Die Grund- läge für die Bemessung desselben bildet die Einkoinmensteuer, weiche auf die Erträge des ini Auslande angelegten Kapitals erhoben wird. Im Jahre 1889/81 bclief sich das für die Zwecke der Einkommen- sleuer berechnete Einkommen aus den in Indien, den Kolonien und dem Auslande angelegten Kapitalien auf rund 30 000 999 Pfund Sterling, im Jahre 1899/91 auf über 58 999 999 Pfund Sterling, im Jahre 1999/91 auf 69 999 999 Pfund Sterling und im Jahre 1991/92 auf 62 990 999 Pfund Sterling. Nimmt man an. daß das Einkommen einem Zinsgenuh von 5 Proz. entspricht, so be- rechnet sich die Kapitalanlage für das Jahr 1889/81 auf 699 999 990 Pfund Sterling, für 1899/91 auf 1 116 999 999 Pfund Sterling, für 1999/91 aus 1 129 999 999 Pfund Sterling, im Jahre 1991/92 auf 1 252 999 999 Pfund Sterling. Die englischen Kapitalanlagen haben sich also in den 19 Jahren von 1881 bis 1891 nahezu ver- doppelt und haben darauf in den folgenden 10 Jahren eine verhältnismüßig langsame Steigerung erfahren. Seit 1391 ist die Anlage von englischem Kapital in Indien, den Kolonien und fremden Ländern in hohem Blasse durch die ungünstige finanzielle Lage in vielen von diesen Ländern beeinträchtigt worden. Dafür hat aber andrerseits eine grosse Zunahme von Kapitalanlagen in England selbst stattgefunden. Winter- Paletots WiM-IWiiK Reichhaltigste Auswahl Q 65, 50, 36, 24, 15, OM.50 Winter-Raglans � xr.''.5 � 24 � n Ai n> I-l-l FeinerEskimom. Astrachan CC üfin-rBlZ-lmiiaiiu. echt. Sealbisam-Kragen VV M. t Knaben-Anzüge Neueste Faeons und Stoffe 14. 10, 8, e; 4 Mm M. 2 Knaben-Mäntel Neueste Modelle und i Muster 15. 12. S, 6, T M. 4, Vornehme, wohlfeile Mass-Anfertigung Winter-Joppen«Äs?« 4 M. 50 Pol?. InnnOn Ltarlce Lerugstokke. lkurchweg 10 reiZ mit Pelzfutter 45, 36, 27. 10 M. Unvergleichliches Sortiment a 18, 15, 14. 13, 12. 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Besonders gilt das vom Kolonialetat, dessen trockene Ziffern eine treffliche Persiflage der bisher durch den weltpolitischen Wasserkurs erreichten schönen Erfolge auf kolonialpolitischem Gebiet liefern. Wieder sind diesmal, lvie alljährlich, so bedeutende Zu- schüsse aus Reichsmitteln zu den Einzeletats der verschiedenen„Schutz- gebiete" angesetzt, daß man von einer fast vollständigen Erhaltung der Kolonien auf Kosten der deutschen Steuerzahler sprechen kann, zumal, wenn man berücksichtigt, daß neben den diretten Reichszuschüssen noch allerlei andre Extra-Ausgaben vorhanden sind, die, wenngleich man sie vergeblich im Kolonialetat sucht, doch zu den durch unsre allzu sonnigen Kolonien verursachten Kosten gehören, darunter die Ausgaben für das Kolonialamt in Berlin, für die Subventionierung der Ostasiika-Linie, sowie der ostasiatischen und austtalischen Postdampferlinien des Nordeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika-Linie und schließlich für den Kolonial-Postdienst. Außeroem müßte eigentlich auch noch der größte Teil der Flottenausgaben, der durch die Unterhalttmg von Kriegs- schiffen in den oft- und westafrikanischen Gewässern entsteht, den Kolonialausgaben hinzugerechnet werden; denn hätte Deutschland dort seine„Plätze an der Sonne" nicht, würde auch der Ueberwachungsdicnst wesentlich vermindert werden können. Doch selbst, wenn man von diesen reichlichen Nebenkosten absieht und sich auf die im Kolonial-Etat angesetzten Zahlen beschränkt, erhält man recht kuriose Ergebnisse. Nach dem von der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" veröffentlichten Auszug erfordern die Kolonien im nächsten Etatsjahr 38 483 120 M.. die Einnahmen sind jedoch nur insgesamt auf 11 586 533 M. veranschlagt. so daß das Reich 26 896 687 M. zu den Haushaltskosten hinzuzahlen muß, 174 125 M. mehr als im letzten Etatsjahr, und zwar für Ostafrika 6 181 237 M. (mehr als im Vorjahr 816 437 M.j. Kamerun 1 404 800 W. swemaer 177 800 SN.), Togo nichts, Südwestafrika 6 416 200 M.(weniger 843 820 M.). Neu-Guinea 907 500 M.(mehr 25 000 M.,. Karolinen ec. 163400 M.(weniger 209 250 M.), Samoa 235 450 M.(weniger 14 550 M.). Kiautschou 12 583 000 M.(mehr 229 858 M.). _ Die kostbarsten, am stärksten den Reichssäckel belastenden Schutz- gebiete sind demnach unsre Kolonien in Ost- und Südwest- afrika. vor allem aber unsre Pachtung in K i a u t s ch o u. Für diesen letzteren Besitz ist eine Ausgabe von 13 088 300 M. erforderlich; die eignen Einnahmen aus Landberkäufen, Steuern, Zöllen und sonstigen Abgaben bringen aber nach vorläufiger Veranschlagung nur 505 300 M., also muß das Reich aus seinem weiten Beutel das Sümmchen von 12 588 000 M. zuschießen. Davon verschlingen allein ■die Civil- und Militär-Verwaltungskosten 5 361 748 M.; der andre Teil der Ausgaben(7,70 Millionen Marks wird größtenteils für Hafen- und Wohnungsbauten sowie für Vermessungsarbeiten ge- fordert. Dastir entwickelt sich aber auch der Handelsverkehr mit Kiautschou ganz prächtig. Es sind dorthin im letzten Jahre für 6,95 Millionen Mark Waren geliefert— allerdings nicht zum Ver- kauf an die Chinesen, sondern für Rcgierungszwecke und den Konsum der deutschen Beamten und Ansiedler, und der Ausfuhrhandel belief sich im ganzen sogar auf nicht weniger als 53 000 M. Von gleicher Güte ist unser südwestafrikanischer Besitz. Seine eigne Einnahme für 1904 wird mit 2 719 800 M. veranschlagt. Dazu tragen bei die Steuern 74 000 M.(mehr als in, Vorjahre 2000 M.s, Zölle 1100 000 M.(mehr 100000 M.s. sonsttge Abgaben usw. 219 800 M.(mehr 60 100 M.s, Einnahmen aus dem Eisenbahnbetriebe 1 096000 M.(mehr 156 320 M.s, aus dem Betriebe der Hafenanlagen von Swakopmund 130000 M. Außerdem hat das Hafenamt in�Swakopmund, das den bisher von ihm verwalteten Hasenbetrieb demnächst an die Woermann-Linie abtritt, an diese einen kleinen Dampfer und drei Leichter verkauft und dafür 100 000 M. erhalten. Fast die ganze Einnahme wird jedoch allein durch die Militärverwaltung ver- schlungen. die 2 489 483 M. beansprucht. Hierzu kommt dann noch die Ctvilverwaltung mit 1 726 980 M. und der für beide Verwal- tungen zum gemeinsamen Verbrauch bestimmte Fonds von 1 592 300 Mark, ferner die Ausgabe für die Eisenbahn Swakopmund— Windhuk »nit 1 420 240 M. und verschiedene kleinere Posten, so daß der Reichs- säckel auch hier 5 416 200 M. beisteuern muß, während der ganze Handel des deutschen Zollgebiets mit dem Lüderitzschen Sandver- mächtniS sich 1902 nur auf 5 089 000 M. belief, und zwar besteht' auch hier die Masse der Einfuhr aus Artikeln für die Beamten und die Schutz truppe. Die Aussiihr nach Deutschland aber ist kaum neimenswert: sie brachte es imr auf rund 293 000 M. Als diejenige Kolonie, welche die größte jgukuilft hat, gilt Deutsch-Ostafrika. Die eignen Einnahmen dieses Schutzgebietes sind mit 3 455 483 M. angesetzt. 358 783 M mehr als im letzten Etats- jähre. Sie setzen sich zusammen aus: 781 183 M.(mehr als im Vorjahre 27 183 M.s Steuern: 1 338 000 M.(weniger 47 000 M.s Zölle, 873 000 M.(mehr 422 000 M.s sonstige Abgaben, Gebühren und Verwalttingseinnahmen; 213 300 Wl.(mehr 56 600 Ms Einnahmen aus dem Eisenbahnbetriebe und 200 000 M. Ersparnisse aus dem Rechnungsjahre 1902. Die Ausgaben stellen sich auf 9 622 458 M. Davon entfallen auf fortdauernde Ausgaben 7 183 958 M, nämlich 2 369 578 M. für die Civilverwaltung; 2 363 772 M. für die Militärverwaltung; 493 058 M. für die Flottille; 1 060 500 M für die gemeinsamen Fonds; 287 050 M. für den Betrieb der Usambara- Bahn: 600 000 M als 27. und 28. Rate an die Deutsch- Ostafrikanische Gesellschaft. Die sogenannten einmaligen Ausgaben werden mit 2 438 500 M. in den Etat eingestellt. Der größte Teil dieser Summe, 1800 000 M, ist als zweite Rate zur Fortführung der Eisenbahn- linie Tanga-Muhesa-Korogwe bis Mombo bestimmt, für die bereits im vorigen Jahre vom Reichstage 750 000 M. bewilligt worden sind. Begründet wird diese Neuforderung von der Regierung folgendermaßen: „Bei Anforderung einer ersten Rate von 1 Million Mark im vorigen Jahre ging die Kolonialverwaltung von der Annahme aus, daß es, ohne die Gesamtkosten allzusehr zu erhöhen, möglich sein werde, die Bauperiode für die Fortführung der Usambara- bahn von Korogwe bis Mombo auf drei Jahre zu erstrecken. wurde indes nur die Summe von 750000 M. bewilligt. Um eine Ueberschreitung des Gesamtanschlages unter allen Uniständen zu vermeiden, hat die Kolonialverwaltung davon abgesehen, den Weiterbau der Bahn in eigner Regie auSzuftlhren, und den Versuch gemacht, den Bau der Bahn einer zuverlässigen Privatfirma gegen eine im Rahmen deS ursprünglichen Kostenanschlages gehaltene Gesamtsumme zu übertragen. Der infolgedessen mit der Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht Lenz n. Co. in Berlin abgeschlossene Vertrag ist als Beilage diesem Etat beigegeben. Da eine Erstrccknng der Baufrist auf vier Jahre eine nnverhältnismäßige Erhöhung der Geschäftsunkosten für die Firma mit sich gebracht und eine Ausftihrung des Baues im Rahmen der Gesamtsumme des Kostenanschlages un- möglich gemacht hätte, mußte die Baufrist- auf 20 Monate vom Abschlüsse des Vertrages, d. h. vom 21. September 1903 ab, be schränkt werden. In Verbindung damit mutzten die der Firma zu leistende» Zahlungen so ben, essen werden, daß in, Rechnungsjahre 1904 die Summe von 1800 000 M auszuzahlen ist. Ilm die ver- fassungsmäßigen Rechte der gesetzgebenden Körperschaften zu wahren, ist im§ 16 des Verttages ausdrücklich bestimmt, daß der Firma für den Fall einer Nichtbewilligung der Mittel zum Weiter bau der Bahn lediglich ein Anspruch auf Ersatz der für den Bahnbau thatsächlich erwachsenden Kosten und auch dieser nur bis zum Betrage der nach dem Etat für 1903 verfügbaren Mittel zusteht."— Außerdem sind in den einmaligen Ausgaben zwei Forderungen von 100 000 M. für Straßenbauten und 97 500 M. für den Rückkauf der Plantage„Kurasini" enthalten. Diese Plantage, die früher dem Gouvernement gehörte, ist im Jahre 1900 diesem von der Rheini- scheu Hander-Plantagcngesellschast für obigen Preis abgekauft worden. Da die Gesellschaft aber bei der Bewirtschaftung nicht auf ihre Kosten zu kommen hofft, möchte sie ihren Besitz recht gerne wieder los sein, und das Gouvernement ist in seiner Courtoifie auch bereit, die Plantage zurückzunehmen, da, lvie sie erklärt, es später, wenn mal „die beteiligten Instanzen" sich zur Genehmigung einer Wasser- leitungs-Anlagc für Dar-es-Salaam verstehen sollten, vielleicht nötig werden könnte, diese Wasserleitung durch Teile der Plantage Kurasini zu führen. Der Reichszufchuß beträgt, wie sich aus obigen Einnahme- und Ausgabeziffern ergiebt, 6181237 M. Der gesamte Ein- und Ausfuhrhandel(Eigenhandel) der Kolonie mit dem deutschen Zoll- gebiet stellte sich in 1902 auf rund 4175 000 M, nämlich die Einfuhr in das Schutzgebiet auf 2,54, die Ausfuhr'auf 1,64 Millionen Mark: es kommen also auf jede Mark dev deutschen Ausfuhr nach diesem kostbaren Gebiet über zwei MarkReichszuschuß. Und obgleich das deutsche Gouvernement, lvie anerkannt werden kann, sich die Förderung des deutschen Handelsverkehrs eifrigst an- gelegen sein läßt und die Subvention der Ostafrika-Linie auf 1350 000 M. erhöht worden ist, nimmt doch der deutsche Waren- Handel nur sehr langsam zu und participiert an dem Gesamt Handel der Kolonie mit einem Viertel, wie die nachstehende Zusammenstellung zeigt: Von den liberalen Kolonialpolittkern wird entgegnet, vorerst sei allerdings von Deutsch-Ostafrika wenig zu erwarten, aber der Er- folg werde sicher eintreten— wenn erst der heutige sspärliche Plan- tagenbau eine größere Ausdehnung erlangt haben werde. Ja, wenn! Wie es um diese Aussichten bestellt ist, darüber hat sich kürzlich der Gouverneur Graf Götzen zu einen, Mitarbeiter der„Deutsch-Ost- afrikanischen Zeittmg" geäußert. Er sagte:. „Wir müssen doch das Land so nehmen, wie es ist, und nicht, wie es sein könnte! Es giebt für das Land nur zwei Möglich- leiten: Die eine besteht im Verzicht auf jeden Fortschritt. Man verzrchte darauf, deutsche Ansiedler nach den gesunden Hochländern des Innern zu setzen: n, an verzichte darauf, eine für das Deutsche Reich ins Gelvicht fallende Ausfuhr von Ein- gebornen- und Plantagen-Produkten zu schaffen und dadurch den Eingebornen wiederum kaufkräftig für deutsche Industrie- Artikel zu machen, man verzichte ferner darauf, Pro- spektoren ins Land zu ziehen und die von ihnen erschlossenen Berg- Werksbetriebe auch dann lohnend zu machen, wenn sic.keine Klondhke- selber sind. Die andre Möglichkeit— und eine dritte giebt eSnicht— ist die Auffchließung des Landes durch Eisenbahnen. Müssen wir uns mit der ersten dieser beiden Möglichkeiten bescheiden, so wird die Folge aller genannten Verzichte die Fort- dauer der gegenwärtigen geschäftlichen Stag- nation sein. Die Kolonie muß ihre Anziehungskraft für deutschen Unternehmungsgeist in jeder Form verlieren, das Reich wird dauernd eine La st zu tragen haben. und der Zeitpunkt, in dem Deutsch-Ostafrika seine eignen, jetzt auf das äußerste eingeschränkten Verwaltungsausgaben aus seinen Einnahmen zu decken vermag, wird dann in unabsehbare Ferne verschoben. Weitere ins Gewicht fallende Einnahmequellen sind unter den heutigen Verhältnissen nicht vorhanden... Damit ist deutlich genug ausgesprochen, daß jeder erhebliche Fortschritt ausgeschlossen ist, daß die Kolonie für das Deutsche Reich stets eine schwere finanzielle Last bleiben wird— wenn nicht, wie der Herr Gouverneur meint, große Bahnbauten ausgeführt werden, zunächst eine Eisenbahn von Dar-es-Salaam nach Mrogoro und Tabora, und darauf noch so etliche kleine Kreuz- und Querbahnen. Dann, lvenn durch derartige Eisenbahnen neue Gegenden erschlossen wären, würde sich nach und nach auch die Rentabilität emstellen. Nichts als leere Annahmen! Nicht.besser ftmdiert, wie die frühere Spekulation auf die schnelle Entwicklung des PlaittagenbaucS und die Hebung des Handelsverkehrs durch die'Dampfersubvention. Und allzu stark scheint denn auch bei Graf Götzen selbst die Hoffnung nicht zu sein, daß der Bahnverkehr sich bald rentabel gc- stalten könnte, da er seinen Darlegungen resigniert■ den Schluß hinzufügt:„Die Bahn ist eine reine„Erschließ ungs bahn": als„Aftsbeutungsbahn" k o mmt s i e v o r l äufig noch nicht in Betracht. Wären jetzt schon Schätze zu holen, die eine», Bahnunternehmen reiche Ueberschllffe brächten, so führen wir wohl heute schon nicht nur bis Mrogoro, sondern bis Tabora im Luxuszug. Das Geschick hat uns aber leider kei n e Kolonien beschieden, in denen die Schätze zu Tage liegen." Weit sicherer ist nach den bisherigen Erfahrungen zu erwarten, daß nach Fertigstellung iener Bahnen das Deutsche Reich außer de» jetzigen Reichszuschüssen noch alljährlich so und so viele Millionen zur Unterhaltung ostaftikanischer Eisenbahnen würde beisteuern müssen. Wenn nun doch einmal trotz der mißlichen Finanzlage des Dentfchen Reiches Geld in Bahnbauten verpulvert werden soll, dann ist schon besser, man baut im dunklen Ostpreußen und Posen„Er- schließungsbahnen" als tm Gebiet der Maffai und der Wanjamwesi Marktpreis« von Berlin am 4. Dezember 1903 nach Ermittelungen de? kgl. PolizeipräfidimnS. Kattosseln, neue D.-Ctt. nach 'Weizen, gut D.-Ctt. mittel gering 'Roggen, gut mittel gering f Gerste, gut Nüttel gering' tSaser, gut mittel gering Richtstroh " m jBfcu Speisebohncn Linsen • ab Bahn. 16,15 16,03 15,91 13,10 13,04 12,98 14,30 13,10 11,90 15,70 14,40 13,20 4,00 7,20 40,00 50,00 60,00 16,09 15,97 15,85 13,07 13,01 12,95 13,20 12,00 10,80 14,50 13,30 12,10 3,50 4,60 25,00 25,00 20,00 Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch Schweinefleisch Kalbfleisch Hainmelsleisch lütter Eier. Karpse» Aale Zander Hechte Barsche «schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 k« per Schock 6,50 1,80 1,50 1,60 3,00 1,80 2,80 5,00 2,20 2,80 2,60 2.00 1,80 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,40 0.8? 3,00 f srci Wagen und ab Bahn. Beitin. Eingegangene DrudiFchnftcn. Dr. anbrecht Wirt. Weltgeschichte der Gegenwart. Mit sechs n Karten. Berlin 1904. Verlagsbuchhandlung Gose u. Tetlast, --- fraktisehe Weihnaehts- Geseheake zu ersstaanlich Mlllgseu Preisen. 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Hua der Frauenbewegung. Britz. Am 1. Dezember tagte bei Weniger eine öffentliche Frauenversammlung. Fräulein I. Baar hielt zunächst einen sehr interessanten Vortrag über..Wohnungselend", dem eine lebhafte Diskussion folgte. Nachdem berichtete Frau Nierich als Vertrauens- Person über ihre Thätigkeir vom Juli 1902 bis 1. Oktober 1903. In der Zeit haben zwei Frauenversammlungen und zivei Flugblatt- Verbreitungen stattgefunden. Ter Frauen-Wahlverein für diesen Wahlkreis brachte hier eine Einnahme von 29,90 M., ausserdem wurden für Agitation 10,70 M. vereinnahmt. Diese Gelder sind der Kreis-Bertrauensperson überwiesen. Auf Antrag der Frau Ernst tvurdc der Vertrauensperson Entlastung erteilt. Es folgte hierauf Neuwahl der Vertrauensperson, zu welcher Frau Nicrich einstimmig wiedergewählt wurde. Zum Schluss wurden die anwesenden Frauen auf die gewerkschaftliche Organisation sowie auf den Frauen- Bildungsvcrein hingewiesen. Rixdorf. Verein gewerblich thätiger Frauen und Mädchen Rirdorfs und Umgegend. Mittwoch, den 9. Dezember, abends SV. Uhr, im Lokale des Herrn Thiel, Bergstr. 1S1/1S2: Versamm- lung. Tagesordnung: 1. Vortrag: Der Achtuhr-Ladenschluss. Rcferemt: Philipp Bernstein. Diskussion. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Gäste willkommen. Der Vorstand. Bericht über den Cocialdemokratischen Wahlvercin der Frauen Berlins und Umgegend für die Landtagswahl 1903. Sogleich nach Bekanntgabe des Wahltermins erfolgte am 24. September die Gründung des Vereins. In der kurzen Zeit von zwei Monaten, die dem Verein vergönnt war, zu epistieren, hatten gegen vierhundert Frauen ihr Stückchen polilisches Recht ausgenutzt und waren Mit- glied des Vereins geworden. Das Interesse für den preussischen Landtag war nicht so rege als für den Reichstag, es mutzte geweckt werden. Dies wurde versucht in den sechs Versammlungen, die der Verein veranstaltete. Einige waren sehr gut und meist von Frauen besucht. Die Referenten, Genossinnen Zepler, Zetkin, Alt- mann, die Genossen Ledcbour, Grunwald und Manasse, behandelten in vorzüglicher Weise die einschlägigen Fragen, sie durch lvichtigcs Zahlenmaterial beweisend. Vielen ist klar geworden, wie kulturwidrig Prentzens Gesetzgebung ist hinsichtlich der Vercinsgesetze, der Schule, der Krankenvflege usw. Der ausgestreute Samen wird sicher aufgehen, er wird dazu beitragen, der Socialdcmokratie. der- jenigen Partei, die für wirtliche Gerechtigkeit kämpft, neue Anhänger zu gewinnen. Das während der zwei Monate ausgenutzte Stückchen politisches Recht ivird mancher Frau die Augen geöffnet haben über die schreiende Rechtlosigkeit, unter der sie gesetzlich zu leiden hat. Aber auch für das weibliche Geschlecht wird die Zerr sich erfüllen, in der es frei und gleichberechtigt sein wird, jedoch nur, wenn es sein Recht sich selbst in unablässiger Aufklärungsarbeit erringt. Die Auflösung des Vereins erfolgte nach dem Gesetze mit Beendigung der Wahl. Die Abrechnung der Einnahmen und Ausgaben haben folgende Summen ergeben: Einnahmen 1042 Marlen a 20 Pf. verkauft 208.40 M. Tcllersammlling.. 48,90„ Summa 257,30 M. — 179,49„ Ausgaben Mitgliedskarten.. 9,00 M. Handzettel, Plakate. 50,50„ Annoncen... 103,20 � Porto, Papier, Diverse 10,79„ 179.49 M. ___ Summa Ueberschutz 77,81 M. Der Ueberschutz wurde der Central-Vertranensperson überwiesen. Die Kasse wurde von uns revidiert und alles in Ordnung und richtig befunden. Frau Marie Klotzsch. Frau Katharine Sehring. für�die nächste Kummer müssen bis 3 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. � -Freude bereHet jeder Einkauf unserer weltberühmten SCHUHWAREN! Zu Präsentzwecken beliebt und sehr zu empfehlen sind unsere warm gefütterte Pantoffel, Hausschuhe und Strassenstiefel* SPECIALITÄT: Filzschnallenstiefel für Herren, Damen und Kinder. Gross ist die AiMil! Billig sind die Preise! 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