Ur. Z86. IlkennementS'Rfdlngungen NdonnemrntZ• Preis priinuineranto: BierteljShrl. 8,30 m, ntono«. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. lulmmer mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Abonnement: I.lO Marl pro Monat. Eingetragen in der Post.ZeitungZ» Preisliste für l»vg unter Nr,«SOZ. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn i Mark, für das übrige Auslani- t Marl pro Monat. 20. Jahrg. vlchtlat ttgll» suler Monlzg». Verlinev VolksOlakk. vi« lnlertions-Sediihf beirügt für die sechsgespaltene Kolonel» zcile oder deren Raum.0 Pfg., für politische und gcwcrlschafilichc Bercins» und BcrsammiungS-Anzeigcn 20 Pfg, „Uteine Hnrelgen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett), Inserate sü» die nächste Nummer müsse» bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Gönn- und Festtage» bis SUhr vormitttagS geöffnet Delegramm-Storesse: Btrlia" Contralorgan der jocialdemokratischen Vartei DeutlÄslands. Redaktion: 8M. 68, Lindcnatraaec 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Expedition: 8M. 68, Lindenstraeee 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Der dritte Mann. Nach Behcrlcin und Bilse der Freiherr von Euhlcn. Auch er giebt eine Kritik des Militarismus, an der wir nicht achtlos vorbei- gehen dürfen. DaS Manuskript seines bei Heinrich Mnden in Dresden und Leipzig erschienenen Werkes„Sius ira et studio, Militärische Betrachtungen 1900—1903" lag aber bereits abgeschlossen da, ehe alle Welt von Beycrlein und Bilse zu reden beganir. Dieser Umstand nmß schon deshalb hervorgehoben werden, weil er beweist, daß die einschneidende Kritik des Militarismus, die Jahr zehnte hindurch einzig und allein der Socialdemokratie überlassen blieb, mit einemmal„in der Luft liegt". So wie Erfindungen auf dem Gebiete der Technik oft von zioei, drei räumlich weit von einander wohnenden Männern gleichzeitig gemacht werden, wenn „die Zeit erfüllet ist", so ertönen auch jetzt die kritischen Stimmen gegen den Militarismus aus vieler Munde, Iveil bekanntlich unter gewissen Umständen sogar die Steine zu reden beginnen! Das Buch des Frciherrn v. Guhlcn unterscheidet sich von denen Bcyerleins und BilscS wesentlich. Beyerlein, der in der Schule Zolas gebildete Romancier, wird zum Richter über den Militarismus, weil er das Milieu genau und wahrheitsgemäß schildert, in dem die Personen seiner Erzählung leben. In der Wahrhaftigkeit liegt die „Tendenz" seines Werkes, die der Verfasser von seinem Standpunkte als Künstler leugnen muß, wenn er selbst auch aus der Rolle fällt. Bei dem lebhaften Interesse, das unser ganzes Volk an den: nioderiien Heerwesen nimmt und nehmen muß, fühlen wir alle diese„Tendenz" freilich fast allzu deutlich heraus: sie giebt schließlich dem ganzen Buche seine specifische Färbung. Lieutenant Bilse hat in seinem Roman:„Aus einer kleinen Garnison" eine Abrechnung mit allen denen gehalten, unter denen er jahrelang in Forbach gelebt und gelitten hat: nur insofern giebt er weitere Ausblicke, als er behauptet, in den kleinen Grcnzgarnisonen init ihren übermäßig starken militärischen Belegschaften müßten ähnliche Zustände mit Naturnotwendigkeit cutstehem Sein Buch ist als menschliches Dokument nicht ohne Interesse, von jedem andren Standpimkt aus be trachtet aber nur von Probien, atischcm Werte. Für die Kritik der Verhältnisse in Forbach brauchen wir es nicht mehr, nachdem das Militärgericht in Metz den famosen „Wahrheitsbeweis" geliefert hat, Freiherr v, Guhlen, der Dritte im Bunde, tritt dagegen mit der Absicht in die litterarische Arena, als Kritikex aufgenommen zu werden. Sein Werk setzt sich aus einer Reihe von Abhandlungen zusammen, die zum Teil, wie Journalartikel, unter dem frischen Eindruck bestimmter Er- eignisse, wie z. B. der Kaisernmnöver oder des Prozesses Hiissener, geschrieben worden sind. So ziemlich alle Sparten unsrer Heeres einrichtungcn und des militärischen Dienstes nimmt Guhlen unter seine kritische Lupe und macht seine Bemerkungen dazu, wie wenn er vom großen Generalstab zu einem Bericht aufgefordert worden wäre. Mit der eindringlichen Sachkenntnis deS lang gedienten Front- offizierS weiß er seinen Tadel oft in wenige knappe Sätze zu- sammenzufassen, die ebensogut in der Kritik nach einer Besichtigung oder einer Felddienstübung fallen könnten, vielleicht auch gefallen sind-- ehe der blaue Brief den Frciherrn v. Guhlen in das Land der Cylinder verscheuchte I Weit entfernt ein Revolutionär, ein kühner Neuerer auch nur aus seinem eigensten Gebiete zu sein, ist Freiherr v. Guhlen— IM. ein gläubiger Nachbeter des Märchens von der Provokation der Unteroffiziere zu Soldatenmißhandlungen durch socialdemokratischc Emissäre im bunten Rocke!— vielmehr ein Lobsänger der„guten alten Zeit". Er beklagt die Einführung der zweijährigen Dienstzeit lind hofft den Tag noch zu erleben, Ivo man zu der geheiligten Dreizahl der Dienstjahre zurückkehren wird: nnt schwärmerischer Verehrung blickt er auf den„Heldengreis" Wilhelm I. und seine Handlanger, und was ihm die Feder in die Hand drückt, ist in erster Linie die Trauer darüber, daß Epigonen das Werk der alten Generation zu vernichten drohen. Man begreift, daß dieser Standpunkt nicht der unsre sein kann. Aber wir könne» doch zu dem alten Offizier in ein Verhältnis kommen, weil er ein klares Verständnis für die Bedeutung der st a a t s- bürgerlichen Freiheit hat. Nachdem er den Soldatenrock ausgezogen hat, ist ihm das Verständnis dafür ausgegangen, was der Bürger ist. Der Bürger— nicht aber die Bourgeoisie! Denn ohne ihre sittliche und politische Verlotterung, so meint Guhlen, könnte es auch mit dem Militarismus nicht so arg stehen, tvie eS ist. Hätte eine ftlbstbewußte Vertretung einer selbstbewußten Bourgeoisie mit kräftiger Hand eingegriffen, als es noch Zeit war, dann wäre nach seiner Ansicht manches besser geworden. Wir wollen mit dem Verfasser über die Berechtigung dieser Anschauung deshalb nicht streiten, weil er wenigstens einen gewissen Zusammenhang zwischen den Schäden des Militarismus und dem Niedergange des Bürgertums nicht übersieht, Dafür ist z.B. sein Kapitel über„Staatsbürger und Reserve-Offizier" kennzeichnend.„Wer ist heute nicht Reserve-Offizier Z" ruft er aus.— „Jeder muß nach ihr(dieser Charge) streben, wenn er nicht über die Achsel angesehen, wenn er ohne Schwierigkeiten vorwärts kommen will... Kein Reserve-Offizier kann(aber) eine von den Auffassungen der Regierung abweichende Ansicht öffentlich bekunden, ohne be- fürchten zu müssen, daß er sofort mit dem Bezirkskommandeur zu thun bekommt... Man schweigt lieber, als daß man es mit den Leuten oben verdirbt... So entwickelt sich unter den Reserve- Offizieren sehr schnell jener moderne Royalismus, der sich ain beut- lichsten in dem Bestreben kund giebt, mit den Regierenden jederzeit durch dick und dünn zu gehen, ohne Rücksicht auf den H'Us, der zufällig gesteuert wird. Das schlimmste aber ist dabei, daß die politische kl nfreiheitd er Reserve-Offiziere auch noch dann weiter besteht, wenn er schon längst das Waffenkleid für immer an den Nagel gehängt hat. Wer wird sichselberger»»ntreu? So sehr die Gesinnungslosigkeit auch heute im Schwange sein mag, so zögern doch noch viele gebildete Leute, sie offen zur Schau zu tragen. Die überwiegende Mehr- hcit der ehemaligen Reserve-Offizicre zieht eS daher vor, in dem Fahr- Wasser eines offiziellen Royalismus zu bleiben; und sie hat um so weniger Anlaß diesem zu entsagen, je größer in der Familie der männliche Stachwuchs ist, der, um vorwärts zu kommen, auch einmal nach den Epaulettcs des Reserve- Offiziers tvird trachten müssen." Wer die Verhältnisse in unserm Bürgerwine kennt und die in 0- ra tischen Verwüstungen beobachten konnte, die das gierige Streben nach dem Offiziersportepee, das widerwärtige Karriere- schnaufen anrichtet, der kann über solche Worte nicht erstaunt sein. Sie sind nicht neu; neu ist nur, daß ein Offizier, wenn auch ein abgehalfterter, sie ausspricht. Guhlens Hoffnung ist eine kräftige parlamentarische Aktion. Als bürgerlicher Utopist hofft er von ihr eine Regeneration des Heer- wesenS. Er wird also noch wenigstens eine große Enttäuschung in seinem Leben zu ertragen haben, wenn er alt wird. Der Milita- rismus ist nicht mehr zu retten. An seinen eignen Ungeheuerlichkeiten und an den: Widerspruch mit der allgemeinen menschlichen Eni- Wickelung nmß er zu Grunde gehen. Die„gute alte Zeit" kann niemand wieder heraufführen, am wenigsten die Bourgeoisie, die heute auch einer Prätorianerschar ihre Reverenz machen würde, wenn sie des Schutzes ihrer Geldschränke, der Sicherung ihrer Privilegien, der Niederhaltung der„Umstürzler" durch eine solche gewiß wäre. Der Weg geht nur nach vorwärts, zum wahrhaften V 0 l k S h e e r e, der demokratischen Organisation des nationalen Schutzes. Im Kampfe fiir diese Fortentwicklung können aber auch d i e Waffen gute Dienste leisten, die von den bürgerlichen Utopisten geliefert werden. Und deshalb möchten wir allen, die sich mit der Frage des Militarismus beschäftigen, raten, sich die Kapitel in GuhlenS Buche, die von den Kaisermanövern, der Uniformierung des Heeres, den: modernen System der Auszeichnungen, den Rekruten- Vereidigungen, dem Friedericianischen Paradegriff und andern deko- rativen Errungenschaften der allcrueutsten Zeit handeln, recht genau anzusehen..Es steht wirklich viel Gutes darin; es wird sich die Gelegenheit bieten, bei den Beratungen des Militnretats im Reichs tage noch verschiedenes hervorzuheben. politische(leberlickt. Wahlstatistische Beruhigungspulver. Zur„Beruhigung deS Bürgertums" ergehen sich einige Zeitungen eifrigst in w a h l st a t i st i s ch e n Bemühungen. Herr Dr. Arendt gab schon vor Wochen den Ton an, daß es mit der socialdemokrati schen Gefahr denn doch nicht gar so schrecklich sei, neuerdings folgten die„Grenzboten" und so hat denn schließlich auch das„Bcr- liner Tageblatt" sein D r e i m i l l i 0 n e n- G e s p c n st entdeckt. Bald nach der Reichstagstvahl habe daS Wachstum der Socialdemokratie schwere Bestürzung verursacht, aber eine nähere Untersuchung der Wahlziffern könne in weiten Kreisen„Ueberraschung und— warum sollte man'S verschweigen— Beruhigung und Ermutigung erzeugen". Was will man nun beweisen? Den Auf- schwung der socialdcmokratischcn Stimmen von 2107 076 im Jahre 1898 auf 3 010 771 im Jahre 1903 soll„in Wirklichkeit ganz erheblich geringer" sein, als es auf den ersten Blick erscheine. Da die Thatsache des socialdemokratischen Wachstums um 903 SOS Stimmen aber unweigerlich feststeht, so kann die bürgerliche„Beruhigung", wie von vornherein klar ist, nur durch statistische Spielerei gewonnen werden. Man leistet sich die amüsante Annahme, daß mindestens 300 000 socialdemokraiische Stimmen von solchen Social- dcmokratcn herrühren, die— schon 1898 Socialdemokraten waren, aber sich damals der Wahl enthielten. Durch Vergrößerung der Ziffer von 1898 soll die Ziffer von 1903 verkleinert erscheinen. Weiter tvird auf den Zuwachs, den die bürgerlichen Parteien am 10. Juni hatten, nämlich insgesamt 839 199 Stimmen, hingewiesen; also habe die Socialdemokratie einen„wirklichen Stimmenzuwachs" von nur 04 490 gewonnen! Eine sachliche Beurteilung der Parteientwicklung auf Grund der jetzt vorliegenden amtlichen„Vergleichenden Uebersicht der Wahlen von 1898 und 1903" ist nur möglich, indem man die Ziffern für die einzelnen Parteien durchgeht. Für die Wahl 1398 wurde die deutsche Bevölkerung(nach der Zählung von 1890) auf 52 279 901 Köpfe au- gegeben, 1903(nach der Zählung von 1900) auf 50 307 178 Köpfe. Wahlberechtigt waren 1398: 11441 094, 1903: 12 531 248. An der Wahl beteiligten sich 1898: 7 780 714---08.1 Proz. der Wähler, 1903: 9 533 794-- 70,1 Proz. der Wähler. Die Ent- Wickelung der einzelnen Parteien zeigt folgende Tabelle: 1898 1903 Wählerzahl Proz. Wählerzahl Proz. Deuffch-Konscrvativ 859 222 ......» 843 042 971 802 195 082 558 314 108 528 1 455 139 244 128 284 250 110 389 140 304 208 234 92 137 13 840 2 107 070 Reichspartei. Nationalliberale. greif. Vereinigung greif. Volkspartei Deutsche Volksp.. Centrum.... Polen..... Antisemiten... Bund der Landw. Bauernbund.. Andre Parteien") Ilnbestimmt... Zersplittert... Socialdemokratie 11.1 4.4 12,5 2,5 7.2 1.4 18,8 3,1 3.7 1,4 1.8 3.5 1,2 0.2 27,2 948 443 333 404 1313 051 243 230 542 550 91 217 1 875 292 347 784 244 543 118759 III 375 248 024 55 249 11884 3010 771 10,0 3.5 13,3 2,0 5.7 4.0 19.7 3.7 2,0 1.2 1.2 2.0 0.0 0.1 31,7 •) Hierunter sind zusammengefaßt: Litauer, Nationalsociale, Dänen, Welsen, Hessische Rechtspartei, Rkecklenburgische Rechtspartei, Elsaß-Lothringcr. Danach haben gegen 1898 an Stimmcnzahl absolut ab» genommen: die Deutsche Reichspartei, die Freisinnige Volks« Partei, die Deutsche Volkspartei, die Antisemiten, der Bauernbund, die Gruppe der„andren Parteien". Von denjenigen Parteien, die an absoluter Sttmmeuziffer zu« genommen haben, haben jedoch abgenommen im prozentualen Anteil zur vermehrten Wählerzahl die Konservativen und der Bund der Landwirte. Absolut und relativ gewachsen sind die Nattonallibcralcn, die Frei» sinnige Vereinigung, daS Centrum, die Polen, die Socialdemokratie. Das größte Wachstum außer der Socialdemokratie hatten National» liberale und Centrum. Die Nationallibcralen hatten einen absoluten Zuwachs von 341 749 Stimmen, das Ccntrum von 420 153 Stimmen, die Socialdemokratie aber von 903095 Stimmen. Der Anteilszuwachs dieser Parteien an je 100 abgegebenen Stimmen beträgt für die Nationalliberalen 1,3, für das Centrum 0,9, für die Socialdemokratie 4,5. Auch die Entwicklung der Socialdemokratie gegenüber der Gesamtheit der andern Parteien kann nur aus der Prozentzah! des bisherigen Wachstums zwischen 1893 und 1903 richtig bewertet werden. Die nicht- socialdemokratischen Parteien zählten 1898: 5 079 033 Stimmen, ihr Zuwachs auf 0 523 023 im Jahre 1903 bedeutet eine Steigerung der Stimnien nm 14,85 Proz. Die Socialdemokratie wuchs von 2 197 070 im Jahre 1893 auf 3010771, d. h. um 43,89 Proz.! Wenn diese Ziffern geeignet sind, die bürgerlichen Parteien zu beruhigen und von schwerer Socialistenangst zu befreien, so soll es uns recht sein. Auch wir sind der Ansicht, daß unsre Erfolge vom 10. Juni 1903, so groß sie sind und so wenig sie durch statistische Spielerei beeinträchtigt werden können, noch keineswegs groß genug sind, lind wir wollen unser möglichstes dransetzen, um durch weiteres Wachstum die bürgerlichen Parteien vor allzu großer Bennruhigung zu bewahren.— Zur Fil!anz-„Reform". Ob die Stengelsche Finanzreform. die in Wirklichkeit nichts ist, als die Vorbereitung neuer indirekter Steuern, Aussichten im Reichstage hat, hängt wiederum von: C e n t r u in ab. Die bisherige Finanzpolitik deS CentrumS steht im völligen Widerspruch zu den Vorschlägen des Staatssekretärs v. Stengel, und die Centrumspresse nimmt eine überwiegend ab- lehnende Haltung ein. Nach der„Germania" tvird der Abgeordnete Dr. S ch ä d l e r alö erster Redner des Centnuns zum Etat die Be- denken und Einwände seiner Partei vortragen. Interessant ist, daß die RcgierungSkreiie in der jetzigen Haltung deS CentrumS noch nicht das letzte Wort diejer Parte'i erblicken. In den„Berliner Politischen Nachrichten" wird aus- geführt: „Die erstmalige Stellungnahme der Centrumöblätter läßt noch keinen sicheren Schluß a»f die endliche Beschlußfasiuug der parlanieutarischen Vertretung der Partei zu. Man wird sich er- mnern, tvie lebhaft die Centrumspresse anfänglich die ver- schiedencn Flottenvorlagen bekmnpft hat, während, nachdem zunächst noch die Zwcifclsgründe rednerisch stark betont wurden, schließlich das Ccntrum der Verstärkung der Flotte doch im wcsent- lichen zugestimmt hat. Man wird daher auch jetzt aus den kritischen Bemerkungen einiger Centrumsblätter noch keineswegs den Schluß ziehen dürfen, daß das Centrum im Reichstage sich. tvie eS die frelsinnigen und socialdemokratischen Gegner der Vorlage natürlich wünschen, ihr gegenüber ablehnend verhalten wird.... Man wird daher gut thun, sich durch einzelne abfällige Kritiken in den Centruinsblättern nicht beirren zu lassen. Eine Partei, die Wert darauf legt, ihre Regie rungsfähiakeit nach allen Richtungen hin zu erweisen, dürfte bielmehr auch in dem vorliegenden Falle, wo eS gilt, Klarheit und Durchsichtigkeit in de» Reichshaushalt selbst und in das Verhältnis zwischen reichs- und bundesstaatlichen Finanzen zu bringen, nicht ver» sagen w 0 l l en." Die Erinnerung an den grandiosen Flottenunifall des CentrumS ist nur allzu berechtigt. Nach der neueren Entwicklung der klerikalen Partei als eigentlicher Regierungspartei ist ihr jede Mauserung zum Schlimmeren zuzutrauen.— .« veutlckea Reich. Richter-Loh». Herr Eugen Richter und seine Partei sind, ihren Verdiensten entsprechend, völlig in die Gunst der reaktionären NeichstagSmehrheit aufgenommen. Die„Freisinnige Zeitung" ver- kündet jubelnd, daß diesmal unter den acht Schriftführern zwei aus ihrer Partei gewählt seien. Im vorigen Reichstag hatte die führcr zuzugestehen." Die Freisinnige Volkspartet steckt so tief in der Reaktionsschmach, daß sie sich deS unwürdigen BegönnerungS- Verhältnisses, in dem sie steht, nicht einmal mehr bewußt ist. Sie triumphiert, daß die Reaktion von ihreik Leistungen befriedigt ist und sie gnädig belohnt.— Die frcikonservativc Fraktion hat diesen Antrag im Reichstage eingebracht:„Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichs- kanzler zu ersuchen: 1. Angesichts der bei de» letzten preutzisckien Üandtagswahlen vorgekommenen Ausschreitungen auf eine Er- Weiterung und Verschärfung der im 8 107 des Strafgesetzbuches zum Schutze der Wahlfteiheit getroffenen Bestimmungen in, Wege der Gesetzgebung hinzuwirken; 2. Maßnahmen zu treffen,»in die Wählerlisten gegen fahrlässige Auslassungen und mißbräuchliche Ein« traanngen zu sichern und betrügerische Ausübungen des Wahlrechts unmöglich zu machen." Ausnahmsweise können wir einen: Antrage der reaktionärsten Partei des Reichstages zustimmen, ß 107 des Strafgesetzbuchs spricht in der jetzigen Fassimg nur von der Wahlverhinderung durch Gewalt oder Bedrohung mit einer strafbaren Handlung. ES giebt aber außerdem noch zahlreiche Methoden, durch welche das Wahlrecht der social Schwächeren schwer gefährdet und beeinträchtigt wird. Wir sind recht begierig, ob die Konservative»:, deren Partei-Existenz auf WaWeeinflusiMtgeii beruht, geeiguetcu Vorschlägen zustinunen werden. Die Herrschaften werden bald vor dem eignen Antrag Angst bc- komme».— Wahltrawnll und milde Richter. Nicht immer sprechen obcrschlesische Richter harte Strafen aus, wenn es sich mn die Sühne für begangene Wahlepcesie handelt. Einen Beweis dafür, dag in solchen Fällen auch sehr milde geurteilt werden kann, erbrachte dieser Tage dao Schöffengericht in BenlhenO.-S. Ans der Anklagebank sagen dieses Mal nicht Socialdemokraten oder .Radikalpolc», sondern angesehene Bürger, CentrumSpatrioten von Beuthen. Der gemeinschaftlichen Körperverletzung angeklagt waren der Kirchendiener WidalvSki, der Buchhalter Tomaschnh und der Fleisch- besckiancr Cyrus, alle drei arrangierte CentrumSlcute. Sie sind nach Beendigung einer CentrumSwähler-Bersammlung über socialdemo- kratische Flugblattverteiler, die vor dem Versammlungslokal auf der Straffe ihre Wahlarbeit verrichteten, hergefallen und haben dieselben in Gemeinschast mit anderen, nicht ermittelten Personen rph min- handelt. Die Beweisaufnahme vor dem Schöffengericht ergab durch die eidlichen Aussagen sowohl der Mißhandelten wie andrer, nicht zur socialdemokratischcn Partei gehörender Augenzeuge dcö Vorfalls folgendes Bild: Am Abend des 28. Mai verteilten die Genossen Theindet und Weinhold an die ans einer vom Centrum einberufenen Wählerversammlung in Beuthen kommenden Personen Flugblätter für die Wahl Dr. Winters. Sie hatten sich rechts und links vom Eingang zum Lokal auf der Straffe aufgestellt, ohne irgendwie den Abzug der aus dem Saal kommenden Ver- sainmlungsbesucher zu hindern. Plötzlich erhielt Theindel vom Kirchendiener Winnawoli einen Stoff, daß er ein Stück auf die Straffe flog, dann packte W. den Theindel am Genick und schlug auf ihn ein, gleichzeitig andre zum Schlagen auffordernd. die dieser menschenfreundlichen Aufforderung oeS christlich srommell ManneZ auch bereitwillig Folge leisteten, so daß Theindel auf die Knie zusammensank. Er wurde dabei auf die andre Seite der Straffe gezerrt, wo ein Polizeibeamter mit den Händen ans dein Rücken dem erhebenden Schauspiel zusah, ohne einzuschreiten. Ja, als der Miffhandelte sich aufraffte und in seiner Rot den Beamten um Schutz bat, erklärte derselbe nach beschworener Zeugenaussage:„Svcialdemokeateu haben leine» Anspruch aus Schutz k" Run drang die Menge wiederum auf Theindel ein, dem man die Flugblätter längst entrissen und in den Rinnstein geworfen hatte. Wiederum zeichnete sich der Mann der Kirche, Widowsli, bei den Mißhandlungen besonders ans, er packte Theindel an der Gurgel und zerkratzte_ ihm die Schläfe, doch auch andre halfen kräftig. insbesendere der Fleifchbcschauer Eyrus, der mit den Fäusten auf den ivehrlosen Soeialdemokraten cinhieb. Selbst als ein andrer Polizeibcamtcr dazu kam und nun Theindel festhielt, um ihn zu verhaften, schlug CyruS nach den eidlichen Atissagen der Zeugen noch ans Th. ein. Auf die Frage deS Bvrsitzendcn, warum denn Theindel und nicht diejenigen, die ihn mißhandelten, zur Wache gebracht wurden, erklärte der Polizcibeamte in der Verhandlung, dieZ sei zu dessen Schutze geschehen, denn sonst hätten die Leute ihn wohl noch totgeschlagen! Auch der andre Flugblattverbreiter, Genosse Weinhold, Ivurde gestoßen>md geschlagen und als Theindel abgeführt tvnrdc, schrien die braven Eentrums- stützen:„Hier ist noch einer!" worauf ein andrer Polizeibeamtcr auch Weinhold packte um ihn mit-der Bemerkung:„Komm nur m i t Du L u in p e n f a ck" ebenfalls zur Wache zu führen, welche Absicht der GesctzeShüter erst aufgab, als nun doch verschiedene andre Leute, die empört lvarcu über das Benehmen der Eentrums- rüpcl, dagegen enffchiedcn protestierten. Der Kirchendiener Widawski bestritt Kotz aller entgegenstehenden Zeugenaussagen und obwohl der von ihm versuchte EntlastungS- beweis vollständig miffglückte, bis zum letzten Augenblick seine Schuld. Er wollte den Theindel nur etwas vom Eingang fortgeschoben haben, weil er den Verkehr hemmte, ihn sonst aber nicht angerührt haben. Auch Tomaschnh bestritt, geschlagen zu haben, während CyruS zugab, Theindel ein paar Ohrfeigen gegeben zu haben, weil dieser gerufen habe:„Verfluchte Pfaffenknechte!" Für diese Behauptung konnte jibcr ein Beweis nicht erbracht werden. Der Staatsanwalt hielt die Schuld der Angeklagten für erwiesen, so weit cS sich um einfache Körperverletzung handle, doch sei die Anklage wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung fallen zu lassen.(!) Die bestimmten und doch vorsichtigen Aussagen der interessierten Verletzten wie der ganz unparteiischen Zeugen ließen keinen Zweifel an der Schuld der Angeklagten. Zu gute gerechnet müsse aber den Angeklagten lvcrdcn, daß sie sich in großer Aufregung befunden hätten, denn e-5 sei doch wohl anzunehmen(!), daß Beschimpfungen der EentrumSwähler erfolgt seien(die Verhandlung hatte dafür nicht den geringsten Beweis geliefert!). Der Staatsanwalt beantragte daher gegen Widawski eine Geldstrafe von 25 M., gegen Tomaschnh eine solche von 20 M. und gegen den dcS Schlagens geständigen CyruS eine solche von Sv M. Als der Verteidiger des CyruS, Rechtsanwalt Sabizick-Beuthsn, in seiner Rede erklärt, die Flu g b l a tt v er b r e i t er hätten ihre Prügel wohl verdient, lassen sich die Zeugen Theindel und Weinhold in ihrer berechtigten Empörung zu einem vernehmbaren „Pfui hinreißen; was der Vorsitzende scharf rügt. Das Gericht spricht nach kurzer Beratung den angeklagten Tomaschnh kostenlos frei und verurteilt Widawski wegen gemeinschaftlicher Körper- Verletzung unter Annahme mildernder Umstände zu 15 M., CyruS wegen einfacher Körperverletzung zu 10 M. Geldstrafe. In der Urteils- begründung heißt es, daß cS sich im Grunde doch nur um un- erhebliche E x c c s s e handelte, und daß die erregende Situation, die durch einen erbitterten Wahl- kämpf erheblich gesteigerte Erregung. die erklärlicherweise auf beiden Seiten(?) zu Schimpfwörtern geführt hätte, bei der Strafzumessung mildernd in Betracht gezogen werden mußte. Wie glücklich hätten die armen im Laurah üttcr Prozeß zu furchtbaren Gefängnis- und Zuchthausstrafen Verurteilten fein können, wenn sie für ihre meist in kindischem Radaumachen bestehenden „Verbrechen" so gnädige Richter gefunden hätten, wie die rohen Prügelhelden in Beuthen.—_ Ungültige LandtagSwahl. Gegen die Wahl des national-! liberalen Kommerzienrats B a r t l i n g zum Landtags- Ab- geordneten für den Wahlkreis Stadt Wiesbaden ist Protest er- Hobe» worden. In der Begründung heißt eS: Unter dein Ib. Ro- vcmber 1908 hat der nationalliberale Wahlvcrein des IX. nassauischen Landtags-Wahlkreises ein Cirkular verschickt, worin die für die Kandidatur Bartling gewählten Wahlnränner aufgefordert werden, am 20. November zur Wahl zn erscheinen. Ain Schlüsse dieses CirkularS ist gesagt:„Eine gesetzlich gestattete Ent- schädigung für Reisekosten und Zeitversäumnis wrrd den Herren Wahlmännern auf Wunsch erstattet, und bitten wir, die Liquidation nach der Wahl an nnsre Geschäftsstelle in Wiesbaden, Bcethovensir. i, freundlichst einreichen zu wollen." Gleichzeitig an demselben Tage wurde an dieselben Wahlmänner folgende Einladung geschickt:„Sehr geehrter Herr! Wir gestatten unö hierdurch. Sie zu einem gemeinsamen Mittagessen der Wahlmänncr für die Kandidatur Bartling er- gebenst einzuladen. Dasselbe findet am 20. d. M. nach Beendigung der Wahl im Theatersaal der Walhalla, MauritiuSstr. 1a, stalt. Mit vorzüglicher Hochachiung Der Vorstand der uationalliberalen Partei." Diesen Cirkularcn entsprechend hat denn auch die Auszahlung der darin erwähnten Vergütungen, ebenso daS gemeinsame Mittageffen stattgefunden. Die Versprechungen stellen sich als eine imzulässige Beeinflussung der Wahlmänner dar. Das Abgeordnetenhaus wird die Wahl kassieren müssen.— Die Dortmunder Polizeischlacht vom Abend des StichwahltageS soll noch Gegenstand einer gerichtlichen Verhandlung lverden. An- geklagt sind natürlich die von Beamten verprügelten Bürger, die in einer Versammlung am 30. Juni über ihte Er- lcbnisse berichteten. Von den socialdemokratischen Rednern ist nie- mand angeklagt.— Arge Begriffsstutzigkeit bekundet das Breslau« Organ des RichtNschen Freisinns. Wir hatte« vor einigen Tagen von den Er» klärunge» de? Professors Pflcidercr Notiz genommen, in denen auseinandergesetzt wurde, daß die Liberalen trotz des Dresdener Parteitages mit der Socialdcmokratie bei den Landtagswahlen hätten zusammengehen müssen, weil durch den Eintritt der Socialdemokratic in den preußischen Landtag die revisionistischen Tendenzen innerhalb der Socialdemolratie eine lebhafte Förderung erfahren hätteii. Wir knüpften an diese AuSfiihrungen, denen wir eine ähnliche Theodor- Barths anfügten, die Bemerkung, daß also keineSivcgS ein besonders ausgeprägtes Rechtsgefühl diele liberalen Herren veranlaßt habe, ein Eintreten für die Soeialdemokratie zu empfehlen, sondern ein vermeintlich listiges politisches Kalkül. Die Masse der liberalen Wähler hat in dieser Beziehung— also bezüglich der M aus e r Ust g S- Hoffnungen— einen besseren Instinkt bekundet. Die„BreSlauer Zeitung" behauptet nun gegenüber dieser unsrer beiläufigen Feststellung, der„Vorwärts" sei„ganz außer sich" über die Motive der Barth und Pflciderer, ja sie treibt die Narrheit so weit, uns unterzuschieben, wir hätten die aus solchen Motiven erfolgende Unterstützung ablehnen wollen! Gegen eine so alberne Unterstellung brauchen tvir uns natürlich nicht zu Verlvahren. Ilm aber dem schwachen Fassungsvermögen des BreSlauer Blattes doch etwas nachzuhelfen, wollen wir ihm verraten, tveShalb wir von den Motiven der Pfleiderer und Barth überhaupt Notiz genommen haben. Für die eventuell gewählten socialdeniokratischen Abgeordneten tväre es allerdings furchtbar gleichgültig gewesen, unter welchen Voraussetzungen die Freisinnigen für sie emgelretcn wären. Aber für die betreffenden Freisinnigen sind die Motive keineswegs belanglos. Demi wenn es der Freisinn wirklich ernst mit seiner Kritik des„elendesten aller Wahlsysteme" meint, wenn eS ihm wirklich so unerhört dünkt, daß kraft eines beispiellos plutokraiischen Wahlunrechts Millionen von Proletariern von der Vertretung im Landtage völlig ausgeschlossen sind. so hätte er schon ganz allein auS politischem Rechts- g e s ü h l, im Bewußtsein seiner liberalen Principien, für die Unter- stützung der Soeialdemokratie eintreten müssen. Daß dies Rechts- gefiihl selbst bei den paar weißen Raben des Liberalismus nicht vorhanden ist, verdiente immerhin registriert zn werden. Der wütende Socialistenhatz und schofle Princivienvcrrat der Richterschen Mannen erscheint dadurch um keine Nuance in milderem Lichte.— Hustand. Frankreich. In der Deputiericntammer wurde am Sonnabend das Finanz- Budget zu Ende geführt. Tie Nationalisten erklärten, gegen das Gcsamtbudget zu stimmen, das ein Budget des Deficits sei; der Genosse Vaillant erklärte für den linken Flügel der Socialisten eben- falls gegen das Budget zu stimmen. Die Abstimmung ergab die Annahme des Gesamtbudgets mit 470 gegen 57 Stimmen. Hierauf vertagte sich die Kammer bis zum 14. Dezember.— Bollständige Aufhebung des geistlichen Unterrichts. Der Minister- Präsident Combes hat seinem Versprechen gemäß, den Kampf gegen die Kongregationen bis zur vollständigen Ausschließung derselben vom Schulunterricht durchzuführen, dieser Tage eine Kommission ernannt, welche einen Gesetzentwurf vorzubereiten hat, wonach der Schulunterricht, der jetzt schon den autorisierten Orden verboten ist, nun auch auf die nichtautorisierten ausgedehnt werden soll. Das in Frage stehende Verbot soll sich auf den Unterricht aller Grade erstrecken. Der Ministerpräsident hat der Kommisfion insofern vorgearbeitet, als er von den Präfekten darüber Berichte einforderte, ob die bei den „christlichen Schulbrndcrn" untergebrachten Schüler in Laienschulen Unterkommen finden können. Die Erhebungen über diese Frage haben folgendes Resultat ergeben: 097 dieser christlichen Schulen können sofort geschlossen und deren Schüler andcriveit untergebracht lverden; für 205 kömteu einstweilen Lokale gemietet werden; 223 Schulen müssen vergrößert und 397 Schulen müssen neu erbaut werden.— Italien. Das Urteil im Prozeß d'Augelo. Rom, 3. Dezember.(Eig. Ber.) Nach cinmokiatlichen Ver- haudlmigeu ist gestern das Urteil im Prozeß wegen Tötung des Matrosen d'Augelo im Gefängnis Regina Cocli gefällt worden. ES lautete auf Freisprcchmig der wegen fahrlässiger Tötung An- geklagten, des Direktors Rustermann, dcS GefängniSarzlcs Ponzi und zweier Wächter. ES ist also jetzt gerichtlich festgesetzt, daß, wenn man einen Menschen in die Lage versetzt, die unter den vorliegenden Umständen den Tod herbeiführen muß, durchaus einwattds- frei verfährt. Der junge d'Augelo. ein Seentann, aus gesunder Seemanns- fämilie, der nie eine Krankheit durchgemacht hat, wird in Rom verhaftet auf Anklage seines Kapitäns, den er iu einem Anfall von Trunkenheit belästigt hat, und der durch die Verhaftung nichts andres will, als die Wiedcreins chiffung des Matrosen zu verhindern. Ob- tvohl also kein Haftbefehl vorliegt, wird d'Angclo ins Gefängnis ö i u g e l i e f c r t und auch aufgenommen. Natürlich verhält sich der Mensch nicht ruhig, schimpft und tobt, zerbricht sogar eine hochheilige GefängniSsensterscheibe. Dafür wird er— an solchem Pack ist ja die Diagnose leicht gestellt— als mit akutem Delirium behaftet, in die Zwangsjacke gesteckt. Er verhält sich in seiner Verstocktheit wie ein Normaler, d. h. er windet sich in seinen Fesseln, jammert, fleht um Freilassung, will nur essen, wenn man ihm wenigstens den Riemen an der Brust löst. Der Herr Doktor— eben der Diagnosenakrövat— wünscht das nicht, so bleibt d'Angclo drei Tage ohne Nahrung und vergeht sich am Ablauf des dritten dadurch gröblich gegen das Reglement, daß er rapid die Kräfte verliert und stirbt. Diese Geschichte von der Bosheit d'Angclos brachte den Direktor, den Doktor und zwei Wächter auf die Anklagebank. Aber zum Glück waren Männer der Wissenschaft zur Stelle, die sofort Rat schafften. Sie erklärten, der Matrose sei an einer unfehlbar tötenden Krankheit, an akuter Manie, gestorben. Arzt und Wächter handelten korrekt, alS sie ihn durch die Zwangsjacke unschädlich machten. Im Interesse des Acrztestandes wäre es zu wünschen, daß dieses ungeheuerliche Gutachten von ehrlichen und mutigen Aerzten beleuchtet und dementsprechend gekennzeichnet würde. Anzunehmen, daß diese konstatierten Veränderungen sich in einem notorisch drei Tage vor dem Tode gesunden Menschen von selbst einstellten und nicht die Vermittler, sondern die Ursache deS Todes waren, ist doch absurd, um so absurder, als plausible Ursachen dieser Veränderungen vorlagen, nämlich die peinvolle Lage in der Zwangs- jacke, mit entsprechender nervöser Störung, die Angst und Sorge um sein unverdientes Unglück, vielleicht auch einige Aenßerungen Polizei- sicher Schncidigkeit. jedenfalls Nahrungsmangel, Luftmangcl. Plötz- lichc Alkoholentzichung eines an Alkoholgebrauch Gewöhnten. Der Staatsanwalt hatte für den Direktor Freisprechung, für den Arzt und den einen Wächter 1 Jahr, für den zweiten Wächter 0 Monate Gefängnis gefordert. Ztach 5 Minuten Beratung verkündete utan die Freisprechung. Der Vater des Getöteten rief laut: „Ich will Gerechtigkeit, man hat meinen Sohn getötet I" Der Dtann kann von Glück sagen, daß er nicht toegen Beschimpfung einer staatlichen Einrichtung auch gleich nach Regina Coeli kam.— Tie Marinckommission, welche vor etwa zwei Monaten infolge der Angriffe FerriS seitens der Regierung ernannt wurde, um die gerügten Mißstände zu untersuchen, kommt mit ihren Arbeiten wenig vorwärts. Eine Anzahl Unternehmer und Direktoren großer Bc- Betriebe(Werften tc.) verweigerten die Aussage beziehentlich ihr Er- scheinen vor der Kommission überhaupt. Diese will infolge dessen von der Regierung verlangen, daß ihr richterliche Gewalt gegeben werde, oder aber sie will demissionieren.— England. Tie Arbeitcrkandidaten in Birmingham. London, 5. Dezember.(Eig. Ber.) In West-Vicmingham, dem Wahlkreise Mr. Chamberlains, kandidiert Mr. Davis, der Sekretär der Messingarbeiter, im Interesse der liberalen Partei und der Gewerkschaften. Er tritt für die Aufrechterhaltung des Freihandels und die Beseitigung des Taff-Pale-Entscheids ein. Die sicberale Partei stellte ihn dori als Kandidaten auf und will ihn unterstützen, vorausgesetzt, daß die Eetvertschafi der Messingarbeiter sich für ihn ertiärt. Um die Meinung der Getverffchastler zu hören, fand dort diese Woche eine Versammlung statt, in der Mr. Davis hauptsächlich über die Gefahr des Taff-Vatc-EiuscheidS sprach und daraus hinwies, daß Mr. Chamdcrlain am 8. Mai bei Beratung der Gewcrkschaftsvorlage gegen diese gestimmt hat.?luf die Zellagitation ging Davis nicht näher ein, dennoch nah:» die Versammlung einen ziemlich stürmischen Verlauf. Die Resolution über die Unterstützung der Kandidatur wurde mit einer sehr geringen Mehrheit angenommen, so daß Davis nach der Ab rimmung eck arte, die Kandidatenfrage bedürfe noch der iveiteren Ertvägung.— Gestern hielt die Jndepcndcnr Lavour Party(die Unabhängige Arbeiterpartei) eine socialistffche Versammlung in Birmingham ab, in der folgende Resolution an- genommen wurde:„Aus nationalen wie internationalen Gründen protestieren wir gegen die Aenderung der Zollpolitik und besonder» gegen den Lcbensmittelzoll, sowie gegen die Bodenrente, Bergbau- abgaben und die hohen Eiscnbahnfrachtsätze, die unsren Ackerbau und miste Industrie schädigen. Wir sind der Ansicht, daß sowohl unter englischem Freihandel"wie unter den Schutzzöllen des Auslandes die große Vsthrheit des Volkes in schmachvoller Armut, schlechter Behausung und ständiger Erioervsunsicherheit lebt. Wir fordern deshalb die Wähler ans. Arbeite rkandidaien ins Parlament zu schicken, die für die Vergesellschaftung des Grund und Bodens und der monopolisierten Industrien wirken sollen, um den Reichtum, den das Volk schafft, im Interesse des ganzen Volles und nicht im Interesse der reichen Müssiggänger. anwenden zu können."— Dänemark. Kommunales Wahlrecht für Dienstlcute uud Frauen. DaS Felke- thing hat am Sonnabend bei der zweiten Lesung des Gesetzentwurfs zur Reform deS kommunalen Wahlrechts einstimmig, bei Stimmenthaltung, der Konservativen und einiger Moderatet und Liberaler, beschlossen, daß auch dienende Personen(Dienst- boten, Knechte und Mägde) und verheiratete Frauen, die bekanntlich noch dein RcgicrimgSvorschlag ebenso wie„Personen, die von Unzucht leben", wahlrechtslos bleiben sollten, das kommunale Wahlrecht erhalten. Bedingung des Wahl- rechts bleibt allerdings Steuerpflicht, aber so. daß den Ehefrauen die Steuerlcistung ihres Mannes zu gute gerechnet tvird. Bei der Ver- Handlung erklärte der Minister des Innern, daß er sich diesen von 15 Liberalen beantragten Abänderungen des Entwurfs anschließen könne, er befürchte aber, daß dadurch der Sache im Landsthing Schwierigkeiten bereitet würden. Ferner wurde zu dem RegierungSemwurs von unsren Parteigenossen H ö r d u m und Knuds en die Abänderung beantragt, daß zu den Amtöräten, die von den ländlichen Gemeindevertretungen ge- wählt werden, jedes Kirchspiel nicht 2, sondern 3 Vertreter wählen soll, damit daS Proportionalsysiein auch bei diesen Wahlen wirklich zur Geltung kommen kann. Der Antrag wurde jedoch gegen die socialdemokratischen Stimmen abgelehnt.— Ruhland. lieber die Zustände in Hömel schreibt man unS: Wer die letzten vier Monate in Hömel gelebt hat, der hat gewiß, mag er noch so riesenstarke Nerven besitzen, einen guten Teil seiner Gesundheit dahingeben müssen. Denn natürlich haben die Schreckens» tage des September und die seitdem nicht cndenloolleuden An» kündigungen von neuen Judemnetzeleien bei niemand, auch bei dem stärksten nicht, ihre Wirkung auf das Nervensystem verfehlt. Man irrt sich ganz und gar, wenn man glaubt, daß die Ruhe hier iviedcrhergestellt sei. Im Gegenteil,>vir leben jetzt hier tvie auf einem Vulkane, dessen unterirdisches Donnern und Rollen einen baldigen erneuten Ausbruch stets vorahnen lassen. Das Verhältnis zwischen Juden und Christen ist ein derartig feind- seliges getvorden, daß man sogar aufgehört hat, sich auf der Straße zu begrüßen und bei etwaigen Zusammenkünften die Hand zn reichen. Und das bedeutet dem Ruften der Ausdruck der tiefsten Verachtung. Zu jedem Montag, allwöchentlich, wird nach berühmtem September- mnster ein neuer Krawall angekündigt, gleichzeitig mit der recht an- genehmen Drohung, daß das September-Programm nur ein Kinder- spiel,„ein kleines Borpostengcfecht" gegen das Jetztkommende sein wird. Geradezu entsetzlich wirken aber die fortwährenden nacht» l i ch e n Haussuchungen nach Waffe n. Nachts 2 Uhr werden die Häuser von einer Abteilung Militär umstellt. Ein Dutzend Gorodowois(Schutzleute) mit einem Naduiratel(Polizei-Unter- lieutenant) dringen ein. Den Frauen und Mädchen wird befohlen. in ihren Betten zu bleiben. Sie werden dann von zwei Gorodowois bewacht, während Polizeiweibcr an ihnen eine Untersuchung ohne jegliche Ceremonie vornehmen, die so gründlich ist. daß sogar die Matratzen aufs sorgfältigste untersucht werden. Dann wird unter dem Kommando des Lieutenants das Mobiliar bis in die winzigsten Schub- fächer inAugcnschein genommen. Bücher und Papiere werden in Säckego- packt, um am folgenden Tage von der Polizei in Ruhe gesichtet werden zu können; Dielen werden aufgerissen und Schränke und Tische nach doppeltem Boden untersucht. Wenn man nun in dieser Weise in der Wohnung drei volle Stunden gehaust hat und wie gewöhnlich nichts gefunden worden ist, um eine Verhaftung zu rechtfertigen, rückt man wieder ab. Wie wirkt nun aber eine solche Haussuchung auf die jüdischen Frauen und Mädchen? Sie erkranken infolge der Auf» regung und der ausgestandenen Unbilden nicht selten lebensgefähr- sich oder tragen eine unheilbare Erschütterung des Nervensystems davon. Daß bei solchen Berhältinssen jeder Handel und Wandel ins Stocken gerät, ist leicht erklärlich. Wer eS nur irgend ermöglichen kann, kehrt Hömel für immer den Rücken. Das Widerlichste von allem ist. daß eS hier sogar jüdische Geheimagenten giebt, die iu Polizeidiensten stehen und in schnöder Geldgier der Behörde die jüdischen Familien denunzieren, welche in ihren Wohnungen Waffen zur Verteidigimg für einen etwaigen neuen Ausbruch von Revolte» verbergen. Kein Wunder, daß man in einigen Städten Sclbstgerichte an solchen jüdischen Geheimagenten vorgenommen hat, so z. B. in Mshni-Nowgorod und in PinSk, wo ein solcher Polizeispitzel außer- halb der Stadt, von 30 Dolchstichen durchbohrt, tot aufgefunden wurde.— Afrika. Bestätigung der Kongogreuel. Der englische Konsul im Kongo- gebiet, Casement, Ivar von der englischen Regierung beauftragt worden, sich auf einer Rundreise persönlich von der Lage der Ein- geborenen am oberen Kongo zu überzeugen. Konsul Casement ist von seiner Reise, die auf sechs Monate berechnet war. schon nach zlvei Monaten zurückgekehrt, weil ihm die empfangenen Eindrücke völlig genügten und er eine weitere Ausdehnung seiner Reise für den Zweck derselben nicht für nötig hielt; Casement ist bereits in England eingetroffen und damit beschäftigt, die Ergebnisse seiner Reise zu bearbeiten. Wie schon jetzt mitgeteilt werden kann, wird der Bericht CasementS ergeben, daß die Eingeborenen am Kongo immer noch in der Härte st en Weise ge- mißhandelt werden und daß Sklaverei und Grausamkeit aller Art dort herrschen.— parlamcntarircbea. Anträge aus den Parteien. Die Nationalliberalen wiederholen ihren früheren Antrag betr. Erwerb und Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit. Ferner beantragen sie: Der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstag baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher das Vereins- und Versammlungsrecht für alle Bundes- staaten einheitlich ordnet, so weit dasselbe nicht schon durch das Bürgerliche Gesetzbuch betroffen wird. Ferner liegt ein Antrag Dr. Sattler vor, der den am 8. Bcai 1901 vom Reichstag mit großer Mehrheit angenommenen Gesetzentwurf betr. A n w ese u» h e i t s g e l d e r als Initiativantrag aufnimmt. Ebenso hat das Centrum den Diäten a»trag wieder ein- gebracht. Andre EentrnmSanträge haben wir schon in voriger Nummer verzeichnet. Neben elsälsische Abgeordnete haben mit Unterstützung der Polen einen Gesetzentwurf eingebracht� betreffend die Wahlen 3 u m Landesaus schuh für Elsaß- Lothringen. Es ist darin bestimmt, daß der Landesausschuh aus allgemeinen, gleichen, direkten Wahlen mit geheimer Abstimmung hervorgeht und daß auf je 30 MO Seelen ein Abgeordneter gewählt werden soll, nach Mahgabe der Bestimmungen über die ReichStagSwahlen. Auch werden für den Landesausschuh in dem Antrage analoge Bestimmungen getroffen, wie sie in Bezug auf den Reichstag in betreff der Auflösung, Vertagung und Immunität der Mitglieder bestehen. Die Konservativen haben sieben Anträge eingebracht: einen Antrag, betreffend Unfallfürsorge für die bei Rettung von Personen usw. verunglückenden Personen; einen Antrag, betreffend Pensionsversicherung der Privatbeamten: einen Antrag, betreffend Kranken- usw.-Versicherung für Handwerker; einen Antrag, betreffend Mänderung des§ 833 B. G.-B.(Tierschaden): einen Antrag, be- treffend die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen in Handwerks- betrieben: einen Antrag, betreffend Beihilfen an Veteranen des früheren Mannschaftsstandes: einen Antrag, betreffend Aufhebung des !z 34 des Gewerbe-UnfallversicherungS-GesctzeS. Eue Induftnc und Handel Die Konzentrationswirkung der Kartelle. Ost tvird von den Lobredner» der industriellen Kartelle zu deren Gunsten hervorgehoben, daß durch die Kartellicrung und die nieist damit verbundene Festsetzung der Anteile der einzelnen Werke an dem Gesamtabsatz die kleineren Werke gegen die Konkurrenz der großen geschützt ivcrdcn und ihnen eine gewisse Garantie für ihre ivirtschaftliche Existenz geboten lvürdc, daß also die Kartelle bczlv. Syndikate der in der Industrie sich geltend machenden Konzen- trationStcudcnz entgegenwirkten. Die Absicht dieser Argumentation geht meist dahin, in denjenigen biirgerlich-liberalen Kreisen, die von der zunehmenden Konzentration in Industrie und Handel eine Abnahme des selbständigen liberalen Mittel- standes befürchten, Stimmung für die Kartelle zu machen. Demgegenüber ist cS interessant, dah der hiesige amerikanische Generalkonsul Frank H. Mason in seinem neuesten Bericht an das Staatsdepartement in Washington eine Verstärkung der Kon- zentrationsbewegung durch die deutschen Syndikatsbildungen Ion- statiert. Er schreibt: „Es läßt sich behaupten, dah die Marktpreise der meisten deutschen fabrizierten Produkte unter dein normalen Verhältnisse stehen, ivie solches die Kosten des Materials, der Steuern, der Arbeit und andre Kostenpunkte bedingen. Es ist das die unausbleibliche Folge der Thatsachc, dah jeder Grad der Herstellung eines Ar- tikels, vom Ursprung des Materials an, von einer Syndikats- organifation kontrolliert wird, welche in hartnäckiger Weise an ihren Preisen festhält und es den» Fabrikanten, der die Ware in fertiger Form liefert, überläßt, sich den Absatz zu erkäinpfen. Je größer die Zahl der Stadien der Vervollkommnung ist, ivelche ein Artikel vom rohen bis zum vollendeten Produkt durchzumachen hat, um so größer ist die Schwierigkeit, welche der Fabrikant zu über- winden hat. Daher ist neuerdings in einigen dieser Industrien eine Bewegung iin Gange, sich von den die ursprünglichen Hcrstellungs- Prozesse kontrollierenden Syndikaten zu befreien. Doch sind dazu nur solche Unternehmungen im stände. die über großes Kapital verfügen und daher in der Lage sind, sich durch den Anlauf entsprechender Unternehmen eigne Bezugsquellen für das erforderliche Rohmaterial zu. sichern. Walzwerke und Stahlhütten haben Hoch- und Coaksöfen und selbst Kohlengruben angekauft, um den Syndikaten zu entgehen, welche die Erzeugung von Kohle, CoakS, Roheisen und Rohstahl jeder Art und Form kontrollieren. Unter solchen Umständen erzielen solche Unternehmungen, welche sich hinsichtlich des Bezuges von Rohmaterial haben unabhängig machen können, großen Vorteil von den durch die Syndikate anstecht erhaltene» hohen Preisen, ivelche die weniger kapitalkräftigen Kon- sumenten notgedrungen zahlen müssen. Im Jahre 1396 ivaren erst sieben deutsche Eisen- und Stahlwerke Besitzer von Kohlenmincn. Im letzten Jahre waren es dagegen bereits achtzehn, und diese Unternehmungen haben in 1992 für eignen Gebrauch 11909 999 Dörmen Kohle produziert. Der Wettbewerb der großen Unternehmen. die von den Syndikaten für rohes und halbfertiges Material un- abhängig sind, hat sich inzwischen für die kleineren Konsumenten er- drückend gestaltet." Wie die Erfahrung zeigt, hat thatsachlich der Generalkonsul Mason recht. Um sich von der Preispolitik der Roh- und Halbstoff- Syndikate unabhängig zu machen und sich ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Auslandsmarkt zu erhalten, greifen zunächst die großen kapttal- kräftigen Werke, die sogenannte Fertigprodukte herstellen, dazu, die Roh- und Halbstoffe für ihren Bedarf selbst zu produzieren, und nachdem sie auf diese Weise vor ihren kleinen Konkurrenten, welche unweigerlich die hohen Syndilatspreise zahlen müssen, einen be- trächtlichen Vorsprung erlangt haben, gehen sie dann dazu über, die kleineren Werke durch Preisunterbietungen»nattzusetzen. Der Berkaufsverein rheinisch-westfälischer Ccmentwerke, der sich dieser Tage konstituiert hat, besteht aus 14 Fabriken. Die Be- teiligung dieser ain Gesamtabsatz wird nach der Produktionsfähigkeit der Fabriken derart bemessen, daß auf je 1999 Faß ein Auteil entfällt. Die Produktionsfähigkeit der Mitglieder bettägt 4 379999 Faß gegenüber einem Versande von 2 337 399 Faß im Jahre 1902 imd 1 181 222 Faß int ersten Semester dieses Jahres. Der Vertauf erfolgt lediglich durch die Verkaufsstelle, ebenso sind zur Einziehung der Rechimngsbeiträge die Gesellschafter nicht befugt. Ter Verrechnungspreis wird all- jährlich vom 1. Oktober für das folgende Jahr festgesetzt. Nach Ab- zug der Unkosten wird der sich am Ende des VerrechmmgSjahres ergebende Ueberschuß nach Verhältnis ihres Anteils unter die Ge- Kllschafter verteilt. Der Export für eigne Rechnung ist gestattet, jedoch muß das verkaufte Quantum der Vereinigung aufgegeben werden. Vorbedingung für die Durchführung der Bestimmungen ist jedoch, daß mit den süddeutschen Fabriken eine gleiche Einigung wie mit den rheinischen erzielt wird. Die Dresdner Bank dehnt ihren Wirkungskreis immer weiter aus. Sie übernimmt eine Million Mark neuer Aktien der Ober- fchlesifchen Bank in Beuthcn, die in ihrem Besitz verbleiben sollen. Handelt es sich hierbei auch nur um einen nicht bedeutenden Bettag, so kann die Angliedcrung des oberschlesischen Instituts doch als ein Beweis dafür angesehen werden, daß die Dresdner Bank beabsichtigt, ihre geschäftliche Thätigkeit in Oberschlesicn auszugestalten. Die Baumwollhausse in den Vereinigten Staaten von Amerika scheint nach neueren Mitteilungen keineswegs nur durch die Ernte- schätzung des landwirtschaftlichen Amtes in Washington hervor- gerufen zu sein. Hinter dein Treiben stehen vielmehr die Leiter des letzten Baumwollcorners, die Herren Sully, Brown, Hayne und Konsorten. Uebrigens wird die Schätzung des laiidlvirtschaftlichen Bureaus vielfach als zu niedrig bezeichnet und darauf hingewiesen, daß mehrfach die amtlichen Ziffern sich als recht unzuverlässig erwiesen haben. So wird z. B. dem„Berk. Börsen-Courier" aus London geschrieben: „Unter anderm verweist man darauf, daß dessen Schätzungen während der letzten vier Jahre im Durchschnitt eine halbe Million zu tief gegriffen waren. In 1992 verrechnete eS sich um 399 909 Ballen und in 1991 gar mn 1 999 999 Ballen. Das Bezeichnendste aber ist. daß seine Veranschlagungen stets zu tief gegriffen find, und eS noch nicht ein einziges Mal zu viel berechnete. Das ganze System, auf dem sich die offiziellen Ermittelungen aufbauen, wurde zudem im vorigen Jahr vollständig diskreditiert, Ivo das Amt aus die gegen es gerichteten Angriffe die folgende überraschende Erklärung abgab: �.Wir stellen die Baumwollpflanzer zufrieden, und wenn uns das nicht auch mit denjenigen gelingt, die mit der Faser handeln, so können wir da» nur bedauern." Sociales. Bom Gefinde-Nnrecht. Wegen mutwilligen Verlassens des Dienstes bei dem Landmanu und Mühlenbesitzcr Schur aus der Gegegcnd von Kiel war der Knecht Klatt auf Grund der Gesüide-Ordmmg und des Ausnahmegesetzes gegen Gesinde und ländliche Arbeiter zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Klatt legte Berufung ein und machte geltend, er sei gar nicht im Gesinde, sondern Arbeiter gewesen, so daß er schon deshalb wegen Verlassens des Dienstes nicht strafrechtlich ver- folgt werden könne. Aber auch sonst müßte er straffrei bleiben, da ihn der Sohn des Herrn Schur gemißhandclt habe, bevor er das Gehöft verlieh. Das Landgericht Kiel wies die Berufung ab und führte aus: Allerdings habe der Vermittler den Angeklagten als Arbeiter bezeichnet und als Arbeiter eingetragen. Es sei aber ein Gesindcvcrmittler gewesen und habe von Schur den Auftrag gehabt, ihm einen Gcsindcknccht zu vermieten. Klatt habe auch ein Miels- geld erhalten und fei auf ein ganzes Jahr engagiert worden. Schur habe ihn in die häusliche Gemsinschaft aufgenommen und gegessen habe Klart am Tische des Gesindes. Es sei somit cmzunehmen, dah Klatt zum Gesinde gehörte und strafbar sei, wen» er den Dienst ohne gesetzlichen Grund verließ. In dieser Beziehung habe er ja nun Mißhandlung durch den Sohn des Diensthcrrn behauptet. Fest- gestellt sei folgendes: Klatt Habe vom Dienstherrn seine Papiere und sein Geld gefordert, worauf Schur erklärte, die Papiere könne er ihm nicht verweigern, das übrige werde sich finden. Während Schur sen. nach den Papieren ging, sei dessen Sohn dem Angeklagten in seine Kammer gefolgt, habe auf ihn eingeredet und ihn schlichlich gepackt und kräftig geschüttelt. Das sei allerdings eine Mißhandlung, ausschlaggebend sei aber, dah Angeklagter schon vorher erklärt hatte, er werde den Dienst verlassen. Also habe er den Dienst nicht wegen der Mißhandlung verlassen. Es liege ein unberechtigtes Verlassen des DieiisttS vor. Auf die Revision des Angeklagten hob das Kammer- geeicht das landgcrichtliche Urteil auf und verwies die Sache zu noch- inaligcr Verhandlung und Entscheidung in die Vorinstanz zurück. Begründend wurde ausgeführt: Es sei ein Fehlschluß des Border- richterS, wenn er meine, die Mißhandlung durch den Sohn des Dicustherrn könne nicht in einem ursächlichen Zusammenhange zum Verlassen des Dienstes stehen, weil der Knecht ja seinen Entschtütz zum Verlassen des Dienstes schon vorher gefaßt und ausgesprochen habe. Eine Absicht und ihre Kundgabe seien eben noch nicht ihre Durchführung. Es sei sehr wohl möglich, daß auf die endgültige Durchführung der Absicht zum Fortgehen die inzwischen erfolgte Mißhandlung einen entscheidenden Einfluß gehabt habe. Wäre dies der Fall, dann wäre Angeklagter nicht strafbar. Das Landgericht müsse die entsprechenden Nachprüfungen vornehmen. Ten ersten Sturm ans das„schlefische Rom", Neissc, unternahmen die orgamsierten Arbeiter dieser Stadt bei der am Freitag vorgenommenen Gcwerbcgerichtswahl. Bis vor wenigen Monaten gab es hier überhaupt noch keine Organisation auf moderner Grundlage, trotzdem vereinigten sich auf die Kandidaten der Gewerkschaften 19 4— 10 8 Stimmen. Selbst in diesem schwarzen Neste hatten sich die Hirsch-Dunckerschcn lieber mit den katholischen Gescllcnvercinen als mieden Gewerfchasten verbündet, und diese Koalition brachte 280 Stimmen auf. Die„Ncisser Zeitung", ein Centrumsblatt niederster Gattung, sucht jetzt durch niederträchtige Denunziationen die Kandidaten der Gewerkschaften brotlos zu machen.- Gcsängnisbhgiene und Tuberkulose- Sterblichkeit. Im prcußi- scheu Ministerium des Innern beschäftigt mau sich gegenwärtig sehr lebhaft mit der Frage, wie dem immer weiteren Vordringen der Schwindsucht in den Gesängnissen entgegenzutreten sei. Der be- kannte Hygieniker Geh. Medizinalrat Dr. Bär hat sich in einem von ihm erstatteten Gutachten dahüt ausgesprochen, daß es sich empfehlen würde, schwindsüchtige Gefangene in geeigneten Fällen zu beurlauben, und wo dies nicht angängig, dieselben in eignen Anstalten zu bewahren. Ueber die Notwendigkeit, hier reformierend eingreifen zu müssen, einige wenige, aber desto ergreifendere Zahlen. In den preußischen Gefängnissen kamen im vierzchujährigei« Durch- schnitt auf je 199 eines natürlichen Todes Gestorbene 69 Schwind- suchts-Todesfälle. In den Anstalten mit den besten hygienischen Ein- Achtungen ist die Zahl lder von 1896— 1901 an Schwindsucht gestorbenen Häftlinge immer noch aus 38,3 Proz. geblieben. Die gleickien Zahlen für die freie Bevölkerung betragen nur 18,6 Proz. Es dürste nicht zu verkennen sein, daß die tuberkulös eingelieferten Gefangenen einen gefährlichen Anstcckungshcrd für ihre Umgebung bilden, und es verlautet, daß deshalb entweder Beurlaubung oder die Einrichtung besonderer Abteilungen zur Behandlung schwind- süchtiger Gefangener ins Auge gefaßt seien. Diese Abteilungen— sogenannte.Haussanatorien— sollen gutem Vernehmen nach schon im nächsten preußischen Etat figurieren. Bessere Ernährung aller Sträflinge ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Bekämpfung der Gefängnis-Tuberkulosc. Der Polizei-Eifer gegen den anständigen Teil der Arbeiterschaft. Das Schöffengericht zu Moabit hatte gestern wieder über eine Serie von Strafmandaten zu entscheiden, die einer öieihe von Streikposten anläßlich des bekannten Streiks bei Mchlich polizeilich zu- diktiert worden waren. Es handelte sich um siebzehn Fälle; in sechzehn Fällen sollten sich die Beschuldigten wie gewöhnlich gegen die berühmte Straßeuord n«u n g vergangen haben, in einem Falle wurde dem Angeklagten grober Unfug zur Last gelegt. Wiedcr.war eS das alte Lied: Sämtlichen Angeklagten war während der Dauer des Streiks der Aufenthalt in der Sophienftraße wie auch in den angrenzenden Sttaßenzügcn verboten worden. Als sie sich demgegenüber auf das Koalitionsrccht beriefen, wurden sie einfach wie Verbrecher zur Wache si stiert und teilweise sogar im„grünen Wagen" nach dem Polizeipräsidium gebracht, Ivo man sie 24 Stunden lang einsperrte. Eine Angeklagte— es befanden -sich nämlich auch mehrere Arbeiterinnen darunter— hat ihrer Angabe nach bei der Sistierung von deni betreffenden Wachtmeister noch einen heftigen Stos- vor die Brust erhalten. Zu der Sache waren nicht weniger wie 36 Zeugen geladen, darunter einige 29 Schutz- leute nebst drei Polizeilieutcnants. Die Beweisaufnahme gestaltete sich in mehr als einer Hinsicht außerordentlich interessant, besonders was die Aussagen der Polizeibeamten betraf. Durch die gesamten Bekundungen der Beamten, einschließlich der Offiziere, zog sich wie ein roter Faden die Auffassung hindurch, daß gegen streikende Arbeiter mit aller polizeilich zulässigen Schärfe vorgegangen werden müsse, weil es eben streikende Arbeiter sind. Die Aussagen darüber, ob die Streikende» jemand belästigt und bedroht oder die öffentliche Ruhe, Sicherheit und Ordnung sowie die Bequemlichkeit des Ver- tehrs gestört hätten, waren fast alle gleichlautend; ebenso die Meinung darüber, worin, denn diese Belästigungen, Verkehrsstörungen usw. eigentlich bestanden haben sollen. Immer lautete die stereotype Antwort: Ja, der Angeklagte sprach mit den Arbeitswilligen, er redete auf sie ein oder versuchte ihnen zu sprechen, das lvar eben die Belästigung. Oder: Der An- geklagte ging ans und ab. dadurch behinderte er den Verkehr usw. Bei der Zeugenvernehmung über die angeblichen Bergehen gegen die Straßenordnung bekundete Polizeilieutcnant Vorwerk: Wenn kein Streik getvescn wäre, dann würde auf Grund der Straßen- ordnung jedenfalls gegen niemand eingeschritten worden sein. So aber standen Ansichreitungen gegen die von der Bahn nach der Fabrik transportierte»/g12 bis uachmitttagS und abends von 5 bis 7 Uhr die Fenster Ihres Gasthauses geschlossen zu halten, sowie dafür zu sorgen, daß fortan daS ungehörige Verweilen Ihrer Gäste air den unter II dieser Auflage bezeichneten Stelle unterbleibt, uicht minder auch gegen Ungchvrigkeiteii, wie sie unter I dieser Auflage gerügt worden sind, sofort ein- zuschreiten. Für jeden ZuwidcrhandlungSfall drohen wir Ihnen hierdurch eine Geldstrafe von 50 M. an; wir werden auch kein Bedenken tragen, die Ihnen erteilte Konzession zum Betriebe des Schank- gelverbes zurückzunehmen, falls sich aus Ihrem weiteren Verhalten der Mangel derjenigen Eigenschaften ergiebt, welche bei der Erteilung der Genehmigung vorausgesetzt werden mußten. Die Verlegung des in dem Gesellschaftshause befindlichen Streikbnreaus nach einem andern Gebäude behalten wir uns vor. Der Stadtrat. Beckmann. Auch diesen Schlag werden die Crimmitschauer Weber zu parieren wissen. Sie halten aus, wen»»nr die deutsche Arbeiterschaft hinter ihnen steht!_ Während der Schriftgießerbewegung in Leipzig ersucht die dortige Filiale deS Metallarbciter-VerbandeS, den Zuzug von Metall- arbeitern nach den Schriftgießereien fernzuhalten.— Alle arbeitrr- freundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Husland. Die Angestellten der östlichen Pariser Straßenbahngesellschaft sind an: Sonntag in den Ausstand getreten: gestern konnten nur zehn Wagen der betr. Gesellschaft unter polizeilicher Bedeckung verkehren. Es kam zu zahlreichen Zwischenfällen. Streiks in Finnland. 300 Arbeiter des Dampf-Säge- Werks in B o r g a in Finnland sind lvcgen Lohnherabsetzlingen in den Streik getreten.— Der Streik der Schneider in Abo dauert fort. Die Meister haben Streikbrecher aus Rußland kommen lassen. Lohiibewcguiig in Grönland. Die im Dienste der„königlich grönländischen Handelsgesellschaft" stehenden Arbeiter der Krholith- Werke im dänischen Grönland sind in diesem Sommer in eine Lohn- bewegung eingetreten. Sie verlangen 1ö Oere mehr fiir lieber- stunden. Nachdem dieö von der Werkleitung abgelehnt ivurde, sandten sie zwei Delegierte nach Kopenhagen zu dem Direktor der Gesell- schaft. Aber auch hier fanden sie kein Entgegenkommen. Leider sind die ca. 100 Arbeiter gebunden durch einen wahren Sklavenkontrakt, der unter andern: jeden Arbeiter, der sich in irgend einer Weise in Bezug auf Gehorsam und Höflichkeit gegen die Vorgesetzten vergeht, mit Geldstrafe von 40 Kr. oder Entlassung bedroht. In: Winter wirbt die Gesellschaft neue Arbeiter an, die dann zun: Frühjahr nach Grönland verschickt werden. Die Reise nach dem Arbeitsplatz dauert von Dänemark aus einen Monat. Die Kost, die die Arbeiter dort aus der Küche der Gesellschaft erhalten, wird als so mangelhaft und schlecht bezeichnet, daß sie sich durch Fischen in ihrer freien Zeit oder dadurch, daß sie Fische von den Grönländern kaufen, eine Er- gänzung ihrer Nahrung verschaffen müssen. Gerichts-Leitung. Wann wird die Gesetzgebung aufhöre», eine Quelle des Meiucids zu sein? Die Leidensgeschichte eines jungen Mädchens aus der Provinz wurde in der Verhandlung vor Augen geführt, lvelche gestern unter den: Vorsitz des Landgcrichts-Direktors Höppke vor dem Schwurgericht des Landgerichts I stattfand. Unter der Anklage des Meineids stand die 23jährige unverehelichte Anna Hardt vor den Geschwornen. Vor mehreren Jahren war die Angeklagte aus einer kleinen pommerschen Stadt nach Berlin gekommen. Sie fand hier Stellung, in der sie mehrere Jahre verblieb. Ihr Verhalten während dieser Zeit war tadellos. Dann führte das Schicksal sie mit dem Eigarrenhändler Ochotzki zusammen. Dieser hatte sich von seiner Ehefrau gcttennt, er nahitt die Angeklagte als Wirtschafterin an. Ochotzki zeigte sich als ein Mam:, der zu den schwersten Verbrechen fähig lvar. In: Herbst vorigen Jahres legte er in seinein Lade:: in der Chausseestraße in der raffiniertesten Weise Feuer an. Er hatte die Wand, die seinen Lade:: von den: anstoßenden Schanklokal trennte, durchbrochen, um den Anscheii: zu erwecken, als seien Diebe vom Schanklokal aus in seinen Laden gedrungen und hätte,: dann Feuer angelegt, um den Diebstahl zu verdecken. Die Angeklagte wurde wegen Verdachts der Beihilfe ebenfalls in Haft genommen. Vor einigen Monaten wurde gegen Ochotzki und die Hardt verhandelt, elfterer wurde zu fünf Jahren Juchthaus verurteilt, die letztere wurde fteigesprochen. Sie erfreute sich nur lvenige Stunden der Freiheit. Kaum in ihrer Behausung angelangt, wurde sie ivicder in Untersuchungshaft ge- nommen, diesmal wegen Verdachts des Meineids. Die Frau Ochotzki hatte gegen ihren Ehemann die Scheidungsklage angestrengt und u. a. damit begründet, daß er nnt der Angeklagten Ehebruch getrieben. Die Angeklagte wurde in dieser Sache an: 23. Februar d. F. vernommen. Sie bestritt unter ihrem Eide, daß sie zn Ochotzki in iirtimem Verkehr gestanden. Dieser Eid sollte ein wissentlich falscher sein. Im gestrigen Termin, in ivelchem der Angeklagten Rechts- anwalt Dr. Schöps als Verteidiger zur Seite stand, legte sie unter Thränei: ein offenes Geständnis ab. Ochotzki habe sie zunächst ver- führt und sich dann als der gefährlichste und gemeiuste Zuhälter entpuppt. Mit Stockhiebe:: habe er sie traktiert, um sie zu einem unzüchttgen Lebenswandel anzuhalten. WaS sie durch ihr unsauberes Gewerbe verdient, habe sie ihm ab- liefern miissen. Ihr Peiniger habe sie völlig in seiner Gewalt ge- habt und sie zu seinem willenlosen Werkzeug gemacht. Als sie zun: Termin in der Ehescheidungssache gegangen sei, habe Ochitzki ihr die schwersten Mißhandlungen angedroht, wenn sie die Wahrheit sage. Unter diesem Eindrucks stehend, Habs sie sich zum Meineid verleiten lassen. Der Staatsanwalt verkannte nicht, daß der Fall denkbar milde läge. Der Angeklagten stehe der Mildcrungsparagraph zur Seite, wonach der Meineid nur mit Gefängnis bestraft wird, wenn der Eidesleister sich durch Bekennuirg der Wahrheit selbst einer Straf- Verfolgung aussetzen müsse. In diesem Falle würde das Vergehen des Ehebruchs vorliegen. Er werde gegen die Augettagte die zulässig niedrigste Gefängnisstrafe, welche durch die erlittene UntersuchungS- Haft als verbüßt vorgesehen werden könne, beantragen. Der Verteidiger ging noch weiter, indem er für Freisprechung plaidierte. Er schilderte in lebhaften Farben, lvie die An- geklagte so ganz unter dem Einflüsse ihres Dämons Ochotzki ge- standen und aus Furcht vor der Rache dieses eittsetzlichei: Menschen geivissermaßei: in: Zustande der Notlvehr den falsche:: Eid geleistet habe. Die Geschwornen verneinten die Schuldfrage, ivorauf die schwergeprüfte Angeklagte freigesprochen und nach zehnmonatiger Untersuchungshaft auf freien Fuß gesetzt wurde. Sechs Monate Gefängnis für ein in der Erregung gesprochenes Wort, Unsre Leser erinnern sich gewiß noch der Beerdigung unsres auf dem Dresdener Parteitag verstorbenen Partei- genossen Meiling. Der Leichenzug wurde bekanntlich in der Kastanien- Allee unter Führung des Polizcilicutcnants Wolter von einer Anzahl Schutzleute gestört, der Beamte verlangte von den Kranz- träger::, die auf dem ganzen stundenlangen Weg unbehelligt ge- blieben waren, die Entfernung der roten Kranzschleifen und wandte, als diesem Verlangen selbstverständlich nicht entsprochen wurde, Gewalt an. Nur der Schulung unsrer Parteigenossen ist es zu verdanken, daß die zahlreiche Menge, die dem Sarge folgte, ihre Ruhe bewahrte und namenloses Unglück verhütet wurde. Unter den Personen, die sich den: Leichenzuge unterwegs angeschlossen hatten, befand sich auch der Graveur Ernst Feist. Als er den Augriff der Polizei beobachtete, stieg ihm begreiflicherweise die Galle ins Blut, und in der Erregung bezeichnete er das Vorgehen der Polizei mit scharfen Worten. Auch soll er die geballte Faust gegen den Polizei- licutenant emporgehoben und ihn: zugerufen haben:„Ich werde mir das Gesicht des Kerls merken, den: werde ich es bei einer späteren Gelegenheit eintränken Gewiß waren dies formell beleidigende Worte; aber aus der ganzen Situation heraus lvar es begreiflich, daß unter den Hunderten Personen, die Zeugen oder Opfer des Polizei-Angriff's waren, auch jemand fein konnte, der in der äußerst kritischen Situation nicht die staunenswerte Schulung besaß, die dank der socialdemokratischcn Erziehung das iibrige Publikum von Beleidigungen oder Thätlich keiten abhielt. Wenn jemals also mildernde Umstände bei einer Beleidigung Berücksichtigung finden dursten, so in diesem Falle. Nun beachte man, wie die bürgerliche Justiz diese Augelegenhcit be- handelte. Feist wurde der Polizeibeleidigung angeklagt und hatte sich gestern vor der ersten Strafkammer deS Landgerichts I zu verantworten. Der Staatsanlvalt beantragte die harte Strafe von drei Monaten Gefängnis, ebenso beanttagte er Veröffentlichung des Urteils im„Vortvärts". Der Gerichtshof ging aber noch weit über den Antrag des Staatsantvalts hinaus und verurteilte den An geklagten zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten. ES ist ja schtver, die Wirkung, die ein Gerichtsurteil auf die Bevölkerung ausübt, in nüchternen Zahlen abzuschätzen, aber wir glauben nicht zu prahlen, wenn wir auf jeden Monat Gefängnis, der hier ausgesprochen wurde, tausend neue Anhänger unsrer Partei rechnen. Kein grober Unfug. Augeklagt lvar der Vertrauensmann des 1. Berliner Reichstags-Wahlkreises, Genosse Oppel, weil er in einer Partcivcrsaminlung ein Hoch auf die revolutionäre Social- dcnwkratie ausgebracht haben sollte. Das Gericht sprach den An- geklagten frei, weil eine Störung dcS äußeren Bestandes der öffentlichen Ordnung nicht in Frage kommen könne, die ThatbcstandS- merkmale des groben NnfugS also nicht gegeben seien. Versammlungen. Die Kartonarbeiter befaßten sich in einer Versanunlung an: Mittwoch mit der Frage einer einheitlichen Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse innerhalb der ganzen Branche. Brückner wies in seineu: Referat auf die Verbesse- rungen hin, die für die Arbeiter und Rrbcitcrinnen der Buchbinderei- und Kontobuchbranche durch den Abschluß von Tarifverträgen erzielt worden sind. Auch in der Kartonbranche sei ein guter Anfang auf diesem Gebiete gemacht, indc»: die Karton nieter vermöge ihrer guten Organisation mit den Arbeitgebern einen Tarifvertrag zu stände gebracht haben. Der Minimallohn beträgt jetzt für Arbeiter unter 18 Jahren 21 M. und für Arbeiter über 13 Jahre 24 M. Ebenfalls ist die Arbeitszeit verkürzt worden. Aehnliche feste Normen seien auch für die Zuschneider und die Arbeiterinnen zu erstreben, denn hier hängt die Lohnhöhe und Arbeitszeit noch viel- fach von der Willkür der Unternehmer ab. Für die Zuschneider existiere noch seit 1390 eine Art GewohnheitS-Mindcstlohn von 21 M., doch müssen viele für 18 Vi. und darunter arbeiten. Arbeiterinnen aber werden nur zu häufig mit 12 M. und darunter entlohnt. Besonders werden de» Anfängerinnen mitunter geradezu erbärmliche Löhne ange- boten. In vielen Werkstuben herrscht auch noch immer die zehnstündige Arbeitszeit. Diesen Zuständen müsse endlich Einhalt geboten werden: zu erreichen sei dicS jedoch lediglich durch eine entsprechende Stärkung der Organisation. In der regen Diskussion teilte M i e s k a sodann mit. daß seit einiger Zeit eine Tarifkommission thätig ist, um für die Zuschneider und Arbeiterinnen einen Tarif auszuarbeiten, der in kommender Saison den Arbeitgebern unter- breitet werden soll, um auch hier zu einer Tarifgemeinschast zu ge- gelangen.— Allgemein verurteilt ivurde das Verhalten der Kollegen von der Firma R o f e n h e i n u. Kaufmann, die den bc- stehende» Nietertarif durch eigenmächtige Abmachungen nnt der Firma zu Ungunsten der übrigen Branchenkollegen verschlechtert haben. Zur Berichtigung erhalten wir folgende Zuschrift: In einen: VersainmlungSbericht über eine Versammlung der in Luxuspapier- und Celluloidwaren- Fabriken beschäftigten Arbeiter wird in Ihrer FreitagS-Nummer von: 4. Dezember berichtet: Ein Passus der Fabrikordnung der Firma Lange u. Wundsch lautet:„Ren engagierte Leute, welche nur einen Tag arbeiten, haben keinen An- s p r u ch auf Lohn." In unsrer Arbeitsordnung, welche wir beifügen, kommt weder dieser, noch ein irgendwie ähnlicher Passus vor. Auch ist kein Para- graph vorhanden, der diese oder eine ähnliche Deuttmg zulassen könnte. Wir ersuchen Sie um Richtigstellung dieser Mitteilung und zeichnen Hochachtend F. Lange u. P. Wundsch in Firnia Martin Schlesinger, Luxuspapierfabrik. Mit obiger Berichtigung zugleich geht uns eine solche aus der Organisation ein, wonach der betreffende Passus sich nicht in der Fabrikordnung der Firma Lange u. Wundsch, sondern in der der Firma Kornblum, Stallschrciberstratze, befindet. Rummelsburg. Eine etwa 100 Personen zählende öffentliche Versammlung der Einwohner von Boxhagen-RunnnelSburg im Weigelschen Saale nahm Stellung zu dem Beschluß der Gemeinde- Vertretung betreffs Erlasses einer Polizeiverordnung, welche den Straßenhändlcrn das Ausrufen und Ausklingeln von Waren verbieten soll. Der Referent, Gemeindevertretcr Ritter, legte der Versammlung die Verhältnisse klar und protestierte entschieden gegen den gefaßten Beschluß. Die Versamm- lung nahm nach längerer Debatte einstimmig folgend« Mf solution an: Die heute im Weigelschen Lokale tagende Versammlung der Einwohnerschaft Rummelsburgs spricht der hiesigen Gemeinde- Vertretung bezüglich ihres am 28. November er. gefaßten Be- schlusseS, das Ausrufen sowie Ansklingeln von Waren auf den hiesigen Straßen zu verbieten, ihre Mißbilligung aus. Die Versanunlung erblickt in diesem Beschluß einesteils eine schwere Schädigung der Interessen der gesamten Einwohnerschaft zu Gunsten der Hausbesitzer sowie eines Teiles der hiesigen Ge- schäftSinhaber, andernteils die Verstopftmg einer ehrlichen Er- werbsquelle für kleine Leute. Die Versammlung ist der Meinung, daß eine wirkliche Vertrettmg der Gemeinde sich verpflichtet halten sollte, eher eine Erwerbsquelle zu erschließen, als bestehenden Gewerben Schwierigkeiten in den Weg zu legen: denn nur dadurch wird Handel und Wandel in Wege geleitet, welche der heutigen Zeit entsprechen. Aus diesen Gründen protesttert die Versammlung mit aller Eni- schiedenheit gegen den Beschluß der Gemeindevertretung und beausttagt das Bureau der heutigen Versammlung. Mittel und Wege in Anwendung zu bringen, welche geeignet erscheinen, dem Beschluß die Erlangung der Gesetzeskraft unmöglich zu machen. Ä ö i: i g s- W ii st er hau,' e::r hiesige Wahlverein hielt am 29. No- vember seine Mitglieder �-.nnmluiig im Lokal des Genossen Herrniann in Niederlehme ab. Der Vorsitzende erstattete Bericht über die LandtagSwahl in der„Neuen Welt". In längerer Rede schilderte er den erregten und teilweise komischen Verlauf derselben und meinte, Herr v. Stubenrauch habe wahrscheinlich wenig Lust, nochmals eine Landtagswahl zu leiten. Die Mitglieder Vergoldcr Franz Mörz und Hermann Fischer wurden einstimmig ausgeschlossen. Der Verein besteht seit einem Jahre und zählt jetzt 93 Mitglieder. Letzte JVaebr lebten und Depefchen. Tie Botschaft Roosevclts. Washington, 7. Dezember.(W. T. B.) In seiner an den Kongreß gerichteten Botschaft erwähnt Präsident Roosevelt die Bildung eine» Departements für Handel und Arbeitsverhältnisse und des diesem unterstellten Bureaus für die Verhältnisse der Ver- einigungcn. Ter Zweck des Bureaus sei, die Regierung zu unter- stützen durch Kräftigung des Innen- und Außenhandels, Er- leichtcrung des Verkehrs, Ausbau der Handelsmarine, Verhinderung des Eintritts unerwünschter Einwanderer, Besserung der tom- mcrziellen und industriellen Verhältnisse und Regelung der Bc- Ziehungen zwischen Kapital und Arbeit. Andauernde Wachsamkeit sei notwendig, um den Amerikanern Gelegenheit zu sichern, teil- zunehmen an den besten Vorteilen im Welthandel. Die Politik der Regierung sei darauf gerichtet, skrupellose Leute, Arbeitgeber tvie Arbeitnehmer, im Schach zu halten, aber eine Schwächung der Initiative des Einzelnen zürückzuweiseu. Die Regierung erkenne das wohlthätige Werk sowohl der Trusts wie der Ärbciterverbäude au und werde beide gleichmäßig behandeln. Präsident Roosevelt geht sodann auf die Währungsfrage ein und erklärt: die llnaiitastbarkeit unsrer Währung steht außer Frage. Es würde un- klug und unnötig sein unter den gegenwärtigen Umständen, einen Versuch zu inachen, das gesamte Geldstistem neu aufzubauen. Präsi- dent Roosevelt empfiehlt ferner die Bildung einer auS dem Marine- sekrdär, dem Generalpostmeister und dem Handelssekretär bestehen- den Kommission, welche Untersuchungen darüber anstellen und für die nächste Session einen entsprechenden Bericht an den Kongreß aus- arbeiten soll, welche Gesetze wünschenswert und nötig sind für fernere Entwickluna der amerikanischen Handelsmarine und des amerikanischen Handels und auch des uatioiialcn Ocean-Postdmnpfer- dienstcs und für die damit in Verbindung stehende Beschaffung von Hilfskreuzer:: für die Flotte.„Unser Postdampfcrdicnst." sagt Präsident Roosevelt,„muß dem besten solchen Dienste gleichkommen; wem: er das nicht tut, wird die Haudelstvelt sich von ihm aüloendcn." Auf die E i i: w a ii d e r n n g s f r a g e übergehend, dringt Präsident Roosevelt darauf, daß Mittel ausfindig gemacht werden. unerwünschte Elemente gänzlich auszuschließen und eine geeignete Verteilung erwünschter Einwanderer über das ganze Land zu sichern. Er empfiehlt sodann dem Kongreß, unverzüglich seine Aufmerksainkeit auf die Frage der Naturalisation von Verbrechern zu richten, und weist aus die schamlosen Fälschungen hin, die jetzt im ganzen Laude ins Werk gesetzt würden, wie z. B. die Unterschlagungen im Post- dicnste. Tie Botschaft führt sodann die Ereignisse auf, welche zur Unter- breitung der venezolanischen Streitfrage an das Haager Schicds- gerichr geführt haben, und weist auf das imposante Zusammenwirken der bei dem Haagcr Schiedsgericht vertreienen Nationen hin. Das jetzt gegebene Beispiel werde es den Völkern weit leichter machen, sich ein"zweites Mal an das Haager Schiedsgericht zu wenden. Dieser Triumph des Grundsatzes des schiedsgerichtlichen Verfahrens biete glücklichere Aussichten für den Weltsriedeu, wenn man auch nicht behaupten könne, daß es jetzt schon möglich sei. Kriege überhaupt zu verhindern. Das Beispiel des Haagcr Schiedsgerichts, welches ge- zeigt habe, loas bezüglich der Beilegung von Streitigkeiten durch andre Mittel, als Krieg, gcthan werden könne, sollte in jeder Weise Nachahmimg finden. Präsident Roosevelt giebt ferner seiner Befriedigung über den Abschluß dcS Handelsvertrages mit China Ausdruck und weist dabei auf die Ocffnung von Mukden und Antung fiir den ausländischen Handel hin. Die Botschaft kommt dam: ans die Stelle in der B o t s ch a s t d e S P r ä s i d e n t e n M S n r o e im Jahre 1824 zn spreche,:, wo eS heißt, die Flotte sei die Waffe, welche der Regierung ?ie größte Uuterstützuiig bei der Verteidigung amerikanischer Rechte biete. Präsident Roosevelt beglückwünscht den Kongreß zu den beständigen weiteren Ausbau der Flotte und tritt dafür ein, daß daS Land nicht aufhöre, die Flotte durch den Bau weiterer Schiffe zu vermehren und zu stärken. Präsident Roosevelt befiir- w ortet, schleunige Einrichtung eines Flotten st ützplinkteS auf den Philipp innen, weil ohne einem solche» die Flotte in Kriegszeiten hilflos sein würde. Dea Präsident kündigt ferner die bevorstehende Unterbreitung deS Panamakanal-Vertrages an den Senat an und sagt, die Frage 'ei jetzt, nicht auf welcher Route der JsthmuSkanal gebaut werden olle, fanden: ob Amerika überhaupt einen JsthmuSkanal haben werde oder nicht. Er wirft einen Rückblick auf die Verhandlungen mit Kolumbien und der neuen Republik Panama. Panama, dessen Bevölkerung sich wie ein Mann erhoben habe, als bekannt wurde, daß der Kaualvertrag mit Kolumbien hoffnungslos verloren sei. Er erwähnt die vergeblichen Bemühungen der Vereinigten Staaten Kolumbien dazu zu bringen, den Weg zu ver- olgen, der lvesentlich im Jntereffe der Welt und Kolumbiens selbst liegt. Roosevelt schließt: Die Regierung der Vereinigten Staaten würde sich einer Thorheit und Schwäche schuldig gemacht haben, die einem Verbrechen gegen die Natton gleichkäme, wenn sie anders ge- handelt hätte, als sie gethan Hätz_ Hochwasser in Italien. Rom, 7. Dezember.(W. T. B.) Aus Belluno wird gemeldet. daß in der ganzen Gegend seit 48 Stunden Schnee und Regen fallen. Die Flüsse steigen, die tclegraphischei: Verbindungen erleiden eine Unterbrechung. Die Eiscnbahuzügc treffen mit Verspätungen ein. In Sardinien hat der Fluß Tirso das Land überschwemmt. o daß die Landarbeiten cingcftellt werden mußten. In Terralba türzte ein Haus ein, wodurch zwei Kinder ums Leben kamem In Jstrago und Gradiska sind gleichfalls Ueberschwemmungei: eingetreten. Ein Teil der über die Easo führenden Brücke ist zerstört. Nach Meldungen aus Prato ist die Umgegend auf eine Strecke von etwa 30 Kilometern in einen See verwandelt. Lebensmittel müssen den Bewohnern durch Barken zugeführt lvcrdcn. Husum, 7. Dezember.(W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Der Eil- und Frachtgutverkehr zwischen Hoyerschleuse und der Insel Sylt ist Eises halber gesperrt. Die Paffagicre muffen den Weg nach dem 1 Kilometer vor Hoyerschleuse liegenden Dampfer zu Fuß zurücklegen. Berantworfl.Nedakteur: Julius Kaliski inBerlin. Inseratenteil verantwortl.: Th.Glocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdmckerei u. VerlagSanstaltPaul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen n. Unterhaltnngsblatt Ht m 20. z.w» i. Deilllge des Jormörfe" letlinet PslltsdlM. � � ßerUner partci-Hngclegcnbeiten. Wahlvcrcin für den vierten Rcichstags-WahNreis(Osten). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Dezember-Versamnilung aus- fällt. Im Januar findet die Generalversammlung statt. Der Vorstand. Charlottendurg. Heute, Dienstagabend, findet um 8>/z Uhr eine Versammlung des 7. Bezirks bei Graffundcr, AZielandfir. 4, statt. Mariendorf. Bei Reichard, Chausseeftr. 16. findet heute abend «Vz Uhr eine Versammlung des Wahlvereins statt, in der Genosse Grunwald über die Entstehung des Lebens auf der Erde spricht. Ober-Schöneweidc. Mittwochabei Uhr findet bei Kaufholt die M i t g l i e d e r v e r s a in in l u ir g Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrgg i�cr Heinrich Heine. Am ersten Weihnachtstage veranstaltet der V'ahlvercin ein T o n k ü n st l e r- Konzert mit Gesangsvorträgen und lebenden Bildern. Die Mitglieder werden in Anbetracht der örtlichen Verhältnisse, welche die Veranstaltung eines jederinann zugänglichen Festes unnivglich machen, um zahlreichen Besuch gebeten. lokales. Das Ergebnis der Jugendschriften-Ansstellung, die in der vorigen Woche von der Verwaltung des Gewerkschafts- Hauses veranstaltet worden war, ist r e ch t zufriedenstellend. Das Interesse der Bevölkerung lvar diesmal iroch lebhafter als in den beiden vorhergehenden Jahren. An sechs Tagen kamen rund 1700 Personen, um die ausgestellten Bücher und Wandbilder zu be- sichtigen. Den stärksten Besuch hatte der Freitag- an diesem Tage lourden allein 442 Personen gezählt. Die Gesamlzahl der Besucher wäre noch erheblich höher, wenn nicht am Sonnabend schon um ö Uhr hätte die Ausstellung geschlossen'.Verden müssen. Die späteren Abendstunden hatten regelmäßig die höchsten Besuchsziffern gebracht. An fünf Tagen waren in der Zeit vchn 6—10 Uhr(am Montag nur bis 9 Uhr) über 1000 Personen gekommen, am Freitag allein 326 Personen in dieser Zeit./ Das ist die äußere Seite des Erfolges der Ausstellung. Welchen Gewinn die Besucher/ pon der Besichtigung der ausgestellten Bücher gehabt, welche Förderung die Jugendschriftensache durch dieses Unternehme« erfahre» hat, das ist natürlich zahlenmäßig nicht darzu- stellen. Wir haben aber hen Eindruck gewonnen— und von den Veranstaltern der Ausstellung ist uns das auf Grund ihrer genaueren Beobachtungen bestätigt voorden— daß die Besucher aus den Kreisen der minder bemittelten Bevölkerung nicht nur ein großes Interesse, sondern vielfach auch mn erfreuliches Verständnis ftir die Jugend- schriftensache hatten. ,®ic Ausstellung hatte Besuch aus allen Gesell- schaftsschichten, besonders aber aus den Kreisen der Arbeiter; und gerade mff die Arh/eiterbevölkerung zu wirken, war der Zweck der Uusstell»mg und die Absicht ihrer Veranstalter. Wenn cS gelungen ist, auch nur etliche Hunderte von Vätern und Müttern der Arbeiterklasse dahin zu beeinflussen, daß sie die Lektüre ihrer Kinder fortan al s eine ernste, wichtige[Aiigelcgciiheit betrachten und nur nach gewissenhaftester Prüfung— sei es in Anlehnimg an die Liste der ausgepellten Jugendschristcn, sei es unabhängig von dieser— ihre Auswahl Treffen, so ist die aufgewendete Mühe nicht umsonst gewesen. � Auch Lehrer wurden mehrfach im Ausstellungssaal bemerkt. Sie hatten sißch wohl weniger um der Bücher als um der Besucher- Willen eingef-unden. Was dort ausgestellt war, wußten sie im vor- aus! die Ausstellung sollte ja nur zeigen, was die von den Prüfungsau sschjiffcn der deutschen Lehrerschaft zusammengestellte Jugeiidschrissten-Liste enipfiehlt. De» Lehrern kam es wohl Haupt- sächlich darauf an, zu sehen, tvie stark und von wem die Ausstellung besucht ww-r und wie die Besucher mit der Prüfung der Bücher ferttg wurden.'Wir wünschten, auch die Lehrer hätten einigen Gewinn von der Ausstellung gehabt und wären zu der Erkenntnis gelangt, daß solche Au sstellungcn nicht nur sehr nützlich, sonder» sogar notwendig sind unt, alle Förderung verdienen. Wir wünschten, die Lchrcr hätten l ich Vorsatz mit nach Hauseügenommen, diese Erkenntnis in die That umzusetzen; aber vorläufig getrauen wie uns nicht, das zu hoffen., Di» Berliner Lehrerschaft veranstaltete allerdings schon bor fünf I-.ihren eine Jugendschriften-AuSstellung. Aber der Besuch war äußerst t gering; selbst in der Lehrerschaft fand das Unternehmen nur wenig Beachtung und weiteren Kreisen blieb eS fast ganz unbekannt. Der i Versuch ist dann nicht wiederholt worden. Ohne von jenem wißgi'tickten Unternehmen Kenntnis zu haben, trat dann drei Jahre spätei: unser Genosse Dr. A r o n s zum erstenmal mit einer Jugend- schrif ten-AuSstellung vor die Arbeiterb evölkerung hin und Haid i hier Erfolg. Nachdem der gelungene Versuch im nächsten Iah re mit noch größereni Erfolge wiederholt Ivorden lvar, lvurde der' Wunsch rege, daß diese Ausstellungen zu einer ständigen Einrichtung gemacht werden, an der die Lehrerschaft sich mit fach- Verständigem Rat und die Stadtgcmeinde sich durch Hergäbe von Svchulräumen, durch Gewährung der Mittel zum Ankauf der auszu- s teuenden Bücher beteiligen sollte. Dr. Arons fragte bei den Lehrern an, ob s i e das begonnene Werk fortsetzen wollten. I Die Litterarische Vereinigung des Berliner Lehrervercins prüfte den Borschlag und— lehnte ihn ab! Die Jugendschriften-Ausstellungen sind, wie fetzt nachgewiesen ist, ein zweckmäßiges Mittel, die Jugcndschriftensache praktisch zu fördern. Wenn irgend jeniand dazu berufen ist. an dieser Arbeit sich zu beteiligen, so sind eS die Lehrer. Mit der Prüfung der Jugendschriften, mit der Aufstellung und Verbreitung eines Ver- zeichnisseS empfehlenswerter Bücher ist doch nur die erste Hälfte der Arbeit gethan. Die Lehrerschaft Charlottenburgs hat das erkannt und veranstaltet nun bereits im zweiten Jahre eine solche AuS- stellung. Die Lehrers chaft Berlins rührt sich nicht. In Charlottcnburg leiht auch die Gemeinde dem Unternehmen ihre Unterstützung, indem sie Schulräume usw. hergiebt. Die Berliner Schulverwaltung hat im vorigen Jahre durch Stadtschulrat Gcrstenberg von der im Gcwerkschaftshause veranstalteten Aus- .stellung Kenntnis genomnien, aber auch sie hat seitdem nichts gethan. Berlin wird seine Jugeiidschristen- Ausstellung— das glauben wir versichern zu dürfen alljährlich wiederkehren sehen, auch wenn Lehrerschaft und Schulverwaltung in ihrer Gleichgültigkeit verharren. Die Verwaltung des Gewerkschaftshauses wird die Pflicht, die sie freiwillig auf sich genommen, weiter zu erfüllen suchen. Aber es giebt zu denken, daß Lehrerschaft und Schulverwaltung eine solche Pflicht nicht auf sich nehmen wollen l Die Rieselwärter. Tie Arbcitersürsorge der Stadt Berlin tvird in eigentümliche Beleuchtung gerückt, wenn man sich die Lohn- und Arbeitsverhältniffc der Wärter auf unfern nördlichen Rieselfeldern betrachtet. Die Löhne entsprechen durchaus nicht den jetzigen Verhällnissen und die Arbeits- zeit ist unter Berücksichtigung des überaus schwierigen Berufes als eine zu lange zu bezeichnen. So erhalten zum Beispiel die Nieselwärter in Malchow und Blankenfelde einen Tagelohn von 2,75 Mark und jährlich fünf bis sechs Ar- freies Kartoffelland, außerdem einen Schlag Heu. Hat nun ein Wärter einen großen Bedarf an Kartoffeln, so kann er sich noch bis 12 Ar Land hinzupachten: die Pacht fttr den Ar beträgt 1 M. Die Rieselwärter in Falkcnberg erhalten sogar nur 2,50 M. den Tag und haben die„Berechttgung", für den Preis von 1,50 M. pro Ar sich noch 6 Ar hinzuzupachten. Das jährliche Ein- kommen einer solchen Rieselwärter-Familie bettägt demnach 1003,75 M., in Falkenberg 912,50 M.; rechnet man davon noch die Versicherungs- beitrüge und die Steuern ab, so bleibt ein Einkommen von 961,56 M. resp. 870,31 M. übrig, wovon sich eine Familie ernähren soll. Es kommt in Betracht, daß eine Anzahl Lebens- und Bedarfsartikel in der Umgegend viel höher im Preise stehen als in Berlin selbst. Mehl, Zucker, Kaffee. Schmalz und Fleisch:c. sind durchweg um 10 bis 20 Proz. teurer; die WohnuugSmicten sind in den letzten Jahren derart gestiegen, daß die meisten Wärter ein Viertel, oft sogar ein Drittel ihres Einkommens allein hierfür opfern müssen. Die Arbcitsdauer bettägt 12'/z Stunden ohne bestimmte Pausen. Hierin sind wiederholt eigenmächtige Acnderungen und lieber- schreitungen von einzelnen Verwaltungsorganen vorgenommen worden, so daß eS der sehnlichste Wunsch der Wärter ist, die Arbeitszeit einheitlich geregelt zu sehen. Auch die Verkürzung der Arbeitszeit oder wenigstens eine Ablösung bei großer Kälte ist eine Forderung selbstverständlicher Art, wenn man in Be- ttacht zieht, daß diese Leute sich bei Regen oder Stunn, bei Schnee oder großem Frost stets im Freien bewegen müssen. Ebenso be- rechtigt ist die Forderung um Herstellung von wetterfesten Buden für die Rieselwärter. Die Rieselwärter haben bereits im Februar 1901 Forderungen bescheidener Art auf Abstellung dieser Uebelstände bei der Direktion der städtischen Kanalisationswerke gestellt, bis jetzt aber ttotz wiederholter Anftage keinen Bescheid erhalten. Polizei-Geheimnisse. Die„Berliner Zeitung" schreibt:„Der erste Vorsitzende des Vereins der Cnfstiers Deuffchlands, Cafstier S. Berks wiez, war ftir heute mittag in das Polizei- Präsidium beschieden. Dort wurde ihm mitgeteilt, es handele sich um die vielbesprochene Angelegenheit des Singens und MufizierenS in den Weinrestaurants. Die Konferenz, die zwischen dem Regierungsassessor Klotz und Herrn Berkowicz stattfand, dauerte zwei und eine' halbe Stunde. Nach Schluß derselben nahm der Herr Rcgierungsassessor Herrn Berkowicz das Wort ab, über die eben stattgehabte Unterredung keinerlei Mitteilungen an die Presse zu machen." Das Organ von Stumm sel. Erbe»,„Die Post" genannt, leistet sich in ihrer Nr. 565 einen Artikel mit der Ueberschrift:„Ein Kapitel von der Parteikmfft der.Genossen'". Unter andern, Unsinn kommt darin folgender Satz vor:„Der berühmte Adolf Hoffmann nimmt stets seine Kinder auf seinen Agitationsrc isen mit, wenn sie Ferien haben." Genosse Hoffmann schreibt uns dazu: Leider trifft das bei meinein ältesten Sohn nicht mehr zu, da dieser sich zur Zeit in einer besonderen Art Ferien befindet, die er in den bekannten Falckensteinschcn Ferienkolonien verlebt. Mein zehnjähriger Sproß jedoch reist seit fünf Jahren nicht nur mit mir, sondern er hat auch in dieser Zeit mit großem Erfolg freikonservattve Agitatoren als Diskussionsredner widerlegt. Außerdem will ich verraten, daß dicser Kirabe seit seinen, sechsten Jahre für die„Post" abwechselnd die pädagogischen Artikel und die politischen Entrefilets schreibt, und zwar erhält er dafür denselben Honorarsatz zugebilligt wie Herr v. Zedlitz. Da es heißt, daß die„Post" durch diese Mitarbciterschaft sechs neue Abonnenten gewonnen, der Bestand der zahlenden Leser dieses Blattes also um 20 Proz. zugenommen hat, so hofft mein Sohn, daß er in, nächsten Jahre den Posten eines Chefredakteurs erhält. Weibliche Personen in de» Armcn-Komniissionen. Nach den neuen Bestimmungen können auch weibliche Personen als Mitglieder in den Arnlen-Kommissionen aufgenommen werden. Leider sind die Mit- glieder der Armen-Kommisfionen Ivenig geneigt, Frauen in den Dienst der städtischen Armenpflege eintreten zu lassen."Diese Ab- Neigung ist im, so unverständlicher, da diejenigen Annen- Kommissionen, in denen weibliche Mitglieder bisher mitwirkten, sich sehr günstig über die Mitarbeit der Frauen ausgesprochen haben. Am Schluß des letzten VerwaltungSjahreS, 31. März d. I., waren insgesamt in 16 Armen-Kommisfionen nur 23 Frauen als Armen- Pflegerinnen thättg; eine sehr geringe Zahl, wenn man bedenkt, daß in den 336 Armen-Kommisfionen insgesamt 4170 Personen wirkten. Dir Schankerlaubnis-Gcsuche haben sich in Berlin in den letzten Jahren beträchtlich vermehrt. An die Gewerbedeputation des Magistrats, die vor der Beschlußfassung des StadtauSschusseS sich zu diesen Gesuchen zu äußern hat. gelangten im Etatsjahr 1902/03 8709 Gesuche um Erteilung der Erlaubnis zum Betrieb einer Gast- Wirtschaft, zum Ausschank von Branntwein oder von Wein, Bier usw.. zum Kleinhandel mit Branntwein usw. Es sind das 555 Gesuche mehr als im vorhergehenden Jahre, 946 mehr als vor zwei Jahren, 1130 mehr als vor drei Jahren. Die Zahl dieser Gesuche war im letzten Jahre um 15 Proz. höher als drei Jähre vorher. Von den 8709 Gesuchen des letzten Jahres wurde» 8548 durch die Gewerbedeputation befürwortet und gegen 27 wurde von ihr Widerspruch erhoben; die übrigen 196 waren von den Antragstellern zurückgezogen worden. Auch von den Gesuchen, gegen die die Gewerbedeputation Widerspruch erhoben hatte, wurden noch 16 vor Einleitung des VerlvaltungSstreit- Verfahrens von den Antragstellern zurückgezogen. Von den übrigen elf wurden bis zum Schluß des EtatöjahreS zehn durch Entscheidung des Stadtausschusses erledigt und zwar sieben in Uebereinstimmung mit der Deputation durch Abweisung, drei gegen den Widerspruch der Deputation durch Bewilligung. Die Streitigkeiten um die Jnnuiigspflicht waren im letzten Jahre zahlreicher als im vorletzten. ES waren 244 Beschwerden wegen Heranziehung zu einer Zwangsinnung zu erledigen. 30 mehr als im vorhergehenden Jahre. Allein 183 davon betrafen die Schneiderinnung. während der Rest sich auf zwölf andre Innungen verteilte. Die Jmmngspflicht lvurde von den Beschwerdeführern be- stritten: in 68 Fällen, tveil Gesellen oder Lehrlinge überhaupt nicht oder nicht„der Regel nach" beschäftigt würden; in 14 Fällen, weil konfektionsmäßige Herstellung von Kleidungsstücken nicht als eine handwerksmäßige anzusehen sei; in 29, weil der Bettieb kein Handwerks-, sondern ein kaufmännischer Betrieb sei; in 66, weil der Betrieb ein fabrikmäßiger sei; in 15, weil der Betrieb ein gemischter sei und in ihn, das Handlverk der betreffenden Innung nicht über- wiege; in 52 Fällen aus andren Gründen, z. V. tveil Hausgewerbebetrieb vorliege, das Handwerk nicht selbständig ausgeübt werde usw. Der Verwaltungsbericht der Gelverbedeputatton für das Etatsjahr 1902/03 bezeichnet es als auffallend, daß die Streitigkeiten sich noch nicht vernnnderr haben. Das liege hauptsächlich an der Rechtsunsicher- heit über die Unterscheidung zivischen Fabrik und Handwerk. Elendsstatistik. Im Männerashl deS Berliner Asylvereins für Obdachlose' nächttgten während deS Monats November 20 761 Per- sonen, im Frauenasyl 4594 Personen. Arbeitsnachweis erbittet der Verein für Männer Wicsenstr. 55/59, ftir Frauen Füsilierstr. 5. Wie es gemacht wird. Ihrem geschäftlichen Ruin gehen zahl- reiche Tischlermeister Berlins entgegen, die als Gläubiger an dem am letzten Freitag durch Gerichtsbeschluß eröffneten Konkurse über das Vermögen der bekannten Möbelfirma Alwine Eberhardt in der Holzmarktstraße beteiligt find. In einer zu gestern ein- berufenen, sehr stürmisch verlaufenen Gläubigerversamnilung lvurde festgestellt, daß unter den Gläubigern der Firma sich gegen ztvanzig kleine Tischlermeister befinden, von denen die Mehrzahl durch die Insolvenz der Eberhardtschen Firma geschäftlich vernichtet wird. Einer der Gläubiger hat sich bereits zu erschießen versucht, ist aber durch das Dazwischentreten seiner Frau verhindert worden. Die kleinen Möbeltischler haben seit Monate» bei Lieferung der Möbel von der insolventen Firma nur Zahlung in Wechseln erhalten. Die Wechsel wurden dann an die Holzhändler weitergegeben und lverden von letzteren jetzt nach Eröffnung des Konkurses eingeklagt. Einzelne Tischler werden auf diese Weise für Beträge von mehreren Tausend Mark haftbar gemacht. In der gestrigen Gläubigerversammlung erregte es nun die größte Entrüstung, daß der Ehemann der Firmen- inhaberin— Albert Eberhard—' von dem gerichtlich bestellten einstweiligen Konkursverwalter zum Geschäftsführer über die Konkursmasse eingesetzt ist, obgleich dieser bei seinen früheren Konkursen bereits mit dem Strafgesetz in Konflikt gekommen sei. Es müsse das umso mehr bekämpft lverden, als bei seiner Ein- setzung als Geschäftsführer nicht einmal Inventur über den vor- handene« Massebestand gemacht sei. Es wurde deshalb beschlossen, da? zuständige Gericht unverzüglich zu bitten, dem Ehemann Eberhardt die weitere Geschäftsführung zu entziehen. Man begründete diese Forderung noch besonders damit, daß gegen Ebcrhardt ein Er» mittelungSverfahren eingeleitet sei, das mit dem Konkurse in Zu« sammenhang stehe. Aufsehen erregte die Mitteilung, daß eine in den letzten Tagen ebenfalls insolvent gewordene Großfirma an Eber- Hardt 1000 M. bar zahlte, sich dafür einen Wechsel über 2000 M. ausstellen ließ und diesen dann an eine Bank weiter gab, die sich nun an der Konkursmasse schadlos halten wird. Die Nichtigkeit der Meldung vorausgesetzt, dürste sich die Staatsanwaltschaft noch mit dieser Sache beschäftigen, da dieser Wechsel infolge der Insolvenz der zweiten Firma rncht eingelöst werden kann. Die Passiven der Eberhardtschen Firma werden auf 130 000 M. geschätzt. Experiment an einer Leiche. Auf merkwürdige Gedanken kommt man im großen Berlin. Am Mittwoch soll hier in den Gerniania- Sälen eine Volksversammlung abaehalten lverden, in der der anti- semitische Reichstags-Abgeordiiete Graf Reventlow über die politische Lage und die dcutsch-sociale Partei spricht. Man toill also offenbar diese Leiche wieder zum Leben erwecken. Im Hinblick auf die Fanfaren des Dreschgrafen beißt es in der auf den Straßen verteilten Versammlungseinladung:„Die erste Schlacht(bildlich gemeint) findet statt in Gestalt einer öffentlichen Volksversammlung" usw. Dann findet sich noch folgender Unsinn in der Versammlnngseinladung: Der Arbeiter und viele kleine Handwerker und Geschäftsleute lassen sich von der Socialdemokratie einsangen, deren Führer Siimer nach der„Hallcschen Zeitung" gesagt:„Es fällt mir nicht ein Pen Ar- beitern eine besondere Wurst zu braten, denn wer eine bessere Wohnung hat, dann ist er zufrieden, und wenn er zufrieden ist, so ist er für unsre Zwecke nicht zu haben." Keine Lügenmär, die unter den Antisemiten nicht Gläubige findet. Die Folter ersten Grades. Im Zeugniszwangsvcrfahrcn gegen den Verleger und Redakteur der„Pankower Zeitung" Friedrich Salis fand am Sonnabendnachmittag ein Termin vor dem Amts- gericht II statt. Der vernehmende Richter ersuchte Salis, doch die Namen jener beiden Gemeindebeamtcn zu nennen, die sich, tvie er- mittelt wurde, seiner Zeit in seiner Druckerei über den Borgang unterhielten. Es handle sich lediglich um ihre Bemehmung als Zeugen, der Landrat v. Trcsckow wünsche unter allen Umständen die Urheber deS Gerüchtes festzustellen. Herr Salis erklärte darauf, daß, selbst tvenn er die Namen mit positiver Sicherheit zu nennen im stände wäre, er mit Rücksicht auf seine journalistische Bcrufsehre es ablehnen müßte, den Angeber zu spielen, ganz abgesehen davon, daß ihn dann die gesamte Pankower Bürgerschaft boyiotticren würde. Das frühere, auf 300 M. Geldstrafe lautende Urteil wurde aufgehoben und Salis zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Wird nun die ZeugniSzwangs-Affairc von neuem ihren Fortgmig nehmen? DaS neue Regulativ für die Genieinde-Krankenversichcrung in der Stadt Berlin wird mit dem 1. Januar k. I. in Kraft treten. Die Abänderungen desselben beziehen sich auf die durch das Gesetz vom 25. Mai d. I. vorgeschriebene Mindestdauer der Kranken-Ilnter- stützung auf 26 Wochen(bisher 13 Wochen) und die durch die tvirtschaftlichen Verhältniffe bedingte Erhöhung der Kasscnbciträge von zwei ans drei Prozent des ortsüblichen Tagelohnes. Das staatsgefährliche Lachen. Eine der letzten Nummern des Pariser Witzblattes„Le Rire" ist von der hiesigen Staatsanwalffchaft beschlagnahmt worden. Kriminalbeamte hielten bei den geitungs- Verkäufern und Buchhändlern sowie in den Casus Umschau nach d- Blattc. Die Behörde erblickt in einem in der betreffenden Numi des Blattes enthaltenen Artikel eine Majestätsbeleidigung.„Le Ri ist in den letzten Jahren wiederholt aus dem gleichen Grunde schlagnahmt worden. Ei» entsetzlicher Unfall hat sich Sonntag ftüh 6 Uhr auf k Schtveine- Schlachthofe zugetragen. Der Geselle Paul Schw Sohn deS Lohnschlächters Karl Schwarz, bei Meister Schönet beschäftigt, verfiel während der Arbeit in Krämpfe und stürzti den mit siedendem Wasser gefüllten Brühbottich, wobei ihm Körperhälfte und ein Arm förmlich zerkocht lvnrdc. es dem vorhin Bewußtlosen, geguält durch die fürchter lichsten Schmerzen, gelang, sich aus dem Höllenbade zu retten. Doch brach er nach wenigen Schritten mit markerschütterndem Schrei zusammen. Herbeieilende Gesellen nahmen sich feiner sofort an, aber leider war ärztliche Hilfe, tvie fast immer in derartiger Notlage, nicht zur Stelle. Der Weg aber von der Landsberger Allee bis zur nächsten Unfall- und Rettungsstation ist weit, und che die entsprechenden Transportmittel herbeigeschafft werden, vergeht geraume Zeit. Zu der Trauer über das Schicksal des Unglücklichen gesellt sich, tvie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" mitteilt, helle Entrüstung über das gänzlich unzureichende Sanitätswescn auf den iveit- gedehnten Schlachthöfen der Stadt Berlin, wo alltäglich Taufende. gar viele auch zur Nachtzeit, ihre gefahrvolle Thätigieit ausüben. Die Krankenkassen und auch die Berufsgenossenschaft ivissen davon ein Lied zn singen. Seit Jahren schon sind Klagen in dieser Richttmg laut geworden von Meistern wie Gesellen, von Vereinen und von der Innung. Vielleicht veranlaßt dieser Unfall, daß jetzt endlich Schritte zur Abstellung dieses nicht wegzuleugnenden schweren Mißstandes gethan werden. Sind doch die Unfälle und Vi letz.mgen im Fleischergewerbe meist solcher Art, daß schnelle Hi. allein sich wirksam erweist, um schiveren Folgen vorzubeugen l Abenteuer eines großen Mannes. Der bekannte russische Rie Machnow, der hier in Berlin längere Zeit auftrat, ist heute vo mittag auf dem Bahnsteig des Fernbahnhofs Friedrichstraßc Polizei! sistiert worden. Machnoto war im Begriff, nach Rußland c zureisen, obwohl er mit einem Etablissement in Amsterdam ein Engagementsvcrtrag abgeschloffen hatte. Von seinem Jmpresar hatte er bereits Vorschuß empfangen, doch beliebte es ihm,:> berühmten Mustern, kontraktbrüchig zu werden und sich seinei» pflichtungen zu entziehen. Auf Requisition des Impresario erftp. deswegen seine Sistierung. Die Polizei geleitete ihn nach>.. ruffischen General-Konsulat, Ivo er vernommen und dann vorläi entlassen lvurde. Ob er seine Weiterreise antreten kann, ist u nicht bekannt. Ein Einbrecherncst ist im Hause Wehdingerstraße 7 anSgenonnne worden. Eine ältere Prostituierte, Namens Matzkc, die sich neu» dingS voni Handel mit Kleidungsstücken ernährte, hatte verschiedel. Personen, mit denen sie in Kaschemmen Bekanntschaft gemacht hatte zum Diebstahl angeslistcb Tic Matzke getvährte für die DiebcZ- beute diesen meist bcschäfn�unczslosm Personen linterschlupf und Verpflegung. Jetzt ist die Gesellschaft in dem erwähnten Hanse, wo sie wohnte, festgenommen lvorden. Ii» Carl Weiß-Theater hat sich das Bild wesentlich verändert. Der alte Schmarren von der Kaiserin Maria Theresia und die zwar aktuellen, aber nicht minder bedenklichen Berliner Seiisationsdramen haben einem ernsten Stück weichen müssen, nämlich Anzengrubers «Meineidsbauer das von oberbayrischen Bauern gespielt wird, Sie sind hier nicht unbekannt, die Michael und Anna Dcngg, die Therese Renner, Lina Gaigl und wie sie sonst alle heißen. Und es will uns scheinen, daß die früher schon recht tüchtige Darstellung sich im Laufe der Jahre noch vervollkommnet hat, Borden, nannten die Künstler sich Schlierscer und Tegcrnscer; jetzt heißt die Gesellschaft Oberbayrisches Bauen, thcater, nachdem sich die besseren Mitglieder der beiden Truppen zu einem Ensemble vereinigt haben. Dies mag die Ursache sein, daß ein Stück loie der„MeineidSbaner", das doch wahrlich tüchtige ilcäftc verlangt, wenn es wirken soll, bei der Aufführung am Sonnabend wie ans einem Guß gespielt wurde. Gestern wurden die„Kreuzelschrciber" gegeben: wenn die Obcrbayern sich weiter an ein ordentliches Repertoire hallen, so wird es ihnen auch bei ihrem jetzigen Gastspiel gewiß nicht an Erfolg fehlen. Bemerkt sei noch, daß die Gäste auch diesmal mit dem alten Brauch des Zitherfpicls nicht gebrochen haben. Das Museum für deutsche Volkstrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes, das nnt seinen Schätzen in den ganz unzulänglichen Räumen des Hygienischen Instituts, Klosterstr. 36, seit Jahren ein fast unbekanntes Dasein führte, soll nunmehr dem Staat über- geben werden. Ter Staat hat sich bereit erklärt, diese Trachten- anSstcllung in, Anban des Museums für Völkerkunde aufzustellen, sobald dieser fertig ist. Den siebenten Bundes- Schwimmertag hat der Arbeiter- S ch w i in m e r b u n d am Sonntag im Gewcrkschaftshause ab- gehalten. Vertreten waren 11 Vereine durch 38 Delegierte. Der Borsitzende M e n s ch e l gab den Bericht dcö Vorstandes für das verflossene Jahr, aus welchem hervorgeht, daß der Bund 437 Mitglieder zählt. Es sind eine außerordentliche und acht ordentliche Sitzungen abgehalten lvorden. Schwimmwart Brätle berichtete über die Thätigkeit der Vereine und des Bundes. Die vom Bunde veranstalteten beiden Schauschwimmen seien zur Zufriedenheit aller Beteiligten ausgefallen. Der Bund besitzt auch ein Vercinsorgan, das„Mitteilungsblatt", über dessen zu- sricdcnstcllenden Stand D a n z i g e r berichtete. Es wurde bc- schlössen, daß das„Mitteilungsblatt" fortan in der Buchdruckerei des „Vorwärts" gedruckt lverdcn soll. In der Debatte über die weitere Entwicklung des Vereins drehte es sich wesentlich um die Frage, ob wieder Preise für Schwimmleistungen eingeführt werden sollen; gegen den Wiederspruch einzelner Delegierter wurde beschlossen, solche Preise wieder auszusetzen. Der Borstand wurde wie solgt zusammengesetzt: Mcnschcl, Vorsitzender, Härse, Kassierer, Karl Schulze, Schriftführer. Reichert und Kopte, Beisitzer. Zum ersten Schwing,, wart wurde Brätle, zum zweiten Schwiimnivart Bolze gc- wählt, zu Revisoren Burkhardt und Gerstmann, zum Redakteur des Bundcsorgans Danziger. Unter dem Gesang eines BundesliedeS wurde der Schwimmertag geschlossen, der hoffentlich zur Förderung des Schwimmsports in der Arbeiterschaft sein Teil beitragen wird, Bemerkt sei noch, daß die Versammlung für die ausgesperrten Crimmitschauer 50 M. bewilligte. Theater. In Hermann Bahrs neuer Komödie„Der Meister", welche im Deutschen Theater am nächsten Sonnabend, den 13. d. M., zum erstenmal gegeben wird, wirken die Damen Else Heims, Agnes Müller, Irene Driesch und die Herren Karl Forest. Oskar Hostneistcr, Leopold Jwald, Paul Mary, Karl Meinhard, Franz Reßncr, Rudolf Ritiner. Paul Schweiger, Bruno Zicncr mit.— Am Dienstag geht im Schiller-Theater O.(Wallncr-Theater) „Hedda Gabler", im S ch i l I c r- T h e a t c r N.«Friedrich Wilhelm- städtisches Thcater)„Liebelei" und„Litteratnr" in Scene.— Am Freitag wird das bei seiner Erstaufführung iin Schiller- Theater K mit lebhaftem Beifall aufgenommene Drama„Vasantasena" zum erstenmal im Schiller- Theater 0. gegeben, tvährend ain gleichen Abend„Wilhelm Tell" in der neuen Jnscenierung zum erstenmal im Schiller- Theater N. zur Aufführung gelangt. Sonnabend geht daselbst nicht, wie irrtümlich im Spielplan angezeigt.„Liebelei" und„Litteralur", sondern ebenfalls„Wilhelm Tell" in Scene.— An der Gedenkfeier der 100. Wiederlehr von Johann Gottfried Herders Todestag(18. Dezember) beteiligt sich auch dasjS ch i l l c r- Theater, indem es als nächsten Dichter-Abend am Sonntag, den ,13. Dezember, im Bürgcrsaale des Rathauses einen Herder- Abend veranstaltet.— Das Carl Weiß-Theater, in welchem gegenwärtig die Schlierscer und Tegernseer mit großem Erfolge gastieren, hat am Mittwoch, den 9. Dezember, nachmittags 4 Uhr, eme Schüler Vorstellung zu kleinen Preisen angesetzt. Zur Aufführung gelangt Schillers„Wilhelm Tell". Durch die letzten Zufendungeu des Berliner Aquariums find auch , Bestände der niederen Sceticre durch neue und seltene Arten be- chert worden. Dahin gehören mehrere Specics aus der Klaffe der in ganisation und entwicklungsgefchichtlich so merkwürdigen Mantel- ce. Bei Betrachtung der mit den absonderlichsten Formen und merk- rdigsten bunten Gestalten besetzten«tilllebenbcckcn stößt man nlich auf eine Anzahl weißer, rötlicher und roter Gebilde, welche ! finger- bis handlange Fichtenzapfen sich pon ihrer steinigen ) felsigen Unterlage senkrecht erheben und dem Laien als Pflanz- e Lebewesen erscheinen. Allerdings stimmen sie in gewisser Hinsicht tsächlich mit den Pflanzen überein, in andrer Beziehung aber gleichen . ogar den Wirbeltieren und darum erregen sie mehr als andere Wirbel- cse Tiere das Interesse der Forscher und Naturfreunde. Während die Umhüllung oder der Mantel dieser„Manteltierc" oder Ascidien be- züglich ihrer Masse chemisch in den wesentlichen Eigenschaften dem Pflanzenstoff entspricht, drückt sich in dem inneren Bau und der Entwicklung dieser Geschöpfe eben jene Achnlichkcit mit den höher organisierten Wirbeltieren auS. An der großen Bogel-Ausstellung, Ivclche die beiden Vereine „Aeginthck" und„Eannria" vom 11.-15. Dezember in den Gesamt- räumen der AndreaS-Fcstsäle in der Andreasstraße veranstalten, be- teiligen sich u. a. auch die bekanntesten Tierhandlungen Deutschlands. So wird die Firma Hagenbeck-Hamburg auserlesene Exemplare von Papageien ausstellen, während die Tierhandlung Risius Wwe.- Bremerhafen ebenfalls auf dem Gebiete der exotischen Vogelwelt Hervorragendes leisten wird. Der Berliner Zoologische Garten hat von dem Grafen rz. Pestalozza auS München ein Geschenk erhalten. Ein Paar .r häufig aus Brasilien importierten Wcißohr- Pinsel- äff che» hatte bei ihm vor anderthalb Jahren zwei männliche Junge erzeugt, und vor etwa sechs Wochen vermehrte sich die Familie »in einen weiteren Nachkommen. Alle fünf sind neben ihren Gattungs- verwandten im sogenannten„alten Vogelhaus", dicht beim Haupt- reftaurant, untergebracht und esgcwährtcin reizendes Bild, das winzige. »och nicht mauSgroße Junge, im Pelz der Brüder oder Eltern ver- krallt, hängen zu sehen. Die ganze Gesellschafft ist noch etwas scheu und schreckhaft. wie dies überhaupt im Naturell dieser niedrig stehenden Eichham- oder Krallenaffen liegt. Sie ähneln in ihren m�w-gungen und in ihrem Wesen in der That ebenso sehr den Eich- �hcn als den Affen. Der Kunstfalon Wertheim bringt in der nencröffiietcn Weihnachts- Zustellung eine reichhaltige Kollektion Bilder deutscher Künstler. ',i einer großen Anzakfl Landschaften ist C. Aro-Timmdorf vertreten, Oi}.\o C. Th. Meyer-Basel-München. Von Berliner Künstlern finden . H. v. Arnim, G. Barlösius, Oskar Frenzel, Hans Looschen und ..ieod Hummel. München ist vertreten durch Julie Fleischmann, v. Hellingrath, E. L. Plaß, Phil. Otto Schaefer, B. Steinmetz, ckara Walter. Hilde Weigclt. Außerdem sehen wir noch Werke von K. Becker-Düsscldorf. Ad. Beyer-Darmstadt, Fritz Burger-Basek, H, Eichrodl-KarlSruhe, St, Filipkicwicz-Krakau, Franz Klinz-Dresden, v. Olterstedt-Stuligart, Fritz Oocrbcck-Äor��wcde, O. Popp-Dresden, Emil Schneider-Straßburg i. E., W. Sch>«urr-Düffeldorf. Paul Segiffer-Karlsruhe. Otto sinding-Lysalex, St. Starke-Ternath. Fritz Weftcndorp-Düsseldorf. Poliklinik. In der Ohren-, Rasen-, Halsflinik, Berlin, Karlstraße 32, finden die unentgeltlichen Sprechstunden für unbemittelte Ohren-, Nasen-, Halskranke nicht mehr wie bish«er täglich von 9 bis 11, fondem von 10—12 Uhr vormittags statt., Der erste Katalog der Bibliothek der Kaufmannschaft von Berlin ist soeben erschienen. Ans einer planlosen Biicheransammlung ist seit dem Jahre 1900 unter der Leitung des Herrn Dr. deiche eine ansehnliche Bibliothek fiir Volkswirtschaft unter bcsondcrer Berücksichtigung der kaufmännischen Interessen erstanden. Im April dieses Jahres ist die Bibliothek i Börsengebäudc, Eingang St. W.ilsgangstraßc) einem größeren Kreise zuganglich gemacht worden, und»,» sg be- grüßenswcrtcr ist der jetzt herausgegebene Katalog. Er muß in seiner Uebcrfichtlichkeit und seiner ganzen Ailsstattung als musü-rgiiliig bezeichnet werden. Ausgestattet mit einem Schlagwort- Register und Auteren-Vcrzeichnis ist der systematische Teil des Katc-logS nach Wissenschaften in 23 Kapitel gegliedert, innerhalb der Unter- abteilungen folgen die Titel nach dem Erscheinungsjahre, so daß stets das zur Zeit der Drucklegung neueste Werk eines Faches an letzter Stelle steht. Selbst der mit dem Nachschlagen von Ätzchern in umfangreichen Katalogen nicht belvanderte Leser kann sich schnell über die vorhandenen Werke orientieren. Der Preis beträgt pro Exemplar nur 1 M.; sicherlich wird durch diese Herausgabe die Bc- Nutzung der Bibliothek weiter gefördert werden. Klus den Nachbarorten. Eharlottenburg. Arn Freitag, den 11. Dezember findet abends S'/a Uhr im großen Saale des Volkshauses anläßlich der Stadt- verordneten-Stichlvahl im 7. Bezirk eine Volksversammlung stall. Genosse Dr. Maurenbrccher referiert über„Kommunal- Politik". Genossen, agitiert eifrig für diese Lersammluiig, damit der Sieg am 12. Dezember unser ist. Eharlottenburg. In der Generalversammlung des hiesigen Konsumvereins am 2. Dezember wurde ein Fortschritt, teil- weise aber auch ein Rückgang der Genossenschaft festgestellt. Die Mitglicderzahl ist von 905 auf 959 gestiegen, und zwar sind 144 neu eingetreten, 79 ausgeschieden. Dagegen hat sich die Zahl der laufenden Mitglieder etwas verringert« während im vorigen Jahre 569 Mitglieder OuitinngSinarken abgaben, waren es in diesem nur 524. Trotzdem ist der Umsatz gestiegen; der durchschnittliche Sinkauf jedes kaufenden Mitgliedes, also das Interesse derselben an der Gc- nossenschaft ist gewachsen. Daher hat sich der Umsatz von 128 852 M. auf 149 867 M. erhöht. Von dem Reingewinn von 6675 M. wurden nach den not- wendigen Abschreibungen 4 Proz. Einkaufs- Dividende zurück- vergütet. 5 Proz. des Reingewinns, also 333.75 M. wurden statuten- gemäß zu gleichen Teilen dem Prodllktionsfonds, dem Fonds für altes und invalides Personal und dem Dispositionsfonds überwiesen. Bei der Wiederwahl für die turnusmäßig ausscheidenden Auf- sichtsrats-Mitglicder wurden die Herren K n ö f c l und N o a ck, von denen der eine elf, der andre zehn Jahre dem Aufsichtsrat angehörten, nicht wiedergewählt. Herr Knöfcl gab der Vermutung Ausdruck, dieses Mißtrauensvowin gegen ihn und Herrn Noack nach langjähriger Thätigleit entspringe lediglich dem Umstände, daß sie nicht der socialdemokratischen Partei angehörten. Herr Jakob, der unter den Mitgliedern gegen die Herren Knöfel und Noack agitiert hatte, bestritt, daß dieser Grund für ihn maßgebend gewesen sei. Die Persammlung war von etwa 180 Personen besucht. Ein gewaltiger Dachsiuhlbrand kam in der Nacht zum Montag in O b e r- S ch ö n e w e i d e au der Ecke der Wilhelminenhof- uns Siemensstraße zum Ausbruch und beschäftigte die LrtsfeuerlveHr sowie die Wehren von Baumsckmlenweg und Karlshorst über vier Stunden. Gegen Mitternacht entstand das Feuer auf nocki nicht er- mitteltc Weise auf dem Boden des Vorderhauses und wurde erst bc- merkt, als Flammen aus dem Dachstuhl drangen. Tiefe griffen nun mit unheimlicher Schnelligkeit um sich, denn bei Ankunft des ersten Löfchzugeö brannte bereits der größre Teil des Tachstuhles. Es wurden daher sofort ein halb Dutzend Schlauchleitungen in Thätigkeit gesetzt und von verschiedenen Seiten gegen den Brandherd vor- gegangen. Immerhin dauerte es doch fast zwei Stunden, bevor die Hauptgefahr als beseitigt gelten konnte. Neu- Weißensee. Die am Dienstag stattfindende Gemeinde vertreter-Sitzung hat sich mit der Anstellulig eines Sttaßeilinspektorö zu beschäftigen, was, beiläufig bemerkt, gerade nichts besonderes auf sich hat. Jedoch hat dieser Fall doch etwas Interessantes an sich. Nämlich der Umstand, daß die Gemeiiidevertretung vor einer voll- endeten Thatsache steht, denn die§§ 88, Absatz 5, 117 und 118 der Landgcmeilide- Ordnung, wonach die Gemeindevertretung über An- stellung von Gemeiildebeamtcii für die einzelnen Dienstzweige zu bestimmen hat, sind außer acht gelassen, der Posten ist seit dem 1. Dezember bereits besetzt. Auch das letztere ist zu verstehen, denn die Notwendigkeit lag gewiß vor. sonst hatte man die übliche Aus- schreibung eines solchen Postens vorgenommen und die Bewerber ob ihrer Kenntnisse geprüft. Aber wer ist der Glückliche ES ist der sich sonst demokratisch nennende Herr Gemeinde- verordnete S w o b o d a, für den diese Stelle wie geschaffen ist. da er als mehrjähriger Kurator der Gcmeindewerle auch die nötigen Kenntnisse erlangt haben dürfte. Natürlich bat Herr S. sein Gc- meindcvervrdneten- Mandat niedergelegt und eine weitere Säule der „früheren bürgerlichen Opposition" ist aus der Oeffentlichkeit ver- schwunden und im sicheren Hafen der Gemeindeverwaltung gelandet. Auch bei der ärmeren Bevölkerung steht Herr Sivoboda in guter Erinnerung, denn er war es, der bei der Debatte über den Neubau des Armenhauses den von tiefer socialer Erkenntnis zeugenden Aus- fpruch that: Die meisten suche» das Armenhaus auf, um sich von der Gemeinde durchfüttern zu lassen. Nowawes. Eine erfreuliche Entwicklung hat der vor ca. IVz Jahren Hierselbst gegründete Konsumverein aufzuweisen. Dem Verein traten in diesem Jahre 280 Genossen bei. so daß die jetzige Mitglieder- zahl 465 beträgt« eS wurde ein Warenumsatz von 103 688 M. für dieses Jahr erzielt; der Jnventarloert, der sich im vorigen Jahre auf 844 M. bencf, beträgt am Schlüsse dieses Rechnungsjahres trotz Abschreibung von 10 Proz. 3262 N?. Die Gesamteinnahme betrug 109 602,56 M., die Gesamtausgabe 106 840,77 M., so daß ein Kassen- bestand von 276l,79 M. verbleibt. Der Gewinn beziffert sich auf 7728,16 M., wovon eine Dividende von 6 Proz. zur Verteilung gelangt. Dieses finanzielle Ergebnis ist um so erfreulicher, als der Verqin durch die Errichtung eurer zweiten Verlaussstelle bedeutende einmalige Ausgaben hatte. Eine Masernepidemie, welche schon mehrfache Todesfälle ver- anlaßt hat. herrscht gegenwärtig in Potsdam und hat bereits zur zeitweiligen Schließung einzelner Klaffen der höheren und Gemeinde- schulen gefiihrt. Die Gemeinde-Wasserleitunq im Borort Tegel mußte am Sonn- abcndabend kurz nach 7 llhr plötzlich abgestellt werden, weil die Be- fllrchtung eingetreten Ivar. daß durch Rückstau im Uebcrlaufrohre der EnteiscnungSanlagen Schmutz Iväffcr in die Reinwasicrbchälter ein- getreten fein könnte. Sogleich wurden ans allen Behältern des Wasserwerks wie aus der Leitung und zwar von mehreren Stellen Wasserprobcn entnommen und am Sonntag früh zur Untersuchung an Professor Proskauer abgegeben. Die Feststellungen, an denen als Sachverständige mitwirkten die Herren Professor Proskauer vom hvgienischen Institut für Infektionskrankheiten, Ingenieur Prinz, Ingenieur Rothe, Ingenieur Kloster, sowie Vertreter der Gemeinde Tegel haben ergeben, daß die Wasserleitung am Dienstag, 8 d M., bereits wieder thätig sein kann.. Eingetreten war nur eine Ver- unrcinigung der alten außer Betrieb befindlichen EnteilemingS- anlagen, deren Folgen schnell und gründlich beseittgt wurden. i 1 In der Stadtverordneten Versammlung zu Spandau hatten unsre Parteigenossen, wie erinnerlich sein wird, ein Petition eingebracht, in der das Abgeordnetenhaus ersucht werden soll, durch Einführung eines freiheitlichen Wahlrechts eine Reform der Städte« Ordnung zu schaffen. R i c g e r begründete die Petition in vor- trefflicher Weise und Stadtverordneter I en n e(lib.) erklärte sich zwar mit ihrer Tendenz einverstanden, doch wollte er nicht, daß in den: Antrage die rcfonnbedürsligen Pmikie einzeln angegeben würden. Auch Stadrv. L ü d e ck e(kons.) konnte die Reformbcdürftigkeit der Städtc-Ordnung nicht in Abrede stellen, doch erklärte er sich gegen die beanttagte Petition, weil sie politischer Natur sei und der Kompetenz der Stadtverordneten-Versammlung daher nicht unterstehe. So war das erlösende Wort ge- sprochcn. Unter unaufhörlichen Schlußrufen wurde der Erörterung ein Ende gemacht. Für den socialdemokratischen Antrag erhoben sich nur die Antragsteller« ein stark verwässerter Antrag Jenne auf Reform der Städte-Ordnung wurde mit 13 gegen 17 Stimmen abgelehnt, und so hatte der Philister seine Ruhe. Tie andern beiden socialdemokratischen Anträge(Truckarbeitcn nur an tariftreue Firmen zu vergeben und ein gelesen eres Blatt als den konservativen Schleifstein mit seinen ca. 450 Abonnenten als verantwortliches P u b l i l a t i o n L o r g a n zu wählen) wurden hierauf glatt abgelehnt, trotz oder gerade wegen aller Vernunft- gründe, die von den Genoffen Scholz und Schmidt tapfer für die Anträge ins Gefecht geführt wurden. Knefkaften der Redahtion. L. F. 10«. Zchlcndorf, Parkslr. 7. «2. A.(Werder.) Wir haben Ihr Schreiben nicht erhalten: cS komike Mo Antwort nicht erfolgen.— Schweidni»- Stricgnu. 60 Pfennige für Crimmitschau erhalten, lieber die Zedlibe, die sonstigen edlen Blitze und Wch». über die edelsten Lirum-Larum-Stirmn und Stamm können wir hier nicht Auskunft geben. Wenn Sie die provinzialc Genealogie dieser Gc» ichtcchter seh», interesfiert, so lönnten v�ie sich die bctresscndcn Lücher in Breslau„der briefliche AuStunst von der illcdaltion der„Bvlkswacht" be- schassen.— Reichstag. Abgeordneter Meist befand sich allerdings schon 1893 bis 18!»5 im Reichstag. Die Wahl wurde sür ungültig erklärt, und M. unterlag dann s-x Wahlgeometric.— A. B. 100. Viereck 1884 bis 1887 Abgeordneter für impzig-Lanb. 1887 löste ihn der Beschluß von St. Gallen von der Partei los, infl welcher ihn seitdem innere Beziehungen nicht mehr verbanden. Br un o G- is er war im Gegensatz zu V. bis zu seinem zu frühen Tode ein treuer und ausgezeichneter'Anhänger der Socialdemokratic. •tt. Gallen Ivar sür ihn aus d-m Berliner Paricitag l892 begliche» worden. 1894 wurde er von Breslau als Delegierter aus den Parteitag von Franl» surt o. M. gesandt. Freiheit, f. Erste Morgen stiu-mung. Schönheil, Zukunft, Freiheit usw. 2. Ja: Strastciiknmps. 3. 2iescll>eu oder ähnliche Sachen erhallen Sie wohl in der Erveditioii oder der Buchhandlung dc�„Viv.".—«. S. 42. „Walser und Wald in der Nähe und bi«ig" dabei, das i>t imä leider nicht bekannt.— CO. D. 21. Wenden Sie sich au den leileudeu Beamten eines Waisenhauses.— Exprctz. Uebcrzcugmzgcn kann man nicht erzwingen; allein auch ebenso wenig sreundschastlichc Farmen des gescllichaitlichcu Ver« kchrS. Das eine ist so verkehrt wie daS andre.— M. B 1840. Wenden Sic sich an den Abgeordneten Franz Tutzancr. Von ibm eisabren Sie älles Erforderliche: er ist KonnnisfionSmitgllcd. Adresse! Berlin, üleichslag. — 91. Z. 50. Schustcrmann, Berlin O., Bli,mcnitr. 80/61.— Jule 12. 1—4. Wenden Sic sich an einen Palentmiwalt, Adressen finden Sie im zweiten Teil des Berliner'Adreßbuches aus Seile 18. Von ihm erfahren E>ie dann auch die Einzelheiten der Sachen.— ReueS Leben. Reuden Sie sich an den Verlag. Berlin 80. 26, Naunvnstr gt_ zoo. 100 000 M. — 2S. G. Man bat vorläufig darüber keine sicher?,, stalijtischeii Angaben. Zudem handelt cS sich um eine die Erde umstiai-nendc Kleinigkeit. Also etwas Geduld.!— W. L. 1. Natürlich muß cS Leist ungsimsähigteit heißen; der Druckschlerlobold findet ein besonderes Vergnügest daran/ Worte und Sätze durch Wcglasiungen, manchmal auch durch K-nzusügimgeu in ihr Gegenteil zu verkehren. 2. Fragen Sie einen Poxficr im Reichstags- Gebäude während der SitzungSzcit. Juriktikeflev Teil. Z ie jiiriftischc»prechstunde findet täglich nnt SluSuahin. dcd Sonnabends von?-/- bi»»•/, llhv abcndS fta,«.«cvfiue»: 7 Ubr. CCentralkomniissian H. Wenden Sie sich an den' Vorsitzenden der Kommitsion, Maurer SiemanowSki,.Hochstr. 46 III.— OlnUe. Die Ehescheidungsklage ist im Bczirl des Gerichts anzustrengen, ii, dem der Ehemann wohnt. Der Klage muß ein Sühnevertuch vorausgehe Eiuwilliguua beider Teile, auch wenn die Ehe kinderlos ist, ist kein Eliefi-midungSgrimd. Wohl kann aber jeder Tell wegen Ehebruchs klagen. E. ZE. 100. ES kommt lediglich daraus an, ob als Bedingung der Wahl di?.Hausbesitzer» gualität ausgeschrieben ist. Bar dies der Fall, so sind, Sic im«üecht. A. P. 27. 1. Verjährung liegt nicht vor. 2. Ihre Frau hemet für Ihre Schulden nicht. 3. Wenn weder Anerkennung noch gerichtlichst Schritte bis am 3l. Dezember 1903 erfolgt sind, so ist die aus dem Znh,e 1901 stammende Forderung für eine nicht sür den Gewerbebetrieb dc-z Schuldner» verlauste Ware verjährt. Wird von Ihnen im Klagcwegc mehr ver- langt als vereinbart - H. B. t. Ja. ist. so Nur machen Sic Ihre nach Zurücknahme Rechte dainn geltend. der Auätiwi'itng.— I. B. 81. Die Beantwortung Ihrer Frage hängt von dem ust 4 nicht bc» kannten Wortlaut FhrcS Vertrages ab.— F. 09. Ja.—' etto 1. 1. Nur nach vorausgegangener Klage aus Herstellung des ehelich,,,, Lebens und fruchtlosen AblauscS eines Jahres nach Rechtskraft dcS diestiezüglichcn Urteils kann wegen böslicher Berlaffung EhefcheidungSklage a'ngcsircngt werden. 2. Ja. 3. DaS Gesetz verbietet die Ehe mit der Perstpn deren Ehebruch die Scheidung herbeigeführt ha!. DiSheiiS scinzureiehe» beim Landgericht) ist zulässig.- B. 33. Nein.— X. f). Z. Leide«, zu spät. — S. 81. Eine Pfändung aller in der Wohnung des Schuldner� befind» lichcn Sachen ist nicht möglich. Werden die der Frau gehörigen, Sachen gepfändet, so kann diese mit Aussicht aus Ersolg eine Wideripruchsfl�ge a,„ stellen und Einstellung der Vollstreckung beantragen.— S. St. 100. Der Erzeuger, gleichviel ob er Soldat ist oder nicht, ist zur Zahlung der AI jmente für sein außerehelich erzeugtes Kind verpflichtet. Die Eltern haste,:, nicht. — A. R. 10. 1. RcchlSaiiwaitc, gleichviel bei welchem Landgerischl ste zugclasten find, sind zur Verteidigung in Strallachen bei allen Gewichten zuständig. 2. Etwa 30 Mark. 3. Empfehlungen lehnen wir grundsätzlich ab. — P. G. 100. 1. Nur mit Zustimmung der StaatSanwalfichast. 2.Nein. — Jacobs 99. Wer bei einer ihm drohenden Zwangsvollstreckung ih, der Abjichi. die Bcsricdigung des Gläubigers zu vereiteln, Bestandteile tHme» Vermögens veräußert oder bei scite scharst, ist mit Gefängnisstrafe von eignem Tage biS zwei Jahren bedacht. Die Verfolgung tritt nur auf Antrags de» Gläubigers ein. Ist das Spind in der Wohnung geblieben, so liegt rüne strasbarc Handlung nicht vor. Marktpreise von Berlin am Dezember 1903 nach Ermittelungen dcS kgl. Polizeipräsidiums. »Weizen, gut D.-Ctr. inittel „» gering„ »Roggen, gut „ mittel gering„ iGcrste, gut . mittel gering„ iHaser, gut mittel - gering Richtstroh Heu Erbsen peisebohncn Linsen » ab Bahn. Kartoffeln, neue D.-Etr. Rindfleisch, Keule 1 lex do. Bauch„ Schweinefleisch Kalbfleisch Hammclilcisch Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse SO Stück 1 kg per Schock f frei Wagen und ab Bahn. «.50 1,80 1,50 1,60 2,00 1,80 2,80 5,00 2,20 2,80 2,60 2,00 1,80 3,00 1,40 15,00 l e 1 5,0ch> 1,20 1,10! 1,00, 1,20 UO 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,40 0,80 3,00 WitterungSüberstcht vom 7. Dezember 1903, morgens 8 Uhr. Stationen L S 2c n a 9>~ Swinemde. Hamburg Berlin Franls.a.M. München Wien 756 S S N vetler SSW Still 756 W 758 s 757 W 1 Duiflt -«Nebel 2bedeckt 1 wolkig 2«chncc «»95 gtf h a> 0 0 1 — 1 Stationen 2- §- e= g€■ saparanda• 755 Petersburgs 764 Cork Aberdccn Paris 740 756 SB StoO W S Wetter I Lbcdeckt Lbedeckt 3 halb bd. �bedeckt bist S Ä{] H IjJ Sit 0 1 8 Wetter Prognosc für Dienstag, den 8. Dezember 1903. Ziemlich trübe und nebelig, mit geringen Niederschlägen, mäßigen sütz- lichcn Winden und langsam steigender Temperatur. Berliner Wette rbureau. Sondcr-Mngchot Teile n. Tellteppiehe, hui' so lange der Vorrat reicht, echt chinesische Ziegenfelle i» grau, weis;, wols- f und braunbärfarbia||s| U a 10, 8, 6,50 und Äugora-Lammfelle Prachtexemplare, schnce-i»» weig, besonders langhaarig,/.ri| fi 80X175 groß, mir... 1 1 J" £cht sibirische Wölfe Q mit Kops u. Gebiß a 25, X! hl 20. 18 und.... LVJU Dingofell-Teppiche ; 6,501«. mit Futter ii. wattiert. a 18, 12, 10 und Echt englische Angorafelle besonders langhaarig, mit i. Geidcnglanz in all. existierend. iL lul M Farben, a 12,50, 10, 8 und Ferner große Auswahl in echten Fellen mit Kopf und Gebiß, wie Tiger, Panther, Braunbär, Puma-Löwe und Eisbär sowie alle Arten echter �ellteppichc, Wagen- und Schlittendecken, Pclz-�uftsäcke, Pelzschuhe, Jagd- Muffen, Pelz-Diwandecken und Pelz-Borlage mit Fußtasche JCsst zu enorm VtlligeN Preisen. TeppöLk-ttsus IZ. Role8 Schloss. vis» vis dem Xational-Denkmai. i Telephon Amt I, 8311. Jede Uhr zu reinigen kostet bei mir unter Garantie nun 1,50 Tit., außer Bruch. 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In scharfen Worten iennzeichncte Redner die Rechtlosigkeit der Frau iin preußischen Staat und forderte die Frauen auf, imt aller Energie einzutreten in den Kampf gegen die heutige Gesellschaft. Der Referent erntete vielen Beifall für seine leicht verständlichen Ausführungen. Leider ließ die Versammlung viel zu wünschen übrig, denn es ist doch an der Zeit, daß endlich einmal unsre Genossen ihre Frauen aufzurütteln suchen, sich unsrer gerechten Sache zu widmen. Denn Pflicht einer jeden social- demokratisch gesinnten Frau oder Mädchens muß es sein, der Social- demokrasie zum Siege zu verhelfen. Die VertranenSperson gab hierauf den Kassenbericht, wofür die Revisoren ihr Dechargc erteilten. Hierauf erfolgten die Neuwahlen, wo Frau Jäger als erste und Frau Jeetze als zweite VertranenSperson gewählt wurden. Als Revisoren l wurden Frau Kurkowkh und Frau Pause eniannt. Steglitz. Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen von Steglitz und Ilmgegend hielt Donnerstag, den 3. Dezember, bei Grube, Friedenau, Kaiser-Allee, eine Wanderversammlung ab, in welcher Frl. Altmann über„Das Heldentum des Weibes" referierte. Der interessante Vortrag fand großen Beifall. Es wurde bekannt gemacht, daß die regelmäßige Vereinsversammlnng in Steglitz, welche jeden Mittwoch nach dem 1ö. stattfindet, diesmal ausfällt. fr. Kahn BERLIN C. 25 Alexanderplatz H. Gelegenheitskauf! Für Weihnaelitsgesclienke sehr geeignet. Itleider-Stojfe Ein Posten schwarzer reinwoll. Cheviots, gediegene Qualität. Marke U. 1 09, Breite 110 cra Mtr. M. 1.10. Robe; 6 Meter in eleg. Karton M. 6.60 Hemdentuch Weiss Linon mittelstarkfädig, voll- weiss, für alle Arteh Leibwäsche. Marke WH. Breite 82 cm, Stück von 20 Mtr. J gQ weiss und farbig, 0.50, 0.66. 0.75. O.OO, l.OO. Wirtschaftsschürzen, rosse, weite Form, •OO. 1.85, 1.50. s Ein Posten reinwoll. Elsasser Cheviots, voUgriüxge, gediegene Ware, in marineblau. braun, grün, granat und bordcaux. Marke U. 107. Breite 1 10 cra. Mtr. M. 1.30. 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Um 0*1, Uhr: Mit grossem Orchester: Vision nach dem Balle. Pantomime, Mustk von„Drei Kronen". Um 10 Uhr: Die neuen glänzenden Specialitäten: Ivan Tschernoff, ein Morgen aus dem Sport-Stallhof. Kelly and*shby X Francois-Truppe amcr. Excentrics. Eguilibristcn. Ihn passparte, Tanz-Duett. Kosmograph und Bloysbon. Carl Weiss-Theater. «roste frankfurter Strafte 133. 4. Gastspiel d. L berbayrijchen Bauern- Theaters.(Schlierscer u. Tegernscer.) Der Meineidbauer. Anfang 8 Uhr. Mittwoch: Oer piarrer v. Kirchield. Nachm. 4 Uhr: Schülervorsiclluug: Wilhelm Teil. Uran las Taubenstrasse 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober-Italiens. Sternwarte _ Invalidenstrasse 87/82. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Der Indianer Biese Mianko Karoo vom Stamm der AM" Siouz-Indlaner.-MW I ahanrll Die zusammengo- IdCUCUU! waohseneu Schwestern Rosa und Josefa. Grosses Promenaden-Konzert d. 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Dienstagabend 8 Uhr: Liebelei. Schauspiel in 3 Akten von 21. Schnitzler. Hieraus: Lltteratnr. Lustspiel in 1 Akt v. Arthur Schnitzler. Mittwochabend 8 Uhr: Tasantasena. Donnerstagabend 8 Uhr: Die Ehre. Cirkus Schumann. mr oder: Die Prä «T acht, der Ut Heute Dienstag, den 8. Dezember, abends 7lL Uhr< Zum 7. Male:"PW Babel-WE Untergang und die Wiedererweckung des Welt reiches von Babylon. Eine Wanderung durch acht Jahrtausende in Form einer großen Aus- staitungs-Pantomime in ll Abteilungen. Aach einer Idee von A. Moszkowski. In Scene gesetzt vom Direktor Alb. 8cbumann. 25 männliche Zlbessinier-Lölve» dcs Herrn.lallns Seeth. tWste. Dntrlen phänomenal. Rekordsprnng, 50 Fust mit dem Fahrrad. OtZllt-IIiögles H/ingdit Nlt-Moabit 47/4«. Dienstag, den 8. Dezember 1303: Oemliinl Rose-Theater-Ensemhle. Maria Stuart. Trauerspiel in 5 Akten von Schiller. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: Oer verkaufte Schlaf. Feldscblössehen. Müllerstraße 142. Bernhapil Rose-Theater-Ensemlile. Dienstag, den 8. Dezember 1903: Der verkaufte Schlaf. Rom. fom. Zaubcrspiel mit Gesang und Tanz iu 3 Akten und 12 Bildern. Ansang 8 Uhr. Iteteli« hallen Stettiner Sänger. im Steidl Theater unOrnnieit � burger Thor. Heute zum 50. Male „Der grosse Cohn." Ulk-Burleske von Fritz Steidl. Llnsang 8 Uhr. Balkon 75 Ps. Entree 50 Ps.(Vorverk. 40 Ps.) Palast-Theater Bnrgstraste 2Ä, früher Feen-Palasf, Heute und folgende Tage: « kX. Berliner Saison. Oirkus Suseh. Dienstag, den 8. Dezember cr., abends 7'/, Uhr: Barl Hagenbeck» gröstte Raubtier-Jchau. k ausgewachsene Königstiger, 3 Riefen-Löwen, 8 Riefen-Cisbären, 3 schwarze Bären. Die gröstte und sensationellste Raubtiergruppe, v orges. von dem rühmlichst bekannten Dompteur Richard Sawade Spanische Quadrille, geritten von vier Herren u. vier Damen. Herr Bustav Goebel aus Berlin, Schulreiter, Schüler des berühmten James Fillis. Berliner Winterjreuden Humorist. Manege- Schaustück. Exotiscbes Monstre-Iablean; 12 Elesanlen, 3 Zebras, 50 Pferde. 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Verbandsangelegenheitcn und Verschiedenes. 25/18 Um vollzähliges Erscheinen ersucht Di« OrtSverwaltuna. Vei-Hosltnii�nntellv»vi-lla. Bureau: Engel-Ufer 15. Zinmier 1— S. Fernsprecher: Amt IV. 33S3. DienStag, den 8. Dezember 1903, abends K>/„ Uhr: Oeffentliche Uersammlnng im Lokale„Withelminenhof", Ober-Schönewride. 1. Der Drücker Referent: t. Diskussion. TageS-Ordnung: und tSürtlerftreik und seine Sehren. Kollege HVttcIl«. Mittwoch, den 9. Dezember 1903, abends 6''2 Uhr: Metallarbeiter- Versammlung in der Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 47/48. T a.g eS«Ordnung: 1. Der Dtreik der Gürtler und Drücker. Referent: Kollege Cohen. 2. Diskussion. ES ist Pflicht der Kollegen, in der Bcrsauimlullg zu erscheine». Altgemine Otts-Kraiiktn- baffe gewerblicher Arbeiter und Arbeiterinnen fu Serlin. Mit dem t. Januar 1904 tritt das Neue in der Generalversammlung vom t3. September d. I. beschlossene und vom BezirkSausschuk genehmigte Aassciistatut in 5krast. Hiernach werden die Kasscnmit- glieder vom t. Januar 1901 ab in folgende Klassen eingeteilt: a) Kasscnmitglicder, deren Arbeits verdienst sür den Arbeitstag 3,30 Mark oder mehr betrag: (1. Klaffe), b) Kasscnniitglieder, 161/12 Die Qrtsverwaltuug. Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 9. Dezember, adenbS 8 Uhr, im Lokale des Herrn I'ra.nlie, Debastianstrasic 39: V ersammluns« TageS-Ordnuna: 1 Bortrag des Genosien Krille über Freiligrath. 2. Diskussion. S. Seschlutzsassung über: Wie lange sollen die HilsSkassiercr in den Zahlstellen noch kassieren? 4. Verschiedenes. Wir ersuchen die Kollegen, pünktlich zu erscheinen. 131/8_ Per Vorntjmd. Achtung! Achtung! Muslkinltrllmkllttn-Arbklttll! Mittwoch, 9. Dezember, abends 8 Uhr, im Gcwerklcho ftshause, Engcl-User lS, Saal 2: Kommiffions-Sitzung. Die BertraucnSmäuner werden ersucht, daselbst die Handzettel zN der am 15. Dezember stattfindenden öffentlichen Versammlung abzuholen. 00/14_________ Per Branchenvertreter. Social de mo k rat! s c h e r Wahlverein , deren Arbeitsverdienst sür den Arbcttstag 2.70 M. biS 3.30 M. ausschlief sich beträgt Unterstützung von vier Woche», tritt eine solche von 6 Woche«, vom Tage der Ent- bindung an gerechnet. Für den Todessall eines Mitgliedes gewährt die Kasse ein Sterbegeld im dreistlgsachen Betrage des durchschnittlichen Tagelohnes. 279/15 Die Eintrittsgelder und Beiträge betragen vom 1. Januar 1904 ab: sür die Eintritts- Beitrag Mitglieder gelder pro Woche der 1. Klasse 1.50 M. 90 Pf. ,. 2... 1,50„ 0«.. .. 3... 1,25..• 54„ „ 4.„ 1.25„ 33„ Befreit vom Eiiitrittsgclde find in Zukunft diejenigen, welche nachweisen, dast sie innerhalb der letzten 26 Wochen vor ihrem Eintritt in die Kasse einer andern Krankenkasse angehört oder Beiträge zur Gemeinde- Kranken Versicherung geleistet haben. BehusS Einschätzung der Mitglieder nach den oorbezeichnclen Lohnsätzen ersuchen wir die Betriebsinhabcr, uns möglichst umgehend den täglichen anzugeben, weichen Betriebe beschäftigten Arbeilsverdlens die in ihrem 1. Januar �1R>t a£ beziehen werden. Berlin, den 7. Dezember 1903. Der Vorstand. Gustav Wolter, Vorsitzender. gen Personen vom iziehen we Zixüorf. Mittwoch, den 9. Dezember, abends 8'/, Uhr. im Lokale des Herrn Dhiel, Bcrgftr. 161— ISS: Ulitglleder-V ersammlimg. Tagesordnung: 1. Bortrag über„Was lehre» uns die preustifchen Landtagswahlen Referent: Genosie Dr. Silberstein. 2. Diskusfion. 3. Aufnahme neuer .Mitglieder. 4. VereinSangeiegenhcilen, Verschiedenes und Fragekaften. AWs- GHste haben Zatrltt.-W» 235/11 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. vor Pänlnche Anker- Xautadall ist in letzter Zeit so oft mlnderwertlc nach- geahmt worden, dass ich den Käulern desselben dringend anraten moss, genau auf den in Jedem Stück— Schleifen und RoUen— befindlichen Firmensettel mit dem Anker zn achten und Tabak ohne Zettel entschieden rurUckznwclHcn, da solcher 2837L* nachgeahmt ist. Generalrertrieli CrluerWeg 112, Carl Rocker. Hauptniederlage: Nordhäuser Kautabake, Schnupftabake— jct Rauchtabake. Kaliski in Berlin Gronnklnohereß Zx- u. Import W. Sehwandt, Swinemünde, gegr. 1886. vhnr«rostschreterct nur Ori> ginalmarken, keine Schleuder- wäre. Billigste Preise. Alles portofrei, keine Fostberechnung. per Nachnahme. Salzheringe, nur ftine Ware, voll u.fatt •/, rata M, 450 Stück 8 M.-/, Fast 4'/, M. >/, reo» b.*00 St.,»all u.(ett 8 und 9 M..'/, Fast 4-/, u. 4',. M. '/j Fas» MK,»orzllgl. Marke, 9 und 10 M..-/, Fast 4-/. u. 5 M. 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Dezember, vormittags 8'/, Uhr, verstarb nach langem, schweren Leiden mein lieber Mann, der Zimmerer >Vilkelm Jeschke im Alter von 39 Jahren. Die Beerdigung findet statt am Mittwoch, den 9. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause, tagenauerstr. 16, aus nach dem egräbniSplatz der Freireligiösen. Gemeinde in der Pappel-Allee. Dies zeigt Freunden und Ber- wandten tiesbetrübt an Auguste Jescbke, geb. Fellmer, nebst Bruder, Schwager und 241b Schwägerin. wein der Zimmerer Berlins und Umgegend. Tode«- Anselme. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser langjährige« Mitglied, der Kamerad Vildelw«lesedlle am Sonntag, den 6. Dezember, verstorben ist. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet statt am Mittwoch, den 9. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause IHageiiauerstr. 16) aus nach dem Begräbnisplatz der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel-Allee. Um rege Beteiligung ersucht 258/2 Der Vorstand. CeDtral-KräDl(eD-u.Sterliel(asse der Zimmerer. (Eingeschr. Hilfskasse No. f.) Den Mitgliedern zur Nachricht, dast daS Mtlglied unsrer Kasse, der Zimmerer Mdelm leseliltö am Sonntag, den 6. d. M., verstorben ist. 259/9 Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 9. d. M., nach. mittags 3 Uhr, vom Trauerhause Hagenauerstr. 16 aus aus de.» Friedhos der Freireligiösen Ge- meinde in der Pappel-Allee stall. Um reg« Beteiligung ersucht Der Vorstand«e» Bezirks S. CenH-VerW ihr Maurer DeitsehU.'"ZS*1* Sektion der Pntaer. Am 4. d. MtS. starb nach langem Krankenlager unser treues Mitglied Karl Prochnow (Admiralstraste 1) im Alter von 46 Jahren an der Proletarier- krankheit. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 Uhr von der Leichen- Halle des St. SimeonS-KIrchhoseS in Britz au» statt. Gie Verbandsleitung. TodcHanaelce. Am 6. HS. MtS verstarb nach kurzem schweren Leiden unser lieber" Bater, Schwiegervater und Groß- vater. der Putzer Buetev Wachsmundt im 77. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am 9. d.M., nachm. 3 Uhr. von der Leichen- balle des Gethsemane- Lkirchhose« (Nordend) au» statt. 239b die trauernden Hinterbliebenen. Am 6. Dezember 1903 verstarb plötzlich meine geliebte Frau Etertfi« Brandt geb. Russeok im 48. Lebensjahre. Dies zeigt nesbetrübt an Theodor Brandt, Gubencrstr. 6. Dlc Beerdigung findet Mittwoch. nachmittag 3 Uhr von der Leichen- ' alle des Central- Friedhofes in riedrichSselde aus statt. 240b Am Sonntag früh 5 Uhr ent schlief sansl nach schwerer. Leiden mein lieber Mann, unser sorgender Pater, der Vergolder Rudolf Richert. Dle Beerdigung findet am Domierstagnachmittag 2'/, Uhr von der Leichenhalle des neuen RIxdorfer Friedhofs, Mariendorfer- Weg, aus statt. 2325 Ihn stilles Beileid bitten Witwe Richert und Rinder. bei Danksagung. Für die Teilnahme und Kranzspenden 1 der Beerdigung meine» lieben Mannes, unsre» Vaters, Grostoaters Schwiegervater», des Restaurateur« Ernst Klötzel[+143 ' agen Teilnehmern unfern besten Dank. Wwe. Julie Kintzcl nebst Kindern. von Mi- und Blumeobioderei H. Rodewald9 Alexandrinonstrasso In. Kränze mit WidmungSschleisen. Arrang. zu Festlichketten, Bouquet». Topfgewächse jeder Art ie. preiswert. -So.. SerlinSW. H. Greifenhagen Nachf. Brannen- Strasse A7-I8. Die Ausgabe von doppelten Rabattmarken hat bei unserer werten Kundschaft einen ausser» gewöhnlich grossen Anklang gefunden, deshalb sehen wir uns veranlasst, dieselbe noch eine weitere Woche fortzusetzen und verabfolgen wir bis inkl. Sonntag den 13. Dezember Doppelte Rabattmarken. AI« besonders preiswert empiehlen wir, so lange der Torrat reicht: Stickkasten..... stü� 28, 45 pt. Handwerkskasten.... stuck 28„ Rollwagen m. Pferd, reich Mmll 45.. Bleisoldaten... sc�ht� 28, 48, 95.. Schaukelpferde, imit Feiibezug stuck 4.75 Puppensportwagen.... 98.. Kochherde.... stück 19, 38, 45„ Puppenstuben mit Erker.. stuck 2.90 Spielwaren. Dampfmaschinen..... stuck 72 Pf. Eisenbahn auf Schienen..... 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Fischer aus Quedlinburg sich in den Lawcnkäfig begab, um ihre Löwen vor- zuführen, suirzre sich ein Löwe auf die Bändigerin und schlug sie mit einem Praukenhieb zu Boden, so das; das Gehirn frei- gelegt wurde; Frau Fischer war sofort tot. In dem Käfig befanden sich noch drei Löwen, die nur durch die Besonnenheit einiger Dkänner durch Eisenstangen von dem Opfer getrennt werden konnten. Opfer des Eises. Wie die„Frankfurter Oderzeitung" meldet, brachen»sonntagnachmittag auf dem Eise der Eilang bei Schwetig 6 Kinder. 5 Mädchen und ein Knabe im Alter von 10 bis 1t Jahren ein. Die Mutter des einen Mädckicns sprang hinzu und rettete ihre Tochter und den Knaben. Die übrigen vier Kinder sind ertrunken. Unwetter im Süden. Sturm. Regen und Schnee haben in; Alpcugebiet sowie den Nachbarländern arg gewütet und große Verkehrsstörungen im Gefolge gehabt. Der Nord-Süd-Expreßzug. der Sonntag, von Süden kommend, abends 10 Uhr in Minchen und gestern früh 8 Uhr in Berlin eintreffen sollte, ist durch Lawinenstürze auf der B r e n n e r b a h n au der Weiterfahrt behindert. Der abends 9 Uhr 50 Minuten von Mönchen nach Verona abgehende Schnellzug kann nur bis Innsbruck fahren. Fortdauernde Regengüsse und starke Schneefälle verursachten in Wie n und in der Provinz Hochwasser und Verkehrsstörungen. In Mähre n und Schlesien ist infolge Dammrutschungen auf vielen Lokalbahnen der Verkehr eiugestcllt. In K ä r n t h c n und Krain liegt der Schnee bereits zwei Meter hoch; zwischen vielen Ortschaften ist die Verbindung unterbrochen. AuS Venedig wird gemeldet: Infolge deS heftigen Sturmes ist das Meer stark angeschwollen und ein großer Teil der Stadt unter Wasser gesetzt worden. Gegen Mittag war gestern jeder Verkehr unmöglich. DaS Wasser stand so hoch, daß eine Anzahl von Gondeln auf dem Markusplatz fuhren, was seit einer Reihe von Jahren nicht mehr vorgekommen ,st. Wie aus Lucca berichtet wird. sind durch wolkcnbruchartigcn Regen die Felder bei Ponte Buggiano überschwemmt, zahlreiche Wohnhäuser stehen unter Wasser. Eine Explosion, so wird unS aus Halle a. S. berichtet, durch die 10 bis 12 Former und Gießerei-Arbeiter der Halleschen Maschinen- fabrik teils schwer, teils leicht verletzt wurden, ereignete sich Sonn- abeudabend gegen 8 Uhr. Bei dem Gießen einer 120 Eentner schweren Hartguß- Walze für eine Zuckerfabrik war die Form nicht genügend ausgetrocknet worden. Durch die vorhandene Feuchtigkeit entwickelten sich Gase, Ivelche die Fonn zerrissen und das glühende Eisen sowie den Sand mit solcher Vehemenz umherschleuderten, daß sogar das Dach der Fabrik in Brand gesetzt wurde. Die unglücklichen Arbeiter wurden mitKraukenwagcn und Droschken denKrankenhäusern zugefiihrt. passende Weihnachts»Geschenket rossvMillile» Rutiestülile* Klappstühle Störiners Patentstühle wÄrlr von IS Mk. ■o. Preislisten gratis and frsneo. * MM«. HOI» Alleu In besonder!« geschmackvollen AnsfUhrnngcn. R. Jäckels Patent=Möbel=Fabrik Berlin SW., Markgrafenstrasse 20, Ecke Kochstrasse. München, Blumenstrasse 40. n«ch«nswart.. JL ei pzig-ers trass e 46—49— Krausenstrasse 46—49 Dienstag-, den 8. bis Sonnabend, den IS. Dezember: Sonderuerkauf»r bebensmiftel (Soroeit der Vorrafh reicht) Gemüse-Conserven 'p l']& Pa. Stangenspargel(Riesen) ib/is stg. Pa. Stangenspargel extr. stark 20/24 stg. Pa. Stangenspargel stark 28/30 stg. Pa. Stangenspargel(Eute spg.) 26/30 stg. Pa. Stangenspargel 32/86 stg. Pa. Stangenspargel Mittel 4o/48stg. Pa. Stangenspargel Mittel 50/55 stg. Pa. Stangenspargel consum Riesen- Bruch-Spargel mit Köpfen Pa. Bruch-Spargel extra stark, m. Köpf. Pa. 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