Ur. 296. RMnnements-Redlnsunsen- WowtemcnU. PrciZ pränumerando i Bierteljährl. Z�v Mk, monatl. I,ll> Mk>, wöchentlich 28 Pfg. frei WZ HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonntagZ. nummer unt illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue ffictt* 10 Pfg. Post- Wonnement: l.lv Mark pro Monat. Eingetragen in der Post-ZcitungS» Preisliste für 1»03 rmter Nr. 8803. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn z Mark, für daS übrige Au-lanp S Marl pro Monat. CHditlnt täglich auBtr montags. Devlinev Volksvl�kk. 20. Ilchrge Die Tnftrflons'GebQtsr betrügt für die sechSgcspaltene Kolonel- zcile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gcwerlschaflNche Vereins- und Bersammlungs-ilnzeigen 20 Pfg. „ülewe Hnicigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Sxpeditionabgegcdcn werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Fesitagen bis 8Uhr vorniitttags geöffnet. Telegramm-Sorefle: „Sotlaldtmokrat Berlin". Centralorgan der focialdemokratiMen Uartei Deutschlands. �«äaktion: SM. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Rr. 1983. Sonnabend, den 19. Dezember 1993. 6xpedttion: SM. 68, Lindenetraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Friede auf Grden! Aus Lrimmitsckau wird telegraphiert: Das„Crimmitschauer Tageblatt" meldet: Die königliche Amtshauptmannschaft und der hiesige Stadtrat beschlossen, die geplanten sieben Weihnachtsbescherungen für hiesige im Ausstand befindliche Textilarbeiter und ihre Familien nicht zu gestatten. Das Verbot wird eingehend damit begründet, daß terroristisches Verhalten der ausständigen Arbeiter gegen die Arbeitswilligen in verstärktem Maße wahrzunehmen gewesen sei. Ferner weist die Behörde darauf hin, daß in den letzter Tage auswärts abgehaltenen Versammlungen und in Flugblättern die Behörden und Sicherheitsorgane unter Nichtachtung jeder behördlichen Autorität weiter angegriffen und verunglimpft worden seien, so daß zu erwarten stehe, daß die geplanten Weihnachtsbescherungen zu ähnlichen Verhetzungen mißbraucht würden. Politik und Wissenschaft. Man schreibt unS: Es war auf dein Züricher Arbeiterschutz-Kongrev. Eine große Zahl ernster Gelehrter und gebildeter Politiker hatte sich versammelt, um über Specialfragen des LlrbeiterschutzcS sachlich zu beraten. Mtten in dieser Versammlung stand ein Mann auf, der eine lange Rede hielt, durch die er die Anwesenden in ein stetig steigendes Er- staunen versetzte. Aber unbeirrt fuhr der Mann fort, bis er endlich mit boller Lungenkrast seiner Weisheit letzten Schluß in den Saai hineinschmetterte:„Mir christlich-sociauvn Arbeiter glauben net, daß d'r Mensch vom Affen aostamint". So wurde Hermann Bielohlawe! aus Wien eine europäische Berühmtheit. Eine ganz ähnliche Sccne hat sich jüngst im Deutschen Reichstag abgespielt. Inmitten einer Beratung, in der von den Schäden der gegenwärtigen Staatsordnung sachlich und ernst die Rede war, erhob sich ein Redner, der ohne jeden äußeren Anlaß einen Vers aus einer politischen Fibel herzusagen begann und tausendmal gehörte Banalitäten über den„ZukunftSstaat" wiederholte. Dieser Bielohlawe! des Reichstages war der Reichskanzler Graf Bülow. Hätte er seine Rede in einer ernsten wissenschaftlich ge- schulten Versammlung gehalten, sie möchte so bürgerlich und professoral wie immer gewesen sein, so hätte er damit nur Heiter- lest gemischt mit Entsetzen hervorgerufen. Daß er in der gcsetz- gebenden Versammlung des deutsche» Volkes nach einer solchen verblüffenden Leistung mit Beifall überschüttet werden konnte~ die Thatsache enthüllt eine der schmerzlichsten Wunden unsrcr Zeit. Hört man und liest man, was die Gegner des SocialismuS an Argumenten zur Bekämpfung einer ihnen verhaßten und gefährlichen Denkrichtung vorzubringen haben, so könnte man wohl auf den Gedanken kommen, daß die ganze ungeheure Geistesarbeit, die die Vertreter der politischen Wissenschaften in den letzten zwei Jahrhunderten geleistet haben, völlig vergeblich gewesen sei. Während einerseits die Socialdenwkratie sich nicht genug thun kann in der Betonung der wissenschaftlichen Grundlage ihrer Politik, keinen Schritt unternimmt, ohne ihn auf sein Verhältnis zu jenem Boden der grundsätzlichen Erkenntnis mit peinlicher Gewissenhaftigkeit zu prüfen und austauchende Streitfragen der Theorie mit einem bis zur Leiden- schaff gesteigerten Ernste behandelt, scheinen zwischen der bürgerlichen Politik und der Wissenschaft nunmehr endgültig alle Brücken ab- gebrochen zu sein. Wenn sich Graf Bülow jüngst über den Hochmut und den Dünkel der socialdemokratischen Führer beklagte, so that er das sicherlich in der berechtigten Empfindung, daß ihm in der Rede Bebels ein unendliches Gefühl der Ueberlcgenheit entgegen- getreten war. Und doch hat Bebel noch ein gewisses Wohlwollen walten lassen, als er für die unendliche Verständniölosigkeit, mit der der Reichskanzler und seine Claque den ernstesten Problemen unsrcr Zeit gegenüberstehen, ohne weiteres den Klassen- standpunkt seiner Gegner als mildernden Umstand gelten lassen wollte. Das geheiligte Recht auf Ignoranz mag man für einzelne politisch nicht aktive Mitglieder der herrschenden Klassen ruhig gelten lassen; cS gilt aber nicht für ihre leitenden Politiker, die die ihnen anvertrauten Interessen schlecht wahrnehmen, wenn sie eS nicht ein- mal für notwendig halten, sich über das Wesen und die geistige Art ihrer Gegner zu unterrichten. Was würde man von einer Heeres- leitung halten, die einen Einfall ins feindliche Land unternimmt, ohne über die Geographie, die Sprache, die Zustände dieses Landes mehr zu wissen als ein paar abergläubische Geschichten, die in der Spinnstube erzählt werden! Heißt eS ernstlich die Interessen deS heutigen KlaffenstaateS wahrnehmen, wenn man den gefürchtcten inneren Feind init Jux- bomben überschüttet, die gerade noch als Scherzartikel für einen bürgerlichen Herrenabend gelten mögen, wenn sie selbst auch da den Reiz der Neuheit seit etwa dreißig Jahren verloren haben. Darf man als Reichskanzler über Dinge reden, die man nicht versteht? Wenn Graf Bülow die geläufigsten Namen der Weltgeschichte mit einander verwechselt, so mögen sich darüber die Gymnasiallehrer die Haare ausraufen. Für die Politik ist es noch innner nicht schlimm, wenn der Kanzler der Neuromantik in seiner Kenntnis der Geschichte der Kreuzzllge unter den Erfordernissen der Reifeprüfung steht. Aber so viel könnte man doch von dem führenden Politiker eines großen Reiches verlangen, daß er in seiner eignen Fach- Wissenschaft, der politischen, soweit zu Hause ist, um es mit einem beliebigen Privatdoccnten der StaatSwissenschaften aufnehmen zu können. Wir haben an der bürgerlichen Wissenschaft gewiß viel aus zusetzen. Aber wären die deutschen Professoren heute in der Lage, sich unabhängig über die Bedeutung auszusprechen, die den politi schen Auffassungen des deutschen Reichskanzlers zukommen, so würde cö dem Grafen Bülow sicher nicht besser ergehen als Herrn Bielo- hlawek auf dem Züricher Kongreß. Der Reichskanzler hat jüngst über einen der größten.deutschen GeistcSrcvolutiouäre, über Fichte, ein paar abgestandene Phrasen der Begeisterung hergesagt. Hat er ihir auch gelesen? Weiß er, daß dieser Fichte neben Plato, Bacon, MoruS zu den größten socialisti- scheu Utopisten gehört? In der Vorrede zu seinem„Geschlossenen Handelsstaat" hat Fichte alle BülowS vorausgeahnt. Er wendet sich mit größter Schärfe gegen einen Politiker, der„überhaupt keinem Begriffe und Kalkül, sondern nur der Bestätigung in unmittelbarer Erfahrung vortraut": ES ließe sich ihm seinem solchen Staatsmanne) gegenüber eine vielleicht lehrreiche historische Untersuchung anstellen über die Frage, ob mehr Uebei in der Welt durch gewagte Neuerungen ent- standen sei, oder durch träges Beruhen bei den alten, nicht mehr anwendbaren Maßregeln. Aber auch die modernen bürgerlichen Gelehrten, in so lebhaftem Krieg gegen den Marxismus sie sich auch befinden mögen, sind lange nicht einfältig genug, bei jeder auftauchenden grundsätzlichen Zukunfts- forderung zu fragen:„Wie macht man das? Geben Sie ein genaues Programm, Herr Bebel." Solche Leute fertigt der ehemalige Minister v. Schäffle folgendermaßen treffend ab: „Ein Bild des wirklichen Entwicklungsganges der nächsten volkswirtschaftlichen Zukunft darzustellen, den wirklichen Verlauf einer weitausholenden Zukunft voraus anzugeben, ist kein Stcrb- licher im Stande, noch im Jahre 1789 wußte niemand, waS aus der liberal bürgerlichen Neuerung sich entwickeln sollte. Nur eine Vorstellung deS Möglichen, vom Wert diskussionSfähiger Thesen kann man gewinnen.... ES ist zwar eine ganz neue Welt, in die man sich hineindenken muß und nur sehr schwer hineindenken kann. Indessen dem Fürsten, Ritter, Bürger und Bauer der Feudalzeit ist die liberale Volkswirtschaft, die jetzt volle Wirklichkeit ist, ebenso schwer denkbar gewesen. Und sie kam doch Ganz ähnlich führt F. A. Lange auS: „Wir lassen uns nicht durch die Kleinmeister stören, die uns altklug predigen. lvaS wir uns längst an den Kinderschuhen abgelaufen haben: daß zu allen Zeiten Adel und Reichtum und Stände gewesen, daß die Massen immer nur zum Beten und Arbeiten, zum Dulden und Gehorchen dagewesen, und daß alle Idealisten Plato mit seinem Bernunftstaat an der Spitze(— hören Sie, Kleinmeister Bülow I—) stets in der Praxis schmählich Schiff- bruch gelitten hätten. Wir verstehen die Geschichte besser als diese Kleinmeister... Wir wissen.... daß alles Große in der Geschichte stets von Trägern einer Idee ausging, die weit über die bisherige Erfahrung hinausgriff... Wir wissen aber endlich auch, daß niemals, nie seit den Anfängen der Geschichte, die Gesamtheit, der geistigen und materiellen Bedingungen des Völkerlebcns eine so große innere Umwandlung erlitten hat, als in den letzten hundert Jahren. Daß früher oder später diese Umwandlung der Geister sich auch ihr Recht in den Gestaltungen des Lebens erringen wird, ist außer Zweifel. Unsre Epoche ist mehr als irgend eine bisherige dazu angethan, hohen Idealen eine gewisse Geltung im Leben zu erkämpfen." Ueber das Gerede vom„Zuchthaus st aat" schreibt einer der berühmtesten Juristen der Gegenlvart Professor Ant. M e n g e r in seiner„Reuen Staatslebre": „In der That wird fast ausschließlich der Znstand der Reichen ins Auge gefaßt, wenn man im volkstümlichen Arbeitsstaat l„ZukunftSstaat") eine wesentliche Minderung der ökonomischen Freiheit voraussetzt....„Die heutige persönliche Freiheit", sagt mit Recht R 0 d b e r t u s,„ist für die meisten nichts alS eine fortwährende Abhängigkeit von fremdem individuellen Willen und frenider individueller Moral, Abhängigkeit von dem Willen und der Moral der Grund- und Kapitalbesitzer, Dienst, Botmäßigkeit." Für die großen Massen des Volkes wird es deshalb zweifellos eine Bermehrung der ökonomischen Freiheit bedeuten, wenn die Erwerbsgelegcnheit, die ihnen jetzt der Zufall und die Not auf- drängt, von den Organen deS volkstümlichen Arbcitsstaates plan- mäßig zugewiesen werden." Vielleicht versteht cS jetzt Kleinmeister Bülow, warum seine Nodomontaden gegen die Unfreiheit deS„ZukunftsstaateS" gerade auf feiten der ostelbischen Plantagenbesitzer den lautesten Beifall auslösten. Sie wollen ihre Arbeiter vor der Knechtschaft deS ZukunftsstaateS bewahren— die Guten I JndeS hat Graf Bülow Autoren wie Lauge, Schäffle und Menger weder citiert noch gelobt, was beinahe den ungerechten Verdacht erwecken könnte er hätte sie— gelesen. Denn Graf Bülow lobt und citiert nur, WaS er nicht kennt. Von allen Peinlichkeiten seines Auftretens die peinlichste war, wie er mit Herbert Spencers fttscher Leiche uinging. Gewiß, Spencer war ein Gegner des SoeialiSinuS. Aber warum? Weil er sehr zu Unrecht fürchtete, daß der Socialisnms einen Triuniph jener Staatsidee bedeute, die—— Graf Bülow in'Deutschland als Erster zu vertreten berufen ist. Er bekämpft am SocialismuS nicht das, wodurch er sich vom preußischen Gcgeuwarts- staat unterscheidet, sondern vielmehr daS, was er seiner irr- tümlichen Meinung nach mit der gegenwärtig in Preußen herrfcheuden Zuchthaus- Ordnung gemeinsam hat. Das System ivirtschaft- licher Bevormundung und geistiger Unterdrückung, das sich in BülowS antisocialistischein„socialen Königthum" verkörpert, fällt mit viel größerer Bestimmtheit unter Spencers allgemeines Vcrdammungs- urteil wider die Allmacht der Staatsgewalt als irgend ein noch nicht erfaßbarer, erst im Keim vorhandener Gescllschaftözustand. Gras Bülow ist auf dem Gebiete Socialwissenschast ebenso glücklich, wie auf dem Felde der Geschichte. Herbert Spencer ist und bleibt sein„Peter Arbuez", der ihm den Kreuzzug gegen den Socia- lismuü predigt. Es wäre leichtfertig, solche peinliche und— im solidarischen Interesse deutscher Geisteskultur— beschämende Erscheinungen einfach mit Scherzen abthun zu wollen. Graf Bülow ist nicht bloß ein„bc- dauerlicher Einzelfall" sondern eine typische Erscheinung der bürgcr- lichcn Politik. Die eklektischen Tiftcleien ängstlicher UniversitätS- Professoren reichen als Waffen gegen den SocialismuS nicht mehr aus. Kann man aber bürgerliche Politik nicht mehr mit der Wissenschaft machen, so macht man sie ohne sie und gegen sie. Das Fleisch der bürgerlichen Gesellschaft überlebt ihren Geist. poUtlfcbc Ocbcrftcbt. Berlin, den 18. Dezember. Dir Mitverantwortlichkeit der Vorgesetzten für Soldatenmißhaudlungen. Der Fall Breidenbach beschäftigte am Freitag zum siebeutennial das Kriegsgericht. Diesmal handelte es sich um eine Verhandlung vor dem Oberkrxegsgericht, die durch Einlegung der Berufung durch den vom Kriegsgericht wegen mangelnder Beaufsichtigung der Unteroffiziere zu 4 Wochen Stubenarrest der» urteilten Haupt nr an n Grolmann, den Vorgesetzten Breiden- bachö, notwendig geworden tvar. Abermals fand eine umfangreiche Zeugenvemehmung statt, auch Breidenbach selbst erschien als Zeuge vor den Schranken. Das Resultat der Verhaudlung war, daß zwar auch daS Oberkriegsgericht zu der Ueberzeugung gelangte, daß Hauptmann Grolmann nicht die durch die Umstände gebotene Aufsicht über die Mannschaftsausbildung geübt habe, da sonst unmöglich Breidenbach Tausende von grob- lichsten Mißhandlungen habe verüben können— daß die 1200 gerichtlich festgestellten Roheitsalte der Zahl der wirk- I i ch verübten Bestialitäten lange nicht entspreche, er» klärte ja selbst der Anklagevertreter— daß es aber trotz- dem das Strafmaß auf 14 Tage Stubenarrest herabsetzte. Und schon das von der ersten Instanz verhängte Strafmaß war so niedrig, daß es der Vertreter der Anklage für notwendig erachtete, gegen die in der O e f f e n t l i ch k e i t verbreitete Ansicht Verwahrung einzulegen, daß Hauptmann Grolmann überhaupt nur verurteilt worden sei, um der aufs tiefste erregten Oeffentlichkeit eine Konzession zu machen! In der That muß das Strafmaß befremden. War das Gericht einmal von der Schuld des Aligekb-gteir überzeugt, so hätte cs auch — das dürfte wohl die Ansicht»' ester Kreise sein— ein euergischcrcs Strafmaß wählen dürfen. VKzehn Tage Stubenarrest sind für die große Masse überhaupt keine Strafe. Offenbar hat das Oberkriegsgericht die Unterlassungen Grol- manns in sehr milden, Lichte gesehen. Groin, ann hätte seiner Auf- fassung nach ja eine schärfere Kontrolle üben können, schließlich auck, üben m ü s s e u, allein er war nun einmal ein vertrauensvolles Gemiit. Nun, so günstig liegen unsreZ ErachtenS die Dinge leineslvcgs Wr den Angeklagten. Es gehörte wirklich ein hoher Grad naiver Leichtgläubigkeit dazu, in so zahlreichen Fällen Leuten, die mit Hand-, Schicniiein-Berlehungen, Beulen oder blauen Augen herumliefen, stets aufs Wort zu glauben, das; sie sich durch ihre eigne Tapsigkeit die Verletzungen zugezogen hätten. Grolinann wußte ja auch, das; Breidenbach ein hitziger, nervöser Mensch war, der selbst in seiner Gegenwart gröbliche Verbal- injurieu nicht zu unterdrücken vermochte. Hauptmann v. Grolmann mußte sich ferner sagen, das; eine Käsern en-Fnspekti on, die stets durch daS donnernde„Achtung! eines dienst- und Vorsicht- beflissenen Unteroffiziers sämtlichen Unteroffizieren angekündigt wurde, als Kontrolle völlig für die Katze war! Und schließlich lag gegen Grolmann die schwer belastende Aussage des Vaters Breidenbachs vor, daß er ihm einmal gesagt habe, er möge seinen Sohn ja vor Miß- Handlungen warnen:„Bei nnS wird daS ja so schwer nicht gcnoinmc», ober wenn cS vor den Reichstag kommt, machen die Socialdcmvkratc» einen Heidenkrach!" Diese schwer belastende Zeugenaussage spielte nun nach dem Verhandlnngsbericht seltsamerweise weder für das Plnidoycr des Anklagevertreters noch für die Nrtcilsformulicrung des Gerichtshofes eine Rolle! Sollte man etlva die famose Auffassung des Verteidigers GrolmannS, des Rechtsanwalts Ullrich, der Angeklagte könne ja unmöglich so etwas gesagt haben, was am nächsten Tage schon im„Vorwärts" gestanden haben würde, adoptiert haben? Wir vermögen das nicht zu glauben, muß sich jeder denkende Mensch doch sofort sagen, daß der Vater des Soldatenschinders Breidenbach schon seines Sohnes wegen alle Ursache hatte, ein solch vertrau- liches Wort im innersten Busen zu bewahren! Jni Reichstag erklärte bekanntlich der KriegSmini st er von Einem: Wenn Soldatennnßhandlungen„längere Zeit in der Compagnie vorkommen, so mutz der Vorgesetzte unter allen Um- ständen davon wissen. Mir ist es unverständlich, daß so setwas borkommen konnte, wie dies in; Fall B r e i d e n b a ch der Fall fein sollte." Natürlich liegt es uns fern, dem Kriegsgericht zuzumuten, dieser Erklärung des KriegSministerS wegen Hauptmann Grolmann unter allen Umständen wegen Mitwisserschaft der Mißhandlungen zu verurteilen. Das Kriegsgericht mußte seiner Ueberzeugung gemäß handeln. Gleichwohl wird die O e f f e n t l i ch k e i t in diesem Punkte die Ansicht des Kriegsministers teilen. Vor allen Dingen aber wird man es nicht begreifen, daß mit 14 Tagen Stubenarrest auch nur die doch vom Kriegsgericht angenommene Unterlassung der notwendigen Kontrolle ausreichend gesühnt sein soll!— Der neue Disferential-Zolltarlf für Neuseeland. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt in ihrer letzten Nummer nähere Angaben über den kürzlich im neuseeländischen Parlament angenommenen neuen Zolltarif. Danach soll von Cement fremder Herstellung das Doppelte des bisherigen Zolles und für Fahr- räder, Wagen, Karren,Wagenteile(apiiert),Scilerwaren,Galantcricwaren, Fischkonscrven, Glas, Glaswaren, Eisenwaren, Nägel, eiserne Röhren, Pianinos, Tapeten, Packpapier, wenn frisches Fabrikat, ein Zuschlags- zoll in Höhe der Hälfte des bisherigen Zolles erhoben werden. Fahrradteile, Eisen- und Stahldrahtseile. Schienen für Eisen- und Straßenbahnen und Segeltuch unterliegen einem Zollsatze von 20 Proz. des Wertes, wenn fremder Herkunft, dagegen sind sie bei britischer Provenienz zollfrei. Auf Waren, die vor dem 31. März 1904 eingeführt werden, findet der Tarif dann keine Anlvendung, wenn nachgewiesen werden kann, daß ihre Bestellung vor dem 16. November d. I. von Neu- seeland aus erfolgt ist. Für alle nach dem 30. Juni 1964 ein- geführten Waren, welche im Tarif genannt sind, muß auf den Fakturen bescheinigt sein, daß sie bona, ticlo in einem Teile der britischen Besitzungen erzeugt und fabriziert sind, wenn für sie Bc- freiung vom Zuschlagszoll beansprucht wird. Die englischen Imperialisten und Zollpolitiker a la Chambcrlain dürften sich durch diese Lösung der britischen Zollbegünstigungsfrage seitens des Landes, das bislang am meisten für das„Greatcr Britain" schännt, recht wenig erbaut fühlen. Als Kanada dem Mutterlande vor einigen Jahren Vorzugszölle ein- räumte, befolgte es wenigstens die Taktik, die Zölle solcher Textilwaren, die im Lande selbst hergestellt wurden und in welchen die englische Konkurrenz der einheimischen Industrie allzu gefährlich werden konnte, vorher um den Betrag der späteren Er- Mäßigung herauszusetzen. Mr. Seddon, der Preinierminister Neu- seelands, und seine Gefolgschaft hält diese Konzession nicht mehr für nötig. Er hält England und seinen Kolonien gegenüber einfach den alten Tarif aufrecht, und erhöht dessen Sätze für aie außerbritischen Länder kurzweg um durchschnittlich'60 Proz. Wie in den australischen Kolonien Neu-Süd-Wales und Victoria geht nämlich auch in Neuseeland das Bestreben der herrschenden Politiker dahin, die noch in den Anfängen steckende einheimische Industrie baldigst großzuziehen, damit sie den Bedarf des Landes selbst deckt. Deshalb darf auch England kein allzu großer Spielraum auf dem neuseeländischen Markt zugestanden werden. Trotzdem wird bor- erst natürlich England von dem Differentialzoll einen gewissen Vor- teil haben: ob aver dieser so schwer wiegt, daß deshalb England seine Lcbensmittel-Einfuhr zu Gunsten seiner Kolonien besteuert und sich der Gefahr heftiger Zollkämpfe mit seinen jetzigen besten Absatz- gebieten aussetzt, erscheint recht fraglich.— Veutlcden Rdeb. Eine Husareuattacke. Als der Kanzler des Deutschen Reiches Graf Bernhard Bülow feine wohlvorbereiteten Enthüllungen über den Zuknnftsstaat im Reichstage machte und auf alles andre antwortete, nur nicht auf Bebels Rede, verstand man nicht recht den Zweck der Uebung. Als großes Ereignis war Bülows Theegespräch geplant— daS sah man sofort an dem gewaltigen Aufgebot der in der Hof- und Diplomaten- Loge versammelte:?. Erscheinungen, die nur die KennwiS in das Parlament getrieben haben konnte, daß der geistreiche Graf sein strahlendes Debüt der Socialistenvernichtung, als Ablöser der Engen Richter und Korbmacher Fischer, veranstalten wolle. Aber fragte man sich, treibt der Kanzler solchen geistigen Aufwand, nur um der Logengäste und der gefälligen Zeitungs-Antichambristen des Geheimrats Hammann willen? Ueberbürdete sich darum der Kanzler intellektuell und vergeudete Witze, mit denen ein haushälterischer Weinreisender ein ganzes Jahr lang ausreichen würde? Jetzt kennt man den Grund. Graf Bülow gelüstete es, zun: Volk herabzusteigen. Er lvollte eine Wahlagitationsrede halten. Zwar sind seine Reden in einem eleganten Goldschnittband bereits gesammelt, aber diese Bibel der Beredsamkeit hat mir in einigen Redaktionen und Bibliotheken Absatz gefunden. Graf Bülow hat höheren Ehrgeiz. Er möchte populär toerden, wie das Buch des Lieutenants Bilse. Er will der geistige Held der Saison werden. Kurz, Graf Bülow hat seine Rede für den Weih- nachtstisch des deutschen Volkes geredet! Die Hofbuchhandlung von Mittler u. Sohn, welche die Strategie nicht nur gegen den äußeren, sondern auch gegen den inneren Feind geschäftsmäßig verwertet, wird in 500 000 Heften die beiden ersten Reden des Kanzlers gegen die Socialdemokratie verbreiten; die dritte Rede, in der sich Graf Bülow principiell für eine Dippold-Politik gegen den SocialismuS ausspricht, wird noch nicht mit verbreitet, vermutlich, un: die Leser nicht zu überanstrengen und auch noch für Weihnachten 1904 etwas übrig zu behalten. Diese Husarenattacke der 000 000 soll, muß und wird die Socialdemokratie in Grund und Boden niederreiten. „Reichskanzler Graf v. Bülow gegen die Socialdemokratie. Aus- züge aus den Reden in den ReichstagS-Sitzungeu vom 10. und 14. Dezember 1903" betitelt sich schlicht das große Werk, das zwar noch nicht volle 24 Seiten enthält, aber dafür in jeder Zeile tödlich wirtr. Sogar Buchschmuck prangt in dem Heft: Auf dem Titelblatt spreizt ein im gekrümmten Spiegel breit gezogener Preußenaar schützend seine Fittige. Und unten geht zwischen Flaggen über Eichengemüse ein Viertel Sonne auf. Läßt sich ein schöneres Weihnachtsgeschenk ersinnen? Dannt jedermann in den Genuß der Schrift gelangen kann, wird sie nicht nur kostenfrei abgegeben, sondern es find auch popularisierte Ausgaben für Schwachsinnige, Rentiers, Kriegervcreinler, Ammen und liberale Redaktcure in Bor- bereitung.— ES sei noch erwähnt, daß das Geistreichste des Geistreichen in fettestem Fettdruck, Geistreiches zweiten RangeS gesperrt wieder- gegeben ist. Fett ist beispielsweise:„Wo herrscht denn weniger Freiheit als bei Ihnen?" Sehr feinsinnig ist das der Socialdemo- kratie ausgestellte Zeugnis halbiert. Nur in Sperrdruck liest mau:„Disciplin und Opferfreudig- kcit la", dagegen wird gefettet:„positive Leistungen, Klarheit des Programms Vb", Auch jede„schallende Heiterkeit" ist getreulich vermerkt. Für uns hat diese Veröffentlichung wegen des Verlages etwas besonders Anheimelndes. Mittler und Sohn haben auch jene ge- waltige Zahl von Wahlbrofchiircn gegen die Socialdemokratie herausgegeben, die uns so sehr zers chmetterten, daß wir mit lumpigen 3 Millionen Stimmen erschüttert das Wahlfeld verließen. Uebrigens möchten wir doch feststellen, daß weder jene Wahlbroschüren noch diese Bülow- Reden des Verlages Mittler u. Sohn, wie man leicht vermuten könnte, aus der socialdemokratischcn Parteikasse bezahlt worden sind. Es ist bisher Geheimnis, aus welchen: Fonds diese massenhafte Volks- bildung bestritten wird. Schließlich möchten wir noch darauf hinweisen, daß Graf Bülow wie alle großen Männern außerordentlich bescheiden ist. Wenn die Socialdemokratie, die Partei des Hochmuts und des Dünkels, Reichstags-Verhandlungcn in Broschüreuforn: verbreitet, so giebt sie mit besonderer Liebe auch die Reden der Gegner wieder, in der srcchen Anmaßung, daß die sociäldemokratischen Ausführungen durch ihre Kraft die gegnerischen Darlegungen ohne weiteres nieder- strecken. Anders der bescheidene Graf Bülow. Er mag sich nicht dainit brüsten, wie er den armen Bebel au Glanz des Geistes und an Wucht der Gründe überragt. Und deshalb begnügt er sich, nur seine eignen Reden zu verbreiten, und läßt Bebels Ausführungen schonend beiseite. Edelmütig verzichtet er darauf, mit dem überwältigten Gegner gemeinsam in der Arena zu erscheinen. Er will nach solchem Siege unsren Bebel nicht nochmals demütigen. Hei, wie der Bebel flüchtet, und Graf Bülow immer boran! Gepriesen sei der großherzige Graf, daß er nun nicht noch Bebel im Triumph mit in seine Broschüre schleppte. Der Kanzler redet allein, und Bebel wird Pardon gegeben, indem er nicht zum Wort kommt. Die Husareuattacke der 500 000 wird überwältigend sein, da die sociäldemokratischen Batterien— nach den: Ratschlüsse von Mittler u. Sohn— in ehrfurchtsvollem Schweigen verharren! So siegt wahre Größe in solcher Bescheidenheit, daß sie sogar auf den Gegner verzichtet, einfach verzichtet.... Ein Kulturbild im GcgcnwartSstaat. Aus der Pfalz wird uns geschrieben: Durch die bürgerlichen Blätter der Pfalz geht zur Zeit eine Notiz, die einen abgrundtiefen Blick in die Lebensverhälmisse eines Bcvöllcruugsteits der so viel gepriesenen Pfalz am Rhein thun läßt. Sie lautet: „Auf welch sonderbare, nahezu an das Unglaubliche grenzende Weise manche Familien in unsrer kultivierten Pfalz im 20. Jahrhundert ihren Lebensunterhalt fristen, beweist nachstehender Fall: Durch die Gendarmerie Oberhausen wurde festgestellt, daß vor nicht langer Zeit ein Korbmacher von Neu- mühle betroffen wurde, wie er ein mit Erde beschmutztes, vcr- endctcs Schwein nach Hause trug, und die vorgenommenen Nach- forschungeu haben ergeben, daß das Schwein verendet, in dem Bcrscharrungsplatz von Höheinöd verlocht und von dem betreffenden Korbmacher ausgegraben war, und zwar als Nahrung für die Familie. Der betreffende Korbmacher scheut sich nicht zu er- klären, daß er sowohl als auch noch andre Familien das ganze Jahr hindurch den Lebensunterhalt von dem Fleisch verendeter Tiere fristen." Der Korbmacher„scheut sich nicht!" Welche namenlos e Frechheit, noch offen zu sagen, lvie jämmerlich er sich und seine Familie ernährte. Der Unselige weiß nicbt, wie er die vortreffliche, ausgezeichnete Ordnung die heutige Gesellschaft lästert. Warum nährt er sich nicht, wie es Menschen ziemt? Und cS ist doch kein Einzelfall, den die wahrhaft gransige Notiz meldet; diese„Ernährm:gS"art ist„auf der Ncnmühle" Regel. Die Bevölkerung dieieS Ortes zählt mit zur a l l e r ä r m st c n Deutschlands und nährt sich neben gelegentlichem Fclddiebstahl von: Fleisch des krepierten ViehS, das sie auf Stunden in der Runde ausgräbt. Die Gegend, in der Reumühle liegt, bietet ihren Be- wohnern nur eine dürftige Existenz: sie ist wohl die unftnchtbarste der unwirtlichen Sickinger Höhe und genießt in der ganzen Pfalz einen schlechten Ruf. Wer sich daheim durch Felddiebstahl und Aus- graben von verrecktem Vieh nicht mehr ernähren kann, der geht als Schirm- und Kesselflicker in die Welt In einem aus zertrümmerten Eierkisten selbst fabrizierten Wohnwagen, vor den sich das Oberhaupt der Familie selbst spannt und der der ganzen oft sehr zahlreichen Familie zum Unterschopf dient, ziehen diese Aermsten der Annen verachtet und gemieden durch die Welt. Zur geistigen und sittlichen Hebung dieser Aermsten geschieht von feiten der Regierung oder von feiten eines hochwürdigen Klerus gar nichts. Wer den Ton hier angiebt, das geht aus den Wahlziffern vom 16. Inn: hervor. Es er- hielten die Socialdemokraten eine Stimme, die Bauernbündler 27 und das Centrum 95 Stimmen. Eine socialdenmkratische Versammlung hat auf Stunden im Umkreis von Neumühls noch nicht stattgefunden. Die Schulbildung läßt alles zu wünschen übrig. Jeder nur einiger- maßen tüchtige Lehrer strebt danach, aus der unwirtlichen Gegend loszukommen. Läßt die Bildung alles zu wünschen übrig, so ist hingegen die Kirch enftön:m:gkeit um so größer. Der Herr Pfarrer gilt nicht bloß viel mehr als der Schulmeister, er gilt überhaupt alles und was er sagt, das ist wahr. In dieser centrumsftommen Gegend trug es sich bei der Verteilung der Flugblätter für die Reichstagswahl zu, daß man unsren Parteigenossen nicht bloß die Flugblätter zerknüllt an den Kopf warf, sondern ihnen in das Gesicht spuckte und sie mit Totschlagen bedrohte. Niemals aber hörte man über ein solch rohes Benehmen auch nur ein Wort der Mißbilligung von feiten der Herren Pfarrer. Rtan schwatzt von: sociäldemokratischen Zuknnftsstaat, wie er aussehen möge und wie er das erhoffte Volkswohl bringen solle. Diese Schwätzer sollten ihren Gegenwartsstaat erst einmal gehörig betrachten und wenigstens dafür sorgen, daß nicht Menschen genöttgt sind, wenn sie überhaupt einmal Fleisch genießen wollen, auf den: Schindacker verscharrtes Vieh auszugraben.— Die Entwicklung der Krise auf dem ArveitZmarkte während der letzten Jahre ist von: Verein für Socialpolitik zum Gegenstand einer eingehenden Untersuchung gemacht worden, die unter Leitung des 'Privatdozenten Dr. Jasiroly-Berlin stattfand, dem eine Reihe von Mit« arbeitern für die einzelnen Gebiete zur Seite standen. Die Haupt- sächlichsten Ergebnisse der Untersuchung wurden bereits in den münd« lichen Verhandlungen des Vereins ans seiner Generalversammlung in Hamburg, an der Hand graphischer Darstellungen behandelt. Sie liegen jetzt, wie die„Arbeitöinarkt- Korrespondenz" berichtet(uns selbst ist der betreffende Band noch nicht zugegangen?, in Gestalt von mehr als 200 Tabellen und zugehörigen beschreibenden Darstellungen vor. Der betreffende Band 109 der Vereinsschriften(Leipzig, Verlag von Duncker u. Humblot) unterscheidet sich in seinen Ergebniffen von den Bänden, die früher über die Krisis in den Fabrikationszweigen er- schienen, hauptsächlich dadurch, daß er zum erstenmal die Frage, warn: die Krisis begonnen ha: und wann der Tiefpunkt erreicht war, an der Hand bestimmter Ziffern zu beantworten sucht. An den öffentlichen Arbeitsnachweisen zeigte in den Jahren 1897— 1809 jeder Monat einen geringeren Andrang als der ent- spreckende Monat des Vorjahres. Im Februar 1900 trat bereits die Wendung ein. Von da ab zeigte jeder Monat einen größeren Andrang als der entsprechende Monat des Vorjahres, und dieses Verhältnis dauerte fort bis zum August 1902. Vom September 1902 ab tritt wieder die Besserung ein, die in dem Buch bis zum Ende des Jahres verfolgt ist. Der Verlauf des Jahres 1903 hat dieses Verhältnis vollständig bestätigt. Danach hat die Krisis ein- gesetzt im Februar 1900 und der Tiespunkt loar erreicht im August 1902. In geographischer Beziehung zeigte sich, daß zwei Gegenden von der Krisis fast gänzlich verschont blieben: die südwestliche Ecke des Reiches sowie die Küste der Nord- und Ostsee. Bon da ans zog sich die Krisis nach der Mitte des Reiches zusammen und er- reichte ihren Höhepunkt in der Neichshculptstadt. In den Ziffern der Krankenkassen, die von A. Heinecke, dem Mitgliede des städtischen Statistischen Amtes Berlin, fär_ 102 deutsche Städte bearbeitet worden sind, tritt der Unterschied zwischen männlichen: und weiblichem Arbeitsmarlt besonders dcut- lich hervor. Die schlechte Geschäftslage erfordert das Heranziehen weiblicher Arbeiter. Unter den männlichen Kassenmiiglieden: tritt in: Laufe des Jahres 1901 ein Riicigang ein, unter den weiblichen eilte Vermehrung. Von demselben Mitarbeiter rühren unter andcnn die Abschnitte über den Einfluß ans die BevölkernngSbewegung her. Ii: Berlin ist der WandernngS- Ueberschutz von 1900— 1901 von 59 515 auf 29 480, daS heißt um 60,6 Prozent zurück« gegangen. Diese Erscheinung ist keineswegs vereinzelt. In sechs andren Städten über 200 000 Einwohner, von denen brauchbares Material vorlag(Breslau, Chemnitz, Dresden, Frank- furt a. M.. Hamburg, Hannover?, ist in derselben Zeit der Wanderungs« Ucberschuß von 52104 auf 39 706. d. h. n:n 23,8 Proz. gesunken. Dr. Singer-München weift nach, daß die Krisis einen Einfluß aus den Verbrauch an Nahrungsmitteln, und zwar zunächst an Fleisch und Bier, zur Folge gehabt habe. Prcßsnnder im Gefängnis. Wir hatten über die dem Sinn des Strafgesetzbuches zuwiderlaufende Behandlung des Redakteurs Biernmnn im Strafgefängnis zu Vechta berichtet. Dem Redakteur, der wegen vermeintlicher Beleidigung des durch Liebhaberei für Hazardsviel bekannt gewordenen oldenburgischen Justtzministers verurteilt ist, ist es verwehrt, sich in der seinen Fähigkeiten und Verhältnissen angemessene«: schriftstellerischen Weise zu beschäftigen; ja, sogar das Lesen einer Zeitung wurde dem Verurteilten von dem Ministerium nicht gestattet. Neuerdings hat die E h c f r a u d e s Preßsünders an das Justizministerium eine Eingabe gerichtet, in der sie ersucht, ihrem Manne zu gestatten, über 81/» Uhr hinaus Licht zu brennen und das Lesen einer Zeitung zu gestatten, damit der Inhaftierte nicht noch über die Dauer der Gefängniszeit hinaus seiner Thätigkeit entzogen werde. Darauf erhielt sie folgenden denkwürdigen Bescheid vom Justizministerimn in Oldenburg;„Ihren: Ehemann können die von Ihnen erbetenen Vergünstigungen nicht gewährt werden. Nach Z 15 Absatz 5 der Hausordnung für das Männer- gefängnis ist um 8 Uhr der Verschluß vor die Zellen zu legen und haben sich die Gefangenen um 8>/z Uhr zu Bett zu legen, selbst- verständlich nachdem vorher das Licht ausgelöscht ist. Daß ein Gefangener sich eine Tageszeitung hält, ist bisher nie gestattet' worden und kann auch in diesem Falle schon mit Rücksicht auf die erforderliche Ueber wachung und das hierfür zur Verfügung stehende Personal nicht gewährt werden." Um 8Vz Uhr werden die Räume des Roulett-Kasinos in Oldenburg geöffnet. Weshalb von dieser Zeit ab im Gefängnis unbedingtes Dunkel herrschen und der G e f a:: g e n e der Ruhe pflegen muß, ist nicht zu er- gründen: das Strafgesetzbuch will dem Gefangenen die Freiheit, nicht aber das Licht entziehen. Kein Gesetz verwehrt den: olden- burger Justtzministerium die„Hausordnung" damit in Einklang zu bringen. Warum„kann" das der Justizminister nicht? Daß er das können müßte, wird ihm selbst das„Oberschaf des Ober» landesgerichts" bestätigen können. Die Begründung, weö» halb das Lesen einer Zeitung nicht gestattet werden kann, ist noch auffallender. Es sei eine„Ucberwachung" erforder- lich. Was soll überwacht toerden? DaS Lesen? Meint das Justizministermm, ein Redakteur könne ohne die„erforderliche Ueber- wachung" nicht lesen? DaS geht ja noch über russische Censur» Verhältnisse hinaus. Fehlt es in Oldenburg an Zeiwngsleser-Ueber» wachungspersonal? Nein, dem: gleich darauf heißt es die Rücksicht auf das„hierfür zur Verfügung stehende Aufsichtspecsonal" sei ein Hinderungsgrnnd, nicht etwa ein ja auch nicht zur Entschuldigung dienender Mangel an Personal. Was sagt das Reichs- gesetz?§ 16 des Strafgesetzbuchs schreibt klar vor: ,. A u f ihr Verlangen sind die zu Gefängnisstrafe Verurteilten ans eine ihren Fähigkeiten und_ Verhältnissen angemessene Weise zu beschäftigen." Demnach müssen dem Verurteilren auch die zu solcher Beschäftigung erforderlichen Mittel gewährt werden. Und zu diesen Mitteln gehört im vorliegenden Fall das Lesen einer Zeinmg. Ein Justizministerium, das sich außer stände erklärt, diese Lorichrist des Reichs gesetzes zu erfüllen, erklärt damit seinen Bankrott. Es� darf nicht durch die Art der Vollstreckung eine Gefängnisstrafe in eine Zuchthausstrafe um- wandeln. Das geschieht aber, wenn einem zu Gefängnisstrafe Verurteilten die im Z 15 garantierte Möglichkeit entzogen wird, sich in einer seinen Fähigkeiten und Verhältnissen angemessenen Weise zu beschäfttgen, und er wie ein Zuchthaus-Sträfling dazu angehalten wird, nur die in der Strafanstalt eingeführten Arbeiten zu ver« richten. Im Fall Bicrmann handelt es sich um einen ptedattcur der bürgerlichen Presse. Er ist ins Gefängnis wegen Beleidigung des Justizministers geschickt, dessen Verhalten im Kosino in Oldenburg eine auffallende Neigung für reine Gold» Währung beim Spiel zeigte. Diese Neigung zu mechanischer Verw cinhcitlichmtg darf nicht aus das Strafvollilrecinngswesen, insbesondre nicht aus die Art der Beschäftigung übertragen werden. Pflicht der Presse und der Abgeordneten ohne Unterschied der Parte:r:ch:ung ist es, gegen die durchaus unangemessene Behandlung des Preß» delinquenten Biermann zu protestieren. Der Knnstpfennig. Aus Hessen wird uns geschrieben: Bekanntlich hatderGroßherzog vor kurzem fem emziges Töchterchen. das er geradezu abgöttisch geliebt haben soll, urplötzlich durch den Tod verloren. Die kleine Prinzeß verstarb gelegentlich einer Reste in Rußland ganz unerwartet. Der Großherzog soll auf das ttefste erschüttert gewesen sein. Da sich der hessische Regent niemals in m:- angenehm empfundener Weise hervorgethan hat, im Gegenteil bei vielen Gelegenheilen bekundete, daß er ein recht vorurteilsloser, dabei kunstverständiger Herr ist, so wurde der schlimme Berlust, der ihm betroffen, im ganzen Hessenlande gewürdigt. Das kam auch in der gesantten hessischen Presse zum Ausdruck. Aber dies gerade hat offenbar den patentierten Patrioten nicht gepaßt und deshalb haben sie einen Plan ausgeheckt, der jetzt in der Ausführung begriffen ist und der die entschiedenste Mißbilligung verdient. Bon Worms aus. über den Fall Breidenbach und über die Aufsicht der Eompagnic-Offizicre im allgemeinen zu äußern. Wie wir unsren Lesern seiner Zeit mitteilten, war der Compagnie- chef deS Soldatenschindcrs Breidenbach von dem Kriegsgericht der I. Garde-Jnfanterie-Division zu vier Wochen Stubenarrest vcrilrteilt worden, weil er in schuldhaft fahrlässiger Weise Mißhandlunge« Untergebener zugelassen habe. Die Bestrafung des Hauptmanns v. Grolmann, des ChefS der 11. Compagnie des 4. Garde-RegimentS zu Fuß war auf Grund des§ 147 deS Militär-Strafgesetzbuches erfolgt, welcher lautet:„Wer die ihm obliegende Beauffichtigung seiner Untergebenen in schuldhafter Weise versäumt, oder, wer die ihn« obliegende Meldung oder Verfolgung strafbarer Handlungen Untergebener vorsätzlich unterläßt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten bestraft. Gegen Ofsiziere kann zugleich auf Dienstentlassung erkannt werden." Gegen die ihm zuerkannte Strafe hatte der Verurteilte Berufung bei dem Ober-Kriegsgericht des Gardccorps eingelegt; sein Verteidiger, Rechtsanwalt Ullrich, hatte eine 56 Seiten starke Be- gründungsschrist eingereicht, in welcher darzuthnn versucht wird, daff Herr v. Grolmann seiner Pflicht als Chef der Compagnie in vollstem Maße gerecht geworden sei. Der Zcugenapparat ist wiederum ein ganz gewaltiger; neben Offizieren sind die von Breidenbach miß- handelten Füsiliere geladen; und ebenso wird der frühere Unteroffizier Breidenbach aus der Arrestanstalt als Zeuge vorgeführt. Als Sachverständiger ist seitens der Verteidigung Hauptmann v. Düring geladen, um sein Gutachten über die Pflichten eines Compagniechefs abzugeben. Der kleine Zuhörerraum ist über- füllt; Kameraden des Aligeklagten, Offiziere der verschiedensten Waffengattungen, sind anwesend. Vor Eintritt in die Verhandlung giebt der Verteidiger Rechts- anwalt Ullrich folgende Erklärung ab': „Nach dem mir vorliegenden stenographischen Bericht hat der Ä r i c g S m i n i st e r im Reichstage heute vor acht Tagen folgendes erklärt:„Wenn das sSoldatenmißhandlungen) längere Zeit in der Compagnie vorkommt, so muß der Vorgesetzte unter allen Umständen davon wissen. Mir ist es unverständlich, daß so etwas vorkommen konnte, wie dies im Fall Breidenbach der Fall sein sollte." Ich bitte das hohe OberkricgSgericht dringend, diese Acnßrrung des Herrn Kriegsministers bei der Fällling des Urteils unberührt zu lasse» und bei der Entscheidung vielmehr lediglich nach dem Er- gebnio der Beweisaufnahme und dein Inhalt der Akten das Strafmaß bemessen zu wollen." Oberst v. Westernhagen, der militärische Vorsitzende, er- widert hierauf:„Es ist selbstverständlich, daff wir nur auf das Er- gebnis der Beweisaufnahme, sowie den Inhalt der Akten hin urteilen." Sodann beginnt das/ Jnquisitorinm des Angeklagten, nachdem der Verhandlnngsführer eine Sachlage des Thatbestandcs, den Fall Breidenbach noch einmal auftollend, gegeben hat. Hauptmann v. Grolmann habe gegen das erstrichterliche Urteil Bc- rufung eingelegt, weil er sich unschuldig glaube. Der gleichfalls verurteilte Lieutenant v. H c ll e r m a n n habe keine Berufung eingelegt: das Urteil gegen denselben sei heute rechtskräftig geworden. Ganz besonders wird noch einnial der Fall des Füsiliers Hill, der durch Selbstmord geendet, jede seiner Einzelheiten zur Vorlesung gebracht, ebenso der Selbstmordversuch des Füsiliers Rade- macher, den auch die Mitzhandlungcn des Breidenbach zur Verzweiflung getrieben, sich zum Fenster hinausstürzen wollte. Es folgen sodann die MiffhandlungSfälie der Füsiliere Bohr, Geschwind:. Kraetke. Rachow und Schweikel. Thatsächlich. so lautet es wörtlich in dem Anklagcbericht, sind die Mißhandelten aus Furcht vor weiteren Miß- Handlungen, davon abgehalten worden, irgend welche Beschwerde zu führen. Ans Verlesung deS Urteils des Breidenbach durch das Ober- Kriegsgericht wird allseitig verzichtet. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daff im ZuhSrenanm militärische Personen im Lieutcnantsrang, also Untergebene des An- geklagten sich befinden. Laut§ 285 der Strafprozeff-Ordnung sei dies nicht zulässig und er bitte die Herren, den Zuhörerraum zu verlassen. DaS zur Verlesung gebrachte Urteil des Kriegsgerichts der I. Garde-Jnfanterie-Division gegen den Angeklagten, Hauptmann v. Grölmann gipiclt darin, daß derselbe den Unteroffizier Breiden- bach als eine geeignete Person zur Ausbildung von Siekruken«v gesehen habe. Dem Angeklagten sei bekannt gewesen, daff Breiden» bach jähzornig, nervös und ehrgeizig gewesen und seine Untergebenen auch mit Worten beschimpft habe. Er habe sogar den Bater des Breidenbach gewarnt, daß sein Sohn ja nicht mißhandeln möge! Bei ihm sei es ja nicht so schlimm, aber wen» die Sache in de« Reichstag käme, dann wäre bei de» Socialdcniokraten der Teufel loS. Es sei dem Angeklagten durch ein Schreiben bekannt geworden, daß Breidenbacb beim Turnen zu Füsilier Rochow gesagt habe, ihm ins Gesicht speiend:„Du Schweinekerl, pfui Teufel I" Er sei aber bei allen Recherchen, die von G. angestellt, von den Mißhandelten belogen worden, die sämtlich die Spuren der Schläge auf Unfälle zurück- führten. Das Kriegsgericht habe angenommen, daß mangelnde Aufsicht vorgelegen, an der es ein besonnener Compagniechef nicht fehlen lassen dürfe. Hauptmann von Grolmann habe es in fort- gesetzter Weise an Aufsicht fehlen lassen; strasinildernd sei eS gewesen, daff der Angeklagte ein sehr tüchtiger Offizier und von ausgezeichneter Führung gewesen. Der Ängcklngte glaubt, er sei nicht schuldig, weil er alle? Mögliche gethan, was von einem Compagniechef verlangt werden könne. Daff Breidenbach leicht aufgeregt, sei ihm bekannt gewesen. Er gestikulierte bei der Ausbildung der Rekruten, sei eifrig und leb- hast gewesen und betrieb die Ausbildung aus Passion. Oesters habe er dein Unteroffizier gesagt:„Nicht so laut. Mann, machen Sie nicht so viel Krach." ES iei jedoch ein großer Unterschied zwischen einem erregten und jähzornigen Menschen. Daß er B. in der Korporalschaft nur„krumme" Leute gegeben, sei nicht zutreffend. Die Rekruten seien nach der Größe eingeteilt worden. Zufällig habe wohl B. einen oder zwei wirklich„Krumme" bekommen; von Anfang au könne man ja nicht wissen, wer ungeschickt sei und wer nicht. Die Leute des B. seien alle willig gewesen. Zur Charakteristik des B. müsse er anführen, daff B., wenn Leute Forrschritte machten, er ihm dies mit lobenden Worten gemeldet, ja gebeten habe, die Leute aus der zweiten Exerzierklasse herauszunehmen. Wenn er B. gegen- über den Ausdruck gebraucht, er solle die Leute erziehen, so wisse er nicht, wie er sich anders bätte ausdrücken sollen. Er habe gemeint:„Erziehen mit erlaubten Mitteln." Wenn ihm von den Mißhandelten Komödie vorgespielt worden sei, so sei dies ja nicht seine Schuld. Allwissend sei er doch nicht I So z. B. in: Fall Bohr und Rademacher. Er habe den letzteren, einen ungeschickten Menschen, einmal geftagt, warum er hinke; da habe ihm Rademacher gesagt, er sei gefallen und hätte sich gegen das Schienbein gestoßen. Hätte er andre gefragt, so hätten sie ihn genau so belogen aus Furcht vor Breidenbach, wie die Mißhandelten. Ost kamen die Rekruten zu ihn: und zeigten ihm, wenn sie irgend einen Unfall hatten, damit es nicht hieße, sie seien mißhandelt worden. Der Fall Hill sei charakleristisck. Er habe Hill mit verbundener Hand gesehen. Er habe ihm gesagt, er habe einen Knochenbruch, weil er sich an der Thüre gequetscht. Ist diese Erklärung des Hill nicht plausibel? Konnte ich annehmen, daff meine Leute Lügner sind? Im Fall Hill sei kein Dienst- beschädig» ngS- Protokoll aufgenommen worden, der Stabsarzt habe dies nicht für notwendig erachtet. Er habe nie anonyme Zuschriften erhalten, aber Aeutzerungen der Rekruten- Offiziere gehört, daff B. Leute mißhandelt habe. Der Regimentskomniandcnr habe wohl anonyme Zuschriften bekommen. aber nie solche, die darauf hinwiesen, daff in der 11. Compagnie gemiffhandelt werde. Der Unteroffizier Breidenbach habe ihm über Familienangelegenheiten Aeuffernngen gemacht und ihm sein Herz ausgeschüttet, wie dies andre Unteroffiziere auch gethan. Der Oberst habe die Hauptleute daraus hingewiesen, daff die Herren sich auch um die Personalangelegenheiten ihrer Leute bekümmerten. Aus gewissen Gründe» wollte er den Beter des B. sprechen. Die An» gclcgenheit selbst wolle er hier ohne Erlaubnis deS Unteroffiziers B. nicht preisgeben. Er habe mit den: Vater gesprocken, der Sohn sei ein tüchtiger Mensch, der wohl kleine Fehler habe. Daß er mit B. sen. über Mißhandlungen gesprochen, sei nicht wahr. Möglich sei es, daff er gesagt:„Ihr Sohn schimpft ein bißchen viel." Er fei stets sehr viel im Dienst gewesen, bei Tag und Nacht. Nie habe er, wenn er in der Kaserne gewesen, Schreien oder Schlagen vernommen. Ich habe mm, gefragt, wie es denkbar sei, daff ein gewissenhafter Compagniechef nichts von den Mißhandlungen erfahren habe, trotz eingehendster Kontrolle. Kam ich abends in die Kaserne, so wurde „Achtung" gerufen, so daß der Unteroffizier, welcher schlagen wollte, dies unterließ. Ebenso konnten die Unteroffiziere, wenn ich mit der Elektrischen wegfuhr, dies deutlich sehen. Den Spion meiner Leute habe ich natürlich nicht gespielt; ich habe eben Vertrauen zu :neinen Leuten gehabt. Freilich habe ihn: der Regiments- kommandeur einmal gesagt:„Ein alter geriebencrCompagmechef kommt hinter alle Schliche. Die Zeugcnvcrnchmnng. Zeuge Sergeant Günther sagt auf Beftagen des Ber» Handlungsführers aus, daff Hauptmann v. Grolmann gut aufgepaßt und oft revidiert habe. Die Unteroffiziere seien oft, monatlich wohl ein- bis zweimal von dem Hauptmann verwarnt worden, nicht zu schlagen. Breidenbach sei bei den Verwarnungen stets zugegen gewesen. Zeuge hat die Empfindung gehabt, daff der Hauptmann seine Unteroffiziere nicht unterstützt hat. V c r h a n d l u n g s s ü h r e r: Haben Sie vom Herrn Haupt- mann gehört:„Sie müssen sich die Leute besser ziehen"? Günther: Der Hauptmann hat wohl gesagt: Die bessereu Elemente der Compagnie müssen die schlechtere» erziehen! Verhandln naSführer: Haben Sie nicht einmal den Re- kruten Krätke, der mißhandelt war, als der Hauptmann kam, in dem Schrank versteckt? Günther: DaS ist möglich, aber ich kann mich des Vorfalls nicht mehr genau erinnern. Oberst v. Westernhagen: So etwas vergißt man doch im ganzen Leben nicht! Der Zeuge Unteroffizier Saucrhering sagt aus Beftagen, ob es sich schnell herumgesprochen, wenn der Hauptmann in die Kaserne gekommen, aus, daff dies meist der Fall gewesen. Der Herr Hauptmann habe die Unter- osfiziere ernst g e lv a r n t vor Mißhandlungen Untergebener und habe dann hinzugesetzt, er werde sofort Thatbcricht einreichen, der Hauptmann sei' sehr gut zu den Leuten gewesen, während Breidenbach sehr erregt gewesen. Sodann wird der Hauptbelastnngszenge des Angeklagten Unteroffizier Breidenbach vernommen. Verhandlungsführer:„WaS haben Sie darunter ver- standen, wenn Ihnen der Herr Hauptmann sagte, Sie sollten die Leute besser erziehen?" Breidenbach:„Ich will eZ nicht so verstanden haben, daß ich daraufhin die Leute geschlagen habe." Ver handlungsfü hier:„Haben Sie den Leuten gesagt, die Meldungen der Mißhandlungen zu unterlassen?" Breidenbach:„Ja." V e r h a n d l u n g s f ü h r e r:„Sind Sie specielk allein durch den Herrn Hauptmann verwarnt worden?" Breidenbach: Ja wohl. Er wußte, daß ich ein hitziges Temperament besitze, er wollte einer Mißhandlung wohl vorbeugen. B c r h a n d l u n g S f ü h r e r: Hat der Herr Hauptmann ge- wüßt, daff Sie die Leute mißhandelt haben? Breidenbach: Ich bin der festen Ueberzeugung. daß der Herr Hauptmann nichts davon gewußt hat? ES wird hierauf der Latcr des Breidenbach vernommen, ivelchcr dabei bcharrt, daff der Angeklagte zu ihm gesagt habe: Bei uns ist das nicht so schlimm. Wenn es aber in den Reichs- tag kommt, so machen die Socialdemokraten Geschrei. Die PlaidohcrS. Als Erster nimmt der niilitärische Verteidiger, Hauptmmm v. DrygalSli, das Wort. Jeder Unteroffizier wisse, daff der Com- pagnicchef mehr oder weniger in den Dienst gehe, Hnuptmailn v. Grol- mann sei sehr viel im Dienst gewesen. Mit vollem Eifer sei er beim Dienst gewesen, mit Leib und Seele, ohne zu ermatten. Und da solle Herr Hauptmann v. Grolmann es an Aufsicht haben fehlen lassen! ES fei den? Angeklagten von den Mißhandlungsfällen nichts M Ohren gekommen. In erster Schuld stehe der Feldwebel. Der Feldwebel wisse und sehe alles, was in der Compagnie vorgeht. Wäre Hauptmami v. Eirolmaun nur ein einziger Fall zu Ohren gekommen, so würde er sofort eingeschritten sein. Der Ver- lauf der heutigen Verhandlung habe erwiesen, daß Haupt- mann v. Grolmann in keiner Weise Meldungen von klieirutenmißhandlungen absichtlich unterdrückt habe. Der Urteils- spruch, den die Richter heute fällen, habe die weit- »ragendstr Bedeutung für das ganze deutsche Heer. Die Verhandlung erweise, das; der Angeklagte lvcder ans Nachlässigkeit, noch absichtlich gefehlt habe. Rechtsanwalt Ullrich.- Auch die heutige Verhandlung habe wieder nachgewiesen, daß ein Unteroffizier wie Breidenbach wie ein Barbar hausen könne, ohne daß es der emsigste Compnguicchef weist. Wenn uian jemand verurteile. so müsse man sich fragen, ivaS hätte der Angeklagte noch ferner thuu solle». So frage ich das hohe Kollegium, was hätte Hauptmann v. Grolmann noch ferner zu thun, als das alles, was er gethan t Das Gericht sagt, der Angeklagte Hütte noch ein ganz beio nders scharfes Auge auf Breide»- Vach werfen müssen. Breidenbach war jedoch ein geschickter Unter- offizier. Der Hauptmann beobachtete die Leute und befand Breidenbach als einen tüchtigen Vorgesehen. Der Angeklagte hatte nicht die geringste Veranlassung, Breidenbach so etwas zuzutrauen. Es wird dem Angeklagten lveiter zum Borwurf gemacht, daß er zum Vater des Breidenbach die in der Anklageschrift enthaltcneir Worte geäußert habe. Demgegenüber bemerke ich, daß dieser Zeuge gleich zu Anfang aussagte, daß er alt und sein Gedächtnis etwas s ch w a ch sei. Somit ist nicht gesagt, daß die Acußerung durch den Angeklagten gefallen, vielmehr ist es ivahrscheinlich, daß sie von dritter Seite gethan ist. Haupt- mann von Grolmann kann sich unmöglich eine solche Blöße geben durch eine derartige Aeußerung, iv e l ch e am nächsten Tage in;„ V o r lv ä r t s" steht! Plaidoyer des Staatsanwalts. Der Vertreter der Anklage, Oberkricgsgerichtsrat Dr. Boeder, bedauert, daß der Angeklagte gegen das Urteil des Kriegsgerichts der II. Garde-Devision Berufung eingelegt hat. Der Fall Breide»- bach habe Aufsehen erregt, teils ivcgen der brutalen Mißhandlungen, reikS ivegen des tragischen Abschlusses durch den Selbstmord des Füsclicrs Hüll und den Selbstmordversuch des Füsiliers Rademacher. Angesichts der groste» Anzahl von Misthandlmigen— gerichtlich festgestellt sind ILM), in Wahrheit waren es aber mehr— mußte die Frage auftauchen, wie es möglich sei, daß die Vorgesetzten nicht einschritten. Es ist selbstverständlich, daß die öffentliche Meinung die Richter nicht beeinflussen darf. Im vorliegenden Falle decken sich die Thatsachen mit der öffentlichen Metmmg. Ich must die Erklärung des Herrn KricgSministers vollauf bestätigen. Er erklärte, wenn Mißhandlungen in der Eompagnie längere Zeit vorkommen, so must es der Eompagnie- chef wissen. Gegen diese Auffassung kann kein Zweifel bestehen. ES herrscht in vereinzelten Fällen die Annahme, dnst das gefüllte Urteil lediglich eine Konzession an die Ocjfcntlichkcit bilde. Eine derartige Auffassung ist entschieden zn bestreiten und ich lege gerade von dieser Stelle aus Verwahrung dagegen ei». Fch hoffe, daß das Gericht die Berufung verwerfen wird und es bei dem wohlbedachten Urteil des Kriegsgerichts verbleibt. Nach einer längeren Replik zog sich das Gericht zur Beratung zurück. Gegen ö Uhr wurde da? Urteil verkündet. Es kantete auf 14 Tage einfachen Stubenarrest. In seiner Urteilsbegründung hob der Vcrhandlungsführcr hervor, daß das Berufungsgericht dcimoch die Ucbcrzeugung gewonnen, daß der Augeklagte es unterlassen hat. in ausreichender Weise die Aufsicht der Untergebenen auszuüben. ES sei nach Ansicht des BeruftlngS- gerichts die Pflicht gewesen, in jedem der einzelnen Fälle sich nicht mit den Angaben der Mißhandelten, daß die Verletzungen bom Fallen herrührten, zu beruhigen. Es sei vielmehr seine Pflicht gc- ivesen, hier nachdrücklichst einzugreifen und alles zu versuchen, um die Wahrheit zu ergründen, umsomehr, als er wußte, daß Brcidcn- bach ein erregter Mensch gewesen.— Huö Induftrie und Handel. Die Konkurrenten des Petroleummarktes. In den letzten Monaten haben sich innerhalb der in der Pctroleumindustrie vertretenen Finanz- interessen Verschiebungen vollzogen und andre von weittragender Be- deutung vorbereitet, die geeignet sind, in dem seitherigen Verhältnis sowohl der Ausbcutmig der Petroleumquellen tvie der Versorgung der Konsumländer eine vielleicht tief- einschneidende Äenderung herbeizuführen. Die ausschließlich beherrschende Stellung, welche Amerika und namentlich die Standard £il Company, lauge Zeit auf dem europäischen Pctrolcummarkt eingenommen hat, wird in steigendem Maße durch das Wachsen der russischen sowie der rumänischen und östreich-ungarischcn Petroleum- induftrie bedroht. Um dieser Konkurrenz zu begegnen, hat die Standard Oil Company bekanntlich zu dem Mittel gegriffen, sich ebenfalls bedeutende Peiroleumquellcn zu sichern, teils durch Ankauf, teils pachtweise. Erst in den letzten Tagen hat wieder, ivic der„Frankfurter Zeitung" berichtet wird, ein Vertreter der Standard Oil Company, Herr Southard, in Bukarest unter seinem Namen eine Petroleunifirma eintragen lassen; andrerseits verlautet, daß die Diskonto-Gesellschaft, abgesehen von ihrer Beteiligung bei der Telega Oil Company, Verhandlungen wegen Fusionicnmg der rumänischen Petroleum-Unternehmungen„Busteuari",..Petrolca",„Coitductul Nationale" und einiger kleinerer Aulagen führe, die zu einer neuen Gesellschaft mit einem Aktienkapital von 13 Millionen Frank vereinigt iverden sollen. Inzwischen waren bekanntlich sehr ernst- hafte Vorbesprechungen im Gange, welche der Gründung eines internationalen Petroleumkartells galten, und zwar sollten amerikanische, russische und östrcichischc Jntercssenten an den Besprechungen teilnehmen. Der Tod des Herrn v. Hauscmann hat -edoch eine Verzögerung iit diesen Verhaiidlnngen bewirkt, dagegen fanden dieser Tage in Wien zwischen Vertretern der östreichischen Erpoit- Raffinerien und der Standard Oil Company Ver- Handlungen ivegen einer Regelung der Petroleum-Ausfuhr statt, die aber vorerst resultatlos verlaufen sind, da »um nicht in der Lage sei, das Angebot der Amerikaner anzunehmen. Es soll, so heißt es, nunmehr versucht werden, die östreichisch-nngarische Petroleumausfuhr selbständig zu organisieren. und tuau erwartet, daß die Deutsche Bank, nachdem die von ihr bereits vor einiger Zeit mit den östreichisch-ungarischcn Export- Raffinerien geführten Verhandlungen ergebnislos geblieben waren, dieselben jetzt wieder aufnehmen werde. Zwischen den europäischen und amerikanischen Petroleumgruppen zu einer Verständigung zu ge- langen, dürste heute, nachdem die europäische Petroleumindnstrie bereits kräftig sich entwickelt hat und fremdes Kapital in weit größerem Umfange als früher ihr zur Verfügung steht, viel weniger Schwierigkeiten bieten als noch vor wenigen Jahren, Wir sind auch der Ansicht, daß schließlich zwischen der amerika- nischcn Standard Oil Company und der Petroleum-Jndustrie der andren obengenannten Länder eine Verständigung und Abgrenzung der Absatzgebiete erfolgen wird.�ob aber zum Nutzen der Konsnmenten, erscheint recht fraglich— er wird auf alle Fälle ausgebeutet. Warcnvcrtricli durch Ausspielung. Das Reichsgericht hat bc- kaimtlich durch Urteil deS ersten Strafsenats vom 14. Februar 1901 entschieden, daß der Warenvertricb im Wege des sogenannten Schnecballverfahrcns(auch Lawinen-, Hydra-, Gella- usw. System geuniuit) als Veranstaltung einer Ausspielung im Sinne des § 286 des Strafgesetzbuches und der isK 22 ff. des lReich� Stenipelgesetzcs vom 14. Juli 1900 anzusehen ist. Da derartige Berantw. Redakteur: Jiiliiis Kaltski in Berlin. Für den Inseratenteil ve Ausspielungen nur mit obrigkeitlicher Genehmigung zulässig find und einer hohen Stempelabgabe unterliegen, so hat das erwähnte Urteil, dessen Ausführungen in zahlreichen späteren Entscheidungen aufrechterhalten worden find, dahin geführt, daß die gedachte Geschäfts- form seitens inländischer Gewerbetreibender nicht mehr zur Au- Wendung gelangt. Dagegen sind neuerlich mehrfach Bestrebungen ausländischer Gewerbetreibender hervorgetreten, durch unerlaubte Anwendung des in weniger urteilsfähigen Kreisen anscheinend noch immer als vorteilhaft mtgesehenen Schneeballverfahrens ihren Waren in Deutschland Absatz zu verschaffen und dadurch dem reellen inländischen Geschäft unlautere Konkurrenz zu machen. Auf diese Weise sind bis jetzt uachgelviesenermaßeii Uhren und wollene, banmwollene oder seidene Dameiikleidimgssiücke zur Einfuhr ge- laugt; es ist aber keineswegs ausgeschlosieit, daß auch andre Waren im Wege des Schneeballverfahrens angeboten werden. Die in letzter Zeit beobachtete Zunahme dieser Art des Geschäfts- Verkehrs giebt Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß nach§ 286 des Strafgesetzbuches die Veranstaltung einer öffentlichen Ausspielung ohne obrigkeitliche Erlaubnis m i t G e f ä n g n i s bis zu z Iv e t Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 8009 Mark und nach W 23 und 27 des Reichsstempel-Gesetzes die Empfang» nähme oder der Vertrieb ausländischer Spiclausiveise ohne Etil- richtung der Stempelabgabe mit einer dem füuffacheu Betrage der hinterzogencit Abgabe gleichkommenden Geldstrafe geahndet wird. (SeWerKsebaMicKes. Crimmitschau. Die„Post" in kalcrstinunung. Die„Post", das Scharsmacherorgan, das bei allen Streitigkeiten ztvischen Untemehineni trnd Arbeitern im Sinne des seligen S t u m m und der körperlich noch lebenden Fetisch und K ü h n e m a n n hetzend thätig ist und jeden TerroriSmuS gutheißt, wenn er von Unternehmern gegen Arbeiter verübt wird, sieht in dem Eriinmitschauer Fall die Felle davonschwimmen. Hier haben die Herren so recht die Probe aufs Exempel gemacht, ob es wirklich möglich sei, im Sinne der„Post" und der „Arbeitgeber- Zeitung" jede Regung der Arbeiterschaft rücksichtslos mederznknütteln. Wären sie weniger schroff verfahre», hätte» sie sich auf Unterhandlungeu mit den Arbeitern eingelassen, vielleicht wäre in aller Interesse der Kampf unter gegenseitigen Konzessionen längst beendet. Nichts von alledem. Man rief die Behörden zu Hilfe, die ganz in dein von der„Post" gepredigten Stile arbeiteten, und zwang nun die deutsche Arbeiterschaft, sicki ritterlich auf die Seite der Schwächeren zu stellen. Da wandte sich freilich das Blatt, die Unternehmer erwiesen sich trotz der Koalition mit den Behörden zu schwach für den Kampf mit der Gesamtarbcitcrschaft und jetzt kann ihre Sache als verloren gelten. Daß nun ihre Konkurrenten kommen, die von ihnen skrupellos beiseite gedrängt worden sind, um jetzt das verlorene Terrain auf dem Markte tvieder zu gewinnen und womöglich neues dazu, ist doch eigentlich so selbstverständlich, daß die Ivirtschaftlichcn Strategen der„Post" von bornherem damit hätten rechnen müssen. Wen» sie in Wahrheit die Interessen der Eriinmitschauer Fabrikanten ivahr- nehmen wollten, mußten sie ans diese Möglichkeit schon bei Beginn des Kampfes hinweisen. Statt dessen jammert das Blatt jetzt: „Die Hoffnung der Socialdcmokratcn beruht in erster Linie ans den schweren materiellen Schäden, lvclche die Erimmitschauer Unternehmer bereits jetzt zu tragen haben, und welche ihnen noch in erhöhtem Maße in Zuknnft in Aussicht stehen, wenn ihnen auch noch die nächste Wintcrsaison verloren geht. Deshalb ist dies gerade der Punkt. auf beut die deutschen Arbeitgeber in erster Linie die Solidarität ihrer Interessen bcthätigen müssen. In einem unüberbrückbaren Gegensatze dazu würde es allerdings stehen. Ivenn thatsächlich, wie der „Vorwärts" triumphierend meldet, rheinische Texnlindustrtellc sich eifrig bemühten, die bisherige Kundschaft der Crimmischauer Fabri- kanten für sich zu gewinnen; das hieße geradezu, den für die Gesamt- interessen der Arbeilgeber so schlvcr ringenden Eriinmitschauer Textilindustriellen in den Rücke» fallen und so direkt die Sache der Socialdemokratie fördern. Hier gilt es im Gegenteil die Sonderinteressen der einzelnen Fabri kunternehmungen hinter das Gesamtinteresie der ganzen deutschen Industrie zurückzustellen und mit aller Kraft die Criimniffchauer Vorkämpfer in dem schweren Kampfe gegen die Herrschaftsbestrebungen der Socialdemokraten zu unterstützen." Die„Post" mag sich beruhigen. Die Meldung des„Vorwärts" entspricht durchaus den Thatsachen. Uebrigcns wissen die Herren Textilindustriellen das auch! A u f der Tagung in Cottbus gab e S schwere Vorwürfe dieser- h a l b. Dabei setzten es die Crimmitschauer nicht einmal durch, daß ihre Kmtkurrcnz auf eine NuSnutzung der gegenwärtigen Situation verzichtete. Man beschloß zlvnr, sie pekuniär zu unterstützen— sie mögen dann ihre Fabriken bis in alle Ewigkeit sperren!— aber im übrigen beschloß man: „Die Fabrikanten verpflichten sich, trotzdem sie zu der seit- herigc» Herstellung von Kammgarn und Chrviotö die Fabrikation von BclourS, Eskimos nnd Bigogncwarcn sdas sind die Erimmitschauer Artikel!) hinznnahmen, ans dem Streik für sich keinen dauernde» Nutzen zu ziehen!" Nun hat die„Post" die Bestätigung, daß die liebe Konkurrenz wenigstens nicht geneigt ist, sich den augenblicklichen Nutzen aus der Situation verkümmern zu lassen! Und auf diese Frag« kommt es ja für den Ausgang des jetzigen Kampfes mir an. Wer später dauernden Nutzen haben wird, ist lediglich Sache der Kundschaft. Kein Weihnachten in Crimmitschau! Wie wir an der Spitze des Blattes berichten, ist die Weihnachts- feicr in Crimmitschau verboten! Tie Feier war der Behörde in Crimmitschau unter detaillierter Angabe des Programms angemeldet. Ter Bürgermeister nahm aber Anstoß an der Ansprache, die im Programm vorgesehen ist. Als der Anmelder erklärte, daß unter keinen Umständen auf diese Ansprache verzichtet wird, mutete ihm der Herr Bürgermeister zu, er solle doch wenigstens Angaben über den Inhalt der Ansprache machen. Als auch dieses Ansinnen natürlich ntndwcg abgewiesen wurde, erklärte der Chef der Erimmitschauer Polizeibehörde, erst die Krcishanptmannschast über die Sache be- fragen zu miiffen. Tarauf erging das an der Spitze des Blattes gemeldete Verbot. Bor längerer Zeit schon meldeten wir, daß ein Fabrikant gesagt habe:„Wir werden dafür sorgen, daß die Crimmitschauer Arbeiter kein Weihnachten feiern!" Das war, ehe noch die Bersammlungsverbote ergingen! Tie'Versammlungen haben stattgefunden! Tie Unterstützungen werden gezahlt! Und die Erimmitschauer werden ihr Weihnachten feiern! Arbeiter Teutschlands! Verzehnfacht Cure Gaben ftir de» Weihnachtstisch der Ausgesperrten? Rtrl n rnid Umgegend. Lohnbewegung der Droschkenkutscher. Die Berliner Droschenkuffcher beschlossen gestern Abend im Ge- tverkschaftshause einstimmig am Sonnabend ihre bekanntgegebenen Forderungen auf jedem Fuhrhofe zu stellen. Alle Fuhrhöfc. die nicht bewilligen, find der Agitations-Komntission sofort zu melden._ antlv.: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag: Vorwärts Buchdtuckcrei Orot leb es Reich. Ter Unterstütz»«gsverein der Kupferschmiede Deutschlands häit am 27. Dezember und folgende Tage seine fünfte ordentliche General» Versammlung in Hamburg ab. Ter Hauptgegenstand der Tages» ordnuug ist die Regelung der finanziellen Lage des Vereins, die durch größere Lohnlämpfe und die nach der letzten General- Versammlung im Frühjahr 1901 hereinbrechende Krise stark beein- finßt wurde. Die Unternehmer an de» Unterweserortrn lBrcmerhaven ic.) wollen anscheinend ihr« Arbeiter mürbe machen. Während in Bremer- Häven zweitausend Leute arbeitslos liegen, suchen sie noch immer durch Inserate neue Kräfte heranzuziehen. Dabei werden die Schiffe nach Möglichkeit die Weser aufwärts nach Bremen oder aber nach andren Hafeiiplätzcn dirigiert. Von 8311 im Monat Oktober sich meldenden Arbeitern haben nur 1333, von 2952 im November sich Meldenden nur 893 Arbeit nachgewiesen erhalten.— Es liegt im Interesse der Bremerhavener Arbeiter, tvenn Zuzug von Arbeitern nach den Unterweserorten ferngehalten wird. Ter gemeldete Konflikt im Schneidergewerde zu Mannheim hat thatsächlich zum Ausstände geführt. 100 Gehilfen, denen der reduzierte Tarif zur Amtahme unterbreitet wurde, haben die Arbeit niedergelegt. Tie Vertreter des christlichen Schneiderverbandes er- klärten sich solidarisch mit den Angehörigen der freien Gewerkschaft. Tie„positiven" Leistungen der Hirsch-Dunckeriancr. Den Erfolgen der modernen Gewerkschafteit gegenüber verweisen die Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften gern auf das, was sie„Posi- tivcs" für ihre Mitglieder leisten. So veröffentlicht der Geiverlvercin der Schneider int„Bericht-Erstatter" eine Aufstellung der Leistungen, die er für Rechtsschutz. Notstands-, Reise-, Arbeitslosen- Unter- stützung usw. und für Bildimgszwecke und Fachunterricht ausbrachte. Die Gesamtsumme für diese Leistungen beträgt 67 629 M. Diese Summe wurde aber nicht in eine m Jahre, sondern in der Zeit von 1870 bis 1908, also in 32 Jahren aufgebracht!— Der auf dem Boden der modernen Arbeiterbeivegung stehende Verband der Schneider brachte dagegen im letzten Geschäftsjahre(1902), also in einem Jahre, 88 939,63 M.. d. h. 31 000 M. mehr für dieselben Zwecke ans!— 67 629 M. in 32 Jahren und 88 939,65 M. in einem Jahre.— Es sieht sehr dünne ans mit den„positiven" Leistungen bei den Hirsch-Dunckerschen! Sociales. Ausnahmen vom Kinderichutze. Das Kiliderschutzgesetz, das am 1. Januar 1904 in Kraft tritt, gestattet nicht nur den unteren Verwaltungsbehörden, sondern auch dem Bundesrate die Zulassung von Ausnahmen. Die unteren Verwaltungsbehörden dürfen bis zum 31. Dezember 1903 Ausnahmen von dxn Vorschriften zulassen, durch lvclche das Austragen von Ware» und die Besorgung von Botengängen in der Zeit zwischen 8 Ilhr abends und 8 llhr morgens verboten ist. Sie dürfen ferner jederzeit Ausnahmen zulassen für die Be- schäftigung von Kindern in Gast- und Schankwirtschaften für Orte unter 20 000 Einwohnern. Nach is 14 des Gesetzes steht dem Bundesrate die Befugnis zu. für einzelne Arten der Werkstätten, in denen Kütdcr nicht beschäftigt werden dürfen, bis zum 31. Dezember 1903 Ausnahmen für die Beschäftigung eigner Kinder zuzulassen, lieber diese Zeit hinaus darf er auch für oinzelneArten der verbotenen Betriebe die Beschäftigung eigner Kinder mit der Beschränkung zulasicn, daß die Kinder nicht au durch Motore bewegten Väaschinen beschäftigt werden. Schließlich kann er für einzelne Arten der Wert- statten, in denen Kinder unter zehn Jahren nicht beschäftigt werden dürfen, die Altersgrenze herabsetze». Nach der„Nordd. Allg. Ztg." hat der Bundesrat von diesen Befugnissen Gebrauch gemacht. Die Veröffentlichung der Be- stitnnningctt soll unmittelbar bevorstehen. Wir wollen diese Ver- öffcntlichung abwarten, da sich die Angaben, die die„Nordd. Allg. Ztg." aus den Beschlüssen des Bundesrats macht, mit den gesetzliche;, Vorschriften nicht decken.__ Ein allgemeiner Heimarbeiterschntz- Kongreß, einberufen von der Generalkomntission der Gewerkschaften Deutschlands, wird am 7. März 1904 in Berlin beginnen. Für den 5longreß sind zwei bis drei Tage in Aussicht genommen. Die Tagesordnung enthält nur zwei Punkte:„Die sociale Lage und die Notwendigkeit des gesetz» lichcn Schutze? der Heimarbeiter und-Arbeiterinnen"; sodann:„Die gesundheitlichen Gefahren der Hausindustrie für das konsunnercnde Publikum". Für das letztere Referat ist ein Mediziner in Aussicht genommen, ivährettd das erster« der Genosse K ä m i n g(Schneider) erstattet. Auf dem Kongreß sollen alle Vertreter ohne Rücksicht mif politische und religiöse Anschauungen oder OrganisationS- Zugehörigkeit zugelassen werden, die sich durch ein Mandat legitimieren können. Zur Ausfertigung eines Mandats sind die Bureaus von öffentlichen Versammlungen, die zu diesem Zwecke einberufen sind, sowie die Vorstände der in der Frage der Heim- arbeit interessierten Organisationen berechtigt. Die gewählten Delegierten werden ersucht, sich bis spätestens den 22. Februar 1904 bei der Generalkommission(C. Legien, Berlin 80. 16, Engel-Ufer 15) anzumelden. Die Kosten des Kongresses, mit Ausnahme der Kosten für die Delegation, sollen aus der Kasse der Generalkommission gedeckt werden. Den Umfang der Delegation zu bestimmen, bleibt den bei der Sache direkt interessierten Organisationen überlasten. t»et2te]S[achricbten und Depefeben* Stadtverordnetenwahl in Konstanz. Konstanz, 13. Dezember.(Privatdepesche des..Vorwärts".) Bei der heutigen Stadtverordnetenwahl wurden in der dritten Klasie vier Socialdemokraten gewählt._ Rom, 13. Dezember.(W. T. B.) Die Kommisfion der Deputierten- kammer für Handels- und Tarifverträge genehmigte die Vor- lagc.ivelche der Regier llng die Ermächtigung zu dem Abschluß eines provisorischen Handels- abkommenS mit O e st r e t ch- U n g a r n und eventuellen weiteren Maßregeln erteilt. Rom, 18. Dezember.(W. T. B.) Hiesige Blätter melden. Kardinal Gotti hätte dem Papst 40 Millionen Lire eingehändigt, welche er vom Papst Leo XIII mit dem Austrage erhalten habe, sie vier Monate nach seinem, Leos, Tode dem neuen Papste zu übergeben. Die„Tribuna" will außerdein erfahren haben, in der Privatbibliothck Leos XIII. seien 9 025 000 Fr. in Gold vor- gefunden worden._ Ter Unfall des Berlin— Warschauer Zuges. Posen, 18. Dezember.(W. T. B.) lieber das Eisenbahnunglück bei Wloclatvek(Gouv. Warschau) berichten hier eiitgctroffcnc Reisende. welche sich in dem Schnellzuge befanden, daß der Lokomotivführer und der Heizer des Güterzuges verbrüht sind, sonst aber niemand ver« unglückt ist.___ Brüssel, 13. Dezember.(W. T. B.) In Haina St. Pierre sind zwei Grubenarbeiter infolge Erdrutsches ver- schüttet worden. Beide wurden als Leichen zu Tage gefordert. Die Wahlen zum Bnndesparlanient. Sydney. 18. Dezember.(W. T. B.) lieber den Ausfall der Wahlen zum Bundesparlament wird jetzt gemeldet, daß im Unter- hause die Regieruugspartei 27, die Opposition 26 und� dte Arbeiterpartei 22 Sitze erhalten ha'. Im Senat ist da« Zahlenverhältnis wie folgt: Regierungspartei 8, Oppofitton 13, Arbeiterpartei 15 Sitze.______ und Berlagsanitalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilage», Hr. 296. 2«. ZchMg. s. DtÜMt Partei-I�acbrickten. DaS Schriftenverzeichnis ist soeben von der Buchhandlunq Vorwärts neu herausgegeben. Es ist bedeutend erweitert un!> giebt einen Ueberblick über die socialistische Litteratur und sonstige gute und empfehlenswerte Bücher, Broschüren, Kunstblätter usw. ES enthält in systematischer Ordnung: Parteischriften. Rational- vlonomischeS, Geschichtliches, Naturwissenschaft, Gedichte, Romane, Dramen. Photographien. Kunstblätter, Gesetze, Gelegenheitskauf, Mugschriften. linier Gelegenheitslauf sind eine ganze Reihe neuer Erwerbungen empfehlenswerter Bücher enthalten, die zu bedeutend herabgesetzten Preisen abgegeben werden und die Vereinen als wert- volle Ergänzungen ihrer Bibliotheken empfohlen werden. Auch für die Auswahl guter Weihnachtsgeschenke bildet das Ver- zeichnis einen Ratgeber, da nicht nur die Biichertitcl aufgeführt, sondern auch kurze Inhaltsangaben beigegeben sind. Jeder unsrer Leser dürste in dem Verzeichnis das seinem Geschmacke Entsprechende finden. Auf Verlangen sendet die Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW., Lindcnstr. 69, das Verzeichnis gratis und franko. Eine socialdcmokratische Mehrheit hat das Stadtverordneten- Kollegium der sächsischen Stadt Pen ig infolge der letzten Ge- meindewahl. Das Mandat der ncugewähltcn Stadtverordneten be- ginnt jedoch erst am 1. Januar. Tie wenigen Wochen bis dahin genügen jedoch der bürgerlichen Mehrheit, um sich für die Zukunft ihre Herrschaft wieder zu sichern. Mit einer Eile, die man eben nur in solchen Fällen wahrnimmt, haben sie in den wenigen seit der Wahl verflossenen Tagen eine Vorlage auf Einführung eines Drei- klassen-Wahlrcchts zu stände gebracht und bereits beraten, und es ist nach Erfahrungen, die aus einigen ähnlichen Fällen vorliegen. sicher, dag diese Wahlentrechtung auch sofort die Zustimmung der Aufsichtsbehärde erlangt. Die neue Mehrheit könnte ja nun ihre Macht bcnützen, um nach dem 1. Januar das neue schlechte Wahlrecht wieder durch ein besseres, zu ersetzen, sie wird aber dann nicht die erforderliche Zustimmung der Aufsichtsbehörde erlangen. Politischer Anstand beschwert die Reaktion nicht. Aber sie kann sicher sein, dag ihr einst mit gleicher Münze gezahlt werden wird. Bei den Stadtverordneten-Stichwahlen in Elberfeld sind unsre Genossen nochmals unterlegen, sie können aber trotzdenr auf Erfolg: in den nächsten Jahren hoffen. Die Fortschritte, die sie in wenigen Jahren gemacht haben, sind ein trefflicher Beweis dafür, dag mit ernster Arbeit auch anscheinend aussichtslose Positionen bald so zu bessern sind, dag greifbare Erfolge in nächste Nähe rücken. Tie Etbcrfclder Genossen fingen im Jahre 1893 an und erlangten dabei ganze 196 Stimmen: 1896 waren es auch nur 198. Da verloren sie den Mut und wählten 1397 gar nicht. Im Jahre 1899 aber nahmen sie den Kampf wieder auf und erzielten 496 Stimmen; 1991 waren es bereits 1999, diesmal im ersten. Wahlgange schon 1413 bis 1456. In der Stichwahl, die sie mit den.Kartellparteien der Rechten auszufcchten l>atten, stimmten auch die Wähler des All- gemeinen Bürgervereins für unsre Kandidaten, wodurch sie auf 2349 bis 2429 Stimmen kamen. Die Kartellvertretcr wurden mit 3929 bis 3222 Stimmen gewählt. Warnung. Unter dem Namen„Verein Arbeiterheim für den Egerer Handelskamm erb ezirk" wendet sich eine in Falken au in Böhmen bestehende Organisation an die Parteipresse um Unterstützung. Von unfern Falkenaucr Parteigenossen werden wir darauf aufmerksam gemacht, dag es sich hier um ein ausgesprochen parteigegnerisches Unternehmen handelt. Auch in der Wiener„Arbeiter-Zeitung" ist bereits eine Erklärung der Partei- Vertretung erschienen, die vor der Unterstützung dieses Unternehmens warnt. potirellieftes, Sericbtlicbes ufw. Wegen Lehrerbeleidigung wurden die Genossen May und Dittmann in Solingen, Redaktcure der„Belgischen Arbeitcrstimme", von der Strafkammer in Elberfeld zu je 399 M. Geldstrafe verurteilt. Sie hatten in verschiedenen Nunimern ihres Blattes, die sie nacheinander gezeichnet haben. Schülcrmighandlungcn kritisch besprochen. In umfangreicher Beweisaufnahme wurden die thatfächlichen Darstellungen des Blattes in der Hauptsache erwiesen. So wurde z. B. festgestellt, das; ein Lehrer einem Knaben, der schwer durch die Nase atmen kann und deshalb meist mit offenem Munde dasitzt, ein Stück Cooks in de» Mund gesteckt hat. De- Vertreter der Schulaufsichtsbehörde gab zu, daß er infolge der Notizen in der„Belgischen Arbeiterstimme" mehrfach gegen Mih- Handlungen eingeschritten sei. Ein Lehrer gab zu, daß er beim Turnen die Jungen Nlit dem Fusze Mtd mit den Knien gestoßen habe. Trotzdem erfolgte die Verurteilung zu dieser hohe» Strafe. Ueber die Gründe de» Urteils giebt der vorliegende Bericht keinen Aufschluß._ Lokakd. Wie der Freisinn„foeinldemoknttische" Flugblätter fabriziert. Lluf unsre ausführliche Darstellung des skrupellosen Verfahrens, das vor den Stadtverordneten-Stichwahlen des zweiten Bezirks der F r e i s i n n bei der Fabrizierung jenes angeblich„socialdemokratischcn" Flugblattes für de» freisinnigen Stichwahl-Kandidaten Leis befolgt hat, antwortet die„ V o s s i s ch e Zeitung" mit der Wiederholung des Blödsinns, die Aufdeckung dieses Skandals durch den„Vorwärts" habe den Zweck gehabt, dem antisemitischen Gegner des Hern: LeiS das Mandat zuzuschanzen. Wir werden das Blatt der Jakobi-Clique in diesem nicht kindlichen, sondern kindischen Vergnügen fortan nicht mehr stören. Sodann eifert die„Voss. Ztg.": nicht lediglich ein Stück weißen PapiereS sei den„Unterzeichnern" vorgelegt worden, sondern ein Papier mit der Ermächtigung, die Namen zu bcnutzcn zur Unterzeichnung der Flugblätter und Cirkulare für LeiS gegen Pretzel. Das. worauf es ankommt, wird hier von der„V. Z." wohlweislich mit Stillschweigen übergangen— der Umstand nämlich, daß zahlreiche, wenn nicht alle„Unterzeichner" im Unklaren darüber gelassen worden sind, daß das geplante Flugblatt sich als ein f-cialdemokratischcS geben werde. Wäre das vorher gesagt worden, wäre das Flugblatt im Manuskript vorgelegt worden, so hätten vermutlich die u>n ihre Unterschrift gebetencn frei- sinnigen Wähler diese Unterschrist verweigert, weil sie so- fort erkannt hätten, daß sie sich sonst einer Fälschung schuldig machten. Aber dann wären freilich auch keine 48 Unterschriften zusammen- gebracht worden. Weiteres weiß die„Voss. Zeitung" nicht zu erwidern. Sie unter- schlägt ihren Lesern, daß das mit der Uebcrschrift„Genossen!" be- zinnende Flugblatt von Leuten mit„unterzeichnet" worden ist, die schon in der Hauptwahl sich zum Freisinn bekannt hatten, von Leuten, die nie anders als frcisinnig gewählt zu haben versichern. Sie verschweigt, daß eine große Zahl der„Unterzeichner", die in dem Flugblatt für Waldeck Manasse gestimmt zu haben behaupten, in der Wählerliste nicht aufzufinden ist- Wir haben jetzt ermittelt, daß sich unter diesen„Unterzeichnern" solche befinden, die »hatsächlich in einem ganz andern Stadtteil wohnen, da- neben auch solche. die zwar zum zweiten Bezirk gehören, aber nicht Wähler der dritten Abteilung sind. Die.Bossische Zeitung" wird das gleichfalls ihrest Lesern verschweigen. Sie wird ihnen ferner unterschlagen, daß zu den„Unterzeichnern" Angepeilte des Herrn Leis selber gehören, auch solche, die nicht im Ks Jotmätte" zweiten Bezirk wohnen: Personal des Leisschen Hotels, Arbeiter seiner Fabrik. Sie wird mit keinem Wort darauf eingehen, daß auch das Leissche Hotel einer der Mittelpunkte war, von denen aus die Unter- schriften-Sammelei betrieben worden ist. Ucbrigens: wie hieß es doch in einem andren der steisinnigen Blätter?!„Die Vertreter der liberalen Partei im Stadtbezirk erklären, daß sie der Sache gänzlich fern stehen; die gleiche Erklärung hat Hotelbesitzer Leis abgegeben." Die„Voss. Ztg." weih genau, wie das„socialdemokrattsche" Flugblatt zu stände gekommen ist, wie der Freisinn es angefangen hat. um die„Unterschriften" zusantmenzubringen, wie freisinnige Arbeitgeber auf ihre Angestellten eingewirkt haben, wie mit ihrem Wissen auch solche Personen in die Liste der„Unterzeichner" gelangt sind, die gar nicht im zweiten Bezirk wohnen. Trotzdem besitzt das Blatt den Mut zu klagen, daß der„Vorwätts" in dieser Flugblatt- Affaire den Kampf„mit unwürdigen uud vergifteten Waffen" führe! Ist der.Vossischen Zeitung" an einer weiteren Erörterung dieses Skandals gelegen— uns soll'S recht sein! Wenn sie brav weiter- schimpft, kann sie von uns noch manches darüber erfahren. Schließ- lich sagen wir ihr auch noch, wer das Flugblatt-Manuskript geliefert hat. Aber wir vennuten, sie wird kein Verlangen danach tragen; denn sie kennt ihn selber!_ Noch eine fehlende Inschrift. An dem schönsten Denkmal, das Berlin aus der neueren Zeit besitzt, dem der heiligen Gertraud, fehlen, ebenso wie am Reichs- tagsbau, die Inschriften. Das heißt sie fehlen eigentlich nicht, aber sie sind überkleistert worden. Der Künstler, Professor Siemcring, hatte zu beiden Seiten des Sockels, auf dem sich die prächtige Figur der Heiligen erhebt, folgende Verse angebracht:„Ratten- und Mäuse- gezücht Machst Tu zu nicht. Aber den Armen im Land Reichst Du die Hand."—„Hei, wie das Naß durch die Kehle rinnt Und der Bursch' mit Eins wieder Mut gewinntl Nun dankt er Dir laut, heilige Gertraudt." Diese Inschriften wurden kurz nach der Ent- hüllung des Denkmals durch darüber geschraubte Bronzetafcln ver- deckt. Als in diesem Herbst das Denkmal gereinigt wurde, entfernte man die Tafeln, so daß die Verse wieder sichtbar wurden. Vor kurzem nun sind die Tafeln mit je 29 Schrauben wieder darüber gedeckt worden. Mjan zerbricht sich den Kopf darüber, warum diese Verse unsicht- bar gemacht sind, und doch liegt ihre Anstößigkeit auf der Hand. Dein Armen im Land, im Sinne der heiligen Gertraud, die Hand zu reichen, ist ein überaus staatsgefährlichcs Beginnen, dessen sich — siehe Chemnitz— wohl Social demokraten schuldig machen, aber nicht Leute, denen man Denkmäler setzt. Und das fehlte zu allem übrigen Unheil noch, daß eine Heilige in den Ruf umstürzlerischer Gesinnung käme. Aber weiter. Der Hinweis auf die Ver- solgung des Ratten- und Mmiscgezüchtes kommt einem hämischen Angriff auf die Stöcker und Mucker und auf das staats- erhaltende Centn»» gleich und darf in unsrer christlichen Monarchie ebenfalls nicht geduldet tverden. Nun aber gar die Heilige zu rühmen, daß sie dem Strolch, der vor ihr steht, eine schwere Kanne Weins gereicht, ihn dadurch im Nichtsthun und in der Begehrlichkeit bestärkt hat— ja, leben wir denn bereits im Zukunftsstaat, hat die bürgerliche Gesellschaft wirklich schon vor der Rotte kapituliert? Nein, noch stehen sie unerschüttert, die Fundamente der göttlichen Weltordnung, aufs neue gefestigt durch die Reden der Bülow, Limburg und Kardorfs, noch halten Liornzoll und Sammlung der staatserhaltcnden Elemente dem Umsturz gegenüber stand, und an dieser ehernen Phalanx wird die ganze Rasselbande sich den Schädel cinrennenl Es ist bedauerlich genug, daß auf dem historischen Boden, wo das christlich-monarchischc Volk sich im Anblick Ottos des Faulen und Friedrich WilhemS II. in seinem heiligsten Empfinden stärkt, auch ein Denkmal entstanden ist, das der Unbotmäßigkcit und Völlerei Vorschub leistet. Aber kann das Denkmal der heiligen Gertraud auch leider nicht in der Spree verschwinden, da wo es am tiefsten ist, so darf auf keinen Fall die verkleisterte Inschrift wieder zum Vorschein kommen. Soll einmal an dem Standbild etwas geschrieben stehen, so giebt es zum Glück noch Memoricrverse genug, die dem Wanderer seine Unbotmäßigkeit, seine destruktive Gesinnung, kurz sein ganzes elendes Sündenleben zu Gcmüte führen. Wie schön wirkte es z. B., ivenn das folgende, in weiten Bolkskreisen gern citierte Gedicht dem frechen Vagabunden auf dem Denkmal charakterisierte: Ich bin ein wahres Rabenaas Ein echter Sündenkniippcl Der seine Sünden in sich ftaß Als Ivic der Ruß die Zwippel. Herr Jesu, nimm mich Hund beim Ohr, Wirf mir den Gnadenknochcn vor Und schmeiß mich Sündenlümmel In Deinen Gnadenhimmcl. Zur Stichwahl im fünften Komlmuml-Wahlbezirk. Der Ver- traucnsmaun für den zweiten Berliner RcichStags-WahlkreiS ersucht uns, folgende Mitteilung aufzunehmen:„In der Versammlung, die am Vorabend der Stichwahl von uns abgehalten wurde, nahm als erster Diskussionsredner der Freisiunige Herr Ullmann das Wort. Im Tone tiesster Entrüstung bestritt er die in einem social- demokratischen Flugblatt ausgesprochene Behauptimg. daß die An- Hänger des Herrn Kuckenburg für die Stichwahl mit den Anhängern des freisinmgen Kandidaten Herrn Marggraff ein Bündnis ab- geschlossen hätten. Auch in einem freisinnigen Flugblatt heißt es: „Unerhört sind die in dem socialdcniokratischeil Flugblatt enthalteiien groben Uuwahrheiten", uub die Handlungsweise der Socialdemo- traten wird„empörend" genannt. Es liegt aber zu Tage, daß der gegen Herrn Marggraff geführte Kampf schon bei der Hauptwahl von der Jacobi-Clique aufgegeben wurde, schon damals fühlte man Reue und in einem Aufruf, der in letzter Stunde an die noch nicht zur Wahlurne geschrittenen Wähler gerichtet ivar, hieß es: Gefahr im Verzuge, daß der Socialist ge- wählt wird 1 Der Ausspruch, Herr Marggraff müsse aus dem Stadt- Parlament, koste es, was eS wolle, war nur eine Phrase, ein Gaukelspiel. Das Wahlresultat zeigt deutlich, daß wir recht hatten: Einaeschr. Abgegeb. Werner Marggraff Kucken- Zer- Wahler Stimmen(Soc.) lFrcis.) bürg splittert Hauptwahl 6114 2159 958 1919 169 1 Stichwahl 2791 1296 1588—— mehr 335 248 548 Bei der Stichwahl stimmten für Marggraff weniger als in der Hauptwahl 179. mehr 718. Unter diesen waren 5 Socialdcmokraten, 234 Kuckenburger: es wurden ferner gezählt 64 Polizeibeamte. 48 Postbeamte, 46 Bahnbeamte, 56 andre Beamte, 4 Lehrer, 2 pnnzliche Lakaien, 2 Feuerwehrleute. 3 Straßenbahn- Schaffner, 18 Arbeiter, 2 Bäcker. 3 Barbiere, 2 Bildhauer, 1 Bahner, 1 Buch- binder, 3 Buchdrucker. 1 Büchsenmacher. 1 Diener, 3 Gärtner, 1 Glasmaler, 1 Händler, 1 Handschuhmacher, 5 Hausdiener, 1 Konditor, 2 Kellner, 1 Kutscher, 2 Lithographen, 6 Maler, 1 Maurer, 1 Monteur, 3 Musiker, 2 Pensionäre, 3 Portters, 1 Sattler, 2 Schlächter, 3 Schneider, 2 Schreiber, 1 Schriftgießer. 2 Schriftsteller, 9 Schuhmacher, 1 Stellmacher, 1 Redakteur, 3 Rendanten, 1 Tafeldecker. 2 Techniker, 2 Tischler, 3 Tapezierer, 2 Uhrmacher, 1 Werkmeister, 153 Architekten. Aerzte, Kaufleute, Gewerbetreibende usw. Für die Socialdemokratte stimmten weniger 74, inchr 322, davon 4 Kuckcnburger(dazu gehören 2 Kutscher, 1 Monteur. 1 Zimmerer), 19 Freisinnige; 299 wurden durch unsre Agitation gewonnen. Sotmabeud, 19. Dezember 1903. Nach den Berichten der„Volks- Zeitung" soll die Wahl deS Freisinnigen ca. 6999 M. gekostet haben. Sollte dabei nicht auch ein Sümmchen von den Geldsäckcn der Jacobi- Clique darunter sein? Weihnachtspräaiien werden unsren Abonnenten auch in diesem Jahre von der Expedition geboten. Die in Kupserradicrung kiinsi- lerisch ausgeführten Porträts von Engels, Marx und Lussalle, die im Kunsthandel 15—29 Mark kosten, werden in der Expedition zu dem Ausnahmepreise von 2 M. 59 Pf. pro Blatt abgegeben. Zum selben Preise ist die Kupfcrgravüre des bekannten Bildes„Die Frei- hrit führt das Volk" zu haben. Diese Bilder sind auch eingerahmt zu billigen Preisen in der Expedition vorrätig. Die Expedition liefert unsren Abonnenten ferner eine illustrierte Ausgabe von Schillers Werken zum Preise von 2 M. 59 Pf., ebenso den Roman„Der Zöllner von Klausen", eine Schilderung aus der Zeit der Bauernkriege. Auf feinem Papier gedruckt und in Leinwand gebunden kostet der Roman 4 M., im einfachen Einband nur 1 M. Der Jugend bietet die Expedition eine Erzählung ans der Zeit der großen Revolution:„Frau Therese" von Erckmann-Chatrian. Dies Buch ist um so wertvoller für die Jugend als eö wirksam den pfäsfischen Anschauungen entgegentritt, die in der Volksschule über dies große Ereignis in der Menschheitsgeschichte verbreitet werden. DaS hübsch ausgestattete Buch kostet nur 1 M. Auch unsre Partei- speditionen liefern die Weihnachtsprämicn zu den angegebenen Preisen. Keine 125 Prozent. MagistratSosfiziöS wird folgende Be- schwichtigungsnotiz versandt: 125 Proz. Gemeinde-Einkommensteuer sind kürzlich für Berlin in Aussicht gestellt worden, falls neue Einnahmequellen nicht gefunden bezw. bewilligt werden sollten. Diese Nachricht scheint vielfach große Beunruhigung hervorgerufen zu haben. Eö kann deshalb darauf hingewiesen werden, daß eine solche Erhöhung für die nächsten Jahre nicht zu gewärtigen ist. Man hofft an zuständiger Stelle auch mit den jetzigen Steuersätzen auszukommen, falls die Vor- schlüge der gemischten Deputatton zur Erschließung neuer Einnahme- quellen von den Gemeindebehörden angenommen werden. Aber auch, wenn diese Vorschläge sämtlich unter den Tisch fallen sollten, was kaum anzunehmen, würde eine Erhöhung um 25 Proz. ausgeschlossen sein. Der Fehlbetrag in« Stadthaushalts-Etat beläuft sich vorläufig auf rund zwei Millionen Mark und würde schon mit drei bis fünf Prozent Zuschlag gedeckt werden können. Mängel im Berliner Fernsprechverkehr. Der Verband Berlmcr Specialgeschäfte hatte eine Eingabe an das Reichspostamt gerichtet, worin er eine Reihe allgemeiner Beschwerden wegen der Mängel im Berliner Fernsprechverkehr erhob. Nun ist ein Bescheid deS Reichs- Postamts eingegangen, der es zunächst für falsch erklärt, die Mängel lediglich oder hauptsächlich der Verwaltung zur Last zu legen. Be- merkenswert sind namentlich die folgenden Sätze des Schreibens: „Endlich ergeben sich zur Zeit besondere Schwierigkeiten für Berlin daraus, daß sich die gesamten Berliner Fernsprech-Einrichtungen gegenwärtig in einem Ilmbau befinden, der zirr Verbesserung der Sprech« Verständigung und zur Vermeidung der aus dem Betriebe der Starkstrom« Anlagen entspringenden Störungen notwendig geworben ist. Die Ber- waltüng ist, wie bekannt, im Begriff, von der oberirdischen Leitungs- führung zur unterirdischen überzugehen, den Einzelleitunßsbetrieb in den Doppelleitungsbetrieb umzuwandeln und die samtlichen Berliner BermittelungSämter mit modernen Apparatsysteinen auszurüsten. Dieser Umbau läßt sich bei der großen Ausdehnung de» Netzes nicht auf einmal bewirken, sondern wird Schritt für Schritt ausgeführt und auf mehrere Jahre verteilt werden. Während der UebergangSzeit ergeben sich aus dem unvermeidlichen Zusammen- arbeiten der alten und der neuen Systeme manche VctticbSschwierig- leiten, auf deren Fortfall mit Bestimmtheit gerechnet werden darf, sobald der Umbau durchgeführt ist. Dies wird in zivci bis drei Jahren der Fall sein. Bis dahin muß die Verwaltung auf eine gewisse Nachsicht des Publikums rechnen. Romane und Erzählungen für das arbeitende Volk bringt die illustrierte Wochenschrift„In Freien Stunden", von der Heft 51 heute ausgegeben wird. Das Heft bringt die Fortsetzung von GerstäckerS Roman„Die Regulatoren in Arkansas" und der Novelle „Es hängt Gewicht sich an Gewicht" von Robert Schwochel. Als kleine Erzählung enthält dieses Heft„Der Henker der Kommune". Am 1. Januar beginnt ein neues Abonnement, ans das Ivir unsre Leser aufmerksam machen. Bestellungen nimmt die Buchhandlung Vorwärts, Lindenstraße 69, sowie die Parteispeditionen entgegen. Die Lcssnig-Briickc ist gestern fertig geworden. Sie hat zwei Treppenaufgänge an der Leffingsttaße, von denen der östliche, nach dem Holsteiner Ufer himmterführende, bereits im Oktober vollendet lourde, ivährend die HerstellungSarbeiten für die westliche Treppe. auf der man zum Schleswiger Ufer hinabsteigt, erst jetzt ihr Ende erreicht haben. Die Treppe wurde gestern abend freigegeben. Der Deutsche Ticrschntzverein zu Berlin hat sich veranlaßt ge- sehen, wegen des täglich zunehmenden Besuchs in den tierärztlichen Sprechstunden des Depots, Stadtbahnbogen 79/89(Dirckseifftraße). diese um drei in der Woche zu vermehren. Die Vereins-Ticrärzte können jetzt täglich von 11— 12 vormittags und 5—6 nachmittags um Rat gefragt werden.(Kostenlos für Vereinsmitglieder und Un- bemittelte.) Sonnabend findet nachmittags keine Sprechstunde statt. Sonntags von 19—11 Uhr vormittags. Die meisten von den Tier- ärzten verordneten Heilmittel köimen an Ort und Stelle entnommen werden. Wen» der Mantel fällt, so muß der Herzog nach. In„Fiesko" allerdings nur. In der preußischen Siegesallee ist kürzlich dem ge- salleuen Mautel das Schwert nachgefallcn. Und das kam so: Als Tiergarten-Arbeiter kürzlich de» Schnee von den Bäumen hinter dein Denkmal des Kurfürsten Albrcckit Achilles am Kemperplatz ab- schütteln wollten, wurde durch eine Stange, die einem der Männer entglitt, von dem Schwert, das der Kurfürst in der Hand hält, der Griff vollständig abgeschlagen. Er fiel zu Boden und zerbrach i n S t ü ck c. Mittlerweile ist schon ein neuer Griff an das Schwert angesetzt worden. Erst vor einiger Zeit löste sich übrigens an dem- selben Denkmal ans der Rückseite von dem Mantel der Figur, der über das Postament hinwegfällt, der untere Teil infolge der Witternilgöeinflüsse loö, da dieses Stück nur durch Kitt und Eisen- stifte angesetzt war. Eö wurde dabei nicht beschädigt und konnte daher ohne iveiteres wieder befestigt werden. Wenn alle Denkmäler auf diese Weise geleimt sind, so scheint ihr Bestand für die Jahrhunderte nicht verbürgt zu sein. Der freundliche„Fremdenführer". Ein Handlungsgehilfe von aus- wärtS kam am Doniierstagmorgen auf dem Bahnhof Friedrichstraße hier an, mn am nächsten Tage weiter zu fahren. Aus dem Bahn- hose hatte er das„Glück", einen ortskundigen jungen Manu zu treffen, der sich erbot, ihm die Sehenswürdigkeiten der Rcichshaupfftadt zu zeigen. Man unterhielt sich vortrefflich, und der Fremde war seinem Führer sehr dankbar. Als er sich abends anschickte, einen Gasthof aufzusuchen, mahnte der Führer dringend zur Borsicht. Mit den Gasthöfen sei cS in Berlin so eine Sache, Geld und Werffachen seien da vor der internationalen Spitzbnbenschaft, die leider in den Großstädten ihr Unwesen treibe, keineswegs ganz sicher. Besser sei es schon. das Bargeld abends auf die Polizeiwache zu bringen, von der man eS am nächsten Tage zu jeder Zeit gegen den Einlieferungsschein wieder abholen könne. Da gerade eine Revierwache in der Nähe war, so gab der Fremde sein Portemonnaies mit 84 M. dem hilfsbereiten Führer, der ihm gern auch noch diesen Gang abnahm, um ans der Wache alles zu besorgen. Nach einer kurzen Weile kam der Führer ohne den Emlieferungs- fdkhi AurSJ. Den müsse der Fremde selbst holen, da er allein der Eigentümer deS Geldes sei. Da aber sonst alles geregelt sei, so könne er ihn ans dem Rückwege mitnehmen. Einstweilen ging man noch ein Glas Vier trinken. Als dann nach der Verabschiedung der Fremde die Wache auffuchte, um seinen Schein zu holen, erfuhr er, mit wem er zu thun gehabt hatte. Auf der Wache aber konnte das Mitleid mit dem Geprellten die Heiterkeit doch nicht ganz unter- drücken. I» Lebensgefahr schwebten gestern früh zwei Personen bei einem Brande im Eckhause Äronprinzen-Ufer 30. Seit langem betreibt hier der schon bejahrte Klempner Otto Fleischer im Kellergeschoß eine Bauklempnerei. Hinter dem Verkaufsladcn liegt die Werkstatt und von beiden eingeschlossen ein Wohn- und ein Schlafzimmer. Gestern früh um 2 Uhr wurde nun Frau Fleischer durch ein starkes Knistern aus dem Schlafe geschreckt. Sie weckte ihren Mann, der die Schlafzimmerthür öffnete und sich hier einem Flammenmeer gegenüber- sah. Das Wohnzimmer und die Werkstatt brannten in vollem Umfange. An ein Ankleiden war nicht mehr zu denken. Nur mit dem Hemd bekleidet, stürzte sich die alle Frau durch das Echlafftubenfenster nach dem Vorgarten, während ihr Mann in gleicher Bekleidung durch die brennende Wohnstube nach der Straße eilte. Die inzwischen durch Fcuerruse munter gewordenen Bewohner der oberen Stockwerke ver- ließen, nur notdürftig bekleidet, in wilder Hast ihre Wohnungen, bevor die Treppen vollständig verqualmt waren. Die Feuerwehr ging dann mit Dampffpritzen vor und brachte das Feuer bald zum Stehen. Wohnstube und Werkstelle brannten indes völlig aus. Auch haben die übrigen Räume stark gelitten. Ueber die Entstehungsursache ist nichts ermittelt. Eisenbahn-Unglück. Nach der Thorner„Ostdeutsch. Ztg." ist in der Donnerstag-Nacht der Schnellzug 3 von Warschau nach Alcxan- drowo mit Schlafwagen W a r s ch a n- B e r l i n bei Wloclawek sGouv. Warschau) mit einem russischen Güterzüge zusammen- gestoßen. Es sollen mehrere Personen ums Leben gekommen und einige verletzt sein. Bei diesem Unglück hat der amtliche Auskunftsapparat in Berlin wieder gar merkwürdig funktioniert. Die Personen, welche auf den hiesigen Bahnhöfen die Fahrgäste dieses Zuges erwarteten, wurden natürlich unruhig, als Stunde um Stunde nach der im Fahrplan angesetzten Ankunftszeit verrann und der Zug immer noch nicht cinttaf. Sie erkundigten sich an amtlicher Stelle nach der Ursache der Verzögerung, erhielten jedoch keinerlei Auskunst. Wie uns mitgeteilt wird, ist ihnen nach sieben Stunden noch jegliche Mitteilung über das Unglück vorenthalten worden. Woran liegt diese Vernachlässigung. Ein neuer Gelddiebstahl. Einem hiesigen Geschäft ist am Mittwoch früh eine Blechkassette mit mehreren tausend Mark Inhalt gestohlen worden. Die Kassette ist ca. 40 Centtmeter lang, LS Zentimeter breit und 10 Zentimeter hoch. Mitteilungen über Beobachtungen in dieser Angelegenheit nimmt die Kriminalpolizei zur Weitervermittelung entgegen. Falls dieselben zur Entdeckung deS Thäters führen, ist eine Belohnung von 300 M. zugesichert. Genosse Woldersky, der Vorsitzende deS Wahlvereins für den zweiten Reichstags-Wahlkreis, ersucht uns, mitzuteilen, daß er von der Steglitzerstraße 84 nach der Brücken-Allee 3, 3 Treppen, ver- zogen ist. Zum Besten der ausgesperrten Crimmitschauer veranstaltet die Privat-Theaterqesellschaft„Bohemia" am Sonntag, den 20. d. Mts. in Wilkes Festsaal, Brunnenstraße 188 eine Extra-Vorstellnng mit nachfolgendem Tanz. Die Vorstellung beginnt abends T'/s Uhr und kostet das Programm nur 20 Pfennige. Theater. Der Besitzer des Apollo-TheaterS, Herr Bau- meister Max Ziegra, hat dem bisherigen Direktor Herrn Rudolf Schier das Apollo-Theater vom 1. Januar 1904 pachtweise über- tragen. Das Apollo-Theater wird in der bisherigen Weise vom Direktor Schier, der Herrn Baumeister Ziegra alle erforderlichen Garantien stellte, weitergeführt werden.— Zentral-Theater. In den Weihnachtsvorstellungen am Sonnabend, den 19., Montag. den 21., Dienstag, den 22., und Mittwoch, den 23. Dezember(An- fang 4 Uhr), erhält ein jedes»und ein hochelegantes Weihnachtsgeschenk. Gegeben wird„Der gestiefelte Kater" mit den Gästen Annie von Vabos,.Hiairsi Hanke und H a n n ch e n Zaspersen.— Im B e l l e- A l l i a n c e- Theater geht als Eröffnungsvorstellung unter Leitung der Direktion Kren u. S ch L n f e l d ain 23. Dezember abends 7>/z Uhr die Ansstattungs- Posse„Der r e i ch st e B e r l i n e r" in Scene. Die umfangreiche Titelrolle spielt Fritz Helmerding. Von heute, Sonnabend, ab können an der Tageskasse und an allen Billetverkaufsstellen Billets bestellt und gekaust werden. Am ersten Weihnachtsfeiertag nach- mittag 3 Uhr geht„Max und Moritz" zum erstenmal im Belle-Alliance-Theater in Scene, am zweiten Feiertag 3 Uhr Wildenbruchs Schauspiel„Die Haubenlerche" und ain dritten Feiertag 3 Uhr„Dorf und Stadt". Die Nachmittagsvorstellungen bei halben Preisen._______ Hub den Nachbarorten. Rnmmelsiurs. Die Gemeindevertretung hat sich mit dem Antrag des Gemeindevorstandcs auf Errichtung einer Freibank beschäftigt, in welcher das minderwertige Fleisch unter tierärztlicher Kontrolle und polizeilicher Aufsicht in abgekochteni Zustande verkauft toerden soll. Es wurde beschlossen, die Verkaufsstelle im Armen- hause zu errichten und das Fleisch in kleinen Posten für etwa zwei Drittel des Marktpreises abzugeben. Einem weiteren Antrag auf Schaffung von sechs neuen L e h r e r st e l l c n wurde ebenfalls zu- gestimmt, wobei es noch als günstig bezeichnet wurde, daß die durch- schnittliche Schülerzahl der einzelnen Klassen nur 55 beträgt. Die ungünstigen Zeitungsberichte über das Sterblichkeitsverhältnis unsres Ortes, welches 33 von 1000 betragen soll, hatten den Gemeinde- vorstand auf Anregung unsrer Genossen veranlaßt, stattstische Er- Hebungen über die Wirstichen Verhältnisse der letzten 3 Fahre zu veranstalten, und es konnte festgestellt werden, daß für Nummelsburg das Verhältnis 14,87 zu 1000 beträgt. Erschreckend hoch ist die Zahl der Sterbefälle in dem hier gelegenen Arbeitshaus der Stadt Berlin, welche in eineni Jahre 400— 5C0 betragen, und c3 wäre sehr angebracht, einmal den Prozentsatz festzustellen. Zum Schluß gab der Vorsitzende ein Schreiben des Komitees der Provinz Brandenburg für Vermehrung der Lungenheilstätten be- kannt, worin die Gemeinden ersucht werden, Mittel zur Verfügung zu stellen, und es wurde auf Antrag unsrer Genossen beschlossen, für das nächste Jahr einen Beitrag von 500 M. zu bewilligen. Die Rixdorfcr Stadtvrrordnetcn-Bersammliing erklärte in ihrer letzten Sitzung am Donnerstag sich damit einverstanden, daß sich die Stadt der Petition des Vereins für F e u e r b c st a t t u n g anschließt, wodurch vom Landtag gesetzgeberische Mahnahmen zur Durchführung der fakultativen Feuerbestammg erbeten werden sollen. Anläßlich einer Debatte über eine Petition von Anliegern, welche der Vor- steher auf die Tagesordnung gesetzt hatte, wurde durch Z o n r a d(Soc.) und S i lb e rst e i n(Soc.) testgestellt, daß dies nicht hätte geschehen dürfen, da die Geschäftsordnung keinerlei Bestimmung darüber ent- halte. Sie regten wegen dieser groben Lücke als unerläßlich eine Revision der Geschäftsordnung an, namentlich mit Rücksicht darauf, daß ein eigenmächtiges Vorgehen des Vorstehers ohne geschäftsordnungs- mäßige Grundlage der Willkür in Petitionsangelegenheiten Thür und Thor öffnen würde. In der Sache selbst billigten unsre Genossen den Wunsch der betreffenden Besitzer nach Freigabe eines umzäunten städtischen Platzes und Ausgestaltung desselben zu einem öffentlichen Schmuckplatz. Die Feststellung und Neubesetzung der Deputationen und ständigen Ausschüsse führte zu einer Debatte darüber, ob die Deputatton für das S ch u l m u s e u m aufgelöst und das vom Lehrer Fischer ge- gründete und geleitete Museum der Schuldeputation unterstellt werden toll. Der Wahlausschuß hat sich auf einen Vorschlag des Magistrats hin damit einverstanden erklärt. Dieser Vorschlag wurde von Silber st ein(Soc.), W u tz k y(Soc.), Seltmann und Röster bekämpft. Man ging davon aus, daß die Unterstellung des Schul- musenms unter die Schuldeputation einem Begräbnis gleichkomme. Die Sammlung würde zerrissen werden und die einzelnen.Stücke im Besitz der Schulen verbleiben, die sie geliehen erhielten. Bürgermeister Voigt bemerkte dagegen, daß das Museum nicht begraben, sondern im Gegenteil belebt iverden solle, indem es immer mehr dem Unterricht in den Volksschulen nutzbar gemacht werde. Es werde nicht daran gedacht, die Sammlung auseinander zu reißen. Die Stadtvv. Gröpler (Mitglied der Schuldeputation), Beiß und M i e r ließen sich ähnlich aus.— Mit 23 gegen 17 Stimmen wurde die Aufhebung der Deputatton für das Schulmuseum beschloffen. Das Museum wird der Schuldeputation unterstellt. Der bereits im„Vorwärts" mitgeteilte Tarif für die Aufnahme von zahlungsfähigen Personen in das städtische SiechcnhauS wurde angenommen, ebenso die Vorlage betreffend die Anstellung eines Bau-Jnspektors stir das Hochbauwesen. Lichtenberg. Der Vorsteher des Gemeindebureaus im Rathaus ist plötzlich„erkrankt". Wie das Ortsblatt bemerkt, hat der Beamte sich nicht freiwillig krank gemeldet, er soll sich vielmehr so grober Pflichtvernachlässigungen im Dienst schuldig gemacht haben, daß sie mit einem einfachen Vcrtveis nicht gesühnt werden können. Wie unS in dieser Angelegenheit berichtet wird, ist der Burcauvorsteher Maier ein begabter Beamter, der eine zahlreiche Familie zu er- nähren hat. Man kann ihn ein Opfer der Wirrnisse nennen, die durch die leidige Krankenkassen-Angelegenheit in unsrem Orte ent- standen sind. Maier stand unter dem Einfluffe deS stüheren Kraukenkassen-Rendcmten Kauffmann. Wenn einmal die Angelegen- heit des Burcauvorstehers Maier untersucht wird, so Surfen die Ilmstände, unter denen er gehandelt hat, nicht unbeachtet gelassen werden. Im übrigen wird der Fall wohl auch in der Gemeinde-Vertretung zur Sprache kommen; dies ist schon um deswillen notwendig, damit end- lich der schwer geschädigten Ortskrankcnkasse ihr Recht werde. Rowaweö. Zum Besten der Z r i m m i t s ch a u e r Weber veranstaltet der Musikverein„Crescendo" morgen, Sonntagnachmittag 4 Uhr, im Lokale des Herrn Bernhardt, ein Konzert mit nach- folgendem Tanz. Der Eintrittspreis für das Konzert beträgt 10 Pf., für den Tanz 50 Pf. Ans zahlreichen Besuch wird ge- rechnet. Serickts-Teitung. Wegen Vergehens gegen die Gewerbe-Ordnung hatte der frühere Schlächtermeister, jetzige Restaurateur Ernst Ost. ein Straf- Mandat in Höhe von 10 M. erhalten. Im Oktober v. I. wurde der Angeklagte von der Nicder-Barnimer Fleischer-Jnnung zum Sprech- meister ernannt. Er hat neben seiner Restauration den Stellen- Nachweis betrieben, ohne hierzu die Genehmigung der Behörde ein- geholt zu haben. Nachdem er vom Schöffengericht freigesprochen worden war. hatte der Staatsanwalt Berufung eingelegt, worauf die Sache gestern vor der sechsten Strafkammer des Landgerichts I zur Verhandlung gelangte. Ost beharrte auf seiner Ansicht, daß die Art seines Betriebes nicht als eine gewerbsmäßige Stcllenvermitte- lung anzusehen sei. Es sei vielmehr lediglich ein Nachweis. Die Meister teilten ihm telephonisch mit. daß sie eines Gesellen benötigten und er mache wieder den sich meldenden Gesellen Mitteilung. Tie letzteren hatten eine Mark NachwciSgebühr zu zahlen, erführen dann die Adresse des Meisters und hätten sich dann bei diesem persönlich um die Stellung zu bewerben. Erhalte er die Stelle nicht, so kehre er zu dem Angeklagten zurück, der ihm die entrichtete Gebühr von 1 M. wieder zurückzahle. Der Angeklagte durfte jährlich von den Gebühren 500 M. zur Deckung der Unkosten für sich zurückbehalten, den Ueberschuß hatte er an die Innung abzuliefern. Auf Befragen des Vorsitzenden mutzte der Angeklagte einräumen, daß er auch Meistern, welche keine Jnnungsmitglieder waren, Gesellen zuge-WÄ habe. Er erklärte ferner, daß sein Schau klokal von seinem Nach- weisburcau durch einen Flur getrennt sei, es sei durchaus nicht nötig, daß die Stellung suchenden Gesellen sein Schanklokal betreten müßten, oder überhaupt etwas bei ihm verzehren. Ein derartiger Betrieb sei nach seiner Ansicht mit dem gewöhnlichen Betrieb der Stellenvermittelung nicht zu vergleichen. Der Gerichtshof erkannte gegen den Angeklagten aus eine Geldstrafe von 10 M., da der Betrieb nur in uMuesentlichcn Punkten von dem Betriebe der üblichen Stellen- vermittelungen abweiche und deshalb der polizeilichen Genehmigung bedürfe. Ter Unfall des Hauptmanns. Ein Dummerjungensireich führte gestern den 12jährigen Gemeindeschüler Richard Raasch unter der Anklage der fahrlässigen Körperverletzung vor die zehnte Straf- tammer des Laichgerichts I. Am Vormittag des 11. Juni kam der Hauptmann v. Zedlitz vom 4. Garde-Regiment von einer Schieß- Übung zurück. Als er die Fennstraße erreicht hatte, mußte er an einer Gruppe spielender Kinder vorüberreiten. Einer von den Knaben, wie sich später herausstellte, der Angeklagte, warf mit einem Steine nach dem Pferd des Hauptmanns. Das gettoffene Pferd machte einen Seitensprung, wurde aber leicht von dem Reiter be- ruhigt. Da es in jener Gegend häufig vorgekommen war, daß Knaben diesen Unfug trieben, wollte der Hauptmann den kleinen Uebelthäter fassen, er warf sein Pferd herum und dabei kam dieses zu Falle. Der Hauptmann erlitt einen Knochenbruch, der ihm vier Monate dienstunfähig machte. Nach erstatteter Anzeige eröffnete die Strafkanimcr das Verfahren gegen Raasch wegen groben Unfugs, auf die Beschwerde des Staatsanwalts verfügte das Kammergericht aber, daß das Verfahren wegen fahrlässiger Körververletzung zu eröffnen sei. Nachdem im gestrigen Termine die Schuld des An- geklagten erwiesen worden war, beantragte der Staatsanwalt gegen ihn eine Geldstrafe von 30 M. Der Staatsanwalt verkannte nicht. daß es die Eltern sein würden, welche die Sttafe zu zahlen hätten, aber vielleicht werde dem Angeklagten darauf das zu teil, was ihm am besten gleich nach der That verabfolgt worden wäre. Der Ge- richtshof war mit dem Verteidiger der Ansicht, daß sich der ursäch- liche Zusammenhang zwischen dem Werfen des Knaben und der Ver- letzung des Hauptmanns nicht nachweisen lasse, der letztere habe vielmehr die Verfolgung des Knaben auf Grund eines selbständigen Entschlusses aufgenommen. Ter Angeklagte wurde deshalb nur wegen Werfens mit Steinen zu einer Geldstrafe von 10 M. veruteilt. Wegen unlauteren Wettbewerbes hatte sich gestern der Kauf- mann Hermann Leitner vor dem hiesigen Schöffengericht zu ver- antworten. Als Privatkläger trat der Kaufmann H. Kraemer auf. Letzterem stand Rechtsanwalt Simons zur Seite, der Ange- klagte ivurde durch Justizrat Dr. Sello verteidigt. Der Ange- klagte ist Inhaber eines Geschäfts für Haus- und Küchengeräte und vertreibt als Specialität„echt Pilsener Kochgeschirre". Der Privat- klüger betreibt in seiner Nachbarschaft ein ähnliches Geschäft, nämlich mit„dekorierten Emaillegeschirren" und handelt speciell mit Milch- tochtöpfeu mit ASbestboden. Der Angeklagte wurde nun beschuldigt. daß in seinem Geschäft Waren als„echt Pilsener Kochgeschirr" verkauft worden seien, die auf diese Bezeichnung keinen Anspruch hatten, serner, daß er in zwei Annoncen durch fälschliche thatsächliche Angaben den Anschein eines besonders günsttgen Angebots erweckt und gleichzeitig die Waren des Privatklägers herabgesetzt habe, indem er unzutreffend die angeblichen Vorzüge der Pilsener Milch-Kochtöpfe gegenüber denjenigen mit Asbestboden hervorgehoben habe. In der mehrstündigen Beweisausnahme standen sich zwei Gruppen von Zeugen scharf gegenüber. Auf der einen Seite ttaten Zeugen auf. die die Behauptungen der Privattlage bestätigten, auf der anderen Seite führte der Angeklagte eine Reihe ehemaliger Angestellter vor. die ihm bestätigten, daß er ihnen mündlich und schriftlich strengste Reellität beim Verkauf zur Pflicht gemacht habe. Er übernehme auch nicht die Verantwortung für eine etwaige ungeschickte Fassung in feinen Annoncen, deren Formengebung einer Angestellten obgelegen habe.— Rechtsanwalt Simons zog aus der Beweiserhebung den Schluß. daß sich der Angeklagte durch den von ihm bcttiebenen. als unreell zu bezeichnenden Konkurrenzkampf gegen das Gesetz betreffend den unlauteren Wettbewerb schuldig gemacht habe und deshalb zm bestrafen sei. Justizrat Dr. Sello vertrat die gerade entgegengesetzte Auffassung. Nach seiner Meinung sei die Beweisaufnahme über- aus günstig für den Angeklagten ausgefallen, der ohne Makel aus der Gerichtsverhandlung berausgehe. Gegen die Anwendbarkeit des Gesetzes betreffend den unlauteren Wettbewerb machte der Verteidiger eine Reihe juristischer und thatsächlicher Gründe geltend und hob hervor, daß die Anpreisungen nicht„wider besseres Wissen" erfolgt seien, da der Angeklagte persönlich die volle Ueberzeugung von der Ueberlegenheit der Pilsener Kochtöpfe habe.— Der Gerichtshof hielt auf Grund der Beweisaufnahme den Angeklagten in 4 Fällen des unlauteren Wettbewerbes für schuldig und verurteilte ihn zu 1500 Marl Geldstrafe. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg). Flliale Berlin 3. Sonnabend, den 19. Dezember. abends 9 Uhr: Mitgliederversammlung bei Bergeuer, Reichenbergerftr. 157. — Filiale Berlin 4. Sonnabend, den 19. Dezember, abends 9 Uhr: Mit- glieder-Bersammlung bei MerkowSki, Andreasstr. 26. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 20. Dezember, vorm. 8'/« Uhr, in der Schul-Aula, Kleine Franksurtcrstr.6: Bcrsammlung. Freireligiöse Vor» lesung.— Um 10"/. Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag deS Herrn Pros. Dr. Albert Gebrke:„Die Bibel und die Biblischen." Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Wetter-Prognose für Sonnabend, den 19. Dezember 1903. Teilweise aufklarend, ein wenig kälter, bei mäßigen südöstlichen Binden; keine erheblichen Niederschläge.. Berliner Wetterbureau. Goldwaren- Industrie Selmonte& Co. Königstrasse 46 Ecke Hober Steinveg schrägüber dem Rathaase. Eneros— Export— Detail. Versand nach allen Eändcrn. Ehrenpreis und drei goldene Medaillen für hervorragende Leistungen. Zuwelen. Uhren, Uold- und Silberwaren. In der sich in den Verkaufsräumen anschliessenden Fabrik sieht man durch riesige Glaswände das Arbeiten der durch zwei elektrische Kraftmotoren betriebenen Maschinen neuester Konstruktionen, welche zur Herstellung von Goldschmuckwaren dienen. 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Tie Arbeiterschaft der Berliner Vororte hat ihre Solidarität mit den kämpfenden Crimmitschauer Brüdern nicht minder kräftig bekundet, wie die Arbeiterschaft der Hauptstadt selbst. Auch die Versamnilungen in den Vororten waren durchweg gut besucht oder gar überfüllt.— lln§ liegen folgende Berichte darüber vor: Die Arbeiterschaft Charlottcnburgs hatte sich im V o I k s- hause, Rosinenstr. 3, eingefunden, und war der große Saal Kops an Kopf gefüllt. Genosse Dr. Gradnauer sprach über den Stand des Streiks in Crimmitschau. Redner geißelte das Ver- halten der Behörden, wonach den Streikenden das Koalitionsrccht fast zur Unmöglichkeit gemacht werde, und unterwarf ferner das Auftreten des sächsischen Regicrungsvertrcters Dr. Fischer einer Kritik. Die Arbeiter sollen und müssen dafür sorgen, daß die Crimmitschaucr Kämpfer nicht durch Not und Hunger bezwungen als Besiegte in die Fabriken zurückkehren. Großer Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. Die Resolution wurde einstimmig an- genommen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden. Genossen Beck, wurde die Tellersammlung den Streikenden in Crimmitschau überwiesen. Eine weitere Sammlung soll den streikenden Töpfern in Velten überwiesen werden. Schöneberg. Ihre Solidarität mit den tapferen Crimmitschaucr Arbeitern dokumentierte am Donnerstag eine von Männern und Frauen zahlreich besuchte Versammlung im Obstschen Saale. Gegen 800 Personen waren anwesend. Referent war Reichstags- Abgeordneter Kaden. In welcher Weise die Behörden, wie stets bei solchen Gelegenheiten, sich auf feiten der Fabrikanten und Kapitalisten und gegen die Arbeiter stellen, kemrzeichnct Redner an verschiedenen Beispielen, die trotz ihres bitteren Ernstes von den Versammelten nicht ohne Heiterkeit aufgenommen wurden. Die ihr Einverständnis mit den Ausständigen und der Versicherung weiterer Solidarität und materieller Unterstützung bekundende bekannte Berliner Resolution gelangte zur einstimmigen Annahme, nachdem auf einen Antrag des Genossen Hoffmann die Tellersammlung, die den ansehnlichen Betrag von ziemlich 00 M. ergeben hatte, zur Ueberlveisung an die Crimmitschauer bestimmt wurde. Mit einem lebhaften Hoch auf die Solidarität der Arbesterschaft aller Länder und dem Wunsche, daß die 7000 Ausständigen ausharren mögen im Kampfe für sich und die Arbeiterbewegung im allgemeinen, wurde die Bersmnmlung vom Genossen O b st geschlossen. Wilmersdorf. In Wittes VolkSgarten sprach Genosse Südekum vor etwa 430 Personen. In einer zweistündigen Rede kritisierte Redner das Verhalten des Unternehmertums und der sächsischen Regierung und hob unter stürmischem Beifall der Ver- sammelten das ruhige Verhalten der Streikenden hervor. Tie Nc- solution fand einstimmige Annahme. Die Tcllersammlung wurde den Crimmitschauern überwiesen. Mit einem dreifachen Hoch auf die heldenmütigen Kämpfer wurde die Versammlung geschlossen. In Tcmpclhof sprach» im überfüllten Saale der„Stadt Dresden" der Abgeordnete des Kreises, Genosse Fritz Zubeil. Seine Geißelung des Vorgehens von Fabrikanten rntd Behörden in Crim- mitschau fand brausende Zustimmung bei den Anivcsenden. Ein- stimmig wurde die bekannte Resolution angenommen und der reich- liche Ertrag der Tcllersammlung den Ausgesperrten überwiesen. Ripdorf. In einer gut besuchten Versammlung, welche in den Bictorla-Diilcn stattfand, referierte Reichstags- Abgeordneter Genosse L e s ch e. Derselbe schilderte die Verhältnisse in Crimmitschau, ivelche oft durch Beifall und Ztvischeiirufe unierbrochen wurde». Der Redner geißelte das Verhalten des Ministers Metzsch und des Bundesrats« Vertreters v. Fischer, sowie die polizeilichen Maßnahmen der Be° Hörden und daS Vorgehen der Gendarmerie. Zum Schluß führte er aus, daß nur eine gute, ausgebildete Organisation im staiide ist, dem immer brutaler austretenden Unternehmertum eiitgcgcnzutreten. Genosse B ö ö k c führte aus, daß der TerroriLmus der Unternehmer und das Vorgehen der Behörden gegen die Arbeiter im größten Maße Platz greife, daß dementsprechend die Arbeiter in icder Sache Front machen. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Mit einen, dreifachen Hoch auf die Socialdemokratic schloß der Vorsitzende die Versammlung. Ober-Schöncweide. In der Versammlimg im„Wilhelminen- Hof" referierte Genosse L i t f i n. Er empfahl die Resolution der Berliner Gewerkschaftskommission zur Annahme. In der Diskussion wurde von einigen Rednern ein Vergleich zwischen den Crim» mitschauer und den hiesigen Fabrikanten gezogen und die Organi- sation nach politischer und gewerkschaftlicher Richtung hin als not- Ivendig empfohlen. Die vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig angenommen und die Versammlung mit einem dreifachen Hoch aus den Sieg der Crimmitschauer Weber geschlossen. Rummelsburg. Die hiesigen Parteigenossen und Genossinnen nahmen ebenfalls Stellung zu dem Klassenkampf in Crimmitschau. In Anbetracht des zu erwartenden starken Besuchs hatte man schon de» größten Saal für diese Versammlung gewählt, trotzdem war eS nicht möglich, für alle Erschienenen Sitzplätze zn beschaffen, so daß sich ein großer Teil der Genossen mit Stehplätzen begnügen mutzte.— Der Referent, Genosse Rössel, ging einleitend auf die Eist- Wicklung des Kampfes in Crimmitschau ein und schloß mit der Auf- fvrderung an die Anwesenden, die Ausgesperrten nach Möglichkeit moralisch und materiell zu unterstützen, dann wird und muß endlich der Sieg auf festen der Arbeiter sein. Eine Diskussion wurde nach dem ausführlichen Referat nicht beliebt und die bereits bekannte Resolution e i n st i m m i g aegenommen.— Uuter Verschiedenem fordert Genosse B r ü s ch k e zur regen Sammlung für die Ausgesperrten auf. Saminellisteu sind beim Gewerkschaftskärtell Riimmelöburg zu haben.— Nachdem Genosse Ritter noch mlf- gefordert, die PetitionSlisten gegen Beschränkung des Straßenhandels zu unterschreiben, wird die Versammlung mit einem Hoch auf die Socialdemokratic geschlossen. In Lichtenberg war die Versammlung von etwa 1000 Männern und Frauen besucht, und immer neue Sckiaren versuchten, Einlaß zu finden. Unter großer Begeisterung wurde die Resolurion einstimmig angenommen. Der Genosse Alb in G e r i s ch, der hier das Referat übernommen hatte, ver- stand es aber auch meisterlich, die Versammlung in die Praktiken der sächsischen Unternehmer und der Behörden einzuweihen. Der stürmische Beifall, den seine Ausführungen fanden, war ein Wohl- verdienter. In ier Diskussion sprach der Hauptkassierer des Teptil- arbeiter-Verbandes. Treue, der das Bild der dortigen Kämpfe und Leiden aus eigner Anschauung schilderte, und gleich dem Rc- fcrentcn für nachhaltige Unterstützung der Jlusgcspcrrten eintrat.— G r ö p p l e r appellierte dann noch a» die Solidarität aller Arbeiter und wies auch aus den Kampf im Töpfcrgcwcrbc hin. Die Teller- sammlung von 03 M. wurde den Ausgesperrten überwiesen.— Als zweiter Punkt stand auf der Tagesordnung: Die angebliche Schändung der Bericauer Stadtkirchc durch socialdemokratische Wahlmänner. Genosse Grauer hatte zu diesem Punkte das Referat. Der Redner gab zunächst einen Rückblick aus die Erfolge des Wahljahres im allgemeinen und die des Kreises im besonderen, um dann zu dem Schlüsse zu kommen, daß, wenn die Socialdemokratic noch einmal unter demselben Wahlgesetz zum preußischen Landtage wählen muß, die bei dieser Wahl gemachten Erfahrungen sicher dazu beitragen werden, die Erfolge zu steigern. Der Redner gab dann ein anschauliches Bild der Vorgänge in der Bernauer Wahlkirche und stellte den Hetzartikeln der Landrats- und Vorortspresse die Tbatsachen gegenüber. Der Vergleich ergab mit Sicherheit— die geladenen und zum Teil erschienenen Wahlmünner der Gegner loidersprachen nicht, daß die soeialdemokratischen Wahl- mäilner wohl die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten mit Erfolg vom Wahlkommissar gefordert haben, daß die soeialdemotratischen Wahlmänuer bis zum Schluß des Wahlaktes— nachts 7,1 Uhr— wacker ausgehalten haben, daß aber die von der bürgerlichen Presse den Wahlmännern angedichteten„Schändungen", wenn sie überhaupt vorgekommen sind, nicht den soeialdemokratischen Wahlmännern zur Last zu legen wären. Redner tadelt die Bereitwilligkeit des„Vor- wärts", auf die beweislosen Verdächtigungen eingegangen zu sein, und meint, daß die Redattiou sich durch Rücksprache mit den be- teiligten Genossen die an die Wiedergabe des Artikels ans dem „Reichsboten" geknüpften Nutzanwendungen und Vermahnungen hätte ersparen können. Die Versammlung zollte auch diesem Redner großen Beifall und erklärte sich mit seinen Ausführungen einmütig einverstanden. Weisiensee. Hier sprach Reichstags-Abgeordneter Grenz. Die Versammlung war auch von zahlreichen Frauen besucht. Der Redner schilderte in zündender, oft drastischer Weise die Situation in Crimmitschau. Von einem gewerkschaftlichen Kampfe könne hier keine Rede mehr sein; die Arbeiter sollen bestraft werden für den 10. Juni. Jedoch die Arbeiterschaft ganz Deutschlands habe ge- sorgt und wird auch in Zukunft dafür sorgen, daß den Opfern dieses Kampfes der Fuß nicht auf den Nacken gesetzt werde. Lebhafter Beifall folgte den fast zweistündigen Ausführungen des Referenten. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Diskussions- redner ermahnten die Versammelten, in ihrem Eifer für die Aus- gesperrten nicht zu erlahmen. Dies hatte den Erfolg, daß am Schluß der Versammlung der Betrag der Tellersammlung sich um 20 M. erhöhte. In Köpenick hatten sich in Scheers Salon etwa 800 Personen eingefunden. In einstündigem Vortrage geißelte der Referent, Ge- noste Dr. Borchardt- Charlottenburg, die Vorgänge in Crim- mitschau, worauf nach kurzer im Sinne des Referats sich bewegender Diskussion folgende Resolution einstimmig angenommen wurde: Die Versammlung spricht ihre Entrüstung aus über das Verhalten der Behörden in Crimmitschau. Die Versammelten bezeugen den ausgesperrten Textilarbeitern ihre Sympathie und versprechen ihnen thatkräftige Hilfe zur Durchführung des schweren Kampfes, den sie im Interesse der gesamten Arbeiterschaft führen. ßrUfbaften der Redaktion. China. Am 11. Dezember beschloß der Reichstag das gegen den?lb- geordneten K. wegen angeblicher Beleidigung des verflossenen, deutschen oft« asiatischen ExPeditionSeorps�schwebende Swnsversahren während der Sessions» dauer einzustellen. Die«esflon endet wahrscheinlich im Frühjahr 1304, kann aber auch darüber hinaus bis in das Jähr 1003 reichen, wenn sich der Reichstag vertagt. Wenn Sie Adressen von Zeugen oder BeweiSniaterial besitzen, so machen vie uns wohl Mitteilung. Sie irren, wenn Sie meinen, die Frist hierzu wäre nunmehr verswichen. Dazu ist immer noch— bis zum entscheidenden VerhandlungStage— Zeit. Je mehr Beweismaterial desto besser I A. B. l. Berlin, Zimnierstr. 90.— 200. Sie sind im Recht: Fichten.— Trude. 1. Erkundige» Sie sich bei der Oamburg-Amerika-Linie. linier den Linden 3—6. 2. und 3. Rein. 4. Durchschnittlich in den Groß- städten teurer. 3. Ja. 6. Fragen Sie am GewerkschastSbureau, Engel-User 13. Gasofen. Tegel— nein! Nur sein Humor leidet unter andauernder Influenza. — 91. 1000. Adressieren Sie an die GeschästSstelle der R., hier, Oranieu- straße.— K. R. 02. Höhe 74 Meter. Steigen Sie einmal hinaus und lassen Sie sich dabei die nähere Beschreibung aushändigen.— M. I. 100. l. Das erfahren Sie durch H. Weiland, Fürstenwalde, Promenadensw. 30.. 2. Handbuch für soeialdeniokralische Retchsiagsivähler, Verlag„Vorwärts". Preis geb. 4 M.— Fr. Srfi. Weihe H. werden mit Benzin und einem reinen weihen Lappen abgerieben, farbige übergiebt man am besten einer sachverständigen Hand, z. B. einer Reiiiigungsanstalt.— St.<2S. 4. Jetzt: Kaiser Wilhelmstr. 46.— H. 9. 40. Durch Fräulein O. Baader. Blücher- swätze 49, Hos kl.— Insubordination. Widersetzlichkeit, hauptsächlich aus miiitärischem Gebiete. •Juriftifchcr Cell. Tie juristische Stzrechstunde findet täglich mit Slusuahme de? TonnabendS 00» 7'/, bi»»'/, Nbr ab-»dS statt. lS-öfinet: 7 Ndr. Thpograpli. Wenn Wochenlohn, MonatSIohn und dergleichen vorliegt und{•fei n keine eptgegenstehende Vereinbarung getrosten wird■ Ja.— Treuer Zlbonnent 40. R.®. 3 lt. Wir lehnen es grundsätzlich ab. An» träge zu entwersen oder gegen Entgelt-zu antworten. Wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt.— 1000 M. P. I. Die Zulassung zum Examen ist möglich. 2. Rein. 3. Ohne Kenntnis des Falles ist Ihre Frage nicht zu be« antworten.— 91. 9. 33. Falls nicht etwa aus den Bedindmigen mit dem Reisenden erbellt, daß ihm für alle, auch die ülusträge, die ohne jedes Zu« thun seinerseits von andren als von ihm besuchten Kunden erteilten Aufträgen Provision zustehe, ist ihr« Ansicht zutrestend und entspricht altch dem Sandelsgebrauch,— A. S. 7. Wenden Sie sich an die Charit« oder an die Entbindungsanstalt, Artilleriesiraße.— 8765. 1. und 2. Ja. 3. Nein. — Emilie. Als Empsäiigniszeit gilt beirests eines am 28. Oktober ge» borenen Kindes die Zeit vom 30. Dezember bis 30. April. Als Erzeuger gilt, wer innerhalb dieser Zeit der Mutter beigewohnt hat. Hat innerhalb dieser Zelt noch ein Zweiter der Mutter beigewohnt, so verlieren Mutter und Kind ihre liiechte. Der Ausfall der Klage hängt also davon ab, in welche Zeit der Verkehr des Zweiten siel.— K. U., Apostelkirche. Wenden Sie sich mit dem Antrag die Kaise zu verurteilen an den Magistrat zu Schöneberg. Sie haben darzulegen, daß lediglich ein Aussetzen der Arbeit vorlag.— 9. H. II. Aus dies Erkenntnis, nicht Band 250, sondern Band 25, bezog sich die Antwort.— Li. H. Zum Ausschank ist eine Konzession ersorderlich. Ilm Erteilung dieser müssen Sie einkommen. Schänken Sie ohne Konzession aus, so sind. Sie swasbar. War Ihnen die Konzesston erteilt, so kann sie Ihnen nur inr VerroaltungSstreitversahren genommen werden.— M.» Eharlotteiiburg. 1. und 2.: Nein. 3. Ja. — Konzession. Haben Sie keinc Konzession zum Schankgcwcrbebewieb, so kann die Ausiibiing des SchantgewerbeS polizeilich inhibiert werden. Ucberdicß verfallen Sie einer ziemlich erheblichen Geldstrafe. Ist aus einem andren Grunde die Benutzung der Räume verboten, so läßt sich die Be« rechliguiig des Verbots und die eventuelle Folge aus diesem Verbot ohne KcnntnlS des Wortlauts des Verbots und Ihrer Verträge nicht ermessen. Sie wollen deshalb entweder Ihre Frage ergänzen oder mit den Ver- trägen usw. die juristische Sprechstunde besuchen.— E. 9. 03. Leider tritt weder das eine noch das andre ein, da 200 Marken noch nicht geklebt sind. Ihr Schwager kann sich aber an die Invalidenversicherung(Breitestr. 24») um Ilcbernahmc des Heilverfahrens ziveckS Verhinderung dauernder Erwerbsmisähigleit tuenden.— F.(2. 10. 1. Eine Zeit ist nicht be> stimmt: aus Antrag erfolgt die Ocsfnung. 2. und 3. Die Kosten- höhe richtet sich»ach der Höhe des ObjcltS.— F. D. Nein. Inserate für die nächste Kummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Gröstere Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. � Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. ZheaUr. Eonnabend, den 19. Dezember. Ansang 7'/, Uhr; cperilhaus. Aida. Schauspielhaus. Die Jüngstem von Orleans. Deutsche». Rose Bernd. Berliner. Alt-Heidelberg. Nachm. 3 Uhr: Die sieben Naben. Lessing. Zapsenstretch. llvestcn. Der Trompeter vou Säcklngcu. Nachm. 3 Uhr: Rotkäppchen. Neue». Der Strom. Residenz. Ter Bär. Ein Seiten- sprung. Central. Der Rastcwinder. Nachm. 4 Uhr: Der gestiefelte Kater. Thalia. Der Hochwurist. Nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. Anfang 3 Uhr: Schiller O.(Wallner. Theater.): Der Compagnon. Schiller»l.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Kolleg« Erampion. Carl ZOeih. Der Meineidbaucr. Luisen. Reis-Zteislingcn. Kleine». Nachtasyl. Trtanon.«iscotte. Deutsch> Amerikanische?. Ueber'n großen Teich. Casino. WcihnachtSglocken. Der vertauschte Sohn. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Apollo. 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Ans. 8, Sonnt.?>/,. 8 Uhr: Weihnachtsglocken. 8'/,: Nuscha Melitta— Loro-Quarlett. Corradluf. g'/-nhr-YtrotrwischtkSoljt!. Sonniagnachmittag 4 Uhr: Ei» edle» Weib. RkfideilZ-Ttltlttkr Direktion S. Lauienburg. Ein Seitensprung. Schwank in 3 Akten von G. Bcrr, Dchörc und Guillemaud. Ansang T/g Uhr. Sonntagabend 7'/, Uhr: Crainque- bille. Schauspiel in 3 Bildern von Anatole France. Vorher: Zum Einsiedler. Luftspiel in 1 AN von B. Jacobson. Sonnlagnachmittag 3 Uhr bei über dle Hälfte ermäßigten Preisen: Das grassa Geheimnis(mit Marie Reisen« hoser). oeutseh-Mhuisehes Theater. Köpnickerstr. 67. Etat. Jannowitzbrückc. gm- Ansang 8 Uhr.-MW Gast.plcl AD. PHILIPP. Zlnsang 8 " sl AD. 11*4* Male croascn Tclch.*' Zum „lebern an An allen drei Wcihnachts-Fciertagen: Rachmittags-Borstellungen. „PcsbcM» grosBen Teich." Jeder Erwachsene e t n Kind stet. BilletS jetzt schon zu haben, Apollo-Theater. Um 8 Uhr: Frühlingsluft mit dem sciisatianell. Ballett Blütenhochzeit. Um 9-/. 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Mts., nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause j Waldstr. 9 nach dem Seilands- Kirchhof in Plötzenice statt. Uni stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Soeiaitekrä(ise!i.M¥ereiii für den ß.BeplinerReiehstapalteis. Todes- Anzeige. Am 16. d. Mts. verstarb unser langjähriges Mitglied, Maurer Karl Kühne W a l d st r. 9. Ghre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. d. Mts., nach- mittags 2 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Heilandsftiedhos in Plötzensec statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 260/6 Der Vorstand. Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn Georg Scblewing am 16. Dezember seinen Verletzungen msolge Ueberfahrens er- legen ist. Die Beerdigung findet am sonntag Punkt 2 Uhr aus dem St. Andrcas-Kirchhos in Hohen- Sckönhauscn statt. Dies zeigt tiefbelrübt an Familik Gchlevlug. Danksagung. Allen Freunden, Kollegen und Ge» Nossen, besonders den Kassierern der Firma Singer u. 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Patz u. Garleb, 5. Rate 30,—. Bern- Harb Paul 7,75. Seidel u. Co. vom Hilfspersonal 5,90. L. Simion Nächst., 3. Rate 7,50. Jul. Sittenfeld, 5. Rate 65,60. Aug. Scherl,„Der Tag", 3. Rate 16,—. Aug. Scherl,„Die Woche", 4. Rate 6,95. Aug. Scherl, „Gewiß Geld", 3. Rate 6,90. L. Schumacher 9,—. Gebr. Unger, 7. Rate 16,70. Vereinsbureau 6,40.„Vorwärts"(Zeitung). 6. Rate(inkl. 3,— o. Genossen Augustin) 33,—. Franz Weber 5,25. Tante Mannchens Ge- burtStag 3,15. Tischlereiwcrkstatt Koch, Eldenaerstraße 9,55. Masch.- Former Keyling u. Thomas 26,50. Hausdiener von Flatow u. Priemer 2,— Tischlerei von Wiesel u. Kämmerer, Frankfurter Allee 8,50. Tischler und Polierer von Markgraf u. Tau, 2. Rate 13,—. Mattcrsou Firma Schräder, Kastanicnallce 2,75. Blldhauer und Stukkateure der Firma Fungerinann nebst drei Handwerksburschen, 2. Rate 10,50. Drehern von Butzke, Ritterftraß e 20,—. Gemütliche Küche, Rixdorf, Jägerstraßc, 2. Rate 4,—. Holzbearb.-Fabr. vo» �kose Sohn u. Koch n. Maschinist 20,70. Arbeiter S. u. S., spandaucrslraße 11,75. Arbeiter der Firma K. Haß u. Wrcdc, Fennstraße, 2. Rate 14,15. Arb. der Firma Schwechten. Kochslraße 15,35. Arb. der Firma Rieni u. Söhne, Eisenbahn- straße 19.90. Arb. der Firma Gebr. Fellschow 40,—. Arb. der Firma Angrick, Kreuzbcrgstratzc(dar. 1 Kall. 1 M.) 62,75. Gesangverein„Mein Traum" 3,20. Schildersabrik W. Bartel, Molkenmarkt 10,—. Bon H. Osk. Rusch(3 Listen) 24,65. Frau Windich 2,—. Tischler von Probst u. Böckcr 6.80. Tischler von Günther 5,25. Hildebrandt Buchdruckereibcsttzcr 5,—. Personal von Büxenstein u. Eo., Chemigraplusche 2lnsto.lt 17,25. Lithographen u. Andruckcr Littaucr u. Boyjcn. Herrenabend 15,10. Mützcn- fabrik M. Gärtner, Wallstraße 15,05. Tischlerei Philipp, Köpenickerslraße 7,10. Buchbinder o. G. Klemm 17,25. Einige Buddeancr 3,—. sSparv.„Vergnügt", Rixdors, Weihnachten 7,—. Schraubcnfabr. Erdmann u. Groß 7,50. Dnahtspinncr u. HilsSarb. C. Lcrm u. Ludwig 8,35. Osnabrückcr Papier- ivaöMsabr.. 2. Rale 22,—. Tischlerei Quehl, 3. Rate 10,55. Tischlerei von MockCv-ti, Stallschreiberstraße 11,20. Arb. GaSincsscrsabr. Maricndors, 2. Rate 82,70. Gasoscnsabr. Maricndors, 3. Rate 20,-. Arb. d. Zlrmaturensabrik E. Heckmeum 25,75.'Arb. u. Arbeiterinnen v. Hirschhorn 80,—. Maschinen- sabrit UKemann, Eisenbahnstraße, d. Otto Ü,30. Oswald Klose 3,35. Bronzelvarensabr. Bcatrü 6,80. Kronleuchtersabr. Pfeffer 18,45. Stocksabr. Seliglahw4.40. Pianosabr. Konr. Kraule 10,60. Sparvcr.„Notgroschen" 15,80. Lotteriever.„Hand in Hand" 10,—. Liste 1917 9,—. MacheteS. 6. Rate 5,—. Sargmann N. 4 20,95. Klempnerei Thom 16,40. Rauchklub „Intelligenz", 2. Rate 4,80. Glaser v. Jessel 10,50. Weslphal u. Reinhold, 680, Listen 2234, 35 und 37, HilfSsabrik?l. E. G. 45,15. Stukkateure d. F. Jänicke 5,25. Eparver.„Kassette" b. Auszahlung 4l,60. Einsetzer d. Westens, Bcz.-Sitzung 13,—. Bau Löblich, Einsetzer u. Anschläger, Grünau 3,—. Mir u. Genest, Saal 61, Dreherei 11,80. Buxtehude, von der Kappe 4 ml., 3. Rate 67,05. Lampensabrik C. Holy 15,70. Metallarbeiter Kappler, Mühlcnbau 32.—. Bronzewarensabrik Dreßler u. Lauthold 5,25. Möbelfabr.„Hoffnung", 3. Rate 14,25. Liste 1870 13,70. Zimmerer, Bau Bleibtreustraße, Chlbg., d. Trautmann 12,05. Maschincnsabrik Speirer, Marienfcldc 19,95. Gürtlerci G. Bartel, Scbastianstraße 3,—. Klaviatursabr. Hermann u. Bartrow, 3. Rate 10,10. Sparoercin Gemütlichkeit, Schöncbcrg" 30,—. Buchbinder, Lithographen, einige Photographen. Arbeiterinnen d. Rotophot 18,15. Tischlerei Dietzc, Königsbcrgerstraße 6,—. Lottericklub„§ 11" 5,—. Goidleislenfabrik von Methlow j21,95. Goldleistcnsabrik v. Kubitz u. Imberg n. Budiker 11,60. Verb. d. Schneider, Verwaltung Berlin 150,—. Tischlerei Oehlert, Mariannen- straße 8,—. Tischlerei Siemens u. Halske, Berl. Werk.. 3. Rate 28,65. Mbumsabrik Külber 6,90. Verb. d. Bauarb., Sekt. d. Töpserträger 40,70. Vier Bildhauer v. Wohlfahrt 8,—. Gesangverein Freiheit, Besten 30,—. 1 Nagelrunde, Berlin NW. 20,—. W. Marlen, Quitzowslraße 10,—. Werkst. Kallasch u. Jonas 3,50. Liste 8,10. Kleber v. Haase 6,—. Tapezierer der Firma Dupke, Wilmersdorf, 3. Rate 5,50. Lokalkaffc d. Geschirr-Sattlcr Berlins 25.—. Trops 15,35. Pianosabr. A. Dastel d. Tops 12,-. G. U. 11,90. Stabenow, Tischlerei, 2. Rate 5,—. Putzerkolonne ges. d. Sack 4,—. Tischlerei Hecht, Andreasstraße, 3. Rate 11,05. Tischlerei Koppermann 8,50. Gewerkschastskartell Steglitz 118,25. Die Roten aus d. Rolhcrftraße. 2. Rate 7.55. Schneidemühle.Höckel, Landsberger Allee 37 11,—. Kollegen d. Firma Schubert u. Werth 20,—. Gcwerbehos Weißensee, König-Chauffee, 2. Rate 46,40. Celluloidsabrik Fässig, 2. Rate 16,05. Lotterieklub„Hoffnungsstern" 6,25. Reisebazar Prager 8,50. Baufwkkatcure Firma Micka 6,50. Neun Hutmacher a. d. Westen 4,50. Neubau Präsidialgebäude 13,95. Maler durch Wagner 8,65. Desgl. 13,10. Maler der Firma Schmitt, Herrenhaus 8,80. Gr. B. Str. B. 23,65. Arb. der Schneidemühle B. Harms, Änilamcrstraße 14,50. Arncr. Auktion b. Werner, Mühlenstraße 10,35. Pers. d. Buchdruckerei E. Heckendorff 12,—. Silberwarcusabrik von Schwechten 7.—.'Arbeiter der" Firma R. A. Hartmann, mit Ausschluß der Putzer 22,70. Hcrm. Foth 11,45. Bronzewarensabrik Simon, ges. durch Äcndt 9,05. Rixd. Ag.-Komm. d. Portcscuillcr 3,25. Portcscuiller v. Brenner 1,25. Mitgl. Berk Genossensch.-Bäckcrei 500,—. Stammgäste Parsching, Liste 1600 6.35. Neubau Sperling, Liste 1701 7,70. Neubau Sperling, Liste 1702 7,70. Schulbau, 2. Rate, Liste 1703 11,—. Liste 1708 13,05. Ges. d. W. Donath, Friedcnauerstr. 3,—. Pers. d. Wassermessersabr. A. Mcinicke,'A.-G., Filiale Berlin 9,—. Tischler u. Polierer v. Wenglei u. Mohrmann 37,50. Arb. d. Firm. Baumann, Reichenbergerstr. 6,55. Frciw. Bcitr-.„Sparvcr. streng reell" 45,—. Bau Grunewald 6,60. Sparverein„Ebbe", Diefscubachltr. 15,35. t'icsangvcr.„Solidarität", Buchdruckercihilssarb. 20,—. Stammtisch b. Lutz, Wißmannstraße 5,—. Gcsangvcr.„Glück zu" 10,—. Personal Gebr. Gründl 7,40. Eentr.-Heiz. A.-Ges.. Köpcnickerstr. 7,50. Arb. d. Firma Kühl u. Klatt 15,55. Arb. v. Schmidt. Elisabeth-Hos 15,—. Tischler v. Frickc 5,—. Fassadenputzer. Bau Charlottenburger User 7 13,—. Von den letzten Getreuen der Firma A. I. Johansson 4,—. A. E.-G., Jlbt. Masch.-Lager, Voltastraße 37,75. Ges. b. Hahn, Friedrichshagen 7,55. Ges. im Kolberger Salon 8,30. Centraiverb. d. Handlungsgch., Bez. Berlin d. K. 32,20. Muftkver.„Gem. Chor", FricdrichSsclde 13,20. I. Gräser 3,—. E. Merk t,—. Dtsch. Kabelwerke A.-G., Rummelsburg 23,50. Dresdener Sl.-G. f. Kartonnageindustrie 4,80. Tischler Mieles u. Ncumann, 2. Rate 22,95. 'Allg. Berliner Molorwagen-Ges. 5,20. Perlmutter-Arb. Crosinskh u. Eisenack 5,60. Konservative Kaffenbcamtc, 3. Rate 17,—. Schlosser v. Rothe u. Weise 5,55. Schlosser der Firma Glanz 2,40. Schlosser der Firma Franke 42,70. Firma Schröter, Jcrusalemerslraße, 3. Rate 7,75. Llus Dahlem 2,50. Kcnzberg u. Ulbrich 15,35. Lottcricvcrcin„Niete", Skalitzcrstraße 20,—. Firma Zlugust Scherl, Hilssarbcilcr,'Abteilung„Boche" 12,55. G. Mau, Neue Königstraße 9,85. Dachdeckcr-Bcrbaud, Flliale Steglitz 25,—. Bautischlcr-Baugcscllschaft Fricdrichsbagcn, dritte Rate 15,90. Verband der Sleinarb., Berlin I 123,15. Eng. Dietzgen u. Locanus, Honorar d. ,N. Z." 40,—. Lotterieverein„Glückspilz", Elbingerstraßc 10,05." Oranienburg, ges. am Skattisch 1,50. Arb. d. Firma Fleischmann u. Co. 23,05. B. Gebhardt 12,05.'Arbeiter d. Firma Roda 9,35. Adamczyl, U. d. L. 3,—. Schwarz u. Sohn 3,—. Zwei Tapezierer 2,—. Dr. Timmel, Prinzcnstraße, 5,—. Rote Schtvestern b. Riefe, Gerichtstraße 4,50. Pers. d. schildersabrik Rüterbusch 10,50. Bau Friedenau, Putzerkolonne Aug. Burger 8,50. Studenten 16,—. Organisierte Holzarb. a. Schwedt 10,—. David, München 3,50. Ein Mit- läuser 5,—. Obcrsteiner Uhrenketten-Jndustrie 55,35. Tischler H. Kriesel, Prcnzlin 8,—. Lustige Brüder 2,55. F. Kille, Berlin 7,—. ArbeiiSsiubc aus d. Seestraßc 4.—. Küstern. Schulze, Scharnhorststraße 10,—. Werkstatt Seidel 5,—. Leder- ü. Galantcriearb. v. H. Bratsch 4.75. Malerwerlstatt P. Gathemann 15,40. Centt.-Verb. d. Maurer, Zahlst. Chltbg. 50,—. Tbeatervercin„Mehr Licht", Chltbg. 20,—. Ges. b. Kätner, Grüner Weg 4,70. A. B., Schöncberg- Berlin, 2. Rate 20,—. Eisenbahner Charloltcnburg l,—. Joh. Menz. Meran, Buchdrucker 17,08. H. st., Chltbg, Schlüterfttaße 1,50. Paul Spranger, London 9,69. Gesangverein„Immergrün", Tegel 10,—. Fünf initleidige Hausfrauen, Ober-Schöncwcide 2,—. Sechs Arbcilerinnen der Boigtschcn Cich.- Fabrik 2,75. Listen 1593 u. 1594, Otto Richter 13,90. H. Hilgert, Schreiner, W. Jost, Schreiner 5,—. Wulff, Pankow 1,—. Fr. Harnisch, für meine Landslcute 3,50. C. Z. 3,—. Möbelfabrik von Wcndtland, Britz 3,50. M. R. 5,05. Hermann Kahl, Steglitz 2,05. Gebr. Ljungberg nebst Freunden 3,15. Mitfühlende Schwester aus Steglitz 2,85. Verein deutscher Böttcher, Zahlstelle Culm 10,—. Putbuserstr. 19 2,—. Durch Fromle A. E.-G. Krahu- sührcr aus Liften 2389 u. 2387 37,—. Lotterieverein„Glück aus" 2,50. Robert Palm, Holzmarktstraße 3,05. Gold- und Silberfchmiedc von Lcon- hardt u. Ficge 13.—. Arb.-Gesangverein„Heimatklänge", Köpenick 10,—. Zahlstelle der Masch, und Heizer in Herzselde 10,—. Personal von Krolls Buchdruckerci 20,05. Eine Cigarrc im Bahnwagen 1,53. Tapezierer WollncrS Möbelfabrik 3,50. Gencralgrciser aus der Gartenstraße 3,05. Von den'Arbeiterinnen der chemischen Wäscherei Ch. Engelhardt, Rirdors, Her« niannstraße 6,50. Skatklub„Kreuz b. Sieben" 6,—, von einem Mitgliede desselben 4,—, Sa. 10,—. Bcrgleuic aus Calbe 144,90, R. W. 5,—, A. T. 3.—, Summa 152,90. Jaclel, Gneisenaustraße, für mehrere 10,—. Wilhelm Scholz, Rathcnowcrstraßc 5.—. Ccntral-Verband der Stukkateure, Filiale Berlin, 3. Rate 100,—. Tischler der Firma Eulitz, Weidenweg 7,—. A. Sommer, Linienstraße 10,05. F. C. K. G. 2,—. Werkstatt Thiele, Mav« lcuficlfttaßc 2,—. A. Herz 2,—. Vergolder der Firma Raschig 9,25. Tischlerei Ritter, Rammlersttaßc 7,25. Böcker vom sparverein„Südost" 36,25. Tischlerei F. H. Lüdtke, Pankow, 3. Rate 20,—. Werkstatt Voigt nebst Seppe!, Köpnickerstr. 5,—. Lille 8545, Bildhauer d. Welker 5,—. Dr. A. F. 20,—. M. B. 20,—. Zwei Plattciiheiigstc aus<'>r.-LichicrscIdc 5,—. Am 8. Dez. ges. im Gärwervcrein„Flora", Fricdrichsb. 5,—. Arb. d. A. E.-G., Schlegel« straße 4,75. Arb.-Gesangverein„Waldeslust", Ilmenau 10,—. S. Baruch. Schuhmacherinstr. 3,—. Liste 1729, org. Schlosser u. Tischler v. Stabernak 14,—. Montage-Arb., Bau Rixdors v. Braß u. Hertzlet 6,80. Verband der Verwaltungsbeamten, Bczirlsgruppc Berlin, 2. Rate 50,—. Maschincnsabrik Huwert, 2. Rate 9,15. Liste 2709, S. u. H., Werkzeugbau, 3. Rate 31,65. Riete— Schluß 3,—. Verband der Zimmerer, 3. Rate 500,—. Liste 6450, Wagensattlcr L. R. 25,20. Lokallasse der Täschner und Äoffermachcr Berlins 100,—. Von den Sattlern Berlins aus Listen ges. 75,90. Ein socialistischcr Engros-Budiker 10,—. F. 51 3,—. Die roten Brüder v. Bau Bielicki, Wilmersdorf 9,75. Liste 8559, Arbeiter u. Arbeiterinnen der Firma Heinz 17,15. Rauchllub„Virginia", M. d. A.-R.-B. 10,—. Tischlerei Frcnzcl, 2. Rate 15,30. Revierinsp. d. St. G.-W. 5,—. Liste 8034, Mitgl. d. Hamb. Eisenbahncrvcrb. 25,85. Portcseuiller, ges. in Graumanns Festsälen 11,—. 13 Kollegen des Handtuch-Verleihinititut Fiegencr 6,80. Arb. d. mcchan. Werkst, vorm. Ä. A. Boese u. Co. 23.30. Liste 1597, Lanzky 8,55. Sumnia 7396,85 M. Bereits quittiert 83 217,08 M. Gesamtsumme 90 6t 3,93 M. Weitere Beiträge werden in unscrm Bureau in der Zeit von 9—1 und 6—8 Uhr entgegengenommen. Gelder, welche mit der Post eingesandt werden, sind an A. Körftcn, Engcl-User 15, zu senden. Der Ausschuß der Berliner GcwcrkschajtSkom Mission. Nr. 294 enthält folgende Posten: Union, aus Listen 525,40 M. Maschinenbau Löwe 31,10 M. Pslaum u. Gerlach 27,25 M. ?lus Ersuchen der dortigen Vertrauensleute detaillieren wir nachfolgend diese Posten nach Listen. Nr. 343 35,70. 344 20,40. 345 65,50. 346 67,25. 347 55,25. 348 43,55. 349 15.85. 350 33,50. 1955 17,15. 1956 30,—. 1957 70,95. 1958 59,50. 1959 11,—. 1965 31,10. 1966 27,25. In Nr. 290 soll dem Posten: Marmorarbeiter Berlins, 3. Rate 79,95 M. eingesägt werden:(darunter von Ädllegcn der deutschen Stcinindustrie 44,20 M.). In Nr. 291 statt 4. Kreis(Osten), Stadtbezirk 116 muß cS heißen: Stadtbezirk 160 15,20 M. In Nr. 293 muß der letzte Posten heißen: Gemütliche Turner bei Zlggcl 3,- M. Beim Gewerkschastskartell Nowawes sind für die ausgesperrte« Crinimilschauer folgende Gelder eingegangen: Aus Listen gesammelt: 140,90.(Darunter die Metallarbeiter der Obrensteinschcn Fabrik 52,—. Buchdrucker 44,—. Schuhmacher ca. 25,—.) Aus Lokalmittelnf: GcwcrkschastS- kartell 40,—. Maler 20,—. Mctallarbciier 20,—. Zimmerer 25,—. Dachdecker 10,—. Töpfer 5,—. Buchdrucker 50,—. Hilfsarbeiter(Hamburg) 30,—. Hilfsarbeiter(Hannover) 25,—. Summa 365,90 M. Marktpreise von Berlin am 17. Dezember 1903 nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. KarIosseln,neueD.-Ctr.[ Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch Kalbfleisch. .Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 kg per Schock 7.00 1,80 1,50 1,60 1,80 1,80 2,80 5,00 2,20 2,80 2,80 2,00 1,80 3,00 1,40 15,00 i 6,00 ' 1,20 1,10 1,00 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,40 0,80 3,00 Eingegangene Druckfchnftcn. Alexander Bennstein. Des Kindes Spiel und Beschästigung. Ein Ratgeber für Eltern. 1. Teil. Preis 60 Ps. G. Winkclmanns Buchhandlung und Lchrmittelanstalt, G. ni. b. H., Berlin 1904. Alfred. H. Fried. Weder Scdan noch Jena. Preis 80 Pf. Verlag Contineitl Theo Gutmann, Charloltcnburg b. Berlin. M. de Junge, Or. jur. I. Höret Rathcnau und Genossen, II. Jerusalem oder Mombaiia? Eine ungehaltene Rede zum sechste» Zionistcnkongreß. Preis je 1 M. Hugo Schildberger, Verlag Berlin NW. 23. Heute 4 Uhr ab gratis! 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Si>!e oft hört man diesen Spruch, und doch wird melitenS seine Bedeutung unierschstzt Dt» WeNlgften deuten über»tc Ursache nach, sobald das Ztuge seinen Tienft vertag«, llatt immer aber Ist es ein unpassendes oder schtechiitsend-S Üliigengl-S wetibcS dt- irStilen Störnnge» Im Ocbvermögrn hervorrusi Eine SewShr sllr igerincivung dieser Uebetsland« beim Sans eines Nugenglases, gleichviel od Brille oder Ptncenez, bleiet das teil langen Jahren bestehend«, in Berit» N bedeutendste Institut für Präcisions-Optik von Carl Buttendorff, Berlin N., Weinbergsweg 15b, 6. Laden vom Rosenthalrr Tor. gtroß« titleiliaacbli- »ueeletluag tn Lokomotive» und ganze» 3ngc» mir Dampl u, llhrivrrt, SammtlichcLIlderu. •BT ItrluszeuKr"M in nur srtnftrn C.iialitätcu. Bitte(genaa anf Firma und Hana-Kr. 15 b arhten. Knecht Kuppreoht bringt Für den Vater ein 011 modernen Teppich von M. 8,50, 13, SO, 30, 50 usw. Für die Mutter hübsche«teppdecken und Gardinen von M. 5,50, 0,50, 8, 10 usw. 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