Ar. 290. flbenne mcnts--Be di ngungen: Wonncmciitä- Preis pränumerando! Bierteljährp z.zo Mk, nwnall. l.lo mt. wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauZ. Einzelne Numnier K Psg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Aionnement: l,l0 Mark pro Monat. Eingetragen in der Pllst-Zeitungs. Preisliste für ISO» unter Nr. 8303. Unter Kreuzband für Deutschiaird und Oesterreich. Ungarn- Marl, für daS übrige Ausland l Marl pro Monat. Crlcheiot tiigll» außer Montag». 20. Jahrg» vie snlertlons-<öebül>r beträgt für die fechsgespaltene Kolonet- zcile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Vcrsammlungs-Anzeigen 2l> Pfg. „kleine ZZni-tg-n" jedes Wort 5 Pfg, (nur das erste Wort fett). Inserate fü« die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expeditionabgegcben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn, und Festtagen bis 8 Uhr vormAtagZ geöffnet. Vevlinev Nolkslrlcrkk. relegramm-Noreffe! „Soclaldemobrat Btrli»". Centralorgan der socialdemokratischen Deutschlands. �«äskrion: SM. 68» I.inclenshragse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr.»S8Z. Cxpeäitlon: SM. 68, �.inckensrrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. (Quittung. Im Monat November gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 4. KreiS Ost 2000,—(darunter Bicrprozente der Maurer vom Bau Behren- u. Charlottenstratzen Ecke 33,—, für Wiedererwerbung verlorener Rechte lO, Möbelfabrik Groschkus 33,35, Bierprozente der Möbelpolierer der Werkstatt Fülle 7.50.) 4. Kreis Südost 1000—. ldarnnter Pulzerkolonne Wille 6,10, Bau Grunewald durch Scheel, 1. Rate 3,20, 2. Rate 3,40, 3. Rate 3,40, Laternenfabrik von Logler Prinzenstr. 22, 6,80, gesammelt ans der Geburtstagsfeier bei Wählisch, Adalbertstr. 4 6,45, Drechslerwerkstatt Schmidt, Blumen straße 30, durch M. 4,—, fideler Geburtstag von Lange 1,55, Stadtbezirk 97 15,—, roter Geburtstag, Naunynstr. 9 2,—. 5. Kreis(Wahlverein) 500,—(darunter von der Liquidations kommission des ausgelösten Rabatt- Sparvereins ÄönigSthor 2. Rate 250,—, Putzerkolonne H. S. 8,10). 6. Kreis 4000,— (darunter Antonius 10,—, Putzerkolonne Bau Miillerstrasze 7, Werkstatt Ehrlich, Kronenstraße 10,—, Bierprozente der Arbeiter von Schubert u. Werth 11,—, Geburtstag bei T. Lehmann 2,50, S. B.. durch Philippsohu 10,—. alter Genosse Schönhauser Allee 10, Centraiverband der Maurer N. 10,—, A. B. Mister 1,—). Berlin, diverse Beiträge: Lese- und Diskutierklub Central 10, L. u. H. B. 10,—. N. N. 400.—. Von dem Personal der Galvano- Plastik, Handelsstätte Belle-Alliance 8,20. Dr. L. A. 100,—. Contobuch-Arbeiter vom Wedding 5,—. Munition zum Kampfe für Wahrheit und Recht 4.—. P. S. 50,—. A. B. 50,—. Arbeiter der Neuen Berliner Genossenschastsbäckerei 52,—. Buchhandlung Vorwärts 15 000,—. Buchdrucker der Firma Sittenfeld 12,50 I. M. 2,—. Vierprozente von der Geschäftsbücher- Fabrik A. Zumpe 5,—. C. D., Guhrau 1,—. Cohn 1,—. Gutenberg 40,—. G Niccke 20,—. Arbeiter und Arbeiterinnen der Buchdruckerei„Vor- wärt»", Abt. Buchbinderei 10,—. Bern 50,—. Brüssel, deutscher Arbeiterverein 16,94. Breslau, socialdemokratischer Verein 100, Bremen, Maschinenpersonal der„Bürgerzeitung" 18,90. Darmstadt, Parteibeitrag 200,—. Dresden, 4., 5. und"6. sächsischer Reichs- tags-WahllreiS, Rückzahlung 3000,—. Falkenberg(Oberschlesien) 16,—. Forst i. L., Parlcibeitrag 200,—. Flensburg. Partei- beitrag 50,—. Fürth in Bayern, durch Sch. vom„Maulbeeri baamla" 13.—. Gotha, durch den Vertrauensmann 30,—. Gera < Reich) vom socialdemokratischen Verein Reuß j. L. 150,—. Gießen, C. K. 10,—. Hamburg, 3. Wahlkreis 6000,—. Hohcnstcin-Ernstthal C. B. 5.—. Hamburg, im Monat November in der Expedition des „Echo" eingegangen 44,20. Karlsruhe i. SB., vom focialdemokr. Verein 200,—. Leipzig, 12. und 13. sächsischer Reichstagstoahlkreis 2000,- Lititz(Pensilv.), W. Riesener 2,75. München, Waldläufer 5,—. Neu-Weißensee, aes. nach einer fidelen G. 1,20. Oberstein a. N., Volksverein Nürnberg, M. u. H. 4, Gerichtsv. a. Biertisch d. E. 3. Quart. 03 0,60. Pankolo, Tischler v. W. Ä. Hischmann 4,20. Pirna, 8. sächs. ReichstagSwahlkr. 100,—. Rixdorf.Mebersch. d. Kranzsp. durch P. Stammwitz, Hohenzollernpl.. 4.—. Reichenbach i. B., L. B. u. W. K. 10,20. Richzenhain, Arbeiter-Bildungsv. 3,—. Straßburg i. E., Altvater 5.—. Stuttgart, G. 1l. 10,—. Schlvabach i. B., ges. in einer soc. Vercinsversainmlung 3,25. Solingen, durch das Kreis komitce 65,—(darunter Volksverein Ohligs 45,—, desgl. Solingen 15,—. Geburtstag in Höhscheid 3,50). Teltow-BeeSkow-Charlotten Zimmerer, Geburtstags nberg 100,'— Für den preußischen Landtags-Wahlfonds gingen ein: Berlin, ges. v. d. Maurern am Bau der LandeS-Bersicherungs- «mstalt a. Kölln. Park 21,10. Von den Berliner Genossinnen 100,—. Berlin, Arbeiter der Finna Förster u. Runge 6,—. Nieder mit der preußischen Reaktion 10,000. Sa. 10127,10. In der Quittung in Nr. 265 des„Vorwärts" vom 12. November dieses Jahres muß es unter den Eingängen für den preußischen Landtags-Wahlfonds nicht heißen: M. G., Kolmarcrstraße, sondern M. S., Stralauerstraße 25,—. Berlin, den 9. Dezember 1903. Für den Parteivorstand: A. Gcrisch, Kreuzbergsir. 30. Die Preisgabe der Ertappte». Nachdem selbst des Grafen Reichskanzlers jede Politik herabziehende Spaßhastigkeiten der Donnerstag-Debatte des Reichstages die Bedeutung nicht nehmen konnten, die ihr Bebels Rede gegeben, sank am Freitag die Etatsberatung wieder in die tiefe Niederung. Zwar hatte auch dieser Tag in der beschließenden Rede deS Herrn v. Kardorff ein spaßhaftes Satyrspiel, doch es fehlte ihm jedes Wort von Größe und Weite. Und einige Bedeutung erhielt dieser Tag nur durch die ErstlingSrede des neuen Kriegsministers, in deren verhältnismäßig ernsthafteren Anläufen sich die Unmöglichkeit der militaristischen Flucht vor den„Auswüchsen" des Militarismus klassisch bekundete. Zunächst vernahm man Herrn Dr. Sattler, dessen Rede nur den Vorteil bot, daß sie eine Rede des nicht wieder gewühlten Herrn Baffermann ersparte, zu der man sonst verurteilt worden wäre. Was Herr Sattler für die nationalliberale Fraktion sagte, war— nationalliberal. Hatte der Centrumsredner mit einer Bekundung tiefen Interesses fiir die Stimmlippen-Krankhcit des Kaisers eingesetzt, so war es Aufgabe de» Dr. Sattler, das tiefe Ccntrunisintereffe durch tiefstes, allertiefsteS Interesse seiner Fraktion zu übertreffen; der Monarchismus der Schädker und Sattler müht sich eifrigst, gegen die offiziösen Darstellungen von der völligen Unbedenklichkeit und Unbedeutendhcit der kaiserlichen Er- kranknng durch laute BeileidSkundgebungen Mißtrauen zu erwecken. In seinen politischen Auffassungen geht natürlich der nationalliberale Redner durchweg mit der Regierung. Was der Reichskanzler tags zuvor als berechtigte Kritik zugegeben, das erlaubte sich Dr. Sattler gleichfalls gehorsamst zu kritisieren, insbesondere Soldatenmißhand- lungen. Was der Reichskanzler als ungerechtfertigte Kritik zurück- gewiesen hatte, wies pflichtschuldig auch Dr. Sattler zurück. Die Stengelschc Finanzreform ist für die Nationalliberalcir eine annehmbare Verbesserung, der sie zustimmen wollen. Die Nicht Socialpolitik der Thronrede hat die Partei des Dr. Sattler mit Entzücken begrüßt, denn hierin dürfe mau„nicht überstürzt vor gehen". Die answärttge Politik des Grafen Biilow ist nicht nur so gut, daß Herr Sattler nichts auszusetzen hat, das ist vielmehr ein Gebiet, wo nur Vertrauen zur Regierung walten darf, wo der nationalliberale Pattiot andachtsvoll verstummt. Dann nahm Herr v. Einem das vom Reichskanzler schon an- gekündigte, wohlvorbercitete Wort. Herr v. Stengel und Herr v. Einem sind die beiden neuen Männer im Gefolge deS Reichs kanzlers. Wie jener den Herrn v. Thielmann ablöst, uin die vcr- fahrenen Finanzen zu ordnen, so ist Herr v. Einen: bestimmt, die Verteidigung der Heeresverwaltung zu führen, zu der v. GoßlerS Ungeschick nicht mehr reichte und die durch die neuesten Soldaten mißhandlnngsgreuel und den Forbacher Fall nicht erleichtert wurde. Wie Herr v. Stengel die Finanzen„reformiert", indem er Pflästerchen klebt, aber den Krankheitsstoff erst recht erhält, so führt der neue KriegSminifter seine Aufgabe, indem er die„Auswüchse" prcisgiebt, um den Grund des Uebels zu retten. Herr v. Einem bewährte als Kriegsminister die in seinem früheren Austreten ini Reichstage schon bekundete rednerische Gewandt- hcit und bemühte sich, Ivozu die Mißstände seines Ressorts nötigten, zu einer sachlichen Aussprache. Je gewandter und befähigter der neue Mann seine Aufgabe vollzog, um so cnisthafter aber zeigt sich die völlige Ratlosigkeit seiner gesamteil Auffassungsweise. Für die ge- ringen Bedürfnisse der ReichstagSmehrheit leistete Herr v. Einem, Ivas zu leisten war, dein tiefer Schauenden offenbarte er um so ein dringlicher die Haltlosigkeiten des klassenstaatlichcn Militärsysteins. Die Mitzhandlungsschufttgkeit und die Lüdereien von Forbach lassen sich nicht entschuldigen. Die Militaristen erkennen iir diesen Vorkommnissen die schwerste Gefährdung des Militarismus und ihre Losung lautet: Preisgabe der Ertappten. Herr v. Einem griff nach schärfften Worten gegen brutale Soldatcnguälereie» und gegen das Treiben in Forbach, llimachsichtlich läßt er die Gezeichnctcu fallen, der Kommandeur und die Offiziere des Forbacher Trainbataillous werden in Worten verurteilt, wie sie noch niemals ein Kriegsminister gegen Offiziere, die zum Teil doch keine Schuld der Gesetzwidrigkeit begingen, gebraucht hat; sie wären nur äußerlich Offiziere, nicht in Wahrheit. Ticfdunkcl zeichnet der Kriegsminister den Schatten, der nicht bestritten werden kann. Um so lichter soll sich von dem dunklen Grunde die Trefflichkeit, die Herrlichkeit des preußisch- deutschen Militärwesens abheben! Es giebt nur ein Forbach in der ganzen deuffcheir Armee, ruft Herr v. Einen:. Derselbe Herr v. Einem erzählt aber auch, daß er, als er die Schrift de» Lieutenants Vilse zuerst las, sie mit den: Ausruf beiseite geworfen habe: Das ist unmöglich! Doch war es möglich und die ekle Wahrheit der Schilderung wurde vor Gericht bewiesen. Ein Witzblatt ließ jüngst einen Offizier sagen: Gott sei Dank, daß wir in nnsrer Gannson keinen Kameraden haben, der die Fähigkeit hat, Romane zu schreiben! Forbach hatte das Unglück, den gänzlich reglementswidrigcn Bilse zu haben. Sonst iväre Forbach heute noch die tadellose Garnison, deren früheren RufHerr v. Einein feierte, und schwerste Strafe würde den Lästerer treffen, der von einem deutschen Offiziercorps behauptet hätte, was in Forbach Wirklichkeit war. Würde der Kriegsminister sich eine ernstere Aufgabe gestellt haben, als die Ertappten abzuschütteln, so könnte er nicht bei der Behauptung Beruhigung fassen, daß außer Forbach der- gleichen nicht möglich sei. Der Kriegsminister hat die socialdcmokratische Kritik von inilitaristischen Geschehnissen mißbilligt, weil sie das Uebcl im System uche. Aber er hat unsre Kritik nur mit der unsäglichen Hilflosigkeit beantwortet, Deutschland hätte auf dem Weltmarkt nicht so viel leisten können, wenn es wahr wäre, daß die Nation so verkommen sei, wie die Socialdcmolratie sie darstellt. Solche zusammenhanglose Sinnlosig- kcit bedarf der Erwiderung nicht. Wohl aber ist zu sagen, daß die Social- demokratie selbst ein Forbach und selbst die' Soldatenmißhandlungen gerechter beurteilt als die Beschöniger des Militarismus. Wird von den Verfehlungen einzelner Forbach-Offiziere gegen das Strafgesetz- buch, von Bcttng und Fälschung abgesehen, so ist die Verfehlung des dortigen Osfiziereorps keineswegs einzigartig und ganz außergewöhnlich. In Forbach ist in besonders starkem Maße zum Ausbruch gekommen, was allenthalben möglich ist. Und keineswegs nur die Absperrung von den bürgerlichen Schichten, die dann der Abgeordnete Richter tadelte, bietet den Grund zu den Möglichkeiten der Forbacherei, die vielmehr aus derselben Wurzel wächst wie die Schmach der Soldatenmißhandlungen: ans der Klassen- natur deS gesamten heuttgen Militärwesens. Die Kritik des Kriegsministers giebt den entlarvten Sünder preis, nm das System zu erhalten, bis der nächste Tag neue Sünden offenbar macht, die nach gleichem Muster behandelt werden. Die ocialdcmokratische Kritik erkennt die Ursachen und die socialen Zusammenhänge, durch welche die individuelle Verfehlung entsteht und wächst, um die Ursache zu beseitigen und dauernde Reiingung zu schaffen. Der Reichskanzler spielte am Donnerstag den höchsten Trumpf gegen unsre Partei, indem er uns als Kritikern daö beste Zeugnis, aber das schlechteste Zeugnis ausstellte,' wem: es gelte, positiv zu schaffen. Und doch ist gerade die Militürkritik nnsrer Partei in jedem Zuge schöpferische Thai. Der Kriegsminister rühmte auch die Armee alö„das Volk in Waffen". Das aber ist die größte Irrung, aus der alle andren erwachsen. Die Armee in ihrer heutigen Verfassung ist ein Klassen Heer, wie unser Staat ein Klassenstaat ist. Wie die arbeitende Klasse politisch cnttechtct ui:d social ausgebeutet ist, so kehrt dieses Grund- Wesen der heuttgen Gesellschaftsordnung" in brutalster Schroffheit in der Armee wieder. Nicht Verdienst entscheidet, nicht Tnchttgkeit, Geburt und Besitz bestimmen den einen zum einjährig Dienenden, zum schnellen Aufrückenden, zum Avantageur, zum Offizier, die Masse der andren werden zu doppelter Dienstleistung verpflichtet, sie bleiben „gemeine" Soldaten, wenn sie auch—„den Feldmarschallstab im Tornister tragen". Gleiche Dienstzeit, Aufrücken nur nach Be- fähigung, Beseitigung aller Vorrechte des Besitzes und der Geburt I— das ist die„oberflächliche" Kritik der Socialdcmokratte, das ist die Unfähigkeit, positiv zu schaffen. Man bahne die Durch- führmtg dieser Forderungen an, dann kann Wahrheit werden, was Herr v. Einem fälschlich vom heutigen Heeressysten: rühmt, daß das Heer ein Volk in Waffen wird, und nicht, wie heute, eine Waffe gegen das Volk. Dann wird erreicht werden. was heute fehlt und für dessen Fehlen Herr v. Einem fälschlich die socialdeinokratische Aufwiegelung verantwortlich macht, daß jeder- mann im Volke freudig die Pflicht, die das Land fordert, er- füllt. Dann müssen Mißhandlungen aufhören und Forbach ist unmöglich. Die Kritik des Herrn v. Einem ist die Kritik der Unfähigkeit, welche den Einzelfall preiSgiebt, um die Ungerechtigkeit im Gesamten zu festigen. Nach dem Kriegsminister sprach Herr Richter. ES litt ihn nicht auf dem neuen Platze, auf den ihn die Socialdenwkratie ge- drängt hat, er bestieg gegen alle Gewohnheit die Tribüne. Herr Richter verzichtete, sich in die Allseinandersetzung mit der Social- demokratie zu inischen, Graf Bülolv hatte ihm die beste Weisheit vortveggeleistet. Sonst bewies er die alte Sachkentnnis in finanztech- nischen Fragen, aber was er kritisch gegen Einzelerscheinungen der heutigen Politik vorbrachte, war karg und matt und durch frühere Rediwr bereits verbraucht. Er verlor sich in Einzelheiten und cs fehlte der größere Gedanke, der die Details beherrscht und ihnen.Halt und Kraft giebt. Herr Richter fand den Beifall der Wenigen seiner Partei und die Rechte des Hauses hörte ihn duldsam, wie es dem ungefährlich gewordenen Gegner gebührt, Dann versuchte nochmals Herr v. Stengel seine„Reform" durch WiedcryowngfrühererBemerkungen zu fördern und Herr v. Kardorff schloß die Sitzung. Der alte Herr mit der noch jugendlichen Geberde behält auch in dem neuen Reichstag die seit Jahrzehnte geübte Rolle des Heißsporns der Reaktion. Er empfiehlt ebenso spaßhaft die Politik des Schleifsteins wie Graf Bülow die.Politik des Gehen- nild Goschehcnlassens betteibt. Er weiß für alle Schwierigkeiten der Regierung probate Heilmittel. Ilm zu neuen Handelsver- trägen zu kommen, kündige man schleunigst die alten. Nm der Landwirtschaft zu helfen, gebe man ihr schnell den Fünf- Markzoll. Nm den Reichsgedanken zu fördern, gebe man den Bundesstaaten aus den Reichseinnahmen gute Bissen. Nm die Soldatcnmißhandlungen zu beseitigen, führe man die dreijährige Dienstzeit wieder ein. Die Höhe des Kardorffgeistes offenbart sich aber in der Bekämpfung der Socialdcmokratte. Graf Bülow ist auf falschen Wegen, er sehe nicht, daß die Revolution vor der Thür ist; die Socialdemokratie werde immer mächtiger, ihr« Ver« treter seien gar Gewerberichter und Krankenkassenvorsitzende; die Situation werde stets kritischer; der Armee sei man nicht mehr sicher. Also: cs muß etwas geschehen I Eigentlich hätte die ganze erschreckliche Entwicklung der Socialdenwkratie aller- dingS vermieden werden können, nur durch ein Mißverständnis ist sie geschehen, nämlich durch die irrtümliche Aufhebung deS Socialisten« gesctzes. Jetzt aber gelte cs, allen, die sich zum Umsturz bekennen, einfach auf fünf Jahre das direkte und indirekte Wahlrecht zu nehmen I Der greise Polterer verrät offen die Geheimnisse der Scharf- lnacherkiichc. Er sieht nur nicht, daß die Rcvolutton, die er furchtet, chon längst gekon:men ist, und er weiß nur nicht, daß in dieser Revolutton kein anderer eine erhebliche Rolle gespielt hat als— er e lb st, der Großaktionär der Laurahiitte, er selbst und seinesgleichen, die Führer des Großkapitalismus, die Schöpfer des Lohnprolctariats, den: nur noch die revolutionäre Aufgabe blieb, die Revolution der Kardorff zu vollenden und den modernen Reichtum aus einem Aus- beutungsmittel in ein Mittel der allgemeinen Volkswohlfahrt zu verwandeln. Am Sonnabend wird die Etatsdebatte unterbrochen durch die Beratung des britischen HandelsprovisoriumZ. Am Montag wird aus unsrer Partei die Antwort auf die Bülow, die Einem, die Kardorff erfolgen._ politifcbc Qcberficbt. Berlin, den 11. Dezember. HochvcrratS-Spürrr. Die Hochberrats-Staatsanwaltschast in Königsberg unternimmt HauSsnchnngsausflüge neuerdings auch nach Berlin und in a u tz e r- preußischen Reichsgebiete. Bei unscrm Parteigenossen Buchholz in Charlottenburg erschienen am Freitag vier Beamte der Polizei, darunter einer, welcher der russischen Sprache mächtig ist. Die Beamten erklärten, auf Anordnung des ersten Staatsanwalts in Königsberg Haussuchung vor» nehmen zu sollen. Die Haussuchung wurde gründlich besorgt, die Beamten waren jedoch nicht in der Lage, irgend welches Material zu Gunsten der Hochverrats-Bchörde in Königsberg beizubringen. Ebenso wurde an: Mittlvoch im Auftrage der Königsberger Staatsanwaltschaft bei dem seit längerer Zeit bei Sttlttgart wohnenden Schriftsteller Peter v. Struwe Haussuchung gehalten. Dabei wurden Adressen von Personen beschlagnahmt, mit denen V. Struwe in briefliche!:: Verkehr stand oder die seine in Stuttgart erscheinende russische Zeitschrift„Oswoboschdenje" zugestellt erhalten. Die Liebedienerei der Justiz für Rußland ist in diesem Falle nm so unberechtigter, weil es sich bei Peter v. Strnlve um einen Mann Handelt, dessen politische Bethätigung lediglich auf die Einführung einer konstitutionellen Monarchie in Rußland abzielt. Seine Be strebungen sind in Deutschland durchaus erlaubte und nicht strafbar, trotzdem geben sich die deutsche Justiz und Polizei zur Verfolgung her, weil es die russische Despotie so will. Ferner geht uns zu dieser Angelegenheit folgende sehr heachtens werte Zuschrift zu: Mehrfache Aachrichtcn erwecken den Verdacht, dast im Anschluß an die Königsbcrgcr und Memeler Untersuchungen und womöglich aus andren Anlässen heraus, gegen dritte, bisher in die Sache noch nicht verwickelte Personen Brief sperren verhängt werden so daß ihre gesamte Korrespondenz, und zwar ohne daß sie darüber unterrichtet sind, durch die Hände des Staatsanwalts, der Polizei und des Richters läuft. Daher ist es dringend geboten, daß alle noch so'entfernt Interessierten die größte Vorsicht in der Korrespondenz beobachten und die größte Aufmerksamkeit aus die Umtriebe der russischen Spitzel und ihrer preußisch-dcutschen Helfershelfer richten.— Die Eulenspiegeleien Bülows finden in der bürgerlichen Presse eine ziemlich geteilte Auftrahme Die reaktionäre Presse kann ja nicht umhin, die ausgiebigen Citate des Reichskanzlers, die diesmal nicht dem Büchmann, sondern dem berühmten Roman von der Spar-Agnes entnommen waren, zu loben, so starke innere Zweifel sie auch hegen mag. Herrn v. Bülow intellektuell für einen starken Mann zu halten. Was mancher Konservative im verschwiegenen Gcmüte denken mag, spricht die »Staatsbürger,- Zeitung" unverhohlen aus. Sie bc- hauptet zivar auch, daß der Reichskanzler Herrn Bebel gründlich ab gefertigt habe, fährt dann aber fort: „Leider verfiel er dabei in den Fehler, cS ihm an äußerlicher Wirkung mindestens gleich thun zu wollen. Man kann daher kaum behaupten, daß Graf Bülow einen guten Tag hatte. Augenblicklichen Effekt, viel Heiterkeit erzielte er ja, aber auch schließlich manches K o p f s ch ü t t e l n. Er ließ sich von dem vergnügten Beifall der Rechten zu immer neuen Wort- ivitzen hinreißen, bei denen er sich zum Teil recht st a r k vergriff.... Im Reichstage hätte er ein andres Register aufziehen und seinen Ausführungen mehr t h a t sächlichen Inhalt geben oder sich beträchtlich kürzer fassen sollen. Wenn in dieser Weise weiter verhandelt werden sollte, könnte er schließlich doch gegenüber der rauhbeinigen Schlag- fertigkeit mancher„Genossen" arg ins Gedränge kommen." Reicheren Weihrauch spendet die freisinnige Presse Herrn t>. Bülow. Das ist bei ihr. die freudiger Stolz ob der gestrigen Vaterschaft der Bülowschen Ergüsse schwellt, auch kein Wunder. So schreibt die V o s s i n: „Litl Herr Bebel unter einer geistigen oder körperlichen In disposition, so war Graf Bülow um so frischer und kampfbereiter. Er hat im Reichstag noch nie so geistvoll, so formgewandt, so glücklich gesprochen wie gestern.... Doch den Kern seiner einstündigcn Rede bildete die Ab rcchnung mit der Socialdemokratie, und hier bewies Graf Bülow s o viel Humor, wußte er die Schwächen seiner Gegner und besonders Bebels so geschickt zu treffen, daß er die Lacher unausgesetzt ans seiner Seite hatte..... Die Rede des Reichskanzlers war reich an derlei packenden, scharf geschliffenen Antithesen. Er traf in leichter Plauderei die von allem theatralischen Wesen ftei war, häufig Worte, die sich dem Gedächtnis einprägen, und bedürfen gleich manche seiner Ausführungen der Nachprüfung, deckt die glänzende Form nicht überall den Inhalt des Streites, so ist doch der rednerische Erfolg nicht zu leugnen; er war so groß, wie man ihn im Reichstag feit langer Zeit nicht erfahren hat. Galt Herr Bebel mit Recht als einer der besten Redner des Hauses, so war ihm Gras Bülow gestern nicht nur ebenbürtig sondern weit überlegen. Herr Bebel hat selten einen schlechteren, Graf Bülolv nie einen besseren Tag gehabt.... Die Rede des Reichskanzlers wird noch ihre Wirkung üben, wenn die„Rede der drei Millionen" längst der Vergessenheit anheimgefallen ist." Als„packende Leistung, die auch im Lande g e würdigt werden wird", feiert auch das„Berliner Tageblatt" die Bülowsche Rede. Tie freisinnig-demokratische„Volks-Zeitung" endlich urteilt: „Der größte Teil der Rede des Reichskanzlers war mehr oder weniger Schall und Rauch; schöner Schall, wie man es beim Grafen Bülow gewohnt ist, und anmutig sich kräuselnder Rauch; aber man erwartet von dem verantwortlichen ersten Beamten des Deutschen Reiches mehr als hübsche Plaudereien, an denen ,nan sich mit eine halbe Stunde gut unterhält; auch wenn diese Plaudereien so gemütlich vorgetragen werden, wie es Graf Bülow gestern that, beide Hände tief in die Taschen seines Beinkleides per- wie hervorgehoben, folgte Graf Bülow der Rede des Abgeordneten Bebel von Station zu Station; in Wirklichkeit markierte er bei den ihm unbequemen Haltestellen nur einen kurzen Aufenthalt, und mit der„Widerlegung" der andern machte er es sich leichter, als der Sache zuträglich war. Ist ein schön klingender, elegant er- scheinender Satz eine Widerlegung? Etwas andres waren des Grafen Bülow Bemerkungen über Bebels Kritik an unsren Heeres- Verhältnissen, die auf den Gutachten von Fachmännern auf- gebaut war, nicht. Ist es ferner eine Widerlegung, wenn man des Gegners bewiesene Behauptung ins Gegenteil wendet, um die un- bequeme Behauptung selbst in der Versenkung verschwinden zu lassen, wie es Graf Bülow mit den Vorwürfen gegen den in Deutschland herrschenden Byzantinismus that?"— Deutfehea Reich. Patrioten"-Dallcs. Für die herrschenden Klassen ist ein günstig, d. h. aus i h r e n Vertretern zuscnmncngcsetzter Reichstag cur gutes Geschäft; denn ein solcher wird immer bestrebt sein, die Lasten der Rcichshcrrlichkeit den unteren Schichten des Volkes aufzuhalsen, die Vorteile aber den glücklich Besitzenden zu sichern. Indessen wissen die„Orduungs"- Helden das Geschäft nicht nach richtigen kaufmännischen Grundsätzen zu betreiben; mit echter Philisrerknickerei wollen sie Erträgnisse haben, ohne crwaS ins Geschäft hineingesteckt zu haben, und jeder von ihnen hofft, daß sein Ilachbar so„dumm" sein werde, Geld zu spenden. Es ist die Solidarität der Schäbigkeit, die die„Patrioten" im kleinen wie im großen bethätigen. Vor den Wahlen lassen sie Throne krachen und drohen mit dem Uebcrgange zur Social- demokratie— die sich bestens für diese Gesellschaft dedankt—, nach den Wahlen giebtS jedesmal ein Gestöhn und Gejammer um die Deckung der Wahluickosten. Man erinnert sich noch des amüsanten Falls aus Magdeburg: während unsre Parteikasse mit einem er- hcblichen Ueberschuß den Wahlkampf abschloß, konnten die über- mutigen Gegner nicht einmal die entstandenen Kosten decken— rrotz der vielen Millionäre in ihren Reihen! Heute fliegt uns wieder ein ergötzlicher Beweis für den Dalles der„Patrioten" zu, dem wir zur Erheiterung unsrer Leser hier Raum geben. Er lautet: Wolfcnbüttel, den 17. November 1903. Sehr geehrter Herr I Da es leider bisher hat nicht gelingen wollen, die Unkosten der Rcichstagswahl zu decken, sieht sich der Ausschuß für die Wahl des Herrn von Kaufmann genötigt, die Sammlungen im Wahlkreise nochmals aufzunehmen und sich an die besser situierten Wähler Herrn von Kaufmanns mit der Bitte zu wenden, die Beiträge nicht zu karg zu bemessen, damit dem Ausschusse die endliche Begleichung der Rechnungen, die durch weg Barauslagcn darstellen, ermöglicht wird. An der bisherigen Sammlung in Höhe von 2215,19 M. ist Wolfenbüttcl ntit der geringen Summe von 176,50 M. beteiligt, während Helmstedt rund 500 M. aufgebracht hat, und der Rest"in Höhe von 1538,09 M. von den Gemeinden, in denen vorwiegend Herr von Kaufmann gewählt ist, zusammengebracht ist. Mithin bleibt von den Gesamtkostcn in Höhe von etwa 3150 M. noch ein Rest von 1250 M. zu decken. Tie �tadt Helmstedt sowohl wie die Landgemeinden haben ihre Schuldigkeit gethan, während Wolfenbüttcl, das die Führung in der Wahlangelegenheit übernommen hatte und der Sitz der Leitung der Bewegung zu Gunsten Herrn von Kaufmanns war, nicht viel mehr aufgebracht hat, als Wendessen. Das ist ein Resultat, das wir der Oeffentlichkei nicht übergeben können— die Bekanntgabe würde uns geradezu bloßstellen und uns die zukünftige Führung in der Wahl bcwegung kosten— wir richten deshalb an unsre Mitbürger das dringende Ersuchen, die Beiträge so zu bemessen, daß möglichst die ganze Restsumme hier in unsrer Stadt aufgebracht wird. Das Wahlkomitee wird sich erlauben, Ihnen in den nächsten Tagen eine Liste vorzulegen und bittet Sic, Ihren Beitrag unter Einzeichnung in die Liste dem Boten mitzugeben. Hochachtungsvoll Das Wahlkomitee für die Wahl des Herrn von Kaufmann. Wir hoffen, dem„Wahlkomitce für die Wahl des Herrn von Kaufmann" einen Dienst mit dieser Veröffentlichung zu leisten denn n u n m e h r werden die Anhänger des agrarisch angehauchten (gelegentlich allerdings auch einmal von den Agrariern„an gehauchten") Hospitanten der nationalliberalen Partei doch wohl ihren Beutel aufthun! Der in dem Dallesbriese erwähnte Ort Wendesscn ist nach Neumanns Ortslexikon des Deutschen Reiche ein Dörfchen mit 507 Einwohnern, während Wolfenbüttcl, eine braunschweigische Kreisstadt, mit ca. 15 000 Einwohnern angcführr ist. Und dabei 170,50 M.— begeisternd ist das nun freilich nicht Aver warum haben denn die Herren vom Komitee nicht selbst ein bißchen tiefer in die Tasche gegriffen? Sic scheinen auch„Krumm zu sein, wenn sie sich bücken!" Ein freisinniger Reinfall. Zu den schäbigsten Blättern gehören augenblicklich diejenigen, die die Freisinnige„Volks" Partei vertreten. Die schamlosesten Lügen werden den bedauernswerten Lesern dieser Blätter auf- getischt, wenn es gilt, der verhaßten Socialdemokratie eins aus zuWischen. Wie weit diese Blätter herabgekommcn sind, zeigte sich so recht dabei, wie sie über die Verhaftung unsrer G e- nassen in Königsberg und Mcmcl wegen Beihilfe zum Hochverrat gegen das heilige Rußland und Beleidigung des Zaren berichteten. Kciir Wort der.Entrüstung fanden die sich schamlos noch immer volksparteilich nennenden Zeitungen über den schmählichen Geheimbund Deutschlands mit Rußland. Auch die „T i l s i t c r Allgemeine Z e i t u n g", die zu den gläubigen Nachbetern der Richtcrschcn„Frcis. Ztg." gehört, berichtete mit Genugthuung über die Verhaftung unsrer Genossen. Nun ist diesem Blatt aber ein köstliches Malheur passiert. In seiner Nummer vom Dienstag berichtete es über die russischcrseitS vorgenommene Per- Haftung eines Felix Petrowitsch, der sich angeblich schon jähre lang mit dem Schmuggel in Rußland verbotener Schriften befaßt habe. Am Tage darauf aber jammert das Blatt darüber, daß Petrowitsch von diesem Unglück betroffen wurde. Ja, es versteigt sich sagar zu einem gelinden Protest dagegen, daß preußische Beamte bei der Verhaftung des P. behilflich gewesen. Um diesen Protest zu verstehen, muß man lviffen, daß dersclve Verlag, in dem die„Tilsiter Allgemeine Zeitung" erscheint, sich auch mit der Herstellung in litauischer Sprache gedruckter Gebetbücher beschäftigt, die ebenfalls in Rußland verboten sind. Petrowitsch aber befaßte sich vorwiegend mit dem Schmuggel dieser Gebetbücher. Petrowitsch ist. so jammert das Blatt in beweglichen Tönen, ein„durchaus harm loser Mensch" der es durchaus ablehnen würde. Schriften, deren Inhalt sich gegen die russische Krone richte, in Ruhland einzuführen. Also in dem Augenblick, wo sich der Verlag der„Tilsitor Allgemeinen Zeitung" g e s ch äd i g t sieht, protesticri ie gegen die Machenschaften preußischer Behörden im Dienste Ruß- lands! Bei dieser Gelegenheit mag daran erinnert werden, daß vor einigen Jahren in den, Räumen des Verlages der „T i l s i t c r Allgemeinen Zeitung" selbst eine Haussuchung nach in Rußland verbotene» Schriften abgehalten wurde. Es wurde dabei auch ein Posten von Schriften beschlagnahmt. Ebenso wurden damals auch drei Russen bei Mauderode verhaftet, die dort logierten uno ich mit dem Schriftenscknnnggel befaßten. Damals erhob sich reilich auch ein Sturm der E n t r ü sc u n g in den liberalen Zeitungen Deutschlands. Heute hat man das verlernt, man billigt alles, tvas von der Polizei vorgenommen wird. Dafür ist man„liberal".— Zu gut weggekommen ist der Reichskanzler an einer Stelle unsres Berichtes über seine Reichstagsrede. Er hat thatsächlich gesagt:„Wenn also Herr Bebel für die Mongolen, die ja wohl öie Mandschurei bewohnen, einen neuen Kreuzzug unternehmen will, als neuer Peter von Arbnez, so lasse ich ihn allein voran- gehen." Genosse Lcdcbour rief dem Äeschichtskundigen zu:„Sie verwechseln ja Peter Arbnez mit Peter von AmienS!" Aber tolz erwiderte Graf Bülow:«Nein, ich verwechsle nichts!"— Geschichte: Vb.— Gegen eine kaiserliche Bcrordnung richtete sich eine Eingabe, die die H a n d e l S- u n d G e w e r b e k a m m c r zu Zittau in ihrer letzten Sitzung an das sächsische Kriegs min ist eri u m zu richten beschloß. Ein Äammermittzlied hatte mündlich an die Kammer eine Eingabe gemacht, lvorin auf die Schädigung hin- gewiesen wurde. die die heimische Tuchfabrikation infolge der plötzlichen Einführung heller Offiziers-Ueberröcke erlitten hat, und beantragt, im Sinne der Eingabe beim sächsischen Kriegsministerium vorstellig zu werden. Kommerzienrat Weigang referierte des näheren über die An- gelcqenheit und betonte, in der Eingabe»verde ausgeführt, welche kolossale Schädigung den Tuchfabrilanten und den Uniformschneidern aus der plötzlichen Einführung Heller Offiziers-Jnterimsröcke ohne vorherige Ankündigung entstanden sei. Früher wären für diese Röcke Tuche in ahlreichen Farben zugelassen gewesen, demgemäß mußten auch reich ortierte Tuchvorrüte vorhanden sein. SlIS dann die Verordnung bezüglich der hellen Offiziersröcke gekommen sei, welche bestimmte, daß vom Tage der Verkündigung an Neuanschaffungen in den früheren Farben nicht mehr Zulässig wären, seien die fertigen Röcke in den Schneiderwerkstätten sofort entwertet gewesen. Eine Firma hatte solche E>tücke im Werte von 70 000 M. vorrätig. Ein Schneider hatte circa 100 Röcke auf Bestellung hergestellt. Die betreffenden Offiziere nahmen sie nicht mehr ab, tvünschten vielmehr neue helle Röcke dafür. Um es nicht mit der Kundschaft zu ver- derben, müsse auf solche Wünsche eingegangen werden. Die hundert Röcke wurden dann für drei kvtark pro Stück an Droschkenkutscher losgeschlagen. Andrerseits verlangten die Schneider von den Tuchfabrikanten, daß diese die unverarbeiteten Stücke zurück- nähmen und die Fabrikanten mußten denn auch sehen, die cnt- werteten Bestände mit Schaden loszuwerden. Die Kammer gab dem Antrage ihres Ausschusses für Handelsrecht und-Gebräuche iatt, wonach die Eingabe dem sächsischen Kriegsministcrium mit der Bitte einzureichen ist, geeignet erscheinende Schritte(Weitergabe an das preußische Kriegsministerium) zu unternehmen, um die Schädigung der heimischen Industrie zu verhnren.— Wanim Soldaten desertieren? Dieser Spitzmarke lieferte auch das Kriegsgericht in Erfurt einen nicht minder wichtigen Beitrag. Der Musketier Schlegel vom 95. Regiment in Gotha war während deS Kaisermanövers desertiert und hatte sein Gewehr und einig« Platzpatronen mitgenommen, in der Absicht, sich zu erschießen. AtS er ausgegriffen wurde, gab er zu seiner Entschuldigung an, daß er" die Quälereien nicht länger habe aushaltcv können. Die nunmehr eingeleitete Untersuchung ergab auch den Beweis für diese Angaben. Der Unteroffizier Michel und der Gefreite Schwerdt standen vor dem Kriegsgericht. Der Unier- offizicr wurde wegen Anfacher Mißhandlung zu 10 Tagen Mittel- arreft und der Gefreite Schwerdt wegen systematischer Quälerei und Mißhandlung in sechs Fällen zu sechs Woche» Gefängnis verurteilt. Es wurde in der Untersuchung auch festgestellt, daß andre Soldaten ebenfalls mißhandelt wurde», trotzdem mußte der Verhandlungsleiter immer wieder auf den MeiiieidSparagraphen und die darauf stehende Zuchthausstrafe verweise», um die Soldaten, welche als Zeugen er- schienen waren, zu einer Aussage zu bewege».— Jeden Tag eine Soldatcnmißhandlung. Der Gefreite Wenzel vom 150. Jnfanteric-Regimcnt in Brieg hat in seiner Eigenschaft als Netrutenausbilder den Rekruten Vi o et mit dem eiserne» Zielstock über die Nase geschlagen, weil er schlecht zielte. Der Strafantrag des Anwalts lautete auf vier Wochen, das Urteil auf nur vierzehn Tage Mittelarrest. Es wurde nämlich„ein miudcr schwerer Fall" angenommen, trotz der schweren Eisenstange!— Der Abgeordnete Korfanty veröffentlicht im„Gornoftazak" einen Aufruf, in dem er seine Wähler auffordert, ihm verschiedene Mit- teilungen und ihre Ansicht zu einzelnen Fragen schriftlich zukommen zu lassen, da es ihn, unmöglich sei, in dem Wahlkreise eine Wer- sammlung zu veranstalten. Unter andern» stellt Korfanty an die Bergarbeiter die Frage, wie sie sich zur Einführung des Achtstundentages unter Tage stellen. Die Werk- und Zinkhüttenarbeiter werden geftagt, wie sie sich zu dem Achtstundentag für diejenigen stellen, welche bei Feuer oder inmitten giftiger Gase arbeiten. Bisher hat im Reichstag die polnische Fraktion alle socialdemo- kratischen Anträge auf Einführung deS Achtstundentages schlankweg abgelehnt und sich an der Erörterung über diese Frage fast gar nicht beteiligt. Nach dem Vorbild der CentrumSdemagogen und unter Berücksichtigung der Thatsache, daß die ober- scblesischcn Wähler von.Korfanty eine energische Social- reform fordern, lvird in der jetzigen Session wahrscheinlich auch die polnische Fraktion— deren'„volksparteilicher" Charakter durch die Wahl des Fürsten Radziwill zum Vorsitzenden grell charakterisiert wird— einiges über Arbeiterwünsche vordeklamieren. Eins ist aber schon jetzt hervorzuheben: Korfanty ist auf ein Agitationsprogramm gewählt worden, in dem der Achtstundentag für alle Arbeitcrkategorien an der Spitze stand. Was hat er erst da zu fragen? In dieser Beziehung kann er über die Stimmung seiner Wähler gar nicht in» Unklaren sein. Zweitens fällt aber aus, daß Korfanty schon jetzt seine Fragestellung in Bezug ans den Acht- stundentag auf specielle Ärbeiterkategorien beschränkt und nicht auf die Gesamtheit. Sollte der von Arbeitern gewählte Abgeordnete Korfanty schon belehrt worden sein, daß man die Ehre mit den hochgcbornen Magnaten zusammenzusitzen mit dem Aufgeben der Arbeiter forder nn gen bezahlen muß?— Ministerpräsident und Ex-Ministerpräsident. Am Donnerstag spielte sich in der bayrischen. Kammer folgendes Rencontre zwischen Herrn v. P o d e w i l S, dem Ministerpräsidenten, und dem Ex-Ministerpräsidenten v. Crailsheim ab. Graf Crailsheim verteidigte bei der Beraning des Etats des Ministeriums des Aeußern seine Politik als Münster gegen die An- griffe nach seinem Rücktritt. Er habe es vermieden, sich in die Arme einer Partei zu loerfen. Während seiner Amtsführung seien die Be- Ziehungen zum päpstlichen Stuhl scbr irenndschasllich gewesen. Er habe den konfessionellen Zwist nach Möglichkeit zu hindern gesucht. Bezüglich des Verhältnisses von Bayern zum Reich betonte Graf Crailsheim, er sei stets ein überzeugter Anhänger der Reichsidee gewesen. Ebenso sei er ein treuer Freund seiner engeren Heimat. Ohne das Reich wäre Bayern in seinem territorialen Be- st a n d e gefährdet gewesen. Unfern freundschaftlichen Beziehungen mit dem Bundespräsidium Preußen verdankt Bayern manchen Erfolg. Cr möchte der Regierung nichi raten, ihre Politik auf eine principielle ÜNajorisierung Preußens im Bundesrat einzurichten. Am Freitag loandte sich der g e g e n w ä r t i g c M i n i st e r- Präsident Frhr. v. Podewils gegen die Erklärung seines Vorgängers. Er werde den» Grafen Crailsheim für seine Ratschläge dankbar sein. Wenn aber sein politisches Thun die Billigung andrer nicht finden sollte, so würde ihn leine anderweitige Ansicht, auch nicht die Droh u n g einer eventuellen Gegnerschaft davon abhalten, das zu thun, was er im Interesse des ihm anvertrauten Amtes für gut halte. Der Ministerpräsident geht sodann ein aus die Worte des Grafen Crailsheim, in denen dieser der Regierung den Rat giebt, es nicht mir einer Politik der principiellen Majorisierung Preuße n s im Bundesrat zu versuchen. Solcher Rat scheine die Befürchtung zu verraten, als ob eine solche Politik nicht außer den, Bereich der Möglichkeit liege. In diesem Sinne vcrnmg er den Rat nicht anzunehmen, zumal für diesen Rat nicht der Schein eines Anlasses gegeben sei und in einer solchen Acußerung eine Unterstützung oder Stärkung der Regieruim nichr erblickt werden könne. Gras Crailsheim erwiderte, seine gestrige Erklärung habe keineSpitze gegen die jetzigeRegierung enthalten, ebenso sei es mii dem zweiten Punkt bezüglich der Stellung Bayerns im Bundesrat. Er habe nicht gesagt, daß die gegenwärtige Re- gierung auf eine Majoristerung Preußens hinarbeite, sondern habe nur ironisch darauf hingewiesen, wie wenig Verständnis jene zeigen, die der bayrischen Regierung den Rat geben, ihre Politik auf die Majoristerung Preußens zu richten.— Eines gar ungeschickten Dorfoderhauptes erfreut sich der Ort Glauchow im Kreise Krossen-Züllichau. Das würdige Dorfobcrhaupt erließ, nach Mitteilung der„Märkischen Volks- 'cimme", am Tage vor der ReichstagSwahl einen Utas an seine Gemeinde, der folgenden Wortlaut harte: „Ich mache nochmals Bekannt. Daß Morgen Dienstag den 10. Juni vo» Vormittags 10 bis Nachmittags 7 Uhr in meinem Lokate die Reichstags Abgeordneten Wahl stattfindet. Alle Wähler von Glauchau fordere ich hiermit noch�n, als Auf, zu der Wahl zu kommen und nur den Bürgermeister Schlüter in Sommerfeld zu Wählen. Es wäre eine große Schande, wenn es dann in den Blättern bekannt gemacht lvird, daß in Glauchow so viel Social Demokraten und Lieberale Leute wohnen die gegen der Königlichen Regierung stimmen." Der brave Gemeindevorsteher steht mit der deutschen Sprache ebenso auf dein Kriegsstlße wie mit dem Verständnis für die konservative Methode, Wahlen zu beeinflussen, ohne daß offenbare Ungesetzlichkeiten festgestellt tverdcn können. Gegen die Wahl des in Krossen-Züllichau gewählten Bürger» meisterS Schlüter ist Protest beim Reichstage eingereicht worden.— Die Schiffahrtsavgabcn vor dem badischen Landtag. Am Mittwoch stand iin badischen Landtag die socialdemokratische Interpellation lvcgeil der drohenden Schifsahrtsabgabcn zur Bc- prechung. Abg. Genosse Lehmann, als Vertreter Mannheims, das ehr stark an der Rhcinschiffahrt interessiert ist, begründete die Interpellation und bezeichnete den schifsahrtSseindlickien Plan als das was er ist: einen unverschämten agrarischen Vorstoß. Die Nationalliberalen hatten nach der socialdemokratischen Fraktion cine gleiche Interpellation eingebracht, und der Redner dazu, ein Pforzheimer Bijoutcriefabrikant, fand auch einige starke Töne gegen das vertchrsfcindliche Agrariertum. Ter Vertreter der R e» g i c r u n g, Minister Schenkel, amwortete sehr klar n n d be- tim.mt. In der verlesenen Erklärung heißt es: daß die Er» Hebung von Abgaben auf den natürlichen Wasserstraßen vcrfassnngsrccktlich ausgc- schlössen s c i z einer Verfassungsänderung stehen •alter große Bedenken entgegen, denn sie stehe im Wider- spruch mit dem Grundsatz der Abgabenfreiheit des Verkehrs. Tie badische Regierung sei der Meinung, das; unbedingt an dem Grundsatz der völligen Abgabenfreilieit des Lcr- tehrs festgehalten werde» müsse. Die Besprechung dieser Interpellationen war nach dieser bestimmten Erklärung nicht mehr von Belang; es zeigte sich nur. daß alle Parteien der Kammer einig in der Verurteilung der Schiffahrts- abgaben sind. Im badischen Landtag können die Ueberagraricr demnach teinc Geschäfte machen. Wäre es nur beim B r o t w u ck e r auch so gewesen; damals aber haben alle bürgerlichen Parteien einschließlich eines Demokraten mitgemacht. Heute graut es ihnen vor den Konsequenzen der B r o t w u ch c r- Politik.— Eine gestürzte EentrumSgrösse. Ter Fabrikant August B o g e n o in Haaren bei Aachen, ein bekannter Katholikentags- Redner, Ccntrums-„Socialpolitiker". Gcmcindevertrctcr und erster Beigeordneter in Haaren, Angehöriger einer der ersten latholischen Familien des Aachener Gebietes, ein wahrer Ucbertatholik und Duzfreund der höchsten Geistlichkeit, ist nach den Meldungen der Aachener Blätter wegen Unterschlagung amtlicher Gelder im Betrage von 17 000 M., darunter Kirchenkassengelder, seitens der Staatsanwalt- schast inAachen verhaftet worden. Die Summe ist von fronuncn Damen gedeckt worden. Auch die katholische Studentenverbindung „Äarolingia" ist unter den Leidtragenden. Der Dcfraudant kam eben aus der.Kirche, als er auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft unter einem Vorwand auf das Bürgermeisteramt gerufen und dort verhaftet lourde.— Das'Aachener Ccntrum hat Pech. Roch ist die Entlarvung eines andren Kämpfers für die Heiligkeit von Eigentum, Ehe und Familie in frischer Erinnerung: des Gründers des" ultra- montanen Aachener„Volksfreundes", oer als Zeuge vor Gericht in einem Ehescheidungs-Prozeß nicht bestreiten konnte, daß er zu der betreffenden Ehefrau in intimen Beziehungen gestanden habe, obwohl er selbst Familienvater ist. Auch Herr Vogcno hat zwar die Heiligkeit der genannten heiligsten Gürer öffentlich gepredigt. heimlich aber war auch er. wie jetzt herausgekommen ist, ein arger Verehrer des zarten Geschlechts.— Huoland. Ostafien. Das japanische Abgeordnetenhaus nahm einstimmig eine Ant- «ort auf die Thronrede an, in welcher das Ministeriunr beschuldigt wird, daß es im Innern eine Politik des Zauber nS treibe und auf dem Gebiete der auswärtigen Politik sich günstige Gelegenheiten entgehen lasse.— Dieser Vorgang wird hier als b e- zeichnend angesehen, weil bisher in den Antworten au Thronreden nur der Dank für die Gnade deS Kaisers, das Parlament persönlich zu eröffnen, zum Ausdruck gebracht wurde.— »Standard" meldet aus Tokio: Infolge der Annahme der gegen die Regierung gerichteten Antwort auf die Thronrede wird die Vertagung oder selbst die Ruflösung deS Parlaments erwartet.— London, 11. Dezember. Die„Morningpost" meldet aus Washington, vor einigen Wochen habe die japanische Regierung die An- frage an die Regierung der Vereinigten Staaten ge- richtet, ob diese der japanischen Regierung im Falle eines Krieges materielle Unter st ützung gewähren würde. Die Regierung in Washington habe geantwortet, sie sei nicht in der Lage, Japan zu helfen. London, 11. Dezember. Dem„Dailh Telegraph" wird aus Shanghai gemeldet, aus Peking stammenden Berichten zufolge werde die Kaiserin-Witwe den chinesischen Gesandten in Berlin, General-Lieutenant D i n t s ch a n g, demnächst Zurückberufen, um ihm den Oberbefehl über die von unsländischen Offizieren ausgebildeten Mandschutr Uppen zu übertragen.—_ Frankreich. Amnestie für Streikvergehen. Der Senat hat in seiner letzten Sitzung dem von der Kammer votierten Gesetzentwurfe, Ivonach allen Vergehen, die gelegentlich von Streiks und unter ähnlichen Umständen begangen worden sind, volle Amnestie gewährt Ivird, zugestimmt. „Le Temps" entrüstet sich darüber, daß gerade jetzt, wo überall schwere Ausschreitungen vorkämen, eine Amnestie gewährt werde.— Ruhland. Zur Studentenbewegung in Kiew wird vom 10. Dezember tussisch-offiziös gemeldet: Gestern fanden hier einige Studentcnversammlungen statt, in denen jüngere Studenten beschlossen, in Obstruktion zu treten. Heute waren die Vorlesungen nur von wenigen Studenten besucht. Im zweiten Kursus der juristischen Fakultät erschienen heute 103 Studenten. Nach stürmischer Debatte beschlossen sie, den Rücktritt des Rektors zu verlangen. Eine in revolutionärem Geiste verfaßte Proklamation beruft auf den 11. Dezember eine all- gemeine Bersammlung ein. Die für die Ordnung eintretenden Studenten und die Anstifter der Unruhen stcheu in offener Feindschaft einander gegenüber. Dasselbe ist auch im polytechnischen Institut der Fall. Hier erllärteu die Anhänger der Ordnung dem Direktor, daß sie keine Obstruktion wünschen und für politische Demonstrationen jede Verantwortlichkeit ablehnen. Diese Er- klärung haben 218 Studenten abgegeben. Zwischen den einzelnen Studenten aus beiden Lagern kommt es zu Prügeleien. Heute hat ein« Versammlung, au der gegen 100 Anhänger der Obstruttion teilnahmen, beschlossen, morgen mit der Obstruktion zu beginnen. Die Studenten wollen in dieser Versammlung eine Privatperson gesehen haben. Von den mn 3. d. Mts. vor dem Unibersitätsgebäude ver- hafteten 82 Studenten wurden auf Verfügung des Gouverneurs 43 mit Arrest bestraft; einige erhielten 1 bis 3 Monate, die Mehr- zahl eine Woche Arrest. Unter den Bestraften befinden sich 13 Juden. Die Universität und das polytechnische Institut werden scharf bewacht.— Amerika. Entlehntes Moral-Pathos. Präsident Roosedelt wird von seinen politischen Gegnern eines Plagiats in seiner Botschaft an den Kongreß beschuldigt. Er soll darin Stellen aus den Reden des Staats- anwalts Fol! verwendet haben, der sich durch seine Anklagen gegen bestochene Beamte nationalen Ruf erworben hat. Folgende Sätze aus der Botschost Roosevelts und den Reden FolkS werden zum Ver- gleich nebeneinander gestellt. Präsident Roosevelt sagt:„Bestechung ist bisher in Auslieferungsverträgen nicht einbezogen worden, da eine Notwendig- leit dafür nicht auftauchte. Es sollte die Politik der Vereinigten Staaten sein, auf Erden keinen Platz zu lassen, Ivo ein aus diesem �•ande flüchtender korrupter Mensch in Frieden ruhen kann. Die Bloßstellung und Bestrafung öffentlicher Korruption ist ftür die Nation eine Ehre, nicht eine Schande. Die Schmach liegt in der Duldung, nicht in der Besserung." Staatsanwalt Folk sagt:„Bestechung ist bisher in Aus- liefernngsverträgen nicht einbezogen worden, da keine Notwendigkeit dafür bestand. Falls das gegenwärtige Programm durchgeführt wird, wird kein civilisiertes Land auf Erden sein, wo aus den Ber- einigten Staaten flüchtende Bestccher in Frieden ruhen können. Die sichere und schnelle Bestrafung der Beutemacher ist oie Ehre des Landes, nicht seine Schande. Die Schmach liegt in der Duldung, nicht in der Besserimg."— parlamcntarircbca. In der Sitzung deS Seniorcnkonvents, die am Freitag unter Vorsitz des ersten Vicepräsidenten, Abg. Graf Stolberg, stattfand. wurde die Mitteilung gemacht, daß sich unter der Bezeichnung „Wirtschaftliche Vereinigung" eine neue Fraktion gebildet habe. Zu den Mitgliedern dieser Fraktion gehören unter Führung deS Abg. Liebermann v. Sonnenberg die bisherige antisemitische Gruppe, der siäi die Bauernbündlcr zugesellt haben. Die Anzahl der neuen Fraktion beträgt 17. wird sich aber voraussichtlich auf 20 Mitglieder erhöhen. Der Seniorenkonvent erkannte an, daß' diesen zu einer Fraktion vereinigten Abgeordneten eine ihrer Stärke entsprechende Vertretung in den Kommissionen gebührt. Alsdann wurde über die Verteilung des Vorsitzes in den ständigen Kommissionen beraten. Auf Vorschlag de? Abg. Dr. Spahn soll der Vorsitzende der Geschäftsordnungstommisston von den Nationalliberalen, der Vorsitzende der PetitionSkommission vom Centruin, der Vorsitzende der Budgetkoinmission von den Kon- servativen, der Vorsitzende der WahlprüfnngSkommission vom Centrum, und der Vorsitzende der R'cchnungskominisnon von den Socialdemo- kraten gestellt werden. Während die Vertreter aller übrigen Fraktionen sich diesem Vor- schlage gegenüber zustimmend verhielten, konstatierte der Abg. Singer, daß seine Partei bisher den Vorsitz in der Geschäftsordnungs- kommissiou geführt hat, und erklärte zugleich, daß die socialdemo- kratische Fraktion den Vorsitz in der Rechmmgskommission nicht acceptierc. Hieraus wurde wieder auf Vorschlag des Abg. Dr. Spahn dieser Borsitz den für die Äommisiiouswahlen zu einer Gruppe vereinigten freisinnigen Fraktionen zugesprochen und von denselben angenommen. Tie Beteiligung der Fraktionen an den Kommissionssitzen regelt sich nach der Stärte der Fraktionen, wofiir im Bureau eine Rechnung aufgestellt werden wird. Von fteisnmiger Seite wird angeregt, die Abgeordneten bei der Verteilimg der Tribünenkarteir mehr als bisher zu berücksichtigen. Der Anregung wurde allseitig zugestimmt und der Vorsitzende ersucht, dem Reichstagspräsidenten, dem die Verfügung über die Tribünen zusteht, die Wünsche des Seniorcnkonvents zu über- Mitteln. Sociales. (Siehe auch 1. Beilage.) Preußische Einkommensteuer 1903. Die unter dieser Ueberschrift in gestriger Nummer enthaltene Notiz ist in zwei ivcsentlichen Punkten durch Druckfehler arg ver- huuzt worden. In den Bemerkungen unter der zweiten Tabelle mutz der erste Satz richtig heißen: „Daraus� geht allerdings hervor, daß das Durchschnitts- ciakommen dieser Censitcn über 3000 M. von 1902 zu 1903 stärker gefallen ist, wie das der Censiten unter 3000 M., es geht aber ebenso daraus hervor, daß der Durchschnitt der größeren Einkommen trotz des jetzigen stärkeren Fallens noch immer über dem Durch- schnitt von 1892 steht, während der Durchschnitt der kleineren Einkommen immer tiefer unter den Durchschnitt von 1892 sinkt." An Stelle der hier fettgedruckten Jahreszahl 1892 steht in der gestrigen Nummer 1902, was den Zahlen der Tabelle widerspricht und die ganzen nachfolgenden Betrachtungen sinnlos macht. Im letzten Absatz muß eS richtig heißen: „Es leben nicht 41,1 Proz. der Einwohner von einem Ein- kommen über 900 M.. sondern es haben 11,1 Proz. der Einwohner ein Einkommen über 900 M.(siehe die zweite Tabelle); diese Ein- kommensinhaber können aber das Einkommen nicht allein verzehren. sondern müssen es mit ihren Angehörigen teilen." Usw. Der hier durch fetten Druck hervorgehobene Satzteil ist gestern weggelassen worden; das macht natürlich den Satz völlig unverständlich. Hus Induftrie und Handel. Vom StahlwerkSvcrband. Zwischen der sogenannten Frank- furter Gruppe und acht der bedeutendsten rheinisch- westfälischen Werke ist, wie die„Köln. Ztg." erfährt, eine Verständigung in der Frage der Beteiligung wie auch über eine Reihe andrer wichtiger Bestimmungen des Vertragsentwurfs erzielt worden. Es sind also nunmehr insgesamt 14 Werke in der Hauptsache einig. Dagegen bestehen noch Meinungsverschiedenheiten mit einer Anzahl andrer Werke, die höhere Beteiligung fordern. Ihnen sind von den er- wähnten 14 Werken Vorschläge in der Bctciligungssrage gemacht worden, die bis zum 31. Dezember d. I. bindende Kraft haben. Daneben bestehen noch weitere Meinungsverschiedenheiten mit der Gruppe derjenigen Werke, die entweder kein eigenes Roheisen haben (sogen, reine Walzwerke), oder bisher an der Ausfuhr nicht beteiligt waren. Zur Verständigung mit dieser Gruppe wurde eine Kom- Mission gewählt, die ihre Verhandlungen möglichst bis zum 31. Dezember d. I. beenden soll. Eine weitere Kommission soll endlich mit den schlesischcn Werken verhandeln. Die Meldung, daß die gcniciusame Beratung über die Gründung des Verbandes bis Ende Februar verschoben sei, ist im- richtig. Der Zeitpunkt dieser Beratungen wird ganz von dem Aus- gang der Kommissionsverhandlutigen abhängen, und es ist ohne Ivciteres einleuchtend, daß nian diese Beratungen nicht auf Ende Februar ansetzen korntte, nachdem man beschlossen hatte, von da ab den im Halbzeug-, Träger-, Schienen- und Schwellen-Verband vereinigten Werken den Verkauf fteizugeben, wenn bis dahin der Stahlwcrksverband nicht zu stände gekoinmen sein sollte. Materialien zur Reform des Börscngeseües werden in einer soeben veröffentlichten umfangreichen Denkschrift des Central- Verbandes des deutschen Bank- und Bankier- gewerbes veröffentlicht, um die Reformnotwendigkeit des Börsengesetzes und der Börsenbesteuerung eindringlichst zu er- weisen. Die Denkschrift enthält neben schon bekannten Thatsachen und Berechnungen eine große Fülle neubcarbeiteter Materialien und befolgt zudem meist die Methode, die Thatsachen durch Ziffern- mäßige Darstellung selbst reden zu lassen. Sie behandelt die Konjunktur und die Börsengesetzgebung. daL Börsen- regt st er, GÜerminhandels-Verbot und Differenz- einwand, den Verfall des Zeitgeschäftes unter dem Einfluß des Tcrminhandels-Vcrbots und der_ Börsenstcuer- Erhöhung, die Entartung des Kassa Marktes, die Verdrängung der Tagesspekulation und den Rückgang des ge- samten Börsenverkehrs, lieber die speciellen Zweige und Jntcresjen des Börsenverkehrs gehen hinaus die Erörterungen über den Einfluß des Börsengesetzes und der letzten Börsensteuer-Erhöhung auf die deutschen Reichs- und Staatsanleihen, sowie auf die Konzentration im deutschen Bankgewerbe, über die A u s>v a n d e r u n g der Spekulation und die dadurch hervorgerufene Hebung der ausländischen Börsen auf Kosten der deutschen Börsen, über den Einfluß der börscnfcindlichen. Gesetzgebung auf die Einnahmen des Reiches. Unter den vom Eentralverband selbst neu gesammelten und bearbeiteten Materialien sind besonders interessant die Nachweise, in welch hohem Maße das Börsengesetz vom 22. Juni 1896 und die Erhöhung der Börsenstener durch das Gesetz vom 14. Juni 1900 auf Verschiebung der Börsengeschäfte zwischen Inland und Ausland hingewirkt haben. Der Eentralverband hat zum Beispiel fiir zwölf an unsren drei Hauptbörsenplätzen, Berlin. Frankfurt a. M. und Hamburg, seßhaften Bankiers festgestellt, daß sie aus dem Aus- lande bezogen: Im Jahre 1893 an Courtagen(Maklergebühren) 112 983 M.. im Jahre 1902 aber nur 46731 M., also nur 41.4 Proz. der Courtagen des Jahres 1893; an Provisionen im Jahre 1893 173 976 M., im Jahre 1902 aber nur 34 233 M. oder nur 31,2 Proz. der Provisionen des Jahres 1893. In demselben Maße aber, wie das Ausland die deutschen Börsen zu meiden begann, wurden die ausländischen Börsen von deutschen Kapitalisten in Nahrung gesetzt. So betrug int Jahre 1893 die Summe der von 102 Provinzbanken und Bankiers nach dem Aus« lande erteilten Aufträge 37239000 M.; im Jahre 1902 stieg diese Summe auf 102 922 000 M. Diese Zahlen sind zweifellos typisch und be» weisen ziffernmäßig, daß die Agrarier und die ihnen willfährige Regierung durch das Börsengesetz und die Erhöhung der Börsen- steuern in erster Linie nur die Geschäfte des Auslandes auf Kosten des Inlandes betrieben haben. Sehr eklatant wird diese Thatsache auch durch die vom Central« verbände festgestellten Ziffern bewiesen, wonach 149 Bankiers und Banken für sich und ihre Künden am 31. Dezember 1893 Wertpapiere im Betrage von 123 239 000 M., am 31. Dezember 1902 aber im Betrage von 424 121 000 M. in ausländischen Depots liegen hatten. Die ausländischen Depots hatten sich also seit dem Jahre 1393 fast verdreifacht. Außerdem hatten 18 große Banken und Bankhäuser für eigne und fternde Rechnung am 31. Dezember 1893 Wertpapiere im Betrage von 136 807 000 M., ant 31. Dezember 1903 aber im Betrage von 608268000 M. in ausländischen Depots liegen. Die ausländischen Depots dieser 18 Institute waren also seit dem Jahre 1893 fast l'/zmal größer geworden. Die positive Wirkung dieser Denkschrift auf die Regierungs« faktorcu in Deutschland dürfte trotz der Beweiskraft, die in ihr liegt, dennoch sehr gering sein, weil in Deutschland nicht auf Grund objektiver Thatsachen und Erfahrungen regiert wird, sondern nach agrarischen Interessen. Der deutsche GroßkapitaliSmus im engeren Sinne aber, wie er sich im Börsen- und Bankkapitalismus konzentriert, hat daran infolge seiner politischen Energielosigkeit den Junkern und der Regierung gegenüber die meiste Schuld. Der Stand der Wintersaaten in den Vereinigten Staaten von Amerika ist nach dem soeben erschienenen Bericht des Ackerbauburcaus in Washington ein beträchtlich ungünstigerer als im Vorjahre. DaS Bureau giebi den Durchschnitt von Winterweizen am 1. Dezember mit 86,6 Proz. an gegen 99,7 ant 1. Dezember 1902 und den Stand von Winterroggen mit 92,7 Proz. gegen 98,1 Proz. am. 1. Dezember 1902. Tie Anbaufläche von Wintcrweizen beträgt 32 000 000 Acres gegen 34 000 000 Acres am 1. Dezember 1902 und die von Winter- roggen 1 218 000 Acres gegen 1 241000 Acres im Vorjahre. LoSschwindel. Immer wieder gehen uns von Arbeitern und kleinen Geschäftsleuten Briefe zu, in welchen diese über ihre Er« fahrungcit mit sogenannten„Losgcsellschaftcn" klagen. Es scheint, als ob trotz der vielen Warnungen sich noch immer wieder Vertrauens- selige finden, die auf die Losankündigungen in den Zeitungen hinein- fallen und dann zu spät entdecken, daß sie geleimt worden sind. Alle diese Klagen abzudrucken, fehlt uns der Raum. Zur Warnung mag folgende Zuschrift dienen: In den meisten Zeitungen findet man folgende Annonce: Ohne Los kein Gewinn! Abwechselnder Haupttreffer in Mark 300 000, 178 500, 132 000, 120 000 usw.„Jedes Los ein Treffer." Gesetzlich erlaubte Serien-Lose. Nächste Ziehung 12. Dezember. Monatlicher Beitrag 3 und 2,20 M. G. Rappolt, Frankfurt a. M. 22. Wer sich an diese Adresse wendet, der erhält vom Bank- haus D a n m a r k in Kopenhagen eine Nachnahmesendung. enthaltend einige Drucksachen, woraus er ersieht, daß er Mitglied einer Sericnlosgesellschaft für 12 Sericnlose geworden ist. Der Gesamtwert dieser Lose beträgt noch nicht 2000 M., dafür zahlt die aus 100 Mitgliedern bestehende Gesellschaft— 5300 SB., Porto und• sonstige Spesen nicht mitgerechnet; ein ganz schöner Verdienst für das Bankhaus Danmark, deren Inhaber der aus Frankfurt a. M. geflüchtete Deutsche Heinrich Ä ö r b c r und der loegett Lotterie- vergehen vorbestrafte Däne Carl Gabs sind. Das schönste aber ist, daß das betreffende Bankhaus die Lose gar nicht besitzt, wenigstens konnte es einem Mitglieds die Originale der angeblich für die Ge« sellschaft mtgekauften Lose nicht vorzeigen. Doch nicht nur auf das Schröpfen des Publikums ist eS abgesehen, sondern auch die dänische Steucrkasse wird betrogen. Wie unser Bruderblatt„Soeialdemokraten" in Kopenhagen mitteilt, war Genosse Borgbjcrg bei der Budgetberawng in der Lage, nachzuweisen. daß Körber und Gabs anstatt je 24 000 Kronen nur 3000 Kronen Einkommen versteuert haben. Man sieht, das Geschäft nährt seinen Mann. Ter englische Eiscnmartt wird durch die in'den Vereinigten Staaten von Amerika ausgcbrochcne Krise mehr und mehr in Mit- leidenschaft gezogen. Während im Vorjahr England bedeutende Eisen- und Stahlmaffcit nach Nordcnnenka exportierte, erscheint jetzt amerikanisches Eisen zu billigen Preisen auf dem englischen und schottischen Markt.'Alle Berichte lassen ausnahmslos ein weiteres Sinken der Preise und Zunahme der Vorräte erkennen; so wird beispielsweise der„Voss. Ztg." aus London geschrieben: Die Berichte vom Eiscnmarkt werden immer ungünstiger und auch der Handels- ausweis für Ztovembee zeigt eine rückläufige Tendenz in der Aus- fuhr, dagegen aber ein Anwachsen in der Einfuhr. Die Ausfuhr von Eisen und Stahl stellte sich in dem Monat auf 2 327 760 Pfund Sterling oder um 304 737 Pfund Sterling niedriger als im Vor- jähre, während die Eisen- und Ttahleinfuhr(abgesehen von Absall)! sich auf 822 834 Pfund Sterling oder um 151 516 Pfund Sterling erhöhte; das sind allerdings keine erfreulichen Anzeichen. Dagegen hat die gesondert aufgeführte Einfuhr von Messerwacen, Hartguß- waren und Geräten sich allerdings um 56 888 Pfund Sterling vermindert, während die Ausfuhr darin nur um 7230 Pfund Sterling abgenommen hat. Aus allen Eisenbezirken> tommcn Meldungeit über weitere Betricbseinschränkungen und Stilllcgungcn sowie von Slrbeiterentlassungm. Die Preise sind bei der uiangclndcn Be- schäftigung in den meisten Zweigen in stetem Abbröckeln begriffen. Llm schärfsten tritt dies auf dem Roheiseumarkte hervor, was aller- dings den Vorteil hat, daß es weireren Belastungen mit ausländischer Ware einen Riegel vorschiebt. Anfang September standen Clevcland Warrants auf 47 Schilling, schottische auf 22 Schilling, in der vorigen Woche notierten sie 41 Schilling 4 Pence Kasse bezlv. 43 Schilling 6 Pence, also beinahe 6 Schilling bczw. 3'/, Schilling per Tonne niedriger.... Soeben wurde in Harrington ein Hochofen nicdergeblasen und ein oder zwei weitere dürften folgen. Nur 24 Hochöfen sind jetzt in West-Cuinberland im Feuer gegen 32 gleichzeitig im Vorjahr. Ja Middlesborough laufen 7 Hochöfen auf Hämatit. GeweiWekaftUckes. Die Maßregeln der Behörden in Crimmitscha» haben die Arbeiter zwar überrascht, aber nicht verblüfft. Ueber- rascht und verblüfft aber warxn bei der letzten Auszahlung die Gendarmen, die sich eingefunden hatten, um die Zahlung der Unter- stützung zu überwachen. Es sollten bei dieser Gelegenheit bekanntlich nie mehr als sechs Personen geduldet werden und der ganze Akt sollte unter Aufficht der Gendarmen vor sich gehen. Diese fanden sich denn auch ein. Aber von den Ausgesperrten kamen weder die gewohnten Taufende, noch die sechs polizeilich Zugelassenen— es kam überhaupt niemand! Die Gendarmen standen und warteten, sie standen und warteten stundenlang; keiner der Aus« gesperrten ließ sich sehen. Wo waren sie? Nun, die Unterstützung war ihnen längst auf andre Weise aus- gezahlt und die Polizei war zwar zur gewohnten Stunde aber doch zu spät aufgestanden. An der Sltiszahlung der Unterstützung haben die behördlichen Anordnungen also nur insofern etwas geändert, als dieselbe jetzt bis zur endlichen Niederlage des UntemehmertunlS völlig gesichert ist. was vielleicht nicht der Fall war, wenn nicht die sächsische Polizei durch ihre Provokationen das deutsche Proletariat so erfolgreich auf- gerüttelt hätte. AuchVersammlungen halten d i e A u S g c s p e r r t e n wieder ab.— Tie gehen zu diesem Zwecke über die Grenze; freilich nur in ein andres der vielen deutschen Vaterländer. Für den verflossenen Donnerstag waren drei große Versammlungen nach Schmölln im Altenburgischen einberufen. So war der letzte Schlag der Behörden zwar nicht unwirksam— er fachte das Solidaritätsgefühl der deutschen Arbeiterschaft zur Hoch- glut an!— aber er hat den Unternehmern jedenfalls nicht genutzt, den Ausgesperrten nicht geschadet. Die Unternehmer haben übrigens eine merkwürdig feine Witterung für das, was die Behörden in der Zukunft für Absichten haben. ?ange che das Verbot der Versammlungen und Vergnügungen twir bitten besonders das letztere zu beachten) erlassen war. äußerte sich ein Fabrikant:„Wir werden dafiir sorgen, daß die Herren Grimmitschauer Arbeiter kein Weihnachtsfcst feicru könueu!"— Wer, c>nßer den Gedankenlesern aus Arbeitgeberkreiscn hat wohl voraus- sehen können, daß es auch nur möglich sei, harmlose Vergnügungen der Streikenden zu inhibieren! Aber die Herren haben die Rechnung nur mit der Polizei und nicht mit der deutschen Arbeiterschaft gemacht! Diese steht wie ein Manu hinter ihren Brüdern in Crimmitschau! Berlin und Umgegend. Von der Berliner Gewerkschaftskoinmission erhalten wir folgende Mitleiluua; Dank der_ regen Beteiligung der Berliner Genossen an den Sammlungen für die ausgesperrten Weber in Crimnntschau ist die Kommission in der Lage, denselben 30 000 M. zu überweisen, welche allein während der letzten acht Tage eingingen. Um in Zukunft dem starken Andrang der Geldbringenden zu be- gegncn, eine schnellere Abfertigung zu ermöglichen, werden tveitcre Gelder am Sonnabend- und Montagabend von 5 bis 3_ Uhr im Saal I d e s Gcwerkschaftshauses, Engel- Ufer lö, während der übrige» Wochentage von 9—1 und 6— 8 Uhr, wie sonst, im Bureau entgegengenommen. Gelder sind an A. Karsten zu senden. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskoinmission. Tie Aussperrniig der Töpfer bildete den Hauptgegenstand der Tagesordnung einer am Freitagabend abgehaltenen Versammlung der Berliner Mitglieder des Centralverbandes der Töpfer. Uebcr die Aussperrung selbst war nichts Neues mitzuteilen, die Lage ist bisher unverändert. Die Versammlung gab einmütig der Ansicht Ausdruck, daß der Kampf, den die Töpfer zrir Zeit für die Ver- teidiguug ihreS Koalitionsrechtes führen, in der weitgehendsten Weise unterstützt werden muß. Einstimmig wurde beschlossen, daß jedes Mitglied außer den regelmäßigen Beiträgen zum Verbände und zum Lokalfondö fünf Prozent feines Verdienstes für die Unterstützung der Ausgesperrte» zu zahlen hat. Diese Extra- leistung soll bereits am heutigen Sonnabend erhoben werden. Achtung, Barbier- und Friseurgehilsen! Die in einer viel ge lesencn Fachzeitung gebrachte Nachricht, daß Sonntag, den 20. De- zeniber, die Barbier- und Friseurgeschäfte bis abends 7 Uhr geöffnet bleiben können, ist nicht richtig. Die Geschäfte müssen Ivie an jedem Sonntag Punkt 2 Uhr geschlossen werden. Obige Nachricht scheint nur gebracht zu sein, um die Gehilfen irre zu führen und zu ver- anlassen, daß sie diesen Sonntag länger arbeiten sollen. Kollegen I Achtet auch darauf, daß Ihr an den andren Tonutagen um 2 Uhr aufhört. ES scheint jetzt wieder die Mode einzureißen, daß bis>/.ß Uhr und noch länger gearbeitet wird. Ihr macht Euch strafbar ebenso wie der Chef, wenn Ihr nach 2 Uhr noch bei der Arbeit getroffen Iverdet, selbst wenn die Kunden vor 2 Uhr die Geschäfte betreten haben. Der Vorstand des Verbandes der Friseurgehilfen Deutschlands. Zweigvcrein Berlin. Rosenthalerstratze 57. I. A.: E. Bolljahn, 1. Vorsitzender. Kuvlnnd. Streiks in Frankreich. Der Streik der Weber von St. Ouoniin bäuert nun bereits die 13. Woche und es ist noch kein Ende ab- zusehen, da die Unternehmer nach wie vor auf ihrer Ablehnung beharren.— Dagegen ist Aussicht vorhanden, daß der Streik der Appreteure und Färber von Lyon bald zu Ende geht, da die Unter- nehmer mit den Arbeitern in Unterhandlung getreten sind.— Die Bäckermeister von Bourges weigern sich nach ivie vor, die Forderungen der Gesellen anzuerkennen. Der socialistische Gemeinde- rat hat den Verkauf von Brot, das in Militärkantinen hergestellt ist, in die Hand genommen._ Koiistitiitionclle Ordnung der Arbeitsverhältnisse in der schwedischen Eisen- und Nirtallindustric. Die Arbeitgeber der schwedischen Eisen- und Metallindustrie, die schwedischen Kühnemänner, die noch in diesen« Sommer eine Massen- aussperrnng veranstalteten, wie man sie in Schweden bisher nicht erlebt hatte, sind jetzt daran, einen auf Gleichberechtigung beruhenden Vertrag mit der organisierten Arbeitcrfchast zu schließen, der Streitig- leiten vorbeugen und in allen in Betracht kommenden Betrieben eine zweckmäßige Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse herbei- führen soll, um den Frieden in der Industrie möglichst dauernd zu sichern. Das nach der MasscuauSsperrung mit der Ausarbeitung von Vorschlägen hierzu betraute besondere Komitee hat seine Arbeiten beendet und die Vorschläge sind von dem größeren, dem Zehn münner- Komitee einstimmig gutgeheißen Ivordcn. Sie werden nun der Unternehmer- Organiiatron, oer„Wcrkstatt-Ver- einigung", sowie den in Betracht kommenden Gewerkschaften zur Abstimmung vorgelegt. Die Vorschläge betreffen einesteils bestimmte Regeln über die Behandlung von Forderungen und von Arbeits- st r e i t i g k e i t e n, die in 13 Paragraphen gefaßt sind. In den einzelnen Werkstätten sollen Werkstatt-VertrauenSleutc gewählt werden, die die organisierten Arbeiter dein Arbeitgeber gegenüber vertreten und wenn Streitigkeiten auftauchen, sie imt ihm zu regeln suchen. Gelingt dies nicht inner- halb von 20 Tagen, so können die streitenden Parteien van den Hauptvorständen ihrer Organisationen je einen Vergleichs- mann ernennen lassen; gelingt es diesen Vergleichsmännern nicht, den Zwist beizulegen, so werden Verhandlungen zwischen je drei Delegierten der Hauptvorstände geführt; bleibt auch das erfolglos und handelt es sich mn Auslegung eines Vertrags, so wird die Sache Schiedsmännern überwiesen, welche von den betreffenden Hauptvorständen ernannt werden. Bevor nicht alle diese Einigungsmittcl erschöpft sind, darf kein Streik und keine Aussperrung stattfinden. Ferner wird ein permanentes Komitee mit einem unparteiischen Vorsitzenden gebildet, das aus je 3 Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeiterorganisationen bestehen soll und teils als Begutachtungsinstanz' dienen, teils Vorschläge zur Beilegung von Konflikten machen soll.— Der Vertrag soll zunächst bis Ende 1903, und dann, wenn er von keiner Seite gekündigt wird, immer ein Jahr lveiter gelten.— Ter zweite Teil der Borschläge bezieht sich auf die Regelung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse, wovon 23 Paragraphen handeln. Jn dcn mechanischcn Werkstätten und Gießereien, die„Schwedens Weristattvereiniguilg" an- gehören, sollen für alle Arbeiter— sowohl gelemte wie Handlanger und Grobarbejter—, die das 20. Lebensjahr erreicht haben, bestimmte Miminallöhne festgesetzt werden, worüber die Werkstattberemigung und die betreffenden Gewerkschaften Uebcreinkommen zu treffen haben. Auch über Accordarbeit sind genaue Bestimmungen vorgesehen. Soweit möglich sollen Accordtarife aufgestellt werden; im übrigen soll aber stets vor Beginn einer Arbeit der Preis festgesetzt werden. Wird in solchen Fällen keine Einigung erzielt, so soll die Arbeit im Stundenlohn aus- geführt werden. B ei aller Accordarbeit wird d e r Stundenlohn garantiert. Die ordentliche Arbeitszeit darf nicht höher angesetzt werden als 10 Stunden. Für Neberzeitarbeit wird, auch bei Accordar betten, Prozcntzuschlag bezahlt. Der erste Mai soll, w o es verlangt wird, Feiertag sein, lieber Arbeiten außerhalb der Werlstatt sind ebenfalls besondere Bestimmungen getroffen worden. Die Ver- Handlungen über Regelung des Lehrlings Wesens sind noch nicht abgeschlossen und sollen fortgesetzt werden.— Auch dieser Vertrag?oll bis Ende 1903 gelten. Da diese Vorschläge, wie gesagt, von den Vertretern der Arbeitgeber und Arbeiter, die das Zehnmänner-Komitee bilden, gutgeheißen wurden, finden sie jedenfalls auch die Zustimmung der Organisationen. Das wird offenbar für die sich immer stärker entwickelnde schwedische Eisen- und Metallindustrie von großen« Vorteil sein. Wenn unsre deutschen Metallinduftriellen infolge ihrer despotischen Verblendung Jahr für Jahr mit einer höchst unzufricdenen und stets zum Streik gerüsteten Arbeiterschaft rechnen müssen, iverden ihre schlvedischen Konkurrc!«ten««nter dem kon- stitutionellen System ungehindert und unbesorgt um Streiks und AuSfperrungSbcschlüsse produzieren können. Für die streitenden und miSgeftierrie» Büebcr in Crimmitschau ginge«, bei der Berliner G e!v e r t s ch a s t s k o n« m i s f i o>r folgende Beiträge ein: Paul Freund, Lobofitz, 1. Sammlung ZI ,10. Stiller v. Fischer, ges. b. Schill«. Pankow 3,50. 2 socialdemoir. Staatsbeamte 4,75. Bautischler O. Arb. d. Pantlucnsabrik w.. Bichel, Treuenorietzen 8,—. 2. Rate Äimitian f. Crimmitschau, Frankfurt a. O. 4,70. Klempner der Firma Clemens 5,50. Konicure der Firma Wieget 4,—. 4 Arbelter von Collab 3,50. Klempner aus der Friedrichstraße 5,—.. A. H G. Chltbg., Bleibtrcuftr. 4,50. Tischlerei von Niltcr, Ramlerstrasic 0,55.„Privatlchrer 2. Rate" 3.—. R. K. H. 3,—. Alsr. u. William Wolis 10,—. Schneider der Firma L. P. 10,05. Arbeiter der Waggonsabrü F. 0. Dsttmann 25.60. Deutscher Holzarbeiter- oerband, Zahlstelle Strausberg 15,—. Goldschmiede Rosmarienstr. 44,60. tlntcrstützungsvercin der Kupserschmicdc DeuifchlandS(darunter 2,— M. n. P.:)(.) 2. Rate 27,—. Tischlerei Schüddckops ll. Heine, Waii'chauerstraße, 2. Rate 8,85. Arbeiter der Fraiscrei p. Aug.«chulz. Bclle-AIliance 40,70. Soeialdemokratischcr Wahwerei» Stralau und Umgegend 30,—. Rauchllub „Glühlicht I" bei Distmann 10,—. MltgUcdschast Swinemünde L. d. d. B., 2. Rate 40,—. R. Schlagmann, Jaucr 45,—. Ein Student in Breslau 20,—. Ortsu ereil! der Porz.-Arb. Ticsensurt 25,—. Deutscher Mctallarbeitcr-Bcrb. Zahlst. Arnberg 15,03. Kernmacher der Firma Keoling«. Thomas 27,90. Turner-Kneipabend 13,10. Rndsalwerverciii„Vorwärts", Cberswaldc 40.—. Emil Lrgas, Maurer Kolberg, Klasterstraßc 40,—. Pers. der Judliuschen Färberei und Waschanstalt 20,—. Deutscher Holzarbester-Verband, Zahlstelle Friedrichshagen 15,—. Lese- und DISkutiertlub„Moabit" 10,—. Verband der Porz. u. veno. Arb., Zahlstelle Spandau 20,—. Tabakarbeiter Nauens 50,—. Gcwcrllchastskommisjion Oranienburg 30,—. H. u. Hegmann, Zelbci« 43,—. Soc. Wahlverem Waidmannslust und Umg. 42,20"Ucberschus; vom Vergnügen, 47,40 ges. in der Versammlung Sa. 59,00. Ad. Javisloivsda Gnuiew. 100,—. Durch die Holzmalcr E. Wk. 5,—. Gesammelt von H. G. Schioedterstrahe 4,—. Maschinenbau von C. Schöning 25,30. Tanzig, Flcischergassc 2,50. Bautischlerei Si. Herzog, Friedenau 11,55. Vorst, d. Orts-Krankenlasse d. Handschuhmacher 3,05. Ungenannt 4,—. Verein ehemaliger Quastmatistei« 3,05. Tischler v. Rösltc 4,50. Droichlen- futscher Alb. Schulz 2,55. L.-W. 1,05. 31. C.. Memel 4,50. I. Meyer, Moutreur 6,—. Draht-Abt. Kabelwerk Oberspree, A. E.-G.(Gummisabrik) 26,05. F.!F. XIV 1,05. Damenmode. Mohrcnstr. 0,75. Köpenick, bei Ringeltaube au« Biertisch ges. 4,—. P. Weimille. Wllhclinshaaci« 5,—. T. H. M. 3,05. Isolierer u. Gäste Kaffee„Pötsch", Pappel-Allee 8,05. Canil Nintcls 5,—. Handels-, Transport- u. Verkchrsarbcitei', Bezirk IIa. 4,—. Lotterievcr.„Glücksrad., Chllbg. 3,—. 6. Höppner, Cbltbg. 3,05. Gcsang- ocr.„Männerllang" 40,—. Verb, dculsch. Bilchdruckcr, Ortsver. Zossen 15,—. Bon« Slaminlisckst d. Gcrichtslaubc, Gerichtslr. 2,—. Leo Fuchs C., Kaiser- straste 1,50. C. Schlesinger, Tapezier. 3,—. Erich Reiche. Schbg., Meininger- straste 4,05. An« Stammtisch b. Böhlc 5,—. sochncidenvelllstatt Kühne, Metz 10,—. Kolonie„Berg und Thal" nebst Budiker 4.75. Boxhagcn. Zahl- abend b. Tempel d. Udima nn 16,—. Patienten d. Heilstätte„Graboiosce" 34.50. Bauanschläger b. Firma K. Rössemann 8,55. Stammgäste v. Eicks Mit! aft-Z tisch 20,—._ShceI, Eharloitcnburg 20,05. Centr.-Berb. d. Masch. u. Heizer, Zahlst. Spandau 45,05. Einige sreireligiäse Frauen 49,45. Ortsver. d. Glacc-Handschnhmacher Verl., 2. Rate 30,—. Maler d. Firma M. I. Bodenstein, Krankenhaus Wchtend 49,—. Dr. ruscl. C. Schuttes Nordhauscn 23.05. A. E. G. I. u. II. Schuppen. Boltaftr. 39.40. Org. Glasarb. zu Porta. Westsalen 50,—. 0r.-2ichlcrscldc, Hintz' Fabrik 16,70, GewerttchastSkartell 20,—, ges. b. Richter u. Krause 9,30,' ges. in d. Potts- vcrs. an« 6. Dezbr. 1903, dar. v. Ed. Bernst. M. d. R. 5.- M. u. 2- M. Tischlerwerkst. Türmer, 70,—. Geburtstag v. I. Rpßmaim-Wilmcrsdor� 5,—. Oberlehrer B.'Aumgart S,—. E. K. 48 5,—. Loltcrievercin„Stern" 2,00. Ertrag des 4. Skates beim Apfelwein 3,—. Tischlerei Artus 11,05. Berb. d. Wäsche-««. Krawattenbränche u. 1,— St. u. H. 404,—. Ege 4,30. Röster 4,—. Morgensprachc d. Rödrcr 2,—. Roind. Schüler—.50. Rote Geburtstagsseier Gramdtka 4,50. Melchcr u. Heinrich 2,—. Witwe Schmidt 1,—. Frl. Rödel 1,—. Familie E. Feist 1,50. P. Birhiwitz 1,55. Schwcidnitz-Striegau—,60. Kleine Rauke—.60. Döring 1,—. Grüne Reese 1,—. Bei der Gcburtstagsscicr Büschlngstraße 4,90. Th. HarwS 2,—. Geburtstagsseier„Hedwig" 4,50. Handlungsgehilfe!« W.?!. 4,50, C. M. 4,—, T. R.—.50. A. H.—.30, W. F.'—.50. G. M.—,50. Ab geht er 4.50.' Drei rote Dallesbrüder 4,50. Gesammelt von Fleischer, Tauben- börse 2,—. E. G. 1,—. Aus Liste 1540 einzeln gezeichnet 32,25. Oppel, Liste 4220 6,40. Geburtstagsseier Wolbrandt 8,—. Pintus, Frank- surterslraße 7,20. Neubau Tietz, Krausen straße 22,20. Möbeltischlerei K. Schinidt, Fruchtswaße 12,40. Stuccatenre n. Angehörige, Zahlstelle Ost 8.40. Telegraphenbau-Slnstalt Gurtt, Kiesholzstrasic 39,70. M. P. 9,—. Möbel- sabrik Pererie, Waldemarstraße 10,75. Bauiijchlcrei Hossmann 8,75.'Möbel- kabrik Keller 18,20. Tischleret Logt, 3. Rate, darunter 40 M. Leer 49,65. Tischlerei Herrn. Schüfe, Alte Jalobstr. 4 1,10. Pallisadenitr. 4 4 3,—. Tischlerei Siemen» u. Halskc 20,55. Bautischler Schilppemvcrkstait 6,—. P. Ztckenrod 2,—. Bau Scharnhorststr. v. Bialucher 43,05. Einige Gäste o. Werner, Mühlen- straßc 5,—. Lcderwarensabrik BoeS 4,60. Toser Reuba" Neue Känigstr. 6,30 Möbelsabrik Krause, Korila u. Eo. 44,—. Bauarbeiter Bz. Rosen- lhalerstraße 4,00. Liste 4373 22,—..Klaviatursabril Hermann u. Bartrow 40,35. Pianofadrik Kell u. Eo. 27,60. Klavialursabrik Kühner u. Eo., 2. Rate 43.60. Aus der Jnsclstr. 42,50. Pianosabrik Ottos, 2. Rate 47,25. Schlclierei R. Zeller, Dirlseiislraße 6,20. Deutsche Telcphonwerl« 38,10. Tapezierer Hossmann. rote Hedwig 4,95. Schlosse«. Schissbauerdai»«m 2,—. Holzbearbeitmigssabrik Roller, 3. Rate 16,90. Klaviaturjabrik Bohn U Eo. 2t, 25. HolzbearbeitungSsabrik Mielich u. Sohn 46,20. Lottollub„Glück" 1,50. Tischlerei Klemann u. Klien« 5,60. Tischlerei Werner, Königsberger- straße 4,50. Möbelttichlerci Schulz, Chllbg. 44,—. Liste 4293, Pianosabrik Ulbnch 42.75. Tischlerei Kimbcl u. Friedrichsen, 2. Rat- 44,35. Goldleisten« sabrit Max Lconhardt 40,05. Möbclbeschlägcsabrik Berthold u. Wrcschner 5.W. Centralverband d. Böttcher, 5. Rate.50.-. F. S.. ReOickendors 30.-. Wtlh. Brauns Tischlerei. Ehorinerstraße 44,—. Liste 1400 durch Rafsces 46,25. Mechanische Werkstatl'Auerbach, Grünauerstraße 90,05. Leder- warenjabrik H. Loewy 14,60. Billardttschlcr 4,—. Gcnuitl. Küche, Rixdors 2,—. Kücheuniöbelttschlerci Golz, Slalitzerltraße 7,50. Expedition des„Vorwärts": Mitglieder d. Handels, Trausp.- u. Verkchrsarb.-Verbände» d.„BorwürtS"- Drnckcrci 4,—: von den Töpsern d. Bauten d. Finna R. Müller u. Döring ain FricdrichSyaln 47,40: Ziimncrer von'Arndt i«. Brandt, Lau Johaimsen u. Häckelsohn. Lutherstraße 8,50: Mantel 0,50: abgelehnte Elttfchädlgung s. 4Billct2.80: Rothkvps 1,—: Fean Müller, Rat 2,75; Finna O. Endmann 4,30; Tischlerei Honipcl, Palllsadcnstraßc 6,—: Sa. 47,25. Tischlerei Hopp, 2. Rate 13,—. Bautischlerei Stcllniaczeck 43,—. Raditzlpanncr 46,85. Gläser 4,40. Mctlhieng u. Gleichaus, Chllbg. 16,25. HolzbearbeitungSsabrik Klopprot u. Hoppe 8,50. Maschinensabrik Huwert 15.25. Marmorarbciter, 3. Rate 79,95. Sechs Harmlose 4,—. Karl Hasse, Ärcde, Fennstraße 18,03. Personal v. E. P. F. 30,—. Bauttschlerei Otto Trops, Pankow 44,—. Otto Gaebcll.öO. Verband der Zimmerer, 10. Bezirk 7,—. Tapezierer I. C. Pjaff, 2 Rate 20,—. Tischlerei Fliege n. Lehmann 45,40. Frau R. N., Chltbg. 5,—. Buchhändler Büttner 5.—. Liste Nr. 4382 36,45. Tischlerei Dillen u. Preizer 40.—. Bier- Prozente«'.ZimmerpI.P.d.B. 45,—. GlaSschleisereia. Listen u. 8,16 d. Sammlung 87,—. Privatjamnlluilg d. Noack 44,50. Liste Nr. 1135 48,50. Tischlerei Hermann 8.50. Lederwarcnsabrik S. Markicwicz, 7. Rate 0,50. Möbelsabrik GroschluS(dar. Budickc-Fcuersanaer 6,00) 83,55. Fraiscrei und Bohreret S. u. H. 38,95. Stcindrucker Priester n. Eyck 14,25. W. Anidt 2,—. Rauch- tlub Ohne Zwang 20,—. Gesangverein Frisch-Ans 10,—. Tischlerei Riesel u. Käminer 8,—. Maurer Römisch, Tegeler Weg 8,80. Hintz 2.50. Buchdnickcrei W. Kohn, Neue Proinenade 7.—. GoSoseufabrik Marien� darf, 3. Rai- 19,—. RauchkluS„Gulrauch" b. Lindenhahu- Grünau. Silberwarcnsabrik F. Mosaau, MarkuSstraße, 18,—. Pianomechanik- Fabrir Beetz 15—. Tischlerei Gebr. Schaar 15,70. Gesammelt bei Lemmke, Gast- Ivirt 2,50. Gesammelt bei Schildt 3,—. Tischlerei Neubauer u. Lemke 11,25. Skatbrüder in den Katakomben 20,—. Sklatklub„Vergnügter Ramsch" 23,40. Mir n. Genest, Liste 4461. Saal Nr. 417 30,—. Liste 1164, Saal Nr. 71 14 70. Liste 1166, Saal Nr. 101; Liste 1165, Saal Nr. 102; Uebcrschuß der Tellcrsaminlung 35,40. Liste 4412, Saal 66 3,85. Liste 1413, Saal 84a 8,65. Liste 4114, Saal 86 15,40. Liste 1445, Saal 04 40,35. Liste 1110, Saal 7t 5,05. Liste 4117, Saal 403 36,25. Liste 4418, Saal 64 14,60. Liste 1149, Schmiede 6,75. Liste 4420, Saal 97 10,15. Listen 1111 und 1163, Versammlungslokal Kumke, Bülowstraße 52,45. Summa 249,20. O. Vogt, Brulinenbauere« L. Lodde 10,—. Liste 176, Bock 12,80. Bau- tisck'lcrei Rüge, Kochannstraße, 2. Rate 10,50. Buchbindcr-Mänoerchor 20,—. Lotterie- u. Skatklub„Treff" 2t,—. Liste 4539 durch Georg Cohn 9,05. Äleinof, Maler 5,—. Hausdiener Platow u. Priemer 2,05. Ordner der 0. Abt.„Freie Volksbühne" inkl. 29. 3,75. K. W. O.. Gummi-Abt., Saal 22 27,25. Munition s. Crimmitschau, Ver. Rote Rees«, 3. Rate 12,—. Deutscher Üolzarb.-Vcrb., Zahlstelle Berlin 45,00. Luxuspapierarb. u. Arbeiterinnen Firma Schloß 5,05. Listen Nr. 1332 u. 1346 bei'A. Borkig, Tegel 520,—. Pianinofabrik Neumeier, darunter Bildhauer von Röhlich 49,—. Zehn abitlnelite Arbeiter und Arbeiterinnen a. d. Gruncwaldpartte 3,60. Drücker v. Kunitz 3,—. Buchbiuderei-Swl. Firma Karl Rosen 3,—. Rad- sahrerverein Kristall 40.—.'Arbeiter-Radsahrvercm„Vorwärts�, Köpenick 20.—. Trcibriemensabrik Reiche u. üalberstamm 12,—. L. S. N. 2,20. Tischler n. Lehn, am« 15,—. Fischer.' Adalbertslraße 3.—. P.Krug 42.—. __ Hinz, Landsmannschaft d. Schlesw.-Holst. 40,—. Verband d. Kranken- vslegcr-PcrsonatS 9,05. 8 Mann voin Messingwerk Rcinickendors 4,80. Max Otto. Berlin G 1,05. Vcrvand der Fol) ri{Hilfsarbeiter u. Arbeiterinnen, Zahlst. Charlottenburg 20,—. H. M. B. Knesebeck, die beide» Grete» 13,50. M. W., Berlin X 40.—. Sic solle» nicht zu Paaren getrieben werden 4,—. Zwei rote Handlungsgehilfen 3,—. Gesangverein„Schlldhorn" 50,—. Ehcmigr. Kuiislanst. v. E. Schütte 40,80. ONo Grüner, Berlin, Sllte Jakob« straße 2,—. Cigarrei«savrik 5. Schurig 11,50. Skatktub„Neu-Weißensee" bei Auschet 5,—. Stukkateure bei Knappe 4,—. Kuiistschmiederei P. Marfu» 15,—. Otto Gloger 3,—. Monteur A. Haberl 2,—. Gewerkschastskartcll Essen 200,—. Organisierte Tabakarbeiter Schwedt a. O. 32,80. W. S.— S" M. 2,—. Th.'Schneider, Schlosser a. D. 4,—. Mehrere Beamte 39. V. 1,50. K. Wendel, Bildh. 4,—. Lvttericvcrein„Rord-Wcst" d. Gulanek 2.30. Alwins 4,05. ÄSenier-München 2,—. Drei Gleichgesinnte in Bamberg 3,—. Socialistijcher Lese- und Dislutierllub„Demosthenes" und ein Gast 5,50. Ges. am runden Tisch d. Höser 3,—. cskattlub oller chrltchcr Seemann 5,—. Joh. Hantel.>schneideriiieistcr, Berlin BW. 3,—. Klavierspicl» 'Apparat-Abt. v. Gast u. Co. 4,50. H. S. 2,—. Gesangverein Seegerschcr Männerchor 20,05. Hehncr K. D., Gust. E., Karl S.. O. G. 5,00. Dr. Alberti 5,—. Summa 4695,55 M. Bereits quittiert 51 910,29 M. Gesamtsumme 56 605,84 M. Weitere Beiträge werden in unserm Bureau in der Zeit von 9—1«md 6—8 Uhr entgegengenommen. Gelder, welche mit der Post eingesandt werden, sind an A. Körst en, Engel-User 15, zu senden.\ Der'Ausschuß der Berliner G e w e r k j ch a s i sK o m m t s s i o n. In der B u ch d r u ck e r e t„Vorwärts" sind zur Uebergabe an die Gewerkschaststommission abgegeben: Personal der Buchdnickcrei I. S. Prcnß 22,—. Arbeiter der Firma Max Haße«. Co., Lindower- straße 22, 75 60. Skalklub Plumpe 4,—. Buchdruckerei Julius Rosenbaum 5,60. Rechtsanwalt L. 60,— M. Nei der Gharlottcuburgcr Gewcrkschaftö- Kommistion gingen von« 30. August bis zum 40. Dezember sür die ausgesperrten und streikende» Erimrnitjckauer Textilarbeiter folgende Beträge ein: a) auf Listen gesammelt: Von den Metallarbeitern durch Bräuer 8,—. Fabrikarbeitern durch W. Koppitz 19.—. Sattlern durch 3ld. Lange 4,65. Maschinisten und Hetzern durch Drews 8,90. Schneidern durch gre»z?I 43,20. Plätterinnen durch Frau Dröse 41,75. Bauarbeiteni durch Schrap 6,90. durch.Hubert 9,45. Fabrikarbeitern durch W. Kvppttz 34.90. Porzcllan- nrbcitern durch Steinigk 7,60. Maurern(Putzer) durch W. Schulz 9 70. Plätterinnen durch Frau Drocse 13,05. Maurern sPuber) durch'A. Wilde 4,60. Schmieden durch Menge 44,50. Plätterinnen durch Frau Liedtke 3,20. Malern durch Feige 5.30, desgl. durch Tayken 4.80, deckgl. dnrch Blaß 4,50. Plätterinnen durch Frau Drocie 59,95. Hnndlungsgehilsen durch Loewenberg 48,60. Maurern dilrch Wille 8,—. Bauarbeitern durch Schrap 4,—. Metallarbeiter» b. Siemens u. Halskc, durch Hagen 451,40. Malern durch Drömert 8,35. Plätterinnen durch Frau Drocse 21,35. Sattlern durch Lange 8,85. Metallarbeitern bei Siemens u. HalSke durch Hage» 150,90. Malern durch Jost 1,30. d) Sonstige Zuweisungen:'ItilS der Filialkaffe der Maler durch Dromert 20,—; bc»gl. der Maschinistci« und Heizer durch Drews 15,—. B«n' Gesaugvcrein„Ponvärts" dnrch Dromert 4,50. Von Ungenannt durch R. Fcuske 2,—. Von den Handlungsgchiljen durch llko 4,—. Von den Genossen deS 7. Bezirks durch'Adolf Lange 7,35. Weitere Beiträge nimmt entgegen Franz Jost, Wallstr.«8. Eingegangene Orucksedriften. Unfern Kinder». Ein fröhliches Buch sür Groß u>«d Klein. Heraus- gegeben vom Fraucn-Crwcrb zu Berlin. 103 S- Broschürt 1 SH, geb. 1,25 M. Verlagsbuchhandlung Eiffclt, Bcrlm-Groß-Lichterseldc. Kutter, Herlnann. Sie müffen I Ein offenes Wort an die christliche Gesellschast. Preis 2,50 M. Albert Müllers Verlag, Zürich 1904. Alexander Freiherr Palvel-Rainmingcn, Gedanken eines deutschen Edelmannes über die Judcnsragc. 47 S. Verlagsbuchhandlung Hermmm Waliber, Berlin KW., Koininandantenstr. 14. Otto Wiesner. Patentindustrie und Verbrechertum. Preis 50 Pf. Verlag der„Börscn-Woche", Berlin W. 57, Dcnnewitzftr. 3. F. ivt. Wibaut, ttnrsts e» Kanals. Preis 2,10 M. A. B. Soep, Blmstcrdam, Langebrugftceg 2. Letzte ISacbricbten und Depefeben. Zur russisch-japanische» Krise. London, 11. Dezember. Dem„Reuterschen Bureau" steht von einem Privatkorrespoiidcnten aus Petersburg unter dem heutigen Tage nachstehendes Telegramm zu: Man mißt hier der Meldung aus Tokio, daß die russische Flotte, welche vor Tschcmulpo eingetroffen ist. bereit ist, Mannschaften für einen eventuelle«« Vormarsch auf Söul zu landen, falls Korea Rußlands Einspruch gegen die Freigabe Jongamphos für den Handel n«it den« Auslände un- beachtet lasse, leinen Glauben bei. Die rnssische Regierung erklärt, sie habe keine Bestätigung der Meldung erhalten, die sie in die Klasse andrer sensationeller Gerüchte aus dem fernen Osten ein- »reihen geneigt sei. die sich als grundlos erwiesen haben. Die Meldung, daß der russische Eesai«dte in Söul Pawloff an die korca- «fische Regierung in aller Fonn eine Warnung gerichtet habe, wird als alsch bezeichnet. Nach den letzten hier cingegangeiien Informationen hat Pawloff angefragt, ob««««d unter loelchen'Bedingungen Jougamphc geöffnet werden würde. Pawloff hat eine ausweichende Antwort erhalten. Man erachtet eS als unwahrscheinlich, daß der Statthalter Alexejcff trotz der bedeutenden Vollmachten, mit denen er beklebet ist, einen so ernsten Schritt, wie den von Tokio gemeldeten, thun würde, ohne die amtlichen Stellen in Petersburg zu befragen. London, 11. Dezember.(SB. T. 33.) Mnistcr LanSdowne ging eine in der„London Gazette" heute veröffentlichte Note des Botschafters Wolff-Metternich zu, dnrch lvelche das deutsch-englische II e b e r e i n k o m m e n vom 24. Februar 1334 über dicEr- richtung eines einheitlichen Zollgebiets für das deutsche Schutzgebiet Togo und die britische Be» sitzung an der Goldküste östlich des Volta-Flusses g e- kündigt wird. DaS Uebereinkommen tritt somit am 30. April 1304 außer Kraft._ Arbeitswillige Revolverhelden. Arad, 11. Dezember.(B. H.) Zwischen den streikenden und den neu engagierten Arbeitern in der hiesigen Maschinenfabrik kam eS zu einem blutigen Zusammenstoß, wobei einer der streiken» den Arbeiter durch einen Revolverschuß verwunde' wurde. Peraniw. Redakteur: Jnlius Kaliski In Berlin. Für den Inseratenteil oerantw.: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag: Vorwärti Bnchdrnckerei und VerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin 8W. Hierzu 3 Beilagen. It. 290. 20. Z-htMg. 1. Irildüt Reichstag. 5. Sitzung. Freitag, den 11. Dezember 1903, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Reichskanzler Graf B ü l o lv, Freiherr V. Stengel, Graf Posado Ivsky, v. Einem, v. Tirpitz. Zunächst»verdcn einige schleunige Anträge Auer und Ge- Nossen(Soc.) al»f Einstellung schivebender Straf- verfahren gegen die Abgg. K u n e r t"), Schöpflin, Gold- st e i n und Geyer für die Dauer der Session ohne Debatte ange- uommen. Hierauf wird die ersteLesung des Etats fortgesetzt. Abg. Dr. Sattler(natl.): Auch ich fühle»nich gedrungen wie die Herren Schädlcr und Gras Stolberg Zeugnis abzulegen von der tiefen Erregung und bangen Sorge,»velche alle patriotischen Getnüter erfüllt hat über die Erkrankung des Kaisers. Wir hoffen alle, daß dem Kaiser recht bald völlige Genesung zu teil loerden möge. Redner spricht sich gegenüber dein Grafen Stolberg gegen eine Vereinigung der Budget- und der Rechnungskoimnission ans.— Was die in Aussicht stehende F i n a n z r e f o r m betrifft, so»nuß jeder zugeben, daß unsre Finanzen hellte außerordentlich nnüber- sichtlich stnd. Nur um festzustellen, Ivo denn eigentlich die Zuschuß- nnleihe des vorigen Jahres geblieben ist, bedarf es eines eingehenden Studiums des Etats. Ebenso lvar die Belastung der Einzelstaaten bis an das äußerste Maß ihrer Leistungsfähigkeit gegangen. Hier bringt das Gesetz einige wenn auch kleine Fortichritte. Unsre Finanzmisere ist vor allem darauf zurückzuführen, daß»vir keine obligatorische Schuldentilgung haben. Es wäre durchaus ai» gebracht, die Mittel für die Vergrößerung der Flotte und ztiin Teil auch des Heeres nicht aus laufenden Mitteln, fondern aus Anleihe» zu nehmen, aber das wäre eben nur möglich,»venu»vir eine obligatorische Schuldentilgung hätten, cntsprccheild den Abschreibungen bei Privat- geschäften. Nach dieser Richtung bringt das Gesetz keinen Fortschritt. Weiter ist es im Jntereste unsrcs Finanzlvesens sehr zu bedauern, daß wir keine ordentliche Organisation der Reichs- Finanzverwaltung haben, wie sie in Preußen vorhanden ist. Die Verbündeten Regierungen haben sich einer solchen Organisation des Finanzwesens, wie sie in Preußen vorhanden ist, immer entgegen- gesetzt, um nicht ihren Einfluß zu schwächen, und doch ist eine ein- gehendere Kontrolle»»otlvendig, als Reichstag und Bundesrat sie ausüben können. Auch Herr v. Beilnigscn hat das größte Geivicht darauf gelegt. Nur so kann den Anfordcnlngen, besonders der kleineren Ressorts, mit genügender Energie entgegengetreten»Verden. Leider bringt auch nach dieser Richtung das Gesetz leinci» Fort- schritt. Der dritte Mangel unseres Finanzwesens ist der eines festen Verhältnisses der Leistungen zwischen Reich»»nd Einzel st aaten. Stach dieser Richtung ist durch den neuen Gesetzcntivurs ein bescheidener Fortschritt gemacht, indem»ocnigstcns die Masse der Matrikularbeiträge verringert wird und die ungedeckten Matrikularbeiträge auf gewisse Grenzen be- schränkt werden sollen. Formell wird unzweiselhast das Bewilligungs- recht des Reichstages verringert, aber hat»nai» sich denn je in der Budgetkommission überlegt, ob die bewilligten Ausgaben auch ohne Matrikularbeiträge gedeckt»Verden könnten? Solche Bedenken treten iinmcr erst bei einem Rest der llcberlveisungen ein. der auch nach dem neuen Gesetz erhalten bleiben soll. Auch das Centrum wird dieses Hin- und Herrennen von halben Milliarden nicht länger ruhig mit ansehen wollen und schließlich der Vorlage zustimmen. Sie ist kein großes Werk, und wir erwarten vom neuen Reichs-Schatzsekretär noch mehr, aber sie bringt annehm- bare Verbesserungen. Der Etat ist unglaublich schlecht und»vürde noch schlechter aus- sehe»», lvenl» man nicht 30 Millionen Mark schon auf die Anleihe des Vorjahres übernominen hätte. Die Zuschußanleihen müßten sonst 39 Millionen betragen. Dazu kommt der völlig bankrotte Invalid enfon ds, der durch Zuschuß aus dem ordentlichen Etat saniert werden soll. Es müssen die lebhaftesten Bedenken auf- tauchen, ob es so weiter gehen kann. Die Budgetkommissio»» hat keii»e freudige Aufgabe, aber sie»nuß de»» Grundsatz der Spar- sainkcit kräftig durchführen. Ueber die auSlvärtigen Verhältnisse spreche ich nicht,»vcil in Deutschlands jetziger Lage jedes unnütze Wort schädlich sein kann und wir Vertrauen z u r R e g i e r u n g haben. Außerdem glaube ich auch nicht viel Kluges über diese Sache vorbringen zu können.(Lachen bei den Socialdcmokraten.s Was unsre Kolonialpolitik betrifft, so dürfen»vir nicht stillstehen. Wenn»vir einmal Kolonien haben, müssen»vir auch� thun, Ivas nötig ist. sie zu cntlvickelu. Es wäre kein Beispiel für die hohe Intelligenz des Reichstags, ivcnn er die lange verschleppte Eisen- bahn- Vorlage für Ostafrika»vicder ablehnte. Im Etat des R e i ch S a m t d e S I n n e r n begrüßen wir die auSgelvorfenen Suminei» für die Verbesserung der WohnungS- Verhältnisse. Sehr wünschenswert»väre eine ausführliche llebersicht darüber.»vaS das Reich auf diesem Gebiete geleistet hat. Ebenso begrüßen wir die Ausgaben für die Weltausstellung in St. Louis. Was den Militäretat anlangt, so ist uns anfgcfallcn, daß in diesem Jahre, Ivo das Quinqncnnat abläuft, nicht eine neue derartige Vorlage an den Reichstag gekomme» ist. DaS kann ja seinen sehr einfachen Grund haben,»vir richten aber die direkte Frage an den Herrn Kricgsininistcr, ob man ctlva bc- absichtigt, die gesamten Mittel für militärische Ausgaben jährlich voin Reichstage belvilligeu zu lassen. Das ist eine Frage von großer Bedeutung. Wir ivarcn bisher der Meinung,_ daß es notwendig sei, die Grundlagen unsrer HcercSvcrfassung auf mehrere Jahre zu sichern schon aus finanziellen Gründen.— Weiter halte ich es� für notwendig hinzuweisen auf die schweren Schäden, welche bei unserm Heere durch die öffentlichen Bcrhandlungcn der letzten Zeit aufgedeckt stnd und in Iveiten Kreiseir tiefe BekünimcrniS erregt haben. Die KriegSverwaltung scheint Besorgnisse in Bezug auf den Offiziers- ersatz für die Infanterie, die ja meiner Ansicht nach noch immer die wichtigste Waffe ist, zu hegen. Aber man muß sich fragen, wie sie den notwendigen OffizicrSersatz beschaffen soll. Es kommt da in Betracht, daß der Luxus in Offizierskreisen cnt- schieden in beträchtlichem Maße zugenommen und daß, die Ausgaben der Offiziere und derjenigen, die cS werden wollen, eine außerordentliche Steigerung erfahren haben.(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen und im Centrum.) Darin dürfte unzweifelhaft der Grund liegen, iveshalb sich so schwer der not- wendige Ersatz finden läßt. Wenn>vir ferner von den zahlreichen kostspieligen Uniforinänderungeil lesen, die in rascher Aufeinanderfolge angeordnet werden, die die Kräfte der Offiziere übersteigen müsiell. so halten wir cS für unsre Pflicht, die Kriegsverwaltung auch unserseits auf diese Schäden aufmerksan, zu inachen und sie zu fragen, ivelche Mittel sie ergreifen will, um hier Abhilfe zu schaffen. Das Herz muß einem erstarren, wenn man von den zahlreichen Fällen von Joldatenmißhandlungen liest, wenn man liest, daß ein einziger Unteroffizier taufende Miß- Handlungen hat begehen können. Ich zweifle nicht, daß die Militär- Verwaltung hier Abhilfe schaffen lvill, aber mit der Bestrafung von einzelnen ist es nicht gethan. Man mutz dafiir sorgen, daß solche Unfälle unmöglich gemacht werden. Bei der Wichtigkeit des Unter- offizierstandeS für die Erziehung der Mannschaft scheint eS mir ratsam, die Bezüge der Unteroffiziere zu verbessern. Die geplante Erhöhung der Bezüge scheint aber mehr den in» Bureau-, als den *) Es handelt sich hier um die Einstellung dcS vor dem Land- gericht in Halle a. S. schwebenden Strafverfahrens wegen Verächt- lichmachung und Herablviirdigung der Mitglieder des ostasiatischen Exdeditionscorps. des Lsmiick" im Frontdienst Beschäftigten zu gute zu kommen. Gegen die Straf- Versetzungen zur Traintruppc mutz ich mich entschieden aussprechen. Was die Ostmarkenzulage anbetrifft, so bedauern wir, daß wir nicht schon lange derartige Zulagen haben, daß der Reichs- tag nicht schon längst gegen ihr Fehlen protestiert hat. Für Offiziere haben wir schon seit 1870 in den Reichslanden derartige freie Zu- lagen. Die Postverwaltung ist durch die entsprechenden Matznahmen der preußischen Regierung gebunden. Wir haben dieser Vorlage gern zugestimmt— Herr Abg. Szmula fteut sich schon auf eine hübsche Rede— weil gerade in den national-zweifelhaften Gebieten eine treue zuverlässige Beamtenschaft erhalten bleiben muß. Die Polen sollen gewiß so behandelt iverdei» ivie alle andren Staats- bürger, aber nur ivenn sie treue Preußen sind, wie alle andren. Aber die Pole» streben nach Wiederherstellung ihres eignen polnischen Reiches.(Lachen im Centrum und bei den Polen. Zurufe: Hu! hu!) Sie werden von niir nicht erwartet haben, daß ich zu dieser Vorlage eine andre Stellung einnehme.(Nein! nein! bei den Polen.) Denselben Grund haben wir auch gegenüber den Herren von der deutsch- haimoverschen Partei. In diesen Kreisen denkt man sogar daran, Stade und Lüneburg an Braunschweig anzugliedern lmd dort ein großes ivelsischeS Herzogtum zu gründen. Ich kann die Ziele der Welsen verstehen, aber wie sie sich denken können, diese ohne einen Krieg auf Tod und Leben gegen Preutzen zu erreichen, weiß ich nicht: denn was ein preußischer König genommen hat, gicbt er nicht wieder heraus.(Lachen.) Entgegen dem Herrn Abg. Schädler muß ich bestreiten, daß die Aufwendungen des Marine-Etats über das Flottengesetz hinausgehen. In» Gegenteil bleibt die Gesamt- summe' trotz einzelner Ueberschreitungen, die sich die Marine- verwaltimg für die einzelnen Jahre ausdrücklich vor- behalten hatte. hinter dem Flottengesetz zurück. Dagegen mutz ich eS dem Herrn Staatssekretär der Marine zum Vorwurf machen, daß man Hüssener nicht sofort nach seiner Verurteilung entlassen hat. Jetzt ist ja dieses Versäumnis nachgeholt worden, daß eS aber nicht sofort geschah, mutzte mit Recht in weiten Kreisen des Volkes Befremden erregen.— Im Eisenbahnwesen wäre eine bessere Verbindung Zwilchen den einzelneu LandeStcilen, besonders im Frachtverkehr sehr zu begrüßen.— Der Erhöhung der Gehälter der Unterbeamten stimmen auch wir zu.— In der Thronrede haben wir den Passus über die Notwendigkeit der F o r t s e tz u n g der Social reform mit Freuden begrüßt. Die Schaffung kauf- männischer Schiedsgerichte ist eine seit langem auch von uns erhobene Forderung. Die Revision des Börsengesetzes ist notwendig und dringlich. Auch eine Abänderung der Börsensteuer»miß schon deshalb eintreten, weil der Ertrag dieser Steuer den Erwartungen durchaus nicht entsprochen hat. Die Thronrede erwähnt femer auch den Schutz der Klein- baue iHi. Im allgemeinen ist für unsere Landwirtschaft der Abschluß der neuen Handelsverträge die wichtigste Frage. Ich versage mir kraft der auferlegten Beschränkung weiter darauf einzugehen. als daß ich die Hoffnung ausspreche, daß der Herr Reichskanzler die deutschen Interessen kräftig wahmehmen ivird. Ich gehe dann zu einigen allgemeinen Betrachtungen über, die ich an die Reden der Herren Abg. Schädlcr und Bebel anknüpfe. Auch wir treten für Diäten ein im Interesse der Beschlußfähigkeit und um die Ausbreitung von Parteidiäten zu vermeiden. Den Toleranz- antrag ebenso ivie das Jesuitengesetz lehne ich im Interesse des koiffcssionellen Friedens ab. Auf dem Gebiet der Socialpolitik darf man nicht überstürzt vorgehen. Andererseits muß aber das Verantivortlichkeitsgefühl der Behörden wachsen. Daß sie nicht ab- sichtlich die Interessen der bessergestellten Klassen vorziehen, ist ja gewiß, aber ivenn wir höchst ungerechtfertigte Verhaftungen und Urteile lesen, so ist das schädlich für unsre politische Entwicklung. Daß das Verantwortlichkeitsgefühl der Beamten in dieser Richtung steigt, scheint mir das beste Mittel dafiir, daß die Mitläufer der Socialdemokratie sich auf sich selbst besinnen. (Lachen bei den Socialdemokraten.) Wir halten es für durchaus richtig und gut zu erwägen, ob wir nicht auch Versichemngs- einrichtungen für Handwerker und Beamte schaffen. Die Einfühmng der Rechtsfähigkeit der Berufs- vereine fordern weite Kreise des Volkes seit langem. Gegenüber Herrn Bebel muß aber betont werden, daß die besitzenden Klassen es bisher nicht haben fehlen lassen an Fürsorge für die Arbeiter. Gerade die Arbeitcrversichcrung hat bei den besitzenden Klassen bereitwillige Unterstützung gefunden. Es war auch falsch, ivenn Herr Bebel behauptete, das Herrenhaus hätte gegen- über dem Abgeordnetenhaus eine Steigerung der Ein- kommensteuer durchgesetzt. Gerade das Umgekehrte ist der Fall. Es wäre ja im übrigen sehr interessant, wenn das Herren- haus diese stärkere Belastung der Besitzenden durchgesetzt hätte, denn es ist doch zweifellos, daß in diesem Hause die noch weit mehr Besitzenden vertreten sind als im Abgeordnetenhause. Wir haben ein gutes Gewissen gegenüber allen Anklagen der Socialdemokratie. Diese verhindert gerade das Zustandekommen wirklicher Reformen. Wie der Herr Reichskanzler gestern sehr richtig sagte: Sie wissen gar nicht, wie Sie Ihren Zukunftsstaat einrichten sollen, so behaupte ich auch: Sie sind sich gar nicht einig darüber, nach welchen» Programm Sic vorgehen sollen. Und trotzdem in Dresden dieser laute Kampsruf zum Um- stürz alles Bestehenden! In Ihrem Wahlausiuf zu den Landtags- wählen haben Sie ja nachher bewiesen, daß Ihnen auch andre Noten zur Verfügung stehen, ivenn Sie es für Ihre Wahlgeschäfte für vorteilhafter halten, nicht die rauhe Haut hervorzukehren. Es lvar sehr merkwürdig, daß Herr Bebel gestern sich bereit erklärte, den Herrn Reichskanzler zu unterstützen, wenn er die Politik eines Millerand treiben wolle. In Dresden hieß es: So lange ich lebe und atme, werde ich der Todfeind dieser Gesellschaft sein. Wir können nicht daran glauben, daß uns die Socialdemokratie eine höhere Kultur bringen ivird, wenn wir sehen, wie sich die Genossen in Dresden gegenseitig verdächtigt und bc- schimpft haben und einander beschuldigten, nach der furchtbarsten Tyrannei zu streben. Wir lassen uns die Freude an unsrer gegenwärtigen deutschen Entwicklung nicht rauben. Das Ausland sieht mit Bewunderung aus unsre wirtschaftliche Entwicklung, wir wollen keine Störung dieser Verhältnisse und wir werden nach wie vor dabei thätig sein, die Grundlagen unsrer nationalen Entwicklung in wahrhaft fteiheitlichcm Sinne zu schützen und zu fördern.(Leb- Haftes Bravo bei den Nationalliberalen.) Kriegsminister v. Einem: Das hohe Haus ivird es mir glauben, Ivenn ich ihm sage, daß bei mcincm ersten Auftreten als preußischer Kriegs- minister an dieser Stelle es mir lieber gewesen wäre, über er- freulichere Dinge zu sprechen, als leider in der letzten Zeit in der Armee vorgekommen sind, die nicht nur das deutsche Volk, sondern auch die deutsche Armee tiefinnerlich erregt haben. Forbach, einst ein Name von gutem Klang, der die Herzen höher schlagen ließ in Erinnerung an den 7. Juli 1870, Ivo in seiner Nähe die Schlacht bei Spichern geschlagen wurde, verbreitet heute einen tiefen Schatte». Was man für unmöglich gehalten hätte, ist geschehen. Als ich mich zivang, das Buch dcS Lieutenants Bilsc zu lesen, habe ich eS mit Ekel bei Seite geworfen und gesagt: Es ist eine Schande, daß ein preußischer Offizier so etwas schreiben kann. Und dennoch ist das, was in jenem Buche steht, zum Teile wahr. Der Abg. Schädler hat an den Ausspruch des Fürsten Bismarck erinnert:„Den preußischen Lieutenant macht uns niemand nach". Er hat gesagt, von diesem Worte müsse man jetzt etwas zurücknehmen. Ich glaube, meine Herren, eS find unter den AmtSbrüdern des Herrn Schädler auch räudige Schafe gewesen und er wird nicht anstehen, zu erklären: Das waren keine Führer im Herrn. Und so sage auch ich: Diese Offiziere, die sich so vergangen haben, die das Kleid des Königs getragen haben, find äußerlich Offiziere gewesen, aber in dem Geiste, Sonnabend, 13. Dezember 1903. wie sie eS fein sollen, ivaren sie es nich t. Und wenn sie auch noch nicht beseitigt, noch meine Kameraden sind, so stehe ich nicht an zu erklären, es waren keine Offiziere. Man muß sich nun offen fragen, ivie können solche Zustände vorkommen, wie sind sie zu erklären. Ich habe viel darüber in der Presse gelesen. D)e socialdemokratische Presse macht es sich am leichtesten. Sic sagt, es ist das System des Militarismus, das ist der Vater alles Uebels, das System, das alles in Ketten schlägt, jede freie Herzensineinung unterdrückt, zur Verblödung führt.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Wenn das richsig wäre, müßte das ganze deutsche Volk, das seit hundert Jahren dem Militarismus unter- worfen ist, unheilbar verblödet sein. Und doch hat es nrit einer Thatkraft ohne gleichen einen großen Teil des Weltmarktes erobert, und die Socialdemokratie müßte die letzte sein, die etwas Derartiges sagen könnte. Denn in Dresden ist gesagt worden, daß, ivenn erst die Socialdemokratie an der Spitze der Geschäfte stände, aus der Masse des Volkes sich viele Intelligenzen entwickeln würden, die befähigt wären, die ganzen Staatsgeschäfte zu übernehmen. DaS kann nur von einem gesundheitsstrotzendcn Volke behauptet werden. Andre haben gesagt, das liegt an der Isolierung, das Militär bildet eine Gesellschaft für sich, eine Clique. Ich habe auch in kleinen Garnisonen gestanden, aber ich kann versichern, daß da ein freundlicher, ein herzlicher Verkehr zwischen Militär und Bürgerschaft geherrscht hat, ivie man ihn nicht besser sich wünschen kann. Ich möchte beinahe glaube», daß wir in gewisser Weise zn weit gegangen sind in der Äimahme von Offizieren, daß wir in Kreise hineingekommen sind, die für so schwere Anforderungen, wie sie gerade dieser Stand an den Einzelnen stellt, nicht paffen. (Hört! hört! Beivegung.) Ich freue mich, konstatieren zu können, daß in Forbach nicht ein Offizier gestanden hat, der dorthin strafvcrscht worden wäre.(Hört! hört!) Herr Schädler sprach, daß sich kein Offiziercorps auf der Höhe halten könne. das sich aus Leuten rekrutiere, die Verfehlungen begangen hätten. So etwas geschieht nicht im Train und ist im speciclleu nicht geschehen bei dem Trainbataillon Nr. 10. Der Dienst bei der Artillerie und der Kavallerie, von denen vielfach Offiziere zun» Train übergehen, ist ein ganz andrer. Er erfordert die Fähigkeit, im Felddienst taktische Dinge schnell zu verstehen. Offiziere, die hierzu nicht ganz geniigen, können in» inneren Dienst Vortreffliches leisten und sehr gute Trainoffiziere sein. Es ist durchaus keine Schmach, in den Train versetzt und da verwendet zu werden. wo man Vortreffliches leisten kann. ES ist in den Erörterungen auch noch darauf hingciviesen worden, ob das Traincorps nicht enger an die Armee angegliedert werden müsse. Viele Vcr- suche sind nach dieser Richtung gemacht lvordcn, sie sind aber immer gescheitert an dem Widerstand der Offiziere des TrainS. Sehr gezwungen und widerwillig haben wir das Trainbataillon' an die äußersten Garnisonen hinverlcgt. Das ist aber noch keii» Grund für die Vorkominnisse. Wenn dort ein Kommandeur gewesen wäre, der seine Stelle�ausgefiillt, hätte nie und nimmer so etwas geschehen können.(Sehr richtig!) Der Kommandeur hat nicht hingepaßt. Das soll kein Vorwurf fein gegen die Stelle, die die Kommandeure besetzt. In jeden, Menschen kann man sich irren. Jemand, der selbst früher unter Aufsicht gestanden hat, entwickelt sich oft anders, ivenn er in Freiheit ist, als man vermuten konnte. Welche psychologischen Momente müssen aber hier mitgewirkt haben, daß der Forbacher Kommandeur ein solcher Schwächling wurde und Dinge zuließ, die alle» göttliche»»nd menschliche» Geboten, allen dienstlichen und moralischen Vorschriftc» zuwiderliefen. Es ist vielfach auf die Wcibcrwirtfchaft hingewiesen worden, und Herr Schädlcr hat speciell auf die Antwort des Licutenants hingewiesen, der. als er gefragt wurde, ob er mit Mädchen verkehrt habe, geantwortet hatte:„Wie jeder Lieutenant." Meine Herren, wer nicht gesündigt hat, der hebe den ersten Stein auf.(Heiterkeit.) Aber daß jeder Lieutenant so gelebt hat, wie es in dem Buch geschildert wurde, daß die Weiber ein- und ausgehen, der Lieutenant mit ihnen gelebt habe, sie ihm sozusagen das Abendbrot mitgebracht habe»(Große Heiterkeit), das weise ich entschieden zurück. Ich verbürge mich von dieser Stelle aus: ein zweites Forbach ist in der deutsche» Armee nicht möglich. Man hat auf die Offiziers- damcn hingewiesen und gesagt, daß ihre Einmischung vom llebcl sei. Ich kann aus meiner Dienstzeit nur mit Dank und Anerkennung au die Alfleitung zurückdenken, die ich von Offiziers- damen erhalten habe. Edle Damen können auf den jungen Offizier wirken wie eine Mutter zu Hause, und Vergleiche dieser Da»»en init den Frauen, die sich in Forbach vergangen �haben, sind eine Be« leidigung für die Damen unsrer Offiziere,(Sehr gut! rechts,) Ich gehe nun auf das Thema der Mißhandlungen eil». Ehe ich die einzelnen Fälle bespreche, möchte ich Ihnen eine Statistik vor- legen, die vom l. Juli 1902 bis zum 30. Juni 1903 reicht. Es sind in dieser Zeit bestraft worden: 50 Offiziere, 525 Unteroffiziere, 52 Gefreite und Gemeine. Nach Prozenten kommen auf die preußische Armee an Offizieren 0,20 Prozent, an Unter« offiziereil 0,83 Prozent, ai» Gefreiten und Geineinei» 0,01 Proz. Die Höchstzahl von Mißhandlmigen innerhalb der verflossene» letzten zehn Jahre ergab für Offiziere 07— 0,87 Prozeut, für Unteroffiziere 792— 1,31 Prozent, für Gefreite und Gemeine 72— 0,02 Prozent. Gegenüber diesen Höchstzahlen ist also eine Abnahme zu konstatieren. Wenn man diese Zahlen einer Krankheit zu Grunde legte, so würde »nai» wohl kaum von einer Epidemie oder Endemie reden können. Gcinißhniidclt sind 1239 Man» oder ein Prozentsatz für die preußische Armee von 0,32. Auch dieser Prozentsatz ivürde als Grundlage für eine Krankheit keine Bedenke» erregen. Nun wird man sagen, die Zahlen sind ja unrichtig, sie geben kcu» richtiges Bild, da eine weitere große Zahl Mißhandlungen vorgekommen ist, aber nncntdcckt geblieben ist. Ich kau» natürlich nicht das Gegenteil be- Haupte». Ich möchte nur betonen, daß 08 Proz. der Fälle durch Meldung und nur 32 Proz. auf andre Weise zur Kognition der Behörden gekon»i»cn sind. Man kann also nicht sagen, daß das Beschwerderecht nicht funktioniert hat. Mir ist nur der eine Fall des Hauptmanns v. Holstein bekannt, in dem auf eine Beschwerde nicht eingegangen worden ist. Ich habe selbstverständlich nicht die Absicht, irgend etwas entschuldigen zu wollen. Wären auch nur hundert Mißhandlungsfälle vorgekommen, es wäre» um hundert zu viel.(Sehr ivahr!) Herr Schädler sagte mit Recht: daS Herz krampfe sich zusammen, wenn man von diesen Mißhandlungen liest. Ja, Sie empfinden das Meilschlichc und Sie haben in Ihrer Hinneigung zur Armee auch das richtige Gefühl, daß diese Dinge abgeschafft werden müssen.> Wir aber empfinden noch etwas andres. Wir empfinden militärisch den schweren Schaden, der uns aus den Mißhandlungen erwächst. Manche Mißhandlnugsfälle zeugen von einer Brutalität, mit einer gr- wisse« Wollust geht der Unteroffizier darauf los, geradezu Qualcu zu erfinden, um den Mann zu schipden— es ist das Schauderhafteste, was man sich denken kam».(Sehr richtig! bei den Socialdemo- kraten.) Und ich stehe nicht an zu erklären, wenn das längere Zeit in einer Compagnie vorkommt, so muß unter alle» Umständen der Vorgesetzte davon wissen.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Mir ist es unbegreiflich und unfaßlich, daß ein Vorgesetzter derartige Fälle nicht klar erkennen kann.(Sehr richtig! bei den Social- demokraten.) Entweder hat er seine Unteroffiziere in falschem Geiste erzogen oder er ist kein Menschenkenner. Ich bin überzeugt, daß wir diese Mißhandlungen aus der Armee hcrausbckomincn werden und daß wir sie herausbekommen müssen.(Bravo!) An keiner Stelle wird das tiefer empfunden und als durchaus notwendig anerkannt, als bei Seiner Majestät dem Kaiser selbst, der genügend Gelegenheit ge- nommen hat, seinen ernsten Willen nach dieser Richtung hin auSzu- sprechen. Freilich daS hier und da mal ein Schlag fällt, daß in menschlicher Erregung ein Unteroffizier einen Man» schlägt, stößt, haut — solange es Mensche» gicbt— lind es brauche» nicht mal Cnftofen zu fem— werde» Sic daZ nicht aus der Welt schaffe». Aber das wird auch als Niiszhmidhmg verurteilt, es kommt als Mißhandlung infolge des öffentlichen Gerichtsverfahrens in alle Zeitungen und das geht nun lawinenartig weiter: in der deutschen Armee ist wieder gemißhandelt Sie werden mir nicht vorwerfen können, daß ich nicht in der allerschärfften Weise über diese brutale Art von Mißhandlungen ohne Entschuldigung den Stab gebrochen habe, aber für d i e s e?l r t von Mißhandlungen habe ich freilich eine E n t s ch u l d i g ri n g. Ich bin neulich während des Metallarbeiterstreiks in einem Laden gewesen und hörte, wie ein Arbeiter zun, Geschäftsinhaber sagte:„Geben Sie mir doch Arbeit, aber eine kleine, daß ich sie unter dem Rock verstecken kann, denn wenn sie sehe», dnsi ich arbeite, dann giebt's Senge."(Lachen bei den Soeialdemolrateiv) Wenn ich einmal eine Statistik aufuehmen wollte über die Schläge, die es giebt auf den Wertstätteu, in den Fabriken(Große Unruhe und lebhafter Widerspruch bei den Soeialdemokratenh, dann würden wir glänzend dastehen; aber eine derartige Statistik kann leider nicht aufgenommen werden. Die soeialdemokratische Presse hat sich kolossal darüber aufgeregt, daß ein sonst über militärische Verhältnisse ziemlich absprechender Herr, F r e i h e r r v. G u h l e n, nachgewiesen hak, daß vielfach durch passiven Widerstand diese Mißhandlungen geradezu herbeigeführt wurde». Die soeialdemokratische Presse erklärte: welch' ein Unsinn, das fällt den Leuten ja gar nicht ein, die Disciplinar- M a ch t m i t t e l bei», Militär sind ja so furchtbar groß, daß so ein un- glücklicher Mensch sich den schwierigsten Situationen aussetzt. Trotz- dem aber ist es wahr. Vielleicht nicht der, der den passiven W i d e r st a n d mit großer G e s ch i ck l i ch k e i t u n d g e i st iger U e b e r l e g e n h e i t leistet, bekommt die Mißhandlung, aber er ist eS, der den Unteroffizier so reizt, daß er schließlich zu dem Schwächling greift �»nd an dem sich ansläßt. Da mögen Sie sagen was Sie wollen, das kommt vor und das ist nicht �von heute, sondern das ist schon zwanzig Jahre alt. Schon damals hat der Feldmarschall Graf Akoltke von bösen und guten Soldaten gesprochen, und auch Graf Balleftrem sagte seiner Zeit aus seiner Erfahrung heraus: Ja. wenn da einer so kommt, aus einer großen Stadt, so ein böser Mann, dann grault einem. Auch unsre Unteroffiziere sind nicht b e s s e r g e w o r d e n seit damals, weil sie jünger sind, nicht die Erfahrung haben/ weil sie nicht so durchgebildete Soldaten sind und die Leistungen so viel größere geworden sind durch all die Anforderungen, die heute an die Ausbildung gestellt werden. Sie finden infolgedessen in unserm Etat eine Position, durch welche die Compagnien von Abgaben von Unteroffizieren zu Schreib- zwecken usw. entlastet werden sollen. Ich hoffe, meine Herren, daß sie darauf eingehen, und bei näherer Ausführung wird auch der Herr Abg. Sattler sehen, daß eS sich nicht nur um den Schreibdienst haktdelt, sondern bei der g r ö ß e r e n A u s w a h l V o n U n t e r- vffizieren wird der Compagniechef sehen, welche er heraus- nehmen kann für die A n s b i l d u u g der j u n g e n Mann- s ch a f t. Ich bin sehr dankbar für die gestrigen Anregungen des Herrn Grasen Stolberg, die Stellung der Unteroffiziere zu ver- bessern; wir werden ihnen gern Folge geben und hoffen, dadurch Zustände aus der Welt zu schaffen, die die Armee in häßlicher Weise belasten. Meine Herren, es wird innner so gethan, als ob die Armee ein Ding für sich sei, als ob wir ein Prätorianerheer hätten. Meine Herren, wir sind das Volk in Waffen, wir schöpfen unsere straft aus dem Volke, wir gehören eins zum andern, wir sind ans einander angewiesen, Volk und Armee. Davon sollten wir durch- drungen sein und daran sollten wir gemeinsam arbeiten. Der Herr Reichskanzler hat gestern ausgeführt, wir wollen die öffentliche Kritik, und ich kann ihm nur voll beistimmen. Eine Institution, die so hineingreift in das Volksleben, für die vom Volk an Blut und Geld soviel gefordert wird, muß dem Volke so nahe stehen, daß eS thatsächlich genau Auskunft über alles verlangen kann, lvaS in der Armee vorgeht. Aber, ineine Herren, es kommt auf die Kritik an und ich möchte alle die, die die Armee erhalten wollen, bitten, daß die Kritik nicht überhand nimmt und unserm Volke die Freude am Soldatentum nicht geraubt wird.(Lebhaftes Bravo!) Meine Herren! Ich glaube, eS ist ein gewaltiger Unterschied, ob ein Mann entlassen Ivird mit der Instruktion: Gehe hin und folge der Fahne, die deinen Vätern vorangetragen ist bei so viel Schlachten, tritt ei» in das Regiment, das unter so viel Königen siegreich gefochten hat, als wenn eS heißt:„Dil kommst unter die Soldatenschinder; sieh' zu, daß du deine zwei Jahre abreißt. Alles, was du thust. ist unnütz; aber nun halten dich die Sklavenketten." Wir aber müssen freudige Soldaten haben. Wir verlangen von ihnen das erste an Intelligenz und Hingebung. Wir müssen verlange», daß er sein Leben einsetzt, nicht nur unter der Aufsicht der Offiziere, sondern allein, wenn seine Offiziere ihm vorangegangen, gefallen sind. Kein Reglement der Welt drückt das so schön aus wie dieses: Wenn die Führer gefallen sind, mag der Soldat auf die Tapferen sehen, die immer vorhanden sind und ihnen folgen. Erhalten ivir uns die Tapferen, und lassen wir ihnen die Freude am Dienst nicht verderben.(Bravo!) Was aber wird alles geschrieben, was alles gezeichnet über de» Offizier. Der Offizier soll in kritischer Zeit, wenn es sich handelt um Sieg oder Niederlage, Führer seiner Mannschaft sei». Dazu braucht er Autorität. Nehmen Sie ihm diese Autorität nicht, meine Herren! Es kann die Zeit wiederkommen, wo der Ruf nach dem preußischen Lieutenant losgeht; den Ruf wird er verstehen, das kann ich Ihnen sagen, aber ob er, wenn eS so weiter geht, noch die Autorität haben ivird über seine Leute, das ist die Frage. Die Armee arbeitet fleißig, mit Hingebung und Treue und wir werden uns noch bei andrer Gelegenheit darüber zu verbreiten haben. Ich habe nur noch auf einige speeielle Punkte in den Reden der Abgg. Bebel und S ch ä d l e r zu antworten. Herr Bebel hat seinein Unmut gegen Rußland den beredtesten Ausdruck gegeben. Er hat die unglücklichen Zustände geschildert, die im Innern des russischen Reiches walten sollen und hat sich zum Anwalt der Gegner dieser Zustände gemacht. Man sollte meinen, wenn der Führer einer so großen Partei eine derartige Rede hält, sollte er sich der politischen Konsequenzen dieser Rede bewußt sein. Wenn eine derartige Rede in Frankreich gehalten wird, dann würde man wohl sagen; Krieg in Sicht!(Sehr richtig!) Oder würde sie im japanischen Parlament gehalten. so würde es heißen: Die platzen nächstens aneinander. Herr Bebel muß sich entweder einen sehr geringen Einfluß in der auswärtigen Politik zumessen oder er muß ein ungeheures Vertrauen auf das Heer setzen, das schließlich alles auszufechten hat. Er hat gesagt, wir hätten die iniserabelsten Waffen, lvir hätten ein vollständig minder- wertiges, kriegsunbrauchbares Geschütz, und es sei unglaublich, daß es die Militärverwaltung 1896 habe anschaffen können, als das Rohrrücklaufgeschütz bereits vollständig fertig da war. Wie lag aber die Sache? Das Rohrriicklanfgeschütz war nicht fertig; vielleicht aber war es 1896 schon da.— wie ja auch Napoleon I. der Hinterlader vorgestellt sein soll,— uns aber war es nicht einmal vorgestellt. Das erste Rohr- rücklaufgeschütz war von Ehrhardt konstruiert und wurde im Jahre 1897 der Artillerie-Prüftnigskommission gezeigt. Dort wurde es bezeichnet als ein interessanter Versuch. Seiner Konstruktion nach aber war eS ein vollständig unbrauchbares Ge- schütz. Es war die Spielerei eines genialen Ingenieurs. 1896 handelte es sich darum, ob eine neue Auflage des Modells 73 her- gestellt oder ein neues Geschütz eingeführt werden sollte. Die Ent- scheidung fiel in letzterer Richtung und zwar deshalb, weil das Ge- schütz 73 konstruiert war für"das schwarze Pulver und nicht sür das neue rauchlose Pulver. Das Modell 1896, das gewählt wurde, zeichnete sich aus durch seine besseren Richtmaschinen, seine leichtere Ladnngsfähigkeit und durch die Möglichkeit es festzustellen. Seit 1906 wird emsig am Rohrriicklaufgeschütz ge- arbeitet. Tie Ergebnisse aber waren in diesem Jahre noch so un- vollständig, daß die schweizerische Prüfungskommission im Jahre 1961 dein Bundesrat empfahl, kein Rohrrücklaufgeschütz einzuführen, sondern ein Federsporngeschütz, also fünf Jahre später war das Rohrrücklaufgeschütz noch nicht fertig. Erst der Umstand, daß andre Fabriken durch diesen Beschluß der Kommission darauf aufmerksam gemacht, Krupp glaubten schlagen zu können, führte dazu, daß der Beschluß rückgängig gemacht wurde. und in eine erneute Prüfung der Frage in der Schweiz eingetreten lvnrde. Diese Prüfung endete mit dem glänzenden Siege Krupps. Wenn ich vor die Wahl gestellt würde, jetzt das französische Rohr- rücklaufs- Geschütz oder das preußische Modell 96 zu nehmen, ich nähme letzteres. Ich will ja nichts über das französische Geschütz sagen, aber es hat zwei Mängel: Es ist schwer und so kompliziert, daß bei jeder Batterie Mechaniker bereit gehalten werden müssen, um die Schäden auszubessern. Als bei einem der letzten französischen Manöver ein französischer Artilleriegeneral gefragt wurde, warum er denn nicht den Grundsatz verfolge, mit der Artillerie dem weichenden Gegner zu folgen, um ihm Abbruch zu thun, erwiderteer:„Ach, ich bin bereits 1ö Kilometer marschiert und komme mit meinen Geschützen nicht durch".(Hört I hört!) Mit unsren Geschützen aber komme ich hin. wo ich nur hin will. Wenn wir auch schließlich zum Rohrrücklaufgeschütz kommen müssen aus andren Gründen, worüber wir uns noch unterhalten werden, so muß ich doch sagen, unser jetziges Geschütz ist durch- aus kriegstüchtig. Herr Bebel hat weiter behauptet, unsre Gewehre vom Jahre 1898 müssen schon wieder ersetzt lverden. M i r i st davon nichts bekannt.(Heiterkeit.) Gewiß arbeitet die Technik weiter und sucht Selbstlader,«elbstspanner herzustellen. Solche Selbstspanner sind für Jagdgewehre bereits erfunden, aber alle diese Selbstspanner sind so vollständig kriegsunbrauchbar, sind schwer, daß man mir gesagt hat, eS ist gar kein Gedanke daran, daß in absehbarer Zeit sie als Militärgewehr zur Einführung gelangen können. Herr Sattier hat gefragt, wie es mit dem Quinquennat stehe. Als ich die Geschäfte des Kriegsministers übernahm, fand ich im Ministerium den Entwurf für ein Ouinquennnt-Gesetz vor. Dieser Entwurf aber hatte weder dem Reichskanzler vorgelegen zu ein- gehender Begutachtung, noch Ivaren die hohen Behörden des Heeres, die doch auch dabei mitzusprechen haben, wie der Chef des General- stabes, über diesen Entivurf gehört worden. Er hatte auch die Billigung Er. Majestät noch nicht erhalten. Run wäre eS gewiß ein Leichtes für mich gewesen, diesen Entwurf zu nehmen und ihn zu ändern da, Ivo er mir nicht gepaßt hätte. Aber ich war mir voll- kommen klar darüber, daß bei unsrer ganzen Finanzlage, wenn etwas für die Armee geschehen sollte, nur das, lvas wirklich notwendig ist, was eine Lücke in der Organisation ausfüllt und dem Zwecke dient, die Friedensorganisation aufs leichteste in die Kriegsorganisation zu verwandeln, dem hohen Hause vorgelegt werden könnte. Aus der andren Seite erwog ich, daß das Gefüge des Heeres gegenwärtig ein so festes ist, daß ich mit diesen Dingen ruhig noch ein Jahr warten kann. Ich betrachtete es auch als eine Ehrenschuld der Regierung, das längst angekündigte und vom Reichs- tage geforderte V e r s o r g u n g s g e j e tz vorzulegen. Auch dieses Gesetz mußte fertiggestellt und die Billigung des preußischen Staats- Ministeriums eingeholt werden. Ich habe mich geftagt, was das wichtigere Gesetz sei. das Quinquennat oder das Versorgungsgesetz, das auch eine erheblickie moralische Kräftigung der Armee bedeutet. Ich habe mich für das Versorgungsgesetz entschieden. AuS diesem Grunde wird Ihnen dieses Gesetz vorgelegt und das andre zurück- gehalten. Ich bin aber der Ansicht, daß ein Quinquennat an einer jüngeren BertragSfrist zwischen Regierung und Reichstag festgehalten werden muß und zwar im Interesse beider Teile.(Bravo! rechts.) Abg. Richter(frs. Vp.): Ueber F o r b a ch und die Soldatenmißhandlungen hat der Herr Kriegsminister manches Treffende gesagt, dem auch wir zustimmen können. Beim Milirär-Etat wird näher darauf einzugehen sein, hier beschränke ich mich ans ein paar Randbemerkungen. Vorweg will ich schicken, daß auch ich die Vorgänge in Forbach keineswegs für die Armee für typisch halte. Der Herr Kriegsminister hat nnt Recht dem Kommandeur des Train-Bataillons einen großen Teil der Ver- antwortung für diese Zustände zugeschrieben. Aber man muß doch fragen,>v i e war c s möglich, daß die höheren Kommandeure, die als Inspizienten erschienen, die Inspekteure des Trains, von den Zuständen im Bataillon wenig oder gar keine Kenntnis hatten? (Sehr richtig 1 links.) Ich stimme dem Herrn Kriegsminister auch darin bei. daß an der kleinen Garnison, an der kleinen Stadt die Ursache nicht liegen kann. ES giebt viele kleine Städte, in denen die Zahl der Justizbeamten, die Zahl der Beamten überhaupt nicht größer ist, als die Zahl der Offiziere des Trainbataillons. Trotz- dem habe ich nicht wahrgenommen, daß sie demoralisierend gewirkt hätten auf die Beamten.(Sehr wahr! links.) Ein Unterschied ist allerdings vorhanden. Diese Beamten leben nicht so abgeschlossen von andern Kreisen, als es bei den Offizieren der Fall ist.(Sehr richtig! links.) Die Offiziere sind nicht nur in Sachen des Berufs, sondern überhaupt durch die Militärkafinos aus einen sehr engen Verkehrskreis angewiesen. Wenn diese Einrichtung aber so ver- allgemeinert wird, daß auch für eine kleine Truppe ein Kasino ge- schaffen wird, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, daß die Abgeschlossenheit verödend wirkt. Der kommandierende General v. d. Goltz, der weit in der Welt umhergekommen ist, hat darauf hingewiesen, wie sehr die Kasinos den Luxus in der Armee fördern durch die Ueberzahl der Liebesmahle. Früher waren des Kaisers und des Königs Geburtstag die ein- zigen Festlichkeiten, die Ausstattung des Kasinos war viel lveniger luxuriös und der General plaidiert dafür, daß die teuren Genuß- mittel überhaupt aus den Kasinos verschwinden möchten, damit die billigeren nicht als minderwertig erscheinen. Man wird daran er- innert, wenn man hör», wie der Kommandeur in Forbach die Sekt- bowlen angesetzt hat.(Heiterkeit.) Der Kriegsminister sagte, man sei vielleicht schon zu weit gegangen in der Zulassung der Kreise zum Offiziersersah.(Mit erhobener Stimme fortfahrend): Diese Bemerkung von den_ Kreisen hat mich sehr befremdet. (Sehr richtig! links.) Sie mögen so streng sein, wie sie wollen, in den individuellen Anforderungen an die Offiziersaspiranten. Aber worüber wir klagen, ist, daß beim Offiziersersatz nicht so sehr die individuelle Befähigung, als vielmehr der Beruf der Eltern, die Abstammung, die Religion, ja die politische Richtung der Angehörigen ausschlaggebend für die Annahme oder Nichtannahme.(Lebhaftes Sehr richtig I links.) Dadurch verringert sich der Kreis sür den Offiziersersatz und das nötigt Sie, zu minder- wertigen Elementen greifen zu müssen.(Sehr richtig! links.) Der Kriegsminister meinte, Mißhandlungen kämen auch in andren Kreisen vor. Gewiß, es ist aber doch ein großer Unter- schied dabei. Die in andern Kreisen Gemißhandelten sind ganz anders in der Lage sich zu wehren, während sofort die Kriegsartikel in Anwendung kommen, wenn ein Soldat es wagt, die Miene zu verziehen gegen seinen Peiniger.(Lebbaftes Sehr richtig! links.) Auch ich war empört als ich von den 1261) Mißhandlungen las, die ein einziger Unteroffizier verübt hat. Nach dazu in einer Garde- Eoinpagnie! Die Garde hat einen besonders guten Rekrutenersatz und auch die Elite des Unteroffizierersatzes. Wenn solche Dinge bei der Garde passieren, auf der sehr häustg die Blicke der höchsten Instanzen ruhen, was mag dann erst bei der Linie möglich sein, die auf jeden Rekrutenersatz angewiesen ist. der sich bietet. Ich bin überzeugt, daß die höheren«stellen bemüht sind, die Mißhandlungen abzustellen. Man hat ja schon Vorschläge gemacht zur Abstellung, unter andrem eine Aenderung der Kasernenordnung vorgeschlagen. Ich meine, man müßte vor allem die Frage der Vorbild ilng der Offiziere und Unteroffiziere aufwerfen. Wir haben uns stets gegen die Kadettenhäuser und Unteroffizier- schulen gewendet und sind der Ansicht, daß die jungen Leute, die getrennt von allem bürgerlichen Element erzogen werden, nicht das richtige Verständnis für die Behandlung der aus bürgerlichen Bernsen kommenden Soldaten haben. Man muß wissen, aus welchen Berufs- klassen die MißHändler stammen, welche Vorbildung sie haben, ob eS Kapitulanten sind oder Unteroffiziersschüler.(Sehr richtig! links.) Mit Recht hat der Kriegsminister die Vorgesetzten in erster Reihe für die Mißhandlungen vermitwortlich gemacht. Die Prozesse der letzten Tage beweisen ja die Richtigkeit dieser Ansicht. Ich wiederhole, man muß die Vorbildung berücksichtigen und hier nach Zusammenhängen suchen. Wir wünschen, daß auch bei zweijähriger Dienstzeit das höchste Ausbildungsniveau erreicht ivird. Warum führt man die zwei» jährige Dienstzeit nicht gesetzlich ein? Warum immer noch daS Kommissarium? Die Oeffentlichkeit des Verfahrens begrüßen wir als Fortschritt, sie hat uns erwünschte Klarheit geschaffen und ich will anerkennen, daß die Regierung sich auch jetzt viel weniger vor der Oeffentlichkeit scheut als früher.(Sehr richtig I) Was die Vermehrung des Materials, der Geschütze, anlangt, so kann ich hier in der Kritik des Herrn Bebel nicht ein- st i m m e n. Ich glaube nicht, daß die Regierung hätte anders handeln köunen, als sie in Bezug auf die Gewehre und Geschütze gehandelt hat. Gewiß sind diese Neuanschaffungen außerordentlich kostspielig und finanziell geradezu— ich will nicht sagen ruinös, aber doch in hohem Maße bedrohlich. Der Fortschritt in den Erfindungen aber ist es, der das so verteuert und immer zu neuen Geschützen drängt, ein Fortschritt, wie er niemals sich in so rascher Weise vollzogen hat. Keine Positton ist mir unangenehmer ausgefallen, als diejenige, die verlangt, daß die Summe zu Versuchen aus dem Gebiete des Artilleriewesens von l'/q auf 3 Millionen erhöht wird. Aber wir können dem Heere die beste Waffe nicht versagen. Wenn aber so die Vervollkommnung des Materials in den Vordergrund tritt, so muß man bei der Verstärkung des Personals um so zurückhaltender bleiben.(Sehr richtig! links). Zu einer erheblichen Präseiizverstärkung liegt nach den Bek- Hältnissen in Frankreich und Rußland nicht der geringste Anlaß vor. Von dem Herrn Kollegen Sattler unterscheide ich mich darin grundsätzlich, daß ich es bedaure, daß man nicht längst wieder zur einjährigen Be- willigung der Friedenspräsenz übergegangen ist. Es war ein großer Irrtum des Kriegsministers v. Roon, als er die mehrjährige Be- willigung einführte. Die jährliche Festsetzung der Präsenz liegt ebenso im Interesse der Militärverwaltung selbst, wie auch im Interesse des Parlaments.(Sehr richtig I links.) Herr v. Goßler bemerkte sehr richtig 1898 bei Einführung des Quin- quennats: Die politischen Verhältnisse sind nicht mehr derart. daß wir genötigt wären, mit großen Verstärkungen auf einmal vorzugehen. Es ist dann die staffelweise Erhöhung eingeführt. Aber auch diese staffelweise Festsetzung hat nicht in der Weise befolgt werden können, lvie es beabsichtigt wurde. Man hat neue Formationen schaffen müssen innerhalb des QuinquennatS, die nicht vorgesehen waren bei der Festsetzung desselben. Man hat diese neuen Formationen geschaffen offen gesagt gegen das Gesetz, indem man sie in künstlicherweise vorhandenen Truppenteilen aggregierte. Also im Interesse der Militärverwaltung selbst liegt die jährliche Festsetzung. Je mehr sich Anforderungen auf Er- höhung des Etats zusammendrängen, desto stärker� muß der parlamentarische Widerstand werden. Bei einjährigen Festsetzungen würde viel mehr bewilligt werden. Also ich kann der Regierung keinen Vorwurf daraus machen, daß sie das Quinquennat nur auf ein Jahr verlängert. Was nun das eigentliche Thema der ersten Etatsberatung an- langt, so ist uns ja der neue Herr Reichs-Schatzsekretär nicht so unbekannt als sein Vorgänger uns war. als er plötzlich aus Amerika in das ReichS-Schatzamt kam.(Heiterkeit.) So plötzlich� wie Herr Freiherr v. Thielmann gekommen ist, ist er wieder verschwunden. (Heiterkeit.) DaS ist ja das Los der Minister, wenigstens an der Spree: Sie sind wie die Blumen ans dem Felde; wenn der Wind aus der Höhe über sie kommt, verschwinden sie, und ihre Stätte kennt man nicht.(Große Heiterkeit.) Will man sich die Wirkung der neuen Finanzvorlage vergegenwärtigen, so muß man daran fest- halten, daß, wenn diese Vorlage am 1. April in Kraft tritt, unser ganzer Etat eine andre Gestalt erhält. Der Etat beruht jetzt auf 24 Millionen Matrikularbeittägen und 226 Millionen Anleihe. Wenn dagegen diese lex Stengel, wie ich sie kurz nennen will— der Titel der Vorlage ist etwas lang—(Heiterkeit) Gesetz würde, so würde der Bettag der ungedeckten Mntrikularbeiträge Lffz Millionen be- trage» und der Anleihededars sich um 31 Millionen steigern. Noch mehr: wenn das Jahr 1964 einen lleberschuß ergeben sollte, auch nur von 2>/z Millionen, so muß 1005 dieser Betrag von 2 st Millionen ungedeckter'Matrikularbeiträge an die Einzelslaaten zurückgezahlt werden. Wo bleibt denn da daS Recht der Bewilligung ungedeckter Matrikularbeiträge? Wenn daS Gesetz würde, Herr Miquel im Himmel müßte seine Freude haben(Große Heiterkeit), daß seinem Jünger so etwas mög- sich ist. Die Frage der Ueberweisungen ist eine sekundäre, sie hängt ab von der Hauptfrage, wie man sich zur Frage der Bewilligung ungedeckter Matrikularbeiträge stellt. Ich halte ungedeckte Matrikular- beitrüge in erheblichem Ilmfange für einen notwendigen Faktor des Haushalts-Etats, so lange keine direkten Steuern eingeführt werden. Der grundsätzliche Unterschied zwischen uns und dem Herrn Reichs-Schatzsekretär besteht darin, daß Herr v. Stengel überhaupt nichts von dem konstitutionellen Bewilligungs- recht des Reichstags hält; das ging aus einer Bemerkung hervor. die vielleicht unabsichtlich dem Gehege seiner Zähne entfloh:„Und das alles nur, um dem Reichstag ein konstitutionelles Recht zu wahren I" DaS„nur" wurde scharf betont, als ob das eine Kleinig- keit wäre. Der Herr ReichS-SchatzsekretSr sagte, die Verfassung gehe von dem Grundsatz auS, daß die Matrikularbeiträge nur im äußersten Notfall zu erheben seien. Durchans nicht. Der Entwurf der Verfassung, den B i S m a r ck dem konstitutionierenden Reichstag vor- legte, wollte sogar das an Älatrikularbeittäge» aufbringe», was jetzt durch Anleihen aufgebracht wird. Denn er enthielt gar keinen Artikel, der dem Norddeutschen Bund die Möglichkeit gab. Anleiben aufzunehmen. Dieser Paragraph ist erst im Reichstag von liberaler Seite in den Entwurf hineingekommen. Wir wollten dieMattikularbeiträge solange behalten, wie nicht direkte Steuern im Reich eingeführt wurden. Herr v. Stengel hat sich mit einem gewissen Pathos auf den Frei- Herrn v. Franckenstein berufen, der Freiherr v. Franckenstein war ja ein sehr angesehener und kenntnisreicher Mann, aber diese Klausel ist Windthorst zu danken. Was hat ihn dazu bewogen? Fürst Bis- marck suchte das Reich so zu fundieren, daß es aus seinen Zöllen und andren indirekten Steuern seine Bedürfnisse für die Gegenwart und absehbare Zukunft befriedigen könnte. Bon einem Bewilligungsrecht deS Reichstags konnte da gar nicht die Rede sein; aber Windthorst sorgte dafür, daß dem Reiche seine Einkünfte erst im Wege des Ber- waltuugsstreitverfahreiis der Matrikularbeiträge zukamen.(Heiterkeit.) Das war die Absicht.— Was die Schuldentilgung anbetrifft, so könnte ich dem Herrn Reichs- Schatzsettetär zustimmen. wenn er nicht mit seinem neuen Antrag zugleich die lax Müller- Fulda beseitigen wollte. Diese scheint mir sür die nächste Zeit viel mehr Handhaben für die Schuldentilgung zu bieten.— Unsre ganzen Finanz- Verhältnisse sind deswegen so undurchsichtig, weil die 566 Millionen Zölle eine unsichere Einnahme sind und weil das Erwerbsleben sich ivieder auf aussteigender Basis zu bewegen scheint. Nun hat der Herr Reichs-Schatzsekretär gesagt, es sei ein Grundrecht des Deutschen. einen klaren Etat zu haben. Ich gehe nicht so weit in Bezug auf die Grundrechte des Deutschen.(Große Heiterkeit.) Und was den Etat anbetrifft, so hat ihn jeder neue Schaysekretär unklarer gemacht als sein Vorgänger(Stürmische Heiterkeit); ich habe das beobachtet seit der Zeit von Delbrück. Die lex Stengel ändert aber daran gar nichts. An zwei Punkren werden die Ziffern kleiner, in den Ueber- Weisungen und Matrikularbeiträge», sonst bleibt die Unklarheit wie 'ie ist. Ein Jahr bleibt mit dem andern verquickt; Zuschüsse und Vorschüsse gehen durcheinander. Schließlich hat man die Brutto- Einnahme der Eisenbahnen in dieselbe Reihe mit den übrigen Ein- nahmen gestellt. Und an einem Punkt würde der Etat durch die lex Stengel noch unklar-er durch die Zusammen- w e r f u n g von ungedeckten Matrikularbeiträgen und Ueberschüssen des vergangenen Jahres. Klarer aber könnte der Etat wirklich werden, denn auch ich, der ich doch seit 33 Jahren Speeialist auf diesem Gebiete bin, muß mich vor jeder neuen Session einarbeiten, um überhaupt den Etat zu verstehen. Klarheit wäre vor allem in der Richtung wünschenswert, daß die Speeialvorlagen wie Militärpensionsgesetz. Servisgesetz usw. in klare Beziehung zum Etat gebracht werden. Neuerdings giebt man sogar statt erster Raten die Forderung von ein paar Tausend Mark für Projettberatung, und wenn der Reichstag sich auf diese einläßt, wachsen plötzlich Millionen und aber Millionen heraus. Ich bedaure, daß nicht längst die Forderung erfüllt ist, mit dem Etat jährlich eine Uebersicht vorzulegen dessen, lvaS ans dem Etat, aus einmaligen Forderungen an dauernden, aus ersten Raten an zweiten folgt.(Zehr richtig!) Vom Militär-Etat will ich nur auf die Gehaltserhöhung für die Oberstlientenants eingehen. Der Reichstag hat sie im vorigen Jahre abgelehnt, weil er die Finanzlage nicht für angemessen hielt und weil solche Gehaltserhöhung für alle Beamten notwendig gewesen Iväre. Es kommt dazu, dast die Gehalts- erhöhung eine ganz beträchtliche ist, daß höhere Servis- und Wohnungsgelder im Betrage von 448 Mark pro Kopf hinzukommen. Man sagt, die Obcrstlieutenauts seien geeignet, Regimentskommandeure zu werden, aber nicht alle werden es. Viele sind an der Majorsccke gescheitert und werden nur noch als Oberstlientenants ohne Regimentskommando weitergeschleppt. Der Pensionsfonds würde also durch diese Gehaltserhöhung noch viel mehr belastet werden als es den Anschein hat. Neberhaupt mutz man sich klar machen, daß man die Pensionsverhältnisse beim Militär nicht günstiger gestalten kann als die der Reichsbeamtcn und überhaupt der ganzen preußischen Beamten. Die Beamten werden pensioniert, wen» sie erwerbsunfähig sind, die Offiziere, wenn sie die Felddienstfähigkeit nicht mehr haben. Fclddienstunföhig aber wird man heutzutage schon durch einen blauen Brief. Es wird gefragt werden müssen, ob die dadurch hervorgerufene, ungeheure Belastung in diesem Umfange beibehalten werden kann.— In die Verwaltung des Reichs-Fnvalidenfonds, der durch das Reichs- Schatz- amt wesentlich entlastet worden ist, muß viel mehr Ordnung gebracht toerden. In den verschiedenen Landestcilen wird die Rente nach ganz verschiedenen Grundsätzen bewilligt. Neuerdings greifen sogar Partcibcvorzugungcn Platz. Dcni Reichs- Schatzamt müssen Mittel an die Hand gegeben werden, da einzugreifen. Die Veteranen sind früher von den Kreisen aus Grund weit genauerer Kenntnis versorgt worden; seit die Mittel des Reichs- Jnvalidenfonds da zur Versiigung stehen, thun es die engeren poli- tischen Verbände nicht mehr.— Gegen die Wehrstcucr sind wir un- bedingt, weil das Dienen nicht mit Geld zu vergleichen ist und weil die Familien belastet würden, bei denen die Eltern die Ausgaben für ihre Söhne aufbringen. Es Ivürde eine Steuer auf minder- bemittelte Schichten sein. Der Ertrag würde in keinem Verhältnis zu den Kosten stehen. Auch das ServiSgesetz hat einigermaßen Eile. Da bringt die Neuaufstellung der Ortsklassen bedeutende Ungerech- leiten und Mietssteigenmgen mit sich, wie tvir 1872 erfahren haben. Ich wundere mich, daß noch kein Redner die 14 Millionen für daS ostasiatischc Besahungskorps getadelt und unerträglich gefunden hat; im Vorjahre hat die Budgct-Kommission kl Millionen Mark ab- gestrichen, sie sind trotzdem ausgegeben worden.„Es sei keine Ver- ringcrung möglich gewesen, weil polirische Verwicklungen eintraten", sagt lakonisch die Denkschrift. Aber heut sind die Truppen trotz der Peiho-Regulicrung noch nicht aus Tientsin zurückgezogen. 5 Millionen tostet die Flottenstation in Ostasien. Ja, ist es denn nötig, daß dort u. a. drei große Kreuzer stationiert sind? Wenn es einen Punft der Welt giebt, wo wir nichts zu suchen haben, so ist es die Mandschurei, sagt der Herr Reichskanzler; aber warum dann diese ganze Flottenstatton? (Sehr gut! bei den Freisinnigen.) Schon wieder wird von den Interessenten— ich weiß nicht, ob in Uebereinstimmnng mit amt- lichen Kreisen— die Nachricht von grosie» neuen Flottenvorlagcn für das nächste Jahr verbreitet. Dabei ist der Schutz unsrer Marine prompter zur Stelle als der andrer Mächte. Die deutschen Kailsleute im Auslande haben viel weniger über Belästigungen dort zu klagen, als die Kaufleute in der Heimat über die Belästigungen durch die Agrarier.(Sehr richtig I links.) Es ist wahr, Kiautschou kostet uns jetzt schon(50 Millionen. Die Entwicklung ist aber recht zurückgeblieben. Die Schwimmdocks und die Elektricitätswerke sind nicht, wie erwartet wurde, von privater Seite, sondern von der Regierung gebaut worden. Der Wert der dortigen Kohlen scheint ein recht zweifelhafter zu sein, wie ans den sehr zurückhaltenden Aeußerungen des Direktors der Schantung-Eisenbahn hervorgeht.— Unsxe schwarzen Bundesbrüder haben sich bisher auch nicht dankbar für die Kulturaufgabcn, die wir geleistet haben, erwiesen. Das zeigt in Südwest-Aftila der Auf- stand der Bondelzwarts.(Die Aussprache dieses Wortes durch den Redner weckt im Hause stürmische Heiterkeit.) Man kann wirklich diese Namen kaum aussprechen.(Erneute Heiterkeit.) Interessant war mir ein Aufsatz des früheren Gouverneurs, der einen gar langen Krieg mit diesen Stämmen prophezeit. Das kann unS also noch viel Geld kosten. Man höre aber, wofür wir dieses Geld nach der Aeußerung desselben Herrn ausgeben sollen: Für eine wasscrlosc trostlose 1000 Meter hochgelegene plattwcllige Stein- wüste mit aufgesetzten Kopjcn.(Hört! hört! links.) Die Eisen- bahnen sind höchst unrentabel und doch mutet man uns neue Ausgaben für Bahnbauten zu. In der letzten Tagung hat mir eine Rede dc-s Frhrn. v. Hertling sehr gut gefallen. Er sagte, so lange keine Diäten gewährt würden, werde es kein be- schlußsähiges Haus für die Bewilligung der Afrikabahn geben. (Heiterkeit.) Wenn das nur wahr wäre.(Erneute Heiterkeit.) Herr Schädler klagte ja auch über die Versagung der Diäten. Ziehen Sie sich also nur ans den Hertlingschen Standpunkt zurück. Redner bespricht nun den Rückgang der Einnahmen. Er befürwortet die geplante Herabsetzung der Stempelsteuer, die wirklich Eile habe, verbreitet sich über die Maischraumsteuer und die zu hohe Rückvergütung. Er bespricht die Brennsteuer und geht dann zur Brausteucr über. Bayern hat seine eigne Brausteuer. Es soll sie weiter haben. Aber das von Bayern an das Reich gezahlte Aversum entspricht nicht dem Umfang des in Bayern getrunkenen' Bieres. Während in Norddeutschland auf den Kopf 105 Liter Bier im Jahre kommen, trinkt in Bayern jeder 245 Liter, aber bezahlt werden nur ca. 100 Liter.(Heiterkeit.) Bei richtiger Zahlung des Avcrsums würde es von 4 Millionen auf 10 Millionen steigen. Das Reich hätte also mit einem Schlage 6 Millionen mehr. Was die Handelsverträge anlangt, so kommt, wenn jetzt darüber ae- redet wird und die Sache dann nicht so geht, wie man es gewünscht hat, der Reichskanzler und sagt: Ihr habt uns durch Eure Reden in unsren Verhandlungen gestört. Der Abg. Bebel hat ja gestern schon einen kleinen Vorgeschmack davon bekommen. Deshalb schweige ich lieber, denke mir mein Teil und werde reden, wenn uns die Verträge vorliegen. Bei der Frage der Matrikularbeiträge wird immer auf die u n- günstige Finanzlage der Einzel st aaten hingewiesen. Sie ist aber nur begründet in den schlechten Eisenbahn-Einnahmen der letzten Jahre, die sich aber jetzt wieder bessern. Speciell Bayern hat günstige Finanzen. Also stellen Sie sich, bitte, nicht armer, als Sie sind. Aber, sagt man, die armen Kleinstaaten in Thüringen. (Heiterkeit.) Geben Sie Ihnen doch die Nachlässe, die sie vom Nord- deutschen Bund ei hallen haben. Wenn sie eine Million erhalten, kann das ganze Dutzend sehr vergnügt sein.(Stürnnsche Heiterkeit.) Für einen Schatzsekretär, der wirklich reformieren will, bietet sich eine Fülle von Aufgaben. Ist das jetzige Reichsschatzamt aber überhaupt in der Lage, Reformen durchzuführen? Da hapert es. Das Reichsschatzamt ist heute wirklich nichts andres als eine Ober-Buchhalterci.(Heiterkeit.) Für das Reichsschatzamt ist nicht nur ein starker Mann nötig, sondern auch, daß es wirklich ein starkes Amt wird.(Sehr gut! links.) D. h. wir brauchen einen selbständigen Finanzminister in einem kollegialen Ministerium. Man sagt, dafür sei der Bundesrat da. Alle Achtung vor dem Bundesrat: aber in finanzpolitischen Dingen ist der Bundesrat doch nichts weiter als die Scbutztruppe der Einzel- staaten gegen die Erhöhung der Matrikularbeiträge. Wenn dem Reiche Geld fehlt, sind nur drei Mittel vorhanden: 1. Erhöhung der Matrikularbeiträge, 2. Anleihen, 3. neue Steuern. Die neue Vorlage des Reichs- Schatzsekretärs will die erste Geldquelle verstopfen und auch von der zweiten nichts wissen. Deshalb bleibt nach ihrer Einführung nur die Möglichkeit, durch neue Steuern Geld zu bcschnsicu, und ganz richtig ist daher der neue Rcichs-Schatzsckrctär als der Mimstcr für neue Stenern bezeichnet worden.(Sehr richtig! links.) Ich würde mich ja sehr freuen, wenn mir die Entwicklung unrecht gäbe, aber ich kann Sie nur warnen, auf den Boden dieser Vorlage zu treten, da sie nur zur Erhebung neuer Verbrauchssteuern führen wird.(Lebhafter Beifall bei den Freisinnigen.) Reichs-Schatzsekretär Frhr. v. Stengel (auf der Tribüne sehr schwer verständlich): Der Herr Vorredner hat der Verwaltung des Jnvalidensonds unrecht gethan; denn diese verfährt ganz gesetzlich. Nach dem Gesetz erfolgt die Verteilung der Gelder durch Ucberweisung in Pauschquanten an die Eiuzelstaaten. Ich will aber zugeben, daß der Herr Vorredner hier den Finger auf eine vorhandene Wunde gelegt hat, und ihm mitteilen, daß bereits Vorbereitungen zu einer Aenderung der Dinge im Gange sind, um eine gleichmäßige Verteilung der Gelder zu ermöglichen. Da der Etat und die Reichsfinauz-Vorlage ja der Budgetkommission überiviesen werden und dort noch Gelegenheit zur Aus- spräche vorhanden ist, wäre ich eigentlich der Mühe überhoben, nochmals die Tendenz dieser Vorlage klarzulegen. Ich muß aber doch etwas näher auf die Ausführungen des Herrn Richter eingehen. In Bezug auf die Matrikularbeiträge möchte ich das Hohe Haus dringend warnen, in seinen Beschlüssen über die Grenze hinauszugehen, die der Etatsentwurf für 1904 dafür gezogen hat, die Einzelstaaten können eine weitere Belastung nicht vertragen. Der Herr Vorredner hat auf die Börsensteuer hingewiesen. Ich mache darauf aufmerksam, daß bereits die Thronrede eine Novelle zum Stempel st ener-Gesetz ankündigt. Eine solche Vorlage wird, wie ich hoffe, ihnen nn Laufe des Januar zugehen. Im übrigen, meine ich, kann man die Reform annehmen, ohne daß spätere Verbesserungen ausgeschlossen wären. Man hat von einer Verkürzung des Ein- u a h in e b e>v i l l i g u n g r e ch t s des Reichstags gesprochen. Mir ist aber nicht erinnerlich, daß seit 20 Jahren im ordentlichen Etat bei den Ausgaben von dem Reichstag ein Betrag abgesetzt worden ist, der auch nur die Hohe von 10 Millionen überschritten hätte. Und nun bildet die Vorlage einen beweglichen Faktor von über 100 Millionen Mark. Ich kann nur wiederholen, daß die Matrikularbeiträge grundsätzlich erhalten bleiben sollen. Sie sollen aber nur der äußerste Notbehelf sein. Man hat die Vorlage auch verglichen mit früheren Miquelschen Finanzgesetzen. Miquel aber wollte die Einzelftaaten schützen gegen jede Forderung von feiten des Reichs. Das ist hier nicht der Fall. Man hat weiter gesagt, die Konsequenz der Vorlage seien neue Steuern. Im Gegenteil soll aber die Vorlage neuen Steuern vorbeugen, indem sie eine hanshältersiche Wirtschaft im Reiche verbürgt. Wenn übrigens die Mittel aus dem neuen Zolltarif nicht genügend fließen würden, so würde auch nach Ablehnung der Finanzvorlagc doch nichts weiter übrig bleibe», als nach neuen Stcuercinnahmcquclle» Umschau zu halten. Ich halte es nicht für richtig, daß der Reichstag zuerst Ausgaben bewilligt und sich nachher gewissermaßen um die Aufbringung der notwendigen Deckung drückt. Es kann keine Mark ausgegeben werden ohne Zustimmung dieses hohen Hauses. Daher halte ich es für ein iiobüs officium des Reichstages, daß er die Deckung von ihm bewilligter Ausgaben nicht einfach auf die Schultern der Einzelftaaten abwälzt. Was die Franckenstcinsche Klausel anbetrifft, so hat die„ F r e i s i n ni g e Z e i t u n g" erst in jüngster Zeit anerkannt, daß die U e b c r io e i s u n g s st e u er n in ihrer jetzigen Höhe das notio endige Maß über- schritten. Ich habe mich über jenen Artikel auf das lebhafteste gcftcut und daran die Hoffnung geknüpft, daß wenn wir hier die Vorlage beraten, Herr Richter Schulter an Schulter mit mir stehen würde. Leider sehe ich mich doch verlassen und allein. Jetzt heißt es, wir wollen die Erträge des Zolltarifs abwarten. Warum aber wollen Sie eine notwendige Reform wieder hinausschieben. Im übrigen möchte ich bitten, sich über die Höhe der aus dem Zolltarif zu er- wartenden Einnahmen keinen übertriebene» Illusionen hinzugeben. Schon die im vorigen Dezember beschlossene lex Trimborn wird dafür sorgen, daß die Bäunie nicht in den Himmel wachsen. Es ist anerkannt, daß die Vorlage nach verschiedenen Seiten Verbesserungen bringt, und daran knüpfe ich die Hoffnung, daß nach vorurteilsloser Prüfung in der Kommission es schließlich doch noch gelingen wird, zu einer Verständigung zu gelangen. Auf die Erörterung von Steucrfragcn lasse ich mich jetzt nicht ein. Dadurch wird nur Beunruhigung in weite Kreise getragen. Sollte einmal an uns die Notwendigkeit herantreten, neue Steuer- quellen zu eröffnen, dann ist es immer noch Zeit, darüber zu sprechen. Abg. v. Kardorff(Rp.): Ich stehe gegenüber der lox Stengel genau auf dem Stand- Punkt, den Graf Stolberg gestern dargelegt hat, ich be- urteile sie nicht so pessimistisch wie Herr Richter, aber auch nicht be- sonders rosig. Thaffache ist jedenfalls, daß unsre Finanzen heute a u tz e r o r d c n t l i ch u n ü b e r s i ch t l i ch sind. Die Klagen über unsre Anleihewirtschaft halte ich doch für etwas übertrieben, Frank- reich und England haben tveit größere Anleihen aufgenommen. Das immer wiederkehrende Wort:„Wir müssen sparen", hat sich noch stets als leere Redensart erwiesen. Immer kamen unabweisbare Ausgaben, die bewilligt wurden. Jetzt von neuen Steuern zu sprechen, halte auch ich für wenig angebracht, wir müssen erst die Ergebnisse.des Zolltarifs abwarten. Freilich über den Handelsvertrags-Verhand- lungen schwebt ja noch immer ein dichter Schleier. Ich verstehe es nicht, weshalb die Verträge nicht gekündigt werden vor allem gegenüber den außereuropäischen Staaten, die das Meistbegünstigungsrecht haben. Sie haben fast alle eine attive Handelsbilanz und daher ein Interesse an neuen Verträgen.— Aufgefallen ist es mir, daß neuerdings mit dein Gedanken der Rcichs-Eintommcnstcuer von den verschiedensten Parteien dirett ein unlauterer Wettbewerb getrieben wird. Die Herren wissen doch ganz genau, daß in 10 bis 20 Jahren eine Majorität für eine solche Steuer im Reichstag nicht zn haben ist.— Die Soldatenmißhandlungen verurteilen auch wir, aber eS ist zweifellos, daß einen großen Teil der Schuld daran mittelbar die zweijährige Dienstzeit trägt.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Auch die socialdcmokratische Aufhetzerei beeinflußt die Soldaten sehr stark und macht sie renitent gegenüber ihren Vorgesetzten.(Lachen beiden Socialdemokr.) Der Kwilecki-Prozeß habe gezeigt, daß der Voreid auf die Dauer in seiner bisherigen Form nicht bestehen bleiben kann. Die halbe polnische Bevölkerung beschwöre alles, was etwa ein Beamter fälschlich aufgeschrieben habe, bloß auf die Autorität des Beamten hin. Dabei komme ich auch aus die Polenzulage. Wenn der Reichstag sie auf Antreiben des Centrums ablehnt, so nehme ich das nicht tragisch; dann wird sie der preußische Landtag aus seinen Mitteln bewilligen. Herr Bebel hat sich mit dem Crimmitschauer Streik be- schästigt. Ich habe mir sagen lassen, daß die Fabrikanten nicht in der Lage sind, die Fordcrnugcn der Arbeiter zu bewilligen, weil sie sonst nicht mehr konkurrenzfähig sind. Wenn Herr Bebel über die Not der Arbeiter dort klagt, so sage ich ihm: die Schuld daran tragen diejenigen, die sie in den Streik hineingchetzt haben.(Lachen bei den Socialdemokraten. Rufe: 15 Pf. Stundenlohn.) Herr Bebel hat in Dresden den Umsturz proklamiert. Ich sehne die Stunde herbei, in der sich die Social- demokratie an den eherne» Aiauern, aus denen der preußische und der deutsche Staat berubt, die Köpfe einrennt.(Lachen bei den Social- demokraten.) Die Revolution kommt ganz sicher. Freilich, diejenigen, die am meisten unter ihr zu leiden haben werden, merken am wenigsten ihr Nahen. Die Socialdemokratie hat in Deutsch- land eine Macht erlangt, die man nicht so obenhin an- chen kann. Sie ist diejenige Partei. die die weitaus meisten Geldmittel ausbringt. Sie besteuern die Arbeiter höher als der Staat.(Lachen bei den Socialdemokraten. Zuruf: Indirekte Steuern!) Die indirekten Steuern sind in den Vereinigten Staaten, in Frankreich, in England im Verhältnis zu den direkten Steuern viel größer als bei uns.(Lachen links.) Ihre Führer sind in guten Stellungen unter- gebracht, bei den Krankenkassen, den Genossenschaften, als Redakteure. Sie üben nicht bloß Macht aus über die, die sich bedingungslos ergeben haben und niemals mehr von ihnen los- komnien können, weil sie dann für immer existenzlos werden würden. Sie üben auch eine weite Macht über die Kreise des bürgerlichen Lebens aus. Diese bedrohen sie einfach mit dem Boykott. Ich weiß einen solchen Fall aus Schönebeck bei Magdeburg, wo den Kaufleuten gesagt wurde, wenn ihr nicht focialistisch stimmt, kaufen wir euch nichts mehr av. Wir fahren in der That wtft Windeseile in den socialistischen Zukunftsstaat hinein(Heiterkeit bei den Socialdemokraten) und es wird auch manches gethan, um die Fahrt zu beschleunigen. Wenn wir von den 3 Millionen Social« demokraten l'/z Millionen auf die Mitläufer in Abzug bringen (Lachen bei den Socialdemokraten), so bleiben immer noch IVz Millionen wirkliche Socialdemokraten übrig, und darunter sind viele Leute, die vom Staat beschäftigt werden bei der Eisenbahn, bei der Post. Ich habe das Jahr 48 miterlebt. Wenige Monate vorher wurde es mit.Hohngelächter begrüßt, wenn gesagt wurde, daß Preußen nun auch seine Revolution haben werde. Am 18. März aber war sie da. Damals aber war die Armee noch völlig intakt. Ich will nicht sagen, daß sie jetzt nicht zuverlässig lväre, aber sie ist doch schon socialdcmokratisch durchsetzt, und das wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Ich weiß, welches Maß von Kopflosigkeit herrschte, als die Revolution eintrat. So ist es ja immer, bei den Revolutionen verlieren alle Menschen den Kops. (Stürmische Heiterkeit links.) Es mnß etwas geschehen, um dem Anwachsen der Socialdemokratie zu steuern. Ich habe es immer bedauert, daß nur durch ein Mißverständnis daS Socialistengesctz abgelehnt worden ist; ein großer Teil des Eentrums und die ganzen Nationalliberalen waren bereit, dafür zu stimmen. Hätten wir noch das Ausnahmegesetz, dann hätten Sie jetzt nicht 3 Millionen Stimmen.(Lachen bei den Socialdemokraten; Ruf: 6 Millionen!) Das glauben Sie ja selbst nicht. Vielleicht waren die Ausweisungen ein falsches Princip und die Strafen zu hart. Es giebt wirksame Strafen, die gar nicht hart zu sein brauchen. Ich würde einfach dekretieren: wer sich als Socialdcmokrat und damit als Umstürzler bekennt, dem wird einfach das direkte und indirekte Wahlrecht auf fünf Jahre entzogen. (Stürmische Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) Sie lachen, aber wenn wir eine socialistische Republik hätten und wir Royalisten träten zu Tausenden zusammen und stellten eine Verbindung zum Umsturz des socialistischen Staates her, wie würden Sie dann mit uns umgehen!(Sehr gut! rechts.) Ich bin ja zu alt, als daß ich die socialdemokratische Revolution noch erleben werde, aber daß sie kommt, wenn nichts geschieht, ist meine feste Ucbcrzeugung. Herr Schädler empfiehlt wieder den Kamps mit geistigen Waffen. Bis jetzt hat der Kampf mit geistigen Waffen keine erfreulichen Resultate gezeitigt.(Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) Bei den Kreuzzügen im Mittelalter gegen die Ungläubigen wurde in Deutsch- land von der Kirche ein Gottesfrieden proklamiert; alle inneren Fehden mußten aufhören. Diesen Gottesfrieden sollten auch wir halten, vor allem Frieden zwischen den beiden Konfessionen halten. DaS würde uns sehr erleichtern, mit der Socialdemokratie fertig zu werden.(Lachen bei den Socialdemokraten. Bravo! rechts.) � Die Wciterberatung wird auf Sonnabend 1 Uhr vertagt. Vorher Handelsprovisorium. Schluß O1/« Uhr. partei-J�acbricbtcn. Ueber unsre Landtagswahl-Erfolge in Preußen schreibt Genosse Paul Hirsch in Nr. 10 der„Neuen Z e i t". Hirsch wendet sich gegen Marckivald und Kautsky und führt aus: „Wer den Erfolg lediglich in der Eroberung von Mandaten erblickt, der hat allerdings das Recht, von einem Fiasko zu reden. Aber nach einem Wahlkampf einzig und allein die Häupter der Ab- geordneten zu zählen und hieraus auf den Erfolg oder Mißerfolg zu schließen, das war bisher Art bürgerlicher Parteiführer vom Schlage eines Eugen Richter, der. selbst wenn er um dev Preis der politischen Ehre seinen Besitzstand behauptet hat, Jubelhymnen an- stimmt. Gewiß schwebt auch uns die Erringung von Mandaten als Preis des Kampfes vor Augen, aber ebenso hoch, wenn nicht höher, steht uns die Agitation unter den Massen, die Revolutionierung der Köpfe. Und diesem Ziele sind wir durch unsre Wahlbeteiligung ein gutes Stück näher gekommen." Ilm sich gegen den Vorwurf zu schützen, daß er nicht etwa des- wegen das Hauptgewicht auf die agitatorische Seite lege, weil er jetzt gesehen habe, daß die Trauben doch zu hoch hängen, citiert er einen Abschnitt aus einem Artikel, den er schon 1897 veröffentlicht har. Aus dem Citat geht hervor, daß er schon damals die Ansicht ausgesprochen hat. wir würden allein keine Mandate erringen; trotzdem warnte er vor Kompromissen und trat dennoch für die Wahl- bcteiligung ein, weil es sich ohne diese als unmöglich erwiesen habe, eine rege Agitation gegen das Dreiklassensystcni zu entfalten. Sodann spricht es Hirsch als seine Erfahrung aus, daß der agitatorische Erfolg in den Kreisen, in denen wirklich fleißig und zielbewußt gearbeitet worden ist, über Erwarten groß sei, und er weift darauf hin, daß wir bei dieser Agitationsarbeit mit einem ganz neuen Gebiet vertraut geworden seien und Dinge kennen ge-' lernt hätten, die uns bisher fremd waren. Tann fährt er fort: „Nichtig ist es, daß unsre Partei in tveit weniger Fällen das Zünglein an der Wage bildete, als die meisten von uns annahmen. Aber was folgt daraus? Doch nur, daß wir unsre Kraft überschätzt. vielleicht auch, daß wir nicht überall in ausreichendem Maße unsre Pflicht gethan oder daß wir hier und da eine falsche Taktik ein- geschlagen haben! Bei einem erneuten Versuch werden wir in eine weit günstigere Lage kommen, die Fortschritte, die unsre Partei im allgemeinen erzielt, werden auch bei'den Landtagswahlen in Er- scheinung treten, und die Lehren, die wir aus dem ersten Versuch gc- zogen haben, werden wir im Interesse der Socialdeinokratie zu be- herzigen wissen. Nebenbei bemerkt, irrt Kautsky, wenn er behauptet, daß die Landtagswahlen die Massen sicher weit kühler lassen, als etwa eine Reichstags- oder selbst eine Stadtverordnctcnwahl. Ob eine Wahl die Massen kühl läßt. daS kommt zum Ausdruck in der Wahl- bcteiligung. Noch niemals unter der Herrschaft des Drciklasscn- wahl-Systems hatten lvir eine solche Wahlbeteiligung zu ver» zeichnen, wie in diesem Jahre. Daß sie an die Beteiligung an den Reichstagswahlen nicht heranreicht, erklärt sich aus der Oeffentlich- keit der Stimmabgabe. Will man zu einem richtigen Urteil gelangen. so mutz mm, die Beteiligung der dritten Wählerklasse bei den Land- tagswahlen mit der bei den Stadtverordnetenwählen vergleichen. Beide Wahlen fielen ja in einer Reihe größerer Gemeinden zeitlich zusammen. Ein Blick in die Statistik lehrt nun. daß zum Beispiel in Berlin und Charlottenburg, wo wenige Tage nach den Urwahlen die Stadtverordnetenwahlen stattfanden, die Wahlbeteiligung bei den Urwählern zum mindesten nicht geringer war als die bei den Stadt- verordnetenwahlcn, obwohl hier nach Ansicht von Kautsky der agitatorische Erfolg offener zu Tage tritt." Nachdem Hirsch dann der Ansicht Ausdruck gegeben, daß er im Gegensatz zu früher nach den jetzigen Erfahrungen allerdings die Eroberung einiger Kreise aus eigner Kraft erhoffe, schreibt er: „Emen Erfolg hat unsre Wahlbeteiligung zweifellos gehabt; sie hat denen in unsren Reihen, die noch immer nicht von der Un- versöhnbarkeit der Gegensätze zwischen Arbeiterklasse und Bougeoisie überzeugt sind, die noch immer nicht den Glauben an den Ruck nach links innerhalb des Bürgertums verloren haben, die Ueberzeugung beigebracht, daß die herrschenden Klassen, mögen unter ihnen sin einzelnen auch Gegensätze bestehen, doch einig und geschlossen sind, wenn es gilt, die Arbeiterklasse zu bekämpfen. Das Wort von der einen reaktionären Masse ist zllr Wahrheit geworden.„Unsre bis- hörige Taktik", sagte Kautsky auf dem Dresdener Parteitag,„ging dahin, daß wir immer rücksichtslos vorwärts drängen, daß wir dadurch die Gegensätze zu den herrschenden Klassen immer mehr erweiterten, die herrschenden Klassen immer mehr gegen uns er- bttterten, daß lvir mit jedem Zuwachs an Macht den Besitzenden immer mehr Furcht einflößten, daß sich die Konflikte immer mehr zuspitzten, so daß wir schließlich Zuständen entgegcndrängten. wo es eine große Entscheidung gilt, in der wir dann gezwungen sind, den Gegner niederzuwerfen und ihm die Macht abnehme!,." s Nun, hat nicht unsre Taktik bei den Landtagsivahlen auch die Gegensätze zu den herrschenden Klassen immer mehr erweitert, hat sie nichi auch die herrschenden Klassen immer mehr gegen uns erbittert? Deshalb sollten gerade diejenigen, die unsrer altbewährten Taktik das Wort reden, sich allen Versuchen, den Kölner Parteitagsbeschluß wieder herzustellen, auf das entschiedenste widersetzen. Ob wir un- bedingt an dem Mainzer Beschluß festzuhalten Halen oder ob ivir ihn auf Grund unsrrr Erfahrungen modifizieren müssen, bleibe dahin gestellt. _ Den hauptsächlichsten Erfolg aber unsrer Wahlbeteiligung erblicke ich in der dadurch hervorgerufenen Erbitterung gegen das Drei- llasscnwahlsystem. Dies widersinnige Gesetz hat sich als unhaltbar erwiesen. Mit einer Acndernng dcS Reglements, wir Marckwald meint, ist hier nichts zu machen, das Gesetz selbst muh geändert tvcrdcn, und es wird geändert werden. Verschlechtert werden kann cS unmöglich, es sei denn, das; man die Bczirksdrittclung beseitigt. Doch ist dafür keine Aussicht vorhanden, da sich nur die Freisinnigen und die Nationallibcralen dafür erwärmen, während das auf diese seine Idee stolze Ccntrum und die Konservativen nicht dafür zu haben sind. Es kmm sich also nur um eine Besserung handeln. Aber schon das blohe Anschneiden einer Wahlrcchtsfragc— etwa die Frage der un- gesetzlichen Verlegung cincS WahlortcS— iit für uns günstig, bietet uns geeigneten Etosf für eine neue Agitation unter den Massen." AuS der italienischen Partei. In der letzten Sitzung dcS italienischen Partcivorstandcs wurde die Frage aufgeworfen, ob Turati noch Mitglied des Parteivorstandcs bleiben könne. Turati ist bekanntlich mit seinen Anhängern ans der alten Mailänder Partei-Lrganisation ausgeschieden und hat eine besondere Parteigruppe gebildet. Deslvegen war von einigen Partei gruppen die obige Frage erörtert worden; Turati beantragte selbst, dah der Partcivorstand sich darüber entscheiden solle. Nach längerer Diskussion wurden drei verschiedene Tagesordnungen eingebracht. Die eine, von Longobardi eingebracht, spricht aus, dah die Ausscheidung Turatis aus dem Parteivorstand an- Grund des Parteistatuts zu erfolgen habe. In der zweiten, von Soldi, wird zum Ausdruck gebracht, dah der Partcivorstand sich für unfähig erkläre, die im Schohe der Partei bestehenden Streitfragen zu lösen, und dah er es deshalb auch für inopportun hält, die von Turati an- geregte Frage zu entscheiden. In dieser Resolution brachte Ferri ein Amendement ein, in den« es hciht, dah Turati provisorisch bis zum nächsten Kongreß Mitglied des Partcivorstandes zu bleiben habe. Die dritte, von Chiesa eingebrachte Resolution lautet:„Der Partei- vorstand erklärt unter Berufung auf die am 4. November angenomene Resolution, dah Turati zur Teilnahme am Partcivorstand berechtigt und verpflichtet ist und ersucht ihn deshalb, zu verbleiben." Bei der Abstimmung lvird die Resolution Chiesa mit st Stimmen an- genommen; die von Fcrri-Soldi erhält die der zwei Antragsteller und die von Longobardi nur seine eigne Stimme. Bekanntlich haben zur Zeit die Anhänger Turatis die Mehrheit im Partei vorstand. Die socialtstische Partei Japans lvird demnächst über ein zweites Wochenblatt verfügen. Die Genossen Kvtohu und Sakai werden ein solches herausgeben. poUeeUicbe«. OerichtUches ulw. — Zu einem Monat Gefängnis wurde der verantwortliche Redakteur des„Volksblattcs für Anhalt", Genosse K r e tz s ch m e r in Dessau verurteilt. Er hatte in seinem Blatte berichtet, dah die Ausdehnung des Gewerbegerichts der Stadt Zerbst auf den Kreis abgelehnt worden sei und daran die Bemerkung geknüpft: „Natürlich müsien Meisdirektion und Amtsgericht sich immer gegen jeden Fortschritt, der den Arbeitern nützen könnte, wehren. WaS kommt's darauf an, dah eine Anzahl Arbeiter nicht zu ihrem Recht kommt?" Darin sah man eine Beleidigung der Behörden und deshalb die Verurteilung._ Entwurf eines Reichsgesetzes zum Schutze der Arbeiter des Baugewerbes. Eingebracht von der socialdcmokratischcn Reich Stags-Fraktion. I. Einrichtnngcil der Betriebe. 8 1. l. Die Bauunternehmer und Bauherren sind solidarisch vcr- pflichtet, die Materialien, Gerüste, Schutzvorrichtungen, Maschinen und Gerätschaften in solcher Güte anzuliefern und so einzurichten und zu unterhalten und den Betrieb so zu regeln, dah die Arbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt sind. 2. Wenn inr Winterhalbjahr im Innern der Bauten Arbeiter lPutzcr, Stukkateure, Ofensetzer, Maler us>v.> beschäftigt werden, so sind die Tiir- und Fensteröffnungen derjenigen Räume, in denen gearbeitet wird, wind- und wetterdicht zu verschließen. 3. Die Anwendung des offenen Coaksseuers(CoakSkörbe) zur Austrocknung und Erwärmung der Bauten oder einzelner Räume ist verboten, desgleichen die offene Holzkohlenfeuerung bei Arbeiten der Klempner und Mechaniker im Innern der Bauten. 4. Säuren, Laugen, gifthaltige Farben und erplosionsfähige Stoffe sind in sicheren Gefäßen und in gesonderten Räumen unter Berschluh zu halten, nur von den in Ziffer ö genannten verant- wortlichen Personen Herauszugeben und zwar in Mengen, die sofort in Benutzung genommen ivcrdcn sollen. Die Verwendung von bleihaltigen Farben ist verboten. 5. Die Bauleitung hat Fürsorge zu treffen, dah täglich vor Beginn der Arbeit die Laufbrücken, Leitern und Leitergänge, Gerüste, Maschinen und sonstige Gerätschaften, sowie Schutzvorrichtungen aller Art auf ihre Standfestigkeit und Sicherheit geprüft werden und dah die Ingebrauchnahme schadhaft und mangelhaft befundener Gerüste, Geräte und sonstiger Betriebsmittel verhindert wird. Diese Für- sorge hat sich auch auf die UnterkunftSräume, BedürftiiSanstaltcn und sonstige dem sanitären Schutze der Arbeiter dienende Einrichtungen zu erstrecken. Insbesondere ist für genügendes, gesundes und frisches Trinkwasser Sorge zu tragen. Die Prüfung und Sicherung oer Gerüste usw. besorgt, sofern der Bauunternehmer oder Bauherr sie nicht selbst ausführen, der Polier oder, falls ein solcher nicht vor- Händen, die von der Bauleitung besonders beauftragte Person, die unt dem Gerüstbau und der Durchführung der Sicherheitsvorschriften völlig vertraut sein mutz. Diese Personen sind den am Bau be- schäftigten Arbeiten! und der Baupolizei bekannt zu geben. II. UnterkunftSräume. 8 2. t. In unmittelbarer Nähe aller Neubauten und größerer Er- wciterungs- und Umbauten sind für die am Bau beschäftigten Ar- beiter Unterkunftsräume zu errichten. 2. Die Unterkunstsräume müssen im Mittel mindestens 2,60 Meter im Lichten hoch und so groß sein, dah auf jeden am Bau be- schäftigten Arbeiter eine Bodenfläche von 1 Quadratmeter entfällt. Sie müssen wind- und rcgensrchere Wände und ein ebensolches Dach und einen aus gespundeten Brettern bestehenden Fußboden haben, mit einer verschliehbaren Thür sowie mit zum Oeffnen eingerichteten Fenstern versehen sein. Der Fußboden muh mindestens 20 Centi- Meter über der Terrainhöhe liegen. 3. Die Unterkunftsräume müssen im Innern enthalten: «) einen feuersicher aufgestellten Ofen, der so eingerichtet ist, dah die Arbeiter ihre Speisen auf demselben anwärmen können; d) Bänke und Tische in solchem Umfange, dah jeder am Bau beschäftigte Arbeiter ani Tische Platz findet; o) in einem besonderen Abteil, auf je fünf Arbeiter ein Wasch- geschirr; d> Spucknäpfe in genügender Anzahl: e) zum Zweck der ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen einen Verbandkasten mit dem erforderlichen Zubehör; k) Einrichtungen zum Unterbringen der Kleider, Speisen und des Geschirrs; g) Gefähe mit Trinkwasser und Trinkgeschirr in genügender Menge. 4. Soll der Unterkunftsraum in der Zeit vom l. Oktober bis 15. April zum Aufenthalt von Arbeitern dienen, so hat die Um- fassung aus doppelten Bretterwänden, deren Zwischenräume auszu- Berantwortl. Nedattenr: füllen sind, oder aus Fachwändcn mit Ziegelstein-Ausmauerung zu bestehen. 5. Sobald die Außentemperatur in der Zeit vom 1. Oktober bis 15. April unter Plus 12 Grad Celsius sinkt, ist der UnterknnstSrauni genügend zu erwärmen. st. In den Unterkunftsräumen dürfen keinerlei Baumaterialien aufbewahrt werden. 7. Die UnterkunftSräume müssen genügend erhellt sein und im Innern sWände, Fußboden, Tische, Waschgeschirr, Spucknäpfe«.) stets in reinlichem Zustande erhalten werden. 8. Mit dem Abbruch oder dem Fortschaffen des UnterknnftS- raumeS darf nicht vor der völligen Fertigstellung des Baues begonnen werden. 0. Bei Bauarbeiten der nicht in Ziffer 1 genannten Art können den Arbeitern UnterkunftSräume in fertigen Gebäuden, welche dem Aufenthalt von Menschen dienen, angewiesen werden. Auch diese UnterkunftSräume müssen den Bestimmungen in Ziffer 2—7 ent- sprechen. 10. Für am Bau beschäftigte Frauen sind besondere UnterkunstS- räume zu errichten, welche den Bestimmungen in Ziffer 2—7 ent- sprechen müssen. Ikl. Bedürfnisanstalten. 8 3- 1. Bei jedem Bau muh ein Abort für mindestens je 15 Arbeiter vorhanden sein. Die Aborte müssen folgenden Anordnungen genügen: g) Die Aborte sind mindestens 10 Meter von den UnterknnftS- räumen und möglichst weit abseits von öffentlichen Verkehrs- wegen anzulegen, mit Wänden dicht zu umschließen und mit ausgeschnittenen Brettsitzen, einem Fußboden und wasser- dichtem Dach zu versehen und so einzurichten, dah von außen nicht hineingesehen Ivcrdcn kann. Die einzelnen Sitze müssen durch eine Wand von einander getrennt werden; b) für die Aborte dürfen keine durchlässigen Gruben angelegt werden. Sic sind entweder an eine öffentliche Entwässerungs- anlage vorschristsinähig anzuschlichen oder es müssen Wasser- dichte Tonnen aufgestellt werden. v) Die Aborte sind regelmäßig, und zwar in der wärmeren Jahreszeit täglich, zu desinfizieren und möglichst geruchlos zu halten. Die Tonnen sind nach Bedarf, längstens aber wöchent lich durch andre zu ersetzen. 2. Die Abortanlage muh mit einem Pissoir versehen sein, und in den Bauten sind in jedem Geschoß Urineimer aufzustellen. Die Urineimer und die Behälter für die Pissoirs sind nach Bedarf, min- bestens täglich, zu entleeren. 3. Die Aborte müssen stets genügend erhellt und gelüftet sein, sowie in reinlichem Zustande erhalten werden. 4. Die Aborte müssen vorschriftsmäßig fertiggestellt sein, bevor mit den Arbeiten begonnen wird, und sind auch während der ganzen Dauer des Baues in vorschriftsmäßigem Zustande zu erhalten. 5. Für am Bau beschäftigte Frauen find besondere Bedürfnis anstalten zu errichten, welche den Bestimmungen Ziffer 1—4 ent prechen müssen. 8 4- 1. Die Bestimmungen über UnterkunftSräume und Bedürfnis anstalten finden Anwendung auf Zimmerplätze und Bauhöfe, auf Ticfbauten(Straßenbau, Kanalisation) und auf die Werkplätze der Steinmetzen und Steinbildhaucr. 2. Bei Tiefbauten dürfen die Unterkunftsräume und Aborte bis zu höchstens 500 Meter von der Arbeitsstelle entfernt liegen. lv. UnfalloerhiitungS-Vorschriften. 8 s. Das ReichS-Versicherungsanrt hat, entsprechend dem jeweiligen Stand der Bautentechnik, Nornmlvorschriften zu erlassen für Sicherheitsvorrichtungen bei Abbruchsarbeiten, Ausschachtung der Baugruben, ftir Hoch- und Tiefbauten, Herstellung der Gerüste und Transportwege und für den Auf- und Ausbau jeglicher Bauten unter Berücksichtigung ihrer Eigenarten und des zu verwendenden Materials. Zur Beratung und Beschlußfassung über diese sowie über die von der Kommission beschlossenen Vorschriften sind die zum Reichs Versicherungsamt gewählten Vertreter der llnternchiner und Arbeiter des Baugewerbes zu gleichen Teilen unter Vorsitz des Präfidenten des Reichs-Versichcrungsanrts oder dessen Vertreter hinzuzuziehen. 8 6. Für den Bezirk jeder höheren Verwaltungsbehörde sind Kom Missionen zu wählen, die auf Grund der Normalvorschriften Unfall verhütungs-Vorschristen für den Bezirk zu erlassen und mindestens alljährlich einmal nachzuprüfen haben. Die von den Kommissionen erlassenen Unfallverhütnngs-Vorschriften unterliegen der Genehmigung deS Reichs-Versichernngsamtes. 8 7. Die Kommissionen bestehen auS je fünf Vertretern der bau- gewerblichen Arbeiter und Unternehmer, unter Leitung eines vom tteichs-Versicherungsamt aus seiner Mitte zu ernennenden Vorsitzenden. Bei Abstimmungen entscheidet die einfache Mehrheit, bei Stimmen- gleichheit giebt der Vorsitzende den Ausschlag. 8 8. Die Kommissionsmitglieder werden in gleicher Höhe für Arbeits- Versäumnis und Aufwendungen entschädigt. Die Höhe der Ent- Schädigung setzt das Reichs-Versicherungsamt fest. Die Kosten trägt die für den Bezirk zuständige Baugewerks-BerufSgenoffenschaft. 8 Die Wahl der Vertreter zu den Kommissionen erfolgt nach dem nr die GewcrbegerichtSwahlen vorgeschriebenen Verfahren, mit der Maßgabe, dah alle im Bezirk der Kommission beschäftigten oder wohnhaften großjährigen baugewerbliche» Arbeiter und Unternehmer wahlberechtigt und auch wählbar sind. Die Wahl ist gleichzeitig mit der der Baukontrolleure zu voll- ziehen. 8 10. st Wochen nach Inkrafttreten dieses zehn Vertreter der Arbeiter und der Alle drei Erstmalig sind spätestens Gesetzes für jeden Bezirk je Unternehmer zu wählen, davon je fünf als Ersatzniänner. Jahre sind Neuwahlen vorzunehmen. 8 11. Die Kommission muß erstmalig spätestens vier Wochen nach erfolgter Wahl zusammentreten. Die Einberufung der Kommission und die Bestimmung über Ort und Zeit der Sitzung geschieht durch den Vorsitzenden. Auf Antrag von ftinf Mitgliedern muh der Vor- itzende die Kotnmission einberufen. V. Baukontrollc. 8 12. Die Aufsicht über die Ausführung der Bauten und die Durch- ührung der Schutzvorschriften untersteht besonderen Baupolizei- Behörden. Diese sind von den Landesregierungen in der Regel für jede Gemeinde mit mehr als 10 000 Einwohnern(Baupolizei- Bezirk) einzurichten. Kleine Gemeinden können zu einem Bau- polizei-Bezirk vereinigt werden. 8 13- Die Banpolizer-Behörde ist zu diesem Zweck zusammenzusetzen auS technischen Beamten und Baukontrolleuren. 8 14. Die Zahl der Baukontrolleure ist so zu bemessen, daß jeder Bau mindestens einmal wöchentlich kontrolliert werden kann. Für jeden Baukontrolleur ist ein Ersatzmann zu wählen. 8 13. Die Baukontrolleure und deren Ersatzmänner sind von den voll- jährigen baugewerblichen Arbeitern nach dem zum Gewerbegericht eingeführten Wahlverfahren auf drei Jahre zu wählen. 8 16. Die Thätigkeit der Baubeamten und Baukontrolleure wird durch Dienstinstruktioncn geregelt, die vom Reichs-Versicherungsamt zu er- lassen sind. 8 17. Die GeschäftSführmrg der Baupolizeivehörden unterliegt der Aufsicht des Reichs. Sie haben Jahresberichte über ihre anstliche Thätigkeit zu erstatten, die dem Bundesrate und Reichstage vor- zulegen sind. 8 1s. Die Kosten der Baupolizei tragen die Gemeinden. Werden niehrere Gemeinden zu einem Baupolizeibezirk zusammengefaßt, so sind die Kosten der Bauaufsicht aus genicinjamen Mitteln zu tragen. Die Baukontrolleurs sind vom Staate zu besolden. 8 16. Em Abdruck dieses Gesetzes sowie der Unfallversicherungs-Bor« schriften ist an geeigneter, allen Arbeitern zugänglicher Stelle sowie in den UnterkunstSräumen auszuhängen. Der Aushang muß stets in lesbarem Zustande erhalten werden. �ix denjenigen Bezirken, in denen fremdsprachliche Arbeiter beschäftigt werden, ist er auch in deren Muttersprache auszuhängen. Strafbestimmungcn. 8 20. Zuwiderhandlungen gegen dieses Gesetz sowie gegen die er- lassenen Unfallverhütungs-Vorschriften werden, sofern nach dem all- gcnieincn Strafgesetz nicht eine höhere Strafe eintritt, mit Haft oder mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark bcsttaft. Auch kann die Baupolizei- behörde das Bauverbot verhängen. 8 21. Dieses Gesetz tritt anr 1. Januar 1905 in Kraft. Sociales. Zur Reform des KnappschnftSwesenS. Seit Jahren wird eine Reform des Knappschaftskassenwesens geplant. Der Hauptschadcn der Knappschaftskasscn liegt in der Zersplitterung des Kassenwesens, verbunden mit dem Ilmstande, dah den Bergleuten beim Wechsel der Arbeitsstätte die in der bisherigen Kasse durch die zwangsweise Beitragszahlung erworbenen Rechte vollständig verloren gehen, soweit nicht zwischen den einzelnen Kassen Gegenseitigkeitsvcrträge bestehen. Diese beruhen auf Freiwilligkeit und bestehen nur zwischen wenigen Kassen. Dazu kommt die mangel- hafte Vertretimg der Arbeiter in den Kassen gegenüber den Unter- nehmern, die nicht nach der Beitragslcistung geordnet ist, sondern den Unternehmern mehr Rechte giebt, als sie nach der Höhe ihrer Beiträge zu beanspruchen hätten. Ein Entwurf der prcuhischcn Regierung will diese und einige andre Mängel zum Teil beseitigen, wenn er auch keineswegs den Wünschen der Arbeiter bollsrändig Rechnung trägt. Dagegen wehren sich die Werksbesitzer mit allen Mitteln und erst jüngst hat in Berlin eine Konferenz der Besitzer getagt und gegen den Entwurf Stellung genommen, wobei ausgesprochen wurde, dah es bcffcr sei, die Kuappschaftsvercine überhaupt aufzuheben, als sie nach den Vorschlägen dcö Regierungsentwurfs zu reformieren. Diese Zu- sammenkunst hat sich fälschlich als Vertretung der Kuappschaftsvercine aufgespielt, während sie in Wirklichkeit zu V, aus Wcrksvertretcrn bestand. Anr Sonntag hat darauf in Herne eine Versammlung von Bergarbeitern stattgefunden und in einer großen Resolution gegen das Mandat der Berliner Zusammenkunft als einer Vertretung der Kuappschaftsvercine wie auch gegen deren Bcschlüffe protestiert. Die Forderungen der Bergarbeiter gehen nach dieser Resolution dahin: Vereinfachung deö Knappschaftökasscnwescns; deshalb Verbot der Gründung neuer Vereine und Ncbcnkaffen; zwangsweise Vcr- schmelzung der kleinen und lciftungsunfähigcn Vereine eines Reviers. Das Ziel mutz sein: einheitliche KnappschaftSkaffe, einheitliche Ver- ficherung für das ganze Reich. Einheitliche Beiträge der Arbeiter und der Werksbesitzer; wo dicS nicht, da Bemessung der Rechte in der Verwaltung usw. nach den zu erfüllenden Pflichten. Erhöhung des Krankengeldes auf Vi des durchschnittlichen Lohnes der betr. Arbeiter; inatzgebcndcn Einflutz der Mitglieder bezw. ihrer Vertreter(Acltcsre) bei der Au- stcllung des Sanirätspersonals(Aerztc, Heilgehilfen. Apotheker usw.). Aushebung der sogenannten Unständigkeit(mir rückwirkender Kraft), ohne statutarische Einschränkung: Fortfall jeder Klassen- einteilung der Mitglieder. Erhöhung der Jnvalidenpensionen, Witwen- und Waisengeldcr auf ein Matz, durch das den Ansprüchen auf eine anständige Lebens- führung entsprochen werden kann; Verbot der Anrechnung irgend welcher Renten auf die Knapvschaftslcistungen, so lange die Gesamt- summe der bezogenen Renten 300 Rk. pro Jahr nicht übersteigt. Nach Ableistung von 1300 Wochcnbciträgcn muh auf Autrag des betreffenden Arbeiters ihm die Jnvalidcnpension unbedingt bewilligt werden. Gesetzliche Einführung von Gcgcnseitigkeitsverträgen zwischen allen Knappschaftsvcrcinen, als Ucbergangssradium zur einheitlichen Versicherung für das ganze Reich; die Gcgenseitigkeitsverträge müssen den Mitgliedern die Sicherung der in irgend einem Kuappschaftsvereiir des Reiches erworbene» Pensionsanrechte usw. gewährleisten durch Vorschrift der wechselseitigen Verrechnung. Der Rechrsgrundsatz: Wo Pflichten zu erfüllen sind, da müssen auch die dadurch erworbenen Rechte erhalten bleiben, muh endlich einmal unbedingt auch im Knappschaftswesen gesetzlich anerkannt werden. Rückerstattung ihrer Beiträge an solche Kassenmitglieder, welche länger als 400 Wochen Beiträge gezahlt und aus der Kasse aus- scheiden, ohne zu einem andren Kuappschaftsvereiir überzutreten. Gesetzliche Vorschrift des geheimen, unmittelbaren Wahl- Verfahrens bei allen Arbcitcrvertrcterwahlen: zu Arbcitervertretern dürfen nur Mitglieder, eingeschlossen invalide und freiwillig steuernde gewählt werden, damit die Arbeiter endlich des ihnen rechtlich zu- stehenden Anteils an der Verwaltung der KnappschaftSvereinc auch teilhaftig werden._ Die Gcwcrbegerichtswahl in Köln endete mit einer schweren Niederlage der Eentrumsgewerkschaften. Die Kandidaten der freien Gewerkschaften erhielten 8506 Stimmen gegen 5112 Stimmen der sogenannten christlichen. Eigentlich ist die Mehrheit bedeutend grötzcr; aber in einem der grötzten Industrieviertel, in Deutz, wurde die Wahlhandlung wegen lebensgefährlichen Andranges geschlossen. Die Stimmen dieses Bezirks schieden aus. Bei der vorigen Wahl erhielten die Gewerkschaften dort 1303 gegen 743 christliche Stimme». Diesmal wäre der Vorsprung dort noch viel bedeutender gewesen. Eine genaue Berechnung ist durch den Vorgang in Deutz nicht möglich. Bei der Wahl im Jahre 1901 erhielten die freien Gc- werkschaftcn 8962, die„Christlichen" 5431 Stimmen. Zählt mau die damaligen Zahlen von Deutz zu den jetzigen, so ergiebt diese Gegenüberstellung: freie Gewerkschaften 10 869 Stimmen, christliche Gewerkschaften 5860 Stimmen; Zunahme der erstcren 907, der christlichen 429 Stimmen gegen die vorige Wahl. Die Zunahme der freien Gewerkschaften ist absolut und prozentual bedeutend grötzcr als die der Gegner. Das Centrum— denn hinter den so- genannten christlichen Gewerkschaften steckt das Centrum— hat also von den Arbeitern Kölns nichts zu erwarten, trotzdem es diesma? riesige Anstrengungen machte und den Kampf mit den niedrigsten Mitteln führte. Der jüngste socialdemokratische Parteitag wurde in Versammlungen, Plakaten und Flugblättern in der infamsten Art gegen die freien Gewerkschaften ausgebeutet, und der Vorsitzende des christlichen Maurerverbcmdes verstieg sich sogar bis zu der tausendmal abgeschlachteten Lüge von den Singerschen MänH- Näherinnen. Aber alle Hetze und Verleumdung war vergebens; die Kölner Arbeiter in ihrer überwältigenden Mehrzahl sind politisch und gewerkschaftlich reif und blicken mit Verachtung und Ueber- legenheit auf das Treiben der ultramontancu Volksverdmnmer. Julius Kalisti in Berlin. Lnjeratcntcil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruck«» und Verlagsanstalt Paul Ringer& Co., Berlin SW st. 290. 20. Ich«««-. 2. Wagt des Lamärts" Kerlim Nolkslllatt..2..908 berliner partei-�Zngelegenkeiten. Zweiter Wahlkreis. Sonntag, den.3. Dezember, früh 81/.2 Uhr, findet für den fünften Kommunal- Wahlbezirk eine Flugblatt- Verbreitung statt. Auch die Genossen, die an der Stadtver- ordneten- Stichwahl nicht beteiligt sind, werden ersucht, sich bei Kumte, Bülowstr. öS, einzufinden. Die Vertrauensleute. Dritter Wahlkreis. Wegen den am Donnerstag, den 17. Dezember stattfindenden Versammlungen fällt der Zahlabend dcS Wahlvereins für Monat Dezember aus. Der Vorstand. RummelSburg. Ain nächsten Sonntag cirkulieren die Petitions- listen, welche sich gegen den Beschluß her Gemeinde- Vertretung betreffs Verbots des AuSrufenS und AuSklingclnS von Waren der Straßenhändlcr richten. Um möglichst viel Unterschristen zu sammeln und die Sache recht wirkungsvoll zu gestalten, werden die Genossen ersucht recht zahlreich am Sonntag früh 8 Uhr in ihren Zahl- stellen sich einzufinden. Fritz Bcrger, Vorsitzender des socialdemo- kratischen WahlvcrcinS. Steglitz. In der Angelegenheit der Crimmitschauer Weber wird hier eine öffentliche Versammlung abgehalten werden. Eine Flug- blattverbreitung hierzu erfolgt Sonntag früh 8 Uhr von folgenden Lokalen auS: Schellhase, Slhornstr. 15a und Kramer, Marksteinstr. 1._ Lokales. Der Weihnachtsmarkt ist gestern wieder aufgebaut worden. Seit Jahren geht die Klage, daß er seinen Beruf verfehlt habe und nur ein elendes Dasein von der proletarischen Bevölkerung Gnaden stihre. Diese Klage ist ja berechtigt: der Weihnachtsmarkt ist nicht mehr das, was er ehedem War. Mit Gewalt hat die Polizei ihm auf der Stätte seines che- maligen Glanzes, auf dem Schloßplatz ein Ende bereitet, und i,n Stillen haben dann die Warenhäuser ihr Teil gethan, um seine Trümmer am Arkona-Platz und Bcllcalliance-Platz noch armseliger er- scheinen zu lassen, als sie eS ohnehin schon sind. Ja, genau genommen, kann man sagen, daß Wertheim und Tietz die Erbschaft deS Weih- nachtsmarkteS angetreten haben: wer seinen Kindern die Freude des SchauenS bereiten will, geht ebenso»,it ihnen in die glanzvollen Riescnpaläste der Leipziger Straße wie er ehedem an der Hand seiner Eltern die Budenrcihen im Centrum der Stadt durchwanderte. So darf man heute mit gutem Recht klagen, daß der Markt nichts mehr ist als eine trübselige Erinnerung an die Tage früheren Glanzes. Aber sonderbar mutete eS uns an, daß auch zu einer Zeit, von der wir uns vorstellen, daß sie den Weihnachtsmarkt in seiner ganzen Herrlichkeit zeigte, die Klage über seinen Verfall laut wurde. In den vierziger Jahren erschienen in Berlin die„Pfennig-Blätter", eine hannloS auf Stadtklatsch und Theatcr-Krittelci zugeschnittene Zeitung, die natürlich auch dem Weihnachtsmarkt eine Betrachtung würdigte. Dcr„Wi:ihnachtSwandercr" stellt sich in dieser Zeitung seinen, Publikum vor und berichtet mit strenger Kritikermiene über alle Schaubuden, die er zum Christfest in Berlin abgestraft hat. Vom Weihnachtsmarkt aber weiß der kundige Mann folgendes zu vermelden:„Wieder hat er an Ausdehnung gewonnen, wieder giebt er einen Beweis von der nie rastenden Betriebsamkeit in unserm Berlin, mir ist er der Weihnachtsmarkt nicht mehr, der den Wanderer erstellte, als er noch ein Knabe war I Die Buden, in denen die eigentlich die jugendliche Schaulust anziehenden Gegenstände blinken, verlieren sich unter der Menge von solchen, die den Kleine» kein Interesse abgewinnen können, und so ist der alte traute Weihnachts- markt jetzt zum gewöhnlichen Kraminarkt geworden: die altehrwürdige „Waffelnbude" lebt auch nur noch in unsrer Erinnerung, dagegen versenden die modernen„Schmalzkuchcn" ihre Düfte, Eindringlinge, die sich immer mehr bei uns einnisten." Die Weihnachts- beschreibung klingt dann in den Wunsch aus: Was in diesem Jahre geboten, sei doch nicht zu viel gewesen, viel habe der Besucher vcr- mißt, woriwer er sich sonst gesteut.„Das ist der Einfluß einer Zeit, von der wir alle wiinschen wollen, möge sie bald besser werden." Dieser Wunsch des WeihnachtswandercrS hat sich, wie wir wissen, nicht erfüllt. Zwar sind die Schmalzkuchen verschwunden, wie so inancher andre„Eindringling", aber der Weihnachtsmarkt von heute würde unsren Kritiker ebenso enttäuschen, wie ihn der Glanz der Rieseichaläste mit Staunen erfüllen würde. Das ist der Lauf der Zeit. Jeder wird den armen Händlern, die in diesen Tagen ihre Waren feilhalten, gutes Wetter und ein gutes Geschäft gönnen. Aber die Zukunft haben sie nicht für sich, wie auch die Gegenwart sie kaum ihres Lebens stoh werden läßt. Kindervorstellung. Die liebe Weihnachtszeit bringt nicht allein den Tannenbaum und schöne Pfefferkuchen, sondern auch Genüsse geistiger Art, die zu andren Jahreszeiten nicht gut zu haben sind. Und lveil alles in diesen Tagen auf die Äinderwelt zugeschnitten ist. so tragen auch die geistigen Freuden den Geschmack und Charakter unsrer einstigen Erben absichtlich Rechnung. Wir wolle» nicht von den Bilderbüchern und der sonstigen Jugendlitteratur reden, die ja erst den Weihnachts- tisch zieren oder je nachdem auch verunzieren soll. Schöneres noch giebt es, ncunlich die dramatische Weihnachtskunst, die Kinder- Vorstellungen unsrer Theater. Es ist eine relativ glückliche Zeit, nicht allein für die Kleinen, fondern auch für die Leute auf der Bühne, denn das lebendige Bilderbuch. das sie uns in den dramasisierten Märchen vorführen, ist auf be- sondere Weise geweiht. Die toten Bilderbücher des Weihnachts- tisches und die dramatische Kunst im allgemeinen laborieren an dem gemeinsamen Schicksal, verrissen zu werden. Wer hat aber schon einmal davon gehört, daß ein Weihnachtsstück anders als mit Ehr- furcht aufgenommen wurde? Gewiß, es giebt auch da Unterschiede. Besteht doch z. B. ein nicht zu leugnender Kontrast zwischen dem„G e st i c f e I t e n Kater", der im Central-Theater über die weltbedeutenden Bretter dahin schreitet und den bösen Knaben„Max und Moritz", die im Thalia-Theater schöngereimte Possen verüben. Der„Ge- stiefelte Kater" geht in Weihestimmung lunhcr; es ist gar erbaulich anzusehen, wie er den armen Müllerknaben zuerst in Leiden tröstet und ihn dann mit dem Könige des Landes bekannt macht. Und waS ist das für ein König! Der Mann weiß seine Würde zu wahren und läßt keinen Augenblick Scepter und Reichsapfel aus den Händen, und einen Anzug trägt er wie es selbst zur MaSkeradcnzeit keinen schöneren giebt. Zum Schluß aber kommt in diesem Stück ein elektrisch beleuchteter Weihnachtsbaum vor, der so groß und bunt ist, daß man in der rauhen Wirklichkeit überhaupt nicht seinesgleichen finden kann. Von ganz andrem Charakter ist„Max und Moritz". Die Historie dieser beiden Knaben ist bekannt und ihre sieben Streiche werden im Thalia-Theater von zwei Berliner Jungen im naturalistischen Genre dargestellt. Die Sccne, wo sie der Tante Bolte die vier schön gebratenen Hühner angeln, ist besonders treffend der Wirklich- keit abgelauscht. Doch am Schluß, wenn der dramatische Effekt aufs höchste gesteigert ist, konimt eine Wendung, mit der die Bühne den unerbittlichen Intentionen des Originaldichters Moritz Busch in die Schranken fällt. Grausam wie dieser Dichter seiner Natnranlage nach ist, läßt er, tvic manche seiner Kinder, auch die beiden Helden dieses Epos in der Mühle eines recht qualvollen Todes sterben. Es ist Weihnachtszeit, wo die härtesten Herzen weich werden, und ein so gräßliches Ende kann der dramatische Bearbeiter daher nicht gut mit ansehen. Er nimmt eine Korrektur vor und läßt im letzten Akt Max und Moritz Besserung geloben, worauf ihnen ihre sieben Streiche verziehen werden. Offen gestanden, enttäuscht dieser Aus- gang namentlich die männliche Jugend, die sich durchweg von dem Anblick des traurigen Endes der beiden Bösewichtcr eine starke Wirkung versprochen hat. Die Weihnachtsstücke sind für die Kindcrwelt zugestutzt. Für die Äinderwelt im weitesten Sinne. Auch Knaben und Mädchen über zwölf Jahre glauben sich nichts zu vergeben, wenn sie sich an dieser besonderen Kost delektieren. Soll ein solcher Junge sich ehrlich darüber äußern, ob ihm die Schülervorstellung des„Wilhelm Tcll" oder diese Märchenschnurre besser gefällt, so braucht man über die Antwort nicht im Zweifel zu sein. Das schadet auch gar nichts. Es ist gewiß hübsch, daß den Gemeindeschülern Klassikervorstellungen bereitet werden, aber nicht allein vom Standpunkt der Kinder aus wäre zu überlegen, ob sie nicht auch durch eine hübsche Weihnachts- Vorstellung gratis erfreut werden könnten. Noch mehr aber als der Jugend wird den Erwachsenen in einer solchen Kindervorstellung geboten, vorausgesetzt natürlich, daß sie überhaupt im stände sind, daS Kindergemüt zu verstehen. Wenn man das Gewisper und Gcwoge vor Beginn der Vorstellung und in den Zwischenakten betrachtet, dann geht einem das Herz auf und man wird für den Augenblick selber iviedcr jung wie die kleinen Knaben und Mädchen rings umher. Die Gewerbedeputation des Magistrats beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Festsetzung des Etatsrntwurfcs für das gewerbliche Untcrrichtswescn für das Etatsjahr 1804—1905. Er schließt ab mit einer Einnahme von 323 570 M., welcher eine Ausgabe von 848 023 M. gegenübersteht. Es Ware somit ein Zuschuß aus der Stadt-Hauptkasie von 624 447 M. erforderlich, das find 18 780 M. mehr als die Etatssumme des Jahres 1903—1804 be- trägt. Der Entwurf fand nach einigen unwesentlichen Abstreichungen die Zustinimung der Gewerbedeputation und gelangt nunmehr zur Beschlußfassung an den Magistrat, um später der Stadtverordneten- Versammlung vorgelegt zu werden. An der Berliner Tischlerschule ist die Errichtung von Meisterkursen geplant, um, lvie in dem Programmentlvurfe heißt:„selbständigen Berliner Tischlenneistern die Gelegenheit zu gebe», sich in möglichst kurzer Zeit, die für einen lvkeistcr notwendigen Kenntnisse im Zeichnen, in der Buchführung. Kalkulation, Maschinenkunde usw. anzueignen, um das früher Versäumte nachzuholen und ihr Gewerbe mit Erfolg ausüben zu können."— lieber diese Meistcrkurse— eine Neueinrichtung, wie sie bisher an keiner der städtischen Fachschulen bestand— wurde noch kein Beschluß gefaßt, sondern eine Sub- kommission zur Vorberatung dieser Angelegenheit gewählt. In den Etat der Fachschule für Klempner wurden 500 M. zu AuSstellungszwccken eingesetzt. DaS Kuratorium dieser Schule hatte die doppelte Summe beantragt. Zum Mitglied? des Kuratoriums der Berliner Tischlerschnle wurde der Bürger-Deputierte Tutzauer gewählt. Dreizehn Gesellen- Ausschüsse hiesiger Innungen haben sich ge- weigert, ihre Zustimmung zu dem revidierten Nebenstatut, betreffend das Schiedsgericht des Jnnungs-Ausschnsses zu Berlin, zu geben. Der Jnnungs-AuSschuß der vereinigten Jnnungeit zu Berlin hat nun eilten Antrag gestellt auf Ergänzung der von den betreffenden Gesellenausschüsscn verweigerten Zustimmung durch die Gewerbe- deputation als Aufsichtsbehörde der Innungen. ES handelt sich bei dieser Streitfrage darum, ob das Jnnungs-SchicdSgcricht künftig bei drohenden oder bereits ausgebrochenen Arbeitseinstellungen und AuS- sperrungen sich als EinigungSamt konstituieren soll oder nicht. Die betreffenden GesellenauSschüsse wollen daS Jnnungs-EinigungSamt nicht anerkennen, sondern wie bisher das Gewerbegericht als Einiguugsamt anrufen.— Da der Referent ain Erscheinelt in der Sitzung verhindert lvar, vertagte die Gewerbedeputation diese Be- ratung und Beschlußfassung in dieser Sache bis zur nächsten Sitzung und beschloß auf Antrag Tutzauer, das angefochtene Nebenstatut vervielfältigen und den Mitgliedern der Deputation zum Studium zugehen zu lassen. Die nächsten Sitzungen der Stadtverordneten-Bersammlung, die letzten vor Weihnachten, finden am Donnerstag, den 17., und Dienstag, den 22. d. M., statt. Die Stadtverordneten-Ersatzwahl für den verstorbenen Cigarren- fabrikanten Hinz in der II. Abteilung des 14. Gemeinde-Wahlbezirks ist auf Dienstag, den 28. d. M., anberaumt worden. Ueberall in der Berliner Arbeiterschaft geben sich für die aus- gesperrten Weber in Crimmitschau Sympathien zu erkennen. Kaum eine Fabrik oder Werkstatt, die sich nicht an den Sammlungen be- teiligt. Gewiß stellen sich auch anderswo bei Lohnkämpfen die Be- Hörden in den Dienst des Unternehmertums: aber wohl selten ist dies so unverblümt geschehen, als in der bedeutendsten Industriestadt des roten Königreiches. Und wenn noch etwas geeignet war, die Teilnahme für die unter dein Belagerungszustand kämpfenden Arbeiter und Arbeiterinnen inniger zu gestalten, so die Reichstags- Rede des Bundesrats- Bevollmächtigten Fischer, der mit dürren Worten zugestand, daß der jetzige Zustand am Orte der Aussperrung dem Belagerungszustand durchaus ähnlich sieht. An vielen Arbeitsstätten sind die Sammlungen für die Crimmitschaucr Weber regelrecht geordnet worden. So erwähnen wir, daß in der Druckerei der Firma H. S. Hermann in der Beuth- straßc gestern einstimmig beschlossen worden ist, daß am heutigen Sonnabend jeder Arbeiter eine besondere Steuer von 50 Pf. zu leisten hat; außerdem aber verpflichteten die in dieser Offizin Be- schäftigten sich, regelrechte Wochenbeiträge zu zahlen, die für den ge- lernten Arbeiter auf 30 Pf., für die über 15 M. verdienenden Hilfs- arbeiter und Arbeiterinnen auf 20 Pf., für die unter 15 M. verdienenden Personen auf 10 Pf. bcmeffen wurden. Dies ist nur ein Beispiel unter vielen. Doch werden diese Vorbilder in der Berliner Arbeiterschaft auch dort Nachahmung finden, wo bisher an regel- rechte Sammlungen für die drangsalierten Arbeiter und Arbeite- rinnen noch nicht gedacht worden ist. Namentlich im Angesicht des Weihnachtsfestes wird jeder Arbeiter, jede Arbeiterin an Crimmit- schau denken und den Ausgesperrten nach Kräften in ihrem schweren Kampfe beistehen. Die Agitation für die KonsumgenossenschaftS-Bewegung hat sich in der letzten Zeit in Berlin kräftig entfaltet und in einer ganzen Reihe von Versammlungen ist die arbeitende Bevölkerung darüber aufgeklärt worden, daß sie in ihrem Emancipationskampfe neben der politischen nud gewerkschaftlichen Organisation auch im Genossen- schafts Wesen eine loertvolle Waffe befitzt. Bekaimte Parteigenossen und Genossinnen, wie Frau Stcinbach- Hamburg. Bartels, Ed. B e r n st e i n, v. Elm und P e u S haben in diesen Versammlungen ihre Kräfte für eine Bewegung eingesetzt, die gerade in Berlin bisher noch wenig gediehen ist, an andren Orten Deutsch- lands aber der Arbeiterschaft einen außerordentlich kräftigen Rückhalt giebt. Es sei nur an die Konsumgenossenschaften erinnert, die in Sachsen schon seit Jahrzehnten bestehen und an die„Produktion" in Hamburg, die erst wenige Jahre alt ist und doch schon eine außerordentliche Leistungsfähigkeit bewiesen hat. Gerade die Ein- richtungen dieser Genossenschaft sind sowohl tvaö die technischen Ein- richtungen betrifft als auch in Bezug ans die Behandlung und Entlohnung der Angestellten und Arbeiter mustergültig zu nennen. In den Versammlungen wurde darauf hingewiesen, daß durch die Unternehmerorganisationen, durch Kartelle und Trusts die Preise für alle Verkaufsgegenstände in die Höhe geschraubt werden. loas bei der geringen Kaufkraft der großen Masse schon schlimm genug sei— noch schlimmer aber sei das Bestreben dieser Unternehmer- Vereinigungen, durch ihren Zusamnienschluß zu- gleich auch die politische Arbeiterbewegung zu vernichten. Aber gerade durch diese volksfeindlichen Bestrebungen würde den Konsumgenossenschaften der Weg gewiesen zu bedeutsamen Aufgaben. Es gelte, die Lebenshaltung der Arbeiter im allgemeinen zu steigern, und zwar geschehe dicS durch Beseitigung des parasitären Zwischen- Handels. Ferner sei den Arbeitern durch die Genossenschaften Ge- legcnheit gegeben, einen Notfonds für schlimme Zeiten zurückzulegen: wie wertvoll gerade ein solcher Rückhalt sei, lehre die Lage der armen Crimmitschaucr Weber. ES wurde dann noch die Bedeutung der GroßeinkaufS-Genossenschaftcn erklärt und schließlich auf den Uebergang zur Eigenprodultion hingewiesen, dessen Bedeutung ini wirtschaftlichen Kampfe unverkennbar sei. Sicher ist in diesen Vcr- sammlungen ein gutes Stück Agitationsarbeit geleistet worden und mancher Anhänger wird hier der Gcnosscnschaftsbewegung gewonnen worden sein. Rur für Herren. Am Schalter des Reichstages, Ivo die Karten zur Zuschauertribüne ausgegeben werden, hatte gestern ein fein- gekleideter Herr einen kleinen Konflikt mit einem Beamten. Er erklärte, daß er seinen Diener beauftragt hätte, eine Karte zu be- stellen, und nun sei diese Karte nicht auf seinen, sondern auf des Dieners Namen ausgeschrieben worden. Der Beamte machte Ein- Wendungen und wollte daS„Versehen" nicht anerkennen. Darauf erwiderte der Herr entrüstet:„Aber ich bitte Sie. Sie werden docki einem Diener keine Karte für den Reichstag geben! W a s s o l l denn der da?" Die illustrierte Romanbibliothek„In Freien Stunden" ist jetzt bis zum 50. Heft erschienen, das heute zur Ausgabe gelangt. ES bringt die Fortsetzung deS Gcrstäckerschen RomanS„Die Regulatoren in Arkansas" und eine Erzählung von Robert Schwcichel„Es hängt Gewicht sich an Gewicht". Daneben eine kleine Erzählung „Schmuggel-Abcnteuer" seine Erinnerung an die Zeit deS Socialisten- gesetzes),„Dies und Jenes",„Witz und Scherz". Wöchentlich er- scheint ein 24 Seiten starkes Heft zum Preise von 10 Pf., das in allen Parteispeditionen und in der Buchhandlung Vorwärts, Linden- straße 68, zu haben ist. Mit dem 1. Januar beginnt ein neuer Roman. Die Schlächtermeister im Kampf gegen die Bernuuft. Gestern beschäftigte sich die Berliner Fleischerinnung mit dem Achwhr-Laden- schluß. Natürlich wurde diese socialpolitische Notwendigkeit in Gnmd und Boden verdonnert und eine Resolution gegen die drohende Neuerung angenommen. Der Obernteister Moritz Schmidt verstieg sich zu der Behauptung, daß die Einsührung des Achtuhr-Laden- schluffes es den Schlächtermeistern geradezu unmöglich mache, ihren Verpflichtungen nachzukommen und ein Meister Helsert wollte den Magistrat mobil machen. Man sieht, wir haben es hier mit denselben Argumenten zu thun, die seiner Zeit gegen die Sonntagsruhe und gegen den Neunuhr-Ladenschluß herhalten mußten, gegen Maß- nahmen also, an denen kein einziger Unternehmer zu Grunde ge- gangen ist, die im Gegenteil auch taufenden kleinen Ladeninhabern zu gute kommen. Aber die liebe Gewohnheit drängt die JnnungS- meister sich mit Händen und Füßen einzig deshalb gegen eine per- nünftige Neuerung zu wehren, weil sie den Arbeitern und An- gestellten ihre Lage erleichtert. Viel können die Arbeiter- frauen thun, damit der Achtuhr-Ladenschluß eingeführt werde. Mögen sie es sich zum Grundsatz niachen, nach acht Uhr abends nichts mehr einzukanfen und mögen sie ferner sich grundsätzlich solchen Geschäften zuwenden, die der Maßregel heute schon freundlich gesinnt sind. Die von Arbeitern gegründeten Konsum- g e n o s s e n s ch a f t c n z. B. schließen unsrcs Wissens seit ihrem Bestehen schon um acht Uhr. ihre Verkaufsstellen und sie stehen sich gut dabei. Ein großer Briefmarken- Diebstahl ist in einer Briefmarken- Handlung in der Friedrichstraße verübt worden. Dortsclbst erschien vor einigen Tagen ein Mann, welcher sich eine Anzahl Postwert- zeichen vorlegen ließ. Der Fremde kaufte für etwa 10 M. Ware. bezahlte dieselbe sofort und entfernte sich sodann. Bald danach ver- mißte der Briefmarkcn-Häudlcr zwei sogenannte Tauschhefte, welche nur entwertete Marken asiatischer und afrikanischer Staaten ini Ge- samtwcrte von ca. 700 M. enthielten. Die gestohlenen Marken sind seltenere Wertzeichen, deren Einzelpreis 3—25 M. beträgt. ES ist kaum zu bezweifeln, daß die Hefte von dem erwähnten Kunden gestohlen worden sind und daß der Dieb versuchen wird, die Wert- zeichen im Auslande zu verlaufen. Bon der gesicherten Existenz deS Arbeiters. Den Wirkungen dcS Giftes erlegen ist der 50 Jahre alte Kellner Karl Butow auS der Ackerstraße'34. Der Mann war seit ftinf Jahren lungenleidend und arbeitsunfähig. Für den Lebensunterhalt sorgte seine Frau durcki Aufwarte- Arbeiten. Um ihr nicht länger zur Last zu fallen, trank er vor einigen Tagen, als sie ihrer Arbeit nachgegangen war, Salz- säure. Hilflos und mit dem Tode ringend lag er in der Wohnung, als die Frau zurückkehrte. Im Krankenhause am Friedrichshain wurde der Unglückliche durch den Tod von seinen Leiden erlöst. Die Berliner Schuhfabrik, Schillingstr. 12, sendet uns zu iiiiserm Bericht über das in ihren Räumen ausgebrochcne Feuer folgende Richtigstellung: DaS Feuer kam gegen 10 Uhr im Maschinenraum unsrer Fabrik heraus und wurde von der Wehr im Zeitraum von noch nicht einer Viertelstunde gelöscht. Außer der Dielung des Raumes verbrannte überhaupt nichts. Unser Schaden ist so gering- fügiger Natur, daß wir ihn nicht einmal bei der Feuerversichenmgs- Gesellschaft anzumelden für nötig befunden haben. Der an dem Grundstück verursachte Schaden, welcher durch die Feuer-Societät ge- deckt wird, beträgt ca. 80—100 M. Das darunter befindliche Lager von Gebr. Fink wurde überhaupt nicht in Mitleidenschaft gezogen. Die Schuhfabrik F. Haase ist iy? übrigen niit dem 3. November in unser» Besitz übergegangen und ist die Firma handelsgerichtlich gelöscht. DiPpoldS Nachfolger. Folgende seltsame Geschichte wird uns berichtet: Ein hiesiger Möbelpolierer machte sich an Knaben, die er ans der Straße sah, heran, gab ihnen irgend einen Auftrag und richtete eS so ein, daß sie schließlich zu ihm auf sein Zimmer kommen mußten. Hier gab er sich dann für einen Kriminalbeamten auS, zeigte den Jungen eine Marke, die sie für einen Ausweis hielten. und hielt ihnen eine scharfe Strafpredigt.„Zu seinem Bedauern" teilte ihnen der Kriminalbeamte schließlich mit. daß er ihre Eltern wegen der vielen Unarten und bösen Streiche der Jungen in eine Geldstrafe nehmen müßte, wenn die Uebelthäter es nicht vor- zögen, sich auf der Stelle körperlich züchtigen zu lassen. Der „Beamte" hatte leichte Mühe, seine Opfer zur Entgegennahme der Züchtigung zu bewegen. Nachdem er sie dann über das Knie gelegt und init einem Stock bearbeitet hatte, sah er nach, ob die Schlüge auch etwa zu deutliche Spuren hinterlassen hatten, und schickte nun die Jungen mit einigen Cnnahnungen nach Hause. Tie Gezüchtigten hüteten sich zwar, ihren Eltern zii erzählen, waS mit ihnen vorgegangen war, aber es kam doch an den Tag, und der neue Dipvold, der nach seinem Verhör auf freiem Fui;e belassen wurde, wird sich nun wegen der Mißhandlungen und wegen An- maßung eines AmteS zu verantworten haben. Bisher kommen zwei Ulle in Betracht, wahrscheinlich aber dürften es noch mehr sei». Der 25 Jahre alte junge Mann macht mit seiner kleinen und schmächtigen Gestalt und einem blonden Schnurbärtchen den Eindruck eines Achtzehnjährigen.— Er wird hoffentlich gründlich kuriert, au: baß ihm sein bisheriges Pläsier vergeht. Zeugen gesucht. Die Personen, welche gesehen haben, wie am Sonntag. 22. November, abends gegen 7 Uhr, zwei Straßenbahn� wagen am Görlitzer Bahnhof kollidierten, werden ersucht, bei Ernst Winkel, Sorauerstr. g II, ihre Adresse abzugeben. Von einem unbekannten Schlächterfuhrwerk ist Donnerstagabend 7 Uhr der Arbeiter Sens aus der Schönhauser Allee in der Nähe seiner Wohnung überfahren worden. Der Verunglückte wurde nach der in dieser Straße belegenen Unfallstation gebracht. Es erregte allgemeines Befremden bei den Samaritern, daß der in der Unfall- ftation thätige Arzt keine Untersuchung des Verunglückten vor- nahm und nichts that, als einige Schrammen im Gesicht mit Heft- vflaster zu bekleben. Dann wurde der Arbeiter auf Anordnung dieses Arztes in einer Droschke nach Hanse gefahren, wo von der Ehefrau sofort ein andrer Arzt herbeigerufen wurde. Dieser konstatierte mehrere Rippenbrüche und andre schwere innere Verletzungen und ordnete an, daß ScnS sofort nach der Eharits gebracht wurde. Ein Lehrling verschwunden. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Berlin. 11. 12. 03. Vermißt wird seit dem 2l. v. M. der Adalbert siraße 62 bei den Eltern wohnhaft gewesene Lehrling Fritz Kaselow, am 16. Mai 1886 zu Berlin geboren. Er ist mittelgroß, hat blondes Haar, hohe Stirn, blonde Augenbrauen, dunkle Augen, schlechte Zähne, längliches blasses Gesicht, schlanke Gestalt und spricht Berliner Dialekt.� Er war bekleidet mit dunkelgrauem Paletot, grauem Rock und Weste, dunkel gestreifter Hose, dunkelgrancm Hut, Schnürstiefel und Barchcndhcmd. Etwaige Mitteilungen über seinen Verbleib werden im Polizeipräsidium, Zimmer 240. entgegengenommen oder können schriftlich zu 9678 IV,'13. 03 gemacht werden. Fcnerbericht. In der Nacht zum Freitag wurde die Wehr nach der Köthenerstr. 25 gerufen, weil hier kurz nach Mitternacht in einer Küche ein Brand ausgekommen war, der neben Küchenmöbeln auch den Fußboden beschädigte. Vorher gingen in der Grünstr. 26 Kleidungsstücke und Decken in einer Wohnung in Flammen auf, während in der Friedrichstr. 76 ein Schornsteinbrand beobachtet werden mußte. Donnerstagabend hatten in der Neuen Königftr. 84 in einem Schaufenster Puppen, Spiellvarcn und die Dekoration Feuer gefangen, das aber von der ersten Compagnie noch im Keime erstickt werden konnte. Die übrigen Alarmierungen, die in den letzten 24 Stunden noch einliefen, waren auf ganz unbedeutende Anlässe zurückzuführen._ Für die ausgesperrten Textilarbeiter in Erimmitschau veranstaltet der Buchdrucker- Gesangverein T y p o g r a p h i a morgen, Sonntag- mittag 12 Uhr, eine Matinee im großen Festfaale der Neuen Welt in der Hasenheide. Der gute Zweck dieser Veranstaltung und die vorzüglichen Leistungen der Typographia werden gewiß ein zahl- reiches Publikum heranziehen, zumal der Eintrittspreis nur 30 Pf. beträgt. Freie BolkSbühue. Bei dem morgen im GelverkschaftShanse statt- findenden L i I i e n c r o n- A b c n d kommen neben älteren Sachen auch eine Anzahl von Gedichten zum Vortrag, die der neuesten Sammlung des Dichters„Bunte Beule" entnommen sind, u. a.„Der Blitzzug",«Die Mörderin".„Ein Tag aus dein Leben des kleinen Herrn Wulff". Unter den Kompositionen befinden sich solche von Johannes BrahmS und Richard Strauß. Der Anfang ist präcise 7 Uhr. Hifö den Nachbarorten. Charlottenburg. Auf zur Stichwahl im siebenten Bezirk! ES gut, diesen Bezirk den Freisinnigen zu entreißen. Der Sieg wird von tvenigen Stimmen abhängen, deshalb darf keiner fehlen. Auch die zahlreichen Arbeiter, tvelche in Berlin arbeiten, aber im siebenten Charlotten- burger Bezirk wahlberechtigt sind, dürfen ihre Pflicht nicht versäumen. Da jeder zur Wahl zugelassen werden muß, der bis 8 U h r abends im Wahllokal ist, haben auch diese Arbeiter noch Gelegenheit, zeitig genug an den Wahltisch zu treten und dort ihre Stimme abzugeben für den s o c i a l d c m o k r a t i s ch e n Kandidaten Kaufmann I. Roscnthal. Spandau. Ungefähr zwei Jahre befanden sich nnsre Partei- genossen in der hiesigen Stadtvcrordncten-Versammlimg permanent im Kriegsznstand gegen die bürgerliche Mehrheit, weil diese ganz unvermittelt die bis dahin geübte Praxis bei Besetzung von Deputationen. Kommissionen jc. durchbrach, und nun mit einem mal eigenmächtig irgend einen unsrer Genossen für ein solches Amt vor schlug, obgleich so lange immer die socialdemokratische Fraktion selbst die geeignete Auswahl aus ihrer Mitte gewoffen hatte. Mit dieser Neuerung wollten die bürgerlichen Stadtväter imsren Genossen Riegcr, der durch scharfe Kritik sich dieser Mehrheit verhaßt gemacht hatte,„kalt" stellen, d. h. ihn von der Mitarbeit in in Deputationen ec. fernhalten. Unsre Genossen setzten dieser Ver- gewaltigung scharfen Widerstand entgegen, und oft kam eS in den Stadtverordneten-Sitzungen zu heftigen Auftritten, bis unfre Gegner endlich einsehen lernten, daß sie so stets den kürzeren zogen, und ihren Zweck, einen ihrer schärfsten Widersacher los zu werden, nicht erreichten. Jetzt hat der Stadtverordncten-Vorsteher Schröder in der letzten Sitzung, offenbar im Einverständnis mit der Mehrheit, unsren Genossen mitgeteilt, daß wieder die alte Praxis zur Geltung kommen soll, wonach der socialdemokratischen Fraktion die i h r geeignet erscheinenden Fraktionsmitglicder in die betreffenden Kommissionen:c. delegiert! Damit ist denn also dieser Streisall beseitigt. Schwer büßen läßt das Bezirkskommando zu Brandenburg einen meldepfkichtigen Reservisten, den Metallarbeiter A. in S p a n d a u, weil dieser die Dreistigkeit gehabt hat, ohne vorher beim Bezirks- kommando um die Genehmigung nachzusuchen, sich bei der ver- flossencn Landtagswahl alö— s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n W a h l- m a n n wählen zu lassen. Da unser Parteigenosse in seinem militärischen Verhältnis es bis zum Grade eines Gefreiten und .Untcrosfizier-Aspiranten" gebracht hatte, erforderte eine Treulosigkeit gegen Thron und Altar eine exemplarische Sühne, und da man ihm leider nicht den socialdemokratisch gesinnten Kopf abschneiden konnte, so-- strich man ihn von der Liste der Unteroffizier- Aspiranten und setzte den Sünder davon durch den Hauptmann des Spandaucr Melde-Amts mündlich in Kenntnis. Den riesigen Schmerz unsreS Genossen über seine Degradierung können sich die Leser deL„Vorwärts" selbst ausmalen. Orgelkonzert. Otto Dienel führt Montag, den 14. Dezember, abends 7� Uhr, in der Marienkirche Weihnachtskompositionen auf(Frauenchöre, Terzette, Duette, Arien, Lieder, Cello- und Orgel- stücke) unter Mitwirkung der Gesangschule von Frau Klara Bindhoff der Damen Freifrau v. Maltzahn, Fräulein Margarete Schmidt. Fräulein Fredeguude Lutter, Fräulein Gertrud Dittrich, Fräulein Margarete Heinrich, Fräulein Käte Hoffmann und Miß Jessie Muichead und der Herren Otto Tormin und Heinrich Scholz. Der. Eintritt ist frei. Die Ausstellung der„Aegintha" und„Eaiiaria" ist gestern in den Andreassälen. Andreasstr. 21, eröffnet worden. Wer da erwartet, daß ihn beim Einttitt in die Hallen ein Gesang empfangen werde, ähnlich wie Siegfried ihn nach gcthaner Arbeit vernahm, wird sich gelinde getänscht fühlen. Richard Wagner hat das Tohuwabohu zur Harmonie ausgestaltet; unsre gefiederten Sänger und Mchtsänger sind noch nicht soweit. Sie tirilieren einzeln darauf los, im- bekümmert nm ihre verehrlichen Nachbarn. Das giebt dann ein mehr durch Lebhaftigkeit als durch künstlerische Gestalt ausgezeichnetes Konzert, in welchem eine Anzahl Papageien noch eine besondere Neigung zum Abweichen von den anerkannten Regeln der Tonkunst verraten. Doch der Vogel- freund findet auch aus diesem Krakeel die seinen Ohren angenehme Musik heraus und prüfend lauscht der Kenner dem lieb- lichen Lied der neu erwachenden Sänger. Ihm wird gar viel ge- boten, manches sogar, was eigentlich über seinen Horizont hinaus- geht. So hat Christiaue Hagenbeck neben seltenen Papageien auch als Seltenheit dreifarbige Eichkätzchen und ein Paar Pinchö-Aeffchen ausgestellt, kleine Kerle von einer Art, die bisher noch nicht in Europa gesehen worden ist. Unter den Papageien aber befindet sich cm Wellensittich, der gar gefühlvoll den schönen VerS von der Hulda deklamiert, für die kein Stuhl da ist. Unter den Sängern sind verschiedene, die mehrere Lieder singen können; ein Zann- könig und eine Feldlerche zeichnen sich besonders aus, ebenso ein Kanarienvogel, der nicht allein singen, sondern auch ein paar Worte sprechen kann. Man sieht ans diesen Beispielen, daß nicht allein,' der Kenner beim Besuch der Ausstellung auf seine Kosten kommt. Von den Kanarienziichtern erhielten der Selbstzuchter Schneider die Goldene Medaille, Kroll, Marcovici, Udcrstadt, Savage und Dzierzon jc einen Ehrenpreis, während von den allgemeinen Ausstellern Joachim mit der Goldenen Medaille, Schübe!, Tiegs, Savaae, Brannsdorf mit Ehrenpreisen ausgezeichnet wurden. Die Ausstellung ist bis zum IS. d. M. geöffnet. Eine Flugblatt-Berbreiwug findet am Sonntag für die Ab- teilnng III des Berliner Konsumvereins statt. Die Freunde der Genosscnschaftsbewegung werden ersucht, sich hierzu früh 8 Uhr im Lokale von Gundlach, Waldenserstr. 22/23, einzufinden. Theater. Die diesjährige Generalversammlung der Schi Her- Theater- Aktiengesellschaft findet am 28. Dezember, abends Uhr, in den Bureaus der Auskunftei Schimmelpfeng (Charlottenstr. 23) statt.— Carl Weiß-Theater. Am Sonntag, 13. Dezember, bringen unsre wackeren oberbayrischen� Gäste ihr überaus lustiges Volksstück mit Gesang und Tanz(Schnplattler) „Bruder Martin", worin das gesamte Personal beschäftigt ist. Der Spielplan der> nächsten Woche enthält Wiederholungen der Anzen- gruberschen Werke„Die Kreuzelschreiber" und„Der Meineidbauer". — Central-Theater.„Der R a st e l b i n d e r" wird nur Seriebts-Teitung. Ein schwerer Tiebstalff, der untckr Umständen ausgeführt war welche ans eine besonders Gcmeingcfährlichkcit des Thätcrs schlichen ließen, führte gestern den Elektrotechniker Oskar Göritz vor die zweite Strafkammer des Landgerichts II. Die bei einem Kaufmann in Charlottenburg bcdicnstcte unverehelichte Anna C. hatte in einem Vergnügtingslokal in Tegel den Angeklagten kennen gelernt. Die .Bekanntschaft führte bald zu einem Liebesverhältnis. Als im Juli dieses Jahres die Herrschaft des Dienstmädchens verreiste, wurde cS von dem Angeklagten Überredet, ihm Zutritt zur Wohnimg zu ge- währe». Das Paar schaltete und walrete daraus in der Wohnung. crs wäre es die Herrschaft selbst. Nachdem der Angeklagte die ört- lichen Verhältnisse genau kennen gelernt hatte, brachte er einen raffinierten Plan zur Ausführung. Bei einem seiner Besuche redete 'er dein Mädchen vor, daß das Verhältnis mit ihm nicht ohne Folgen geblieben sei. Das geängstigte Mädchen ging ans alles ein, WaS er von ihr verlangte. Er erklärte, daß er ein Mittel bei sich führe, wodurch er die Folgen sofort beseitigen könne. Der Angeklagte be- sprengte mir einem Zerftäuber ein Taschentuch mit einer Flüssigkeit, >vie sich später herausstellte mit Ehloroform. welches der Angeklagte früher einmal in einer Apotheke gestohlen hatte. Das Tuch warf der Angeklagte dem Mädchen iibcr das Gesicht. Sie wurde sofort bewußtlos. Nun trug der Angeklagte sie in ihr Zimmer, welches er von außen verschloß. Er durchstöberte daraus sämtliche Zimmer. Die Behälter eines Damenschreibtisches erbrach der Angeklagte mit einem Stemmeisen, ohne etwas von Wert zu finden. Ein einziges der Fächer ließ er unberührt, weil ihm das Oeffnen zu beschwerlich war. Gerade dies Fach enthielt eine Kassette mit mehreren tausend Mark. Dagegen fand er in einem Waschtische, den er ebenfalls erbrach, ein Opernglas im Werte von 30 M. und in einem andren Schreib- tisch einen Beutel mit Geld. Tiefen eignete der Angeklagte sich a», in dem Glauben, einen größeren Betrag erwischt zu haben. Als der Angeklagte endlich mir der Durchsuchung aller Behälter fertig war. begab er sich wieder nach dem Zimmer des Mädchens, das inzwischen aus der Narkose erwacht war. Es schöpfte keinen Verdacht gegen den Angeklagten. Der Diebstahl lvnrde erst entdeckt, als die Herrschast zwei Tage später nach Hause zurückkehrte. Das Mädchen gestand nach anfänglichem Leugnen, daß der Angeklagte in der Wohnung gewesen sei und was er mit ihr vorgenommen habe. Der Angeklagte hatte übrigens eine böse Enttäuschung erfahren: als er den Inhalt des Beutels prüfte, entdeckte er, daß er 1500 neue Pseimigstücke enthielt, die den Kindern der Bcstohlencn als Spiel- zeug dienten. Im Termin versuchte der Angeklagte es mit dem häufig gebranchten Einwand, daß er nicht richtig im Kopfe sei. Der Gerichtshof hielt dies für eine Angabe, der keine Beachtung zu schenken sei. DaS Urteil lautete auf eine Zuchthausstrafe von 2 Jahr c n 6 Monaten und fünfjährigen Ehrverlust. Es wurde die sofortige Verhaftung des Verurteilten verfügt. („La Parisienne") von Henry Bccque, die am 16. Dezember aus Anlaß des vierzigjährigen KüustlerjubiläumS von Hans Pagay gemeinsanl mit„Crainquebille" von Anatole France in Scenc geht, wird bei dieser Gelegenheit in Berlin zum erstenmal in deutscher Sprache aufgeführt. Versammlungen. Dritter Wahlkreis. Der socialdemokratische Wahlverein hielt am Mittwoch im„Märkischen Hof" eine gutbesuchte Versammlung ab. Dr. R. Steiner sprach daselbst über„Die astronomischen Eni- deckungen seit Kopernikus". Die Zuhörer folgten den interessanten, gemeinberständlich gehaltenen Ausführungen des Referenten mit ge- spannter Aufmerksamkeit und spendeten ihm am Schlüsse seines Vor- trags reichen Beifall. Auch die Diskussion gestaltete sich durch ver- schiedene Fragestellungen ans der Zuhörerschaft und deren Be- antwortung durch den Vortragenden in mehr als einer Hinsicht recht anregend und belehrend. Eine Erörterung sonstiger Vereins- angelegenheiten fand nicht statt. Die organisierten Schlächter Berlins hielten am 9. Dezember in Patts Vereinshans, Dragonerstr. 15. eine Versammlung ab, die von Über 300 Gesellen besucht war. Zum 1. Punkt sprach Paul H e n s e l über sdas Thema: Stellungnahme zu unsren Forderungen, falls dieselben von den Meister- Korporationen nicht berücksichtigt werden. Aehnlich wie vor zivei Jahren hat die Lohnkommission im Aufwage der Gesellen auch jetzt wieder an die hiesigen Fleischer- Innungen und-Meistervereine Forderungen betreffs Verbesserung der Geselleulage gestellt. Die Antworten werden vis 1. I a n u a r 1904 erwartet. Vor zwei Jahren gingen einige Antworten ein, die die Ablehnung der Forderungen besagten, andere Korporationen antworteten überhaupt nicht. Die jetzigen Forderungen sind: Regelung der Arbeitsvermittelung; Gänzliche Abschaffung der Sonn- tagS-Kündigung und Entlassung; Konwolle der Schlaf- und Arbeits- räume unter Hinzuziehung von organisierten Gesellenverwetcrn; Regelung des Lehrlings- und Herbergswescns; Durchführung der gesetzlichen Sonntagörnhe resp. nur dreistündige Sonntagsarbeit: Freigabe der ersten Feiertage an den drei hohen Festen; Einführung der ILstündigen täglichen Arbeitszeit inklusive einer cinstündigeli Mittags- sowie sizstündige Frühstücks- und Vesperpause und mithin der llstiindigen Ruhegause; Bezahlung eventuell notwendiger Ucbcr- stunden mit 50 Pf. pro Stunde. Sollten die Forderungen auch diesmal keine Berücksichtigung finden, dann bleibe nur noch der Ausweg übrig, die Hilfe des kon- siimierenden Publikums in Anspruch zu nehmen. Redner schilderte dann noch den Verlauf der Streiks in Eisenberg, Westerland auf Sylt, Nortorf, Kiel, Hamburg, Braunschwcig sowie den Abwehrstreik in Preetz. Mehrere dieser Stteiks seien verloren ge- gangen, weil die Gesellen nicht organisiert waren. Vor Zuzug nach Preetz warnt Redner, da daselbst die Kollegen wegen Zu- gehörigkcit zur Organisation gemaßregeli seien und andre aus Solidaritätsgefühl für ihre Kollegen streiken. In Berlin würde ein Streik zwecklos sein, aber ein Appell an das Publikum Nutzen für die Gesellen bringen.(Allseitiger Beifall:) Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. Ein großer Teil der Anwesenden trat dem Verbände bei. Zum zweiten Punkt:„Gewerbsmäßiger Stellenwucher und der paritätische Arbeitsnachweis", spricht gleichfalls Hensel, indem er besonders auf den Fall Sturm hinweist, der Ver- mittler der„Freien Pereinigung der Fleischermeister Berlins" ist. Genau wie von dieser Korporation durch das Kanimergcricht festgestellt wurde, daß sie gewerbsmäßige' Stellenvermittelnng betrieben habe, wäre dies bei der Berliner Fleischer-Jnnung der Fall. Nctch Angabe der Innung sei deren Arbeitsnachweis ein „Wohlthätigkeits-Jnstttut", in Wirklichkeit ist dieser aber nichts weiter als eine gewerbsmäßige Stellenvermittelung, da die Gesellen nur ftir Entgeld vermittelt werden. Der paritättsche Arbeitsnachweis wird als vorteilhafter anerkamit. Der Verband sei aufgefordert, sich an demselben zu beteiligen. Dadurch sei es möglich, den gewerbsmäßigen Stellenwucher zu untergraben, lieber diese Frage cntspämi sich eine längere Debatte, die damit endete, daß man beschloß, vom 1. Januar 1904 an den paritätischen Ar- beitsnachweis zu benutzen. Der Arbeitsnachweis Dragonerstraß!: Skr. 15 soll dann aufgehoben werden. Mit dem Kuratorium des paritätischen Arbeitsnachweises soll in nähere Verhandlung eingetreten werden betreffs der Vermittlmig und Kontrolle.— Eine Sammlung für die streikenden Weber erbrachte lt,50 M. Mit einem dreifachen Hoch auf den Eentralverband wurde die Ver- samtnlung geschlossen. Der Centralverciti der Bildhauer befaßte sich in einer gutbesuchten Versammlung am Dienstag eingehend init der Anbahnung einer R e f o r in d e r S t e l l e n v e r ni i t t e l u n g für den Beruf. Schon bislang lag die Stellenverinittelung in den Händen der Organisation, doch war es den Mitgliedern auch gestattet, sich auf Grund von An- noneeii oder, durch Anfragen selbst Arbeit zu verschaffen. Da sich bei diesem System jedoch eine Reihe vonUebelständen herausgebildet haben. so ist die Agitationskommission des Vereins bcaufwagt worden, geeignete Vorschläge zu einer zweckmäßigen Ausgestaltung des Stclleii- vermirtclnngswesens auSzuarbeittil. Infolgedessen unterbreitete die Kommission der Versammlung folgende Anträge: 1. In den Werkstätten, die Gehilfen von unsrer Stellen- vermittclung beziehen, ist das Anfragen und in Arbeit treten * außerhalb der Stcllenvermittelnng streng verboten. 2. In Fällen von Umgehung der Stellenvermittelung haben die Kollegen unbedingt Stellung dazu zu nehmen. 3. Die Kollegen sind verpflichtet, in allen Werkstätten für Anerkennung der Stellenvermittelung zu ivirken. Nach einer regen Aussprache fanden vorstehende Aitträgc gegen wenige Stimmen Annahme. Sodann wurden etwa 20 Firmen namhaft gemacht, die in erster Linie bei diesen Beschlüssen in Bewacht lommcn. Außerdem wurde mitgeteilt, daß gegenwärtig 70 Holzbildhauer, 5 Steinbildhauer und 50 Modellcure als arbeitslos bei der Stellenvermittelung eingetragen find. Ferner sind den Webern in Crimmitschau als vierte Rate 150 Mark be- willigt worden. Die Sektion der Putzer des Maurcr-BerbandeS hielt am 2. De- zember ihre Mitglieder-Versammlung ab, in der folgender Beschluß gefaßt wurde. Am 1. März soll auch für die Sektion der Putzer die Einheitsmarke cingefithrt werden. Das Markcnkleben soll wie folgt geregelt werden: Vom 1. März bis inkl. November sollen pro Woche. wenn über drei Tage gearbeitet wird, 75 Pf., wird bis zu drei Tagen gearbeitet, 50 Pf., für arbeitslose Wochen der Stamm- beitrag von 25 Pf. geklebt werden. In der Zeit vom 1. Dezember bis inklusive Februar wird, lvcnn über zwei Tage gearbeitet wird. wie bisher 25 Pf. gezahlt. Hierfür ivird ans dem Lokalfonds folgende Krankcnunterstützung gezahlt: In der Zeit vom 1.' März bis inklusive November zu der statutenmäßigen Krankenuiltersttitzung eine Zulage von 30 Pf. pro Tag, in der Zeit vom 1. Dezember vis inkl. Februar eine Ärankenunterstützung. wie sie das Statut vorschreibt, und zwar die letztere schon nach ein- jähriger Mitgliedschaft. Für die Marken der Wintermonate soll den Mitgliedsbüchern ein kleiner Anhang beigefügt iverden, in dem auch etwaige arbeitslose Wochen abgestempelt werden sollen. Für Putzer, welche hier arbeiten, aber andren Zweigvereinen an- gehören, sollen den betreffenden Zweigvereinen durch den hiesigen Kassierer Berliner Marken zugeschickt werden. Dies soll zur Kenntttis- nähme der betteffenden Zweigvcreine im„Grundstein" bekannt gr- macht werden. Verband deutscher Mühlenarbeitcr. Zahlstelle Berlin. Vcrsamm» lung Sonntag, den 13. d. M., nachmittags 3'l3 Uhr, im GewerkschastshanS, Engcl-User lö, Saal 7. Die Lotalverwaltung." Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 13. Dezember, vorm. Sch, Uhr, in der Schul-Aula, Kleine Aranksmterstt.6: Versammlung. Freireligiöse Vor- lesung.— Uin 10*1, Uhr uormittags ebendaselbst: Vorttag des Fräulein Ida Alttnann:„Der Kamps gegen die Dunkelmänner." Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Verein der Buchdrucker und Tchriftgicfter für Rixdorf-Brib. Sonntag, den 13. Dezember, nachmittags 2 Uhr: Bereinsveriammlung in der Vercinsbrauerei. Hermannstraßc. Marktpreise von Berlin am 10. Dezember 1903 nach Ermittelungen deS tgl. Polizeipräsidiums. »Welzen, gut D.-Ctr. mittel gering »Roggen, gut mittel gering ( Gerste, gut „ mittel gering ■fHaser, gut . mittel . gering Richiswoh Seit rbsen Speisebohnen Linsen « ab Bahn. 16,15 16.05 15,95 13,00 12,06 12,92 14,30 13,10 11,90 15,70 14,30 13,00 4,32 7,40 40,00 50,00 60,00 16,10 16,00 15,90 12,98 12,94 12,90 13,20 12,00 10,80 14,40 13,10 11.80 3.66 5.00 25,00 26,00 20,00 Kartoffeln, neue D.-Cw. Rindfleisch, Keule 1 kg do.' Bauch. Schweinefleisch„ Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schlei- Bleie Krebse 60 Stück l Ks per Schock t frei Wagen und ab Bahn. 7.00 1.80 1.50 1,60 2.00 1,80 2,80 5,00 2,20 2,80 2,60 2.00 1,80 3,00 1,40 15.00 5.00 1.20 1,10 1.00 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,40 0,80 3,00 Wetter-Vrognofe für Tonnabend, den IS. Dezember IS0Z. Vielfach heiter, ein wenig kälter bei mäßigen südöstlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. jBerliner Wetterburcao. Mr den Jubalt der Inserate übernimmt die Nedaktivn dem Publikum gegeunber keinerlei Vernnttvortnng. i�Keater. Sonnabend, den 12. Dezember. Ansang VI, Uhr: Opernhaus. Manon. Schauspielhaus. Im bunicn RoS. Deutsches. Der Meister. Berliner. Alt-Heidelberg. Nachmittags I Uhr: Die sieben Raben. Lessing. Zapfenstreich. Weste». Der Zigeunerbaron. Nachmittags 3 Uhr: Rotkäppchen. Neues. Salome. Vorher: Der Kammersänger. Residenz. Ein Seitensprung. Central. Der Rastelbindcr. Thalia. Der Hochtourist. Nachm. i Uhr: Max und Moritz. Ansang 8 Uhr: Schiller tt.(Wallner- Theater.): Vasantasena. Schiller Zs.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Wilhelm Tcll. Carl Weiss. Der Gewisscnswprm. Nachm. 4 Uhr: Häusel und Grctel. Luisen. Alpenkönig u. Menschenfeind. Kleines. Nachtashl. Trianou. Biscottc. Deutsch- Amerikanisches. Ucbcr'n grogen Teich. Casino. Wcihnachtsglocken. Der vertauschte Sohn. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Apollo. Frühlingsluft. Palast. Wünsche und Träume. Winter-vlarten. Spccialitäleu. Passage-Thcatcr. Specialitäteu. Reichshalle». Stettincr Sänger. Urania. Tanbenftrasse 1�1!». Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Obcritalicns. Jupalideustrasic S7/KS. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Cstitfal-TKester. §eute nachm. 4 llhr, halbe Preise, jeder rwachsenc ein Kind frei, Kindcrvorst.: Der gestiefelte Lrater. Märchenspiel in 4 Bildern mit Gesang und Tanz. Abends 7'/, Uhr: Der R.astelbuicler. _ Ed. Stcinbcrger a. G. �lIK8 Iliögtks. Schiffbaucrdamm 4a— ö. Tslomv, Lorher: So« Heiden«. Ansang Vj, Uhr. Sonntag: ssellebto tler villlung. l-uizen-IIleiiler. Abends 8 Uhr: nluM«. Sonntagnachmittag: Romeo und Julia.— Abends: Reif-Rcislingen. Montag: Reif-Rciflingcn.' Dienstag: Reis-Reiflingcn. Mittwoch: Romeo und Julia. Donnerstag: Othello. Freitag: Rcis-Rciflingen. Rkptilj-Tliklrter Direktion S. Laulenburg. Ansang VI, Uhr. Ein Seitensprung. Schwank in 3 Akten von G. Berr, Dchere und Guillemaud. Deutsch von Max Schönau. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das grosse Geheimnis._ Kleines Theater. Unter den Linden 44. LlvKina. Anfang 8 Uhr. Sonntag: Xachtanyl. Apollo-Theater. Um 8 Uhr: kTuklingsIuit mit dem Ballett Blütenhochzeit. Um Q3!, Uhr: Mit grossem Orchester: Vision nach dem Balle. Pantomime, Musik ö. Joachim Albrecht v.Preussen. Um 10 Uhr: Die neuen glänzenden Specialitäten: Ivan TschcrnoB". ein Morgen auf dem Sport-Stallhof. Kell/ and Ashby X Francois-Truppe einer. Excentrics. Equilibristen. The Passparts, Tanz-Duett. Kosmograph und Biophon. Fröbels Allerlei-Theater lr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Fröbel. Sonnabend, den 12. Dezember er., , nachmittags 4 Uhr: Kinder- Vorstellung einmalige Aufführung: AWKiippltjell und der Wolf. Groffcs Kinder-Märchenspicl. Eintritt 10 Pf. Erwachsene 20 Pf. Sperrsitz 15 Pf. Erwachsene 30 Ps. Sonntag: H-et�te Vocstellnng der beliebten Zimmermanns Tkorüileutsells Länger. Nach der Vorstellung um 10 Uhr «li'o««or B»U. � Schüler-Theater. Schiller-Theater O, (Wallncr-Thcater). Sonnabendabend 8 Uhr: Vasantasen«. Drama in 5 Akten nach einer Dichtung des Königs Sudraka. Frei bearbeitet von Emil Pohl. S o n ii t a g n a ch m i t t a g 3 U h r: Der Bihllotheliar. Sonntagabend 8 Uhr Im sreissen Bö««l. Montagabend 8 Uhr: Vasantasena. Schiller-Theater BT. (Friedrich-Wilhelmstädtifches Theater) Sonnabendabend 8 Uhr: Wilhelm Teil. Schauspiel in fünf Zluszügen von Friedrich Schiller. Sonntagnachmittag 3 U b r: '.Vallensteins Hager. Die Piccelomini. Sonntagabend 8 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft. Montagabend 8 Uhr: Wilhelm Teil. Lirkus Lelmttiatm. •Heute Sonnabend, den 12. Dezember, abends 7"- Uhr: IW Zum 11. Male:-T&fi Sitte Wanderung Säbel � �• Feenhafte Waiseresfekte.• So männliche Kai,er-Löwen des Hrn..«alias bieeth. Der weiteste Sprung, 50 Fun mit dem Fahrrad von Mite. Dateien. Morgen �onnwgnachmiltag. neu einstudiert, die reizende Kinderpantomime: Pierrots Weihnachten. Nachm. 1 Kind frei, weitere.Kuider halbe Preise. Ui'snis. _ Taubenstrasse 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober-Italiens. Sternwarte Invaiidenstrasse 67/82. • CASTANS PANOPTICUM Priadrichstr. 165. Der Indianer-Biese Mianko Karoo vom Stamm der Sicux-Indiansr.-WD Übend!1"0, SS"."5- Schwestern _ nur noeh bis Ende Dezember. Grosses Promenaden-Konzen. {{LT- CHlNi\ Kunst-jlnsstelinng tdipZIBER' Täglich geöffnet 10-8. Entree 1 Tl.. Nonntag 50 Pf lUUl Msselei! Burleske Ausctattungsposso mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Sccno/ gesetzt vom Direktor Eichard Schultz. Im 4. Bilde: Cirossos Ballett Wie damals im Monat Mai. Anfang 8 Uhr. — Rauchen überall gestattet.— Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, e:omtt. 71/.. 8 Uhr: WeihnachtSgloeken. 8>/z: Nuscha Melitta— Loro-Ouartett. Corradiiii. g'/- mr: Wr vertauschte Zohn. Sonntagnachni. 4 Uhr: Arn Altar. Passaxe-Thestei- Anlang Lenntags 3 Uhr, Nochen- tags 5 Uhr. Anlaug der Abend- Vorstellung 8 Uhr. Ltflio hat wieder seine Sensation! 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Dezember, nachmittags 4'/- Uhr. ___ im CJcwerkschaftshansc, Saal I, Mk" Versammlung aller in der Zchrouben-Sranche beschäftigteuArbeiter».Arbeiterinne«. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Waldcck Manasse:„Friede auf Erden und dem Mensche» ein Wohlgefallen". 2. Disluision. 3. Verschiedenes. Nach Schluß der Versammlung: Gemütliches Beisammensein u. Danz, IM- Znr Deckung der Unkosten Entrec 15 Pf. Montag, den 14. Dezember, abends 8 Uhr: UM" Versammlung"WD der Wftallsdjlfjffr, Gatvamseure und Msarbeiter im groffen Saale Baggenhagen(Moritzplaff). Tagcs-Ordnung: 1. Der Streik der Gürtler und Drücker und seine Lehren. Referent: tlollegc Pawlcwstsch. 2. Diskussion. 3. Vcrbandsangclegenheitcn. Wir erwarten, dag alle Kollegen pünktlich erscheinen. Angesichts dieser Tagesordnung dürseu alle das größte Interesse an der Versammlung haben._ Montag, den 14. Dezember, abends SVs Uhr: Bezirks-Versammlung für Rixdorf IM- im Lokale von Thiel, Bcrgstr. 432—32."ML T a g e S- O r d n u n g: 1. Vortrag des Genossen Max Kiesel. 2. Diskussion. 3. VerbandSangckcgcnkcitcn und Verschiedenes. 161/17 Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortsverwaltung. III, rot, Brillanten. Goldwaren, bellt) l 4 il, deutend unter regulärem Preis. Leihbaus Graff, Bciithstr. S. ♦ Verband der Klöbelpolierer. Heute abend S'/o Uhr, in Wcisicnsce. König-Chaussee 55: Versammlung. TageS-Ordnuna: 1. Vortrag des Genossen Waldeck Manasse. 2. Diskussion. 3. Ver. bandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Montag, den 14. Dezember 1903, abends 8V3 Uhr, Hussitenstr. 40; WM" Versammlung."WW TageS-Ordnung: 1. Bericht dcS Bevollmächtigten: 2. Diskussion über die Anträge zum Delcgicrtcntagc. 3. Wahl. 4. Verschiedenes und SluSgabc der Urania» BilletS. ZV Die Mitglieder werden ersucht, in obigen Versammlungen pünkt» lich zu erscheinen. Gäste willkommen. IM- Den Kollegen zur Kenntnis, dasi in diesem Jahre nur noch heute und anr 24. in den Zahlstellen Beiträge entgegengenommen werde». Der Borftand. Centraiverband deutscher Brauerei-Arbeiter Zweigverein Berlin, Sektion II Sonntag, de» 13. Dezember 1303 nachmittag 2 Uhr, All! k- lieber-Ver 8 aminlnnK in Kellers Festsälcn. Koppenftr. 29. Tagesordnung: Berichterstattung über die Tarifvcrhandlung und Beschlußfassung.— Pünktliches und vollzähliges Erscheinen der Mitglieder erforderlich. 3045 Der Vorstand. cenlnd-SranheiiilSMe der vuehhillder��Ri!'"'''� Sonnabend, den 12. Dezember 1903. abends S'/a Uhr Ausserordentliche Kaupt-Versammlung Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 13, Saal 3. Tages-Ordnung: 1. Wahl von 6 Delegierten zur außerordentlichen Gencral-Vcrsammlung am 20. Dezember 1V03 in Leipzig.— 2. Anträge zu derselben. 25/ t 3 290 Die Ortöverwaltung. Aditnna! Schmiede! Iditnni! Sonntag, de» 13. Dezember, vormittags 9'/z Uhr: Kresse Versammlung der bei Jnnungsmeistcrn beschäftigten Schmiede Berlins und Umgegend im Lokale von Wilkr. Brunnenstraffe 188. TageS-Ordnung: 1.„Die Jnnungsherberge und ihre Bedeutung für die Schmiede Berlins." Rescrcnt: Kollege Sladtvervrdnctcr Basner. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. �. l�/7 Werte Kollegen! Da die FnnungSherberae in der Alulackstrage neu verpachtet werden soll, ist cS notwendig, dasi auch wir uns damit beschäftigen und unsre Wünsche in betreff der Besetzung des Postens als Herbcrgswlrt aussprechen. Das soll der Zweck obiger Versammlung sein. Darum Kollegen, ist es eines jeden Pslicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Dort ist der Ort, wo über vorhandene Mängel und Misistände gesprochen werden kann und beraten werden soll, ivic denselben abgeholscn werden könnte. Darum nochmals Kollegen, erscheint alle in dieser Bersammlnng! Der<4cHcIIcn-.4n»«chn«». I. A.: loh.*. Bremer, Altgeselle, Rixdors, Münchencrstr. 44. «3 Gelegenheitskauf! püsio echter TischWl mit reicher Stickerei deutenden Weliiehlerii ca. 33'jz 0|o unter Preis! 140/140 cm 875 M. Wert 13,50 130/160 cm JQ50 M.„ 16,50 145/175 cm JJ50 51-„ 20,00 Nach ausserh. pr. Nachnahme. 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Man halte einer Schauspielerin einen Blumenstrauß überreicht; zwei Feuerwehrleute, die sich genähert hatten, um zuzuschauen, stießen dabei einen Tisch, auf dem eine Lampe stand, um. Die Lampe zerbraib, das Erdöl entzündete sich und verbreitete das Feuer rasch über die ganze Bühne. Die Zuschauer blieben wie vor Schreck ver- stcinert, unbeweglich im Saal sitzen. In diesem»Augenblick erhob sich der itonimandant der Garnison und rief:„Meine Herren Offiziere, bringen Sie die Fralicn und Kinder hinaus!„Während sich der Vorhang senkte, führten die Offiziere den Befehl mit einer außerordentlichen Kaltblütigkeit aus, die bewirkte, daß das Theater von der Menge geleert wurde, ohne daß ein entsetzlicher Wirrwarr entstand. Kaum hatte der letzte Zuschauer den Saal verlassen, als der Kronleuchter von der Decke stürzte. Er enthielt über einen Zentner Erdöl, das natürlich dem Feuer neue Siahrung gab: dem Herabfallen des Krön- lenchters folgte bald der Einsturz des Daches. Die Ruhe der Bc- sllcher und besonders die entschlossenen Worte des Kommandanten sowie die mutige und kaltblütige Haltung der Offiziere und glück- licherwcise auch das Ausbleiben irgend eines unzeitigen Alarmrufes haben die Zuschauer vor einem schrecklichen Unheil bewahrt. DaL Theatergebäude ist vollständig vernichtet worden. Am 8. d. Mst. verschied meii lieber Mann, der Kellner- Karl Burow. Die Beerdigung findet am I Sonntag, den IS. Dezember, nachm. 3 Uhr, von der veieben-! bsllo des Central- Friedhofes, 1 Friedrichsfelde, aus statt. Um stilles Beileid bittet 293/12 Die trauernde Witwe Auguste Burow geb. Manns. SociaMemokratiseher Waiiiverein des 6. Berlinei1 Wahlkreises. Todes- Anzeige. fflm 9. d. MtS. verstarb mtscr Mitglied, der Kcllncr Karl Burow Ackerstr. 31. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13. d. MtS., nach- mittags>/,3 Uhr, von der Leichen- halle des Cenwal-FriedhosS in Friedrichsseide auS statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 260/2 Der Vorstand. Verbaml deiitsehep Gastwirts- (OrtSverwaltung Berlin.) Am Dienstag, de» 8. Dezember, verstarb nach langem Leiden unscr Milglicd Karl Burow im Alter von 50 Jahren. Wir werden ihm stets ein treues An- denken bewahren. Die Beerdigung findet am E Sonntag, den 13. Dczcinber, nach- - mittags Hz3 Ubr, von der Leichen- Halle des' Ccntral-FriedhoscS in Friedrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 293/1 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber, unvergeßlicher Mann, der Klempner Frm Herrmann am Mittwoch früh gestorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 13. d. M., nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rtxdorser Friedhofs am Marien- dorscr Weg aus statt. 3617L Die trauernde Witwe Fmille Herrmann, Bcrlinerstr. 22. I illpeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter Filiale Rlxdorf. Am 9. Dezember verstarb das Mitglied Franz Herrmann. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13., nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nindorfer Kirchhofs(Maricndorser Weg) aus statt. 161/16 Die Ortsverwaltung. Verband der Aspbalteure und! PappdaebdeMerlinsu.llnig. Nachrnf! Am Freitag, den 3. d. Mts. verstarb unser Kollege �uxust Frieärick Manteuffelstr. 103, durch Abstürzen vom Dache. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand am Donnerstag, den 10. d. M., nach- mittags 3 Uhr, statt 292/20 Der Vorstand. I. A.: Fr. Weiglin. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise liebe- voller Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Ileinrieii Brews spreche ich hiermit allen Verwandten, Freunden u. Bekannten, sowie dein BcerdigungS-Verein der BcrlincrZümNerlcule meinen innigsten Dank aus. 3136 Witwe Helene Drews. Danksagung. Für die Teilnahme u. Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS und unfres Vaters sagen wir allen Genossen, Kollegen und Bc- kannten unser» besten Dank. Witwe Richert nebst Kindern. Ilypograpkia. Den verehrl. Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser alt- bewährtes Mitglied, Kollege BswsM Reff am 8. Dezember verstorben ist. Sein kollegialer Sinn sowie seine langjährige Mitgliedschaft fichern ihm ein bleibendes Andenke». Zahlreicher Beteiligung bei dcr am8enntag, nachm."a1/, Uhr, auf dem Georgen-Kirchhof' in Neu- Weissensee stattfindenden Beerdigung sieht entgegen 66/8 ver Vorstand. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Mannes Rudolf Richter sage ich hiermit allen seinen Kollegen, Freunden, Ver- wandten und Bekannten meinen herzlichsten Dank. 303B Frau Emma Richter geb. Jechow. Danksagung. Allen denen, die meinen lieben Mann, den Zimmerei- 'Wilhelm Jeschke zur letzten Ruhe bestattet haben, ins- besondere Herrn Waldeck Manasse und dem Verein der Zimmerer Berlins u. Umgegend sage ich hiermit meinen besten Dank. 301b Auguste Jeschtc geb. Fellmcr. 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