Ur. 298. (Ilwnrjcmenf s-Bedingungcfl: twoimementZ- Preis priinumerand« i «ierteljährl. 3,30 Mr., momttt. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Ewzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer niit illustrierter Sonntags- Vellage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Wonnemeni: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in der Post-ZeitungS- Preislifte für 199» unter Nr. 8203. Unter Kreuzband für Dcutfchland und Oesterreich-Ungarn s Marl, für dag Übrige Ausland t Marl pro Monat. VftWnt täglich anBti montags. A). Iahrg« Die InlertionS'Gebübr betrügt für die scchsgespaltcnc Kolonel- zcile oder deren Rainn«0 Pfg., für politische und gcwerlschaftlichc Vereins- und VerfammIungS-Slnzeigen 20 Pfg. „Meine ZZn-eigen" jedes Wort S Pfg. (nur da? erste Wort seltj. Inserate für die nSchstc Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tage» bis 7 Uhr abend?, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr dormitttag» geöffnet. Vevlinev Vollrs�lÄkk. Centrawrgan der joeialdemokratisthen Partei Deutschlands. Telegramm-Zloreffe: „Zouaillrmoiital stellt»". l�eclaktion: SM. 68» Lindetistrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SM. 68» Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Kinderschntz. Am t. Januar 1901 tritt daS«Gesetz betreffend Kinderarbeit in gelv erblichen Betrieben' vom vom 39. März 1903 in Kraft. Nach jahrzehntelangen Suimpfcn ist damit wenigstens der erste Schritt gethan worden, das ärgste Greuel der kapitalistischen Ausbeutung einzudämmen, und die Alöglichkcit geschaffen, den Kinderschutz weiter zu entwickeln. Nur aus diesen Gründen hat auch unsre Fraktion schließlich diesem Gesetze ihre Zu stimmung gegeben trotz vielfacher gewichtiger Bedenken. Zu diesen Bcdenkeil gehören in erster Linie, daß sich das Gesetz eben nur auf Minder in gewerblichen Betrieben beschränkt, in der Land- Wirtschaft, wo die Kinderarbeit weit stärker verbreitet ist, die Aus- beutung ohne jede Schranke läßt, und daß selbst diese gesetzlichen Vorschriften siir die gewerbliche Kinderarbeit so durchlöchert sind durch eben dasselbe Gesetz, daß der kapitalistischen Findigkeit und dem Unverstand oder der zwingenden Not Thür und Thor geöffnet bleiben und bestenfalls die Kinder arbeit aus der offenen Fabrik noch stärker in das heimliche Haus, in die Heimarbeit, gedrängt ivird. Aber auch bis zu diesem ersten Schritte des KindcrschutzeS waren, wie gesagt, jahrzehntelange Kämpfe gegen die Regierung und gegen die bürgerlichen Parteien notlvcndig, und cS war eigentlich auch nur einem Zufalle zuzuschreiben, daß das Gesetz noch in der vorigen Legislaturperiode des Reichstages verabschiedet wurde, dem Zufalle, daß die Session, in der die erste Lesung der Vorlage vorgenommen war, nicht geschlossen, sondern vertagt wurde. Ten letzten Anstoß zur Einbringung des Kinderschutz-Gcsctz- cntwurfcs hatten die furchtbaren Zahlen gegeben, die im Jahre 1898 die Reichsenqncte über den Umfang der gewerblichen Kinderarbeit ans Tageslicht brachte. Die Berufs- und Gewerbezählung vom 14. Jmü 18vö hatte hier nicht den vollen Umfang zu erfassen' der -uwcht, aber auch ihre diesbezüglichen Ergebnisse waren schon er- schreckend genug. Sie hatte nämlich schon 211 931 crivcrbsthätigc Kinder unter 11 Jahren, darunter 81 669 Mädchen, gezählt I Davon waren noch unter 12 Jahren 32 393! Aber dies ivaren nur die im Hauptberuf thätigcn Kinder, alle andern hatte diu Zählung nicht er- erfaßt. Ten Hauptanteil an der Ausbeutung der Kinder hatte die Landwirtschaft; in ihr waren 1895 nach der BcrufSzählung 133 125 Kinder unter 11 Jahren, darunter 11001 Mädchen, beschäftigt. Während die Gesamtzahl der erwerbS- thätigcn Kinder unter 12 Jahren 32 398 betrug, wie schon angegeben, ivaren davon 30 601 in der Landwirtschaft thätig und zwar allein wieder im Hauptberuf. Was die Landwirtschaft also für die Ausbreitung der Kinderarbeit bedeutet, ergeben schon diese Zahlen auf daS deutlichste, aber die Regierung schreckte sogar vor einer bloßen genaueren Zählung der in der Landlvirtschast beschäftigten Kinder zurück, und als das Reich die 1897 vom Reichstage geforderte specielle Enquete im Jahre 1893 dann ausführte, beschränkte sie sich auf die gewerbliche Kinderarbeit außerhalb der Fabriken, Land- ivirtschaft und Gesindedienst wurden von der Erhebung ausgeschlossen. Die furchtbaren Zahlen dieser Erhebung von 1898 waren cS nun, wie gesagt, die die Regierung endlich zur Einbringung eines Minimums von gesetzlichem Kinderschntz aufpeitschten. Die Zählung von 1898 ergab nämlich allein für die gewerbliche Kinderarbeit nicht weniger als das zwölffache des Ergebnisses der Berufszählung von 1895, nämlich 532 238 getverblich außerhalb der Fabriken thätige Kinderl Und wer möchte behaupten, daß diese Zahl auch mir für ihr Erhebungsjahr den Umfang dieser furchtbarsten kapita- listtschen Ausbeutung im Gewerbe voll ersaßt hätte? Waren die Ergebnisse dieser Erhebung von 1893 auch der letzte Anstoß zur Einbringung des Kindcrschutz-Gesetzes, so dauerte cS be- zcichnenderwcise doch noch fünf Jahre, bis cS zur parlamentarischen Erledigung kam, und dreiviertel Jahre glaubte dann Regierung und bürgerliche Rcichstags-Mchrheit noch wieder geben zu müssen zur Vorbereitung aus diesen«Eingriff" in daS Eldorado der Kinder- auSbcuttmg, ganz abgesehen von den weiteren erleichternden Ucbergangsbcstimmungcn. Die erste Lesung dcS Gesetzes im Reichs- tage fand am 23. und 21. April 1902 statt, nach einer umfangreichen Mommissionsberattuig fand dann die zweite Lesung am 29. und 31. Januar 1903, die dritte am 23. März statt; vollzogen ist daS Gesetz am 30. März 1903 und im Rcichsgesetzblatt vom 2. April rechtsgültig publiziert worden. Am 1. Januar 1901 tritt eS nun endlich in Wirksamkeit. DaS Gesetz kann und soll an dieser Stelle natürlich nicht in seinen Einzelheiten wiedergegeben werden, ein Artikel kann es darin nicht erschöpfen und für seine Anwendung und Kontrolle ist das Gesetz selbst mit einem guten Klominentar notwendig, etwa wie ihn Agahd schon vor ein paar Monaten bei G. Fischer in Jena für billiges Geld in ausgezeichneter Ausführung herausgegeben hat. Wir haben diesen Kommentar seiner Zeit im.Vorwärts" schon ge- bührcnd angezeigt. Heute soll zum Inkrafttreten des Gesetzes aber mir ans einiges Grundsätzliche des Gesetzes selbst und seiner Folgen hingewiesen werden und darauf mit allem Nachdruck gedrängt werden, daß dies Gesetz vom toten Buchstaben zur lebendigen Wirksamkeit gebracht wird. Der Umfang dieser Wirksamkeit Ivird dadurch begrenzt, daß nach § 2 des Gesetzes als K i n d e r im Sinne dieses Gesetze« Knaben und Mädchen unter 13 Jahren sowie solche Knaben und Mädchen über 13 Jahre gelten, welche noch zum Besuche der Volksschule ver- Pflichtet sind. Von ciuschncidcnder Bedeutung ist nun bei dem Gesetz bekanntlich, daß ein fundamentaler Unterschied in seiner Wirksamkeit für eigne im Gegensatz zu fremden Kindern gemacht wird. Als eigne Kinder gelten(§ g> 1. Kinder, die mit demjenigen, welcher sie beschäftigt, oder mit dessen Ehegatten bis zum dritten Grade verwandt sind, 2. Kinder, die von demjenigen, welcher sie beschäftigt oder dessen Ehegatten an Kindesstatt angenommen oder bevormundet sind, 3. Kinder, die demjenigen, welcher sie zugleich mit Kindern der unter 1 und 2 bezeichneten Art bc- schäftigt, zur gesetzlichen Zwangserziehung(Fürsorge- Erziehung) überwiesen sind, sofern die Kinder dieser drei Arten z u m Haus stände desjenigen gehören, welcher sie beschäftigt. Kinder welche hiernach nicht als eigne Kinder anzusehen sind, gelten als ftcmde Kinder. Sehr bedeutsam ist, daß wenigstens die Vorschriften über die Beschäftigung eigner Kinder auch siir die Beschäftigung von Kindern gelten, welche in der Wohnung oder Werkstätte einer Person, 'mit der oder mit dessen Ehegatten sie bis zum dritten Grade ver- wandt sind, für Dritte beschäftigt werden. Auf diesem Fundament baut das Gesetz nun die einzelnen Bestimmungen siir die Ein- schränkungen der gewerblichen Kinderarbeit auf, die ein außer- ordentlich kompliziertes Gebäude ausmachen, weil die Regierung und die bürgerlichen Parteien davor zurückschreckten, ganze Arbeit zi machen. So ist es beispielsweise, um nur das Wichtigste heraus- zugreifen, für die h e i in a r b e i t e n d e n Kinder nur gelungen zu sichern den Sonntag, die Nachtruhe, die zweistiindige Mittagspause und eine cinstündige Pause nach dem Nachmittagsunterricht. Dazu schließt es, abgesehen von den vom Bundesrate festgestellten Aus- nahmewerkstätten, die wir neulich schon wiedergegeben haben, jede Arbeit von Kindern unter zehn Jahren und Arbeiten in ver- botcncn Werkstätten aus. Der absolut sicheren Folge des Gesetzes, der Vermehrung des h e i m a r b e i t e n d e n Kindes ist also nur höchst mäßig entgegenzutreten versucht. Wenn an irgend einem Punkte, so kann das Gesetz vor allem hier nur als Anfang und nur als ein Ucbergangsstadium betrachtet werden. Um das Wenige aber, was wirklich nach so langen Kämpfen er- reicht ist, durchzusetzen in der Wirklichkeit, bedarf es weit- g e h e n d st e r Aufmerksamkeit und e r n st c st e n Pf l i ch t g e f ü h l S aller in Frage kommenden Personen. Korporationen und behördlichen Instanzen. Und darauf möchten wir heute besonders hinweisen, heute, wo es that- sächlich darauf ankommt, mit der Kritik des Mangelhaften und Un- vollkommenen vor allem die Sorge fiir die Ausführung des nun mehr Möglichen einzuschärfen. Wenn irgend einem socialpolitischen Gesetze gegenüber, so wird diesem gegenüber, das nun zum ersten- mal auch vor der Schranke res eignen Hauses nicht mehr Halt macht, selbst unter denen, deren Kinder eS schützen soll, es nicht an rück- ständigen Elementen fehlen, die sich gegen das Gesetz durch Umgehungen aufzulehnen suchen werden. Hier ist eS vor allem weiter Pflicht und Aufgabe der A r b e i t e r- O r g a n i s a t i 0 n e n. mit aller Ruhe, aber auch mit aller Energie für Durchführung des Gesetzes zu sorgen; denn hier liegt in Wahrheit doch ein Gesetz, so mangelhaft c« auch noch ist und so sehr cS. auch nur den Anfang bedeutet, vor, da«, um mit Marx zu reden,„die Arbeiter selbst hindert, durch freiwilligen Konttakt mit dem Kapital sich und ihr Geschlecht in Tod und Sklaverei zu ver- kaufen". Ist eS eigenste Pflicht der aufgeklärten Arbeiter, so das Gesetz durchführen zu helfen, woran sie es nicht fehlen lassen werden, so ist cS die b e s 0 n d e r e A u s g crb e der Regierung, ihren Gesetzen mit aller Strenge Geltung zu verschaffen. DaS aber ist nur möglich durch eine unausgesetzte und verschärfte Kontrolle Und hier reicht bei weitem nicht die Polizei auS, deren mangel- haster Sinn fiir solche Kontrolle ebenso bekannt ist wie ihr lieber- eifer für politisch-volkSfcindliche Chikanicrungen; hier reichen auch nicht die bisherigen G e w e r b e- A u f s i ch t S b e a m t e n aus. Diese letzteren müssen unter allen Umständen vermehrt und in ihren Befugnissen mit erweiterten Rechten verschen werden; vor allem muß auch endlich mit der vollamtlichen Anstellung von weiblichen JnspektionSbeamten ernsthaft begonnen werden! Wenn wir nur wieder daran erinnern, daß in Prenßcn auf mehr als hunderttausend weibliche erwachsene Fabrikarbeiterinnen erst eine Fabrikinspektions- Assistentin kommt, so erfaßt einen ohne jedes weitere Wort wieder der ganze Jammer, der hier herrscht. Reben den Gewcrbc-AufsichtSbeamten fällt bei diesem Gesetze eine besondere Aufgabe den deutschen V 0 l k S s ch u l l e h r c r n zu. die sich um das Zustandekommen des Gesetzes schon so rühmlich verdient gemacht haben; mindestens den oberen Schulbehördcn müßte die Anzcigepflicht auferlegt werden, wenn man glaubt, den Lehrern dies nicht zumuten zu sollen, um ihre Lage, wie die Dinge heute liegen, nicht noch zwiespältiger und den Eltern ihrer Zöglinge gegenüber noch schwieriger zu machen. Schließlich müßte zur besten und maßgebendsten Kontrolle endlich mit der reichsgesetzlichen Regelung der Anstellung v 0 n a m t- l i ch e n Schulärzten begonnen werden und ihnen gerade zur Ausführung dieses Gesetzes weitgehendste Befugnisse gegeben werden. Erst wenn auf diesen und andren Wegen eine gründliche und wirksame Kontrolle geschaffen wird, können die Mangelhaftigkeiten des Gesetzes selbst im Moment vielleicht vergessen gemacht werden, aber ihre baldigste Wegräumung bleibt nach wie vor erste Pfßcht auf diesem Gebiete. Dabei aber muß auch vor allem die noch bc- stehende unverantwortliche Ausnahmestellung der Landlvirtschast durchbrochen werden, auf daß endlich ein voller Schutz einheitlich demjenigen VolkStcile werde, auf dem die Zukunft d e r N a t i 0 n beruht._ poUtifchc Geberficht. Berlin, den 21. Dezember. > Biilowgcnial erweist sich die„ V 0 s s i s ch e Zeitung". Sie hat sich zu dein unsterblichen Gedanken erheben lassen, daß„das Bekenntnis der Socialdeinokratie zur Republik als Hindernis für manche sociale Reform" anzusehen sei. Jtvar habe Bebel gesagt, die Social- deniokratie bekämpfe den monarchischen Gedanken nicht mit be- soliderem Nachdruck, aber die Socialdeinokratie habe sich geweigert, einen Liccpräsidenten zum Kaiser gehen zu lassen, und ihre Ab- geordneten verlassen den ReichStagssaal, sobald daS Kaiscrhoch zu erwarten ist. Die«Vossische Zeitung" hat mit dem Grafen Bülow die interessante Auffassung von der Monarchie, daß sie sociale Reformen nur stets in dem Maße gewähren könne als diejenigen, denen die Refonn gilt, vor der Monarchie Verbeugungen erweisen: Gehe zu Hofe und du erhältst eine verbesserte Krankenpflege; rufe kräftig Hoch und du erhältst eine Witwenversicherung; rühme den Sang an Aegir und du erhältst den Zehnstundentag; rühme die Marmorallee der Kaiserahnen und du erhältst den Ncunstundentag; nenne Wilhelm I. den Großen und du erhältst den Achtstundentag. Kein Republikaner kann die Monarchie schärfer kritisieren, als die Bülow» erleuchtete«Vossische" durch solche Unterstellungen sie entwürdigt. Wenn ferner die«Bossischc Zeitung" die socialdemokratische Schuld durch die Sätze belegen will:«Die Socialdeinokratie stellt sich in Gegensatz zn der Monarchie überhaupt, ob sie den Monarchen für gut oder schlecht hält. Sie bekennt sich schlechthin zur Republik",— so ist der zweite Satz richtig, aber der erste grund- falsch. Es gicbt in Deutschland Könige und Fürsten genug, die noch niemals Anlaß hatten, über das Verhalten der Socialdcmokratie zu ihrer Person Klage zu führen. Aber die„Vossische Zeitung" mutet der Socialdeinokratie zu, einem Fürsten besondere Huldigungen dar» zichrsilgen, der vom ersten Anbeginn scittdr Regierung an die Social» demokratie erbittert befehdet hat, der Zuchthausgesetze ankündigte, der die Reden von Essen und Breslau hielt I„Liberale" nach Art der Vossischen Mannen mögen da im Staube liegen und den Fuß küssen, der sie wuchtig trifft. Von aufrechten Männern erwartet ein Monarch, dessen Grundsatz ManneSehre ist, jene Liebedienerei nimmermehr. Es bedeutet aber die Auffasimtg des Bülow-Blattes ebenso einen albernen Ablenkungsversuch wie eine Herabwürdigung der Monarchie. Nicht der monarchische Verdruß über die politische Auftichtigkeit der Socialdeinokratie kann die Schuld an dem Stillstand der socialen Refonn tragen, sondern das steht allein auf dem Schuldconto derjenigen Klassen, deren Interessen die sociale Reform widerstreitet und deren Macht auch die Monarchie nicht überwinden kann. Nicht die Socialdeinokratie kann je nach ihrer Haltung zur Staatsverfassung die sociale Reform hindern oder beschleunigen, dies hängt vielmehr ab von den bürgerlichen Parteien und darunter auch von der Partei der„Bossischen Zeitung", so weit ihr geringer Einfluß reicht. Es ist grotesk, die „Vossische Zeitung" wider die Socialdcmokratie als Hemmnis der Socialrcform klagen zu hören, während die Liberalen es sind, die in ihrer großen Ueberzahl nichts für die sociale Reform thun, die im Reichstag die Brutalität der Ricderstinmmng aller wichtigsten Arbciterforderungen verüben.— Die Gärung unter den Offizieren. Die Zahl derjenigen Offiziere, die ihrer tiefempfundenen lln- zuftiedeuheit mit den heutigen Zuständen in der Armee öffentlichen Ausdruck geben, mehrt sich von Tag zu Tag. Vor uuS liegt eine Broschüre, betitelt„Stillgestanden!" Ein Wort an das deutsche Offiziercorps von E. Claufsen, Hauptmann a. D. Fast über- flüssig zu sagen, daß sich der Verfasser als durch und durch monarchisch gcsinntcr Mann und ausgesprochener Feind der Socialdcmokratie präsentiert, von deren Wesen er übrigens ebenso wenig versteht wie die meisten seiner StandeSgenossen. Auch offenbart sich in seinem Werkchen neben dem denkbar ausgeprägtesten Kastenstolz ein fast iibcrnonnal entwickeltes Selbstbewußtsein, getragen von dem Glauben an die kulturelle Notwendigkeit des Militarismus. Nichtsdestoweniger übt der Ver- faffer eine önfierst freimütige Kritik an dem deutschen Offiziercorps, von dem er zn erkennen glaubt, daß eS von Jahr zn Jahr an iniierrm Wert verloren hat. Ilm dem etwaigen Vorwurf zn be- gcgncn, daß er als inaktiver Offizier mit der Aufdeckung der Schäden im OrganiSiNuS der Armee den„Feinden" derselben wert- volles Material in die Hände liefere, beteuert er, nur daS Beste der Armee zu beabsichtigen, denn„ich weiß, daß bei der ganzen Lage der Verhältnisse ans den Reihen der Armee heraus nie jemand auf- stehen kann, um mit lauter Stimme nach Reformen zu rufen.... Der Führende stellt mit Recht nicht gern an die Oeffentlichkeit, was in seinem Einflußbereich ihm als Schaden entgegentritt, weil er damit fraglos zugleich feine eigne Existenz gefährden würde. Jeder Versuch, Schäden abzustellen, würde ihn aus der Stellung entferne», in der seine Autorität gesichert stand." zulängliches Material; denn das muß gesagt werden ohne alle Vcr- tuschuug: Zwei Drittel aller Kapitulanten be st cht aus Leuten, die verzweifelnd, in einem Civilberuf gut vorwärts zu kommen, oder auch aus Scheu vor dem Suchen einer neuen Lebens- fiellung nach vollendeter Dienstzeit, zunächst kapitulieren." So also zeichnet ein Offizier die„Stellvertreter Gottes auf Erden", die hernach als Polizisten ehrliche streikende Arbeiter mit Ausdrücken belegen,»vie:„Ihr Strcikbrüder verfluchten, Ihr seid bloß zu faul zum Arbriten." Auf die Vorschläge einzugehen, die der Verfasser zur Abhilfe dieser Uebelstände macht, erübrigt sich. Ebenso»venig brauchen»vir ihm auf das Gebiet der Mittel und Wege zu folgen, die er angiebt, „um der zu frühen Verabschiedung manches Schreckliche zu nehmen und zum mindesten dem A n g st st r e b e r t u in u n b e- mittelterOffiziere. das geradezu demoralisierend in der Armee sich verbreitet", zu Leibe zu gehen. Uns genügt vorläufig die Kritik, obwohl sie nicht gerade Un- vekaimtes enthält. Wir glauben kaum, daß der Hauptmann a. D. Elaiisscii ein Dankschreiben des KriegsministerS erhalten wird!— . Dir Kriegsfanfami auS Ostafie» tönen in diesem Augenblick wieder außerordentlich bedrohlich her- über. Tic„Times" erfahren aus Tokio vom 20. Dezember: All- gemeinem Vernehmen nach e r s u ch t e I a p a n Rußland, seine Antwort, die Nicht ein einziges greifbares Zugeständnis enthält, indem sie Japan gänzlich ans der Mandschurei ausschließt und eine alcichc Stellung für beide Mächte in Korea verneint, in nochmalige Erwägung zu ziehen. Eine Drahtimg des „Daily Erpreß" aus Kobe besagt, die Antwort Japans aus die ruifischc Rotc bild> sein letztes Wort in der Sache. Wenn Rußland nicht nachgebe, würde Japan nicht zögern zu kämpfen. Nach einer„ L a f f a n"- M e l d u n g stellen allerdings der japanische sowohl wie der russische Gesandte in London amtlich in Abrede, daß Japan an Rußland ein Ultimatum gesandt habe. Auch wird aus Ticutsiu der„Daily Mail" gekabelt, mau erwarte dort, daß Rußland für den Augenblick nachgeben werde; der Krieg würde jedoch im Frühjahr iinverineidlich sein. Weitere Telegramme lauten: London, 2t. Dezember. Die Zeitungen erkemien allgemein den E r n st der Lage in Ostasien an, sowie die Möglichkeit, daß Großbritannien in einen ruf sisch-japa nischen Krieg verwickelt werden könnte. Nach dem„Daily Chronicle" scheint Rußland ent- schlössen zu sein, Japan zur Kriegserklärung zu reizen. oMorniugPost" schreibt: Großbritannien sollte anfalle Möglichkeiten vorbereitet sein, da ein russisch-japanischer Krieg f ü r Großbritannien ernste Verantwortlichkeit mit sich bringe, auf die es sich vorbereiten müsse. „Daily Telegraph" wird aus Port Arthur vom 15. Dezember gemeldet: Man hat hier die Empfindung, daß der Krieg vor dem Frühling nicht auSbreSen werde. D i e Rüstungen werden aber in Eile weiter betrieben. Die Russen verstärken ihre Infanterie und Kavallerie; es stehen aber sehr wenig Truppen südlich von Charbin. Wie demselben Blatte ans Nagasaki unterm 10. Dezember berichtet wird, haben dort die Armcerescrven die Weisung erhalten, sich bereit zu halten. Vierzehn russische Kriegsschiffe außer den Torpedobooten liegen in Port Arthur, sieben davon sind Schlachtschiffe, vier gehören der Sewasiopol- Klasse an. Der Rest der russischen Flotte, der hauptsächlich aus Kreuzern besteht, liegt in Wladiwostok. Söul, 21. Dezember. lMcldung der„Agence Havas".) In Chemulpo und Masampho find zahlreiche Streitigkeiten zwischen Japanern und der koreanischen Be- Völker ung vorgekommen. Japanische Telegraphistcn halten die Telegraphenliiiie von Söul nach der Küste besetzt. Man spricht von der Landung japanischer Truppen zur Auftechtcrhaltung der Ordnung; doch soll diese Landung im Einverständnis mit der russischen Re- gierimg erfolgen. Tokio, 21. Dezember.(Meldung der„Agence HavaS".) Der Plan der Regierung scheint darauf gerichtet zu sein, in Bezug auf die Vorschläge Rußlands an den Kaiser Nikplans selb st zu appellieren. Der Vorschlag des Admirals Alexejew geht dahin, Petersburg zum Mittelpunkt der schwebenden Verhandlungen zu machen. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus London telegraphisch ge- meldet, daß die russische wie die japanische Botschaft mit Anfragen bestürmt werden. Die Versicherungsprämien gegen Kriegsgefahr stiegen um 50 Proz. Alle möglichen Gerüchte von Zusammenziehung und Absendung eines KreuzergeschwaderS nach Ostasien sowie sousttgen Maßregeln der Admiralität in Erwartung eines nahen russisch-japanischen Krieges liefen um.— »» Oeutlcken Reich. Kauft Biilow- Reden— 4 Pfennig das Stück! Der preußische Minister des Innern Herr v. H a m m e r st e i n hat an die L a n d r ä t e und die Bürgermeister folgende Verfügung erlassen: „Es erscheint erwünscht, die von dem Herrn Reichskanzler in den ReichStagssitzungen vom 10. und 14. d. M. gegen die Social- demostatie gehaltenen Reden zur Kenntnis in ö g l i ch st weiter V o l k s k r e i s e zu bringen. Von der hiesigen Verlags- Buchhandlung E. S. Mittler u. Sohn wird Ihnen eine Anzahl von Exemplaren einer diese Reden auszugsweise cuthalteiideii Broschüre zugehen. Weitere Exemplare können von der genannten Firma zum Preise von 4 M. für 100, 16 M. für 500, 23 M. für 1000, 250 M. für 10 000 Abdrücke bezogen werden. Die Art der Verteilung im einzelnen Ihnen überlasiend, ersuche ich, dafür Sorge zu tragen, daß die Verbreitung baldigst erfolgt und bei derselben jede Gemeinde(auch die zum Kreise gehörigen Städte) berücksichtigt wird." Wir haben bereits unsrer Zustimmung Ausdruck gegeben, daß die Bülow-Rede möglichst weiten Volkskreisen zur Kenntnis gebracht werde. Es ist auch zu begrüßen, daß die Verbreitungsbeflissencn allein die Bülow-Rede verbreiten, denn eS ist zuzugestehen, daß Bülow genügsam wirkt. Tie möglichst weilen Volksweise würden eine unberechtigte Forderung stellen, wenn sie verlangen, daß außer Bülow noch andre zu Wort gelangen müßten. Bei aller Sympathie für die Biilow- Vermittelung haben wir nur ein leises Bedenken über- die Mittel der Verbreitung. Billig genug dünkt uns der Preis— bei geringstem Bezug 4 Pf. das Stück—, aber w e r soll denn da zahlen'< Die istädte- und Ge- ineindeverwalliingen sind nicht dazu berechtigt, einseitig zum Nutzen der Socialdemokratie Bülow-Verbreitung zu besorgen und dabei etwa gar die allgemeinen Mittel zu verwenden. Die liberalen und konservativen Gcmeindemitgliedcr und Bürger werden mit Recht Klage führen, baß der Minister sämtliche Landräte und Bürgermeister des preußischen Staates zur parteiischen Begünstigung einer Partei in Bewegung setzt.— Die Socialpolitik des Schweigens, durch die sich, wie wir nach- wiesen, das Cc ntrum im neuen Reichstag auszeichnet, wird durch eine weitere Thatsache bestätigt, die der polnische„Gornoslazak" mitteilt: „Wir haben erfahren, daß der Abgeordnete Krolik in der Fraltionssitzuiig des C e n t r n m s gebeten hat, einen Antrag einzubringen, um die Arbeitszeit der Zinkhüttcnarbeitcr auf acht Stunden herabzusetzen. Herr Krolik beschrieb ausführlich das Elend der Zinkhüttenarbeitcr, wie schnell ihnen Beine und Hände ver- kuppelt werden, wie schnell sie aussterben. Die Herren Centrums- abgeordneten haben zugehört, mit dem Kopf geschüttelt, auch gesagt, man müsse etwas für die Hüttenarbeiter thun— aber einen Antrag haben sie n i ch t g e st e l l t. Herr Krolik wurde ab- geblitzt und der Arme grämt sich, daß die Centrumsabacordneten so wenig Verständnis für die Interessen unsreS Volkes haben." Ter Bericht spricht für sich. Das Ccntrum kann nicht vergessen, daß sich unter den Besitzern der o b e r s ch l c s i» ch e n Zinkwerkc auch so hervorragende CeiitrumSuiagnate» wie z. B. die Grafen v. D o n n e r§ in a r ck, Ballrstrcm, die Gräfin Johanna S ch a f s g o t s ch u. a. befinden.— Krätke heraus! Die von der Hamburger Postbehörde verübte Zerstörung des Versammlungsrechts der Unterbeamten wird in der „Berliner Beamtcn-Zeitung" lebhaft kritisiert. Das Blatt nimmt an. daß die hamburgische Verfügung auf Weisung aus Berlin zurückzuführen ist und sagt: „Dieser Umstand läßt die Maßregel in erhöhtem Grade be- dauerlich und kritikbedürstig erscheinen. Denn sie zeigt, daß man in den Kreisen, auf die es ankommt, noch immer nicht verstanden hat oder aber immer noch nicht gewillt_ ist, Ursache und. Wirkung voneinander zu unterscheiden. Andernfalls könnte man unmöglich sein Heil in einer solchen Vogel-Skautz- Politik suchen. Die Aeußcrungen berechtigter Unzufriedenheit lassen sich auf diese Weise unterdrücken, das ist gewiß. Man kann bewirken, daß eine Versammlung, wie die Hamburger, schlecht besucht ist, daß von einer Diskussion Abstand geitomMn werden muß, weil die Furcht vor llnannehmlichteiten, vor dem Brotlos- werden die Unterbcamten abhält, frei von der Leber herunter e» reden. Daß man aber im Ernste glaubt, durch solche Gewiiltstreichc, anders läßt sich die Verfügung nicht klassisizicren, das berechtigte Mißvergnügen bc» f c i t i g e n zu k o n n e n, nehmen wir zur Ehre des Verfassers des Opus vom 14. Dezember nicht an. Wir sind UNS nicht klar darüber, w eil ch c n Effekt man durch dieses Vorgehen zu erzielen hoff t. Desto genauer aber wissen wir, welchen Erfolg man erreichen w i r d i man wird auf die Wunden, die sich die social- dcinotratic auf dem Dresdener Parteitage geschlagen hat, von Obrigkeit wegen ein gar hcilwirkiames Pflasterchen legen und dafür sorgen, daß das„rote Meer" im Jahre 1008, um eine Million Tropfen verstärk,� nocb weitere Bezirke überschwemmt! Ist es nicht an einem Sachsen genug?'." Herr Krätke kann ersehen, daß die„Beamtcn-Zcitung", die von Dresdener Wunden redet, von der Socialdeinokratie nichts verstellt; so fern steht sie ihr. Dennoch wird die Postgewalt nicht den guten Ratschlägen folgen, sondern die Zeitung, die Kritik gegen Unter- drückung der Beamten übt, gleichfalls zu unterdrücken versuchen. Die„Beamten-Zeitung" irrt, wenn sie glaubt, daß die Reichsbehörden die Socialdemokratie bekämpfen, vielmehr bekämpfen sie jede Selbständigkeitsregung und jede ernstere Forderung der Postbeamten. Herr Krätke weiß besser als die Beamten, was für ihre Ohren ziemt, und wir zweifeln, daß der Abg. v. Gerlach als ganz„ungefährlich" ge- halten wird.— Kindisch. Die Post" druckt unter der furiosen Uebersifirist„Die rote Herrschaft des Schreckens" mehrere im Inseratenteil der „Sächsischen Arbeiter-Zeitung" befindliche„Erklärungen" ab, durch die verschiedene Händler und Gewerbetreibende erklären, daß ihre Unterschrift unter„nationalen" Wahlaufrufen ohne ihr Wissen und ihre Einwilligung gesetzt worden sei. Der ehedem Stummsche Schleifstein schnaubt deshalb von dem„roten Terrorisnms". Das Scharfmacherorgan mag sich zunächst einmal über den TerroriSmuS der„Schwarzen Listen" der ihm nahe stehenden Untcrnellmer über die zahllosen Eni- lassungcn wegen der Wahl eines Socialdc molraten. über den Budde-Terrorismus, der sich sogar bis aus die Zugehörigkeit zu Konsumvereinen erstreckt, über die politische Bevormundung der Beamten und staatlichen Arbeiter überhaupt, über die b c h ö r d» lichen und privaten Lokalabt r eibereien, über den s ch n v d c n B r u ch des Wahlgeheimnisses durch Landräte und Amtsvorsteher, kurz, über den ungeheuerlichen Terra» r i s in n s der Besitzende n und ihrer O r g a n e entrüsten— alsdann wollen wir uns gern auch einmal über die Frage unicr- halten, inwieweit die Arbeiter ein Recht haben, ihren Einfluß als K o n s u m e n t e n zur Bekämpfung reaktionärer Bestrebungen ans- zuüben. Vorausgesetzt, daß eS eine solche Beeinflussung auch nach- zuweisen vermag i— Biajcstätsschntz gegen Blinde. Ans Benthe» wird gemeldet: Wegen Majestätsbeleidigung wurde der erblindete ftühere Wirtschaslsbcamte Emil Urban von der Strafkammer zu 1 Jahre 6 Manaien Gefängnis verurteilt und sofort verhaftet. Dieses ilrtcil'wird in der Chronik von unsrer Zeiten Blindheit verzeichnet bleiben!— Hiidland» Die Mächte und der Königsmord in Belgrad. Eine abgeschmackte diplomatische Komödie wird gegenwärtig von den Mächten in Belgrad inscenirt. �kürzlich wurde gemeldet, daß der russische Botschafter in Belgrad abberufen worden sei. Die Ursache sei in der Verstimmung des Zaren darüber zu suchen, daß der russische Botschafter sich bei dem serbischen KönigSmord arg kompromittirt habe. Habe eS sich doch als zweifellos herausgestellt, daß der Botschafter von der Abficht der Verschwörer Kenntnis gehabt habe, ohne das schreckliche Verbrechen irgendwie zu verhindern. Ja, er sei sogar Augenzeuge der Mordthat gewesen und dabei vollständig neutral geblieben, obwohl sein blosicS Erscheinen im Konak die bestialische That habe verhindern können. Der Zar sei über diese Haltimg seines Geschäftsträgers aufs äußerste empört.... Ein paar Tage später wurde mitgeteilt, daß nicht nur der russische Botschafter einen„Urlaub" angetreten habe, sondern daß auch die Botschafter Oestrcichs und Deutschlands Belgrad verlassen hätten. Dabei handle eS sich aber keineswegs um einen Zufall, sondern um eine ernsthafte, gemeinsame Demonstration gegen König Peter von ÄönigSmörder Gnaden, respektive um den Ausdruck der Mißbilligung darüber, daß König Peter die Königsmördcr nicht nur nicht abgeschüttelt habe, sondern sich sogar völlig von ihnen beherrschen lasse! Erst wenn König Peter die Mörder in Uniform abgeschüttelt habe, würden die Mächte wieder den diplomatischen Verkehr mit der serbischen Regierung aufnehmen. lieber den Erfolg dieser wundersamen diplomatischen Aktion»vird dem„Tag" gemeldet:*■ „König Peter, der sich unter dem Drucke der Mächte entschlossen hat, mit dem Regime der Königs- mörder an seinem Hofe zu brechen, unternimmt die letzten Versucke. diesen für Serbien so bedeutsamen Schritt ohne weitere Komplikationen durchzuführen. Es ist ihm gelungen, den O b e r st e n M a s ch i n dafür zu gewinnen, die Ver- schwörer zu ruhigem Zurücktreten zu bewegen. Dieser Offizier veranstaltet tagtäglich„politische T h e e a b c n d c zu denen die Verschwörer einzeln geladen werden. Maschin legt ihnen nahe, daß es jetzt gälte, eine zweite patriotische That(!) zu begehen, die hinter der vom 11. Juni nicht z u r ü ck st e h e.(!) Tic Stellungnahme des Auslandes erfordere ein wenigstens z e i t»v e i s e S Zurücktreten der„Königs- mörder" von ihren dominierenden Positionen, um derart einer endlichen inneren Konsolidierung Serbiens nicht hindernd im Wege zu stehen. Wie es heißt, sei eS Maschin in vielen Fällen g e l u n g e n. Z u st i m m u n g e n zu erhalten." Die groteske Heuchelei der ö st r e i ch i s ch c n Diplomatie gegen- über Serbien haben wir dieser Tage bereits gekennzeichnet. Dies Urteil trifft auch auf die Aktion der übrigen Mächte zu, Rußland ausgenommen, dessen Haltung sich parlamentarisch überhaupt nicht charakterisieren läßt. Mit König Peter, dem Mitvcrschworenen und intcllek- tnellen Urheber der That, will man ruhig lveitcr verkehren, nur die Werkzeuge der That will man des Dekorums wegen wenigstens fiir den A ti g e nb li ck kaltgestellt wissen. Welch erhabene Moral!-_ Der Ausfall der australischen Bnndeswahle». London. 10. Dezember.(Eig. Ber.). Die Wahlen des australischen Gemeinwesens haben ein überraschend günstiges Resultat für die Arbeiterpartei gebracht. Der Untcrsckned in der Zusammen, etzung des alten und neuen Parlaments geht aus folgendem vergleich hervor. Früher hatten: Abgeordnetenhaus: Konservative...... 82 Liberale........ 27 Senat: Konservative...... 12 Liberale........ 16 Arbeiterpartei. Arbeiterpartei...... 16 Jetzt haben: Abgeordneten ha nS: Konservative...... 27 Liberale........ 26 Arbeiterpartei...... 29 6 13 17 Senat: Konservative.... Liberale...... Arbeiterpartei.... Konservativ bedeutet dort schutzzöllnerisch. und liberal ist ftei- händlerisch. Tie Arbeiter sind in ihrer großen Mehrheit schütz- zöllnerisw. Im letzten Parlament waren die Konservativen an der Regierung. Jetzt werden sie eö auch sein, da sie in der Schutzzoll- Politik von den Arbeitern unterstützt»Verden, nur»vird die Regierimg fcfct btcl abhängiger von den Ärbeiiervcrtretcrn werden als früher. Es werden wahrscheinlich einige Arbeiterführer ins Kabinett eintreten. Ueber den Charakter der australischen Arbeiterpartei schreibt uns unser Londoner Korrespondent ferner: Das politische Programm der australischen Arbeiterbewegung wurde vor genau einem Jahre ans der ordentlichen Arbciterkonfercnz in Sydney ausgearbeitet: Es verlangt: 1. Die Aufrechterhaltung eines weißen Australiens. 2. Obligatorische Schiedsgerichte in industriellen Känipfen. Alterspensionen. 4. Vergesellschaftung der Monopole. fi. Bürgerwehr(Miliz) und eine eigne Flotte. «i. Einschränkung des staatlichen SchuldenmachenS. 7. Schiffahrtsgssetze, beireffend a) den Schutz der australischen Schiffahrt gegen unlauteren Wettbewerb, b) eine ausreichende Be- mannung der Schiffe, c) Lieferung von Rettungsbooten und -Apparaten,eiter am Rcichs-BerficherungSamt beschäftigt lvar, und aller- dings nach Schluß seiner dortigen Arbeitszeit oft bis spät Abends und manches Mal ganz früh vor Beginn seiner Thätigkcit bei der Firma Räbiger Walzcnsäge geschnitten hat. Daß Menzel von feinem Mitarbeiter R.(welcher schon vor der Zeit ans dem Verbands ausgeschlossen war) verschiedentlich gehänselt und auch be- leidigt worden ist, mag zutreffe», da beide sortgesetzt in persönlichem Streik miteinander standen; auch soll es nach meinen Ermittelungen zutreffen, daß die Schlafburschen dieses Mitarbeiters R. dem Menzel aufgelauert haben, nachdem letzterer den R. denunziert hatte. Aber was geht das den- Verband an und wo ist da der TerrorismuZ der gelverksch astlich organisierten Genossen, von dem die„Fachzeitung" zu schreiben beliebt? Noch ein paar Worte zu dem nun schon zum zlveitenmal von der ,. Fachzeitung" veröffentlichten Schriftstück des Oberstaatsanwalts: Daß die darin geschilderte Angelegenheit sich w e s e n t l i ch a n d e r s abgespielt hat, würde ich bei einer gerichtlichen Verhau d- lung unter Beweis gestellt haben. Oder will Herr Rahardt die Behauptungen der Staatsanwaltschaft o h n e>o e i t e r c s als bewiesene Thatsache hinstellen? Da mag er sich doch lieber erst! bei der Firma Grün u. Hettwich den Bescheid holen, daß die Maschinen- arbeiter daselbst zu der Zeit, als Tafelski dort arbeitete, nicht gc- streikt haben, also auch Tafelski nicht„während eines bei dicsev�Firma ausoevrochencn Streiks" weiterarbeiten konnte. Uebrigens spielt gerade in dieser Sache Herr Rahardt eine wenig bei�idenZwcrte Rolle. Auf seine Veranlassung fand in dieser Angelegenheit eine Besprechung zwischen unZ beiden aus dem JnnungSburcau statt. Im Verlauf derselben stellte Herr Rahardt an mich das Verlangen, mich mit meinem E h r c>, Iv o r t zu verbürgen, daß dem TaielSki von feiten der Mitglieder des Verbandes nichts mehr in den Weg gelegt würde, andernfalls er die Angelegenheit der Sraarsan Wal tschaft übergeben m üs s e und ich da- durch dann ins Gefängnis käme. Ich lehnte es selbstverständlich cnt- schieden ab, in dieser Weise mein Ehrenwort zn verpfänden. Resultat: Siehe Schriftstück des Oberstaatsanlvalis in den Nummern 44 und 49 der„FachZeitung". Hiernach kann sich jeder objektive Leser sein Urteil bilden. Hermann Jaeck, 4. Vorsitzender. An die Tabaknrbciter Berlins»nd Umgegend. Ter im vergangenen Jahre zn Stuttgart stattgehabte vierte njeiverkschaftskongresi hat die Generalkvmmission beauftragt, während der Tagung des Reichstages einen allgemeinen Heimarbeiter» S ch u tz k o n g r c st nach Berlin zu berufen. Es sollen die Mitglieder des Reichstags sowie die ReichSregieruiig hierzu eingeladen werden. Dieser Kongreß soll nun im Monat März kommendeu Jahres statt finden und ergeht au alle Industriezweige, in welchen Heimarbeit stattfindet, die Aufforderung, sich an die>cm Kongreß zu beteiligen. Da nun im Tabakgewerbe in hervorragendein Maße Heimarbeit betrieben wird und für die Tabakarbeiter die Frage ganz besonders von Wichtigkeit erscheint, welche Stellung sie diesem Kongreß gegen- über einzunehmen haben, so findet bchufS einer Aussprache darüber eine große öffentliche V e r s a m in I n ir g statt, welche für Dienstag, den 29. Dezember, abends 8 s/z Uhr, zu Wille, Brunnenstr. 188, cinberufeu wird. ES ergeht an sämtliche Tabakarbeiter und Arbeite- rinnen der dringende Ruf, sich zahlreich in dieser Versammlung einzufinden und ihr ureigenstes Interesse in dieser Sache wahr zunehmeil. I. A.: Karl Bntry. Stralsundcrstr. 41. Deutlcbes Reith. Achtung, Holzbildhauer! Von der Firma Aachener Dampfsägc- und Hobelwcrk, früher A. Miiller, wird versucht, billige Arbeils- kräfte von auswärts, besonders aber von Sachsen heranzuziehen und daiiach die Aachener Kollegen zu entlasseil. Die Lage unsrcr Kollegen ist keine rosige, die Löhne sind nicht höher als in Sachsen. Zuzug von Holzbildhaucril nach Aachen ist strengstens fernzuhalten. Alle arbeitet freundlichen Blätter lverden um Abdruck gebeten. Die Orts- Verwaltung Aachen des Centtalvereins der Bildhauer Deutschlands. Jena, 21. Dezember. fPrivatdcPcsche des„Vorwärts".) Wegen Nichtanerkennung eines voil den Arbeitgebern vorgelegten neuen Arbeitsvertrages ist 33 Schncidergehilfen gekündigt. Weitere Kündigungen stehen bevor. Kluslanck. Der Weltverband der Diamantarbeiter. TaZ vorläufige Komitee dieser kürzlich begründeten internatio- naleil Verbindung hat zu seinenr Vorsitzenden Henri Polak lAmster- danl) erilannt, zum Sekretär E. Le Guärr, f Paris), zum Kassierer Jef Groeser lAnttverpen). Die Adresse dcö Sekretärs des WeltvcrbandeS ist: E. Lc Gnery, Passage de l'Union 7, Paris. Die Neunstuiidenbewegung der Diamantarbeiter. DaS Ersuchen der Diamantarbeiter Antw e rp e ns an ihre Prinzipale, vom 3. Januar ab imr neun Stunden täglich arbeiten zu lassen, ist einstimmig ab- gelehnt worden. Stach Mitteilung bürgerlicher Blätter wird cS An- sang nächsten JahreS lvahrschcinlich zum Streik kommen. Zwei Leitern der Antwerpener Diamantarbeiter, Jef Grocscr und Bartels, ist an- gezeigt worden, daß sie. falls der Streik ausbricht, verhaftet werden, iim eine Strafe zu verbüßen, zu der sie im vorigen Jahre wegen „Beeinträchtigung der ArbeitSfrcihcit" bedingungsweise verurteilt wurden. Sociales. Berletzuug des Kinderschntz-GesetzeS. DaS Kindcrschutz-Gesetz ist noch nicht in Kraft getreten und schon ist cS verletzt worden und zwar durch keinen Geringeren wie den Bundesrat. Dem Gesetz ist ein Verzeichnis derjenigen Betriebe beigegeben, in denen Kinder nicht beschäftigt werden dürfe». Der § 4 des Gesetzes, mit dem dieses Verzeichnis in Zusanimen- hang steht, bestimmt dann: „Der Bundesrat ist ermächtigt, weitere ungeeignete Be- schästigungci, zu untersagen und das Verzeichnis abzuändern." Von dieser Vorschrift hat der Bundesrat durch einen Beschlliß, der als Vekanntinachung vom 17. Dezember soeben im„Reichs Anzeiger' veröffentlicht wird, in einer Weise Gebrauch gemacht, die im höchsten Grade bedenklich ist und Konsequenzen haben kann, an die bei Erlaß des Gesetzes wohl niemand gedacht hat. Die Bekannt machung lautet: Auf Grund dcS§ 4 Abs. 2 dcS Gesetzes, betreffend Kinder- arbeit in gewerblichen Betrieben, vom 30. März 1903 /Reichs Gesetzblatt S. 113) hat der Bundesrat beschlossen: Die Anführung unter V Alinea 5 des dem Gesetz anliegenden Verzeichnisses erhält folgende Fassung: Werkstätten, in denen Blei, Kupfer, Zink oder Legierungen dieser Metalle bearbeitet oder verarbeitet werden, mit Aus' »ahme von Werkstätten, i» denen ausschließlich eigne Kinder und diese lediglich mit Svrtierrn und Zusammensetzen von Uhrenbefiandteilcn beschäftigt werde». Die hier von«nS durch fetten Druck hervorgehobenen Worte sind die Abänderung gegen das dem Gesetz beigegebcne Verzeichnis, das sonst für keine der durch dasselbe verbotenen Beschäftigungen eine solche Ausnahme für eigne Kinder zuläßt. Cur solches Ab- änderungsrecht an dem Verzeichnisse hat der Reichstag dem Bundes- rat in keiner Weise zugestehen wollen. Das ist nicht eine Abänderung des Verzeichnisses, sondern eine Abändenmg des Gesetzeötextes der 88 4 und 12. Ter Bundesrat hat in vollständiger Vcrkennmig des Inhalts der ihm eingeräumteir Befugnis, den Ton auf die Worte„und daS Ver- zeichnis abzuändern" gelegt, während diese Worte in Wirklichkeit nur ein erläuterndes Anhängsel für die Ausführung seiner Befugnis sind, Die materielle Befugnis des Bundesrats besteht einzig und allein in dem, Ivas der erste Satzteil besagt:„Der BirndeSrar ist ennächttgt, Iveitcre ungeeignete Beschäftigungen zu untersagen"; die folgenden Worte bedeuten nur, daß die weiteren verbotenen Beschäftigungsarten in daS Verzeichnis aufgenommen werden, sie bedeuten nicht, daß der Bundesrat aus�dem Verzeichnis, das einen integrierenden Bestandteil des Gesetzes bildet, etwas entfernen darf und sie bedeuten erst recht nicht, daß der Bundesrat nach Belieben einen neuen Unter- schied zwischen eignen und fremden Kindern konstruieren darf, den das Gesetz nicht kennt. Der Reichstag, dem die Bekanntmachung so- fort nach seinem Wiederzusammentritt vorzulegen ist, wird darüber ein Wort zn reden haben._ S-cialdemokratischc Kommunalpolitik. Der Gemeinderat in Mülhausen im Elsaß hat die Auf- nähme der L o h n- u n d A r b e i t s z e i t k l a u s e l in die Lasten- hefte der städtischen Lieferanten beschlossen. Es lverden Minimal- löhne vorgeschrieben, die dem Durchschnitt der in dem betreffenden Gewerbe ortsüblichen Löhne entsprechen, wobei als Durch- schnitt nicht der rechnerische Durchschnitt zwischen Mindest- und Höchstlohn, sondern der Lohn gilt, den die Masse der Arbetter in einem Gewerbe erhält. Nach diesem Grundsatz sind unter Zuziehung von Sachverständigen der Arbeiter imd Unternehmer die zu zahlenden Mindeststundcnlöhne genau festgesetzt worden. Die Ver- pflichtungstlausel ist in folgender Form beschlossen worden:_ „Der Unternehmer verpflichtet sich, den bei diesen Arbeiten bc- schästigten Arbeitern mindestens die vom Gemeindcrat festgesetzten Mindestlöhne zn zahlen. Der Unternehmer ist verpflichtet, die für die Arbeiten bestimmten Mindestlvhne auf der Baustelle oder in der Werkstatt öffentlich anzuschlagen und einein Beauftragten der Stadt- Verwaltung jeder Zeit Einsicht in die Lohnlisten sowie Anwesenheit bei der Lohnzahlung zur Kontrolle der Niindestlöhne zn gestatten Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden sowie die in den W.... des LastenhefteS enthaltenen Bestimmungen über die Lohn- und Arbeitsbedingungen lverden mit einer Konventionalstrafe von 50 M. für den Einzelfall geahndet. Sie können unter Umständen die Nichtberücksichtigung bei späteren städtischen Vergebungen zur Folge haben," ES wurde eine Maximal- Arbeitszeit von zehn Stunden fest- gesetzt /abgesehen von den Steinhaucrn, die nur nenn Stunden ar- bette»), eine Mittagspause von l'/z Stunden, Lohnzuschlag von 50 Prozent für Ucbcrstnndcn, Benutzung dcS städtischen Arbeitsnachweises und vorzugsweise Einstellung ortsansässiger Arbeiter, Ferner wurde folgende Streikklausel festgesetzt: „Der Ausbruch von Lohnstreitigkeiten begründet an sich keinerlei Verlängerung der für Fertigstellung der Arbeit im Lastenheft fest- gesetzten Frist." Erlaß oder Ermäßigung von Konventionalstrafen bleibt dem Gcmcinderat vorbehalten. Für die cigeutlichen städtischen Arbeiter wurde beschlossen: „Ter Lohn der städtischen, nichtständigen, voll leistungsfähigen männlichen Arbeiter beträgt mindestens 2,60 Marl für den vollen Arbeitstag von 9'/- Stunden und der Lohn der nicht voll leistungS- fähigen Arbeiter für den Arbeitstag von 8 Stunden mindestens 2.40 Mark."_ Tic vorläufigen Resultate der Bcrufsstatistik, die im Jahre 1900 in Oestreich aufgenommen wurde, sind soeben veröffentlicht worden, Danach sind im genannten Jahre in Oestreich 14 107 452 Personen benifsthättg gewesen. Davon entfielen ans Landwirtschaft 8 205 33l, Industrie 3 138 731, Handel 1 035 451, öffentliche Dienste und freie Berufe 1 727 939, Tie Zahl der nichtthätigen Angehörigen belief ich. auf 1 l 564 539. Detaillierte Angaben über, die einzelnen Berufe wurden bisher»och nicht veröffentlicht, aber schon aus dem Vor- liegenden ergiebt sich, daß die Zahl der in der Landwirtschaft thntigcn Personen fast dreimal io groß ist wie die Zahl der industriell Thntigen, Oestreich ist demnach noch ein Agrarstaat. (Zmckts-Leitung. Einen komischen Beigeschmack hatte eine Anklage wegen Unter- chlagimg, welche gestern vor der dritten Strafkammer dc§ Landgerichts I gegen den Kellner Richard Glatt verhandelt wurde. In fiesem Frühjahre arbeitete der Gärtner M, im Dorfe St. Estaph> bei Lausanne. Er hatte ein Stück Bode», ans dem vor vielen Jahren eine Mirche gestanden hatte, mit jungen Bäumen zu bepflanzen. Beim Answühlen der Erde fand er m etwa Mcterticfe einen an- cheiuend alten Metallleuchter, den er an sich nahm und später mit nach Berlin brachte. Hier zeigte er seinen Fund dem Angeklagten, welcher der Meinung war, daß der Leuchter von der erwähnten rüheren Kirche stammte und wahrscheinlich einen hohen altertümlichen Wert habe. Der Angeklagte erklärte, daß er einen guten Bekannten habe, der Mnsenmsdirektor sei und dem er den Leuchter zur� Begutachtung vorlegen möchte. Der Besitzer, der damit ein- verstanden war, verttaulc dem Angeklagten das vermeintliche.Nleiuod an. ES war ein unansehnlicbeS, verrostetes Ding, stellenweise mit Patina überzogen. Der Gärtner bekam den Angeklagten wie den Leuchter längere Zeit nicht zu Gesicht, er hielt sich für hintergangen, als er endlich den Leuchter bei einem Händler mit Altertümern er mittelte. Der Angeklagte erklärte im Termine, daß er keineswegs den Leuchter sich habe aneignen wollen. Unwahr sei es allerdings, daß er einen MnscumSdirektor gekannt habe, er habe damit den Antiquitätenhändler gemeint. Dieser habe beim Anblick deS Leuchters gelacht und erklärt, daß er � keine fünf Pfennig Wert habe. Es sei ein Ziimlenchler neueren Datums, der mit Schlvefelsäure behandelt worden sei, um ihn etwas zu patiniercn. Wahrscheinlich habe ihn irgend ein Pfiffikus vergrabe», um ihn später wieder herauszuholen und ihn dann einein nach Altertümern forschenden Fremden anzuschmieren. Der Angeklagte erklärte, daß er sich infolge dieser Begutachtung mit dem Ding nicht mehr habe schleppen wollen, er habe eS einfach bei dem Händler gelassen. Die Beweisaufnahme bestätigte die Angaben des Angetlagten nach jeder Richtung, Der Händler legte den verrosteten Leuchter auf den Tisch des HauseS mit dem Bemerkt,-», daß er gern davon befreit sei. Der Eigentümer erhielt den Leuchter zurück und der Angeklagte wurde freigesprochen._ Versammlungen. Verband der Dachdecker. In der Versammlung vom 20. d. M., welche bei Feind, Weinstr. 11, statttand, wurde zunächst darauf hingewiesen, daß nach dem Lohntarif die Fahrgeldfrage am 1. April kommenden Jahres von neuem geregelt lverden müsse. Nach den Beschlüssen der Tarifkommissionen sollten im November diese zu- sammen kommen, um darüber zu beraten. DieS ist aber nicht gc- schehen. Die Versammlung beschloß deshalb zur Regelung der Frage: Liegt die Arbeitsstätte über drei Kilometer vom Comptoir entfernt, so ist das volle verauslagte Fahrgeld zn zahlen.— An Stelle von Fuchs, welcher sein Amt als Mitglied der Tarif- kommisiion niedergelegt hat, wurde Rosenbaum gewählt. Pankow. In der Wahlvereins-Versammlung am 8. d. Mts. berichtete Genosse Kubig über die Landtagswahi in Bernau. Die Gc- nosscn Frei Wald t, Kronfcld nnd Dr, Laufe nberg hoben in der Diskussion den aufklärenden agitatorischen Erfolg der Wahl hervor, der nicht zu unterschätzen sei. Die Vorgänge in der Kirche hat die bürgerliche Presse übertrieben geschildert. Wenn in der Kirche z, B, geraucht wurde, so ist cS von Wahlmännern aller Parteien geschehen. Man muß das begreiflich finden, wenn man in Betrachl zieht, daß die Wahl 14 Stunden« dauerte und die Kirche, deren Fußboden mit Steinfliesen belegt ist, ungeheizt war. Wurde die Kirche zu Wahlzwecken benutzt, so war sie für diese Zeit ihres besonderen Charakters als Religioushaus entkleidet. Ein- stimmig verurteilte die Versammlung die Haltung drS„Vorwärts' in seinem Bericht�) über die Vorgänge in der Wahl. Er hätte keine Veranlassung gehabt, die Möglichkeit der bekannten Borgänge zu erörtern und den Wahlmännern der Partei Vorhaltungen zu machen, falls sie an den Vorgängen beteiligt sein sollte». Seiner Stellung- »ahme hätte er einfach die Thatsache zu Grunde legen solleir, daß die Kirche Wahllokal gewesen sei. Da dieser Standpunkt in den ferneren Kritiken der angeführten Preßberichte eingenommen worden ist. so begnügte sich die Versammlung mit der Feststellung dieses Sachverhalts.— Eine längere Debatte entspann sich über die Ge- meinderats-Wahlcn im Frühjahr 1904. In Pankow ist ein Mieter und ein Angesessener in der 3. Klaffe zu wählen, Namentkich in Nieder-Schönhausen soll diesmal mit allen Kräften versucht werden, die beiden Sitze der 3. Klasse zn erobern, die 1902 lediglich mangels geeigneter Kandidaten preisgegeben werden mußten.— Ferner machte Genosse(Sichler auf die Pankowcr Volksbibliothek aufmerksam, die jetzt im Rathause eingerichtet ist. Der Bürgcrvcrein, der früher dafür subventioniert wurde, hat dieselbe an die Gemeinde abgetreten. Bücher werden an die Vercinsmitglieder verliehen, wenn sie eine Legitimation vom Vorsitzenden vorzeigen. Zum« Schluß zeigte Ge- nosse K u b i g au, daß am 2. WeihnachtSfciertagc, mittags 12 Uhr, in den Kurfürstensälen in Pankow, Bcrlinerstr. 102, eine Matinee zu Gunsten der streikenden Erimmitschauer veranstaltet werde. Der Besuch der Versammlung— ra. 50 Mitglieder— stand leider hinter dem der letzten Versammlung zurück. Schmargendorf. In der Fortsetzung der Generalversammlung des Wahlvercins wurde der Jahresbericht des Kassierers entgegen- genommen. Tie Borstandswahl zeitigte folgendes Resultat: P ii d l i tz, 1. Vorsitzender: M a h l y, 2. Vorsitzender: Reck. Kassierer; Wille, Schriftführer; Dobbcrphul, Beisitzer und Bibliothekar. Revisoren sind Brakhage und K a m i n s k y. Bezirksführcr wurden Geikc, Guttbicr, Lauke. M a r o tz k e, Nickel, K, Schmidt und S c i f f c r t. Die Lokalkommission besteht aus den Genossen Geikc und M a r o tz k?. Als Delegierte für die im Januar stattfindende Krcis-General- Versammlung wählte die Versammlung die Genossen P u d l i tz und Wille. Letzte JV�chnebten und Depefchen. Ehrengerichtsversahrcn im Bilse-Prozeß. Köln, 21. Dezember. /Privatdcpesche des„Vorwärts".) Zu Meldungen über eine bevorstehende Begnadigung des Lieutenants B i l s e erfährt die„Rhcinisch-Westfälische Zeitung" von„durchaus kompetenter Seite", daß auf Anordnung des Kriegs Ministers gegen alle im Bilse-Prozeß verwickelten Offiziere ein gemeinsames ehrengerichtliches Verfahren eingeleitet worden sei, worin Bilse als Zeuge austreten solle. Deshalb werde Bilse im Metzer Militär-ArrcsthauS behalten. Das Verfahren gegen die Offiziere sei beendigt und die Akten seien an das Kriegsministerium abgegangen. Das Verfahren gegen Bilse schwebe noch. Eine„allerhöchste Entscheidung" in Sachen der Offiziere sowohl als BilseS dürfte gleichzeitig ergehen, indessen halte man eine Begnadigung Vilses für ausgeschlossen. •) Wir haben nicht die geringste Ursache, von dem, was wir in Nr. 275 unsres Blattes geschrieben haben, auch nur ein Wort zurückzunehmen, und wenn die Parteigenossen, welche die Ver- sammlung in Pankow besucht haben, sich die Mühe machen wollen, den von ihnen verurteilten Artikel genau zu lesen, so werden sie ein- sehen, daß ihre Entrüstung recht deplaciert war. 10000 Mark für Gendarmen. Dresden, 21. Dezember. lW. T. B.) Die Erste Kammer nahm den fünften Nachtrag zum Staatshaushalts- Etat— 10 000 Mark für die Aufbietung von Gendarmen in Crimmitschau— an. Im Laufe der Debatte führte Bürgermeister Keil-Zittau aus, daß nach ihm gewordenen Mitteilungen erst nach Heranziehung der Gendarmerie und nach Erlaß des BersammlungSverboteS in die Bevölkerung Unruhe gekommen sei. Bürgermeister Ah-Meißen ttat für die Crimmitschauer Behörden ein, Kommerzicnrat Wäntig-Zwickan sprach den Wunsch aus. daß die StaatSregierung sich auch künftig wie bisher /!.'! Red.) jeder Parteinahme enthalten möge. Von feiten der Regierung wurde keine Erklärung abgegeben. Ein päpstlicher Befehl. Rom, LI. Dezember. /W. T. B,)„Offerbatorc Romano" ver- öffentlicht ein Zllotnproprio des Papstes vom 18. d. Mts, über das christliche Wirken zum Besten des Volkes, namentlich tu Italien, Der Papst beklagt darin, die unter den leitenden katholischen Kreisen auSgebrochenen Meinungsverschiedenheiten. crmabnt dazu, dieselben in Einstacht zu schlichten und stellt die Grundsätze auf, von denen daS Wirken der katho- tischen Kirche in der erwähnten Richtung auszugehen habe. Er bestätigt dabei in vollem Umfange die Bestimmungeil der von seinem Vorgänger hierüber erlassenen Encykliken nnd betont namentlich, daß die„christliche Demokrie" sich aus die Principicn dcS Glaubens und der katholischen Moral stützen müssen, ohne irgendlvie das unerschütterliche Recht des Privateigentums zn ver- letzen. Schließlich befiehlt der Papst, daß das Motuproprio am Sitze der katholischen Gewerkschaften und Vereine angeschlagen und von den katholischen Zeitungen veröffentlicht werden soll, welckie zu erklären haben,, daß sie demselben gehorsam sein wollen; andernfalls würden sie verboten werden._ Urteil im Kischinewer JundenverfolgungS-Prozeß. Kischinew, 21. Dezember. /Meldung der Russischen Telegraphen- Agentur.) In dem Prozesse Ivegen der gegen die Juden gerichteten Unruhen wurde heute das Urteil gefällt. Tie Angeklagten Gretschiu und Marosjuk, gegen ivelche die Anklage auch auf Mord lautete, wurden zu sieben bezw, fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Gegen 22 weitere Angeklagte wurde auf Einreihmig in eine Arrestanten- compagnie für ein bis zwei Jahre, gegen einen Angeklagten auf sechs Monate Gefängnis erkannt, zwölf wurden freigesprochen._ Die anhängig gemachten 48 Eivilklagen wurden sämtlich unberücksichtigt gelassen. Die Gerichtskostcn wurden den Verurteilten auferlegt. Entgleist. Duisburg, 21. Dezember, /Amtliche Meldung.) Heute vormittag 9 Uhr 45 Minuten entgleiste auf der Strecke Duisburg— Ober- hausen-West der Güterzug 6241 aus bisher nicht aufgeklärter Ursache. Ein Bremser war sofort totz ein Hilssbremser erlitt mehrere Rippenbrüche, der Zugführer und ein Lokomotivführer wurden Brandes verhütete nnd ihn bald löschte. Tie Strecke Duisburg— Oberhansen-West, welche nur von Güterzügen befahren wird, ist in beiden Richtungen ge,pcrrt. Rom, 21. Dezember.(28. T. B.) Der Senat hat ohne Debatte der Vorlage betreffend Konversion der 4'/.>vrozentigen Reiste zugestimmt. In der Debatte über den Gesetzentwurf, welcher die Regierung zum Abschluß eines provisorische» H a n d c l S ü b c r e i n k o m m e n s mit O e st r e i ch- U n g a r n und zur Ergreiftmg eventueller weiterer Maßregeln ermächtigt, führte der Minister dcS Acußcrn. Tittoni, aus, die Einbringung der Vorlage sei durch die Vertagung des Parlaments veranlaßt. Alle Welt sei in der Anerkennung einig, daß die ans den Handelsaustausch bezüglichen Fragen mit den verschiedenen Staaten in freundschaftlicher Wei)e gelost werden müssen. So löniie er versichern, daß Italien ebenso wie Oestreich- Ungarn die besten Absichten hätten, um den für ein Abkommen geeigneten Boden zu finden. Wenn dennoch unglücklicherweise das Llv- kommen nicht zu stände kommen sollte, so werde man bemüht sein, die italienischen Interessen zu wahren, ohne in Uebcr- treibungen im Sinne eines Zollkrieges zu verfallen. Tittoni schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß er dem Parlament und dem Lande den Abschluß dcö UcbereinkommenS werde verkünden können. Darauf wurde der Gesetzentwurf angenommen. Stettin, 21. Dezember. /B. H) Die beiden Kapitäne P o I d t und R a st e I. welche den am 19. Juli d. I. stattgefundenen Zusammenstoß der beiden Dampfer„Träger" und Terra" verschuldet hatten, bei welchem drei Personen den Tod fanden, wurden heute ivegen fahrlässiger Tötung zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Berantworll.Rcdakttur: Julius KaliSkt in Berlin, Inseratenteil verantwottl.:Th.Glocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchbrnckerciu-VerlagSanstattPanl Singer» To,, BerlinLW. Hierzu 3 Beilagen u.ttnterhaltungSblatt Kr. 298. 20. Jahrgang. 1. KeilM des Jotmätls" fftliurt Dslblilitt. Dienstag, 22. Dezember IM. Tempo und Taktik. Auf meinen Artikel„Das Tempo der proletarischen Klassen- kcivegung" vom 22. LI tober antwortete Genosse Bernstein am 1. November. Däh meine Replik erst nach einer noch viel größeren Pause erscheint, liegt an dem Tazwischcnsallcn der Landtags- und Stadwcrordnetcnlvahlcn. die den Raum des„Vorwärts" für Artikel agitatorischen Inhalts in Anspruch nahmen. Jetzt, in der politisch ruhigeren Zeit, kann auch parteitakttschen Fragen Iviedcr ihr Recht werden. Wie nötig deren Erörterung, beweist, ja deutlich genug oer Artikel des Genossen Kolb in den„Socialistischen Monats- heften", aus dem der„Vorwärts" bereits einen Auszug vcr- öffcntlichte. In meinem Artikel über das Tempo des proletarischen Klassen- kampfcS hatte ich mich gegen die Methode des Revisionismus gc- wendet, die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat als etwas in absehbarer Zeit tlncr reichbares darzustellen und an Stelle des bisherigen Klassenkampfes eine ökonomische ÄuShöhlungs- arbeit setzen zu wollen. Genosse Bernstein, den ich neben dein Genossen von Elm als Vertreter dieser revisionistischen Auffassung— die freilich noch mehr als Tendenz denn als konsequent durchgearbeitetes System auftrete — genannt hatte, ist in seiner Entgegnung leider aus diesen Kern- Punkt meiner Ausführungen gar nicht eingegangen. Er hat sich damit begnügt, allerlei Abruptes über die Zusainmenbruchstheoric, die radikale Phraseologie und andre Ivenig zur Sache gehörige Tinge vorzutragen und im übrigen zu versichern, daß er an der bis- hcrigcn Praxis der Partei ivcnig auszusetzen habe. Was avcr das Tempo anlange, spccicll meine Ansicht,' daß bereits in 2l>, 3b Jahren die Socialdcmokratic in Teutschland vermöge ihrer numerischen Ucbcrinacht der �Bourgeoisie die politische Macht, also die Vorbedingungen der Socialisicrung der Gesellschaft, werde abtrotzen können, so sei es ziemlich müßig, darüber zu streiten. Ob wir uns den Sieg der Socialdeinokratic in 2b, 3b, Sb oder 100 Jahren vorstellen, sei von dem Moment an gleichgültig, wo wir ihn von unscrm Thun abhängig machten, statt auf eine Katastrophe zu spekulieren. Wo es aber auf unser Thun ankonunc, sei cS selbstverständlich, daß jeder das Scinige aufzubieten habe, um den Gang der Entwicklung nach Möglichkeit zu beschleunigen. Man sieht also, daß Bernstein, abgesehen davon, daß er wieder einmal umfangr-cich mit der von ihm zur bequemeren Vernichtung der„radikalen Phraseologie" erfundenen„Zusammenbruchstheoric" operiert, die gmtzc Streitfrage höchst gemütlich auffaßt. Er, Bern- stein, der von mir denunzierte Revisionist, hat an der Praxis der Partei eigentlich gar nichts auszusetzen, es ist also Gcspenslcrschcrei, vom Revisionismus zu befürchten, daß er die proletarische Taktik auf AbNfge führen könne. Tie Frage des Tempos ist aber ganz gleichgültig. Auch Bernstein wünscht ja die Entwicklung möglichst beschleunigt zu scheu. Und trotz all dieser beruhigenden Versicherungen soll noch etwas wie Revisionismus existiere»? Run. die Bernsteinschc Richtung ist, zu unsrem Tröste sei es konstatiert, mindestens ebenso groß in der Gespensterscherci. � Sie bekänipft den„Radikalismus" und die„radikale Phraseologie" mindestens ebenso heftig und unermüdlich, lvie um- gekehrt der Radikalismus den Revisionismus. Und der letztere hat doch wahrhaftig keinen Grund, sich immer wieder in Warnungen vor einem übereilte» Tempo, vor Putschisinus. Revolutionsspielerei, vor der radikalen Phraseologie zu ergehen. WaS ist denn seit dem Socialistengesetz innerhalb der Partei geschehen, WaS die revisionistische Brems-Taktik rechtfertigen könnte. Zeugte vielleicht die Abschüttelung der„Jungen" von Hyperradikalismus? Oder vielleicht, um ein Symptom neueren DqtmnS zu erwähnen, der Beschluß der Beteiligung au den Landtagswahlen? Hat nicht Engels' Auffassung von der Gesetzmäßig- kcit, die unsre Gegner tötet, von der Absurdität des PutfchiSmuS die allgemeinste Billigung erfahren? Hat mau etwa die Notwendigkeit der parlamentarischen oder gewerkschaftlicheii Thätigleit auzuztvelfeln ge- wagt? Kurzum: von Phraseuradikaliömus und Rebolutiouariömus existiert keine Spur! Und lveun man trotzdem immer ivicder die tragischen Folgen einer plötzlichen, übereilten Eroberung der politischen Macht gar schauerlich an die Wand malt— ist das kein Kampf gegen Aespciisicr und— keine Flaumachern?2 Bernstein erklärt ja nun allerdings, daß er nicht an Flau- nacherci denke, daß auch er den Gang der Entwicklung möglichst vcschlcnmgen wolle. Früher hat er allerdings mehr als einmal aus- geführt, daß das Proletariat weder intellektuell noch ökonomisch reif genug dazu sei, von der ihm etwa zu- fallenden politischen Macht rationellen Gebrauch zu machen.(Genosse v. El m sagte vor einigen Wochen noch, die Geschichte gebe uns ein ivarneudes Beispiel dafür, daß verfrühte politische Revolutionen nur zu unnützem Blutvergießen führten.) Aber sei dem, wie ihm wolle. Gestehen wir Bernstem den b e st e n Willen z», das Tempo des proletarischen Befreiungskampfes zu beschleunigen, Aber es kommt nicht ans den Willen an. sondern auf die Mittel und Wege. Diese hängen aber ab von der taktischen G e s a in t a n s s a s s n n g. Bin ich davon überzeugt, daß der politische Kampf uns den politischen Sieg in absehbarer Zeit nicht zu bringen bermag. glaube ich an die ökonomische Aushöhlung des Kapitalismus durch Genossenschaften und Gewerkschaften, so werden auch die taktischen Mittel des Tages- kampfeS ganz anders gewählt sein, als im un, gekehrten Falle, Hält man die Eroberung der politischen Macht erst in 100 oder 200 Jahre für möglich, glaubt man, daß der Kapitalismus sich erst völlig„ausleben" müsse, so liegt die Gefahr nahe, sehr nahe, sich auch im Kapitalismus einleben, sich ihm anpassen zu wollen. Von einer Politik der Negation gegenüber den Lebens- bedingungen des Klassenstaates dessen Entwicklungstendenzen nur insoweit zu unterstützen find, als sie wirklich der Kultur- entwicklnng dienen, wird man zu einer Kompromiß- Politik übergehen wollen. Man wird nicht nur auf social- politischein Gebiete prakttsch mitarbeiten, sondern auch— gegen ent- sprechende Konzessionen— den Staat durch Belvilligungcn andrer Art unterstützen. Mai: wird, mit einem Wort, mit dem Klassenstaat seinen Frieden machen, wenn auch nicht in dieser Absicht, so doch dein Erfolg nach. Schon ist auch bei uns die Frage der Budgetbewilligung aufgetaucht, schon ist die Frage der Kolonialpolitik, des JniperialiSmus aufgeworfen worden. Bernstein selbst hat in seinen„Voraussetzungen" vie Bor- stellnng, daß„die Ausbreitung der Kolonien die Ler- wirllichung des SocialiSmus anfh alten werde", als auf einer„ganz veralteten Idee" beruhend bekämpft. Er hat erklärt, daß man bei Erlvcrbung von Kolonien„stets deren Wert und Aussichten s.rcng zu prüfen" habe, daß aber sonst kein Grund vorliege, kolonialen Erwerb als cttvaS von vornherein Verwerfliches zu betrachten. Wohlgemerkt: im Klasse n st a a t e! Und in dem Machest der„SocialistisÄen Monatshefte" von 1900 hat er speciell für E n g l a n d miSführlich nachzuweisen versucht, daß die Kolonialpolitik im geschichtlichen Sinne keine Reaktion oder auch nur R c t a r d a t i o n. keine sociale K r a s l a n s g a b e am unrechten Orte bedeute! Eine solche Auffassung kann man»nr hege», wenn man an die?t o t lv c n d i g k e i t des S i ch a u S l c b c n s des Kapita lism ns glaubt. Steht man aber einmal auf diesem Standpunkt, so muß man andrerseits u �....<■■_____ S»>.■? ftt M unterstützen. Den englischen Genossen cinpficlstr ja auch Genosse Ben, stein die Kolonialpolitil; wenn er für Deutschland noch nicht dasselbe gethan hat. so liegt das entiveder an einem Mangel an Offenheit oder an Konsequenz des politischen Denkens. Die Schüler Bernsteins würden freilich nicht gleich ihm auf halbe'» Wege stehen bleiben, sie Ivürden im geeigneten Augenblicke schon die nötigen Konsequenzen ziehen! In F r a n k r e i ch ist der Revisionismus ja bereits von der Theorie zur Praxis übergegangen. Dort hat man Kolonial- und Marineforderungen bewilligt. Dort stimmt man für den Etat. Dort steht die Konzessions- und Schacherpolitik in vollem Flore! So weit sind wir in Deutschland ja glücklicherweise noch nicht, aber deshalb dürfen wir noch lange nicht die Augen vor der thatsächlich auch bei uns vorhandenen Gefahr schließen. Daß der Revisionismus bei uns trotz Dresden noch munter Iveiter lebt, beweist sehr zur rechten Zeit Genosse Kolb in den, schon erwähnten Artikel in dem Dezemberheft der„Socialistischen Monatshefte". Genosse Kolb be- ginnt seine Ausführungen anerkennenswert offenherzig:„Der Revisionismus ist„ich, tot, er lebt und marschiert!" Ja, er marschiert wirklich, er nimmt allmählich greifbarere Formen an, er verzichtet mehr und mehr auf die Hüllen allgemeiner mehr- dentiger Redensarten, deren Sinn man im Notfall mutig verleugnen konnte. Zwar gebraucht auch Kolb gleich Bernstein den Trick, sich gegenüber den Radilalen als de» eigentlichen Vertreter der alten socialdeinokratischen Praxis auszugeben, aber er verlangt doch ilipp und klar eine konsequente An- w e n d u n g der bisherigen Taktik auf allen Gebieten. Wenn der „Vorwärts" uillängft einmal gemeint habe, daß der Streit über die Taktik mit dem Beschluß der Beteiligung an den LandtagSwahlen sein Ende erreicht habe, so sei das ein großer Irrtum! Mit dem Wachstum der Partei erwüchsen dem Proletariat in, in er neue praktische Aufgaben! Die Theorie der Evolution müsse konsequent in die Praxis umgesetzt werden..Es giebt nur die Alternative:„Entweder wir ziehen aus unsrer bisherigen Taktik die Kon seauenzen für die Theorie, oder wir ziehen ans der Zusammenbruchs- Theorie die Konsequenzen für die künftige Taktik." WaS er unter der konsequenten Anwendung unsrer bis- herigen Praxis versteht, darüber läßt Kolb erfteulicherweise auch keine Zweifel. Der mit der Besetzung des Vieepräsideutei,-Postens verbundene H o f b e f u ch ist Kolb natürlich»nr eine kleine Formalität, die man mit Unrecht mit dem Prineip„verkuppelt" hat. Als An- Hänger der Aiishöhlungsthcorie verwirft Kolb begreiflicherweise auch den Passus der in Dresden angenommenen Resolution, der die so ci a li stisch e Anteilnahme an der Regier» ngsgelv alt der bürgerlichen Gesell s ch a f t ausschließt. Wieder und wieder ftagt Kolb.' wie man denn schrittweise die politische Macht erobern wolle ohne Anteilnahme an der Regiernugsgewalt! Beteilige man sich nicht schon im bürgerlchcn Staate an der Regierung, begnüge man sich nur mit der total e'n Besitzergreifung der Regierung.>o habe diese totale Annexion der Gewalt eine Plötzlichkeit zur Voraussetzung. Eine solche Plötzlichkeit sc, aber eine Katastrophe, eine Revolution. Die Partei müsse sich aber auf den Boden der Evolution stellen. ES ist bezeichnend für das ganze Denken des Revisionismus, daß man sich die politische Macht nur in Gestalt eines oder mehrerer M i>, i sie rp o r t e s c„ i l l e S vorstellen kann! Als ob nicht eine geschlossene Partei, die über viele Millionen von Anhängern verfügt, die so stark geworden ist, daß man sie mit Gewalt' nicht mehr niederwerfen kann, schon an und für sich einen politischen Macht- faktor darstellte, dessen Forderungen auch Rechnmig getragen werden muß, lvcnn teine Socialdemokratcn in, Ministerium sitzen! Als ob eine solche Partei, ivohldiSeiplinirrt, beseelt von den Idealen des SoeialiSimiS, gefeit gegen alle Lockungen einer Gcschenk-Politik, nicht im Gegenteil eine viel größere Macht darstellte, als eine ministcrialistisch entnervte Partei vom Schlage der JaurtzSistcn! Denn eine im Bourgeoisslaate regier, uiaSfähig getvordcne Social- demokratie wäre eben einfach nicht mehr die jtarre Verfechterin socialdcmokratischer Priucipieu, sie wäre eine Reformpartei, die gegen allerhand Abschlagszahlungen auch den, Klassenstaate allerhand Konzessionen machie, die ihm Truppen, Kanone», Panzerschiffe, Kolonien usw. bewilligte. Natürlich nur i», vermeintlich eigensten Interesse, aber gleichwohl mit de», Effekt, daß sie die Herr- schaft der besitzenden Klasse verlängerte. Wer nichts von der strikten Verwerfung jeder Beteiligung an der Ne- gierungsgewalt innerhalb des bürgerlichen Staates wissen will, der kann auch unmöglich jenem andern Passus der Dresdener Resolution zustimmen, der ausspricht, daß die Partei jede Verantwortlich- k e i t ablehnt für die ans der kapitalistischen Produktionsweise be- ruhenden politischen und wirtschaftlichen Zustände und daß sie deshalb jede Bewilligung von Mitteln verweigert, die geeignet sind, die herrschende Klasse an der Regierung zu erhalten. Der Fall Millcrand, der Fall JaureS beweisen das! ES ist übrigens eine geradezu komische Anmaßung, wenn Ge- nosse Kolb sich immer aus den Repräsentanten der„alten, bewährten" und„sieggekrönten"— die Ausdrücke sind der Dresdener Resolution entnommen!— Taktik der Partei aufspielt und Bebel und Kautsky vorwirft, sie empföhlen eine RevolutionS- und Putsch-Taktik. Wie er dieS Kunststückchen fertig bringt, habe ich zum Teil schon gezeigt an seiner famosen Gleichung: totale Besitzergreifung— Plötzlichkeit— Katastrophe. ES fällt Bebel und KantSky gar nicht ein, eine Putsch-Taktik zu empfehlen. Sie sind nur nicht so naiv, gleich Kolb und andern Revisionisten anzn- nehmen, die herrschende Klasse lasse sich die politische Gewalt ab- schachern oder ablisten. Sie glauben auch nicht an die„Aushöhlung� der ökonomischen Macht der Bourgeoisie durch Gewerkschaften und Geiiosseuschasten, denen dann die politische Macht zugleich mit der ökono- mischen Macht zufalle. Sie sind vielmehr der alten, socialdemokratische» Auffassung, daß das Proletariat durch die Aufklärung und Disciplnnerung der Massen eine derartige Macht werden müsse, daß die Bourgeoisie schließlich vor ihr kapitulierei, muß. Diese Ans- fassung fft ebensoweit von der von Kolb dem Radikalismus unter- geschobenen mechanischen Katastrophentheorie entfernt, wie von der ÄuShöhlungs- und Kompromißtheorie des RevifioniSmnS. Es ist deshalb auch ganz unverständlich, wie Kolb behaupten kann, die bisherige Praxis der Partei vertrage sich nicht mit der theoretischen Auffassung Bebels und KautSkyS— auch Bernstein sagt cttvaS AehnlicheS,' Worin bestand denn die bisherige Praxis? Neben der principiellen Aufklärung nnd Organisierung in p r a k t i f ch c r G e g e n w a r t s p o l i t, k, wwohl auf parlamentari- schem, kommunalem, wie gewerkschaftlichem Gebiete. Diese praktische GegcnwartS-Arbcit stählt nicht nur die physische und geistige Kampfes- fäbigkeit des Proletariats, sie ist auch ein ganz vortreffliches Mittel der Agitation. ES ist„ns deshalb ganz unerfindlich, welch' andre Taktik die Socialdemokrane hätte befolgen sollen! Aber freilich, die revisionistischen Konseque n z e N der Praxis wird man nicht zu acceptieren vermögen, da sie in den Sumpf des Ministerialis», s und der Kompromißlerei führen, die das Proletariat entnerven und lähmen, statt eS politisch vorwärts zu bringen. Man wird also sowohl die revisionistische Unter- minierung der socialdeinokratischen Priucipien, wie sie Bernstein anstrebt, als auch die P r a k t i z i e r„ n g S v c r s n ch e des RevisioniSnms, lvie sie Kolb empfiehlt, aufs schärfste im Auge behalten und aufs entschiedenste bekämpfen müssen. Es gilt hier den Anfängen_ zu widerstehen. Beherrschte der Revisionismus erst einmal einen bettächrlichen Teil der Genossen, so würden unS die erbaulichen Zustände des Bruderzwistes, wie sie sich in Frankreich abspielen, auch in Deutschland nicht erspart bleiben. Schon jetzt versickert Kolb:„Die Zahl der nicht bekannten Revisio- nisten ist viel größer als die der bekannten." Die revisionistische Propaganda kann nur durch eine intensivere Betonung der alten socialdemokratischei, Anschauungen unschädlich gemacht werden. Zu bekänchfcn ist die— bewußte oder un- bewußte Flaumacherei, die in Propagierung des Gedankens liegt, daß die Eroberung der politischen Macht möglicherweise erst ,n Jahrhunderten eintteten könne. Wir wiesen schon darauf hin, welch' verderbliche taktische Konsequenzen diese Auffassung haben müsse. Aber es gehört auch nicht allzuviel Psychologie dazu, um zu be« greifen, wie sehr der Fonds der proletarischen Begeisterung durch die Leugnung greifbarer politischer Erfolge in einer näheren Zukunft geschwächt wird. Zu bekämpfen ist die naive Illusion der AuS- Höhlung der bürgerlichen Gesellschaft durch Gewerkschaften und Genossenschaftein Eine Illusion, die ungemein gefährlich und verderblich schon dadurch ist. daß sie die politische Organisation und Aufklärung des Proletariats für einen Faktor von s e k u„- d ä r e r Bedeutung erklärt, wie Genosse v, Elm in der„Neuen Zeit" im Jahre 1S00. Was aber eine so geringschätzende Bewertung der politischen Organisation und der politischen Aufklärungsarbeit ge- rade in einer Zeit bedeutet, in der die Gewerkjchaften in- folge ihrer zunehmenden praktischen Arbeit nicht mehr so viel AuftlärungSarbeit leisten lönnen. wie früher, braucht wohl nicht erst weitläufig auseinandergesetzt zu werden, Diesen irrigen Anschauungen eines belvubten oder unbewußten Revisio, nsn, us ist mit allem Nachdruck die alte soeialdc, nokratische Anschauungsweise entgegenzustellen. Eine Anschauung, deren Grundlinien ich, zugleich zur Abwehr Bernsteinscher und Kolbscher Unterstellungen, in folgenden Sätzen zu ziehen versuchen möchte: Die Gewerkschaftsbewegung nnd die Genosseiischaftsbeweguiig, so notwendig nnd wichtig sie nicht allein für die sociale Hebung des Proletariats, sondern auch für den Kampf un, die Befreiung des Proletariats aus den kapitalistischen Fesseln sind, sind an sich absolut außer stände, die von uns erstrebte socialistische Gesellschafts- ordnung herbeizuführen. Vielmehr kam, es nur der politischen Anfklärung, Schulung und DiSeiplinierung der Massen gelingen, die Ketten des Klassenstaates zu sprengen. Die bisherigen Fortschritte der Partei lassen eS auch bei nüchterner Einschätzung aller Momente keineswegs als ausgeschlossen erscheinen, daß wir schon in absehbarer Zeit, vielleicht schon in einem Menschenalter, die Masse des Volkes auf unsere Seite gebracht haben. Steht aber die Piasse des Volkes hinter uns, so wird das Stünd- lein der politischen Herrschast der Junker- nnd Bourgeois-Minderhcit geschlagen haben. Man Ivird ivohl oder übel eine Demokrati- sierung des Staatswesens dulden müssen. Diese Demokratisierung giebt uns dann die Möglichkeit, auch die notwendigen Maßnahmen zur Soeialisierung der Gesellschaftsordnung zu treffen. Die Eroberung der politischen Macht ivird nicht gleichbedeutend sein„nt der Errichtung des ZulnnftsstaateS, aber sie ivird uns die Möglichkeit geben, schrittweise, organisch unsere soeialistischen Ideale in die Wirklichkeit zu übertragen. Die Gewerkschaften und Genossen- schaften, die dann ja auch eine entsprechende größere Macht repräsen- tieren werden, können uns nicht nur bei der Eroberung der politischen Macht die größten Dienste leisten, sondern auch bei den schrittweisen Maßnahmen zur Soeialisierung der Gesellschaft. Das ist der einzig mögliche Weg zur Herbeiführung des Soeialismus. Cr setzt die denkbar intensivste politische Agitation, Schulung und Diseipliniernng der Massen voraus. Der politische Massenfortschrilt wird aber verlangsamt, gelähmt durch die Zweifel- sucht und Flaumacherei derer, die die Möglichkeit der Eroberung der politischen Macht in absehbarer Zeit leugnen und den Zeitpunkt derselben womöglich erst in Jahrhunderten für gekommen erklären, Diese Zweifelsucht ist aber ein natürlicher Ausfluß jener Auffassung, die die Bedeutung und den Erfolg der polittschen Be- wegung unterschätzt, weil sie wähnt, daß der langsamere aber sicherere Weg zum Soeialisnius über die Getverkschastei, und Genossenschaften führe nnd zlvar mittels einer„evolutionären" Reform- und K»n- zesfionspolittk. Stellen wir den alten normalen Zustand wieder her, daß die eindringende nnd weitschauende marxistische Theorie den Prüfstein jeglicher Taktik liefert, damit nicht, wie Kolb es fordert, ans unsrer revisionistisch nlißverstandenei, und falsch gewcrteten Taktik zer- rüttende nnd korrumpierende Konsequenzen für unsre Theorie ge- zogen werden können.__ H. 8. partei-JSaebnehten. Ter dritte socialdemokratische Bürgermeister in Baden wurde ft, A u c bei Turlack gewählt nnd ztvar in der Person unsres Genossen August Weimer, Maurermeister. Aus der italienischen Pnrteipresse. Im Anfang des nächsten Jahres werden in Italien drei neue socialistische Tageszeitungen erscheinen. Die 1883 als Wochenblatt gegründete„ G u i L t i z i a" von Reggio E», ilia verwandelt sich mit den, 1. Jamiar 1004 in eine Tageszeitung, deren Chefredakteur der Abgeordnete Genosse Prampolmi sein wird; der erste politische Redakteur ist Genosse Libordi, Ferner werden die revolutionären Genossen in M ailes, oder richtiger die Fraktion derer um Arthur L a b r i o l a gescharten Jntransigenten ihre wöchentlich er- scheinende„A v a„ g n a r d i a Socialista" täglich herausgeben. Als Chefredakteur ist Labriola in Aussicht genommen. Schließlich wird die„ R a g i o» e" von Bari, Apulien, unter der Leitung deS Genossen Abgeordneten Barbato zur Tageszeitung werden. Bekanntlich besteht bereits in Mailcs eine soeialistische Zeitung der reformistischen Richtung, der von TreveS redigierte„Tempo", der jetzt fast die ganze alte Redaktion des„Avanti" aufgenommen hat: Mssolatt ist sein regelmäßiger Mitarbeiter, Bonomi gehört der Redaktion an und der frühere erste politische Redakteur des„Avanti", Cassola, ist seit kurzen, der römische Korrespondent deS Blattes.— poUreUicbes, Gerichtliches uh». — Wogen Beleidigung eines Polizisten wurde der Parteigenosse Däumig in Halle in seiner Eigenschaft als Redakteur des„Bolls- blattcs für Halle" zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte nur sechs Monate beantragt, 5?iis Indurtrie und Handel. Zur Konzeiitrntlo» im Bankwesen. Die DiSkontogcsellschast hat, um ihre Stellung im Rheinland zu stärken, eine Transaktion voll- zogen, die als eine Folge- Erscheinung der Vereinigung der Dresdner Bank mit dem A. Schaaffhausenschcn Bankverein zu einer Interessen- gemeinschaft zu betrachten ist. Bevor diese Vereinigung erfolgte, war die Dresdner Bank bekanntlich zur Vermehrung ihres Einflusses im rhennscheil Industriegebiet zu der Kölnischen Wechsler- und Äommisfionsbank in enge Beziehnilgen getreten, so daß diese, deren Aktienkapital nebst Reserven sich auf rund 1288000VM, stellt, als Bestand- teil des Coneerns der Dresdner Bant galt. Durch die Vereinigung der letzteren mit dem A. Schaaffhausciischen Bankverein ist diese Interessen- Vertretung der Dresdner Bank in Köln überflüssig geworden. Die Kölnische Wechsler- nnd Kommissionsbank hat deshalb ihre Be- Ziehungen zum Dresdener Institut gelöst und tritt dafür in den Ring der Berliner Diskontoaeiellschaft ein: sie geht nämlich an die mtt ea. 40,3 Millionen Mark eignem Kapital arbeitenden Rheinischen Diskontogesellschaft in Aachen" über, die ihrerseits wieder in einem AbhängigkeitSverhälttnS zur Berliner Diskoittogesellschast steht. Der Ilebergang vollzieht sich derart, daß die Rheinische DiS- kontogesellschaft kurzerhand ohne vorausgehende Liquidation das gesamte Vermögen der Kölnischen Wechsler- und Kommissioilsbank übernimmt. Die Akttonäre der Kölner Wechslerbank erhalten für je 4000 M. Aktten 3000 M, Mtien der Rheinischen Diskoittogesellschast. Die Dividende ftir 1003 wird den Akttonären der Kölnischen Wechsler- und Kommissionsbank mit 4'/, Proz. bar vergütet. Die Rheinische Diskontogesellschafl erhöht zur Durchführung dieser Maßregel ihr Aktienkapital von 3ö auf 44 Millionen. Der Kurs der Attien der Rheinischen Diskontogesellschaft stellte sich in den letzten Tagen aus 138 bis 130 Proz. Legt man dem Tauschangebot einen ÄutS beut nur etwa 135 ProZ. zu Grunde, so werden für die WechSterbankaklien etwa IM Proz. gegeben, während ihr letzter Kurs SS bis SS Proz. betrug. Die Aktionare des kölnischen Instituts fahren also recht günstig. Die Gntehoffnungshütte gicbt»ach. Wie borauSzusehen war, ist doch noch bor Ablauf des JahreS eine Verständigung zwischen der �GuthoffnungShüttc" und dein rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat erfolgt. Wie auZ Köln gemeldet wird, hat sich die„Gutehoffnungs- Hütte" entschlossen, ihre Anforderungen zurückzustellen und sich mit der ihr angebotenen Beteiligungsziffer bon 1 900 000 Tonnen zu begnügen. Zugleich haben auch nach der„Kölnischen Zeitung" die Vertreter der Zechen„Rheinprensten" und„Neumühl" den Syndikatsvertrag unterzeichnet. Ihnen dürfte sich in den nächsten Tagen die Zeche „Deutscher Kaiser" anschließen, die ihren Beitritt bekanntlich dabon abhängig gemacht hat, daß auch die„Gntehoffnungshütte" dem Synditatsbcrband eingegliedert wird. Das Monopol ist also nun perfekt und kann im nächsten Jahr die Schröpstmg der Kon- sumenten beginnen. Tic belgische Glasindustrie leidet schon seit langein unter einer schweren Krisis. Nachdem der Versuch, die Glasfabriken in einen amerikanischen Trust zu bereinigen, gescheitert ist, scheint auch aus der geplanten Bildung eines belgischen Trustes nichts zu lvcrden, da mehrere größere Fabriken es abgelehnt haben, demselben beizutreten. Andrerseits beginnt die Krisis bereits auf die Löhne zu drucken. Fünf Fabriken aus der Umgegend bon Thoneze habe» eine Lohn- rcduktion bon 20 Proz. bon, 1. Januar sab angekündigt; andre Fabriken lasten Oefen ausgehen. Etos der frauenbewegung. Im Verein für Frauen»nd Mädchen der Arbeiterklasse hielt Frau M. Hofmaun einen sehr interessanten Vortrag iiber die Wirtschaft- liche EntWickelung der Neuzeit. Nach de», mit lebhaftem Beifall auf- genommenen Referat folgte die Diskussion. Am 24. Januar ber- anstaltet der Verein wieder eine Urania-Vorstellung. Billets sind in den Zahlstellen und im Verein zu haben. Unsre nächste Vereins- bersamnilnng findet an, lt. Januar in den Arniinhallen statt. SingeganAene Druchfchriften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dictz' Verlag) fit soeben da? 12. Hcjt des 22. Jahrganges erschienen, tlus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Calonne.— Was bedeutet der Generalstreik? Von Gustao Eckstein.— statistische Nachklänge zu den Reichstagswablen. Von Aka» demilus.— Wald und Waldbau in der Gegenwart. Bon Kurt Grottewitz. — Zur Frage der Reichseiscnbahn- Betriebsgemeinschast. Von Franz Feuer- stein.— Lilterarische Rundschau: 21. R. I. Turgot, Betrachtungen über die Bildung und die Verteilung des Reichtums. Von K. Kautslh._ Der deutsche Spielmann. Von-o-i. Karl Ewald, Ausgewählte Märchen. Von K. Arbeiter-Notizkalender für das Jahr 1904. Von XV.— Notizen: Die Jugendschristew Ausschüsse. Von-o-r. Eine„Störung im Wirtschaftsleben". Von.1. G. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 8,25 M. pro Quartal zu bezichen. In der Zeitungsprcisliste der Postanstalten ist die „Neue Zeit" unter Nr. 5575 eingetragen, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Bibliothek des allgemeinen und praktischen Wissens. Erste Lieferung. Preis: 60 Ps. Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin W. 57. Kür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcztcv. Dienstag, den 22. Dezember. Ansang 7 Uhr: Opernhaus. Robert der Tcusel. Slnsang 7ft. Uhr: Schauspielhaus. Wällensteins Lager. Die Piccolomini. Neues Königl. Opern- Theater. Geschlossen. Deutsches. Der Meister. Berliner. Geschlossen. Lessing. Zapscnstreich. Weste». Der Trompeter von Säk- tingen. Neues. Logik!des Herzens. Salome. Residenz. Erainqucville. Ein Seiten- sprung. Tentral. Der Rastewinder. Thalia» Der Hochtourist. Slnsang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner- Theater.): San MarcoS Tochter. Schiller X.(Friedrich. Wilhelmstädi.) Kollege Crampton. Sorl Weift. Der Gewissenswurm. Luisen. Alpenkönig und Menschen- feind. Kleines. Elektra. Trianou. Biscotte. Deutsch- Amerikanisches. Ucbcr'ii großen Teich. Casino. WcihnachtSglockcn. Der vertauschte Sohn. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Apollo. Frühlingslust. Palast. Wünsche und Träume. Winter-Garten. Specialitälcn. Passage-Theater. Specialitäten. ReichShallen. StKtincr Gänger. Nrania. Taubeustrafte 48/49. Uu� 8 Uhr im Theater: Zln den iäccn Oberitaliens. Jnvalidenstrafte 57/62. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Centrai-Theater. Heute zwei Vorstellimgen. Nach- mittag 4 Ubr halbe Preise: Jeder Erwachsene ein Kind frei. Der gestiefelte Kater. Märchenspiel in 4 Bildern mit Gesang und Tanz. DM- Mcnds 7'/. Uhr:-MW Der Rastelbinder. Eduard Steinberger a. G._ Neues Theater. Schifsbauerdamm 4a— 5. Salome. Vorher: XiOglk dos Herzens. Ansang l'U Uhr. Mittwoch: Der Strom._ Kleines Theater. Unter den Linden 44. Abends 8 Uhr: Elektra. Mittwoch: Kachtasyl. irlesko Ansstattungsposse mit »sang imd Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. Scene gesetzt vom Direktor Bicuard Schultz. Im 4. Bilde:_ P" Grosses Ballett-MD Wie damals im Monat Mai. Anfang 8 Uhr. ■Rauchen überall gestattet.— Apollo-Theater. Um 8 Uhr: Frühlingsluft mit dem lenfationell. Ballett Blüteuhochzeit. Um B/« Uhr: Vision nach dem Balle. Musik v. Joachim Albrecht v. Preussen. Um 10 Uhr: Die glänzenden Specialitäten. Kasseneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Voranzeige I An allen drei Weih- nachtSseiertagen: NachmUtags- Vorstellnng. Ermäßigte Preise. liyslstrata und hervorragende Specialitäten. Billet-Vorverkaus für die Weihnnchts- Feiertage vormittags von 10—2 Uhr. Lorverkaussgebühr. werd. nicht erhob. Urania. Taubenslrasse 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Zum letztenmal: An den Seen Ober-itaüeRS. Sternwarte Invaiidonstrasse S7/62. CASTANS PANOPTICUM Friodrichstr. 165, Der Indlaner-Hiese Mianko Karoo vom Stamm der AM- Sioux-Indianer."M® I olinnrl I Die zusammenge- UCUCllll: wachsenen — Schwestern AM— nnr noch bis Kndc Dezember."MM Grosses Promenaden-Konzert. i\[»T- CH'Nft Kunst-jlussteiiung Täglich geöffnet 10-8. Entrec 1 M., Sonntag 50 Bf. Deutseh-Ainerikanisehes Theater. Köpnickerstr. 67. Stat. Fannowitzbrücke. fm~ Ansang 8 Uhr.-«SK Gastspiel-4B. PHILIBP. Zum t l Male: „Lebern grossen Teich." An allen drei WeihnachtS-Feiertagen: Rachmittags-Borstellungen. „liebem grossen Telcb.�� Jeder Erwachsene e i n Kind frei. Billets jetzt schon zu haben. Rejidenj-Thkatn Direktton S. Lautenbnrg. Abends 7-,. Uhr. Schauspiel in3 Bildern v. Sinnt. France. Hieraus: Ein Seitensprung. Schwank in 3 Alte». Frciiag, Sonnabend, Sonntag: Crainquebllle. Vorher: Ein Seifensprung. Nachmittags- Vorstellungen 3 Uhr: Freitag: Das grosse Geheimnis. Sonnabend: l-utti. Sonntag: Seine Kammerzeke. Passaxe-T'keater Anlang Sonntags 8 Uhr, Wcohen- tags 5 Uhr. Anfang der Abend* Vorstellung 8 Uhr. Berlin hat wieder seine Sensation! Mortonellos Enthauptung einer lebenden Dame! Ausserdem 14 neue erstklassige Nummern. Pcrtlna. Lucia della Sera. Hasson a. Jenny etc. etc. Trianon-Theater. Gcorgcnslrntze, zwischen Friedrich- nnd Universitätssttaße. kisvott«. Anfang 8 Uhr. An allen drei Deihnachts- Feier- tagen nachmittags: Die Notbrücke. Abends: Biscotte. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: lei. Mittwochnachmittag: Schneewittchen und die sieben Zwerge. Abends 8 Uhr: Othello. Donnerstag: Geschlossen. Freitagnachmittag: Die Jungfrau von Orleans. Abends: Der Akttcnbudiker. SvkillKf-l'kvs�vt». Scblller-Tbenter O. (Wallncr-Thcatcr). Dienstagabend 8 Uhr: San Harens Tochter. Ein romantisches Trauerspiel in sünf Auszügen von Arthur Fitger. Mittwochabend 8 Uhr: Tasantasena. DonnerS tag: Geschlossen. Scbillcr-Tbcater 5f. (Friedrich-Wilbelnistädtisches Theater). Dienstagabend 8 Uhr: Kollege Lraiaptoa. Komödie in 5 Akten von Gerhart Hauplinann. Mittwochabend 3 Uhr: Der L'ompagnoa. Donnerstag: Geschloffen. Cirkns Schumann. en 22. Dezember, Tadel ns neu- und 25 Löwen. abends 7llt Uhr: Eine Wanderung durch 8 lahrtausünde in 11 Zlbt. � Feenhafte Wasser- und Heute Dienstag, den 22. Dezember, Zum 21. Male: Hit grossem Ertolg! Die AuSstattungspantomime: Direktor.41b. Scbuinanns Die bestdrcssiertc Löwcnpruppe des Herrn Jnlins Seeth. Billets zu de» Weibnachts-Feicrtagcu sind von morgen Mittwach ab ander Cirkuskasse zu haben._ Licht-Effekle. und moderne Dressuren. carl Reiss-Thsaiek'. Groftc Frankfurter Strafte 1112. Gastspiel des Oberbayrischen Bancrn-ThcaterZ. Der KtiliiDeiisuinrm. Voltsstück mit Gesang und Tanz in 4 Alten von Ludwig Anzengrubcr. Ansang 8 Uhr. Mittwoch u. Donnerstag: Geschlossen. Friel* Allerlei-Theater (v. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Fröbel. An allen drei Feiertagen: Cfrosse Fest- Vorstellnng. Am zweiten Feiertag: Norddeutsche Sänger. Grosses Weihnaehts-Programm. Nach der Vorstellung: Großer Ertra-Fest-Toni. Ansang der Vorstellung: 7 Uhr, Tanz ll» Uhr. Am Silvestcr-Zlbcnd; Gemütliche Meiter- Feier. Familien MTaskenball. Casino-Theater. Lothringcrstr. 37. Anf. 8, Sonnt. 7'/,. 8 Uhr: Weihnachtsglocken. 8'/,: Nuscha Melitta— Loro-Quartett. Corradliii. 9»/, uhr-AervertauschteSoh«. An, dritten Feiertag nachm. 4 Uhr: Festvorstellung. I Direktion: Robert Dill. Brnnncnstpasse 10. Heute: Geschlossen. Wiedereröffnung: Am ersten Feiertage! An allen drei WeihnachtS-Feiertagen: Große Ftk-Vorkellllngtn. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstratze 58. Vom 22. bis einschllessl. 24. d. Mts. geschlossen. 1. Feiertag: Nchm.: Maria Stuart. ABbs.: Einer von untre fent'. «. Feiertag: Nchm.-Raub d.Subiutriuueu. Mds.: Der Goldoukei. s. Feiertag: Nchm: Die Sliude von Dans. Mds.- Einer von unsre Feut'. IKefi«I»8l»aKI«iK Slip. Weihnachts- Programm. Sonnabend(2. Feiertag) 12 Uhr: Orossc Fest Matinee. mmm Theaier. X'nr noch kurve JBelt: Papa Noa mit Anton und Donat Hcrrnfeld. •Am Silvester-Abendl Anf. 3 Uhr. Kassenorüftn. 7 Uhr. Kiesen-Sachprogratntn l alleroriginellster Art. Um 8 Uhr: Papa Noa. Um 11 Uhr: Die Original-Klabriasparfie, Um 12 Uhr: DerAnbrucheinerneuenZelt, ] Xeujahrsgruss von Hugo Pollak. Fanfaren-Jubeikläoge Grosser allgemeiner Gratulations-Akt im Foyoru. Wintergarten, begleitet von Puiisch- bowlen- Galopp und Pfannkuchen- Polka der beliebten Theaterkapelle unter Leitung des Kapelim. u. Kompon. Hai. Darauf im Foyer: Cr. Elite-Ifolkssaiiier-Soiree. Nach Alt- Wiener Art arrangiert v. Gohr. Herrnfeld. Lustigste Stegreif-Vorträge folgender Künster; Martin Bendix, MarkthaUen- Fritze.— Duo Corbetta, ital. Oper.— Quintett Winsberg. schwed. a capella.— Jacques Glaser, mimische Darstellung.— Hilda Stadthagen. — Max Aschinger.— Karl Bernhard als grösste Tragödin der Welt..Sarah Bernhard-' u. v. a. Ende: das wissen wir noch nicht! Jubil.-Vorstellung Zum lOO. Male: ?apaKoa. In Vorbereitung: „Nur eine Nacht". 2 Akte aus einer Ehe von A. und D. Herrnfeld. Infann* Wochentags 8 Uhr. Rlllalitj. Sanntags 7 Uhr. fscoonoPnH'Wochentags 7 Uhr. nAuuCIlul Uli.. Sonntags S". Uhr. Billetvorverkauf tägl. 11-2 Uhr. I Palast-Theater Burgstraftc 22, früher Feen-Palast. Vom 21. bis einschließlich 24. De- zeinber bleibt das Theater geschloffen. tV&chNtc Vorstellung: 1. Weihnachtsleiertag abends 8 Uhr. EtMiffemut Suggenhagen Norltzplatz. Im K a i s e r s a a l: Rudolf Schnauss' Künstler- Ensemble „Xorcksterne". Kasseneröffnung 5 Uhr. 'Anfang'1,7 Uhr. Nach der Vorstellung: Tnn�. In den unteren Sälen um 6 Uhr: Militär- Konzert. Königstadt-Kasino Holzmarktstr. 72, Ecke Aieranderstraße. Täglich: Welhnneht-is-orstellnngen. Des Menschen Schicksal. Vollsstück mit Gesang in 2 Bildern. Nene 8pecialitttten. Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Tanz. _ IX. Berliner Saison. Cirkns Busch. Dienstag, den 22. Dezember, abends 71/a Uhr: Grande Soiräe Equestre. Direktor Ituscli: 4 oftpreußischc Ravpcn. 2 Hengste. Die berühmten Ikbra-Arrssiiren Die importierten arnbischenVoll- bluthcngste von Herrn Paul. Quadrille aus der Zeit Friedrich des Grossen, geritten in historisch. Kostümen mit 8 Schulpserven. Herr Gustav Goohei aus Berlin, Schulreiter, Schüler des berühmten lanies Fiiiis. Mlle. de Kolstain, Schulreiterin. Ilir. Richard Sawarie mit seinen berühmte» Wunder- Tiger-Dressur. Berliner Winterlreuden bumorist. Manege- Schaustück. Saierna Meisteri'ongletm. lohnson u. Dean Gake-Walk-Tünzer. Wood u. Gates Amerik. Excentrics. The Saphos Eecktumkünstler. Otto Reutter uumonst. Little Fred Komisohe Hundedressur. Kremo Familie Ikarische Spiele. Piwitt Pierrot. Annette Gillard"tVm von der Opera Gomioue. in Paris. 4 Schwestern Merkel Equilibristin. ßokken Lassen Strassensängerin. „Pariser Luft" Ballettdivertissem. Biograph mit neuen interess. Aufn. Sanssouci. Kottbuscr Thor— Stat. der Hochbahn. ?lm ersten Feiertag: WiRoelte tiRt! Ttatiiuo. Am zweiten Feiertag: MittültotiRtiTtaim Nach der Vorstellung: Tanihrämchen. Am dritten Feiertag: Heitmanns Nordd. Sänger. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Billetvorverkauf täglich von 11 bis 2 Uhr. chrizthauinzciiiniich von Parteigenossen aus Lauscha. Kerzen, Lichthalter jc. billig. s3752L jlCCOrilZithern�eMenzönhauer SV doch halb so teuer. Gelegenheitskauf. Pracht. Festgescheni. A, Wlelepp, Wörtherstr. 43, vart. lumen- und 196� Kranzbinderei Richard Engelke, Reichenbepger-Strasse 164, Ecke Mariannenstr. Spccialität: Verelnskrttnae. Snnliseh. Unterricht im und außer dem.vmufc (Einzel- oder im Eirkel) erteilt 2811L» 0. Swienfy geb. Liebknecht, Schünoberg. Sedansttaftebk, III Caf6 Sehnrig Oranicnstr. 144, a. Moritzplalz. 5 Billard-Saal: Billards(l�cubusen mit Kcrhau-Bande) a Stunde 40 u. 60 Pf. Kaffee 10 u. 15. Bier 10 Pf. 5 Dr. Simmel, sirT. Specialarzt für[41/10f Hant- und Harnleiden. 10— 2. 5—7. S oiinlags 10—12 2— 4 DrTSchünemann Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden, 8evdelstr. 9. '/;,ia-1/.3,'/26—!/D8, Sonnt. 9-11 Krön;- und Klnmenbindem von Roberl AAefer,. nnr Mltrinnnen-Ztraße 2. Vereins-Kränzc, Palmen- u. Blumen» Arrangements. Bonquets, Guirlandc» usw. werden sein u. preiswert gelicserft' Stempel- von Fabrik [2632e- Robert Hecht, Berlin 8.. Oranienstr. 142, liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester Ausführung. Kantschuk- Dypcn„Perfekt" zum Zusammensetzen einzelner Wörter sowie ganzer Sätze von I,5V M.an. Apotheke z.goIdenenMer Alcxandrinensitr. 41.* Hämorrhoidallikör a Flasche 1 Mark, 7 Flaschen 8 Mark. Damen-Konfektion direkt aus der Fabrik. W Kein4,aden!-H» Jetzt nach beendeter Engros- Baison o7532 Einzelverkauf zu enorm biil. Preisen: Jacketts Paletot« Capes Abendntänfel Kostttm- Kttcke für Damen und Mädchen. Damen■ Mäntel• Fabrik Robert Baumgarten Hausvoigleiplatz 11, 2. Etage (a. d. 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Sechster M ahlkreis.| Mierpsktak Sonnabend, den 36. Depider(3. Feiertag), mittags Punkt l3 Uhr: �VeZtmacKts-Matineen in solgenden Loialcn: Kronen-Srauerei AltHoablt 47 40 unicr Hchwirkimg der„Bcxliner Bolksiänger- Gesellschaft Lewaudowskti�. dcr Koianguereinl! „Unverzagt" und„Bcreintc Zangcsbrüder Moabits� und dcs Zlrbeitcr-Tnrnvereinö "Äichte". Billcts 30 Pf. Germanm-Vracht-Sale Chansscestr. 88 unter Mitwirlung dcr„Hamburger Zänger« und des Gesangverein„Nordwacht". Billct 25 Pf., an dcr Kasse 30 Pf. Gtalilisscment F.IdlchlSßch-« MUIIer�tr. 140 unicr Mitwirkung dcs„Berliner Ulk- Trio". dcr Gcsangs-Tncttisten Geschwister Rau und dcS Gesangvereins„ZSeddinger Harmonie". Sillct 25 Pf., im der Kasse 30 Pf. Zu recht zahlreichem Besuch laden ein Kollfchmieders Festsäle Badet tr. 16 unter Mitwirkung der Norddeutschen Tanger, Gesellschaft H. Zimmermann und des Gesangvereins„Rote Nelke". Billct 25 Pf., an der Kasse 30 Pf. Kernhnrd Kose-Theater Badettr. 58 und Weimanns Volksgorten Badettr>. 56 7i»saker-'VorstsNung. Billct 25 Pf.(Lillets haben in beiden Lokalen Gültigkeit.) Krnuerei Königstadt 8«;I>VaI>aaeter' AIlQ« 16 11 und Kerlmer Prater Baettaalen-ANee 7,6 unter Mitwirkung dcr„Norddeutschen Tanger" und des Künstler Ensembles„Nordsterne". Billct 30 Pi. 260/7 Die Komitee«. ♦ Konzcrthaus Sanssouci Kottbufer• Strasse 4 a. Ml Sonnabend, den 26. Dezember 1003 (2. Weihnachts-Feiertag) 215/8* \ Matinee arrangiert von den Parteigenossen des 4. BcrUner Reichstago- Alaklkreifes„Süd-Oftt' Aultreten der HonmannsetieD Norddeutschen Sänger. Kassenerüffnung 11 Uhr.• Eintritt 30 Pf.• Anfang t2 Uhr. Es ladet freundlichst ein Bas Komitee. Konsumverein Charlottenburg ö. G. m. b. H. Dienstag, den SV. Tezember er., abends 8 Nhr, im Volkshanse, Rosinenftraste Nr.:i: Ausserordentliche General-Versamntlung. Tagcs-Ordnung: 1. Zlatutenänderutig,§ 76; �chtuh dcs GefchäftsjahrZ ans den 30. Funi ßu verlegen. 2. Wahl eines Vorstandsmitgliedes. Die Genetawersaminwitg ist bcichlutziähig. 2S5/l5 Ilm rege Beteiligmia wird gebeten. Karte oder Buch legitimiert. Ter Aufsichtsrat. Kar Knüfal, erster Vorsitzender. Danksagung. Hiermit sagen imr allen Verwandten, .vrcundcn und Bekannten für die über. aus grogc Teilnahme und herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben unvergexlichen Mannes, unsrcs guten Vaters unser» herzlichen Dank. Auch allen Kollegen, welche itm während seiner Krankheit durch ihre Unterstützung erfreut haben, noch ingls herzlichen Dank. 5566 Wwe. Grolms nebst Kindern Orts- Krankenkasse der Maler. Das in der Generalversammlung beschlossene und vom Bezirksausschus! genehmigte Statut tritt mit dem 1. Januar t S0t in Kraft und ist vom 2S. Dezember er. im Kaisenlokat in Empfang zu nehmen. Durch Dbcrpräsidial-Erlah ist der durchfchuintichc Tag«lohn für mann- liche Mitglieder über 16 Tahrc aus i.00 M., für weibllchc Mitglieder über 16 Jahre aus 2,00 M. festgesetzt. Die Beiträge betragen für tnämi- liche Mitglieder über 16 Jahre, aus- schtieglich der Lehrlinge, vro Woche 72 Ps., weibliche Mitglieder über 16 Jahre 36 Ps. S51b Ter Borstand. Tabakarbeiter und Tabakarbeiterinnen! Ticnstag, de» SV. Tezembcr. abends 8H■ Uhr, bei W'llbe, Brunneustr. 188; Oeffentliche Versammlung. Tages-Qrdnung: l. Der im Mörz 1!X>4 zu Berlin statifindeudc Heimarbeiterschun-Kongrest und wie stellen sich die Tabakorbeiter zu demselben? 2. Diskussion über die Stellungnahme und eventuelle Babl einer Kongrest-Kommission. 3. BerschiedencS. I. A.: 157/15- llael öute/. straljundeistt. 11, III. Ltoff'KeZte kür Herren-Anzüge. Winter- Paletots, Kinder- Anzüge, Damen-Kostüme usw. Bamon- Tache. Berlin CL, Boss Strasse X Koch& Seeland. Charlottenburg F. Kunstmann W'allstr. 1. Uhrmacher und Gold arbeiter. Gr. Lager, billige Preise.— Roparnt. schnell, billigst. S jetzt für den dritten Teil des bisherigen Preises in allen neuen Fa?ons und Stoffen anstatt 20-60 Mk. jetzt 6, 8, 10, 15 Mk. 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Hiermit gicbt dcr unterzeichnete Vorstand auf Grund des K 66 des >i.aiicns!atuts den llllitgliedern und Arbeitgebern btlannt, dast das in�der Generalversammlung vom 17. Gep- tember 1903 beschlosteiic neue beziv. revidierte Statut durch Bcschluh des Bczirloausschusscsvom24.Novemdcrcr. genehmigt worden ist. Dasselbe tritt mit dem 1. Januar 1904 m Kraft. Ter dnrchschntttttche Tagelohn für die ci>izeliten Klassen ist von der höheren Verwaltungsbehörde wie folgt festgesetzt: iiir die Klasse T(Maurer) auf 3,50 M. für Sic Klasse I I« Arbeiter)„ 3,—„ für big Klasse III(Lehrlinge u. Arbeiter unter 16 KahrK.... 1,50„ für die Klasse IV(et- tvachscne wcibt.Kassen- mitgttcder über 16 Jahre)-.....„ 1,50„ . für die Klasse V(jugendliche weibliche Kassen- Mitglieder unter 16 fahren)...... t,—„ Im Halle der durch Krantheit her» bcigeiührtcn Grtocrbsn»säht gleit tpirb den Mitgliedern die Kälftc der vorstcHendcnTagctoHnsätzcalSKrankcn- gcld gewährt und zwar allgemein auf die Dauer von 26 Wochen. Die Wöchnerinnen- Unter- stüUuiigsdaucr ist von 4 auf 6 Wochen verlängert und beginnt vom Tage dcr üntbindung. Das Tterbegeld heirägi: für die.Klakfe I(Maurer), 70 M. für die Klasse II(Arbeiter) 60„ für die Klaise III(Lchrtingc) 30 für die Klasse IV(weibliche 'Mitglieder über 16 Hahre) für die Klasse V(weibliche Mitglieder linier 16Jahren) Bei uimnterbrochenor Bezahlung dcr Beiträge bei dcr LriS-KraiMst» lasse des Maurcrgcwcrbes vom Bc» ginn dcr Mitgtiedschaft bis zum Ab- lauf des sechsten Monats beträgt das Sterbegeld sür die Klaise I(Maurer) „ II(Arbeiter) ,,„„ III(Lehrlinge) „„„ IV(wcibl, Mitglieder über 16 Jahre).. ,„, V(wcibl. Mitglieder unter 16 Jahren). 50. Die Eintrittsgelder und Bei» träge betragen vom 1. Januar 1904 ab: wöchcnt» licher Beitrag st M. 30 20 105 M. 90. 50. 50 Ein- trttts- gcld 3,50 3,— für Kl. I(Maurer) ,, II(Arbeiter). 3,— 73 ,„ III(Lehrlinge it. Arbeiter unt. IG Jahren). 1,50 36, „„ iV(weibl.Mit- g lieber über 16 Jahre). 1,50 36, „„ V(wcibl. Mit-. glicd. unter 16 Jahren) 1,— 24, Befreit von der Zahlung des Cnniritisgeldes sind diejenigen, welch« nachweisen, dast sie innerhalb der letzten 26 Wochen vor ihrem Eintritt in die Kasse einer andren Kranken» kasie angehört oder Beiträge zur Ge» meindc-Krankenversicherung geleistet haben. Die Eintrittsgcbührcn sind von den Mitgliedern im vollen Betrage, die Beiträge von den versicherten Mit- gliedern im zwei Drittel-Beträge und von den sreiwilligen Mitgliedern voll zu zahlen. Der Hwcidrittel-Bestrag beträgt: sür die Klasse I(Maurer) Ivöchenilich...... 56 Pf. für die Klaffe II(Arbeiter) wöchentlich...... 48, für die Klaffe III(Lehrlinge u. Arbeiter unter 16 Jahren) 24, für die Klasse IV(weibliche Mitglieder über 16 Jahren) 24, für dicKlassc V(weibliche Mi!- glieder unter 16 Jahren) 16„ Die Arbeitgeber werden ersucht, von» 4. Januar 190t ab die neuen Eintrittsgcbührcn und Beiträg« an die Kasse abzuführen. Tie Neuen Siawtcnbiichcr werden in kürzester Zeit den Arbeitgebern zu- gestellt werden und bitten'wir, die- clben den Mitgliedern der unter» zeichneten Kasse auszuhändigen. Tic Mitglieder werden ersucht, sich die neuen �.tatulenbüchcr von ihren Arbeitgebern cinzusordern. Tie von der Gcncralocrsammlnng vom 26.' November 1903 beschlossenen Äraltlcnvorschrisicn sind von der'Aus- fichtsbchörde genehmigt, dieselben werden den Statuten beigefügt und befinden sich austcrdem im Aushang des Kassenlokals zur Einsicht, Die Mahngebühren sind in der- selben Horm wie früher beibehalten und cbcilfalls von dcr Anjsichts» behörde genehmigt. Berlin den 2, Dezember 1903. Ter Vorstand dcr Ortskrankenkasse des Atanrer« gcwerbes zu Berlin. A. Daehne. Vorsitzender. A. Kelpin, Schriftführer. direkt aus erster Hajidiu der Wäsche-Fabrik Z. Alexander, i03Fra„Ä�r.lC)S Eim billige Preise WeWenlliiaiitäteiK Bitte auf die Finna zu achten! ] Hl„„<1 Brillanten, Goldwarai, bc- Blftlll, deutend unter regulärem Preis, Leihhaus Grast, Bellthstr. ö.• Xanfhans Utax Alamikeim Frankfurter Allee 89. BERLIN O« Frankfurter Allee 89. Abteilung Konfektion. KostUm-Röcke schwarz Cheviot, ganz auf Futter, mit Stoss und Besenborde. Jlk. 4i*)5 5,50 0,00 bis �0,00 KostUm-Röcke in grauen Stoffen Bit. A,SO 3,00 4,05 5,50 bis 21,00 Morgen-Röcke und Matines in Velour, Eattind und Tuch Mk. 3 75 5,50 7,50 8,50 bis 16,00 An Josten zurückgesetzter Kostüme Mk. 5,00 Knaben-Anzug„Paul" blau Cheviot Grösse 1 2 3 4 Mk. 2,75 3,00 3 50 4,00 Knaben-Anzug„Max" Cheviot Grösse 1— 6 Mk. 4,00 4 50 5,00 5,50 6,00 6,50 Knaben-Paletot marengo und blau Diagonal rnarengo und Mk � 75 4.00 4,50 5,0O 6,00 Knaben-Joppen warm gefüttert Mk. 2,75 3 OO 3 �5 bis t>.50 Damen-Blusen in baumwollenen Stoffen Mk. 1»5 1,75 1,95 2,«5 3 50 Damen-Blusen gestreifte Wollstoffo Mk. 4,75 5,50 7,50 8,00 9,50 Damen-Blusen aus Cheviot, Militärfaijon Mk. 3,95 6,00 6,50 6,75 7,50 Sammet-Blusen in reizenden Dessins Mk 7,50 8,50 bis 26,00 Unter-Stöcke aus Bleiton, Velour, Tuch, Moird u. Oloth, gefüttert Mk. 1,45 bis 16,50 Herren- u. Damen-Regen- schirmeMk. 1.86 1, 752,853,00 bis 15, 00 Damen-Tändel-Schürzen in reizenden Ausführungen stück 28, 45, 55, 75, 185 bis 4.00 Seidene Damen»Tcbürzen Mk. 2,50 bis l/Lj Uhr war die Verfinsterung so stark, daß auf der Stadtbahn wtederum der Nachtdienst eingerichtet wurde. Bei Straßenbahnen und Oinnibusicn wurden nicht nur die Jnnenräume erleuchtet, sondent auch die Signallaterncn entzündet. Urber de» Post- und Trlegraphenvcrkchr der Berliner Vororte werden fetzt folgende Angaben aus dem letzten Jahre gemocht. Die größten Einnahmen nächst Charlottcnburg, über das berichtet ist, hat «chöncberg mit 485 000 M. Es folgen Ripdorf mit 295 000 M., Friedenau mit 286 000 M.. Groß-Lichterfelde mit 277 000 M.. Steglitz mit 271 000 M., Reu-Weißcnfee mit 145 000 M. und Wilmersdorf mit 140 000 M. Es sind dies sämtliche Orte der Ober- Postdirettion Berlin mit Postämtern I. Klasse. Dteser Reihenfolge entspricht der Umfang de« Postverkehrs nicht immer. So sind nach Schönebcrg mit 10 Millionen die ineisten Brieffendungen, nämlich mehr als 5 Millionen, in Friedenau aufgegeben worden. Ripdorf hat nur 4.2 Millionen aufgegeben. Es folgen nach der Zahl ihrer aufgegebenen Brieffendungen: Groß-Lichterfelde mit 3'/» Millionen, Steglitz mit 2%, Wilmersdorf mit 1,6, Rcu-Weißenfee mit l'/s Millionen. Eingegangen sind dagegen für Schönebcrg nur abgesehen von Schönebcrg mit 8,2 Millionen, au, meisten in Friedenau mit mehr als 6 Millionen ausgezahlt. Es folgen Ripdorf mit S'/z. Groß-Lichterfelde mit nahezu 5, Steglitz mit 3.8. Wilmersdorf mit 3>/z und Rcu-Weißenfee mit 2,6, Die Einzahlungen find meist geringer; nur Ripdorf zahlt über 400 000 inehr ein als aus. Die meisten ZeiwngSuummun bezieht Groß-Lichterfelde. nämlich 155 000 Stück. Alle andren Vororte erreichen diese Zahl auch nicht an- nähernd. Am nächsten steht Friedenau mit 87 000 lind Ripdorf mit 65 000 Stück. Selbst Schönebcrg hat nur 21 000 Stück. Die nieisten Telegramme hat wiederum Schönebcrg mit 38 000 nsiv. Die meisten Ferngespräche wurden in Wilmersdorf mit 2,1 Biillioneu geführt. ES folgt dann Ripdorf mit 1,8, Friedenau mit 1,2 und Groß- Lichterfelde mit 1 Million. Der Umsturz im Großhandel. Man schreibt der„Wiener Ar- bciter-Zeittmg" auS Antwerpen: Dieser Tage hat Graf Büloiv sich im Täbslrasfeln gegen die Tecialdemokrasie geiibsi Das.deutsche Volk" mußte wieder einmal gegen die„Hetzer und Wühler" her- halten. Mit einem Hochmut, wie ihn nur der Blinde hat, Polemi- sierte der Herr Graf lvidcr die Socialisten. Run, wie unabhängige Leute sich zur Socialdemokratie stellen, möge Ihnen folgende kleine Beobachtung erweisen: Eine große Antwerpener Baumwollsirma steht mit dein ganzen Erdenrund in Geschäftsverbindung. Da die Kosten für Kabeltelegramine, in denen Bestellungen auf Baumwolle gemacht werden, bei genauer Fixierung der Oualttät, der Anzahl der Ballen, der Sorte der Ware sehr große wären, hat die Finita mit ihren Kunden eine chiffrierte Sprache vereinbart. Ein solcher Chiffren- schlüssel lautet nun zum Beispiel: Codewort: RTINTTRA AT/RN; Bebel: 150 by. mk. Bl. /Texas g. o. 28 m/m...... a M. S7l/, Vollrnar: 1100 kgm. Bl./Texas g. o. 28 m/m......„ 565/g Singer: 250 gm. Bl./Texas g, m. 28 m/m......„ BS5/« Wissen Sie, wie die Schlüssclworte im Weltverkehr früher hießen? Nicht Bebel, Vellmar, Singer:c., sondern Bismarck, Wilhelm, Moltke-e. sc. Es ist nur eine kleine, ganz nebensächliche Beob- achtnng, aber doch recht lehrreich. Wenn im geschäftlichen Welt- verkehr die Bismarck und Wilhelm im Laufe der Zeiten ganz ver- drängt lvurden. läßt das immerhin die Richtung vermuten, m der die öffentliche Meinung der ganzen Welt sich entlvickelt. Vielleicht wird auch die Antwerpener Baumwollenfirma des Byzantinismus nach unten angeklagt. Der hauswirtschaftliche Unterricht an den Berliner Gemeinde- Mädchenschulen blickt jetzt auf ein zehnjähriges Bestehen zurück. Der Vorsitzende des Vereins für das Wohl der aus der Schule ent- lasfeucn Jugend, Stadtschulrat Dr. Zwick, erstattet soeben den Jahres- bericht über diesen Unterricht. Danach eröffnete der Verein am 18. Oktober 1893 in der ersten Berliner Schulküche einen Haus- haltungsktirsus mit 20 im letzten Schuljahre stehenden Mädchen der 196. Gemeindeschule. Zehn Jahre haben ausgereicht, den damaligen zaghaft unternommenen Versuch zu einer dauernden Einrichtung zu entwickeln, die sich heute über 550 13jährige Mädchen von 22 Gemeindeschulen erstreckt. Der Unterricht steht zwar zu den, der Schule in Beziehung, indessen liegt er außerhalb der Schulzeit, stört die sonstige Schularbeit also nicht. Die zwei Stunden gekürzter Handarbeit lverden reichlich ersetzt durch die untsasscudepe und anregendere Bethätignna in der Schulküche. Den Unterricht er- teilten 14 Lehrerinnen,-unterstützt von 25 Gehilfinneit, jungen Damen, tvclche sich für die Staatsprüfung vorbereiten.— Uns tvill scheinen. daß eS mit dem hanswirtschaftlichen Unterricht bedeutend schneller hätte vorwärts gehen müssen. Dem Verein soll nicht der geringste Vorwurf daraus gemacht werden, daß nur im zwölften Teil der in Berliit vorhandenen Gemeindeschulcn dieser Unterricht erteilt wird. Seine Mittel ließen gewiß keine größere Verbreitung zu. Aber bei genügeiider Förderung durch die Stadt hätte sich ganz gewiß mehr erzielen lassen. 11045, Armutszeugnisse lvurden in der Zeit vom 1. April 1902 bis 31. März 1903 von in Prozessen verwickelten Personen bcan- 'tragt. Unter den Antragstellern befanden sich 10 955 Kläger und 90 Beklagte und Angeklagte. Erteilt wurden 11019 Armuts- Zeugnisse an prozeßführcnde Personen. Davon entfielen 1467 auf Alimentenprozesse. 2733 auf Ehescheidungsprozessc, 5774 auf sonstige bürgerliche Rechtsstreitigkeiten und 4040 auf Privatklagen. Die zur Führung von Ehcscheidungsprozcsscn erteilten Armutszeugnisse wurden 937 männlichen und 1801 weibltchen Personen erteilt.— In Sachen, in denen kein Prozeß schwebte, wurden ferner 46 Armutszeugnisse beanttagt. von denen 42 erteilt, 4 verweigert wurden. Die Berliner Handwerkerschnle nimmt an Schülcrzahl zu. Im Jahre 1901 betnig die Zunahme des Besuchs gegenüber 1900 etwa 12 Proz. und im Jahre 1902 gegenüber 1901 etwa 17 Proz. Im laufenden Jahre ist eine weitere Zunahme zu beobachten. Die Schule wird jetzt von mehr als 2000 Schülern besucht; es ist dies ein crfteulicheS Zeichen für die Zukunft der Schule, deren Lehrplan eine Erweiterung erfahren hat. Außer in Physik und Chemie wird auch Unterricht in der Elckttotechnik erteilt. Die Beteiligung am Fachzeichnen für die Fächer der Installateure für Gas- und Wasser- anlagen bezw. für da« Heizuiigsfach und für die Installateure für elektrische Beleuchtungsanlagen hat sich so entwickelt, daß im Lehrplatt besondere Kurse ausgenommen werden mußten. Erst die Heyjagd, dann der Tierschub. Ter Vorsitzende deS Deutschen TicrschutzvercinS, Herr Generalmajor z. D. LongchampS, hat seinen Posten als Vorsitzender niedergelegt. Wie wir vor kurzem mitteilten, hatte Generalmajor z. D. LongchampS an einer Parforcc- jagd im November tcilgeiiommc» um den gehetzten Keiler auszuheben. Diese Thatsache hatte unter den VcreinSmitgliedern lebhafte Bc- unruhigung hervorgerufen und gelangte auch in der letzten VorstaudS- sitzung zur Besprechung. Ter Vorsitzende gab bei dieser Gelegenheit die Erklärung ab. daß er nicht dcran gedacht habe, daß seitens der Ticrschutzvcrcinc die Parforcejagden bekämpft lverden, er würde sonst nie den Posten etneS Vorsitzenden deS Vereins angenommen haben. In Verfolg dieser Verhandlung legt Herr Generalmajor z. D. Long- champS am Mittwoch sein VorstandSmnt nieder. Die gesicherte Epistcnz Im Friedrichshain erschoß sich der 36 Jahre alte Weißgerber Augllst Vollwth aus der Greifswalder- straße 223, der seit längerer Zeit lungenkrank und arbeitsunfähig ivar. Man fand ihn gestern, Montagmorgen, nm 6>/„ Uhr tot auf einer Bank im Hain sitzen. Mit einem Revolverschuß in die rechte Schläfe hatte er seinem Leben ein Ende gemacht, weil er an der Herl- barkeit seines Leidens verzweifelte. Für die neue Berhandlung im Pommcrnliank- Prozeß wird im Monat Februar ein Tennin angesetzt werden. Man rechnet darauf, daß diesmal die Verhandlung m etwa acht SitzungLtagen beendet sein wird. Kommerzicurat Schulz, der kurz nach Bceiidigtiug dtr ersten Verhandlung vorübergehend zu seiner Gattin ins Ausland ge- reist war. weilt schon seit einigen Wochen wieder in Berlin und be- reitet seine Verteidigung weiter vor, Die Affaire deS Natm-Hcilkundigcn Wciuziehr, welche unmittel- bar nach dem Fall Nardcnkötter großes Aufsehen erregte und ins- besondere dem Verein der Naturheilkmidigen Veranlassiing gab. in der Presse ans den Unterschied zlvischen lvirklichei, und falschen Naturärzten hinzuweisen, ist in ein»encs Stadiinn getreten. Wein- ziehr ist bekanntlich vom Schwurgericht verurteilt lvorden, weil er sich ai, Frauen und Mädchen, welche ihn in der Sprechstunde aufsuchten. vergriffen haben soll. Er hat bis zum letzten Moment seine Unschuld beteuert. Die gegen das Urteil eingelegte Revision ist vom Reichsgericht verworfen lvorden. Inzwischen soll sich mm hcraus- »estellt haben, daß Weinzichr seit langer Zeit an Geisteskrankheit leidet imd auch in feiner Familie Geisteskrankheit zu hmlstgen Vorkommnissen zählt. ES ist deshalb von seinem Verteidiger, Rechts- anwalt Bahn, der Antrag gestellt lvorden, Weinzichr in der Beobachtungsstation der Charite auf seinen Geisteszustand zu unter- suchen. Eine internlitionale Berbrccherbande, die zum Teil auch in Berlin nicht unbekannt ist, hat die französische Kriminalpolizei in Bordeaux und Paris unschädlich gemacht. Der Rotionalwechselbank in Bordeaux stahlen Einbrecher 73 350 Frank. Als einer der Thäter wurde ein Haus- und Grundbesitzer von Bordeaux ermittelt und festgenommen. Er lebte dort unter dem Namen Alfred Thomas Martin, heißt aber Alfred Wilson und stammt ans Liverpool. Seine drei.Helfershelfer lvare». wie sich später zeigte, ein 38jähriger Rickmrd Fred Schmitt aus London, ein ebenso alter Diamantenhändler John Mahson, der ebenfalls aus London stammt ui'.d den SpitznMen„Tom Birth" sührt, ' ld e?n'jZjähriW BuchmaHer GeölZe HoVckrd aus Satt�ranciscoc �ie drei fuhren unmittelbar nach dem Einbruch mit den? schnellsten >!uge nach Paris und wurden dort, bevor sie noch von der Festnahme Wilsons Kenntnis erhielten, erwischt, als sie dem Finanzministeriuni einen nächtlichen Besuch machten. Daß die Polizei einen guten Fang gemacht hatte, war augenscheinlich. Fand sie doch bei der Gesellschaft unter andern einen guten Eheck über 400 000 Frank von der fran- zosischen Nordbahn und bei Wilson in der Wohnung ein reichhaltiges 'Schlüsselregistcr nach Zeichnungen und Abdrücken von den ver- schiedensten Banken. In einem Rundschreiben ersuchte nun die sranzösische Behörde, die Polizeiver waltungen aller Großstädte um Mitteilung der Erfahrungen, die sie mit den vier Herren bereits gemacht haben. Das Mjaterial, das hierbei zusammenkam, ist ebenso interessant. wie umfangreich. Die Bande hinterließ Spuren ihrer Dhätigkeit in allen Großstädten des Kontinents. Wilson ist in Berlin den Behörden noch nicht bekannt. Auch Mahson nicht, aber dieser ist sicher hier und anderswo in Deutschland thätig gewesen. Er spricht am besten deutsch� Schmitt kennt man hier als Taschen-, Eisenbalm- und Hoteldieb. Howard endlich, der in London schon zwanzig Fahre Zwangsarbeit hinter sich hat, ist der Mann, der unter den: Namen Alexander bei uns wegen gemeinschaftlichen Diebstahls mit fünf Fahren Gefängnis und Ehrverlust bestraft ist. Er hat hier lwch zwei Rechnungen zu begleichen. Jin Fahre 1803 war er festgenommen unter dem Verdacht, in den Räumen des Berliner Kassenvereins dein Kasscnboten Kaul eine Tasche mit 4000 M. in Geldrollen gestohlen zu haben. Alan inußte ihn wieder laufen lassen, weil es nicht gelang. seinen Helfershelfer zu ermitteln, ohne den man ihn nicht überführen konnte. Am 30. Oktober v. I. wurden auf der Dresdner Bank in der Behrenstraße dem Kasscnboten Heinrich Liebenda 17 000 M. ent- wendet. Der Dieb hatte ihm die Tasche mit den Papieren voin Schalter genommen und dafür eine gleiche Tasche mit Zeitungspapicr hingelegt, während seine Helfershelfer die Aufmerksamkeit des Boten lchlenkten. Auch hier ist ohne Zweifel Alexander der Thätcr, und sein Komplize höchst wahrscheinlich in beiden Fällen Alfred Wilson. Wie dieser in Bordeaux, so sind die drei andern Spitzbuben, die stets nur in Blitzzügen reisten, Haus- und Grundbesitzer in London. Ein wackerer Parteigenosse, der Zimmerer Hermann Fundsteller, ist am Sonnabendmittag bei der Arbeit tödlich verunglückt. Fund- steller, der in der Tilsiterstr. 0V wohnt, stand beim Zimmermeister Neumann in Arbeit und war von diesem nach dem Grundstück Kott- buser Damm 87 gesandt worden, um dort beim Abbruch eines Pferdestalles thätig zu sein. Als er mit einem Arbeitskollegen auf der Mauer stand, brach diese zusammen und begrub ihn unter sich, während der Mitarbeiter sich retten konnte. Ans dem Wege ins Krankenhaus am Urban starb Fundfteller, der ein Alter von 48 Jahren erreicht hat und lange Jahre Mitglied des Zimmerer- Verbandes war. Er hinterläßt eine trauernde Witwe. Die Leiche ist von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Einer Rauchvergiftung erlegen ist am Sonnabend ein ISjähriger polnischer Arbeiter. Dieser bewohnte mit noch zwei Kollegen einen kleinen Raun, in der Prinzen-Allee 34. An, Freitagabend machten die Leute in der Maschine ein Kohlenfeuer an; um den Raum besser loarm zu halten, kamen sie auf den unglücklichen Gedanken, den Schieber herunter zu lassen. Am Sonnabend früh konnten zwei der Leute aufstehen, wenn auch unter Zeichen größter Uebclkeit. Ein Arzt stellte bei dem dritten Mann schwere Rauchvergiftung fest und verordnete Gegenmittel, trotzdem starb er in, Laufe des TageS, weil die Pflege und Aufsicht fehlte. Es ist unbegreiflich, warum der Ver- uuglückte nicht gleich einem Krankenhause zugeführt oder auf der nächste» Berliner Feuerwache mit Sauerstost behandelt worden ist.' Wegen Betruges verhaftet lvurden der 63 Jahre alte frühere Haudelsredakteur Professor Dr. Moritz Meyer aus der Pariscrstraßc Nr. 59 zu Wilmersdorf und seine 23 Fahre alte Eheftau Frieda. Meyer heiratete in zweiter Ehe vor ctlva LV- Jahren Anna Brinn, eine Chansonnette, die Tochter eines chemalichen Krauken- Pflegers, der von der Jüdischen Gemeinde eine monatliche Unter- stützung von 18 M. erhält, Tie junge Frau Professor verübte an- geblich mir Wissen ihres Mannes die größten Schwindeleien gegen Geschäftsleute aller Art. Die Wohnung, die jährlich 2300 M. Miete kostet, enthält eine Einrichtung für 15 800 M., aber alles gehört noch dem Möbethändler, bis ans einen Bilderrahmen und zwei Steppdecken, die der Herr Professor sein eigen nennt. Während die junge Frau die Möbel wenigstens noch in der Wohnung stehen ließ, lvenn auch der Händler stets vergeblich nach Geld kam, brachte sie alles, lvas sie sonst an Wertsachen von den verschiedensten Juwelieren usw. taufte, regel- mäßig sofort zum Pfaudlecher. Die Verkäufer waren froh, wenigstens noch die Pfandscheine zu bekommen, vcvor diese verkauft waren. Die letzte Schwindelei verübte Frau Meyer miter der Vorspiegelung, sie sei Inhaberin eines großen Konservatoriums, gegen einen Gc- schästsmann Unter den Linden. Hierbei gab sie ihr Dienstmädchen für ihre Direktrice aus. Mit dein Ehepaar lebte in der Villa zu Wilmersdorf auch der alte Brinn einen guten Tag, bis die Gläubiger zu sehr drängten. Der Gerichtsvollzieher hatte im letzten Jahre viele vollstreckbare Verfügungen erhalten, aber zu holen war nichts. Endlich verloren besonders kleinere GeschäftSlenie die Geduld. Einige warteten mitunter sogar mit dem Gummischlauch�in der Pariserstraße aus den Professor und dessen Frau. Daher zog das Ehepaar es vor drei Wochen vor, mit der braven Anna die Wohnung nach dem West- minster-Hotel zu verlegen. Tort saßen am Sonnabend alle drei beim Mittagessen, als ein Kriminalkommilssar mit dem Haftbefehl der Staatsmiwaltschaft kam. Der Äonmnstar ließ die Herrschaften das Mahl beenden und brachte sie dann einzeln nach dem Polizeipräsidium. Gestern vormittag fand in der Wohnung zu Wilmersdorf, in der noch der alte Brüm und zwei Diristtmädchen sind, eine Haussuchung statt. — Dr. Moritz Meyer leitete früher den Handelsteil der„Bossischen Zeitung" und hielt an der Technische» Hochschule Vorlesungen, die ihm den Professortitel einbrachten. Er ivurde aber entlassen, da er sich. von einer Bank, die kurz vor ihrem Zusemuneuvrucke stand, in Pflicht- widriger Weise hatte beeinflussen lassen. Später trat Meyer in enge Beziehmigen zu Hugo Loewy. Bei dem Zusammenbruch der Treber- trocknungs-Gesellschaft in Kassel ergab es sich, daß er als journalistischer Helfershelfer Loewhs seine Hand im epiel gehabt hatte.— Das Polizeipräsidium teilt zu der Angelegenheit folgendes mit:„Der Professor Dr. Dtoritz MeNer und seine Ehefrau Frieda, geb. Brinn, bisher Wilmersdorf, Paciserstr. 50, sind am 17. d. M. kvegen zahlreicher BetrugSfälle festgenommen worden. Entgegen einigen Notizen in heutigen Morgenblättern habe» die bisherigen Er- Mittelungen Anhaltspunkte für den Verdacht der Kuppelei, der Pfand- Verstrickung und des Meineides nicht ergeben. Geschädigt sind vor- Iviegend Konfektions- und Wäschefirmeu, aber auch sonst größere Geschäfte jeder Art. Im Interesse der Untersuchung ist es tvünschens- wert, daß alle Geschädigten, welche bisher keine Anzeige erstatret haben und zur Sache noch nicht vernommen sind, sich bei der Kriminalpolizei zu J.-Nr. 10 158. IV. 20. 03 melden." Tns brennende Kind. Fn die Gefahr, zu verbrennen, gerieten die beiden 11 und IV- Jahre alten Töchterchen Gertrud und Anna des Kürschners Liznerski aus der Pappel-Allee Nr. 0 und ihr acht- jähriger Vetter Hans Nöldge. Tie Kinder waren abends allein in der im ersten Stock des Quergebäudes gelegenen Wohnung, während Liznerski noch auf seiner Arbeitsstelle zu thun hatte und seine Frau mit ihrer Sä, wägerin. Frau Nöldge. Weihnachtseintänfe machte. Um !> Uhr hörten Hausgenosse» die Kinder furchtbar schreien und sahen Qualm aus der Wohnung herausdringen. Tie Arbeiter Westert und die Frau deS Schneidermeisters Rickert, die zuerst zu Hilfe eilten. fanden Gertrud Liznerski in Flammen gehüllt vor dem Tische stehen. Die Kleider brannten dem Mädchen am ganzen LeibK während die beiden andern Kinder unversehrt� aus dem Fußboden saßen. Westert brachre zunächst diese beiden in Sicherheit und machte sich dann sofort mit Frau Rückert daran, das brennende Mädchen zu retten und den im Entstehen begriffenen Brand zu ersticken. Beides gelang ihnen, jedoch ist das Mädchen so schwer verbrannt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Es wurde von den Eltern, die während der Rertungs- arbeiten nach Hause kamen, mir einem Lückschen Wagen mich dein Lazarus-Krankeichause gebracht, wo es im Wasserbert liegt. Die bejdkil ftsiks zogen sich AralldwundM au du rechten Hemd zu. Wie das Unglück entstanden ist, weiß man nicht. Fest steht jetzt nur, daß die Petroleumlampe explodiert ist. Feueriericht. Die Brandchronik der letzten 24 Stunden ist eine ungewöhnlich reichhaltige, denn sie weist neben den beiden größeren Bränden in der Urban- und in der Greifswalderstraße, über die wir an andrer Stelle berichten, noch nahezu zwei Dutzend Feuer auf. Montag früh ging in der Lindenstr. 13 in einer Tapeziererlverkstatt ein Posten Werg in Flammen ans, während in der Bergstr. 49 der Fußboden und die Balkenlage brannte. In der Wittstockerstr. 22 und in der Großen Hamburgerstr. 17 mußten Sonntag Schaufenster- brande beseitigt werden. Nachmittags war auf dem Anhalter Güter- bahnhof ein Waggon mit Preßkohlen in Brand geraten. Gegen Abend war in der Kommandantenstr. 32 ein größerer WohnungS- brand entstanden. Betten, Möbel, Decken, Kleider ic. standen in Flammen, die mit einer Schlauchleitung bald erstickt werden konnten. Weitere Wohnungsbrände hatte die Wehr in der Neuen Roßstr. 23, Markgrafenstr. 34 und in der Neuen Friedrichstr. 215 abzulöschen. In der Fischerstr. 32 wurde allerlei Gerumpel und Hausrat in einem Keller eingeäschert, während in der Neuen Höchstes 22 eine spanische Wand Feuer gefangen hatte. Die übrigen Alarmienmgen, die noch von der Rosensw. 3, Königsbergerstr. 4. Lindenstr. 45, Linienstr. 47, Dunckerftr. 00 usw. einliefen, waren auf ganz unbedeutende Anlässe zurückzuführen._ Wer zu Weihnachten sein Heim schmücken will, dem empfehlen wir, in unsrer Parteibuchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 69, unter den vorrätigen Bildern eine Auswahl zu treffen. Man findet dort nicht nur die Photographien und Küpferdrucke von Bebel, Liebknecht, Marx, Engels, Lassalle in den verschiedensten Größen, eingerahmt und uneingerahmt, sondern auch das„Fraktionsbild" und Bilder wie „Der Mann mit der Hacke",„Die Freiheit führt das Volk":c., neben künstlerisch ausgeführten Kopien der klassischen Malerei, die ebenfalls eingerahmt oder auch in Passepartouts zu den verschiedensten Preisen zu haben sind. Vorrätig sind auch die im Gewerkschastshause aus- gestellten Bilder. Christbaumschmuck. Die organisierten Glasmacher in Lauscha (Thüringen) stellen Christbaumschmuck her, der bei unserm Partei- genossen Zubeil, Elisabeth-Ufer 21, zu haben ist. Die Schmucksachen, welche im Lichterglanz des Weihnachtsbaumes sich prächtig aus- nehmen, werden zu einem sehr billigen Preise abgegeben; so ist ein Karton mit 12 Stück Inhalt schon für 60 Pf. zu haben. Wir sind überzeugt, daß die Arbeiterschaft ihre thüringischen Brüder auch zu diesem Weihnachten nach Möglichkeit unterstützen wird. Das Konzert für die Crimmitschauer. Die am 13. Dezember von der„Typographia", Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer, zum Besten der Crimmitschauer Ausgesperrten ver- anstaltete Matinee hat einen Ueberschuß von 1252,30 Mark ergeben. Dieses erfreuliche Resultat ist durch die unentgeltliche Mitwirtung der Frau Paula Weinbaum. der Herren Alfred Wittenberg, Alexander Weinbaum, Albert Massini und Ernst Preezang mit erzielt worden, eine Thatsache, die allen Dank und Anerkennung verdient.— Der erwähnte Betrag ist der Gewerkschaftskommission überwiesen worden. Wissenschaftliche Kurse zum Studium deS Alkoholismus. Wir werden ersucht, folgende Mitteilung zu veröffentlichen: Ter Central- verband zur Bekämpfung des Alkoholismus veranstaltet in der Woche nach Ostern 1904(5.— 10. April) in Berlin„Wissenschaftliche Kurse zum Studium des Alkoholismus". Hervorragende Gelehrte sind bereits als Vortragende gewonnen ioorden. Es wird über folgende Themen gelesen werden:„Geschichte des Kampfes gegen den Alkoholismus. Alkohol und Volkswirtschaft. Alkohol und Ver- brechen. Wirkungen des Alkohols auf die Rachkommenschaft. Alkoholismus und Prostitution. Der AltoholismuS und die Arbeiter- frage. Schule und häusltchc Erziehung im Kampf gegen den Alkoholismus. Die EiMvirkungen deS Alkohols auf Körper und Geist." Männer und Frauen aller Stände, welche in amtlicher Stellung oder freier Wohlfahrtspflege auf dem Gebiete socialer Reform arbeilen und sich über den Feind unsres Volkstums unterrichten wollen, iverden hierdurch zur Teilnahme aufgefordert. Teilnehmer- karte 6 Mark. Meldungen an Senatspräsident Dr. von Strauß und Torney, Berlin IV.. Bayreutherstr. 40. Ueber das Charlottenburger Schillertheater-Projett waren dieser Tage in einigen Zeitungen unzutreffende Mitteilungen ver- breitet. Es Ivcrr so dargestellt, als ob die Stadtverwaltung Charlotten- burgs bereits zu bindenden Beschlüssen über Bau und Ausführung dieses Theaters gekommen sei. Wie die„Voss. Ztg." meldet, schweben die Verhandlungen noch; fedoch ist begründete Aussicht vorhanden, daß sie zu einem für beide Teile(Stadt Eharlottenburg und Schiller- theatcr-Aktiengesellschaft) crfteulichcn Abschluß gelangen. Ursprünglich sollte die Stadt Charlottcnburg die zweite Hypothek für das Theatcrgrundstück geben. Da Ivurde in einer Ausschußsitzung der bc- treffenden Kommission, die noch vor den Ersatzwahlen für die Stadt- verordneten-Versammlung stattfand, angeregt, ob nicht die Stadt auch die erste Hypothek hergeben könnte. Man führte aus, daß dadurch eine größere Belastung des städtischen Haushalts in keiner Weise ein- treten könnte. Die Schillerthcatcr-Aktiengescllschast sollte außer den Hypothckenzinsen noch 1 Proz. als Amortisationsbcirag an die Stadt zahlen, so daß in 42 Jahren die ganze Hypothckcnschuld getilgt werde. Auf diese Weise würde nacb Ablauf dieses Zeitraums die Stadt in den schuldenfteien Besitz des Theaters gelangen. Die Schillcrtheater- Aktiengesellschaft hat sich bereit crttärl. auch unter diesen veränderten Bedingungen das Theater zu pachten. Selbstverständlich wird sie die billigen Theatcrpreise, die Veranstaltung von Schülcrvorstellungcn beibehalten. In der Ausschutzsitzung, in der eine solche Lösung des Theaterbaues angeregt wurde, herrschte bei allen Kommissions- Mitgliedern eine ziemliche Ucbcreinsttmmung. Eine weitere Sitzung, die Liese Vorschläge nach Zustimmung der Schillcrthcatcr-Akticn- gcsellschaft, in eine bestimmte Fassung bringen sollte, kam nicht zu stände, da mehrere Mitglieder der Kommission, die mit dem 1. Januar aus dem Charlottenburger Stadtparlamcnt ausscheiden, zur Be- ratung nicht erschienen. Man darf aocr annehmen, daß im Ansang des neuen Jahres das umgestattetc Projekt eine Fassung erhalten wird. dem Stadtverordneren-Versammlung und Magistrat gern zustimmen können. Durch Ministerial-Erlaß ist der bisherige Assistent am P a t h o- logischen Museum und Privatdoccnt an der hiesigen Universität Dr. Kayserlmg zum ersten Assistenten des Museums mit Beamten- eigenschast ernannt worden. Dr. Kayserlmg war schon unter Birchow bei der Errichtung des Museums thätig. Trrpww-Stcrnwarte. Vom 2. Aeihnachtsfeiertag nachmittags 2 Uhr an ist die T r e p t o w- S t e r n w a r t e wieder täglich geöffnet. Bei der großen Länge der Nacht und dem frühen Beginn derselben sind die bevorstehenden Tage besonders gut für die Beobachtung geeignet. Es wird daher den Besuchern vom Wieder- eröffnungStage an bis Anfang Januar täglich der Mond schon von i1/? Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends mit dem großen Fernrohr gezeigt. Am Sonnabend, den 26. dS., spricht Direktor Archenhold nachmittags 5 Uhr über„Der Mond als Führer auf hoher See" und um 7 Uhr über„Die Bewohnbarkeit der Welten". Beide Vorträge werden am Sonntag, den 27., wiederholt. Am Montag, den 28., lautet das Thema abends 7 Uhr„Zeitrechnung und Neujahrsbeginn". Um den vielen anwesenden Fremden Gelegenheit zur eingehenden Besichtigung der Treptow-Sternwarte zu geben, finden zwischen Weihnachten und Neujahr von nachmittags 2 Uhr an einviertelstündliche Führungen durch das A st rono mische Museum, welches interessante Meteorsteine, Dcmonsttationsapparate:c. enthält, mir Erklärungen statt. Buq den Nachbarorten. Glück im Unglück hat der Lehrer Erdmann in Lichtenbergs dem am Freitag während der Unterrichtsstunden 44 Hundertmarkscheine im Schulhause an der Kronprinzcnstraße verloren gingen. Der p. Die..Wcrkmeister-Zcitung" erscheint in Düsseldorf. Daselbst«« Schnlknabe I. aus der Friedrich Karlstraße in Lichtenberg hat das jähren Sic euch die Bezugsbedingungen, die uns unbekannt sind. Geld gesunden und zunächst den Versuch gemacht, einen Schein z« wechseln. Als ihm dies nicht gelang, will er andren Kindern einige von den Scheinen zum Spielen gegeben, den größten Teil aber seinen Eltern gebracht haben. Der Vater des Knaben hat am Sonnabend der Kriminalpolizei 1800 Mark als von seinem Sohn gefunden abgegeben, er wollte aber von dem übrigen Gelde nichts wissen. Bei einer Haussuchung wurden dann noch 1200 Mark im Ofen versteckt aufgefunden, auch ein weiterer Bettag bis auf etwa 500 Mark ist dann an andren Orten ermittelt worden. Den Rest des Geldes hofft man noch herbeischaffen zu können. Unterschlagungen ist man bei der Firma Metz u. Co., Berlin und Steglitz, ans die Spur gekommen. Vor etwa einer Woche verschwand dort der als Kassierer beschäftigte Otto Kleedehn unter Mitnahme des vorhandenen Bargeldes in Höhe von etwa 400 M. Tie Revision der Bücher ergab, daß K. etwa 6000 M. unterschlagen hat. Der fast 40 Jahre alte Mann stammt aus einer guten Familie, er diente als Einjahrig-Freiwilliger und brachte es bis zum Vice- Feldwebel. Er war mehrere Jahre in Nordamerika, lehrte dann nach Europa zurück und trat vor vier Jahren bei der Firma Metz u. Co. als gewöhnlicher Arbeiter ein. Im Laufe der Jahre gewann er das Vertrauen seines Chefs und wurde im Frübjahr dieses Jahres mit der Kaffenführung beauftragt. Vermifcktes. Cisenbahnunfälle. Ein Eisenbahnunfall hat sich Sonntag bei Großheringcn zugetragen. Amtlich wird darüber gemeldet: Schnellzug 187 Köln— Leipzig ist Sonntagabend 10 Uhr 45 Minuten auf Bahnhof Großheringcn auf drei im Durchfahttsgeleise stehen gebliebene leere Wagen gefahren. Zwei Reisende und der Lokomotiv- sichrer leicht verletzt. Materialschaden erheblich. Beide Haupl- geleise gesperrt. Bettieb wird durch Nebengeleise auftechterhalten. — Mit Bezug auf die Meldung der Zeitungen, daß bei einem vor einigen Tagen erfolgten Zusammenstoß des Schnell- zugeS Nr. 3 mit einem Güterzug auf der War schau- Wiener Bahn zwei Schlafwagen zertrümmert worden seien, teilt die Ber- liner tönigliche Eisenbahndirektion mit, daß nach einem ihr jetzt zu- gegangenen Telegramm der Direktion der WarsÄau-Wiener Bahn kein Schlafwagen zertrümmert, sondern nur ein Schlafwagen leichl beschädigt worden ist und daß Reisende bei dem Unfall nicht verunglückt sind.— Nach einem Telegramm aus M e i d e r i ch sind gestern vormittag an der Kreuzung der Strecke Meiderich- Oberhausen und Duisburg- Oberhausen, der „Neuen Meidericher Zeitung" zufolge, die beiden Lokomotiven eines Güterzuges entgleist. Einige Wagen gerieten in Brand. Ein Bremser ist getötet, der Zugführer verletzt. Beide Geleise sind ge- sperrt.— Aus Bremen wird telegraphiert: Der in der Stacht auf Sonntag von hier nach Hannover abgegangene Eilgüterzug Nr. 6007 führte einen Postwagen mit sich, der zwischen Neustadt und Wunftorf mit seiner Ladung zum großen Teil verbrannte. Im Wagen be- fanden sich ungefähr 1200 gewöhnliche Pakete und 48 Wertstücke. Die Ursache des Brandes steht nicht fest. Die verbrannten Pakete waren im wesentlichen für Hannover und den Kurs Hannover- Kassel-Frankfurt a. M. bestimmt. Ein Attentat. In Paris gab am Somrabendabend auf einer von Zionisten veranstalteten Festlichkeit ein ärmlich gekleideter junger Mann zwei Revolverschüsie auf Dr. Max N o r d a u ab. Dieser ivurde von einer Kugel leicht gestteift, während die andre einen der Gäste namens Ossowetzki verletzte. Nach seiner Festnahme sagte der Thäter, der sich Chaim Selig Luban nennt, aus, er sei russischer Revoluttonär(?) und durch das Los bestimmt worden, Nordau zu erschießen. Luban erklärte weiter, er habe Nordau deshalb tüten wollen, weil er im Widerspruch zu dem ursprünglichen Programm der Zionisten auf dem Basier Kongreß für das Anerbieten Chamberlains, betreffend die Gründung einer autonomen Juden- kolonie in Englisch- Ostafrika, eingetteten sei. Dr. Nordau ist gänzlich unversehrt. Ein Bater mit drei Kindern verbrannt. In Sankt Tönis bei Krefeld brannte gestern früh aus einer bisher unbekannten Ursache das Haus des Tagelöhners Prosten nieder. Dabei sind drei Kinder des Besitzers verbrannt. Prosten kam bei dem Versuche, seine Kinder zu retten, in den Flammen um. Ein trauriger JagdunfaU ttug sich in der Feldmark bei Treuen- brietzen zu. Ein höherer Offizier der Potsdamer Garnison hatte einen Fasan angeschossen und wollte noch einen Schuß auf diesen abgeben. Trotz des Zurufes des Schützen ging der Treiber Schild- Hauer auf das Wild zu und wurde von dem Schuß getroffen. Die Ladung drang dem 27 Jahre alten Manu in die Lunge, und er starb kurz darauf. Gestrandeter Dampfer. Infolge dichten Nebels ist der Dampfer „Finnland" gestern in der Nähe von Vlissingen auf Grund gelaufen. Wie es heißt, ist die Lage des Dampfers sehr gefährlich. Der „Finnland" ist einer der größten Dampfer der Red-Star-Linie, mit 16 000 Tonnen Gehalt. Der Dampfer war gestern mittag von Ant- werpen nach New Jork abgegangen und mit 600 Passagieren besetzt. Die Arbeiten zur Flottmachung sind wegen des dichten Nebels sehr erschwert. „Baue nicht auf Herrengunst." Eine merkwürdige Inschrift befindet sich, der„Danz. Ztg." zufolge, an einem der in Marienburg nach der Feuersbrunst vom 6. Dezember v. I. neuerbauten fünf Häuser unter den Hohen Lauben. Kaiser Wilhelm nimmt in weitestem Maße an dem Ausbau des an Denkwürdigkeiten so reichen Marienburger Ordens- schlosses regen Anteil und hat auch schon wiederholt ein größeres Interesse für die Entwicklung unsres Städtchens, insbesondere für die Erhaltung der historischen Baulichkeiten, bekundet. Wie bekannt, gewahrte der Monarch unter andenn den abgebrannten Hausbesitzern zum Wiederausbau eine Beihilfe von je tausend Mark, für die sie sich verpflichten mußten, den Giebel wieder in der mittelalterlichen Fori» herzurichten. Diese Bechilfe aus der PriUatschatulle des Monarchen wurde jedoch nur an vier von den fünf Hausbesitzern gezahlt, weil einer von ihnen den Bau nicht in der vom Kaiser genehmigten Form ausgeführt hatte. Der so über- gegangene Bauunternehmer ließ nachttäglich den Giebel wieder ab- brechen, um an dessen Stelle Wohnräume herzurichten. Außerdem ließ er aber noch eine Inschrift anbringen, die am oberen Teile des Hauses die ganze Front einnimmt und wie folgt lautet:»Baue nicht auf Herrengunst, übe deine eigne Kunst." Marktpreise von Berlin am 19. Dezember 1903 »Weizen, gut D.-Ctt. mittel„ gering„ »Roggen, gut „ mittel„ gering„ ßGerste, gut mittel gering iHaser. gut mittel RichtstokT�" &» Speisebohnen Linsen » ab Bah». + frei Wagen und ab Bahn. Kartoffeln, neue D.-Ctt. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch„ Kalbsleisch„ Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander S echte arjche Schleie Bleie Krebse « Stück 1 kg per Schock 7.00 1,80 1,50 1,60 1,80 1,80 2,80 5,00 2,20 2,80 2,80 2,00 1,80 3,00 1,40 15,00 6,00 1,20 1,10 1,00 ILO 1,10 2,0(1 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,40 0,80 3,00 Wetter-Prognose für Dienstag, den 22. Dezember ISO». Langsam ausilarend. etwas läller bei mäßigen südösllichen Winde«; keine erdeblichen Niederschläge.„ Berliner Vetterbureau. ßriefhaften der Expedition. erscheint in Düffelbors. Anerkannt gediegene Ware- solide Preise erhalten Sie im Special- Geschäft für AlllUOIS u. feine Lederwaren Felix Speier nur: SO. Köpnickerstr. 154a. Grossartige Ausführungen in Monogramm-Stickereien in Gold, Aluminium, Seide. Uhren- Ausverkauf. Wege» gänzlicher Auflösung Iunsres riesigen 1S88 gegründeten[34662* Uhren- Engros- Lagers Verkauf zu staunend billigcnPreisendirekt an Private. 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Genest, Saal 117 28,20, Saal 103 23,50, Saal 25 13,15, Saal' 86 13,25. Tischlerei Barth 2,—. I. Pintsch, AndreaSstrasze, außer einigen Sälen 143,10. Sluf Liste Nummer 2052 von Pintsch 31,70. Möbeltischlerei Kaiisch. Mariusstraße 13,—. Klempnerei Gebr. Bertram 19,—. Skatklub Glückaus, Niedcr-Schönhmlscn 5,—. Fcrd. Schmidt, Fensterputzer 5,85. Masch.-Fabr. Daimler, Marienselde, Hilfsarb. 17,40. Rauchklub Feigenblatt, M. d. A.-R.-B. 4,50. S. u. H.. Abt. Hest, Jäckcl, Linge und Rchseld II 33,25. Centr.-Verb. d. Cioilnmsiker Deutschlands, Ortsverw. Berlin 19,15. Verb. d. Glaser, Verw. Berlin, zweite Rate 100,—. Die Angestellten d. Jnn.-Krankenkasse d. Glaser Berlins 2,—. Tapezierer v. Kröhning 4,—. Telcphonfabr. Becker, süns Tischler 5,75. Koll. v. Schlein u. Stcphani 12,80. Otto Pötzer». Liste 6953 13,—. Pslanzerverein„Nelke" 5,20. Verb. d. Buch- u. Steindruckcr, Zahlst. II, d. Stephan 100,—. Mehrere technische u. kausm. Beamten S. u. H. 33,50. Vaterlandslose Rotte v. Rinow u. Kabs 8,75. Zuschneider K. u. W. 13,25. Von Schaffet u. Walckcr. Liste 2313 20,25. Schäffer u. Walcker, Liste 2314 23,50. Buchdrucker von Alfred Unaer 10,20. Drechslerei d. Gummiwarenfabr. C. M., Ncu-Weißensee 66,70. Näherei der Firma Em. Riese 11,—. Rauchklub„San Nemo" 10,—. Harivttz Ztchfigr. 12,60. Tapezierer n. Tischler d. F. Jakob u. Braunsisch 22,—. Teppichweber d. Firma R. Baader, Bierprozentc 30,—. Tischlerei A. Angrick, Krcuzbcrg- stratze 6,80. Skatklub„Kreuzbube", Gubcnerstraße 3,—. Rauchklub„Blauer Dunst"(W. d. R.-B.) 6,—. Arb. Mctallknops- Fabrik iin Centrum 8,55. Wcrkstellc von Heister 2,60. Bautischlcrci von Walz, Bcrnauerstraße 8,95. Möbelfabrik Geißlet, Weißcnsee. 2. Rate 36,80. Vier Schass- kopsspielcr. Rylcstraße 3,65. Hcrmannheim 5,—. Tischler von Neu- mann, Weberstraßc 3,—. Modelltischler Berlins durch d. Obmann, 3. Rate, aus Listen Nr. 1301, 1307, 1308, 1312, 1313, 1314 132,75. Fabrik Frommholz 5,—. Liste 1897 10,10. Liste 1898 14,05. Tischlerei Adam, Wilhelmstraßc 3,—. Töpfer Neue Königstraße, trotz Prozent- Ab- führung 10,15. Beamte der Mechanikerkasse, 3. Rate 10,—. Tischlerei C. Man. 2. Rate 4,95. Möbelfabrik Groschkus, 4. Rate 71,45. Stattlub „Fortuna", Oderbcrgerstrake 10,—. Einige Getreuen d. Pollachiverke 7,—. Gesangv. d. Glaser 5,—. Textilarb.-Vcrb.(darunter A. G. 100,—, Pers. Firma Lesscr 7,—) 200,—. Verband d. Buchdru ckcr 232,10. Neumann 3,—. Rcimund Friedrich 9,80. Dampswäschcrei W ilhelma 5,35. Der gespi� ugte Schutzmann 5,—. Angestellte der O.-Kr.-K. der Buchbinder, 3. binte 5,—. A.-E.-G. Brunnenstraße: Gs. I. Liste Nr. 5 29,20. 4 30,65. 11 8,45. 13 2 50. 14 22,55. 19 21,70. 28 8,55. 29 7.—. 12 9,75. Lagen III, Liste Nr. 3 9,20. Gf. II, List- Nr. 17 21,30. 18 4,90. 9 25,-. CO IV. Liste Nr. 1 32,30, 3«. 4 17,—. 21 8,25. 24 5,35. 26 16,95. Eis. VI. Liste Nr. 35 6,05. 36 16,45. Werkzeugmachern Liste 1 17,55. 2 14,15. 6 6,20. 31 15,—. 32 6,85. IV. Wahlkreis Südost, Tellersamml. Urania 112,85. Tellersamml. d. Bersamml. in Schönebcrg d. H. Fischer 89,66. Tellersamml. RummelSburg vom 17. d. M. 20,—. Verein sociakdemo- kratischer Gastwirte 500,—. Tischfabrik Einicke, Wicnerstraße 10,15. Turner durch Ackermann 6,—. Bautischlerei Schulz, Deutsch-Wilmersdorf 10,60. 2. Berliner Wahlkreis aus Listen und Tellersammlungen: Tellersaiirmlung Verl. Bock 184,20. Martin 1,50. Bau Lichterseide: Liste 5812 21,95. Tischlerei Plagemann- Liste 5824 17,15. 5856 7,95. 5867 12,20c 5869 16,15. Maler von Albrecht n. Brecher: 5877 1105. 5896 26,05. E«sglüh- lichtsabr. Frl. Reinhart: 5957 13,50. 6042 18,—. 6046 9,10. 6047 14,20. Tischlerei Luckhardt, 3. Rate: 6078 21,45. Schriftgießerei Gursch: 6090 43,25. Tellersamml. Kliem, Hascnheide 82,25. In der Sonntagsnummcr wurden einer Verwechselung mit twrstrihendem Posten zufolge aus den zweiten Wahlkreis statt 1000 M. nur 500 M. quittiert. Ferner wurden folgende vier Posten von:„Pfropfenvercin blO. Peters- burgcrsiraßc 10,—" bis.Moabiter Liederkranz 20,50"(zusammen 134,90 M.) doppelt guittiert. Die Schlußsummen hätten sich also um 365,10 M. höher stellen müssen. In heutiger Nummer guittiert 2846,11 M. Bereits quittiert 106 838,50 Mark. Gesamtsumme 109 684,61 M. Weitere Beiträge werden in unscrm Bureau in der Zeit von 9—1 und 6—8 Uhr entgegengenommen. Gelder, welche mit der Post eingesandt Ivcrden, sind an A. Körsten, Engcl-User 15, zu senden. Der Ausschuß der Berliner G e>v e r k s ch a f t s k o m m iks s i o n. J Vorwärts-Buchhandlung f 801., Lindenstr. 69(Laden). Zum Weihnaehtsfest: 1 Bilderbücher mit und ohne Text von 15 Pf, bis Mk. 5,—' BürchenbUchcr........ 20„„„' 6,— 1 Jngendschrlften für Knaben..„ 50„„„ 10,—' do. für Müdchen..„ 50„„ B 10,— Belse- u. Krdbeschreibungeii. naturwissenschaftliche Werke fdr Kinder, � in plaudernder Forin mit Fragen u. Antworten zum Preise..... von 31k. 2,50 bis Mk. 4,— Romane, Hrzühlnngren, Xo Vellen in jeder Preislage,' sowie billige Ausgaben sämtlicher 234/6* Klassiker. 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Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer sc Eo., Berlin 3W. Hierzu 3 Beilage« Klavierspieler für Sonnabend und Sonntag verlangt Falckcnftcin- straße 7. ßll Papier-Zuschncider verlangen Her» mann Mietke u. Co., Frankfurter Allee 57.__ t43 Tüchtige, selbständige Geldschrank», schlosser, oie als Borarbeiter gehen können, werden sür dauernd aus Tresore, Tresorthüren, Geldschränke und safcs verlangt von Henoch, Elbingcrsttaße 20." 549b Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobe»« Anzeigen kosten 40 Pf. pro Zeil«. Rtddllttiir-Gcsiiih. Ein welcher auch verantwortlich zeichnen soll, wird sür ein Thüringer Partei» blatt baldigst gesucht. Alistellungsbcdingungen des Vereins 'Arbeiterpresse werde» anerkannt. Offerten mit Angabc der bisherigen Thäligtcit sind unter H. 2 an die Exped. d. Bl. zu Achten. 37012* Kunstschlosser- Gesuch. 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Replowplatz-Eckc. 175/18 Wir cnvarten, daß jeder, besonder» aber die interessierte» Schloffer, sich nicht als Arbeitswillige gebrauchen laffe», bis dort geordnete Verhältnisse geschossen sind. llic Ortsverwaltung der Filiale Berlin des Cenlralverbandes der Stukkateure. .Wnng, Holzarbeiter! I» der Möbeltischlerei von 3. Kraus. Wcistensee, Langhans. sttaße 22, sind Differenzen aus- gebrochen. Zuzug ist stteng sernzu» »alten. 88/11 Gesperrt ist serner Bahn de Bctzkoiv. König-Ehaussee 71. Die Ortsverwaltnng.