Ar. 289. RbennementS'Redingungen: Wotmemcnt«- Preis pränumerando: »ierteljährl. 3.A> Ml., monofl. 1,10 SKf., wöchentlich 28 Pfg. frei WS Haus. Sinzeine Numnier s Pfg, Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. «donnemcnt: 1,10 Mark pro Monat. ewgclragen in der Post.ZciwngZ. Preisliste für 1903 unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und veflerreich- Ungarn» Marl, für daS übrige AuNani, E Mark pro Monat. SV. Jahrg. CrtdKiBt tsglich außer Montage. Devlinev VolksblÄkk. Die InfertlonS'Gebflltr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel» zcile oder deren Raul» 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Verfammlungs-Aiizeigen A> Pfg. „Uleine Anzeigen" jcdcS Wort 5 Pfg, (nur daß erste Wort fett). Inserate sü« die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expcditionabgegeden werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 1 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttag! geöffnet. Telegramm-Aoresse! „Soiialdemolirat Rcrlln". Centralovgan der locialdemokratrsc�en Vartei Deutschlands. l�eciaktion: 8 Tl. 68» I.inclensbrasse 69. Fernsprecher- Amt IV. Nr.»98». Freitag, den 11. Dezember 1993. Bxpcdttion: 8 Tl. 68» Lindenetraosc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. IS8I. Der Geistkanzler. Herr Eugen Richter hat am Donnerstag im deutschen Reichstag den größten Tag seines unbewegten Lebens erlebt; er, der mehr als ein Mcnschenalter hindurch in dem Ruf eines starr oppositionellen Ncin-Sagers versteinert war, wurde jählings nicht nur regierungs- fähig, sondern die Regierungsfähigkeit an sich. Als Liebling der Junker und Scharfmacher fing er vor einem Jahre an, als Vater aller Regierungsweisheit ist er jetzt feierlich— wenn auch ohne Quellenangabe— approbiert worden. Jetzt kann Herr Eugen Richter rilhig abtreten, sein Geist ist auf wundersamer Seelen- tvanderung schon bei seinen Lebzeiten zur höchsten Glückseligkeit menschlich-reichsdeutscher Würde eniporgestiegen, er hat sich in Bernhard Bülows, des Deutschen Reiches Kanzler, Schädel fest- gesetzt und dort wird er weiter leben, reden und wirken, so lange Herr Lucanus seinen Totschläger im Schranke läßt. Was Eugen Richter in der ringenden Gedankenarbeit von Jahrzehnten Tiefes imd Ewiges über den Socialismus ersonnen, geschrieben und auf den geistigen Wertpapieren der Aktiengesellschaft Fortschritt in alle Lande verbreitet hat, das hat Bernhard Bülows hoher Genius, nachdem es noch � durch Kreisblätter und Lokalanzeiger in schonender Anpassung gewässert war, in sich aufgenommen und am Donnerstag vor dem In- und Auslande unter dem Jubel der Mehrheitsparteien tapfer enthüllt: Graf Bülow hat Eugen Richter gleichsam in sich aufgesogen und ist da- durch zum Socialistenspiegcl-Fechtcr ersten Ranges geworden. Der deutsche Kanzler, dieser dem Vernehmen seiner Zeitungsagenten nach moderne, gebildete und gescheite Mann, hat sich opferniütig sogar zu einer Ehcirrung mit der Spar-Agnes verstanden, um endlich und endgültig die drei Millionen deutscher Socialdemokratcn und den Socialismus durch neckische Fragen nach den Stiefel fa-�ons des Zukunftsstaates zu erschüttern, zu widerlegen, niederzustrecken. Graf Bülow hat, besessen von Eugen Richters Geist, de» 111. Juni inner- lich überwunden. Wir haben einen Kanzler, der mit geistigen Waffen imponierend um sich wirft, einen Gcistkanzlcr gegen die socialdemokratische Verblendung. Man rühmt unserer Gcsellschafts- ordimng des freien WettbetverbeS nach, daß sie zur Auslese der Tüchtigsten führe. Für Preutzen-Deutschland ist dieses angebliche gesellschaftliche Naturgesetz glücklicherweise durch die rätselvolle Magie der Earriere durchkreuzt und ausgeschaltet... Mit einer großen Rede setzte Bebel am Donnerstag die Etats- debatte fort. Er leuchtete in alle Winkel des herrschenden Systems. DaS Haus folgte seinen Darlegungen mit gespannter Ailstnerksam- keit. Diese Kritik wirkt auch auf den Gegner, weil sie nicht an der Oberfläche etlichen Kehricht zusammenfegt und nicht die Gegnerschaft des Volkes gegen die herrschende Politik dadurch zu beschwichtigen sucht, daß inan lamentierend die Existenz von„Auswüchsen" zu- gesteht; diese Kritik wirkt, weil sie aus einer wissenschaftlich ein- hcitlichcn Gesellschaftsauffassung und aus einem heiligen Feuer für eine große Sache geboren ist, und weil sie zugleich die Wege und Ziele weist. Die Socialdemokratie versteht und erfaßt alles Bc- stehende in seinem Zusammenhang, Bußprediger von dem Stile Schädlers verwundern sich immer nur, daß„so etwas möglich" ist. Bebel begann mit einer Erörterung des Finanzelends. Mit einem Griff entlarvte er die Scheinopposition des Centrums i doch alle Nebel, über die am Mittwoch Herr Schädler so brechend stöhnte, nichts wie die notwendigen Folgen der schlaggebenden CentrilinSpolitik. Wird das Centrnm sich weigern, die neuen, sicher bevorstehenden Militär- und Marine- vorlagen zu bewilligen? Bebel nahm sich dann insbesondere die modischen Ausschweifungen des Militarismus vor: die Ueberstürzung und Unüberlegtheit in den Neubewaffnungeii, das KonfektionSsystem in der Armee. daS alle Tage neue Uniformen, Schnüre, Abzeichen ausheckt, die Parademanöver und den Theaterdrill. Als er davon spricht, daß die Ricsenlast der Rüstungen nicht von den Besitzenden, sondern von der Masse der Aermsten getragen wird, heult man auf der rechkän Seite des Hauses die Bestätigung dieser Behauptung. Mit gutem Humor verspottet Bebel die Kardorff-Rotte, die vor einem Jahr mit Gewalt den Zolltarif raffte und nun erleben muß, daß die Handelsverträge in den Wolken schweben und in der Thronrede kaum schüchtern erivähnt Ivorden. Er interpelliert den Kanzler, ob wirklich die Einführung von Schiffahrtsavgabcn geplant sei. Dann geht er auf die Socialpolitik ein: die bürgerlichen Parteien veranstalten ein wahres Wettrennen mit socialpolitischen Anträgen. Diesem leeren und heuchlerischen Schaugepränge, das lediglich demagogischen Berech- nungen entspringt, hält Bebel ein Kulturbild der jüngsten Wirklichkeit entgegen: Crimmitschau. Durch das Aussprechen des bloßen Wortes tvird alle bürgerliche Arbeiterfreundlichkeit als eitel Dunst aufgelöst. Crimmitschau zeigt den Klassenkampf in all seiner blutigen Unbarm- Herzigkeit, auf der einen Seite die heldenhaft kämpfenden Arbeiter, auf der andern Seite das Unternehmertum, das nicht nur seine materielle Macht brutal ausbeutet, sondern i» dessen Dienst sich auch die ganze Staatsgewalt stellt. In der leidenschaftlich belebten Schilderung des Arbeiterkampfes in Crimmitschau erreichte Bebels Rede ihren Gipfel; cS gab während dieser Ausführungen einige Zusammeilstöße zwischen dem erregten sächsischen Bundesrats- Bevollmächtigten Fischer, der dann auch das Wort zu einer hilflosen Verteidigung nahm, und den ihm benachbart sitzenden Genossen. Wir kommen auf diesen Teil der Etatsdebatte noch an andrer Stelle des Blattes zurück. Bebel schloß mit einer knappen Charakteristik der besonderen Schön- Helten des nettesten Kurses, der elvigen Denkmalsenthüllungcn und Feste, des Byzantinismus und Servilismus, der nationalen Entäußerung, die einen reichen amerikanischen Erben, wie den jungen Vanderbilt, : sind herz- aus- etwa mit hohen Ehren empfängt, dagegen die russischen Freiheits- kämpfer den Schergen ausliefert, die duldet und fördert, daß das Deutsche Reich zu einer Filiale des rusfischen Polizeiministers tvird. Hatte Schädler am Tage zuvor am Schlüsse seiner Rede den wunder- thätigen Jungbrunnen des Christentums den Gläubigen angepriesen, so stellte Bebel dem Elend der heutigen Zustände den Erlösergedanken der socialistischcn Wahrheit entgegen. Darauf erhob sich der Reichskanzler, der diesmal offenbar bemüht war, den Ton des in seiner Nähe sitzenden Herrn v. Köller nachzuahmen, während er seine Ideen, wie schon oben erwähnt, kostenftei von Eugen Richter bezog. Graf Bülow hatte sich, wie ihm das schon des öfteren begegnet ist, Ivieder einmal falsch vorbereitet. Er hatte angenommen, daß Bebel die Geheimnisse von Forbach und die Soldatcnmißhandlungen in den Vordergrund schieben würde, und sich mit einigen Sottisen gerüstet. Bebel aber hatte davon mit keinem Worte gesprochen und da der Kanzler natürlich keine Neigung hatte, seine Angriffe gegen den Ccntrumsführcr Schädler zu richten, so verpuffte diese Polemik gegen einen markierten Feind in lustigster Weise, llnnötig zu sagen, daß Graf Bülow sowohl die Forbach-Skandale wie die Soldaten- Mißhandlungen feierlich mißbilligte und die offene Kritik von Nebel- ständen verteidigte, aber man dürfe doch nicht verallgemeinern und schließlich werde es immer besser. Außer seiner Mißbilligung gab Graf Bülow nichts zu erkennen, was er zu thun gedenke. Weiter verteidigte er, unter grober Entstellung Bebelschcr Darlegungen, seine bewunderungswürdige Weltpolitik, und nahm die Gelegenheit wahr, den Kreuzzugsprediger Peter von Amiens aus dem 11. Jahrhundert und den spanischen Großinguisitor Peter Arbuez aus dem 1ö. Jahrhundert auf einer mittleren Linie zu verschmelzen. Die Dar- lcgungen Bebels über die entwürdigende Geheimbündelei Rußlands bestätigte und verschärfte noch Graf Bülow. Er fand nicht nur kein Wort gegen die infame russische Spitzelwirtschaft in Deutschland, sondern der höfliche Mann wurde sogar zu Ehren Väterchens un- parlamentarisch grob, indem er zweimal mit Komödiantcnpathos von der zügellosen Kritik gegen das bcfteundcte Rußland sprach. Die Absicht des Bundesrats, Schiffahrtsabgaben einzuführen, schien Graf Bülow zu leugnen. Und nun kam die Schlußposse, an der wir eine reinere Freude haben könnten, wenn nicht gerade in der Socialdemokratie die nationale Kultursolidarität so stark wäre, daß auch uns selbst der Verfall des öffentlichen Geistes widerwärtig ist, der sich in der bürgerlichen Gesellsihaft Dentschlands und in seinem höchsten Beamtentum manifestiert. ES mag hingehen, daß Graf Bülow seine Späße über den Dresdener Parteitag an das dankbare Haus brachte. Auch das ver- Übeln wir ihm nicht, daß er seinen Leibblättern nachschlvatzte, in der Socialdemokratie gebe es keine Meinungsfreiheit, es herrsche bei uns— das Centrum mag sich bei seinem Gönner bedanken— klerikale Unduldsamkeit. Es lohnt sich kaum, den Reichskanzler darauf aufmerksam zu machen, daß ja gerade über den Dresdener Parteitag unsre Presse fteieste Kritik geübt hat. Sollte einmal auch in den regierenden Kreisen ein Lieutenant Bilse auftauchen und die Geheimnisse der Garnison der Staatsweisheit enthüllen, so wird Graf Bülow ihm, wie wir annehmen, vollste Meinungsfreiheit gestatten. Schließlich ist es auch mir ein Ausfluß der Abhängigkeit des Kanzlers von lügenhaften Zeitungsausschnitten, daß er von social- demokratischem WahlterrvrisnWs und ähnlichen Scharfmachermärchcn erzählte. Was aber Graf Bülow über und gegen den Socialismus vor- trug, das sollte man selbst bei einem Kanzler des neuesten Kurses nicht für möglich halten. Graf Bülow blieb auf die Frage nach den Handelsverträgen die Antwort schuldig; er weiß nicht, was und wie er m 0 r g e n regieren wird, er bestand aber auf der uns zer- schmetternden Frage, ganz genau erfahren zu müssen, tvie wir der- einst den Zukunftsstaat tapezieren wollen. Graf Bülow tveiß nichts von dem socialdemokratischcn Programm, er interessiert sich lediglich für die Zukunststräume der Richtcrschcn Sparagncs. Dieser Reichs kanzler steht zlvar an der Spitze eines Denftnals- Ausschusses für einen großen Socialisten— Fichte—, aber der Unselige schwört noch immer auf Eugen Richters Versicherung, daß die Socialdemo- kratie den Besitz teilen wolle. Wie man es in allen Wahl- flugblättern der Gegner hat lesen können, nieint auch Graf Bülow, in holdem Wahnsinn alle logischen Gegensätze wie die beiden Peter vermischend, die Menschen müßten Engel werden, um reif für das Zuchthaus des Zulunftsstaats zu werden. Auch er erklärt, daß die Socialdemokratie rein negativ sei, während natürlich der socialistische und demokratische Gedanke die einzige positive, keimkräftige Idee unlrcr Zeit ist, und alles, tvas an Fortschritten erzielt wird, nur Brosamen sind von dem reichen Tisch des Socialismus, während alle unsre Kritik, um Lessings Wort zn gebrauchen, in Wahrheit höchste produktive, schöpferische Kritik ist. Und all diese Untvissenheit suchte Graf Bülow durch Requisiten- scherze nach dem Vorbild Kadelburgscher Schwanke zu ersetzen: Er fuchtelte mit der Broschüre Kautskys über die sociale Revolution und verriet dabei sofort, daß er nur ihren Titel kennt, zum mindesten keine Zcile verstanden hat. Dergestalt vernichtete der Kanzler des Deutschen Reiches mit überlegenem Geiste den Socialismus und die Socialdemokratie. Er sprach auch Bismarck unvorsichtig das Wort nach, es Iväre unser größtes Unglück, wenn wir einmal zur Herrschaft gelangten. Aber er hütete sich Ivohl, uns in dieses Unglück zu stürzen. Er tveiß wohl, warum I Er fürchtet für seine Laufbahn im„Zukunstsstaat". Mit solchen Köpfen könnte die socialistische Gesellschaft nicht regieren. Mit einer bedeutungslosen Ansprache führte Graf Stolbcrg, der Konservative, aus dem Bülowschen Zukunstsstaat wieder m den agrarischen Gegenwartsstaat, in dem das Junkertum nur eine Sorge drängt: Zölle, Zölle, Zölle und namentlich Minimalzölle für Vieh. Dafür mag dann allerdings das Verständnis des Geist- kanzlerS ausreichen... ..« Druckfehler-Berichtigung. Im gestrigen Leitartikel muß der zweite Absatz der zweiten Spalte richtig heißen: „Auch der Harmloseste empfand, daß der CentrumSführer nur den tvilden Mann mimte und daß eine Kritik, die keine Konsequenzen lanstatt: keine zu engen Kreise) zieht und gar nicht ziehen will, nur insofern gefährlich ist, als sie die Kritik entwürdigt und das System hinterhältig schützt, das sie vorgeblich angreift." poUtlfcbc deberfiebt. Berlin, den 10. Dezember. Criininitschau vor dem Reichstag. Die verteufelt unangenehme Aufgabe, die sächsische Regierungs- und Polizeipraxis gegen die in Crimmitschau heldenhaft kämpfenden Arbeiter im Reichstage zu verteidigen, ist dem Herrn Bundesrats- Bevollmächtigten Fischer noch saurer geworden als die ihm Pflicht- gemäß obliegende Verttcwng sächsischer Regierungsverfehlungen. Man brauchte nicht Gedankenleser zu seilt, um bei einem Blick auf Herrn Dr. Fischer, tvährend Bebel die behördlichen Maßnahmen in Crimmitschau peitschte, konstatieren zu können, daß der Herr diese Stunde zn Ende sehen möchte. Was hatte der Vertreter der sächsischen Regierung Bebels An- klagen entgegenzusetzen? Polizciamtliches Material, das er mit wenig Vergnügen vortrug. Falsch im wesentlichsten, dürftig bis zur Verblüffung für die konservative Rechte, die ganz andre Offenbarungen erivartetc, das lvar Herrn Dr. Fischers Material. Kein Wort davon, daß die Crimmitschauer Arbeiter seit über vier Jahren die Ein- führung deS Zehnstundentages erbeten haben, kein Wort davon, daß die Führer der sächsischen Tcxtilindilstriellen die lluternehnicr zu energischem Widerstand gegen die Zehnstundenforderung auf- gestachelt hatten. Dafür Räubergeschichten über angeblichen Terra- riSmus der organisierten Arbeiter vor dem Streik. Und dabei kämpfen die nach sächsisch- amtlicher Darstellung terrorisierten Nichtorganisierten seit 15 Wochen ttcu und tapfer mit den„Terroristen" Schulter an Schulter; selbst die ausgesperrten Militärvereinsmitglieder ziehen es vor, mit den„Terroristen" zu gehen und nicht init den Unternehmern, auch dann nicht, als die Unternehmer Prämien ftir einheimische Streikbrecher auswarfen. In voller Eintracht, mit ge- meinsamer Begeisterung kämpfen organisierte und Nichtorganisierte Arbeiter zusammen, und trotzdem will der Regierungsvertretcr glauben machen, den Nichtverbandsniitgliedern sei unschön mit- gespielt worden von ihren organisierten ArbcitSkameradcn. Und dann brachte Sachsens Vertreter sechzehn ganze Ver- gehen von Arbeitern zum Vorschein; sechzehn Fälle bei 7 500 Ausgesperrten in fünfzehn Woche nl Und was für„Fälle"! Lächerliche Geringfügigkeiten, deren An- führung das Gegenteil dessen beweist, was sie beweisen sollte, nämlich die ausgezeichnete, bewundernswert kaltblütige Haltung der Kämpfenden trotz aller schmählichen Herausforderungen. Daß eine Arbeiterin mit einem Schimpfnamen bedacht wurde, steht im Polizei« Material; aber kein Wort davon, daß ein Fabrikant mit 50 M. Geldstrafe belegt werden mußte, weil er zwei Ausgesperrte«wortbrüchige Sauen" genannt hatte, kein Sterbenswörtchen über andre mündliche und selbst t h ä t l i ch e Beleidigungen von Arbeitern durch Unter- nehmer. Und das allertollste: Herr Dr. Fischer begründet die behördlichen Maßnahmen niit Handlungen der Ausgesperrten, die— durchaus gesetzlich erlaubt sind. Höhnische Gesichter sollen Ausgesperrte aus den Fenstern ihrer Wohnung herausgemacht haben, in den Versammlungen sei zum Weiterstreiken aufgefordert tvordcn— lind deshalb der Belagerungszustand! Streikende Arbeiter in Sachsen haben danach ein polizeigenehmes Gesicht zur Schau zu tragen, Ivollen sie nicht die Aufhebung ihrer Grundrechte riskieren. Welches Gesicht müssen sich die Arbeiter zum Muster nehmen? Etwa das, daö Herr Dr. Fischer und sein sichtbar nervös gewordener Kollege v. Hohcnthal machten, als Bebels Hiebe niedersausten? Die Ausgesperrten sollen ferner, nach dem Polizeimaterial des Herrn Dr. Fischer, den Hauswirten, die Arbeitswillige beherbergen, mit Kündigung der Wohnung gedroht haben. Das Gegenteil ist die Wahrheit; HauStvirte haben unter Androhung der Kündigung auf Ausgesperrte einzulvirken versucht. Ebenfalls unwahr ist, daß vor Beginn des Kampfes mit einem Generalstreik gedroht worden und eine Kalkulation der eventuellen Kriegskosten aufgemacht worden ist. Kein Arbeiter hat daran gedacht, die Organisation erst recht nicht. Unwahr ist es auch, daß sich am Bahnhof bei Ankunft von Arbeits- willigen nur Ausgesperrte einfanden; das jeweils angesammelte Publikum bestand auch aus zahlreichen Unternehmern, deren Beamten und neugierigen Unbeteiligten. Herr Dr. Fischer hat dann auch noch be- hauptet, weil die Crimmitschauer Arbeiter gut organisiert seien, hätten sie vorangehen müssen. Die Crimmitschauer Arbeiter haben aus eigner Initiative, die der bitteren Notwendigkeit entsprang, ihre Forderung gestellt; vor Crimmitschau fand der Kampf in Meerane statt, der ebenfalls mit um die Regelung der Arbeitszeit entstand. In Meerane aber verhielt sich die Behörde loyal, in Crimmiffchau ist das Gegenteil in schärfster Weise der Fall. Ohne dieses Vorgehen der Behörden wäre der Kampf in Crimmitschau keineswegs ein so erbitterter getvorden. In dem großen Sllndenconto der sachsischen Regierung wird Crimmitschau einer der schlimmsten und be- schämendsten Posten bleiben.— Wahlrechtsreform in Baden. In Baden lvird bekanntlich seit mehreren Jahrzehnten ein Kampf »m das direkte Wahlrecht geführt. Es besteht das allgemeine, aber indirekte Wahlrecht. Durch das Wahlmänner-System werden die Vorteile des allgemeinen gleichen Wahlrechts fast völlig aufgewogen. Darum stand auch der Kampf gegen dieindirefte Wahl beiallenpölitischen Aktionen im Vordergrund. Die„liberale" Mehrheitdes Landtages hat bis bar zwei Jahren den Bestrebungen auf Verbcsserungen t>eS Wahlrechts mit größter Beharrlichkeit entgegengearbeitet. Als «ber die Nationalliberalen bei den Wahlen innner schlechter ab- schnitten, da schwenkten sie bor zwei Jahren ein. Es wurde die Re- giernng durch ei n st i in in i g e n Beschluß des Landtages aufgefordert, Gesetzentwürfe zur Verbesserung der Landtagswahl borzulegen. Jetzt smd die Gesctzenrwürfe endlich der Kammer zugegangen. Die ge- samte Reform soll durch drei Gesetzentwürfe durchgeführt werden: 1. Verfassungsänderung. 2. A e n d e r u n g d e r L a n d- t a g s- W a h l o r d n u n g. 3. N e u- E i n t e i l n n g der Wahlbezirke. Die Vcrfastungsändcrnng sieht eine Verstärkung der Erste» Kammer, des„Herrenhauses" bor; der Großh erzog soll berechtigt sein, statt acht, zehn Mitglieder zu ernennen, darunter müsten aber bicr Oberbürgermeister oder Bürgermeister großer Städte sein. Er darf ferner adligen Millionären die erbliche Mitgliedschaft zur Ersten Kammer verleihen. Neben den beiden Ilniversitäten Heidelberg und Freibnrg soll auch die technische Hoch- schule in Karlsruhe einen Vertreter erhalten. Endlich wird das B u d g e t r e ch t der Ersten Kammer insoweit erweitert, daß sie Einfluß auf die Gestaltung einzelner Posten gewinnt. Die wichtigste Vorlage ist die geplante Aenderung der Landtags' Wahlordnung. Bisher liegen die Dinge so, daß jeder Lü Jahre alte Badcner wahlberechtigt ist. In jeden: Wahlkreis wird auf je 200 Einwohner ein Wahlmann gewählt. Die Wahlmänner haben die Abgeordneten zu wühlen und zwar in 51 Wahlkreisen je einen Abgeordneten; in Mannheim 3, Karlsruhe 3 und Heidelberg, Pforzheim und Freiburg je 2 Abgeordnete. Nunmehr soll in jedem Wahlkreis nur ein Abgeordneter und zwar direkt, ohne die Zwischenstufe der Wahlmänner gewählt werden. Wahlberechtigt soll jeder 25 Jahre alte Mann sein, der zur Zeit die badische Staatsangehörigkeit besitzt. Wer am 31. Dezember 1904 die badische Staatsangehörigkeit noch nicht besitzt, erlangt die Wahlberechtigung erst, wenn er vom Wahltage zurückgerechnct zwei Jahre die Staatsangehörigkeit besitzt oder erworben hat. Zu diesen Aenderungen kommt noch die Stcueinteilung der Wahlkreise. Auf je 30 000 Einwohner soll ein Abgeordneter gewählt werden. Ins- besondere soll Mannheim 0, Karlsruhe 4, Freiburg 3, Pforzheim und Heidelberg je 2 Abgeordnete erhalten. Tie Kammer wird von vo auf 70 Mitglieder verstärkt. Mir uns ist das Wichtigste an der Aenderung die Beseitigung der indirekten Wahl und die Vermehrung der Abgeordneten in den großen Städten. Die Einführung der Eincrwahleiijn den Städten kann uns zwar in Mannheim einen oder den anderit«sitz kosten, aber von den sechs Mandaten werden wir immer noch mehr erhalten als die drei Mandate, die Mannheim heute zu vergeben hat und die wir besitzen. In Karlsruhe und Pforzheim gewinnen wir durch die Neuerung zweifellos, wie wir auch auf dein Lande infolge der direkten Wahl ganz zweifellos starke Fortschritte machen werden. Dagegen ist die zweijährige Karenzzeit hinsichtlich der Staats- angehörigkeit geeignet, uns besonders in den Jndustrie-Orten, Ivo die Fluktuation der Bevölkerung sehr stark ist, große Schwierigkeiten zu bereiten. Daß diese Bestimmung abgeschwächt oder etwa ganz zu Falle gebracht wird, daran ist nicht zu denken; wenn nicht' daS ganze Gesetz an dem Jnteressengezänk zwischen Nationalliberalen und Centruin bei der WahlkreiScinteilung scheitert, so mutz man eher Verschlechterungen gegen die Arbeiter befürchten.— DentTcKe« Reich. Ein Obcrstlieutcnant als Wcchsclfälscher. Uitter dein Vorsitz deS Generalmajors Graf v. Schlieffen fand am Mittwoch in Frankfurt a. O. vor dem Kriegsgericht Wer- Handlung statt gegen dm früheren Oberstlicntenant v. Goetz und Schwancnfließ im Leib- Grenadier-'Regiment Nr. 8." Dem Oberstlientenant werden fortgesetzte Wechselfälschungen zur Last gelegt, die er von Mai bis Juli 1903 ver- übt hat. Der Angeklagte ist etwa 50 Jahre alt und hat eine hervorragend schnelle Carriere gemacht. Er war auch zum Generalstab und zun: Militärkabinett des Kaisers kommandiert. In- folge mißlicher finanzieller Verhältnisse geriet er in die Hände zweier Berliner Krawattennlacher(b. Unruh und v. Krause) und wurde zum Fälscher. Er spielte auch nach Entdeckung der ersten Fälschung noch den Unschuldigen und Ueberraschten. Die Verhandlung geschah unter Ausschluß der Ocffcntlichkcit wegen Gefährdung utilitärdienftlicher Interessen und endete nach vierstündiger Verhandlung mit der Verurteilung des An- geklagten zu zwei Jahren drei Monaten Zuchthaus >md Ausstoßung aus dem Heere. Die Frage nach mildernden Umständen wurde vom Gericht des schwerwiegenden verbrecherischen Verhaltens des Angeklagten und der bezeigten gemeinen Gesinnung wegen verneint. Der Vertreter der Anklage hatte vier Jahre Zucht- haus beantragt.—_ Ein Nachspiel zum Fall Breidenbach. Der Fall Breidenbach hat eine Anzahl Prozesse vor dem Kriegs- gericht zur Folge gehabt. Zuerst wurde der Feldwebel Bischoff zu Herbert Spencer. (Schluß.) Viele werden in dieser Bescheidung die schwache Seite der Spencerschen Philosophie erblicken. Der Schreiber dieses ist nicht der Ansicht. Nicht hier liegt Spencers Kompromiß. In: Gegenteil, durch diese Ablveisung alles dessen, was nur leere Spekulatioi: oder übersinnliche Offenbarung heißen würde, gewinnt sie an Einheit und Kraft. Das Grundprincip der erkennbaren Welt ist für Spencer die Krafl bezw. die Energie, deren Größe er als konstant annimmt und die sich in Stoff und Bewegung äußert. Im Geiste Spinozas ist alles, was wir Naturgesetz nennen,„letzten Endes ein logisches oder Denkgesetz, nach Spencer ist's ein physikalisches oder Bewegungs- gesetz. Und die Grundgesetze der Bewegung sind die Grundgesetze der Entwicklung". Hier stoßen wir zugleich auf die Aehnlichkeit und den Unter- schied zwischen Spencer und Hegel. Auch Hegel ist Entwicklungs- Philosoph, aber bei ihm ist die Entwicklung zuletzt logischer Prozeß und ihr Gesetz das des Gegensatzes. Seine Formeln sind die bekannte Dreiteilimg: Bejahung, Verneinung, Verneinung der Verneinung. Diese letztere bildet eine neue Bejahung auf höherer Grundlage. Die Formel Spencers ist eine zlveiteilige, die Ent- Wicklung ist ein ewiger Rhytmus, wo Zersetzung und neue Zusammen- fassung einander ablösen, und zwar heißt die Zersetzung Auflösung der Bestandteile zu bestimmteren, von einander schärfer unter- fchiedenen Elementen(Differenzierung) und Zusammen- fassung dieser neuen Elemente zu neuen, reicher gestalteten Ein- heiten(Jntegricrung). Stoff und Bewegung spielen hierbei eine gegensätzliche Nolle. Stärkere Bindung oder Absorbierung von Bewegung fällt zusammen mit Diffe- renzierung deS Stoffes, während der Prozeß der Jntegricrung, der neuen Zusammenfassung, von neuer Zerstreuung der Bewegung begleitet ist. In der unorganischen Welt ist dies Gesetz das Grund- gesetz der Dynamik oder der Lehre von den Energien, in der orgauischen Welt das Grundgesetz der LebenSentfaltung und des Fortschritts der Organismen, das sich verwirklickit durch Kampf ums Dasein und Anpassung an die klmgebung. Aller Fortschritt ist „Uebergang von einem zusammenhangloseren in einen mehr zusammenhängenden, von einem unbestimmten zu einem bestimmteren, aber auch von einem mehr gleichartigen zu einem weniger gleichartigen Zustand." (Stein.) Dieses Gesetz der Naturkräftc und der biologischen Organismen überwägt nun Spencer auch auf die socialen Organismen. Und hier stoßen ivir auf den schwachen Punkt in seinem System, der theoretischen Wurzel seiner größten Irrtümer und Fehlgriffe. Sie ist darin zu finden, daß er den Faktor des Bewußtseins, das er doch selbst nicht restlos auf die Formel der physikalischen Energien zurückführen kann, von dem er selbst in den Principien der Psycho- logie erklärt, daß es leichter sei. die Materie aus dem Geist als den drei Monaten Gefängnis vemrteilt, weil er von den Mißhandlungen des berüchtigten Soldatenschinders Kenntnis gehabt, ohne Meldung davon zu machen; dann wurde der Compagniechef des Breidenbach zu vier Wochen Stubenarrest verurteilt, weil er es an der gehörigen Aufficht habe fehlen lassen und gestern hatte sich der Rekruten- offizier der in Frage stehenden 11. Conipagnie des 4. Garde- Infanterie- Regiments, Lieutenant Joachim von Hellermann, vor dem Kriegsgericht der l. Gardc-Jnfanterie-Division wegen Mißhandlung von Untergebenen, U n t e r l a s s uil g von Meldungen strafbarer Handlungen und schließ- lich wegen nicht Vorschrift nräßiger Behandlung vor seinen Richtern zu verantworten. Der militärische Verteidiger des Angeklagten, Major v. Eberhardt, stellte sofort den Antrag, die Ocffeutlichkcit während der BerHandlniig auszuschlicßc». Ihn: schloß sich der Civilverteidiger, Rechtsanwalt Ullrich, an, der erklärte, daß bereits der Fall Grolmann in übertriebener Weise von der Presse ausgebeutet worden sei. Nach kurzer Beratung des Gerichtshofs erklärte der Verhandlungs- führer: Der Gerichtshof hat den Ausschluß der Oeffcntlichkrit ab- gelehnt. Sodann verliest der Vorfitzende die Anklage. Lieutenant v. Hellermann ist danach angeschuldigt, während der Ausbildung der Rekruten in mindestens vier Fällen die Aufsicht über dieselben nicht genügend ausgeübt bezw. Meldungen straf- barer Handlungen unterlassen zu haben. 2. Den durch Selbstmord geendeten Füsilier Hill vorsätzlich mißhandelt zu haben. 3. Den Füsilier Swartzki am 23. April beim Exercieren durch zwei Stöße mit dem Säbel an dem rechten Ellenbogen miß- handelt zu haben; 4. in zwei Fällen Untergebene unvorschrifts- mäßig behnndelt zu haben. Ter Angeklagte erklärt zu den ihm zur Last gelegten Vergehen: Er habe niemals gesehen, daß Breidenbach Rekruten geschlagen habe. Er habe jedoch des öfteren bemerkt, daß Breidenbach dicht an die Leute herangetreten sei. Er, der An- geklagte, habe das Breidenbach gegenüber öfters gerügt und warnend hinzugesetzt, daß, wenn der Vorgesetzte so dicht an die Leute heranträte, er unlvillkürlich, falls er heftigen Temperaments sei, in die Lage komme, die Leute anzufassen. In Sachen Hill er- klärt der Angeklagte, daß er den Füsilier, welcher an jenem Tage unrasiert und mit zerrissener Schuppcnkette zuin Exercieren erschien, wohl hart angefahren und ihn: den Helm v o m K o p f e g e- rissen, jedoch in keiner Weise mißhandelt habe. Zum Falle Swartzki, der sich an: 23. April beim Exerzieren abspielte, meint der Angeklagte, daß, wenn der Vorfall wirklich geschehen, dies keine Mißhandlung gewesen sein könne. Er sei wahrscheinlich mit dem Füsilier beim" Laufschritt zusammengestoßen und der Degen- knauf habe den Ellenbogen des Swartzki getroffen. Bezüglich der zwei Fälle vorschriftswidriger Behandlung von Untergebeilen kann s i ch L i e u t e ii a n t v. Hellermann a n nichts erinnern, er giebt jedoch die Möglichkeil zu. Auf die Frage des Verhandlungsführers, ob ihm nicht die Instruktion be- kannt fei, welche verbietet, Leute anzufassen, erklärt der Angeklagte, daß er in den beiden vorliegenden Fällen vielleicht nicht ganz nach Ueberlegung gehandelt habe. Dem Mitangeklagten Unteroffizier Schmelz wird zur Last gelegt, daß er durch Mißbrauch der Dienstgewalt den Füsilier Swartzki, der vom Lieutenant v. H. geschlagen wurde, zu falscher Aussage verleitet und dazu veranlaßt habe, seine Vorgesetzten zu belügen. Der Angeklagte, welchem Füsilier Swartzki sofort meldete, daß er vom Lieutenant v. Hellermann miß- handelt worden sei, will sich nicht mehr genau darauf erinnern, daß ihm Swartzki gesagt habe, wer ihn geschlagen. Später habe er ge- sprächsweise gehört, daß der Füsilier vom Lieutenant v. H. ge- schlagen worden sei. In der Beweisaufnahme wird als erster Zeuge der Füsilier Swartzki vernommen. Er erklärt, daß er beim Exer- cieren zwei Stöße auf dem rechten Ellenbogen erhalten habe, die ihm Schmerzen verursacht haben; diese Stöße könnten nur von Lieutenant v. H. herrühren, der neben ihm her gleichfalls im Laufschritt marschiert sei. Daß ihn der Lorgesetzte geschlagen, habe er nicht gesehen, aber die Säbelklinge des Lieutenants v. H. habe geklungen. Da ihn der Ellenbogen heftig geschmerzt, habe er später seinem Unteroffizier Schmelz gemeldet, daß ihn Lieutenant v. H. mit dem Säbel geschlagen und er sich krank melden müsse. Schmelz habe ihn daiiil aus der Stube herausrufen lassen un d ihm gesagt:„Du mußt das. wenn Du Dich in der Unteroffizierstube krank meldest,„nicht so sagen", Du kannst sagen. Du seiest mir dem Ellenbogen auf das Gewehr gefallen!" Der Zeuge hat dann in der ihm vom Unteroffizier angedeuteten Weise die Meldung beim Rcvierarzt gemacht. Als Hauptbelastungszeuge wird nun aus der Untersuchungshaft Unteroffizier Breidenbach vorgeführt. Er belastet Herrn v. H. außerordentlich schwer und giebt an, bezüglich des Falles Hill der einzige gewesen zu sein, der gesehen habe, daß der Lieutenant v. H. den Füsilier geschlagen habe. Am Morgen jenes Tages, an dem Hill Selbstmord beging, erercierte die Rekruten-Abteilung des Brciden- bach auf Westend. Lieutenant v. H. sei, nachdem„Stillgcstaildcn" kommandiert, durch die Glieder geschritten, sei vor Hill stehen Geist aus der Materie abzuleiten, in der Gesellschaftslehre bei gewissen Problemen immer wieder als Null einsetzt. Daß für die Gesellschaften, die aus willens- und vernunftbegabten fertigen Individuen zusammengesetzt find, die Bewegungs- Gesetze der Physik und Biologie zwar nicht fortfallen, aber eine wesentliche Veränderung, wir können auch sagen eine zus am meil gesetztere Form erhalten, wird bei Spencer ganz ungenügend berücksichtigt. Hier zahlt auch er die Strafe für die einseitige Betonung der naüir- wissenschaftlichen Bildung. Soweit diese ausreicht, darf man ohne Uebertreibuiig sagen, daß Spencer die höchsten Höhen der Erkenntnis seiner Zeit erklommen hat, und insbesondere in der Wissenschaft der Lebewesen, als Biologe ist er? den Größten seiner Zeit zuzurechnen, reiht er sich seinem großeil Landsmann Darwin ebenbürtig an. Auch als Sociologc hat er auf bestimmten Special- gebieten dieser umfassenden Wissenschast Bedeutendes geleistet. Aber die Ersteigung der höchsten Höhen blieb ihm hier versagt, eben weil hier die naturwissenschaftliche Erklärung nicht ausreicht. Wobei wir übrigens die Frage nicht unterdrücken wollen, ob nicht Spencers Beschränkung auf die naturwissenschaftliche Ableitung schließlich doch mehr in seiner socialpolitischcn Beschränktheit wurzelt, als umgekehrt, d. h. ob nicht die Schlußfolgerungen aus Spencers Gescllschaftslehre zu einem großen Teil mehr gewollte, als in tendenziöser Unter- suchung ermittelte sind. Spencer empfand bllrgerlich-liberal im besseren Sinne dieses Wortes. Ihm erschien die Herstellung der Freiheit, die Verwirklichung der freien menschlichen Persönlichkeit als das höchste Ziel der Mensch- heit, die Bekämpfung lind schrittweise durchgeführte Beseitigung allen Zwanges als das Mittel zur Erreichung dieses Zieles. Wie der Menschheitstypus sich im Verlauf der fortschreitenden Entwicklung immer mehr vom kriegerischen zum gewerbsthätigen umbilde, so bestehe der Fortschritt auf politischem Gebiet in der Bewegung vom Zwangs st aat zur Regelung aller menschlichen Beziehungen durch den freien Vertrag, An dem Grade, wie dies geschehen, sei der Fortschritt der Kultur zu bemessen. Im Gegensatz zu Hegel, der die freie Persönlichkeit r m Staats und durch den Staat verwirklichen wollte, wollte Spencer sie im Kampfe gegen den Staat verwirklichen. In alledem steckt viel Schönes und Richtiges, und man kann nicht umhin, die Gesinnungstreue zu bewundern, mit der Spencer nicht nur alle Auszeichnungen, die ihm von Staatsbehörden angetragen� wurden, sondern alle Ehrungen, die von akademischen und sonstigen gelehrten Körperschaften ausgingen, beharrlich zurückwies. Er hat hierin eine große Konsequenz bewiesen, und er hat diese principielle Stellungnahme nicht, wie manche andre nichtakademische Gelehrte, durch gehässiges Schimpfen auf die Akademien entwürdigt. Aber er sah nicht, oder er erkannte nicht, daß in der menschlichen Gesellschaft Kräfte wirken, die für eine solche begrifflich abgeleitete Entwicklung eine ununterbrochene EntwicklungSreihe, licht zulassen, daß man die Wirkungen der kapitalistischen Konzentratioi?, die Mißbrauche, welche die wirtschaftliche Uebermacht einzelner ermöglicht geblieben und habe de« Mann, dessen Schuppenkette n am Helm zerrissen waren, mit der Faust gegen das Kinn geschlagen. Da alle stillegestanden. habe er nur allein die Mißhandlung wahrnehmen können. Er v e r s i ch c r t f e r ll e r unter seinen, Eide, daß Herr v. H. in mehr als vier Fälle» um feine, des Breidenbach, Mißhandlungen gewußt habe. Auf lviedcrholte eindringliche Fragen des Verhandlungs- führers und trotz energischen Protestes des Angeklagten bleibt Breidenbach bei seiner Behauptung und giebt an, daß Lieutenant v. H. genau von den Mißhandlungen unter- richtet gewesen sei. Der Angeklagte habe ihn ja darüber be- fragt und darauf aufnierksam gemacht, daß er, Breidenbach, geschlagen habe. Lieutenant v. H. habe zu ihm gesagt:„Ich weiß, daß Sie heftig sind, sehen Sie sich vor, es wird streng bestraft." Die nachfolgenden Zeugen werden dann wegen der zwei Fälle unvorschristsmäßiger Behandlung Untergebener vernommen. Sergeant Kleinbrod hat den Eindruck gewonnen, daß Lieutenant v. H. in einem Falle, der den Füsilier Frcderich betrifft, unvorschriftsmäßig gehandelt habe. Sodann vernommene Zeugen wissen zur Sache nichts Wesentliches zu berichten und es wird dann allseitig von einer weiteren Zeugen- Vernehmung Abstand genommen. Der Vertreter der Anklage, Kriegsgerichtsrat Dr. Ullmann führte aus, wie es gekommen, daß gegen Lieutenant v. H. die Anklage erhoben worden sei. Die vorliegenden Vergehen seien ja nicht allzu schwer, aber dennoch als Konsequenzen des Falles Breidenbach symptomatisch. Die Aussage des Breide«- bach halte er für� durchaus glaubwürdig. Möge B. ein noch so brutaler Soldatensch in der gewesen sein, so halte er ihn doch einer solchen Unehre nicht- fähig, seinen Vor- gesetzten hineinzulegen. Der Lieutenant v. Hellermann könne nicht sür die Soldatenschinderei des Breidenbach ver- antwortlich gemacht werden, aber es seien als erwiesen anzusehen: zwei Fälle von Mißhandlung, zwei Fälle vorschrifts- widriger Behandlung und vier Fälle vorsätzlichen Unterlassens von Meldungen Untergebener. Er beantrage als Gesamtstrafe gegen Lieutenant v. H. sechs Woche» Stubenarrest, gegen Unterosfizier Schmelz vierzehn Tage Mittelarrest. DaS Urteil. Lieutenant v. Hcllcrmann wird mit drei Wochen Stubenarrest, Unteroffizier Schmelz mit d r e i T a g c n M i t t e l a r r e st bestraft. Der Gerichtshof fei, so führte der Verhandlungsfllhrer aus, zu der Erkenntnis gelangt, daß es keinem Zweifel unterliegen könne, daß sich Lieutenant v. H. in den beiden Fällen vorschriftswidriger Behand- lung eines Vergehens schuldig gemacht habe. Das Gericht habe sich aber nicht dazu entschließen können, die Fälle Hill und Swartzki als Mßhandlungen anzusehen, vielmehr läge nur vor- schristswidrige Behandlung vor. Der Gerichtshof sei der Ansicht, daß nicht jedes Stoßen und Schlagen als eine Mißhandlung a i, z u s e h e n sei. Das Kriegsgericht hat angenommen, daß Lieutenant v. H. gewußt, daß Breidenbach in mindestens vier Fällen geschlagen habe. Daß der Augeklagte den Breidenbach in seiner Gutmütigkeit nur crnlahnt habe, anstatt ihn zu melden, darin erblicke der Gerichtshof ein Vergehen, wenngleich der Gerichtshof anerkennt, daß der An- geklagte einen großen Teil seiner Verfehlungen nur seiner Gut- niütigkeit zuzuschreiben habe._ Ter geisteskranke Soldat. Wegen Gchorsanlsvcrwcigermig, Achtuugsverlctzung und Simulation verurteilte das Breslauer Kriegs- gericht den Musketier Kleiber zu sieben Monaten G e- f ä n g n i s. Jilzwischen stellte sich jedoch heraus, daß K. zweifellos in geisteskrankem Zustande seine Thatcn begangen hat. Das Obcrkricgsgericht sprach ihn am Dienstag frei. Ter arme Schlucker kann froh seln, daß es im Militärgerichtsverfahren eine Berufung giebt.— Husland. Aus Ostasicn liegen heute folgende Meldungen vor: In der Thronrede, mit der der Kaiser von Japan mir Donnerstag- mittag das Parlament eröffnete, sagte er über die gegenwärtige politische Lage nur folgendes: Meine Minister führen zur Zeit mit Klugheit und Um s i«cht wichtige i n t c r- u a t i o i, a l c Verhandlungen zur Wahrung des Friedens in O st a s i c n s o!v i e der Rechte und I n t c r c s s e ii Japans.— Die in Europa umlaufenden Gerüchte, daß die Antwort Ruß- lands an Japan schon abgesandt sei, werden in Tokio als b e r- f r ii h t bezeichnet. Man glaubt, daß die Antwort keine endgültige, aber insofern entgegenkommend sein werde, als sie die Wiederauf- nähme von Verhandlungen über untergeordnete Einzelheiten zu- lassen werde. Man nimmt ferner an, daß, wenn die japanischen Mindestforderungen nicht ihrem wesentlichen Inhalt nach bewilligt werden, daS Kabinett jede Aenderung ablehnen werde.— Ein starkes russisches Geschwader von acht Schiffen, darunter zwei Schlachtschiffe, befindet sich bei Tschcmulpo, wie vermutet wird, und auch zur Folge hat, nicht durch individualistische Mittel beseitigen kann. Er sah nicht, daß, wie em moderner Moralphilosoph sich ausdrückt, es auch auf dem Gebiet der menschlichen Beziehungen so etwas wie ein Gesetz des sich gleich- bleibenden Verhältnisses der Gesamtmasse giebt, d. h. daß man nur Freiheit geben kann, indem man Freiheit nimmt, nämlich die Freiheit zu unterdrücken aufhebt oder einschränkt, daß die Freiheit überhaupt, die Ivirtschaftliche sowohl wie die politische, nur etwas Relatives ist. Und weil er dies nicht sah, blieb er als Socialphilosoph hinter seiner Zeit zurück, verlor er immer mehr das Verständnis zur moderiien Arbeiterbewegung, konnte er das Wesen des modernen Socialismus nicht erfassen. Seine Philippiken gegen den Socialis- mus sind stumpfe Jcremiaden. Sie verurteilen ihn, weil er anscheinend unterdrückt; sie wissen nichts von der Befreiungsarbeit, die er zu gleicher Zeit verrichtet. Selbst in seinen Zornausbrüchcn über den Boerenkrieg offenbart sich ein Mangel an Verständnis für die Umwälzungen ii, den Beziehungen der Nationen, wie sie die Entwicklung deS modernen Wirtschaftslebens mit sich gebracht haben, es ist sentimentale Verdammung, aber nicht ans den Grund gehende Kritik des modernen Imperialismus. Spencer nannte seine Philosophie synthetisch, loeil sie die Zu- sammenfassiuig(Synthcsie) aller Resultate wissenschaftlicher Forschung sein sollte. Da aber seine Forschung lückenhaft und seine Methode nicht fehlerfrei war, tonnte auch seine Philosophie als Ganzes be- trachtet nicht das leisten, lvas sie versprochen hatte. DaS Größte hat Spencer unzweifelhaft als Naturphilosoph geleistet, und reich an Schätzen sind seine Arbeiten auf dem Gebiete der Psychologie, der Religions- und Moralphilosophie. Auch als Geschichtsphilosoph hat er große Verdienste. Riesenwerke menschlichen Fleißes sind seine Arbeiten, bewunderswert die Sichtung und Meisterung des un- geheueren Stoffs, den er zusaniinengetragen. Um so mehr ist es zu bedauern, daß er die größte und großartigste Bewegung unsrer Zeit so sehr verkaiillte. Schreiber dieses hat ihn einmal mit Hebbels Tischlermeister Anton verglichen, und in der That klingt aus seinen letzten Schriften das heisere Älagewort des armen allen Kleinbürg; heraus:„Ich verstehe die Welt nicht mehr." Aber die Welt versteht ihn, und namentlich die junge, die neue Welt weiß ihn zu würdigen. Sie wird das Lebensfähige ans seiner Philosophie pflegen und weiter entwickeln, ihn ergänzen, wo er nicht sah, ihn berichtigen, wo er Falsches sah. Unsres Wissens, sagten wir oben, hinterläßt Spencer keinen Schüler, der ganz in den Spuren deS Meisters wandelt. Aber wir wissen, daß er viele Schüler hinterläßt, die im Lager des Socialisinus kämpfen. Zu ihnen gehört insbesondere die Lieblings- schülcrin Spencers, Mrs. Beatrice Webb- Potter. die begabte Darstellerin der modernen englischen Genossenschafts- und Ge- werkschaftsbeiveguiig, die eifrige Vorkämpferin für viele der von Spencer verworfenen Arbeiterschutzgesctze, für den Munieipal- socialismus und die Staatseinmischung/ bor denen der Meister nicht oft genug hatte warnen können. Ed. E, tnrt dem russischerserts erhobenen W ij.d e r s p r u ch gegen die geplante Ocffnung Po» Aongampho größeren Nachdruck zu verleihen. Es verlautet, die Russen hätten gedroht, 3000 Mann zu landen, die nach Sönl marschieren sollen, ivcnn Korea ihre Warnungen mißachten sollte. Die„Times" meldet dazu nach aus Tokio: Nachdem die russischen Kreuzer und die beiden Schlachtschiffe vor Tschemulpo ein- getroffen waren, begab sich der russische Gesandte in Söul, Pawlow, beglcirct von dem russischen Admiral. zu einer Audienz beim Kaiser. Man glaubt, daß Pawlow in der Audienz von neuem Protest ein- gelegt hat gegen die geplante Ocffnung von Uongampho. Ferner wird dem Blatt aus Schanghai telegraphiert, das führende chinesische Blatt�behauvte, daß man die Absicht habe, in kurzer Zeit den Hof nach Singanfu zu verlegen und daß bald ein Edikr erlassen werde, durch welches die Vicekönige und Gouverneure von diesem Vorhaben in Kenntnis gesetzt iverden sollen. Gerüchte hierüber sind bereits seit dem Oktober beständig in Umlauf.—' Afrika. Ein„Mohdi" niisgctniipft. Im Sudan war ein neuer M a h d i aufgetaucht. Derselbe war 40 Jahre alt und hatte zweimal Pilger- fahrten nach Mekka gemacht. Er war ein intelligenter Mann und hatte eine große Zahl von Anhängern um sich ge- sammelt. Die Engländer, die hiervon Kenntnis erhielten, sandten sofort von Chartum aus Kavallerie und Jnfanrerie, die den Mahdi überraschten, gefangen nahmen und sofort aufknüpften. Die meisten seiner Anhänger wurde» in die Gefangenschaft abgeführt. Man hätte den gefangenen Mahdi auch einfach nach Cehlon oder irgend einer andren britischen Kolonie deportieren können. Aber das hätte Geld und Umstände gekostet, deshalb knüpfte man ihn auf. Auf eine koloniale Schurkerei mehr kommt es ja für eine weltpolitische Macht nicht an.— parlamentanrcbes. Die socialdemokratische Fraktion weist nach einer Berechnung der Altcrsjahrc ihrer Miiglieder gegen früher einen bedeutenden Unterschied auf. Sic besitzt jetzt trotz ihrer größeren Mitgliederzahl verhältnismäßig nicht mehr so viel jüngere Mitglieder, als beispielsweise in den Legislaturperioden der achtziger Jahre. Gegenwärtig zählt die Fraktion 80 Mitglieder, da durch das Ableben Franz HofmannS ein Sitz frei geworden ist. Diese 80 Ab- geordneten haben ein Gesamtalter von 387ö Jahre»; der Durchschnitt pro Kopf beträgt also rund 48'/« Jahre. Der Zufall fügt es, daß 40 über dem Durchschnitt, 40 unter ihm stehen. Das älteste Mitglied ist M o t t e l e r mit 66 Jahren, das jüngste Rosenow nnt 32 Jahren. Im Durchschnitt präsentieren also diese beiden, das älteste und jüngste Mitglied, den Durchschnitt von 48Vg Jahren. Trotz der Verschiebung der Altersrepräsentation gegen früher birgt die socialdemokratische Fraktion immer noch gegenüber den andren Fraktionen den durch die Zahl der Altersjahre verbürgten lebenS- kräftigsten Nachwuchs, während sie andrerseits auch die größte Zahl der langjährigsten Mitglieder des gesamten Reichstags besitzt. Un- nötig, zu sagen, daß die Arbeitsfähigkeit der Fraktion der durch die bezifferten Lebensjahre repräsentierten Lebenskraft vollkommen ent- spricht: ihre Lebendigkeit hat sie nicht nur im Kampfe gegen den Zolltarif, sondern jederzeit zum Unbehagen der Gegner bekräftigt.— Die eine der socialdcmokratischcn Interpellationen, die schon an- gekündigt wurden, ist dem Reichstage zugegangen und hat diesen Wortlaut: „Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu thun, unt die unter den Bergleuten Deutschlands stark grassierende und bereits in das Heer eingedrungene Wurmkrankheit wirksamer zu bekämpfen?" Anträge im Reichstage. Neben andren Anträgen, die von den Nationalliberalen und Konservativen insbesondere zum sogenannten Mittelslandsschutz eingebracht wurden, ist als charakteristisch der frei- konservative Vorstoß in der Richtung des Arbeitswilligen-Zuchthaus- gesetzes zu verzeichnen: v. Dirksen, v. Arnim ze. beantragen;„Der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Regierungen um baldige Vorlegung eines Gesetzentwurfs zu ersuchen, durch den im Interesse der Aufrechterhaltung der Rechtsordnung bei gewerblichen Lohn- und Arbeitskämpsen die Arbeitswilligen wirksamer wie bis- her gegen Bedrohungen, Gewaltthätigkeiten und Zwang geschlitzt werden!" Aus der Denkschrift über die Kolonien, die dem Reichstage zu- geht, veröffentlicht die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" die den Einzelberichten vorausgeschickte Gesamtiibersicht. Es wird darin vom „im allgemeinen unverkennbaren Fortschritte" für das Berichtsjahr 1902/03 gesprochen.»das Tempo �dieser Fortschritten sei jedoch„im .ganzen ein langsameres, als es wünschenswerc und erreichbar er- scheint". Es wird dann wiederum zur Beschleunigung des angeblichen Fortschrittes die Forderung nach größeren Kapitalaufwendungen für Eisenbahnbauten gestellt.—_ Hus InduPtrie und HandcK Die Jntercsscngcmeinschlift zwischen der Dresdner Bank und dem Echaaffhausenschcn Bankverein. In Dresden und in Köln fanden heute Generalversammlungen der obengenannten beiden Institute statt, in denen die Aktionäre Beschluß über die von den Ver- ivaltungen getroffenen Vereinbarungen zu fassen halten. Beide Ver- sammlungcn erklärten sich mit der Interessengemeinschaft ein- verstanden: die Dresdener genehmigten sogar die Tagesordnung ohne jegliche Debatte. Aus der Darlegung der Verwaltungen über die Form der Interessengemeinschaft, die wenig Neues boten, haben nur die folgenden Ausführungen des von der Dresdener Bank ihren Aktionären vorgelegten Conimuniquüs allgemeineres Interesse: „Die Vereinbarung soll vom 1. Januar 1904 auf die Dauer von 30 Jahren gelten und eine Interessengemeinschaft dergestalt herbei- führen, daß jede der beiden Gesellschaften nach außen hin ihre volle Selbständigkeit bewahrt. Die Zusammenlegung der Jahresreingewinne soll mit der Maß- gäbe erfolgen, daß zunächst jede Gesellschaft eine Gewinn- nnd Verlustrechnung ohne Berücksichtigung des Gemeinschaftsverhältniffcs aufmacht, als ob dasselbe nicht existierte. Bon dem Brutto- gewinne sind nach Abzug sämtlicher Unkosten und nach Vor- nähme derjenigen Abschreibungen und Rücklagen, welche nach den gesetzlichen und statutarischen Bestimniungen für notwendig zu er- awtcn sind, die unter obiger Voraussetzung rechnungsmäßig fest- gestellten Tantiemen der Vorstandsmitglieder, Filialdirektoren und Beamten, die in gleicher Weise rechnungsmäßig ermittelte Tantieme des AufsichtSratcS, die den Beamten �zuzubilligenden Gratifikationen und angemessene Abschreibungen von den Bankgebäuden abzusetzen. Die danach verbleibenden Reingewinne des Jahres gehen in die gemeinschaftliche Riasse und werden unter die beiden Gesellschaften verteilt. Jede Gesellschaft stellt, nachdem ihr Reingewinnanteil auS der Teilungsmasse festgestellt ist. ihre endgültige Bilanz und Gewinn- und Verlustrechimng selbständig auf. ohne bezüglich der Verwendung ihres Rcingewinnanteils von den Organen der andren Gesellschaft irgendwie abhängig zu sein. Der Betrag, den nach obiger Rechnung die eine Geselllchafc an die andre etwa yerauszuzahlen hat, ist als Verlust beziehungsweise Gewinn in die Gewinn- und Verlustrechnungcn einzustellen, vermindert also den Reingewinn der herauszahlcnden und erhöht den Reingewinn der empfangenden Gesellschaft. Der Berechnung der effektiven Tantiemen des Aufsichts- rates und der Vorstandsmitglieder sind daher nicht die Zahlen der provisorischen Gewinn- und Verlustrechnung, sondern die endgültigen Reingewinne zu Grunde zu legen. Die Zusammenlegung erstreckt sich nur auf die JahrxSgewinnc, nicht auf Bilanzvcrlnste. Sollte in einem Jahre' bei einer .Gesellschaft ein Verlust eintreten, so hätte die verlierende Gesellschaft den Verlust, so weit er nicht durch ihren Auteil an dem Gewinne der andren ausgeglichen wäre, aus ihren Reservefonds beziehungs- weise dergestalt zu decken, daß der Jahrcsgewinn des folgenden Jahres durch einen verbleibenden Verlustsaldo nicht geschmälert wird. Se�verKIcKaftlicKes. Erimmitschau. Die sächsische Polizei hat in Crimmitschau bei ihrem Kampf für das Unternehmertum das Geschick des Bären gezeigt, der seinem Herrn mit einem Stein die Fliegen scheuchen wollte und ihm dabei den Schädel zerschmetterte. Der Schlag, den die Polizei durch ihr ungeheuerliches Verbot des öffentlichen Lebens in Crimmitschau gegen die A u s g e s p e r r t e n zu führen gedachte, hat die terroristischen Unternehmer getroffen. Die letzten Vorgänge in Crimmitschau haben die deutsche Arbeiterschaft zu einer Opferwilligkeit begeistert, wie sie in der Gv- schichte derselben bisher Ivohl einzig dasteht. Mit einem Schlage ist die Summe der Opferspeghen für die mit kühler Gelassenheit kämpfenden Brüder in Crimmitschau zu einer schlvindelnden Höhe angestiegen. Das„Hamburger Echo" und die„Leipziger Volkszeiffing" können mit Stolz darauf hinweisen, daß die bei ihnen eingegangenen Summen je das zwanzigste Tausend überschritten haben. In dem- selben Verhältnis gehen die Summen anderwärts ein; ja seit der völligen Unterdnickung der Versammlungsfreiheit in Crimmitschau kann die Berliner Gewcrkschastskommission im„Vorwärts" täglich über 5000 Mark und mehr quittieren, welche die Berliner Arbeiter- schaft aufbringt. Diese Summen werden sich in den nächsten Tagen noch er- höhen! Wie wir mitteilen können, hat die Berliner Socialdemokratie sich dem Vorgehen des Parteivorstandcs angefchlofsen und ihre Organisation in den Dienst der Ausgesperrten gestellt. Der sechste Rcichstags-Wahlkreis hat aus seinen Mitteln 3000 Mark für die Crimmitschaucr bereit gestellt und die übrigen Berliner Wahlkreise werden bestimmt seincin Beispiel folgen. Zu gleicher Zeit ivird der OrganisationS-Apparat der Berliner Partei, der in diesem Jahre bei drei Wahlen so vorzüglich funktioniert hat. in Bewegung gesetzt werden, um ganz Berlin mit Sammellisten zu überschwemmen. Die herausgegebenen Listen werden gleichzeitig den Stempel der Berliner Gewerkschastskommission und den der Partei tragen. Solch ein Zusammengehen von Partei und Gewerkschaften lassen wir uns gefallen! Die sächsischen Behörden haben durch ihr bärenhaftes Zutappen der Socialdeniokratie wieder einmal Gelegenheit gegeben zu zeigen, daß sie thatsächlich die einzige Partei ist. die sich ihatkräftig der Arbeiterschaft annimmt I Die Lage der Ausgesperrten kann jetzt als gut bezeichnet werden. Um Unterstützung sind sie nicht verlegen und neue Vor- stoße der Behörden fürchten sie nicht: selbst nicht das Schlimmste, die Aufhebung des Streikbureaus. Es wäre sofort, eventuell außerhalb Sachsens, ein neues Bureau zusammen und einer Jnhibierung der Streikunterstützung würde man dadurch begegnen, daß man den Ausgesperrten durch Straßen- und Bezirkskassierer die Uuterstützung ins Haus trägt, ebenso wie man sie durch Besuche im Hause er- mutigt, wenn sie einer solchen Ermutigung überhaupt bedürfen. Die größte Ermutigung für sie ist aber die Thatsache, daß sie wissen: die Arbeiterschaft ganz Deutschlands, sowohl die politisch wie auch die gewerkschaftlich organisierte, steht hinter ihnen! Jawohl! Sie steht hinter Euch. Ihr wackeren Frauen und Männer! Sie steht hinter Euch und wird Euch vor aller Not schützen! Sie wird und muß auch dafür Sorge tragen, daß Ihr am 1. Januar Euren Hauszins zahlen könnt und so auf ein weiteres Vierteljahr für Euer Obdach gesorgt ist! Und sie wird Euren Kindern ein Weihnachten bereiten, wie es die Weberkinder in Crimmitschau bisher nicht erlebt haben und von dem sie noch in späten Jahren erzählen werden! Die Arbeiterschaft Deutschlands ist entschlossen, ihre Brüder in Crimmitschau über Wasser zu halten, nnd wenn dir Fabriken dortselbst eine zweite Saison stillstehen müssen! »erlin und Umgegend. Polizeiliche Liebesdienste für die Unternehmer. Schon wieder sind drei Arbeiter, welche in unauffälliger und nichts weniger als störender Weise den Arbeitsnachweis der Holz- industriellen in der Alexanderstraße bevlxzchtctc». sisticrt und längere Zeit der Freiheit beraubt worden. Es ivar am Mittwochabend zwischen fünf und sechs Uhr, als drei Mitglieder des Holzarbeiter- Verbandes aus ihrem dem Arbeitsnachweise gegenüber liegenden Verkchrlokal auf die Straße traten und, jeder für sich, auf- und ab- gingen. Ein Verkehrshindernis können sie ebensowenig gewesen sein, wie die ischutzleute mit und ohne Uniform, die um dieselbe Zeit an derselben Stelle hin- und hcrpatrouillicrcn. Trotzdem wurden die drei Arbeiter kurz nacheinander von Schutzleuten angehalten und vach der Wache in der Kaiscrftraße gebracht. Derartige Sistierungen erfolgen bekanntlich deshalb, daß auf dem Polizeibureau die Personalien der vermeintlichen Uebelthätcr festgestellt tvcrden. In diesem Fall aber wurde keiner der drei Arbeiter nach der Feststellung seiner Persönlichkeit entlassen, sondern der Polizeilieutenant ordnete an, daß sie bis V,7 Uhr, das heißt bis nach Schließung des Arbeits- Nachweises, auf der Wache zu bleiben hätten, und daß einer von ihnen, iveil er schon öfter sein gutes Recht, in der Alexanderstraße auf- und abzugehen, ausgeübt hatte und deshalv fistiert worden ist, eingeliefert, das heißt, dem Polizeipräsidium überwiesen werde. Die Anordnung des Polizeilieutenants ist denn auch ausgeführt worden. Einer der Sistierten wurde von 5 bis 7, der andre von V.6 bis V,7 Uhr auf der Polizeiwache festgehalten, und der dritte ist im Polizeipräsidium eingesperrt worden, von wo cr erst am Donnerstagmittag entlassen wurde. Warum mußten die beiden Arbeiter gerade bis nach Schluß des Arbeitsnachweises auf der Wache bleiben? Das polizeiliche Einschreiten gegen die Arbeiter stützt sich auf der Annahme, daß sie durch Hin- und Hergehen in der Alexanderstraße den Verkehr gehindert haben. In Wirklichkeit sind sie sisticrt und auf der Wache festgehalten worden, um sie von ihrem Bcobachtungs- Posten, einer durchaus nicht verbotenen Thätigkeit, fernzuhalten. Das zeigt dieser Fall so deutlich, daß es keines weiteren Beweises bedarf. Warum aber mußte der dritte Arbeiter eine Nacht und einen halben Tag in den ungastlichen Räumen des Polizeigelvahrsams zubringen? Unmöglich doch bloß deswegen, um ihm einen Denkzettel dafür zu erteilen, daß cr sich sein gutes Recht, den Arbeitsnachweis zu be- obachteu, nicht durch den ersten besten Schutzmann nehmen ließ. In zahlreicheil Fällen ist ein derartiges Vorgehen der Polizei gegen Streikposten durch gerichtliche Urteile als unzulässig erklärt worden. Das hindert gewisse Beamte aber nicht, immer und immer wieder das gleiche unzulässige und ungesetzliche Verfahren gegen jtreikpostcnstehende Arbeiter auszuüben. Die Polizei scheint den Schutz der Unterilehmerintcressen für eine ihrer vornehmsteu Aufgaben zu halten. DentWies Reich. Differenzen bei der Firma Zeiß in Jena. Ter von gutmütigen Optimisten und andren guten Leuten, die die Verhältnisse iiickü kennen, so weit verbreitete Glaube, daß bei der Firma Zeiß in Jena der„sociale Friede" endgültig hergestellt sei. erleidet wieder einmal einen bösen Stoß. In letzter Zeit hat diese Firma zunächst durch Entlassung von Arbeitern, dann durch eine höchst eingreifende Accord- rcgulicrimg und durch die Nichtauszahlung der in früheren Jahren stets bewilligten Dividende an die Arveiter die Gemüter ihrer An- gestellten auf da» lebhafteste in Erregung gebracht. Am letzten Dienstag beschäftigte sich nun eine kombinierte Versam«'« kaing der beiden Jenaer Verwaltungsstellen ie# Metallarbeiter-Verbandes mit den erwähnten Vor» gängen; in dieser Versammlung kam der energische Unwille, im bc- sonderen über die neue Accordrcgulierung, zum Ausdruck, der noch stieg, als mitgeteilt wurde, daß nicht nur in diesem Jahre, sondern auch noch im nächsten Jahre eine Dividende nicht gezahlt werden würde. Die zahlreich besuchte Versammlung erklärte einmütig, gegen jeden weiteren Abzug energisch Front machen zu wollen. Es wurde nach dem„Jenaer Volksblatt" erklärt, daß die Arbeiterschaft selbst die Hand bieten wolle zur Beseitigung etwaiger vorhandener Aus« wüchse des Accordsyftcms, wie sie auch die sonstigen Vorzüge der Kart Zeitz- Betriebe gegenüber andren kapitalistischen Unternehmungen voll würdige, aber der Fortfall der Gewinnbeteiligung in diesem und dem nächsten Jahre spiele bei den jetzigen Löhnen eine so große Rolle. heiß man sich gegen eine weitere Verringerung entschieden wehren müsse.— Sehr interessant ist auch, daß die Organisation in den letzten Wochen etwa 130 neue Mitglieder gcwgnnen hat. Zur Töpferciusspcrrung. In Bayreuth wurde der Versuch gemacht, durch das Gewerbegericht eine Einigung mit dem Fabri- kanten Seiler, der dort allein in Betracht kommt, herbeizuführen, der Vorschlag wurde aber von dem Unternehmer brüsk zurückgewiesen. Eine stark besuchte Volksversanmilung protestierte gegen das brutale Vorgehen einer Handvoll Unternehmer und verpflichtete sich, die Aus« gesperrten moralisch und finanziell zu unterstützen. Der Fall hat ein besonderes Interesse dadurch, daß aus dem Seilerschen Betrieb Tausende von Arbeitergroschen ruhen, die Herr Seiler bei der Ver« siiherimgsanstalt hypothekarisch aufgenommen hat. Für die streikenden und ausgesperrten Weber in Crimmitschau gingen bei der Berliner Gewerkschastskommission solgcndc Beiwäge ein: Rammer Berlins u. Umgegend 800,—. Telephonwcrk Lorenz, Elisabeth» Ufer 30,10. Buchdruckerci Hmisenstein u. Vogler öö,4S. Gesellcnoerem „Voran" 10,—. Tischlerei Wentels Nchflg., 3. Rate 14,93. Einige Arbeiter der Anilinsabrik Treptow 16,—. Maurer- Zweigv crcin Kortschlag 23,—. Spcdilivnsarb. b. Bartz u. Ko., Kaiscrstr., Klostcrstr., Schlcs. Bahnhos 30,—. Maurer u. Baiiarb. Bau Alte Jakobswaßc 11,23. Körnig u. Ausrecht, Stock» säbrik 3,—..�ulcndcrvcrbrcitung in Nitzncnendorf 3,63. Medizinisches Warenhaus 36,80. Buchdruckerci W. Grewc, Masch.-Pers., Buchbind. 23,—. GaSmefserfabrit 11,50. Stammgäste von GicnkeS Bierhaus 12,63. Beamte der Lrtskassc der Maschinenbauer 9,30. Mitglieder der Meiallarbciter- Krankenkasse Berlins 4,20. Arbeiter- Schwimmerbund 30,—. Möbelfabrik Böhnisch u. Co. 7,50. Tischlerei Schubert 7,—. Tischlerei Olm 28,40. Tischlerei Kühn, Gräfestraßc, Hasen» beide t0,20. Tischlerei H. Ottc, Pallisadenstr. 4,80. Klcmpnerabteiluna Lautcnschlägcr, Oranienstr. 10,80. Tischlerei Prechtel, Boeckhstr. 12,70. Erich Otto 9,93. Tischlerei Ouehl t2,20. Retsebazar Präger 10,45..wistenmacher Heng 3,00. Abendtisch am 5. 12. 6,30. Tischlerei Schimmitz 8,—. Arbeiter der Stuhlsabrik Eh. Heims u. Sohn 30,—. Tischlerei Lange, Koppcnsw. 4,30. Tischlerei Heinrich, Äergmannstr. l0.—. A. Bauer 3,20. Graphische Gesellschaft durch Martin 29,—. Tischlerei von Barkel, Wasserthorfwasie 3,75. Personal der Firma O§w. Dictze 5,—. Buchdruckerci Frankel u. Swoh 17,40. C. D., Pnrkettbodcnlcger 3,—.' Gastwirtsgehilsen 3,—. Arbeiter der Geld« schrantfnbrik S. I. Arnhcim 63,—. Arb. u. Arbeiterinnen v. Salomon, Ober-Schöncweide 21,43. Kollegen der Äronleuchtcrfabrik Niemann u. Co. 30,20. Metallarbeiter d. Firma Krüger, Muskaucrftraßc 11,70. Zitherklub ,:EdcIwcis!". Zoriidorsersträhe 15,—. Stcmpelsabrik C. W. 3,33. Piano» fubrik Jaschesski, 2. Rate 13,33. Bautischlcrci Karl Schubert 10,—. Tischlerei Ehrhard 3,—. Tischlerei Heller u. Frantz 7,—. Prägcrci Karl Hcllricgcl, A.-G. 16,50. Georg Grund 38,30. Stückmerkstätte Z. D. u. L. 1 1,30. Maschinenfabrik Schurach u. Schütte 12,30. Bautischlerei Knoll u. Bittuer 13,15. Aug. Engel, Huttenstraße 24,65. Pianosabrik Görs u. Kallmann. Gnciscnaustrasic 22,—. Lottericklub und 13 Stammgäste m. Wirt aus Karlsgarten>2,30. Sicinens u. Halskc, csaal Bcinert und Schmicdcr 33,33. Geburtstagsfeier b. Palluth 3,20. Tischlerei P. Werner, Swalsunderstraßc, 2. Rate 7,—. Tischlerei Bartz, Graunstraßc 1,30. Älaviatursabrik Buchbolz. Ärcuzbergstraße 19,10. Bronzewarenfabrik Drcßlcr u. Leuthold 5,20. ÄEbeiter-Radsahrcrv crcin Berlin 30,—. Silberwarenfabrik H. Meyer u. Co. 44,—. Tischler Wagner, Admiralstraße 3,30. Liste 1293 9,35. Interessen- verein der Kistenmachcr 100,—. Vergnügen Lage I A. E.-G., Ackerstraße 4,—. Vcrbandskollcgen des Verbands der F. L. und H., Arbeiter A. E.-G. 80,—. Tapezierer der Firma Dupkc, Wilmersdors 3,—. Buchdruckerci Zietelmann 4,—. 13. u. 23. Bezirk Haiidelshilssarbeiter 3,70. Fraiscrci Wagner u. Dünnelcit, 2. Rate 7,—. Schlosserei Schisfner u.Eo. 3,70. Znioiidzin 24,23. Hein u. Lehmann, Abt. III 22,63. Tapezierer u. Tischler voti Schiinmich 8,—. Eisengießerei Grauerl, Stralau 20,30. G. Schwabe- dahl 22,90. Rauchwarcnzurichter von Anton Tbiedtg 6,50. A. E.-G., Abt. Schneider 22,—. Org. Hutmacher Berlins von Ed. Streich. 4. Rate 100,—. Hans WiSdalski, Oranienftraßc 1,30. Otto Donner, Schleswiger User 9,40. Pulver sür Crimmitschau, O. B. B. C. P. 2,23. Rabitzpudcr u. Träger, Bau Warschauerstraße 3,20. Dr. Bertram, Arzt, Ramlerstraße 10,—. Arbeiter 0. Chltax 28,80. Zahlstelle jitöpenttbd. Bcrb. d. Fabr., Land- u. Hilfsarb. 38,70. Tffchler d. Firma Perrin Nflg.. Spandau 15,10. Holzarbeiterverb. Zahlst. Spandau 30,—. Zehlendorfer Gewerkschastskommission u. Zimmerleute 33,—. Klassenbewußte Arb. u. Arbeiterinnen Firma M. Schlesinger 32,62. Tischlerei Kabelwerk Obcrsprcc, 2. Rate 23,90. Weich S. W. 10,—. Ge» sammelt am Dombau Berlin 14,03. A. R. SW. 48 20,05. Talentwindel Ravenstein 4,05. Glasarbeiter Hohenbacka d. Koßlick 20,—. Gesammelt im Lokal v. Selke 8,73. Gdammelt im Lokal o. Körner 7,23. Cigarrcnsabrik G. Kaphun einschl. d. Sortierer 4,55. Karl u. Heinrich 2,—. Waldmann, Nexnndrincnstr., 3,—. Kurt, Diewich, Werner aus Schäncbcrg3,—. EinSchüler 2,—. Möbeltischlerei Gebr. König, Demminerfw., 7,30. Oranienburger Töpfer 30,—. Karl Schulze, Hauptstraße 30,—. Klavierarbeiter der Firma Bochow ü. Zimmermann 41,40. Von einer sympathischen Person 4,20. Fraiserei Pristav u. Bieger 10,30. Gesangverein„Vorwärts IV", Glasarb. Stralau» Rummclsburg 10,—. Rote Schabbesgcsellschast, 2. Rate 3,—. I. E. Freiherr ts. Grotth. 10,03. Aallmanns Buchdruckerci, Gr.-Lichtcrselde 9,30. Merten», Charlotteuburg. Kantstraße 6,—. Schneiderwerkstatt Schramm 6,03. Bezirks» kassierer Ccntralverb. Handels- u. Transp. 6,—. Möbelsabrik Gebr. Geisler, Brunnenstraßc 7,20. Gcburtütagsseicr Hcidcfwaße bei G. P. 3,—. Personal Berliner Musikaliendruckerei, Charlottenburg 5,—. Verbands» Mitglieder(Buchdrucker) Strauß 1,30. Goldschmiede- Gehilfe« von Wilhelm Kraus 3,—. Stcindruckcrci„Katzcncllcnbogcn" 8,33. B. Krause, Pappel-Allce 3.—. Buchdruckerci P. Slankietvitz 7,30. Pianosortesabrik Pobl, Landsberger Allee 37,—. Werkstatt Sauer 10,03. ..Machete»", 5. Rate 10,—. Alfred u. Julius bei Skirl 2.—. A. K. Lot, um. swaße 10,—. Fünf srcidcnkendc aus dem Muckerthal 20,—. Bautischlcrci Wärt 3,45. Bautischlcrci Kannegießer 6,50. Der rote Müller aus Behlc- sanz 3,—. Jlmenauer Voltsverein 7,50. Bautischlcrci v. Purz, Wcißensee 4,—. Firma B. u. E., Dt. Wilmersdorf d. P. Hcimig 3,—. Männer» Gesangv. Teutonia-Harmonie, Moabit 20,—. Firma G. A. Schultze, die Kollegen 12,—. Pers. d. Buchdruckerci v. Ad. Haußinann 10,03. Bau- tischlerei Weiß, Schöneberg 11,65. Otto Licbschwaaer, Ramlerstraße 1,05. Bauhilssarbeitcr v. Wessel u. Borchard, Bau Birchow-Krankenhaus 6,30. Mehrere Vcrficherungsbeamtc d. Franz Hg. 8,80. Dichter a. d. Iägcrftr. 3,—. Eine Näherin 3,03. Holzblasinilrumcntenmacher Gräsestraße 3,—. Buch» druckcrci d. F. Kohrin 6,30. Artisteuklub„Gut Kraft" 10,—. Bautischlern Molet 4,65. Centraiverband d. Maurer. Zahlst. Marienselde t 3,—. Tischlerei Dittmcr, Pankow 6,10. Tapezierer Usedomstraße 2,03. Holzbcarbeitungs- sabrik von Heckert 5.—. Tischlerei von Schubert 6,60. G. Weckmann K. u. R. Abt. 1,53."Pianosabrik v. Manthey 12,23, Rehbein 1,00 M.. 13,15. S. E. R. 5,—. Firma Scibt 1,70. Stammgäste bei Göring 4,23. Fidelitas Pr. Th. Verein„Florina" 3,05. Bau Cranachstraße Schbg. durch E. Schulz 6,60. Genossen vom Warenhaus Tietz 4,90. Holzindustrie Reinickendorf 9,30. Anschläger d. Firma Homniamr u.'Co.,«chlcsischcstraße 3,—. Klaviatursabrik Lconhardt, Rixd. 7,20. Z eitel, Tischler, auf Liste 6,90. Organisierte der Firma Heinz u. � Schade 4,30. Sciffc, Zosscnerstraßc 1,25. 2 Buchbinder i.sd. Taubenstraße 1,03. Maschinen» arbcitcr v. Müller Nachf. Jnh. Zellermcier 3,—. Bautischler v. Lassen 8,—. Billardpinke 1,03. Werkstatt P. Marzahn 3,—. Arb. v. LubszynSki u. Co., mit zwei Ausnahmen 6,50. Kraft- u. Artistenvcrcin„Teutonia", Charlotten» bürg 10,—. a.& rn. R. 2,—. Personal d. Buchdruckerci Mar Lichtwitz 12,---. Mitglieder des Deutschen Photckgr. Gch.-Vcrb. 6,30. Tapezierer v. Groschkus 32,10. Arbeiter der Maschinenfabr. v. Hummel,. 2. Rate 48,30. R. Schlafsta, Lebusersw. 34,80. Verb. d. Masch, u. Heiz., Vcrw. Berlin 100,—. Pers. d. Buchbinderei Wübben u. Co. 2. Rate 75,20. Bcrschkc, Liste 1396, 9,25. I. K. Sattler 3,—. Filzfchubsabrik E. Werner, gcs. Geburtstag v. B. 4,70. T. T. 1,—. Borth 13,50. Gebr. Friscckc, Britz, Gundelach 13,35. Schröder 16,30. Fabrik f. Treppengeländer C. Völtel, Tempelhof 13,—. Tischlerei A. Bünger, Görlitzer Ufer 14,63. Buchbinder d. Firma Schubert, Wilhelmstr. 18,75. Finna Bliesener-Schubert 9,50. Schubfabrik Schulz 8,—. Drechslerei Wegeleben 3,50. Wahlverein Eichwalde d. Grätz 7,30. Bild- bnucrci Prenzel 7,30. Bautischlerei v. Staberow, Pankow 4,50. Möbel» abt. N. I. 10,43. Listen Nr. 1383, 84 u. 83 Arb. d. F. Dischleit u. Co. 21,30. Swkkatcure und Bildhauer der Firma Schneider, Friedenau 16,20. Tischlerei von Kalisch, MarkuSswaßc 10.—. Tischlerei von Schwarz, 4. Rate 26,80. A. Ci-G.,'Abt. A. F. IV 29,30. Kollegen von Pannlc, Füntenstratze 11,70. H. E. 3,—. S. u. H., Saal 230 und 88 33,—. Baulifchlerci Domitzel 3,—. Tischlerei Gebr. Ehrlich, Krautstraßc 13,03. Tischlerei Koch, Anklamcrstraße 5,35. Stukkateure Firma Rödel 13.33. Verband der Zimmerer Bezirk VN 13,23. Tischler Pohl 13,75. Arbcitcr der BambuSmobelsabrit E. Lindner 10,—. Bauffichlcrci Henke, Maiicndorf, 2. Rate 8*50. Personal Der Firnm Schröder u. Co, Nachfolger K. Schulze 18,25. Der elende Postbote 5,—. Morgensprache der Porteseuiller Zriedrichshagen 1,30. Sparklub Zkorden d. Binsch ö,—. Äourbinierte Sibung d. Porteseuiller Sltte Post 3,1ö. Gebr. Fritsch 4,—. Buchdruckerei Ltöbke, 3. Rate 9,—. Mäusel t,M. Kartonsabrik Sturzebecher Ntichs. 4,20. Geburtstagsjeier in Wertstatt, gesammelt b. C. P. 6,50. Bersamml. d. Uistennuichcr 4,80. 8(rB. d. Metallwarenfabr. O. Tode 14,75. Bautischlerei Guntau, Grob- Ilichterselde u. A. St. 10.—, P. Grüttner u. F. Rowak 3,—. 14 Metallarb. Slndreadstrage 7,—. Wahlverein Lichtenberg. Bez. VI 4,30. Wunderlich 7,60. R. Bote 5,50. Laubenlolouie schiese Haube, Weisjeniee 30,—. Bei Licr, Nauiuinstt'asje 12,25. Ungenannte.ckollegc» v. sxirma D., vrieg 10,—. .�chulz, Klempner 4,—. Maurer u. Bauarb. Uaseruenbau General Papestraiie 10,10. Putzer und Hilssarb. Bau Seiler, Görlitzer Ufer 11,30. Durch Ditrich 12,50. Stocksabrik v.(öoldbnch 5,75. Bautischlerei Sponar 12.—. Pers. W. Hirschmann, Pankow 23.50. Owstwirtsgehilsen, goldener Bienenkorb 5.—. Gigarrenarb. Kaphun, Liefertag. Dicnotag 3,45. Rote Kind- taufe O. ß. 3,50. Möbelpoliere I. L. Psafs 14,75. Maschiueitard. I. C. Piass 7.60. Verein deutscher Schuhmacher. Schbg. 34.75. Zwei Werk- siattsloUegen 2,—. Skatspieler, Wendenslrasje 3,—. Gesellschaftlicher Familteu- zafel, gegr. 1848 5,—. Ausgetrudelt Parteilokal Äleiststratze 3,—. Tischler u. Polierer v. Becker. 4. Rate 25,—. Parkettleger d. Firma Rosenfeld u. Co. 13,50. Carpenter u. Schulz 22,70, Borsch 1,00, zusammen 23,70. Tischlerei Jost 23,8o. S. n. H.. Saal 108 22,15. Pianofabrik W. Menzel 21,95. tk. Krause, Pianofadrit 16,—. A. E,-G. Bckerstrasze, Müller I 34,35. Firma Gauert, Mobelsabrik 13,50. Graueur-Kadetten v. Hantel 3,.50. B. V. A. Bau 26.40. Ad. Werkmeister. Schmldstrasje 15,45. Telegraphenbau-Anslall F. Schuchnrdt, Rungestrahe 102,45. Metallivarensabrik Gabert 47,70. Werkstelle Geselle, RummelSburg 4,15. Internat. Lotterieklub„Fortuna", Chltbg. 36,50. Spar- imd Creditvercin ,. Solidaria", Ueberschuh der Vorstellung 30,—. Dr. H. ?'—■„.S,�tevei Brunzlow 13,70. Möbeltischlerei O. Seester, Petersburger- ftrahe 33,50. Möbeltischlerei Hesse u. Sachse 10,05. O. Reimann 5,—. Personale der Buchdruckereicn: fterd. Ashelm 22,—. Herrn. Bergmann 6.55. Emil Billig Rächst.. 7. und 8. Rate 16,45. LouiS Borchardt, 2. Rate . Otto Drewitz, 2. Rate 12,10. Otto ElSner 58,25. H. S. Hermann, 6. Rate 107,40. Otto v. Holten, 2. Rate 11,25. Reiuh. Kühn 15.—. Rud. Moste, Aeeidenz, 2. Rate 33,10. Rud. Moste. Zeitung 13,05. Pah u. Garleb. 3. Rate 22,-. Pah u. Garleb, 4. Rate 10.-. W. Pormetter 9,-. Julius Stttenseld, 4. Rate 60,65.„Sonntagsblatt" 3,25. Ullstein u. Co.. Aeeidenz, 5. Rate 22,—. Gebr. Uuger, 6. Rate 19.—. Otto Walter, 3. Raie 12,40. W. Büxenstetn, Buchdruckmaschinenmeister, 4. Raie 8,—. Otto Drewitz, 3. Rate 7,—. Gebr. Ernst 5.90. Reinh. Kühn, 2. Rate 9,—. E. S. Mittler u. Sohn 41,55.„National-Zeitung", 3. Rate 18,35.„Norddeutsche" 3,50. „Lokal-Slnzeiger" 15,30.„Lokal-Anzeiger" Maschinenmeister, 4, Rate 20,—. Schirmer 15,15. Ullstein u. Co., Aeeidenz, 6. Rate 40,—.„Vorwärts", 5. Rate 33,85. Ullstein lt. Co., Stereotypie 20,25; Zeiluug, 6. Rate 2l,45. Adrehbuch, Schmakazten-Ueberlchuh 18,—. Bereinsbureau 1l,—. Buch- druckeret Otto Lauge 8,25. Putzerkolonne Chemnitz 18,50. Verein„Ciu- tracht" d. Bardeleben 20,—. Königstr. d. St. 12,15. 5 Graveure v. Hage!- bcrg 8,—. Arb. d. neuen Berl. Meliinawerke 11,—. Lolterieverem„Frisch Frei Norden" und Schankwirt Rieh, Gerichtstr., 48,—. N. Ruh .K'oppenstt., 7,50. O>. Sch. 3,—. C. Anders 11,30. Riemer 2,70 Werlstatt Gebr. Knill 10,25. Freundschaftsklub 5llette 5.—. Eis- bein- Esten Ad. Pflanz 4,—. Wagenbauer Berlin 1 V. 20,—. Töpfer Bau Heinitz d. Muhlitz 7,40. Ein Töpfer Bau Bennecke, Romintener- strahe 3,—. Werkzeugdreher d. A. E.-G., Ackerstrahe, Saal 20 2t,45. Böttcher u.(stötze 2,—. Holzwareu-Fabrik Pfeil, Franz.-Buchholz 12,—. Tischlerei Lippert, Krausenstrahe 10,10. Smuma 5862,88. Bereits guittiert 46 047,41. Gesamtsuinme 51910,29. Weitere Beiträge werden in unserm Bureau in der Zeit von 9—1 und 6—8 Uhr entgegengenommen. Gelder, welche mit der Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engel-Ufer t5, zu senden. Der Ausschuh der Berliner G e w e r k s ch a s t s k o m m i s s i o n. Berichtigung: In der Nr. 285 sind durch einen Druckfehler 30,00 Mark in der Gesamtsumme zu viel enthalten! es muh Heiheu 35 633,01 M. In Nr. 287 muh cs„Tischlerei Bannemaiin n. Hoffmann" beige, i, nicht „tischleret Sonnemami u. Hoffmann". kommunales. Stadtverordneten-Lersammliiltg. 20. Sitzung v o in D o Ii n e r S t a g,.10. Dezember 1903, >i a ch m i t t a st s 5 N h r. Vorsteher Dr. LangcrhnilS eröffnet die Sitzung um SVa Uhr. Dem vor der Sitzung gewählten Ausschuff für die Vorberatung der Vorlage, betreffend die Abänderung der Umsatzsteuer- O r d ii n ii g gehören u. a. auch die Stadivv. H c i m a n u, Nnmloiv und Singer sToc.) an. Von dem Grundstück der cheninligeu Wasserwerke vor driu Str,»lauer Thor will der Magistat die an der Stralauer Allee, Ecke der Straffe Am Warschauer Platz belegene Parzelle Nr. 1 an den Malermeister Illecr veräuher». Gs handelt sich um ein Terrain von 642 Onadrat- Metern, der Preis soll 2435 M. für die Onadratrute betrage», ITIst� M. pro Quadratmeter, oder im ganzen 110,000 M. Von Iwn Straßenanlieger-Beiträgen soll der Käufer befreit bleiben, auch soll ihm gestattet sein, statt 25 nur 15 Proz. Anzahlung zu leisten. Stadtv. Kyllmann bittet, derartige Preisberechnungen grimd- sätzlich mir nach Quadratmetern, nicht nach Oltadratruten zu veranstalten. Stadtrat Heller: Es ist hierbei nur auf eine alte Gepflogenheit Rücksicht genommen, die durchaus nicht vorbildlich bleiben soll. Stadtv. Hcimann sSoc.s: Wir werden gegen die Vorlage stimmen; die Gründe für unsre Haltung sind gelegentlich hier schon öfter ausführlich dargelegt worden. Bei dem spärlichen Grundbesitz der Stadtaemeinde ivollen wir mit allen Kräften auf eine Vermehrung desselben hinwirken 1 wir werden aber niemals zustimmen, daff ein wertvoller und kostbarer Teil desselben, wie es die ehemaligen Wasserwerke vor dem Stralauer Thore sind, der Privatspekulation überantwortet wird. Wir verlangen nicht. daff die Stadt ihren Grundbesitz nutzlos und brach liegen läfft, aber wir meinen, daff der Verkauf nicht immer die beste Art der Verwertung ist. In zahlreichen Städten wie Frankfurt a. M., München, Nürnberg, Leipzig sind derartige Gelände durch das Erbpachtrecht der Allgemeinheit nutzbar gemacht, und ähnlich sollte cs auch hier geschehen. Wir werden auch durch den verhältnismäßig hohen Preis, der in diesem Falle höher als der dort sonst erzielte ist, nicht irre werden. Schon deshalb müßten auch die andren Fraktionen von ihrem Standpunkt aus die Vorlage jetzt ablehnen, weil später noch höhere Preise zu erreichen sein tverdeii. Kommt dort einmal die Hafenanlage, daim wird die Stadt wieder alle Mühen, Lasten und Kosten habcil, die Vorteile aber haben dann diejenigen, die verstanden haben, dort zu billigen Preisen zu kaufen. Wir wollen nicht, daff die Stadt ihre Terrains fortgiebt. Stadtv. Wallach(21. L.); Ich muff wiederholt daran erinnern, daff die socialdemokratischen Herren Kollegen immer über Boden- Wucher und hohe Preise klagen, hier aber selbst wieder einmal für Terrains noch kolossalere Preise haben wollen. Gerade Herr Hei- inaim hat des öfteren noch höhere Preise erzielen Ivollen, das nenne ich Wohnungswucher. Nim will Herr Heimami noch gar die Zukunfts- inusik des Hafens diskontieren I So kommen wir nicht von der Stelle. Stadtrat Heller: Der Preis ist angemessen und die Preise tverdeii dort auch eine Grenze haben, da cs sich nicht um eine Luxusgegend, sondern um eine Geschäftsgegend handelt. Wian kann es mit Freuden begrützen, daff dort endlich cinnial ein Anfaiig ge- macht wird. Stadtv- Heimann: Herr Wallach hat unsern Standpunkt nicht verstanden. Wir wollen ja unter keinen Umständen Stadtgebiet der- kaufen, liamcntlich nicht so wertvolle Terrains. Für die Verwertung haben wir ja schon öfter eine ganze Reihe von Möglichkeiten hier angeführt. Stadtv. Daber: Solche Gründe, wie die des Herrn Heimann sollte man nicht anführen. Die Erfahrungen in andern Städten mit der Ausführung solcher Pläne sind abschreckend genug. Stadtv. Ladewig: Ich stimme zwar für die Magistratsvorlagc, aber nicht ettva, Iveil ich dem Kollegen Daber recht geben möchte. sondern aus den Gründen, die der Herr Stadtrat hier ange- führt hat. Die Vorlage wird gegen die Stimmen der Social- d e m 0 k r a t c n angenommen. Das Projekt für die im Zuge der F l e n s b u r g e r st r a ff e nach dem Renen Hansaviertel über die Spree anzulegende Fußgängerbrücke nimmt die Versammlung olme Debatte zur Kenntnis. Zur Genehmigung unterbreitet der Magistrat der Versammlung den mit der Schlachtvieb-Versicheruiig vereinigter Viehkommissionäre Berlins abgeschlossciieu Miets vertrag, betreffend den Betrieb einer Freibank. Stadtv. Wallach: Die Vorlage kommt etwas spät. Ich stimme ihr zu und wünsche nur, daß wir nicht wieder Klagen über die mißbräuchliche Verwertung des als minderwertig befundene» Fleisches vernehmen müssen. In§ 8 des vorliegenden Mietsvertrages wäre daher eine Vondivifl ganz am Platze, daff in den Verkaufsstellen eine deutliche Auffchrifr über den Verkauf solchen Fleisches erfolgte. Ich. will jedoch vorläufig keinen speciellen Antrag stellen, sondern hoffen, daff der Magistrat auch ohne eine solche ausdrückliche Vor- schrift ciitsprecheude Vorkehrungen treffen wird. Stadtv. Paul(N. L.) geht in längerer Ausführung ans die Entstchmigsgeschlchte dieser Vorlage zurück. Ein am 8. Februar 1900 beschlossener Ausschuß sollte eiumal die Frcibank-Ordmmg neu regeln, zum andern sich mit der Frage der Aufstelluilg der Ver- bremwngSöfen befassen, die das minderwertige Fleisch vernichteten. Die erste Frage sei jetzt gelöst; bezüglich der zweiten seien Schritte cin- geleitet worden, die Adjacenten der in Aussicht genommenen Gegend hätten sich aber gegen die Aufftellung solcher Oefen in ihrer Nachbarschaft gewehrt. In andren Städten seien bereits derartige Vernichtmigs- apparate mehrfach aufgestellt, die zur vollen Zufriedenheit ihrer Aufgabe nachkämen. Durch die vom Polizeipräsidium gewünschte Ncnregcluiig des Abdcckcreiwcscns sei ein neues Moment in die Frage der Ver- Wertung des minderwertigen Fleisches hineingetragen worden. Es wäre höchst wünschenswert, wenn die Arbeiten des niedergesetzten Ausschusses beschleunigt würden. Stadtrat Heller erwidert, daß sich ja dcr Magistrat mit dieser Frage beschäftige. Stadtrat Httbncr bemerkt, daff die von ihm gewünschte An- ordiiuiig betr. die Aufschritt„Minderwertiges Fleisch" an den bereits vorhandeiieii Verkaufsstellen schon bestände, und bringt diese zur Verlesung. Stadtv. Wallach erklärt sich damit nicht zuftieden und bringt folgenden Antrag cin: Dem§ 8 des Metsvertrages als neueil Absatz hinzuzufügen:„an den Verkaufsstellen deutlich anzilschreibeit, so daff jeder Hereiiitrctende es sehen kann, daß hier minderwertiges Fleisch verkauft wird". Stadtv. Paul: Würde die Frage der Verbrennungsöfen weiter 10 dilatorisch behandelt, so möchten leicht noch mehrere iveitere Jahre darüber hingehen, und cs handle sich doch um die Beseitigung von großen llelielstäitden. Der Magistrat solle schleunig Wandel schaffen. Stadtv. Gcrickc(Fr. Fr.) weist darauf hin. daff täglich 80 bis 100 Centner minderwertiges Fleisch der Abdeckerei über- wiesen werden. Darin stocke immerhin noch ein Kapital, das von der Stadt ausgenutzt werden könne. Redner bringt den Antrag cin, den Magistral zu ersuchen, die Sache so zu beschleunigen, daff der niedergesetzte Ausschuß sich bald weiter damit beschäftigen kam,. Die Vorlage des Magistrats wird mit den Antragen Wallach und G e r i ck c angenommen. Der vom Magistrat vorgelegte Entwurf zum Neubau der Jnsclbriickc schließt im Kostenanschlag mit 520 000 M. ab, von welchem Betrag 200 000 M. in das Extraordmarium für 1904 eingesetzt werden sollen. Stadtv. Bracke(N. L.) beantragt Ausschußberatung mit Rück- ficht darauf, daff durch den Neubau dieser Brücke auch der Ankauf des Inselspcichcrs notwendig werde. Stadtbaurat Krause bittet, die Vorlage jetzt anzunehmen, da sonst wieder eine unliebsame Verzögerung eintreten würde. Stadtv. Rast(A. L.) schließt sich den Ausführungen des Stadt- baurats an, da der Anssehnff doch nichts erreichen würde. Stadtv. Haberland(A. L.) macht den Vorschlag, das Projekt mit der Matzgabe anzunehmen� daff vor der Bauausführung die Frage wegen des Jnselspeichers gelöst locrdcn mutz. Stadtv. Singer(Soc.): Ich glaube, daff die Vorschläge der Herren Bracke und Haberland nicht von besonderer Klugheit zeugen. Wir bewilligen zwar den Bau der Brücke, stellen cs aber dem Magistrat anheim, vorher die Sache wegen des Speichers zu regeln. Tie Thatsache, daß wir einen Ausschuß ciusetzc», würde für die Besitzer des Speichers mir bedeuten, daß lvir auf Verhandlungen eingehen lvollen. Wir haben gar keine Veranlassung, uns»ach dem Kauf des Speichers zu reißen. Je mehr die Herren draußen sehen, daß wir nicht gewillt sind, uns auf jeden Fall binden zu Ivollen, desto besser wird cs für uns selbst sein. Räch einigen weiteren Bemerkungen der Stadtvv. Haberland und Bracke wird der Antrag auf AuSschußberatung abgelehnt und Magistratsvorlage genehmigt. Schluß VJ Uhr._ Gerichts-Zeitung Der grobe Unfngsparagraph hat eine Zeitlang in der Kommode gelegen, nachdem selbst einem Schönstedt üver die Praktileii, die mit ihm geübt wurden, ein gelindes Grauen aufgestlcgcn war. Aber tvic so viele schöne und unschöne Dinge, die man abgenützt glaubt, dock) wieder in Kurs kommen, so auch dies Mädchen für alles; und einer Berliner Straskammcr gebührt der Ruhm, gestern wieder einem anständigen Mann mit Hilfe des tz 330 glücklich zu sieben Tagen Ge- fängitishast verholfen zu haben. Ter socialdemokratische Ver- traucnsmann ftir den sechsten Berliner Reichstags-Wahlkrcis, Ge- nosse Mars, hatte eine in Fröbels Allcrlei-Thealcr abgehaltene Volksversammlung mit einem H 0 ch a n f die internationale, revolutionäre, völkcrbefreiendc Socialdcmo- k r a t i e geschloffen. Dem Staatsanivalr kam der Gedanke, cs gegen diese Bekundung einer unabänderlichen Wahrheit cinmal wieder mit dem groben Iliifngsparagraphen zu versuchen, doch ver- schmähte cs das Schöffengericht, dem Willen des öffentlichen An- kiägers nachzukommen und sprach ohne weiteres unsren Parteigenossen frei. Ter Staatsanwalt legte Berufung cin. Vor der achten Strafkammer des Landgerichts I machte Mars geltend, daß er aufgefordert habe, ein Hoch auszubringen auf die internationale, revolutionäre(sich aber sofort verbessernd), Völker- befreiende Soeialdemokratic. Der Staatsanwalt beantragte 15 M. Geldstrafe. Ter Gerichtshof erachtete den Thatbestand des groben Unfugs für vorliegend, und zwar kam er aus folgende Weise dazu: Die Versammlung sei eine allgemeine Volksversammlung gewesen, zu welcher jedermann Zutritt hatte, insbesondere auch Angehörige andrer Parteien. Zweck solcher Versan�ulungen sei cs. Anders- denkende zu den socialdemokratischen Ansichten zu bekehren, Schwankende herüber zu ziehen und neue Anhänger für die Social- dcmokratic zu werben. Als Einbenifer der Versammlung mutzte Mars lvissen, daß die Möglichkeit nicht ausgcsckflosscn sei, daß sich nicht nur Gcsinnuugsgenoffcn in der Versammlung befinden. Daß diese durch ein Hoch aus die revolutionäre Socialdcmokratte in ihren Gefühlen schwer verletzt werden müffen, stehe außer Frage. Die Behauptung des Angeklagten, daß er das Wort„revolutionäre" in„völkcrbesrciende" verbessert habe, sei belanglos. Als gewiegter Parteigenosse und Redner habe er zweifellos die Absicht gehabt, seiner umstürzlertscheii Gesinnung Ausdruck zu geben. In einem monarchischen Staate sei der öffentliche Ausdruck einer derartigen Gesinnung im höchsten Grade die öffcnt- liche Ordnung gcsnhrdcnd. Da eine Geldstrafe hierfür als eine ge- uügendc Sühne nicht zu crachtcii sei, so habe der Gerichtshof unter Aufhebung des schösfengerichtlichen Urteils auf eine Haststrase von c i n c r W 0 ch c erkannt. Mit originalen Gedanken ist dieser Urteilsspruch, wie man sieht, nicht beschwert; es sind die Argumente, die in der Glanzperiode des groben UnfugsparagrapHeii. so um die Mitte der neunziger Jahre, oft angewendet worden sind. Was braucht cs irgend eines Menschen aus der Welt, der wirklich vorgicbt, durch cin H'och auf die rc- volutionäre Socialdcmokratie in Zittern und Bangen geraten zu sein? Ter bürgerliche Richter behaiipict die Möglichkeit einer solche» irgendwo in_ der Versammlung bemerkten Person und auf die imaginäre Existenz dieses Wesens baut sich"�ie Verurteilung auf, wird ein ehrenhafter Mann ins Gefängnis gebracht. Auch dies Urteil wird die Wertschätzung, welche die bürgerliche Justiz in der Bevölkerung genießt, wesentlich befestigen. Verfammwnge 7». Die Stichwahl im 5. Kommunal-Wahlbezirk. Am Mittwoch tagte in Zühlkcs Saal in der Dennewibstratze eine sehr gut besuchte Kommunalwählcr-Bersaminlung. An Stelle Singers, der durch eine Sitzung der Reichsragsfraktion verhindert war, referierte Genosse Antrick. Die Stichwahl, welche am 15. d. Mts. zwischen unserm Genossen Werner und dem Freisinnigen Marggraff auszu- fechten ist, biete für uns— wie der Referent ausführte— keine ungünstigen Aussichten. Die Partei unsres StichtvahlgegnerS habe'bei der Hauptwahl eine skrupellose Agitation betrieben, welche auf die Irreführung der Arbeiter berechnet war, und es sei den Gegnern auch gelungen, Arbeitcrstimmen für ihren Kandidaten, den sie als einen der Socialdemokratie nahestehenden Mann bezeichnen, ein- zufangcn. Wenn»vir setzt die wahlberechtigten Arbeiter des Bezirks über den Ivirklichen Parteicharakter des Gegners aufklären, dann könnten»vir die Etimmcnzahl, tvclche zum Siege unsres Kandidaten erforderlich ist, wohl erhalten. Es sei deshalb notwendig, sich das Treiben des Kommmml-LiberaliSmus näher mizuschen. Hierauf be- sprach der Redner ausführlich die Haltung der liberalen Vertreter gegenüber den wichtigsten kommunalen Angelegenheiten und zeigte. daß die Interessen des arbeitenden Volkes nur durch die Social- demokraten vertreten werden. Dam» ging der Redner zu einer Charaktcrisicrung der Parteistellung des Herrn Marggraff über. Tie Anhänger dieses Herrn sagen, ihr Liberalismus sei cin andrer. als der Liberalismus derer um Richter. Besonders Herr Marggraff sei ein socialdcnkcndcr Mann, er sei ein Drcivicrtel-Socialdcmokrat, nur der Zukunftsstaat trenne ihn von der Socialdemokratie. Dem- , gegenüber zeigte der Referent an einer Reihe von Thatsachen, daß Herr Marggraff, der Mitglied der Freisinnigen Bolkspartei sei, nichts pethait habe, um ösfcntlich zu bekunden, daß er im Gegensatz zu dieser Partei stehe. Er habe den Reichstagswahlkampf in den Reihen der Freisinnigen Volkspartci gegen die Socialdemokratie mitgemacht, und sich auch in der Stadtvcrordnetcn-Vcrsammlung nicht gegen das vom Freisinn vertretene System gewandt. Im Grunde genommen unter- scheide sich Herr Marggrafs durchaus nicht von seinen Parteigenossen. darum müffen wir seine Wahl ebenso entschieden bekämpfen wie die eines andren Freisinnigen, wir müssen alles daran setzen, damit uns« Kandidat Werner als Sieger aus dem Wahlkamps ljervorgehe.— Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referat folgte eine DiS- kuffion, hervorgerufen durch das Eingreifen eines Freisinnigen, der Herrn ivkarggraff als socialdcnkcnden Mann rühmte, welcher nicht auf eine Stufe zu stellen sei mit den Freisinnigen Richterschcn Sck'lages.— Demgegenüber bemerkte cin Parttsigenosse treffend: Wenn Herr Marggraf wirklich der Socialdemokratie so nahe stände. wie seine Freunde behaupten, warum habe er sich dann in einer frei- sinnigen Versammlung deshalb entschuldigt, daß er in der Stadtverordneten-Versammlung zweimal mit den Socialdcmokratcn ge- stimmt habe. Als weiterer Beweis dafür, daß zwischen den Liberalen aller Schatticrungen kein Unterschied besteht, wurde hervorgehoben, daß auch die Anhänger Kuckenburgs, des in der Hauptwahl aus- gefallenen liberalen Gegenkandidaten MarggraffS. jetzt für die Wahl des letzteren eintreten. Es sollen von jener Seite l!00 M. für die Wahlagitation zu Gunsten MuggraffS gegeben worden sein.— Diese Behauptung bezeichnete der freisinnige Redner als unwahr.— Zum Schluß richtete»och Genosse Werner einige Worte an die Ver- sammlung, worauf Antrick gegenüber den Ausführungen des frei- sinnigen Redners nochmals die Parteistellmtg unsrcs Stichwahl- gegners kemizeichnetc und zur Wahl Werners aufforderte. Ecntralverband der Handluligsgehtlfeu»nd Gehilfinnen «Bezirk Ziiden). Heute, Freitag, abends 9 Uhr, im Restaurant Zur Turnhalle, Prinzenstr. 50, Vortrag des Kollegen Koppe über: Standes« bewnytsein._ Letzte Nachrichten und Depefchen. Vom Kriegsgericht der 8. Division zu Halle wurde der„ Saale- Zeitung" zufolge der U u t e r 0 f f i z i c r Kirchner vom achten thüringische» Jnfaiitcric-Rcgimciir Nr. 153 zu Altenburg lvegen Soldaleiimißhandluiig zu einen» Jahr u n d z lv e i Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt. Kirchner hatte in zahl- reichen Fällen seine Leute derartig mißhandzlt, daß sie ohnmächtig wurden, ferner de» Mannschaften gewodiiheilSinÄßig ins Gesicht ge- spieen. Die nichtöffentliche Verhandlung währte zwei Tage. Qestreichisches Abgeordnetenhanö. Wien. 10. Dezember.(W. T. B.) Räch wörtlicher Verlesung des EinlaufeS setzt das Haus die Verhandlung?er Dringlichkeits- antrage betreffend Abänderung der Versassimg fort. Abgeordneter R 0 m a n t s ch u k zieht seinen Tringlichleitsantrag zurück, toährend Dr. Ellenbogen seinen Tringlichkeitsantrag dahin abänderte. das Haus möge einen 36gliedrigcn Ausschuß einsetzen behufs Aus- arbeitung eines Berfas suiigsentwurfes auf Grundlage des allgemeinen, gleichen, direkten und ge- Heimen Wahlrechts sowie der nationalen Auto- n 0 m i c. Im Laufe der Debatte erklärte der Abgeordnete D z i c d u s z>1 ck i, der Poleuklub tverdc gegen die alle parla- mcntarisehe Arbeiten hemmenden Dringlichkcitsanträge stimmen. Er appelliere namens des Polenklubs an die Regierung, das Prä- sidium des Hauses möge sofort nach Wiederzusammentriti des Reichs- rates, welcher unmittelbar nach Schluß der Delegationssession er- folgen möge, seinen Einfluß dahin geltend machen, daß der mit übcriviegendcr Mehrheit zum Ausdruck gelangte Wunsch nach Ver- Handlung einer Reform der Geschäftsordnung zur Verwirklichung ge» lange. Die Czechisch-Radikalen Pacak uiti>J£ h oc treten für die Verfassungsänderung in rein föderalistischem Sinne ein mit Ausschluß eines Ecntral-Parlaments. Das Haus lehnt die Dring- lichkeitsanträge der Abgeordneten Foit und Ellenbogen ab. Ungarisches Abgeordnetenhaus. Budapest, 10. Dezember.(W. T. B.) In Erwiderung auf eine Rede des Abgeordneten Ugrou führte der Ministerpräsident Gras Tisza bezüglich des Armeebefehls von Chloph aus, daß der König. sobald er davon Kenntnis erhalten hatte, daß dieser Armeebefehl in weiten Kreisen der Nation Beunruhigung hervorgerufen hätte, sofort de» Ministerpräsidenten ermächtigt habe, beruhigende Erklärungen abzugeben. Es ist wohlfeile Popularitätshascherei des Abgeordneten Ugrou, au den königlichen Eid zu erinnern. Es liegt keine einzige Handlung des Königs vor. welche einen sachlichen Anhaltspunkt bietet. um eine derartige Erinnerung zu begründen.(Lebhafter Beifall rechts. Zwischenrufe links: Diese Rede ist nach oben adressiert.), Ich schmeichle niemals. Aber es wäre meinerseits eine Unterlassungs- sündc, gegen eine unwürdige Verdächtigung der Krone nicht zu pro- testieren.(Stürmischer Beifall rechts, Bewegung auf der äußersten Linken.) Der Ministerpräsident appelliert schließlich an das kleine Häuslein der Obstruktioniften, den Kampf in normaler Weise fortzusetzen. Qpposirion sei keineswegs identisch mit Obstruktion. Diese stehe im Widerspruch mit dem Wesen des Parlaments und bilde den Ruin des Parlamentarismus überhaupt.(Lebhafter Beifall rechts.� Pcrpiqnan, 10. Dezember.(W. T. B.) In dem Hause des hier wohnhaften Bidal, der beschuldigt wird, aus die Humbertsache bczüg- liche Papiere in Verwahrung zu haben, wurde von der Polizei eine Haussuchung vorgenommen, bei der aber keinerlei auf die Humbcrt- fache bezügliche Schriftstücke vorgeftmden wurden. Tokio, 10. Dezember.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Das Abgeordnetenhaus nahm einstimmig eine Antwort auf die Thronrede an, in welcher das Ministerium beschuldigt wird, das es im Innern eine Politik des ZaudernS treibe und auf dem Ge- biete der auswärtigen Politik sich günstige Gelegenheiten entgehen lasse._ Vcrantlvortl.Nedakteur: Julius KaliSki in Berlin. Inseratenteil verantwortl.: Dh.G locke in Berlin. Druck u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Ä Co., Berlin 8\V. Hierzu 3 Beilage« u.Unterhaltuugsblattz Nr. 289, 20. Iahrgasg. 1.»ilw des Jtrniürts"{iftliiift Poiyiiitt. Freitag, 11. Dezember 1903. Reichstag. 4. Sitzung. Donnerstag, den 10. Dezember 1903, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Reichskanzler Graf B ü l o tv, Freiherr v. Stengel, Graf P o s a d o w s k y, v. T i r p i tz. v. E i n e m, Frhr. v. Rheinbaben. Die er st e Beratung des Reichs haushalts-Etats wird fortgesetzt. Abg. Bebel(Soc.): Die Thronrede schildert die finanzielle Lage des Reiches grau in grau, und die Schilderung, die uns gestern der Reichs-Schatzsekretär von den Finanzen gegeben hat, gab ein ivomoglich noch traurigeres Bild. Trotzdem konnte ich nicht sagen, das; seikle Schilderung zu grau gewesen wäre. Er hat die Dinge nüchtern so dargelegt, wie sie wirklich sind. Der Zustand unsrer Finanzen muh in der That zu den ernstesten Bedenken Veranlassung geben. Freilich hätte der Reichstag schon früher den Dingen, die da kommen mutzten, ins Auge sehen sollen und dementsprechend seine Maßnahmen treffen. Die große Prosperitätsepoche der Jahre 1893 bis 1990 hat das Deutsche Reich genossen in einem Maße wie kaum je früher und die Einnahmen des Reiches gingen sprungweise in die Höhe. Die Voranschläge wurden stets bei weitem übertroffen, dennoch aber wurden immer neue und neue Anleihen herbeigeführt, und so war eS klar. daß. wenn einmal der notwendige Umschwung in den wirtschaftlichen Verhältnissen Deutschlands eintreten würde, unsre Finanzlage eine total andre und sehr schlimme werden würde. Die Mehrheit des verflossenen Reichstages— und die jetzige gleicht ihm ja wie ein Ei dem andern— hat insbesondere durch Bewilligung der großen Flottenvorlagcn von 1898 und 1990 dafür gesorgt, daß bis in unabsehbare Zukunft die Steigerung der Aus- gaben des Reiches gewaltig zunehmen wird, und wenn sie auch in Gestalt des bekaimten Steuerbouquets der Regierung eine Einitahme-Erhöhung voit mehr als 50 Millionen entgegengebracht hat, so zeigen sich doch die traurigen Folgen in unsrer jetzigen Finanzlage. Aus die Einzelheiten des Etats Ivill ich in der Generaldebatte nicht näher eingehen. ES genügt zu konstatieren, daß die Ausgaben trotz der. Wie ich zugebe, sorgfältigen Veranschlagung 39% Millionen mehr beanspruchen als ini verflossenen Jahre. Charakteristisch aber ist, daß nicht Iveniger als 59% Millionen davon durch die berüchtigte Zuschußanleihe aufgebracht werden sollen. Daß dabei ein Weg betreten wird, der mit Artikel 7V der Bcrfassuug direkt im Widerspruch steht, hat vor zwei Jahren selbst der Redner der Mehrheit dieses Hauses, Abg. Speck, zugegeben. Damals gelang es noch, das Deficit aus der Welt zu schaffen. Im vorigen Jahre aber wurde eine Zuschuß- anleihe von 72 Millionen und in diesem Jahre wieder von 59 Millionen bewilligt. Zieht man weiter in Betracht, daß die Schulde» des Reiches in kolopalem Maße gestiegen sind, dann sollte man sich Ivirklich sagen, das kann unmöglich so iveiter gehen. Und doch kann sich niemand von Ihnen darüber täuschen, daß e s s o weiter gehen wird, und daß stets größere Ansprüche an das Reich gestellt werden. Aus einer solchen Situation heraus begreife ich die Vorlage, die die verbündeten Regierungen in Bezug auf das Finanzwesen des Reiches vorgelegt haben. Nachdem Sie heute wohl allseitig zu der Ueberzeugung ge- kommen sind, daß die schönen Zeiten ein für allemal zu Ende sein dürften, suchen Sie die Finanzfituation der Einzelstaatcn nach Möglichkeit zu sanieren und die ganze Last dem Reiche aufzubürden. Aber die volle Bedeutung der neuen Finanzvorlage liegt in dem Hinblick auf_ die Zukunft der Reichsfinanzen. Das charakteristische Wort dcS Reichs-Schatzsekretärs, es fei nur das Bedürfnis nach dem konstitutionellen Bewilligungsrecht, das den Reichstag veranlasse, seiner Vorlage so ungünstig gegenüberzutreten, hätte ich aus dem Munde eines süddeutschen Staatsmannes am Wenigsten erwartet, denn mit dieser Vorlage würde der Reichstag eine politische Selbstentmündigung begehen, sein Bewilligungsrecht würde dann nur noch auf dem Papier stehe». Die Vorlage macht die Einzelstaaten unabhängig von der Finanzwirtschaft des Reiches, schwächt ihren Widerstand und fördert ihre Zustimmung zu unnützen Ausgaben. Sie sichert die Einzelstaaten gegen die unangenehmen direkten Steuern und macht neue indirekte Steuern im Reiche not- wendig. Aus diesen Gründen wird meine Partei gegen die Vorlage stimmen. Die Schuld deS Centrunis. Auch der Abg. Schädler hat über die Finanzlage, insbesondere über die steigenden Ausgaben bei der Marine geklagt, ferner über sliautschou, das schon über 79 Millionen gekostet hat, er klagte über die enorme Steigerung der Schulden, warnte vor der Weltpolitik, Crimmitschau. Die annähernd hundert Fabrikschornsteine, das Wahrzeichen der sächsischen Industriestadt Crimmitschau, werden wochentags über wieder von Rauchwölkchen gekrönt; ftiih, mittags und abends melden sich schrill und aufdringlich die Dampfsirencn, die ein Vierteljahr lang schwiegen, und von einbrechender Dunkelheit an bis zur üblichen Feierabendstunde sind die Produktionspaläste der Crimmitschauer Textilbarone hell beleuchtet.„Crimmitschau arbeitet wieder," sagen die" mit der Eisenbahn die Stadt passierenden Reisenden, die einen mit hämischen Bemerkungen gegen die Arbeiter, die andren mit Worten des Bedauerns, daß die Arbeiter eine Niederlage erlitten haben; denn sie alle haben gelesen, daß der Kampf für die Arbeiter verloren ist, glauben es und ein Blick vom Waggon- senster aus bestärkt diese aus der bürgerlichen Presse geschöpfte An- nähme. In Wahrheit arbeitet aber Crimmitschau nicht, d. h. nur lvinzig mehr als seit fünfzehn Wochen. Die beleuchteten Fenster trügen, der Schornsteinrauch ist kein Profitqualm und die arbeiterfeindliche Presse lügt; denn derzeitig kämpfen und ringen noch 7999 Textil- Proletarier um den Zehnstundcntag, mir demselben Mute, mit der alten bewunderirswerten Ausdauer und in gleich vorbildlicher Weise, lvie vor einem Vierteljahr. Wenn auch nicht mehr alle Räder stille stehen; in Bewegung sind nur wenige und der produktive Erfolg ist gleich Null im Verhältnis zur sonst üblichen Gesamtproduktion. Darin hat sich nur minimales geändert, aufgehoben sind da- gegen die auf dem Papier gesetzlich den Arbeitern gewährleisteten Rechte; an rhre Stelle ist die völlige Rechtlosigkeit für die Aus- gesperrten getreten. Nur siir die Arbeiter, die Unternehmer können nach wie vor sich versammeln, können terrorisieren, ja selbst Arbeiter der Freiheit berauben; für sie aller Schutz, gegen die Arbeiter Aus- nahmerecht und die bewaffnete Macht. Durch die Straßen patrouilliert etwa ein halbes Hundert Gcirdarmen auf K o st e n der Stadtgemeinde; sechs Mark Kriegszulage pro Tag. einzelne wohl noch mehr. Der nächste Steuerzettel imrd den Arbeitern die Rechnung dafür auffnachen. Auf dein Bahnhof erhält man beim Verlassen deS Zuges die erste Probe von dem zwar nicht offiziell proklamierten, aber that- sächlich bestehenden Belagerungszustand. Auf dem Perron, vor dem Durchlaß, stehen zwei Gendarmen, die jeden Ankommenden mit Blicken mustern, daß ein Berliner Polizeiwachtmeister die Augen niederschlagen würde. Unter der Thür der Bahnhofshalle steht der Billetschasstier; in der Halle selbst drei, fünf, zehn, auch zwanzig Gendarmen. Wer ettva aus Neugierde oder verblüfft stehen bleibt,, wird zum sofortigen Weitergehen auf- gefordert. Niemand darf stehen bleiben, nur die Restauration ist noch neutraler Boden, wo mar nach Belieben sitzen oder stehen kann. Wie lange noch? Für das gewöhnliche, ordinäre Publikum findet bei jedem Zug„kleiner Empfang" statt, d. h. mit fiinf bis sechs Gendarmen. Sind aber Arbeitswillige signalisiert, dann ist warnte vor Deutschlands sxlenckick isolation. Ich wundere mich. daß diese Bemerkungen aus dem Munde des Abg. Schädler gekommen sind, denn wenn eine Partei kein Recht hat Klage zu er- heben, so ist es das Centrum.(Sehr richtig! bei denSocialdemokraten.) Diese ganze Misere, diese ganzen Schwierigkeiten sind in erster Linie dem Centrum zu verdanken.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten. Ohne Ihre Zustimmung, meine Herren(zum Centrum gewendet), zu den großen Flottengesetzen und den andern Forderungen der verbündeten Regierungen an den Reichstag wäre es gar nicht mög- lich, daß wir in die gegenwärtige Situation gekommen wären. Ihre Redner, die 1893, als die ersten Anzeichen hervortraten, daß an gewisser entscheidender Stelle die Absicht bestehe, auch der deutschen Marine einen ersten Platz in der Welt zu verschaffen, erklärten, es sei unmöglich, auf zwei Gebieten Weltmacht zu sein, Deutschland könne die Lasten unmöglich tragen, im Herbst 1897 war Ihr Widerstand gebrochen und 1898 bewilligte» Sie die erste große Flottcnvorlage, zwei Jahre später die zweite. Was weiter kommt, insbesondere die abgelehnten Auslandsschiffe, wissen Sie ja. Daß man noch über das Flottengesetz von 1999 in dieser Richtung hinausgehen wird, ist zum Uebcrfluß durch den be- kannten Gcheimerlaß den nicht schon vorher eingeweihten Kreisen bekannt geworden. Niemand hat also iveniger Recht, über die gegen- Ivärtige finanzielle Situation zu klagen als das Centrum. Sind Sie es denn nicht gewesen, die allen andren Ausgaben freudigen Gerzens Ihre Zustimmung gegeben haben. Ihr Bischof Anzer trägt die moralische Urheberschaft für die Besetzung Kiantschons. Diese Thatsachen haben wir beim Chinazug genügend erörtert, da hilft Ihnen kein Leugnen. Die deutsche Ostasicn-Politik. Nun muß ich allerdings sagen, ich habe im Gegensatz zu meiner sonstigen Auffassung über die bisherige deutsche Kolonialpolitik immer geglaubt, daß in Kiautschou vielleicht doch etwas zu machen sei. Nach dem aber, was ich bis heute erfahren habe, sind auch meine letzten Hoffnungen geschwunden. Handel und Verkehr ist dort gleich Null; ausgeführt wird so gut wie gar nichts, unsre Einfuhr beschränkt sich auf das, was zur Erhaltung der Besatzung usw. dort notwendig ist. Herr Schädler hat gestern darauf hingewiesen, daß sich im fernen Osten Gewitterwolken zusammenzuziehen scheinen. Fest steht jedenfalls, daß dort in der Zukunft große Entscheidungen fallen werden, die uns auf das ernsteste in Mitleidenschaft ziehen können, weit über unfre finanziellen und Handelsinteressen hinaus, die wir bis heute in Ostasien zu ver- treten haben. Wir hatten 1897 eine Einfuhr nach Deutschland von China von 57,4 Millionen Mark, im Jahre 1992 beträgt diese Ein- fuhr, nachdem sie inzwischen gesunken ist, erst wieder 55,3 Millionen. Und was haben wir alles für Aufwendungen in dieser Zeit für China gehabt. 70 Millionen für Kiautschou: die Stationierung der Schiffe, die Unterhaltung der ostasiatischen Expedition usw. usw. Die Aus- fuhr Deutschlands nach China betrug 1898 48 Millionen Mark, 1909 92,9 Millionen, sank dann 1991 auf 47,5 Millionen und beträgt 1992 erst wieder 48 Millionen. Das ist doch das denkbar traurigste Resultat unsrer Politik. Dabei unterhalten wir noch eine b e- sondere Dampferverbindung nach China, die uns eben- falls bedeutende Ausgaben auferlegt. Wenn der Herr Reichskanzler vor Jahr und Tag ausdrücklich erklärte, Deutschland habe kein Interesse daran, was Rußland in und mit der Mandschurei beginne, dann halte ich das für eine sehr große Täuschung. Wie ich die Stellung Deutschlands zu dem japanesisch-chinesischen Kriege nicht begreifen konnte, so halte ich auch die jetzige Haltung Deutschlands den russischen Eroberungsgclüsten in Ostasien gegenüber für verfehlt. Allerdings Ivill ich nicht etwa für eine aktive Weltpolitik Deutschlands damit eintreten, aber Deutsch- land könnte doch sein moralisches Gewicht in die Wagschale legen, insbesondere da neben England und Japan auch die Vereinigten Staaten mit großer Sorge auf die Entwicklung in China blicken und keineswegs geneigt sind, Rußland gegenüber sich so passiv zu verhalten, wie es von Deutschland geschieht. Gerade durch unsre exponierte Position in Kiautschou können wir eines Tages in große Wclrvcrwickelungeu hineingestürzt werden, welche die allerschwersten Opfer von uns erheischen. Wenn erst einmal der russische Bär dort im fernen Osten, so wie er eS wünscht, festen Fuß gefaßt hat, dann ist es eine Kleinigkeit für ihn, auch auf Kiautschou feine Pranke zu legen, ohue daß wir irgend etwas dagegen thun könnten. Die Klagen des Herrn Schädler über die Weltpolitik sind aber sehr inkonfequcnt. Die Flotte wurde doch gerade für diesen Zweck bewilligt. Dazu kommt, daß Herr Schädler vor ungefähr elf Monaten ganz anders gesprochen hat. Am 19. Januar 1993 schloß er seine Rede mit „großer Empfang", etwa wie bei einem gekrönten Haupt. Im Minimum zwanzig Gendarmen in voller Kriegsgarnitur, Doppel- büchse nebst Seitengewehr, fassen Posta; die Rolle der Achtgroschen- jungenS übernehmen Fabrikanten oder deren Beamte, die mit dabei sind, die ftische Ware in Empfang zu nehmen, die draußen in Böhmen oder Bayern ergattert worden ist. Gendarmen voran, Gendarmen hinten, Gendarmen links, rechts und in der Mitte, so halten die„Rausreißer" ihren Einzug. Schrecken malt sich bei manchem„Rausreißer" auf dem Gesicht, die meisten getrauen sich nicht aufzublicken, sie scheinen Verständnis für das Erbärmliche ihres Beginnens zu haben. Ein halbes Dutzend Streikbrecher, zwanzig Gendarmen und ebenso viele Fabrikbeanite bezw. Unternehmer, sowie eine Schar Neugieriger, ist so ungefähr die Regel bei diesen Aufzügen, die aus- nahmswcise nicht verboten sind. Man hört auch in Bürgerkreisen nur eine Stimme über diese Aufzüge, daß sie eine Schande seien, aber nicht für die Ausgesperrten. Ein andres Bild. Es ist mittags%12 Uhr. Vom Thüringer Hof aus, dem Bayrischen Hof und vom Kriegslager im Museum neben der— Laurentiuskirche, rückt die bewaffnete Macht ins Occu- pationSgelände: vor die Jndustriepaläste. Mit Argusaugen wird die Umgebung beobachtet, Hausthüren und Häuser einer eingehenden Betrachtung unterzogen, dann vor Fabrikthoren Halt gemacht. Die Dampfsirene ertönt und husch, husch, scheuen Blickes, wie daS böse Gewissen, jagen die paar Arbeitswilligen dahin. Unnütze Angst, un- nötige Eile; niemand will den„Rausreißern" etwas zu leide thun, niemand kann ihnen etwas anhaben, denn da steht, stramm in Wehr und Waffen wie ein Kriegsgott, der Herr Gendarm, unweit davon ein Kollege. Auch hier ist Stehenbleiben streng verboten; Bewegung ist „Gesetz" in Crimmitschau. Eine Episode. Mit einem Bekannten hatte ich verabredet, in einer Straße, wo zwei große Fabriken sich gegenüberstehen, mittags die„Rausreißer" zu zählen. Scharf äugelten uns die Gesetzcswächter an, als wir so recht langsam daher kamen. Zwischen den beiden Fabrikthoren— es mußte nun jeden Augenblick pfeifen— wurde uns„rocherig" zu Mute, also heißt es, eine Friedenspfeife in Brand stecken. Natürlich ist das mit Han- tierungcn verknüpft, die nicht im Gehen erledigt werden können. Wir bleiben stehen, um mit deutscher Sorgfalt unsre„Havannas" anzubrennen. Die Gendarmen interessiert die Sache ungemein; sie kommen näher, nahe, ganz nahe.„Die verfluchte Pfeife", wettert mein Begleiter, meinte aber nicht die Cigarre, sondern die noch immer stille Dampfpfeife. Auch die verflixten„Schweden" wollen nicht brennen, dabei fange ich einen zwifchen den beiden Hütern der Ordnung gewechselten Blick auf, der mir besagt, daß sie zwar noch nicht unsre Cigarren, dafür aber„Lunte gerochen" haben. Da— es pfeift, wir„ziehen" und zählen, mein Begleiter für das linke, ich siir das rechte Thor.— Elf und dreizehn macht vierundzwanzig. So, nun wissen wir es; zwei Dutzend„Rausreißer" in zwei Betrieben, die sonst zusammen 399 Arbeiter beschäftigen. Nachher brachten wir noch in Erfahrung, daß in der einen Fabrik noch vier Böhmen, in der andern drei folgenden Worten:„Verfassungsmäßige Gleichberechtigung, sociale Gerechtigkeit, Freiheit der Religion, das ist die wichtigste Hcimatspolitik. Von diesem Horst aus kann der deutsche Aar sich auch ruhig erheben zur Weltpolitik, nicht beutegierig, sondern schützend seine Schwingen ausbreitend, vom Fels zum Meer und über die Meere"(Hört! hört! bei den Socialdemokraten). Wenn man eine solche Aufmunterung der höchsten Stelle des Reichs giebt im Namen der stärksten Partei, dann darf man sich doch jetzt nicht in solchen Lamentationen ergehen, wie es gestern Herr Schädler that. Freilich. jetzt kommt den Herren die Besorgnis vor den Konsequenzen ihrer eignen Politik. Herr Schädler hat aus der Rede des Schatzsekretärs heraus- klingen hören, in nicht zu langer Zeit seien weitere erhebliche Mehr- ausgaben zu befürchten. Glauben Sie denn wirklich, daß diese Mehrausgaben nicht eintreten werden? Sie wissen so gut wie wir, daß sie kommen werden, aber Sie lassen die Dinge an sich heran« kommen, während wir nicht früh genug die Oeffentlichkeit warnen können. Die Thronrede kündigt die Verlängerung des QnmqiiennatS um ein Jahr an, ein bisher noch nicht vorgekommenes Verfahren. Jeder Denkende weiß, weshalb es gewählt wird. Es ist eben ein Ding der Unmöglichkeit, angesichts der traurigen finanziellen Lage mit einer neuen Militärvorlage zu kommen, die mehrere Dutzend Millionen kosten wird. Wir haben noch keine Septennatsvorlage ohne Vermehrung der Armee gehabt. Von dieser schönen Gewohnheit wird auch im nächsten Jahre sicher nicht abgegangen werden. Die Militärverwaltung glaubt mindestens 7999 Mann gut zu haben und verweist außerdem auf die Vermehrung der Bevölkerung. Angesichts der Finanzlage ist es nur ein Akt einfachster Klugheit, wenn man die militärischen Forderungen um ein Jahr verschiebt in der Hoffnung, daß mittlerweile die neuen Handelsverträge auf Grund des neuen Zoll- tarifs erhebliche Mehreinnahmen schaffen. Die verschiedensten kost- spieligsten Pläne schweben in der Luft, wofür die Militärschriftsteller in der Tagespresse jetzt schon Stimmung zu machen suchen. Gedacht wird vor allem an eine Vermehrung der Kavallerie. Auch für die Artillerie ist von neuer Ausrüstung die Rede. Vor wenigen Jahren ist eine Artillerievorlage von 144 Millionen Mark angenommen worden, und nun stellt es sich heraus, daß unser gesamtes Artilleriematerial im Kriegsfall unterwertig ist. Kopflosigkeit bei der Artillericvcwaffnung. Sonst ist man gewohnt, daß Militärverwaltungen ihre Pläne aufs sorgfältigste vorarbeiten. Aber wie man damals 1890 uns die Artillericvorlage vorlegen konnte, während schon damals die ersten Exemplare des neuen" Rohrrücklanf-Geschiitzcs vorhanden waren, ist unbegreiflich. Gegen solche Leichtfertigkeit kann der Reichstag nicht energisch genug protestieren, ehe eine solche Sitte auch auf andern Gebieten einreißt. Da ist es kein Wunder, wenn man in militäri- schen Kreisen glaubt, der Reichstag bestehe aus großen Kindern, denen man vormachen könne, was man wolle. Unsre Partei trifft dieser Vorwurf nicht. Zugleich ist damals die neue Fcldhanbitze eingeführt worden,' über deren Leistungsfähig- keit uns damals in der Budgetkommission Wunder- dinge erzählt worden sind. Heute erflärt ein Fachmann wie der G e n e r a l l i e u t e n a n t v. Alten sie für ein ganz unbrauchbares Geschütz, dessen Einführung ein Wunder sei. Auf 199 Schuß kämen höchstens zwei Treffer, 39 Crntner Blei müßten für jede» Treffer vcrfchoffen werden usw.(Wiederholtes leb- Haftes Hört! Hört! bei den Socialdemokraten.) In welchem Matze muß das Ansehen Deutschlands bei den auswärtigen Militär- mächten diskreditiert werden, wenn solche Thatsachen bekannt werden. lieber die großen Kavallerie- Attacken der letzten Manöver ist die ganze Fachpresse in Aufruhr, aber au der entscheidenden Stelle legt man auf solche Kritik kein Gewicht. Ferner soll das Infanterie- gcwehr von 98, das noch in der Einführung begriffen ist, durch ein weit besseres, einen sogenannten Sclbstladrr erfetit werden. Wenn erst eine Armee damit anfinge, müßten alle andren folgen, denfi 'eine Vorzüge seien zu groß. Das sind Zustände, die sich aus der Natur des Militarismus selbst ergeben. Auf keinem Gebiete werden alle Mittel der Wissenschaft und Technik so in Anwendung gebracht, als bei den Mcnschcn-Zerstönmgsnmschinen, selbst unter den größten materiellen Opfern. Ständig befindet sich die ganze.Militär- und Marincverwallung in einer völligen Revolutionierung, deren Ende gar nicht abzusehen sei. Man braucht nur einen Blick in diese Bücher und Schriften zu werfen, welche Gärung, welche Unzufriedenheit in der ganzen Armee infolge der fortwährenden A e n d e r u n g e n, besonders beim Offiziercorps, eingerissen ist; immerzu neue Uniformen, Schnüre usw., die großen Ausgaben fiir großartig ausgestaltete Manöver. Die unge Burschen und zwei Männer arbeiten, die aber nicht aus d e r F r o n v e st e h e r a u s d ü r f e n; weder bei Tag noch bei Nacht. Sie schlafen, essen und streikbrechcn im Fabrik- gebäude. Streikbrecher von auswärts, die gelernte Textilarbeiter find, haben einen Vorzug, sie dürfen in der Unternehmervilla auf dem Dachboden schlafen. Die bürgerliche Presse weiß von zwölfhundcrt Arbeitswilligen zu berichten. Nehmen wir an, die Zahl stimme,*) so will das noch nichts besagen bei einem Bedarf von über 7999 Arbeitern. Aber unter dieser Zahl Arbeitswilligen sind die Meister mit eingerechnet, ein großer Teil des Restes sind Maiirer, Erdarbeiter usw., Leute, mit denen nach einstimmigem Urteil der Aus» gesperrten eine halbwegs in Betracht kommende Produktion gar nicht möglich ist. Daß Ausgesperrte in immer größerer Zahl sich zur Arbeit melden, ist bis jetzt nicht wahr. Zahl und Namen der em- heimischen Arbeitswilligen sind dem Strcikbureau genau bekannt. Die Stimmung der Ausgesperrten ist immer noch eine vor- zllgliche. Seit Beginn des Kampfes weile ich allwöchentlich einmal in' Crimmitschau, kenne daher das Stimmungsbarometer. ES steht noch auf h e st ä n d i g. Gewiß, die Arbeiter leiden große Ent- behrungen, denn fünfzehn Wochen mit einer geringen Unterstützung sich behelfen müssen, zumal noch iin Winter, ist eine bewunderns- werte Leistung. Wer unter den Crimmitschaner Ausgesperrten ge- weilt hat, er scheidet von ihnen mit größter Hockachtung. In manchem Kampfe habe ich Arbeitcrmassen achten und schätzen gelernt; die Crimmitschauer Tcxtilproletaricr zwingen zur rückhaltlosen Nach- ahmung. Die deutsche Arbeiterschaft hat in glänzender Solidaritäts- bethätigung— die hoffentlich nicht erlahmt— den Crimmitschaucrn auch ihre Anerkennung gezollt. Schwer lastet der behördliche Druck auf den Ausgesperrten; ihre öffontlicheu und ihre Kontrollvcrsammlungcn sind verboten, die Aus- zahlung der Unterstützungen in unerhörtester Weise erschwert. Straf- Mandate und Anklagen hagelt es förmlich. Das politisch bankrotte Ministerium Metzsch, dem daS sächsische Volk im Juni d. I. das Urteil mitgesprochen hat, will durch die polizeiliche Nieder- zwingung der Crimmitschauer Arbeiter sich bei der herrschenden Klasse wieder in Position bringen. 7000 um eine dringend not- wendige Verkürzung der Arbeitszeit in streng gesetzlicher Weise ringende Proletarier sollen der heutigen sächsischen Regierungsreaktiou wieder in den Sattel helfen. Was mögen die nächsten Tage bringen? Man kann sich aus noch Tolleres gefaßt machen, als schon geschehen ist. DaS Ministerium Metzsch braucht einen Erfolg; den Unternehmern brennt das Feuer unter den Nägeln und sie verstehen sich gut zusanimen, die sächsische Regierung und das Ansbeutertum. Klassen st aat! Möge bald deine Stunde schlagen. g. sch. *) Es ist mittlerweile durch das Klage-Rundschreiben deS Unter» nehmertums bekannt geworden, daß die Zahl der Streikbrecher sich auf höchstens 759 belänft. Paraden werden allmählich geradezu in unheimlicher Weise bevor- zugt! Nicht nur nach dem Manöver, wie früher, sondern schon vorher werden jetzt Paraden abgehalten. Unter nngeheuren Rosten werden Truppen an Ort und Stelle transportiert nnd dann wieder zurück, weil die Manövcrgelände ganz wo anders liegen. Die Manöver selbst sind für den Zuschauer ganz hübsch. aber für den Kriegsgebrauch ganz unnütz und schädlich. Für die Paraden bei Erfurt sind zahlreiche Soldaten ein Jahr vorher thätig gewesen, um das Terrain zu planiere».«Hört! hört! bei den Socialdcmokraten.) Man hat ein Jahr lang Besitzer entschädigt, eine breite Heerstraße zum Anmarsch erbaut. Wo stehen im Etat die Posten für derartige Dinge? Da könnten wir doch wohl mit kürzerer Dienstzeit auskommen; die wirklich kriegsmäßige Ausbildung würde kaum ein Viertel der Zeit beanspruchen. Alles andre behalte ich mir für den Militäretat vor. In der Presse lvird ja auch für die Schaffung eines Doppel-Schlachtgeschwaders Propaganda gemacht. Es gehen Gerüchte mn, daß an den Instituten, die mit unsrer Militär- und Marineverwaltung in Verbindung stehen, Personen bis in sehr hohe Kreise hinein finanziell beteiligt sind. Beweisen kann mait eS ja nicht, ich konstatiere also nur, daß solche Gerüchte umgehen. Ich kann keine Beweise für die Wahrheit dieser Gerüchte er- bringen. Ich konstatiere nur, daß sie im Umlauf sind. Es unterliegt für mich keinem Zweifel, daß, wenn es die Finanzlage nur irgend zuläßt, solche Anforderungen nach einem neuen Flotten- schlachtgeschwader gestellt lverden werden.«Sehr richtig! links.) Alan wartet nur auf de« Zolltarif. Aber ich bin überzeugt, zu solchen Plänen genügen die Einnahmen aus dem Zolltarif nicht, da reichen die zu erwartenden Mittel nicht ans und man wird zu Anleihen greisen oder nenc Einnahmequellen erschließen müssen. Nun sind ja solche Einnahinequelleu vor- Händen: bei unfern r e i ch e n Kl a s s e n. Millionen Mark. England zieht aus seiner Einkommen- stcuer jährlich die schöne Summe von 78ä Millionen. Gewiß ist England ein ungleich reicheres Land, aber selbst zugegeben, daß es dreimal so reich ist, ist doch sein Ertrag aus dieser Sleuer erheblich höher. Ebenso ist der Ertrag, den F r a n k r e i ch und England aus ihrer Erbschaftssteuer ziehen, viel höher wie der Preußens. Es wäre eine Kleinigkeit, aus den Taschen unsrer besitzenden Klassen fiir das Reich mindestens 300 Millionen Mark herauszuziehen.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Freilich dann würde die Situation mit einem Schlage verändert werden. Während man sich aber gegen eine Reichs- Einkommen- und Reichs- Erbschaftssteuer auf das cnt- schiedcnste wehrt, plant man jetzt eine Wehrsteurr, die ihrer ganzen Natur nach eine direkte Steuer ist, welche vor allem die armen' Leute trifft. Es hat mich nicht überrascht, als gestern Herr S ch ä d l e r fiir seine Person erklärte, daß er einer Wehr» st euer nicht abgeneigt sei, deren Erträge er für Veteranen- beihilfen verwendet ioisscn wolle. Herr Schädler weiß so gut wie ich, daß, wenn wir eine solche Steuer bewilligen, diese dann in den allgemeinen Rcichsetat fließt, und wenn auch, um nach außen das Dekorum zu wahren, ein Teil davon vielleicht fiir Veteranen- beihilfen verwendet wird, so wird doch der größte Teil von neue» Ausgaben für Heer und Flotte in Anspruch genommen werden. 1881 hat der Reichstag eine derartige Vorlage mit ungeheurer Mehrheit auch aus dem Centrum heraus abgelehnt. Daß inzwischen die Stimmung des Centruins eine andre geworden ist, ivar mir freilich nicht unbekannt, haben sich doch auch bayrische Centrums- blätter dahin ausgesprochen, daß eine solche Stcuer ganz acceptabel wäre. Da ist es ganz angebracht, auf die Ausführungen hin- zuweisen, mit denen seiner Zeit der Führer des Ccntrums Herr v. Schorlemer-Alst eine solche Steuer bekämpfte. Er betonte, dag es sich dabei um eine neue direkte, recht drückende Einkommensteuer handle, die namentlich die ländliche Bevölkerung schwer belaste und die ärineren Klassen mehr treffe als die andern. Dieses Urteil ist durchaus richtig. Die Wehrsteuer schöpft ihre Haupteinnahmeu aus den ärmeren Klassen. Damit steht sie auch in Widerspruch zu dem Stcucrprogramm, das zur Zeit der Flotten- Vorlage das Centrum selber aufgestellt hat.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) lieber die Aussichte» auf neue Handelsverträge cuthält die Thronrede nur eine sehr dürftige Bemerkung. In der Nacht von Sonntag zu Montag wird gerade ein Jahr vergangen sein, daß der neue Zolltarif mit großer' Mehrheit nach einer achtzehn- stllndigen Sitzung angenommen wurde. Wie groß lvar da Ihr Jubel.(Heiterkeit.) Es war Ihnen eine welterschiitterirde That, als mit allen Mitteln der Gewalt die Minorität niedergeschlagen, als mit Geschäftsordnungsbrüchen der Zolltarif durchgesetzt worden war. Und dann stürmten die Herren auf die Tribüne zum Grafen Bülow, zum Grafen Posadowsky, und das war ein Händeschütteln, daZ gar kein Ende nehmen wollte.(Große Heiterkeit.) Es sah so aus, als ob dem Reichstage in de» nächsten 14 Tagen ein ganzes Bouquet neuer Handelsverträge auf Grund des nrncn Tarifs vor- gelegt werden würde. Bis heute aber warten wir vergebens! „In den Ocean schifft mit tausend Masten der Jüngling. Still auf gerettetem Boot treibt in den Hafen der Greis". (Große, allseitige Heiterkeit.) Und tvic wurde der Abschluß des Zolltarifs voin Negierungstisch aus gefeiert? Ebenso klang es aus den Reden der damaligen Nkajorität. Wer daran zweifelte, daß wir aus Grund des neuen Tarifs überhaupt Handelsverträge bekommen können, der wurde verhöhnt, verspottet. Man mußte glauben, daß die umliegenden Nattonen nur darauf Ivarteten, Deutschland höhere Zölle zu zahlen. Heute aber ist der magere Satz in der Thronrede wohl nur anstandshalber aufgenommen worden, weil man etwas sagen mußte. Thatsächlich ist alles so gc- kommen, wir wir es vorausgesagt haben. Die Zollvcrgeltuug des Auslände?.. Es ist keine Aussicht vorhanden, daß Handelsverträge in annehm- barer Form zu stände kommen und weiter hat das Beispiel Deutsch- lands die böseste Nachahmung bei den andren Nationen gefunden. Trotz der energischen Opposition meiner Freunde hat das Schweizcrvolk mit Zweidrittelmehrheit einen Zolltarif mit erhöhten Sätzen angenomnien. Aber die ausdrückliche Motivierung lvar dabei, daß die Schweiz angesichis des Vorgehens von Deutschland nicht zurück- bleiben dürfe, sich eine Waffe der Notwehr zu schmieden. Das ge- schieht in einem Lande, init dem wir bisher die ans- gezeichnetsten Geschäfte gemacht haben. Von Jahr zu Jahr ist unsre Ausfuhr nach der Schweiz gewachsen, die der Schweiz aber zurückgegangen, so daß unsre aktive Handelsbilanz der kleinen Schweiz gegenüber 116 Millionen Mark beträgt. Das Vorgehen Deutschlands hat aber auch die Schutzzollbcwcgung in Eng- land in Fluß gebracht. Seit Jahren hat der Schutzzoll in England eine kleine Anhängerschaft, die aber bei der ungeheuren Mehrheit des Volkes kein Ohr fand. Erst der neue Tarif Deutschlands hat Chamberlain zum Mann der Situation gemacht.(Sehr richtig! links.) Er har zu demselben Mittel wie Bismarck 1873 ge- griffen; ich bin überzeugt, mit demselben Erfolg. Jetzt ist Großbritannien der beste Kunde, den wir in der Welr haben. Die englische Einfuhr nach Deutschland ist mit Ausnahme des Jahres 1900 ständig gefallen und von 826 Mtll. ans 611 Mill. Mark im letzten Jahre zurückgegangen. Hingegen ist die Ausfuhr Deutsch- lands nach England ständig gelvachscn; sie ist allmählich gestiegen von Jahr zu Jahr bis zu der kokossalc» Summe von W5 Millionen Mark, so daß die aktive Handelsbilanz Deutschlands gegenüber Eng- land sich auf rund Löö Millionen Mark beläuft, eine geschäftliche Situation, wie sie großartiger nicht gedacht werden kann. Der Katzenjammer der Uebcrzöllncr. Es ist erstmmlich, mit welcher Ernüchterung s e l b st die„Kreuz- Zeitung" d e in Abschluß' neuer Handelsverträge gegen über st cht. Zu Beginn des Jahres war jeder Monat ohne Handelsverträge aus Grund des neuen Zolltarifs ein Unglück für Deutschland, insbesondere für die deutsche Landwirtschaft, und heute schreibt die„Kreuz- Zeitung", es wäre von wesentlicher Bedeutung, wenn es gelänge, schon für die neue Session einen neuen Handelsvertrag hcrzustcUrn. Aber gar so eilig braucht es Deutschland nicht zu haben. Beim Hasten würde nichts Verständiges herauskommen. Ach, die Be- schcidcnhcit gegenüber vor neun Monaten! Ich weiß nicht, was vor- gefallen ist, welche Informationen man ans der Redaktion der „Kreuz-Zeitung" hat, aber cS müssen sehr gewichtige und bedenkliche gewesen sein, daß man dort zu solchen Ansichten kommt. Auch die Verhau dl u u gen mit Ru ß land sind doch trotz aller Schönfärbereien nicht glücklich vorgeschritten. Das offiziöse Organ Rußlands erklärt, an eineit baldige» Abschluß sei gar nicht zu denken. Die Chancen seien gleich Null. Sic werden sagen, Rußland sei am meisten interessiert, da'cS eine aktive Handelsbilanz gegenüber Deutschland habe. Rußland aber weiß, daß es andre Abnehmer findet, und daß Ivir auf seinen Markt angewiesen sind und daß es ruhig warten kann. Die Situation ist so zerfahren w i e möglich. Und es ist möglicherweise diesem Zustande zuzuschreiben, daß plötzlich die Vorliebe für Schiffahrtsabgaben in der agrarischen Presse wachgerufen worden ist. Ich richte au den Herrn Reichskanzler die direkte Frage, ob er oder irgend eine Re- gierung»nt dem Plane umgeht, irgend eine Schiffahrtsabgabe auf den deutschen Strömen einzuführen? Die Rhcinschiffahrtsakte vom 8. Oktober 1868 mit der Schweiz und Belgien, ähnliche Verträge über die Donau und Elbe mit Oestrcich hindern uns, die ausländischen Schiffe zu besteuern; nur für die deutschen Schiffe im Binnenverkehr könnten Abgaben eingeführt werden; aber dadurch würde die deutsche Schiffahrt schwer geschädigt. Und trotzdem diese ganze Agitation, entgegen den Verträgen, entgegen dem klaren Artikel öl der Reichs- Verfassung, gestützt auf ihre Zustimmung zur Erhebung von Abgaben bei Schiffbarmachung der Uuterweser bei Bremen. Ich will nur noch darauf hinweisen, daß der badische Minister ausdrücklich erklärt hat, ein entschiedener Gegner der Schiffahrtsabgabeu zu sein und sie für ungesetzlich hält. Redner wünscht, daß auch von der Rc- gierung im Reichstag eine derartige Erklärung abgegeben würde. Die Thronrede kommt dann auf die sorialpolitischen Aufgaben zu sprechen. Am 20. Januar d. I. gab der Herr Reichskanzler sein sociales Programm nicht nur für sich, sondern auch für den Kaiser und die verbündeten Regierungen ab:„Die Ausgabe dieses Jahr- Hunderts sei der Ausbau der socialen Gesetzgebung. Seine Majestät sei davon durchdrungen, daß die Arbeiter gleich- berechtigt sein sollen init den andren Klassen und daß diese Gleichberechtigung im Gesetz ihren Ausdruck finden soll." Selbst- verständlich streben auch wir unausgesetzt nach Gleichberechtigung der Arbeiter, aber wo ist die Gleichberechtigung bei den preußischen Landtagswahlcn? Gleichberechtigung auf staatlichem und Wirtschaft- sichern Gebiete gehört zusammen. Wir haben in diesem Jahre eine solche Fülle socialpölitischer Aufragen und Anregungen von den bürgerlichen Parteien bekomme», wie kaum je zuvor. Es scheint, daß die drei Millionen socialdemo- kratischer Stimmen den Herren doch einigermaßen in die Glieder gefahren sind. Sie wollen die Arbeiter mit goldenen Nichtschen und silbernen Wartclvcilchen hinhalten. Alle diese Anträge beweisen, wie viel noch notiocudig wäre und' wie wenig erst geleistet ist. Sie sprechen dafür, daß unsre Kritik an den socialen Zuständen voll- ständig berechtigt ist. Es gicbt eine ganze Reihe von Fragen, die ohne«ede materielle Anforderung zu lösen sind, so z. B. die recht- liche Stellung der Benlfsvercinc. Aber alle unsre dahingehenden Anträge sind bisher stets in den Papierkorb gewandert. Wir er- warten nunmehr auf Grund der Versprechungen des Herrn Reichs- kanzlers vom 20. Januar 1003 und auf Grund der Thron- rede, daß etwas mehr Feuer dahinter gemacht wird. Wenn es nach mir ginge— ich spreche hier im Namen meiner Freunde— so müßte in einen solchen Entwurf die Bestimmung hineinkommen, daß jeder deutsche Arbeiter, so wie einer Krankenkasse, auch einem Berufsvercin angehören muß. Eine ganze Reihe von Kämpfen zwischen Arbeiterorgauisatiouen und Unternehmern, die heute notwendig sind, würden dann vermieden werden. Es ist eine ganz irrige Aufsasiung, wenn behauptet wird, die Socialdemokrasie bezw. die Gelverkschaftcn, die man beliebt sociakdemoftatisch zu nennen, hätten nichts Besseres zu thun, als fortgesetzt große Känipfe und große Arbeitseinstellungen zu provozieren. Im Gegenteil: unbeschadet unsrer Stellung zur bürgerlichen Gesellschaft und zu unsrem Ziele': Umwandlung derselben in eine socialistische, haben wir doch das Bestreben, wo irgend möglich einen friedlichen Ausgleich zwischen Unternehmern und Arbeitern herbeizuführen.(Abg. Pauli: Sehr gut!) Ist Ihnen das denn neu? Dann haben Sie sich sehr ivenig um unsre Bestrebungen gekümmert oder Sie haben Ihre Kenntnis nur aus Zerrbildern.(Sehr gut! bei den Socialdemo- traten.) Besondere Entrüstung, ja Empörung, muß in der Arbeiter- schaft die Auslegung der 152 und 153 der Gewerbe-Ordnung erregen, sowie die unglaubliche Auslegung des Erpressungsparagraphcn. Unausgesetzt müssen große, organisierte Arbeitergrnppen um das ihnen gesetzlich gewährleistete Koalitionsrecht bis aufS äußerste kämpfen. Das Recht wird ihnen besonders von den Unternehmeril in schroffster Weise genommen. Diese Erfahrung haben in diesem Jahre wieder große Bezirke in Deutschland machen müssen. Ich erinnere nur an die Kämpfe in Iserlohn, Pirmasens, Bremerhaven usw., wo nach wochenlangem Ringen Taufende von Arbeiter» mit ihren Familien dem Elend preisgegeben wurden, weil die Unternehmer mit bnitnlcr Anwendung ihrer socialen Gewalt vcr- langen, daß die Arbeiter aus ihren Fachorganisationcn austreten. Das ist eine Brutalität sondergleichen.(Unruhe rechts. Sehr gut! bei den Socialdemokraten). Und das allerschlimmste ist, wenn dann infolge der Erbitterung und des Hasses, die notwendig aus der- artigen Maßregeln hervorgehen, kleine Gesetzesübertretungen stattfinden nnd Polizei und Staatsanwalt die Arbeiter auf die Anklagebank zerren und mit schwersten Strafe» belegen. während die Unternehmer, welche die Känipfe provoziert, den Haß und die Erbitterung erzengt haben, frei ausgehen und noch von Polizei und Gerichten in Schutz genommen werden. Diesen Zustand der Dinge können sich die deutschcir Arbeiter auf die Dauer un- möglich gefallen lassen.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) ' Was man deutschen Arbeitern zu bieten wagt, dafür nur ein Beispiel. Ein Unternehmerstücklein. In Meißen, Ivo die Töpferei-Jndustric sehr hoch entwickelt ist. wird an die Arbeiter die Aufforderung gerichtet, sie sollten aus ihrem Verbände austreten, widrigenfalls sie insgesamt auf die Straße geworfen würden. Zu meiner großen Ucbsrraschnug folgten die Arbeiter dieser brutalen Forderung, sie traten einmütig aus. Und was geschieht? Ihnen wird trotzdem am vorigen Sonntag gekündigt, und sie werden jetzt kurz vor Weihnachten anss Pflaster geworfen. (Hört! hört! und Psui-Ruse bei den Socialdemokraten.) Kann es etwas Gemeineres, Niederträchtigeres, etwas Wortbrüchigeres nnd Ehrloseres geben?(Große Unruhe rechts, lebhaftes Bravo! bei den Socialdcmokraten.) Wenn Z u ch t h a u s g e s e tz c an der Ordnung ivärcn— hier wären sie am Platze gegen diese elenden Männer. Und derartige Beispiele kommen von Jahr zu Jahr in Deutschland an allen Ecken nnd Enden vor. Sie haben keinen Begriff davon, welche Gemütsstimmung die Hunderttausende von Arbeitern erfaßt, die in dieser Weise behandelt werden. Aus solchen Tharen heraus ist allerdings das Sie erschreckende Anwachsen der Socialdemokrasie durchaus erklärlich. In * Crimmitschau stehen jetzt 7000 Arbeiter in der sechzehnten Woche im Streik. Die Arbeiter sind ausgesperrt lvorden, weil sie eine Verkürzung der Arbeitszeit von elf auf zehn Stunden, eine Verlängerung der Mittagspause von einer Stunde auf anderthalb Stunden und eine Lohnerhöhung von fünf bis zehn Prozent gefordert hatten. Die Löhne in Crimmitschau sind schlecht. Selbst die„Kölnische Zeitung" hat darauf hingewiesen, daß im Rheinland höhere Löhne gezahlt werden. Die Arbeitgeber haben bei der Aussperrung von ihrer Macht Gebrauch gemacht. Sic haben den Arbeitern den Krieg erklärt. In diesem Ä r i c g aber müssen nun auch die Waffen gleich sei n. Es ist die verdammte Pflicht und Schuldigkeit des Staates und der Behörden, daß sie sich neutral verhalten.(Sehr richtig! links.) Die Crimmisichancr Behörden haben sich aber zu Gunsten der Arbeitgeber in unerhörter Weise eingemischt. Die paar Arbeitgeber haben es leicht, sich zu verständigen. Die Tausende von Arbeitern müssen aber in Massenversammlungen zusammenkommen nnd dieses Zusammenkommen wird ihnen jetzt unmöglich gemacht.(Pfuirufe links.) Wir sind das ja von Sachsen gewöhnt. Mir ist kein Fall bekannt, daß ein höherer sächsischer Staatsbeamter einmal auf feiten der Arbeiter getreten iväre, immer auf feite der Unter- nehmer. Unterdrücker und Ausbeuter.«Lebhafter Widcrsvruch rechts und ans der linken Bnndesratsfeite, lebhafte Zustimmung bei den Socialdemokraten.) Anfangs hat ja der Crimmitschaucr Bürger- meistcr vermitteln«vollen, die Arbeitgeber haben es zurückgewiesen, ebenso wie eine Bermittclnng des GewerbegerichlS.(Hört! hört! links.) Ausschreitungen sind dabei so gut wie gar nicht vor» gckominen. Ich ianii Ihnen(nach rechts) nur sagen, die Selbst- beherrschung,«velche die Crimmitschauer Arbeiter bewiesen habcit, hätten Sie in ähnlichen Fällen nicht beobachtet.(Lebhafte Unruhe rechts, Zustimmung links.) Alan ist zu cmer neuen Ausmessung der Säle geschritten;' Säle, die nach behördlicher Schätzung für 1000 Personen Raum bieten, sollen jetzt nur für 000 Per- sonen Platz haben, gerade als ob die Arbeiter während der langen' Hnngcrwochen um so viel dicker geworden wären. (Sehr gut! links.) Zu solchen Mitteln greisen die Behörden gegen die armen Arbeiter. Die Folge davon ivar, daß sich die gesaintc deutsche Arbeiter- schaft mit den Crinnnitschauer Genossen solidarisch erklärt hat und die UnterstützlmgSgelder, je länger der Streik dauerte, erhöht werden konnte«» Das Vorgehen der Behörden ist ja erklärlich, wenn man hört, daß der Bürgermeister von Crimmitschnn der Schwiegersohn eines der reichste» Fabrikanten ist(Hört! hört! li>«ks, lebhaste Unruhe rechtsß daß ein großer Teil der Fabrikanten in der Stadtverordneten- Versammlung nnd im Stadtrat sitzt.(Hört! hört! bei den Social- deinokraten.) In den letzten Tagen ist nun ein Utas der Amt?- hauptinannschaft ergangen, in dem jedes Tanzvergnügen, jede Ber- saminluiig untersagt, so zu sagen der kleine Belagerungszustand über Crimmitschau verhängt wird. Mit Geiiialt will man die Arbeiter unter die Füße der Uilternehrner ducken. Man hofft, daß sie«nutlos lverden,«venu sie sich nicht mehr gegenseisig in Versaminlungen anseucri« können. Ist das nicht skandalös, ist das nicht ein Mißbrauch der Amtsgewalt?(Lebhafte Unruhe rechts. Zu- stiminung links.) Die Auszahlung der Unterstützungsgelder geschieht in zahlreichen Lokalen, aber trotz der vielen Lokale sind natürlich Ansammlungen dabei nicht ganz zu vermeiden. Von der Polizei lvird aber jede Ansammlung vor den Thüren verboten, und in den Lokalen dürfen außer dein Komitee nicht«nehr wie sechs Streikende zur Empfangnahme der Gelder auf elni««al sich aufhalten. In jedem Lokal sind zive« Gendarmen postiert,«velche diesen sechs Leuten sogar jede Unterhaltung verbieten.(Lebhafte Pfuirufe links.) Das ist skandalös, das ist init einem Worte echt sächsisch.(Lebhaste Zu- stimmung links. Der sächsische Geheimrat Fischer, der am linken BnndeSratstische sitzt, gerät in lebhafte Kontroverse init den unter ihm sitzenden socialdemokratischen Abgeordneten. Die Zwischeirrufe «verde«« so laut, daß sie die Stimme des Redners übertönen und Vicepräsident Paasctfe heftig die Glocke schwingen muß, um die Ruhe wiederherzustellen.) Mai« hat die Flugblätter der Arbeiter konfisziert, sie selbst ins Gefängnis geworfen, aber als ein Fabrikant cinci« Arbeiter anfaßte und ihm sciiiei«� Rock zerriß, hat der Staatsanwalt ein Einschreiten abgelehnt. Einpörende Zustände für die sächsische Arbeiterklasie! Käme wieder ein 16. Juni, die Regierung ivürde noch eine ganz andre Antivort bekommen. Tie sächsische Regierung hat noch nicht geling, es«miß noch besser kommen. Die Fabrikanten suchen Streikbrecher ii« der ganzen Welt, das nehme ich ihnen nicht übel, aber daß sie mit besiügerischcn Mitteln vorgehen, ist empörend. Hier habe ich Briefe von Arbeiten«, die erkläre««, daß sie schmählig getäuscht worden sind! Tmlseude von Arbeitern hungern; daß sie das uin ihrer Ehre Ivillen thun, verdient uiisre Hochachtung. Biel mehr moralischer Mut, angesichts/der Frauen und Kinder hungern zu müssen, als in der Schmcht vor die Münduligei« der Gewehre zu treten. Und tvas lvird weiter die Folge sein? Das sociale«virtschaftliche Leben Crimmitschaus wird vollständig vernichtet. Hunderte und Abcrhundcrte von kleinen Ge- schäftsleuten gehen bankrott, die Ha«lsivirte bekommen keine Miete. die J««dustrie hat den schwersten Schaden. Die Hartnäckigkeit des UuternehmerUlms, wo die Textilindustrie wie nie blüht, ist«in- begreiflich. Dabei ist alle Erfahr«lng dasiir, daß die Abkürzung der Arbeitszeit von elf auf zehn Stlindcn keinen Schaden bringt, keine einzige Jndnstrie der Welt ist bis hrute durch Arbciterschutz-Maßregeln in ihren« Bestände angetastet«vorden, sonder«,, sobald sie sich angepaßt hat, floriert sie, wie nie. Die Unternehmer sagen: Gegen den Zehn- stundcntag hätten wir nichts, aber er müßte gesetzlich für alle ein» geführt lverden. Jawohl,«venu«vir hier cincn Antrag einbringen, timmen sie, die Unternehmer, ihn nieder««nd dann verlangen sie ihn. England hat den Zehnstundentag schon seit 1844 und heute beträgt die Arbeitszeit in der Textilindustrie 50—52 Steide«« gegenüber den 66 Stunden in Deutschland. Der Herr G r a f B ü l o w hat in seiner Rede vom Januar dieses Lahres auf ein Marginale des Kaisers Hingelviesen: Ach, hätten wir doch einen Millcrand! Warum Ivill denn Herr Graf Biilolv selber kein Millerand«v e r d e n?(Stürmische Heiterkeit.) Es wäre doch gar nicht o schwer. Die Arbeitszeit in den französischen Fabriken beträgt vom 1. April 1904 ab zehn Stimden als gesetzlicher Normalarbeits- tag. Nun brauchte Graf Bülow ja bloß eine Borlage dieser Art ein» zubringen. Aber nein, bei seinen eignen Kollegen Ivürde er Wider- stand ftnben. Keinen eifrigeren Gegner hat der Zehn- stundentag als Herrn Atöllcr. Die Crimmitschauer Arbeiter haben sich in sehr bescheidenen Grenzen gehalten und die Unternehmer hätten ihre Forderungen ohne weiteres acceptieren müssen, statt die ganze Crimmitschauer Industrie so zu schädigen, daß sie es niemals wieder einholen kann Daß aber die Behörden in einseitigster, parteiischster Weise eingreisen, muß in energischster und entschiedenster Weise zurückgewiesen werden. Bei der gesetzlichen Einführung solcher Bestimmungen, wie ich sie vorschlage, würden die Unternehmer sicher sein, daß sie mit allen andren Unternehmern unter gleichen Bedingungen konkurrieren. Hier liegt ein Gebiet, da seiner Regelung dringend harrt. Jetzt hat auch das Centrum einen dahingehenden Antrag eingebracht. Wer aber hat dasselbe seit 19 Jahren vergeblich gefordert Wir, die Socialdemokratie. Seit 1884 haben wir fortgesetzt derartige Entwürfe eingebracht und Sie(zum Centrum) haben sie abgelehnt. Jetzt endlich begreifen Sie, daß es auf diesem Wege nicht länger geht. Wir müssen verlangen, daß endlich einmal die deutsche Arbeiterklasse eine Stellung im Staate erlangt, wie sie ihr zukommt, die Arbeiter sind die Grundlage unsrer heutigen Gescllschafts- ordnung, diese kann weit eher 30 000 Stopfe aus den oberen Gesell- schaftSkreisen entbehren, als 30 000 Arbeiter.— Freilich, wer Deutschland nur von außen ansieht, der kvmrte bei den permaneuten Festlichkeiten und grosiartigen Empfängen, die bei allen möglichen Gelegenheiten veranstaltet loerden, auf den Gedanken kommen, daS deutsche Boll schwimme in Reichtum und Uebcrfluß. Auch daS fängt an, immer weiteren Kreisen des Volkes über- satt zu werden. Und dabei auf der andern Seite ein ServilismuS, eine Schmeichelei, eine Hundedemut nach oben, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann.(Sehr gut l bei den Socialdemokraten.) Etwas AchnlicheS findet sich nur in der Geschichte des verfallenden Roms. Auch unsre Stellung nach außen in der Welt ist keinesivegs so, wie man sie sich wünschen könnte. Hans Dampf in allen Gassen wollen wir freilich nicht sein, aber das Deutsche Reich als eine der ersten Kulturnasioncn hätte doch alle Ursache, andren Nationen gegenüber sich in seiner Stellung cinigennaßeir zu fühlen. Ich bin der Meinung, daß die Benezuela-Affaire keineswegs zu unsrer Genugthuung ausgegangen ist, sie hat so geendet, wie sie eigentlich hätte anfangen sollen. Man hätte die ganze Sache von vornherein vor. das Haager Schicds- gcricht verweisen sollen. Es entspricht auch m. E. wenig der Würde Deutschlands, wenn man mit allerhand Geschenken andren Rationen gegenüber so besonders freigebig ist, und wenn man z. B. den Vereinigten Staaten von Nordamerika förinlich nachläuft und ihnen alle erdenklichen Geschenke an den Hals wirft, für die sie allem Anschein nach nicht einmal das richtige Gefühl der Empfäug- lichleit haben.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Der offizielle Empfang Bandcrbilts. Und was soll es heißen, daß der junge Cornelius Banderbilt, der in diesem Jahre eine Spazierfahrt über den Ocean machte, in Westpreußcn von den Spitzen der Behörden begrüßt werden mußte. Ich habe über solckie Zustände ein Kopfschüttcln in Kreisen gefunden, die nicht socialistisch find. Was geht uns denn dieses Bürschchen an? Was hat dieser Cornelius Vanderbilt denn eigentlich für Verdienste? Ein solches Vorgehen kann doch nur den Anschein erwecken, als wären wir nicht die starken, selbstbewußten Männer, für die wir uns sonst ausgeben. Bauchrutschen vor Rußland. Und dann die traurige Rolle, die wir Rußland gegenüber spielen! Die„Kölnische Zeitung" sprach seiner Zeit unter den, Regime des Fürsten Bisinarck einmal von einem Wettkriechen der Staaten Rußland gegenüber; heute muß man schon mehr von einem Bauchrutschen sprechen(Unruhe rechts. Sehr gut! bei den Socialdemokraten). ES ist in der That eine traurige Rolle, die Deutschland spielt, wenn die russische Polizei im preußischen Staate wirtschaftet wie im Heimat ... ist unbestreitbar, daß es in Preußen zahlreiche von russische Polizcibeamte giebt, denen die deutsche Polizei für ihre politischen Zwecke zur Verfügung steht.(Hört! hört! bei den Social- denwkraten.) Das sind Zustände, wie sie unter Metternich, unter Nikolaus I. nicht möglich waren. Herr v. Plehwc, der russische Polizeiminister, ist in Preußen- Deutschland ein sehr einflußreicher Manu. Wir werden ja bei Gelegenheit einer Interpellation nach Neujahr auf diese Dinge noch ausführlich zu sprechen kommen. Thatsache ist, daß unsre Polizei der russische» alle möglichen Handlangerdienste leistet, und dabei ist Rußland heute noch der Hauptsache nach ein b.wbarischer Staat.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Was haben wir für Gräuelthaten erlebt in Kischinew unter der Duldung der obersten Polizeibehörden! Ein Staat, in dem solche Grausamkeiten unter den Augen der Behörden vorkommen können, das ist ein barbarischer Staat schlimmster Art. Ich erinnere Sie auch an die Metzeleien vor einigen Jahren am Ainur, welche von russischen Generalen ausgingen. Dort wurden tausende armer Chinesen mit Weib und Kind in den Amur getrieben, und die Armen, die versilchten, sich an das Ufer zu retten, wurden elend von den Russen niedergeknallt. Die besten Männer und Frauen Rußlands, die für Zustände kämpfen, wie wir sie in Deutschland haben, müssen dafür ihr ganzes Leben in den Bergwerken Sibiriens schmachten. Alljährlich hören wir ans den russischen Untcrsuchungs- gcfäitgnissen, daß die Opfer jahrelanger Untersuchungshaft wahnsinnig werden und zum Selbstmord getrieben werden. Im November haben die Zeitungen die Notiz gebracht, daß bei einem russischen Obersten, der in Sofia verhaftet worden ist, Papiere gefunden wurden, die den Beweis lieferten, daß die nissische Regierung bereits monatelang vorher Kenntnis von der Königsschlächterei in Belgrad gehabt hat(Hört! hört! bei den Socialdemokraten), ohne zu ver- suchen, sie zu verhindern. Das offizielle Rußland, das beim Sturze des Battenbergers, beiin Morde Stambulows beteiligt war, daS auch einen großen Teil der Aufstände in China auf dem Gewissen hat, dieses Reich, das stets für Barbarei und gegen Kultur mit Gewalt, Unterdrückung und selbst mit dem Morde im Bunde arbeitete, das darf vom Deutschen Reich nicht unterstützt werdeu.(Lebhafter Beifall bei den Socialdemokrvten.) In Rußland herrscht, wie das alte Wort lautet, der Absolutismus gemildert durch den Meuchelmord. Wir haben keinen Grund, Rußland in irgend einer Beziehung zu Diensten zu stehen.(Sehr richtig! bei den Socialdemokralen.) Nach allen Seiten hin haben sich also unsre Znstände höchst nn- erfreulich gestaltet. Die Masse der Bevölkerung aber verlangt immer dringender neben der Sicherung ihrer niatericllen Wohlfahrt geistige Freiheit und Gerechtigkeit. Nicht rückwärts sondern vorwärts lautet die Losung. Sie würden gut thun, Ihre Maßnahmen danach ein- zurichten.(Lebhafter wiederholter Beifall bei den Socialdemokraten.) Reichskanzler Graf Bülow: Ich muß es dem Herrn KricgSministcr überlassen, im einzelnen die Angriffe zurückzuweisen, die der Herr Abg. Bebel gegen die Organisation unsres Heeres hier gerichtet hat. Ich gestehe,' daß ich auf dem Gebiete der Einrichtungen unsreS Heerwesens, in kavalle- ristischen und arlilleristischen Fragen, in Fragen der Ulliformierung, in militärischen Dctailftagen überhaupt von vornherein zu Herrn v. Einem mehr Vertrauen habe, als zu Herrn Bebel.(Heiterkeit.) Das soll leine besondere Unfreundlichkeit gegen Herrn Bebel sein. Aber die Erfahrung beweist, daß ein Quentchen eigner Anschauung, Praxis und Kenntnis schwerer wiegt, als die phantasievollsten Bor- stellungen.(Sehr gut! und Heiterkeit rechts. Unruhe bei den Socialdemokraten.) Herr Bebel hat vom Drill gesprochen. Drill ist nicht Selbstzweck und soll nie Selbstzweck sein, aber als Mittel zum Zweck hat er sehr wesentlich mit beigetragen zu den Erfolgen der preußischen Waffen seit Friedrich Wilhelm I. Drill und Erziehung haben, wie unser alter Kaiser sagte, den preußischen Soldaten zu dem gemacht, was er ist. Herr Bebel hat sich über die Manöver verbreitet in einer Weise, daß ich kaum glauben kann, er habe je an einem Manöver teilgenommen.(Heiterkeit rechts.) Der Zweck der Manöver, wie aller militärischen Uebungen kann im wesentlichen inmier nur die kriegsmäßige Ausbildung sein. Aber in dieser Beziehung haben die Manöver einen großen Wert als ErziehungS- mittel für Märsche und Gefechtsleistung, als Erziehung für die Führer, als Vorbereitung für den Ernstfall, daß aber auch im Ernstfälle die Kavallerie, auf die es der Abg. Bebel besonders abgesehen hat, eine bedeutsame Rolle spielen wird, so gut wie sie es im letzten Kriege gelhan hat, wie sie cS gethan unter Napoleon und Friedrich dem Großen) ist die Ansicht vieler einsichtigen Militärs in Deutschland und außerhalb unsrer Grenzen. In dieser Beziehung Ivill ich dem Praktiker folgen. nicht dem Laien, auch nicht dem beredtesten Dilettanten.(Sehr gut! rechts.) Der Abg. Schädler hat gestern eine Anzahl Soldaten Mißhandlungen, von schweren Soldatenmißhandlungcn zur Sprache gebracht. Wir alle verurteilen Roheit und Grausamkeit Brutalität und Ungerechtigkeit empören mich gerade so sehr wie Sic. Als Reichskanzler aber füge ich hinzu, daß ich in voller Uebercinstimmuug mit den Kriegsministern aller Bundesstaaten es als die heilige Pflicht der Militärverwaltung betrachte, mit allen geeigneten Mitteln derartigen Ausschreitungen entgegenzutreten ihnen vorzubeugen, sie auszurotten.(Bravo! rechts.) Je höher unser Heer steht, desto mehr müssen wir seinen Schild blank halten. desto energischer alles daran setzen, um den begründeten Beschwerden abzuhelfen. Ich bestreite auch keinem Mitgliede dieses hohen Hauses das Recht, militärische Fragen in den Kreis seiner Erörterungen zu ziehen. Die Kritik muß aber sachlich und gerecht sein, sie dar' nicht blind tadeln und blind verwerfen, sie muß in mili rärischen Fragen auch auf die militärischen Interessen Rücksicht nehmen und auf nationale Gesichtspunkte. Sie darf Ivcder das Selbstvertrauen unsres Volkes erschültern, noch das Ansehen, das wir im Auslande genießen, schädigen und die Aussichten des Friedens gefährden. Es giebt eine doppelte Art der Kritik. Die eine will durch die offene und ungescheute Schilderung der Mßstände praksische Arbeit leisten, um den Körper gesund zu erhalten. Es giebt aber auch eine andre Art der Kritik, der es mehr um den Agitationsstoff als um die Sache zu thun ist.(Bravo I rechts; llu ruhe bei den Socialdemokraten.) Das ist die Kritik, die in diesen Fragen, wo die höchsten Interessen des Vaterlandes auf dem Spiele stehen, von socialdemokratischcr Seite geübt wird DaS ist der Unterschied zwischen Ihnen und uns, und dieser Unter schied hat sich wie ein roter Faden durch die Rede Bebels gezogen Sie verallgemeinern in jedem einzelnen Falle. Für Sie ist die Ausnahme die Regel. Wenn sich irgendwo ein Mitglied der bürg er lichcn Gesellschaft, ein Richter. Unternehmer, Offizier, Unteroffizier, Geistlicher oder Jurist eine Blöße giebt, so stellen Sie es so dar. als ob die ganze bürgerliche Gesellschaft schuld wäre, als ob die heusige bürgerliche Ordnung die Schuld trüge, als ob es nicht auch bei Ihnen räudige Schafe giebt(Unruhe bei den Socialdemo- kratcn), als ob es nicht auch bei Ihnen nichtsnutzige und gemeine schwache Menschen giebt.(Unruhe bei den Social- demokraten.) Unsre Armee setzt sich zusamnrcn im Friedews zustande aus 600 000 Mann und rund SO 000 Offizieren und Unter Offizieren. Daß unter dieser halben Million Menschen Aus- schreitun gen vorkam nren, daß Ungerechtigkeiten begangen werden, berechtigt nicht zu Angriffen iviesie in letzter Zeit so vielfach gegen die ganze Institution gerichtet worden sind. Solche Erscheinungen finden sich auch in andern Berufsständen, auch dort kommen Aus- schreitungen und Mißhandlungen vor. Ich konstatiere aber, daß diese Erlcheinungen in der Armee von Jahr zu Jahr zurückgehen. und ich konstatiere weiter, daß sie, wo sie sich immer zeigen, mit größter Strenge bestraft werden. Nach meiner Ansicht können der- arsige Infamien gar nicht streng genug bestraft werden.(Ruf bei den Socialdemokraten: Mit Stubenarrest! Heiterkeit b. d. Soc., Unruhe rechts.) Herr Schädler bat gestern auch auf Forbach Bezug genommen. Ich stimme dem Herrn Abg. Schädler darin zu. daß ich eine rückhalt- lose Aufdeckung solcher Vorgänge für nützlich halte. ES ist ein gutes Zeichen für eine Institution, wenn nichts verkleistert und nichts vertuscht wird. Ich bin weiter der Ansicht, daß derartige Vorgänge ein Fingerzeig sein sollten dafür, wo die bessernde von sachlichen Motiveir geleitete Hand der Heeresverwaltung einzugreifen hat. Kein Heer der Welt, das deutsche Heer so wenig wie irgend ein andres und noch weniger als ein andres, soll auf seinen Lorbeeren ausruhen. Mit Recht hat Herr Schädler aber davor gewarnt. derartige Fälle zu verallgemeinern, und ich lege nicht nur vor dem Jnlande, sondern auch vor dem Auslände Verwahrung dagegen ein. daß, wie das wiederum in der socialdemo- kratischen Presse so dargestellt ist, solch hätzliche Erscheinungen, die überall hervortreten, typisch wären für das deutsche Offiziercorps, als ob sie vorzugsweise und nur bei dem deutschen Offiziercorps vorkämen. Das ist Heuchelei, das ist Pharisäertum. Es wird auch anderswo gesündigt, ganz ohne Sünde scheint ja nicht einmal die Socialdemokratie zu sein.(Große Heiter keit rechts.) Das Offiziercorps darf nicht verantwortlich gen, acht werden für seine mißratenen Glieder. Es ist noch heute durch- drungen davon, daß kein Stand mehr auf ehrenhafte Gesinnung sehen muß. keiner mehr einer idealistischen Welt- auffassung bedarf. als der Stand. dem die Ver- teidigung des Vaterlandes anvertraut ist. Das deutsche Offiziercorps wird sich immer gegenwärtig halten. daß die großen Erfolge, die wir vor 30 Jahren erzielt haben, in erster Linie zurückzuführen waren auf die altpreußische schlichte und einfache Art. auf die allpreußische Tüchtigkeit und Anspruchslosigkeit, die ohne viel Wortqepränge und ohne unnötiges Sporenklirren auftritt, wofür uns Göbcn, Feldmarschall Graf Roon und unser großer Moltke vor bildlich waren. Ich wende mich jetzt zu dem. was Herr Bebel über die nnS- wärtige Politik gesagt hat. In Bezug auf unsre ostasiatische Politik hat er mir zwei Vorwürfe gemacht, die in seltsamem Widerspruch zu einander stehen. Auf der einen Seite hat er mir vorgeworfen, daß unsre ostasiatische Politik im allgemeinen eine phantastische, abenteuerliche wäre, ans der andren Seite aber findet er, daß ich in der Mandschurei mich zu passiv verhalte. Ich muß gestehen, ein größerer Mangel an Logik ist mir noch kaum je vorgekommen.(Heiterkeit und Sehr gut! rechts. Unruhe bei den Socialdemokraten.) Wenn es einen Punkt in der Welt giebt, Ivo wir nichts zu thun haben, so ist es die Mandschurei. Wenn also Herr Bebel für die Mongolen, die ja loohl die Mandschurei bewohnen, einen neuen Kreuzzug unter nehmen will, alS neuer Peter von Amiens, so lasse ich ihn allein vorgehen.(Stürmische Heiterkeit rechts, große Unruhe bei den Socialdemokraten.) Wie wir durch unsre Politik in Ostasien in Konflikte verwickelt werden können, ist mir unverständlich. Unsre Polisik dort ist so be- sonnen, daß gar kein Anlaß zu begründeten Ausstellungen vorhanden ist. Sie kann also auch keine Konflikre hervorbringen und wenn wir in solche verwickelt würden, so würden wir das gute Gewissen für uns haben. Ich betone aber nochmals, daß, so lveit auch die andern Staaten den Frieden wünschen und die Verträge achten, nicht der geringste Anlaß vorliegt, daß wir in solche Konflikte verwickelt werden. Herr Bebel ist auch auf Venezuela zurückgekommen und hat bedauert, daß wir unsre Differenzen nicht vor das Haager Schieds- gericht sofort verwiesen hätten. Das haben wir aus dem einfachen Grunde nicht gethan, weil der Präsident Castro, für den Herr Bebel im vorigen Jahre mit solcher Lebhaftigkeit eintrat(Heiter- keit rechts), sich darauf von vornherein nicht einließ, sondern erst dann, als wir mit gewissem Nachdruck ihm diese Forderung zu Gemüte führten/ Nun möchte ich aber nicht zaudern. meinem tiefen Bedauern Ausdruck zu geben über die Art und Weise, wie sich Herr Bebel soeben ausgesprochen hat über Rußland. Die Art und Weise, wie der Abg. Bebel sich bemüht hat, Stimmung zu machen gegen Rußland, wie er die russischen Verhältnisse kritisiert hat, die wird sicherlich viel Genug- ihuung erregen bei denjenigen unsrer ausländischen Gegner, die die guten Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland zu trüben suchen.(Sehr richtig! rechts.) Ich bin überzeugt, daß ich die große Mehrheit dieses hohen Haufes auf meiner Seite habe, wenn ich sage. daß eine derartige Art und Weise, abzusprechen, zu tadeln, über die inneren Verhältnisse eines befreundeten Nachbarreiches, eine so zügellose Art der Kritik(Große Unruhe bei den Social- demokraten), ich sage, daß eine so zügellose Art der Kritik(Erneute lebhafte Unruhe bei den Socialdemokraten. Beifall rechts) loeder den Traditionell des Deutschen Reiches entspricht, noch seinen Wünschen und Interessen(Unruhe bei den Socialdemokraten), und ich bin überzeugt, daß ich die große Mehrheit des deutschen Volkes hinter mir habe, wenn ich mich von Herrn Bebel nicht abhalten lassen lvcrde, in loyaler Weise die Beziehungen zu Rußland auch weiter zu pflegen.(Lebhaftes Bravo! rechts. Andauernde Unruhe und Zurufe bei den Socialdemokraten.) Nun ist der Abg. Bebel weiter eingegangen auf unser Verhältnis zu Amerika. Er hat mir vorgeworfen, daß wir Amerika gegenüber nicht kräftig genug ausgetreten siild. DaS ist derselbe Vorlvurf, der viel in der gelben Presse gegen die dortigen Staatsmänner erhoben wird. Und das beweist, daß die Einsichtigen und Vernünftigen auf beiden Seiten an der Erhaltimg guter Beziehungen arbeiten, die weniger Einsichtigen sie zu trüben suchen. Was Herrn V a n d e r- b i l t angeht, fo hat er bei dem Besuche des Prinzen Heinrich in Amerika, die deutschen Gäste auf's freundlichste aufgenommen. Es ivar also ganz natürlich, daß ihm auch, als er nach Deutschland kam, ein höflicher Einpfairg bereitet wurde. Von irgend welcher Unterwürfigkeit bei dem Empfaiige in Danzig— es handelt sich nur um einen bei der dortigen Regierung beschäftigten Assessor und einen schon vorher mit Herrn Vanderbilt bekannten General. ES ist nur zu wünschen, daß Ausländer in einflußreicher Stellung öfter Deutschland besuchen. Weiter hat sich der Herr Abg. Bebel ausgesprochen über den Stand der Handelsverträge und er hat sich über deii Stand der Verhandlungen misgelassen in einer Weise, die im höchsten Grade geeignet sem dürfte, das Zustande- kommen dieser Verträge zu erschweren(Widerspruch bei den Social- demokraten), wenn mair im Ausland glaubte, daß der Abg. Bebel irgend welchen Einfluß ausüben könnte.(Heiterkeit rechts.) Er hat alle Argumente zusammengetragen, die Stellung unsrer Unterhändler zu schwächen.(Lebhafte Unruhe links, Beifall rechts.) Demgegenüber hoffe ich. daß Ivir auf einer für uns annehmbaren Basis b a l d m ö g l i ch st zum Abschluß der Ver- einbarungeu kommen. liebet die Erhebung von Abgabe» auf den Wasserstraße» habe ich nachstehende Erklärung abzugeben: Stach der ganzen EutstehungS- geschichtc deS Art. 54 der Verfassung kann es keinem Zlvcifcl unter- liegen, daß das Recht der Einzelstaateu beseitigt werden sollte, lediglich für das Befahren der Ströme Abgaben zu erheben. Jede Ausnahme bedarf r e i ch s g e s e tz l i ch e r G c n e h in i g u u g. Da weder dem Bundesrat noch diesem hohen Hause irgend lvelchcr Antrag vor- liegt, eine Ausnahme von Art. 54 zu erwägen, dürfte auch für daS hohe HauS kein Interesse vorliegen, auf die in der Presse ent- haltenen rein theoretischen Erörterungen einzugehen, bei der auch die Abmachungen mit andren Staaten in Betracht gezogen Iverden müßten.~ Nun hat der Abg. Bebel erinnert an das, was ich vor einem Jahre über meine socialpolitifche Auffassung gesagt habe. Dabei hat er auch gefragt, lvarum ich nicht den Ehrgeiz hätte, ein deutscher Millcrand zu werden. DaS will ich Ihnen. Herr Bebel, mit aller Offenheit sagen. Einmal, weil Herr M i l l e r a n d durchaus ein französischer Patriot ist, während sie unauf« hörlich erklären, nicht auf demselben nationalen Boden zu stehen wie wir.(Lebhafter Beifall rechts.) lind wenn ich ein Millcrand sein wollte, würden mir von niemand mehr Knüppel zwischen die Beine geworfen werden als von ihnen. Herr Bebel.(Beifall und Wider- Ipruch.) Darüber können Sie nach den Verhandlungen des Dresdener Parteitages wohl nicht mehr zweifelhaft sein, Herr Bebel. Ich habe vor einem Jahre gesagt. daß von einem Stillstand der socialvolitischen Gesetzgebung nicht die Rede sein könne. Daran halte ich vollkommen fest, die verbündeten Regierungen werden sich, wie Sie aus der Thronrede ersehen haben. nicht irre machen lassen, wir werden weiter bestrebt fein, das Recht der Arbeiter immer besser zu schützen, nach und nach an die großen Fragen der Arbeitszeit, rbeitsversassung und Lohnzahlungs-Riethode heranzugehen, soweit das unter voller Aufrecht- erhaltung unsrer Konkurrenzfähigkeit auf dem eltmarkt möglich ist. Wir betrachten es als eine Pflicht des Staates, die Lebenshaltung des Arbeiters zu einer dem Stand- Punkt der modernen Kultur cutsprechenden Höhe zu erheben. Wir wollen nicht nur fortfahren in Arbeiterschutz und-Versicherung, sondern hoffen, nach und nach denjenigen Aufgaben nähertr�cn zu können, die noch ihrer Lösung im nächsten Jahr zehn t harren, die Witwen- und Waisen Versicherung und die Arbeit slosen-Ber« s i ch e r u n g. Wir werden diese Aufgaben aber nur lösen können, wenn wir Schritt für Schritt vorgehen und nicht den Boden unter den Füßen verlieren und nicht unser ganzes Wirtschaftsleben mit Kata- strophen bedrohen durch Eingehen auf die socialdemokratischcn Forderungen.(Beifall rechts.) Durch solche Forderungen, deren Er- ullung nicht möglich ist oder in sehr weiter Ferne liegt, erschwert die Socialdemokratie den socialpolitischen Fortschritt. Noch einen andren Grund, der ihn erschwert, will ich Ihnen mit der größten Offenheit nennen. Der Slbgeordnete Bebel hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß er ein Gegner der Verfassung, der Monarchie ist. Durch nichts wird der sociale Fortschritt mehr erschwert als durch die Art und Weise, wie er von socialdemokratischcr Seite verquickt wird mit antimonarchischen Zielen und Tendenzen. Die Geschichtc beweist, daß die sociale Reform völlig unabhägig ist von der Staatsverfassung, beweist, daß mit der Republik allein nichts gethan ist.(Beifall und Zwischenruf: Nie behauptet.) Auch da wird mit Wasser gekocht. Und eS ist ein großer Irrtum, zu glauben, daß es ein großes Universalserum gebe, daS alle mensch- lichen Krankheiten heilt. Ich sage aber, daß diese Art anti- monarchischer Agitation in hohem Grade ungerecht ist. Nirgends ist oviel für die arbeitende Klasse geschehen wie in dem monarchischen Deutschland. DaS ganze Ausland giebt zu, daß nirgends so viel gethan worden ist. In der Schweiz, die der Abg. Bebel erwähnte, wird ihm nicht unbekannt sein, daß große socialpolitifche Gesetze von der Bundesversammlung angenommen wurden, aber in der Volts» abstinnnung fielen, so die ArbeitSlosen-Versicherung im Kanton Basel. Eine schöne Illustration zu den Angriffen des Herrn Bebel auf die höheren Stände.(Heiterkeit.) Auf die Frage der direkte» und in- direkten Besteuerung will ich nicht eingehen, es lvird deni Abg. Bebel nicht unbekannt sein, daß selbst Herr Millcrand den Widerstand gegen die progressive Einkommensteuer in Frankreich nicht überwinden konnte. Der Abg. Bebel hat eine entsetzliche Schilderung der heutigen Zustände entworfen und uns zweimal mit dem sinkenden Rom verglichen. Ein hinkenderer Vergleich ist mir noch nicht vor- gekommen.(Beifall und Widerspruch.) Ich habe mich doch auch mit Geschichte beschäftigt, aber ich versichere Ihnen, daß dieses hohe Haus ganz anders aussieht, als der Senat zur Zeit des Tiberius.(Heiter- keit), und wenn Herr Bebel diese Rede unter Caligula gehalten hätte, wäre sie ihm schlecht bekommen.(Stürmische Heiterkeit.) Bebel hat auch von Byzantinismus gesprochen. Ich gestehe. daS mich das gewundert hat. Ihm wird cS nicht unbekannt sein, daß es einen Byzantinismus giebt, nicht nur nach oben, sondern uch nach unten. Es giebt nicht nur Fürstenschranzen, sondern auch V o l k S s ch r a n z e n. Das sind die, die den untrüglichen M a s s e n i n st r n kt e n s ch m e i ch e l n.(Lebhafter Beifall rechts.) Von ihnen hat unser größter Dichter gesagt, daß sie die schlimmsten sind. Herr Bebel hat von den Vorgängen in Crimmitschau gesprochen. Ich muß es dem sächsischen Bevollmächtigten überlassen, im einzelnen darauf zu antworten. Ich möchte aber sagen, wenn der Abg. Bebel immer über Unterdrückung und mangelnder Freiheit klagt, w o indet man weniger Freiheit als bei Ihnen.(Unruhe links, Zustimmung rechts.) Keine Partei hat die Redefreiheit andrer ! Zartcien und ihre Versammlungsfreiheit so wenig respektiert wir die orialdcmokratischc.(Lebhafter Widerspruch links.) Ich bitte, mich nicht zu unterbrechen, ich habe Herrn Bebel auch nicht unterbrochen. Ich !�» Tann verlangen, daß lvir hier anständig diskutieren. Welche Tyrannri wird von Ihnen auf den Bauplätzen, in den Werk- stättcu gegen nicht organisierte und anders organisierte Arbeiter ans- grübt? Wie tyrannisch geht es in den Verwaltungen der Kranken- kosten zu. iLebhafter Widerspruch links. Zustimmung bei den übrigen Parteien.) Und wie ist es denn bei Ihnen mit der Meinungs- freihcit bestellt?(Heiterkeit rechts.) Sie reden immer vom finsteren Mittelalter. Auf keinem Konzil i st eine solche Eng- Herzigkeit, solche Unduldsamkeit, solche Kctcrrichterci hervorgetreten, wie auf dem Dresdener Parteitag. Keine Bulle war so intolerant wie die dortigen Erklärungen Bebels.(Zustimmung rechts.) Als nach den Wahlen der Abg. Bernstein eine leise Sehn- sucht nach einem socialdemokrati scheu Vize- Präsidenten durchblicken ließ, da erhielt er von dem Abg. Bebel einen Ruffel, wie ich ihn nicht dem untergeordnetsten Beamten meines Ressorts geben würde.(Große Heiterkeit.) Ich rufe alle die Herren, die hinter mir stehen, als Zeugen dafür an.(Er- neute große Heiterkeit.) In Dresden ist ja eine wahre Exkommnniziernng erfolgt.(Heiterkeit.) Excommunicatio major, excomnnmicatio minor.(Stürmische Heiterkeit.) Sie haben einen Index aufgestellt, in welche Zeitungen geschrieben werden darf und in welche� incht. Das ist alles andre, nur nicht Freiheit. Ihre Freiheit ist die Willkür für Sie, der Terrorismus für die andern. (Zustimmung rechts.) Willst Du nicht mein Bruder fein, so schlag' ich Dir den Schädel ein."(Stürmische Heiterkeit.) Wenn ich Ihnen(nach links) eine Censur ausstellen darf, so würde ich sagen: Kritik, Agitation, und damit Sie sehen, wie objektiv ich bin, Disciplin und Opferfrendigkcit ls, positive Leistungen, Klarheit des Programms Vd(Erneute stürmische Heiterkeit). Mein großer Vorgänger, Fürst Bismarck, hat einmal von der Socialdemo- kratie gesagt: Je st ä r k e r sie wird, d c st o mehr müsse sie mit positiven Plänen herausrücken. Die Kritik sei leicht, aber das Bcssermachen schwer. Jetzt seien 2S, er gebe ihnen noch ein drittes Dutzend, dann aber verlange er einen genauen Operationsplan für die Einrichtung des Zukunfts- st a a t e s. Seitdem sind zwanzig Jahre verflossen und die Social- demokratie hat bereits das sechste Dutzend überschritten, aber diesen Operationsplan haben wir immer noch nicht.(Lachen links, Zu- stimmung rechts.) Herr Bebel hat neulich in Karlsruhe geäußert, der Untergang der bürgerlichen Gesellschaft stehe näher bevor, als diese vielleicht glaube. Sie können es uns deshalb auch nicht ver- Übeln, wenn wir wissen wollen, was n n s b e v o r st e h t. (Stürmische Heiterkeit.) Besitzen Sie also einen genauen Plan für die Errichtung des Zukunftsstaates, dann heraus damit! Sie müssen uns doch endlich einmal sagen, was Sie an Stelle unsres heutigen Staatswesens setzen ivollen, wie das Paradies aussehen soll, in das Sie uns führen wollen.(Abg. Bebel ruft: Sic nicht! Heiterkeit.) Ich danke Ihnen, Herr Bebel, daß Sie mich nicht mitnehmen Ivollen. (Große Heiterkeit.) Aehnlich hat sich über die Notwendigkeit von positiven Leistungen Ihrerseits auch ein Ihnen befreundeter Politiker in der„Nation" ausgesprochen, der leider nicht mehr Abgeordneter ist. Ich habe mich seit Jahren redlich bemüht, mir aus Ihren Reden und Schriften ein Bild des Zukunftsstaates zu machen, die Ausbeute war aber unendlich gering. In der Hauptsache war es ein Aufsatz Liebknechts in der' Zeitschrift„Kosmopolis" und die Broschüre KautskhS:„Die sociale Revolution", die ich einen grünen Bädeker für die Reise nach Utopien nennen möchte. Nach Liebknecht werden im Znkunftsstaat die Kasernen. Zuchthäuser und Schlösser verschwunden sein, die großen Städte nicht mehr existieren. Bei aller Rücksicht, die ich für den ehrlichen, überzeugten Mann, der jetzt im Grabe ruht, hege, muß ich sagen, daß noch nie ein phan- tastischereS Zukunftsbild entworfen worden ist, als in diesem Aufsatz von einem Ihrer hervor- ragend sie n Führer. Ich wundere mich nur, daß Sie die Farben nicht noch dicker auftragen und das Aufhören von Kopfweh und Zahnschmerzen im Znkunftsstaat prophezeien. Der Inhalt der Kautskyschen Broschüre bedeutet für mich den Sprung eines Blinden ins Dunkle. Was Sie an Stelle des heutigen Staates setzen wollen, wissen Sie selbst nicht. Darüber sind Sie sich selbst nicht einig. (Sehr richtig! rechts.) ES ist schon gesagt worden, der Zuknnftsstaat würde ein riesiges StaatS-ZuchthauS darstellen. Wenn auch durch die Diktatur des Proletariats für den Augenblick alles gleichgemacht würde, würde doch bald der eine mehr als der andre haben. (Stürmisches Gelächter links.) Ihre Gesellschaft setzt einen Altruis- nms, eine Bruderliebe voraus, die ich nicht für nwglich halte. Die Republik Bebels ist die Republik PlatoS: diese ist doch nur möglich mit Engeln und Engelssöhnen. Bilden Sir sich denn ein, ein solcher Engel z» sein, Herr Bebel? Sie sind ein netter Engel!(Stürmische Heiter- kcit.) Den berechtigten, natürlichen Egoismus werden Sie nicht aus der Welt auszuschalten vermögen. Dazu müßten Sie vor allem selbst duldsam und gut sein,. aber statt solcher Harmonien haben Sie in Dresden eine schreckliche Kakophonie aufgeführt.(Zustimmung rechts.) Herr Bebel hält ein Milizheer für genügend. Er weiß doch, eS kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Glauben Sie wirklich, wir könnten ohne eine wohl- disciplinierte Armee einem auswärtigen Feinde gegenübertreten? lim die von Herrn Bebel gewünschte a u s iv ä r t i g e Politik zu realisieren, brauchten wir ein viel stärkeres Heer als wir jetzt haben, denn Herr Bebel will ja überall intervenieren, in Finnland, in Rumänien, sogar in der Mandschurei.(Heiterkeit.) Wie denkt sich Herr Bebel die Leitung der auswärtigen Politik? Wen hat er als Minister des Aeußeren ins Auge gefaßt?(Heiterkeit.) Nach dem Dresdener Parteitag wird es kein Akademiker sein dürfen.(Erneute Heiterkeit.) Wie denken Sie über Rußland?(Große Heiterkeit.) Herr Bebel hat an den socialdemo- kratischen italienischen Führer Ferri geschrieben, er ignoriere das Zarentum.(Bebel ruft: Ich habe geschrieben, wir würden den Zaren, wenn er»ach Deutschland käme, ignorieren.) So irre ich mich, so soll es mich freuen, denn daS mächtige russische Reich läßt sich nicht ignorieren und ein friedliches Verhältnis zu Rußland entspricht unsrem wohl verstandenen Interesse.(Sehr richtig! rechts.) Das größte Pech, meine ich, das dem Abg. Bebel passieren könnte, wäre, wenn durch ein Wunder die Social- demokratie plötzlich die Macht erhielte. Dann würde sie ihre ganze Impotenz in bengalischer BclcnchNing zeigen.(Heiterkeit.) Freilich auch für uns wäre diese plötzliche Machtgewinnung ein heilloses Pech. In den Ausstihrungen des Abg. Bebel treten zwei Gesichtspunkte unverkennbar hervor. Einmal die bestehende Staatsordnung um- zustürzen, dann Anklagen wegen mangelnden Entgegenkommens gegenüber der socialdeuiokratischcn Arbeiterschaft zu erheben. Wir werden die bestehende Staatsordnung, dieses Haus, in dem wir wohnen, nach allen Kräften verteidigen, darauf können Sie sich sicher verlassen.(Sehr gut! rechts.) An diesem Hause haben viele gearbeitet, viele große Geister und tüchtige Männer. Aufzubauen ist schwer, einzureißen ist leicht; Künstler, die den Tempel aufführen, die werden selten geboren, aber Hero st raten, die bereit sind, ihn umzustürzen, die si n d zu D u tz e n d en vorhanden.(Unruhe bei den Socialdemokraten.) Wir werden unser Haus zu verteidigen wiffe» mit Festigkeit und mit Ruhe. Wenn wir die Gefahr nicht fürchten, so kennen wir doch sehr wohl die Gefahren, die die Quelle unsrer Macht und Wohlfahrt bedrohen und alle Versuche, an die Stelle der organischen, der gesetz- und ver- fassungsmäßigen Fortentwicklung die widerrechtliche, gewaltsame Revolution zu setzen, werden nach meiner Ueberzeugung scheitern an dem gesunden Sinn des deutschen Volkes, das sich selbst aufgeben würde, wenn es ihnen folgen wollte.(Lebhaftes Bravo I rechts.) Sächsischer BundeSratsbevollmächtigter Geheimrat Fischer (auf der Tribüne schwer verstündlich): Die Angriffe des Herrn Bebel erfordern bei der Wichtigkeit der Sache eine sofortige Antwort. Einen beleidigenden Zwischenruf aus den socialdemokratischen Reihen, der mich als„Kommis der sächsischen Regierung" bezeichnete, habe ich sosort mit dem allerdings unparlamentarischen Ausdruck„Iln- Verschämtheit" zurückgewiesen. Ein weiterer Zuruf lautete dahin. ich solle es nicht etwa wagen, die sächsischen Behörden in dieser Angelegenheit zu verteidigen. Nun, ich würde es als Feigheit betrachten, Ivenn ich heute nicht im Namen der schwer an- gegriffenen Behörden das Wort ergriffe. Ich werde Ihnen das ein- schlägige amtliche Material vorlegen. Die Darstellung des Herrn Bebel über die Entstehung des Streiks war naturgemäß etwas einseitig. Richtig ist, daß der Gegenstand des Streiks in der Hauptsache die Einführung des Zehnstundentags war, daneben ging noch eine Forderung auf zehnprozentige Erhöhung für Accordarbcit. Bei der Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit handelte es sich nicht um eine lokale Angelegenheit, sondern um eine der gesamte» deutsche» Textilindustrie. Zunächst sollte der Zehnstundentag in Crimmitschau durchgeführt werden und dann im übrigen Deutsch- land, weiterhin der neun- und achtstündige Arbeits- t a g. Das ist von den streikenden Arbeitern und auch von einem hier anwesenden Abgeordneten in einer öffentlichen Versamm- lung ausdrücklich zugestanden worden. Der Grund, warum Crimmitschau gleichsam vorangehen sollte. war der, daß dort die Arbeiterschaft ausgezeichnet organisiert ist. Zu Beginn des Streiks waren 3300 Arbeiter organisiert, heute sind eS mehr. In öffentlicher Versanmilung wurde die Forderung des Zehn- stundentages erhoben und kundgegeben, daß, wenn diese Forderung nicht bewilligt würde, der Generalstreik eintreten solle. Die Kosten desselben wurden auf 76 006 Mark veranschlagt. Die Fabrikanten erklärten, sie wollten zunächst mit den a u s w ä r ti g e n F a b r i- kanten und Spinnern über die Durchftihrbarkeit des Zehn- stundentages inBeratung treten und bis zu einem bestimmten Tage Bescheid sagen. Bevor aber dieser Termin abgelaufen war, kündigten die Arbeiter in 5 Fabriken: daraufhin sahen sich die Fabrikanten gezwungen, sämtliche Arbeiterauszusperren, weil sie der Ueberzeugung waren, daß die Arbeiter durch partielle Streiks allmählich versuchen würden, ihre Forderungen durchzusetzen. Bei dieser Sachlage ist es ein müßiger Streit, ob eS sich um eine Aussperrung oder einen Streik handelt, formell muß ich zugebe», daß eine Aussperrung vorliegt.— Bereits vor Ausbruch des Streiks waren die Verhältnisse in den Crimmitschauer Fabriken sehr bc- trübend. Die nicht socialdemokratisch organisierten Arbeiter konnten es kaum in den Fabriken aushalten, von Kollegialität war keine Rede, die notwendigsten Handreichungen wurden ihnen nicht gewährt. Ich muß anerkennen, daß in der ersten Zeit die Haltung der Arbeiter im wesentlichen eine durchaus würdige war. Kleine A n s s ch r c i- tungen kamen ja vor, vielleicht auch ans feiten der Arbeit- gcbcr. Das änderte sich in dem Moment, wo es den Fabrikanten gelang, Arbeitskräfte von auswärts zu erhalten. Die Arbeitswilligen wurden in einer Weise von den Streikenden bedrängt, die nicht mehr schön ist. Ich habe hier eine kleine Auslese von den Vergewaltigungen Arbeitswilliger, die zur Kenntnis der Behörden gekommen sind. Die Streikenden standen in Scharen auf dem ganzen Wege von der Bahn zu den Fabriken. Aus allen Fenstern schauten höhnische Gesichter heraus.(Große Heiterkeit bei den Soc.) Einem Arbeitswilligen spieen vier Streikende nacheinander ins Gesicht. Andre wurden mit höhnischen Hurrarufen empfangen. Den Wohnungsinhabern wurde angedroht, daß ihnen alle Arbeiter überhaupt kündigen würden, wenn sie nicht ihrerseits den Arbeitswilligen kündigten. Die Signalisten der freiwilligen Feuerwehr haben den Dienst verweigert, weil sie nicht mit einem Streikbrecher in ein Horn tuten wollten.(Große Heiterkeit.) Bei der fortwährenden Bedrängung der Arbeitswilligen war es kein Wunder, daß die Polizei einschreiten muhte. In einem Flugblatt wurden die Arbeitswilligen mit Ausdrücken belegt, die ich hier nicht wiedergeben will. 16 Fälle, in denen Streikende wegen Belästigung Arbeitswilliger verurteilt worden, sind zur Kenntnis der Behörden gekommen. Redner verliest eine Anzahl der Urteile, bleibt aber im einzelnen auf der Tribüne un- verständlich.— Die Zahl der Arbeitswilligen ist in letzter Zeit bis auf etwa 1400 gestiegen, und um dieselben wirksam zu schützen, sah sich die Behörde veranlaßt, die weitgehende Anordnung zu treffen, die Herr Bebel erwähnte. Die Behörden haben sich die größte Mühe gegeben, die Unparteilich- kcit zu wahren. Eine Beilegung des Streiks war aber nicht zu er- reichen. Ich muß zugebe», daß der jetzige Zustand dem kleinen Belagerungszustand ähnlich sieht. Man hat eS dem Herrn Minister v. Metzsch vorgeworfen, daß er die Streikenden nicht selbst enipfangen hat. Aus den Akten habe ich ersehen, daß die Fabrikanten sich ebenso beschwert haben, weil eine Deputation von ihnen durch den Minister nicht empfangen ist. Er wollte über den Parteien stehen. Wie der angemeldete Rekurs gegen die erwähnte Verfügung ausgehen wird, weiß ich nicht; gegen ihn wird Beschwerde beim Ober-Verwaltungsgericht eingereicht werden können, das sicher mit thunlichster Beschleunigung ohne politische Rücksichten entscheiden wird. Es steht zu hoffen, daß der Friede recht bald wiederhergestellt wird.(Bravo! rechts, Lachen bei den Socialdemolraten.) Abg. Graf Stolbcrg-Wcrnigcrode(k.): Wenn Herr Schädler gestern an erster Stelle der Krankheit des Kaisers gedacht hat, so hat er das ausgesprochen, was jeder Deutsche fühlt und denkt. Im übrigen sind wir mit seinen Aussührungen im großen und ganzen nicht einverstanden. Was die Finanzreform an- belangt, so köimen wir uns mit dem vorgelegten Entwurf einverstanden er- klären. Die clausula Franckenftein hat nicht die Wirkung gehabt, die man von ihr erhoffte, sie hat aber eine gewaltige Unklarheit in unser ganzes Finanzwesen gebracht. Wenn Sie ehrlich sein wollen, müssen Sie doch zugeben, daß es auch im Reichstag nur sehr wenig Leute giebt, die die Finanzlage des Reiches ganz klar übersehen. Die Matrikular- beitrüge müssen beweglich bleiben, sie dürfen nicht versteinern. Würden wir alle Schwankungen beseitigen, dann schwände das Interesse der Einzelstaaten an den Finanzen des Reiches und der Schatzsekretär wäre den Anforderungen der Ressorts schutzlos preisgegeben. Die Fiuanzreform kann ich als einen erheblichen Forffchriti betrachten. Mehr noch interessiert mich aber die Frage, ob es möglich sein wird, in den nächsten Jahren das Deficit zu beseitigen. Wir haben für den neuen Zolltarif nicht ans Gründen der Finanzpolitik gcftimmr. Die Wirkung, die wir von ihm erivarten. ist indirekt. Wir hoffen, daß er die Lage der Landwirtschast so hebt, daß ihre gesteigerte Kaufkraft eine allgemeine Besserung der Lage herbeiführt, die von günstiger Rückwirkung auf die Reichsfinanzen sein müßte. Wir wünschen Handelsverträge, aber nicht a tout prix. Wir muffen daraus be- tchcn, daß in den Handelsverträge» die Biehzölle in entsprechender Höhe festgelegt werden.(Sehr richtig! rechts.) Noch wichtiger viel- leicht ist es, daß der Schutz gegen die Einschlcppung von Viehseuchen durch die Verträge nicht herabgesetzt wird.(Sehr richtig l rechts.) Wir erheben diefe Forderimg hauptsächlich im Interesse der kleinen Grundbesitzer, für die die Viehzucht von noch größerer Bedeutung ist, als für die Großgrundbesitzer, aber auch im Interesse der Konsumenten. Wenn es uns gelingt, unfern Viehstanv vor Vieh- euchen zu schützen, dann sind die Konsumenten im stände, das er- lorderliche Vieh ans dem Jnlande zu beziehen. Wir sind auch dagegen, daß den Konsumenten in den großen Städten das Fleisch künstlich verteuert wird durch die hohen Gebühren, die die Städte in ihren Schlachthäusern und Viehhöfen erheben. Die Städte be- trachten die Schlachthausgrbühren, die weit höher sind, als die Ver- zinstlNI und Amortisation des Anlagekapitals bedingen würde, als eine Einnahmequelle, sie erheben einen Finanzzoll von den Käufern von Fleisch. Ich bitte den Reichskanzler, hiergegen Maß- nahmen zu ergreifen. Die Verhandlungen mit den andren Staaten über die Handelsverträge scheinen nicht recht vom Fleck kommen zu wollen. Wir glauben, daß die Position unsrer Regierung besser wäre, wenn in das Tarifgesetz ei» Ein- äihrungstermin aufgenommen worden wäre. Wenn die Vertreter des Auslandes auf die deuffchen Borschläge nicht eingehen wollen, wird nichts andres übrig bleiben, als ultiina ratio, als daß wir die Ber- träge kündigen. Ich sage das nicht in leichtsinniger Weise, um Zoll- kriege zu provozieren, aber es wird wohl allgemein zu- gegeben werden, daß die jetzigen Zustände unhaltbar sind. Landwirte und Bauern können bei dem jetzigen unzureichenden Zollschutz nicht bestehen. Wir haben den Tarif nach Kämpfen angenommen, wie sie der Reichstag noch nicht gekannt hat. Wenn wir der Regierung diese Waffe vertrauensvoll in die Hand ge- geben haben, dürfen wir auch erwarten, daß sie, wenn nötia, den richtigen Gebrauch davon macht.(Sehr richtig! rechts.) Belang- reiche Ersparnisse werden sich in der Kommission kaum inachen lassen und das Deficit wird bleiben. Zu seiner Deckung wünscht die Mehrzahl meiner Freunde eine Erhöhung der Matrikularbeiträge unter Vermeidung einer Anleihe. Ich persönlich will mir me»n Urteil vorbehalten. Die Erhöhung derOberstlieutenantsgehälterist vom nüchternen kauf- männischen Standpunkt geboten. Findet sich der nötige Ersatz, so ist für keine Beamtenkategorie die Erhöhung der Gehälter notwendig. Leider haben wir aber einen Mangel an Offiziersaspiranten, und da bleibt gar nichts andres übrig als die vorgeschlagene Erhöhung. Weinr irgend jemand Soldatenmißhandlungen verurteilt, so sind wir es. Aber wir müssen uns klar machen, wie die Mißhandlungen entstehen. Ich will nicht der zweijährigen Dienstzeit die Schuld geben, wohl aber dem Umstand, daß wir aus der zweijährigen Dienstzeit nicht die nötigen Konsequenzen gezogen haben. Es fehlt jetzt an alten bpauchbarcn Gefteiten, die den Unter- offizieren früher zur Hand gingen. Wir leben jetzt im Zustand der schärfsten Konkurrenz auch auf militärischem Gebiete. Mir erscheint eS. als wenn unser Etat an llnteroffizieren zu knapp bemessen wäre. Die Ueberlastung der Unteroffiziere trägt mit die Schuld an den Mißhandlungen, die ich damit nicht entschuldigen will. Ich bitte den Etat der Budgetkommission zu überweisen und eine bessere Verbindung zwischen' Rcchnuugs- und Budgrtkommission herzustellen. Der Bericht der Reckinungskommission über die einzelnen Etats müßte der Budgetlommission immer vorher mitgeteilt werden. (Beifall rechts.) Präsident Graf Ballcstrem: Ich schlage nun dem Hause vor. sich zu vertagen. Bemerken möchte ich übrigens, daß in der Geschäftsordnung lein Passus steht. der lautet: Der Reichstagsmami thut seine Pflicht von 1— ö, mehr thut er nicht.(Heiterkeit.) Das Haus beschließt die Vertagung. Persönlich bemerkt Abg. Metzger(Soc.): Der Zuruf, den Herr Geh. Rat Fischer als Unverschämtheit zurückwies, ist von mir gefallen. Er lautete aber nicht Sie find ja nur der Kommis des Unternehmertums, sondern Sie sind ja nur d i e Kommis des Unternehmertunis. Es lag mir fern, Herrn Fischer persönlich beleidigen zu wollen, und deshalb war sein Ausdruck„Unverschämtheit" durchaus nicht am Platze. Sächsischer Gcheimrat Fischer(persönlich): Nachdem der Stög. Metzger erklärt hat. daß ihm eine persönliche Beleidigung ferngelegen habe, nehme ich den Ausdruck„llnverschämt- hcit" zurück. Der Präsident konstatiert die Wiederaufnahme der Diskussion. Das Haus beschließt aber wieder Vertagung der Sitzung. Unter den Eingängen, die verlesen werden, befinden sich vier von socialdcmokratischcr Seite gestellte schleunige Anträge, die die Einstellung von Strafverfahren gegen die Abgg. Kunert. Schöpflin, Goldstein und Geyer bezwecken. Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr(Fortsetzung der heutigen Be- ratung). Schluß 6 Uhr._ Vermilebtes. Schiffsuntergang. Emden, 10. Dezember. Die hiesige Neptun-Fischerei-Gesellschaft giebt in einer Todesanzeige bekannt. daß kein Zweifel mehr darüber herrsche, daß der Logger„Clara" mit seiner ganzen Besatzung, bestehend aus 14 Personen, während des Orkans am 21. November in der Nordsee untergegangen ist. Sechs Mann der Besatzung, unter ihnen der Kapitän, waren aus Nienbrügge in Echaumburg-Lippc. Der fidele Duellmörder. Während in Deutschland Zeitungs- rcdalteure und andre anständige Leute der schlimmsten Behandlung im Gefängnis ausgesetzt sind, wissen Duellmörder auf der Festung ihrem Uebermut kein Ende. Der Domänenpächter F a l k c n h a g e n, der wcqen Duells, in dem er den Landrat v. Bennigsen fr!*™*--' Festung Weichselmünde eine sechsjährige Festungshaft achounec-, stand, wie die„D. Z." meldet. Mittwochmittag vor dem Schöffen- gericht in Danziq wegen Beleidigung und Bedrohung des Wacht- kommandos der Festung. Ter Sachverhalt mar folgender: Falken- Hagen und andre Fcstungsstubcngefangcne hatten sich Ende September dieses Jahres einen fröhlichen Tag gemacht, Lampions in ihre Fenster gehängt und diese auch an den Fenstern hängen lassen, was ihnen verboten wurde. Da Falkcnhagen dem Gebot nicht Folge leistete, wurde am 26. September dieses Jahres eine Patrouille mit auf- gepflmiztcm Gewehr nach der Zelle des Falkcnhagen mit dem dienst- lichen Auftrage geschickt, die Lampions zu entfernen. Falkenhagen verrammelte die Tür von innen und verlangte einen dienstlichen Auf- trag des Generals. Nachdem der Unteroffizier Packie wiederholt bemerkt hatte, daß er im dienstlichen Auftrage des dienftthucndcn Lieutenants komme, und ihm dennoch nicht die Thür geöffnet wurde, öffnete er diese gewaltsam, jedoch nur soweit, daß kaum eine Person durchkommen konnte, worauf Jalkenhagm rief:„Wer hier hinein- kommt, den steche ich über den Haufen!" Der Unteroffizier stand nun von einem weiteren Vordringen ab und machte dienstliche An- zeige, worauf gegen Falkenhagen die erwähnte Anklage erhoben wurde. Obwohl die beiden eidlich vernommenen Militärpersoncn bekundeten, daß Falkcnhagen nicht nur die Worte:„Wer hier hinein- kommt, den steche ich über den Haufen," sondern auch die Worte: „Von solchen Leuten bin ich schon einmal beswhlen worden," ge- braucht habe, beantragte der Angeklagte, drei andre Zeugen, Redakteur Brand, den Dichter des Grimmaer Landratliedes, einen Mediziner und einen Apotheker, die seiner Zeit als Festungsstuben- gefangene in Nebenzellcn weilten, zu vernehmen. Der Gerichts- Hof beschloß nach kurzer Beratung Vertagung der Sache. Eisenbahnunfälle. Mittwochabend gegen 10 Uhr entgleisten infolge Schienenbruchs die Maschine und zwei Personenwagen des Zuges 617 in der Nähe der Haltestelle Büchenbeuren. Zwei Fahr- gaste wurden leicht verletzt, ein Postschaffner erlitt einen Armbruch. — Nach amtlicher Meldung wurde Mittwochnachmittag 4V- Uhr auf dem Chaussccüberwcge von Stolno vom gemischten Zuge 633 von Kulm ein Fuhrwerk überfahren. Bon den Insassen wurde der Besitzer Frankiewicz aus Papau(Kreis Kulm) und dessen Vater leicht, die Mutter des Frankiewicz dagegen schwer verletzt. Die Verletzten sind im Krankenhause zu Kulm untergebracht worden. Marktpreise von Berlin am 9. Dezember 1903 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. "Weizen, gut D.-Ctr. „ mittel gering "Roggen, gut mittel gering sGerste, gut „ mittel gering fHaser, gut „ mittel gering Richtstroh Heu Erbsen Speisebohne» Linsen • ab Bahn. Eier Karpsen Slale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse t frei Wagen und ab Bahn. Kartoffeln, neue D.-Cw. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch, Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter ö0 Stück 1 kg per Schock 7.00 1,80 1.50 1.60 2.00 1,80 2,80 5,00 2,20 2,80 2,60 2,00 1,80 3,00 1.40 15.00 5.00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,40 0,80 3,00 ßnefkaften der Redafttion. Kleemann. Die Buchhandlung von Puttkammer u. Mühlbrecht, Unter den Linden 64, verlegt alle diese Sachen. Es existieren verschiedene Ber- öffentlichungen über die Volkszählung. Da wir nicht wissen, welche Zwecke Sie damit versolgen, können wir Ihnen lein einzelnes Buch nennen. Sie ihun am besten, wenn Sie sich in der genannleir Buchhandlung einiges vorlegen lassen. Ganz Billiges giebt eS aber nichl. Uebrigens werden Sie in der Bibliothek aus der Alcrandrincnstr. 26 inancheriei Veröffentlichungen übet den Gegenstand finde». Verantwortl. Redakteur: Julius Knltski in Berlin. Lnjeratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck n. Bei lag: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsaustalt Paul Singers: Co., Berlin SW. Nr. 289. 20. Jahrgang. 2. Mgc des Jirairts" Kerlim WsblM Freitag, ll. Dezember M3. berliner Partei-)Zngelegenkeiten. Erster Wahlkreis. Montagabend 8>/z Uhr bei Dräsel, Neue Friedrichstr. 3S, Versammlung für' die Stadtbezirke 1— S. Genosse Seiler spricht über die Bedeutung des Wahlvereins und den weiteren Ausbau desselben. Der Vorstand. Zossen. Wegen der Feiertage findet die Monatsversammlung am 14. Dezember statt. In dieser Versammlung werden auch die dem Verein zur Verfügung gestellten Kyrcen zuni Kunstabend aus- gegebei,._ Lokales* Aus der Stadtverordneten-Versammlung. Selten ist eine Sitzung der Stadtverordneten so schwach besucht gewesen, wie die gestrige. Ms um Vzb die Sitzung eröffnet wurde. waren erst 36 Stadtverordnete anwesend, und um Va?, als der öffentliche Teil der Sitzung endete, war die zur Beschlußfähigkeit erforderliche Zahl 72 knapp erreicht. Eine Debatte gab es bei der Borlage über den V erk a u f'einer Parzelle des Wasserwerk-Terrains Stralauer Allee. Genosse H e i m a n n erklärte sich gegen den Verkauf. Die Stadt- gemeinde solle auf Vermehrung, nicht auf Verminderung ihres Grundbesitzes hinwirken. Wolle sie das Terrain an der Stralaucr Allee nicht brach liegen lassen, so könne es sehr wohl im Wege des Erbbaurechts� nutzbar gemacht werden. Den HauSagrariern waren diese Ausführungen unbequem. Zwei ihrer Führer, Herr Wallach und Herr Daber, legten sich für den Verkauf des Terrains ins Zeug. Die Vorlage wurde gegen die Stimmen der Socialdemokraten angenommen. Auch bei den Verhandlungen über den Neubau der Inselbrücke spielten die Interessen der Grundbesitzer eine Rolle. Mehrere Redner bemerkten, inan könne doch nicht eher mit denr Bau der Brücke beginnen, als über den Ankauf des benachbarten Inseln speichers eine Einigung mit den Besitzern erzielt sei. Gegen den Vor- schlag einer Beratung im Ausschuß wandte sich Genosse Singer. Taktisch klug sei dieses Verfahren nicht. Man diene damit nicht der Stadt, sondern nur den Besitzern des Speichers und ermutige sie, an ihren unerhört hohen Forderungen festzuhalten. Der Bau-Entwurf wurde dann glatt angenommen. Die Deputation der städtischen Jrrenpstege hatte sich in ihrer letzten Sitzung mit einem Antrage der Direktion der Anstalt für Epileptische in Wuhlgarten zu beschäftigen. Es wurde darin bcr- langt, gegen die Redaktion der.Morgenpost" Strafantrag zu stellen und zwar wegen eines Artikels, in dem gegen das Warte personal des.festen Hauses" in dieser Anstalt der Vorwurf erhoben wurde. Kranke schwer misthandelt zu haben. Die Direktion ging bei ihrem Antrag von der Voraussetzung aus, dast durch derartige Notizen die Kranken und namentlich auch deren Angehörige in die gröstte Aufregung geraten und so die Heilbehandlung der Kranken beeinträchtigt Iverde. Die Deputation lehnte sowohl diesen Antrag, als auch einen Unterantrag ab. der eine„Richtigstellung" der Notiz in der.Morgenpost" verlangte. ES handelt sich in dieser Angelegenheit«m eine der schon wiederholt vorgekommenen Revolten in dem sogenannten„festen Hause" der Anstalt, in dem solche vom Polizeipräsidium überwiesenen Kranken untergebracht sind, die schon häufig mit dem Strafgesetz in Konflikt kamen. Die Unterbringung dieser Kranken bereitet der Stadt austergewöhnliche Schwierigkeiten, weil ihnen gegenüber eine ganz besonders aufmerksame Ueberwachung notwendig ist. Die Ver- waltung hat deshalb für diese festen Häuser das Pflegepersonal ver- stärkt. ES scheint dies aber noch immer nicht in so genügender Weise geschehen zu sein, dast die häufig vorkommenden Ucberfälle Kranker auf das Wartepersonal verhütet wurden. Um einen solchen Ueberfall handelt es sich, nach der uns zugegangenen Darstellung wie gesagt auch in der vorliegenden Sache; es gelang den Pflegern diesmal erst nach heftiger Gegenwehr, sich der Angriffe der Kranken zu erwehren und die Ruhe wieder herzustellen. Leider kommen auch in den Irrenanstalten noch immer Mißhandlungelr vor. Die Verwaltung muh in der Auswahl des Pflegepersonals sehr vorsichtig sein. Die schlechten Lohn- und Arbeitsbedingungen bringen cS mit sich, dast die Zahl g e s ch u lt er Pfleger nur sehr gering ist und so häufig ungeeignetes Personal eingestellt wird. Die Verwaltung möge des- halb für bessere Bezahlung, kürzere Arbeitszeit und gute Be- Handlung der Pfleger sorgen; dann werden auch die Klagen gegen die Anstalten verstummen. Im zweiten Kommunal-Wahlbczirk findet bekanntlich am 15. De- zember zwischen dem Antisemiten Prctzel und dem liberalen Hotelier Leist eine Stichwahl statt. Beide Herren sind nicht von der Art, dast unsre Parteigenossen sich für den einen oder andern zu erwärmen Ursache haben. Wir können daher dem Wahlkampf gelassen zusehen und halten es für selbstverständlich, dast die Socialdemokratie sich in diesen Kampf nicht einmischt. Stimmenthaltung sei daher die Parole für die socialdeinokratischen Wähler im zweiten Kommunal- Wahlbezirk. Das Schicksal des Kartenbriefcs scheint endgültig besiegelt zu sein. Die Nachfrage nach dem KArtenbrief ist bekanntlich seit seiner Einführung stetig zurückgegangen. Eine Zeitlang schien es, als wollte er sich wieder in der Gunst des Publikums befestigen. Wir konnten berichten, dast die Postanstaltcn in steigendem Mäste Nach- bcstellungcn auf Kartenbricfe machten. Abgesetzt scheinen sie aber oft diese Formulare nicht zu haben. Nack) Ausweis der Statistik ist der Verkauf im letzten Jahre abermals zurückgegangen. Im Jahre 1901 waren noch über 2,65 Millionen Stück verkauft loordcn, im Jahre 1962 nur noch 2 451 651 Stück. Dabei ist der Absatz an Wert- zeichen der Stückzahl nach im Durchschnitt um mehr als 5 Proz., denr Werte nach um fast ebensoviel gestiegen. Tie 2 Millionen Kartenbricfe ftcheu außer allem Verhältnis zu den 3V, Milliarden Sendungen, die die deutsche Reichspost in einem Jahre bewältigt. Da es über 56 000 Postanstalten und andre Gelegenheiten zum Einkauf von Wertzeichen giebt. so kommen wenig über 40 Kartenbriefe auf eine Berkaufsstcllc im ganzen Jahre. Im Durchschnitt kommt »och nicht ein Kartenbricf bei jedem Postamt in der Woche zum Verkauf. Das Jubelgeschenk. Es ist ein guter Brauch, dast auch Arbeiter ihren Kollegen zu einem bedeutungsvollen Jubeltage eine Auf- mcrksamkeit widmen, desgleichen lästt sich nichts dagegen sagen, daß ein solches Ehrenpräsent auch einem Manne zu teil wird, der siel) zwar in höherer Stellung befindet, aber trotzdem mit den ihm unter- stellten Männern treu und tapfer Solidarität übt. Allerdings kommt in diesem Fall immerhin in Frage, ob die Gabe eine ganz freiwillige ist oder ob nicht ein Stück Liebedienerei mit im Spiel steht, lim solchem Zweifel ein für allemal die Spitze abzubrechen, hat der Ab- tcilungS-Vorarbeitcr einer größeren Fabrik in Treptow ein probates Mittel angclvandt. Er feierte nächstens sein fünsundzivanzigjährigcs Arbeitsjubiläum, und die seiner Botmäßigkeit unterstellten Arbeiter glaubten, ihm zu diesem Ereignis ein Angebinde verehren zu müssen. Auf einer Liste sollten 20 M. gesammelt werden, kür die man als Jubiläumsgeschenk eine lange Pfeife kaufen wollte. Doch der Jubilar beton Wind von diesem Vorhaben und gab dann im Scherz seine Meinung dahin zum besten, dast die lange Pfeife ihm allein nichts nützen könne, sondern auch eine Schlafmütze und ebenso ein Schlaf- rock dazu gehöre. Im ernsten Tone bedeutete er seinen Mitarbeitern aber dann, daß er, falls man ihm wirklich die Pfeife am Ehrentage überreiche, er sie an den Meistbietenden verkaufen und den erzielten Erlös den armen Webern in Crimmitschau zuweisen weiche. Das war ein guter Wink, und mancher Arbeiter, der gewiß seinen Beitrag für das Präsent an den Vorgesetzten gezeichnet hätte, der von Polizei und Unternehmertum bedrängten Ausständigen aber bis dahin vergessen hat, ist auf diese löbliche Weise an seine Pflicht gemahnt worden. Möge das Treptower Beispiel in der Arbeiterschaft Nachahmung finden. Das Berliner Adrcfjbuch für 1904 ist erschienen und gelangt von heute ab bis einschließlich Montag, den 14. d. M., in der Haupt Expedition des„Berliner Lokal-Anzcigers", Zimmerstraße 37-41 werktäglich von 0— 4 Uhr zur Ausgabe. Von den Vorbeslcllern kann das Adreßbuch in einem Bai, de gegen Zahlung von 8 M., in zwei Bänden zum Preise von 10 M. gegen Aushändigung der ihnen zu- gegangenen Legitimationskartc in Empfang genommen werden. Von Dienstag, den 15. d. M., ab erfolgt die Zustellung der nicht ab- geholten Exemplare. Der Verkauf nicht vorbestellter Bücher zum Ladenpreise von 12 M.(für die Ausgabe in zwei Bänden) findet nur in der vorgenannten Haupt-Expedition statt.— Der Umfang deS Adreßbuches hat in diesem Jahre wieder zugenommen. Um 187 Seiten übertrifft das Adreßbuch 1904 den Jahrgang 1903, um 1312 Seiten den Jahrgang 1806. Im ganzen enthält das Adreßbuch jetzt 257 Doppelbogen, gleich 4112 Seiten Groß-Quartformat. Als selbständige Beilage bringt das Adreßbuch wiederum einen großen Vcrkehrsplan im Format von 93 X 125 und im Maßstab von 1: 23,500, der außer der Stadt auch die weitere Umgebung Berlins ausführlich berücksichtigt. Von besonderem Wert sind die Farben- abschnitte, welche die politischen Grenzen jeder einzelnen Vorort- gemeinde scharf erkennen lassen, und die farbigen Linien, die das Gebiet des Nachbarort-Postverkchrs mit Berlin und der Postbezirke in Berlin umsäumen. Eine Neuerung auf dem Plan ist die farbige Hervorhebung der Lage der Feuerwachen in Berlin und den Vororten, die im Falle der Gefahr die schnellste Orientierung mit Leichtigkeit ermöglicht. Schwindelausverkauf und Staatsanwalt. Die Staatsanwalt- schaft des Landgerichts I hat sich behufs energischer Bekämpfung der Konkursmassenausverkaufs- Schwindler an den Schutzverband der Beklcidungsindustricllcn Berlins und Vororte gewendet, um diesen zum gemeinsamen Vorgehen gegen die der ehrlichen Geschäftswelt so gefährliche Kategorie von Schwindlern zu veranlasse». Die Staatsanwaltschaft hat in einem ganz besonders markanten Fall den Vorsitzenden des Schutzverbandes. Herrn Julius Lindenbaum. zur Stellung eines Strasantragcs ausgefordert, und ihm als Material dazu folgende Thatsachcn unterbreitet: Vor einigen Monaten meldete der Geschäftsinhaber eines Herrcirgarderoben-Geschäftes in der Belle- Alliancestraße(Jaroszinsti u. Co.) Konkurs an. Die Masse wurde von einem gewissen Moses Grünberg gekauft und dieser brachte im Schaufenster Plakate an mit folgendem Inhalt:„Konkursmassen- Ausverkauf" und darunter in ganz kleiner Schrift:„und andre Waren". Ein Käufer erwarb einen Ueberzieher zu dem Preise von 36 M., der nach Sachverswndigcn- Gutachten einen Verkaufswert von höchstens 18— 20 M. und einen Herstellungswert von 11 M. hatte. Der Käufer fühlte sich um so mehr geschädigt, als er die er- wähnte Bemerkung:„Und andre Waren" auf dem Plakat nicht ge- sehen hatte, und erstattete gegen Moses Grünberg eine Anzeige wegen Betruges. Die Staatsanivaltschaft hat, wie erwähnt, daraufhin an den Vorsitzenden des Schubverbandes das Ersuchen gerichtet, gegen Grünberg einen Strafantrag wegen unlauteren Wettbewerbes zu erstatten. Die Prostituierte Günther ist in der Nacht zum 15. April 1898 einem unbekannten Lustmörder zum Opfer gefallen. Man glaubte jetzt in der Person des Vergolders Drews in Jquique(Chile) den Thäter ermittelt zu haben. Drews wanderte kurz nach dem Morde aus, und es wurde ermittelt, daß er in der Mordnacht die Günther eine Strecke Weges begleitet hat. Dieses Zusammentreffen mit der Dirne leugnet D. nicht, stellt aber sonst jede Schuld an ihrem Ende entschieden' in Abrede. Die Behörden haben nunmehr seine Aus- lieferung bewirkt, und Drews wird in wenigen Tagen auf deutschem Boden landen, um dann zur weiteren Klärung der Schuldfrage dem Untersuchungsrichter vorgeführt zu werden. Eine Diebesbande, die längere Zeit Berlin und Umgegend unsicher machte, ist von der hiesigen Kriminalpolizei in Treptow festgenommen worden. Ein Hausdiener Wilhelm Kiesel, ein Molkerei- gehilfe Karl Griegold und ein Schmied Reinhold Kaumann hatten sich zu gemeinschaftlichen Diebstählen zusammengethan und brachen u. a. bei den, Fuhrherrn und Hauseigentümer Täuber in der König- grätzerstr. 106 dreimal kurz hintereinander ein. Ms ihnen in Berlin icr Boden zu heiß wurde, gingen die Spitzbuben, die alle drei wohnungSlos waren, nach Treptow hinaus und schafften sich ein Unterkommen in einer Laube. Alles was sie nun gestohlen, brachten ie dorthin und vergruben es, bis sie einen Abnehmer fanden. Auch die benachbarten Lauben plünderten sie nach und nach aus. Bei einem solchen Einbruch aber wurden sie schließlich ergriffen. Stach längerem Leugnen räumten sie schließlich alles ein, da das Belastungs- material so schwer war, daß es kein Entrinnen mehr gab. Die Bande stahl nur, um einen guten Tag leben zu können. Juni Arbeiten loaren alle drei zu faul. Sobald sie aus der„Verschärfung" von„Sore" Geld hatten, rührten sie leine Hand, bis wieder Ebbe eingetreten war. Eine Schrcckensthat. In dem Hause Christburgcrstr. 37 brachte gestern vormittag gegen 12 Uhr die Frau dcS dort wohnenden Postboten Lcucudorf sich und ihr ein Vierteljahr altes Kind auf fürchtcr- liche Weise un,s Leben. Die 23 Jahre alte Frau warf sich mit dem Kind den Hof hinab. Sie und das Kind waren alsbald tot. Das Ehepaar Lcucndorf ist erst seit etwa einem Jahre verheiratet und lebte im besten Einvernehmen. Beide sind noch sehr jung, Leucndorf ist 24, seine Frau 23 Jahre alt. Ein dem Ehepaar vor drei Monaten geborenes Kind befestigte daS Familienband nur noch stärker. Das Einkommen des Mannes wurde durch Nebenverdienst der Frau, die für ein jkonfeitionsgcschäft Mäntel nähte, noch um 10 bis 12 M. pro Woche vergrößert. Nichts schien also dem Glück des Paares entgegenzustehen, bis vor einiger Zeit das Kind zu lränteln anfing. Es litt an allgemeiner Schwäche und hatte in dm letzten Tagen Brechdurchfall. Die Mutter machte sich selbst über die Krankheit die schwersten Vorwürfe und klagte sich an, das Kind ungenügend ge- nährt zil haben. Der behandelnde Arzt, Dr. Hahn, und Bekannte der Frau suchten sie nach Möglichkeit zu beruhigen, aber sie war im« tröstlich. Noch gestern morgen gegen zehn Uhr. als der Arzt die Wohnung der Frau Leucndorf verlassen hatte, äußerte er zu der Frau des Portiers, daß die Krankheit des Kindes in Kürze behoben sein werde. Frau Leucndorf, die durch den Trost des Arztes keines- Wegs beruhigt war, faßte unterdessen den Entschluß, mit ihrem Kinde zusammen in den Tod zu gehen. Sie verschloß ihre Wohnung, nahm das Kind auf den Arm und ging in die 5.(Rage des Hinterhauses, in der sich die Boden befinden. Dort versuchte sie zunächst das Flur- fenster zu öffnen. Dies war aber vergeblich, da die Fenster stets geschlossen bleiben und nur vom Portier mit einem besonderen Schlüssel geöffnet werden können. Kurz cnffchlosscn schlug die Unglückliche eine der großen unteren Schctbm ein. Das herunterfallende GlaS hatte aber einige auf dem Hofe beschäftigte Personen aufmerksam gemacht, und als sie die verstört aussehende Frau sich zum Fenster herausbeugen sahen, ahnten sie Unheil und liefen die Treppe hinaus, um die Unselige an ihrem Vorhaben zu verhindern. Aber es war zu spät. Frau Leumdorf hatte das Kind in ihre Schürze ein- gebunden und— als wenn sie ihren Sturz nicht sehen wollte— sich rückwärts vom Fenster in den Hof hinabfallen lassen. Die Wucht des Sturzes hatte daS Kind sofort getötet. Die Mutter lebte noch einige Minuten und gab dann ihren Geist auf. Der Schmerz des Vaters, der beim Postamt in der Winsstraßc beschäftigt ist, war er- schütternd. Feuerbericht. Donnerstagabend gegen 7 Uhr wurde die Wehr nach der Sebastianstr. 74 gerufen, weil hier im ersten Stock des Vorderhauses in einer Wohnung ein Brand entstanden war. In der Kronenstr. 75 ging vorher der Inhalt eines Schaufensters in Flammen auf, während m der Oranienstr. 116 ein Schoriistcinbrand beobachtet werden mußte. Mittwochnachnnttag 5 Uhr hatte in der Wasserthor- straße 60 in der Lampenfabrik von Eckel u. Glienicke, G. m. b. H., ein Posten Dochte Feuer gefangen, das jedoch in kurzer Zeit erstickt werden konnte. Kurz darauf waren in der Jnvalidenstr. 44 Möbel, Decken und Kleidungsstücke in einer Wohnung in Brand geraten. Gardinen und Wäschestücke wurden später in der Sparrstr. 9 ein- geäschert. Außerdem hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden noch Alarmierungen bou dem Moritzplatz, Wilmsstr. 6 und noch von einigen andern Orten zu verzeichnen; cS handelte sich aber in diesen Fällen uni„blinden Lärni"._ Die Radiumstrahlcn itt der Heilkunde bildeten in der Berliner Medizinischen Gesellschaft den Gegenstand lebhafter Erörterungen. Professor Micthe von der Technischen Hochschule erläuterte zunächst die phhsikalischen Eigenschaften des Radiums. Dr. Caspari und Dr. Aschkinaß berichteten über Versuche, die sie in der Anstalt für Jiifcltionskrmikhciten mit Radium an Tieren angestellt haben, um die Einwirkung auf verschiedene Krankheiten zu prüfen. Eine praktische Bedeutung ist den Radiumstrahlen nach ihren Erfahrungen nicht zuzusprechen, so lange es nicht gelingt, die Substanz zu dosieren. Möglich wäre es, daß bösartige Geschwülste Murch beeinflußt würden; Versuche darüber sind im Gange. Dr. Crzcllitzer sprach eingehend über die Wirkung der Radiumstrahlen auf gesunde und blinde Augen. Er warnte— cngegen gewissen, in der letzten Zeit aufgetauchten Erwartungen— ausdrücklich davor, den Strahlen einen Einfluß zuzuschreiben. Es fehlt jede Möglichkeit. Menschen, die durch eine Trübung der einzelnen Augenmedien(Hornhaut, Linse usw.) blind geworden sind, zu einem Sehen zu verhelfen. Was das blinde Auge bei Einwirkung der Radiumstrahlen wahrnimmt, ist genau dasselbe, was das gesunde Auge wahrnimmt, nämlich nur eine allgemeine Helligkeit. Wirkliche Bilder ausser Netzhaut werden nicht entworfen. Zu Adolf Menzels 88. Geburtstag, der in diese Woche fiel. veranstaltet die Neue Freie Volksbühne am kommenden Sonntag, abends V-8 Uhr, in den Jndustriesäleii, Beuthstr. 19/20, einen Menzel-Abend. Den Vortrag(mit zahlreichen Lichtbildern) hält Herr Kunstschriftstellcr Fritz Stahl. 5iarten zu 20 Pf.(für Mitglieder) und 50 Pf.(für Nichtmitglicder) sind an der Abendkasse zu haben._ Hus den Nachbarorten. Charlottenburg. Im siebenten Bezirk findet morgen, am Sonnabend, die Stichwahl zur Stadtverordnctenwahl statt. I» derselben wird entschieden, ob unser alter Genosse Rosenthal in daS Stadtparlament einziehen soll oder ein Liberaler. Und was für ein Liberaler I Es handelt sich um den Herrn Dr. Spiegel, der sich durch sein Verhalten bei der Landtagswahl in Rixdorf so unrühmlich bekannt gemacht hat. Diesen Mann, der den Rechten der Arbeiter geradezu ins Gesicht zu schlagen versuchte, stellen die Freisinnigen als Kandidaten auf! Nun, sie muffen ja wissen, wer sie würdig zu vertreten im stände ist, und in der That verkörpert sich in diesem Herrn die ganze Erbärmlichkeit des sogenannten liberalen Bürgertums, das an seiner eignen Jämmerlichkeit zu Grunde geht. Arbeiter Charlotten burgS, sorgt dafür, daß unser Sieg vom 23. November in den ersten sechs Bezirken durch die Verdrängung des Freisilms auch ans dem 7. Bezirk zu einem voll- ständigen wird. Der 7. Bezirk umfaßt folgende Straßen: Ab» st i m m u n g s b e z i r k A. Bahnhof Zoologischer Garten, Berliner- straße 149—151, Vleibtreustr. 1—7 und 49—55, Carmerstraße, Fasanenstr. 1—22 und 105—112, Goethcstr. 1—4 und 74— 87a, Grolmannstr. 14—25 und 48—59, Hardenbergstr. 6—42, Joachims- thalerstraße 1—4, Kantstr. 5—30 und 137—157, Knesebeckstr. 13—24 und 82—100, Pestalozzistr. 1—8 und 100—106, Savignyplatz, Schlüter- straße 57— 71a, Stadtbahnbogen 546, Uhlandstr. 1—15 und 189—107.— Abstimmungsbezirk B. Bcrlinerstr. 128—148, Bismarckstraße 1— 16 und 112—127, Goethcstr. 6— 17a und 65— 71, Grolmannstr. 1—12 und 59a— 72, Hardenbergstr. 1—5, Herderstraße, Kantstr. 31—38 und 131—136, Knesebeckstr. 1—12, Leibnizstr. 1—84, Pestalozzistr. 9—16 und 92a— 09a, Schillerstr. 1—19 und 108—127, Schlüterstr. 1—23 und 72—78, Wiclandstr. 1-9 und 00—09. Gewählt wird von morgens 9 klhr bis abends 8 Uhr. Jeder hat also reichliche Gelegenheit zu wählen. Keiner versäume diese heilige Pflicht I Jedermann muß an den Wahltisch treten und seine Stimme für den socialdemokratischen Kandidaten Kaufmann I. R o s e n t h a l abgeben. Die Charlottenburger Stadtvcrordiieten-Bcrsammliiiig nahm am Mittwoch Kenntnis von der Magistratsvorlage betr. die Gebühren für Desinfektionen. Die Versammlung hatte im März an den Magistrat daS Ersuchen gerichtet, in Eriväguiigcn darüber cm- zutreten, ob sich nicht eine anderweite Regelung der Gebührensätze für die durch die Stadt bewirkte Desinfektion von Wohnräumen und beweglichen Sachen empfehle. Der Magistrat erwidert nun, daß«r beschlossen habe, die Gebührensätze nicht zu erhöhen und daß er ferner in Zukunft bei jedem Fall von Scharlachficber und Ruhr die Des- infcktion gebührenfrei bewirken wolle.— Ferner erledigte die Ver- sammluug eine Reihe von RechnmigLsachen und kleinen Vorlagen. Zu einer lebhaften Debatte gab die Vorlage betr. die Erhöhung der Verpflegungssätze für das Krankenhaus An- laß. Namens unsrer Fraktion protestierte Genosse Dr. B o r ch a r d t gegen die vom Magistrat geplante Maßnahme. Auch die Liberalen erklärten sich gegen die Erhöhung. Während der Magistrat und ein Teil der Versammlung sofortige Annahme befürworteten, wurde von andrer Seite Ausschußberatuiig beantragt. Die Abstimmung ergab die Annahme des Antrags auf Ausschutzbcratung, doch solle die Wahl der Mitglieder für den Ausschuß erst im Januar erfolgen. Zur An- nähme gelangte weiter die Vorlage betr. das Personal für das neue Krankenhaus auf Westend; ein hierzu ge- iellter, ans eine Besserung der Lage der Krankenwärter abzielender Antrag Vogel(Soc.) und Genossen wurde abgelehnt. Mit der Vorlage betr. N a ch b e w i l t i g u n g c n im A r m e n e t a t er- klärte sich die Versammlung einverstanden. Dagegen wurde die Vorlage betr. die Armendirektion und die Deputation ür die Waise ii pflege einem Ausschuß von 1 1 Mitgliedern überwiesen, der im Januar gebildet werden soll. Die nächste ordent- liche Sitzung fällt aus. Dafür findet am Sonnabend den 19. Dezember «ine außerordentliche Sitzung, die letzte in diesem Jahre, statt. Schönebcrg. In der Hasselmchcrschen ErbschaftS-Angelegenhelt cheint jetzt durch die von der Stadtgemeinde eingeleitete Unter- uchmig einige Klarheit über die„Willcnsmciinmg" der Verstorbenen geschaffen zu sein. Wie erinnerlich, hatte die Inhaberin der Privat- Jcrcnaiistalt in der Sedanstraße, ein hoch in den siebziger Jahren Gehendes Fräulein Hassclmeyer, die Stadt Schönebcrg kurz vor hremTode zur Erbin ihrer in der genannten Straße gelegenen drei Grundstücke eingesetzt, mit der Maßgabe, daß einige größer« Legate(unter anderm an einen Sanitätsrat und an den Bureau- Vorsteher eines Rechtsanwalts) zur Auszahlung gelangen sollen. Bevor jedoch über die Annahme der Erbschaft Beschluß gefaßt werden konnte, meldete sich eine Reihe von armen Veriuemdksn der Erölasierkn, die in Rücksicht auf ein früheres Testament, in welchem sie bedacht gewesen sein wollten, die Stadtverwaltung um Verzicht auf die Erb schast baten. Aus diesen und verschiedenen andren Gründen über wies die Stadtverordneten-Versammlung seiner Zeit diese Angelegen- hcit einem Ausschutz. Auffällig insbesondere muhte erscheinen, datz die beiden am meisten bedachten Lcgatserben bei Verzichtleiftnng der Siadh die alleinigen Tcstamentovollsirecker sein sollten. Nachdem nun die Genehmigung zur Annahme der Erbschaft nachgesucht worden ist, hat der Regierungspräsident auf Grund einer kabincttsorder vom Jahre 1834 den Magistrat ersucht, wegen Gewährung an gemessener Abfindungen an die Angehörigen der Erblasserin einen Gemein debcschlutz herbeizuführen. Es hatte sich nämlich heraus- gestellt, datz acht hilfsbedürftige Angehörige vorhanden sind. Nach einem Ausschutzbcschlusse soll von den genannten Testaments- Vollstreckern bezüglich der Aufstellung eines Nacklatzverzcichniffes der Offenbanmgseid gefordert werden, außerdem soll ein Drittel des reinen Nachlasses an hilfsbedürftige Hinterbliebene verteilt werden. Mit diesem Beschlüsse wird sich wohl die Stadtverordneten- Ver- sammlung zu befassen haben. Zchlendorf. Die hiesige Konsunigenossenschaft, welche seit einem halben Jahre besteht, hat in dieser Zeit einen Reingewinn von 1320 M. erzielt. Es sind für 20 788 M. Waren umgesetzt worden. Die Genossenschaft zählte am 1. Ottober 144 Mitglieder, ihr Gc- schäftsguthaben, beträgt 2 1 55 M. 50 Pf., die Haftsumme 4230 M. Gs werden 4 Proz. Dividende verteilt. Das Resultat ist durchaus günstig zu nennen. Ncu Wcißeilsec. Die Errichtung einer höheren Lehranstalt für Knaben ist nunmehr von der Gemeindevertretung beschlossen worden, ohne daß irgendwie eine rechnerische Grundlage vorlag. Hatten die Herren HauSagrarier es doch so eilig, noch vor dem 1. Januar die Schule unter Dach und Fach zu bringen! Sie glauben nunmehr, daß ihr Weizen zum Blühen kommt, da doch jetzt das besser situierte Publikum sich unserm so idyllisch gelegenen und mit 105 Proz. Koninmnalznschlag belasteten Borort zuwenden wird. Unfern An- trag, die Vorlage nochmals an die Kommission zurückzuweisen, damit diese erst den Etat aufstelle, wurde mit Hilfe der Stimme des Gemeindevorstehers abgelehnt. Nach heftigen Redelämpfen wurde mit 11 gegen 7 Stimmen beschlossen, der Anstalt eine Vor- schule beizugeben, trotzdem auch der als Fachmann zu- gezogene Oberlehrer Dr. KcmsiS von der Friedrich Werder- schen Realschule erklärte, datz er als Mensch lovhl, aber nicht als Lehrer einer höheren Lehranstalt gegen eine Vorschule sprechen müsse. Nach seinem Vorschlags soll ein Reform-Realgymnasium errichtet werden.— Der Antrag der freiwilligen Feuerwehr um Er- stattung von Kosten für Umänderung oder Neuanschaffung von Uniformstücken gab unsren Genossen Veranlassung für eine Berufs- feuerwehr zu plaidiercn, jedoch fand man bei den Gegnern nicht die geringste Gegenliebe: eS wurde die beantragte Summe abgelehnt und die Sache dem LlmtSausschutz überwiesen. Der Brennkalender für das nächste EtatSjahr wurde insofern verbessert, als die Nachtlatcrnen in den Wintermonaten deS Morgens eine halbe Stunde länger brennen sollen. Eine längere Debatte nahm noch die Anstellung eines Stratzen-JnspektorS in Anspruch. Ivorüber bereits berichtet worden ist; es wurde vor allem die Aufopferung und die Tüchiigkeit�dcs Herrn Gcnieindeverordneten Swobode hervorgehoben; das Gehalt sollte schon vom 1. Oktober ab festgesetzt werden. Unsre Genossen wandten sich ganz entschieden gegen diesen Vorschlag, als den Bestimmungen der Landgeineinde-Ordnung zutviderlanfend und man mußte wohl oder übel die Zeit der Anstellung auf den 15. Dezember verlegen. Jedoch werden wir cS noch erleben, daß dem„tüchtigen Herrn" eine Extra-Gratifikation bewilligt wird, was vom Gemcindevörstcher in Aussicht gestellt ist. Der Selbstmord des Dienstmädchens Schönfclder in Potsdam, das sich am Montag zum Fenster der Wohnung seines Diensthcrrn, des Ober-RotzarzteS im 1. Garde-Ulanen-Regimenl, Kapteinar, heraus auf die Straße stürzte und inzwischen im St. Josephs- Krankenhause seinen Verletzungen erlegen ist, dürfte noch Ver- anlassung zu einer Untersuchung geben. Der Valcr der selbst- Mörderin, Kleidermacher G. Schönfelder in Potsdam, bestreitet nämlich, datz das Motiv, das seine erst sechzehnjährige Tochter zum Selbstmord getrieben hat, unglückliche Liebe zu einem Ulanen sei. Die Schönfeldcr soll auf dem Sterbebette den Schwestern ini St. Josephs- Krankenhause als Grund ihrer That angegeben haben, datz sie am Morgen die Zeit verschlafen habe und sich deshalb um 6 Uhr, um allen« aus dem Wege zu gehen, zum Fenster heraus- gestürzt habe. Ter Vater des Mädchens hat von diesem schon früher Briefe erhalten, worin eS sich über schleckte Behandlung seitens der Dienstherrschaft beschwert und Selbstmordgedanken kuudgiebt. Die Briefe, die noch lveitere Details enthalten, hat der Vater jetzt der zuständigen Behörde eingereicht._ ßnefhaften der Redabtion. zfuriftifchcr Ceti. A. K. 67. Nein,— P. P. 2. 1. Nein; Sie können sich nur auf das Zeugnis des Meister« beziehen. 2. Ja. 3. Ja, aber die Ehefrau und Kinder gehen vor. 4. Nein.— 16 M. Sie können beim Gewerbegericht klage» — Justiz 46. Eine Beleidigungsklage hätte kaum Ausficht aus Erfolg, weil die'Angeklagte in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt hat. — G. I. 68. Der Vater durfte das Kindergeld zur Erziehung der Kinder verwenden, wenn die Umstände dies erforderlich machten. Solche Umstände lagen nach Ihrer Darstellung vor. Eine Klage erscheint deshalb ausfichtslos. — Paul S. Ohne Einsicht in den Vertrag lassen sich Fragen, die sich aus Folge» des Vertrages beziehe», nicht beantworten.— E. Nt. 82. Dienstmädchen sind nicht krantenversicherungspflichtig. Die Herrschaft ist für de» Fall einer Erkrankung des Gesindes, verpflichtet, die crsorderlichc Ver- pflegung und ärztliche Behandlung bis zur Dauer von 6 Wochen, jedoch nicht über die Beendigung des DienstvKchälwisses hinaus, zu gewähren. In Ihrem Fall scheint nach Ihrer Schilderung die Herrschaft diese Pflicht erfüllt zu haben.— M. R. 166. Der Anspruch aus Rückerstattung der Hälfte der >Uebcmarkcn steht nur dann der Witwe nicht zu, wenn der Verstorbene bereits eine Rente erhalten halte. War ihm Krantenhausbehandlung zu teil geworden oder sonstige Auswendungcu sür ihn zwecks Verhütung der Erwerbsunfähigkeit gemacht(künstliche Gliedmatzen, Zahngebiß usw.), s» verliert die Witwe ibr Recht am Rückerstattung nicht.— N. 20. B. 94. Die Genehmigung von Versammlungen ist nur bei Versammlungen unter freiem Himmel erforderlich. Andre sind anzumelden. Veremsversammlungen, deren Zeit«nd Ort statutenmäßig oder durch besonderen Be< ichluß im voraus feststeht, bedüricn nur einmaliger Anmeldung. ■_ 106 Rixdors. 1. Erven der Mutter sind der Vater und die Kinder geworden. Wollen Sie eine Erbauseinandersetzung und können diese nicht in Güte erreichen, so beantragen Sie beim Gericht Erbauseinandersetzung. Ein Ansvrrnh aus bestimmte, einzelne Stücke der Erbschast steht keinem Erben zu. 3. Die Tochter kann aus Gewährung einer standesmäßigen Aussteuer klagen. Wittern, igSüberstcht vom 16. Dezember 196», morgens 8 Uhr. Stationen L 2 |i Sc 5<3 »■- S« Wetter 5 bedeckt 1 Dunst 2 heiter -bedeckt 2 bedeckt liNcScI �wineindc. 1 750 SSO Hamburg! 751 OSO Berlin 1 756 SO Frankf.a.M. 754 Still München|750:i3D Wien! 760! 333 Wetter-Prognose für Freitag, den 11. Dezember 196». Vielfach wolkig, am Tage ziemlich mild bei lebhaften südlichen Winden; keine erbeblichcn Niederschläge. Berliner Wetterburean. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortnng. Ubeater. Freitag, den ll. Dezember. Ansang 71/, Uhr- Opernhaus. Freischütz. Schauspielhaus. Im stillen Gäßchcn. Deutsches. Rose Bernds. Berliner. Gustav Adolf. Lessing. Zapfenstreich. Westen. Die Fledermaus. Neues. Salome. Residenz. Ein Seitensprung. Ventral. Der Vogelhändler. Dhalia. Der Hochtourist. Ansang 8 Uhr- Schiller O.(Wallncr- Theater.): Vasantasena. Schiller(Friedrich-Wilhelmstädt.) Wilhelm Varl Weist. Der Pfarrer von Kirchseid. Luisen. Reif-Reisiingen. Kleines. Eiektta. Drianon. Biscotte. Deutsch-Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Vasino. Weihnachtsglocken. Der verlauschte söhn. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Apollo. Frühlingslujt. Palast. Othello. Winter-Garten. Specialltäten. Pasiage-Dheater. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraste 48/19. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Oberitaliens. Um 8 Uhr im Hörsaal: Dr. G. Naß: Das Gold und die Edelmetalle. Jnvalidenstraste»7/62. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis t l Uhr. Urania. Taubensiraese 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober-Italiens. Um 8 Uhr im Hörsaal: Dr. G. N a s s:„Das Gold und die Edel-Metalle." Sternwarte _ Invalldenstrasse 57/62. CASTANS PANOPTICUM Priedriohstr. 165. Der IndiMner-Kteac Mianko Karoo vom Stamm der sl*- Sioux-Indiancr. Lebend! I)ia4uchfooenge" Schwestern AM" nur noch hi« Ende Hexeniber.-Mg Grosses Promenaden-Konzert. Schiller-Theater. Schiller- Theater O. (Wallncr-Thcater). Freitagabend 8 Uhr- Va«nnta»cna. Drama in 5 Akten nach einer Dichtung des Königs Sudraka. Frei bearbeitet von Emil Pohl. Sonnabendabend 8 Uhr: Tasantasena. So nn tag nachmittag I Uhr- Ii ei Bibliothekar. Sonntagabend 8 Uhr Im welMsen Rttssl. Schiller-Theater K. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater). Freitagabend 3 Uhr: Wilhelm Teil. Schauspiel in fünf Auszügen von Friedrich Schiller. Sonnabendabend 8 Uhr: Wilhelm Teil. S o n n t a g n a ch m i t t a g 3 U H r: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Sonntagabend 8 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft. /\LT- Kunst-jlnssteliang Cirkus Schumann. Heute Freitag, den 11. Dezember, abends 7'/, Uhr: AM* Zum 10. Male:"MK 0� a« Sine Wanderung M 2% Ii O I«»red g Jahrtansenüe dKJv äUI M Große AuSstattungs< Pantomime MM M eis Abteilungen. O Feenhafte Wassereffekte. O Äö männliche Abesftnier-Löwen des Herrn»nlla» Seeth. Mlle. Dntrlen phänomenal. Rekordfprung, 50 Fast tnii dem Fahrrad. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Früchte der Bildung. Ansang 7'/. Uhr. Soimabcnd: Salome. Logist de» Herzens. Centrai-Theater. Freitag-Abonnements-Borstellung: Abends VJ-, Uhr- Der Vogelhändler. Operette in 3 Akten von Karl Zcllcr. Sonnabendnachmittag 4 Uhr, halbe Preise, jeder Erwachsene ein Kind frei, Kindervorst.: Der gestietelle Kater. 'Abends T'/j Uhr: Der Rastelbinder. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Reif- Reiflingen. Sonnabend: Alpenkönig und Menschenfeind. Sonntagnachmittag: Romeo und Julia.— Abends: Reif-Reiflingen. .Montag: Reis-Reislingen. Saiissouel. ilottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Sonntag, Montag, Donnerstag: Iloffmanns Sänger. Nach jeder Soiree: lamilränieden. Jeden Dienstag: Theaterabend. Sonnabend, den 12. Dezember er.: Wünsche und Träume. W-ihnachts- Lebensbild in 4 Akten. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchan. Vorzugskartcn haben Gültigkeit. Apollo-Tbealer.'Kleines Theater. —» IX. Berliner Saison.. Cirkus Busch. Freitag, den 11. Dezctnber, abends 7'/z Uhr: Karl Haprenbccksi gröhte Raubtier-Schau. 0 ausgewachsene �ÜNlgZllgCl' noch nie in dieser Vollendung gezeigt!!! » RiewNiLöwen, ti Riescn-Eisbären, 3 schwarze Bären. Tie grösttc und sensationellste Raubtiergrnppe, welche je gezeigt wurde, vorgeführt von dem de- rühmten Dompteur» Herrn Die großart, Neudressur, Zebras u. Ponnies, vorgeführt von Herrn Schamaim. Eine H i r s ch j a g d, geritten mit 20 Voll- und Halbbluwserden. 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Bilde: ftrosses Ballett"W Wie damals im Monat Mai. Anfang: 8 Uhr. — Rauchen überall{»estattet.— Trianon-Theater. Georgenstraße, zwischen Friedrich« und Universitätssttaße. niscetts. Ansang 8 Uhr. Sountagnachmittag: Die Rotbrncke. mit dem Ballett Blütenhochzeit. Um N/, Uhr: Hit grossem Orchester: Vision nach dem Balle. Pantomime, Musik v. ioachim Albrecht v. Preussen. Um 10 Uhr: Die neuen glänzenden Specialitäten: Ivan TschernolT, ein Morgen aus dem Spurt-Stallhos. steil/ and Ashb/ X Francois-Truppe amer. Grcenhicl. Equilibristen. The Passparts, Tanz-Duett. KoNinoKraph und Biophon. Anfang 8 Uhr. Sommbend: Klektra. Casino-Theater. LotHringerstr. 37. Slns. 8, Sonnt. 71/.. 8 Uhr: Weihuachtsglockrn. 8>/,: lluscha Helitta— Loro-tzuarte«. 44»ri'z»tliizi. sv-uhr-DeroertiluslfittZliHn. Sonntagnachm. 4 Uhr: An, Altar. Du*! Weiss-Theater. Grostc FnuifFtirrer Strastc 132. Gastspiel des Oberbaynschen Bauern- Theaters.(Schlierieer u. Tegernseer.) Der Pfarrer von Kirchfeld. Volksstück mit Gesang und Tanz w 5 Akten von L. Anzengruber. Ansang 8 Uhr. Morgen nachm. 4 Uhr: Kindervorst.: Hansel und Gretet. AbendS: Die Kreuzelschreiber. Passaxe-Tkeater Anfang Sonntags Z Uhr, Wochentag» 5 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Berlin hat wieder seine Sensation! Tlortonellos Enthauptung em»r lebenden Dame! Ausserdem 14 neue erstklassige X urnrnern. Pertina. Lucia della Sera. Haaaon n. Jenny etc. etc. Palast-Theater Burgftrastc 22, früher Feen-Palast. Grosse Exlra-EIifc-Vorsfeliung. 8 Uhr: 8 Uhr: Othello. Trauerspiel von Shakespeare. Von 7V. Uhr ab: Konzert. Morgen abend 8'/. Uhr:" Große Zauberpossc mit Gesang und Tanz in 8 Bildern. Rentier Semmel: Dir. Rich. WinNcr. Vorher Auftreten der grandiosen iiincciallthtcn. Ansang 8 Uhr. Entrce 50 Pf. Fröbels Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm FrUbel. Sonnabend, den 12. Dezember er., nachmittags 4 Uhr: Kinder- Vorstellung einmalige Aufführung: MkäpptlM und der Wolf. Großes Kinder-Märchenfpicl. Eintritt 10 Pf. Erwachsene 20 Pf. Sperrsitz 13 Pf. Erwachsene 30 Pf. Sonntag: I.ctntc Voi-istcllnnx der beliebten Zimmermanns Sforddeutsehe Sänger. Nach der Vorstellung um 10 Uhr Grosser Ball. I Direktion: Hebert Dill. Brunncustrassc 16. Hamlet. Anfang 8 Uhr. Entrce 80 Pf. Sonnabend: Extra-Vorstcllnng. pif Waise aus Lowood. RSteta» Imltei» r. WeihnachtS- Programm. EtaiMement LuWeuhageu Ziorltr�l«!�» Diensiag, Donnerstag, Sonnabend und Sonntag im Kaisersaal: Rudolf Schauss' Künstler- Ensemble „Kordsterne", Nach jeder Vorstellung: Tanz. Bons haben an dm Wochentagen Gültigkeit In den unteren SAe» täglich Militär» Konzert. Cafe Schuris Oranicnstr. 144, a. Moritzplatz. Billard-Saal: ßtUards(ffleubusen mit Kcrhau-Bande) a Stunde 40 u. 60 Pf. Kaffee 10 u. 15, Bier 10 Pf. 5 Damen erhalten elegante Garderoben Maß bei nur geringer Teilzahlung.[32632' | eleg 1 nach hu Kurzherg, König�.« Direkt a. Alexanderpl. Kranz- uml Biumenbifliierei v°n H. 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Sonnabend, 26. Oezbr.(2. Feiertag), im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15: Weihnachts- Vergnügen. Konzert. Auftreten der Gesellschaft Strzelewicz. Tanz. Eintritt 30 Pf.— Anfang S'/s Uhr. Hm rege Beteiligung ersucht Das Vergnügungskomitee. _?l. gl.: Willy Tuschke, Michaelkirchstr. 23. Freie Vereinigung der Bauarbeiter Berlin» im'S Umgegend. Sonntag, den 13. Dezember, vormittags 10', Uhr: Mitglieder- Uersammlung im„Englischen Garten", Mexanderstr. 27 o. Tages-Orduung: I. Vortrag des Genossen Hr. l'riedederA über:„Untre Taftil: Parlamentarismus mid Generaistrcit". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. LerschiedeneS. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. SV Mitgliedsbuch und streikkarte legitimiert.-WM 31/5____ Der Vorstand._ Ttsehler-Verem zn Berlin. (£. H. 89.) Sonnabend, den 13. Dezember, abends S'/g Uhr, Melchiorftr. 15: PIF* Versaufimlung.'WW TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Dramaturgen Herrn Dr. phil. Alberty über:„Kunst und Proletariat". 2. Vereinsangelcgenhciicn.— Die Mitglieder werden aus§ 4 des Statuts aufmerksam gemacht. Gäste(auch Frauen) haben Zutritt. 19S/t7 Der Vorstand. d?B. Am 1. Weihnachtsseiertag(Freitag, 25. Dczenibcr), in Kerzbergs Dresdener Kasino, DreSdcnerstr. 96; S0iF86 SlßF LBipZipf SHüIJfir und y zum Besten deS UnterstützungssondS. BilletS a 39 Pf. sind in der Versammlung bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern zu haben.' Verband der Kafenarbetter und venu. 3erufsgenossen Deutschlands. nitglicd»chaft Kerlin 11. Sonntag, den 18. d. M., vormittags 10 Uhr, im„Köuigstadt-Kasino": Mitglieder-Nersammlung. Dages-Ordnung: 1. Anträge zur Generalversammlung. 2. Vercwsangelegenheiten und verschiedenes. In dieser Versammlung werden die Protokolle der letzten General- Versammlung der Hasenarbeiter sowie das Verbandsorgan ausgegeben. !7B. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Es ist Pflicht ewcS jeden Kollegen, pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. VI. Wahlkreis! Sonntag, den 13. Dezember, abends 6 Uhr: 2 Versammlunsen für Männer und Frauen in folgenden Lokalen: 260/1 Kolberger Salon, Kolbcrgerstraste Nr. S3. 1. Vortrag des Genossen Lirebel: Welches Interesse haben die Frauen an der Politik? 2. Diskussion. Jägerhaus, Schönhauser Allee Nr. 103. 1. Vortrag des Genossen Bartels über; Heinrich Heine. 2. Diskussion. Nach dem Vortrage: Gemütliches Beisammensein. Zu recht zahlreichem Besuch laden ein Die Vertrauensleute. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute, Freitagabend S1/., Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 18 Sitzung der OrtsverwaKtung.: Sonntag, den 13. Dezember, vormittags 10 Uhr: Kezirlts- Uerlammlung für Moabit in der Brauerei, Turmftr. 25/26, Ileiner Saal. Tagcs-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Ingenieursipv über:.BcleuchtungS- und Hcizfragcu im Haushalt des Arbeiters". 2. Diskussion. 3. Wahl der Werkstatt-Kontrollkommission. 4. Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird gehcte». Sonntag, de» 13. Dezember, vormittags g'/z Uhr: Außerordentliche Branchen- Versammlung der StsUmaeher in: Lokale des Herrn R. Langhans, Lichtenbergcrstraße 21. Tag es-Ordnung: 1. Unter welchen Verhältnissen arbeiten die Berliner Stellmachers 2. Diskussion. 3. Die Handhabung des Arbeitsnachweises der Stellmacher- Innung. 4. Branchcn-Anzelegenbeiten. b. Verschiedenes. IlL. Kollegen I Da in dieser Versammtung dargelegt ivird, unter welchen Verhältnissen gearbeitet.wird, ist es eines jeden Kollegen seine Pflicht, in der Versammlung zu erscheinen und danach zu streben, imsre Lage zu verbessern. Hl« Kommission. Achtung! Sinsetzer! Sonntag, den 13. Dezember 1903, vormittags 10 Uhr: Bezirks- Sitzungen jn�en bekannten Lokalen, Montagabend 7 Uhr, Saal 2: Kommlsfiolls-Sitzimg mit der Tanfberntnngs-Kommlsjion. 39/15_ Der Obmann. Bürsten- tt. Piuselmacher. Branchens V ersammlung Sonnabend, den IL Dezember er., abends 87, Uhr, im l.okal des Herrn Pfeffer, Roscuthalerstr. 57. SfPF" Tages-Ordnung in der Versammlung. Gäste stets willkommen. Der Obmann. Znr Beachtung! Den Mitgliedern zur Kenntnisnahme, daß der letzte Zahlabend der Feiertage wegen ausfällt. Der tcifriC in diesem Jahre ist am 19. Dezember._ Die Ortsverwaltung. Grosse Voyel-Aussteliung vorn II.— 15. Dezember AlidreaS-FeStStlle) Andreasstrasse 21. — Geöffnet von 9—9 Uhr. Einlritl 50 PfS. ÄTS.SSfcSUs 50 Pfj, rli Sonnabend, den 19. Dezember: — Vosel- Auktion.- Damen! Ausverkauf J«'.» Ii. Jaiketts im Engrosgeschäft von A. Leinvsrz, �'i. 1 Treppe, kein Laden. Die Sachen, die früher für 8— 40 M., werden jetzt\ nach beendeter Engrossaison von ■1—20 M. verkauft. Nur gute Stoffe und beste Verarbeitung. Lteinardeiter. iiionntax, den RS. Dezember, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15,(Saal I): Mitglieder- Uersummluug. Tagesordnung: 1. Bericht der Gewcrvegerichts-Bcisitzcr. 2. Wie unterstützen wir unsre ausgesteuerten reisenden Kollegen. 3. Wahl eines Delegierten zur Bau- arbeiterschutz-Kommissian. 4. Verschiedenes. 173/15 .........— est'''---- Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet Der Borstand. Achtung! jlrbeiter-Mabrer! Sonntag, den 13. Dezember, nachmittags 1 Uhr: Ocssruililhe �rtfamotlung im IflilrkiHchen Hof, Admirai- Strasse 18e. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Vertrauensleute über ihre Thäsigkeit. 2. Diskussian. 3. Wahl eines Vertrauensmannes und zweier Revisoren. 4. Verschiedenes. MOT" Die Versammlung wird pünktlich eröffnet, da der Saal um Uhr gl 47, Uhr geräumt sein mutz. 289b Wegen der wichtigen Tagesordnung ersuchen um zahlreichen Die Vertrauensleute: Karl Fischer. Franz Stöckek. Gelegenheitskauf Damen- Konfektion Grosse Frankfurterstr. 102 1. Etage. Keine hohe Laden- miete, daher bil- ligstc Bezugs- quellcv. Jacketls Paletots, Capes, Röcke. Lange Paletots 77,-10 Mark. A-.Kol-tbuserStrasse h-. Pelzwaren-Fabrik, Neue Kiinigstr. Sl. oerkaust nach beendeter EngroS-Saijon ihre Reisemustsr, bestehend in Pelzstolas, Colliers. Muffen usw. zu billigsten Engroö- preisen. Es gelangt nur reelle Kürschnerware zum Verkauf. Gegründet 1864. 43/11* Dr. Schünemann Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden. 8evdelstr. 9. 7,18—'/all, 7-«-'/-«. Sonnt. 9-11 Centralverband deutscher Brauerei-Arbeiter Zweigvsrein Berlin, Sektien I(Brauer). Sonntag, den 13. Dezember, nachmittags 3 Uhr: MM" Vereinsversammlung in de» Arminhallen, Kommandantenstr. 30(groster Saal). Tagesordnung: 1. Endgültige Beschlutzsassung über die Annahme des zwischen dem Verein der Brauereien Berlins und Umgegend und unsrer Organisation abzuschließenden TarisvertrageS. 2. Innere Bcreinsangelegenheiten. 3. Ver- schiedeneö. Kollegen I In dieser Versammlung sollt Ihr darüber beschliesicn, ob mit den Unternehmern ein Vertrag von dreijähriger Dauer abgeschlossen werden soll, der Eure Lohn- und Arbeitsverhältnisse regelt. Selten ist in einer Versammlung das Erscheinen eines jeden Einzelnen so notwendig, wie in dieser. Darum agitiere bis zum Vi. Dezember ein jeder sür einen regen Versammlungsbesuch. Der große Saal der Arminhallen muß bis aus den letzten Platz gefüllt sein, damit man mit Fug und Recht behaupten kann: dieser jür jedes Mitglied so eminent wichtige Verjmnmlungsbeschluß betreffend Tarisvorlage ist als die im Verein herrschende Meinung anzuscbcn. Erscheint pünttlich, denn der Saal muß um 5 Uhr geräumt werden. Der Tarifcntwurs liegt in dieser Versammlung gedruckt vor. Mitglieder werden ausgenommen. Der Vorstand. 41/19_ I. St.: L. Hodapp. Wcißensce, Wörthstr. 6 I. lehlnna! Hlltmacher! lehlnng! Montag, den 14. Dezember, abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung im Saale»er Brauerei Bötzow. Prenzlauer Dhor. TageS-Ordnung: 1. Berichterstattung der StatutenberatungS-Kommission zur nächsten Generalversammlung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen und Kolleginnen I Da die Tagesordnung eine sehr wichtige ist, so erscheint vollzählig m der Versammlung. 294/5 Der Vorstand. s toppdecken 35281/ Gelegenheitskauf. i, alle Faxben fff,85 Ijfe Farben ß,00 Kormal- n g Sehlatiieekeii Z.oo, 6,00 m. *%!? Dpanlenstrasse 158. Wer seinen Kindern zu Weihnachten eine Freude bereiten will, der kause ein Kistchcn dcS von unsrcn Genossen angcscrttgtcngold-undsilberglitzcrnden Christbaumschmucks."WE Sortiment I für 5 M. sranco gegen Nachnahme, enthaltend 8—9 cm große Kugeln, dazu eine schöne große Reflep- Banmspitze, klingende Glocken, Slepfel, Vir- neu, Slfiriiosen und Früchte aller Art. Phantasie- u. Reflex- Slrtiketzübersponnene, glatte, bemalte und :mbcinaltc Eier und Kugeln, hundertStück versilberte Strang- kugeln, Eiszapfen, Lametta, Konfekt- Halter usw., kurz alles was die Glasindustrie in Lauscha fertig bringt. 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Dsiitsebos Metailarbeiter-Verband' Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige, Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Otto Schülke am 8. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! �Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 12. Dezember, nachmittags 3Uhr, von derLeichen- Halle des Einmaus-Kirchhofes in Rirdorf, Hcrmannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 161/15 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verbanil Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Ulbert Lrnst am 8. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leiche::- balle des Thomas, Kirchhoss in Rixdorf, Hcrmannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 161/11 Die Ortsvorwaltung. Central-Verein Verwaltung Berlin. Den Kollegen hierdurch zur Nachricht, daß am 8. d. M. unser langjähriges Mitglied, der Stein« bildhaucr 21/4 Feiii Seimaubert nach langem Leiden gestorben ist. Die Beerdigung fmdet heute Freitag, den 11. Dezember, von der Wohnung aus nach dem Fried- hos am Krugsteg w Lichtenberg nachmittags um 2 Uhr statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Korstand. Klub'Pfeifen, Jagd-, Tnrner- Harsch-Pfelfen. Feine Wiener Meersebaum-Spitzen Spazierstöcke, Schachspiele, Damenbrett, etc. Scheunert&Wirth Berlin O., 4 und 5 Laden. Uhren- Änsverkanf. Wegen gänzlicher Äuflösuug unsres riesigen 1888 gegründeten(34662" Nhren- EngroS- Lagers Verlaus zu staunend billigenPreiscndirekt an Private. Frei- fchwingerM. 13,— ,Rc- gulatore::, 14 Tage, Schiag., 1 Meter lang, M.l9,—„Herren-Uhren M. 4.7e, silberne M, 7,59, golb. M. 39,- Damcnuhren, silberne M. 7,59, goldene von M. 14,— an. Große Auswahl in Hausuhrcn:c. Hilm er& John, Berlin. Lelpzigerstr 66,.Hof pari. 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Zum Beginne der Landtagssession von einem heftigen Jnfluenza-Anfall gepackt, glaubte Wollmar an ein paar land- tagsfreien Tagen durch eine Reise an den Bodcnsee sich durch die hierdurch bewirkte Luftveränderung schneller zu erholen. Auf der Rück- reise war er dann in dem Zuge, der bei �ckwngeising entgleiste, und erlitt hier offenbar eine Erschütterung des Rückenmarks, die ziemlich schwere Folgen zeitigte. Die Gehfähigkeit ist zur Zeit fast völlig aufgehoben und wenn auch die Aerzte sich die besten Erfolge ver- sprechen von der Ruhe, der milden Lust und der Sonne des Südens, so ist doch natürlich auf Wochen hinaus nicht an die Wieder- aufnähme der parlamentarischen Thätigkeit unsres Freundes zu denken. Die Leitung der italienische« Partei beschloh, den nächsten Parteitag vom 8. bis 11. April in Bologna abzuhalten. Hua der frauenbenegung. Adlershof. Montag, den 7. Dezember, fand hier eine öffent- liche Versammlung für Männer und Frauen statt. Genosse Bürger sprach über die Frauenfrage. Nach dem Vortrage erfolgte die Gründung eines Frauen-Bildungsvereins. Lebhafter Beifall tvurde dem Resultat zu teil. 43 der anwesenden Frauen hatteir ihren Beitritt erklärt. Zum vorläufigen Vorstand wurden gewählt: Frau Ulbrich, 1. Vorsitzende� Frau Frmizke, 2. Vorsitzende; Frau Neumann, Kassiererin; Frau Vollmann, Schriftführerin; Frau Klinge r, Bei- sitzerin. Nach einem Schlußwort des Referenten, in welchem derselbe darauf himvics, daß sich die Frauen ihre Rechte erkämpfen müssen und daher unablässig für den neuen Verein agitieren sollen, erfolgte Schluß der Versammlung. Aus der Hau, burgischen Frauenbewegung. Nach dein Bericht der Vertrauensperson der Hamburger Genossinnen sind 1200 Frauen und Akädchen in Hamburg politisch organisiert.(In Hamburg können nach dem dortigen Vereinsgesetz Frauen Mitglieder politischer Vereine lverden.) Unsre Genossinnen sind deshalb Mitglieder der social- demokratischen Vereine der einzelnen Wahlkreise. Tie Zahl der Abonnenten auf die„Gleichheit" beträgt 000. Die Jahrcseinnahme der tveiblichen Vertrauensperson betrug 1133,59 M. und setzt sich zusammen aus Erträgnissen der Teller- sammlungen in Versammlungen, Ueberschüssen der„Gleichheit" und den Erträgnissen der Sammellisten. Die Ausgabe betrug 579,85 M., darunter sind 100 AI. an den Wahlfonds, 60 M. an Genossin Baader für Agitation und 30 M. an die Erimmitschauer gesandt. Mithin bleibt ein Kassenbestand vrrn 558,74 M. In einer öffentlichen Versammlung haben die Genossinnen be- schlössen, Sammelstellen für Wcihnachtsgaben— Geld, Kleidung, Fußzeug, Nahrungsmittel und Spielsachen— an die heldenmütigen Kämpfer in Crimmitschau zu errichten. Um das Interesse der Be- völkerung für die Kämpfer in Crimmitschau zu beleben, finden im Laufe der Woche eine Anzahl von den Genossinnen aroangicrte Volksversammlungen statt mit der Tagesordnung:„Der Helden- mutige Kampf der Crimmitschauer". im bi-G-lamt. Steuerjahr �nsltm 1802..... 2 437 886 1902..... 3 702 047 1903..... 3807782 1903 nerten 1 1892-st 50,9 Proz. 1903 gegen 1 1903 � 3,6 Pro�. Sociales. Preußische Einkommensteuer 1903. Nach den soeben von der„Statistischen Korrespondenz" ver- öffentlichen Hauptergebnissen der Veranlagung zur Einkommen- steucr betrug deren steuerpflich- deren Ein- tiges Reineinkommen kommenfteuer Mark Mark 5 061397 632 124 842 848 9 036 016 525 188 837 843 0091538136 186358311 -st 52,5 Proz.-st 49,3 Proz. 4- 0.6 Proz.- 1.3 Proz. Es ergiebt sich aus diesen Zahlen, daß die Einkommenssumme nicht so stark gestiegen ist, knie die Zahl der Censiten— eine Folge der ungünstigen ivirffchaftlicheu Verhältnisse. Daß daran die größeren Einkommen mehr beteiligt, d. h. daß diese stärker zurückgeblieben sind Ivie die kleinen, ist ganz natürlich; haben doch sie von den Fahren des Aufschwungs den größten Vorteil gehabt. Es giebt die nach- stehende Tabelle Auskunft über die Verteilung der(physischen) Censiten und ihres Einkommens in der groben Scheidung nach großen und kleinen Einkommen mit der Grenze von 3000 M. Es betrug der physischen Censiten mit Ein- kommen von über 900 bis 3000 M. über 3000 M. über 000 M. insgesamt Daraus geht allerdings hervor, daß das Durchschnittseinkommen dieser Censiten über 3000 M. von 1902 zu 1903 stärker gefallen ist, loie das der Censiten unter 3000 M., es geht aber ebenso daraus hervor, daß der Durchschnitt der größeren Einkommen trotz des jetzigen stärkeren Fallens noch immer über dem Durchschnitt von 19 0 2 steht, während der Durchschnitt der kleineren Einkommen immer tiefer unter den Durchschnitt von 1892 sinkt. Trotz aller durch das Auf und Ab des Wirtschaftslebens verursachten Schwan- kungen vollzieht sich anscheinend eine dauernde Bewegung der großen Einkommen nach oben, so daß der Durchschnitt der große« Einkommen allmählich immer höher wird, die Neichen innncr reicher toerden. Unten kommen allerdings immer mehr Leute hinzu, deren Ein- kommen die Hungergrenze von 900 M. übersteigt, aber die zwischen 900 und 3000 M. liegenden Einkommen schwellen nicht in den, gleichen Maße an, daher sinkt der Durchschnitt der Einkommen zwischen 900 und 3000 M. Es sind die qualifizierten Arbeiter und die kleinen Selbständigen, die nicht Schritt halten mit der allgemeinen Einkommensteigerung. Welche von beiden Schichten da am stärksten betroffen sind, ließe sich nur beurteilen, ivenn die Statistik, Ivas sie nicht thut, für diese Einkommen die Scheidung nach den Quellen des Einkommens vornähme. Jedenfalls kann man bei dieser Sachlage mit Recht von einer Verschärfung der jtlassengegensätze, von einer Er � tveiterung der Kluft zwischen Besitzenden und Nichlbesitzenden rede.«. Die amtliche Statistik, die es bei uns als ihre Aufgabe betracb�t, die Schönheit der bestehenden Zustände zu beweisen, läßt diese Um- stände ganz aus ihren Betrachtungen ausfallen; dagegen verkürU�t sie als erfreuliches Ergebnis, daß die Zahl der Leute immer größer wird, deren Einkommen 900 M übersteigt. Als ob damit irgend etwas bewiesen wäre für die wirtschaftliche Lage der VolkSmasic. Dabei machen die beamteten Einkoinmensteuerftatistiker Preußens regelmäßig noch ein merkwürdiges Kunststück, von dem man nicht weisi, ob es auf Mangel an Logik, auf ungelenker AuSdrucksweise oder auf Absicht beruht. Das nachfolgende Citat ist stereotyp in den Betrachtungen der„Statistischen Korrespondenz": „Die„veranlagte Bevölkerung", d. h. die Zahl der Censiten mit Einsckluß der Angehörigen, bezifferte sick, im Berichtsjahre auf 35,9 Proz. der Gesamtbevölkerung gegen 35,4 im Jahre 1902 und 29,3 im Jahre 1896, insbesondere in den Städten ans 46,0 bezw. 44,9 und 37,7, auf dem Lande auf 28,X beziv. 28,1 und 23,5 Hundertteile der dortigen Bevölkerung überhaupt. Berück- sichtigt man auch die nach den 18 und 10 des Einkommen- stcuergesetzes Freigestellten nebst ihren Angehörigen, so inachte die Schicht der von einem Einkommen von mehr als 900 M. lebenden Personen im Jahre 1903 41,1, im Jahre 1902 40,3 und im Fohre 1896 32,8 Proz. der gesamten Bevülkernng. i insbesondere bereits 51,2 bezw. 40,9 und 41,5 Hunderttrile der städtischen und 32,2 bezlv. 33,0 und 26,9 Hundertteile der ländlichen Bevölkerung aus." Die hier von uns durch Fettdruck hervorgehobenen Worte sind Unsinn. Es leben nicht 41,1 Proz. der Einwohner von einem Ein- ein Einkommen über 900 M.(siehe die zlvcite Tabelle); diese Ein- ein Einkommen über 900 Mk.(siehe die zweite Tabelle); diese Ein- kommensinhaber können aber das Einkommen nicht allem verzehren. sondern müssen es mit ihren Angehörigen teilen. Jeder Einkommens- inhaber über 900 M. ist gleich etwa 3,7 Personen, die auf dieses Einkommen angewiesen sind. Will man überhaupt mit solchen Durch- schnittszahlcn operieren, deren Grenzen zwischen 900 M. und etlichen Millionen Mark liegen und die darum ziemlich wertlos sind, so muff mmr die absolute Einkommenssumme durch die absolute Zahl der Censiten samt ihrer Angehörigen teilen und dmm erhält man für die Schicht von 41,1 Proz. der Bevölkerung nicht 900, sondern etwa 600 M. als dasjenige Einkommen, von der sie lebt. Die amtlichen Statistiker wollen vermutlich nachweisen, wie groß der Bcvölkcrungs- teil ist, der auf das Einkommen der besteuerten Einkommensmhabev angewiesen ist im Gegensatz zu demjenigen Bcvölkerungsteile, der vcm Vätern mit weniger als 900 M. Einkommen ernährt lverden muß. Diese Nachtveisung ist wichtig, aber die Veränderung dieser Zahlen sagt nichts über die Veränderung in der Lebenshaltung der Volksmassen, insbesondere beweist eS keineswegs eine Verbesserung der Lebenshaltung, wenn die amtliche Statistik eine Steigerung ihrer Prozentzahlen errechnet. Adreßbuch für Akrkin rmö Aororke 1904 ist erschienen und wird in der F?auxt- Expedition des„Berliner 5okal«Anzeiger" Zimmerstr. 37— �(porial j) zu den bekanntgemachten preisen ausgegeben. August Scherl. a £. a* « h I 4 ? L » s ä !l 'S w> s « s ? » s *■ a i s! im S 'S S « i l&v''•.£■-■-'■-•■■ HM- Kein k n ien! Kein F««ien i Selten günstiges Angebot! 1000 Stck. 40 IM. 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