Kr. 294. HMnnemtntS'Redingungtn: Sbomiemcnt»- Preis pränumerando i Bierteljähri. z,M Mk, monatl. l.lv fDit., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Sinzeine Numincr 3 Pfg. Sonntags- nmmner mit Mustrierter Eonnwgs- Beilage„Di- Neue Welt' 10 Pfg. Post. Wonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in der Post-Zeitung-- Preisliste für 1»«»» unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Stark, für das fidige Siuslttn» 8 Mark pro Monat Crichtint täglich auBtr 29. Jahrg. Vevliner Volksvlakk. Centralorgan der socia�demokratischen Rartei Deutschlands. vle Inlekttons-Ledijssk beträgt fiir die sechsgefpaltene Kolonek- zeile oder deren Raum 10 Pfg., fiir politische und gcwcrlschastlichc BereinS- mid BersammlungS-Anzeigen 20 Pfg. „Uleine Anreigcn" jedes Wort 3 Pfg. fnur das erste Wort seit). Inserate für die nächste»iununer müssen bis S Ubr nachmittag- in der Expcdilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Woche». tagen blS 7 Uhr abend?, an Sonn- und Lesungen bis 8 Uhr vormitttags gcössnet. lelegramm-Norcsse: ,,Z»ll!iIötw»llNt Icr»«". l�eciaktton: KAI. 68» Ltndenstraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 17. Dezember 1903. SxpccUtion: SM. 68, Llndcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Verfasstmg und Regierung in Preußen. Ein feinsinniger englischer Diplomat schrieb in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts— wir empfehlen Herrn v. Bülow die Aufnahme dieses Citats in seinen Schatz:„Die preußische Burcaulratie konnte zu keiner schöpferischen Körperschaft werden. aber sie führte die Arche des Steinschcn Refortnensichcr durch die reaktionäre Flut, wenn nicht in das verheißene Land, doch in ein Land voll Verheißungen; denn die-Z ist in der Hauptsache der Charakter der Verfassung von 1850, des nächsten großen Abschnittes in der Geschichte organischer Refonnen in Preisen, in welcher er- staunlich viel verheißen wird... aber weitethm heißt es dann immer, daß erst bei einer künftigen Gelegenheit Gesetze zur Ber- wtrklichuiig dieser excellentcn Principien gemacht werden sollcit, und bis dahin müsse alles beim alten bleiben.' Ein Blick auf die Verfassung von 1850 und die Zeit von mehr als einem halben Jahrhundert, die seit ihrer Octroyierungvar; wir haben gesehen. daß diese„Verheißungen" zum weitaus größten Teile noch heute ihrer Erstillung harren, daß man dagegen wohl Zeit fand, die an sich schon echt reaktionäre Verfassung im Interesse des hohen Adels und der Großgrundbesitzer zur Knebelung der politischen Bewegung und der Presse noch viel reaktionärer auszugestalten, ein Verfahren, dessen Ausläufer sich bis in die neueste Zeit erstrecken. Darf man erwarten, daß die Thronrede bei Eröffnung des ersten im zwanzigsten Jahrhundert gewählten Landtages, des ersten, bei dessen Wahl die weitaus stärkste Partei Preußens ihr Interesse durch Wahlbeteiligung zur Schau getragen, von höheren Gesichtspunkten als bisher ausgehen wird? Niemand denkt daran. Aufgabe der Soeialdemokratie aber muß es sein, die preußischen Verhältnisse bis ins kleinste zu verfolgen, unaufhörlich und unermüdlich jede Gelegen- heit zu erspähen, wo ein Hebel angesetzt werden kann, um der preußi- scheu Reaktion das Rückgrat zu zerbrechen— der preußischen Reaktion, der Wurzel der Reaktion in ganz Deutschland I politische ücbctTicbt* Berlin, den 16. Dezember. Bon der Etatsdebattc. Eine Gesamtwürdigung der Etatsdebattc, die wir gestern bereits gaben, wird in der bürgerlichen Presse fast nirgends geübt. Aus- schließlich einige Zeittingen der äußersten Reaktion beschästigen sich nochmals eifrig mit der Frage, die ihnen als die wichtigste der Etatsdebatte gilt, mit der Stellungnahme der R e i ch s r e g i e r u» g zur Soeialdemokratie. Der„Reichsbote", die„Post", die „Deutsche TageSzeitting" erklären sich einigermaßen befriedigt von der Entwicklung, die der Reichskanzler auf de», Wege zur Scharf- macherei zurückgelegt hat, wollen zugleich aber die Gelegenheit hitzig ausnutzen, ihn weiter zu treiben. Sie versuchen sich in unmittel- baren Vorschlägen, wie recht schnell etwas gegen die socialdemo« krattsche Gefahr gemacht werden könne. Der„Reichsbote" geht davon ans, daß er dem von den Re- gierungsvertretern abgelehnten Vergleich der heuttgen Zelt mit dem Zeitalter vor der großen französischen Rcvolutton doch Berechttgung zuerkennt: „Thaisache ist. daß jetzt die llnzufriedenheit und Verbitterung gegen Staat und Gesellschaft in den socialdemokratischen Kreisen mindestens ebenso groß ist. wie damals, und daß jetzt die revo- lutionäre Partei einen vielleicht größeren Anhang im Volte hat wie die damalige Revolutionspartei. Damals konnte die große Masse des Volkes weder lesen noch schreiben, so daß fiir sie die revolutionären Schristen keine Bedeutung hatten— aber heute können olle lesen mid lesen täglich Millionen die soeialdeinokratisch- revolutionäre Hetzpresse und ihre in Millionen verbreiteten gist- geschwollenen Flugblätter..." Es ist richtig, daß eine stets größere Zahl utisrer Volksgenossen aus der„Hctzpressc" und den„gistgcschwollenen Flugblättern" erkennen lernt, wie die schcmchristliche Lehre des„Reichsboten" die infamste Beschönigung der unchristlichstcn Zustände ist. DaS gefällt den Frommen deS„Reichsbotcn" nicht und sie betveisen ihre christliche Duldsamkeit und Nächstenliebe durch diesen, natürlich nur den Anfang christlicher Staatörcttung bcdcutepdcn Vorschlag: „Der Staat muß den Fehdehandschuh der Revolution auf- heben, den ihm der Dresdener Parteitag hingeworfen hat. er muß dieser revolutionären Propaganda entgegentreten; denn sie ist es, die das Voll vergiftet und sich in ihrem unbändigen Hochnmt über alles hinwegsetzt. Man sollte den beabsichtigten Gesetzentwurs über die Rechtsfähigkeit der Bcrufsvereinc dazu benutzen, um einerseits gegen die socialrcvoluttonäre Propaganda und auf der andren gegen die Streiks, die nichts weiter als klrinr Re- volntioucn find, in der Weise vorzugehen, daß man den Arbeitern zur Geltendmachung ihres KoalitionSrechteS bei der Vertretung ihrer legitimen Interessen ein andres Mittel giebt, als die unheilvolle zweischneidige Waffe des Streiks— nämlich ernsthafte social- gelverbliche Friedeiisgerichte, deren Richter aber nicht gewählt, sondern wie alle Richter von dem Staate er« nannt lverden müssen." Es ist nicht ganz uninteressant, daß der Streik— wie bei allen andem Völkern und in Deutschland seit Jahrzehnten gesetzliches Rccht— nichts weiter ist als eine Heine Rebolutioi,. Man steht, welche„Revoluticmen" es sind, die den Staatsrettern Entsetzen ein- jagen und zu deren Bekämpfung sie jedes Mittel zu bcmitzcu bereit sind. Tie„Post" will dem Reichskanzler, dessen guten Willen sie erkennt,„gangbare Wege" Ivcisen. Sie feiert den Grafen Bülow als geschickten Taktiker, der sich bei der Zolltarif-Cauipagne bewährt habe, um ihn zur baldigen Wiederholung zuchthauSgesetzlichcr Matz- nahmen zu überreden, für die es dem Grafen Bülow gelingen müsse, diesmal auch das Centruin zu gewinnen. Weiter fordert sie Matz- nahmen zur Verdrängung der Socialdemokratie aus allen Acintern der socialpolitischen Gesetzgebung und endlich„Matznahmen zum Schutze der schulentlasseneu Jugend gegen die Erziehung zu anti- monarchischer und vaterlandsloser Gesinnung und zur Disciplin- losigkcit durch die Socialdemokratie"; gerade die letzten Maßnahmen könne man ja im preußischen Wgeordnetenhause durchführen, wo eine Mehrheit sicher sei. Wie sich die treffliche„Post" das des näheren vorstellt, sagt sie nicht. Nur immer drauf los— ist ihre Losung, jetzt wie früher. Die„Deutsche Tageszeitung" ist diesmal am meisten unzufrieden über den Reichskanzler. Sie schreibt ihm„gefährliche Irrtümer und Unklarheiten" zu und fordert den„Kampf bis aufs Messer" gegen die Socialdemokratte. Der gefährliche Irrtum des RechSkanzlerS liegt nach der„D. T." in dessen Erklärung, er könne gegenwärtig nichts thun, weil im Reichstag keine Mehrheit vorhanden sei für Matznahmen, wie sie die Konservativen fordern. Herr Oertcl als Kanzlerbelehrer erklärt: „Ist der Kanzler überzeugt, daß eil« Ausnahmegesetz notwendig ist, dann ist es seine Pflicht. eS einzubringen, gleichviel ob er sicher voraussieht, daß cS im Reichstage keine Mehrheit finden werde. So mutz der Vertreter einer monarchischen Regierung unbedingt handeln, weil diese Regierung die Verantwortung trägt. In einem parlamentarisch regierten Staate liegt die Sache anders. Die gestrigen Darlegungen des Reichskanzlers machten beinahe den Eindruck, als ob er in de m Irrt u m c befangen sei, daß das Deutsche Reich ein parlamentarisch regiertes Staatsgebilde sei." ES scheint, daß das Agrarierblatt die Rücksichtnahme auf die Zusammensetzung des Parlaments nur für das preußische Abgeordnetenhaus gelten lassen will, wo der Reichskanzler die Bor- läge, die den Konservativen nicht gefällt, nicht lviedcr einbringen darf. Die„Deutsche Tageszeitung" erklärt, daß durch daS Verhalten des Grafen Bülolv„ a u f S bedenklichste die Stellung der monarchischen Regierung" gemindert werde. Offen- bar ist sie der Meinung, daß durch die agrarische Niederwerfung der Kaualvorlage die Stellung der monarchischen Regierung sehr gestärkt worden ist. Graf Bülow darf sich rühmen, daß er noch immer nicht ganz den Anforderungen der Scharfmacher genügt.— Wahrheit über Landwehr der Befreiungskriege. Herr Karl Bleibtreu schreibt uns: Der Kriegsminister hat Bebels Hinweis auf die glänzenden Leistungen der Landwehr wieder mal mit jenen alten Phrasen ab- gespeist, die wohliveislich deren Haltung im Kampfe übergehen, dagegen sich an ihr starkes Schmelzen unter Strapazen klammern. Dies fand statt im Winter 1814, wo alle Landwchr-Regimcnter, was aber bei den meisten Linien-Regimentern gleichfalls zutraf, zuletzt als ein Bataillon formiert werden mutzten, sowie bei Vcr- folgung nach der Katzbachschlachk, wo in den entsetzlichen Regen- bivouacS zwei Bataillone 14. Schlcsischcr Landwehr des Corps Aork von 510 und 577 auf 202 und 271 Mann schmolzen. Das dritte Bataillon dieses Regiments verlor hingegen nur 53 Mann, weil es Mäntel und Schuhe toter Franzosen bekam. lind hiermit berühren wir schon die Ursache. Während nämlich die Linicntruppcn gleichfalls sehr schmolzen— man braucht nur das Sinken der Etats von Monat zu Monat zu verfolgen— konnten sie immerhin die furchtbaren Strapazen besser ertragen, weil man für genügende Kleidung, Ausrüstung, Quartiere, Ernährung ihnen sorgte. D i c Land wehr hingegen, dies Volksaufgebot, das die edelste, ideale Seite im sogenannten Befreiungskriege der Kosaken und Junker vertrat, wurde nicht nur stiefinütierlich — der Ausdruck langt nicht—, sondern geradezu nichtswürdig bc- handelt. In ihren dünnen Drillichhosen und der fadenscheinigen Litewka, ohne Mäntel, elend verpflegt, stets um alle guten Quartiere verkürzt, sollten diese armen Wehrmänner jeder Unbill trotzen. Je mehr von ihnen zu Grunde gingeu, desto lieber war es den Junker- Offizieren. Ihr Blut vergießen, das durste die Landwehr, aber nachher gab'S weder öffentliche Ancrkcnnung.nochEiserneKrcuze.„DieLandwehr durfte keine ausgezeichnete That verrichtet haben," sagt Bcitzke kurz und bündig, und Friccius:„War etwas Rühmliches zu sagen, so wurde es mit Schweigen übergangen oder als unbedeutend oder zu- fällig dargestellt. Waren aber Fehler vorgefallen, so wurden sie stark hervorgehoben." Für Erstürmung des Grimmaschen Thorcs er- luclt Major FriceiuS nicht das Kreuz I. Klasse, seine KönigSbcrgcr Landwehrhelden gingen völlig leer aus, indes sich ein Regen von Dekorationen über die Linie ergoß. Später ward sogar die Fabel verbreitet, das zweite Ponuncrsche Regiment(heute Skr. 14) sei zuerst eingedrungen, statt des bürgerlichen Friccius natürlich ein Major von Mirbach! Diese elende Verdrehung wird heute noch in militä- rischen Kreisen wiedergekäut, obschon von gründlicher Forschung längst widerlegt. Nun wohl, die beispiellose Tüchtigkeit der märkischen Landwehr bei Dennewitz und Hagelsberg mutz immer und immer wieder gc- priesen werden. Bei Möckern verlor die Landwehr-Jnfanterie, ob- schon kaum noch ein schwaches Drittel deS Dorkschen Fußvolkes bildend, fast ebensoviel(2400 zu 3170) wie die andern zwei Drittel Linie. Bei Wachau blieben von 1640 Manu 7. Landwehr nur 160 übrig, alle andren tot und verwundet l Bei Probstheida verloren die v. Landwehr von ca. 600 Mann volle 618 und 15 Offiziere. Selbst die berühmtesten Linien-Regimenter, wie 1. Ostpr. Grenadiere und 2. Westpreutzische(heute Königsgrcnadierc) opferten sich nicht härter. Bei Dennewitz blutete die 1. Neumärtische Landlvehr, von TauenzienS Milizcorps ganz zu schweige», brüderlich neben dem beriihnttcn Regiment Kolbcrg mit fast gleichem Verlust, bei Goldberg 6. Schlesische Landwehr neben den 1. Ostpr. Grenadieren. Was verlangt mau noch mehr? TauenzienS Landwchrreiter leisteten gerade soviel wie Brandenburger Dragoner und Ponnnersche Husaren. Bei Etogcs hieb sich 7. und 8. Schles. Landwchr-Kavallcrie gerade so brav durch wie Ostpreutzische Kürassiere, 5. und 10. Landwehr- Kavallerie warfen bei La Chassee die Polnischen LancierS und eroberten ihre Standarte. Ueberhmipt betrugen Landwehr und Freiwillige Jäger 1813 volle 156000 Mann, Linie und Reserve nur 96 700. Vollends 1815 bestand die Hälfte der Feldarmee Blüchers aus Land- wehr. Bei Lignh floh allerdings die soeben erst neu errichtete fünfte Westfälische Landwehr nach schlverem Verlust, aber mit ihr floh 15. Linie, so daß auch dieser Vorfall gar nichts beweist. Dagegen focht 1. Westfälischer Landwehr schon erstaunlich brav am 15. Juni und am 16. verteidigte vor allem 4. Westfälische Landwehr heroisch Ligny, später auck) 3.(Friccius), beim Rückzug aber errang Bataillon Gillhausen 1. Westfälische Landwehr die Palme vor allen übrigen Truppen! erst an diesem Beispiel ermunterte sich Regiment Colbcrg. Achnlich brav deckte 3. Kurmürkischc Landlvehr bei Sombrcf den Rückzug. Bei Wawon bedecktkn sich III. 1. und I. 4. Kurmärkische Landwehr mit Ruhm. Bei Plancenoit litt mir die 18. Linie ähnlich wie 1. 3. Schlesische Landwehr, die zusammen fast 1300 Mann einbiitzten. Neberhaupt trug Bülows Landwehr drei Viertel deS Gesamtverlustes I Bei der Nachtverfolgung blieben zu- letzt die Füsiliere des 1. Pommerschen und 15. Regt- ments bei FraSnes zurück, aber 200 Mann Oberschlesischer Landwehr, die bereits allen vorauf Ouatrebras und FraSneS erstürmten, vertrieben noch am 10. früh Napoleons Stab ans Charlcroi. DicS ist, nochmals sorgsam zusammengestellt, die Wahrheit über jene demokratische VolkSmiliz. Auch findet sich selbst in Schriften des Gcueralstabcs(1813 von Major Friedrich, 1814 von General v. Janson) nichts, was obige Darlegung ändern könnte. Denn daß bei Hagclsbcrg die von Berufsoffizieren schlecht geführte Landwehr anfangs vor dem furchtbaren Feuer der glänzend geführten Division Girard wich, thut ihrer Ehre keinen Abbruch, ja steigert ihr Verdienst, daß sie trotzdem ihren Willen durchsetzte. Wenn also noch einmal ein preußischer Militär öffentlich vor Unwissenden sein Sprüchlein herleiert, so möge man ihm laut entgegenrufen: Unterlassen Sic endlich, Ihre hundertmal von tvirklich Wissenden widerlegten Märchen aufzuwärmen.— Wer so ängstlich au alten Vorurteilen klebt, der geht mit gebundener Marschroute im Sturmschritt nach Jena I— veutlcke« Reich. Die Kaualvorlage ohne den Kanal. Es wird jetzt gemeldet, daß die Verhandlungen, welche zwischen der preußischen Regierung und den kaualrebellischcn Parteiführern des Abgeordnetenhauses seit längerer Zeit gepflogen wurden,„erfolg- reich" beendet seien. Es bestehe nunmehr innerhalb der Regierung die Absicht, bei oder alsbald nach Eröffnung des Landtages einen Gesetzentwurf einzubringen, der außer den Maßregeln, die sich auf den schlcsischen Hochwasserschutz beziehen, auch die„Kanälvorlage" enthalten soll. Man rechne, so sagt die Meldung des„Lokal- Anzeigers" Iveiter, zuversichtlich auf Annahme dieses Entwurfs, „nachdem darin den Bedenken der bisherigen Kanalgegner in weitest- gehendem Maße Rechnung getragen lvordcu ist". Tie Rechnuugsträgerei besteht, lvic nach den früheren in die Ocffentlichkeit gelangten Mitteilungen hinreichend bekannt ist, i n der Aufgabe des M i t t c l l a n d- K a n a l s. Von der einstigen Äanalvorlage, für deren Durchführung sich nicht nur Minister, sondern der Monarch feierlich verschworen haben, bleibt vorläufig nichts als der Name; die Verbindung zwischen Elbe und Weser, die Annäherung zwischen agrarischem Osten und industriellem Westen ist ausgegeben. Das Kompromiß, das die Regierung mit den Führern der Kanalopposition eingeht, ist die völlige Unter- werfung der Regierung unter den Willen der Junker. Im preußischen Dreiklassen- Landtag wird durchaus— parlamentarisch r c g i e r t I—___ Militiirpenfions-Gesetz. Der Reichstag hat zu wiederholten Malen einstimmig dem Wunsch Ausdruck gegeben, daß die Militärinvaliden- und Pensions- gesetzgebung von ihren vielen Uiigerechtigkeiten und Härten befreit und daß eine klare, übersichtliche Kodifikation aus diesem Irrgarten der stückweisen Gesetzgebung erfolgen solle. Als dringend erforderlich wurde u. a. bezeichnet: eine E r h ö h u u g der Gebühmisse der Invaliden, Witwen und Waisen, Fortfall der Präklusionsfristen und der Beengung des Rechtsweges für die im Militärdienst Verunglückten, Entschädigung für Nichtbenutzung des CivilversorgungsscheinS, Bc- lassung der Militärpension neben dem Civildicnst-Einkoinmen. Vor zwei Jahren wurde im Reichstag erklärt, die diesbezüglichen Gesetz- entwürfe seien im Kriegsministerium fertig gestellt. Bis heute hat danach der Bundesrat eine den Forderungen des Reichstags entsprechende Vorlage noch nicht fertiggestellt. Der von Preußen dem Bundesrat jetzt vorgelegte MilitärpensionS-Entlvurf ist lediglich Stücklverk, das dem schier unübersehbaren Gewirr der Militär- invaliden- und Pensions-Gesetzgebung ein Stückchen zufügt. Ob aus den Beratungen des Bundesrats ein der Gerechtigkeit iind Billigkeit entsprechender Entwurf hervorgehen wird, ist mehr als zweifelhaft. Voraussichtlich wird sich der Bundesrat wie der preußische Entwurf damit begnügen, den am wenigsten der Hilfe Bedürftige», den ehemaligen Offizieren, eine Gabe zu- zuwenden. Die Menge der durch Erfüllung der Militärpflicht Ge- schädigten und ihre Witlven und Waisen sollen leer aus- gehen. Der Entwurf macht nicht einmal den Fiskus für die durch Militär-Mißhandlungen G e- schädigten schadensersatzpflichtig. Freilich würde solche Schadensersatzpflicht weit mehr den Soldatcnschindereicn Ab- bruch thun, als die feierlichste Beteuerung der bürgerlichen Parteien und ihrer Minister, sie wollten diesen Schandfleck unsres militärischen Shsteins gründlich beseitigen. Der Tank des Vaterlandes existiert für die erlvcrbsthätige Bevölkerung, die durch den Militärdienst am »leisten zu leiden hat, nur in der Zusicherung eines warmen Herzens für die Personen des Soldatenstandcs. Warme Herzen allein sättigen nicht, noch schützen sie vor feigen: Mißbrauch der durch das Militärsyfiem dem Vorgesetzten eingeräumten Macht.— Breidenbachs Konkurrenten. Wie loir gestern bereits im Depeschenteil meldeten, wurde am Dienstag der Lieutenant Schilling vom Jnfanteric-Regimcnt Nr. 98 vom Kriegsgericht in Metz wegen 698 Fällen von Mißhandlung, 57 Fällen von vorschriftswidriger Behandlung und eines Falles deS A b h a I t e n s von dienstlicher Meldung zu l'/3 Jahren Gefängnis und Entlassung aus dein Dienste verurteilt. Leider fand die Verhandlung unter Ausschluß der Ocffcntlichteit statt. Den Lieutenant Schilling ü bertrumpft noch der Polizei sergea» t und ehemalige Unteroffizier Franski vom Infanterie- Regiment Nr. 85, der gleichfalls am Dienstag vom Kriegsgericht in R e n d s b u r g abgeurteilt ivurdc. Er wurde wegen 1520 Fällen von Soldatenmißhandlunge», 80 Fällen vorschrists- widriger Behandlung und 20 Fällen des„GcldborgcnS" sowie wegen uorsätzlichcr Abhaltung von der BeschwerdefüHrmig zu fünf Jahren Gefängnis und zur Degradation verurteilt. Erwiesen wurde, daß der Angeklagte in vielen Fällen sich von seinen Untergebenen habe Geld geben lasjen,»nd zwar unter An- Wendung v o n Z w a n g, daß er sich in vielen Fällen der Miß- Handlung schuldig gemacht habe durch Schläge mit der Faust, dem Knüppel und Klopfpeitsche. Er hat den Leuten ins Geficht gespuckt und für einige Soldaten ganz besondere Martern erfunden. Eines seiner Opfer hat infolge der empörenden Mißhandlungen Krampfanfälle bekommen und hat als dieiistmttauglich cnt- lassen werden müssen. Einigen Leuten hat er gar mit Erstechen gedroht. Die Soldaten haben ans Furcht vor weiteren Mißhandlungen keine Meldung und Anzeige gewagt. Aber schließlich drscrticrtc einer der Soldaten aus Furcht vor F.s Miß- Handlungen. Er wurde später ergriffen und ans diese Weise kam man zur Kemstnis von F.s rohen Thaten. Der Angeklagte verhält sich während der Verhandlung durchaus gleichgültig und fast teil- nahmSlos. Apathisch' gesteht er einige geringe Vergehen zu, die schlimmeren aber stellt er kühl in Abrede oder erklärt, eS sei alles nur Scherz gewesen. Breidenbach hat also s ch I e u n i g st zwei ebenbürtige Konkurrenten gefunden! Den: Herrn KriegSminister, der nicht wie bei F o r b a ch kühiilich behaupten kann, es gebe nur einen Breidenbach, wird der Gedaute an die Militärdebatte sicherlich manche unangenehme Stunde bereiten!— Ein Offizier über Soldatenmißhandlunge«». Der Lieutenant a. D. Paulus- Hannover bcröffeut» lichr in der Wiener Wochenschrift„Die Wage" einen Artikel über das Thema der Eoldateumißhandluugen, aus dein folgende nicht uninteressante Stellen wiedergegeben seien: „Die sociale Litteratur von München bis Berlin, von Dresden bis Frankfurt hat sich der militärischen Achillesferse des Reiches be- mächtigt und läßt den ergiebigen Stoff wohl so bald nicht wieder loS. Heftiger noch tobt das rein parteipolitische Für und Gegen in der Tagcspresie. Ilm zwei Punkte dreht sich der Kampf: um kriegsgerichtliche Klassenjustiz und Soldatcumißhandlungen. Aller- dings schwillt auch das Agitationsmaterial zum Schaden, aber durch Schuld der Armccbehörden progressiv au. so daß man gar nicht Socialdemokrat zu sein braucht, um bei Erörterung jener Krebs- gefchtvüre die schärfsten Ausdrücke berechtigt zu finden. Das alte„Sc. wcincglück" der deutschen Socialdemokratie!— Dieses burschikos-überlegene, in Wirklichkeit nur neidische Trost- wort cincS wohlbcgründeten Fatalismus gicbt den hohen Herren von der Reaktion jedesmal ihr seelisches Gleichgewicht zurück, so oft sich etwas als faul herausstellt im Staate Dänemark. Mit dein „Erkenne dich sckbstl" ist man bereits auf elegante Manier fertig geworden. Bedauert«verde» nicht die Mißstände an sich, sondern daß sie aus Tageslicht kommen. Socialistentöterei heißt die Parole» weil man selbst zu positiver Arbeit nicht mehr fähig ist. Unerfahren, aber c in p f ä u g l i ch tritt der klein- bürgerliche und ländliche Nachwuchs ins Heer, um d u r ch e i u a» d c r g c w ü r f e l t zu«verde» mit de» geistig überlegenen Kameraden vom industriellen Proletariat. Diesen fällt es nicht schwer, so ungewöhnlich günstige Verhältnisse auszunützen. Die offizielle Lehre von abstrakter Königstreue und KriegervereinS-Gesinnung hat um den Einfluß auf das plastische Meuschemnaterial einen ziemlich hoff- nungsloscn Wettkampf mit der socialdemokrat i s ch e n Propagandazn führen, die ihre konkret- klingenden, neuen und staatsgefährlichen Evangelien zwischen Gleich und Gleich von Mund zu Mund vcr- breitet. Tos schlinnnste ist, das? fnst jeder dir wirkungsvollsten Illustrationen mitansieht vdcr gar selbst erlebt. Dagegen kommen wolflerwogcne Hurratheoric» nicht auf. Die junge Generation lernt also in harter Schule ihre Jett verstehen. Sie bringt ins Leben als eisernen Fonds die Anschauungen schon mit, zu denen ihre Vater sich jetzt erst mühsam durchringen. Und wieder sind es die schreienden Mißstände im Heere, die bei so manchen, Zweifler den inneren Kamps entscheiden. Huffener— Heidelberg! Solch grelle, erschütternde Kontraste sind furchtbare Waffen im der Hand einer Partei, die darauf aus- geht, ernstlich zu verwunden und nickt bloß liberale Scheingefechte zu liefern. Einerseits der Fähnrich, der mit kurzer Festungshaft davonkommt, weit fem zartes Ehrgefühl durch einen Betrunkenen dermaßen lädiert war, daß er ihn erstechen mußte. Und demgegenüber existcuzvernichtende Freiheitsstrafen gegen vier badische Grenadiere, die am vorletzten Manöverlage (was das heißt, weiß jeder Frontsoldat) in Civil einen mißliebigen Unteroffizier„verhauen" hatten,>v i e e s(i ch f n ß e a u f T h a t- fachen) in V e r s ch>v i e g e n e r Nachtzeit alljährlich mindestens einmal v o r k o m ni i, ohne daß der Bc- attentäterte, dem es sonst die Kapitulation kosten würde, sein Erlebnis an die große Glocke bringt. Gegen Soldatcumißhandlungen wollen die Militärbehörden unter dem Druck der öffentlichen Meinung nun endlich mit„Feuer und Schwert" vorgehen. Ein Anlaut dazu ist unverkennbar, doch trifft er leider nur einen bestimmten Auswuchs des Hebels statt seine Wurzeln. ES läßt sich nicht leugne», daß gewohnheitsmäßige Roheiten neuerdings ganz exemplarisch bestraft werden._ Aber eben nur sie, tvährend in den weitaus meisten Fällen das Gericht Brücke» hat, um zn dcr berüchtigten„minder schweren" Auffassung zu gc- langen...." Licutcuant Paulus, dessen Ausführungen im übrigen keines Kommentars bedürfen, spricht an einer Stelle von der socialistifchen Propaganda im Heere. Er kann damit selbstverständlich nur den Gedankenaustausch meinen, der sich zwischen den Soldaten unans- bleiblich über ihre militärischen Erlebnisse iind ihre civile Vergangenheit entspinnt, wobei dann freilich die verschiedenen Weltanschauungen zum Ausdruck kommen, so lveing auch von soeialistischcr Propaganda im kriegsgerichtlichen Sinne die Rede sein kann. Eine socialistische Propaganda, sagten wir wiederholt, ist im Heere deshalb ganz über« flüssig,«veil der Militarismus durch seine Thaten selbst die denkbar schärfste Kritik übt. L i c u t c n a n t P a u l n S bestätigt daS! Offiziersluxns und Not dcr Landwirtschaft. In einem konservativen Blatte, der„S ch l c s i s ch e n Z e i tun g", begegnen wir folgender interessanter Auslassung über den Luxu» der Armee: „In all dem überflüssigen, nur durch konventionelle Rücksichten diktierten Luxus kommen zahlreiche k o st s p i e l i g e Repräsentativ nSpflichtcn, Festlichkeiten und G a st m ä h l e r verschiedensten Zweckes. sowie Gelds am m» l u n g e n für Jubiläen, Denkmäler, Geschenke und dergleichen mehr: endlich die Kosten für A n s r ü st n n g und Bekleidung, die infolge vieler Neuerungen beständig im Wachsen sind. Die gegenwärtige Notlage unsrer Landwirtschaft ist ja bekannt, die Klagen über dieKonkurrcnz deS Auslandes und über die stetige Zunahme der Produktionskosten sind in aller Munde; daß aber auch Luxus und Genußsucht im allgemeinen und die kost- spicligc Lebensführung der dem Grundbesi«? entstammenden Offiziere im fpeciellen nicht»»wesentlich dazu beitragen, die Not- läge z» vergrößern, darüber Pflegt man mit Stillschweigen hinweg- zugehen. Wenn dcr Sohn eines Grundbesitzers Berufsoffizier ivird und in einer größeren Garnison, ich lvikl noch gar nicht von Berlin oder Hannover reden, seine Ansprüche nicht unter daS von Hanse her gewöhnte Maß herabsetzen will. so werden seine pekuniären Bedürfnisse die väterliche Kasse sehr empfindlich belasten, und die von dem Sohn in der Garnison vcr- brauchten Summen werden sich manchmal höher belaufen, als die Ausgaben dcr ganzen Familie daheim im gleichen Zeitraum. Nicht selten geschieht eS daim, daß der junge Krieger nach verhältnismäßig kurzer Dienstzeit wie einst dcr alte CincinnatuS vom Schwerte zum Pfluge zurückkehrt— ob zum beiderseitigen Nullen ist fraglich: schon oft hat ans diese Weise die Armee einen guten Offizier verloren und die Landivirtschast cine mäßige St ü tz e gewonnen. Schlimmer noch gestaltet sich die Sachlage bei der Familie so manchen alten Offiziers, die vielleicht ohne nennenswertes Ver- mögen hauptsächlich auf die Pension angewiesen«vor. Dcr Sohn «var von Anfang an wiederum zum Offizier bestimmt und im Kadettencorps erzogen worden. Zwar hatten sich im Laufe der Zeit schon die Verhältnisse geändert, und mit Besorgnis sah dcr Vater die alte Einfachheit im OffizicrcorpS schwinde»; aber eine Umkehr mit dem Sohn war nicht mehr möglich, er gehörte nicht zn de» Wenige«, die das Reifezeugnis des Abiturienten erlangten» er«mißte in die Front. Im Anfang ging noch alles gut. Eines Tages aber kam die Zeitz da er pater peccavi machen mußte, und die Angehörigen erfuhren mit Entsetzen, daß die zu bezahlende Summe größer war als dir Subfistcnzmittcl dcr ganzen Familie für die nächsten Monate; und bei alledem war dem jungen Manne noch nicht e i ir m a l ein V o r>v u r f z II IN a ch c n. Arm und nnerfahren aus einfachen Verhältnissen in eine Sphäre anspruchsvollen Wohllebens geworfen, wurde er ein Opfer seiner Zeit. Die Gefahr ist nahe, daß der Offizierftand durch Luxus und Prunksucht seines besten Ersatzes verlustig gehen konnte!" Auch in den„Berliner Neuesten Nachrichten" schüttet ein Kundiger sein Herz aus über eine Anzahl schädlicher Gewohnheiten im Heere, die Liebes mahle, die Ä o st- spielig keit der Diners und Soupers, die Eittstands- vetrZge zu den Kasinos, die Zechereien„auf Wache", die M o d e g e ck c r e i e n uslv., kurz, den verhängnisvollen Luxus in der Armee! Von Einzel- und AnSnahme-Erscheinungen wird da doch auch Herr v. Einem nicht mehr zu reden wagen!— Auf das verfassungswidrige Pluralsystrm der ReichStagöwahI dattcn wir neulich hingelviesen. Die„Ärcuz-Zeitung" stellt sich erst so, als ob sie nicht verstehe. waS wir mit dein Pluralsvstcm meinen, läßt sich dann aber zu der Vermutung herbei, wir spielten wohl auf die Ungleichheit der Wahlkreise an. Man verstände aber unter einem Pluralspstem„etwas ganz andres als den Zustand, der sich durch diese Ungleichheit bei uns mit der Zeit heraus- gestellt hat". Formell ist natürlich unser Reichstags- Wahl- recht kein Pluralsystem, thatsächlich aber ist es das schlimmste Pluralsystem. das in irgend einem Staate vorhanden ist. In Belgien privilegiert man gewisse Wählerkatcgorien höchstens durch ein dreifaches Stimmrecht, im Deutschen"Reich hat ein Wähler in Schau mburg-Lippe mehr als das sechzehn- fache, ein Wähler im Kreise D e u t s ch- K r o n e oder O st P r i g n i tz mehr als das zehnfache Stimmrecht gegenüber einem Wähler von Berlin VI oder Teltow-Beeskow-Storkow-Eharlottcnburg. _ Tie„Kreuz-Zeitung" bestreitet weiter, daß daS Pluralsystem verfassungswidrig sei. Sie schreibt: „Andrerseits ist es ein Unding, diesen Zustand als vor- fassungswidrig zu bezeichnen. Er widerspricht auch nicht dem Wahlgesetze vom 31. Mai 1860. Denn in diesem ist nirgends die Vorschrift enthalten, dast die Wahlkreise auf die Dauer eine auch nur annähernd gleiche Größe haben müssen. Die llieichsverfassung sagt vom Wahlrechte nur, daß der Reichstag aus allgemeinen und direkten Wahlen mit geheimer Abstimmung hervorgeht; hier ist also nicht einmal das gleiche Wahlrecht festgelegt." DaS Wort„gleich" fehlt allerdings im Artikel 20 der Verfassung, aber nur deshalb, weil es selbstverständlich ist; jede Form eines ungleichen Wahlrechtes hätte ja durch eine positive Bestimmung festgelegt werden müssen, und da eine solche fehlt, ist das gleiche Wahlrecht eben— selbst wenn man nur an dem Buchstaben des Wortlauts klebt und nicht den Ursprung und die Absicht des Artikels berücksichtigt— in der Verfassung„festgelegt". Aber ist auch die Gleichheit insofern„festgelegt", als ihre Umgehung durch eine Wahlkrcis-Geomewie der Ungleichheit aus- geschlossen ist Artikel 20 verweist auf die„gesetzliche Regelung", welche im Wahlgesetz vom 31. Mai 1860 ausdrücklich vorbehalten ist. In diesem Wahlgesetz, das nach den damaligen Ausführungen der Regierung nur für das eine Mal provisorisch gelten sollte, bestinunt der ß S:„In jedem Bundesstaate wird auf durchschnittlich 100 000 Seelen derjenigen Bevölkerungszahl, welche den Wahlen zum verfassungsgebenden Reichstage zu Grunde gelegen hat, ein Abgeordneter gewählt". Und dann wird ausdrücklich erklärt: „Eine Bcrmchrung der Zahl der Aligeordiictcu infolge der steigenden Bevölkerung wird durch das Gesetz bestimmt." Damit ist in der Verfassung und im Wahlgesetz als felbstverstättdliche Kon- fequcnz des Wahlsystems ausdrücklich die Verpflichtung ausgesprochen, die Gleichheit der Wahlkreise gemäß der steigenden Bevölkerungszahl gesetzlich herzustellen. Daß sich seit mehr als 30 Jahren die Sie- gierung dieser verfassungsmäßig festgelegten Verpflichtung entzieht, ist der Verfassungsbruch in Permanenz, den allerdings das Junker- tum. als traditionelle Partei der Verfassungsbrüche, schon deshalb billigt, weil er die Grundlage seines parlamentarischen Einflusses ist.— Ein Socialdemokrat gewordener Gemeindevorsteher. Lange Jahre hatte der Gemeindevorsteher Michael S t o r i m s in Neu-Strchmen im Kreise Tilsit-Riederung sein Amt trefflich verwaltet. Die Zu- stände seiner Gegend haben ihn aber allmählich von der Ungerechtig- keit mannigfaltiger Einrichtungen nnsrer Zeit überzeugt. Er hatte rS satt, nur konservative Veryammkungen besuchen zu dürfen. Er entschloß sich, socialdemokratische Versammlungen zn besuchen, und in der Reichstagswahlzeit trat er selbst in einer Versammlungs- diskussion auf, kritisierte die bestehende Besteuerung des Einkommens und andre gesetzgeberische Maßnahuicii. Darauf hat ihn der Landrat aufgefordert, sein Amt niederzulegen, aber Storims bestand darauf, daß seine Wendung zur Socialdcmolratie ihn nicht veranlassen könne, freiwillig ein Amt aufzugeben, in dessen Verwaltung er sich nicht das geringste zu Schulden kommen ließ. Run wurde das förmliche DiSciplinar- verfahren gegen ihn eingeleitet und der KrciSausschnß erkannte, wie sich in diesen Zeiten versteht, auf Entfernung aus dem Amte. Die Gründe sind die üblichen, daß ein heutiger Beamter nicht die Social- demokratie nnterstützeii oder gar für sie öffentlich auftreten dürfe. Die„Königsberger Bolkszcituug". die den Fall initteilt, begrüßt den durch Disriplinierung Geehrten als Mitstreiter, der mm aller Fesseln rntlcdigt, seiner Uebcrzeugnng nachleben werde.— Tie neueste Reform im Volksschnlwcscn in Bornstland. Eine Verfügung ganz eigner Art, an die ivir anfangs nicht glauben wollten, die aber trotzdem wahr zu sein scheint, macht die Runde durch die Zeitungen. Ter Minister der borussischen„Volks- aufklärung" hat den Bezirksregierungcn folgendes knnd und zu wissen gethan: „Die amtliche Wirksamkeit der Kreislandräte umfaßt alle Gegen- stände des Regierungsressorts; sie erstreckt sich auch auf das E l c m e n t a r s ch u l w e s c n. Die Landräie werden daher angewiesen, insoweit ihre sonstigen Dicnstgeschäste es zulassen, uament- lich bei Gelegenheit ihrer Dienstreisen die ländlichen Elementarschulen zu inspizieren, um sowohl von den äußeren Verhältnissen der Schulen, als auch von d c in Staude des Unterrichts Wesens und v o ii de» L e i st u n g e n der Lehrer und Schüler Kenntnis zu nehmen. Selbstverständlich werden sie dabei zil vermeiden haben, fachmännische ErzichiingS- und Unterrichtsangelegenheiten zu erörtern oder darauf bezügliche Anordnungen zu trcffcli. Bielmchr werden sie alle Wahrnehmungen nach Bedürfnis zur Kenntnis des betreffenden Schulressorts bringen oder nach Be- siiidcu die Entscheiduiig der Regierung darüber cinzuholcu haben." Wie bittere Ironie klingt der Schlußsatz dieser ministeriellen Ordnung: „Die Lehrer werden hierin eine ivohl wolle»de Für- sorge der Staatsbehörden erkennen, und die Mitwirkung der Lmidräte ivird lvesentkich dazu beitragen, die L c h r er in ihrer, dem Vaterkmide gcividmeteii Berussthätigkcit zu ermuntern nild zu unterstützen." Wir sind überzeugt, daß die königlichen Landräte im Verein mit den geistlicben Schulinspektoren die ländlichen Volksschulen Preußens bald auf eine geistige Höhe bringen Iverdcu, daß auch der fort- geschritteustr preußische Junker an den Früchten dieser Erziehung seine helle Freude haben wird, daß in anbetracht dieser erneuten behördlichen Fürsorge der Lehrermangel bald aufhörcii wird, und daß die Landlehrer nicht verabsäumen werden, dem Herrn Minister eine Ergebenhcitsadresse für diese Weihnachtsgabe zu übermitteln, worin sie ihm ihren tiefgefühltesten Dank aussprechen.— Daß sie bei künftigen Wahlen in noch höherem Maße alö seither für die Kandidatur eines regierungsfreundlichen Mannes eintreten, iiiiterliegt lauin einem Zweifel für kimigstreue Männer, die im Gegensatz zn den deutschen Arbeitern die Fürsorge der Regierung zn würdigen verstehe».— Naturwiffcnschast und Religion in der Schule. Wie die„K. Ztg." zu berichten weiß, hat in der obersten Klasse einer höheren Schule in Westdeutschland, wo die Gcisllichkcil die Schule und das gesamte Leben beherrscht, ein Protest der Schüler gegen die AuSfiihrungeii des Lehrers der Raturivisseuschaflcn stattgefunden. SllS dieser .Herr über die Gestalt und die Belvegungen der Erde, über ihre Stellung im Sonnensystem imd über die Eutstehung des Weltalls nach der Kant-Laplaceschen Hypothese sprach, fingen die Schüler zu lärmen an und erklärten, daß der Herr P a st o r ihnen bereits im Religionsunterricht gesagt habe, daß alle diese Behauptm,gen un- wahr seien.„.. Die„Kölnische" hält dies für ein„bedenkliches" Zeichen und macht enige Höbnische Bcincrklingen über solche Zuslände. llusrcs Erachtens hat sie dazu kein Recht, es ist dies die Folge des Liberalismus, den sie berlritt. und wodurch ver Klerikal, SmuS die Oberherrschaft im Staate gewonnen hat. Der innere Widerspruch. den die naturwissenschaftlichen und religiösen Lehren bei den Schülern hervorrufen müssen, kann nur dadurch beseitigt werden, daß man den geistlichen Einfluß aus nnsren öffentlichen Schulen beseitigt, die Religion zur Privatsache macht.— „Eine Justizaktion." Die„Leipziger Volkszeitimg" hatte im Septeniber eine Kritik der Maßnahmen veröffentlicht, die das Leipziger Gericht bei der Verhaftung der wegen Majestätsbeleidigimg angeklagten Redakteure der„Volkszeitimg" unternommen hatte. Durch diese Kritik fühlte sich der Ober-Amtsrichter Dr. Meißner in Leipzig beleidigt. Das Landgericht verurteilte Genossen S e e g e r, der für den Artikel verantwortlich war, am Dienstag zu zwei Wochen Gefängnis. Wir kommen auf den in vieler Hinsicht die Justiz kennzcichiicndcn Prozeß noch zurück.— Ter hessische Landtag, so Ivird uns geschrieben, hat am Dienstag den soeialdcmokratischcn Antrag, der eine direkte Berwetnng der Arbeiter im Ministerium fordert, abgelehnt. Die Besprechung der socialdcinokratischcn Interpellation bc- treffend die polizeilichen Maßnahmen gegen die ausgesperrten Maurer in Mainz ging anS, wie das bekannte Schießen. Keine der Behörden iveitz von nichts! Alle sind unschuldig, der Bürgermeister und alle sonstigen städtischen Behörden, das Ministerium und alle übrigen staatlichen Behörden. Die soeialdemokratlschen Gewerkschafter sind die Sündeitböcke, die die Arbeitswilligen schief ansehen und„die dem Staate besonders nützlichen Elemente" müssen natürlich geschützt werden— im ftlasseiistnate.—__ Ein neuer Zusammenstoß mit den Bondelzwarts. Zwischen der südwestafrikanischcn Schntztrnppe und den aufständischen Bondel- zivarts hat ein nciier Zusammenstoß stattgefunden. Eine Londoner Meldung aus Kapstadt— bei Berliner Kolonialamt ist wieder ein- mal nichts cingctrosfen— berichtet: Zufolge amtlichen Telegramms vom 12. Dezember nahmen die Deutschen das Hottcntottenlagcr ein, aber sväter trieben die Hottentotten die Deutschen über den Fluß und beschossen sie während des Rückzuges, wobei Lieurcnam Bcklin und ein Reiter schwer verwundet wurden. Ter Verlust der Hottentotten betrug drei Tote und zwei Verwundete.—» HueUnd. Oestreich-Ungarn. Die kaiserliche Antwort an dir Delegationen enthält folgende etwa erwähnenswerte Punkte: „Die auswärtige Lage der Monarchie zeigt auch seit dein letzten Zusammentritt der Delegationen eil» durchweg erfreuliches Bild.— Durch die iin vorigen Jahre erfolgte Erneuerung des Dreibundes ist die bewährte Grundlage nnsrer Politik, welche wir auch fortab aufrechtzuerhalten entschlossen sind, neuerdings für die Zukunft festgelegt worden. Das enge Einvernehmen mit dem russischen Reiche hinsichtlich der Vorgänge ans der B a l k a n h a l b i n s e l wird von meiner Regierung unausgesetzt gepflegt und kommt der friedlichen Lösung der dort auftauchenden Fragen zu gute. In Serbien hat durch eine U n t h a t(!), welche jeden ge- sitteten Menschen mit E n t s e tz e n(!) erfüllen mußte, ein Dynastie- Wechsel stattgefunden. ES st cht zn hoffen, daß dieses Land unter s e i n e m n e u e n H e r r s ch e r s c i n e r m o r a l i s ch e u Wiedergeburt(!) und einer gedeihlichen Zukunft zu- geführt werden Ivird. Meine KriegSverwaltung hält ihre Forderungen in den Grenzen der letztjährigei! Bewilligung. D e r A b s ch l n ß der Frage einer neuen S ch n e l l f e n e r- F e l d k a n o n e steht u n- mittelbar bevor. Es scheint daher notwendig, mit der Er- zeugnng im nächsten Jahre zu beginnen, wofür die KriegSverwaltung Geldmittel erbittet." Das übliche Expos« G o l n ch o w S ki S über die auswärtige Lage bewegt sich"völlig in dem gleichen Gedaniengange. Ter groteske Widerspruch zwischen der Verurteilung des Belgrader Mordes— Golnchowski spricht gar von einer „jedem in e» f ch l i ch e u Gefühl Hohn sprechenden Tragödie", die in der„ganzen civilisterten Welt" eine„nngewöhn- liche Erregung" hervorgerufen habe— und dem Ausdruck der Hoff'- iiling, daß der n e b e n Rußland nächstbeteiligte intellektuelle Urheber der That dem Lande zu einer„ moralischen Wiedergeburt" verhelfen ivcrde, tritt bei G o l u ch o w s k i noch grotesker hervor. Er sagte doch wörtlich, daß eS Oesterreichs Pflicht gewesen sei,„dem neu erwählten Könige seine wahrhaft dornenvolle Aufgabe nicht zu erschweren; ihm l i e g t d i e Pflicht ob. das durch den fluchwürdigen Frevel tief- geschädigte Ansehen Serbiens zu heben.. usw. Das ist die politische Moral, die Dynasten-Moral I— Frankreich. Nachklänge vom Texlilstreik. Paris, 14. Dezember.(Eig. Ber.) Infolge der Streitigkeiten gelegentlich des Textilstrciks ist es soeben in Armentivres und HonplineS zu einer Spaltung innerhalb der dortigen Organisalion der P. S. de F.(ehemalige französische Arbeiterpartei) gekomnien. Wie die„Petite Republigue" mitteilt, hat die tsektiou von HonplineS in einer von 66 Mitgliedern besuchten Versammlung mit großer Mehrheit beschlossen, aus der Partei auszutreten,»m sich als eine„autonome revolutionär-socialistische Partei" zu konstituiere». An der Spitze der Dissidenten steht der Maire von HonplineS, Sohier. Der Beschluß wird begründet durch die Haltung der „Leiter der Partei und des FöderalkomitccS", Delorh und Genossen, die die streikenden Arbeiter verlasicii hätten„in einem Augenblick, wo ihre Mitwirkimg von großem Einfluß gewesen wäre". ES wird ihnen deshalb ein„Tadel" ausgesprochen, ebenso ivie dem Parteiorgan„Se Travailleur"(„Der Arbeiter"), dem eine„BerleumdungS- und Lügen- Campagne" vorgeworfen wird. Andrerseits haben die„autonomen revolutionären Socialisten" Begrüßungen und aufrichtigeil Dank votiert dem ministerialistischen Blatt von Lille„Rvveil du Nord" sowie FaursS, Dclcsalle und Ge- ilossen für ihre Hilfe beim Streik. In ArmentivreS sind der Maire Daudrumez, das Gemeinderats- Mitglied und bisheriger Scktionssekretär Pottier und der Schrift- steller Rivola unter ähnlicher Begründung wie ihre GesiimuiigS- genossen von HonplineS ans der Partei ausgetreten, worauf ihre Anhänger eine autonome Gruppe gebildet haben unter dein Namen: „Arbeiterpartei von Ärmentiöres". Die beiden neuen autoiiomcn„Parteien" der zwei Städte werden gemeinsam ein»cnes Blait„Penple"(Volk) herausgeben an Stelle des nun eingegangenen lokalen Partci-Organs„l'Avenir" („Zukunft"), das von Rivola redigiert wurde. Die„Petite Rspubligne" begrüßt herzlich das neue Organ, welches eine neue Zersplitterung der alten imd kräftigen nordischen Organisation markiert, als ein Organ„socialistischer— Einig- keit"!... Man wird eine Beleuchtung der Vorgänge von feiten der P. S. do F. abwarten müssen. Erst dann wird man beurteilen können, wie es um das„Verlassen" der Streikenden u. s. f. seitens Delory und Genossen bestellt ist.— Italic». (Hiebt es snr den Journalisten ein Bcrussgchcnnnis? Mit dieser Frage hat sich der Gerichtshof in der 16. Sitzung dcö Prozesses Fcrri-Bettolo befassen müssen, um sie nach kurzer Beratung zu ver- neinen. Der Cheftcdaktcur des Gcnucscr„Eorriere Mercantile", Rechtsanwalt Lanza. verweigerte die Nennung seines Gewährsmannes, der ihn über die von Sbcrtoli bezogene Vermittlergebühr informiert hatte. Der Präsident bedrohte ihn daher mit den Matzregeln, die bei Zeugnisvcrweigerung angewendet werden. Lanza bat, ihm als Journalist das BenifsgeheiiimiS zilzugestchen. Das Gericht entschied aber, daß es für den Journalisten ein BerufsgebcimniS nicht gebe, da er durch die Miiteiluna von Dingen oder Namen, die er in der Ausübung seines Berufes erfahren habe, keiner Strafverfolgung«nigegengeht, wie daß z. B. bei« Arzt der Fall sei. Lanza mußte also seinen Gewährsinann nennen. Im Interesse der Presse wäre es wohl zn wünschen, daß die Auffassung des römischen Gerichtshofes nicht allgemein würde. Eventuell mutzten die Bestimmungen, auf die sie sich stützt, ei« Abänderung erfahren.— England. Das Dnrll Bcbcl-Biisow. London, 12. Dezember.(Eig. Ber.) Die Etatrede Bebels und die Antwort Bülows haben in der englischen Presse mehr als gewöhn- liches Interesse erregt. Selbstredend nicht wegen der Zuluufrsftaats« Witze BülowS, die hier allgemein als Trivialitäten betrachtet werden. Das Hauptinteresse der englischen Presse an dem Rededuell beschränkt sich aus die Erklärung, die Bebel dem Reichskanzler abzwang, daß Deutschland in der Mandschurei nichts zu thnn habe. Selbstredend ist diese Antwort ausweichend. Daß Deutschland sich nicht bei Beginn des russisch- japanischen Krieges ans feiten Rußland stellen wird, ist gewiß richtig. Dies wäre ja gar nicht im Interesse Riißlands. Denn ein Rcntralitätskrieg Deutschlands zum Schaden Japans würde eine Aufforderimg an England sein, sich aktiv auf feiten Japans zu stellen. Die Frage ist vielmehr die: Ein russisch- japanischer Krieg wird lang« lvierig sein. Rußland wird zwar siegen, aber der Krieg wird Rußland so erschöpfe», daß es nicht die Kraft haben wird, den Sieg auszunutzen. Die eigentliche Entscheidung wird sodann England und den Vereinigten Staaten zufallen, die alles Interesse haben, die russischen Ansprüche ans cm Minimum herabzusetzen. Wie wird in einem solchen Falle die Haltung Deutschlands sein? Dies ist die Frage. Der Vorwurf Bülows, Bebel wolle die russisch-dcnische Freundschaft stören, ist komisch. Denn eS besteht ja gar keine rufsisch-dentsche Freundschaft, ivohl aber besteht eine russisch-französische Allianz, die den Revanchegcdanke» wieder lichterloh entfachte; ebenso besteht eine entschieden feindliche Rivalität zwischen Deutschland und Rußland in Kleinasien, wo Deutsche eine Reorganisationsarbeit leisten, die Ruhlands Politik durchkreuzt. Was Bebel wirklich stören wollte, ist die degradierende Liebedienerei Deutschlands gegenüber den Interessen der zarischen Despotie.—_ Tie Ersatzwahlen in den Londoner Wahlbezirken Levisham und Dnlwich, welche bisher bekanntlich durch Konservative verwctcn waren, endeten in beiden Bezirken zu Gunsten der Anhänger Chamb erlains. In Levisham wurde der Konservative E o a t e s mit 7700 Stiimnen gewählt, während der freihändlerische Gegenkandidat Cleland(liberal) 6607 Stimmen erhielt. In Du l« lv i ch siegte der Konservative Rntherford Harris mit 6810 Stimmen über den liberalen Gegenkandidaten, den Freihändler Mate rm an, für den 4382 Stimmen abgegeben wurden.— Schweden. Eine Massendemonstration gegen jede Bcrpsnschung Ver Wahlrechts-Reform fand kürzlich in Stockholm statt. In neun Lokalen der Stadt wurden Versammlungen abgehalten. Samt- liche Lokale waren überfüllt. Hunderte von Besuchern konnten keinen Einlas; mehr finden. In allen Versammlungen ivurde die von der Arbeiterkommime vorgeschlagene Resolution, icils in verschärfter Form, angenommen. Die Arbeiterschaft Stockholms protestiert in dieser Resolution gegen die Vorschläge des proportionalen Wahlrechts- Komitees, die als eine neiic konservative„Garantie" schon allein deswegen anzusehen sind, weil sie sich nur auf die Wahlen zur Zweite n Kammer beziehen, während die Alleinherrschaft der bc- sitzenden Minderheit in der Erste ir Kammer vollständig aufrecht- erhalten bleiben soll. Unbedingt wird das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht verlangt, und zwar in solcher Form, daß die Mehrheit des schwedischen Volles durch die volksgewählte Kammer Herr im eignen Hause werden kann.— In einer der Versammlungen wurde ein Zusatz zur Resolulion angenommen, der dahin geht, daß, falls der zu erwartende Entwurf der Regierung sich als unaimehnibar erweist, die Arbeiter von neuem in den Generalstreik treten und die Arbeit dann nicht eher wieder aufnehmen, bis die Wahkrechisfrage zufriedenstellend gelöst ist.— Aus der italienische»» Partei. Rom, den 12. Dezember.(Eig. Ber.) Wie wir bereits telegraphisch gemeldet haben, hat die italienische Parteileitung den nächsten Parteitag für die Tage des 8., 0.. 10. und 11. April in Bologna einberufen. Dieser Eiltscheidnng ist eine lebhafte Diskussion vorangegangen, die zu einer Art Kompromiß in Bezug ans Zeit und Ort des Kongresses geführt hat. Da von sciten mehrerer Pariei-Abteilnngen Protest gegen daS Verbleiben T n r n t i S lind B i s s o l a t i s im Vorstand erhoben worden waren, hat sich die Parteileitung zunächst mit dieser Frage befaßt. Für Bisiolati war der Vorstand darüber einig, daß er an F e r r i S Stelle Mitglied des Vorstandes sei, da statutengemäß die ErgänznngSlvahl der fünf Abgeordneten im Vor- stand durch die Fraktion vorgenommen werden kann und durch FcrriS Wahl znin Chefredakteur des„ A v a n t i" ein Sitz frei ge- worden lvar. Was das Verbleiben Turatis betrifft, so wurden drei Tagesordnungen eingebracht. Eine von L o n g o b a r d i, die Tnrati nicht als Mitglied des Vorstandes gelten läßt, eine von S o l d i und F e r r i, die die Entscheidung dem Parteitag anheimstellt, und eine von Chiesa, die Tnrati auffordert, im Hinblick auf die Abstinmmng des Parteivorstandes vom 4. November(wonach am nächsten Kongreß alle die Organisa.- tionen teilnehmen können, die auf dem Boden des Parteiprogramms stehen) seinen Sitz im Vorstand inne zu behalten. Die TageS- ordiiung Chiesa ging gegen die Stimmen Fcrri, Soldi und Longo- bardi durch, womit also Turatis Verbleiben im Parteivorstand gebilligt ist. Darauf ging man zur Diskussion über den Zeitpunkt des n ä ch st e n K o n g r e s so s über. Diese Frage, bereits gelöst durch das Votum vom 4. November— wo man Stimmengleichheit erzielte und so den normalen Zeitpunkt, September, beibchielr— ist wieder ans das Tapet gebracht, durch die Forderung der Sektionen, sie durch Referciiduin zu entscheiden. Nicht weniger als 60 Sektionen hatten gewünscht, baß das Referendum entscheidet ») über den Zeitpunkt des Kongresses; b> über den Ort; o) über die Znlassinig oder Nichtzulassung der Sektionen, die sich von der ordentlich koilstitnierteii Partcisektion ihres Ortes losgelöst haben. Die Diskussion über diese Frage hat zwei volle Tage gedauert. Tnrati hat sich mit aller Energie gegen das Referendum aus- gesprochen. Wahl des Ortes und der Zeit stehe der Parteileitung zn. Was die Zulassung der autonomen Gruppen beträfe, so hätte darüber die Tagesordnung vom 4. November entschieden. Haupt» aufgäbe deck Kongresses sei eben die Lösimg des inneren Zwiespalts. Schlösse man aber die Dissidenten vom Kongreß aus, so verfehle dieser eben seinen Zweck. Nicht, das Referendum, der Kongreß solle entscheiden. Tnrati reicht eine fast eine Spalte lange Tagesordnung in diesem Sinne ein. Dieser steht eine Tagesordnung Ferri ent« gegen, die betont, daß das Rcfcrcnduul laut§ 14 des Organisationsstatuts gewährt iverden muß, wenn 20 Sektionen es fordern, die ferner den Wunsch ausspricht, die Sektionen wollen den wenigen bis heute existierenden Dissidenten- Gruppen die Teilnahme freistellen, aber die sich etwa jetzt nachträglich nen bildenden autonomen Gruppen ausschließen und das Partcisekretariat beauftragt, das Referendum zu organisieren. Zwei weitere Tagesordnungen Chiesa und Costa wurden auch zur Debatte gestellt. Die lange und lebhafte Diskussion kann hier nicht wiedergegeben werden. Das Endresultat war ein Kompromiß zwischen der reformistischen Mehrheit und der intransiganten Minderheit im Bor- stand. Die Mehrheit konnte das Referendum verwerfen und den Kongreß— wie sie cä wünschte— Bis September verschieben. Dann hätte sie sich aber einer offenbaren Vergewaltigung des Organisationsstatuts schuldig gemacht, ivozu ihr wohl der Mut fehlte. Deshalb schlug sie zwar das Referendum ab, gewährte aber das, was die Parteigenossen mit dem Referendum beabsichtigen, nämlich die der- friihte Einberufung des Kongresses. Die Sektionen, die das Referendum forderten, sind somit durch die Gewährung ihrer Wünsche schon halb besänftigt und werden vielleicht nicht wegen der Mißachtung ihres rechtmäßigen Gesuches um das Referendum Be- schwerdc führen. Jni Interesse deS Parteilebens, insbesondere im Interesse des „Avaiiti", war die verfrühte Einberufung des Kongresses dringend notwendig. Der„Nvanti" hat jetzt eine mittlere Auflage von 55 000 Eremplarcn, also fünfmal soviel, wie er im Frühjahr dieses Jahres hatte. Sein Redaktionsstab ist vennehrt, seine Finanzlage günstig. Wer er mutz, um sich auf seiner bisherigen Höhe zu er- halten, technische Verbesserungen erfahren, vor allem sein Format vergrößern. Da er durch Kontrakte an sein jetziges Lokal gebunden ist und große Kapitalsaufwändc zur Vergrößerung des Formats machen müßte,— womit natürlich ein dedeutendes Risiko verknüpft ist.— will die Administration eine Antorisation des Kongresses haben, ehe sie große Umgestaltungen des Blattes unternimmt. Je länger man diesen Parteitag hinausschob, um so kritischer wurde die Lage unsrcs Eentralorgans. Was die Teilnahme der Dissidenten-Gruppen betrifft, so beschloß der Parteivorstand, die bis heute bestehenden(2 von 3) zuzulassen. etwaige sich im Hinblick auf den Parteitag bildeirde auszuschließen. Kugelassen werden außer den Vertretern dieser zwei oder drei Gruppen alle regelrecht eingetragenen Sektionen, die für je hundert Acitg lieber Recht auf einen Repräsentanten haben. Eine Sektion, die weniger als 100 Mitglieder zählt, kann einen Delegierten senden. Um die dadurch drohende Uebermacht der kleinen ländlichen Sektiönchen zu verhindern, zählt bei den Namcnsabsttmmungen jeder Delegierte für so viel Stimmen, wie er vertritt, was zu einer schönen Rechnerei Anlaß geben wird. Schließlich wurde die Tagesordnung festgesetzt, die der heutige „Avanti" veröffentlichen wird. Sie lautet wie folgt: 1. Bericht des Parteivorstandes. Referenten Ba« r a z z a n i, L a m b i a n ch i. 2. Bericht derParlamentsfraktion. Referent C o st a. 3. Bericht d e S„Avanti Referent F e r r i. 4. P a r t e i- A k t i o li in Bezug aus a) das Eisenbahn- Problem, Referenten Nofri und L a b r i o l a: d) das Abgabcnwesen, Referent Bonomi; o> das Zollwesen, Referent Saldi; ck> die meridionale Frage, Referent Ciccotti; Sociale Gesetzgebung, Referent noch nicht bestimmt: 1) die Regierung und die politischen Institutionen, Referent nochnicht bestiinmt. 5. O r g a n i s a t i o n s st a t u t. Referent noch nicht bestiinmt. lieber die Wahl Bolognas ist noch zu bemerken, daß die Stadt im Centrum der reformistischen Bewegung liegt. Aus dem Süden sind bereits Proteste eingelaufen, da in I m o l a für den nächsten Parteitag eine südlich gelegene Stadt in Aussicht genommen war. Gewerkfckafrtidyes. Crimmitschau. Bedenkliche Hilfsaktionen. Die Crimmitschaucr Fabrikanten erhalten jetzt zu den selbstlosen behördlichen Hilfsaktionen noch die etwas verdächtigere Hilfe ihrer Kollegen aus andren Distrikten. Schon vor etwa drei Wochen fand in Berlin eine geheime Konferenz von Textil-Jndustriellen statt, in Ivelcher die Vertreter der Crimmitschauer Fabrikanten schilderten, wie sehr ihnen das Messer an der Kehle sitze. Die Vertreter vorgeschrittenerer Bezirke erklärten rund heraus, daß sie gar keine Veranlassung hätten, gegen die zehnstündige Arbeitszeit an sich Stellung zu nehmen. Wenn die Crimmitschauer Fabrikanten die damalige Krise über- standen haben, so liegt dies nur daran, daß ihnen das erneute Vor- gehen der Verhängung des Belagerungszustandes und das Verbot der Versammlungen wieder Mut machte. Jetzt kommen aus Forst und K o t t b u s Mitteilungen, wonach die dortigen Fabrikanten nachträglich sich doch noch zu einer Hilfs- aktion für ihre Crimmitschaucr Kollegen austasten. Das kann zwei Ursachen haben: einmal, daß diese Fabrikanten trotz ihrer wenig liebevollen Meinung von den Herren Kollegen in Crimmitschau sich dennoch mit ihnen als Klassengenosscn eins fühlen, dann aber auch, daß es ihnen geschäftlich ganz recht sein kann, wenn der Kampf in Crimmitschau eine zweite Saison dauert und ihnen so endgültig die Aufträge zufallen, die den Crimmitschauern verloren gehen. Obgleich wir uns ivohl bewußt sind, daß bei einer Anzahl der freundlichen Helfer diese letztere Kalkulation wohl auSschlag- gebend ist, nehmen wir dies fiir die Mehrheit der Herren nicht an. Es chietze Selbsttäuschung schlimmster Art treiben, wenn wir uns nicht darüber klar wären, daß es daS Klassengefühl der Kapitalisten ist, das sie heißt, selbst mit ungern gesehenen Konkurrenten und selbst für eme von ihnen sonst nicht gut geheißene Sache durch dick und dünn zu gehen. Aber, welches Motiv auch iinmer dieser jetzt sich regenden Hilfsbereitschaft des Textil-Unter- uehmertums zu Grunde liegen mag, die W i r k u n g nmß sie zweifellos haben, daß sie— weil daraus die Crimmitschauer Fabrikanten noch einmal fiir ein paar Wochen Mut schöpfen— den völligen Z ir s a m in e n b r u ch der Crimmitschau er T e x t i l- i n d u st r i e herbeiführt. Schon ist ein Teil der Crimmitschaucr Arbeit nach München- Gladbach, nach Forst und Kottbus verloren gegangen. Für die vorige Saison war noch mancher Abnehmer an Crimmitschau ge- bunden. Heute ist das nicht mehr der Fall. Heute weiß man, daß ein nach Crimmitschau gehender Auftrag gar nicht ausgeführt iverden kann, so lange die Aussperrung andauert und so richten die Abnehmer, die übrigens von den Crimmitschauer Fabrikanten in ähnlicher Weise von oben herab behandelt wurden wie die Arbeiter, ihre Bestellungen schon jetzt nach andren Orten. Da haben allerdings die Forster, Kottbuser und andre Fabrikanten leicht den Generösen zu spielen. Die zwei Prozent von der Lohnsumme, welche sie nach Crimmitschau als Unterstützung zahlen, sind gut angelegte Spesen, einträglicher als alle Insertionen, Cirkulare und Reisespesen. Für das Linsengericht dieser Unterstützung verkaufen die Crimmitschauer Fabrikanten ihre E x i st e n z I Wenn zwei dasselbe thun! Siebentausend brave und fleißige Arbeiter und Arbeiterinnen warfen die Crimmitschauer Fabrikanten skrupellos auf die Slratze. Sie würden zornig und erstaunt lachen, wenn man ihnen zumutete, diesen Leuten für den zugefügten Schaden eine Entschädigung zu zahlen. Bleibt den Herren aber ein Arbeiter oder Arbeiterin weg, so rasen sie vor Wut und niachen, wenn irgend angängig ist, Klagen gegen dieselben geltend. Bor dem Gewerbe- gericht erheben sie immerwährend derartige Klagen. So klagte dieser Tage ein Fabrikant gegen eine Arbeiterin. Die Beklagte hatte einen Tag in der Fabrik gearbeitet und war dann>veg- geblieben. Offenbar hatte sie nicht Arbeitswilligendienste verrichten wollen. DerSchaden, welcher durch das Wegbleiben entstanden, sollte ein ungehe uerlicher sein, da diese die einzige Drossirrcrin in der Fabrik war. Durch das Wegbleiben hat nun der Meister diesen Posten vcr- treten müssen. Der Meister koste jedoch pro Woche 30 M.; drei Wochen kommen in Betracht, macht 90 M., davon gehen an Lohn für die Drossiererin a 11 M., also 33 M., ab. Da diese nur einen Tag gearbeitet, waren 17 Tagezur Berechnung heranzuziehen, also 53,83 M. DieBeklagte wurde verurteilt, an den Kläger 53,83 M. Schadensersatz zu zahlen und hat die Kosten des Verfahrens in Höhe von 3 M. zu tragen. DieBeklagte ist aber fort, niemand weiß, w o sie hin ist. Auch ist sie so arm, daß eine eventuelle Pfändung erfolglos sein würde.— Eine weitere Klage richtete sich gegen den Spinner Horn von der Firma Bernhard Schönfcld. Derselbe war ebenfalls nicht zur Arbeitsstätte gekommen. Der Beklagte hatte zwar am andern Morgen Herrn Sch. mittels Briefes mitgeteilt, daß er krank sei, Herr Sch. glaubte ihm aber nicht, sondern vennutete, die bösen Streikenden hätten ihn verhetzt und wieder aus der Fabrik herausgeholt. Auch Herr Schönfeld stellte die Festsetzung des Schadens ins richterliche Ermessen. Beklagter war gegen einen festen Wocheulohn von 23 M. angestellt. Die Fabrikordnung enthält nur einen Passus, wonach in einem derartigen Falle ein Betrag in Höhe eines WochenvcrdiensteS der Krankenkasse zu überweisen ist. Durch Zeugen und ärztlichen Krankenschein wies der Vertreter des Beklagten, Genosse Fiedler, nach, daß Beklagter an demselben Tage noch krank ivar. Herr Sch. glaubte jedoch dieses alles nicht. Das Gcwcrbegericht wies den Kläger mit seiner Klage ab. Dieser hat die Kosten deS Verfahrens von 1,50 M. zu tragen. Also auch mit den„Arbeitswilligen" machen die Herren unangenehme Eafahrungen! Berlin und Umgegend. Tie Lohn� und Arbeitsverhältnisse der Berliner Stellmacher. In einer am Sonntag abgehaltenen Branchenversammlung der im Holzarbeiter-Verband organisierten Stellmacher wurden die Ergebnisse einer Erhebung vorgetragen, welche die Organisation im November dieses Jahres veranstaltet hat. Danach sind in Berlin 144 Werk- stättcn von Stellmachern vorhanden, die insgesamt 270 Gesellen bc- schäftigen. In 75 Werkstätten arbeitet nur je 1 Geselle, in 42 Werk- statten je 2, in 14 je 3, in 4 je 4, in 5 je 5, in 3 je 6, und in einer Werkstatt 10 Gesellen. Es herrschen also die kleinsten Betriebe vor, und deshalb ist es der Organisation schwer, mit den Arbeitern ihres Berufes Fühlung zu bekommen. In den Werkstattsitzungen, wo die Verhältnisse festgestellt wurden, waren nur etwa die Hälfte aller Beteiligten vertreten, nämlich 144 Gesellen aus 62 Werkstätten. In 29 Werkstätten mit 77 Gesellen herrschte die Lstündige Ar- beitszeit, in 10 Werkstätten mit 26 Gesellen wird 9'/- Stunden. in 21 Werkstätten mir 32 Gesellen 10 Stunden täglich, und in 2 Werkstätten mit 5 Gesellen 59 Stunden wöchentlich gearbeitet. Größtenteils ist also die 9stündige Arbeitszeit durchgeführt. Be- zeichnend ist, daß der Wochcnvcrdicnst bei lOstündiger Arbeitszeit nicht höher ist, wie bei der Ostündigen, so daß da, Ivo 10 Stunden gearbeitet wird, der Stundenlohn niedriger ist, wie in den Werk- stätten mit 9stündiger Arbeitszeit. Es ist festgestellt, daß die durch- schnittlichcn Stundenlöhne der Kastenmachcr bei 9stLndiger Arbeits- zeit 53'/- Pf., bei 9V-stündiger Arbeitszeit 52 Pf., bei lOstündiger Arbeitszett aber nur 43 Pf. beträgt. Bei den Rademachern sind durchschnittliche Stundenlöhne ermittelt worden von 46'/- Pf. bei 9stündiger, 43 Pf. bei 9'/istündigcr. 40V- Pf. bei lOstündiger Ar- beitszeit. Die Ennittlungen haben ergeben, daß die meisten Kollegen einen Wochenlohn von 24 M. verdienen. Ilcberstundcu werden nur wenig gemacht, in den meisten Fällen aber nicht mit einem besonderen Zuschlag vergütet. Weitere Ermittlungen beziehen sich aus Betriebs- einrichtungcn. In dieser Hinsicht Ivurde festgestellt, daß n u r in drei Werkstätten W a s ch v o r rich t u n g e n vorhanden sind. Alle Werkstätten, mit Ausnahme von 11, haben maschinelle Einrichtungcn, aber nur in sechs derselben ist ein Per- bandskasten zur Benutzung bei Verletzungen vorhanden. Das Ergebnis der Ermittlungen wurde als ein im allgemeinen zutreffen- des Bild der im gesamten Stellmacherge werbe Berlins herrschenden Lohn- und Arbeitsverhältnisse bezeichnet.— Beim zweiten Punkt der Tagesordnung wurde die Handhabung der Arbeitsverinittlung durch den Ärbeitsnachtveis der Innung besprochen. Dieser Nach- tveis befindet sich in einem Schanklokal, dessen Wirt zugleich der Arbcitsvcnnittler ist. Es wird darüber geklagt, daß die Ausgabe von Arbeit sich nicht auf die Zeit von morgens 8— 10 Uhr beschränkt, sondern sich über den ganzen Tag erstreckt. Die Arbeitslosen sind deshalb gcnöttgt, sich täglich sehr lange Zeit im Nachwcislokal auf- zuhalten, und es wird behauptet, daß diejenigen bei der Arbeits- Vermittlung bevorzugt werden, Ivclche auch in dem Schanklokal möglichst viel verzehren. Der Arbcitsvcrmtttler und Inhaber des Lokals, der sich an der Debatte beteiligte, besttitt zwar, daß er irgend jemand veranlaßt habe, als Entgelt für überwiesene Arbeit etwas zu verzehren, andrerseits Ivurde jedoch unwidersprochen bekundet, daß die Frau Wirtin einem Gesellen, nachdem er in Arbeit getreten tvar, nahegelegt habe, er nwgc doch, da er jetzt Arbsit habe, ein paar„Landwehrtöppe" zum besten geben. Der Gcsellenausschuß hat die Innung schon öfter um Abstellung der gerügten Mißstände. namentlich um Festlegung einer bestimmten Tageszeit für die Arbeits- Vermittlung ersucht, jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Diese Zu- stände wurden allgemein verurteilt, und der Branchcnkominission anheimgegeben, auf Beseitigung der Mißstände hinzuwirken. Dir Arbeitslosen-Unterstubung der Maler. Am 15. d. Mts. fand in der Bereinigung der Maler die Urabstimmung statt über die beiden Vorschläge, welche der Hauptvorstand zur Arbeitsloscn-Unter- stützung gemacht. Die Berliner Mitglieder brachten den Vorschlägen nur ein sehr geringes Interesse entgegen. Von mehr als 2000 Mitgliedern der Filiale I beteiligten sich nur 1243 an der Abstimmung. Von diesen stimmten 681 für einen der beiden Vor- schlüge und 445 gegen dieselben, während 117 Sttmmen ungültig waren. Zu bemerken ist hierbei, daß das geringe Interesse sowie die Abstimmung selbst nicht gegen die Arbeitslosen-Unterstützung an sich spricht, sondern nur gegen die Vorschläge des Vorstandes, die den Arbeitslosen zu wenig bieten. Achtung! Rabitzpuber, Spanner, Cementiererk Die Firma Julius Beermann, Südende, Park, Ecke der Friedenauer Sttaße, ist fiir sämtliche Kollegen wegen Accordarbeit und Nichtanerkennung unsres Vertrages gesperrt. Die Bauten befinden sich in Steglitz Stubenrauch-Platz: Treptow, Elsenstratze: Triftstr. 30. Stcttiner- straßen-Ecke, Christianiastraße. ÄopernikuSstr. 10 und Berlichingen- straße. Der Vorstand der Sektion der Gips- und Cementbranche. Oeutkches Reich. Die Hamburger Buchbinder haben sich, gewitzigt durch schlechte Erfahrungen bei ihrer Bewegung im Jahre 1900, genötigt gesehen, ihre Lohnkommission beisammen zu lassen, obgleich sie ihre Forderungen in der Hauptsache durchgesetzt haben. Vor drei Jahren wurden die Unternehmer nach beendeter Bewegung wortbrüchig, ohne daß Gegenmaßnahmen erfolgten. Das soll nun vermieden werden. Sofern diesmal Durchbrechungen der getroffenen Vereinbarungen versucht werden oder Nichtverbandsmitglieder unter niedrigeren Be- dingungen eingestellt werden, sind die Verbandsmitglieder verpflichtet, dies sofort der Lohnkommissiou mitzuteilen, welche die geeigneten Schritte einzuleiten hat. Findet die Lohnkommission, daß im Interesse der Aufrechrerhaltung der getroffenen Vereinbarungen die Verbands- Mitglieder dieserhalb die Arbeit einzustellen haben, so ist der dahin- gehenden Aufforderung seitens der Mitglieder unverzüglich Folge zu feisten, andernfalls der Ausschluß der betreffenden Mitglieder zu beantragen ist. Alle Geschäfte, die nicht auf der Liste der bewilligten Geschäfte stehen, sind als gesperrt zn betrachten und dürfen Verbands- Mitglieder in solchen Geschäften nur dann in Arbeit treten resp. weiterarbeiten, wenn sie hierzu die Genehmigung seitens der Lohn- kommission eingeholt haben. Eine Lohnbewegung der Musterzeichner in Gern hat mit teil- weisem Erfolge geendet. Erzielt wurde eine durchschnittliche Lohn- znkage von einer Mark pro Woche und ein Zuschlag für Ueberstunde» von sieben bis zehn Pfennig pro Stunde sowie Bezahlung der gesetzlichen Feiertage. Der Minima llohn für Ausgelernte wurde auf 15 M. festgesetzt. Die Arbeitszeit wird in zwei Ateliers aus 9 Stunden, in den übrigen Ateliers auf O'/j Stunde verkürzt. Außer einem bewilligten sämtliche Atelier-Jnhaber jährlich drei Tage be- zahlte Ferien. Arbeitsausschüsse wurden anerkannt, jedoch die Hans» arbeiten beibehalten._ Gerichts-Zcituncf» _ Eine Brandstiftung. Mit unglaublicher Frivolität wurde eins Strafthat ausgeführt, welche gestern das Schwurgericht�des Land- gerichts I beschäftigte. Ter Klavierspieler Eugen Schmidt. ein heruntergekommener Mensch, war der vorsätzlichen Brandstiftung angeklagt. Am Nachmittage des 20. September d. I. bettat der Angeklagte die Gastwirtschaft von Blank. Gerichtstraße 61. Er ließ sich einen Schnaps geben, den er bezahlte. Als er dann Platz genommen, rief er dem ihm bekannten Wirt zu, er möge ihm einen Thaler leihen. Als der Angeklagte eine ablehnende Antwort erhielt, äußerte er zu den übrigen Gästen:„Innerhalb einer halben Stunde werde ich einen Thalcr haben." Bald darauf verließ er das Gast- zimmer, ging in das Billardzimmer und nahm dort aus einem Behälter eine Anzahl Stteichhölzer an sich. Dann ging er auf den Hof, öffnete eine Fallthür, die zum Keller führte und ging hinunter. Er kam bald wieder zum Porschein, blieb noch eine kurze Zeit auf dem Hofe stehen und ging dann, als er bemerkte, daß Rauch durch die Fallthür quoll, nach der nur wenige Häuser davon gelegenen Feuer- wache, wo er den Brand anmeldete und sich für die erste Meldung den üblichen Thalcr ausbat. Als er den Flur des Blcmckschen Hauses verlassen wollte, war ihm ein Bekannter begegnet, dem er zugerufen hatte:„Paß auf, es wird hier gleich brennen!" Auf der Feuerwache legte er sich den Namen seines Bruders, des Arbeiters Theodor Schmidt, bei. Darauf begab der Angeklagte sich nach dem Blanckschen Schauklokale zurück und nahm ruhig unter den Gästen Platz. Gleich darauf kam die Feuerwehr an, welche sich sofort mit der Löschung des BrmidcS, der im Keller ausgebrochen war, beschäftigte. Wäre die Feuerwehr nicht in der Nähe gewesen, hätte in dem dichtbewohitten Hause ein großes Unglück entstehen können. Das Feuer blieb auf den Keller beschränkt, die darin befindlichen Waren wurden aber vollständig vernichtet und es entstand ein Schaden von etwa 8000 M. Daß der Brand angelegt war, war außer jedem Zweifel, und den Umständen nach konnte nur der Angeklagte der Thätcr sein. An der Brandstelle wurden Zündhölzer gefunden, welche mit den im Blanksche Lokal benutzten übereinstinunten. Im Termine erklärte der Angeklagte, daß er von der ganzen Sache nichts wisse, er müsse sinnlos betrunken gewesen sein. Die Zeugen bekundeten übereinstimmend, daß der Angeklagte nur angc- trunken gewesen sei. Der Staatsanwalt beantragte denn auch das Schuldig, indem er darauf hiiüvies, daß ein sinnlos betrunkener Mensch die schwere Fallthüre unmöglich hätte aufheben köimen und auch nicht berechncndcrwcife auf der Feuerwehr einen falschen Rainen angegeben hätte. Der Verteidiger, Rcchtsanivalt Feig, hov dagegen hervor, daß die That und deren Beweggründe so unglaublich seien, daß sie nur von unzurechnungsfähigen Menschen begangen sein könne. Die Möglichkeit sei auch nicht ausgeschlossen, daß ein andrer. durch die Redensarten des Angeklagten dazu angeregt, das Feuer angelegt habe. Welcher Brandstifter würde wohl, unmittelbar nach dem verübten Verbrechen zu einem anderen sagen:„Passe auf, es wird gleich brennen I" Sei der Angeklagte der Thäter gewesen, so müsse er thatsächlich sinnlos betrunken gewesen sein. Ter Per- leidiger bat aus diesen Örimdeir um Freisprechung. Der Spruch der Geschworenen lautete auf Schuldig, worauf der Staatsanwalt gegen den Angeklagten drei Jahre Zuchthaus bc- anttagte. Das Urteil lautete auf zwei Jahre Zuchthaus und dreijährigen Ehrverlust. lUtttfe Nachrichten und Depeschen. Dcputicrtenkammer. Rom, 16. Dezember.(W. T. B.) Bei der fortgesetzten Debatte über den Etat deS Auswärtige» bringt Alfred Baccelli die Frage der Handelsverträge zur Sprache und führt die Gründe an, aus denen er es nicht für nütz- lich hält, daß auch Italien einen Kampftarif veröffentliche. Der Vertrag mit Deutschland müsse und könne auf der Grundlage des jetzigen italienischen Tarifs abgeschlossen werden. Redner spricht schließlich den Wunsch aus, daß die Regierung die Interessen des arbeitenden Italiens schützen werde.(Lebhasle Zustimmung.) Marazzi ftihrt aus, er sei überzeugt, da? Ziel des Drei» bundes sei einzig und allein der Frieden. Redner führt weiter aus, er sei auch überzeugt, daß die Ursachen zu Mißverstäud- nisten und Meinungsverschiedenheiten zwischen Italien und Frankreich verschwunden seien. Gaetani di Laurenzana äußert sich billigend darüber, daß die Regierung der Dreibund-Polittl treu zu bleiben beabsichtige. Redner spricht seine Freude über das herzliche Einvernehmen Italiens mit Frankreich und England aus. De Rovellis erklärte, er erwarte, daß Minister Ttttoni eine beständige und entschlossene Polittl befolgen werde, welche die Interessen und Rechte Italiens wirksam schütze. Königsberg i. Pr., 16. Dezember. iW. T. B.) Nach einer Meldung auS Prostken ist das russische Dorf Bcnczkowo bis auf wenige Gebäude niedergebrannt. Große Erntevottäte find vcr» nichtet. Bezüglich der von Alfted Baccelli angeregten Frage der Handels» Verträge äußert der Minister, er könne natürlich keine weitgehenden Erklärungen abgeben, da die Verhandlungen noch im Gange seien. Die Regierung werde aber morgen eine Vorlage einbringen, die sie ür verschiedene Eventualitäten ermächtige, zum Schutze der italieni- ■chcn Juteresten entsprechende Maßregeln zu treffen. Weiter sagt der Minister, er freue sich, erklären zu können. daß die Verhandlungen mit Deutschland einen günstigen Fortgang nehmen und einen befriedigenden Abschluß erwarten lassen. Die Ber- Handlungen mit der Schweiz wurden eifrig in Angriff genommen. er könne aber nicht verhehlen, daß die Schwierigkeiten weder wenig zahlreich noch geringfügig seien. Bezüglich der Verhandlungen mit bestreich liege die Schwierigkeit in den Dingen selbst, auf beiden Seiten aber sei der gute Wille groß. Stubrnarrcst-Sühne. Metz, 16. Dezember. kW. T. B.) Das Kriegsgericht verhandelte heute im Anschluß an den Prozeß Schilling gegen Hauptmann Paschte und Feldwebel Kaffarnet von der 4. Compagnie des Metzer Infanterie-Regiments Nr. 98; sie wurden beschuldigt, dienstliche Beschwerden von Soldaten nicht weitergegeben und andre Unterlassungen begangen zu haben. Hauptmann Paschte wurde zu fünf Tagen Stubenarrest verurteilt, Kaffarnet, der erst seit kurzer Zeit in seiner jetzigen Stellung ist, wurde freigesprochen, da erwiesener» maßen die Hauptschuld seinen Vorgänger trifft. Leipzig, 16. Dezember.vortl.:TH.Glocke in Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckcreiu.Berlagsanstalt Paul Singer sc Co., Berlin ZW. Hierzu 3 Beilagen u.ttnterhaltungsblatt Slr.291. 20. laNa»!).\ AtÜKHt jlfO„NkWAtlK" ötllllltl Dllülölllllü. l7- 1903 partci-]V[achncbten, Die Gemeinderats-Wahlen in Stuttgart. Die Zahl und Herkunft der abgeänderten Stimmzettel ist jetzt, wie wir aus der„Tagwacht" ersehen, festgestellt worden. Es wurden abgeänderte Zettel abgegeben von der vereinigten Rechten 753, Bürgerverein 273, Volkspartei 457, Socialdemokratie 244, Unparteiische 142. Die 457 abgeänderten volksparteilichen Zettel sind der vereinigten Rechten zu gute gekommen: ob aber gerade den aus dieser Gruppe Gewählten oder den Unterlegenen, läßt sich aus den vorliegenden Angaben nicht beurteilen, da ja die vereinigte Rechte eine weit größere Zahl abgeänderter Zettel aufweist. Es kann deshalb auch nicht mit Sicherheit die Behauptung aufgestellt werden, daß alle socialdemo kratischen Kandidaten gewählt worden wären, wenn alle Volkspartei lichcn Zettel unabgeändert abgegeben lvorden wären; nur für noch einen oder zwei Socialdemokraten könnte man mit ziemlicher Gewißheit sagen, sie wären in diesem Falle gewählt worden. Deren Niederlage kann man also ganz gewiß auf das Conto der unsicheren Kantonisten der Volks Partei setzen: bei den andren zwei oder drei Socialdemokraten ist die Differenz gegen die Stimmen der gewählten Deutschparteiler so groß, daß sie nur dann hätten gewählt werden können, wenn die abgeänderten volkspartcilichcn Stimmen auf die gewählte n Deutschparteiler gefallen sind, diesen also im andern Falle ent- gangen wären. Indes muß mit Bedauern konstatiert werden, daß auch 244 Wähler unsrer Partei dem Beschlüsse der Parteiversammlung nicht gefolgt sind: sie haben den offiziellen Stimmzettel abgeändert. Es suid prozentual erheblich weniger wie bei der Volkspartci, aber es sind genug vom Standpunkte socialdemokratischer Auffassung von Partei- diSciplin, um zu ernsten Bedenken Anlaß z» geben. Der verbündeten Volkspartei hat die Absplitterung der 244 socialdemokratischcn Stimmen keinen Schaden gethan, ihre vier Kandidaten sind gewählt worden, aber trotzdem würde sie, machte man ihr VerHaltungen wegen ihrer Marodeure, mit Recht auf die socialdcmokratischen Marodeure hinweisen können. Die„Schwäbische Tagwacht" zieht aus dem Wahlausfall die Lehre, daß die Partei fortgesetzt arbeiten müsse für Erwerbung des Bürgerrechts durch die Arbeiter. Das schließt schon in sich, es sollte aber auch ruhig offen aus- gesprochen werden: das Ziel, nach dem allistr zu streben ist, ist innere Festigung und Stärkung der eignen Reihen, um aus eigner Kraft in der Gemeindeverwaltung zu dem Einfluß zu kommen, der der Arbetterklasse gebührt. ' In Heilbronn wurden zwei Parteigenossen in den Gemeinde- rat gewählt, so daß jetzt im ganzen drei darin sitzen. Ruf dem Parteitage für das westliche Westfalen, der am Sonntag und Montag in Bismarck bei Gelscnkirchen abgehalten wurde, nahm man zu den Landtags Wahlen folgende Resolution an: „Der Parteitag für das westliche Westfalen erklärt, daß der Ausfall der preußischen Landtagswahlen im allgemeinen, wie in Bochum-Dortinund im besonderen, keineswegs Veranlassung geben kann, von der ferneren Beteiligung abzusehen. Denn einmal ist erster und letzter Zlveck der Beteiligung die Agitation, sodann kann das Resultat der diesjährigen Wahl— als unter völlig fremden Verhältnissen gethätigt— nicht die Ansicht rechtfertigen, von der weiteren Beteiligung abzusehen oder gar die einzelnen Kreise daran zu hindern." Zu den G e m e i n d e w a h l c n wurde beschlossen, daß Kompro- misse nur mit Zustimmung des Kreis-VertrauenSmannes rcsp. des LaildcS-Vcrtrauensmannes geschlossen werden dürfen. Den Gemeinde- Vertretern soll die„Kommunale Praxis" auf Kosten der örtlichen Partcikasse geliefert werden. Zur Frage Organisation wurde ein Komitee gewählt mit dem Austrage, ein Örganisationsstatut für den Bezirk auszuarbeiten und dem nächsten Provinzialparteitage vorzulegen. Em Induftnc und bandet Die neue deutsche Reichsanleihe. Schon seit einiger Zeit hat man sich an den Gedanken gewöhnt, daß das Deutsche Reich nach Ge- nchmigung des Etats, also etwa im April 1904, mit der Aufnahme einer neuen Reichsanleihe vorgehen wird, um den Bedarf, der sich nach der Aufstellung des Etats auf etwa 214 Millionen Mark bcläuft, zu decken. Diese Aussicht, daß der Markt wiederum mit einer Anleihe in Anspruch genommen werden wird, hat naturgemäß wesentlich dazu beigetragen, das Interesse für unsre inländischen Anleihen herab- zustimmen, da eine neue Anleihe von solcher Höhe das umlaufende Material ganz wesentlich vermehren dürfte. Wie der„Frank- furter Zeitung" aus Berlin geschrieben hat, wird man deshalb wahrscheinlich versuchen, die vorläufige Deckung der Beträge vorerst auf irgend eine andre Weise zu regulieren, um mit der Aufnahme einer neuen Anleihe bis auf tveitcrcs noch warten zu köimen. Zu be riicksichtigen bleiben ferner die im nächsten Jahreoie die„Frankfurter Zeitung" meldet, ein Finanzkonsortium unter Führung der Deutschen Bank, der Ottomanbank, des Wiener Bankvereins und der Schweizerischen Kreditanstalt teils fest, teils in Option, nach Maßgabe dcS sich beim Bau der Bagdadbahn ergebenden Bedürfnisses, 50 Millionen Frank Ottomanische Staats- aiileihe, die für den Bau der ersten Teilstrecke seitens der türkischen Regierung gewährt und durch Pfänder unter Verwaltung der Dette publique sichergestellt wird. Die Aeetylenveleuchtung in Deutschland. In der kürzlich in Eisenach abgehaltenen fünften Hauptversammlung des deutschen AcctylenvereinS wurde mitgeteilt, daß in Deutschland zur Zeit ca. 60 Ortschaften ihre centrale Lichtversorgung mittels Acetylen durchgeführt haben. Die Anzahl der deutschen H a u S- anlagen wurde auf 19 000 mit ca. 500 000 Flammen und einem Karbidverbrauch von ca. 20 000 Tonnen geschätzt. Die letzte Angabe kann indeS kaum stimmen, denn die Produktion deS Karbid- fyndikatS beträgt nach Mitteilung seines in der genannten Versamm- lung anwesenden Leiters nur ca. 15 000—16 000 Tonnen. Die englische Subvention fiir die Cunard-Linic. Bekanntlich hat da? britische Parlament der Cunard-Linie eine Subvention von 2 Millionen Pfund Sterling fiir die Indienststellung zweier Dampfer bewilligt, die an Schnelligkeit die schnellsten Dampfer der Hamburg- Amerika-Linie und des Norddeutschen Lloyd mindestens noch um eine Seemeile pro Stunde übertreffen, also ca. 25 Knoten in der Stunde zurücklegen sollen. Um die hohe Subvention— 20 Millionen Mark pro Dampfer— zu erhalten, hat die Direktion der Cunard-Linie an alle größeren englischen Schiffswersten die Anfrage gerichtet, ob sie bereit wären, die beiden Schiffe zu bauen. Aber alle zur Konkurrenz aufgeforderten englischen Wersten haben trotz des besonders hohen Preises, den die Cunard-Lmie zu zahlen willig ist, die Aufgabe abgelehnt. So bleibt der Direktton. wie ihr neulich schon eine amerikanische Zeitung vorgeschlagen hat, nichts andres übrio, als entweder die deutschen Schiffsbau- Gesellschaften zur Lösung des schwierigen Problems aufzufordern, oder auf den Bau und damit auf die 40 Millionen Mark Subvention zu verzichten. Sie wird sich wohl für das letztere entscheiden müssen, denn eine Uebertragung des Baues an deutsche Firmen würde in England einen Sturm der Ent- rüstung hervorrufen. Zu dem Kapitel der allmählichen lleberholung der englischen Industrie durch die deutsche und amerikanische liefert dieser Verlauf der mit so viel Gelärm in Scene gesetzten englischen Subventionicrung der Cunard-Linie einen heiteren Beitrag. Die Petroleuniproduktion in den Vereinigten Staaten von Amerika. Zum erstenmal hat im Jahre 1902 die amerikanische die russische Petroleuniproduktion übertroffen. Nach dem letzten Jahresbericht des geologischen Vermessungs bureaus in Washington ist die Petroleumproduktton der Vereinigten Staaten in den Jahren 1991 und 1902 von 69 389 194 Faß sein Faß— 159 Liter) auf 80 894 590 Faß gestiegen, dagegen ist im gleichen Zeitraum die russische Erzeugung von 85 168 556' Faß auf 80 540 045 Faß zurückgegangen. Von der Weltproduktton an Petroleum im Jahre 1902, welche nach den Berechnungen des Bureaus auf 177 231 900 Faß oder 7 Proz. mehr als im Vor jähre veranschlagt wird, entfallen hiernach 45,64 Proz. auf die Ver einigten Staaten von Amerika. 45,44 Proz. auf Rußland, 3,31 Proz. auf Sumatra, Java und Borneo, 2,35 Proz. auf Galizien, 1,16 Proz. auf Rumänien und der Rest von 2,1 Proz. auf die übrigen Mineralöl produzierenden Länder. Die 16,58 Proz. betragende Zunahme der amerikanischen Pro- duktion gegenüber dem Jahre 1901 ist hauptsächlich durch die Ent deckung und Ausbeutung neuer Oelquellen in den Staaten Texas und Kalifornien verursacht worden. In diesen beiden Staaten allein wurden ini vergangenen Jahre 5 830 994 und 5 187 518 Faß gewonnen. Dagegen hat der Ertrag der Appalachischen Oelfelder, die nach wie vor das wertvollste unter dem Namen„Pennsylvania Oil" bekannte Produkt liefern, in, Jahre 1902 etwas abgenommen. Das Areal dieser Felder erstreckt sich von Wellsville im Staate New Nork durch den Staat Pennsyl vanien in den Staat West-Virginien hinein und umfaßt einen großen Teil des südöstlichen Ohio, sowie der Staaten Kentucky, Tenncssee und Alabama. In sämtlichen Distrikten der genannten Staaten ist die Förderung von Pennsylvania Oil in den letzten beiden Jahren zurückaegangen: am bedeutendsten war der Rückgang im Jahre 1901 in West-Virginien. Lohnheralisetzungen beim amerikanischen Stahltrust. Der durch die Krise des amerikanischen Eisenmarktes hervorgerufene Beschäf- tigungsmangcl wird von dem amerikanischen Unternehmertum rück- sichtsloS zur Herabdrückung der Löhne ausgebeutet. Auch der Stahl- trust nimmt eine Lohnreduktion vor, die 15 Millionen Dollar jährlich an Löhnen ersparen soll. Sie tritt am 1. Januar 1904 in Kraft und erstreckt sich auf 90 Proz. der Angestellten und Arbeiter, d. h. 160 000 Mann. Die den Gewerkschaften angehörigen Arbeiter werden von der Lohnherabsetzung vorläufig nicht betroffen, da der mit den Gewerkschaften vereinbarte Lohntarif bis zum 1. Juli 1904 läuft._ GewerkfebaftUebea. Für die streikenden und ausgesperrten Weber in Crimmitschau gingen bei der Berliner G e w c r k s ch a s t s I o m m i s s i o» solgendc Beiträge ein: Gesangverein„Note Nelke II" 19,—. Maschincnfabr. Gicse U. Pohl 7,10. Stukkateure u. Bildhauer v. Schröder u. Bclow 3,50. Niemann u. Co., Kronlcuchtcrsabrik 28,60. Buchdrnckcrei A. W. Schade, 2. Rate 25,—. Kellex- ratzcn, Turmstraße 3,50. Kiichcnmöbclsabr. Jede, Neu« Wcißcnsce 14,50. Tischlerei Sicvcrt 9,—. Perimutterwaren-Fabrik Hintze 7,80. Druckerei Rod. Schulz 7,50. Bronzcwaren-Fabrik Kramme 12,50. Bronzeivaren-Fabrik Ende u. DevoS 0,—. Kiftensabrik Stolz, 6. Rate 11,20. Werkstatt Walter Elhan 3,—. Holzbearb.-Arb. Kengier 5,35. Mclallarb. Silbcrmann 14,50. Gesangverein„Freie Feldblume" 7,15. Zldrcßbuchsctzcr Hayns Erben, Potsdam 26,80. W. Ll. Hirschmann, 2. Rate 40,20. � Küchenmöbel-Fabrik Kütsch 11,60. E. Lcwinsohn, Köpnickerstraßc 16,05. Schuhfabrik Schulz, 2. Rate 6,05.?l. E.-G., Ackcrstraßc, durch einen Ausiviegler 231,85. Bautischlcrci Jlobing 13,—. Möbeltischlerei Bergcr, Wicnerslr. 17,15. Tischlerei Sicbcrt u. Zlschcnbach, 3. Rate 32,—. Etliche Arbeiter. Schuh snbrik Fürstcnhcim u. Co. 5,50. Mawatzcnsabr. Lied u. Co., Merseburgerstr. 5,50. Maurer, Bau Eiscnacherstr. 44 d. Wilkc 9,05. Mützensabr. A. Winter 20,—. G. Wachau b. Friese 1,80. Silberivarensabr. Körner u. Proll 21,10. Vergoldcrci Licke 3,—. Turnerkneipe B. 5,50. Svarvercin Glückaus in R. d. H. 13,55. A.-E.-G. Kabelwerk Obcrsprce, Abt. Gießerei 22,70. Taschen- wcrkstube Dcmuth 5,—. Stlberarb. Firma Schneider, 2. Rate 14,30. Heckmann-Uscr, kl. Decken 9,50. Weber u. Co., 3. Rate 11,45. P. Martens 10,—. Ranchklub„Ohne Zwang", M. d. D. R.-B. C. Ruhr 10,—. Müllkutschcr d. Firma C. Scheller 11,90. Werkstattvers. b. Raabe, Wicklern. Wicklermncn d. A. G. u. U. G. 16,50. Schuhmacherwerkstatt Luisenstr. 21 11,25. Arb. d. Berliner Genossen» schafls-Bäckerei(Nichtmitglicder) 54,06. Buchdruckerei Kitzler u. Hampcl 7,50. Tischlerei Augster, Pallisadenstr. 38, 4,—. Leitergerüstbaucr 16,25. Stammtisch bei Baum, Wrangelstraßc, 5,25. Pastor v. Venedig, Gel. Per.„Borax" 5,—. Bau Ausstellung, gcs. d. sch orratz, 2. Rate 23,10. Anna BrzonsiuSki 3,—. Sparvcrcin slotte Brüder, Rixdors 5,—. Sparvercin sröhliche Brüder b. Erd- mann 34,—. Steinhäger it. Budiker, Bau Rixdors, Kraholdstraßc 8,—. Union auf Listen 525,40. Maschinenbau Löwe 31,10. Pslaum«. Gerlach 27,25. Liebhcit und Thiesen 15,65. Henning b. Brückner 2,—. Rabitzarb., Bau Camphausen-Eckc Frciligrathstraße 5,25. Maschincnsabrik Buchwald 4,50. Hcinicke und Genossen 2,50. Nm Biertisch ges. b. Hamburger 2,25. Gesammelt bei Buchholz, Alcxandrincnstraßc 10,20. Schmiede d. Hcnychcl, Tellcrsaminlung 13,00. Schmiede Linkscher Werkstatt 5,—. Textilarbeiter RummcISburg d. Reumann 2t,—. G. V. F. d. Ncumann, GoSlerstraße 10,—. Laudenverein Ncu-Transvaal, Adlershof 6,15. Droschkenkutscher Lehmami, Potsdamer Brücke 2,70. E. Lindner, Guhrau 2,—. Drechslerei Hülsenrath 2,50. Gürtler und Bronzcure der Firma Pardcmann u. Co. 9,05. Schauflers Gäste, Swincmünderstraße 9,20. Sparv. FidelitaS, Langestraßc, d. C. Adler 12,50. Rungeftr. 17 am Biertisch 5,—. Verw. d. Spar- und Prod.-Gen. Bcrlin-Rixdors 12,—. Personal b. Ernst Krüger, Höchstcstraßc 11,50. Bautischlcrei Kranke, Schliemannslraße, 2. Rate 9,70. Arbeiter der Firma Förster u. Runge 30,45.'Arbeiter d. F. Otto Nachtigall. Hollmann- slraße 45,—. Ges. bei Firma Schäfer u. Hauschner 22,20. Nachtschicht 3,80. Oberlichtsaal Tischlerei CourtoiS, Schwedierstraße 4,50. W. Büxcnstein, ob. Setzersaal, Gutcnbcrgbündlcr 10,50. Mitglieder der Lohnkommission der Porteseuiller 5,45. Portcseiiillcr v. Runge 10,25. Portescuillcr v. Puschel 3,50. Wcrtstatt-Sitzung d. Dachdecker Horn u. Hummel 11,45. Klempner- abtcilung F. M. Lautcnschlägcr, 2. Rate 12,50. Vater u. Sohn, Baum- schulenweg 6,—. Drei Mann von Gebrüder Klcinmann, Lands- bcrgersttaße 2,50. Spar- und Rreditverein„Einigkeit" 14,—. Ar- bester«. Kutscher b. Pniowcr 5,—. Kistenmachcr b. Firma E. Fehse 4,65. Arb.-Radsahrver.„Ziel", Adlershos 18,—. Gürtler C. Ludke Wwe. 13,—. Bautischlerei Kühn, Luisen-Uscr 12, 4. Rate 20,—. Schleifer, Gürtler u. Dreher, L. Engelmann 11,25. Lotteneklub„Frohe Hoffnung" 3,—. Tischlerei Woher, Waldemarstr. 30,—. Orichcl.Neandersir., Lehmann 3,50. Gcsangv.„Unverzagt", Moabit 10,—. TischlcreiFlatow, Andreasstr. 3. Rate 26,20. Tischt, v. Prächtel 1 1,85. Bildcrrahnicnsabr. Rohde u. Co. 9,30. Flcischhackcr Barmen 10,—. Tischler» verein, Melchiorstr. 50,—. Möbelsabrik F. Maust, Naunhnstr., 3. Rate 20,—. Otto Meier 18,40. Äuuz. Warschaucrstr. 13,75. Piauomechaniksabril Lissauer, Gcburtst. b. Schallbeck 20,20. Fr. Vereinig, d. Bauarb., Vortrag Dr. Fr. 8.—. Zl. Knappe, Metallwarenfabrik 18,—. Braun u. Wols, organ. Kollegen, 2. Rate 8,50. Albumsabrik Jourkat 11,30. Möbeltischlerei Lczijcwsli 8,85. Möbelfabrik Friedrich, Fruchtstraße, 3. Rate 32,50. Pianinosabrik Hansen 16,50. Personal Iul. �chlunk 11,05. Grünauer Eisengießerei 24,20. . chulz, 81. G., Ankerbauseld 10 19,45 und 17,45. Michael 2,—. Zwei Barbiergehilsen 4,—. Stutkatcure u. Rabitzer v. Bau Tictz 17,90. Nchlcr 16,70. Levicr u. Weiße 21,60. Maurer und Bauarbeiter d. Stopp, Charlottenburger Ufer 10,—. Tischlerei Krause, Kursürstcnstraße 12,—. Maler Bau Ausw. Amt, Frohn u. Plat 16,—. Btldhaucr-Alelier B. u. K., Dessauerstraße 5,50. Bautischlcrci Harms, Anklamerstraße 15,—. Maurer, Bauaich., Zimmerer, Kloster Maricnsclde 32,05. Arbeiter v. Bau R. Schröder, Katzbachstraßc 7,10. A. W. 2,—. Arbeiter d. F. Baschwitz. Seydclstraße 27,80. Ramsler, Andreasstr.. d. Gehrickc 17,41. P. Z. 3,—. Tischlerei Linke, Köpemrfcrstraße 13,55. Julc, Ritterstr. 85 13,—. Putzerwlonne Wiescnstr. 7 9,50. Buchdrnckcrei Nauck 14,—. Malergeh, v. Bau Holsteimscheslr. 3,50. Tischler» sabrik Munckel u. Co. 8,75. Tischlerei Fr. Thirighcus, 2. Rate 7,65. Tischlerei Gebr. Gcißler, Brunncnstr. 15,—. Klempnerei Kiescwetler 4,—. Pianosabrik Bell u. Co.. 2. Rate 29,55. Tischlerei Herrmann, Fricdckchsselde 3,—. Sl. E.-G., Abt. Netzband u. Schmiede 84,75. GaSmesfersabrit Baumgaricn u. Sohn 10.—. Maurer u. Arbeiter Müllersir. 171a durch Peters 5,50. Gießerei Kraas 9,—. Tischlerei Nöthling, Friedenstraße 18,85. Klingman» u. Co., Pianinosabrik 23,75. Bauklempnerei Müller, Großg örschenstraße 13,50. Tischlerei Gurisch, Fruchtstraße, 4. Rate 17,95. Tischlerwerkstatt Billig, Pallisadensttaße 7,10. Pianinosabrik Schmidt d. Kallmeier, 2. Rate 12,10. Schriftgießerei Gronau 12,45. Saal d. Gürtler von Stabernack, Tcmpclhos 10,80. Schleifer von Stabernack, Tcmpelhos 1,95. Stammgäste von Fichtner 7,—. Eiscnbahnstraße,-'Aug. Asche 1,—. Liste 1834 (Darunter Elsenbeinschneidcrei Schmidstraße) 14,55. Personal der Schriftgießerei u. Messinglinicnsabrik H. Berthold 157,75. Schriftgießerei v. Thcinhardt 13,05. Skatklub Stramme Jungs 3,—. Maler der Firma C. SivanlcS, Bau Greiscnhagcnerstraße 5,10. Schloß Keorgi u. Co., Naunyn» straßc 0,—. Firma Stengel u. Co. ll,—. Gesangverein„Alpenglocke" 10,—, Gesangverein„Mclodia"-Rixdors 19,20. Ledcrwarensahrik Boas, 2. Rate 7,—. Sparverein Hufeisen 12,—. Prägcrci Litauer u. Boyscn, 2. Rate 12,90. Katzenköppe Wilh. B., Franz K., Fandrich und Emst 4,60. Schuhleisten- Fabrik Schmid, Charlottcnstraßc 5,50. Tischlerei v. ManSke 5,60. 3 Ösen« setzer der Firma Scheffel B. G. S. 2,50. Unkel Bräsig 5,—. 5rorkschneidcr M. B., Trier 3,—. Ein armer Handlungsgehilse 3,—. R. G., Pfarrer, 1. HilsSIehrcr 3,—. K. Schachnc 3,10. F. u. H. 1,—. Skatklub„Ohne Zwäng". Johannisthal 5,—. Oeffentlichc Maureroersammlung, Lage i. Lippe 3,60. 5 Lackierer, A. E.-G.,'Ackerstraße, Abt. Dobcrt 3,05. Tirpitsche Schneiderwerkstatt 4.—. Vom versumpften Charles Holzwurm 2,55. Zwei reservierte Hutmacher K. u. N. 2,—. Wally, Klara, Karl 3,05. Hilse von Nalionalsocialen 2,—. Schlosser der Firma A. Spcß u. Thcdy 5,—. Goldschmiede von Ld. Hran 3,50. Slammgäste im Lokal Bernauerstraßc 3,40. Geburtstagsscicr E. T. 3,—. Männer-Gcsangvcrein„Feuerfest" 5,00. Pest. Buchdruckerei Leo Schultz. Friedenau 4,20. Vcrgoldcr von P. Ticke 3,50. Gesellen der Stellmacherei C. Köngetcr 5,—. C. u. H. Metzle, Berg- straße 5,—. Maschincnarbeitcr der Firma Schuster u, Szando 10,70. „Blaue Drei" 2,35. Putzer, Bau Zellcstraße 12, 2. Rate 5,—. Bautischlerei„Kannegießern", 2. Rate 7,30. Böttcherei Gcisler 5,45. H. Rießland, Gr. Franksurterslraßc, 4,—. Buchdruckerei Gustav Müller 2,75. Tapezierer der Firma Schmidt, Gartenstraße, 3,50. 91. E.- G. Ackerstraße, Lg. II, 0,40. Fliesenleger der Firma Bilski 7,50. Personal der Firma Heymann u. Schmidt d. Pallmith 18,50. 9l. E. u. M. L. 15,—. Ortsverein Spandau, Buchdrucker, 2. Rate 16,40. Putzerkolonne Gustav Raßhw 14,30. I. F., N. Z. 1,—. Bautischlerei Zell, Friedenau 3,25. Bildhauer und Stukkateure von Caspary. Luiscnstraße 6,80. Stündchen Gesangverein „Lorcleh" 6,—. Sportklub„Wcdding" 7,50. Von den Rohrlegern der Filiale NW. des Neptun 2,25. Zwei Arme 1,50. Central- Kranken- und Stcrbekasse der Tischlerei u. a. gewerbl. Arb. d. H. Sternbcrg 25,80. Schade, Gastwirt, Kottbuser Damm 3,—. Mehrere E-chlosscr und Dreher der Maschinenfabrik O.'Allner 3,—. Deutscher Holzarbcitcr-Vcrband Danzig 4,—. Tischler und Drechsler d. Firma Steinhoff"5,—. Krankengeld-Zuschuß- und Stcrbekasse, Zahlst. Charlottenburg, 5,—. Bananschläger der Firma Hamann u. Co., 3. Rate 6,—. Arb. d. Firma Schulz, Bcllc-'Allianceslraße, 2. Rate 9,65. Anbaltische Schlosser und Dreher d. Sch. 26,35. Deulsche Bierbrauerei A.-Ä.> Flaschenbier-Abt. 16,30. Org. Kollegen d. Firma A. Wertheim, Lüneburgcr- straße 10,—. Buchdruckerei Schenk Nslg., P. M. Weber 16,—. Soc. Wablvercin Potsdam„Friede aus Erden" 30,—. Fraiserci 9l. E.-G., Ackestkr., Saal 8 20,—. Töpfer b. Ww. Günther u. W. Krüger 12,—. Bauiischlerci Gsring u. Wölk, 2. Rate 19,50. Möbelfabrik Herzig u. Banncmann 30,—. Hemrichsche Schneiderwerkstatt 11,05. Bauarb. u. Handwerker Bau Chbg., Nehringstr. 6,80. Tischlerei Gcrickc. Schbg. 11,20. Glasarbeiter Firma Müller u. Schwarz, Wiesau 30,70. Böttcher d. Faßsäbril P. Mördcl 8,25. Lotiericver.„Glücks« jagd", Baumschulenweg 7,55. Bautischler v. L. Lassen 10,05. Baugcschäst Schrammcr, Fricdrichshagen 9,45. Masch.- u. Hilssarb. Baugescllschaft FricdrichShagen 8,50. Bautischlcrci A. Seiler, Chltbg. 30,80. Arb.-Turnver. N.-Wcißcnsec 2l,—. Schuhmacher-Verb.-Mitglied., Zahlst. Wcißcnsce 24,70. Fabrikarb.-Berb., Sweitunterstützung. 10,—. Duisburger Buchdrucker 37,—. Glasarbeiter Ilmenau(Thürlng.): Werkstatt Petri u..Holland 12,10, Schleifer Stcinmann 10,75, Thermomctcrfabrik 9llt u. Jäger 6,25, Werkstatt Bttillcr 1,45, Werkstatt Küchlcr u. Söhne 6,55, Summa 37,10. Socialdemokratischer Wahlvcrci» Zernsdorf 20,—. Tischsabrik Bartels, 2. Rate 5,—. Frau Kraums, LcrtobungSseicr 10.—.'Arb. der Maschincnsabrik Ed. Weiler, Ouitzowstraße 13,10. Arb. u. Arbeitcrlnncn der Gummisabrik Firma Kübler u. Co. 14,—. Frau Dr. L. 20,—. Rixdorscr Männerchor, Gesangverein 10,—. Silbcrwarcnsabrik Gebr. Petersseld 20,25. Gummiwarensabrik C. M., Weißen« sce 19,65. Berliner Werkzeug-Maschinensabrik 80,30. Neubau Deulsche Bank 8,60. Summa 4104,82 M. Bereits quittiert 72 093,02 M. Gesamtsumme 76 197,84 M. Weitere Beiträge werden In unscrm Bureau in der Zeit von 9—1 und 6—8 Uhr entgegengeiiommen. Gelder, welche mit der Post eingesandt werden, sind an A. Körften, Cngcl-User 15, zu senden. Der Ausschuß der Berliner GelvcrkschastSkommission. Serlmer partei-�ngelegenbeiten. Wr die bedrängten Crimmitschauer werden heute, Donnerstagabend acht Uhr S3 Volksversammlungen in folgenden Lokalen abgehalten: 1. Kreis: Jndustrie-Festsäle, Bcuthstr. 20/21. 2. Kreis: Kliem, Hasenheide 13. Berliner Bockbrauerei, Am Tempelhofcr Berg. 3. KreiS: Berliner Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 16. 4. Kreis(Süd-Ost): Urania, Wrangelstraße 9/10. 4. Kreis(Osten): Keller, Koppenstratze 29. 5. Kreis: Brauerei Lipps, Am Friedrichshain. k. Kreis: Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10/11. Swine- münder Gesellschaftshaus, Swinemünderstr. 42. Eiskeller, Chaussee« 'traße 88. AhrenS Brauerei, Tnrmstr. 25/26. Tempelhof: Gasthaus Stadt Dresden, Berlinerstr. 33. Charlottenburg: Volkshaus, Rosittenstr. 3. Schöneberg: Obstff Festsäle, Meiningerstr. 8. Wilmersdorf: Volksgarten, Emil Witte, Berlinerstr. 40. Rixdorf: Victoria- Säle, Hermannstt. 48/49. Thiel, Berg- traße 151/152. Lichtenberg: HöflichS Schivarzer Adler, Frankfurter Chaussee 120 Pankow: Ebersbach,„Zum Kurfürsten", Berlinesttr. 102. ilirinickendorf: Restaurant Sadatt, Residenzstr. 124. Weißrnsce: VereinShauS, Charlottenburgerstr. 150. Köpenick: ScheerS Wilhelmsgarten. Rummrlsburg: Weigel, Türrschmidtstraße 45. Referenten in diesen Versammlungen sind die sächsischen Reichs» tagS-Abgeordneten E. Fischer, Fräßdorf, Gertsch, Goldstcin, Geyer. Grenz, Gradnauer, Kaden, LiPinSki, Rosenow, Schöpflin, Sindrr- man», Stolle, Stückten, die Reichstags- Abgeordneten Baudrrt, R. Fischer- Berlin, Förster, Lesche» Südckum, Zubeil und Genosse Röffcl. Parteigenossen! Gebt durch zahlreichen Besuch dieser Versamm- luiigen Eurer Sympathie für die Erintmitschauer Weber AusdruS, die von Staat und Unternehmertum gleichmäßig drangsaliert iverden I Kein Parteigenosse, keine Genossin fehle in diesen Versammlungen I _ Die Bertraucuslrute. Tempelhof. Sonnabendabend 8 Uhr findet im Lokale von Martin Müller, Berlinerstr. 41/42, eine Ortssitzung statt, wozu das Er» 'cheinen aller Mitglieder in Tempelhof dritigeud nötig ist. Der Vorstand. In Spandau finden am Freitag zu G n tt st e tt der Crimmitschauer und Velteuer Kämpfer zwei Volks» ve r s n in in l tt n gen statt: zumdrittenWeihnachtsfeicrtage arrangieren unsre Genossen in zwei Lokalen einen Konzert- und Untcrhaltungs- abend. lokales. Der Protest gegen die Wahl des Stadtverordneten Kerfin legt bau der bodenlosen Frivolität, mit der von freisinniger Seite Protest eingelegt wird, ein beredtes Zeugnis ab. Einige freisininge Gernegroße haben sechs Punkte aufgestellt, aus denen sie die Ungültigkeit der Wahl ableiten wollen. Der Wahlbezirk war in zwei Teile geteilt. Es sollen nun im ersten Teil folgende„erhebliche Unregelmäßigkeiten" sich ereignet haben. Der Wahlvorsteher fnl erstens an einen Wähler die Frage gerichtet haben, ob Kerfin Hausbesitzer sei, zweitens soll er Wähler, die nicht wußten, wen sie wählen sollten, aufgefordert haben, sich an dem Wahlusch ihrer Partei danach zu erkundigen; drittens soll der Wahlvorsteher die Wähler, welche Kerfin als Karfin, Kressin, Karsin und dergleichen aussprachen, gefragt haben: Sie meinen wohl Kerfin? Nach erfolgter Bejahung sei der Name Kerfin protokolliert. Viertens sei zwei Wählern, deren einer Frick, der andre Lober wählten, gesagt: die sind nicht als Kandidaten auf- gestellt; eS sei dann unterlassen, diese beiden zu protollieren. Fünftens sei der Wahlvorstand nicht durch Handschlag verpflichtet worden. In dem zweiten Teil des Wahlbezirks habe ein Soeial- demokrat einem Wähler, der den Namen Kerfin Kersin aussprach, zugerufen: Kerfin. Es erhellt, daß diese sämtlichen Behauptungen weder einzeln noch in ihrer Gesamtheit geeignet sind, erhebliche Unregelmäßig» keiten als geschehen zu beiveisen— im Gegenteil. Indes die Mehrheit des Ausschusses beschloß Beweisaufnahme, toeil sie wohl von der Ansicht ausging, eine Aufklärung des Sachverhalts schade keineswegs. Die Beweisaufnahme hat stattgefunden und hat in ihrem Gesamtergebnis überzeugend dargetha», daß eine frivolere Wahlanfechtung kaum vorgekommen ist. Der Wahlvorsteher des ersten Teiles des Wahlbezirks hat, vollkommen dem Gesetz und seiner Pflicht entsprechend, sich durch Fragen über die Identität des zu Wählenden unter- richtet. Demgemäß hat er einen Wähler gefragt, ob Kerfin Hausbesitzer fei, andre Wähler, die den Namen Kerfin von einem Zettel ablsen und bei der Dunkelheit Korsin, Kressin u. dgl. lasen oder in oft- preußischem Dialekt Karfin oder sächselnd Gerwin, aussprachen, ge- fragt, ob sie Kerfin meinen, was er sei, Ivo er wohne u. dgl. Die Frage wurde bejaht. In allen diesen Fällen ist, lvie das Ober- VerwaltungSgericht im 31. Band und die Berliner Stadtverordneten- Versammlung entschieden hat, mit Recht der als Kerfin gemeinte, anders ausgesprochene Kandidat als Kerfin protokolliert. Richtig ist, daß ein Wähler Lober wählte: als gewählt ist Lober auch eingetragen, die gegenteilige Behauptung des Protestes ist unwahr. Als der Name Frick genannt wurde, hat der Protokollführer die im Protest gemachte Bemerkung, die durchaus zulässig war, gethan. Der Wähler ent- fernte sich hierauf, kam dann wieder und ivählte Schein. Die Ver- pflichtung des Wahlvorstandes durch Handschlag scheint unterlassen zu sein: eS ist das ein unerheblicher Verstoß gegen eine magistratliche Anordnung. In den: zweiten Bezirk hat der Wahlvorsteher durchaus in Widerspruch mit seiner Pflicht Namen wie Kressin, Kersin usw.. ohne die Identität dieser Gewählten festzustellen, als Kressin, Kersin usw. protokolliert und dann— für ungültig erklärtl Ein Zuruf Kerfin ist im Lokal von einem Tisch aus gemacht. Festgestellt wurde bei der Beweisaufnahme, daß auch der Name des freifinnigen Kandidaten schein mit Schemm, Scham, Schom, Schöm bezeichnet wurde; im ersten Teil des Wahlbezirks wurde dieser Name als Schern erachtet, im zweiten Teil wurde in eine m Fall— zu Unrecht— als gewählt Schom genannt. Das Ober-VerwaltungS- gericht hat wiederholt angenommen, daß es durchaus zulässig ist, daß der Wähler den Namen des von ihm zu Wählenden verbessern, daß er ihn sogar verlesen lassen dürfe. Es komme nur darauf an, daß er in Person und in der Oeffentlichkeit die Verantwortung für die Ausübung seines Wahlrechts übernehme. Es hat ebenfalls die Pflicht des Wahlvorstehers, die Identität des genannten Kandidaten festzustellen, ausgesprochen. Der Wahlvorsteher des ersten Bezirks, gegen dessen Vorgehen die freisinnigen Protestler nach Art schlechter Winkelkonsulenten sich wenden, ist daher durchaus korrekt vorgegangen. Zweifelhaft kann man nur sein, ob im Falle Frick- Schein Herrn Schern eine Stimme abzurechnen ist. Im zweiten Bezirk muß nach der Beweisaufnahme von den neun init Unrecht für ungültig erklärten Stimmen eine Schein, a ch t Kerfin zugerechnet werden. Die Beweisaufnahme über den Wahlprotest hat also ergeben, daß Kerfin mit 7 bis 8 Stimmen m ehr als vordem publiziert ist, zum Stadtverordneten gewählt ist. Der Ausschuß ivird sich in den nächsten Tagen über die Gültigkeit der Wahl schlüssig machen, so daß schon in nächster Woche die Stadtverordneten- Versammlung entscheiden könnte. „Der Freisinn als Sieger!" Die„Vossische Zeitung" tvütet noch immer gegen den„Vorwärts". Daß wir am Mittwoch die Bedeutung der beiden Stichwahl-Siege des Frei- s i n n s auf ihr richtiges Maß zurückgeführt haben, will dem Blatt gar nicht passen. Für den 5. Bezirk scheint die„Voss. Ztg." än ihrer Naivetät erwartet zu haben, daß dem Freisinnigen Marggraff «ein socialdemokratischer Gegenkandidat erspart bleiben würde, weil Ndarggraff in der Stadtverordneten-Versammluug etliche Male mit der foeialdemokratischen Fraktion gestimmt hat. Bei dieser Gelegen- heit stellt das Blatt die Sache so dar, als sei Marggraff vom „B o r w ä r t s" ein„Dreiviertel-Soeialdemokrat" genannt worden. Das ist selbstverständlich Unsinn. Freisinnige haben Marggrafs so genannt— die einen, um Wähler für ihn einzufangen, die andern, um ihm Wähler abspenstig zu machen. Bezüglich des 2. Bezirks hält die„Voss. Ztg." an dem kindischen Märchen fest, die Veröffent- lichung jenes angeblich von Socialdeniokraten unterschriebenen Flugblattes habe dem Zweck dienen sollen, dem Antisemiten Pretzcl zum Siege z» verhelfen. Unsre Genossen im 2. Bezirk werden hier kopfschüttelnd zu dem Cirkular greifen, daß die soeialdemo- kratischcn Wahlleute ihnen vor der Stichwahl haben zugehen lassen. Tarin heißt es:„Wir empfehlen nnsren Wählern Stimmenthaltung. da wir zur Stärkung des Kommunalliberalismus keinen Finger rühren werden, aber auch dem Antisemiten»aturgemas« nicht zum Siege verhelfen können." Aber die„Voss. Ztg." behauptet, der„Vorwärts", Centralorgau der socialdemokratischen Partei Deutschlands, unter- stütze einen Antisemiten! Will das Blatt der Jakobi-Clique, indem es diesen blamablen Blödsinn verzapft, vielleicht vergessen machen, daß der Freisinn Leute wie Kopsch und Zwick in seinen Reihen hat? Ueber das Flugblatt, das nach der Darstellung der..Vossischen Zeitung" von Socialdemokraten unterzeichnet sein soll, um den soeial- demolratischen Wählern für die Stichwahl den Freisinnskandidaten zu empfehlen, werden«vir morgen näheres mitteilen. Von den 48 darunter gesetzten Namen ist denjenigen Personen, die in Partei- kreisen Bescheid wissen, kein einziger bekannt. Durch einen plötzlicheil Tod ist ein wackerer Parteigenosse, der Zimmerer Theodor Hoff in a n n der Arbeiterschaft entrissen worden. Hoffinann, der seit Ende der 80er Jahre in der Partei thätig war. genoß mit Recht das Vertrauen, das man ihm entgegen- brachte. Nicht nur im ersten und vierten Wahlkreis, wo er sich ganz besonders in den letzten Jahren des Soeialistengesetzes bethätigte. sondern auch iu(einem HeimatSort Schwiebus hat er rastlos für die Arbeiterbewegung gearbeitet und sich dadurch viele Freunde und ein dauerndes Andenken erworben. Als tüchtiger Agitator für seine Ge- werlschaft, den Verband der Zimmerer, und als langjähriger Kassierer in der freien Hilfskasse vertrat er mit dem größten Eifer und Gewissenhaftigkeit die Interessen des Proletariats. Trotz seines schlimmen Leidens, der Proletarierkrankheit, war er bis kurz vor (einem Tode rastlos thätig. A», Montagabend erlöste ihn der Tod von seinen Leiden. Seine Frau und vier kleine Kinder trauern am Sarge. Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause, Heidenseldstraße 13, ans statt. Die Uiiigestnltiiiig der Wasserversorgung Berlins ist vorläufig erst zur Hälfte ausgeführt, aber im Laufe des diesjährigen Sommers und Herbstes sind auch sür die zweite Hälfte die Vorarbeiten so weit gefördert worden, daß nun eine baldige Ausführung zu erwarten ist. Erst nachdem die auf dein Wasserwerk Tegel geschaffenen Einrichtuugen zur Gewinnung von Grundwasser fertiggestellt waren._ konnte ernstlich daran gedacht werden, auch das Wasserwerk Müggelsee für Grund- wassergetvinnnng einzurichten. Vom umgebauten Tegeler Werk ist die eine Abteilung bereits scit Dktobcr 1901, die andre seit Mai 1903 wieder in Betrieb. Die Erwartungen, die an den Umbau geknüpft worden waren, haben sich bezüglich der Ergiebigkeit der Tiefbrunnen lvie auch der Wirksamkeit der Enteiscnungsanlogen bnrchanS erfüllt. Im Juli 1903, wo die Wasserlieferung nach Berlin unter dem Ein- fluß der Hitze auf reichlich S''., Millionen Kubikmeter stieg, war das Tegeler Werk beteiligt mit ziemlich L'/z Millionen Kubikmeter, das heißt täglich rund 80 000 Kubikmeter, die ohne Schwierigkeit von den Tiefbrunnen hergegeben wurden. Das Brunnenwasser wurde völlig von dem darin enthaltenen Eisen befreit. Die Temperatur dieses Wassers betrug nur rund 10 Grad: sie Ivnrde durch das Ent- eisenungs- und Filtriernngsverfahren selbst im Sommer nicht erhöht, während das vom Müggelsee-Werk gelieferte Seewasser im Juli eine Temperatur von rund 20 Grad hatte. Das System, das sich in Tegel bewährt hat, ivird init einigen Verbesserungen nun auch beim Umbau des Müggelsee-Werkes angewendet werden. Die in der Um- gebung des Müggelsees angestellten umfangreichen Versuche zur Ge- winnung von Grundwasser sind jetzt in der Hauptsache beendet. Sie haben ergeben, daß auch hier die erforderliche Wassermenge aus Tiefbrunnen entnommen werden kann. Mit der Ausarbeitung der Entwürfe und Kostenanschläge für den Umban ist begonnen worden. Die Buchhaildluilg Vorwärts, Lindenstraße 69, ist in der Weih- nachtszeit um eine Stunde länger, also bis acht Uhr abends geöffnet. Die Buchhandlung hält ein reiches Sortimentslager von Jugend- schriften, Klassikern und naturwissenschaftlichen wie geschichtlichen Werken vorrätig, wobei selbstverständlich auf die Bedürfnisse der Arbeiterschaft iu jeder Hinsicht Bedacht genommen worden ist. Ebenso ist die Parteilitteratur ans das reichhaltigste vertreten. Ter Stadtverordiieten-AliSschuß zur Vorberatung der Magistrats- Vorlage über die Errichtung einer G e iu e i n d e s ch u l e in Moabit für katholische Kinder hat gestern abend unter Vorsitz des Stadt- verordneten W. Gericke beschlossen, der Stadtverordneten-Versammlung vorzuschlagen, die Vorlage abzulehnen und den Magistrat zu er- suchen, eine neue Vorlage für eine Gemeinde- Doppelschule in der Ouitzowstraße zu machen. Das neue Schwebebahn-Projekt liegt gegenwärtig dem Minister der öffentlichen Arbeiten zur Prüfung und Genehmigung vor. Es handelt sich dabei vornehmlich um die Frage, ob die Interessen des Eisenbahnfiskus gestatten, daß neben dem Stadtbahnhof „Alexander platz" ein„ S ch lv e b e b a h n h o f" errichtet und in der Dirkscnstraße die Schwebebahn neben dem Stadtbahn- Viadukt einher geführt werden kann. Der„Schwebebahnhof" ist in der Weise geplant, daß der Vorbau am Stadtbahnhof, der die Warte- räume und Küche des Bahnhofswirtes beherbergt, etivas verbreitert und überbaut wird. Es soll dadurch für den Bahnhof Raum ge- schaffen werden, zu welchem in der Dirksenstraße seitwärts, von der Königstraße her, die Treppen hinaufführen. Ferner wird die Prü- fulig sich auf den Uebergang der Schwebebahn über den Stadtbahnkörper, östlich der Station„ I a n n o w i tz- b r ü ck e", erstrecken, woselbst der Viadukt die stattliche Höhe von ca. 24 Meter über der Spree erhalten muß, weil die„zweite Etage" der Stadtbahn bekanntlich frei bleiben soll. Die Trace der Schwebe- bahn ist hier, wie früher gemeldet, gegenüber dem alten Projekt ge- ändert worden: Die Bahn geht nicht über die Jaimowitzbrücke imd durch die Michaelkirchstraße, sondern durch die Wallnertheater-, über die Holzmarkt- nach der Köpnicker- und dann durch die Neander- und Prinzenstraße. Mit den BerkehrsverhLltniffen am Potsdamer Platz beschäftigte sich die Baudeputatioii in ihrer letzten Sitzung. Vom Polizeipräsidium lagen Vorschläge zur Verbesserung der VerkehrSverhältuisse auf dein Potsdamer Platz vor, die den Beifall der Deputation nicht fanden. Dieser Platz ist überlastet, besonders was den Wagenverkehr anlangt. Ans diesem Grunde. ist der Platz erst vor einiger Zeit nmgebaut ivorden. Jetzt wünscht die Polizei mehr Raum für den Fahrverkehr ans der nördlichen Seite durch Verkleinerung der Bürgersteige vor Cafe Josty. Den Straßenpasjcmten würde da- durch wenig genützt sein, aber auch dem übrigen Verkehr Iviirde damit wenig gedient werden, weil die einmündenden Straßen nicht verbreitert werden können. ES ist serner vorgeschlagen worden, daß alle von dem Potsdamer Bahnhof kommenden leeren Wagen nicht den Weg durch die Leipzigerstraße bezw. Leipziger Platz nehmen dürfen, sondern andre Wege benutzen sollen, lind daß die leer nach dem Potsdamer Bahnhof fahrenden Fuhrwerke von der Lcipzigcrstraßc ans ihren Weg um den Leipziger Platz und hinter den beiden Thorgebäuden nach dein Bahnhof einschlagen sollen. Ferner ist in Vorschlag gebracht, die Droschkenkutscher anzuweisen, in Zukunft bei Fuhren nach dem Tiergartenviertcl oder von dort nach dein Innern der Stadt die Bcllevncstraße und den Leipziger Platz zu vermeiden. Der Weg durch die Lennostraße, Königgrätzer- und Poßstraße ist nur unbedeutend weiter, dafür aber auch bequemer und schneller zurückzulegen. Eine Befolgung dieser Anweisung würde zur Entlastung des Potsdamer Platzes und der Leipzigerstraße beitragen. Zur Bewältiguug des starkeil Personenverkehrs werden auch Weihnachts- Sonderzüge Berlin— Hamburg gestellt werden. Sie beginnen, wie die Sonderzüge auf den andren Strecken, mit dem 19. Dezember und verkehren bis zum 3. Jamiar. Am 19. Dezember kommt 8 Uhr 23 Min. abends ein Zug auf dem Lehrter Bahnhof von Hagenow an. Von Berlin, auSjchlietzlich vom Lehrter Bahnhof, gehen ferner Sonderzüge: ain 21. Dezember 9 Uhr 10 Min. vorm., am 22. Dez. 1 Uhr 3 Min. nachm., am 23. Dez. 8 Uhr 48 Min. und 1 Uhr 3 Min., sowie 9 Uhr 10 Min. vorm., am 24. Dez. zu denselben Abfahrtszeiten, am 25. Dez. nur 9 Uhr 10 Mm. vorm., am 26. Dez. 1 Uhr 3 Min., am 27. Dez. ebenfalls 9 Uhr 3 Min. vorm.. am 1. und 2. Januar je 9 Uhr 3 Mi»., am 2. Jaimar außerdem 9 Uhr 10 Min. vorm. Nur die Züge, die 8 Uhr 48 Min. morgens abfahren, laufen bis Altona. Iii um- gekehrter Richtung verkehrt ungefähr dieselbe Zahl von Soildcrzügen. Statistisches vom Weihnachtsmarkt. Für den Weihnachtsmarkt sind im ganzen 3598 Verkaufsstellen eingerichtet gegen 3861 im Jahre 1902. Es sind 944 Buden rnid Schrägen, 2292 Verkaufsstellen für Weihnachtsbäume und 239 für Äepfel und Nüsse. Der Rückgang in der Gesamtzahl um 263 Verkaufsstellen betrifft Haupt- sächlich die Zahl der Verkaufsstellen für Weihnachtsbäume, deren Zahl im Vorjahre 2810 betrug. Drahtlose Telegraphie Berlin— Schweden. Die Versuche, durch drahtlose Telegraphie von hier ans mit der schwedischen Marine- station in Karlskrona in Verkehr zu treten, sind gestern von der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie nach dem System Telefunken mit bestem Erfolge begonnen worden. Trotz der Entfernung von 450 Kilometer sind zahlreiche Depeschen gut angekommen. Die Polizei vor dem Kinematographe». Die Vorführung eines Kinematographen gehört nicht zu den Vorstellungen, die der Polizei- lickien Genehmigung bedürfen. So hat das Ober-Berwaltungsgericht in einem Falle'enffchieden, der in der Spruchpraxis der„Deutschen Jnristenztg." mitgeteilt wird. Das Ober-Verwaltnngsgcricht hat u. a. ausgeführt, daß von den im§ 33a der Reichs-Gewerbeordnung genannten„Singspielen, Gesangs- und deklamatorischen Vorträgen" keine Rede sein könne. Die sodann aufgeführte„Schaustellung von Personen" setze voraus, daß Menschen in Natur sichtbar gemacht werden, was ebenfalls nicht zutreffe. Endlich falle die Vorführung auch nicht unter die dort genannten„theatralischen Vorstellungen". Dies werde schon dadurch ausgeschlossen, daß eS sich bei dem Kinematographen um eine nur bildliche Darstellung handelt, eine solche aber zu den theatralischen Vorstellungen in keinem Falle ge- rechnet werden kann. Die ersten freistehenden Post-Automaten sind gestern bor dem südlichen Thorgebäude am Leipziger Platz ausgestellt worden, wo sich seit einigen Jahren ein Telegraphen- und Rohrpostamt befindet. Die grün angestrichenen Automaten verabreichen unter der Säulen- Halle links und rechts von dem großen Fenster nach Einwurf eines lO-Pfennigstücks je fünf 2-Pfeimig-, zwei 6-Pfcnnigkartcn oder dem- entsprechend eine Anzahl Marken. Auch ein Liebesdrama. Der Rechtsanwalt beim Kaminergericht Dr. S). hatte mit der luiverehel. Auguste K. ein Liebesverhältnis angeknüpft und ihre Befreiung von der Sitten.lon trolle erwirkt. Er hatte ihr versprochen, sie zu heiraten und bereits den Tag der Hochzeit festgesetzt. Doch gelang es seinem Vater und seinen Freunden, die Heirat zu hintertreiben und Dr.«!)■ zu bewegen, sich voll der K. loszusagen. Es kam dann zur Auszahlung einer Abfindungssumme. Das Mädchen schrieb später an den Vater des Dr. U., dieser habe sich gegen§ 220 des Strafgesetzbuches vergangen: lvcnu nicht eine Aussprache mit ihm erfolge, so werde sie Strafanzeige erstatten. Später kam sie in daS Bureau de» Dr. D. und verlangte Angabe der Summe, die er ihr geben wolle, wenn sie die Beschuldigung zurücknehme. Nunmehr erstattete Dr. U. Anzeige, und das Landgericht I in Berlin verurteilte am 23. April die K. wegen versuchter Erpressung zu drei Monaten Ge- fängnis. Ihre Revision wurde gestern vom Reichsgericht als un- begründet verworfen. Der Wohlthiiter Berlins. Das Denkmal für Simon Blad, der die ReichShauptstadl unter der bekannten und vielumstrittenen Bedingung, daß sie ihm ein Monument errichte, zum Erben seines großen Vermögens eingesetzt hat, ist jetzt vollendet und wird in kurzem auf dem Gemeinde-Friedhof in Friedrichsfelde aufgestellt werden. Es ist ein Obelisk, der an der Vorderseite ein Relief in Hochformat von 100: 60 Ccutimeter Größe aufnehmen wird. Dieses Relies ist von Professor August Vogel modelliert und bei Martin und Piltzing in Bronze gegossen und enthält als Haupfftück die von Simon Blad ersehnte Darstellung„in ganzer Figur", freilich nur in iveit bescheidenerem Maßstäbe als sie der Wohllhäter gewünscht hatte. Es ist eine Reliefstatuette von kaum V» Meter Größe. Simon Blad sitzt hier in einer nischenartigen Vertiesimg. über der linken Schuller den Mantel z die Hände ruhen auf dem Schöße, die Linke hält ein Buch. Der Künstler hat dem barhäuptigen Kopf mit dem Spitzbart einen Zug gedankenvoller Beschaulichkeit gegeben. Die Reliefplatte ist umrahmt von Lorbeerfestons, die durch Rosetten unterbrochen Iverden; an den vier Ecken erscheinen Engelsköpfe. Unter der Nische zeigt sich eine Tafel mit der Inschrift:„Simon Blad. Geboren am 18. Mai 1313, Bnedesheim b. B. Gestorben am 16. Februar 1896 in Berlin." Ans der Rückseite des Obelisken wird eine kleine dekorative Bronzethür den Raum schließen, in dem die Aschenurne des Stifters ihren Platz findet. Weihnachts- und Neujahrs-Sonderzüge werden, lvie die königl. Eisenbahndirektion Stettin bekannt macht, in der Zeit vom 19. d. M. bis 3. Januar k. I. vom hiesigen Stettiner Bahnhofe wie folgt zur Beförderung gelangen: Nach Stettin, Stargard, Bel- g a r d zc. ani 19., 20., 23. und 24. Dezember 3 Uhr nachmittags Schnellzug nach Stettin, am 24. Dezember l50 nachm. Personenzug nach Stetriu, am 20., 23., 24. und 25. Dezember 10 � vorm. Personenzug bis Sckargard, am 25. Dezember 5� vorm. Personenzug bis Stargard, am 27. bis A n g e r m ü n d e, am 19., 23. und 24. Dezember 3 53 nachm. und II40 abends Personenzüge nach Belgard: am 24. Dezember 2� bezw. 603 nachm. Personenzug nach Greifs wald bezw. Päse walk; am 25. Dezember 834 vorm. bis Pasewalk; am 19., 23., 24., 27., 28. und 31. Dezember, sowie am 2. Januar 733 nachm. Personenzug nach W r i e z e n, am 19. und 24. Dezember außerdem noch ein Zug um 520 nachm. und am 24. und 25. Dezember ein solcher um 1255 nachm. nach Wriezen; am 19., 21. bis 24. Dezember 3 20 nachm. Personenzug nach St e u st r e l i tz, außerdem am 24., 25. und 27. Dezember, sowie am 2. Januar 103° vorm.; endlich nach G r a n s e e: am 19. Dezember 6 nachm., am 20. Dezember 5 43 vorm., am 24., 27., 31. Dezember und 2. Januar 6 Uhr nachm. Diese neben den fahrplanmäßigen verkehrenden Züge erfordern die- selben Fahrkarten, wie jene und halten auch auf denselben Stationen. Näheres enthalten die auf den Bahnhöfen aushängenden Bekannt- machungen. An daS Rohrsystem der Berliner Wasserwerke waren am 31. März d.J. nach dem soeben herausgegebenen VerwaltnngSbericht des Magistrats 26 525 Zuleitungen angeschlossen(517 mehr als am gleichen Tage des Vorjahres). Die Anzahl der, städtisches LeitungS- Wasser benutzenden Personen betrug für Berlin im Jahresdurchschnitt fiir das Betriebsjahr 1002/03 insgesamt 1 909 225. Diese Zahl wurde festgestellt als die mittlere Einwohnerzahl»ach den Berichten des Statistischen Amts der Stadt Berlin. Da im Durchschnitt des Borjahres 1 894 540 Personen städtisches Leitungswasser benutzt haben, so hat sich die Zahl um 14 685 Personen, das sind 0,77 Proz. vermehrt.— Der Gesamtverbrauch an Leitungswasser betrug für die Stadt Berlin 55 352 982 Kubikmeter oder sür den Kopf und Tag durchschnittlich 79,13 Liter. Der durchschnittliche Tagesverbrauch stellte sich auf 151076 Kubikmeter. Der Höchstverbrauch wurde er- reicht am 4. Juni 1902 mit 218 220 Kubikmeter oder 114,86 Liter pro Kopf der Einwohnerzahl, während der 25. Dezember 1902 mit 104 011 Kubikmeter oder 34,11 Liter pro Kopf den niedrigsten Wasser- verbrauch aufwies. Die Frage, wie viel Wasser der Berliner braucht, beantwort der soeben erschienene Verwaltungsbericht des Magistrats wie folgt: Im letzten Etatsjahre stellte sich der Wasserverbrauch in der Stadt Verlin auf 79,53 Liter für den Kopf und Tag bei einer Einwohnerzahl von 1,91 Millionen, In den drei vorhergehenden Jahren wurde im Durchschnitt weniger verbraucht, nämlich im Vorjahre 79,36, im 1900 nur 78,49 und im Jahre zuvor 77,12 Liter pro Kopf der Bc- völkerung, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß die Einwohnerzahl stetig gestiegen ist. Ein gefährlicher Bursche. Ein Unhold, der vor einiger Zeit dos Tempelhofer Feld unsicher machte, indem er unter der Borspiegelung, daß er Kriminalbeamter sei, unerfahrene Frauen und Mädchen, die allein gingen, durch Einschüchterungen zwang, ihm zu gefallen zu sein, ivnrde gestern von der Kriminalpolizei festgenommen. Es ist ein 33 Jahre alter Arbeiter Karl Schröers, der bei seiner Mutter in Ripdorf wohnte. Die vergewaltigten Frauen bezeichneten ihn bei der Gegenüberstelllmg mit aller Bestimmtheit als den Uebelthäter. Schröers, ein intelligenter Mensch, war früher ein sehr fleißiger und tüchtiger Arbeiter, bis er sich verleiten ließ, an einer Falschmünzerei teil- zunehmen. Hierfür ivurde er mit 18 Monaten Gefängnis bestraft. Nachdem er vor drei Jahren aus Plötzcnsce entlassen ivorden war, trat er in Schanlwirtschaften im Süden und Südosten der Stadl als Zauberkünstler ans. Seit 14 Tagen verkehrte'er viel in einem Lokal in der Skalitzerstraße. Dort wurde er gestern beim Mittag- essen verhaftet und nach seiner Gegenüberstellung mit den Frauen in daS Untersuchungsgefängnis gebracht. Ein schweres Bauunglück ereignete sich auf dem Grundstück Ecke der Weise- und Herrfurthstraße in Rirdorf, wo gegenwärtig Fundamente zu einem Neubau hergestellt werden. Hierbei fiel eine ivohl ungenügend abgesteifte Seiteuwand ein und begrub den 36 Jahre alten Arbeiter August Bierkus, Jahnstr. 32 in Britz wohn- Haft, unter sich. Ein Stapel Mauersteine stürzte gleichfalls in den Bauschacht und verletzte den unglücklichen V. schwer im Rücken. Arbeitskollegen dcS Verunglückten machten sich sofort an die Reitung desselben und schafften ihn dann nach der Ilnfallstation XII. Hier wurden schioere Ouetschungen und innere Verletzungen festgestellt. welche eS notwendig machten, daß der Verunglückte nach dem Britzer Krcis-Krankeuhanse gebracht wurde. Bierkus ist verheiratet und Vater mehrerer kleiner Kinder. Ein gefährlicher Kellerbrand kam Mittwochmittog in der Kant- straße 21 zu Charlottenburg durch die Explosion eines Petroleum- fasses aus und beschäftigte die Wehr über zwei Stunden. Dort befindet sich im Erdgeschoß die Kolonialwarenhandlung von Paul Eichholz: unter dem Laden liegt der Vorratskeller. In diesem war gestern mittag ein Hausdiener damit beschäftigt, Petroleum von einem großen Faß abzufüllen. Plötzlich fiel nun eine in der Nähe stehende brennende Lampe um und brachte das Faß zur Explosion. Der Hausdiener kam glücklicherweise mit dem Schreck davon und konnte sich durch eilige Flucht retten. Der Brand griff mit unheim» lichcr Schnelligkeit um sich, denn als der erste Lvschzug aus der Rankestraße eintraf, stand bereits der größte Teil des Kellers in hellen Flammen. Es nmßte daher mit mehreren Rohren tüchtig Wasser gegeben werden, um die Gefahr zu bejeitigcn. Die Warenvorräte sind zum. großen Teil vernichte!. ItcBet das Sinke» des Grundwassers, eine Folge deZ Teltolver a n a l b a u c s, ist schon mehrfach berichtet worden. Auf den an grenzenden Feldmarken verwelkten und verdorrten im Sommer die Pflanzen, viele Brunnen versiegten und mutzten tiefer gebohrt werden. Bei den Vorarbeiten für die Kanalisierwig von Johannis rhal hatte man den damaligen Wasserstand zur Grundlage gt nommcn. Jetzt hat aber eine neue Messung ein ganz andres Er gebnis gehabt. Die Senkung des Wasserstandes ist für die Aus führung der Kanalisation und für die Entivicklung der Bauthätigkeit günstig. Besonders können jetzt die Kanalisationsröhren im trockenen gelegt werden, eine tvcscntlich billigere Arbeit als die im Grund Wasser. Auch kann das Gefälle von 1: S00 auf 1: MV geändert werden. Damit fallen die Zivischenpumpen, die sonst erforderlich gewesen wären, weg. die Abwässer slictzen rascher ab und sind auch in größerer Menge zu bewältigen. Ein Zerwürfnis mit seinen Elter», das eine Liebschaft als Ursache hatte, hat den 19 Jahre alten Arbeiter Reinhold Wichmann. oer in der Britzerstr. 8 wohnte, in den Tod getrieben. Der junge Manu lebte früher bei seinen Großeltern in Heiligenbeil in Ost- Preußen und hatte dort ein Liebesverhältnis mit einem 26 Jahre alten Mädchen. Die Großeltern wollten von diesen Beziehungen nichts wissen, da ihnen ihr Enkel noch zu jung schien. Nach einigen Auseinandersetzungen verließ Wichmann sie und fuhr nach Berlin. um sich, wie er sagte, das Leben zu nehmen. Arn 28. August tra er hier ein und nahm Wohnung bei seinein Stiefvater. Dieser bc sorgte ihm auch eine Stellung bei der Paketfahrt, bei der er selbst beschäftigt ist. Den brieflichen Verkehr mit seiner sieben Jahre älteren Geliebten wollte er aber nicht aufgeben. Ms ihm seine Mutter deshalb Vorhaltungen inachte, stürzte er sich vom Luisen- Ilfer in den Kanal. Erst gestern fand man seine Leiche in der Nähe der Stelle, wo er hineingesprungen war. Das Dienstmädchen eines benachbarten Gastwirts erkannte in der Leiche einen jungen Mann. der öfter bei ihrem Dienstherrn verkehrt hatte und der als der ver mißte Wichmann festgestellt wurde. Eine größere Verkehrsstockung gab es Mittwochvormittag in der Brunncnstratzc imd hatte eine Alarinierung der Feuerlvehr zur Folge. Vor dem Hause Nr. 194 fuhr um 19 Uhr ein elektrischer Wagen der Linie Gesuiidbrunuen-Kreuzberg von hinten mit solcher Gewalt mr eilt dort haltendes, mit Goldleisten beladenes Fuhrwerk, daß dieses umstürzte und der Rutscher desselben auf das Trottoir geschleuoert wurde. Er trug aber glücklicherweise keine Verletzungen davon. Von dein GcschästSfuhrwcrk zerbrach das linke Hinterrad. Die Gold- leisten lagen auf dem Fahrdamm weit zerstreut und um dieselben schneller fortzuschaffen, requirierte»ran die Feuerwehr, die dann das Verkehrshindernis in wenigen Minuten beseitigte. Da in dieser Gegend aber der Verkehr besonders stark ist, so hatte sich doch schon eine große Wagenburg angesammelt. Verloren gegangen ist die Sammelliste 888 der Steinarbeiter für die C r i m m i t s ch a u e r, auf welche 4 M. gezeichnet waren. Es wird gebeten, sie bei Faber, Stephanstr. 11, abzugeben. Ebenso ist die Liste OOä 131, auf welcher 6,15 M. gezeichnet sind. verloren worden. Der Finder wolle sie bei Otto M e y. Schwedter- stratze 6, abgeben,_ Theater..Der reichste Berliner" heißt die große Ausstattungsposse, mit welcher im Belle- Alliance-Theater die Direktion Kren und Schvnfcld ihr Gastspiel eröffnet. Die erste Vorstellung findet am 23. Dezember, abends 7>/z Uhr, statt. Vorbestellungen werden bereits entgegengenommen.—' Luisen Theater. In der morgigen Vorstellung von„Othello" spielen Frl. D o l s k i zum erstenrnale die Desdeinona, Herr Majewski den Jago.— Zwischen Herrn Direktor Heinrich Morwitz und dem Direktor des Schiller-Theaters, Herrn Dr. Raphael Löwen fcld, ist heute die Vereinbarung getroffen worden, nach welcher die M o r w i tz- O p e r, die schon vordem drei Jahre im Schiller-Theater ihr Heim gefunden hatte, für die Spielzeit 1994 während der Zeit von Mitte Juni bis Ende August ebcndort wieder gastiert.— � Im Apollo-Theater finden an den beiden WeihnachtS feiertagen sowie an dem darauffolgenden Sonntage Nachmittags- Vorstellungen statt, und zwar gelangt Paul Lmckes Operette .Lysistrata" zur Aufführung. Außerdem treten Specialitäten im zweiten Teile auf. Billcts für die Vorstellungen der WeihnachtS- feicrtage sind bereits an der Kasse dcS Apollo- Theaters zu haben — Die Weihnachtsvvrstcllnngcn im Gebrüder Herrnfeld- Theater werde» zu Festvorstellungen ausgestaltet werden. Vor allem wird schon der Unistand, datz in diesem Jahre zum erstenmal der erste Feiertag fiir ein heiteres Programm freigegeben worden ist, es ermöglichen, auch diesen Tag völlig dem Humor und der frohen Laune zu weihen. So wird an allen drei Feiertagen die Komödie«Papa Noa" in Scene gehen. Klus den Nachbarorten. Wilmersdorf. Nach einer Pause von sieben Wochen hat die Ge «neindevertretung am Dienstag wieder eine Sitzung abgehalten. Die Tagesordnung'war dementsprechend lang, doch hatten unter den 16 Gegenständen nur einige eine grötzere Bedeutung. Gemäß einem Antrage des Gemeindevorstandes wurde beschlossen, statt der bis herigen 12 A r m e n p f l e g e r- B e z i r k e deren 21 einzurichten; ferner fand ein Vorschlag Zustimmung, wonach der Ucber- schütz von 616 Mark aus dem Fonds zur Unterhaltung der BolkSbibliothcken den beiden bestehenden Bibliotheken zuzuweisen ist und für die schon früher in Aussicht genommene dritte Bibliothek im neuen Etat besondere Mittel einzustellen sind. Die Genehmigung der neuen Fluchtlinienpläne fiir das zu Anlagen bestimmte Gelände am Fenn wurde vertagt, ebenso die Genehmigung der Pläne fiir das südlich der R i n g b a h n belegene Terrain. An den hiesigen Geineindeschulen werden zu Ostern 1994 drei neue Lehrstellen geschaffen. Weiter beschloß die Gemeinde- Vertretung, zu Ostern 1994 eine obligatorische Fort- bildungsschule einzurichten, ebenso wurde die Gründung einer höheren Mädchenschule zu Ostern für den nördlichen Teil des Ortes beschlossen. Diese Schule soll vorläufig in der katholischen Geinciudeschule in der Düsseldorferstraße ein Unter- kommen finden. Ten Lehrer n und L e h r e r i n n e n an den hiesigen Geineindeschulen billigte die Gemeinde- Vertretung eine Erhöhung des Grundgehaltes um 199 M. zu. Weniger freigebig zeigte man sich den im Dienste der Gemeinde beschäftigten Arbeiter und U n t e r b e a in t e n gegen- über. Im vorigen Jahre erhielten sie auf die Anregung der social- demokratischen Vertreter hin alsWcihnachtsgabe einen Betrag von 29M. aufivärts zugebilligt, zwar nicht viel, aber doch etwas. Diesmal wehte plötzlich eiii eisiger Wind. Als unser Parteigenosse Hilpert anregte, den Leuten auch jetzt die Freude zu bereiten, auf die sie bei ihrer lvahrlich nicht zu hohen Entlohnung ziemlich sicher rechnen mochten, wurde die Dringlichkeit des gestellten Antrages verneint, womit die ganze Festesfreude ins Wasser fiel. Mögen die Arbeiter und Angestellten sich bei der Mehrheit bedanken. In der letzten Sitzung hatte unser Parteigenosse Schröder ver- schiedene Beschwerden der Lehrer zur Sprache gebracht. Darauf- hin verlas der Gemeindevorsteher am Dienstag eine Erklärung der Schuldepntation, in der Wesentliches nicht berichtigt wurde. Schröder behielt sich vor, auf die Einzelheiten der Erklärung zurückzukommen, sobald sie im Genteindeblatt gedruckt vorliegt. Die Stelle eines besoldeten Schöffen mit einem Anfangs- geholt von 5999 M. und 1599 M. MictSentschädigung soll öffentlich ausgeschrieben werden.— Den LandtagS-Abgcordneten soll�eine an den Minister des Innern gerichtete Denkschrift in der Stadt- werdungS-Angelegeiiheit zugestellt ivcrden. Das russische Ztegicrungsshstem wird in epigrammatischer Kürze als ein durch Meuchelmord gemilderter Despotismus charakterisiert. Skun ist cS ja etwas weit hergeholt, die stramme, aber wie auch der Neider anerkennen mutz, durchweg geschickte Führung der Geschäfte in nnsrern Ortsparlament dürr als eine despotische dar- zustellen. Aber ein in seiner Ehrwürdigkeit respektiertes Herkommen will es so, daß gegen Schlun der bis dahin forscks'erledigten Sitzung, wenn der so unschuldig dlemschilUdude Gegenstand„Mit- teilungen" herankommt, zuweilen unverhofft eine Bombe hereinplatzt. Gestern ivar bei verschiedenen Gelegenheiten gar manches schöne Wort über die Vorzüglichkeit der Wilmersdorfer Schulzuftände gesagt worden. Da kam int kritischen Moment der Gemcindevcrordncte H e r m a n n ganz meuchlings mit einer mächtigen Anzahl Be- schwerden über das Mietshaus, worin das R e f o r m- R e a l- g y in n a s i u m untergebracht ist. Herr Hermann klagte laut, daß die Räume in dieser Mietskaserne trotz unbändigen Heizens vielfach nur bis auf acht Grad zu erwärmen sind, datz Lehrer und Schüler im Rauch ersticken und was der bedenklichen Dinge noch mehr sind, die die Schule zu einer Art Sibirien machteii. Manchen Vorwurf gab es da von ivegen der Diskreditierung unsrer kommunalen Zustände. Aber die Schreckeusthat tvar einmal verübt worden und das Ende war ein Versprechen, daß die Beschwerden„zuständigen Orts", wie es in der Amtssprache heißt, geprüft werden sollen. Rixdorf. Der Magistrat hat der Stadtverorditeten-Bersammlung im Einverständnis mit der A r m e n d c p u t a t i o n einen Antrag zugehen lassen, ivonach Personen, die noch Siibsistenzinittcl besitzen, ans ihreit Antrag widerruflich im Armen- und Siechenhaus gegen Zahlung eines täglichen Verpflegungssatzes von 1,59 M. aufgenommen werden sollen. Derartige Personen sind nämlich wiederholt an die Arinenverivaltung mit der Bitte herangetreten, sie gegen Bezahlung eines möglichst niedrig zu bcmesienden Verpflegungssatzes im Armen- und Siechcnhaus aufzunehmen. Die Gestattung derAufnahme sei zu empfehle», da es sich um Personen handele, die sich von ihrem geringen Ein- kommen wohl die für sie erforderlichen notwendigen Lebensmittel nebst Wohnung, nicht aber auch die bei ihrem Alter und ihrer Kränklichkeit sehr oft erforderliche Pflege und ärztliche Behandlung nebst den notwendigen Arzeneien beschaffen können und sich deshalb in einer gewissen Notlage befinden. Die Errichtung einer Bauinspektoren- Stelle für den Hochbau ist in Ripdorf zum 1. April 1994 vorgesehen. Als Gehalt werden 5499 M. vorgeschlagen: cS soll steigen bis zum Höchstbetrage von 7599 M. Die Geschäfte der Bauverwaltung haben in der letzten Zeit derart an Umfang zugenommen, datz es den bisherigen höheren Beamten der Bauverwaltuitg, nämlich dem Stadt-Baurat und dein Stadt-Bauinspektor, nicht mehr möglich ist, die Geschäfte ordnungsmätzig zu erledigen. Da diese beiden Herreu speciell für den Tiefbau ausgebildet sind, so wird die Austellung eines für den Hochbau ausgebildeten Regierungsbaumeisters empföhlen. Ncu-Weißensee. lieber die Frage: Wer ist anständig? scheint ein Weitzenseer Lehrer recht sonderbare Begriffe zn haben. Ein dortiger Arbeiter schreibt uns hierzu: Als ich heute ineine» Juugeu nach der Schularbeit fragte, zeigte er mir seine Tafel mit der Bemerkung, datz alle Kinder. die mit Pantinen in die Schule köniincn, folgenden Satz d r e i tz i g m a l abschreiben müssen:„Ein anständiges Kind kommt niemals mit Pantinen in die Schule." Wir glaubten bisher, daß für die Frage der An- ständigkcit vor allem das Betragen der Kinder in Betracht komme und nicht der Umstand, daß es mit Pantinen bekleidet sei. Jeden- falls sind die Eltern der betrefseitden Kinder nicht in der Lage, sie mit andrer Fußbekleidung in die Schule zu schicken. Den Kindern aber die Armut der Eltern fühlen zu lassen, sie dafür zu bestrafen und sie als unanständig zu erklären, erscheint uns, gelinde gesagt, als ein schwerer Mißgriff des Lehrers. Von einem gewaltigen Schadenfeuer wurde am Mittwochnachmittag Nieder-Schönhausen bei Pankow heimgesucht. Dort stand nach 4 Uhr das Vorderhaus mit dem Seitenflügel Kaiser Wilhelmftratze 29 b in Flammen. Die frcilvillige Feuerwehr Ivar auf dein ersten Alarm bald zur Stelle und griff mit sechs Schlauchleitungen über die Treppen, eine mechanische Leiter und von den angrenzenden Grundstücken aus ivacker au. Die zur Hilfe gerufene Berliner Feuerwehr entsandte den 3. Dampf- spritzenzug aus der Oderbergerstratze, der sich unter Leitung dcS Brandmeisters Runge ebenfalls hervorragend an der Löschung beteiligte. Die Flamme» hatten indes schon eine große Ausdehnung erlangt, wodurch die Löschung erschivert und zeitraubend ivar. Weithin war der Brand sichtbar. Eine große Menschenmenge hatte sich eingefunden, die stundenlang den Beinühungen der Feuerwehren zusah. Trotz aller Anstrengungen konnte es nicht mehr verhütet werden, daß der Dachstuhl des Vorderhauses und des Seitenflügels total iiicdcrbrannte und die oberen Etagen durch eindringendes Wasser stark beschädigt wurden. Der Schaden ist natürlich ganz er- heblich und nur zum Teil durch Versicherung gedeckt. Erst gegen abend konnten die Wehren wieder abrücken. Verletzungen sind zum Glück nur unbedeutende vorgekommen. Eingegangene Druckschriften. „Der Arbeitsniarkt", HalbmonatSschrist der Eclitralstclle für Arbeits markt-Berichte(Herausgeber Dr. I. Jastrow, Berlin, Verlag von G. Reimer). Die als Organ des„Verbandes deutscher Arbcitsnachlvcise" erscheinende Zeitschrift enthält in Nr. 6 des 7.(Jahrganges unter anderm: Rund schau über die Lage dcS ArbeitsmarkteS.— Allgemeines: Wohnungs enquete der Orts-Krankenkasse für den Getverbebelrieb der Kauflcute, Handels Icute und Apotheker in Berlin.— Größere Seßhaftigkeit der Arbeiter in Württembergs— Preisausschreiben des Ülllgeniemen Deutscheii Gärtner- Vereins.— Situaiionsberichtc aus cinzelncli Gewerben: Bergbau(Absatz im oberschlesischcn Kohlcngcschäst. Ueberschichten im Ruhrgebiet, Ver Mehrung der Bclcgschasien: Steine und Erden(Wirkungen der Krise im Stcinbruchbetriebc. Durchführung der BundeSrats-Berordnung zum Schutze der Steinarbeiter); Metalle und Maschinen(Entschiedene Besserung in der Eicktriciiätsindnstrie. Submissionsivesen imd Preisgestaliiing. Ausnahme neuer FabrikationSzwcigc; Teptilaewerbc(BcschästigungSgrad in den Spinnereien. Lage in den sächsischen Bezirke». Absatzverhältnisse im Scidengcwcrbc); Bekleidung(Rückgang der Slrbciislosigkeil' in der Leder- bandschuh-Fabrikation. Konkurrenz der Stofshandschuhe.— Staiistisches Monatsmaterial: Weiterbericht.—'Arbeitsnachweise.— StrcilverzeichniS jür Deutschland, Ocslrcich-Ungarn, Schweiz.— Verwaltung der'Arbeits- nachivcisc: Der öffentliche'ArbcitSnachlocis in London. Von Malhildc 'Adler.— Unparitätischcr Arbeitsnachweis des dcuischcn Arbeitgeber- Verbandes sür das Baugewerbe.— Jndividualstatistik für die Arbeitsnachweise von Berlin und Umgebiiiig.— ArbeitsloseiizMiuigen der Gewerkschaftskartelle.— Beilage: MUgliederliste des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise nebst zahlcumäßigen Angaben über November 1903. Josef Tietzgen. Die Rcligion der Socialdcmolratic. Sechste ver- mehrte Auslage.' Preis 20 Pf. Verlag: Erpediliou der Buchhandlung Vorwärts61 .5 S -O Wetter Ibcdcckt t Schnee Üb ed eckt esm s S- 1* 1 1 — sivotkciil! 3 livolkig— 1 2'bcdcckt 1 Stattonc» .5 S K'S Haparanda761 Petersburg 77t! Eorl 750� Aberdcen Paris 7591' WSW !SSO OSO Wetter --»K C rd e n. w s> -8 752OSO 2 Stvincnrdc.. Hamburg i759>O Berlin 760 SO Fra>iks.a.M. 758 Still München!757 D Wien s 759! SO Wetter-Prognose für Donnerstag, de» 17. Dezember 1003. Ein ivcnlg kälter, zeitweise aiiillarcnd. vielfach nebelig bei mäßigen östlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W c t t e r b u r e a u. 2 bedeckt 1 wolkenl—Ii 3Regcn 7 2>volkig HBF* Was ist IS Karat C» ol«l■ S«'li a» i>i« i??-WU m l l M|• wird hergestellt indem l'ignr I zeigt eine 18 Kar. Gold-Schamier-Kette, welche an I rl'mfl VOh�miinn massives Gold, nm verschiedenen Ltellen durchschnitten worden ish Oer helle Raum Illllll�i>» lllrl ,'er.Kette Steifheit und illustriert die Silber-Verstärkung, der dunkle Ring zeigt das • UU1U ÜÜilUI Hill Festigkeit zu geben, durch massive IS Karat Gold. Silber verstärkt wird. I » l»»« ist der beste existierende Ersatz für die um vielfaches teueren vollen Gold- ketten und entschieden leichten goldenen Uhrketten vorzuziehen, da solche sich oft schon in kurzer Zeit durchtragen. wird in Eachkreisen als erstklassig anerkannt, ist vorzüglich in der Ausführung und trägt jede Kette unsre Marke B.& 0. 8 Kar. Sch. von' Uns seiner Zeit als Special! tät eingeführt, hat sich trotz des billigen Preises vorzüglich bewährt. Jeder Kette wird nebenstehender Garantieschein beigegeben, welcher auf 15 Jahre lautet und «he Unterschrift Firma trägt, unsrer Figur II zeigt den Durchschnitt dos aufgebogenen Kettengliedes einer 18 Karat Gold-8charnier-Kette. Unsre Ausführung beweisen wir dadurch, dass wir die von uns gekauften 18 Kar. Gold-Schamier-Ketten nach langjährigem Gebrauch(sogar noch nach 5 Jahren) pro Gramm mit Mark 0,52 in Zahlung nehmen. Goldwaren-lndustrie Seltnotrie& Co., rSoldwaren-JodusWe'« wiirfijff. � ii'erjiJid-&por} nadj allen wdfteiiej)! ßtii/icafe! deGarlnfie! Für die bei uns gekaufte 16 Kar. Gold-Seharnierkette Marke B. it. C. 18 Ka. Seh. leisten wir für Dauerhaftigkeit und Tragbarkeit MM- 15 Jahre Garantie. 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T6 Wir erwarten, daß jeder, besonders aber die interessierten Schlosser, sich nicht als Arbeitswillige gebrauchen lassen, bis dort geordnete Verhältnisse geschaffen sind. Die Ortsverwaltung der Filiale Barffn des Centraiverbandes der Stukkateurn Verantwortlicher Redcicteur: Julius Kalisti in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortttch Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag: Vorwärts Birchdruckerei und BerlagSanstalt Paul Singer S E»., Berlin SW. Kr. 294. 20. Jahrgang. 2. KtilU fos Jstiöiirts" Sttlincr Jlollölilalt Donnerstag, 17. Depilier 190?. Huö der frauenbcwegung. Wilmersdorf. In öffentlicher Versammlung erstattete die Ver- trauensperson Ida Altmann nach einem vorhergegangenen Vortrage Legicns ihren Jahresbericht und gab gleichzeitig bekannt, daß auch in unserm Orte die Teilnahme der Frauenarbeit an der Partei gestiegen ist, insbesondere die Bethätigung derselben vor und an den Wahltagen dieses Jahres. Auch die bedeutende Erhöhung der an den Kreis abgelieferten Einnahmen sei ein guter Beweis für die einporblühende Frauenbewegung. Auf Antrag der Reviforiu, Genossin Frau Haus- wald. wurde der Genossin Ida Altmann einstimmig Decharge erteilt. Als Vertraucnspcrson wurde Genossin Altina nn wiedergewählt und als Revisorin Genossin Frau Haus Wald und Genossin Frau Geisenhainer._ Versammlungen. Ter Kampf in Crimmitschau und die Aussperrung der Töpfer. Diese beiden Punkte standen als die einzigen auf der Tages- Ordnung einer am Dienstag abgehaltenen Sitzung der Berliner G c w c r k s ch a f t s- K o m in i s s i o n. Wiesenthal, der über die Crimmitschauer Aussperrung referierte, kennzeichnete die bekannten Matznahmen, loelche Behörden und Unternehmer zur Unterdrückung der Arbeiter ins Werk gesetzt haben, und bezeichnete es als selbstverständliche Pflicht aller Arbeiter, diesen bedeutungsvollen Kampf der Crimmitschauer Textilarbeiter in ivcitgehcndster Weise zu unterstützen. Der Referent empfahl die nach- stehende, vom Ausschutz der Gcwcrkschafts-Kominission eingebrachte Resolution: „Tie Vertreter der geiverkschaftlich organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen von Berlin und Umgebung protestieren energisch gegen die Matznahmen, welche die sächsischen Behörden den ausgesperrten Crimmitschauer Textilarbeitern gegenüber ergriffen haben. Die Ver- sammelten sehen in diesen Mahnahmen eine grobe Verletzung des Äoalirionsrechts. Die Crimmitschaucr Ausgesperrten haben nichts gethan, was die Behörden hätte veranlassen können, derartige harte Matzregeln zu ergreifen.— Es ist deshalb ersichtlich, datz das Bor- gehen der Behörden gegen die Crimmitschauer Arbeiterschaft eine Parteinahme für die Unternehmer ist, und zwar umsomehr, da diese mit der gröhtcn Znvorkomenhcit behandelt werden. Aus diesem erneuten Vorgehen der sächsischen Regierung geht hervor, datz die Arbeiterschaft immer mehr entrechtet werden soll. Gegenüber solcher Parteinahme zu Gunsten der Unternehmer sprechen die Versammelten den Ausgesperrten ihre grötzte Hochachtung und Sympathie aus; sie verpflichten sich, ihnen die nötigcit materiellen Mittel zur Erreichung des Sieges zu verschaffen." Vcranlatzt durch eine Anfrage Tischcndörfers machte Treue, Vorstandsmitglied des Tertilarbeiter-Verbandcs, einige Ausführungen über die Einigungsversuche, welche bisher in Crimmitschau unter- nouunen wurden. Er betonte, datz die Arbeiter zu einer Einigung stets bereit gcwescit seien, die Unternehmer aber jedes Entgegenkommen abgelehnt haben. Als in der ersten Einigungsverhandlung der Bürgermeister von Crimmitschau den Vorschlag machte, sich auf eine lb'/-stündigc Arbeitszeit zu einigen, da wollten die Fabrikanten von dem Ilstündigen Arbeitstage ivohl eine Viertelstunde ablassen, dafür sollte aber eine Pause von zehn Minuten, die den Arbeitern bisher zum Waschen gewährt wurde, wegfallen, so datz also nur eine Ver- iürzung der täglichen Arbeitszeit um fünf Minuten zugestanden tourde. Einen solchen Vorschlag konnten die Arbeiter natürlich nicht acccptieren. Später sind von feiten der Arbeiter noch öfter Ver- Handlungen versucht worden, die aber auch keinen Erfolg hatten, ir-eil sich die Fabrikanten ganz unzugänglich zeigten. Auch der Bürgermeister hielt sich dann zurück. Die sächsischen Textil- arbcitcr sind es gewohnt, datz die Fabrikanten für deren Bewegung nicht daS geringste Verständnis zeigen und jede noch so be- schcidcnc und noch so berechtigte Forderung der Arbeiter ablehnen. An den Arbeitern liegt es nicht, wenn der Kampf bisher nicht bc- endet werden konnte. Wie sie stets bereit waren, eine Einigung herbeizuführen, so haben sie auch jetzt noch den Wunsch, einen an- nchmbarcn Frieden zu schlictzen. Angesichts der Hartnäckigkeit und der Einsichtslosigkeit der Fabrikanten bleibt aber nichts andres übrig, als den Kampf auch noch auf die kommende Saison auszudehnen. Die Fabrikanten würden dann wohl nachgeben müssen, wie es ja im vorigen Jahr bei dem Meeraner Streik der Fall war, der auch erst in der zweiten Saison mit einem Erfolge der Arbcitcr endete. Tic vom Referenten vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig angenommen. Hieraus gab Drunsel eine Darstellung der Ursachen der gegenwärtigen Aussperrung der organisierten Töpfer Teutschlands. Er führte u. a. auS: Tie Arbeiterorganisation habe zunächst alles versucht, um diesen Kampf zu vermeiden, aber dem Unternehmer- Verband komme es augenscheinlich auf eine Machtprobe an. Nach- dem die organisierten Unrernehnier der Arbeiterorganisation den .Krieg erklärt haben, mutzten die letzteren den Kampf aufnehmen, schon deshalb, weil sonst die Errungenschaften der letzten Jahre, insbesondere eine grotze Zahl von Tarifverciicharnngen. verloren gegangen wären. Es ist das erste Mal in Deutschland, datz die Unternehmer gegen eine Arbeiterorganisation im ganzen Reiche einen Vorstotz ausfuhren. ES handelt sich hier um einen principicllcn Kampf, an dem nicht nur die Töpfer, sondern alle organisierten Ar- bcitcr Deutschlands interessiert sind. Deshalb könnten die Töpfer mit Recht auf die Sympathie der gesamten Arbeiterschaft rechnen. Ohne Debatte wurde einstimmig die folgende Resolution ange- nommen: „Die Gewerkschaften Berlins nehmen von der in 22 Orten erfolgten Töpfer-Aussperrung Kenntnis und verurteilen auf das nach- drücklichste daS brutale Vorgehen des Deutschen Ofenfabrikanten- Verbandes. Durch den Beschlutz:„Beilegung des Veltener und Fürstcnwalder Streiks oder Austritt aus dem Centralvcrbande der Töpfer, und bei Nichtbefolgung die Aussperrung am 1. Dezember", zeigt der Unternehmcr-Vcrband zur Genüge, datz der Schlag gegen die Töpfer-Organisation gerichtet ist. Tic Berliner Geivcrkschafts- Vertreter protestieren deshalb entschieden gegen die geplante Ver- nichtung des Koalitionsrechts und erklären den organisierten Töpfern ihr vollste Sympathie und Solidarität." Damit war die Tagesordnung der Versammlung erledigt. Es fehlten in derselben die Vertreter der Kürschner, Porzcllanarbcitcr, Steinsetzer, Bühnenarbeiter, Gärtner und Eiscnbahnarbeiter. „Tic Verfassung für den deutschen Tteinseberstand" lautete das Thema einer zum Sonntag nach den Jndustrie-Festsälen ein- berufenen Versammlung der Arbeiterschaft des Steinsetze rgcwerbcs, welche sich eines starken Besuches, auch seitens der hiesigen GeWerl- vereinler, zu erfreuen hatte. Zu der Versammlung war auch der Vorstand des Steinsetzer-Jnnungsverbandes brieflich eingeladen, um die von ihm geplante Gründung einer Tariforganisation der Arbeiter- schaft eingehend zu erläutern; ebenso waren an sämtliche Jnnungs- mcistcr Einladungen ergangen— erschienen war jedoch niemand. Der Vorstand des Jnnungsverbandes hatte in einem Schreiben an den Einberufer mitgeteilt, datz er„eingetretener Umstände" halber in der Versammlung nicht anwesend sei» könne. An Stelle des hierzu berufenen und verpflichteten JnnungSvorstandes unternahm es dann Genosse K n oll, in einem ciirleitcndcn Referat die den Lesern des„Vorwärts" bereits bekannte„Ttcinsctzerstandes-Ver- fassung", wie sie vom Jnnungsvcrbande geplant ist, eingehend dar- zustellen. Was die„eingetretenen Umstände" anbelange, die den Jnnungsverbands-Vorstand veranlatzten, zu kneifen, so seien die- selben jedenfalls darin zu suchen, datz die Arbeiterschaft nachträglich durch Einsichtnahme in daS Protokoll des Jnnnngsverbandstages, der natürlich hinter verschlossenen Thürcn getagt hat, ganz genau erfahren habe, worum es sich bei den Vätern des Verfasiungs- entwurfes handle. Es ist da wiederholt betont worden, datz man den Verband ldcr Arbeiter) zersplittern und die Mitglieder des- selben„zu guten Staatsbürgern erziehen" ivollc. Auch sonst habe man die Arbeiterschaft des Steinsetzergewerbes auf dem Jnnungö- vcrbandstage als� eine Schar unmündiger Kinder behandelt, die sich blotz von einzelnen Personen leithmnmeln lasse, mit der man glaube, nach Belieben Verfahren zu können, lvenn man sie von ihren Führern trenne. Das sei im Mai d. I. gewesen. Und in einem vom 20. November dadicrten Schreiben, als man auf scitcn des Jnnungs- Verbandes noch nicht mutzte, datz die Arbeiter das Protokoll des Jnnungsverbandstages gelesen, habe der Vorsitzende des Jnnungs- Verbandes noch den Mut gehabt, dem Vorstande der Arbeiter- organisation mitzuteilen, datz man auf sciten des Jnnungsverbandes noch nie daran gedacht habe, die Selbständigkeit und Integrität der bestehenden Arbeiterorganisation anzutasten, sowie datz es sein(des Vorsitzenden Jacob) lebhafter Wunsch und lebhaftes Bestreben sei, die beiden Organisationen einander näher zu bringen, damit man in Verhandlungen über den Abschlutz eines allgemeinen Tarifvertrages treten könne. Man könne es also den Herren vom Jnnungsverbandsvorstande nachfühlen, datz sie keine besondere Lust haben, sich in der Versammlung der Arbeiter der Doppelzüngigkeit zeihen zu lassen. Jedenfalls ergebe sich aus allem, datz dem Jnnungsvcrbande die Arbeiterorganisation recht unbequem sei, was aber als Beweis dafür gelten könne, datz dieselbe ihren Aufgaben gewachsen ist, und haben die Arbeiter, deshalb alle Ursache, sich gegen etwaige Versuche zur Zersplitterung ihrer Organisation ganz energisch zu wehren. Und wenn zur Zeit auch noch in Berlin mit zwei verschiedenen Organisationen zu rechnen sei, so müssen doch beide erklären, das; sie unter allen Umständen unabhängig vom Unternehmertum sein lvollcn.— Iii der sehr eingehenden und leb- haften, aber streng sachlich geführten Diskussion stellten sich alle Redner ohne?lusnah!nc auf den vom Referenten vertretenen Stand- Punkt. Die Kritik, die dem„Verfassungsentwürfe" hier zu teil wurde, ivar eine für seine Urheber wenig schmeichelhafte. Es ge- langte eine Resolution zur einstimmigen Annahme, in welcher die Versammlung zunächst ihr Bedauern darüber ausspricht, datz der Vorstand des Jnnungsverbandes der an ihn ergangenen Einladung keine Folge gegeben habe und datz die Versammlung dies als Bclvcis dafür betrachte, datz es dem Jnnungsvcrband bei seinem Projekte nicht um die Förderung der Arbciterintercsscn zu thun sei, und des- halb jede Beteiligung an demselben ablehne; datz dagegen die Arbeiterschaft des Steinsetzergcwcrbes zum Abschlutz von Tarif- Verträgen auf paritätischer Grundlage nach wie vor bereit sei. Ter Textilarbeitcr-Berband(Filiale Berlin I) hielt am Sonn- abend seine diesjährige General-VersammluNg ab. Vor Eintritt in die Tages- Ordnung ehrte die Versammlung das Ableben des lang- jährigen Mitgliedes Alfons Wiedner in der üblichen Weise. Aus dem Bericht des Vorstandes, welcher vom Vorsitzenden Last gegeben wurde, ist folgendes zu bemerken: Im Laufe dieses Jahres Ivurde eine rege Agitation entfaltet und zwar unter den Arbeitern der Sächsischen Wollgarnfabrik vorm. Tittel n. Krüger sowie bei der Firma DSengers u. Söhne, Berliner Velvctfabrik. Bei erstgenannter Firma gelang es, durch einige Fabrikversammlnngcn in sehr kurzer Zeit lZOO zum grötztcn Teil weibliche Mitglieder zu gewinnen, jedoch loar es nicht möglich, dieselben der Organisation zu erhalten; ihre Zähl ging bis auf gegenwärtig 10 Mitglieder zurück. Bei der Firma Mengers u. Söhne sind zur Zeit über 100 Leute organisiert. Um diese Agitation zu entfallen, war es nötig, 4500 Handzettel und Flugbläter drucken zu lassen und zu verbreiten. Der Mitglieder- bestand im Dezember 1902 betrug 414, eingetreten sind im ver- flossenen Geschäftsjahr 003(davon 7 von anderen Filialen), aus- geschieden 400(davon sind 16 zu anderen Filialen übergetreten, 4 durch den Tod ausgeschieden und ein Mitglied wurde auf Grund des � 0b ausgeschlossen). Demnach beträgt der gegenwärtige Mit- glicderbestand 011; davon sind 131 weibliche und 480 männliche Mitglieder. Versammlungen haben stattgefunden 8 Filial- und 4 konwinicrte Versammlungen, außerdem mutzte der Vorstand 3 Fabrik-Versammlungen einberufen und leiten. Sitzungen wurden abgehalten: 12 Vorstands-, 4 Vertrauensmänner- und 0 kombinierte Vorstandssitzungen. Unterstützungen wurden 300 M. aus der Filialkasse bezahlt und zlvar an die Holzbcarbeitungsmaschincn-Arbcitcr 00 M., an die streikenden Schuhmacher in Pirmasens 00 M., an die Zehnstundenkämpfcr von Crimmitschau 200 M. Auf Listen wurden gesammelt bis 11. Dezember 2115,80 M. Davon erhielt ein kranker Kollege 107,90 M., ein anderer kranker Kollege 09,75 M., den Rest 1938,25 M. erhielten die Zehnstundenkämpfcr von Crimmitschau.— Die Wahl des ersten Vorsitzenden wurde bis zur Januarvcrsammlnng vertagt; als 2. Vorsitzender wurde Kancrhof, als� erster Kassierer O t t e, als zweiter Kassierer L i e p e l t, als erster Schrift- führer P e tz o l d, als zweiter Schriftführer Dörr gewählt. Als Revisoren wurden B. Döring, G. B e r n d t und Marie Schulz gewühlt.— Der Bericht der Fachkommission wurde von Döring gegeben. Nach demselben hatte die Fachkommission im Laufe des Jahres nur in einem Fall zu verhandeln, und zwar im Fall Hamberger contra Mengcrs. Die Verhmrdlungen sind zu Gunsten des Kollegen Hamberger sowie der Filiale ausgefallen.?lls Mitglieder der Fach- kommission wurden gewählt: von den Webern Korn, Herzberg und Burg Hardt, von den Wirkern Döring und Schein, von den Färbern Hamberger und H e n m a d c r.— Die Bibliothek-Ordnung, welche von der Kommission ausgcarbcit worden ist, ivurde angenommen und beschlossen, dieselbe drucken zu lassen und in den einzelnen Werken einzukleben.— Der Antrag des Kollegen W e r n e ck e, eine Lohnstatistik auszuarbeiten, Ivurde den Ver» trauensmännern überwiesen. Ferner wurden zur WcihnachtS« bescherung für die Kinder der Zehnstundenkämpfer von Crimmitschau 50 M. ans der Filiälkasse bewilligt. Zum Schluß kamen noch ver- schicdenc Mißstände bei der Firma Feibisch zur Sprache, und wurden die dort arbeitenden Kollegen vom Vorsitzenden sowie verschiedenen Rednern aufgefordert, sich Mann für Mann zu organisieren und endlich einmal die grotze Angst abzulegen,� denn nur dann könnte es möglich sein, ihre traurige Lage zu verbessern und der Firma, unter deren Konkurrenz sämtliche Berliner Firmen der Weberei und deren Arbeiter schwer zu leiden haben, energisch entgegenzurufen:„Bis hierher und nicht weiter I" Der Centralverband der Schmiede hatte am Sonntag die bei den Jnnungsmeistern beschäftigten Schmiedcgcscllcn zu einer Ver- sammlnng nach Wilkes Lokal in der Brunnenstratze zusammen- berufen, um über eine bessere Regelung des H e r b e r g s- Wesens zu beraten. Stadtverordneter B a s n e r ging in seinem Referate n. a. besonders aus die Vorgeschichte der Schmiede- Herberge in der M u l a ck st r a tz c ein. Diese Herberge ist seiner Zeit von der Schmiede-Jnnung errichtet und dann mehrfach an einen sogenannten Herbergsvater verpachtet worden. Tie Herbergswirte haben in diesem lieblichen Zunftquartier stets nach eigenem Gutdünken geschaltet und gewaltet und sind nach wenigen Jahren reiche Leute geworden. Nicht allein, das; sie ohne Kontrolle horrende Preise für Speisen und Getränke nahmen, hatten sie auch die Arbeitsver Mittelung ganz in ihre Hände ge- bracht und wußten diesen Ilmstand bald in ausgiebigstem Matze zu ihrem pekuniären Vorteil auszunutzen. Zwar sollte die Arbeits- vermittelung unentgeltlich sein, doch„Schmieren" war nicht verboten. DaS Zahlen von„Einstand" und„Ausstand" mit allem was damit sonst noch verbunden ist, war gang und gäbe, was wunder, datz nur diejenigen Gesellen Arbeit bekamen, die bei dem„Vater" gut angeschrieben standen. Diese Willkürwirtschaft in der Arbeits- vermittelung zeitigte noch eine ganze Reihe anderer Mißstände als Begleiterscheinung, so z. B. schlechte Behandlung der Zugereisten und mangelhafte Schlafgelegenheit usw. Einige Diskussionsredner wußten darüber recht erbauliche Einzelheiten zu erzählen. Kurz in der Jnnnngsherberge herrschen bis auf den heutigen Tag noch fast mittel- alterliche Zustände. Da die Herberge zum 1. April n. I. neu verpachtet werden soll, so hielten es die Gesellen endlich an der Zeit, ihre Wünsche bezüglich einer modernen Einrichtung des Helbergs- Wesens zu formulieren und diese durch den Gcscllcnausschuß der Innung zu unterbreiten. Gefordert werden: A r b e i t s a u s g a b« durch den G e s c l l c n a n s s ch n tz r e s p. die Gesellen- f ch a f t; Festsetzung der Preise für Speisen und Getränke durch eine Kommission vonArbeitgebern und Arbeitervertrctern; Schaffung aus- giebigcr Lcsegclegenheit; anständige Behandlung durch den Herbcrgs- ivirt, gute Nachtlager und größere Reinlichkeit als bisher. Laut Ab- stimmnng verpflichteten sichTsie Anwesenden, mit aller Energie für diese Forderungen einzutreten. Der anwesende Obermeister Veit bemerkte, daß solche Mißstände, wie sie in der Versammlung über die Herberge zur Sprache gebracht wurden, bislang noch niemals dem Jnnungsvorstaude bekannt geworden sind. Bezüglich einiger anderer Beschwerden in verschiedenen Werkstätten konnte der Obermeister den- Gesellen nur den guten Rat geben, durch Einigkeit selbst Hand zur Besserung anzulegen. Anserate für die nächste Uummer müssen Ms 5 Inserate bitten wir vorher anzumelden Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. � Edition. Kür den Jutmlt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Bcrantwortnng. Zheatcr. Donnerstag, den 17. Dezember. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Der fliegende Hol- länder. Schauspielhaus. Im stillen Gahchen. Deutsches. Der Meister. Berliner. Kater Lampe. Lcssing. Aapsenllreich. Westen. Das Elöckchcn des Ere- initcn. ReueS. Früchte der Bildung. Residenz. Ei» Scltcnsprnng. Vor- her: Der Bär. Central. Der Rastcwivder. Thalin. Der Hochtourist. Ansang 8 Uhr: Schiller O. sWallncr- Theater.): San Marcos Tochter. »chiller IV.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Kollege Crampton. Carl Weih. Die Krcuzelschreiber. Luisen. Othello. Kleines. Nachtasyl. Trianon. Biscottc. Deutsch- Zlinerikautsches. Ucbcr'n grogcn Teich. Caiiiio. Wcihiiachtsglockcn. Der vcrtauschlc Sohn. Wetropvl. Durchlaucht Radieschen. Apollo. Frühlmgslust. Palast. A milche und Träume. Winter-Gartcn. Spceialitäten. Passage-Dhcntcr. Specialitälen. Rcichshallcn. Stettiner Sänger. Urania. Daubenstrahe 48/49. Um S Uhr im Theater: An den Seen Oberitaliciis. Jnvalidcnstrahc 57/K2. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Schiffbanerdamin 4a— 5. Früchte der Bildung. Ansang Freitag: Salome. VI, Uür. Logik des Herzens. Central-THeater. Abends T'/a Uhr: Ver Rastelbtndcr. Ed. Steinbcrgcr a. G. Freitag: Abonnements- Vorstellung: Die Puppe. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachtasyl, Anfang 8 Uhr. Freitag: Kick t ra. Casino-Theater. Lothringerftr. 37. Auf. 8, Somit. 7'/,. 8 Uhr: WcihnachtSglocken. g>/,: Nuscha Melitta— Loro-Quartett. Corradinl. S l- Uhr- Der vertauschte Sohn. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Ein edles Weib. Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/15). Donnerstag, den 17. Dezember 1993: MM Rose-Tleater-EnseiiiWe. Der Pfarrer von Kirchfeld. Vollsstück mit Gesang in 4 Akte» von Ludwig Anzcngruber. Anfang 8 Uhr. ljeulzeh-wMztiiÄhesfhscki'. Köpnickcrftr. 07. Stat. Jannowitzbrncke. BW Anfang 8 Uhr. «awtaplel Al>. PHII-IPP. |3r ZUM HO. Malc:I!W (TÜcbcrn grossen Tclcli." Ali allen drei Wcilmachts-Fcicrtagcn: Nachmittags-Borftcllunge». „4-chcrn grossen Teich." Jeder Erwachsene c i n Kind frei. BtlletS jetzt schon zu baben. Direktion; Robert Dill. Brnnncnstrnsse 10. Lebrecht Winter: Dir. Robert Dill. Ansang 8 Uhr. Eiitrcc 30 Pf. Sonntag, den 29. Dezember 1V93: Lebte Vorstellung vor Weihnachten. ßtri Weiss- Theater. Grobe Frankfurter Dtrahe ISS. Sm- Abends 8 Uhr:"W Gastspiel des Oberbayrischen B-merit- ThcalcrS.(Schlicrfeer u. Tegcrnscer.) Die Krenzelschrtibtr. Gin detttscher Trank! KathreinerS Malzkaffec ist ein gutes und ehrliches Getränk. Er hat keine Heimtücken und verborgenen Schäd- lichkciteii wie f o mancher andre Verführer ifch e Trank; er meint es ehrlich mit nnsrcr G c s u n d» h e i t und nnscrm Wohlbefinden, mit unserm Herzen, mit unserm Magen und mit unfern Nerve n. Kathrcincrs Malzkqffee ist deshalb ein echter deutscher T r an k im besten Sinne des Wortes, der in jedem deutschen Hause zum Segen der Familie Eingang finden sollte. Uiisen-IIieiltei'. Abends 8 Uhr: Othello. Freitag; Reis-Reislingen. Somiabendnachm.: 1. Weihnachts- Kindervorstellung: Schncelvittchcn tutd die sieben Zwerge. Abends 8 Uhr: Reis-Rciflingen. Sonntagnachmittag: Schneewittchen und die sieben Zwerge. Abends 8 Uhr: Alpenkönig und Mcnschenjcind. Rkfidkiy-Thelltkr Direktion S. Latltenbnrg. Ansang T'/j Uhr. Ein Seiteusprung. Schwank in 3 Akten von G. Berr, Dchsre«nd Gulllemaud. Morgen n. Somiiag: Crainquebills. Vorher: Die Parisemi. Sonnabend; Ein Seitensprung. Sonniagnachmittng 3 Uhr: Das grosse Geheimnis. Schiller-Theater. Schiller-Theater O. (Wallner-Theatcr). Donnerstag abend 8 Uhr: San Marcos Tochter. Ein romantisches Trauerspiel in süns Aufzügen von Arthur Fitger. Freitagabend 8 Uhr: Zum erstenmal: Der Conipagnon. Sonnabendabend 8 Uhr: _ Wer Compagnon. Schiller-Theater ST. (Frledrich-Wilhelmftädtischcs Theater) Donnerstagabend 8 Uhr: Zum erstenmal: Kollege Crampton Komödie in 5 Zilien von Gcrhart Hauptmann. Freitagabend 8 Uhr: Kollege Orampton. Sonnabendabend 8 Uhr: Kollege Crampton Cirkus Sehutnatm. Heute Donnerstag, den 17. Dezember, abends 7'lä Uhr: Zum 16. Male: Babel 25 Löwen bcS§mn ' Julius Seth. Urania. Taubenstrasse 48/49. Um 8 Uhr im Theater: An den Seen Ober-Italiens. Sternwarte Invalldenstrasse 57/62. CASTANS PANOPTICUM Friodrichstr. 165. Der Indianer-Riese Jlianko Karoo vom Stamm der IM- Sioux-Indianer. 1 ohontl! Die znsammcnge- teilCllU: wachseneu i Schwestern IM- nnr noch bis Ende Dezember.-WM Grosses Promenaden-Konzert. /\L.T- CHlNf\ Knnst-jlttsstellttng STF�SSS« Täglich geöffnet 10-8. Entrec 1 M, Sonntag 50 Pf. n Dmiitit Mleselieo! Furleske Äusstattuugsposso mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Scene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Im 4. Bilde; 0CP* Grosses Ballett-MF Wie damals im Monat Mai. Anfang 8 Uhr. — Rauchen überall gestattet.— Palast-Theater Vurgftraste 28, früher Feen-Palast. Grotze Zauberposfe mit Gesang und Tanz in 8 Bildern. Freitag, den 18. Dezember 1903, abends 8 Uhr: Grosse Elltc-Vorstellnng: Der Trompeter von Winnen. Romantisches Schauspiel in 7 Bildern. VBT- Rur wenige Dage"Mk Gastspiel deS berühmten kgrdsrina-kslletts. Anfang 8 Uhr. Entree 66 Pf. Vom 21. bis 24. Dezember bleibt das Theater wegen Borbereitung zu den Feiertagen geschlossen. IX. Berliner Saison. Cirkus Suseti. Donnerstag, den 17. Dezember, abends 7'/, Uhr: Zebra-Dressuren SSÄ Herr Gustav Goehel aus Berlin. Schulreifer, Schüler deS berühmten James Fiilis. Frl. Martha Mohnke, Schulreiterin. Wlle. de Holstein, Schulretterin. Eine Hirsch fagd, geritten mit 20 Boll- und Halbblutpserden. Zerliver Vivterfreussen Humorist. Manege-Schaustück. oder: die Pracht, der Unter- gangunddieUZtederertneckung des Weltreichs von Kabylon. Eine Wanderung durchs Jahrtausends. m. d. Fahrrad v. Mllc. Dutrieu. SOFuß= 15m. Passage=Theater Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Berlin bat wieder seine Sensation! Mortoncllos Enthauptung einer lebenden Dame! Ausserdem 14 neue erstklassige Numraei-n. Pertina. Lucia dclla Sera. Hasson n. Jenny etc. etc. Apollo-Theafer. Um 8 Uhr: Frühlingsluft mit dem sensationell. Ballett Blüteuhochzcit. Uni 9°/, Uhr: Vlislon nach dem Balle. Musik v. Joachim Albrecht v. Preussen. Um 10 Uhr: Glänzende Specialitäton; Ivan Tschernoff. X Franoois-Truppe Kelly and Ashby X The Passparts. Ilessters Kosmograph und Biophon. Kassenerölfnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Der Billet-Borvcrkäus für die drei Wcihnachts- Feiertage ist eröffnet. Borverkäilssgebühren werden nicht erhoben. Saiernc Moisterjongleur. Johnson u. Dean Cako-Walk-Tänzer. Wood u. Bates Amerlk. Excentrics. The Saphos Reckturnkünstler. OttO ReUttCr Humorist. Litlle Fred Komische Hundedressur. Kremo Familie Ikarischo Spiele. Piwitt Pierrot. Annette Gillard Ä-nn von der Opera Comique in Paris. 4 Schwestern Merkel Equilibristin. Bokken Lassen Strasscnsängerin. „Pariser Lufl" Ballettdivertissem. Biograph mit neuen interess. Aufn. Sanssouci. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Sonntag, Montag, Donnerstag: llolfmann« Mdeiitseiie Säuger. Nach jeder Soiree: Tanzkränzehen. Jeden Dienstag: Theaterabend. Trianon-Tbeater. Gcorgcnstraffc, zwischen Friedrich- und Universitätsstrastc. LisvoUv. Anfang 8 Uhr. ItSRvhs ItaRRvi» Wcihnachts- Programm. Etablissement Suggenhagen t Borltzplntz. Im Ä a i s e r s a a l: Pudolt Sohnauss' Kiinftler- Crttscmblc , Nordsterne. Staffcncröffnung 5 Uhr. Anfang 3/.7 Uhr. Nach der Vorstellung: T»nz. In den unteren Sälen um 6 Uhr: Militär■ Konzert. Treis Vollishfilme. Sonntag, den 20. Dezember, Z3� Uhr: Metropol-Theater.( Eesslng-Theater. 15./16. Abteilung. | Der Wißerspenstigen Zabmnng. 8./9. Abteilung. Ein Verbrecher. Dienstag, den 29. Dezember, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-Ufer 15 Qeneral-Versammlung. Kur Mitglieder haben Zutritt gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte. Tages-Ordnung: Vortrag. Eduard Fuchs: Die Bedeutung der Karikatur für das öffentliche Leben. Cle-' schäfts- und Kassenbericht des Vorstandes. Bericht der, Revisoren, Diskussion. Wahl eines Revisors. Verschiedenes. Orcliiersitzimg: im Gewerbschaftshau Sonnabend, 19. Dezember, abends 9 Uhr, anse, Engel-Ufer 15. Kostüm-Fest am 9. Januar 1904 in der Venen Welt(Hasenheide). Festmarken a 50 Pf. in allen Zahlstellen. Anfang 9 Uhr. i Kaheres ist in den Bekanntmachungen ersichtlich, die in den beiden Theatern bei den Ordnern ausliegen. 230/13 Der Vorstand. I. Ä.; G. Winkler. Neue freie Mskibne. Sonntag, de» 27. Dezember(3. Weihnachts-Feiertag), nachm. 3 Uhr: 8xtra-Vorstellung f« jfeuen Thsater: „Salome."„Logik des Herzeos." Schauspiel von LSlar Wilde. Lustspiel von Flerr und Caillavct. Freitag, den 1. Januar iNeujahr), nachmittags 3 Uhr: Drama von Maxim Gorli. Eintrittskarten für Mitglieder a l M., für Gäste a 1,25 M. sind in allen Zahlstellen sowie beim Kassierer zu haben. Die ordentlichen Vercinsvorstcllnngen für Januar sinden am 3., 10., 17., 24. und 31. Januar im_ 151/6 Neuen Theater statt. Zur Ausführung gelangt: �Iber Strom." Drama von Max Halbe. 6!ne neue ßtoteifung wird im Januar eröffnet. Mit glieder zur süniten Mteilung werden in allen Zahlstellen ausgenommen. Das Einschreib egcld beträgt 1 M.. der monatliche VorstellungSbcitrag 80 Ps ___ Der Vorstand. I. A.: Heinrieh Helt, Vctcranenstr. 6. Gebrüder Xsrrnselck Anfang Thgolgf San 8"hl l ildtliv!« 7-/. onntags Uhr. Ms. Eine Komödie in 2 Akten von Zlnlon und Donot Hcrrnscld. Vorher inr Küustlerteil: Winsdergs-Yuintett. Barl Bernhard. Duo Derbotta. Martin Bendix. An den 3 Feiertagen: Hin 2. Weilaciitsfeiertag: Grande JSatine zum Besten des Ferien-FondS für daS Schausoiel- Personal des Hcrrnseld- Theaters. Vorverkauf dazu wegen des kolossalen Andranges schon heute. Ansang der Matinee 12 Uhr mittags. Xonigstsüt-Xsswo Holzmarktslr. 72, Ecke Alexanderstraße. Täglich: Erans Sobanskl. Das grossartige Dezember-Programm mit: Molly Verch, The Klatt's usw. Sein Patent. Diebeskomödie in 1 Akt. Nach der Borstellung: Mfftwoch. Sonnabend, �onnlag: Tanz. Liiisenstädtiselies Konzertliaiis, Alte Jakobstr, 37. Tcicph. IV. 7687. C.«a«at znm Vcq,iahrs- feiert ag, Sonnabend, Sonntag im Mär« frei geworden. 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August er. beschlossene und unter dem 12. Oktober er. genehmigte Statuten- Aenderung, betreffend die §§2. 3, 3a, 9, II, 12, 13, 14, 16, 17, 18, 19, 20, 22, 23, 24, 29, 30, 43, 45, 40, 55 und 65, tritt mit dem 1. Ja- nuar 1904 in Kraft. Die diesbezüglichen Nachträge zum Stalui sind bei unsren Geschäflsstellen des Kassenbezirks in Empfang zu nehmen. Wir weisen hierzu daraus hin, dah vom 1. Januar 1904 ab als Kassen- beitrage für alle in Fabritbetrieben deS Kassenbezirks beichästtgten, sowie bei den Zahlstellen Marienoorf, Süd- ende und Lankwitz gemeldeten manu- lichen Personen über 16 Jahre, auS- schliestlich der Lehrlinge, pro Woche 54 Pfennige erhoben werden, da der ortsübliche Tagelohn für diese aus 3 Mark und das Krankengeld für die zuständigen Tage auf 1,50 Mark sest- gelegt ist. Mariendors, 10. Dezember 1903. 279/18 Der Borstand. D. Schröder, 1. Borsitzender. Orts- Kranktiilliilsk der Gürtler. Die Wahl von 100 Vertretern der Arbeitgeber zur General- Versammlung findet am Montag, den 21. Dezember, abends 8'/, Uhr, in den„Bier Generationen", Oranienstr. 69, 1 Tr., statt. Die.Herren Arbeitgeber, welche für die von ihnen beschäftigten Kaffcn- mitglicder Beiträge aus eignen Mitteln zahlen, werden zu dieser Wahl hierdurch ergebensi eingeladen. Quittung über gezahlte Beiträge legitimiert. 401b Berlin, den 16. Dezember 1903. G. Wolf, ftellvertr. Vorsibender. Passende Weilmäclitsgesciienke Stoff-Beste für Herren-Anzüge, Winter- Paletots, Kinder- Anzüge, Damen-Kostüme us«-. Damen- Tuche. Berlin C., Boss Strasse Ä Koch& Seeland. 1000 Teppiche echt prima Velour in 8 verschied. Mnstern Zimmergrösse.. M. 10,50 Salongrössc...„ 22,50 Vorlagen...... 2,75 so lange der Vorrat reicht. TeS liier ISpandauerstr. 60-67 I. Etage, kein Laden. Zwischen Kaiser Wilhelm- u. Bischofstrasse. f41/12 Ieppieli-Eops-Hatis KermannBursch Damen! Ausverkauf 36172* von Paletots u. Jacketts im EngroSgefchäft von £. 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Den Kollegen zur Nachricht, dasi unser Mitglied, der Feiienhauer Lmil Nenky am 14. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenkcnl Die Beerdigung findet am Donnerstag, den<7. Dezember, nachmittags 3� Uhr, auf dem Dankes- Kirchhos, Reinickendorfer Chaussee, statt. Rege Beteiligung erwartet 167/2 Die Diisverwaltung. Steinarbeiter. Am Dienstag, den 15. d. MtS., starb unser Kollege Otto Ilter. Die Beerdigung findet Freitag, den 13. d. Mts., nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhaalle des des Luisen- Kirchhofes, Neuer Fürstenbrunner Weg(Westend) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 97/7 Der Vorstand. Eeiltral- verband d. Zintmrkr Deutschlands Zahlstelle Berlin u. Umgegend Am Montag, den 14. d. Mis., verstarb nach langjährigem schweren Leiden unser treues Mitglied Theossor Hoffmaim im Alter von 35 Jahren an der Lungenschwindsucht. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frcitagnachmittag 3 Uhr vom Traucrhanse Seidenscldstratze 18 nach dem AufcrstehungS-Friedhos in Wcitzensee statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/19 Der Borstand. Contral-Kranken-uSteiMasse der Zimmerer. (Eingeschr. Hilfskasse Ho. 2.) Am Montag, den 14. Dezember verschied nach langen Leiden unser Mitglied und ehemaliger Kassierer, der Zimmerer 259/10 Theodor Hoffmann. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag 2'/, Uhr vom Traucrhause Hcidensctdsirahe 18 aus nach dein Friedhofe der Aus- erstehungslirche in Wcistcnsee stall. Bor Vorstand. Mral-Mnl der Maurer Deutsclitofe z,arl" (Sektion der Patzer.) Den Mitglieder» zur Nachricht, dast unser Mitglied 298/12 Hermatm Speer am Sonntag, den 13. Dezember im Alter von 64 Jahren vor- starben ist.— Tic Beerdigung ündct statt am Donnerstag, den 17. d. MtS., nachmittags 3 Uhr von der Leichenhalle des Fried- hoscs der vi. Krcuz-Gemolndc in Mariendors. Um rege Beteiligung ersucht Die örtliche Verwaltung. I. A.: Heumann. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß am Sonnabend. den 12. d. M., unser lieber Sohn und Bruder, der Bretterttäger Emil Voigt gestorben ist. 4366 Die Beerdigung findet Donners- tag, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle desKrankenhauses am Friedrichshain auS nach Wilhelms- berg statt. Die trauernden Hinterbiiebanaa. Donnerstag. 17. Dezember, abends 8 Uhr finden in Serlin unck Umgegend 23 Volks-Versammiunnen in folaenden Lokalen statt: in folgenden Lokalen statt: Jtveis! Industrie- Festsäle, Beuthstr. 20/21. 2. Kreis: Kliein. Hasenheide 18. Verl. Bockbrauerei. Am Tempelh.Berg S. Kreis: Berliner Gewerkschaftshaus, Engel-Ufcr IS. 4. Kreis(Süd-Ost): Urania, Wrangelstraße 9/10. 4. Kreis(Ost): Keller, Koppenstraße 29. S. Kreis: Brauerei Lipps, Am Friedrichshain. S. Kreis: Brauerei Kvnigstadt. Schvnh. Allee 10/11. Ctmrlottenimrg: Bolkshaus, Rosinenstraße 3. Sehöneberg: Obst' Festsäle, Meiningerstraße 8. Wilmersdorf: Volksgarten, Emil Witte, Berlinerstraße 10. Kixdorf: Victoria-Säle, Hermannstraße 48/49. Thiel, Bergstraße 151/152. Sichfenberg: Höflich's Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee 120. Pankow: Ebersbach„Zum Kurfürsten", Berlinerstraße 102. Keinickendorf: Restaur. Sadau, Residenzstraße 124. Knmmelsburg: Wwe. Weigel, Türrs ch midtstraße 45. Weissensee: Vereinshaus, Charlottenburgerstr. 150 Cöpenick: Scheers Wilhelmsgarten. Swinemünder Gesellschastshaus Swincmündcrstr. 42. Eiskeller, Chausseestraßo 88. Ahrens Brauerei, Turmstr. 25/26. 7empelhof: Gasthaus Stadt Dresden, Berlinerstr. 33. Referenten: Die sächsischen Reichstags- Abgeordneten L. 7iseker, Trassdorf» Gerisch, Goldsfein, Geyer, Grenz, Gradnauer, Kaden, Sipinski, Kosenow, Schöpflin, Sindermann, Stolle, Stücklen, die Reichstags- Abgeordneten Jandert. Z. 7iseher- Berlin, Förster, Leseke. Södekum, Zubeil und Genosse Kössel. Tages-Ordnung in allen Versammlungen: Der Kampf in Crimmitschau. Freie Diskussion. Arbeiter! Parteigenossen! In der brutalsten Weise Hat das Unternehmertum seine wirtschaftliche Macht gebraucht und jetzt kurz vor Weihnachten die Aus- sperrungen vorgenommen. Beweist, daft Euer Solidaritätsgefühl stärker ist, als die Macht des Geldsacks. Kommt Mann für Mann in die Versammlungen und sorgt für Munition. Die(Ve. Dertrauensleute Derlms unk Umgegend. ! Vorwsrts-Kuekksnülunl Skrlm SW. 68, linkfiiör. 69, Laden! Als WcihnachtSgabs siir unsrc Scfcr cmpschlcii wir: fortratSDüBto, Snyels»Jassalle Drei Kunstblätter in Kupferradierung auf chinesischem Papier. Plattcngröhc: o9 X 52(Zentimeter. StartongrüHc 85 X 65 Ceniiinctcr. Diese Blätter, von einem der ersten gerliner kadierkänstler auSgesührt, würden im Äunstbandel pro Statt nicht unter 15—20 Mk. geliefert werden; um nun auch den Arbeitern zu ermöglichen, ihr yeim mit wirklich künstlerischen Sildern zu schmücken, licfeni wir unsern Abonnenten diese Kunstblätter zu einem Vorzugspreise. 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Ten Parteigenossen zur Nachricht, dasi ich auch in diesem Jahre sür die organisierten Glasmacher in Lauscha den Verkauf von Christbaumschmuck übernommen habe. Fr, Zubeil. Gl-drt«» 21, ■■" drei Treppen. Kleinmi& Borchardt, Mathlenstr. 1H(Eingang auch Ritterstr. 36). — CJalanterie-, Leder- und Bronccwaren.— Reisemuster-V erkauf DM" bis«4. Dezember."W 63,9 ilbn, Sehreibiuappeii, Postkarten-llbuiii, Reise-irtikel, RahiiiEii, Nippes-Porzellan, Nippes-Bronee, Daraentaseben, Portemonnaies. Cprren-Etuis, Brieftaschen. Fisites etc. j�ondef- Verkauf HÖF PaX echter Plüsch- Teppiche Pult- u. Bellvorlagen Pa. Qualität!(kein Axininster) ca. 40 pCt. unter Preis! 130X200 cm M. 15°° bish. 19" 165X230„„ 2350 r 33" 200X300, r 3750„ 56« 250X350 n„ 4950« 78« 55X120, B B3" n S« 65X135„„ 45i0 r 6" so weit Vorrat reicht. M-M Emil Lefevre Btr.!ln öranienstr. 158. Nach auswartsperNachnahme. Praelt-Katalog Wunsch gratis u. franeo. Bis Weihnachten Sonntags nach göffnet. 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Die richtige gesundheitssörderliche Nahrung mutz ans einer Mischung verschiedener Nährmittel bestehen, in welcher Eiweiß, Fett, Kohlehydrate, Wasser und Salze in entsprechendem Verhältnis vcr- treten sind. Der wesentlichste Nährstoff ist nach allgemeiner Auffassung das Protein(Eiweiszstoffc, Albuminaic), ivelcheS zur Erhalung des Lebens durchaus notlvendig ist, und von dem die Leistungsfähigkeit des Organismus zumeist abhängt. Die in der Nahrung dem Körper zugesührieil eiwcigartigen Substanzen können ihre Zluf- gäbe aber nur dann erfüllen, wenn sie durch die Verdauung genügend löslich gemacht sind, waS bei vielen Speisen aber nicht ersolgrz es bleibt dann ein großer Teil ihres EiweißgchalieS u n verdaut und der Körper leidet Mangel an Eiweiß. So ist es auch bei dem in unsrcr Ernährung einen Hauptsattor bildenden Fleisch, welches zwar sehr nahrhast, aber auch schwer verdaulich ist, weS- halb es auch dort, wo es einen Haupttest der Mahl- zeilen bildet, Verdamuigsbeschwerden häusig sind. Diese lverden noch vcnnchrt durch das bei vielen Groß- slädtern wegen Mangel an Zeit sehr hastige Essen, wobei die üpeisen— besonders das Fleisch— un- genügend gekaut und darum um so schlechter verdaut werden. Die Frage ist also: Giebt es sür das Fleisch einen ebenso nahrhastcn, aber leichter verdau- l i ch e n Ersatz? Antwort:„Die Seefische!" Diese enthalten nach Dr. Lahmann. dem Begründer der Nährsalz- Theorie, mehr N ä h r s a l z e als das Fleisch, und nach einer vom Geheimrai Professor Dr. I. König veriaßicn tabellarischen Aufstellung enthält z. B. der Stockfisch(getrockneter Schellfisch) am m c i st e n Stichstoffsubstanz(Protein) von allen menschlichen Nahrungsmitteln. Die genannten beiden Autoritäten gehen von vcr- schiedener Ansicht aus. Lahmann sagt:— daS uns bc- nötigte Eiweiß enthalten alle Nahrungsmittel schon ge- nügend, dagegen s e h l e n UNS die M i n e r a l st o s s e (Nährsalze).— König sagt;— Protein(Eiweißstoff) hat die größte Bedeutung sür die Ernährung. Beide sind aber betreffs der S e c j i s ch e derselben Ansicht und bezeichnen sie als sehr nähr- hast und leicht verdaulich. womit alle Lehrer der Diätetik übereinstimmen. Gegen diese Thatsache ist also nichts einzuwenden! Wenn trotzdem in Berlin die Seesische noch nicht zu den allgemein cingesührten Nahrungsmitteln zählen, so ist dies nur eine Folge des Fcsthaltens an Vor- urteilen, von denen sich viele HauSsrauen nicht srei- machen können. Durch die bis vor etlichen Jahren große Schwierig- feit des Transports von den Küsten nach hierher, waren nämlich Seefische früher ziemlich teuer, galten für eine» Lupusartitel und werden irrt ü m l i ch auch jetzt noch dastir gehalten. Das hat sich aber völlig geändert, seitdem die Deuffche Dampsjischcrei-Gesell- schaft„Nordsee" zu Nordenham hier in Berlin am Babnhos Börse(Bogen 9/ tO) ein großes Vcrkaussgcichöst eröffnet hat, dem durch eigne KühlwaggonS täglich frische Seefische per Eilzug zugehen. Die Gesellschast„Nordsee" ist die größte.tzochsee- fischerci DcuIichlandS. welche über eine Flotte von 32 eignen Fischdampsern versügt, die ihr eine gewaltige Menge von Seesischen aller Llri täglich hereinbringen. welche zu exceptionell billigen Preisen an verschiedene Märkte Europas gelangen. Um nur ein Beispiel anzusühren, tostet der besonders nahrhafte S ch c l l j i s ch und K a b e l j a n pro Psnnd 15 bis 30 Pf.;— alle ionstigen Arten Seefische zu culsprccheud ebenso billigem Tagespreis«. Außer dei: bekannten Scesischen liefert die Gesell- schaft„Nordsee" noch verschiedene in e n t- s e r n t e r c n Fischgrüuden erst neuerdings gefundene, hier»och nicht cingesührte Arten, wie Adlcrlachs, See- larpsen, Blaufisch. Sonnenfisch:c. Alle diese Seefische, welche im ganzen und auch psundweisc verlaust werden, haben also folgende Ivichligen Vorzüge: 1) Höchste Näh rk rast. daulichkeit. 3) Sehr welche bei der jetzigen Teuerung des Fleisches gewiß von hoher Bedeutung sind, und 4) fehlen den See- fischen die feineren Gräten, so daß sie selbst von Kindern gejahrloS gegcffcn werden können. Außerdem ist zu beachten, daß ite nur 15 Minuten Kochzeit bedürfen. sodah gegen daS zwei Stunden auf dem Feuer befindliche Rindsieisch auch erheblich an Brennmaterial gespart wird. Die vielen im Sommer nach der Ost- und Nordsee reisenden Berliner eisen dort oft und gern Seefische, ivejt sie ihnen vortrefflich munden. Hier in Berlin be- 2) Leichte Ver- Ulli~ billige Preise. gnügi man sich aber damit, Seesiichc fast mir bei größeren Diners und Soupers als Delikateisen-Fwischen- gang servieren zu lassen, doch für den tägliche» Familien» tisch werden sie viel zu wenig beachtet. ?» großen staalliche» und städtischen Instituten. besonders in Krankenhäusern und Heilanstalten, hat man schon lange die Superiorität der Sceiiiche als Nahrungsmittel erkannt, mtd ivas den Kranken und NekonvaleScenten zur Stärkung gereicht wird, das ist sicher auch sür gesunde Mensche» wohlbekömmlich. Auch für das Abendessen, dessen Zusammen- stellnng den Haussrauen oft«chwierigteiten macht, bieten sie reichlich Abwechselung, denn die Ge- sellschasl„Nordsee" liefert geräucherte und marinierte Seefische, sowie Fisch- Kon« s e r v e n(z. B. Fisch-CoteleiteS, Braffchclliisch, Aal und Forelle» In Aspie je.:c.) in großer Mannigsaliigteit und gleichfalls zu sehr billigen Preisen. Außer ihrem.tzanptgcschäst am Bahnhof Börst hält die Deuts ch e D a m p s s i s ch e r c i- G e s c l l- i ch a s t„ N o r d s e e" in Berlin noch zwei Verkaufs- stellen: P r i n z e n st r a ß e 30(nahe Moribplatz) und M a d a i st r a ß e 22(im Schiesischcn Bahnhof), und überläßt den Käufern koslensrei ein Kochbuch mit 105 Anleitungen sür die Znbereiiung von Seestichen und allerlei daraus herzustellenden ichmackhasten Gerichien. Jede Praktische Hausfrau, welche ihrer Familie eine nahrhafte, leicht verdauliche und durch den billigen Preis in abwechselnder Form häusig zu wiederholende schmackhafte Nahrung zuwenden will, mache darum zunächit nur einige Versuche mit de» S e c s i s ch c n der genannten Gesellschast, und sie wird unbedingt die hierdurch sich ergebende wesentlich« Förderung deS Familien wohlS und des Wirt» schasts-EtatS anerkennen. VercrnlworU. Redakteur: FaljnS Kaliski in Berlin. Fnjcraiciiteil verantwortlich: Th. Glocke i» Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buihdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer de Ed.. Berlin LW